(Erstes Blatt.) Montag den 17. Februar 1896. Abonnementspreis pr. Quartal M..50. Insertionspreis die einsache Spaltenzeile oder deren Raum 15 Pfennig. " 83. Jahrgang. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Festtage. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen. Fernsprecher Nr. 39. Deutscher Reichstag. 1* Berlin, 15. Februar.[41. Sitzung.] Eröffnung mittags 1 Uhr. Antrages Nach Annahme eines schleunigen untrages Auer auf Einstellung eines gegen den Abg. Stadthagen schwebenden Strafverfahrens setzt das Haus die Beratung des Militäretats fort. 166i... 156 zn# Abg. Bebel(S) mißbilligt zunächst den Ton, in welchem der Kriegsminister gestern gesprochen, und den Mangel an Ernst, den auch das Haus dabei gezeigt. Die Millionen draußen, zu denen er selbst gesprochen, würden ihn schon verstehen. Und welche objektiven Unwahrheiten seien ihm denn vom Kriegsminister nachgewiesen worden? Die Berichtigungen seiner gestrigen Angaben über Mißhandlungen hätten sich höchstens auf das Maß der Mißhandlung bezogen, diese selbst aber nicht in Abrede stellen können. In Betracht komme da überdies die Befangenheit der militärischen Zeugen. Wie oft komme es vor, daß ein militärischer Eid falsch geschworen werde und daß die Untergebenen vor dem Militärgericht eine Mißhandlung ableugnen, sie dagegen hinterher vor dem Civilgericht zugäben. Präsident v. Buol: Ich glaube doch den Herrn Redner so verstehen zu sollen, daß er nicht die militärischen Eide im allgemeinen hat aufechten, sondern nur von einem einzelnen Falle hat sprechen wollen. Abg. Bebel(.): Allerdings, und ich glaube, wenn der Herr Präsident das Stenogramm nachsieht, wird er sinden, daß ich mich nicht so ausgedrückt habe, wie mich einzelne Herren an jenem Tisch anscheinend verstanden haben. Redner geht nochmals auf die Duellfrage ein, bezeichnet das Duell als Krebsschaden, gemeingefährlichen Unfug. Der Kriegsminister habe sich die Sache doch etwas zu leicht gemacht, als derselbe auf Lassalles Duell Bezug genommen habe. Leider habe Lassalle allerdings diese grobe Dummheit gemacht, heute, am Ende des 19. Jahrhunderts, würde sicher auch Lassalle anders darüber denken. Wenn der Minister von einem Notstand des Gerbers in Frankfurt an der Oder gesprochen, so sei es doch selbstverständlich, daß die Arbeiter— wie auch jetzt die Näherinnen— zu einer Zeit ausständig werden, wo der Unternehmer dadurch in einen„Notstand“ gerät. Da seitens einer Behörde helfend einzugreifen, zum Nachteil der Arbeiter, sei ungehörig. Wenn Schall sich gestern mit sittlicher Entrüstung gegen das Duell erklärt habe, so sei doch zweifellos, daß der allgemeine Eindruck, den das Haus vor 2 Jahren von den bezüglichen Ausführungen Schalls gehaht habe, der war: Schall habe das Duell verteidigt. Wie es mit der Sittlichkeit in der Armee bestellt sei, bekunde der Verlauf des Kongresses der deutschen Sittlichkeitsvereine in Colmar im September 1895. Habe man dort doch sogar vorgeschlagen, sich an den Kaiser zu wenden, ihm über die sittlichen Zustände in der Armee Mitteilung zu machen. Und wie äußere sich eben darüber die bekannte Broschüre des Pastor Wagner. Jemand, der einmal ein Sedanfest eines Regiments besucht habe, habe hinterher gesagt, einmal und nie wieder! Auch Bodelschwinab spreche sich in ähnlicher Weise aus. Minister v. Bronsart: Wenn ich Herrn Bebel 6 oder 7 mal nachweise, er habe Unrecht, so sagt er 8 bis 10 mal: er hat Recht. Ich glaube, das Haus wird auf die unbeglaubigten Angaben des Herrn nichts geben. Es besteht doch kein Zweifel darüber, daß Sr. Majestät die Mißhandlungen in der Armee nicht will. Herrn Bebels Ausführungen bezwecken nur die Agitation, man will bei den Müttern Haß und Verachtung säen und den Wehrpflichtigen ihren Dienst verleiden. Die ganze Rede Bebel's heute sah aus wie ein langsamer Rückzug, wo nur noch die Heckgeschütze fenern. Mit der Bebel'schen Oesertion in Nachen verhält es sich wie mit dem Lübecker unsichere(Heiterkeit rechts.) Es handelt sich da nur um allerdingsa#nisten. Landstreicher und Stromer, die man ctorues besser nicht gerade an der Grenze eingestellt bätte. Seitdem wir dies nicht mehr thun, haben wir keine Oeiertionen mehr. Die militärärztlichen Zeugnisse sind mir glaubwürdiger und praktisch bedeutsamer, als alle Reden, die Bebel hält und noch halten wird. In Bezug auf die militärischen Eide hat der Herr Präsident schon die Korrektur eintreten lassen, ich kann da also auf weiteres verzichten. Welcher von Ihren Führern Dummheiten begeht, das müssen Sie am Ende besser wissen, ich maße mir darüber ein Urteil nicht an.(Heiterkeit.) Lassalle war der Meinung, daß er es seiner Mannesehre schuldig sei, mit seiner Person einzustehen. Ich verzichte darauf, noch auf alle die 16 oder 17 anderen Punkte in der Rede Bebel's einzugehen, sonst würde die Sache endlos werden und wir könnten allein über die eine Rede Bebel's bis übermorgen sprechen.(Heiterkeit.) Abg. Stadthagen(.) beantragt, das Gehalt des Ministers abzulehnen. Wir müssen uns doch fragen, ob er wirklich mit solchem Ernst seine Stellung ausfüllt, daß wir dafür 36000 Mk. ausgeben können. Ich glaube nicht, daß wir so viel ausgeben können für seine Eigenschaft als Schauspieldirektor, und daß die Rolle des Pistol oder des Zigeunerbaron 36 000 Mk. wert ist. Wenn so wichtige Fragen, wie Soldaten-Mißhandlungen, deren einzelne sogar den Tod des Gemißhandelten verschuldeten, in einem solchen Tone gegenüber einem Abgeordneten behandelt werden, so muß ich doch sagen: für derartige Figuren ist 36.000 Mk. zu viel. Redner geht alsdann auf bestimmte Mißhandlungsfälle näher ein, hauptsächlich auf solche mit nachfolgendem Tode, sowie auf das den Mißhandlungen zu Grunde liegende System. Nur um dieses System zu retten, würden diese Mißhandlungen hier so scherzhaft behandelt. Generallieutenant v. Spitz bestreitet, nur für richtig halten, daß der Herr Kriegsminister dies hier ausdrücklich darlegt und dabei auf das Haus keine Rücksicht nimmt. Herr Bebel hat übrigens nicht das Recht zu behaupten, daß seine Partei allein es sei, welche Mißstände in der Armee rüge. Wir verurteilen das Duell absolut, aus Gründen der Vernunft, aber vor allem aus Achtung der Gewissenspflicht. Wir verurteilen auch die Soldaten=Mißhandlungen, aber wir hüten uns, aus einem einzelnen Falle zu verallgemeinern. Die Mißhandlungen ragen in unsere Zeit als ein unerträglicher Anachroismus hinein. Wir wollen auch, daß der Offizier sich stets bewußt bleibe, daß ihm die Waffe nur zum Dienst für das Vaterland anvertraut ist, nicht zum Kampf gegen wehrlose Civilisten. Darin stimme ich Bebel bei, daß wenn in bürgerlichen Kreisen mehr Wert gelegt wird auf die militärische Ehre als auf bürgerliche, dies nur zu beklagen ist. In der Frage Frankfurt a. d. O.(Beurlaubung zweier Soldaten an einen Gerber) kann ich nach der Darstellung des Ministers Herrn Bebel nicht beistimmen. Die von Bebel auf den Tisch des Hauses niedergelegten Unsittlichkeitsfälle finde ich haarsträubend, aber— ich vermisse die Schlüssigkeit auf die Armee, zumal insoweit es sich um Vergehen nicht mehr aktiver Militärs handelt, wie z. B. bei dem Festprogramm eines Vereins ehemaliger Perieger..„ Buankaut:.un Haeur GJehan mrietr Minister Bronsart: Wenn Herr Lieber mein Verhalten gegenüber den Socialdemokraten nicht für richtig hält, so glaube ich, wird seine Ansicht von allen Mitgliedern seiner Partei nicht geteilt werden. Ich kann nicht auf alles eingehen. Abg. Hausmann(Volksp.) bemerkt, daß er auch im Namen der freis. Volkspartei spreche. Was Graf Roon über sein Verhältnis zu dem christlichen Verein junger Männer sagte, findet doch eine eigentümliche Beleuchtung durch die Art, wie er nachher das Duell verteidigte. Durch die Abkommandierung oder„Beurlaubung“ in Frankfurt a. d. O. ist auf jeden Fall das Prinzip der Nichteinmischung in gewerbliche Lohnkämpfe seitens der Staatsgewalt verletzt worden. Davon, daß auf dem Gebiete der Behandlung Untergebener durch die Vorgesetzten bereits eine wesentliche Besserung eingetreten sei, habe ich mich bisher nicht überzeugen können. Es liegt das an dem System des mangelnden Rechtsschutzes für den Gemißhandelten. Die Zeugen wagen vor den oberen Vorgesetzten nicht die volle Wahrheit zu sagen, denn dazu gehört geradezu eine wahre Aufopferung. Gewiß mag der Spiegel nicht richtig sein, wie ihn Bebel der Armee vorhält, aber gewiß ist auch die Auschauung trügerisch, die aus den Berichten des Kriegsministeriums hervorgeht. Ein dringendes Bedürfnis liegt vor für eine Reform des Militärstrafprozesses. Ich möchte dieserhalb den Herrn Kriegsminister nicht interpellieren, ich entnehme aus der Anwesenheit des Kriegsministers bei der Beratung dieses Etats, daß die Zeitungsmeldung unwahr ist, wonach diese Reform auf dem toten Geleise angekommen sein soll. Aber ich erwarte zuversichtlich, daß er bis zur 3. Lesung oder spätestens zur nächsten Session uns die Reform=Vorlage vorlegt. In Bezug auf die zu frühe Pensionierung von Offizieren kündigt Redner einen Autrag zum Pensionsetat an und schließt: es möge alles gethan werden, um auch bezüglich Behandlung der Soldaten durch die Militärärzte einen würdigen Zustand herbeizuführen. Diese Aerzte seien nicht immer kenntnisreich genug und nicht selten abgestumpft. Minister v. Bronsart weist die Annahmen des Vorreduers zurück, als ob jemals nicht wahrheitsgemäße militärische Berichte an Vorgesetzte erstattet würden und als ob das Material an Aerzten ein mangelhaftes sei. In Bezug auf Reform des Militärstrafprozesses habe er seiner letzten Erklärung nichts hinzuzufügen. Abg. Spahn(.) erklärt, der Aeußerung Lieber's, daß der Minister mehr auf die Beschwerden der socialdemokratischen Redner hätte eingehen müssen, stimmten zu. Sie meinten sogar, wohlwollend gesprochen. alle Mitglieder des Centrums Lieber habe noch etwas zu (Hörtl bört!) Minister v. Bronsart: Dann habe ich mich geirrt, und indem ich das zugebe, sehen Sie, daß ich nicht eigensinnig bin. Abg. Schönlank(.) äußert sich unter sehr großer Unruhe des Hauses über den christlichen Verein junger Männer. Abg. v. Bennigsen(nl): Meine Freunde hoffen baldiges Zustandekommen der Reform des Militärstrafprozesses. Dann werden viele Beschwerden aufhören. Was das Duell anlangt, so macht der in vielen Kreisen herrschende Ehrbegriff dasselbe notwendig. Unsere Armee und der in ihr herrschende Geist haben eine solche Anerkennung gefunden, allgemein, auch bei anderen Völkern, wie wir es uns besser nicht wünschen können.(Beifall.) Dieser Geist bei uns hat sich auch in Frankreich gezeigt. So human, wie der 1870/71 ist noch nie ein Krieg geführt worden(Beifall), ein Krieg in einem fremden Lande! Wir werden uns die Freude und den Stolz auf diese herrliche Institution, unsere Armee, nicht austreiben lassen.(Lebh. Beifall). Abg. Graf Bernstorff=Lauenburg(.) bemerkt, das Duell halte er für ein Uebel, und zwar ein nicht notwendiges. Der Minister möge Ehrengerichte in der Armee einführen. Abg. Werner.(Antisemit), wirft den Socialdemokraten vor, mit ihrer Schilderung der Zustände in der Armee lediglich Unzufriedenheit säen zu wollen. Abg. Haußmann(Deutsche Vp.) erklärt, er habe bei seinen Bemängelungen der Militärärzte ausdrücklich nur von Ausnahmen gesprochen. Auch sei es ihm nicht eingefallen, von bewußt falschen militärischen Berichten zu reden. Nach weiterer kurzer Debatte nimmt nochmals de nicht die I.(Soc.) das Wort, um auszuführengz, Beschwerden über das geltende Berggesetz nicht bekannt geworden sind. Abg. Dr. Arendt(fk.): Der Silberbau im Harz erfordert auch im laufenden Jahre wieder einen bedeutenden Zuschuß. Aber die Privatbesitzer können nicht leisten, was der Staat kann. Uebrigens befinden sich die meisten Silberbergwerke im Besitze des preußischen und des sächsischen Staates, und bei den Betriebsergebnissen haudelt es sich also um Interessen der Steuerzahler. Ich bin allerdings der Meinung, daß die Rücksicht auf unseren Silberbergbau nicht in Betracht kommen könnte, wenn wir eine unantastbare Währung hätten. Die Behauptung, daß die Silberminen-Besitzer von Amerika Geld an heimische Bimetallisten schickten, ist ganz unrichtig.„Davon müßte ich auch etwas wissen. Herr Barth yar sich auf eine Aeußerung des Geheimen Rats Thielen berufen, die dieser in einem Vortrage über den verstorbenen Geh. Rat Neuhauß gemacht haben soll. Herr Thielen hat mir den Wortlaut des Vortrages zur Verfügung gestellt; es ist kein Wort dieser Behauptung darin.(Hört, hört!) Hoffentlich wird auch die Regierung in Zukunft den heimischen Bergbau schsützen.(Bravo!) Abg. Dr. Brömel(Fr. Vg.): Es ist allerdings nachweisbar, daß bedeutende Summen, zu denen auch Minister beisteuerten, zur Förderung der bimetallistischen Propaganda aufgebracht wurden.(Hört, hört! links.) Ebenso unbestreitbar ist, daß die Goldproduktion noch Zu,zfeiger Zeit so groß war wie gegenwärtig.„Die. Prophezetzuinen vom Rückgange der Goldgewinnung haben sich noch immer als falsch erwiesen. Bei uns ist der Bimetallismus nichts weiter als eins der praktischen Mittel zum Zwecke höherer Getreidepreise.(Sehr richtig!) Zu bedauern ist die fortwährende Bennruhigung der Gewerbetreibenden durch die bimetallistische Agitation und erfreulich die Stellungnahme der Reichsregierung zu dieser Frage.(Bravo! links.) Abg. v. Eynern(nl.) hebt die Erklärung des Reichshervor, die der Stimmung des Landes entspreche. Redner wünscht eine feste Haltung der Regierung gegenüber der nutzlosen Agitation der Bimetallisten. Abg. v. Karvorff(st.) wirft der Regierung vor, sie hätte nur pro forma in England angefragt. Die künftige japanische Industriehöhe werde den Goldwährungsmännern die Augen öffnen. Redner nimmt seine Erklärung von bezahlten Agitatoren des Cobden-Clubs zurück. Minister v. Berlepsch will nur bemerken, daß die Regierung sich in der Währungsfrage auf ihre eigene Ueberzeugung und nicht auf irgend welche Partei stütze. Redner bezeichnet die Berichte über australische Goldsunde, die fälschlich dem Bergrat Schmeisser zugeschrieben werden, als unbegründet.... 4:, Futmig.u: G. Abg. Bueb(ul.) bezeichnet die Entwickelung Japans als von dem Silberpreise unabhängig. Abg. Rickert(fr. Vag.): Der Cobden=Club unterhalte überhaupt keine Agenten. Abg. v. Eynern(nl.) begrüßt Kardorff's Entschluß bezüglich einer milderen Agitation. Abg. Arendt(st.): Eine wüste Agitation betrieben die Goldanhänger. Bei der Aufrage des Reichskanzlers in England müsse irgendwo ein Mißverständnis obwalten. In England werde schließlich der Bimetallismus siegen. Abg. Bockelberg bittet den Minister, nach Ablauf der Syndikatezeit die Preise der staatlichen Salzwerke herabzusetzen und die Kalibohrungen auch im Osten zu vermehren. Der Minister sagt letzteres im Interesse der Landwirtschaft zu. Die Salzpreisnormierung erfolgte sehr niedrig. Auf Auregung des Abgeordneten Bartner(nl.) sagt der Regierungskommissar im nächsten Etat Alterszulagen für Werkbeamte zu. Abg. Stötzel(.) und Letocha(Ctr.) verlangen Schiedsgerichte in Knappschaftssachen. Geheimrat Freund widerrät dem Vorschlag, zumal die Berufung bereits zulässig ist. Abg. Schmieding(nl.) und Gothein(fr. Vg.) wünschen überhaupt Aufbesserung der Bergrevierbeamten. Der Bergetat wird genehmigt. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr. Etat der Bauverwaltung.— Schluß nach 4 Uhr. und schüttelte und es ihm unter dem Beifall des Hauses verwies, die Armee als solche anzugreifen. Hätte Herr v. Bronsart sich auf denselben Ton gestimmt, dann würde er dieselbe verdiente Zustimmung gefunden haben. Die unangenehme Spannung zwischen der vom Kriegsminister beliebten Art und den Empfindungen des Hauses wie jetzt auch zweifellos der Bevölkerung hat ihre letzten Gründe aber nicht bloß in der Persönlichkeit des Ministers, sondern sie resultiert aus der mangelnden Fähigkeit der Militärs, sich in die Empfindungen der bürgerlichen Gesellschaft soweit hineinzudenken, wie man es zu fordern hat. Wenn das selbst Herrn v. Bronsart, einem der unbefaugensten und verständnisvollsten höheren Offiziere, nicht gelingt, wie schwer muß es dann erst den anderen fallen! Aus dem Reichstage. □ Berlin, 15. Februar. Die zweitägige Verhandlung des Reichstags über Soldatenmißhandlungen hat wenig angenehme Eindrücke hinterlassen. Würden sich solche Debatten bei uns in den Formen vollziehen, wie in parlamentarisch regierten Ländern, würde also etwa ein Mißtrauensvotum gegen den Kriegsminister eingebracht worden sein, so hätte ein solcher Antrag ohne Zweifel eine stattliche Mehrheit auf sich vereinigt. Aber auch ohne diesen Abschluß hat die Verhandlung gezeigt, daß Herr v. Brousart sich arg im Ton vergriffen. Der Kriegsminister erfreut sich einer gewiß verdienten Beliebtheit bei allen Parteien. Er ist ein ungewöhnlich geistvoller Mann, des Wortes mächtig wie nur wenige, stets fesselnd durch seine soldatische Geradheit, gewinnend durch die Abwesenheit jenes steifen Hochmuts, der an so manchem seiner Kameraden mit vollem Recht mißfällt. Vor allem aber ist iym die gewiß wertvolle Gabe eines stets gegenwärtigen Humors verliehen worden. Aber alles zu seiner Zeit! Wird der Minister über die sittlichen Zustände im Heere befragt, soll er Rede und Antwort stehen über Mißhandlung von Untergebenen, tritt ihm durch den Mund von Reichstags= Abgeordneten die Sorge unzähliger Väter und Mütter um das Schicksal ihrer Söhne vor die Augen, dann hört doch „Generallieutenant, v. Spitz bestreitet,„daß in einem hab. 223:, Lebel(Soc.) das Wort, um auszuführeizz, er der Spaß auf dann heißt es, schlicht und Falle ein infolge von Mißhanldungen invalide Gewordener Zände in derseiten au sfen, sondern nur die Miß= vollstem Ernste und oh. spielende Hinüberoleiten unverforgt geblieben sei. Ein solcher Mann sei unter piellen Gründen hererststz, Zu all den anderen prinzi= auf das Gebiet. uue, bede=7ganserse Geztunte oleiten allen Umständen versorgungsberechtigt. —„Abs,.Rogt.( bezeichnet die Art und Weise als ungehörig, wie die socialdemokratischen Redner gestern weilten und mißhandelten. überlassen, zu entscheiden, vor.#s von Roon wirft sodann den Sozialdemokraten — jogs.dif Armee zu hetzen, und bestreitet namentlich in Berlin Sel Stadthagen bemängelt hatten— daß junger.sSoldaten zum Besuch des Vereins christlicher übrigens psür““ commandirt würden. Der Verein sei sei ein netwenz wirke segensreich. Das Duell Armee niemalg.. Unsittlichkeiten würden in der Linke daröber sein, aber was die 81angeführt habe, sei bedentungslos. aus Sh Haiee Der Kriegsminister bat aus Rücksicht mohr eingu au die vielen Einzelheiten Bebels nicht auserardestich Wir bedauern das. Die Sache ist Herrn Febel har ihn doch viemede dabe ich die Augete“ anders als völlig ernst genommen. Wenn Angaben Bebels unbegründet sind, so würden wir es Prrurnt Sghnoen, verenthalben seine Partei die Forderungen Haßet zc..„. leichten Canserie auskunft gehen. für die Armee ablehne, komme auch der Umstand, daß Davei ist es vollkommen gleichgültig, ob Herr Bebel oder fortgesetzt von einer Seite, die wir alle kennen, bei der ob ein anderer die Beschwerden vorbringt, über die pagenoen und unpassenden Gelegenbeit do Puch alle kennen, bei jeoer Mmmamber u heit hie Armee als auch zur Anwendung gegen den inneren Feind bestimmt bezeichnet werde. Es würde Selbstmord sein, wolle seine Partei die Waffen bewilligen, welche man gegen sie schmiede. Die Debatte wird geschlossen und nach einer Reihe versniaer Vemerkungen die Postion„Kriegsminister“ Fortsetzung der Beratung Montag 1 Uhr. 20. t. Berlin, 15. Februar.(Abgeordnetenbaus. kung.] Eröffnung 11 Uhr. Am Ministertische: v. Berlepsch und Kommissarien. Tagesordnung: Berg=, Hütten= und Salinenetat. Gde L, eine längere, auf der Tribüne kaum verständliche ## pe des Abg. Schulte=Bochum(nl.), welcher verschiedene Mängel des Berggesetzes, namentlich in Bezug auf den Steinkohlenbau erörtert, erwidert Minister v. Verlepsch, daß aus Interessentenkreisen ob ein anderer die Beschwerden vorbringt, über die sich zu äußern der Minister verpflichtet ist. Es war nur Zufall, daß diesmal der Abg. Bebel allein die Hauptkosten der Debatte trug. In früheren Jahren sind dieselben und ähnliche Dinge auch von anderen Abgeordneten vorgebracht worden, und das wäre auch jetzt wieder geschehen, wenn nicht schon die Bebelschen Reden genügt hätten, um die Auseinandersetzung mit dem Minister in Fluß zu bringen. Es ist für Herrn v. Bronsart schlimm, diß er sich über die Stimmung, beispielsweise des Centrums, derartig täuschen konnte, daß ihm der Abg. Spahn erklären mußte. Herr Lieber habe nach der Ansicht der Fraktionsgenossen viel zu wohlwollend über den Minister geurteilt. Man mag sagen: das geht von einer Partei aus, zu der wir im Gegensatz stehen. Aber so liegt es doch nicht. daß diese Verhältnisse, die sich ohne Rücksicht auf Parteischeidungen an Herz und Gemit von jedermann wenden, bloß aus parteipolitischen Gesichtspeenkten betrachtet werden könnten. Was zur Zurückweisung von einseitigen, aus einer bestimmten politischen Richtung kommenden Gebässiakeiten gethan und ausgesprochen wersen England und Transvaal. Das englische Unterhaus hat am Donnerstag ebenfalls eine Trausvaal Debatte gehabt. Labonchère beantragte bei der Adreßberatung ein Amendement, wonach keine Untersuchung der jüngsten Ereignisse in Süd=Afrika als vollständig anzusehen sei, welche nicht auf die finanziellle und politische Thätigkeit der Chartered Company ausgedehnt wird. Bei Begründung desselben betonte Labouchère Chamberlains entschiedenes Eingreifen, als aber die Truppen der Chartered Company die Grenze überschritten hätten, läge wenigstens die Vermutung vor, daß Rhodes dafür verantwortlich sei, und derselbe hätte daher während der schwebenden Untersuchung von der Company als Direktor suspendiert werden müssen. Redner hebt hervor, daß alle Handlungen der Company den Charakter des Börsenspiels tragen, um den Wert der Aktien zu steigern. Sydney Buxton erklärte, das Amendement Labonchère involviere keine Parteifrage, das Ziel des ganzen Hauses müsse sein, die Regierung und besonders den Staatssekretät für die Kolonien, Chamberlain, dessen Handlungsweise allgemeine Billigung finde und verdiene, zu unterstützen. Das Haus wünsche nur die Gewißheit zu gewinnen, daß eine vollständige und durchgreifende Untersuchung der Vorgänge in Südafrika erfolge. Redner wünschte ferner zu wissen was die künftige Stellung Transvaals in Betreff seiner auswärtigen Beziehungen und inneren Verwaltung sein solle. Er sei erfreut über die entschiedene Erklärung der Regierung, daß die auswärtigen Beziehungen Transvaals von England kontrolliert würden, welches auch ein moralisches Recht habe, zu Gunsten der Uitlanders behufs Abstellung ihrer Beschwerden zu interveniren.„I. Li..lonien F aambarl.. Der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain hebt zunächst hervor, daß, obwohl man wußte, daß die Agitationen in Johannesburg zu Unruhen führen könnten, damals durchaus keinGrund zueiner Einmischung Englands vorhanden gewesen sei, zumal Transva k jede Berechtigung Englands, sich in die inneren Angelegenheiten der Republik einzumischen, zurückgewiesen hatte. Auch habe kein Anlaß zu dem Glauben vorgelegen, daß Vorstellungen seitens Englands von den betreffenden Parteien günstig aufgenommen werden würden. Nach seinem besten Glauben hätten Cecil Rhodes, die Chartered Company, das Reformkomilee in Johannesburg und Sir H. Robinson keine Kenutnis von dem beabsichtigten Vorgehen Jamesons gehabt. Der Staatssekretär erklärt weiter, er habe keinen Grund, an der Wahrheit der Erklärung des Präsidenten Krüger zu zweifeln, daß Krüger von einem beabsichtigten oder wahrscheinlichen Einfall keine Kenntnis gehabt oder Deutschland vorgeschlagen habe. mit oder ohne Zustimmung Portugals Truppen in der Delagoa=Bai zu landen und die Truppen nach Transvaal zu senden. Er beklage sich nicht darüber. Wenn es aber für Deutschland legitim war, gegen eventuelle Nachteile Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, so werde es auch anderen Mächten zuzugestehen sein, das Gleiche zu thun. Es empfehle sich daber, ein endgiltiges Urteil erst dann zu fällen, wenn alle Thatsachen bekannt seien. Die Schuld Jamesons werde durch den gegen diesen eingeleiteten Prozeß klargestellt werden, über die Mitschuld der Führer in Johannesburg urteile das Gericht in Pretoria. Was die Mitschuld der Chartered= Company betreffe, so werde die Untersuchung gegen die Company ohne rachsüchtige Motive dahin vor sich gehen, ob die Company geeignet sei, die Weiterverwaltung der Gebiete in Südafrika zu behalten. Mithin sei das Amendement Labouchöres unnötig. Obwohl es der Chartered= Company gestattet worden sei, ihr nützliches Werk in Süd=Afrika fortzusetzen, werde ihr jedoch die Kontrolle über Militär und Polizei entzogen und dieselbe englischen Beamten übertragen werden. Chamberlain erklärte dann weiter, daß seine letzte Depesche an Sir H. Robinson nicht von Cecil Rhodes beeinflußt worden sei: er habe nichts mit dem Entschluß Cecil Rhodes nach Südafrika abzureisen, zu thun gehabt und demselben auch keinen Rat angeboten. England könne wohl Unruhen außerhalb Transvaals abwehren, könne aber Transvaal nicht gegen innere Schwäche schützen, so lange der größete Teil der dortigen Bevölkerung wirklich in gedrückter Lage sich befinde. Die englische Regierung habe das Recht, dem Präsidenten Krüger freundschaftliche Ratschläge zu erteilen und werde auch fortfahren dies zu thun. Die Einladung an den Präsidenten Krüger, England zu besuchen, sei erst erfolgt, nachdem er(Chamberlain) die private Andeutung erhalten hatte, daß eine solche Einladung gern gesehen und auch angenommen werden würde. Falls diese Einladung angenommen werden sollte, würde der Präsident Krüger von der englischen Regierung und dem englischen Volke mit der ihm gebührenden Achtung empfangen werden. Persönliche Unterhandlungen würden etwaige Mißverständnisse beseitigen. Präsident Krüger habe sich über die Veröffentlichung seiner(Chamberlain's) jüngsten Depesche beklagt und hinzugefügt, daß die Regierung Transvaalskeinerlei Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten dulden werde. Er(Chamberlain) bedaure diese Mitteilung und glaube, daß sie einem Mißverständnis zuzuschreiben sei. Kein Freund Transvaals, so meinte er, werde behaupten können, daß es nicht wünschenswert sei, die Beschwerden der Mehrheit der Bevölkerung zu beseitigen. Die englische Regierung werde fortfahren, ihren Einfluß zu diesem Zwecke aufzuwenden. Er sel überzeugt, es werde später oder früher Gerechtigkeit geübt werden. Auf die letzten Auslassungen Chamberlaius ist von Pretoria aus bereits eine unzweidentige Antwort erfolgt, ohne daß man dort die Erklärungen des Kolonial= ministers noch kannte. Man fand die Depesche Chamber= lains an Sir Robinson als ausreichend, sich gegen Einmischungen in die inneren Angelegenheiten der Republik zu verwahren. Es liegt hierüber nachstehendes Telegramm vor: London, 13. Februar. Nach einer Meldung des „Bur. Reuter“ aus Pretoria vom gestrigen Tage hat menden Gehässiakeiten gethan und ausgesprochen wersen„Bur. Reuter“ aus Pretorja, vom gestrigen Tage, hat muß, das hat Herr von Bennigsen in würdiger Weise; der„Staatscourant“ am Nachmittag einen von dem stellgetbau und gesagt, indem er Herrn Bebel kräftig rütteltes vertretenden Staatssekretär van Boeschoten au den — englischen diplomatischen Agenten de Wet gerichteten Brief veröffentlicht. Nachdem van Boeschoten den Empfang der Drahtung des Gouverneurs der Kapkolonie Sir H. Robinson an de Wet, die eine kurze Wiedergabe der Drahtung Chamberlains an Robinson enthält, bestätigt lhat, beklagt er es, daß die vorzeitige Veröffentlichung der letzteren Drahtung in dem Londoner amtlichen Blatte es dem Präsidenten nicht gestatte, den Vorschlag Chamberlains anzunehmen und abzuwarten, bis die Drahtung der Regierung in seine Hände gelangt sei. Ohne die Ankunft besagter Drahtung abzuwarten, glaubt die Regierung von Transvaal die Pflicht zu haben, schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, daß sie es für wenig erstrebenswert und wenig weise hält, daß das englische Kabinett seine Stellung im Voraus bekannt gemacht hat, und daß nach Ansicht der Regierung die Lage sich dadurch verwickelter gestaltet hat. Die Regierung ist dadurch nicht nur gezwungen, zu erklären, daß sie keinerlei Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Republik, von der die Depesche spricht. dulden kann, sondern sie ist auch gezwungen diese Erwiderung im„Staatscourant“ zu veröffentlichen. Die Anstrengungen der Regierung, ein gutes Einvernehmen zwischen der Republik und England durch gemäßigte, friedliche Mittel herzustellen, werden nach Ansicht der Regierung zur großen Gefahr für den Frieden und die Ordnung, nicht nur in der Republik, sondern in ganz Südafrika erschwert, wenn man die Geister noch mehr aufreizt. Als Ergänzung bringt die„Times“ eine Meldung aus Pretoria vom Donnerstag, daß die Depesche Chamberlains, wie sie vorliege, die Billigung keiner Partei gefunden habe. Die Regierung nehme jeden Versuch, sich in die inneren Angelegenheiten der Republik einzumischen, übel auf, und die Uitländer seien zwar dankbar für die Anerkennung ihrer Beschwerden, seien jedoch der Ansicht, daß die vorgeschlagenen Mittel zur Abhilfe ungeeignet und undurchführbar seien.— Bei diesem Mißerfolg der Chamberlainschen Politik kann es nicht überraschen, daß die englische Presse die Erklärungen des Staatssekretärs Marschall im Reichstage in gewohnter Weise angreift und begeifert. „Daily News“ fragt:„Soll Südafrika englisch oder deutsch sein?" und bezeichnet es als unerhört, daß Deutschland die südafrikanische Handelsund Eisenbahnunion beanstande, weil die Eisenbahnen im Transvaal mit deutschem Kapital gebaut seien. Olneys Mouroedoktrin bezüglich Südamerikas sei mild und vernünftig im Vergleich mit dieser„Marschallunion“ in Südafrika. Die„Times“ fragt: Wenn ohne Suzeränität Deutschland eine militärische Kundgebung in einem antonomen Staate versuchen könne, wenn es aus dem Grunde, daß einige deutsche Kaufleute dort angesiedelt seien, sich anmaßen könne, dessen politische und kommerzielle Vereinbarungen zu beanstanden, wie unendlich stärker müsse dann die Grundlage sein, auf die hin ein suzeräner oder oberster Staat, dem die Mehrheit der Einwohner Lehenstreue schulde, einschreiten darf, um letztere gegen den Verträgen zuwider verübte grobe Ungerechtigkeiten zu schützen. Die englischen Blätter müssen einen sehr mangelhaften Auszug der Marschall'schen Rede erhalten haben, um so irrige, um nicht einen anderen Ausdruck zu gebrauchen. Folgerungen daran zu knüpfen. Was Herr v. Marschall sagte, konnte England nicht verletzen: er verwies sogar auf die Konvention von 1884 und wahrte nur den deutschen Interessenstandpunkt. Daß dies in offener und energischer Weise geschah, wie es einem Manne zukommt, der im Namen des Deutschen Reiches spricht, findet die Billigung des gesamten deutschen Volkes. Gefällt den Briten diese Sprache nicht, so werden wir die Verschärfung der Verstimmung wohl bedauern, doch möchten wir kein Wort der Erklärung gemildert oder zurückgezogen wissen. Deutschland hat eben, wie die „Voss. Ztg.“ hervorhebt, schwerwiegende Interessen in Südafrika, es hat dort Staatsangehörige, die zu schützen seine Pflicht ist, weil sie nicht mit Einbrecherbanden gemeinsame Sache machen. Es hat aber auch das Recht, stammverwandte Völker vor brutaler Vergewaltigung zu bewahren und Verträgen Achtung zu verschaffen. Das Eine möge man sich in London gesagt sein lassen: Deutschland macht sich seine Politik selbst; es steht nicht unter britischer Vormundschaft! den Vertretern der deutschen Gewerkvereine in Sachen der gesetzlichen Anerkennung der Berufsvereine hat zu Teil werden lassen, hat die„Post“ so verschnupft, daß sie mit Befriedigung den Sprung über den Graben, der Herrn v. Stumm und die Socialdemo= kratie trennt, unternimmt und sich die Auffassung des selbstverständlich kompetenten Beurteilers des„Vorwärts“ aneignet,„daß der bekannte Wichtigthuer Dr. Hirsch die gedachten Minister zur Abwechselung wieder einmal zwecks Reklame belästigt habe und daß diese um ihn los zu werden, ihm in unverbindlichster Weise wohlwollende Prüfung seiner Wünsche zugesichert hätten.“ Daß die gesetzliche Anerkennung der Berufsvereine eine Förderung der socialdemokratischen Bestrebungen nicht enthalten würde, kann allerdings nicht durchschlagender bewiesen werden, als durch das intime Hand= in Hand=Gehen des Organs des Herrn v. Stumm mit dem Parteiorgan der Socialdemokratie. Obendrein versucht die„Post“ es mit der Drohung, daß die Regierung durch ein Entgegenkommen gegen die Wünsche der Gewerkvereine gerade diejenigen Parteien, auf derer Unterstützune sie bei Nuchen Purlisen, uuf deren Ame upung gie der einer kräftigen deutsch=nationalen und kraftigen antisocialistischen Politik in erster Linie angewiesen sei, zur schärfsten Opposition herausfordern würde. Dagegen schreibt der politisch der„Post“ nahestehende„Hamb. Corresp.“ in einer Erörterung des bürgerlichen Gesetzbuchs:„Für das Vereinsrecht mag, was bisher wenigstens in der Oeffentlichkeit von keiner Seite betont wurde, darauf hingewiesen werden, daß wir hier in Hamburg die vollkommene Anerkennung der Rechtspersönlichkeit jedes freigebildeten Vereins haben und daß die politisch schlimmen Folgen, die die Regierungen bei einer noch viel beschränkteren Zulassung dieser rein privatrechtlichen Auerkennung fürchten, bislang nicht eingetreten sind.“ * Berlin, 16. Fehr. Das Staatsministerium trat Samstag Nachmittag 2 Uhr im Reichstagsgebäude unter dem Vorsitz des Fürsten zu Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen. — Der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge hatte der Staatssekretär Freiherr von Marschall heute eine Unterredung mit dem türkischen Botschafter Chalib Bey. Reich. □ Berlin, 14. Februar. Stöcker kann den Konservativen gewiß noch gefährlich werden. Die konservative Parteileitung hat vor zehn Tagen einen Glückwünsch vom Kaiser für das Ausscheiden Stöckers erhalten, aber nicht alle Mitglieder der Partei sind bereit, aus der kaiserlichen Anerkennung für sich die Folgerung zu ziehen, daß sie nunmehr ebenfalls mit dem Ereiguis zufrieden zu sein haben. Nachdem an verschiedenen Orten, zumeist im Osten, Widerspruch, bald von Einzelnen, bald von kleineren Gruppen, gegen die Ausstoßung Stöckers laut geworden ist, haben sich Elferausschuß und Parteivorstand jetzt mit einer sehr viel bemerkenswert reu Kundgebung abzufinden. Der Vorstand und die Vertrauensmänner der deutsch=konservativen Partei der Rheinprovinz haben bekanntlich beschlossen, dem Elferausschuß mitzuteilen, daß sie„das Ausscheiden des Herrn Hofpredigers a. D. Stöcker aufs Tiefste bedauern, unter Mißbilligung der Art und Weise, durch die der verdiente und volkstümlichste Mann der Partei aus der Parteileitung auszutreten gezwungen worden ist. Die rheinischen Konservativen behalten sich weitere Schritte vor.“ Welches diese„weiteren Schritte“ sein werden, kann man sich ungefähr denken; die rheinischen Konservativen werden entweder einen Provinzialparteitag abhilten oder auf die Berufung eines allgemeinen konservativen Parteitages dringen, um Sühne für die Abstoßung ihres geliebten Stöcker zu fordern. Der unbefangene Beobachter kann es ruhig abwarten, wer sich als der Stärkere erweisen wird, und das zuschauende Publikum aus den anderen Parteien hat ja in keinem Falle den Nachteil davon, ob nun die Limburgschen Konservativen oder die Mannen Stöckers obenauf bleiben oder kommen. Der Aublick dieser Kämpfe ist um so vergnüglicher, als die Naumannsche Richtung eine dritte Streitkolonne darstellt, die Herrn Stöcker natürlich freundlich zur Seite steht, ihm aber doch auch Verlegenheiten aller Art bereiten könnte. Zum Teil wird sie das schon dadurch thun, daß zwischen ihrem eigenen ehrlichen Fanatismus und der Stöckerschen Schaukeltaktik eine tiefe sachliche Kluft gähnt: zum andern Teile ist Pfarrer Naumann, wie sich aus der letzten Nummer der„Hilfe" ergiebt, nichts weniger als geneigt, mit Stöcker ohne weiteres Hand in Hand zu geben. Er hat Mißtrauen gegen ihn, er hält ihn für einen Konservativen durch und durch, trotz allem, was jüngst geschehen: er glaubt auch nicht, daß die konservative Partei im Osten Schaden nehmen werde, weil sie sich von Stöcker getrennt. Denn dieser ostelbische Konservatismus sei schon dagewesen, bevor Stöcker seine Thätigkeit begann. Dagegen würden die Konservativen im Süden und Westen vielleicht absplittern. Pfarrer Naumann scheint in letzterer Beziehung kein übler Prophet zu sein. Die Widerborstigkeit der rheinischen Konservativen sieht bereits wie der Anfang vom Ende nach dieser Seite hin aus. Es ist mancherlei davon geredet worden, daß die konservativen Parteihäupter jetzt auch gern Herrn v. Plötz„abwimmeln“ möchten. Die gute Absicht werden sie vielleicht auch haben, aber die züngsten Erfahrungen im Stöckerfalle mögen ihnen doch Vorsicht auferlegen. Am Dienstag, wo der Bund der Landwirte seine Parade im Cirkus Busch abhält, wird man schwerlich etwas von Störungen des Verhältnisses zwischen den Konservativen und den Bündlern merken. LO Berlin, 15. Febr. Der wohlwollende Empfang. den der Reichskanzler und Staatssekretär v. Boetticher — Ein u. A. von Spielhagen, Wildenbruch und Jul. Wolff unterzeichnetes Schreiben an die Berliner ZeitungsRedactionen fordert diese auf, Zahlstellen zur Annahme von Gelbern zur Unterstützung ausständiger Konfektionsschneider und Konfektionsnäherinnen einzurichten. — Die„Germania“ veröffentlicht eine Zuschrift des Reichstagsabgeordneten Fusangel, daß die Blättermeldung, der Generaldirektor der Westfälischen Stahlwerke, Köhler und dessen Gattin hötten in dem sog. Steuerprozesse Material gegen den Bochumer Verein geliefert, der Begründung entbehrt. Fusangel erklärt, das bezügliche Material für die Anschuldigung von der Familie Köhler nicht erhalten zu haben. Gleichzeitig meldet die „Germania“ aus Bochum, daß das Ermittelungsverfahren gegen Köhler nichts wesentlich Belastendes ergeben habe. Die Nachricht, daß die Anklage erhoben und der Termin für die Hauptverhandlung angesetzt sei, falsch. — Im badischen Landtag haben die Nationalliberalen bekanntlich den Antrag gestellt, zwar das indirekte Wahlrecht aufzuheben, aber die Zahl der aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden Abgeordneten von 63 auf 58 zu vermindern. Dazu sollen dann 15 Abgeordnete der Städte durch ihren Bürgerausschuß gewählt werden, der aus Dreiklassenwahlen hervorgeht. Für Mannheim und Karlsruhe sind zwei Abgeordnete dieser Art vorgesehen, den übrigen 11 Städten ist je einer zuerkannt. Der ganze Vorschlag isi darauf zugeschnitten, den Nationalliberalen die Mehrheit in der zweiten Kammer zu erhalten und zu sichern. In der Verfassungskommission wurde der Antrag abgelehnt, ebenso wie ein Antrag des Centrums, sodaß zunächst eine Aenderung des Wahlrechts nicht zu Stande gekommen ist. — Wegen Majestätsbeleidigung wurde in Siegen der Schuhmocher Vogt zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen Ablehnung erhobener Pensionsansprüche hatte er wiederholt beleidigende Aeußerungen über den Kaiser gemacht. * Darmstadt, 15. Februar. Die zweite Kammer lehnte gegen 15 Stimmen den Antrag auf Einführung weiblicher Fabrikinspektoren ab, faßte jedoch einstimmig den Beschluß, die Regierung zu ersuchen, den Fabrikinspektoren weibliche Assistenten beizugeben. * Koburg, 15. Februar. Die vom Herzog Alfred am 18. Januar angeordnete bedingte Aussetzung der Strafvollstreckung ist heute in der Gesetzsammlung als allgemeine ständige Verordnung publiciert worden; hauptsächlich soll sich die Ausstellung auf erstmalig Verurteilte, welche das 18. Lebensjahr noch nicht überschritten und nicht höher als mit 6 Monaten Gefängnis bestraft sind, erstrecken. Frankreich. * Paris, 15. Februar. Senat. Béranger bringt eine Tagesordnung ein, die am Dienstag angenommene Tagesordnung, durch welche bedauert wird, daß in der Südbahn=Angelegen heit Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien, zu bestätigen. Diese Tagesordnung wird mit 139 gegen 70 Stimmen angenommen. Die Sitzung wird sodann geschlossen. * Paris, 15. Februar. Vor der heutigen Sitzung des Senates trat die Gruppe der Republikauer im Senate zusammen und beschloß im Anschluß an die Interpellation Monis eine Tagesordnung zu beantragen, welche das Verhalten des Justizministers tabelt. * Paris, 16. Februar. Bei der heute Vormittag stattgehabten Zusammenkunft waren die Minister einstimmig der Ansicht, daß die letzten Beschlüsse der Deputiertenkammer ihnen die Pflicht auferlegen, diejenige Politik weiter zu verfolgen, welcher die Kammer ihr Vertrauen bezeugt hat. * Paris, den 16. Februar. Nachdem die Minister in der heutigen Vormittags=Zusammenkunft zu der Ansicht gekommen waren, daß der gestrige Beschluß des Senats nicht eine Verschärfung des Senatbeschlusses vom Dienstag sei, sondern nur eine Bestätigung desselben, und daß das Ministerium folgerechter Weise Angesichts des Vertrauensvotums der Kammer vom Donnerstag im Amte bleiben solle, begab sich der Ministerpräsident Bourgeois heute Nachmittag in das Elysée, um dem Präsidenten Faure diese Entscheidung des Ministerrats mitzuteilen.— Die Minister werden keine neue Zusammenkunft vor Dienstag haben, und die Kammer wird nicht vor Donnerstag zusammentreten. Es ist nicht bekannt was das Ministerium thun wird, ob es einen Entwurf zur Abänderung der Verfassung einbringen oder ob es sich aufs Neue in der Kammer interpelliren lassen wird. Das Ministerium wird seine Entschließung hierüber erst in einem am Donnerstag abzuhaltenden Ministerrat fassen Italien. * Rom, 15. Febr. Die„Agenzia Stefanie“ meldet aus Massanah: General Baratieri sandte mit Genehmigung des Ministerrats und auf eine Bitte des Neaus Menelik den Major Salsa in das Lager der Abessynier. Major Salsa wurde mit großen Ehren empfangen und hatte eine Unterredung mit dem Negus, in welcher dieser als Bedingungen für den Frieden die Räumung der besetzten Landstrecken und vollständige Aenderung des Vertrags von Uccialli erklärte. General Baratieri antwortete dem Negus, nachdem ihm hiervon durch den Major Salsa Mitteilung gemacht worden war, daß die italienische Regierung zugestimmt hätte, über den Abschluß eines Friedens zu unterhandeln, in dem Vertrauen, daß eine gerechte und nützliche Erledigung für Italien und den Negus gesunden werden würde, daß aber die Bedingungen des Negus weder angenommen noch auchnur als Srundlage einer Unterhandlung in Erwägung gezogen werden konnten und und daß somit jeder der beiden Parteien überlassen bleibe. nach freiem Belieben zu bandeln. o# Lenzon,. 15. Februar. Bei Beratung des Adreßzu, des Tabbuchère's im Unterhause hob Harcourt das hochwichtige Ereignis der gestrigen Rede v. Marschall's hervor. Die Erklärung Salisbury's im NonconformistenClub, Krüger habe die Intervention auswärtiger Mächte angerufen, sei lediglich auf den Bericht des britischen Agenten in Pretoria gestützt. v. Marschall's Rede sei eine unmittelbare Widerlegung jener Erklärung Salisbury's gewesen, die sehr unvorsichtig und rücksichtslos gewesen und, wenn wirklich unbegründet, die jetzige Lage zu verschlimmern geeignet sei. Wer übele Gesinnungen zwischen Deutschland und England wolle, sei kein Freund des Friedens. Die Untersuchung gegen die Chartered Company gehöre nicht vor eine Richter=Commission, sondern vor das Parlament. Es sei wohl möglich, daß die Ereignisse in Maseking und die Vorgänge in Johannesburg von der Chartered Company angeregt seien. Es sei notwendig, festzustellen, ob diejenigen, die den Aufstand in Johannesburg in Scene setzten, in Uebereinstimmung mit jenen gehandelt hätten, welche Truppen in Maseking zusammengezogen. Die wichtigste Frage sei, unter wessen Autorität Jameson handelte. Den letzten Schriftwechsel besprechend, bedauert Redner die plötzliche Unterbrechung der Unterhandlungen. Es sei menschlich daß Krüger die Ausarbeitung eines Reformplanes durch andere ablehne. Die Ausländer wünschten übrigens Englands Intervention ebenso wenig als die Deutschlands. Jedenfe . rtigm Passch Bedenfalls müsse man mit deratligen Ratschlagen erst kommen, wenn die Gewißheit bestehe, daß die Parteien darauf zu hören geneigt seien. Der erste Lord des Schatzes, Balfour erklärte, Harcourt habe den Wunsch ausgesprochen, zu wissen, welche Beweise Salisbury für seine Erklärung im NonconformistenClub gehabt habe, daß Transvaal die Intervention Deutschlands gewünscht hätte. Salisbury habe sich auf Thatsachen gestützt, die nach seiner(Balsour's) Ansicht vollkommen genügten und zur Zeit, als sie in den Zeitungen bekannt wurden, unwiderlegt waren. Das sei ein Mal die positive Versicherung des britischen General=Agenten im Transvaal, die in Ausdrücken erfolgte, die nur die Deutung zuließen, daß der Appell an Deutschland und Frankreich ergangen sei. Redner wiederholt den bekannten Wortlaut der Depeschen des General=Agenten, die dieser als sehr dringend bezeichnet hätte und fügt hinzu, die Worte hätten unmöglich bestimmter lauten können. Wenn es außerdem inzwischen eine notorische Thatsache geworden sei, daß die deutsche Regierung beabsichtigte, Marinesoldaten in der Delagoa=Bai zu landen, so sei, wie ihm scheine, eine Beweiskette vorhanden gewesen, durch welche Salisbury's Erklärung gerechtfertigt worden. Nach v. Marschall's deutlicher Erklärung sind die vorstehenden Ausführungen Balfour's eine unmittelbare Beleidigung Deutschlands.] Präsident Krüger habe an der Rede Salisbury's ausgestellt, daß ein Vergleich zwischen Transvaal und Irland die von Transvaal festgehaltene Haltung absoluter Unabhängigkeit der innern Angelegenheiten beeinträchtige. Salisbury suchte letzteres nicht zu bestreiten. Der Vertrag von 1884 gebe jedoch gewisse Rechte selbst bezüglich der innern Angelegenheiten.(??) Salisbury habe sicher nicht den Glauben erwecken wollen, daß er den Vertrag von 1884 umstoßen wollte. Ueber die Form der Untersuchung gegen die Chartered Company könne die Regierung erst beschließen, wenn die Prozesse in London und Pretoria ein Ergebniß gehabt hätten. Wenn die englische Bevölkerung in Trausvaal in gleichem Maße zunehme, so werde die Zeit kommen, wo die Buren nicht länger eine unkontrolirte Verwaltung des Landes haben könnten. Redner sprach die Hoffnung aus, daß Krüger nach England kommen werde. Labouchere zog dann sein Amendement zurück. Bulgarien. * Die Umtaufung des Prinzen Boris hat mit großem Pomp, militärischen Ehren und Kanonendonner, mit Illumination und Feuerwerk stattgefunden. Die Ceremonie dauerte von 11—12 Uhr mittags. Der Jubel und Trubel war groß; dem Prinzen, dem Ministerpräsidenten, den russischen Ehrengästen wurden Kundgebungen dargebracht. Auch eine Amnestie wird erlassen. Wie der„Times“ aus Odessa vom 10. d. Mts. gemeldet wird, wurden die bulgarischen Offiziere und die übrigen bulgarischen politischen Persönlichkeiten, welche sich nach Odessa und anderen Teilen Südrußlands geflüchtet hatten, benachrichtigt, daß sie gleich nach dem Uebertritt des Prinzen Boris begnadigt werden würden. — Die Begnadigung dieser sogenannten„russischen Emigranten“ macht Ferdinands Kapitulation vor Rußland vollständig. Türkei. * Konstantinopel, 15. Februar. Zur Durchführung der Uebergabebedingungen in Zeitun ist jetzt mit der Heimsendung von 12000 Flüchtlingen begonnen worden; die Verpflegung derselben macht Schwierigkeit.— Der Oberstlieutenant Mahmnd, ein Sohn des Ghazi Muktar Pascha ist freigelassen worden, nachden. das Verhör dessen Unschuld ergeben hat. Amerika. * Washington, 14. Februar. Das Repräsentantenhaus hat mit 216 gegen 91 Stimmen die freie Silberprägungs=Bill abgelehnt, welche der Senat an Stelle der vom Repräsentantenhause genehmigten Bonsbill angenommen hatte.— Dem Vernehmen nach wird der Kongreß den Bau von drei neuen Kriegsschiffen genehmigen. * Hagen, 17. Februar.[Musterung.] Die Musterung für den hiesigen Stadtkreis findet in der Zeit vom 26. März bis 1. April d. J. statt. * Hagen, 17. Februar.[Ueber die Fragewann die Sonntagsruhe beginnt, hat am Montag der Straf enat des Kammergerichts entschieden. Ein Schlächtermeister in Barmen hatte in einer Nacht zum Sonntag 25 Minuten nach Mitternacht noch für 10 Pfg. Wurst Maße vermindert werden könnten, dem Wunsche Ausdruck gegeben, es möge den Standesbeamten der Provinz gestattet werden, eine diesen Zweck verfolgende, von sachverständigen Autoritäten als Flugblatt verfaßte und in der Rheinprovinz schon seit einigen Jahren auf eben demselben Wege mit gutem Erfolge verbreitete, populär gehaltene Belehrung, welche die Ueberschrift führt:„An die Eltern und blinder Kinder“, jeder eine Geburt anmelund im Stune daab skgudigen. Die betreffenden Behörden worden.. Dotstehenden mit Anweisuna versehen serg....„„ 512 91. Hagen, 17. Februar.[Die Ergebnisse der r gen zeuritschegzg, Staatsprüfungl in Jahre Zahl der Prss Vezministerialblatt“ veröffentlicht. use hrt Imurcae bat sich von 547 auf 564 „ehe:. Im ganzen waren der Prüfungskommission 1895 Die 946 Referendare überwi. Peeinngerommissten nberwiesen, von denen 16 vorweg zurückgewiesen, ausgeschlossen oder verstorben sind. Von den übrig bleibenden 930 sind 616 geprüft Sie eriftlich und mündlich, 4 nur mündlich und 41 nur scheiftruh), während 314 Kandidaten(am Schlusse des Vorjahres nur 292) im Bestande blieben. Von den 618 geprusten zcandidaten bestanden 507 die Prüfung, darunter 72 mit dem Zeugnis„aut" und 435 mit dem Zeuquis „ausreichend". Die übrigen 109(das sind 17,7 der Geprüsten, ehensoviel wparen es im Vorjahre) haben die Prüsung naht bestanden, darunter 9 zum zweiten Male. Zum Ergebnis der Prüfungen bemerkt der Präsident, daß die Ausbildung der Kandidaten wesentlich auf dem nämlichen Standpunkt verblieben sei, wie in den vorhergehenden Jahren; nur scheine der Gegensatz zwischen den Leistungen in den schriftlichen Arbeiten und in der mündlichen Prüfung sich eher zu verschärfen, als auszugleichen, indem den schriftlichen Arbeiten auch solcher Kandidaten, die in der mündlichen Prüfung erfreuliche Kenntnisse zeigen, merkbare, bisweilen geradezu unbegreifliche Mängel auhafteten. Es werde verhältnismäßig mehr geleistet im positiven Wissen und mündlichen Vortrag, als in der wissenschaftlichen Erörterung einer Rechtsfrage und namentlich als in der wissenschaftlichen Behandlung eines in Akten niedergelegten Rechtsfalles. * Hagen, 17. Februar.[Mit besonderem Glanzel die Leute ihren Geburtstag begehen, die das müssen alle die Leute ihren Geburtstag begehen, die Pech haben, an einem 29. Februar geboren zu sein. Die Armen gehen jetzt einer acht Jahre langen„geburtstagslosen schrecklichen Zeit“ entgegen. Der nächste 29. Februar ist nämlich nicht in vier, sondern erst in 8 Jahren und zwar 1904. 2 Schwelm, 15. Februar.[Abschiedsfeier.] Zu 20 Minalen nach Miligrnacht=nowh für K über die Straße verkauft, weshalb er wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung von dem Schöffengericht in Barmen zu 10 Mark Strafe verurteilt wurde. Angenommen war hierbei, daß die Sonntagsruhe um Mitternacht beginne. Die hiesige Strafkammer erkannte jedoch in der Berufsinstanz auf Freisprechung, indem sie der Ansicht war, daß der Tag nicht um Mitternacht beginne und daß die Sonntagsruhe eben nur den Tag umfasse. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob aber das Kammergericht die Vorentscheidung auf und erkannte gegen F. auf 3 Mk. Geldstrafe, indem es sich bezüglich des Beginnes der Sonntagsruhe der Ansicht des ersten Richters anschloß. Die Folgerung ergebe sich nicht nur aus dem Wortlaut, sondern auch aus dem Zwecke des Gesetzes. * Hagen, 17. Februar.[Die westfälische Provinzial=Verwaltung) gedenkt, wie das„Westf. Volksbl.“ erfährt, in die Prüfung der Frage einzutreten, ob und in welchem Umfang für die Blinden der Provinz eine erhöhte Fürsorge anzustreben sein möchte. Notwendige Voraussetzung für ein solches Vorgehen ist eine genaue Zählung sämtlicher in der Provinz vorhandenen Bimnden. Mit dieser Zählung, welche im Laufe dieses Monats,gergenommen wird und zu welcher eine entsprechezier. karte Verwendung findet, sind die betreffenden Eunbratsämter bezw. Amtmänner betraut worden. Ferner hat die Provinzial=Verwaltung, gestützt auf die Wahrnehmung, daß durch eine vorbeugende Behandlung im Kindesalter, namentlich durch ein rechtzeitiges Einschreiten gegen eine eitrige Augenentzündung der Neugeborenen, die Fälle der Erblindung in erheblichem Ehren des Herrn Kreisschulinspektors Stordeur hier, der nach 2½jähriger Wirksamkeit auf seinen Wunsch nach zagan in Schlesien versetzt ist, hatten sich heute gegen hundert Lehrer und Lehrerinnen im Reese'schen Saale zu einem Festessen eingefunden. Vertreten waren auch einige Lokalschulinspektoren und Schulvorstandmitglieder. Unter den Ansprachen erwähnen wir insbesondere die von Herrn Hauptlehrer Blanke=Langerfeld im Namen der Versammlung gehaltene Abschiedsrede an den Scheidenden, in welcher er hervorhob, daß man den Herrn Kreisschulinspektor ungern von hier gehen sehe, da er als rechter Schulpfleger stets ein warmes Herz und helfende Fürsorge an den Tag gelegt hätte. Der Gefeierte dankte bewegt und versicherte, daß er auch ferner mit Freuden an die hier gethätigte Wirksamkeit zurückdenken werde. * Schwelm, 16. Februar.[Wahl abgelehnt.— Edelsinn.] Aus Gesundheitsrücksichten hat Ratsl; Wilhelm Sternenberg die Wahl zum Beigeordneten abgelehnt.— Eine große Freude hat der durch seine Stiftungen bekannte Rentner Herr Fr. Beckmann den sämtlichen Einwohnern seines Hauses, Ostenstraße Nr. 27, dadurch bereitet, daß er ihnen für ein ganzes Vierteljahr die Wohnungsmiete erlassen hat. Nachahmenwert und virant sequentes! Hohenlimburg, 15. Februar.[Die Stadtverordneten] beschlossen, noch weitere Angebote Erweiterung der Gasanstalt oder Anlage einer elektrisigen Beleuchtungsanstalt einzuziehen. Ueber die Abtretung der erforderlichen Grundfläche zu der vom Amte Altena geplanten Erbreiterung des Weges im Woerdener Thale soll erst dann beschlossen werden, wenn der bezügliche Plan vorliegt. * Witten, 16. Februar.[Gewaltthaten.] Ein Revolver=Gefecht und eine Messerstecherei spielten sich in vergangener Nacht fast zu gleicher Zeit ab. Die Schie“ eisen schwangen ein Arbeiter und ein Fuhrknecht, die st. beide recht erheblich verletzten. Die Revolverhelden werden sich demnächst u. a. auch wegen nächtlicher Ruhestörung zu verantworten haben.— Fast zu gleicher Zeit spielte sich in einer Wirtschaft an der Wetterstraße eine Messerstecherei ab unter den Bergleuten A. von hier und D. von Gedern. Auch hier floß Blut in Menge. In der Hitze des Kampfes ergriff D. seinen Gegner und schleuderte ihn von einer Treppe, wobei A. einen Arm und ein Schlüsselbein gebrochen hat. Infolge dieses Unglückes hörte die Rauferei auf. Das dicke polizeiliche Ende wibald nachfolgen, denn die Untersuchung ist heute morgen sogleich aufgenommen worden. * Dortmund, 18. Febr.[Aus unglücklicher Liebe] machte hier ein 22 Jahre altes Mädchen aus Essen, das sich hier bei Verwandten zum Besuch aufhielt, den Versuch sich zu vergiften. Ein sofort hinzugerufener Arzt gab Gegenmittel, jedoch muß die genommene Quantität Phosphor ziemlich erheblich gewesen sein, denn heute morgen ist laut„D..“ das Mädchen trotz der eifrigsten Pflege gestorben. * Bochum, 15. Februar.[Wettbewerb.] Nachdem der Neubau eines Oberrealschulgebändes endgültig beschlossen ist und die erforderlichen Geldmittel von der städtischen Vertretung bewilligt sind, soll in nächster Zeit eine Konkurrenz zur Erlangung von Entwürfen zu diesem Bau ausgeschrieben werden. Für Preise sind 3000, 2000 und 1000 Mk. ausgeworfen. Als Preisrichter wird unter anderen hiesigen Herren der bekannte Architekr Stier in Hannover, Professor an der dortigen technischen Hochschule, mitwirken. Friedrichshütte b. Laasphe, 12. Febr.[Gegen die Margarinevorlage] ist von hier eine mit 5000 Unterschriften veriedene Brotest=Petitzon an den Reichstag abgesandt. Der arme Kreis Wittgens ist durch seine großen Faßfabriken stark an der Erhaltung der Margarinefabriken beteiligt; seine arme Bevölkerung würde durch den Niedergang der Margarine schwer geschädigt. Soeft, 14. Februar.[Vergiftung durch den Genuß verdorbener Wurst.] Vor der Dortmunder Strafkammer hatten sich gestern der Metzger David Meyerhoff und dessen 22jähriger Sohn David wegen Vergehens Pahrungsmittelgesetz zu verantworten. gegen dus Nührungomiinigeses zu verantworten. Frau des Arbeiters Rechall, sowie der Schwager derselber waren infolge des Genusses der aus dem Mschen Geschäfte bezogenen Fleischwurst unter He“ Ptzugse erscheinungen erkrankt. Herr Hurch Hezi Henuß der verdorbenen Wurst berbeigeführt sel. Trozdem die Angeklagten die schädliche, eschaffezihei, der Wurst bestriten, gellgten die-hBige, Besz,. uo Ll. Geldbuge und sein Sohn zu 100 Mt. und die Tragung der Kosten vermteilt. Soyn 55 4b0 wel. a Münster, 15. Februar.[Der Landtag der rovinz Westfalen] beschloß in seiner heutigen sechs- s i t z u n g e i v G e s u c h d e r S t a d t B o c h u m. d i e ten Vlenarsonzy, ein Grsung der Stadt Bochum, die Provinz möge sich prinzipiell an den Kosten der Natural= verpflegungsstationen beteiligen, dem Provinzialausschußt zu überweisen, und stellte darauf einige Etats fest. Vor allgemeinerem Interesse ist die Mitteilung, daß die nei Irrenanstalt zu Avlerbeck im ganzez 2/ 32%gzenwärig wird; in dem bereits fertiggestellten Leit##uo., nächsten 30 Kranke untergebracht, der Rest wir#pelggung(500 Jahre vollendet und dann kann die Justizrgt Bock gege. Monn), ersoigen, Aber die Fianzlage der Provinz entdenen debersicht, 9der Jsamke gapzitalvermögen der Pronehmen wir, daß das gesamte......—. Grovinz Wesselegen# belief. Die sichtigen Verwgrtz, Landesbank 156 174.40 M. 2 trägt 207784,14 erhob sich eine einem früheren dem Fonds fur„ (Soest), den Betre vinzialstenern in anderer Seite wi hohen Ueberschuß halten. Herr Lai gegen, indem er eine knappe Ben dürfe, weil mit rechnet werden: die Mehrheit: d Höhe von 930.000 den Neubau wir welcher am Mitt beschäftigen. * Düffeldor brücke] bei Düs des Sicherheitsha den Strom führe nehmen beteilige Lueg, Bagel und wird mit dem link verbunden werder * Alstaden. Abentener] h Unglück halte, v stürzen, als gera er sich mit Anst Schienen. Der verletzen, über ik den Fall so schn im stande war, Stunden wurde gebracht. Man Cleve, 14. Kleesalz) schei: Staatsanwaltscha 9. d. M. durch Kl C Stadtrat Richard Frieda geb. Verm Hagen i. W. Danks Allen Freu kannten für überaus gros an dem her unseres Söhr an dieser 8 Dank. Frans Kle der Tei Verluste Mutter niermit Fley, Geschl Ste Gegen den Te Euler aus O burg, geboren 1868 zu Hofe unbekannten A flüchtig ist re hält, ist die wegen vorsätzl verhängt. Es wird er verhaften, in Gefänqnis zu zuliefern und Akten MIII geben. Hagen den Königl. St Ste Gegen den Schäfer aus limburg, gebo 1862 zu M Dillenburg, z1 Aufenthalts, resp. sich verl Untersuchungs Körperverletzu Es wird er verhaften, in Gefängnis zu liefern und Akten MIII geben. Hagen den Königl. Sta Zwangsve Vienstag, 1 zinz Westfalen sich Ende 1894/95 auf 7978199,21 Mark Ving.— Die Rechnung für 1894/95 ergab Dank der umberter. Verwaltung ein sehr günstiges Ergebnis; die sichtigen erzielte allein einen Reingewinn von Landesbaug. Der Gesamtüberschuß der Rechnung be150778414 M. Ueber die Verwendung dieser Summe erhob sich eine bemerkenswerte Debatte. Während diese früheren Beschlusse des Provinziallandtages gemäß Fands für den Neuvan des Landeshauses zugeführt dem O“ sollte, beantragte Herr Mühlenbesitzer Plange den Betrag in Hinsicht der stetig steigenden Provinzialsteuern in den nächsten Etat einzustellen. Von anderer Seite wurde bemängelt, daß die Rechnung so hohen Ueberschuß ergebe; die Etats seien knapper zu halten. Herr Landeshauptmann Overweg trat dem entgegen, indem er bemerkte, daß bei wirtschaftlichen Etats eine knappe Bemessung der Ausgaben nicht stattfinden dürfe, weil mit allen Möglichkeiten der Konjunktur gerechnet werden müsse. Der Antrag Plange fand nicht die Mehrheit: der Landeshausfonds hat nunmehr die Höhe von 930000 M. erreicht, und die Vorlage betreffend den Neubau wird in den nächsten Tagen den Landtag, welcher am Mittwoch oder Donnerstag geschlossen wird, * Düsseldorf, 15. Februar.[Die feste Rhein brücke] bei Düsseldorf ist gesichert und wird unterhalb des Sicherheitshafens nächst der„Schönen Aussicht“ über den Strom führen. Die Stadt wird sich an dem Unternehmen beteiligen für das die Kommerzienräte Haniel, Lueg, Bagel und Vohwinkel eintreten. Der alte Stadtteil wird mit dem linken Rheinufer durch Dampftrajekt=Verkehr verbunden werden. * Alstaden, 14. Februar.[Ein schreckliches Abenteuerl hatte hier ein Bahnbeamter, der das Unglück halte, von einer Böschung auf die Schienen zu stürzen, als gerade ein Zug heraubrauste. Nun wälzte er sich mit Anstreugung aller Kräfte lang zwischen die Schienen. Der Zug ging, ohne ihn im geringsten zu verletzen, über ihn hinweg. Der Mann hatte aber durch den Fall so schwere Verletzungen erhalten, daß er nicht im stande war, sich zu erheben. Erst nach mehreren Stunden wurde er aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht. Man fürchtet für sein Leben. Cleve, 14. Februar.[Das Vergiften mit Kleesalz) scheint hier Schule zu machen. Kaum hat die Staatsanwaltschaft die Leiche der Frau, die sich am 9. d. M. durch Kleesalz tötete, zur Beerdigung freigegeben, als Kunde von einer ähnlichen Vergiftung die Gemüter in Aufregung versetzt. Diesmal hat ein junges Mädchen, wie die„Rh.=Westf. Ztg. vernimmt, weil es von seinem Liebhaber verlassen worden sei, das Gift genommen. Die Unglückliche ist sofort in das St. Antoniushospital transportiert worden, wo ihr der Magen ausgepumpt wurde. Die Aerzte hoffen sie am Leben zu erhalten. * Köln, 14. Februar.[Die Handelskammer] hat sich in einer Eingabe an den Reichstag gegen die Bestimmungen der Gewerbe=Ordnungsnovelle betr. das Detail=Reisen ausgesprochen ebenso gegen die geplante Ausnahmestellung der landwirtschaftlichen Konsumvereine in der Novelle zum Genossenschafts=Gesetz und wird wahrscheinlich auch gegen das Margarine=Gesetz Stellung nehmen. Wegen der geplanten Reorganisation der preußischen Handelskammern wurde beschlossen, event. die sofortige Einberufung des deutschen Handelstages zu be* Köln, 15. Februar.[Karnevals=Bild.] Um sich das nötige Geld für die Karnevalsfreuden zu verschaffen, hatte ein edles Brüderpaar einfach seinen Eltern den Ofen gestohlen und ihn in Geld umgesetzt. Sie wurden durch die Kriminalpolizei verhaftet und werden somit für dieses Mal wohl auf die Karnevalsfreuden verzichten 15. Februar.[Fälscher verhaftet.] Gestern abend erschien auf dem Bureau eines hiesigen Bankgeschäftes ein Herr und präsentierte ein serbisches Los, um den darauf gefallenen Betrag von 100000 Frank zu erheben. Der Herr wurde zurückbestellt. Man telegraphierte nach Serbien und erfuhr, daß die Nummer richtig sei, der Betrag aber bereits erhoben wäre; mithin müsse das Los gefälscht sein. Die Kriminalpolizei wurde benachrichtigt und der Vorzeiger des Loses, als er zurückkehrte, um das Geld zu erheben, festgenommen. Honnef, 15. Februar.[Die Vorarbeiten für die elektrische Bahn Beuel=Honnef] sind von der Firma Siemens und Halske in Berlin nunmehr zu Ende geführt und die Pläne den vorgesetzten Behörden eingereicht. Auch haben die Gemeinden bereits alle den Vertrag mit der Firma über den Bau und Betrieb der Bahn genehmigt. Industrie, Handel und Verkehr. * Bremen, 15. Februar. Raffiniertes Petro leum.(Offizielle Notierung der Bremer PetroleumBörse.) Ruhig. Loco 6,10 Br. * Antwerpen, 15. Februar. Petroleummarkt. Schlußbericht.) Raffiniertes Type weiß loko 16½. Ruhig. * Glasgow, 15. Febr. Roheisen. Mixed numbers warrants 47 fb. 4 b. * Berlin, 15. Februar. Die Versammlung der Schneidermeister, über die bereits kurz berichtet worden ist, wurde am Freitag vom Obermeister der Damenschneider=Innung eröffnet und war von ungefähr 2000 Personen, darunter auch Großkonfektionäre, besucht. Es fielen sehr scharfe Worte gegen die„unverständigen Augriffe, welche in Versammlungen und im Reichstag die Schneidermeister als Zwischenmeister erfahren hätten.“ Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: Die versammelten Schneidermeister und Konfektionäre der Damenmäntelbrauche beschließen, einen gemeinsamen Ring gegen die Schundkonkurrenz und den unlauteren Wettbewerb in ihrer Brauche zu bilden. Die Versammlung erkennt an daß nur durch eine Ringbildung und Aufstellung eines festen Preis= und Lohntarifs die Uebelstände in der Damenmäntelbrauche beseitigt werden können. Die Versammlung beschließt, daß sich die Ring= meister verpflichten, nach einem mit den Konfektionären gemeinsam noch auszuarbeitenden Preis= und Lohntarif, unter den aufgestellten Preisen keine Arbeiten von den Koufektionären entgegenzunehmen und ihre Arbeiter und Arbeiterinnen unter dem aufgestellten Lohntarif nicht zu beschäftigen. Die Konfektionäre hingegen verpflichten sich bei einer Konventionalstrafe von 1000 M. für jeden Fall, keine Arbeitsaufträge unter dem gestellten Lohntarif abzugeben. Die Versammlung glaubt hiermit der Regierung sowohl, wie der Oeffentlichkeit gegenüber die allein geeigneten Vorschläge klargelegt zu haben, und erwartet von der Regierung, daß diese nunmehr ihre Macht auf die jenigen Arbeitgeber ausübt, welche sich diesen Bedingungen nicht anschließen, und wird die Regierung aufgefordert, zu beschließen, welche geeigneten Schritte sie nunmehr gegen diese von ihr selbst so bezeichneten Ausbeuter und Parasiten zu unternehmen gedenkt. Der Regierung sowohl, wie der Oeffentlichkeit sollen stets diejenigen Firmen, welche sich den aufgestellten Bedingungen nicht anschließen, bekannt gegeben werden. An das kaufende Publikum wird das Ersuchen gerichtet, seinen Bedarf nur bei den, den Ringen angehörenden Firmen zu decken. Dann wurde, wie bereits gemeldet, einstimmig beschlossen, sofort die Arbeit niederzulegen, und zwar so lange, bis eine Einigung mit den Consektionären stattgefunden hat. W Hamburg, 16. Februar. Die Reis=Dampfmühle in Moorfleth a. d. Elbe steht in vollen Flammen. Zwei Züge der Hamburger Feuerwehr und mehrere Schiffsdampfspritzen sind ausgerückt. W Erfurt, 16. Februar. Der Ausstand der hiesigen Konfektionsarbeiterinnen ist nach Bewilligung einer 12½prozentigen Lohnerhöhung beendet. W Brüssel, 16. Februar. Bei herrschendem Nebel fand gestern morgen auf dem Bahnhofe von Fleurus ein Zusammenstoß zweier Züge statt, von denen der eine von Nivelles, der andere von Namur kam; 28 Reisende sind verletzt. W Paris, 16. Februar. Nach Meldungen aus Havanna gelang es Maceo, trotz der Ueberwachung durch die spanischen Truppen, sich mit den Banden vor Gomez zu vereinigen. W London, 16. Februar. Das„Reutersche Bureau“ meldet aus Zanzibar, der Führer der Aufständischen Aziz griff mit 200 Mann am Mittwoch Malindi an und brannten viele Häuser nieder. Ein Askari und mehrere der Aufständischen wurden getötet. Bei der Ankunft des englischen Kanonenboots„Thrush“ stand Malindi in Flammen. W London, 16. Februar. Bei einem um 2 Uhr morgens in einem bewohnten Hause im Soho=Viertel stattgehabten Brande kamen elf Personen ums Leben, von denen sechs durch Verbrennen oder Ersticken, die andern durch einen Sprung aus dem Fenster auf die Spitzen eines Gitters ihren Tod fanden. Verantwortlicher Redacteur: Carl Maron in Hagen. Henneberg-Seide — nur ächt, wenn direkt ab meinen Fabriken bezogen— schwarz, weiß und farbig, von 60 Pf. bis Mk. 18.65 p. Meter— glatt, gestreift, karriert, gemustert, Damaste 2c.(ca. 240 verschied. Qual. und 2000 versch. Farben Dessins 2c.), porto- und steuertrei ins Haus. Muster umgehend. Seiden-Fabriken G. Henneberg(k. u. k. Hofl.) Züriek. TAAA A Stadtrat Dr. jur. Richard Barth Frieda Barth geb. Görres. Vermählte. Hagen i.., 15.Februar. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten für die bekundete überaus grosse Teilnahme an dem herben Verluste unseres Söhnchens sagen an dieser Stelle innigen Dank. Frans Klein u. Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teilnahme an dem Verluste unserer lieben Mutter sagen wir Allen hiermit unsern Dank. Fley, 17. Februar 1896. Geschw. Tiemesmann. Steckbrief. Gegen den Tagelöhner Heinrich Euler aus Oege bei Hohenlimburg, geboren am 8. November 1868 zu Hofgeismar, zur Zeit unbekannten Aufenthalts, welcher flüchtig ist resp. sich verborgen hält, ist die Untersuchungshaft wegen vorsätzl. Körperverletzung verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften, in das AmtsgerichtsGefäugnis zu Hagen i. W. abzuliefern und Nachricht zu den Akten MIII./96. hierher zu geben. Hagen den 14. Februar 1896. Königl. Staatsanwaltschaft. Sienbrief. Gegen den Tagelöhner Carl Schäfer aus Oege bei Hohenlimburg, geboren am 11. Mai 1862 zu Mandeln im Kreise Dillenburg, zur Zeit unbekannten Aufenthalts, welcher flüchtig ist resp. sich verborgen hält, ist die Untersuchungshaft wegen vorsätzl. Körperverletzung verhängt. ### wird ersucht, denselben zu verhuften, in das AmtsgerichtsGefängnis zu Hagen i. W. abzuliefern und Nachricht zu den Akten MIII./96. hierher zu geben. Hagen den 14. Februar 1896. Königl. Staatsanwaltschaft. Hr. ang=Versteigrrung. Dienstag, 18. Februar vormittags 11 Uhr, werde ich beim Wirt Weyer hiers. Fzscheit Pran, 1 Sofa, 1 Konöffentlich" dergl. mehr : gegen Bar versteigern. 17. Februar 1896. erzeichnis der beim Königlichen Standesamte zu Hagen in der Woche vom 2. bis inkl. 8. Februar 1896 beurkundeten Geburten: Polizei=Sergeant August Gante, 1 S. Bäcker Carl Hedtkamp, 1 S. Fabrikarbeiter August Neukirchen, 1 T. Cigarrenfabrikant Franz Jungermann, 1 S. Fabrikarbeiter Paul Zakrzewski, 1 T. Fabrikarbeiter Friedrich Honigmann, 1 S. Metzger Carl Kriener, 1 S. Fabrikarbeiter Conrad Wiegand, 1 T. Kupferschmied Carl Reininghaus, 1 T. Lagerarbeiter Albert Wülfing, 1 S. Fabrikarbeiter Carl Mertens, 1 S. Kaufmann Johannes Hunekohl, 1 S. Möbelhändler Wilhelm Krebeck, 1 S. Kaufmann Arthur Herweg, 1 S. Schleifer Ernst Hülsmann, 1 T. Hülfsbremser Carl Geitebrügge, 1 S. Werkmeister Julius Schulte, 1 T. Hammerschmied Eduard Westermann, 1 S. L. Sch. 1 T. Fabrikarbeiter Reinhard Heiderich, 1 T. Fabrikarbeiter Carl Kampmanu, 1 S. Schaffner Wilhelm Becker, 1 T. Schmied Johnnn Mischewsky, 1 T. Schneider Johann Hillesheim, 1 S. Gärtner Albert Wild, 1 S. Fabrikarbeiter Franz Mankowski, 1 T. Hammerschmied August Bleicher, 1 S. Kutscher Wilhelm Franz, 1 T. Privatsekretar Martin Louvet, 1 T. Wirt Carl Teigeler, 1 S. Schlosser Friedrich Frenken, 1 T. Schuhmacher Julius Esken, 1 T. Steinbrecher Thomas Epuron, 1 S. Klempner Johann Pitsch, 1 S. Fabrikarbeiter Carl Wölk, 1 S. Schlosser Heinrich Rösener, 1 S. Fabrikarbeiter Conrad Baumgardt. T. Klempner Friedrich Hahne, 1 T. Aufgebote: Schlosser Friedrich Wilhelm Möller zu Hagen und Anna Auguste Raffleubeul zu Hagen. Maurer Gustav Wilhelm Carl Werner zu Hagen und Luise Therese geb. Koch Witwe von Gärtner Ferdinand Heinrich Plumeke zu Hagen. Dreher Carl Friedrich Becker zu Hagen und Anna Clara Timmerbeul zu Fley. Handlungsgehülfe Carl Rudolf Suberg zu Hagen und Anna Maria Bertha Clara Hinnerwisch zu Hagen. Hobler Johann Conrad Otto Brandt zu Hagen und Maria Helena Butterweck zu Hagen. Lackierer Reinhold Friedrich Wilhelm Groß zu Hagen und Auguste Frank zu Weidenau. Metzger Hugo Schmidt zu Dortmund und Dora Heimhard zu Hombruch. Fabrikarbeiter Peter Friedrich Bühner Witwer von Caroline geb. Weinberg zu Ritzelswalze und Anna Lohmann zu Hagen. Färber Gustav Wüster zu Barmen und Lina Emilie Wegemann zu Hagen. Fabrikant Wilhelm Bamberger zu Hagen und Emilie Schmalenbach zu Hagen. Eheschließungen: Lokomotivheizer Oskar Carl Paletzki zu Hagen und Emma Anna Krahn zu Hagen. Fabrikarbeiter Hermann Theodor Ludwig Hengstenbeck zu Hagen und Anna Bertha Steinbach zu Hagen. Konditor Robert Schnepper zu Schwerte und Emma Sophie Effey zu Hagen. Maurer Wilhelm Wendelin Kilbinger zu Hagen und Heuriette Emilie Schulte zu Hagen. Brenner Gerhard Wilhelm Godemeyer zu Hagen und Cristiane Marie Auguste Mehnert zu Hagen. Maurer Carl Nohl zu Hagen und Caroline Ellbracht zu Hagen. Eisendreher Dominikus Josef Tegeler zu Hagen und Magdalena Karcher zu Hagen. Fabrikarbeiter Josef Johann Klebba zu Altenhagen und Anna Paula Strunkowsky zu Hagen. Fabrikarbeiter Heinrich Friedrich Strohm zu Delstern und Lisette Mäuser zu Hagen. Posthülfsbote Franz August Heinrich Lingenauber zu Hagen und Dorothea Anhalt zu Eckesey Sterbefälle: Friedrich Schmitz, Fabrikarbeiter, 66 J. Ehefrau Fabrikarbeiter Johannes Jäckel, Laura geb. Schürmann, 58 J. Witwe Lehrer Max Josef Schmitz, Josepha geb. Dahl, 74 J. Ferdinand. S. v. Fabrikarbeiter Ferdinand Griese, 7 M. Witwe Premier=Lientenant Hermann Tietz, Agnes geb. Maerker, 53 J. Carl Becker, Lokomotivführer, 46 J. Otto, S. v. Klempner Carl Riekesmann, 1 J. 8 M. Ehefrau Schuhmacher Caspar Schulte, Julie geb. Dürpholz, 71 I. Adolf Paul, S. v. Commis Heinrich Beckmann, 3 M. Wilhelm Piepenstock, Tagelöhner, 70 J. Emil, S. v. Fabrikarbeiter Gustav Ilberg, 1¼ J. Rovert Wasilewski, Fabrikarbeiter, 39 J. Adolf, S. v. Drahtzieher Johann Grimm, 4 J. Julius Heinrich, S. v. Fabrikarbeiter Julius Knipps, 13 T. Maria Elfriede, T. v. Fabrikarbeiter Friedrich Rennfort, 2 M. August, S. v. Arbeiter Johann Roschewski, 4 M. Hedwig, T. v. Fabrikarbeiter Ferdinand Griese, 8 J. Carl, S. v. Metalldreher Carl Pick, 2½ M. Max, S. v. Bäcker. Rudolf Külpmann, 10 M. Anna Maria Angela, T. v. Eisenbahnbremser Heinrich Glaser, 11 M. Heinrich, S. v. Gerichtsdiener Gustav Kronsbein, 1 J. Emilie, T. v. Schuhmacher Julius Esken, 2. T. Witwe Hammerschmied Diedrich Piepenstock, Wilhelmine geb. Flüß, 74 J. Fraderhate, Brautkranze u. Schleier in größter Auswahl zu billigstem Preise stets vorrätig. Elberfetderstr. 42. 405 Für den Eugrosvertrieb unseres mehrfach hervorragend preisgekrönten Cognac engagieren wir bei Grossisten gut eingeführten 3160 Agenten bei hoher Provision. Off. erbeten. Kurtze, Cognaebrennerei in Gr.=Glogan. Dapen den 3176 Bolmershausen, Gerichtsvollzieher. 18. beim eigerung. ds. Mts., mittags 12 Uhr, fortige Barzahlung verstef Harmuth, Gerichtsvollzieher. 3155 Den geehrten Bewohnern von Hagen und Umgegend mache hiermit die ergebene Anzeige, daß ich die bisher von Herrn Otto Linden geführte 3167 am 15. Februar übernommen habe. 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Killing in Delstern seit längerer Zeit einer eingehenden Prüfung von uns unterzogen sind, deren Resultat die Verwaltungs=Deputation für die städtischen Gas= und Wasserwerke bewogen hat, zu beschließen, daß von uns für die Folge nur Killingsche Gasglühlicht=Apparate und Glühkörper geführt werden sollen, die wir zu nachstehenden Preisen liefern: 1compl. Gasglühlicht=Apparat(Brenner, Gluhkorper und Cylinder).— M. 1 Glühkörper.......20„ Bestellungen werden im Bureau, Kirchstraße 1, entgegengenommen. Gleichzeitig machen wir bekannt, daß wir für Hagen, Delstern, Eppenhausen und Altenhagen=Eckesey die Alleinvertretung der vorgedachten Fabrik für den Verkauf dieser Apparate und Glühkörper übernommen haben. 3162 Hagen, den 15. Februar 1896. und Achtung für alle an Rheumatismus, Gicht, Podagra, Hexen schuß, Migräne, rheum. Kopf= und Gesichtsschmerz 2c. Leidenden. litt lange Zeit an Gicht und Atkeine Frau Rheumatismus, alle Mittel blieben erfolglos. 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(Zweites Blatt.) Montag den 17. Februar 1896. Abonnementspreis pr. Quartal M..50. Insertionspreis die einsache Spaltenzeile oder deren Raum 15 Pfennig. 83. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Festtage. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen. Fernsprecher Nr. 39. Selten K * Hagen, 17. Februar.[Vom Wetter.] dürften in zwei aufeinander folgenden Jahren die Witterungsverbältnisse eines Monates so verschigfaeßr. ger=gezgrenz wie im Februar vorigen und diesen Vu#####g wir heuer durchweg milde Tage, manchmal wahres Frühlingswetter gehabt haben, herrschte im Fehruar vorigen Jahres eine grimmige Kälte. In den Nächten ,vom auf den 7. und vom 8. auf den 9. Februar jank die Temperatur auf— 17 Grad Reaumur. Den ganzen Mona# hielt die strenge Kälte mit weniger Unterbrechung an, 14, 13 und 10 Grad Kälte waren an der Tagesordnung. Der Rhein war bei Emmerich zugefroren und die Schifffahrt am Niederrhein stockte vollständig. In eine recht unangenehme Lage sind die Besitzer von Eisteichen jetzt geraten, besonders solche, die mit Natureis Handel treiben. Wenn nicht noch eine kurze Frostveriode eintritt, dann werden dieselben im nächsten Sommer sehr bald ihren spärlichen Vorrat verkauft haben und alsdann wahrscheinlich gezwungen sein, dem Kunsteis das Feld zu räumen. * Hagen, 17. Februar.[Anträge auf Be willigung einer Fahrpreis=Ermäßigung] bei Gesellschaftsfahrten Erwachsener waren bisher an die zuständige Königliche Eisenbahndirektion zu richten, während zur Erledigung von Fahrpreisermäßigung bei Schulfahrten die Stationsvorsteher befugt waren. Der Herr Minister hat zur Beschleunigung und Vereinfachung des Geschäftsganges nunmehr angeordnet, daß vom 1. April d. J. die Gewährung von Fahrpreisermäßigung für Gesellschaftsfahrten Erwachsener unter gewissen Vorbehalten ebenfalls auf die Stationsvorstände übertragen wird. Es werden mithin künftig alle Anträge auf Gewährung der tarifmäßigen Fahrpreisermäßigung an den Stationsvorstand der Abgangsstation zu richten sein. Die Ermäßigung beträgt wie bisher 50 pCt. des ordentlichen Fahrpreises. Sie wird sowohl für die dritte, als auch für die zweite Wagenklasse der Personenzüge(nicht der Schnellzüge) gewährt. Bedingung ist, daß mindestens 30 Fahrkarten zusammen gelöst werden. * Hagen, 17. Februar.[Das Züchtigungsrecht des Lehrers.] Das preußische Oberverwaltungsgericht, sowie das Reichsgericht haben vor nicht langer Zeit entschieden, daß„der Lehrer zur Vornahme„empfindlicher“ körperlicher Züchtigungen und zwar sowohl bei Schülern einer anderen, als auch bei solchen seiner eigenen Klasse absolut berechtigt ist. Da das Verhalten des Schülers auch außerhalb der Schule der Schulzucht unterliegt, darf die Züchtigung seitens des Lehrers selbstredend auch auße halb des Schullokals, also nötigenfalls auch auf der Straße u. s. w. stattfinden. Dasselbe Recht hat auch der Geistliche in seiner Eigenschaft als Religionslehrer. Die Schulzucht, heißt es dann im Urteil weiter, kann nur dann Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens werden, wenn eine merkliche oder wesentliche Verletzung de Schülers stattgefunden hat. Als merkliche oder wesentlich Verletzung gilt aber eine solche, welche Gesundheit und Leben des Bestraften„nachweislich“ gefährdet. Blutunterlaufungen, blaue Flecken und Striemen für sich gehören nicht hierzu, denn jede empfindliche Züchtigung läßt bekanntlich und erfahrungsgemäß solche Erscheinungen zurück.“ * Hagen, 17. Februar.[Die Berufsgenossen schaften werden, nachdem nunmehr die Frist für die Einreichung der Lohnnachweisungen auf das Jahr 1895 abgelaufen ist, mit der Berechnung der auf den einzelnen Betrieb für das letztverflossene Jahr entfallenden Beiträge vorgehen und die Aufforderungen zur Zahlung der letzteren demnächst an die Betriebsunternehmer zur Versendung gelangen lassen. m Haspe, 14. Fedruar.[Ermittelt.] Verschiedene Frauen, deren Männer verschwunden sind, haben die hier am Sonntage im Walde aufgefundene Leiche Lesichtigt. Nunmehr ist die Leiche als die des Fuhrunternehmers W. Ronne aus Eckesey erkannt worden. Schon seit Ende 1894 ist der betreffende Mann verschwunden; gestern hier anwesende Angehörige desselben haben an den Kleiderresten aufs Bestimmteste die Leiche als die seinige ermittelt. A Wetter, 14. Februar.[Diebstahl.] Gestern gelang es der hiesigen Polizeibehörde zwei Personen ausfindig zu machen, die vor einiger Zeit bei einem hiesigen Bürger einen Gelddiebstahl ausgefuhrt und mit diesem Gelde eine Zeitlang in vollen Freuden gelebt hatten. Doch das Unglück schreitet schnell. Durch übermäßige Einkäufe 2c. darauf aufmerksam gemacht, wurden beide gestern Nachmittag verhaftet, worauf sie dann zugestanden, daß der Diebstahl von ihnen ausgeführt sei. Auch wurde infolge ihrer Angabe ein beträchtlicher Teil des Geldes aus seinem Versteck hervorgeholt. Die jugendlichen Diebe, die beiden Anstreichergehülfen Fr. und Br. wurden heute der Königl. Staatsanwaltschaft zu Hagen vorgeführt. 8 Schwelm, 15. Februar.(Landwirtschaftlicher Kreisverein.] Im Saale des Hotel=Restaurant Friedrichsbad am Schwelmer Brunnen fand gestern nachmittag die erste diesjährige Generalversammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins statt, die in üblicher Weise durch den Vorsitzenden, Herrn Landrat Harz, mit einem Hoch auf den obersten Schirmherrn der Landwirtschaft eröffnet wurde. Punkt 1 der Tagesordnung betraf die nächstjährige Ausstellung des Vereins. Der Zweigverein Sprockhövel, welcher im nächsten Jahre auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken kann, hatte den Antrag gestellt, die Ausstellung dort zu veranstalten. Der Autrag wurde jedoch wegen Mangel der hierzu erforderlichen Gelder abgelehnt. 2. Den vom Kreisverein zu Deputierten des Provinzial= vereins gewählten Mitgliedern wurden für ihre baren Auslagen beim Besuche der Generalversammlung je 15 M. zusammen 45 M. bewilligt. 3. Vortrag des Herrn Direktors Hannemann=Hagen:„Wie wird am vorteilhaftesten bezw. zweckmäßigsten der Landfutterbau vermehrt und bei den niedrigen Körnerpreisen der Körnerbau beschränkt?“ In einstündiger Rede führte der Herr Referent aus, daß für einen lohnenden Körnerbau in unserer Gegend vielmehr geschehen könne als bisher, durch bessere Bearbeitung des Landes wie auch durch zweckmäßige Wahl der Fruchtfolge. Aber auch dann würden die Einstellungskosten zum Körnerertrag bei den niedrigen Getreidepreisen nicht im richtigen gewinnverheißenden Verhältnis stehen. Naturgemäß wende sich die Aufmerksamkeit der Landwirte daher mehr dem lohnenderen Futterbau zu. Aber auch hierbei sei zu beklagen, daß unsere Wiesen trotz aller bisherigen Verbesserungen noch nicht das leisteten, was sie leisten könnten und müßten. Viel könnte erreicht werden durch eine planmäßige Aufeinanderfolge der Futterpflanzen, sei es, je nach der Größe des Gutes, in 2, 4, 6 und mehrjährigem Turnus, wozu die Anleitung in zahlreichen Zusammenstellungen von geeigneten Fruchtfolgen vom Herrn Referenten erteilt wurde. Immerhin sei der Getreidebau als Bindemittel im Fruchtwechsel nicht gänzlich zu entbehren, da sonst die Felder nur einseitig ausgenutzt werden würden. Lebhaftester Dank der Versammlung lohnte den Herrn Referenten für die trefflichen Ausführungen. Interessante Einzelheiten ergab auch die Diskussion. So wurde in derselben beispielsweise das in hiesiger Gegend so beliebte Honiggras als gänzlich ungeeignet zum Wiesenbau bezeichnet, da es unfruchtbare Triebe und behaarte Blätter hervorbringe und daher vom Vieh nicht gern gefressen werde. Auch pflanze es sich selbst unkrantartig fort. Auch der Besuch der landwirtschaftlichen Winterschule in Hagen wurde bei der Besprechung gestreift, wobei unter allseitigem Beifalle der Versammlung hervorgehoben wurde, daß unsere Zeit Lateinsprechende, ManschettenBauern nicht gebrauchen könne, dagegen Landwirte verlange, welche neben der Buchführung auch ein landwirtschaftliches Buch mit Nutzen lesen könnten. Der Besuch der Schule durch 2 Semester müsse als Regel hingestellt werden. 4. Der Besuch der gewerblichen Ausstellung in Berlin könne auch den Landwirten empfohlen werden Vergünstigungen erhalte man durch Vermittlung der Centralstelle für den Berliner Fremdenverkehr. 5. Vom westfälischen Provinzialverein ist eine Haf pflicht=Versicherungs=Gesellschaft für Westfalens Landwirte ins Leben gerufen worden, die alle Fälle umfaßt, welche durch die Berufsgenossenschaften nicht oder nicht ausreichend getroffen werden. Für ein Gut von ca. 20 Hektar= 80 Morgen bei einen Ertrag von 300 M. pro Hektar beträgt die jährliche Beitragspflicht pro Jahr 3,50., Mindestprämie 2 M. Ueber 3000 Landwirte hätten sich diesem Unternehmen angeschlossen und wünschenswert sei es, wenn alle beiträten, dann würden die Beiträge noch niedriger werden. Zuletzt wurde noch bekannt gegeben, daß die Landesbank Darlehen auf größere und kleinere Güter zu 3¼ pCt. mit einprozentiger Amortisation gewähre. Gegen 7 Uhr wurden die Verhandlungen geschlossen. 9 Schwelm, 14. Februar.[Hinabgestürzt.] Gestern abend warf der in der Oberstadt wohnende Tagelöhner E. die Frau., die in seine Wohnung gekommen war, so unglücklich die Treppe hinab, daß die Schwerverletzte bald hernach auf dem Transport nach dem Krankenhause starb. Sie war leidenschaftlich dem Branntwein ergeben. So erregte es allgemeines Aergernis, daß sie am letzten Weihnachtsabend, weil sie sinnlos betrunken war, auf einer Karre ins Polizeigewahrsam gebracht werden be.„N ermaen word Lüdenscheid, 15. Freor.(Herwvel“ uargichen ist vom Reichsgericht die Revision des verantwottahen Redacteurs des Lüdenscheider Tageblattes, Herm. Schölex. Er war am 27. November v. J. von der fünften Stra## kammer des Landgerichts Dresden wegen Beleidigung des sächsischen Armeecorps zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden, auf grund einer Rede in Dresden über die Umsturzvorlage im April v.., worin er besonders den§ 112 II jener Vorlage behandelte, der den Schutz der militärischen Institutionen vor der öffentlichen Kritik wirksamer gestalten wollte. * Herbede, 15. Februar.[Verschwunden] ist seit Donnerstag der Schneidermeister K. von hier. Hut und Rock des Verschwundenen wurden an der Ruhr in der Nähe der Bergmann'schen Wirtschaft gefunden und es ist nicht ausgeschlossen, daß dem K. ein Unfall zugestoßen ist. Abends vorher wurde er um 10 Uhr noch in der Lt'schen Wirtschaft gesehen. Ausgeschlossen ist es auch nicht, daß K. mit Arbeitern in Streit geraten ist, denn nachts zwischen—3 Uhr hörte ein in der Nähe der Fundstelle wohnender Einwohner Hülferufe. * Hörde, 15. Februar.[Ueber die stärkere Heranziehung] der Bergwerke zu den Communal= Abgaben beriet hier eine Versammlung der Bürgermeister und Amtmänner des Landkreises Dortmund. Besonders wurde über die unverhältnismäßig hohen Abschreibungen der Zechen durch die sog. Substanzverringerung geklagt. Es sei vorgekommen, daß Zechen einen ganz bedeutenden verteilen konnten, daß aber trotzdem für die Gemeinden zur Besteuerung ein Einkommen nicht verblieben wäre, da die Abschreibung an„Substanzverringerung“ den hohen Gewinn sogar überstiegen hätte. Viele Gemeinden erhielten daher für ihre durch den Bergbau hervorgerufenen, oft ganz bedeutenden Aufwendungen und Lasten keine Gegenleistung seitens der Bergwerke, oder nur ganz geringe Beträge, während das neue Communalabgaben= gesetz doch ausdrücklich der Leistung der Gemeinden die Gegenleistung der Gemeinde=Eingesessenen gegenüberstelle. In einer zweiten Versammlung, zu der auch die Landräte eingeladen werden sollen, wird das in dieser Sache gesammelte Material vorgelegt werden. Man wird eventl. an den Minister gehen. * Dortmund, 14. Februar.[Der Kneipp=Verein hier gründete eine Genossenschaft für Volksbäder. 3 KneippAnstaltsbesitzer stellten der Genossenschaft ihre Bäder zur Verfügung. * Dortmund, 15. Febr.[Ein Schreckensort] für Eckensteher scheint die Besserungsanstalt Benninghausen zu sein. Als der Vorsitzende einer Strafkammer hier einen Bettler zu 14 Tagen Haft verurteilte und außerdem aussprach, daß der Verurteilte nach Benningh usen zu überweisen wäre, fing dieser laut zu schreien an und stürzte zu Boden. Zwei Gerichtsdiener mußten ihn forttragen, nachdem die Verhandlung abgebrochen und vertagt war. — In derselben Sitzung jammerte der frühere Buchbindermeister Carl Rück von hier, der sich wieder wegen Bettelns zu verantworten hatte:„O heiliger Christus, hängen Sie mich lieber auf oder schneiden Sie mir lieber die Kehle durch, ehe Sie mich wieder nach Benninghausen schicken!" Es sei erwähnt, daß Rück vor 20 Jahren hier die g ößte Buchbinderei betrieb, aber infolge Trunkes zum Eckensteher herabgesunken ist. Er ist heute so gebrechlich, daß er sich kaum auf den Beinen halten kann. Das Betteln gestand er ein; er versprach auch, daß es das letzte Mal sein soll, daß er hier erscheine, infolgedessen ihn das Gericht auch nur mit 14 Tagen Haft belegte und wegen seiner Gebrechlichkeit von Benninghausen Abstand nahm. * Dortmund, 15. Februar.[Zur letzten Ruhe bestattet] wurde hier vor einigen Tagen der Kreisschulinspektor Dr. Hans Hennig aus Berlin. Der Verstorbene war ein„selbstgemachter“ Mann im besten Sinne des Wortes. In einem westfälischen Seminar zum Lehramt vorgebildet, war er aufangs der achtziger Jahre nach Berlin gekommen und au verschiedenen Gemeindeschulen im Westen thätig; daneben besuchte er die königliche Turnlehrer=Bildungsanstalt, das Institut für Kirchenmusik, die Kunstschule und erwarb sich die Befähigung als Turn=, Gesang= und Zeichenlehrer an höheren Lehranstalten. Dann legte er das Mittelschul= und RektoratsExamen ab, unterzog sich der Gymnasial=Abiturienten= prüfung und promovierte schließlich in Tübingen. Die Regierung wurde auf den ebenso fähigen wie fleißigen Mann aufmerksam und stellte ihn sofort als SeminarOberlehrer in seiner Heimat an. Von dort holte ihn die Berliner Stadtverwaltung als Schulinspektor nach Berlin. * Arusberg, 15. Februar.[Schulentlassung.] Die Regierung fordert von den Kreisschulinspektoren einen gutachtlichen Bericht über die Anträge betreffend vorzeitige Entlassung der Schulkinder ein. In Frage kommt, bei wem die Anträge einzureichen, wie die häuslichen Verhältnisse zu berücksichtigen sind, und ob der Schulvorstand bei der Entscheidung der Anträge mitwirken soll. * Kastrop, 15. Februar.[Ein erschütterndes Familiendrama) spielte sich hier ab. Der Schlosser Ernst Unzeitig, der ein kleines Schuhgeschäft hatte, war seit einiger Zeit wegen des schlechten Geschäftsganges gezwungen, als Bergmannn auf„Zeche Erin“ zu arbeiten. Als er gestern morgen zur Schicht ging, lag ein Kind von ihm schwer krank zu Hause, und als sich dessen Zustand erheblich verschlimmerte, eilte die geängstigte Mutter zur Zeche, um ihren Mann eilends zu dem sterbenden Kinde zu holen. In fieberhafter Aufregung und Eile sucht der Vater zu Tage zu kommen, that aber dabei einen Fehltritt, wodurch er in den Schacht stürzt und selbst sofort eine Leiche wird. * Gelsenkirchen, 14. Februar.[Große Verheerung] an Materialien richtete hier eine GasExplosion in einer Privatwohnung an, die dadurch entstand, daß der Verschluß des Gasrohrs sich loslöste. Das Gas war in Menge ausgeströmt und ist durch eine brennende Petroleumlampe zur Explosion gekommen. Die Feuster wurden zersplittert, der Verputz herabgerissen, die Thüren durchschlagen und aus den Angeln gerissen, Glasund Holzsplitter wurden weit über die Straße geschleudert. Verletzt ist niemand; der Brand wurde schnell gelöscht. * Soest, 15. Febr.[Von Zigennern entführt] worden war in den Sommerferien der Knabe W. Schmiemann, der jetzt endlich am 7. d. Mts. wieder zurückgekehrt ist. Der Knabe giebt an, an einem Sommertag von einem Zigenner aufgefordert zu sein, ihn ein Stück Weges zu begleiten. Als beide außerhalb der Stadt bei den braunen Kumpanen angelangt waren, wurde der arglose Knabe mit Gewalt auf einen Wagen geworfen und dann fuhr die Gesellschaft eilig davon. Auf dem Wagen wuede er mit einem Stricke befestigt und bis vor wenigen Tagen festgehalten. Beim Versuche zu schreien, wurde ihm der Mund zugehalten. Auf dem Wagen waren vier Männer, zwei Frauen und ein Kind. Als der Knabe bei Liesborn die Frage, ob er entlaufen werde, wenn man ihn loslasse, verneinte, hat man ihn zu einem Bauern geschickt, um Heu zu holen. Die Gelegenheit hat er benntzt, zu entwischen und ist von einem Bauersmann, dem er seine Lage erzählte, freundlich aufgenommen und am Freitag voriger Woche zu seinen Eltern zurückgebracht worden. a Münster, 14. Februar.[Der westfälische Provinziallandtag) genehmigte in seiner heutigen 5. Pleuarsitzung die Abänderung des Reglements der westfälischen Irrenanstalten, wonach u. a. die jährlichen Pflegeeldsätze für Kranke aus der Provinz Westfalen in der 3. Klasse auf 360—414 Mk, in der 2. auf 612—756 Mk., 40) Roman von Reinhold Ortmann. „Und sein Weib?— Warum ist sie geflohen, noch ehe man ihn verhaftete?— Warum hält sie sich so ängstlich verborgen?“ „Der Grund ist wohl nicht schwer zu erraten. Auch ohne daß sie gethau hätte, was Sie ihr zum Vorwurf machen wollen, ist es wahrlich eine sehr traurige und die sie in diesem Roman gespielt hat. Nichts ist natürlicher, als daß sie das Bedürfnis fühlt, sich jetzt, so weit es nur immer möglich ist, vor den Augen der Menschen zu verbergen.“ „Und man will sie in diesem Bestreben großmütig unterstützen?— Man hat nichts gethan, ihren Aufenthalt zu ermitteln?“ „Da der Sachverhalt durch die Erklärungen des Schuldigen völlig festgestellt erscheint, lag keine besondere Veranlassung vor, sie zu verfolgen. Wir wissen in der That nicht, wo sie sich jetzt befinden mag.“ „Ich aber weiß es!“ sagte Gerda fast trotzig,„und ich hoffe, man wird es trotz jenes vermeinten Geständnisses nicht unterlassen, sie zu vernehmen.“ „Sie kennen den Aufenthalt der Frau Colditz? Darf ich fragen, wodurch Sie ihn erfuhren?" wird seievienage, wenn Sie es so neunen wollen. der Katastrophe von ihrem Oheim und Pkszengter, oem Rentner Heinrich Schuby, versiteckt — Nun, Ihre Versicherung hat allerdings Wahrscheinlichkeit genug für sich. Und ich werde nicht zögern, dem Untersuchungsrichter die erforderlache Mitteilung zu machen. Gerda hatte die peinigende Empfindung, daß sein Herushoenenu lich kühler geworden sei; aber sie ließ sich mutigen" in der Durchführung ihres Vorhabens entwollte, Zeunich das ist es, was ich von Ihnen erbitten bedurft.“ ich hätte dgzu des„Freundes ja nicht erst ein ander“ der umersuchungsrichter oder irgend st. soll gie“ der von Stephans Schuld überzeugt und während an sondern Sie sollen es thun, welche Aufl“nit ihr reden, sollen sie vergessen, erhoben*“ mein unglücklicher Vetter gegen sich selbst Fräusein von sliches, was Sie da von mir fordern, Stellung gezogent Die Grenzen, welche meiner derartiges zu thun verbieten mir gradezu, etwas des Mileis stärfer zur ein einziges Mal die Stimme bebarrte G. starttt nin als die Stimme der Pflicht,“ err Gerda unerschrocken. und ihre blauen Augen richteten sich auf sein Gesicht in so demütigem Flehen, daß er fühlte, wie ihm das Herz in ungestümen Schlägen pochte.„Denken Sie an das Versprechen, das Sie mir im Beginn unserer Unterredung gegeben. Liefern Sie mir jetzt den Beweis, daß ich wirklich ein Recht habe, Sie für meinen Freund zu halten. „Und das alles um dieses Anderen willen?" klang es schmerzlich in seinem Innern; aber er hatte dennoch nicht die Kraft, ihren Bitten zu widerstehen. Wohl erhob er noch einen Einwand, aber in dem unsicheren Ton desselben lag für Gerdas feines Ohr bereits die Gewährung. „Sie wissen vielleicht nicht, Fräulein v. Stetten, daß zwischen Frau Doktor Colditz und mir etwas wie eine alte Bekanntschaft besteht. Ich würde mich also auch rein menschlich betrachtet in einer sehr fatalen Lage sehen „Nicht doch! Sie werden vielmehr nur um so leichter den Weg zu ihrem Herzen finden. Und darauf allein kommt es ja an. Sie ist am Ende doch ein Weib, und an irgend einer Stelle muß die starre Rinde der Selbstsucht zu durchbrechen sein, die ihr Gemüt umpanzert. Es ist ja unmöglich, daß sie den Mann, den sie schändlich verraten hat, nun auch noch feige leiden läßt für ihre Schuld.“ Und Saldenhofen widerstand nicht länger. Mit ernstem Antlitz zwir, doch in ruhigen und freundlichn Worten gab er Gerda das gesorderte Versprechen. Und es klang wieder wie tiefes Mitleid in seiner Stimme als er hinzufügte: „.„Ich, werde rechtschiffin thun, was in meinen Kraften steyt, Fräulein v. Stetten; aber daß der Erfolg Ihren küynen Erwirtungen entsprechen werde, wage ich nicht zu hoffen. Sie verabredeten, daß er Gerda durch ein Telegramm von dem Ergebnis seiner Unterredung mit Felicitas benachrichtigen würde, und er geleitete sie bis zur Thür, um mit höfli h fremder Verbeugung Abschied von ihr zu nehmen, damit nicht das Beben seiner Hand ihr das schmerzliche Zucken seines Herzeus verriete. 20. Kavitel. „Und ich versichere Ihnen noch einmal auf Ehrenwwort, mein Herr, daß sie sich nicht in meinem Hause beindet. Wenn Sie mich auf die Folter spannten wurden Sie doch keine andere Antwort aus mir hrausErürgen, Iunen. Denn es ist die lautere Wohrheit. #. hube sie seit mehr als zwanzig Monaten mit keinem unge gesehen.“ Es war Herr Heinrich Schuby, der mit einem allerdings sehr verdächtigen Eifer diese Versicherungen hervorsprudelte, dabei unausgesetzt mit seinen langen Armen gestikulierend und von Zeit zu Zeit mit dem Handrücken den Schweiß abwischend, der ihm in großen Tropfen auf der Stirn perlte. Sein Leben lang hatte er einen heillosen Respekt vor der hohn Obrigkeit gehabt. Aengstlich war er allem aus dem Wege gegangen, was ihn auch nur auf die harmloseste Art mit der Polizei oder den Gerichten hätte in Berührung bringen können, und so war es wohl begreiflich, wenn schon das Bewußtsein, einem Staatsanwalt von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen, ihn vollständig aus der Fassung brachte. Und nun war er durch verhänguisvolle Umstände noch dazu gezwungen, diesen Staitsanwalt schamlos zu belügen! Es half ihm nichts, daß er sich mit eifrinstem Bemühen daran zu erinnern suchte, auf eine wie freund schaftlich liebenswürdige Weise er noch vor kaum zwei Jahren mit diesem nämlichen Minne verkehrt hatte; die Schuld brannte darum nicht minder schmerzhaft auf seinem Gewissen, und die Angst schnürte ihm darum nicht minder grausam die Kehle zusammen. „Aber ich habe die bestimmtesten Nachrichten. Herr Schuby, daß Ihre Nichte bei Ihnen ein Unterkommen gefunden.“ beharrte Saldenhofen mit einer freundlichen Ruhe, die den anderen gradezu schrecklich dünkte. Mit einer Geste, die ihm einst donnernde Lachsalven einge tragen hatte, drückte der ehemalige Clown beide Hande auf das Herz. „Und wenn Sie mich auf der Stelle vierteilen, rädern und kreuzigen wollen, ich schwöre bei dem Andenken meiner geliebten Frau—“ „Schwöre nicht, Onkel!“ unterbrach ihn zu seinem namenlosen Entietzen von der Thür des Nebenzimmers her eine weiche, metallische Stimme.„Ich bin zu Ihrer Verfügung, Herr Assessor!— Was ist es, das Sie von mir wunschen?“ In einem schlichten, dunklen Kleide. bleich wie eine Sterbende, aber vielleicht trotz illedem schöner denn je zuvor, stand Felicitas auf der Schwelle. Heinrich Schucy aber rinf wi ein Verzmeifelter die Hände. „Er ist ja kein Assessor mehr, Du Unglückskind,".ß er sich's in seiner erbarmungswürdigen Ratlosigkeit entschlüpfen.„Er ist ja ein Staatsanwalt!“ „Um so besser!“ beharrte sie ohne jedes äußere An zeichen der Erre ung.„Sie sind gekommen, um eine Frage an mich zu richten, nicht wahr?“ „Ja, Frau Doktor Colditz!“ erwiderte er.„Wollen Sie mir eine kurze Unterredung unter vier Augen gewähren?“ Felicitas warf ihrem Pflegevater einen bittenden Blick zu, und mit tief gesenktem Haupte schlich der unglückliche Heinrich Schuby hinaus. All“ seine heldenmütige Aufopferung war also umsonst gewesen. Er war standhaft geblieben, obgleich er bereits die dumpfe Moderluft des Kerkers zu atmen meinte, und nun, da er den anderen seiner Meinung nach fast schon überzeugt hatte, war sie gekommen, um ihn vor dem Vertreter der öffentlichen Ordnung als einen erbärmlichen Lügner zu entlarven. Wahrhaftig, es war ein Schlag, hart genug, um einen Mann bis ins tiefste Innere zu erschüttern. In dem Augenblick, da sich die Thür hinter ihm schloß, ging Felicitas mit drei raschen Schritten auf Saldeuhofen zu. „Ich will es Ihnen ersparen, Ihre Frage zu stellen, Herr Staatsanwalt!— Ja, ich habe Alexander Sarnow erschossen.“ Eiskalt rieselte es ihm vom Wirbel bis zur Sohle über den Körper. Er stützte sich auf eine Stuhllehne, weil er fühlte, wie seine Kniee zitterten. „Sie?“ brachte er mit Anstrengung heraus.„Und es war Ihre Absicht, ihn zu töten?" Stolz erhob sie das schöne, königliche Haupt, und wie triumphierend sprühte es aus ihren dunklen Augen. „Ja!— Ich wollte ihn töten; denn er war es nicht mehr wert, durch die Kugel eines ehrlichen Mannes zu fallen.“ Und nun sagte sie ihm Alles. Mit den geringfügigsten Einzelheiten schilderte sie ihm die verhäugnisvolle Scene im Hotel„Zu den vier Jahreszeiten“- von dem Angenblick an, da sie durch den Eintritt ihres Gatten überrascht worden waren, bis zu dem Moment, wo die tötliche Beschimpfung, welche sie von Sarnow erfahren, sie bestimmt hatte. den Revolver aus der Tische ihres Kleides zu reinen „Ich hatte erwartei, daß Stephan ihn niederschlagen würde," sagte sie,„und da es nicht neichah, da ich börte, daß er entschlossen war, sick diesem Elenden zu ehrlichem Zweikampf zu stellen, da zon ich es vor, mir meine Rache s ilber zu nehmen.“ Wie ein wüster Traum ging ihre Erzählung an Soldeuhofens Geist vorüber. Als wären erst wenige Tage seitdem vergangen, stand die Erinnerung an jene Stunden vor seiner Seele, da sie hier in diesem nämlichen Zim ner voll fröhlichen Jugendübermuts seine Verse deklamiert hitte. Und nun— eine Mörderin!— Eisiges Erschauern ing durch sein Herz. Aber er raffte sich auf. Denn jetzt gab es für ihn nur die Pflichten des Amtes, die zu erfüllen er geschworen hatte. „Sie sind bereit, diese Erzählung auch vor dem Untersuchungsrichter zu wiederholen?“ „Ich habe sie für ihn bereits schriftsich in diesem Briefe niedergelegt," erwiderte sie mit unveränderter Gelassenheit, indem sie ein zusammengefaltetes Blatt aus den Falten ihres Kleides zog.„Darf ich Sie bitten, ihm denselben zu üverbringen? Und hier ist auch die Waffe, mit der ich die That ausgeführt. Sie sehen, die anderen vier Schüsse sind noch in in den Kammern.“ Fast mechanisch hatte Saldenhofen Beides in Empfang genommen. Noch war er unschlüssig, was er jetzt thun solle; aber trotz seiner Pflichttreue besaß er nicht die Kraft. unmenschlich zu sein. (Schluß folgt.) —.— in der 1. auf 1512—1800 Mk. festgesetzt werden, beschloß, an die Staatsregierung das Ersuchen zu richten, im Wege der Gesetzgebung eine Aenderung des§ 28 der Kreisordnung dahin herbeizuführen, daß bei der Pensionierung der Beamten der Amtsverbände und Landgemeinden nicht lediglich diejenigen Dienstjahre, welche die betreffenden Beamten in Diensten der Amtsverbände und Landgemeinden der hiesigen Provinz verbracht haben, zur Anrechnung gelangen, sondern daß dabei auch die Militärdienstzeit, sowie die in definitiver Anstellung anderweitig verbrachten Dienstjahre zu berücksichtigen sind, erledigte einige Etats und nahm verschiedene Wahlen vor. In den Provinzial=Ausschuß wurde an Stelle des verstorbenen Frhru. v. Schorlemer=Alst neugewählt Frhr. v. Landsberg=Vehlen. * Barmen. 14. Februar.[Neuer Haltepunkt. — Deutsch=Konservative.] Die königliche EisenbahnDirektion Elberfeld hat, einem Gesuch entsprechend, verfügt, daß vom 1. Mai d. J. ab die Schnellzüge BerlinNachen, morgens 738 Uhr in Barmen von Berlin kommend, abends“4 Uhr von Barmen nach Berlin gehend in Rittershausen halten.— Die hier stattgehabte Versammlung der Vorstandsmitglieder und Vertrauensmänner der deutsch=konservativen Partei der Rheinprovinz beschloß einstimmig folgendes dem Elfer=Ausschuß mitzuteilen: „Der Vorstand und die Vertrauensmänner der deutschkonservativen Partei des Rheinlands bedauern auf's Tiefste das Ausscheiden des Herrn Hofprediger a. D. Stöcker aus dem Elfer Ausschuß und der konservativen Partei unter Mißbilligung der Art und Weise, durch die der verdiente und volkstümlichste Mann der Partei aus der Parteileitung auszutreten gezwungen worden ist undbehalten sich eventuelle weitere Schritte vor". * Lennep, 15. Febr.[Eine Schülerwerkstätte für den Handfertigkeits=Unterricht der Knaben in Hobelbank=, Papp= und Kerbschnitzarbeit ist von der Stadt eingerichtet worden, die außerdem im Etat 300 M. für Freistellen armer Kinder ausgeworfen hat. Zu dem ersten Kursus meldeten sich 90 Kinder. Auch eine Haushaltungsund Kochschule wird ins Leben treten. Haan, 16. Februar.[59 Bewerbungen] sind für die hiesige erledigte Bürgermeisterstelle eingegangen. Die Kommission hat von denselben 50 ausgeschieden, so daß noch 9 in Betracht kommen. * Düsscldorf, 14. Febr.[Eine größere militarische Uebung] an der sämtliche Truppen der hies. Garnison teilnahmen, fand heute auf dem linken Rheinufer in der Gegend von Zons statt. Die Infanterie überschritt hierzu den Rhein zwischen—8 Uhr morgens mittels Fähre bei Hamm, Kavallerie und Artillerie gingen über die hiesige Schiffbrücke. Nach beendigter Uebung kochte das 39 Infanterie=Regiment in einem vorübergehenden Biwak bei Stürzelberg ab, während die berittenen Waffen unmittelbar wieder in die Garnison einrückten. * Düsseldorf, 14. Februar.[Aufgehoben] wurde vom Reichsgericht das Urteil der hiesigen Strafkammer vom 13. Dezember, wodurch Redakteur Stoffers von der „Bürgerzeitung“ wegen Majestätsbeleidigung zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, aufgehoben. Der Prozeß ist an das Landgericht zurückverwiesen. * Krefeld, 15. Februar.[Von erheblichem Interessel ist eine Entscheidung des Bezirks=Ausschuß zu Düsseldorf in einer Klagesache der Gemeinde Fischeln gegen die Stadt Krefeld. Sie trat an diese mit der Anforderung heran, ihr für Schul= und Armenlasten einen Beitrag von 18000 Mk. zu überweisen. Fischeln ging davon aus, daß durch den Zuzug von Arbeitern, die in Krefeld beschäftigt waren, die Armen= und Schullasten erheblich gesteigert seien, dabei stützte es sich auf die Bestimmungen des§ 53 des Kommunalabgaden=Gesetzes. Die Stadtverordneten lehnten in ihrer früheren Sitzung diesen Antrag ab, worauf Fischeln den Klageweg beschritt. In heutiger Sitzung machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß der Bezirks=Ausschuß zu Düsseldorf die Gemeinde Fischeln mit ihrem Antrage abgewiesen habe, weil sie nicht den Nachweis für ihre Behauptungen zu erbringen vermocht, daß durch den Zuzug Krefelder Arbeiter die fraglichen Lasten in die Höhe gegangen seien: es sei auch zu erwägen, ob nicht durch die Thatsache, daß viele Fischelner in Krefeld in Arbeit stünden, die Vorteile die Nachteile übersteigen. Diese Entscheidung ist für Krefeld von höchster Bedeutung, denn wäre Fischeln mit seiner Forderung durchgedrungen, so würden bald die anderen umliegenden Ortschaften in denen Arbeiter Krefelds wohnen, mit gleichen Auforderungen an unsere Stadt herangetreten sein. Es ist ja, wie die„Rh.=Westf. Ztg. bemerkt, noch die Möglichkeit offen, daß die Gemeinde Gischein sah nunmehr an den Provinzialrat wenden wird, doch dürfte es nach der vorliegenden Entscheidung des Bezirksausschusses ihr schwer fallen, die geforderten Nachweise zu erbringen. Köln, 15 Februar.[Nach überaus heftiger Erörterung) lehnte die Stadtverordneten=Versammlung den Antrag der Centrumspartei ab, je einen katholischen und einen evangelischen Geistlichen in die Schuldeputation zu wählen, trotzdem der Oberbürgermeister, sowie die Regierung mit dem Antragsteller sympathisierten. Verkauf einer Gastwirtschaft. Wegen Kränklichkeit der Frau des Besitzers, ist in einem Fabrikstädtchen ein massives 3 stöckiges Wohnhaus mit Festhalle (größte Lokalität am Platze), in welchem seit 25 Jahren flotte Wirtschaft betrieben, zu verkaufen. Mietseinnahmen: 1600 Mark. Bierkonsum:—700 Hektoliter. Preis: 70000 M. mit Inventar. Anzahlung—10000 Mark. Angebote unter L 3086 an die Exp. d. Ztg. Kolonialwaren! Ein Kolonialwarengeschäft in bester Geschäftslage an einem industriereichen Platze ist sofort oder später unter günstigen Bedingungen zu übernehmen. Zur Uebernahme sind ca. 5000 Mark erforderlich. Offerten unter J 3083 an die Exp. d. Zta. nebst vollständigem Inventar und dazu gehöriges Haus, allerbeste Lage hiesiger Stadt, flotter Konsum, bei Mk. 10000 Anzahlung sofort oder später zu verkaufen. Reflektanten wollen Offert. unt. A 2785 an die Exp. dies. Ztg. einreichen. Hausverkauf. 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Es waren nicht anwesend mit Entschuldigung die Herren Friedrich Reininghaus und Gustav Tesche. I. Vor der Tagesordnung teilte der Vorsitzende mit, daß Herr Ernst Söding sein Amt als Stadtverordneter, welches er seit dem 1. Januar 1870 bekleidete, aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt habe, auch von der Baukommission und dem Gewerbeschulkuratorium zurückgetreten sei, während er versuchen wolle, das Amt als Mitglied des Kuratoriums der höheren Mädchenschule noch beizubehalten. Die Versammlung ermächtigte den Vorsitzenden, dem Herrn Söding für die seit über einem Vierteljahrhundert der Stadt geleisteten ersprießlichen Dienste den Dank des Kollegiums auszudrücken und damit den Ausdruck des Bedauerns darüber zu verbinden, daß Herr Ernst Söding sich mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand genötigt gesehen habe, seine städtischen Ehrenämter niederzulegen. Sodann referierte der Vorsitzende über den dem Abgeordnetenhause vorgelegten Gesetzentwurf über die Besoldung der Elementarlehrer, und wurde im Anschluß daran deputiert, in der vom Magistrate der Königlichen Residenzstadt Berlin einberufenen Versammlung der beteiligten größeren Städte der Monarchie der geplanten Petition gegen diesen Gesetzentwurf Namens der Stadt Hagen zuzustimmen. Ein jung. strebsamer mit sämtl. Comptoir=Arbeiten vertrauter Commis Zur Tagesordnung wurde wie folgt verhandelt: Stenle des die Schuldentilgungskommission wurde an Richard Volmaun gewwäht. 2. In die Einkommensteuer=Veranlagungskommission Fritz Böcker gewählt. uu 1. schosklsichenricht der land= und forstwirt,##llichen Berufsgenossenschaft wurden gewählt aus dem Stande der Arbeitnehmer a) für Herrn Caspar Rohde der nicht mehr Arbeitnehmer ist, Herr Carl Klute jr. als Beisitzer b) und als Stellvertreter die Herren Heinrich Post und Ludwig Borbeck. oie 8aPürmenvater für den 4. Bezirk wurde an Wilbelm Brinker gemählt. derrn. in0 Herr Landwirt von der Finanzkommission vorgelegte Entaubuisscheing u.. Sebühren für Bauerwurde zur weiteren Vorberatung an die Baukommission verwiesen. .#6. Dex weiter von der Finanzkommission vorgelegte ## wurf, becreffend Neuordnung der Abgaben für öffentliche Lustvarreiten, wurde abgelehnt. voro, Zagegen wurden die von der Finanzkommission roigengren Entwürfe zu einer Neuordnung der Gebühren für die Benutzung des Schlacht= und Viehhofes mit einer kleinen Aenderung genehmigt. 8. Dem von der Baukommission befürworteten Antrage des Stadtverordneten Herrn Friedrich Wilhelm Post entsprechend, wurde beschlossen, in Beziehung auf die Beiträge zu den Straßenreinigungskosten für die Straßenaulieger(nicht auch für die Forensen) die Bestimmung zu treffen, daß dieselben höchstens ein Viertel der Einkommen=, beziehungsweise der Grund= und Gebäudesteuer betragen dürfen, wobei von den genannten beiden Steuerarten der jeweilige höchste Betrag maßgebend sein soll. 9. Auf einen von Herrn Theodor August Harhaus und Genossen gestellten Antrag wurde die Instandsetzung der Bachstraße oberhalb der Langestraße bis zur Holthaus'schen Gerberei unter der Bedingung beschlossen, daß die Anlieger die zur Straße erforderlichen Grundflächen vorher unentgeltlich an die Stadt abtreten und außerdem zusammen 9000 M. bar an die Stadt zahlen als Entschädigung für die der Stadt durch die Instandsetzung dieses Interessentenweges entstehenden Kosten. 10. Der Antrag des Herrn Stadtverordneten Hegenscheid, betreffend den Ausbau und die Instandsetzung a. der Schulstraße zwischen der Bergstraße und der Hochstraße; b. der Bergstraße zwischen der Böhmerstraße und der Hochstraße, wurde in die vertrauliche Beratung verwiesen und dann wegen Mangels an Zeit für die nächste Sitzung zurückgelegt. „ 11., Die Versammlung genehmigte auf den Antrag oer Dessauer Gasanstalt die Aufnahme der Fluchtlinie an einer in der geradlinigen Verlängerung der Südstraße neugeplanten Verbindungstraße zwischen Bahnhofstraße und Weststraße in den städtischen Bebauungsplan. 12. Zur Ergänzung und Aenderung der Bewaffnung und Uniformierung der Polizeibeamten nach der neuesten Vorschrift wurden 786 Mk. bewilligt. 13. Die Versammlung beschloß die für den Gewerbegerichtsvorsitzenden, dessen Gerichtsschreiber und die Beschaffung der Schreibmaterialien erforderlichen Beiträge von 600 M. bezw. 400 M. und 345 M. fortan wieder zu bewilligen, weil nach dem Abgange des bis Ende Dezbr. 1895 im städtischen Dienste beschäftigt gewesenen Herrn Regierungsassessors Heinrich wieder ein besonderer Vorsitzender für das Gewerbegericht berufen werden muß. 14. Zur Auschaffung von Familienstammbüchern zur en unentgeltlichen Aushändigung bei den Eheschließung wurden jährlich 60 M. bewilligt. 15. Für die nächste Sitzung wurde angekündigt a. die Ergänzungswahl für das Kuratorium der höheren Mnochenschule; b. die Neuwahl der Finanzkommission und c. die Neuwahl der Kommunalsteuer=EinschätzungsKommission, mit dem Hinzufügen, daß dann gleichzeitig Vorlage erfolgen werde wegen der von dem Herrn August Lorenz im vorigen Jahre angeregten Frage, ob für diese seither aus 12 Mitgliedern zusammengesetzte Kommission vielleicht eine kleinere Mitgliederzahl genüge. III. den Hezüglichenu einen vorliegenStraßen“ hukanzeihitzs der Beteiligten beschlossen, die nbahntonzession an eine Brüsseler Gesellschaft auf Grund des zur Zeit bestehenden Konzessionsvertrages mit einigen Zusätzen zu übertragen, welche durch die veränderten Verhältnisse sich ergeben. Der Oberbürgermeister: A. Prentzel. Verschiedenes. Der reichste Mann in Berlin versteuerte nach der Statistik der preußischen Einkommen= und Ergänzungssteuer im Jahre 1895 bis 96 ein jährliches Einkommen von fast 3 Millionen, genau 2995000 Mark mit einem Steuersatz von 119800 M. im Vorjahre berechnete er sein Einkommen auf 2410000 M. In ganz Preußen giebt es drei Privatleute, die ein höheres Einkommen als er versteuern: Krupp in Essen(7135000 M. Rothschild in Frankfurt(6115000.) und ein Bewohner der Stadt Cassel(3085000.). Im Ganzen versteuern 1895—96 22 Privatpersonen in Preußen ein Einkommen von mehr als einer Million Mark(darunter außer dem Millionen=Mann noch 6 Berliner) im Vorjahr 25 und unter ihnen 9 Berliner. Der zweitreichste Berliner giebt für 1895—96 sein Einkommen auf 1620000 M. an(Einkommensteuersatz 64800.), im Vorjahr versteuerte er 1545000.; der drittreichste Berliner hat jährlich 1365000 M zu verzehren. Ein Einkommen von 500000 M. bis zu 1 Million haben in Berlin gegenwärtig 30 Privatpersonen gegen 29 im Vorjahr und 35 im Jahre 1893—94. Nimmt man an, daß ein Einkommen von 120000 M. jährlich erforderlich ist, um einen Thaler= Millionär vorzustellen, so giebt es solcher Thaler=Millionär in Berlin 319(gegen 328 im Vorjahr), darunter 282(190 im Vorjahr) mit einem Einkommen von 500000 M. abwärts bis zu der Grenze von 120000., bei der die Klasse der bloßen Mark=Millionäre anfängt. * Eine Stilblüte aus dem österreichischen Landtage Bei der jüngsten Debatte über die Subventionen für Weingärten leistete sich ein Redner folgende anschaulichen Sätze:„Ich verstehe wirklich nicht, wie der Herr Vorredner den armen verlausten Weingärten mit einer einfachsten Kupfervitriol=Einspritzung auf die Beine helfen will. Auf eine Abhülfe ist nur zu hoffen, wenn der Herr Landesreferent die verlausten Weingarten von Niederösterreich selbst in die Hand nimmt!“ Verantwortlicher Redacteur: Carl Maron in Hagen. 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