Nr. 276. (Erstes Donnerstag den 25. November 1897. Abonnementspreis pr. Quartal M..50. Insertionspreis die einfache Spaltenzeile oder deren Raum 15 Pfennig. 84. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Feittage. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen. Fernsprecher Nr. 39. Die Lehrergehaltsfrage in Berlin. Mit allgemeiner Spannung hat man nach dem Inkrafttreten des Lehrerbesoldungsgesetzes auf die Vorschläge, welche der Berliner Magistrat machen, und auf die Beschlüsse gewartet, welche die Berliner Stadtverordneten=Versammlung bezüglich der Neuregelung der Gehaltsfrage fassen werde. Die Spannung war erklärlich, legt doch die Berliner Stadtverwaltung Wert darauf, auf dem Gebiete der Volksschule eine vorbildliche Wirksamkeit zu entfalten, und gilt doch die Berliner Stadtverordnetenversommlung im ganzen Lande als freisinnig. Wir wissen nicht genau, wie weit diese Annahme richtig ist. Es gehören nicht alle Stadtverordneten der freisinnigen Volkspartei an; sie zählt auch nationalliberale und einige noch weiter rechts stehende Mitglieder, die mit freisinniger Unterstützung gewählt zu werden pflegen, um das Mandat nicht einem Socialdemokraten öder einem Antisemiten in die Hände zu spielen. Jedenfalls gehören dem Berliner Stadtparlament eine Reihe Männer an, über deren politische Zugehörigkeit zur freisinnigen Volkspartei keinerlei Zweifel obwaltet. Wie hat sich nun die Stadt Berlin mit dem neuen Lehrerbesoldungsgesetz abgefunden? Am vorigen Donnerstag ist die Entscheidung gefallen. Der Magistrat hatte für definitiv angestellte Lehrer, auch wenn sie noch nicht vier Jahre im öffentlichen Schuldienst gestanden haben, ein Grundgehalt von 1000 M. vorgeschlagen und wollte an Alterszulagen bewilligen nach 6 Jahren 300., nach 8 Jahren 600, nach 11 Jahren 1000, nach 14 Jahren 1200, nach 17 Jahren 1400, nach 20 Jahren 1600, nach 23 Johren 1800, nach 27 Jahren 2000 und nach 31 Jahren 2200 Mark; außerdem 600 M. Mietsentschädigung. Der Ausschuß der Stadtverordneten=Versammlung hatte mit Rücksicht darauf, daß im Abgeordnetenhause auf liberaler Seite allgemein ein Grundgehalt von 1200 M. als angemessen bezeichnet worden war, die Gehaltssätze des Manistrats acceptirt und nur das Anfangsgehalt um 200 M. erhöht, was mit Einrechnung entsprechender Aufbesserungen für Lehrerinnen und sonstige Lehrkräfte eine Mehrforderung von etwa 300000 M. bedeutete. Beschlossen worden ist dagegen mit 64 gegen 38 Stimmen die Gehaltsstula des Magistrats mit der Aenderung, daß die Alterszulage von 2000 M. nicht nach 27, sondern nach 25 Jahren gewährt werden und sich Zulagen von 2200 und 2400 M. nach 27 bezw. 30 Jahren anschließen. Wir können die beschlossene Festsetzung eines Grundgehalts von nur 1000 M. nicht für angemessen erklären und bedauern vor Allem, daß auch Mitglieder des Berliner Stadtverordneten Kollegiums, die zugleich Abgeordnete der freisinnigen Volkspartei sind, für diesen Beschluß gestimmt haben. Dies Bedauern wird dadurch nicht vermindert, daß, nach einer Mitteilung der„Freis. Ztg., ebensoviel Redner der Freisinnigen Volkspartei für wie gegen den angenommenen Antrag gesprochen und neben den Führern der Freisinnigen Vereinigung wie Freutzel und Mommsen auch der Führer der Nationalliberalen Kyllmann mit der Mehrheit gestimmt haben. Es kann nicht Wunder nehmen, daß dieses Verhalten von den politischen Gegnern der Freisinnigen, obwohl ihnen bekannt sein muß, daß die Gesamtpartei an diesen Dingen genau so unschuldig ist, wie sie selbst, für ihre eigenen Parteizwecke ausgenutzt wird. So wird denn auch bereits in nationalliberalen Blättern unter Hinweis auf das Verhalten der freisinnigen Abgeordneten im preußischen Abgeordnetenhause höhnisch die Frage aufgeworfen, ob denn für den Freisinn in den Communen, in denen er die Macht in Händen hat, andere Grundsätze maßgebend seien als in den Parlamenten. Den Vogei schießt natürlich unser„Westf. Tabl.“ ab, indem es, wie gewöhnlich in der Herabsetzung des politischen Gegners anderen Blättern, um mehrere Pferdelängen voraus, die freisinnige Fürsorge für die Interessen der Lehrer als Gaukelspiel bezeichnet. Niemand kann aus seiner Haut heraus, heißt es im Volksmunde, und in Berücksichtigung dessen wird man denn ja auch dem Blatte für diese und manche andere Unge—hörigkeiten„mildernde Umstände“ zubilligen dürfen. In der Sache sind wir übrigens diesmal— welch' ein seltenes Glück für uns— mit unserer nationalliveralen Kollegin einverstanden. Auch wir mißbilligen, wie schon oben gesagt wurde, den Mehrheitsbeschluß der Berliner Stadtverordneten=Versammlung und würden es freudig begrüßt haben, wenn diese Korporation, statt den leidigen finanziellen Gesichtspunkt hervorzukehren, sich auf eine höhere Warte gestellt und diejenige Lehrerfreundlichkeit an den Taa gelegt hätte, die man bei einer liberalen Stadtverwaltung voraussetzen sollte. Man wirft ein, daß die Berliner Besoldungsverhältnisse nicht mit denen anderer Gemeinden in einen Topf zusammengeworfen werden dürften; daß speziell das Anfangsgehalt von 1200 M. mit Alterszulagen von 100 M. rechne, während Berlin ganz andere Zulagen gewähre. Wenn aber auch zuzugeben ist, daß die Berliner Lehrer nach 30jähriger Dienstzeit, die übrigens nicht jeder absolviert, sich besser stehen werden, als Tausende ihrer Kollegen im Lande, so wird damit die Thitsache nicht aus der Welt geschafft, daß die Berliner Lehrer sich viele Jahre mit 1000 M. Gehalt behelfen müssen, während sie anderswo in der gleichen Zeit 12—1500 M. oder noch mehr beziehen. Die Mietsentschädigung von 600 M. wiegt diesen Unterschied auch dann nicht auf, wenn man in Betracht zieht, daß in Berlin, wo die Mietspreise nicht billig sind, auch der unverheiratete Lehrer diesen Zuschuß bezieht. Wie sehr der Beschluß die in ihrer Mehrheit gut freisinnige Berliner Lehrerschaft erregt hat, beweist der Verlauf der von etwa 2000 Personen besuchten Protestversammlung, die am Dienstag abend im Saale der Victoria=Brauerei in Berlin abgehalten wurde und in welcher der Lehrerstand in erster Linie vertreten war. Die Versammlung beschloß mit allen gegen eine Stimme, welche für eine verschärfte Fassung war, folgende Erklärung:„Die heute in der Victoria=Brauerei tagende öffentliche Versammlung bezeichnet die von der Stadtverordneten=Versammlung für die Gemeindelehrer festgesetzten Gehälter im Verhältnis zu den von anderen Gemeinden festgesetzten Besoldungen als unzureichend und der Stellung Berlins im Staat und im Reiche als nicht entsprechend. Die Versammlung erblickt in dieser Regelung der Lehrerbesoldung eine den liberalen Prinzipien widersprechende Schädigung der Volksbildungs= interessen der Hauptstadt. Die Versammlung erwartet, daß die städtischen Behörden mindestens dem abgelehnten Ausschlußantrage schließlich ihre Zustimmung geben werden.“ * Berlin, 24. November. Am Mittwoch vormittag besichtigte wie aus Kiel gemeldet wird, der Kaiser den Panzer„Baden“ und begab sich dann zu einer Besichtigung der Sigualkompanie nach Friedrichsort. Mittags fuhr er nach Altona, wo er dem Grafen Waldersee einen Besuch abstattete. — Durch Kabinetsordre vom 23. November sind der Kontre=Admiral v. Diederichs unter Beförderung zum überzähligen Vize=Admiral zum Chef des Kreuzer=Geschwaders in Ostasien, der Kontre=Admiral Prinz Heinrich von Preußen, zum Chef der 2. Division des Kreuzer=Geschwaders und der bisherige Kommandant der „Sachsen", Korvetten=Kapitän mit Oberstlientenantsrang Plachte, zum Kommandauten des„Deutschland“ ernannt worden. — An Stelle des„im Interesse des Dienstes“ aus Dirschau nach Paderborn versetzten Oberlehrers Dr. Fricke ist ebenfalls„im Interesse des Dienstes“ der Oberlehrer Uppenkamp von Paderborn nach Dirschau versetzt worden. Hierüber wird in dem Padervorner Zeutrumsblatt Klage erhoben. Herr Uppenkamp se Westfale und die Versetzung aus seiner Heimotprovin, sei für ihn schmerzlich. Auch gestalteten besondere Familienverhältnisse die Versetzung gerade jetzt für ihn besonders hart. Herr Uppenkamp hat sich deshalb nach Berlin begeben, um in dieser Sache beim Kultusministerium vorstellig zu werden. Wie die„Köln. Zta.“ schreibt, bot vor etwa anderthalb Jahren der damals noch lebende, inzwischen verstorbene Geh. Reg.=Rat Prof. Dr. Jürgens Bona Meyer in Bonn seine wertvolle pädagogische Bibliothek— ein vollkommenes Muster in ihrer Art dem preußischen Kultusminister unter der Bedingung an, daß die Bibliothek in einem eigenen Raume aufgestellt, den Studenten als„Präsenz=Bibliothek“ gemacht und durch einen jährlichen Zuschuß von—400 M. für Neuanschaffungen erhalten bleiben solle. Diese Bibliothek sollte in dieser Verwendung an der Universität Bonn die ündung eines pädagogischen Seminars— entsprechend u philologischen und theologischen— erleichtern und als Seminarbibliothek gelten. Die Antwort des Ministers lautete,„er müsse sich erst orientieren, ob eine solche Einrichtung an der Bouner Universität zweckmäßig sei, und im Falle diese Frage bejaht werde, komme die weitere Frage, ob die Mittel zu beschaffen wären.“ Mit diesem unbestimmten Bescheide mußte sich Prof. Meyer begnügen. In seinem hinterlassenen Testamente hat er das Angebot unter deuselben Bedingungen wiederholt; seine Witwe hat dies dem Minister sofort mit der Bitte um schnellen und bestimmten Bescheid mitgeteilt, da ihr Haus verkauft werden solle und Unterhandlungen wegen der Bibliothek zu erwarten seien. Nach zweimonatlichem Warten erfolgte ein ablehnender Bescheid; der Kulturstaat Preußen hat also jährlich nicht 300—400 M. übrig, um eine in ihrer Art unersetzliche Bibliothek zusammenzuhalten und eine für die Studenten unleugbar nutzbringende Einrichtung zu schaffen. Die Witwe Meyer hat nun die Bibliothek verkauft; den Erlös aber hat sie, um den Willen ihres verstorbenen Mannes in anderer Weise gerecht zu werden, dem„Verbande rheinisch=westfälischen Bildungsvereine“ überwiesen, der ihn zur Einrichtung von Wanderbüchereien, die den Namen Jürgen Bona Meyer=Stiftung" tragen sollen, verwenden wird. — Ueber den Zeitpunkt der Neuwahlen für den Reichstag werden in den offiziösen„Berl. Pol. Nachr.“ wieder Ansichten laut, die wir nicht für richtig halten. Es wird dort behauptet, die Reichstagssession könne bis zum Schluß des Gesetzgebungsabschnitts fortdauern und die Regierung brauche erst nach diesem Zeitpunkt Reichstagswahlen vornehmen zu lassen.„Den äußersten Zeitpunkt, bis zu welchem die Wahlen verschoben werden dürfen, begrenzen die Vorschriften der Reichsverfassung über die alljährliche Berufung des Reichstages und die Festsetzung des Reichshaushaltsetats. Innerhalb dieser Schranken sind für die Wahl des Zeitpunktes der Reichstagswahl nicht sowohl Rechts-als Zweckmäßigkeitsgründe entscheidend.“— Dazu bemerkt die„Freis. Zta.: Das ist unrichtig. Verfassungsmäßig muß immer ein zuständiger Reichstag vorhanden sein, und zwar nicht bloß für die regelmäßige Jahresfeststellung des Elats, sondern für alle Fälle, welche die Mithilfe der Gesetzgebung erfordern könnten. Man denke nur beispielsweise an den plötzlichen Ausbruch eines Krieges wie im Juli 1870. Da das Mandat des Reichstages mit dem 10. Juni abläuft, so muß vom 11. Iuni ab bereits ein neugewählter Reichstag zur Stelle sein können. Daraus folgt, daß die Wahlen späjestens„Anfangs Mai ausgeschrieben werden müssen. Unserer Meinung nach wird die Ausschreibung thatsächlich noch früher erfolgen, und sind solche affiziösen Erörterungen nur dazu bestimmt, auf die Wahlvor bereitungen hemmend einzuwirken. — Der Entwurf der Militärstrasprozeß ordnung soll am 27. November in einer Extrabeilage des„Reichsanzeigers“ veröffentlicht werden. — Die„Nationalliberale Korrespondenz“ hatte geäußert, die Centrumspresse, namentlich die kleinen Blätter im Lande, sei in der Flottenfrage in eine zu große Abhängigkeit von dem Abg. Richter geraten und lege die„Freis. Zig. die ganze Centrumspolitik fest. Darauf autwortet die klerikale„Köln. Volkézta.: „Mau sollte diese Sache nur ruhig den zunächst Beteiligten überlassen. Von einem Festlegen kann in der Flottenfrage schon um deswillen keine Rede sein, weil seit Monaten die Nachrichten über das, was beabsichtigt wird, beständig wechseln. Da bleibt dann nichts übrig, als die wechselnden Augaben zu buchen und auch von den bezüglichen Auslassungen der Presse Notiz zu nehmen. Wenn dabei das Organ des Abg. Richter häufiger citiert wird als nationaltiberale Organe, so hat das doch seine guten Gründe; die nationalliberalen Organe sind von einem weitgehenden Optimismus, der durch die Entwickelung unserer innerpolitischen Verhältnisse in keiner Weise gerechtfertigt worden ist, während die freisinnigen Blätter mit ihren mehr pessimistischen Anschauungen nur zu oft Recht behalten haben. Ihre Entschließungen wird die Centrumsfraktion selbst zu fassen haben. So hat sie es auch bisher gehalten.“ Zu der Beteuerung der friedlichen Absichten der Regierung „passen jedenfalls recht schlecht all' die dunkeln Drohungen mit Reichstagsauflösung und Konflikt, welche seit Monaten die den Wasser-Militarismus am eifrigsten pflegenden Blätter anfüllen. Warten wir ab, was zu Tage kommt.“ — Die„Nat.=Lib. Korr.“ hatte auch Bezug genommen auf die Haltung der Centrumspresse in Bezug auf die Vorgänge in Ostasien. Dazu bemerkt die„Kölu. Volksztg.“:„Auscheinend ist die „Nat.=Lib. Corresp.“ der Meinung, die Centrumspresse müsse ganz einfach sagen: weil in China katholische Missionare ermordet worden sind, muß die deutsche Flotte so stark gemacht werden, daß sie nicht nur dafür von China Gennathnung erlangen kann— wozu die Flotte zweifellos stark genug ist— sondern auch ohne alle und jede Rücksicht auf die andern Großmächte in China weiter vorzugehen vermag. Diese eigentümliche Konseqnenz zieht die Centrumspresse allerdings nicht. Sie erwartet vom Auswärtigen Amt mit vollem Vertrauen eine angemessene Erledigung des chinesischen Zwischenfalls, wird aber nicht dazu mithelfen, daßß derselbe etwa für die Förderung von Flotten=Plänen ausgebentet werde, welche im Gesamt=Interesse des deutschen Reichs als zu weitgehend erachtet werden müßten. — Die„Nordd. Allg. Zta.“ ist bemüht, in offiziösem Druck den Auschauungen entgegenzutreten, daß die Regierung absolntistische Ziele verfolge Mit einem starken Aufwand sittlicher Entrüstung und feierlicher Versicherungen erklärt das Blatt u..: Wo und wann ist deun, so muß sich auch der Einfältigste fragen, auch nur das geringste Anzeichen oder eine irgendwie beglaubigte Kundgebung dafür zu Tage getreten, daß die Regierung darauf verzichten wolle, ihre Vorlagen auf verfassungsmäßigem Wege im Reichstage durchzusetzen, daß sie auch nur von ferne daran gedacht habe, über die Rechte des Volkes und der Volksvertreter hinwegzugehen, daß irgend ein Minister, irgend eine im Staate maßgebende Periönlichkeit den Absolutismus an die Stelle unseres Verfassungslebens setzen möchte? Damit aber ein für allemal jede Spur solcher radikalen Verdächtigungen getilgt und damit jedem ehrlich Denkenden auch der leiseste Zweifel benommen werde, sei mit allem Nachdruck betont, daß alle der Regierung unterschobenen absolutistischen Hintergedanken lediglich Truggebilde des Radikalismus und alle maßgebenden Faktoren im preußischen Staate und im Reiche nach wie vor einig darin sind, die Rechte der Volksvertretung und die Verfassung hochzuhalten. Daß alle maßgebenden Faktoren im preußischen Staate und im Reiche nach wie vor einig darin sind, die Rechte der Volksvertretung und die Verfassung hochzuhalten, wird allenthalben mit Befriedung vernommen werden. Wenn aber die„Nordd. Allg. Zta.“ behauptet, daß„alle der Regierung untergeschobenen Hintelgedanken lediglich Truggebilde des Radikalismus seien, so ist das nichts als Spiegelfechterei: Die„Nordd. Allg..“ weiß ebenso gut wie wir, daß das„Spielen mit dem Staatsstreich“ gerade von der Presse der Rechten aufgenommen und mit vollem Ernst von dieser die Frage erwogen worden, ob nicht, wenn das„Staatswohl“ in Frage komme, die Verfassung durchbrochen werden könne. Hat es doch sogar der Führer der Nationalliberalen, Herr v. Bennigsen, für nötig gefunden, diesem unverantwortlichen Spielen mit den Staatsstreichgedanken offen und entschieden entgegenzutreten. Wenn die schlechten Freunde der Regierung ihr so böse Dienste erwiesen haben, daß die Frucht vor absolutistischen Bestrebungen weite Kreise ergriffen hat, so ist es ein unehrliches Spiel, wenn die„Nordd. Allg. Ztg.“ oder ihre Auftraggeber die Schuld daran nachträglich der bösen Refrain. Von Fritz Lapidoth. (Nachdruck verboten.) Herr Dal, ein sehr bekannter Amsterdamer Rechtsanwalt, der außerordentlich eifrig war und sich fast überarbeitete, um seine Familie auf gutem Fuße leben lassen, und überdies noch für die Zukunft von Frau und Kindern sorgen zu können, war einer jener durch und durch gutmütigen, aber manchmal doch recht unbequemen Familien= väter, welche einem Junggesellen oftmals ein etwas spöttisches Lächeln entlocken. Wenn er in seinem etwas kleinen engen Bureau arbeitete, stürzte er wie besessen hinunter, wenn eines seiner sechs Kinder auch nur so laut weinte, daß er es mit Mühe und Not hören konnte. Man hörte ihn schon auf der Treppe, halb ärgerlich, halb ängstlich, rufen: „Mein Gott, Mutter, was ist das jetzt wieder?“ Und„Mutter",— d. h. natürlich die Mutter seiner Kinder— lief ihm dann bestürzt entgegen, und beeilte sich, ihren Mann schleunigst zu beruhigen. Der gute Vater, welcher im Grunde genommen doch Alles erlaubte, konnte es nicht ertragen, wenn einer seiner kleinen Söhne sang oder auf eine Weise Musik machte. Anfangs dachte ich au das, was wir als Kinder„eine Piqne auf Jemand“ neunen, und war entrüstet darüber. Später indessen ward es mir klar, daß nicht das Söhnchen seinen Zorn herausforderte, sondern die Melodie, welches es spielte oder sang. Und'war doch eine so unschuldige kleine Melodie! Jan Dal schien das Schlachtopfer eines nicht zu vertreibenden Quälgeistes zu sein, welcher ihm immer wieder zurannte: „Alle Enten schwimmen in dem Wasser Falderalderiere, Falderalderiere Das war alles, aber es war in der That nichts weniger als nervenstärkend, das achtjährige Kerlchen immer und immer wieder singen, pseisen, trommeln oder auf dem Kluvier panken zu hören: „Alle Euten schwimmen in dem Wasser Falderalderiere, Falderalderiere Das begann des Morgens um sechs Uhr, wenn er gerade aufgewacht war und in seinem Bettchen zu krähen aufing. Das dröhnte den ganzen Tag durch das Haus bis er einschlief nach einem letzten: „Fal— deral— dera.....“ Und an einem solchen Tage, das heißt also an allen möglichen Tagen der Woche und des Monats, rannte Vater Dal etliche Male aus seinem Bureau heraus, Manchmal wütend, oft verzweifelt: „Jan, so hör doch ums Himmelwillen auf mit deinen Entchen. Sing was du willst, aber blos das nicht; ich werde wahnsinnig!“ Schön, Vater.“ Dann sang er etwas Anderes und noch etwas Anderes, eine Viertelstunde lang. Aber dann begann es von Neuem: wiederum die Enten. Manchmal bekam er Schläge, oft nahm Dal ihn auch auf den Schoß und versuchte vernünftig mit dem Kerlchen zu reden. Es war ebenso rührend wie komisch. „Hör mal, Jan, dein Vater wird krank, wenn du immer wieder die Geschichte von den Enten singst, und du willst deinen Vater doch nicht krank machen, nicht wahr?“ Rein, Vaterl“ 944 „Dafür hast du Papachen doch viel zu lleb, nichl wahr?“ „Ja, Papa!“ „Nun, dann mußt Du's auch lassen, hörst Du? Wenn Du einmal einen ganzen Tag nicht von den Enten singst, bekommst Du einen Groschen geschenkt.“ „Bitte, Papa!“ Und dann sang Jan weder die Geschichte von den Enten noch auch etwas anderes, aus Angst, er könne, ohne es selbst zu wissen, den verbotenen Refrain wieder singen, wie es ihm so oft passierte, eigentlich immer, denn im Grunde genommen war er ein sehr gehorsamer Junge. Dann sang er nicht, während einer Stunde oder auch noch länger, wenn man sich mit ihm beschäftigte. Endlich aber begann er doch wieder vor sich hin zu singen, erst irgend etwas anderes und dann: „Alle Enten schwimmen in dem Wasser, Falderalderiere, Falderalderiere.... Die Anderen im Bureau sahen wie Dais Stirnadern auschwollen, wie der Mann ungeduldig auf seinem Schreibstuhl hin= und herrückte, und endlich, manchmal sogar mitten in einem wichtigen Gespräche, außer sich vor Wut, hinausrannte. Und man sagte sich dann: „Was für ein Wüterich der Dal doch ist!“ Das dauerte so mehrere Wochen lang. Danach ließ der Quälgeist den kleinen Jan los und man hörte das Liedchen von den Enten nicht mehr. Die ganze Familie atmete erleichtert auf, froh, endlich wieder einmal die langersehnte Ruhe genießen zu können. Aber Herr und Frau Dal konnten fihren sonntäglichen Spaziergang durch den Tiergang nicht mehr mit den Kindern unternehmen, ohne sich, wenn sie am Ententeiche vorbeikamen, eines gewissen Angstgefühles erwehren zu müssen: sie fürchteten der Junge werde am Ende nun wieder aufangen. Der Refrain der Euten war nahe daran gewesen ihr eheliches Glück zu zerstören. Niemand dachte mehr an die unglückliche Melodie; sogar wenn Dal sie irgendwo anders singen borte. dachte er kaum noch daran, wie sehr sie ihn einst gequält hatte. Und sein Söhnchen Jan, das nun bereits dreizehn Jahre alt war, konnte es kaum glauben, als man ihm einmal erzählte, wie sehr er seine ganze Familie mit dem unschuldigen Liedchen gepeinigt habe. Er sang nun wohl noch viele und schlimmere Sachen, aber sein Repertoir war groß und gemann täglich größere Dimensionen. Die Jungen in der Schule lehrten ihm manchen Gassenhauer, und sein Musiklehrer zwang ihn oft immer und immer wieder dasselbe langweilige Stück auf dem oftmals verwünschten Klavier zu spielen. Ich wohnte zur Zeit in Amsterdam und besuchte meinen Freund Dal häufig, ohne mich noch über den Lärm in seinem Hause zu ärgern. Die Erfahrung hatte mich klüger und weiser gemacht, wohl nicht klug geung, um mich von dem Glück und Segen der Ehe persönlich überzeugen zu lassen, wohl aber hatte sie mich gelehrt, Anderer häusliches Wohl und Wehe etwas milder zu beurteilen. Dal blieb der übermäßig besorgte Vater. Er stand früh auf, um die sämtlichen Klavier spielenden Kinder eines nach dem andern vorzunehmen und die verschiedenen Stücke nochmals mit ihnen durchzuüben, wonach sie dann alle zusammen im Zimmer herumtanzten, während„Papa“ mit demselben Eifer auf dem Klavier herumpankte, mit dem der arbeitsame und fleißige Mann alles that, mit Ausnahme des Spazierengehens, was vielleicht am allernötigsten für ihn gewesen wäre. Allein das Klavier verstummte und das Tanzen nahm ein Ende. Der große Kinderfeind hatte seinen Einzug gehalten in dem Hause des großen Kinderfreundes. Jan lag röchelud und nach Luft ringend in seinem Betichen und rief mit seiner stets beklommener und ängstlicher werdenden Stimme nach seinem Vater, sobald dieser auch nur auf einen Augenblick das Krankenzimmer verlassen hatte. Damals traf man Dal nicht mehr so wie früher, in seinem Bureau; er wollte und konnte nicht mehr arbeiten. Vergebens frugen seine Klienten nach ihrem Advokaten Aber der Doktor fand ihn immer und zu jeder Zeit am Bette seines Söhnchens, wo der lebhafte und stets emsige Mann stundenlang verweilte, ohne auch nur eine einzige überflüssige Bewegung zu machen, geduldig wachend und wartend, für alles sorgend, was den kleinen Patienten betraf; und er leitete die Pflege mit einer solchen Aufopferung und Liebe, daß es ihn verstimmte, die Zubereitung der Medikamente Fremden überlassen zu müssen. Und als die Krankheit nicht wich und nicht weichen wollte, mußten alle die an das weiße Bettchen kommen, welche als Kinderärzte berühmt waren. Die größten Gelehrten beugten sich über das bleiche Gesichtchen des kleinen Jungen, und sogar die, welche schon Zeuge tiefsten und aufrichtigsten Schmerzes gewesen waren, fühlten das Bedürfnis, dem kleinen untersetzten Männchen teilnehmend die Hand zu drücken, diesem Manne, den im Kampfe um sein Kind nichts zu schwer erschien, den die Selbstaufopferung ehrfurchtgebietend machte für immer. Aber sie konnten ihm den kleinen Jungen nicht erhalten. Ich habe jene kleine Leiche mit begraben. Zögernden Schrittes, geräuschlos, gingen wir durch den lockeren Sand des Kirchhofs. Uus allen voran, zwischen seinen beiden ältesten Knaben, noch kleiner als gewöhnlich, vor Schwäche wankend, ging Dal. Es war als könne er seinen dicken schweren Körper kaum noch fortschleppen. Keiner der Herren hatte den Mut gehabt, ihn anzureden. Man machte sich gegenseitig darauf aufmerksam, daß seine Augen gerötet waren, aber weinen konnte er nicht; vielleicht wollte er es auch nicht. Mehrmals hörte ich wie man sagte. es bliebe ihm noch eine ganze Anzahl von Kindern, die ihm dieses eine gewiß ersetzen würden. Bei Begräbnissen pflegt man besonders klug und duldsam zu sein, wenn der Schmerz Andere trifft. Endlich standen wir an der Gruft. Dal zitterte, preßte seine beiden Knaben fest an sich und wischte dem einen derselben mit seinem Taschentuch über die Stirne. Irgend jemand fand es angebracht, die Qualen deMannes durch eine Ansprache noch zu verlängern. Aber Dal blieb ruhig. Er schluchzte nicht einmal: er schien nichts zu hören und nichts zu sehen und starrte nur vor sich her wie ein Wahnsinniger. Die Umstehenden fingen an, sich darüber zu bennruhigen. Allein das Grab war zugedeckt und es war noch immer nichts geschehen. Ich sah wie alle Dal scheu auswichen beim Fortgehen. Was sollte man auch sagen, angesichts eines so großen, tiefen und wahren Schmerzes. Wir hatten den Kirchhof schon beinahe wieder verlassen, als er rasch auf uns zukam, mir durch einen Blick gebietend, ihm nicht auch ausziweichen. Er fiel in meine Arme, taumelnd, nun da die Auspannung der Nerven aufgehört hatte und er endlich weinen konnte; halbtot vor Müdigkeit, nachdem er solange schon alle seine Empfindungen hatte unterdrücken müssen. Da plötzlich sah ich ein mattes Lächeln den schmerzlich verzerrten Mund umspielen: „Ich böre ihn, ich böre ihn singen...“ Und Dal sang leise vor sich hin, so leise, daß ich ion nicht verstehen und nur erraten konnte was er sang: „Alle Enten schwimmen in dem Wasser, falderalderiere, falderalderiere 4 Demokratie in die Schube schieben wollen. Die durch mancherlei unliebsame Vorgänge hervorgerufene allgemeine Unruhe, der man im Süden des Reiches den Namen „Reichsverdrossenheit" gegeben hat, wird besser als durch offizidie Erklärungen dadurch beseitigt werden, daß man ihre Ursachen beseitigt. — Der Polizeispion Normann=Schuman hat die Dreistigkeit, den Zeitungen und anderen Adresser eine Broschüre zuzusenden, die das angebliche Material für die von Normann=Schumann gegen Frhru. von Marschall, Bebel, Hamann und den jetzt beim„Lokal. Anz.“ angestellten Redacteur Breutano eingereichten Meineids=Denunziationen enthalten soll. Besonders heftig wird darin Breutano angegriffen und beschuldigt, seit 1887 als Angeber heimlich zu Herrn v. Tausch in einem notorischen Verbältnis“ gestanden zu haben. Normann=Schumann prahlt mit seinen Beziehungen dem verstorbenen Polizeipräsioenten Frhrn. von Richthofen und dem Kriminalkommissar v. Manderode. Er brüstet sich, daß er täglich zu bestimmten Stunden am Alexanderplatz auf dem Bureau habe sein müssen; neben seinen tänlichen politischen Vorträgen beim Polizei präsidenten habe er quartaliter die Ministerial berichte über das politische Vereinswesen(bestimmte Logen, antisemitische Bewegung, Auswanderungsagenten, auswärtige(nicht deutsche) Presse, anfertigen müssen, serner sei ihm von Herrn v. Richthofen die Berichterstattung Abertragen worden über die katholischen PfarrenPersonalien. Normann=Schumann behauptet, mit der Weihnachtsgratifikation jährlich ein festes Gehalt von 4000 Mk. bezogen zu haben. — In Husum ist am Sonntag für den Wahl kreis Husum=Eiderstedt in einer von Vertrauensmännern beider freisinnigen Richtungen besuchten Versammlung Reichstagsabg. Dr. Schneider als geme samer Kandidat für die Reichstagswahlen aufgestellt worden. — Ein Parteitag der nationallibrralen Parte im rechtsrheinischen Bayern hat am Sonntag in Nürnberg stattgefunden. Nach dem Bericht der Münchener Allg. Ztg. führte Landtagsabgeordneter Dr. Casselmann als Referent über die allgemeine politische Lage n. a. aus, die Aufgabe der nationalliberalen Partei bestehe auch darin, in ganz entschiedener Weise der Reichsregierung da entgegenzufreten, wo sie Wege wandle, die wir nur billigen könnten, wenn wir unsere ganze politische Vergangenheit verleugnen würden. Verschiedene Vorgänge in Berlin hätten speziell in Bayern eine Verstimmung bis tie binein in durchaus national gesinnte Kreise bevorgerufen, die äußerst bedenklich und beklagenswert sei. Diese Verstimmung wieder zu heben, sei nur möglich, wenn man ohne jede Rücksicht und freimütig der Reichsregierung ein energisches:„Bis hierber und nicht weiter!“ zurufe und ihr die surchtbare Gefahr dringend vor die Augen führe, die aus einer solchen verkehrten Politik für den nationalen Reichsgedanken speziell im Süden erwachse. Eine Partei, die mit Begeisterung an der Gründung des Reiches mit thätig gewesen, die jederzeit treu zu Kaiser und Reich gehalten habe und heute noch tren für sie einstehe, hätte Anspruch darauf gebört zu werden. Möchten sich die maßgebenden Stellen in Berlin des vollen Ernstes dieser Mahnung bewußt werden, ehe es zu spät wird.— Und das sind lammfromme Nationalliberale, die so sprechen. — Betreffs des Mittelland=Kanals teilt die „Deutsche Tagesztg.“ einen Erlaß der vier Ressortminister mit, der die Wünsche der Interessenten des Kanals wegen Ermäßigung der von diesen für den Bau zu übernehmenden Leistungen ablehnt. Es heißt in dem vom 26. September d. J. datierten Erlaß: Dem Landtage einen Gesetzentwurf über die Herstellung der Kanalverbindung vorzulegen, bevor die Bereitwilligkeit der Communalverbände usw. zur Uebernahme der geforderten Leistungen sichergestellt ist, kann nicht in Aussicht genommen werden, denn die opferbereite Teilnahme der Interessenten bildet grade den Prüfstein für die Banwürdigkeit und Ertragsfähigkeit des Kanals. Das empfohlene Vorgehen verbietet sich aber auch durch die Erfahrungen, die beim Bau des Dortmund=Ems=Kauals gemacht worden sind. Hier hat es nach Erlaß des Kanalgesetzes jahrelanger Verhandlungen und eines neuen Aktes der Gesetzgebung bedurft, um endgültig die Interessentenleistungen zu regeln, sodaß bei Beginn der Bauausführung die Projekte und Kostenanschläge bereits veraltet und unbrauchbar geworden waren und infolge hiervon beträchtliche Auschlagsüberschreitungen eingetreten sind, welche ein abermaliges Herantreten an den Landtag erforderlich machten. Die beantragte gleichzeitige Herstellung zweier Verbindungen vom Dortmund=Emskanal nach dem Rheine — der sogenannten Südemscher= und der LippeLinie— kann schon um deswillen nicht erfolgen, da sie die großen Kosten des Unternehmens noch sehr erheblich vermehren würde. Die gewünschte unterschiedliche Behandlung der Stichkauäle, je nach ihrer Bedeutung für die Hauptlinie, bleibt, den Provinzen selbst bei Verteilung der einzelnen Jahresleistungen auf die untern Verbände überlassen. Der dem Staate gegenüber ungeteilt für Hauptlinie und Seitenkanäle — jedoch besonders für den Dortmund=Rhein= und für den Mittelland=Kanal— in der früher bezeichneten Höhe(von 1/8 der auschlagsmäßigen Baukosten des Hauptkanals und ½ dieser Kosten bei den Seitenkanälen) von den Interessenten zu übernehmende Gesamtkostenanteil kann keine Abminderung erfahren, zumal er nach den neuerdings eingezogenen Erkundigungen über die finanzielle Beteiligung der größeren ausländischen Staaten an den Kosten der Kanalbauten mäßig bemessen erscheint im Vergleich zu den Lasten, die dort den Nächstbeteiligten auferlegt werden. Der Antrag, die Garantie zeitlich zu beschränken, etwa in der Weise, daß sie erlösche, wenn sie eine Reihe von Jahren nicht in Anspruch genommen worden sei, ist mit dem Gedanken der gleichmäßigen Verteilung des Risikos zwischen Staat und Provinzen, der dem System der Ertragsgarantie zugrunde liegt, nicht vereinbar. Er ist aber auch entbehrlich, da die zeitliche Begrenzung der eingangenen Verpflichtungen durch die vorgeschriebene Amortisation, auf welche nicht verzichtet werden kann, erreicht wird. Der Antrag, wonach der Kanalstrecke Bevergern=Elbe(Mittelland-Kanal) die durch sie auf dem Dortmund=Ems=Kanal hervorgernfenen Einnahmen zugute gerechnet werden sollen, kann für berechtigt nicht erachtet werden. Die hier in Betracht kommende obere Teilstrecke des letztern Kanals von Herne oder Dortmund nach Bevergern bildet ein notwendiges Glied des Rhein=Weser Elbe Kanals, und es ist nicht abzusehen, weshalb nicht das auf die Herstellung dieser Strecke verwandte Kapital— abzüglich der von den Interessenten geleisteten Beiträge zu den Grunderwerbskosten— den gleichen Anspruch auf Verzinsung aus den Einnahmen vom Durchgangsverkehr haben soll, wie das Anlagekapital der Mittelland Kanalstrecke. * Karlsruhe, 23. November. Der badisch Landtag wurde heute eröffnet. Nach der vom Präsidenten des Staatsministeriums Dr. Nokk verlesenen Tronrede hat sich die Finanzlage in den letzten Jahren merklich gebessert. Das Budnet schließt im ordentlichen Etat mit einem nicht sehr erheblichen Ueberschuß, unter der Voraussetzung, daß in den beiden nächsten Jahren die Matrikularbeiträge und die Ueberweisungen sich decken werden. Die Anforderungen des außerordentlichen Etats erreichen die ungewöhnliche Höhe von 13320 444., sodaß nach Abzug der Einnahmen des außerordentlichen Etats mit 2410 756 M. noch immer 10909688 M. z decken bleiben. Die Tronrede stellt für Landwirtschaft und Gewerbe die Beihilfe der Regierung in Aussicht. Außerdem wird anläßlich des bevorstehenden Inkrafttretens des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Reihe landesgesetzlicher Ausführungsbestimmungen dem Landtage vorgelegt werden. * München, 24. November. Die Kammer der Abgeordneten begann heute die Beratung des Autrages v. Vollmar betreffend die Amnestierung der wegen Haberfeldtreibens Veructeilten und des Antrages Pauli betreffend die möglichst weitgehende Begnadigung der verurteilten Haberer, die von Fall zu Fall erfolgen soll. Nachdem die Antragsteller ihre Anträge eingehend begründet hatten, erklärte der Justizminister, der Erlaß einer Amnestie sei unmöglich, weil die Gründe für die Verurteilung bei den einzelnen Personen sehr verschied ne waren, und weil bei Erlaß einer Amnestie neue Ruhestörungen gerade in jenen Gebieten befürchtet werden müßten, welche man jetzt von dem Unwesen des Haberfeldtreibens befreit habe. Dagegen erklärte sich der Minister bereit, jedes berechtigte Begnadigungsgesuch zur Würdigung zu empfehlen. Im Lause der Debatte wurde von allen Seiten eingeräumt, daß die Bewohner der in Frage kommenden Gegenden durchweg sehr erfreut seien, daß dem Haberfeldtreiben eine Ende bereitet wurde und daß der von den Haberern ausgeübte Terrorismus verschwunden sei. Die Debatte über die Anträge wurde sodann auf Freitag vertagt. Oesterreich. * Wien, 24. November. Abgeordnetenhaus. Nach sechs namentlichen Abstimmungen beantragt der jungtschechische Abgeordnetete Dyk, daß von den zahlreichen gleichlautenden Petitionen gegen die Sprachenverordnungen eine verlesen und dem stenographischen Protokoll beigedruckt werde. Als hierüber ohne Debatte abgestimmt werden soll, protestiert die Linke unter großem Lärm und bezeichnet den Antrag als eine Vergewaltigung und neue Gesetzwidrigkeit. Erregte Zwischenruse und großer Lärm im ganzen Hause. Zahlreiche Abgeordnete eilen zum Präsidium, wo sich ein heftiges Drängen und Stoßen entwickelt. Der Präsident unterbricht die Sitzung und verläßt den Saal. Während der Unterbrechung spielen sich unbeschreibliche Scenen ab. Der Abgeordnete Wolf nimmt die Glocke vom Tisch des Präsidiums und schwingt sie. Abgeordneter Potoczek entreißt Wolf die Glocke. Stürmische Entrüstungsrufe auf beiden Seiten des Hauses. Plötzlich eilen zahlreiche jungtschechische und polnische Abgeordnete auf die Präsidenten=Tribüne zu, umringen Wolf und wollen ihn von der Tribüne herabstoßen. Von der anderen Seite drängen zahlreiche Abgeordnete der Linken dagegen. Wolf wird von Jungtschechen geschlagen, worauf sich auf der Tribüne ein Handgemenge entwickelt, welches länger Is eine Viertelstunde dauert. Abgeordneter Schönerer ergreift einen Minister=Fauteuil und hält denselben in die Höhe um ihn gegen die Gegner zu werfen. Abg. Hagenhofer ergreist Schönerer, welchem der Fauteuil entrissen wird. Im ganzen Saale herrscht ein fürchterlicher Lärm und große Erregung. Auf der Gallerie ertönen Pfui=Rufe: der Präsident erscheint schließlich wieder im Saale und nimmt die Sitzung wieder auf. Da aber der Lärm fortdauert, schließt er die Sitzung. Der Termin der nächsten Sitzung wird den Abgeordneten schriftlich mitgeteilt werden. Der Abgeordnete Pfersche welcher ins Gedränge geriet, zog das Taschenmesser, welches ihm jedoch von Parteigenossen entrissen wurde, ehe er es geöffnet hatte. * Wien, 24. November.(Von einem Privat=Korrespondenten.) In Abgeordnetenkreisen spricht man von der angeblich bevorstehenden Verhaftung der Abgeordneten Schönerer, Wolf und Pfersche unter der Beschuldigung des Verbrecheus öffentlicher Gewaltthätigkeit.— Zur Erklärung des Verhaltens des Abgeordneten Pfersche wird in Abgeordnetenkreisen erzählt, der Pole Potoczeck habe sich auf Psersche gestürzt und ihn dermaßen gewürgt, daß er fast ohnmächtig wurde. In der Angst habe Pfersche sein Federmesser gezogen und nach Potoczek gestochen. * Wien, 24. November. Abgeordnetenhaus. Die Erklärung des Präsidenten, mit welcher derselbe die Sitzung schloß, lautete:„Angesichts der Gewaltthaten, die sich im Hause zugetragen haben, erachte ich es für meine Pflicht, die heutige Sitzung aufzu heben. Ich bitte diejenigen Herren, die mir die Abgeordneten angeben können, welche sich der Gewaltihaten schuldig gemacht haben, in meinem Bureau zu erscheinen. Diese Erklärung gab der Präsident auf Wunsch mehrerer Abgeordneten ab, welche nach Unterbrechung der Sitzung in seinem Burau erschienen waren und ihre Aussagen zu Protokoll gegeben hatten. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Frankreich. * Paris, 24. November. Oberst Piequart trifft am Freitag in Paris ein. Es wird allgemein die Ueberzeugung ausbesprochen, daß die Aussagen Picquarts eine entschiedene Wendung in der Dreyfuß=Affäre herbeiführen werden Der„Figaro“ hofft, daß die Vorgesetzten Picquarts nicht versuchen werden, demselben irgendwie Schweigen aufzuerlegen, da eine derartige Bemühung geradezu verbrecherisch wäre. Die Libre Parole“ greist heftig die Kriegsverwaltung an, weil sie Mathien Dreysuß erlaubte, in nächster Nähe von Belfort auf einer Anhöhe beim Fort Bellevne eine Villa zu bauen. Türkei. * Konstantinopel, 24 November. Das Programm des heute oder morgen zu gewärtigenden feierlichen %#r Oesterreich=Ungarischen Flagge Geh#na wurde zwischen der österreich=ungarischn Vorschaft und dem Minister des Auswärtigen Tewfikvereinbart. Dem feierlichen Akt werden alle Militär= und Civilbehörden in Parade=Unisorm, ferner der als Delegierter der Botschaft sungierende Kommandant sowie der Stab des Kreuzers„Leopard" beiwohnen. Ein Truppendetachement mit Musik wird ausrücken und sich vor dem Konfulatsgebände aufstellen. Im Augenblick der Hislung, der Flagge präsentieren die Truppen und die Müsir setzt ein. —.* Konstantinopel, 24 November.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.=Korresp.=Bureaus.) Gestern wurden die Verhandlungen über Artikel 11 des Friedensverfortgesetzt. Als Entschädigung für Privat= verluste wurden 100000 Pfund festgesetzt. und Verkehr. * Neuß, 24. November.[Fruchtbörse.] Neuer Weizen kleiner P 39er## engl. 1. Qual. M. 19.20, 2. Qual. M. 18,70 neuer Roggen, M. 14,70, 2. Qual. M. 14,20 per 100 Ko., Hafer 1. Qual. M. 14,40, 2. Qual. M. 13.40, neuer Haser M. 13,60 per 100 Kv., Kartosseln per 50 Ko. M. 2,— bis.—, Heu per 50 Ko. M..50 bis 3,50 Maschinenstroh per 500 Ko. M. 18.—, Flegeldrusch per 500 Ko. M. 20.—, Butter per Ko. M. 2,20, Eier per Schock(60 St.) M. 5,70, Raps Qual. 1. 26,75, 2. Qual. M. 25,25 per 100 Ko., Aveel(Rübsen) 1. Qual. M. 25,75, 2. Qual. M. 24,25 per 100 Ko., Rüböl per 100 Ko. in Partien von 100 Ctr.(ohne Faß) M. 58,50, Rüböl per 100 Kilo saßweise(ohne Faß) M. 60,—, gereinigtes Oel per 100 Ko. M. 3,— höher als Rüböl, Preßkuchen per 1000 Ko. M. 108,—, Weizenvorschuß 00 per 100 Ko. M.—.—, Kleien per 50 Kilo M..00. * Magdeburg, 24. November. Zuckerbericht. Kornzucker exkl. von 92 pCt.—. Kornzucker exkl. 88 pCt. Rendement.55—9,70. Nachprodukte exkl. 75 pCt. Rendement 7,00—7,85. Ruhig. Brodraffinade 1. 23,00—00,00. Brodraffinade II. 22,75. Gem Brodraffinade mit Faß 23,00—23.25. Gem. Melis I mit Faß 22,37½—00,00. Ruhig. Rohzucker I. Transito f. a. B. Hamburg pr. November 8,92½ Gd., 8,95 Br., pr. Dezember 8,95 Gd., .97½ Br., pr. Januar 9,05 Gd., 9,07½ Br., pr. Februar 9,15 Gd., 9,17½ Br., pr. März 9,22½ Gd.,.25 Br. Schwächer. Hamburg, 24. Novmeber. Kafsee good average Santos pr. Dezbr. 27½, pr. Mai 28¾4. Stetig. # Kamburg, 24. November. Zuckermarkt. Rübenzucker 1. Produkt Basis 88% frei an Bord Hamburg pr. Dezember 8,92½, pr. Mai.30. pr. August 9,50. Ruhig.. /2= pr. Mai 9,30, * Bremen, 24. November. Raffiniertes Petroleum.(Offizielle Notierung der Bremer Petroleum=Börse.)—. Loko 4,95 Br. * Amsterdam, 24. November. Java=Kassee good ordinary 36. Antwerpen, 24. November. Petroleummarkt.(Schlußbericht.) Raffiniertes Type weiß loko 14¾ bez und Br., pr. November 14¾ Dr., pr. Dezember 14¾ Br. Ruhig.— Schmalz pr. November 53, Margarine ruhig. Paris, 24. #. November. Rohzucker ruhig, 88% loko 27¼ à 27½. Weißer Zucker fest, Nr. 3, pr. 100 Kilogramm pr. November 29 3/4, pr. Dezember 29 7/8, pr. Januar=April 30¼, pr. März=Juni 30¾. * Havre, 24. November. Kafsee good average Santos pr. November 33,50, pr. Dezember 34.00, pr. März 34,50. Behauptet. * Glasgow, 24. November. Roheisen. Mixed numbers warrauts 65 sh. 1 d. Warrants Middiesborough III. 40 fb. 8½ d. New=York, 24. November. Ansangskurse. Weizen pr. Dezbr. 86¼. Mais pr. Dezember 31¾/4. eren-Thens mbite in Petroleum Stuno wyner in Philadelphia 5,35. Petroleum Refined(in Cases) 5,95. Petroleum Credit Balances at Oil City Nov. 65. Schmalz Bestern steum 4,50. Schmalz Rohe und Brothers 4,90. Weizen pr. November 97⅝. Weizen pr. Dezember 97 7/8. Weizen pr. Januar 98. Weizen pr. Mai 96⅛. Kassee fair Rio Nr. 7 6¼. Kassee Rio Nr. 7 pr. Dezör. .05. Kassee Rio Nr. 7 pr. Februar.30. Zucker 3 3/16. Kursbericht der Berliner Börse vom 24 November, mitgeteilt von der Bergisch-Märkischen Bank, Dagen. Tendenz: Still. Fonds- und Aktien=Börse. * Berlin, 24. November. Die heutige Börse eröffnete und verlief im wesentlichen in ziemlich fester Haltung. Die fremden Tendenzmeldungen lauteten nicht ungünstig, boten aber geschäftliche Anregung kaum dar. Hier setzten die Kurse auf spekulativemn Bebiet zumeist wenig verändert ein und konnten sich im Verlaufe des Verkehrs bei sortdauernd sehr ruhigem Geschäft unter kleinen Schwankungen behaupten und zum Teil etwas bessern. Der Börsenschluß blieb ziemlich fest. Der Kapitalsmarkt zeigte ziemlich feste Haltung für heimische solide Anlagen bei ruhigem Handel; Reichs=Anleihen und Konsols fast unverändert. Fremde Fonds waren behauptet: Italiener und Mexikaner fester. Der Privatdiskont wurde mit 4¼ plt. notiert, Geld zu Prolongationszwecken mit etwa 5 pCt. gegeben. Auf internationalem Gebiet gingen österreichische Kreditaktien zu wenig veränderter Notiz mit kleinen Schwankungen mäßig lebhaft um; österreichische und italienische Bahnen fest. Inländische Eisenbahnaktien wenig verändert und ruhig; Dortmund-Gronau fester, Lübeck=Büchen anfangs schwächer. Bankaktien ziemlich fest und ruhig; auch in den Ultimopapieren. Industriepapiere ziemlich behauptet und ruhig; Montanwerte fester. Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. „Willehad“, von Baltimore kommend, 24. November 5 Uhr morgens auf der Weser angekommen. Wie der Himmel im Dezember 1897 Von Dr. R. Kleemann. Nachdruck verboten. Dem Anfang einer neuen Jahreszeit wird im allgemeinen mit besonderen Erwartungen entgegengesehen, ganz besonders freundlich aber wird von vorausschauenden Menschen der Winter begrüßt. Und die Berechtigung hierzu läßt sich nicht leugnen. Unsere Vorfahren, die „Alten Deutschen", feierten diesen Zeitpunkt durch ein großes Fest, das Winter=Sonnenwendefest, an dessen Stelle dann die Missionare, als sie Germanien aufsuchten, um das Christentum hineinzutragen, geschickt das Weihnachtsfest setzten, und so leichteres Spiel mit der Bekehrung hatten, als wenn sie die beidnische Feier ohne Ersatz ausgerottet hätten. Auch die Römer, die um diese Tage das Fest der Saturnalien begingen, an dem den Gefangenen die Ketten abgenommen wurden, die Sklaven mit den Freien zusammen zu Tisch saßen und aßen, und sogar von diesen bedient wurden, und an dem man sich gegenseitig beschenkte(daher wahrscheinlich der heutige Weihnachtsbrauch), bekundeten hiermit, welche Würdigung sie der Thatsache angedeihen ließen, daß von unn ab wieder allmählich das Licht über die Finsternis den Sieg errang, daß von unn ab wieder die Tage zunahmen. Die Sonne, die bis zu Wintersanfang, der astronomisch genau diesnachmittags sast: Dete mber 2 Uhr 26 Min. M. E. 3. bimmel enporsteigtii geringerer Höhe am Mittags. dauu ue sich geirig. gleichsam um und bedarf bagl Rutürtich gewissermaßzen eines Stillstandes; darum auch ala Wintersafsttkum'secr as Sonnenwende nach ulb Koinlerforsterinm(Sonnenstillstand). Die Sonne tritt in dem genannten Augenblick in das Zeiche des Steinbocks und beschreibt an diesem Tage den kürzesten Tageslauf. Es beträgt die Tageslänge.“ unt. 48° N. Br. unt. 550N. Br. Untersch. f. 1° am 1. Dezbr. 8 Std. 35 Min. 7 Std. 25 Min. 0,9 Min. 21." 8„ 18„ 7" 4".9„ 31." 8„ 22., 7 11" 16„ Abnahme.—21. 17 Min. 25 Min.— Zunahme 21.—81. 4„ 7„— Von der hier genannten Zunahme der Tageslänge ist dreilich morgens noch nichts zu spüren, denn im Gegenteil geht die Sonne am 31. Dezbr. noch 2 Minuten später auf als am 21, um so bemerkbarer ist die Zunahme am Abend. Es hängt das mit der Zeitgleichung zusammen, derzufolge(nach Ortszeit) der Sonnenmittel= punkt zu folgenden Zeiten durch die Mittagslinie geht am 1. Dezbr. um 11 Uhr 49 Min. 22 Sek., am 21. Dezbr. um 11 Uhr 58 Min. 30 Sek., am 31. Dezbr. um 12 Uhr 3 Min. 26 Sek. Die Entfernung Sonne=Erde erreicht erst im Jannar 1898 ihren kleinsten Wert, im Dezember schwindet sie von 146864 500 Kilometer am 1. auf 146 508 700 Kilometer am 31. Dezember. Der Mond tritt am 1. Dezember 4 Uhr 15 Min. früh in sein Erstes Viertel. Abends zwischen 6 und 7 Uhr geht er dann durch den Meridian und scheint von da ab noch etwa 6 Stunden. Alltäglich aber steigt er am Himmel höher herauf und bewirkt damit auch eine immer längere Sichtbarkeitsdauer, die zu Vollmond ihren größten Wert erreicht. Vollmond haben wir am 9. Dezember 5 Uhr 54 Minuten früh. Von nun ab geht der Mond erst bei Tage unter, dafür aber abends auch immer später auf, am 10. etwa dreiviertel Stunden, am 16. schon 8 Stunden nach Sonnenuntergang. Hier ist dann fast der ganze abend bis Mitternacht mondscheinlos. Am 17. früh 5 Uhr 22 Min. ist letztes Viertel, wobei der Mond nahezu im Meridian steht. Für die Beleuchtung der Nacht sorgt er nnn immer weniger, und nahezu bei Neumond, am 23. Dezember 8 Uhr 55 Min. abends, erlangt er seinen niedrigsten Stand am Südhimmel(gegen Mittag des 23). Am 24. aber geht er schon wieder 1½ Stunde nach der Sonne unter, am 30., wo er abends 8 Uhr 27 Min. in das erste Viertel eintritt, ist er zu Mitternacht noch über dem Horizont, in der Sylvesternacht scheint er bis 2 Uhr. Seine Entfernung von der Erde verändert er zwischen 406 470 Kilometer(Erdferne am 8. Dezember mittags 12 Uhr und 357 720 Kilometer (Erdnähe) am 23. Dezember 4 Uhr früh. Die Planeten treten in diesem Monat endlich wieder einmal etwas zahlreicher an. Merkur ist als Abendstern kurz nach Sonnenuntergang am Südwesthimmel fast die ganze zweite Monatshälfte zu sehen; nur die Tage vom 29. ab verbirgt er sich wieder in der Dämmerung: er kommt dobei der Erde von 167574000(am 15.) bis auf 110658000 Kilometer(am 31.) nahe. Seinen Standpunkt hat er in sternenarmer Gegend den Schützen. Leuus ist Morgenstern, aber die Dauer ihrer Sichtbarreit nimmt stetig ab, während die Eutfernung von der Erde wächst. Sie geht im Südosten zwischen 6 Uhr und 7½ Uhr morgens auf. hält sich zuerst in der Wage auf, * Hagen, 25. November.[Oeffentliche Volksversammlung.] Am Sonntag abend hält Herr Redacteur Schöler=Osnabrück im Wächter'schen Lokale zu Vörde einen Vortrag, über die politische Lage. Außerdem wird der Redner in verschiedenen anderen Orten unseres Wahlkreises Vorträge halten. Wir machen auf diese Vorträge besonders aufmerksam. ( Eppenhausen, 24. November.[Die Gemeindeverordneten=Ergänzungswahlen) erfolgten gestern Nachmittag. Von 135 der 3 Abteilung eingeschriebenen Wählern machten 28 von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Der ausscheidende Obermeister Herr Heinrich Kreft wurde mit 27 Stimmen wiedergewählt und an Stelle des verstorbenen Kaufmanns Herrn Gustav Wittenstein wurde der Fabrikschlosser Herr Ang. Fröhling sen. mit 21 Stimmen gewählt. Der Fabrikarbeiter Herr Jul. Siepmann erhielt 8 Stimmen. ( Altenhagen, 25. November.[Gemeinderatswahl.] Bei der am gestrigen Tage in dem Lokale des Herrn Carl Schulte stattgehabten Ergänzungswahl zur Gemeindevertretung haben in der 3. Abteilung von 1616 eingeschriebenen Wählern 316 ihr Wahlrecht ausgeübt. Es haben erhalten die Herren Güterexp.ditions=Vorsteher H. Peters 164, G. Straßmann 81, C. Timmerbeil 67, W. Herzhoff 2, Otto Neuhans und C. Arns 1 Stimmen Ersterer ist daher mit vier Stimmen über die absolute Mehrheit auf die Dauer von sechs Jahren wiedergewählt tritt dann in den Skorpion ein, zwischen dessen hellen Sternen 8 und 8 sie am 10. früh hindurchgeht und wandert bis zum Monatsschluß noch in das Sternbild des Schützen. Am 13. früh steh: sie in der Nähe des Saturn, Ihr Abstand vergrößert sich vom 1. bis 31. Dezember von 236 567000 auf 248153000 Kilometer. Inpiter geht zwischen 1¾ und 12 Uhr nachts wenig rechts vom Ostpunkte auf, im Sternbilde der Jungfrau. Von den Verfinsterungen seiner Monde können nur die nachfolgenden sieben seiner beiden älteren Monde I und II beobachtet werden, und zwar nur deren Eintritte in den Schatten des Hauptplaneten: Datum Mond.=E. Z. nach Mitternacht „*"—" 00„ Der Erde nähert er sich während des Monats von 866116000 auf 796 657000 Kilometer. Saturn wird in der zweiten Monatshäfte im Südosten wieder gut sichtbar; er geht dann zwischen 6½ und 5½ Uhr morgens auf und ist in der sternenreichsten Gegend des Skorpions zu finden, links von den schon erwähnten Sternen 3 und 3 und oberhalb des Sternes a dieses Sternbildes. Ein Blick auf den Firsternhimmel gewährt uns um 10 Uhr abends in der Monatsmitte folgenden Anblick (jeden Tag früher 4 Minuten später, jeden Tag später 4 Minuten früher ebenso): Die Milchstraße spannt sich von Sük ost nach Nordwest mit dem Perseus im Zenith; östlich von diesem Fuhrmann mit Capella, dann die Zwillinge, aus denen vom.—13. zahlreiche Sternschnuppen zu beobachten sind. Unter diesem Sternbild der kleine Hund mit Procyon und auf der anderen Seite der Milchstraße der große Hund mit Sirius. Im voraus zieht der gewaltige Jäger Orion, der seinerseits dem Stier folgt, in welchem die beiden Gruppen Hyaden mit Aldebaran (Regensterne) und Plejaden(Schiffersterne oder Siebengestirn) zu beachten sind. Dem Perseus westlich benachbart ist die Andromeda, in der Milchstraße steht neben ihm die Kassiopeia; den Hauptteil des Westhimmels nimmt Pegasus ein. Im Nordwesten glänzt Deneb im Schwan und dicht am Horizont(NNW) Wegs in der Leyer. Am Nordostbimmel ist bemerkenswert der große Bär und. dem Horizonte nahe, der große Löwe mit Regulus. Verschiedenes. * Die Entstehung der Lokomotivpseise. Nach den„Bayer. Verkehrsbl.“ hatte kurz nach der Eröffnung der Eisenbahn von Leicester nach Swannington(im Jahre 1833) ein dahersausender Zug das Unglück, einen mit einem Pferde bespannten Karren, der mit Butter und Eiern zum Markte nach Leicester unterwegs war, umzustoßen und völlig zu zertrümmern. Der Zugführer hatte wohl mit seinem Horn, das er um den Hals trug, den Rosselenker auf die Gefahr aufmerksam gemacht, aber der Wornungsruf war nicht bis zu dessen Ohren gedrungen. Dieser erste Unglücksfall auf der Eisenbahn erregte ein ungeheneres Aufsehen, weshalb sich die Direktion der Bahn veranlaßt sah, noch an demselben Tage mit Georg Stephenson, der sich in Alton Grange aushielt und einer der Verwaltungsräte und einflußreichsten Aktionäre dieser Linie war, wegen des unangenehmen Vorkommnisses in Verbindung zu treten. Man überleete hin und her, wie derartigen Unglücksfällen in Zukunft wirksamer vorgebengt werden könnte, ohne zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen, bis der Direktor der Bahn die Frage aufwarf, ob es nicht möglich wäre, an der D mosmaschine ein hornartiges Instrument anzubringen, das sich durch Dampf in Thätigkeit setzen ließe. Stephenson erkannte als erfahrener Techniker sogleich den hohen Wert dieser Idee und erklärte sich zur Ausführung eines Versuches bereit. Ein englischer Fabrikant von musikalischen Instrumenten stellte das Versuchsobjekt her, und die erste Probe fiel so günstig aus, daß der Verwaltungsrat an sämtlichen Maschinen der Gesellschaft solche Instrumente anzubringen beschloß. Der Notwendigkeit: für das verlorene Pferd, den zertrümmerten Wagen, 50 Pfund Butter und 960 zerbrochene Eier Ersatz leisten zu müssen, verdankt also die Lokomotivpfeife ihr Dasein. Alsbald erschien in England eine Verordnung, welche die Indienststellung von Maschinen, die mit einer Dampftrompete nicht versehen waren, streng untersagte. Denn in der That handelte es sich damals mehr um eine Art Trompete, als um die eigentliche Pfeise. Doch währte es nicht lange, bis die Pseise zur Geltung kam; schon seit dem Jahre 1836 finden wir überall die Lokomotiven mit derselben Pfeise ausgestattet, wie wir sie heute kennen; auch bei den Moschinen, die zu den ersten Probefahrten der LeipzigDresdener=Eisenbahn verwendet wurden, bediente man sich von Anfang an des nämlichen Instruments, nicht selten zum Schrecken des staunenden Publikums. worden.— Heute sind 2. und 1. Abteilung st. 9 Herbeck, 24.! wahlen.) Gestern u wahlen zur Ende dieses Jahres sch Landwirt Herr Wilh. der Wirt Herr Diedri 1 bezw. 4 Stimmen ei rechtigt waren in de Abteilung 24 Personer &* Dahl, 23. No scheinen hier bald an gibt fast keine Nacht, Gesellen diesem oder straße ihren Besuch gangenen Nacht das h ausersehn. Wie verle von besonderem Werte das Gebell der Hunde den. Wie man hört bereits auf der Spur. = Wetter, 24. funden.) Gestern## haufen in der Nähe eines, nach ärztlicher Der Polizei, der die hoffentlich gelingen Leiche dort vergraben Umständen dies gescha i Gevelsberg, wahl.] In der he sitzung wurde Herr B 12 Jahre gewählt. 2 Zwei Blaukozeitel wi st. Hörde, 24. prozeß.] Die Stat Wasserleitung durch rechtigung hierzu wi waltung bestritten un Das Landgericht Dor gericht Himm entschie Reichsgericht hat un günstigerem Sinne scheidungen aufhob un instanz zurückverwies. s Barmen, 24. in der 2. Abteilung günstig ausgefallen. mit den Freikonserva Kandidaten durchzubr den durch den Tode Kollegiums erledigten sich 633 Wähler an? in der dritten Abt sämtlich in der zweit nennenswerten Stim 2 Barmen, 25. steiner Katastroy Trierer Militärlazar hier, der bei dem Eis erlitten hatte, ist vor von der Militärverw gesandt worden. Die schwer Heimgesuchten Sohn ihr einziger E z. Barmen, 2 Das hiesige Wasserwe machung die Bürger wendigste zu beschrä Ruhr sehr ungünstig Behältern sich tägli Leerlausen des Stadt der beim Wiederfüll Folge haben könnte. Besprengen der Str im 64. Lebens und Bekanntei Um stille Hagen i. den 2 Die Beerd nachmittags strasse 46, au Gott dem morgen 3½ unsern innigs vater, Bruder, im Alter von zu sich in die Boele, 24, Die Beervormittags 10 Statt besonder Clara E Ludwig S * Ver10 .-Rittershausen im Novemb Jonmnamm Ein großes 3. Etg. an einz. Pe 23216 Anständige Leut Kost und 23237 9 billigst abzugeben. Näheres Markt Börse Rio Nr. 7 pr. Dezör. 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Dieselben wurden mit 1 bezw. 4 Stimmen einstimmig wiedergewählt. Wahlberechtigt waren in der ersten Abteilung 1 und in der 3. ##e Bagzt, 23 Nov.[Die Einbruchsdiebstäble scheinen hier bald an der Tagesordnung zu sein. Es gibt fast keine Nacht, in welcher nicht die lichtichenen Gesellen diesem oder jenem Bewohner an der Vollmestraße ihren Besuch abstatten. So war in der letztvergangenen Nacht das hiesige Dorf als Ort ihrer Thätigkeit ausersehn. Wie verlautet, soll aber den Dieben nichts von besonderem Werte in die Hände gefallen sein. Durch das Gebell der Hunde sind sie jedenfalls verscheucht worden. Wie man hört, ist man den unsauberen Gesellen bereits auf der Spur. = Wetter, 24. November.[Kindesleiche gefunden.] Gestern fanden Schulkinder in einem Aschen haufen in der Nähe der Schönthaler=Schule die Leiche eines, nach ärztlicher Aussage, 4½ Monate alten Kindes. Der Polizei, der die Leiche übergeben wurde, wird es hoffentlich gelingen die Perion zu ermitteln, die die Leiche dort vergraben hat und zu erforschen, unter welchen Umständen dies geschah. i Gevelsberg, 24. November.(Bürgermeisterwahl.] In der heutigen geheimen Stadtverordnetensitzung wurde Herr Bürgermeister Inippschild auf weitere 12 Jahre gewählt. 21 Stadtverordneten waren anwesend. Zwei Blaukozettel wurden abgegeben. st. Hörde, 24. November.[Wasserleitungsprozeß.] Die Stadt Dortmund hat die Rohre ihrer Wasserleitung durch unsere Straßen celegt. Eine Berechtigung hierzu wurde seitens der hiesigen Stadtverwaltung bestritten und deshalb der Klageweg beschritten. Das Landgericht Dortmund, wie auch das Oberlandesgericht Himm entschieden zu Gunsten Dortmunds. Das Reichsgericht hat nun die Sache in einem für Hörde günstigerem Sinne entschieden, indem es die Vorentscheidungen aufhob und die Angelegenheit an die Berufungsinstanz zurückverwies. s Barmen, 24. Nov.[Die Stadtratswahlen] in der 2. Abteilung sind für die Fortschrittspartei nicht günstig ausgefallen. Es gelang ihr, zwei ihrer gemeinsam mit den Freikonservativen aufgestellten und einen ihrer Kandidaten durchzubringen. Dagegen gelang es ihr nicht, den durch den Tod eines nationalliberalen Mitgliedes des Kollegiums erledigten Sitz zu erobern. Es beteiligten sich 633 Wähler an der Wahl. Das Centrum hatte seine in der dritten Abteilung ausgeschiedenen Kandidaten sämtlich in der zweiten aufgestellt, ohne es jedoch zu einer nennenswerten Stimmenzahl zu bringen. 2 Barmen, 25. Nov.[Nachtrag zur Gerolsteiner Katastrophe.] Der s. Z. als geheilt aus dem Trierer Militärlazarett entlassene Reservist Biermann von hier, der bei dem Eisenbahn=Unfall schwere Verletzungen erlitten hatte, ist vor einigen Tagen wieder erkrankt und von der Militärverwaltung in die Versuchsstation Münster gesandt worden. Die alte Mutter des vom Unglücke so schwer Heimgesuchten ist am schlimmsten betroffen, da dieser Sohn ihr einziger Ernährer ist.„..4um z. Barmen, 25. November.[Wassermangel.] Das hiesige Wasserwerk bittet in einer öffentlichen Bekanntmachung die Bürger, den Wasserkonsum auf das Notwendigste zu beschränken, da die Wasserverhältnisse der Ruhr sehr ungünstig seien und der Wasservorrat in den Behältern sich täglich verringere. Es wäre demnach ein Leerlausen des Stadtrohrnetzes zu befürchten, ein Umstand, der beim Wiederfüllen der Rohre Brüche derselben zur Folge haben könnte. Schließlich wird gebeten, von einem Besprengen der Straßen vorläufig abzusehen. Von der Kalamität, die unsere Stadt trifft, werden auch verschiedene andere Kommunen, die ihren Wasserkonsum aus der Ruhr decken, betroffen. np Elberfeld, 24. November.[Zur Mordsache Zietben!— der Bardier Albert Ziethen von bier wurde 1885 vom hiesigen Schwurgericht für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die Todesstrafe wurde im Guadenwege in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt— erhielten heute die hiesigen„Neuesten Nachrichten“ mit der englischen Post einen Brief aus London. Die Adresse ist sehlerhaft und von ungeübter Hand geschrieben. In dem Convert lag ein Zettel mit folgendem Inhalt:„Ich habe die Frau Getötet, ich hätte es nicht Gemacht Wenn Sie mir das Geld gegeben hätt. Ziethen ist unschuldig.“ Diese Worte waren nicht geschrieben, sondern aus gedruckten Buchstaben verschiedener Schriften zusammengesetzt. Das genannte Blatt hat den Brief der Staatsanwaltschaft überreicht. Ob er irgend welchen Wert hat? np Elberfeld, 24. November.[Wahlkuriosa.] Bei den gegenwärtig vorgenommenen Stadtverordnetenwahlen(3. Abteilung) meinte gestern ein biedere Wähler, als man ihm vorhielt, daß er ichon am Montag gewählt habe, erstaunt:„Ja, es wird doch vier Tage gewählt?“ Der brave Mann wollte, um seine Kandidaten durchzu bringen, vier Tage hintereinander wählen. Man konnte ihm leider nicht helfen.— Nicht weniger belacht wird der andere Fall. Seit mehreren Jahren haben sich hier die politischen Parteien vereinigt, dahin, daß jede Partei eine ihrer Stärke entsprechende Anzahl Stadtverordnete in den Stadtrat bringen. In diesem Jahre hat sich eine Protestportei gebildet, die von einem derartigen Kartell nichts wissen will. Heute wählte nun ein Mann, den diese Partei zum Bezirksvorsteher erkoren hatte— die Kartellkandidaten. z. Elberfeld, 25. November.[Unfall auf der Bühne.] Bei der gestrigen Aufführung des„Lohengrin“ mit Frau Antonia Mielke und Herrn Kammersänger Götz als Gästen ereignete sich ein kleiner Unfall. In der Schlußszeue des ersten Aktes, in welcher Elsa und Lohengrin auf den Schild erhoben werden, stürzte Frau Mielke rücklings vom Schild herunter und blieb ohnmöchtig liegen. Sie erlitt leichtere Verletzungen am Arm und einem Fuße, und war es ihr nicht möglich ihre Rolle durchzuführen. Frl. Fritsche sprang sofort für die berühmte Kollegin in die Bresche und es gelang ihr, ohne Vorbereitung die Rolle so glänzend durchzuführen, daß sie von dem begeisterten Publikum durch Blumenspenden und stürmischen Beifall ausgezeichnet wurde. W Sternberg 1. Meckld., 24. November. Der mecklenburgische Landtag hat mit 51 gegen 24 Stimmen abgelehut, die von der Regierung für den Bau eines Kanals von Wismar nach Schwerin verlangten 2900000 M. zu bewilligen. W München, 24. November. Der Erzbischof von München=F eising Autonius Thoma ist heute vormittag gestorben. W Petschek(Böhmen), 24. November Ein größeres Feuer zerstörte die hiesige Zuckerraffinerie und einen Teil der Vorräte. Etwa 20 bis 30 Gehöfte wurden von dem Feuer ergriffen. Personen sind, wie man hört, nicht verunglückt. W Paris, 24. November. Die„Agence Havas“ meldet: Ueber die Dreysus=Angelegenheit verlautet nichts Neues. Der Oberst Picquart, welcher demnächst in Paris eintreffen wird, Mathien Drepfus und Graf Esterhazy werden einander gegenübergestellt werden; man muß deshalb den Erfolg ihrer Vernehmung abwarten.— Der Minister des Innern Barthon begab sich gestern abend in Kriegsministerium zu neuer Besprechung mit dem Kriegsminister Bisiot.— Oberst Picquart wird morgen in Marseille erwartet. W Tarbes, 24. November. Heute früb stieß auf dem Bahnhofe von Tournay ein Güterzug mit einem gemischten Zuge zusammen. Mehrere Wagen wurden zertrümmert. 10 Personen getötet und viele verletzt. W Sansibar, 23. November.(Meldung des „Reuter'schen Bureau'“.) Nach dem letzten, authentischen Nachrichten ist in Uganda alles ruhig; die Garnison lieferte die Waffen aus. Major Macdonald hat die sudanesischen Aufständischen, welche sich in das Fort Lubas geflüchtet hatten, mit Hilfe einer großen Streitmacht der Waganda eingeschlossen; man glaubt, die Uebergabe sei sicher. W Bombay, 24. November. Die Pest hat in Poona und Surat bisher nicht nachgelassen und ist jetz auch in Belgaum und in Abmednagar aufgetreten. Zwei Drittel der Bevölkerung des letzterwähnten Ortes sind geflüchtet. In Bombay wurden gestern 26 Erkrankungen und 10 Todesfälle festgestellt. Letzte Nachrichten. W Berlin, 24. November. Amtlich wird gemeldet: Der Nord=Expreßzug Nr. 12 überfuhr in der Nacht vom 22. zum 23. d. M. auf dem Ueberwege bei Bude 9 zwischen den Stationen Wustermark und Gr. Behnitz der Bahnstrecke Berlin=Stendal ein Milchfuhrwerk, tödtete den Kutscher und beide Pferde. Das Fuhrwerk war, während der Kutscher fest schlief, gegen die vorschriftsmäßig geschlossene Barriere gefahren und hatte dieselbe soweit vorgedrängt, daß die Pferde im Gleise standen. Vom Wärter aus dem Schlaf aufgerüttelt, wurde der Mann bei dem gemeinsamen Versuch, die Pferde zurückzudrängen. trotz Warnung vom Zuge überrascht und sammt den Pferden getödtet. W Plön, 24. Novbr. Reichstags=Ersatzwahl Plön=Oldenburg. Bis heute nachmittag 4½ Uhr wurden gezählt für v. Tungeln(kons. und Bund der Landwirte) 7427, Weinheber(Soc.) 2584, Damaschke(nat.= soc.) 2404, Schmidt(fr. Vp.) 1709 und für Höck(fr. Vag.) 1469 Stimmen. W Falkenstein i. Vogtl., 24. November. Gestern nachmittag kurz vor 4 Uhr wurde hier bei klarem Wetter ein lang andauernder Erdstoß und darauf ein kurzes Donnerrollen bemerkt; Nachts trat Schneefall ein. ändern, aber die Regierung habe das Bestreben, das Heer so hinzustellen, daß es den steigenden Anforderungen der Zeit gewachsen sei. Des weiteren beabsichtigt die Regierung in der nächsten Tagung Irland eine Lokalregierung zu geben, ebenso reprasentativ und vollständig wie in England und Schottland. * Jekaterinoslaw, 25. November. Bei der Eisenbahnstation Scharowka stieß ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. Der Gepäckwagen, der Postwagen, sowie mehrere Personenwagen wurden zerträmmert; 4 Reisende schwer, 2 Postbeamte leicht verletzt. * Kapstadt, 25. Novbr. Präsident Krüger hat seine Reise durch die Provinzen angetreten. Einer Versammlung von Borgers erklärte Krüger, es sei von vitalem Interesse, daß der Preis des Dynamits berabgesetzt werde, um den Anforderungen der Minen zu entsprechen. In Betreff der Eisenbahnen erklärte Krüger, daß die Zeit für die Enteignung noch nicht gekommen sei. Durch Fernsprecher gemeldet: * Köln, 25. November. Wie die Blätter melden, verhaftete die Polizei mehrere an den Raubmordanfällen beteiligte Personen. Die Polizeibehörde verfügte, daß in der Nacht Schutzmannpatrouillen die Stellen in den Vororten passieren, wo Ueberfälle vorgekommen sind. Zwei von den Patrouillen betroffene Burschen feuerten mehrere Revolverschüsse auf die Schutzlente ab und verschwanden sodann im Dunkel der Nacht. Fast in jeder Nacht der vorigen Woche wurden Personen überfallen, beraubt und schwer verwundet. Von den Stadtvertretern ist schon vor einiger Zeit eine wesentliche Verstärkung der Schutzmannschaft beantragt worden. * Berlin, 25. November. Nachrichten aus Kiel, Danzia und Königsberg zufolge wütete gestern nachmittag in der Ostsee ein Sturm, der zahlreiche Unfälle verursachte und mehrere Menschenleben vernichtete. * London, 25. November. Nach einer Meldung aus Buenos=Aires vom 23. d. M. hat die Regierung mit einigen Baukhäusern vereinbart, daß diese gegen Zinsen die für die Zahlung des Januarkoupons der äußeren Schuld erforderlichen Summen vorschießen.— Wie dasselbe Blatt weiter meldet, soll die Ausfuhr Argentiniens an Weizen 1 Million Pud und an Leinsamen 200000 Pud betragen. * London, 25. November. In einer Ansprache an seine Wähler in Birmingham erklärte der Staatssekretär für die Kolonien Chamberlain, die Regierung werde die Heseresvorlage in der nächsten Tagung zur Verhandlung bringen. Es besteht nicht die Absicht, die Methode, nach welcher das Heer gebildet werde, zu Wetterbericht. Wetterbericht vom 24. November abends 11¾ Uhr. Die Wuterung steht unter der Wechselwirkung einer Depression im Often und eines ausgedehnten, sich weit von Norb nach Süd erstreckenden Maximums, so daß in Deutschland nordwestliche bis nördliche Winde herrschend geworden sind und dabei zugleich Abkühlung mit Regen und teilweise selbst Schnee eingetreten ist. Mit der demnächstigen Wiederausbreitung des hohen Drucks ostwärts ist meist trockenes Wetter mit Frost zu erwarten. Voraussichtliche Witterung am 26. November. Vorwiegend trockenes, teils beiteres, teils nebliges oder wolkiges Wetter. Nachts und Morgens Frost. Verantwortlicher Redacteur: Carl Maron in Hagen. Für die Anzeigen verautwortlich: G. E. Krüuer in Hagen. Schirmfabrik Jacobs& Cramm Elberfelderstr. 35. Für Blutarme u. Bleichsüchtige. rstlicher Seite wird eeschrieben:„Auf Grund Von arztiicher Seite wiro geschrieven:„Auf Grund von verschiedenen Versuchen kann ich behaupten, daß Nutrose ein in jeder Beziehung geeignetes Fleischersatz= mittel ist. Ein weißes Pulver von appetitlichem Aussehen, geruchlos und fast geschmacklos, leicht löslich und— eine sehr ins Gewicht fallende Eigenschaft— nicht teuer Sie wird im Darm vortrefflich ausgenutzt und hat im Stoffwechsel denselben Nährwert wie die Eiweißstoffe des Fleisches". Nutrose ist besonders geeiqnet zur kräftigen Ernährung von Reconvalescenten schwächlichen Kindern, Bleichsüchtigen, Blutarmen, Brust= und Magenkranken 2c., wie dies neuere Erprobungen in großen Krankenhäusern und Kliniken der Universitäten bewiesen haben. In Schachteln à 100 gr.— ausreichend für etwa 15 Mahlzeiten— durch alle Apotheken, sowie Droguenhandlungen u. s. w. zu beziehen. Einzige Fabrikanten: Farbwerke, Höchst a. 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Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 3½ Uhr, meinen innigst geliebten Gatten, unsern innigst geliebten Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel den Rottenführer Friedrich Kampmann im Alter von 62 Jahren, infolge eines Gehirnschlages, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Boele, 24, November 1897. Namens der Hinterbliebenen: Wwe. Fr. Kampmann. Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. ds. Ms., vormittags 10 Uhr, vom Trauerhause aus statt. . Ftttttttattltrttttttatttttlell Peter Votterinamm, A □ K yv 00 Kellereien: Hechsr. 32 u. 53, Morienstr. 2. Hlagen I. WV., Hochstr. J2. Hochstr. 32 u. 53, Mariensr. 2. Eigene Weinberge in Bubenheim bei Oberingelheim a. Verkaufsstelle: Maxienstnagsg 2. empfiehlt unter Bürgschaft der Reinheit ihr reichhaltigstes Lager in Faß= und Flaschenweinen. Rhein- und Mosel-Weine von.50,.60,.70,.80, 1,.25,.50, 2 M. an bis zu den feinsten Kreszenzen der Jahrgänge 1893, 1889, 1886, 1884 und 1868. 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Abonnementspreis pr. Quartal M..50 Insertionspreis die einfache Spaltenze oder deren Raum 15 Pfennig. Mit den gebt die„Voss. Btg.“ Stabstrompeter der o Herrn Miqnel ersonner köstlichem Einklange bla Die„Nordd. Allg. ihr Sammelruf habe i der im Reichsamt des gefunden,„und zwar in gliedern der Landwirtso und des Handels". So Herrn Frenzel und Gre standen sein? Auch in einige Zweifel aufgetau genötigt, die Frage zu werden solle. Es erwi als Zugehörige der betrachten“. Aber w Parteien? und wer h staatserhaltend zu begl zu brandmarken? Wir Wochen Herr v. Stumi beleidigt zu haben, frei ein Recht haben, die Ch und gemeingefährlicher kraten. Ist Herr Stöck erhaltenden Partei? 0 in leidenschaftlichem Ke der Wahl in der 2 Zimmermann, Lieberm von der Presse des Hei wären sie offenkundig Allg. Ztg.“ die„reinen glieder einer staatserha politischen Pastoren we regiment schreitet gegen Herr Kötzschke noch ein lung gilt? Mit den H mann stehen die Bill der Bundesdirektoren, Flottenvermehrung gest süddeutschen Volkspart rief, die Landwirte 1 Gemeingefährliche Den wirte wie den Doppe Stelle aus vorgeworfe heute die Herren Bei der Regierung sch Ehedem war Herr von ist er Mitglied des wi bereitung handelspolit leitenden Staatsmänne In dem Ruf zur nach dem alten K Zeiten ändern sich und Noch ist der Kampf u gessen. Da standen sich schroff gegenüber. War die für die Vorlage st liberale Partei den verloren. Wie ware Grasen Zedlitz? Da Gegensatz der guten ganze nationalliberale fallen sein, und wer Throne nicht stützen. zu seinem achtzigsten wünscht werden solle, wieder zusammengefu rüstung über die„re von Levetzow stieg vo Fürst Bismarck hat wenig gedankt. Er bei seinem Sturz gefunden hatte. Er süchtiger, höfischer Ge Reihe richtete sich do lehnung des Glückw das Herrn v. Buol a 32) Rom Der Verteidig seinen Angreifern halt und gewisserm Er lehnte sich fe persönlichen Mut, Knechte anzurufen, das Kommende. 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Fernsprecher Nr. 39. Mit den Sammelpolitikern geht die„Voss. Ztg.“ scharf ins Gericht, da jetzt die Stabstrompeter der offiziösen Presse die liebliche von Herrn Miqnel ersonnene Melodie mit aller Macht in föstlichem Einklange blasen. Das erwähnte Blatt schreibt: Die„Nordd. Allg. Zig.“ hat dieser Tage versichert, ihr Sammelruf habe in dem wirtschaftlichen Ausschuß, der im Reichsamt des Innern tagte, vollen Widerhall gefunden,„und zwar in gleicher Weise bei den Mitgliedern der Landwirtschaft, wie bei denen der Industrie und des Handels". Sollte wirklich Herr von Plötz mit Herrn Frenzel und Graf Kanitz mit Herrn Herz einverstanden sein? Auch in der„reichstreuen“ Presse sind einige Zweifel aufgetaucht. Das offiziöse Blatt sieht sich genötigt, die Frage zu beantworten, wer alles gesammelt werden solle. Es erwidert, der Ruf gelte Allen,„die sich als Zugehörige der staatserhaltenden Parteien betrachten". Aber welches sind die staatserhaltenden Parteien? Und wer hat den Beruf, eine Partei als staatserhaltend zu beglaubigen oder als staatszerstörend zu brandmarken? Wir entsinnen uns, daß vor wenig Wochen Herr v. Stumm von der Anklage, Herrn Stöcker beleidigt zu haben, freigesprochen wurde, denn er sollte ein Recht haben, die Christlich Socialen für noch schlimmer und gemeingefährlicher zu halten als die Socialdemo= kraten. Ist Herr Stöcker also das Mitglied einer staatserhaltenden Partei? Eben jetzt stehen die Konservativen in leidenschaftlichem Kampf mit den Antisemiten. Seit der Wahl in der Westpriegnitz werden die Herren Zimmermann, Liebermann von Sonnenberg und Genossen von der Presse des Herrn von Manteuffel behandelt, als wären sie offenkundige Umstürzler. Wird die„Nordd. Allg. Ztg.“ die„reinen“ Antisemiten noch als Mitglieder einer staatserhaltenden Partei ansehen? Gegen die politischen Pastoren weht ein scharfer Wind. Das Kirchenregiment schreitet gegen sie ein. Ist Herr Naumann oder Herr Kötzschke noch ein Mann, dem der Ruf zur Sammlung gilt? Mit den Herren von Liebermann und Zimmermann stehen die Bündler auf vertrautem Fuße. Einer der Bundesdirektoren, Dr. Roesicke, hat jüngst gegen die Flottenvermehrung gesprochen wie nur ein Mitglied der süddeutschen Volkspartei. Ein Bündler war es, der einst rief, die Landwirte müßten Socialdemokraten werden. Gemeingefährliche Demagogie wurde dem Bund der Landwirte wie den Doppelwährungsmännern von amtlicher Stelle aus vorgeworfen. Wohin zählt die„Nordd. Allg. Ztg.“ heute die Herren vom Bunde der Landwirte? Bei der Regierung scheinen die Ansichten zu wechseln. Ehedem war Herr von Plötz der schwarze Mann, heute ist er Mitglied des wirtschaftlichen Ausschusses zur Vorbereitung handelspolitischer Maßnahmen und gilt den leitenden Staatsmännern als Sachverständiger. In dem Ruf zur Sammlung kommt die Sehnsucht nach dem alten Kartell zum Ansdruck. Aber die Zeiten ändern sich und die Parteigruppierungen mit ihnen. Noch ist der Kampf um die Vereinsrechtsnovelle nicht vergessen. Da standen sich Nationalliberale und Konservative schroff gegenüber. Waren es die staatserhaltenden Parteien, die für die Vorlage stimmten, so hatte die nationalliberale Partei den Anspruch auf diese Bezeichnung verloren. Wie war es zur Zeit des Schulgesetzes des Grasen Zedlitz? Da kannte die Regierung nur den Gegensatz der guten Christen zu den Atheisten. Die ganze nationalliberale Partei sollte der Gottlosigkeit verfallen sein, und wer die Altäre untergräbt, kann die Throne nicht stützen. Bei der Frage, ob Fürst Bismarck zu seinem achtzigsten Geburtstag vom Reichstage beglückwünscht werden solle, hatten sich die alten Kartellparteien wieder zusammengefunden. Sie waren in heller Entrüstung über die„reichsfeindliche“ Mehrheit, und Herr von Levetzow stieg von dem kurnlischen Sessel hernieder. Fürst Bismarck hat der Rechten diese Begeisterung wenig gedankt. Er hat sie daran erinnert, daß sie bei seinem Sturz kein Wort des Dankes für ihn gefunden hatte. Er klagte die Jnnker neidischer, selbstsüchtiger, höfischer Gesinnung an. Gegen wen in erster Reihe richtete sich doch dazumal der Zorn über die Ablehnung des Glückwunsches? Gegen das Centrum, das Herrn v. Buol auf den Präsidentenstuhl erhob. Aber seither haben Regierung und Rechte mit dem Centrum wieder verkehrt wie mit einer staatstrenen Partei, an deren nationaler Gesinnung nicht zu zweifeln sei. Die Zeiten sind längst dahin, in denen vom Bundesratstisch aus den alten Ultramontanen zugerufen werden konnte, daß Kullmann an ihren Rockschößen hänge. Herr Windhorst ist nach seinem Tode gefeiert worden wie ein Vater des Vaterlandes. Herr v. Franckenstein, der 1870 die bayerische Kriegserklärung zu hintertreiben suchte, ist als echt deutscher Mann anerkannt worden, Herr v. Schorlemer=Alst erhielt bohe Orden, katholische Bischöfe werden heute wie regierende Fürsten empfangen. Rechnet da die „N. Allg. Ztg. das Centrum zu den staatserhaltenden Parteien oder zu deren Gegnern? Die Regierung hat aber nicht immer so geurteilt wie heute. Herr v. Koscielski war jahrelang wohlgelitten am Hofe und bei den Ministern, und jede Excellenz drückte ihm gern die Hand. Wir wissen nicht, wie die„Nordd. Alla. Zig. dächte, wenn etwa Fürst Anton Radziwill einem deutschen Kandidaten der Freisinnigen Volkspartei gegenüberstände. Fürst Radziwill ist ein guter Pole, obwohl Generaladjutant des Kaisers. Aber wenn gar ein konservativer Vole einem deutschen Socialdemokraten gegenüberstehen sollte, wie hätten dann nach der Meinung des offiziösen Blattes die Beamten sich zu verhalten? Soll dann allein die Rücksicht auf die Nationalität den Ausschlag geben? Eines geht aus der Aufwerfung dieser Fragen sicherlich hervor, nämlich, daß die Formel von den staatserhaltenden Parteien unzureichend und daher unbrauchbar ist. Denn sich selbst hält jeder für staatserhaltend, und ob ein anderer den Staat zu erhalten wünsche oder wisse, darüber werden die Meinungen immer auseinandergehen. Mit derlei Schlagwörtern, wie„nationale Parteien“,„Ordnungsparteien“.„staatserhaltende Parteien". kommt man im politischen Leben nicht weiter. Ueber die freisinnige Partei wollen wir mit der„Nordd. Allg. Ztg.“ nicht erst rechten. Sogar ein Staatemann wie Graf Caprivi bat das eine Mal gesagt, bei der Unterstützung dieser Partei werde ihm unheimlich, und das andere Mal um diese Unterstützung recht eindringlich geworben. Wir sind überzeugt, daß die Linke als staatszerstörend betrachtet wird, wenn sie die Flottenpläne bekämpft, und als staatserhaltend gnädiglich auerkanit wird, wenn sie den Flottenplänen eine Mehrheit schafft. Aber wenn sie dann ein neues Umsturzgesetz oder die Verkümmerung des Wahlrechts bekämpfen sollte, so würde sie flugs wieder zu den staatszerstörenden Parteien geworfen werden, und jedenfalls bleibt die Lehre unantastbar, daß die freisinnige Partei niemals zur Regierung berufen werden könne. Das Mandat des Reichstages läuft am 15. Juni 1898 ab. Vielfach wird eine Auflösung für Mitte März, die Nenwahl für Anfang Mai erwartet. Wenn die„Nordd. Allg. Ztg. meint, der Ruf zur Sammlung wirke nicht sofort, diese Wirkung könne nicht von einem Tage zum andern erwartet werden, so ist viel Zeit nicht mehr zu verlieren. Das Kartell hat abgewirtschaftet und kann auch unter der Firma der staatserhaltenden Parteien nicht wieder hergestellt werden. Gegen den neuesten Kurs aber und das ostelbische Junkertum werden sich viel mehr Wähler sammeln, als die Opposition seit langer Zeit aufgeboten hat. Vielleicht werden nicht einmal die katheder=socialistischen Professoren durch die Flottenparole in das Lager der„staatserhaltenden Parteien“ zurückgerufen. * Hagen, 25. November.[Für Eltern wichtig. Der Sohn eines Bergmanns zu Marten brachte ein ziemlich schlechtes Zeugnis aus der Schule mit nach Hause, das dem Vater nicht gefiel. Letzterer war der Ansicht, daß die Schuld an der ungenügenden Gelehrsamkeit seines Sohnes der Lehrer trage, weshalb er in das Zeugnisheft die Bemerkung schrieb, der Lehrer müsse sich größere Mühe beim Unterricht geben, dann werde auch die Zenfur eine bessere werden. Wegen dieser Bemerkung hatte der betr. Lehrer wegen Beleidigung einen Strafautrag gestellt, der zur Folge hatte, daß am 10. Oktober das Schöffengericht zu Dortmund gegen den Vater des Schülers auf eine Geldstrafe von 30 M. erkannte. * Lüdenscheid, 24. Novbr.[Gewerbegerichtswahlen.] Der Termin der Gewerbegerichtswahl für die Stadt Lüdenscheid ist verschoben worden. Nach einer Bekanntmachung des Landratsamtsverwalters findet dieselbe jetzt am Freitag den 17. Dezember statt. Die Verschiebung ist notwendig geworden, weil das Wahllokal verlegt ist und zwischen dieser Verlegung und der Wahl nicht die statutenmäßig erforderliche Zeit von 3 Wochen vorhanden war. Die Listen zum Eintragen liegen vom Freitag den 19. November, folglich nochmals 14 Tage lang offen und können Alle, die bisher die Eintragung unterlassen, solches während dieser Frist noch bewirken.— Für das Amt Lüdenscheid findet die Wahl dagegen nächsten Freitag den 26. November, nachmittags von 3 bis 6 Uhr, auf dem Amtsbureau stett. * Dortmund, 23. Nov.[Aus Liebeskummer.] Vorgestern wurden die Passanten der unteren Bornstraße in nicht geringe Aufregung versetzt, indem sich auf einer angrenzenden Wiese ein junger Mann zu erschießen versuchte. Derselbe gab mehrere Schüsse auf seinen Kopf ab, brachte sich aber nur eine nicht lebensgefährliche Wunde an der Stirn bei. Die Geschichte muß ihm dann wohl leid geworden sein, denn er begab sich nun mit seinem blutenden Kopfe zur Polizei, behauptete dort, den Selbstmordversuch wegen Arbeitslosigkeit gemacht zu haben und bat um Geld, damit er wieder in seine Heimat reisen könne. Nach den angestellten Ermittelungen soll der Mensch aber aus Liebeskummer zu den Selbstmordgedanken gekommen sein. * Dorstfeld, 22. November.[Jugendliche Die de. Zu verschiedenen Malen waren auf der Strecke Dortmunderfeld=Huckarde die Bolzen aus den Eisenbahnschwellen herausgeschlagen und entwendet worden, wodurch sehr leich: eine Entgleisung des Zuges stattfinden konnte. Dem Bahnwärter ist es endlich gelungen, die Thäter abzufassen. Es sind Knaben im Ater von—8 Jahren. Die Bolzen haben dieselben an Lumpensammler verkauft. * Wiescherhöfe b. Hamm, 23 November.[Kohlenmutung.] Der Bohrunternehmer Lilje zu Ibbenbüren, welcher im Auftrage des Herrn Grimberg zu Bochum hier schon verschiedene Bohrlöcher niedergebracht hat, hat am Freitag wieder ein mächtiges Kohlenflötz erbohrt und zwar auf dem Grundstück des Oekonomen Schulte=Wiesche hierselbst. Das Bohrloch hat eine Tiefe von ca. 540 Meter. a Münster, 24. November.[Der Oberpräsident unserer Provinz,] Excellenz Studt, ist nach Berlin gereist. Hier bringt man die Reise mit der Frage der Errichtung einer Landwirtschaftskammer für Westfalen in Verbindung, und aus der Thatsache, daß der Oberpräsident der Rheinprovinz, Excellenz Nasse, gleichzeitig in Berlin weilt, schließt man daß gemeinsame Schritte für die Westdeutschen Provinzen: Westfalen, Rheinprovinz und Hannover in dieser Angelegenheit seitens der Regierung geplant seien. * Barmen, 24. November.(Großer Diebstahl.] Eine Köchin aus dem Offizier=Kasino Friedrichsfeld bei Wesel, welche sich gegenwärtig bei ihrer bier wohnenden Mutter aufhält und verdächtig war, aus dem Kasino eine Menge Gegenstände, Sachen aller Art, entwendet zu haben, ist gestern nachmittag festgenommen und in Haft gebracht worden. Bei der vorgenommenen Durchsuchung wurden sowohl bei der Mutter der Köchin als auch bei deren Schwester, die verheiratet ist und in der Oberdörnerstraße einen Viktualienhandel betreibt, in allen Schränken, Kisten und Kasten, in Küche und Keller die verschiedensten Sachen vorgefunden. So z. B. Wein und Liqueur verschiedener Sorten, eine große Anzahl Weingläser besserer Qualität, Silbersachen aller Art, eine große Partie Leinewand usw. Mit dem Sortieren der vielen Sachen hat die Polizei einen ganzen Tag nötig gehabt; zum Fortschaffen derselben mußte ein Fuhrwerk herbeigeschafft werden. Dem Vernehmen nach hatte die Köchin die Absicht, sich in nächster Zeit zu verheiraten und ein Hotel zu übernehmen. Die Sachen sind während ihrer 8jährigen Thätigkeit in dem Kasino nach und nach gestohlen und hierher geschickt worden. Die gestohlenen Sachen genügen vollständig, ein lleiues Hatk einzrichen. * Barmen, 24. November.[Schweres Eisenbahnunglück.] Der Schauplatz eines schweren Eisen bahnunglücks war in der vergangenen Nacht abermal der Rittershauser Bahnhof. Auf demselben stieß ein Güterzug auf einen Rangirzug. Der Auprall war so gewaltig, daß 2 Wagen völlig zertrümmert wurden. 1 Maschine sowie 7 Wagen sind zudem beschädigt. Leider ist bei dem Unglück auch ein Beamter schwer zu Schaden gekommen. Ein Bremser stürzte vom Zug ab auf das Nebengeleise und brach ein Bein. Laut„Elbs. G..“ ereignete sich dasselbe an dem Uebergange an der Höfenstraße. Die Rangirmaschine fuhr in den hinteren Teil des nach Beyenburg bestimmten Güterzuges, der hauptsächlich Stückgüter enthielt. Natürlich bildeten die zerschmetterten Kisten mit den umhergestreuten Waaren ein wüstes Chaos, das heute Mittag noch nicht ganz beseitigt war. Der verunglückte Bremser heißt Patten und war erst kürzlich von Düsseldorf nach hier versetzt. Sehr bezeichnend ist übrigens, daß die Station in Rittershausen den Zeitungsberichterstattern jede Auskunft über das Unglück verweigerte. * Elberfeld, 23. November.[Die Verlängerung der elektrischen Straßenbahn ElberfeldNeviges bis Langenberg] wird in nächster Zeit mit den Vorarbeiten für die Anfertigung eines ausführlichen Entwurfs durch das Komité für den Bau dieser Bahn begonnen werden. Die betreffenden Grundbesitzer sind amtlicherseits verpflichtet worden, die erforderlichen Vermessungsarbeiten auf ihrem Grund und Boden zu gestatten. * Elberfeld, 24. November.[Erstochen.] Auf dem Mirker Bahnhof entstand gestern abend gegen 6 Uhr nach Beendigung der Arbeit zwischen zwei Manrern ein Streit, aus welchem man zu Thätlichkeiten überging. Der eine der Streitenden griff dabei zum Messer und schlitzte seinem Gegner den Bauch auf, sodaß dessen Tod erfolgte. Der Mörder wurde verhaftet. * Ronsdorf, 22. November.[Triftiger Ablehnungsarund.] Aus der gestrigen Stadtratssitzung wird der„Barm. Zta.“ berichtet: Ein: Unterstützung des Deutschtums in Lithauen wird abgelehnt, weil es in Rousdorf geung unterstützungsbedürftige Deutsche giebt. Haan, 23. November.[Zurückgekehrter Juvalide.] Heute nachmittag kehrte laut„Elberf. N..“ ein Invalide, welcher 2 Jahre im Militärlazarett verbracht, als Krüppel zu seiner Mutter, einer Witwe hierselbst zurück. Der schlanke junge Mann wurde im Herbst 1895 als Rekrut zur Feldartillerie, Garnison Mörchingen in Lothringen, eingestellt. Nach seiner Aussage hatte er viel zu dulden und zu leiden, was ihn zur Desertion veranlaßte. Ein paar Tage irrte er unstät und trostlos umher, bis er schließlich bei einer Felddienstübung von Soldaten in einem Heuschober mit erfrorenen Füßen aufgefunden wurde. In das Lazarett überführt, wurden dem Aermsten beide Beine amputiert. Wie es heißt, sollen nach Aussagen der Zeugen Mißhandlungen nicht stattgefunden haben, die ihn in das Unglück gestürzt. Mit künstlichen Gummibeinen und Krücken, doch ohne Pension ist derselbe entlassen. Düsseldorf, 22. November.[Des Betrugs und der Unterschlagung beschuldigt] stand heute der Polizeikommissar Karl Nachtweih aus Wickrath im Kreise Grevenbroich vor der Strafkammer II. Es wurde erwiesen, daß der Kommissar in vielen Fällen sich Gebühren für Versicherungsvermittelungen zahlen ließ, aber er hatte die Erlaubniß des Bürgermeisters Klöters, solche und ähnliche Nebenverdienste zu erwerben. Dann soll er 30 M. unterschlagen haben, die er im Auftrag des Bürgermeisters einem Einwohner von W. zurückzahlen sollte; ferner sollte er 20 M. sich haben zahlen lassen, um hier bei der Staatsanwaltschaft die Erhebung einer Anklage gegen einen Mann aus W. hintanzuhalten. Die Strafkammer hielt die Unterschlagung für nicht erwiesen und war bezüglich der anderen Fälle der Ansicht, daß der Kommissar nichts Unerlaubtes oder Unrechtes gethan, und sprach ihn, wie der Staatsanwalt und der Verteidiger einmütig beantragt hatten, frei. Das Gericht ging laut „K..“ sogar noch über die Anträge hinaus und legte der Staatskasse auch die Kosten der Verteidigung auf.— Interessant ist aus der Verhandlung die Bekundung des Bürgermeisters von Wickrath, daß Nachtweih nur den Titel und Rang eines Polizeikommissars habe, dagegen als Polizeisergeant bezahlt werde mit 100 M. pro Monat, 32) Ausgestoßen. Roman von A. Marby. Der Verteidigungswaffe beraubt, sah er wehrlos seinen Angreifern sich preisgegeben. Den einzigen Rückhalt und gewissermaßen Schutz bot ihm die Mauerwand. Er lehnte sich fest dagegen und keineswegs ohne persönlichen Mut, auch zu stolz, um die Hülfe seiner Knechte anzurufen, erwartete er in finsterm Schweigen das Kommende. Seine hohe Gestalt überragte seine Bedränger um Kopfeslänge. Wohl war das von ohnmächtigem Grimme verzerrte Gesicht totenbleich; aber in den düster glühenden Augen lag ein herausfordernder Trotz, der zu sagen schien: „Wagt's nur, mein Leben zu bedrohen— ich werde es teuer verkaufen. Von der Schloßfrau und Burghausen, welche sich angelegentlich unterhielten, war der Vorgang auf dem Hofe nicht beachtet worden; erst ein Angstruf Fannys, die, seit sie Reinholds ausichtig geworden, keinen Blick von ihm ließ, machte die andern aufmerksam. „Was soll denn das heißen? Sieh doch mal, Gerhard.“ bemerkte die Freiftau bennruhigt.„Reinhold scheint mit den Mähern schon wieder in ernsten Streit geraten zu sein, er wird so leicht zornig, wenn er sich nur nicht zu einer Unklugkeit hinreißen läßt. Mein Gott! Die Männer umringen ihn, drängen ihn zurück—“ Gerhards scharfes Auge erkannte sogleich das Bedrohliche der Situation; doch der Ton seiner Stimme klang sorglos, als er, rasch zu seiner Schwester sich wendend, bat: „Aengstige Dich nicht. Agathe. In der Entfernung hört jeder Wortwechsel sich bedenklicher an, als er in Wahrheit ist. Wenn es Dich beruhigt, will ich mich sofort erkundigen, um was es sich handelt. Aber darf ich erst Deinen Stuhl vom Fenster abrücken?" „Nein, nein!“ wehrte die Baronin,„ich muß selbst sehen, was geschieht. Geh nur, geh!“ Es hätte ihres Drängens nicht bedurft, auch gegen den schwesterlichen Wunsch wäre Burgbausen seinem Neffen zu Hülfe geeilt, um womöglich einen Gewaltakt zu verhindern. Am Fuße der Treppe traf Gerhard mit Marta zusammen, sie trug in beiden Händen frisch geschnittene Blumen, um, wie die Herrin dies liebte, die Abendtafel damit zu schmücken. „Gut, daß Sie kommen, Fräulein Techmar“, rief ihr Burghausen im Vorbeigehen zu,„bitte, bleiben Sie in der Nähe meiner Schwester, es wäre möglich, Sie bedarf Ihrer.“ Er hatte sichtlich große Eile und war dem bestürzten Rädchen aus den Augen, bevor es fragen konnte, ob die elbam von einem Unfall betroffen worden. Angstbeflügelten Schrittes erstieg Maria die Treppe und trat ins Speisezimmer im selben Augenblick, als Fanny unter einem Wehelaut beide Hände über ihr schreckensbleiches Antlitz schlagend, vom Fenster zurücktaumelte und mit dem schrillen Aufschrei:„Hilf, Taute, hilf— sie ermorden ihn!“ vor der Baronin in die Kniee sank. Während der junge Körper in krampfhaften Zuckungen erbebte, sank der Kopf kraftlos nach vorn, das erblaßte Mädchengesicht vergrub sich im Schoße der Taute. Sie nahm davon keine Notiz, in atemraubender Spannung folgte Frau von Ellingen entsetzten Blickes dem immer gefahrdrohender sich gestaltenden Vorgange an der Hofmauer; wie wird es enden! Wenn ihrem einzigen Sohne, dem letzten der„Ellingen“, dem Liebsten, was sie auf Erden besitzt, ein Leid geschieht, es wäre— sie fühlte es im Herzen— es wäre ihr Tod. Was kümmert die Mutter in diesen Minuten der qualvollsten Aufregung das kleine Leid des liebenden Mädchens! Erst als die erschrocken herbeieilende Maria unter liebreichem Zuspruche sich bemühte, Fauny aufzurichten, befahl die Baronin kurz, ohne die junge Nichte mit einem Blicke zu streifen: „Bringen Sie sie fort!“ „Nein, nein, laßt mich hier!“ wehrte nun Fauny sich mit aller Kraft,„ich muß wissen, muß sehen—“ Plötzlich erhob sie sich, umklammerte fest den Arm des ratlosen Gesellschaftsfräuleins, zog es mit sich aus andere Feuster, barg hier erschauernd ihr Gesicht an Marias Schulter und bat mit thränenerstickter Stimme: „Sehen Sie, ich kann nicht hinschauen— haben die Unmenschen ihr Werk vollbracht? Sprechen Sie— ist er— tot?“— Inzwischen eilte Gerhard von Burghausen mit langen Schritten über den stillen Hof, verwundert sich fragend, wo die Knechte steckten. Kein Zweifel, es war ein absichtliches Verbergen. Unwillkürlich kam auch ihm der Gedanke an ein gemeinsames Komplott. Er hatte während der paar Tage, die er auf dem Schloß verweilte, wiederholt Gelegenheit gehabt, sich von der Unbeliebtheit seines Neffen bei dessen Untergebenen zu überzeugen; aber so triftige Ursache zur Unzufriedenheit die Leute auch haben mochten, durfte ihre gemeine Rachsucht nicht so weit gehen, ihren bedrohten Brotherrn im Stiche zu lassen. Die haßfunkelnden Blicke ineinander tauchend, achtsam jeder verdächtigen Bewegung, gewahrten weder der Baron noch seine Angreifer den rasch näher kommenden Burghausen. Kaum mehr ihrer Sinne mächtig, drangen die aufs Aeußerste gereizten Arbeiter auf den Baron von Ellingen ein, als plötzlich aus nächster Nähe eine Stimme, den wüsten Tumult übertönend, erklang: „Pfui, schämt euch!— fünf gegen einen! Wo ist das Männerbrauch?“ Unwillkürlich wandten die Männer sich nach dem Sprecher um. Kaum merkte Ellingen, daß dabei die festen Handariffe, welche ihn hielten, sich lockerten, als er, im Nu seinen Vorteil gewahrend, mit gewandten, kräftigen Stößen seine Bedränger zurückschleudernd, vollends sich frei machte und im nächsten Augenblicke neben seinem Befreier stand.4s4 Aber noch schien nicht jede Gefahr besenigt. „Oho, ischt's so'meint?“„Faßt ihn!"„Laßt ihn nit entkomme!"„N' tüchtige Denkzettel muß'r habe!" tobten die Männer wild durcheinander, die schwieligen Fäuste drohend gegen den Freiherrn erhebend, doch schon stand Burghausen zwischen ihnen, ohne Furcht, daß die Wut der aufs höchste Gereizten sich gegen ihn wenden „Besinnt Euch! Nehmt Vernunft an, Leute,“ rief er in ruhigem, festem Tone,„laßt Euch nicht im Zorn zu Thätlichkeiten hinreißen, die—“ „Die schon, fiel Ellingen heftig ein,„begangen worden sind! Drum kein Wort der Milde zu den Schuften, sie sollen ihrer Strafe nicht entgehen!“ „Schon gut— wollen's abwarte!“ Wir habe nit ang'fange, sind'erst beschimpft worde!“„Canaillen, Herr, hat'r uns'nannt und Faultiere und Schufte—'r sind aber fleiß'ge und ordentliche Arbeiter, die sich ehrlich ihr Brot verdiene und, Herr, da werden's uns nit verdenke, wenn wir uns so'n Schimpf nit wolle'falle lasse.“„Gar'scheide habe wir'erst gebete,'s böse Wort 'rückz'nehmen.“„Wir suche unser Recht.“ Wiederholt hatte der Baron versucht, die durcheinanderschwirrenden Reden, die teils Anklagen, teils Entschuldigungen enthielten, zu unterbrechen; doch konnte er sich kein Gehör verschaffen; aber nun riß ihm die Gesuld. „Zum Teufel mit der ganzen Salbaderei,“ schrie er in neu aufglimmendem Zorn:„Macht, daß Ihr vom Hofe kommt, oder ich lasse die Hunde auf Euch hetzen.“ Er wies befehlend nach dem Hofthor, doch kein Fuß rührte sich, die Mäher schienen entschlossen, es bis aufs äußerste ankommen zu lassen. Reinholds Stirn rötete sich. Es war um sein Ansehen bei den Arbeitern in der ganzen Umgegend geschehen, wenn er jetzt seine furchtbare Drohung nicht wahr machte. Schon öffnete er die Lippen zu einem Befehle, die Hunde frei zu lassen, als Burghausens Rechte sich schwer auf seinen erhobenen Arm legte. „Keine Uebereilung, Reinhold,“ sagte er ernst ermahnend.„Ueberlaß mir das weitere, ich hoffe den leidigen Vorfall—“ de fremd„Verzeih, Onkel, der geht mich allein an, jebe frembe Einmischung—“— ine m 44 „Erlaube, ich bin hier im Namen Deiner Mutter, der Gutsherrin,“ fügte er betonend hinzu,„sie wünscht einen friedlichen Ausgleich. Ihr habt's gehört, Leute," wandte Gerhard, ohne auf eine Erwiderung Reinholds zu warten, sich rasch den Mähern zu,„wollt Ihr in solchem Sinne mit mir unterhandeln?“ Die Arbeiter traten einige Schritte zurück, um dann nach einer kurzen Beratung einstimmig zu erklären: „Ja, Guad'n, mit Ihne wolle wir.“ Noch vor Kundgebung dieses Entschlusses hatte Baron Ellingen sich entfernt. Außer sich vor Zorn, wagte er trotzdem nicht, gegen den mütterlichen, fest ausgesprochenen Willen offen sich aufzulehnen. Halb wider Willen zog es seine Augen empor zu den Feustern des Speisesaales — sein düsterer Blick streifte drei schreckensbleiche Gesichter. Auch das noch— er knirschte vor Grimm mit den Zähnen— nicht allein seine Mutter auch Fanny und die stolze, spröde Maria waren Zeugen seiner Niederlage! Aber die Angelegenheit war noch keineswegs erledigt, trotz allem würde er den letzten Trumpf ausspielen. Dieser Gedanke hob sein verletztes Selbstgefühl; hoch erhobenen Hauptes schritt er ins Schloß. Kaum trat er bei den Damen ein, als Fanny, die Gegenwart der Taute vergessend, dem Geliebten entgegenflog und ihn unter unverständlichen Lauten, halb schluchzend halb lachend, mit beiden Armen umschlang. „Bitte, Fauny, sei nicht kindisch! Ich glaube wahrhaftig, der Baron lachte gezwungen, während er unsanft den weichen Armfesseln sich entzog.„Deine rege Phantasie sah mich schon in Stücke gevierteilt liegen. „Viel fehlte nicht, so hätte es dahin kommen können,“ rief die Freifrau mit der ihr eigenen Barschheit; nun sie den Sohn gerettet sah, sollte er nicht merken, wie sehr sie um ihn gebangt.„Reinhold, Reinhold,“ fuhr sie in vorwurfsvollem Tone fort, wie kannst Du Dich mit den rohen Arbeitern, die wie Du weißt, gar leicht zu brutaler Gewaltthätigkeit neigen, in Streitigkeit einzulassen?“ „Soll ich etwa vor jedem Lump den Hut ziehen und nach seinen Wünschen fragen?“ wandte der Freiherr heftig ein.„Dazu bin ich nicht veranlagt. „Wer verlangt das auch? Aber vorhin, einer gegen viele, mußtest Du einsehen, daß Du doch den Kürzeren ziehen würdest.“ „Es würde nicht geschehen, ständen die Hofleute, wie es sich gehört, zu ihrem Herrn, anstatt——— aber, schau doch, schau, unterbrach sich zähneknirschend der Baron, während seine Augen finster über den weiten Wirtschaftshof schweiften,„wie das feige Knechtsgesindel wieder heivorkriegt aus seinen Mauselöchern! Würdest Du die Kerle fragen, wo sie gesteckt, lügen sie Dir mit dummdreisten Mienen ins Gesicht, um dann hinterrücks Dich auszulachen. Aber—“ mit einer Geberde des Widerwillen wandte er sich und begann im Zimmer und abzuschreiten—„das heimliche Frohlocken soll End bald genug vergehen, ich will gründlich aufräumen, muß ich auch die ganze faule Brut vom Großknecht bis zum stuosten Stakfungen von Hos= husgorisetzung folgt.) — und dabei hat der Mann acht Kinder, die allerdings zum Teil schon selbstständig sind. * Düsseldorf, 22. November.[Revolveraffäre im Gerichtesaal.] Ein aufregender Vorfall spielte sich lant„Barm. Ztg.“ heute nachmittag gegen 1 Uhr im Sitzungssaale der hiesigen Strafkammer III ab. Dort hatte sich unter anderen Angeklagten auch der Versicherungsagent Haus Velten aus Bonn wegen Verbrechens gegen § 176.3 des Str.=.=B. zu verantworten. Auf Grund der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgehabten Beweisaufnahme wurde Velten zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt und gleichzeitig wegen Fluchtverdachts seine sofortige Verhaftung angeordnet. Kaum war dieses Urteil gefällt, als der Verurteilte aus dem linken Aermel seines Rockes einen mit 9 mm-Patronen geladenen Revolver zog; nur durch das sofortige energische Hinzuspringen eines der beisitzenden Richter, Landgerichtsrat Frank, der ihn mit Hülse des ebenfalls zukommenden Gerichtsdieners festnahm, wurde derselbe an weiterem gefährlichen Thun verhindert. Ob das Vorhaben des Velten seinem eigenen Leben galt oder den ihn aburteilenden Richtern, konnte noch nicht ausgeklärt werden. * Düsseldorf, 22. November.[Aufgehobenes Todesurteil.] Die heute begonnere letzte diesjährige Schwurgerichtsperiode wird voraussichtlich nur 3 Tage dauern. In der heutigen Sitzung nahm auf der Anklagebank Platz der 40 Jahre alte Fabrikarbeiter Cornelins Steinwens aus Neuwerk, der am 28. Juni ds. Is. vom hiesigen Schwurgericht wegen vorsätzlichen Mordes zum Tode verurteilt worden war. Steinwegs legte gegen das Urteil Revision ein; das Reichsgericht hob dasselbe eines Fommfeblers wegen auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das hiesige Gericht zurück. St. wurde zu 12 I hren Zuchthaus verurteilt. * Nerdingen, 23. November.[Selbstmordversuch.] In der Nähe der Fähre sprang am Samstag ein Mann von auswärts in den Rhein. Mehrere Personen hatten den Vorgang beobachtet, und der Kiesschiffer H. von hier stürzte sich dem Lebensmüden nach. Nur mit großer Mühe gelang es dem wackeren H, den Widerstrebenden aus dem Wasser wieder aus Land zu bringen. Bei der polizeilichen Veinehmung gab der Mann an, daß er Seidenweber in Krefeld sei, und daß unglückliche Familienverhältnisse ihn zu der unglückseligen That veranlaßt hätten. Er wurde seinen Verwandten in Krefeld übergeben. * Duisburg, 23. November.[In letzter Instanz abgewiesen.] Das Oberlandesgericht Hamm hat, wie wir der hiesigen„Bürg=Zig.“ entnehmen, unn ebenfalls den Antrag des im Schulaschen Mordprozeß zum Tode verurteilten Schmitz auf Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt. Damit ist der Justanzenweg erschöpft. Dem Verurteilten bleibt nur noch Begnadigung zu erhoffen. * Kreseld, 22. November.[Beteiligung an der Weltausstellung zu Paris.] Infolge einer von der Handelskammer an diejenigen Firmen des Bezirks gerichteten Einladung, die sich an der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 zu beteiligen gedenken, zu einer Besprechung mit dem Reichskommissar für diese Ausstellung, Geh. Regierungsrat Dr. Richter waren heute zu diesem Zwecke Vertreter von ungefähr 40 Firmen im Sitzungszimmer der Handelskammer versammelt, welche beschlossen, die Leistungen der Seiden= und Sammt-Industrie des Bezirks durch eine gemeinsame Ausstellung ihrer Erzeugnisse zur Veranschaulichung zu bringen. * Krefeld, 23. November.[Unangenehm überrascht worden) sind die hiesigen Dilettanten=Theater= Vereine durch eine Maßregel der Polizeibehörde. Bisher hatte ein jeder zu den Veranstaltungen dieser Vereine gegen Erlegung eines Eintrittgeldes Zutritt. Die Polizei hat nun den Vereinen die Erhebung von Eintrittsgeldern verboten, sodaß die Vereine gezwungen sind, ihre Veranstaltungen fürderhin nur für ihre aktiven und passiven Mitglieder einzurichten. Die Vereine suchen sich dadurch zu helfen, daß sie alle Personen, die nicht Mitglied sind, aber dennoch die Aufführungen besuchen wollen, gegen ein geringes Geld in ihre Mitgliederlisten eintragen. * Emmerich, 22. November.[Für die hiesige Bürgermeisterstelle) haben sich bis jetzt 23 Bewerber gemeldet, darnnter ein Rittmeister, ein Hauptmann, mehrere Assessoren, ein Landrat(im Amte), mehrere Bürgermeister, ein Oberbürgermeister usw. Ein Bewerber ist bereit, falls der Stadtrat es wünscht,— katholisch zu werden! * Köln, 22. November.[Roheit.] Ein an der Biberstraße wohnender Fabrikarbeiter mißhandelle in vergangener Nacht seine Kinder derart, daß sein Schwager und sein Schwiegervater ihn zur Rede stellten. Der Wüterich griff nun zum Messer und verletzte die beiden Verwandten derart, daß diese— der Schwiegervater sogar mittels Tragbahre— zum Bürgerhospital geschafft werden mußten. Hinzugerufene Schutzleute nahmen den Thäter fest. * Köln, 23. Novbr.(Reste der Römerbrücke.] Heute hat die Taucherfirma Winter u. Jansen aus Worringen im Auftrage der städtischen Verwaltung mit der Entfernung der vom Bayenturm durch den Rhein nach dem Weidenhaus zu befindlichen Reste der alten Römerbrücke begannen. Diese Reste sind für die Schiffahrt und besonders bei dem jetzigen kleinen Wasserstande sehr gefährlich. Herr Jansen leitet selbst die Sprengungen der vielen über 50 cm dicken eingerammten Eichenstämme und des Bruchsteingemäuers, während Taucher die unter Wasser notwendigen Sprengbohrungen vornehmen und das gesprengte Steinmaterial zusammensuchen und über Wasser schaffen. * Boppard, 23. November.[Eisenbahnunfall.] Gestern nachmittag 5½ Uhr ereignete sich unterhalb Salzig ein Eisenbahnunfall, der bis auf die Entgleisung der Lokomotive keinerlei Schaden verursachte. Ein Bauer aus Weiler führte einen mit Kühen bespannten und mit Langhol; schwer beladenen Wagen über den Bahnübergang zwischen Salzig und St. Goar, konnte aber, als der Vorderwagen das äußere Berggeleise erreicht hatte, nicht weiter, so daß das Holz beide Bahngeleise sperrte. Gerade in diesem Augenblicke kam der fällige Frankfurter Schuellzug heran und konnte obschon der Bahnwärter ihm sofort entgegeneilte und die Haltesianale gab, nicht mehr rechtzeitig zum Stehen gebracht wirden. Die Maschine traf, wie die„C..“schreibt, mit allerdings geschwächter Kraft auf das Hindernis und schnitt das Langholz mitten durch, entgleiste aber selbst dabei. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. Weiterer Materialschaden wurde nicht angerichtet. Membach bei Eupen, 22. November. IE Glücklicher.] Am Allerseelentage des Jahres 1892 verschwand plötzlich ein junger Mann von hier, der in Eupen bei einem Schneider in der Lehre stand. Er hatte morgens unter dem Vorwande, sich zur Arbeit zu begeben, das elterliche Haus verlassen und war mit einem Bekannten, den er unterwegs getroffen, bis nach Stockum gekommen. Hier verabschiedete er sich von seinem Begleiter und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Anfänglich gingen die verschiedensten Gerüchte über den Verschwundenen um, bis endlich seine Angehörigen erfuhren, daß er bei der französischen Fremdenlegion in Algier sei. Vor einigen Tagen ist nun der Ausreißer nach fünfjähriger Abwesenheit wohlbehalten als französischer Korporal wieder zu seinen Eltern zurückgekehrr Auch seinem früheren Meister in Eupen stattete derselbe in voller Uniform einen Besuch ab. Der junge Mann scheint sich also besser in den harten Dienst gefunden zu haben als die vielen anderen unserer Landsleute, die sich den schweren Anstreugungen in der Fremdenlegion durch die Flucht entziehen müssen. St. Jugbert, 20. November.[Ein Rehbock als Angreifer.] Der Sohn eines Forbacher Bürgers besucht in Saarbrücken das Gymnasium und ist bei einem dortigen Lehrer in Pension, dessen Haus in der Nähe des Staatswaldes liegt. Der junge Mann besuchte den Garten und sah plötzlich einen ausgewachsenen Rehbock vor sich stehen. Als er, um das Tier zu verscheuchen, die Hände erhob, verstand der sonst so scheue Waldbewohner keinen Spaß und ging zum Angriff auf den Knaben über, der sich nicht anders zu helfen wußte, als sich auf den Boden niederzuwersen, mit den Händen und Füßen abzuwehren und um Hilfe zu rufen. Auf das Geschrei des Knaben eitte der Lehrer herbei. Aver kaum dessen ansichtig, stürzte sich das wütende Tier auf diesen und unn begann ein ernster Zweikampf, bis es dem fast erschöpften Herrn gelang, das Tier niederzuzwingen und sich auf dasselbe zu werfen. Drei aus der Nachbarschaft herbeigerufene Männer konnten nur mit großer Mühe den Bock fesseln. Lehrer und Schüler haben starke Verletzungen davongetragen. Der Rehbock wurde dem Oberförster eingeliefert, welcher sich laut„F..“ bereit erklärte, den Schaden auf Staatskosten zu decken. * Neunkirchen, 22. November.[Klage gegen das Stöcker'sche„Volk“.] Das Stöckersche Organ „Das Volk" stellt die Behauptung auf, einer der Schöffen, welche bei dem Urteilsspruch in dem von Stöcker gegen den Freiherrn von Stumm=Halberg angestrengten Beleidigungsprozeß mitgewirkt haben, sei kurz vor dem Termin bei Stöckers Anwalt erschienen mit der dringenden Bitte, ihn abzulehnen;„er sei ein ruinierter Mann, wenn er in die Lage komme, Stumm verurteilen zu müssen.“ Die durch diese völlig aus der Luft gegriffene Behauptung in ihrer Ehre gekränkten Schöffen werden, wie die„Saarund Blies=Zeitung“ hört, die Redaktion des„Volk“ auf Verleumdung verklagen. * Saarlonis, 22. November.[Begnadigt] wurden acht weger Falscheides vom Kriegsgericht verurteilte hiesige Musketiere. * Mainz, 20 November.[Zur Ueberbürdung der niederen Bahnbeamten] in dem Dienste des Eisenbahndirektionsbezirk Mainz schreibt ein Bahnwärter einem hiesigen Blatte folgendes:„Wir Bahnwärter von Weisenau bis Oppenheim haben eine Diensteinteilung, von der ich glaube, daß es nichts dergleichen mehr gibt. Wir haben einen halben Monat lang von morgens 4 Uhr bis abends 6 Uhr Dienst gleich 14 Stunden, den anderen halben Monat von abends 6 Uhr bis den anderen Mittag 12 Uhr gleich 18 Stunden. Dann haben wir für einen freien Tag 24 Stunden Dienst, damit der Hilfswärter gespart wird. Die Hilfswärter haben täglich 16 bis 17 Stunden Dienst, sie gehen vormittags 11 Uhr 30 Min. von Hause fort und kommen erst am andern Morgen früh 4 Uhr 30 Min. wieder heim. Ich glaube nicht, daß unsere höheren Vorgesetzten eine Ahnung von solchen Zuständen haben.“ Franksurt a.., 21. November.[Unterschlagungen.] Auf dem Postamt I wurde plötzlich vorgestern nacht der Oberpostassistent Vogler vom Tunm suspendiert. Wie das„F..“ vernimmt, nicht bestellbar 2c. sind, eine Vertrauensstellung inne, welche er nun zu vielfachen, seit Jahren fortgesetzten Veruntreuungen benntzt haben soll. Viele Beamte waren schon in den Verdacht gekommen, wurden aber, weil man nicht der Lage war, ihnen etwas beweisen zu können, von Frankfurt versetzt. Wie es scheint, müssen nun greifbare Auhiltspunkte vorliegen, denn er wurde der Staatsanwalt= schaft überwiesen und seines Amtes entsetzt. Nach der Berechnung sollen die Unterschleife sich auf über 10000 Mk. belaufen. Vogler hat erst kürzlich ein Haus mit 35000 M. Anzahlung gekauft; er ist verheiratet. * Oberstein(Nahe), 21. November.[Eine Lohn bewegung) ist unter den 2000 Arbeitern der hiesigen Uhrketten-Industrie ausgebrochen. Am Montag verlangten in einer der größten Filiale die Putzer und Schleifer plötzlich eine Lohnerhöhung von 10 pCt. und Entscheidung bis 12 Uhr mittags. Als diese nicht erfolgte, verließen sie die Arbeit. Die Leute, meist Bauern öhne aus der Umgegend, verdienten 30—50 Mt. die Woche. Kunst, Wissenschaft und Leben. 6 Eine Umwälzung in der Luftschiffahrt beabsichtigt der schwedische Ingenieur Landin dadurch herbeizuführen, daß er es ermöglicht, den Luftballon während der Fahrt aufs neue zu füllen. Als Stoff, um genügenden Wasserstoff herzustellen, muß ein solcher gewählt werden, welcher es ermöglicht, eine Gasmenge zu gewinnen, welche nicht nur das Gewicht des Ballons samt seiner Ausrüstung und der Fahrgäste zu tragen vermag, sondern, auch das des zur Gasgewinnung selbst erforderlichen Stoffes. Landin will als solchen Lithium verwenden, von welchem man blos sieben Kilogramm benötigt, um ein Kilogramm Wasserstoff herzustellen. Shakespeare in seiner Heimat und im Auslande. 1896 fanden in Deutschland 910 Aufführungen Shakespegre'scher Dramen statt, die sich aus 23 seiner Werke zusammenstellten und aus beinahe allen Königsdramen„Thimon von Athen“ und„Othello“, welch letzteres Drama 135 Aufführungen erlebte, bestanden. Im letzten Jahre wurden in Berlin allein Shakespeare'sche Dramen 196 Mal zur Darstellung gebracht, und ähnliche Resultate sind ebenfalls aus Wien, München, Dresden, Frankfurt a. M. Altona, Kiel, Migdeburg und Breslau zu berichten. Shakespeares Popularität ist in England im selben Mißstabe gefallen, wie sie in den Städten Mitteleuropa's gestiegen ist.— Heutzutage entdecken die gebildeten jungen Engländer nicht selten Shakespeare erst in Deutschland. v Pestalozzi=Denkmal. Das Preisgericht über für ein Zürich zu errichtendes Pestalozzi=Denkmal eingelaufenen Entwürfe hat einen ersten Preis nicht zueikannt, jedoch zwei Preise von je 2000 Franks an Ginseppe Chiatione in Lugano und Hugo Siegwart in Luzern, sowie einen dritten Preis in Höhe von 100 Franks an Luigi Basalli in Lugana verteilt. Zu dem Preisausschreiben waren nur Künstler aus der Schweiz zugelassen. Die Zahl der eingelaufenen Entwürfe betrug 16. Wem die Ausführung des Denkmals, dessen Herstellungskosten auf 70000 Franks veranschlagt sind, übertragen wird, ist noch nicht beschlossen. 5 Kleine Mitteilungen. Anzeuarnber hielt jetzt seinen Einzug in das königliche Schauspiel haus zu Berlin. Aufgeführt wurde der„'wissenswurm". Sämtliche Hauptrollen spielen geborene Oester reicher.— Die bekannte Malerin Vilma Parlaghy ist zu einer thatenlustigen Tierfreundin geworden. Sie hat selbst eine Abhandlung gegen die Vivisektion verfaßt und dem Kuliusminister Dr. Bosse persönlich überreicht. In der Abhandlung wird die Vivisektion gewissermaßen als ein Verbrechen hingestellt und der Minister beschworen, den„Schandfleck" durch ein Gesetz oder durch ein entschiedenes Eingreifen auf dem Wege der Verwaltung zu tilgen.— Wie der„Times“ aus Kairo gemeldet wird, hat der Berliner Aegyptologe Borchart in einem von Morgan entdeckten Grabe im Museum zu Gizeh das des Königs Menes, des Gründers der ersten Dynastie, den Manche bisher für sagenhaft gehalten haben, entdeckt. Verschiedenes. * Der große Londoner Brand. London, 20 November 1897. Heute früh um sechs Uhr konnte die Londoner Feuerwehr sich als Sieger in dem gewaltigsten Kampfe gegen das entfesselte Element betrachten, den diese Generation der Feuerwehrmänner jemals auszufechten hatte. Gegen 1 Uhr gestern nachmittag wurde die erste Hülfe für einen in Hamsel=Street ausgebrochenen Brand verlangt, und diesem Hülferuf folgten in unheimlicher Geschwindigkeit immer neue Brandmeldungen, welche in kürzester Zeit die ganze Cityjeuerwehr auf die Beine brachten. Der Schauplatz des Brandes ist der engstbebaute Teil der City, dessen äußerst schmale Straßen, von fünf bis sechs Stock hohen Gebäuden eingeschlossen sind, und diese Gebände waren von unten bis oben vollgepropft mit den denkbar seuergefährlichsten Stoffer, vor vom Dienste l allen Dingen aber mit wertvollen Seiden=, Pelz= und hatte derselbe Federlagern. Wie jeder Winkel in den Häusern des Cenbei der Verarbeitung eingeschriebener Sendungen, welche trums der Weltstadt ausgenutzt wird, davon kann sich eine Vorstellung machen, welche das Innere solcher Lager zu betreten Gelegenheit hatte! Die Feuerwehr hat allen Respekt vor Brandmeldungen aus diesem Teile Londons, und Versicherungsgesellschaften nehmen nur zu gewaltig erhöhten Prämiensätzen die Versicherung dieser auf ihren Gefahrkarten rot verzeichneten Straßen an. Beide Feuersachkundigen hatten sich nicht geirrt in ihren Befürchtungen; in unglaublich kurzer Zeit verbreitete sich das Feuer von der Hamsel=Street über sechs benachbarte Straßen, die schmalen Zwischenräume spielend überspringend, und der nach und nach von 55 Dampfspritzen geschleuderten Wassermengen spottend. Leute, welche in diesem Angenblick noch neugierig von ihren Feustern und Dächern dem großen Brande zusahen, mutten vor den über die Dächer flutenden Feuerwogen flüchten. Der Wind war nicht übermäßig stark, aber die gewaltige Glut fachte sich selbst an und verwandelte den Wind zum Sturme. Der Londoner ist an und für sich nicht sehr interessiert bei Bränden. Es brennt jeden Tag in London, und das Gerücht von Großbränden dringt kaum bis in das nächste Stadtviertel. Diese Gleichgültigkeit fiel besonders in diesem Falle auf. In einer in dem Viertel gelegenen Postanstalt sprach kein Mensch von dem Feuer, vollständig gleichgültig nahmen die Beamten und das Publikum die ersten Meldungen auf, und ich bin überzeugt, daß mancher der Beamten erst von der Gefahr erfuhr, als der rote Hahn bereits über seinem Hause mit den feurigen Flügeln schlug. Im Uebrigen wurde die City mehr durch eine gewaltige, fast erstickende Rauchwolke, als durch Feuerschein auf den Brand aufmerksam gemacht. Nun aber wälzten sich gewaltige Menschenmassen der Feuerstätte zu, deren enge Gassen unter gewöhnlichen Verhältnissen zur Bewältigung des Verkehrs kaum ausreichen und nur der Einsicht und Umsicht der Polizei, welche in glücklicher Vorahnung des Kommenden sofort nach Beginn des Brandes in Stärke von 700 Mann die Straßen der Umgegend sperrte, ist es zu verdanken, daß sich nicht eine unzählbare Menschenmenge in den engen Straßen festkeilte und dem Einsturz der Häuser, sowie der Glut dieses gewaltigen Hochofens rettungslos aussetzte. Es kostete Mühe genug, die Menge der in den Lagern des bedrohten Bezirkes beschäftigten Mädchen und Männer aus den brennenden Straßen zu entfernen und für die Feuerwehr dadurch freies Feld zu schiffen, soweit überhaupt von einem solchen in dieser Gegend die Rede sein kann. Die Polizei, immer wieder durch Reservemannschaften verstärkt, erledigte ihre schwierige Aufgabe mustergiltig und zeigte vor allen Dingen auch hier wieder einer brausenden Menschenmenge gegenüber die bei ihr bekannten rühmlichen Eigenschaften des größten Gleichmutes neben größter Energie. Auch die Feuerwehr hat höchstes Lob verdient, da es ihr gelungen ist, das Feuer in verhältnismäßig kurzer Zeit zu bezwingen. Um 6 Uhr schon konnte die Gefahr einer weiteren Ausdehnung als sehr beschränkt, um 1 Uhr Nachts als ausgeschlossen betrachtet werden. Daß der surchtbare Brand ohne jeden Verlust an Menscheuleben abgelaufen ist, daß bisher nicht einmal eine ernstliche Verwundung gemeldet wurde, ist einfach unbegreiflich. Nur einmal schienen drei Feuerwehrleute, mit einem plötzlich unter ihnen zusammenbrechenden Speicherboden in den Flammen zu verschwinden, doch gelang es ihnen, sich im letzten Augenblick auf die äußeren Fensterbänke zu flüchten, von wo sie unter endlosem Jubelgeschrei des Publikums gerettet wurden.— Die fast vollständig vernichteten Straßen sind: Hamsell=Street, WellStreet, Jewin=Street und Jewin=Crescent, Red-CroßStreet, Passage, Woodstreet und ein Teil der Anstralian= Avenne. Der Schaden ist unberechenbar und wird sicherlich viele Millionen Pfund betragen, da an 300 Warenlager mit kostbarstem Inhalt in Asche liegen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß manche Versicherungsgesellschaft vor dem Bankerott steht. Der einzige Berufszweig, der auch bei dieser Gelegenheit bereits ein vorzügliches Geschäft machte, ist der der— Taschendiebe, welche genug Uhren geerntet haben sollen, um einen niedlichen kleinen Laden damit eröffnen zu können.(„Volksztg.“) nur der:# Milde Winter. Von Alexins Becker. (Nachdruck verboten.) Im Walde schwillt hie und da ein Reis so strotzend von treibender Kraft, als wollte es über Nacht die Hülle sprengen und sich mit frischem Grün belauben. Das Eichhörnchen jagt munter von Zweig zu Zweig, sich überpurzelnd in gar übermütigen Sprüngen. In der That, wir haben einen Winter, der sich so mild anläßt, daß man die Chroniken unserer Altvordern durchstöbern muß, um eine ähnliche Anomalie aufzufinden. All die Monatsdaten, die sich durch die Uebereinstimmung in der Aufzeichnung absolut rauh zu zeigen pflegen, sind vorübergezogen, ohne auch nur im mindesten das streuge Antlitz zu zeigen, das man sonst an ihnen gewohnt war. In Holstein sagt man doch im allgemeinen nicht mit Unrecht:„Allerheil'gen Sitzt der Winter auf den Zweigen“, und die Deutschen in Böhmen behaupten ganz bezeichnend:„Der heilige Martin zieht auf einem Schimmel in's Land". Allein an diesen beiden Tagen lachte die Sonne schier aus wolkenlosem Himmel, und das Wetter war so mild, als sei der Herbst knapp eingezogen. Freilich stehen uns im November noch zwei weitere Tage bevor, die im Kalendarium der Alten als sehr kalt beleumdet sind: Der Katharinen=(25. Nov.) und der Andregstag(30. Nov.). Von dem ersteren sagt man in„Westfalen:„Kathraine hält den Winter im Schraine" und vom letzteren auf der roten Erde von „Andries— Bringt den Winter gewieß“. also zusehen, ob diese Heiligen diesmal eine und dem angenblicklichen Winter die Phzsigaxomie lassen, die er bisber unnterbrochen geSolche Regellosigkeit des Wetters muß doch aber senschaftlich erklärt werden können. In der That hat ermann bereits vor einer Reihe von Jahren nachgewiesen, daß, ob ein Winter in unserm Klima kalt oder m ausfällt, vorwiegend davon abbängig sei, wie häufig Windstille und heiterer Himmel bei uns einkehren oder anderseits westliche Winde herrschen. Diese nämlich bringen vom wieere her eine warme Luftströmung, zugleich aber auch Feuchtigkeil und damit Nebel, Bewölkung und Regen. Nun müssen wir aber wiederum fragen: wann herrscht sun bei uns heiterer Himmel und Windstille? Beides, so lährt der vorhin genannte Forscher fort, ist dann der Fau. wenn anhaltend hoher und gleichmäßig verteilter Luftdruck über Mitteleuropa lagert. Die Luft befindet sich dann in einer langsam absteigenden Bewegung, wobei sie sich verdichtet und relativ trockener wird; sie fließt ferner aus dem Gebiete des hohen Druckes langsam nach allen Seiten ab, ähnlich wie aus einem kalten Zimmer die Luft am Boden hin in ein warmes abströmt; allein ein Eindringen der Meerwinde findet nicht statt, da ja nach physikalischen Gesetzen die Luft stets vom Orte höheren zum Orte niederen Drucks hinströmt. Sowie dagegen der hohe Druck nicht über Mitteleuropa, sondern über dem südlichen atlantischen Ozean, über den Azoren, lagert, strömt von hier die warme, feuchte Meerluft gegen Europa und der größte Teil des Erdteils hat einen warmen Winter. Es wirkt dann von den Azoren her ein Druck der Luft, während bei Island, wo die warme feuchte Luft über dem Golfstrom mit polaren Strömungen zusammentrifft, fortwährend Wirbel oder Gebiete niederen Druckes entstehen, die gegen Europa fortschreiten und aufsangend wirken. So flutet denn Welle über Welle der warmen Luft gegen den Kontinent hin und blos in Pausen, Windstillen, kommt die erkältende Wirkung der nächtlichen Wärmeansstrahlung zur Geltung, da dann Feuchtigkeit und Bewölkung rasch abnehmen: In solchen Pausen dringen dann auch Winde aus dem Norden und Nordosten zu uns vor und bringen direkt Källe aus ihren Ursprungsgebieten zu uns; häufig ist aber dieser Fall keineswegs und nichts wäre irriger als die Annahme, die Kälte käme immer aus dem Norden zu uns. Am 7. Januar 1887 war es in Finnland wärmer als bei uns und bei uns wärmer als in Oberitalien! Während ich dies schreibe, ist draußen eine Luft, die an den Frühling gemahnt. Vor einigen Tagen schwirrten zwischen den Eichen= und Buchenstämmen des Tiergartens zu Berlin Millionen von Schmetterlingen in dem feingegliederten Netz, welches die Sonnenstrahlen bilden. Das goldene Licht hatte sie hervorgelockt. Denn wie die Samen, die Zwiebeln und die Keime der zukünftigen Blumen, sagt Heinrich Seidel, heimlich, im stillen Erdenschoße verborgen, ihre Zeit erwarten, so ruhen auch ihre zukünftigen Bewohner, die Schmetterlinge, als Ei, als überwinternde Raupe, als Puppe oder gar als schon ausgebildeter Sommervogel in sicheren Verstecken und warten auf die schöne Zeit. Freilich manchmal kommen sie zu früh hervor, getäuscht durch Wintersonnentage, und müssen dann elend zu Grunde gehen. So geschah es auch diesmal den durch ein Trugbild der Natur flügge gewordenen Kindern des Lenzes. Als der Abend kam und mit ihm eine kältere Luftströmung, war weithin das Waldgefilde von dem lichten Flaum der Fittige überdeckt. Freilich weiß die Ueberlieferung sogar von Wintern zu melden, die noch milder waren als der, welcher eben jetzt die wetterkundigen Männer der Wissenschaft in ein so großes Erstaunen versetzt. Im Jahre 1289 soll während der ganzen kalten Jahreszeit nicht ein einziges Mal Schnee gefallen sein. Die Bäume prangten um Weihnachten in frischem Grün, die Vögel brüteten Junge aus; im Februar gab es reife Erdbeeren und zwei Monate später blühten die Reben. Die Minnesänger meinten, die Welten seien vertauscht; schon prophezeite man für die gemeiniglich als so unwirsch verschrieenen Gaue des heiligen römischen Reiches deutscher Nation die ewig heitere Sonne Italieus. Eine Chronik von Danzia weiß noch von ferneren sehr milden Wintern zu berichten:„Anno 1427 ist er so gelinde gewesen, daß am Nikolaitage die Bäume ausgeschlagen und geblüht haben. Anno 1506 ist es zwischen Michaelis und Martini so warm gewesen, daß das Haff und die Weichsel gegen alle sonstige Gewohnheit kein Eis zu sehen bekamen, wie überhaupt in diesem ganzen Jahre kein Eis gewesen ist. Auno 1552 ist gar kein Winter gewesen, sondern man hat das Land schon den 26. Jannar umpflügen können. Ein Birnbaum hat Blüten angesetzt und noch in demselben Jahre Früchte getragen. Anno 1568 blühten in der Gegend von Danzig im Oktober die weißen Rosen.“ Ein anderer Chronist will wissen, daß der Winter von 1787 ein überaus milder gewesen.„Im Februar brüteten bereits die Häuflinge, die Kirschenbäume standen in weißer Blütenpracht. Am 16. März schnitt man in Mecklenburg auf den Wiesen achtzehn Zoll hohes Gras; den dritten April aß man in Schottland frische Kartoffeln.“ Zu jener Zeit gab es freilich noch keine meteorologische Wissenschaft und man suchte sich also deshalb auf andere Weise dorüber zu vergewissern, ob man einen milden oder harten Winter zu erwarten habe. Den letzteren fürchtete man als unholden Gast, der den Verkehr unterband und zum mehr oder weniger beständigen Aufenthalt in der Wohnung zwang. Milde, sonnige Tage auch in der kalten Jahreszeit stimmten dagegen das Gemüt froh und ermöglichten das Verweilen im Freien, in Wald und Feld, überhaupt in der Natur, die der Deutsche der Vergangenheit so überaus liebte. Darum forschte man, noch bevor der Winter Einkehr hielt, mit Eifer und Bedacht, wie er sich wohl gestalten werde. Zumal der Mond, das Hauptgestirn der Nacht, galt als sicherer Wetterverkündiger, und unsere Altvordern prägten ihren Kindern mit Bezug Verantwortlicher Redacteur: Carl Maron in Hagen. Für die Anzeigen verantwortlich: G. E. Krüner in Hagen. Wasche mit Wascholin! Hert gääiche Eingetr. b. Otto Becker, Elberfelderstr., Ang. Günther. 3 8 Verkampf gegendas Korsetls ## Die schädlichen Eigenschaften des Korsetts werden beseitigt durch die nach allen Seiten elastischen unzerbrech lichen vom Kasseler Frauenbildungs=K verein warm empfohlenen 3# Herinies=Spiral=Einingen (D. R. P. 76912 u. 91374) Zvon Wagener& Schilling in Oberkaufungen=Kassel. Korsetts mit Herkules=Spiralen sind in allen besseren Geschäften zu haben! 213102 Man fordere nur mit„Herkules=Spiralen." auf ihn den Merkvers ein:„Neumond mit Wind ist zu Regen und Schnee gesinnt". Ferner gelten mehrere Tage im Jahre für sehr bedeutungsvoll in dieser Hinsicht. Eine alte Baueruregel schreibt vor:„Am Allerheiligentag geh' in den Wald und haue einen Span aus einer Buche; ist er trocken wird der Winter kalt; ist er naß, so wird er feucht! Noch wichtiger ist der Martiustag, der 11. November. Bekannt ist die Ansicht, daß man an diesem Datum aus dem Brustbein der gebratenen Martinsgaus die Beschaffenheit des bevorstehenden Winters voraussagen könne, und zwar:„Ist das Brustbein braun, soll es mehr Schnee als Källe, ist es weiß, mehr Kälte als Schnee bedeuten.“ Auch dem Wetter des Martinstages selbst schreibt man einen großen Einfluß auf die Gestaltung des Winters zu. So sagt man in der Eifel:„Wenn auf Martini Nebel sind, so kommt der Winter stets gelind“ und in der Pfalz versichert man:„Ist's an Martini trüb, so wird ein leidlicher, ist's aller hell, ein kalter Winter folgen“. Wir unserseits, die wir auch aus einem harten Winter allerhand Annehmlichkeiten herauszumünzen verstehen, sehen viel lieber, wenn er in der ihm von der Natur zugemessenen Ausstattung auftritt. Kein schönerer Anblick, als wenn auf der Eisbahn die Jugend, den Fuß bewaffnet mit stählerner Sohle, sich im Tanze tummelt oder auf der Straße die Kinderwelt den weichen Flaum des frischgefallenen, blütenweißen Schnees zu allerhand lustigen Figuren zusammenballt! Ganz abgesehen davon, daß ein regelrechter Winter auch der Gesundheit zuträglicher ist als etwa eine abnorme, anderen Jahreszeiten entlehnte Witterung. Sowohl November als auch Dezember sollen eigentlich Eis und Schnee bringen, für die Mehrzahl der übrigen Monate gilt mit Recht die Regel: „Große Kälte im Januar: Schlechtes Wetter im Februar; Wind im März, Linde Regen im April, Tau im Mai, Gutes Mähen im Juni, Gutes Dreschen im Juli, Drei Regen im August bei gutem Wetter Sird mehr wert als die Ochsen und der Wagen des Königs Salomo.“ per Horlik Tpar u. Bariehnsnaßenbrret e. G. m. u. nimmt jederzeit Einlagen in beliebiger Höhe entgegen. De Zinsfuß ist derselbe wie bei anderen Sparkassen. Der Vorstand. In wenigen Tagen Ziehung Los T Haupt———— Tagen Ziehung der Grossen Verlosung.„ 30 000 Mark insgesamt per 2000 Gewinne. 91I Wert Zo haben in allen Lonterlegeschäten und in der durch Plakate kenntlichen verrautsstellen. 1108 ∆ IIK. (Porte und iate 20 Pfg. extra) versendet F A. Schrader, Hannover. Gr.Packhorstr 29. Verlosung zu Baden-Baden! FUUU UUWE. 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Der Refere ländlichen Fortbildung nicht passend und Kammer diese Schulen kleinbäuerlicher Bevölk führung in der Provin Schwierigkeiten entgeg Entwickelung der Schu Deutlicher kann m der Großgrundbesitz vo Arbeiter nichts wissen die Ansicht aussprach, seien geeignet, den le stände auf dem Lande namentlich bezeichneter „die dümmsten Ar! Bildung in den Volks bar ist der Herr der schulen dieser kostbalen Eintrag thnn! Wo zeigt folgende Bemerk bildungsschule bedeut zwanges, welcher Bevölkerung(2) empfe Wohlstand gebildet ha selbst beraus. schaffe man unzufri demokratie in die nach gäbe es eigentlich demokratie den Garau schule abzuschaffen. Uus scheint, der E stande die Bildung richtig sein; wenigsten Prozeß noch immer al presse gleichwohl sich Liberalen lustig mache eine Stadtverordneten nicht weit geuug gegas Achseln zucken; das 9 der westpreußischen La dürfte für die Lehrerst Ein Humoreske v „Na mein Sohn, sagte der gestreuge, lei Bäckermeister Corl N Kuirps von 15 Jahre Wohlwollen hernieder etwas ganz Außergew und seinem Junger be heiten, daß kein Tag perging. Doch im 1 Muster eines Bäckerju Cardinal Eigenschafte keit und— kurze Has und er pfiff auf alles, Herrn und Meisters. sich oft nach ihm aus zu enschlüpsen wußte! Haupthaar mittelst de schneiden lassen. Dest die dem erbosten Mei habe wurden. Heute aber war! Er hatte gut gesch Personal empfangen. Die Gesellen we wünsche bei Seite 0 Bogen Papier in den seligen Aurede des M der die Tronrede ve und begann: Ener Wohlgebog Ihres fünfzigsten Ge Ehre haben, Mitglie schätzen uns glücklich uns glücklich—“ krampfhaft den verlor ja nicht“, half ihm lei „So was lernt man lesen, da Du's doch gut gemeint. Gib do es war doch woll fi Gouzss, Bogen voll. in beide Hände genomt Was? Wolgebo— Bengel an! Trant u Wolgebogen! Du SBs.132.,leinen Gebre unterstehst Dir, O1——