Aeserh, Beilagen:„Unterhaltungsblatt" und„Praktischer Ratgeber“. nt Ausnohme der Sonn= und Feiertage. Abonnementspreis: 1 M. 25 Pfg., durch den Postboten ins Haus gebracht 1 M. 67 Pfg. vierteljährlich; mit„Illustriertes Sonntagsblatt“ Erschent täglich iut Busnogu ve, Sov a5 Pfg, mehr. Anzeigen koßten 15 Pfg, die Pelitzelle oder deren Raum, Reklamen 5 Zeile 50 Pig. Nr. 194. Freitag, den 23. August 1901. Hierzu das„Unterhaltungsblatt“ und für die betreffenden Abonnenten das„Illustrierte Sonntagsblatt“. Bestellungen auf diese Zeitung für den Monat September werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern, unsern Agenten und Boten, sowie von der Expedition zu 1/3 des am Kopfe vermerkten Preises entgegengenommen. 8. Uebersicht. Die preußischen Bischöfe, sowie die Bischöfe von Mainz und Freiburg waren zu Anfang dieser Woche, wie alljährlich um diese Zeit, am Grabe des heiligen Bonisazius in Fulda versammelt. Am Sonntag beginnt zu Osnabrück die diesjährige Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Was die Bischöfe in Fulda verhandelt haben, ist nicht bekannt. Aber es besteht eine innige Seelengemeinschaft zwischen der Bischofs=Konferenz und der Katholikenversammlung. Die Katholiken wissen sich eins mit ihren Bischöfen, nicht nur in rein kirchlichen Fragen, sondern auch in allen wichtigsten Fragen des öffentlichen Lebens. Die Generalversammlung findet in der Heimat Windthorsts statt. Lange Jahre war Windthorst die Seele und der Mittelpunkt der Katholikenversammlungen. Er ist seit länger als zehn Jahre tot, aber auf den Versammlungen herrscht noch der alte Wind horst'sche Geist, d. h. der alte katholische Geist. Wir zweifeln gar nicht, daß auch die diesjährige Versamlung so verlaufen wird, wie es der Heimat Windhorsts würdig ist. Zu aktuellen politischen Fragen pflegen unsere Generalversammlungen nicht Stellung zu nehmen. Sie sind keine Versammlungen der politischen Centrumspartei und haben überdies Arbeitsstoff genug auch ohne die Fragen der Tagespolitik. Unsere Gegner haben das gern übersehen und immer wieder die Hoffnung genährt, es möge auf der Katholikenversammlung wegen irgend einer politischen Streitfrage zur Spaltung kommen. Diesmal hören wir nichts von derartigen Spekulationen, der neue Zolltarif böte doch einen hübschen Anhaltspunkt. Vielleicht sind die Gegner eben zu sehr vertieft in den Kampf um diesen Tarif, als daß sie anderen Dingen um sie herum, zumal einer Katholikenversammlung, ihre Aufmerksamkeit widmen könnten. Zwei Dinge haben neuerdings die Kampfes=Lohe wieder hoch aufflammen lassen. Die Aufregung, welche die Kundgebung des Centralberbandes deutscher Industrieller hervorgerufen hat, ist verstärkt worden durch die Erläuterung der Generalsekretärs Bueck und mehrerer „Organe der Großindustriellen, daß der Minimaltarif für Getreide fallen müsse, weil er das Zustandekommen langfristiger Handelsverträge vereiteln könnte. Alles Klagen der konservativ= lagrarischen Presse über Verrat, und alles Drohen mit der Ablehnung der Industriezölle und der ganzen Vorlage scheint keine Sinnesänderung beim Centralverbande bewirkt zu haben. Die Industriellen wissen eben, daß ihnen nichts geschehen kann; scheitert die ganze Vorlage, so ist es ihnen auch recht, denn dann würden wohl die jetzigen Handelsverträge einfach bestehen bleiben. Verschiedene Versuche, einen Ausgleich zwischen den Streitenden herbeizuführen, sind bis jetzt erfoglos geblieben. Nach unserer Ueberzeugung überschätzen sowohl Industrielle wie Landwirte die praktische Bedeutung des Minimaltarifes ganz bedeutend, und darum müßte eine schließliche Verständigung gar nicht schwer sein. Während man sich aber hierüber noch streitet, ist der Ausschuß des deutschen Landwirtschaftsrates, der mit den Vertretern verschiedener anderer landwirtschaftlicher Organisationen in Berlin tagte, mit neuen Forderungen hervorgetreten, die über die Vorschläge des Tarifentwurfs weit hinausgehen. Die gemischten Transitläger sollen beseitigt, Ursprungsatteste sollen eingeführt, die landwirtschaftlichen Zölle sollen noch bedeutend erhöht werden, die Getreidezölle auf 7,50 Mk., für Erzeugnisse der Gärtnerei und Kartoffeln soll ebenfalls ein Zoll eingeführt werden. Der Doppeltarif soll für sämtliche landwirtschaftliche Zölle zur Anwendung kommen und in Handelsverträgen dürfen diese Zölle höchstens um 20 pCt., bei Getreide also bis auf 6 Mk. ermäßigt werden. Das Gesetz soll am 1. Jan. 1904 in Kraft treten; durch Kaiserliche Verordnung kann auch ein früheres Inkrafttreten bestimmt werden. Um dieselbe Zeit, wo der Ausschuß des Landwirtschaftsrates tagte, hielt auch der Ausschuß des Bundes der Landwirte eine Sitzung ab. Dieser nahm wörtlich dieselbe Resolution mit den gleichen Forderungen an, wie jener Ausschuß, ein Beweis, daß die Führer des Bundes die ganze Sache dirigieren; der sächsische Landeskulturrat hat unmittelbar vorher ein Gleiches beschlossen, offenbar ebenfalls mit freundlicher Unterstützung der Bündler. Während aber der Ausschuß des Landwirtschaftsrats seine Wünsche gleich in Anträgen an den Bundesrat formulierte, hat der Ausschuß des Landwirtsbundes das nicht sofort gethan. Ihm gehen nämlich die Zollforderungen des Landwirtschaftsrates nicht weit genug; das haben die Bundesmitglieder, die an den Beratungen des Ausschusses des Landwirtschaftsrates teilnahmen, auch gleich erklärt. Sie verlangen vor allem, daß der Getreidezoll 7,50 Mk. betragen müsse. Wieweit alle an dem Beschlusse des Landwirtschaftsrats=Ausschusses Beteiligten dessen Forderungen als Mindestforderungen betrachten, muß dahingestellt bleiben, da über die Verhandlungen nichts bekannt ist. „Sollte es sich um mehr als die Politik des Satzes handeln: man muß mit seinen Forderungen aufschlagen, um das, was man ernsthaft wünscht, sicherer zu erhalten, so fürchten wir, die Landwirte, die an die Erfüllung der jetzt gestellten oder der noch höheren Forderungen des Bundes der Landwirte glauben, werden eine Enttäuschung erleben. Die agrarische Presse spricht immer verächtlich von der Agitation der Zollgegner. Gewiß, sie ist arg schwindelhaft und unehrlich, aber daß sie nicht ohne alle Wirkung bleibt, ist leider auch wahr. Auf die Regierung wird sie ihre Wirkung auch thun. Man wird sich nun einmal an den Gedanken gewöhnen müssen, daß nicht alle Wünsche, die man hätte, erfüllbar sind, und daß nur auf einer Mittellinie für die Landwirtschaft etwas zu erreichen ist. Man thut gut, seine Erwartungen nicht nennenswert höher zu spannen, als der Regierungsentwurf Graf Waldersee erlebt mit seinen Reden dasselbe Schicksal, das heutzutage vielen öffentlichen Rednern blüht: er wird von den Berichterstattern„mißverstanden". So soll er in Hannover nicht gesagt haben:„andere Namen sind verblaßt, der deutsche Name ist hoch gegangen". Diese Worte haben vielfach unangenehm berührt, besonders auch in England. Aber das Wolff'sche Telegraphenbureau, das sie berichtet hat, hält darin fest. Auch verschiedenes andere will oder soll Waldersee nicht gesagt haben, was„Wolff“ ihn sagen läßt. Möge er sich nächstens genauer überlegen, was er reden will, oder noch besser: möge er überhaupt nicht reden, dann verplappert er sich nicht. Moltke hat das viele Reden auch nicht für nötig gehalten, und war doch ein noch größerer Mann als Graf Waldersee. Da der„Weltmarschall“ vorläufig weder Reichskanzler noch Statthalter werden kann, soll er Vorsitzender einer Kommission werden, die den Plan zur Bildung einer Kolonialarmee ausarbeiten soll. Die Gründung einer solchen Armee scheint nämlich trotz allen Ableugnens bereits beschlossene Sache zu sein. Ob das Geld dafür da ist, ist Nebensache, wir brauchen eine Kolonialarmee mit hübschen neuen Uniformen. Auch die Neubewaffnung der Artillerie steht in Aussicht, nachdem die Artillerie erst vor vier Jahren neue Schnellfeuergeschütze erhalten hat. Die schon seit so langer Zeit schwebende Metzer Bischofsfrage scheint jetzt ihrer Lösung nahe zu sein. Bekanntlich wollte man in Berlin den Prälaten Zorn v. Bulach durchaus als Bischof in Metz sehen. In Rom wurde dieser jedoch abgelehnt. Nun hat auf Wunsch von Rom der Weibischof Dr. Marbach, sehr zur ungeheuren Ueberraschung der elsässischen Bevölkerung, sein Rücktrittsgesuch eingereicht, während noch kurz vorher bestimmt das Gegenteil verlautete. In Rom ist ohne Zweifel ein starker Druck von Berlin aus ausgeübt worden. Prälat Zorn v. Bulach soll nun Weihbischof in =1 Der rote Hahn. (Nachdruck verboten.) 11. Fortsetzung. So kam der Sommer. 366 Hassels' Felder sahen traurig aus. Es war ein sehr schlechtes Jahr, aber es schien, daß es für ihn noch schlechter war als für die andem. War es Zufall, oder war es nicht vielmehr Gottes Hand?... Und so geschah es, daß Hassels der Zukunft mit Angst und Bangen entgegenblickte. Er war zwar reich, aber all' sein Geld hatte er, um seine dumme Rachsucht zu befriedigen, dazu verwandt, um immer neues Land zu kaufen. Er besaß viel Ackerland, aber was half ihm denn das, wenn nichts darauf wuchs? Er hatte auf diese Ernte gerechnet, um wieder klingende Münze in seinen Beutel zu bekommen. Der Mensch denkt, und Gott lenkt; Hassels hatte es vergessen, oder richtiger, er hatte es niemals wissen wollen. Den Hof, den er bewohnte, hatte er in den letzten Zeit ansehnlich vergrößern und erneuern lassen, aber die Unkosten waren nicht gedeckt: er hätte dieselben bezahlen müssen, wenn die Ernte in der Scheune war. Und nun war die Ernte eingebracht. Aber wenig war es, bitter wenig, und dann halb verdorben, alles, was er in seine Scheune brachte. Und obendrein brach noch eine Seuche unter seinem Vieh aus, und innerhalb 8 Tagen waren alle Tiere gefallen. Seine Schulden indessen waren dringend, im Oktober mußte er sie bezahlen, und es war schon September. Sollte er denn für einen armen Bauer angesehen werden? Sein Haus, seine Ländereien verkaufen zu sehen, um die Schulden zu decken, und er, der hochmütige Pächter, sich dem Spotte und Hohne der anderen bloß stellen lassen? „Nein, niemals, niemals!“ Dafür war er zu stolz und auch zu schlan. Denn Hassels war gerieben und raffinirt wie ein Fuchs. Er wollte sich schon wieder aus seiner traurigen Lage befreien. Er wußte wohl, wie er sich retten konnte und worin dieses Rettungsmitel bestand...4, gefen. w. Kestraße Bos Hranh. Er hatte noch nicht vergessen, was er betreffs des Brandes des Falkenhofes schon lange vorher hatte ausstreuen lassen. Dieses Mittel würde er auch wobl zu seinem Vorteil gebrauchen können. Es würde ihm auch wohl zu zuerst etwas schwer, aber sein Glück, sein Reichtum hingen davon ab. Und allmählich kam ihm dieser Gedanke nicht allein natürlich sondern selbst notwendig vor. Doch er mußte seine Vorsorgen treffen. Eine Woche lang suchte er alles Geld zusammen, das er hier und da besaß, machte großen Aufwand, gab viel Geld aus, zeigte sich freigebig, kurz, spielte den Dann begab er sich nach dem Sitze der Versicherungsgesellschaft, um an dem dazu bestimmten Termin sein Versicherungsgeld zu bezahlen; denn, wenn etwas vor dieser Bezahlung geschah, dann wurde er weder für seinen ganzen Hof, noch für die Ernte, die er hoch über den wirklichen Wert versichert hatte, entschädigt werden. Doch nach dieser Bezahlung hatte er die Gewißheit, daß er Alles doppelt und dreifach wiederbekommen würde. Nun er diese Maßregeln genommen hatte, wartete er noch auf einen Augenblick, um seinen Plan zur Ausführung zu bringen.— gchehen Jk. Er war vorbereitet, es konnte nun geschehen, aber er zögerte noch; es schien ihm, daß noch etwas vorfallen müßte, das ihm noch mehr in die Hand arbeiten, das zugleich seiner Rachsucht dienen würde. Denn Gerhard war ihm noch mehr als vorher ein Dorn im Auge, und er hatte schon darüber nachgedacht, aus den rachsüchtigen Worten, welcher dieser gegen ihn ausgesprochen hatte, Nutzen zu ziehen. Und Gott läßt mitunter zu, daß die Sünde triumphiert, aber dieser Sieg ist von kurzer Dauer! X. Gerhard hatte gute Nachrichten erhalten. Er hatte den Bericht erhalten, daß der Herr, von dem er schon mit Maria gesprochen hatte, jetzt fest entschlossen war, den Hof aufbauen zu lassen und ihn nach getroffener Uebereinkunft an Gerhard zu mäßigem Preise zu verpachten. Es war Nachmittag, als er diese Nachricht erhalten hatte, und er beschloß, abends noch zu Maria zu gehen, um ihr die frohe Kunde mitzuteilen. Fröhlich verließ er den Bauernhof, wo er wohnte, und begab sich auf den Weg. Gerhard's Herz war übervoll von Freude und Seligkeit. Es war ihm, als ob dies kleine Glück nach so vielem Leiden ihm einen Genuß verschaffte, den er so lange hatte entbehren — Die Zukunft war nicht mehr so düster. Zwar sah er noch keinen sicheren Ausweg aus dem heutigen verwickelten Zustande, noch bemerkte er das helle Morgenrot an dem Osten seines künftigen Glückes. Es war noch Nacht in seinem Herzen, aber durch die dunkeln Wolken hin glänzte doch ein Stern, sehr weit, aber es war ihm schon genug, seinen stillen Glanz zu betrachten und ihn mit einem Blick dankbarer Rührung anzuschauen.. 1,. W5. Ju9lic auc Und auf dem Wege dachte er nach, wie glücklich auch Maria sein würde, die Bestätigung dessen, was er sie einige Monate vorher vermuten ließ, aus seinem Munde zu verUnd dann, der Falkenhof sollte wieder aufgebaut werden; nicht ein mittelalterliches Schloß wie früher, sondern ein schöner, großer, lachender Hof, mit geräumigen Stallungen und gefüllten Scheunen. Und dann noch eins... er wollte alles so schön ordnen und einrichten, daß, wenn er seine Frau einmal heimführte, alles sie anlachen würde in freundlicher Häuslichkeit. Aber wann?... Ja, wann sollte das geschehen?... Sollte dieser herrliche Tag denn jemals kommen?... Straßburg werden, während Abt Benzler von Maria=Laach Bischof von Metz wird. Ob im Zusammenhange mit der Erledigung dieser Personalfrage nun auch die Frage der katholisch=theologischen Fakultät in Straßburg zur Entscheidung gekommen ist, wird man ja wohl bald erfahren. In Frankreich herrscht großer Jubel. Der Zar wird im September zu den Manövern bei Reims kommen und mehrere Tage in der Mitte der Franzosen weilen. Auch die Zarin wird kommen. Dieser Besuch soll offenbar zunächst die Franzosen wegen der Begegnung zwischen dem Zaren und dem deutschen Kaiser beruhigen und ihnen weiter den Beweis liefern, daß der Zar wegen des Ministeriums Waldeck=Rousseau keine Besorgnis mehr hegt. Wir werden von ihm zwar sehr viel kühler behandelt als die Franzosen, und die bevorstehende Begegnung mit dem deutschen Kaiser ist ihm sichtlich unbequem, aber zu beunruhigen braucht uns der neue Besuch in Frankreich ebensowenig wie die früheren.— Die Ausführungs= bestimmungen zum Vereingesetze sind nunmehr erschienen. Sie enthalten u. a. die Vorschrift, daß die staatliche Genehmigung keiner Kongregation erteilt wird, die sich nicht ausdrücklich zur Unterwerfung unter die Obergewalt der Bischöfe verpflichtet. Damit wird von einem Teile der Orden und Kongregationen Auflehnung gegen den Papst gefordert. Eine große Anzahl von Nonnenklöstern soll bereits die Genehmigung nachgesucht haben. Andere wollen auswandern. Die Männerorden haben zum Teil bereits Vorkehrungen getroffen, um nach Belgien und Luxemburg überzusiedeln, falls sie die Genehmigung nicht erhalten. Da die Genehmigung durch Gesetz erfolgen muß, so kann es noch endlose Streitigkeiten darüber in der Kammmer geben. Vielleicht spekuliert Waldeck=Rousseau eben darauf, in der Hoffnung, daß die Kirchenfeinde sich immer wieder zu seinem Schutze sammeln würden.— Kriegsminister General André hielt am Sonntag in Auzonne eine Rede, worin er mitteilte, ein Prätendent habe Briefe an Korpskommandanten gerichtet, worin er sie für seine Zwecke anzuwerben suchte. Die betreffenden Korpskommandanten hätten sich beeilt, ihm(dem Minister) diese Briefe einzusenden. Das beweise, wie großes Vertrauen man zum Heere haben könne. Offenbar handelt es sich hier um den Herzog von Orleans, der die Briefe geschrieben haben wird bei Gelegenheit des Dérouléde'schen Komplottes. In England ist am Samstag die Parlamentssession geschlossen, worden. Es war die 4uger gent seche Wgg Front nach Norden bilden und die Buren vor sich her treiben sollen bis in den Oranje=Freistaat, wo sie zwischen 2 Feuer geraten sollen. Oberst Gorringe hatte am 13. August bei Steynborg mit den Buren unter Kritzinger einen Kampf, in dem er Sieger blieb; die Kommandanten Cachel und Erasmus wurden gefangen genommen, ersterer war tötlich verwundet. Wenn aber gemeldet wurde, Kritzinger sei bereits am 15. über den Oranjefluß getrieben worden, so ist das kaum richkig. Jedenfalls fiel um dieselbe Zeit, wo Kritzinger bei Steynborg geschlagen wurde, bei Bethesda eine Abteilung Engländer einer überlegenen Burenmacht in die Hände, und mußte sich ergeben. Andererseits wollen die Engländer am Modderfluß eine Abteilung Buren überrascht und gefangen haben. Wie wenig die Engländer im Transvaal die Herren sind, ergiebt sich aus der Thatsache, daß am 16. d. M. bei Middelburg, also gar nicht so weit von Pretoria, Polizeiabteilungen in Stärke von 150 Mann ein Burenlager, dessen Stärke 600 bis 800 Mann betragen haben soll,„überraschten" und geschlagen wurden. Kitchener meldet die Niederlage in der beliebten Form, die Engländer hätten wegen der Stärke des Feindes ihren„Erfolg nicht ausnutzen können" und„beim Rückzuge" an Verlust einen Toten, 6 Verwundete, darunter Kapitän Morley und 14„Vermißte“ und die gefangenen Buren wieder hergeben müssen. In China sind die Friedensverhandlungen endlich so weit gediehen, daß am 15. d. Mts. das Schlußprotokoll durch die fremden Gesandten unterzeichnet und dann den chinesischen Bevollmächtigten übermittelt wurde. Li=HungTschang versuchte, mit einigen Einwänden die alte Verschleppungstaktik fortzusetzen, aber die Gesandten wollten sich auf nichts weiter einlassen und erklärten den Text für„endgültig.“ Unterschrieben haben die Chinesen das Protokoll noch nicht. Der chinesische Hof hat als Tag seines Aufbruches von Hsianfu nach Peling den 6. Oktober festgesetzt. Tages=Ereignissé. Deutschland.— Berlin, 22. Aug. Das Urteil des Gumbinner Oberkriegsgerichtes hat dem Ansehen der Militärgerichtsbarkeit einen empfindlichen Stoß versetzt. T gesamte Presse ohne Unterschied der Parteirichtung, findet unbegreiflich. Wenn das eine oder andere Blatt schweigt, der Spgh. Li, längste seit sechs Jahren, sso ist das sicher kein Zeichen, daß es mit dem Kriegsgerichte deschlosse, worden. Es war vir truget,„eut reizs Ouhrr;, überstimmt, es will oder darf aus Rücksicht auf die Armee aber ihr Ergebnis war äußerst dürftig. Die Hauptthätigrer, seine Ansicht nicht aussprechen. Daß die Presse in diesem des Parlaments bestand in der Bewiligung ungezählter K /1, die Vertreterin der öffentlichen Meinung ist, kann nicht Millionen für den Krieg in Südafrika. Zu der sitlichen)“““ zzelt werden. Die Einmütigkeit der Kritik beweist auch, Höhe einer energischen Verurteilung des frivolen und bar= Haß von Voreingenommenheit nicht die Rede sein kann. barischen Kampfes gegen die Buren vermochte sich nicht ein= Wenn das Oberkriegsgericht dem Antrage des Staatsanwalts mal die Opposition aufzuschwingen.— Kurz vor Schluß er= entsprechend Marten des Totschlags schuldig befunden hätte, litt die Regierung im Unterhause noch eine empfindliche so hätte man das stellenweise wohl begriffen, wiewohl die Niederlage. Bei Beratung des Fabrikgesetzes wurde gegen neue Verhandlung den von dem Gerichte erster Instanz nicht den lebhaften Widerspruch des Ministers Ritchie mit 162 für genügend erachteten Indizienbeweis um kein Moment gegen 141 Stimmen beschlossen, daß die Arbeit für Frauen verstärkt hatte. Wie aber das Oberkriegsgericht auf Grund und Kinder in Textilfabriken am Sonnabend um Mittag, von Verdachtsgründen, die dem ersten Gerichte nicht einmal statt, wie Ritchie wollte, uw 1 Uhr geschlossen werden solle. zu einem„schuldig“ ausreichten, den Angeklagten des vorHat die Niederlage„auch keine große praktische. Bedentuns, bedachten, längstüberlegten Mordes schuldig finden konnte, so ist sie doch eine Blamage für Ritchte, der nicht nachgeven das wird allen„Civilisten“ ein Rätsel bieiben. Die Verwollte, wiewohl er auf die Gefahr aufmerksam gemacht wor= handlung hat auch nicht den geringsten Anhaltspunkt für den war. Am Tage des Sessionsschlusses leistete sich das Mord ergeben und die„Gründe“ des Oberkriegsgerichts sind Unterhaus noch eine jener lächerlichen Scenen, an denen die rein gedankliche Konstruktionen ohne thatsächlichen Anhaltsparlamentarische Rumpelkammer in England so reich ist. punkt Zu welchen Ungeheuerlichkeiten würde man kommen, Verleger und Redakteur des„Gloher mußten vor den Schranken wenn nach dieser Methode allgemein Recht gesprochen werden des Unterhauses erscheinen und Abbitte leisten, weil sie die sollte, Verschiedentlich wird natürlich jetzt auch behauptet Privilegien: des Parlaments durch einen beleidigenden Artikel und geglaubt, daß die nach der ersten Freisprechung von dem gegen die irischen Abgeordneten verletzt hatten, und erhielten„Gerichtsherrn“ General v. Alten gethane Aeußerung, daß vom Sprecher einen Verweis. ssämtliche, die Angeklagten belastenden Thatsachen erwiesen In Südafrika hat die Proklamation Kitcheners bis Jehz: seien und deshalb Verurteilung wegen Mordes und Meuterei zine sichtbare Wirkung nicht erzielt. Wenn Chamberlain hätte erfolgen müssen, das setzigellrteil beeinflußt habe. Wir haben ingst im Unterhause behauptete, die„Banditen“ schlichen schon gesagt, daß wir die beteiligten Offiziere denn doch fürzu geich zu zweien oder dreien durch die englischen Posten, um zu wissenhast halten, als daß eine Meinungsäußerung des„Gerichtsvländern und zu morden, so lauten die Berichte aus Afrika herrne sie bestimmen könnte, einen Mann, von dessen Schuld sie doch etwas anders; die Buren müssen doch nicht in Trupps nicht überzeugt sind, für schuldig zu erklären. Wie weit sie zu zweien oder dreien Räubereien treiben, sondern in sehr unbewußt durch Meinungsäußerung des„Gerichtsherrn“ tattlicher Anzahl den Engländern zähen Widerstand leisten. Die heeinflußt sein könnten, das wird sich schwer ermessen lassen. Taktik des Generals Freuch geht dahin, daß die englischen Man darf sie aber doch wohl für so selbständige Männer Truppen eine lange Linie von Osten nach Westen mit der halten, daß auch eine nennenswerte unbewußte Beeinflussung nicht stattgefunden hat. Wir erklären uns das Urteil, wie Das war eine Wolke, die vor dem eben noch strahlenden schon gesagt, aus der militärischen Gesamt=Anschauuzug Sterne trieb. Sollte Hassels denn gar nicht zu überreden heraus, die unbedingte Sühne für eine That ver sein? Sollte Gerhard ihm auch die frohe Nachricht, die er Disziplin=Verletzung verlangte und den Schandfleck auf de Maria verkündigen wollte, nicht mitteilen?... Armee nicht dulden konnte und der Vielleicht würde der Herzlose durch klingende Beweggründe der einzige in Betracht kommenoe Thäter darbot. Die zu überreden sein. Gewiß, früher konnte Gerhard auch wohl militärische Auffassung der ganzen Angelegenheit ergänzte das auf ihren Einfluß bei Hassels rechnen, aber damals achtete Belastungsmaterial. Mit Recht wird in der Presse noch zieser nicht darauf. Sollte diese Zeiten sich vielleicht geändert besonders darauf hingewiesen, daß die Oder sollte er noch einmal vor iym auf die Knie fauen die Gesetzwidrigkeit der nach dem ersten Freispruch gegen dieser nicht darauf. Sollte diese Zeiten sich vielleicht geändert besonders darauf hingewiesen, daß die zweite Verhandlung haben? Oder sollte er noch einmal vor ihm auf die Knie fallen die Gesetzwidrigkeit der nach dem ersten Freispruch geg und flehen?... Hickel verfügten„neuen“ untersuchungshaft, schlagend burNein! Nein, das durfte er nicht!. ggethan hat. Auch nicht die Spur neuer Thatsachen oder gesetzliche Verfahren, das in einerg Teile der Presse un wahrämnig gevordenen Muter schwebte! sogar von dem Geheime, Pziegerat, Ziezgn, vertedigt wurde, Hate er das Alls vergessen und erimerte er sich vielbi kann das Vertrauen zur Deutärgerngzesoageit, gicht, ehöheg. leicht nicht mehr der Worte, die er gesprochen, Worte, die Daß so bald nach Einführung der neuen Milsthrstegifg um Rache zum Himmel riefen? sordnung so unliebsame Streiflichter auf diese Ger##, barkeit Hatte er das Alles denn wirklich vergessen und klebteffallen, wird ja manchem sehr unangenehm## nichts Unreines mehr auf Hassels, um Gerhard zu verhindern, in militärischen Kreisen die Abneigung gegen die Neuerung die Vergangenheit schlummern zu lassen?— Gewiß, mit verstärken. Oyne die neue Meititärstrafprozeßor christlicher Liebe hatte er Hassels all das Leid verziehen, das wäre dieser Stoß dem Ansehen der Militärge dieser ihm zugefügt hatte; aber.... nein, das durfte nicht allerdings nicht versetzt worden, denn da hätte man alles sein, wenistens nun noch nicht; die Liebe kann viel ertragen shinter verschlossenen Thüren abgemacht, und kein Hahr, hätte viel dulden, aber wenn sie echt und rein ist, ist sie auch vor= danach gekräbt. Aber die Reform, deshalß verangz. vieme sichtig und gerecht.[machen, wäre doch vollig verkehrt. Man muß „Gott wird wohl Alles zum Guten lenken,“ dachte Gerhard sagen: wenn schon bei der jetzigen Strafprozeßordnung ur So nachdenkend und überlegend war es allmählich in bei der Oeffentlichkeit des Verfahrens so der Nähe der Wohung Maria's angekommen.(vorkommen, wie muß es da erst mit der Miltär=Jusis ausAuf dem Wege kam ihm eine Frau entgegen. Als sie gesehen, als das Verfahren noch, zreit verganzevur und an Gerhard vorbeiging, erkannte er in ihr die Bettlerin, die überdies hinter verschlossenen kanntlich ist die Berufung in bürgerlichen Strafgesetzen bisher nicht zu erreichen gewesen, während die Militärstrasprozeßordnung sie eingeführt hat. Gäbe es beim Militär keine Berusung, so wäre die Verurteilung Martens nicht erfolgt. Daraus hat man sonderbarer Weise ein Argument gegen die Berufung im bürgerlichen Strasprozeß herleiten wollen; die Bestrafung Martens ist aber doch nicht eine Wirkung der Berufung, sondern der Mangelhaftigkeit der Militärgerichtsbarteit..— Geisg in — Der„Sühneprinz Tschun wird vom Kaiser im Berliner Schloß am 27. August in feierlicher Audienz empfangen werden. Bei dieser Audienz sollen das kaiserliche Hauptquartier, die Generalität, die Admiralität, der Reichskanzler, die Staatsminister usw. zugegen sein. + Daß eine Zusammenkunft zwischen dem Kaiser und dem Zaren stattfinden wird, steht fest; über das Wo und Wie gehen die Meldungen auseinander. In Kiel erhält sich das Gerücht, daß Kaiser Wilhelm mit dem Kaiser Nikolaus und dem König Eduard dort eine Begegnung haben werde, aber es scheint, daß an den zuständigen Stellen über einen Besuch von fürstlichen Persönlichkeiten nichts bekannt ist. Auch auf dem russischen Konsulat weiß man nichts über die Ankunft des Zaren.— Die„Danz. Ztg.“ behauptet mit Bestimmtheit, für die Zarenbegegnung auf der Danziger Rhede sei neuerdings nur das Datum in Frage gekommen, von einer Begegnung der beiden Kaiser in Kiel sei keine Rede. 17 Laut kaiserlicher Anordnung sind den Teilnehmern an der Chinaexpedition bei der Pensionierung zu der wirklichen Dauer der Dienstzeit hinzuzurechnen: a. ein Jahr, wenn sie wenigstens einen Monat Teilnehmer gewesen sind; b. ein zweites Jahr, wenn sie in den Jahren 1900 und 1901 zusammen wenigstens neun Monate als Teilnehmer außerhalb der Reichsgrenze und der heimischen Gewässer zugebracht haben. Waren sie an der Erfüllung dieser Bedingung infolge einer in Ostasien erlittenen Verwundung oder sonstigen Dienstbeschädigung verhindert, so soll auch in diesen Fällen die Hinzurechnung eines zweiten Jahres stattfinden. !s! Der Rücktritt des Fürsten zu Wied von dem Präsidium des deutschen Flottenvereins und sein Ausscheiden aus dem Gesamt=Vorstande hängt mit den unliebsamen Erfahrungen zusammen, die der Fürst während der Dauer seines Amtes in finanzieller Beziehung machen mußte. Es haben auch die damit verbundenen Aufregungen wesentlich zur Erschütterung seines Gesundheitszustandes beigetragen. Er soll nach der Nat. Ztg. einen Betrag von über 180000 Mark geopfert haben, um dem Flotten=Vereine über die Folgen einer ganz unverständlichen finanziellen Gebahrung hinwegzuhelfen. Als voraussichtlicher Nachfolger des Fürsten zu Wied im Präsidium des Vereins wird Fürst Otto zu SalmHorstmar genannt. Wenn's dem nur nicht ähnlich geht! X Bei dem diesjährigen Besuch des Kaiserpaares in der Provinz Ostpreußen soll dem Kaiser ein größerer Fonds zur Erbauung von zehn protestantischen Jubiläumskirchen in der ostpreußischen Diaspora übergeben werden, für den in den einzelnen Gemeinden Sammlungen stattgefunden haben. Wenn es sich um Katholiken und katholische Kirchen handelte, würden gewisse Leute ohne Zweifel sagen, der kaiserliche Besuch werde zur„römischen Propaganda“ mißbraucht. — Zweizüngig ist Herr Dade. Generalsekretär Dade im Deutschen Landwirtschaftsrat, welcher für den Grafen Schwerin Löwitz die schriftlichen Arbeiten anfertigt, verteidigt als Generalsekretär im Dienst die Erhöhung der Getreidezölle bis zu 7,50 Mk., mindestens 6 Mk. Derselbe Herr Dade aber hat umlängst in den von Schmoller herausgegebenen„Beiträgen zur neuesten Handelspolitik“ bezeichnet als„für den deutschen Ackerbau erforderlichen Zouschun folgende Vertragssätze: für Weizen 6, für Roggen 5, für Hafer und Braugerste 3,50 und als reinen Finanzzoll für Futtergerste 1 Mk. Er bezeichnet also als ausreichend und zwar ebenfalls auf Grund der früheren und jetzigen Preise bei Roggen 1 Mk., bei Hafer und Braugerste 2,50 Mk., bei Futtergerste 5 Mk. weniger, als der Ausschuß des dentschen Landwirtschaftsrates jetzt verlangt. Oesterreich=Ungarn ist sparsam in Heer= und MarineAusgaben und überläßt gern Deutschland im Dreibuno einen größeren Aufwand. Im neuen Etat für 1902 wird im ganzen nur eine halbe Million Kronen mehr für Heer und Marine im Ordinarium und Extraordinarium verlangt als im Vorsahre.. zschen Gesumbte und 6. Amerika. Der Streit zwischen Kolumbia und Venezuela. Der venezolanische Präsident Castro hat beschlossen, Kolumbien den Krieg zu erklären. Der Präsident rechtfertigt diesen Schritt damit, daß der kolumbische Kriegsminister mit Truppen in das Gebiet von Venezuela eingedrungen sei. Dieser weist dagegen diese Behauptung in einem Telegramm energisch zurück; er versichert, die Truppen, welche die Grenze überschritten hätten, seien venezolanische Insurgenten gewesen, die sich unter dem Befehle des Insurgenten Garbira befunden hätten. =] Krieg in Südafrika. Berlin, 21. Aug. Der„Lokalanz.“ meldet: Ein Freund unseres Blattes befragte im Haag Herrn Dr. Hendrick Müller, den wohlbekannten Vertreter des Oranjefreistaats, über den augenblicklichen Zustand in der Kapkolonie und erhielt folgende bedeutsame Antwort:„Soeben habe ich von vertrauenswerter Seite aus Südafrika einen Bericht erhalten, der meine Erwartungen übertrifft. Wie mir nämlich mitgeteilt wird, haben 11 bis 12000 Kapkolonisten die [Waffen ergriffen. Mein Berichterstatter schreibt mir ferner: Der Zustand hier wird sehr kritisch. Die Engländer sind ratlos. Sie halten alle Berichte auf, damit diese nicht Kapstadt erreichen. Dasjenige, was man dort hört, ist lauter Lüge. Die ganze englische Politik wird hier bald zusammenbrechen, und England selbst hier verbluten.“ So die Auslassung des Herrn Müller. Wenn nun auch die Auffassung von der„baldigen Verblutung" Englands zu optimistisch sein mag, so ist die sachliche Mitteilung von einer Massenerhebung der Kapholländer in Zahl von 11 bis 12000 neuen Kämpfern für England jedenfalls sehr bedenklich. London, 22. Aug. Reuters Bureau meldet aus Smalded vom 21. August: Vor einigen Tagen überraschte Oberst Barker und Major Pinecoffin das Kommando Haasbroeks bei Doornberg. 7 Buren wurden getötet, 2 verwundet und 21 gesangen gepommen. Aus dem Regbz. Minden. + Bielefeld, 23. August. Sommertheater. Um vielfachen Wünschen, welche von Seiten des Publikums an die Direktion gelangt sind, nachzukommen, sieht sich die Direktion veranlaßt, das romantische Schauspiel„Ein Sommernachtstraum“ von William Shakesspeare mit der Musik von Felix Mendelssohn=Bartholdy am Sonntag nochmals zu wiederholen, und wird ebenfalls wieder das städtische Orchester (königl. Musikdirektor Ochs) mitwirken. Es ist dies jedoch die unwiderruflich letzte Aufführung des herrlichen Werkes, und zwar sind ausnahmsweise, trotz der sehr hohen Kosten, welche durch die, gänzlich neue Ausstattung und die Heranziehung des städtischen Orchesters bedingt sind, zu dieser Vorstellung gewöhnliche Preise angesetzt worden, auch haben Dutzendkarten ohne Nachzahlung Giltigkeit. In reitung findet sich zur Feier von Goethe's 152. Geburtstage eine Aufführung von dessen Meisterwerk„Egmont“ mit der Musik von L. van Beethoven, unter Mitwirkung des städtischen Orchesters(kgl. Musikdirektor Ochs). Diese Aufführung findet am Dienstag, den 27. d. Bielefeld, 22. Aug. Herr Landrichter Preuß zu Bielefeld ist laut Wächter zum Regierungsrat ernannt worden. Bielefeld, 23. Aug. Das neue Postgebäude am Bahnhof, das von der Firma Strunkmann und Meister erbaut und an das Kaiser. Postamt vermietet ist, geht seiner Vollendung entgegen. Das Gebäude wird wahrscheinlich am 15. Oktober vom Kaiserl. Postam bezogen werden können. Die Lage des neuen Postamts am Bahnhof ist für das Publikum bedeutend günstiger und zweckmäßiger, als das alte, bereits über 50 Jahre dem Verkehr dienende, das für den gesteigerten Postverkehr am Bahnhofe in keiner Weise mehr ausreichte. Der ganze Annahmedienst des Bahnpostamts, überhaupt der ganze Verkehr mit dem Publikum einschließlich des Telegraphenverkehrs wird in das neue Postgebäude verlegt, während das alte Bahnpostgebäude nur noch für den Verlade= und Durchgangsverkehr in Gebrauch bleiben wird. Durch das neue, praktisch eingerichtete Postgebäude, das zur Abfertigung des Publikums bedeutend mehr Raum hat als das alte Haus, wird eine bedeutendere Verbesserung und Erleichterung des Postverkehrs für die Geschäftsleute und für das Publikum der Bahnhofgegend ins Leben treten. Westf. Ztg. Bielefeld, 21. August. Was schon lange angestrebt wurde, soll nun endlich ermöglicht werden. Der als Exerzierplatz für das hiesige 2. Bataillon des 55. Inf.=Regts. benutzte Kaiser Wilhelmsplatz sollte schon immer gegen ein von der Stadt zu erwerbendes anderes geeignetes Terrain umgetauscht werden, um somit diesen Platz für andere Zwecke(Kaiser Wilhelm=Denkmal) zur Verfügung zu haben. Bisher scheiterten die Verhandlungen immer an der Höhe des gesorderten Preises. Jetzt ist nun zur Anlage eines neuen Exerzierplatzes ein Teil des Ellerbrockschen Kolonats, das gegenüber der Spinnerei„Vorwärts“ am Gadderbaum gelegen ist, in Aussicht genommen; entsprechende Vermessuugen haben bereits stattgefunden. Da das Grundstück sehr groß ist, will man auf demselben auch eine neue Kaserne errichten.(Rh. Westf. Ztg.) □ Wiedenbrück, 23. Aug. In dem gestrigen Bericht betr. Ankauf des Kißenbeck'schen Hauses muß es selbstredend heißen„Gasse“ statt„Gosse“. dem Münsterlande. + Lengerich, 22. Aug. Ein entsetzliches Verbrechen wurde hier von mehreren Rowdies ausgeführt. Von einem Zuge der Teutoburger Wald=Eisenbahn überfahren wurde der Arbeiter Sparrenberg von hier aufgefunden. Wie sich nun herausstellt, ist S. von jungen Burschen überfallen und solange mit Stöcken mißhandelt worden, bis er bewußtlos zusammenbrach. Alsdann haben die Verbrecher, um die That zu verdecken, den Bewußtlosen auf die Schienen gelegt, wo er dann von dem Zuge erfaßt und ca. 70 Meter fortgeschleift wurde. Es ist wenig Hoffnung vorhanden, daß Sparrenberg mit dem Leben davonkommen wird. — Buer, 22. Aug. Vom Unglück schwer heimgesucht wurde die Familie des Spediteurs Bremmenkamp. Das tiefgebeugte Ehepaar verlor innerhalb zweier Tage 5 Kinder an Diphterie und Scharlach. Das sechste Kind, ein Knabe, liegt an derselben tückischen Krankheit schwer darnieder. — Vorken, 23. Aug. Wie wir schon früher berichteten, hält der Westfälische Hanowerkerbund seinen diesjährigen Handwerkertag, verbunden mit einem Delegiertentag, in Borken ab und zwar am 29. und 30. September. Der gegen die Gewohnheit etwas späte Termin rührt##on her, daß die Westfälischen Handwerkskammern Münster, Dortmund und Arnsberg über den in diesem Jahre in Münster abzuhaltenden Handwerkerkammertag verbunden mit einer Ausstellung von Lehrlingsarbeiten 2c. sehr spät schlüssig wurden und dann denselben gerade in die Zeit verlegten, in welcher die Abhaltung des Handwerkertages geplant war. Die Stadt Borken wird es sich zur Ehre anrechnen, beim Handwerker= und Delegiertentage Handwerksmeister aus allen Gauen Westfalens in ihren Mauern zu beherbergen resp. tagen zu sehen. Die einladende Borkener Handwerker=Innung fängt auch bereits schon an, umfangreiche Vorbereitungen zum gastlichen Empfang ihrer Gäste zu treffen. Es sind die verschiedenen Kommissionen schon gewählt und nahmen bei ihrer jüngsten gemeinsamen Sitzung mit Dank davon Kenntnis, daß die Stadtvertretung durch Bewilligung eines Betrages den Borkener Handwerksmeistern beigesprungen ist und so dazu beigetragen hat, daß der diesjährige Handwerkertag in Borken sich würdig seinen Vorgängern in den verschiedensten westfälischen Städten wird anreihen können. Die Einladungen an die Westfälischen Innungen, die Handwerkerkammern, Redner und Ehrengäste sind in Vorbereitung und werden in der nächsten Zeit ergehen. Hoffentlich wird es Borken nicht zu viel Abbruch thun, daß es etwas abseits liegt, da unsere Zugverbindungen nach der Richtung, aus welcher wir die meisten Gäste erwarten, fur dieselben die besten sind. Um 6 und 8 Uhr Nachmittags fahren nämlich von hier nach Essen, Wanne 2c. Züge, die nach allen Richtungen noch Anschluß haben. Und was die Borkener Handwerksmeister angeht, so haben sie es nie versäumt, selbst in die entlegensten Teile Westfalens ihre Kämpen zu den Handwerkertagen zu entsenden, was wohl zu der Hoffnung berechtigen dürfte, daß Westfalen recht zahlreich bei uns erscheint. Drum auf nach Borken am 29. und 30. September zum Handwerkertage, wo so manche brennende Frage erörtert und manches besprochen werden wird, welches geeignet ist, unserer gesetzlichen Institution der Handwerkerkammer manchen Fingerzeig zu ihren Erlassen und Maßnahmen zu geben. Westfalen und Nachbarländern. + Dortmund, 22. August. Vor einiger Zeit starb bekanntlich plötzlich der Inhaber der Firma A. Wilde, Margarine=Fabrik und Weißbier=Brauerei. Die an den Tod geknüpften Gerüchte, Wilde habe selbst Hand an sich gelegt, haben eine bestimmte Bestätigung nicht gefunden, indessen wurde festgestellt, daß Wilde mit seinem Unternehmen vor dem Bankerott stand und daß er Wechselfälschungen in Höhe von annähernd 100000 Mk. vorgenommen hatte. Die Wildesche Fabrik, welche bis vor einigen Tagen noch im Betriebe war, ist zur Zeit ganz still gelegt, weil ihr von seiten der Stadt das Wasser abgeschnitten worden ist. Die Gläubiger haben in einer gestern abgehaltenen Besprechung beschlossen, die erforderlichen Mittel aufzubringen, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können. In einer demnächstigen Versammlung soll ein Betrag von 50000 M. gezeichnet werden, um die kleinen Gläubiger befriedigen zu können. Es liegt im Plane, das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, von der gute Resultate erwartet werden. Bezüglich der Wechselfälschungen wurde mitgeteilt, daß sich zur Zeit noch etwa für 70000 Mark Wechsel im Umlauf befänden, deren alleiniger Acceptant der Kaufmann Heenemann, ein naher Verwandter des Wilde, sei. Dieser weigert indessen jetzt jede Zahlung, weil er die Wechselunterschrift als von ihm herrührend nicht anerkenne. Gegen den Genannten ist nunmehr bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige erstattet, weil er dringend verdächtig ist, an den Wechselfälschungen beteiligt zu sein. Hagen, 21. Aug. Einer eigentümlichen Urkundenfälschung hat sich laut Münst. Anz. der Fabrikarbeiter J. Lamka schuldig gemacht. Zu seiner Wiederverheiratung bedurfte er der Heirats= und Sterbeurkunde seiner ersten Frau. Als ihm diese Papiere von Delmenhorst geschickt wurden, stand sein Name mit„Lemke“ da; um sich unnötige Schreibereien zu ersparen, auch weil ihm angeblich gesagt worden, es ginge auch so, verbesserte er den behördlichen Fehler, indem er den Namen umänderte.: Diese wenigen Striche, die er auf den Urkunden machte, brachte ihm eine Woche Gefängnis ein. Krefeld, 22. Aug. Bei den Ausschachtungsarbeiten für den neuen städtischen Abflußkanal im südlichen Stadtteil ereignete sich heute nachmittag ein schreckliches Unglück. Als ein Zug der elektrischen Kleinbahn Düsseldorf=Krefeld an dem etwa 6 Mtr. tiefen Erdschacht vorbeifuhr, erlitt das Erdreich eine derartige Erschütterung, daß trotz seiner Aufstützungvorrichtungen der Schacht zusammenstürzte. Mehrere Arbeiter wurden verschüttet; von ihnen konnten sich nur zwei herausarbeiten. Die unten im Schacht arbeitenden Leute wurden unter den Erdmassen begraben. Sie konnten trotz stundenlanger Arbeiten durch die Berufsfeuerwehr und eine große Anzahl Erdarbeiter bis jetzt noch nicht ans Tageslicht gefördert werden, und es ist zweifellos, daß die Leute erstickt sind. Bis jetzt steht fest, daß der Arbeiter Lichtenberg von hier, Vater von 6 Kindern, und der Arbeiter Mühlenburg aus Willich verunglückt sind, es wird aber vermutet, daß noch ein dritter Arbeiter unter dem Erdreich liegt. Aus dem Regierungsbezirk Nachen, 21. Aug. Die Klagen über das Ueberhandnehmen der Belästigungen durch Zigeuner wollen gar kein Ende nehmen. In der letzten Zeit scheint dieses Wandervolk es ganz besonders auf unsere Gegend abgesehen zu haben. Als kürzlich in Jülich der Pferdemarkt stattfand, kam es in dem Orte Titz bei Jülich zwischen bestohlenen Ortsbewohnern und den Zigeunern zu einer regelrechten Schlacht, bei der ein Zigeuner sich eines Revolvers bediente. Trotzdem ein 11jähriges Mädchen durch eine Kugel verletzt wurde, geschah gegen die Bande nichts Durchgreisendes, und nach wie vor zieht das Gesindel in den dünner bevölkerten Bezirken umher und stiehlt und raubt, was nicht niet= und nagelfest ist. Augenblicklich treibt sich eine größere#nde in der Gegend von Herzogenrat und den abgelegenen Bez#len der Kreise Geilenkirchen und Heinsberg herum. In beiden Fällen handelt es sich um so große Banden, daß die Polizei vollständig ohnmächtig ist und die Landwirte es ruhig mitansehen müssen, wenn die Zigenner ihre Pferde in die besten Haferfelder treiben und sie dort fressen lassen. In der Bevölkerung herrscht infolgedessen eine große Erbitterung und man fragt sich recht laut, wie lange denn der Gesetzgeber diesem Thun noch mit unthätig zusehen wolle. Einen armen Handwerksburschen, der bettele, stecke man ins Gefängnis, obwohl ihm vielleicht gern gegeben werde; dieses Gesindel aber, das die Landleute förmlich ausplündere und beraube, lasse man laufen.(Rh. Westf. Ztg.) Boisheim bei Dülken, 21. Aug. Der Arbeiterschaft der Ter linden'schen Stuhlfabriken in Boisheim, Dilkrath und Vorst ist auf 14 Tage gekündigt worden. Annähernd 200 Arbeiter gelangen hierdurch außer Stellung, und viele Familien der genannten Gemeinden, die sich ganz auf die Stuhlflechterei verlegten, werden brodlos. Vermischtes. — Berlin, 22. Aug. Justizrat Dr. Sello, der von der Berliner Strafkammer wegen Herausforderung des Staatsanwalts Braut zum Zweikampf zu vier Wochen Festungshaft verurteilt worden war, hat sich gestern zur Verbüßung dieser Strafe auf der Festung Weichselmünde bei Danzig gestellt. — Danzig, 21. Aug. Einen Raubmordaufall auf die eigene Braut verübte auf der Chaussee von Praust nach Lappin bei Danzig der Kutscher Fritz Schulz aus Obra. Schulz, ein übelberüchtigtes Subjekt, unterhielt seit längerer Zeit ein Verhältnis mit dem dort in Stellung befindlichen 31jährigen Dienstmädchen Auguste Neustadt. Letzthin erklärte er seiner Braut, er hätte in Lappin eine Stellung als Kutscher gefunden und wolle sie nun heiraten. Nachdem das Mädchen seine Ersparnisse in Höhe von 130 M. sowie seine sämtlichen Sachen an sich genommen, fuhren beide nach Praust und gingen abends nach Lappin. Auf der einsamen Chaussee überfiel Schulz das Mädchen und schlug ihr wohl mit einem Hammer oder einem spitzen Stein die Schädeldecke ein, sodaß das Mädchen bewußtlos liegen blieb. Mit den Ersparnissen suchte der Raubmörder das Weite. Er wurde aber in der Nacht zum Sonntag durch die Kriminalpolizei in seiner Wohnung zu Obra, in einem Kleiderschrank steckend, gefunden. Das bedauernswerte Opfer des Attentats liegt im Sterben. — Der Bart des Pankers. Der Pauker des Leib=HusarenRegiments Nr. 2, von welchem 125 Mann und die Regimentsmusik zur Beisetzungsfeierlichkeit der Kaiserin Friedrich von Posen nach Patsdam gekommen waren, erregte bei der Trauerparade durch seinen langherabwallenden blonden Vollbart allgemeines Aufsehen. Als aber die Husaren am Mittwoch wieder aus Potsdam fortfuhren, hatte der Pauker nur einen Schnurrbart. Es stellte sich heraus, daß sich derselbe extra zu der Trauerparade hatte ankleben lassen müssen, weil es Usus ist, daß vor dem Kaiser die Pauker der Totenkopfhusaren mit einem solchen zu erscheinen haben. — Von einem Hirsche lebensgefährlich verwundet wurde gestern der 11 Jahre alte Schulknabe Adolf Schäfer aus Coppe bei Zehdenick im Kreise Templin. In Coppe wird ein Ziegeleiarbeiter Köbisch vermißt. Förster und Gendarmen nahmen nun eine Anzahl Jungen an, um mit ihrer Hilfe die ausgedehnten Waldungen jener Gegend nach dem Verschwundenen abzusuchen. In einer langen Kette durchstreiften Beamte und Jungen die Gegend. Dabei trieben sie auch Wild auf, namentlich eine besonders hohe Art von Hirschen, die auf Veranlassung des Kaisers vor mehreren Jahren zur Hebung des Wildstandes aus Ungarn eingeführt wurden. Einer dieser Hirsche kehrte nun, sei es, daß er auf ein Hindernis gestoßen oder durch das Treiben wild geworden swar, zu der Kette zurück und lief auf den kleinen Schäfer zu, der ihn, im Tannenholz stehend, nicht sehen konnte. Als der Junge sich schließlich umwandte, rannte ihm der Hirsch sein großes Geweih unter dem linken Auge in den Kopf hinein. Die Spitze drang so weit ein, daß sie auch das Gehirn verletzte. Ein Arzt in Schönebeck, zu dem der alte Schäfer seinen Sohn sogleich brachte, mußte das Auge sofort herausnehmen und ließ dann den Verletzten nach Berlin in ein Krankenhaus bringen. Ob der Aermste mit dem Leben davon kommen wird, ist sehr zweifelhaft. — Ueber die Höhe der Prozeßkosten im Sternbergprozeß kann die Voss. Ztg. aus guter Quelle mitteilen, daß die Kostenrech= nung, soweit sie den Verurteilten, Bankier August Sternberg betrifft, 87— siebenundachtzig— Seiten umfaßt und den Betrag von 15530 Mk. 9 Pfg. erreicht. In ihr sind auch alle die Beträge eingeschlossen, die für den gewaltigen Zeugenapparat ausbezahlt worden sind. Die Höhe der einzelnen Zeugengebühren war zum Teil sehr hoch. Wie noch erinnerlich, war z. B. die Zeugin Fischer aus Amerika geladen, sie war erschienen nur unter der Voraussetzung und Bedingung, daß ihr freie Reise, sowohl her, wie zurück, gewährt wurde. Die Kosten für die Reise dieser Zeugin allein belaufen sich an 1000 Mk., ganz abgesehen von der Entschädigung für den Zeit= und Erwerbsverlust. Zu obiger Summe von 15530,09 Mk. treten noch die Strafhaftkosten hinzu, diese betragen auch für den 18fachen Millionär gesetzmäßig nur 80 Pfg, für den Tag... Mit 1e einr e — Dreiundfünfzig Wetterschießzstationen mit je einer Nanone sollen demnächst am rechten Ufer des Züricher Sees eingerichtet werden, nachdem in Oesterreich und Italien mit dem Wetterschießen so günstige Erfolge erzielt worden sind.„ — Originelle Schwindler. Seit einiger Zei. kum in Paris merkwürdig häufig der Fall vor, daß anscheinend sehr sanfte Wagenpferde Menschen anbissen und die Besitzer der Tiere dafür Schadenersatz zahlen mußten. Eine Versicherungsgesellschaft, die aus diesem Grunde mehrmals angezapft wurde, veranstaltete endlich eine Untersuchung, und da stellte es sich heraus, daß eine Bande von 8 Uebelthätern auf den pfiffigen Einfall geraten war, eine Beißmaschine zu konstruieren, welche die Form eines Pferdegebisses trug. In der Dunkelheit schlichen sich je zwei Gesellen an die Pferde, reizten sie und brachten sich dann mit der Maschine die nötige Wunde bei, die ihnen zwischen 200 und 500 Franken eintrug. Die Polizei wurde benachrichtigt, und es gelang, die Maschine zu konfiszieren und die Bande zu verhaften, deren Mitglieder zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurden. — Unterirdische Durchgange fur Fußganger. Der Verkehr in den Hauptstraßen der Großstädte hat sich allerwärts so stark entwickelt, daß man Bedacht darauf nehmen muß, ihn abzulenken und die betreffenden Straßen zu entlasten. In Budapest, wo die erste Untergrundbahn auf dem Festlande gebaut wurde, will man auch in der Entlastung des Straßenverkehrs vorangehen. Der dortige Magistrat hat beschlossen, zur Sicherung der Fußgänger unterirdische Durchgänge, zunächst an drei besonders belebten Stellen, errichten zu lassen. Derartige unterirdische Durchgänge haben zwar ihre Unbequemlichkeiten, aber sie werden gewiß viel benutzt werden, da sie dem Fußgänger wenigstens einen sicheren Uebergang bieten. — Beim Untergange des Passagierdampfers„Islander" nach dessen Zusammenstoße mit einem Eisberg auf der Höhe der Douglasinsel am letzten Donnerstag in früher Morgenstunde haben sich entsetzliche Scenen abgespielt. Die Passagiere— im ganzen 125 schliefen zur Zeit. Durch eine heftige Erschütterung wurden die meisten aus den Hängematten geschleudert. Die Nacht war finster und stürmisch. Die Offiziere erkannten die Gefahr erst, als der Dampfer durch den Eisberg, auf den er stieß, während er mit voller Dampfkraft fuhr, bereits zertrümmert worden war; kaum waren die Rettungsboote und Flöße herabgelassen, als unter den Fahrgästen eine ernste Panik entstand. Männer trampelten Frauen und Kinder nieder, um in wilder Hast auf die Boote zu gelangen. Ein Mann schwang ein Beil und drohte jedermann zu töten, der es wage, das bereits überfüllte Boot zu betreten, worin er stand. Als die Boote endlich abstießen, erhob sich ein Wutgeheul unter den zurückgebliebenen Passagieren. Inmitten der Schreckensscenen machte sich die Goldgier geltend. Goldgräber von Klondyke, die mit ihren Reichtümern nach der Heimat unterwegs waren, erbrachen die festen Schränke, die Gold im Werte von 75000 Lstrl. bargen, teils um sich in den Besitz ihres Eigentums zu setzen, teils um zu stehlen. Um den Besitz weniger Unzen Goldstaub wurde blutig gekämpft. Frauen und Kinder wurden unbarmherzig niedergestoßen. Inzwischen begann der Dampfer zu sinken. Ein gewisser Brumbauer aus Portland ließ einen Sack Gold im Wert von 2800 Lstrl. im Stich, nur um das nackte Leben zu retten. Ein anderer Mann sprang mit einer großen Tasche, die mit Gold gefüllt war, ins Meer, in der Hoffnung ein Boot zu erreichen, aber kam nicht wieder zum Vorschein. Andere warfen ebenalls beträchtliche Goldbeträge in die See, da sie sich mit ihnen nicht zu retten vermochten. Auf diese Weise gingen wohl 20000 Lstrl. verloren, während fünf Kisten mit Gold im Werte von 35 000 Lstrl., die verschiedenen Banken angehören, mit dem Dampfer sanken. Viele Reisende kamen mit den Ihrigen um. Der Kapitän und andere sprangen in das eiskalte Meer, wo sie in der Dunkelheit ertranken. Viele der Geretteten starben später vor Kälte und Erschöpfung. Die Mannschaft benahm sich heldenmütig und that das Aeußerste, um Menschenleben zu retten. Als der Dampfer sank, barsten die Kessel, wodurch viele, die mit den Wellen kämpften, getötet wurden, darunter Kapitän Foote.„ 68 — Wieder ein Eisenbahnzug verauot. Aus Kansas City wird gemeldet: Ein Personenzug auf der„Missouri, Kansas und Texaseisenbahn“ wurde am Dienstag in Caney im Indianerterritorium von fünf maskierten Männern angehalten, und alle Reisenden wurden beraubt. Die Banditen zwangen den Postbeamten Tulley, den Postsack der Regierung zu nehmen, und sie bei der Durchsuchung der Reisenden zu begleiten, während sie ihre Beute in den Sack warfen. Dann sprengten sie zwei eiserne Geldschränke mit Dynamit in die Luft und zertrümmerten den Gepäckwagen. Als die Räuber mit ihrer Arbeit fertig waren, setzten sie sich dazu, lachten und tauschten auf Kosten ihrer Opfer Erinnerungen aus, wodurch der Zug um zwei Stunden aufgehalten wurde. Später wurden sieben Leute verhaftet. Ein großer Teil ihrer Beute wurde wie. der aufgefunden.„„#* 6 — Vom Grafen Toistot. Der Gattin des Gragen Leo Tolstoi ist es nach vieler Mühe gelungen, den greisen Dichter zu bewegen, den Herbst und den Winter nicht in Jaßnaja=Poljana, sondern in der Krim zu verbringen. Tolstoi tritt die Reise nach der Krim demnächst an. Von Interesse ist, daß der russische Verkehrsminister Fürst Chilkow den Befehl erteilt hat, dem Dichter einen separaten Schlafwagen pur Verfügung zu stellen. B.., 6. Einessch — Mortes honestae. Als vor einiger Zeil die höhen chinesischen Beamten, die sich mit den Boxern gegen die Europäer vergangen hatten, zum Tode verurteilt waren, wählten sie zum Teil Todesarten, die bei uns so gut wie unbekannt sind. Einige schlitzten sich den Bauch auf, andere aßen Blattgold oder Erde, bis sie erstickten. Hieran sollten sich bei uns Leute, deren Stellung im Leben unhaltbar geworden ist, ein Muster nehmen. Daß ein Bankier oder ein Bankdirektor, der Millionen veruntreut hat und keinen Ausweg mehr sieht, sich den Bauch mit der Kouponscheere aufschneidet, kann man nicht gut verlangen, wenigstens nicht von jedem, denn dazu gehört eine Energie, die verweichlichte Lebemänner, wie man sie meist in solchen Stellungen findet, naturgemäß nicht besitzen können. Aber giebt es für solchen Mann eine noblere Todesart, als sich durch das Essen von Blattgold umzubringen? Ist dieser Stoff gerade nicht in gen gender Menge da, so führt auch das energische Hinunterkauen von wertlos gewordenen Aktien und Pfandbriefen zu dem gewünschten Ziele, wenn es nur lange genug fortgesetzt wird. So hätte Herr Sanden aus dem Leben scheiden sollen, so sollte es jetzt Herr Max Opitz thun! Aber leider tritt die liebe Feigheit meist dazwischen, und es bleibt bei dem bloßen Spielen mit dem Gedanken, bis der Staatsanwalt den Sünder am Kragen hat. Den Herren Schmidt und Sumpf in Kassel war durch die Stellung, die sie bis zur Entdeckung ihrer Gaunereien im Leben eingenommen hatten, natürlich eine andere Todesart vorgeschrieben. Sie mußten getrocknete Treber hinabwürgen, bis das gewünschte Ersticken eintrat. Leider hat der eine die feige Flucht ins Ausland, der andere den Gang zum Gefängnis einem rühmlichen Ende vorgezogen. Hätten sie sich durch das Essen von Trebern umgebracht, so würde man von ihnen gesagt haben:„Sie waren ja Schufte, aber die heroische Entschlossenheit, mit der sie einem verfehlten Dasein ein Ende machten, verleiht ihrem Bilde einen Zug von antiker Größe!"(Kladd.) — Zu einem bemerkenswerten Etikettenstreit soll es nach einer in Petersburger Hofkreisen kursierenden Erzählung anläßlich der Hochzeitsfeier der Großfürstin Olga Alexandrowna mit dem Prinzen von Oldenburg zwischen der englischen Botschaft und dem Vertreter der Transvaalrepublik Mr. Jonkherr van der Hoeben gekommen sein. Letzterer, der sich kürzlich vom Haag nach Petersburg begeben hatte, war auf ausdrücklichen Befehl des Zaren zu der Feier eingeladen worden. Kaum erfuhr dies der britische Botschafter, so begab er sich zum Grafen Lambsdorff und erklärte ihm, daß die englische Botschaft bei der Hochzeitsfeier nicht erscheinen werde, wenn man den Vertreter Transvaals zulasse. Der russische Minister der auswärtigen Angelegenheiten übermittelte dies durch den Baron Federicks dem Zaren. Letzterer solle nun dieses Verlangen sehr übel aufgenommen und befohlen haben, den Burenvertreter nicht mehr als private Persönlichkeit, sondern als diplomatischen. Agenten der Südafrikanischen Republik einzuladen. Die englische Botschaft erschien nicht bei der Feier. Der Burenvertreter jedoch wurde freundlich vom diplomatischen Korps empfangen und vom Kaiser durch ein langes, auffallend herzliches Gespräch ausgezeichnet. Die englische Botschaft entschuldigte offiziell ihre Abwesenheit durch den Tod der Königin Viktoria. Am 24. August: Abwechselnd heiteres und wolkiges, ziemlich kühles, windiges, vorwiegend trockenes Wetter. Am 25. August: Trocken, ziemlich heiter, Nacht kühl, Tag etwas wärmer. Verantwortlich für den lokalen Teil: Franz Quadflieg in Bielefeld, für den übrigen Inhalt: F. Knippschild in Oelde.— Rotationsdruck und Verlag von E. Holterdorf in Bielefeld und Oelde.— Expedition: Bielefeld, Klosterstraße 1. 5 Statt besonderer Anzeige: 2 " Trüdchen Uhrmeister# Carl Pott #9 Verlobte. Oelde, im Aug. 1901. 8 Dommrrihrairt Bielefeld (Rademacher's Etablissement) Direktion: Hans Knapp. Sonntag, den 25. August 1901. Trotz der hohen Kosten gewöhnliche Preise! Dutzendkarten haben ohne Nachzahlung Giltigkeit! Unter Mitwirkung des städtischen Orchesters(Königl. Musikdirektor Ochs). Zum letzten Male! „Ein Sommernachtstraum“. 1. Wiener Café Bielefeld Neumarkt Ecke Marktstr. Inh. H. Neumann. Spezial=Ausschank v. Königl. Bayer. Hofbrauamt. In= u. ausländische Zeitungen. Konditorei im Hause. rag und Nacht geoftnet. Buxtehude b. Hamburg. * Malerschule 1901 wied. höchste Anszeichnungen,## grösste Fachschulefür korationsmaler. Progr. frei. Zu Hochzeits=Geschenken passend, empfehle große Auswahl hochseiner Kegulateure mit Schlagwerk, 14 Tagegehend, schon von 15 Mi. an. Herm. Keutmeyer, Ahrmacher, Beckum, Lindenstraße 19. Gansefedernu. Lünnen direkt aus dem größten Bielefelder Bettfedern= und Daunen=Versandhaus, Inh. H. Filges, Bielefeld, Heeperstr. 66 und Neumarkt. In 100,000 Familien im Gebrauch. Halbdaunen von.50 an, Daunen von 2,70 an. Verlangen Sie Proben gratis und franko. Streng reelle Bedienung! Sonntags geschlossen! K Tagesprogramm für die Besucher der Generalversammlung der Katholiken Jentschlanos. Diejenigen Besucher der Generalversammlung, welche derselben an mehreren Tagen beizuwohnen beabsichtigen, werden sich zumeist im Besitze einer Mitgliedskarte befinden, welche ihnen zu fast allen Veranstaltungen freien Zutritt sichert und sie über das Programm der verschiedenen Tage eingehend unterrichtet. Denjenigen dagegen, welchen E. nur vergönnt ist, sich an einzelnen Tagen zu beteiligen, werden die nachfolgenden übersichtlich zusammengestellten Tagesprogramme zur Orientierung willkommen sein.(Sie enthalten nur diejenigen Veranstaltungen, zu denen alle Inhaber von Tageskarten (a 1 Mk.) zugelassen werden.) Sonntag, den 25. August. Nachmittags 2 Uhr: Festandacht im hohen Dom. Nachmittags 3 Uhr: Festzug der Gesellen= und Arbeitervereine. Nachmittags 4 Uhr: Festversammlung der genannten Vereine im Osnabrücker Vereinshause(Zutritt gegen besonderes Eintrittsgeld). Abends 9 Uhr: Offizielle Begrüßungsfeier im Osnabrücker Vereinshause unter Mitwirkung einer Militarkapelle und eines aus den katholischen Gesangvereinen gebildeten Gesangchores. Montag, den 26. August. Morgens 7½ Uhr: Feierliche Einholung des Hochwürdigsten Herrn Bischofs; danach Pontifikalamt im hohen Dome. Morgens 9½ Uhr etwa: Festzug vom Dome zum Vereinshause. Nachmittags 2½2—4½ Uhr: Vom Westportale des Domes ausgehend: Besichtigung des Domschatzes; Marienkirche; Rathaus; Johanniskirche(Beteiligung kostenfrei). Nachmittags 5 Uhr: Erste öffentliche Generalversammlung im Osnabrücker Vereinshause.., g.th Laufimännischen R. Abends 8 Uhr: Festversammtung der kath. kaufmännischen Vereine im„Drei Kronen“=Garten(Zutritt gegen Entree). Abends 8 Uhr: Festversammlung des Gesellenvereins im Gesellenhause, Kampftr. 32(Zutritt fre). g. g4, Lhundes im Eaal. Abends 8 Uhr: Versammlung der„Winothorstbuner im Saale des Schützenhofes(Zutritt frei).., Et dentennerbine Abends 8½ Uhr: Festkommers der kathol. Stubentenberemdungen im Osnabrücker Vereinshause. Dienstag, den 27. August. Morgens 7 Uhr: Heil. Messe zu St. Johann in der Intention Morgens 9 Uhr: Oeffentliche Generalversammlung des Volksvereins für das kathol. Deutschland. Zutritt frei.(Außerdem fast gleichzeitig Besichtigung des Domes, Domschatzes ze.[wie am Montag für diejenigen, die an dieser Versammlung nicht teilnehmen.) Mittags 1 Uhr: Gemeinsamer, einfacher Mittagstisch für die Mitglieder des Volksvereins im National=Hotel(Anmeldung bis Dienstag morgen 10 Uhr).„.,„ ggstnartasg. 9 Nachmittags 2½—4½ Uhr: Vom Westportalt des Domes ausgehend: Besichtigung des Museums 2c.(Beteiligung kostenfrei). Nachmittags 5 Uhr: Zweite öffentliche Generalversammlung im Osnabrücker Vereinshause.. Zusammenkunft:. v: Mitglieder Abends 7½ Uhr: Geseuige Zusammenlänft für die Mitglieber des Volksvereins im Hotel„National“(früher„Osnabrücker Hof"), Collegienwall. Ausgabe der Freikarten bis 4 Uhr nachmittags Abends 8 Uhr: Festversammlung im„Drei=Kronen"=Garten, veranstaltet von den kath. Lehrern.(Zutritt gegen Entree.) Abends 8½2 Uhr: Festkommers des Kartellverbandes der kathol. Studentenvereine. Mittwoch, den 28. August. Morgens 8 Uhr: Feierliches Requiem im hohen Dome. Morgens 9½ Uhr: Auf Wunsch Spaziergänge in der Umgebung der Stadt. Nachmittags 5 Uhr: Dritte öffentliche Generalversammlung. Abends 8 Uhr: Konzert in den Anlagen des Osnabrücker Vereinshauses, ausgeführt von der ganzen Militärkapelle; Illumination des Vereinshauses; Beleuchtung der Johanniskirche mit elektrischem Scheinwerfer und bengalische Beleuchtung; Feuerwerk. Donnerstag, den 29. August. Morgens 7 Uhr: Heilige Messen in allen Kirchen nach der Intention des Bonifaziusvereins. Morgens 10 Uhr: Vierte öffentliche Generalversammlung im Osnabrücker Vereinshause. Riemanns sind in der ganzen Welt als die besten und solldesten bekannt und in der neuen Saison mit zweckdienlichen Neuheiten versehen, wie: verschliessbare Patent-Aufsteckhülse, welche vor Diebstahl schützt, etc. Zu beziehen in der Preislage von 6,50 Man und höher durch: Bernard Hagedorn, Beckum, Noröstr. 43 und am Nordwall. Fahrrad-Neubau, sowie Reparatur-Werkstatt aller Systeme. Zum Schützenfeste — empfehle in schöner Auswahl Sohcert u. Banltucher, LOiS farbige und weisse Damen-u. Herren-Handschuhe in Glacé, Seide und Zwirn. Damen- und Herren-Regenu. Sonnenschirme. B. Pott-Wiegard, Oelde. Derbing. Die Schlosser= Glaser= und Anstreicherarbeiten für den Neubau des kath. Kinderheims hiers. sollen vergeben werden. Verdingsunterlagen sind bei mir erhältlich und die Offerten bis zum 28. d. Mts. einzureichen. Architekt Waltermann, Bielefeld. Echt Nathenower Brillen von 50 Pfg. an, sowie Pincenez, Barometer, Thermometer empfiehlt in nur bester Qualität Herm. Keutmeyer, — Uhrmacher,— Beckum, Lindenstr. 19. — — # weisse 55— in verschiedenen Dessins, K0yIS Coneert und Halttuchei empfiehlt b S. Wmumkähfer, Oelde. MNagen=, Nieren=, Herzleiden, M Gicht, Rheumatismus, Ischias, Nervenleiden, Verrenkungen, Verletzungen, Geschwüre Geschwülste, Frauen= u. Kinderkrankheiten usw. heilt man am besten, schnellsten durch elektrische u. magnetische Massage bei Fr. Schulz, Lippstadt, Langestraße 21. Maschine hierzu wird auch mit Anleitung verliehen. Sprechstunden: von—4 Uhr. Datholische Familien, welche O1 bereit sind, ein Kind anzunehmen, sei es an Kindesstatt oder gegen Vergütung, sei es für immer oder nur für einige Zeit, mögen sich wenden an den Präses des katholischen Erziehungsvereins, Pfarrer Bartels in Bielefeld. ##lnd. Sofortige arznenose Heilung ohne Berufsstörung. Garantie Zurücknahme. Prospekt frei durch Zimmermann& Co., Heidelberg. 1 Buttermaschinen Waschmaschinen Wringmaschinen Mangelmaschinen Nähmaschinen Strickmaschinen Messerputzmaschinen Kartoffelquetscher empfehlen VeödersSchomacker Beckum, Oststr. Fuegenpaptel empfiehlt E. Holterdorf, Lelde. 50 Tin. Brlohnung sichere ich demjenigen zu, der mir eine Person, welche in meinem Vorhelmer Jagdbezirk(um Vinkenwald und Haus Bergeikel) unberechtigt jagt, so anzeigt, daß gerichtliche Bestrafung erfolgen kann. Neubeckum, August 1901. Alfred Moll. Wie aus dem Programm ersichtlich, wird an jedem Wochentage eine öffentliche Generalversammlung abgehalten; in jeder dieser öffentlichen Generalversammlungen finden drei Vorträge statt, und die rednerischen Kräfte sind für alle Versammlungen gleichmäßig verteilt. Insofern ist also, was die öffentlichen Generalversammlungen angeht, absolut kein Unterschied in den einzelnen Tagen vorhanden; wie aber schon früher bemerkt, werden der Sonntag und der Dienstag, was den Besuch angeht, sich besonders lebhaft gestalten, schon wegen der an diesen Tagen in besonders großer Zahl verkehrenden Extrazüge. Der Montag, Mittwoch und Donnerstag dagegen werden im ganzen ruhiger verlaufen, was für die Teilnehmer auch immerhin manche Annehmlichkeiten bietet, auch eine Ueberfüllung der Lokale an diesen Tagen ist naturgemäß weniger zu befürchten und kann man somit möglichst ungestört den Verhandlungen folgen. Von diesem Gesichtspunkte aus wäre es z. B. ganz zweckmäßig, am Mittwoch nachmittag in Osnabrück einzutreffen, dort an der 5 Uhr nachmittags beginnenden öffentlichen Generalversammlung teilzunehmen, ferner an dem abends stattfindenden Gartenfest und endlich an der am nächsten Morgen stattfindenden 4. öffentlichen Generalversammlung— der Schlußversammlung der 48. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Proenn. Tiabusra finden bei mir stets lohnende Beschäftigung. Wohnung und Beköstigung zu mäßigen Preisen in meinem Mädchenheim. Jede Auskunft wird auf Wunsch gerneerteilt. Siegen i. Westf. Jacob Oechelhzuser, Papierfabrik. Weid Hotterfe zum Besten der Wiederherstellung des Aitenberger Dömes. 40,000 Mk. 25,sss l,sss 9 9 Zusammen 32.00 Bewinne zu 16,003 jnk. bar ohne AUzug. Ziehung am 12., 13. und 14. Sept. 1901. Porto und Liste 30 Pfg. extra. Preis des Loses Mk. 2. Zu beziehen von E. Horterdert, Bielefeld und Oelde. Bericht über thatsächlich erzielte Getreidepreise in der Provinz Westfalen. Preis in Mark pro Doppelzentner oder 200 Ufund. Donnerstag, den 22. August 1901.. Kreis Koesfeld Weizen 16,50, Roggen 13,60, Lüdinghausen Weizen 17,00, Roggen 13,50, Warendorf Weizen 17.20, Wiedenbrück Roggen 13.50, Hamm Weizen 16,25, Roggen 14,00, Halle Roggen 13,80, Osnabrück Weizen 16,00, Roggen 13,75, Gerste 14,65, Hafer 15,25. Börsen=Notierungen nach privaten Ermittelungen. Münster. Weizen 16,50 inl., 18,25 ausl., Roggen 18,60 inl., 16,10 ausl., Gerste 14,70 inl., 16,25 ausl., Hafer 15,00 inl., 15,90 ausl. Padervorn.(Amtl.) Weizen 00,00, Korn 15,50, Roggen 14,20, Gerste 0000, Hafer 18/60...,. 122, Paazen 1 100 Gerste Osnabrück.(Amtl. ermitt.) Weizen 10,70, Roggen 14,00, Gerste Lortmund.(Börse.) Weizen 17.75 inl., 1825 ausl., Roggen 14,50 inl., 15,50 ausl., Gerste 13,10 inl., Hafer 15,60 ausl. Essen.(Börse.) Wei in 16,50 inl., 17,60 ausl., Roggen 13,75 inl., 15,25 ausl., Gerste 13,75 inl., Hafer 15,25 ausl. Paderborn, 21. Aug. 100 Kilo Erbsen 31,50—32,50, Bohnen 31,50—32,50, Linsen 31,50—32,50, Kartoffeln 4,60—6,60, Heu 6,00 bis 7,50, Stroh 5,50—6,00, 1 Kilo Rindfleisch 0,65—0,70, Schweine= fleisch 0,60—0,65, Kalbfleisch 0,60—0,65, Hammelfleisch 0,60—0,65, 4 Kilo Brot 0,80—0,85, 60 Stück Eier 3,30—3,60, ½ 1,05—1,30, Speck 0,75—0,80 Mk. Weizenkorn 15,50—00,00, Roggen 1400—14.20 Hafer 13.0 Mark.„„ezien; Neuß, 22. Ang. Fruchtmarkt. Weizen 2. Sorte Mk. 16,50, 2. 16,00, 3. 00,00, Roggen neuer 1. Sorte 13,70, 2. 13,20, 3. Hafer 1. Sorte Mk. 14,00, 2. 13,00. Alles die 100 Kil. Kartoffeln neue Mk.—4. Heu Mk. 3,90—4,40, Luzernheu Mk. 4,80 die 50 Kil. Maschinenstroh M. 20,00, Flegeldrusch Mk. 23,00 die 500 Kil. Rüböl 59,00, faßweise 60,50, gereinigtes 62,00 Mk. die 100 Kil. Preßkuchen 99 Mk. für 1000 Kil. Kleien 5,20 Mk. die 50 Kil. Raps la. 27.25, IIa. 26,25 Mk., Aveel 25,75 Mk. die 100 Kil. Ein tüchtiges Htenstiäuer“ gegen hohen Lohn wird zum vurdigen Eintritt gesucht. Restaurant zur Schleuse, F. W. Kuhlmann, Münster t. W5. 2 tuchtige Madchen oder Frauen finden in unserm Emaillierwerk dauernde Beschäftigung. Kramer& Samson. Leibe. Zu Oktober dss. Is. wird ein braves, tüchtiges Mädenen gesucht. Demselben wird Gelegenheit geboten, die Küche gründlich zu erlernen. Offerten unter#. 110 an die Exped. d. Bl. Für mein Eisenwaren= u. Haushaltungs=Gegenstände=Geschäft suche ich zum 1. Oktober d. J. einen katholischen Lehrling mit guter Schulbildung. Selbstgeschriebene Bewerbungen erbeten. Kost und Logis im Hause. Carl Holtermann, Ahlen, Westf. Ein tüchtiger Viehwärter findes zum 5. September Stelle. Carl Roetering, Gutsbes., Ablen. 8 S 22: *• *— S35 8 955 S 58e S 9 5 50 Os: Son 9# S 8 3 S 6 Pät * * 8535— S S.8 S %TSS“ 8 Prs S 5 Fans: # Sc0 9.2. ——— B. 2— 2aUS ##0 S 9 # S 5 E.#S — FEn 136 dem Kriegsgeheul der Sioux, dem gellen Gejohl von Dämonen, gaben sie ihren Rossen die Sporen und kamen die Hügel heruntergebraust, der Reihe harrender Soldaten entgegen. Wilder, satanischer tönte ihr Kriegsgeschrei, als sie sich dem Feinde näherten. Jetzt sind sie auf Schußweite heran, noch immer aber stehen die Soldaten unbeweglich. Da Kommandorufe.„Gewehr an!“—„Präsentiert das wewehr!“ —„Fertig zum Feuern!“— Ein hundert Karabiner senken sich, die Läufe auf die Indianer gerichtet, die mit einem letzten wilden Todesgeheul ihre Patronen auf die Soldaten abschießen, ihre Sporen den Rossen in die Flanken bohren, daß das Blut spritzt und die Tiere sich hoch aufbäumen. Die Indianer sind jetzt so nahe, daß die Soldaten die Kriegsfarben ihrer Gesichter, ihren funkelnden Augen, ihre flatternden Scalplocken erkennen können.—„Feuer!“— Ein langer Aufblitz— eine knatternde Salve— und drei reiterlose Rosse galoppieren mit vorgestreckten Hälsen wie toll in die — Papst Leo XIII. ist kürzlich von der fünften auf die vierte Stelle bezüglich der Regierungsdauer in der Reihe seiner sämtlichen zweihundertzweiundsechzig Vorgänger aufgerückt. Abgesehen vom hl. Petrus, erreichten nur fünf Päpste mehr als 22 Pontifikatsjahre. Es waren dies bekanntlich Pius IX., welcher volle 31 Jahre und fast 8 Monate regierte und somit noch den Apostelfürsten überragte. Pius VI., welcher 24 Jahre 8 Monate, Hadrian I.(771—795), welcher 23 Jahre 10 Monate, Pius VII., welcher 23 Jahre und 5 Monate regierte und endlich unser Heilige Vater Leo XIII., welcher von nun an vor Pius VII. rangiert. Und dabei beträgt die Durchschnittsdauer der Regierungszeit der Päpste nur 7 Jahre und etwa 15 Tage! Nur 4 Vorgänger unseres Heiligen Vaters überschritten das neunzigste Lebensjahr: der hl. Agathon, Gregor IX., Cölestin III. und Gregor XII. Nur Pius IX. konnte sein 25jähr. Jubiläum als Papst feiern und nur der hl. Agathon und Gregor IX. überschritten das 93. Lebensjahr. — Ein seltsamer Leckerbissen. Einen sonderbaren Geschmack muß der excentrische Dr. Buckland, der erste Geistliche der Westminster=Kathedrale, besessen haben. Einst war er bei dem Großvater des bekannten englischen Staatsmannes Sir William Vernon Harcourt in Nuneham zu Besuch, und dieser zeigte ihm unter andern Kuriositäten einen kleinen silbernen Schrein, der ein Stück des Herzens König Karls I. enthielt. Dr. Buckland nahm die Reliquie in die Hand, betrachtete sie sinnend und verschluckte sie dann mit den Worten: „Ich habe schon manches Ochsen= und manches Hammelherz gegessen, aber noch nie eines Königs Herz,“ ehe noch sein erstaunter Gastfreund ihn daran verhindern konute. — Ein Radfahrer in der Lagunenstadt. Neulich nachmittag geriet ganz Venedig in Aufregung. Man hatte auf dem Markusplatze einen leibhaftigen Radfahrer auf seinem Stahlrosse gesehen. Im Nu füllten sich die Arkaden rings um den Platz mit Neugierigen, die denn auch das unerhörte Schauspiel genossen, einen Radfahrer sich auf dem schönen glatten Granitpflaster des Markusplatzes tummeln zu sehen. Mehrere Polizisten rannten hinter dem Radfahrer drein und suchten ihm verständlich zu machen, daß der warkusplatz keine Rennbahn sei, aber der Radfahrer— wie sich später herausstellte, ein Amerikaner— ließ sich nicht im mindesten stören. Endlich erschien ein Ausgebot von 24 Polizisten, die durch eine Reihe strategischer Bewegungen den Radfahrer nach der Piazzetta trieben, wo ihn das Meer und die Stufen des Ponte della Paglia an der Flucht verhinderten. Er wurde mitsamt seinem Zweirade in eine Gondel geladen und nach dem Rathause geschafft, wo er wegen Ungehorsam gegen die öffentliche Gewalt und Ueberschreitung polizeilicher Vorschriften 25 Lire Strafe bezahlen mußte. Er war darüber nicht sonderlich ungehalten und erklärte, daß er den Ruhm, als erster den Markusplatz mit dem Zweirad durchmessen zu haben, sehr billig bezahlt habe. — Das Leben gleicht einem Buche: Thoren durchblättern es flüchtig, der Weise liest es mit Bedacht, weil er weiß, daß er es nur einmal lesen kann. — Viele Menschen sind nur darum eingebildet auf ihr Wissen, weil sie nicht wissen— was sie noch alles nicht wissen! — Als Brautpaar lebt man getrennt, aber innig vereint; als Ehepaar vereint, aber sehr oft entzweit. und Ein Mitarbeiter sendet der„T. Rundsch.“ folgende Lesefrüchte über einen mit Recht beliebten Gegenstand: Die Liebe beginnt abzunehmen, sobald sie zu Fogtlen, gzsöärt. Kurze Anwesenheit beschleunigt das Wachstum der Liebe, lange ve Eine Frau, welche über die Liebe zu lachen vorgiebt, ist wie des Kind, welches nachts singt, wenn es Furcht hat. Ein Weib, welches entschlossen ist, sich Achtung zu verschaffen, kann sie sich selbst inmitten eines Soldatenheres verschaffen. Um tugendhaft zu bleiben, hat der Mann nur seine Begierden zu bekämpfen; das Weib muß außer seinen eigenen Wünschen noch die unaufhörlichen Angriffe des Mannes überstehen. Zur Gattin sollte der Mann nur die Frau nehmen, die er zum Freunde wählen würde, wenn sie ein Mann wäre. Nur zwei schöne Dinge giebt es auf der Welt: Frauen und Rosenz und nur zwei süße: Frauen und Melonen. Masgggerheg, Heiteres. — Großstadtbild. Gast zum Wirt eines aus Oleanderbäumen bestehenden„Gartenrestaurants":„Wozu wurden heute noch drei Ghsssst, Tannen aufgestellt?“— Wirt:„Ein Verein hält ein — Ein Gemütsmensch.„Gut denn, Herr Baron, ich gebe Ihnen meine Tochter und arrangiere Ihre Schulden.... doch, wohl gemerkt, mit einem Teil der Mitgift!....“—„Aber, Herr Kommerzienrat, Sie werden doch Ihr Kind nicht berauben!?" — Stilblüte(aus dem Aufsatzhefte einer höheren Tochter). Der junge Gutspächter saß auf einer Bank im Hofe und freute sich über die Vögel und Schweine, welche lustig in den Zweigen zwitscherten D. Aim Schalter. Beamter: Das Packet kann ich so nicht annehmen. Die Adresse ist zu undeutlich—— das Wort„Magdeburg“ vv, Albgeblitgt, Gigell:„Haß DuteineFurcht vor mir, — Stalldirne:„I' net, aber mei' Kuh könnt erschrecken!“ — Lavon hängt's ab. Kleiner Max:„Ist morgen wirklich die große Sonnenfinsternis, Mama, von der Papa erzähliz'n.—„(Mang: „Gewiß, aber nur, wenn Du heute den ganzen Tag üver recht ultig — Vorsichtig.„Haft Du gute Zähne, Großpapa“:—„Leider nicht!“—„Dann heb’ mir doch, bitte, meine Nüsse auf.“ Gedankensplitter. Die Ehrlichkeit ist oft nichts, als die Furcht vor dem Erwischtwerden. Das Talent bricht sich meistens Bahn durch die Quantität, das Genie durch die Qualität seiner Arbeiten. Mancher glaubt vom Unglück verfolgt zu sein und ist es nur von der eigenen Dummheit. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Glaub' an die Sache, der du dienst. =] Buchstabenrätsel. (Nachdruck verboten.) Vier, Bern, Laer, Bach, Böse, Duro, Haar, Loch, Mine, Saat, Oran. In jedes der vorstehenden Wörter soll ein Buchstabe eingefügt werden, so daß neue Hauptwörter entstehen. Werden die Wörter richtig geordnet, so nennen die Mittelbuchstaben, nacheinander gelesen, Die nengebideten Wörter bezeichnen: eine Schlangenarz, einer Landstrich in Frankreich, einen bekannten Mediziner, eine Pfunze, eine Naturerscheinung, ein kaufmännisches Gebäude, einen Körperteil, Gesichtsausdruck, einen biblischen Namen, einen Fluß und eine Stadt im Rheingau. Ausösung folgt in nächster Nr. Verantwortlicher Redakteur: F. Knippschild, Oelde.— Druck und Verlag: E. Holterdorf, Oelde. ***=„ zur Vielefelder Volkszeitung, Beckumer Volkszeitung, Glocke und Wiedenbrücker Zeitung. 34. Freitag, 23. August. 1901. (*) Allzu Ein lustiger Hineinfall von Max Wundtke(Dresden). Frau Sparvogel gehörte zu den zahlreichen Hausfrauen, die ein Paar Sohlen halb entzwei laufen, wenn sie das Pfund Zucker irgendwo einen Pfennig billiger bekommen. Wo irgend ein Profitchen für sie heraussprang, war sie da, und wäre das Profitchen auch noch so klein gewesen. Kein einziger Händler, sei es auch der geriebenste Hausierer, durfte sich rühmen, sie jemals über das Ohr gehauen zu haben. Frau Sparvogel war viel zu helle dazu. Sie wußte das, und liebte es, ihre Helligkeit zu beweisen. Einmal aber hat sie doch mit ihrer Helligkeit schmählich Fiasko gemacht, und Frau Sparvogel war, wie es sich von selbst versteht, sparsam, fast bis zum Geiz. Wenn sie nicht gar so genau gewesen wäre,— sie hätte ihren alten Parapluie längst in den Bodenrummel gesteckt und sich einen neuen angeschafft. Obwohl diese ausgediente und nebenbei auch ziemlich ausgedehnte Regenmaschinerie von Anfang an nie etwas Besseres gewesen als ein„Boomwollener“, so that es ihr doch in der Seele weh, ihn jetzt schon in den Ruhestand zu versetzen, und sie hätte ihn wohl gar noch als heiliges Familien=Erbstück ihrem„Aeltesten“ hinterlassen, wenn dieser selbige „Aelteste", beiläufig ein Dreijähriger, nicht eines Tages Malheur mit seiner zukünftigen Erbschaft gehabt hätte. Er hatte nämlich drinnen in der Stadt— Sparvogels wohnten halb„draußen in der Wildnis“— die Grünkramfrauen auf dem Marktplatz mit den riesigen Regendächern sitzen sehen, unter denen ein zehnköpfiger Familienvater mit totem und lebendem Inventar bequem Platz hat. Jedenfalls war besagtem Aeltesten beim Anblick des mütterlichen„Boomwollenen“, die Erinnerung an den Marktplatz aufgetaucht, und er war pietätlos genug, das ihm zugedachte Erbstück zu einer Parodie auf den Marktplatz zu verwerten. Darüber war Mutter Sparvogel in helle Wut geraten, hatte ihren pietätlosen Sprößling den zum Spielzeug herabgewürdigten Parapluie zornig entrissen und— o Schrecken!— dabei diesem eine seiner acht Fischbeinrippen zerbrochen. Wir wollen der Sicherheit halber konstatieren, daß dem Schirm, nicht etwa dem Sprößling, die fragliche Rippe gebrochen wurde, sintemalen der Erzähler sich ziemlich dafür verbürgen kann, daß der Sprößling kaum über Fischbeinrippen verfügt haben dürfste.„6 4. So, nun war das Malheur erst recht groß, und Frau Sparvogel erwog allen Ernstes, ob nicht doch ein neuer Schirm angebracht sei. Sie sind ja so billig, meinte sie. Für drei Mark kann man schon etwas ganz Feines haben. Schließlich ließ sie aber doch den Gedanken als zu ungeheuerlich fallen. Drinnen in der Stadt wußte sie einen Handwerker, der ganz gewiß für ein Billiges dem Regendach eine Rippe einfügen würde. Und dann ging's noch eine Weile! mit dem Schirm. Vielleicht wäre sie dann einmal auf die Idee verfallen, dem alten Schirm einen neuen Ueberzug und nach Jahresfrist dann ein neues Gestell zu verleihen.... Das Verdienst muß gewürdigt werden, das war ihr Grundsatz. Frau Sparvogel hatte in der Stadt einen Besuch zu machen, und da sie doch einmal mit der Elektrischen hinein mußte, beschloß sie, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, und den Schirm zur Reparatur mitzunehmen. Der Himmel machte ja ein sehr freundliches Gesicht, und sie würde ihren Anti=Pluvius ganz gut entbehren können. So machte Frau Sparvogel sich„hübsch“, setzte ihren„Neuen“ auf und fuhr ab, ausgerüstet mit ihrem verunglückten„Boomwollenen". In der Elektrischen nahm ein elegant gekleideter Herr neben ihr Platz, der so lange auf der hinteren Plattform gestanden hatte, weil er seine brennende Zigarre nicht wegwerfen wollte. Es mußte ihm auf die Dauer doch zu zugig draußen geworden sein. Seine brennende Zigarre hielt er in der Hand, um sie ausgehen zu lassen. Während der Herr die vor den Fenstern vorüberfliegenden Gegenstände aufmerksam beobachtete, hatte er nicht weiter Acht auf seine Zigarre. Plötzlich dringt ein penetranter Geruch in seine Nase, alle Insassen richten zornige Blicke auf ihn, und Frau Sparvogel reißt wütend den Schirm auf ihre andere Seite. „Ach Gott, mein schöner, neuer Schirm!“ jammerte sie auf, und alle Welt erwartete, sie in Thränen ausbrechen zu sehen. Erschrocken bittet der Herr um Entschuldigung und zertritt die missethäterische Zigarre mit dem Fuß; aber Frau Sparvogel ist mit dieser Sühne keineswegs zufriedengestellt „Nein, das mir das auch passieren muß!“ wehklagt sie „Es ist mein einziger Schirm und ein guter Schirm! Ich kann doch unmöglich jetzt mit dem Loch herumlaufen! Der ganze Schirm ist ruiniert!“„8 „Beruhigen Sie sich, liebe Frau, entgegnete der Herr. „Der Schaden wird ja noch zu reparieren sein, und ein Rittergut wird's nicht gleich kosten.“ Dabei griff er in die Tasche nach seinem Portemonnaie. In Frau Sparvogels Gehirn rauchte jetzt ein sublimer Gedanke auf. Sie frohlockte. Nur pfiffig sein! Das meinte es offenbar gut mit ihr. Nicht zum zweiten würde sich eine solche Gelegenheit bieten; die mußte wahrgenommen werden. Wenn sie es klug andrehte, kam sie plötzlich zu einem neuen Schirm, der ihr keinen Pfennig kostete. „Ja, mein Herr, was denken Sie denn? Stopfen lassen? Mich zum Skandal der Leute machen? Sie müssen mir den ganzen Schaden ersetzen. Ich kann mir nicht alle Tage einen neuen Schirm kaufen.“...6— „Gut, gut! Regen Sie sich nicht auf. Einen neuen Bezug also. Das ist doch aller Ehren wert. Hier, beste Frau, haben Sie eine Mark.“ Frau Sparvogel spielte ihre Rolle gut. „Was? Eine Mark? Für diesen schönen, neuen Bezug? Reine Seide, sag' ich Ihnen! Wofür halten Sie mich! Mit solchem Schundzeug lauf' ich doch nicht'rum. Nein, ldie Herrschaften hier sind Zeugen, daß mein Schirm durch Ihre Schuld ruiniert wurde. Ich verlange vollen Schadenersatz und habe nicht nötig, mich auf Flickereien einzulassen.“ „Herr des Himmels,“ fuhr der Herr ungehalten auf, „die ganze Mußspriße ist kaum einen Thaler wert...“ „Was sie sagen!? Aber gut, mit einem Thaler will ich zufrieden sein.“ Der Herr dachte einen Augenblick nach, sah durch die Fensterscheiben des Wagens, lächelte dann verschmitzt und sagte:„Ich werde Ihnen den Schirm für drei Mark abkaufen. Geben Sie her.“ in Sthiern! Gggte und. „Freilich! Wenn ich Ihnen den Schirm bezahle, verlange ich auch seine Auslieferung.“ I Frau Sparyogel hatte in einem Schaufenster schon 134 Schirme für 1,50 Mark gesehen. Sie überschlug, daß sie für das Geld einen funkelnagelneuen Schirm und einen baren Profit obenein haben würde. Sie willigte ein. Der Herr nahm den Schicm an sich und sie erhielt den Thaler; aber sie hatte in ihrem heimlichen Triumpfgefühl etwas nicht gemerkt, was der Herr schon längst beobachtet hatte,— nämlich, daß der Himmel sich ganz schwarz umzogen hatte, und daß schon einzelne Regentropfen hernieder flogen. Gerade als der Wagen hielt, wo Frau Sparvogel aussteigen mußte, setzte ein gediegener strömender Landregen ein. Frau Sparvorgel prallte wieder von der Thür des Wagens zurück und griff instinktiv nach ihrem Schirm. Der Herr aber hielt ihn fest und sagte ganz trocken: „Aber erlauben Sie mal, das ist jetzt mein Schirm. Ich habe ihn teuer genug bezahlt.“ Die Fahrgäste brachen in ein schallendes Gelächter aus. „Sie werden doch aber unmöglich verlangen, daß ich in diesem Regen aussteige. Kein Haus ist in der Nähe. Ich verderbe mir ja meinen neuen Hut und meinen Umhang! Das geht doch nicht." „Ich verlange gar nichts, liebe Frau. Thun Sie, was Sie wollen, aber dieser Schirm gehört mir.“ Frau Sparvogel wurde kleinlaut und legte sich aufs Bitten. Der Herr blieb fest. Auch der Hinweis, welchen Schaden sie an ihrer Toilette nehmen würde, rührte ihn nicht. Der Schaffner drohte unter Lachthränen, weiter zu fahren. Da raffte sie sich zu einem heroischen Entschluß auf. „So nehmen Sie Ihren Thaler wieder, und geben Sie mir den Schirm zurück,“ rief sie erbost. „Ich mache keine Geschäfte,“ lehnte der Herr ab.„Ich will keinen Profit herausschlagen, geben Sie mir den Thaler wieder und dem Schaffner fünfzig Pfennige fürs Warten, so soll der Schirm wieder Ihr Eigentum sein. Anders thu ich's Ve„„ r Was half's: So sehr Frau Sparvogel auch schäumte — wollte sie vor größerem Schaden bewahrt bleiben, mußte sie in den sauren Apfel beißen. Sie zahlte, und nahm unter ausgelassenster Heiterkeit aller Insassen ihren„Boomwollenen“ wieder in Empfang. An das Geschäft mußte sie noch lange denken. )! Die Rose. Blumen=Skizze von C. v. Langfeld. Wie die Eiche für die Königin des Waldes gilt, so ist die Rose(rosa centitolia) ihrer idealen Form und ihres unvergleichlichen Duftes wegen seit alten Zeiten von den Dichtern zur Königin der Blumen proklamiert worden. Keine Blume ist von altersher so geehrt, keine so geliebt, keine so oft besungen wie sie. „Sie ist es, welche lacht und weint, Und Freud' und Schmerzen in sich eint.“ Ihr Name und ihre Heimat sind dunkel, doch scheint der erstere iranischen Ursprunges zu sein und durch die Vermittelung der Griechett und Römer auf uns gekommen zu sein. Die ursprüngliche„Heimat sucht man in Central= asien. Von hier ist die Rose mit den Kulturvölkern nach Griechenland und von da über Italien in das übrige Europa gewandert und ist in der Gegenwart in ca. 6000 Arten über die ganze bewohnte Erde verbreitet. Wie schon im Eingange bemerkt, ist die Rose von jeher der bevorzugte Liebling unter den Töchtern Floras gewesen: schon im hohen Altertum war sie ein Sinnbild der Liebe, der Freude und Lust, der Anmut und Zärtlichkeit, kurz ein Symbol vieler Tugenden. Der Persern wie auch den Griechen war sie ein Geschenk der Götter und daher vor allen andern Blumen den Göttern geweiht. Eine Reihe von Sagen berichtet über ihre Entstehung. So soll sie aus dem weißen Meeresschaum entstanden sein, der an Aphroditens Gliedern hing, als diese dem Meere entstieg. Als die Götter die herrliche Blume sahen, träufelten sie Nektar in dieselbe hernieder, wodurch ihr der köstliche Duft ward. Die anfänglich weiß erschaffene Rose soll die rote Farbe von dem Blute der Aphrodite erhalten haben, als dieselbe dem von einem Eber tötlich verwundeten geliebten Adonis zu Hilfe eilte. Auf ihrem eiligen Laufe ritzte sie sich an den Dornen einer Rose, ihr Blut fiel auf die bis dahin weißen Rosenblüten und färbte sie rot. Im ganzen Volksleben der Griechen spielte die Rose eine große Rolle. Trat der Jüngling in den Rat der Alten, so wurde er zuvor festlich mit Rosen bekränzt; die Braut trug einen Kranz aus Rosen. und die Thürpfosten des Hochzeitshauses wurden mit Rosen geschmückt. Die Bilder der Götter, besonders der Venus waren mit Rosen geziert. Bei fröhlichen Festen schmückten sich die Teilnehmer mit Rosenkränzen, und Rosen waren es, die sowohl den heimkehrenden Sieger als auch den Triumpfwagen des siegreichen Feldherrn schmückten. Aber nicht nur bei den Freuden des Lebens fand die Rose eine so reiche Verwendung, auch bei der ernsten Totenfeier galt sie als schönste Liebesgabe. War die Rose bei den Griechen mehr ein Symbol der Liebe, so war sie bei den kriegerischen Römern, namentlich zur Zeit ihrer größten Herrschaft, mehr das Symbol strenger Sitte und ein Lohn ernster Thaten, Als freilich in späterer Zeit die Eigenschaften schwanden, welche Rom zur Herscherin der Welt gemacht, als unsinniger Luxus und wüste Schwelgerei an Stelle derselben getreten waren, da sank auch die Rose zum Symbol des Lasters herch. Wie nun die Rose im heidnischen Altertum augemein verehrt wurde, hat nicht minder das Christentum dazu beigetragen, ihre Geschichte zu vermehren und ihren Ruhm zu erhöhen. Wie sie früher Venus geweiht war, so wurde sie jetzt der Jungfrau Maria zugeeignet. Rose und Lilie ergänzten sich einander im Marienkulte; symbolisierte die Lilie die himmlische Reinheit der Gottesmutter, so sollte die Rose ihre Anmut und Milde abbilden. Die altdeutschen Maler stellten deshalb die heilige Maria gern in einer Rosenlaube dar, und Rosen wuchsen ungepflanzt in der Nähe der Marienbilder. Auch in das Leben der Heiligen wurde die Rose vielfach verflochten, und eine besonders anmutige Rolle spielte die Rose in solchen Legenden, wo sie als Erretterin aus Gefahr bei verbotenem Almosen erscheint. Ich erinnere nur an die bekannte Geschichte der hl. Elisabeth, der Landgräfin von Thüringen. Der allgemeinen Beachtung entsprechend, welche die Rose in Deutschland gefunden, haben auch Sage und Aberglaube sich an dieselbe geschlossen. Nach Meinung des Volkes wachsen Rosen nicht gern da, wo ein Toter liegt, und wenn man einem Toten Rosen mit ins Grab giebt, so welke der Strauch, der sie getragen hat. Werfen Liebende Rosenblätter in einen Bach und schwimmen zwei vreser Blätter, ohne sich zu trennen, mit einander, so kommt das Paar dereinst zusammen. Besonderen Stoff zu allerlei Aberglauben gaben auch die durch den Stich einer Wespe entstandenen Gallen, welche man Schlafäpfel, Schlafkunze oder Schlafkonrade nannte, und die sog.„Rosenkönige", unter welchen man eine Mißbildung der Centifolia verstand, bei der aus der Mitte der Blüte ein grüner Blätterzweig gewachsen war. Die Schlafkunzen sollten, wenn man sie in die Wiege oder in das Bett legte, den Schlaf herbeiführen. Auch gebrauchte man sie gegen Behexung und Krämpfe der Kinder, gegen Wasserscheu und zur Beruhigung von Wahnsinnigen. Sie waren ein so gebräuchliches Heilmittel, daß sie in den Kräuterläden käuflich waren. Die Rosenkönige gelten als Vorzeichen wichtiger Ereignisse und deuteten entweder auf Unheil oder Segen, auf Tod oder Hochzeit. In letzter Beziehung hießen sie auch Brautrosen. Fand man den Rosenkönig im Frühjahr, so hatte man Günstiges zu erwarten, erschien er im Herbste, so verkündete er ein Unglück. Pflückte man denselben aber in der Stille ab und warf ihn rücklings über das Dach, so wurde das Unheil in Segen verwandelt. Unter den sich an die Rose knüpfenden Sitten sind besonders die Rosenfeste zu erwähnen, die in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern gefeiert wurden. 92 # SS# Sg S• g S 95 SEE 135 diesem Fest wurde über die Sitte und das Betragen der jungen Mädchen Gericht gehalten, und dasjenige, welches den Eltern am gehorsamsten und außerdem in ihrem Wandel am tugendhaftigsten gewesen war, wurde mit einem Rosenkranze geschmückt und als Rosenkönigin allgemein geachtet. In der Geschichte Englands erinnert die Rose an den bekannten blutigen Krieg zwischen den Häusern York und Lancaster, der unter dem Namen„Die Kämpfe der roten und der weißen Rose“(1399—1486) in der Geschichte verzeichnet ist. Auch in der Geschichte des preußischen Staates nimmt die Rose mehrfach eine ehrenvolle Stellung ein. Wir erinnern nur an einen Fall. Als die unvergeßliche, von Schenkendorf als„Königsrose" besungene Königin Luise sich mit ihrem Gemahl in Tilsit aufhielt, versuchte sie es, den stolzen Korsen günstig für ihr Land und Volk zu stimmen; sie nahte sich Napoleon als Bittende. Die Antwort des stolzen Korsen bestand darin, daß er ihr aus einer auf dem Tische stehenden Blumenvase eine Rose reichte. Die Königin sah darin einen Beweis seines Wohlwollens und sagte:„mais avec Magdebourg"(aber mit Magdeburg). Kalt erwiderte Napoleon:„Ich muß Eure Majestät darauf aufmerksam machen, daß ich anbiete und Sie nur zu nehmen haben!“ Dreifach hat unser Volk diese Demütigung seiner großen Königin eingelöst in den„Rosengärten“ von Leipzig, BelleAliance und Sedan. Zum Schluß sei noch kurz auf die Verwendung hingewiesen, welche die Rose in der Architektur gefunden hat. Sie spielt in der gotischen Baukunst keine unbedeutende Rolle. Als acht= oder zehnfach geteilte Fensterrose schmückt sie die gotischen Dome und Gerichtssäle. Gern schloß man die Ausschmückungen der Kirchen und deren Türmchen mit einer steinernen Rose(Kreuzblume), um anzudeuten, daß sich unser Leben in seiner höchsten Schönheit erst im Jenseits entfaltet. Allerlei. — Was kosten die wilden Tiere? Die Leute wundern sich oft, so schreibt eine Wochenschrift, über die ungeheuren Preise, die für wilde Tiere gezahlt werden. Sie meinen, die Wälder Afrikas und anderer Teile der Welt wären voll von wilden Tieren, man brauchte sie nur zu fangen und nach Hause zu bringen. Warum kostet ein Giraffe denn 20000 Mk. und ein Rhinozeros etwa ebenso viel? Nur ein Großhändler in wilden Tieren kann erklären, warum seine Ware so kostspielig ist. Karl Hagenbeck ist der bedeutendste Händler mit wilden Tieren in der ganzen Welt. Drei Viertel aller ausgestellten Tiere sind„durch seine Hände“ gegangen, und sein Name ist in den entlegensten afrikanischen Dörfern bekannt. Afrika ist Hagenbecks Hauptjagdgebiet; sein Vorratshaus für wilde Tiere bei Kapstadt bedeckt 30 Acres Boden und erfordert jährlich für Gehälter und Unterhaltung 140000 bis 180000 Mt. Alle selteneren Tiere Afrikas sind jetzt hinter den Zambesi zurückgetrieben, und so muß der Trapper erst gegen 2000 englische Meilen zurücklegen, ehe er mit der Jagd beginnt. Das letzte Flußpferd in Natal wurde vor 5 Jahren getötet. Das Gnu ist seit langem in der Kapkolonie ausgestorben, und wenn auch die Löwen noch ziemlich gewöhnlich in Rhodesia sind, ziehen sich seltenere Tiere wie Giraffen, Nashörner und Elefanten vor dem Weißen ständig nach der Mitte des schwarzen Erdteils zurück. Der Leiter einer Trapperexpedition muß erfahren sein, das Land und die Sprachen kennen und überdies noch etwas wie ein Doktor sein. Das Wagnis ist sehr groß, besonders durch die Fiebergefahr; dem entsprechend ist die Bezahlung. Hagenbeck giebt seinen Leuten 240 Mk. wöchentlich und vergütet alle Unkosten, die ungeheuer groß sind. Die eingeborenen Träger kennen auch ihren Wert und fordern entsprechende Bezahlung. Jeder trägt 60 Pfd., für jedes Pfund wird von der Ostküste nach den Großen Seen 2 bis 3 Mk. gezahlt. Dabei sind große Vorräte nötig, denn nicht nur Gewehre, Munition, Fallen, Konserven, Kolonialwaren, tragbare Boote und Arzeneiwaren werden mitgenommen, sondern auch große Mengen Zeug, Nadeln und Perlen, die zur Bezahlung der Eingeborenen für frische Vorräte und Auskunft dienen. Die Tsestefliege ist eine weitere indirekte Ursache, daß der afrikanische Trapper so große Ausgaben hat. Da ihr Biß Pferden, Maultieren und Ochsen verderblich ist, können Waren nur durch menschliche Träger ins Innere geschafft werden. Auch die Fallen sind teuer. Löwen werden in einem 18 Quadratfuß großen Netz gefangen, das am Rande ein sehr starkes elastisches Band hat. Ein solches Netz kostet 600 bis 800 Mk., bis es den Schauplatz der Handlung erreicht, wo es über eine Grube in der Nähe einer Wassergrube gelegt wird. Weiter sind tragbare Bambuskäfige zum Transport der gefangenen wilden Tiere nötig. Elefanten, Nashörner und Flußpferde werden in Gruhen gefangen; das Graben ist ein weiterer Posten auf der Rechnung des Trappers. Um ein gefangenes Rhinozeros aus der Grube herauszubekommen, muß zuerst eine schiefe Ebene gegraben und dann das durch Hunger und Furcht halb gezähmte Tier mit großen Ketten und Seilen sicher angekettet und so durch dichte Wälder und viele Hunderte von Meilen weit geführt werden, wobei der Führer die ganze Zeit eine ungeheure Gefahr aussteht. Nahrung und Wasser sind für einen derartigen Gefangenen unbedingt nötig, und ist das Land unfruchtbar, so muß dies getragen werden. Am schwersten zu fangen und nach der Küste zu bringen sind Giraffen und Zebras. Die letzteren können wegen ihrer Scheu nur mit äußerster Schwierigkeit gefangen werden, und die Giraffe ist bald dem Aussterben nahe. Von 14 in Abessinien gefangenen Zebras wurde bei einem Transport nur eins lebend nach der Küste gebracht. Auch die Giraffen sterben oft plötzlich auf dem Wege. Wenn der Sammler seine Tiere sicher im Einschiffungshafen hat, sind seine Sorgen noch lange nicht vorüber. Thatsächlich erträgt kein Tier aus den Tropen einen plötzlichen Wechsel zum feuchten kalten Klima des nördlichen Europas. Sie müssen langsam und allmählich abgehärtet werden. Zu diesem Zweck wird in Hagenbecks großem Vorratshaus ein sehr kunstvoller Apparat gebraucht. Die Temperatur im Löwenkäfig wird langsam durch Eis erniedrigt. Auf ähnliche Weise werden die Affen akklimatisiert. Von allen wilden Tieren ist der Tapir jetzt am teuersten; er kostet 30000 Mk., eine Giraffe 20000 bis 24000 Mk., ein zweihörniges Rhinozeros 16000 bis 20000 Mk. Einige Tiere sind aber thatsächlich unschätzbar. Dazu gehören der afrikanische Gorilla und der Kadiakbär. Von dem ersteren wurden zwar viele Exemplare an die Westküste gebracht, aber dieser menschenähnliche Affe ist so sehr an die feuchte Atmosphäre seiner Heimatswälder gewöhnt, daß selten einer die Reise nach Europa überlebt. Von dem Kadiakbären, dem größten der Bärenfamilie, der durch die waldigen Thäler der Kadiakinsel bei Alaska streift, ist bis jetzt noch kein lebendes Exemplar gefangen worden. — Der Todesritt der Sioux=Häuptlinge. Den Soldaten Uncle Sams ist der Sinn für Romantik noch nicht abhanden gekommen, nicht die Achtung vor dem Heldentum des Feindes. Jüngst hatte sich der Stamm der Sioux empört, der Aufstand war aber niedergedrückt worden, und drei der Siouxhäuptlinge wurden zum Tode verurteilt. Delinquenten erbaten es sich als Gnade, einen ehrlichen Indianertod erleiden zu dürfen, das heißt, zu Pferde, in Waffen, in vollem Kriegs= und Farbenschmuck zu sterben. Ihre Bitte wurde ihnen vom Kommandeur der Exekutionstruppe gewährt. Auf der Ebene war eine Kompagnie Soldaten in Reih und Glied aufmarschiert, Karabiner in Hand, schußbereit. Auf den Hügeln vor ihnen bereiteten sich die drei Häuptlinge zum Todesritt. Sie trugen ihren prächtigsten Kriegsschmuck, Adlerfedern wallten aus ihrem Haar empor, ihre Gesichter waren gräßlich bemalt. Noch saßen die drei Krieger auf der Erde und summten den Totengesang. Dann plötzlich sprangen sie empor, mit einem Satz waren sie im Sattel ihren Renner. Sie schwangen die Büchsen, die man ihnen gelassen, in denen aber nur Platzvatronen steckten. Mit