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Reinbardt) 173(Karl Meibert) Haupt=Agentur Gelienkirchen Nr. 1437(K. Stoster.) TelephonAuschlüsse: ∆ Haupt=Agentur Herne Nr. 124(B. Anton.) Haupt=Agentur Hörde Nr. 125.(W. Loos.) Haupt=Agentur Unna Nr. 268(.Tammermann.) Haupt=Agentur Wanne Nr. 1358(E. Triebel.) Haupt=Agentur Witten Nr 744.(R. Hartung.) Redaktion und Expedition: Dortmund. Reinoldistraße 19. für Dortmundund die* Provinz Größte und verbreitetste Zeitung im westfälischen Industriegebiet. Westsnlen. Unparteiisches Organ Intertionspreis 25 Pfa. die Kolonelzeile. für auswärtige Inserate 30 Pfg. Reklamen die KolonelZeile 1 Mark. Für die Aufnadme von Inseraten an bestimmtvorgeschriebenen Tagen wird leine Garantie übernommen. Druck und Verlag: „General=Anzeiger Dortmund“. G. m. d. L. für Jedermann. Die heutige Nummer enthält zwei Ausgaben und das vierseitige Unterhaltungsblatt zusammen 12 Seiten Berliner Börsenwoche. (Von unserem Berliner Bureau.) Berlin, 13. September. Die Börse hat wieder einen festeren Ton angenommen. Daß sie dazu hinneigte, hatte schon in der vorigen Woche hier daraus erwiesen werden können, daß selbst an Tagen, an denen sich eine garze Anzahl ungünstiger Momente vereinigten, im Ganzen nur unbedeutende Rückgänge eintraten. Danach mußten Erscheinungen, die einen günstigen Charakter an sich. trugen, umsomehr in einer festen Haltung ihren Ausdruck finden. Zu den Tatsachen dieser Art zählte vor allem der Umstand, daß nach den Vorbereitungen, die für die Geldbedürfnisse des Herbstes getroffen worden sind, die Vorstellung besteht, die Geldknappheit werde sich nicht gar zu heftig geltend machen. Auf den Umfang dieser Vorbereitungen deutete u. a. das Heruntergehen der Sätze für tägliches Geld hin. Die Bankwelt hat sich mit Geldmitteln in dem Maßstabe versehen, daß sie bei täglicher Verfügung schließlich nicht mehr als 2½ Prozent forderte. In befriedigendem Sinne wurde auch der jüngste Bankausweis aufgefaßt und wegen seiner Bedeutung für die Lage des internationalen Geldmarktes fand die entsprechende Gestaltung der Verhältnisse in London ebenfalls aufmerksame Beachtung. Die direkteste Wirkung dieser beruhigteren Beurteilung des Geldmarktes äußerte sich in der Besserung, die festverzinslichen Papieren zu Teil wurde, und auch in dieser Hinsicht wurde es als bedeutsam angesehen, daß eine solche bessere Meinung nicht bloß an dn deutschen Börsen bekundet wurde, sondern daß auch das Ausland, wie für seine eigenen, so auch für unsere Anleihen wieder Kauflust zeigte, und dies in besonderem Maße in London der Fall war. Dort war das Interesse für Rentenpapiere stark genug, um die anfänglich durch die neuen Zwischenfälle in dem Verhältnis Amerikas zu den Japanern und Chinesen verursachte Ermattung japanischer Anleihen nicht bloß bald zu überwinden, sondern diesen Papieren sogar zu einer steigenden Bewegung zu verhelfen. Neben der ruhigeren Beurteilung des Geldmarktes kam der Börsentendenz die nach dem deutschen Bankiertage in verstärktem Grade auftretende Erwartung zu statten, daß eine eingreifendere Reform des Börsengesetzes erfolgen werde. Zwar für die Produktenbörse soll auch jetzt nur wenig zu erwarten sein. Aber es scheint, als ob die Auffassung besteht, die der Börse feindlich gegenüberstehenden agrarischen Kreise würden es sich nunmehr an diesem gegen die Produktenbörse im wesentlichen ablehnend bleibenden Inhalt der Börsengesetznovelle genügen lassen und für dieses Zugeständnis an die agrarische Haltung gegenüber dem Getreidehandel einer um so stärkeren Reform des Börsengesetzes in Bezug auf die Fondsbörse zustimmen und dieser bei Aufhebung des Börsenregisters und des Derminhandels für Industviepapiere zugestehen. Diese letztere Annahme trug besonders dazu bei, die Kurse der Montanaktien zu heben. Ihre Aufwärtsbewegung wäre wohl erheblicher gewesen, wenn auf diesem Markte nicht neben befriedigenden Berichten über die Konjunktur immer von Neuem auch Mitteilungen aufgetaucht wären, die den entgegengesetzten Inhalt hatten oder in ungünstigerem Sinne gedeutet worden wären. Auf der einen Seite berichtete die Essener Börse andauernd über eine feste Haltung, verbreitete ein schlesisches Blatt Antworten auf eine Umfrage, womach dort von einem Nachlassen der Konjunktur nichts wahrzunehmen wäre und allenfalls nur die Nachfrage nach Handelseisen unter dem Einflusse der Geldverhältnisse eine Einschränkung erfahren hätte. Auf der anderen Seite wurde ein weniger befriedigend lautender Zeitungsbericht aus Rheinland=Westfalen angeführt, wurde darauf hingewiesen, daß in dem Jahresbericht der Rheinischen Stahlwerke die gegenwärtige Beschäftigung zwar als eine sehr angespannte, das Einlaufen der Aufträge in den letzten Monaten aber als etwas schwächer bezeichnet und auch die Gesamtziffer der vorliegenden Aufträgr gegen das Vorjahr niedriger angegeben wird. Auch eine seitens der Breslauer Eisengroßhändler vorgenommene Preisherabsetzung wurde zu Ungunsten der Konjunktur geltend gemacht. Als sich aber diese steptischen Stimmen selbst dahin verdichteten, daß der Stahlwerksverband für die Produkte B eine Produktionseinschränkung beabsichtige, wurde diesem Gerücht: vom Verbande mit der Erklärung entgegengetreten, daß sich die Produktion dieser Artikel lediglich nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage regele, in diesem Verhältnis aber kein Grund zu einer Produktionseinschränkung gegeben wäre, eine Auffassung, die wohl u. a. darin eine Stütze findet, daß neuerdings wieder einmal von amerikanischer Nachfrage nach deutschen Montanprodukten gesprochen wird. Verhältnismäßig wenig beteiligt an der festeren Haltung der hiesigen Börse waren amerikanische Papiere, für deren Tendenz naturgemäß die Newyorker Börse entscheidend ist, die in der jüngsten Woche wesentlich von dem neuen starken Rückgange des Kupferpreises und der dadurch veranlaßten Herabsetzung der Dividenden von Kupferaktien beeinflußt war. Betrachtungen über das Kaisermanöver. Oberst a. D. Gädke schreibt im„Berl. Tageblatt": „Ich habe niemals ein Schlachtfeld gesehen, wo Freund und Feind so hoffnungslossin mörderischer Nähe durcheinandergemischt waren. Die deutsche Taktik erinnert mehr an Waterloo denn an Liaujang.“ Das wenig schmeichelhafte Urteil steht in der stark deutschfeindlichen„Daily Mail“, deren Berichterstattung von Uebertreibung nicht frei zu sein pflegt. Es mag auch diesmal übertrieben sein. Wenn man aber die verschiedensten Berichte deutscher Zeitungen liest, die doch im allgemeinen das Lob nicht zu sparen pflegen oder sich vorsichtig zurückhalten, um nicht als unpatriotische Nörgler zu gelten, dann wird man sich des Eindrucks kaum erwehren können, daß ein Körnchen Wahrheit in dem Urteil des Engländers schon enthalten ist. Die einzelnen Schilderungen ebenso wie die amtlichen Manöverberichte geben ein derart verwirrtes Bild der Vorgänge, daß man auf ein krauses Durcheinander der Gefechtshandlung ohne weiteres schließen darf. Und wenn es vielleicht laienhaft war, sich bei Betrachtung der Manöverbilder an Waterloo erinnern zu lassen, so wird man eher sagen dürfen, daß unsere Gefechtsführung im Jahre 1907 noch immer an diejenige des Jahres 1870 erinnerte und daß die dazwischen liegenden 37 Jahre für uns in dieser Beziehung verloren waren; gleich als hätten wir in einem Dornröschenschlaf gelegen und alle Fortschritte, die die Taktik seither gemacht hat, verträumt. In der Tat feierte diesmal trotz aller Erfahrungen des ostasiatischen Krieges die Begegnungstaktik nach den Lehren des Generals v. Schlichting, die ich längst für überwunden hielt, anscheinend ihre Orgien in dem hügeligen und waldbedeckten Gelände zwischen Nethe und Diemel westlich der Weser. In dieser Eigenart der Landschaft mag eine gewisse Verführung für den stürmischen Gang der Gefechte gelegen haben, mag sich eine Erklärung dafür finden, daß die Truppen oft in nächster Nähe überraschend aufeinanderstießen, daß sie das Feuergefecht von vornherein auf wenige hundert Meter Entfernnung begannen, daß dicke Kolonnen mit Hurra und in einem Falle— wie geschrieben wird— sogar unter den Klängen der Musik zum Sturm antraten. Ein Fehler bleibt es immerhin. Unsere Angriffe gegen die Mitte und den linken Flügel der französischen Schlachtlinie bei Gravelotte—St. Privat am 18. August 1870 scheiterten weniger noch an den Fehlern des Armcebefehlshabers als vielmehr an der Ungewandheit der Führer aller Grade, in jenem schwierigen Gelände große Truppenmassen zu einheitlichem, zusammenhängendem Angriffe anzusetzen und vorzutreiben. Es macht fast den Eindruck, als ob die Truppen des 10. und vielleicht noch mehr die des 7. Armeekorps auch diesmal wieder der höheren Führung oft aus der Hand glitten und nicht zu zusammenhängenden Angriffen gelangten. Die Entscheidungen der Schiedsrichter aber scheinen vielfach von den Absichten der Manöverleitung beeinflußt gewesen zu sein und darum gelegentlich auch dort zu Ungunsten des 7. Armeekorps ausgefallen zu sein, wo man in der Gesechtslage keinen Grund dazu erblicken kann. Nur am letzten Tage mag eine Flügelumfassung wenigstens angedeutet worden sein, ohne daß auch sie im Ernstfalle schon den Ausschlag hätte geben können. Im wesentlichen wurden die Sachen durch frontales Aufeinanderplatzen der Truppen in kurzer Zeit entschieden. Die eigentlichen Gefechte dieser Tage waren in wenigen Stunden beendet, das übrige Geschieße nachher war Dekoration, um die Kriegsmäßigkeit der Uebung zu markieren. Und doch hat uns der asiatische Krieg gelehrt, wie langsam die Schlachten unserer Tage abbrennen. Man braucht noch nicht anzunehmen, daß es sich nun auch in Zukunft in jedem einzelnen Falle um Kämpfe von vierzehntägiger Dauer oder auch nur von fünftägiger Dauer wie bei Liau Yang handeln wird. Sicher ist, daß sie nicht in Stunden entschieden sein werden. Die ganze Lage aber wird eine andere, ob eine Truppe schon nach einer oder erst nach acht Stunden geworfen wird. Verstärkungen, die in dem letzteren Falle eingreifen und das Schicksal des Tages wenden können, kommen andernfalls überhaupt nicht mehr auf das Schlachtfeld. Wenn der Manöverlauf daher derart überhastet, ich möchte sagen, wenn die Uebung derart abgeschnurrt wird, wie es diesmal in höchster Uebertreibung geschehen ist, so wird die wichtigste Forderung unserer Felddienstordnung nicht erfüllt, daß der Soldat im Felde nichts von dem abzustreifen hat, was er im Frieden lernte. Gerade unsere Führer, die Seele jeden Heeres, die Sieg oder Niederlage durch ihre Anordnungen vorbereiten, gerade sie müssen die Kriege völlig umlernen. Die taktischen Maßnahmen, die im Manöver zum Siege führen, würden im Kriege die sichere Niederlage in ihrem Schoße bergen. Beim Manöver aber haben es die Schiedsrichter völlig in der Hand, entweder die Entscheidung rasch zu geben, so daß die Verstärkungen der einen Seite nicht mehr herankommen, oder sie so lange hinzuzögern, daß Nachbarabteilungen oder Reserven noch eingreifen können. Die Niederlage im Manöver bedeutet keineswegs immer, daß der betreffende Führer fehlerhafte Maßnahmen getroffen hat. An sich will es daher wenig bedeuten, daß das 7. Armeekorps an jedem der drei Tage unglücklich gefochten hat. Uebrigens war schon die ursprüngliche Kriegslage einigermaßen unwahrscheinlich und kaum sehr glücklich konstruiert; sie brachte das 7. Armeekorps in eine ebenso interessante Lage, als sie Vandamme im Herbst 1813 bei Kulm erblühte. Sie führte auch damals zur Vernichtung seines Korps. Die Westfalen sollten einer aus westlicher Richtung auf den Teutoburger Wald zurückgehenden roten Armee von Süden her in Flanke und Rücken fallen, während rote Verstärkungen— die Hannoveraner— sich in ihrer eigenen Flanke sammelten. Eine recht mißliche Kriegslage! Und dabei war es doch eine etwas ärmliche Erfindungsgabe, daß die Truppen beider Seiten zum Teil erst mit der Bahn heraneilten. Das Geheimnis war gerade darum für beide Führer kein sohr großes. Auch die scheinbare Wahl verschiedener Bahnlinien und Ausschiffungspunkte, die den Führern überlassen war, bedeutete nicht gerade eine besondere Kriegsmäßigkeit in der Anlage. Denn wenn man näher zusieht, war die Freiheit tatsächlich keine sehr große; es blieb den Führern ein sehr geringer, für den Gang der Uebungen nicht entscheidender Spielraum. Und da unsere hohen Generäle sehr genau wissen, daß bei unseren großen Manövern sich alles um den taktischen Zusammenstoß, um das glanzvo### Schlachtenbild dreht, so lehrte ssie das Studium###. Karte, daß die Kämpfe des ersten Tages sich um den starken Abschnitt der Nethe drehen sollten. Das Flüßchen fließt bei Bratel vorbei und ergießt sich vier Kilometer südlich Höxter in die Weser. Während dieser Abschnitt nach der ausgegebenen Kriegs. lage keine strategische Bedeutung besaß, strebten tat. sächlich beide Führer allein dahin, ihre weit ser. streuten Truppen mit äußerster Hast an diesen bestimmten Geländepunkt zu werfen und dort dem Gegner zuvorzukommen. Es war aber ganz gleichgültig, wo sie den Gegner trafen, höchst wichtig dagegen, daß sie vor allen Dingen ihre Kräfte zusammenzogen und in irgendeinem Gelände dann die günstigsten Marschstraßen und die entscheidenden Richtungen zu gewinnen suchten. So wurden denn ohne rechte militärische Notwendigkeit den Truppen, die sich durch zahlreiche Reservisten verstärkt hatten, außergewöhnliche Gewaltmärsche zugemutet, und einzeln, wie sie ankamen, wurden sie in das Gefecht um den lieblich fließenden Nethebach geworfen. Gewisse Regimenter sollen Marschleistungen bis zu 60 Kilometer überwunden und sich dann unmittelbar in das Gefecht gestürzt haben. Das sind im Kriege unter Umständen sehr notwendige Dinge, an denen Sieg oder Niederlage hängen kann. Hier war das nicht der Fall; hier handelte es sich nur darum, ob es schon am ersten Manövertage oder erst am zweiten zur „Schlacht" kommen würde. Das ist aber Sache der Leitung und nicht der beiden feindlichen Führer. Tatsächlich strebten alle Kokonnen mit Aufbietung ihrer letzten Kräfte dahin, dem Gegner an der Nethe bei Brakel und östlich zuvorzukommen; dort platzte dann alles aufeinander, und es scheinen sich recht turbulente Gefechtsbilder abgespielt zu haben. So aber behauptet die höhere Führung nicht den Platz, der ihr in den modernen Riesenschlachten gebührt, und der ohnehin zu den schwierigsten Dingen der Welt gehört. Im Ernstfalle führt man auf diesem Wege seine Truppen leicht der Niederlage entgegen. Hören wir von einem in dieser Beziehung unverdächtigen Hamburger Blatt, welchen Einfluß der verderbliche Wettlauf um einen imaginären Siegespreis auf die Truppe geübt hat.„Die Division Lynker befonders hat einen Anmarsch gehabt, der von morgens 2 Uhr bis 1 Uhr mittags mit nur ganz kurzem Halten dauerte, allerdings auch bei einzelnen Regimentern Opfer an Fußkranken und Brieie aus Karingen. II. Friedrichroda, 15. August. Die ersten Tage unserer Tour in Kassel und Eisenach kann man kaum als Wandertage bezeichnen, wir konnten das, was diese Orte an Natur und Kunst boten, ohne größeren Kraftaufwand unserer Gehwerkzeuge in uns aufnehmen. Am 18. begann die eigentliche Wanderung. Ausgerüstet mit etwas Mundvorrat, ein frisches Wanderlied singend, verließen wir bei prachtvollem Wetter Eisenach. Durch das schöne, großartige Felspartien aufweisende Mariental und das sich anschließende Annatal stiegen wir zu dem fiskalischen Gasthaus Hohe Sonne auf. Das Mariental hat seinen Namen nach dem ersten Besuch der Herzogin Maria Pawlowna 1005 erhalten, ein mächtiges M auf einer Felswand ist weithin sichtbar. Nach der Schwester der Herzogin, der Königin Anna von Holland ist das Annatal benannt; in ihm ist auf einem Felsen ein riesiges A angebracht. Ein Teil dieses Tales zeichnet sich dadurch aus, daß die Felsen so nahe zusammentreten, daß es für eine beleibte Person nicht leicht ist, hindurchzukommen. Ich konnte natürlich diese =Drachenschlucht“ ohne Gefahr passieren, aber für einige Mitglieder unserer Gesellschaft heuchelten vir ernstlich Besorgnis. Es ist aber alles gut gegangen; als auf der hohen Sonne Appell abgehalten wurde, fehlte niemand. Der entzückende Rückblick durch eine künstlerische Lichtung des Waldes von der hohen Sonne auf die Wartburg fand natürlich überall die richtige Würdigung. Einen kleinen Schrecken verursachte uns bei der Frühstücksdause hier die Mitteilung eines Mitgliedes, daß das mitgenommene Barometer von Eisenach bis zur hohen Sonne beträchtlich gefallen sei, bis die bald gefundene Erklärung, daß nur die größere erreichte Höhe den Fall des Barometers veranlaßt habe, die Gemüter wieder beruhigte. Ueber den Wachstein mit seiner wunderbar schönen Aussicht stiegen wir dann in das Tal von Ruhla hinab. Ruhla ist ein sehr freundlich in einem lang gezogenen Tal gelegenes, halb weimarisches, halb gothaisches Städtchen, mit bedeutender Hausindustrie, besonders in Pfeifenbeschlägen, echten und unechten Meerschaumköpfen und billigen Uhren. Vielfach beobachteten wir in den Zimmern die Familien bei einer Arbeit dieser Art beschäftigt um den Tisch herum sitzend. Auch an der Landgrafenschmiede zogen wir vorüber, einem Gasthause mit zwei Reliefbildern; das eine stellt den Landgrafen in der Schmiede dar, das andere den Landgrafen mit den ungehorsamen Edelleuten, das noch jetzt der Edelacker genannte Feld bei Neuenburg an der Unstrut umpflügend. Da wir schon um 1 Uhr in unserm Quartier angelangt waren, wurde beschlossen, am Nachmittag gemeinsam die in der Nähe gelegene Tropfsteinhöhle zu besuchen. Der Weg von Ruhla dorthin führt über den ebenfalls teils weimarischen, teils gothaischen freundlichen Badeort Thal, den man entweder auf der etwas staubigen Chaussee oder auf einem schöneren parallel laufenden Waldpfad erreicht. Dann hatten wir noch einen Berg zu ersteigen, der uns einen schönen Ausblick, besonders zurück auf Bad Thal gewährte. Hier oben befindet sich der Eingang in die größte der Höhlen Thüringens. Man ist auf sie gestoßen bei dem Abbau einer etwa 2 Meter mächtigen Schwerspatschicht und hat sie 1895 durch einen 50 Meter tief in den Fels gehenden Stollen erschlossen. Elektrisches Licht ist hier nicht vorhanden. Ein Bergmann, der die Führung und eine sehr gewandte Zunge hatte, leuchtete voran, und wir folgten und konnten, während wir die 175 Stufen in die Tiefe stiegen, gerade das schöne Lied:„Glückauf, glückauf, der Steiger komm?!“ von Anfang bis zu Ende singen. Kein anderes Lied hätte hier so schön gepaßt, und um den Text brauchten wir nicht besorgt zu sein, denn wir hatten einen Königlichen Einfahrer und einen Wettersteiger in unserer Mitte. In bezug auf Größe und Reichhaltigkeit der Bildungen kann diese Höhle mit der Dir ja bekannten Dechenhöhle den Vergleich nicht aushalten. Hübsche Stalaktiten und Stalagmiten, einzelnen Tiergestalten ähnlich, wie einem Elofantenkopf oder einem Kaninchen, vorhangartige Bildungen, zum Teil auf harmonische Töne abgestimmt, finden sich auch hier. Die bengalische Beleuchtung, in welcher uns einzelne Partien vorgeführt wurden, machte sich recht hübsch, besonders aber der große Amerikaner, den der Führer anzündete, wobei das rote bengalische Licht unten ringsum durch den Kalkstein hindurchschimmerte. Die erwärmende Wirkung des großen Ofens, meinte der Führer, würden wir erst oben merken, und in der Tat, nachdem wir die 175 Stufen wieder nach oben gekraxelt waren, empfanden wir nichts mohr von der unten herrschenden Kühle. Der Heimmarsch in unser Gasthaus war der Schluß der Tageswanderung. 14. August. Hätten wir uns begnügen wollen, geradeswegs von Ruhla bis zum Inselberg zu marschieren, so wäre das nur ein Weg von etwa 13 Kilometern gewesen. Unser Endziel war freilich für diesen Tag der Inselberg, aber wir wollten unterwegs noch manches mitnehmen. Nachdem wir den Rennsteig gekreuzt hatten, fanden wir in einem freundlichen Wiesengrund mit einiger Mühe das aus einer 10 Meter hohen Sandsteinsäule bestehende Lutherdenkmal, das an der Stelle errichtet ist, wo Luther am 4. Mai 1521 auf Befehl seines Landesherrn ergriffen und zur Wartburg gebracht wurde. Dann stiegen wir über das im Tal liegende Steinbach hinauf zu dem Altensteiner Park. Nach Ueberschreitung der schwankenden Teufelsbrück:, die zwei durch eine Schlucht getrennte Felsen miteinander verbindet, hatten wir einen entzückenden Blick in das Tal rechter Hand und auf das prächtige Schloß Altenstein, die Sommerresidenz des Herzogs von Meiningen. Trotzdem die Fahne auf dem Schloß die Anwesenheit der höchsten Herrschaften verriet, wagten wir eine Annäherung, die aber durch die Bedientenseelen kräftig abgewehrt wurde. Wir haben dann von den Sehenswürdigkeiten des Parks noch den chinesischen Tempel in Augenschein genommen. Die melodischen Töne der Glasglocken, deren mit Federn versehene Klöppel durch den Wind bewegt wurden, luden uns zu einer Ruhepause und einem Picknick auf dem rasigen Waldboden ein. Wenige Minuten weiter fanden wir einen Felsvorsprung mit eisernem Gitter, die Bastei, von wo wir im Tal das Bad und auf einem Berg die Ruine Liebenstein malerisch liegen sahen. Ueber Liebenstein und Elmental gelangten wir in das Trusental, in dem ein künstlerischer Wasserfall ein anziehendes Bild gibt, das man sich, wenn man es für nötig oder nützlich hält, durch dargebotene gelbe, rote, blaue Gläser noch verschönern kann. Die letzte Station vor dem Inselberg war Brotterode, das Städtchen, das vor einigen Jahren, so schlimm durch eine Feuersbrunst heimgesucht worden ist, daß es sich jetzt in seinem neuen Gewande recht schmuck ausnimmt. Noch ein letzter Marsch von einer Stunde, meistens Steigung, und wir hatten unser Ziel erreicht. Es war gegen 7 Uhr abends geworden, und morgens um 7 Uhr waren wir aus Ruhla abmarschiert, aber diese 12 Stunden waren wiederholt durch längere Biervausen unterbrochen, euerst beim chinesischen Tempel, dann in Liebenstein, Gasthaus zum Trusentaler Wasserfall und in Brotterode, sodaß wir uns nicht überangestrengt fühlten. Zwei Gasthäuser krönen den Gipfel des Berges, ein gothaisches und ein preußisches, jedes im Besitz eines eigenen Aussichtsgerüsts, Aussichtsturm wäre zuviel gesagt. Die Aussicht war aber nur mäßig. Im allgemeinen bietet sonst der Inselberg wegen seiner freien Lage einen guten Rundblick. Während der Brocken mit seinem 1140 Meter hohen Gipfel über die Baumgrenze hinausragt, ist der nur 916 Meter hohe Inselberg bis oben hin bewaldet. Den kühlen frischen Höhenwind konnte man freilich auch hier beim Herumstreifen nach dem Abendessen unter dem sternenklar gewordenen Himmel empfinden. 15. August. Die Sonne war nicht klar aufgegangen. Das ist aber auch auf dem Inselberg eine Seltenheit. Immerhin war schon gegen 6 Uhr die Aussicht ziemlich gut, und die Frühaufsteher, darunter auch Dein Gatte, haben es sich nicht nehmen lassen, das sich vom Aussichtsturm bietende Panorama in etwa mit der Karte zu vergleichen, um die Namen wenigstens einiger hervorragender Berggipfel festzustellen. Gestehen muß ich freilich, daß ich kaum einen anderen Punkt, als die ziemlich deutlich sichtbare Wartburg mit Bestimmtheit erkannt habe. Der Aufbruch geschah bald nach dem Frühstück, aber wir hatten heute keine Eile, denn unser Endziel, Friedrichroda, hat von dem Inselberg nur eine Entfernung von knapp 10 Kilometern. Durch den Thorstein, einen mächtigen Porphyrfelsen, durch den wie durch ein Tor der Weg hindurchführt, kamen wir über den Lauchagrund und durch den beliebten Kurort Tabarz. Ich konnte es mir nicht versagen, auch die Marienglashöhle, eine halbe Stunde von Friedrichroda entfernt, zu besuchen. Ein 160 Meter langer horizontaler Stollen führt hinein. Man hat zu unterscheiden die eigentliche natürliche Höhle, deren Wände ganz von Gipskristallen gebildet in dem bengalischen Licht ein feenhaftes Aussehen zeigen, und die viel geräumigere Höhlung, die durch den schon Jahrhunderte betriebenen Abbau des Gipses entstanden und durch mächtige stehen gebliebene Pfeiler gestützt ist. Vorüber an Schloß Reinhardsbrunn trafen wir zur Mittagszeit in unserm Gasthaus ein. Noch während wir bei Tisch saßen, ging ein heftiges Gewitter mit starkem Sturm, Platzregen und Hagelschauer nieder. Interessant war es zu sehen, wie die gelben Wassermassen sich vorüberwälzten, und die Straßen eine Zeitlang wilden Bergbächen glichen. Die Friedrichrodaer selber gestanden, daß sie sich nicht erinnerten, je solche Wassermassen in ihren Straßen gesehen zu haben. Nichtsdestoweniger war, nachdem das Unwetter aufgehört hatte, das Wasser bei dem raschen Gefäll schnell abgelaufen und wir konnten unsere Absicht, das Konzert im Kurgarten zu besuchen, noch ausführen. Das schöne Weserlicd: „Hier hab ich so manches liebe Mal, Mit meiner Laute gesessen" empfing uns. Wir blieben bis zum Schluß des Konzerts gegen 6 Uhr, das letzte Stün war der Steigermarsch. Auf die Kunde, daß nach Reinhardsbrunn zu große Bäume vom Sturm gefällt seien, brachen wir dorthin auf und fanden denn auch bald ein prächtiges Exemplar einer Edeltanne am Boden liegend, der Stumpf noch vielleicht 5 Zentimeter hoch. An der Bruchstelle war das Holz mürbe, offenbar durch die Wirkung großer Schwämme, die an dem Stumpf noch sichtbar waren. Der Baum hatte ursprünglich quer über dem Wege gelegen, aber in einem Kurort mit so lebhaftem Fremdenverkehr durfte ein solches Wegehindernis nicht lange liegen bleiben, und so war durch den mächtigen Rumpf schon ein Schnitt mit der Säge geführt und der Weg frei gemacht. An dem Querschnitt wurden etwa 200 Jahresringe festgestellt, der Riese hatte es also auf ein ganz ansehnliches Alter gebracht. Zahlreiche Misteln hatten es sich als Schmarotzer auch schon Jahre lang auf dieser Edeltanne wohl sein lassen und mußten nun gleichzeitig mit ihrem Wirt ihr Leben verlieren. Wohl jeder hat sich ein Zweiglein der in Sage und Gebräuchen eine so große spielenden Mistelpflanze zur Erinnerung mitgenommen; auch ich bringe Dir einen hoffentlich glückbedeutenden Mistelzweig mit. Wir zogen weiter nach Reinhardsbrunn, zu den 3 Teichen hinter dem Schlosse. Eine Gondelfahrt in der Kühle des Abends auf dem spiegelklaren von Wildenten bewohnten Wasser bot einen Reiz, dem niemand widerstehen konnte. Es war so wunderschön, daß ich mit meiner jungen rudergewandten Begleiterin mich gar nicht von dem Wasser trennen mochte, aber als schließlich das Wasser auch von oben kam, mußten wir doch den andern nach, die natürlich in dem näch. sten Gasthaus vor dem Regen Schutz gesucht hatten. Damit schließe ich heute. Einen dritten, letzten Brief werde ich voraussichtlich noch von Weimar folgen lassen. schlapp gewordenen Leuten gefordert hat, die fast an die betrüblichen Schilderungen aus den vorjährigen großen französischen Manövern erihnern. Schon von 7 Uhr morgens an zeigten viele der durch Reservisten auf 200 Mann gebrachten Kompagnien Verluste von über 5 Prozent. Gegen 10 Uhr war das Ausfallen einzelner Leute so bedenklich geworden, daß es an Unteroffizieren und Gefreiten mangelte, die bestimmungsgemäß bei den Marschtranken zurückbleiben. Kurz vor Brakel, gegen mittag, bedurfte es unter anderem beim 74. Regiment und den 10. Pionieren des ganzen Aufgebots rücksichtsloser Schärfe und wohwollendster Aufmunterung der Vorgesetzten, um nicht die Chausseegrabenfälle sich bedrohlich häufen zu lassen." Ebenso bei den unmittelbar von der Bahnfahrt vorgeworfenen Regimentern:„Trotzdem hier keine ißen Marschleistungen gefordert wurden und das die Verteilung einer Dividende von 17 Prozent vorgeschlagen werden. 1 Million Mark soll zu außerordentlichen Abschreibungen verwandt werden und eine weitere Million zu Wohlfahrtszwecken zurückNeuerungen zu prüfen, Geschwindigkeiten zu messen, Auf= und Absteigen ohne Ballastwerfen oder Ventilziehen vorzunehmen, die Schrauben auf die Zweckmäßigkeit ihres Durchmessers zu prüfen etc. Graf Zeppelin rechnet damit, daß nach diesen gestellt werden. Die Generalversammlung soll auf Probefahrten vielleicht noch Aenderungen und Bexbbe. g### beserungen vorgenommen werden migen, ene den wu. Stiader einverusen werven. Flugversuche auf weitere Strecken geschehen konnen. gropen Ttursgteigzuggen gesvtrge wirden und das Wetter ziemlich kuhl und windig blieb, fiel eine ganze Anzahl von Reservisten um oder mußten ohne Tornister in kleinen Trupps den Regimentern nachIn einem andern Blatte aber lese ich, daß die Truppen„zum Teil doch recht mitgenommen“ aus. würde zu weit führen, wenn ich diese Betrachtungen auch auf die folgenden Tage. guehehDie abessinische Gesandschaft in Dresden. Dresden, 13. September. Die Mitglieder der auf dem Wege von Berlin nach Wien befindlichen abessinischen Gesandtschaft trafen heute Mittag hier ein und stiegen im Hotel Bellevue ab. Nach einer Rundschaft durch die Stadt besuchten sie die königliche Gemäldegalerie und folgten dann einer Einladung des Vertreters des Ministers des Auswärtigen zum Frühstück in Belvedere. Nachmittags begaben sich die abessinischen Herren mittels Dampfers zur Besichtigung der königlichen Porzellanfabrik nach Meißen und abends gedenken sie die Vorstellung im Opernhaus zu besuchen. nen wollte, an denen sich die gleichen Unnatürlichkeiten wiederholten. Dazu wird sich wohl später noch Gelegenheit finderz,„„ M.4en Ju 8. Im allgemeinen mochte ich mein urteil über die diesjährigen Manöver dahin zusammenfassen: Die Strategie glänzte durch Abwesenheit, die Talli durch ihr ehrwurdiges Alter! Pribalass. des„Gcherur-Knbeig Die Heiratspläne der Gräfiin Montignoso. Dresden, 14. Sept. Den Mitteilungen über die bevorstehende Heirat der Gräfin Montignoso schenkt man natürlich auch am sächsischen Hofe alle Aufmerksamkeit. Man wird jedoch ruhig abwarten, was geschieht. Es ist nicht wahr daß von hier aus ein hoher Regierungsbeamter nach Florenz gefahren sei, um die Prinzessin Pia Monika abzuholen. Verheiratet sich die Gräfin, so wird ihr die Tochter aber abgenommen. Die Rente von 36000 Mark wird ihr der sächsische Hof voraussichtlich auch nach der Verheiratung weiter zahlen, mit Rücksicht darauf, daß sie die Mutter der königlichen Kinder ist. Der Raubmord im Zirkus Bavaria. München, 14. Sept. Wie bereits berichtet, finbet die Schwurgerichtsverhandlung gegen den ehemaligen Zirkusdirektor David Niederhofer, der des Raubmordes beschuldigt ist, am 23. d. M. in München statt. Die Verhandlung, zu welcher nicht weniger als 4000 Personen um Einlaßkarten nachsuchten, war im letzten Augenblick noch in Frage gestellt, da Niederhofer, der während der ganzen Untersuchungshaft ein sehr sicheres Wesen zur Schau trug, in letzter Zeit sich leidend fühlte und sicherlich gern eine Verschiebung der Verhandlung wünschte. Indessen erklärte der Gefängnisarzt, daß außer einem akuten leichten Nierenleiden eine Krankheit nicht vorliege und Niederhofer unbeschadet seiner Gesundheit fähig sei, der Verhandlung am 23. d. M. beizuwohnen. Ueber die Art des Mordes, welcher an dem Kaufmann Bernhard Henschl begangen wurde, wird sich übrigens in der Verhandlung eine Meinungsdifferenz zwischen den Sachverständigen ergeben. Die Staatsanwaltsschaft behauptet, Bernhard Heuschl sei von Niederhofer in das Zirkusgebäude gelockt und dort von Niederhofer durch einen Schuß in den Rücken getötet worden. Dieser Schuß sei von zwei Männern in der Zeit gehört worden, in der die Anwesenheit des Niederhofer im Zirkus Bavaria am Mordtage festgestellt worden ist. Niederhofer hatte nämlich versehentlich einen Arbeiter in eine Kammer des Zirkus eingeschlossen. Während dieser Zeit will nun der Arbeiter ebenfalls einen Schuß im Zirkusgebäude gehört haben, kümmerte sich aber nicht sonderlich darum in der Annahme, Niederhofer habe, wie er auch später angenommen habe, einen Hund erschossen und in eine Grube verscharrt. Der Untersuchungsbehörde war es darum zu tun, die Verletzung genau festzustellen. Die Untersuchung ergab eine Schußöffnung im Schädel, deren Beschaffenheit bewies, daß auf Henschl in unmittelbarer Nähe ein Schuß aus einer kleinkalibrigen Waffe(Revolver) abgegeben ist. Andere Sachverständige behaupten, daß dem Ermotdeten mit einem schweren Gegenstande Verletzungen am Kopfe beigebracht wurden, die den Tod Henschls herbeigeführt hat. Die Sachverständigen behaupten ferner, daß zur Tat ein sogenannter Pickel benutzt wurde. Tatsächlich fanden die Arbeiter nach dem Verschwinden Heuschls einen Pickel vor, der früher in einer Ecke des Zirkus gestanden und kurz nachdem Niederhofer den Zirkus verlassen hatte frisch gereinigt worden war. Daraus schließt die Verteidigung, daß Henschl von seinem Angreifer erschlagen worden sei. Demnach können die Zeugen keinen Schuß im Zirkus gehört haben. Unter den 214 Zeugen befinden sich Artisten, die direkt aus England kommen, wo sie zur Zeit auftreten. Andere Zeugen und Zeuginnen kommen aus Berlin Viume, Innsbruck usw. Die Solingen, 14. Sept. Heute sind in der Koblenzer Spionageaffäre Schiwara weitere fünf Zivilpersonen unter dem Verdacht des Hochverrats verhaftet worden. Ein 55000 Mark betragendes Bankguthaben Schiwaras wurde gerichtlich mit Beschlag belegt. Aufsichtsratssitzung der Phönix.=G. Köln, 14. September. In der heutigen Aufsichtsratssitzung der Aktiengesellschaft Phönix wurde die Bilanz nebst Gewinn= und Verlustrechnung pro 30. Juli 1907 vorgelegt. Nach Abschreibungen von 8 101 583 Mark verbleibt ein Nettogewinn von 19 403 039 Mark. Der Generalversammlung soll Neues aus Marokko. Paris, 14. Sept. Sultan Abdul Asis hat vorgestern Fez verlassen, um sich nach Rabat zu begeben, wo er in einigen Tagen ankommen dürfte. In Mazagan herrscht große Aufregung, da vermutlich die beiden Sultane in der Nähe zusammentreffen werden. Der Korrespondent des„Secolo". in Oran verzeichnet das unwahrscheinliche Gerücht, daß die französtsche Besatzung von Udjida eine Expedition in das Innere von Marokko vorbereite. In Casablanca wird eine Expedition gegen das Lager Titellil vorbereitet. Infolge der letzten Niederlage hat der marokkanische Stamm der Schojas seine Unterwerfung angeboten. Anklagen gegen einen Führer der „echten Russen“. Petersburg, 14. Sept. Der Führer der „Echten Russen“ wird wegen seiner Machenschaften gegen die Juden und Liberalen zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden. Ein neuer Zuln=Aufstand droht. London, 14. Sept. Aus Durbau wird gemeldet, daß die Gefahr einer neuen Erhebung der Zulus bevorstehe. Allen Offizieren der Truppen, die in Natal stationiert sind, wurde privatim mitgeteilt, daß sie sich bereit halten sollen, jeden Augenblick ins Feld zu ziehen. Unter den Zulus herrscht große Aufregung. Kanadische Arbeiter gegen die„gelbe Gefahr“. London, 14. Sept. Aus Otava wird gemeldet, daß der Arbeiterkongreß von Kanada am Montag in Winnipeg zusammentrat. Die Frage der gelben Arbeiter in Britisch=Kolumbien wird gründlich besprochen werden. Verschiedene Delegierte haben von ihren Organisationen den Auftrag erhalten, Resolutionen gegen die Verwendung der„Gelben“ in Kanada zu beantragen. Einige Delegierte werden beantragen, einen Generalstreik in allen Teilen von Kanada zu erklären, um zu beweisen, daß die gesamte Arbeiterschaft sich mit den Ruhestörungen in Vancouver solidarisch fühlen. Die Arbeiter wollen damit zu erkennen geben, daß die Affäre in Bancouver keine lokale, sondern eine nationale Sache sei. Sie wollen, daß die gesamte Arbeiterschaft unbedingt gegen die„gelbe Gefahr“ protestiere. Sollte der Kongreß, wie sicher erscheint, solche Resolutionen annehmen, so würden diese für die Regierungen in England und Japan einige Verlegenheit schaffen. Die Ermordung des Grafen Komarowski. Unterredung mit dem Vater des Mörder s. Benedig, 14. Sept. Der Redakteur der„Gazetta de Venedig“ hatte mit dem hier im Hotel „'Italia“ wohnenden Vater Naumows eine Unterredung. Naumow erklärte, daß er und sein Sohn erst zwei Tage vor dem Morde aus Orel abgereist sind, also vorher nicht bei der Gräfin Tarnowka und dem Advokaten Prilokow in Wien gewesen sein können. Die Tarnowska machte seine Bekanntschaft in Orel, wo er Beamter war. Der Vater hofft, seinen Sohn im Gefängnis sprechen zu können. Ein russisch=amerikanischer Vertrag. Wladiwostok und Melilla. Petersburg, 14. September. In diplomatischen Kreisen will man wissen, daß der Abschluß eines russisch=amerikanischen Vertrages nahe bevorsteht, demzufolge die Häfen von Wladiwostok und Melilla beiden Kriegsflotten geöffnet sein und als Basis für alle Operationen im fernen Osten dienen soll. Der Abschluß dieses Vertrages müßte zweifellos einen geharnischten Protest Japans zur Folge haben. Bebra, 14. Sept. Heute Vormittag ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof ein Eisenbahnunfall, indem ein Güterzug in einen Militärzug hineinfuhr. Ein Bremser erlitt Quetschungen am Brustkorb. Ein Pferd wurde getötet. Der Materialschaden ist erheblich. An den Probefahrten werden wieder etwa zehn Personen teilnehmen, etwa 8 sind notwendig für die Steuerführung, die Bedienung der beiden Motoren, des Telephons, Scheinwerfers usw. Bekanntlich hält Graf Zeppelin auch bei diesem neuen Luftschiff an dem System des starren Ballons fest, von dem die beiden Luftschiffkonstrukteure Groß und Parseval abgegangen sind. Zeppelin erblickt in dem starren Ballon das wertvollste Mittel, um umfangreicheren Ballast mit in die Lüfte nehmen zu können. Wiederum gleicht der Ballon einer Zigarre, diesmal 128 Meter lang, mit einem mittleren Durchmesser von 12 Meter. Das Aluminiumgerippe enthält 18 mit Ge? gefüllte Einzelballons, deren Tragfähigkeit zusammen 1200 Kilogramm beträ:. Die beiden über 50 Meter von einander entfernten Gondeln enthalten je einen Daimlermotor von 85 Pferdekräften. Durch die zwei Motore werden die zu beiden Seiten des Schiffskörpers angebrachten Schraubenpaare in Bewegung gebracht. Hinter den Gondeln befestigte mit Stoff überzogene Holzrahmen dienen zur Steuerung. Die für das Luftschiff bei Manzell neuerbaute Halle ist 150 Meter lang. Im Gegensatz zu der alten Halle, die unmittelbar am Ufer auf festem Boden ihren Platz hat, ist die neue schwimmend und verankert, kann sich also je nach der Windrichtung drehen, was für die Landung des Luftschiffes bei bewegter Luft eine wesentliche Erleichterung bedeutet. Die Halle kann an ihrem Anker einen Kreis mit einem Durchmesser von 300 Meter beschreiben. Für diesen Hallenbau hat bekanntlich das Deutsche Reich einen Beitrag von 500000 Mk. geleistet. Die Fertiastellung der Halle hat sich durch verspätete Lieferung verschiedenen Baumaterials verzögert. Nun ist aber das Werk so weit vorgeschritten, daß mit Probefahrten des Luftschifes begonnen werden kann. stücke an der Thomästraße. Es handelte sich nun darum, festzustellen ob diese Straße eine„historische" oder eine„vorhandene“ Straße sei. Der Vertreter der Stadt führte aus: Bislang habe man die Straße als eine historische betrachtet. Ob eine Straße als eine vorhandene oder historische anzusehen sei, entscheide der Einzelfall. Hier gehe die Chaussee bis an das Thomätor. Wie weit dieses früher gegangen, lasse sich nicht mehr feststellen, zumal die Tore in alter Zet noch Vortore besessen haben. Referent legte mehrere Städtebilder aus dem 15. und 16. Jahrhundert vor, um so das Gesagte zu erläutern. Vom Kläger wurde ausgeführt, daß das Oberverwaltungsgericht entschieden habe, daß Bürgersteigkosten nur von vorhandenen, nicht aber von historischen Straßen zu erheben seien. Der Bezirksausschuß entschied: eine vorhandene Straße sei eine dem inneren städtischen Verkehr und dem Anbau dienende Straße. Torwege brauchen nicht als Straßen, sondern können als Verbindungswege angesehen werden Der Kläger wurde von den Bürgersteigkosten freigestellt. Hagen, 14. Sept.(Die Auslosung der Geschworenen) für die am 14. Oktober beginnende 4. Schwurgerichtsperiode fand gestern statt. Es gingen u. a. folgende Herren als Geschworene aus der Urne hervor. Fabrikant Wilh. Becker, Hohenlimburg, Buchhalter Wilh. Heidsieck, Hohenlimburg, Landwirt Dietrich Jakobs, Holzen bei Schwerte, Gutsbesitzer Fr. Nölle=Wying, Leckingsen bei Kalthof, Maurermeister Aug. Jäger, Herlingsen bei Iserlohn, Fabrikant Karl Kinke, Iserlohn, Landwirt Adam Filthaut, Schwitten bei Bösperde, Landwirt Fr. Berghaus, Calle bei Iserlohn, Fabrikant Friedrich Preußer, Evingsen. Westfalen und Rheinland. Graf Zeppelins Luftschiff. Man schreibt uns aus Stuttgart: Noch im Laufe dieses Monats wird das neue Luftschiff des Generals a. D. Grafen Zeppelin in die Lüfte steigen. Die Gerüchte, daß der Graf gleich eine Fahrt nach Stuttgart oder gar an die Nordsee beabsichtige, sind nicht ernst zu nehmen. Zunächst soll das neue Fahrzeug lediglich über dem Bodensee und dessen Nähe Probefahrten von ganz kurzer Dauer unternehmen. Die nachsten Fahrten sollen nur Vorübungen sein; sie werden lediglich unternommen, den Erbauer mit dem neuen Fahrzeug und dessen Führung vertraut zu machen, das Personal einzuüben, die Motoren und mehrere Lokale Dortmund, 14. September. Justizpersonalien. Der Gerichtsassessor Boecker Schwerte, 13. Sept.(Der Neubau des Kaiserl. Postgebäudes) schreitet rüstig vorwärts, wozu die günstige Witterung nicht wenig beiträgt. Von dem nördlichen Flügel, der parallel mit der Hörderstraße läuft, ragen die Fundamentmauern schon aus der Erde, ebenso ist das Grundmauerwerk für das spitzwinklich zu dem ersten Flügel laufende Hauptgebäude, welches durch einen hohen Turm zur Aufnahme der Telephonleitungen gekrönt werden wird, schon ziemlich gefördert. In den nächsten Tagen wird auch das jetzt noch stehende Hintergebäude der alten Brüggemannschen Besitzung, in welchem sich bisher das Baubureau befand, vom Erdboden verschwinden. Das Bureau ist bereits im Köhlerschen Hause untergebracht. Bei weiterer günstiger Witterung ist zu erwarten, daß der ganze Neubau, wie vorgesehen, mit Ende dieses Jahres im Rohbau unter Dach kommt. Marten, 13. Sept.(Tödlicher Sturz.) Beim Rutschen auf dem Treppengeländer stürzte ein fünfjähriges Mädchen aus dem vierten Stockwerk herab auf den Flur der ersten Etage. Das Kind trug so schwere Verletzungen davon, daß es daran gestorben ist. Rauxel=Schwerin, 15. Sept.(Goldene Hochzeit.) Am heutigen Sonntag feiert im Kreise der Verwandten und Freunde der Berginvalide Friedrich Wille und seine Ehefrau Henriette geb. Kleffmann das Fest der goldenen Hachzeik. Sodingen, 14. Sept.(Die Vertretungen) der Gemeinden Sodingen, Börnig und Holthausen sowie die des Amtes haben beschlossen, mit dem 1. Januar n. I. eine Amtssparkasse zu gründen. Castrop, 18. Sept.(Die Arbeiterkolonie) von 22 Vier= bezw. Sechsfamilienhäusern, die die Gelsenkirchener Bergwerks=Aktien=Gesellschaft auf ihrem Gute Goldschmieding in Rauxel geplant hatte wird jetzt in Castrop auf„Erindorf" errichtet. Mit den Arbeiten wird in den nächsten Tagen bereits begonnen. Habinghorst, 13. Sept.(Koloniebau.) Die Gewerkschaft der Zeche Victor projektiert auf ihren hier gelegenen Grundstücken auf dem Hannemannschen Hofe eine Arbeiterkolonie von 19 Drei= und 19 Vierfamilienhäuser. Der Kreis=Ausschuß zu Dortmund hat die Ansiedelungsgenehmigung hierzu bereits erteilt, sodaß mit den Arbeiten sofort begonnen werden kann. Haltern i.., 12. Sept. Römische Ausgrabungen.) Die nun beendeten diesjährigen römischen Ausgrabungen bei Haltern erstrecken sich vornehmlich auf die Erforschung des Innern vom „Großen Lager". Schon im vorigen Jahr, als nach langer Forschungsarbeit das Prätorium gefunden war, wurde ein Teil untersucht, ebenso einige von den an der via principalis gelegenen Wohnstätten römischer Heerführer, wobei sich eine Menge von Funden ergab, sodaß man den diesjährigen Grabungen mit großen Erwartungen entgegensah. Diese sind denn auch nicht getäuscht worden. Eine Reihe von Wohngruben, Keller= und Vorratsgelassen erbrachten vollständige Gefäße und Gefäßteile aus Ton in allerlei Farben und Formen, auch viele aus terra sigillata und nigra, etwa 20 Spielsteine von heller oder dunkler Färbung, Lampen mit und ohne Verzierung aus Ton oder Eisen, aus Bronze allerlei Schmucksachen, darunter eine Gewandnadel mit breitem Rücken in durchbrochener Arbeit, und Haushaltungsgegenstände, wie ein Gewichtsstein mit dem Zeichen A, zwei Siebe und eine Kasserolle mit breitem, plattem Griff, worauf in halberhabener Arbeit Amor dargestellt ist, wie er nach einem Schmetterlinge greift. Von Bronze ist auch ein guterhaltenes Krüglein und ein zylinderförmiges Töpfchen mit Deckel, welches zu einem Drittel noch mit Tusche gefüllt war, die sich bis heute noch als verwendungsfähig erhalten hat. Außerdem konnten mehrfarbige Glasstückchen, verschiedene Handwerksgeräte, als Meißel, Hammer und Beil, sowie etwa 70 Münzen und Münzteile der schon als reichhaltig bekannten römischen Sammlung des neuen Museums hinzugefügt werden. Heeren, 18. Sept.(Messerstecherei.) Wie erst jetzt bekannt wird, wurde am Sonntag der Bergmann H. von einem einquartierten Soldaten durch einen Stich in den Unterleib derartig verletzt, daß man an dem Aufkommen des Verletzten zweifelt. Soest, 18. Sept.(Bürgersteigprozeß.) ist zum Staatsanwalt hierselbst und der Referendar Dr. Cohen zum Gerichts=Assessor im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Hamm ernannt. Militärisches. Der Herr Hauptmann der Reserve, Postrat Halberstadt, die Oberleutnants der Reserve, Oberpostkassen=Rendant Steege und OberPostinspektor Conradi, sowie der Leutnant der Reserve, Straßenbahndirektor Petersen, sämtlich vom Bezirkskommando 1 Dortmund, sind vom 1. Oktober ab zu dem von diesem Zeitpunkt an zu errichtenden neuen Telegraphen=Bataillon Nr. 4 versetzt worden. Tödlich verunglückt ist der hier in der Scheffelstraße wohnende Arbeiter Heinrich Quiter. Dieser Mann wollte vorgestern abend das Eisenbahnverbindungsgeleise in der Mallinkrodtstraße überschreiten, als eine leere Lokomotive in Sicht kam. Um sich vor dieser zu schützen, beschleunigte er seine Schritte, kam aber über den höher als das Straßenpflaster liegenden Eisenbahnschienen zu Fall und schlug mit aller Wucht auf die Schienen auf. Man schaffte ihn sofort in seine Wohnung, in der er gestern nachmittag an der erlittenen Darmverletzung und Bauchquetschung verstorben ist. (Weitere lokale Nachrichten siehe 1. Blatt.) dauernde Wachsen und die überaus günstige Entwickelung des Verbandes erkennen. Bei einem Mitgliederzuwachs von 4129 in der Zeit vom 1. Januar bis Ende August beträgt die Mitgliederzahlt heute 33100. Dementsprechend ist auch das Verbandsvermögen, das sich einer vorzüglichen Verwaltung erfreut, auf rund 990000 Mk. gestiegen, unter Hinzurechnung der Sondervermögen der Bezirks- und der Ortsvereine beläuft sich das Gesamtvermögen des Verbandes auf annähernd 1,1 Millionen Mark. Von diesem Vermögen entfallen auf die Sterbekasse 710000 Mk., auf die Fürsorgekasse 187000 Mk. Bemerkenswert für den gesunden sozialen Geist, der in der Mitgliederschaft herrscht, verdient hervorgehoben zu werden, daß eine aus Anlaß der diesjährigen Teuerungszulage veranstaltete Sommlung über 24000 Mk. für die Fürsorgekasse ergeben hat. Die Verhandlungen des Verbandstages erstrecken sich auf innerorganisatorische, soziale und Standesfragen. Nach den Plänen des Verbandsvorstandes soll die Rechtsschutzkasse auf 60 000 Mark, die Fürsorge auf 500000 Mark Stammkapital erhöht werden, um den stetig wachsenden Anforderungen gegenüber leistungsfähiger zu sein. Neben dem Ausbau der bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen werden den Verbandstag auch Fragen weiterer sozialer Selbsthilfe(Lungenheilstätten usw.) beschäftigen. sichtlich der organisatorischen und sonstigen inneren Verbandsfragen werden die innerhalb der mittleren Postbeamtenschaft in letzter Zeit aufgetretenen Sonderbestrebungen Gegenstand der Verhandlungen sein. Von den Standesfragen werden die Besoldungsfragen(Gehalt und Wohnungsgeldzuschuß) im Vordergrunde des Interesses stehen. In Verbindung damit soll das Steuervorrecht der Beamten erörtert werden. Eine Reihe wichtiger Anträge ist eingebracht worden, die sich mit der wirtschaftlichen und sozialen Hebung des mittleren Postbeamtenstandes befassen. U. a. ist vom Verbandsvorstande beantragt worden, den Namen des Verbandes in„Verband mittlerer Reichs=Post= und Telegraphenbeamten" umzuändern, da nicht nur Assistenten, sondern auch Postverwalter, Sekretäre, Obersekretäre, Postmeister usw. dem Verbande ansers. Rirchsiche Nacheichten. Baptisten=Gemeinde, Westerbleichstr. 64. Sonntag vormittags 10 Uhr: Prediger de Haan, vorm. 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Nachm. 4 Uhr: Prediger de Haan. Taufe und Abendmahlsfeier. Nachmittags 5½ Uhr: Versammlung des Jünglingsund Männervereins. Mittwoch abends 8½ Uhr: Gebetsversamlung. Finnen und Mitesser. Letzte Nachrichten und Depeschen. Leipzig, 13. Sept. Die nächstjährigen Kaisermanöver werden vermutlich in sen abgehalten. Wie der„Döbelner Gen.=Anz.“ meldet, sind die Gutsbesitzer der Kreise Döbeln und Rochlitz von den zuständigen Behörden vertraulich angewiesen worden, die Höhen für nächstes Jahr möglichst nur mit Wintergetreide zu bestellen. Anerk. vortreffl. Mittel hervorrag. Wirkung Obermeyer's“ Zu h. in a. Apoth., Drog. u. Parf. p. St. 50 Pf. u. 1 Mk. v. des vorrag. Wirkung Von derkene Barden abonniere man bald wieder auf die Zeitschriften-Lesemappe von Frahcken& Lung Bissenkamp 7— Telephon 2006. Theater, Konzerte, Vereine 2c. Sport. Die Rennen am jetzigen Sonntag werden an der Buschmühle einen interessanten Verlauf nehmen, da für die sechs Konkurrenzen nicht weniger als 52 Pferde hier am Platze sind. Jedes Rennen wird ein Feld von sechs bis zehn Startern bringen. So weit die Sachlage zu ubersghezz, 1t0g wpgrs. starten: 1. Herbst=Jagd=Rennen, Preis 1500 Mark, Distanz 8000 Meter, Prinzeß=Heiling, Zero 1, Ichtyol, Prince of Wales, Sonnenblume, Trebia, Spahi, Reinhardsbrunn, Dietlinde; voraussichtliche Sieger Stall Kracher, Reinhardsbrunn, Prinze of Wales. 2. Schondeller Jagd=Rennen, Preis 1500 Mark, Distanz ea. 8400 Pgelgeng Peng genannten Pferden werden starten forg gargit; Ber, Best Love, Jule, Cerberus, Cuckoo, Mur gzue,. Belted Lad, Nicolaus. Voraussichtliche Sieger Bex, Marquise. 3. Kanal=Jagd=Rennen, Preis 1800 Mark, Distanz 4000 Meter. Es werden laufen: Thomastown, Judith 1, Siegfried, Erchgarg, au; garie, Merkur, Baron, Mesaventure. Voraursichtliche Sieger sind: Merkur, Judity 1, Siegfried. 4. Rosenberg=Jagd=Rennen, Preis 2000 Mark, Distanz 3500 Meter. Starten werden: Erzherzogin, Aslaug, Erzherzog, Artemis 1, Miß Wolfgang, Küchenjunge. Voraussichtliche Sieger sind: Aslaug, Artemis 1, Küchenjunge. 5. Verkaufs=Jagd=Rennen, Preis 1800 Mark, Distanz 3500 Meter. Von 22 genannten Pferden werden folgende elf Gloster, Villikens,, Freyja, Scherz, San Antonio, My Lady, Laval, Regalis, Bogi, Gteßerorg rephgzig. Voraussichtliche Sieger sind:„Gloster,„##### Villikins. 6. Inländer Jagd=Kennen, Preis 550 Mark, Distanz 3500 Meter. Von 19 genannten Pferden werden nachstehende neun starten: Caneton, Angelika, Hochmeister, Geba, Haltefest, Bel Prison, Sherry Cobler, Prinzipessa, Wäschermädel. Voraussichtliche Sieger sind: Stall Kracher, Wäschermädel, Sherry Cobler. Die Rennen beginnen wegen der vorgerückten Jahreszeit punkt 8 Uhr. Vom 16. bis 17. September bin ich in Dortmund, Hotel Monovol um für Patienten(33305 künstliche Hugen genau nach der Natur berzustellen. Künstl. Augen können auch über dem erblindeten Augapfel getragen werden. Spezialität: Adhüsions- und Relormaugen. L. Müller-Uri, Augenkünstler aus Leipzig. ist ärztlich empfohlen als vorzügliches Vorbeugungsmittel gegen Scharlach, Diphtherie, Masern und andere Infeklionskrankheiten. Vorzüge: bakterientötende Krafe— leichte Anwendbarkeit- angenehmer Geschmack — Schutz der Umgebung des Patienten vor Ansteckung— Verhütung der Uebertragung auf Oritte. Sanitäre Artikel zur Krankenprlege. Am kommenden Montag, 16. September, abends 8½ Uhr eröffnet der stenographische Verein„Tremonia“— gegründet 1864— in seinem Unterrichtslokale, städtische höhere Mädchenschule, Kronprinzenstraße 18, in der vereinfachten deutschen Stenographie— Einigungssystem Stolze=Schrey— einen neuen Unterrichtskursus. Siehe auch Inserat. Der Gabelsberger Setnographen=Verein Dortmund(gegründet 1864) hat in seiner Monats=Versammlung vom 12 d. M. beschlossen, am Mittwoch, 25. September, abends 8½ Uhr im Zeichensaal des Gymnasiums(Ostwall) einen neuen Unterrichtskursus zu eröffnen. Wir weisen jetzt schon darauf hin. Nähere Mitteilung darüber erfolgt im Inseratenteil einer der nächsten Nummern dieser Zeitung. Gestern abend gelangte vor dem Bezirks=Ausschuß zu Arnsberg ein langjähriger Bürgersteigprozeß zur Entscheidung. Der hier wohnende Kaufmann Ludwig Gauwerky klagte gegen die Stadt wegen Heranziehung zu den Burgersteigkosten. G. besitzt Grund17. Verbandstag des Verbandes deutscher Postund Telegraphenassistenten. Dortmund, 14. September. Aus sämtlichen 41 Ober=Postdirektionsbezirken des Reichs=Postgebietes sind gestern die Vertreter des Verbandes deutscher Post= und Telegraphenassistenten, der größten und mustergültig organisierten Beamtenvereinigung, hier zusammengetreten. Der vorgelegte Geschäftsbericht läßt das anErhältlich in Pl. à 50 Tabletten zu.76 Mart In Apotheken.— Ausführliche Broschüren durch BAUER& Cle., Berlin SW. 48. Irrigatore, kpl., St. 1,50, Damenbinden, Dtd. von 50 Pf. an. Bruchbänder von 2,50 M. an. Elektr. Apparat„Selbsthilfe“, kpl.,.50 M. Sämtl. sanit. chirurg. Bandagen=Artikel. Bitte Angabe, worüber Offerte grat. gewünscht. Josef Maas u. Co., Berlin, 202, Oranienstraße 108, Gummiwarenfabrik. Stadt Castrop. Einlandung zur Sitzung der Stadtverordneten=Versammlung am Montag, den 16. September 1907, nachmittags 4½ Uhr im Stadtverordneten=Sitzungssaale. Tages=Ordnung: 1. Genehmigung des Hauungs= und Kulturplanes des Stadtwaldes für das Wirtschaftsjahr 1907=08. 2. Beschlußfassung über den Antrag auf Fortfal der im Bebauungsplan Blatt 4 vorgesehenen Verlängerung der Straße Nr. 4 in der Kolonie 3. Beschlußfassung über Aufnahme einer Anleihe bei der hiesigen Sparkasse zur Deckung Kosten der Erwerbung der Geilmann'schen Be4. Beschlußfassung über den vorliegenden Axteg# auf erhöhte finanzielle Beteiligung der Castrop an dem projektierten Bau einer elektrischen Straßenbahn Castrop=Gerthe=Harpen= 5. Beschlußfassung über Beschaffung eines Kredits bei der Sparkasse für den Betrieb der Stadt6. Kenntnisnahme vongdem Beschlusse des standes der hiesigen Sparkasse betreffend hung des Zinsfußes für Einlagen. 7. Geheime Sitzung. Des Bärgermeister: Bonen. erste Firma ei Filialen unterhält, La mit Nebeuräumen Schriftl. Angebot Per I. Jant —7 Zimmerwe räumen, welche Offerten erbeten unter Hübsch möbl. Zi 2 gut. B. u. g. Pen bew a. 1 H. z. ve 55 M. Dresdenerst N. Z. Heiligegarte Möbl. Zimmer per 15. d. M. zu v 4907 Märkischest Frdl. möbl. Zin sof. zu vm. Nordst. 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Dieser Herr bedient sich weder der Medikamente, des Hypnotismus, noch der suggestiven Heilung, um seinen Kranken zu helfen, sondern einer sebe starken physischen Kraft, in Verbindung mit magnetisch zubereiteten Gegenständen, die die Grundbestandteile des Lebens und der Gesundheit enthalten. In einer Unterhaltung, die ein Berichterstatter mit Herrn Mann hatte, wurde er von diesem veranlaßt, seine Leser, die leidend sind, oder in deren Familie sick Kranke befinden, aufzufordern, Herrn Mann um Rat zu ersuchen. Gewisse Leute sagen, daß ich eine göttliche Kraft besitze, und daß meine Kraft eine Gabe Gottes sei. Sie nennen mich himmlischen Wundertäter, den Mann mit der geheimnisvollen Kraft. Man hat mit Unrecht diese Kraft einer übernatürlichen Gewalt zugeschrieben; ich bediene mich einer natürlichen Kraft, die aber sehr stark und wirksam ist, deren Gebrauch ich entdeckt habe, und deren therapentische Wirkung unbestreitbar ist. Ich füge noch hinzu, weil ich davon überzeugt bin, daß der Schöpfer mir den Vorteil, diese Entdeckung zu machen sowie dieselbe zu vervollkommnen, nicht gegeben hätte, wenn er nicht beabsichtigt hätte, daß ich mich der erworbenen Kenntnis für das Wohl der Menschheit bedienen soll. Ich betrachte es also als eine heilige Pflicht, meine Entdeckung allen zunutze zu machen. Ich bitte Sie, allen Ihren Freunden zu sagen, daß sie mir vertauensvoll schreiben können, wenn sie krank sind; ich werde vollständig unentgeltlich mitteilen, was für Sie getan werden kann und Ihnen erklären, wie sie sich, ohne ihr Haus zu verlassen, helfen können. Wie schwer die Krankheit auch sein mag, wie hoffnungslos der Fall erscheinen mag, ich wünsche, daß sie an mich schreiben, mir erlauven, ihnen zu raten ich fühle, daß es mein Beruf ist, Kranken zu helfen. Die in der medizinischen Fakultät durch die bewirkten Erfolge hervorgerufene Sensation war so groß, daß mehrere Aerzte beauftragt wurden, diese Erfolge zu prüfen und dieselben, wenn möglich, genau zu studieren und zu beschreiben. Unter der Zahl der hierzu beauftragten Gelehrten befanden sich zwei Aerzte von hohem Ruf: die Herren Doktoren W. H. Curtis und L. G. Doane. Nach eingehendem Studium erstatteten diese hervorragenden Aerzte Bericht, daß die Evfolge zuverlässig seien und überraschender, als man zuerst erwartete, und daß dieselben der außerordentlichen Kraft, die Herr Mann besitzt, zuzuschreiben sind. Die wunderbare Wirksamkeit der Radiopathie hat einen derartigen Eindruck auf sie gemacht, daß beide allen anderen Heilmethoden entsagten und sich erboten, Herrn Mann in dem von ihm unternommenen Werk beizustehen und zwar im Interesse der Menschheit. Mit der Erfindung der Radiopathie wird die Arzneikunde zur vollständigen Lehre. Beinahe achttausend Personen sind bis heute von Herrn Mann behandelt worden, von diesen achttausend waren die einen blind, die andern taub und lahm. Eine große Zahl litt an Eiweißkrankheit und Neurasthenie, an Herzleiden, an Auszehrung und an anderen sonst für unheilbar gehaltenen KrankMr. G. A. Mann, Dept. C. 710. Rochester, New Vork U. S. A. heiten, während noch andere an Nierenkrankheiten, Nervenschwäche, Schlaflosigkeit, geschwächter Verdauung, Neuralgie, Hartleibigkeit Rheumatismus und gewissen Frauenkrankheiten und Beschwerden aller Art und Beschreibung litten. In jedem Fall übernimmt Herr Mann die Behandlung, sogar von solchen, welche am Rande des Grabes stehen und jede Hoffnung aufgegeben haben. Diejenigen, die von ihrem Arzt verurteilt sind und von allen als unheilbar angesehen werden, sind durch die Radiopathie wiederum zur Gesundheit gelangt. So sonderbar die Angelegenheit auch erscheinen mag, ist die Entfernung, welche Hrn. Mann von seinen Patienten trennt, kein HHindernis. Zahlreiche Personen, welche in großer Entfernung von Hrn. Mann wohnen, sind von ihm behandelt worden, ohne daß dieselben ihren Retter je gesehen noch ihr Haus verlassen haben. Es ist erst kurze Zeit her, daß Herr John Adams in Blacksbury, welcher zwanzig Jahre lahm war, durch Hrn. Mann ohne jede Operation mit Erfolg behandelt wurde. Ungefähr zur selben Zeit wurde die Stadt Rochester durch die Heilung des Hrn. Wright, eines der ältesten Bürger dieser Stadt, in Erstaunen gesetzt. Derselbe war schon seit ziemlich langer Zeit fast ganz blind. Herr John E. Neff aus Millersbury, am Grauen Star auf dem linken Auge leidend, erhielt sein Augenlicht ohne Operation in kurzer Zeit wieder. Von Longsport kommt die Nachricht der erfolgreichen Behandlung von Frau Marie Eicher, welche lange Jahre an Taubheit litt. M. G. W. Savage aus Warren, ein gut bekannter Artist, taub und fast blind, der infolge von Unglücksfällen schon einen Fuß im Grabe hatte wurde wiederhergestellt und erlangte in kurzer Zeit durch die Behandlung des Herrn Mann seine physischen Kräfte wieder. Die Radiopathie hilft nicht nur bei gewissen Arten von Krankheiten, sondern sie nutzt gegen alle Krankheiten, wenn die verschieden magnetisch zubereiteten Tabletten, nach unserer Formel präpariert, rechtzeitig von Patienten benutzt werden. Wenn Sie krank sind, es ist einerlei, an welcher Krankhei Sie leiden, schreiben Sie Herrn Mann, beschreiben Sie die Symptome geben Sie an, wie lange Sie krank sind, und er wird sich ein Vergnügen daraus machen, Ihnen zu sagen, was für Sie getan werden kann. Dieses kostet Sie absolut nichts, und Herr Mann wird Ihnen dazu ein Exemplar des wunderbaren Buches„Wie man sich selbst und anderen helfen kann“ mitschicken. 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Er geht davon aus, daß auch der hartgesottenste Verbrecher keine falsche Aussage machen könne, ohne daß sich sein Puls erkennbar beschleunige; in jedem Falle wäre es von größter Wichtigkeit, bestimmte sichere Kennzeichen über die Empfindungen derer zu erlangen, die in einem Prozeß eine Rolle spielen. Seine Apparate, die also in gewisser Form eine moderne Inquisition ermöglichen sollen, verfolgen alle dasselbe Ziel. Der„Automentograph“ wird an den Arm geschnallt, und der Untersuchte macht unwillkürlich Bieistriche auf Papier, in denen sich seine Erregungen deutlich kundgeben sollen. Der Pneumograph zeichnet eine Atemkurve auf, in der jede Abweichung von der normalen Atmung, die durch eine Gemutsbewegung hervorgerufen wird, sofort zu erkennen ist. Der Sphygmograph wird am Handgelenk bejestigt und ermöglicht die Herstellung einer genauen Pulskurve, in der jede Veränderung des Pulsschlages aufs genaueste verzeichnet wird. Es ist richtig, daß jede Veränderung oder Störung im gleichmäßigen Ablauf des Seeienlebens, jede Aufregung auch jede geistige Anstrengung sofort von einer solchen Kurve an den größeren Ausschlägen abzuPosen, 13. September. wiedergegeben worden; infolgedessen hat es auch be reits eine scharfe Kritik von seiten vieler juristischer Personen erfahren. Das Urteil schiebt der Gräfin Awilecka folgenden Eid zu:„Ist schwöre usw., es ist nicht wahr, daß die verstorbene Aniela Andruscewska vor dem oder an dem 27. Januar 1892 mir den jetzt den Namen Josef Graf Kwilecki führenden Knaben aus Krakau nach Berlin gebracht hat, so wahr mir Gott helße!" Das den Parteien jetzt zugestellte Urteil enthält folgende Begründung: Ueberblickt man das Endergebnis der Beweisaufnahme, so sieht sie nicht so aus, daß man ohne weiteres dem Klageantrage stattgeben könnte. Andererseits hat aber auch die Klägerin soviel für ihre Behauptungen erbracht, daß eine sofortige Abweisung der Klage ungerechtfertigt wäre. Die Behauptung der Hedwig Andrusccwska ist nicht aus der Welt zu schaffen. Die auf ihre gewöhnlichen Eigenschaften gestützte Behauptung ihrer Unglaubwürdigkeit ist als nicht stichhaltig zurückgewiesen. Sie weiß aus eigener Kenntnis, daß ihre Mutter Aniela Andruscewska zweimal in der hier in betracht kommenden Zeit von Hause abwesend war. Sie hat auch einen an ihre Mutter gerichteten Brief der Hekamme gesehen, in dem diese jener mitteilt, sie solle am 25. Januar 1802 nach Krakau kommen, wo ein Kind männlichen Geschlechts mit schwarzen Augen und eine Nachgeburt bereitstehen würden. Sie hat ferner auf Grund ihrer eigenen Kenntnis bekundet, daß die Beklagte ihrer Mutter eine Pelcrine, eine Perücke und einen schwarzsamtenen Hut mit einer roten Rose auf die Reise mitgegeben habe, ein Umstand, der von großer Bedeutung ist, da zwei Zeugen bekundet haben, daß sie eine solche Frau 1 #c 5 3 □ 8* 9 277 82 3 . lesen ist; selbst die geistige Konzentration, die ctwa zur Lösung einer nicht allzu leichten Rechenaufgabe nötig ist, macht sich bemerkbar, auch wenn die Versuchsperson sich der Anstrengung kaum bewußt wird. Aber anzunehmen, daß aus solchen Veränderungen der Kurve Rückschlusse auf den Wert einer Zeugenaussage gczogen werden können, ist eine solche Verirrung, daß sie einem erfahrenen Psychologen nicht passieren sollte. Besonders nervöse und aufgeregte Personen könnten da vor Gericht leicht in den Verdacht geraten, sich eines Meineides schuldig gemacht zu haben, da ihre Aufregung sich natürlich auch in den wildesten Puls= und Atemkurven äußern wird. Anderseits hat Prof. Münsterberg schon bei der ersten praktischen Anwendung augenscheinlich eine Enttänschung erleben müssen. Er hatte sich die Erlaubnis erwirkt, in dem großen Mordprozeß in Idaho seine Inquisitionsmaschine an Harry Orchard, auf dessen Aussagen hin der Prozeß angestrengt wurde, anzuwenden, und dieser„phänomenale Lügner“, wie er während des Prozesses gekennzeichnet wurde, zeigte nicht die geringste Erregung in seinen, Kurven, als er im Kreuzverhör auf seine Glaubhaftigkeit untersucht wurde. Professor Münsterberg selbst hat allerdings seine Schlüsse über die Glaubdaftigkeit der Aussage Orchards noch nicht veriffentlicht. einen Zeugin bekundete Aehnlichkeit der Hedwig Andruscewska mit jener Frau fällt ins Gewicht. Die Beklagten behaupten zwar, daß die Zeugin Hedwig beeinflußt worden sei. Die Zeugin hat aber ihre Aussage beschworen. Weiter spricht für die Behauptung der Klägerin die von der Zeugin Mol bekundete Erzahlung der Klägerin noch vor der hier in Betracht kommenden Zeit, daß ihr Kind hin und wieder nicht recht ziehe, sodaß sie fürchte, es habe eine angewachsene Zunge. Es steht aber fest, daß dem strittigen Kinde das Zungenbändchen durch Dr. Rosinski hat gelöst werden müssen. Unter diesen Umständen will das Gericht die Entscheidung von einem Eide abhängig machen. Ist es nämlich erwiesen, daß die verstorbene Aniela Andruscewska vor dem oder an dem 27. Januar 1892 der beklagten Gräfin den jetzt den Namen Josef Graf Kwilechi führenden Knaben aus Krakau nach Berlin gebracht hat, dann ist in Verbindung mit den Aussagen der Zeuginnen Mol und Rudwanska auch der ganze Entführungsvorgang erwiesen. Dann ist aber auch der weitere Schluß gerechtfertigt, daß das Kind der Klägerin vom Bahnhof in Berlin nach der Wohnung der Beklagten gebracht worden ist. Damit ist dann die Identität des strittigen Knaben mit dem am 22. Dezember 1896 geborenen Kinde der Klägerin Leo Franz Parcza nachgewiesen. Und der Klageantrag würde in diesem Falle gerechtfertigt sein. Ist jedoch jene Tatsache nicht zu erweisen, dann klafft die große Lücke zwischen den in Krakau erwiesenen Vorfällen und den Vorgängen in Berlin, die durch die Bekundung der Andruscewska nicht ausgefüllt wird. In diesem Falle wäre die Klägerin bezüglich der Identität des Kindes beweisfällig. Da der Beweis nicht erbracht ist, müßte die Abweisung ihrer Klage dann erfolgen. Das Gericht hat daher den Eid über die erwähnte Tatsache normiert. Soweit die Begründung des Urteils. In der Berufungsinstanz wird die klägerische Frau Mayer durch Justizrat Landsberg vertreten werden, während die angeklagte Gräfin Kwilecka sich von dem Reichstagsabgeordneten Seyda vertreten lassen wird. Seitens der klägerischen Frau Mayer sind nun bereits einige neue Beweisanträge gestellt worden. Der Steueraufseher Iwwaskiewiz in Brandeuburg an der Havel und dessen Ehefrau sollen bekunden, daß die verstorbene Aniela Andrusccwoska im Jahre 1897 in Samter erzählt habe, sie sei in Krakau und auch bei der„Schiebung“ in Berlin gewesen. Ferner sollen verschiedene Mitglieder der Familie Andruscewska über die Reise der Aniela nach Berlin neue Bekundungen machen. Ferner soll noch ein polnischer Arzt in Charlottenburg als Zeuge geladen werden, der bei der Unterschiebung beteiligt gewesen sein soll. Die sensationelle Angelegenheit will also immer noch nicht zur Ruhe kommen. Aus dem Kladderadatsch. Neues zur Bmileckischen KindesDer glücklichste Weltteil. Du, Asien, bist der Menschheit Wiege, Umschlossest einst das Paradies, Dann kam's zum Unheil, gab es Kriege, Der holde Friede dich verließ. So ging, mit wenig Ruhepausen, Es fort, stets war's das alte Lied, Und seit auf dir die Japse bausen, Bist du der größte Störenfried. Belanntlich wird die Klage der Bahnwärterfrau Cäcilie Mayer gegen die Gräfin Kwilocka und deren Ehemann in der bekannten Kindesunterschiebungsaffäre demnächst infolge der von der Frau Mayer Seit du, Eropa, wie erwiesen, Dich Zeus gefällig hast gezeigt, Warst immer wieder du zu Krisen Und zu Verwicklungen geneigt. Auf dem Kulturgebiet entschieden Hast mit der Zeit du viel gelernt, Doch von dem ew'gen Völkerfrieden Bist leider du noch weit entfernt. gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegten Berufung das Posener Oberlandesgericht beschäftigen. Das Urteil der ersten Instanz ist bisher falsch OAfrika, seit alten Zeiten— Das ist ganz sicher festgestellt— Hast immer Ungelegenheiten Bereitet du der andern Welt. Das ist auch anders nicht geworden Und heut noch deines Trachtens Ziel Sowohl im Süden wie im Norden— Nein, Afrika, du taugst nicht viel. Amerika, du hast es besser Als wir, so sagt schon ein Gedicht Von Gocthe, denn verfallne Schlösser Und auch Basalte kennst du nicht. Doch seit die Yankees dich bewohnen, Steht es auch nicht mehr gut um dich; Sie schaun doch aus nur nach Millionen Und rauben Sie zusammen sich. Australien, in dem Weltenraume Der einzig gute Teil bist du, O Land, wo unterm Gummibaume Vergnüglich hüpft das Känguruh. Du kümmerst Dich nicht um Lappalien, Streckst nicht nach jedem Dreck die Hand dir, du glückliches Australien, Du Schnabeltier= und Emu=Land! Heuts zumTalrnemsrewenl. Ueber das Vorleben der Tarnowska, der Seele jenes Komplotts, dem der Graf Komarowski in Benedig zum Opfer fiel, weiß ein Mitglied der höheren russischen Gesellschaft, das früher im Hause des Grasen Tarnowsti verkehrte, in einem Pariser Blatt Tarnowska wurde in Poltawa geboren und entstammt einer Adelssamilie, deren Name nicht O Rurck, sondern ORuk ist. Ihre Erziehung erhielt sie im adligen Damenstift zu Kiew, hat jedoch ihre Ausbildung nicht vollendet, da ihr— angeblich erster— Roman dazwischen kam. Während eines Spazierganges, den sie gemeinsam mit anderen Elevinnen des Stiftes unternahm, fiel sie dem Grafen Tarnowski ins Auge. Dieser verstand es, sich mit ihr in Beziehungen zu setzen, und entführte sie. Nicht gegen ihren Willen, denn Frl. ORuk hatte alles für die Entführung vorbereitet. Kurze Zeit darauf wurde sie die Gattin des Grafen. Eines abends ereignete sich in Kiew eine tragische Szene, deren Zeuge der Erzähler war. In einem Salon warf sich die Gräfin, in Anvesenheit ihres Gatten, einem polnischen Kavalier von ungewöhnlicher Schönheit, der ihr den Hof machte, an den Hals und küßte ihn leidenschaftlich. Kaltblütig zog Graf Tarnowski seinen Revolver heraus und gab Feuer, der Geliebte der jungen Frau fiel mit zerschmettertem Haupte zu ihren Füßen hin. Während des Skandalprozesses, der darauf folgte, starb die Mutter der Grafin vor Kummer. Die Scheidung wurde zugunsten des Grafen ausgesprochen, dem auch die Obhut über die Kinder zufiel. Seit dieser Zeit wurde Frau Tarnowska in der Gesellschaft nicht mehr empfangen. Sie vrschwand aus Kiew für einige Jahre, hatte aber dann die Kühnheit, wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Sie wurde die Maitresse eines israelitischen Bankiers und hielt einen offenen Salon, in welchem dem Hasardspiel gehuldigt wurde. Später verschlimmerte sich ihre finanzielle Lage, und sie sah sich genötigt, den großen Coup auszuführen, der sie vor das Tribunal brachte. Wien, 13. September. Einem Briefe des Fräulein Nadine Schröder, zweiten Schwester der verstorbenen Gräfin Komarowska, ist folgendes zu entnehmen:„Alle Angaben meiner Schwester Sophie kann ich als genau richtig bestätigen. Frau Tarnowska haßte meinen Schwager aus tiefster Seele und machte kein Hehl daraus, auch meine teure Schwoster liebte sie nicht. Es schmeichelte ihr nur, durch sie in die hohe Aristokratie eingeführt zu werden, wo sie ihre Netze auswarf. Meine Familie, die vor 7 Jahren in Kiew wchnte, empfing Frau Tarnowska nie, weil mein Vater fürchtete, uns unverheiratete Schwestern durch das allgemein bekannte Benehmen der Frau zu kompromittieren. Ich lebte die letzten vier Jahre beinahe unzertrennlich mit meiner Schwester und meinem Schwager Komarowski im Auslande sowie in Rußland und hörte wiederholt, wie Paul meiner Schwester harte Vorwürfe machte, weshalb sie Frau Tarnowska empfange, da ihr doch alle anderen den Rücken kehrten. Sonst gab es nie Mißverständnisse, weil mein Schwager seine Frau vergötterte und sie seine Liebe aufs wärmste erwiderte. Meine Schwester war zu gutmütig, um Frau Tarnowska den Rücken zu kehren obwohl ihr vieles in deren Benehmen mißfiel. Sie sagte es mir oft im geheimen und schrieb es mir auch, als Frau Tarnowska sich im Juli 1906 bei Komarowskis auf dem Schlosse befand. Als ich die Schreckensnachricht vom Morde meines Schwagers erfuhr, sagte ich sofort, daß diese Frau im Spiele sein müsse." Die Mutter Komarowski erzählt, sie sei in der bestimmten Hoffnung nach Venedig gekommen, ihren Sohn am Leben zu treffen. In Wien, wo sie eine verheiratete Tochter erwartet, traf sie blutenden Herzens ein. Die Tochter erzählte ihr, sie habe Telegramm von der Tarnowska erhalten. Diese bitte, die Gräfin möge auf sie warten, um mit ihr nach Venedig zu fahren, da sie doch nicht allein zum Bräutigam reisen könne. Man denke sich, sagte die Gräfin, diese Person, die allein am Untergang meines Sohnes schuld ist, wollte an meiner Seite an sein Totenbett reisen. Raumow kenne ich seit kurzer Zeit. Er ist kein Prinz, aber aus altadliger Familie. Seine Vater ist Gouverneur einer benachbarten Provinz. Mein Sohn lernte Raumow auf einem Ball kennen. Man tanzte in einem großen Saal, den mein Sohn reich mit Blumen hatte schmücken lassen. Niemand wußte, wie es zwischen ihm und der Tarnowska stand, aber Naumow mag damals eisersüchtig geworden sein. Als gestern Raumow verhört wurde, versicherte er dem Untersuchungsrichter, daß nur Eifersucht und die Wut übr das Telegramm des Grafen, das sich als gefälscht herausgestellt hat, ihn zur Mordtat veranlaßt haben. Raumow machte insofern Vorbereitungen zur Tat, als er sich ganz frisch ankleidete weil er wußte, er würde nicht ins Danieli zurückkehren. Auch trank er drei Viertel von einer Flasche Whisky aus. Briefkasten der Nedaktion. 27, Dortmund. Das ist beleidigend. H. O. 30, Lomborn. Das durfte er tun. S.., Resse. In Posen, Mühlenstraße 12. W. S.., Witten. Zu 1. Bis zum Ablauf des auf Ihren Austritt folgenden Jahres. Zu 2. Die katholische. Zu 3. Nur die griechisch=katholische orthodore Kirche. A. P. 100, Langendreer. Gießen Sie in die Oeffnungen kochendes Wasser. K. C. 100. Wenden Sie sich an die dortige Gemeinde=Verwaltung. H. N. 1785, Eving. Zu 1. Sie kann die Unfallrente fortbeziehen. Zu 2. Ja. 9.., Lütgendortmund. Deshalb müssen Sie doch kündigen. M. C. 15, Bochum. Zu 1. Die Erklärung ist eine endgültige. Zu 2. Der Anstellungsschein berechtigt zur Anstellung im Unterbearutendienst, der Zivilversorgungsschein auch für den Subalterndienst. Tägliche Gratisbeilage zum Dortmunder Generalanzeiger. Nr. 254. Sonntag, 15. September 1907. Die Testamentstkausel. 17) Scheveking räusperte sich, fuhr sich auf dem Kopf herum und sah unter den buschigen Brauen zu Armin hinüber. „Hm— na ja!“ Nach diesem seinen tiessinnigen Lieblingsausspruch erhob er sich und griff nach seiner Mütze. „Sie sollten mit nach dem Vorwerk hinüber fahren, Herr, damit sie auf andere Gedanken kommen. In einer halten Stunde breche ich auf.“ „Es ist gut, ich komme mit..“ Scheveking schritt mit finsterem Gesicht über den Hof und schnauzte ein paar Mägde an, die lachend am Brunnen standen und Gefäße scheuerten. Er warf scharf musternde Blicke in die Ställe und fand zu verschiedenen Donerwettern Veranlassung. Danach stelzte er breitbeinig auf seine Wohnung zu. Mamsell wunderlich saß am offnen Küchenfenster über ihr Wirtschaftsbuch gebeugt und addierte und multiplizierte mit hochrotem Kopf an ihren Zahlenreihen herum. Als sie den Inspektor erblickte, rief sie ihn an. „He, Inspektor kommen Sie doch mal her und rechnen Sie mir mal die Reihe da herunter. Es will nicht stimmen, es bleibt immer drei zuviel.“ Er riß ihr das Buch unwirsch aus der Hand. „Natürlich, bei dem Weibsvolk stimmt es nie. Aber gewöhnlich fehlt immer etwas. Sie müssen freilich immer was Extraes haben.“ „Zum reden brauch ich Sie nicht, das kann ich selber ganz gut. Nun rechnen Sie man, ob Sie den Fehler rauskriegen.“ Scheveking rechnete brummend und nahm ihr dann heftig den Bleistift aus der Hand. „Natürlich— da ist er ja schon. Ihre Krakelfüße sind ja das reine Augenpulver. Kein Wunder, wenn Sie Ihre eigenen Zahlen nicht lesen können. Das da ist eine Fünf und keine Acht. So, nun stimmt es gleich. Gewöhnen Sie sich man'ne andere Handschrift an, Mamsell.“ Mamsell Wunderlich nahm ihm seelenruhig das Buch aus der Hand. „Ich schreibe, wie ich kann, und wem es nicht schön genug ist, der braucht es nicht zu lesen,“ sagte sie mehr energisch als logisch. Schevcking lachte höhnisch.„Ob ein Frauenzimmer wohl einmal Vernunft annehmen kann? Nein, is nicht. Und nun passen Sie mal'n bißchen auf die Mägde da drüben auf. Muß bei der Arbeit immer geklatscht und getratscht werden?" „Ja, haben Sie sich man nicht Inspektor. Als ob das ein Verbrechen wäre, wenn sie sich unterhalten.“ „Natürlich, Sie müssen denen auch noch die Stange halten. Weil Sie selbst gern klatschen wie alle Weiber.“ Mamsell stemmte die Arme in die Hüften.„Tun Sie doch bloß nicht immer, als ob Sie die Weiber kennten. Sie— Sie Wickelkind. Was Sie darunter verstehen, sind lauter leibhaftige Popanze, aber keine vernünftigen Frauen. Ich bitte mir sehr aus, daß Sie mich damit nicht vermengelieren. Sie find bloß so wild, weil Sie sich mit keiner Frau vertragen können.“ „So, vertrage ich mich etwa mit Ihnen nicht,“ fragte er zornig. Sie versuchte sich stolz emporzurecken.„Ja— mit mir. So sanft und geduldig wie ich sind sie auch nicht alle.“ Scheveking prustete laut los. „Sie und sanft— wo denn— wie denn— wann denn. Nun wird's Tag in der Nachtmütze!" „Inspektor, beleidigen können Sie mich nicht. Gehen Sie man lieber und zanken Sie sich mit andern rum. Ich bin eine friedliebende Person. Außerdem habe ich keine Zeit mehr, mich mit Ihnen zu unterhalten.“ Sprachs, schlug das Fenster zu und verschwand im Hintergrund der Küche. Scheveking ging weiter, als wäre das in schönster Ordnung. Sein Aerger hatte sich Luft gemacht und war verraucht. „„* Fast drei Monate waren vergangen, seit Eva Marie Burgwerben verlassen hatte. Noch immer hatte Armin nicht in Erfahrung bringen können, wohin sie sich gewandt. Ihre Stiefmutter, die noch immer in dem kleinen Häuschen wohnte und auch durchaus keine Anstalten traf, es zu verlassen, hatte Roman von H. Ceurths=Mahler. noch keinerlei Nachricht von ihr erhalten, und Armin hatte es aufgegeben, darauf zu hoffen. Er hatte sich mit Feuereifer unter Schevekings Leitung dem neuen Beruf gewidmet und fand große Befriedigung in dessen Ausübung. Wenn Eva Marie ihm nicht so sehr gefehlt hätte, wäre er glücklich gewesen. Seine Liebe zu ihr war erstarkt in dieser Zeit. So wie sich aus einem Pflänzchen ein Baum entwickeln kann bei geeigneter Pflege, so wuchs und entfaltete sich seine Liebe, denn er hegte und pflegte sie als seinen köstlichen Besitz. Sie allein konnte ihm ja Eva Marie zurückgewinnen, denn es genügte nicht nur, daß er sie wiederfand, er mußte sie auch von seiner Liebe überzeugen können. Und ohne Beweise würde sie ihm nicht mehr glauben. Wenn nur jetzt die unbequeme Testamentsklausel nicht gewesen wäre. Schon reichlich die Hälfte des Jahres war verstrichen. Bis zum dreißigsten März mußte er verheiratet sein, sollte er Burgwerben nicht wieder verlieren. Und der Besitz war ihm teuer geworden, er hätte ihn gewiß nicht wieder aufgeben mögen. Nun war der Herbst ins Land gezogen. Es gab jetzt nicht mehr viel zu tun. Armin sah ein, daß er nicht länger in seinem stillen Schloß sitzen und abwarten dürfe, ob Eva Marie sich selbst meldete. Er hatte in die geresensten Zeitungen wochenlang eine Annonce einrücken lassen:„Eva Marie wird dringend um Angabe ihrer Adresse gebeten zur Beseitigung von Mißverständnissen.“ Entweder war ihr aber keine dieser Zeitungen zu Gesicht gekommen, oder sie wollte nicht darauf anworten. Rippach, der während der ganzen Gerichtsferien in Burgwerben gewesen war, hatte ihm vor einigen Tagen von Berlin aus geschrieben und ihn gebeten, den Winter über nach Berlin zu kommen. „Erstens fängst Du nur Grillen in Deiner Burg und wirst noch schwermütiger, als Du bei meinem dortigen Aufenthalt schon warst. Und das ist Unrecht an Dir selbst. Zweitens wird es Zeit, daß Du endlich was Ernstes unternimmst. Entweder Du setzest Dich mit einem tüchtigen Privatdetektiv in Verbindund und ermittelst den Aufenthalt Deiner Eva Marie— wenn Du sie durchaus heiraten willst—, oder Du suchst Dir eine andere Frau. Sonst verträumst Du die Zeit und Burgwerben geht Dir durch die Lappen. Jedenfalls mußt Du hierher kommen, das halte ich für durchaus notwendig. Ich habe mich bereits nach einem tüchtigen Detektiv erkundigt; mach diesem Hangen und Bangen ein Ende. Uebrigens hat man hier davon gehört, daß Du heiraten mußt. Man erwartet Dich mit offenen Armen, zumal die heiratsfähigen Töchter und ihre Mütter. Sogar mein süßes kleines Mädchen, das ich gestern auf einer musikalischen Siree bei Werdens nach der langen Sommerpause zum ersten Male wiedergesehen habe, erkundigte sich lebhaft nach Dir. Aber bilde Dir darauf nichts ein, sie fragte nur nach Dir, weil Du mein Freund bist. Sie war reizend, allerliebst und schmollte erst im entzückenden Trotz, weil ich mich den ganzen Sommer bei ihr unsichtbar gemacht habe. Aber gerade dieses Schmollen verriet mir, daß sie meiner gedacht. And ihre Augen sind holde Verräter. Mein Schicksal scheint also beschlossen, und ich habe mich nun lange genug in Enthaltsamkeit geübt. Wenn Du also zu meiner Verlobung noch zurecht kommen willst, so beeile Dich. Und vergiß Deinen Frack nicht. Was ich noch sagen wollte, Hexe Loreley— nein,— Alexandra hat mich gestellt und mich sehr schlau nach Deinen Heiratsplänen ausgeforscht. Ich glaube, sie ließ sich kalten Blutes scheiden, wenn sie Aussicht hätte. Sie scheint zu glauben, daß Du sie noch liebst. Ob diese schöne Here nicht imstande wäre, Dich Eva Marie wieder vergessen zu machen? Dieser Probe müßtest Du Dich entschieden unterziehen. Also komm so schnell als möglich.“ Diesen Brief hatte Armin aufmerksam durchgenes Arbeitszimmers hinaus in die herbstliche Landschaft. Das große Sterben in der Natur hatte begonnen. Das Laub lag auf dem Boden und wurde vom Herbststurm wild umhergejagt. Der Regen klatschte an die Fenster— alles grau, naß, unfreundlich. Was sollte er jetzt hier allein! Rippach hatte Recht, es war besser, er ging auf einige Wo(Nachdruck verboten.) chen nach Berlin und betrieb ernstlich die Nachforschungen nach Eva Marie. Er mußte sie wiederfinden— mußte.— Eine andere Frau? Der Gedanke schon jagte ihm Grauen ein.——— Er klingelte Dillenberger und gab ihm Auftrag. seine Sachen zu packen und Scheveking herüberzubitten. Mit diesem besprach er, was nötig war und teilte ihm mit, daß er am nächsten Tage nach Berlin reisen würde. Frau von Soltenau saß mit ihrer ältesten Tochter im Wohnzimmer über Modejournale gebeugt. Die beginnende Wintersaison verlangte ihr Recht. Da## es zwischen den beiden Damen sehr wichtige Auseinandersetzungen. Dora mußte einige neue Kostüme haben, und auch Frau Magdalene würde manches brauchen. Die Mittel, die den Damen zur Verfügung standen, waren durchaus nicht reichlich. Da galt es rechnen und überlegen. „Was meinst Du zu dieser Ballrobe, Dora? Das Unterkleid weiß, dazu können wir Pongeeseide nehmen. Du malst Dir um den Saum eine Bordüre, Apfelblüten oder Heckenrosen. Das kannst Du ja sehr hübsch. Darüber nehmen wir blau Chiffon, ganz zart, und zur Garnitur die gleichen Blumen, wie zur Malerei. Das fände ich hübsch, apart und — die Hauptsache, nicht zu teuer.“ Dora schlang ihren Arm um der Mutter Hals und drückte ihre Wange an die der Mutter. „Reizend find' ich das, Mama. Du hast immer so himmlische Einfälle.“ Frau von Soltenau lächelte. „Eigentlich stammt diese Idee vom Fräulein. Ich bespreche solche Fragen gern mit ihr. Sie hat einen feinen, vornehmen Geschmack. Ueberhaupt Kind— ich habe wirklich einen Glücksgriff mit ihr getan. Sie ist zwar eigentlich zu jung und auch zu hübsch für ihr Amt. Aber sie hat Takt und ist sehr tüchtig und zuverlässig. Ich fühle mich wirklich bedeutend entlastet durch sie, das wird mir erst jetzt zur Saison recht fühlbar werden. Und vor allem sie tut alles in einer so freundlichen, selbstverständlichen Art, auch was nicht ihres Amtes ist. Bei ihren Vorgängerinnen bekam man nur unwillige Gesichter zu sehen, wenn man einmal etwas Außergewöhnliches verlangte." Dora lachte fröhlich. „Du wirst ganz Begeisterung, wenn Du auf Fräulein zu sprechen kommst. Und Papa wird sie nächstens andichten. Seit sie neulich für unsere kranke Köchin einsprang und das Frühstück rettete, welches er seinen Freunden gab, seitdem ist Fräulein ins Unendliche in seiner Hochachtung gestiegen.“ „Und mit Recht, liebes Kind.“ Ich habe ihr das auch hoch angerechnet.“ „Ich will ihr Verdienst gewiß nicht schmälern. Sehe ich doch selbst täglich, wie tüchtig sie ist. Was sie aus unseren beiden Jüngsten gemacht hat, streift ans Wunderbare. Die Puten sind zwar immer noch reichlich wild, aber sie gehorchen ihr aufs Wort. Und dabei ist sie gar nicht streng. Es geht alles so ruhig und freundlich bei ihr ab. Die Kinder gehen für sie durchs Feuer und haben sie wirklich lieb. Margarete war neulich ganz außer sich, weil sie Fräulein überrascht hatte, als sie in ihrem Zimmer weinte.“ „Sie hat geweint? Mein Gott, es wird ihr doch gefallen bei uns, sie wird doch nicht fort wollen?" „Nein, das glaube ich nicht. Sie sagte mir gestern erst, wie wohl sie sich bei uns fühle. Sie hat wohl Trauriges hinter sich.“ „Ja— ihren Vater scheint sie sehr lieb gehabt zu haben. Auch wird es ihr nicht an der Wiege gesungen worden sein, daß sie unter fremden Leuten ihr Brot verdienen muß." Frau von Soltenau seufzte. Wenn ein grausames schick ihr den Gatten nehmen würde— war sie dann mit ihren Kindern besser daran, als ihr Fräulein? Sobald das hohe Gehalt ihres Mannes fortfiel, war bei ihnen auch die Armut vor der Tür. Wenn sich nur Dora gut verhciraten würde, ehe Marzarete erwachsen war. Es war so schwer, für drei Mädchen gute Partien zu finden. Nun ging Dora schon den zweiten Winter aus. Frau von Soltenau hielt im Geiste Umschau unter den jungen Männern, die eventuell in Frage * 19 15 5 5 B 89.8 85SS S F 5E .80 8 838SES 83 E# SES“ Sa Ses9s S oh.-g. S5gE. 20#5 S858 S. S 8„SESESTSSZR-SEST Sasssse.-iagg GBESESTSUESC½R95 8 900 #-„EgPESS REEN “eng esun#5 Paskn S e S 915 8 S E5 Sogr 45S S55ES EbgEBSS-ITE -SchggSEPEagg Bheo-uPES 50 STon SOEOEE ##%.20 95 97 ###-gan GSEESSSRUUS EETEE SB5R0S8 1085 Kurz Zeit darauf kamen die Kinder mit Fräulein vom Spaziergang zurück. Ihre fröhlich plaudernden Stimmen tönten vom Korridor herein. Nach wenigen Minuten traten sie mit Eva Marie ins Zimmer und begrüßten die Mutter. . Eva Marie trug noch immer ein schwarzes Kleid mit einem weißen Halskragen. Sie sah etwas blasser aus, als in jenen sonnigen Tagen in Burgwerben und in den schönen freundlichen Augen ruhte das Leid. Aber sie war ruhiger geworden und die Arbeit, sowie das wohlwollende Entgegenkommen ihrer Herrschaft halfen ihr tragen, was unabänderlich war. Im Anfang waren ihr die neuen Verhältnisse nicht leicht geworden. Es gab vieles zu lernen, was ihr neu war, vor allem der bedingungslose Gehorsam gegen ihre Herrin. Und ihr Herz litt tausend Qualen unter der Trennung von Armin. Manche Nacht hatte sie heimlich in ihre Kissen geweint und das wilde Schluchzen erstickt, damit es die Kinder im Nebenzimmer nicht hörten. Und die Angst vor einem freude= und liebeleeren Leben durchschüttelte sie. Aber sie nahm doch den Kampf mit diesem Leben auf und empfand es als ein Glück, daß Arbeit, viel Arbeit für sie im Hause war. Es mußte in dem großen Haushalt mit Dienstpersonal gespart werden und Frau von Soltenau freute sich, wenn Eva Marie schnell und sicher mit zugriff, wenn es irgendwo fehlte. Die Kinder schlossen sich ihr bald sehr innig an. Das neue Fräulein verstand es so gut, Interesse für deren kleinen Leiden und Freuden zu zeigen. Sie hatte immer Zeit und Lust, sich mit ihnen zu beschäftigen und wurde nicht nervös, wenn sie in ihrer gesunden Lebhaftigkeit unruhig und wild waren. Und das bischen Liebe, welches ihr die Kinder entgegenbrachten, wurde ihr zum Trost. Es rettete sie vor gänzlicher, innerer Vereinsamung. (Fortsetzung folgt.) Der Volksgarten, Illustriertes Wochenblatt für Jedermann = erscheint jeden Mittwoch Abonnements werden von sämtlichen Boten und Botenfrauen des General-Anzeigers zum Preise von 10 Pfennig pro Nummer entgegen genommen. Der Grausulmmen. Von Ernst Konrad. (Nachdruck verboten.) Hauptmann von Budberg musterte den Grauschimmel mit mißtrauischen Blicken. „Hm“, meinte er schließlich,„'s scheint mir'n Racker zu sein.“ „Ach bewahre, Herr Hauptmann," versicherte der Händler,„das Tier ist gut zugeritten und durchaus militärfromm“,— über welches Lob der Trakehner damit quittierte, daß er mit beiden Hinterfüßen einen so furchtbaren Ausfall gegen die Stallwand unternahm, daß Kies und Funken stoben. Der Hauptmann wich entsetzt zur Seite.„Hm", erklärte er dann mit Bestimmtheit,„jetzt gitb es keinen Zweifel mehr,'s ist ein Racker.“ „Es ist nicht so schlimm," beteuerte der Händler von neuem,„das Pferd verfügt eben über Temperament. Und“, so fügte er eingedenk eines stets zugkräftigen Tricks hinzu,„ich kenne keinen königlich preußischen Hauptmann, der nicht ein Tier unter sich zu haben wünschte, das über Temperament verfügt.“ Hauptmann von Budberg überlegte hin und überlegte her. Daß dieser Grauschimmel mit seinem Temperament und seinem bösartigen Blick eine ziemlich gemeingefährliche Kreatur darstellte, war ihm wohl klar,— aber was war zu tun? Die Strapazen des Manövers hielt sein lendenlahmer Schimmel, auf dem er fünf lange Jahre seine Kompagnie zur Schlacht und zum Siege geführt hatte, nicht mehr aus. Die Anschaffung einer neuen Remonte war also unbedingt notwendig. Jetzt standen die Manöver vor der Kasernentür, also... Also wurde der Kauf perfekt und der Graue ging endgültig in den Besitz des Hauptmanns über, der jetzt jeden Abend Wunderdinge über die hervorragenden Charakter=Eigenschaften seines neuen Pferdes zu erzählen wußte. Zuerst ließ sich die Sache auch ganz gut an. Der „Graue“— so hatte der Bursche des Hauptmanns den Stallbewohner getauft— war ein guter Fresser und benahm sich in der Bahn so tadellos artig, daß man ihm die Sporen gar nicht zu geben brauchte. Draußen war das Tier allerdings noch etwas unruhig, was aber ganz natürlich war, da es sich an das eigenartige Militär=Milieu doch erst gewöhnen mußte. Für alle Uniformen, deren Träger gleich dem Hauptmann v. Budberg vom Roß herab ihre Kommandostimmen ertönen ließen, schien der Graue unbegrenzte Hochachtung zu hegen, während er die „Fußlatscher“ wenig ästimierte. Es war auch schon vorgekommen, daß diefen unzweideutige Feindseligkeiten entgegengebracht wurden, so daß sich während des Kompagnie=Exerzierens sämtliche Leutnants von dem„Bockbein" in respektvoller Entfernung hielten, von den Mannschaften ganz zu schweigen. Der Hauptmann schenkte dieser Eigenart auch die nötige Beachtung und juckelte auf seinem Gaul im— Und eines Mittags erhielt Hauptmann von Budberg's edles Araberroß sogar das Lob aus dem Munde des direkten Vorgesetzten. Die Kompagnie hatte den Befehl erhalten, die Fahnen abzubringen. An der Stadtgrenze erwartete die Regimentsmusik die Truppe, auch der Herr Major mit dem Bataillons=Adjutanten hatte sich eingefunden. Als die Kapelle mit dem„Hohenfriedberger“ einsetzte, drängte der„Graue" nach vorn und der Hauptmann suchte den Major in ein Gespräch zu verwickeln, um ihn den Abstand von der Kompagnie nicht so merken zu lassen. Aber der Major hatte nur Augen für den „Grauen“, so daß es gar nicht notwendig war, seine Aufmerksamkeit abzulenken. „Haben da einen vorzüglichen Kauf getan, Herr Hauptmann,“ meinte er,„Ihr Berberroß tanzt ja ordentlich nach der Musik.“ Der Hauptmann fühlte sich baß geschmeichelt. 's ist auch ein sehr vornehmes Tier, Herr Major,“ erklärte er,„Vater war der„Phönix", Mutter die „Cleopatra“, beide aus ungarischen Gestüten. Hat mich heillos schweres Geld gekostet. Aber hat keine Untugenden, keine Mucken. Höchstens daß es so was wie Abneigung gegen Fußsoldaten hat.“ „Na, das wäre,“ lachte der Major,„müßte man mal probieren.“ Der Hauptmann riet dringend ab. Er ersuchte ergebenst, das Tier nicht zu reizen, er bat, das Experiment zu unterlassen,— aber der Major lachte. „Mein Verehrtester", bestimmte er,„machen Sie doch keine Chosen. Sie meinen wohl, ich fürchte mich vor Ihrem lammfrommen Zossen? Habe schon ganz andere Krackehleisen zur Raison gebracht," damit ließ er sein Pferd ausgreifen und galoppierte mit dem Adjutanten voraus. Beim Marktplatz stieg er ab, hier wollte er den Parademarsch über die Fahnenkompagnie abnehmen. Und da bog auch schon Hauptmann von Budberg um die Ecke, man hörte die Klänge des Lustigen Witwemarsches und das Pflaster begann unter dem Stechschritt der Soldaten zu dröhnen. Mit zufriedener Miene trat der Major zum Hauptmann, der darob ziemlich ängstlich dreinschaute.„Mit den Leistungen Ihrer Leute vollkommen einverstanden," versicherte der Major,„und was Ihren„Grauen“ anlangt,... mit dem werde ich schon fertig werden. Bin ein alter Pferdekenner—“, und er hob die Hand, um dem Pferde den schlanken Hals zu streicheln. Da geht etwas Unerwartetes: der Gaul wandte plötzlich den Kopf, klemmte die Zunge gegen die Kandare und erfaßte mit den Zähnen die Uniform des Majors am Ellenbogen. Wieder eine heftige Drehung des Kopfes und— ritz, ratz: der Aermel war aus der Schulternaht gerissen und flog aufs Pflaster. Ein weiterer Biß: die rechte Epaulette folgte dem Aermel nach mit solcher Gewalt, daß die Silbertroddeln über den Bürgersteig klirrten. Dabei geriet auch der Helm ins Wanken, er stürzte ab, sodaß ihn ein wuchtiger Huftritt des„Grauen" zu einem unförmlichen Knäuel zermalmen konnte. In durchaus ramponiertem Zustande trat der Major in den Flur des nächsten Hauses den Rückzug an. Der„Graue“ aber richtete stolz die Ohren hoch, warf seinem Reiter einen siegesbewußten Blick zu und hob seine Beinchen beim Weiterreiten noch einmal so graziös wie es das bislang schon getan hatte.— Seit diesem Tage„schnitt“ der Major die Kompagnie des Hauptmanns v. Budberg und dessen Person auch. „„„ Brigade=Exerzieren! Das eine Regiment hatte einen reichlichen Tagemarsch hinter sich, das andere auch. Der„Kommandierende“ wurde erwartet. Er traf auch ein und begutachtete die Gefechtsübung, die am nächsten Morgen losgelassen wurde. Es klappte nicht so recht und Exzellenz war sehr ungnädig. „Die Umgehungsbewegung auf dem rechten Flügel war ja total verfehlt,— das hätte der Major sein lassen sollen," wetterte Exzellenz.„Im Ernstfall hätte man ihm sein ganzes Bataillon in Grund und Boden geschossen. Nur die eine Kompagnie riß die Sache noch heraus. Ging kühn zum Angriff vor, schneidige Bajonett=Attacke. War da immer so'n Hauptmann vorweg auf’nem Grauschimmel. Eigentlich zu weit vorweg. Hätte man auch weggeknallt. Aber jedenfalls leidlicher Stratege dieser Herr Hauptmann.... Herr Hauptmann.. äh,— na,„.. Herr Hauptmann.... hab' doch sonst formidables Gedächtnis..... aber gerade Namen— Hauptmann.....“ „v. Budberg, Exzellenz“, half der Adjutant aus „Natürlich, richtig: v. Budberg," Exzellenz hüstelte ein wenig.„Name schwebte mir übrigens schon auf der Zunge. Werde dem Herrn noch persönlich meine Anerkennung aussprechen.“ Damit setzte er sich in der Richtung, in welcher er die Kompagnie antreffen mußte in Trab. Und in der nächsten Terrainfalte war auch der Grauschimmel mit seinem Reiter zu erblicken. Exzellenz hielt stramm darauf zu, da— Malheur, platzte der Sattelgurt seines Gaules. „Niederträchtige Wirtschaft,“ knurrte Exzellenz, „muß Burschen mal kräftig Kopf waschen.“ Damit kraxelte er vom Pferde, das ein Soldat abführen mußte. Der Adjutant stieg ebenfalls ab, denn er konnte unmöglich seinen zu Fuß vorwärts stelzenden Chef hoch zu Roß begleiten. Also stelzten beide auf den Grauschimmel zu. Als der die beiden Fußgänger herannahen sah, schien er bedenklich unruhig zu werden. Der Hauptmann versuchte abzusteigen. „Sitzenbleiben, Herr Hauptmann.... Hauptmann....., rief ihm Exzellenz mit Kommandostimme zu,— leise fügte er aber hinzu:„Donnerwetter, wie heißt er denn gleich?" Als ihm der Adlang wichder die Komstandasltsäiche ae mann v. Budberg, zu Pferde bleiben....“ Dann suchte Exzellenz mit dem Hauptmann Fühlung zu nehmen. Der Grauschimmel riskierte einige rollenwidrige Seitensprünge, stand aber wieder, als er Kandare und Sporen fühlte. „Wollte nur sagen, Herr Hauptmann v. Budberg, daß Ihre Kompagnie heute vorzügliche Haltung zeigte—, werde das schon höheren Ortes zu vermelden wissen. Uebrigens famoses Tier, Ihr Hengst da. Freut mich immer, wenn Vollblut in meinen Regimentern geritten wird...“, Exzellenz machte noch drei Schritte vorwärts und wollte dem Grauschimmel auf dem Hals tätscheln. Hauptmann v. Budberg sah eine Katastrophe voraus. Er wollte das Pferd zur Seite reißen. Das aber blieb stehen wie ein„rocher de bronce“. Und als der weiße Handschuh der exzellenzlichen Faust vor seinen Augen auftauchte, ging's los. Zuerst wurden die Ohren hochgeklappt, daß es nur so krachte, dann verschwand der weiße Handschuh zwischen den Zähnen, dann zwickte ein Biß die Spitze vom Helm ab, ein anderer schleuderte die Orden in die Ackerfurchen, riß ein Stück aus dem Uniformrock und zerfetzte die Schärpe. Ein Huftritt bog die Säbelscheide nebst Inhalt zu einem Fiedelbogen zusammen. Dieser eine Fußtrit genügte aber noch nicht. Plötzlich riskierte dek Schimmel einen Luftsprung: viere hoch! Der Hauptmann war dieser Kraftanstrengung seines Gaules nicht gewachsen,— er schoß kopfüber herunter und riß im Fallen Exzellenz und Adjutant zu Boden. Damit hatte das Brigade=Exerzieren seinen Abschluß gefunden. Kurze Zeit war zu lesen, daß Exzellenz, der Kommandierende von einem Anfall von Gesundheitsrücksichten befallen worden sei. Hauptmann v. Budberg hatte sich schon am nächsten Morgen einen funkelnagelneuen Zylinderhut gekauft. Der Grauschimmel klappert heut vor einer Droschke, deren Besitzer intime Beziehungen zum Pferdeschlächter unterhält. bille-Famt zum-Hoina. Messina, im September Dem Aetna entgegen, dem geheimnisvollen Feuerberge! Am Meer fährt der Zug entlang. Die Straße von Messina wird breiter und breiter. Reggio Calabria entschwindet den Blicken der „Aspromonte“, der blaue Horizont dehnt sich endlos aus. Vorüber an dem Theater von Taormina, an den Felsen des einäugigen Zyklopen, die hoch und spitz aus dem Wasser ragen, rasselt er donnernd über Brücken, die ausgetrocknete Flüsse überspannen, deren Betten von rotem Oleander bestanden sind. Hinter Taormina wird der Aetna sichtbar, sein Krater berührt den Himmel, und seine höchste Spitze ist, wie der Sitz Kronions, mit Wolken umlagert. Bald zeigen sich schwarze Lavafelder, und bald braust der Zug über ihre erstarrten, schwarzen Massen, die sich bis Catania ins Meer ergossen haben. Wie Neapel im Zeichen des Vesuvs, so steht Catania im Zeichen des Aetna; aber der Vesuv mit seinen 1100 Metern ist ein Knabe gegen den Aetna, der ihn mit 3300 Meter hoch überragt. Teapel hat vom Vesuv selten oder nie etwas zu leiden gehabt — es liegt weit ab von seinem Feuerschlunde, Catania hat vom Aetna Schweres zu dulden und wurde mehrere Male durch Erdbeben zerstört, mehrere Male durchschnitt der Glutstrom der Lava die Stadt und floß in den Hafen, einmal floß er sogar über die Stadtmauer wie ein Wasserfall herab. Ganz in der Nähe des Bahnhofs steht die Statue der hl Agathe, der Schutzpatronin der Stadt. Als sich am 8. März 1669 von den Monti Rossi bei Nicolosi ein 22 Kilometer langer Lavastrom auf die Häuser ergoß, da trat ihm ein liebliches Mädchen reinen Herzens und mit flehender Stimme entgegen und hielt ihm ihren geweihten Schleier vor— da stand der Strom still, und Catania war vor schwerem Schaden bewahrt. Die Besteigung des Aetna ist immer eine recht anstrengende Arbeit. Aber wer Glück hat, der kehrt voll der herrlichsten Eindrücke wieder. So war es bei meinem Aetnaaufstieg im Jahre 1902. Dieses Mal war mir der heilige Berg weniger gnädig. Von Catania zog mich ein Wägelchen die endlose ätnaische Straße hinauf. Gärten voller Kaktusfeigen= und Oelbaumpflanzungen, Vignen zu beiden Seiten, die von Mauern aus Lavablöcken eingefriedigt sind. Grün und grauschwarz ist der Farbenton der Gegend. Bauernhäuser und Dörfer, Kirchen, Schulen, und Rathäuser sind aus Lavablöcken erbaut, die Straßen mit Lava gepflastert. Nach fast dreistündiger Fahrt hält der Wagen in Nicolosi. Führer und Maultiere sind bald zur Stelle, dazu eine frugale Mahlzeit, die im Rucksack mitgenommen wird, und vorwärts gehts dem Berge entgegen. Laut klappern die Hufe der Tiere auf dem Pflaster, aber kaum haben wir das letzte Haus von Nicolosi hinter uns, so befinden wir uns Mitten in der Vulkanlandschaft. Gleich rechts erheben sich wie ein Zwillingspaar die Monti Rossi, die roten Berge, die auch Goethe einst bewundernd bestiegen hat und die das übliche Ziel der Reisenden sind. Der Endpunkt unseres Strebens war die gewaltige Kuppe dort hinten, die sich, 3300 Meter hoch, jetzt klar und schön vom Himmel abhebt, und der gewaltige Rauchmassen entquellen. Die Monti Rossi, die im Jahre 1669 entstanden sind und ihren Lavastrom auf Catania gerichter Wamre denn sie sind von oben bis unten mit Grun bestanden. An ihrem Fuße entlang windet sich der Weg, wenn man von niedrigen Mauern eingefaßte Asche so nennen darf. Aber in der Asche wächst Wein, wachsen grüne und schwarze köstliche Trauben, Weingärten wechseln ab mit nackter, schwarzer, zackiger Lava, durch die erstarrten Ströme sind Hohlwege gehauen. Uns entgegen kommen hochbepackte Maultiere, in den Säcken tragen sie wohl verwahrt zwischen grünen Farnen Schnee von den Hilden des Gipfels, so daß Catania und ganz Sizilien auch im Sommer mit der Gabe des Winters versehen sind und täglich die Cassata Siciliana bereiten können, die dem sizilianischen Eiskünstler bei allen Leckermäulern der Welt die Unsterblichkeit verschafft hat. Hier und da ragen aus den Weingärten auch Oelbäume, hier und da beschatten den Weg Haselnußsträucher. Der Wein begleitet uns bis über 1000 Meter Höhe, dann macht er der Region der Kastanien, der Pinien und Birken Platz. Noch vor fünf Jahren kam ich durch schier endlosen, herrlichen Laubwald. Wie ist er heute gelichtet! Grausam hat die Axt gewirtschaftet und die herrlichen Bäume umgelegt. An ihre Stelle soll eine intensive Obstkultur treten, und Aepfelbäume sind angepflanzt, wohin das Auge nur sieht. Die erste Rast machen wir bei den Bauern der Casa del bosco, dann geht es weiter, immer steiler hinan auf keuchendem Maultier, das weit über die Hufe in rieselnde Asche sinkt. Der Busch begelitet uns bis 2000 Meter Höhe, in der Dunkelheit leuchten die schweren, goldenen Trauben des Ginsters, der — eine dem Aetna eigentümliche Art— noch größer und stärker als deutscher Flieder wird. In der Cantoniera langen wir nach sechsstündigem Ritt um 10 Uhr nachts an. War es in Catania glutheiß, so mußte man hier wollenes Hemd und Mantel anziehen. Die Cantoniera ist die erste Schutzhütte; bei ihr beginnt die Regione deserta, und bei ihr verließ uns auch die Mondsichel, die uns freundlich den Weg wies. Die Schutzhütte ist dürftig eingerichtet, der Aufenthalt hier bei vielen Graden unter Null dürfte nicht zu den angenehmsten gehören. Auf dem Aetna herrschen besonders zur Frühlings= und Herbstzeit schwere Schneestürme; gegen diese wird sie auch nur den allerbescheidensten Schutz gewähren können. Die Regione deserta verdient ihren Namen mit Recht. Es geht steil hinan, immer steiler, es ist so dunkel, daß die Führer auch nicht mehr den Pfad erkennen können, der zwischen dem Geröll und den schwarzen Zacken zum Observatorium führt. Die Mauttiere fangen an, müde zu werden, streckenweise springen wir ab und waten zu Fuß in manchmal knietiefer Asche, uns an dem Schwanz der Maultier: haltend, um den Pfad nicht zu verlieren, den diese mit untrüglicher Sicherheit finden. Wie eine ungeheure Wand erhebt sich rechts der schwarze Rücken der Montagnola, und wie Flammen steigen über ihr Sterne von nie gesehener Größe und nie gesehenem Strahlenglanz auf. Da, ein Windstoß— ein weißer Schatten fährt über uns fort mit Schw. felgeruch: wir sind nicht mehr weit vom Ziel. Den Weg weisen uns jetzt der Telephondraht und der immer stärker werdende Schwefelgeruch. Um ½1 Uhr langen wir im Observatorium nach achtstündigem Ritt an. Um drei Uhr früh weckte mich der Führer. Die letzte Etappe lag vor uns— der Krater, 300 Meter fast steil in die Höhe in tiefem Aschensande und Lavageröll— und ich denke mit Wehmut an das Regiments= und Brigade=Exerzieren in der Sandwüste des Kunersdorfer Feldes zurück— das ist eine Erholung im Vergleich zu der Besteigung dieses Kegels. Auch der Aschenkegel des Vesuvs ist ein Kinderspiel dagegen. Je näher wir dem Schlunde kamen, um so schlimmer wurden die Dämpfe, schließlich waren wir vollständig in weiße Schwefelwolken eingehüllt. Wir banden uns Taschentücher vor Mund und Nase und erreichten nach 1½stündigem Aufstiege den Kraterrand. Denken Sie sich die Oeffnung eines qualmenden Schornsteins von 4 Kilom. Umfang und ¾ Kilomet. Durchmesser— dann können Sie sich ein Bild von dem Aetna=Krater machen. Die dicken weißen mit Schwefel gesättigten Wolken verdeckten jeden Blick in den Schlund, aber ein merkwürdiges Brausen und Sieden tönte von unten herauf. Nur einmal, auf einen Augenblick, wurde die südliche Kraterwand durch einen Windstoß vom Nebel frei: sie war gelb von Schwefelblüten, und man sah in breite Feuergürtel. So standen wir dort oben am Rande der Hölle, in Dämpfe gehüllt und warteten des Sonnenaufgangs. Bald wurden über dem Aspromonte rote Glutstreifen sichtbar. Die Landschaft erhellte sich. Als ungeheurer spitzer Schatten lag der Kegel des Riesenberges über dem Meer und zwischen wogenden Nebeln und Wolkensetzen tauchten die gelben und grünen Felder Siziliens auf. Da auf einmal feurige Lohe hinter dem Aspromonte— eine Titanenhand streckt eine große, glühende Fackel hervor. Das ist die Sonne. Klar und scharf liegt die Spitze des italienischen Stiefels, Kalabrien da, dahinter erglänzt weit das Jonische Meer, abgrundtief unter uns die Meerenge von Messina, ein schmaler Kanal mit winzigen Kahnlein belebt und im Meer dampft wie ein Schlot der Stromboli, der Pygmäe. Bis Syrakus sah ich die fein geschwungene Linie der Küste, bis Cefalu und bis Girgenti, ein ungeheures Panorama. Kein Berg der Welt bietet das und es gibt Tage, an dem die ganze Insel meerumflossen sichtbar dort unten liegt. Ich habe es selbst gesehen nach einer Vollmondnacht im August 1902. Allmählich weichen die Nebel auch von den Hängen des Berges und nun tauchen alle die Höhen und gähnenden Tiefen auf. Unter dem Hauptkrater liegen sie, 200 erloschene Feuerschlünde, klein wie Raulwurfshügel, nein, wie die Sandtrichter des — 1600, 1700, 1800, 2000 Meter. Wie schwarge Bänder ziehen die jüngsten Lavaströme zu Tal, jede Verzweigung, jede Wegkrümmung der erloschenen Feuerströme kann man verfolgen. Gern möchte man länger verweilen, aber man kann nicht mehr atmen, Hals und Mund sind trocken, man schmeckt und fühlt nicht mehr. Ein Umgang um den Krater ist eine Unmöglichkeit— also zurück zu den Menschen. Der Abstieg in der weichen Asche ist bequem, bald sind wir am Observatorium und nun geht es wieder bergab, teils zu Fuß, teils auf dem harten Rücken des Maultiers, an den Schneefeldern vorüber, an dem malerischen schwarzen Schlunde der Valle di Bove, über Christusdornfelder, durch Kastanienhaine in die Glut südlicher Sonne zurück. Mittags steckt im Gasthaus zu Nicolosi dem wegmüden, fremden Wanderer das Töchterchen des Hauses eine rote Nelke ins Knopfloch. Das war das Ende meiner Fahrt zum Aetna. Rudolf Müller im„Tag“ Munnigfälliger. Berlin, 13. September.(Auf Wunsch des Kaisers) wird der mit dem Kaiserpreise gekrönte Berliner Lehrergesangverein am 6. Nov. d. J. ein Konzert vor dem Monarchen veranstalten, in dem hauptsächlich Volkslieder aus der Sammlung von Volksliedern entnommen sind, die auf Veranlassung des Kaisers herausgegeben worden sind. Es steht noch nicht fest, wo das Kaiserkonzert stattfinden wird, doch glaubt man in beteiligten Kreisen, daß nur die Konigl. Hochschule für Musik in Frage kommen dürfte. Dasselbe Programm, das vor dem Kaiser zum Vortrag gelangt, wird am Tage darauf in einem öffentlichen großen Konzertlotale zur Wiederholung gelangen, eventuell wird noch eine zweite Wiederholung stattfinden. An den Berliner Lehrergesangverein ist jetzt wieder von neuem das Gesuch gerichtet worden, eine Konzertreise auf sechs Wochen nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas zu veranstalten. Da es sich hierbei um ungefähr 200 bis 250 angestellte Berliner Lehrer handelt, so müßten zunächst verschiedene Behörden ihre Zustimmung geben. Auch sonst stellen sich dem Unternehmen so bedeutende Schwierigkeiten entgegen, daß an die Verwirklichung des Planes schwerlich in absehbarer Zeit zu denken ist. —(Schloß Babelsberg als Kronprinzenresidenz). Schloß Babelsberg bei Potsdam wird als zukünftiger Sommersitz für das Kronprinzenpaar ausgebaut und erweitert.Der Baurat Geyer in Berlin, der Erbauer der Schlösser zu Klein=Glienicke, Kiel, Oels und Neustrelitz, hat, wie die„Potsds. Tagesztg.“ meldet= den Auftrag erhalten, seinen vom Kaiser genehmigten Entwurf zu Ausführung zu bringen. Im idyllischen Park von Babelsberg hat seit etwa 14 Tagen ein geräuschvolles Treiben begonnen, um Raum zu schaffen für einen umfangreichen modernen Anbau. Das alte Schloß bleibt in bisheriger Form erhalten. Seine Forderfront wird vom Haupteingang links unter Beseitigung einer stattlichen, mit Stangenholzeichen bestandenen Böschung, etwa um die Hälfte verlängert werden, dann aber im Rechteck weit in das abzutragende Bergterrain sich ausdehnen. Hierbei wird der Stil des alten Schlosses beibehalten werden, so daß der Neubau sich im Aeußeren wesentlich nur durch einen höheren Turmaufbau unterscheiden wird wie der des jetzt vorhandenen. Dann allerdings aber auch dadurch, daß auf Wunsch des Kronprinzen nicht glatte Steine verbleiben, sondern diese vielmehr, wahrscheinlich gemeinsam mit der alten Fassade verputzt werden. Im Innern wird natürlich aller Komfort der Neuzeit Verwendung finden, in Betreff Beleuchtung sowie Beund Entwässerung als auch der sonstigen Ausstattung. Vom alten Schlosse wird vom Kronprinzenpaar nur der Tanz= und Speisesaal mitbenutzt werden. —(Angriff auf einen Staasanwalt). Ein Angriff auf den Staatsanwalt im Gerichtssaale wurde gestern während einer Verhandlung verübt, die vor der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts Hamburg stattfand, und in der sich der vielfach vorbestrafte Schuhmacher Wittkopf wegen schweren Diebstahls zu verantworten hatte. Als der Staatsanwalt Dr. Hoffmann gegen den Angeklagten zehn Jahre Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen beantragt hatte, sprang W. plötzlich von seinem Sitze auf, ergriff einen der im Anklageraum befindlichen schweren Stühle und schleuderte diesen gegen den Staatsanwalt. Der Wurf ging aber fehl; der Stuhl traf mit voller Wucht die auf dem Podium vor dem Staatsanwalt angebrachte Gaslampe, die vollständig zertrümmert wurde. Der sich wie rasend gebärdende Angeklagte wurde von den Gerichtsdienern und Kriminalbeamten überwältigt und gefesselt, worauf er aus dem Saale getragen werden mußte. Wegen Gefährdung der Sicherheit wurde das Urteil gegen ihn in seiner Abwesenheit verkündet, es lautete auf sieben Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. —(König Eduards Geheimnis. Eduard 7. bewahrt über sein Privatvermögen, so schreibt der„Cri de Paris“, strengstes Stillschweigen. Zwar haben einige Zeitungen versucht, es abzuschätzen, aber in Wahrheit weiß niemand etwas davon. Man hat von Besitzungen des Königs im West=End Londons und auch von zahlreichen Aktien amerikanischer K der König seine Fonds nach reiflicher Ueberl: an und in vielen Fällen werden diese Geschäfte nicht auf seinen eigenen Namen ausgeführt, sondern durch die Vermittlung erprobter Vertrauensmänner, die nach den Aufträgen und Befehlen des Herrschers die nach seiner Meinung günstigsten Operationen vornehmen müssen. Wie viele andere Staatsoberhäupter, so hat auch Eduard 7. einen großen Teil seiner Effekten in den Stahlkammern der sichersten Banken liegen, wo sie vor jeder Gefahr und jeder Indiskretion geschützt sind. Der König führt selbst eine kleine Aufstellung seines gesamten Vermögens und hält sie in seinem Schreibtisch verschlossen, der nur durch einen kleinen goldenen Schlüssel geöffnet werden kann. Diesen Schlüssel trägt der Monarch an einer Kette von demselben Metall immer bei sich. Er allein kennt auch das Geheimnis des Schlosses, und von dem Schlüssel existiert kein zweites Exemplar. Wenn der König in seinem Arbeitszimmer seine Geschäfte erledigt hat, so ist jedermann streng verboten, hier einzutreten, wenn er es verläßt. Das Recht dazu hat nur ein besonderer Sekretär, der gegenwärtig Lord Knollys ist. Er vernichtet alle in den Papierkorb geworfenen Papiere, indom er sie verbrennt, selbst die Schreibunterlagen, die auf dem Tisch zurückbleiben, ja sogar die Kreuzbandstreifen der Zeitungen, die Seine Majestät erhält. Keiner der Sekretäre, die zu dem Arbeitszimmer des Königs Zutritt haben, darf ein Tagebuch führen; ebenso sind den Hofdamen der Königin alle persönlichen Aufzeichnungen streng untersagt, und sie müssen mit einem Eide bekräftigen, daß sie sich diesem Verbot fügen wollen. Trotz aller dieser Vorsichtsmaßregeln verschwinden dennoch bisweilen Papiere, und dann ist der arme Lord Knollys in großen Aengsten und fast krank vor Aufregung; denn der König hat vor Klatschereien den größten Abscheu. —(Unterstätzung wissenschaftlicher Forschungen.) Die Britische Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft ist im Gegensatz zu ihrer Schwester, der deutschen Naturforscherversammlung, in der glücklichen Lage, alljährlich größere Aufwendungen zur Unterstützung wissenschaftlicher Forschungen zu machen. Bei der diesjährigen Tagung sind für solche Zwecke annähernd 26000 Mark bewilligt worden, die sich auf alle * Zweige der Naturforschung verteilen. Da einige der unterstützten Arbeiten von allgemeinem Interesse sind, mögen hier die hauptsächlichsten Bewilligungen genannt sein. In der mathematischen und physikalischen Wissenschaft wurden Unterstützungen gewährt für die Erdbebenbeobachtungen, wissenschaftliche Drachenflüge, für die geodätische Messung des Gradbogens in Afrika und für Wetterbeobachtungen auf dem Ben Nevis, dem höchsten Gipfel Großbritanniens, dessen Wetterwarte wegen Entziehung der früher von der Regierung bewilligten Mittel eingegangen war. In der Chemie sind hervorzuheben: Tabellen für die Wellenlänge der Spectra und Studien hydro=aromatischer Stoffe. In der Geologie sollen untersucht werden versteinerungsführende Eiszeitablagerungen, erratische Blöcke und Gesteine verschiedener Arten und verschiedenen Alters. In der Zoologie kommen die Herstellung eines Verzeichnisses sämtlicher Tiere, Vererbungsexperimente und die Erforschung der Seen im Innern der Insel Tasmonien in Betracht. Auf geographischem Gebiet sollen Forschungen im Indischen Ozean und in Spitzbergen sowie über das Verhältnis vom Regenfall, Seenstand der Wassermenge der Flüsse ausgeführt werden. In der Physiologie sind Mittel bereit gestellt worden für Untersuchungen über die Wirkung des Klimas auf Gesundheit und Krankheit, über den Stoffwechsel bei Krebskranken u. a. Botaniker werden den Bau ausgestorbener Pflanzen und die Pflanzenwelt von Sumpfen zu studieren haben. Aus anderen Gebieten werden folgende Arbeiten Förderung erhalten: Ausgrabungen römischer Plätze in Großbritannien, anthroprometrische Messungen, Untersuchungen über das Alter von Steinkreisen, eine Arbeit über die Zirkulation von Goldmünzen im Britischen Reich und eine Untersuchung der elektrischen Einheiten. —(Eine Männer=Schönheitskon, kurrenz) fand in dem englischen Badcorte Folkestone statt und hatte einen gewaltigen Erfolg. Bisher hatten sich in der Welt nur schöne Frauen und Kinder dem Urteilsspruch einer Jury über ihre Reize unterworfen. Runmehr sind auch schöne Jünglinge zu ihrem Recht gekommen. Der SchönheitsWettbewerb war unter dem Protektorat des hohen Rates der Stadt als eine neue Unterhaltung der Badegäste veranstaltet worden. Damen saßen über die Konkurenten zu Gericht, und wertvolle Preise waren gestiftet worden. Aus allen Ecken und Enden Englands waren Meldungen erfolgt. Um Bewerber zu ermutigen, wurde ihnen gestattet, anonym zu bleiben, jeder Konkurrent war einfach durch eine Nummer repräsentiert. Wie vorauszusehen war, hatte die Veranstaltung, die auf dem „Concert=Pier" stattfand, eine gewaltige Menge von Zuschauern herbeigelockt. Die Bewerber gruppierten sich auf und hinter der großen Bühne. Um vorteilhafter Kleidung keinen Einfluß zu gewähren, war die Einrichtung getroffen worden, daß die konkurrierenden Herren bei ihrer Vorstellung sich hinter einen mit roter Samtgardine verhullten Rahmen stellten und nur ihren Kopf durch die Vorhänge zu stecken hatten. Und nun begann das Schauspiel. Es waren nicht nur Engländer, die um den Preis der Schönheit rangen. Franzosen, Italiener, Deutsche, Ungarn, Japaner waren vertreten. Stürmische Heiterkeit erregte es, als zwischen den Vorhängen das Gesicht eines bekannten Komikers erschien, der sich aus Ulk an der Konkurrenz beteiligt hatte und seine Grimassen schnitt. #. 25 S TOpII R S SES äSTäE 95 S 55 ESNGEER FABSEREE FGESE, AFESg SSE SSSSE ##. g Sa sg 8 8333BER R.SSE A SAS E5 #—5 38Se SSug SE TSSpSES #oSK # S OSg #gn BE.“ADES 853 SSSSES: 8S·85g.5 95s Bu#. Sus 98 555 8S. S8s 8 SE KKS 5 85 à gS SSSS SGSTSE SOSSe S 6.8 8 8 3 SSSSSSS Sa s ggss FESSSRSS S ##. Oo SSSBS5 S355555 R8 SSaS S 5, sSSSagag S 8SSgäS SOs g SpSABSE S SPg Sg S s. #SSRES Bsä SFSREEFSE SSSSE SEFEIESE EFFBSASEAA * SSaSSs Nr. 255.(1. Blatt). General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Montag, 16. September 1907 988367 SSESFSSE“ SSBRISE SöSSSSSSS PSaSg #gsee. K 27.. g S 5557, 53 #i SS SAg F 78383R S S 8383R — Westdeuischlunds gröseiée Opozidlgtschalt für-Herten und Kilaben-Keidung bietet für den —— PiUI die gröstte Auswahl, die elegantesten Façons die besten Qualitäten und die billigsten Preise. in jeder Hrt Ostenhellweg 22,24,27 U. 29 Ostenhellweg 22,24,27 U. 29 Pschaige.ch ie Kachon und Hüttenbetrieb in Duisburg= " N u h r o r t. Der Abschluß für 1906=07. der Samstag in der in Köln abgehaltenen Aufsichtsratssitzung vorgelegt wurde, ergibt einschließlich des 1004 616 Mi. betragenden Vortrages aus dem Vorjahr einen Rohgewinn von 27504 623 Mk. Nach Abzug der Abschreibungen von 8 101 583 Mk. verbleibt ein Reingewinn von 19 408089 Mk. Diese Ziffern enthalten die Erträgnisse der Nordstern=Zechen nur für das letzte Halbjahr, wie bekanntlich auch die zum Erwerb von Nordstern ausgegebenen neuen Aktien nur eine Halbjahrsdividende erhalten. Es wird der Hauptversammlung vorgeschlagen werden, hieraus 17 Prozent Dividente mit 14 620000 Mk. zu verteilen, 1 Million Ml. zu außerordentlichen Abschreibungen zu verwenden, 1 Million Mark zu Wohlfahrtszwecken zurückzustellen und nach Abzug der satzungs, und vertragsmäßigen Gewinnanteile von 1 747 142 Ml. noch 1 055 897 Mk. auf neue Rechnung vorzutragen. Die Hauptversammlung soll auf den 30. Oktober d. J. einberufen werden. Die Ergebnisse, welche die Gesellschaft erzielt hat, übertreffen bei weitem die Erwartungen, die man an den Abschluß stellen zu können glaubte. Während man bisher auf eine Dividende von 16 Proz. rechnete, ist diese noch um ein Prozent höher ausgefallen, und, wie wir hörten, von vornherein vom Vorstande in dieser Höhe in Aussicht genommen und vorgeschlagen worden. Bei einem Vergleich der diesjährigen Gewinnziffern mit den vorjährigen ist zu beachten, daß die Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahre den Hörder Bergwerksund Hüttenverein sowie das Steinkohlenbergwerk Nordstern mit sich verschmolzen hat. Während die Erträgnisse des Hörder Bergwerks= und Hüttenvereins für das ganze Geschäftssahr 1906=1907 zu dem Gewinn des Phönix beigetragen haben, sind die Erträgnisse des Steinkolenbergwerkes Nordstern, wie schon bemerkt, nur für das letzte Halbjahr darin enthalten. Um einen annähernden Vergleich der diesjährigen Gewinnziffern des Phönig mit den Ergebnissen des Vorjahres zu ermöglichen, sind demnach den vorjährigen Gewinnziffern des Phönix die Gewinnziffern des Hörder Bergwerksund Hüttenvereins für 1905=06 und diejenigen des Steinkohlenbergwerles Nordstern für 1906 gur Hälfte hinzuzurechnen. Der Phönir erzielte im Geschäftsjahre 1905=1906 einen Rohgewinn von 8 855 988 Mk. Unter Berücksichtigung des Vortrags ie it ie chisc ie ichce gen von 2 803 165 Ml. stellte sich der Reingewinn auf 6419749 Ml., wovon eine Dividende von 15 Prozent auf 35 Millionen Mark Grundkapital, S 250 000 Mk. verteilt wurde. Der Hörder Bergwerks= und Hüttenverein erzielte im Geschäftsjahr 1905.06 nach 3028714 Marl Abschreibungen einen Reingewinn von 5060 487., woraus eine Dividende von 15 Prozent auf die Vorzugsaktinen gleich.975 000 Mark und von 10 Proz. auf die Stammaktien gleich 52 800 Mark verteilt wurde. Die Aktien=Gesellschaft Steinkohlenbergwerk Nordstern erzielte im Geschäftsjahr 1906 nach 1802 601 Mark Abschreibungen einen Reingewinn von 5 771957 Mark, wovon 22 Prozent gleich 4 400000 Mark Dwvidende verteilt wurden. Der vorjährige Reingewinn der drei Gesellschaften, der mit dem diesjährigen Reingewinn des Phönix zu vergleichen wäre, stellt sich demnach auf rund 16 800000 Mark und bleibt um etwa.400000 Mark hinter dem Reingewinn des Phönix für 1906.07 zurück. Die Gewinnziffer des abgelaufenen Jahres ist demnach im Vergleich zum Vorjahr bedeutend in die Höhe geschnellt Dementsprechend hat die Verwaltung auch die Abschreibungen bedeutend in die Höhe gesetzt und außerdem noch eine außerordentliche Abschreibung, von 1 000000 Mark auf Nordstern beantragt. Die Dividende von 17 Prozent erfordert 14 620000 Mark, da von dem Grundkapital von 100 Mill. Mark die 28 Millionen, die gelegentlich der Verschmelzung des Nordstern ausgegeben worden sind, nur zur Hälfte an die Dividende für 1906.07 teilnehmen. Die 37 Mill. Mark neuen Aktien, die bei der Verschmelzung des Hörder Bergwerks= und HüttenVereins geschaffen worden sind, nehmen bekanntlich für das ganze Geschäftsjahr 1906=07 an der Dividende teil. Die Erwartungen, die man seinerzeit bei der Verschmelzung des Hörder Vereins und des Nordstern mit dem Phönix hegte, haben sich demnach, wie aus dem vorstehenden Abschluß hervorgeht, mehr als erfüllt. Die überraschenden Ergebnisse des Phönig beweisen aber auch gleichzeitig die Weitsichtigkeit der Urheber der Verschmelzung Phönix=Hörder Verein und Phönig=Nordstern.— Im Anschluß an die Abschlußveröffentlichung ist auch noch darauf zu verweisen, daß der Phönix am Ende des Geschäftsjahres 1906=07 über ein ganz bedeutendes Bankauthaben verfügte, das noch über die Summe (18 Mill. Mark) hinausgeht, die vor einigen Tagen genannt wurde. Von einem Geldbedarf der Gesellschaft kann daher keine Rede sein und damit werden auch die letzten Börsengerüchte, die von einer Kapitalerhöhung des Phönix um 30 Millionen Mark wissen wollten, volständig hinfällig. 650ngs Cognac Scherer In allen Preislagen. Hervorragende deutsche Marke. *r Preise auf den Etiketten. Schesr 4 Ca. Langen.(raumn a 45 Verkaufsstellen: C. Rohnrath& Co. Fr. von der Heide. II. W. Greeven. Eduard Blumberg, Münsterstrasse 74. Theodor Strick. J. Lettow, Mürkischestrasse 38. Wili, Steins, Oestermürschstraass 49. Hörde: F. W. Walrabe. 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Der Stadtschreiber, nun ganz außer Fassung gebracht, lispelte ihm nun zum dritten Male und zwar ganz energisch zu:„Halten Sie ein mit Ihrem Unsinn und merken Sie auf; Sie blamieren uns alle unsterblich." Der Bürgermeister, ganz geistesabwesend und mit den Händen wie nach einem Anhalt suchend, in der Luft herumsuchtelnd, hielt auch diese Zurechtweisung für einen Teil der Rede und wiederholte auch sie angstschweißschwitzend.— Wir wissen nicht, ob dem Festredner für seine bis jetzt gewiß unerreicht dastehende Leistung Orden und Titel verliehen wurden. Aus den Lebenserinnerungen einer Seiltänzerin. Die Leiter unserer ernsthaften Schaubühnen klagen immer häufiger und eindringlicher derüber, daß die sogenannten Spezialitätentheater, wo Jongleure, Akrobaten, Verwandlungskunstler, Bauchredner und Ringkämpfer ihr Können zeigen, ihnen die Gunst der Menge entziehen, und sie führen dies aupf die Nervosität unserer überreizten und überhasteten Generation zurück. Doch in Wirklichkeit sind wir Menschen des 20. Jahrhunderts gewiß nicht anders, nicht schlimmer geraten als unsere Voreltern. Ist doch sogar ein Zweig der„VariétéKunst", wie man in Deutschland so gern und so geschmackvoll sagt, vollständig aus der Mode geschwunden. Der Seillanz,— der unsere lieben Vorfahren entzückte und dessen kühnste und geschicktesse Ausüber Weltruhm genossen. Wer weiß denn heutigen Tages noch etwas von Marguerite Antoniette Saqui, die länger als 50 Jahre auf straff gespanntem Seile einherschwebte, die tollkühnsten Stücke vollbrachte sogar den Kaiser Napolcon zu ihren Bewunderern zählre. Unjummen verdiente,— um schließlich elend und einsam zu sterben! Jetzt hat Marguerite Saqui ihren Biographen gofunden, in Paul Ginisty, der auf Grund von Mitteilungen, welche die Tänzerin, meist durch Ueberlieferung von Mund zu Mund, hinterlassen hat, ihr Leben und ihre Kunst in einom soeben erschienenen Bande höchst anschaulich und unterhaltend schildert. Trotzdem sie nämlich fortwährend ihr Leben aufs Spiel setzte, erreichte Madame Saqui ein Alter, welches das bibkische Maß erheblich übertraf. Am 26. Februar 1786, also noch vor der großen Revolution geboren, starb sie erst am 24. Januar 1866. Es war ihr Los, sich selbst zu überleben. Sie war das Kind umherziehender Gauner.— Wippchen würde sagen, daß sie im Thespistarren das Licht der Welt erblickte. Solche im Lande herumziehende Truppen sind— es soll ja wohl auch in der Gegenwart nicht viel anders sein— darauf bedacht, die Kräfte aller zu ihnen Gehörenden von klein auf dem allgemeinen Vorteile nutzbar zu machen. Als Marquerites Vater, Lalanne mit richtigem Namen und als„Navarin=le=fameux" selbst ein sehr geschätzter Meister der Seiltanzkunst nach mannigfachem Schicksale in Paris eine Anstellung gefunden hatte, wurde sein Töchterlein schon mt fünf Jahren auf die Bühne hinausgestellt, mimte mythologische Kindergestalten und mußte auch als kleine Gehilfin ihres Vaters auf seinen Schultern und Armen herum turnen. Statistiker kunten das Schicksal dieser Frau mit einer Kurve vergleichen: es nahm seinen Anfang in den Tefen der Boheme; dann steigt die Linie zu überraschender Höhe und sinkt endlich wieder zu den Riederungen der Boheme herab. Noch in spätem Akter konnte Madame Saqui sich des 3. Sepzembers 1792 aufs lebhafteste erinnern, an dem ihre Ektern mit ihr von Paris aus aufs neue auf die Tanderschaft gingen und einer Horde Mordgesellen begegneten, die das Haupt der Prnzessin von Lamballe auf einer Pike trugen und den Körper der schönen Freundin der Königin Marie Antonette verstümmelt durch die Gosse schleiften. Während dieser Wanderfahrt war es, daß die kleine Lalanne ihren künftigen Beruf entdeckte und sich heimlich im Seiltanzen unterrichtete. Mit fünfzehn Jahren hatte sie die Provinz erobert, und nachdem sie einem Kollegen, Julien Saqui, die Hand zu dölig legitimem Ehebunde gereicht hatte, stand ihr Sinn nach Höherem: nach Paris, dem Ziele aller Ehrgeize und Talente. Sie war jung, sie war sie war anmutig und sie verstand sich auf den beschmack ihrer Zeit. Damals trat sie meist in dem einigermaßen sentimental auf uns wirkenden Kostume einer Sylphide auf. in lichtem, sehr demit Engelsflüglein an den Schultern und einem goldenen Kronlein im dichten Nan wirkte in jenen Tagen mit ananspruchloseren mitteln auf die Phantasie der Beuns fällt es ziemlich schwer, uns ein Bild davon zu machen, wie es einer Tänzerin mögch war, hoch oben auf dem Seile ganze Pantomimen allein zur Darstellung zu bringen. In Pasich ihr Traum schnell. Das besuchteste Vergnügungslokal von Paris war der Tivoligarten und der beliebteste der dort auftretenden Künstler Jorioso. ein Seiltänzer, der unerreicht schien. Aber der große Forioso kam eines Abends zu Fall, und zwar gerade, als Marquerite Saqui zugegen war. Sie erbot sich, ihn schon am nächsten Tage zu ersetzen, und sie ersetzte ihn nicht nur, sie schlug ihn, sie vernichtete seinen Ruf und war mit einem Schlage der Abgott von Paris. Auf dem oben an einem hohen Maste befestigten Seile schwebte sie mit einer allen Gesetzen menschlicher Erkenntnis hohnsprechenden Sicherheit auf und nieder, schien bald auf dieser, bald auf jener Seite rettungslos niederzustürzen und erhob sich doch immer von neuem, gelenkigen Fußes und voll Anmut. Sie steigerte die fieberhafte Spannung des Publikums bis an die Grenze des Grauens. Am nächsten Tage sprach Paris von nichts anderem als von der Saqui. Die Polizei brauchte zwei Stunden, um den Ansturm der Massen auf den Garten von Tivoli zu regeln, der Beifall übertraf noch den des ersten Abends und die Schneiderinnen, die Hutmacherinnen nannten ihre neuesten Moden nach ihr. Mit außerordentlichem Geschicke wußte sie sich die kriegerische Stimmung der Gegenwart dienstbar zu machen. Als Kriegsgöttin, mit dem Speer in der Hand und mit wallenden Federn auf blinkendem Helme, so tanzte sie die Schlachten, die die Heere Napoleons in Europa schlugen. Sie tanzte Jena und Auerstädt, tanzte Eylau und Friedland, wie die holdselige Miß Duncan jetzt Beethoven und Chopin tanzt. Als die Stadt Paris den aus Deutschland zurückkehrenden Truppen ein Fest gab, tanzte Madame Saqui auf hohem Seile quer über die Seine. Vielleicht hat niemals eine Künstlerin ein größeres Auditorium gehabt als sie; es kam vor, daß bei solchen Soldatenfesten dreimalhunderttausend Mann sie bestaunten. Und bei einem Feste dieser Art erlebte die Saqui den Höhepunkt ihres Daseins. Der Kaiser Napoleon war zugegen. Anfangs ziemlich gleichgültig, wurde er auf aufmerksam, als der Seiltanzerin ein Feuerwerkkörper gegen den in antiker Pose erhobenen Arm flog und sie sich voll Geistesgegenwart zu Boden gleiten ließ, ohne ein Zeichen des Schmerzes. Der Kaiser sprach längere Zeit mit ihr und freute sich der klugen und treffenden Antworten auf seine gewohnte ironische Frageweise. Es ist behauptet worden, Napoleon habe ihr dann die Ehre eines kleinen vorübergehnden Abenteuers zu teil werden lassen. Sie selbst hat sich wohl gehütet, dem Gerüchte je zu widersprechen, einem Gerüchte, das ihr ermöglichte, später einen regelmäßigen Zuschuß aus der Zivilliste Napoleons 3. zu erlangen. Jedenfalls erwies ihr Napoleon auffallende Aufmerksamkeit und ließ sie überall hinkommen wo es galt, seine Triumphe zu verherrlichen. Das machte sie übermütig. In einem Wagen, auf dessen Schlag das kaiserliche Wappen gemalt war, unternahm sie Gastspielreifen wurde dafür von einem Präfekten kurzerhand angehalten,— und hatte die Gnade des Imperators für immer verscherzt. Der Thron Napoleons stürzte um, eine ruhigere Periode begann für das Land, und Madame Saqui erwarb am Boulevard du Temple, wo Schaubude sich an Schaubude reihte, ein kleines Theater, dessen „Star“, wie wir heute sagen würden, sie neben all den übrigen Kräften blieb, die sie den Parisern vorführte. Das ging viele Jahre hindurch, aber dann lernte sie, hauprsächlich durch die Schuld ihres Bruders, den sie nach dem Tode ihres Mannes mit der Verwaltung ihres Unternehmens betraut hatte noch einmal die Not in bitterster Gestalt kennen. Dabei verzehrte sie bis ans Ende die Sehnsucht nach dem Applaus der Massen und noch als eine Greisin betrat sie hin und wieder das Seil, die Basis ihres Ruhmes. Theodor de Banville sah sie so und ward betroffen durch die ungebrochene Kraft ihres feurigen, leidenschaftlichen Auges. Ihre Schönheit war freilich längst dahin und nicht als kokette Schäferin, nicht als stattliche Bellona oder Minerva kleidete sie sich mehr, sondern in die härene Kutte eines Pilgers. So grotesk ihr Aussehen wirkte, zwang sie doch die Zuschauer in den Bann ihres Willens Gefallen zu erregen. Im Jahre 1862, also als eine 76jährige Frau, betrat sie zuletzt im Hippodrom das Seil. Aber jetzt versagte der Körper den Dienst. Sie zog sich nach Neuilly zurück, und als man die Achtzigjährige zu Grabe trug, nahm die Oeffentlichkeit kaum devon Notiz. Nur Jules Claretie faßte ihr seltsames Schicksal im„Figaro“ in einigen kurzen, melancholischen Sätzen zusammen. Er schrieb: „Man hat Kleider à la Saqui getragen. Man hat sich gegenseitig gestoßen, getreten, geschlagen, um sie zu sehen, um die Bänder als Andenken von ihren Schuhen zu reißen. Sie hat ein Theater besessen. Sie hat Bewunderer, Verehrer, Neider gehabt. Sie hat es mit einem Navoleon ausgenommen. Und das alles, um arm, beinahe vergessen zu enden.“ Briefkasten der Redaktion. A. K. Brechten. Ja. Wenn die nötigen Schlafräume vorhanden sind. 99 A. B. Dortmund. Sie werden zahlen müssen. M. S. Witten. Ja, aber nur bei Berechnung der Vennon. Wettende bei Quante, Wilhelmslust. Derartige Fälle sind häufiger vorgekommen, u. a. der kürzlich verstorbene Polizeioberst Krause. Nr. 733. Nur solche, die am dem Feldzuge von 1870=71 ehrenvollen Anteil genommen haben. Alter Abonnent 7560. Besorgen Sie sich einen Meldeschein vom Militärbureau und wenden Sie sich an irgend einen Truppenteil. I.., Dortmund. Zu 1. Die Erbreiterung soll nach und nach, wenn jemand baut, erfolgen, er muß dann in die neue Baulinie zurückgehen. Zu 2. Ein Häuserkauf ist von der’rdt nicht geplant. O.., Lünen. Unseres Erachtens haben Sie Anspruch auf sechswöchige Kündigung zum Schluß eines Kalendervierteljahres, wenn nicht ein anderes vereinbart ist. anspruch auf ersatz von Reise. kosten usw. haben Sie nicht. Th.., Wanne. Die Stiefkinder haben kein Erbrecht und kein Pflichtteilsrecht gegenüber der Stiefmutter. Sie haben aber ihren Halbbruder zusammen zur Hälfte beerbt. A.., Bövinghausen. Nein. F. H. 100.§ 836 Bürg. Ges. B. Gesetzesparagraphen brauchen sie in der Klage nicht anzugeben. Die Richter kennen das Recht auch ohne das. A. L. 101, Unna. 1. Ja, wenn es sich nicht um Verpflichtung zur Uebertragung von Eigentum an einem Grundstück handelt. 2. Wenn die Firma selbst schuld ist, jedenfalls nicht. Im übrigen läßt si chdie Frage ohne Kenntnis des ganzen Vertrages und der Verhältnisse nicht beantworten. W. Sch. 6451. 1. Man kann nicht das Mobiliar, aber Ihre Ansprüche aus dem Kauf= und Leihvertrag pfänden. 2. u. 3. Nein, wenn durch die Verwertung nur ein Erlös zu erwarten ist, welcher außer Verhältnis zu dem Werte steht oder die Kosten der Zwangsvollstreckung nicht decken würde. 4. Ja, soweit er 125 Mark monatlich übersteigt. E. H. Der Grundbesitz scheidet mit dem Eigentumsübergange aus dem gemeinschaftlichen Jagdbezirk aus. Hierdurch wird aber an den von der Jagdgenossenschaft(durch die Gemeinde) rechtsgültig abgeschlossenen Verträgen nichts geändert. Es kommt also darauf an, ob der frühere Pachtvertrag den Fall vorsieht. Sieht er ihn nicht vor, so muß der Vertrag ausgehalten werden. Standesamt Hörde. Vom 9. bis 14. September. Geburten. 1 Sohn: Sattler K. Hengstenberg. Heizer Jos. Mieh. Prokurist W. Backhaus. Fabrikarb. Kasimir Wielonk. Anstr. Heinrich Scherber. Fabrikarbeiter W. Schmidt. Fabrikarb. Frz. Lips. Schmied Joh. Wittkuhn. Hülfssteiger F. Haberspörger. 1 Tochter: Fabrikarb. F. Thiel. Bergm. W. Langendorf. Lampenmeister E. Böttcher. Bureaugeh. K. Nolte. Maurer Jos. Becker. Fabrikarb. Janischewski. Fabrikarb. Joh. Stember. Wirt B. Mensing. Hochofenarb. Heinr. Peters. Fabrikarbeiter Aug. Brendel. Hochofenarbeiter Jos. Wiltekens. Aufgebote: Fabrikarb. Emil Cammerro u. Elfriede Bölling. Arb. Gg. Schaus und Paulin: Dreckmann. Schmied Herm. Schrader mit Marie Lawin. Fabrikarb. Josef Tewes und Friederike Drees. Arb. Gottfried Pawlitzki und Emma Janke. Fabrikarb. Otto Fiege und Karoline Bechthold. Uhrmacher Gottfr. Stärke und Adelheid Lawin. Eheschließungen: Gärtner W. Benthaus und Anna Holtkötter. Schneidermeister F. Knickenberg und Karoline Hötte. Kaufm. Karl Sigmann und Christine Schoof. Eisenbahn=Stationsgeh. G. Rohlmann und Sofie Ohlendorf. Schlosser Heinrich Hower und Elfriede Struck. Fabrikarb. Hermann Drabandt und Marie Stieglitz. Sterbefälle: Fabrikarb. Franz Schäfer, 48 J. Fabrikarb. Heinr. Krakmann, 40 J. Maria Masjoshusmann, 8 M. Ww. Margarethe Butz. Oberstadts. W. Nieder=Westermann, 31 J. Ernst Thiel, 7 J. Arb. Jul. Budeit, 64 J. Inv. Heinrich Reckmann, 81 J. Fabrikarb. Andr. Restetzki, 41 J. Peter Smektala, 3 M. Standesamt Aplerbeck. Vom 16. bis 31. August. Geburten: Ein Sohn: Bergmann Wilhelm Voß. Sölde. Bergm. Johann Kabitzki, Aplerbeck. Bergm. Otto Lohölter, Aplerbeck. Monteur Leo Wisniewski, Schüren. Bergm. Eduard Kann. Kaufm. Friedrich Nölle. Bergm. Heinrich Heymann. Fabrikarbeiter Wilhelm Spieth. Lehrer Wilhelm Schröder, Langendreer. Fabrikarbeiter Franz Rosada. Bergm. Ferdinand Ludorf. Wirt Wilhelm Emte. Bergm. Adolf Kleff. Bergm. Adolf Schwerte. Bergm. Heinrich Lohmüller. Maschinist Franz Brinkschulte. Eine Tochter: Bergm. Wilhelm Kroll. Berginvalide Joseph Dönecke. Bergm. Bernhard Turski, Schüren. Schuhmachermeister August Ostermann, Sölde. Berginvalide Karl Bünger. Bergm. Karl Bünger. Bergm. Karl Obermann, Sölde. Julie Hamman, Sölde. Uhrmacher Karl Westermann. Portier Friedrich Feldmann. Bergm. Karl Scheuer, Schüren. Schmied Philipp Natt. Bergm. Julius Simon. Bergm. Ludwig Becker. Bergm. Friedrich Graß. Bergm. Wilhelm Menneken, Sölde. Reichsinvalide Ernst Armbrecht. Fuhrmann Ferdinand Seehausen. Aufgebote: Bergmann Franz Iba, Bochum und Maria Brinkschulte, Bochum. Bergmann Friedrich Kloppries, Sölde und Klara Schmidt, Aplerbeck. Bergm. Heinrich Schauwienhold, Sölde und Martha Schlingmann, Asseln. Metzger August Schultze, Sölde und Anna Schulze, Dortmund. Bergmann Wilhelm Hebebrand und Alma Beulmann, Schüren. Bergmann Otto Scheffer, Aplerbeck und Wilhelmine Beulmann, Dortmund. Wirt Ernst Dorrenhaus, Essen und Karoline Bracker, Sölde. Eheschließungen: Bergmann Franz Kuhlhöser und Berta Jockisch, Sölde. Kaufmann Hans Zinke und Charlotte Dechow, Schüren. Waschmeister Friedrich Mark und Emma Debus, Sölde. Bergm. Wilhelm Leidheuser und Wilhelmine König, Schüren. Bergm. Friedrich Ebbinghaus, Aplerbeck und Karoline Harbott, Sölde. Bergmann August Andreas, Aplerbeck und Klara Teckhaus, Holzen. Fabrikarbeiter Heinrich Becker und Maria Dreier, Schüren. Sterbefälle: Erich Fischer, Schüren, 10 T. Maria Kupka, 2 M. Heinrich Starke, Sölde, 6 M. Anna Hachenei, Sölde, 5 M. Berginvalide Wilhelm Stock, Sölde, 67 J. Tochter des Fuhrmanns Ferdinand Seehausen. ¼ Stunde *0 59 Tägliche Gratisbellage zum Dortmunder Generalanzeiger. Nr. 255. Montag, 16. September 1907. Die Testamentstlaufel. 18) Von Burgwerben und seinem Herrn hatte sie nie wieder ein Wort gehört. Aber ihre Gedanken umkreisten unablässig das Schloß. Ob er wohl schon eine andere zu ihrer Nachfolgerin erwählt hatte— ob er gar schon verheiratet war? Jedenfalls dachte er ihrer kaum noch. Er hatte wohl nur ein mitleidiges Lächeln für die Närrin gehabt, die mit seiner Hand und seinem Namen auch zugleich sein Herz begehrt hatte. Und was war aus ihrer Stiefmutter geworden? Wo mochte sie ein neues Domizil gefunden haben. Sie würde ihr bitter grollen, daß sie ihre Träume von Wohlleben und Sorglosigkeit gestört hatte. Und das liebe kleine Haus, stand es jetzt leer, verlassen? Ob jemand die Rosen für den Winter einlegte, damit sie nicht erfroren? Und der alte Inspektor Scheveking. Der hatte wohl bös hinter ihr hergewettert. Sie wußte ja von Armin, daß Scheveking in ihr die Braut seines Herrn sah. Oft packte sie eine ganz unsinnige Sehnsucht nach all dem, was sie zurückgelassen hatte. Dann biß sie die Zähne zusammen und rief ihren Stolz zu Hilfe. Das half wieder eine Weile.———— „Haben Sie noch Befehle für mich, gnädige Frau? Sonst möchte ich hinüber gehen und Wäsche ausbessern helfen. Berta wird nicht gut allein fertig damit.“ Frau von Soltenau sah freundlich durch ihren Kneifer auf das junge Mädchen.„Sie suchen sich doch überall nützlich zu machen, Fräulein. Ich möchte aber nicht, daß sie die Mädchen verwöhnen. Ich dächte, Berta müßte längst mit Ausbessern fertig sen“ „Doch nicht, gnädige Frau. Es gab diesmal arg viel nachzusehen. Und ich tue es gern. Margarete und Elfriede können inzwischen mit hinübergehen, ich nehme mir die Arbeit mit ins Spielzimmer.“ „Ja, das ist fein,“ rief Elfriede vergnügt. Dann erzählen Sie uns dabei. Ach, Mama, Fräulein erzählt so wunderschöne Sagen von Rittern und Edelfräulein, die auf den Thuringer Bergen gehaust haben.“ „Das gefällt euch natürlich. Apropos, Fräulein, Ihr letzter Wohnort war doch das Dorf Burgwerben. Gibt es da nicht auch ein Schloß gleichen Namens?" Eva Marie fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen schoß. Schnell bückte sie sich, um einige herabgefallene Modeblätter aufzuheben. Dann antwortete sie ruhig und schon wieder beherrscht:„Allerdings, gnädige Frau.“ „Kennen Sie das Schloß?“ „Ich war nie dort, hab' es immer nur von weitem liegen sehen.“ „Es gehört einem Herrn von Leyden, nicht wahr?“ „Ja— ich— ich glaube wohl.“ „Wissen Sie vielleicht Näheres über das sonderbare Testament, welches der frühere Besitzer hinterlassen hat?“ „Ich habe allerlei davon gehört. So etwas spricht sich herum in kleinen Orten.“ „Natürlich. Mich interessiert die Sache nur, weil ein Herr von Leyden uns vorigen Winter einige Male in Gesellschaft begegnete. Ich hörte, er sei der Erbe von Burgwerben unter der Bedingung geworden, daß er innerhalb eines Jahres sich verheiratete. Ist daran etwas Wahres?" Eva Marie klopfte das Herz bis zum Hals hinauf. „Ja, es wurde als bestimmt erzählt.“ „So so, das ist ja sehr interessant. Nun, ich danke Ihnen, Fräulein. Wenn Sie sich also um unsere Wäsche verdient machen wollen, dann will ich Sie nicht länger aushalten. Jedenfalls freue ich mich sehr, daß Sie so unverdrossen an all' solche Arbeiten herangehen. Ich kann Ihnen nur sagen, daß ich sehr, sehr zufrieden mit Ihnen bin. Sie reichte Eva Maria freundlich die Hand. „Ich bin sehr glücklich, mir Ihre Zufriedenheit errungen zu haben, gnädige Frau. Es soll mein Bestreben sein, mir diese zu erhalten.“ Als Eva Marie mit den Kindern hinaus gegangen war, sogte Frau von Soltenau zu ihrer Tochter: „Ich bin doch neugierig, ob Herr von Leyden diesen Winter nach Berlin kommt, um sich hier eine Frau zu suchen. Sag' Dora, hast Du nicht viel mit ihm getanzt?“ Dora machte ein sehr gleichgültiges Gesicht. Roman von H. Courths=Mak „Mit ihm weniger, als mit Herrn von Rippach, Mama.“ „Und Rippach schien sich gern mit Dir zu unterhalten. Leider hat er sich dann aber sehr von uns zurückgezogen.“ Dora war dunkelrot geworden. „Das schien nur so, Mama— er war im Sommer viel bei seinem Freund Leyden zu Besuch.“ „So, so. Hat Dir Herr von Rippach neulich bei Werdens nicht erzählt, ob Herr von Leyden nach Berlin kommt?" „Er wünscht es sehr, doch weiß er nicht, ob es dazu kommt. Herr von Leyden scheint Geschmack am Einsiedlerleben gefunden zu haben. Du weißt doch, daß er sehr für Alexandra Wendhoven geschwärmt hat, als sie noch frei war.“ „Natürlich, man sprach ja allgemein davon. Nun, jedenfalls ist er jetzt eine glänzende Partie. Ich möchte doch wissen, wer seine Frau wird.“ Sie seufzte tief. „Warum seufzest Du so sehr, Mama?“ „Ach Kind— ich wollte— Du könntest einmal solche Partie machen.“ Dora küßte sie herzlich und sagte leise:„Muß es denn gerade ein Großgrundbesitzer sein, Mama? Würde Dir z. B. nicht auch Herr von Rippach als Schwiegersohn genügen?“ Frau von Soltenau wandte sich lebhaft ihrer errötenden Tochter zu. „Kind— das ist eine sehr direkte Frage, da kann ich nur ebenso prompt antworten. Ja, es würde mir nicht nur genügen, sondern ich würde mich glücklich schätzen. Rippachs sind sehr reiche Leute, und Hans von Rippach wird außerdem sicher Karriere machen. Er ist ein liebenswürdiger und untadelhafter Kavalier. Aber nun spiele einmal nicht Versteck mit Deiner Mutter, die doch Deine beste Freundin ist. Weshalb fragst Du mich so? Ich weiß, daß Dir Herr von Rippach vorigen Winter nicht ganz gleichgültig war, und daß er Dich einigermaßen auszeichnete. Was also ist's mit ihm?" Dora verbarg ihr Gesicht an der Schulter der Mutter. „Mama, liebe teure Mamo— ich— ich glaube, er mag mich sehr gern. Bei Werdens sagte er mir neulich, er habe sich mit Absicht von mir fern gehalten, ich sollte mich prüfen, ob er mir nur als Tänzer angenehm sei. Und er war so eigentümlich bewegt. Morgen abend treffen wir bei Schliebens mit ihm zusammen— und ich glaube— er will mir etwas sagen. Er sprach davon, daß er mir eine Frage vorzulegen hätte— ach Mama.“ Frau von Soltenau zog ihr Kind zärtlich an sich. „Meine kleine Dora! Bist Du ihm denn gut?“ „Ja, ich hab ihn lieb, Mama. Er ist so natürlich, so treuherzig und gut. Die anderen Herren mag ich alle nicht so gern. Und es hat mir so weh getan, daß er sich nicht mehr bei uns sehen ließ.“ Und davon erfuhr ich gar nichts?“ „Ich wollte Dich nicht betrüben, gute, liebe Mama. Sei nicht böse.“ „Nein, mein Herzkind, däs bin ich gewiß nicht. Aber nun klare Augen, Dora. Ich höre Papa kommen. Ihm wollen wir vorläufig keine Unruhe machen. Wenn Gott will und Rippach erklärt sich wirklich, dann ist es noch immer Zeit genug, es ihm mitzuteilen. Er hat dann die Freude ohne vorherige Sorge, nicht wahr?" Mutter und Tochter küßten sich innig und gingen dann mit heiteren Gesichtern dem Vater entgegen. „„* An einem naßkalten, stürmischen Novemberabend traf Armin in Berlin ein. Rippach erwartete ihn am Bahnhof und begrüßte ihn mit großer Freude. „So, mein Alter, jetzt hab' ich Dich wieder hier. Nun wollen wir. mal gemeinsam Dein etwas verfahrenes Lebensschiff wieder flott machen. Heut Abend schleppe ich Dich zu Schliebens, da ist erster großer Winterempfang. Ich habe Frau von Schlieben versprechen müssen, Dich mitzubringen. Sie tut sich schon darauf etwas zugute, den reichen Erbherrn von Burgwerben als Delikatesse zu servieren.“ Armin sah bei dieser Eröffnung gar nicht erfreut aus. „Daran liegt mir durchaus nichts, Hans. Ich hätte heute Abend lieber in einer stillen Ecke hinter einer Flasche Wein mit Dir gesessen.“ „Alles zu seiner Zeit. Deiner Vorliebe für stille (Nachdruck verboten.) Ecken kannst Du frönen, wenn Du mit einer hübschen jungen Frau im Burgwerbener Schlosse sitzt. Jetzt mußt Du mal erst wieder unter Menschen.“ „Der Zweck meines Hierseins ist aber ein anderer.“ „Weiß ich. Armin. Morgen Vormittag habe ich Dir den Detektiv ins Hotel bestellt, dann kannst Du mit ihm reden. Heut Abend aber sollst Du erst mal beweisen, daß Deine alte Flamme, Dir ungefährlich geworden ist. Die schöne Alexandra wird zugegen sein. „Du kannst schon ohne diese Beweise daran glauben, Hans. Ich habe jetzt nur einen Gedanken— Eva Marie.“ „Gut, ich will es Dir glauben. Uebrigens brauche ich Dich heute als Rückenhalt, mein Geschick soll sich entscheiden, und mir ist doch ein bischen— na, sagen wir— feierlich zu Mute. Einen Korb befürchte ich keineswegs, ich habe vorher gründlich sondiert, aber es ist doch keine Kleinigkeit, wenn man sich so quasi mit gebundenen Händen an so eine süße kleine Krabbe ausliefert.“ Armin lächelte. „Dabei kann ich Dir gar nicht helfen.“ „Wer weiß. Vielleicht gilt es, lästige Zeugen fern zu halten, damit ich meine feurige Liebeserklärung ohne Störung vom Stapel lassen kann. Wenn ich unterbrochen werde, stehe ich für nichts Du siehst also hoffentlich ein, daß ich Dich notwendig brauche.“ „Ja— ich sehe es ein und füge mich ins Unvermeidliche. Seinen Freunden muß man Opfer bringen.“ „Bravo, also sind wir einig. Wir fahren jetzt in Dein Hotel, Du steckst Dich in Frack und Lack, dann zu mir, damit ich die gleiche Metamorphose vornehmen kann, und nachher kann das Schicksal seinen xLauf nehmen.“ Sie waren inzwischen in einen Taxameter gestiegen. Rippach sah sich suchend um. „Du, bist Du allein gekommen oder hast Du einen Diener mitgebracht?“ „Nein, ich bin allein.“ „Hm! Als Erbherr von Burgwerben hättest Du Dir doch solchen Anhängsel leisten können.“ „Hätte ich. Aber mich geniert das mehr. Was soll ich damit. Ich bin mir immer mein liebster Diener gewesen, und alt und gebrechlich bin ich gottlob noch nicht.“ „Immerhin macht sich so etwas recht pompös. So ein Lakai kann so unsagbar hoheitsvoll auf andere Sterbliche herabsehen.“ Die beiden jungen Leute lachten. „Wie geht's meinem Freund, dem braven I spektor?" „Anscheinend gut.“ „War er denn mit Dir als Schüler für Ackerbau und Viehzucht zufrieden?" „So, so, la, la, er hat mich zuweilen in Grund und Boden räsoniert, wenn ich etwas verkehrt gemacht habe.“ Rippach lachte. „Kann ich mir denken. Mit Glacé packt der niemanden an. Und seine bes.geliebte Feindin, Mamsell Wunderlich? Mir scheint, sie füttert Dich zu gut, siehst trotz Deines Seebenschmerzes sehr wohl aus.“ „Das macht das solide Leben auf dem Lande. Mamsell jammert sehr, daß ich ihren kulinarischen Leistungen nicht das rechte Verständnis entgegenbringe. Du hast Dich in dieser, wie in jeder anderBeziehung bei ihr eingeschmeichelt.“ Rippach richtete sich stramm empor und stri unternchmend seinen Bart. „Kunststück— bei meinem Glück bei Damen.“ Armin hob drohend den Finger. „Fordere Dein Schicksal nicht heraus. Noch hat Dir die kleine Dora ihr Jawort nicht gegeben.“ „Ach was— ist ja bloß noch Formensache. Innerlich sind wir einig.“ „Auf jeden Fall wünsche ich Dir Glück, Hans.“ „Danke Dir. Ich hoffe, wir feiern eine vergnügte Doppelhochheit am Ende der Frist, die Dir gestellt ist.“ „So willst Du auch bald Hochzeit machen?“ „Natürlich, immer kurz und schmerzlos. Für einen langen Brautstand, immer einen Anstandswauwan als dritten im Bunde, bin ich gar nicht.“ W 4 03 #3 = SEEER * 8 5 S•2sES 1n": # Also fehlt uns zu einer Doppelhochzeit bloß noch meine Eva Marie.“ Dder eine andere. „Rein, eine andere mag ich nicht.“ „Aber gesetzt den Fall, sie ließe sich nicht finden.“ „Ich muß sie finden— sonst macht mir die ganze Erbschaft keine Freude.“ „Steht es so?“ „Ja, so steht es.“ „Dann muß also das Mädel herbeigeschafft werden, um jeden Preis. Mensch, wenn Du nur schon lange auf mich gehört und einen Detektiv beauftragt hättest.“ „Es war mir ein peinliches Gefuhl, ist es auch jetzt noch.“ „Der Mann ist doch streng diskret.“ „Ja doch, das glaube ich wohl. Ich habe von Tag zu Tag gehofft, daß sie ihrer Stiefmutter Nachricht geben oder auf meine Annonce reagieren würde.“ „Nein, darauf hoffte ich nie. Sie hat es sehr ernst genommen, sich nicht auffinden zu lassen. Das geht aus allem hervor. Auf eine solche Annonce meldet die sich nicht. Weiß Gott das Mädel imponiert mir, ehe ich sie kenne. Aber höchste Zeit ist, daß Du etwas unternimmst. Wenn sie etwa gar ins Ausland gegangen wäre?" „Dahin kann sie ohne Paß nicht reisen. Da wäre ihre Spur durch die Polizei zu ermitteln.“ „Auf alle Fälle ist der Detektiv ein äußerst findiger Kopf. Ich hoffe, er kommt bald zum Ziel. Doch da sind wir. Nun schnell, viel Zeit bleibt uns nicht mehr. Wenn ich nicht pünktlich bin, schmollt meine kleine Dora." „Mensch, Du wirst ja vor der Verlobung schon zum Pantoffelheld.“ „Tut nichts. Ich glaube, dieser Stand ist mit Unrecht verschrien. Es ist ganz entzückend, wenn man von solch' einem süßen Plaudermund Schelte bekommt.“ Armin mußte berzlich lachen. „Du bist unrettbar verloren.“ „Davon bin ich längst überzeugt.“ Eine halbe Stunde später waren die beiden Freunde bei Schliebens von Bekannten umringt. Armin mußte die Probe darauf machen, wie wirksam sich der Mensch von einem goldenen Hintergrunde abhebt. Die meisten von den anwesenden Herrschaften, die früher den vermögenslosen Afsessor kaum beachtet hatten, ließen ihn heute mit und ohne Grazie zum„lieben Freund“ avanzieren. Die jungen Damen begegneten ihm mit reizender Vertraulichkeit, fragten ihn mit furchtsam großen Augen, ob es auf seinem Schloß einen Spukgeist gäbe, und gaben alle vor, daß sie alte Schlösser „himmlisch interessant“ fänden. Rippach schnitt drollige Gesichter, wenn Armin ihn hilfeflehend ansah, und schürte seinerseits durch ideale Schilderungen Burgwerbens das Interesse noch. Scheveking avanzierte zum Poltergeist und Mamsell Wunderlich zur schemenhaften weißen Frau. Soltenaus begrüßten Armin in ihrer vornehm freundlichen Weise, und Dora wurde sehr rot, als er ihre Hand küßte. War er doch Hans Rippachs bester Freund. Wahrend ihre Eltern Armin dann in ein Gespräch zogen, blieb Rippach an ihrer Seite. „Gnädiges Fräulein, dieser Tag hatte hundert Stunden. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen so langen Tag erlebt zu haben.“ In Doras reizendes Gesicht schoß dunkle Röte, und weil sie wußtet, wie stark sie zu erröten pflegte, wurde sie noch verlegener. Sie sah scheu in seine treuherzig bittenden Augen. „Woran lag das wohl, Herr von Rippach? Wissen Sie das nicht?“ „———.“ „Oh, jetzt sind Sie nicht ehrlich.“ „Ich habe Ihnen doch neulich bei Werderns verraten, daß ich heute eine Frage an das Schicksal tun will. Oder sollten Sie das vergessen haben?" Seine Frage klang sehr ernst und eindringlich. Sie hob den Kopf und sah ihm offen ins Gesicht, trotzdem sie fühlte, daß ihr das Blut wieder emporPeg. „Nein, ich habe es nicht vergessen,“ sagte sie gleichfalls ernst und fest. „Oh, das ist lieb von Ihnen, gnädiges Fräulein. Meinen Sie, daß ich eine günstige Antwort auf meine Frage bekommen werde?" Vor Verlegenheit wurde sie böse und ihre Augen bekamen einen zornigen, feuchten Schimmer. „Ich weiß es nicht,“ sagte sie leise und gepreßt, und mit zuckendem Mund wandte sie sich von ihm ab. „Nicht böse sein, um Himmelswillen nicht,“ bat er erschrocken. Dann warf er einen suchenden Blick um sich. Soltenaus waren beide mit Armin in lebhafter Unterhaltung begriffen, und die übrigen Anwesenden schienen sich nicht um ihn und Dora zu bekümmern. Er sah hinter sich eine offene Tur, die in den Musiksalon führte, der jetzt leer war. In seinen Augen blitzte es entschlossen auf. „Gnädiges Fräulein— würden Sie mir die Gnade erweisen, einen Augenblick mit mir hier einzutreten. Ich will Ihnen— ein schönes Bild zeigen. Er bot ihr mit zwingendem Blick den, Arm, und sie legte ihre leicht bebende Hand- darauf. So traten sie mit einander in das Musikzimmer. Er führte sie bis vor den Flügel und gab ihren Arm mit einer Verbeugung frei. Nun standen sie sich still Aug' in Aug' gegenüber. Dora lehnte leicht am Flügel, und ihre Hand blätterte in den Noten, die zerstreut herumlagen. Für Unbeteiligte sah es aus, als ob die beiden jungen Leute hierher gegangen waren, um Noten durchzusehen. Hans Rippach wurde sehr eng und warm ums Herz. Es war gar nicht so leicht, eine Liebeserklärung vom Stapel zu lassen. Sein Blick richtete sich beinahe hilfeflehend auf die junge Dame. Da fühlte sie sich ihm plötzlich in dieser Situation gewachsen. Sie fühlte, daß er unsicher nach Worten rang, und da kam sie ihm mit einem reizenden Schelmenlächeln zu Hilfe. „Nun— wo ist das Bild?“ sagte sie leise. Er richtete sich stramm auf. „Das war ein Vorwand, Fräulein Dora, liedes Fräulein Dora. Ich wollte Sie nur hier herauslocken. Das wissen Sie ja. Machen Sie mir das doch nicht so schwer. Herrgott, Sie wissen doch, daß ich Sie liebe, Dora, daß ich schon seit vorigen Winter den Wunsch habe, Sie zu meiner Frau zu machen. Wollen Sie das, Dora?“ Sie zitterte ein wenig, sah ihn aber mit feucht und zärtlich schimmernden Augen an und nickte nur sehr energisch mit dem blonden Köpfchen. Da zog er sie ganz fest an seine Brust. „Mädchen, liebes, süßes Mädchen,“ sagte er mit unsichrer, bewegter Stimme, und küßte sie fest auf den Mund. Dann ließ er sie schnell los und trat einen Schritt zurück. „Da wollte ich Dir nun so eine recht schöne und schneidige Liebeserklärung machen, meine süße, kleine Dora. Aber wenn einen so ein Mädchen so lieb ansieht dabei, da vergißt man all die schönen Reden, die man sich zurecht gelegt hat. Aber das hole ich nach— ganz sicher. Hast Du mich lieb, kleine Dora?“ Sie seufzte glücklich lächelnd. „Ja, lieber— lieber Hans— ich hab Dich lieb, und ich war sehr traurig, daß Du Dich gar nicht mehr sehen ließest." „Ich wollte Dir doch Zeit lassen, mit Dir selbst ins reine zu kommen, ob Du mich wirklich recht und ehrlich lieb haben kannst.“ „O, das wußte ich schon längst.“ Er sah sich um. „Daß ich jetzt nicht einen Augenblick ungestört sein kann mit Dir. Ich hab' doch noch gar keinen richtigen Verlobungskuß bekommen. Aber morgen, Süße, morgen komme ich zu Deinen Eltern. Ob sie mich als Sohn willkommen heißen werden?" Sie nickte glücklich lächelnd. „Ja, Mama weiß schon, daß ich Dich lieb habe, und sie hat nichts dagegen. Und Papa will nichts als mein Glück. Meine Eltern sind ja so himmlisch gut und in allen ernsten Fragen einer Meinung. In diesem Augenblick trat Armin suchend in das Zimmer. Er wollte erschrocken Kehrt machen, als er die beiden jungen Leute stehen sah. Aber Hans rief ihn an. „Halloh, Armin— Du kommst zur rechten Zeit. Bitte, bleib’ mal da an der Tür stehen, aber mit dem Gesicht nach außen. So! Nun bleib so, bis ich Dich rufe, und laß keinen Menschen hier herein.“ Armin tat, wie ihm geheißen wurde, und nun kam Hans zu mehr als einem Verlobungskuß, trotzdem sein Bräutchen erst verschämt rebellierte. Da dies aber nicht ohne Geräusch abging, ergab sie sich schließlich auf Gnade und Ungnade. Endlich soh Hans ein, daß es nun für heute genug sein müßte. Er gab Dora frei und trat von ihr zurück. „Armin!" „Was gibts?“ „Jetzt kannst Du Dich umdrehen und uns gratulieren. Gleichzeitig sollst Du auch einen unverfänglichen Rückzug decken. Ich möchte mich um keinen Preis hier als neugebackener Bräutigam antoasten lassen. Oder wäre Dir das lieb, Dora?“ Sie schüttelte den Kopf und nahm errötend Armins Glückwunsch entgegen. Später traten die drei, anscheinend im harmlosesten Geplauder, wieder unter die übrigen Gäste. Dora suchte natürlich sofort ihre Mutter auf, die sich eben mit einem älteren Offizier unterhielt. Sie hängte sich in ihren Arm und drückte diesen heftig. Ihre Mutter sah in das strahlende Gesicht, und sie wußte, was geschehen war. Ein tiefer Seufzer entfloh ihren Lippen. Eine ihrer Töchter war wenigstens gut und glücklich versorgt. Welch' ein froher Gedanke für sie. Sie sucht: mit den Augen ihren Mann. Seine hohe, schlanke Gestalt überragte fast alle. Und als empfände er den Blick seiner Frau, wandte er sich ihr zu; sie grüßten sich still mit den Augen. Erst auf dem Heimwege erfuhr Herr von Soltenau die frohe Botschaft. Er war sehr überrascht, daß sich seine kleine Dora in eine Braut verwandelt hatte. Gegen Rippach ließ sich aber nichts einwenden. Im Gegenteil.——— Als Dora sich von Armin und Rippach getrennt hatte, fragte dieser mit einem Blick nach der Uhr: „Hexe Alexandra ist noch immer nicht erschienen?“ „Nein, ich sah sie noch nicht.“ „Sie ist und bleibt eine raffinierte Kokette. Die Sehnsucht nach ihr soll natürlich geschärft werden. Sie weiß ganz genau, daß Du hier bist. Ab— da ist sie.“ Er sah gespannt ins Armins Gesicht. Dieser blickte ruhig nach der Tür zu, durch welche eben an der Seite eines glatzköpfigen Herrn Alexandra Wendhoven eingetreten war. Sie war von faszinierender Schönheit, schlank, üppig, goldhaarig und braunäugig. Sie schritt mit eigentümlich lässiger Grazie neben ihrem Gatten einher. Das schwarze, mit Pailletten reich bestickte Kostüm aus weicher Seide und Chiffonwogen umschloß knapp die schöne Gestalt. Arme, Schultern und Nacken waren nur mit einem schwarzen Seidentüll vekleidet, auf dem mit Pailletten kleine Sterne eingestickt waren. Ueber die Schultern fiel graziös und äußerst kleidsam eine dicke Federboa, gleichfalls in Schwarz. Der Kontrast der weißen Haut mit dem Schwarz der Toilette und dem leuchtenden, rotgoldenen Haar war sinnverwirrend. Dazu kam der eigenartige, lockende Ausdruck der Augen, die zuweilen müde, verschleiert blickten und dann wieder aufblitzten im leidenschaftlichen Feuer. Diese Frau zog die Männer an, wie das Licht die Insekten. Alle, die mit ihr in Berührung kamen, hatten sich ein wenig verbrannt und hüteten sich, ihr zu tief in die glutvollen, verschleierten Augen zu sehen. Sie galt als kokett, aber gefühlskalt, trotz des Feuers, das manchmal in ihren Augen aufblitzte. Es konnte sich niemand rühmen, je ihre Gunst besessen zu haben, trotzdem man wußte, daß ihre Ehe nicht glücklich war. Der einzige, der ihr kaltes Herz jemals schneller hatte schlagen lassen, war Armin von Leyden gewesen. Und er hatte dem Zauber, der von ihr ausging, nicht widerstehen können. Als sich aber der reiche Freier zeigte, hatte sie den anderen ruhig fallen lassen. Ihr Zauber hatte auch nachgewirkt, bis Eva Mariens schlichte Herzensgüte und warmherzige Natürlichkeit den Sieg über diese Sirene davongetragen hatte. Heute sah Armin mit gefeitem Auge in das schöne, weiße Gesicht. Ruhig wartete er, bis Alexandra auch zu ihm trat. „Ah, Herr von Leyden, Sie hier in Berlin?“ Ihre müden Augen blitzten auf und brannten in die seinen. „Wußten Sie das nicht, gnädige Frau?“ fragte er, sich verneigend, mit ruhiger Wurde. Sie hatte sich gleichgültig lächelnd umgesehen, ob jemand in der Nähe war. Sie standen etwas isoliert. „Ja— ich wußte es, Armin von Leyden,— ich wußte es, und ich wäre einer ganzen Welt zum Trotz heute hierhergekommen,“ sagte sie leise, mit eigentümlich tiefer Stimme. Er sah ihr ruhig und voll in die Augen. Dies Weib hatte alle Macht über ihn verloren, das empfand er mit Zufriedenheit. „Wer hätte Sie wohl hindern sollen, gnädige Frau?“ sagte er mit leichtem Spott. Sie blitzte ihn von der Seite an. „Zum Beispiel mein Mann. Wissen Sie, daß er im Anfang eifersüchtig auf sie war?“ Sie seufzte und fuhr leise, mit schwermütigem Ton fort:„Sie glauben nicht, was für schwere Stunden deshaib hinter mir liegen.“ Armin sah kalt in ihr schönes, flehendes Gesicht. „Das begreife ich nicht, gnädige Frau. Ihr Gatte kann ganz beruhigt sein. Weder Sie noch ich werden ihm jemals Veranlassung zur Eifersucht geben.“ Sie biß die Zähne in die Lippen, und ihre weiße Hand umkrampfte fest die weiche Federvoa. Sie hatte erkannt, daß Leyden ihrem Netz entronnen war. Er würde sich nicht wieder fangen lassen. Sie warf den Kopf zurück und lächelte liebenswürdig konventionell. „Nicht wahr? Das hab' ich ihm auch gesagt. Aber herkommen mußte ich heute, um Sie zu beglückwünschen zu der märchenhaften Erbschaft. Und bald wird män von Ihrer Hochzeit hören. Haben Sie die Glückliche schon erwählt, die mit Ihnen auf dem feudalen Schlosse hausen soll?“ Sie blickte lauernd in sein Gesicht, und Armin meinte plötzlich, all' ihre Schönheit sei von einem häßlichen Zug verwischt. „Ja, sie ist erwählt, meine Gnädigste. Ich darf aber wohl noch um Diskretion bitten,“ sagte er fest und bestimmt. Sie sah schon wieder schön aus und lächelte liebenswürdig. „Dann gratuliere ich doppelt, zur Erbschaft und zur Braut. Darf ich auch noch den Namen der Glücklichen wissen?" „Bedaure, der ist noch Geheimnis.“ Sie drohte ihm lächelnd mit dem Finger. „Vor seinen besten Freunden sollte man keine Geheimnisse haben.“ „Gnädige Frau, ich wage nicht, Ihre wertvoll: Freundschaft für mich in Anspruch zu nehmen, erwiderte er kühl. Sie verneigte sich verabschiedend vor ihm und trat plaudernd zu einigen Damen. Niemand bemerkte, wie tief sie eben gedemütigt worden war von dem Mann, den sie als Spielzeug benutzt hatte und glaubte, mit einigen leidenschaftlichen Worten wieder zu ihrem Sklaven machen zu können. (Fortsetzung folgt). Der Volksgarten, Illustriertes Wochenblatt für Jedermann = erscheint jeden Mittwoch Abonnements werden von sämtlichen Boten und Botenfrauen des General-Anzeigers zum Preise von 10 Pfennig pro Nummer entgegen genommen. Haunig Sie Münchner Stizze von J. Haydn. (Nachdruck verboten.) Der Assessor Hans Perlinger hatte seine schöne junge Frau nicht nur geheiratet, weil sie ihm eine ansehnliche Mitgift in die Ehe brachte, was ja heutzutage bei den niedrigen Beamtengehältern und dem teuren Leben niemanden zu verargen wäre,— sondern hauptsächlich auch, weils er sie von Herzen gern hatte.„„ Seine erste Liebe war sie auerdings nicht,— auch nicht seine glühendste Leidenschaft— derartiges hatte er ja schon längst hinter sich!— Mit einem Wort: der Herr Assessor war als Junggeselle ein arger Schwerenöter gewesen. Das wurde damals von zärtlichen Verwandten und lieben Freunden seiner Auserkorenen zur Genüge zugetragen, konnte sie aber doch nicht abe S # SSESES S SEEEEE S TTSyE EOSEREGSC halten, dem schneidigen und liebenswürdigen Manne ihr Lebensschifflein anzuvertrauen. Sie folgte ihm sogar freudig in die Provinz, wohin er versetzt worden war, was für eine geborene Münchnerin,— wie Frau Anna— ein großes Opfer bedeutet. Nun war sie ein Jahr verheiratet, ohne jemals Veranlassung gehabt zu haben, ihre Wahl zu bereuen. Waren sie doch wie für einander geschaffen, — er der stattliche Mann mit dem geistvollen Gesicht das ein ordentlicher Schmiß durchzog, sie die üppige Blondine, aus deren pikanten Zügen schelmische, bunkle Augen sprühten.—— Aber an einem Juli=Abende, als Frau Anna einsam und verlassen auf ihrer Veranda saß, da wetterte es fürchterlich in ihren Schelmenaugen und auf ihrer Stirne zogen sich bedenkliche Zornesfalten zusammen. War doch ihr Gemahl ohne sie heute nach München gefahren, wies er doch ihren Wunsch, mitzureisen, entschieden zurück, seine Weigerung mit beruflichen Geschäften begründend. Wie naiv sie gewesen,— ihm das alles aufs Wort zu glauben!!! Jetzt erst— wo es zu spät, war sie dem eigentlichen Beweggrund seiner plötzlichen Abreise auf die Spur gekommen. Eitel Flunkerei hatte er ihr vorgemacht! O,— er war wieder in seine alten Fehler verfallen! Das abgerissene Stück eines Briefes, das sie auf seinem Schreibtisch gefunden, und das sie jetzt in ihrer fiebernden Hand hielt, waren untrügliche Beweise davon! Hätte sie doch dies corpus delicti vor seiner Abfahrt entdeckt,— dann würde sie ihn sofort entlarbt haben, den unverbesserlichen Don Juan. Ein Rendez=vous, jedenfalls mit einem„früheren Verhältnis waren seine beruflichen Geschäfte, die ihn nach München gelockt hatten. Hier stand es je klipp und klar. Wieder las sie vor Zorn bebend, das Fragment des Briefes: ——— in Bedrängnis——— 200 Mark ——— freuen——— Dienstag Abend 9¼— Café Luitplod——— Wiederschau.—— Maria Wanderer Wittelsbacherplatz 130. Empört ging sie nun mit sich zu Rate was jetzt zu tun sei. Hatte sie doch niemand im Städtchen, dem sie sich anvertrauen konnte und wollte! Und wenn?! So wollte sie dennoch nicht ihr Geheimnis preisgeben, der Mutter Spruch gedenkend, daß eine kluge Frau eine große Schürze haben müsse,—— zum Zudecken! „Deshalb Zudecken andern gegenüber— aber Aufdecken— Aufdecken für sich! Klarheit und Wahrheit wollte sie. : Energisch wie Frau Anna Perlinger war,— kam sie zu dem Entschlusse, den Teufel bei den Hörnern zu packen, das heißt, nach München zu fahren, um der Sache auf den Grund zu kommen. Am nächsten Nachmittage stand Frau Anna am Hauptportale des Münchener Zentralbahnhofes und schaute bangen Herzens in das Straßengetriebe. Ob es wohl unter der Menge eine Unglücklichere wie sie gäbe?!! Aus all ihren Himmeln hatte sie der Treulose gerissen, mit dem sie vor kaum Jahresfrist von hier aus, ihre Hochzeitreise angetreten hatte. Damals würde sie mit einer Königin nicht getauscht haben. So glücklich machte sie seine Liebe. Aber— flunkerte er ihr damals nicht auch schon etwas vor?!!—— In solche Gedanken versunken,— bemerkte sie nicht sogleich, wie sie ein unternehmungslustiger Herr umkreiste, dem die fesche Blondine gefiel. Ab— wenn sie nun eine unedle Rache nehmen wollte?! Aber Frau Assessor Perlinger war eine anständige Frau. Rasch bestieg sie eine Droschke, um aus der unheimlichen Nähe des sie belästigenden Herrn zu kommen. Auch wollte sie sich die Zeit bis zur ominösen Rendez=vous=Stunde im Café Luitpold mit einer Fahrt durch die Stradt vertreiben. Jedoch auch hier besänftigte sich ihr aufgeregtes Gemüt nicht— wurde sie doch in allen Straßen an ihren ungetreuen Gatten erinnert. Dort die Pinakötheken, diese von den Münchnern so wenig besuchten Kunsttempel,— die aber so gerne als Zusammenkunftsort von Liebespaaren aufgesucht werden. Wie oft hatte auch sie sich mit Perlinger vor einem Botticelli oder Van Dyk ein Rendez=vous gegeben!! Nicht weit davon das Künstlerhaus, in dessen Prachträumen sie den„Herrlichsten von Allen" zum ersten Male gesehen.—— Nun rollte der Wagen durch das Menschengewühl der Kaufingerstraße an der Frauenkirche vorbei, an deren Altare er ihr ewige Treue geschworen. Wie hielt er nun seinen heiligen Schwur?“ Unglaublich! Empörend!— O niemals wollte sie wieder über seine Schwelle treten! Heute noch sollte es zur Katastrophe kommen,— und morgen, werde man sich in der Stadt eine neue Ehescheidungsgeschichte erzählen. Das wird dann nicht verschwiegen bleiben,—— aber nur los von einem Manne, der sie betrog,— schändlich betrog!— Es begann schon stark zu dämmern, als Frau Anna aus der Droschke stieg. Um einigermaßen ihre Nerven zu beruhigen, wollte sie noch eine Weile promenieren, als nahe dem Obelisk eine Dame auf sie zueilte. Zu ihrem Schrecken war es Coufine Else,— die größte Klatschbase in der Familie. Sie fragte sofort nach dem Wie und Warum sie eigentlich in München sei. „Und wo ist Dein Hans!“ fragte sie weiter. Frau Anna, die diesem Plappermaul erst recht nicht ihr Geheimnis anvertrauen wollte, antwortete diplomatisch: „Er hat berufliche Geschäfte,— ich erwarte ihn in einer Konditorei. „Warum denn nicht bei Deiner Mama,“ fragte die Cousine erstaunt. „Wir werden erst später zu Mama gehen!“ Sie hatte sich in der Tat vorgenommen, erst nach den Auseinandersetzungen mit dem Treulosen, Zuflucht im Elternhause zu suchen. Sie atmete ein bischen auf, als Cousine Else sich verabschiedet hatte,— dann betrat sie resolut das Café„Luitpold". In den Münchener Restaurants und Cafés sind einzelne Damen durchaus keine seltenen Erscheinungen. Auch Frau Anna Perlinger wurde in dem Riesenverkehr dieses Etablissemenas nicht belästigt. Man erkannte in ihr die Dame, und als solche wurde sie auch respektiert. Sie nahm ihr Abendessen hinter einer Säule an einem wenig exponierten Tische ein,— von welchem aus sie den Saal und einige angrenzenden Lokalitäten übersehen konnte. Appetit hatte sie nicht,— sie starrte immerzu in das Menschengewirr und suchte darunter das verbrecherische Paar, das sich hier zusammenbestellt hatte. Sie sah auch ihren Vetter, den Rechtsanwalt die Säle durchqueren. Sie überlegte, ob es nicht zweckdienlich für sie wäre, sich von ihm Verhalungsmaßregeln geben zu lassen, und ihn zu bitten, ihr Zeuge zu sein. Sie wußte, daß das von großer Wichtigkeit, sie wußte auch, daß das deutsche Gesetz nicht mehr so rasch Ehen scheidet und daß ganz gewichtige Gründe vorhanden sein müßten. Aber die waren ja in ihrem Falle unzweifelhaft vorhanden, trug sie doch das Corpus delikti bei sich. Es ging schon stark auf zehn Uhr und immer noch entdeckte sie keine Spur von den Erwarteten.— Da — plötzlich sah sie im Wintergarten,— o es war keine optische Täuschung, ihren Gatten mit einer Dame vertraulich an einem hübsch gedeckten Tische sitzen. Sie tranken sich zu,— und hatten nur für einander Auge und Ohr. Das weibliche Wesen,— das ihr den Rücken zukehrte, war stark unterspickt— ihr Anzug sehr salopp— ihre Bewegungen burschikos.— Jedenfalls ein extravagantes Malweib oder sonst eine „Emancipierte“, wie es so viele in München gibt. Und welch' gesegneten Appetit sie enwickelt! Auch einem guten Tropfen schien sie nicht abgeneigt.— Dann ihr lautes Gelächter! Sie fand es gradezu ordinär,— sie hörte es trotz der Entfernung und des Lärms im Café. Und jetzt— das Blut stieg Frau Anna siedendheiß zu Kopf,— jetzt rückte die Person ganz nehe zu ihm hin, und machte sich an seiner Kravatte zu schaffen. O es war nicht mehr zum Ansehen. Am liebsten würde sie dem frechen Frauenzimmer eine Ohrfeige gegeben haben Bebend vor Wut sah sie sich nach ihrem Vetter, dem Rechtsanwalt, um, der geeignete Moment für einen Zeugen war gekommen! Aber sie konnte ihn nicht entdecken. Jedoch,— saßen nicht rund herum genug Leute, die das„feine Paar" beobachtet hatten?!— So sehr sie sich bis jetzt beherrscht hatte,— jetzt war es damit zu Ende! „Nun— zu ihm,— ihn entlarven,—— den Heuchler——— den——“ Und wie von Furien gejagt lief die Eisersüchtige auf den ominösen Tisch zu. Sie hatte ihn aber noch nicht erreicht, als auch schon ihr Gatte auf sie zueilte. Ueberrascht über ihr plötzliches Erscheinen, sowie über ihren unfreundlichen Gesichtsausdruck fragte Sie erzählte ihr stolz, daß sie der Herr Assessor eingeladen und so nobel regaliert habe. „Weil Sie verdienen geehrt zu werden, meine liebe Wanderer,“ gab er zurück,„haben Sie mir, dem sorglosen Studenten doch gar oft aus der Not geholfen. Aber nicht nur mir, sondern noch so und soviel anderen Studenten. Wird darunter einmal Einer eine„Größe“, so verdienen Sie in München auch einen Gedenkstein,— wie ihn Mannheim der Nothelferin Schillers— der Anna Hölzle— gesetzt hat!“ „Heut' aber, guä Frau,“ meinte Marie Wanderer,„heut war Ihr Herr Gemahl mir Rothelfer, — die 200 M.—————. „Pst! nicht aus der Schule schwätzen“, fiel ihr der Assessor in's Wort. Dann wandte er sich seiner Frau zu. „Und nun zu Deiner Mama, kleine dumme Anna — sie wird sich über Deine Eheverwirrung gehörig lustig machen.“ Arm in Arm verließen sie das Café. Frau Anna nicht nur überglücklich über die gute Lösung, sondern auch noch hochbefriedigt,— weder Cousinc Elsc, noch dem Vetter Rechtsanwalt verraten zu haben, weshalb sie eigentlich ihrem Manne nachgereist,—— denn wie hätte sie sich erst dann blamiert!!! er: „Vist wohl noch bös Annerl, daß ich Dich nicht mitgenommen?!“ Er wollte ihre Hand fassen, sie zog die ihre rasch zurück.— „Was ist denn los?“ fragte er wieder.„Was hat Dich denn nach München veranlaßt, und ausgerechnet ins Café Luitpold?!“ neckte er. „Jawohl ausgerechnet an den Schauplatz Ihrer Schandtaten!" stieß sie heraus. „Du sprichst ja per Sie mit mir?!“ sagte lachend. „Jawohl,— weil wir von heute an geschiedene Leute sind,“ zischte sie. Er schaute jetzt doch etwas verdutzt auf sie herab. „Geschiedene Leut'————!“ flüsterte er. „Mit einem Menschen, der solche Briefe bekommt, leb' ich nicht weiter! O ich arme unglückliche Frau!“— Und sie gab ihm das Brief=Fragment. Er aber,— anstatt von der Wucht des Indicienbeweises zerknirscht zu sein, lachte so schallend, daß trotz des Lärmes im Café, einige Gäste sich nach ihnen umschauten. „Anna,— eiferfüchtige kleine Anna!“ sagte er, ihren hübschen runden Arm enerigsch umfassend Dann führte er sie trotz ihres Sträubens an seinen Tisch. Das wpeibliche Wesen dorten, hatte sich dem Paare zugewandt. Frau Anna stand ihr nun gegenüber. Sie blickte erstaunt in ein gutes altes Gesicht. „Hier Anna“, sagte ihr Gatte,—„stelle ich Dir meine ehemalige liebe Hausmutter, Frau Marie Wanderer vor!“ „——as?!“ fragte Anna,— die wie eine Bildsäule dastand. Perlinger weilte sich an ihrer Verlegenheit. Frau Wanderer aber gab Anna treuherzig die Hand und freute sich die Bekanntschaft der Gemahlin ihres einstigen Zimmerherrn zu machen. Munnigfültiges. —(Zum 9. internationalen Geographen=Kongreß.) der vom 27. Juli bis 6. August nächsten Jahres in Genf abgehalten werden wird, ist eine große Zahl von wissenschaftlichen Ausflügen in Aussicht genommen worden, die sämtlich von gewiegten Kennern der betreffenden Gegenden geleitet werden sollen. Zehn Excursionen sollen vor dem Kongreß, andere nachher stattfinden. Professor Früh in Zürich wird die morphologischen Verhältnisse der Alpen und ihrer Vorberge erläutern, Dr. Lugeon die besonders von ihm studierten Ueberfaltungen in verschiedenen Teilen der Al. pen, Ernest Muret die oberste Waldzone der Alpen, Dr. Schardt den Bau des Jura im Verhältnis zu dem der Alpen. Dr. Schröter wird einen botanischen Ausflug leiten, Dr. Briquet in das Studium der Pflanzenvekteilung und ihrer Gegensätze, Professor Brückner in das der eiszeitlichen Morphologie einführen. Professor Brunhes wird mit Unterstützung anderer Gelehrter die Aufmerksamkeit der Fachleute auf die unterscheidenden Merkmale der Erosion durch fließendes Wasser und der durch strömendes Eis hinlenken, Professor Schardt den Bau des südlichen Teiles des kristallenen Alpengebirges vorführen. Eine besondere Stellung wird schließlich der Ausflug unter der Führung von Professor Chaix einnehmen, der die Erscheinungen der chemischen Gesteinscrosion, namentlich an den sogenannten Karrenfeldern und am Karst, veranschaulichen wird. Schon nach dieser noch unvollkommenen Liste, ist die Annahme berechtigt, daß diese belehrenden Ausflüge zu den hervorragendsten Veranstaltungen des Kongresses gehören werden, was auch durch die Wahl des Versammlungsortes gerechtfertigt wird, der für diesen Zweck seiner Lage nach in ungewöhnlichem Grade geeignet ist. —(Eine lustige Manövergeschichte.) Ein„kleines" Mißverständnis, das gegenwärtig in Hofkreisen die Runde macht und viel belacht wird, passierte jüngsthin— so erzählt ein Leser der„Täglichen Rundschau“— einem Bürgermeister einer kleineren Gebirgsstadt. Prinz N.(Orts= und Personennamen gelobten wir zu verschweigen) war während des Manövers mehrere Tage in dem reizenden und wegen seiner idyllischen Lage von den Münchnern gern besuchten Gevirgsstädtchen X. einquartiert und die würdigen Gemeindeväter beschlossen, dem während seines kurzen Aufenthalts sehr beliebt gewordenen Prinzen vor seinem bevorstehenden Abgange eine kleine Ovation darzubringen. Dessentwegen sollte auch das Gemeindeober= haupt an den Prinzen eine kurze Ansprache richten. Trotzdem nun unser Bürgermeister zwar den üblichen Anforderungen eines Ortsvorstandes in jeder Weise und zur allgemeinen Zufriedenheit entsprach, wofür schon der Umstand Zeugnis ablegte, daß er schon zum dritten Male als Sieger aus der Wahlurne hervorging, so hatte er doch auch wie jeder Sterbliche seine schwachen Seiten. Go war er beispielsweise weit davon entfernt, ein Cicero oder gar Demosthenes zu sein, kurz, das Redeschwingen war sein größter Greuel und wer von ihm eine Rede forderte, der hatte seine Achillesferse getroffen. Und doch— hilf was helfen mag— es mußte geredet werden. Lange wollte der Bürgermeister allerdings durch Vorschützen von plötzlicher Erkrankung der unangenehmen Sache aus dem Wege gehen, aber endlich, zumal man ihm von Orden und Titel sprach, wonach es den ehrgeizigen Mann schon längst gelüstete, entschloß er sich doch endlich, dazu, in den sauren Apfel zu beißen. Um ihm die schwierige Obliegenheit nach Möglichkeit zu erleichtern, wurde im hohen Rate beschlossen, ihm den Gemeindeschreiber als Souffleur beizugeben. Das Festprogramm wies als dritte Nummer nach Ueberreichung eines wirklich prachtvollen Alpenrosen= und Edelweiß=Straußes durch ein schmuckes Gebirgskind und nach Intonierung der Königshymne die Ansprache des Ortsvorstandes auf. Tadellose Ruhe herrschte, als der Redner, dem man die große Verlegenheit vom Gesicht ablesen konnte, das Podium betrat und dann, gesenkten Hauptes wie eine Trauerweide, eher einem Delinquenten auf dem Schafott, denn einem Festredner gleichend, dastand. Hinter dem Podium wa## ein hübsches Pflanzenarrangement aufgestellt, we ches den dahinter stehenden Souffleur verbarg. Un. der Bürgermeister sprach:„Königliche Hoheif!“ — Königliche Hoheit— Pause.— Königliche Hohei hr. 255.(2. Blatt). General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Montag, 16. September 1907 Par u. Nickel-Service mit vergold. Milchglesser und Lippenrand-Tablett euh Pchehnensen K Die Kritik des Kaisers über die Kaisermanover. Berlin, 14. September. Die kaiserliche Kritik #ber die Feldübungen des 7. gegen das 10. Armeeorps ist diesmals besonders eingehend gewesen der Kaiser hat nach Mitteilungen der„Militärischpolitischen Korrespondenz“ auf der Höhe 243 südestlich des Ortes Dössel bei Warburg nach Schluß des Kaisermanövers am Mittwoch morgen über eine Stunde die Vorgänge bei den Gefechten des 9. 10. ##und 11. September in allen ihren Einzelheiten beprochen. Während der Monarch besonders die Marschleistungen anerkannte, hat er sich ähnlich wie En vorigen Jahre scharf gegen die Unzulänglichkeit er Kavallerieführung gewendet und den Mangel der öheren Reiterführung an richtiger Initiative gePadelt. Am ersten Tage des Manövers hat ancheinend die Kavalleriedivision B. den Erfolg für Die rote Partei beinahe in Frage gestellt, nur durch Den 65 Kilometermarsch der 19. Tivision von PyrWren un ihn euher duer der che. sowie der gegenwärtige Scheil dieses Ortes wurden nebst zwei anderen Marokkanern gefesselt nach dem französischen Grenzorte Lalla Marnia eingebracht. Sie werden beschuldigt, bei dem Stamm In der Umgegend, nämlich den Beni Senassen, gegen vie Franzosen Stimmung gemacht zu haben. Paris, 14 Sept. Für die Notwendigkeit einer schleunigen Besetzung von Rabat und Larasch wird außer der Nähe der Sturmperiode hier als Argument angeführt, daß man dem gefährlichen Waffenschmuggel in beiden Häfen ein Ende machen müsse. Europa wäre während der Wintermonate außerstande, die genannten Städte gegen Unternehmungen der Kabylen zu schützen. Auf die bevorstehende Ankunft Abdul Asis in Rabat wird in den offiziösen Darlegungen zwar nicht ausdrücklich hingewiesen, aber zu verstehen gegeben, es sei in Frankreichs Interesse, sofort nach Klärung der Thronfolgefrage in Rabat den Sultan Abdul Asis dort durch den Chef einer ansehnlichen Truppenabteilung begrüßen zu lassen. Die diplomatischen Schritte, welche einer französisch=spanischen Landung in Larasch, Tetuan und Rabat bgrangehen, müßten, würden, mneint man nd ihr nech zeitiges Eingrefen und Rabat vorangehen müßten, würden, mein Kvont nach Bratel und ihr rechzeitiges Eingreisen hier, keinen Schwierigkeiten begegnen. Die mit den Pestlich des vielumstrittenen Hampenhäuser Berges Stämmen um Rabat eingeleiteten Unterhandlungen schwierige Lage für Rot gerettet worden. Im zwecks ihrer Lostrennung von den Stämmen, deren Ei die kritsichten ang—.—4“.s Fages standen die zehg gweds ihrer Lostrennung ##rtischsten Moment des Tages standen die sechs Zentrum das Lager Titmellil ist, versprechen anMlegimenter der Kavalleriedivision B. mit Artillerie geblich Erfolg.— Eine überraschende Meldung nd Maschinengewehren untätig bei Erkeln..,, kommt aus üdfida, wo vom Korpschef Algeriens, Umsichtiger scheint die Führung, der Kavallerie Sexpieres und dem Divssionsgeneral Liauthey, bei der blauen Partei gewesen zu sein. Auch ein, welche beide dort eintrafen, angeblich der Vormarsch eine Divisionskavallerieregimenter, wie die Braun= in der Richtung auf Taza geplant ist. Die Agenee #tweiger Husaren, die Driesen=Kürassiere und das Havas bestreitet allerdings eine solche Absicht. VielEusarenregiment Königin Wilhelmina der Nieder= leicht handelt es sich um die Errichtung von BlockWonde sind bei der Kritit gelobt worden. Vom käusern zur Sicherung der in Aussicht gepommenen Rudolf Birckow=Krankenhaus aber größtenteils noch Waser dagu aufgefondert, wies General v. Kleist, Bahnverbindung von der Grenge nach Tazg.„1/6 der Papllonipp mit den zwei Krankensälen vorEs neue Generalinsgelteur der Kavalegze, in An. äußerer Tnlaß der von Adjidg, aus uu Iutersteh=(herrscht und mehr nebenber Zi. Kautstlign #lutz, an die Besprechung des obersten Kriegsherrn menden Truppenbewegungen gilt der in der Um= herrscht, und, mehr nebenher uf einzelne Fehler hin, die von der Reiterwaffe gebung geschürte Aufruhr gegen die Franzosen. ehrfach begangen worden sind. Aus San Sebastian wird über Spaniens Teilnahme Die Infanterie und Artillerie dagegen und in an der eventuellen Besetzung von Tanger, Larasch u e it u ue en sowie verschiedene Stadträte, Stadtverordnete usw. eingefunden. Professg, Dr. Lenhartz führte aus, daß von 1877 bis 1904 die Zahl der allgemeinen Krankenhäuser im deutschen Reiche von 1822, auf 2603, die der Krankenbetten von 72 219 auf 205 117 estiegen seien. Der Vortragende hat seit 13 Jahren en großen Hamburger Krankenhäusern als Leiter vorgestanden und mit Baurat Ruppel zusammen die Pläne für den St. Georgen=Neubau entworfen. Ein Rückblick auf die letzten 30 Jahre zeigt, daß auf allen Gebieten des modernen Lebens eine bald ruhigere, bald lebhaftere Bewegung erkennbar ist. Die Erfahrungen des amerikanischen Bürgerkrieges und von 1870=71 hatten zur Verwerfung des Korridorbaues und zur Errichtung der reinen Pavillonanstalten geführt. Fast zwei Jahrzehnte beherrschte dieses System, dessen einfacher Anfang in Moabit und großartige Fortführung in Eppendorf geboten ist, den Bau aller modernen Krankenhäuser. Sie sind durch die zerstreute Anlage von Einzelpavillons charakterisiert, deren meist einfacher Grundriß einen großen Krankensaal für. 30 bis 34 Betten und einige: Einzelzimmer für das Pflegepersonal und Absonderungszwecke neben den nötigsten Nebenräumen ertennen löht...— SpK-kemnderts honang mt Zu Ende des vorigen Jahrhunderts begann mit einem neuen Pavilloniyp, bei dem aus arztlichen, technischen und sozialen Gründen der eine große Saal aufgegeben und zwei kleinere zu je 16 bis 20g Betten, sowie zahlreiche Absonderungsräume angelegt werden. Auch wies man schon auf die Notwendigkeit von Korridorhäusern für manche Krankengruppen hin. Die so eingeleitete Bewegung hat immer neue Aenderungen entftehen lassen, wie die letzten, zum Teil großartigen Anlagen in Berlin, Köln und Düsseldorf erkennen lassen. Während im besonderem Maße auch die technischen Truppen haben ebenso wie der rote Führer, General der Kaallerie v. Stünzner, hohe kaiserliche Anerkennung Errhalten. Das sehr durchschnittliche und unüberlichliche Gelände in der Kampfesgegend zwischen Reihe und Diemel hat große Anforderungen an alle Baffen gestellt. Versagt scheint die Infanterie und Rabat gemeldet: Sobald die noch zwischen Paris, Madrid und Berlin schwebenden Unterhandlungen abgeschlossen sind, übernimmt General Bazan den Befehl über die a0 hoc zusammengestellte Division. Von Bigo aus würden Truppen an Bord des„Carlos quinto“ nach Tanger, an Bord des „Rumantia“ nach Tetuan, an Bord des„Estramanach Ansicht des Kaiser nur einmal zu haben, und dura“ nach Larasch abgehen; drei Torpedojäger wür#rur bei dem schwierigen, Nachtangriff vom 10. dur tene größeren Einbesiten hegseisen. Dies allea ###eotember morgens gegen Roche und den Schmaer#berg. Der Kaiser hat unter Hinweis auf die Bebleiterscheinungen dieses Angriffs vor NachtanAgriffen, außer in übersichtlichem Terrain, dringend #ewarnt. Die Eigenart der vor Vorgholz nach Mothe führenden Straße des Angriffsweges der 41. penmassen versammeln, Infanteriedivision hat es mit sich gebracht, daß ein= gegen Marokko vorzugel den jene großeren Einheiten begleiten. Dies alles hätte schon in der ersten Septemberwoche ins Werk gesetzt sein sollen, aber das deutsche Promemoria konnte nicht als formelle rückhaltlose Zustimmung aufgefaßt werden. Die Nachricht, daß die Franzosen in Udjida Trupum von hier aus offensio gegen Marokko vorzugehen, wird auch an hiesigen Azelne Vataillone in der Dunkelheit nach einer ganz unterrichteten Stellen als unwahrscheinlich bezeich#alschen Richtung angesetzt wurden. Als der Tag net, denn ein solches Vorgehen würde in direktem Vgraute und der Kaiser noch während des Halbdun= Widerspruch mit allen bisherigen Erklärungen der lels die Stellungen abritt, standen mehre Abteilun französischen Regierung stehen, wie ja auch die Algen von Blau auf nahe Entfernung im Feuergefecht geciras=Akte diese Aktion vollkommen ausschließt. gegeneinander, ohne zu wissen, daß Freund auf Denn sie besagt lediglich, daß Frankreich im Verein Ustreund schoß. Der Kaiser hat die kriegsmäßige mit Spanien in den Küstenplätzen von Marokko eine Möglichkeit eines solchen Durcheinanders durchaus intornationale Polizei einzurichten hat. Acberiannt, aber Miederholungen ahmlicher Nachhangriffe als nicht angebracht bezeichnet. Ausdehnung der französischen Osenspoe in Aiarokto. Die französische Regierung scheint nunmehr die militärische Besetzung der wichtigsten marokkanischen Hafenstädte endgültig beschlossen zu haben, und sleichzeitig soll von der algerischen Grenze her ein neuer Vorstoß in das Innere vorgenommen verden, was allerdings offigiös in etwas unbestimm#r dorm bestritten wird. Es sicht aber fest, daß der Kommandierende General von Algerien Serbieres und der Divisionskommandeur von dan, General Llauthey sich im Automobil von Eine Kritik des Rudolf VirchowKerankenhäuses. Bremen, 13. September. Die heutige dritte und letzte Hauptversammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege brachte eine interessante Auseinandersetzung über den modernen Krankenhausbau irscht, und mehr nebenher die Korridor=Anlagen für die gynäkologischen, Haut= und Geschlechtskranken erkennbar sind, zeigen diese letztgenannten beträchtlichere Abweichungen, die in Düsseldorf schon so weit vorgeschritten sind, daß der Pavilloncharalter nur dem Namen nach erhalten ist. Es handelt sich um mehrstöcige Korridorbauten kleineren Umfanges, die über das Anstaltsgebäude zerstreut sind Beim Virchowhaus ist— ebenso wie in Köln— die Länge der Pavillons fast aufs doppelte gewachsen. Demgegenüber hat man in München und Wien begonnen, in die Göhe zu gehen: dort baut man drei=, hier sechsgeschossige Korridorhäuser. Nachdem der Redner in einer kritischen Besprechung die Licht= und Schattenseiten der verschiedenen Systeme eingehend erörtert hatte, empfahl er für alle großen Neuanlagen den Bau zwoistöckiger Pavillons mit gleichzeitiger Anlage einer Anzahl von Korridorbäusern, während für kleinere Anstalten (unter 500 Betten) ein oder zwei Korridorhäuser nach dem Offenbacher Typ vorzuseben seien, neben denen einige kleinere Pavillons für die Absonderung der Infektionskrankheiten vorhanden sein müssen. Die Kosten, die besonders beim Birchow=Krankenbaus so enorm in die Höhe gegangen seien(9500 Mark pro Bett in einer Anstalt von 2000 Betten, während Sppendorf bei 2150 Betten kaum 5000 Mark pro Bett beansprucht habe), können weit niedriger sein, ohne daß die ärztlichehygierischen Forderungen irgendwie zu leiden brauchen. Ueber 1500 bis 1600 Betten sollte keine Anstalt hinausgehen, da die Zufuhr warmer Speisen und die allgemeine Bewirtschaftung wegen der„Leutenot“ auf größte Schwierigkeiten stoße. An 30 Projektionsbildern erläuterte der Vortragende seine Ausführungen und schloß mit einem Doppelbild, das die Entstehung des neuen St. Georger Krankenhauses in Hamburg an der Stätte des alten Hauses illustriert. Der Redner unterbreitete dann der Versammlung eine Reiße von Leitsätzen, in denen es unter anderem heißt: Die Erfahrungen, die in den letzten 30 Jahren auf dem Gebiete des Krankenhausbaues De uecie e d eee voronzustellen sind. In der Bosprechung nahmen, wie zu erwarten war, auch verschiedene Vertreter Berlins das Wort, so u. a. Staudtbauinspektor Tietze, Geheimer Sanitätsrat Straßmann, Geh. Regierungsrat Ohlmüller, der Verwaltungsdirektor des Rudolf Birchow=Krankenhauses, um unter dem lebhaften Beifall der Versammlung Widerspruch gagen die Vorwürse zu erheben, die man gegen die Bauleitung und Verwaltung des Virchow=Krankenhauses gemacht hatte. Stadtbauinspektor Tietze (Berlin) fragte, ob da, wo man billigere Krankenhäuser baue als in Berlin, auch die gleichen Leistungen vorhanden soien, ob man auch eigene Wasserwerke habe wie in Berlin, eigene Elektrizitätswerke, eigene Kühlanlagen usw., ob auch die Betten von derselben Güte seien und anderes mehr. Es sei unlogisch, den Wert eines Krankenhauses nach den Kosten eines Bettes zu berechnen. Geheimer Sanitätsrat Straßmann: Der Bau des Birchow=Krankenhauses ist steis und überall in Uebereinstimmung mit den ärztlichen Beratern ausgeführt worden. Wenn wir wieder einmal vor einer Epidemie stehen solten, und fast scheint es so, als ob etwas in der Luft schwebte(Beweaung), dann ist es gut, wenn die Millionenstadt Berlin einige hundert Betten zur Verfügung hat. Geheimer Regierungsrat Ohlmüller erklärt unter der Heiterkeit der Versammlung, daß er den Referenten seinerzeit im BirchowKrankenhause umhergeführt habe und daß er ihm zuerst den großen Repräsentationssaal gezeigt habe, Diesem gegenüber mußten die Pavillons freilich etwas eng erscheinen. Er hätte die Führung wohl besser so unternommen, daß er ihm erst die Pabillons zeigte und nachher den großen Saal, dann wäre vielleicht der Eindruck ein besserer geworden. (Heiterkeit.) vom hygienischen und wirtschaftlichen Standpunkt aus, die in einer Krittl des Rudolf Birchow=Kran= gewonnen sind, lehren, daß nur durch einmütiges kenhauses in Berlin durch die Ausführungen und Zusammenwirken von Aerzten und Archilekten die Leitsätze des Hauptreferenten Dr. Lenhartz= mustergültige Anstalten geschaffen werden. AndererHamburg gipfelte. Mit Rücksicht auf das Thema seits beweist die neueste und großartigste Schöpfung hatten sich Vertreter der Stadt Berlin in großer auf diesem Gebiete, daß die architcktonischen RückZahl, unter ihnen die bei der Schaffung des Rudolf sichten nicht den Bau beherrschen dürfen, sondern Parteitag der Freisinnigen Volsbartei. Berlin, 14. September. Es folgten heute die Beratung der Anträge, die zur Frage des Wahlrechts gestellt waren. Der erste dieser Anträge, Antrag Dr. Müller=Sagan und Müller=Iserlohn lautet: „Der Parteitag hält es für unvereinbar mit der notwendigen Einheitlickheit der Reichspolitik, daß in Preußen, dem Bundesstaat, der den wesentlichen Enfluß ausübt auf die Reichsverwaltung ein anderes Wahlsyhstem herrscht, als im Reiche und erachtet schon aus diesem Grunde, auch abgesehen von allgemeinen Gründen der politischen Gerchtigkeit, die Einführung des im Programm der Freisinnigen Vollsxartei geforderten, gleichen, allgemeinen geheimen und direkten Wahlrechts in Preußen für geboten. Der Parteitag erwartet, daß die Fraktion der Freisinnigen Volkspartei im preußischen Abgeordnetenhause, wie bisher, mit allem Nachdruck für die Reseitigung des bestehenden, durchaus unnerechten und widersinnigen Dre Uassenwahlsystems einr treten wird.“ Ein Antrag des freisinnigen Vereins Waldeck in Herford lautet:„Im allgemeinen Lartespropramm an Stelle der Worte„Erhaltung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts für den Reickstag Ausdehnung desselben auf die Landtagswahlen der Einzelstagten“ zu setzen:„Erhaltung des gehe men, allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts für den Reichstag; Annahme der geheinen, allgemeinen, gleichen und direkten Wahl unter zeitgemäßem Ausbau für die Landtagswahlen der Einzelstaaten.“ Ein Antrag der Tchegierten für Königsberg schließlich lautet:„Der Pareitag erllärt es für dringend geboten, 1. unter Hinweis auf de bereits auf dem Hamburger Parteitag gefaßte Resolutien wegen der eingetrerknen erheblichen Pevölterungsverschiebungen eine neue, den Grundsätzen des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1850 und des preußischen Wahlgesetzes vom 27. Juni 1800 entsprechende Abgrenzung n der Reichstagswahltreise für die Wahlen zum preuWiben dunice ceche men; 2. zur Scherung der Wahlfreiheit und der gcheimen Wahl wirtsamere Vorschriften zu erlassen, insbesondere in betreff der Wahluren, Isolierräume und Abgrenzung der Wahlbezirke.“ Reichstagsabz. Müller=Iserlohn führte begründend aus, daß das preußische Wahlrecht unhaltbar sei. Dieser von Bismarck als elendestes aller Wahlsysteme gebrandmarkte Wahlrecht musse fallen, damit die süddeuuischen Staaten ihr Wahlracht reformiert hätten und nachdem Oesterreich sogar das allgemeine Wahlrecht eingeführt habe: (Beifall.) Buschmann=Hagen: Für die Klassenwahlen und eine öffentliche Abstinunung darf unsere Landtagsfraktion nicht stimmen und sollte der Block zum Teufel gehen. Der geeignete Moment muß geeignete Männer finden.(Beifall.) Reichstagsabg. Fischbeck: Es ist wiederholt angedeutet worden, wir hätten eine Programmforderung aufgegeben, um einen Kuhhandel mit dem Fürsten Bülow abzuschließen. Ich erkläre rund heraus: Ein solcher Kuhhandel hat nie stattgefunden und wir werden uns in einen solchen Kuhhandel auch nicht einlassen.(Beifall.) Redner kritisiert den Naumannschen Wahlreformartikel im „B..“(Zuruf: Quatschl) Wie kann man uns zumuten, daß wir uns damit einverstanden erklären sollen, daß auf Grund des bekannten Beamtenerlasses alle Beamten zum Teufel gejagt werden sollen, die nicht mittun wollen. Unser Programm fordert das Reichstegswahlrecht für die Einzelstaaten und unsere Tattik muß darauf lossteuern dieses Wahlrecht einaufühven. Wenn die Regierung sich etwa zu Reformen, wie die Sicherung der geheimen Wahl und die Neueinteilung der Wahlkreise jetzt entschließen sollte, sollen wir da se töricht sein. der Regierung zu sagen, wir lehnten sie ab? Das würde geradezu Unsinn sein.(Beifall.) Wenn wir ein Stück bekommen, so ist es unsere Aufgabe, dahin zu arbeiten, mit Hife dieses Zugeständnisses mehr zu bekommen, um endlich das elendeste aller Wahlrechte zu beseitigen. Das ist unser Standpunkt und wir lassen uns nicht von einem Manne von unserer Tatik abbringen, der heute so und morgen so Propaganda treibt. der Pikanterien für seinen Kampf braucht. Von dem lassen wir uns die Zukunft nicht verrammeln. Wir befinden uns mit unserer Taktik in Ucbereinstimmung mit Eugen Richter, der manchmal uns Jungen, die mehr fordern wollten, sagte: Ich vertrete in Agitation und in der Minoritcht nichts, was ich nicht jeden Tag vertreten könnte, wenn ich in der Majorität wäre. Das ist unser Standpunkt. Die Sozialdemokraten wollen nur Verwirrung stiften. Nehmen Sie die Versicherung mit: Keiner von uns in der Landtagsfraktion denkt daran, auch nur ein Stück des Progranmns aufzugeben. Aber wenn wir nickt das Ganze kriegen können, wenn wir etwas erhallen, bann wollen wir es annehmen. (Lebh. Be fall.) Wir haben gegen die letzte Wahlnovelle gestimmt, weis sie das bestehende Wahlrecht nur konservieren sollte. Viel Wolle spinnen wir in unserer Wählerschaft mit Schlogworten nicht, Wollen wir die Kreise vor den Kopf stohen, die bei den letzten Wassen zu uns gekommen sind! Aus den Reihen der Sozialdemokratie sind sie nicht gekommen. Seen Sie versichert, daß alles, was wir in Preußen tun können, nur geschsebt, um zu dem Zick zu gelangen, das in unserem Programm niedergelegt ist.(Lebh. Beifall.) Abg. Müller=Sagan: Von einem Zusammenhang zwischen Wahlrechtsfrage und Blockpolitik ist an sich keine Rede oder noch nur insofern, als zu befürchten ist, daß, wenn die liberalen Hoffnungen sich nicht verwirklichen sollten, bei den nächsten Wahlen die Sozialdemokratie in verdoppelter und verdreifachter Zahl in den Reichsag einziehen wird und die Regierung wieder in Abhängigkeit von der gleichen Mehrheit wie früher kommt. Es wäre aber nichts verkehrter als zu sagen: entweder alles oder wie lassen die ganze Bloapolitik fahren.(Beifall). Im„B. T. ist versucht worden, mich für Naumanng Waqnak ik in Anspruch zu nehmen. Nichts ist verkehrter als das. Ich stehe gangz auf dem Standpunkte Fischbedks, und ich mache gar kein Hehl daraus, zu sagen, daß ich die Naumannsche Politik für ertehrt halte.(Sehr richtig). Sollen gar der Lockung folgen, auf die Straße gehen und Demonstrationspolitik treiben? Wir haben uns in allen Kämpfen auf dem Wege der Ordnung und der gesetzlichen Bestimmungen gehalten und wir werden gut tun, auf diesem Wege weiter zu wandeln. Dann werden wir am ehesten und sichersten zu unserem Ziele kommen. Eines aber müssen wir sofort fordern; daß bei den nächsten Wahlen der Beamtenapparat in Preußen uns gegenüber die gleiche Neutralität beobachtet, die wir bei den letzten Reichstagswahlen beansprucht, aber leider nicht immer gefunden haben. Wir wollen keine Begünstigung, aber wir wollen, daß uns das gleiche Licht und der gleiche Schatten zuteil werde, wie den übrigen Parteien.(Beifall). Leider sieht es damit heute noch schlecht aus. Selbst im aufgeklärten Schlesien setzt man Freisinnige noch dann zurück, wenn begierungsseitig anerkannt wird, daß sie sich ein besonderes Verdienst erworben haben. Unser Reichstagskandidat für Sagen=Sprottau, Endemann, sollte die Rettungsmedaille erhalten, weil er mit Lebensgefahr ein anderes Leben gerettet hatte. Da er ein Freisinniger ist, sollte er sie nicht am Bande tragen (Hört! Hort!) Er wies sie darauf zurück. Redner schließt mit der Bitte um die Annahme seines Antrages.(Beifall). Der Antrag Herford wird zurückgezogen. ] Nach einem kurzen Schlußwort des Abg. Fischbeck wurde der Antrag Müller=Sagan und MüllerIserlohn mit der Erweiterung angenommen, daß die Forderung des gleichen, allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts nicht nur für Preußen, sondern für alle Bundesstaaten aufgestellt wird. Der Antrag Königsberg wurde ebenfalls angenommen. ( Es folgten dann die Anträge zur Arbeiterfrage. Landtagsabeg. Goldschmidt befürwortete folgenden Antrag:„Der Parteitag bestätigt den Beschluß des Hamburger Parteitages und erklärt sich nach wie vor entschieden gegen jedes Ausnahmerecht. Die Partei tritt ein für Sicherung und Verallgemeinerung der Koalitionsfreiheit, für Aufrechterhaltung der Freizügigkeit unter Herabsetzung der Personentarife auf den Eisenbahnen und Beseitigung der Fahrkartensteuer mindestens für die dritte Wagenklasse. Die Partei erstrebt unter Aufhebung veralteter Gesindeordnungen zeitgemäße Rechtsverhältnisse für die in Haus= und Landwirtschaft beschäftigten Personen. Sie erkennt in den Arbeitnehmerverbänden eine ebenso berechtigte Interessenvertretung wie in den Arbeitgeberorganisationen. Sie verlangt gesetzliche Anerkennung aller Berufsvereine in einer den modernen Verhältnissen angemessenen Form. Sie tritt ein für den Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung insbesondere zur Abwehr gesundheitsschädlicher Anforderungen an die Arbeitskraft von weiblichen Personen, jugendlichen Arbeitern und Kindern. Sie unterstützt die Gestaltung der öffentlichen Betriebe zu sozialen Musteranstalten. Die Partei bekämpft jede Schmälerung in der Stellung der freien Hilfskassen und wird auch fernerhin bemüht sein, die Entwicklung der Selbsthilfe auf dem Wege der Vereinigung zu fördern. Die Partei tritt ein für eine Reform der Unfall= und Invalidenversicherung und für ihre Ausdehnung auf weitere Kreise. Sie bekämpft die Belastung notwendiger Lebensmittel und anderer Gegenstände des Massenverbrauchs durch Zölle und Steuern.“ In seiner Begründung forderte der Antragsteller eine Förderung der Gewerkvereine durch die Partei und die Bekämpfung der gelben Gewerkschaften, die nur im Interesse der Unternehmer gegründet würden.— Pitsch=Dresden forderte, daß der Parteitag sich für den allgemeinen zehnstündigen Maximalarbeitstag aussprechen würde.— Syndikus Meyer=Charlottenburg forderte zur Bekämpfung der Mißstände auf dem Gebiete des Wohnungswesens auf und befürwortete einen Antrag in diesem Sinne.— Stadtrat Rosenstock=Königsberg empfahl einen Antrag, der die gesetzliche Regelung paritätischer Arbeitskammern verlangt, zur Annahme.— Abg. Manz bekämpfte den allgemeinen Zehnstundentag, der eine gefährliche Gleichmacherei sei und an das sozialistische System erinnere.— In der Abstimmung wurden die Anträge Goldschmidt, Charlottenburg und Königsberg angenommen und der Antrag Pitsch dem geschäftsführenden Ausschuß überwiesen. Dann trat Vertagung ein. Wellman über seinen Aufstieg. Tromsh, 14. September, 10 Uhr 20 Minunten vorm. Nachdem der„Expreß" das Tau abgeworfen hatte, leistete die„Amerika" Vorzügliches, aber der K herbel meeling auf der Bertmänder kennbann. Dortmund, 15. September. Der erste Tag der Herbst-Rennen verlief bei schönstem Wetter ohne jeden Unfall. Die Felder waren durchweg gut besert, im ersten und letzten Rennen belebten 9 bezw. 10 Pferde die Bahn. Große Ueberraschungen gab es nicht, nur im VerkaufsJagd=Rennen ließ„Kreppwör“ seine Freunde im Stich: bei dem breiten Wassergraben hinter dem Ziel brach die Stute aus und gab damit seinen sonst ziemlich sicheren Sieg an„Villikins“ ab. Alle Läufe waren diesmal Jockei=Rennen. Der vorgerückten Jahreszeit wegen begann das Rennen schon um 8 Uhr und endete gegen ½7 Uhr. Der Zuspruch am Toto war ein ziemlich lebhafter, aber, wie gesagt, große Ueberraschungen gab es dabei nicht. Der Stall Kracker war heute besonders vom Glück begünstigt, außer dem ersten konnte er alle übrigen Rennen als Sieger behaupten. Vornehmlich war der schneidige Jockei Martin an den Gewinnen beteiligt. Der Varlauf der einzelnen Rennen gestaltete sich wie folgt: 1. Herbst=Jagd=Rennen. Garantierter Preis 1500 Mk. Hiervon 1000 Ml. dem ersten, 800 Mk. dem zweiten, 200 Mk. dem dritten Pferde. Distanz za. 3000 Meter. 9 Pferde starten. E. Neitzke's„Marquise“(Hertel) führt, kann aber zum Schluß gegen Krackers„Zero.“ (Märtens) nicht aufkommen, der den Sieg davonträgt. Als dritter landet L. Stroh's„Dietlinde“ (Krug). Tot.: Sieg 15:10, Platz: 22, 24, 24: 10. 2. Schondeller=Jagd=Rennen. Garantierter Preis 1500 Mark. Hiervon 1000 M. dem ersten, 300 M. dem zweiten, 200 Mark dem dritten Pferde. Distanz ca. 3400 Meter. Es laufen sechs Pferde. Da Herrn Bischoffs„Bex"(Birghan) sehr unruhig ist, verzögert sich der Start geraume Zeit. Beim Senken der Fahne setzt sich dieses Pferd aber an die Spitze und läuft anfangs ganz gut. Dann an Stärke zunehmende Wind machte ihr bald viel zu schaffen. Der Sturm trieb uns gegen die hohen zerklüfteten Berge an der Küste, wo unser Luftschiff vernichtet worden wäre, wenn es dagegen gestoßen wäre. Nach einem harten Kampf zwischen dem Motor und dem Winde siegte der Motor, und wir umfuhren langsam das Nordende der FoulInsel gegen den Wind. Unser Zutrauen zur „Amerika“ war inzwischen so gestiegen, daß wir beschlossen, den Kampf um den Pol aufzunehmen, und ich gab den Befehl:„Vorwärts nach Norden!“ Der Wind nahm an Stärke zu, die Geschwindigkeit stieg auf zwölf Meilen die Stunde, und der Schnee fiel so dicht, daß man keine Viertelmeile weit sehen konnte. In diesem Augenblick versagte unser Kompaß infolge fehlerhafter Konstruktion, was bisher nicht bemerkt worden war, und wir waren vollständig verloren in einem Schneesturm auf dem Polarmeer, der uns der Vernichtung entgegenführte. Nach kurzer Beratung beschlossen wir, den Versuch zu machen, zum„Expreß“ zurückzukehren und nach Berichtigung des Kompaß wieder loszufahren. Aber es war unmöglich, die Richtung zu halten, und wir kamen wiederum den Bergen gefährlich nahe. ChefIngenieur Vaninan ließ den Motor mit voller Kraft laufen, und die„Amerika“ fuhr zum zweiten Male mit einer Geschwindigkeit von vielleicht fünfzehn Meilen die Stunde gegen den Wind. Dreimal beschrieb die„Amerika“ einen Kreis gegen den Wind; einen Augenblick erblickten wir den„Expreß" verloren eihn aber dann aus den Augen. Wenn wir hätten sehen können, wie wir hätten steuern müssen, so wäre es möglich gewesen, zum„Expreß“ zurückzukehren, aber unter den vorliegenden Verhältnissen konnten wir nichts tun, als, wenn möglich, zu landen. Wir ließen zu dem Zweck die „Amerika" über den Gletscher am Ende der FoulBai treiben, indem wir den Motor anhielten und sowohl die Schlepptauschlange wie das Bremsseil benutzten. Beide arbeiteten vorzüglich und wurden über eine Eiswand von 100 Fuß Höhe geschleppt, ohne daß sie oder die darin enthaltenen Lebensmittel beschädigt wurden. Nach Ueberfliegen des Gletschers öffneten wir das Notventil, rissen den Ballon auf und landeten oben auf dem Gletscher, eine halbe Meile von dem See. Die Landung ging so gut vonstatten, daß das Material im Gewichte von neun Tonnen 800 Fuß hoch aus der Luft auf das Eis herabkam ohne jeden Stoß und ohne irgendwelche Beschädigung, außer einigen verbogenen Röhren und zerrissenen Drähten. Die vielen zerbrechlichen Instrumente waren unbeschädigt; die selbstregistrierenden Barographe, Meteorographe und Manometer liefen nach der Landung weiter. Die Hülle des Ballons läßt sich leicht reparieren. 8¼ Stunde war„Amerika“ in der Luft, fuhr mit eigener Kraft ungefähr 15 Meilen und beschrieb drei Schleifen gegen den Wind, auf diese Weise ihre Kraft und Lenkbarkeit beweisend. Die Maschinerie des Motors blieb nicht stehen, bis wir sie anhielten. Der Aufstieg war in jeder Hinsicht erfolgreich. Das Luftschiff ist von jedem Gesichtspunkt aus wohl das stärkste und ausdauerndste für eine lange Fahrt, das je konstruiert worden ist, und es hielt das Gas vorzüglich. Später, am selben Tage, fand uns der „Expreß" und holte den„Fridjof" und Männer und Schlitten vom Lager her. Die Mannschaft der„Amerika" lebte drei Tage lang behaglich in der Gondel des Luftschiffes, wahrend die Bergungsarbeiten vor sich gingen. Wenn nötig, hätten sie neun Monate dort leben können. In drei Tagen war das ganze Schiff, selbst ein Teil des Gasolins, nach dem Lager zurückgebracht. Die Ballonhalle und die ganze Anlage wurde für den Winter hergerichtet, drei Männer bleiben dort als Wächter bis zum nächsten Sommer. Der„Fridjof“ fuhr am Sonntag abend nach Norwegen ab. Während dieses außerordentlichen Abenteuers zeigten sich meine beiden Kameraden als ruhige und umsichtige Männer und bewiesen ihren Mut, indem sie mir zustimmten, daß wir vom„Expreß" loswerfen sollten, trotz der ungünstigen Verhältnisse. Nach diesem erfolgreichen Versuche sind alle der zuversichtlichen Ueberzeugung, daß die„Amerika“ bei normalem Sommerwetter den Pol erreichen kann. Wir alle halten den Plan für rationell, praktisch und ausführbar. Die Sache läßt sich machen und, was gemacht werden kann, wird gemacht".— Ich wünsche meinen innigsten Dank für die Dienste auszusprechen, die meinem Unternehmen durch die vom Verlag des„Berliner Lokal=Anzeigers“ auf dem Dampfer„Expreß“ entsandte Expedition der Herren Lerner und Dr. Elias durch ihre ausgezeichneten meterologischen Beobachtungen geleistet worden sino, und dem deutschen Volke für sein teilnamsvolles Interesse. Wellman. geht„Artanis“(Hoge) vor. Durchs Ziel gehen die Tiere: als 1. Krackers„Cerebus“(Martin, 2. von Rombergs„Belted Lad“(Hoge). Tot.: Sieg 20:10, Platz 17, 66:10. 3. Kanal=Jagd=Rennen. Garankierter Preis 1800 Meter. Hiervon 1200 Mark dem ersten, 400 Mark dem zweiten, 200 Mark dem dritten Pferde. Distanz ca. 4000 Meter. A. Klönnes„Siegfried"(Rohne) führt anfangs, dann geht Oesters„San Antonio"(Broda) vor, stutzt beim großen Wassergraben, holt aber das dadurch verlorene Terrain bald ein und geht schließlich noch als erster mit einer knappen halben Kopflänge vor. „Merkur"(Berkmann) durchs Ziel. Tot.: Sieg 33:10, Platz 16, 14:10. 4. Rosenberg= Jagd=Rennen. Garantierter Preis 2000 M. Hiervon 1400 Mk. dem ersten, 400 Mk. dem zweiten, 200 Mk. dem dritten Pferde. Distanz ca. 3500 Meter. Fünf Pferde setzen sich in Bewegung. Krackers„Erzherzogin“ (Schläftke) führt das Rennen leicht bis Ende, zweiter wird„Aslaug“ aus demselben Stalle(Martin). Tot.: Sieg 13:10, Platz 16, 14:10. 5. Verkaufs=Jagd=Rennen. Garantierter Preis 1800 Mk. Hiervon 1500 Mk. dem ersten, 800 Mk. dem zweiten Pferde. Distanz ca. 3500 Meter. Sieben Pferde laufen. Herrn Then Bergh's„Kreppwör“(Canello) setzt sich an die Spitze und zieht mächtig los, bricht aber beim großen Wassergraben aus, wodurch sie aus der Konkurrenz ausscheidet. Erster Krackers„Villikins"(Martin), zweiter Hoffmanns„Best Lore“ (Hoffmann), dritter Graf Wedels„Abbazia(Hoge) Tot. Sieg 14: 10, Platz 16, 81, 32: 10. 6. Inländer=Jagd=Rennen. Garantierter Preis 5500 Mk. Hiervon 3500 Mk dem ersten, 1500 Mk. dem zweiten, 500 Mk. dem dritten Pferde. Distanz ca. 3500 Meter. Nicht weniger wie 10 Pferde konkurrieren. Hoffdann's „Gloster"(Wulfert) führt, fällt aber zum Schluß vollständig ab. Erster Krackers„Hodmeister (Martin), zweiter Mecklenburg's„Haltefest" (Bergham), dritter Weidmüller's„Wäschermädel" (Alzenroth). Vot.: Sieg 24 10, Platz 16, 15, 17: 10. Nr. 4 des Vomeguriche erscheint am nächsten Mittwoch. Bestellungen werden von den Boten und Botenfrauen des General- Anzeigers zum Preise von 10 Pf. pro Nummer entgegengenommen. Wer als neuer Abonnent hinzutritt, erhält den Anfang der beiden Romane nachgeliefert. INHALTS-ANGABE: Verlorene Jugend, Roman von Paul Grabein. Herr Hahn besucht Frau Ziege(Fortsetzung der Lausbubengeschichten). Der alte Derilling(mit Illustration) Der Raub des Rubins. Detektiv-Geschichte, Von sonnigen Küsten, mit Illustrationen. Die neue Tropfsteinhöhle bei Attendorn, mit Bild. Weltwelsheit. Das goldene Zeitalter. Roman von Rudolf Herzog. Ein alter Bekannter, mit Illustration. Auflösungen unserer Preisauigaben und Bekanntgabe der Gewinner. Lustige Ecke. Für unsere lieben Kleinen. Spiel- und Rütsel-Ecke. Das Neueste vom Tage. Bilder von Casablanca: Gelecht vor Casablanca. Pllege der Verwundeten in Casablanca. Nachtmanöver der Flotte vor Wilhelmshaven, mit Bild. Italienische Gebirgstruppen, mit Bild. Eine ostafrikanische Schule, mit Bild. Vom Kalsermanöver, mit Bildern. Schloss Corvey. mit Bildern. Eine hundertjährige Riesenforelle, mit Bild. Der Phrenometer, mit Bild. Höhenstation auf dem Monte Rosa, mit Bild. Luxuswagen auf der Eisenbahn für Kranke, mit Bild. Die Begegnung zweier lenkbarer Luftschiffe, mit Bild. Für Haus und Hof. Nr. 5 des Volksgartens wird interessante Rätsel und Preisaufgaben bringen. Westfalen und Rheinland. Hörde, 14. Sept.(Glück beim Unglück.) Heute mittag scheute das Pferd des Kaufmanns Goch auf dem Pennigskamp und rannte bis zur Langestraße. Beim Kreuzen der Viktoriastraße wäre das Gespann fast um ein Haar mit einem elektrischen Straßenbahnwagen zusammengestoßen. der Kutscher flog vom Bock und trug nur kleine Verletzungen davon, während Ecke Kirch= und Langestraße eine Frau und ein kleiner Junge angefahren wurden und auch mit einigen Beulen davonkamn. Ein kleiner Sohn des Herrn Goch machte allein auf dem Wagen die tolle Fahrt mit und kam ohne Verletzungen davon. Sodingen, 14. Septbr.(Eine Sparkasse) für den Amtsbezirk Sodingen wird nach dem Vorbilde aller übrigen Aemter des Landkreises Dortmund mit dem 1. Januar 1908 hierselbst eröffnet werden. Castrop, 15. Sept.(Auszeichnungen.) Der Kaufmann Aron Hoffmann, der Sattlermeister Karl Heyng und der Dachdeckermeister Jos. Radhoff, Paraseberluhrung des Parsebal-Baliens. Berlin, 15. September. Die Motor= Luftschiff= Studiengesellschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, den lenkbaren MotorLuftballon für Verkehrszwecke nutzbar zu machen, hatten ihren Aufsichtsrat, die Gesellschafter und viele namhafte Persönlichkeiten heute nach der Ballonhalle am Einickendorfer Weg eingeladen. Der Parsevalsche Ballon wurde vorgeführt. Er hatte, wie vorweg bemerkt sei, einen glänzenden Erfolg, da er willig dem Steuer gehorchte und alle Manöver in den Lüften mit sicherer Ruhe ausführte. Ueber das Ereignis, das eine große Menge nach dem Aufstiegplatz gelockt hatte, da der Ballon weithin sichtbar war, liegen folgende Berichte vor: Die Motor= Luftschiff= Studiengesellschaft hatte heute einen Glanztag. Diese Vereinigung hatte Fahrten mit dem Parseval=Ballon veranstaltet, die hauptsächlich für geladene Militärs und die Aufsichtsratsmitglieder bestimmt waren. Von militärscher Seite waren der Kriegsminister von Einem, der Chef des Generalstabes Graf von Moltke, Generalleutnant Sixt von Arnim, der Inspekteur der Verkehrstruppen Generalmajor von Lyncker und eine Reihe hoher Offiziere auf dem festlich geschmückten Terrain der Gesellschaft erschienen, während man unter den Zivilpersonen die Aufsichtsratsmitglieder Exzellenz Althof, die erst von längerer Krankheit genesene Exzellenz von Delbrück, den Geh. Oberregierungsrat Friedheim, den Präsidenten des Vereins deutscher Ingenieure Geh. Baurat Peters, die Meteorologen Professor Berson und Professor Hergesell bemerkte. Nach einer kurzen Ansprache des ersten Geschäftsführers der Gesellschaft Hauptmann von Kehler, die dem Willkommen der Gäste galt, ergriff der zweite Geschäftsführer Major von Parseval das Wort, um den Anwesenden eine oberflächliche Beschreibung der Konstruktion des Motorballons zu geben. Es war gegen 10 Uhr, als das Luftschiff unter dem Kommando des Oberleutnants Geerdtz aus der Ballonhalle auf den Tegeler Schießplatz hinausgebracht wurde. In der Gondel hatten Hauptmann von Kehler und Hauptmann von Krogh als Ballonführer und zwei Maschinisten sowie der Vorsitzende der Gesellschaft Staatssekretär von Hollmann Platz genommen. Nur eine kurze Motorprobe, und der Ballon erhebt sich einige Minuten nach 10 Uhr, um unter den Klängen der Kasämtlich zu Castrop, haben das allgemeine Ehrenzeichen erhalten. Holsterhausen, 15. Sept.(Unglücksfal!) auf den Behrensschächten der Zeche Shamrock. Der Bergmann Carl Modrach war mit dem Hereingewinnen von Kohlen beschäftigt, als sich unverhofft ein großer Gesteinsblock im Hangenden löste und auf den darunter arbeitenden M. fiel, der dadurch einen komplizierten Bruch des linken Oberschenkels, Bruch des rechten Unterarms und schwere Kopfverletzungen erlitt. Carnap, 14. Sept.(Von einem merkwürdigen Mißgeschick) ist eine in Altenessen obdachlos und mittellos aufgegriffene Frau von etwa 60 Jahren getroffen. Sie gehörte einem Bergarbeitertransport aus Ungarn an. Nach dem, was man von der Frau erfahren konnte, ist sie vor etwa 14 Tagen aus der Nähe Fünfkirchens mit einer größeren Anzahl Familien nach Deutschland abgefahren, wo die Männer, 80 an der Zahl, Arbeit angenommen hatten. Der Frau, welche weder lesen noch schreiben kann, ist sowohl ihr letzter Wohnsitz in Ungarn als auch das Endziel ihrer Reise völlig unbekannt. Irgendwo in Ungarn verließ sie für einen Augenblick den Zug, als sie denselben wieder besteigen wollte, war dieser abgefahren, ohne sich um die Zurückbleibende zu kümmern. Die Bahnverwaltung gab der Frau einen Fahrschein, womit sie bis ins Ruhrgebiet kam. Hier vermutete sie ihren Mann, der mit einer 16jährigen Tochter im Zuge geblieben war. Trotz aller Nachforschungen auf den hiesigen Gruben=Verwaltungen und Polizeibehörden kann der Aufenthalt des Mannes nicht ermittelt werden. Es besteht die Vermutung, daß die Bergleute aus Ungarn vielleicht für das Saargebiet oder für Lothringen angeworben sind. Da der Mann keine Ahnung hat, wo sich seine Frau jetzt befindet, konnte er sicherlich auch keine Nachforschungen anstellen. Der Name des Mannes ist Bartel Wittmer. Etwaige Anzeigen möge man an die Polizeibehörde in Altenessen machen. Ruhrort, 15. Sept.(Fahrradmarder.) Seit Monaten betreiben Banden von Fahrradmardern den Diebstahl von Fahrrädern im großen; nun sind von der Polizei neun Fahrraddiebe hinter Schloß und Riegel gebracht; es handelt sich um Metzger, Zimmerleute usw., die mit Fahrrädern „handelten". Es wurden bei der gestrigen Verhaftung eine ganze Reihe Fahrräger beschlagnahmt und weitere ermittelt, sodaß etwa fünfzig Fahrräder ihren Eigentümern zurückgegeben werden können. Duisburg, 15. Sept.(Ertrunken.) Im Rhein sind gestern zwei Duisburger und ein Knabe aus Mülheim=Ruhr in der Nähe der Reparaturwerkstätte von Elskes ertrunken. Köln, 14. Septbr.(Nachdem der Oberbürgermeister Exzell. Becker) am Donnerstag von den Stadtverordneten, Freitag von den städtischen Beamten und Arbeitern sich verabschiedet hatte, trennte er sich heute abend von seinen Mitbürgern. Im großen Gürzenichsaale fand ein feierliches Abschiedsmahl statt, an dem sämtliche Spitzen der Behörden aus Stadt und Provinz teilnahmen u. a. der Oberpräsident von Schorlemer=Lieser und der Regierungspräsident Dr. Steinmeister. Der Oberprasident teilte mit, daß der Kaiser in Anerkennung der Verdienste des Oberbürgermeisters Becker um das Herrenhaus ihn auf Lebzeiten in dasselbe berufen habe. Köln, 15. Sept.(Abg. Roeren gegen Bezirksamtmann a. D. Schmidt.) Am Diensta den 17. September vormittags 9 Uhr beginnt im Schwurgerichtssaale des Justizgebäudes die Verhandlung in der Privatklagesache des Abgeordneten Oberlandesgerichtsrat a. D. Roeren gegen den Bezirksamtmann a. D. Geo Schmidt zu Charlottenburg wegen Beleidigung. Der Privatklage liegt folgender Sachverhalt zugrunde. Der Abg. Roeren berührte bekanntlich in der Reichstagssitzung vom 3. Dezember 1906 eine Reihe von Mißstanden in der Kolonialverwaltung und erhob bei diefer Gelegenheit gegen den früheren Kolonialbeamten Geo Schmidt an Hand von urkundlichem Material eine Reihe schwerer Vorwürfe. In einem offenen Briefe vom 17. Dezember 1906, gerichtt an Abg. Roeren, behauptete Schmidt die Unwahrheit dieser Vorwürfe und bezichtigte den Abg. Roeren, die Vorwürfe wider besseres Wissen gemacht zu haben. Schmidt erhob überdies gegen Abg. Roeren den Vorwurf der frivolen Ehrabschneiderei und des Mißbrauches der Reichstagstribüne. Dieser offene Brief ist Gegenstand der Privatklage. Als Zeugen sind bis jetzt u. a. geladen: Kolonialdirektor a. D. Dr. Stübel, KamK pelle der Verkehrstruppen seine Fahrt nach Westen anzutreten. Nach angestellten Messungen hatte der Sudwestwind um diese Zeit in einer Höhe von 150 Meter eine Stärke von—4 Meter in der Sekunde. Kaum hatte der Ballon die westliche Grenze des Schießplatzes erreicht, so dreht er steuerbord ab, um einige Umfahrten um den Platz zu machen, die sowohl, was Technik und Präzision anbelangt, vorzüglich gelangen. Nach viertelstündiger Fahrt erfolgte sodann die Landung an der Ballonhalle, die heute in Anbetracht mehrerer in Aussicht genommener Fahrten nicht mit dem Schlepptau, sondern mit Fangseil glatt erfolgte. Während der Ballon darauf zur Halle gebracht wird, um sich für die zweite Fahrt zu rüsten, ergehen sich die Gäste auf dem Terrain, um die Baulichkeiten zu besichtigen. Gegen 11¾ Uhr wird sodann die zweite Fahrt angetreten, an der der Kriegsminister teilnimmt. Die Auswahl der anderen Teilnehmer soll durch Auslosung, da nicht weniger als 84 Herren die Einladung angenommen hatten, erfolgen. „„* Der Aufstieg der lenkbaren Ballons in der Jungfernheide beginnt, nach der Schilderung eines Mitarbeiters des„Tag“, die bisher nur von Ausflüglern besuchten Stätten in ein Stelldichein des sportliebenden Publikums umzuwandeln. Die Nachricht, daß der„Lenkbare“ in die Lüfte steigen werde, hat jedesmal einen Ansturm auf die Straßenbahn und eine Hausse in Autos zur Folge Auto und Luftballon, die neuesten Typen des Verkehrswesens. erscheinen verschwistert. Das Auto verfolgt nicht nur den Ballon bei kriegsgemäßer Wettfahrt, sondern es naht ihm auch liebend, um seinen Triumphen beizuwohnen. So war heute morgen der„Reinickendorfer Weg“, wo die MotorluftschiffStudiengesellschaft gegenüber der Kaserne des Luftschifferbataillons eine große Ballonhalle errichtet hat, mit Automobilen vollständig besetzt, die alle dem Ziel der Auffahrt zustrebten. Die Pferdedroschke war bei diesem zwanglosen Korso vollständig ausgeschaltet. Zu beiden Seiten des von der Herbstsonne bestrahlten Weges aber zogen die Scharen derer dahin, die nicht von der Studiengesellschaft festlich geladen waren und dennoch ihr sportfreundliches Interesse für das jüngste, schön entwickelte Kind der Technik bekunden wollten. Diese Entbusiasten durften zwar nicht hinter den langen Bretterzann schlupfen, der das Terrain der Studiengesellschaft gegen die Straße abschloß. Sie sind aber auch ohnehin auf ihre Rechnung gekommen. Denn majestätisch, weit sichtbar, zog in den klaren Luftregionen das Motorschiff seine Kreise. Nicht gar zu hoch, sondern absichtlich in geringerer Höhe, etwa mergerichtsrat Wilke, die Mis und Kost, Oberrichter Dr. Mayer, RechtsanwCourt(Köln). Die Privatklage wird vertrei durch die Rechtsanwälte Justizrat Gammersba und Dr. Schneider. Der Angeklagte ist vertreis durch die Rechtsanwälte Bredereck(Berlin) Jaeger(Köln). Die Verhandlung wird vora### sichtlich sieben Tage dauern. .=Gladbach, 14. Septbr.(Einen plas lichen Tod) erlitt gestern ein auf dem Felde### Wickrathberg beschäftigter Arbeiter namens Ha man Als H. einen Hasen vor sich aufspringen warf er seine Sense fort um dem Tiere nachzust men. Er kam jedoch zu Fall und stürzte so ungli lich, daß ihm die Sense ins Herz drang. H.# sofort tot. Zahlreiche Bombenattentat in Davos, die anscheinenl von Anarchisten gegen arbeitswillg Arbeiter verübt wurden, haben in der friedlich Stadt ungeheure Aufregung hervorgerufen. direkte Ursache dieser Verbrechen bildet die Weig rung der arbeitenden Davoser Schneider, sich ih streikenden Kollegen anzuschließen, und die Erbi## rung der Ausständigen, unter denen sich viele A länder befinden, erreichte ihren Höhepunkt, als den Arbeitenden am letzten Montag ein Antraga# Einleitung des Generalstreiks definitiv abgelet wurde. Davos, 15. September. Die erste Explosion folgte nachts kurz nach 1 Uhr, als ganz Davos tiefster Ruhe lag, beim Hause des Schneidermeisten Jost an der Obergasse direkt vor dem Schlafzimu## und der Werkstatt. Die Wirkung aber war gerin niemand wurde verletzt; die Explosion hinterli nur Trümmerspuren. Bald darauf ertönte## starke Detonation von der Promenade her;### war dicht bei dem Hause des Pkotographen### eine Bombe unter der Gartenbank explodiert. A vermutet, daß hier einer der Attentäter unvor## tigerweise eine Vombe hat fallen lassen und### dann vorzeitig krepierte. Unmittelbar nachher folgte die Explosion bei dem Schneidermeister Bu an der Guggerbachstraße; dort wurde das Gesch vom Rasenplatz hinter dem Hause durch das Parterre gelegene Fenster geworfen. Die Von platzte am Fensterkreuz und zertrümmerte es.? Fenstervorhang fing Feuer, ebenso einige### gegenstände im Zimmer. Die beiden in dem Zu mer schlafenden Arbeiter fuhren natürlich bei# ersten Knall aus den Betten auf; da erfolgte#### schon eine zweite Explosion. Einer der beiden# beiter wurde verwundet und mußte in Krankenb### befördert werden, während das Feuer von he### eilenden Hausbewohnern gelöscht werden kom## Die Untersuchung aufgefundener Blechbüchsen gab, daß es eine Doppelbombe aus dickem Blech### eingenieten Doppelböden gewesen war. Die zwer Explosion war durch Aufschlag direkt in dem### neben dem verletzten Arbeiter erfolgt. Bei# Außfpringen aus dem Bett fingen auch noch se Nachmleider Feuer, das aber von dem herbeien den Meister gelöscht wurde. Bei dem Schneid meister Wenzel an der Obergasse erfolgte die vien und heftigste Explosion wenige Minuten, spätt Dort wurde die Bombe vom Hof hinter dem Ha## aus in das zu ebener Erde liegende Zimmer schleudert; die dort schlafenden drei Arbeiter spra gen aus den Betten. Nach wenigen Sekunden folgte eine zweite Explosion, die dem Arbeiter Ba## ser aus Mähren die Füße und Veine verbrann und einige leicht brennbare Gegenstände im Zit mer entzündete. Die Haut hing dem Verwunden# in Fetzen herab. Der Unglückliche wurde sofort# Krankenhaus übergeführt; die beiden andern merbewohner blieben trotz der vielen umherr schleuderten Glassplitter, die von zertrümmen Fenstern herrührten, und trotz des Luftdrucks, eine Holzwand ganz aus der Richtung schob, umr letzt. Der Brand im Zimmer konnte gelöscht ma den, ehe er großen Schaden anrichtete. Die Ve### benwerfer waren offensichtlich ganz gut orient# über die Zimmer der nicht streikenden Arveiter. wußten sogar mit Sicherheit, in welchen Ecken## Betten standen. An einer anderen Stelle wurdeen fünftes Attentat auf unbekannte Weise offenben vereitelt; wahrscheinlich wurden die Attentätz durch herannahende Personen verscheucht. Beidn Schneidermeister Kratz fand man eine lange Lei# an der Fensterbrüstung im Arbeiterschlafzim angelehnt. K 250 Meter über der Heide, segelte es dahin.## willenloses Fahrzeug, dem Spiele der Lüfte prei gegeben, wie seine Vorgänger. Die chromge Zigarre da oben in wolkenloser Höhe gehorchte Steuer gleich einem Schiffe. Das Horizontalm führte, dem Auge sichtbar, den Befehl des Ste## manns exakt aus. Bald stieg der Ballon, bald st er sich. Bald nahm er den Kurs nach Osten, nach Norden, Westen und Süden. Er manörri# gegen den Drachen=Fesselballon, der weit höher er selbst in erhabener Einsamkeit von dem Uebmen# platze des Luftschifferbataillons aus die Stärke Richtung des Windes erkundschaftete. Das Motorluftschiff näherte sich dem ge# Bruder, dann beschrieb es eine elegante Sc## kung. Immer aufs neue Kurven beschreibend, vergroßernd und verengend, ging es an seinen 5 stiegplatz zurück. Dort stand es hoch über den Rasen eine Zeitlang fast unbeweglich. Die erschien in den kleinsten Dimensionen, nicht# größer als eine Zigarrenkiste. Nun senkte sich Fahrzeug langsam zur Erde, sanft, ganz allmet### ging es nieder. Das Aufstoßen eines Fa##n gegen den Boden mag härter scheinen, als die rung des Motorluftschiffes mit der Erde. Das Publikum war begeistert. Alle Zuscha#### hatten den Eindruck, daß sie einem großen Ercies beiwohnten. Es mag dies und jenes, was der# nicht übersehen kann, an dem Ballon verbessern#### fähig sein, es mögen noch viele Jahre darüber gehen, bevor in die Praxis eingeführt wird. heute als Ergebnis ausgezeichneter wissenschaftllen Forschung vor die Augen der Anwesenden in diger Form und Verkörperung trat. Aber das wußtsein hatte jeder in dieser genußreichen Viel stunde, während der Parseval=Vollon hoch oben den Lüften, gefügig dem Steuerruder, Ueban ausführte, daß der Siegeszug des„Lenkbaren mehr unaufhaltsam sein wird. Kein Gefüd Bangigkeit, des Unbehagens bei den Zuschaut Nur die reine Freude, daß die Natur den gebeimt vollen Schleier weiter hatte lüften musseng Major von Parseval empfing viele herzu#ce#### wünsche. Der bayerische Major, der einen so gtere Erfolg mit seinem Namen verknüpft, macht### schmucklosen Zivil den Eindruck eines Dozenten.## vom Katheder zu sprechen weiß, wie er vor9 Aufstieg vor der Gondel aus die Konstruktion Ballons sachlich und schmucklos erklärte. als Menge hochbefriedigt den Platz verließ, war eine Stimme darüber: der„Lenkbare“ mache so vertrauenerweckenden, ruhigen und stetigen. druck, daß eine Spazierfahrt mit ihm zu den sten Genussen zählen müsse. * Dortm den 17. d. „Die Ze beschäftigt Frl. Becke gena. Fe Hildeorank Die Vorst Das 2 in Dortm Aus dem Lene Lan Tilly Behe Deungs a neueste al Vortra tigen Am Berufsorg Vortragse erster D Deutschlar Weise en Hörer un auf Firme Die G turganzen. welches a Schüler§ endlos we Redner, in Momente zahlreichen Astronome besondere Sternbilde des Einho# ordentlich medanebel Montag, d 1. Ein wählten Herrn Bü 2. Vor nung für 8. Anei Haus= und von dem 4. Nach gung der 5. Antr Gewährun Kammer. 6. Anko gebäude d 7. Vor meisters z des Herde 8. Ben ung der 2 9. Bew der vom Bäume. 10. Ger toratschule 11. Erl schule ang 12. An laubnis ar die Bredd 13. An 14. Mi Herdes Der Vorsit St Gebu straße 14. der Zelen! 1 Toch Bahnarb. haus, Hur Münstersti Arbeiter Gurk. Mu chermeiste: Dortmu Zur Beerdigu meraden treten Verei: 17. S tags den Heinrich Zur Beerdigu meraden Die Bele gegen Fräulein# in Wambel nehm zurück Pan Missionspatres Mür r. Mayer, Rechtsann## datklage wird vertrei Justizrat Gammersba Angeklagte ist vertrei Bredereck(Berlin) 16 rhandlung wird vora 7 eptbr.(Einen plö en ein auf dem Felde Arbeiter namens Hal vor sich aufspringen# um dem Tiere nachzusch all und stürzte so ungle ns Herz drang. H. mbenattentatt avos, histen gegen arbeitswill haben in der friedlich ung hervorgerufen. brechen bildet die Weig soser Schneider, sich iht chließen, und die Erbi## nter denen sich viele### ihren Höhepunkt, als# 1 Montag ein Antraga## reits definitiv abgeleh Die erste Explosion Uhr, als ganz Davos use des Schneidermeistet ekt vor dem Schlafzimm Pirkung aber war gerin die Explosion hinterl ald darauf ertönte e# r Promenade her;### des Ptotographen#### rtenbank explodiert. M der Attentäter unvor# it fallen lassen und## Unmittelbar nachher m Schneidermeister Vi## dort wurde das Gesta m Hause durch das e geworfen. Die Bon## nd zertrümmerte es. 24 er, ebenso einige### Die beiden in dem Iu fuhren natürlich bei## ten auf; da erfolgte### n. Einer der beiden id mußte in Krankenb### d das Feuer von her## gelöscht werden kon## undener Blechbüchsen mbe aus dickem Blech## jewesen war. Die zuen chlag direkt in dem#### beiter erfolgt. Bei# tt fingen auch noch sen ber von dem herbeieil# de. Bei dem Schneid ergasse erfolgte die vien venige Minuten spätch om Hof hinter dem Ha rde liegende Zimmer nden drei Arbeiter spra ch wenigen Sekunden un, die dem Arbeiter Ba# e und Veine verbrani re Gegenstände im Zit it hing dem Verwunden# zlückliche wurde sofort die beiden andern Zu tz der vielen umherr die von zertrümmen trotz des Luftdrucks. der Richtung schob, um imer konnte gelöscht wa en anrichtete. Die Venstlich ganz gut orienter streikenden Arbeiter.e seit, in welchen Ecken## anderen Stelle wurde en bekannte Weise offenbet wurden die Attentät nen verscheucht. Bei dn nd man eine lange Leu## im Arbeiterschlafzimu se, segelte es dahin. An# Spiele der Lüfte### jänger. Die chromes# gloser Höhe gehorchte## fe. Das Horizontalr# , den Befehl des Stei# ieg der Ballon, bald sen en Kurs nach Osten,# Süden. Er manörrih allon, der weit höher samkeit von dem Uebunc illons aus die Stärke indschaftete. näherte sich dem grt es eine elegante Sa## Kurven beschreibend, d. ging es an seinen nd es hoch über den grün unbeweglich. Die Dimensionen, nicht kiste. Nun senkte sich rde, sanft, ganz allmäbl: ufstoßen eines Fahrstud er scheinen, als die Vers s mit der Erde. begeistert. Alle Z1 ie einem großen Ercieg s und jenes, was der dem Ballon verbesserun viele Jahre darüber xis eingeführt Fichzng# zeichneter wissenschaft der Anwesenden in rung trat. Aber das ieser genußreichen Vier seval=Vollon hoch Steuerruder, Uebun zug des„Lenkbaren“ wird. Kein Gefühl gens bei den Zuschaut die Natur den gebeimt hatte lüften müssen!: fing viele herzliche G# Major, der einen so groß en verknüpft, macht ndruck eines Dozenten, n weiß, wie er vor aus die Konstruktien mucklos erklärte. als Platz verließ, war r„Lenkbare" mache# ruhigen und stetige hri mit ihm zu der e Theater, Konzerte, Vereine 2c. * Dortmunder Stadttheater. In der am Dienstag den 17. d. M. stattfindenden Aufführung der Oper „Die Zauberflöte“ sind in größeren Partien beschäftigt, Fräul. von Olsean als Königin der Nacht, Frl. Becker als Pamina und Frl. Dietz als Papagena. Ferner die Herren Gritzbach als Sarastro, Hildebrand als Tamino und Engelke als Papageno. Die Vorstellung ist die erste der Serie B. Das Theater ohne Männer im Olympia=Theater in Dortmund beginnt heute Montag den 16. Sept. Aus dem Programm ist besonders zu erwähnen Lene Land, Deutschlands berühmteste Parodistin. Tilly Behe mit ihrer Pracht=Löwengruppe, Madame Deungs akrobatische Damen=Luft=Konkurrenz, die neueste amerikanische Neuheit usw. „„„„* Vortragscytten. Wir verweisen auf die im heutigen Annoncenxeil angezeigten, von acht hiesigen Berufsorganisationen veranstalteten kaufmännischen Vortragscyklen. Wie wir hören, hat eine Reihe erster Dortmunder Firmen, Maschinenfabrik Deutschland, Theodor Althoff ete. sich in liberaler Weise entschlossen, die Vortragshonorare für die Hörer unter ihren Beamten ganz oder teilweise auf Firmenkosten zu übernehmen. Die Größe des Weltalls und der Sinn des Naturganzen. Fürwahr ein packendes Thema, über welches am Mittwoch Abend Herr A. Kahl, ein Schüler Haeckels, im Kölnischen Hofe spricht. In endlos weite Gebiete entführt uns im Geiste der Redner, in ferne Fixsternwelten. Recht interessante Momente müssen es sein, wenn die Wiedergabe von zahlreichen Original=Photographien des bekannten Astronomen Pros. Wolf=Heidelberg stattfindet; insbesondere müssen interessieren die Bilder aus dem Sternbilde des Schwan, des Adlers, des Fuhrmanns, des Einhorn usw., sowie der Wiedergabe des außerordentlich schön gelungenen Bildes des Andromedanebels, nach einer Original=Photographie. Stadt Herdecke. Stadtverordneten=Sitzung Montag, den 16. September er., nachmittags 5 Uhr, im städtischen Sitzungssaale. Tagesordnung: 1. Einführung des zum Magistratsmitgliede gewählten Herrn Dr. med. Hüttenlain durch den Herrn Bürgermeister. 2. Vorlegung der Fortbildungsschulklassen=Rechnung für 1906. 3. Anerkennung einer über den Vertrag mit dem Haus= und Grundbesitzer=Verein hinausgehende und von dem Verein in Rechnung gesetzte Mehrleistung. 4. Nachbewilligung von Mitteln für die Befestigung der Ruhrufer. 5. Antrag der Handwerkammer in Dortmund auf Gewährung eines Zuschusses zu den Kosten der Kammer. 6. Ankauf eines Grundstücks für das Dienstwohngebäude des hierorts stationierten Gendarmen. 7. Vorlegung eines Projekts des Kreisbaumeisters zur Verbesserung der Vorflutverhältnisse des Herdecker Baches. 8. Bewilligung der Mittel für die Instandsetzung der Wetter=Wittener Aktienstraße. 9. Bewilligung der Mittel für die Instandsetzung der vom S. G. V. am Hackenwege angepflanzten Bäume. 10. Genehmigung des vom Kuratorium der Rektoratschule am 22. Februar cr. beschlossenen Statuts. 11. Erhöhung der Gehälter der bei der Rektoratschule angestellten Lehrpersonen. 12. Antrag des Rendanten Fr. Grave um die Erlaubnis auf Führung einer elektrischen Leitung über die Breddestraße. 13. Anträge auf Steuererlaß. 14. Mitteilungen. „ Geheime Sitzung. Herdecke, den 13. September 1907. Der Vorsitzende der Stadtverordneten=Versammlung: Gautzsch. Standesamt Dortmund. Standesamt 1. Geburten. 1 Sohn: Arb. Schwarz, Gneisenaustraße 14. Bergm. Engler, Münsterstr. 184. Schneider Zelenka, Marten. 1 Tochter: Arbeiter Wüllner, Annenstr. 27. Bahnarb. Skomski, Schützenstr. 68. Maler Baumhaus, Humboldtstr. 37. Schneidermeister Schöfferle, Münsterstr. 66. Kaufm. Nußbaum, Münsterstr. 78. Arbeiter Wojtkowiak, Adlerstr. 65. Kokereiarbeiter Gurk. Musiker Travaglini, Lessingstr. 2. Schuhmachermeister Wiche, Langestr. 92. Rlmpigenellen-Verein Dortmund. Zur Beerdigung des Kameraden Heinrich Alhell treten die Mitglieder des Vereins am Dienstag, den 17. September er., vormittags 9 Uhr, mit Mütze, Orden und Ehrenzeichen im Gewerbeverein, Kuhstr. an. Iliedsnummer 780. 90102) Der Vorstand. Verreist! Dr. med. Beltter 33437 Betenstr. 15. Zurdckgekenrt! Dr. Georg Weinberg Spezialarzt für Haut-, Harnund Blasenkrankheiten Dorimund, Mühlenstr. 12. Zurückgekehet Dr.Kleitmann Zur Beerdigung des Kameraden Friedr. Dissel treten die Mitglieder des Vereins am Dienstag, den ., September er., vormittags 10 Uhr, mit Mütze, Oraee#ß„Ehrenzeichen im Wem.l beverein, Kuhstr. an. Bitgiedsnummer 531. 36405] Der Vorstand. Die Beleidigung gegen Fräulein Panla Kötter in Wambel nehme ich biermit murück Pani Schluter. Zurdengenemrt Dr. Fabry Arzt für Hautkrankheiten Dortmund, Silberat. 15. Nähmaschine wie neu, umzugsh. bill. zu verkaufen. Friedrichsstr. 40, 2. Etg. Entschuldigen Sie versuchen Sie Mackintosh’s 21461 Toffee =Köstllel.— Aufgebote: Kaufm. Friedrich Skowronski u. Theresia Weishaupt. Fensterputzer Alb. Hauswerth und Wilhelmine Schutte. Hauer Joh. Röttchen und Emilie Gröling. Brauer Johann Riezing und Maria Rekop. Eheschließungen: Kohlenhauer Wilhelm Brunger und Karoline Rademacher. Geschäftsreisender Aug. Glocker und Auguste Schwarz. Schlosser Hugo Sichelschmidt und Amanda Kuckuck. Kutscher Joh. Reineke und Maria Heppelmann. Photograph Friedrich Dorsch und Adele Wagner. Wagenführer Valentin Szaferski und Franziska Kolodziejczak. Sterbefälle: Metzgermeister Wilh. Berger, Dresdenerstr. 39, 41 J. Joh. Finkernagel, Sternstr. 2, 6 M. Elfriede Gronau, Uhlandstr. 7, 4 J. Ehefrau Margarete Bellersheim, Albrechtstr. 7, 70 J. Kaufm. Heinrich Althoff, Westenhellweg 113, 64 J. Standesamt 2. Geburten. 1 Sohn. Arbeiter Bondzio, Stahlwerkstr. 11. Bergm. Krüger, Bergmannstr. 24. Arb. Ratajczyk, Schlosserstr. 23. Arbeiter Handtke, Flurstraße 101. Schneidermeister Gausmann, Stefanstr. 13. Vorarbeiter Niggemann, Dürenerstraße 6. 1 Tochter: Zimmermann Jaruszewski, Oesterholzstraße 74. Aufgebote: Metzger Robert Osteroth und Elfriede Krutwig. Schlosser Albert Bockler und Elisabeth Hartmann. Buchhalter Dietrich Heckmann und Johanna Wagemann. Bergm. Stanislaus Modlinski und Theodora Garcon. Kaufmann Karl Voutta und Anna Haase. Stuckateur Heinrich Hammelmann und Martha Zämmrich. Anstreicher Alexander Krawczynski u. Konstantia Mrowczinski. Bureaubeamter Wilh. Winner u. Klara Fromme. Eheschließungen: Arbeiter Wilh. Volland und Lina Retkowski. Schneider Friedrich eSnf u. Maria Reiß. Hauer Wilh. Rehnert und Wilhelmine Sudeik. Sterbefälle: Luise Klau, Körnerhellweg 74, 2 M. Friedrich Skwirblis, Dürenerstr. 74, 3 M. Zur Verhütung der Brechdurchfälle und Sommerdiarrhöen eignet sich am besten die Ernährung der Säuglinge mit„Kufeke"=Kindermahl. Die darin enthaltenen Eiweißstoffe bilden für die Krankheitserreger einen sehr ungünstigen Nährboden, wodurch das Auftreten von Brechdurfällen hintangehalten wird. Der Milch zugesetzt, macht es dieselbe leichter verdaulich und steigert deren Nährgehalt in hohem Maße. 33397 Arionneler vorzügliches Tafelwasser, Artenheiler b. Rheinbrahs Lebertran als Heil= und Kräftigungsmittel. Schon seit vielen Jahrhunderten ist es bekannt, welche Heil= und Nährkraft dem Lebertran inne wohnt und wie sehr dienlich, regelmäßig genommen, derselbe den einzelnen Organen des menschligen Körpers sei. Diese Tatsache hat sich bis auf die heutige Zeit erhalten. Noch heute, fast nach hunderten von Jahren, fehlt der Levertran als ein Haus= und Heilmittel fast in keiner Familie, sobald die kühlere Jahreszeit beginnt. Die Verfeinerung des Geschmacks durch besondere Klärungen hat die Abneigung, die sonst bei dem Einnehmen des Lebertrans bestanden hat, schnell schwinden lassen und kann heute konstatiert werden(zumal bei Kindern macht man die Beobachtung), daß der Lebertran in fast allen Fällen gern genommen wird. Ein Produkt, das bezüglich des Geschmacks und der Bekömmlichkeit wohl mit an der Spitze aller Lebertran=Präparate steht, besitzen wir in dem Präparat„Jodella“, welches seit langen Jahren von dem Apotheker Wilh. Lahusen in Bremen unter dem Namen: Lahusen's Jod=Eisen=Lebertran“ verfertigt wird. Die Bezeichnung„Jodella“, die patentamtlich eingetragen und geschützt ist, soll die Patienten vor Nachahmungen schützen und Gewähr dafür bieten, das echte Lahusen'sche Prüparat zu erhalten. =Jodelat ist in allen Apotheken zu haben.“ In dem Eckschaufenster der Firma Theodor Althoff erregot eine Straußfeder allgemeine Bewunderung. 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Dr. Rosa Luxeml Stuttgart, Frau kannte Persönlichk Auch aus dem zierte erschienen. Büsten und Port: und Wilhelm Lie und mit Blattpfle Stunden vor Beg Tribünen Kopf ar Haher un Dortmut Alda, Nach läng Ausentempet Peloent began seiner glänzer unser neuer hiermit einen das trotz des sagen— bis verkaufte Hal Besuch Monate umfa " Die gestrie samtheit hohe #en Erwartun A sast durcht ten eine sehr einen überras „luck. Man n land des als Direktors, der zendsten Bilde die einzelnen einer Aufführ bilden. letzte Sai nacht. Wies