Abonnenten 118000 Nr. 176. 26. Jahrgang. Dortmund, Sonnabend, 28. Juni 1913. 118000 Abonnenten Mittags 12 bis 1 Uhr: Sprechstunden Soest Nr. 485(Ww. Fr. Kurteck= Ca.) Schwerte 144 Ph. Weisenbach) Unna Nr. 444.(R. Timmermann.) Wanne Nr. 1358.(E. Triebel.) Witten Nr. 744.(R. Hartung.) Insertionspreis: 25 Pfg. die Kolonelzeile, für amtliche und auswärtige Inserate 80 Pfg., Arbeitsmarkt 25 Pfg., Reklamen die Kolonelzeile 1 Mark. Erfüllungsort Dortmund. # Deretwa gewährte Rabatt erlischt bei Konkursen. Zwonatvergleichen und gerichtlichen Klagen Für die Aufbewahrung und Rücksendung unverlangt eingesandter Manuskripte. sowie für die Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Garantie übernommen. Verlag; tmund“, G. m. b. H. Annen Nr. 48.(Gebr. Kramven). Avlerbeck Nr. 306.(H. Kümperl. Castrov Nr. 181.(FrauH. Reinbardt) Herne Nr. 124.(Joh. Bonhage.) Hörde Nr. 305.(W. Loos.) Telephon= Nr. 313: Geschästsstelle. ##schlüt... 408) Redaktion. Expedition Nuschlusse:" 404 und Druckerei. Redaktion und Expedition: Reinoldistraße 19. der Redattion:J abends 6 bis 7 Uhr. Rechtsauskunft: Mittags 12 bis 1 Uhr; abends 5 bis 7 Uhr. Erscheint wöchentlich sieben Mal. Bezugspreis: 70 Pfg. monatlich. Mit der Wochenbeilage „Dortm. Lustige Blätter“ nur 10 Pfg. mehr. Bei der Post mit den Beilggen:. Ecke Kielstraße ie r aePts Posteitungs=Nr. Su. Mpn TPPerta At e OZANbbubchiser Markgrasenstraße 19. Chefredakteur i..: Auaust Sufrian, Dortnunt..„ k. 8#.* für Tortmund und die* Größte und verbreitetste Zeitung im westfälischen Industriegebiet. rden mit uusenden halb beiell für n Persosewandt. * Operabrauchen s0 um, nd. e Zähne na Aus. Dienstag, Sämtliche zum Ausverkauf gebeginnt mein gesetzten Waren stellten Sommerist der frühere waren sollen radirter inde kal geräumt werden auf den Etiketts deutlich vermerkt Die Preise sind deshalb so scharf 8D PArur SPe ParcPOFkcehr Die ausführlichen Prung herabgesetzt, daß Preisangebote in ein Einkauf zu diesen außergeder Dienstags.Nr. d. Zitg. empfehle wöhnlich billigen eiche, 1 Wohnspiegels, FlurBettstellen mit ichen, Tische, e, Paneelbrett, zen Gardinen, achen. ich ganz beson: Preisen unbedingt derer Beachtung Taxator n Brückstr. 42. irt., 1 Bäckerwagen, Is Pulverwagen) 1 inswagen m. Dach Segeltuch) verkauft billig. H. Schlüter, gen. Hier erschien auch bald die Frau des Hauses, eine runde prächtige Frau. Hier gab Herr Wagner die noch notwendigen Aufklärungen, hier schlug ihm Herr Meyer wohlwollend auf die Schulter und meinte:„Man hat Sie schön reingelegt, mein Lieber.“ Hier stellte es sich heraus, daß Frau Meyer ganz den nämlichen Schmerz um ihren„Bello" gehabt hatte, als derselbe in den Wochen zugrunde ging. Auf dringende Einladung der Ehegatten Meyer nahm schließlich Herr Wagner„ein Gläschen Wein“ an, dem mehr und mehrere folgten, bis die Meyers mit ihrem Gaste bald Brüderschaft trinken und letzteren das sogenannte besoffene Elend überkam, welches er an dem Busen der einstigen Herrin Bello's ausweinte. 1 Uhr war's, als man sich trennte und er ein bißchen wankend ob der Trunkopfer für Muffi's unsterbliche Seele seiner Wohnung zustrebte. Vor dem Haustor angelangt, mußte er sich plötzlich starr vor Schreck an die nächste Wand lehnen. Da lag bei dem Eckstein Muffi's Geist und schnarchte. Daneben, Leib an Leib, schmiegte sich eine andere weiße Gestalt, offenbar auch ein Hundegespenst. Doch nein, jetzt stieß er Muffi's Geist an und dieser sprang schwerfällig auf, um seinen Herrn wedelnd zu begrüßen. Das weiße Hündchen umhüpfte beide, als sie sich in den Armen lagen.„Ja, ja, du kommst auch mit,“ streichelte es Herr Wagner,„Du bist ja wohl das— Adoptivkind Muffi's, von dem die Hausmeisterin gefaselt hatte. Muffi, Muffi, mir scheint, bist ein alter Esel geworden.. schimpft hatte, der die schwersten Verbrecher frei herumlaufen lasse und die anständigsten Hunde einsperren ließ. Zu Haus war folgender Brief für ihn eingetroffen: „Werter Herr! Ihr Mopsel ist seit gestern beim Herrn Direktor Meyer, Friedrich Karlstraße 10, welcher ein großer Mopsfreund ist, weil das Fett von den Mopsen so sehr gut sein soll für Schwachbrüstige und gut bezahlt wird. Es grüßt ein Unbekannter." Trotz der vorgerückten Stunde— es war 11 Uhr nachts— jagte Herr Wagner sofort in die genannte Straße. Wirklich wohnte Nr. 10 ein Herr Direktor Meyer. Der Hausmeister wollte den fremden Mann nicht einlassen, aber Herr Wagner wußte alle Bedenken rasch zu beschwichtigen, so daß ihm der Hausmeister selbst die Treppe hinaufleuchtete. Nach dem ersten Zug an der Schelle erschien ein dicker Herr im Schlafrock und fragte barsch nach dem Begehr des späten Besuchers.„Entschuldigen Sie die ungewöhnliche Stunde, aber mein Mopsel soll bei Ihnen sein.“ „Sarah, Sarah,“ rief der Mann im Schlafrock nach rückwärts,„weißt Du, was der Herr will. Sein Mopsel sollen wir haben. Nein, mein Herr, auf solche Witze fallen wir nicht rein. Wenn Sie einschleichen wollen, so müssen Sie's gescheiter anfangen.“ Dabei wollte er Herrn Wagner vor die Tür setzen. Der so schlimm verkannte Gast beeilte sich, den bewußten Brief zu zeigen und sich zu legitimieren. Alsbald wurde Herrn Meyers Miene heller und er lud seinen Gast ein, ihm ins Wohnzimmer zu folschläfchen machte. Bellen konnte Muffi seit Jahren nicht mehr; der Tierarzt hatte ihm übrigens in diesem Punkte die größte Schonung empfohlen. Aber schnarchen! Es hätte kein anderer Hund neben ihm ausgehalten. Und nun war das für immer vorbei, denn Muffi war bereits zwei Tage fort. Kein Zweifel, er war dem Hundefänger in die Schlinge gelaufen. Dies bedeutete nach der erst neulich ergangenen scharfen Verordnung den gewissen Tod, weil Muffi keinen Maulkorb hatte. Er war nämlich durch sein fortgesetztes üppiges Leben sogar aus dem Maulkorb hinausgewachsen; und just an dem Tage, da sein Herr ihn mit einem neuen beschenken wollte, lief Muffi ohne solchen auf die Straße und ward nicht mehr gesehen. Das Mädchen wußte natürlich wie gewöhnlich nichts von der Sache. Nur die Hausmeisterin von nebenan wollte bemerkt haben, daß Muffi am kritischen Tage länger als sonst vor dem Tor gestanden und wohlgefällige Blicke nach einem weißen Hündchen geworfen habe, das auf der Straße spielte. In ihrer Herzenseinfalt meinte die Frau, es sei ja immerhin möglich, daß Muffi in die Netze des weißen Hündchens geraten sein könne. Alter schützt ja vor Torheit nicht. „Reden Sie keinen Unsinn", brauste Herr Inspektor Wagner auf.„Wenn mein Muffi wirklich das weiße Hündchen freundlich angeschaut hat, so können ihn nur väterliche Gefühle dabei geleitet haben.“ „Na, na, na,“ verteidigte sich die Hausmeisterin, nicht wenig gekränkt.„Deswegen brauchen Sie ja nicht gleich mit mir grob zu werden, nicht einmal dann, ibenn Ihr Muffi das andere Hündchen gleich adoptiert hätte. Sie tun ja gerade, als wenn das Vieh ein alter Heldengreis wäre. Na; so was.“ Eine leise Hoffnung wollte sich in Herrn Wagner's Herz schleichen, als er Muffi bei dem Hundefänger nicht vorfand. Doch dieser bohrte ihm sofort die schrecklichen Worte ins wunde Gemüt:„Wir hab'n ihn, drauf können Se Ihnen verlassen. Ein Mopsel war's! Mir scheint, gestern haben wir einen zum Handschuhmacher geschickt, der wird's wohl gewesen sein.“ Herr Inspektor Wagner stürzte fort. Auf dem Heimweg fiel ihm ein, daß eine Annonce wohl angezeigt sei. Im tiefsten Schmerz hatte er bisher nicht daran gedacht. Sie tat bald ihre Wirkung. Obschon Muffi mit all seinen Vorzügen haarklein beschrieben war, so kam doch am nächsten Tag schon ein Mann mit einem struppigen Zughund. Der elende Kerl tat noch sehr verwundert, daß es nicht der richtige wäre und verlangte ein Trinkgeld für seine Mühe. Dann erschien ein anderer Bursche mit einem vierfüßigen Geschöpf, das einer melancholischen Hyäne glich. Auch er verlangte ein Trinkgeld. Ein dritter brachte gleich fünf schauderhafte Straßenhunde zur Ansicht mit, von denen die Flöhe sprangen, daß sie die Sonne verfinsterten. Natürlich heischte auch der Trinkgeld. Aber Muffi brachte keiner wieder, und so wanderte Herr Wagner gebeugten Mutes am selben Abend aus seiner Stammkneipe nach Hause, nachdem er weidlich auf den Magistrat der Stadt Dortmund geindwirte! schwarze Stute ohne wegen Aufgabe des s billig zu, verkauf. itgasse 8, 1. Et. I. Herr Postinspektor Wagner tobte, aber das änderte nichts: sein Lebensgefährte Muffi war perschwunden. Wie schon der Name besagt, war es ein Mops; denn ein anständiger Hund heißt nie Muffi. Sogar ein Gerberhund würde um Namensänderung nachsuchen, wenn man ihn Mufft hieße. Nur diesen Namen denken, und man sieht schon das protzige, dummdreiste, satte Mopsgesicht vor sich, das auch den größten Hundefreund erbittert. Ich wenigstens, der ich die Hunde zeitlebens wegen ihrer Klugheit geachtet und wegen ihrer Treue geliebt habe, könnte die Möpse ruhig vor meinen Augen aussterben sehen. Sie waren ohnehin schon nahe daran. Man hätte sie in Frieden ziehen lassen und lieber für die Seehunde etwas tun sollen, damit dieselben endlich den ihnen gebührenden Platz in jedem Hausaquarium einnehmen. Indes, Herr Wagner liebte seinen Muffi, als ob dieser kein Mops gewesen wäre. Zur Entschuldigung läßt sich nur anführen, daß Herr Wagner ein ältlicher Junggeselle ist. und zwar einer von jener Gattung, welche sich von alten Jungfern bloß darin unterscheiden, daß sie nicht ebenso sittsam sind, sondern die halbe Nacht am Stammtisch im Nordstern verbringen, dort auf Gott und alle Welt schimpfen,— ausgenommen auf das kaiserlich=preußische Postamt. Der Verlust Muffi's machte ihn fast rasend. Er war so gewöhnt daran, den Kerl auf dem Divan schnarchen zu hören, wenn er selbst ein Mittagsmittelschw., zugkr. zu kaufen gesucht, mit Geschirr., Ang. u. B. D. 8575 Gen.=Ang. Dortm. egshunde Wochen alt, im a. billig zu verkaufen. r. 48, Laden rechts. hpinscher 4 Mon., bill. abzug. zgstraße 71, 3. Et. I. wreien, Restauraats, alwaren, Haushalt billig bei teinstr. 18. Konniggs=Zusgalte. Viertes Platt. K Die heutige Nummer enthält vier Ausgaben und das vierseitige Unterhaltungsblatt, zusammen Eigener K des Scherar-Anstigere. Stürmische Reichstagssitzung. (Stimmungsbild.) Berlin, 28. Juni. Mit Staunen bemerkt man, wie die deutschen Reichsboten sich daran gewöhnt haben, unter die Frühaufsteher zu gehen. Schon um 10 Uhr ist der Saal gut gefüllt und pünktlich, 20 Minuten später, wird angefangen. Der Vizekanzler Delbrück ist schon da, auch der Schatzsekretär Lisko. Der Vertagung des Reichstages auf den 20. November wird zugestimmt, ebenso ohne Debatte in dritter Lesung dem4 internationalen Wechselrechtsabkommen, der Aenderung von zwei Reichstagswahlkreisen und dem Schutzgebietsgesetz. Dann erscheint auch der Kriegsminister von Heeringen, der Schatzsekretär Kühn und auch des Kanzlers getreuer Knappe Wahnschaffe, ein Zeichen, daß sein Herr und Meister nicht fern ist. Dann kommt die Wehrvorlage. Abgeordneter Scheidemann hat das Wort! Scheidemann beginnt sehr ruhig mit der Feststellung, daß die sozialdemokratische Partei die Wehrvorlage bekämpft habe und den Militarismus immer bekämpfen werde. Vorwürfe der franzssischen Presse, als habe es die Sozialdemokratie an Entschiedenheit fehlen lassen, bezeichnet er als zu dumm und 4121 74 118 keiner ernsthaften Entgegnung wert. Zu stürmischen Szenen kommt es, als Scheidemann ein Urteil des Kriegsgerichts in Erfurt erwähnt, durch das sieben Reservisten wegen militärischen Aufruhrs zu insgesamt 16 Jahren Zuchthaus verurteilt wurden. Die äußerste Linke begleitet die Kritik dieser Militärjustiz mit lauten Pfuirufen; sie wiederholen und verstärken sich, als Scheidemann hinzufügt, der Anklagevertreter habe 43 Jahre Zuchthaus beantragt. Vergeblich schwingt Präsident Kaempf in dem Lärm die Glocke. Allmählich ebbt die Unruhe ab und nun nimmt sich Scheidemann das Zentrum vor. Er liest den Artikel eines Zentrumsblattes, in dem am 30. Januar sehr heftig gegen weitere Rüstungen gewettert wird, für die es keinerlei Gründe gebe und dann einen zwei Monate darauf erschienenen Artikel, in dem gesagt wird, die Notwendigkeit der Heresverstärkung liege auf der Hand. Beide Artikel sind von Matthias Erzberger.„Und dann kann ich Herrn Erzberger wohl sitzen lassen“ meint Scheidemann ironisch. Scheidemann fährt fort: Es ist unwahr, daß Frankreich nur auf die Gelegenheit wartet, um uns an die Kehle zu springen. Für die Aeußerungen einiger verrückter Franzosen kann man Frankreich so wenig verantwortlich machen, wie Deutschland für die Reden von Liebert, Keim u. Co. Ich glaube auch nicht an die überlegene Strategie Rußlands, des Reiches, dessen Herrscher sogar hier in Berlin durch ein Massenaufgebot von Soldaten vor der Liebe des eigenen Volkes geschützt werden mußte. Bezüglich der weiteren Ausführungen und der darauf folgenden Reden, namentlich auch jener des Reichskanzlers verweisen wir auf den parlamentarischen Bericht. Aus der Debatte.“ Am Bundesratstisch Staatssekretär Dr. Delbrück, Lisko. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 10,15 Uhr. Die deitte Lesung der Wehrvorlage. Abg. Scheidemann(sd.): Wir werden dieses Gesetz weiter bekämpfen. Der Haß gegenüber dem Militarismus ist in der internationalen Sozialdemokratie unausrottbar. Unser Haß gründet sich von neuem auf das unerhörte Bluturteil, das gestern gegen 7 Reservisten und Landwehrmänner, Familienväter aus Erfurt, gefällt worden ist, die am Tage der Kontrollversammlung in einer Wirtschaft in Prügeleien und in einen Könflikt mit dem Gendarmen und Dorspolizisten geraten sind, die zusammen zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt worden sind.(Großer Lürm der Sozialdemokraten. Pfuirufe, Unerhört! Abg. Ledebour reft: Da lacht noch einer!) Ich hoffe, daß sich Genosse Lebedour getäuscht hat.(Abg. Ledebour ruft: Einer der Herren Offiziere hat gelacht!) Wenn ich nicht wüßte, daß es Menschen sind, die dieses Urteil ge#t haben, müßten es Destien in Menschengestalt sein.(Präsident Dr. Kaempf rügt diesen Ausdruck.) Die Abgeordneten, die für die Vorlage stimmen, müssen gegen ihre bessere Ueberzeugung haudeln. (Der Prüsident ruft den Redner zur Ordnung.) Auch das Zenkrum Nar unangenehm überrascht durch diese Vorlage. Die konservative und die nationalliberale sind die geborenen Militärparteien. Uns droht von keiner Seite Gefahr. An die Ueberlegenheit Rußlands glauben wir nicht, dessen Zar so große Liebe seines Volkes genießt, daß man ihn nicht durch die Straßen Berlins gehen lassen möchte. Die Folge der Vorlage wird sein, daß die ganze Welt rüstet. Frankreich wird trotz unserer Rüstung stärker sein.(Der Reichskanzler ist inzwischen im Saale erschienen.) Wir werden diesseits und jenseits der Grenze mit allen Mitteln den Krieg zu verhindern suchen. Ein 1870 des Volkes ist heute unmöglich. Die wahren Urheber der Revolten in Frankreich, die ein Zeichen wahrer Volkskraft sind, sitzen hier.(Große Heiterkeit und Zurufe bei der Mehrheit.) Die gefaßte Resolution besagt garnichts. Die Resolutionen wollen Ersparnis und fangen mit der Bewilligung von Milliarden an. Trotz der Enthüllungen Liebknecht's hat der Chef des Hauses Krupp einen hohen Orden bekommen. In letzter Stunde rufe ich Ihnen zu: Suchen Sie Versöhnung mit Frankreich, das den Frieden will! Nieder mit dem Militarismus, der Ausgeburt des Kapitalismus! Es lebe die Sozialdemokratie!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Kaempf ruft Scheidemann nachträglich wegen eines gegen die Parteien des Hauses gerichteten Ausdrucks zur Ordnung. Abg. Schulz(Rp.): Das harte Urteil in Erfurt bedauern wir, doch scheinen dort besondere Verhältnisse vorgelegen zu haben. Scharnhorst würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen würde, wie sich die Sozialdemokraten gegen die allgemeine Wehrpflicht wenden. Die geographische Lage Deutschlands zwischen dem von jeher kriegerischen Frankreich und Rußland bedingt ganz besondere Aufwendungen für militärische Zwecke. Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg: Ich möchte einige Ausführungen des Abg. Scheidemann nicht unerwidert ins Land gehen lassen. Der Abg. Scheidemann hat soeben wie vor einiger Zeit ein Parteifreund von ihm es getan hat, dargelegt, er könne in keiner Weise eine Ueberzeugung dafür gewinnen, daß diese Vorlage notwendig sei. Es ist mir vorgeworfen worden, ich habe meine Pflicht nicht erfüllt, indem ich nicht versucht habe, Sie von dieser Notwendigkeit zu überzeugen. Meine Herren!(Zu den Sozialdemokraten) wollen Sie sich denn überzeugen lassen?(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Sie stellen sich dauernd auf den Standpunkt, daß Sie sagen, diesem Staat und dieser Armee geben wir keine Verstärkung, und wenn Sie auf dem Standpunkt stehen, dann gehen Sie allerdings blind an Tatsachen vorüber, die vor aller Augen bestehen und die die verbündeten Regierungen in Gemeinschaft mit der großen Mehrheit des Hauses überzeugt haben, daß diese Vorlage dient zum Schutze und zur Sicherheit des Vaterlandes. Der Abg. Scheidemann sprach davon, wir seien mit dieser Vorlage Agenten und Provokateure für ein Wettrüsten. Ich finde keinen Ausdruck, der geeigset wäre, eine solche Aeußerung eines deutschen Reichsabgeordneten zurückzuweisen.(Beifall und Sehr wahr! rechts. Widerspruch und Lärm bei den Sozialdemokraten.) Meine Herren, der Vorwurf, daß wir mit unserer Wehrvorlage zum Kriege treiben, ist mir oft gemacht worden, ich muß diesen Vorwurf mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Wir suchen keinen Fein din der Welt, wir wünschen mit allen unseren Nachbarn in Frieden und Freundschaft zu leben. Deutschland hat in langer Zeit den Beweis geführt, daß es nicht eine Politik des Angeiffs treibt. An dieser geschichtlichen Tatsache sollten die Sozialdemokraten nicht vorübergehen, ebensowenig an der geschichtlichen Wahrheit, daß die Stärke der beste Schutz vor dem Angriff ist. Der Abg. Scheidemann hat sich als einen Feind des Militarismus hingestellt. Meinen Sie mit Militarismus unsere Armee? In einer großen Organisation wie in unserer Armee gibt es dauernd zu arbeiten und dauernd zu bessern. Die Armeeverwaltung wird prüfen, was unvollkommen ist und pflichtgemäß Abhilfe schaffen. Der Sozialdemokratie ist es nicht darum zu tun, mit ihrer Kritik zu bessern.(Sehr richtig! rechts. Widerspruch und Unruhe links.) Sie(zu den Sozialdemokraten) haben fast täglich im Laufe der letzten Wochen gesagt, daß Ihnen das stehende Heer ein Greuel ist. Gie wollen es durch Ihre verletzende Kritik zerstören. Aber trotz der hochtönenden Worte mit denen der Abg. Scheidemann geschlossen hat, in dem Glauben, das Volk würde dankbar dafür sein, daß er als Gegner der Wehrvorlage aufgetreten ist, wird er keinen Erfolg haben, das Vertauen des Volkes auf unser Heer zu erschüttern. In dem Volke, auch bei einer Anzahl von Leuten, die den Sozialdemokraten bei der Wahl Stimmzettel gibt, steht fest das Bewußtsein, was Deutschland seiner Armee verdankt. Aus diesem Gedanken heraus ist die Wehrvorlage geboren und ist die Zustimmung gegeben, die Sie ihr geben werden. Sie haben in aufopfernder Arbeit geprüft, was wir vorgeschlagen, große Forderungen, wie sie noch nie dagewesen sind. Wir stehen jetzt davor, das Ergebnis dieser Prüfung zu sehen. Ich bin fest davon überzeugt, daß das Ergebnis ein Beschluß ist, den das ganze Vaterland Ihnen danken wird.(Lebhafter anhaltender Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Stürmische Szenen. Präsident Dr. Kaempf ruft den Abgeordne. ten, der während der Rede des Reichskanzlers den Zwischenruf: Flegeleien! gemacht hatte, Ordnung. Abs.& HillrmnN%); Der Meschefang. ler stellt sich hlerher und sagk, alles was wir De macht hätten, sei nicht ernst zu nehmen.(Sehr richtig, rechts, Lärm und Zurufe bei den Sozialdemokraten: Unerhört!) Herr Reichskanzler, ich gönne Ihnen den Beifall der ganzen Rechten, aber Sie haben nicht das Recht gegen uns einen solchen Vorwurf zu erheben. Ich bedauere, daß das Reichstagspräsidium nicht eine Partei in Schutz nimmt, der ein solcher Vorwurf gemacht wird.(Andauernder Lärm. Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner zur Ordnung. Beifall rechts, große Unruhe links.) Wer gibt Ihnen das Recht, im Namen des Volkes zu sprechen?(Schallendes Gelächter und Rufe rechts, Pfuirufe und Unerhört! links. Großer andauernder Lärm. Der Präsident läutet fortdauernd mit der Glocke.) Wir Sozialdemokraten stehen hier als die Vertreter der Mehrheit des Volkes.(Schallendes Gelächter rechts.) Die Abstimmuge über den Paragraphen 1 erfolgt Montag. Nach einem nationalliberalen Antrag wird die Frage der Kavallerieregimenter nochmals der Entscheidung unterzogen werden. Nach kurzer Erörterung wird die namentliche Abstimmung auf Montag festgesetzt. Es entspinnt sich darauf eine längere Debatte über den Erfurter Fall, in deren Verlauf ein Notgesetz auf Einführung von mildernden Umständen in das Militärstrafrecht gefordert wird. Kriegsminister von Geeringen: Ich halte auch Milderungen im Militärstrafverfahren für angebracht und der Bundesrat dürfte sich dieser Anschauung anschließen. Eine bindende Erklärung im Namen des Bundesrats kann ich nicht abgeben. Auf Antrag des Abg. Gröber(.) wird die Debatte abgebrochen, um am Montag auf Grund besserer Informationen des Kriegsministers eine Regelung zu finden. Der Rest des Gesetzes wird ohne Debatte erledigt. Die Abstimmung erfolgt Montag. Bei der dritten Lesung des einmaligen Wehrbeitrages findet eine Generaldiskussion nicht statt. Es liegen mehrere Anträge vor. Die Abstimmung wird gleichfalls ausgesetzt. Ohne wesentliche Erörterung wird das Gesetz erledigt. Zu der dritten Lesung des Reichsstempelgesetzes liegen einige Abänderungsanträge vor, darunter die Wiederherstellung der Stempelpflicht für Feuerversicherungspolicen. Die Vorlagen passieren ohne Debatte. Die Abstimmung wird gleichfalls ausgesetzt. Nächste Sitzung Montag 12 Uhr. Tages=Ordnung: Rest der dritten Lesung zu den Heeres= und Deckungsvorlagen. Auf Antrag des Abg. Waldstein(Bp.) wird als erster Gegenstand ein Initiativantrag auf Einführung von Milderungs=Umständen in das Militärstrafgesetz in erster, zweiter und dritter Lesung auf die Tagesordnung gesetzt. Schluß gegen 2 Uhr. Berliner Börfe. Berlin, 28. Juni. An der heutigen Börse erfolgten bei Beginn Glattstellungen angeblich für eine in Schwierigkeiten geratene größere Metallfirma in der Provinz, was Kursabschwächungen, die aber nur vereinzelt 1 Prozent überstiegen, zur Folge hatte. Die Börsenkreise legen sich große Zurückhaltung auf, da die Abschwächung Wiens im Verein mit der Meldung über Rüstungen Rumäniens von der Eingehung neuer Engagements abschreckt, während andererseits der bisherige glatte Verlauf der Ultimoabwickelung einige Stütze bietet. Mit den verhältnismäßig geringfügigen Umsätzen waren kleine Abschwächungen verbunden, wobei allerdings zu bemerken ist, daß die Kurse auf dem Montanmarkt sich später aber nur wenig zu erholen vermochten. Kanada besserten sich im Verlaufe etwas und hoben sich noch über den gestrigen Schlußstand hinaus. Von Montanwerten holten Phönix etwa die Hälfte des anfänglich 1½ Proz. betragenden Verlustes wieder ein. Eine leichte Besserung, welche sich in den ersten Börsenstunden kundgab, wurde der Einwirkung höherer Londoner Kurse zugeschrieben. Tägliches Geld: Reichsbanksatz zuzüglich 1½ pro Mille. Noch ein deutsches Zugeständnis. Die Bagdadbahn und die Tigrisschiffahrt. Man hat das zwischen Deutschland, England und der Türkei beschlossene Abkommen über die Bagdadbahn bisher einfach nur auf die Gewinnseite der deutschen Diplomatie gebucht, aber es scheint, daß auch in diesem Falle ihr Debetkonte erheblicher belastet ist, als man bisher angenommen hat. Wir erhalten folgendes Telegramm: Konstantinopel, 28. Juni. Von wohlunter. richteter Seite erfahre ich, daß im Zusammenhang mit den deutsch=englisch=türkischen Verhandlungen über Koweit und die Endstrecke der Bagdadbahn von Seiten der deutschen Regierung auf jede deutsche Beteiligung in der Tigrisschiffahrt auf alle Zeiten verzichtet wurde. Diese Meldung, die uns zugeht und die nach ihrer Herkunft durchaus glaubwürdig erscheinen muß. stellt uns vor die Tatsache, daß ein Verzicht ausgesprochen wurde, der den von England selbst stets gepredigten Grundsätzen freier wirtschaftlicher Betätigung zuwide läuft und geeignet ist, die deutschen Handelsinteressen in Mesopothamien aufe schwerste zu schädigen. Wir vermögen nicht zu beur. teilen, welchen Einfluß die der Bagdadbahn nahe stehenden Kinanzkreise auf die Entschließung der deutschen Regierung eurgenet haven, aber in diesem Falle dursten efen Interessen keineswezs ansschläggebend sein. Wie dem aber auch sei, auf alle Fälle war es unklug und politisch bedenklich, auf die Rechte, die uns England selbst in Aegypten nicht verwehren konnte, bekanntlich fahren deutsche Dampfer auf dem Nil, zu verzichten, einerlei ob sie ausgeübt werden oder für immer ungenossen bleiben. Dieser Vorgang sollte die verantwortlichen Leiter unserer auswärtigen Politik davor warnen, sich zum Aufgeben deutscher wirtschaftlicher Interessen ohne zwingenden Grund und wo immer es auch sei, bereit finden zu lassen. Jedenfalls wird es endlich Zeit, daß die Regierung dem Reichstage unverzüglich das Material über die deutsch=englisch=türkischen Verhandlungen zugängig macht. 1212 14512100 Verhaftung eines Millionenschwindlers. Wien, 28. Juni. Die Polizei verhaftete in einem vornehmen Hotel einen viel gesuchten armenischen Schwindler, der steckbrieflich verfolgt wird und im Verdacht steht, 3 Millionen Mark durch Heiratsschwindeleien herausgelockt zu haben. Der Mann soll sich auch in Deutschland herumgetrieben haben. Vonar Law über Kaiser Wilhelm. =London. 28. Juni. Das deutsche Hospital in Dalston hielt gestern abend im Metropolhotel sein 68. Jahresessen unter dem Vorsitz des Führers der englischen Konservativen ab. Zahlreiche Mitglieder der deutschen Kolonie hatten sich eingefunden, darunter der deutsche Botschafter Fürst Lichnowski. Bonar Law brachte den Trinkspruch auf den deutschen Kaiser und über die übrigen fremden Herrscher und Schutzherren des Hospitals aus Hierauf ließ er sich über den deutschen Kaiser wie folgt aus: „Ihr Kaiser steht uns Engländern näher, nicht nur weil er uns blutsverwandt ist, sondern weil er Qualitäten sein eigen nennt, welche die Phantasie der Menschheit erregt. In der vielseitigen und in der Tat wunderbaren Entwickelung des deutschen Lebens, welche seine Regierung charakterisiert, ist er stets der wahre Führer seines Volkes gewesen. in allen großen Ereignissen hat er seine Rolle gespielt, aber auch die Kleinigkeiten des menschlichen Lebens interessierten ihn.“ Vonar Law kam dann auf die riesige Entwickelung des deutschen Handels zu sprechen und die Konkurrenz, welche England in Deutschland entstanden ist, meint aber zum Schluß:„Die Welt bietet Raum genug für alle und wir, so denke ich, sind Sportsleute zur Genüge, um nicht über die Erfolge derjenigen zu murren, welche in unserem eigenen Felde mit uns konkurrieren.“ Der deutsche Botschafter dankte in warmen Worten für den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Toast, der wie kaum etwas anderes dazu geeignet sei, die in letzterer Zeit so herzlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England inniger zu gestalten. Ein Petroleum=Dampfer in die Luft gesagen. Newyork, 28. Juni. Auf dem Petroleumdampfer„Mohawk“ ereignete sich aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache eine Explosion. Der Dampfer flog in die Luft. 5 Mann der Besatzung wurden getötet, die anderen erlitten schwere Verletzungen. Schwerer Grubenunfall in Sachsen=Weimar. Bacha(Sachsen Weimar), 28. Juni. Auf der Gewerkschaft Puttler ereignete sich heute morgen ein schwerer Unglücksfall. Durch den Bruch einer Schwebebühne, der durch das Herabstürzen von Wasserkästen erfolgt ist, wurden 6 Mann getötet, 2 erheblich und 2 leicht verletzt. Streik der Pariser Chauffeure. Paris, 28. Juni. Die Pariser Chauffeure und Droschkenkutscher haben in einer gestern abend abgehaltenen Versammlung beschlossen, als Protest gegen die Polizeiverordnung, die ihnen das Leerfahren untersagt und sie verpflichtet, auf den Beulevards nicht mehr am Trottoir, sondern in der Mitte des Fahrdammes zu halten, heute zu streiken und, falls die Polizeiverordnungen nicht noch heute abgeändert wären, den Streik auch am Tage des Grand prix, am morgigen Sonntag bezw. solange durchzuführen, bis ihnen volle Genugtuung gewährt sei..1117—9m. Der geschnittene Poincaré. Paris, 28. Juni. Der Präsident der Republik wurde von dem parlamentarischen Vertreter des Departements Haute Garonne sowie von mehreren wirtschaftlichen Körperschaften und Vereinigungen gebeten, unläßlich der Rüchsten HerdstmandbuToulouse zu besuchen. Der sozialdemokratische Gemeinderat jener Stadt weigerte sich jedoch entschieden, an den Präsidenten eine amtliche Einladung ergehen zu lassen. Der Bürgermeister von Toulouse erklärte einem Berichterstatter, diese Weigerung sei auf 4252020 politische Beweggründe zurückzuführen. Präsident Poincars werde auf seiner Reise von Barthou und Etienne begleitet sein und diese beiden Minister hätten die Haussuchungen in der Arbeitsbörse und bei den sozialdemokratischen Führern angeordnet und die Kundgebungen gegen die dreijährige Dienstzeit untersagt, Maßnahmen, die von der sozialdemokratischen Partei auf das schärfste verurteilt worden seien. Vermischtes. Beuthen i. Schl., 28. Juni.(Kampf zwie schen Polizisten und Verbrechern.) An der schlesisch=russischen Grenze hat sich auf russischem Boden ein Kampf zwischen Polizisten und Verbrechern abgespielt, der vier Tote gefordert hat. Die Einbrecher Lukasik, Czisch, Wilk und Bielain verbargen sich in dem Hause einer Kolonie. Die russischen Polizeibehörden erhielten von dem Versteck Kenntnis. 30 Polizeibeamte wurden abgesandt. Die Verbrecher versuchten schon zu fliehen, mußten sich aber schließlich verteidigen, da es zur Flucht zu spät war. Ein dichter Kugelregen wurde über die Belagerer geschüttet, die mehreremal einen förmlichen Sturm gegen die Verschanzungen der Banditen machen mußten. 4 Stunden dauerte die Belagerung. Als das Feuer schwieg betraten die Polizisten die Wohnung. Dort fanden sie die Einbrecher in Blutlachen vor. Drei waren bereits tot, der andere gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich. und Verkehr. Essen, 28. Juni. Kohlensyndikat. In der heutigen Sitzung des Beirats wurde beschlossen, die Berufung der Bergbau=Aktiengesellschaft Concordia gegen die Entscheidung der Kokskommission zu verwerfen. Zu Geschäftliches wurden nur interne Angelegenheiten verhandelt. Die sich daran anschließende Zechenbesitzerversammlung setzte die Beteiligungsanteile für Juli in Kohlen auf 95 Prozent der vom 1. Juli ab auf Grund des§ 2, Absatz 2 des Syndikatsvertrages erhöhten Beteiligung(bisher 105 Prozent), in Koks auf 75 Prozent(bisher 80 Prozent) und in Briketts auf 90 Prozent(bisher 95 Prozent) fest. Dann erstattete der Vorstand den üblichen Monatsbericht. Zu Geschäftlichs ist nichts zu berichten. Ev..=.=V.„Sängerkreis“, Gelsenkirchen. Dem Herrn„Auch ein Sänzeer“ sei auf seinen Artikel vom 17. d. M. folgende Erwiderung: Die Behauptung, der„Sängerkreis“ sei bei dem Feste des ev. Arbeitervereins mit 2 Stunden Verspätung aufgetreten, kann ich nicht widerlegen. Ich glaube jedoch den Grund für die Säumigkeit der Sänger zu wissen. Der„Sängerkreis“ hatte am vorhergehenden Abend gelegentlich einer patriotischen Feier eines Vereins bereits ein Programm abgewickelt. Wie das bei Samstagsfestlichkeiten bekannt ist, hat man Zeit und eine Sängerkehle ist immer trocken. Wenn dann die„Sitzung“ etwas länger gedauert hat, so bleiben am anderen Tage die Folgen nicht aus. Also daher die Verspätung! Alsdann muß ich dem Herrn„Auch ein Sänger“ mitteilen; daß er nach meiner festen Ueberzeugung überhaupt kein Sänger ist, wenigstens niemals Mitglied eines Männergesang=Vereins war, sonst wäre er zweifellos„aus der Leitung" klug geworden. Im übrigen kann ich ihm nur sagen: Wer einen Hund werfen will, der findet einen Stein. Nebenbei sei bemerkt, daß es unpassend ist, solche Kleinigkeiten, die in jedem Verein vorkommen, der breiten Oeffentlichkeit kund zu tun, und gehört meiner Ansicht der Standpunkt des Herrn „Auch ein Sänger“ in das Reich der Lächerlichkeit. Ein erfahrener Sänger. Ein neues Sauerstoff=Präparat als vorzägliches Blutreinigungsmittel. Ein Berichterstatter schreibt: Ein namhafter Arzh welcher eine Autorität auf dem Gebiete der Sauerstoff=Therapie ist, lenkte meine Aufmerksamkeit auf ein neues Sauerstoff=Präparat, genannt Stomoxygen..r sagte mir, daß es für jeden zur Erhaltung der Gesundheit unerläßlich wäre, in entsprechenden Zwischenräumen eine Blutreinigungskur zu machen. Das gesamte System wird von allen Unreinheiten befreit und der Körper wird gekräftigt und gegen Ansteckungsgefahr geschützt. Weiter behauptet mein Gewährsmann, daß sich hierzu kein Mittel besser eignet, als das neue Sauerstoff=Präparat Stomoxy= gen, welches bereits in allen Apotheben erhältlich ist. Stomoxygen ist aber nicht nur ein ausgezeichnetes Blutreinigungsmittel, sondern hilft auch zuverlässig bei veralteten Magenkrankheiten, Verstopfungen und deren Begleiterscheinungen, als Nierenschmerzen, Herzklopfen, Säure im Magen, Kopfschmerzen, Benommenheit u. dgl. 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Ich glaube igkeit der Sänger hatte am vorberiner vatriovischen Programm abgezsfestlichkeiten bee Sängerlehle ist „Sitzung“ etwas am anderen Tage r die Verspätung! Auch ein Sänger“ sten Ueberzeugung nigstens niemals ereins war, sonst tung" klug gewornur sagen: Wer det einen Stein. es unpassend ist, n Verein vorkomkund zu tun, und dpunkt des Herrn ch der Lächerlichter Sänger. * arat als K smittel. smittel. sebiete der Sauerufmerksamkeit auf genannt Stomoxyden zur Erhaltung in entsprechenden naskur zu machen. illen Unreinbeiten räftigt und gegen er behguptet mein kein Mittel besser räparat Stomorypotheben erhältlich ür ein ausgezeichern bilft auch zuikrankheiten, Vereinungen, ale Rieire im Magen, dgl. Allen leideneinen Versuch zu (30164 Vertin uu fül unsern benunnt grögen Oeme Ga— P es RaOJOFEEEETGT den 1. 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Aus Dresden wird gemeldet: Ein anscheindend tollwütiger Hund sprang Donnerstag abend auf den Sohn seines Besitzers Götze und zerfleischte ihn an Kopf und Schultern so, daß der junge Mann in fast hoffnungslosem Zustande ins Friedrichstädter Krankenhaus ge schafft werde mußte. Der Hund wurde erschossen, und der Kadaver in die Dresdener Tierarzneischule gebracht, wo festgestellt werden soll, ob er an Tollwut gelitten hat. Die Hundesperre sollte in den nächsten Tagen in Dresden aufgehoben werden, wird nun voraussichtlich wieder verlängert werden müssen. —(Weibliche Chargierte beim Münchener Jubiläums= Studentenfest. Beim Stiftungsfest der Universität München erschienen, wie gemeldet wird, zum erstenmal auch die weißgekleideten weiblichen Chargierten des Vereins studierender Frauen im samtenen Künstlerbarett mit weiß=blauer Kokarde im Zuge unter den übrigen Kommilitonen. „Wischen Leben und Too. Die Anabiose=Versuche Pros. Bachmetjews. Petersburg, 27. Juni. Prof. Bachmetjew, über dessen Versuche mit Insekten und Fischen, die er in Anabiose versetzte, hier schon kurz berichtet wurde, veröffentlicht im„Rußkoje Slowo“ eine ausführliche Darstellung seiner bisherigen Erfolge und seines künftigen Arbeitsprogramms. Die Anabiose selber, d. h. der Zustand eines Organismus, in dem alle Lebensfunktionen aufgehoben sind, ohne daß der wirkliche Tod eintritt, war schon seit fast 200 Jahren bekannt, aber nur für niedere Lebewesen nachgewiesen, die man austrocknen und nach beliebiger Zeit durch Feuchtigkeitszufuhr wieder zum Quellen und zu neuem Leben erwecken konnte. Bachmetjew ging aber bei seinen Versuchen von ganz anderen Gesichtspunkten aus. Er erforschte das Verhalten des Insektenkörpers in gewissen Kältegraden und fand, daß die Körpertemperatur allmählich den Nullgrad erreichte, dann ebenso regelmäßig weitersank, bis sie, wenn die Temperatur zwischen fünf und zehn Grad Kälte lag, plötzlich ruckweise sich um ein Grad Cesius erhöhte, um nachher wieder regelmäßig zu fallen. Bei zehn Grad Kälte erst trat der Tod ein. Zunächst glaubte Bachmetjew, die Todesursache im Gefrieren aller Körpersäfte zu finden, es zeigte sich aber, daß schon bei fünf Grad Kälte alle Säfte gefroren waren, sodaß jede Lebensfunktion unmöglich war. Bei noch niedrigerer Temperatur, die immerhin noch nicht tödlich wirkt, tritt also jener eigentümliche Zustand zwischen Leben und Tod ein, aus dem der russische Gelehrte die Versuchtstiere oft nach sehr langen Zeit durch vorsichtige, allmähliche Temperaturerhöhung wieder auferwecken konnte. Bachmetjew vergleicht diesen anabiotischen Zustand des Organismus mit einer Wanduhr, deren Pendel man angehalten hat: die Uhr geht nicht, aber der leiseste Anstoß reicht hin, um das Pendel wieder schwingen zu lassen. Nachdem Bachmetjew die Anabiose an Insekten aller Art und an Fischen herbeigeführt, wollte er zum Studium des Verhaltens der Säugetiere gegen hohe Kältegrade über gehen; erst nach langen Bemühungen gelang es ihm, von privater Seite die Mittel dafür aufzutreiben, die ihm die Akademien von Petersburg, Berlin und Wien versagten. Er begann die Versuche mit Fledermäusen, deren Ergebnis endlich die Aufmerksamkeit der Behörden erregte, sodaß er vom Landwirtschaftsministerium einen Zuschuß von 2000 Rubel für seine Arbeiten erhielt. Die Versuche sollen zunächst an weißen Mäusen, die nicht in Winterschlaf verfallen, fortgesetzt werden. Diese Warmblüter können aber nicht ehne weiteres zum Einfrieren gebracht werden, da sie sterben, wenn ihre Körpertemperatur 15 Wärmegrade erreicht. Bachmetjew hat aber festgestellt, daß sie durch Einatmung eines Gemenges von Kohlensäure und Sauerstoff in Schlaf versetzt werden, wobei ihre Körpertemperatur, wenn die Umgebung abgekühlt wird, bis auf den Gefrierpunkt sinkt. Der Gelehrte vermutet, daß sie sich bei weiterer Abkühlung ebenso wie die Fledermäuse und Insekten verhalten werden. Wenn diese Versuche gelingen, sollen sie an Kaninchen und Affen fortgesetzt werden, sodaß schließlich auch das Experiment in Aussicht gestellt wird, einen Menschen in anabiotischen Zustand zu versetzen. Der russische Forscher erwartet von diesen Arbeiten, von deren Gelingen er anscheinend überzeugt ist, außer wissenschaftlichen Ergebnissen, die zum Beispiel für die Vererbungstheorie bedeutsam sein könnten, eine Reihe praktischer Folgen, die er mit schönem Optimismus ausmalt. Als wichtigstes Ziel schwebt ihm die Bekämpfung der Tuberkulose vor. Die Erreger dieser Krankheit sterben oder verheren wenigstens die Fähigkeit, sich zu vermehren, wenn man sie zwei bis drei Wochen lang einer Temperatur von weniger als sechs Grad Kälte aussetzt. Wenn man also die Kranken in anabiotischem Zustand bei—8 Grad Körpertemperatur halten könnte, müßten die Kochschen Bazillen unschädlich werden. Ferner glaubt Bachmetjew, man könnte Schafe, Bienen und andere Tiere, die während des Winters nichts produzieren, in der Anabiose ohne Futter überwintern lassen, wertvolle Fische, Geflügel u. dgl.„anaboisiert“ auf große Entfernungen versenden, nützliche Parasiten, die zur Bekämpfung von Krankheiten der Tiere oder Pflanzen nötig sind, sich aber in der Natur nur selten finden, auf Vorrat züchten, in anabiotischen Schlaf versetzen und im Bedarfsfalle sofort zum Leben erwecken. Besonders günstig scheinen sich die Aussichten für den Ferntransport der Kaviarfische zu gestalten, für den Bachmetjew bereits praktische Versuche unternommen hat. Was Frau Aüußter fagl. Geehrter Herr Redakteur! Ich bin fürn Fortschritt und habe son Zug nach dem Großstädtischen. Mein Mann sagte früher oft für mich, wenn ich mich Sonntags feingemacht hatte:„Sofie,“ sagte er,„Du hast so was Vornehmes und Energisches an Dir, ich glaube, Du würdest sogar in Berlin eine gute Figur machen.“ „Ja,“ sagte ich,„Anton, energisch bin ich und es ist auch nötig, wenn in unserm Haushalt nicht alles drunter und drüber gehen soll. Denn Du bist nur ein Waschlappen und kannst Deine Worte nicht machen und wenn Du dann gar Deinen feuchten Tag hast, dann könnte ich eben so gut mit einem Bierpott als mit Dir verheiratet sein.“ Sehen Sie, Herr Redakteur, ich liebe es, wenn man klar ausspricht und deshalb war es mir auch aus der Seele geschrieben, was neulich im GeneralAnzeiger stand: daß man in den Geschäften nicht so dusselig rumstehen soll, sondern gleich sagen soll, was man auf dem Herzen hat. Aber, Herr Redakteur, das ist leichter gesagt, als getan. Da heißt es immer im General=Anzeiger, das Publikum wäre kleinstädtisch und müßte erzogen werden, aber wie siehts mit den meisten Geschäftsinhabern aus? Stehen die vielleicht auf der Höhe? Denken Sie mal, was mir da neulich in dem Obstgeschäft an der Brückstraße passiert ist. Ich gehe da rein, um für meine Kinder zu Sonntag einige Aprikosen zu kaufen. Na, ich scheniere mich ja denn nun auch nicht und lasse den Mann nicht im Unklaren, was ich haben will und mache auch kein dämliches Gesicht, sondern gehe auf den Aprikosenkasten zu und drücke mal ein Dutzend Dinger ordentlich mit dem Daumen durch, um zu sehen, welches die weichsten sind. Denn mein kleines Söffken neigt sehr leicht zum Durchfall und darf kein unreifes Obst essen. „Was machen Sie da,“ schreit der Geschäftsinhaber mich mit seinem roten Kopf an,„und wie können Sie sich unterstehen, die Aprikosen zu beknibbeln?" „Ja,“ sage ich,„soll ich vielleicht die Karotten beknibbeln, wenn ich Aprikosen kaufen will? Sie halten mich wohl für eine Kleinstädterin aus Kruckel?" Na, da gab denn nun ein Wort das andere, wie Sie sich denken können und im Handumdrehen war ich an die Luft gesetzt. Aber ich hab dem kleinstädtischen Pack noch auf der Straße deutlich meine Meinung gesagt. Es gab einen Volksauflauf mit Polizei und allem Zubehör. Sehen Sie, Herr Redakteur, da können Sie in Ihrem Blatt noch viel schreiben, was man tun soll, aber wenn mans nachher tut, gehts einem so. Und was hab ich bei meinem Metzger erst für einen furchtbaren Aufstand gehabt. Da komme ich rein in den Laden, dränge mich hübsch durch die Leute sofort bis an die Theke ran und sage laut und deutlich: ¼ Pfund Kalbfleisch vom jungen Tier, gut gemästet, saftiges Schulterstück, ohne Knochen und gut gehauen. Statt daß dieser Mann daukbar ist, weil ich alles schlank heraus sage, wie ich es haben will und nicht so im Laden rumlungere, ruft er nach seinem Hais echt Fritz und sagk für ihn:„Schmeiß diese dicke Person mal raus, die will uns verulken!" Nun sehen Sie, wie lange es dauert, bis man hier den richtigen großstädtischen Zug in die Geschäftsleute hereinbringt. Aber die Frau Quaßlern läßt sich nicht den Mund verbieten, auch wenn diese kleinstädtische Bagage sie noch 10mal rausschmeißt, womit ich verbleibe Ihre geehrte Frau Quaßler. Sprechsaal. Brambauer, 27. Juni. Am 21., 22. und 23. Juni wurde hier das Regierungsjubiläum des Kaisers durch ein großes Volksfest gefeiert. Das dieses Fest einen so großen Verlauf haben würde, hatte wohl niemand erwartet. Denn als auf Anregung des Kriegervereins die Vorbereitungen zu dem Feste begannen, der Festausschuß, worin sämtliche patriotischen Vereine vertreten, zusammen gesetzt war, stellten sich auch die Schwienigkeiten ein, alle unter einen Hut zu bringen. So verlangten die Leiter des evgl. Jünglingsvereins, auf dem Feste dürfe nicht getanzt werden, vor allem keine alkoholischen Getränke zum Ausschrank gelangen, deshalb solle die Feier nicht in einem Festzelt, sondern im Volkspark stattfinden. Als nun die große Mehrheit des Festausschusses diesem Verlangen nicht nachkam und das Gegenteil beschloß, erklärten die Herren an einem solchen Fest nicht teilnehmen zu können, diesem Vorgehen folgten dann auch die Leiter des kath. Jünglingsvereins. Man glaubte aber den Gang der Dinge aufhalten zu müssen, denn auch die Leitung des ev. Männervereins fand sich mit den Herren zusammen und sagten nein, auch wir machen nicht mit. Doch das Vorhaben dieser Herren brachte gerade das Gegenteil von dem, was sie gehofft hatten, denn das Fest, das vom Ausschuß ganz großzügig vorbereitet und geleitet wurde, ist derartig imposant verlaufen, daß alle Erwartungen weit übertroffen wurden. Wie in der Bürgerschaft diese Treibereien aufgefaßt wurden, zeigte sich so recht am Sonntag, den 22. Juni. Das Fest war derartig besucht, daß in dem schönen 1500=Meter großen Zelt kaum die Hälfte der Festteilnehmer Platz fanden. Für Montag, den 23. Juni, war ein Kinderfest vorgesehen, zu welchen von der Regierung der Unterricht in allen Schulen ausgesetzt war, doch auch dieses glaubte man vereiteln zu müssen. Denn als den Lehrern Miteilung gemacht wurde und gleichzeitig der Wunsch ausgedrückt, die Herren und Damen möchten sich an dem Kinderfest beteiligen, wurde auf einer am Vorabend des Festes einberufene Konferenz, außer vier Herren, die aber auch keine Einladung erhalten, einstimmig beschlossen, der Feier fern zu bleiben. Auf wessen Veranlassung die Konferenz einberufen wurde, ist unbekannt, ebensowenig hat man Gründe angegeben, die obigen Beschluß rechtfertigen können. Das Kinderfest ist dann auch ohne die Herren Lehrer programmäßig verlaufen, denn es gibt noch Menschen, die mehr Kinderliebe zeigen. So ist das Fest von Anfang bis zu Ende trotz aller Quertreibereien großartig verlaufen. Einer für Viele. Briefkasten der Redaktion. 2—%. 1. Das Recht besteht. 2. Berlin, Chausseestraße. A. E. W. Ohne Mietvertrag nicht zu beantworten. A. R. 200. Sie haben Anspruch auf Lohn. I. G. 83. Machen Sie ein Gesuch an die Staatsanwaltschaft. 1000, Somborn. Angemessener Betrag ist zu zahlen. Verjährung 2 Jahre. Handwerk. Fragen Sie bei der Handwerkskammer, hier, Kaiserstraße 58, an. M. M. Die Gemeinde muß zahlen. Bobach. Schreiben Sie an die Firma in Leipzig. P. K. 51. Sie müssen sich an die Regierung in Arnsberg wenden. W. M. 70. 1. Ja. 2. Eigenhändig giltig. Donary, Kamen. 1. Die Fachschule muß besucht sein. 2 Gehalt ganz verschieden. M. J. 14, Ickern, 8 Stufen. „Asso a Bezen Nt. 9 5 S S 8 S 8 50 S S S# C 5 83 8 So S S9 S. Tägliche Gratisbeilage zum Dortmunder General-Anzeiger. Nr. 176. Sonntag, 29. Juni 1913. Lebens 10 Horst befand sich hier in seiner eigerlen Sphäre, während er selbst nicht am Platze war. Edel däuchte ihm entrückt und entfremdet zu sein, sie möchte Vergleiche zwischen ihm und Horst ziehen, die in dieser Umgebung sicher nicht zu seinen Gunsten ausgefallen wären. Er war froh, als Frau Konsul Menggs sich erhob und damit einen allgemeinen Aufbruch veranlaßte. Asta, die noch gern geblieben wäre, um ihr Herz zu erleichtern, flüsterte der Freundin zu: „Ich komme bald wieder! Wann findet man Dich zu Hause?" „Sonntags zu jeder Zeit; sonst täglich nach fünf Uhr." Noch blaß und gekränkt von dem herablassenden Kopfnicken, mit dem die Freifrau ihn verabschiedet hatte, trat Hans Großmann zu Edel und verneigte sich steif, ohne sie anzusehen. Sie merkte es und streckte ihm die Hand hin.„Auf Wiedersehen, Herr Großmann! Grüßen Sie mir Ihre liebe Schwester. Ich komme nächstens mit meinem „Kolorierten" zu ihr. Sie soll sehen, ob ich mich und auch sie nicht blamiere." Hans begriff, daß sie ihn für diesen mißlungenen Besuch entschädigen wollte. Er dankte ihr mit einem heißen Aufleuchten seines Blickes. Aber auch Horst verstand. Er sah Edel an, daß ihr war, als ob sie einen Stoß bekäme. Doch Edel wollte von ihm nichts wissen. Ihre Hand streifte kaum die seine, die sich ihr zum Gruße bot. Die paar Worte, die sie aus Höflichkeit zu ihm sagen mußte, schien sie ins Leere zu sprechen... Horst und Hans schritten zusammen den Kurfürstendamm entlang. In der freien Luft war es leichter, sich unbefangen zu geben— wenigstens dachte es Mumm, nachdem er eine Weile schweigend neben dem Freunde hergegangen war, im Zweifel mit sich, ob er ihm kalt oder mit der alten Brüderlichkeit begegnen sollte. Bei all der großzügigen Offenheit und Herzlichkeit des anderen wurde Mumm nie das Gefühl los, daß er sich wie eine Mauer zwischen ihn und Edel schob. „Wie wär's, Mumm, wenn wir uns einen Eiskaffee leisteten und noch ein Stündchen zusammenblieben?" fragte Horst gemütlich. „Meinetwegen. Mit dem angefangenen Nachmittag ist doch nichts Rechtes mehr anzufangen.“ Sie fanden im nächsten Café in einer bequemen Fensterecke Platz. Horst begann von den Sommerferien zu sprechen. Er hatte sich eine Hochtour in der Schweiz vorgenommen— als erprobter„Bergkraxler" und schwärmerischer Bewunderer der Alpenwelt. „Komm mit, Mumm!“, sagte er plötzlich, einer guten Eingebung folgend.„Ich lade Dich ein. Ein paar Tage schenkst Du mir dann auch in Hamburg, bei meinen Eltern. Willst Du?“ Hans fuhr auf:„Das— geht doch nicht! Wer weiß, ob es Deinen Eltern recht wäre!— Und selbst dann! Ich kann meine Stunden nicht versäumen, die Bibliothek nicht fahren lassen.“ Horst ließ sich aber nicht abweisen. Er redete ihm herzlich zu. Es wäre doch ein Urlaub zu erlangen, und seine Privatstunden hörten wahrscheinlich in den großen Ferien von selbst auf. „Du solltest das mal kennen lernen, oben, unter Schnee und Eis! Es ist eine Welt von überwältigender Größe: Einsamkeit und Unendlichkeit thronen auf den himmelhohen Schroffen. Man vergißt den Alltag, so lang er ist. Förmlich angesteckt wird man von der Majestät und der erhabenen Schönheit dieser Natur. Und wenn man von solch einer weißen, totenstillen Höhe heruntersteigt, ist man ein reinerer besserer Mensch.“ Mumm taute auf. Längst sei solch eine Hochtour sein brennender Wunsch gewesen. Ach, so durch das Berner Oberland hinein in die Eisregionen, ins Gebiet des gigantischen Matterhorns!„Aber ich armer Teufel habe keine Zeit, kein Geld,— es geht nicht!" „Doch, es geht.“ Horst entwickelte seine Pläne und stellte die Marschroute fest, und während Hans fortgerissen zuhörte, schoß ihm ein häßlicher Verdacht durch den Sinn:„Er will mich bloß forthaben, so lange er selbst nicht hier ist.“ Hinterher schämte er sich Roman von Anton Andrea. dessen.„Du bist ein lieber Kerl,“ sagte er,„und die Versuchung ist groß. Ich will's mir überlegen.“ Am liebsten hätte er gleich mit beiden Händen zugegriffen; so etwas wurde ihm vielleicht nie wieder geboten. Dennoch zögerte er: durfte er Edel solange aus dem Gesichtskreise verlieren? Ihn peinigte ein dumpfes Vorgefühl, daß die Zeit nicht fern wäre, wo sie ihm still und kaum merkbar entglitte. Er wurde ihrer aber wieder sicher, als er sie tags darauf bei seiner Schwester traf. Sie war von einer unwiderstehlichen Zutraulichkeit. So frisch und voll sprühenden Eifers für ihre Berufstätigkeit:„Und was sagen Sie dazu, daß ich neulich kühn in die Literatur gestiegen bin?“ lachte sie ein wenig befangen.„Mit ein paar Gedichtchen nur; aber es macht mir zehnfach so viel Freude." Die Zeitungsnummer mit den Gedichten schenkte sie der alten Freundin. Hans nahm sie aber für sich in Beschlag. Er las die Gedichte und wollte sie nicht wieder herausgeben. Eigentlich war er stolz darauf; nur, daß es ihn nebenbei auch bedrückte. „Ich stehe ganz beschämt,“ sagte er, heimlich ihre Hand streichelnd.„Sie schaffen schon tapfer darauf los, und ich pendle immer noch als Student herum. Das ist das Gegenteil von meinem Wünschen und Wollen. Ich möchte Ihnen seidene Teppiche unter die Füße breiten, Sie aus dieser papiernen Redaktionsluft in den rauschenden Buchenwald führen. Ich kann Sie mir nicht anders am Platze denken, als auf einem umkränzten Piedestal. Wenn Sie von Ihren Schnittmustern und Modeartikeln sprechen, sehe ich Sie immer wie in einer Maskerade. Ich denke, Sie werfen das nächstens alles von sich und lachen uns aus, daß wir es ernst nehmen konnten.“ „Mumm, Du dichtest!" rief Fräulein Großmann. Sie beunruhigte sich immer, wenn er auf dem feurigen Rappen seiner Phantasie dahinjagte. Edel lächelte ihn an.„Ich bin schon heillos froh, in diese glatte Bahn gerückt zu sein,“ beteuerte sie; aber auf dem Grunde ihrer Seele zitterten Erinnerungen nach, die mit Mumms Phantasien zusammenklangen. Sie hörte den Wald rauschen und das Jagdhorn schallen. Sie saß zu Pferde an der Seite ihres ritterlichen Vaters und sie schritt unter Rosen und blühenden Syringen im Garten zu Hohenfließ... „Wo bleibt unsere Lite, Masstra?“ fragte sie, den holden Bann abschüttelnd.„Wir hatten verabredet, uns hier zu treffen.“ Fräulein Großmann stellte eine kleine Erfrischung auf dem Tisch zurecht. Sie hatte ihren geheimen Kummer. Nicht allein, daß Mumm ihr Rätsel zu raten gab und unerreichbaren Zielen zustrebte, auch Signorino beunruhigte sie. Seit einiger Zeit arbeitete er mit wütender Ausdauer; aber alles, was er schaffte, war eine Verneinung seiner früheren Kunstprinzipien. Er, der„Fanatiker der Natur“, verleugnete sie plötzlich. Nichts mehr wollte er von ihr wissen. Erst, wo sie aufhörte, durfte seine Kunst beginnen. „Sie sollten ihn hören, Edel! Er ist nicht mehr zu verstehen. Und seine Bilder,— entweder sind sie die Morgendämmerung neuer Kunstideen oder ein Wahnsinn.“ „Ach, Nell,“ sagte Hans, eifersüchtig auf alles, was Edel von ihm ablenkte,„Du legst in den ganzen Kerl mehr hinein, als er ist.“ Dolte kam herein. Er bat tausendmal um Verzeihung, falls er störte. In Wahrheit setzte er es nicht voraus. Er war auf Mumms Bude gewesen und hatte sie leer gefunden. „Und in Wichs, Doktor=Ing.?“ fragte Nell. „Aber ja, Fräulein Großmann! Wir, das heißt die„Freibündler“, sind bei Trast zu einem Liebesmahle gebeten. Der kleine Lüttichau ist Mitglied geworden, das soll gefeiert werden. Auch der verlobte Baron hat sein Erscheinen zugesagt. In einer Stunde sind wir fällig, Mumm, es ist Zeit, daß Du Deinen Glanz erhöhst. Sag'mal, hast Du noch ein paar gangbare Handschuhe oder einen Tropfen Benzin? Was halten Sie für das Zweckmäßigste, Fraulein Nell?“ „Die Benzinwäsche, Herr Dolte! Suchen Sie 'mal hervor, was an Handbekleidung bei Ihnen (Nachdruck verboten.) liegen geblieben ist. Ich finde wohl noch ein rechtes und linkes Stück von nicht zu abweichender Farbe heraus und reibe sie Ihnen schnell ab.“ „Sie sind wieder'mal mein Rettungsengel, Fräulein Nell! Ist Fräulein Lite im Anmarsch? Ich fühle, daß mein Herzschlag sich beschleunigt. Signorino wollte sich ebenfalls von den Schwingen seines neuesten Genius'rantragen lassen.“ Als er mit seinen Handschuhen, zwei und einem halben Paare, zurückkam, stieß er vor Nells Tür mit Lite zusammen. Er bekam einen Heidenschreck und glaubte, das Tageslicht ließe ihn plötzlich im Stiche. Lite trug rabenschwarze Kleider. Ihre sonst so rosigen Bäckchen hatten eine feierliche Blässe; ihr Blumenhut war einem schwarzen, blütenlosen Chiffondeckelchen gewichen, und überirdisch groß und hehr sah sie in der düsteren Verkleidung aus. „Alle guten Geister, Fräulein Lite! Wer hat Ihnen das angetan?" Sie rollte ihre großen, junonischen Augen auf ihn, und ein verächtliches Lächeln huschte wie ein verirrtes Lichtchen um ihren Mund, dessen Röte allein standgehalten hatte.„Das möchten Sie gern wissen, Durchschnittsmensch? Ich sage es aber nicht.“ An ihm vorbei schritt sie über Nells Schwelle. Alle waren starr bei ihrem Anblicke: Lite, das Sonnenkind, in den Farben der Nacht! „Bitte,“ sagte sie, wie vorhin zu Dolte,„wem ich so nicht gefalle, der braucht mich nicht anzusehen.“ Edel eilte auf sie zu, blaß vor Schreck. „Um Gotteswillen, ist Dir jemand gestorben?" „Ja.“„„ Alle verstummten; nur Dolte, der seine reduzierten Handschuhe Nell Großmann zuzählte, sagte ungerührt:„Ist nicht wahr. Sie mimt ein bißchen!" Lite fuhr herum. Ihre Augen funkelten,„Natürlich,— was versteht der Banause von der Trauer eines verwaisten Künstlerherzens!" „Daß Sie Ihnen wundervoll steht, Fräulein Lite,“ entgegnete Dolte, ohne sich zu erhitzen.„Ich habe Sie nie schöner gefunden. Bloß— Ihr flauherziger Hauptmann ist dies hübsche Trauerfähnchen gar nicht wert.“ Lite wurde mit einem Male wie verklärt. Ein Licht glomm auf in ihrem königlichen Blicke und breitete sich wie Mondschein weich und sanft über ihre Züge.„Rühren Sie mir nicht an ihm! Er hat das schönste, edelste Herz. Nur sein Verhängnis, hat sein grausames„Nein!" gesprochen.“ „Lassen Sie ihn schießen, Fräulein Lite!“ sagte Dolte ernsthaft.„Ich mache nächstens meinen Dortor=Ing. In zwei Jahren, das gelobe ich Ihnen, bin ich so weit, daß ich mir'ne Frau leisten kann. Dann heiraten wir uns. Die alte Pinselei, so hübsch, wie Sie es auch machen, lassen Sie aber bleiben. Die Hüterin meines Herzens und meines Hauses braucht kein Malweibchen zu sein.“ Wieder waren die anderen starr; Lite aber fand ihr Temperament wieder. „Suchen Sie sich eine Frau unter Ihresgleichen, Maschinenmensch! Ich gehöre der Kunst,— nun erst recht und für immer! Wenn Sie mich haben wollten, müßten Sie ein Atelier bauen mit einem Fenster, das den halben Himmel herein läßt. Nachher fragen Sie'mal an, ob ich drin malen möchte.“ „Schön,“ sagte Dolte unerschütterlich.„Wird gemacht!" Signorino kam, um die anderen abzuholen, Hans mußte hasten, wenn er fertig werden wollte. „Immer das sinnlose, schreckliche Verhängnis!“ sagte er leise zu Edel.„Fräulein Lite hat recht: es spricht sein Nein zwischen uns und unser Liebstes, oder es treibt einen auf weit ablaufende Wege. Man sucht und sucht einander und kommt nicht zusammen. Mit ihrem lieben, tapferen Lächeln schaute ihm Edel in die Augen. Sie verstand nicht recht, was ihn so kleinmütig machte.„Es dreht sich alles nur im Kreise,“ sagte sie munter.„Auch die auseinander führenden Wege treffen mal wieder zusammen. Man muß sie nur mit Ausdauer zu Ende gehen.“ Dolte schob den Bundesbruder zur Tür hinaus. „Noch sieben Minuten, Mumm! Soll ich Die FSSRN Er ging in der Tat mit. Da er das wichtigste, seine Aussprache mit Lite, erledigt zu haben glaubte, fühlte er sich abkömmlich. Signorino nahm die Gelegenheit wahr, den Damen inzwischen seine neuen Kunstprinzipien beigubringen. Er war auch in seinem Aeußeren wie umgewandelt,— sein mansgraues Künstlerhabit hatte er abgetan, seine wundervolle Haarmähne war unter der Schere des Friseurs gefallen; ein moderner Gehrock und übermoderne enge, schwarze Beinkleider umschlossen seine seinen Glieder: wie ein elegant ausstaffierter Konfirmand würde er ausgesehen haben, wenn nicht die zuckenden Lichter in seinen Augen geflammt und gespielt hätten. „Ihr anderen werdet Euch an den alten Begriffen zermürben und zerreiben,“ sprach er,„es wäre denn, daß Ihr die neuen schautet im Lichte meiner Offenbarung. Natur und Kunst sind zwei so schroffe Gegensätze, daß eine Zerstörung stattfindet, wenn sie sich begegnen. Erst wo die eine aufhört, kann die andere beginnen. Das Gegenteil von dem Verhältnis zwischen Natur und Wissenschaft. Die brauchen einander: die letzten Ziele der Wissenschaft sind allein in der Natur zu suchen, sie führt zur Erkenntnis der Natur, und in einer schönen Allianz interpretieren sie uns das Wirkliche. Die Kunst aber darf nur Ideale wollen. Sobald sie etwas verwirklicht, liefert sie einen Abklatsch der Natur, gröber und brutaler als der Photograph.— Der Künstler soll Schöpfer sein. Ihr wollt eine Wiese, einen Wald, ein Meer? Gut, ich werde sie der Wirklichkeit entreißen und sie Euch nach meinen Idealen neu schaffen! Paßt auf, wie ich male. Ihr werdet eine blumige Weite sehen, eine schattige Einsamkeit und eine blaue Unendlichkeit. Und ich werde sie Euch mit plastischen Gestalten beleben, wie sie der Größe meiner Gedanken, der Höhe meines Empfindens und der Schönheit meiner Sehnsucht entspringen. Begreift Ihr nun, daß ich ein Künstler bin?" „Oder ein wahnsinniger Delikateßhering!" warf Lite trocken ein, aber ihre Augen standen in einem dunklen Glanze und ihre Wangen brannten. Signorino stellte sich vor sie hin:„Wollen Sie meine Schülerin werden?" „Nein. Meine Kunst hat sich mit der Natur vermählt. Sie bricht die Ehe nicht. Sie ist weder frech noch stark genug, um als geschiedenes Weib am Pranger meiner künstlerischen Ueberzeugung zu stehen.“ „Schade!“ Signorino zuckte die Achsel. Er konnte seine schönheitstrinkenden Augen nicht von ihr lassen.„Schade, noch einmal! Ohne mich in Sie zu verlieben, hätte ich Sie mir gern näher gerückt; denn sie haben ein starkes Talent. Noch sind Sie mir aber zu sehr Natur. Gestern waren Sie der sonnige Tag im Rosengarten, heute sind Sie die finstere Nacht, an schwarzen Abgründen schreitend. Das verletzt mein Kunstideal, das sich immer nur in den Zwischenstationen, dem Uebersinnlichen, dem nur Geahnten, nur Empfundenen bewegen darf. Bei Ihnen ist alles viel zu natürlich— eine ist indes da, von der habe ich in meinem Offenbarungsrausche geträumt“—.—. Die Hände in den Taschen, drehte er sich auf dem Absatze nach Edel um.„Ihre Freundin Asta ist es! An der ist nichts Natürliches. Das Gegenteil von dem, was sie zu sein scheint, ist sie. Das kümmert mich als Künstler nicht. Wütend verlieben möchte ich mich in dies wunderschöne Gebilde von mütterlicher Erziehung, von Einbildung, Verstellung und— Suggestion, malen möchte ich es! Der Teufel hole den Baron, der es weggeschnappt hat, ehe ich Hand darauf legen konnte“— Man hörte Dolte auf dem Flur signalisieren. Es war höchste Post, wenn man mitwollte. Seinen funkelnagelneuen Zylinder packend, den Nell Großmann in ihre Obhut genommen hatte, als er sich in das Feuer seiner„Offenbarung" stürzte, sauste Signorino zur Tür hinaus. „Herr des Himmels, mir ist wirblig im Kopf geworden!" sagte Lite und sank auf einen Stuhl. „Ist er nicht verrückt, total verrückt?“ klagte Fräulein Großmann. Und Edel wußte nicht recht, ob sie lachen oder weinen sollte: war das echte Kunstbegeisterung oder überspannte Selbstüberhebung? Lite faßte sich zuerst. Sie hatte nach der Uhr gesehen.„Ich muß gehen, Masstra! Verzeihen Sie die Eile. Edel, Du kommst mit! Ich brauche Dich als Tugendwächter.“ Sie zog die Freundin mit fort, ehe Nell Großmann Einspruch erheben konnte. „Wohin?“ fragte Edel draußen. Lites Hast und schlecht verholene Erregung beunruhigten sie. „Da, wo ich nicht hin sollte,— nach der Charkottenburger Chaussee. Vielleicht springe ich doch noch in eine„Elektrische“ und jage ihm, um den ich Trauerkleider trage, in die Arme. Um sieben wartet er zum letzten Male im Schloßgarten auf mich. Es ist dreiviertel— der Höhepunkt der Verssuchung. Sieh, dort über den Häusern den roten Himmel! Das ist das finkende Glück. Soll ich so verglühen und sterben lassen!“ Edel nahm die Freundin fest beim Arme. „Lite, Du fieberst!" „Freilich. Es ist ein fürchterlicher Wahnsinn; aber das Höchste was ich je gefühlt habe. Ja, halt mich fest! Sperre mich ein, binde mich an, sonst laufe ich mit sehenden Augen in mein Verderben.“ Sie riß ihren Hut vom Kopfe und warf das wellige Haar von der Stirn, auf der kalter Schweiß tropfte.„Wären hier nicht überall Leute, ich würfe mich auf die Erde und schrie es in alle Winde, daß ich ihn liebe, daß ich toll bin vor Sehnsucht nach ihm.“ Katalog Preis 30 Pfennig. Nach auswärts für 40 Pfennig franko. C. L. Krüger, G. m. b. Westenhellweg 9. Dortmund. Krüger=Passage. „Nein, Lite, Du darfst nicht! Du hast diese Liebe begraben: Etwas Wildes, Gewaltiges flammte in den Augen der jungen Malerin. „Das ist eben das Unglück. Ich habe sie lebendig begraben, meine arme Liebe, und nun schreit sie aus der Tief nach Erlösung. Du wirst das nicht verstehen, Edel. Du weißt nicht, was Liebe ist. Die süßen Blicke, die Du mit Hans Großmann tauschest, sind Schäferspiele. Aber dies, was mich an die Soldatenbrust meines Hauptmanns geworfen hat, das ist eine Naturgewalt, die mächtigste von allen. Es gibt blutige Risse, wenn ich mich loszerre: „Aber Du mußt es,“ sagte Edel erschüttert. „Freilich. Ich mußt es!" Lite wand ihre Hände und biß ihre Lippen wund. „Er ist der beste einer," sprach sie halb schluchzend weiter.„Wenn ich es wollte, er nähme seinen Abschied, ich würde seine Frau, aber hinter dem großen Rausche tut ein Abgrund sich auf, der sein Leben und unsere Liebe verschlingen würde. Ich sehe das alles ein, und doch vergehe ich vor Sehnsucht nach ihm. Edel, was würdest Du an meiner Stelle tun?" „Nicht hingehen!" Ein ächzender Laut drängte sich durch Lites zusammengebissene Zähne. Ihre Gedanken wanderten. Sie sah nach ihrer Uhr.„Noch ist er da. Fast eine halbe Stunde hat er gewartet. Bei der Schleuse, am Kochsee, steht er. Ganz blaß sieht er aus; seine lieben Hände zittern, und das Herz krampft sich ihm vor Schmerz und Sehnsucht zusammen. Edel, laß mich los! Ich gehe." „Nein, Du bleibst!" Mit aller Gewalt hielt Edel sie fest.„Du kannst das Opfer seiner Existenz nicht annehmen,— ihn unmöglich in ein verfehltes Leben ziehen." „Nein. Aber— ich könnte mich opfern.“ „Und dann?“ Lite lächelte verstört:„Ins Wasser springen? Wie zwecklos und gemein wäre das! Oder mich wie eine Verbrecherin in Winkeln rumdrücken? Nimmermehr!" Sie setzte ihren Hut auf und strich wieder und wieder über die heißen Augen—— Die Abenddämmerung schwebte über den Wipfeln des Tiergartens. Der Atem des Sommers ging schwül, schwer vom Duft der Rosen und Lindenblüten. Ein Pirol pfiff seinen Regenruf. Hinter dem verblassenden Abendglühen türmten sich Wetterwolken. Ein Blitz zuckte auf. Sie waren an eine Haltestelle gekommen. Lite sah sich um mit weiten, erwachenden Augen. „Dein Wagen wird gleich kommen, Edel!“ sagte sie gesammelt.„Dank, weise Jungfrau, für Deinen Beistand in meiner schweren Stunde: Nun habe ich glücklich überwunden. Wenn Du mich wiedersiehst, trage ich wieder mein, weißes Kleid und meinen Blumenhut...“ Die Uhr am Tiergartenbahnhofe zeigte auf halb neun. Lite tat einen tiefen Atemzug; noch einmal loderte eine Flamme in ihrer Seele auf, der Schmerz führte einen letzten, schneidenden Hieb. Sie starrte auf die Uhr— die Entscheidung war ehen M Im Schloßgarten schaure niemand meyr nach ihr aus. (Fortsetzung folgt.) Der Sacharinseppel. Eine Geschichte aus dem Erzgebirge von Adbif Stark. (Nachdruck verboten.) Im Tale zwischen grünen Wiesen liegt das Häuschen des Sacharinseppels, tief unter der Straße, die sich oben am Bergeskamm hinzieht. Der Seppel weiß wohl selbst nicht, wie schön er wohnt. Ich entdeckte nur durch einen Zufall dies paradiesische Fleckchen, dessen wahre Lage ich niemand verrate, denn ich will mein Sommeridyll ganz für mich allein haben, will nicht belästigt werden von neugierigen Passanten, will nicht am Ende gar irgend einen Herrn Professor oder eine brillentragende Engländerin zu Zimmernachbarn bekommen. Nein, ich hüte mein Paradies, eifersüchtiger als die Zwerge des Gebirges ihre Schätze. Auch den bürgerlichen Namen des Seppel verrate ich nicht. Aber das soll nicht verhindern, daß ich erzähle, wie er zu seinem sonderbaren Spitznamen gekommen ist. Denn ein richtiger Spitzname ist es oder war es wenigstens im Anfang. Jetzt denkt sich keiner mehr etwas dabei, ist ein Hausnamen geworden und wahrscheinlich wird man nach Jahrzehnten, wenn der Seppel längst unter dem grünen Rasen ruht, das Anwesen beim Sacharinseppel nennen. So etwas erbt sich im Gebirge fort, von Generation zu Generation. Der Name haftet an Haus und Hof. Es ist etwas ganz gewöhnliches, daß selbst die Nachbarn nicht wissen, wie sich der oder jener„schreibt". Er heißt der Bachleitner oder Meyer heißen. Beim Sacharinseppel liegt die Sache anders, was ohne weiteres sich schon dadurch verrät, daß unsere Väter und Großväter keine Ahnung davon hatten, daß es einen Stoff gebe, der noch viel süßer schmeckt wie Zucker, und der viel billiger ist, notabene, wenn man nicht den hohen Zoll zahlen muß, welchen die Finanzer an der Grenze für jedes Stückel Sacharin verlangen. Es ist das reine Kreuz. Gerade das, was die Leute am liebsten haben, wie Sacharin und Tabak, gerade darauf haben es die Grenzwächter am meisten abgesehen. So klagte der Seppel eines Abends, als wir beide unter dem Birnbaum vor dem Hause beisammen saßen, und dann erzählte er mir bereitwillig, wie er zu seinem Spitznamen gekommen ist. „Sehen Sie, Herr Doktor," begann er,„die Resi, die jetzt mein Weib ist, die habe ich schon als ganz junger Bursch gerne gehabt, schon bevor ich zum Militär mußte. Als ich dann nach drei Jahren den kaiserlichen Rock auszog, da haben wir beide uns versprochen. Mit dem Heiraten sah es freilich windig aus. Sie hatte nichts und ich noch weniger. Vorher, ehe ich zum Militär kam, war ich gewöhnlicher Bauernknecht. Bei den Soldaten lernte ich das Reiten und Fahren und trat nach meiner Rückkehr als Kutscher bei einem Pferdehändler in G. ein. Schlecht ging es mir ja nicht. Ich verstand es, die Tiere zu behandeln und herzurichten, daß der elendeste Klepper nach 14 Tagen wie ein Staatsgaul aussah, und fahren konnte ich, besser als ein Wiener Fiaker. Wissen Sie, fahren und fahren ist ein Unterschied. Man muß wissen, was für Tiere man vor sich hat und sie danach behandeln. Denn bei den Pferden ist es gerade wie bei den Menschen: jedes einzelne hat seine Art, seine Laune und seine Vorzüge. Wie gesagt, das muß man verstehen. Ich fuhr nach Karlsbad hinunter in drei Stunden, und wie wir in die Stadt einfuhren, da sahen die Pferde aus, als kämen sie gerade aus dem Stall und müßten mit Gewalt zurückgehalten werden, um nicht vor lauter Uebermut durchzugehen. Doch ich erzähle alleweil von den Pferden und nicht von mir. Freilich, beides hängt zusammen. Denn meine Fahrkunst hat mein Glück gemacht, wenn auch in anderer Art und Weise, als Sie vielleicht denken. Mein Herr hielt große Stücke auf mich. Meistens mußte ich ihn begleiten, um die Pferde, die er aus Ungarn und Bosnien ins Land gebracht hatte, den Käufern vorzuführen, und wenn, dank meiner Fahrkunst, der Kauf besonders rasch zustande kam, dann fiel wohl auch ein Gulden extra ab. Das war ja soweit für einen ledigen Menschen ganz schön, aber heiraten läßt sich auf so eine Stellung nicht und das ging mir alleweil im Kopfe herum. Eines Tages waren wir mit einer Koppel Pferde hinüber über die Grenze nach Sachsen gewandert. Am nächsten Mittag hatten wir alle Gäule verkauft, bis auf zwei, und auch für die fand sich ein Käufer, ein Krämer, der aber nicht recht anbeißen wollke. Daß man beim Pferdehandel mißtrauisch ist, das war ich gewohnt und schließlich ist es nur recht und billig. Aber so etwas von Mißtrauen ist mir noch nie vorgekommen. Später freilich bekam ich über die Geschichte eine andere Auffassung. Na, wir wollen hübsch bei der Stange bleiben und der Reihe nach erzählen. Mein Herr ließ nicht so leicht locker, wenn er einen Käufer witterte. Er begleitete den Krämer bis nach Hause und während ich draußen die Pferde hhelt, ging er mit ihm ins Haus. Nach einer halben Stunde kamen sie heraus. Mein Herr nahm mich beiseite und sagte:„Seff. jetzt zeige was Du kannst, dann bekommst du fünf Gulden extra. Jetzt ist zwei Uhr, um fünf fährt der Zug in G. ein. Wenn Du uns dort mit den Pferden erwartest— der Käufer und ich werden mit der Bahn fahren— wenn Du also den Weg in drei Stunden machst, dann kauft er die Pferde und Du bekommst Deinen Kontr: „Gemacht, sagte ich, denn drei Stunden schienen reichlich genug. Da wir keinen Wagen hatten, lieh uns der Krämer den seinen, einen hochrädrigen, gelb angestrichenen Kutschierwagen. Er schob ihn selbst mit seinem Knecht heraus, half mir anspannen und fort ging es. Bis zur Grenze, wo die Straße schön eben ging, gab es weiter keinen Aufenthalt. Die Finanzer, welche mich kannten und wußten, daß ich keine Konterbande führte, ließen mich ohne weiteres passieren. Eine Viertelstunde hinter der Grenze beginnt die Straße anzusteigen, erst ganz allmählich, dann immer steiler und steiler. Die Pferde zogen und zogen, nicht als hätten sie einen Kutschierwagen hinter sich, sondern als schleppten sie einen beladenen Leiterwagen. Und schließlich wollten sie nicht mehr weiter. Ich stieg ab und untersuchte den Wagen, warum er so schwer gehe, aber ich konnte keine Ursache finden. Zeit zu langem Nachschauen hatte ich auch nicht, denn es ging verflucht langsam und eigentlich war es schon ganz unmöglich, zur rechten Zeit in G. zu sein, das heißt, wenn man auf der Landstraße blieb. Ich aber kannte einen Feldweg, auf dem man eine gute halbe Stunde abschnitt, und den beschloß ich einzuschlagen. Herzlich schlecht ging es mit dem schweren Karren über den grundlosen Weg voll knietiefer Löcher, aber es ging doch und ich glaubte schon gewonnen zu haben, als plötzlich das eine der Pferde vor einer aufsteigenden Krähe scheute. Es war gerade an einer besonders schlechten Stelle und plötzlich, hast du nicht gesehen, lag der Wagen auf der Seite und die Räder schauten in die Luft. Na, ich fluchte nicht schlecht. Die fünf Gulden waren verloren, natürlich, aber was noch u Feldweg herkam, der mir helfen konnte, war mehr wie zweifelhaft. Da war auter Rat teuer. Wie ich so hilflos um den Wagen herum gehe, bemerke ich auf einmal, wie sich das Leder vom Kasten an einer Stelle gelöst hat, und sehe dahinter etwas weißes. Ich fahre mit der Hand hinein und was ziehe ich heraus? Eine Hand voll Sacharintabletten. Möchten Sie es glauben, ganz vollgestopft war der Wagenkasten mit dem weißen Zeug. Deshalb hatten die armen Pferde den Karren kaum ziehen können. Herrgott, ist mir da eine Wut gekommen über den Streich, den der filzige Krämer mir gespielt hat. Jetzt wußte ich, was tun. Das eine Pferd koppelte ich an und ließ es grasen, auf dem andern ritt ich den Weg zurück bis zur Grenzwache. Eine Stunde später war ein Beamter und mehrere Finanzer zur Stelle und untersuchten die Geschichte. Der Beamte belobte mich und sagte, ich würde schon noch von der Sache hören. Zwei Monate später bekomme ich eine Vorladung zur Bezirkshauptmannschaft. An die Geschichte dachte ich nicht mehr und glaubte, ein Polizist habe mich wegen Schnellfahrens aufgeschrieben. Nun, was halfs, hingehen mußte ich. Wie ich ins Zimmer komme, mit einer rechten Armensündermiene, bereit. den Anschnauzer entgegenzunehmen, heißt der Beamte mich setzen und dann liest er mir ein Schriftstück vor, daß ich die Ergreiferprämie bekomme und noch die Hälfte des Wertes der konfiszierten Ware und dann zählt er mir drei Stück Tausender auf den Tisch. Wie trunken war ich natürlich vor Freude. So ist es gekommen, daß ich der Sacharinseppel wurde und dies Häuschen kaufte und endlich die Resi heiraten konnte. Paul von Mausers 75. Geburtstag. Der Senior der deutschen Gewehrtechnik. Berlin, 28. Juni. Gestern feicrte der Geheime Kommerzienrat Paul v. Mauser seinen 75. Geburtstag. Er ist der Begründer und noch heute der oberste Leiter der Waffenfabrik Mauser in Oberndorf a. N. Am 27. Juni 1838 als Sohn des Büchsenmachers Andreas Mauser in Oberndorf geboren, war es schon frühzeitig der Wunsch des Sohnes, in die Werkstatte seines Vaters einzutreten. So findet man den zwölfjährigen Schulknaben bereits am Schraubstock seines Vaters tätig, um die ersten, wichtigsten Handgriffe zu erlernen, die das Verständnis des Knaben für seine Erfindertätigkeit deckten und seine Fähigkeit in der Ueberwindung mechanischer Schwierigkeiten begründeten. Nach dem Verlassen der Schule im Geburtsort Oberndorf trat dann der Jüngling im Jahre 1852 in die staatliche Gewehrfabrik Oberndorf als Lehrling ein, wo schon sein Vater als Meister und mehrere ältere Brüder als Gesellen tätig waren, und vollendete hier unter der Leitung seines Vaters die Lehrjahre. Als er im Jahre 1859 als Artillevist in das Arsenal Ludwigsburg kam und dort die vorhandenen Gewehrmodelle genauer kennen lernte, reifte in ihm der Gedanke, nach Beendigung seiner Militärzeit alle Kraft daran zu setzen, eine neue Hinterladungswaffe zu fertigen, dem die bisherigen Mängel nicht anhafteten. Er vereinigte sich zu diesem Zweck mit seinem älteren Bruder Wilhelm, und der gemeinsamen Tätigkeit beider Bi außerhalb der Arbeitszeit in den Staatswerkstätten entstammt ein kleines Hinterladungsgeschütz mit Munition, das noch heute im Armeemuseum zu Stuttgart zu sehen ist. Diese erste Arbeit zeigte aber auch die Unmöglichkeit, ohne größere Geldmittel Kanonen zu bauen, und so beschlossen die Brüder, ihre Tätigkeit auf die Herstellung befferer Hintergrungege wehre zu beschränken. Als sich das Dreysesche Zündnadelgewehr im Jahre 1864 so glanzend als hatte, begann mit der Herstellung des später in der deutschen Armee verwendeten Gewehrs Modell 71. Wenngleich diese allgemein bekannte Militärwaffe bei außerordentlich gesteigerter Verwendungsfähigkeit eine gegen früher verblüffend einfache Einrichtung besitzt, so waren doch die Schicksale seines Erfinders ungemein wechselvoll, und es bedurfte der ganzen Energie und Willensstärke, der ganzen erfinderischen Schaffenskraft, um die Waffe nicht nur auf den erzielten hohen Grad an Vollkommenheit zu heben, sondern auch den Widerstand der Behörden und derzeitigen Sachverständigen zu besiegen, welcher der Einführung dieses Gewehrs Modell 71 entgegenstand. Im Anfang des Jahres 1872 wurde jedoch die Einführung des Gewehrs als Armeewaffe beschlossen, und dem Erfinder wurden 100000 Stück vom Staat in Bestellung gegeben unter der Bedingung, daß die beiden Brüder Wilhelm und Paul Mauser die bisher staatliche Gewehrfabrik in Oberndorf käuflich übernehmen müßten. Hierdurch entstand die Kommanditgesellschaft Gebr. Mauser u. Co., und das kleine Unternehmen der beiden Brüder war mit einem Schlage in die Reihe der Großindustriellen versetzt. Jetzt begann eine neue erfolgreiche Tätigkeit mit dem Ergebnis, daß die Staatsaufträge schon 6 Monate vor der vereinbarten Frist erledigt werden konnten. Nunmehr wurden Aufträge für China und Serbien ausgeführt. Bei jeder neuen Bestellung wurden Verbesserungen angebracht, so daß schon im — wehr 68, das noch jetzt zu einem Teil als Reserve von der Heeresverwaltung aufbewahrt wird, greifbare Gestalt und Form annahm. Inzwischen sollte jedoch dem Gewehr Modell 71 eine erhöhte Feuergeschwindigkeit gegeben werden, und es entstand durch Erfindungen Paul Mausers das Infanterierepetiergewehr Modell 71=84, das jedoch nur zum kleinen Teil in Oberndorf, in der Hauptsache in Staatswerkstätten zur Anfertigung kam. Hierdurch wurde es nötig, Aufträge für das Ausland heranzuziehen, und so entstanden ein serbisches Gewehr von 10,15 Millimeter Kaliber und ein türkisches Gewehr, mit 9,5 Millimeter Kaliber. Von dem türkischen Gewehr wurden von 1887 an täglich 500 Stück in Oberdorf gefertigt. Bei diesem Gewehr wurde die Erfindung Mausers der doppelseitigen Verschlußwarzen zuerst angewendet, die noch jetzt einen wesentlichen Anteil an der Güte und Sicherheit der jetzigen Armeegewehre bildet. In diese Zeit fällt die Herstellung der Interessengemeinschaft mit der Firma Ludwig Löwe u. Co in Berlin die sämtliche Aktien der Waffenfabrik Mauser übernahm, und dafür in geeigneter, für beide Fabriken vorteilhafter Weise Aufträge nach Oberndorf überwies, so daß nunmehr eine stetigere Tätigkeit ohne lange Arbeitspausen begann. Die türkischen Aufträge bedingten große Fabrikerweiterungen, die Erfindung des rauchlosen Pulvers ermöglichte erhebliche Verbesserungen des Gewehrs bezüglich seiner Schußleistungen, die nur durch den rastlosen Tätigkeitsdrang des Jubilars überwunden werden konnten. So entstand das belgische Gewehr Kaliber 7,65 Millimeter mit Mantelrohr und Magazin für fünf Patronen in Ladestreifen, das türksche Gewehr Modell 90 mit gleichem Kaliber, das argentinische Gewehr 7,65 Millimeter, die spanischen Gewehre 7,65 Millimeter und 7 Millimeter. Während nebenher für die Türkei und Schweden neue Gewehre konstruiert wurden stellte Paul Mauser im Jahre 1898 die Konstruktion des heutigen deutschen„Infanteriegewehrs 98“ fertig und sah seine Erfindung noch im gleichen Jahre von Deutschland angenommen. In den letzten Jahren stand der Sinn Mausers, dem inzwischen außer vielen anderen Auszeichnungen das Adelsprädikat ud der Doktorhut verliehen worden war, unausgesetzt auf die Herstellung eines Selbstladegewehrs gerichtet, und wenn auch kein größerer Staat bisher die hohen Kosten der Einführung eines solchen Gewehrs auf sich genommen hat, so steht doch zu erwarten, daß das erste eingeführte derartige Gewehr„Shstem Mauser“ sein wird. Hauptmann Panther im B. T. Mannigfaltiges. —(Präsident Wilson, der Spaßvogel.) Der Präsident der Vereinigten Staaten, Woodrow Wilson, ist, wie bekannt, der erste Professor, der vom amerikanischen Volke ins Weiße Haus berufen wurde. Er hat auch ganz das Aussehen eines trockenen Gelehrten, aber seine Trockenheit ist, wie ein Newyorker Blatt behauptet, rein äußerlich, wie auch Abraham Lincolns Melancholie nur äußerlich war. Mit seinem Vorgänger und Vorbilde Lincoln hat Woodrow Wilson einen stark entwickelten Sinn für Humor gemein: er ist zwar ein Professor, aber keiner, über den, sondern mit dem man lachen kann. Er versteht Spaß, was allerdings die Aemterjäger und die Schutzzöllner bestreiten, und weiß Witze gut wiederzugeben. Anekdoten, an denen ein Mensch Gefallen findet, sind bezeichnend für seinen Charakter, und so kann man sich aus den folgenden, von Wilson erzählten Witzen ein Bild des Mannes machen: Präsident Hadley von der Yale=Universität kam in das Badezimmer, um sein gewohntes kaltes Bad zu nehmen, und fand seinen jüngsten Sprößling dabei, die Badewanne als Miniatursee zu benutzen und ein kleines Boot darin schwimmen zu lassen.„Du wirst die Güte haben, mein Sohn, und mir das Feld räumen,“ sagte er.„Laß das Wasser ablaufen, ich will baden.“ Natürlich mußte das Söhnchen gehorchen, obwohl es das höchst ungern tat. Nach einer Stunde sagte der Kleine im Garten zu seiner Wärterin:„Der Herr Präsident von Yale wird heute ohne sein Bad ins Kolleg gegangen sein.“ „Weshalb denn?"„Weil ich den Stopfer der Badewanne eingesteckt habe.— Als Professor wohnte Wilson einmal einem Bankett bei, und sein Gegenüber erging sich in der hochnäsigen Weise des Bildungsprotzen über die Lächerlichkeit der Philosophen; er behauptete, Philosoph sei nur ein schöneres Wort für Narr.„Wie denken Sie darüber, Herr Professor?“ fragte er Wilson.„Wie wert ist Ihrer Ansicht nach der Philosoph vom Narren entfernt?"„Das kommt auf die Umstände an,“ sagte Wilson,„manchmal ist der Philosoph vom Narren nur eines Tisches Breite entfernt.“— Als vor einiger Zeit ein Journalist den Präsidenten fragte, wie er über die Tavifvorlage denke, antwortete Wilson:„Ich halte es da mit Artemus Ward; der sagte: Wenn ich ein Schlangenloch sehe, laufe ich drum herum, denn ich sage mir: das ist ein Schlangenloch.“—„Armut ist für niemand ein Segen,“ bemerkte der Präsident einmal im Laufe einer Unterhaltung,„sie verbittert die Menschen, sie bedrückt das Gemüt, sie macht das Herz schwer und tötet den Lebensmut. Als ich das einmal ausführte, antwortet mir ein Millionär:„Die Not ist eine treffliche Lehrmeisterin, sie bringt alles aus dem Menschen heraus, was in ihm steckt.“.O ja,“ entgegnete ich dem sonderbaren Menschen—(Der Kampf gegen die LaubenKolonie.) Aus Berlin wird der„Frankf. Zig.“ geschrieben: Es hat sich kürzlich ein höchster Gerichtshof gesenden, der die Sonntagsarbeit in den Laubenkolonien von der Erlaubnis der zuständigen Polizeiorgane abhängig macht, im anderen Falle diese Arbeit unter Strafe stellt. Man ist zuerst geneigt, dieses Urteil für die Ausgeburt der Phantasie eines Scherzboldes zu nehmen, der die Autorität der deutschen Gerichte zu einem faulen Witz mißbrauchen wollte. Es ist leider nicht so. Es ist Tatsache. Man hat dies„gerichtsseitig" festgestellt, und es wird Ernst mit dem Kampf gegen die Laubenkolonien der Großstädte. Jeder Beamte von der nächsten Echke kann sich wichtig einmischen, wenn Frau Schulze ihre mühsam gezogenen Kartoffeln häufelt, wenn Herr Müller dem meist übermageren Boden den notwendigen Dung zuführt oder die paar kümmerlichen Stachelbeersträucher verschneidet. Man muß sich fragen, für was die Herren am grünen Tisch die Lauvenkolonisten eigentlich gehalten haben? Vermutlich für reiche Rentner, Hausbesitzer, höhere Justizbeamte, die auch in der Woche Zeit finden können, ihren Garten zu bearbeiten. Aber wie jedermann sonst weiß, sind es kleine Leute, deren einzige Freude diese„Lauben" bilden und deren einzige Glückseligkeit an diesen paar Arbeitsstunden am Sonntag hängt. Jeder Wochentag hat sein gleiches graues Gesicht vom frühen Morgen bis in den späten Abend, und einer der wenigen erfreulichen Gedanken in diesen Tagen, in denen weiß Gott keine Zeit zum Rosenokulieren bleibt, ist der:„Sonntag gehen wir auf undere Lauche!! Wenn man es sich recht vorstellt, was alles mit diesem Urteil der Willkür nachgeordneter Organe ausgeliefert wird, dann kommt es einem schwer an, die passende Bezeichnung zu finden, die keine Beleidigung des höchsten Gerichtshofes in sich schließt. Was man da an Werten vernichtet, bauen 30 Oberlandesgerichtspräsidenten mit einem Berg von beschriebenem Papier nicht auf. Man muß durch diese Kolonien, deren Namen schon die rührende Natursehnsucht der kleinen Leute verrät, an Sonntagen und Feiertagen einmal gegangen sein, um zu ermessen, was es heißt, daß der Schutzmann aus dem nächsten Revier hier Richter darüber sein soll, ob man die paar Bohnenstangen am Sonntag einsetzen darf oder nicht!„Grünes Tal“.„Zus frischen Wiese",„Hoffnungsberg",„Schöner Grund", haben Besitzerfreude den kümmerlichen Boden getauft; ganz nahe ragen die Nietskasernen, Ausläufer der landfressenden Großstadt, doch in den Gärtchen und Ländchen ist wirklich schöner Grund, jedes Stückchen Erde ist bearbeitet, jedes Fleckchen nutzbar gemacht. Der Vater hat auf die Kneipe verzichtet, Mutter auf eine neue Bluse, nur damit ein paar Rosenstämmchen mehr in: Herbst gesetzt werden konnten. Der älteste Sohn hat Bretter zu einem Hühnerstall gestiftet. Man will sie am Sonntag zusammenschlagen. Ein frischer Wind kommt von den Feldern herüber, vom Nachbar duften die Reseden, Mutter schmiert Stullen und buddelt die„Weißen“ ein, damit sie kühl bleiven. Wer hat die Kühnheit, zu behaupten, hier werde der Sonntag entheiligt? Und nun male man dieses Bild weiter aus, daß Wachtmeister Meyer 2. auf der Bildfläche erscheint... Man sollte rufen, sollte schreien: Achtung, Ehrfurcht vor den paar Feierstunden der Armen, in ihrer kleinen Welt! Ehrfurcht vor dieser Sonntagsarbeit! Sie vergoldet den Tag, schafft aus Schmutz und Kümmerlichteit bunte Blumen, von deren wundervollem Duft sie allerdings nichts verspüren, die Herren am grünen Tisch. —(Ein sehr schöner" Jubiläumsbrief) eines Schulers wird der„Tägl. Rundsch.“. von einem Oberlehrer aus Potsdam zur Verfügung gestellt. Das Schreiben lautet folgendermaßen: Lieber Freund! Ich muß dir mitteilen, wie wir gefeiert haben, als der Kaiser 25 Jahre Langregierte. Es war sehr schön, Wir feierten sehr schön. Es dauerte zwei Stunden. Auf dem Tisch hatten sie dem Kaiser hingetragen in einer Büßte. Was er aber nicht selber war, bloß sein Bild aus weißer Kreide. Mit einer Scherpe um und Palm dran. Es war sehr schön, alle Farben. Die großten sungen erst. Dann predigte der eine Herr Lehrer was aus der Bibel vor, was über dem Kaiser ging. Es war sehr schön. Dann sungen alle aus den andern Klassen was vor. Das war sehr schön. Der eine hatte einen Säbel mit und machte ihn immer runter. Der alte Kaiser hing auch an der Wand. Dann ging der andre Lehrer auf dem Tisch und redete aus dem Kopf. Das dauerte lange. Es war sehr schön, weil der Kaiser mehr Schiffe, gee macht hat und Luftschiffe wie kein ander aus Deutschland. Auch die Flotte sagte Er her und am meißten, wie der Kaiser auf allen Leuten aufpaßt und für sorgt. Auch die Kaiserin, bloß mehr für die Kleinen. Als der Li Ende ging, brachen wir drei Hochs auf dem Kaiser aus und singen„Heil dir im Siegerkrang“. Es war sehr schön. Dann war es aus. wioß wir haben noch mal gesungen„Lobe den Dann war es aus und wir gingen an die Schaufenstern, wo der Kaiser drin war. Alle Häuser hatten Fahnen rausgestochen und Gurlanden. E# war sehr schön. Schreibe mir auch dein Jubiläum oder ich Besuche dir. Es grüßt dein Freund: Walter. SKSSSS S SOx SAF RSSSR 8S1G3 8KEN ..9 5SN 7 20591 #### #ak e# Sbers. Dr appks S.—4.3 .Frees Sügsag: F SGESEES KS1 E SS R 8 ### .#s 9 9 * R E BSREETSSB S SSAEFBASREE Rraan SS#ge #EEu. 85 5 5 ##span BSgESEN SEE SS-BDSSEF S SMBRSFGSGE KKESDS S S ce S31SS SGE #nPessn .e äk S mtsen a 5 5 Snen S TSPSIER SE SBFSTLFSSRS # TS SS##EFSg # Sgg-g S 5 8 B 8. EgP Sng 15 en e5Sgxpnggg .52— S SASSSLSE o ###.. S.5g S.3# SS tag SSEEE a TSRR # S S8 .PRSAE ENFI A5NN KT A # EE SFFosFRR: a# S. 6 5 n n AS SPSEREPE s gn FARRARR Bah Nr. 177.(1. SStST General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Morgen beginnt unser diesjähriger großer 6. m. b. H. Dortmund, Brückstr. 26. RaUDOrHEZ SmmmorBarOl Chioere gecumr! Fahel. Nohteiheil ist bis ZU 0 Proise S Herabgeseizi. K Schwarze Tiamanten. Gedichte von Heinrich Denkhaus. Verlag Wilhelm Stumpf, Bochum. Heinrich Denkhaus war ein wackerer Bergmann und zuletzt Betriebsführer auf Zeche„Lothringen", wo er am 20. Juli 1912 ein Opfer seines Berufes wurde. Sein Herz schlug warm für alles Edle und Schöne; und ein gütiges Geschick hatte ihm die Gabe verliehen, seine Empfindungen in edle dichterische Form zu kleiden. So hat er alles, was dem Leben des Menschen Inhalt und Wärme gibt: Natur, Beruf, Familie und Vaterland, begeistert besungen und damit viel Sonnenschein in seine nähere und weitere Umgebung gezaubert. Seine treue Lebensgefährtin will in herzinniger Dankbarkeit für all seine Liebe durch Veröffentlichung seiner Gedichte sein Gedächtnis ehren. Und so möge denn das schlichte Buch in die Oeffentlichkeit hinausgehen und in den Kreisen der Freunde und Gesinnungsgenossen des zu früh Heimgegangenen das Andenken an ihn wachhalten und in seinem Sinne die Herzen der Leser mit der Freude an allen den hehren Gütern erfüllen, die ihm das Leben mit ihren Sonnenstrahlen vergoldet haben! Aus der Fülle der Lieder veröffentlichen wir folgende:„„ Der letzte Knappe. „Wann stellt ihr, fleiß'ge Knappen, Das Suchen einmal ein Nach unterird'schen Schätzen, In Kluft und Felsgestein? „Ist noch nicht bald gehoben Des Reichtums ganze Pracht, Den einst der Herr der Berge Versenkt in ew'ge Nacht!“—— So lang noch die Bussole Den sichern Weg hier zeigt, Aus tausenden von Schloten Der Rauch zum Himmel steigt; So lang der Mensch hienieden Noch Wärme braucht und Licht, Und kühner Mut sich Wege Durch Nacht und Dunkel bricht; Wenn erst der Erdball zittert Im wilden Sturmgebraus, Das Werk der Menschenhände Versinkt in Nacht und Graus. Wenn dann die Wucht der Erde.. Zerdrückt den letzten Schacht, Dann hat der letzte Knappe Die letzte Schicht vollbracht. So lang noch Berge streben Zum Himmel stolz und kühn, Und erzgefüllte Gänge Zur„ew'gen Tiefe ziehn; So lang man noch der Erde Geheimen Bau durchmißt, — Ihr tiefstes zu ergründen, Der Menschheit Sehnen ist:— Mein Grubenlicht. Die Firste brach, von allem abgeschlossen, Was Leben heißt, lieg ich verletzt und matt— — Mein Ruf verhallt— denn fern sind die Genossen, Auf harter Lagerstatt. Kein Krachen mehr— geheimnisvolle Stille Umgibt mich jetzt— du, treues Lämpchen, häng'st Am Felsen fest, mit deines Lichtes Füllo Du mich umfängst. So lang in hohen Oefen Man Erze schmilzt und glüht; So lang auf Eisenschienen Ein Zug die Welt durchzieht; So lang noch Schwerter blitzen Und Pflüge ziehn durch's Land, So lang noch Glocken grüßen, Von hohen Turmes Rand; Ich bin so müd'!„Wird man uns wohl befreien? Mich schläfert so in dieser dumpfen Ruh.— Wer wird zuerst berlöschen von uns zweien, Ich oder du!“— Des Tauchers Tod. So lang noch Schätze schlummern Im dunkeln Bergesschoß, Wird auch die Lust des Suchens Der Knappe nimmer los.—— Noch sausen tausend Räder In nimmermüdem Lauf, Noch tönt von Bergmannslippen Sein ernster Gruß„Glück auf!“ Das Wasser steigt! Es leckt und spült die Stöße blank und rein, Daß Staub und Steinchen leise niederrieseln. Er hört es nicht, in nimmermüder Hast Sprengt er der Schrauben rost'ge Muttern auf; Daß er der Pumpe Schaden sieht und heilt. 1 Das Wasser steigt! Ein grausiger Dämon der Tiefe Tritt aus des Felsens dunklem Spalt hervor, Er stößt hohnlachend einen mächt'gen Stein Ins schwarze Wasser. Hoch spritzt die Flut und langsam Senkt der Stein sich auf den Schlauch, Aus dem ihm spärlich Luft und Leben quillt. Er klopft und schraubt rastlos in ems'ger Pflicht. In hellen Tropfen dringt der Schweiß hervor. Er wähnt, die Arbeit hätt' ihn so erhitzt— Und will mit Macht die heißen Lungen kühlen— Läßt einen Augenblick den Meißel ruh'n, Und spannt des Körpers ganze Sehnen an, Um lang und tief den Atem einzusaugen— Der Schlauch ist leer— steht wohl die Pumpe still? Fast will der Schrecken ihm die Glieder lähmen— Das Wasser steigt— mit ihm der Druck, Es droht die Angst den wirren Kopf zu sprengen— Und aufwärts zuckt am Seile das Signal.— Schon fühlt er langsam sich emporgezogen, Ihm stockt das Blut— am Felsen hängt er fest— Und sucht und fühlt entsetzt den schweren Stein, Der grausam ihn der Lebensluft beraubt, Er greift zum Dolch— sich von dem Schlauch zu trennen. Ein rascher Schnitt.—— Doch welch ein höhnend Schicksal—— Beim Suchen hat das Seil sich um den Stein geschlungen—— Es grinst der Tod aus schwarzer Flut ihn an. Verzweiflung packt ihn— eh noch der Gedanke Die Folge seiner Taten nachgedacht— Hat rasch der Dolch das feste Seil zerschnitten:— Er sinkt verloren in die Tiefe nieder, Der Rüstung Bleigewicht beschwingt den Fall.— Es klären sich noch einmal die Gedanken, Des treuen Weibes denkt er, das besorgt In ferner Heimat seiner Heimkehr harrt.— Ihr gilt sein Gruß— ihr noch sein letztes Denken. Die Hand aufs Herz— es steht auf ewig— still. Das Wasser steigt! Konzerte, Vereine etc. Olympiatheater. Heute, Montag, abend findet das letzte Gastspiel der Direktion Hübener statt und ist dies zugleich die letzte Aufführung des Ausstattungs=Schauspiels„Vor 100 Jahren oder Napoleons Glück und Ende“. Am Dienstag abend zieht ein alter und gern gesehener Gast in unser Theater ein und zwar das„Volkstheater Millowitsch“. War der Erfolg beim letzten Gastspiel schon ein großer, so wird er dieses Mal alles bisher dagewesene übertreffen.„Der Liebesonkel" betitelt sich das neue Stück, eine Burleske, Posse in 8 Akten, zu dem Walter Koller eine entzückende Musik geschvieben hat. Das Millowitscher Ensemble, welches dieses Mal aus ca. 40 Personen besteht, hat mit diesem Schlager in allen Großstädten einen noch nie dagewesenen Ersola erzielt und werden die einzelnen musikalischen Schlager bald als überall gern gehörte Gassenhauer zu hören sein. Hervorheben wollen wir nur: Meyer, wat häß du före Badebötzge an.— Jedes Frauchen braucht'nen Mann, usw. Der Beginn der Vorstellung ist, wie bekannt, 8,10. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Im Olympia=Tunnel feiert heute Karl Boleskoseinen Abschieds= und Benefiz=Abend, damit schließt er sein erfolgreiches zweimonatliches GastspielJeder Besucher der Festvorstellung erhält zum Andenken ein Präsent. Vergnügungspark Fredenbaum. Heute nachmittag konzertiert die verstärkte Kapelle Hubert unter Leitung des Kgl. Musik=Divigenten A. Hubert. BeiEintrikt der Dunkelheit ist aus Anlaß des Jubiläums=Kaiser=Preisschießens ehem. Jäger und Schützen große Festbeleuchtung der gesamten AnKomüendarten fret. lagen, Ziehung schon Preitag u. Samstag am.—5. Juli Der gurt enhnneoch den Ihnen mein grosses Spezial-Geschäft gewährleistet, beruht auf der vorzüglichen Beschaffenheit sämtlicher zum Verkauf kommenden Waren, auf den ausserordentlich billigen Preisen und der bekannt grossen Auswahl in allen meinen Spezial-Abteilungen. Durch täglich grosse Massen-Umsätze und Massen-Einkäufe von nur allerersten Fabrikanten hervorragend leistungsfähig. Als grösstes Spezial-Geschäft am Platze biete Ihnen ganz bedeutende Vorteile. 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Der Verband der Röhrenwalzwerke hat sich aufgelöst, auch ein Merkmal der rückläufigen Konjunktur. In Zeiten einer rückläufigen Konjunktur ziehen es die großen gemischten Betriebe vor, in ihren Dispositionen von diesen einschränkenden Verbandsbestimmungen möglichst frei zu sein, namentlich in Fertigerzeugnissen. Deshalb versprechen auch die einmal wieder aufgenommenen Versuche zur Neubildung eines Stabeisenverbandes wenig Erfolg. Je mehr der inländische Bedarf nachläßt, wie das schon seit einigen Monaten unverkennbar der Fall ist, um so eifriger werden die großen Stahlwerke sich um die am Weltmarkt erhältlichen Ausfuhr=Aufträge bemühen. Das bedingt unter den verzeitigen Marktverhältnissen aber dem Angebot des ausländischen Wettbewerbs entsprechende Preisherabsetzungen. Mit der ausländischen Konjunktur haben die deutschen Werke am Weltmarkte jetzt sehr zu rechnen. Sowohl in Amerika, wie in England und Belgien herrscht Arbeitsbedürfnis, da der Konjunktur=Rückgang internationaler Art ist und sich auf sämtliche Eisenmärkte erstreckt. Daß schließlich auch die jetzigen Verbandspreise für das Inland für Roheisen und Halbzeug nicht mehr allzu lange aufrecht erhalten werden können, versteht sich wohl von selbst. Die weiterverarbeitenden Werke würden sonst wieder in eine recht schwierige Lage geraten, da die Preise der nicht syndizierten Fertigerzeugnisse heute schon unter dem scharfen gegenseitigen Wettbewerb stehen. Die bevorzugte Stellung der großen gemischten Betriebe kommt besonders bei einer rückläufigen Konjunktur zur Geltung, da durch die Vereinheitlichung der Betriebe und die hierdurch bewirkte Verringerung der Gestehungskosten die großen Stahlwerke selbst dann noch ihre Rechnung finden, wenn die meisten der weiterverarbeitenden Walzwerke kaum noch einen halbwegs ausreichenden Nutzen zu erzielen vermögen. Im derzeitigen Geschäftsgange der Ruhrkohlenindustrie spiegelt sich immer mehr die ungünstige Lage der Eisenindustrie ab. Besonders zeigt sich Kunst und Wissenschaft. 1532 050 Mark! Diese Ziffer stellt den Totalisatorumsatz an den beiden Pfingstrenntagen(Montag und Dienstag) in Grunewald und Karlshorst bei Berlin dar! Aber damit ist etwa noch lange nicht die Summe aller für diese insgesamt 14 Rennen ge= oder auch besser: verwetteten Gelder gefunden. Denn das ist nur der an den offiziellen Totalisatorkassen auf den beiden Berliner Rennbahnen selbst erzielte Umsatz. Nun gibt es aber in Berlin und im ganzen Reiche noch zahlreiche andere Wettannahmestellen für diese Rennen, die ja auch nicht gerade vernachlässigt werden. Welche Unsummen aber werden nun erst gar an den nichtoffiziellen Wettannahmen, bei den zahllosen Buchmachern und— die Frau bemächtigt sich eben immer mehr aller„Berufe“!— Buchmacherinnen gesetzt! Dafür fehlt natürlich jeder Anhalt, jede Kontrolle. Aber man wird auch diese Wetten auf mehrere Hunderttausend veranschlagen können, und sicherlich steht der bei Buchmachern umgesetzte Betrag dem offiziellen„Totoumsatz“ nicht sehr viel nach! „Panem et circenses!"— Der Ruf ist alt. Aber dennoch wird man gelinde Zweifel hegen dürfen, ob wirklich der Rennsport als solcher ausschließlich es ist, der die Massen in Bewegung setzt das in der geringeren Nachfrage in Industriekohlen und Hochofenkoks. Eine weitere Einschränkung der Koksproduktion wird die unausbleibliche Folge sein. Erfreulicherweise ist die Kohlenausfuhr nach Holland und Belgien, wie auch der Versand nach Süddeutschland noch recht lebhaft. Indessen muß dessen ungeachtet in der Ruhrkohlenindustrie mit einer weiteren Abschwächung des Geschäftsganges gerechnet werden, für welche die Anzeichen sich mehren. Vermischtes. —(Eine Prophezeiung für Zar Ferdinand von Bulgarien.) Durch eine Episode in Karlsbad, die sich im Jahre 1889 abspielte, und bei der eine Kartenlegerin und Wahrsagerin die Rolle der Pythia hatte, wird das Leben des Zaren Ferdinand in eigenartiger Weise beleuchtet. Fürst Ferdinand von Bulgarien befand sich damals in diesem böhmischen Badeorte, wo er sich anscheinend gut zu unterhalten schien. Eines Tages speiste er in großer Damengesellschaft im Hotel„Pupp“, worauf er sich in den gegenüberliegenden Garten zur Tambela begab. Eine Wahrsagerin, die dort die Runde machte, kam auch an seinen Tisch und bot sich an, ihre Kunst zu zeigen. Anfangs wollte der Fürst sich, abergläubisch wie alle Kartenspieler, die Zukunft nicht prophezeien lassen, doch gab er schließlich dem Drängen der Damen nach und reichte der Kartenlegerin, die ihn nicht kannte, seine Hand hin. Doch kaum hatte sie einen Blick darauf geworfen, als sie ihn sehr erstaunt, fast bestürzt ansah. Der Fürst fragte sie nach dem Grunde ihres Erstaunens und ob ihm so schlimmes bevorstehe. Im Gegenteil, erwiderte das Weib, er werde sich, noch ehe 2 Dezennien vergangen seien, auf einen Königsthron setzen.„Zwanzig Jahre", erwiderte der Fürst,„das ist eine sehr lange Zeit Wer weiß, ob ich das erlebe.“ Dann sagte die Kartenlegerin weiter:„Als König werden Sie einen großen Krieg führen und dann 7 Jahre lang den Purpur tragen.“ Ob auch der dritte Teil der Prophezeiung wie die ersten beiden eintreffen wird? —(Ein Schoßhund als Ehescheidungsgrund.) Von einem Ehescheidungsgrund, in welchem eine seltsame männliche Persönlichkeit die Hauptrolle spielt, wird uns aus Petersburg geschrieben: Vor etwa einem Jahre heiratete Fürst Pemidoff die Schauspielerin und Tänzerin Wera Sossagin und entzog sie auf die Weise ihren Anbetern und Verehrern. Trotz aller Voraussagungen wurde die Ehe sehr glücklich. Wera liebte ihren Mann und blieb ihm treu. Um so erstaunund begeistert, so zwar, daß alle Reisestrapazen vergessen werden, denn von solchen muß man angesichts der stets gänzlich unzulänglichen Berliner Verkehrsmittel, namentlich auf der Eisenbahn, sprechen!— Es wird immer so viel vom„populären“ Rennsport gesprochen. Demgegenüber darf man ruhig bekennen, daß der großen Masse der Bevölkerung die Rennerei selbst höchst nebensächlich ist. Die Triebfeder ist einzig und allein, oder doch hauptsächlich, die Möglichkeit eines leichten Gelderwerbs.„Am Golde hängt, nach Golde drängt doch alles...“ Wenn man die Pferdewetten einmal abschaffen, das Totalisatorgesetz also aufheben wollte, so würde es sich ja zeigen, daß das heute angeblich so starke Interesse der Bevölkerung an Pferderennen sehr bald sich verflüchtigen würde und schließlich nur noch die paar wirklichen Sportsleute an ihnen teilnähmen. Gewinnen könnte dadurch allerdings nur die öffentliche Moral, manches Elend, manche Not, manches Vergehen und Verbrechen verhindert werden! Denn das muß gesagt werden, diese mehr als 1½ Millionen Mark Wettgelder allein an den offiziellen Kassen zweier Rennbahnen, vereinnahmt innerhalb von zusammen sechs bis sieben Stunden, stellen geradezu einen Rekord dar und lassen erschreckende Rückschlüsse auf die Spielleidenschaft unserer Bevölkerung zu. Leider aber erfährt man nie, welche Summen der Totalisator eigentlich an Gewinnen auszahlt! Und gerade das wäre interter war man in der Gesellschaft, als vor einigen Tagen die Ehescheidung ausgesprochen wurde. Die Schuld an dem Zerwürfnis trug— ein Schoßhund. Wera hatte ihn als Geburtstagsgeschenk bekommen und ihre Freude darüber war grenzenlos. Sie verzärtelte den Hund, das ließ sich der junge Ehemann gefallen. Als sie aber begann, das Tier ihm vorzuziehen, regte sich der Unwille in ihm. Er erblickte seine Frau nie mehr anders wie mit dem Hunde auf dem Arm. Und wie er eines Tages sah, daß sie ihn küßte, verwandelte sich sein Unwille in Abscheu. Sie hörte nicht auf seine Ermahnungen, und so kum es, daß der Ehegatte zur Scheidungsklage schritt. Der Richter stellte sich vollkommen auf die Seite des Ehemannes und sprach die Scheidung aus wegen der zu großen und unnatürlichen Liebe der Frau zu dem Hunde. —(Die Neger und das Rasiermesser.) Amerikanische Neger haben dieser Tage in Jackson im Staate Mississippi ein Freudenfest gefeiert. Warum? Weil der oberste Gerichtshof die Entscheidung gefällt hat, daß ein Rasiermesser keine Waffe ist, sondern„ein Toilettengegenstand". Die schwarzen Gemüter waren lange Zeit von Sorgen erfüllt. Der amerikanische Neger trägt nämlich voll Stolz und mit Vorliebe ein Rasiermesser in der Westentasche, und er hält das für sein gutes Recht, gerade so wie der Cowboy im Westen es für ein feststehendes Privileg erachtet, einen sechsläufigen Revolver aus seiner Hüfttasche herausragen zu lassen. Diese Messer dienen nun aber nicht nur zur Verschönerung des Antlitzes, sondern sie werden auch, da sie so bequem zur Hand sind, von den Negern nicht selten zur Erledigung von allerlei Streitigkeiten benutzt. Und die Schnitte, die die zornigen Schwarzen sich dann beibringen, sind nicht immer so harmlos wie die kleinen Wunden, die sie sich beim Rasieren zufügen. Nach solch einer höchst blutig verlaufenen Diskussion mit Rasiermessern wurde daher beim Obergerichtshof von Mississippi eine Klage eingebracht, die den Schwarzen das Tragen von Rasiermessern als gefährlichen Messern untersagen sollte. Diese Klage ward abgewiesen und das Rasiermesser als „Toilettegegenstand“ in seine bisherige Rolle als Schmuckstück der Negerweste wieder eingesetzt. In ihrer Freude über diese Eröffnung gründeten die Neger einen„Obergerichtshof=Rasiermesser=Klub", dessen Aufgabe darin bestand, ein würdiges Fest zur Feier des Gerichtsbeschlusses zu veranstalten. Der Klub hat diese Aufgabe großartig gelöst. Ganz Jackson schwamm in einem Meer von Wonne; die blitzenden Rasiermesser funkelten in der Luft, bevor sie stolz in die Taschen versenkt wurden, und einige ganz neue exzentrische Tänze wurden ausgeführt, so der„Supper Lurch“, bei dem die Paare in wackelnder Bewegung zum Essen tanzten. Weitere Feste und Tänze sollen sich anschließen, um das Glück der Neger über das ihnen gerettete Rasiermesser voll und ganz auszudrücken. essant. Mancher würde dann einsehen, daß die weitaus überwiegende Zahl der Einsätze verloren geht. Es werden aber immer nur die Totoumsätze verkündet. Wenn solche Rekordziffern wie die hier besprochenen, erzielt werden, so sind manche Kreise geneigt, in ihnen einen Beweis für den„Wohlstand“ der Bevölkerung zu erblichken. Auch jetzt heißt es wieder, daß ein Totobetrieb, der an einem Tage innerhalb dreier Stunden fast 800000 Mk. zeitige, wahrlich„kein Zeichen dafür sei, daß kein Geld vorhanden ist". Daß das Geld vorhanden sein muß, wird niemand bestreiten, denn der Toto „pumpt“ nicht. Es ist durchaus falsch zu glauben, daß nur das„überflüssige" Geld zu Pferdewetten verwendet werde. Welche Summen werden grade im Gegenteil auf diese Weise oft den dringendsten Bedürfnissen entzogen! Wie mancher muß seine Wettleidenschaft nachher mit Entbehrungen aller Art und Not büßen!. Und haben denn nicht zahlreiche Kviminalprozesse gerade in den letzten Jahren gelehrt, daß jene Wettgelder gar oft auf unrechtmäßige, verbrecherische Art erlangt werden?!— Gerade die sogenannten„kleinen Leute“, die kleinen Beamten usw. sind es, die ihre paar Mark, ihre Spargroschen zumal, dem Dämon„Toto“ in den Rachen werfen, die ihre, ach! nur zu trügerischen Hoffnungen auf— vier Füße setzen und dann die schlimmsten Enttäuschungen erleben. Im Effekt gewonnen hat wohl kaum einer auf der Rennbahn, Programm der Provinzial=Pferdeschau der Landwirtschafts=Kammer für die Provinz Westfalen vom 4. bis 6. Juli zu Dortmund in den Anlagen des neuen Magerviehhofes der Stadt Dortmund(hinter dem Fredenbaum), verbunden mit militärischen Vorführungen, sowie einem Reit= und Fahrwettstreit.— Donnerstag, den 8. Juli 1918: Empfangsabend, 8 Uhr in der Kronenburg.— Freitag, den 4. Juli, vormittags von 8 Uhr an: Richten der Pferde(Prämmiierung der Einzelklassen); nachmittags pünktlich 4 Uhr: Feierliche Eröffnung der Ausstellung; Vorführung der Königl. Landbeschäler und der prämiierten Pferde; Vorreiten von Militärremonten des Husaren=Regiments Kaiser Nikolaus II. von Rußland(1. Westfälisches) Nr. 8 in Paderborn, 2. Westfälischen Husaren=Regiments Nr. 11 in Crefeld, KürassierRegiments v. Driesen(Westfälisches) Nr. 4 in Münster i.., Westfälischen Ulanen=Regiments und reich ist doch wohl auch noch keiner geworden. Denn gerade hier gilt das alte Sprichwort:„Wie gewonnen, so zerronnen!“ „Eine Woche Ferien!“ Im ersten Heft des 15. Jahrgangs des„Türmers" wird von einem fühlenden Menschen angelegentlich eine Woche Ferien für die Millionen Hände gefordert, die im Dienste des deutschen Großkapitals stehen. Kein denkender Mensch kann darüber im Zweifel sein, daß den Arbeitern diese kurze Frist der Befreiung von eintöniger, abstumpfender Tagesarbeit zusteht. Irgendwann müssen wir Erdgeborene Zeit und Gelegenheit haben, uns auf unser Menschentum zu besinnen, dem Körper Erholung, den Nerven, die der Arbeiter ebensogut wie der Beamte oder Kaufmann hat, Stärkung zu verschaffen. Aber nicht allein den Arbeitern gehört solche Woche Ferien auf Kosten ihrer Brotgeber, sondern in demselben Maße auch den Millionen Arbeiterfrauen. Schon für die Durchschnittsfrau sind ja Ferien so gut wie gar nicht vorhanden. Und die Feiertage, für die männlichen Familienmitglieder Tage des Ausruhens und der Erholung, stellen den Hausfrauen dagegen erhöhte Anforderungen und verlangen vielfach das Aeußerste ihrer Leistungsfähigkeit im Dienste anderer. Wie aber erst bei den Arbeiterfrauen! Es ist ja bekannt, wie gerade sie, oft abgeschwächt durch unverantwortlich Nr. 5 in Düsseldorf; Vorfahren von Geschützen des 1. Westfälischen Feldartillerie=Regiments Nr. 7 in Wesel, Westfälischen Fußartillerie=Regiments Nr. 7 in Köln. Vorfahren der Hengste des Königl. Landgestüts Warendorf; Vorführung der Sammlungen aus den einzelnen Kreisen.— Sonnabend, den 5. Juli, vormittags 8 Uhr: Prämüierung der Gebrauchs= und Familienklassen, sowie der Sammlungen; nachmittags ab 3 Uhr: Vorfahren von Hengsten des Königl. Landgestüts Warendorf; Vorführung von Gebrauchspferden; Reit= und Fahrwettstreit; Vorreiten von Militärremonten und Vorfahren von Geschützen, wie am Freitag.— Sonntag, 6. Juli, vormittags 12 bis 1 Uhr: Vorfahren von Hengsten des Kgl. Landgestüts Warendorf; Vorfahren von Gebrauchspferden; Vorreiten von Militärremonten und Vorfahren von Geschützen, wie am Freitag; nahmittags 8 bis 6 Uhr: Vorfahren von Hengsten des Königl. Landgestüts Warendorf; Vorführung der prämüierten Pferde; Vorfahren von Gebrauchspferden; Vorreiten von Militärremonten und Vorfahren von Geschützen, wie am Freitag; Vorführung der Sammlungen. Die fortschreitend günstige Beschäftigung der Weilwerke G. m. b. H. Frankfurt a..=Rödelheim, Fabrik für Fahrräder und Schreibmaschienen, zwang dieses Unternehmen eine umfangreiche Vergrößerung der Fabrik=Etablissemenks vorzunehmen, doch bleiben irgendwelche Betriebsstörrugen vermie. den. Die„Torpedo"=Schreibmoschinen und die „Torpedo Fahrräder der Weilwerke sind wegen der Gediegenheit der Konstruktion und wegen ihrer eleganten Ausstattung im Inlande sowohl, als auch im Auslande sehr geschätzt. aufeinander folgende Geburten, von morgens früh bis abends spät die Hände zu regen haben, um den Haushalt und die Kinder in Ordnung zu halten, um daneben noch Brot zu erarbeiten. Kommt dann der Sonntag oder Feiertag, so wird er vielfach mit Waschen, Nähen, Stopfen, Flicken oder anderen nötigen Kleinarbeiten ausgefüllt. Solche Frauen haben, gelinde gesprochen, wenig von ihrem Leben. Und gerade sie, die doch die Seele der Familie und der Hort des Gemütvollen sein sollen, sie müssen unter der Last der Ueberverkümmern. Ihnen erst recht tut eine Woche Ferien not, ihnen erst recht sollte es möglich gemacht werden, zusammen mit Mann und Kindern fern der häuslichen Enge und der rauchgeschwängerten Fabrikstadtluft eine Woche stiller Erholung in der Natur zu genießen. Was da die Frauen gewinnen, das bleibt nicht ohne Einfluß auf die ganze Familie: eine Woche Ferien stärkt Spannkraft der Frau, stimmt den Mann froher als sonst und schafft den Kindern inhaltsreiche Gewiß, es bedarf, großer Menschenfreundlichkeit, um solch schönes Werk gelingen zu lassen. Was aber ist nicht nur edler, sondern am letzten Ende auch weiser: verdrossene Menschen ohne den Versuch einer Linderung ihrer inneren Nöte um sich schuften zu lassen, oder die Hand zu bieten, daß starke Menschen ihre Pflicht froh und freudig erfüllen? Aus dem Juliheft des Türmers" (Stuttgart, Greiner& Pfeiffer). orteh Kall. guteonenbom rhe gut#heos###l. über 34,000 ähnlich lautende schriftliche Anerkennungen! finden Sie In allen Abtellungen noch eine so große Auswahl, daß es unbedingt lohnend ist, seinen Bedart auf lange Zeit zu decken. Hohenzollernhaus H. LIMKE, Dortmund, Westenhellweg 13. SETNTPTAAstang.10 Theater Fernapr. isso Reuto vum etenan Bhnlot Vor 100 Jahren! Napolcons Glück und Untergang. 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Juli 1913, vorgittags 8 Uhr: Prämiierung der Gebrauchs- und Famillenklassen, sowie der Sammlungen; nechm. ab 8 Uhr: Reitund Fahrwettstroft. Sonntag, den 6. Juli 1916, vorm. 12-1 Uhr und nachm.-6 Uhr: Vorführung in grossen Ring. Die Ausstellung ist üglich von 8 Uhr vormittagbis 8 Uhr abends geöffnet. Eintrittepreise: 1. Dauerkarten 3 Mr., 3 Tagen. karten: kür Preitag 2 Mk., für Sonnabend.50 Nk., für Sonntag 1 Mk. 8. Zuschlagskarten: a) Thibünenkarten für die Vorlührungen am Freitag 1 Mk, am Sonnabend 1 Mk.: b) Tribünenvorplatzkarten für die Vorhrungen am Freitag 0,50, Mk.,„em Sonntag.50 Mk.; Tribünenkarten zum Reit- u. Fahrwettstreit am Sonnsend 2 Mk.: d) Thibdpenvorplatskarten zum Reit- u. hrwettstreit am Sonnabend.50 Mk. 4. Logen. arton: 8 Mk. 39294 führung 9 2 abend Karr. POFG KonzertHaus Vornehmstes Fomilien-Eiablissement. Montag, den 30. Juni: Grosser Abschieds- und Ehren-Abend des Robllofl-Orcbesters. 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Minna, woll'n wir mackeln gehn? etc. Schweiß Nrenr Das gilt auch für den Haarwuchs.—— Nach Anstrengungen sportlicher ruflicher Art sollte man jedesmal gewissenhaft die Kopfhaut mit Dr. Dralle's Birkenwasser massieren.—— Ein wohliges Behagen, eine ungeahnte Erfrischung und Belebung ist die Folge.—— Und das Wichtigste: Die Organe der Kopfhaut leben förmlich wieder auf.—.— Das lästige Jucken verchwindet sofort, Haarausfall und Kopfschuppen werden verhütet, der Haarwuchs wird mächtig angeregt, vorzeitiges, Ergrauen vermieden, Pflegen Sie das; slange es noch ba ist.—.— Wundermittel, die auf kahlen Köpfen einen neuen Schopf hervorzaubern, gibt es nicht!—— Zahlreiche ernste ärztliche undprivate Gutachten. „Dr. Drales Birkenwasser, die. echt priginalmarke, ist in allen Parfümerie, Drogerie= und Friseur=Geschäften zuhaben. Preis Mk..85 und.70. 02 — Café Metropol Brückstraße. Eing. Reinoldistraße. Heute Montag:∆ Großer des allselts beliebten Künstler-Orchesters schrüder KeoirAb 1. 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Wir haben in unserer Sonntagsausgabe schon über die letzte ziemlich stürmisch verlaufene Reichstagssitzung, die sich noch mit der Wehrvorlage beschäftigte, berichtet. Aus dem zweiten Teil der Verhandlungen möchten wir, um unseren Lesern ein ausführliches Bild der sehr erregten Debatte zu geben, folgendes nachtragen. Nachdem der Abg. Scheidemann den Reichskanzler wegen des Vorwurfs, die Arbeit der Sozialdemokratie sei nicht ernst zu nehmen, energisch zurückgewiesen hatte, schloß er mit den Worten: „Ich bedauere es lebhaft, daß der deutsche Reichstagspräsident eine Partei, der ein solcher Vorwurf gemacht wird, nicht in Schutz nimmt.(Lärmender Beifall der Sozialdemokraten, lautes Gelächter der bürgerlichen Parteien.) Präsident Dr. Kaempf: Eine solche Kritik der Tätigkeit des Präsidiums ist ungehörig. rufe Sie zur Ordnung.(Lebhafter Beifall.) Sie selbst haben heute andern Parteien vorgeworfen, daß Ihre Ansichten nicht ernst gemeint sind.(Zustimmung.) Abg. Scheidemann(sd.): Ich habe nur gesagt, die Herren hätten ihre Ansicht geändert. Ich bedaure es, wenn diese Dinge auf dem Präsidium immer mißverstanden werden. (Unruhe.) Der Reichskanzler sagt, Deutschland wolle Frieden und Freundschaft. Ist das der richtige Weg, daß man immer rüstet?(Lachen rechts.) Die Hand zur Freundschaft sollte man lieber ausstrecken statt immer zu provozieren.(Unruhe rechts.) Der Reichskanzler hat vom deutschen Volke gesprochen. Wer gibt Ihnen das Recht, im Namen des Volkes zu sprechen?(Schallendes Gelächter bei den bürgerlichen Parteien, anhaltende Unruhe und Zurufe rechts: Unverschämtheit! Lärm der Sozialdemokraten.) Wer hat den Reichskanzler auf seinen Platz gesetzt? Doch nicht das Volk.(Großer Lärm.) Der Reichskanzler sitzt hier und wird hier solange sitzen bleiben, als es einem einzigen Manne im Volke gefällt. (Zustimmung der Sozialdemokraten.) Sie können dem Reichskanzler das größte Mißtrauensvotum ausstellen. Er wird ruhig sitzen bleiben, wenn es bloß der Kaiser will.(Lärm der Sozialdemokraten.) Als die Vertreter der Mehrheit des deutschen Volkes.(Gelächter bei den bürgerlichen Parteien, Zuruf rechts: Größenwahn! Lärm der Sozialdemokraten.) Wir sehen, daß der Militavismus das furchtbare Instrument in der Hand eines einzelnen Mannes ist, der verlangt hat, daß die Soldaten auf Väter und Brüder schießen.(Lärmende Zustimmung der Sozialdemokvaten.) Das ist der Militavismus, den wir bekämpfen. Wir nehmen es sehr ernst mit unserem Kampfe, nicht nur gegen den Militarismus, sondern gegen das ganze System. Und wir werden siegen.(Gelächter bei den bürgerlichen Parseien, Lärm.) — Gamit schließt die Generaldiskussion. Abg. Erzberger(Ztr.) persönlich: Was herr Scheidemann gesagt hat, stand schon in den sozialdemokratischen Zeitungen.(Lebhafte Zustimmung.) Ohne ein paar Liebenswürdigkeiten für mich macht er es ja niemals. In der sozialdemokratischen Presse, z. B. in der Breslauer Volkswacht, bin ich sogar als Obergauner bezeichnet worden. Hört, hört!) Das ist die Kulturpartei. Ein Antrag Bassermann(nl.) fordert die Wiederherstellung der drei gestrichenen KavallerieRegimenter, ebenso ist der konservative Antrag erneuert. Abg. Bassermann(natl.) begründet den Antrag. Wenn wir hierüber eine nochmalige Entscheidung herbeiführen, so fühlen wir uns als Volksvertreter zugleich verpflichtet, Verwahrung dagegen einzulegen, daß Herr Scheidemann sich hier so aufspielt, als ob die Sozialdemokraten allein das deutsche Volk vertreten. Die bürgerlichen Parteien, die für die Bewilligung dieser großen Wehrvorlage sind, sind stolz darauf, daß hinter ihnen weite Kreise des deutschen Volkes stehen, auch Hunderte und Hunderttausende national gesinnter deutscher Arbeiter.(Sehr richtig!) Bezüglich unseres Antrages will ich nicht die Argumente aus der zweiten Lesung wiederholen, sondern mich auf zwei Bemerkungen beschränken. In diesen Erörterungen ist namentlich auch von sozialdemokratischer Seite auf die Bedeutung der Luftschiffer und Flieger für die Aufklärung hingewiesen worden. Demgegenüber weise ich auf eine Rede hin, die in diesen Tagen der greise Graf Zeppelin gehalten hat. Er erklärte, als alter Kavallerist, und weil oft die Luftfahrzeuge, auch Zeppelinmodell, gegen die Notwendigkeit der Kavallerie ins Feld ge" führt werden, er müßte die Ablehnung der geforderten Regimenter bedauern. Eine größere Einheit an taktischen Verbänden müsse die Kavallerie unbedingt schon im Frieden haben, damit zur Zeit der Mobilmachung die Verbände nicht zerrissen werden. Dieses Argument spricht gegen die Forderung, aus den Korpsverbänden heraus einzelne Kavallerieeinheiten an die Grenze zu legen. Er führt aus, es sei im Ernstfalle, im Falle des Sieges, Aufgabe der Kavallerie, den weichenden Gegner zu vernichten, wofür keine andere Waffe Ersatz biete. Der Erfolg eines siegreichen Tages könne beim Fehlen von Kavallerie dem Sieger verloren gehen, wenn der geschlagene Gegner sich wieder sammle und stelle. Er würde daher die Bewilligung der drei gestrichenen Regimenter mit Freuden begrüßen. Nun wird gesagt, angesichts der stark gewachsenen Feuerkraft von Infanterie und Kavallerie trete die Kavallerie jetzt naturgemäß mehr in den Hintergrund. Das trifft nicht zu, denn auch die Feuerkraft der Kavallerie hat zugenommen. Die vavaueriedivisionen treten nicht mehr isoliert bei der Verfolgung des Feindes in der Aufklärung und in der Erschütterung feindlicher Stellungen auf, sondern sind heute in Begleitung von reitenden Batterien, Maschinengewehrabteilungen, Radfahrerkompagnien und möglicherweise auch von Infanterie, die man auf den Wagen setzt, um sie rascher in die Front zu bringen. Damit hat natürlich auch die Feuerkraft der Kavallerie im rechten Verhältnis zugenommen. Wir haben dieser Tage Veröffentlichungen des Majors Veit gelesen. Ich hatte bereits in der zweiten Lesung Gelegenheit, auf diese Veröffentlichung, die sich auf den türkisch=bulgarischen Krieg bezieht, hinzuweifen. Diese Ausführungen sind nun durch weitere Darlegungen vertieft worden. Major Veit hat den Balkankrieg auf türkischer Seite mitgemacht und das ganze erschütternde Drama miterlebt. Er äußert sich nun über die Rolle, die die Kavallerie bei den entscheidenden Schlachten hätte spielen können. Durch den Mangel an Kavallerie sind natürlich Kriegsverlängerungen eingetreten, die sich auf Wochen hinaus erstreckten, und der Abschluß des Friedens ist durch den Kavalleriemangel verhindert worden. Diese Darlegung eines Mannes, der in hervorragender Stellung im letzten Kriege an der Spitze von Kavalleriekörpern auf türkischer Seite stand, sind doch sehr beachtenswert und sprechen mit anderen Argumenten dafür, daß es in der Tat richtig ist, aus dem vollgefügten Gebäude der Militärvorlage nicht diesen einen Stein herauszubrechen und die Anforderungen für die Kavallerie nicht in vollem Umfange zu bewilligen.(Sehr richtig! rechts.) Wenn Sie die Vergleichszahlen zwischen den Kavalleriestärken von Rußland und Frankreich, andererseits von Oesterreich und Deutschland sehen, werden Sie auf unserer Stelle ein starkes Manko finden. Ich kann daher nur dringend empfehlen, für unsern Antrag einzutreten.(Lebhafter Beifall.) Kriegsminister v. Heeringen: Die Forderungen der Militärvorlage sind das Mindestmaß dessen, was zum Schutz Deutschlands erforderlich ist. Verquicken Sie nicht politische mit militärischen Verhältnissen: Es handelt sich lediglich um eine militärische Frage. Alle, die eine Verantwortung für die Verteidigung Deutschlands tragen, halten übereinstimmend sechs Regimenter für das Mindestmaß des erforderlichen. Sonst bleibt eine Lücke, die sich im Ernstfall für Deutschland sehr empfindlich bemerkbar machen würde. Die Abstimmung über die Anträge findet am Montag statt. Sie wird auf Antrag der Sozialdemokraten namentlich sein. Abg. Schulz=Erfurt(sd.): Die Behauptungen über die Verurteilung der Reservisten in Erfurt sind keineswegs ohne Unterlagen aufgestellt. Der Redner verliest einen Bericht des Erfurter Allgemeinen Anzeigers über diesn Prozeß. Es ist eine furchtbare Grausamkeit, diese Leute für diese Dinge, die wir natürlich nicht beschönigen wollen, die aber doch eine ganz gewöhnliche Wirtshausrauferei darstellten, so hart zu bestrafen. Den Angeklagten ist von Leuten, die sie lange kennen, das allerbeste Zeugnis ausgestellt worden. Ich hoffe, daß Sie nun zugeben werden, daß wir Sozialdemokraten mit unserer Kritik des Militarismus recht haben. Wir haben von unsern Anträgen darum den einen wieder herausgegriffen, daß aus dem Militärstrafgesetzbuch die furchtbarsten Paragraphen herauskommen. Wir verwahren uns auch dagegen, daß man etwa solche Roheiten, wie sie die Reservisten im trunkenen Zustand begangen haben, uns zur Last legt. Sie(zur Rechten) fühlen sich auch nicht verantwortlich für Mißhandlungen von Offizieren. Nehmen Sie unsern Antrag auf Reform des Militärstrafrechts an. Kriegsminister v. Heeringen: In einer Kritik des Urteils kann ich dem Abgeordneten nicht folgen. Das Urteil ist erst gestern ergangen. Wenn man ein Urteil kritisieren will, muß man zum mindesten die Akten lesen. Auf Zeitugnsartikel hin kann ich mir ein Urteil nicht bilden. Wenn wirklich solche, wie der Abgeordnete sagt, Unmenschlichkeiten vorkommen, so gibt es auch noch die Anrufung der allerhöchsten Gnade. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sie wissen, daß Seine Majestät, wo es immer geht, bereit ist, derartige Härten zu mildern. (Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Wir werden gewiß in eine Erwägung eintreten, wo mildernde Umstände im Militärstrafrecht eintreten können. Diese Frage wird geprüft werden, aber auf Grund eines gestern erkannten Urteils ein Gesetz zu ändern, das nach vielen Kämpfen Gesetzeskraft erlangt hat, dafür kann ich nicht stimmen.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Gegen eins muß ich mich aber doch mit ganzer Schärfe wenden. Es handelt sich nicht um politische Beeinflussung von Richtern. Das ist ein Vorwurf, den Sie unsern Militärrichtern machen, für den Sie nicht die geringste Berechtigung haben. Unsere Richter, Zivil= wie Militärrichter, urteilen lediglich nach ihrem Eid und nach Pflicht und Gewissen. Abg. Dr. Frank=Mannheim(sd.): Wenn wir nicht die Zustände bessern wollten, hätten wir nicht unsern Antrag auf Reform des Militärstrafrechts gestellt. Denn— mehr als unsere Agitation wird ein solches Urteil dazu beitragen, im Volke Haß und Verachtung gegen die Einrichtungen des Heeres und gegen den Militarismus hervorzurufen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir hier nicht Abhilfe schaffen, machen wir uns alle moralisch mitschuldig an Urteilen solcher Art. Wenn der Kriegsminister sich unter der Wucht des Urteils endlich wieder einmal dazu herbeigelassen hat, zu erklären, es solle geprüft werden, so ist das für uns so gut wie nichts. Es handelt sich hier auch nicht um einen einzelnen Vorgang. Es vergeht kaum eine Kontrollversammlung oder ein Manöver, wo sich nicht ähnliche gelagerte Fälle mit genau denselben Konsequenzen wiederholen. Diese barbarischen Urteile müssen endlich einmal ein Ende haben. Darum beantragen wir die mildernden Umstände in das Milttürstrafrecht aufzunehmen. Der Reichstag hat heute die Macht. Wenn er will, dann kann er die Regierung zwingen. Dann mag die Regierung versuchen, dom deutschen Volke zu erklären: Wir kehnen die Militärvorlage ab, weil damti eine Bestimmung verbunden ist, die mit den barbarischen Urteilen der Militärgerichte aufräumen will. Fast alle Paragraphen des Militärstrafrechts sind reparaturbedürftig. Man sagt nun, man könne einen einzelnen Paragraphen nicht herausnehmen. Das ging aber auch beim bürgerlichen Strafrecht. Warum soll es hier nicht auch gehen? Jetzt haben Sie die Wahl, ob Sie dem Rechtsbewußtsein des Volkes nachgeben wollen, oder ob Sie in übel angebrachtem Vertrauen warten wollen, ob das Kriegsministerium nach zwanzigjährigen Erwägungen wirklich etwas bringt.(Beifall links.) Abg. Dr. Müller=Meiningen(Fortschr. Vp.): Ich bin nicht in der Lage, für meine Fraktion eine bindende Erklärung abzugeben, da der Antrag eben erst vorgelegt wird. Auch wir wünschen dringend, daß so rasch wie möglich, telephonisch oder telegraphisch, eine Aufklärung über das drakonische Urteil in Erfurt verschafft wird, Solche Urteile müssen ungeheure Aufregung hervorrufen und aufreizend wirken. Diese Crux muß endlich beseitigt werden. Die Militärverwaltung muß endlich erklären, daß sie ein Notgesetz bringen will. Wir vermissen aber ein derartiges Entgegenkommen. Wir haben auf die Unhaltbarkeit dieser ganzen Judikatur genug hingewiesen. Es liegt im Interesse der Militärverwaltung selbst, wenn sie jetzt die Initiative ergreift. Ich appelliere auch an den Staatssekretär des Reichsjustizamtes, daß man aus denselben Motiven, aus denen man uns vor zwei Jahren die Novellen vorgelegt hat, jetzt auch für das Militär= strafrecht eine Besserung schafft. Dieser Gewissenszwang der Richter muß beseitigt werden. Ich bitte die Regierung, eine bindende Erklärung abzugeben, ob sie analog den Novellen von 1911 hinsichtlich des bürgerlichen Strafrechts ein Notgesetz für das Militärstrafgesetz einbringen will. Kann sie das nicht, dann würde den bürgerlichen Parteien trotz der formalen Bedenken nichts übrig bleiben, als für einen derartigen Antrag zu stimmen. Ich bedaure lebhaft diese Hartnäckigkeit.(Beifall links.) Kriegsminister v. Heeringen: Ich soll hier eine Erklärung abgeben, daß die verbündeten Regierungen ein Notgesetz einbringen werden. Dazu bin ich doch gar nicht in der Lage. Wenn die verbündeten Regierungen eine solche Erklärung abgeben wollen, dann müssen sie die Angelegenheit doch erst beraten haben. Wenn diese Resolution zur Prüfung kommt, dann wird entschieden werden, ob ein derartiges Notgesetz kommt oder nicht. Ich nehme aber keinen Anstand zu erklären, daß es in einer ganzen Anzahl von Paragraphen zu wünschen ist, daß mildernde Umstände eingeführt werden, oder minder schwere Fälle. Das ist im Grunde dasselbe. Diese Frage ist ernsthaft geprüft worden. Darauf können Sie sich verlassen.(Lachen links.) In Erfurt liegt noch gar kein rechtskräftiges Urteil vor. Ich weiß noch nicht einmal, ob es schon schriftlich fixiert ist. Es ist da ausgeschlossen, telephonisch oder telegraphisch nähere Details einzuholen. Machen Sie diese überstürzte Gesetzesmacherei nicht mit, sondern warten Sie darauf, was die verbündeten Regierungen tun.(Lachen links.) Uns liegt an solchen dvakonischen Urteilen nichts. Ob im Erfurter Falle die Dinge so liegen, ist noch nicht aufgeklärt. Abg. Stadthagen(Soz.) fordert nochmals die bürgerlichen Parteien dringend auf, den sozialdemokratischen Antrag anzunehmen. Abg. Gröber(Ztr.): Eine Entscheidung über den Fall ist heute nicht möglich. Eine Vertagung dieser Sache ist notwendig. Es kommt hier auch eine dauernde Handhabung des Militärstrafrechts in Betracht. Ich beantrage die Vertagung dieses Antrages. Abg. Bassermann(natl.): Ich kann mich Herrn Gröber anschließen. Ich halte es auch für praktisch, daß nach einer Möglichkeit gesucht wird, bis Montag zu einer allseitigen befriedigenden Fassung zu kommen. Ich weise den Kriegsminister darauf hin, daß auch im bürgerlichen Strafrecht die dringendsten Reformen durch eine Novelle herbeigeführt wurden; das wird der Weg sein, der sich auch für das Militärstrafrecht empfiehlt. Abg. Dr. Frank(Soz.): Es handelt sich hier nicht nur um den Erfurter Fall, sondern um zahlreiche ähnlich gelagerte Fälle. Kriegsminister v. Heeringen: Auch am Montag bin ich nicht in der Lage, über den Erfuxter Fall Auskunft zu geben. Bis dahin können die Akten noch nicht eingegangen sein. Auf Grund von Zeitungsberichten kann ich mir kein Urteil bilden.(Gelächter der Sozialdemokraten.) Die Frage, ob minder schwere Fälle in weiterm Umfange in Rechnung gezogen werden sollen, werden wir gemäß Ihrer Resolution prüfen, ebenso, ob ein Notgesetz für solche Fälle angängig ist. Ein bindendes Versprechen kann ich aber nicht abgeben. Das Haus beschließt die Vertagung dieser Angelegenheit und des sozialdemokratischen Antrages auf Reform des Militärstrafrechts auf Montag. Eine Resolution des Zentrums, bei Vergebung von Lieferungen für das Heer das Handwerk zu berücksichtigen, wird nach kurzer Begründung durch den Abg. Irl(Ztr.) angenommen. Damit ist die Debatte über die Wehrvorlage erledigt. Die Abstimmungen finden am Montag statt. schaft mit beschränkter Haftung. Für diese Papiere ist der Verkaufswert anzusetzen. Für den Fall, daß ein solcher nicht zu ermitteln ist, waren Bestimmungen getroffen worden, gegen die inzwischen vielfach Bedenken laut wurden. Der heutige Kompromißantrag hat nun folgende Fassung: „Sofern ein solcher nicht zu ermitteln ist, ist der Wert der Aktie, des Kuxes oder Anteils unter Berücksichtigung des Gesamtvermögens der Gesellschaft oder Gewerkschaft und der in der Vergangenheit erzielten Gewinne nach freiem Ermessen zu schätzen. Hierbei bleiben diejenigen Beträge der selbst zu erteilen. Sie war scharf, deutlich u traf in jedem Punkte das rechte. Er nannte! sozialdemokratischen Bestrebungen gegen das Hi beim rechten Namen, trat aber andererseits n größerem Geschick als Herr von Heeringen daf ein, daß die Armee immer an ihrer inneren Ve vollkommnung arbeiten müsse. Er wird hoffentl auch dafür sorgen, daß dem Initiativantrag à Reichstags auf Einfügung der mildernden Ui stände in das Militärstrafrecht, der im Anschl' an eine harte Bestrafung von Reservisten u Landwehrmännern in Erfurt eingebracht wur, Jahresgewinne unberücksichtigt, welche unter Zu#sein Recht widerfährt.— So geht denn nun grundelegung der ortsüblichen Preise als Entgelt Reichstag in den letzten Akt der Wehr= u Deckungsvorlagen, in die dritte Lesung der Besi steuern. Ein großes nationales Werk steht v dem Abschluß, ein Werk, das gewaltige Lasten fordert, aber auch das Ansehen und das Wort 5 deutschen Reiches in der Welt stärkt und seine E cherheit hebt. Die große Mehrheit des deutsch Volkes steht hinter dem ganzen Werk, und nur e kleiner Teil der bürgerlichen Mehrheit steht im B griff, kleiner Parteibedenken wegen vor den Aug des Auslandes einen Keil in die Einheit der bi gerlichen Parteien gegenüber dem Gesamtwerk treiben. Sollte nicht die letzte Stunde noch in di sem kleinen Teil die Erkenntnis von der größer Wichtigkeit des vaterländschen Werkes gegenüb Parteibedenken wecken können? 6 Der einmalige Wehrbeitrag. (Dritte Lesung.) Eine Generaldebatte findet nicht statt, da keine Wortmeldungen vorliegen. Es folgt die Einzelberatung. Die Kompromiß= parteien haben in einem Antrag Bassermann(nl.) eine Abänderung zum§ 19 vorgeschlagen. Dieser Antrag betrifft die Heranziehung der Aktien ohne Börsenkurs, der Kuxe, der Anteile an einer Bergwerksgesellschaft oder der Anteile an einer Gesellgranbelegung der ortsublichen Preise als Entgelt für gelieferte Rohstoffe anzusehen sind. Im Streitfall soll die Steuerbehörde die Schätzung des Wertes durch Sachverständige anordnen, die von der zuständigen Handelsvertretung oder der des nächstbelegenen Bezirks zu ernennen sind.“ Abg. Dr. Waldstein(Fortschr. Vp.): Ich beantrage im Auftrag meiner Partei, der Sozialdemokraten und des Zentrums— zur Befragung der Konservativen war keine Zeit mehr— einen Initiativgesetzentwurf von wenigen Zeilen mit folgendem Wortlaut: Zu den§§ 100, 106, 107, 190 des Militärstrafgesetzbuches wird der Zusatz beigefügt: „Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann auf Gefängnisstrafe erkannt werden.“ Ich beantrage, die erste, zweite und dritte Lesung an erster Stelle der Tagesordnung für nächsten Montag zu setzen, damit dem Reichskanzler Gelegenheit gegeben wird, zu erklären, daß er sich für diesen Gesetzentwurf einsetzen wird. Wenn das der Fall ist, dann sind die Sozialdemokraten damit einverstanden, daß ihr Antrag wegfällt. Präsident Dr. Kaempf: Das kann nur geschehen, wenn niemand im Hause widerspricht. Es erhebt sich kein Widerspruch. Der Antrag ist angenommen. Montag 12 Uhr: 1. Antrag Waldstein in allen drei Lesungen; 2. zurückgestellte Abstimmungen; 8. Besitzsteuer(dritte Lesung.)— Schluß 1¾ Uhr. „„„„„ Das Notgesetz zum Militärstrafgesetzbuch. Konferenz im Reichstag. Nach Schluß der gestrigen Reichstagssitzung fand in einem Sitzungszimmer des Reichstags eine Konferenz zwischen der Regierung— Kriegsminister v. Heeringen, Unterstaatssekretär Wahnschaffe, General v. Wachs— und Vertretern aller Parteien des Reichstags statt. Es waren anwesend von den Konservativen Abgeordneter Graf Westarp und Abgeordneter Dietrich, vom Zentrum Abgeordneter Gröber, von der Fortschrittlichen Volkspartei Dr. Mülle:=Meiningen und Abgeordneter Waldstein, von den Sozialdemokraten Dr. Frank=Mannheim, von den Nationalliberalen Professor van Calker und Prinz zu Schönaich=Carolath, von der Reichspartei Abgeordneter Dr. Schultz=Bromberg. Die Verhandlungen hatten den Antrag wegen eines Notgesetzes zum Militärstrafgesetzbuch zum Gegenstande. Die Konferenz dauerte mehr als zwei Stunden, bis in die fünfte Nachmittagsstunde hinein. Sie hatte aber, wie wir hören, vorläufig noch kein positives Resultat, da es nicht gelang, zwischen der Regierung und den Parteien, und auch nicht unter den Parteien Einigkeit zu erzielen. Die Verhandlungen werden am Montag vormittag wieder aufgenommen werden, und man hofft, daß der Kriegsminister bis dahin die Zustimmung der Verbündeten Regierungen, die er gestern noch nicht in Aussicht stellen konnte, erklären werde, so daß es dann möglich sein wird, das Gesetz zu verabschieden. Es bestehen einstweilen noch Meinungsverschiedenheiten auch unter den einzelnen Parteien über das Mindeststrafmaß, das für das Vergehen der Insubordination festgesetzt werden soll. Einig ist man sich auf der gesamten Linken und im Zentrum, daß das heutige Strafmaß unter allen Umständen beseitigt werden muß. Die Konservativen möchten es aber am liebsten bei den heutigen drakonischen Strafen belassen. Andererseits wollen die Sozialdemokraten das niedrigste Strafmaß für dieses Delikt überhaupt eingeführt wissen, während unter der bürgerlichen Linken noch Meinungsverschiedenheiten bestehen über das Mindestmaß der Gefängnisstrafe, das für dieses Delikt fortan gelten soll. Die Nationalliberalen wollen ein etwas höheres Strafminimum festgesetzt wissen als die Fortschrittler. Immerhin ist Aussicht vorhanden, daß es gelingen werde, diese wichtige Gesetzänderung noch vor Toresschluß des Reichstags unter Dach und Fach zu bringen. Preßstimmen zur letzten ReichstagsGsung. Die stürmischen Zusammenstöße mehrerer Redner in der Samstagssitzung wurden von der gesamten Presse in längeren Besprechungen über die Wehrvorlage kritisch behandelt. So schreibt die „Köln. Ztg.“: „Mögen die Konserpativen handeln, wie sie wollen, und tun, wofür sie sich die Verantwortung zu übernehmen getrauen, sie sollten aber die Verdächtigungen der Kompromißparteien unterlassen, als ob diese bei der Fertigstellung der Deckung unter sozialdemokratischem Einfluß gestanden hätten, und als ob das Kompromiß ein sozialdemokratischer Erfolg sei. Die Konservativen sind es gewesen, die seit 1909 die Lösung der Besitzsteuerfrage zu einer rein politischen Frage gemacht haben, und wenn sie heute damit ein so trauriges Fiasko machen, so ist das ein politisches Ereignis, aus dem natürlich die Sozialdemokratie ihr Kapital schlägt. Im übrigen sei aber daran erinnert, daß die Sozialdemokratie, die heute sich selbst das Hauptverdienst an dem Kompromiß zuschreiben möchte, noch vor kurzem im„Vorwärts“ gesagt hat, es sei eine schmachvolle Spottgeburt aus Dreck und Feuer. Damals hate also die Sozialdemokratie für das Kompromiß noch ebenso wenig übrig wie für die Heeresvorlage, gegen die heute der Genosse Scheidemann in einer Weise vom Leder zog, die an Geschmacklosigkeit nichts zu wünschen übrig ließ und die deutsche Regierung und die deutsche Armee verdächtigte, so daß es für jeden Patrioten geradezu empörend war. Wenn man auch den Zweck Scheidemanns, noch einmal gegen den Militarismus von der Reichstagstribüne zu agitieren, in Rechnung zieht und allmählich gegen die sozialdemokratischen keit und Minderwertiglett Deaßlosigketen abgestumpft ist, diese Rede bedurfte kannt, daß sie das Werk nicht hindern kann dast der Erwiderung, ja, der Reichskanzler, der in die= sie nicht dem Reichswagen entgegenstemmen dürtaf. sem Stadium der Verhandlungen sicher nicht sprechen wollte, hielt es für notwendig. diese Antwort Die„Frankf. Ztg." behandelt besonders F Debatte über das Erfurter Militärgevichtsurte; „Die Entschlußkraft, die der Reichstag heu bei der Erörterung des Erfurter Schreckensurtei bewiesen hat, wird im ganzen Lande den stärkst und günstigsten Eindruck machen. Endlich einmal es der deutschen Volksvertretung beschieden eine empörenden Mißstand, der aufreizender wirkt#a irgend eine staatsfeindliche Agitation wirken kan nicht nur zu bedauern und mit guten Reden! bekämpfen, bis eine wohlweise Regierung die 85 für eine Reform für gekommen hält, sondern ih entschlossen zu Leibe zu gehen und die Regierut zu einer sofortigen Aktion einfach zu zwingen. D Promptheit, mit der hier auf eine besonders ei dringliche Dokumentation der brutalen Härte u. seres Militärstrafgesetzbuches die erwünschte Rech tion folgt, wird von den Zahllosen lebhaft begrüß werden, die sich ein Empfinden dafür bewahrt h ben, daß die Gesellschaft sich solcher gesetzlich sar tionierten Unmenschlichkeit in riefster Seele sche men muß. E Sieben Arbeiter aus der Nähe von Erfurt 5 suchten am 16. Appil eine Kontrollversammlung un gerieten am Abend dieses Tages, also während## noch den militärischen Gesetzen unterstanden, angeheiterter Stimmung in Konflikt mit eineg Gendarmen, den sie mißhandelten. Sie wurdideswegen auf Grund des§ 106 des Militärstrafgk setzbuches angeklagt, der es als„militärischen Au. ruhr“ mit Strafe bedroht, „wenn mehrere sich zusammentun und mvereinten Kräften es unternehmen, dem Vo. gesetzten den Gehorsam zu verweigern, sich ihr, zu widersetzen oder eine Tätlichkeit gegen denl selben zu begehen.“ st. Die Stvafe beträgt Gefängnis nicht unter füt: Jahren, für die Anführer und die Teilnehmer## einer Tätlichkeit Zuchthaus nicht unter 5 Jahreif Auch beim Vorliegen mildernder Umstände darf uun ter diese horranden Mindeststrafen nicht herunte, gegangen werden. In dem Erfurter Fall sind r. von den Angeklagten auf Grund des Aufruhs. paragraphen sowie wegen tätlicher Beleidigung ein. Dorfpolizisten verurteilt worden, und zwar du. zu Zuchthausstrafen von 5½ bis zu 5½ Jahren,izu Gefängnisstrafen von 5¼ und 5½ JahreiUeber die Einzelheiten des Falles liegen uns noß keine Berichte vor; man kann jedenfalls ohne we? teres annehmen, daß das Urteil in den gesetzliche Bestimmungen begründet ist und daß es, wenn eit mal der Tatbestand des Aufruhrs als gegeben ab: gesehen wurde, gar nicht anders lauten konnte.“ Aus dem Umstande aber, daß in allen Fälla## auf die Mindeststrafe erkannt wurde— soweit de Mindestmaß von 5 Jahren überschritten wird, haßi delt es sich offenbar um Nebenstrafen wegen di“ Dorfpolizisten— kann man weiterhin schließe daß erschwerende Umstände nicht vorliegen, son dern daß es sich um eine absolut harmlose Wirtel. hausrauferei handelt. Dann aber ist das Urtett der unwiderleglichste Beweis für die Unerträglich keit des geltenden Militärrechts und des ihm glGrunde liegenden Subordinationsbegriffs. eher mit solchen Bestimmungen aufgeräumt wirkt. umso besser. 9= In der heutigen Reichstagssitzung haben duSozialdemokraten den Fall zur Sprache gebrach“ und die übrigen Parteien der Linken und des Zei### trums traten an ihre Seite. Zu gewöhnlichen ten hätte das alles nicht viel genutzt, aber ein### sonders günstiger Umstand kam diesmal hinzuj. man stand vor der definitiven Verabschiedung deh. Militärvorlage und hatte damit ein Zwangsmittev. gegen die Regierung in der Hand. Die Volkspartei zog die einzig richtige Konsen quenz aus der Situation, indem sie durch de### Abg. Müller=Meiningen erklären ließ: wenn die Regierung sich nicht mit dem sofortigen Erlaß ein; Notgesetzes zur Milderung des Militärstrafgesetzh buches einverstanden erklärt, so werden wir für dl'“ Einfügung eines entsprechenden Paragraphen— die Heeresvorlage stimmen! Das wäre ein gewal### samer Weg— aber er wäre wirksam, denn du## Regierung könnte die Heeresvorlage unmöglich aft. dieser Frage scheitern lassen. Formell korrekten, wäre natürlich die Erledigung der Sache in eine. besonderen Novelle zum Militärstrafgesetzbuch, unm die Mehrheitsparteien haben bereits einen Enz## wurf ausgearbeitet, der am Montag zu Beginz.: der Sitzung beraten werden soll. Bis dahin ha. die Regierung Zeit zur Ueberlegung; sollte sie an Montag nicht ihr: Zustimmung zu dem Entwuch: erklären, so müßte der Reichstag auf die vor de### Sozialdemokraten und der Volkspartei in Aussick gestellte Methode zurückgreifen und seinen Antratl. in die Militärvorlage selbst hineinschreiben. Mai darf wohl annehmen, daß dies in der Tat die Takti der Reichstagsmehrheit ist.“ 9T Die„Tägl. Rundschau“ schreibt: „Die Sozialdemokratie hat bei der ganzen Wehr'7 vorlage eine unwürdige, zum Teil bemitleidens### werte, zum Teil verächtliche Rolle gespielt. Dil 110 Mann starke Partei ist eine tote Last an Reichswagen, sie ist ohnmächtig gegenüber deng, Gesamtwillen der bürgerlichen Parteien, und in2 Gefühle dieser Ohnmacht, dieser Bedeutungslosig. keit und Minderwertigkeit hat sie rechtzeitig erg er lrchepagen entgegenstemmen bürfgl. wenn nicht seine Räder über sie hinweggehen sollg. len, Wenn sie den entschlossenen Willen zur Vere; Anderung der Vorlage gezeigl, die Arbeiten des Reichstages durch Obstruktion gehindert hätte, wäre Zeit zur Auflösung des Reichstages gewesen mit der zugkräftigen Parole, Wehrvorlage, Sicherheit des Vaterlandes. Das riskierte sie nicht und half damit passiv mit, das Werk zu vollenden. Da sie aber mit der Erklärung ihrer Ohnmacht bei ihren Genossen kein Verständnis fand, suchte sie durch wilde, zügellose Reden die Luft zu erschüttern und durch lange Sprechtätigkeit vor ihren Genossen Eifer zu prästieren. Es war ein bemitleidenswertes Schauspiel, wie die Genossen in der verschwiegenen Kommission Ansätze zu positiver Mitarbeit machten, um dann im Plenum, wenn ihnen die bittere Rosa Luxemburg wieder einmal eine Strafarbeit diktierte, den wilden Mann zu spielen und die Armee in der unerhörtesten Weise zu begeifern, ja Deutschland vor dem Ausland als den Friedensstörer gegen besseres Wissen zu denunzieren. Es muß gut um unsere Armee stehen, daß ein so unerhörter, aus Zerstörungsluft und feiger Parteiangst geborener Feldzug, so gar nichts an den Tag bringen konnte, was man ihr als Makel von auch nur halbwegs objektiver Seite anzurech nen vermöchte. Geschadet hat diese Rederei nicht viel. Die Sozialdemokratie hat nicht einmal in erheblichem Maße die Beratung zu verzögern vermocht; wohl aber hat sie bei allen bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme durch ihre demagogische Klopffechterei Gefühle des Ekels ausgelöst, die bei ihrer weiteren Behandlung nachwirken werden. Ausgeschaltet hat sich leider auch die konservative Partei, wenigstens bei der Deckungsvorlage. Auch sie steht bei der wichtigsten Vorlage, die im Reichstage seit Jahren entschieden wurde und die gerade ihre Herzensangelegenheit sein muß, grollend, aber ohnmächtig im Winkel. Eine solche Lage hat die konservative Partei noch nie seit Bestehen des Reichstags erlebt. Sie wollte absolut einen in seiner Mehrheit liberalen Reichstag auf konservative Steuerpolitik festlegen und ist damit gescheitert. Was sie seit der Reichsfinanzreform verhindern wollte, hat sie in dreifachem Ausmaße beschert bekommen. Einkommen, Vermögen und Erbschaft werden vom Reiche in Zukunft direkt besteuert. Der Blockbruch, von dem alles Unheil in den Verhältnissen der aufeinander angewiesenen Parteien datirt, hat nicht nur dis erhofften Früchte gezeitigt, er hat nicht einmal die Erbanfallsteuer zu verhindern vermocht. Zum Schluß bringen wir noch die Ansicht der „Berl. Morgenpost“ zum Abdruck, die folgendes schreibt: „Just an dem Tage, an dem der Reichstag die Heeresvermehrung definitiv zu beschließen sich anschickte, kam ihm die Kunde von einem Militärgerichts=Urteil, das an kalter Unbarmherzigkeit, an grauenvoller Vernichtung von Menschenschicksalen alles übertrifft, womit die Militärjustiz schon bisher Schrecken und Entsetzen im Volke verbreitet hat: vom Kriegsgericht in Erfurt sind fünf Reservisten, Ehemänner, Familienväter, zu Zuchthausstrafen von mehr als fünf Jahren verurteilt worden, weil sie sich am Tage der Kontrollversammlung Ausschreitungen gegen einen Gendarmen haben zu Schulden kommen lassen; wegen eines Vergehens also, das an ihnen mit Geldstrafe oder mit ein paar Tagen Gefängnis geahndet worden wäre, hätten sie es am Tage zuvor oder am Tage darauf begangen. Mehr als fünf Jahre Zuchthaus! Vernichtung von fünf wackern Männern, Vernichtung von fünf unschuldigen Familien! So will es der Militarismus, weil er ohne die Bestimmungen des Militärstrafgesetzbuches, die solchen furchtbaren Widersinn zulassen und heraufbeschwören, nicht glaubt auskommen zu können. Und gegen solchen Widersinn hatte der Reichstag bis gestern nur schwächliche Resolutionen. Gestern aber raffte er sich endlich auf, unter den erschütternden Eindruck des fürchterlichen Bluturteils von Erfurt. Stürme der Empörung entfesselte die Kunde von diesem Bluturteil, und mit Ausnahme der Konservativen, die sich gestern wieder einmal vor allem Volke gezeichnet haben, verlangte der Reichstag eine Reform des Militärstrafgesetzbuches im Sinne der Vernunft und der Menschlichkeit. Nun endlich ist Aussicht vorhanden, daß er diese Reform durchsetzen wird. Das Erfurter Zuchthaus=Urteil. Bei dem in den letzten Tagen vielgenannten Urteil des Kriegsgerichts zu Erfurt, das auch am Samstag im Reichstage mehrfach erwähnt wurde, handelte es sich— wie wir' schon in der Samstagausgabe mitteilten— um Ausschreitungen nach der Kontrollversammlung. Die Angeklagten entschuldigten sich damit, daß sie betrunken gewesen seien.(Was aber nach dem Militär=Strafgesetzbuch nicht als strafmildernd, sondern als strafverschärfend angesehen wird.) Während der Vernehmung weinten die Angeklagten, 2 Frauen der Angeklagten sielen während der Plaidoyers in Ohnmacht und mußten hinausgetragen werden. Der Vorsitzende bemerkte, daß in der Handlung der meisten der Angeklagten der Tatbestand des militärischen Aufruhrs zu finden sei, denn es bestände die Gefahr, daß eine unbeschränkte Anzahl von Leuten sich an den Ausschreitungen gegen den Gendarmen beteiligen würden. Sämtliche Verurteilte gehörten der Sozialdemokratie an. Von ihrer Heimatbehörde ist ihnen das Zeugnis ordentlicher und fleißiger Arbeiter ausgestellt worden, sie hatten ihre Militärdienstzait straffrei gedient und sich stets tadellos geführt. Dortmund, 28. Juni. Bei Schluß der Redaktion unserer Sonntagsnummer war das Urteil im Prozeß gegen die Bergleute Breitfeld, Hahne und Sieberg noch nicht gefällt. Anschließend an unseren Bericht in der genannten Ausgabe bemerken wir noch folgendes: Die Sachverständigen Dr. Wollenweber und Dr. Brückerhoff bekundeten; daß der gefährliche Schlag, der unbedingt den Tod des Invaliden Valero herbeigeführt habe, mit dem Heckenpfahl geführt und erfolgt sein müsse, und zwar als Valero noch stand. Der Schlag habe einen Knochenbruch und eine Gehirnverletzung bewirkt. Außerdem hätte man an der Leiche des Verstorbenen viele andere Wunden an den verschiedensten Körperteilen festgestellt. Der Vorsitzende verlas dann nicht weniger als 20 Schuldfragen. Vom Staatsanwalt wurde beantragt, nur bei Breitfeld die Frage nach Körperverletzung mit Todeserfolg zu bejahen. Bei den beiden anderen Angeklagten aber nur die Frage nach schwerer Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkgengt ale Geschmosener sprachen Breitfeld schuldig der Körperversetzung mit Todeserfolg und der gefährlichen Körperberletzung begangen an Swintech und verneinten in beiden Fällen die Frage nach mildernden Umständen. Bei Hahne sprachen sie sich nur nach gefährlicher Körperverletzung unter Versagung mildernder Umstände aus, während sie den Sieberg für schuldig der Körperverletzung in 2 Fällen mit mildernden Umständen hielten. Der Staatsanwalt beantragte hierauf gegen Breitfeld eine Gefängnisstrafe von 4 Jahren und 9 Monaten, gegen Hahne eine solche von 1 Jahr und 3 Monaten und gegen Sieberg eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Das Urteil lautete bei Breitfeld auf 4 Jahre 6 Monate, bei Hahne auf 1 Jahr 6 Monate und bei Sieberg auf 9 Monate Gefängnis. Allen drei Angeklagten wurden 8 Monate der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Lokale Nachrichten. 1Jisi Dortmund, 30. Juni. Gemeindegasthäuser sollen in Dortmund gebaut werden! Und zwar will man den Anfang damit machen, sobald die Straßen und der Marktplatz im Südwesten der Stadt ausgebaut sind. Es handelt sich um die Gegend, die von der Kreuzstraße und Große Heimstraße begrenzt wird und sich längs dem Südwestlichen Friedhof bis zum Leierweg hinzieht. Es sind dort allerlei Bauten geplant, unter anderem auch eine große Volksschule, mit deren Bau schon am 1. Juli begonnen werden soll. Bekanntlich werden an der Kreuzstraße zwei Kirchen errichtet, eine evangelische und eine katholische. Die letztere wird noch in diesem Jahre in Angriff genommen, während für das erst später zu errichtende Gotteshaus zunächst nur das Pfarrhaus erbaut wird. Der neue Marktplatz dürfte auch schon in allernächster Zeit hergerichtet werden, sodaß dann endlich die Wünsche der Hausfrauen im südwestlichen Stadtteil erfüllt würden. In den verflossenen zwei Jahren sind nur drei neue Genehmigungen zum Betriebe der Schenk= und Gastwirtschaften an private Antragsteller erteilt worden. Die Stadt Dortmund scheint für sich reichlicher sorgen zu wollen. Sie besitzt bereits 15 Wirtschaftskonzessionen, die sie in Zukunft noch vermehren will. Die 15 Konzessionen beziehen sich auf den Ratskeller, den Reinoldushof, die Wirtschaft von Ellerkmann, die Nord= und Südbadeanstalten, das Forsthaus, das Bootshaus am Hafen, die Hafenwirtschaft, das Börsengebäude am Viehmarkt und am Magerviehhof, Hotel Reichskapelle, Hotel Middendorf sowie auf das Stadttheater und die Kaffeewirtschaft im Kaiserhain. Vom Gerüst gestürzt. Der Arbeiter August Zackels, Tiefestraße 14, stürzte am Sonnabend nachmittag aus der Höhe des dritten Stockwerks von dem Gerüst eines Neubaus, wobei er erhebliche innere und äußere Verletzungen erlitt und in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Unfall. Der Monteur Hermann Oeking, Rheinischestraße 170, welcher an der Bahnüberführung in der Huckarderstraße am Sonnabend nachmittag mit dem Legen einer elektrischen Lichtleitung beschäftigt war, stürzte aus beträchtlicher Höhe von einer Leiter, wobei er sich neben inneren Verletzungen einen schweren Schädelbruch zuzog. Der Sturz wurde dadurch verursacht, indem ein Fuhrwerk die Leiter, auf welchem O. stand, anfuhr und beiseite schob. Der Verletzte fand im Johannishospital Aufnahme. Dortmund als Kleinstadt. IV. Wir hatten zum Beweise dafür, daß Dortmund noch in vieler Beziehung das Wesen einer Kleinstadt hat bis jetzt vorwiegend Beispiele angeführt, die die kleinstädtischen Sitten und Gewohnheiten eines großen Teiles unserer Mitbürger kennzeichneten. Wir werden im Folgenden an Hand einer Reihe von Exempeln zeigen, wie die Entwicklung zur Großstadt sehr wesentlich gehemmt wird durch Erbschaften tatsächlicher Natur, die wir von der Kleinstadt Dortmund übernommen haben. Es sind das zunächst eine Anzahl Straßennamen, die in lächerlicher Weise etwas Kleinstädtisches zur Schau tragen. Vor allem der Umstand, daß es inmitten der lebhaftesten Straßen einen„Friedhof" gibt, erscheint dem Fremden mehr wie erstaunlich; wäre es nicht an der Zeit hier den Namen„Reinoldiplatz" einzuführen? Es ist ja gewiß nicht mehr wie recht, daß man sich bemüht, alles Historische zu erhalten und aus diesem Grunde ist es ja auch durchaus zu billigen, daß man alte Straßen= und Ortsnamen erhalten will.— Im Sinne dieser Bestrebungen läge es übrigens auch, wenn die Straßenbahnverwaltung die Haltestelle Kaiserstraße=Heiigerweg„Ostentor" nennen würde und die Haltestelle Gymnasium„Neutor“— zumal wir jetzt noch ein zweites Gymnasium haben. Das sind alte und schöne Namen; im höchsten Grade lächerlich aber muß es wirken, neue Straßen künstlich mit einem Schimmer mittelalterlicher Romantik zu versehen. Was soll man zu Straßenbenennungen sagen wie: Am Kippert, Am Zippen? Auch daß eine Straße in dem neu aufgeteilten Gelände zwischen Bismarckund Düsseldorferstraße den schönen Namen:„Im Grubenfeld" erhalten hat, dürfte für ein Villenviertel passen wie der Igel— zum Schnupftuch— Wann werden wir einmal wie andere Großstädte unsere Ringe erhalten? Wir meinen einen zweiten, mit den Wällen konzentrischen Straßenzug und war in würdigerer Anlage als unsere kahlen Wälle, die wegen ihres Staubes ungangbar sind. Der Mangel einer solchen Anlage ist ein Ergebnis der Tatsache, daß bei uns ein„Generalbebauungsplan“ nicht für nötig gehalten wird. Es wird bei uns wie in einer richtigen Kleinstadt einfach je nach Bedürfnis ein Stadtteil an den anderen geflickt ohne Verständnis für das organische Wachsen der Stadt. Alle Großstädte haben längst die Notwendigkeit erkannt durch erfahrene Städtebaukünstler einen Generalbebauungsplan entwerfen zu lassen. Wir müssen uns in dieser Hinsicht sogar von Bochum beschämen lassen, das Geheimrat Lübben, einen der ersten Meister der Städtebaukunst mit dem Entwurf eines General„Bebauungsplanes“ beauftragt hat.— So sehr fühlt man sich in Dortmund noch im Banne der Kleinstadt, daß man nicht an ein künftiges. größeres Dortmund denkt und es nicht für nötig hält wie andere Großstädte hier beizeiten nach dem Richtigen zu sehen. Es gibt ja freilich immer noch Leute, die die Anlage von möglichst quadratischen Baublocks mit geraden langweiligen Straßen für Städtehaukunft halten; sie verkürzern den Thpus der Rleinstädters, der die Bahnen noch nicht verfolgen kann die Hermann Muthesius und andere seeschasten haben,„ Ein weiteres Erbteil der Kleinstadt Dortmund ist die städtische Polizei, die in allen anderen Großstädten längst abgeschafft ist. Die roten Aufschläge zeigen dem Fremden sofort, daß er sich in einer Kleinstadt befindet; denn nur in solchen hält sich die städtische Polizei noch. Großstädte haben längst ihr „Polizeipräsidium“. Wir stecken noch in der„guten, alten Zeit“.. Recht bezeichnend ist es weiter, daß während zum Beispiel in Essen allmonatlich ein bedeutender Kongreß tagt, wir in Dortmund höchstselten etwas derartiges innerhalb unserer Mauern haben. Und auch dann sind es meistens nur Vereinigungen von untergeordneter Bedeutung. Der Grund ist leicht einzusehen. Alle größeren Städte haben sich in letzter Zeit eine„Stadthalle“ geschaffen, einen Mittelpunkt des künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens; nur in Dortmund begnügen wir uns mit unzureichenden Lokalen, in die einen Großstädter hineinzuführen, man sich genieren muß. Scheint aber das Projekt unseres städtischen Saalbaues einmal greifbare Gestalt anzunehmen, dann tauchen so viele kleinstädtische Pläne, so viel Bierbankvorschläge auf, daß man schon froh ist, wenn überhaupt nichts davon ausgeführt wird. Warten wir es daher lieber ab, bis hier ein großherziger Entschluß in imponierender Lage unbekümmert um das Geschrei der Interessenten energisch eingreift. Wirken so in Dortmund selbst allerhand Kräfte, die dem Werden unserer Stadt zur Großstadt hindernd im Wege stehen, so tun die staatlichen Behörden in dieser Hinsicht ein Uebriges. Den Hauptbahnhof hat man ja nun umbauen müssen, weil die Eisenbahn nicht mehr aus noch ein wußte. Der geplante Umbau des Südbahnhofs aber scheint endgültig der Vergessenheit anheimgefallen zu sein. Der Bahnhof sieht aus wie der Haltepunkt einer Kleinbahn. Der Bahnhof Hörde=Hacheney, der nach seinem Umbau auch auf Dortmunder Gebiet liegen soll, ist geradezu der typische Bahnhof einer Kleinstadt; hilflos und vergessen in seiner Abgeschlossenheit. Brauchen wir eine Männerliga? Seht da kommt der Meister, Und die Not ist groß, Die ich rief, die Geister, Werd' ich nimmer los! Goethe, Zauberlehrling. Nein, mein verehrter Herr Einsender, ganz so tragisch wollte ich das Zitat über den betr. Artikel nicht genommen haben, obschon einiges drin steckt. — Andere Dinge? Wenn ein Mann eine Witwe mit Kindern hinterläßt, wie viele Pflichten hat da die Frau nicht zu erfüllen; Rechte hat sie weniger. Die Sorge um die Kinder nimmt ihr niemand, aber — hinterließ der Mann Vermögen— die Rechte daran werden ihr schon in etwa abgenommen. Bezahlt die Frau Steuern, sind auch Kirchensteuern darunter, doch hat sie mit dem kirchlichen Leben weiter nichts zu schaffen, als daß sie, wenn sie religiös ist, die Kirche mit bevölkern helfen darf. Wenn die Frau ein Geschäft oder ein Gewerbe betreibt, muß sie ebenso gut ihre Steuern zahlen und sonstige geschäftliche Pflichten erfüllen wie der Mann(und sie erfüllt sie meistens ebenso gut wie dieser). Wird aber ein Gesetz eingebracht, das sich auf Geschäft oder Gewerbe bezieht— die Frau hat kein Recht, dafür oder dagegen zu sprechen, sie steht abseits. Damit will ich's genug sein lassen, aber nun noch etwas Persönliches: Die Haare, die ich auf meinem Kopfe trage, sind auf seinem sehen, ich bin ein auftichtiger Mensch und da hoffe ich, den gerichtlich vereidigten Bücherrevisor können wir aus dem Spiele lassen, denn nach den Enthüllungen im Ohmprozeß möchte ich mein Haupt — nicht Hauptbuch—. nicht in dessen Hände geben. Wenn aber ein Notar bestätigen soll, dann gut, vielleicht nennt uns die verehrte Redaktion des„General=Anzeigers“ einen passenden. Ich erweckte noch Ihren Unmut, daß ich schrieb, die Männer seien keine Leuchten trotz des Vollmondes; was könnte ich aber wohl Besseres sagen:„Wo Haare wachsen, wächst kein Verstand!" Vielleicht treffen wir uns doch noch einmal in einem Wahllokal— bei Gott und in Preußen ist nichts unmöglich— und wir wählen dann den gleichen Kandidaten.##### verland fümmte man freudig mit ein und sang anschließend einen Vers des Liedes„Deutschland, Deutschland über alles!“ Eine mit vielen witzigen Worten durchtränkte Ansprache auf die Frauen der Parteileute hielt der Rechtsanwalt Vaerst aus Hörde. Nach weiteren Gesang= und Musikvorträgen begann der Festball, der die Anwesenden noch manche Stunde fröhlich bessammenhielt Zur Parsifal=Frage. Noch eine Zuschrift aus einem anderen Lager: „Auch sch möchte warm dafür eintreten, daß wir eine Parsifal=Aufführung bekommen. Verfrüht würde es sein, von vornherein zu behaupten, eine würdige Aufführung wäre in Dortmund unmöglich. Hunderte von Kunstliebhaber gibt es, die nicht in der Lage sind, sich eine Reise nach Bayreuth oder nach einer Großstadt zu einer Parsifal=Aufführung zu gestatten. Für diese bedeutet der Kauf einer Eintrittskarte schon ein Opfer, daß aber viele freudig bringen würden, um das Meisterwerk Wagners kennen zu lernen, denn sonstwie hätte mancher wohl kaum im Leben Gelegenheit dazu. Sollte nun wirklich keine allererstklassige Aufführung zustande kommen: wir sind gerne mit dem Gebotenen zufrieden, da wir überzeugt sind, daß jeder der Mitwirkenden sein Bestes geben wurde. Und wenn auch für die eine oder andere Partie ein Gast kommen müßte; wir haben auch ohne Parsifal Gäste, berühmte und unberühmte, gehabt. Für 25000 Mk. läßt sich doch schon mancherlei leisten. In Halle a. d. Saale glaubt man mit 20000 Mk. auszukommen, auch in Kiel, wo die erste Aufführung schon am 1. Januar stattfindet, da wird es in Dortmund auch gehen, wenn schon einmal für die Kunst eine solche Summe bewilligt werden soll; natürlich darf Nötigeres darum nicht zurückstehen. Und ich möchte einmal sehen, wenn Düsseldorf oder Essen mit dem Parsifal Dortmund zuvorkämen, dann würde es wieder heißen: „Düörpem ist in allem zurück!“ Bliebe gar der erwartete Erfolg aus, so möge das Bewußtsein trösten, vielen ernsten Kunstfreunden erhebende Stunden bereitet zu haben. Es sind hier in Dortmund und auch anderwärts schon viel weniger Großen Opfer gebracht als Richard Wager,##ntn Frau M..“ ak 2 2973 Der liberale Bürgerverein beging am Samstag Abend an der„Kronenburg" ein Sommerfest, das eigentlich im Garten stattfinden sollte. Da das Wetter aber ziemlich kühl war und auch alle Augenblicke Regenschauer vom Himmel kamen, mußte man die Feier in den großen Saal verlegen, der bald überfüllt war. Nach einigen guten Musitvorträgen des Klöppelschen Orchesters hielt der Stadtverordnete Generalagent Consbruch eine Begrüßungsansprache, zu deren Schluß er ein mit Begeisterung aufgenommenes Kaiserhoch ausbrachte. Er führte in kurzen Worten wiedergegeben folgendes aus: „Wär können uns heute alle des verdienten Wahlerfolges freuen, und wenn wir nun heute unter den bewährlen Vorkämpfern unserer Sache den Herrn Schmieding nicht mehr nennen können, so freuen wir uns doch, daß wir heute einen neuen Herm unter uns als Abgeordneten begrüßen können, den Kommerzienrat Schweckendieck, dem wir von Herzen guten Erfolg wünschen. Es ist Ihnen allen bekannt geworden, daß der König unseren früheren Abgeordneten Schmieding in das Herrenhaus berufen hat. Wir freuen uns über diese Anerkennung und auch darüber, daß unserer Partei seine tätige Mitarbeit erhalten bleibt. Das Westfalenvolk hat mit seinem schönen Wahlerfolgen seinem Könige am Wahltage eine prächtige Huldigung dargebracht und ich will demgegenüber den Kaiser heute nicht mit Worten preisen. Das ist hier unnötig, wo Sie durch die Tat am Wahltage bewiesen haben, daß Sie Verständnis haben für des Kaisers Art und daß Sie gewillt sind, zu jeder Zeit die Treue des Fürsten mit der treuen Liebe des Volkes zu lohnen. Der Evangelische Männer=Gesang=Verein trug dann in vorzüglicher Weise die Lieder:„Das Deutsche Lied" und„Heil dir, o Vaterland“ vor und erntete damit solchen Erfolg, das die Beifallsrufe gar nicht aufhören wollten. Landtagsabgeordneter Kommerzienrat Schwek= kendieck dankte in warmen Worten für seine Wahl zum Abgeordneten und für die viele Mühe und Arbeit, die die Mitglieder durch den Wahlkampf gehabt hätten. Zum Schluß seiner Ausführungen brachte er ein Hoch auf die Partei aus, coenfalls begeisterten Widerhall fand. Das obengenannte Orchester spielte dann noch einige schöne Weisen und der Gesangverein trug mehrere Lieder vor, als Pastor Eberhard das Rednerpodium bestieg und eine begeisterte Ansprache auf die Partei und das Vaterland hielt. Er pries die Einigkeit der Parteifreunde und ihre Vaterlandsliebe. Auch in sein Hoch guf das VaDie militärischen Vorführungen und die Pferdeschau in Dortmund. Die kommende Woche wird für unsere Stadt eine bedeutungs= und ereignisvolle sein. Dortmund wird für einige Tage eine„kleine Garnison" bilden, die aus Artillerie und Kavallerie besteht. Denn die neue Reitbahn hinter dem Fredenbaum, die mit dem neuerrichteten Magerviehhof verbunden ist, wird am nächsten Freitag feierlichst eröffnet. Wir haben somit in dieser Woche zwei Eröffnungstage: Die Inbetriebnahme der neuen Rennbahn in Wambel und die erste ProvinzialPferdeschau, die viel Fremde nach hier führen wird. Als im Jahre 1904 die deutsche Landwirtschaftsgesellschaft in Danzig beschloß, die Ausstellung für 1907 in Dortmund abzuhalten, da war der Jubel in der hiesigen Bürgerschaft groß, denn die Jahresversammlungen der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, die jedesmal mit einer großen Ausstellung verbunden ist, wird von hunderttausenden Personen besucht und bringt der betreffenden Ausstellungsstadt viel Geld ein. Leider konnte der Beschluß der Gesellschaft nicht zur Ausführung gebracht werden, weil wir damals uns mitten in dem Bahnhofsumbau befanden und es daher unmöglich war, die Transporte, die eine solche Riesen=Ausstellung mit sich bringt, zu bewältigen. Es blieb deshalb nichts weiter übrig, als auf die Ausstellung zu verzichten, was allgemein bedauert wurde. Man entschied sich darauf für Düsseldorf, da Münster erklärt hatte, die Tagung wegen Mangel an Geldmitteln ablehnen zu müssen. Wir haben die Ausstellung in Düsseldorf besucht und müssen gestehen, daß man dort die großartigsten Leistungen auf dem Gebiete des Pferdesports, als auch hinsichtlich der Zuchttiere zu sehen Gelegenheit hatten. Namentlich die Vorführungen der Artillerie mit ihren bespannten Geschützen erregten großes Aufsehen, und das gleiche Schauspiel sollen wir am nächsten Freitag auch in Dortmund in der neuerrichteten Arena am Dortmundenr Magerviehhof zu sehen Gelegenheit haben. Wer hätte vor 6 Jahren daran gedacht, daß wir für die uns verloren gegangene Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft so bald ausreichenden Ersatz gefunden hätten? Wir hatten Aussicht, erst im Jahre 1919 die Ausstellung wiedes zu bekommen, jetzt aber haben wir das Vergnügen schon in den nächsten Tagen. Denn mit der westfälischen Provinzial=Pferdeschau ist dasselbe Programm verbunden, das auch die genannte Gesellschaft den vielen Tausenden Besuchern bietet. Wir haben hier noch ein viel größeres Programm zu erwarten. Wir sehen am Freitag das Vorreiten der Remonten des Westfälischen Husaren=Regiments Nr. 8, ferner erscheint eine Schwadron des Westfälischen Husaren=Regiments Nr. 11 aus Crefeld, dann kommen die Kürassiere aus Münster, weiter wird das Westfälische Ulanen=Regiment Nr. 5 aus Düsseldorf auf dem Plane erscheinen und endlich werden die neue Arena beleben das Westfälische Feldartillerie=Regiment Nr. 7 aus Wesel und das Fußartillerie=Regiment Nr. 7 aus Köln. Mehr kann man doch nicht verlangen. Die Lage der Reitbahn ist die denkbar günstigste. Umschlossen vom Fredenbaumwald, der im vollen Sommerschmucke prangt, bietet die Reitbahn mit ihren überdachten Tribünen den Eindruck einer kleinen, vornehmen Rennbahn. Stallungen und sonstige Räumlichkeiten sind auf das großzügigste angelegt; das Ganze ist eine Sehenswürdigkeit. Für die Dauer der Ausstellung und der reitsportlichen Vorführungen ist ein besonderes Zelt errichtet worden, das für tausend Personen berechnet ist. Die Vorführungen finden jedes Jahr hier statt. Das ist sicher erfreulich. Die Veranstaltung ist mit großen Militärkonzerten verbunden. Also für Freitag und die übrigen Tage heißt es für viele: Auf zur Reitbahn an der früheren Seilerstraße! „Die dortmunder Promenade!“ Eine Dame schreibt uns: Allabendlich zwischen 6 und 7 Uhr sieht man viele junge Herren und Damen zum Westenhellweg strömen. Dann spazieren sie dort auf und ab, ja 1 Stunde, auch wohl 2 Stunden. Das Promenieren ist ja ganz gut und schön, wenn man sich sagt, bei dieser Gelegenheit will man sich erholen. Aber ich möchte wissen, wo da die Erholung bleibt, wenn man bei guter, trockener Witterung den Staub, der von den vielen Passanten aufgewirbelt wird, einschluckt und bei dregenwetter wird woh kaum jemand spazieren gehen, aber selbst auch dann fehlt es nicht an Spaziergängern auf dem Westenhellweg. Ich bin der Ansicht, daß sich vielleicht der Ostwall besser zur Promenade eignet, als gerade der Westenhellweg. Der Westenhellweg als Hauptverkehrsstraße, wo andauernd die Straßenbahn die Reihe der dort auf= und abspazierenden Schüler und Schülerinnen, denn aus letzteren setzt sich wohl hauptsächlich die Promenade zusammen, unterbricht, ist doch wohl nicht passend zum Spaziergang. Ja, wenn das nur allein die Straßenbahn wäre, dann könnten die Dortmunder sagen: die kommt ja doch alsbald durch die Kampstraße, aber gerade diese vielen Wagen und Karren, die stören zu sehr. Aber am häßlichsten finden es mit mir auch viele, die dort allabendlich anzutreffen sind, daß die Autos allzuschnell die Promenade kreuzen. Und die schönen Düfte, die die Chauffeure zu gern gerade auf dem Westenhellweg hinterlassen, verderben den ganzen Spaß. Nun ja, das nennt man„Großstadtbetrieb", und diese Wagen„Großstadtwagen“. Ja, ich denke, manche von den täglichen Westenhellwegvertretern werden sich schlecht vom sogenannten„Westen" trennen können, wenn sie schon wohl vier Jahre jeden Abend bei Meroedes an der Ecke ihre bunten Mützen zeigten. Aber ich glaube, auch auf dem Ostwall wäre ein passendes Plätzchen für diese„angehenden Eckensteher" zu finden. Dann könnte man vom Oftwall sagen, was jetzt auf dem Westenhellweg der Fall ist: Liebe Mädchen seh' ich gehen, Andere an der Ecke stehen, Hinter allen aber blitzen, Farbige Pennälermützen. Diese weißen, diese blauen, Ach, so gern nach Zöpfen schauen, Und wie röten sich die Wangen, Wenn ein Blick wird aufgefangen. Stundenlang der Jüngling wartet, Alles ist sein abgekartet. Und wenn der Westenhellweg auch gerade der Mittelpunkt der Stadt ist, so würden doch auch diejenigen aus der Poststraße oder Johannesstraße einen viel schöneren Weg über die Wälle machen müssen, als jetzt die Hansastraße herunter. Allerdings, wer gerade auf der Hansastraße oder Kampstraße wohnt, der hat ja so zu der Promenade mit den vielen Nachteilen nicht so weit. Aber auch die würden den Weg zu dem schönen Ostwall nicht scheuen. Dann käme noch der Norden und der Osten in Frage. Ich glaube, auch aus der Heiligengartenstraße oder gar aus Eving oder Lindenhorst würden die steten Teilnehmer der Promenade auch den Oftwall verschönern. Und vom Osten, wenn man da den Heiligenweg in Betracht ziehen würde, dann läge der Ostwall ja gerade sehr günstig. Wer sich nun eben mit Interesse der Sache widmet, der wird gewiß den Weg zum Oftwall so gern und freudig machen als jetzt zum Westenhellweg. Man könnte auch wohl den Hiltropwall, und zwar die Stelle, wo man alle Sonntag dem Promenadenkonzert zuhört, wählen. Aber hier sind doch nicht die schönen, grünen und duftigen Bäume, wie gerade auf dem Ostwall. Anscheinend wissen die Dortmunder diese Sehenswürdigkeit ihrer Stadt garnicht in dem Maße zu schätzen, wie sie es wohl verdient. Wohl nicht jede Stadt hat eine solch' schöne und ruhige Allee aufzuweisen, wie der Ostwall sie ist. Ich bitte hiermit alle Westenhellwegbummler, doch den schönen Oftwall nicht so unbeachtet zu lassen und diesen mit ihrem Abendspaziergange zu beglücken. Vielleicht einigt man sich darüber, ob die Promenade in Zukunft verlegt werden soll. Ich werde stets mein möglichstes zur Förderung dieses Heilmittels beitragen. Wer nun wirklich die Kurage hat, seine Gedanken und Gefühle der Oeffentlichkeit kundzugeben, der wolle doch auch zur Perfektion der neuen Promenade beitragen, und nicht nur seinen Freunden, bezw. Freundinnen gegenüber eingestehen, daß der Wall sich bedeutend besser zu dem schönen Zwecke eignet, als der Westenhellweg, sondern sich die Zeit nehmen und durch den GeneralAnzeiger an diesem guten Werke arbeiten. Dann läßt sich vielleicht ein Tag feststellen, wo die allgemeine Promenade sich auf dem würdigen Ostwall abspiegelt. Mit aller Spannung sehe ich der ersten Hilfsarbeit und dann dem Ziel meines Strebens entgegen. Es grüßt alle Westenhellwegbummler aufs freundlichste;. Theobaldine.“ Die neue Dortmunder Nennbahn wurde in den letzten Wochen wiederholt besichtigt. Vor einiger Zeit war die Presse zu einem Rundgange auf der Bahn geladen worden, dann folgten viele auswärtige Sportsleute, Rennstallbesitzer etc., und am Samstag nachmittag kamen die Stadtverordneten und Magistratsmitglieder daran. Auch dieses Mal hatte der Dortmunder Rennverein mit dem Grafen Metternich die Herren geladen. Ein Teilnehmer berichtete uns darüber:„Um 2½ Uhr fand man sich bei Ophoff an der Märkischenstraße ein, und fuhr dann mit einer Geschwindigkeia von mindestens 40 Kilometer in der Stunde bis zum Nußbaumweg. Dort wurde umgestiegen, und dann wurde die Schleife befahren— das ging etwas langsamer, aber immerhin noch flott genug. Um das Restaurant des Rennplatzes zu erreichen, mußte man freilich zu Fuß gehen, und mancher„Dicke“ stöhnte dabei, aber endlich hieß es doch:„Es ist erreicht!“ und dann wurde ein„fiv o clock“ im Kaffeetrinken vorgenommen, in dessen Verlauf der Graf Metternich unverholen äußerte, daß die Dortmunder Rennbahn mit anderen berühmten Rennbahnen Deutschlands an der Spitze stehe. Die Bahn sei tadellos und werde voraussichtlich die besten Pferde zum Lauf anziehen. Redner beglückwünschte den Dortmunder Rennverein zu seinem Unternehmen. Der stellvertretende Vorsitzende des Stadtverordnetenkollegiums, Justizrat Pork, sprach dem Rennverein auch seine Anerkennung aus, und brachte ihm ein dreifaches Hoch. Die Restauration wird bekanntlich vom Bahnhofsrestaurateur Ulmer geführt, und wird den Besuchern hoffentlich nicht zu teuer werden. Zur Bequemlichkeit der„Tipper“ hat man zwischen der Restauration und dem Totalisator eine Rohrpost angebracht, also daß die Herren es sehr bequem haben werden, wenn das Gedränge im Restaurant nicht auch zu groß wird. Um unseren Lesern noch einen letzten Wink zu geben, teilen wir ihnen mit, daß die Rennbahn für die Bewohner der Innenstadt am bequemsten zu erreichen ist, wenn sie bis nach Körne fahren mit der Straßenbahn, und von dort die Zehnthofstraße hinauf bis zum Friedhof, dann links abschwenkend gehen. In zwölf Minuten sind sie da. Bequem aber etwas umständlicher ist die Fahrt bis zur Wirtschaft Pulger, gegenüber dem Kriegerdenkmal in Wambel. Wenn man dor aus der Straßenbahn steigt und etwas rüftig der Nußbaumweg hinan geht, ist man in—8 Mie nuten am Eingang des Rennplatzes. Die schweren Bausorgen in der Stadt Lortmund. Man schreibt uns: * Dem, was die Herren Grundstücksbesitzer und Hypothekenmakler in der Sonntagsnummer äußerten, muß widersprochen werden. Es mag ja sein, daß die Steuerbehörde in Dortmund rigoros vorgeht, aber andererseits müssen wir doch die Steuern haben. Wie sollen wir sonst mit den Ausgaben zurecht kommen? Die Verhältnisse sind für den Grundstücksmarkt nicht deshalb schwierig, weil die Realsteuern zu hoch sind, sondern weil keine Baugelder genug da sind und weil in den letzten Jahrzehnten der Grundstückshandel die Grundwerte unvernünftig in die Höhe getrieben haben. Früher waren allerdings goldene Zeiten für die Herren Spekulanten; sie konnten mit den Grundstücken nach Herzenslust hin und herschieben und mit wunderbaren Scheinverkäufen operieren, ohne daß bares Geld auf den Tisch kam. Diese Scheinverkäufe ohne irgendwelche steuerlichen Verpflichtungen haben die Grundstückspreise so unvernünftig in die Höhe getrieben, daß den letzten die Hunde beißen. Es wird noch viel Geld verloren gehen, bis das natürliche Niveau wieder erreicht ist und ohne Stagnation und innere Erschütterungen wirds da nicht abgehen. Aber die Steuer nach dem gemeinen Wert und die Umsatzsteuer brauchen wir darum nicht aufzuheben. Sie sind an der kommunalen Kalamität nicht schuld; sie haben sie nur aufgedeckt und werden dadurch zum Heilmittel, daß sie die Grundstückswerte zurückschrauben. Ein Beamter. Kautionsschwindler verhaftet. In den letzten Monaten erschienen in den Tageszeitungen des rheiisch=westfälischen Industriegebiets Anzeigen, in denen„ein rechtschaffener Mann zum Einkassieren von Geldern gesucht" wurde; derselbe sollte kautionsfähig sein, außerdem wurde von ihm Kenntnis der polnischen Sprache verlangt. Die Anzeigen hatten den gewünschten Erfolg. Es meldeten sich zahlreiche Personen, die auf den Posten reflektierten und auch über einige Ersparnisse verfügten. Die Suchenden erhielten auf ihr Schreiben einen Vertrag zugesandt, der dann gültig sein sollte, sobald die verlangte Kaution gestellt wurde. In einer Reihe von Fällen gingen die Bewerber auf den Kassiererposten auf diese Bedingung ein. Sie hinterlegten die verlangte Summe und hörten dann von ihrem Arbeitgeber nichts mehr. Auf der Polizei erfuhren die Leute zu ihrem Leidwesen, daß sie gerissenen Schwindlern in die Hände gefallen seien, die es lediglich auf ihre Spargroschen abgesehen hatten. Lange Zeit hindurch konnten die Schwindler ihr Handwerk ungestört betreiben. Am Samstag endlich gelang es, zwei der mit großem Raffinement arbeitenden Kerle, nämlich Otto Oppermann aus Hörde und den Schlosser Josef Molitor aus Düsseldorf in Weitmar ausfindig zu machen und hinter Schloß und Riegel zu setzen. Der dritte im Bunde, der Frieseur Reinhardt aus Dortmund, konnte in Gelsenbirchen ergriffen werden. Schwer verletzt wurde in der Nacht zum Sonntag auf der Brückstraße ein Arbeiter. Er stand vor dem Parfümeriegeschäft von Stehmann, als mehrere Passanten ohne Grund über ihn herfielen. Als er sich mit seinen Stocke wehren wollte, zerschlug er die große Ladenscheibe, deren Splitter ihn schwer verletzten. Er mußte ins Hospital geschafft werden. Die Angreifer entkamen. Kunst und Bestandenes Examen. Zu der von uns gebrachten Notiz, daß Fräulein M. Othegraven, Schülerin des Westfälischen Musikseminars, in Berlin das Staatsexamen als Gesanglehrerin bestanden hat, teilen wir auf Wunsch noch mit, daß die genannte Dame ihre Gesangstudien(Tonbildung, Phonetik u. s..) bei Herrn Kurt Finkgarden, Konzertsänger und Gesanglehrer in Dortmund, gemacht hat. Wiefervieren Sie diesen Sommer geschmortes Obfte In Törtchen? Oft ist es nicht leicht, gut ausgebackene Törtchen zu erhalten. 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