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Redaktion und Haupt=Agentur Hörde Nr. 125.(W. Loos.) Expedition: Haupt=Agentur Unna Nr. 268.(.Timmermann.) Dortmund." Haupt=Agentur Wanne Nr. 1358.(E. Triebel.) Reinoldistraße 19. Haupt=Agentur Witten Nr. 744.(R. Hartung.) Insertionspreis: 25 Pfg. die Kolonelzeile, für auswärtige Inserate 30 Pfg. Reklamen die KolonelZeile 1 Mark. Für die Aufnahme von Inseraten an bestimmtvorgeschriebenen Tagen wird keine Garantie übernommen. Druck und Verlag: „General=Anzeiger Dortmund“. G. m. b. H. meine Vorstellungen sagte er einfach“ Es kommt mir nicht auf das Recht an, sondern auf die Rücksichtnahme auf die politischen Machtverhältnisse. Er wollte mich auch bestimmen, die Anzeige zurückzunehmen und stellte mir eine etatsmäßige Anstellung in Kamerun und eine Ordensauszeichnung in Aussicht. Ich lehnte aber selbstverständlich dankend ab, weil es mir darum zu tun war, Aufklärung zu erhalten. Später hat der Gouverneur Horn dem Assessor Tietz, der selbst nicht wollte, die Einleitung des Verfahrens gegen mich befohlen. Vor Gericht wurde P. Schmitz ersucht, mir die Beschuldigungen ins Gesicht zu sagen. Er wagte es aber nicht, mir ins Gesicht zu sehen. Von allen Schwarzen wurde erklärt, daß man sie gezwungen habe, gegen mich auszusagen, denn man habe ihnen gedroht, daß sie sonst der große Ferisch der Mission erschlagen werde. Die Schwarzen, welche in der Verhandlung gegen mich aussagten, waren sämtlich solche, die von mir schon bestraft worden waren. Es wurde auch festgestellt, daß die Adjora mehrfach hypnotisiert worden ist, und P. Müller hat zugeben müssen, daß er hypnctisieren könne. P. Schmitz wurde dann zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Ich gebe ohne weiteres zu, daß ich mit dem Mädchen verkehrt habe, aber sie war, wie jeder sehen konnte, älter als 14 Jahre. Den Verkehr mit den schwarzen Weibern habe ich nie geleugnet, ich habe jedoch mit ihnen nie anders verkehrt als jeder andere und ohne es je nach außen zu zeigen. Es waren auf der Station eine Anzahl Mädchen und Knaben teils infolge von Streitigkeiten, teils infolge von Sklavenraubes. Ich habe aber mit den Mädchen auf der Station nicht verkehrt. Vors.: Es wird wohl nötig sein, die Oeffentlichkeit auszuschließen.— Angekl.: Ich bitte, es nicht zu tun, ich habe nichts vor der Oeffentlichkeit zu scheuen. Diese jungen Mädchen waren nicht zu unsittlichen Zwecken auf der Station. Die Patres haben die Mädchen, die bei mir waren, genau gekannt, sie haben sich von ihnen bedien lassen und mit ihnen geschäkert. Die Patres haben oft ihre Füße unter meinem Tisch gehabt, sie haben bei mir gegessen, getrunken und sich amüsiert, freilich hinterher haben sie sich Notizen gemacht. Das alles kann ich beweisen. Sie haben damals an der Sache nichts gefunden, es war auch nichts daran zu finden. Die ganze Anzeigist ja nur hervorgesucht worden, um den Herren Erzberger, Rocren, Prinz Arenberg die Möglichkeit zu geben, das Verfahren gegen P. Schmitz zu verschleppen. Vors.(unterbrechend, zu.=A. Schreiber): Bitte die Ausführungen nicht durch Lachen zu unterbrechen.—.=A. Schreiber: Es war kein Lachen, sondern nur ein Ausdruck der Verwunderung, aus der man ja bei diesen Ausführungen gar nicht mehr herauskommt. Ich bemerke, Pater Schmitz hatte Berufung eingelegt und ist dann freigesprochen worden.— Vert..=A. Bredereck: Ich bitte, daß der Herr Angeklagte folgende Fragen beantworten darf: ob er die Adjaro durch Peitschenhiebe gezwungen habe?— Angekl.: Nein.— Vert.: Ob er sie gebraucht hat, als sie noch nicht 14 Jahre alt war?— Angekl.: Nein. — Vert.: Ob er sich einen Harem junger Mädchen gehalten hat?— Angekl.: Nein.— Bredereck: Ich bemerke auch noch, daß das Alter der Adjaro niemals in den Gerichtsakten festgestellt worden ist, was auch bei den dortigen Verhältnissen unmöglich wäre. Der Herr Kläger kann sich auf keine Gerichtsakten beziehen, sondern nur auf die Handakten des Rechtsanwalts Court. Da immer die Rede von Aktenmaterial ist, so stelle ich das hiermit fest, damit vor der Oefefntlichkeit das Bild nicht verschoben wird. Abg. Roeren: Es handelt sich hier nur um den an sich ganz irrelevanten Moment, in welchem der Herr Angeklagte das Mädchen zu sich nahm. Damals war sie noch nicht 14 Jahre alt, sowohl nach der eigenen Aussage des Herrn Schmidt wie dem allgemeinen Gutachten.: Ich möchte den Angeklagten fragen, ob er nicht von den fünf jungen Stationsmädchen außer mit der Adjaro auch mit der Pombo orkehrt habe?— Angekl.: Ich habe in den sechs Jahren verschiedene Weiber gehabt, auch die Pombo. Aber erst später. In dem ersten Dienstjahr habe ich von den Mädchen auf der Station nicht ein einziges berührt, auch die Adjaro nicht.—.=A. Schreiber: Gegenüber den Vorwürfen gegen Gouverneur Horn zu der skandalösen Verhaftung der Missionspatres verweise ich auf den Bericht Horns, in dem es heißt:„Ich hatte ausdrücklich mir vorbehalten, die Sache selbst zu entscheiden. Daß das Verfahren gegen die Patres ganz ungerechtfertigt war, konnte ich auch ohne Akten entscheiden, deshalb habe ich auch Herrn v. Rotberg abberufen.“ Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß sich wegen der Verhaftungsaffäre der Angeklagte nicht beleidigt fühle und daß deshalb diese Sache ausscheiden könne.—.=A. Schreiber würde das sehr bedauerlich finden. .=A. Bredereck: Herrn Schmidt interessiert die Verhaftungsgeschichte selbst nicht. Wir wären schon im Interesse des Herrn v. Rotberg bereit, darauf einzugehen. Protestieren muß ich aber entschieden dagegen, daß man die Verhaftung der Patres als skandalös und ungerechtfertigt bezeichnet.— Vors.: Das Gericht behält sich die Entscheidung vor, ob die Beweisaufnahme sich auch auf diesen Punkt erstrecken soll.—.=A. Bredereck: Herr Roeren behauptet jetzt, daß er nicht gesagt habe, Herr Schmidt habe die Adjora auch schon gebraucht, als sie erst 14 Jahre alt war. Er will nur haben sagen wollen, daß er ein vierzehnjähriges Mädchen zu sich auf die Station genommen habe. Jeder Mensch, der Deutsch versteht, kann aber aus der Rede nur die Auffassung haben, daß das Herrn Schmidt vorgeworfen ist, dann sind wir also auch berechtigt, zu sagen, daß Herr Roeren wider besseres Wissen gehandelt habe.— Vors.: Herr Schmidt, haben Sie aus der Rede entnommen, daß Ihnen dieser Vorwurf gemacht werden solle?— Angekl.: Anders konnte man die Worte ja gar nicht auffassen.— Vors.: Die Entscheidung selbst wird ja Sache des Urteils sein.— Abg. Roeren: Von dieser meiner Erklärung nehme ich kein Wort zurück. Es werden dann die Urteile verlesen. Bei Verlesung des dritten Urteils wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen weil darin die Aussagen der Adjaro über die intimen Vorgänge genau geschildert werden. Es wurde auf Freisprechung in der Berufung erkannt weil Pater Schmitz Paragr. 193 zugebilligt wurde, weshalb auch auf den vom Rechtsanwalt Court angebotenen Wahrheitsbeweis nicht eingegangen wurde. Zeuge v. Rotberg: Die Adjaro war, als ich sie kennen lernte, bereits über 14 Jahre alt. Das Mädchen zeigte vollständige Reife, sie machte einen sehr sinnlichen Eindruck und nicht den Eindruck, als ob sie unberürht sei, vielmehr als ob sie sich schon öfter dem Liebesgenuß hingegeben hättet. Daß der Angeklagte mit ihr verkehrt hat, gab er ohne weiteres zu, er bestritt aber, daß es in der ersten Dienstperiode geschehen sei. Die Adjaro verwickelte sich in Bezug auf die angeblichen Vergewaltigungen in solche Widersprüche, daß ihr Zeugnis nicht als ausschlaggebend angesehen werden konnte. Sie wies Narben vor, aber sie konnten nicht von Peitschenhieben herrühren, sondern meiner Ansicht nach daher, daß sie sich vielleicht auf einen brennenden Zweig gesetzt hatte. Das mag unwahrscheinlich klingen, ist es aber nicht. Das hängt mit der Art zusammen, wie die Schwarzen ihre Feuer anmachen. Die Adjaro mag als Kind das Unglück gehabt haben, daß sie sich auf einen brennenden Zweig setzte. Der Regierungsarzt kam auch zu keiner bestimmten Beurteilung. Von Peitschenhieben konnten die Narben nicht sein, denn sonst wären sie gerade und scharf abgegrenzt gewesen. Und die Narben, die allenfalls davon hätten herrühren können, führte sie selbst auf andere Gründe zurück. Ich stellte das Verfahren ein, weil meiner Ueberzeugung nach nicht der leiseste Verdacht gegen Herrn Schmidt vorhanden war. Inzwischen hatte mich der Gouverneur Horn telegraphisch abberufen. Ich hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß die Lage des Angeklagten schwierig geworden sei, weil man die Eingeborenen gegen ihn aufgehetzt hatte. Ich gab ihm den Rat, daß er gegen seine Beleidiger vorgehen solle.— Vertr..=A. Jäger: Hatten iSe den Eindruck, daß die schwarzen Zeugen von irgend einer Seite beeinflußt worden waren? Zeuge: Diese Ansicht schöpfte ich aus den widersprechenden Zeugenaussagen, und sie ergab sich auch aus dem regen Verkehr, der zwischen den Zeugen und der Mission stattgefunden hatte..= A. Jäger: Aus den Briefen der Mission, die beschlagnahmt worden sind, gcht doch wohl auch Drittes Blatt. Die heutige Nummer enthält drei Ausgaben; außerdem vierseitige Unterhaltungsblatt und die achtseitige Beilage,„Dortmunder Lustige Blätter“, zusammen 2 Seiten. Handelsinspektoren. (Von unserem Berliner Bureau.) Berlin, 19. September. Das Kaufmannsgericht zu Frankfurt a. M. hat beim preußischen Handelsminister beantragt, die Aufsicht über die Ausführung der zum Schutze der Handelsangestellten erlassenen gesetzlichen Vorschriften den Gewerbeaufsichtsbeamten zu übertragen. Eine energische Durchführung der gesetzlichen Schutzbestimmungen, die bereits sehr segensreich gewirkt hätten, sei zurzeit, da keine genügende Kontrolle vorhanden sei, nicht gewährleistet. Die Polizei sei auf zufällige Beobachtungen oder auf Angeberei angewiesen. Es müßten fortlaufende Revisionen in den Geschäftslokalen selbst von sachverständigen Personen vorgenommen werden. Auf diese Weise würden gleichzeitig die Prinzipale gegen falsche Denunziationen geschützt werden. Da der Wunsch auf Errichtung von Handelsinspektionen wohl keine Aussicht auf baldige Verwirklichung habe, werde die Uebertragung der Aufsicht über die Durchführung der Schutzbestimmungen im Handelsgewerbe auf die Gewerbeaufsichtsbeamten wohl die gleichen Erfolge gewährleisten. Dagegen verharrt der deutsche Verband kaufmännischer Vereine auf der Forderung nach Einsetzung selbständiger Handelsinspektoren, die, nach Möglichkeit aus dem Handelsstande hervorgegangen, alle in Betracht kommenden Verhältnisse praktisch zu beurteilen vermögen. Nur so könne die Durchführung der zum Schutze der Angestellten im Handelsgewerbe erlassenen Gesetzesbestimmungen überall sichergestellt und dem Willen des Gesetzgebers volle Geltung verschafft werden. Wie wir hierzu erfahren, steht die Reichsregierung nach wie vor auf dem Standpunkt, den übrigens auch der deutsche Handelstag teilt, daß die Einrich= tung von Handelsinspektionen oder gar die Uebertragung solcher Aufgaben auf die Gewerbeaufsichtsbeamten überflüssig und lästig wäre, das Verhältnis zwischen dem Prinzipal und dem Angestellten schädigen und den Kaufmannsstand herabdrücken würde. Auch hat der Bundesrat bereits entsprechenden Eingaben keine Folgen gegeben und dürfte dies auch weiterhin nicht tun. Der Beleidigungsprozeß Roeren conirea Schnidt dor dem Kölner Schöffengericht. (Aufang siehe 2. Blatt.) Köln, 19. September. Der Angekl. Schmidt führte zu seiner Rechtfertigung weiter aus: Ich machte nun Anzeige gegen P. Müller wegen wissentlich falscher Anschuldigung, und die Sache wurde von Dr. Gräfe, der inzwischen wieder abreiste, Herrn v. Rotberg zugewiesen. Herr v. Rotberg setzte die Patres in Untersuchungshaft. Er stellte fest, wie man die Zeugen beeinflußt hatte, wie man die Leute auf die Mission bestellt und mit ihnen Protokolle aufgenommen habe, die nachher als urkundliche Akten ausgegeben wurden. Der Präfekt telegraphierte an den Gouverneur Horn, der sich im Innern befand, und es fand ein Telegrammwechsel mit dem Auswärtigen Amt statt. Herr Horn kam bald selbst auf der Station an, und setzte ohne die Akten gesehen zu haben und ohne die Verhältnisse zu kennen, die Patres frei und den Richter ab. Auf Banst und Wissehschanf. Dortmunder Stadttl aer. Dortmund, 19. September. Faust und Margarethe von Gounod. Man darf gewiß an ein Opernlibretto hinsichtlich der dramatischen Tiefe nicht die gleichen Anforderungen stellen, als an ein Schauspiel. Aber dennoch beschleicht uns eine stille Wehmut, wenn wir sehen, wie die Herren Barbier und Carré„der Tragödie ersten Teil" zu einem Operntext zurechtgestutzt haden. Aus dem nach Erkenntnis ringenden Uebermenschen Faust wird unter ihren erbarmungslosen Händen ein mürrischer Greis, der anfangs selbst nicht recht weiß, was er will und der dann schließlich seine Seele dem Bösen verschreibt, um noch einmal die Freuden der Jugend und der Liebe zu durchkosten. Gounod's Musik bringt uns aber der Tiefe unserer größten deutschen Dichtung wieder ein gutes Stück näher. Zwar finden sich in den dramatischen Steuen manche Konzessionen an den französischen Opernstil, dem auch ein Ballett als Opfer dargebracht wird. In den lyrischen Particen hat Gounoo jedoch das deutsche Wesen und Gemütsleben getroffen, wie nie ein wälscher Tondichter vor und nach ihm. Und er hat fürwahr mit seinen edlen Melodien auch den Weg zum Herzen der Deutschen gefunden. Keine deutsche Oper hat so viel Aufführungen erlebt, wie Gounods„Margarethe“, wie sie der Komponist abweichend vom Theaterzettel genannt hat. Daß sie sich auch bei dem hiesigen PubliZau aicher Lelchet ostent deniast dast gu die setzte Haus. Die Margarethe von Frl. Becker bedarf darstellerisch wie gesanglich noch hier und da der Vertiefung. Vor allem muß sich die Dame vor Intonationsschwankungen hüten, die hier und da wahrnehmbar waren, so namentlich bei ihrem Liede am Spinnrade. Im übrigen zeugte die gesamte Auffassung der Partie von einem ernsten Streben und von guten Anlagen. Dies zeigte sich besonders in der großzügigen Wiedergabe der Schlußszene. Ein weiteres fleißiges Studium dürfte auch zu einer Steigerung des hier und da noch nicht ganz ausreichenden Stimmvalumens führen. Von dem Faust des Herrn Hildebrand gilt ungefahr das Gleiche, nur daß sich hier der Mangel an Kraft in der Stimme noch mehr bemerkbar machte. In den höheren Lagen entbehrte sein Organ einer gewissen Resonanz und Modulationsfähigkeit. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Sänger des weiteren entwickeln wird, jedenfalls fehlt es auch ihm nicht an guten Anlagen. Wenn die Vertreter der Titelrollen hiernach immerhin recht Anerkennenswertes boten, so verdient der Mephiste des Hern Barck uneingeschränktes. Lob. Die Darstellung war überaus charakteristisch und fesselnd; es war nicht jener typische Theaterbösewicht, der uns entgegentrat, sondern der Cavalier mit dem beißenden, hämischen Spott, wie uns Goethe ihn schildert. Auch gesanglich leistete Herr Barck mit seinem kräftigen, klangvollen Baß bei sehr gewandter Deklamation Vorzügliches. Sehr wirkungsvoll war die Wiedergabe des diabolischen Liedes vom Golde und der wilden, unheimlichen Serenade. Herr Schmid, der von der früheren Spielzeit bei uns noch in gutem Angedenken steht, gab den Valentin. Sein Organ hat an Wohlklang und Stärke gegen früher entschieden gewonnen, doch wolle sich der Sänger vor einer allzu kehligen Tonbildung hüten. Im übrigen sang er den braven Soldaten mit vieler Wärme und gab der Sterbescene eine ergreifende Wirkung. Frl. Jülich sang die Partie des Siebel mit ihrer voluminösen, etwas spitz klingenden Stimme recht anerkennenswert. Mit den Rollen der Marthe und des Brander fanden sich Frl. Tscherpa und Herr Pfeiler befriedigend ab. Volle Anerkennung verdient wiederum der Chor. Nicht nur, daß seine Anteilnahme an den Vorgängen auf der Bühne eine lebhafte und wohldurchdachte war, man mußte seine Freude haben an der Sicherheit und Frische, mit der gesungen wurde. Die Volksszene im zweiten Aufzuge gestaltete sich so zu einer Glanzleistung, wie sie unser Theater seit seinem Bestehen vom Chore noch nicht vernommen haben dürfte. Das Ballett im fünften Akte war von der Ballettmeisterin Frl. Wahk sehr geschickt und abwechselungsreich arrangiert. Die Ausführung, bei der sich neben Frl. Wahl Frl. Urban besonders hervortat, war graziös und sicher. Das Orchester bot unter Herrn Wolframs feinsinniger Leitung wieder Vorzügliches. Die Regie lag auch heute in Herrn Hofmanns Meisterhand. Besonders wirkungsvoll war die Kirchenscene und die Schlußscene des vierten Aktes gestaltet. Nach Allem kann der Gesamteindruck der gestrigen Aufführung als ein sehr vorteilhafter bezeichnet werden. hervor, daß die Leute aufgehetzt worden sind. Zeuge v. Rotberg: Einige Briefe sind ja zum Auswärtigen Amt gelangt. Ich kann nur meinen Ausdruck aus einem Bericht wiederholen, daß man mit Bienenfleiß gegen den Stationschef Material gesammelt hat..=A. Schreiber: P. Müller hat ja das zugegeben, aber es geschah erst, als gegen ihn Anzeige erstattet war, zu seiner Verteidigung. Zeuge: Ich hatte den Eindruck, daß von Anfang an systematisch Material gesammelt worden ist.— Nach einigen Auseinandersetzungen der Parteien wird die Sitzung bis nachmittags vertagt. Der Andrang des Publikums zu der Sitzung wird immer stärker, es muß Polizei aufgeboten werden, um die Ordnung zu erhalten. Nach der Pause wird als erster Zeuge Regierungsrat Dr. Gräfe, jetzt Bezirksmann in Dar=es=Salam vernommen. Er hat generell die Genehmigung zur Aussage erhalten. Ihm sei von Schmidt eine Beschwerde über Müller zugegangen, weil ihm dieser vorgeworfen habe, daß auf seine Veranlassung Uebergriffe gegen die Eingeborenen vorgekommen seien, und daß er weiter ein Mädchen vergewaltigt habe. Ich ersuchte den Präfekten Bücking, Herrn Schmidt Genugtuung zu geben. Ich ersah weiter, daß Dr. Kersting an der protokollarischen Vernehmung teilgenommen und daß er die Richtigkeit der Darstellung des Schmidt bekräftigt hatte. Durch Rücksprache mit Kersting überzeugte ich mich auch von der Richtigkeit seiner Darstellung. Vom Präfekten Bücking kam der Bescheid, daß die Mission die Sache dem Gouverneur Horn unterbreitet habe. Ich hatte den Eindruck, daß ich, wenn ich vom Gouvernement aus gegen die Mission Strafantrag stellen würde, vom Gouverneur Horn desavouiert werden würde. Ich gab deshalb Schmidt anheim, selbst Strafantrag zu stellen. Inzwischen war Herr v. Rottberg auf der Station gewesen und Herr Schmidt hatte ihm den Strafantrag direkt übergeben. .=A. Bredereck: Sie sind ja wohl in Atakpame gewesen und hatten Auskunft über die Wirksamkeit des Herrn Schmidt zu geben?— Zeuge: Ich bin in Atakpame gewesen, als Herr Schmidt auf Urlaub war, aber ich konnte doch ein Bild von seiner Amtstätigkeit erlangen. Beim Betreten des Bezirks fiel mir die zufriedene, ruhige und vergnügte Haltung der Bevölkerung auf. Herr Schmidt machte den Eindruck eines außerordentlich fleißigen und energischen Beamten, der den Bezirk in guter Ordnung hielt. Besonders fielen die guten Wege auf. Man merkte, daß da ein Mann tätig war, der den Bezirk nach einem großzügigen Plane verwaltete. Die Bevölkerung zeigte sich nicht zurückhaltend, sondern zutraulich.— Zeuge Oberleutnant Emend war zu jener Zeit auf der Station, als die Beschwerde der Mission über Schmidt einlief. Er habe auf der Station, als die Beschwerde der Mission über Schmidt einlief. Er habe auf der Station gewohnt und dieselbe nie allein verlassen. Wenn Schmidt ein Mädchen geschlagen hätte, hätte er es hören müssen. Es sei auch unmöglich, daß Schmidt das Mädchen auf der Reise, wie sie behauptete, zum zweiten Male mißhandelt habe. Ihm sei auch in dem Wesen des Mädchens nie etwas aufgefallen, was auf eine vorhergegangene Züchtigung hätte schließen lassen. Ob Schmidt die Adbjao gebraucht habe, wisser er nicht, aber er halte es nicht für wahrscheinlich. Als Schmidt seinen Urlaub antrat, habe er, Zeuge, ihn begleitet. Auch einige junge Mädchen begleiteten Herrn Schmidt. Auch bei dieser Gelegenheit sei ein Geschlechtsverkehr unmöglich gewesen.—.=A. Bredereck: Wie alt schätzten Sie damals die Obdjao?— Zeuge: Ueberdas Alter war ich mir nicht klar. Sie stand auf der Uebergangsstufe zwischen Kind und Jungfrau.— Abg. Roeren: Wann ist das etwa?— Zeuge: Im 13. bis 14. Lebensjahr.— Zeuge hatte in den Verhandlungen, denen er sämtlich beiwohnte, den Eindruck, daß die Obdjag nicht wahrhaftig war. Sie behauptete daß die erste Mißhandlung und Vergewaltigung stattfand, als Zeuge auf einer nächtlichen Jagd abwesend und Schmidt allein auf der Station war. Er, Zeuge, sei aber niemals allein auf der Jagd gewesen und habe ohne Schmidt nie die Station verlassen. Dann seien ihre Angaben über die Narben widerspruchsvoll gewesen. Sie zeigte kleine runde Narben, die von Peitscheihieben herrühren sollten, während der Arzt diese Narben auf Geschwüre zurückführte, wie sie bei Negern nicht selten sind. Als man dann auf einen langen Striemen hinwies und fragte, ob dieser vielleicht von Peitschenhieben herrühre, sagte sie, daß derselbe von etwas anderem herrühre. In der Verhandlung haben Verwandte der Abdjao gesagt, daß sie von der Mission gezwungen wurden, gegen Schmidt auszusagen, weil sonst der große Fetisch der Mission über sie kommen und sie erschlagen würde.— Algeklagter Schmidt: Stellten Sie nicht fest, daß alle Zeugen, die gegen mich ausgesagt haben, von mir schon vorher bestraft waren?— Der Zeuge bestätigt das. Angekl.: Hatten Sie nicht den Eindruck, daß die Mission mit allen Mitteln darauf hin arbeitete, mich zu entfernen?— Zeuge: Jawohl, es wurde festgestellt, daß das Verfahren gegen Schmidt eingeleitet worden war, um ein anderes Verfahren aufzuhalten. Zeuge verweist noch darauf, daß das Verhalten der Obdjao dagegen sprach, daß sie von Schmidt mißhandelt worden sei. Denn als Schmidt an der Küste von den Mädchen Abschied nahm, fingen alle an zu weinen, auch die Obdjao.(Heiterkeit.) Zeuge Regierungsrat Dr. Gräfe hat die drei Mädchen, die Herrn Schmidt begleiteten, auch gesehen. Sie spielten wie Kinder und machten nicht den Eindruck, als ob sie geschlagen dder geschlechtlich gebraucht seien. Die Negerinnen ändern ine ketzteren Falle sofort ihr Wesen und zeigen sich zu den Weißen hingebend.—.=A. Schreiber: Ist es richtig, daß Oberleutnant Swend gesagt hat, Herr Schmidt könnte die Abdjao nicht gebraucht haben, da er nachts immer mit seiner Frau zusammen war?— Zeuge: Ja.—.=A. Schreiber: Mit seiner Frau?— Zeuge: Jawohl!—.=A. Schreiver: Mit seiner Frau? Dann war er also verheiratet?— Zeuge: Ja, mit seiner schwarzen Frau. tStürmische Heiterkeit.) Nach afrikanischer Auffassung war er verheiratet.—.=A. Schreiber: Und nach kanonischem Recht ist eine solche Ehe unlöslich.(Heiterkeit.) Zeuge Oberrichter Mayer leitete die Berufungsverhandlung gegen Pater Schmidt. Es wurde festgestellt, daß Herr Schmidt vor seiner Abreise die Abdjao nicht gebraucht habe. Das Gericht hate keinen Zweifel, daß die Abdjao schon in der Zeit, als Herr Schmidt sie nach der Anschuldigung gebraucht haben sollte, über 14 Jahre alt war. Angetlagter Schmidt: Besinnt sich der Zeuge, daß die Mission einen Zeugen beibringen wollte, der die Abdjao nie gesehen, hatte?— Zeuge: Ich glaube das steht im Urteil, ebenso daß Pater Schmitz seine Anschuldigungen nicht habe aufrecht halten können. Der Koch Boto sei so unglaubwürdig, daß er in seiner Praxis noch nie, wie er sagen müsse, einen so krassen Lügner gefunden habe. Der Zeuge bekundet, er habe schon 1903 bei der ersten Vernehmung den Eindruck gehabt, daß die Abdjoo mindestens 16 Jahre at. sei. Pater Müller arklärt auf eine Frage: Ich habe schon einmal erklärt, daß ich niemals Zeugen beinflußt habe. Ich wiederhole es auch in diesem Falle und ich kann es auf meinen Eid nehmen, daß keine von der Mission abhängige Person eine solche Beeinflussung vorgenommen hat. Ich halte es auch für ausgeschlossen, daß der Pater Schmitz es getan haben sollte. Von dem Fall Abdjao hate ich gehört und gesehen, daß Pater Schmitz sehr empört war; er erklärte, er wolle die Sache in die Hand nehmen. Noch, als schon Beschwerden der Eingeborenen vorlagen, hoffte ich mit Schmidt immer noch in ein gutes Einvernehmen zu kommen. Ich hielt es für das gute Recht der Eingeborenen, daß sie sich beim Gouverneur beschweren wollten, aber ich wollte nicht den Zwischenträger spielen. Wenn jemand mich beschuldigt, ich hätte von langer Hand das Treiben gegen mich vorbereitet so ist das eine Verleumdung. Es ist richtig, daß ich Herrn Schmidt vorgestellt habe das Fetischessen zu verbieten, wie es früher der Fall war. Was den Fall Abdjao anbetrifft, so kam der Großvater des Mädchen zu mir und beklagte sich, daß Schmidt das Mädchen wider ihren Willen festhalte und sich der Freiheitsberaubung schuldig mache. .=A. Bredereck: Hat der Zeuge in der Verhandlung nicht einen Brief herausgeben sollen und gesagt, er habe ihn nicht bei sich, während er später zugeben mußte, daß er den Brief doch hatte? — Zeuge Müller: Das bestreite ich, ich weiß nichts davon.— Oberrichter Mayer: Pater Müller hatte den Brief in der Hand, weigerte aber ihn herauszugeben, sodaß ich ihn energisch auffordern mußte. Das ganze machte auf uns einen sehr schlechten Eindruck.—.=A. Schreiber: Wußte man denn, welchen Inhalt der Brief hatte?— Zeuge Müller: Herr Vorsitzender, ich bin vom Oberrichter Mayer hier verdächtigt worden. Ich erinnee mich durchaus nicht des Vorfalles. Herr Rechtsanwalt Court weiß vielleicht davon.—.=R. Gammersbach: Also hat der Zeuge doch den Brief nicht abgeleugnet?—.=A. Schreiber: Wie war denn die Beurteilung des Falles Abdjaos in der Bevölkerung?— Zeuge Müller: Es herrschte große Erregung nicht nur bei den Weißen sondern auch bei den Schwarzen. Es war nicht der erste Fall eines Verbrechens, der Schmidt zugeschrieben wurde. Ich kann noch zwei derartige Fälle nachweisen. Wir kümmern uns nicht um das Privatleben der Beamten und überhaupt der Weißen, solange die öffentliche Moralität nicht gestört wird. Ist das aber der Fall, dann ist es unser Recht und unsere Pflicht der Missionare, alle Mittel zu ergreifen, um dagegen einzuschreiten.—.=A. Schreiber: Ist es in Togo üblich, daß man weibliche Bedienung hält? — Zeuge Müller: Herr Schmidt hatte mehrere Schwarze zur Bedienung. Ein solches Institut gab es weder vorher noch nachdem in Togo. Allerdings Herr Dr. Kersting hatte auch ein ähnliches Institut eingerichtet, sonst aber war es nirgends anzutreffen. Die Eingeborenen hatten auch die Ueberzeugung, daß Schmidt die Mädchen mißbraucht hatte.— Vors.: Haben Sie Beweise dafür?— Zeuge Müller: Nein.—.=A. Schreiber: Teilweise hat ja Herr Schmidt den Mißbrauch schon zugegeben.— Bekl. Schmidt: Nein, das habe ich nicht getan. .=A. Schreiber: Ob es ein Mißbrauch ist oder nicht, wird die Sache der Plaidoyers sein. Ich frage den Zeugen, ob ihm bekannt ist, daß die weib. liche Bedienung jetzt in den Kolonien amtlich untersagt worden i?— Zeuge Müller: Ja, es ist eine amtliche Verordnung ergangen.— Abg. Roeren: Das ist amtlich im Reichstage bekannt gegeben worden. Ich möchte noch feststellen bezüglich der Glaubwürdigkeit des Kochs Boko, daß man diesen Zeugen solange Glauben schenkte, als zu Gunsten des Herrn Schmidt aussagte. Als das nicht mehr der Fall war, wurde dieser Mann als unglaubwürdig bezeichnet.—.=.: Bredereck: Die Urteile sind ja verlesen worden, ich wüßte nicht, daß das darin steht. Ich möchte den Pater Müller fragen, warum er nicht gegen Herrn Schmidt auch wegen der anderen Verbrechen vorgegangen ist.— Zeuge Müll er: Weil mir das Material dazu nicht genügte. Ich bin fest überzeugt, daß im Fall Abdjao ein Verbrechen vorliegt, ich bin auch überzeugt, daß auch in anderen Fällen dieses Verbrechen begangen ist.—.=A. Bredereck: Ich protestiere dagegen, daß hier der Beklagte eines Verbrechens beschuldigt wird, während die rechtskräftigen Urteile gesagt haben, daß dieses Verbrechen nicht vorliegt.— Vors.: Ich bitte auch um mehr Respekt vor den Gerichtsurteilen. .=A. Bredereck: Haben Sie sich nicht auch von weiblichen Personen auf den Stationen bedienen lassen?— Pater Müller: Was will ich machen, wenn ich zu Gast bin. Ich bin nur hingegangen, wenn es meine Pflicht war, oder wenn es die Etiquette verlangte.—.=A. Bredereck: Ist es nicht üblich, daß Kolonialbeamte eine schwarze Frau haben?— Zeuge: Ja, fast alle.—.=A. Bredereck: Hat nicht auch Herr Wustuba eine schwarze Frau gehabt?— Zeuge Müller: Ja. —.=u. Bredereck: Dann lege ich das Regierungsattest vor, daß Herr Präfekt Bücking Herrn Wistuba ausgestellt hat. Darin heißt es: Während meiner zehnjährigen Tätigkeit ist mir kein Beamter vorgekommen, dessen sittliches Leben für die Eingeborenen zur Nachahmung empfohlen werden kann als das des Herrn Wistuba(Goße Heiterkeit).— Zeuge Müller: Mein Vorgesetzter wird dann eben das nicht gewußt haben.—.=A. Bredereck legt eine Photographie vor. Darauf ist Pater Müller mit einem Sektkelch und auch Herr Schmidt mit einem Sektkelch abgebildet. Rundherum sind 5 oder 6 Mädchen und Knaben.(Große Heiterkeit). — euge Müller: Was bedeutet denn das?— .=A. Bredereck: Wenn man Anstoß nimmt an alledem, dann darf man doch auch nicht in Gegenwart von Mädchen Sekt trinken. Zeuge Müller: Ich halte das Sekttrinken nicht für unanständig.—.=A. Bredereck: Hat der Zeuge nicht erst vor kurjem erklärt, daß er den Koch Bako nicht für glaubwürdig halte?— Der Zeuge Müller erinnert sich dessen nicht.— .=A. Bredereck beantragt, den Kolonialbeamten, Assessor Dr. Hermann aus Köln, der augenblicklich auf Urlaub hier sei, darüber zu vernehmen. Dieser Zeuge wird auch aufgerufen, erklärt aber, daß er nicht die Erlaubnis zur Aussage habe.—.=A. Bredereck: Pater Müller bestreitet, Material gesammelt zu haben. Ich bitte Herrn v. Rottberg zu fragen, ob das nicht aus dem Briefe hervorgeht.—.=A. Schreiber: Was hat denn diese Person getan, mit der Herr Schmidt jede Nacht im Bett lag?— Vors.: Sie meinen die Frau?—.=A. Schreiber: Ja, eine seiner Frauen. Angekl. Schmidt: Das war eine Dienerin, die jeden Abend auf die Station kam.—.=A. Schreiber: Ich habe mir die Photographie angesehen; es sind eine Reihe Regierungsbeamte und der Angeklagte eine Reihe bekleideter Mädchen darauf. Dann ist noch eine Person zu sehen, kas kann Pater Müller sein. Es scheint also eine offizielle Gelegenheit gewesen zu sein.— Angekl. Schmidt: Die Paters haben nie sittliche Entrüstung gezeigt. Im Gegenteil. —.=A. Schreiber: Das Gegenteil ist zu beweisen.— Zeuge Müller: Mir ist das immer peinli chgewesen, solchen Einladungen zu folgen.— Justizrat Gammersbach: Es ist unmöglich, auf die Verhaftungssache nicht einzugehen. Das ist ja der Angelpunkt der ganzen Rede Roerens.— Der Vorsitzende fragte den Angeklagten, ob er sich durch die ganze Angelegenheit beleidigt gefühlt habe.— Angekl.: Nein, der offene Brief ist auch nicht die Folge der Verhaftungsaffaire. Ich habe keinen Anlaß, mich davor zu scheuen, daß die Sache vorgebracht wird. Lors.: Wir vollen die Entscheidung darüber einem Gerichtsbeschluß belassen.—.=A. Bredereck protestiert noch einmal dagegen, daß die Verhaftung als ungesetzlich und willkurlich geschildert werde. Ungesetzlich hat nicht Herr von Rottberg gehandelt, sondern der Gouverneur Horn.— Zeuge v. Rottberg: Ich weise die Verleumdung der Willkür zurück. Es ist nicht wahr, daß ich willkürlich gehandelt habe. Die Staatsanwaltschaft hat auch das Verfahren wegen Freiheitsberaubung gegen mich eingestellt. Niemand hat ein Recht, mir diesen Vorwurf zu machen.— Vors.: Das Recht zu diesem Protest wird niemand dem Zeugen bestreiten können.—.=A. Schreiber: Diese Behauptung wird aber wohl wiederholt werden.— Abg. Roe(ren: Ich werde nachweisen, daß, was ich gesagt habe über die Verhaftung, richtig ist und Herr v. Rottberg, wenn Sie sich auf den Einstellungsbeschluß berufen, der 110 Seiten lang ist, so mag er verlesen werden. Ich habe es dann nicht mehr nötig, etwas hat dem Publikum, neben einzelnen Preiserhöhungen, wertvolle Ermäßigungen und vor allem den Vorteil der freien Beweglichkeit gebracht. Wollte man also die Mindereinnahmen als Ausgangspunkt für durchgreifende Aenderungen der Fahrpreise nehmen, so wäre danach weit eher auf die Umgestaltung der Fahrkartensteuer mit ihren verheerenden Wirkungen, als auf eine solche der wohlüberlegten Tarifreform zurückzukommen. Also: Rückwärts, stolzer Cid! Je eher die Fahrkartensteuer„umgestaltet" oder noch besser beseitigt wird, desto besser würde es sein, für das Publikum sowohl wie für die Kassen des Eisenbahnfiskus. bigener Boptschendicher des„Scherar Andeigere“. zu sagen. Die Einstellungsgründe fußen auf das indu dubio pro reo und ignoranzia juris.— Zeuge v. Rottberg: Ich frage, ob Herr Roeren geneigt ist, das, was er im Reichstag gesagt hat, hier vor der ganzen Oeffentlichkeit zu wiederholen. Abg. Roeren: Wenn man wieder— Zeuge v. Rottberg(laut und bestimmt): Ich ersuche um eine Antwort: Ja oder Nein?(Große Unruhe im Publikum.)— Abg. Roeren: Ich werde, wenn es der Herr Vorsitzende wünscht, den Passus wiederholen.—.=A. Schreiber: Zweimal sogar. — Der Vorsitzende erklärt unter allgemeiner Unruhe, daß die Verhandlung für heute abgebrochen werde. Der Zeuge v. Rottberg ruft dem Abg. Roeren zu: Den Mut hat er also nicht! Unter größer Bewegung erklärt der Vorsitzende darauf die Verhandlung bis auf Freitag früh 9 Uhr für vertagt. Man erwartet, daß der Prozeß am Sonnabend abend beendet sein wird. Politische Uebersicht. Eins scharfe Kritik der Fahrkartensteuer veröffentlicht jetzt auch, in einer Betrachtung über die Wirkungen der Personentarifreform, die„Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen". Sie schreibt unter anderem: 1 Die Abwanderung der Reisenden in niedere Klassen ist zweifellos mehr der Fahrkartensteuer als der Tarifreform zur Last zu legen. Diese Steuer ist, wie jetzt wohl von keiner Seite mehr bestritten werde, eine der unglücklichsten Maßregeln, die man sich denken kann. Es kann dahingestellt bleiben, ob Verkehrssteuern überhaupt zu empfehlen seien; vorliegenden Falles ist die fehlerhafte Bildung der Steuer zu tadeln, das heißt die gänzliche Freilassung der vierten Klasse und die Belastung der höheren Klassen in der unerhörten Steigerung von::4 für den gleichen Geldbetrag. Daraus ergibt sich, daß der Steuerzuschlag bei bestimmten Erscheinungen in den höheren Klassen keineswegs nur auf das Doppelte und Vierfache des Steuersatzes der dritten Klasse, sondern, da mit den Preisen der höheren Klasse auch der Steuersatz wächst, in der zweiten Klasse, je nach der Entfernung, auf das 8 bis 4½fache und in der ersten Klasse auf das 9 bis 18½ fache vom Satze der dritten Klasse ansteigt. Eine solche Steuer reizt natürlich im äußersten Maße zur Umgehung, das heißt zur Wahl der niederen Klasse an; sie ist aber in ihrer jetzigen Gestalt um so unhaltbarer, als mit dem Uebergange in die niedere Klasse nicht nur der Steuerempfänger verkürzt, sondern auch die an der Steuer unbeteiligten Eisenbahnverwaltungen den empfindlichsten Schaden zu leiden haben. Oesterreich hat die fehlerhafte progressive Bildung der Steuer vermieden und für alle Klassen einen prozentualen Steuersatz(ca. 12 Prozent) als Fahrkartensteuer eingeführt. Die deutschen Eisenbahnverwaltungen haben vergeblich auf die nachteiligen Folgen der unrichtigen Bildung der Anbennteben. Steuer kang Dt Tarifreform dagegen Schwere Brandkatastrophe in Moabit. Berlin, 20. Sept. Eine Feuersbrunst mit ungemein traurigen Folgen hat gestern, Donnerstag, abend in dem Hause Lehrterstraße 38 gewütet. Infolge eines Zimmerbrandes füllten sich die darüber liegenden Räume des vierstöckigen Hauses dermaßen mit Rauch, daß die Bewohner alsbald in größter Lebensgefahr schwebten. Es gelang der Feuerwehr, 15 Personen durch Sprungtuch und Fangleinen zu retten, eine Frau aber und ein iKnd verstarben. Sechs Bewohner hatten schwere Verletzungen zumeist durch Rauchvergiftung erlitten. Auch ein Oberfeuerwehrmann wurde durch das Einatmen des giftigen Qualms bewußtlos. Alle Schwerverletzten wurden in das Krankenhaus gebracht. Der Brand soll durch Kinder verursacht worden sein, die in einer Wohnung, in der sie eingeschlossen waren, mit Streichhölzern spielten. Ueber die aufregenden Vorgänge auf der Brandstelle liegt uns folgender ausführlicher Spezialdrahtbericht vors Der Ausbruch des Feuers. Das Feuer entstand im ersten Quergebäude des Beamtenhauses einer ruhigen Berliner Mietskaserne, die von zahlreichen Parteien bewohnt ist. Eine jede Etage besteht aus vier, aus Stube und Küche bestehenden Wohnungen. Die Brandstelle war die im ersten Stockwerk befindliche Wohnung des Schlossers Wilke. Die Ehefrau war gegen 5 Uhr ausgegangen und hatte ihre drei Kinder in der Wohnung eingeschlossen. Das jüngste lag im Kinderwagen in der Küche, die beiden älteren, im Alter bis zu 4 Jahren schliefen in der Küche. Was die Kinder in der Zwischenzeit getrieben haben, konnte noch nicht festgestellt werden. Wahrscheinlich sind sie erwacht und haben mit Streichhölzern gespielt.... Um 5¾ Uhr gab es Feuerlärm. Dichter Qualm stieg aus der Wilkeschen Wohnung. Von Hausbewohnern wurden Rettungsversuche unternommen. Die Türen wurden eingeschlagen. Man brachte die Kinder glücklich heraus, vergaß aber in der Eile die Tür wieder zu schließen. Wie so oft bei solchen Gelegenheiten war das Versehen die Ursache dieser großen Brandkatastrophe. Durch den angefachten Luftzug hatte sich der Rauch in alle Stockwerke verteilt und festgesetzt. Gleichzeitig schossen die Stichflammen empor und brachten die Bewohner in die größte Bedrängnis. Jammer und Wehklagen tönte durch das ganze Haus. So scharf setzte der immer stärker werdende Qualm den Geängstigten zu, daß mehrere Frauen dabei waren, aus dem Fenster zu springen. Schließlich verharrten sie solange bis die Feuerwehr eintraf. Die Rettungsarbeiten der Feuerwehr. Um 5 Uhr 36 Minuten traf die erste Meldung vom Feuermelder in der Perlebergerstraße bei der Feuerwehr ein. Sofort rückte der 15. Löschzug aus der Turmstraße unter Brandmeister Hammer ab. Auf eine weitere Meldung rückte Brandmeister Schönbrunn mit dem 16. Zuge ab. Dieser Zug sah schon auf der Hinfahrt den Brand an der Hinterseite der Quergebäude, das an das Gebäude des Dehrter Bahnhofes anstößt. Beim Eintreffen der Feuerwehr ergab sich eine furchtbare Situation. Die Wehr wurde mit dem Rufe empfangen:„Die Menschen springen aus den Fenstern!" Noch bevor die Wagen hielten, wurde das Sprungtuch des ersten Fahrzeuges herbeigeschafft. Bei den anderen Wagen ertönte das Kommando„Sprungtuch!“ Im Sturmschritt eilte die Feuerwehr durch die Durchfahrt des Hauses nach der Vorderfront des zweiten Quergebäudes. Aus allen Fenstern gellten Hilfeschreie. Eine Frau im zweiten Stockwerk hielt ihr Kind zum Fenster hinaus. Im dritten sitzen eine Frau und ein Mädchen sprungbereit auf dem Fensterbrett. Die folgenden Ereignisse spielen sich mit Blitzesschnelle ab? Im Hofe sind mehrere Sprungtücher ausgebreitet. Alle Mannschaften fassen mit Aufbietung aller Kräfte in die Handhabung der Tücher. Schon springen von oben die ersten Bedrohten in das prall gehaltene Tuch: drei Frauen, zwei Männer, drei Kinder werden auf diese Weise gerettet. Diese Aktion hatte mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen, weil unmittelbar unter den Fenstern, aus denen die meisten heraussprangen, sich eine eiserne Einfriedigung befand, die einen Kellerschacht gegen den Hof abschloß. Es lag die Gefahr nahe, daß die Gefährdeten beim Sprung auf die Einfriedigung fallen würden. Schon glaubte der kommandierende Offizier, daß alles glücklich gerettet sei, als sich ein Zwischenfall ereignete. Neue Hilferufe ertönten. Sie kamen jetzt aber von der Hinterseite des Quergebäudes. Sofort wurden alle verfügbaren Mannschaften zusammengezogen und nach der Stelle beordert, von der das Jammergeschrei erscholl. Einige Beherzte kletterten zum Fenster heraus, andere ließen sich in das sofort ausgebreitete Sprungtuch hinab. Zwei Frauen und drei Kinder wurden auf diese Weise unversehrt gerettet. Eine Frau hatte ihre Rettung der Geistesgegenwart von Zivilpersonen und einem Eisenbahnbeamten zu verdanken. Sie breiteten ein auf dem Hofe liegendes Plantuch aus, in das die Geängstigte und ihre Tochter hineinsprangen. Das 13jährige Mädchen langte glücklich unten an, als jedoch die Mutter nachsprang, zerriß das Tuch. Die Bedauernswerte fiel hart auf den Boden und zog sich eine Verletzung der Wirbelsäule zu. Während dieser Zeit waren Feuerwehrleute in das drite Stockwerk gedrungen und hatten von dort zwei Männer mittels Fangleinen herabgelassen. Der Oberfeuerwehrmann Lange, der später leider an einer akuten Rauchvergiftung erkrankte, hat sich hierbei besonders verdient gemacht. Nach sorgfältiger Absuchung des ganzen Baues konnten die ersten Rettungsarbeiten als beendet gelten. Es setzte nunmehr die Löscharbeit der Feuerwehr ein. Mit fünf Rohren, einer mechanischen Leiter, mehreren Hackenleitern und anderen Hilfsmitteln wurde der Breos in verhältnismäßig kurzer Zeit gelöscht. Die Bergung der Berwandeten. Der Verband für das Rettungswesen hatte auf die Alarmmeldung ein halbes Dutzend Kranken. wagen mit Aerzten und Hilfsmitteln entsandt. Eebenso waren von allen Seiten Mannschaften der freiwilligen aSnitätskolonne gekommen. Es war ein trauriges Bild, als die Opfer der Katastrophe in die bereit stehenden Wagen gehoben wurden. In das Augustahospital wurden Frau v. Glinski und Frau Dornbusch mit sehr schweren Verbrennungen und inneren Verletzungen gebracht. Letztere dürfte kaum mit dem Leben davon kommen. Eine Frau, wahrscheinlich Frau v. Rudschinski, wurde bereits erstickt nach dem Hospital gebracht. Trotz aller Bemühungen mehrerer Aerzte konnte sie nicht wieder ins Leben zurückgerufen werden. Ihr kleiner Sohn hatte am ganzen Körper Brandwunden erlitten. In das Moabiter Krankenhaus brachte man die 20jährige Anna und die 12jährige Maria Rossa, die sehr schwere Rauchvergiftungen erlitten und den Arbeiter Georg Bessie, der eine Rückenverstauchung beim Sprung in das Sprungtuch davon getragen hatte. Der einjährige Hans Wilke traf bereits tot im Krankenhause ein, wohin man auch den Oberfeuerwehrmann Lange einlieferte. Möglicherweise wird diese Liste noch eine Erweiterung erfahren, da es gestern unter dem Eindruck der großen Aufregung auch den Polizeiorganen unmöglich war, alle für den Tatbestand notwendigen Angaben von den Hausbewohnern zu erhalten. Die Begehung der Brandstätte. Durch den Hausflur, in welchen das von den Röhren der Feuerwehr zurückfließende Wasser fußhoch steht, geht der Weg vorüber an einem Spalier von Fackeln nach dem Quergebäude. An der Tür des Hauses, in welchem sich die Katastrophe abspielte, steht Branddirektor Reichel im Kreise der Feuerwehr=Offiziere. Ein trübseliges Geschäft wickelt sich ab. Die Liste der Hausbewohner wird verlesen und durch Zuruf der Bewohner ergänzt. Auf diese Weise hofft man die Namen der Verwundeten und Erkrankten am ehesten zu ermitteln. Ein Feuerwehroffizier hält einen kurzen Vortrag und weist nach dem Fenster empor. Deutlich ist der Weg zu sehen, den die übermächtig emporschießenden Flammen genommen haben. Während dieser kurzen Ansprache gehen kalte Douchen auf die Anwesenden nieder. Noch immer wird dort oben kräftig Wasser auf die schwefelnden, rauchenden Massen gegeben.„Bitte, sich anzuschließen," mahnt der Branddirektor, als wir den Hausflur durchschreiten. Weinende Frauen, aufgeregte, wildblickende Männer begegnen ihnen. Sie werden in freundlicher Weise beruhigt und ihre Fragen teilnehmend beant. wortet. Frrch P, U— ch Der Weg nach dem ersten Steckwerk ist mühelos. Das Treppengeländer ist unversehrt. Wäre nicht der intensive Brandgeruch, man würde nichts ahnen von der Katastrophe, die sich dort oben abgespielt hat. Kaum aber haben wir das erste Stockwerk, den Brandherd, wo sich die Wilkesche Wohnung befindet, erreicht, so nehmen wir schaudernd die ungeheure Zerstörung wahr. Die Türen sind zerstört, verbrannt. Die Zimmer bieten das Bild einer ungeheuren Verwüstung. Die Flammen haben kaum etwas übrig gelassen. Die Möbel sind verkohlt. Der ganze Inhalt der Zimmer ist ausgebrannt, die Fensterkreuze auseinander gerissen, der Schutt durch die große Glut verkohlt, die Ziegelsteine bloßgelegt, die Wände sind zerrissen, der Fußboden vernichtet, ein zermorschter Gegenstand. Aber ein freundliches Bild in all dem Greuel. Die Küche ist nahezu unversehrt. Das Bett des Kindes, das seinen Tod gefunden hat, der Kinderwagen, ist heil und ganz. Der Kohlenkasten wird scharf derauf untersucht, ob sich etwas heiße Asche darin befand. Nicht die Spur ist zu entdecken. Auch die Spiritus= und die Petroleumflasche stehen unversehrt auf ihrem Platze. Weiter geht die Besichtigung treppaufwärts. Nun ändert sich das Aussehen des Treppenflures. Nur mühsam tastet man sich vorwärts über die mit Schutt angefüllten Stufen. Das Geländer der Treppen ist verschwunden, von der Flamme aufgezehrt. Ein Schlauch balanziert in der Luft, an dem sich der eine oder andere anklammert. Oben das. selbe Bild der Zerstörung, wie in der unten liegenden Etage. Ausgebrannte Räume, leere Fensterhöhlen, übelriechende Massen, die beständig unter Wasser gehalten werden. So geht die Besichtigung bis zum vierten Stockwerk. Ueberall ist der Weg, den die emporschießenden Stichslammen genommen haben, mit schrecklicher Deutlichkeit gezeichnet, denn die über der eigentlichen Brandstelle im er en Stockwerk befindlichen Räume sind bis zur vierten Etage zerstört, während die Nachbarwohnungen nicht erheblich gelitten haben. Bis zum Dach hinauf zeigt sich gradlinig die Bahn der Flammen. 12. Eine gewaltige Menschenmenge hatte sich an der Brandstelle angesammelt und konnte nur mit Mühe von der Schutzmannschaft zurückgehalten werden. Polizeilentnant Gös leitete die Absperrung. Später traf Polizeimajer Zeist mit einem großen Aufgebot von der Schutzmannschaft ein. Der Kommandant von Berlin ließ sich eingehenden Bericht erstatten. Vor dem Hause spielten sich erschütternde Szenen ab, da die von der Arbeit zurückkehrenden Männer und Frauen sich vor Aufregung nicht zu fassen vermochten, wenn sie ihre Angehörigen nicht sofort erblickten. Die Aufregung wurde durch das glücklicherweise falsche Gerücht, daß mehrere Personen vermißt werden, noch gesteigert. Die Frau Wilke, in deren Wohnung der Brand entstand, sah man noch spät abends, ein Bild des Jammers, durch die Straßen irren. Ein Mädchen an der Pest erkrankt. Petersburg, 19. Sept. In das Eisenbahn= hospital der Station Mandschurija der Sibirischen Eisenbahn ist ein dreizehnjähriges Mädchen mit sicheren Anzeichen von Bubonenpest eingeliefert worden. ebener Erde befinden. Der neue Landwehrinspek. teur Herr Generalmajor von Gersdorff wird zur Uebernahme seiner hiesigen Geschäfte bereits in den nächsten Tagen hier eintreffen. Besitzwechsel. Das seither dem Rechtsanwalt und Notar Herrn Fritz Bohnert gehörende Wohnhaus Moltkestraße Nr. 17 hat Herr Rechtsanwalt und Notar Justizrat Paul Döpner für rund 50000 Mark erworben. Den in der letzten Stadtverordneten=Versammlung geäußerten Wünschen Rechnung tragend, hat das Kuratorium unserer städtischen Sparkasse den Zinsfuß für Hypotheken auf Besitzungen, die im Stadtbezirke Dortmund liegen, auf 4½ pCt. festgeetzt. Von Darlehen auf auswärtige Besitzungen sett. sollen 4¾ pCt. Zinsen gefordert werden. (Weitere lokale Nachrichten siehe 2. Blatt.)# Ein falscher Quartiermacher. Eine Tat, die an die des Hauptmanns von Köpenick erinnert, hat ein Feldartillerist vom Regiment 59 verübt. Er kündigte in verschiedenen Orten des Rheinlandes Einquartierung an und ließ sich bei dem schweren Geschäft des Quartiermachens von den Behörden unterstützen, während die freudig erregte Bevölkerung alles für einen würdigen Empfang der Truppen vorbereitete. Dem Spatzmacher, der für seine humoristische Veranlagung schwer büßen muß, hat man bereits erwischt und hinter die schwedischen Gardinen gesteckt. Die Düpierten machen aber gute Mine zum bösen Spiel und fassen die Sache von der lustigen Seite auf, wie aus folgendem Privattelegramm hervorgeht: .=Gladbach, 19. Sept. Ein falscher Quartiermacher hat das Dorf Harz und andere Ortschaften des Kreises.=Gladbach beglückt. Der Soldat Josef Jocken des Feldartillerie=Regim. 59 war aus dem Manöver desertiert und hatte unter der Angabe, seine Truppe sei dem Sterben nahe, sodaß die Manöver abgebrochen seien und die Truppen zurückkehrten, überall Quartier gemacht. Er verstand es auch, die Polizeibehörden durch sein sicheres Auftreten irre zu führen, sodaß ihm mehrere Polizeibeamte beigegeben wurden. An der Haustür wurde über die Stärke der Einquartierung die übliche Zahl angeschrieben und die Einwohner machten große Einkäufe in Fleisch und sonstigen schmackhaften Nahrungsmitteln, um ihre Soldaten anständig bewirten zu können. Alles war in froher Erwartung und abends entwickelte sich in den Landgemeinden von Fußgängern, Radfahrern und Wagen, da der Quartiermacher auch ein Biwak in Aussicht gestellt hatte. Als aber die Soldaten ausblieben wurde es immer klarer, daß man einem Scherzbold in die Falle gegangen war und nun löste sich die Spannung in ein befreiendes Gelächter auf. Joeken wurde in das Reiterbezirkskommando eingeliefert. Rauxel=Schwerin, 19. Sept.(Ein Unglück kommt selten allein.) Die Wahrheit dieses Sprüchwortes wurde gestern auf Zeche Graf Schwerin wieder einmal bestätigt. Der jugendliche Bergmann Wortmann verunglückte dadurch tödlich, daß er in einen Rollkasten stürzte. Ein Bruch der Schädelbasis brachte ihm nach kurzer Zeit den Tod. Sodann wurde der erst 18 Jahre alte Bergmann Feier von einem mit Steinen schwer beladenen Wagen überfahren und totgequetscht. Während der ersten Morgenstunden ertönte zweimal das Feueralarmsignal. Das erste Mal brannte im 4617 Der deutsche NaturDresden, 19. Sept. forscher= und Aerztetag, der zurzeit in Dresden seine Sitzungen abhält, bestimmte gestern Köln zum Versammlungsort im Jahre 1908. Die Festungskriegsübung. Im Anschluß an die bisherigen Berichte über die Festungskriegsübung bei Posen wird weiter gemeldet: Die Nacht vom 17. zum 18. September verlief wieder für beide, Angreifer wie Verteidiger, recht unruhig. Im Festungskriege muß die Nacht zum Tage gemacht werden, wenn der Angreifer mit seinen Arbeiten zur regelrechten Belagerung einer Festung fertig werden will. Das Feuer der schweren Festungsgeschütze macht eine Annäherung bei Tage im Bereich der Feuerwirkung fast zur Unmöglichkeit. Der Belagerer muß die Dunkelheit benutzen, um sich näher an die Werke heranzuarbeiten. Diese Annäherungsversuche möglichst zu vereiteln ist nach Beendigung der Einschließung Hauptaufgabe des Verteidigers. So versuchte auch gestern früh der Verteidiger, durch einen erneuten Ausfall im Nordosten der Festung sich Luft zu verschaffen und die Linien des Angreifers zu durchbrechen. Die Nacht war bei wunderbarem Sterunhimmel sehr dunkel, sodaß man kaum auf zwanzig Schritte die Annäherung eines aufrecht gehenden Menschen erkennen konnte. Doch wieder wie in der vergangenen Nach war der Ausfall durch Patrouillen frühzeitig gemeldet worden. Wohlvorbereitet empfing der Belagerer die Kolonnen. Hier und dort gelang es der Ausfalltruppe, einen Erfolg zu erringen, im allgemeinen aber blieb der Ring um die Festung geschlossen. Der Verteidiger wurde in seine Werke zurückgeworfen. Während des nächtlichen Vorstoßes spielten die Scheinwerfer des Verteidigers und beleuchteten weithin das Vorgelände, um den Ausfalltruppen das Auffinden des Gegners zu erleichtern, während die Festungsgeschütze ohne Unterbrechung Infanterie und Artillerie des Angreifers unter Feuer hielten. Nachdem der Ausfall abgewiesen war, setzte der Angreifer unverzüglich seine Arbeiten an den Artilleriestellungen fort. Gestern früh verkündete das Dröhnen der schweren Aurgiffsgeschütze, daß der Angreifer seine gesamte Artillerie auf die Frontlinie in Tätigkeit gebracht hatte. Unter dem Feuer der eigenen Artillerie versuchte die Infanterie des Belagerers sich mehr und mehr den Festungswerken zu nähern. So verstrich der gestrige Tag. Da der Ring um die Festung seit einigen Tagen so festt geschlossen war, daß keine Nachricht mehr von außen in die Festung gelangen konnte und keine Erkundung aus der Festung heraus Klärung brachte, mußte der Verteidiger seine Zuflucht zu Brieftauben und Freiballons nehmen. Zwei der Fesselballons schweben andauernd über der Stadt. Außer den bereits bekannten höheren Militärs ist auch Generalfeldmarschall Graf Häseler in Posen eingetroffen. Der Kaiser kommt morgen früh, Kesselhause der Inhalt eines großen Kohlenbehälters, das zweite Mal der alte Kokskohlenturm. Es gelang jedoch beide Male den Feuerlöschmannschaften das Feuer zu dämpfen, ohne daß es größeren Schaden anrichtete. Recklinghausen, 19. Sept.(Eine dunkle Mordtat,) welche lange Zeit die Gemüter im diesseitigen Münsterlande bewegt hat, wurde in zwei Prozessen vor der Bochumer Strafkammer wieder in Erinnerung gebracht. Vor einigen Jahren verschwand des Nachts plötzlich der bejahrte und begüterte Landwirt Sasse. Alle Recherchen, welche die Verwandten unter Aussetzung hoher Belohnung anstellen ließen, blieben erfolglos. Das Gerucht von einer Ermordung des Sasse verdichtete sich in der Bevölkerung mehr und mehr. Der Verdacht lenkte sich auf den Verwalter des Sasse, Landwirt Möllmann. Die Staatsanwaltschaft leitete eine eingehende Untersuchung ein, welche gegen Möllmann nichts Belastendes ergab, jedoch auch die Leiche des Sasse unauffindbar ließ. Im Volke setzte sich die Ansicht fest, Sasse sei im Damm der neuangelegten Osterfelder Bahn begraben worden. Die dunkle Affäre zeitigte eine Reihe von Prozessen zwischen dem Landwirt Sasse jun. und dem Verwalter Möllmann. In dem ersten der Beleidigungsprozesse gegen Möllmann wurde dieser auf Beschluß des Schöffengerichtes am Ende der Verhandlung wegen dringenden Verdachts an dem Morde des Sasse verhaftet und nach Bochum abgeführt. Nach einigen Tagen verfügte die Staatsanwaltschaft jedoch die Entlassung Möllmanns, da stichhaltige Gründe für den Verdacht nicht vorlagen. Nach wenigen Monaten stellte die Staatsanwaltschaft die Untersuchung in der Mordaffäre ein. Da fanden eines Morgens Passanten in einem dem Gehöfte des Sasse naheliegenden Wald unter Reisern und Erde versteckt den verwesten Körper eines älteren Mannes, der als der des verschwundenen Landwirtes Sasse festgestellt wurde. Der Schädel zeigte Spuren gewaltsamen Erschlagens. Wieder leitete die Staatsanwaltschaft die Untersuchung ein. Die Spuren des Mörders wurden nicht festgestellt. Bis auf den heutigen Tag ist der Mord an Sasse noch in ein tiefes Dunkel gehüllt, wie die Ermordung des Landwirtes Reich in Günnigfeld. Wieder kam es zwischen Möllmann und Landwirt Sasse in Stuckenbusch zu Prozessen. In einem derselben wurde Sasse freigesprochen, in einem zweiten zedoch wegen Beleidigung des Möllmann zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt. In der Berufungsinstanz kam es heute zwischen den Parteien zu einem Vergleich. In beiden Sachen wurden die Privatklagen zurückgezogen. Sasse übernahm sämtliche gesetzliche Kosten der Verfahren. und Verkehr. Berlin, 19. Sept.(Börse.) Die Hoffnungen die die internationale Spekulation an die jüngste des Kupferpreises geknüpft hatte wurErholung des Kupselpreises gelupft halle, wulden durch die Abschwächung, die das Metall wieder an der gestrigen Newyorker Börse erfuhr, vorläufig enttäuscht, und dieser Umstand wirkte ersichtlich auf die Gesamthaltung an den tonangebenden Börsenplätzen. Man ist zwar in urteilsfähigen Kreisen der Meinung, daß die fortgesetzten scharfen Rückgänge des genannten Rohproduktes und in natürlicher Verbindung damit auch die Aktien der Kupferminengesellschaften besonders gegenwärtig auf Machenschaften einer starken Spekulantenkliche zurückzuführen sei, allein die Märkte sind ohnehin innerlich so wenig gekräftigt, daß solche Einflüsse für die Gestaltung der Gesamttendenz wesentlich in Betracht kommen. Der dieswöchige amerikanische Eisenmarktbericht des Iron Age lautete zwar nicht gerade ungünstig, und was speziell unsere heimischen Verhältnisse anlangt, so warfen die sehr günstigen Augusteinnahmen der deutschen Eisenbahnen neuerdings ein vortreffliches Licht auf den Stand der deutschen Wirtschaftsund Geschäftstätigkeit; dies genügte aber nicht, um der heutigen Börse eine festere Grundlage zu verleihen. Im Gegenteil führten die Entlastungsvorbereitungen zum bevorstehenden Ultimo und auch neuerliche spekulative Abgaben der kleinen Spekulation zu Lokale Nachrichten. Dortmund, 20. September. Militärisches. Die militärischen Diensträume für die mit dem 1. Oktober hier in Wirksamkeit tretende Landwehrinspektion Dortmund werden sich von da an in dem der Stadt Dortmund gehörenden ehemals Grevel'schen Hause Silberstraße Nr. 6 zu Preisabschlägen auf den meisten in Betracht kommenden Marktgebieten, die allerdings nirgends von besonderem Belang waren. Am Montanmarkte gaben Bochumer und Dortmunder ca. ½ Prozent nach, Rheinstahl und die Gelsenkirchener ca. 1 Prozent. Auch die übrigen in Betracht kommenden Werte dieser Gattung waren ungefähr im gleichen Maße rückgängig. Laura dagegen ziemlich behauptet. Harpener Bergbau=.=G. in Dortmund. In der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrates wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1906=07 festgestellt und beschlossen, der am 26. Oktober stattfindenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 12 Prozent(11 Proz. i..) vorzuschlagen. Die Gesamtiohlenförderung des Geschäftsjahres betrug 6959512 Tonnen(6571 115 To.), der Rohgewinn auf Kohlen, Koks, Briketts Schiffahrt, Teeröfen und Abteilung Eisenkonstruktionen 21886 385 Mark (20 631 858 Mt.). Die Generalunkosten betrugen 4 444250 Mk. (4 139 329 Mk.), die Abschreibungen 9281 842 Mi. (8 422 930 Mk.), 12 Proz. Dividende auf 72 200 000 Mark Aktienkapital beanspruchen 8664000 Ml. (7942000 Mk.), statuarische Gewinnanteile 368831 Mark(322958 Mk.), außergewöhnliche Unkosten 1269 917 Mk., Ausgabe für gemeinnützige Zwecke 180 000 Mt. Baroper Maschinenbau=.=G. zu Barop i. 29. In seiner gestrigen Sitzung beschloß der Aufsichtsrat, der Generalversammlung nach reichlichen Abschreibungen und Rückstellungen zur Reserve und zum Delkrederefonds eine Dividende von 6 Proz. (0 Proz. in den 6 Vorjahren) auf die Stammaktien und 12 Proz.(0 Proz. in den 5 Vorjahren) auf die Prioritätsaktien in Vorschlag zu bringen. Mädchen gest zur Wartung.! 1jähr. Kinde, Mäl 14—16 Jahren ges Bruast Jäger J. Mädchen Rinde gesucht Stracke, Westen Ein Morg.= Für mein. kl. Hau Pers. suche ich e. it Haushaft aus bess. Fa Zeuon. u. C K. u. 29 pof Suche zu: ältere, erfa Hau welche koche zen Haush. Schr. An an die Gese Per bald erfahrenes als Hausl Schr. Ang. die Geschäft für mittlere Wi fort gesucht. Of Lartung, Wit Lagler bei gutem Lohn wan rbere Töcillige 8 und ein Mädchen für arbeit bei höchstem Lo Hertener Dampf-Wa Plättanstalt Friedri Herten 1. W der 1 C. Stri Tüc None 0 sper Austi gcsuck Srop 354 Koch neue Landwehrinspekin Gersdorff wird zur Geschäfte bereits in den n. er dem Rechtsanwalt hnert gehörende Wohnhat Herr Rechtsanwalt Löpner für rund 50.000 tverordneten=VersammRechnung tragend, hat idtischen Sparkasse den f Besitzungen, die im in, auf 4½ pCt. festgezuswärtige Besitzungen dert werden. ten siehe 2. Blatt.) ept.(Ein Unglüc Die Wahrheit dieser n auf, Zeche Graf ätigt. Der jugendliche glückte dadurch tödlich, stürzte. Ein Bruch der ach kurzer Zeit den st 18 Jahre alte BergSteinen schwer belaad totgequetscht. Wäh. nden ertönte zweimal erste Mal brannte im großen Kohlenbehälte Kokskohlenturm. Es Feuerlöschmannschafohne daß es größeren (Eine dunkle Zeit die Gemüter im ewegt hat, wurde in ochumer Strafkammer ht. Vor einigen Jahößlich der bejahrte und Ille Recherchen, welche setzung hoher Belohben erfolglos. Das na des Sasse verdichmehr und mehr. Der Verwalter des Sasse, staatsanwaltschaft leijung ein, welche gegen ergab, jedoch auch die ar„ließ. Im Volle sse sei im Tamm der ihn begraben worden. eine Reihe von ProSasse jun, und dem im ersten der Beleidinn wurde dieser auf s am Ende der VerVerdachts an dem id nach Bochum abgeverfügte die Staatsssung Möllmanns, da erdacht nicht vorlagen. le die StaatsanwaltMordaffäre ein. Da inten in einem dem den Wald unter Reirwesten Körper eines des verschwundenen vurde. en gewaltsamen Erstaatsanwaltschaft die des Mörders wurden heutigen Tag ist der es Dunkel gehüllt, wie Reich in Günnigfeld. lmann und Landwirt zessen. In einem derhen, in einem zweiten Nöllmann zu 200 Mk. Berufungsinstanz kam zu einem Vergleich. Privatklagen zurückliche gesetzliche Kosten uud Veriche. .) Die Hoffnungen ation an die jüngste geknüpft hatte, wurse das Metall wieder irse erfuhr, vorläufig wirkte ersichtlich auf nangebenden Börsenrteilsfähigen Kreisen etzten scharfen Rückuktes und in natürie Aktien der Kupfergegenwärtig auf Spekulantenkliche zuärkte sind ohnehin daß solche Einflüsse tendenz wesentlich in che Eisenmarktbericht cht gerade ungünstig, chen Verhältnisse anzen Augusteinnahmen erdings ein vortreffseutschen Wirtschaftsnügte aber nicht, um Grundlage zu verleiEntlastungsvorbereiimo und auch neuereinen Spekulation zu en in Betracht komrdings nirgends von Montanmarkte gaca. ½ Prozent nach, ener ca. 1 Prozent. mmenden Werte diegleichen Maße rückbehauptet. Dortmund. In der rates wurde die Bi96.07 festgestellt und r stattfindenden Geung einer Dividende ) vorzuschlagen. Die eschäftsjahres, betrug ko.), der Rohgewinn ffahrt, Teeröfen und 21 886 385 Mark zen 4 444 250 Mk. ingen 9281 842 Mk. dende auf, 72 200,000 hen 8 664 000 Ml. ewinnanteile 868831 wöhnliche Unkosten emeinnützige Zwecke an Barop i. 20. schloß der Aufsichtsnach reichlichen Abn zur Reserve, und idende von 6 uf die Stammaktien Vorjahren) auf die Mädchen gesucht. Zur Wartung bei einem jjähr. Kinde, Mädchen von Nädchen f. Hörde gesucht. Dorimd, 1. Kampstr. 41, v. K Pischere Umre zu staunend billigen Preisen. Der Verkauf dieser Warenmassen beginnt Samstag, den 21. ds. Mts. Niemand versäume sich von diesem Hngebot zu überzeugen. J Circa 1000 Paar Kinder-Boxcaria-Stiefel hochelegante Façon S Grösse 31—35 S,We Grösse 21—30 Grösse 31—35 GiUe Grösse 21—30 CauS 2 6 Circa 1000 Paar Kinder-Pantoffeln Ledersohle, kleinen Absatz Pf. (9) „. Dienstmädchen für alleinsteh. Dame ges. Näh. 1. d. Geschst.(70592 ie-crce nachm, f. kl. Haush. ges, 8# ertr. i. d. 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Solist: Walter Schulze=Priska Chicago. Anfang 8 Uhr. Entree 1 M. Soocie. Pertra, von Fräulein Paula Mueller aus Haunover, Vorsitzende des Deutsch=Evangl. Frauenbundes. „Frauenbewegung u. d. Deutsch-Evangelische Frauenbund“ Sonntag. 22. Sept. abends 8 Uhr im alten Rathaussaal. Eintritt frei. Gäste willkommen Der Vorstand der Ortsgr. O. A. Adriani. Pranfand. Direktor Rud. Kritsch. Art. Leiter Leo Neufeld. Stürmischen Brlelg erzielen Die Todesfahrt im Höllenkessel. 8 Ueberfahren eines leb. Menichen 8 " im Höllenkessel mit Motor. Emmy Lion Bravour=Soubrette. Curt Speier Grotesque= Qumorist. The 3 Sellons aller Kunsturner. Adalbert Apfelkammer dem Drahtseit. , Mr. Kreton mit seinen Wunderbunden Renné’Ormesson krancaise „Die Brillantenkönigin“. Trotz des Riesen=Attraktionsprogramms keine erhöhten Preise.n Anlang präzise 8 Uhr. Les Forres Prima Musikal=Akt. Freitag, den 20. September er.: Ronkurrenzlähren. Herr Brockmann, der weltberühmte Kunstfahrer, welcher im Olympia=Theater die Fahrt im Todes=Globus ausführte, hat sich zum Konkurrenzfahren gemeldet, um die von der Racing Bros Companie ausgesetzte Prämie von 1000 Mark. Freitag, 20. Sept., findet der Match bestimmt statt. Tanz-Untterricht im Gewerbe-Verein, Kuhstrasse. Die bereits angekündigten Kurse in der 33974 Tanz-.Anstanusiehre für die Schüler und Schülerinnen der höberen Schulen, sowie für Erwachsene, beginnen am Moutag, den 23. September, nachmittags von—7 und abends von—10 Uhr. n Gelehrt werden ca. 40 Tänze. Gefl. Anmeldungen werden am Sonntag, den 22. Sept., nachm. von—6 Uhr, im genannten Lokale entgegengenommen. Ergebenst L. Sulanke nebst Frau u. Sohn Witten-Dortmund. Neu gegründet! Keine Reisenden. Keine Agenten. Volksweinkellerei in Mains a. Rh. Beioen dndte oidte docher Kaagrnge. Ia Weissweine 50 Lit. od. 50 Fl. 40 Ia Rotweine 50"" 50, 50„ Ia. Moselweine 50"" 50" 55 inkl. Fass, Kisten, Flaschen und Packung, unter Nachnahme. ehem. 16er „Nacketäuer“ Dortmund. General-Versammlung am Sonntag, den 22. Sept., nachmittags 5½ Uhr im Kölnischen Hole. Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht betr. Delegiertentag in Crefeld. 3. Beratung de Vereinssatzungen 4. Kommissionswahl u. Vereinsangelegenheiten.(34011 Der Vorstand. Preisverband Ebang. Arbeitervereine Dortmund—Hörde. Abfahrt des Extrazuges zur Jubelfeier des Essener Arbeiter= Vereins Sonntag den 22. er., mittags 12 Uhr, von Dortmund Hauptbahnbof, Rückjahrt von Essen 8 Uhr 15. Preis für Hinund Rückfahrt 3 Klasse Mk..40 34025) Winkhaus. Achtung: Am Sonntag, den 22. d. Mts., nachmittags 4 Uhr feiert im Lokale des Hrn. Meier=Ebert, Bleichmärschstr., der BandoneonClub„Frohsinn“ sein diesjähr. RekrutenAbschleds- Kränzchen. Hierzu ladet ergebenst ein 70581) Der Vorstand. Tanz-Unterricht. Neuer Kursus beginnt Sonntag, den 22. Septbr. im Saale d. Den. Freund Müblenstraße u. Andreasstr.=Ecke, nachm. von 2—6 Uhr. Honorar: Damen 4 Mk. Herren 8 Mk., Nur Sonntags. Teilzabl. gestatt. Alox Slugpek, Tanzlohrer. EReibrucker Hol Herdecke-Ruhr hält sich Gesellschaften, Vereinen 2c. bestens empfohlen. Große Gartenanlagen, herrliche Aussicht. 20159 Gute Küche. Reine Weine. — 1I. Blere.— Hotel. Pension. Telephon 526— Amt Hagen Besitzer: 0. Mertmans. nede Auerhent Bestes hängendes Gasglühlicht 40% Gasersparnis Grosse Leuchtkraft Gefällige Form — Jeder Brenner trägt unsere Firma— In allen Inetallationegeschäften zu haben Auergesellschaft, Berlin O. 17. Bekanntmachung. Am Sonnabend, den 21. d. Mts., Nachm. 7 Uhr wird der bisherige Eilgutschuppen in Dortmund für den gesamten Verkehr geschlossen und vom 22. d. Mts ab der neue Eilgutschuppen in Betrieb genommen. Milch und Eilgutsendungen in Wagenladungen werden bereits vom 21. d. Mts., Vorm. ab auf dem, dem neuen Güterschuppen gegenüberliegenden Freiladegleise zur Entladung bereit gestellt.„(34038 Die Zufabrt zum neuen Eilgutschuppen und zum Eilgutfreiladegleise sowie die Abfahrt der Güter findet bis auf weiteres nur durch die an der Ecke Königshof=Münsterstr. beginnenden Zufuhrstraße statt. Tortmund, den 18.Sept.1907. Königl. Eisenb.=Verkehrs=Inspektion. Veranntmachung. Vom 1. Oktober ab eröffne ich einen Privat=Kursus betreffend: 1. Darstellende Geometrie, einschließlich Perspektive. 2. Architekturzeichnen und 3. Kunstgewerbliches Zeichnen. Es ist hierdurch späteren Baugewerksschülern Gelegenheit geboten, sich zur Prüfung in die III. Klasse einer Baugewerksschule vorzubereiten. Sodann Schreiner und Schlosser zu Werkmeistern heranzubilden, sowie das Kunsthandwerk zu pflegen. Außer Vorträgen in allen Fächern eingehender Darstellungen. Der Unterricht findet Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von—10 Uhr abends statt. 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Für gründliches Erlernen wird garantiert. Anm. Dienstags u. Freitags von—9 Uhr Nachm. im Restaurant L. Kromberg, Westenbellweg, Ecke Grafenhof, 1. Etage. Achtungsvoll Karl Arndt, behördl. concess. u. geor. ZitherMusiklehrer. NB. Anm. z. Dim. Zitb.=Mus.= Verein jed. Dienstag v. 9 Uhr im Bürgerbaus, 1. Kampstr. Mabierslmmen n. Bassennoff Schwanenstraße 35. Sühon naeserkau. Während desselben gebe bei Einkauf von 6 Mk. eine seidene Cravatte oder drei Linon-Taschentücher: gratis! Herren-Kragen alle mod. Fassons, prima garant. 4fach bis Weite 50 vorrätig SstdchTOr!. Manschetten, prima Qualitäten, Jjetzt nur 38 Pf. Prima Normalhemden u. Hosen, Ladenpr. 150 Pf. Jetzt 118 Pf. Macco-Hemden und Hosen, gute Qualität.. Jetzt 118 Pf. # Extraschwere Normal- u. Macco-Hemden 255 Fzr getz. 198 Pf. ## Winter- u. Macco-Socken 25 Pf., reinwoll. gestrickte 65 Pf. Plat. woll. Damenstrümpfe 58 Pf., Kinderstrümpfe 20 Pf. Enter-Preis. 450 Stück Herren-Filz-Hüte, weiche sowie Sport-Fassons, pro Stück 150 Pf. 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Und Regimenter fesselt das starre Kommando.“ Im Kaisermanöver, die Schockschwerenot, Schimpft Rot auf Blau, und Blau auf Rot, Und kommt erst der große Augenblick: „Die Herren Berittenen zur Kritik“, Da beugt gar manches Haupt sich tief. Gespenstisch naht der blaue Brief, Und aus dem frohen Manövermut, Wird oft ein Trauer=Zylinderhut. Jedoch manchmal es auch passiert, Daß der Herr Hauptmann abanciert, So stellte sich heute dem Lande vor Stolz Kronprinz Wilhelm als Major. Begeistert klingt das Lied voll Verve, Daß Ruhe hat jetzt die Reserve, Und die Trine ganz verjammert, Sich an ihren Fritze klammert, Der spricht tröstend:„Laß das Klagen, Liebe geht ja durch den Magen, Und ne Köchin, so wie Du, Findet schon„Ersatz“ im Nu. „Im Militär steckt nun einmal, Der Hang zum Küchenpersonal“. So sprach in Bremen voll innerer Rührung Beim Aerztekongreß ein Herr der Regierung. „Die Genickstarre sei so von den Soldaten Unter die Zivilbevölkerung geraten.“ Ueber diese Ansicht des Kandidaten Jobses Erhob sich allgemeines Schütteln des Kopfes. Das Köpfeschütteln man gleichfalls pflag In Efsen beim Sozialistentag. Weil Noske eine Rede gesprochen, Die viel zu national gerochen. Erhob sich ein revolutionäres Geschrei, Besonders hat Klara Zetkin dabei So rabiat auf dem Kehlkopf geschrappt, Daß sie zum Schluß ist übergeschnappt, Die Stimme mein ich, und die ist doch wert Daß man im höchsten Adel sie ehrt. Die Gräfin Montignoso hat Gepflückt so ein neues Ruhmesblatt. Mein„Gironkonto“ bleibt steis belastet, Denkt sie, was nützt es, daß ich gefastet, Nun soll Tolosi mir was singen, Er wird mich schon wieder in Stimmung bringen. Vol Stimmung auch schreit Kronprinz Georg Von Serbien, daß steis in Sorg Um seinen blutigen Thron der Strohrer. Ich gäb dem Jüngling was auf den Poder, La ist Morengas Sprößling doch friedlich, Beträgt sich in Deutschland wirklich gemütlich, Indes Papa streift in Afrikas Busch, Pflegt er Elefanten im Zirkus Busch. Der Friedenszirkus im stillen Haag Bringt Holland sicher noch Sorg und Plag. Ein Abrüstungsschwärmer hat unverhohlen Einem Regiment die Fahne gestohlen. Der Friedensgedankenerfinder, der Zar, Ir Finnlands Schären geraten war, Die in Sibiriens Eis Verwehten, Sie werden wohl kaum für den Herrscher beten. Die selbst verzweifelt nach Rettung blicken, Die werden ihm keinen Glückwunsch schicken. Zur gleichen Zeit erwies sich als Niete. Die ganze Nordpolarfahrtsmythe, Die der Reporter Wellman ersonnen, Und mit soviel Tamtam begonnen. Da wurde langsam hell man, Reklame wars bei Wellman! Der André fuhr einst kühn hinaus, Der Andere aber bleibt klug zu Haus. Die Majorsfrau im Manöver. „Gnädige Frau! Suchen Sie ihren Gatten? Der ist nicht mehr hier, der ist schon seit einer Stunde beim Zivill“ („Lustige Blätter“.) Gaete Es knospete in allen Bäumen, Und Bülow ging nach Norderney. Er fühlt sich, wo die Wellen schäumen, Entschieden gut und sorgenfrei. Es wird ihm die Gesundheit fester Im meerumspülten Norderney. Zudem genügt wohl ein Semester Für eine deutsche Kanzlerei. Der Frühling wich den Sommertagen, Auf allen Wiesen lag das Heu. Da lag Bülow mit Behagen Und lang gestreckt in Norderney. Man hört Geräusche in der Ferne, Es gibt wo eine Hauerei. Jetzt spürt man noch einmal so gerne, Wie's ruhig ist in Norderney. Schon färbt der Herbst die Buchenblätter. Ja, Bülow, sagen Sie uns frei: Was tun Sie bei dem kühlen Wetter Denn immer noch in Norderney? Peter Schlemihl im„Simplizissimus“. In der Instruktionsstunde. Der Herr Leutnant instruiert über die Gründung des Deutschen Reiches und fragt dabei nach den drei größten Helfern Wilhelms 1. Schnell werden Moltke und Roon genannt, aber auf den britten kommt keiner der biederen Littauer.„Na. Kerls, hilft der Leutnant nach„besinnt euch mal! Wer war dieser gewaltige Riese an Körper und Geist, von dem ihr alle schon in der Schule so viel gehört habt?“ Da erhebt sich der eine der Biedern und sagt stolz:„Der Riese Goliath.“ („Jugend“.) Frankreich und Marokko. „Alles geht nach Wunsch!“ (Clemenceau.) Krieg— und doch kein Krieg, wer weiß es? Diplomatisch wird's gemacht! Wohl ein Kämpfchen ist's, ein heißes, Aber Frankreich ist bedacht, Daß es das zum besten deute: Alles geht nach Wunsch bis heute! Wer da führt das inn're Ruder, Wer am besten laufen kann, Ob der Sultan, ob sein Bruder, Darauf kommt es gar nicht an! Beide sind„ganz nette Leutel“ Alles geht nach Wunsch bis heute! Bomben und Granaten fliegen Ungezählt ins Land Hinein. Vorwärts! Die„Kultur“ muß siegen! Ordnung“ muß im Staate sein! Närrisch, wenn das Spiel gereute! Alles geht nach Wunsch bis heute! Deutschland kommt ja nicht dazwischen, Hat die Freundschaft schon bekannt.— Lustig laßt die Kugeln zischen, Blut und Tote deckf der Sand! Und von ferne winkt die Beute! Alles geht nach Wunsch bis heute! Die tapperen Landsoldaten. Es zittert die Erde Vom Stampfen der Pferde, Ein Riesengewimmel Und Schlachtengetümmel, Es rücken heran Genchu zwei Mann Und schwingen den Säbel:— Noste und Bäbel. Nicht um Kleinigkeiten Will Noske streiten, Und Bebel nur dann, Wenn Rußland fängt an. Dann wolln sie zu Fweien Sich dem Vaterland weihen Mit gezücktem Söbel:— Noske und Bäbel. Gottlieb im„Tag“. Friedrich Wilhelm 4. und die Schlachterstochter. Als Friedrich Wilhelm 4. noch Kronprinz war, unterhielt er sich eines Tages mit Fräulein Kühne, der witzigen Tochter des Hofschlachtermeisters, deren drollige Antworten ihn steis ergötzten. Da wurde just ein mächtiger Ochse herangeführt, den der Vater soeben erstanden hatte. Fräulein Kühne wies auf das Tier und fragte nectisch: „Ra, Königliche Hoheit, is det nich een majestättscher Ochse!“ Der Kronprinz, dessen treffender Witz schon damals bekannt war, enigegnete mit ernster Miene: „Gewiß; Ihre Familie hat sich ja seit jcher durch große Cchsen hervorgetan.“ Training! Ein deutsches Blatt schaut täglich in die Runde Und ist bekannt durch hochloyales Wesen Und dieses Blatt, so geht im Land die Kunde, Soll unser Kaiser steis zum Frühstück lesen. Der Grund davon war mir bis dato finster, Viel bessre Blätter gibt's ja ohne Fragen Doch jetzo bringt besagtes Blatt aus Münster Ein Backfischbrieflein aus den Kaisertagen Dort schreibt ein Mägdelein— o Gott, wie reizend!— Wie es der Kronprinz himmlisch dort entzückte Und ihr, mit allerhöchster Huld nicht geizend, Das kühnlich hingestreckte Händchen drückte; Und wie sie fast sich nimmer dann ententschlossen, Die höchsterseits gedrückte Hand gewaschen, Und wie sie hurrabrüllend unverdrossen Dem Auto nachlief, einen Blick zu haschen! Ein deutsches Blatt verzeichnet dies Geniestück Und nicht als albern, kindisch, fad und kläglichO! Jetzt begreif' ich auch, warum beim Frühstück Der Kaiser dieses Blatt genießt alltäglich! 1Er, der so oft von Sturmgebraus umdröhnt ist, Wenn schaukelnd seines Schiffes Planken krachen, Er liests zum Training: wenn er das gewöhnt ist, Kann auf der Welt ihn nichts mehr seekrank machen! („Jugend“). Ungunst des Himmels. Wie ist das bloß möglich, daß Sie schon wieder pleite sind? Ja, ich kann wirklich nichts dafür— hatte in diesem Jahr ein Sonnenbad aufgemacht, aber mein Lieferant ließ mich total im Stich! Frauenerwerb. — Warum kann eine Telephonistin nie eine gute Krankenschwester werden? — Weil sie oft schlecht verbindet! Die Neuvermählten. — Wollten Sie nicht mit Ihrer Frau eine Romreise unternehmen?— Ne, ich bleibe hier— Rom ist in der kleinsten Hütte—————(Aul) „ul“. Wellman! Ho! Wellman!! Wellman fährt zum Nordpol sicher dieses Jahr! Wellman sitzt schon in Spitzbergen längst sogar! Wellman baut sich schon Ballonhaus und Ballon! Wellman fand die beste Motorkonstruktion! Wellman hat nur immer noch nicht Wind genug! Wellman braucht noch sehr viel Wind für seinen Flug! Wellman glaubt, es wird vielleicht erst morgen gehn! Wellman nimmt den Nordvol sicher, wirst du sehn! Wellman fliegt, das Publikum ist zahlreich da! Wellman, cheer! Fare well, Mann! Wellman hochl hurra! Wellman nimmt direkt zum Nordvol seine Reis“! Wellman sitzt zwei Stunden später auf dem Steiß Wellmans Plan war genial und eminent! Wellman war nur keinen solchen Wind gewehnt! Wellman macht sich künftig seinen Wind sogar! Wellman fährt zum Nordpol sicher— nächstes Jahr! („Jugend“). Der Spiritist. „Entschuldigen Sie bitte, ist hier der Spiritistenverein?“ „Jal“ „Könnte ich vielleicht mal auf fünf Minuten meine gestern verstorbene Frau sprechen!“ „Was wollen Sie von ihr!“ „Ach, ich wollte bloß mal fragen, wo sie eigentlich meine Manschettenknöpf; hingelegt hat7“ „Lustige Blätter“. Der Friedenskongreß. (Frei nach Schiller).„ Schön ist der Friede! Lieblich umgab ihn Plätschernd der Reden geschwollener Bach. Ringsum sah man. Auf blühenden Phrasen Bertha und andere Lämmlein grasen. Süße Töne entlockten der Flöte Zahlreiche Träger gebügelter Schlöte. — Jedem, der's angehört, wurde schwach! Aber den Italiano zu ehren Und den Ungor, versäumse man nig, Die so friedlich mit allen Nationen leben Und Jedem steis gerne das Seinige geben — Dem dämlichen Deutschen natürlich: Wichs! („Jugend“.) Aus der Jugend. In der Unterklasse einer Mittelschule wird die Geschichte von der Erweckung des Jünglings zu Nain behandelt. Die Kleinen werden angehalten, nach der Behandlung eines Abschnittes selbst eine Ueberschrift zu bilden. So haben sie bereits für die beiden ersten Teile folgende Ueberschriften gefunden: 1. Die trauernde Witwe. 2. Der mitleidige Herr. Als nun der Lehrer nach Behandlung des 3. Abschnittes, der von der Auferweckung des Jünglings redet, die Frage nach einer passenden Ueberschrift stellt, meldet sich sogleich einer von den kleinen Burschen und verkündet freudestrahlend:„Dielustige Witwe.“ Die rote und die blaue Armee. Da haben mal die Roten und die Blauen Sich zum Bergnügen regelrecht verhauen. Und Sieger sind die Blauen dann geblieben,— Es stand im„Buch des Schicksals“ so geschrieben. Den Roten ist das Spiel gar schlecht bekommen! Schon aus den Blättern hats die Welt vernommen; Doch nirgend haben wir den Grund gelesen,— Ist wohl die Farbe Schuld daran gewesen Hamb. Fremdenblatt. Kathederblüte. Es war ein Nachmittag glutheiß! In Unterprima bereitete der gestrenge Herr Ordinarius den Stoff für die nächste Hausaufgabe aus der „Braut von Messina“ vor. Doch war seine Begeisterung viel größer, als Eie Aufmerksamkeit seiner Zöglinge, die es vorzogen, den heißen Nachmittag zum Schlafen zu verwenden. Plötzlich stellt er eine Frage; der Unglückliche, den seine Wahl traf, erhebt sich langsam und starrt ins Leere.— Keine Antwort.— Aufgebracht wirft ihm da der gute Professor die Worte an den Kopf:„Sie haben bei der„Braut“ geschlafen! Die Folgen werden Sie schon sehen!“ * „Nun, was führt Sie auf das Wasser, Herr Kommerzienrat? Wollen Sie auch die Flottenübungen bewundern?“ „Nu gewiß, Exzellenz! Mer interessiert sich doch aach für Seiner Majestät Höchst seeflotte!“ * Wellman. „In allen Zeitungen wurde ungezählte Male von mir geschrieben, alle illustrierten Journale haben meine Photographie gebracht, in der ganzen Welt bin ich bekannt geworden, und da sagt man mein Nordpolunternehmen sei erfolglos geblieben.“ („Jugend“.) Humer des Auslandes. „In meiner Heimat sind die Pilze so groß wie Kartoffeln.“—„Was heißt das? In meiner Heimat wachsen die Pilge nicht unter den Bäumen, sondern die Bäume unter den Pilzen.“ * „Meine Herren, ich stelle Ihnen hier meinen lieben Freund Lopez vor und versichere Sie, daß er nicht so dumm ist, wie er aussieht.“— Lopez (ruhig):„Das ist der einzige Unterschied zwischen uns beiden."(Caras y Caretas.) * „Die meisten alten Ehemänner, die ich kenne, behandeln ihre Frauen wie einen Schaukelstuhl: eine große Annehmlichkeit, wenn sie müde sind, aber zu anderen Zeiten sehr im Mege.“ (Mr. Dooley's Dissertations.) — Der zweite Tag neigte sich zu Ende, und die zwölf Geschworenen waren immer noch nicht einig. „Nun, meine Herren,“ sagte der Gerichtsdiener, der still ins Zimmer getreten war,„soll ich wie bisher zwölf Diners bestellen?“—„Bestellen Sie.“ antwortete der Obmann,„elf Diners und ein Bündel Heu.“"(New Vork Preß.) „Doktor, wie kann ich Sie je für Ihre Güte bezahlen!“—„Ganz egal, Scheck, Banknoten— oder bar Geld."(Milwaukee Sentinel.) Ein wohlhabender Farmer, der seinen Sohn nach Philadelphia in die Kaufmannslchre gegeben hatte, schrieb eines Tages an dessen Prinzipal und fragte ihn, wie der Junge sich mache und wo er nachts schlafe. Der Kaufmann antwortete:„Tags über schläft er im Laden. Wo er nachts schläft, weiß ich nicht.“„(The Argonaut.) Das Automobil kam um die Ecke gesaust, und der Führer erblickte, rechts in seinem Wege einen Mann mit einer Flinte über der Schulter und einen kräntlich scheinenden Hunde an seiner Seite. Der Mann sprang noch rechtzeitig beiseite, aber der Hund wurde leider getötet. Der Fahrer stieg ab und beschaute sich sein Werk.„Ist“ das Ihr Hund!“ fragte er.—„Jawohl.“—„Sind Sie mit zuanzig Mark zufrieden!“—„Ja.“— Ein Goldstück wechselte seinen Besitzer, und der Fahrer stieg wieder in seinen Wagen.„Es tut mir leid, daß ich Ihnen Ihr Jagdvergnügen für heute verdarben habe.“ saate er dabel.—„Ich wollte nicht auf die Jagd,“ entgegnete der andere.—„Was wollten Sie denn mit dem Hunde und der Flinte?“ —„Ich wollte=drüben in den Wald gehen, um den Hund zu erschießen.“— Und dann flüsterte der Autofahrer dem Steuerrad etwas zu. * „Zum Donnerwetter!“ schrie das Opferlamm in seinem Stuhl.,„Sie haben mir ein Stück vom Chi abgeschnitten!“—„Das stimmt allerdings,“ ver setzte der Barbier ganz kühl.„Aber Sie müssen selbst zugeben, daß es jetzt besser aussicht als das andere..(Answers.) * „Warum sind Sie so traurig, Frau Murphy?“ —„Mein Mann hat sechs Monate bekommen.“— „Aber darum würde ich mir keine grauen Haarmachsen lassen. Sachs Monate sind bald vorüber.: —„Das stimmt, und das macht mir ja gerade den Kummer.“ Eine Frau gab ihrem Manne jüngst einen versiegelten Brief und bat ihn, ihn nicht eher zu öffnen als in seinem Kontor. Als er dies tat, las er: „Ich bin genötigt, Dir etwas mitzuteilen, das, wvie sch weiß, Dir Kummer bereiten wird, aber es ist meine Pflicht. Es ist mein fester Entschluß, daß Du das Resultat erfahren sollst, es mag sein, wie es will. Seit einiger Woche habe ich gewußt, daß es kommen würde, aber ich habe es bis heute für mich behalten, doch nun ist die Krisis da, und ich kann nicht länger schweigen. Du mußt mich nicht zu hart beurteilen, denn die Folgen werden Dich ebenso treffen wie mich. Hoffentlich trifft Dich dies nicht zu hart.“— Nachdem er soweit gelesen katte, stand ihm der kalte Angstschweiß auf der Stirn. Voller Angst vor einem schrecklichen, unvorhergesehenen Unglück wandte er das Blatt. wäh rend sich sein Haar langsam sträubte und las:„die Kohlen sind alle. Gehe, bitte, hin und bestelle, daß heute nachmittag welche geschickt werden. Ich dachte, bei dieser Methode würdest Du es nicht wieder vergessen.“— Dieses tat er denn auch nicht. (Illustrated Bits.) * „Wie geht es Ihrer Frau?“—„Ach, die hal jetzt fortwährend Kummer mit ihrem Kapf.:— „Kann der Doktor ihr denn nicht, helfen!“ „Nein, niemand als die Putzmacherin.“ (Tit Bits.) Aus der Rolle gefallen. Auf der Dilettantenbühne des Städtchens A. wird Goethes Faust gegeben. Fräulein X. sol die Margarete spielen. Sie hat heftiges Lampenfieber und befindet sich im höchsten Grad der Aufregung und Konfassion. Da erscheint Faust und als er die bekannten Worte spricht:„Schönes Fräulein, dürft ich's wagen,“ lispelt sie ganz verschämt:„Ach bitte, sprechen Sie mit Mama.“ („Jugend“.) Unüberlegt. Aufsichtsrat: Meine Herren! Schlagwörter! Schlagwörter sind die Losung des Tages! Wie sich die Hamburg=Amerikanische Paketfahrt=Aktien=Gesellschaft Hapag, die Berliner Elektrische Droschken=Aktien=Gesellschaft Bedag nennt, so müssen wir auch für unsere neugegründete HandelsUnd Moderne Börsen=Unternehmungs=Gesellschaft ein Schlagwort bilden— * Bei der Entlassung. Zuchthausdirektor: Also morgen ist Ihre Zeit um, und Sie werden der Freiheit zurückgegeben. Nun sagen Sie mir einmal, wenn Sie dann wieder hinaustreten ins Leben, haben Sie schon irgendwvelche Pläne für Ihre nächste Zukunfts Sträfling: Ach, Herr Direktor, Pläne hätt ick schon; ick hab eenen Plan von’nem Juwelierjeschäft und zwee Pläne von Bankierswohnungen in de Tiersartenstraße. Kanonen sind dicker als Papier. Als die französischen Kanonenkugeln in Casablanca einschlugen, da erhob sich eine allgemeine Panik. Furchtsame Leute flüchteten und ließen ihr Eigentum im Stich. Ein Deutscher harrte mutig aus, denn er vertraute auf Algeciras. Und als die Kugeln sich drohend auch seinem Hause näherten, breitete er die Algeciras=Akte aus und hielt sie schützend vor sein Haus. Aber siehe da, es ergab sich, daß die Kugeln der Franzosen neuester Konstruktion waren und eine enorme Durchschlagskraft besaßen, so daß sie selbst das Papier durchbohrten, auf dem die Algeciras=Akte gedruckt war. Da telegraphierte der Deutsche an das Auswärtige Amt in Berlin:„Hilfe, Herr Reichskanzler! Die Fraaizosen schießen!“ Sofort kam die telegrapbische Antwort:„Frankreichs Kugeln sind unsre Kugeln.“ Da telegraphierte der Deutsche wieder:„Wenn die Franzosen schießen dürfen, welchen Zweck hatte dann die Algeciras=Konferenz!“ Wieder kam umgehend die Antwort:„Ja, das möchte ich auch wissen. v. Bülgw.“ („Jugend“). Vermehrung der ReichsEinkanfte? Nachdem die wiederholt aufgetauchte Meldung, daß neue Steuervorlagen dem Bundesrat und Reichstag noch in der laufenden Tagung zugehen würden, als falsch und im Widerspruch mit dem bezeichnet worden ist, was Fürst Bülow den nach Norderney eingeladenen Parlamentariern erklärt hat, wird jetzt berichtet, der Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel beabsichtige zunächst, den Versuch zu machen, bereits vorhandene, aber ungerecht verteilte und darum unergiebige Steuerquellen durch gerechte Verteilung in ertragreiche umzuwandeln. Offenbar wird damit auf eine Reform der Branntweinsteuer gezielt, für die sich der Reichstag wiederholt, so auch bei den letzten Steuererörterungen ausgesprochen hat. Es handelt sich hierbei im wesentlichen darum, durch eine Vereinfachung des Steuersystems Ersparnisse an Erhebungs= und Kontrollkosten sowie an Ausfällen bei der Rückvergütung herbeizuführen. Der Reichstag hat zuletzt bei Annahme der Stengelschen Reichsfinanzrzform in einer Resolution die verbündeten Regierungen um Vorlage eines Gesetzentwurfs ersucht, durch welchen eine Reform der Branntweinbesteuerung herbeigeführt werde. Der Reichsschatzsekretär erklärte damals, er sei persönlich nicht der Meinung, daß jede Reform auf dem Gebiet: der Branntwein=Steuergesetzgebung für alle Zeiten ausgeschlossen wäre. Er wies aber darauf hin, daß erst vor wenigen Jahren zwischen den gesetzgebenden Faktoren ein Kompromiß zustande gekommen sei, dessen Zweck kein anderer gewesen sei, als dem seit 1887 durch sechs Steuergesetze fortgesetzt beunruhigten Brennereigewerbe endlich einmal die Möglichkeit gegeben werden sollte, sich längere Zeit hindurch, bis etwa zum Jahre 1012, in Ruhe zu entwickeln. An diesem mühsam zustande gekommenen Kompromiß schon jetzt rütteln zu wollen, wäre nur geeignet, das Vertrauen in die Stetigkeit unserer Gesetzgebung zu erschüttern. Dagegen versprach er der Frage näher zu treten, wie einem weiteren Anwachsen der Maischraum=Prämie Einhalt zu tun sei. Diesem Versprechen ist dann durch den inzwischen Gesetz gewordenen Entwurf betreffend Maßnahme gegen den Rückgang des Ertrags der Maischbottichsteuer entsprochen worden. In der Begründung dieses Entwurfs hieß es ebenfalls, die im Reichstage gegebenen Anregungen auf Aenderung der Verbrauchsabgabensätze und auf gänzliche Beseitigung der Maischraumprämie oder der Maischbottichsteuer seien hier nicht weiter verfolgt worden. Die verbündeten Regierungen behielten sich damals vor, zu diesen Fragen bei der demnächstigen Neuordnung der Branntweinbesteuerung, die aus finanziellen Rücksichten und im Hinblick auf den bevorstehenden Wegfall der Brennsteuer(Artikel 3 des Branntweinsteuergesetzes vom 7. Juli 1902) spätestens zum Herbst 1912 geboten scheint, Stellung zu nehmen. Jetzt schreiben wir 1907, bis zu dem spätesten Zeitpunkt sind also noch volle fünf Jahre und es ist daher nicht anzunehmen, daß sich die verbündeten Regierungen schon jetzt zu der Reform der Branntweinsteuer entschließen werden. Vielmehr ist es als sicher zu betrachten, daß diese Reform frühestens mit anderen neuen Steuerplänen in Angriff genommen werden wird. Bezüglich der letzteren aber liegt es nach wie vor so, daß von ihnen in der laufenden Tagung vollständig abgesehen werden soll. Wir haben die Gründe für diesen Entschluß, den Fürst Bülow auch seinen Norderneyer Gästen in aller Form mitgeteilt hat, erst kürzlich ausführlich dargelegt. Es sei hier kurz wiederholt, daß es der leitende Staatsmann mit Recht für unzweckmäßig hält, den„Block" schon jetzt einer solchen Belästigungsprobe auszusetzen, bei der die Ansichten der bürgerlichen Linken und der Rechten besonders weit auseinander zu gehen drohen. Zunächst will er solche Aufgaben in den Vordergrund stellen, bei denen eine Verständigung leichter zu erzielen sein wird. Im übrigen wird an unterrichteten Stellen auch bestritten, daß es mit der Erschließung neuer Einnahmequellen für das Reich eine so besonders große Eile habe. Zunächst lasse sich der Gesamtbedarf noch nicht mit einiger Bestimmtheit abschätzen. Wenn Aus den Beriiner Theatern. (Von unserem Berliner Bureau). Berlin, 19. September, „Ihavatrathe“, Drama in zwei Akten von Julius Berstl.—„Liebe“, Komödie in einem Akt von Gustav Wied. *(Erste Aufführungen im Neuen Theater). „Das süße Zeug ohne Saft und Kraft! Es hat mir all mein Gedärm erschlafft. Es roch, ich will des Henkers sein, Wie lauter welke Rosen und Kamilleblümelein. Mir ward ganz übel, mauserig und dumm, Ich sah mich schnell nach was Tüchtigem um, Lief in den Garten hinterm Haus.„ Zog einen herzhaften Rettich aus, Fraß ihn auf bis auf den Schwanz, Da war ich wieder frisch und genesen ganz. Ist das nun nicht ein ganz famoser Dichter, der diese Trostverse in literarischen Nöten geschrieben hat? Einige Leser, denen sie nicht geläufig sind, werden auf den Gedanken kommen, sie rühren von dem Dichter her, der das Stück mit dem schwer aus. sprechbaren Titel geschrieben hat, von dem Herrn Julius Berstl, oder, was das Wahrscheinlichere ist, von dem Teufelskerl aus Dänemark, Gustav Wied, dem man sie in der Tat zutrauen könnte. Aber nein, der sanfte Mörike hat sie einmal geschrieben und zwar in einer Stimmung, die der meinigen heute Abend bis gegen die Mitte der Vorstellung aufs Haar glich. Ihavatrathe, ein„Im Osten" spielendes sozusagen indisches Stück, ist wirklich süßes Zeug ohne Saft und Kraft, und die ausgelassene Bauernposse„Liebe“ war der heilsame Rettich, der uns mauserich und dumm gemachte Zu. aen pieder frisch und genesen machte. Von dem süßer. Zeug sei so wenig wie möglich die Rede. Eine in weiteren Kreisen unbekannte Prinzessin mit dem wahrscheinlich indischen Namen erhebt einen Sklaven zu ihrem Günstling und läßt ihn nach der so allgemein beliebten modern=sadistischen Tagesmanier totpeitschen. Also eine Mischung aus„Saome",„Fräulein Julie"(von Strindberg) und einer ungeheuren Mengs hohlen Phrasendruschs. Das Stück fiel platt zu Boden und regt höchstens die Frage an: Wie konnte ein so literarisch gebildeter und geschmackvoller Mann wie Direktor Dr. bereits davon gesprochen wird, daß ein dringender Mehrbedarf von„vielleicht“ 200 Millionen Mark jährlich vom Jahre 1908 ab zu decken sein werde, so handle es sich da, wie schon der vorsichtige Zusatz „vielleicht" verrate, um eine ganz willkürliche Annahme. Man könne mit der gleichen Wahrscheinlichkeit diesen Betrag auf 100, 150 oder 170 Mark einschätzen. Ein genaueres Bild werde sich erst nach der endgiltigen Aufstellung des nächsten Reichsetats im Reichsschatzamt und auch dann noch kaum gewinnen lassen. Denn zunächst werden noch Bundesrat und Reichstag dabei ein entscheidendes Wort mitzureden haben und außerdem bleibe noch die weitere Entwickelung der reichseigenen Einnahmen abzuwarten. Schon der endgiltige Abschluß des Rechnungsjahres 1906 hat ein weit günstigeres Bild mit einem Ueberschuß von 27 Millionen ergeben, als vorher erwartet worden sei. Es ist anzunehmen, daß insbesondere der Ertrag der neuen Zölle und Steuern im laufenden Rechnungsjahre höher, wenigstens in der Gesamtsumme, ausfallen werde, als die Etatsansätze vorgesehen hatten. Das gilt insbesondere von den meisten neuen Steuern, die noch nicht recht fließen konnten, da sie erst angebahnt worden sind. Sie weisen aber großenteils eine unverkennbar steigende Tendenz auf, so daß ihre Ergiebigkeit demnächst in die Erscheinung treten dürfte. Er ergibt sich aus alledem, daß es mit der auf die Dauer freilich unvermeidlichen Vermehrung der Reichseinkünfte bei weitem nicht so dringend und eilig ist, wie von manchen„Seiten wohl dargestellt wird. Da überdies die ganze parlamentarische Lage eine Hinausschiebung der Lösung dieser Steuerfragen erfordert, so wird, mag man auch im Reichsschatzamt vielleicht seinen Eifer nur schwer zügeln können, dem Reichssäckelmeister schließlich nichts übrig bleiben, als die verschiedenen Projekte, die er mit seinen fleißigen und umsichtigen Räten bereits ausgearbeitet hat, vorderhand noch in den Aktenschranken ruhen zu lassen. Es bleibt dabei: neue Reichssteuervorlagen von irgend welcher Bedeutung — kleine Reformen mögen ja nicht ganz ausgeschlossen sein— werden in dieser Tagung nicht kommen. Internationaler Bergarbeiterkongreß. Salzburg, 19. September. Der hier tagende internationale Bergarbeiterkongreß beschäftigte sich heute mit der Frage der Einschränkung der Kohlenproduktion. Hierzu liegt folgende Resolution Belgiens vor:„Die Kohlenproduktion muß international durch eine internationale Föderation der Vergarbeiter geregelt werden.“ Bei den Delegierten von Nordamerika und einzelnen Delegierten aus England erregte die Resolution Widerspruch. Die Engländer erklärten sich gegen eine Einschränkung der Produktion und der Kohlenausfuhr; diese wäre für die Arbeiter geradezu schädlich. Daher würden sie gegen die Resolution stimmen. Zur Frage der Bergwerksgesetzgevung negt eine Resolution der Föderation Großbritanniens vor, die folgendermaßen lautet:„Wir sind der Meinung, daß an den Gesetzen, die die Sicherheit der Arbeiter in den Gruben betreffen, viel verbessert werden kann. Wir verpflichten uns, bei den Regierungen jedes Landes ständig auf bessere Gesetze zu dringen, die dazu dienen, die Sicherheit des Lebens der Arbeiter in den Gruben zu erhöhen.“ Der englische Delegierte wies darauf hin, daß die englische Regierung die Notwendigkeit der Verbesserung der Arbeiterschutzgesetzgebung durch die Einsetzung einer Kommission anerkannt habe, der auch Vertreter der englischen Bergarbeiterföderation zugewiesen würden. Diese würden demnächst das Festland besuchen, um die Grubenverhältnisse daselbst zu studieren. Ferner wurde die von Deutschland und Oesterreich eingebrachte Resolution betr. Kinderarbeit angenommen, die wie folgt lautet:„Die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren in der Bergwerkindustrie ist gesetzlich zu verbieten; ebenso die unterirdische Beschäftigung jugendlicher Personen unter 16 Jahren.“ Außer Deutschland und Oesterreich stimmte Belgien hierfür; die übrigen Nationen enthielten sich der Abstimmung, weil sie keine Mandate dafür hatten, die Engländer im Hinblick auf die Schulbestimmungen, die die Kinderarbeit unter 14 Jahren praktisch ausschließen, und die Nordamerikaner mit Hinweis darauf, daß ihr jährlicher Kongreß die in einzelnen Staaten bereits festgelegte Grenze von 16 Jahren ebenfalls festgesetzt habe. Im weiteren erklärte heute Nachmittag bei dem Punkte Frauenarbeit der deutsche Delegierte, daß die Verwendung von Frauen im Bergbau, anstatt zu sinken, in Deutschland mehr und mehr steige. Der englische Delegierte erklärte sich für die AbSchmieden ein beim Anhören so unausstehlichen Fadzeug nicht schon beim Lesen, nicht schon beim Proben erkennen? Es muß wohl wahr sein, daß Stücke erst beim hellen Rampenlicht und bei vollem Hause ihre eigentliche Natur— oder auch Unnatur— offenbaren. Nun aber zum Rettich. Gustav Wied ist das, was Wedekind gern sein möchte, aber durchaus nicht werden kann: ein Dichter mit wirklich geistreichen Einfällen, mit straffer Gestaltung und mit soviel witziger Teufelei, wie die lustigen Stoffe vertragen ja fordern. Ich finde ihn geistreicher als den immer geistreichsein wollenden Shaw, und er ist menschlicher, aber auch dichterischer als Shaw und Wedelind zusammen. Die„Liebe“ dieses Stückes chens ist eine sehr derbe, sehr einfache Liebe: Rasmus hat einen schönen Hof. Christine kriegt mal einen, wie schön wär's nun, wenn die beiden Höfe sich heirateten! aber Christine will nicht: Rasmus hat keine Poesie im Leibe, er ist nicht im geringsten romantisch, hat auch keine Bildung, und Christine schwärmt für ein bischen Poesie, Romantik und Bildung. Da kommt ein zweiter Freier angewirbelt, der Windbeutel Lavst, der scheinbar Poesie, Romantik und Bildung im Leibe hat, in Wahrheit aber ein Schwindelhuber ersten Ranges ist, seine poetischen Stammbuchverse drei Brauten gleichmäßig in ihr Stammbuch schreibt, kurz, das Rausschmeißen reichlich verdient. Rasmus besorgt das denn auch mit Heldenmut, entwickelt dabei zwar wenig Bildung, aber in den Augen Christinens soviel Poesie und Romantik, daß bei ihr die Liebe lichterloh entbrennt und das Erntefest mit einer Verlobung endet. Die Darstellung verdient nur wegen der beiden Rollen Beachtung, die von Rudolf Christians gespielt wurden. Schon in Hans von Kahlenbergs „Meißner Porzellan“ überraschte er uns durch sein meisterliches Spiel eines bäuerlich rohen Generals aus des alten Fritzen Zeit, und schon damals schien es mir, daß der Deklamationsheldendarsteller Christians bisher, namentlich am Königlichen Schauspielhaus, ein Fisch außerm Wasser gewesen war. In Wahrheit ist Christians ein vortrefflicher Komiker, einer von der trockenen Gattung, und in den richtigen Rollen ist er ein Darsteller ersten Ranges, während er seine Deklamationsrollen eben nur deklamiert. Sein plumper Bauernbengel Rasmus in Gustav Wieds Komödie war eine Kunstleistung, durch die er alle seine Jambenrollen bes weitem übertraf. Aus der GratisUnsan=Anterstügung des Generat Anzeigers. Unser Abonnent der Bergmann Karl Brunke von Unna, Karlstraße 1, hat auf Schacht-4 der Zeche Königsborn durch Kohlenfall einen tödlichen Unfall erlitten.— Wir haben der Frau des Verunglückten die Unfallunterstützung im Betrage von 300 Mark zigesandt. Der General- Anzeiger zahlt nicht nur seinen Abonnenten tödliche Unfälle aus, welche auf der Arbeitsstätte vorkommen, sondern auch alle anderen, gleichviel, ob sie auf dem Wege zur oder von der Arbeitsstätte oder zu Hause passiert sind; ausgenommen sind nur laut unseren Statuten grobes Selbstverschulden, Selbstmord, Mord und Totschlag, Schlägereien, SchlagKrampf= und epileptische Anfälle, innere Erkrankungen oder dergl. Unter denselben Bedingungen ist auch jeder Abonnent des„Volksgarten“ mit 800 Mark versichert. schaffung der Frauenarbeit und sagte, daß die Frau in den Bergwerksbetrieben sozial schlechter gestellt sei, als die Frau anderer Arbeiterkategorien, und daß sie gehindert sei, ihre Mutterpflicht zu erfüllen. Darauf wurde folgende Resolution angenommen: „Die Beschäftigung weiblicher Arbeiter in den Vergwerken ist gesetzlich zu verbieten.“ Zu der Verstaatlichungsfrage sprachen sich fast sämtliche Nationen in bejahendem Sinne aus, da der Staat zwar manchmal ein schlechterer Arbeitgeber sei, als der Privatmann, jedenfalls aber der privaten Konkurrenz ein Ende machen und der Ausbeutung der Gruben bis zur Zerstörung Einhalt tun würde. Der vorliegende Antrag Deutlchlands und Oesterreichs lautet:„Die Verstaatlichung(Nationalisie= rung) der Bergwerke ist erforderlich, um den Gewinn der Nation zu sichern und allen Raubbau in den Gruben zu verhindern; den Arbeitern muß aber das volle freie Koalitionsrecht gesichert sein.“ Der Antrag Belgiens und Frankreichs lautet:„Der Kongreß ist der Meinung, daß Privatpersonen die Konzession zur Ausbeutung von. Gruben nicht erteilt werden soll. Im Interesse der Nation sollten die Gruben für den Nutzen der Arbeiterklasse und des Landes ausgebeutet werden.“ Beide Anträge wurden angenommen. Die Delegierten des deutschen christlichen Gewerkvereins enthielten sich der Abstimmung, weil sie kein Mandat hatten und die Meinung ihrer Mandunien eercit ft. Der Mord im Zirkus. München, 19. September. Einer der interessantesten Indizienprozesse des letzten Jahrzehnts, der dem kürzlich verhandelten Hau=Prozeß in Bezug auf Umfang und Bedeutung kaum etwas nachgeben dürfte, nimmt am Montag " vor dem Schwurgericht am Münchener Landgericht 1 seinen Anfang. Auf der Anklagebank sitzt der 26jährige frühere Zirkusdirektor Davied Niederhofer aus München unter der Anklage, den Kaufmann Hendschel aus Regensburg, einen Neffen des Königl. bayer. Regierungspräsidenten der Pfalz v. Brettreich, in dem ihm gehörigen Zirkus Bavaria auf dem bekannten Münchener Volksfestplatz, der Theresienwiese, ermordet und beraubt zu haben. Die Tat und die daran sich knüpfenden Umstände erinnern an die Komplikationen in spannenden Kriminalroman. Der 22jährige Kaufmann Hendschel betrieb in München mit einem Sozius ein gutgehendes Geschäft der Patentbranche. Hendschel war ein tüchtiger Kaufmann, aber zugleich auch ein Lebemann, der vor allem in Zirkus und Varietekreisen viel verkehrte. Mit dem jungen Niederhofer war er gut befreundet. Er weilte viel in dessen Zirkus„Bavaria“, wo ihn besonders der damalige Clou der Aufführungen, die Schleifenfahrt„Looping the loop“, interessierte. Niederhofer ließ ihm deshalb ein Modell dieser Schleifenfahrt anfertigen und bot es ihm für einige tausend Mark an. Mit dem Gelde dafür in der Tasche hatte sich Hendschel am 6. Mai 1904— also vor nunmehr drei Jahren— auf den Weg zum Zirkus„Bavaria“ gemacht und war seit dieser Zeit spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib blieben erfolglos. Es hieß anfänglich, er sei in Geschäften nach Hamburg gereist, die Vermutung mußte man aber bald fallen lassen, da dadurch keine Nachricht von ihm anlangte. Niederhofer verbreitete dann das Gerücht, sein Freund sei zur Varietebühne gegangen und trete in London unter falschem Namen auf. Aber auch Nachforschungen nach dieser Richtung hin blieben ohne Erfolg. An einen Selbstmord Hendschels glaubte kein Mensch, am wegigsten seine Verwandten, die die Lebensfreude des jungen Mannes kannten. Auch an ein Verbrechen dachte man merkwürdigerweise nicht, obgleich der Gedanke daran nahe genug lag. Man fand sich mit der Vermutung ab, daß Hendschel, der etwas exzentrisch veranlagt war, in der Welt umherstreife und sich eines Tages schon wieder einfinden werde. So gingen drei Jahre hin— das Vermögen Hendschels verwaltete eine Vertrauensperson— und schon begann Gras über die ganze Sache zu wachsen, als mit einem Schlage im Frühjahr 1907 das Verschwinden Hendschels wieder zum Tagesgespräch in München und weiter hinaus wurde. Ein Brillantring und eine goldene Uhr, die von Niederhofer veräußert wurden, waren als Eigentum des verschwundenen Hendschels wieder erkannt worden. Zur Verantwortung gezogen, gab Niederhofer zu, daß diese Wertgegenstande einst in Hendschels Besitz waren. Er wollte sie aber von ihm, seinem innigen Freunde, zam Geschenk erhalten haben. Nun aber, da die Affäre wieder in Fluß kam, häuften sich bald die Verdachtsgründe gegen Niederhofer. Verschiedene Zeugen bekundeten, daß er Aeußerungen hatte fallen lassen, die dahin gingen, daß Hendschel bestimmt nicht mehr zum Vorschein kommen werde. Schließlich meldete sich sogar ein früherer Angestellter des Niederhofer, der Maschinist Meyer, der zur kritischen Zeit im Zirkus„Bavaria“ tätig gewesen war. Er gab an, daß Niederhofer ihm am Tage des Verschwindens des Hendschel, am 20. Mai 1904, den Auftrag gegeben habe, im Zirkus beim Maschinenraum ein großes Loch zu graben. Meyer vollzog den Auftraa. Bald darauf kam Hendichel, und Meyer ging auf Geheiß des Niederhofer in einen Nebenraum und arbeitete dort. Während dieser Zeit will Meyer zwei oder drei Schüsse gehört, sonst aber keinen Laut vernommen haben. Er dachte sich, Niederhofer werde, wie er das schön öfter getan, einen Hund erschossen haben. Nach einiger Zeit kam Niederhofer, sperrte die Türe auf und entschuldigte sich, daß er den Meyer aus versehen in den Raum eingeschlossen habe. Dann trug er ihm auf, die vorhin gegrabene Grube wieder ganz einzufüllen. Als M. zur Grube kam, sah er, daß diese bereits zu drei Viertel eingefüllt war, obenauf lagen Ziegelsteine, auch Kalk war noch zu sehen. M. glaubte seine Annahme, ein Hundekadaver sei in dem Loch von Niederhofer verscharrt worden, nun bestätigt. Er weigerte sich aber, die Grube zu füllen, da er keine Hausknechtsarbeiten zu verrichten habe. Ein anderer Arbeiter soll diese dann gefüllt haben. Der inzwischen verhaftete Niederhofer leugnet energisch, seinen ehemaligen Freund beseitigt zu haben. Auch die auffällige Angelegenheit mit dem Meyer stellte er als ganz harmlos hin, er habe tatsächlich nur einen Hund in dem Loch verscharrt. Die Auffindung des Skeletts. Die polizeilichen Nachforschungen setzten nun mit allem Eifer ein. Das Zirkusgebäude war freilich längst abgetragen, aber das brachliegende Areal wurde nun einer genauen Durchforschung unter, zogen. Die Erde wurde stellenweise umgegraben. Bis drei Meter tief drang man in den Boden ein, während Tausende von Zuschauern die Stätte belagerten. Nach zweitägiger Arbeit stieß man endlich auf ein Skelett. Verschiedene Gegenstände Uhr, Messer, Knöpfe, usw., wurden bei diesem vorgefunden und als Eigentum Hendschels rekognosziert. Es war also kein Zweifel mehr, daß man die Leiche des vermißten jungen Kaufmanns vor sich hatte. Nun führte man den mutmaßlichen Mörder zu den Ueberresten heran. Stieren Blickes schaute er darauf und kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn. Allein er leugnete weiterhin, mit der mysteriösen Affäre irgend etwas zu tun zu haben. Die vorgefundenen Knochenreste machten den Eindruck, als ob die Leiche in die Grube mit Gewalt gedrängt worden wäre, so, daß die Beine über den Oberkörper zu liegen kamen. Der Mörder mußte es mit der Beseitigung der Leiche eilig gehabt haben, da zwischen den Knochen= und Stoffresten auch noch ein Betrag von 70 Mark in Gold vorgefunden wurde. Die gerichtliche Untersuchung ergab als wahrscheinlich, daß Hendschel von hinten niedergeschossen und dann vollends erschlagen worden war. Niederhofer leugnet auch heute noch jede Schuld. Es ist also seine Ueberführung durch einen Indizienbeweis notwendig, der einen um so größeren Umfang annehmen dürfte, als es den Anschein hat, daß Niederhofer Mitschuldige gehabt hat. Besonders schwer belastet erscheint ein Kaufmann Groß, der aber bis jetzt nicht aufgefunden werden konnte. Er hat sich durch allerlei Aeußerungen verdächtig gemacht. Das Motiv der Tat soll Geldgier gewesen sein. Es handelte sich nicht nur um die paar Tausend Mark die Hendschel am Tage der Tat bei sich trug, um das Modell zu bezahlen, sondern eben um mehr. Denn eben dieser Groß wies einige Wochen später bei den Eltern des Hendschel in Planegg einen Wechsel auf 6000 Mark vor, der Hendschels Unterschrift trug. Mit diesem Wechsel soll dann das Looping the Loop=Modell bezahlt worden sein. Die Unterschrift des Wechsels soll aber gefälscht gewesen sein, und die Familie unter Verzicht auf das Modell den Groß mit 2500 Mark nur abgefunden haben, um einen Skandal zu vermeiden. Inwieweit Groß mit der Tat in Verbindung steht, ist für die vorläufige Verhandlung unerheblich, da nach der bisherigen Untersuchung als Verüber der Tat nur Niederhofer in Betracht kommt und andere Personen höchstens als Mitwisser gelten können. Das Interesse an diesem Prozeß ist außerordentlich groß. Das beweist am besten der Umstand, daß sich bereits 4000 Personen um Zulaßkarten zum Zuhörerraum beworben haben. Zu den Verhandlungen, die etwa 8 Tage dauern werden, sind 214 Zeugen geladen, Artisten, Kellner, Halbweltdamen, usw. Verschiedene Zeugen sind aus Berlin, London, Wien, Innsbruck und Fiume berufen. Auch mehrere Sachverständige werden den Verhandlungen beiwohnen, die über die Art der Ermordung des Hendschel Auskunft geben sollen. Der Staatsanwalt behauptet nämlich, Hendschel sei von Niederhofer durch einen Schuß getötet worden, und die Schüsse seien von verschiedenen Personen gehört worden. Die Verteidigung nimmt hingegen an, daß nicht festgestellt erscheine, daß Hendschel durch einen Schuß getötet worden sei, mithin also auch die Schüsse nicht mit in Erwägung gezogen werden könnten, die verschiedene Arbeiter gehört haben wollen. Sie behauptet, daß Hendschel von seinem Angreifer, der nicht Niederhofer sei, mit einem sogenannten Pickel erschlagen worden ist, wie einer auch später im Zirkus gefunden worden ist. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Held, während die Verteidigung Rechtsanwalt Dr. Kleinberger=München übernommen hat. Wir werden über die Verhandlungen berichten. Theater, Konzerte, Vereine 2c. Dortmunder Stadttheater. Am Sonnabend findet die erste Tannhäuser=Aufführung der neuen Spielzeit statt. Die Titelrolle singt Herr Schirmer und die Partie des Wolfram Herr Sturry. Neu sind noch Herr Hildebrand als„Walter von der Vogelweide“, Herr Bark als„Landgraf" und Herr Pfeiler als„Pitterwolf“, ferner die Damen Damiela als„Elisabeth und Singer als„Venus". * Der zweite Renntag des Dortmunder HerbstMeetings findet am nächsten Sonftag, 22. Sept. an der Buschmühle statt. Auf dem Programm stehen wiederum sechs Rennen, von denen zwei Herrenreiten und vier Jockeyrennen sind. An Preisen werden gegeben 13000 Mark in barem Gelde und zwei Ehrenpreise. Für die sechs Rennen sind 106 Unterschriften abgegeben; die Beteiligung am nächsten Sonntag verspricht wiederum eine recht gute zu werden. Das Bolmker Jagdrennen, Preis 2000 Mark, hat 22, das Recke=Jagd=Rennen, Preis 1800 Mk., hat 20 und das Nickel=Jagd=Rennen 19 Nennungen erhalten. Ein besonderes Interesse erfordert die Verlosung eines Rennpferdes. Der Sieger des Verlosungs=Jagd=Rennens fällt an den Verein und wird unter alle Rennbahnbesucher, welche ein Los zu 30 Pfg. genommen haben, verlost. Das Verlosungs=Jagd=Rennen, Preis 4000 Mk., hat 13 Unterschriften erhalten. Dieselben lauten: Herrn Bischoffs Bex, Herrn Hoffmanns Gloster, Herrn H. Hocschs Oberin und Miczi, Herrn E. von Krackers Jule, Simpel, Froufrou, Waldrun, Herrn Fr. Oesters San Antonius, Herrn H. Suermondts Augustus Imperator, Herrn L. Whites Patrizier. Den Gewinner vorstehenden Rennens erhält der Inhaber des Gewinn=Loses. Will Letzterer das Pferd nicht nehmen, so erhält derselbe vom Verein 1000 Mark in bar. Wird das Pferd bei der öffentlichen Versteigerung auf dem Rennplatze mit mehr als 1000 Mark verkauft, so fällt auc dieser Betrag dem Besitzer des Gewinnloses zu. Große Volksbelustigung findet am Sonntag, 22. September, auf dem Festplatz des Wirts Heisterkamp in Dorstfeld statt. Es sind aufgestell: Dampfkarussells, Hypodrom, Kinematograph, Schieß=, Schau= und Konditorbuden. Abends 8½ Uhr findet großes Brillantfeuerwerk statt; auch wird ein Riesenluftballon aufgelassen. Zum Blücher, Münsterstraße. Am kommenden Sonntag, den 22. September er. findet in den Sälen dieses Etablissements Unterhaltungs=Konzert bei freiem Entree statt. Für gute Speisen und Getränke ist bekanntlich bestens gesorgt. * Verein für Feuerbestattung in Dortmund e. B. Sonntag, den 29. September cr., vormittags 11 Uhr, findet in dem oberen Saale der städtischen Tonhalle in Duisburg eine Beratung der rheinisch=westfälischen Feuerbestattungs=Vereine statt; nach Schluß der Beratung gemeinschaftliches Mittagessen, alsdann Ausflug in den Duisburger Wald. Damen und Herren, die an den Veranstaltungen teilzunehmen wünschen, werden gebeten, ihre Anmeldung unverzüglich dem hiesigen Vereinsvorstande einzureichen. * Der Sauerländische Gebirgsverein, Abteilung Dortmund, unternimmt am Sonntag, den 22. Sept. eine Nachmittagswanderung nach Kruckel, Schnee, Kermelberg, Borbach, Witten. Abfahrt vom Hauptbahnhof um 1,15 nach Kruckel mit Sonntagskarte Witten. Freischütz bei Schwerte. Für das Konzert des Solo=Quartetts vom Dortmunder Lehrer=GesangVerein, welches Sonntag am„Freischütz" stattfindet, ist folgendes Programm aufgestellt:„Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang“ von Wildt, „Heimat" von Leiendecker,„Spielmanns Testament“ von Pfeil,„Vorsatz“ von Haselhoff,„Unterm Lindenbaum“ von Stamm,„Der Studenten Nachtgesang“ von Fischer,„Die stille Wasserrose" von Abt,„Heimatliebe“ von Wengert,„Muttersegen“ von Opladen,„Es lebe die Roserl“ von Feldmann, „Ritters Abschied“ von Joh. Kinkel,„Oberschwäbisches Tanzliedchen“ von Silcher,„Sternennacht" von Schulke,„Stilleben“ von Kirchl. Thalia=Theater Elberfeld. Sarah Bernhardt, die berühmte französische Tragödin, deren einmaliges Gastspiel im Elberfelder Thalia=Theater avisiert, wird nunmehr bestimmt am Freitag den 27. September als„Adrienne Lecouvreur" auftreten. Sie führt eine auserlesene Schar Pariser Künstler, insgesamt fünfzig Personen mit sich, und wird Elberfeld die einzige Stadt in Deutschland sein, in welcher sie auf ihrer diesjährigen Tournee auftritt. Adrienne Lecouvreur, das alte französische Revolutionsdrama ist von Mme. Bernhardt einer vollständigen Umarbeitung unterzogen und bietet der genialsten der heute existierenden Künstlerin reichste Gelegenheit, ihre gewaltige Kunst zu entfalten. Es findet nur dieses eine Gastspiel statt, für welches Billete schon ab heute an der Tageskasse erhältlich sind. Spielelan des Vortaunder Stadtbeaters. von Sonntag, den 22. bis Sonntag, den 29. Sept. Sonntag, 22. Sept. Anfang 7½ Uhr.„Die Zauberflöte". Oper in 3 Aufzügen von W. A. Mozart.„„„„„ Montag, 23. Sept. Serie A. Nr. 3, grune Karten. Anfang 7½ Uhr: Zum 1. Male.„Der Weg zur Hölle“. Schwank in 3 Aufzügen von Gustav Kadelburg. Dienstag, 24. Gept. Serie B, Nr. 3, braune Karten. Anfang 7½ Uhr.„Zar und Zimmermann". Komische Oper in 3 Aufzügen von Albert Lortzing. Mittwoch, 25. Sept. Anfang 7½ Uhr. Volkstümliche Vorstellung zu ermäßigten Preisen.„Die Nibelungen".(1. Teil) Ein deutsches Trauerspiel in zwei Abteilungen von Friedr. Hebbel. 1.„Der gehörnte Siegfried. Vorspiel in 1 Aufzug. 2.„Siegfrieds Tod". Trauerspiel in 5 Aufzügen.„„ Donnerstag, 26. Sept. Serie A. Nr. 4, grüne Karten. Anfang 7 Uhr.„Lohengrin". Romantische Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagnex. Freitag, 27. Sept. Serie B. Nr. 4, braune Karten. Anfang 7½ Uhr. Zum 2. Male.„Der Weg zur Hölle". Schwank in 3 Aufzügen von Gustav Kadelburg. Sonnabend, 28. Sept. Anfang 7½ Uhr. Zum 1. Male,„Ein Sommernachtstraum". Lustspiel in 3 Aufzügen von W. Shakespeare. Musik von Mendelssohn=Bartholdy. Sonntag, 29. Sept. Anfang 7 Uhr.„Lohengrin“. Romantische Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagner. Dortmund. Vom 20. September 1907. 1. Geburten. Ein Sohn: Kaufm. Brinkmann, Haydnstraße 21. Tischler Emde, Stauffenstr. 20. Maurer Scheer, Herderstr. 12. Maurer Kurth, Altermühlenweg 16a. Zinkhüttenarb. Rosanowski, Körnebachstr. 141. Eine Tochter: Platzarb. Horni, Brünninghauserweg 92. Maurer Nolte, Gustavstr. 5. Maurer Buhl, Roonstr. 16. Maurer Bath, Hövelstr. 10. Ingenieur Gritzbauch, Liebigstr. 4. Aufgebote: Hilfsschaffner F. Hölscher mit Katharina Mersmann. Betriebsassistent E. Froböse mit Helene Müller. Maler H. Meyer mit Anna Braun. Maurer V. Kindler mit Karoline Hanna. Wiegemeister A. Linnemann mit Luise Mescher. Heizer H. Gockel mit Alma Blume. Eheschließungen: Stahlwerkarbeiter A. Tillmann mit Anna Hauffe. Klempner F. Koch mit Alma Beinecke. Hauer Th. Redder mit Anna Köhne. Sterbefälle: Rena Altmanns, Kirchenstr. 10, 1 J. Ehefrau Agnes Ohnesorge, Ardeystr. 78, 81 J. Ehefrau Rosa Stolte, Möllerstr. 28, 88 J. Gertrud Henke, Albrechtstr. 7, 11 Mon, Gustav Möller, Münsterstr. 38½, 24 J. 2. Geburten: Ein Sohn: Zinkhüttenarb. Kernspecht, Inselstr. 6. Postanwärter Schwarzlose, Jägerstr. 21. Eisenwalzer Zwizewski, Altonaerstr. 9. Fuhrmann Hemesath, Dusterestr. 21. Bergmann Prydzuhn. Vornstraße 226. Eine Tochter: Schachthauer Adamski, Sölderstraße 29. Kaufmann Meister, Lübeckerstraße 16. Aufgebote: Lagerarbeiter Joh. Menke mit Angela Mattenklotz. Eheschließungen: Maschinist H. Börnecke mit Berta Schultze. Sterbefälle. Paul Bergmann, Kielstr. 23½, 12 J. Witwe Therese Beinfohr, Düsterestr. 8, 56 J. Anton Neuß, Robertstraße 15, 10 Tage. Johann Martin, Burgholzstraße 45, 2 J. Klara Poprawski, Münsterstraße 191, 5 Mon, Witwe Luise Dueck. Arndtstraße 42. 83 J. * Fernsprecher 3243. Westenhellweg 74-76. Tr UT alons Die kostbarsten und schönsten Salons haben wir in der II. Etage übersichtlich ausgestellt u. zwar in den Preislagen von 500 bi 2000 M. Besonders preiswert: HochvornehmerMahagonisalon 1 Sofa-Umbau mit Krystallspiegel 1 Salonschrank 1 Salontisch 1 Sofa, 2 Fauteuils 2 Polsterstühle 1 Postament Grösstes Spezial-Möbelhaus der Provinz Westfalen. Die neuen 4 für den Herbst und Winter 1907/1908 sind eingetroffen. 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September 190 7 Wie Sie aus meinem Modenbericht und meinem neuen Herbst-Katalog, sowie aus meiner sehenswerten Saison-Eröllnungs-Dekoration welche, soweit es der Platz erlaubt, die masgebenden Neuheiten enthält, erschen werden, leben wir in einer Periode der Herren, und KnabenbekleidungsMode, welche sowohl durch die verschiedensten und auffälligsten Farben und Dessinierungen, als auch durch die eigenartigen Façons recht merklich von der bisherigen Art abweicht. Diese vielseitige Moderichtung stellt an die Bekleidungsgeschäfte hinsichtlich Grösse und Verschiedenheit der Auswahl die grössten Ansprüche.— Schon seit Anfang August bin ich mit dem Hereinnehmen der Neuheiten für Herbst- u. Winter 1907/08 beschäftigt. Eine Warenmenge im Werte von ¼ Millionen Mark ist erforderlich, um allen Ansprüchen, welche an mein grosses Spezialgeschäft gestellt werden, gerecht zu werden. Allein 6000 Stück Herren-Faletots sind zur Zeit vorrätig, und können Sie sich hiernach ein Bild von der Grösse und Leistungsfähigkeit meines Geschäftes machen. Mein dem Umsatze und der Auswahl nach das grösste und leistungsfähigste Spezial-Geschäft Westdeutschlands hat alle Fortschritte der Branche in sich aufgenommen, sodass ich den höchsten Ansprüchen genügen kann. 65 Spezialgrössen ermöglichen es, dass für jede Körperform passende Kleidung am Lager ist. In Bezug auf Eleganz, dauerhafte Verarbeitung, Sitz und Schnitt ist meine Konfektion vorbildlich für die Blanche. Der ganz gewaltige Warenumsatz in meinen Geschäften, sowie der gemeinschaftliche Einkauf mit 14 ersten Geschäften der Branche erssicht etrea bilgen Ein und Verkauk Die bedeutenalten und belten Fabrlanten übertrugen mite den kleinverkaut füre den hiefigen Bezirk und erhalten Sie also deren bewährte Qualitäten nur bei mir. 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Mit Inbetriebsetzung der neu erbauten EisenbahnLeazign wird die, Pgsverbindung mit der Bahn hergestellt und also die Beförderungsangelegenheiten um ein erhebliches vermehrt. Hörde, 20. Sept.(Die Sparkassenverwaltung) hat beschlossen, den Zinsfuß für Spareinlagen vom 1. Januar 1908 ab auf vier Prozent zu erhöhen. Hörde, 20. Sept.(Eine große Spiegelscheibe) wurde heute Morgen durch den Lehrling des Bamberger'schen Geschäfts mit einer Handkarre total zertrümmert. Station Lütgendortmund, 19. Sept.(Industrielles.) Die Gewerrschaft„Vorussia“ läßt augenblicklich eine große Kokerei=Anlage bestehend aus 60 Koksöfen errichten; eine chemische Fabrik zur Erzeugung von Rebnprodukten wird ebenfalls erbaut. Ueber 100 Arbeiter sind mit der Fertigstellung der neuen Anlagen beschäftigt. Im kommenden Frühjahr soll die Neuanlage in Betrieb genommen werden. Rauxel, 19. Sept.(Wegen Mord) wurde hier der Bergmann Michael Dul aus Grzbow(Galizien) verhaftet und einstweilen in Polizeigewahrsam genommene Dul hat im Juni er. in Trzeiana in Galizien den Gutsinspektor Gimpel Fries, als dieser ihn bei der Wilddieberei ertappte, mit einem Gewehr erschossen. Nach der Tat hat er die Flucht ergriffen und ist per Bahn über Myslowitz in das hiesige Kohlenrevier gefahren, wo er schließlich unter dem Namen Wilk auf Zeche Viltor Arbeit gefunden hat. Die auf Wilk lautenden Papiere will er gefunden haben. Der noch jugendliche erst 21 Jahre alte Verbrecher ist geständig und wird nach Abschluß der Auslieferungsverhandlungen dem zuständigen Bezirksgericht in Oesterreich überführt werden. Habinghorst, 19. Sept.(Eine eigene Metzgerei) hat die Zeche Viktor erworben. Sie hat die Besitzung des Metzgermeisters Heckel für 83.000 Mk. gekauft zum Zwecke der Einrichtung einer Konsummetzgerei für ihre Arbeiter, Zur Führung dieser Metzgeroi ist Herr Heckel auf mehrere Jahre bestellt. Sodingen, 20. Sept.(Die Amtsversammlung) beschloß, das Grundstück des Grafen von Westerholt=Gysenberg in einer Größe von 230 Quadrat=Ruten zum Preise von 100 Mark pro Rute zu erwerben. Auf dem erworbenen Terrain soll in ca. 2 Jahren ein neues Verwaltungsgebäude errichtet werden. Horstmar, 20. Sept.(Gemeinderat.) In: der gestrigen Sitzung wurde der vom Wasserwerk Unna vorgelegte Vertrag, betreffend Legung der Wasserleitung hier genehmigt. Da noch nicht genügende Teilnehmer an der Leitung vorhanden sind, so bewilligte Vertretung die Kosten für die fehlenden zehn Anschlüsse. Das Gesuch des deutschen Vereins für Gasthausreform auf Errichtung eines Gasthauses in hiesiger Gemeinde, wozu die Gemeinde die Konzession übernehmen sollte, wurde abgelehnt. Lanstrop, 19. Sept.(Mit der schon seit Jahren geplanten Errichtung) einer zweiten Schachtanlage im nördlichen Felde der Zeche„Courl“ soll es nun, gutem Vernehmen nach, endlich Ernst werden. Das für die neue Schachtanlage in Aussicht genommene Gelände liegt westlich von Lanstrop. Man hofft hier die von Zeche „Gneisenau“ herüberstreichenden Flöze in regelmäßiger Ablagerung anzutreffen. Der Zeitpunkt mit welchem mit dem Schachtabteufen begonnen werden wird, ist zwar noch nicht genau bestimmt. doch dürfte der erste Spatenstich im nächsten Frühjahr wohl erfolgen. Rülheim a. d.., 20. Sept.(Grobe Vernachlässigung.) Die Ehefrau T. hier, welche mit ihrem Manne in fortwährendem Streite lebt, verließ gestern Abend mit den erwachsenen Töchtern wie schon oft, das Haus und ließ den Ehemann mit einem drei Monate und einem zwei Jahre alten Kind, welches krank war, allein. Als die Frau gestern in der Frühe zurückam, fand sie das drei Monate alte Kind tot vor. Die von der Kriminalpolizei sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß das Kind durch grobe Vernachlässigung verschieden ist. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Heißen, 19. Sept.(Unfall.— Dtebsta hl.) Auf der Zeche„Rosenblumendelle“ wurde dem Bergmann v. d. Burg von einem aus dem Hangenden stürzenden Steine das linke Bein gerschmettert.— Auf derselben Zeche wurde nachte ein kupfernes Eppansiondrohr im Werte von 500 Mark gestohlen. Oberhausen, 20. Sept.(Ueberfall.) Gestern Morgen wurde der Maurer Baumann in der Lothringer Straße besinnungslos und in einer Blutlache schwimmend aufgefunden. Der Mann traf abends mehrere Leute, die ihn zwingen wollten, für sie Getränke zu bezahlen. Als er sich weigerte, schlugen ihn die Rowdies mit ihren Stöcken zu Boden, stachen mit Messern auf ihn ein, so daß der Unglückliche schrecklich zugerichtet wurde. Als Baumann noch zuckte und Lebenszeichen von sich gab, traten die Kerle mit Fühen auf ihm herum, bis er sich nicht mehr regte. G. wurde ins Krankenhaus geschafft, wo er hoffnungslos darniederliegt. Drei der Messerhelden wurden von der Kriminalpoligei fesigenommen. 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Das Publikum ersuche ich ein für allemal, jede Kundgebung, Zustimmung oder Widerspruch zu unterlassen. Das Publikum hat hier im Gerichtssaale nicht Partei zu nehmen. Sollte noch einmal eine Störung eintreten, so werd ich, wie es schon einmal geschehen ist, den Saal räumen lassen. Vert..A. Bredereck: Im Auftrage des Herrn v. Rotberg bitte ich eine Frage an den Herrn Privatkläger richten zu dürfen. Ich möchte ihn fragen, ob er seine gestrige Erklärung wiederholen wolle und ob er alles, was er im Reichstag über Herrn v. Rotberg gesagt hat, hier öffentlich wiederholen wolle.— Oberlandesgerichtsrat Roeren: Wenn der Herr Vorsitzende es wünscht. Vors.: Ich kann Sie nicht zwingen, es liegt an Ihnen, ob Sie es wollen.— Roeren: Ja.—.=A. Schreiber einfallend: Bevor Herr Geheimrat Roeren antwortet, bitte ich mir das Wort zu geben. Ich möchte Auskunft haben, welchen Zweck diese Frage hat, damit ich meinem Klienten Rat geben kann, ob und inwvieweit er Anwort geben solle.—.=A. Bredereck: Herr v. Rotberg hat nur den Auftrag erteilt; ehe ich weitere Schritte tue, will ich wissen, wie weit die Rede im Reichstage hier wiederholt wird.—.=A. Schreiber Also der Zweck der Frage soll die Grundlage für eine neue Privatklage schaffen. Herr Geheimrat, ich rate Ihnen, keine Antwort zu geben. Damit ist der Zwischenfall erledigt.—.A. Schreiber: Pater Müller hat gestern gesagt, daß er trotz des freisprechenden Urteils auch jetzt noch die Ueberzeugung habe, daß es wahr sei, daß sich der Angeklagte des strafbaren Verkehrs mit der Adjaro schuldig gemacht habe. Bei einer von einem Gerichtsurteil so scharf abweichenden Ansicht ist Herr Pater Müller wohl eine Erklärung schuldig. Ich bitte, ihm dazu Gelegenheit zu geben.— Pater Müller: Ich habe die feste Ueberzeugung gewonnen, weil die Angaben der Adsaro und die der übrigen Zeugen einen solchen Eindruck auf mich machten, daß ich mir sagen mußte, Schmidt habe sich des Verbrechens schuldig gemacht.— Vors.: Ich rate Ihnen aber, das nicht auch draußen zu sagen. Es gibt eine Strafbestimmung, nach welcher es nicht zulässig ist, einen Angeklagten, nachdem er rechtskräftig freigesprochen ist, das Verbrechen weiter vorzuhalten. Hier im Gerichtssaale können Sie ja auf Fragen als Zeuge antworten.— Pater Müller: Herr Vorsitzender, diese Bestimmung kenne ich. Die Adjaro war in allen wesentlichen Punkten in ihrer Aussage bestimmt und gleichbleibend, nur in kleinen Angaben war sie unbestimmt. Die Sache lag bei der Verhandlung drei Jahre zurück.—.=A. Schreiber: Hat nicht ein anderes junges Mädchen bestätigt, daß Adjaro ihr den Vorgang am nächsten Morgen genau so geschildert habe:— Pater Müller: Das Mädchen Pombo gab an, daß ihr am nächsten Morgen die Adjaro die Wunden gezeigt hatte, die von den Peitschenhieben herrührten, die sie erhalten, weil sie sich geweigert hätte. Die Pombo hat ihr dann gesagt: „So tut er nur.“ Damit stimmt auch die Aussage der Mutter der Pombo überein, daß Schmidt ihre Tochter ebenfalls durch Anwendung von Prügeln gezwungen habe zur Hingabe. =A. Schreiber: Es wird immer behauptet daß sich nur die katholische Mssion beschwert habe. Hai nicht auch die evangelische Mission Beschwerde geführt über den Angetlagten Schmidt? Zeuge Pater Müller: Der Missionsinspektor Schreiber beschwerte sich in seinem Bericht über die Trunksucht und Unzucht der Europäer. Der Oberleutnant Rick hat mir auch gesagt, Herr Schmidt komme ihm in seinem Geschlechtsleben krankhaft vor, denn überall, wohin er komme, stellte sich ihm eine Frau oder ein Mädchen als Frau des Herrn Schmidt vor Auch Kukowina sagte mir, man tue gut, die Mädchen vor Schmidt auf die Farm zu schicken..=A. Schreiber: Der Herr Zeuge hat mit mir auch Besprechungen gehabt. Haben Sie mir nicht gesagt, daß Sie nicht einmal einem schwarzen Mädchen die Hand zu reichen pflegten, damit gegen Sie als katholischer Priester kein falscher Verdacht entstehe. Der Zeuge bestätigt das. Vert..=A. Bredereck: So, an diese Frage möchte ich auch anknüpfen. Also trotzdem Sie das alles über Schmidts Geschlechtsleben wußten, und obgleich Sie daran Anstoß nahmen, haben Sie mit ihm freundschaftlich weiter verkehrt?. Pater Müller: Ich habe nur, weil es amtlich notwendig war, mit ihm verkehrt. Wenn ich damals den Verkehr abgelehnt hätte, würde man uns heute vorwerfen, daß wir uns von Anfang an feindselig gezeigt hätten. Vors.: Sind Sie nicht oft bei Gesang und Trunk bis nachts 2 und 3 Uhr bei Schmidt gewesen? Zeuge Pater Müller: Niemals, niemals. Vors: Wie lange dauerten denn ihre Besuche auf der Station? Zeuge: Nie länger als bis 11 Uhr. Vert. Bredereck: Haben Sie nicht einmal mit Schmidt und Hauptmann v. Doering bis 4 Uhr nachts zusammengesessen und zusammen 122 Flaschen Sekt getrunken? Pater Müller: Nein, niemals, niemals. Vert..=A. Bredereck: Sie sagen, daß Sie niemals ein schwarzes Mädchen auch nur mit der Hand berührt haben. Zeuge: Ja. Vors.: Haben das auch die anderen Missionspriester getan? Zeuge: Ich glaube wohl das allgemein bestätigen zu können. Vert. Bredereck: Erinnern Sie sich des Paters Venantius, der, um seinen Verkehr mit schwarzen Weibern zu verdecken, die Lampen aus dem Schulgebäude verkauft hat? Pater Müller: Venantius war kein Pater, sondern ein Laienbruder. Daß der arme Bruder gefallen ist, gebe ich zu..=A. Bredereck: Hat nicht ein anderes Mitglied der Mission, der Lehrer Johnson, eine schwarze Konkubine gehalten? Pater Müller: Der Lehrer war wohl Mitglied der Mission. Er ist aber sofort entlassen worden..= A. Bredereck: Aber bezeichnender Weise schreibt die Mission ihm: Wir müssen Sie entlassen, damit die Station an uns nicht mehr irre werde. Also hat die Mission den Lehrer nicht entlassen, weil sie Anstoß nahm, sondern nur, damit die Leute nicht irre werden, Pater Müller und.A. Schreider widersprechen entschieden gegen diese Auslegung des Briefes. Angekl. Schmidt: Hat nicht P. Müller an Hauptmann v. Doering geschrieben: „Wir kennen Ihr Vorleben, Sie sehen also, daß wir keine Zeloten sind, aber gegen Herrn Schmidt müssen wir vorgeben.“ Pater Müller: So lange man mir den Brief nicht vorlegt, muß ich es entschieden leugnen. Ich habe allerdings Hauptmann v. Doering einen Brief geschrieben. Ich führte darin aus, daß der Vorwurf zu strenge zu sein unberechtigt sei, wir kümmerten uns um das Privatleben der Europäer nicht, so lange ihr Leben nicht gegen die öffentliche Moral verstoße, wie seien also keine Zeloten usw., das„ihr“ war aber klein geschrieben..=A. Bredereck: Also zuerst leugnet der Zeuge den Brief und dann gibt er den ganzen Inhalt zu. Pater Müsler: Ich habe nur die unwahre und entstellte Wiedergabe des Inhaltes abgeleugnet..=A. Bredereck: Ich protestiere gegen diese Aeußerung, der Brief ist in öffentlicher Gerichtsverhandlung verlesen worden. Ich bitte Oberleutnant Smend zu fragen, was er! davon weiß. Oberleutnant Smend: Ich war in Atakpame in der Sitzung zugegen, Hauptmann v. Doering wurde nach Hause geschickt, um den Brief zu holen. Ich erinnere mich lebhaft, daß der verlesene Satz lautete: Sie wissen, daß wir keine Zeloten sind, wir kennen Ihr Vorleben, aber gegen Herrn Schmidt müssen wir vorgehen..=A. Schreiber: Alsa Pater Müller, Sie nehmen es auf Ihren Eid, daß Sie nicht das Vorleben des Hauptmanns v. Doering gemeint haben und daß das „ihr“ klein geschrieben war. Vert..=A. Jaeger: Gegenüber der Aussage des Paters Müller, daß die Adjaro immer gleich in ihrer Aussage geblieben sei, bitte ich die andern Herren nochmals zu befragen, ob sie dabei bleiben, daß sie sich widersprochen habe. .=A. Dr. Schreiber: Wir nehmen an, daß die Herren ihre Aussage wiederholen werden. Ich möchte wissen, was denn in dem Briefe stand, den Pater Müller abgeleugnet haben soll, weil man es hier immer anführt. Vors.: Es sollte damit anscheinend wohl die Glaubwürdigkeit des Zeugen angezweifelt werden. Sozialdemorrätischer Purkeitag Essen=Ruhr, 20. September. Die heutige Sitzung begann mit der Erörterung über das Nachrichten=Bureau. Der erste Redner war Redakteur ThieleHalle a..: Genosse Müller hat schon gesagt: Das Nachrichten=Bureau könne nicht eine Verminderung der Zahl der Redatteure an Parteizeitungen bewirken. Im Gegenteil, das Bureau dürfte eher eine Vermehrung der Redakteure notwendig machen. Die Partei leide an Mangel von geeigneten Redatteuren. Man könne nicht verhehlen, daß alle Parteiangestellten, insbesondere die Redakteure, übermäßig angestrengt werden, so daß ihre Kräfte vorzeitig aufgebraucht werden. Die meisten Parteizeitungen haben zu wenig Redakteure. Der Redner bemerkte im Weiteren, daß die Parteizeitungen der bürgerlichen Depeschenbureaus nicht werden entbehren können und erwähnte alsdann einer Polemik der„Leipziger Volkszeitung“: Ich ersuche die Kollegen von der„Leipziger Volkszeitung“, wenn es Ihnen möglich ist, es kann ja schließlich niemand etwas Unmögliches leisten(Heiterkeit), in Zukunft Polemiken gegen Parteigenossen etwas sachlicher zu führen. Die Polemik, wie sie bisher von der„Leipziger Volkszeitung“ geführt wird, ist doch etwas stark. Der Redner erklärte sich schließlich mit dem Entwurf der 15er Kommission im allgemeinen einverstanden. Er ersuche, dem Entwurf zuzustimmen. Es sei bereits gesagt worden: Wer die Schule hat, hat die Zukunft. Möge man nicht vergessen, daß, wer die Presse hat, der hat die Gegenwart.(Lebhafter Beifall.) Der Parteitag beschloß danach einstimmig, den Entwurf der 15er Kommission zu genehmigen, wonach von der Partei ein Nachrichten=Bureau in Berlin zu errichten ist. Den folgenden Gegenstand bildete die Alkoholfrage. Der ehemalige Reichstagsabgcordnete, früherer Chemiker, Redakteur Emanuel=Wurm=Berlin befürwortete folgenden Antrag: „Die Gefahren des Alkoholgenusses sind mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise für die arbeitende Bevölkerung gewachsen. Dieselben Bedingungen, die auf deren allgemeine Verelendung hinwirken, haben auch den Anreiz zum übermäßigen Alkoholgenuß und damit dessen Schädlichkeit gesteigert: die Ueberanstrengung, die ungenügenden Löhne und die ungesunden Wohnund Arbeitsstätten. Durch wirtschaftliche und soziale Mißstände und die aus ihnen hewvorgegangenen Trinchitten wird den Arbeitern ein zu häufiger Genuß von Alkohol aufgezwungen und angewöhnt. Diese Gewöhnung hat aber zur Folge, daß auch, wenm die brimäre, wirtschaftliche Veranlastung zum übermäßigen Alkoholgenuß geschwunden ist, ihm oft nicht mehr entsagt werden kann. Die bürgerlichen Alkoholgegner stellen in der Regel den Alkoholismus als die vom Volke selbst verschuldete Ursache seiner Not hin und lenken damit— zum Teil nicht ohne Absicht— die Aufmerksamkeit von dessen ursprünglichen wirtschaftlichen und sozialen Ursachen ab, während sie anderseits durch Zwangs= und Strafgesetze den angeblich bösen Willen des Trinkers brechen wollen, sodaß er doppelt büßen muß, was die herrschenden Zustände verschulden. Der Kapitalismus und der Staat als sein Interessen=Vertreter haben an der Beseitigung des Alkoholismus nur insoweit Interesse, als sie durch die Lasten für seine Opfer und deren verminderte Arbeitssähigkeit Nachteil erleiden. Der Parteitag erklärt: Die Schäden des Alkoholismus können weder durch Zwangs= und Strafgesetze noch durch Steuergesetze eingedämmt oder gar beseitigt werden. Trunksuchtsgesetze zur Bestrafung der Trunkenen sind nichts als Ausnahmegesetze gegen die ärmere Bevölkerung, da sich die reichere ihnen leicht entziehen kann. Der Trunksüchtige ist nicht dem Strafrichter zu überantworten, sondern, wie jeder andere Kranke in ärztliche Behandlung zu nehmen; aus öffentlichen Mitteln sind Heilstätten neue Hafenbecken mit der Drehbrücke. Dortmund, 21. September. Als im Jahre 1881 unsere damalige Pferdebahn dem Betriebe übergeben wurde, da ahnte wohl keiner von den guten Dortmundern, daß die Straßenbahn sich einst zu einem so großen städtischen Unternehmen emporschwingen werde. Man baute zunächst die Strecke Steinplatz=Fredenbaum. Die Bürger schimpften weidlich, daß man ihnen das Pflaster vor den Türen aufreiße und die Passage erschwere und die Geschäftsleute drohten ganz ernsthaft mit einer Klage, wenn die Buddelei nicht bald aufhöre. Nun, so schnell ging das denn doch nicht und wie sich die Anwohner des Ostenhellwegs erst jüngst noch bei der Regelung der Straßenbahnkreuzung Ostenhellweg und Westenhellweg trotz allen Lamentierens gedulden mußten, so hatten sich auch damals die Opponenten in ihr Geschick zu fügen. Als dann endlich der erste Gaul mit dem Straßenbahnwagen zum Fredenbaum trippelte, da war der Jubel groß und er wurde noch größer angesichts des Bildes, das uns eine regelrechte Dampfbahn vor Augen führte. Nach und nach wurde die Pferdebahn auf weitere Linien ausgedehnt und einzelne Strecken wurden sogar für den Güterverkehr eröffnet. Viele Dortmunder werden sich noch erinnern, daß mit der Lokomotive die Kohlen von Zeche Kaiserstuhl geholt und nach der Binkhütte befördert wurden. Die Fahrt nahm ihren Weg über die Burgholzstraße, bog an der Münsterstraße in die Pferdebahngleise ein, um an der Ecke des Burgwalls auf einem zu diesem Zwecke besonders angelegten Schienenstrang über den Schwanenwalk und die Kaiserstraße seinen Weg fortzusetzen zum Endpunkte. Der Transport machte einen eigenartigen Eindruck und würde heute in unser Straßenbild sicher nicht mehr paffen. Auch barg er für die Passanten und Fuhrwerke eine nicht geringe Gefahr in sich. Eine ganze Reihe von Unfällen war denn auch die Folge, so daß man erleichtert aufatmete, als diefer seltsame Güterverkehr durch die belebtesten Straßen Dortmunds für immer eingestellt wurde. Der Personenverkehr wurde dagegen auf den Strecken Markt=Hörde und Steinplatz=Fredenbaum mittels Lokomotive beibehalten, während auf den anderen Linien munter die Rößlein trabten. Im Jahre 1604 gab es dann jene gewaltige Umwälzung, wie sie nur die Kraft der Elektrizität vollziehen konnte. Die Berliner Lokal= und StraßenbahnGesellschaft hatte bereits in anderen Städten mit gutem Erfolge die elektrische Kraft für den Straßenbahnbetrieb eingeführt und schickte sich an, auch Dortmund mit dieser Neuerung zu beglücken. So einfach war die Sache nicht. Es mußte zunächst eine Kraftstation errichtet, die Stromleitungen eingebaut. die Schienen erneuert, Masten gesetzt werden usw. Damit verfloß eine ziemliche Zeit. Dann aber ging es an die Probefahrten. Wie man heute noch die Luftballons anstaunt und die Schnelligkeit der Automobile bewundert, so starrte man den ersten„elektrischen Wagen“ an.„Mein Gott“, riefen die Leute aus,„der Wagen hat ja weder Pferde noch eine Maschine und läuft doch“. Allabendlich war der Westenhellweg, über welchen die ersten Motorwagen rollten, von dichten Menschenmasfen belagert, um Zeuge des Schauspiels zu sein. Als dann nach einigen Wochen der elektrische Betrieb aufgenommen wurde, da hatte die Direktion ihre liebe Rot, den Ansprüchen der Passagiere gerecht zu werden. Es wollte eben alles fahren, jung und alt, Kinder und Greise. So etwas war noch nicht dagewesen. Damals gab es noch keine Kritiker, welche die Mängel durch kräftige Zeitungsartikel abzuhelfen versuchten, sondern ganz Dortmund war stolg auf die„Elektrische“. Auch aus der näheren und weiteren Umgebung eilten die Leute herbei, um das Wunder zu sehen, so daß die Geschäftswelt von dem Zufluß der Fremden erhebliche Vorteile hatte, Das war vor nunmehr bald 14 Jahren. Wie haben sich doch seit jenem Ereignisse die Zeiten geändert! Die Elektrische ist eine alltägliche Verkehrseinrichtung, an die, wie es in jeder Großstadt geschieht, die weitgehendsten Anforderungen gestellt werden. Fast jede Landgemeinde ist mit einem Schienenwege durchzogen und es gibt kaum noch einen Ort, der nicht auf elektrischem Wege verbunden wäre. Dortmund ist inzwischen Besitzerin der Straßenbahn geworden. Unsere Stadtväter haben, als es hieß, die Bahn zu übernehmen oder den Vertrag mit der Berliner Gesellschaft zu verlängern, nicht sogleich Ja und Amen gesagt. Dann aber doch nach reiflicher Erwägung zugegriffen und einen Direktor gewählt, welcher den Uebergang des Stratenbahn=Unternehmens in städtischen Besitz vorbereiten sollie. Ra, da kam denn auch der Tag, wo Dortmunds steuerzahlende Bürger samt und sonders Aktionäre der„Elektrischen“ wurden. Man hatte viel an chr auszusetzen und dem Betriebsleiter, Herrn Petersen, werden ja oft die Ohren gellungen haben. In der Tat machten sich nach der Uehernahme manche Uebelstände bemerkbar und es war wohl lediglich auf den konservativen Geist der Direktion zurückzuführen, daß die Bitten und Wünsche des fahrenden Publikums nur in ganz geringem Maße erfüllt wurden. Run ist aber doch manches anders geworden und wir zweifeln nicht daran, daß die Verwaltung nach Möglichkeit jedem gesunden Vorschlage zur Besserung des Betriebes Rechnung tragen wird. In der letzten Stadtverordnetensitzung fuhr man wieder gegen das„Fort Petersen“ schwere Geschütze auf. Das lebhafteste Feuer entfesselte sich be: Gelegenheit der Beratung über Neuanschaffungen von Wagenmaterial für unsere Straßenbahn und um den Bau einer Remise. Unsere neuen Motorwagen geben entschieden ein frisches und iebhaftes Bild ab, so daß es eine Freude ist, wenn man den weißegelb lackierten Fahrzeugen begegnet. Die Stadtväter sollten wiederum für 10 neue Motor= und für 50 Anhängewagen die erforderlichen Geldmittel bewilligen. Das geschah denn auch nach bald zweistündiger Debatte mit der Maßgabe, daß vorläufig für Trunksüchtige unter ärztlicher Leitung zu er richten und zu erhalten. Die Beschräntung der Gastvirtschaften wie des Spirituosenverkaufs würde den Alkoholmißbrauck nur aus der Oeffentlichkeit des Wirtshauses in die Heintlichkeit der Wohnung treiben. Die Besteuerung der leichten alkoholischen Ge. tränke(Bier, Wein, Obstwein), steigert infolge deren Verteuerung nur den Verbrauch von Brannt wein. Je höher aber die Steuer auf Branntwein ist, umsomehr pländert sie gerade die ärmsten Schichten aus, da sie seinen Verbrauch nur ganz un wesentlich einschränkt. Zur Bekämpfung der Alkoholgefahr fordert dei Parteitag: Herabsetzung der Arbeitszeit auf höch stens acht Stunden, Verbot der Nachtarbeit oder bei ununterbrochenem Betriebe ausreichender Schicht wechsel, genügende Ruhepausen während der Ar beit, Verbot des Kreditierens und Verkaufens oder Lieferung anstelle von Barlohn aller altoholischei Getränte durch Arbeitgeber oder deren Angestellit an die von ihnen beschäftigten Arbeiter(Trucksystem), ausnahmsloses Verbot der Stellenvermitt. lung in Verbindung mit Schankbetrieb, Kleinhandel mit alkoholischen Getränken und Beherbergung, durchgreifende geverbliche Hygiene der Werksstätten und Arbeitsmethoden, Schutz der Kinder, Jugendlichen und Frauen, ausreichende Löhne, Beseitigung aller die Lebenshaltung verteuernden indirekten Steuern, sowie des Boden= und Wohnungswuchers. Hebung der öffentlichen Erziehung durch Umge staltung und Erweiterung des Schulwesens, ent sprechend den Leitsätzen des Mannheimer Partei. tages über Volkserziehung. Eine durch greifende Wohnungsreform, Erholungsstätten, Volksheimund Lesehallen. Die Arbeiterorganisationen werden aufgefordert, jeden Zwang zum Genuß alkoholischer Getränke bei ihren Zusammenkünften zu beseitigen. bei Bildungsveranstaltungen. Arbeitsnachweisen und Auszahlung von Streikunterstützung jeden Trinkzwang zu vermeiden, für Aufklärung durch Wort und Schrift über die Alkoholgefahr insbesondere für Kinder und Jugendliche, und über die zum Alkoholmißbrauch verleitenden Trinksitten zu sorgen. Kinder müssen vom Alkoholgenuß unbedingt ferngehalten werden. Diesen allein wirksamen Kampf gegen die Alkoholgefahr führen die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der klassenbewußten Arbeiterschaft, indem sie deren wirtschaftliche Lage verbessern, und sie lehren, statt im Alkoholmißbrauch Genuß und Vergessenheit zu suchen, im Kampfe gegen den Kapitalismus zur Befreiung von Verelendung und Unterdrückung, Genugtuung, Erholung und Freude zu finden.“ Der Redner erwähnte einer im Jahre 1904 von Dr. Stöhr erschienenen Schrift, in der ausgeführt wird: Auf dem sozialdemokratischen Parteitage in München 1902 sei gesagt worden: Man könne die sozialdemokratischen Gastwirte, die zu den Hauptagitatoren der Partei gehören, nicht vor den Kopf stoßen. Auch werden sich die Zimmerer und Maurer von der Partei nicht vorschreiben lassen, wie viel Schnaps sie trinken dürfen. Dr. Stöhr habe ihm auf seine Anfrage geschrieben: er habe das Zitat dem„Vorwärts“ vom Septemher 1902 entnommen. Er habe nicht nur die von Dr. Stöhr angegebene Nummer des„Vorwärts“, sonnur 30 Anhängewagen bestellt und über die weiteren 20 die Straßenbahndeputation verfügen sollte. Die Forderung für die Wagenhalle in Höhe von 185.000 Mark wurde dagegen noch nicht bewilligt, sondern das Kollegtum wies die Vorlage bezüglich dieses Punktes an den Magistrat zurück. Uns scheint zwar die Höhe der Bausumme in diesem Falle auch für etwas zu hoch, aber in ein Unternehmen, das sich entwickeln soll, muß auch Geld hineingesteckt werden, das weiß jeder Kaufmann und jeder Industrielle. Unseres Erachtens wird unsere Elektrische in Zukunft noch viel größere Summen verschlingen. Dortmund nimmt mit jedem Tage an Einwohner zu, die Stadt dehnt sich immer weiter aus und mit ihr wachsen auch die Bedürfnisse. Deshalb war der Gedanke des Referenten, ins Auge zu fassen die Errichtung einer städtischen Wagenwerkstätte, gar nicht so undiskutabel. Wenn wir ein millionenschweres Wasserwerk in städtischer Regie haben, ein hochmodernes Elektrizitätswerb betreiben, zu ein Drittek an der Gasanstalt beteiligt sind— warum sollten wir nicht auch eine Wagenwerkstätte in die Verwaltung der Stadt nehmen? Freilich ist nicht zu verkennen, daß dieses oder jenes industrielle Unternehmen durch eine solche Einrichtung Nachteile haben würde. Aber unsere Wagenwerkstätte brauchte doch auch Leute. Wir wollen diese Frage nicht weiter ausspinnen, sondern ihre Lösung der Zukunft überlassen. Ein Gemeinwesen von der Größe Dortmunds wird vor immer neuere Aufgaben gestellt. Und wenn es wie wir noch glücklicher Besitzer eines Stadthafens ist, dann gehören zu seiner Verwaltung auserlesene Kräfte. Wenn sich unser Hafen so weiter ausdehnt, dann brauchen wir für ihn ein befonderes Kollegium, das seine Interessen zu fördern bestrebt ist. Damit wollen wir nicht sagen, daß die heutige Verwaltung nicht ausreicht, sondern wir wollen nur andeuten, daß diese hervorragende Verkehrsanlage sich in einer fovtgesetzt aufsteigenden Linie befindet. Rings um das Hafengelände zicht sich ein Kranz von allerlei Gebäulichkeiten, die dem Handel, Verkehr und der Schiffahrt dienen. Unser Hafenviertel bildet mit einem Worte einen Stadtteil für sich, der immer weiter auswachsen wird. Wenn die Rheinlinie fertig gestellt ist, dann wird unser Schiffahrtsverkehr hinter dem von Köln und Düsseldorf sicher nicht mehr zurückstehen. Schon jetzt ist es ein Bergnügen, eine Hafenrundfahrt zu unternehmen. Unsere Leser sehen heute das neue 400 Meter lange Hafenbecken mit der Drehbrücke im Gilde. Es sind dies zwei Schaustücke, die für jedermann beachtenswert sind. Wer sich amüsieren will, der begebe sich Sonntag auf das Schiff und gondele burch die neue Fahrstraße vom alten in den neuen Hafen. An Gelegenheit hierzu fehlt es nicht. Man wird an dieser Rundfahrt seine Freude haben. dern den ganzen September 1902 des„Vorwärts" aufs Genaueste durchgesehen, und könne sagen: Die Behauptung des Dr. Stöhr sei erlogen und erstunken. (Hört! Hört!) Auf mehreren Parteitagen, so elwa fuhr Wurm fort, sei beantragt worden, die Alkoholfrage als besonderen Gegenstand auf die Tagesordnung zu setzen. Er habe stets dagegen gesprochen, weil er dies für überflüssig hielt, zumal die Sozialdemokratie die geborene Gegnerin der Branntweinpest sei. Im Weiteren suchte der Redner nachzuweisen, daß Schnaps keine Wärme erzeuge, sondern im Gegenteil dem Körper Wärme entziehe, so daß Trunkenheit das Erfrieren beschleunige. Der Alkohol habe keinen Nährwert, er verwirre die Sinne, wirke ermüdend und habe die verschiedensten Krankheiten im Gefolge. Da er aber die Sinne benebele, zu Rohheiten führe, in den ersten Minuten nach dem Genuß die Lebensgeister wachrufe, so sei er schon im 30jährigen Kriege das Mittel gewesen, um die Krieger anzufeuern. Und noch heute werde in Rußland der Schnaps als das Mittel gebraucht, wenn es gelte, Mensch gegen Mensch zu hetzen. Der Schnaps werde auch in Deutschland von den Unternehmern als das Mittel angezvandt, um ermüdete, überanstrengte Arbeiter zur Fortsetzung der Arbeit aufzupeitschen. Der Schnaps sei von jeher das Mittel gewesen, das von den herrschenden Klassen benutzt wurde, um Menschen gegen Menschen zu hetzen und zur Arbeit aufzupeitschen. Seit Anfang des vorigen Jahrhunderts haben sich die preußischen Junker das Branntweinbrennen zum Geschäft gemacht. Mit Hülfe des Schnapses haben sich die preußischen Junker ihr verblichenes Adelswappen aufgefrischt, ja, wenn man die den Junkern gewährten Liebesgaben in Betracht ziehe, dann kan man sagen: die Existenz der preußischen Junker beruht auf der Schnapsflasche. Die entrechteten und ausgebeuteten Arbeiter liefern den Junkern durch den Schnapsgenuß, der ihren Körper und Geist, ihr Lebens= und Familienglück zerstöre, die Mittel, um ihnen Wohlleben zu ermöglichen.(Rufe: Sehr richtig!) Man spreche mit Recht von„Branntweinpest". Selbstverständlich sei die Wirkung des Alkohols auf Körper und Geist verschieden. Es komme auf die Widerstandskraft, die Ernährung, die Wohnräume, auf das ganze Milieu in dem sich der Mensch bewegt, an. Es sei geradezu ein Verbrechen, der Menschheit Schnaps zuzuführen. Das größte Verbrechen sei aber, den Kindern Schnaps zu verabreichen.(Lebhafter Beifall.) Man dürfe sich jedoch nicht in einen pharisäerhaften Mantel dabei hüllen. Die Mütter, die ihren Kindern den in Schnaps getränkten Lutschbeutel geben, tun das, um die Kinder zu beruhigen, damit sie ungestört arbeiten können, um den notwendigen Lebensunterhalt zu verdienen. Er sei nicht für die volle Abstinenz, da diese doch nicht allgemein durchzuführen sei. Selbst eine Anzahl Abstinenten führen die Abstinenz nicht konsequent durch.(Widerspruch.) Es gäbe eine Reihe Abstinenten, die die Zigarre den ganzen Tag nicht aus dem Munde nehmen, oder sie bedienen sich anderer Reizmittel, um den Alkoholgenuß zu ersetzen. Es sei aber kein Zweifel, daß die Trunksucht, der Alkoholgenuß überhaupt durch die sozialen Verhältnisse verschuldet werde. Die niedrigen Löhne haben schlechte Wohnungen im Gefolge; die Arbeiter fühlen sich in ihrer Behausung nicht wohl. Oftmals könne sich der presrheirgtete Arbeiter in seiner Schlafstelle nicht shatten, er sei genötigt, das Wirtshaus aufzusuchen. Viel Schuld habe der Staat, der seine Pflicht verletze, weil er nicht dafür sorge, daß der Staub in den Betrieben, der großen Durst erzeuge, beseitigt werde. In vielen Betrieben mangele es an dem nötigen Trinkwasser. Die niedrigen Löhne und Verteuerung der Lebensmittel durch die vielen indirekten Steuern begünstigen den Schnapsgenuß, denn der Schnaps betäube den Hunger. Der Junker mache dadurch ein doppeltes Geschäft. Auf der einen Seite verdiene er an den teuren Brot= und Fleischpreisen, und auf der anderen Seite an dem vermehrten Schnapskonsum. Es komme hinzu, daß in den Arbeiterfamilien das Essen vielfach nicht schmackhaft sei. Die Arbeitertochter, die von Kindesbeinen an genötigt sei, in die Fabrik zu gehen, könne vom Kochen kein Verständnis haben, abgesehen davon, daß die niedrigen Löhne die Zubereitung schmackhafter Speisen nicht gestatten. Der größte Teil der Arbeiter, selbst viele verheiratete, seien genötigt, im Wirtshaus zu essen. Und es sei kein Zufall, daß das Essen in den Wirtshäusern stark gesalzen und gepfeffert sei. Der Wirt habe eben das Interesse, daß seine Gäste großen Durst bekommen, damit viel getrunken werde. Andererseits verlange aber der durch den Schnapsgenuß verdorbene Magen gesalzene und gepfefferte Speisen. Pflicht des Staates sei es, dafür zu sorgen, daß in den Betrieben Einrichtungen geschaffen werden, nicht bloß den Staub zu beseitigen, sondern daß auch alkoholfreie Getränke in den Betrieben erhältlich seien, daß die Unternehmer gezwungen werden, für ihre Arbeiter Erholungsräume, gesunde Wohnungen, Kochschulen und Wirtschaften zu schaffen, in denen die Arbeiter gutes, billiges, schmackhaftes Essen ohne Trinkzwang erhalten. Ein arger Mißstand sei, daß eine große Zahl Brauereien mit Maurer= und Zimmerpolieren Verträge zwecks Lieferung von Schnaps und Bier abschließen. Auf einem Bau in Berlin war einem Maurerpolier vom Bauunternehmer gestattet, Bier und Schnaps feil zu halten. Dafür erhielt er den Lohn eines Gesellen. Diejenigen Maurer, die nicht genügend Bier und Schnaps vom Polier entnahmen, wurden entlassen.(Hört! hört!) Da legten die Maurer, sämtlich Sozialdemokraten, die Arbeit nieder und zwangen den Unternehmer, den Polier zu entlassen. (Rufe: Sehr gut!) Sehr erfreulich sei es, daß die Brauereiarbeiter vielfach die Unsitte des ihnen gewährten Freibiers beseitigt haben. Die Kantinen und die Arbeitsnachweise müssen in den Besitz der Arbeiter kommen. Von den Kantinenwirten und den Arbeitsnachweisen werde der Schnapsgenuß naturgemäß gefördert. Der Schnapsgenuß sei vollständig zu beseitigen, Bier und Wein sei für den normal ernährten Menschen in mäßiger Weise, nicht zur Auffrischung, sondern als Genußmittel, zu empfehlen. Bei der Arbeit sei jeder Alkoholgenuß zu vermeiden; es sei aber für Ersatzgetränke zu sorgen. Bloßes Wasser könne, abgesehen davon, daß es oftmals schlecht und gesundheitsschädlich sei, den Alkoholgenuß nicht ersetzen. Es sei notwendig, Gelegenheit zum Tee= und Kaffeegenuß zu geben. Er klage den Staat an, der durch die Katechismuslehre für das Seelenheil zu wirken suche, aber es unterlasse, in der Schule Belehrung über die Schädlichkeit des Alkoholgenusses zu geben. Er klage auch den englischen Minister John Burns, der augenblicklich in Essen weilen solle, der aus dem Arbeiterstande hervorgegangen sei, an, daß er geschrieben habe, die Trunksucht sei die Folge der geringen Arbeitszeit und der höheren Löhne.(Hört! hört!) Wie ein Mann, der aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen, so etwas schreiben könne, sei unverständlich. Die preußische Regierung, die ja auch so tue, als ob sie die Branntweinpest bekämpfen wolle, habe den österreichischen Genossen Dr. Fröhlich, der in Deutschland Abstinentenversammlungen abgehalten habe, ausgewiesen.(Hört! hört!) Es werde nun eingewendet, die Schnapsbrennerei sei im Interesse der Landwirtschaft unentbehrlich, da die Schlempe ein Hauptfuttermittel für das Rindvieh sei. Die Fortschritte der technischen Wissenschaft haben aber ergeben, daß getrocknete Kartoffeln besseres Futter als die Branntweinschlempe liefere. Höhere Besteuerung des Alkohols sei vollständig wirkungslos, ebenso Polizeigesetze, die nur Polizeichikanen für die Gastwirte bedeuten. Und darauf scheine es in dieser Beziehung abgesehen zu sein. Den Gastwirten, bei denen Sozialisten verkehren, werden alle möglichen Beschränkungen auferlegt, Gastwirte, bei denen die Kriegervereine verkehren, haben dagegen Schankfreiheit. Sehr erfreulich sei es, daß die sozialistische Jugendorganisation einen Beschluß gefaßt habe, jeden Alkoholgenuß zu meiden.(Lebhafter Beifall.) Es müsse durch Aufklärung in der Schule, in der Presse, seitens der Eltern der Alkoholgenuß bekämpft werden. Der Redner führte im Weiteren aus, daß die bürgerlichen Mäßigkeits= und Abstinentenvereine die Symptome, nicht aber die Ursache der Trunksucht bekämpfen. Er rufe daher den parteigenössischen Abstinenten zu:„Heraus aus den bürgerlichen Mäßigkeitsund Abstinentenvereinen! Außer durch Aufklärung müsse die Ursache des Alkoholgenusses bekämpft werden. Dazu sei lediglich die Sozialdemokratie imstande. Die Trunksucht sei nur eine krankhafte Erscheinung am sozialen Körper. Man könne den Alkoholismus ebensowenig allein bekämpfen, wie die Tuberkulose.-Beide Uebel seien Folgen der heutigen Gesellschaftsordnung. Pflicht der Partei sei es, alle politischen und gewerkschaftlichen Mittel anzuwenden, um die Trunksucht zu bekämpfen. Gute Ernährung, gesunde Wohnräume sind die wirksamsten Waffen zur Bekämpfung des Alkoholismus.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Schriftsteller Katzenstein(Berlin): Die Abstinenten haben zweifellos einen großen Erfolg errungen. Als vor 8 Jahren auf dem Parteitage zu Hannover einige schüchterne Anträge gestellt wurden, sagte Bebel: Wir können nicht Kleinkrämerei treiben! Die parteigenossischen Abstinenten haben mit den bürgerlichen Mäßigkeits= und Abstinentenvereinen absolut nichts zu tun. Die sozialdemokratischen Abstinenter wollen die Begehrlichkeit der Menschen reizen und zwar nicht bloß nach materiellen Gütern, sondern auch zur Erlangung von Gütern der Kultur. Wir sind aber der Meinung, die Menschheit kann nur auf die höchste Stufe der Kultur nach Beseitigung jeden Alkoholgenusses geführt werden. Wir leugnen nicht, daß die sozialen Verhältnisse die Hauptschuld an der Trunksucht haben. Aber daß dies nicht immer der Fall ist, beweisen die armen, russischen Juden, die bekannterweise jeden Alkoholgenuß meiden, obwohl ihre sozialen Verhältnisse auf niedrigstem Standpunkt stehen. VVielleicht sei dieser Umstand auch die Ursache, daß die jüdisch=russischen Proletarier in der revolutionären Bewegung eine Kerntruppe bilden. Daraus geht hervor, daß es auch möglich ist, unter schlechten sozialen Verhältnissen Alkohol zu meiden. Wir wollen die Arbeiter auch schon im Gegenwartsstaat befähigen, an den Gütern der Kultur teilzunehmen. Der Redner erklärt schließlich unter großem Beifall der Versammlung, daß er im Namen der Abstinenten die gestellte Gegenresolution zurückziehe. Er schließe mit dem Ausspruche des Professors Gruber(München): Man wird sich der Wahrheit nicht verschließen können, daß der Alkohol mit ein Fundament unserer heutigen Gesellschaftsordnung ist. Ohne ihn wären sie für den leidenden Teil von alkoholfreien Fruchtweinen zugegangen sei. (Heiterkeit und Beifall.) Nach einem Schlußwort Wurms gelangte dessen Erklärung einstimmig zur Annahme. Es wurde außerdem beschlossen, den Vortrag Wurms als Broschüre zu verbreiten. Skubbe=Hamburg berichtete danach namens der Beschwerdekommission über den seitens lokaler Schiedsgerichte erfolgten Ausschluß der Genossen Krohn(Konstanz), Sybel(Dortmund), Bühring (Bremerhaven), Vortmann(Metz) und Springer (Heidelberg). Auf Antrag der Beschwerdekommission wurde beschlossen, Krohn und Springer nicht auszuschließen, bei den anderen Genossen dagegen den Ausschluß zu bestätigen. Paul Jahn und Schröder(Berlin), die vor längerer Zeit ausgeschlossen seien, haben um Wiederaufnahme nachgesuicht, deren Gesuch sei aber von den betreffenden Wahlvereinen nicht befürwortet worden. Der Parteitag beschloß auf Antrag der Beschwerdekommission, beide Wiederaufnahmegesuche abzulehnen. Dagegen wurde das Wiederaufnahmegesuch von Hamann=Itzehoe genehmigt. Eine lange, lebhafte Besprechung gab der Antrag, auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages die Landarbeiterfrage zu setzen. Abg. Molkenbuhr(Berlin): Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion habe vielfach Anträge zur Landarbeiterfrage, wie die Aufhebung der Gesindeordnung, Ausdehnung des Koalitionsrechts auf die Landarbeiter, Aufhebung aller Ausnahmebestimmungen für die Landarbeiter usw. gestellt. In dem demnächst erscheinenden Parteihandbuch für das schon längst unerträglich geworden. Beifall.) (Stürmischer preußische Wahlrecht werde die Landarbeiterfrage in ausgedehnter Weise erörtert. Danach halte er es für überflüssig, die Landarbeiterfrage auf die Tagesordnung zu setzen. Nach längerer Besprechung wurde beschlossen: den Antrag, sowie den von Teltow, Beeskow, Charlottenburg: den Parteivorstand zu beauftragen, eine Darstellung der landwirtschaftlichen Arbeiterverhältnisse in den verschiedenen Teilen des Reichs sowie eine Zusammenstellung des auf dem Gebiete des Landarbeiterschutzes und der Landarbeiterorganisation bisher von der deutschen Partei wie von den ausländischen Arbeiterparteien Geleisteten zu veröffentlichen, dem Parteivorstand zur Berücksichtigung zu überweisen. Ebenso wurden die Anträge: Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages die Genossenschaftsbewegung und die Agrarfrage zu setzen, dem Parteivorstande zur Berücksichtigung überwiesen. Für Abhaltung des nächstjährigen Parteitages lagen Einladungen vor aus Niel, Magdeburg und Nürnberg. Es wurde Nürnberg gewählt. Singer verlas danach einen von ReichelStutgart gestellten, genügend unterstützten Antrag, in dem die Haltung des Metallarbeiterverbandes Wiesenthalscher Richtung als die Partei schädigend bezeichnet, deshalb gemißbilligt und außerdem ausgesprochen wird, Wiesenthal(Berlin) wegen seines die Partei schädigenden Treibens aus der Partei auszuschließen. Es wurde jedoch beschlossen, die Angelegenheit bis zum nächsten Parteitag zu vertagen. Die Verhandlung wurde gegen 7 Uhr abends auf Samstag, vormittags 9 Uhr, vertagt. Ueber die entsetzliche Brandin Berlin Nember. Essen=Ruhr, 20. Die Erörterung über die #s Alkoholfrage wurde in der Nachtmittagssitzung fortgesetzt. Hering=Schleswig: Sozialdemokraten, Einführung des Sozialismus auf den Trümmern des Kapitalismus erstreben, gehören nicht in bürgerliche Mäßigkeits= oder Abstinentenvereine. die Schnapsgenuß erschwere den Befreiungskampf in hohem Grade. Deshalb müsse die Branntweinpest mit aller Macht bekämpft werden. Beyer=Essen: Welch' verheerenden Folgen der Branntweingenuß habe, lehren die Zustände des Ruhrrviers. Die Delegierten haben gestern die prächtige, idyllisch belegene Villa Hügel der Familie Krupp gesehen, nicht aber die elenden Wohnungen, in denen die Arbeiter ihr Dasein fristen. 40 Prozent aller Wohnungen in Essen bestehen aus zwei Zimmern. Nach einem Bericht des Essener Wohnungsinspektors komme es nicht selten vor, daß in einem Bett—6 Personen schlafen. In einer Familie schlafen die meisten Bewohner auf dem Fußboden. In einer anderen Familie schlafen Mann, Frau und drei Kinder in einem Bett, das vierte Kind in einer Kiste. In einer Familie schlafe eine 60jährige Frau mit ihrem 29jährigen Sohne zusammen. Die Gesundheits= und Sittlichkeitszustände seien aus Anlaß solcher Verhältnisse geradezu grauenerregende. Nicht viel besser sehe es in den Kruppschen Wohlfahrtseinrichtungen aus. In den Kruppschen Kneipen werde der Branntweingenuß nach Möglichkeit gefördert. Wenn Wilhelm 2. nach Essen komme, dann werden die Mißstände verhüllt. Die Kruppsche Firma wisse auch, daß der Schnapsverkauf Geld bringe, denn es werden von dieser Wohlfahrtsfirma immer mehr Schnapsbuden errichtet. Die elenden Wohnräume begünstigen naturgemäß den Branntweingenuß. Die Stadt bewillige 25000 Mark zur Ausschmückung der Stadt, wenn Wilhelm 2. nach Essen komme, für Beseitigung des furchtbaren Wohnungselends habe die Stadt aber keine Gelder. Abg. Bömalburg=Hamburg: Daß die Branntweinpest den Befreiungskampf des Proletariats erschwere, sei klar. Die Kapitalistenklasse fröhne aber oftmals bedeutend mehr der Trunksucht, als die Arbeiter, sie trete nur nicht so zutage, wie bei den Arbeitern. Es sei ein arger Mißstand, daß, sowie man in einem Wirtshaus Platz nehme, der Kellner mit der Frage komme: was trinken Sie? Vielfach trinken die Arbeiter, obwohl sie kein Bedürfnis dafür haben, um die Wirte bei guter Laune zu erhalten, damit sie den Arbeitern ihre Säle zu Versammlungen hergeben. Aus demselben Grunde werden vielfach Festlichkeiten von Arbeitern abgehalten und dabei viel getrunken. Die Arbeiter müssen den Wirten, bei denen sie Zusammenkünfte haben, eine Entschädigung zahlen, um sich vom Kellner nicht belästigen zu lassen. Auch bei Errichtung von Gewerkschafts= bezw. Volkshäusern müsse dies Verfahren durchgeführt werden. Den Wirten müsse bei Abhaltung von Versammlungen eine Lokalmiete gezahlt werden, um den Kellner fern zu halten. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß dies der letzte Parteitag sei, auf dem alkoholische Getränke serviert werden. (Lebhafter Beifall.) Hitzler=Mainz stimmte dem Vorredner zu. Der Vorsitzende. Abg. Singer, teilte mit, daß von den parteigenössischen Abstinenten von Rheinland und Westfalen dem Parteitag eine Sendung über die wir ausführlich berichtet, teilt noch näheres die„Berl. Morgenpost“ mit: Gegen ¼6 Uhr abends bemerkten mehrere Hausbewohner, daß aus den Fenstern der Wilkeschen Wohnung Rauch drang. Da man wußte, daß die Kinder allein in der Wohnung waren, ahnte man sofort Böses und das Haus geriet in Schrecken. Der Schlossermeister Hoppe griff deshalb sofort energisch ein. Er eilte in die erste Etage und schlug die zur Wilkeschen Wohnung führende Tür ein. Sofort schossen ihm Stichflammen entgegen. Aber Hoppe ließ sich dadurch nicht abschrecken. Beherzt drang er in die Stube ein, in der Möbelstücke, Kleider und Türen in hellen Flammen standen. Weinend und in Todesangst Mu fand er die älteren Kinder, an deren Kleider schon einzelne Flammen züngelten. Rasch wurden sie aus der Wohnung ins Freie gezogen. Sie waren vor dem furchtbaren Verbrennungstode gerettet. Ihr Brüderchen Hans aber war schon tot. Als die Kinder Hoppe auf den Kleinen aufmerksam machten, drang Hoppe auch in die Küche und schob rasch den Korbwagen heraus. Aber es war schon zu spät. In den Kissen lag der Kleine bereits als Leiche. Er war in dem Rauchqualm erstickt. Das alles hatte kaum fünf Minuten gedauert; aber diese kurze Zeit hatte genügt, um das schwere Unglück ins Ungemessene zu vergrößern. Die Stichflammen, die aus der Wilkeschen Wohnung beim Einschlagen der Tür hervorgeschossen waren, hatten die Treppen in Brand gesetzt. Mit unglaublicher Geschwindigkeit griff das Feuer jetzt um sich. Alle Wohnungstüren der oberen Etagen brannten, die Flammen und der Rauch drangen in die Zimmer. Die wahnsinnige Angst, welche die Bewohner erfaßte, ist kaum zu beschreiben. Einige versuchten, die Treppen hinunter zu fliehen. Aber dieser einzige Rettungsweg war bereits versperrt. Das Treppenhaus war ein einziges gewaltiges Flammenmeer, das jeden Rückzug ausschloß. Die Leute waren in ihren Wohnungen gefangen und sahen den Flammentod vor sich. Markerschütternd waren die gellenden Hilferufe, die aus allen Etagen erschallten. Man sah die Frauen in ihren Wohnungen wie wahnsinnig hin und her rennen, weinend, schreiend, mit verzerrten Mienen. Einigen packte die Verzweiflung. Sie kletterten über die Fensterbrüstung und machten Miene, sich in den Hof hinunterzustürzen. Von unten wurde ihnen zugeschrieen, sie sollten noch oben bleiben. Es waren Minuten einer beispiellosen Verwirrung. Endlich— es waren nur 10 Minuten seit Begnn des Brandes, aber den in Todesangst schwebenden dünkte es eine Ewigkeit— kam der erste Zug der Feuerwehr.„Menschenleben in Gefahr“ war gemeldet worden. Rasch wurde an dem ersten Hof in der linken Ecke das erste Sprungtuch aufgerollt. Es war höchste Zeit, denn vor den Fensiern hingen besinnungslose Frauen, die sich nur mit den Händen an den Gesimsen festhielten und jeden Moment hinunterzustürzen drohten. Und unter ihnen befand sich die eiserne Tür und ein eisernes Geländer, an denen die Körper zerschellt worden wären. Acht Leute hielten das Sprengtuch. „Los!“ Ein Augenblick, in dem alle Herzen still standen, dann furrte vom vierten Stockwerke ein Frauenkörper durch die Luft. Ein Schnellen des Sprungtuches, es war gelungen, die Frau gerettet. Jetzt flog ein Bündel durch die Luft, ein Schnellen des Sprungtuches, es war das zweijährige Töchterchen des Bahnarbeiters Kliette. Die Mutter hatte das Kind in Windeln gewickelt und hinuntergeworfen. Dann sprang sie selbst nach, später auch der Vater. In der dritten Etage sah man, die Hände ringend, eine Frau, die trotz der drohenden Gefahr nicht den Mut fand, hinunter zu springen. Rasch wurde die Hakenleiter angelegt und die Frau von Feuerwehrmännern heruntergeholt. Schreckenssturz der Frau Dornbusch. Plötzlich ertönte der Schreckensruf:„Da hinten springen Frauen ohne Sprungiuch!“ Entsetzt eilte man hin und ein furchtbares Schauspiel bot sich dar. Auf der rechten Seite war ein Sprungtuch ausgebreitet. In dieses sprangen aus der vierten Etage ein Fräulein Janowska und die beiden Mädchen Rossard. Sie kamen äußerlich unverletzt in das Sprungtuch. Aber während auf dieser Seite die Rettungsaktion in vollem Gange war, hing an dem Fenster der dritten Etage eine Frau, der man auf den ersten Blick ansah, daß sie von den Flammen furchtbar mitgenommen war. In Fetzen hing von den Wangen das Fleisch, die Kleider rauchten, die Aermste war anscheinend bewußtlos. Es war Frau Dornbusch. Der Anblick war entsetzlich. Man sah es, im nächsten Moment mußten ihre Kräfte versagen und der mit Brandwunden bedeckte Körper hinunterstürzen. Ein Brandinspektor rief der Frau zu: „Springen Sie noch nicht. Es dauert nur wenige Augenblicke!“ Hastig wurde ein im Hofe liegendes Plantuch aufgerollt und unter der Frau gehalten. Ohne aber die Aufforderung zum Springen abzuwarten, ließ sich die Frau vom Fenstersims los. Die Kraft hatte versagt. Eine Sekunde noch und ein einziger Entsetzensschrei gellte durch die Luft. Das Plantuch hatte nicht standgehalten. Frau Dornbusch war durchgebrochen. Mit einem dumpfen Knall fiel der Körper durch das zerrissene Tuch auf das Pflaster und blieb leblos liegen. So entsetzlich die ganze Tragödie war, diese furchtbare Szene wirkte doch am entsetzlichsten. Inzwischen nahm das Rettungswerk seinen Fortgang. Mit der Fangleine wurde der Sohn der Witwe Gentz aus der dritten Etage gerettet, ebenso zwei Frauen. Im ganzen wurden von der Feuerwehr fünfzehn Personen gerettet, acht im vorderen und sieben im hinteren Hofe. Die verletzten Personen wurden durch die Krankenwagen der Ersten Hilfe in das Krankenhaus Moabit bezw. in das Augusta=Hospital gebracht. Erst nachdem alle Personen ins Freie gebracht worden waren, ging die Feuerwehr daran, den Brand selbst zu löschen. Das gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit. Fünf Dampfspritzen, arbeiteten. Kochmaschine oder Spiel mit Streichhölzern Die Brandursache steht, wie erwähnt, noch nicht völlig fest. Frau Wilke, die, als sie von dem Brande erfuhr, einen Ausbruch der Verzweiflung hatte und dann in eine lange Ohnmacht fiel, wurde später von Polizeileutnant Golz vernommen und gab folgendes anSie habe, als sie wegging, in der Küche auf dem Herde die Kochmaschine brennen lassen. Wahrscheinlich seien einige glühende Preßkohlenstückchen in die neben dem Herde stehende Kohlenkiste gefallen und haben den Brand hervorgerufen. Ggen diese Annahme von der Brandursache spricht aber, daß die Kohlenkiste in der Küche völlig unversehrt gefunden worden ist. Ein ganz besonderer Zufall, denn sonst war alles in der Küche verbrannt. Die Feuerwehr hält es für möglich, daß die älteren Kinder der Wilke, als sie allein waren, mit Streichhölzern spielten und irgend ein Möbelstück durch Unvorsichtigkeit in Brand setzten. Die Erregung im Lehrter Viertel. Das furchtbare Unglück hatte das ganze Stadtviertel in gewaltige Aufregung versetzt. Tausende besetzten die Straße. Im Hofe aber standen die obdachlos gewordenen Bewohner des Quergebäudes, weinend, verzweifelt. Anfangs hatte vollständiger Wirrwarr geherrscht. Niemand wußte, ob einer seiner Angehörigen vom Unglück verschont geblieben oder schwerverletzt oder gar tot sei. In dem fürchterlichen Tumult hatte man nicht Zeit gehabt, sich um Namen und Identitätsfeststellungen zu kümmern. So war man größtenteils in lähmender Ungewißheit. Da kam ein Mann von der Arbeit, suchte seine Frau und konnte sie nicht finden. Wo ist sie? Niemand vermochte bestimmte Antwort zu geben. Frau Bassin suchte verzweifelt ihren Mann. Ihr konnte man sagen, daß er im Krankenhaus liege. Gegen 8 Uhr kam Schlosser Wilke und hörte erst jetzt von dem Unglück. Er war ganz apathisch, der Schrecken hatte ihn förmlich gelähmt. Schwere Anklagen gegen seine Frau mußte er hören, die durch ihren Leichtsinn die Katastrophe verschuldet hatte. Besonders die Frauen legten eine förmliche Wut gegen die Wilke an den Tag. Man habe es ihr ja oft prophezeit, daß es einmal so kommen werde. Dann wurde man apathischer. Immer häufiger hörte man die Frage:„Wo sollen wir schlafen?" Nachbarn nahmen sich der Obdachlosen an und gewährten ihnen Gastfreundschaft für die Nacht. der Lessingstraße und Mallinkrodtstraße(einschl. dieser beiden Straßen) übernommen. Er wird bei Herrn Kaufmann Welkner, Schützenstraße 46½ wohnen. Seinen früheren Bezirk, südlich der Rheinischen Eisenbahn, zwischen Hohestraße und Tremoniastraße, verwaltet bis auf weiteres Herr Pfarrer Ulmke, Adlerstraße 29. Ein„Theater ohne Männer“ hat sich auf der hiesigen Olympiabühne etabliert. Das reichhaltige Programm wird durchweg von Damen beherrscht, die Herren der Schöpfung spielen in keiner Nummer eine Rolle. An der Spitze der Künstlerinnen steht die japanische Sängerin Nona Nina Kamajoeh, eine Kapazität ersten Ranges. Das Bild dieser„exotischen Nachtigall“ wurde nach ihrem ersten Auftreten in Deutschland von allen illustrierten Zeitungen veröffentlicht. Fast auf gleicher Stufe steht die vorzügliche Parodistin Lene Land, eine Humoristin und Schauspielerin comme il faut. Das Haus kam aus dem Lachen nicht heraus. Die Dame kopiert mit großer Fertigkeit die„Sterne" eines Tingel=Tangels. Einen Kunstakt von besonderem Reize stellen die Sisters Braselly dar. Es ist ein Arrangement von lebenden Marmorgruppen in höchster Vollendung. Von den übrigen Künstlerinnen, die mit Fertigkeiten aller möglichen Gebiete operieren, sei auch noch Tilly Bebé, die Löwenbraut genannt. Die muß man sehen. Die Könige der Wuste gehorchen der kleinen Dompteuse wie artige Kinder. Das Dämchen braucht kaum eine Peitsche, geschweige eiserne Stangen und Revolver. Die Vorführung der acht stolzen Löwen ist eine Attraktion von seltenem Genusse. Man gehe hin und überzeuge sich. Torate Nachrichten. " D o r t m u n d, 2 1. S e p t e m b e r. Besitzwechsel. Die seither der Witwe Kaufmann Schmidts in Köln=Ehrenfeld gehörende Besitzung Hiltropwall 27 ist von der Firma Pfeiffer und Schmidt, Großhandlung in Garnen und Kurzwaren in Braunschweig zum Preise von rund 80000 Mark käuflich erworben worden. Wirtschaftsverkauf. Die seither dem Restaurateur Herrn Heinrich Ellerkmann gehörende Besitzung Kaiserstraße 62 in der bis jetzt von diesem die unbeschränkte Schenkwirtschaft ausgeübt wurde ist für rund 140000 Mk. an den bisherigen Inhaber des Restaurants„Ratskeller" in Castrop, Herrn Restaurateur Gerhard Budde von hier verkauft worden. Ehejubiläum. Die Eheleute Sattler Alexius Haurand und Elisabeth geb. Thönemann, hier, Körner Hellweg wohnhaft, feierten am gestrigen Tage das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Vom Milchhandel. Der Regierungs=Präsident in Arnsberg hat für hier genehmigt, daß das Austragen und Ausfahren von frischer Milch an Sonnund Festtagen bis 10 Uhr vormittags in den Monaten Oktober bis einschließlich März 1908 mit der Maßgabe erfolgt, daß auch die Zeit von 10 Uhr an von den Austrägern und von den Wagen auch zur Rückkehr von der letzten Arbeitsstelle nach Hause oder nach dem Orte benutzt werden darf, an dem die gottesdienstliche Ruhepause untätig zugebracht werden soll. Die mit dem Austragen pp. der Milch beschäftigten Arbeiter sind an jedem dritten Sonntage volle 86 Stunden oder von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends von jeder Arbeit frei zu lassen. Für den Milchhandel in offenen Verkaufsstellen verbleibt es bei den bisherigen Bestimmungen. Petri=Rikolai. Herr P. Koch hat heute im Paulusbezirk den Teil der Gemeinde nördlich von Ein seltenes Juwel ist im Schaufenster der bekannten Lotterie=Firma Gustav Hempel(Inh. Max Kühn) an der Betenstraße zu sehen. Der Hauptgewinn der Düsseldorfer Ausstellungslotetrie, bestehend in einem mit kostbaren kleinen und großen Brillanten besetzten Arbamd und Broche, ist dort ausgestellt. Der Schatz, dessen blitzende Steine, Alt und Jung anziehen, veranlaßte gestern wiederholt Menschenansammlungen, vor denen die Straßenbahn halt machen mußte. Bermischles! —(Zu dem Raubmord im Odenwald) Die Empörung der Bevölkerung gegen den Mörder überschreitet alles bisher Dagewesene. Als die Bewohner von Reinheim und Umgebung gehört hatten, daß der Mörder heute morgen nach dem Tatort gebracht werden sollte, hatten sich viele Hunderte aus allen Ständen mit Stöcken bewaffnet an den Bahnhof begeben, in der ausgesprochenen Absicht, den Täter zu lynchen. Auch das weibliche Element war stark vertreten. Die Leute gaben offen zu erkennen, daß sie auch auf die begleitende Gendarmerie keine Rücksicht nehmen würden. Die Drohungen wurden immer heftiger und enttäuscht zog alles von dannen, als der Zug um halb 8 Uhr einlief, ohne den Mörder zu bringen. Gleiche Zusammenrottungen hatten später in und um der Schnakenmühle stattgefunden, wo die Sektion des dreizehnjährigen hübschen Töchterchens der Familie Neuroth stattfand. Zu Fuß, zu Wagen und mit dem Rade waren die Bewohner der benachbarten Orte herbeigeeilt, um den ruchlosen Mörder zu sehen. Benachbarte Steinbrucharbeiter hatten ihr Werkzeug mitgebracht, um ihn durch einen wohlgezielten Wurf oder Schlag niederzustrecken. Auch hier konnte man hören, wie die Leute in ihrer Wut erklärten, daß sie die Polizei solange beseitigen und mit Gewalt zurückhalten wolle, bis man mit ihm abgerechnet habe. Sicher wäre es zu ernsten Auseinandersetzungen gekommen, wobei die Polizei bei der großen Zahl der aufgeregten Menschen(zirka 300) den Kürzeren gezogen hätte.— Die Recherchen nach dem Knecht Hannes, der den Mörder nach seiner gestrigen Angabe angestiftet haben sollte, ergaben, daß dieser, ein gewisser Joh. Kuhn aus Eberstadt bei Darmstadt, der in der Nachbarstadt bedienstet ist, früher auch bei Neuroth war, am Vormittag und am Nachmittag mit dem Täter, sowie auch mit Neuroth auf der Kirchweihe in Asbach zusammensaß, wobei Kuhn den Neuroth im Gespräch lobte. Dies wies Neuroth zurück, worauf ein unbedeutender Wortkonflikt entstand, in welchem Martin, noch seinen Herrn in Schutz nahm. Schon vorher hatte der Mörder erklärt, daß es ihm so gut bei Neuroth gefalle, daß er kohl lange dort bleiben werde. Er hatte auch hier seine tätowierten Arme gezeigt und mit seiner Kraft renommiert. Es. ergieht sich aus diesen Feststellungen, daß M. bei seinen gestrigen Aussagen hier die Unwahrheit gesagt hat. Wegen des Renommierens des M. war Neuroth von dem Lehrer., der zugegen war, gewarnt worden, sodaß er seinen Wein stehen ließ und am Abend sofort nach Hause eild. Seine Befürchtungen waren aber schon eingetreten. Die Beisetzung der beiden Kinder fand am Donnerssan fatt. „Ein rechter kleiner Wildfang.“ Es ist eine große Wohltat für alle Eltern, immer ein Mittel bei der Hand zu haben, das für jedes einzelne Familienmitglied— für das Kind in der Wiege, die heranwachsenden Mädchen und Knaben, die Erwachsenen,— kurz, für jung und alt ein nie versagendes Kräftigungsmittel bildet. Herr Weber bestätigt in nachfolgenden Zeilen, in Scotts Emulsion ein solch unschätzbares Mittel gefunden zu haben: Kaiserslautern, Pariserstr. 100, den 5. Dez. 1906. „Ihre Scotts Emulsion hat vorzüglich gewirkt bei zweien meiner Kinder, einem 13jäbrigen und einem 4 jährigen Mädchen. 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Herrn Siegmund Buchdahl in Wiesbaden ein Sohn. Verehelicht: Herr Jacob Schrick mit Frl. Aenne Flugel in Düsseldorf. Herr Ernst Lenssen mit Frl. Elisabeth, Flaskamp in Duisburg=Ruhrort. Gestorben: Frl. Lehrerin Maria Linden in Essen 36 Jahre. Herr Rentner Gerhard Thomas in DuisburgMeiderich 66 J. Herr Moritz Weinberg in Aachen 57 J. Herr Postmeister a. 2. Siegmund Friedrich Christoph Döring in Hilden 78 J. Frau Alfons Schründer in Greven 34 J. Frau Wwe. Eduard Prinz in Siegen 71 Jahre. Heute Morgen 7½ Uhr entschlief plötzlich an den Folgen einer Herzlähmung unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter und Urgrossmutter Frau 6b. Reirich Nacch Luise geb. Günnemann im 84. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Dortmund, Wiesbaden, Elberfeld, den 20. September 1907. Heute Morgen 4 Uhr verschied sanft nach langer schwerer Krankheit mein innigstgeliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Militärinvalide Peter Dönen im Alter von 59 Jahren. .. Dieses zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme Dortmund, den 19. Septemher 1907. Die trauernde witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Septbr. 1907, morgens 9½ Uhr vom Trauerhause, Sunderweg 81 aus statt. „Sollte jemand aus Verseben keine besondere Nachricht erhalten baben, so dien diese als solche.(31258 vornitege 10, Uühr vom Trauerhause, aus statt. 8. Seyt Arndt Itstr. 42. Dem Allmächtigen hat es nach seinem unerforschlichen Ratschluss gefallen, Donnerstag Abend nach kurzem Leiden und arbeitsreichem Leben, meinen geliebten Gatten, unsern treusorgenden Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder und Onkel(34233 Heinrich- Manrmahn gent. Hüsing im bald vollendeten 69. Lebenzjahre zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Sölde, Brambauer, Asseln, 20. September 1907. Die trauernden Hinterbliebenen. 8 Baupigeholten-Verein Dortmund. Zur Beerdigung des Kameraden Peter Döuch treten die Mitglieder des Vereins am Montag, den 23. Septbr., Vormittags 9 Uhr, mit Mütze. Orden und Ehrenzeichen im Gewerbe=Verein, Kuhstraße, an Mitgliedsnummer 515. Der Vorstand. D as ist en= was ich suche! Verlangen Sie sofort ein Probekistchen meiner Spezialmarke 33254 Idella hochfeine 8 Pfg.-Zigarre, 100 Stück 6 M. Bei 500 Stück 5 Proz. Rabatt. Versand gegen Nachn. MaxNussbaum.Langendreer W. Die Beerdigung findet Montag, den 23. September nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause nach dem Friedhof Aplerbeck statt. Heute Vormittag 10½ Uhr entschlief sanft nach langen, schweren, mit grosser Geduld ertragenen Leiden unsere liebe, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Tante Frau Witwe Pheresia Belhienr geb. Niehüser im Alter von 56 Jahren. Cörne, Kirchderne, Dortmund, Neubeckum, Bielefeld, den 19. 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Dem Schuhwarenhändler-Verein ist durch Urtell verboten in öffentlichen Hnkündigungen die Behauptung aufzustellen, dass das kautende Publikum im Schubhaus-Union- Vorsicht obwalten lassen müsse. Dem Verein ist verboten * vor uns zu warnen. 84228 Wir erklären hierdurch wir haben jetzt mehr als CUc Horren Bollnerr. und Eug Chstel aus bedeutenden Schubfabriken Deutschlands weit unter Preis erworben und verkaufen dieselben Nueh, Wie VUr zu dem Einheitspreis von per Schuhhändler-Verein P PorarP Tohre ist sämtliche Prozesskosten zu tragen! Ocham Nane NamOh Brucketr! 2e Bortmmand-Brückstr. 20. Die 1 Versteigerung der im Monat August 1906 von Nr. 856 488 bis Nr. 867 415 in unserem Geschäft verpfändeten und nicht eingelbsten oder erneuerten 32752 Gegenstände findet am Mittwoch, den 25. und Donverstag, d. 26. September cr. jedesmal morgens 9 Uhr und nachm. 2½ Uhr beginnend, in unserem Auktionslokal, Ecke der Nikolai= und Balkenstraße, statt. Zum Verkauf kommen: Grosse Post. 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