der deutschsprachigen Presse.V. Erheiung abends 8 Uhr der Erholung. Ae— Prinz, m. Neumann, nscheid Höh. Papierhaus Sasse Amtliches Kreisblatt für den Stadtkreis Lüdenscheid. * a. Amtlicher Anzeiger für den Kreis Altena.# S Fernsprecher: 98.— Telegramm-Adrelle: Zeitung.— Druck und Verlas von Karl Salfe. Cüdenscheid. Friedrichstraße 91.— Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Lehder, Nr. 390. Erstes Blatt. Montag, 24. Dezember 1923. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Abonnements#reis vom 24./11, bis 31./12 70 Soldpfennige Einzelnummer: 15 Goldpsennige Die 1 mm Zeile oder deren Raum kostet 10 Goldpfennige, Familien=Anzeigen und Stellengesuche 6 Goldpfennige. Auswärtige 12 Goldpfennige, Behörden u. Firanz 50% Aufschlag. Reklamen 50 Goldpfennige Lüdenscheid. Pchd. Zohgeng Uheeruld, twoch, 26. Dez. abends 7 Uhr: eihnachtsteier iter Mitwirkung von bito Brodowakt städt. Schauspielhau Köln. (Heitere Vorträge) kur für Mitglieder. Sasse, ße 20. Dastellen Müchener Scheidt. Bauhlank Bezirk Köln). lonen seiztes Gebiet ngen. S und 121. ind-Paketen. st für obige Artikel nöste Zahlungserter H. G. 2211 an ler, Hamburg 36. chl. Nachrichte Gemeinde Oberrahmed tag, 23. Dez., 4. Adven# 10 Uhr: Gottesdiens Uhr: Kindergottesdien stag, 25. Dez. 1. Weit htstag, vorm, 6 Uhr: irgische Weibnachtsfeich 10 Uhr Festgottesdien rchenchor). 2 Uhr Kindergottesdienst voch, 26. Dez., 2 Weit histag, vorm, 10 Uhr tiesdienst. Pfr. Arning n. 3½2 Uhr Weihnacht im Schmidtschen Sal vell. Spieß, Pfr. isch tten lagen. KÖM Das Neueste vom Tage. Die Rede Poincares in der Kammer hat der deutschen Regierung Veranlassung gegeben, eine Reihe wesentlicher Punkte als nicht den Tatsachen entsprechend aufzuklären. Die Frage der Besetzung des Postens des Reichsbankpräsidenten ist durch die Ernennung des Währungskommissars Dr. Schacht erledigt worden. Der Reichskanzler und eine Reihe führender Parlamentarier werden am ersten Weihnachtstage Radioansprachen halten. Nach Mitteilungen aus München ist in der Ueberwachung des Generals Ludendorffs eine Verschärfung eingetreten. Der französische Kreisdelegierte in Mayen hat durch den Repräsentanten des Roten Kreuzes für die Rheinprovinz bekanntgeben lassen, daß Ausgewiesene in den Weihnachtsfeiertagen ihre Familienangehörigen besuchen können, wenn Gesuche schnellstens vorgelegt werden. Die Generalsuperintendenten von Rheinland und Westfalen erließen einen Aufruf an die ausländischen Protestanten, deren Hilfe für die deutschen Glaubensgenossen angerufen wird. Poincare sagte in seiner Sonntagsrede zu Lavourneux:„Wir sind im Ruhrgebiet, und wir werden es nur, nachdem wir bezahlt worden sind, verlassen. Wir sind aber bereit, eine Regelung herbeizuführen, die eine raschere und sicherere Zahlungsmöglichkeit mit sich bringt.“ Weinnackt. Und wieder wird das Lied der Lieder klingen Hinaus in sternenklare Winternacht, Und Millionen werden gläubig singen Vom Kindlein, das die Liebe uns gebracht. Da wird der Bettlerrock zum Königskleide, Von abgrundtiefer Liebe mild verschönt, Da ist kein Herze wohl so voll von Leide, Daß ihm der Glocke Ruf nicht tröstend tönt. Des Alltags wirres Treiben ist versunken, Das Krippenkind ist überall zu Gast, Die jungen Herzen macht es freudetrunken, Den alten nimmt es bittern Fehlens Last. Georg R. Fischer=Hagen. Am Radiotelephon. Berlin, 22. Dez. Am ersten Weihnachtstage, Dienstag, 25. Dezember, nachmittags 6 Uhr, wird sich der deutsche Reichskanzler Dr. Marx der Radiotelephonie bedienen, um zu einem großen Publikum inner= und außerhalb Deutschland zu sprechen. Er wird unter Verwendung der in der Potsdamer Straße aufgestellten Gendestation der„Radiostunde“ eine Ansprache halten, die jedermann mit Hilfe der zugelassenen Apparate abhören kann. Nach Becndigung dieser politischen Weihnachtserklärung des Reichskanzlers Dr. Marx wird je ein Abgeordneter der an der gegenwärtigen Koalition beteiligten Parteien das Wort ergreifen. Es werden sprechen: Reichsminister a. D. Dr. Scholz und die Abgeordneten Dr. Fleischer und Anton Erkelenz. Die Rentenbank. Zusatzkredit.— Belastung des städtischen Grundbesitzes. Berlin, 22. Dez. Das Reichsfinanzministerium hat eine Zusatzverordnung zur Rentenbankverordnung ausgearbeitet, nach der nunmehr auch der städtische Besitz an Grund und Gebäuden für die Zwecke der Rentenbank mit einer Grundschuld belastet werden soll. Vor der Rückkehr zu den Friedensmieten, die erst am 1. Oktober 1924 erfolgen soll, ist beabsichtigt, für diese Belastung einen niedrigeren Satz als 4 Prozent des Wehrbeitragswertes in Anrechnung zu bringen. Auf Grund dieser Erweiterung der Kreditbasis der Rentenbank hofft das Finanzministerium die Einwillizung der Rentenbank zu einem Zusatzkredite zu erhalten. Der Anschlag auf Noske. Berlin, 22. Dez. Der Anschlag, der gestern abend durch eine zur Explosion gebrachte Sprengladung am Regierungsgebäude in Hannover verübt worden ist, hat unzweifelhaft der Person des Oberpräsidenten Noske gegolten. Noske selbst ist dieser Ueberzeugung. An maßgebender Stelle glaubt man, daß der Attentäter der Weisung, die Bombe unter die Wohnung des Oberpräsidenten legen, nicht nachkommen konnte, weil die Straße an dieser Stelle in den Abendstunden sehr belebt ist. Die Bombe wurde dann, um wenigstens etwas getan zu haben, in einen dunklen Winkel auf der anderen Seite des Regierungsgebäudes niedergelegt, wo sie zur Explosion kam. Der Oberpräsident war während des Anschlages nicht in seiner Wohnung, sondern nahm an einer Weihnachtsfeier bei der Schutzpolizei teil. Die deutsche Antwort an Poincare. Unrichtiges und Tatsächliches. Berlin, 22. Dez. Der französische Ministerpräsident hatte in seiner Kammerrede seine Ruhrpolitik mit den bekannten Argumenten verteidigt. Es erübrigt sich, die allgemeinen Grundlagen und Ziele der Ruhraktion nochmals ins richtige Licht zu stellen. Dagegen finden sich in der Rede eine Reihe von tatsächlichen Behouptungen, die deutscherseits nicht unwidersprochen gelassen werden können. Hierher gehören zunächst die Ausführungen über den Inhalt des deutschen Repurationsangebotes vom 2. Mai. Wenn der französische Ministerpräsident das Angebot deshalb als lächerlich bezeichnet, weil es den vom Staatssekretär Hughes gemachten Vorschlag der Einsetzung einer unparteiischen internationalen Kommission aufnahm, so kann dieser Standpunkt ohne weiteren Kommentar dem Urteil der Oeffentlichkeit überlassen bleiben. Als eine direkte Entstellung des Angebotes muß aber die Behauptung bezeichnet werden, daß nach dem Vorschlage der deutschen Regierung von den damals angebotenen dreißig Milliarden Goldmark der Betrag von zwanzig Milliarden als bereits gezahlt hätte abgezogen werden müssen. Von einem derartigen Abzug war in dem Angebot in keiner Weise die Rede. Die vorgeschlagene Summe von dreißig Milliarden enthielt nur insofern einen elastischen Faktor, als die endgültige Entscheidung über die Aufbringung der letzten zehn Milliarden in die Hand der erwähnten internationalen Kommission gelegt werden sollte. Ebensowenig zutreffend sind die Angaben über die Verkehrsverhöltnisse in den besetzten Gebieten, die der französische Ministerpräsident auf den angeblich immer noch andauernden deutschen Widerstand zurückzuführen zu können glaubt. Es ist richtig, daß die Verhältnisse im Eisenbahnverkehr trotz der Abmachungen der deutschen Eisenbahnverwaltung und der Regie noch immer sehr im Argen liegen und daß eine große Anzahl von Bahnhöfen und Strecken vollkommen verstopft sind. Die Ursache liegt aber nicht in irgend einer passiven Resistenz der deutschen Stellen, sondern allein darin, daß die Wiederzulassung des deutschen Personals, das allein imstande wäre, der Schwierigkeit Herr zu werden, seitens der Regieverwaltung noch immer Widerstand entgegengesetzt wird. Außerdem muß zu diesem Punkte aber hervorgehoben werden, daß das Abkommen mit der Regieverwaltung in keiner Weise die Anerkennung dieser Verwaltung bedeutet, sondern nur deshalb abgeschlossen worden ist, weil auf eine andere Weise die Wiederingangsetzung der Wirtschaft in den besetzten Gebieten nicht zu bewerkstelligen war. Wenn der französische Ministerpräsident dann ferner die wirtschaftlichen Erzeugnisse der Pfänderpolitik auch jetzt wieder als befriedigend bezeichnet, so braucht demgegenüber nur auf folgende Tatsachen und Zahlen hingewiesen zu werden. Der französische Ministerpräsident selbst hat in seiner Kammerrede am 17. November das sinanzielle Defizit der Ruhraktion bis zum 30. September mit 165 Millionen Franken beziffert, denen er zukünftige Einnahmen in Höhe von rund 500 Millionen Franken entgegensetzen wollte. Der Betrag von 165 Millionen Franken war offensichtlich zu niedrig gegriffen; jedenfalls dürfte aber die angekündigte Einnahme von 500 Millionen Franken auch heute noch lediglich auf dem Papier stehen. Tatsache ist es, daß die französische Wirtschaft infolge des Ausfalles der freiwilligen Reparationskohlenlieferungen für den Mehr=Import an Kohle und Koks bis zum 30. September etwa 600 Millionen Franken verausgabte. Tatsache ist ferner, daß die französische Industrie durch Mangel an Kohle und Koks und durch den Rückgang der Eisenindustrie Verluste erlitten hat, die sich zwar ziffernmäßig nicht festlegen lassen, aber zweifellos von größter Bedeutung gewesen sind. Die Annahme, daß Frankreich ohne die Ruhrbesetzung von Deutschland überhaupt keine Lieferungen erhalten haben würde, ist vollkommen unrichtig. Deutschland hatte zwar im November 1922 ein Moratorium beantragt, hatte aber auch für die Dauer dieses Moratoriums Sachlieferungen für die zerstörten Gebiete in Aussicht gestellt. Der Wert, den diese Sachlieferungen hätten haben können und mutmaßlich gehabt haben würden, ergibt sich aus der Tatsache, daß Deutschland trotz der Ruhrbesetzung seiner katastrophalen wirtschaftlichen Folgen an die nicht an der Besetzung beteiligten Alliierten noch Lieferungen im Werte von rund 380 Millionen Goldmark bewirkt hat. Zum Vergleich mag hierbei angeführt werden, daß die vertragsmäßigen Kohlenlieferungen des Jahres 1922 an Frankreich nur eine Gutschrift von 180 Millionen Goldmark erbracht haben. Zu dem in dem Moratoriumsantrag aufrechterhaltenen Sachlieferungen wären überdies noch Vorteile hinzugekommen, die sich für Frankreich aus dem Angebot langfristiger Privatverträge über die Lieferung lebenswichtiger Waren ergeben hätten. Unrichtig ist auch die Behauptung, daß jetzt die Kohlenlieferungen aus dem Ruhrgebiet die Tonnenzahl erreicht hätten, die Frankreich ohne die Besetzung niemals erreicht haben würde. Die Gesamtkohlenproduktion des Ruhrgebietes ist heute bestenfalls mit 40 Prozent der Normalproduktion anzusetzen. Der Abtransport der Kohlen ist infolge der bereits erwähnten Verhältnisse auf den Regiebahnen immer noch völlig unzulänglich. Auch die auf Grund der Micum=Verträge bestenfalls in Aussicht stehenden Kohlenlieferungen werden nach den Schätzungen der französischen Fachzeitschrift„'Usine“ die freiwilligen Lieferungen des Vorjahres keinesfalls erreichen. Der französische Ministerpräsident sagt in diesem Zusammenhang, daß die Ertrügnisse der Abmachungen mit ven deutschen Industriellen auf das Reparationskonto zu verrechnen seien, daß davon aber zuerst die Kosten für die Besetzung abgezogen werden würden. Er vergißt, hinzuzufügen, daß Deutschland gegen einen derartigen Abzug der Besetzungskosten beim Wiederherstellungsausschuß nachdringlich Protest erhoben hat und daß die Entscheidung des Wiederherstellungsausschusses über diese Frage noch aussteht. Eine besondere Entgegnung erfordern schließlich noch die Bemerkungen, die der französische Ministerpräsident zu den von der Reichsregierung vorgeschlagenen Verhandlungen über die Verhältnisse in den besetzten Gebieten gemacht hat. Er hat ausgeführt, daß er keine Verpflichtungen eingehen werde, welche die Autorität des Generals Degouttes schwächen oder die Freiheit der rheinischen Bevölkerung schädigen können, auch daß er sich zu keinem Manöver hergeben würde, das den Einfluß Berlins wieder auf die Bevölkerung ausdehnen könne, die sich von diesem Einfluß zu befreien wünsche. Der Reichsregierung ist nicht bekannt, worauf die selbständige, unabhängige Autorität Degouttes beruhen könnte, der nichts anderes ist als der Kommandant derjenigen Truppen, die auf Befehl der französischen und der belgischen Regierung im Widerspruch mit dem Recht und dem Vertrag das Ruhrgebiet besetzten. Ebensowenig ist der Reichsregierung bekannt, daß die Bevöllerung der besetzten Gebiete jemals den Schutz und die Hilfe Frankreichs angerufen hätte, um sich von dem Einfluß Berlins zu befreien. Bisher ist aus dieser Bevölkerung kein anderer als der Wunsch laut geworden, sowohl von den vertragswidrigen Maßnahmen der Besatzungsmächte, als auch von dem Separatistengesindel befreit zu werden, das seinen Terror nur mit der französischen Unterstützung hat ausüben können. Tudendorff scharf bewacht. München, 22. Dez. In den letzten Tagen ist, wie eine Korresvondenz erfährt, die Ueberwachung General Ludendorffs in seiner Wohnung erheblich verschärft worden. Eine Anzahl Besucher, die den General zu sprechen versuchten, sind von Kriminalbeamten festgenommen und dem Münchener Polizeipräsidium zugeführt worden. Im einzelnen wird mitgeteilt: In den national=sozialistischen Kreisen Bayerns hat nach der Warnung von Kahrs vor einer neuen Bewegung eine sehr lebhafte unterirdische Tätigkeit eingesetzt. Es kommen Gerüchte auf, von Kahr habe vor dem 8. November bereits einen Verrat an der nationalsozialistischen Partei beabsichtigt, da die Gewehre, die an die Hitlerleute verteilt wurden, mit abgebrochenen Schlagbolzen geliefert worden seien. Diese und andere Gerüchte veranlaßten die Münchener Regierung mit aller Schärfe gegen die Nationalsozialisten in Bayern vorzugehen. In den letzten Tagen seien dort wie in Rosenheim und in anderen Städten Massenverhaftungen von Hitlerleuten vorgenommen worden. Hitker wird im Gefängnis gegenwärtig auf das strengste überwacht, weil man der Ansicht ist, daß von seinen Anhängern trotz alledem eine Aktion zu seinen und Ludendorffs Gunsten versucht wird. Nur sein Anwalt erhält unter Vorsichtsmaßnahmen Sprecherlaubnis. Auch General Ludendorffs Villa wird auf das allerschärfste von zahlreichen Kriminalbeamten beobachtet, die alle Ein= und Ausgänge besetzt halten. Besucher aus Berlin wurden verhaftet und sind zum Teil noch in Haft. Die Empfänge bei Ludendorff. München, 24. Dez. Wiederholt von nationalistischer Seite verbreitete Nachrichten, daß Besucher bei General Ludendorff verhaftet worden seien, sind, wie bisher verlautet, unzutreffend. Richtig ist dagegen, daß General Ludendorff in den letzten Tagen Besuche von Anhängern aus Norddeutschland empfangen hat, die im Zusammenhang mit der gegen den General schwebenden Untersuchung die Aufmerksamkeit der Polizei gefunden haben. Das Werben um Rußland. Paris, 22. Dez. In seinem gestrigen Leitartikel spricht sich der„Temps“ in auffallend nachdrücklicher Weise für eine Wiederaufnahme der Beziehungen mit Rußland aus. Seit der italienischrussischen Annäherung und zumal auch im Hinblick auf die herannahende Annäherung Sowjetrußlands an eine englische Arbeiterregierung ist es in eingeweihten Kreisen kein Geheimnis mehr, daß die Anhänger einer franko=russischen Verständigung lebhaft auf die Regierung einwirken. Die Aeußerungen der offiziösen Pariser Abendblätter bereiten scheinbar in diesem Zusammenhange auf eine Neuorientierung der französischen Politik vor. Zur Absteliung der noch bevorstehenden Schwierigkeiten schlägt der Temps die Einberufung eines Schiedsgerichtes ver, das über die Ansp#siche der Inhaber russischer Wertpapiere und die Entschädigungsforderungen französischer Kaufleute beschließen würde. Zu diesem Zwecke würscht Frankreich, daß eine direkte Aussprache zwischen den zusischen Sowjets und den französisch n Privatpersonen erfolge. Was die Stellungnahme der französischen Regierung selbst anbelangt, so kann Frankreich unter zwei Bedingungen darauf verzichten, ihrr“ eigenen Forderungen geltend zu machen. 1. Rußland muß die französische Regierung bei jedem Anlaß in ihren Bemühungen unterstützen, die darauf abzielen, den Erlaß der interalliierten Schulden oder ihren Zahlungsaufschun herbeizuführen. 2. Sämtliche andere Gläubigerstaaten Rußlands müssen auf dieselbe Weise wie Frankreich behandelt werden. Wenn zwishen den Sowjets und ihnen ein nachträglicher Abschluß erzielt wird, so ist Frankreich automatisch daran beteiligt. England und Rußland. London, 20. Dez. Manchester Guardian schreibt: Die Anerkennung der Sowjetregierung durch Großbritannien und die Wiederaufnahme der gesamten Handelsbeziehungen zu Rußland wird wahrscheinlich kurz nach dem Rücktritt der Regierung Baldwin WFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse.V. stattfinden. Die bedeutsamen Verhandlungen, die geführt wurden, haben gezeigt, daß die Moskauer Regierung die Vorkriegsschulden Rußlands an Großbritannien anerkennen will. Als Gegenleistung fordert Rußland Entschädigungen zur Unterstützung der weißen Armee durch die Alliierten. Rußland wird sich auf keine Versprechungen einlassen, die es nicht erfüllen kann. Kredite sind das Wichtigste. Der auf 400000 Pfund Sterling lautende soeben abgeschlossene Vertrag wird als vorläufige Vereinbarung angesehen. Rußland hat erklärt, es sei friedlich gesinnt, könne aber dem Völkerbund in seiner jetzigen Gestaltung nicht beitreten. Pertinax im„Echo de Paris“ spielt heute offenbar auf die Bedeutung an, die der Entschluß Ramsey Macdonalds in der Prioritätenfrage haben wird. Politische Rundschau. Der neue Reichsbankpräsident. Berlin, 22. Dez. Der Reichspräsident hat heute, entsprechend dem Vorschlag des Reichsrates, den Währungskommissar und bisherigen Bankdirektor Dr. Schacht zum Reichsbankpräsidenten ernannt. Dr. Schacht behält seine Stellung als Reichswährungskommissar bei. Um die deutsche Anleihe. Paris, 21. Dez. Die Reparationskommission hat in der Frage der amerikanischen Lebensmittelkredite beschlossen, die Entscheidung darüber, ob in dieser Angelegenheit die Reparationskommission oder die alliierten und associierten Regierungen zuständig sind, den letzteren zu überlassen. Inzwischen wird der Carantieausschuß den deutschen Antrag prüfen, ohne den Beschluß der Regierungen abzuwarten. Herr von Hoesch Botschafter in Paris? Paris, 22. Dez. Der Berliner Korrespondent des„Echo de Paris“ glaubt, daß die Ernennung des neuen deutschen Botschafters noch vor dem Fest erfolgen würde. Die deutsche Regierung habe beschlossen, berichtet der Korrespondent weiter, den deutschen Geschäftsträger, Herrn von Hoesch, mit der Würde eines Botschafters zu versehen. Die deutsche Regierung darf ohne Zweifel bei dieser Wahl mit der vollen Zustimmung der Pariser Kreise rechnen. Die Landtagsfrage in Bayern. München, 22. Dez. Die Nichtauflösung des Landtages wird ihre politischen Folgerungen nach sich ziehen. Die Bayrische Volkspartei zeigt sich nicht gewillt, das natürliche Ende des Landtages abzuwarten. Sie will nunmehr an das bayrische Volk appellieren. Das geht namentlich aus der durch die volksparteiliche Korrespondenz verbreiteten Kundgebung hervor, in der gesagt wird, der bayrische Landtag habe den letzten Rest von Autorität eingebüßt, seine absolute Unfähigkeit erwiesen und der Koalitionsregierung den Boden entzogen. Deshalb muß diesr Landtag so rasch wie möglich aufgelöst werden durch das einzig mögliche Hilfsmittel des Volksbegehrens. Die Landtagsfraktion der Bayrischen Volkspartei habe daher beschlossen, sofort den Rechtsausschuß anzurufen. Wie die„Augsburger Volkszeitung“ dazu erfährt, wird die Sitzung des Rechtsausschusses für Freitag, den 28. Dezember in Aussicht genommen. Amerikanische kommunistische Pläne. Newyork, 22. Dez. Der amerikanische Justizminister teilt mit, daß eine Gruppe von Kommunisten im Verlauf ihrer in Newyork abgehaltenen Geheimsitzung schriftliche Anweisungen aus Moskau erhalten haben. In verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten seien hierauf Truppeneinheiten mit je einem Hauptmann an der Spitze beordert worden. Es bestehen in Newyork zur Zeit 8 kommunistische Verbände, deren Mitglieder ihren Vorgesetzten, die sich in der Zentralexekutive der Roten Amerikas zusammengeschlossen haben, Treue schwuren. Das unmittelbare Ziel der Kommunisten besteht darin, fügte der Justizminister hinzu, die Arbeiterverbände in einer einzigen Organisation zu verschmelzen, um sie bei Ausbruck der Revolution völlig in der Hand zu haben. Amerikas Beziehungen zu Rußland. Washington, 22. Dez. Auf Veranlassung des Senators Borah der Senatsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten kurz nach den Weihnachtsfeiertagen zusammentreten, um gründlich das Problem der Beziehungen mit Rußland zu behandeln. Senator Vorah beabsichtigt, Präsident Coolidge zur Anerkennung der Sowjetregierung zu bewegen. Französische Berichterstattung. u. de Ghalleroille, kennzeschnet Temps“ im besetzten Gebiet, die französische Auffassung über die Rheinisch=Westfälische Goldnotenbank dahin, daß sie der Grundnein für einen rheinischen Staat sei(cet etablissement est la pierre fendamentale'un Etat rhenan.) Er sieht diesen rheinischen Stuat schon so gut wie gesichert, denn er weiß zu melden, daß Belin und Hohlen, der Veratungen des Sechzigerausschuses in Erenn und Robtenz satt sei und endlich Entscheidungen verlange. Damit nicht genug: Auch die süddeutschen Länder wollen los vom w Wörtlich:„Das Land Baden will, wie seine Nachbarn gestatet, eine nach Pesen, eine größere Selbständigket, die ihnen dem Rheinland und nach Frankreich gerichtete zu haben, besonders wenn man nichts mehr, als politisch und wirtschaftlich mit dem Westen zu verständigen Sie würden daher auch ein Bündnis, eine Zoll= und Münzgemeinschaft mit dem in Aussicht stehenden rheinischen Staat annehmen.“ Meiung unterricher=(ehensten Blätter Frankreichs Die deutsche Berlin, 21. Dez. Angesichts der bevorstehenden Verhandlungen eds von der Reparationskommission eingesetzten Untersuchungsausschusses für die deutsche Kapitalflucht wird von der Ententepresse behauptet, daß ungeheure Milliardenbeträge von deutschen Kapitalisten im Auslande angelegt worden seien. So wird behauptet, daß in Holland und in den nordischen Staaten 18—20 Milliarden Goldmark und in der Schweiz 20 Milliarden Schweizer Franken deponiert seien. Der Reichsfinanzminister Dr. Luther hat erst kürzlich darauf hingewiesen, wie schwierig es sei, eine Methode zu finden, durch die die Arbeiten der Reparationskommission bei der Feststellung des deutschen Auslandsguthabens erleichtert werden könne. Er habe aber auch andererseits schon früher in einer Erklärung mitgeteilt, daß der Wert der deutschen Auslandsguthaben den durch die Ententepresse genannten Zahlen in keiner Weise auch nur annähernd entspricht. Selbst die schweizerische Bankiervereinigung hat diese Zahlen als unsinnig bezeichnet die den Vorwurf gegen die schweizerischen Banken erheben, daß diese sich der Hehlerei für deutsche Kapitalflucht schuldig machten. Ein politischer Anschlag. Athen, 20. Dez. Gegen den Obersten Botzaris, der seinerzeit,#r. einem Teil der italienischen Presse beschuldigt wurde, den smischene sngen den General Tellini organisiert und dadurch den .schenfau von Janina heraufbeschworen zu haben, wurde auf Janina ein Anschlag versucht. In einem amtlichen Bericht darüber wird mitgeteilt, das Botzaris, als er mit einem anderen griechischen Offizier nach Janina zurückkehrte, von Bauern benachrichtigt, spurde, daß auf ihn ein Ueberfall geplant wagen und kanden in... srastber der Stra'. liegend, der utegaru einen Baumstamm auer r der Straße######. A mit Steinen beschwert war. Von den Tätern hat man bis jetzt noch keine Spur. Allerlei vom Tage. Neue Beweise für die Unfähigkeit der Regie. Dortmund, 22. Dez. Die französisch=belgische Eisenbahnregie hat, wie bereits gemeldet, auf Grund des Mainzer Abkommens von der deutschen Eisenbahnverwaltung die tägliche Zuführung von 8000 leeren Kohlenwagen angefordert. Die Heranbringung dieser Wagen war der Reichsbahn nur unter erheblichen und kostspieligen Betriebsleistungen möglich. Fast auf allen Zufuhrstroßen stauen sich jetzt die Leerzüge, weil die Regie sie nicht schnell genug ins Innere weiterfahren kann. Die Uebergangsbahnhöfe sind infolgedessen mit Leerzügen überfüllt. Im Bahnhof Vohwinkel ist noch nicht die Hälfte der gestellten Wagen abgenommen worden. Auf diese Weise wird in absehbarer Zeit der gesamte Eisenbahnverkehr des Ruhrgebietes ins Stocken kommen. Todesurteil im Hamburger Kommunistenprozeß. Hamburg, 22. Dez. Das außerordentliche Gericht, das seit 2 Riongten, die Straftaten aus dem Kommunistenputsch vom Oktov. kteilt, fällte in seiner gestrigen Sitzung das zweite Todesurteil. Wegen versuchten Totschlags, Hochverrates, Aufruhr und esrhotenen Waffenbesitzes war der 23jährige Werkstättenarbeiter Wichelm Willendorf angeklagt. Er hatte aus dem Kohlenkeller der Wache 42, als diese abgelöst wurde, auf den Schupowachtmeister Jahn einen Schuß abgefeuert, wodurch der Wachtmeister schwer verletzt wurde und augenblicklich noch in Lebensgefahr schwebt. Mit Rücksicht auf die schwere Tat und ihre ernsten Folgen wurde das Todesurteil gefällt und dauernder Ehrverlust verhängt. Außerdem,wurden 3 Wochen Gefängnis wegen unbefugten Waffenbesitzes Die Trennung der Beamtenverbände. Berlin, 22. Dez. Nach einer Mitteilung des Lokalanzeigers haben sich die Besprechungen zwischen dem Deutschen Beamtenbund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund, die eine Wiedervereinigung der beiden Organisationen bezweckten, gestern endgültig zerschlagen. Es ist zum Abbruch aller Fragen gekommen da der Allgemeine Deutsche Beamtenbund es ablehnte, darauf zu sich in maßgebenden taktischen Fragen der Entscheidung der freigewertschaftlichen Spitzenorganisationen unterzuordnen. Festnahme eines Raubmörders. Berlin, 24. Dez. Der Berliner Kriminalpolizei ist es im Verein mit der Liegnitzer gelungen, einen langgesuchten Verbrecher, den 42jährigen Arbeiter Karl Scheibener aus Berlin in Glogau zu verhaften. Scheibener hat nicht nur eine Anzahl schwerer Einbrüche, sondern auch viele Raubmorde, etwa 30—40, sowohl in in der Mark und in Schlesien auf dem Gewissen. Das Schandtatenregister dürfte allem Anschein nach die Sensationsaffären der letzten Zeit weit in den Schatten stellen. Französisches Luftschiff in Seenot. frühere Zeppelin und jetzige französische Lustkreuzer Dirmulden hat sich auf seiner Fahrt nach der afriKüste, verirrt und ist zurzeit, wie das Marineministerium mitteilt, von dem heftigen Wind zum Meere abgetrieben worden. Dus Schiff son sich in großer Gefahr befinden; es hat seit vorgestern aufgehört, drahtlose Hilferufe auszusenden. Ein neues Flugzeug. 20. Dez. Der französische Ingenieur Melot hat ein neues Flugzeug konstruiert, das keinen Propeller hat und mit einem besonderen Motor ausgerüstet ist, wodurch ganz außerordentliche Geschwindigkeiten erreicht sein sollen. So soll eine Geschwindigkeit von 700 Kilometern in der Stunde erreicht worden sein. Wenn diese Angaben sich bei der amtlichen Nachprüfung, die im Sanigau- Hanhan.... würde der Flug Stunden in Anspruch nehmen. von einem Segelboot an die Westküste gebracht wurden. Die spa, nischen Behörden setzten die Landesstelle Albuchemas und Melil, in den Verteidigungszustand, da sie Flugangriffe der Feinde be. fürchten. Ferner verlautet, daß Abd=el=Kerim in der Gegend vor Bocoye einen Flughafen einrichtete. Kleine Nachrichten. Remscheid, 24. Dez. Gestern früh besetzte französisches Mistär die Rathauswache. München, 24. Dez. Der Generalstaatskommissar hat die Weih. nachtsfeier des Republikanischen Reichsbundes in München ver. boten. Athen, 22. Dez. Der Ministerrat hat beschlossen, Weniselog mitteilen zu lassen, er möge nach Griechenland kommen und die pelitische Lage regeln. Er würde in seiner Handlungsfreiheit nicht beschränkt werden. Buenos Aires, 22. Dez. Die Universität hat beschlossen, Dr. Einstein zur Abhaltung von Vorlesungen einzuladen. Finanzlage und Anleihe. Dr. Luther über die Reichsfinanzlage. Pasel. 21. Dez. Die„Basler Nachrichten“ veröffentlichen eine Untelledung ihres Berliner Berichterstattes mit dem ReichsLuther bezesichnete die Finanslage iuuwlade Deutschlands. Dr. e gesce— Vraatzigge, des Reiches als außerordentlich enst, aber fest, daß sich vie Reichsausgaben in der ersten Dezemberyuifte gegenüber Noavember verringert haben. Zu den Sieuereinnahmen bemerkte Dr. Luther, daß bei ihrer Beurteilung allerdings berücksichtigt werden müßte, daß die Einnahmen aus seit Anfang dieses Jahres nur sehr dürftig Lrierzgg. frezhen aber biete die Austommenseite des Etatzs ein ererhaltung des stetigen Markkurses. Unser Steuerprogramm sei sere Finanzwirtschaft sich wieder erholte. Englische Arbeiterpartei und deutsche Anleihe. is Aeußerungen der Pariser Morgenblätter ist zu schließen, daß diese damit rechnen, daß die Arbeiterxegierung Anfang Januar in London die Macht ergreifen und das deutschen Lebensmittelanleihe entscheiden wird. In part Beachtung, In dieser en eine Londoner Nachricht aus Renc u..### du viser wird ausgeführt, daß die Labour Parih ste, fur vie Annahme des deutschen Ersuchens einsetzen wird. In London gilt es als sicher, daß die Vereinigten Staaten dem Prioritätsplane durchaus gewogen sind, und es unterliegt keinem Zweifel, daß ein aus menschlichen Erwägungen erfolgender Appell in den Kreisen der Labour Party großen Widerhall finden wird. Das Erdbeben in Südamerika. London, 21. Dez. Die Nachrichten aus Columbien meiden sechen, wieviel Menschen des lidt sich noch nicht annähernd überErdbeben ohne um 805 Tage zwöf Erdsthrerbrechugs andauert. So werden an einen Tage glse. Erdsloße verzeichnet. Dabei wurden mehr als fünfzig Personen getötet und mehrere hundert verwundet. Die Notlage ist sehr groß. Infolge der Einsturzgefahr hat die Bevölkerung die nächtigt im Freien. Die Toten können teilweise nicht begraben werden, und für die Verwundeten fehlt es an den nötigen Hilfsmitteln. Bei dem Erdbeben an der Grenze von Sercdor sgd, üher 100 Menschen ums Leben gekommen, und mehr uls 2500 Häuser sind zerstört worden. Die Erde zeigt Risse, und der große See von Los Granade bei Tulkum ist vollständig verer sp gerumesisen Erdsöße erwarDeutsche Gefangene in Löwen. Berlin, 22. Dez. Im besonderen Auftrage des auswärtigen Antes besuchte mit der Einwilligung der belgischen Regierung ein höherer Beamter der deutschen Gesandtschaft in Brüssel die im Seisnorie, ven Iiwen befindlichen zehn deutschen Statsangehs. Kites vom belascheni un, Deitsche, die anläßlich des Ruherkon##on brgischen, Kriegogerichten verurteilt worden sind, und 7 angebichen rheber der Erschießung des belgischen Leutnants Sraff. Von dem Ergebnis des Besuches wurden die Angehörigen bereits vom Auswärtigen Amt verständigt. Französische Zweckmeldung. Paris, 24. Dez. Der„Matin“ erfährt aus Madrid, daß ein deutsches Schiff kürzlich in Gibraltar drei Flugzeuge landete, die Düsseldorfer Schupo vor dem französischen Düsseldorf, 21. Dez. Das Gericht tritt in die Vernehmung des Separatistenführers Matthes ein. Dieser erklärte, er habe die Sommerpropaganda mit ein paar großen Versammlungen in Bonn Aachen und Düsseldorf beendigen wollen. In einigen Städten seien die Teilnehmer an diesen Versammlungen unerwartet„überfallen worden. Daher sei der sogenannte Selbstschutz gegründet worden. Zum Rheinischen Tag in Düsseldorf sagte er, er habe zu einer friedlichen Kundgebung aufgerufen, es sei an gar keine Gewalt gedacht gewesen. Jeder Ruf„Nieder mit Preußen, nieder mit der Berliner Regierung" usw. sei streng verboten gewesen. Auf beleidigende Rufe seitens der Kommunisten und Nationalisten sollte nicht geantwortet werden. Bei dem Zuge der zum Bergischen Löwen ging, habe er den Kaufmann Oehme getroffen und ihn gebeten, ihm sein Auto zur Verfügung zu stellen. Das Auto wurde stets unter grün=weiß=roter Flagge gefahren. Vorsitzender: Hatte dieser Wagen einmal eine Kiste mit Handgranaten bei sich geführt? Mathes: Ich habe niemals Handgranaten gesehen, und wenn ich gewußt hätte, daß sie darin waren, hätte ich mir das verbeten. Das Auto fuhr zum Hindenburgwall. Fünf Minuten vor vier Uhr hörte ich einen Schuß. Herr Oehme fragte, was dieses Signal bedeute? In der Folge fielen weitere Schüsse. Ich bin auf den Sitz des Autos gestiegen und habe von dort aus meine Ansprache am Kaiser Wilhelm=Denkmal gehalten. Links saß Herr Oehme. Ich hatte nach 5 Minuten meine Ansprache beendet mit einem Hoch auf die Rheinische Republik. Dann bekam ich die ersten Schüsse. An der Elefantenapotheke wurde ich angehalten. Es gelang mir aber, mich zum Bahnhof durchzuschlagen. Hier wurde ich von meinen Freunden mit Vorwürfen empfangen, weil ich die Versicherung gegeben hatte, daß die Schupo nicht eingreifen würde. Die Besatzung hatte sich unbedingt neutral verhalten. Vorsitzender: Wieviel Selbstschutz oder Rheinwehr hatten sie bei sich? Matthes: 3 bis 5000 Mann. Vorsitzender: Waren sie alle bewaffnet? Matthes: Von 25 bis 30 Teilnehmern an dem Zuge waren etwa 10 Prozent bewaffnet. Verteidigung: Haben Sie nicht gesagt, sie müßten friedlich demonstrieren, aber im Notfalle sollten sie nicht vergessen, daß sie Waffen besitzen und davon Gebrauch machen sollten? Matthes: Ich sagte:„Wir sind zu einer friedlichen Kundgebung gekommen, wenn wir angegriffen werden, haut tüchtig drauf, aber von Waffengebrauch habe ich nicht gesprochen!(Lachen im Saale.) Die Verteidigung macht das Gericht auf den Widerspruch in den Aussagen des Zeugen Matthes aufmerksam im Vergleich zu seinen Aussagen in der Voruntersuchung. Die Verteidigung überreicht dem Gericht ein auf dem Hindenburgwall aufgefundenes Notizbuch eines Mitgliedes des Selbstschutzes, in dem sich dieses Mitglied seine Instruktion eingetragen hatte und fragt den Zeugen Matthes: Kannten Sie die Instruktion, die dort in dem Buche eingetragen ist, nach der keine Schreckschüsse, sondern Kugelschüsse abgegeben werden sollten? Mitthes: Ich höre das zum ersten Male. Verteidigung: Hatten Sie der„Rheinwehr“ die Erlaubnis zum Waffentragen gegeben? Matthes: Die Rheinwehr hatte mit dem Selbstschutz nichts zu tun. Ich hatte nur die Sicherheit der Stadt Düsseldorf zu garantieren. Verteidigung: Wie kommt es, daß auf dieser Karte steht, der Inhaber ist berechtigt, Waffen zu tragen? Matthes: Die Karten wurden erst nach dem 30. September ausgestellt(Lachen.) von der Obersten Heeresleitung. Verteidigung: Diese Karte ist aber am 30. September auf dem Hindenburgwall gefunden worden! Matthes: Soviel er wisse, ist diese Karte im Oktober bei ihm beanstandet worden. Verteidigung. Was für ein Ziel verfolgten Sie? Matthes: Ich hatte 8 Tage vorher in der Presse in Düsseldorf gelesen, daß es keine Separatisten gebe, es gebe nur ein ganz kleines Häuflein. Ich wollte nur dem In= und Ausland zeigen, daß wir eine Masse sind, die existiert. Verteidigung: Hatten Sie ein politisches Ziel dabei in Auge? Matthes: Nein! Es sollte eine friedliche Kundgebung friedlicher Rheinländer sein! Verteidigung: Wo sind Sie geboren? Matthes: In Würzburg.(Lachen.) Vorsitzender: Wie lange haben Sie im Rheinlande gewohnt? Matthes: 15 Jahre mit Lachen hinzufügend: Ich bin also Rheinfranke!) Verteidigung: Ist zwischen Ihnen und dem Selbstschutz eine Abmachung getroffen und ein Programm aufgestellt worden, den Rheinischen Tag zu stören? Matthes: Es ist mir der Gedanke gekommen, daß der erste Schuß vielleicht das Signal zu der Störung sei. Verteidigung: Ist es zu Ihrer Kenntnis gekommen, daß in der Woche vor dem 30. September in einer Versammlung im Rheinischen Hof abgemacht worden ist, die Schupo zu entwaffnen? Matthes: Nein! Verteidigung: War in Ihren Büro in der Rosenstraße ein Waffenläger, und wissen Sie, daß fast jede Nacht Waffen heraus oder hereingebracht wurden? Matthes: Bis zu meinem Weggang sicher nicht. Was aber dann geschehen ist, als ich nach Koblenz ging, weiß ich nicht. Verteidigung: Haben Sie es nachher erfahren Matthes: Nein! Damit ist die Vernehmung des Zeugen Matthes die über 1 Stunde dauerte, beendet. Das Rodeln Polizeiverordnung bekanntgegeben nodeln zugelassen; tat zu unterbleiben ten dürfen benutzt Sicherheit des St. sen, jede Uebertret: den letzten drei 2 Steuer=Stund: geschrieben: Es h Steuern und Abga Lann diesen Gesuch Per nicht einige kann ohne weitere sprochen ist. Brotversorgun nanzamtes Lüdens hingewiesen. Der zugestellten Brotab damals das 10fach 195000000 fache scheid zu zahlen. von 100000 Mark Bei nicht rechtzeiti enpfindliche Verzi Rückzahlung Fernsprechgebühren ist nachträglich m geführt worden. kehrsämter ermächt die vor der Bekan Schlüsselzahl anzu soll dies geschehen entstanden sind. Der Weihnach altbesetzten Gebiet Der Paketver 27. Dezember an ten Gebiet in voll Sendungen bis zi den Paketkarten is ven dem Absender gabe wird dringen dungen führt und Frage zu stellen nach dem besetzter wird neben einer ben, und zwar in 40 Pfg., bis 10 kg in der Richtung a Die Gebühren wei Empfänger erhobe einstweilen noch 6 und Halbedelsteine Zigarren, Zigaret seine Imitationen und Uhrwerke. Stadt und Land. Lüdenscheid, 24. Dezember. Der„Goldene Sonntag", wie die Geschäftsleute seit langen Jahren den letzten Sonntag vor Weihnachten bezeichnen, dürfte die auf ihn gesetzten Erwartungen reichlich erfüllt haben. Bereits am Samstag herrschte, namentlich in den Abendstunden, ein außerordentlich reges Leben in der Stadt, und die Geschäfte in der Wilhelmstraße wiesen durchweg große Besucherzahlen auf. Stellenweise sahen sich die Geschäftsleute gezwungen, die Käufer in beschränktem Maße einzulassen. Auch auf dem Karlsplatz wickelte sich der Weihnachtsmarkt recht flott ab. Die angebotenen Weihnachtsbäume— und ihre Zahl war nicht gering— waren schnes ausverkauft. Einen außerordentlichen Schneefall haben uns die beiden letz ten Tage gebracht. Die Schneehöhe hat ein Maß erreicht, wie wir es in den letzten Jahren nicht gesehen haben. Für die Festtage wird namentlich ein guter Skisport möglich sein, bereits gestern waren viele auswärtige Skiläufer hier. Die Winterlandschaft bietet mit den unter riesigen Schneemengen liegenden Wald= und Feldpartien ein herrliches Bild. Wie der amt Minister des Int Beendigung der6 der in ihre Heim zwang jetzt noch rungen ausländise doch darf auf sie beiter gelten bis als Legitiwierte, der bisherige Arl beschäftigen will. delt werden. Das ZusSeit dem ve Fahrkartenausgab Wertzeichen" von wie gewöhnliche grüner(2 Mk.) trage an allen K Fahrkarten und nommen. Man k aller Art in Zahl gendfahrten, Zeit lande. Mit diesen s für eine größere ohne daß man sich Klasse klar zu sein Geber oder Nehn sein. Jugendorg für eine Jugendfo für eine wissensch usw. Von einer gesprochen worder viele Geschäfte ei Da die Gült karten vorläufig ist, wird man gu klar zu werden, di daher nachstehend viel grüne und gel ziel zu erreichen: feld, dem Sitz u für die Fahrt na kommen also zu Um das R Orten und wiede man an gelben: bedeutet gelbe, di Königswinte Detmold Pyrmont Mainz Bremen Eisenach Thale i. Ha Hamburg Berlin Triburg Dresden München Garmisch=P Saßnitz Hierzu komn unter 2 Goldma und Gepäck. Die nicht kurze Zeit! Wer es so wurden. Die spazemas und Melilla fe der Feinde ben der Gegend von französisches Mili. issar hat die Weih. in München ver. chlossen, Weniselos kommen und die dlungsfreiheit nicht at beschlossen, iden. n Gericht. die Vernehmung klärte, er habe die imlungen in Bonn einigen Städten unerwartet.überbstschutz gegründet igte er, er habe zu an gar keine Get Preußen, nieder verboten gewesen. und Nationalisten e der zum Bergiime getroffen und tellen. Das Auto ren. Vorsitzender: dgranaten bei sich aten gesehen, und hätte ich mir das Fünf Minuten ehme fragte, was tere Schüsse. Ich e von dort aus halten. Links saß Ansprache beendet ann bekam ich die de ich angehalten. Zuschlagen. Hier irfen empfangen, Schupo nicht einsingt neutral vereinwehr hatten sie zender: Waren sie lnehmern an dem teidigung: Haben en, aber im Notbesitzen und davon „Wir sind zu wir angegriffen luch habe ich nicht n Widerspruch in im Vergleich zu Verteidigung überill aufgefundenes n dem sich dieses ) f r a g t d e n Z e u sort in dem Buche dern Kugelschüsse das zum ersten ir" die Erlaubnis inwehr hatte mit die Sicherheit der Wie kommt es, chtigt, Waffen zu ch dem 30. Sepeeresleitung. Verer auf dem Hiner wisse, ist diese I. Verteidigung. ch hatte 8 Tage s keine SeparatiIch wollte nur asse sind, die exis Ziel dabei in liche Kundgebung sind Sie gebonder: Wie lange 5 Jahre mit LaVerteidigung: Ist achung getroffen inischen Tag zu sen, daß der erste Verteidigung: Woche vor dem ischen Hof abgeMatthes: Nein! raße ein Waffenffen heraus oder n Weggang sicher ch Koblenz ging, lachher erfahrenk Zeugen Matthes 4. Dezember. leute seit langen zeichnen, dürfte haben. Bereits inden, ein außerGeschäfte in der len auf. Stellene Käufer in bearlsplatz wickelte gebotenen Weih— waren schnel die beiden letz erreicht, wie wir für die Festtage bereits gestern erlandschaft bieden Wald= und Das Rodeln auf nicht freigegebenen Straßen ist durch eine polizeiverordnung untersagt. Nur die in den letzten Jahren vielsach bekanntgegebenen Straßen sind auch in diesem Jahre für das nodeln zugelassen; das Schlittenfahren in allen übrigen Straßen hat zu unterbleiben; nur die Fahrdämmer der freigegebenen Straten dürfen benutzt werden, und nur bis 10 Uhr abends. Zur Sicherheit des Straßenverkehrs sind die Polizeibeamten angewiesen, jede Uebertretung unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. In den letzten drei Tagen wurden bereits sechs Anzeigen vorgelegt. Steuer=Stundungen: Vom Finanzamt Lüdenscheid wird uns geschrieben: Es häufen sich jetzt die Gesuche um Stundung von Steuern und Abgaben. Bei der schlechten Finanzlage des Reiches ann diesen Gesuchen nur in wenigen Fällen entsprochen werden. Ver nicht einige Tage nach seiner Eingabe einen Bescheid erhält, kann ohne weiteres annehmen, daß seinem Antrage nicht entsprochen ist. 4 Brotversorgungsabgabe: Auf die Bekanntmachung des Finanzamtes Lüdenscheid in der heutigen Nummer wird besonders hingewiesen. Der Grundbetrag für die Brotabgabe ist aus dem zugestellten Brotabgabebescheid zu ersehen. Als 1. Teilbetrag war damals das 10fache, als 2. Teilbetrag ist jetzt bis 2. 1. 1924 das 195000000 fache des Grundbetrages an die Finanzkasse Lüdenscheid zu zahlen. Wer also im Abgabebescheid einen Grundbetrag von 100000 Mark hat, muß 19½ Billionen Papiermark zahlen. Bei nicht rechtzeitiger Zahlung sind zwangsweise Beitreibung und enpfindliche Verzugszuschläge zu erwarten. Rückzahlung von Fernsprechgebühren. Die Berechnung der Fernsprechgebühren nach der Schlüsselzahl vom Tage der Zahlung ist nachträglich mit rückwirkender Kraft zum 1. November eingeführt worden. Das Reichspostministerium hat jetzt die Verkehrsämter ermächtigt, den Teilnehmern auf Antrag die Gebühren die vor der Bekanntgabe der Aenderung entstanden sind, nach der Schlüsselzahl anzurechnen, die om Tage der Fälligkeit gilt. Es soll dies geschehen, wenn unbillige Härten für die Teilnehmer entstanden sind. Der Weihnachtspaketverkehr der Post ist jetzt außer nach dem altbesetzten Gebiet auch nach dem Ruhrgebiet zugelassen. Der Paketverkehr mit dem besetzten Gebiete.(Amtlich.) Vom 27. Dezember an wird der Postpaketverkehr mit dem ganzen besetzten Gebiet in vollem Umfange aufgenommen. Es sind zugelassen Sendungen bis zum Gewicht von 20. kg. Auf den Paketen und den Paketkarten ist der Inhalt kurz anzugeben, dieser Vermerk ist ven dem Absender zu unterschreiben. Vor unrichtiger Inhaltsangabe wird dringend gewarnt, weil das zur Beschlagnahme der Sendungen führt und den Paketverkehr mit dem besetzten Gebiet in Frage zu stellen vermag. Lebensmittel= und Büchersendungen nach dem besetzten Gebiet sind zollfrei. Für jedes andere Paket wird neben einer Behandlungsgebühr von 10 Pfg. ein Zoll erhoben, und zwar in der Richtung nach dem besetzten Gebiet bis 5 kg 40 Pfg., bis 10 kg 80 Pfg., bis 15 kg.20 Mk., bis 20 kg 1,60 Mk. in der Richtung aus dem besetzten Gebiet die Hälfte dieser Sätze. Die Gebühren werden im besetzten Gebiet vom Absender oder vom Empfänger erhoben. Ausgeschlossen von der Versendung sind einstweilen noch Edelmetalle oder Fabrikate aus diesen. Edelsteine und Halbedelsteine, Kunstwerke, Seide und Seidenfabrikate, Tabak, Zigarren, Zigaretten, Pelze und Kürschnerwaren, Elfenbein und seine Imitationen, Jett, optische und Präzisionsapparate, Uhren und Uhrwerke. Ausländische Landarbeiter. Wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, erinnert der Minister des Innern daran, daß ausländische Landarbeiter nach Beendigung der Saisonarbeit, d. h. nach dem 15. Dezember wieder in ihre Heimat zurückkehren müssen. Doch kann der Rückkehrzwang jetzt noch nicht durchgeführt werden. Freiwillige Abwanderungen ausländischer Arbeiter sind nach Möglichkeit zu fördern, doch darf auf sie kein Druck ausgeübt werden. Ausländische Arbeiter gelten bis zu ihrer Legitimierung für das Jahr 1924 weiter als Legitiwierte, wenn sie eine schriftliche Erklärung besitzen, daß der bisherige Arbeitgeber oder ein anderer Arbeitgeber sie weiter beschäftigen will. Sonst können sie als lästige Ausländer behandelt werden. * Das Zusammensparen der Reisekosten Seit dem vergangenen Montag werden bei den größeren Fahrkartenausgaben der Reichsbahn bekanntlich„Wertbeständige Wertzeichen" von 5 und 2 Goldmark ausgegeben; sie sehen aus wie gewöhnliche Fahrkarten und sind von gelber(5 Mk.) und grüner(2 Mk.) Farbe. Sie werden mit dem aufgedruckten Betrage an allen Kassen der deutschen Reichsbahn beim Lösen von Fahrkarten und bei der Abfertigung von Gepäck in Zahlung genommen. Man kann sie demnach bei der Lösung von Fahrkarten aller Art in Zahlung geben, also auch bei Feriensonderzügen. Jugendfahrten, Zeitkarten, wie auch bei Fahrkarten nach dem Auslande. Mit diesen Karten ist nun ein sehr bequemer Weg geschaffen, für eine größere Reise das Fahrgeld allmählich zusammenzusparen, ohne daß man sich schon über das Reiseziel oder die zu benutzende Klasse klar zu sein braucht. Sie werden manchem, trete er nun als Geber oder Nehmer auf, ein willkommenes Weihnachtsgeschenk sein. Jugendorganisationen können kleinere Sammlungsergebnisse für eine Jugendfahrt anlegen, Studierende vermögen sich Reisegeld für eine wissenschaftliche Exkursion nach und nach anzusammeln usw. Von einer Berliner Zeitung ist sogar die Vermutung ausgesprochen worden, daß mit Hilfe dieser neuen„Oeser=Bons“ viele Geschäfte einen originellen Weihnachtsrabatt schaffen würden. Da die Gültigkeit der jetzt zur Ausgabe gelangenden Wertkarten vorläufig immerhin bis zum 31. Dezember 1924 beschränkt ist, wird man gut tun, sich ungefähr über die Kosten der Reise klar zu werden, die für den einzelnen in Frage kommt. Wir geben daher nachstehend einige Zahlen an, aus denen zu ersehen ist, wieviel grüne und gelbe Gutscheine man sammeln muß, um sein Reiseziel zu erreichen und zurückzukommen. Die Zahlen sind auf Elberfeld, dem Sitz unserer Eisenbahndirektion, bezogen. Die Kosten für die Fahrt nach Elberfeld, die jeweilig leicht zu erfahren sind, kommen also zu folgenden Sätzen noch hinzu. Um das Reisegeld von Elberfeld nach den nachgenannten Orten und wieder zurück nach Elberfeld zusammenzusparen, muß man an gelben und grünen Karten erwerben:(Die erste Ziffer bedeutet gelbe, die zweite grüne Karten.) rückzulegen oder anderen dazu zu verhelfen, wird die Kosten leichter aufzubringen vermögen. Hohenlimburg, 20. Dez.(Ein Opfer der Automobilraserei) ist wahrscheinlich ein Radfahrer geworden, dessen Leiche auf der Iserlohner Straße in der Nähe der Gärtnerei Hickstein gefunden und ins Krankenhaus geschafft wurde. Nach den vorhandenen Verletzungen scheint der Verstorbene— es handelt sich um einen Kleinfabrikanten aus Remscheid— von einem vorbeisausenden Auto angefahren worden zu sein. Nachrodt, 18. Dez.(Jugendliche Schwerv#rbrecher.) Am vergangenen Samstagabend konnten vie hiesigen Polizeibeamten einige jugendliche Schwerverbrecher von hier, die die Ende vergangener Woche in Schliprüthen bei Finnentrop bei einem Kaufmann Kaiser gemeinschaftlich einen schweren Einbruchsdiebstahl verübt haben, hinter Schloß und Riegel bringen. Die gestohlenen Sachen, hauptsächlich Anzugstoffe, sind zum größten Teil wieder herbeigeschafft. Haspe, 21. Dez.(Haspe 50 Jahre Stadt.) Aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestehens der Stadt Haspe in ihrer Eigenschaft als Stadt fand gestern abend eine kurze Festsitzung der Stadtverordnetenversammlung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Appel statt. Vom Regierungspräsidenten König, Landrat v. Salmuth, Altbürgermeister Frank waren Glückwunschschreiben eingegangen. Der Vorsitzende hielt eine kurze Festansprache. Auf seinen Vorschlag erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, daß den Erwerbslosen Mehl, Zucker und Margarine sowie Bargeld noch vor den Festtagen als Spende der Stadt aus Anlaß des Jubiläums überwiesen werden. Dortmund, 21. Dez.(Wettkonzernbetrug.) Vor der Strafkammer hatte sich gestern der Kaufmann Uebbing, der nach dem Vorbilde Klantes einen Rennsportkonzern für Westdeutschland gegründet hatte, wegen Betruges und Vergehens gegen die Konkursordnung zu verantworten. Die riesige Zahl der Gläubiger des Konzerns konnte in ihren Ansprüchen nur zum Teil befriedigt werden. Das Gericht sprach den Angeklagten des Betruges schuldig und verurteilte ihn zu 9 Monaten Gefängnis. Oberhausen, 20. Dez.(Vatermord.) Hier wurde der Bergmann Georg Liebtag auf der Roonstraße von einem seiner Söhne im Streite erschlagen. Die beiden Söhne wurden in Haft Barmen, 21. Dez.(Der Wirtestreik.) Der vor einigen Tagen angekündigte Proteststreik der Wirte ging gestern vonscatten. Die Schließungsparole ist durchweg von allen Wirten befolgt worden, nur vereinzelte Schankstätten hatten ihre Pforten geöffnet gehalten. Ein Gutes hat dieser Streik auf alle Fälle gehebt, das nämlich, daß mancher passionierte Früh= und Abendschoppler gestern zeitiger nach Hause gegangen ist, und drob sollen die Ehefrauen nicht wenig ersreut gewesen sein. Für die Wirte selbst bedeutete die ganze Aktion bekanntlich einen Protest gegen die kürzlich auf ihr Gewerbe gelegte Getränkesteuer. Vielleicht überlegen es sich die Wirte, ob sie nicht auch einmal gegen die Preispolitik der Brauereien streiken. Mettmann, 18. Dez.(Plünderungen in ländlichen Gegenden.) Die hiesige Polizei wurde benachrichtigt, daß Plünderer aus Flandersbach die Gegend von Oberschwarz= bach unsicher machten. Fast kein Gehöft war vor den Plünderern sicher. Gestern nachmittag unternahm die Polizei eine größere Streife, wobei viel gestohlenes Gut beschlagnahmt werden konnte. Es gelang ihr, 21 Personen festzunehmen und nach Ratingen abzutransportieren. In vergangener Nacht wurden zwei Männer durch die Nachtwache angehalten. Sie hatten bei einem Landwirt 32 Hühner, Enten und Weizen gestohlen und auf einer Korre weggeschafft. Die beiden(Festgenommenen stammen aus Düseldorf.„„„ 6 K 64 Godesberg, 20. Dez.(60. Gevurtslug ver Eindenwirtin.) In den nächsten Tagen begeht die Lindenwirtin Aennchen Schuhmacher ihren 60. Geburtstag. Sie ist durch das Baumbachsche Lied zur berühmten Persönlichkeit geworden] die nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem Ausland Grüße bekommt, die manchmal nur die Adresse„An das Aennchen in Deutschland am Rhein" tragen. Hierzu kommt dann nitürlich noch ein Restbetrag, der aber unter 2 Goldmark liegt und etwaige Zuschläge für Schnellzüge und Gepäck. Diese Summen sind aber nicht so groß, daß man sie nicht kurze Zeit vor Antritt der Reise zu erschwingen vermöchte. Wer es so unternimmt, das Geld für seine Sommerreise zudem Reiche. München, 19. Dez. Als Verüber des schweren Mordes an dem Händler Stephan Haas sind die beiden jugendlichen Karl Jungmichel und Ludwig Gehl verhaftet worden. Die Beute ist herbeigeschafft. Gehl hat das Verbrechen bereits eingestanden, während sein Komplize noch leugnet. Er ist durch das Beibringen der Beute im Hause seiner Eltern der Tat überführt. Die Anzeige ist vom Vater des Gehl ausgegangen, der über die Tat seines Sohnes auf das tiefste erschüttert ist. Hamburg, 20. Dez. Der in Hamburg eingelaufene Dampfer „Thuringia“ der Hamburg=Amerika=Linie hat aus Neuyork eine große Liebesgabensendung mitgebracht, die aus 8600 Kisten Lebensmittel verschiedener Art, 3600 Säcken Mehl, 500 Kisten Butter, 1000 Kisten Speck und 6000 Ballen getragener, aber noch sehr gut erhaltener Bekleidungsstücke besteht. Die Sendung ist an verschiedene Adressen gerichtet und wird als Weihnachtsgabe nordamerikanischer Wohltäter an Minderbemittelte verteilt werden. Hamburg, 20. Dez. Der starke Nordwestwind, der Dienstag nachmittag einsetzte, hat sich in der Nacht und am Mittwoch zu einem regelrechten Sturm ausgewachsen. Schnee= und Hagelbden wechselten miteinander ab. In schneller Reihenfolge verkündeten Böllerschüsse das Steigen des Wassers. Mit der Flut stieg das Wasser im Hafen und in den Fleeten derart, daß die Keller der daran gelegenen Wohnhäuser voll liefen. Von See sind Schadenmeldungen zwar noch nicht eingelaufen, doch hört man, daß die in Fahrt befindlich gewesenen Dampfer die nächstgelegenen Häfen aufgesucht hätten. Ob Schiffsunfälle vorgekommen sind, ist jetzt noch nicht festzustellen. Aus aller Lynchjustiz gegen Felddiebe. Der Arbeiter Ernst Garbe in Spandau wohnhaft, wurde vin Beamten der Strafanstalt in Spandau in der Nähe derselben vollkommen entkleidet und halb erfroren aufgefunden. Die Beamten nahmen an, daß es sich um einen entwichenen Sträfling handle. Man brachte den Mann in die Anstalt. Nachdem festgestellt war, daß keiner der Sträflinge fehlte, und der Halberfrorene sich erholt hatte, gab er der inzwischen herbeigeholten Kriminalpolizei folgendes an: Er und noch ein ihm bekannter Arbeiter Deutschländer sowie ein ihm unbekannter Mann seien des Nachts mit ihrem Rade nach Gräbendorf gefahren. Hier haben sie eine große Feldmiete gefunden und sich beigemacht, Roggen auszudreschen. In der Arbeit wurden sie plötzlich von sechs bis sieben Leuten, die mit Gewehren ausgerüstet waren, überrascht. Es waren wahrscheinlich Feldwächter aus Gräbendorf bei Saatskorn. Diese befahlen jetzt den Felddieben, sich trotz der Kälte vollkommen zu entkleiden. Nachdem dies geschehen war, wurde ihnen gesagt:„Es wird jetzt bis zehn gezählt, und wer sich noch in Schußweite befindet, bekommt Feuer.“ Vor Angst liefen nun diese drei querfeldein fort, und tatsächlich hat man hinter ihnen hergeschossen. Der Garbe wurde von mehreren Schrotkugeln getroffen. Vor Angst und Kälte zitternd, schleppten sich diese drei bis nach Spandau. Garbe brach unterwegs in der Wilhelmstraße Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse.V. zusammen und wurde hier von den Beamten aufgefunden. Die Räder hatte man ihnen ebenfalls genommen. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei ergaben tatsächlich, daß der andere Arbeiter Deutschländer, der ebenfalls in Spandau wohnhaft ist, bettlägerig ist und sich in ärztlicher Behandlung befindet. Aerztehonorar in alter Zeit. Mit Wehmut müssen heute die deutschen Aerzte, in dem schweren Lebenskampf und der Not der geistigen Arbeiter und freien Berufe, auf ihre Kollegen in alten Zeiten zurückblicken, deren Besoldung im Vergleich zur heutigen Zeit wahrhaft glänzend war. Crepistratus, der Enkel des berühmten Philosophen Aristoteles empfing für eine Kur des Königs Antiochus neunhundertsechzig Talente, das sind etwa 552.000 Goldmark. Thadäus, ein Arzt in Florenz, machte unter 150 Goldmark keinen Gang nach der Stadt. Papst Honorius, der ihn nach Rom kommen ließ, zahlte ihm für einen nicht langen Aufenthalt daselbst 30 000 Mark. Als Melampus die Tochter des Prätus, Königs der Archiver, heilte, gab der Monarch ihm und seinem Bruder jedem ein Drittel seines Reiches und eine seiner Töchter. Ein Großmogul, der um das 17. Jahrhundert herrschte, besoldete seinen Arzt mit 150000 Gulben. Vom In der Luft unbesiegt. Es ist nicht immer ein Zeichen von Stärke eines Volkes, wenn sein Stolz, wenn nationale Erhebung und nationales Selbstgefühl sich an die Erinnerungen aus einer größeren Vergangenheit anlehnen müssen. Ein solches Volk ist verdächtig, selbst nichts tüchtiges mehr zu leisten, keine Männer und keine Taten mehr hervorzubringen, an denen es sich aufrichten und erheben kann. Ob wohl auch auf unser deutsches Volk dieser Verdacht zutrifft? Wir glauben nein. Deutschland ist ja nicht unfähig, Heldentaten wie im Weltkrieg oder in ähnlichen Perivden seiner Geschichte zu leisten. Es ist nicht arm an Männern, die jederzeit bereit sind, es dem Kriegsgeschlechte nachzutun: Deutschland ist nur niedergehalten von feindlichen Mächten, die es zurzeit noch hindern können, seine Kräfte zu gebrauchen. Die Pflege der Erinnerung ist also keine Flucht in eine bessere Vergangenheit, sondern sie ist eine unversiegbare Quelle der Erhebung und Aneiferung für unsere tatendurstige, vaterländische Jugend und ein wichtiges Werkzeug für die Vorbereitung der endgultigen Befreiung. So muß man es ganz besonders begrüßen, daß trotz der wirtschaftlichen Not soeben in I. F. Lehmanns Verlag in München ein weiterer Band der Reihe„Im Felde unbesiegt“ unter dem Titel„In der Luft unbesiegt" erschienen ist. Grundpreis 5 Mark. Sein Herausgeber ist Major Georg Paul Neumann, der sich durch durch seine Geschichte der deutschen Luftstreitkräfte schon früher einen trefflichen Namen gemacht hat. Es ist ihm gelungen, durch die Beiziehung unserer hervorragendsten Luftkämpfer ein Werk zu schaffen, das sich den früheren Bänden nicht nur zur Seite stellen kann, sondern sie in manchem nich übertrifft. Kein Wunder, denn unsere Kampfflieger, unsere Zeppelinführer, unsere Ballonbeobachter, sie alle waren eine Auslese der kühnsten, schneidigsten und kampfesfrohesten Köpfe der deutschen Armee und Marine. Nirgends ist der Mann so auf sich allein gestellt wie im Luftkampf, nirgends kann er so Verantwortungsfreudigkeit, Schneid und Draufgängertum zeigen wie hier. Unsere größten Fliegerhelden, die Bölcke, Immelmann, Richthofen, sind freilich töt, aber ihre Nachfolger, die hier zu Wort kommen, wissen von ihren stolzen Vorbildern zu berichten, ebenso wie das, was sie an eigenen Taten zu erzählen haben, jener großen würdig ist. Aus der Fülle der 50 Beiträge einzelne herauszugreifen, wäre ungerecht gegen die anderen. So sei nur darauf hingewiesen, daß alle Luftwaffen, alle Kampfesweisen, alle Kriegsschauplätze, Berücksichtigung gefunden haben. Die Zeppelinflüge nach Lendon und Paris sind ebenso geschildert wie die abenteuerlichen Luftkämpfe bei den Pyramiden oder bei Bagdad, ebenso wie die Tätigkeit der Schlachtflieger, der Jagdflieger, der Artillerieflieger, der Fesselballone und der Marineflugzeuge. So entstand ein Buch vielfarbig und abwechslungsreich; nervenspannend und atemberaubend. ein wahres Heldenlied auf Mannestugend, ein Buch, das in jedem deutschen Mann den heißen Wunsch auffl immen läßt, so muß es wieder werden! So kann jeder, der sein deutsches Volk und vor allem unsere deutsche Jugend liebt, nur wünschen, daß dieses Buch seinen Weg in die Hände all berer findet, die einst berufen sind, den großen Freiheitskampf zu kämpfen und ihnen die Herzen zu stärken, den Willen zu stählen und den Stolz darauf einzupflanzen einem Volk, das solches leistete, anzugehören. Auswärtige Theater und Konzerte. Schauspielhans Hagen i. W. Montag, 24. Dezember geschlossen. Dienstag, 25. Dezember„Die Zauberflöte“, 7½ Uhr. Mittwoch, 26. Dezember„Rotkäppchen“, 3 Uhr;„Tannhäuser", Donnerstag, 27. Dezember Bühnenvolksbund,„Rotkäppchen“, 3 Uhr „Die Rose von Stambul“, 7½ Uhr. Freitag, 28. Dezember Miete A.„Die lustigen Weiber von WindSamstag, 29. Dezember„Rotkäppchen“, 3 Uhr;„Der Raub der Sonntag, 30. Dezember„Rokkäppchen“, 2½ Uhr;„Tanhäuser“, Am ersten Weihnachtsfeiertag geht„Die Zauberflöte“ in Szene. Die Vorstellung verdient die Beachtung weitester, Kreise.„Die vrtie des Papageno singt Arthur Hirschberg, die des Taniino, Kurt Galen.— Am zweiten Feiertag ist nachmittags 2½ Uhr eine Kindervorstellung, in der den Kleinen das Märchen vom„Rotkäppchen“ vorgeführt wird. Wer seinen Kindern eine Weihnachtsfreude cereiten will, der lasse sie diese Aufführung besuchen, die allseits Ancrkennung findet, am meisten von der kleinen mitspielenden Schar im Zuschauerraum.— Abends ist die Erst=Aufführung Tannhäuser". Die musikalische Leitung hat Mustrc##cektor Weisbach, die szenische Alexander Spring. In Hauptrollen sind beschäftigt die Damen: Nau, Hallama, Daalen und die Herren: Scheffel. Hirschberg, Kube. Lang. Den Tannhäuser singt Kammerginnt bereits um 6½ Uhr. Handel und Mitgliederversammlung des Kohlensyndikats. Essen, 22. Dez. Das Kohlensyndikat teilt den Zechen durch Rundschreiben mit, daß 91,5 Prozent der Beteiligtenziffer den neuen Vertrag bereits unterschrieben, haben und beraumt gemeine Mitgliederversammlung auf Sonnubend, 29. Dezembei ein. Dortmunder Getreidebörse. Dortmund, 20. Dez. Es notierten in Goldmark: Inl. Weizen 8½—9, ausl. Gerste 8½—9. Mixed Mais—10. runder Mais 10—11, Bäckermehl 20—30, Weizenmehl 17—28, Roggenmehl 26 bis 27. Weizenkleie 3½. gebündeltes Roggen= und Weizenstroh .50; Wiesenheu gut, gesund. trocken—4; Kleeheu.50—5,50;: Luzernheu 5,50—6,50. Die Preise verstehen sich per Zentner, bei Meh' per Doppelzentner waggonfrei westf. Station.— Bei stetigen Preisen war das Geschäft wegen der Feiertagsstimmung kleiner. — Vom 1. Januar 1924 findet die Börse wieder nur in Dortmund statt. Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse.V. W S AÖ TEr Eon POSr an beiden Feiertagen Nachmittagskonzerte des HausorchestersV von—7 Uhr. 5 3 Kaffee, Thee, Schokolade, feines Gebäck In bester Auswahl. 505 550 333 Abendkonzerte im Weinrestaurant Beginn 7½ Uhr. Das Weihnachtsgeschenk Ein Mädchen ist’s— In dankbarer Weihnachtsfreude Pfarrer Richard Graeue und Sephie geb. Heuer. 21. Derember Brüninghausen, den b. Lüdenscheid Ausgewähltes Mittag- und Abendessen. Reichhaltige Tageskarte. VENTE Säcke neue und gebrauchte. großes Lager für alle Zwecke, ferner Wagenpläne, Staubdecken, Pferbedecken. Sonnentücher usw. liefert in allen Größen Herner Säckehaus, mechan. Plan= u Sackfabrik Herne i. Westf. Telef. 872. Statt besonderer Anzeige. Gestern Abend um 10½ Uhr wurde nach langem, schweren Leiden meine innigstgeliebte Gattin, unsere treue, gute Mutter, Schwiegermutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Fritz Hageböck Wilhelmise. 110 um An, wiunemune gen. 1del ##n Alter von 47 jahren durch einen sanften Tod erlöst. Sparkassendirektor Fr. Hageböck lise Hageböck Christel Hageböck Hans Herm. Witte. Lüdenscheid, Selbeck, Mülhelm(Ruhr), Köln-Kalk, Sterkrade, 23. Dezember 1923. Bekanntmachung ### Als 2. Tellbetrag der Brotversorgungabgabe ist bis zum 2. 1. 1924 das 195000000 fache des Zwangsepieichtentog; an die Finanzkasse Lübenscheld zu Lübenscheib, 22. Dezember 1923. Dr. Plew, Regierungsrat. In das Handelsregister A Nr. 110 ist heute bei en Hondelsgesellschaft E. K; ### offenen,„ungersgeselschaft C. Kuhdier≈ Sohn. Daylerbrück eingetragen: Der Fabrikant Hane ausgeschieben, dsen(Wbest) K aus der Anzugstoffe A. H. Streicher Erimitschau Obere Königstr. 6 Muster frei gegen Rücksenbung. Lübenscheib, 18. Dezember 1923. Das Amtsgericht. Sebchne. Beiechichre e. e Uhr. Trauerfeier ½ Stunde vorher. Belleidsbesuche dankend verbeten. Schnittholz 1 wie Hobeldieblen, Rauhlpund, R. u. uns. Bretter, Dielen, Katten, Bauholz, Klefer- uund FichtenTlichterware zu sehr günstigen Preisen und Bedingungen abzugeben Uebernehme Transporte Am Samstag morgen entschlief sanft, nach einem im Kriege zugezogenen, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein innigstgeliebter Mann, mein lieber Vater, unser guter Bruder, Schwager und Onkei Fritz Kuche jeglicher Art mit Schnellwagen und Personenbeförderung auch nach dem besetzten Gebiet. Autobetrieb im vollendeten 46. Lebensjahre. Gott schenke ihm die sanfte„Ruhe! Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Fritz Kuche geb. Frehoff. Erna Kuche sowie die übrigen Anverwandten. Lüdenscheid, Halver, Goslar, Marburg, Essen, Vohwinkel u. Brügge, den 24. 12. 23. I. Bürschgens Die Beerdigung fndet Dienstag, den 25. d. Mts., nachm. 2¼ Uhr, vom Trauerhause, Feldstr. 1 aus, statt. 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Dezember 1923 Entspannung auf dem Wohnungsmarkt Von Stadtbaurat Finkbeiner, Wenn nicht alle Zeichen trügen, so hat die Wohnungsnot ihren Höhepunkt erreicht, vielleicht schon überschritten. Zu dieser Hoffnung geben verschiedene Erscheinungen Anlaß, die nachsteheud erörtert werden sollen. —: 1. Der Rückgang der Eheschließungen. Die großen Heiratsziffern, die nach Kriegsende, besonders im Jahre 1920 auftraten, sind in der Abnahme begriffen und beginnen, zwar langsam, aber doch sichtlich, sich den Zahlen der Friedenszeit wieder zu nähern. Die folgende Aufstellung gibt ein Bild über diese Entwicklung vom Jahre 1911 bis heute: Es fanden in Lüdenscheid statt: In den letzten Monaten des Jahres 1922 und des laufenden Jahres lauten die Zahlen: 1922 1923 Diese, in allerletzter Zeit besonders rückläufige Zahlenfolge, mußte sich im Verein mit der starken Neubautätigkeit der Stadt Lüdenscheid, die im Jahre 1922 auf das äußerste gesteigert war und Lüdenscheid mit an die Spitze der deutschen Städte setzte, auch in den Wohnungssucherziffern bemerkbar machen. Die nachstehende Tabelle über die prozentuale Zunahme der Wohnungssucherziffern veranschaulicht dies deutlich. Wohnungssucher am Anfang und Ende der Jahre: 1920 1921 1922 1923 Am 1. Jan. 262 536 840 1122 Ende Dez. 536 840 1122 1231(1. Dei.) Zunahme r 274+ 304+ 182++ 109 = 105%= 55%= 35%= 10% Hieraus darf entnommen werden, daß die Bewegung einem gewissen Wendepunkt zustrebt, den sie vielleicht schon erreicht hat. Diese Hoffnung geht auch aus nachstehender Tabelle hervor, weldie die Entwicklung in den Winterhalbjahren darstellt: 1920/21 1921/22 1922|23 19•9, 1. Sept. 450 1921, 1. April 628 1921 776 1932. 997 1922. 1164 1923. 1076 + 178+ 221— 88 + 40%+ 28%— 75% Zuwachs Zuwichs Abnahme Hier ist zwar vom Herbst 1922 bis Frühjahr 1923 ein Rückgang der Sucherziffer bemerkbar. Dieser ist jedoch vorübergehender Natur gewesen und beruht auf der Tatsache, daß in jenem Halbjahr die Vermietung des großen Neubauprogramms aus 1922 ktattfand. Immerbin zeigen auch diese Zahlen, daß der steigenden Tendenz der Wohnungssucherkurve ein Gegner erwachsen ist, der zu Bedeutung gelangt. Von besonderer Wichtigkeit aber ist die nunmehr folgende Gegenüberstellung der Wohnungssucher in den 3 Herbstmonaten September, Oktober und November in den verschiedenen Jahren: 1920 1921 1922 1923 Am 1. Sept. 450 776 1164 1280 Am 1. Dez. 512 823 1178 1231 + 62+ 47*+ 14— 40 14% E 6% 1,5%— 4% Zuwachs Zuwachs Zuwachs Abnahme Hier ist in den soeben hinter uns liegenden 3 Monaten des Jahres 1923 im Gegensatz zu den Vorjahren kein Zuwachs, sondern eine Abnahme zu verzeichnen. Diese Abnahme ist nicht etwa wie bei der vorhergehenden Tabelle ein Ausfluß der Vermietung neuerstellten Wohnraumes, sondern, und das ist das Entscheidende, es ist in diesen Monaten überhaupt kein neuer Wohnraum vermietet worden. Kleine Zeitung. Das Wrack des deutschen Dampfers„Kronos" verloren. Die Bergungsversuche an dem bei Reval gestrandeten deutschen Dampfer„Kronos“, dessen Besatzung von 17 Mann, wie seinerzeit berichtet, den Tod gefunden hat, ist vorläufig aufgegeben worden. Nach der estländischen Presse ist an ein Abbringen des Dampfers nicht zu denken. Im günstigsten Falle hofft man einen Teil der Ladung bergen zu können. Ein nicht alltäglicher Dievstahl wurde auf dem Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin verübt. Ein deutsch=amerikanischer Tumlehrer, der mit seiner Frau und einem Töchterchen von drei Jahren nach Berlin gekommen ist, wolte mit seiner Familie zu Verwandten fahren. Weil die Frau leidend ist, brachte er zunächst das Kind und seinen Koffer nach dem Bahnsteig. In dem Glauben, ihn so genügend zu sichern, setzte er das Kind auf den Koffer. Dann ging er wieder hinunter, um die kranke Frau heraufzubegleiten. Zu seinem Erstaunen stand die Kleine allein da, der Koffer war verschwunden. Wie das Kind mitteilte, war ein feingekleidetes junges Pärchen herangekommen, hatte das Kind angesprochen und geliebkost. Dann hatten beide den ziemlich schweren Koffer angefaßt und waren mit ihm davongegangen. Ein ganzes Volk hört zu. Die Botschaft, die der Präsident Coolidge vor dem Kongreß in Washington verlesen hat, wurde tatsächlich von einem großen Teil des amerikanischen Volkes mitangehört. Viele Millionen Amerikaner verfolgten jeden seiner Sätze, sobald sie von seinen Lippen kamen, und mischten ihre Beifallsrufe in die Zustimmung der Senatoren und Abgeocdneten, die viele hunderte und sogar tausende Kilometer entfernt an der feierlichen Sitzung teilnahmen. In Neuyork konnte man die Rede von Coolidge in Dutzenden von Läden hören, wohin sie durch drahtlose Telephonie aus Washington übermittelt und durch mächtige Verstärker vernehmbar gemacht wurden. Die Witterungsverhältnisse waren so vorzüglich, daß nicht ein Wort aus dem Munde des Redners verloren ging, es sei denn, daß der Beifall der Hörer an Ort und Stelle das Ende eines Satzes übertönte oder daß die begeisterten Zuhörer aus der Ferne ihrer Teilnahme allzu lauten Ausdruck verliehen. Empfangsapparate waren in den Restaurants fast überall aufgestellt, so daß die Besucher die Botschaft mit anhören konnten, während sie ihren Lunch einnahmen. Die Rede des Präsidenten kam buchstäblich aus den Wänden der Friseurgeschäfte und Warenhäuser, und während man sich die Haare Also ist der Zeitpunkt eingetreten, in dem die Vermietung des normaler Weise anfallenden Wohnraumes in Althäuser ebensoviel bezw. mehr Wohnungssucher zur Löschung brachte, als durch die Neueintragung in Zugang kamen. Diese Tatsache tritt zum ersten Mal auf, und daß sie in den Herbstmonaten auftritt, verleiht ihr noch stärkere Bedeutung, denn in diesen Monaten pflegte angesichts des herankommenden Winters die Zahl der Neueintragungen gegenüber den übrigen Monaten eher größer als kleiner zu sein. Zweifellos sind nicht nur die Neubautätigkeit und die Abschwächung der Hausse“ auf dem Heiratsmarkt für die obigen Erscheinungen ausschließlich bestimmend gewesen, sondern auch eine Reihe anderer Faktoren, die endlich die nahezu trostlos gewordene Entwicklung zu hemmen versuchen. Die Unsicherheit und ungeheure Verschlechterung der Daseinsbedingungen, die gerade im Laufe der jüngsten Monate eintraten und von denen nur wenige Kreise unseres Volkes verschont blieben, die Aussichtslosigkeit in absehbarer Zeit, dact heißt, in Jahren, überhaupt in den Besitz einer Wohnung zü kommen, haben an dieser Bewegung starken Anteil. Sie führten zu einer fatalistischen Gleichgültigkeit, zu einer gewissen Lethargie, die selbst den Weg zum Wohnungsnachweis scheute.„Was nützt es denn,“ mag sich mancher gesagt haben,„an so und soviel hundertster Stelle in die Liste eingetragen zu werden? Es läßt sich doch nicht absehen, wann endlich die Reihe an mich kommt.“— Jedenfalls darf man feststellen, daß sich die jugendlich stürmische und steilaufwärts gerichtete Bewegung der Wohnungssucherkurve nicht nur die Hörner abgestoßen und eine gewisse Mäßigung auferlegt hat, sondern daß sie nach Ueberschreitung des Gipfels, wenn auch noch recht vorsichtig und schüchtern, abzusteigen beginnt. In diese Sachlage hinein fallen 2 Erscheinungen, die geeignet sind, das Tempo des Abstiegs wesentlich zu beschleunigen. Zunächst ist dies 2. das Problem der Auswanderung. Anfangs sah diese Sache ziemlich harmlos aus und erschien nicht von nennenswerter Bedeutung. Doch hat sich in den letzten Wochen die Zahl derer, die unserem schwergeprüften Vaterland Lebewohl zu sagen beabsichtigten, so stark vermehrt, daß die Auswandererfrage für das Wohnungswesen einschneidende Folgen nach sich ziehen muß. Es sind neben zahlreichen Ledigen bereits 80 Familien, die sich Pässe zum Zwecke der Auswanderung haben ausstellen lassen. Wieviele dieser Heimatmüden auch tatsächlich die Reise über den Ozean nach dem Norden oder Süden Amerikas antreten, wissen wir nicht. Man hört von Beschränkungen, die vor allem die Vereinigten Staaten dem Strom der Einwanderer entgegensetzen wollen. Werden viele dadurch abgeschreckt werden, oder werden sie nur anstatt westwärts, südwärts steuern? Wir wollen hier von der Annahme ausgehen, daß es diesen 80 Familien gelingt, im Laufe des ersten Halbjahres 1924 die Heimat zu verlassen, und daß dadurch in Lüdenscheid 80 Wohnungen frei werden. Nach den seitherigen Erfahrungen werden neben diesen 80 Wohnungen an rückwärtiger Stelle noch weitere zwei Drittel mal 80 ist 53 Wohnungen frei, es könnten also insgesamt 133 Wohnungssucher in den Listen gelöscht werden. 3. Die bevorstehende Umstellung der Wohnungswirtschaft ist ein weiterer Faktor. der nicht unerheblichen Einfluß auf die Entwicklung des Wohnungswesens der nächsten Jahre gewinnen wird. Zwar wissen wir noch nicht genau, wie diese Umstellung beschaffen sein wird; eines nur darf als sicher angenommen werden: Man macht endlich Ernst, die Miete auf eine vernünftige Höhe zu bringen, und zwar sol diese bis zum 1. Oktober nächsten zahres auf, Höhe der Friedensmiete eingestellt werden. Welche Folgen werden sich daraus ergeben? Wieviel Wohnungssucher werden angesichts dieses neuen indirekten Druckes auf die Lebenshaltung auf Zuweisung einer Wohnung verzichten? Wieviel Familien, wieviel Rentner, Pensionäre und Unterstützungsempfänger werden sich gezwungen sehen, ihre jetzigen, vielfach noch geräumigen Wohnverhältnisse aus besseren Friedenszeiten aufzugeben und sich kleiner zu setzen? Die Meinungen hierüber werden sehr weit auseinandergehen, denn es ist unmöglich, die Frage rechnerisch auch nur annähernd zu ermitteln. Wir müssen uns mit rein gefühlsmäßigen Schätzungen begnügen. Dabei wäre folgendes zu beachten: Von den 1280 Wohnungssuchern, die in unseren Listen verzeichnet sind, sind 730 junge Ehepaare, die im allgemeinen 2 Zimmer zur Gründung eines Hausstandes benötigen. Es ist kaum anzunehmen, daß von diesen ein nennenswerter Teil auf Zuweisung einer Wohnung verzichtet. Bei der restlichen Zahl von 550 Wohnungssuchern muß daran erinnert werden, daß die Aufnahme in die Wohnungsliste schon immer nur unter erschwerenden Umständen möglich war und zahlreiche Antragsteller abgelehnt wurden. Es steht also hinter der nackten Wohnungssucherziffer noch eine Reihe von solchen Familien, die bei Eintritt einer Erleichterung im Wohnungswesen ihre abgelehnten Ansprüche sofort geltend machen werden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände soll angenommen werden, daß 20 Proz. dieser Eintragungen im Laufe des Jahres 1921 verzichten. Im ersten Halbjahre 1924, das wir bei der Auswanderung ebenfalls zugrunde legten, ergäbe sich hiernach theoretisch eine Abnahme der Wohnungsliste um zirka 55 Eintragungen. Noch unstcherer ist die Zahl derjenigen zu ermitteln, die infolge Anspannung der Mieten gezwungen sind, Wohnraum abzustoßen, Rentner, Pensionäre und Unterstützungsempfänger aller Art Ein Teil dieser Familien hat sich durch die Maßnahmen des Wohnungsamtes und durch den Druck der Unterstützungsverweigerung bereits genötigt gesehen, Raum an Familien abzugeben, ein anderer Teil, und zwar der größere, griff zur möblierten Vermietung. Letztere wird auch bei steigender Miete ein willkommenen Ausweg bleiben und auch einen gewissen finanziellen Vorteil haben, da der Ertrag aus der möblierten Vermietung sich parallel mit der Hauptmiete steigern läßt. Bei möblierter Vermietung wird vor allem ein Verkauf des Mobiliars, von dem man sich aus erklärlichen Gründen nur schwer trennen kann, vermieden. Dieser Punkt wird übrigens immer eine Hauptschwierigkeit bilden, bei dem Versuch, Familien mit größerer Wohnung zum Tausch mit einer kleineren zu bewegen. Nun erhalten aus öffentlichen Mitteln in Lüdenscheid etwa 200 Kleinrentner Unterstützungen; auch unter Berücksichtigung der neben diesen Unterstützten noch vorhandenen Rentner, Pensionäre und dergl. wird man daher wohl kaum mehr als 100 Wohnungssucher rechnen dürfen, die durch Einschränkung aus den genannten Kreisen befriedigt werden können. Die Unsicherheit dieser Schätzung ist jedoch sehr groß. Man könnte auch einen anderen Weg dabei einschlagen, und zwar den folgenden: In Lüdenscheid sind im ganzen zirka 2400 4= und=Zimmerwohnungen. Diese Wohnungen beherbergen in erster Linie diejenigen Familien, die für die Einschränkung in Frage kommen. Wenn man annimmt, daß ein ganzes Drittel dieser Wohnungen also 800 Stück, von den fraglichen Familien bewohnt werden und welter annimmt, daß ein Fünftel dieser Familien sich einschränken muß, so kommt man auf die Zahl 200. Fassen wir beide Ergebr isse zusammen, so würde sich im Mittel die Zahl 150 ergeben. Es wird Aufgabe der Wohnungsämter sein, gerade diese Frage in den nächsten Monaten mit größtem Interesse zu verfolgen, um hier nicht auf rein gefühlsmäßige Schätzungen, wie sie vorstehend gemacht sind, angewiesen zu sein. 4. Die Neubautätigkeit wird im Laufe des nächsten halben Jahres an der Philippstraße 26 Wohnungen, an der Hasleystraße 10 Wohnungen, an der Ludwigstraße 24 Wohnungen, zusammen also 60 Wohnungen zum Vermieten bringen. Durch diese 60 Wohnungen werden zirka 60 mal zwei Drittel mal 60 ist 100 Wohnungssucher befriedigt werden können. 5. Zusammenfassung. Unter der Annahme, daß sich die Erscheinung, die aus den Monaten September, Oktober und November d. J. festgestellt ist, auch weiterhin fortsetzt, und es liegt kein Grund vor, dies nicht anzunehmen, d. h. daß die zur Vermietung kommenden Altwohnungen genügen, um dieselbe Zahl Neueintragungen zu löschen,: kann man den Rückgang der Wohnungssucherziffer im nächsten halben Jahr 1924 wie folgt berechnen: 1. durch Auswanderung zirka 133 Wohnungen, 2. durch Umstellung der Wohnungswirtschaft: a) durch Verzicht in der Liste zirka 55 Wohnungen, b) durch Einschränkung infolge steigender Miete zirka 150 Wohnungen; 3. durch Bautätigkeit 100 Wohnungen. 438 Wohnungssucher. Es verbleiben demnach am 1. Juli 1924 1280 weniger 438 ist 842 Wohnungssucher und wir hätten eine Abnahme von zirka 30 Prozent zu verzeichnen. So unsicher auch verschiedene der genannten Zahlen ermittelt sind, so ist doch, selbst wenn dieselben nur zur Hälfte richtig sind, ein Rückgang der Wohnungssucherziffer unverkennbar. Die Feststellung, ob dieser Rückgang nennenswerten Umfang hat, muß unsere ganze Aufmerksamkeit erfordern; hängen doch von dieser Erkenntnis diejenigen Maßnahmen ab, die zur weiteren Gesundung des Wohnungswesens. vielleicht im Gegensatz zu früheren Jahren, getroffen werden müssen. schneiden ließ, oder eine neue Bluse einkaufte. verkündete die Stimme des ersten Beamten der Vereinigten Staaten seine Anschauungen über den Völkerbund, über die Rüstungen, über Zölle und Kriegsschulden. Aehnlich wie in Neuyork war es in anderen Großstädten. Der größte Stausee Europas. Die Insel Sardinien hat seit uralter Zeit sehr unter der Dürre gelitten. Während sie im April und Mai ein Paradies ist, wird sie im Sommer fist zur Wüste, während andererseits die im Sommer wasserarmen Rinnsale das Land im Winter überschwemmen und ausgedehnte Sümpfals Quellen der schlimmen Malaria schaffen. Es ist nun auf der Insel eine gewaltige Anlage im Entstehen, die für vier Flüsse sieben Stauseen mit einem Inhalt von 1150 Millionen Kubikneter Wasser vorsieht. Diese größte Stauanlage Europas, die der Vollendung entgegengeht, schildert Prof. Joh. Bolle in der Frankfurter Wochenschrift„Die Umschau". Das Wasser, das in diesen Seen gesammelt wird, soll einmal für die Landwirtschaft zur Zeit der Dürre Verwendung finden und ausgedehnte Landflächen in fruchtbares Ackerland umwandeln, sodann aber soll elektrische Energie für den allgemeinen Gebrauch gewonnen werden, um hie seit dem Altertum bekannten zahlreichen sardinischen Erzgruben in umfassender Weise in Betrieb nehmen zu können. Woher stammt das Wort Tarif? Tarifverhandlungen und Tarispolitik spielen heute im Wirtschaftsleben aller Völker eine ausschlaggebende Rolle und sind besonders in der britischen Wahlkampagne, die unter dem Zeichen Schutzoll oder Freihandel ausgefochten wurde, wieder Losung und Varole gewesen. Ein Londoner Blatt erinnert aus diesem Anlaß daran, daß das Wort Tarif grabischen Ursprungs ist und so viel wie Rechenkunst bezeichnet. Die nach Spanien eingewanderten Araber nannten die bei Gibraltar eingerichtete Zollstelle Tarif, weil hier das Passagegeld für die Schiffe, die von einem Meere ins andere fuhren, erhoben wurde. Daber rührt auch der Name Kav Tarifa her, in dessen unmittelbarer Nähe sich diese Zollstelle befand. Wieviel Worte braucht man? Der Wortschatz, über den so sprachgewaltige Dichter wie Shakespeare oder Goethe verfügen, ist natürlich ein unendlich viel größerer als die Menge von Worten, die der Mann von der Straße braucht. um sein alltägliches Verständigungs= und Unterhaltungsbedürfnis zu befriedigen. Aber selbst die Zahl der Worte, die die Dichter in den langen Reihen ihrer Werke benutzen, sind verhältnismäßig gering mit den Reichtümern verglichen, die die Sprache überhaupt darbietet. In einem amerikanischen Blatt, das die Frage erörtert, wieviel Worte der Durchschnittsmensch notwendig hat, wird darauf hingewiesen, daß der Standard Dictionary“, das große englische Wörterbuch, 350 000 Ausdrücke verzeichnet. Gegen diese Riesenmassen ist selbst der Wortgebrauch Shakespeares klein, der seine unsterblichen Dramen mit 16.000 Worten geschaffen hat. Andere Dichter verwenden noch sehr viel weniger, Milton z.., der ebenfalls wegen der Fülle seiner Ausdrücke berühmt ist, hat nur 8000. Der hochgebildete moderne Mensch verwendet kaum mehr als 3000 bis 1000 Worte. Um Zeitungen oder leichtere Bücher zu lesen, braucht man nicht mehr als gegen 2000 Worte zu kennen. Der weniger gebildete Mensch kommt in seiner Unterhaltung mit einem Wortschatz aus, der kaum die Zahl von 500 Worten übersteigt, und Bauern in abgelegenen Dörfern, deren Interessenkreis und Weltbild sehr beschränkt ist, haben nicht mehr als 200 Worte, um alles auszudrücken, was sie sich im alltäglichen Leben zu sagen haben. Eine Million Anhänger in einem Jahre! Es ist jetzt ein Jahr, daß der offizielle„Broadcasting“, d. h. der Radioverkehr, in Großbritannien eröffnet wurde. Man veranschlagt die Anzahl der Personen, die jeden Abend sich das Pregramm anhören, das von der britischen Broadcasting=Gesellschaft verbreitet wird, auf ungefähr eine Million. Im Laufe des letzten Jahres hat die Prstbehörde fast eine halbe Million Zertifikate für Empfängerapparate ausgestellt.— Deutschland kommt natürlich nachgehinkt. Die Zahl der Radioliebhaber ist aber auch in Deutschland schon sehr groß * Bitter. In einem Gymnasium war ein Lehrer. der viel Kummer von der Horde der Schüler erdulden mußte. Eines Tages fiel beim Unterricht der Primaner Schmidt dadurch auf, daß er fortwährend nach der Uhr sah.„Schmidt,“ sagte der Lehrer.„lassen Sie mich doch mal Ihre Uhr sehen.“ Schmidt schien bedrückt, gab aber die Uhr ab. Der Lehrer öffnete den Deckel, da war statt des Zifferblattes ein Zettel quergeklebt und darauf stand:„Reingefallen“. Schweigend gab er die Uhr zurück, und der Primaner fing wieder an, immer nach der Uhr zu sehen und damit zu spielen, wobei er diesmal die Rückseite bevorzugte. Der Lehrer belauerte ihn, sprang hinzu und riß ihm im geeigneten Ausenblick die Uhr aus der Hand. Als er den rückwärtigen Deckel öffnete, fand er dort ein kleines Papier, darauf stand:„Wieder reinge Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse.V. S S Unter dem Christbaum. Wir wissen's wohl, der schönste Weihnachtsbaum, Die längsten Cafeln voller Liebesgaben Sind nichts Dollkomm'nes, denn sie alle haben Die Wirklichkeit noch nicht,— sie sind nur Craum, Nur Weissagung und Gleichnis einer Liebe, Die einst in Stall und armer Krippe lag Und wiederkommen wird am letzten Cag, Ein Licht und Stern im kalten Dunstgetriebe Von Rauch und Qualm, der diese Welt verhüllt. C. H. Endlich wiedergefunden. Eine Weihnachtserzählung von Ferdinand Katsch. (Nachdruck verboten.) Am Mittag des 24. Dezember stampfte, während draußen die Schneeflocken lustig durcheinander wirbelten, der alte Gerichtsvollzieher Lehmann die vier Trepper. eines unfreundlichen Hinterhauses in der Brunnenstraße zu Berlin hinauf. Einen Augenblick schöpfte er noch tief Atem, ehe er an der Wohnungstür zur Linken klingelte. Gleich danach ward sie geöffnet. Im Rahmen erschien ein noch junges, auffallend schönes, doch beim Anblick des Beamten tieferbleichendes Weib in Trauerkleidung; ihr zur Seite, das Händchen fest an den Rock der Mutter geklammert, ein kleines, herziges Mädchen im Alter von wohl fünf Jahren „Nun, liebe Frau,“ sagte der alte Mann beim Eintreten, indem er seiner Stimme einen merklich ermutigenden Klang gab,„haben Sie das Geld für Cohn u. Cie. zusammen?" Doch nur ein müdes Kopfschütteln seines Gegenüber, auf dessen edel geschnittenem Antlitz das Leid schon ersichtliche Furchen gezogen hatte, kam als Antwort. Der Alte schüttelte bedauernd den Kopf.„Sie hatten doch gesagt, Sie wollten es bei einem Freund Ihrer Familie versuchen, der Ihnen helfen könnte.“ „Ich... ich war nicht da!... Ich kann nicht!“ Wie ein verhaltener Seelenschrei rang es sich leise aus der wogenden Brust der jungen Mutter. „Sie Aermste! Und nun gar am Heiligabend! Wissen Sie denn absolut keinen Menschen sonst in Berlin, der Ihnen beispringen kann? Ihr verstorbener Mann hat doch gewiß manch gutsituierten Bekannten gehabt.“ „Oh, wohl!... z. B. Dr. Förster... Das war ein guter Mann. Aber wo mag er jetzt wohnen, und wie es ihm sagen!"... „Ach was! junge Frau! Nur in der Not keinen falschen Stolz! Ich kenne das! Denken Sie an Ihr Kind! Nicht wahr, Kleine, Mutter soll einmal sehen, ob sie den Weihnachtsmann nicht findet!“ „Da schien's mit der Kraft der armen Frau vollends zu Ende.„O mein Gott, wo bist du! Komm' und hilf uns, oder komme und mache bald ein Ende!“ rang es sich von ihren zitternden Lippen. Der Alte trat einen Schritt näher und langsam sagte er zu der über den Tisch Zusammengesunkenen:„Lassen Sie sich sagen, Frau, ich hab's mehr als einmal erlebt in meinem Metier: Wenn die Not am größten, ist Gott oft am nächsten! Drum den Kopf in die Höhe und flink auf den Weg gemacht! Sehen Sie, ich kann noch bis heute abend um 6 Uhr warten;'s sind fas fünf Stunden noch, da läßt sich manches tun. Ich will's versuchen; um deinetwillen, mein Herzblatt!“ Und stürmisch riß sie ihr Kind zu sich empor. II.„ „Also befehlen der gnädige Herr, daß ich auch heute abend wieder die Gans brate und den Tisch im großen Zimmer neben dem Weihnachtsbaum decke?“ „Na und ob! Heda, heisa! Oder wollen Sie's verantworten, Babette, wenn sie gerade heute wiederkäme und nichts gerichtet fände zum Heiligabend?“ Mit einer stummen Verbeugung gegen den greisen errn, hinter der sie aber einen recht traurigen Blick auf ihn verbarg, verließ nach dieser kurzen Zwiesprach die alte Haushalterin den behaglichen Raum, an dessen Ausstattung trotz der schon hereingebrochenen Dämmerstunde jeder auf den ersten Blick erkannt hätte, daß sein Inhaber ein alter Militär sein müsse. Noch immer wirbelten, wie schon seit dem frühen Vov mittag, die Schneeflocken vom dicht behangenen Himme herunter, und es schien, als wolle der alte Herr, während er sich im altmodischen Korbstuhl in der Nähe des Fertier: „ihrem lustigen Geplänkel vor einbrechendem Abend weiter zuschauen. Aber die Gedanken des Oderst waren weitab von der dämmerigen Gegenwart; da, we sie jahraus jahrein fast immer weilten, so daß die an Babette wahrhaftig sich keine Schuld hätte beimessen müsieiwa durch ihre Fras::“ die alten bösen Träume wieder deraufbeschworen zu“e. Waren es doch die gleichen die den glanzenden Offizier von ehedem fast zum menschei. scheuen Sonderling gemacht hatten, so daß ihn selbst die liebe Jugend in Nieder=Schönhausen sich schon zum Ziel ihrer allerdings harmlosen Späße erkor, denn die munteren Schlingel spürten es doch instinktiv, daß der Alte ihnen nicht gram war.“. Und war's ein Wunder, wenn gerade heute dies stumme, peinigende Suchen wieder besonders stark durch seine Seele irrte? Vor sieben Jahren am Heiligabend war's gewesen, daß sein einziges Kind, eine echte Hoblach in ihrem hochgemuten Sinn, der tadellosen Lauterkeit des Charakters, aber auch der ganzen Heftigkeit und Starrköpfigkeit des Entschlusses, zum letztenmal vor ihn getreten. Er meinte, sie stände wieder leibhaftig vor ihm, die holde Menschenknospe, die damals just zur minnigsten Jungfrau erblüht war. Viel kostbare Geschenke sind unter dem strahlenden Lichterbaum ausgebreitet, alles, von dem ein Vaterherz glauben kann, daß es die nur zu froch mutterlos gewordene Tochter erfreuen möchte. Da tritt sie vor ihn, in dem leuchtenden Blauauge eine schimmernde Träne:„Es ist zu viel, lieber guter Vater, viel zu viel! Und doch, alle Schätze der Erde will ich missen, wenn du mir eines schenkst, Vater,——“ „Kind, halte ein!“ „Vater, ein Einziges: Deinen Segen zu meiner Verbindung mit—“ „Nimmermehr! Bitte von mir, was du willst, du sollst es haben. Aber meine Einwilligung zur Verlobung mit diesem Doktor, dem Hungerleider, niemals, sage ich dir, nie!“ „Vater!“ schrillt es da wie eine Stimme des Wahnsinns auf, während die schlanke Gestalt dem Oberst zu Füßen sinkt,„mein Vater, nimm es zurück, dieses furchtbare Wort! Nimm es zurück, oder...“ „Oder?“ „Oder du hast kein Kind mehr!“ „Dann fort aus meinen Augen, du— Dirne!“ Und da, ein Ton, keinem menschlichen Klagelaut mehr ähnlich, ein leises Rauschen wie knisternder, seidener Gewänder, ein Schuß.. oder war es der Krach einer ins Schloß gefallenen Tür?... Und von Stund an hat Oberst Kraft von Hoblach sein Kind nicht wieder gesehen. Verschwunden sie, trotz allen Suchens, und verschwunden er, der seine Perle ihm geraubt, als hätte die Erde sie verschlungen.... „Heda, heisa! Papa Hopla!“ Wieder trommelt es mit kecken Kinderfingern an die Scheiben, und es kichert und lacht von draußen hinein in den schon halbschummerigen Raum, und es weckt den Alten aus seinem tiefen Brüten. Mechanisch, nach langer Gewohnheit, tritt er ans Fenster und starrt eine Weile ins Leere, denn die losen Rangen sind längst schon davon. Und gerade so mechanisch läßt er sich wieder in den Sessel nieder... „Infame Rangen!" Nun springt der alte Herr doch böse auf. Abermals hat's an die Scheiben gepocht, zwar leiser, aber doch vernehmlich! Und horch, nochmals. Mit raschem Griff schiebt er die Riegel von den Doppelrahmen zurück, öffnet die Fenster weit, und... was ist das? Träumt er? Hat sein Geist sich verwirrt oder ist es Wirklichkeit? Dies kleine Wesen dort vor ihm, das, zitternd und bebend vor Nässe und Kälte, doch mit so großen, blauen, treuherzig fragenden Augen aus dem blonden Lockengewirr zu ihm emporschaut,... das ist... „Margret, Klein=Margret!“. Und nieder beugt sich die alte Reckengestalt und streckt verlangend beide Arme nach dem Kinde aus.„Margret, mein Mädchen, so komm' doch zu mir!“ Und schon hat er sie erfaßt, die winzige Gestalt, und im nächsten Augenblick steht sie vor ihm mitten im halbdunkeln Zimmer! „Ich heiße ja gar nicht Klein=Margret,“ tönt es da an sein Ohr und weckt ihn wie aus weltfernem Traum. „Nun, wie denn sonst?“ „Klein=Leni heiß' ich. Aber nicht wahr, du bist endlich der Weihnachtsmann!" Der Oberst seufzt trübe auf.„Das war ich lange schon nicht mehr, mein Kind!“ G Ra; sage mal, dann bist du vielleicht gar der liebe „Ach, Kind, wie kommst du nur darauf?“ Weil doch die Jungen draußen vorhin all' an dein Fenster klopften, und weil ich doch den Weihnachtsmann so schnell brauche oder den lieben Gott.“ „O Kind, wer brauchte den wohl nicht!“ „Ja, aber für meine arme Mama brauche ich ihn schnell, ganz schnell!“ „Wie heißt denn deine Mama?“ „Na, Muttil weißt du denn das nicht?“ „O holde, kleine Einfalt! Wie heißt denn aber dann dein Papa?“ Da stockt der kleine Blondkopf zum erstenmal; dann kommt es langsam, halbtraurig über die Lippen:„Das weiß ich nicht mehr!“ „Hast du denn keinen lieben Vater?“ „Doch, droben im Himmel, sagt mein Mutti.“ Der Oberst versteht. Doch was soll er mit dem kleinen Wesen nun beginnen? Während er noch sinnt, öffnet sich die Tür, und herein tritt Babette mit der brennenden Lampe. Aber es ist gut, daß der Tisch in der Nähe steht: denn kaum hat sie das Bild vor sich erfaßt, als sie, ungläubig starrend, mit einem Ruf helister Ueberraschung die Lampe niedersetzt, auf das Kind zustürzt und, vor ihr niederkniend, schier atemlos fragt:„Wie beißt du?“„Klein=Leni!“ „Weiter! wie weiter?“ „Leni Werner.“ „Nicht Weymann?“ „Nein, Leni Werner.“ Da richtete die Alte wie enttäuscht sich langsam wieder empor, und, zum Oberst gewendet, sagte sie:„Verzeihen Sie, gnädiger Herr, aber die Aehnlichkeit war zu groß. als daß... 4 „Mir ging's nicht anders, Babette, doch was fangen wir nun mit der Kleinen an?“ Und er erzählte ihr kin den Hergang, worauf sie das Kind von neuem ins Exam a nahm. Bald wußten nun beide, daß Klein=Leni in der Brunnenstraße 199 zu Berlin bei ihrer Mama wobe# und weggegangen sei. um den Weihnachtsmann oder den lieben Gott zu suchen, weil ihr Muttchen so sehr gewern hatte, daß sie die nicht finden könne, und so tran huchen. So hatte zu alerlehten Male# Klein=Leui, als sie allein war, all heimlich auf der: Men gemacht. um Mutti zu hellAufmerrsam, mit wachsender Rührung, hatten die beiden Alten zugehört. Kein Zweifel, hier tat schnelle Hilse not, wenn auch die erste leise Hoffnung, eine große, wundervolle Entdeckung gemacht zu haben, nach allem, was das Kind erzählte, sich nicht erfüllte. Und nun, wo es zu handeln galt, erwachte in dem Oberst auch die alte Energie wieder. Klein=Leni, die von Schnee durchnäßt und von Kälte durchschauert war, sollte Babette bei sich behalten: überdies war es vielleicht besser, wenn der Oberst seinen Weg nach der Brunnenstraße allein antrat. III. Es war kurz vor 6 Uhr abends, als Oberst von Hoblach sich die schmalen vier Treppen im Hinterhause der Brunnenstraße 199 hinaufmühte. Wohl brannte vorschriftsmäßig hie und da eine Lampe in dem dumpfigen Treppenraum, aber nur so dürftig, um mit Mühe und Not die nächsten Stufen erkennen zu lassen. Dann tönte im vierten Stock links die Türglocke. Aber der alte Herr mußte zweimal klingeln, ehe er innen einen müden, wie zagenden Schritt gewahr ward. Nun öffnete sich wohl die Tür und im dunklen Raum wurden die schwachen Umrisse eines weiblichen Wesens sichtbar, aber, ehe der Oberst noch ein Wort sprechen konnte, klang es ihm schluchzend, kaum verständlich, wie eine Geisterstimme aus anderer Welt, entgegen:„Nur herein, Herr Lehmann, es gehört Ihnen alles, verstehen Sie, alles! Doktor Förster ist verreist, und das einzige, was ich noch besaß, mein Kind, meine Leni...“ Und als der Oberst erschüttert einen Schritt näher trat, kam er gerade zurecht, um die vor ihm zusammenbrechende Gestalt in seinen Armen aufzufangen.!:“ „Heda, heisa!“ klang es gebieterisch von seinen Lippen; und gleich darauf stand neben ihm Herr Lehmann, der Gerichtsvollzieher. Der alte Praktikus fand schneller Rat; vor allem ward die ohnmächtige Gestalt auf das Bett im Zimmer getragen, und dann zündete er die Lampe an, um weiteres zur Hilfe herbeizuschaffen. Aber es fehlte nicht viel, so hätte Herr Lehmann noch einen zweiten schweren Patienten im engen Raum gehabt; denn kaum hatte der Oberst auf die Bewußtlose blicken können, als er mit dem heiseren Aufschrei:„Margret, mein Kind!“ neben dem Bett in die Knie sank. Doch der erschütternde Ruf weckte die Ermattete aus ihrer Betäubung. Einen Augenblick schaute sie ungläubig auf den Alten im Silberhaar an ihrer Seite nieder, dann sprang sie auf; und in das eine Wort:„Vater!" alle Angst vieler Jahre und allen Jubel dieser Sekunde zusammenfassend, zog sie den Oberst sanft zu sich empor. IV. So viel still verklärte Freude wie an diesem Heiligabend hatte das große Zimmer des Hoblachschen Landhauses in Niederschönhausen wohl nie gesehen. Hell brannten die Kerzen am Weihnachtsbaum, in den zehn strahlende Augen zu gleicher Zeit andächtig hineinschauten. Nahe der Tür saßen in respektvoller Zurückgezogenheit Babette und der alte Lehmann, der Gast des Hauses für diese Abendstunden. Klein=Leni aber hielt bereits jauchzend eine große Puppe im Arm, die zwar gewiß nicht mehr neu, aber schöner als alle Puppen der Welt war; hatte sie doch Mutti dereinst gehegt und gepflegt! Nahe dem Kamin, in dem nach alter Weise noch ein Holzfeuer behaglich prasselte, saß im Lehnstuhl der alte Oberst, und ihm zu Füßen auf einem kleinen Polsterschemel Margret, sein wiedergefundenes Kleinod. Ach, es war eine lange, traurige Geschichte gewesen, die sie ihm kurz zuvor, noch unter oier Augen, erzählt. Die Flucht aus dem Vaterhaus vor sieben Jahren im halben Wahnsinn, zu dem Geliebten, den sie hatte beschwören wollen, mit ihr zu sterben. Aber der energische Mann, ein trotz seiner Jugend schon in Fachkreisen als Archäologe geschätzter Privatgelehrter, hatte sie davon abgehalten. Noch in derselben Nacht waren beide zu einer alten Tante Dr. Weymanns in die Schweiz geflüchtet, bei der Margret Unterkunft fand, bis ihr Verlobter sich einen neuen Wirkungskreis geschafsen. Seinen Berliner Junggesellenhaushalt hatte ein verschwiegener Freund vorläufig sich genommen, um ihn bald darauf nach der Insel Midüllü, dem Mytilene der Alten, unweit Troas an der Küste Kleinasiens zu senden, wo Dr. Weymann begründete Hoffnung auf aussichtsreiche Ausgrabungen hatte, wenn freilich er auch sein gesamtes Privatvermögen daran setzen mußte. Vor seiner Reise dorthin hatte er ganz im stillen noch mit Margret Hochzeit gefeiert, die er dann, soer in der Fremde festen Boden gefaßt, nachkommen ließ. Ein paar Jahre unbeschreiblichen Glücks waren unter dem leuchtenden Himmel des Orients gefolgt, bis das Verhängnis in seiner grausamsten Gestalt über die junge Frau kam. Während der Ausgrabungsarbeiten brach ihr Gatte mit einem morschen Gewölbe, von dem niemand gewußt hatte, zusammen und konnte nur als Leiche wieder zutage gefördert werden. Margret stand am Rande des Ruins. Nachdem sie alle Verpflichtungen in Midüllü eingelöst, stfremde Frau noch schmählich hintergangen worden war, kehrte sie mit den wenigen Resten des ihr verbliebenen Geldes nach Deutschland zurück. Um vor ihrem Vater, dem sie jetzt weniger denn je vor die Augen zu treten wagte, und vor sonstigen Bekannten verborgen zu bleiben, nahm sie den Namen Werner an, unter welchem Pseudonym ihr Mann verschiedene dichterische Aroriten von sich hatte erscheinen lassen. Sie selbst besaß sowohl einiges musikalische wie literarische Talent; aber im Kampf ums Dasein behielten bald Stärkere den Sieg, ging es rapid mit ihr zurück. Schließlich wußte sie, um sich und das Kind durchzubringen, keinen anderen Rat mehr, als einige Möbel auf Abzahlung zu kaufen und sich durch Nähen das Leben zu fristen. Tief erschüttert hatte der Oberst dieser Tragödie des Lebens gelauscht und dann sein Kind zu sich emporgezogen.„Margret, Gott hat uns beide schwer geprüft, um wir wollen es in Demut bekennen— uns von den Fiaa##unseres Geschlechts zu befreien, wie man Gold im Bieger kautert. Aber nun wollen wir uns auch bewähren seligen Weihnachtstunde. Als dann später die fünf um die Festkafel vereinigt saßen, hob der Alte sein Glas und, zu Babette gewandt, rief er frohgemut:„Gelt, alte Freundin, so war's doch nicht umsonst, daß wir sieben Jahre lang an Weihnacht die Gans im Topf schmoren und den alten„Rüdesheimer“ ans Tageslicht kommen ließen. Ein Heiligabend entriß uns unsere Perle; ein Heitigabend hat uns deren zwei wiedergeschenkt!“