92000 Abonnenten Nr. 272. 20. Jahrgang. Dortmund, Donnerstag, den 3. Oktober 1907. Abonnenten 92000 Erscheint vöchentlich sieben Mal. Bezugspreis: 60 Vig monatlich. Mit der Wochenbeilage „Dortm. Lustige Blätter“ nuz 10 Pig mehr. Bei der Post mit den Beilagen: Vierteljäbtlich.25 Mk. Postzeitu. gs=Nr. 2914. Berliner Bureau: Berlin 8W. Markgra enstraße 19. Chefredakteur: Karl Richter Dortmund. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Giesbert Tiesensee: für den Inseratenteil: Julius Reitemeier. Dortmund. Telephone Anschlüsse: Dortmund: Nr. 408 und 404. Haupt=Agentur Avlerbeck Nr. 128.(H. Kümper). Haupt=Agentur Castrov Nr. 53.(Frau H. Reinbardt) „ 173(Karl Meibert) Haupt=Agentur Gelsentirchen Nr. 1437(K. Stoffer.) Ar Terlmmne un. Größte und verbreitetste Zeitung im westfälischen 2 TelephonAnschlüsse: haupt=Agentur Herne Nr. 124.(2 Unton.) Hörde Nr. 125.(M. Loos.) Do Haupt=Agentur ###de Nr. 125(M Loos.) Haupt=Agentur Unna Nr. 268.(.Timmermann.) Haupt=Agentur Wanne Nr. 1358.(E. Triebel.) Haupt=Agentur Witten Nr. 744.(R. Hartung.) Redaktion und Expeditton: Dortmund. Btnsttstrnste 1 iniertionsbreis 5 Pfa. die Kolonelzeile. für auswärtige Inserate 30 Pfa. Reklamen die KolonelZeile 1 Mark. Für die Aufnahme von Inseraten an beKimmtvorgeschriebenen Tagen wird keine Garantie übernommen. Druck und Verlag: „General=Anzeiger Dortmund“. S. m. ö. k. ndu Westsaten. Unparteiisches Organ für Jedermann. Drittes Blatt. Die heutige Nummer enthält drei Ausgaben und das vierseitige Unterhaltungsblatt zusammen 14 Seiten Die Trauerfahrt von Mainau nach Kartsruhe. Konstanz, 2. Oktober. In der sechsten Morgenstunde wird es auf der Mainau lebendig. Auf den noch dunklen Wegen sammeln sich schwarzgekleidete Gestalten. Die Bewohner der nächsten Dörfer, die Schulkinder kommen mit ihren Lehrern. Geduldig harren sie zwei Stunden fröstelnd auf den angewiesenen Plätzen aus. Ein grauer Herbstmorgen liegt über der Insel. Das nasse Laub rieselt von den Bäumen. Als die Schloßuhr eine halbe Stunde vor acht zeigt, schweben Orgelklänge aus der Kirche. Präsident D. Helbing hat die Leiche des Großherzogs eingesegnet. Dann erhebt die Kirchenglocke ihre eherne Stimme. Die Ehrenkom, agnie vor der Kirche steht unter präsentiertem Cewehr. Weit öffnen sich die Pforten. Durch das schwarz behangene Tor des Schlosses geht der büstere Zug, voraus das Musikkorps des Konstanzel Regiments. Dumpfer Paukenschlag und Trommelwirbel, dann tönt das fromme Lied: Jesus meine Zuversicht! Es folgen paarweise die Lakaien nach einer Pause die Geistlichkeit, dann der Sarg. Auf einer schwarz verhangenen Bahre schwankt er einher. Acht Feldwebel tragen sie, die Zipfel des silberbefra izten Bahrtuches werden von Kammerherren gehalten. Rechts und links gehen Palmenträger. Hinter dem Sarge schreitet die Großherzogin Witwe; gebeugt, aber festen Schrittes naht sie zwischen dem weinenden Großherzog und dem Kronprinz von Schweden. Es folgt Großherzogin Hilda, Prinz und Prinzessin Max von Baden, zwischen ihnen die Kronprinzessin von Schweden, dann alle die Männer, die dem Großherzog im Leben nahe gestanden haben. Barhäuptig folgen sie seiner Leiche, die Minister, Adjutanten. Es schließt sich das Hausgesinde an, dann die Ehrenkompagnie mit der umflorten Regimentsfahne. Eine halbe Stunde braucht der Zug zum Hafen. Den ganzen Weg folgt die Großherzogin=Witwe zu Fuß der Leiche des Gemahls. Um 8 Uhr ist das Ziel erreicht. Zwischen Weinlaub wird an der Brücke das Trauerschiff „Kaiser Wilhelm" sichtbar. Es ist ganz in die Farbe des Schmerzes gehüllt, Schornsteine, Masten, Geländer glänzen in düsterem Trauerpomp. Die Ehrenkompagnie macht Front. Unter präsentiertem Gewehr und dumpfen Trommelwirbel wird der Sarg an Bord getragen und im Salon niedergesetzt. De Großherzog hilft zärtlich seiner Mutter aufs Schitf; alle fürstlichen Herrschaften begeben sich unter Dei. 825 Vor dem Trauerschiff paraoierr in einem Kahn die uniso nierte Bürgergarde des nahen Reichenau, welcher d: Entschlafene stets seine Gunst zugewendet hatte. Fischerboote bilden Spalier. Funszehn Minuten nach 8 Uhr gleitet das Trauerschiff davon. Tausend Abschiedsgrüße werden ihm zugewinkt. Es war halb 9 Uhr, als der Dampfer„Kaiser Wilhelm“ sich langsam der Stadt Konstanz näherte. Als er im Hafen anlegte stimmten die vereinigten Männergesangvereine von Konstanz das Lied an„Selig sind, die in dem Herrn sterben"; feierlich klang der erhebende Gesang über den See und das Ufer. Eine riesige Minschenmenge harrte am Ufer auf den Tribünen. Die Stadt hatte Trauerschmuck angelegt. Flambeats brannten am Hafeneingang und am Ufer. De Feuerwehr, zahlreiche Vereine und die Schuln bildeten Spalier. Am Hafen warteten die Spitzen der Behörden. Dort stand auch eine Ehrenkompagni: mit aufgepflanztem Seitengewehr. Als das Schif anlegte, wurde zunächst der Sarg herausgetragen. Unter Vorantritt der Trommler und der Regimnentskapelle bewegte sich der Trauerzug zum Balnhof. die Ehrenkompagnie folgte, darauf der Saig. hin er ihm Prälat Helbing und Hofvikar Fischer, ann Großherzog Friedrich 2. Kronpinz Gustav von Schweden, Prinz Max und das Gefolge. Die Großherzogin=Witwe, Großherzogin Hilda die Kronprinzessin von Schweden, Prinzessin Wilhelm und Prinzessin Max stiegen beim Hafen in die dort wartenden Hofwagen. Der Zug bewegte sich durch den Seiteneingang gegenüber der Post in den Bahnhof. Noch etwa zwanzig Minuten und der Hofzug setzte sich in Bewegung; an der Spitze zwei mit Trauerguirlanden geschmückte Schnellzugslokomotiven. ein Gepäckwagen, ein Wagen mit dem Gefolge und den Spitzen der Behörden, darauf der Wagen mit der Leiche des Großherzogs. Unter dem Gelcute aller Glocken verließ der Zug die Stadt Konstanz. Die grosen Menschenmengen am Hafen, die stimmungsvele Ausschmückung der Stadt und nicht zuletzt die fürdige Haltung der Menschen hatten auf den regi renden Herzog einen tiesen Eindruck hervorgeruf n.„Ich werde diesen Tag der Stadt Konkanz nie vergessen!“ Mit diesen Worten drückte er beim Avschiede dem Oberbürgermeister Dr. Weber die Hank Das Beileid des Reichskanzlers. Der Reichskanzler Fürst Bülow, der sich enger, persönlicher Beziehungen zu Badens entschlafenem Herrscher refreuen durfte, hat an den Großherzog Friedrich 2. nachstehendes Telegramm gerichtet: „Eure Königliche Hoheit bitte ich, anläßlich des Heimganges des Großherzogs mein innigstes Beileid aussprechen zu dürfen. Tief bewegt gedenke ich der steten Güte und des großen Vertrauens, mit denen mich der verewigte Großherzog während vieler Jahre ausgezeichnet hat. gedenke vor allem der unvergänglichen Verdienste, die sich Großherzog Friedrich um das deutsche Volk erworben hat. Sein Name bleibt für immer verknüpft mit der Wiedererrichtung des Reichs. Er hat die nationale Einigung vorbereitet, hat mitgeholfen, sie herbeizuführen und seitdem unermüdlich seine treue und weise Hand über sie gehalten. In Ehrfurcht und Ergebenheit Reichskanzler Fürst von Bülow.“ General=Versammlung des Vereins für Sozialpolikik. Magdeburg, 2. Oktober. In der heutigen dritten und letzten Sitzung wurde das gestern behandelte Thema Verfassung und Verwaltungsorganisation der Städte zur Besprechung gestellt. Der erste Redner war Professor Dr. nosin (Freiburg Br.) Er wolle sich mit dem Verhältnis zwischen Stadtverwaltung und Polizei beschäftigen. Er sei der Ansicht, daß die Gemeinde ein Staatsorgan, aber nicht ein bloßes Staatsorgan sei, sondern gleichzeitig eine selbständige Persönlichkeit und deshalb bedürfe sie der Freiheit. Es entstehe die Frage, ist die Ortspolizei ein Organ der Stadt oder des Staates. Es sei bezeichnend, daß die Steinsche Städteordnung, die das Selbstverwaltungsrecht der Bürger ins Leben rief, auf der anderen Seite die beschränkende Bestimmung enthalte, daß das Recht, zu herrschen und zu befehlen nur dem Staate zustehe. Daraus ergebe sich, daß die Polizei, auch, die Ortspolizei nur staatlich sein könne. Die staorische Gemeinde sel ein bloßer wirtschaftlicher Verband. Allerdings könne der Staat die Ausübung der Polizei städtischen Beamten übertragen. Gewöhnlich werde in kleineren Städten die Ausübung der Polizeigewalt dem Bürgermeister übertragen. Dem Staate sei es vorbehalten, in Städten mit über 10000 Einwohnern einen Staatsbeamten mit der Ausübung der Polizei zu betrauen. Vielfach werden auch einzelne Zweige der Polizei, wie die Bau=, Wege=, Gesundheitspolizei der Stadt übertragen, während die Sicherheitspolizei usw. von Staatsbeamten geleitet werde. Da nur die Ortspolizei vom Bürgermeister geleitet werde, unterstehe letzterer in seiner Eigenschaft als Polizeiverwalter nicht bloß der Aufsicht, wie die Kommunalverwaltung überhaupt, sondern der direkten Amtsaufsicht der Staatsbehörde. Der Bürgermeister habe in seiner Eigenschaft als Polizeiverwalter direkte Anweisungen von der Staatsbehörde entgegenzunehmen. Er sei losgelöst von der städtischen Verwaltung, gewissermaßen Wasser, Gas, die Straßenbahnen in den Betrieb der Städte zu nehmen, geschehe nicht, um Einnahmequellen zu haben, sondern in der Hauptsache im Interesse der Bewohner, um diesen Gas, Wasser und die Fahrgelegenheit zu verbilligen und zu erweitern, um insbesondere den Arbeitern zu ermöglichen, in den im Allgemeinen billigeren und gesünderen Vororten zu wohnen. Er wolle die Arbeiter zur Mitarbeit in Schul. und Krankenwesen heranziehen. Er erachte es auch für notwendig, die Schulaufsicht und auch die Wohlfahrts=, Wege= und Baupolizei den Städten zu übertragen. Er spreche in seiner Eigenschaft als Vertreter der Stadt Berlin dem Verein für Sozialpolitik besten Dank aus, daß er diese Frage auf die Tagesordnung gesetzt habe.(Beifall.) Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Adolf Wagner (Berlin): Ich muß mich ganz entschieden gegen die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf die Kommunen aussprechen.(Beifall.) Ich bin selbst kein Schwärmer für das Reichstagswahlrecht, ich kann mich auch für Uebertragung dieses Wahlrechts auf Preußen erwärmen, entschieden muß ich es aber ablehnen, das allgemeine gleiche, direkte und geheime Wahlrecht auf die Kommunen zu übertragen. Ebenso entschieden verlange ich die Aufhebung des Hausbesitzerprivilegs, schon mit Rücksicht auf den Umstand, daß z. B. in Berlin dreiviertel aller Hausbesitzer Scheinhausbesitzer und die eigentlichen Hausbesitzer die Hypothekengläubiger seien. Dagegen muß das Kommunalwahlrecht an einen gewissen Census der Einkommen= und Vermögenssteuer gebunden sein. Ich sehe doch in dem allgemeinen gleichen und direkten Wahlrecht eine gewisse Gefahr. Ich setze keine großen Hoffnungen auf die sozialdemokratischen Revisionisten und betrachte auch nicht den Ausfall der Reichstagswahlen optimistisch. Ich befürchte ein schnelles Wiederanwachsen der sozialdemokratischen Stimmen. Und wenn die Wahlkreiseinteilung eine andere wäre, wenn die Stadt Berlin entsprechend ihrer Einwohnerzahl Abgeordnete wählen dürfte, dann würden auch die sozialdemokratischen Reichstagsmandate anwachsen. In dem Anwachsen der sozialdemokratischen Abgeordneten liegt zweifellos eine große Gefahr für die Sicherheit des Staates. Die Sicherheit des Staates geht mir aber über alle Sozialpolitik. Es besteht die Gefahr, daß, wenn die Sozialdemokratie im Reichstage die Mehrheit hätte, nicht die nötigen Gelder für Heer und Marine bewilligt werden könnten. Vor allen Dingen sei dafür zu sorgen, daß die Wehrkraft des Reiches nicht erschüttert werde. Der Redner verbreitete sich alsdann des Längeren über das Steuerwesen und verlangte die Staatsaufsicht über das städtische Finanzwesen, sobald der städtische Steuerzuschlag 100 Prozent übersteige. Erforderlich sei es, das soziale Bewußtsein, das soziale Gefühl der wohlhabenden Klassen zu wecken. Es sei bedauerlich, daß das Organ der Regierung, die „Norddeutsche Allgem. Zeitung“ diese seine Forderung als sozialdemokratisch bezeichnet habe. Er halte es für notwendig, die Polizei in der Hauptsache dem Staate zu unterstellen. Es entstehe andernfalls die Gefahr, daß die Staatsautorität in nicht gehöriger Weise gewahrt werde. Seine Parole sei staatlicher Polizeidirektor. Von den verschiedensten Seiten werde behauptet, daß die städtische Polizei sich durchaus und zwar besser bewähre, als die staatliche Polizei. Er teile nicht die Ansicht, daß das Monopol, zu verrschen und zu zwingen lediglich dem Staate zustehe. Die städtische Gemeinde sei eine selbständige Persönlichkeit, ein freier Verband, der sich nur dem staatlichen Verbande einfügen müsse. Es sei ein Unterschied, ob eine Städteordnung 1808 entworfen oder ob sie 1908 reformiert werde. Fürst Bismarck habe einmal gesagt: Dae Staatsgewalt widerspreche keineswegs der Freiheit der Städte, im Gegenteil, je größer die Gewalt des Staates, desto größer könne die Freiheit der Städte sein. Er sei der Ansicht, daß zum mindesten ein Teil der Polizei den Städten zu übertragen sei. Soweit die Sicherheitspolizei dem Bürgermeister übertragen werde, müsse dieser allerdings der Amtsaufsicht und staatlichen Anweisung unterstehen. Im übrigen können sich die Städte nur entwickelnd, wenn sie Herrinnen ihrer Organisonen seien. Man habe, um ein Wort Bismarcks zu gebrauchen, die Städte in den Sattel gehoben, sie haben gezeigt, daß sie reiten können. Er sei der Ansicht, daß die deutschen Stadtgemeinden jetzt nicht blos reiten, sondern auch kämpfen können. Das Aufsichtsrecht des Staates über die Stadtverwaltungen müsse aufs engste beschränkt werden. Nur bei voller Freiheit der Selbstverwaltung seien die Stadtgemeinden in der Lage, durch soziale Einrichtungen für Wohlfahrt, Gerechtigkeit und den sozialen Frieden zu kämpfen und der Gesamtheit der Stadt und damit den Staat wohnlich zu machen.(lebhafter, lang anhaltender Beifall.) Privatdozent Dr. Sinzheimer(München): Er könne dem Geheimrat Loening nicht beistimmen. Er wolle die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf die Gemeinden unter der Bedingung eines einjährigen Aufenthalts mit einem provortionalwahl. system. Die Sozialpolitiker unterschätzen die Bedeutung des Ausfalls der letzten Reichstagswahlen, ins. besondere die große Verminderung der sozialdemokratischen Reichstagsmandate. Stadtrat Dr. Fischbeck=Berlin: Er teile nicht die Hoffnungen, die vielfach auf den Revisionismus in der Sozialdemokratie gesetzt werden. Er erinnere an eine Neußerung Bebeis: „Es ist unsere Aufgabe, zu bohren, bis eine Sprengmine in die Stadtverwaltung kommt.(Hört hört!) Er sei für Abschaffung des Hausbesitzerprivilegs bei den Kommunalwahlen, zumal der Hausbesitz oftmals nur ein Scheinbesitz sei. Selbst die Sozialdemokraten machen in Berlin ihre Stadtverordneten=Kandidaten zum Schein zu Hausbesitzern Goldschmidt(Berlin): Daß sich Leute aus Geschäftsinteresse in die Stadtverordnetenversammlung wählen lassen, komme ganz vereinzelt vor. Der Redner trat alsdann für das allgemeine, gleiche, direkte Kommunal=Wahlrecht ein. Er erkläre im Namen des Hirsch=Dunckerschen Gewerkschaftsverbandes und glaube auch im Namen der vielen anderen nichtsozialdemokratischen Arbeiter zu sprechen, daß sie auf die sozialpolitische Gleichberechtigung nicht verzichten wollen.—. Reichstags=Abgeordneter Schiffer(Köln), General=Sekretär des christlichen Metallarbeiterverbandes, trat mit großer Entschiedenheit für das allgemeine gleiche direkte und geheime KommunalWahlrecht ein. Die Ausführungen des Geh. Rats Wagner werden nicht nur bei den Sozialdemokraten, sondern bei der gesamten Arbeiterschaft, auch bei der vaterländischen, böses Blut machen. Abg. Behrens(Essen=Ruhr) trat ebenfalls für das allgemeine Wahlrecht ein. Die nichtsozialdemokratischen Arbeiter und der Mittelstand haben am meisten auf der einen Seite unter dem Terrorismus der Sozialdemokratie, auf der anderen unter dem Terrorismus der Unternehmer zu leiden. Handlungsgehilfe Reif(Leipzig): Er halte das allgemeine, gleiche, geheime Kommunal=Wahlrecht für dringend geboten. Die Kommunen müßten mehr für den Achtuhr=Ladenschluß und die Erweiterung der Fortbildungsschulen eintreten.— Stadtrat Dr. Fischbeck(Berlin): Wenn die Sozialdemokraten den bürgerlichen Stadtverordneten persönliche Geschäftsinteressen vorwerfen, dann könnte man mit demselben Recht sagen: die sozialdemokratischen Stadtverordneten vertreten die Interessen der Parteibudiker. In der Berlner Stadtverwaltung gebe es keinerlei Bevorzugung. Im übrigen dürfe man es sich nicht verhehlen, daß die Sozialdemokraten das Wahlrecht als eine Machtfrage betrachten....( FKrankfurt: an) Stadtrat Dr. Fresch(Franifurr a..) und Bürgermeister Prof. Dr. Walz(Heidelberg) sprachen noch ein kurzes Schlußwort. Geh. Justizrat Professor Dr. Loening(Halle a..): Er wolle alle Schichten der Bevölkerung in der Stadtverordnetenversammlung haben, deshalb sei er gegen das allgemeine, gleiche, direkte Kommunal=Wahlrecht. Er müsse den Vorwurf, daß dynastische Gründe hierbei mitsprechen, als vollständig unbegründet zurückweisen. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß Deutschland auf der bisherigen Bahn fortschreiten werde, zur Herstellung der sozialen Gerechtigkeit und des sozialen Friedens, das walte Gott.(Lebhafter Beifall.)—„„„b bonac Die Generalversammiung wurde danach vom Geh. Justizrat Prof. Dr. Gierke(Berlin) mit dem Wunsche geschlossen, daß die Verhandlungen der Gesamtheit zugute kommen werden. Nieder mit allen Feinden der Staatsautorität. Es entstehe die Gefahr, daß die städtische Polizei nach gewisser Richtung eine zu große Konnivenz üben könnte. Wohin das führe, zeigen die Zustände in Rußland. Eine Uebertragung der Polizei an die Kommunen könne nur mit der Amtsaufsicht des Staates verbunden sein. Preußen und seine Herrscher haben es verstanden, nach dem 80jährigen Kriege in verhältnismäßig kurzer Zeit dem Volke Kultur und Wohlstand zu schaffen. Diesen Staat und das Deutsche Reich weiter stark und kräftig zu erhalten, liege auch im Interesse jedes einzelnen Arbeiters. Das Reich habe den Arbeitern eine Lebensführung ermöglicht, um die uns die ganze Welt beneidet.(Lebhafter Beifall.) Professor Dr. Max Weber(Heidelberg): Er könne dem Vorredner nur beipflichten. Er könne in dem allgemeinen, gleichen direkten KommunalWahlrecht keinerlei Gefahr erblicken. Er sei nicht der Meinung, daß die Sozialdemokratie den Staat erobern werde. Er sei umgekehrt der Ansicht, daß der Staat und die Kommunen die Sozialdemokraten erobern werden. Die Sozialdemokraten seien, wenn sie die Mehrheit in den Stadtverordnetenversammlungen erlangen sollten, wohl oder übel zu positiver Arbeit genötigt, andernfalls würden sich ihre eigenen Anhänger gegen sie wenden. Sein Vater sagte ihm einmal, in der Berliner Stadtverodnetenversammlung trete niemand so entschieden geger den Grundstückswucher auf Singer. Er sei de: Meinung, auf wie die Angst, die gegen die Sozialdemokraten auch aus dynastischen Befürchtungen in gewissen Kreisen bestehe, sei vollständig undegründet. Er hätte gewünscht, wenn die Monarchen sich, wie er es getan, den sozialdemokratischen Parteitag in Mannheim in Augenschein genommen wätten, sie bätten sich alsdann von der vollständigen Harmlosigkeit der Sozialdemokraten überzeugt. Die Russen, die neben ihm standen, schlugen die Hände zusammen und gaben ihrem Erstaunen Ausdrick, daß unter der deutschen Sozialdemokrati: sov ele Gastwirts= und SpießbürgerPhysiognomien vertreten seien und von Begeisterung auf dem Parteitag keine Rede sei. Er habe sich gewundert, daß Geheimrat Wagner bei Besprechung der Polizeifrage auf Rußland hingewiesen und damit die Notwendigkeit der staatlichen Polizei begründet had:. Geh. Rat Wagner müsse doch wissen, daß in Rußfand die gesamte Polizei staatlich sei. Das Volk habe für dynastische Interessen wenig Interesse. Als in Heidelberg eine Schloßterrasse aufgeführt wurde sigte man:„Besser viele Schornsteine und weniger Professoren.“(Allgemeine Heiterkeit.)„ Landtags= Abgeordneter und Otadtd. war! bigener Bepeschenticher des„Scherar-Anbeigere. Die Trauer in Karlsruhe. Karlsruhe, 2. Okt. Um 3 Uhr nachmittags verließen die Karlsruher Bürger die Wohnungen, um ihren toten Großherzog zum letzten Male zu grüßen. Es war nicht müßige Neugierde, die die Karlsruher auf die Straßen trieb. Gegen ½5 Uhr rückte die Ehrenschwadron des Leibgrenadier= Regiments an, dessen Chef der Großherzog war und dessen Uniform er einstens getragen hat, während auf dem Bahnsteig selbst die Leibkompagnie des Leibgrenadier=Regiments Aufstellung genommen hatte. Gelb=rot flatterten die Fähnchen an den Lanzen der Dragoner, rot prangten die Livreen der Kutscher und Lakeien aus dem Bilde der Trauer. Die Flammen schlugen pfahl aus den hohen schwarzen Kandelabern. Im fürstlichen Wartesaal hatten sich inzwischen die Minister, die Generalität und die Hofgesellschaft versammelt. Erschienen waren die Minister Freiherr von Dusch, von Honsell, Freiherr von Bodmann, Geheimrat Reinhardt. Ferner waren zugegen der neue Kommandant des 14. Armeekorps, Freiherr von Heiningen genannt Hüne, der ehemalige Kommandant und jetzige Inhaber der dritten Armeeinspektion General von Bock und Bolach und Generalmajor von Deimling. Drei Minuten vor 5 Uhr verkündete Kanonendonner, daß der Zug herannahte, der die Leiche des Großherzogs barg. Wenige Sekunden später rollte der Zug in die Hallen ein. Die Ehrenkompagnie präsentierte. Die Regimentskapelle intonierte einen Trauermarsch, während die Tambours dumpfe Trommelwirbe! schlugen und Kanonendonner und Glockenschall mischte sich in die Trauerklänge. Als erster entstieg dem Zuge Großherzog Grtedrich 2. in der Uniform des Leibarenadier=Regiments Prinz Max von Baden, der Kronprinz von Schweden in der Uniform seines preußischen Grenadier= regiments. Der Großherzog geleitete zunächst die Großherzogin Witwe und seine Gemahlin, sowie die Kronprinzessin von Schweden in den fürstlichen Wartesaal. Dann begrüßte er die Minister und die Bürgermeister und zeichnete besonders Oberbürger= meister Siegrist durch eine Ansprache aus. Nun führte der Großherzog die fürstlichen Damen wieder aus dem Wartesaal in die Bahnhofshalle, wo 12 Unteroffiziere den Sarg aus dem Wagen hoben. Rasch formierte sich der Leichenkondukt. Während die fürstlichen Damen in den Hofwagen Platz nahmen, setzte sich eine Abteilung der Leibschwadron an die Spitze des Zuges. Dem Leichenwagen folgte als erster der Präsident des evangelischen Oberkirchenrats Dr Helbing. Dann folgten zu Fuß der Großherzog, Prinz Max und der Kronprinz von Schweden. Hierauf kamen die fürstlichen Damen, dann zu Fuß die Würdenträger des Hofes und die Generalität, unter der Generalmajor von Deimling in der trauerumflorten Generalsuniform der Schutztruppe besonders auffiel. Den Zug beschloß abermals eine Abteilung der Leibschwadron. Unter feierlichen Klängen der Regimentslapelle, Geschützdonner und Glockenklang setzte sich der Zug in Bewegung überall von dem ehrerbietigen Schweigen der Menge empfangen. Bereits um ½6 Uhr war der Zug am großherzoglichen Schloß angelangt, wo die Offiziere mit ihren Damen seiner harrten. Der Zug umkreiste zur Hälfte das Schloß, um am Eingang der Schloßkirche zu halten. Der Sarg wurde vom Wagen gehoben und in die Kirche getragen. Die Fürstlichkeiten und die Generalität folgten. Um den Sarg rersammelten sich die Mitglieder der großherzoglichen Familie. D. Helbing sprach ein kurzes, eindrucksvolles Gebet. Mit dem Choral „Jesus meine Zuversicht“ war die Feier beendet. Die Großherzogin=Witwe verließ am Arme des Großherzogs und des Kronprinzen von Schweden die Kapelle. Beileidskundgebungen des Reichs. tages. Aus Anlaß des Ablebens des Großherzogs Friedrich 1. von Baden hat der Präsident des Reichstages, Graf zu Stolberg=Wernigerode an den Großherzog Friedrich 2. nachstehendes Beileidstelegramm gerichtet: „Eure Königliche Hoheit wollen den Ausdruck des ehrfurchtsvollsten Beileids des Reichstages und somit des deutschen Volkes an dem Verluste, der das ganze Vaterland betroffen hat, gnädigst entgegennehmen. Mit dem hohen Ent. schlafenen ist der letzte Mitbegründer des deutschen Reiches dahingegangen. Von Liebe zum deutschen Volke und zum deutschen Vaterlande von Jugend auf erfüllt, war er als hervorragender Bundesfürst dem deutschen Volke vor allem teuer. Eure Königliche Hoheit wollen gnädigst gestatten, daß das Präsidium des Reichstages, um dem Schmerz des deutschen Volkes über den schweren Verlust einen äußeren Ausdruck zu geben, den Beisetzungsfeierlichkeiten für den hochseligen Herrn beiwohne. Udo, Graf zu Stolberg=Wernigerode. Präsident des Reichstages. An Ihre Königliche Hoheit, die GroßherzoginWitwe sandte der Reichstagspräsident folgendes Telegramm: „Euere Königliche Hoheit wollen gnädigst gestatten, daß der ehrfurchtsvollst Unterzeichnete in Vertretung des Deutschen Reichstags der liefen Trauer über das Hinscheiden Seiner Königlichen Hoheit des hochseligen Großherzogs schmerzlichen Ausdruck gibt. Mit der Tochter des großen Heldenkaisers trauert das deutsche Volk an der Bahre des verewigten Bundesfürsten. Udo Graf zu Stolberg=Wernigerode, Präsident des Reichstags.“ Urteil im Münchener Mordprozeß. Riederhofer zum Tode verurteilt. München, 2. Oktober. Nachdem die Beweisaufnahme heute geschlossen war, und Staatsanwalt und Verteidiger ihre Plaidoyers beendet hatten, bejahten die Geschworenen nach zweistündiger Beratung die Schuldfragen. Hierauf beantragte der Staatsanwalt wegen Mordes verbunden mit schwereik Raubes die Todesstrafe, und wegen schwerer Urkundenfälschung 5 Jahre Zuchthaus. Der Verteidiger stellte keine Anträge. Der Angeklagte erklärte mit schwacher Stimme, daß er nichts mehr zu sagen habe. Das Gericht verurteilte darauf den Angeklagten zum Tode und fünf Jahren Zuchthaus, sowie zum dauernden Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Angeklagte, der leichenblatz geworden war, nahm das Urteil schweigend auf. Auch das Publikum blieb ruhig, schien aber eine newisse Befriedigung über den Ausgang des Prozesses zu empfinden. Sein eigenes Kind erschlagen hat ein Giebmacher in Dürkheim. Er packte das tote Kind in einen Sack und warf diesen in die Isenath. Kinder, die in der Nähe spielten, erzählten den Vorgang. Die Polizei stellte Nachforschungen an und fand die Kindesleiche. Der entmenschte Bater wurde verhaftet. KIM 3 Kaiserbesuch in Holland. Das Kaiserpaer wird nach den jetzt getroffenen Dispositionen am Sonnabend von Rominten abreisen. Die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise werden nachts in Kadinen eintreffen, während sich der Kaiser, wie gemeldet, zur Beisetzungsfeier nach Karlsruhe begibt. Nach der Rückkehr von dort wird auch der Kaiser und zwar am 8. d. M. mittags in Kadinen erwaitel. In der zweiten Hälfte des November, also nach der Englandreise, beabsichtigt der Kaiser und die Kaiserin der Königin Wilhelmina von Holland einen Besuch abzustatten. Es dürfte hierin ein neues Zeichen der Achtung und Sympathie zu erblicken sein, die das deutsche Kaiserpaar für die anmutige und charaktervolle Königin, für ihren Gemahl und für das niederländische Volk jederzeit empfunden haben. Eine politische Bedeutung hat dieser Besuch nicht. Mit wecher Freude der Besuch des Kaisers von der Bevölkerung Hollands begrüßt wird, geht aus folgendem Privattelegramm hervor: Rotterdam, 2. Okt. Die heute verbreitete offizielle Meldung, daß Kaiser Wilhelm und Kaiserin Auguste Viktoria nach ihrer Rückkehr aus England den holländischen Hafen besuchen werden, rief hier lebhafte Genugtuung hervor. Der Kaiser war beim holländischen Hofe zuletzt im Sommer 1891, als die Königin als kleines Mädchen seit 8 Monaten die Regierung unter Regentschaft ihrer Mutter übernommen hatte. Später erwiderte die Königin den Besuch in Potsdam. Der Kaiser und die Kaiserin können in Holland auf einen begeisterten Empfang rechnen. Zum Kaiserbesuch in England. bemerkt nach einem Privattelegramm aus London der Londoner Daily Expres: Durch den Besuch wird der Welt abermals demonstriert, daß die auswärtige Politik Englands, wie sie in den letzten Jahren durch eine Reihe von Konventionen und Verständigungen mit fremden Mächten geübt worden ist, vollständig friedlich ist. Andererseits modifiziert der Besuch in keiner Weise vollendete Tatsachen. Der Ueberfall auf den Kurierzug. Bei dem Ueberfall auf den Kurierzug OdessaKiew, sind den Räubern erheblich größere Wertbeträge in die Hände gefallen, als wie es anfänglich den Anschein hatte. Wirc erhalten über den Vorfall nachstehendes Privattelegramm: Odessa, 2. Oktober. Räuber, die den Zug bestiegen hatten, verließen ihn, sobald er auf Signale der in der Steppe wartenden Räuber zum Stehen gebracht worden war. Drei Räuber sprangen auf die Lokomotive, andere drangen in die Waggons ein, während eine dritte Gruppe den Zug, in dem sich etwa 200 Passagiere, darunter viele Frauen befanden, von beiden Seiten beschossen. Die Räuber gaben hierauf über 200 Schuß ab. Ein Gendarm und mehrere Passagiere erwiderten das Feuer, worauf der Gendarm von den Räubern durch acht Schüsse tödlich verwundet wurde. Außerdem sind noch zwei Personen verletzt. Die Räuber sprengten die im Gepäckwagen befindliche Kasse mit Dynamit. Der Wagen geriet in Brand, wodurch das ganze Gepäck und die gesamte Korrespondenz vernichtet wurden. Aus der Kasse sind 49000 Rubel und Quittungen der Odessaer Filiale der Reichsbank über 100000 Rubel verschwunden. Der Maschinist, den die Räuber gezwungen hatten, sie einige Kilometer weit auf der Lokomotive fahren zu lassen, erstattete auf der nächsten Haltestelle Anzeige. Der Kurierzug kehrte nach Odessa zurück, von wo Kosaken zur Verfolgung entsandt wurden. Die Verkehrsstörungen auf den osterreichischen Bahnen. Wien, 2. Okt. Die Resistenzbewegung der Eisenbahner hat heute in größerem Umfange eingesetzt und namentlich auf den Linien der Nordwest= und Staatsbahnen sich auf den gesamten Güterverkehr ausgedehnt. Von der Leitung der Bewegung wurde bekannt gemacht, daß der Personenverkehr nicht ins Stocken gebracht werden solle, was sich indessen als schwer durchführbar herausgestellt hat. Tatsächlich haben die Personenzüge heute bereits auf verschiedenen Strecken namhafte Verspätungen erlitten. Der Betrieb auf der Nordwestbahn wurde heute nur in beschränktem Maße aufrecht erhalten, weil auch die Beamten der niederen Kategorien sich der Resistenzbewegung angeschlossen haben. Bei der Staatseisenbahn ist die Situation unverändert. Personen= und Schnellzüge verkehren. Der einfache Güterverlehr weist überall Störungen auf. während der Eilgüterverkehr so gut als möglich aufrecht erhalten wird. Abs Stadlau wird berichtet, daß der gewöhnliche Güterverkehr vollständig eingestellt ist und auch der Eilgüterverkehr vollständig eingestellt werden mußte. Aus den Viehwagen, die auf den Geleisen stehen, hört man die Tiere vor Hunger brüllen. Auf der Aspangbahn, wo die passive Resistenz um 12 Uhr nachts einsetzte, machten sich ebenfalls bereits Stockungen bemerkbar. Am Aspangbahnhof stauen sich die Güter in bedenklicher Weise. Bedeutende Stockungen treten auch auf der Brünner Linie auf. Auf der Strecke Nienburg=Wien erleiden alle Züge große Verspätungen. Der Direktor einer großen Molkerei in Wien erklärte heute, daß infolge der passiven Resistenz die mit den Zügen eintreffende Milch schlecht und vollständig ungenießbar wird, so daß Wien bald vor der Kalamität stehen werde, ohne Milch zu sein. Die Bediensteten der Staatsbahnen, der Südnorddeutschen Verbindungsbahnen, der Buschtiehrader Bahn, der böhmischen Nordbahn und der Prag=Teplitzer Bahn haben sich der Bewegung bisher nicht angeschlossen. Ausschreitungen von Ausständigen. Senftenberg, 2. Oktober. Infolge Streitbewegung ist es hier zu Ausschreitungen gekommen. Heute Nacht wurde der Direktor eines Werkes von drei Arbeitern überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt. — Die marokkanischen Reformen in den Augen eines Eingeborenen. Wie man sich in der intelligenten einheimischen Bevölkerung Marokkos eine ersprießliche Reformpolitik für das Land denkt, geht aus Darlegungen hervor, die Mohamed Tazi in Paris gemacht hat, wo er wegen einer Anleihe für den Sultan Abdul Asis verhandelt. Ein Privattelegramm berichtet uns darüber folgendes: Paris, 2. Oktober. In einem Privatgespräch äußerte nach dem„Temps“ der hier weilende marokkanische Finanzmann Mohammed Tazi, Dr. Holtzmann setze in Marokko seine deutsch=freundliche Tätigkeit fort. Er habe Muley Hafid die Entsendung zweier Vertrauensmänner nach Berlin empfohlen. Es sei sehr unsicher, ob diese überhaupt Berlin erreichen würden. Bezüglich der Reformpolitik bemerkte Tazi, dieses Wort habe einen unangenehmen Klang. Das Volk sehe in der Einführung der europäischen Polizei nur die Absicht der Besitzergreifung. Wenn Europa wirklich im Interesse Marokkos reformieren wolle, so müßte zunächst die landesübliche Bezeichnung Harraba gewählt werden. Man bilde in Tanger oder Cafablanca eine Tabor(Bataillon). Später bilde man mehrere solcher Einrichtungen, aber immer mit denselben Reglementen. Unter diesen Voraussetzungen würden der Sultan und der Maghzen sehr gern alle Schwierigkeiten beseitigen helfen, die in den breiten Schichten der Bevölkerung heute noch gegen jede durchgreifende Reform bestehen. Nach telegraphischer Meldung aus Oran ist General Liautey gestern von dort abgereist, um in Tanger mit dem Gesandten Regnault zusammenzutreffen, den er Anfang nächster Woche nach Rabat begleiten wird. Ferner wird telegraphiert: Casablanca, 2. Okt. Einem hier umlaufenden, aber nicht bestätigten Gerücht zufolge sind gestern in Rabat zwei Spanier ermordet worden. Pölitische Aeversicht. Deutsches Reich. — Der Strafantrag des Fürsten Bülow.) Wir haben gemeldet, daß der Reichskanzler Fürst Bülow Strafantrag gegen den bekannten Vorsitzenden der Gemeinschaft der„Eigenen“, Schriftsteller Adolf Brand wegen eines von diesem herausgegebenen Flugblattes gestellt hat. In dieser Sache fanden gestern polizeiliche Haussuchungen statt. Das Flugblatt trägt die Ueberschrift„Fürst Bülow und die Abschaffung des Paragraphen 175“ und enthält Hinweise auf die Stellung des Fürsten Bülow den Homosexuellen gegenüber, die den Kanzler zu beleidigen geeignet sind. Gestern wurde bei dem„Reichsglöckner“ Schriftsteller Joa= chim Gehlsen in Charlottenburg im Auftrage der Staatsanwaltschaft eine Haussuchung zum Zwecke der Auffindung etwa vorhandener Brandscher Manuskripte abgehalten. Es wurde jedoch nichts dergleichen vorgefunden, und die Polizei begnügte sich mit der Mitnahme einiger belangloser Manuskripte, die weder mit Herrn Brand noch mit dem Fürsten von Bülow etwas zu tun haben sollen, sowie mit der Mitnahme einiger Brandschen Flugschriften. Kurze Zeit vorher ist auch bei Adolf Brand in Wilhelmshagen(Mark) eine polizeiliche Haussuchung abgehalten worden; auch dort soll außer einer Anzahl Flugblätter nichts von Belang gefunden worden sein. Evangelische Intoleranz. In Reinheim im Odenwald fand vor kurzem eine Familienfeier des Bezirksverbandes Reinheim des hessischen liberalen Landeslehrervereins statt. Diese Gelegenheit wollte ein Herr Steller aus Reinheim zu einer Sammlung für die Brandgeschädigten in Herbstein benutzen. Er übersandte darum am 29. August d. J. dem Hauptlehrer Fuhr in Reinheim eine Sammelliste mit der Bitte um Zirkulation und der Bemerkung:„Dem Lehrerstande wird es sicherlich zur größten Ehre gereichen, wenn auch von ihm etwas getau wird.“ Herr Steller jedoch erhielt die leere Liste mit folgendem Begleitschreiben zurück: „Werter Herr Steller! Leider muß ich Ihnen die Liste leer zurückgehen lassen, da der Vorsitzende der Versammlung(Oberlehrer von Reichelsheim) es ablehnte, eine Kollekte zu veranstalten, und da auch sämtliche Bekannten nicht die geringste Lust zeigten, einer größtenteils katholischen Bevölkerung ein Scherflein abzugeben. Mit freundlichen Grußen— Ihr Adelberger.“ Die Hessischen Schulblätter, das Organ des katholischen Lehrervereins im Großherzogtum Hessen, bemerken dazu: „Angesichts der Tatsache, daß es im 20. Jahrhundert in unserm Stande noch solch weitherzige, tolerante Männer von so echt christlicher Denkund Handlungsweise gibt, überkommt einem tatsächlich ein Gefühl tiefster Beschämung.“ Die ultramontanen Blätter drucken diesen krafsen Fall unter der irreführenden Ucherschrift„Toleranz in liberalen Lehrerkreisen“ ab. Sehr mit Unrecht. Das Vorkommnis beweist, daß diese evangelischen Lehrer Hessens sehr iliberal sind, mögen sie sich nun liberal nennen oder nicht. Daccuse. Berlin, 2. Okt. Diesem berühmten Zolaschen Worte ist ein Protest polnisch=katholischer Geistlicher nachgebildet, der mit den Worten,„Wir klagen an“ beginnt und sich gegen den Bischof Rosentreter richtet. In dem von dem Danziger Polenblatt veröffentlichen Kampfruf der polnischen Geistlichen gegen ihren Bischof heißt es unter anderem: Der Erzbischof Dr. v. Stablewski ist für den polnisch=katholischen Glauben den Märtyrertod gestorben; die polnischen Kinder haben aus Dankzarkeit an seinem Sarge einen Dornenkranz niedergelegt. So war es in der Provinz Posen. Wie war es aber in Westpreußen? Auch hier war bei den polnischen Geistlichen ein heiliger Eifer für die Schulbewegung vorhanden, aber leider fehlte es uns an der Sympathie des Bischofs, der von Beginn des Schulstreiks an bis jetzt für seine polnischen Schäflein eine besondere Gleichgültigkeit an den Tag legte. Unser Bischof antwortele mit keinem Worte auf die Bitten seiner hunderttausend polnischen Schäflein. An demselben Tage aber, als in Löbau der Prozeß gegen acht polnische Geistliche staltfand, dinierte unser Bischof bei dem Herrn Regierungspräsidenten in Danzig. Handelt so die Mutter oder der Vater, wenn ihre Kinder von schweren Schicksalsschlägen getrofsen werden? Seit dieser Zeit ist bereits ein halbes Jahr verflossen, aber unser Bischof schweigt. Bis der Himmel sprach und anläßlich der Anwesenheit des Bischofs in Lemberg der Blitz in die Kirche einschlug. Zufälle gibt es nicht, alles, was sich ereignet, geschieht mit dem Willen Gottes, so lehrt uns die heilige Schrift. Das Feuer der Liebe und Anhänglichkeit für unsern Bischof wird verlöschen, nur die Asche wird bleiben. Unser Bischof verdrängt gewaltsam nicht nur die polnischen Schäflein, sondern auch die polnische Geistlichkeit aus seiner Nähe. Es werden schreckliche Zeiten kommen, aber trotz alledem wird die polnische Geistlichkeit Schulter an Schulter mit dem polnischen Volk kämpfen. Dieses Schriftstuck ist ein neuer Beweis, wie rücksichtslos die polnischen Geistlichen mit ihren sonst angeblich so hochverehrten Oberhirten umspringen, wenn diese sich nicht unbedingt in den Dienst der polnischen Propaganda stellen. Vermischtes. Berlin, 2. Oktober. Mord oder Selbstmord? Ein neuer Fall, bei dem noch nicht festgestellt werden kann, ob es sich um einen Mord oder Selbstmord handelt, hat sich heute vormittag ereignet. Auf dem Polizeirevier in der Teltowerstraße erschien der Barbier Baransky, der im 4. Stock des Hauses Teltowerstraße 12 mit seiner Frau und vier Kindern im Alter von sieben bis 18 Jahren wohnt, und zeigte an, daß sich seine Frau das Leben genommen habe. Die Polizei ist der Ansicht, das Baransky wahrscheinlich seine Frau selbst getötet hat. —(Hinrichtung einer Giftmischerin). Die Chausseewärtersfrau Feige aus Grunau ist gestern morgen um 6 Uhr hingerichtet worden. Sie war vom Schwurgericht wegen zweier Giftmorde zweimal zum Tode verurteilt worden. Die Taten hat sie bis zu ihrem Tode geleugnet. Sie ging dem Schafott ruhig und gefaßt entgegen. Die Hinrichtung, die im Hofe des Hirschberger Amtsgerichtsgefängnisses stattfand, vollzog der Scharfrichter Schwietz aus Breslau. Der Seilermeister als Wir lesen in der„Berliner Volkszeitung": Es gibt heutigen Tages unter den regierenden Familien Europas nur wenig, die ihre Abstammung auf durchweg fürstliche oder nur einfache adlige Vorfahren zurückleiten können Es kommt vielmehr bei fast allen plötzlich irgendwo in einer Stammreihe ein bürgerlicher Name zum Vorschein, und dessen Ursprung verläuft sich dann gewöhnlich im geheimnisvollen Dunkel vergangener Zeiten. Das gilt auch von dem Großherzog Friedrich dem Zweiten von Baden, der jetzt seinem Vater in der Regierung gefolgt ist. Auch in seinen Adern fließt, und zwar von zwei Seiten her, bürgerliches Blut. Einmal stammt der Großherzog Friedrich 2. durch seine Mutter, die Großherzogin Luise, die Tochter des Kaisers Wilhelm 1. und der Kaiserin Augusta, direkt von dem russischen Zaren Paul 1. ab, der der Großvater der Kaiserin Augusta der Vater ihrer Mutter, der Großherzogin Maria Paulowna von Sachsen=Weimar, war. Demnach stammt der Großherzog Friedrich 2. auch von dem Zaren Peter dem Großen, dem Begründer der russischen Herrscherdynastie, ab. Ueber dessen Gemahlin, die Kaiserin Katharina 1. und ihr Herkommen sind sich nun aber die Gelehrten noch nicht einig. Soviel scheint sicher zu sein, daß sie, die weder ihren eigenen Namen wußte, noch lesen und schreiben konnte, eine Bauernmagd war. Hier endet also die Ahnenreihe des Großherzogs Friedrich 2. bei einem nordischen Bauernstamme. Zweitens ist der Großherzog Friedrich 2. durch seinen Vater, den eben verstorbenen Großherzog, ein Urenkel von dem Großherzoge Karl Friedrich von Baden und von dessen Gemahlin Louise Karoline Freiin Geyer zu Geyersberg, die erst zur Freifrau von Hochberg, dann zur Reichsgräfin von Hochberg gemacht und schließlich als Prinzessin von Baden anerkannt wurde, indem gleichzeitig ihre Kinder für thronfolgeberechtigt erklärt wurden. Die Eltern der Gräfin von Hochberg waren Ludwig Geyer v. Geyersberg und Maximiliane Gräfin v. Sponeck. Diese Dame aber, die erst 1904 in Karlsruhe starb, war eine Tochter des Reichsgrafen Johann Rudolph v. Sponeck, der den bürgerlichen Namen Hedwiger führte, bevor er 1701 die reichsgräfliche Wurde und den einem bei Breisach gelegenen Schlosse entnommenen Namen Sponeck erhielt. Die Veranlassung hierzu lag in der Tatsache, daß seine Schwester Anna Sabine Hedwiger die emahlin des Herzogs Ludwig Eberhard von Württemberg geworden war. Und der Vater dieses ersten Grafen von Sponeck Johann Georg Hedwiger mit Namen, war ein ehrsames Bürger der schlesischen Stadt Liegnitz, der dort das Gewerbe eines Seilermeisters betrieb und sich gewiß nichts davon träumen ließ, daß er einmal der Ahnherr einer ganzen Anzahl europäischer Fürsten und Fürstinnen werden würde. Westsalen und Kheininno. Hörde, 2. Oktober.(Unfall.) Von dem Pendelwagen der elektrischen Strecke Markt—Kreishaus wäre beinahe ein Anstreichermeister überfahren worden. Während der Beamte die Bremse des Hinterperrons löste, setzte sich der Wagen auf der abschüssigen Straße in Bewegung und stieß den Anstreicher= meister, der in ein Gespräch vertieft war, heftig zur Seite; er kam mit einigen Hautabschürfungen davon. Hörde, 2. Okt.(Beim Umzug) ließ sich der Arbeiter Fr. K. von einer Familie den Fuhrlohn von 25 Mark geben und verschwand damit nach Dortmund, wo er sich einen lustigen Tag machte. Wegen Betruges ist er zur Anzeige gebracht. Brackel, 2. Oktober.(Amtsversammlung.) Das Gesuch der Polizeibcamten und verschiedener anderer Beamten auf Bewilligung einer Teuerungszulage für das Jahr 1907 wurde genehmigt. Der Zinsfuß für Einlagen bei der hiesigen Sparkasse wird von 3¾ auf 4 Prozent erhöht und zwar für neue Einlagen vom 1. Oktober er. und für vorhandene Einlagen vom 1. Januar 1908 an. Castrop, 2. Okt.(Inbetreff des Weiterbaues) der elektrischen Straßenbahn Herne=Sodingen von letzterem Ort über Holthausen nach Castrop fand eine Begehung und eingehende Besichtigung der bezeichneten Strecke durch die Baukommission aus Herne statt. Die Herren hielten den Weiterbau der Strecke im öffentlichen Verkehrsinteresse für dringend wünschenswert. Die gesamte Bausumme für die 4700 Meter lange Strecke von Sodingen nach Castrop wird auf 385 000 Mk. beziffert. Die Betriebskosten mit Kapitalsverzinsung werden gegen 84000 Mk. jährlich betragen. Falls die Betriebseinnahme diese Summe nicht erreicht, haben die beteiligten Gemeinden den Fehlbetrag zu decken. Langendreer, 2. Ottober.(Ein bedauerlicher Vorfall) trug sich gestern in später Abendstunde in der Familie des Bergmann Franz Matoschewski zu. Die Frau war vor einigen Tagen nach ihrer Heimal gereist, wollte ihren Mann überraschen und kehrte unangemeldet zurück. Sie klopfte an ihre Wohnung und konnte, da der Mann schlief, keinen Einlaß finden. Durch wiederholtes Klopfen wachte der Mann auf und frug, wer sich draußen befinde, bekam aber keine Antwort. Im Glauben, es seien im Hausflur Einbrecher, griff der Mann zu dem Revolver und schoß einen Schuß von innen durch die Tür ab und begab sich wieder in ein anderes Zimmer zurück. Mitbewohner hörten den Schuß fallen, cillen herbei und fanden die Frau leblos vor ihrer Stubentür im Blute schwimmend vor. Die Kuael war ihr durch die Schläfe gedrungen. Der herbeigerufene Polizeibeamte nahm den Mann fest, er wurde aber nach Vernehmung der Mitbewohner sofort wieder entlassen. Die Leiche wurde in die Wohnung gebracht und polizeilich beschlagnahmt Heute morgen traf der Staatsanwalt von Bochum ein, um den Tatbestand festzustellen. Die Frau ist 30. Jahre alt und kinderlos. Wanne, 2. Okt.(Messerheld.) Der Bergmann J. L. stieß dem Bergmann., beide von der Dorstenerstraße, ein scharfes Schustermesser in den Rücken, daß es darin stecken blieb. D. mußte das Messer von herbeigeeilten Kameraden entfernen lassen. Glücklicherweise ist die Verletzung nicht lebensgefährlich der Messerheld wurde im Laufe des heutigen Tages verhaftet. Hamm, 2. Okt.(Ueberfall.) Am Montag Abend gegen 7½ Uhr wurde der Fuhrknecht Pieper, welcher einen Möbeltransport vom Bahnhof Hamm nach der Kolonie der Zeche Radbod zu bewerkstelligen hatte, von einem Unbekannten in der Nähe der Kolonie plötzlich überfallen, zu Boden geworfen und mit dem Messer übel zugerichtet. Außer einigen Messerstichen, welche nicht lebensgefährlich sind, wurde der Schädel des Ueberfallenen offenbar mit einem Stock bearbeitet, sodaß er einen Schädelbruch davontrug. Er wurde von Passanten in einem Graben liegend aufgefunden und von einem Heilgehülfen der Zeche verbunden. Hamm, 1. Okt.(Ein Unglücksfall mit tödlichem Ausgange) ereignete sich gestern im benachbarten Wiescherhöfen. Der etwa 70 Jahre alte Fuhrwerker Schlüchtermann hatte für den im sogen. Lohauserholz in Ausführung befindlichen Straßenbau das Wasserfahren übernommen. Durch irgend einen Zufall ist der von ihm bediente schwere Wagen ins Rutschen gekommen und umgefallen, wodurch Schl. derartig schwere Verletzungen davontrug, daß sein Tod bald nach dem Unfalle eintrat. (Weitere provinzielle Nachrichten siehe 2. Blatt). Lokale Nachrichten. Dortmund, 3. Oktober. Positiv oder liberal, so lautete das Thema eines Vortrages, den Herr Studiendirektor Lic. Meyer in einer gestern von der Vereinigung zur Pflege des biblischen Christentums veranstalteten Versammlung im„Reinoldushof“ hielt. Die recht stark besuchte Versammlung wurde von Herrn Pfarrer Donsbach eröffnet. Die Anhänger der positiven Richtung, so führte Herr Studiendirektor Meyer aus, wollen an dem Bekenntnis der Kirche festhalten. In der evangelischen Kirche solle es nach den Worten der Liberalen katholisch zugehen. Das Bekenntnis, das die Liberalen zu beseitigen trachten, müsse für das evangelische Christentum die Hauptgrundlage bilden. Eine andere Richtung dürfe es in der evangelischen Kirche nicht geben. Sollten einmal die Liberalen in den Gemeinden und auch in den Synoden sich die Mehrheit verschaffen, dann wüde den rechten Christen nichts weiter übrig bleiben, als sich auf eigene Füße zu stellen. Die sogenannte moderne Theologie sehe Gott nicht als einen wirkenden, lebendigen Gott an, sondern sie betrachten ihn passiv, als einen Gott, der der Entwickelung ruhig zusehe. Der Redner beschloß seine Rede mit einer Betrachtung der Persönlichkeit Jesu mit dem Endergebnis, daß das Heil der Kirche allein in der positiven Richtung zu suchen sei. An den mit großen Beifall ausgenommenen Vortrag schloß sich eine Diskussion, in der noch Herr Pfarrer Jucho das Wort ergriff und die Hoffnung aussprach, daß die Altgläubigen zum Besten der Kirche den Sieg davontragen möchten. Die Worte verschiedener anderer Redner bewegten sich in der gleichen Richtung. Der Referent bat in seinem Schlußwort noch einmal, alles zu tun, um am Freitag bei den Kirchenwahlen, den Positiven zum Siege zu verhelfen. Herr Pfarrer Traub, der dann noch sprach, erklärte, daß er jetzt während des Wahlkampfes auf die gegen die Liberalen erhobenen Angriffe nicht antworten wolle. Militärisches. Der neue Landwehr=Inspektor Herr Generalmajor von Gersdorff ist hier von Lübeck eingetroffen und hat seine hiesige Stellung stbernommen. Schulpersonalien. Folgenden Lehrpersonen ist die dauernde Verwaltung von Schulstellen an den hiesigen katholischen Volksschulen zum 1. Januar 1908 von der Königlichen Regierung zu Arnsberg übertragen: Lehrer Ambrosius Fiekel zu Krotoschin, Lehrer Max Kittlick zu Ziegenhals, Lehrer Franz Wildt zu Essen und Lehrerin Martha Le Claire zu Essen. Außerdem ist dem Lehrer August Kahrmann zu Hann. Münden die dauernde Anstellung an den hiesigen evang. Volksschulen zu gleichem Zeitpunkte verliehen. Postalisches. Nach einer Verfügung des ReichsPostamts ist Lindenhorst(Kreis Dortmund) in den Nachbarortsverkehr mit den Postorten Dortmund und Niedereving eingetreten. Ein gewöhnlicher Brief von Dortmund bezw. Niedereving nach Lindenhorst(Kr. Dortmund) und umgekehrt bis zum Gewichte von 250 Geamm kostet daher von jetzt ab nur 5 Pfennig. Straßensperrung. Wegen Einbauens einer Straßenbahnweiche ist der Fahrdamm an der Ecke Heiliger Garten und Burgmundastraße von heute an gesperrt. Kirmesfreuden. Ein Arbeiter, welcher gestern Abend die Kirmes besucht hatte, begab sich in eine in der Nähe befindliche Wirtschaft, wo er bald in eine zweifelhafte Gesellschaft geriet. Ehe er sich versah, hatte man ihm das Portemonnaie mit 200 Mark Inhalt gestohlen. Als Dieb wurde der Monteur Heinr. Gerlach festgenommen. In einer Baubude an der Barnstraße(Bahnhofsumbau) wurde in vergangener Nacht ein Einbruchsdiebstahl verübt. Es wurden Eßwaren und Getränke gestohlen. Die Einbrecher wurden in derselben Nacht ermittelt und festgenommen. Es sind die Arbeiter Heinrich Böninger, Alfred Conrad und Karl Hagedorn. Mit 5000 Mark geflüchtet. Der Assistent des Allgemeinen. Knappschaftsvereins Bochum, Albert Priebe, ist nach Unterschlagung von ca. 5000 Mark von hier flüchtig geworden. Er wurde in Köln ermittelt und festgenommen. Roher Bursche. Der Handlanger Friedrich Hegemann, ein mehrfach vorbestrafter Mensch, zertrümmerte in vergangener Nacht mutwilligerweise eine große Spiegelscheibe des Kaufmanns Scherney, Westenhellweg. Der Raufbold wurde festgenommen. Letzte Nachrichten und Haag, 2. Oktober. Heute Nacht ½2 Uhr trasen im Rotterdamer Hafen 459 deutsche Arbeiter ein, die von den Arbeitgeberorganisationen in Essen und Gelsenkirchen geworben sind. Es sind die Arbeiter, die in Antwerpen für die Streikenden eingestellt waren. Unterwegs sollen diese Leute allerlei Unfug verübt haben. Im Bahnhof Zevenaar wurde eine Wanduhr gestohlen und das Buffet geplündert. In Arnheim wurden Gepäckstücke entwendet. Ein Schutzmann, der dies zu verhindern suchte, wurde durchgeprügelt. Mehrere Revolverschüsse wurden auf einen Zug abgefeuert. In den nächsten Tagen wird das Panzerschiff Fricsland zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Hafen von Rotterdam eintreffen.(Man wird die Wahrheit dieser holländischen Meldung von Ungehörigkeiten deutscher Arbeiter aus unserem Industriebezirk nicht unbedingt zu glauben brauchen.) S Handel, Gewerbe und Verkehr. Berlin, 2. Okt.(Börse.) Die widersprechenden Darstellungen, namentlich aus der einheimischen Eisenindustrie, ein Kapitel, dem wir gestern erst eine Besprechung widmeten, haben sich inzwischen um eine weitere Nummer vermehrt. Das Kölner Blatt, das vorgestern erst eine im großen und ganzen recht günstige Auslassung über die Lage der erwahnten Industrie gebracht hatte, gab gestern eine durchaus pessimistische Auffassung der Lage zu erkennen, wodurch die Unsicherheit unseres Geschäftspublikums und vornehmlich auch der Tagesspekulation um einige weitere Grade erhöht wurde. Man muß heute tatsächlich fragen: Wo ist Wahrheit? Aber es wird schwierig sein, in allernächster Zeit eine klare Antwort hierauf zu erhalten. Die Meinung scheint nicht ohne Berechtigung, daß die Darstellungen gegenwärtig auch um deswillen in besonders düsteren Farben gehalten werden, weil den wohlberechtigten Bestrebungen Vorschub geleistet werden soll, und zwar erstens, die schwierige Lage der sogenannten reinen Walzwerke durch Konzessionen seitens des Stahlwerksverbandes zu verbessern— Konzessionen, die ja auch in der nächsten Sitzung beispielsweise in Gestalt einer Befürwortung der Wiedergewährung von Exportprämien Aussicht auf Erfolg haben dürften— und andererseits die nicht syndizierten Produkte der sog. Gruppe B dem Stahlwerks=Verband einzufügen. Die unleugbar vorhandene rückläufige industrielle Konjunktur würde, so weit es sich um ihr Rückgrat, die Eisenindustrie handelt, durch eine solche straffere Gestaltung des genannten Verbandes eine Stütze erhalten. Das Geschäft war hier nur in einzelnen Werten belangreicher und nahm lediglich am Montanmarkt einen größeren Umfang an. Dieses Gebiet fiel von vornherein durch recht matte Haltung auf, da die Provinzkundschaft und auch die Tagesspekulation mit stärkeren Verkäufen vorginzen. Es büßten ein, trotz zeitweiser leichter Ersolung, Bochumer und Rheinstahl 3½ Proz. Laura und Harpener 1½ Proz., Deutsch=Luxemburger, Rombacher und Gelsenkirchener 2 Proz., Dortmunder 4¼ Proz., Phönix 8 Proz., Consolidation 4 dreiviertel Prozent. Rheinisch=Westfälisches Kohlensyndikat— Aktien= gesellschaft Phönix. Hamm, 2. Okt. Der 6. Senat des hiesigen Oberlandesgerichts erkannte in Sachen des Rheinisch=Westfälischen Kohlensyndikats gegen die.=G. Phö ix unter Abänderung des Urteils der Kammer fü. Handelssachen des Landgerichts Bochum nach den Anträgen des Kohlensyndikats. In der Urteilsbegründung heißt es, daß das Berufungsgericht zwar annehme, daß in diesem Prozeß der Fall genau so liege, wie im Prozeß der DeutschLuxemburgischen Bergwerks= und Hütten=.=G. in Bochum als Erwerberin der eche Friedlicher Nachbar gegen das Kohlensyndikat, in dem bekanntlich die Gesellschaft vom Reichsgericht ein obsiegendes Urteil erlangte, daß aber das Oberlandesgericht den Syndikatsvertrag in Abweichung der in den Vorprozessen durchgedrungenen Auffassung auslegt. Von dem Vorrecht der Hüttenzechen, daß der Kohlenverbrauch für die Hüttenwerke als Selbstverbrauch gilt(Paragr. 1, 2 des Syndikatsvertrages), würden nur die bei Abschluß des Vertrages den Hüttenwerken schon gehörigen Zechen ergriffen, nicht erst später erworbene. Maschinenfabrik Baum, Aktiengesellschaft in Herne. In unserem Bericht über die am 28. vor. Monats abgehaltene Hauptversammlung war u. a. gesagt worden, daß die Gesellschaft durch die zweckentsprechende Untervergebung der weniger lohnenden Eisenkonstruktionen für die vermehrte Erzeugung gewinnbringenderer Besonderheiten Ersatz geschaffen hätte. Die Wiedergabe dieses Berichts wird vom Vorstand als unrichtig bezeichnet. Denn die Gesellschaft habe nicht Ersatz geschaffen, was die Aufnahme eines anderen Betriebsgegenstandes bedeuten würde, sondern sie habe dadurch, daß sie die Eisenkonstruktionen anderwärts ausführen läßt, in ihrem Betrieb Platz geschaffen, um die gewinnbringendere Herstellung ihrer Besonderheiten in weitestem Maße zu betreiben. Ein guter Zurufl Die Unterschrift des nachstehenden Briefes ist amtlich beglaubigt: Köln, 23. Mai 07. Der Polizei=Kommissar Faber, Köln=Nippes, Niehlerstraße 119, d. 10. Mai 07. Heute möchte ich allen Blutarmen und Schwachen zurusen: „Braucht Bioson und ihr werdet gesund!“ Ich habe das Bioson jetzt zwei Jahre gebraucht, fühle mich sehr kräftig, sobald ich eine Tasse genommen und kann mir mit einem Wort gesagt kein anderes Präparat, von denen ich schon so viele versucht habe, das Bioson ersetzen. Da meine Familie und meine Bekannten mich früher immer schwach, blaß und kränklich sahen, habe ich mit weniger Mühe selbige überzeugt von der guten Wirkung des Präparats und mit Erfolg immer weiter empfohlen. Achtungsvoll! Frau Zaun. Bioson ist in Apotheken, Drogerien usw. das Paket zu drei Mark erhältlich. welches für eirka 14 Tage ausreicht.(85920 Jum 1. Nov. suche ich ein eval Zueimdchen Fran Baurat Tiedike 24329) Moltkestraße 16. Stundenmädchen per sof gesucht. Westenbellweg 14 Auf sofort ein katb.(36946 Zweitmädchen gesucht. Hobestraße 25, 1 Prop. NachmittagsMiädlelten gesucht. Breinerstraße 9, I. Proveres, fleißiges(74173 Mädchen für kl. Privathaushalt gesucht. 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Möller, Nordstr. 58 Unternehmer Wilhelm Nickel Platzmeister Albert Kniephoff Arbeiter Otto Lott Magazinverwalter Friedrich Pottkamp Landwirt Schilling, Wambel. Das positive Wahlkomtiee. unds Ai...* Dortmmund.* Dirigent E. Kolwes. 50 fälige Suschleler am Samstag, den 5. und Sonntag, den 6. Oktober in den Sälen des Fredenbaum, Kölnisch. Hofes und des Rathnus-Saules unter gütiger Mitwirkung des.-.-V. „Deutscher Sängerkreis“ Elberfeld (120 Sänger) Dirigent: Musikdirektor Guat. Pleiken, sowie folgender hiesiger Vereine: Dortm. Lehrer, Gesang- Verein,„Tremonia“,„Cheilla“. Dortm.Männer-Gesaug-Verein,„Sanssouel“ Doppel-Quartett„Orpheus“ Musik: verst. Giesenkirchensche Kapelle. PROGRAMM Samstag, den 5. Oktober, abends 8½ Uhr: Grosser Sänger-Kommers 50- am Fredenbaum Stadt-Theater Donnerstag A. 7½—10¼ Aida. Freitag B. 7½—10¼ Stein unter Steinen. fexte 20 Hottmanas Erzählungen à 50 PI. Alda.... à 50 Pf. Faust und Margarethe à 60 Pf. Ferner: Sudermann, Stein unter Steinen, 162 Seiten, 2 Mk. ..., Jag Hagdlung Buch- und Musikallen-Kändlung Westenhellweg 43, Fernspr. 816 Gewerbe-Verein Sonntag, den 6. Okt. er. nachmittags 5 Uhr: Vereins-Versamuilung Tagesordnung: 1. Rechnungslage 2. Vereinsangelegenheiten 35883) Der Vorstand. Die Bauplätze innerhalb der Stadt Soest, Pollhofstr. 23, 25, 27 und Borgstraße 2 u. 4 sind zu verkaufen..„ Nach d. Stadtbevauungsplane ist die Pollhofstraße v. der Paulikirche bis z. Wind. mühle, in e. Breite von 9 Met., als Hauptstraße vor(der Bauplatz Vorgstraße 4 an der Ecke der Borg= und Pollhofstr. ist, mit Rucksicht auf das vor dem Grandwegertor aufgeschlossene Baugelande(3 Fabriken i. Bau) für Errichtung eines Gesch.= Hauses geeignet. Soest, Burghof. W. Asheuer. Bauplätze mit aufstehendem Gebäude ca. 46 Ruten groß in der Nahe der Bahn u. Bornstr. billig zu verkaufen. Näh. i. Geschäftsst. 74368 I. TEIL. 1. Jubiläumsmarsch 2. Fest-Ouverture .-.-V.„Concordia“: 3. a) Gott grüsse dich b) An die Freude 4. Begrüssung durch den 1. und die Behörde Dortmunder Lehrer-Gesang5. a) Das deutsche Lied... b) Unten im Tale c) Der Obendrauf .-.-V.„Tremonia“: 6. a) Hoch empor b) Tieh' hinsus 7. Ballsirenen, Walzer.d. Operette “„ L u s t i g e W i t w e“.... v. Starke v. Schmehling v. Mücke v. Gregert Vorsltzenden -Verein: v. Fassbender v. Attenhofer v. Othegraven v. Curti v. Dregert v. Franz Lehár BorussiaVerein. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr Gesamt- Gastsplel Berliner Apollo-Ensembles! Direktion: H. Cornelll. = Zum 3. Male: Venus auf Erden Große Ausstattungs=Overette in 6 Bildern von Bolton Bacckers. Musik von Paul Lincke. In Berlin 300mal. vom Avollo=Ensemble über 900mal aufgeführt Venus: Erna Ernani vom MetrovolTheater, Berlin. 1. Bild: Im Tiergarten 2. Bild: Im Olymp. 3. Bild Der Abstieg zur Erde. 4. Bild: Maskenball. 5. Bild: Im Tiergarten. 6. Bild: Avotheose. Im 4. Bilde: Grosser Masken- Aulzug mit Ballet arrangiert vom Balletmeister G. Cernti. Prima Ballerina: Sign. Rivatz onti vom ScalaTheater Mailand. 35994 Wirtschaftverkauf. 1 renkable Tageswirtsch., brauereifrei, ist umstandehalber sofort zu verk. Nah. durch Jos. Riepen, Barop. Wohnung mit Einfahrt u. Stallung zu mieten gesucht. Schriftl. Angeb. unt. G. 1945 an die wescon. d Zig.(74227 Logis= u. Speisewirtschaft, Fettw.=Gesch. mit Flaschenbier ist mit sämtl. Invent. bei 500 M. Anz. zu verk. N. b. H. Wilkending, Fleusburgerstraße 5.(74324 an die Geschst. d Ztg.(74227 Wonnung goer“ 3 Part.=Zimmer, mög. im Mittelp, der Stadt gelegen, od. in sonst, günstiger weschäftslage,., 1. Rov, 5, zu miet, gesucht. Gefl. schr. Angebote mit Preis u. 35964 an die Geschäftsstelle. Eine von 4 Räumen in der Nähe Sesh hsce Wirtschaft bei Dortm., Bier ca. 180 Hektolit., Branntw. ca. 50 ###tolit. für 52000 Mk. bei —7000 Mk. Anzahl. zu verkauf. 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Meyer .-.-V.„Concordia“: 13. Studenten-Nachtgesang... v. Fischer 14. Mit Humor, Potpourri.... v. Kohmann Sonntag, den 6. Oktober, morgens 11 Uhr: Empfang des.-.-V.„Deutscher Sängerkreis“, Elberfeld mit darauffolgender Begrüssungsleier im alten Rathaussaal und gleichzeitiger Ehrung des Gründers und ersten Dirigenten der„Concordia“, Herrn H. A. Petersmann, Rektor a.., Düsseldorf. Nachmittags 8½ Uhr: Grosses Konzert n0- am Fredenbaum. I. TEIL. 1. Triumphmarsch 2. Ouverture Raymond„ Thomas 8. Barcarolle, Walzer a. d. O. „Hotfmann’s Erzählung"... 4. Abendstille, Romanze für Posaune (Herr Schreiber) Gumbert II. TEIL. 5. Ouverture German, Meriment v. Herold .-.-V.„Concordin„ 6. Begrüssungs-Chor, An die Freunde„ Gregert *(Tenorsolo: H. Schmitz.) „Deutscher Süngerkreis“, Elberfeld: „ Fetras Für Schmiede. Eine i. flott. Betriebe befindliche Huf= und Wagenschmiede ist sofnttgunter verknieten. Wo sagt die Geschäftsst. d. 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Schlaf wohl, du süsser Engel du" Abt Solo für Cornet à piston(Herr Spengler). III. TEIL. 11. Melodien-Lexikon, Tongemälde v. Kersten „Deutscher Sängerkreis“ Elberfeld: 12. Kaiser Karl im Untersberg.. v. Zenger Doppel-Quartett„Orpheus“: be. 0 Der Alpenziger...... 0. v. Walden .-.--galear 2Preis“. b) Ich kehre wieder.... Wengert Algrsche le „Deutscher Süngerkreis-.#gr ke g humann ..„ A. v. Othegraven „ R. Schwalm Betten und Bettwüren gut und billig! K. Lien& Comp. Dortmund.- bur zuig, Hriche oagsste.“ Butgebend. Pardor= und Friseur=Geschäft mit gut. Kundsch. u. separat. Verkaufsladen ist mit einer Anzahlung von 300 bis 400 Mark mit Inventar per 1. Novbr. od. früh. zu übernehm. Miete für Laden und Wohn. wird fast von Abonnent. aufgebracht. Außerd. g. Ladenverkauf. Schr. Ang. u. E. 7082 an die Geschst. Wce Kostümnäherin sucht Kunden in und außer dem Hause. Töllnerstr. 15, 8. 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I Ausserdem: Der Kinematograph Im Dienste der Wissenschaft. Eintrittskarten im Vorverkauf in der Koeppen'schen Buchhandlung, Westenhellweg 56, 1. Parkett num..50, II. Parkett num. .50, III. Platz.— Mk. 35272 Ziehung: 7. Okt. 1907 Loiterie der HandwerksAusstellung zu Nachen 445Gew. i. Wertv.zus 22 300 M. .3000 .2000 RSSS .500-1000 19 00- 20cc 20-10- 2UUe N6. de Lose à 1., Porto u. Liste 20 Pf. extra, zu haben bei den Kgl. Lotterle- Einnehmern den durch Plakate kennt! Verkaufsstellen sowie bei der Lose- Vertriebe-Ges. Kgl. Preuss. Lotterie-Einnehmer 6. m. t.., Berlin N. 24, Wonbilouplat: 2. Wegen Aufgabe des Geschüfts Burgmundastraße 7: Bettstellen m. Teatr., Kleiderschr., Sofas, Pluschgarnituren, Vertikows, Teppiche, komplette Schlaf= u. KüchenEinricht, spottbill. zu verk. Hangelampe wie neu, weg. Gasanlage b. zu uk. Hohensyburgst. 50, v. I. 6 guterhalt. Planos nußb. u. schwarz, sehr billig zu verkauf. Siegfriedstr. 11, an der Rheinischenstraße. Plüschsofa. 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Ecke Hermannstraße. Grüne Rabattmarken auf alle Waren. la Süssrahm-Butter Pfund 120 Pf. a Wellen-Butter Pfund 115 Pf. ### Frische eler Utzd. 85 u. 1 9,11. Heroldstraße 4. l Nr. 273.(1. Blatt). General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Freitag, 4. Oktober 1907 bie § 166. I Auf der Generalversammlung des Evangelischen Lundes in Worms spielte diesmal der Paragraph 66 Strafgesetzbuches eine Rolle, der von der„eschimpfung" der Einrichtungen von Religionsgesellschaften" handelt, und deren Aufhebung wegen der tschiefen Anwendung dieser Bestimmung auch von stheologischer Seite immer dringender gefordert P Der Professor des Strafrechts an der Universität königsberg Dr. Kohlrausch führte aus: .Die lebhaften Angriffe gegen Paragraph 166 Ztrafgesetzbuchs sind schon alt. Sie haben im wesentlichen drei Ausgangspunkte: 1° I. Der Paragraph 166 bezweckt, den religiösen und konfessionellen Frieden zu schützen. Dazu ist er aber nicht imstande. Denn fast jeder Prozeß, der bier geführt wurde, hat eine Erregung zur Folge zehabt, die schädlicher wirkte als die zu bestrafende Beschimpfung. d 2. Der Schutz des Gesetzes kommt ganz überwiegend der katholischen Kirche zugute.„Denn geschützt sind nur die Einrichtungen und Gebräuche, das heißt die äußeren Kultusformen einer Relibionsgemeinschaft; an diesen aber ist die evangeEische Kirche unendlich viel ärmer als die katholische. Was aber den Evangelischen das Höchste ist: ihre reLigiöse Ueberzeugung, ihre Glaubenssätze, die Perzonen und Gegenstände ihrer Verehrung, diese sind schutzlos; sie sind ausdrücklich vom Gesetz aus der Beschimpfung, frei gegeben worden, damit nicht bePreis die wissenschaftliche Forschung und die sachlliche Kritik durch Strafe getroffen werde. 8. Die Freiheit der Forschung, der Lehre und des Bekenntnisses ist aber keineswegs garantiert, denn der schlimmste Fehler des Paragr. 166 besteht darin, Ldaß er zwar das Beschimpfen als strafbare Hand#lung nennt, tatsächlich aber ganz andere Dinge trifft. Denn der Vegriff. des Schimpfens ist völlig Abag und undefinierbar. Sieht man das wesentliche Vin der Roheit der Form, so wird durch die Strafe! in Wahrheit nur der„gute Ton“ in der religiösen Debatte geschützt, nicht aber der religiöse Friede. Legt man den Nachdruck darauf, daß nicht alle Tatachen behauptet werden dürfen, die an sich schimpf##icher Art sind, so ist jede sachliche Kritik unterbunben. Sie ist dann desto strenger verboten, je notwendiger sie ist. Will man aber gar von einer Beschimpfung nur dann sprechen, wenn eine gewisse gemeine Gesinnung des Täters festgestellt ist, so kommt man völlig auf Abwege. Es ist ganz unmöglich, die Norm anzugeben, an der die Vornehmheit oder Gemeinheit einer Gesinnung gemessen werden soll, und es ist ferner unmöglich, dem Richter, der seine eigene Weltanschauung doch nicht einfach abstreifen kann, die Höhe des Standpunktes und die Unabhängikeit des Urteils zuzumuten, die hier zu einem objektiven Urteil nötig wären. Wenn also die evangelische Kirche sich beklagt, daß der Paragr. 166 parteisch wirke, so begehrt sie keineswegs Schimpffreiheit, sondern nur Lehr= und Bekenntnisfreiheit sowie Freiheit der Kritik, Dinge also, die für unseren heutigen Staat gar nichts Neues sind. Die bisherigen Vorschläge, den zweiten, Tatbekand des Paragr. 166(Beschimpfung von Religionsgesellschaften sowie ihrer Einrichtungen und GeJräuche) zu reformieren, wären zwar imstande, der beklagten Imparität abzuhelfen, aber nur dadurch, daß dem Katholiken künftig in dem gleichen Umfang der Mund verboten würde, wie den Protestanten. Die Parität wäre damit gerettet, aber Lehr und Bekenntnisfreiheit wäre noch enger eingeschränkt als jetzt. Wenn eine andere Abänderung des Gesetzes nicht gefunden wird, müssen wir den Mut haben, die Streichung des zweiten Tatbestandes zu fördern. Es würde darin keineswegs eine staatliche Entwertung der Religion liegen, und es käme nur darauf an, die weiteren Kreise des Volkes durch Wort und Schrift darüber aufzuklären. Unserem evangelischen Bekenntnis jedenfalls würde die Streichung nichts vergeben, unsere protestantische Freiheit aber würde sie fördern.(Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Als Korreferent sprach sich Professor Thümmel=Fena in seiner temper mmentvollen Weise für die, Besoitigung des ganzen Paragr. 166 aus. Die Versammlung folgte dem Sprecher mit gespanntester Aufmerlsamkeit. Tiefernste Stille, wenn der Redner auf die Höhe seines innerlichen idealen Ehristentums führte, wechselte mit brausendem Beifall, wenn Dr. Thümmel in drastischer Weise mit beißender Satire die unzulänglichen und allen hohnversprechenden Zustände geißelte, die der Paragraph 166 auf dem Gebiete der Rechtsprechung zur Folge hat. Unter anderem führte er aus: Der Begriff Geschimpfung religiöser Gefühle ist verschwommen. Auch Christus hat oft die Waffe des heiligen Spottes angewendet, wenn es ihm geboten erschien. Es ist nicht Sache des States, sondern des Kirchenragi. mnents, Gotteslästerer zu bestrafen. Der Gemeindevorstand sollte Lästerer aus der christlichen Gemeinde ausschließen. Das würde wirksamer sein als die staatliche Strafe.(Lebhafter Beifall.) Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: Die MMitgiederversammlung richtet an den Kentralvorstand die Bitte. tunlichst bald eine ErKärung abzugeben, durch die sie im Sinne der heutigen Ausführungen des Professors Kohlrausch und der Neußerungen der Mitgliederversammlung die Stellung des Evangelischen Bundes zur Froge, wie weit der Paragr. 106 des Strafgesetzbuches aufzuheben sei, kundgibt. Nach einem Schlußwort von Professor Kohlrausch, in dem unter anderem Professor Thümmels tiefgreifendes Verdienst um die Bewegung gegen die Ungerechtigkeit und Imparität des Paragr. 166 volle Anerkennung fanden, wurde die Resolution fast einKimmig angenommen. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Gerlin, 8. Okt. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Der Heimgang des alverehrten Großdeizogs Friedrich wird auch im Hause des Reichskanzlers schmerzlich betrauert. Fürst Bülow durfte sich enger persönlicher Beziehungen zu Badens entschlafenem Herrscher erfreuen und hat es oft ausgesprochen, wie wertvoll ihm das Vertrauen des erfahrenen Großherzogs bei mehr als einem Anlasse gewesen ist. In dem seit seiner Berufung nach Berlin verflossenen Jahrzehnt haben zwischen dem dahingeschiedenen Fürsten und dem Kanzler wiederholt mündliche Besprechungen stattgefunden, auch standen Großherzog Friedrich und Fürst Bülow im brieflichen Verkehr. Das Eintreffen der Todesnachricht von der Insel Mainau mußte unter solchen Umständen bei dem Reichskanzler das Gefühl eines herben persönlichen Verlustes erwecken. Theater, Konzerte, Vereine 2c. Stadttheater. Wie bereits mitgeteilt, findet heute, Freitag, die Erstaufführung von Sudermanns Schauspiel„Stein unter Steinen“ statt. Die Hauptfigur des packenden Dramas, der Steinmetz Biegler, in dem Sudermann die herbe Tragik eines Gestrauchelten in ungemein fesselnder Weise schildert liegt in den Händen des Herrn Binder, der in dieser Rolle zum ersten Male in der jetzigen Spielzeit in einer großen Charakterrolle auftritt. Den vorzüglich gezeichneten gutmütigen, doch energischtüchtigen Steinmetzmeister Zornke spielt Herr Kaul während Herr Mayr den Don Juan des Steinmetzplatzes, den Steinmetz Göttlingk, der in Italien das Bildhauen, die Weiber, den Gesang und das Dolchstechen gelernt hat, verkörpert. Die beiden sympathischen Frauengestalten des Schauspiels, die Lore und Maria, werden von Fräulein Ansion und Fräulein Lotte dargestellt. Die beiden Damen werden sich in diesen Rollen zum ersten Male in bedeutenderen Aufgaben präsentieren. Die komischen Figuren sind mit Herrn Klug und Laumen besetzt, der erstere spielt den ewig trunkenen ilten Eichholz, letzterer den Struve, einen unverbesserlichen, seiner Zuchthauserfahrung stolzfrohen Bauner von überwältigender Komik. Die Regie führt Herr Oberregisseur Habermeyer. Im Olympia=Theater zu Dortmund hat das Berliner Apollo=Theater, Direktion Cornelli, mit „Venus auf Erden“ einen großen Erfolg. Im Olympia=Tunnel hat am 1. Oktober der 1. zroße Soubretten=Wettstreit verbunden mit Schönheitskonkurrenz begonnen. Das 11. Volkskirchenkonzert findet am Sonntag den 6. Oktober, abends 8 Uhr in der Pauluskirche statt. Neben Herrn Direktor Holtschneider(Orgel) haben Frl. Emmy Heine(Sopran), Frl. Toni vor der Way(Alt) und Frau Direktor Petersen(Violine) ihre Mitwirkung gütgst zugesagt. Programme zu 10 Pfg.(an der Kasse 20 Pfg.) sind in den Buchhandlungen von Krüger u. Steffen(Körnerplatz) in der Küsterei am Petrikirchplatz und in verschiedenen Geschäften zu haben. Der elfte und letzte Renntag des Dortmunder Renn=Vereins findet am nächsten Sonntag den 6. Oktober, nachmittags 2½ Uhr, statt. Der Verein hat diesen letzten Tag noch gut mit Preisen dotiert, werden doch nach den Propositionen ca. 18000 Mark Geldpreise gegeben. Diese Preise verteilen sich auf sechs Rennen, welche sämtlich von Jockeys geritten werden. Der Tag wird eingeleitet durch ein langes Flachrennen über 9000 Meter mit einem Preise von 2000 Mark. Das best dotierte Rennen ist das Wiedersehen Jaad=Rennen Preis 8000 Mart über die Distanz von 4000 Metern(große Bahn). Darauf folgt das Abschieds=Jagd=Rennen Preis 2500 Mark. Distanz 3500 Meter. Die hohen Preise haben bei den Hindernisställen einen guten Eindruck gemacht, denn es sind in Summa 93 Pferde genannt, das ist im Durchschnitt 15 Pferde pro Rennen. Die wertvollste Steeple Chase, das WiedersehnJagd=Rennen hat 19 Unterschriften gefanden, das Verkaufs=Jagd=Rennen ebenfalls 10 Nennungen. Bei den guten Nennungen scheint also der Sport am nächsten Sonntag wieder recht interessant zu werden. Die Rennen beginnen wegen der vorgerückten Jahveszeit bereits um 2½ Uhr. * Die kaufmännischen Abendvorlesungen, welche unter Leitung des Vortragenden, Herrn Fritz Müller durch acht hiesige Berufskorporationen veranstaltet werden, haben nunmebr ihren Anfang genommen und werden sich bis März 1908 ausdehnen. Es ist eine rege Beteiligung interessierter Kreise, welche für die vier Vortragszyklen zu je 20 Vorträgen über 200 Vortragszyklenkarten gelöst haben. Durch die Ausgabe sogen. Zehnerkarten, welche zum Besuch zehn beliebiger Vorträge berechtigen, ist auch einer gelegentlichen oder nachträglichen Beteiligung Rechnung getragen. Die sämtlichen Vorträge finden jetzt in den Sälen der Gewerbeschule, Ostrandweg 15, statt. * Ueber„Die technischen Privatbeamten und die Sozialpolitik“ hielt am 2. ds. Herr Reichstagsabgeordneter Hormann aus Bremen in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung auf Veranlassung des Bundes der technisch=industriellen Beamten ein sehr interessantes Referat. Die lautlose Stille während des Vortrages sowohl, als auch die nachher sich äußerst lebhaft gestaltende Diskussion legen beredtes Zeugnis von dem tiefgehenden Interesse ab, welches die versammelten technischen Privatbeamten den vielseitigen, sachlich und klar gehaltenen Ausführungen des Referenten entgegengebracht haben. Redner berührte die verschiedenen Petitionen des Bundes an den Reichstag und beleuchtete dann verschiedene Arten der Konkurrenzklausel mit ihren die freie Bewegungs= und Entsaltungsmöglichkelt, des Prvatbeamten hemmenden Wirkungen. Nachdem Referent noch ausführlich auf den heutigen Stand der staatlichen Pensionsversicherung für Privatbeamte einging, und schon aus taktischen Gründen die Angliederung derselben an die schon bestehende und entsprechend auszubauende staatliche Alters= und Invalidenversicherung befürwortete, forderte er noch alle außerhalb dieser Organisation Stehenden zum Zusammenschluß auf, um das große sogale Werk bald zu einem segensreich wirkenden Gesetz erheben zu helfen.— Reicher und anhaltender Beifall lohnte den Referenten für seine belehrenden Ausführungen. Zu der nationalliberalen Parteiversammlung am 18. Oktober im Reinoldushof in Dortmund, in der bekanntlich Herr Reichstagsabgeordneter Bassermann den Hauptvortrag halten wird und zu der nur Parteifreunde Zutritt haben, teilt man uns mit, daß für die Mitglieder von nationalliberalen Vereinen die Vorzeigung der Jahreskarte genügt, während nicht eingeschriebene Parteifreunde Legitimationskarten erhalten bei der Geschäftsstelle der Partei in Dortmund. Ostwall 31½ ferner bei den Vorsitzenden der nationalliberalen Vereine des Wahlkreises Dortmund=Hörde. Die Theater=Gesellschaft„Rote Erde“ Dortmund erhielt am Sonntag den 29. Sept auf dem vom Dramatischen Verein„Hohenzollern“ Hörde veranstalteten Wettstreit den 1. Ehrenpreis im Theater. den 1. Ehrenpreis im Duett, den 1. Damenpreis, außerdem einen Preis im Couplet. * Die Gesellschaft„Germania“ Dortmund, welche zum ersten Male an dem von dem dramatischen Klub„Hohenzollern“=Hörde veranstalteten großen Bühnenwettstreit teilnahm, errang auf demselben im Couplet den 1. Ehrenpreis, im Duett den 2. Ehrenpreis und im Theater den 3. Haupt=Ehrenpreis sowie den 2. Damenpreis. Der dramatische Verein„Deutsche Bühne" feiert am 6. Oktober sein 20. Stiftungsfest im großen Saal des Gewerbevereins. Der Vorstand hat für ein reichhaltiges Amüsement Sorge getragen. Es werden außer den Musikaufführungen zwei Theaterstücke gegeben. Erstens„Der Ehrenpokal“ und zweitens„Unsere Marine“. Das letzte Stück muß ganz besonders die Lachmuskeln der Anwesenden in Tätigkeit setzen. Sprechsaal. Blütenlese aus der Versammlung der Positiven. Herr Pfarrer Jucho erklärte am Mittwoch abend: „Wenn die reformetische Richtung auf den evangeischen Kanzeln so weiter gehe, so könne ja nicht sloß ein Rabbiner dort predigen, sondern ebenso im Ende auch.. Bebel.“— Wir, meinen, wenn die positive Richtung auf den evangelischen Kanzeln so weiter arbeitet, so kann ja statt Herrn Pastor Jucho zuch einmal— der Papst, die Predigt halten. Der Redner des Abends, Lie. Meyer, meinte in der Verteidigung des Wunders:„Schon wenn wir unsere Hand aufheben, ist ja das Naturgesetz durchbrochen; jede Luftballonfahrt durchbricht die Naturgesetze.“— Das war uns allerdings neu! Wir merkten gestern abend, daß auch Reden den vernünftigen Zusammenhang des Denkens unterbrechen und ihm widersprechen können. Denn solche Torheit gebildeten Menschen vorzusetzen, ist doch ein starkes Stück.— Endlich sagte ein Redner:„Wenn Jesus nicht Gottes Sohn war, so war er der größte Lump; denn dann hat er die Menschen betrogen.“ Ob man irgendwo einen Liberalen auftreiben wird, der so von Jesats Christus reden wollse! Fanatismus spricht aus diesen Leuten. Sie wollen nichts anderes, als die Menschen, die anders denken, verhetzen und verdächtigen. Sie mögens im guten Glauben tun; aber eine große Landeskirche wird von solchem Geschwätz nur ruiniert. Einige Fragen an unsere Positiven. Wer hat seinerzeit den Bau des Gemeindehauses in der Kielstraße jahrelang verzögert? Wer hat dem Lutherbezirk 1½ Jahre lang seinen Geistlichen vorenthalten? Wer hat in den Sitzungen der Gemeindevertretungen gegen alle Schritte der Verwaltung immer Protest eingelegt! Wer hält Zusammenkünfte und Evangelisationsversammlungen mit Baptisten, Methodisten und Nichtkirchlichen Kreisen? Wer hetzt Eltern gegen die liberalen Pastoren der Gemeinde auf, die mit derselben Mühe und demselben Gewissensernst die Kinder unterrichten? Wer spricht jedermann leichtfertig das Christentum ab, sobald er nicht gerade die Anschauungen vertritt, die ihm selbst als richtig erscheinen? Wer versucht es, die eigenen Hollegen in der Achtung der Gemeinde herunterzusetzen! Achtung, Wähler von Reinoldi! Jüngst hat in einer Versammlung Herr Pastor Jucho für die sog. Positiven und ihre Kandidaten in eigenartiger Weise Stimmung zu machen versucht. Er machte der bisherigen Mehrheit der Gemeindevertretung zum Vorwurf, daß noch kein evangelisches Krankenhaus gebaut sei. Dabei behandelt er die von ihm selbst herausgerechnete Steuererhöhung von 35 auf 42 Prozent, d. h. also um ein Fünftel, als eine Bagatelle. In Wirklichkeit würde voraussichtlich eine noch weit stärkere Anziehung der Steuerschraube durch jenes Projekt nötig werden, als Herr Jucho meint. Bemerkenswert sind auch folgende Tatsachen. Derselbe Pastor zieht für die Unterbringung seiner Angehörigen das katholische Krankenhaus dem paritätischen städtischen vor. Ganz folgerichtig von dem Standpunkte einer Orthodoxie, die in der römischen Kirche mehr Geistesverwandtschaft entdeckt als bei freier gerichteten Protestanten! Der andere Führer der hiesigen Positiven aber, Herr Pastor Donsbach hat bei einer anderen Gelegenheit erklärt, daß man in den Krankenhäusern gläubige und nicht atheistische Aerzte haben müsse. Also nicht die ärztliche Tüchtigkeit, sondern die Gläubigkeit, gemessen an dem Maßstabe der Dortmunder Orthodorie, soll den Ausschlag geben, wenn es nach dem Willen dieser Herren geht. Konfessionelle Krankenhäuser sind unter Umständen eine schöne Sache. Aber es kommt auf die Motive und Tendenzen an; ob sie aus reiner Nächstenliebe errichtet werden, oder ob sie dem konfessionellen Ehrgeiz(in majorem Dei gloriam,„zu Deutsch„zur größeren Ehre der Kirche“) und kirchlichen Parteiinteressen dienen sollen. Also seid auf Eurer Hut, daß nicht der hier gekennzeichnete Geist in unserer Gemeindevertretung maßgebend wird, und wählt am Freitag, 4. Oktober, nur Männer, die in dieser Hinsicht Euch die nötige Bürgschaft geben! Das sind die Kandidaten der Kirchlich=Liberalen. Ein Wähler. Zum Kinderhilfstag— 22. Oktober 1907.— An die Sammlerinnen! All Ihr Bienchen, seid„Willkommen“, Sammelt eifrig, emsig ein: Seht, es soll zu Nutz und Frommen Unsrer kranken Kinder sein! Jede kleinste Gabe bringet Und scheut nie ein Dankeswort, Daß das Werk uns„Groß“ gelinget, Sicher steht der„Kinderhort“! Laßt uns Schwestern sein beim Werke. Daß sich nicht das Streben trüb. Fester Bund nur bringt uns Stärke Zu dem Werk der Nächstenlieb:. Sagt nicht, daß es„Arbeit“ wäre, „Freude soll das Sammeln sein, Ist es doch die alte Lehre: Was man gern tut, bringt was ein“. Klagt nicht bei verschlossinen Toren Oder mürrischem Gesicht, Dabei ist noch nichts verloren— „Gibts nichts“,— schadet es noch nicht. Geht zu Reichen und zu Armen, „Keine Tür sei Such zu klein, Jeder gibt Euch aus Erbarmen, Für die Kleinen soll es sein!“ Und will„Einer“ Euch nichts geben, Denkt nicht schlecht von diesem Mann, Denkt, daß er ein traurig Leben Und vielleicht nichts geben kann.— Summt Ihr Bienchen nun ins Weite, Sammelt eifrig Honigseim, „Kinderhilfstag“ sei's Geleite, Bringet gern und freudig ein!— Fördert eifrig zum Gelingen, Jeder tue seine Pflicht, Freude soll das Werk Such bringen, Andern Dank begehrt Ihr nicht. Und wenn später Ihr einst wendet Nach dem Kinderheim den Schritt, Saget Euch im tiefsten Herzen: „An dem Werk, da half ich mit!“ Frau H. Hämdt Lona. Einladung. zur Sitzung der Stadtverordneten am Freitag, den 4. d. Mis., nachmittags 4 Uhr. Tagesordnung: 1. Oeffentlicher Teil. 1. Wahl der Beisitzer für die diesjährigen Stadtverordnetenwahlen. L. Wahl von Mitgliedern des Kuratoriums der städ.isczen hoheren Madchenschule. 3. Vorlage des Planes der Eisenbahndirektion Essen wegen Anlage einer Ueberführung an der Afferderstraße. 4. Antrag auf Uebernahme der Bedürfnisanstakt auf dem Kirchplatze durch die Stadt. 5. Beschlußfassung über die Ausführung der Telephonanlsage für Feuermeldezwecke und polizeiliche Meldungen sowie Bewilligung des auf die Stadt fallenden Kostenanteils von 1800 Mark. 6. Antrag auf Erteilung der Zustimmung zu den vom Magistrat vorgelegten Bestimmungen wegen Aufbruchs von Straßen und Straßenteilen bei Rohr= und Rabelverlegungen. 7. Beschlußfassung über die endgültige Anstellung des Nachtschutzmanns Höhne. 8. Mitteilung der Rechnungslage der evangelischen Schulkasse für das Rechnungssahr 1905, welche abe schließt in Einnahme mit 142698,79 Mk., Ausgabe mit 131 25855 Mtl. und Bestand mit 11 440,24 Mi. 9. Mitteilung der Rechnungslage der katholischen Schulkasse für das Rechnungsjahr 1905, welche abschließ in Einnahme mit 57024,32 Mk., Ausgabe mit 54 009,87 Mk. und Bestand mit 3014.65 Mk. 10. Vorlage der Rechnungslage der Armenkasse für das Rechnungsjahr 1906 welche absaließt in Einnahme mit 47 470,21 Mk. Ausgabe mit 48325./85 Mk. und Bestand mit 3144.39 Mark. 11. Mitteilung des Protokolls über die letzte Sitzung des Ausschusses für den Bau der elektrischen Straßenbahn Unna=Kamen=Bergkamen. 12. Mitteilungen des Magistrats. Unna, den 1. Oktober 1907. Ehlardi. Stchtverochueten=skottieher Eine träge Verdauung int die Urssche zahlreicher LOngensichheshen. beschleunigt die Verdauung und ist ein ideales Abführmittel infolge seines angenehmen Ge. schmacks und seiner prompten Wirkung ohne jedwede Beschwerden. Nur in Apotheken erhältlich. 1 Fl..50., 4 Fl..50 M. Bestandtele: Sp. Fia Calliorn.(Speciali Mode Cailionia Fie Syruo; Ca. parat.) 75, Ext. Sena. Iiguid. 40, Elix. Caryoph. comp. s. Aber sind sie denn auch wirklich gut? Was— Fays ächte Sodener MineralPastillen? Aber großartig, sag ich Ihnen. Unser einer hat doch vielerlei Mittel zur Hand, aber ich selbst nehme mit Vorliebe Fays ächte Sodener. 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Die letzter Ergebnissen alle al stellt und eröffnen kunft die großarti scheiden hat dieser reits als blutjun Krieges von 1870 gungsritt in Feind als Luftschiffer beg ren war es ihm n Vereins deutscher führung seiner Ve hufs Förderung de tal von 800000 2 konnte er nach se bauen, das aus ein körper besteht, h# trägern mit äußer Gasballon. Seitde lich Verbesserunger den Grundzügen he Wurf das Richtige ersten Operationsfe der königlichen Don punkt seiner kühner ist. Der erste Versuerwies bereits die kolossalen Fahrzeu wurde durch ein? weitere Kreise verd bruch Störungen 5 leichte Verbiegung ein, die ein abschli geschwindigkeit bei vollkommen neu au damals die gefahr Fahrzeuges auf! Zeppelin gestützt au gen, mehrfache, te an seinem Luftschi am 17. Oktober 100 Fahrversuch durch, Minuten dauerte, schenfall endete, der stiegstelle nicht zulie sich nämlich ein B treffenden Abteilz zeug mußte vorzeit dem Vorderteil auf nismäßig geringe vorderen Stützen d Versuch ergab fü Fahrzeuges auf gru Hergesell immerhin für die Sekunde, Motorindustrie— mit Zeppelinschen den— immerhin Den dritten Versu am 21. Oktober 190 Figur einer geschlo Nähe seines Aufstie Vergleicht man vollen, aber an sich nissen die jetzigen, langjährigen Stut Verbesserungen des „Rosen“ von ( Erste Aufführu: Ursprünglich hal außer den drei am theater zum ersten tern Margot. Der gessin(Schauspiel, noch eine kleine Tr. bänder. Dieses 9 rung ausgeschlosser Rahmen eines The Ohne all zu große vier Stücken den wirklich spielen in gesuchte Hauptrolle. nis, vier Stücke ol gemeinsamen Titel darin von Rosen u Rosen sozusagen: eine Aeußerlichkeit, selbst den Titel ge Leser oder Zuschal gekommen, daß in spielen. Mir selb Wien aufgeführten nicht aufgefallen. Nr. 273.(2. Blatt.) General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Eine friedliche Eroberung. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, stehen wir unmittelbar vor der friedlichen Eroberung eines neuen Reiches. Der unermüdliche und erfinderische Menschengeist ist dabei, sich das Reich der Lüfte untertan zu machen. In den drei ersten Kulturländern der Welt ist man eifrig am Werk und hat schon nennenswerte Erfolge auf einem Gebiete erzielt, das bis vor kurzem nur nebelhaften Luftschlössern vorbehalten zu sein schien. Mit Genugtuung verzeichnen wir dabei, daß Deutschland hier wirklich einmal wieder„in der Welt voran" zu stehen scheint. Zwar sind die ersten aussichtsvollen Versuche, das alte Problem lenkbarer Luftschiffe zu lösen, von Frankreich ausgegangen und dort weit gefördert worden. Aber wir haben den Vorsprung nicht nur eingeholt, sondern bereits überholt, wie erst die erfolgreichen Berliner Aufstiege der lenkbaren Luftschiffe des bayerischen Majors Parseval und des Majors Groß von der Berliner Luftschiffer=Abteilung sowie dann namentlich die Konstanzer Aufstiege des ehemaligen Generalleutnants Grafen von Zeppelin bewiesen haben. Die letzteren haben mit ihren erstaunlichen Ergebnissen alle anderen weit in den Schatten gestellt und eröffnen für eine nunmehr absehbare Zukunft die großartigsten Aussichten. Klein und bescheiden hat dieser kühne, geniale Erfinder, der bereits als blutjunger Leutnant am Beginn des Krieges von 1870 durch seinen berühmten Erkundigungsritt in Feindesland Ehre und Ruhm erwarb, als Luftschiffer begonnen. Vor noch nicht zehn Jahren war es ihm mit moralischer Unterstützung des Vereins deutscher Ingenieure gelungen, zur Ausführung seiner Versuche eine Aktiengesellschaft behufs Förderung der Luftschiffahrt mit einem Kapital von 800000 Mark ins Leben zu rufen. So konnte er nach seinem Gedanken ein Luftschiff bauen, das aus einem langgestreckten starren Ballonkörper besteht, hergestellt aus Aluminiumgitter= trägern mit äußeren Stoffüberzügen und innerem Gasballon. Seitdem hat Graf Zeppelin unaufhörlich Verbesserungen daran vorgenommen, aber in den Grundzügen hatte er doch gleich auf den ersten Wurf das Richtige getroffen, wie er auch seinem ersten Operationsfelde, dem Bodensee und auf ihm der königlichen Domäne Manzell als dem Ausgangspunkt seiner kühnen Versuche, bisher treu geblieben ist. Der erste Versuch fand am 2. Juli 1900 statt und erwies bereits die Stabilität und Lenkbarkeit des kolossalen Fahrzeuges. Aber dieser erste Erfolg wurde durch ein Mißgeschick getrübt, das ihn für weitere Kreise verdunkelte. Es traten durch Kurbelbruch Störungen beim Laufgewicht und ferner eine leichte Verbiegung der Mittelachse des Ballonkörpers ein, die ein abschließendes Urteil über seine Fahrgeschwindigkeit verhinderten. Ueberraschend und vollkommen neu auch für Fachkreise war aber schon damals die gefahrlose Landung des gewaltigen Fahrzeuges auf dem Bodensee. Nachdem Graf Zeppelin gestützt auf die ersten praktischen Erfahrun gen, mehrfache, teilweise wefentliche Aenderungen an seinem Luftschiff vorgenommen hatte, führte er am 17. Oktober 1900 einen zweiten sehr gelungenen Fahrversuch durch, der die Zeit von 1 Stunde 20 Minuten dauerte, aber ebenfalls mit einem Zwischenfall endete, der die geplante Rückfahrt zur Aufstiegstelle nicht zuließ. Gegen Ende der Fahrt sperrte sich nämlich ein Ballonventil und brachte den betreffenden Abteil zur Gasentleerung. Das Fahrzeug mußte vorzeitig landen und setzte zunächst mit dem Vorderteil auf, wobei es aber nur die verhältnismäßig geringe Havarie erlitt, daß die beiden vorderen Stützen der ersten Gondel knickten. Der Versuch ergab für die Eigengeschwindigkeit des Fahrzeuges auf grund der Beobachtungen von Prof. Hergesell immerhin schon einen Wert von 9 Meter für die Sekunde, nach dem damaligen Stande der Motorindustrie— dieses Luftschiff war bereits 1898 mit Zeppelinschen Daimler=Motoren erbaut worden— immerhin eine höchst ansehnliche Leistung. Den dritten Versuch unternahm Graf v. Zeppelin am 21. Oktober 1900. Er durchfuhr in der Luft die Figur einer geschlossenen 8 und landete in nächster Nähe seines Aufstiegsortes. Vergleicht man mit diesen zwar verheißungsvollen, aber an sich noch höchst bescheidenen Ergebnissen die jetzigen, die freilich erst nach erneuten langjährigen Studien und vielfachen gründlichen Verbesserungen des ursprünglichen Fahrzeuges erzielt worden sind, und hält man sie mit den ebenfalls bedeutenden Erfolgen der Berliner und den diesen voraufgeangenen Pariser Versuchen zusammen, dann steht man, auch wenn man jeden voreiligen und übermäßigen Optimismus abwehrt, unter dem erhebenden Eindruck eines vielleicht abermals weltumgestaltenden technischen Fortschritts. Wir, die wir Zeugen gewesen sind und fortdauernd bleiben von gewaltigen, zum Teil staunenswerten technischen Erfindungen und Errungenschaften, die immer mehr die Schranken der Zeit und des Raumes weiter hinauszurücken scheinen, die wir in die Ferne viele hundert Kilometer weit zu sprechen und aus der Ferne zu hören und uns zu verständigen in der Lage sind, wir haben hierfür gegenüber unseren nächsten Vorfahren verschärfte Sinne und ein höheres Verständnis. Als im Jahre 1805 die erste wirklich brauchbare Lokomotive auf der Bahn Marthyr=Tydvil Anwendung fand, da ahnten nur verschwindend wenige, ganz besonders erleuchte Köpfe, daß damit im Verkehrswesen eine neue Aera begonnen hatte. Noch 30 Jahre später, als die erste preußische Bahn zwischen Berlin und Potsdam gebaut werden sollte, meinte Friedrich Wilhelm., er könnesich keine Seligkeit davon versprechen, eine oder anderthalb Stunden früher nach Potsdam zu kommen, und der damalige Generalpostmeister Nagler erklärte, er lasse täglich drei Postwagen nach Potsdam gehen, die halb leer seien, wie wolle man da einen ganzen Eisenbahnzug mit Reisenden füllen? Wir wissen heute jeden technischen Fortschritt besser zu würdigen. Wir empfinden daher deutlich, daß die jüngsten erfolgreichen Fahrten lenkbarer Luftschiffe, vor allem aber des Zeppelinschen, durch das die den Menschengeist so lange beschäftigende Aufgabe des Weitfluges in vorgezeichneter Bahn und mit einem bestimmten Ziele der Lösung nahegebracht, wenn nicht bereits gelöst ist, den Beginn einer neuen Aera von gewaltiger Entwickelungsmöglichkeit zu bedeuten hat. Dabei kann man ganz die Streitfrage bei Seite lassen, ob die Zukunft dem starren System des Grafen Zeppelin, dem halbstarren oder dem unstarren gehört. Freuen wir uns, daß wir in diesem friedlichen Wettkampf um die Eroberung der Luft, um die Beherrschung des Luftmeeres nicht länger hinter de nFranzosen zurückstehen, daß wir ihnen sogar neuerdings anscheinend einen erheblichen Vorsprung abgewonnen haben. Es ist kein Zufall, daß es gerade Militärs sind, die sich neuerdings bei uns dieses Problems bemächtigt und es der Lösung endlich nach so vielen erfolglosen Anläufen jetzt entgegengeführt haben. Denn zunächst werden die großen Summen, die für diese Versuche erforderlich sind, in erster Linie im Interesse der Landesverteidigung hingegeben. Aber es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Ergebnisse schließlich der Allgemeinheit zugute kommen und heute noch ungeahnte Möglichkeiten der gesamten Kulturwelt erschließen werden. Wir stehen vielleicht schon an der Schwelle einer neuen Zeit, wo die Luftschiffahrt zu den alltäglichen und allgemein benutzten Verkehrsmitteln gehören wird, wie heute die Eisenbahnen und Dampfschiffe. Auserwählte Völker. Die„Zukunft" schreibt: Vor zwölf Jahren sahen wir Michaels Bild. Auf einer Felsklippe stand er, im Schuppenhemd, das Flammenschwert in der Hand. Nach dem Wort seines Mundes reckten acht Frauen den in Stahl gegürteten Leib. An des Felsens Sohle lehnte sich ein schmaler Landstreifen, auf dem der Blick Feuersbrunst und Essenqualm, Türme und Kuppeln unterschied. Hinten kauerte zwischen rauchenden Trümmern, ein bleicher Buddha. Und über die Frauen hin ragte das Kreuz. In allen Buchschaufenstern lag dieses Bild, zwischen den Weihnachtsgaben der Belletristen; in steilen Zügen stand drunter:„Völker Europas, wahrt Eure heiligstei Güter!“ Erst das Apophthegman und ein der öffentlichen Meinung aus der Amtsrinne eingeträufelter Kommentar lehrten den Bildsinn verstehen. Der Erzengel war herniedergestiegen, um Europens Völker zum Kampf gegen asiatische Gräueldrohung zu einen. Wie er droben einst wider Satanas=Ababdon seine Heerschaar gereiht hat. Ein Lächeln begrub rasch den Wahn, der den Asiatenschrecken ins Wesensgewand des Buddha gekleidet hatte, des reinsten Weisen, der je sich bequemte, unter Menschen zu wohnen. Die Weltanschauung, die das Bild schuf, lebt heute noch fort. Achtzehnhundert Jahre nach der Offenbarung Johannis noch der Glaube jüdischer Prophetie: Gott, der Herr führt sein Volk vorwärts, schickt ihm das Himmelsgesinde zum Schutz oder wehrt mit eigener Gefahr ihm Gefahr ab. Die Menschengeschichte ein Kampf zwischen Gott und Teufel, zwischen Frommen und Ungläubigen. Noch heute. In Münster, in Memel hörten wirs. Nicht zum ersten Mal; doch stets wieder staunend.„Vor hundert Jahren hat Gottes strafende Hand unserem Volk eine Prüfung auferlegt. Diese Erkenntnis hat das Volk zur Einkehr geführt und die Einkehr hat zur Folge gehabt, daß es sich auf das Wort Gottes besann, daß es zur Religion zurückkehrte. Unsere Vorväter hatten Gotteswort gelauscht; sie haben ihm gehorcht und haben ihm vertraut und Gott hat sie dafür nicht im Stich gelassen. Das Erkennen des göttlichen Willens in der schwersten Zeit hat uns wieder emporgeführt.“ So spricht der Kaiser der Deutschen. So sieht er Vergangenes. Preußen war gottlos geworden, wurde drum gestraft und kam wieder herauf, als neue Furcht des Herrn ihm den rechten Weg wies. Das ist die Saekularlehre unserer hellen Tage. Lauert in solcher Ueberzeugung nicht ernste Gefahr? Die Geschichtschreibung hat über die Ursachen des preußischen Elends keinen Zweifel gelassen. Wenn der König, als die gegen Frankreich verbündeten Mächte ihm Stärkung der im Baseler Frieden verloren Position anboten, sich entschloß, das Schwert zu ziehen, kams nicht so weit; wenn er, statt mit seinem Haugwitz entwürdigende Transaktionen und Ruckzüge zu planen, auf die Stimme der Tapferen hörte, die ihm rieten, der Ratifikation des pariser Februarvertrages die Kriegserklärung vorzuziehen, wurde im Adlerland die Nacht nicht so lang. War Friedrich Wilhelm der Zweite, mit seinen Wöllner, Bischoffwerder und den anderen Rosenkreuzern, nicht fromm? Friedrich Wilhelm der Dritte nicht ein gläubiger Christ? Und darf man verschweigen, daß ihre friedselige Tatlosigkeit das Unheil heranbeschwor? Nicht zu wenig Frommheit hatten sie: hatten zu viel. Sie hofften, das Gewölk, das sich über ihren Häuptern zusammenzog, wegbeten zu können. Sie fühlten nicht, daß Preußen, groß oder klein, verloren ist, wenn ihm der Mut zur Pulverprobe nicht mehr zugetraut wird.„Hätte eine große moralische und intellektuelle Kraft unsern Staat geleitet, so würde sie die Koalition, ehe sie den Stoß, der sie bei Austerlitz traf, erlitten, zu dem großen Zweck der Befreiung Europas von der französischen Uebermacht geleitet und nach ihm wieder aufgerichtet haben. Diese Kraft fehlte. Ich kann Dem, dem sie die Natur versagte, so wenig Vorwürfe machen, wie Sie mich anklagen können, nicht Newton zu sein: ich erkenne hierin den Willen der Vorsehung und es bleibt mir nichts übrig als Glaube und Ergebung.“ So schrieb schon drei Wochen nach dem Abschluß des schönbrunner Vertrages, Stein an Vincke. Auch ein Frommer? Einer, den bald danach sein König in einem aus Memel datierten Handschreiben einen„widerspenstigen, trotzigen, ungehorsamen, nur von Capricen. Erbitterung und persönlichem Haß geleiteten Staatsdiener“ nannte; und der schon im Januar, als er das Auge gen Himmel hob, wohl nur sagen wollte, mit diesem König sei, eben nichts anzufangen. Für die theokratische Vorstellung, die den Franzosensieg als Ahndung unfrommen Wandels nahm, war dieses starke Herz nicht zu haben. In dem Erlebnis der Unglücksjahre fand er andere Lehren als Wilhelm der Zweite. Dem malt auch die neue Pflicht sich anders als anderen[Menschenblicken. Viros vocat.„Wir wollen zum Himmel emporschauen, dankbar für die Gnade, die er uns erweist, indem er uns für gut hält, seine fürsorgenden Zeichen uns zu Teil werden zu lassen. Wir wollen aus alledem lernen, daß auch heute, in einer hohen Blütezeit, wir an den alten Quellen festzuhalten haben. Auch heute gilt es wie vor hundert Jahren, erst den Blick nach oben emporzurichten, in dem Verstehen, daß Alles, was uns blüht und was uns gelingt, durch Fügung von oben erwirkt ist.“ Wie sprach der Herr Johannis des Theologen?„Siehe da: eine Hütte Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein. Und alle werden kommen und erkennen, daß er es geliebt hat, und zu Füßen dieses geliebten Volkes anbeten.“ So klangs, als Galba in Rom regierte. Seitdem haben nur Tonart und Terminologie sich geändert.„Großes hat der Herrgott noch mit uns vor.“„Unser Volk wird der Granitblock sein, auf dem unser Herrgott seine Kulturwerke an der Welt wieder aufbauen und vollenden kann.“„Wir sind das Salz der Erde.“ „Wenn unser Herrgott unserm Volk nicht noch große Aufgaben gestellt hätte, dann hätte er ihm auch nicht so herrliche Fähigkeiten verliehen.“„Die Entwicklungsfähigkeit unseres Volkes ist unbegrenzt.“ „Am deutschen Wesen wird einmal noch die Welt genesen.“ Wo findet man heute noch solche Apokalyptik? Die so angeschaute Welt steht unter Gottes persönlichem Regiment. Der schlägt drein, wenn das Volk nicht fromm genug ist, schickt ihm Landplagen und schreckende Ungetüme, hat dieses Volk aus allen Völkern aber erwählt und wirds, wenn es in Demut sich ihm ergibt, in ein Strahlenreich leiten. Betet also und weicht nicht von altem Glauben. Nur dem Frommen wird Heil. Nur ihm?„Wenn ein wohltätiges Wesen die Welt geschaffen hätte, dann, dünkt mich, hätte es uns glücklicher gemacht, als wir sind.“„Wenn ein Esel allzu schwere Last tragen muß, bricht er zusammen; ein Abergläubiger schleppt die ihm vom Priester aufgebürdete Last in Geduld und merkt nicht, wie unwürdig er sich erniedert.“„Ich lasse Jeden Gott anbeten, wie es ihm paßt, und meine, daß Jeder das Recht hat, selbst sich den Weg zu suchen, der ihn in den Himmel oder in die Hölle führt.“„Die Religion ist eihe alte Maschine, die sich nie abnutzt und die man zu jeder Zeit benutzt hat, um sich die Treue der Völker zu sichern und die Widerspenstigkeit der menschlichen Vernunft zu zügeln.“ Wie Kranke zu allerlei Arzneien ihre Zuflucht nehmen, um zu versuchen, ob nicht eine ihr Uebel heilt, so hat das Menschengeschlecht in seiner Verblendung ein göttliches Wesen ünd eine helfende Kraft in allen natürlichen Dingen vorausgesetzt.“ Das sind Worte Fritzens von Preußen Den hat Gottes Hand nicht gestraft. Der ist nicht zur Religion zurückgekehrt. Und hat dennoch gesiegt. Weil seine Bataillone stärker als des Feindes waren. Millionen spricht heute kein persönlicher Gottheitwille. Millionen wissen, daß Mangel an Frommheit nie die Ursache einer Reichskatastrophe war und daß tatloses Garren auf göttlichen Beistand nie vorwärts half. Sie sind gottlos oder doch, als Schüler Spinozas, Kants, Darwins, ihres besonderen Gottes voll. Wenn an der Zahl der Strenggläubigen das Schicksal des Reiches hinge, wäre es um Deutschland geschehen. Und warum steht nicht einer auf, der Natur oder Kultur erforscht hat, warum nirgends ein tapferer Pfarrer und sagt, auf deutschem Boden, was ist? Weil man, wie Bacon einen Philosophen am Hof Hadrians seufzen läßt, nicht wider Den streitet, dessen Wink dreißig Legionen befiehlt? Dennoch muß es sein; keine Ewigkeit bringt zurück, was die Minute versäumt hat. Preußen sank, weil es unrüstig, schwachgemut, im Willenssitz morsch war und die Kraftprobe scheute. Volk und Fürst empfingen vom annus luctus ernstere Lehre als die von Wilhelm verkündete. Nicht den Sanften, der von oben alles Heil hofft, krönt das Glück, sondern den Tüchtigen, der selbst sich mit starkem Arm den Wert schafft. Kein Engel steigt, uns zu schützen hernieder. Kein Schlund tut im Antlitz unserer Erde sich auf und schlingt den Geisterstrom, der uns wegschwemmen sollte. Ist ein Gott, so macht er nicht an jedem Wochenende die Rechnung. So straft er nicht wie ein Fabrikherr. von zehn zu zehn Tagen und lohnt nicht wie ein Erdenkönig, nach dem Manöver oder beim Ordensfest. So muß man ihm lange zuschauen, Jahrtausende lang, um seines Willens Ziel auch nur zu ahnen. Weh denen, die sich auserwählt glauben! Von ihnen kommt Aergernis. Der Auserwählte schweige und verrate im stillsten Kämmerlein kaum, daß er von hoher Wonne trächtig ist. Weil sie sich auserwählt hieß und von edlerer Art als ringsum die Völker, wurde die Judenheit von den Römern gehaßt; schrieb Tacitus mit ehernem Griffel das ewige Wort vom odium humani generis. Und Juden und Judenchristen wurden durch ihren Glauben ans nahe Ende der Menschenwelt von der schlimmsten Hochmutssünde entschuldigt. Sie sahen keine(Möglichkeit nationalen Lebens vor sich; und suchten sich der einzigen Majestät einzuschmeicheln, vor der ihr Bewußtsein sich beugen mußte und mochte Die Visite des deutschen Kalserpares in Erngland. (Von unserem Londoner Mitarbeiter.) London, den 2. Oktober. Zu dem im November bevorstehenden Besuch des deutschen Kaiserpaares in England erfährt die Wochenschrift„Truth“, daß Kaiser Wilhelm selbst den Wunsch ausgesprochen habe, in Portsmouth zu landen, und darum sei der Befehl gegeben worden, daß das Kanalgeschwader die Kaisevjacht auf der Reede von Spithead erwarten solle. Der Prinz von Wales und der Herzog von Connaught würden beide im Auftrage des Königs nach Portsmouth kommen und die kaiserlichen Gäste bei der Landung empfangen. Der Sonderzug wird an der Hafenstation bereit stehen und die hohen Herrschaften direkt nach Windsor bringen. Weiter erfährt dieselbe Zeitschrift, daß Kaiser Wilhelm den Wunsch ausgesprochen habe, die neue Marine=Kadetten=Anstalt in Osborne zu besuchen, wo gegenwärtig bekanntlich der älteste Sohn des Prinzen von Wales seine Ausbildung erhält, und dieser Besuch werde wahrscheinlich kurz vor der Rückfahrt von Portsmouth aus geschehen, wo die deutsche Kaiserjacht während des achttägigen Besuches bleibt. Weiter teilt„Truth“ mit, daß derartige offizielle Fürstenbesuche gewöhnlich nur vier Tage dauern, daß aber in diesem Falle der König von England die ausdrückliche Bitte ausgesprochen habe, der Kasser und die Kaiserin möchten eine volle Woche hier bleiben. Ein Tag sei, wie bereits bekannt, für den Besuch der City bestimmt, aber es sei nicht richtig, daß Mitglieder der königlichen Familie das Kaiserpaar bei diesem Besuch begleiten würden, weil das gegen die übliche Etikette verstoßen würde, die bei diesen Besuchen immer gewahrt wird. An zwei Tagen würden Jagden in den Forsten von Windsor abgehalten werden. An einem Tage werde wahrscheinlich der Universitätsstadt Oxford ein Besuch abgestattet werden, und dann sei noch immer ein Tag für irgend ein anderes Unternehmen frei. Der Sonntag sei zur Ruhe bestimmt, aber vielleicht werde der Kaiser für einige Stunden nach Eton gehen. Freitag, 4. Oktober 1907 Für den ersten Abend am Tage der Ankunft der kaiserlichen Gäste ist derselben Quelle zufolge ein Familiendiner angesetzt, und an zwei Tagen werden in der St. Georges Hall Staatsbanketts stattfinden, denen dann„Staats.“ oder Hofkonzerte folgen sollen. An den anderen Abenden wird das Diner in dem sogenannten State Diningroom serviert werden, und nachher werden Theatervorstellungen in der Waterloo Chamber gegeben werden. Auch sei es nicht ausgeschlossen, daß während der Woche ein Kapitel der Ritter des Hosenbandordens abgehalten wird, da Kaiser Wilhelm den ausdrücklichen Wunsch ausgesprochen habe, einmal bei einem solchen zugegen zu sein. Die„Daily Mail“ erfährt zu dem Kaiserbesuch noch aus Windsor, daß auf besondere Anordnung des Königs keinerlei Fasanenjagden in dem Großen Park von Windsor vor der Ankunft des Kaiserpaares abgehalten werden dürfen, was sonst immer 1 gleich nach der Eröffnung der Jagd geschieht, auch wenn der König nicht da ist. Die Fasanen sollen in Windsor in diesem Jahre außerordentlich zahlreich sein, so daß man eine gute Jagd erwartet. Die Mehrausgaben der schastskrantertase bei der ge Pranten=Zenappschaftsreform. Man schreibt uns aus Bergarbeiterkreisen: Der Bergassessor Kleine schätzte am 28. September die Mehrbelastung der Knappschaftskrankenkasse auf 13 Millionen Mark, falls die Forderungen der Aeltesten bewilligt werden sollten. Von vornherein sei bemerkt, daß Herr Kleine einesteils zu dieser Auffassung gekommen sein mag, weil zu Paragraph 14 Nobis und Genossen anstatt vom 3. Tage das Krankengeld vom 1. Tage beantragten und Schäfer und Genossen beantragten die Karenzzeit solle wegfallen. Hier ist das Programm nicht genau eingehalten worden, da die eigentliche Forderung lautet: Bei Unfällen soll das Krankengeld vom ersten Tage ab gezahlt werden, ebenso bei anderen Krankheilen, falls die Krankheit 14 Tage dauert. Die Werksvertreter haben das Angebot gemacht, 60 Prozent des Lohnes als Krankengeld(bisher 50 Prozent) zu gewähren. Das macht nach gleichbleibenden Lohnklassen ein Fünftel mehr als bisher. Im Jahre 1905 wurden 7 156 892 Mark im Allg. Knappschaftsverein an Krankengeld gezahlt. Bei 60 Prozent des Lohnes als Krankengeld nach dem alten Statut würde sich die Summe auf 8588 270 Mark gestellt haben. Nach den 60 Prozent, welche die Werksbesitzer im neuen Statutenentwurf bewilligen wollen, würde die Summe jedoch bedeutend niedriger sein, da der 5 Mark übersteigende tägliche Arbeitsverdienst in Zukunft bei der Krankengeldbe= rechnung wegfallen soll, wohingegen bisher 50 Prozent vom Lohn bis zu 6 Mark täglich gezahlt wird. In der 18. Lohnklasse beträgt jetzt das Krankengeld 3 Mark pro Tag, bei 60 Prozent nach dem neuen Statut würde es mithin auch nur 3 Mark betragen, was eine Wenigerausgabe von rund 150000 Mark nach dem Krankenbestande von 1905 ausmachen würde. Bei Betriebsunfällen müssen die Werksbesitzer, falls die Erwerbsunfähigkeit länger als 29 Tage dauert, ein Sechstel de Lohnes, ist 33½ Proz. des bisherigen Krankengeldes, als erhöhtes Krankengeld zahlen. Nach dem neuen Entwurf bei 60 Prozent ist also nicht mehr der Unterschied von 50—66½ des Lohnes zu zahlen, sondern nur noch der von 60—66 3 des Lohnes bis zu 5 Mk. täglichen Arbeitsverdienstes. Zum Beispiel: Ein Bergmann der bisherigen 13. Lohnklasse erleidet einen Unfall, an dessen Folgen er über 29 Tage krank feiert. Vom 29. Tage ab erhält er neben seinem Krankengeld von 3 Mark arbeitstäglich noch 1 Mark als erhöhtes Krankengeld, mithin 4 Marl täglich. Nach dem neuen Entwurf bei 60 Prozen: Krankengeld erhält er an gewöhnlichem Krankengeld auch 3 Mark, vom 29. Tage ab als erhöhtes Krankengeld aber nur 33½ Pfg., mithin 3,33 Mark oder ½ des Lohnes von 5 Mk. täglichen Arbeitsverdienstes und steht sich somit um 66 bis 67 Pfg. schlechter pro Tag als bisher bei 50 Prozent des Lohnes als Krankengeld. Hieraus ergeben sich für die Grubenbesitzer wieder Ersparnisse. Ferner ergeben sich nach den Löhnen von 1906 für die Grubenbesitzer etwa 600.000 Mark an Beitragsersparnissen, die sich daraus ergeben, daß der 5 Mark übersteigende Tagesverdienst auch für die Grubenbasitzer zur Krankenkasse beitragsfrei ist. Wie ist es nun mit der Mehrbelastung der Krankenkasse von 13 Millionen, welche Herr Kleine herausgerechnet hat? Nach der Zeitschrift für Berg=, ütten= und Salinenwesen betrug 1905 die durchschnittliche Zahl Bett-Vorlagen Prima Tapestry. 52X114 cm, schöne Dessins,.50 Prima Tapestry, 57X125 cm, mod. Farben,.40 = Grosse Auswahl in allen Preislagen.= Theodor Althoff. „Rosen“ von Hermann Sudermann. Einakterzyklus. Erste Aufführung im Wiener Burgtheater am 3. Oktober. Wien, 3. Cktober. Ursprünglich hatten es vier Einakter sein sollen, außer den drei am 3. Oktober im Wiener Hofburgtheater zum ersten Mal aufgeführten drei Einaktern Margot. Der letzte Besuch. Die ferne Pringessin(Schauspiel, tragischem Schauspiel, Lustspiel) noch eine kleine Tragödie in einem Akt: Die Lichtbänder. Dieses Vierte mußte von der Aufführung ausgeschlossen werden, weil es über den Rahmen eines Theaterabends hinausgereicht hätte. Ohne all zu großen Zwang hat Sudermann den vier Stücken den Obertitel„Rosen“ gegeben, und wirklich spielen in allen vieren Rosen eine nicht gesuchte Hauptrolle. Immerhin bleibt es ein Wagnis, vier Stücke oder Stückchen mit einem solchen gemeinsamen Titel zusammen zu binden, weil darin von Rosen nicht nur gesprochen wird, sondern Rosen sozusagen mithandeln. Indessen dies ist eine Aeußerlichkeit, und hätte Sudermann nicht selbst den Titel gewählt, ich glaube, nicht jeder Leser oder Zuschauer wäre ohne weiteres darauf gekommen, daß in allen vier Einaktern Rosen mitspielen. Mir selbst war beim Lesen der drei in Wien aufgeführten Stücke der Rosenzusammenhang nicht aufgefallen. Für das stärkste der vier Stücke halte ich gerade das von der Aufführung ausgeschlossene oder vielleicht für spätere Aufführungen vorbehaltene„Die Lichtbänder“. Es ist das klarste, das einfachste, das geradlinigste Stück, auch das wirksamste. Darf irgend jemand wagen, einem Dichter Ratschläge zu erteilen, so würde ich es für eine Vertiefung des Theaterabends halten, wenn z. B. an die Stelle von Margot das kleine Trauerspiel Die Lichtbänder träte. Nur drei Menschen, zwei Männer oder doch ein Mann und ein frühreifer, überreifer Knabe und ein Weib, das Weib des Mannes, die drei in einem Dreiecksverhältnis sehr besonderer Art. Das Weib verführt von dem Knaben und diesen verführerisch festhaltend, der Mann eine von Sudermanns besten Menschengestalten, der zu gebrochen ist, um den Arzt seiner Ehre zu spielen, der, ohne feige zu sein, nur in vollkommener Vernichtung stammelt:„Für die— Regelung— durch einen sogenannten— Ehrenhandel— dafür — bin ich nicht. Ich bin ein bürgerlicher Mann. Ich kenne solche Sachen nur vom Hörensagen“, der aber in einer letzten Aufbäumung des Ehrenmannes die Buhlerin ersticht, als sie ihm, der sie schonen will, den aus ihrem Charakter durchaus begreiflichen Vorschlag zur Güte macht:„Alles beim alten“ zu lassen, also den„nachbarlichen Verkehr“ mit dem lieben Dritten nicht abzubrechen. Erst da erkennt er, daß sie eine Dirne ist und schafft sie aus der Welt. Das den Abend eröffnende Schauspiel Margot leidet an dem Gebrechen, daß wir nicht nur die Voraussetzung der Tragödie eines jungen Mädchens, ihre ruchlose, halb gewaltsame Verführung durch einen teuflischen Kerl, ein„Vieh“, begreiflicherweise nur durch zurückdeutende Bemerkungen der Mutter und des armen Opfers erfahren, sondern auch durch diese Verlegung der Hauptsache vor den Beginn des Stückes nicht ins Klare darüber kommen, wie jene Verführung möglich war, wenn es sich nicht um eine verbrecherische Gewalttat handelte. Um eine beinahe unfaßbare Ungeheuerlichkeit wie die Verführung eines edlen Geschöpfes durch einen Ruchlosen zu verstehen, sie für menschenmöglich zu halten, müßten wir mehr von ihm und von ihr wissen. Dazu würde es eines mehraktigen Dramas bedürfen, und für ein solches ist der Stoff zu abstoßend,— oder es zeigt sich eben, daß ein Stoff wie dieser nur erzählend behandelt werden kann, weil der Erzähler uns durch seine einfach versichernden Worte: so war's, dies und das hat er getan, so hat sie empfunden, daraus erwuchs die Tat, alles sagt, was wir wissen wollen, aber auch wissen müssen. Daß Sudermann es trotz diesem Vergreifen in der Form zu einem so lebenswahr, so rührend ohne Rührseligkeit wirkenden Schauspiel gebracht hat, erscheint mir eine bewundernswerte Leistung. Der Stoff konnte leicht zur redseligen Phrasenmacherei verführen, er konnte auch so widerwärtig wirten, daß aus dem leidvollen Mitgefühl mit einer Mädchentragödie ein Widerwille gegen alle handelnden Menschen entstände. In der künstlerisch zurückhaltenden Darstellung Sudermanns bleibt innige Teilnahme an dem durch ihr Geschick innerlich wachsenden Mädchen das vorherrschende Gefühl, und wir wissen wenn der Vorhang fällt, daß Margots Entschluß, sich des sie trotz alledem liebenden Mannes wert zu machen, keiner der bekannten Aktschlußentschlüsse ist, sondern ein wirklicher Sieg des adeligen Kerns dieses Menschenkindes über die beschmutzte Schale. Im„Letzten Besuch“ erleben wir durch die letzten gesprochenen Worte der kleinen jungen Heldin Daisy eine feiksinnig vorbereitete Ueberraschung und zugleich eine ernste dramatische Erschütterung. In der Nacht vor einem unfehlbar todbringenden Duell hat ein reifer Mann dieses ihm innig ergebene Kind zu seinem Weibe gemacht. Am Tage seines Begräbnisses kommt die feige, längst von ihm verachtete Geliebte des Toten in das Sterbehaus mit heuchlerischem Kummer, mit heuchlerischen Rosen, in Wahrheit nur getrieben von der Angst um das Schicksal ihrer alten Liebesbriefe. Die beiden weiblichen Wesen, die dem Toten in so grundverschiedener Weise zu eigen waren, treffen an der Schwelle zu seinem Sarge zusammen, und das kindliche Mädchen, das dem Toten zum wahren Weibe geworden wäre, weist die feige Heuchlerin ohne ein einziges lautes Wort aus dem Hause: „Darf ich Sie über Hintertreppe und Hof hinausführen, gnädige Frau? Es wird Sie niemand sehen, als höchstens meine Mutter. Sie werden— inzwischen— den Sarg— wegtragen—(gefaßt) Aber wollen Sie nicht doch lieber den Schleier hinunterschlagen?—(Die Dame tut es) Ach und die Rosen— nehmen Sie wohl!“(Die Dame reißt ihr die Rosen aus der Hand). Hier hinaus, bitte!" Das kleine Stück hinterläßt einen sehr tiefen Eindruck, weil wir in diesem Fall alles erfahren, was wir von den drei Menschen des Stückes, auch von dem Toten, wissen müssen. Die Kunst, mit der Sudermann uns ahnen läßt, daß sich an der kleinen Daisy eine volle Tragödie zugetragen, auch die behutsame Kunst seiner Charakterzeichnung macht dieses kaum eine halbe Stunde dauernde Stückchen zu einem in seiner Art meisterlichen dramatischen Werk. Aehnlich wie in seinem früheren Einakterzyklus „Morituri“ steht auch in diesem ein heiteres Spiel der dramatischen Phantasie am anklingenden Ende, immerhin ein etwas greifbareres als das„Ewigmännliche“. Das Schlußstückchen:„Die kerne Prinzessin“ ist ein seines Gewebe aus zierlicher Anmut und derber Erdenhaftigkeit, ein allerliebftes Blauwolkenstückchen, das den guten Humor und die Neigung auch zum Reinphantastischen in demselben Dichter zeigt, der den meisten für einen der„Naturalisten" der Bühne gilt. Die romantische Anbetung der„Fernen Prinzessin" durch den Philologiekandidaten mittels eines Fernrohrs ist ein luftiger Dichtereinfall und das Gespräch zwischen der Prinzessin und dem sie für ein gewöhnliches „Menschenkind haltenden Kandidaten gehört zum Besten, was Sudermann im absichtslosen Humor gelungen ist. Gduard Engel. der Krankentage, für welche Krankengeld gezahlt worden ist(einschließlich Unfälle), im Allg. Knappschaftsverein auf den Kopf eines Kranken 18,4, die Krankentage, überhaupt also auch die Karenz= und Sonntage einbegriffen 23,9 Tage, mithin mehr 5,5 Tage, ist rund 30 Prozent. Die Zahlung der Karenz. und Sonntage würde also im Jahre 1905 eine Mehrausgabe von 2147068 Mark ausgemacht haben. Die Erhöhung des Krankengeldes auf 75 Prozent des Lohnes würde eine Mehrausgabe von 8578446 Mark nach dem alten Statut ausgemacht deben. Es würde sich also durch die beiden genannten Forderungen eine Mehrbelastung der Krankenlasse ergeben haben in Höhe von 5 725 514 Mark. Davon gingen aber, falls die Berechnung nach dem neuen Statut vorgenommen würde und der Wegfall des erhöhten Krankengeldes für Unfallkranke abgerechnet wird, noch etwa 400000 Mark ab. Die gesamten Ausgaben an Krankenlöhnen würde sich also so hoch stellen, wie Kleine die Mehrbelastung angegeben dei. Da aber in dem Reformprogramm das Krankengeld für die ersten drei Tage verlangt wird, wenn die Krankenfeierzeit 14 Tage dauert und nur bei Unfällen sofort gezahlt werden soll, so ist auch die vorstehende Summe noch viel zu hoch. Es feierten nämlich im Jahre 1905 über 57000 Bergleute im Allg. Knappschaftsverein weniger, als 11 Tage krank und die Zahl derjenigen, welche unter 14 Tage feierten, dürfte über 60000 betragen haben, sodaß annähernd 50 Prozent der Kranken unter 14 Tage feierten, wodurch eine Ermäßigung der Ausgaben in Höhe von über einer Million Mark eintreten würde. Diese Feststellungen glaubten wir im Interesse der öffentlichen Meinung machen zu müssen, damit sich keine falsche Ansichten über die Begehrlichkeit der Bergleute festsetzen. Außerdem sind die Aeltesten schon früher auf 663/ Proz. des Lohnes als Krankengeld zurückgegangen. Die Mehrausgabe für Krankengeld würde sich nach dem Stande der Mitglieder bezw. der Krankenziffer von 1905 auf etwa 2 Millionen Mark belaufen. Poltische Abersicht. Deutsches Neich. —(Kultusminister Holle und der Bremserlaß.) Die„Tägl. Rundschau" behauptet, daß Kultusminister Dr. Holle gesonnen sein soll, an dem Bremserlaß seines Vorgängers festzuhalten. Der Staat musse nach der unverändert beibehaltenen Ueberzeugung des Kultusministeriums dafür sorgen, daß die Spannung zwischen den Lehrergehältern in den verschiedenen Landesteilen und den Gemeinden keine zu große werde. Eine Neuregelung der Lehrergehälter und eine Besserung der sozialen Stellung der Volksschullehrer überhaupt sei nur möglich, wenn dem Landtag eine Vorlage vorgelegt werde, die bei einer erheblichen Erhöhung der Einkommensteuer die Mittel zu einer einheitlichen, aber nach oben in gewissem Maße begrenzten Neugestaltung der Gehaltsverhältnisse sichere: Die Deutsche Tagesztg. bemerkt hierzu:„Wir nöchten uns mit dem letzten Satz nicht näher beschäftigen, sondern nur die Folgerung aus der Haltung des Herrn Ministers Holle ziehen, daß es sich bei dem Bremserlaß eben nicht Ausgrabung man in fünf bis sechs Jahren fertig werden würde, wenn man in dem bisherigen Tempo fortfahre, und kam alsdann auf die Marine zu sprechen. Die Amerikaner hätten endgültig ihren Platz unter den großen Mächten der Erde eingenommen und es würde ein Zeichen von Schwäche sein, wenn sie jetzt vor den Verantwortlichkeiten zurückweichen wollten. Wenn sie nicht diesen Platz, die Monroe=Dok'trin und den Panama=Kanal ausgeben wollten, müßten sie zielbewußt zum Ausbau der Schlachtflotte fortarbeiten. Die amerikanische Flotte sei bereits so mächtig, daß sie ein Gegenstand berechtigten Stolzes für jeden Amerikaner sei. Aber so lange sie nicht stärter wäre als jetzt, müsse es als erster Grundsatz betrachtet werden, ihre Hauptmasse immer beieinander zu halten. Wenn der Pana=Kanal gebaut wäre, könnte sie ohne Schwierigkeit von einer Küste zur anderen geführt werden. Aber auch ehe der Kanal fertig wäre, sei es angebracht, daß das von Zeit zu Zeit geschehe. In einigen Monaten würde ja auch eine Flotte großer Schlachtschiffe nach dem Pacific aufbrechen, und, nachdem sie sich dort aufgehalten, nach dem Atlantischen Ozean zurückkehren. Schließlich ging Präsident Roosevelt auf die staatliche Aufsicht und Kontrolle über Korporationen ein. Manche Dinge, die früher der Kontrolle der Einzelstaaten unterlegen hätten, unterständen jetzt der Kontrolle der Nation, so Eisenbahnen, Telegraph und Telephon. Aus dem Dualismus in der Regierung ergäben sich Schwierigkeiten; wenn diese sich als unüberwindbar erweisen sollten, müßte man zu einer Verfassungsänderung greifen. Zunächst sollte man aber den Schwierigkeiten zu begegnen suchen, indem man alle Besugnisse der nationalen Regierung, die in der Verfassung begründet seien, benutze. Die vornehmste wirtschaftliche Aufgabe des Tages in Amerika bestehe darin, für einen Herrscher über die großen Korporationen zu sorgen, die am zwischenstaatlichen Handel beteiligt seien, nämlich die Eisenbahnen und die industriellen Körperschaften. Augenblicklich handle es sich hauptsächlich um die Eisenbahnen. Manche Mißbräuche, die mit diesen Korporationen verbunden seien, würden wahrscheinlich verschwinden, jetzt wo die Regierung die Oberhand gewinne und besonderen Privilegien, die einige dieser Korporationen genössen, ein Ende mache. bezw. der deutschen Schutztruppe liege durchaus nicht vor, und außerdem stehe seinem Klienten der Schutz des Paragr. 193 des Str. G. B. zur Seite, auch habe ihm sicherlich das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit bei seinem Tun gefehlt. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Herrn Verteidigers an, und sprach den Angeklagten frei. In der Begründung des Urteils hieß es, daß die Absicht der Beleidigung dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden könne. Ein Zwischenfall im Prozeß Kieberhofer. München, 2. Oktober. Vor der endgültigen Urteilsverkündigung kam es noch zu einer eigenartigen Unterbrechung. Der Obmann der Geschworenen, Apotheker Brandl hatte nach einstündier Beratung den Wahrspruch der Geschworenen verkündigt. Er lautete: Frage 1 nach Raubmord: Ja, mit mehr als 7 Stimmen. Frage 2a: Urkundenfälschung: Ja, mit mehr als 7 Stimmen. Frage 25 nach der Qualifikation der Urkundenfälschung(Betrug in idealer Konkurrenz mit Urkundenfälschung): Ja, mit mehr als 7 Stimmen. Hierauf wurde der Angeklagte hereingeführt, um den Wahrspruch der Geschworenen entgegenzunehmen. Plötzlich ließ der Vorsitzende ihn wieder ab„treten. Der Gerichtshof zog sich zu mehr als um einen Ausfluß des„Systems Studt“, sondern, ½stundiger Beratung zurück, als deren Ergebnis er um eine sachlich notwendige Verwaltungsmaßnahme verkündete, daß die Art der Behandlung der Fragen gehandelt hat.“ Uebrigens scheint es gar nicht fest= 2a und d es zweifelhaft erscheinen lasse, ob der Spruch der Geschworenen zu Frage 1 vollständig sei und ob auch da die Teile der Frage a und b mit mehr als sieben Stimmen beantwortet sind. Der gustehen, daß Studt der Urheber des Bremserlasses ist, vielmehr kann man erzählen hören, daß er die Arbeit eines Geheimrates mit seiner Person gedeckt hat. — Prinz Heinrich brachte in einem Flottentagesbefehl den Besatzungen der ihm unterstehenden Schifse in Erinnerung, daß mit dem 1. Okt. d. Is. 40 Jahre verstrichen sind, seitdem unsere Kriegsflagge zum ersten Male in ihrer jetzigen Form— damals als Flagge des Norddeutschen Bundes— gehißt wurde. Bei der Gründung des Deutschen Reiches, im Jahre 1871, wurde sie dann die Kriegsernste Arbeit, treue Pflichterfüllung und opferfreudige Hingabe herabgeblickt. So soll sie weiter wehen, zum Stolz des einzelnen, zum Ruhme unseres obersten Kriegsherrn, zum Schutze des Reiches.“ — Die Stellung eines Armee=Inspekteurs der 5. Armee=Inspektion wird, wie in militärischen Kreisen verlautet, anstelle des verstorbenen Großherzogs von Baden wahrscheinlich der Generalfeldmarschall Graf Haeseler erhalten, dem damit die westlichen Grenzkorps, auch das von ihm früher kommandierte 16. Korps, unterstellt würden. Der Graf würde dann wieder in nähere Beziehungen zur Armee treten, die in ihm einen ihrer Heerführer im Kriegsfalle sieht. Der jetzige Großherzog von Baden wird, so vermutet man, wegen seines Augenleidens die Stellung nicht übernehmen. — Die neue politische Korrespondenz bringt nachfolgende authentische Liste derjenigen Botschafter, Minister, Parlamentarier und Publizisten, welche der Reichskanzler in Norderney empfangen hat: Botschafter: Fürst Radolin, Cambon(Frankreich), Inouyé (Japan), Graf Wolff=Metternich, Graf Wedell, Sturdza(Rumänien). Minister: von Bethmann=Hollweg, v. Moltke, von Tirpitz. Parlamentarier: Bassermann, Bartling, Freiherr von Gamp, Kämpff, Liebermann von Sonnenberg, Graf Mirbach, von Normann, Payer, Röftke, Schmidt=Elberfeld, Schrader, Freiherr von Wangenheim. Publizisten: Huret(Figaro), Fitger (Weser=Zeitung), Oertel(Deutsche Tageszcitung), Röse(Schlesische Zeitung), Zimmermann(LokalAnzeiger).— Wie wir hören, kann diese Liste auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen, insofern als noch andere Politiker empfangen worden sind. Gerichtshof habe daher beschlossen, die Geschworenen zu veranlassen, sich wieder in das Beratungszimmer zurückzuziehen und dem gerügten Mangel abzuhelfen.(Lebhafte Bewegung.) Die Geschworenen kehren nach wenigen Sekunden zurück und ihr Obmann verkündet als Ergänzung zu ihrem Wahrspruch a Frage 1a und b mit mehr als sieben Stimmen.— Vors.: Ja oder nein?— Obmann: Ja.— Hierauf beantragte Staatsanwalt Held gegen Niederhofer wegen Raubmordes und schweren Raubes die Todesstrafe, wegen schwerer Urkundenfälschung in idealer Konkurrenz mit Betrug 5 Jahre Zuchthaus, außerdem die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit.— Verteidiger Kleinbegrer stellte keine Anträge. Der Gerichtshof beschloß nach ganz kurzer Beratung nach dem Antrage des Staatsanwalts. Gestern, am 3. Oktober wurde in Hannover ein Denkmal für Rudolf von Bennigsen enthüllt. Die vom Bildhauer Gundelach geschaffene sitzende Porträtfigur ist, was Aehnlichkeit der Gesichtszüge, Freiheit der Bewegungen und Echtheit des inneren Wesens betrifft, vorzüglich gelungen. Trefflich stimmt zu dem markigen Umriß der Figur das vom Architekten Luer entworfene, gedrungene, in antiken Formen gehaltene Postament. Es ist dem Denkmal bei der großzügigen Umgebung durch den dahinterliegenden Rathauspark als Rahmen eine halbtreisförmige Säulenhalle geschafsen, die den Bau auf ein der Rückseite abschließt und gewissermaßen kleines Ehrenforum für die Denkmalsfigur bildet. Die Architekturformen sind ernst und einfach gehalten, wie es die Ausführung in dem harten Granitstein erfordert. Die Darstellung verzichtet auf jeden, bei der Persönlichkeit des großen Patrioten und Parlamentariers leicht gesucht erscheinenden allegorischen Schmuck. Das Postament trägt auf der Vorderseite als Inschrift den Namen„Rudolf von Bennigsen". Für den Festkommers am Abend des 8. Oktober hatte der Reichstagsabgeordnete Bassermann die Festrede übernommen. Roosevelt über Marine= und Verfassungsfragen. Der Präsident der nordamerikanischen Union auf der großen Rundreise, die er gegenwärtig durch die Territorien des Binnenlandes unternimmt, in St. Louis eingetroffen. Er hat dort in einer längeren Rede hochwichtige Ziele der amerikanischen Politik beleuchtet und insbesondere die Entwickelung der Marine und die Ausdebnung der Machtbefugnisse des Staates mit der ihm eigenen programmatischen Bestimmtheit in den Kreis der öffentlichen Diskussion gerückt. Nachdem Präsident Roosevelt es als wünschenswert bezeichnet hatte, daß die Nation sich zur Verbesserung des größten, innerhalb ihres Gebietes gelegenen Wasserweges, des Mississippi und seiner mächtigen Zuflüsse zusammentue, streifte er, in Tolme Nachrichten. Dortmund, 4. Oktober. Die Freunde der evangelischen Freiheit hatten sich gestern für die heutigen Kirchenwahlen im Reinoldushofe zu einer letzten Heerschau versammelt. Herr Oberlehrer Meyer eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis, daß man diesmal keine Auseinandersetzung mit den Gegnern plane; am Vorabend der Wahlschlacht habe es keinen Sinn. eine Verständigung mit den Gegnern zu suchen, es komme vielmehr darauf an, daß man sich auf sich selbst besinne, sich klar werde über Aufgabe und Beruf, welche die Liberalen in der Landeskirche hätten. Dieser Beruf erschöpfe sich nicht, wie immer von positiver Seite behauptet werde, in der Negation.„Nicht auflösen, sondern erfüllen," sei die Parole der Liberalen. Danach nahm das Wort Herr Pfarrer Jatho, von der Versammlung mit lebhafter Begeisterung empfangen. Er führte aus, daß die modern=religiöse Bewegung ein viel zu hohes und die mannigfaltigsten Aufgaben umschließendes Ziel habe, als daß sie ihre Befriedigung darin finHerr Oberlehrer Meyer bespricht noch kurz das kirchliche Wahlrecht und bittet, die Sache heute recht erns: zu nehmen, da die Gegner sich die größte Mühe gegeben hätten. Dann wurde die Versammlung geschlossen. Die Einwände der Positiven gegen die Wahl von Pfarrer Götz sind vom Oberkirchenrat zurückgewiesen; somit wird die Wahl bestätigt. Besichtigung. Gestern fand eine Besichtigung der Wassergewinnungsanstalt des Dortmunder Wasserwerks an der Ruhr durch Kommissare des Herrn Regierungspräsidenten statt, unter Hinzuziehung der Kreisärzte von Iserlohn und Hörde. Die landespolizeiliche Abnahme des Anschlußgleises der neuen Gasanstalt der Dortmunder Aktien=Gesellschaft für Gasbeleuchtung an die Kleinbahn Dortmund=Hafen=Hörde findet am 7. Oktober statt. „Das Mädchen für alles“ in Nöten. Gegen 10½ Uhr wurde gestern Morgen die Feuerwehr zur Lauenburgerstraße gerufen. Auch die Dampfspritze sollte zur Brandstelle fahren. Diese kam jedoch nicht so weit, denn auf dem Westenhellweg brach plötzlich die Hinterachse, worauf der schwere Kessel ruht, mitten durch. Die Straßenbahn mußte ihren Verkehr auf längere Zeit auf dieser Strecke durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die zerbrochene Achse mußte entfernt und eine Reserveachse angebracht werden, was für die Mannschaften keine leichte Arbeit war. Vom Kinderhilfstag. Die Direktion des Stadttheaters hat sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, zum Besten des Kinderhilfstages eine Vorstellung zu geben; ebenso haben der Gewerbeverein, der Männergesangverein„Concordia", das Doppelquartett„Philomele“ und der deutsche TechnikerVerband eine tatkräftige Unterstützung des Unternehmens zugesagt. Die Werbung bezw. Anmeldung von Sammlerinnen geht befriedigend vor sich, doch sind, so weit es sich zur Zeit übersehen läßt, weitere Anmeldungen dringend notwendig. Die 600 für den Kinderhilfstag besonders angefertigten Sammelbüchsen sind inzwischen eingetroffen, einige Musterexemplare werden in mehreren Schaufenstern an der Brückstraße zur Ausstellung gelangen. Da das Schulkuratorium beschlossen hat, am 22. Oktober aus Anlaß des Kinderhilfstages und des Geburtstages der Kaiserin schon um 10 Uhr die Schulen zu schließen, hat der Arbeitsausschuß des Kinderhilfstages die Absicht, durch geeignete Veranstaltungen so weit wie möglich auch den schulfreien Kindern etwas zu bieten, so daß der 22. Oktober nicht allein ein Kinderhilfs= sondern auch ein Kinderfesttag werden soll. Erschlagen. Bei einer in Brackel stattgefundenen Schlägerei erhielt der Bergmann Josef Schulte derartig schwere Verletzungen, sodaß er an den Folgen im hiesigen Luisenhospital verstarb. Die Täter sind die Bergleute Karl Heiduck und Josef Reja aus Brackel. Ein gemeiner Streich wurde einem Spediteur an der Weiherstraße gespielt. Auf dem Lagerhof wurden nächtlicherweile 4 Branntweinfässer angebohrt und enkkorkt, sodaß der Inhalt auslief. Es ist hierdurch ein Schaden von 500 Mark entstanden. Ein betrübender Unfall ereignete sich gestern nachmittag in der Schwanenstraße. Die vierjährige Trudchen Gerhold, welche sich an der Reinola darin fin=dischule herumtummelte, wollte den Straßendamm den könne, das bloß aufzulösen, was fruhere Ge= überschreiten, als sie von einem Wagen der Ring= schlechter geschaffen. linie erfaßt und von diesem überfahren wurde. Der Aermsten wurden vom linken Fuß die Zehen abgequetscht. Nach Anlegung eines Notverbandes ordnete der Arzt die Ueberführung ins Krankenhaus an. Eigenartige Berunglückung. Der in der Uhlandstraße wohnende Metzgergeselle Fritz Brendel hatte sich zu seinen beruflichen Zwecken auf der Kirmes ein scharfgeschliffenes Schlachtmesser gekauft und dieses in wirklich sorgloser Weise in die Tasche seines Beinkleides gesteckt. Gegen Abend kam er so unglücklich zu Fall, daß er sich selbst eine tiefe Stichwunde in die rechte Seite beibrachte. Der Verletzte mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Theater, Konzerte, Vereine 2c. Stadttheater. Der Erfolg, den der überaus lustige Schwank„Der Weg zur Hölle“ auch gestern wieder zu verzeichnen hatte, veranlaßte die Direktion, eine abermalige Wiederholung stattfinden zu lassen und zwar am Sonntag den 6. Oktober nachm. 3½ Uhr zu kleinen Preisen. Durch diese Veranstaltung ist es auch den auswärtigen Besuchern möglich, das übermutige Kadelburg'sche Werk kennen zu lernen. 1 „ Der Verein ehem. 17er(Graf Barfuß) hält am kommenden Samstag Abend im Vereinslokale(siehe Inserat) eine außerordentliche Generalversammlung ab und bitten wir die Kameraden, in dieser Versammlung vollzählig zu erscheinen. Ehrenpflicht der samtlichen, in diesem Herbst vom Regiment zurückgekehrten Kameraden ist es, sich ebenfalls in dieser Versammlung einzufinden und ihren Beitritt zum Verein zu erklären. Bei eingehender Anmeldung sind die Kameraden vom Eintrittsgeld entbunden. Wir wollen nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß der Verein den Mitgliedern Außergewöhnliches bietet. Abgesehen von dem Vereinsvermögen von annähernd 2000 Mark, die vielen im Jahre arrangierten Festlichkeiten usw. erhalten bei eintretenden Sterbefällen a) wenn der Kamerad stirbt, die Hinterbliebenen in diesem Jahre 60 Mark, im nächsten Jahre 75 Mk. und im dritten Jahre 100 Mark, b) bei einer Frau 25 Mark, c) bei einem Kinde 10 Mark. Außerdem werden hülfsbedürftige bezw. in Krankheit geratene, Kameraden besonders unterstützt. Am Samstag, den 2. November er. findet im großen Saale des Gewerbevereins das diesjährige Herbstfest statt, wozu die Kapelle des Infanterie=Regiments Nr. 56 aus Wesel gewonnen ist. Gestorben. Der 20 Jahre alte Bergarbeiter Aug. Siebert von hier hatte sich vor einigen Tagen auf Zeche Kaiserstuhl 1 durch Sturz eine rechtsseitige Schulterverletzung zugezogen. Diese artete gestern in Blutvergiftung aus, an der S. nunmehr verstorben ist. Rascher Tod. Vorgestern Nachmittag mußte die 65 Jahre alte Witwe N. aus dem nördlichen Stadtteile auf dem Steinplatz, auf dem sie sich in auffallender Weise benahm, ihrer eigenen Sicherheit wegen in polizeiliche Schutzhaft genommen werden. Sie war dann gestern Morgen bei ihrer Ueberführung in das Polizei=Hauptgefängnis noch selbst in die Zelle gegangen, in der sie nach etwa einer Stunde, als man nach ihr sah, tot aufgefunden wurde. Anscheinend ist sie einem Herzschlage erlegen. Dieses Ziel sei zu Jesus durchzudringen, sein Bild herauszuarbeiten aus all dem Rankenwerk, wel. ches die Jahrhunderte darum geschlungen haben, und dieses Bild zu einer lebendigen Kraft unseres Lebens zu machen. Als die wesentlichen Züge des Jesusbildes zeichnete er die Freiheit gegenüber jeder Tradition, die Verinnerlichung der Religion gegenüber den auf das Aeußerliche gerichteten Kultus einen starken Glauben an Gott und an das Gute im Menschen, die Verbindung von Religion und Moist fral zu einem organischen Ganzen. Besonders ging der Redner dann auf den Begriff der Erlösung ein und zeigte an der Hand des Gleichnisses vom verburzen Worten den Panama=Kanal, mit dessen teidigte die Haltung des Professor Guttmanns. lohrenen Sohn, daß Jesus die Erlösung als ein Zusammenwirken des Menschen und Gottes gefaßt habe, also wesentlich anders, als es das kirchliche Dogma tut. Endlich zeigte der Redner in geistvoller Weise, wie die Zukunftshoffnung Jesu in veränderter Form ein Teil unseres eigenen Wesens werden könne und müsse. In der Diskussion sprach u. a. auch Herr Profestor Dr. Guttmann, dessen Worte sich zegen einige Ausstrenungen der Gegner richteten. Nach wie vor werden die Liberalen alles tun, um die Pfarrer, auf die die Gemeinde stolz ist, zu schützen und damit diesen das Leben nicht zu sauer gemacht wird Weiter nahm Herr Pfarrer Lie. Traub, der mit großem Jubel begrüßt wurde, das Wort und verdem 1. Strafkammer. Dortmund, 3. Oktober. In den Kellerschen Keller soll, in der Nacht zum 28. Juli, der Wagenführer Gust. Friese von hier eingedrungen sein, und dort eine Flasche Hochheimer, zwei Flaschen Kognak und 22 Dosen Wichse gestohlen haben. Der Angeklagte leugnet, wird aber als überführt erachtet und zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt. Ein Trio von Dieben hatte sich dann zu verantworten. Es sind der Althändler Eduard Kes elbrock, der Händler Meinhaus Krams und der Arbeiter Karl Lange aus Mengede. Sie werden beschuldigt, im Mai und Juni d. Is. in 6 Fällen Diebstähle in Holzwickede und Umgegend ausgeführt zu haben. Sämtliche Angeklagten sind vorbestraft. Kesselbrock ganz erheblich. Die Beweisaufnahme ließ keinen Zweifel an ihrer Schuld. Sie stahlen altes Eisen, Rotgußspähne, Wasserrohre und dergl. mehr. Das Gericht erkannte gegen Kesselbrock auf 2 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, gegen die beiden anderen Angeklagten, auf je 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Wenn die Schützenbüchsen geknallt haben. Am 22. Juli d. Is. kehrten die Bergleute Heinrich Dulle, Wilh. Dulle, Karl Strecke, Karl Externbrink und Wilhelm Glock vom Schüpenfest mit ihren Holzgewehren zurück, und vermöbelten damit ohne jeglichen Grund den Hilfsbremser Anton Kuhlmann derartig, daß er 14 Tage arbeitsunfähig war. Die Vorgänge spielten sich in Holzwickede ab. Die Angeklagten, die noch jugendlich und unbescholten sind, wurden, Externbrink zu 100 und die übrigen zu 150 Mark Geldstrafen verurteilt. Freigesprochen wurde der Arbeitersekretär Wilh Arnswald aus Bochum, der beschuldigt war, am 13. Januar d. Is. in Frohnlinde, gelegentlich einer Wählerversammlung, nicht nachweislich wah. re Tatsachen verbreitet zu haben. Der Angeklagte der am genannten Tage als Redner auftrat, zitierte Stellen aus einer Bebelschen Reichstagsrede, die im„Vorwärts" wiedergegeben worden war. und sich auf Greueltaten bezog, die angeblich von unseren Landsleuten in Eudwestafrika begangen worden sein sollen. Die Zeugen vermochten nur zu bekunden, daß der Angeklagte tatsächlich aus Zeitungsabschnitten zitierte. Der Herr Staatsanwalt setzte die Absicht der Beleidigung voraus und beantragte gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 100 Mark. Der Verteidiger, Herr Rechtsanwalt Franck, wies darauf hin, daß der Angeklagte nur das politische Recht eines jeden Staatsbürgers ausgeübt habe. Eine aus eigener Initiative herrührende Beleidigung des Deutschtums, 1 Liter= und NotweinFlaschen kaufen Nolte u. Co. Ublandstraße 13. F. neue Schuhmach.=Masch. bill. 3. v. Guterberastr. 40. Gebr. Emaille=Herd j. 15 mpr. Cme Mark zu ver zu bei Peere taufen. obestraße Flaschen 18. ke 11. acett Ladenrecal, Küchenherd Anc. u. S. Thete u. guterb. 1 ges. Schr. 1909 g. d G1. Eleg. Bluschaarnitur(rot) u. Plüschsofa spottb. zu verk. Königswall 42,., 1. Etg. Lolfterhausen, zurück. Sedenstraße. A. Mez. 2schl. verk. Federbett(neu) Brüderweg 21, 2. E b. 4. Ber hn. abzug. Fornstr. 99, 2. Eig.(74101 Bettst. Bornstr. Westsatten und Kheinland. Hörde, 8. Oktober.(Schlechte Freundschaft). Zwei Schneidergehülfen hatten in der Bahnhofstraße eine gemeinschaftliche Wohnung inne. Einem derselben wurde von seinem Schlafkollegen eine Brieftasche mit 800 Mark gestohlen. Der Dieb nahm noch Freunde mit nach Dortmund und hat fast in einer Nacht den Betrag bis auf 150 Mark durchgebracht. Jetzt sitzt er hinter Gefängnismauern. Langendreer, 2. Oktober.(Festgenommen) wurde ein Unhold, welcher in der Salzbach eine Frau, die in ihrer Wohnung allein anwesend war, überfiel. Auf den Hilferuf der Frau verschwand der Unhold. Der Polizei gelang es noch an demselben Abend, denselben zu verhaften. In seiner Zelle machte er einen Selbstmordversuch durch Erhängen. Durch sein Röcheln wurde ein Beamter aufmerksam und fand den Verhafteten am Fensterkreuz hängend vor. Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg. Langendreer, 8. Oktober.(Auszeichnung.) Zu Ehren des Herrn Hauptlehrer Enke, welcher am 1. Oktober d. J. nach 42jähriger Tätigkeit in den Ruhestand getreten ist, fand gestern abend im Saale des Herrn Fritz Lindemann ein Festessen statt, zu welchem sich Vertreter seiner vorgesetzten Behörde, der politischen Gemeinde und viele Freunde und Bekannte eingefunden hatten. Herr Landrat Gerstein überreichte dem aus dem Amte Geschiedenen den ihm verliehenen Hohenzollernschen Hausorden mit einer kernigen Ansprache. Bochum, 8. Oktober.(Die Regierung als Vermittler in der Knappschaftsstatutreform.) In den getrennten Sitzungen der Arbeiter= und Werksvertreter machte der Regierungsvertreter Oberbergrat Steinbrück Vermittlungsvorschläge, die in beiden Sitzungen einer eingehenden Besprechung unterzogen wurden. Seitens der Werksvertreter wurde erklärt, einstweilen noch keine wesentlichen Zugeständnisse machen zu können. Man werde sich mit den übrigen Werksbesitzern umgehend ins Einvernehmen setzen. In der heute vormittag stattgefundenen Sitzung der Arbeitervertreter riet der Regierungsvertreter dringend, es nicht zu einem Kampfe kommen zu lassen, sondern möglichst eine Verständigung herbeizuführen. Die Regierung wünsche diese lebhaft. Oberbergrat Steinbrück erklärte sich bereit, auch im Laufe der folgenden getrennten Verhandlungen beiderseits Vermittlungsvorschläge anzunehmen, da er bis zur nächsten Generalversammlung des Knappschaftsvereins im Oberbergamt Dortmund weile. Die Arbeitervertreter werden in einer am Samstag dieser Woche stattfindenden gemeinsamen Sitzung der Reformkommissionen der Verbände und der Siebenerkommission über die Einigungsverhandlungen berichten. Die Werksbesitzer treten im Laufe der Woche gleichfalls zu einer Sitzung zusammen. Courl, 2. Okt.(Gesamtschulverband.) Im Lokale des Wirts Buchbinder fand gestern eine gemeinschaftliche Sitzung der Gemeindevertretungen von Courl, Husen, Lanstrop und Grevel statt. Es standen zur Beschlußfassung die Bildung eines Gesamtschulverbandes Courl bestehend aus den Schulverbänden Courl und Courl=Husen=Lanstrop. Nach genauer Erörterung wurde die Bildung eines Gesamtschulverbandes Courl beschlossen. Habinghorst, 3. Okt.(Neue Kirchengemeinde.) In der Gemeinde Habinghorst hat sich infolge der starken Entwickelung in den letzten Jahren die Zahl der katholischen Einwohner derart vermehrt, daß dort bereits vor 2 Jahren eine Kirche erbaut werden mußte, an welcher gegenwärtig zwei Priester angestellt sind. Die Katholiken gehörten bisher zur Kirchengemeinde Henrichenburg. Einem langgehegten Wunsche der m. M. bill. zu vi. 46, Laden links. Hund(Voxer) entlaufen. Steuerm. a. Halsb. Gea. Belohn. abg. Krimst. 7, 1. E. erh. gute bruckerstraße 20. lohnung. Gaar7747 16che PI seit—10 Tagen entlausen. Wiederbringer erbält gute Belohnung. Zu erfragen in der Geschäftsstelle d. Ita.(73999 Sch Kalz. Vecher zngelaufen. Geg. Belobnung akzukelen. Laonolstraße 8. Deutsche Dogge, Hündin, hellgelb, entlaufen. Vor Ankauf wird gewarnt. Gegen Belohnung abzugeben.— Hohestraße 18. Eingesessenen hat nunmehr die Kirchen= und Staatsbehörde entsprochen, und den bisherigen Filialbezirk zu einer selbständigen Pfarrei vom 1. Oktober er. ab erhoben. Der Bezirk Habsighorst, der sich mit der politischen Gemeinde deckt, wird deshalb vom 1. d. Mts. von der Pfarre Henrichenburg endgültig losgetrennt und zu einer selbständigen Pfarrei erhoben. Als Pfarrkirche dient vorläufig die auf dem Grundstück der Zeche Victor erbaute Notkirche, deren Inventar der neuen Gemeinde überwiesen wird. Die von der Pfarre Henrichenburg für den Bau der Notkirche in Habinghorst aufgenommene Anleihe von 12000 Mk. hat die neue Gemeinde als eigene Schuld zu übernehmen. Ansprüche auf das Vermögen der Muttergemeinde Henrichenburg werden der neuen Pfarre nicht zuerkannt, sie bleibt aber auch frei von allen auf der Gemeinde Henrichenburg lastenden Schulden und sonstigen Abgaben. Wanne, 3. Oktober.(Diebstahl.) Dem Besitzer der Flora, Herrn Marzina wurden von zwei Dienstmädchen, geb. Oesterreicherinnen, gestern ca. 8000 Mark gestohlen. Als Herr Marzina gestern der Kasse einen größeren Betrag entnehmen wollte. um einem Reisenden die Rechnung zu begleichen, bemerkte er einen nicht geringen Fehlbetrag. Er telephonierte sofort der Polizei und ließ in dem Zimmer der beiden Mädchen eine gründliche. Haussuchung vornehmen. Bald fand man denn auch in einem Paket, welches stark mit Wollgarn umwickelt war, 2970 Mark. Die Mädchen hatten vor 14 Tagen gekündigt und wollten heute den Dienst verlassen und ihrem Bruder nach Amerika folgen und dazu gehörte ein ordentliches Reise= und Zehrgeld. Die braven Mädchen wurden sofort verhaftet. Wanne, 2. Okt.(Ein größerer Stubenbrand) entstand vorgestern Abend im Hause des Landwirts Funke an der Dorstenerstraße, der nur mit Mühe gelöscht wurde. Die in dem Zimmer befindlichen Schränke, Betten und andere Möbelstücke sielen dem zerstörenden Elemente zum Opfer. Der Schaden beläuft sich auf über 1000 Mark. Gelsenkirchen, 2. Okt.(Auf der Zeche „Alma“) wurde ein Bergmann von einer Lokomobile erfaßt und so schwer verletzt, daß er bald darauf gestorben ist. Hagen, 3. Okt.(Die letzte Stadtverordnetenversammlung) bewilligte 48000 Mark für den Bau von vier weiteren Brunnen an der städtischen Wasserwerksanlage, um dem gesteigerten Bedarf an Wasser genügen zu können. Ueber die Beseitigung des bestehenden Wassernotstandes war man verschiedener Meinung. Auf der einen Seite glaubt man, daß eintretendes Hochwasser die Verschlammung beseitigen werde, auf der andern wurde die Ansicht vertreten, daß die neuen Brunnenanlagen nur weitere Verlegenheiten in der nähern Zukunft verhindern sollten, man später jedoch andere Vorkehrungen treffen müsse, um sich den nötigen Wasserzufluß zu sichern. Richtig sei, so bemerkte Wasserwerksdirektor Franke, daß das Dortmunder Wasserwerk durch seine neue Anlage bei Giesecke dem Grundwasserstrom bedeutende Mengen Wasser zum Schaden von Hagen entnehme, doch halte er den vorgeschlagenen Ankauf von neuem Gelände nicht für notwendig, da das jetzt im Besitz der Stadt befindliche genüge, um die Stadt für alle Zukunft gegen Wassermagel zu sichern. Im übrigen befurwortete er für später die Anlage eines Anreicherungsgrabens dem Berge entlang. Hagen, 3. Oktober.(Unter Führung des Direktors) Herrn Professor Lalling und mehrerer Lehrer nahmen gestern nachmittag etwa 30 Schüler der Königl. höheren Maschinenbauschule von hier eine eingehende Besichtigung der ausgedehnten Werke der Gasmotoren=Fabrik Deutz in Cöln=Deutz vor. Deutzer Ingenieure führten die Besucher durch die zahlreichen Werkstätten und zeigten ihnen den Werdegang der dort fabrizierten Verbrennungs=Kraftmaschinen verschiedenster Art, wie Gasmotoren, Flüssigkeits=Motoren, Lokomotiven, Lokomobilen, Boots=Motoren usw. Der Nachmittag war für die Hagener Schüler sehr interessant und lehrreich, konnten sie doch einen Blick tun in das Getriebe der größten Spezialfabrik der Welt für Verbrennungs=Kraftmaschinen. Die Gasmotoren=Fabrik Deutz beschäftigt allein in der Stammfabrik 8400 Beamte und Arbeiter. Die Jahresproduktion beträgt etwa 8000 Motoren in Größe von—4000 Pferdekräften und im Werte von mehr als 12 Mill. Ml. Die Stammfabrik in Cöln=Deutz hat einen Flächeninhalt von 115 000 Quadratmetern, wovon 70000 Quadratmeter mit Werkstätten bebaut sind. In diesen werden 792 Werkzeugmaschinen von 40 Gasmotoren mit einer Gesamtleistung von etwa 1600 Pferdekräften betrieben. Außerdem stehen 187 elektrische und Handkrahnen für die Handhabung der schweren und leichteren Teile zur Verfügung. Mit herzlichstem Danke verabschiedeten sich nach mehr als zweistündigem Rundgang die Hagener Gäste. Letmathe, 2. Okt.(Heute Morgen) trug sich auf dem Phönixwerke ein schrecklicher Unglücksfall zu. Der erst kürzlich vom Militär entlassene Arbeiter Kr., der in der Zinkhütte beschäftigt war, stürzte plötzlich in einen Behälter mit Zinkguß. Am ganzen Körper schrecklich verbrannt, zog man den Aermsten aus der Masse heraus. Er liegt jetzt hoffnungslos in Krankenhause. Iserlohn, 2. Oktober.(Der ortsübliche Tagelohn) wird hier ab 18. Oktober von.60 auf.20 Mark erhöht. Demnach richten sich auch die Sätze der Gemeindekrankenversicherung, sowie die der freien Hülfskassen, endlich auch die Familien= unterstützungen der zu Friedenübungen Einberufenen. 3100., 8000 N. Einigkeit 4900 Al., 4750 N. Glückauf=Sondershausen 16 400., 16100 N. Großherzog von Sachsen 5760 A. Güntershall 4100., 4000 N. Heldrungen 1 und 2 je 250., 225 N. Hohenfels 7850 A. Hohenzollern 3200 A. Johannashall 3100., 2950 N. Kaiseroda 7150 N. Neustaßfurt 14 600 A. Rothenberg 1825., 1775 N. Thüringen 5300 A. Wilhelmshall 12000 A. Wintershall 12 300 A. Tendenz: Kohlenwerte matt. Kali matt. Westfälische Drahtwerke in Werne bei Langendreer. Nach dem Geschäftsbericht für 1906=07 war die Beschäftigung während des ganzen Jahres eine sehr starke in allen Betrieben. Die Ende Juni 1906 stattgefundene Auflösung des Stiftenverbandes hat sich ohne nachteiligen Einfluß für die Westfälischen Drahtwerke gezeigt. Die Einrichtungen in dieser Fabrikation haben erheblich besser ausgenutzt werden können. Die im vorjährigen Geschäftsberichte erwähnten Neubauten für die Vergrößerung und Verbesserung der Betriebe sind inzwischen wesentlich vorangeschritten. Die Inbetriebnahme konnte indessen im abgelaufenen Geschäftsjahre nicht mehr erfolgen. Ein Teil ist inzwischen in Benutzung genommen, und wird der Betrieb des Restes wohl in kurzer Zeit ausgenommen werden können. Der Gesamtwert der versandten Fabrikate erhöhte sich, entsprechend den größeren Produktionen und den höheren Erlösen, im abgelaufenen Geschäftsjahre auf 10 549 816 M. (gegen 9 316 850 Mk. in 1905=06). An Löhnen wurden gezahlt 1286 292 Mk.(1174046 Mk.) Durchschnittlich beschäftigt wurden 881 Arbeiter(839). Die per 30. Juni 1907 aufgestellte Bilanz schließt in Aktivis und Passivis mit 7678072 Mk. und ergibt einen Bruttogewinn von 1 669 509 Mk. (1 499 637 Mk.) Hieran sind zu kürzen für Unkosten, Steuern, Zinsen, Ausgaben für Arbeiterwohlfahrt, Versicherungsprämien usw. 320 993 Mk. (288 339 Mk.), ferner für die nach den bisherigen Sätzen vom Aufsichtsrate bestimmten Abschreibungen 181 822 Mk.(143226 Mk.), sodaß ein Reingewinn von 1216 695 Mk. verbleibt, der sich unter Hinzurechnung des vorjährigen Vortrages von 62 850 Mk.(31 654 Mk.) auf 1279544 Mk. (1 104 726 Mk.) erhöht. Von dem Reingewinn sollen für Gewinnanteile und Gratifikationen 172516 Mk.(146 223 Mk.), für eine Dividende von 28 Prozent(28 Prozent) 896000 Mk. verwandt werden, sodann dem Arbeiterunterstützungsfonds 14 095 Mk. zugewiesen und der Rest von 196 933 Mk.(62 849 Mk.) auf neue Rechnung vorgetragen werden. Das durch die Ausgabe der jungen Aktien erzielte Aufgeld hat dem Reservefonds 1198897 Mk. zugeführt. Die Gesamtreserven betragen nunmehr 1622334 Mk. gleich 50,70 Prozent des erhöhten Aktienkapitals. Durch die Kapitaler= höhung ist auch die ganze Auszahlung der Obligations=Restschuld erfolgt. Die Debitoren betragen insgesamt 3 105 157 Mk.(gegen 1573222 Mk. in 1905=06), die Kreditoren dagegen 834 426 Mk. (519 387 Mk.), sodaß die Debitoren die Kreditoren um 2270731 Mk. übersteigen(1053 885 Mk.). Der Auftragsbestand betrug am 1. Juli d. Is. 11 010 To. gegen 17·030 To. zur gleichen Zeit im Vorjahre. Standesamt Dortmund. Vom 3. Oktober. 1. Geburten: Ein Sohn: Lok.=Heizer Fölker, Redtenbacherstr. 14. Eine Tochter: Eisenträger Serowi, Westerbleichstraße 70. Kohlenhauer Hinz, Sternstr. 8. Bergm. Bartscher, Amalienstr. 8. Bauarb. Ahlert, Lessing= straße 54. Postbote Laschinski, Königshof 11. Arb. Wilbrand, Schillerstr. 47. Arb. Grochowski, Holsteinerstraße 5. Bäckermeister Knaup, Königswall 66. Bergm. Tomiak, Brüsselerstr. 16. Aufgebote: Straßenbahn=Wagenführer E. Grone mit Elisabeth Schnitzmeier. Rangierer M. Eischer mit Magdalena Döring. Eisenb.=Schaffner Weier mit Marie Mrotzek. Anstreicher K. Kerber mit Gerturd Tappenhölter. Hochofenarb. K. Retzki mit Karoline Lux Eheschließungen: Modellschreiner A. Schaf mit Ida Grävinghoff. Maschinist H. Wenning mit Gertrud Brölemann. Müller G. Reichel mit Margarete Kraus. Sterbefälle: Stellmacher Heinrich Koch, Hermannstr. 18, 67 J. Ehefrau Anna Schulte, Kesselstr. 60, 47 J. 2. Gebur ten: Ein Sohn: Bergm. Werner, Lortzingstr. 27. Buchhalter Feldmann, Alsenstr. 41. Eine Tochter: Schlosser Erlei, Feldstr. 15. Bergm. Sostwöhner, Bornstr. 202. Dachdecker Bönning, Märkischestr. 82. Bergm. Suppa, Juliusstr. 16. Aufgebote: Eisenwerkarb. O. Gräwe mit Sophie Dickheuer. Ziegeleiarb. H. Reineke mit Auguste Timmermann. Bautechniker A. Kesting mit Johanne Koch. Eheschließungen: Telegraphist W. Winner mit Klara Fromme. Güterbodenarb. W. Witteck mit Josephine Stier. Kellner S. Huscher mit Maria Lueg. Elektromonteur F. Kettwichter und Elfriede Süllwald. Maurer Jos. Jeub mit Hulda Kalkowsky. Masch.=Ingenieur W. Düppe mit Bertha Krämer. Bleilöter W. Klein mit Anna Kohlhaas. Lok.=Heizer G. Wassermann mit Marie Schnichling. Sterbefälle: Maria Olszok, Brunnenstr. 25, 4 Mon. Anna Comes, Inselstr. 10, 3 Mon. Johann Redcierski, Tiefestr. 78, 2 J. Wilhelm Rehkop, von der Goltzstraße 39, 8 Mon. Dreher Wilhelm Feuervorn, Borsigstr. 1, 49 J. Ein guter Appetit ist und bleibt die Hauptsache! Handel, Gewerbe und Verkehr Dortmund, 3. Oktober:(Bericht über den Kuxenmarkt.) Alte Haase 1850., 1800 N. Altendorf 1250 A. Auguste Victoria 16700., 16 300 N. Blankenbutg 2850 N. Brassert 3450., 8300 N. Caroline bei Holzwickede 2900., 2850 N. Charlotte 650 A. Constantin der Große 87000 A. Deutschland bei Haßlinghausen 5250., 5160 N. Dorstfeld 16 500., 15 900 R. Eintracht Tfb. 5150 ., 4950.Ewald 58000 A. Freie Vogel und Unverhofft 9650., 3525 N. Friedrich der Große 29.000 ., 27600 N. Fröhliche Morgensonne 12 400., Germania(Braunkohlen) 700., Gottessegen 4800 ., 4100 N. Graf Bismarck 72.500 N. Graf Schwerin 10100 A. Heinrich 5150., 4950 N. Gelene u. Amalie 18 500., 17700 N. Hermann 1, 2, 8 2650 ., 2575 N. Joh. Deimelsberg 5850., Kaiser Friedrich 8825., 8775 N. König Ludwig 31 200., Königin Elisabeth 22000., 20 500 R. Langenbrahm 10 500., 10 200 N. Lothringen 32100., 30 200 N. Mont Cenis 19000 A. Schürbank und Charlotetnburg 1585., 1560 N. Trappe 3450., 8800 N. Tremonia 8450., 8300 N. Trier 6200 ., 6100 N. Unser Fritz 28 300., 26000 N. Victor 19000., 17000 N. Victoria bei Kupferdreh 1300 ., 1000) R. Kaliwerke. Alexandershall 7700., 7500 N. Beienrede 5600., 5500 N. Burbach 10 800., 10 400 N. Carlsfund 7300., 7100 N. Oesdemona 4400 R. Deutschland=Justenberg Was soll man aber tun, wenn die Eßlust verschwunden ist? Man nehme Scotts Emulsion, die als wohlbewährtes, vorzügliches Nährmittel sofort den Körper zu nädren und zu stärken beginnt und das natürliche Verlangen nach Nabrung in einer Weise bervorruft, daß man mit immer gutem Aopetit die gewodnte Diät beibehalten kann.(36059 Scotts Emussion wird von uns ansschließlich im großen verkauft, und zwar nie lose nach Gewicht oder Maß, sondern nur in versiegelten Oriainalflaschen in Karton mit unserer Schutziaarke(der Fischer mit dem Torsch). Scott& Boione. G. m. d.., Frankfurt a. M. Bestandtelle: Feinster Medizinal=Levertran 190/0, Prima Gipcert 90,0 unterphosphorigsaurer Kalk 4,8, unterphosphorigsaures Natron .0, pulv. Tragant.0, feinster grad. Gumm pulv 2,0, destill. 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Krümer Vermählte Recklinghausen Dortmund den 3. Oktober 1907. Todes-Anzeige! Heute Morgen 1½ Uhr Fentschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater Bruder, Schwager und Onkel, der Dreher Wilhelm Feuerborn im Alter von 49 Jahren. Um stille Teilnahme bittet— Namens der trauernden Hiaterbliebenen: Bertha Feuerborn geb. Sehr nebst Kindern. Dortmund, den 3. Oktober 1907. Die Beerdigung findet Montag, den 7. Oktober, morgens ½ 10 Uhr vom Brüderkrankenhaus aus. statt.(74696 8 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute Morgen 11 Uhr nach kurzem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden unsern lieben, treusorgenden Vater, Grossvater, Schwiegervater, Schwager und Onkel Ciebert-Eiennerl im Alter von 71 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Mengede, Herne, Langendreerholz, Brünningnd, Berlin, Neuwied, Bonn, hausen, Dahlhausen, Dortmune den 3. Oktober 1907. (74.59 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Okt. 4 Uhr vom Sterbehause aus, statt. — Seltener Naumung. in den Ateliers der hiesigen Moden=Akademie S. Willinger, Eli abethstraße Nr. 2u. Parterre=Etage, am Südwall. Visen olchäalse einlehen aer eiaslaug un. unserer„Moden=Akademie“ sind wir no- dringend gezwungen, alle heut angegebenen Waren besserer Damen. Konjektion, welche in unierem einenen Atelier angefertigt worden sind sowie„Originäl=Modelle" innerHais In unser Handelsregister ist bei der Firma:„Dortmunder Terrain=Gesellschaft mit beschränkter Haftung" zu Dortmund folgendes eingetragen: Dem Kaufmann Friedrich Wilhelm Kohlleppel Dortmund ist Prokura erteilt. Tortmund, den 30. September 1907 90110 2 Herrn Dr. Arth. in Köln ein Geboren: Liebmann Sohn. Verehelicht: Herr Dr. Emil Kempsti in Westeregeln mit Frl. Marie Sünn in Bonn. Gestorben: Herr Rudolf Grieving in Düsseldorf, 18 J. Frau Josef Lütz in Bredeney, 25 J. Frl. Melanie Schniering in Borbeck, 32 J. Herr Oberlandesgerichtsrat D. Dr. jur. Friedrich Schulze= Vellinghausen in Bonn, 51 J. Herr Gutsbesitzer Peter Greiffenberg in Möllendorf, 66 J. zu ne- wirklich niewiederkehrend sehr billigen Preisen auszuverkaufen. Beeilen Sie sich in Ihrem eigenen Interesse, da der allergrößte Teil dieser 36178#232 Koniektion geräumt werden muß. Der Verkauf sude. Königliches Amtsgericht Heute Freitag, morgen Samstag und Sonntag statt und zwar von nachstebenden Artikeln: Zuchcheviot- Kostüm- Röcke Der Ehefrau Hermann Bethoe, Marie geb. Schrader zu Dortmund ist für die Firma:„Zuckerwarenfabrik Westfalia Hurter u. Bethge“ zu Dortmund Prokura erteilt. Dortmund, den 26. September 1907. 36179 Königliches Amtsgericht. 1Posten# Blaue mit neuester Garnierung, in allen Größen. Wert 2 95 Die im Handelsregister eingetragene offene Handelsgesellschaft:„Geschw. Vogelsang“ zu Asseln ist aufgelöst und die Firma erloschen. Dortmund, den 27. September 1907. 36180 Amtsgericht. ca. der dovvelte Betrag für nur 1 Posten der Blaue D mit neuester Stoffgarnttur und Volants, der doppelte Beirag Zuchcheviot- Kostüm-Röcke —.— Wert ca. für nur Zuchcheviot- Kostüm-Röcke In unser Handelsregister ist die Firma:„Leopold Kahn“ zu Dortmund und als deren Inhaber der Viehkommissionar und Kaufmann Leopold Kahn zu Dortmund heute eingetragen. Dortmund, den 26. September 1907. 36181 Königliches Amtsgericht. Die im Handelsregister eingetragene Firma:„Hotel Birkenfeld Heinrich Beckmann“ zu Dortmund ist erloschen. Dortmund, den 26. September 1907. 86182 Königliches Amtsgericht. 1Posten Hlaue mit neuester abgesteppter Kante und Knopfgarnitar ∆ Wert ca. der doppelre Betrag für nur Posten## Blaue## Zuchcheviot-Kostüm-Röcke — mit 45 ausspringenden Plisseesalten, Wert bis 12.50 5. 75 für nur In unser Handelsregister ist die Firma:„Hotel Burghof Heinrich Beckmann“ zu Dortmund und als deren Inhaber der Gastwirt Heinrich Beckmann zu Dortmund heute eingetragen. Dortmund, den 26. September 1907. 36183 Königliches Amtsgericht. tan Er Dlaus un Falten-Kostimn-Röoke aus Tuchen und aus reinwollenen Cheviots. Wert O 7E bi6 29 75 für nur 16 75 und.:# ## Blaue„Di Jacken- u. Bolero-Kostäme Chevloi u. aus Tuchen, regulärer Wert bis 30.00 1B 7E für nur 10.13 Sammet-Kostüm-Röcke Nach fast vierjähriger Ausbildung an der chirurgischen Abteilung des Diakonissenhauses zu Witten, Herrn Dr. Boshamer, sowie an der Privat=Frauenklinik des Herrn Professor Straßmann zu Berlin u. d. Provinzial= Hebammenlebran= stalt zu Köle habe ich mich i. Langendreer Poststraße 8, als als Arzt niedergelassen. Sprechstunden:—10 u. 2½—4 Uhr. Dr. Meuwsen. Eröffnung der Station Obereving und Schließung der Station Prinz von Preußen für den Güterverkehr. Am 15. November d. Is. wird die an der Strecke Mengede=Nette=Courl gelegene Station Obereving für die Abfertigung von Frachtstückgut in Mengen von mindestens 2000 Kilogr. in einem Wagen von einem Absender oder an einen Empfänger, sowie von Frachtgut in Wagenladungen des Hafens, Hardenberg und der weiter an sie angeschlossenen Zechen und Werke(ausgenommen die Dortmunder Kleinbahn) eröffnet.„ Die für Obereving in verschiedenen Güter= und Kohlentarifen oder in deren Nachträgen vorgesehenen Tarifentfernungen und Frachtsätze treten daher mit dem genannten Tage unter Wegfall der bisherigen Tarifierung der Oberevinger Anschlußwerke zum Tarif Eving in Kraft... Tagg mirt ti. M M Mit demselven Tage wird die nur dem Wagenladungsgüterverkehr der Zechen„Caroline" und„Prinz von Preußen" dienende Station Prinz von Preußen unter Aufhebung der für sie bestehenden Tarifentfernungen und Frachtsätze geschlossen. Essen, 2. Oktober 1907. Königl. Eisenbahndirektion. 1Posten# Blaue ausschließlich nur gute Qualttäten und neueste O 75 ##at Macharten, Wert dis 90.00.. für nur 16.75 bis S21# Elegante Kostüm-Röcke Pates uer Weisse aus Voile, Cheviot und Gattniuch der auch fußfreie darunter„Original=Modelle“ im zür pe, gr, 4%.75 Pusien Daxr. Weisse m Wolblasen u. Spachtelblusen für Damen und Mädchen: kleidsame, elegante Macharten, darunter Modelle im Werte bis 31/00,.75 für nur 16.75 bis 1 Posten 1 Pesten 9 Habe meine verlegt von Neustraße nach Dickampstraße 71, gegenüber dem Rathaus. Dr. Schütte, Gelsenkirchen. Verein ehem. 176 (Grat Bartuss) Dortmund. Samstag. den 5. Oktober er. abends 9 Uhr, im Vereinslokal Gewerbeverein, Kuhstraße(neben dem Stadttheater): Außerordentliche Scheratversänmiung Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Zahlung der Beiträge. 8. Herbstfest am 2. Novbr. er. betr.(Ausgabe der Festkarten, Plakate usw.) 4. Vereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes. RB. Die vom Regiment zurückgekehrten Kameraden sind, sofern sie umgehend ihre Anmeldung zum Vereine bewirken, vom Eintrittsgeld entbunden, haben auch zum Herbstfeste am 2. Nov. er. freien Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. i. 39 Fahrider schleunigst spottbil ig, gebraucht von Mk 20. 30, 40, 50, 60 neu von Pk. 70 an zu verkaufen. 4872 Kavellenstraße 31 Stoffsopha, 2 eiserne Bettstellen, 1 Mantelstock billig zu verkaufen. Gneisenaustraße 65. Spezial-Haus für Phonographen, Platten u. Walzen Settheiln Maeh Teleph. 549 Westenhellweg 83 Gegr. 1885 vis--vis von meinem Hauptgeschäft Westenhellweg 96. Nur garantiert beste Fabrikate zu Original-Preisen. 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