Abonnementspreis pr. Quartal M..50. Insertionspreis die einfache Spaltenzeile oder deren Raum 15 Pfennig. Spaniens Zerfall. Seit einiger Zeit macht sich in den verschiedensten Begenden Spaniens eine Bewegung bemerkbar, welche chon heute der Regierung Bange und Sorge einflößt: die regionalistiche Strömung. Daß das Volk chon lange zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß die bisherigen politischen Parteien, die Carlisten und die Republikaner nicht ausgenommen, unsähig sind, daß sie nur versönliche Interessen vertreten, ist, wie man dem„Hamb. Fremdenbl.“ aus Madrid schreibt, kein Geheimnis mehr; die absolute Indifferenz gegenüber den Wahlen bewies dies aufs Deutlichste. Weder Silvela, noch Romero Robledo, roch Weyler, welche sich mit allerlei vagen Versprechungen an das scheinbar apathische und indolente Volk heraubrängten, erreichten besondere Erfolge, auch wenn sie sich nit einer Anzahl von hungrigen Politikern und sonstigen Schmarotzern, an denen in Spanien geradezu Ueberfluß zerrscht, umgeben. Die Masse, das Volk blieb ihnen vollständig fern, und alle Liebeswerbungen waren vergeblich. Auch die neuen politischen Gründer, Polavieja, Tanalejas usw., welche das Volk mit glänzenden Programmen zu umgankeln suchten, errangen nicht einmal einen Achtungserfolg, während sie sich eine ganze Reibe erbitterter Gegner schufen. Der Brotneid ist unter den Politikern ein überaus großer, und da sowohl Polavieja als auch Canalejas die persönliche Freundschaft der Königin genießen, ist es hier selbstverständlich, daß sowohl Liberale wie Konservative, die sich bekanntlich sehr gut untereinander verstehen, ihre giftigsten Pfeile gegen die neuen Aufdringlinge schleudern. Das Volk ist der bisherigen politischen Parteien satt und will auch von neuen Parteibildungen Nichts wissen; es sehnt sich vielmehr nach einer Macht, welche aus ihm „elbst heraus geboren wird, und welche zunächst nur seine rein materiellen Interessen vertritt und zur Geltung bringt. Als ein Symptom dieser neuen volkstümlichen Bewegung konnte schon vor einem Monat die Thatsache dienen, daß sich die Handelskammern verschiedener Großstädte mit allerlei Gesuchen direkt an die Kortes wandten, ohne die Vermittelung der Senatoren und Abgeordneten in Anspruch zu nehmen, was natürlich und dem bisherigen Gebrauch entsprechend gewesen wäre. In den baskischen Povinzen, in Catalonien und auf den Balearen geht man noch weiter. Man betrachtet sich als Regionalisten, ja gerabezu als Separatisten, und fordert eine von der Centralregierung vollständig getrennte Selbstverwaltung. Die baskischen Provinzen und Navarra genießen schon seit der Zeit des letzten Carlistenkrieges besondere Privilegien, welche sie in dem Sinne erweitert wissen wollen, daß sie eine bestimmte Summe an den Staat zu entrichten haben, dagegen in Communal= und Provinzial= angelegenheiten nach eigenem Ermessen handeln können, ohne der Bestätigung seitens des Staates zu bedürfen. In der Provinzialdepuration von Bilbao ist soeben ein Separatist mit großer Majorität gewählt worden, obwohl die Regierung alle Mittel aufgeboten hatte, um seinen Sieg zu vereiteln. Dieser eine Provinzial=Deputierte behauptet stolz von sich, daß er kein Spanier, sondern ein Baske sei. In derselben Weise fühlen sich die Catalonier als Nichtspanier und machen aus ihrer separatistischen Gesinnung keinen Hehl. Die„Catalonisten“—. so lautet der offizielle Name der separatistischen Partei— verlangen Abschaffung der bisherigen Provinzial=Vertretung und eine einheitliche Vertretung für die vier catalonischen Provinzen Gerona, Barcelona, Tarragona und Lerida, und zwar auf Grund eines von den Cataloniern zu bestimmenden Wahlmodus. Die regionalistische oder separatische Bewegung befindet sich bisher noch in den Kinderschuhen: aber die beiden bekannten Demagogen Weyler und Romero Robledo haben nach echtem Demagogen-Instinkt schon begriffen, daß es hier etwas zu sischen giebt. Romero Robledo hat sich auf einem Bankett in Bilbag— ohne politische Bankette geht es bekanntlich in Spanien nicht— den baskischen Separatisten bedingungslos zur Verfügung gestellt, während sein Busenfreund Weyler in Catalonien und auf den Balearen, seiner Heimat, die allgemeinen Volkssympathien zu erobern sucht. Diß die Regierung diese neu auftauchende Gefahr erkannt hat, beweisen die täglichen Artikel ihres offiziösen Orgaus„El Correo“. In seinem letzten Leitartikel erklärt es unter anderem Folgendes: Die fieberhafte Thätigkeit der Anhänger der weitestgehenden Decentralisation habe in jüngster Zeit Elemente ergriffen, welche dieser gefährlichen Politik bisher abgeneigt gewesen seien. Dieser Bewegung könne man eine gewisse Berechtigung nicht absprechen, da es unbesonnen sein würde, zu behaupten, daß von Madrid aus alles am besten geregelt werden könne. Man könne diese Bewegung geradezu unterstützen, so lange sie der nationalen Einheit nicht gefahrdrohend sei; es müsse aber befremden, daß sich dieser Bewegung, welche mit einer gewissen Heftigkeit auftrete, Elemente auschlössen und das Feuer zu nähren suchten, welche nach ihrer bisherigen Geschichte eifrige Anhänger einer absoluten Centralisation gewesen seien und dies noch jüngst durch ihre Politik auf Kuba bewiesen hätten(gemeint sind Romero Robledo und Weyler). Diese Elemente entbehren jeglicher Autorität, um sich als Verleidiger eines Systems, das sie bisher bekämpft hätten, aufzuspielen: es könne sich darum nur um ein Werk politischer Verwirrung und um revolutionäre Arbeit handeln, welche das arme Vaterland an den Ruin bringen und der Anarchie ausliefern werde. □ Berlin, 29. Sept. Eine deutsche Expediton für archäologische Forschungen in Mesopotamien, die von der„Deutschen Orient=Gesellschaft" vorbereitet wird, soll im Dezember dieses Jahres an ihren Bestimmungsort abgehen. Die genannte, zu Anfang des Jahres hier begründete Gesellschaft, die Deutschland einen die Beseutung unserer Wissenschaft entsprechenden Anteil an der bisher fast ausschließlich von England, Frankreich und Nordamerika betriebenen Durchforschung jener ältesten Kulturstätten der Menschheit sichern will, verfolgt nach ihren Sitzungen den Zweck:„a) das Studium des orientalischen Altertums im Allgemeinen, im Besonderen die Erforschung der alten Kulturstätten in Assyrien, Babylonien, Mesopotamien und anderen westasiatischen Ländern sowie Egypten zu fördern: b) die auf die Erwerbung orientalischer Altertümer, Denkmäler der Kunst und allgemeinen Kultur gerichteten Bestrebungen des Königl. Museums zu Berlin sowie vorkommendenfalls anderer öffentlicher Sammlungen im deutschen Reiche zu unterstützen; c) die Kenntnis von den Ergebnissen der Forschungen über das orientalische Altertum in geeigneter Weise zu verbreiten und das Interesse an diesem Teile ältester menschlicher Kultur zu beleben.“ Die Absicht, eine Expedition auszusenden, war schon bekannt. Jetzt aber ist der„Deutschen Bauzeitung“ mit Genugthuung zu entnehmen, daß die bedeutenden Geldmittel, die der Gesellschaft bereits zur Verfügung stehen, und das lebhafte Interesse, das die höchsten Staatsbehörden sowie zahlreiche unserer ersten Gelehrten dem Plane zuwenden, sein Gelingen wohl verbürgen. Das genannte Blatt hält es für dringendwünschenswert, daß auch die deutschen Architekten an diesen Bestrebungen teilnehmen, zumal ein namhafter Teil der in Aussicht genommenen Forschungen ohne Mitwirkung von Architekten nicht ausgeführt werden kann. Die deutsche Orientgetellschaft sucht denn auch. neben dem bereits gewählten leitenden Architekten, eine geeignete zweite Kraft zu gewinnen, die, mit entsprechenden Vorkenntnissen ausgerüstet und von Liebe zu archäologischen Forschungen beseelt, Willens wäre, sich den Unternehmungen der Gesellschaft gegebenen Falls für eine Reihe von Jahren zu widmen. es den Gerichten an geeigneteren Paragraphen nicht fehlt, um die Bedrohung von Arbeitswilligen streug zu ahnden, beweist eine gestern hier erfolgte Verurteilung. Der Maurer Hoppe hatte gegen einen arbeitswilligen Genossen seinen Schirm in bedrohlicher Weise erhoben. Für dieses Vergehen erhielt er neun Monate Gefänguis! Strafverschärfung kam freilich hierzu, daß er wegen einer ähnlichen Handlung schon einmal bestraft worden ist. Man sollte meinen, daß, wo solche streugen Urteile bereits durch die bestehenden Gesetze ermöglicht werden, das Bedürfnis nach noch strengeren Bestimmungen als dringend nicht bezeichnet werden kann. Jedenfalls verdienen Gerichte den Tadel nicht, daß sie allzu gern der Neigung nachgeben, möglichst das geringste Strafmaß anzuwenden. Berlin, 29. September. In Bezug auf den Ausfall der Landtagswahlen„soll man" im Ministerium des Innern, wie der„Schlesischen Volkszeitung“ aus Berlin geschrieben wird,„schätzen, daß die beiden konservativen Parteien etwa 10 Sitze verlieren.“ Ein solcher Ausfall würde, wie die „Schles. Volksztg.“ betont, für die Verminderung des Uebergewichts der konservativen Parteien im Abgeordnetenhause von geringer Bedeutung sein.„Die Konservativen verfügten im bisherigen Abgeordnetenhause zusammen über 211 Mandate, würden sie 10 verlieren, so hätten sie noch 201. Das ist fast die Hälfte der 433 Sitze. Es braucht also nur der rechte Flügel der Nationalliberalen, der so wie so durch das Bindemittel des Bundes der Landwirte vielfach mit den Konservativen verschmolzen ist, hinzuzutreten, um der Rechten eine Mehrheit zu sichern.“ —„Jene Weltanschauung, die glaubt, die Krankheit der Zeit durch mehr Kirchentum, durch Unterdrückung der Freiheit der Wissenschaft, durch allgemeine Polizeianssicht heilen zu können, droht in Preußen zur vollen Herrschaft zu gelangen. Der aus dem allgemeinen Stimmrecht bervorgegangene Reichstag ist noch unsere letzte Zuflucht. Wenn in den bevorstehenden Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause die Konservativen, von denen sich die Freikonservativen, seitdem sie unter die Führung des Herrn von Stumm geraten sind, kaum noch unterscheiden, die absolute Majorität erlangen, so ist die böchste Gefahr, daß man versuchen wird, was man im Reich nicht erlangen kann, in Preußen durchzusetzen. Darum haben alle, denen an der Erhaltung eines gemäßigten und verständigen Regiments in Preußen gelegen ist, bei diesen Wahlen das Interesse, die liberale Seite zu stärken.... Was so lange eine bloße Phrase war, hat jetzt wirklich eine praktische Wahrheit, das Wort von der großen liberalen Partei. Selbst die Socialdemokraten haben ein Interesse daran, die Liberalen im Landtage zu stärken und ihre Unterstützung muß mit Dank angenommen werden. Der Konservatismus ist heute in den oderen besitzenden Klassen des Volkes so stark, daß seine Uebertreibungen nach rechts uns mit größerer Gefahr bedrohen, als der Ansturm der Socialdemokraten von links. Nicht vor der Revolution haben wir uns heute in Deutschland zu fürchten, sondern vor der Reaktion. Das muß offen ausgesprochen werden, und danach muß man handeln.“ Der das geschrieben hat, ist selbst kein Freisinniger, kein Liberaler, wenigstens nicht der Fraktionsangehörigkeit nach, sondern Einer, der im Reichstage auf den Bänken der Freikonservativen gesessen hat, der frühere Abgeordnete Professor Hans Delbrück. In den von ihm herausgegebenen„Preußischen Jahrbüchern“ ersucht Herr Delbrück alle seine Freund und Gesinnungsgenossen, in dem oben dargelegten Sinne bei den bevorstehenden Landtagswahlen thätig zu sein. Wenn ein Mann, der weit entfernt ist, sich dem Freisinn zuzuzählen, die Gefahr der Reaktion so lebhaft empfindet, daß er sich bewogen fühlt, zum Kampfe gegen das Junkertum aufzurufen, gegen diejenigen Front zu machen, mit denen er früher zu gemeinsamer politischer Thätigkeit verbunden war, dann darf man wohl hoffen, daß auch die Lauen und Schwachen sich werden aufrütteln lassen und aus der Erkenninis der Lage zum Entschlusse der Pflichtbethätigung gelangen werden. — Aus Herford, 29. September, meldet die„Köln Ztg.“: Die freisinnige Volkspartei des Wahlkreises Bielefeld=Halle=Herford stellte für die Landtagswahl die Herren Reichstagsabgeordneter Otto Fischbeck=Berlin, Landwirt Julius Meyer zu Hartlage in Siekor(Kreis Bieleseld) und Bürgermeister Quentin zu Herford auf. Die Aufstellung der drei Kandidaten erfolgte auf Grund eines Bündnisses, das die freisinnige Volkspartei mit der nationalliberalen Partei des Reichstagswahlkreises Halle=Herford geschlossen hat. Bürgermeister Quentin war der Kandidat der vereinigten liberalen Parteien bei der Reichstagswahl und siegte als solcher über seinen konservativen Gegner. Er gehört der nationalliberalen Partei an, Fischbeck und Meyer sind die Kandidaten der Freisinnigen Volkspartei. Treten die liberalen Wähler geschlossen für die Wahl der drei Herren ein, so wird ihnen auch bei der Landtagswahl der Sieg zufallen. — Das Wahlbündnis der Königsberger Liberalen gereicht dem Nationalliberalismus des Westens keineswegs zur ungemischten Freude. In dem„Hann. Cour.“ liest man:„Jedenfalls haben es die Königsberger Nationalliberalen in Erwägung der besonderen Verhältnisse ihres Wahlkreises und vielleicht auch mit Rücksicht auf die zukünftige Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses für angemessen erachtet, diesmal auf ein Kartell mit den Konservativen zu verzichten.“— Die„besonderen Verhältnisse“ der haunoverschen Wahlkreise sind, daß der Nationalliberalismus in allen von dem Konservatismus schwer bedroht ist. Den Husarenritt des Herrn v. Rauchhaupt vermochte er mühelos abzuwehren, den Machtmitteln der Bureaukratie kann er nur widerstehen, wenn er alle Mann auf die Schanzen ruft. Der„Hann. Cour.“ denkt aber nicht daran, zum Sammeln zu blasen; er spricht von „vielleicht" und von„diesmal“ und wähnt dabei, durch sein Gejammer den Gegner rühren zu können. Bei dieser schwächlichen Haltung muß der haunoversche Nationalliberal ismus zu Grunde gehen. — Die J. G. Cottasche Buchhandlung in Stuttgart teilt mit: Am gestrigen Tage wurden der I. G Cottaschen Buchhandlung die letzten Nachträge des Fürsten Bismarck zu seinen den Titel„Gedanken und Erinnerungen“, führenden sogenannten Memoiren übergeben. Das vom verstorbenen Fürsten eigenhändig durchkorrigierte Diktat ist von Prof. Dr. Horst Kohl mit einer Einleitung und kurzen orientierenden Noten versehen und wird im übrigen, abgesehen von kleinen Korrekturen irriger Daten, Namen 2c., unverändert und ungekürzt erscheinen. Die Ausgabe des Werkes wird im November d. J. beginnen. — Am 24. September fand in Eisenach die 4. Ausschußsitzung des Deutschen Verbandes für das kaufmännische Unterrichtswesen statt. Der Vorsitzende konnte feststellen, daß die Bestrebungen des Verbandes auch in der Zwischenzeit wieder allseitig eine kräftige Unterstützung erfahren haben, und daß die allgemeine Entwickelung des kaufmännischen Unterrichtswesens z. Z. in fast allen Bundesstaaten einen erfreulichen Aufschwung nehme. Insbesondere wies er hierbei auch auf die Bemühungen des preußischen Handelsministers hin. Der Ferienkursus für Lehrer an kaufmännischen Fortbildungs= und Handelsschulen in Dresden hat seinem Zweck entsprochen. Es soll daher an der Einrichtung der Ferienkurse festgehalten werden, und da sich in Süddeutschland für sie ein besonderes Interesse kundgiebt, wurde beschlossen, den nächsten Ferienkursus in einer Stadt Süddeutschlands einzurichten. Frankreich. Zur Revision des Dreyfus=Prozesses. Die„Republ. fr.“ des Herrn Méline hat den Revisionsbeschluß der Regierung mit den Worten begrüßt: „Wir brauchen eine Revision, so unzweifelhaft aufrichtig und so streng juristisch, daß niemand ihr Ergebnis angreifen kann.“ Clemenceau ist damit vollständig einverstanden, aber er fragt, was denn aus den„connexen Affären“ werden solle, und er ist nicht ohne Unruhe in dieser Beziehung. Er schreibt: Hat Esterhazy seine Rechnung mit der französischen Instiz geregelt? Ich be=weifle es. Der Verräter, der Schützling des Generalstabes, ist nach London geflohen, von wo er seine Enthüllungen losläßt. Eines Tages gesteht er, das Borderean geschrieben zu haben; tags darauf leugnet er es. Je nachdem er dafür bezahlt wird. Wenn der Augenblick gekommen ist, werden gegen ihn so viele Beweise kommen, als nötia sind. Desto schlimmer für Jene, die dann überwiesen sind, daß sie ihn bewußt dem Spiuch des Gesetzes entzogen haben. Dann ist auch der Fall Du Patyo de Clam noch weit von seiner Aushellung entfernt. Er ist mit Hülfe einer Gesetzesverletzung der Justiz entrissen worden, durch den Generalprokurator Bertrand und den Prokurator Feuilloley, über die man sich eines Tages auch wird aussprechen müssen. Es bleibt die„Blauche"=Fälschung, deren Urheber er ist. Warum verfolgt man ihn nicht? Ist er nicht auch in die andern Affairen verwickelt? Wo ist das Protokoll der Geständnisse Henry's? Warum hat mn Picquart nicht über die Fälschungen Heuiy's vernommen, preußische Landtagswahlrecht. (Schluß.) IV. Der Vollzug der Urwahlen. Nachdem der Wahltag von dem Minister des Innern festgesetzt ist, werden die sämtlichen Urwähler„zu einer für die Wahlbereiligung möglichst günstigen Stunde des Tages der Wahl“ in ortsüblicher Weise zusammenberufen, wobei zugleich das Wahllokal und der Name des Wahlvorstehers, sowie seines Stellvertreters bekannt zu machen ist. Die Stunde des Taaes wird bestimmt in Ortschaften von 1750 und mehr Einwohnern von der Gemeindebehörde, in anderen Ortschaften, welche keinen eigenen Urwahlbezirk bilden, von dem Landrat. Die Wahlmänner werden in jeder Abteilung aus der Zahl der stimmberechtigten Urwähler des Urwahlbezirkes ohne Rücksicht auf die Abteilung gewählt. Mit Ausnahme des Falles der Auflösung des Abgeordnetenhauses sind die Wahlen der Wahlmänner für die ganze Legislaturperivde dergestalt gültig, daß bei einer erforderlich werdenden Ersatzwahl eines Abgeordneten nur an Stelle der inzwischen durch Tod, Wegziehen aus dem Urwahlbezirk oder auf sonstige Weise ausgeschiedenen Wahlmänner neue zu wählen sind. se see 5. Phseiries ernennt aus der Zahl der Urwahter des Wuhlhezirtes den Protokollführer und 3 bis 6 Beisitzer. Bei einer von einer einzelnen Abteilung vorzunehmenden Nachwahl können erforderlichenfalls zu Beisitzern oder zum Protokollführer Urwähler einer anderen Abteilung desselben Urwahlbezirkes ernannt werden. Die Wahlen erfolgen abteilungsweise durch Stimmgebung zu Prolokoll nach absoluter Mehrheit. In der Wahlversammlung dürfen weder Diskussionen stattfinden, noch Beschlüsse gefaßt werden. Wahlstimmen, unter Protest oder Vorbehalt abgegeben, sind ungültig. Die Wahlverhandlung wird damit eröffnet, daß der Wahlvorsteher den Protokollführer und die Beisitzer mittels Handschlages an Eidesstatt verpflichtet. Er weist auf die für die Wahl maßgebenden gesetzlichen und regleen Bestimmungen hin, von denen ein Abdruck im Wahllokale auszulegen ist. Jeder nichtstimmberechtigte sommlung konstitnier, Vbtreten veranlaßt und so die VerWahsnorsieher uwabler melden sich bei dem Abstimmungen teis Können an den noch nicht geschlossenen stimmberecheigter Persn. Die Anwesenheit solcher nicht. zweckensprechende und au obne deren Thäligkeit der verhandlung nach.“ ordnungsmäßige Verlauf der Wabl—umnng nuch vem Ermessen des Wahlvorstehers nicht möglich ist, ist vorübergehend zulässig. Abwesende können in keiner Weise durch Stellvertreter oder sonst an der Wahl teilnehmen. Die dritte Abteilung wählt zuerst: die erste zuletzt. Sobald die Wahlverhandlung einer Abteilung geschlossen ist, werden die Mitglieder derselben zum Abtreten veranlaßt. Der Protokollführer ruft die Namen der Urwähler abteilungsweise in derselben Folge auf, wie sie in der Abteilungsliste verzeichnet sind, wobei mil dem Höchstbesteuerten angefangen wird. Jeder Aufgernfene tritt an den zwischen der Versammlung und dem Wahlvorsteher aufgestellten Tisch und neunt unter genauer Bezeichnung den Namen des Urwählers, welchem er seine Stimme geben will. Sind mehrere Wahlmänner zu wählen, so neunt er gleich so viel Namen, als deren in der Abteilung zu wählen sind. Die genannten Namen trägt der Protokollführer neben den Namen des Urwählers und in Gegenwart desselben in die Abteilungsliste ein, oder läßt sie, wenn derselbe es wünscht, von dem Urwähler selbst eintragen. Die Wahl erfolgt nach absolnter Mehrheit der Stimmen. Ungiltig sind außer den unter Protest oder Vorbehalt abgegebenen Stimmen solche Wahlstimmen, welche auf Personen außerhalb des Urwahlbezirks fallen. Ueber die Giltigkeit einzelner Wablstimmen entscheidet der Wahlvorstand. Soweit sich bei der ersten oder einer folgenden Abstimmung absolnte Stimmenmehrheit nicht ergiebt, kommen diejenigen, welche die meisten Stimmen haben, in doppelter Anzahl der noch zu wählenden Wahlmänner auf die engere Wahl. Ist die Auswahl der hiernach zur engeren Wahl zu bringenden Personen zweifelhaft, weil auf zwei oder mehrere eine gleiche Stimmenzahl gefallen ist, so entscheidet zwischen diesen das Los, welches durch die Hand des Vorstehers gezogen wird. Eine engere Wahl findet auch dann statt, wenn bei der ersten Abstimmung die Stimmen zwischen zwei oder— wenn es sich um die Wahl von zwei Wahlmännern haudelt,— zwischen vier Personen ganz gleich geteilt sind. Trit dieser Fall dagegen bei einer späteren Abstimmung ein, so entscheidet das Los zwischen den zwei bezw. vier Personen. Nach den Eutscheidungen des Abgeordnetenhauses begründet die Unterlassung der vorstehend vorgeschriebenen engeren Wahl die Ungültigkeit der betreffenden Wahlmännerwahlen. Die gewählten Wahlmänner müssen sich, wenn sie im Wahltermine anwesend sind sofort, sonst binnnen drei Tagen, nachdem ihnen die Wahl angezeigt ist, erklären, ob sie dieselbe annehmen und, wenn sie in mehreren Abteilungen gewählt sind, für welche derselben sie annehmen wollen. Annahme unter Protest oder Vorbehalt, sowie das Ausbleiben der Erklärung binnen drei Tagen gilt als Ablehnung. Jede Ablebnung hat für die abteilung eine neue Wahl zur Folge. die Ablehnung sofort im Wahltermine, und bevor die Wahlverhandlung der betreffenden Abteilung geschlossen ist, so hat der Wahlvoreine neue Wahl vorzunehmen. Erdie Ablehnung später oder geht binnen drei Tagen keine Erklärung des Gewählten ein, so hat der Wahlvorsteher die betreffende Abteilung unter Beobachtung der im Reglement gegebenen Bestimmungen unverzüglich und wenn möglich, so zeitig zu einer neuen Wahl zusammen zurusen, daß der zu erwählende Wahlmann noch an der Wahl des Abgeordneten teilnehmen kann. Ist in einem Urwahlbezirk die Wahl eines Wahlmannes wegen Nichterscheinens der Urwähler nicht zu Stande gekommen, oder die Wahl für ungültig erklärt rden, so ist, ebenso wie bei sonstigem Ausscheiden von .####innern vor der nächsten Wahl eines Abgeordneten eine Ersatzwahl durch den Regierungspräsidenten und für den Oberpräsidenten anzuordnen. Wird die Ersatzwahl eines Wahlmannes nach Ablauf eines Jahres seit der letzten Wahl eines Abgeordneten erforderlich, so ist derselben eine neue Urwähler= und Abteilungsliste, bei deren Aufstellung und Auslegung die Vorschriften des Wahlreglements zu beobachten sind, zu Grunde zu legen. V. Wahl der Abgeordneten. Die Regierungspräsidenten ernennen die Wahlkommissare für die Wahl der Abgeordneten. Die Wahlvorsteher reichen die Urwahlprotokolle dem Wahlkommissar ein. Der Wahlkommissar stellt aus den eingereichten Urwahlprotokollen ein nach Kreisen, obrigkeitlichen Bezirken oder in sonst geeigneter Weise geordnetes Verzeichnis der Wahlmänner seines Wahlvezirks auf und veranlaßt, daß dieses Verzeichnis durch Auslegung in den Geschäftslokalen der Landräte, sowie der Magistrate(Gemeindeverwaltungsbehörden) der einen eigenen Kreis oder Wahlbezirk bildenden Städte, und durch Abdruck in den amtlichen Publikationen, dienenden Blätteru veröffentlicht wird. Der Waylkommissar hat die Verhandlungen über Geidung vorzutreggg,##.,##hlmt, Dei Wahlkommissar zaver vie Wamimanner zur Wahl der Abgeordneten ein. Die Zusteuung ist durch einen vereideten Beamten zu, hescheinigen. Die Vorladung der Wahlmänner kann anch sofor. im Urwahltermin durch die Wablvorsteher bewirkt werden. Die Wahlvorsteher erhalten in diesem Falle seitens des Wahlkommissars die erforderliche Anzahl von Einladungssormularen und Behändigungsscheinen. Sie haben die ersteren mit der Adresse der Wahlmänner zu versehen und gegen Vollziehung der Behändigungsscheine auszuhändigen, auf den letzteren aber die richtig erfolgte Zustellung zu bescheinigen und dieselben gleichzeitig mit den Urwahlprotokollen dem Wahlkommissar einzureichen. Die Wahlverhandlung wird unter Hinweis auf die für die Wahl maßgebenden gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen, von denen ein Abdruck im Wahllokal auszulegen ist, eröffnet. Der Protokollführer und drei bis sechs Beisitzer werden von den Wahlmännern aus ihrer Mitte auf den Vorschlag des Wahlkommissars gewählt und von diesen mittelst Handschlags an Eidesstatt verpflichtet. Bei der Entscheidung der Versammlung über die von dem Wahlkommissar für ungültig erachteteten Urwahlen sind auch diejenigen Wahlmänner stimmberechtigt, deren Wahl von dem Wahlkommissar beaustandet wird. Außer der vorgedachten Erörterung und Entscheidung über die etwa gegen einzelne Wahlakte erhobenen Bedenken dürfen in der Versammlung keine Diskussionen stattfinden, noch Beschlüsse gefaßt werden. Die nicht stimmberechtigten Anwesenden sind zum Abtreten zu veranlassen, die Anwesenheit selcher nicht stimmberechtigten Personen, ohne deren Thätigkeit der zweckentsprechende und ordnungsmäßige Verlauf der Wahlverhandlung nach dem Ermessen des Wahlvorstehers nicht möglich ist, ist vorübergehend zulässig. Nach Ausschließung derjenigen Wahlmänner, deren Wahl für ungiltig erkannt ist, schreitet die Versammlung sofort zu dem eigentlichen Wahlgeschäft. Jeder Abgeordnete wird in einer besonderen Wahlhandlung gewählt. Die Wahl selbst erfolgt, indem der nach der Reihenfolge des Verzeichnisses aufgernfene Wahlmann an den zwischen der Wahlversammlung und dem Wahlkommissar aufgestellten Tisch tritt und den Namen desjenigen nennt, dem er seine Stimme giebt. Den vom Wahimann genannten Namen trägt der Vhser-=Wahzintgnnersige der Namen des Wablmanu=2, A Periangt, den Rauen seibst wenn der Wahlmann nia vertungt, den Namen selbst gehabt hat. Die zweite Abstimmung wird unter den übrigen Kandidaten in derselben Weise wie die erste vorgenommen. Jede Wahlstimme, welche auf einen andern als die in der Wahl gebliebenen Kandidaten fällt, ist eite„ Wenn auch die zweite Aostimmung reine absolute Mehrheit ergiebt, so fällt in jeder der folgenden Abstimmungen derjenige, welcher die wenigsten Stimmen hatte, aus der * die er doch zuerst entdeckt hat? Das alles sind Geheimnisse. Licht! Licht! Endlich Picquart. Wird der Streich Burlindens gelingen? Die öffentliche Meinung wird es nicht zugeben. Wenn man die Affaire Heury ans Licht ziehen muß, dann muß auch die Geschichte des„petit bleu“ aufgeklärt werden. Im Prozeß Picquart hat der Staatsanwalt erklärt, er könne den Prozeß nicht weiter führen, ohne zu wissen, was aus der Revision werde. Um wie viel mehr hängen„petit bleu“ und Esterhazy zusammen mit den Thatsachen, über welche die Revision sich aussprechen wird, namentlich da wir bereits durch den Obersten v. Schwartz= koppen wissen, daß nichts leichter ist, els den wirklichen Urheber der angeblichen Fälschung zu finden. Wie kann man nun unter diesen Umständen eine Untersuchung fortsetzen, die hinterlistig durch einen General, im Widerspruch mit den Anordnungen seiner Regierung, unternommen worden ist? Das Kriegsgericht muß binter dem Kassationshof gerade so zurücktreten, wie das Zuchtpolizeigericht. Man muß sich beeilen, alles auf seinen richtigen Platz zu stellen. In dem Augenblicke, wo man gerechte Ordnung im Lande schaffen will, darf man die Unordnung nicht wachsen lassen durch Prozesse, die durch Fälscher und ihre Mitschuldigen aus Rache angestrengt worden sind. Es darf nicht geschehen, daß die Illegalität des Prozesses Dreyfus anerkannt und sofort ersetzt wird durch eine noch größere Ungesetzlichkeit gegen den Mann, der sich geopfert hat, um endlich die Revision zu erlangen. Clemencean zählt auf Brisson, der neue Verbrechen zu verhindern wissen werde. Aber Clemencean selbst hat durch seine Aufzählung die Schwierigkeiten dargelegt, die Herrn Brisson entgegenstehen.— Um einen Begriff von der Sprache zu bekommen, mit der die Presse des General= stabs den Revisionsbeschluß der Regierung behandelt, möge man nachstehende Aeußerungen Rocheforts im„Intransigeant“ lesen: So dem Spruch der Revisionskommission, die Brisson doch selbst zusammengesetzt hat, zu trotzen, das vermag nur ein Pfuscher und ein Verräter. Nur ein vollendeter Dummkopf kann so offenkundig an einer Verschwörung teilnehmen, die gegen die Sicherheit unserer Grenzen gerichtet ist. Hat er sich, wie so viele andere, die Taschen durch das Syndikat füllen lassen? Wir sind darüber blos auf Vermutungen hingewiesen, da die bestochenen Minister nicht die Gewohnheit haben, für die erhaltenen Gelder Quittungen auszustellen. Man konnte sich übrigens auf Alles gesaßt machen von Seite eines Elenden, der beim Begräbnis seines Vaters, der ihn verflucht hatte, keinen Blick hatte für die Witwe, seine Mutter, die allein auf der Welt blieb. Aber es ist wahrscheinlich, daß das neue Verbrechen, das er an dem französischen Vaterlande begeht, diesmal nicht ungestraft bleiben wird. Vergebens wird er dem Kassationsbof, den er zur Unterstützung herbeiruft, die Verantwortlichkeit zuschieben für das Blut, das fließen wird: er selbst wird den Mördern den Dolch in die Hand gedrückt und die Lebel=Gewehre geladen haben, die von selbst losgehen werden, ohne daß man noch wissen kann, auf welche Brust sie sich richten werden. Diesen Drohungen fügte Rochefort noch die folgenden hinzu: Wenn die Tapir=Nase, die gegenwärtig durch die Sonne der Teufelsinsel geschwärzt wird, auf unserem Boden erscheint, dann wird die Entrüstung des Volkes keine Schranken mehr kennen und es wird auf keine Ratschläge mehr hören. Ah, ihr Lumpen, ihr wollt einen blutigen Skandal? Ihr werdet ihn haben! Dieses brutale Geschimpfe zeigt, wie tief der Mann, dem die Fälscher des Generalstabs„die Fahne Frankreichs“ anvertraut haben, sich durch die Revision getroffen fühlt. Ein überaus auschauliches Stimmungsbild aus Paris veröffentlicht die„Aurore“ aus der Feder Otcave Mirbeaus, desselben Mannes also, der sich erboten hatte, die Geldbuße Zolas an die beleidigten Schreibsachverständigen auszulegen, um die Mobiliarversteigerung abzuwenden. Er nennt seinen Artikel:„Die Stimmen der Straße" und führt führt folgendes aus: „Die Patrioten haben sich geirrt, wenn sie glauben, durch Picquarts Verhaftung die Wahrheit geknebelt zu haben; denn was sie von dem Oberstlieutenant in ihrer Gewalt haben, ist nur sein Schatten. Sein Wort ist unter uns geblieben. Es ermutigt und leitet uns! Und seine Seele ist mit der Seele der heute so schwer enttäuscht dastehenden Massen. Indem sie ihn vernichten wollten, haben sie aus ihm einen Helden gemacht, nicht nur den Helden einer Elite, sondern den populären Helden, der schon seine Legende hat, der bereits gelitten hat, und an dem man von jetzt an nicht mehr rühren kann, ohne das Volk selbst zu treffen. Mit ihrem verbissenen, dummen Hasse und durch ihre seigen Verfolgungen haben sie aus diesem reinen Opfer die wirkliche Verkörperung dessen gemacht, was wir nicht mehr haben, alles dessen, was zum Schweigen und zur Verbannung verurteilt wurde, das lebende Symbol der Gerechtigkeit, der Wahrheit, der Menschlichkeit. Bevor die Generalstäbler auf die Straße heruntersteigen, um niederschießen zu lassen, rate ich ihnen, zu hören und zu betrachten. Und sie werden folgendes sehen und hören: Die Straße ist erwacht. Von den entlegenen Vorstädten bis zu den centralen Boulevards, von der Schwelle der ärmlichen Läden bis zu den eleganten Avennes, von den Trottoirs bis zu den Gärten, überall spricht sie..... Es herrschen nicht mehr die Gleichgültigkeit, die Apathie, der Egoismus, der blöde Scherz, der von nichts wissen will, wie vor sechs Monaten. Ein Jeder, Bourgeois oder Arbeiter, der Kutscher auf seinem Bocke, der Straßenverkäufer, der seinen Wagen vorbeischiebt, der Handwerker in seiner Werkstatt, alle warten mit ungeduldiger Spannung auf das, was kommen wird.... Man läßt seine Arbeit im Stich, man denkt nicht an seine eigenen Angelegenheiten, seine Sorgen, seine Vergnügungen, alles nimmt an der großen beklemmenden Angst Teil.... Man hat es eilig, die Nachricht, die man vorher fühlt, in der Luft schwirren zu hören.... Man stürzt sich aus die Zeitungen... Man fragt, man liest, man kommentiert. .. Es giebt Niemanden, der nicht begriffe, daß etwas Neues im nationalen Leben aufgetreten ist, daß ein großes Drama sich abspielt Das Stück spielt auf der Straße, es spielt in den Seelen.... Und der Name Picquart's ist auf Aller Lippen.... Er fliegt dabin, ranscht empor, schlägt grollend aus den Gesprächen heraus.... Man hört nichts, als ihn.... Und wenn die Seele der Menge den Namen eines Mannes flüstert Wahl, bis die absolnte Mehrheit sich auf einen Kandidaten vereinigt hat. Stehen sich mehrere in der geringsten Stimmenzahl gleich, so entscheidet das Los, welcher aus der Wahl fällt. Wenn die Abstimmung nur zwischen zwei Kandidaten noch stattfindet und jeder derselben die Hälfte der giltigen Stimmen auf sich vereinigt hat, entscheidet ebenfalls das Los. In beiden Fällen ist das Los durch die Hand des Wahlkommissars zu zieben. Ueber die Gültigkeit einzelner Wahlstimmen entscheidet der Wahlvorstand. Der Gewählte ist von der auf ihn gefallenen Wahl durch den Wahlkommissar in Kenntnis zu setzen und zur Erklärung über die Annahme sowie zum Nachweise, daß er nach dem Gesetz wählbar sei, aufzufordern. Annahme unter Protest oder Vorbehalt, sowie das Ansbleiben der Erklärung binnen 8 Tagen von der Zustellung der Benachrichtigung gilt als Ablehnung. In Fällen der Ablehnung oder Nicht=Wählbarkeit hat der Regierungspräsident und für Berlin der Oberpräsident sofort eine neue Wahl zu veranlassen, bei welcher nötigenfalls eine neue Abschrift der Wahlmännerliste zur Eintragung der Abstimmung zu benutzen ist. Zum Abgeordneten ist jeder Preuße wählar, der das 30. Lebensjahr vollendet, den Volln Rechte infolge rechtskräftigen richter#i. und dereits ein und sich zurannt, wenn die Straße in Aufregung zitiert und mit all' ihren Stimmen spricht, dann ist die Stunde der Justiz gekommen und trotz den Regimentern und Kanonen muß diese Stunde schlagen.“ Diese Darstellung deckt sich durchaus mit dem Bilde, welches die jämmerlich verunglückten Protestversammlungen der französischen Reaktionäre entbüllen. * Paris, 29. Septbr. Der„Matin“ veröffentlicht ein Interview mit einem Rate des Kassationshofes, welcher die Ansicht äußerte, daß die Kriminalkammer des Kassationshofes sich nicht für die Revision werde aussprechen können, da sie in den Dreysusakten nicht die erforderlichen Elemente finden dürfte. Viel einfacher wäre es gewesen, wenn die Annullierung des Urteils verlangt worden wäre. Es würde dann die Feststellung genügen, daß dem Kriegsgericht geheime Aktenstücke übermittelt worden seien. Aber man wollte offenbar das vermeiden und diejenigen schonen, welche diese Ungesetztichkeit begingen. Dänemark. * Kopenhagen, 29. September. Köniain Luise war von Mitternacht bis zum Eintritte des Todes bewußtlos: sie starb ohne sichtbaren Todeskampf. Alle Mitglieder der königlichen Familie, die während der Nacht abwechselnd bei der Sterbenden gewacht hatten, waren im Augenblicke des Todes am Bette der Königin versammelt. Das Sterbelager wurde alsbald nach dem Hinscheiden der Königin mit Blumen geschmückt. Ueberall in der Hauptstadt weben zum Zeichen der Trauer die Fahnen auf Halbmast. Die Königin Luise von Dänemark, deren Tod schon seit einiger Zeit erwartet wurde, ist 81 Jahre alt geworden. Sie entstammte der kurfürstlichen Familie von Hessen=Kassel und war am 7. Septdr. 1817 gevoren. Am 26. Mai 1842 wurde sie in Kopenhagen mit dem Prinzen Christian zu Schleswig=Holstein=Sonderburg=Glücksburg vermählt. Dieser Prinz wurde am 15. November 1863 als Christian IX. König von Däuemark. Seine Mutter war ebenfalls eine Prinzessin von Hessen=Kassel. Durch ihre Kinder war die Königin Luise in die intimsten Beziehungen zu den herrschenden Familien der meisten europäischen Großmächte getreten. Ihr ältester Sohn Friedrich hat eine Tochter des Königs von Schweden geheiratei, die älteste Tochter, Aleranda, ist mit dem Prinzen von Wales vermählt, der zweite Sohn Wilhelm, ist unter dem Namen Georg König von Griechenland geworden und die zweite Tochter, Dagmar, war unter dem Namen Maria Feodorowna mit dem Kaiser Alexander III. von Rußland vermählt. Die dritte Tochter, Thyra, hat den Herzog von Cumberland, Sohn des vertriebenen Königs von Hannover, geheiratet und der dritte Sohn, Waldemar, ist mit einer Prinzessin von Orleans vermählt. Wegen dieser zahlreichen einflußreichen Verwandtschaften hat man die Königin Louise häufig scherzweise als„Schwiegermutter Europas" bezeichnet. Die Verstorbene war von großem Haß gegen Deutschland erfüllt. Sie übte großen Einfluß auf ihren Schwiegersohn. Kaiser Alexander III. von Rußland, der sich mit ihr in der Abneigung gegen Deutschland eins wußte. Bei den vielen ver wandtschaftlichen Beziebungen zu europäischen Höfen lag es der Königin natürlich sehr nahe, diese Beziehungen politisch auszunntzen. Bekannt ist die Aeußerung des Fürsten Bismarck von den„vielen politischen Fäden, die von zarten Frauenhänden gesponnen, am Kopenhagener Hofe zusammenlaufen.“ Zuletzt soll die Königin noch ihren Einfluß auf die Beilegung des englisch=russischen Konfliks geltend gemacht haben. Ihre Bemühungen, den Zaren Nikolaus zur Intervention zu Gunsten Griechenlands im griechischtürkischen Kriege zu bestimmen, waren erfolglos geblieben.) Großbritannien. * London, 29. September. Wie der„Times“ aus Pekina gemeldet wird, fordert ein kaiserliches Edikt, in welchem die zunehmende Unpäßlichkeit des Kaisers beklagt wird, die Gouverneure der Provinzen auf, die besten Aerzte nach Peking zu senden.— Die„Times", meldet aus Shaughai: Nach einem offiziellen chinesischen Telegramm ist Yuna=Iu unter Beibehaltung der Würde des Vizekönigs von Tschili in Peking eingetroffen. Der neue Vizekönig von Sz'=tschwan, Kweitschun, ist Yunglus Oukel.— Einer Meldung der„Times“ aus Hongkong zufolge ist die Familie Kang==Weis' am 26. ds. nach Macao geflüchtet.— Da trotz zahlreicher Hinrichtungen der Aufstand in Kwang=si noch im Zu nehmen ist, kam der Gouverneur der Provinz am 21. M. durch Wu=tschau, um den Befehl über die zur Bekämpfung der Aufständischen bestimmten Truppen zu übernehmen. Den tuntsberbande Grubenunglück auf Zeche „Geueral Blumenthal“(Schacht III). * Recklinghausen, 28. September. Ueber das von uns gestern gemeldete schreckliche Grubenunglück auf Zeche„General Blumenthal" bringt die„Trem.“ einen ausführlichen Bericht, dem wir nachstehendes entnehmen. Schon wieder ist die Geschichte des westfälischen Bergbaues um ein furchtbares Ereignis reicher, wieder bat der unerbittliche Tod reiche Ernte gehalten und in manche brave Bergmannsfamilie eine schmerzhafte Lücke gerissen. Diesmal ist es nicht eine schreckliche Schlagwetter= oder Kohlenstaub=Explosion, wie sie vor etwa 2 Jahren sich auf dem Hauptschachte genannter Zeche ereignete, es ist ein anderes schreckliches Ereignis, durch welches die Aermsten zu Tode gekommen sind. Bei der Menschenförderung(es war nachmittags 2 Uhr, als die Morgenschicht ausfuhr und die Nachmittagsschicht einfuhr) ließ der Maschinist, der die Förbermaschine zu bedienen hat, den zu Tage fahrenden Korb nicht an der bestimmten Stelle halten, sondern fuhr denselben mit voller Gewalt unter den Schachtturm bezw. unter die Seilscheibe. Die Wucht des Aupralles war eine gewaltige, der Korb zerstörte einen Teil der Seilscheibe und brachte die Verankerung zwischen Förderseil und Korb zum Reißen. Da die Faugvorrichtung an einer Seite nicht funktionierte, sanste der Korb mit den darauf befindlichen Bergleuten (20 an der Zahl) in den 450 Meter tiefen Schacht hinab und verschwand in dem 15 Meter mit Wasser angefüllten Schachtsumpf. Die Gewalt des Auschlages unter den Schachtturm muß eine ganz gewaltige gewesen sein, auch der niedersausende Korb hat im Schachte, namentlich an den Spurbalken, große Verheerungen angerichtet. Die dicken Balken sind teilweise zersplittert. Mit welcher Gewolt der Korb unter die Seilscheibe getrieben ist, geht wohl am besten daraus hervor, daß das schwere handdicke Förderseil hoch im Bogen durch die Luft flog und einen Teil des Daches der Fördermaschinenhalle zertrümmerte. Die armen Bergleute, die sich auf dem Förderkorbe befanden, haben zweisellos einen schrecklichen Tod gehabt, einige von ihnen sind bei dem Anprall unter die Seilscheibe zerstückelt worden. Dem Bergmann Gräwe aus Recklinghausen wurde der Kopf vom Rumpfe, einem anderen ein Bein fortgerissen. Diese Körperteile fand man nach der Katastrophe auf dem Zechenplatze. Diejenigen Bergleute, welche sich auf dem Korbe behandezg der in dem Augenblick des Unglücks niederging, sind gast alle mit dem Leben davon gekommen, nur einer ist durch den harten Aufstoß aus dem Korbe geschleudert und zweisellos im Schachtsumpf ertrunken, die übrigen haben indessen auch mehr oder minder erhebliche Verletzungen davon getragen, einige wurdem dem Krankenhause überwiesen, andere konnten sich mit Hülfe ihrer Kameraden in ihre Wohnungen begeben. Die Bergung der Leichen, die sofort versucht wurde, is eine schwierige. Bevor man an den im Schachtsumpf sitzenden Förderkorb gelaugen kann, muß der Schacht erst repariert und ein neuer Korb eingebaut werden, was seldstverständlich nicht schnell von Statten gebt. Auch der Schacht gisumpft werden, da über dem Korde mehrere Meter Wasser stehen. Indessen sind die Arbeiten, wie das Reparieren des Schachtes und das Einbauen des Förderkordes sofort in Angriff genommen, damit die Toten so schnell wie möglich geborgen werden. Bis abends 10 Uhr wußte man die genaue Todesziffer noch nicht, es wurde uns aber versichert, daß es mindestens 23 seien. Auf welche Ursache das Unglück zurückzuführen ist. mag vorläufig dahingestellt bleiben. Zweifellos trägt der Maschinist daran Schuld. Es heißt er habe einem Lehrlinge die Steuerung der Maschine anvertraut und habe sich auch nicht bei der Maschine aufgehalten, um im entscheidenden Angenblick eingreifen zu können. Die über Tage arbeitenden Bergleute nahmen dem Maschinisten gegenüber nach dem Unglück eine drohende Haltung an und suchten sich seiner zu bemächtigen. Der Maschinist rettete sich aber durch einen Sprung durchs Feuster und flüchtete seiner Wohnung zu, aus welcher er jedoch nachher durch einen Gensdaim geholt und wieder zur Zeche gebracht wurde. Der Zechenplatz war während des Nachmittags von dichten Scharen umlagert. Angehörige der auf der Zeche Arbeitenden fanden sich ein, um sich nach den ihrigen zu erkundigen. Wieder sind viele Thränen geflossen. Zum 4. Male ist jetzt die Zeche„General Blumenthal" bezw. die dazu gehörigen Schächte von schwerem Unglück heimgesucht worden. Am 13. September 1883 kamen durch Explosion schlagender Wetter sechs Bergleute zu Tode, 10 Jahre später am 27. März 1893 raffte eine Explosion 19 Bergleute hin und am 19. November 1896 war es die furchtbare Explosion, die 28 Knappen dahinraffte. W Essen, 29. Septbr. Nach Mitteilung der Zechenverwaltung sind bei dem gestrigen Grubenungluck auf der Zeche„Generol Blumenthal“ 17 Personen getötet, 3 schwer und 6 leicht verletzt worden. Industrie, Handel und Verkehr. * Von jetzt ab können Postpakete ohne Wertangabe und ohne Nachnahme bis zum Gewicht von 3 Kilogramm nach Bolivien auf dem Wege über Hamburg und Chile versandt werden. Die Postpakete müssen frankiert werden. Die Taxe beträgt 4 M. für jedes Paket. Ueber die Versendungsbedingungen erteilen die Postanstatten nähere Auskunft. * Neuß, 29. September.[Fruchtbörse.] Neuer Weizen M. 17.10 do. engl. 1. Qual. M. 16,60, 2. Qual. M. 15,60 neuer Roggen, 1 Qual. M. 18,60, 2. Qual. M. 12,60 per 100 Ko., Haser 1. Qual. M. 15,30, 2. Qual M.—.—, neuer Haser M. 12,50 per 100 Ko., Kartosseln per 50 Ko. M.—— bis—.—, Heu per 50 Ko. M..— bis.— Luzernerheu per 50 Ko. M. 3,70, Maschinenstrob per 500 Ko. M. 16.— Flegeldrusch per 500 Ko. M. 18.—, Butter per Ko. M. 2,60, Eier per Schock(60 St.) M. 4,80, Naps per 100 Kilo 1. Qual. M 22.50, Raps per 100 Kilo 2. Qual. M. 19,50, Aveel(Rübsen) 1. Qual. M. 21.—, 2. Qual. M. 18,50 per Ko., Rüböl per 100 Ko. in Partien von 100 Ctr.(ohne Faß) M. 50.50, Rüböl per 100 Kilo saßweise(ohne Faß)., 52.—, gereinigtes Oel per 100 Ko. M. 3— höher als Rüböl, Preßkuchen per 1000 Ko. M. 95.—. Weizenvorschuß 00 per 100 Ko. M.—.—, Kleien per 50 Kilo M..80. * Magdeburg, 29. September. Zuckerbericht. Kornzucker exkl. 88 pEt. Rendement 10,55—10,70. Nachprodukte exkl. 75 pCt. Rendement .35—8,65. Ruhiger. Brodraffinade I. 24,00—00,00. Brodraffinade II. Gem Brodraffinade mit Faß 23,87½—24,25. Gem. Melis I. mit 23.25. Ruhig. Rohzucker 1. Produkt Transito s. a. B. Hamburg pr. September.40 Bd.,.47½ Br., pr. Oktober 9,70 Gd., 9 72½ Br., pr. November=Dezember 9,72½ Bd., 9,75 Br., pr. Januar=März 9,92½ Gd., 9,97½ Br., pr. April=Mai 10,05 Gd., 10,10 Br.— Schwächer. * Hamburg, 29. September. Kassee go0d average Santos pr. Dezember 32, pr. Mai 32¾. Ruhig. * Hamburg, 29. September. Zuckermarkt. Rüben=Zucker 1. Produkt Basis 88% Rendement neue Usance frei an Bord Hamburg pr. September.42, pr. Dezember 9,75, pr. März 10,00. Ruhig. * Hamburg, 29. September. Petroleum fest. Standard white loko 6,50 Br * Bremen, 29. September. Nastiniertes Petroleum.(Offizielle Notierung der Bremer Petroteum=Börse.) Loko 6,70 Br. * Amsterdam, 29. September, Java=Kassee good ordinary 35½. * Antwerpen, 29. September. Petroteummarkt. Schlußbericht.) Raffiniertes Type weiß loko 18 3/8 bez und Br., pr. September 18 5/8 Br. pr. Oktober 18 5/8 Br., pr. Januar=April 19 1/8 Vr. Steigend. Schmalz pr. September 66½. * Paris, 29. September. Rohzucker ruhig, 83% loko 34 3u½. Weißer Zucker ruhig, Nr. 3, pr. 100 Kllogramm pr Septbr. 30⅝, pr. Oktober 31½, pr. Oktober=Januar 31¾, pr. Januar=April 32⅜. * Havre, 29. September. Kassee good average Bantos pr. Septbr. 36,25, vr. Dezember 38,50, vr. März 38,75. Behauptet. * Glasgow, 29. September. Roheisen. Mized numbers warrants 48 lb. 4½ d. Warrants Middlesborough III. 43 fh. 3½ d. * New=York, 29. September. Ansangskurse. Weizen pr. Dezember 69¼. Mais pr. Dezember 34⅞8. * New=York, 28. Septhr. Petroleum Stand white in New=York 6,85. Petroleum Stand white in Philadelphia 6,80. Petroleum Refined(in Cases) 7,50. Betroleum Credit Balances at Oil City 106. Schmalz Western steam 5,12. Schmalz Rohe und Brothers.40. Weizen pr. September 76½, pr. Oktober—, pr. Dezember 69½, pr. Mai 69. Kassee fair Klo Nr. 7 6 1/8. Kassee Rio Nr. 7 pr. Oktober.40. Kassee Rio Nr. 7 pr. Dezember 5,80. Zucker 3¾. Kursbericht der Berliner Börse vom 29. September. mitgeteilt von der Bergisch=Märkischen Bank, Hagen. 3½% Deutsche Reichsanleihe(101.50 3% 98.20 3½% Preus. Consols 101.30 %.„„ 99 75 3½% Rhein. Provinziel=Oblig. 1100. 3½% Dortm. Stadtank. 3½% Elders.„— 3½% Hagener„— 4% Wests. Pfandbriefe[101.20 4% Rhein.=Westfäl. Rente 102.40 %% vo. 90.— Oesterr. 4% Gülber=Reute 100.50 „ 4% Geld=Rente 102.30 Ungar. 4½% Eisend.=Goldauk. 101.40 " 4½% Seid=Invest=Anl. 101.60 Ruff. 4% Anleibe v. 1894 Chinef. 5% Anleihe v. 1996 98 75 Italien. 5% Rente 92.10 Mexie. 6% Anl. v. 1892 New=Yorker 6% Stadt 105.90 Rumän. 4% v. 1896 95.— „ 5% sund. 101.— Denk. Ermsschuldsr. 312% Psanddr. unddd. d. 1906 99.— Gethaer 4% VI. Psandbr. unddb. bis 1900 100.25 Hamburg 4%"„„ 109.— Preut. 4% Central„ 100.— Rhein.=Wesis. 4%„„ 1905 102.— "„ 3½%„„ 1904 99.90 Wesideutsche 4%„„ 1901/102.25 „ 4% II. kundb. 100.70 " 9½% unddb. bis 1905 100.— nng. D. Kleinbahnges. NIl. Dortm.=Ensched. Eisend. Akt. *"" Gl.-Prier. Perg.=Mürk. 3½5% Eisend, Gri. Dortm.=Eronauer 3½% 139.75 131.90 99.10 99.75 Jwang.=Dombr. 4½(.) Priort. Mosco=Rsüsan 4%(.) „ Smolensk 5% Warschau=Wien 4% Itallen 3% gar. Anatol.(gar.) 5% Transvaal 4% Gung mürch. Beni Berliner Handeisges. Deutsche Bank Discontoges. Dortm. Bankverein Dresdner Bank Essener Credikanstalt Schaaffhaus. Bankverein Aügem. Eleetrie. 4% Colng. Elberf. 4½% Farbenf.(rzb. 105) Hagen. Textil Oblig.(rzb. 105) Krupp. 4% Anl. Wesisäl. Drahi(108) 4½ Oblig. Ak.=Ges. s. Montan=Industrie Accumulatoren=Fabrik AIt Baroper Walzwerk Bochumer Gußstahl Dortm. Union St.=Prt. Gillenkirchener Bergw. Gußstablwerk Witten Hagener Gußstahl Harpener Bergbau Hoerder Vorzugs=Akt. Lonise Tiefdan Akt. ** Gt.=Nr. Märk. Maschinenb.=Anst. Pluto Aktien Schalker Grud. Aktien Unna Lindenbraueret Wissener St.=Ori. 100.90 101.60 18.50 17.60 102.75 161.50 165.75 201.— 198— 16070 144.— 149.90 101.10 105.20 101.90 101.80 102.80 190.— 175. 88.50 226. 96.25 191.25 224.50 12990 175 75 109.90 75.— 108.— 147.90 334.— 358.75 159.25 165.30 * Tendenz: Ziemlich fest. Fonds- und Aktien=Börse. * Berlin, 29 September. Am Anschluß an die wesentlich gebesserte Haltung der auswärtigen Börsen eröffnete die hiesige worse recht fest. Eine größere geschäftliche Bewegung hatten die Hütten=Aktien aufAuch das Gebiet der Bank=Aktien wies Regsamkeit auf. Mit Beginn der zweiten Börsenstunde machte sich Angebot bemerkbar, von welchem namentlich die Montanpapiere sowie einzelne Bank=Aktien betrossen wurden. Die Börse schloß ziemlich schwach. Das Gebiet der Eisenbahn=Aktien war ruhig. Von den Prioritäts=Obligationen sind österreichische und russische als bevorzugt zu bezeichnen. Auf dem Markte für fremde Renten war wenig zu thun. Die vortugiesischen Papiere zogen in den Kursen an. Auch auf dem Markte für Kassaindustrie=Papiere überwog das Angebot; die Rückgänge sind indeß hier nicht beträchtlich. Der Privatdiskont notierte 3¾ pEt., für tägliches kurzes Geld wurden###t bewilligt. 18 Schltnacheichter Kaiserliche Marine. Laut telegraphlicher Meldung an das Ober-Konnnaube der Marine „Schwalbe’. Rommanbant Nervetten-Rapithn Höpner, am 20. September in Lourenco Marquez angekommen und beabsichtigt am 2. Oktober nach Kapstadt in See zu gehen.„Habicht“, Kommandant Korvetten=Kapitän Schwartzkopfs, ist am 28. September in Lagos eingetroffen und am 29. September von da nach Fernando Po in See gegangen. Norddeutscher Lloyd. „Kaiser Wilhelm II.“ am 28. September, 3 Uhr morgens in New=York angekommen.„Roland“, am 28. September, 8 Uhr morgens in Baltimore angekommen.„Mark“, am 28. September die Reise von Buenos Aires nach Bremen angetreten.„München“, am 28. Septbr. von Baltimore nach Bremen abgegangen.„Trave“, am 29. September, 2 Uhr morgens von New=York in Bremerhaven angekommen.„Lahn", am 29. September, 1 Uhr morgens von Bremen in New=York angekommen. Hamburg=Amerika=Linie. „Pennsylvania“ von New=York kommend, am 28. September, abends 11 Uhr in Cuxhaven eingetroffen. Westfälisch=Rheinisches. * Hagen, 30. September.[Zur Landtagswahl.] Der Fortschrittliche Verein„Fritz Harkort“ ladet für morgen Samstag abend 8 Uhr seine Mitglieder, sowie alle Parteigenossen zu einer General= versammlung im Lokale des Herrn Heimbeck, Hochstr. 72 ein. Da die bevorstehende Landtagswahl zur Erörterung steht, ist ein zahlreicher Besuch driugend zu wünschen.— Sonntag den 2. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet im unteren Saale des Herrn Heimbeck eine freisinnige Bertrauensmänner=Versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Besprechung über die Landtagswahl, sowie die Aufstellung der Kandidaten. Da auch sonstige wichtige Gegenstände zur Beratung stehen, bitten wir alle Vertrauensmänner, in Anbetracht der Wichtigkeit der Beratungen zu erscheinen. * Hagen, 30. September.[Fahrplan.] Mit dem 1. Oktober tritt der diesjährige Winterfahrplan in Kraft. Wir überweisen un ern Abonnenten als Beilage zur vorliegenden Nummer den für die hiesige Gegend zusammengestellten Auszug. * Hagen, 30. Sept.[Die Störungen im Fernsprechverkehr.] Auf die gemeinsame Beschwerde der Handelskammern zu Duisburg, Barmen, Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Mülheim a. d. R. und Solingen, sowie des Vereins für die berabaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund in Essen, des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen zu Düsseldorf und der Nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und StahlIndustrieller in Düsseldorf über die Störungen des Fernsprechverkehres im Industriebezirke durch die elektrischen Straßenbahnen hat der Herr Staatssekretär des Reichspostamtes der Handelskammer zu Duisburg laut„Ry.= u..=Ztg.“ gestern folgenden wichtigen Bescheid zunehen lassen:„Die Schwierigkeiten, welche dem Betriebe der Fernsprechanlagen dort und anderwärts aus der Nachbarschaft elektrischer Straßenbahnen erwachsen, werden sich in ausreichendem Maße nur durch Uebergang zum reinen Doppelleitungsiystem für die Fernsprechleitungen beseitigen lassen. Ich bi## bereit, baldigst Schritte behufs etatsmäßiger Bewilligung der sehr erheblichen Summen zu thun, welche die allmähliche Durchführung dieses Systems erfordert. Ich möchte indes nicht unterlassen, schon jetzt zu bemerken, daß ich die Maßregel, welche mit einer ausgedehnten Umwandlung des oberirdischen Leitungsnetzes in ein unterirdisches verbunden sein muß, nur dann für ausführbar erachte, wenn gleichzeitig die Rechte der Reichs-Telegraphenverwaltung an der Benntzung der öffentlichen Wege gesetzlich sicher gestellt werden. * Hagen, 30. September.(Ursprungszeugniszwang in Spanien.] Im„Reichsanz.“ wird mitgeteilt, daß in Spanien infolge einer Eingabe des Syndikats der Zollagenten in Port Bon für alle diejenigen Postpaketsendungen, welche eine in mehrere Teile zerlegte größere Sendung von Handelswaren darstellen, der Ursprungszeugniszwang eingeführt worden ist, und zwar ist für jedes einzelne Postpaket ein Ursprungszeugnis nötig. Dagegen bleibt die Einrichtung erbalten, daß bei den Post sendungen eine Mitwirkung von Zollagenten an der spanischen Grenze zur Verzollung und Weiterexpedition nicht stattfindet, sondern daß dies von den Eisenbahnen besorgt wird. O Hagen, 30. Septbr.[Der Marine=Verein Hagen] unternahm am Jetzten Sonntag nachmittag, trotz des zweifelhaften Wetters, einen Familienausflug nach dem Lokale des Kameraden Herrn Otto Killing Delstern. Dortselbst trafen denn auch viele Kameraden und Gäste mit ihren Familien ein und gingen vor Anker. Nach einer kurzen Ansprache durch den Vorsitzenden, Jamerad H. Kreß, sowie nach Ausbringung eines kräftigen bip bip Hurra auf den Kaiser wurde an den gebotenen Belustigungen und Spielen teilgenommen. Große Freude bereitete das lant Programm angekündigte echte Marine=Essen„Labskaus“, welches in vorzüglicher Weise hergerichtet war. Nach frohen Tänzen und heiteren Vorträgen wurde die Heimreise nach 10 Uhr angetreten, und ist wohl jeder im heimischen Hafen eingelaufen mit dem Gedanken, einen vergnügten Tag verlebt zu haben. O Hagen, 30. Septbr.[Der Wehringhauser Turnverein) feiert Sonntag, den 2. Oktober in seinem Vereinslokale J. Möllenberg sein 35. Stiftungsfest, bestehend aus Concert, Schauturnen, Festrede, Turnspiele und Festball. Da die früheren Feste des Vereins sich stets eines sehr guten Besuches zu erfreuen hatten, so kann wohl mit Recht erwartet werden, daß auch diesmal das Publikum dem Verein seine Mühen und Aufwendungen durch zahlreichen Besuch lohnen wird. e- Hagen, 30. Septbr.[Diebin.] Die 18 Jahre alte Dienstmagd A. R. stahl in einem unbewachten Augenblick einer hiesigen Frau, der sie einen Besuch abstattete, eine Uhr sowie einen Trauring. Die Bestohlene erstattete Anzeige, worauf die Diebin bei der Polizei die gestohlenen Sachen herausrückte. Da sie schon öster solche Mampulationen gemacht hat, wird wohl eine Bestrafung sie wieder auf einen besseren Weg bringen. (O Vogelsang, 29. September.[Der Turnverein Berge=Westerbauer] feiert am Sonntag, 2. Oktober in Gemeinschaft mit dem Gesangverein„Harmonie“= Westerbauer sein diesjähriges Abschiedskränzchen zu Ehren der zur Fahne einberufenen Mitglieder im Lokale der Wwe. W. Aufermann in Delle bei Vogelsang. Durch turnerische und theatralische Aufführungen, sowie Gesangvorträge wird sich die Feier voraussichtlich zu einer recht würdigen gestalten und wünschen wir den Vereinen ein volles Haus. O Herdecke, 29. September.[Ein bedauernswerter Unglücksfall] traf heute mittag die Familie des Schlossermeisters C. Demdröter hierselbst. Das vierjährige Mädchen desselben machte sich in einem unbewachten Augenblick in der Schmiede zu schaffen, wobei es mit einer Hand zwischen die Kammräder einer neuen Bohrmaschine geriet. Nur mit größter Mühe konnte die vollständig zerquetschte Hand befreit werden, wobei das arme Wesen die größten Schmerzen zu erleiden hatte. Hoffentlich geht die Heilung so gut von statten, daß dem Kinde die Hand erhalten bleibt. 0 Herdecke, 29. Sept.(Am hiesigen Seminar) wird am 1. November d. J. die Parallel=Klasse zu der dritten Seminar=Klasse gebildet werden. Zu Ostern nächsten Jahres soll die Zahl der Lehrer verdoppelt werden, was voraussichtlich auch eine weitere Steigerung der Schülerzahl zufolge haben wird. * Herdecke, 30. Septbr.[Haus= und Ornnd besitzer=Verein.] Der Verein ladet seine Mitglieder“ und sämtliche Geschäftsinhaber zu einer Versammlung auf heute Freitag abend 8½ Uhr im Vereinslokale bei Herrn H. Sieberg ein, um ein einheitliches Vorgehen betreffs des Geschäftsschlusses herbeizuführen. Als zweiter Gegenstand der Tagesordnung soll unsere Verbindung Hagenderdecke=Dortmund nochmals eröriert werden. = Wetter, 28. September.[Spar= und Bauverein.] Zwecks Gründung eines Spar= und Banvereins findet Samstag, 1. Ottober, abends 9½ Uhr im Kaiser, saale des Herrn Overbeck eine öffentliche Versammlung statt, in der der Sekretär des Spar= und Bauvereins Witten, Herr W. Bougers, einen Vortrag über den genannten Verein halten wird. Das Grundprinzip der Genossenschaft besteht außer dem Zweck, den Sinn zum Sparen zu erwecken, darin, dem Unbemittelten die Vorbedingung zu einem geordneten Familienleben, eine gute Wohnung zu schaffen, ein Ziel, das der Einzelne aus eigener Kraft mit seinen beschränkten Mitteln heute leider nicht mehr erreichen kann. Es sind bereits viele Arbeiter und Handwerker gesonnen, dem Verein beizutreten. Hoffentlich werden die Gemeindevertretung und die Behörde sowie die Herren Arbeitgeber der zu bildenden Genossenschaft ihre thatkräftige Unterstützung angedeihen lassen. 8 Gevelsberg, 29. September.[Unfall auf der Thalbahn.] Beim Rangieren eines Güterzuges in der Station Milspe=Thal lösten sich heute vormittag kurz vor 12 Uhr zwei schwer beladene Güterwagen und rollten der Station Gevelsberg=Haufe zu. Mit der zunehmenden Entfernung nahm auch die Geschwindigkeit der sollenden Wagnons zu. Da anscheinend die Bremsvorrichtung versagte, suchte der auf dem hintersten Wagen befindliche Bremser durch Rufen und Winken die Passanten der Kölnerstraße auf die Gefahr aufmerksam zu machen. Der Stationsbeamte in Gevelsbera=Haufe ließ die Wagen in das Entladegeleis auf leerstehende Wagen auffahren, wodurch ein Unglück verhütet wurde. Der Materialschaden ist nicht von erheblicher Bedeutung. Brügge, 28. September.[Beisetzung.] Heute wurden die sterblichen Ueberreste des vor ungefähr Jahresfrist in Bonn verstorbenen Herrn v. Holtzbriuck von Hans Habbel bei Herscheid, die vorläufig in Bonn beigesetzt waren, mit der Eisenbahn von dort nich hier überführt. Von bier wurde die Leiche nach Haus Oederthal überführt, um daselbst in der neu angelegten Familien= gruft beigesetzt zu werden. Herr v. Holtzbrinck war früher längere Zeit Lundrat des Kreises Hagen. * Witten, 29. September.[Bestrafter Bierfälscher.] Billiges Malzbier wußte sich der Flaschenbierhändler St. D. hierselbst zu verschaffen, indem er das gewöhnliche dunkle Bier mit Saccharin versüßte und dann dieses Getränk unter der falschen Flagge in den Handel brachte. Seine unsaubere Manipulation kam heraus und hatte er sich heute wegen Betrugs vor dem hiesigen Schöffengerichte zu verantworten. Der Gerichtshof nahm an, daß kein Betrug vorliege; der Angeklagte wurde jedoch wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt, auch wurde auf Publikation des Urteils erkannt. np Rousdorf, 29. Sept.[Unrentable Unternehmungen] sind immer noch die Ronsdorf=Müngstenerund die Wermelskirchen=Buraer Schmalspurbahnen. Beide haben im Betriebsjahre 1897 mit Verlust abgeschlossen. Erstere hatte eine Betriebseinnahme von 88972 Mark, denen an Betriebsausgaben 84856 Mark gegenüberstanden. Da aber 9296 Mark zu Rücklagen verwendet werden mußten, so beträgt der Verlust 4098 Mark. Die Bahnanlagen stehen mit 1039203 Mark zu Buch. Im Jahre vorher wurden bei einem Aktienkapital von 1022000 Mk. .35 Mark Dividende pro Aktie bezahlt. Bei der Wermelskirchen=Burger Schmalspurbahn, deren Aktienkapital 500000 Mark beträgt und deren Bahnanlage einen Buchwert von 509446 Mark hat, erhöhte sich der aus dem vorigen Betriebsjahre(1896) übernommene Fehlbetrag von 38868 Mark auf 43668 Mark. * Elberfeld, 28. September.[Ein eigenartiger Betrugl ist heute hier aufgedeckt worden. Der Lehrling einer hiesigen Firma hatte vor längerer Zeit einen Geldbetrag von 208 M. bei der Post einzuzahlen, gleichzeitig aber auch drei Einschreibebriefe abzuliefern. Im Postnittungsbuche waren nun die drei Einschreibebriefe einK getragen und als vierte Position die Postanweisung. Da nun der Empfang von Einschreibebriefen und Postanweisungen an verschiedenen Postschaltern zu geschehen hat, so lieferte der 15 Jahre alte Bursche zunächst die drei Einschreibebriefe ab, der Beamte quittierte auch darüber, indem er, wie üblich, die drei Positionen einklammerte und dann den Quittungsvermerk machte. Ob nun diese Klammer etwas zu weit gezogen war, sodaß es den Anschein hatte, als ob die vierte Position— die Postanweisung betreffend— mit in diese Quittung einbezogen war, oder ob der Jüngling noch etwas nachgeholfen, kurz und gut, der Lehrling zahlte das Geld nicht ein, sondern unterschlug dasselbe. Nach einiger Zeit wurde nun die Firma an die Zahlung der 208 M. erinnert; man wurde stutzig, umsomehr, als der Junge frech behauptet, das Geld eingezahlt zu haben. Die Firma wandte sich beschwerdeführend an die Post, welche sofort eine eingebende Untersuchung einleitete. Heute nun hat der leichtsinnige Bursche einem Beamten der Kriminalpolizei eingestanden, das Geld unterschlagen zu haben. * Radevormwald, 27. September.[Feuer.] Heute kurz nach 3 Uhr nachmittags ertönte das Signal für auswärtigen Brand in unserem Städtchen. Der Feuerberd war 5 bis 8 Minuten weit von der Grenzlinie der Stadt entfernt. Die Kegelbahn des Wirtes und Ackerers Wilhelm Kleinschmidt stand in hellen Flammen. Das Feuer fand reichliche Nahrung, da im Kegelhause 7 bis 8 Karren Hafer und am Kegelaussetzende einige Karren Heu lagerten. Den herbeigeeilten freiwilligen Feuerwehren von Radevormwald und Herbeck gelang es mit vieler Mühe, das nur wenige Meter vom Kegelhause entfernte Wohnhaus, sowie die Scheune und Stallungen vor der Einäscherung zu bewahren.— Ueber die Entstehungsursach: des Feuers weiß man noch nichts bestimmtes, man glaubt indessen, daß Kinder die Hand im Spiel gehabt haben. Weder Gebäude noch Inhalt sollen versichert gewesen sein, sodaß dem Betroffenen ein nicht unbedeutender Schaden erwachsen ist. * Düsseldorf, 28. September.[Ein Neger wegen Mordes vor Gericht.] Das Schwurgericht verurteilte den Neger Lebal Gora aus Dafur in Aegypten, der seiner Zeit, als die sudanesische Karawane hier weilte, seine Frau in einer Eifersuchts=Sceue mit einem Dolche so schwer verletzte, daß der Tod bald nachher eintrat, wegen Körperverletzung mit tötlichem Ausgange zu 2 Jahren Gefängnis. * Leithe, 28. September.[Eine gräßliche Mordthat] wurde gestern abend gegen 10 Uhr auf dem sogenannten Langen=Hof hierselbst verübt. Der jugendliche Bergarbeiter Cail Walter von Lohrheide hatte seine bei einem Landwirt wohnende Braut besucht und wollte sich auf den Heimweg machen. Unterwegs wurde er von einem polnischen Bergmann aus Rotthausen, der von zwei Kumpanen begleitet war, durch drei Revolverschüsse tötlich verletzt. Der Thäter und seine Begleiter ergriffen sofort die Flucht. Das Motiv des Menchelmordes soll Eifersucht sein. Der Erschossene war der einzige Ernährer seiner betagten Mutter. Als Herr Dr. Böller aus Wattenscheid zu Rad nach dem Thatorte eilte, wurde er von einem Strolche angefallen und zu Boden geworfen. Zwei des Weges kommende Gendarmen nahmen den rohen Patron, der einen sog. Totschläger bei sich führte, fest und brachten ihn in das Gerichtsgesäugnis, woselbst die Untersuchungshaft über ihn verhängt wurde. * Mainz, 27. September.[Unterschlagung.] Der 27jährige Postgehülfe Heinrich Hummel aus Mainz zuletzt in Wöllstein am Postamt beschäftigt, wurde heute vom Schwurgericht wegen Unterschlagung im Amte und Fälschung der Register und Bücher zu 2 Jahren 7 Mon. Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Von dem gestohlenen Gelde in Höhe von 10900 M. hatte er bei seiner in Mülhausen erfolgten Verhaftung den größten Teil des Geldes, bis auf 450 M. noch bei sich. W Wien, 29. Septbr. Das„Neue Wiener Abendblatt“ meldet: In den Kreisen der Rechten des Abgeordnetenhauses wird die Nachricht verbreitet, daß Handelsminister Dr. Bärnreither heute offiziell seine Demission überreicht habe. Der Schritt des Handelsministers stehe mit der Haltung des Kabinetts gegenüber dem Antrage des verfassungstreuen Großgrundbesitzes in Zusammenhang. Offiziell wird die Nachricht nicht bestätigt. W Budapest, 29. September. Heute begann die Schlußverhandlung gegen die Tagelöhner Muzsik, Hartmann und Kovacs wegen angeblicher Verschwörung gegen das Leben des Kaisers Franz Josef. Im Laufe der Verhandlung ergab sich, daß die Angelegenheit in nichts zusammenschrumpft. Die Angeklagten erklärten, sie hätten wohl davon gesprochen, aber nie im Ernst an die Ausführung der That gedacht, hierzu seien sie viel zu seige. Sie bätten niemals in der Nähe der Margarethenbrücke eine Dysamitmine gelegt und könnten überhaupt mit Dynamit garnicht umgehen. Die Verhandlung dauert fort. W Budapest, 29. Septbr. In Orsova wurde ein Mann verhaftet, gegen welchen mehrere Anzeichen vorliegen, daß er ein Attentat auf den König Karl von Rumänien unternehmen wollte. Derselbe war im Besitze eines auf den Namen Milos Demetravics lautenden, vermutlich falschen Passes. Bei dem Verhafteten, der schon früher der Orsovaer Polizei signalisiert war, wurden ein Fläschchen mit Gift, ferner ein Dolch und verschiedene andere Waffen gefunden. W London, 29. September. Nach einer Depesche des„New Yoik Herald“ aus Kingston auf Jamaica haben sich die Mestizen in dem Küstengebiet empört und sich der Grundstücke der Engländer bemächtigt, welche in die Stadt fliehen. Die Regierung trifft Maßregeln, um die Unruhen zu unterdrücken. W London, 29. Sept. Die Kaiserin Friedrich ist hier eingetroffen und hat sich nach dem BuckinghamPalast begeben. Morgen oder am Sonnabend beabsichtigt die Kaiserin nach Balmoral abzureisen. W Konstantinopel, 29. September.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.=Korresp.=Bureaus.) Wie verlautet, soll der Sultan geneigt sein, die angeregte Konferenz gegen die Auarchisten zu beschicken und die Anwendunn der zu beschließenden Maßregeln auch gegen das jungtürkische und gegen das armenische Komitee zu beantragen.— In der gestrigen Sitzung des Marinerates, welche bis abends dauerte, war Gegenstind der Beratung die neue Note der Mächte bezüglich Kretas.— Der russische Admiral Skrydlow hat die Vollmacht seiner Regierung zur Vollstreckung der gegen die Anführer ergangenen Todesurteile erhalten. Durch Fernsprecher gemeldet: * Berlin, 30. September. Gestern abend entstand wieder ein Dachstuhlbrand in Moabit. Man vermutet Brandstiftung. * Berlin, 30. September. In Budapest wurde der Juwelendieb Liebermann, der hier, Wien und Berlin Diebstähle ausführte, verhaftet. 3 Budapester Juweliere sind als Hehler verhaftet. * Berlin, 20. September. Die Morgenblätter melden aus Koburg: Der Ministerial=Assistent Krausche ist wegen Fälschungen von Unterschriften seines Vorgesetzten unter Gehaltsquittungen verhaftet worden. * London, 30, Sept. Das„Reuterbureau“ meldet aus Paris: Aus guter Quelle verlautet, das Ultimatum an den Sultan betr. Kreta ist gestern überreicht worden. * L o n d o n, 3 0. S e p t h r. D i e„ T i m e s“ m e l d e t a u s Peking: Sechs Anhänger der Reformpartei, darunter der Bruder Cang=Yumais und der Sohn des Gouverneurs von Hupe sind wegen Verschwörung gegen die Kaiserin=Mutter hingerichtet worden. Die Stadt ist ruhig. Wetterbericht. Wetterbericht vom 29. September, nachmittags. Die Rinne niederen Drucks, die gestern von Westdeutschland anrückte und die bereits gestern vormittag in Westdeutschland ausgedehnte Regenfälle veranlaßte, ist dann im Laufe des Tages ostwärts fortgeschritten, so daß bereits am Nachmittag und Abend auch im mittleren Deutschland Regen eintrat. Die Niederschlagsmengen waren meist ziemlich beträchtlich: die Windrichtung ist nun wieder nordwestlich. Da von Südwest her ein neues Maximum sich auszubreiten beginnt, so dürfte demnächst wieder Besserung zu erwarten sein. Voraussichtliche Witterung am 1. Oktober. Abwechselnd heiteres und wolkiges, meist trockenes, nachts kühles, am Tage mäßig warmes Wetter. Briefkasten der Redaction. Nach„.“ Für junge Leute, welche die Laufbahn des höheren Elektrotechnikers einschlagen wollen, ist das Reifezeugnis eines Gymnasiums oder Realaymnasiums erforderlich. Sodann 4 Jahre lang der Besuch einer technischen Hochschule, oder der staatlichen Ansalten in Chemnitz, Reichenberg u. a. Dem Besuche der Hochschule hat 1 Jahr praktische Arbeit in einer kleinen Fabrik der Brauche vorherzugehen. Für die mittlere elektrotechnische Laufbahn genügt der Berechtigungss hein zum einjährigen Dienst, der Besuch einer Fachschule wie Mitweida, Frankfurt a. M. u. a. Auch hier ist 1 Jahr Praxis vor dem Besuche der Fach chule zu empfehlen. Verantwortl. f. d. polit. u. allgem. Teil Carl Maron, für den provinziellen Teil Carl Hartenfels, für die Anzeigen G. E. Krüner, sämtlich in Hagen. ursache und 88. Der Gelehrte, der Schreiber, kurz jeder Brillen tragende, der beim Arbeiten von Zeit zu Zeit die Brille oder das Pince-Nez bei Seite legt und sich mit der Hand über die ermüdeten Augen fährt, um dem gequälten Sehorgan Linderung zu schaffen, legt sich wohl kaum Rechenschaft von der Ursache dieser fast unwillkürlichen Bewegung ab. Der Grund dazu ist, daß er zumeist bei der Anschaffung seiner Brillengläser eine Sparsamkeit entwickelt hat, die er beim Kauf eines jeden anderen, oft weit weniger notwendigen Artikels des täglichen Bedarfes lächerlich finden würde. Die Einsicht dieses Fehlers kommt leider oft zu spät, wenn, infolge allzugroßer Sorglosigkeit, in meist noch frühem Alter, die kostbarste aller Gaben, das Augenlicht, für immer schwach geworden ist, während dasselbe durch eine gewissenhafte Auswahl der Brillengläser meist noch für lange Jahre hinaus hätte erhalten werden können. Als ein wesentlicher Fortschritt in dieser Richtung sind, die auch bei uns schon bekannten IsometropeGläser zu bezeichnen, welche aus optischer Präzisionsalasmasse gefertigt sind, weniger starke Kurven haben als die gewöhnlich gebräuchlichen Brillengläser, und daher einen wohlthuenden Schutz gegen die Ermüdung der Augen bilden. Diese Isometrope=Gläser sind, wie wir hören, auch hier und zwar bei Herrn Optiker Ed. Dupré zu haben. L—— 20613 in der größ. evangel. Gemeinde. Sonntag den 2. Oktober. (Erntedankfest.) In der Johanniskirche. Morgens 8 Uhr: Frühpredigt: Pastor Dreisbach. Morgens 10 Uhr: Hauptpredigt: Pastor Leussen. Der Kindergottesdienst fällt aus. In der Lutherkirche. Morgens 9½ Uhr: Beichte Pastor Krüger. Morgens 10 Uhr: Hauptpredigt: Pastor zur Nieden. Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst Pastor Leussen. In der Christuskirche. Morgens 9½ Uhr: Hauptpredigt: Pastor Grawert. Nach dem Gottesdienst: Beichte u. Abendmahl: Pastor Grawert. Morgens 11¼ Uhr: Kindergottesdienst: Pastor Grawert. In Eppenhausen. Morgens 9½ Uhr: Beichte: Pastor Koetter. Morgens 10 Uhr: Gottesdienst und Feier des h. Abendinahls: Pastor Koetter. In Halden. Nachmittags 4 Uhr: Gottesdienst Predigt Pastor Koetter. Sonntag den 2. Oktober. Nachmittags 4 Uhr: Biblische Besprechung mit Konfirmandinnen und Jungfrauen in der Kleinkinderschule zu Eilpe: Pastor Grawert. Nachmittags 4½ Uhr: MarthaVerein in der Böhmerstr. Nachmittags 4½ Uhr: Versammlung der koufirmierten Mädchen bei Pastor Dreisbach. Sonntag den 2. Oktober. Nachmittags 3½ Uhr: Gemeindeversammlung im evangel. Vereinshause(Weststraße) zur 50jährigen Jubelfeier der inneren Mission, wo verschiedene Geistliche Ansprachen und Berichte halten werden. Dienstag den 4. Oktober. Abends 8½ Uhr: Bibelstunde im Kinderlehrsaal des Pastors Graeber(Gartenstr.). Abends 8½ Uhr: Bibelstunde im Lokale der Kleinkinderschule zu Wehringhausen: Pastor Leussen. Mittwoch den 5. Oktober. Abends 8½ Uhr: Bibelstunde im evang. Vereinshause zu Altenhagen: Pastor Dreisbach. Abends 8½ Uhr: Missionsverein Arndtstr. 9: Hülfspr. Blase. Donnerstag den 6. Oktober. Nachmittags 2 Uhr: KarolinenVerein im blauen Kreuz. Missions=Strickverein im blauen Kreuz. Ausfertigung d. Tauf= 2c. Atieste im Küsterhause. In der evangelisch=reformierten Kirche. Sonntag den 2. Oktober. (Erntedankfest.) Morgens 9½ Uhr: Vorbereitung zum heiligen Abendmahl. Morgens 10 Uhr: Hauptpredigt: Hülfsprediger Beckmann. Feier des heiligen Abendmahls. Donnerstag den 6. Oktober. Abends 8 Uhr: Missionsstunde. Evang. luth.(altluth.) Gemeinde. (In der altkathol. Kirche.) Sonntag den 2. Oktober. Nachmittags 4 Uhr: Predigt: Kandidat Schott. Todes-Anzeige. Statt besonderer Anzeige. Gott dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen diese Nacht 1 Uhr unsern lieben und guten Vater, Schwiegervater, Grossvater, Schwager und Onkel, den Postboten a. D. TOTN. Altkatholische Gemeinde. Sonntag den 2. Oktober. Gottesdienst. Die glückliche Geburt von 2 gesunden, prächtigen Knaben zeigen hocherfreut an Dr. Rohmann und Frau, Mathilde geb. Lehmann. Hannover, 80. Sept. 1898. Aummmm Gegen den unten beschriebenen Schlosser Wilhelm Dreischer zu Altenhagen, welcher sich verborgen hält, ist die Untersuchungshaft wegen Raubes verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das nächste Gerichtsgefängnis abzuliefern und Nachricht zu den Akten 3 V. U. 43, 98 hierher gelangen zu lassen. Hagen, den 27. Septbr. 1898. Der Antersachungerichter dem Königl. Landgericht. Zeschreibung: Alter: 21 Jahre. Größe 1,70—75 m. Statur: schlank. Haare: blond. Stirn: hoch. 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Gemäß§ 4 des Reglements über die Ausführung der Wahlen zum Hause der Abgeordneten vom 18. September 1893 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Urwählerlisten für die am 27. Oktober d. I vorzunehmende Neuwahl für das Haus der Abgeordneten bei den unterzeichneten Gemeinde=Vorstehern(für die Gemeinde Eckesey im Amtshause zu Altenhagen) drei Tage lang und zwar vom 3. bis einschließlich 5. Oktober d. J. zur Einsicht offen liegen. Innerhalb der vorbezeichneten Frist steht es Jedem frei, gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Listen seine Einwendungen bei mir schriftlich anzubringen oder zu Protokoll zu geben. Boele, Delstern, Altenhagen, Eppenhausen, Fley, Halden, Herbeck, Holthausen und Vorhalle, den 28 September 1898 Die Gemennde=Vorsteher. Bracht, Killing, Wortmann(Amtmann), Risse, Fischer, Schnöring, Redlinghaus, Ribbert, Kirchberg. Die Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung eines Bahnmeister Magazins auf Bahnhof Brügge soll am 12. Oktober 1898, vorm. 10 Uhr, verdungen werden. Angebotshefte sind gegen postgeldfreie Einsendung von 70 Pfg. in bar von der Eisenbahn= Bureaukasse in Hagen zu beziehen liegen auch nebst Zeichnung im Zimmer 20 zur Einsicht auf. 20629 Hagen, im Sept. 1898. Königl. Eisenbahn=Betriebsinspektion 2. Konkurs=Verkauf. Tage, Dienstag den 4. Oktober und eventl folgende morgens 10 Uhr beginnend, sollen an Ort und Stelle, Augustastraße 18, die zur Konkursmasse des Stuccateurs Chr. Sottmann hierselbst gehörigen Gegenstände, namentlich 1. Für Stuccateure speziell geeignet: Eine große Partie Modelle, Ornamente, Speißkübel aus Eisen und Holz, Eisengerüstböcke, 32 Treppenstufen in Cement, 12 Leitern, 1 Granittisch mit 3 Böcken, Bindestricke, 2 500 Mtr. Stückleinen, Gerüststangen, Hebel 2c. 2. Etwa 200 Sack Cement, 70 Sack Gips, 1500 leere Cementsäcke, 300 leere Gipssäcke, 5 Faß Farbe(schwarz, grün und gelb), 1 Faß mit Leinöl, 3 Centner Leinen, 1 Holzschuppen, 2 Ziehkarren 2c. 3. 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Tagesordnung: Verschiedenes. 20656 Der Vorstand. Turnerbund, Germania“ Eilpe veranstaltet am 2. Oktober er. im Saale des Hru. C. Steinhauer seine I. RekrutenAbschiedsfeier bestehend aus Concert und Ball. Anfang 4 Uhr nachmittags. Unsere Turnfreunde werden hierzu freundlichst eingeladen. 20661 Der Vorstand. Suche für meine Filiale Wehringhauserstr. 42 pr. 1. November eine passende Person als Verkanserin. Emil Seuthe, 20687 Hochstraße 67. Vertäuserinnen. Wir engagieren mehrere tüchtige Verkäuferinnen zur Aushülfe. Geschw. Ries, Porzellan= u. Haushaltungsartikel. 20638 Ich suche p. 1. Nov. od. früher ein tüchtiges Marchen ven Frot.5, Emmert, 268 Lehrmädchen Elberfeld, Griffleubergerstr. 70. Ein ordentliches, jüngeres welches Liebe zu Kindern hat, zum 15. Oktober gesucht. 20621 Frau Euil Funke, Unter=Barmen, Haspelerstr. 22. Ein properes, kräftiges Kindermädchen auf sofort gesucht. Näheres zu erfahren 20663 — Hochstraße 126. 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Königsallee 17. Wir zahlen für vista stompelirel. 80 35 20.38 168.40 74.55 74 35 Paris, franz. Bankplätze u. Noten 80 55 Brüssel, belg. Bankplätze und Noten London und engl. Noten Amsterdam u. holl. Noten Mailand grosse Bankplätze Schweiz 80.25 Napoleons 16.08 Sovereigns 20 32 Wür gebon burna Aussahralbüng. Paris.. 80.80 Brüssel, Antwerpen 80.55 London 20.42½ Amsterdam 168 85 New York.22½ Wir erlassen, soweit Vorrat, convertierte 3½% Consols a 101.60, 3% Consols 94 10, zahlen dagegen für 3½% convertierte 101.10, für 3% 93.50. Alles spesenfrei. BieKreusa(Centa Rodeneren Communal-Obligationen.Plandbriefe, unkündbar bis 1906, erlassen wir zum Berliner Course spesenfrei, ebenso 3½% Obligationen der Rheinprovins. 9 Nr. 229. Abonnementspreis pr. Quartal M..50. Insertionspreis die einfache Spaltenzeile oder deren Raum (Zweites Blatt.) Freitag den 30. September 1898. 15 Pfennig. 85. Jahrgang. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonnund Festtage. Druck und Verlag: Gustav Butz in Hagen. Fernsprecher Nr. 39. (Nachdr. verb.) Bekanntlich bildet den Kernpunkt der dem preußischen Landtage zu gebenden Kanalvorlage die Herstellung des Rhein, Weser und Elbe mit einander verbindenden MittellandKanals. In der Kanalvorlage handelt es sich im wesentlichen um zwei Hauptkanäle, die zusammen diesen RheinWeser=Elbkanal bilden, und zwar einen Kanal, welcher den Rhein mit dem Dortmund=Emskanal verbinden soll auf der Emscherthallinie Laar=Oberhausen=Herne und den Mittellandkanal, welcher den DortmundEmskaual von Bevergern am westlichen Ausläufer des Teutoburger Waldes mit der Elbe unterhalb Magdeburg verbinden soll. Auf der Karte sind durch verschiedenartige Signaturen, deren Erklärung sich in der Zeichnung unten rechts befindet, die schiffbaren und kanalisierten Flüsse, die projektierten Flußkanalisierungen, die bereits vorhandenen Kanäle und die Kanalprojekte, sowie, in der Zeichnung am meisten hervortretend, die Linie des projektierten Rhein=Weser Elbekanals markiert. Die bisher noch bestehende gänzliche Trennung des östlichen von dem westlichen Fluß= und Kanalsystem, sowie die Isolierung des Weserstromgebietes tritt sofort deutlich hervor, wenn man sich die Linien des erst projektierten Mittellandkanals und der anderen im unteren Stromgebiet der Elbe und Weser hinwegdenkt. Erst durch den Mittellandkanal werden sämtliche norddeutsche Wasserstraßen organisch mit einander verbunden. Den ersten(westlichen) Teil des Rhein=Weser=ElbeKanals, soll der von Dortmund nach Ruhrort am Rhein zu führende Kanal bilden. Die eigentliche Linie des Mittelland=Kanals beginnt aber dann erst nördlich von Dortmund an dem seiner Vollendung entgegengehenden Dortmund=Emskanal und zwar bei Bevergern nördlich von Rheine. Bei diesem Orte zweigt der Kanal nach Osten ab und wendet sich auf ziemlich direktem Wege der Weser bei Minden zu, um von hier aus über Hannover sich bis zur Elbe bei Wolmirstedt, unterhalb Magdeburg, fortzusetzen. Der Dortmund=Emskanal, von dem der Mittelland=Kanal abzweigt, führt über Henrichendorf nach der Ems, die er zumeist begleitet, bis zur deutschen Ausmündung der Ems bei Emden und bildet ein sehr wichtiges Glied unseres ganzen Fluß= und Kanalsystems. Im Osten, bei seiner Einmündung in die Elbe trifft der Mittelland=Kanal auf das ausgedehnte märkische Kanalnetz und steht durch letzteres in kürzester Verbindung mit der Oder, deren rechtsseitige Wasserstraßen(Warthe, Netze, Bromberger Kanal) weiter zur Weichsel führen. Eine Reihe füdlich des Mittelland=Kanals liegender wirtschaftlich bedeutender Städte— Osnabrück, Hildesheim, Peine Braunschweig und Magdeburg—, vielleicht auch Nienburg an der Weser im Norden sollen durch Stichkauäle mit dem Hauptkanal in Verbindung gebracht werden. Die finanziellen Vorbedingungen, welche die Regierung für die Vorlage des Projektes in der kommenden Session des Landtages aufgestellt hat, sind fast voll88 Funtse : Gete. 7ad ** 2 se Ceute 45nr„4rasen Wreite Die norddeutschen Wasserstrassen. Kaxt InErklärung #Candiis* „ro) Lonalis. uns Candle -Prj. Can leland: Canal Ausnnst. Beseke Co Berlin. M. SO. ständig erfüllt. Sie verlangte, daß die beteiligten Communal=Verbände sich verpflichteten, den durch die Kanal=Abgaben etwa nicht gedeckten Betrag der Betriebsund Unterhaltungskosten zu erstatten und die Verzinsung mit zu garantieren. Der Zuschuß der Provinzen ist auf 5787000 M. veranschlagt; diese Summe ist bis auf 15 Prozent, für die wohl Berlin und Bremen eintreten werden, gesichert. Hannover übernimmt 50 Prozent(davon die Städte Hannover, Osnabrück, Hildesheim, Linden und Peine vier Fünftel), Westfalen 17, die Stadt Magdeburg (da die Provinz Sachsen ablehnte) 18 Prozent. Die Bankosten für den Mittelland=Kanal sind auf 162 Millionen M. veranschlagt, einschließlich 34 Millionen Mark für die Seitenkanäle nach Osnabrück, Minden, Linden, Hildesheim, Peine, Braunschweig und Magdeburg. In der Kanalvorlage ist eine Kanalabgabe vorgesehen von ½ Pfennig pro Tonne und Kilometer bei allen Gütern, die jetzt auf den Eisenbahnen in Spezialtarifen und Ausnahmetarifen befördert werden. Die Kanalabgabe soll bei andern Gütern sich auf ¾ und 1 Pfennig auf den Tonnenkilometer steigern. Das sind beträchtliche Abgaben. Die Erbauung des Mittelland=Kanals ist eine Kulturaufgabe, die in eminentem Maße bestimmt ist, Osten und Westen Norddeutschlands miteinander zu verbinden und das gesamte deutsche Kanal= und Flußsystem in ein zusammenhäugendes Ganze zu verwandeln. * Hagen, 30. September.[Oeffentliche oder geheime Leistung des Offenbarungs=Eides? Während ein Teil der deutschen Handelskammern neuerdings die Abnahme des Offenbarungseides in öffentlicher Sitzung und sogar die Bekanntmachung der Manifestanten befurwortet haben, ist ein anderer Teil für die Beibehaltung des bisherigen Verfahrens eingetreten, da eine derartige Maßregel für viele ohne eigenes Verschulden in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Personen böchst empfindlich sein und ihnen den Wiederaufbau ihrer wirtschaftlichen Existenz unmöglich machen würde. Der preußische Instizminister ist dieser letzteren Auffassung beigetreten. Es heißt nun, daß die Handelskammern, die für die öffentliche Abnahme des Offenbarungseides eintreten, sich bei dieser Entscheidung nicht beruhigen und ihren abweichenden Standpunkt auch weiter zur Geltung bringen wollen. * Menden, 28. Septbr.[Großer Einbruchsdiebstahl.] Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am heutigen Morgen die Kunde von einem frechen Einbruchsdiebstahle durch unsere sonst so friedliche Stadt. Diebe hatten dem Laden des Uhrmachers Sch. an der Hauptstraße einen nächtlichen Besuch abgestattet. Entwendet wurden 102 Uhren und ca. 150 meist sehr wertvolle Ringe. Der Schaden beträgt—5000 Mk., der durch Versicherung gedeckt ist. Von den Thätern fehlt bis jetzt noch jegliche Spur. * Recklinghausen, 27. Sepiember.[Blutiges Verbrechen.] Noch hat der Mord, der vor einigen Wochen im benachbarten Stuckenbusch an dem Bergmann Beckmann verübt wurde, seine Sühne nicht gefunden, und schon wieder ist der kleine Ort das Schauspiel eines blutigen Verbrechens geworden. Die Genossen des Mörders Milius hatten beschlossen, einen der Brüder des Ermordeten zu überfallen, denn der Haß derselben gegen die Gebrüder Beckmann sollte abermals bethätigt werden. Deshalb legten sich die Raufhelden gestern nachmittag an dem Wege, den die Gebrüder Beckmann beim Nachhausegehen von einer Festlichkeit des katholischen KnappenVereins passieren mußten, auf die Lauer. In der Dunkelheit kam nun auch ein Mann von Wanne des Weges, in welchem die Ancreifer einen der B vermuteten, sie fielen über ihn her, bearbeiteten ihn mit Stöcken und Messern derart, daß der Aermste lautlos, an Kopf und Hals völlig zerfleischt, zusammenbrach. Nachdem die Bestien in Menschengestalt ihr Opfer so erbarmungslos zugerichtet hatten, begaben sie sich zu der Milinsschen Wohnung, wo vier der selben später verh ftet wurden. Die Blutthat setzte bald die ganze Gemeinde in Aufregung und das schöne Bergmannsfest wurde unterbrochen. Der Schwerverletzte, der außer anderen Wunden einen doppelten Schädelbruch davongetragen, wurde dem Krankenhause hierselbst zugeführt. Bis zur Stunde ist bei demselben das Bewußtsein nicht zurückgekehrt, weshalb auch seine Persönlichkeit nicht festgestellt werden konnte. * Münster, 27. Septhr.[Die Wiedertäuferkäfige.] Bekanntlich wollte man hier einen unerhörten Schildbürgerstreich begehen, indem man neue„Wiedertäuferkäfige“, vielleicht sogar„stilgerechte", am neuen Lambertiturme anbringen wollte. Von diesem Gedanken scheint man jetzt zurückgekommen zu sein, dafür aber will man die alten Käfige angeblich wieder aubringen. Im hiesigen Altertumsverein gab Herr Prof. Dr. Finke seinem Bedauern Ausdruck über das nunmehr bestätigte Gerücht, daß an dem neuen Lambertiturme die alten Käfige der Wiedertäufer wieder angebracht werden sollen.„Vom künstlerischen Standpunkte aus, besonders aber aus historischen Rücksichten sei es kaum zu begreifen, wie man an derartigen Zeugen einer zwar gerechten, aber für unser heutiges Gefühl überaus grausamen Barbarei an einem Gotteshause wieder zu Ehren bringen wolle.“ Auf des Vorsitzenden Ersuchen beschloß die Versammlung, eine Eingabe in letzter Stunde an den Herrn Dechauten ergehen zu lassen, mit der Bitte, von diesem Plane abzustehen und anstatt dessen die Körbe dem Provinzial=Museum zu überweisen. * Barmen, 28. September.[Die Stadt und der gemeinnützige Bauverein.] In der gestrigen Stadtratssitzung wurde die Barmer Baugesellschaft betreffs Uebernahme der Bürgschaft für ein von der Gesellschaft aufzunehmendes Darlehen in Höhe von 500000 Mark vertagt. Die Stadtverordneten wollen erst einen Einblick in den Vermögensstand und die Geschäftsführung der Gesellschaft gewinnen. Zu dem Zwecke soll jedem Stadtratsmitglied ein Exemplar der Statuten, des letzten Jahresberichts und eine Statistik über die Vermietung der Häuser und den Stand der Mieter übermittelt werden. Ferner wurde beschlossen, von derselben Gesellschaft für 5 Jahre je 1000 Mark an Zinsen noch einzufordern. Die Gesellschaft hat nämlich von der Stadt ein Darlehen von 100000 Mark auf 20 Jahre erhalten. Dieses Kapital ist mit 3 pCt. zu verzinsen. Wenn jedoch der Reingewinn die Höhe erreicht, daß er sich höher beläuft als 4 pCt. Dividende für die Aktionäre, so sollen auch die Zinsen für die Stadt event. bis 4 pCt. erhöht werden. Während der letzten 5 Jahre hat sich dieser Ueberschuß nun auf 4000 bis 8000 Mark belaufen. Anstatt jedoch der Verpflichtung der Stadt gegenüber nachzukommen, sind die Ueberschüsse dem Immobilien=Reservefonds zugeführt worden. Natürlich verlangt jetzt die Stadt, daß die ihr noch zustehenden Zinsen nachgezahlt werden. Die übrigen Punkte der Tagesordnung waren von geringerer Bedeutung. * Elberfeld, 28. Septbr.[Eine Frage, die von der Wissenschaft noch nicht gelöst worden ist, unterlag gegestern vor der Strafkammer richterlicher Entscheidung. Ein Kaufmann in Ohlias und dessen Sohn verkauften dort im Januar einem Kleinhändler einige 80 Schinken. Bei der Ankunft der Ware zeigte es sich, daß zur Haltbarmachung der Schinken Borsäure benutzt worden. Die Strafbehörde faßte diese Behandlungsweise als gesundheitsschädlich auf und erhob gegen den Verkäufer Anklage. Die Beweisaufnahme und die Auhörung von Fachgrößen ergab, daß selbst das Reichsgesundheitsamt noch nicht zu einem abschließenden Urt il darüber gekommen in ob Borsäure schädlich wirke, wenn sie so angemen#et wird, oder nicht. Unter diesen Umständen erkannte das Gericht kurzer Hand auf Freisprechung. * Elberfeld, 29. September.[Widerspruch in einem Geschworenenspruch.] Das Schwurgericht verhandelte gestern gegen den 20jährigen Packer Karl Prinz und den gleichalterigen Stuckateur Albert Kraus von Remscheid wegen Straßenraubes. Beide sind bestraft. Sie wohnen in einem Hause und waren früher miteinander befreundet. Jetzt hat die Freundschaft einen Riß bekommen, denn sie beschuidigten sich gegenseitig der That. Die Beweisaufnahme ergab, daß beide in der Nacht zum 27. April den schwachsinnigen Selterswasserverkäufer Wüste in Remscheid in einem finsteren Hausdurchgange überfallen, 33) Die Veilchenverkäuferin. Roman von C. Schroeder. „Jawohl,“ nickte dieser,„er läßt sich Dir empfehlen. der Herr Professor Flemming. „Er— ist in die Villa zurückgekehrt?“ murmelte sie, den Blick auf ihren Teller senkend. „Nur auf ein paar Stündchen. Sein Sinn steht ins Weite. Nach Spanien will er hin.“ „Nach Spanien!“ wiederholte sie mechanisch. Die endlosen Stunden, die sie wachgelegen in der Nacht, hatte sie nur gedacht: Wenn er doch wegginge, recht weit weg, daß ich ihm nie mehr unter die Augen zu treten brauchte!“ Nun that er ihr den Gefallen, ging gar bis nach Spanien und— nun war es ihr, als ob ihr Elend verdoppelt sei. „Wußte auch nicht, was ich zu hören bekam," fuhr der Oberförster lächelnd fort. Saß hier meinen Kaffee schlürfend und dachte an nichts, da that sich die Thür auf und herein trat unser Patient, den Arm schon nicht mehr in der Binde.„Verehrter Herr und Freund,“ sagte er, „ich gehöre zu den Leuten, die die Unthätigkeit auf die Dauer nicht ertragen. Mit der Hand da ist für's erste noch nichts anzufangen, aber auf Reisen sammelt man wenigstens frische Eindrücke und, wer weiß, bis ich nach Grangda komme“— hier muß ich wohl ein verzweifelt verdugtes Gesicht geschnitten haben, denn ihm fiel ein, daß er mir noch eine Erklärung schuldig sei. Na, um es kurz zu machen, es kitzelt ihm in den Fingern, den letzten Maurenkönig zu malen, wie er von der Alhambra Abschied nimmt. Arabertypen— so scheint es— hat er schon im vorigen Jahre in Nordafrika fleißig gezeichnet, nun gilt's, das Gemälde an Ort und Stelle auszuführen. Was sagst Du dazu? Großartig, wie sie auf unserer Mutter Erde herumvagabundieren, diese Künstler — was? Spanien, Nordafrika! Dahin gelangt Unsereiner nur als Schuljunge in der Geographie— halt, Kleine! Was hast Du vor?“ „Ich möchte ein bischen hinaus in's Freie, Onkel,“ stammelte Nanny, die sich plötzlich erhoben hatte. erun fen schts dal Erst wird vernünstig gegessen und geFemists nun aber doch gar nicht hungrig bin, Onkel?“ ale Frische Kast.au mirs glauben— ich brauche nichts „Aber, Onkel!“ Das Lachen, so recht natürlich beruhigen. das diesen Ausruf begleitete, klang nicht, doch den Alten schien es zu „Na, thu', was Du nicht lassen kannst!“ gestattete er, und setzte, als sich die Thür hinter ihr geschlossen hatte, schmunzelnd für sich hinzu:„Jetzt nimmt sie schon Reißaus, wenn man nur von ihm spricht!“ Der Wald hatte, so spät es war, sein dickes Morgennebelkleid eben erst abgelegt. Feuchtkalt umsing er Nanny, als sie ihn betrat. „So in den traurigen Herbst hineinzureisen!"— murmelte sie. Dann sich erinnernd:„Freilich, da unten mags wohl noch Sommer sein!“ „Fern im Süd das schöne Spanien—“ flog es ihr durch den Sinn und unter ihren gesenkten Lidern schlüpften zwei Thränen hervor. Als mehr folgen wollten, drängte sie sie zurück. Ihr Kummer war eine Schmach für sie, selbst der verschwiegene Wald durfte ihn nicht sehen. Sie hatte den Blick nicht ein einziges Mal vom Boden gehoben, ihr Ziel hatte ihr nur unklar vorgeschwebt, aber plötzlich war es doch erreicht. In dem Gebüsch hier hatte sie einen ganzen Nachmittag verborgen gesessen und zornige Gefühle gegen den Mann gehegt, der sich pietätlos an ihrem Schlößchen vergriff. Ach! ihr Zorn von damals! Heute wäre es ihr zum Lachen gewesen— wenn sie nur hätte lachen können. Das Atelier war längst vollendet. Erkerartig sprang es aus der Mauer und verdarb an der Frcade nichts, veränderte kaum etwas daran. Wenn die Zeit das hellere Grau der neuen Steine ein bischen abgetönt, der Ephen sich ein Stückchen weiter emporgearbeitet hatte, dann war das Schlößchen wieder, was es gewesen— ein geeigneter Hintergrund für romautische Träumereien, ein würdiger Aufenthalt für edle Geschöpfe der Phantasie, und ganz wie ehemals konnte Nauny kommen und— Ach! nein, sie kam nicht mehr, sie hatte ausgeträumt! Ein Wagen vors der Thür, ein offener Wagen bei der Morgenkühle! Freilich, er hatte ja niemand, der ihn zur Vorsicht mahnte. Der Mann auf dem Bock schien ungeduldig. Zweimal schon hatte erkmit der Peitsche gekuallt. Die Zeit mochte wohl drängen, man mochte wohl noch mit dem Mittagszuge— Ha! Jetzt that sich die Haustbür auf. Er war es — ach Gott! so blaß und krank noch anzuschauen und gewiß nur sehr schlecht verwahrt gegen die Witterung! Einen Blick auf die Uhr in seiner Hand. Jetzt war er die Stufen hinunter— jetzt saß er im Wagen und jetzt— grausam, so davonzufahren! Nicht ein— nicht ein einziges Mal den Kopf zurückzuwenden! Grausam? Gegen wen denn? Er ließ ja niemand hinter sich, war ja allein auf der Welt, ganz allein— ach Gott! ach lieber Gott! Hgran ihren faste Nauny dachte nicht mehr vuran, koren fauenden Thränen Einhalt zu thun, sie trachtete nur das davoneilende Gefährt im Auge zu behalten so lange wie möglich, und so hatte sie sich denn— sie wußte selbst nicht wie— aus dem Gebüsch herausgearbeitet, stand mitten auf der Landstraße, als ein helles Lachen sie zusammenfahren machte. Da hielt ##— nicht drei Schritte von ihr entfernt auf zierlichem Goldsuchs Anna von Hellbronn. „Bestes Fräulein, scherzte sie, zum Morgengruß freundlich den Kopf neigend,„ich glaube gar. Sie hegen Selbstmordgedanken, wollen sich von den Hufen meines Rosses zerstampfen lassen. „Ach nein“, stammelte Nanny und machte— sich ihres verweinten Antlitzes plötzlich qualvoll bewußt— eine halbe Wendung nach dem Gebüsch hin, aus der sie gekommen war—„ich hatte nicht nur nichts—“ „Sie waren so versunken in den Anblick der Baumgarkis,) drüben“, nickte die andere mit liebenswürdigem .###.“## Nun, ich gebe zu, es ist ein Wunder, wie sich san nder Nacht der Wald so bunt gesärbt hat. Aber ein größeres Wunder ist mir denn doch soeben begegnet, ein ich hätte bald gesagt— von den Toten Erstandener, der sich auf Reisen begiebt!“ Sie nahm mit einem raschen Seitenblick der Augen #en dem glühenden Rot, das der armen Nauny .##. Eesicht flammte, und fuhr im heitersten Planderton #.:„Noch ein wahres Glück, daß ich nicht vom Pferde siel vor Ueberraschung, daß ich Fassung genug behielt, den wir gewidmeten Gruß mit Annand zu erwidern. Ein eor höflicher Gruß— beiläufig bemerkt— aber kühl, richtiger noch, eiskalt. Ich gehöre eben zu den Blonden, Blanäugigen, denen er nicht wohlwill, der Herr Professor, aus Gründen, die Sie vielleicht kennen werden? Doch nicht: Nun, dann setze ich sie Ihnen bei Gelegenheit einmal auseinander. Augenblicklich drängt die Zeit, der Großpapa wird rasend, wenn ich nicht zugleich zu dem Gabelfrühstück im Speisesaal erscheine. Aber— was ich noch sagen wollte— er kehrt natürlich in die Residenz zurück— Professor Flemming, meine ich?“ „Er reist nach Spanien“, antwortete Nauny, unfähig, ein leises Beben in ihrer Stimme zu unterdrücken. Momentan malte sich das allernnangenehmste Erstaunen in den Zügen der schönen Reiterin, dann streifte ihr Blick ein blasses, gesenktes Antlitz und im Nu batte sie ihre frohe Laune wieder.„#####nd Nach Spanien?“ rief sie veu ausimuene, gehislen Sie was? Dabinter steckt eine Mysiftliation,Agendey gng: das in verdolmetscht: Sponiersagewisse wpohite zue unierer nierin. Diese reizende Spanierin aber wohm in unse### ieben Residenz und heißt Grann Irma Wengheim!" Nanny hatte plötzlich den Kopf erhoben. Eiie verständnisloser und doch herzensbanger Blick flog nach der Sprecherin hin.„„„„ „Sie sehen mich so erstannt an?- lachelte viese. „Meinen. Gräfin Irma sei denn doch bekaunter Weise so gut deutsch wie wir beide? Nun, ich gebe es zu, aber einmal ist sie der Welt und dem Herrn Professor Fleuming ,doch„spanisch“ gekommen, und zwar auf dem Masrenvau im vorigen Winter.— Da machte sie die bezauberndste Donna Dolores und er einen gar nicht üblen Minnesänger— goldenes Saitenspiel, wissen Sie, weiter Mantel, Barett mit wallenden Federn, düster gefaltete Stirn, hinter der Verse lauerten! So fand sie ihn in einem Winkel, zog ihn hervor, verschwand mit ihm und— blieb verschwunden, den halben Abend lang. Nächster Tage gab es dann in unserem Wien, das so gerne Großstadt sein möchte und doch ewig Krähwinkel bleibt, natürlich einen allerliebsten Klatsch. Die Einen sprachen von leve at first sight, die Anderen meinten, das Finden sei nur ein Wiederfinden gewesen, denn die Salome auf dem berühmten Bilde des Professors trage doch ganz unverkennbar die Züge der schönen Gräfin. Alle waren sie der Ansicht, daß die Gesellschaft schockiert und nur durch möglichst bald in Umlauf zu setzende Verlobungskarten wieder zu beruhigen sei. Allein—“ sie zuckte mit schelmischer Miene die Achseln—„es erschienen keine Verlobungskarten, es sind bis auf den heutigen Tag keine erschienen. Nun aber der Herr Professor, ha, ha, ha!— nach Spanien gereist ist, dürfen wir den täglichen Postsendungen wohl wieder mit einiger Spannung entgegensehen— meinen Sie nicht? Adien, mein liebes Fräulein! Ich höre im Geiste den ungeduldigen Großpapa schon seinen wütendsten Kriegsmarsch auf den Feusterscheiben trommeln. Adien— Adien!" Sie winkte und nickte einen fröhlichen Abschiedsgruß, versetzte ihrem Pferde mit der Reitgerte einen leichten Schlag und flog davon. Als sie jedoch um die nächste Waldecke gebogen war und von der Landstraße aus nicht mehr gesehen werden konnte, schien die Zeit plötzlich nicht mehr so arg zu drängen. Durch einen kurzen Ruck am Zügel brachte sie ihr Tier in eine langsamere Gangart. Seelenvergnügt schaute sie sich um, mit unendlich spöttischer Betonung begann sie zu singen:„Wt#g, stand. „Ein Veilchen auf der Wiese nund, Gebückt in sich und war ein berzig Schässeriz, Aber nein“, unterbrach sie sich mit leisem Auf„Mit leichtem Schritt und munterm Sinn—? d„ich Heut dos Velchen wür ich nur—. „Ja, ja, so mag es wohl gedacht haben, das süße Ding! Sie sind ja so fürchterlich bescheiden, die Veilchen, die um Hellbronn herum sprießen, geben alles, alles hin, sauch gelban, nichtwoyr, wein.r: ortisetzung solgt.) mißhandelt und der Uhr und der Kette beraubt vaben. Um die Polizei irre zu führen, schickten sie ihr nach acht Tagen die Uhr von Lennep aus mit einem namenlosen Briefe zu. In dem Briefe erzählte ein Biedermann, daß er vor kurzem in Remscheid einen Beleidiger gezüchtigt habe, dabei sei die Uhr des fremden geflohenen Anremplers in Händen des Briefschreibers geblieben; der ehrliche Verfasser schicke nun die Uhr zurück, damit die Polizei den Eigentümer ermittele. Damit lieferten die beiden Schlauköpfe der Polizei ein wertvolles Beweisstück in die Hand, so daß das Ueberführungsmaterial erdrückend war. Erst nach längerer Beratung fanden die Geschworenen ihren Spruch. Er lautete: Prinz weder des Raubes noch der Mißhandlung schuldig, Kraus dagegen schuldig des Straßenraubes„in Gemeinschaft mit Prinz“. Eine durch Herrn Rechtsanwalt Lands berbeigeführte Erörterung dieses Spruches führte aber noch vor der Verkündigung des Urteils zu der Erklärung des Obmannes, daß die Geschworenen auf grund dieses Spruches die Verurteilung beider Angeklagten erwartet hätten! Sie mußten infolge dieser überraschenden Erklärung in das Beratungszimmer zurückkehren und ihren Willen noch einmal zu Papier bringen. Diesmal lautete ihr Spruch gegen beide Angeklagte auf schuldig des Raubes unter Annahme mildernder Umstände. Jeder der beiden Angeklagten erhielt 18 Monate Gefängnis. * Solingen, 27. September.[Neue Kreisbahn.] In der vorigen Nacht gegen 2 Uhr wurde auf der Kreisbahn auf der Strecke Solingen=Ohligs eine Probefahrt unternommen. Die Eisenbahndirektion, sowie die Reichstelegraphen=Verwaltung haben demnach die Erlaubnis für die Probefahrten erteilt. Nunmehr dürfte, laut der„Sol. Ztg.“, die Eröffnung des Betriebes der Kreisbahn am 1. Oktober als bestimmt angesehen werden. Heute nachmittag treten hier die Mitglieder der Kreisbahn=Kommission zu einer Sitzung zusammen, in welcher über weitere Maßnahmen wegen Beschleunigung der Inbetriebsetzung der Kleinbahnen beraten werden wird. * Styrum, 27. Septbr.[Großfeuer.] Gestern abend um etwa 9 Uhr ertönten in unserm Orte die Brandsignale. Das Feuer war in dem alten Wohnhause des früheren Herkendellschen Kottens ausgebrochen und fand in dem völlig ausgetrockneten eichenen Gebälke des Hauses reichliche Nahrung. Da das Gebäude in kurzer Zeit in hellen Flammen stand und eine Rettung desselben von voruherein ausgeschlossen erschien, so mußte die Thätigkeit der Löschmannschaften sich darauf beschränken, das benachbarte Haus duich Bespritzen vor Feuersgefahr zu schützen. Das Mobilar der zahlreichen Insassen des abgebrannten Hauses konnte zum größten Teil geretiet werden. Menschenleben sind nicht zu beklagen. * Koblenz, 29. Sept.[Das Konsistorium der Rheinprovinz) hit verfügt, daß die Anforderung von Kirchensteuern in verschlossenem Umschlag gescheben soll. Aus dem Gerichtssaal. X Hagen. 28. September.[Verhandlungen der Strafkammer.] Wegen Diebstahls im wiederholten Rücksalle steht der Schlosser Carl E. aus Essen, ein alter Sünder, wieder unter Anklage. Von einer ihm in Aschaffeuburg wegen Diebstahls auferlegten Zuchthausstrafe von 3 Jahren in die Heimat zurückgekehrt, stattete er am 25. August cr. Hagen einen Besuch ab, drang, mit einem Dolch bewaffnet, in der Marienstraße gewaltsam in das Zimmer eines Dienstmädchens ein und entwendete dort eine silberne Damenuhr mit goldener Kette. Dieser Diebstahl bringt ihm wieder 2½ Jahre Zuchthaus ein und wird außerdem auf 5 Jahre Ehrverlust erkannt. Wegen versuchter Nötigung werden der Tagelöhner Ernst H. und der Fabrikarbeiter Ad. V. aus Westende zu je 3 Monaten Gesängnisstrafe verurteilt. Bezüglich des Mitangeklagten Fabrikarbeiters I. M. von dort, der der Hauptakteur gewesen sein soll, indes nicht erschienen ist, mußte die Sache vertagt werden. Der erste Angeklagte hatte die Arbeit bei dem Landwirt R. niedergelegt und holle sich am 21. Juli er. die beiden Mitangeklagten herbei, die ihm zur Erlangung seiner Arbeitspapiere behülflich sein sollten. Mit Stöcken und Messern bewaffnet, drangen alle drei auf den im Felde arbeitenden Landwirt und seinen Begleiter ein und suchten ihrem Verlangen mit Gewalt Nachdruck zu verlangen. In der Nacht des 20. Juni er. fand in Wengern eine blutige Rauferei statt, bei der die Bergleute J. und B. in roher Weise mißhandelt worden sind. Als Waffen wurde eine Eisenstange und Messer angewandt. Mehrere junge Burschen waren in einer Wirtschaft aneinander geraten, weil einer mit einem Messer gestochen sein sollte. Alles begab sich, wie auf ein Signal, nach draußen und hier siel man sofort über die genannten beiden Bergleute her. Als Thäter stehen heute die Bergleute Carl Bl. und Gust.., der Knecht Joh. Sch. und der Bergmann Joh. N. aus Wengern unter Anklage. Sämtliche Angeklagte wollen mehr oder weniger schuldlos sein, indes wird die Mitschuld sämtlicher erwiesen, insbesondere, daß K. in ganz roher Weise auf den am Boden liegenden I. mit einer Eisenstange losgeschlagen hat. Bl. und Sch. sind auch erheblich, N. dagegen nur weniger belastet. Letzterer kommt daher mit 2 Monaten Gefängnis davon, während die Roheit des K. mit 1 Jahre, die der Angeklagten Bl. und Sch. mit je 9 Monaten Gefängnis gesühnt und die Verhaftung der letzteren drei Angeklagten beschlossen wird. Zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten wird der Fabrikarbeiter W. B. aus Plettenberg verurteilt, der sich in der Nacht des 21. Februar er. daselbst einer gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Er brachte dem Fabrikarbeiter., mit dem er nachts auf der Straße in Streit geraten war, mit einem Messer so erhebliche Verletzungen am linken Arm und am Rücken bei, daß der Verletzte mehrere Wochen arbeitsunfähig war. Kunst, Wissenschaft und Leben. 6 Blumenschlacht zu Wasser. Aus Arcachon bei Bordeaux, dem fashionablen französischen Badeort, wird geschrieben: Hier wurde dieser Tage eine sogenannte „bataille de fleurs“ veranstaltet, deren Schauplatz nicht, wie sonst üblich, der feste Boden, sondern die schwankende Oberfläche des Meeres bildete. Die liebliche Bucht, an der Arcachon gelegen ist, war zu dem Zweck in ein „Blumenschlachtfeld" umgewandelt worde, das einen herrlichen, malerischen Anblick gewährte. Auf mehreren, in einer Reihe nebeneinander liegenden Dachten, die man mit einem Tau, das am Strande befestigt war, verbunden hatte, befanden sich die Tribünen für die Zuschauer sowie auch die Ehrentribüne. Diesen Fahrzeugen gegenüber lag eine andere Reihe von Yachten, die in verschwenderischer Weise mit Blumenauirlanden und flatternden Fähnchen dekoriert waren. Das entzückendste Bild auf diesen schwimmenden Blumenkolossen präsentierte sich aber in Gestalt der zahlreichen, reizend kostümierten Vertreterinnen des schönen Geschlechts. Wie in einem Kaleidoskop wogte es dort farbenprächtig durcheinander. Da sah man schimmernde Atlasgewänder in zartblauen, rosa und meergrünen Schattierungen mit Spitzen, Blumen und Juwelen überladen, schwere gold= und silbergestickte Brokatroben und dustige Organdy- und Crépe=de=Chine=Toiletten. Auf der mit Blüten bedeckten Wasserstraße, zwischen den mit geputzten Menschen besetzten Yachten glitten 30 phantastisch geformte und prächtig ausgeschmückte Boote graziös auf und nieder indem ihre Insassen mit denkbar zartesten Blumenwaffen die eigenartige Seeschlacht eröffneten. Das meiste Aufsehen erregte ein Boot, das einen kolossalen Schwan vorstellte, dessen schneeiges Gefieder von vielen tausend weißen Blumen gebildet wurde. Dieser majestätisch dahingleitende Wasservogel zog die zierliche, muschelförmige Gondel, in deren heliotropfarbenen, goldbestickten Sammetpolstern die lieblichste, blondhaarige Elsa ruhte, die man sich nur denken kann. Ein anderes Boot repräsentierte eine riesige Wasserrose, aus deren goldschimmerndem Kelch zwei in diamantenglitzernde Schleier gehüllte Nixen zur Hälfte hervorlugten. Die Telegraphie als gesundheitsschädlicher Beruf. Auf einer Versammlung der englischen Eisenbahn=Telegraphenbeamten gab der Vorsitzende der Vereinigung dieser Beamten J. T. Hull einen Bericht über die Einwirkung der Telegraphie auf die Gesundheit, der eigentlich jeden abschrecken müßte, sich diesem Berufe zu widinen. Da die geäußerten Behauptungen durch statistische Belege seitens bedeutender Fachmänner bestätigt werden, so müssen sie wohl ernst genommen werden. Danach dürfte es kaum einen Beruf geben, der die Gesundheit des Menschen derart angreift, wie die Telegraphie. Die Kunst des Telegraphierens beruht wesentlich auf geistiger Arbeit und strengt besonders die Gehörsnerven an. In welchem Grade dies bei einem geübten Telegraphisten der Fall ist, kann durch eine einfache Ueberlegung gezeigt werden. Bei einer Durchschnittsarbeit, d. b. beim Lesen von 20 Worten in der Minnte, hat er etwa 150 verschiedene Zeichen des telegraphischen Stiftes zu unterscheiden, und bei besonders dringender Ar beit bringen es angeblich viele bis auf 450 Zeichen in der Minute. Auch die Uebertragung der gehörten Zeichen in die Schrift erfordert selbstverständlich eine geistige Anstrengung. Mit dieser Leistung ist nun die Thatsache zu vergleichen, daß der menschliche Geist im allgemeinen durchschnittlich nur 120 verschiedene Eindrücke aufnehmen kann. Man muß also annehmen, daß der Telegraphist. auch abgesehen von den Fällen größter Anstreugung, seinen Gehörsinn etwa doppelt so stark anstrengt als andere Menschen. Dazu kommt die fast ununterbrochene Dauer der Nervenerregung, die Eintönigkeit der aufzunehmenden Geräusche, die dauernd notwendige angestrengte Aufmerksamkeit. Alle Physiologen stimmen darin überein, daß eine solche Arbeit außerordentlich erschöpsend auf das Nervensystem wirken muß. Bei angestrengter Thätigkeit ist fast immer eine unregemäßige Atmung, ein beschleunigter Herzschlag und Blutandrang zum Kopfe nachweisbar. Je mehr die Arbeit beeilt werden muß, desto schlimmer sind naturgemäß diese Erscheinungen. Man hat eine Statistik über das Vorkommen der Lungenschwindsucht unter den Telegraphisten aufgestellt, die sehr bedenkliche Ergebnisse zeigt. Von 100 Todesfällen(unter 55 Jahren) sind unter den Telegraphisten 59,5 also fast % an Schwindsucht, während unter den übrigen erwachsenen Männern noch nicht ¼ an dieser Krankheit stirbt. Am stärksten ist die Sterblichkeit au Schwindsucht unter den Telegraphisten vom 25. bis 35. Lebensjahre, sie beträgt 23 pCt. aller Todesfälle in diesem Alter, während unter den übrigen Männern gleichen Alters noch nicht 5 pEt. an dieser Krankheil sterben. G Eine Heilung von Kehlkopfkrebs durch Arsenik. Es wurde vor einiger Zeit mitgeteilt, daß zwei Aerzte in Prag, Dr. Trunesek und Dr. Cerny, ein Verfahren zur Behandlung von Krebs durch Arsenik aufgenommen hätten. Nunmehr erfahren die„Allgemeinen wissenschaftlichen Berichte" durch direkte Mitteilung von einem Falle, in dem an einem Deutschen eine Heilung von Kehlkopfkrebs durch dieses Verfahren gelungen ist. Bei der Schwierigkeit der Krebsdiagnose werden voraussichtlich auch diesem Falle, der demnächst eine eingehende Behandlung in den Fachzeitschriften erhalten wird, noch Zweifel entgegengebracht werden. Es haben aber mehrere tüchtige Spezialitäten übereinstimmend festgestellt, daß der Kranke vor der Behandlung wirklich Kehlkopfkrebs hatte und daß nach der Behandlung alle Zeichen dieser Krankheit verschwunden waren. Die Behandlung besteht in der Anwendung einer Lösung aus 75 Prozent Wasser, 5 Prozent Arsenik und 20 Prozent Alkohol, wenigstens wurde diese Zusammensetzung bei dem in Rede stehenden Falle angewendet, während sonst, eine schwächere Lösung gebraucht wurde. Damit wurde nahezu täglich das erkrankte Stimmband gepinselt und diese Behandlung nur ausgesetzt, wenn sich infolge des starken Reizes eine Neigung zur Entzündung zeigte. Natürlich wurde zu dieser Kur ein Halsspezialist hinzugezogen. Das Mittel wird nur äußerlich angewandt, abgesehen davon, daß in der Woche vor Beginn der Behandlung Arseniktropfen innerlich gegeben werden, damit sich der Körper allmählich an das Mittel gewöhne. Viel Wert wurde daneben auf eine mehr vegetarische Lebensweise und auf die Entziehung von Alkohol gelegt. Die Behandlung in Prag nahm fünf Monate in Anspruch, worauf eine Nachkur gebraucht wurde. Ein tüchtiger Spezialist in Dresden stellte zunächst fest, daß Krebs nicht mehr vorhanden wäre, allerdings noch eine Entzündung und Heiserkeit, auf die aber von den Aerzten keine Bedeutung gelegt wird. Später stellten dann auch andere Aerzte, von denen einer die Entwickelung des Krebses selbst verfolgt hatte, fest, daß eine Gefahr gegenwärtig nicht mehr vorhanden wäre. ganz den modernen Dampfheizung und sehen ist. Die stets Schlafzimmer in dem # Die Insel der Millioneser. Nächst jener Insel der„Seligen", zu der leider noch immer nicht der Wen entdeckt ist, dürfte wohl ein seltsames Eiland im Atlautischen Ozean das unerreichbare Ziel der Sehnsucht manches Staubgeborenen bilden. Dieses Inselchen, von dem jetzt Kunde in die Welt dringt, liegt etwa zwei Meilen von dem Küstenstädtchen Brunswick(Braunschweig) im Staate Georgia in Nordamerika entfernt und trägt den wenig poetischen Namen„Jekyl=Island". Es ist das Eigentum von ungefähr hundert Millionären, die es vor einigen Jahren für eine halbe Million Mark ankauften und bereits viele Tausende darauf verwandt haben, um die vom Meere umspülte 14000 Morgen große Fläche Landes in ein wahres kleines Paradies zu verwandeln. Die Besitzer sind sämtlich Mitglieder des amerikanischen „Millionärklubs“, und so war eines der ersten Gebäude, die man auf Jekyl=Island errichtete, ein prächtiges, unbeschreiblich elegant eingerichtetes Klubhaus, das, Ansprüchen angemessen, mit elektrischer Beleuchtung verfür Gäste bereit gehaltenen Klubbotel sind von Doppelwänden umschlossen, zwischen denen sich eine Polsterung von Holzwolle oder Roßhaar befindet, damit in diese mit jeglichem Komfort ausgestatteten Räume kein Lant von außen dringt, der den Schlummernden stören könnte. Unter den beneidenswerten Sterblichen, von denen fast jeder dort sein eigenes palastartiges Haus besitzt, das er für kürzere oder längere Zeit im Sommer bewohnt, um seine Zeit mit Jagen, Fischen 2c. totzuschlagen, findet man selbstverständlich die bekanntesten Millionäre wie die Rockesellers, Vanderbilts, Goclets, Astors, Goulds, Cushings und andere. Viele Yankee=Nabobs, die nicht zu dem Klub und somit auch nicht zu den Eigentümern der Insel gehören, können mit Leichtigkeit Einladungen von irgend einem der zeitweiligen Bewohner des kleinen Eden erhalten. Die vornehmen Herrschaften sind außerordentlich gastfreundlich und sehen gern lustige Gesellschaft um sich. Auch solchen, die für sich dort einige Wochen oder Monate leben wollen, bietet sich Gelegenheit. Sie haben nur nötig, einem gerade nicht auf Jekyl=Island sich aufhaltenden Krösus die Offerte zu machen, ihm seine Inselvilla auf eine bestimmte Zeit abzumieten. Der Mann geht mit seltenen Ausnahmen schon aus Gefälligkeit darauf ein und erhält gewöhnlich pro Tag einen Mietspreis von 30 bis 50 Dollars für den ganzen Palast. Für Fremde ist es unmöglich, auf der Insel zu landen, da überall Wächter in ihren reizenden Cottages die Küsten vor Eindringlingen beschützen. Die Millionäre sind also auf ihrem fern vom Getriebe der Großstadt liegenden Eiland sicherer vor Einbrechern als in ihren luxuriösen Palästen in den großen Städten. Das Nordlicht, das am 9. September in unseren Breiten sichtbar gewesen ist, hat auch die 70. Versammlung deutscher Natursorscher und Aerzte in Düsseldorf beschäftigt. In der Abteilung für Physik und Meteorologie sprach Astronom Archenhold, Direktor der Treptower Sternwarte, über„das große Nordlicht vom 9. September d. Is., im Zusammenhang mit der Fleckengruppe vom 2. bis 15. September. Die gewaltige Fleckengruppe ging diesmal genau durch die Mitte der Sonnenscheibe, und es konnte dabei die schon früher gemachte Beobachtung bestätigt werden, daß im Augenblick des Durchganges die Magnetnadel erheblich zu schwanken begann. Um dieselbe Zeit entwickelte sich das farbenprächtige Nordlicht, eine Naturerscheinung, die in solcher Schönheit in unsern Breiten seit Jahrzehnten nicht beobachtet wurde. Aus diesem zeitlichen Zusammentreffen des Nordlichtes und des Flecken=Durchganges folgert unn Archenbold, daß durch elektrische Vorgänge im Innern der Fleckengruppe Induktionswirkungen auf die höchsten Schichten unserer Atmosphäre ausgeübt wurden und dadurch die Lichterscheinung hervorgebracht wurde, in ähnlichem Sinne, wie die Induktionsströme in Geißlerschen Röhren die Lichtwirkung herbeiführen. Der Redner forderte dazu auf, alle über das letzte Nordlicht gemachten Aufzeichnungen an die Treptower Sternwarte(bei Berlin) gelangen zu lassen, da sich gerade dieses Nordlicht wegen der zahlreichen Beobachtungen ausgezeichnet zu einer Höhenbestimmung auf wissenschaftlicher Grundlage eigne * Ein begehrenswertes Diner. Ernest Blum erzählt in seinem„Journal'un Vaudevilliste" u a. Folgendes: Ein braver Bursche, der Vertreter eines großen Champagnerhauses in Paris war, gab öfter festliche Gelage. Sie zählten zu den besten gastronomischen Erinnerungen meines Lebens; sie wurden von dem Baron Brice selbst zubereitet und aufgetragen. Alle acht oder vierzehn Tage vereinigte der Champagnerganymed Schriftsteller und Journalisten an seiner Tafel, um sie seine köstlichen Weine schlürfen und die erstaunlichsten Feengerichte genießen zu lassen. Ich erinnere mich, daß ich mich eines Tages mit meinem geistreichen alten Kameraden Philippe Gille zu einem dieser Mähler begab. Vor der Thür begegneten wir Leo Delibes.„Wohin gehen Sie denn?" fragte er uns.—„Natürlich speisen.“—„In diesem Hause hier?"—„Ja.—„Das ist schade; ich bin heute abend allein und weiß nicht, wo ich speisen soll; ich hätte gern mit Ihnen zusammen diniert.“—„Aber dem steht doch nichts im Wege,“ antwortete Gille, der sich gern Scherze, besonders mit Komponisten machte,„komm doch mit uns!“—„Ich bin ja aber nicht eingeladen.“—„Eine Einladung ist überflüssig, das ist hier eine Table'hote.“ —„So? Und wie teuer?“—„Sechs Franken, den Kaffee mit einbegriffen.“—„Das kann ich mir leisten. Vorwärts also!“— Wir stiegen hinauf und setzten den Herrn des Hauses und die anderen Gäste von dem kleinen Scherz in Kenntnis, während Delides ruhig am Tisch Platz nahm. „Bist Du sicher, daß man hier gut ißt?“ fragte er Gille leise.—„Ganz gut, Du wirst ja sehen.“— Man trug eine Reibe wunderbarer Gerichte und Batterien edelster Weine auf. Delibes machte bei jedem Gericht ein erstaunteres Gesicht.—„Und das Alles kostet nur sechs Franken?" fragte er uns.—„Freilich, den Kaffee mit einbegriffen.“ Delibes war außer sich vor Verblüffung.—„Wie habt Ihr denn diese wunderbare Tafel entdeckt?“—„Pst, sags Niemandem weiter," flüsterte Gille ihm zu,„die Polizei hat uns diese Adresse mitgeteilt.“ Um den Scherz bis zu Ende zu führen, ließ man beim Nachtisch unter den Gästen einen Teller herumaehen, auf den jeder von uns sechs Franken legte; Delibes, der außer sich vor Vergnügen war, fügte noch fünfzig Centimes Trinkgeld für die Bedienung hinzu. Bevor er sich entfernte, ging er auf den Hausherrn zu und sagte ihm:„Mon speist wirklich sehr gut bei Ihnen; ich bin für vierzehn Tage frei, wollen Sie mir vierzehn— Abonnementskarten geben?“ Wagoholin viel besser, billiger u. praktischer als Seise Waschonln gein Anschmieren der Wäsche mehr. Milch nicht zuträglich. Dann versuchen Sie dieselbe mit etwas Mondamin von Brown u. Polson ca. zehn Minuten gekocht. Nehmen Sie nur soviel Mondamin, daß die Milch crsmeartig wird. Die durch Mondamin erlangte leichte Verdaulichkeit der so nahrhaften Milch ist von den Herren Aerzten anerkannt. Für Brown u. Polson's gute Qualität bürgt am besten deren 40jähriger Weltraf. Mondamin ist überall in Paketen à 60, 30 und 15 Pfg. erhältlich. Engros für Rheinland u. Westfalen bei P. A. Stenger jr., Köln. Zwangsversteigerung. Die im Grundbuche von Hagen Band IV Blatt 286 auf den Namen des Schuhmachers und Wirts Carl Ulbrich zu Hagen eingetragenen Grundstücke Flur 38 Nr. 199/91 und 200/92 nebst aufstehenden Gebäulichkeiten der Steuergemeinde Hagen sollen auf Antrag des Schuhmachermeisters August Julius Ulbrich zu Hagen zum Zwecke der Auseinandersetzung unter den Miteigentümern am 14. Oktober 1898, vormittags 10 vor dem unterzeichneten Gericht, an Gerichtsstelle Zimmer Nr. 27, zwangsweise versteigert werden.#g g. eirag und Anen escch. Die Grundstücke sind mit—.— Der Reinerrrag und einer Flache von 0,02,09 Hektar zur Grundsteuer, mit 1860 Mk. Nutzungswert zur Gebändesteuer veranlagt. Auszug aus der Steuerrolle, beglaubigte Abschrift des Grundbuchblatts. etwaige Abschätzungen und andere die Grundstücke betreffende Nachweisungen, sowie besondere Kaufbedingungen können in der Gerichtsschreiberei Nr. 3, Zimmer 28, eingesehen werden. Diejenigen, welche das Eigentum der Grundstücke beanspruchen, werden aufgefordert, vor Schluß des Versteigerungstermins die Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls nach erfolgtem Zuschlag das Kaufgeld in bezug auf den Anspruch an die Stelle des Grundstücks tritt. Das Urteil über die Erteilung des Zuschlags wird am 18. Oktober 1898, vormittags 11 an Gerichtsstelle verkündet werden. 17704 Hagen, den 20. August 1898. Königliches Amtsgericht. Verkaufsangebot. Die zur Koonkursmasse des Stuckateurs Chr. Sottmann gehörigen Hausgrundstücke Augustastraße Nr. 18 und 20, sowie zwei als Baustellen geeignete Grundstücke am Haldenerweg, 21 Ar 61 gm groß, mit aufstehendem Lagerhaus sollen freihändig verkauft werden. 20467 Nähere Auskunft wird auf Wunsch erteilt. Der Konkursverwalter: Ebbinghaus, Rechtsanwalt. Große Anttion. Samstag, 1. Oktober d.., morgens 10 Uhr, beginnend, werde ich im Gartensaale des Wirts Stitz hier, Frankfurterstr. 89 2 Bettstellen mit Matratzen, 1 nußb. Kleiderschrank, 6 Sofas, 1 Sosatisch, 6 nußb. Rohrstühle, 1 Luttertisch, 1 Säule, 1 Nähtisch, 1 Serviertisch, 1 Paneei brett, div. Bilder u. Spiegeln, 1 Konsole, 1 Teppich, 1 Partie Porzellan, 1 großen Posten Leinewand. Fenstergardinen und Herrenanzüge 2c. 2c. öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern.“ 20595 Otto Kümper, Rechtskonsulent und Auktionsk., Hagen, Hochstr. 54. Wirtschaft in Krefeld mit geringer Ablage zu verkaufen. Jährlicher Umschlag an Bier und Brann kanntwein u. s. w. In Haspe ist pr. 1. 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Volme feiert Sonntag den 2. Oktober 1898 sein diesjähriges Stiftungsfest verb. mit Fahnenweihe im Lokale des Herrn E. Grotensohn zu Dahl unter Teilnahme mehrerer auswärtiger Vereine. PROGRAMM. Morgens 6 Uhr: Wecken und Kanonendonner. Nachmittags 2½ Uhr: Autreten des Vereins. Um 2¾ Uhr: Abholen der geladenen Herren Offiziere, Gäste und fremden Vereine am Bahnhof. Alsdann: Rückzug nach dem Festlokal. Um 3 Uhr: Antreten zum Festzug. Festzug durch den Ort zum„Kaiser Friedrich=Denkmal“. Hierselbst: Einweihung der neuen Fahne durch den BezirksKommandeur Herrn Oberst Weyer. Hieraus: Rückzug nach dem Ort; daran anschließend: Parade sämtlicher Vereine. Einzug in das Festlokal und Beginn des Concerts. Abends 8 Uhr: Großer Festball. Bei eintretender Dunkelheit: Großes Feuerwerk. Die Musik wird ausgeführt von dem Trompeter-Corps des Kürasster-Regts. von Driesen (Nr. 4) aus Münster unter persönlicher Leitung des Stabstrompeters Herrn Foitzik. 20612 braues Dienstmädchen gegen bohen Lohn in einem klein. bürgerlichen Haushalt auf 1. November gesucht. Barmen=Wichlinghausen, Schulstr. 27. 20544 Ein gesundes 20490 Kindermädchen zu 2 Kindern von 3 und 1 Jahr per 1. Novbr. gegen hohen Lohn gesucht. Frau Richard Sander, Barmen, Königstr. 76. empfehlen: Resselhemden Mithir Gerse (ohne Naht) Unterjacken Aufertigung von Socken Hautjacken Focken und Militär-Aose Taschentücher Nähntenstlien. und Sockenlängen für 19719 Franachon F% Rekruten prompt und billig. Geschm. Müher, Hagen i.., Mittelstr. 5 am Markt. Wehringhausen, Lange= u. Koloniestr.=Ecke. Schienstelne aus eigenen Brüchen liefern in jeder Größe und Härte Wilh.& Theod. Schulte in Kyllburg in der Eisel. 20404 Wer noch ein wirklich gutes kaufen will, kaufe beim Fachmann Reinh. Schreckenberg, Hagen 1.., Kampstrasse. 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Oktober, nachmittags 6 Uhr: Versammlung im Vereinslokale des Herrn I. Stitz. Der Vorstand. Hagen. st. Landw. Verein. Sonntag den 2. Oktober er., nachmittags 1½ Uhr: Antreten im Vereinslokal zur Abfahrt nach Dahl. Die Zahlung der monatlichen Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder findet am Sonntag den 9. Oktober, nachmittags 4 Uhr, statt. 20621 Der Vorstand. M then) ein balsamisch. Aussug der grün. Arnicap Janre, Auu ein unübertroffen nandel bei Haarausfall, sowie sur Förderung u. Stärkung der Kopfhaare,Tausendfach bewähn zur Beseitigung der üigen Koplschuppen und Schinnen, Flac. à 50 u. 75 Pf. nur bei — enthült kein Lich!— Muttermiich. 14145 General- J, C. F Neumann& Sohn, Taubenstr. 51K2. 1. W. Tinner, Elberfelderstrasse bes Meeuht dens Kaisers und Könign u, Beliaun,-FEHgumngirfe An daben de. 1. P. Bächten Smil briuhen Bogen. Prieh Schruen, Bürsemanens. Hagener Freiw. Feuerwehr. II. Abtellung. (Hagen=Wehringhausen.) Sonntag den 2. Oktober, morgens 7 Uhr: Uebung. 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