Abonnenten. Nr. 203. 20. Jahrgung. Dortmund, Freitag, den 26. Juli 1907. Abönnenten 90000 Erscheintwöchentlich sieben Mal. Bezugspreis: 60 Pfg. monatlich. Mit der Wochenbeilage „Dortm. Lustige Blätter“ nur 10 Pfg. mehr. Bei der Post mit den Beilagen: Vierteljährlich.25 Mk. Postzeitungs=Nr. 2914. Berliner Bureau Berlin SW. Markgrafenstraße 19. Chefredakteur: Karl Richter Dortmund. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Giesberk Tiefensee: für den Inseratenteil: Julius Reitemeier, Dortmund. TelephonAuschl Dortmund: Nr. 403 und 404. Haupt=Agentur Avlerbeck Nr. 128.(H. Kümver). i TelephonAnschlüsse: für Torimund und vie Provinz Größte und verbreitetste Zeitung im westfälischen Industriegebiet. Haubtelhgentuer Hisde Ne 14.(H. gok) Acdarion und Expedition: (5. Triebel.).Dortmund, Haupt=Agentur Witten Nr. 744.(R. Hartung.) Feingldistraße 19. Insertionspreis: 25 Pfa. die Kolonelzeile für auswärtige Inserate 30 Pfa. Reklamen die KolonelZeile 1 Mark. Für die Aufnahme von Inseraten an bestimmtvorgeschriebenen Tagen wird keine Garantie über#.9 ucd.ast nommen Druck und Verlag: „General=Anzeiger Dortmund“, G. m. b. H. parteiisches Organ für Jedermann. Drittes Blatt. je ein Delegierter an der Tagung teilgenommen hatten, die nunmehr sämtlich wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz unter Anklage stehen. In bezug auf die damals gefaßtn Beschlüsse, die in der heutige Nummer enthält gegenwärtigen Verhandlung unter Umständen eine ipe Nummer enthutt Rolle spielen, werden, sei erwähnt, daß man vor drei Ausgaben; außerdem das allem anarchistische Jugendorganisationen befürworhienfeitige uteuh alten ashattun teie. Bei der heutigen Verhandlung, die im Schwurvierfeilige Unterhallungsblatt und gerichtssaale stattfand, waren alle Angeklagten bis die achtseitige Beilage,Dortmunder vorgssähr. uegru,., Vu. Stelfe. bigener Boptschekdiensl des„Acherar-Anzeigers“. Lustige Blätter“, zusammen 22 Seiten. Eisenbahnkatastrophe in England. Von einem schweren Eisenbahnunglück betroffer wurde in England ein Zug, der wertvolle Tiere zu der landwirtschaftlichen Ausstellung in Aberystwith transportieren sollte. Ueber diese Katrastrophe meldet uns ein Privat= hrt werden soll, zur Die Feststelung der Personalien der Angeklagten nimmt längere Zeit in Anspruch, besonders die Eruierung der zahlreichen Vorstrafen. Einer der Lusstlaster, der Expedsent des Freien Arbeiters, uever wiese Katrastrophe meld Forster=Berlin, hat acht Jahre Zuchthaus hinter sich. telegramm folgende Einzelheiten: Die Verurteilung erfolgt evor dem Schwurgericht] London. 25. Juli. Auf der Co##ida in Freiberg(Sachsen) wegen Aufreizung zu Ge= gah.. ambridgeschen Eisenwalttätigkeiten, Vergehens gegen das Spreng= bahn unweit Montgomery teilte sich heute früh ein stoffgesetz usw... Güterzug, der Pferde und Schafe nach der Walliser Angekl. Förster: Ich bin bestraft, weil bei mir nationalen Landwirtschaftsausstellung zu Aberysteine Nummer der Freiheit gefunden wurde, in der wyth bringen sollte, durch Zerreißung der### ein Bericht über das Barceloner Dynamitattentat sollte, durch Zerreißung der Kuppelung enthalten war, der mit den Worten schloß„Vivat in zwei Hälften. Die hintere Hälfte des Zuges fuhr Der neue Vertrag zwischen Japan und Korca ist nach telegraphischer Meldung aus Söul bereits abgeschlossen, aber der Wortlaut noch nicht ver- enthalten war, der mit den Worten schloß„ öffentlicht. Es verlautet, daß er sieben Artikel sequens!“— Vert. Frank: Der Angeklagte ist mit großer Gewalt in den vorausfahrenden ersten enthält, und daß dem japanischen Generalresidenten einer so hohen Zuchthausstrafe verurteist worden.“ die Wagen zertrümmert und übereinandie uneingeschränkte Kontrolle der inneren Ver=— Vors.: Wir wollen doch nicht an jedem urteil dergchäuft wurden. Die Wirkung der Katastrophe waltung Koreas sowic die Ernennung von Japa= mäkeln. Der Angeklagte ist ja hier nur wegen war fürchterlich. Unter den Trümmern lagen viele nern als Beamte der koreanischen Regierung zuge= eines verhältnismäßig geringen Vergehens ange-tote und schwerverletzte Tiere, sowie das Zugverstanden wird. Die Erlangung der Zustimmung klagt.— Vert.: Ich werde mir erlauben, jedes sonal. Das Rettungskorps förderte drei Tote und Koreas soll verhältnismäßig wenig Schwierigkeiten Urteil zu kxitisieren, wenn ich es für nötig halte. mehrere Schmerversetzte Männer antage# bereitet haben dank dem Umstande, daß die japani=]— Vors.: Gewiß, so weit ich es zulasse.— Vert.:s Schwerverletzte Manner zutage. Der Verschen Forderungen weniger drückend sind, als man Nein, so weit es gesetzlich zulässig ist.— Aus der lust an wertvollen Tieren ist erheblich. angenommen hat, und daß eine Abführung des ab= Verlesung des Eröffnungsbeschlusses geht hervor,— gesetzten Kaisers nach Tokio nicht darin enthalten daß ein Teil der Angeklagten nicht als Redner, son Daa# Ehetrennung Mäls“ ist.— Die Unruhen in Söul haben sich bisher dern nur als Teilnehmer an dem Kongreß waxen] Hur Eheltennnug Wölflings nicht wiederholt, doch ist die Lage für die Japaner Linnt“ Hierant“ ie Pernehmiüng des Einberufers,(geht uns im Anschluß an unsere bisherigen Berichte Tuchmachers Frauböse=Berlin. Er gibt, wie auch noch nachstehendes Privattelegramm zu: die übrigen Angeklagten, die Beteiligung an der Wien, 25. Juli. Wölfling, der sich in Genf Konferenz zu. Sie glaubten, das Restaurant aufhält, läßt durch seinen Wiener Anwalt Frischauer höre nicht mehr zum Polizeibezirk Mannheim. Nach erklären, es sei wilkürliche Erfindung, wenn gesagt der Vernehmung der Angeklagten tritt die Mittags= wird, es hätten andere Gründe als das Wesen seiner pause ein.(Frau, sondern Einwirkungen seiner Familie ihn Am Nachmittag fand eine mehrstündige Lokal= veranlaßt, die Ehescheidung zu verlangen. Er geht besichtigung statt. Der Gerichtshof begab sich mit aber weiter und sagt mer die in Prage Var dem Staatsanwalt und dem Verteidiger auf dieter weierr und sunt, wer die in Frage kommenden Neckarsaue und besichtige dort das Gelände, um Personen und Verhältnisse kennt, wird es erklärlich einen Eindruck davon gewinnen zu können, ob die finden, daß für diese Ehescheidung aufklärende Angeklagten annehmen durften, daß die„Jäger= Gründe angegeben werden mußten, dies für die noch immer bedenklich, da man des koreanischen Militärs nicht sicher ist, und die Bevölkerung außerhalb der Hauptstadt große Erregung zeigt. London, 25. Juli. In den koreanischen Provinzen beginnt nach Meldungen aus Tokio lebhafte Unruhe; die Koreaner drohen, die japanischen Beamten zu töten oder die japanischen Einwohner an zugreifen. Bei Phöngyang wurde ein Zug ang griffen, und der Telegraphendraht wurde unweit Söul durchschnitten. Der am Dienstag in Tokio abgehaltene Rat hielt es nicht für nötig, die in der Ratssitzung vom 8. Juli beschlossene Politik zu ändern. Marquis Ito vertritt Japan bei den Verhandlungen, da Hayaschi keine formelle Mission hat. Der Rat hielt es auch nicht für nötig, Truppen aus Japan lust“ nicht giehr zur Gemarkung, Mannheim„He. Scheidung aber gaus put sei. höre. Die Ortsvesichtigung zog sich bis 6 Uhr hin. idung aver ganz und gar überflüssig jet, abzuschicken; doch wurden Vorkehrungen für alle Erst in den Abendstunden begann die####0 2 Nut##s Fälle getroffen. Mehrere Minister hatten lange Zeugenvernehmung.[Nach Unlerschlagung von 1 Million Audienzen beim Kaiser.— Nach einer Meldung aus Erster Zeuge war ein Student der Theologie] Frares Chemulpo kamen drei japanische Kriegsschiffe aus aus Marburg, der, um den Anarchismus zu studie= Fruncs Gensan in Ostkorea dort an; sie hatten eine Anzahlren, sich nach Offenbach begeben hatte zur Teil=flüchtig geworden ist der Prokurist eines Genfer Truppen an Bord, die mit einer starken Abteilung nahme an dem Kongreß. Er ist mit nach Mann= Bankhauses. Da der Flüchtling einen großen VorMatrosen nach Söul marschieren werden. In Söul heim gegangen und dem verbotenen Kongreß mit gn., hat wirs kommen viele Agitatoren aus den Provinzen an; beigewohnt. Als die Kongreßteilnehmer sistiert sprung gewonnen hat wird seine Festnahme vorda sie sich in der Stadt nicht versammeln dürfen, tun wurden, ist er von Dr. Friedeberg aufgefordert aussichtlich mit Schwierigkeiten verbunden sein. sie dies in Orten der Umgegend. Hundert Mann worden, sich zu entfernen, um weiteren Unnahmlich=] Zu der Angelegenheit erhalten wir nachstehenapanische Truppen wurden abgesandt, um sie zu zer- keiten aus dem Wege zu gehen.— Die Wirtsleute des Privattelegramm: streuen. Die Erregung der Bevölterung wird durch die Restaurants„Jagerlust" bekunden, daß die Kon= gn g e: Der mrasurin adie Hitze und Dürre erhöht. Die Finanzarchive der greßteilnehmer sich als ein Touristenverein ange Jürich, 25. Juli. Der Prokurist Canard, Regierung und die Korrespondenz der verschiedenen meldet und ein besonderes Zimmer verlangt hätten. Börsenvertreter des Bankhauses Gay u. Co. in Sspierapgsdspartenents wurden von den Japanern Was verhadnelt wurde, wissen die Zeugen, nicht. Genf gab vor einigen Tagen an, eine Reis.—“ Zesern e nach dem zaganischen Viertel gebracht. Sie belunden nur, daß es keine richtige Versamm=] Meisense waa, ue Tagen an, eine Reise nach Gestern begannen Massenverhaftungen von unter=Ilung es. da6 s keine richttg gargrsar.n weinensee machen zu wollen, geordneten Beamten die den Palast verließ war; es war tein besonderer Vorsitzender, Zweck dieser Maßregel: etwa: Mie:De“ sondern es wurde teilweise durcheinander geist, uggige Litteilungen sprochen. Es waren ungefähr vierzig Leute anplott woerfein räahstegn. auf das Kom= wesend, ein Teil logierte in der„Jagerlust“, die plokt werfen konnten. landeren gingen nach Mannheim und kamen am anderen Morgen wieder heraus. Die nächste Gruppe von Zeugen sind die KrimiWeißensee machen zu wollen, um dort Briefmarken einzukaufen, als deren eifriger Sammler er bekannt war. Als er nach zwei Tagen nicht zurückkam, wurde sein Pult geöffnet, in dem man einen Brief an seine Chefs fand, worin er Unterschlagungen in einer noch unbekannten Höhe eingestand. Die erste sehr flüchtige Untersuchung ergab 300 000 Oesoues dan S. u“ zeit diese Sistierung der Angeklagten vorgenommen Francs Fehlbetrag, stieg aber bis gestern auf eine Kongleg dor Gericht.[Es kommt bei ihren Aussagen wiederholt zu erreg= der Parifar asei. uux: pekviationen an ten Auseinandersetzungen zwischen den Zeugen Lariser Börse verloren gegangen. Canard geeinerseits und den Zeugen andererseits, da die An- noß großes Vertrauen seiner Chefs und infolge geklagten behaupten, daß die Zeugen ihre Bekun= seines geordneten Familienlebens auch die höchste dungen nicht richtig wiedergäben. Die Angeklagten geben an, sie hätten sich seinerzeit zu weitergehenden Konzessionen in ihren Aussagen, hinreißen lassen, Der Maunk.“— Auarching„Die nächste Gruppe von Zeugen sind die KrimiDer. Münicheimer Auarchisten=Tnalkommissare und Kriminalschutzleute, die seiner„ zeit diese Sistierung der Angeklagten vorgenommen Waugreß var Gericht und die die Angeklagten zuerst vernommen haben Achtung seiner Bekannten. Da der Steckbrief erst gestern erlassen wurde, hat Canard einen Vorsprung von vier Tagen. Man vermutet, daß er nach Paris geflohen ist. Unter diesem Titek läßt sich das„Berliner Tageblatt“ von seinem Korrespondenten auf der Balkanhalbinsel schreiben: Konstantinopel, Ende Juli. Bis zum Fuße des Taurus enden bereits die bequemen Wege München, 25. Jui. Ein gerichtliches Nachspiel zu dem AnarchistenKongreß, der während der letzten Osterfeiertage in der Stadt Mannheim und nach seiner Austreibung von dort auf den Neckarauer Wiesen bis in die späten Nachtstunden des zweiten Feiertages hinein gossessionen zieite zgnensagen hinreißen lassen, beriet, beschäftigte am gestrigen Donnerstag, wie weil die Schutzteute iynen mit Verhaftung gedroht telegraphisch gemeldet wird, die Strafkammer des eatten, wenn sie nicht mit der Wahrheit herausMannheimer Landgerichts, vor der sich 29 Teilneh=rucken würden. Um dieser Verhaftung zu entmer jener Zusammenkunft wegen Vergehens gegen##tten sie zum Teil zugegeben, größere Reden gehaldas Vereinsgesetz zu verantworten haben, Unter“ zu haben, was tatsächlich garnicht vorgekommen Mo##e M## für Deutschlands Industrie den Angeklagten befindet sich auch der kürzlich aus se': Ihre Bekundungen seien damals von den Schutz= Neue Wege fut Deutschlundp der sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen; leuten auf der Wache mit Bleistift rasch hingeworfen „Anarcho=Sozialist“ und Berliner Stadtverordnete gordeg, und was die Zeugen heute dem Gericht als Dr. med. Friedberg. Das Bürgermeisteramt nur eine Keinschriek#nan innt sei nicht Offenbach untersagte die Abhaltung der Versamm= mut=ginte seinschrift mit Tinte, sondern enthalte lung mit Rücksicht darauf, daß auch die antimili###enliche Aenderungen.— Zeuge Wachtmeister taristische Propaganda auf der Tagesordnung stand###: Mehrere Angeklagte haben mir in der und hochverräterische Reden zu befürchten waren.####oggeber, größere Reden gehalten zu haben.— Darauf gingen die„Genossen" nach Mülheims##FFrank: Haben Sie nicht gefragt, wie der anatolischen Eisenbahn. Im Verlaufe des (Rhein), wo sie jedoch ebenfals nicht tagen durf= nicht für nötig gehalten.— Vert.: Haben Sie tat, nichien Jahres wird mit der Durchbrechung dieses Redarchorstadt. Ale dier die Folizel chensas(en anworten darauf übereinsimmend, daß sie leistet werden und dann wied der leichtere lerte Ab. einschritt, suchten die Anarchisten zuerst in Freu=] sazen Widersprischat Jalle sich in ihren Aus. schnitt des großen Werkes, der Weg durch Mesopo. denheim, dann in Seckenheim zu tagen, wurden Kollussignagsfohr#:: geben, soltez,„ rürde n aver jeweils aufgestörbert. Runmehr trennten sie mehrerg au die Festnahme erfolgen.— sich und kehrten einzeln nach 8 wo sie lungen Sitzung telephoni dieser hogeiche Wd ergrsteies ien un Manizein iher Prstasten Der Keiedberg und Veronsesksin maite Perlese donmn adoese die faüheren Busiagen des Prsches gern, v, Herenitgsez set, Hert: sch erpoe, ngen die. P. abe1. genammen, aver valo barauf wieder entlassen. werden. Der Gedanke an eine Deutsche Kolonisation Kleinasiens. In Kleinasien eine neue deutsche Kolonie in irgend einer Form aufrichten zu wollen, ist nicht möglich. Schon Paul Rohrbach hat vor 5 Jahren in seiner vorzüglichen Studie über die Bagdadbahn— deren Angaben noch heute mustergiltig sind, mit Ausnahme der Veränderung, die der russisch=japanische Krieg in der Stellung Rußlands gebracht hat, vor dem Gedanken der kleinasiatischen Kolonisation gewarnt. wegen tamien nach Bagdad auf die persischen Gebiete hoffentlich auch fertig gestellt werden. Die deutsche Arven, aber bald darauf wie beim 4ergab sich, daß aus Berlin 12, aus MannEudwigsbaf. 9in, Frankfurt a.., Offenbach, und auggn und Mainz je 8, aus Wiesbaden 2 Gramerkar#seldorf, Elberfeld, München, Hamburg, Oremerhaven, Hannover, Stuttgart und Heilbronn Verr.: Ich erhebe gegen die Verlesung ganzer alse densce Iuteresen ia Wieriskelt verteten, reale Werte Deutschlands ursprünglich und vorwiegend. Es ist in letzter Zeit östers die Rede davon gewesen, auf unsere giaminären Einflüsse in MaSätze im Zusamenhang aus früheren Protokollen rokko zu verzichten und dafür unseren Kräften in Das Gericht nimmi diesen Einspruch des Verteldi, wenn.der Steilgaten swrsagen gers zu Protokoll.— Nach weiteren Zeugenverneh.n aber Kleidunen sozusagen als Tauschobjekt mungen wurde dann in später Abendstunde die Ver= gegen Marokko betrachtet werden soll, so muß vor handlung auf morgen, Freitag früh, vertagt.? allem ein Gedanke ein für alle Mal zurückgewiesen Kleinasien, d. h. die vom Schwarzen Meer, ägäischen Meer, dem östlichen Teil des Mittelmeeres in einer Linie von Trapezund und nach Alexangretti begrenzte Halbinsel muß wohl unterschieden werden von jenen Teilen Vorderasiens, die der Volksmund vielfach zum eigentlichen Kleinasten rechnet. Armenien und Kursistan, Mesopotamien und Syrien werden gar zu oft unter dem Sammelbegriff„Kleinasien“ verstanden und doch sind diese vier Landesteile in jeder Beziehung grundverschieden von Anatolien, dem wirklichen Kleinasien. Nicht nur politisch oder orthographische Grenzen scheiden diese Länder, auch kulturell und ethnographisch sind sie scharf gegeneinander abgegrenzt. Anatolien ist rein türkisch, Mesopotamien und Syrien sind vorwiegend arabisch, also sind beide Teile national und kulturell von einander abweichend und die Zugehörigkeit zum Islam ist eigentlich das einzige Band, das sie verbindet. Von Armenien und Kursistan kann man überhaupt gänzlich absehen, da schon die klimatischen Zustände dieser Länder eine Besiedelung und erfogreiche Kultivierung verbieten. Anatolien hat ungefähr sechs Millionen Bewohner. In der Hauptsache sind Bauern in den einzelnen Dörfern ansässig und nur wenig Gewerbetreibende in den Städten. Diese sechs Millionen liefern dem Sultan seine besten Truppen. Sie sind das Rückgrat des türkischen Reiches. In diesem fest geschlossenem Kreise ein fremdes Element in der Gestalt christlicher deutscher Kolonisten setzen zu wollen, hieße Mord und Aufruhr ins Land tragen. Behalten die Einwohner ihre Religion und ihre sozialen Eigenheiten, bleiben sie also Deutsche, dann ist eine Reihe von Kämpfen und Metzeleien unabwendbar. Werden Sie aber vom Islam absorbiert, nehmen sie osmanische Gewohnheiten an, dann sind sie dem deutschen Reiche verloren. Dieser letztere Fall ist aber ebenso unwahrscheinlich wie nicht wünschenswert. Die Folge einer größeren Auswanderung nach Anatolien würde alss eigentlich nichts anderes bewirken, als das türkische Reich möglichst rasch einer Auflösung entgegenzuführen, indem man ihm sein Rückmark zerstört. Es ist demnach kein Wunder, wenn man von jeher in Konstantinopel die Einwanderung deutscher Bauern nach Anatolien als Folge des Bahnbaues am meisten fürchtete. Als vor etwas mehr denn 50 Jahren durch Ludwig Roß, der Kleinasien bereist hat, dieser unglückselige Gedanke einer Besiedelung zum ersten Male ausgesprochen worden, ahnte niemand die üblen Früchte, die dies noch viele, viele Jahre tragen sollte. Kritiklos ist der Kolonisationsgedanke von einer ganzen Anzahl von Publizisten und Reisenden nachgebetet worden und wir verdanken es gerade Paul Rohrbach, wenn man an maßgebenden türkischen Stellen sich über die Invasion deutscher Bevölkerung nicht mehr zu sehr den Kopf zerbricht. Sollte aber dieser Gedanke nochmals in Deutschland ernsthaft diskutiert werden und daourch bei den Türken in dieser Beziehung Mißtrauen gesät werden, so müßte der Bau der Bagdad=Bahn ad calendas graecas vertagt werden. Es wäre also das falscheste, was man tun könnte, wenn man von einer deutschen Kolonisation Kleinasiens sprechen wollte zum Ausgleich für unsere marokkanischen Hoffnungen. Nicht kolonisieren oder besiedeln wollen wir Kleinasien. Anatolien muß türkisch bleiben. Aber unsere technische Kultur wollen wir in dieses Land tragen. Deutsches Kapital und deutsches Material sollen dem fruchtbaren Lande eine günstige Stellung zum Weltmarkte verschaffen. Daß dann ein paar hundert deutsche Ingenieure und Arbeiter Verdienste und Arbeit finden, ist sehr ersprießlich, ist sehr erfreulich. Aber, so wird man mir einwerfen, wir wollen Anatolien nicht als Tauschobjekt für Marokko betrachten, denn unser Kapital arbeitet ja bereits in Kleinasten. Wer aber einen Blick hinter die Kulissen getan hat, wird eingesehen haben, daß der Abschluß eines Tausches sehr zu wünschen wäre. Es handelt sich dabei gar nicht darum, ein Monopol für deutsches Kapital zu schaffen. Kapital von jeder Seite soll mit Freuden willkommen sein, offene Tür für jedermann. Nur die Leitung soll deutsch bleiben und vor allem diese Leitung soll nicht andauernd durch privatisierendes Intriquenspiel gestört werden. Heute erscheinen der Bau der Eisenbahn und alle die ande nach Bergen mit kurzem Aufenthalt in Merok. ren Maßnahmen gesichert und morgen drohen alle Maßnahmen einzuschlafen und Konzessionen und Abmachungen in die Brüche zu gehen, weil ein guter Freund der Deutschen das Ohr des Sultans gewonnen hat. Hier müßte eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland einsetzen. Laßt uns freie Bahn unter der Zusicherung freundschaftlicher Unterstützung in Kleinasien und macht dafür in Marokko, was ihr wollt und uns nichts schadet. Haben sich erst Deutschland und Frankreich in dieser Frage geeinigt, so wird auch zwischen den anderen Mächten, besonders England und Deutschland, eine Uebereinstimmung sich erzielen lassen. Der unbequemste Nachbar, Rußland, ist ja durch die Arbeit im eigenen Hause glücklicherweise beschäftigt. Rußland konnte früher allerdings seine Interessen ins Feld führen, seine Interessen, die weitsaus die schwerwiegendsten aller Mächte in Kleinasten waren. Die Vosporusfrage und die Dardanellendurchfahrt waren für ein seetüchtiges Rußland von vitalstem Werte. Der unglückliche Krieg und die Wirren im eigenen Lande haben diese Punkte weit zurückgedrängt. Welche enormen Schwierigkeiten machte es seinerzeit, eine den beiden Mächten, der Türkei und Rußland, gleich genehme Rute für die Bahn nach Angora zu finden. Ob heute Rußland nicht nachgiebiger geworden ist? Aber nicht Anatolien allein ist es, indem wir unsere Arbeit durch eine Einigung mit Frankreich uns wesentlich erleichtern können. Jenseits des Taurus winkt ein nicht geringes Arbeitsfeld: Mesopotamien. Auch hier kann es sich um keine Massenbesiedelung mit deutschen Kolonisten handelt. Dem widersteht ein unüberwindlicher Faktor, das für diese auf die Dauer unzuträgliche Klima. Aber auch hier wieder ist unendlich viel Platz für segenbringende Kulturarbeit. Ein ideales Ziol für deutsche Arbeit und deutsches Kapital. Mesopotamien, das uralte Land, bedarf nur der Erschließug nud mit Hilfe befruchtender Besiedlung werden die vereinsamten Fluren von neuem grünen und blühen und aus tausendjährigen Ruinen werden dichthevölkerte Städte zu regem Leben erwachen. In zwei Bezirken von Getreide ganz abgesehen, vermag Mesopotamien ein gefährlicher Konkurrent Rußlands und Nordamerikas zu werden. In Baumwolle und Naphta. Der Nordwesten Mesopotamiens war im Altertum eines der wichtigsten Zentren der Baumwollkultur und ist es bis in die ezit der arabischen Herrschaft geblieben. Sobald die Eisenbahn das Land erschlossen haben wird, kann die Baumwollkultur zur alten Blüte wieder erstehen, weil mit dem Eindringen der Bahn die Hauptfeinde der Bebauung weichen müssen, nämlich absoluter Mangel an Verkehrsmitteln und Unsicherheit von Person und Eigentum. Beinahe noch wichtiger als Baumwolle ist das Vorkommen von Naphta am untern Euphrat und Tigris. Rohrbach berichtet darüber sehr anschaulich: Ich habe die Naphtaquellen und die ausströmenden brennbaren Gase in ihrer Nähe gesehen und selbst besucht. Das eine wie das andere Phänomen übertrifft an Massenhaftigkeit die gleichartigen Erscheinungen auf der Halbinsel Apscheron im russischen Transkaukasten vor dem Beginn der Bohrungen. Wenn man gesehen hat, welche Rolle z. B. in Rußland die Naphtarückstände als Heizmaterial für Eisenbahnen, Dampfschiffe und alle erdenklichen industriellen Anlagen spielen, wenn man erwägt, welch eine Bedeutung als Brenn= und Leuchtmaterial dem Petroleum noch immer verbleibt, dann bedarf es keiner langen Darlegungen, um von der eminenten Wichtigkeit dieses Landes sich eine Vorstellung zu geben. Dieses Feld zur rechten Zeit zu beackern muß unser Streben sein und damit nicht ein unberufener Konkurrent vor uns seine Bohrtürme errichtet, müssen jene Streitigkeiten geschlichtet werden, die einer tatkräfigen rechtzeitigen Inangriffnehme der Arbeiten im Wege stehen könnten und nur Uneinigkeit zwischen den Bewerbern können die Einleitung der Arbeiten verhindern; das Land selbst wird sich der Wiederbelebung nicht verschließen. Noch heute sind die klimatischen Verhältnisse in Mesopotamien wie selten die im Altertum. Aber ein einzelner kann hier nicht mit kleiner Arbeit in beschränktem Maße beginnen. Ihn würden die räuberischen Beduinen rasch um den Lohn seiner Tätigkeit bringen. Nur Organisationen im großen Stile, Hand in Hand mit gründlicher Sicherung des Landes vermag hier dauernde Werte zu schaffen. Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß in dem Augenblick, wo der Bauer auf dem freien Felde nicht mehr um sein Leben zu baugen braucht, tausende und abertausende fleißiger landgewohnter Kolonisten, die heute noch brachtiegenden Felder unter die Flugschar nehmen werden. Landgewohnte Kolonisten, nicht deutsche Bauern, vermögen in dieser Zone harte Arbeit hinter dem Fluge zu leisten, aber als Ingenieute und Aufseher bei den großen Bewässerungsanlagen, als Angestellter be iden Werken der Naphtaindustrie wird manch tüchtiger Deutscher sein Brot finden können. Für deutsche Kapitalisten und deutsche Arbeit wahrlich kein schlechter Tausch gegen Marokko. Der Kaiser auf der Nordlandsfahrt. Molde, 25. Juli. Der Kaiser machte vormittags bei schönem Wetter einen Spaziergang an Land, besuchte dann den Prinzen Heinrich an Bord S. M. S„Deutschland“ und lud denselben sowie den Prinzen Adalbert zum Frühstück ein. Nachmittags nahm der Kaiser den Thee auf der Höhe von Molde. Zur Abendiasel sind die Kommandanten der anwesenden Kriegsschiffe sowie Prinz Heinrich geladen. Morgen früh erfolgt die Abfahrs Der Jahrestag der persischen Verfassung. Teheran, 25. Juli. Das Fest ist äußerlich zuhig verlaufen. Der Schah ist angeblich ernstlich erkrankt und bleibt deshalb den Feierlichkeiten fern. Er entbot alle Prinzen, um vor den Gesandten und Notabilitäten die Honneurs zu machen. Der Konstitutionsplatz und die Zugänge zu ihm waren feenhaft illuminiert. Auf den Straßen wogte eine ungeheure Menschenmenge, die sich trotz der Furcht vor Bomben in den Belustigungen nicht stören ließ. Trotzdem ist die Gärung unverkennbar. Das Volk behauptet, der Schah sei durch Trunk unzurechnungsfähig und fordert seine Absetzung. Alles in allem darf das Fest bis jetzt als großer Erfolg für das Parlament gelten: Fortsetzung des Prozesses Herzenstein. Petersburg, 25. Juli. Heute vormittag wurde der Prozeß gegen den Mörder des Dumadeputierten Herzenstein in Terioki(Finnland) weitergeführt. Der Angeklagte Popolew, der in Fesseln vorgeführt wurde, war wie ausgewechselt, da der „Verband der echt russischen Leute“ ihm in der Person des Fürsten Wolkonski einen tüchtigen Verteidiger geschickt hatte. Popolew umarmte und küßte seinen Verteidiger vor Gericht. Von den geladenen Zeugen sind nur wenige erschienen und diese ohne genügende Legitimation. Fürst Wolkonski schlägt darauf vor, es möge auf seine Rechnung dringend nach Kiew telegraphiert werden. Das Hofgericht lehnt den Antrag ab. Das Verhör beginnt mit der Vernehmung Alexandrows, der plötzlich alle seine früher gemachten Aussagen inbezug auf die Person ändert, welche den Mörder Herzensteins gedungen haben soll. Auch alles, was er über Popolews Teilnahme an der Ermordung Herzensteins ausgesagt hat, ändert er. Selbst als der Zeuge Sorin dem Alexandrow zuruft:„Du lügst!“ bleibt dieser bei seinen Ausflüchten, bei denen er sich sichtlich mehr und mehr in Widersprüche verwickelt. Die marokkanische Regierung der es nicht gelingen will, den Rebellen Raisuli zur Freilassung des Schotten Maclean zu zwingen und die in dieser Angelegenheit sich auf die Glaubhaftmachung ihres guten Willens beschränken muß, hat Frankreich gegenüber einen Akt der Willfährigkeit vollzogen, indem sie formell Genugtuung für die Mißhandlung eines französischen Untertanen durch Eingeborene von Fez leistete. Ein Privattelegramm meldet uns dazu: Paris, 25. Juli. Das Ministerium des Aeußeren erhielt aus Fez die Nachricht, daß der Maghzen die für den Angriff auf den Franzosen Girneourt geforderte Genugtuung gegeben hat. Der Mann war vor einigen Monaten in Fez vom Pöbel“ mißhandelt und verwundet worden. Der Maghzen ließ in Gegenwart des französischen Konsuls die wegen des Angriffs gegen Gironcourt eingesperrten Eingeborenen vorführen. Zwei Hauptschuldige, welche gestanden hatten, den Augriff angestiftet und Gironcourt verwundet zu haben, wurden zu weiterer Gefängnishaft verurteilt. Die übrigen wurden freigelassen, wobei der Kadi betonte, daß sie ihre Freilassung nur der großmütigen Fürbitte des französischen Konsuls zu danken haben.— Neuerdings verlautet, der Sultan werde sich demnächst an der Spitze seiner Malhalla in die Gegend von Eltisan begeben, um die Stämme zu züchtigen, welche Raisuli Unterschlupf gewährten. Raisuli zwang sieben eingeborene Diener Macleans, welche ihm in die Gefangenschaft gefolgt sind, das Lager zu verlassen. Er dürfte damit eine Einschüchterung des Maghzen bezwecken, indem er ihn glauben machen will, daß das Leben Macleaus nunmehr ernstlich bedroht sei. Hilferuf an den Reichskanzler Metz, 25. Juli. Angesichts der von den lothrin. gischen Grubenbesitzern betriebenen Heranziehung von Ausländern für die ausgesperrten christlich organisierten Bergarbeiter hat der Bezirk lothringischer Gewerkvereine der christlichen Bergleute den Reichskanzler telegraphisch um Einschreiten gebeten. Die deutsche Turnerschaft. Am frühen Morgen des gestrigen Donnerstags wurden die Verhandlungen des Ausschusses der deutschen Turnerschaft in Trankfurt aufgenommen. Aus dem Geschäfts= und Jahresbericht geht hervor, daß die deutsche Turnerschaft stetig gewachsen ist. Zur Zeit sind nach dem Jerichte 80 000 Turner in 8000 Vereinen um die Turnerfahne geschart. In den Verhandlungen wird entschieden bestritten, daß die deutsche Turnerschaft den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokraten unterstützt habe. Das Kassenvermögen beträgt zur Zeit 229 430 Mark. Weiter wurde das Frauenturnen erörtert und mitgeteilt, daß es jetzt 40000 deutsche Turnerinnen gebe. Die Gründung von Frauenabteilungen bei den einzelnen Turnvereinen könne nur befürwortet werden. Die Wahlvorbereitungen in Rußland. Die Wahlen für die dritte Reichsduma werfen ihre Schatten bereits voraus, obwohl sie sehr wenig ändern werden. Der reaktionäre Bund der echt russischen Leute geht aus Werk, um die in der Mehrzahl oppositionell gesinnten russischen Bauern im regierungsfreundlichen Sinne zu beeinflussen und damit in wirksamster Weise auf die Erzielung einer der Regierung genehmen neuen Duma hinzuwirken. Näheres meldet uns folgendes Privattelegramm: Odessa, 25. Juli. Die Mitglieder des Bundes der echt russischen Leute, welche schon jetzt zur Wahlagitation der russischen Bauern abgegangen sind, verließen heute Obessa. Die Agitatoren haben von der hiesigen Administration die schriftliche Erlaubnis, auf allen Dörfern frei zu agitieren. Die öffentliche Sicherheit im Zarenreiche läßt nach wie vor viel zu wünschen übrig. In Baku wurde der Geschäftsführer der Nobelwerke, Paulsen, durch Revolverschüsse getötet. Auf der Station Reutewo an der Linie MoskauNischninowgorod wurden zwei Beamte vor einer dortigen Fabrik, die 30000 Rubel bei sich trugen, von einer 12 Mann starken bewaffneten Bande angegriffen. Die Räuber töteten einen Beamten und flüchteten dann mit dem Gelde in der Rachtung nach Moskau. Im Verlaufe der Verfolgung wurden 10000 Rubel gefunden. Der Verband selbständiger Kaufleute für Rheinland und Westfalen sprach sich, laut einem uns zugehenden Privattelegramm in seiner Generalversammlung in Köln einstimmig für Schaffung eines deutschen Reichsvertretertages aller kaufmännischen Vereine nach dem Muster des deutschen Handelstages aus. Ebenso für die Filialgewerbesteuer und die Beibehaltung der Konkurrenzklausel, allerdings in gemildeter Form. Ueber den Todessturz des bekannten Hochtouristen Dr. Willen am Montblanc, über den wir seinerzeit berichtet hatten, werden jetzt endlich nach zehn Tagen aus Courmayeur über den Aufstieg nähere Einzelheiten bekannt: Ein Privattelegramm berichtet uns folgendes: Zürich, 25. Juli. Der bekannte Anden= und Himmalayareisende Dr. Willen hatte mit den Führern Josef Korligax und Lorenz Crux aus Courmayeur am 14. d. Mts. die Aiquille du midi glücklich erstiegen und wollte über den Col du geant nach Courmayeur zurückkehren, wo seine Gattin ihn erwartete. Man übernachtete auf dem Col refugio torino. Am 15. d. Mts. morgens wurde der Abstieg angetreten. Dr. Willen eilte von Ungeduld getrieben voraus, obwohl die Führer ihn davor gewarnt hatten. Als die Führer unten eintrafen, erfuhren sie, daß Dr. Willen nicht angekommen war. Sie befürchteten sofort ein Unglück. Nach dreistündigem Bemühen fand man in einer Felswand den zerschellten Leichnam. Dr. Willen hatte den Pfad verloren und war abgestürzt. Eine deutsche Offiziersdeputation in London. London, 25. Juli. Hier ist eine Deputation, bestehend aus dem Oberleutnant v. Hugo und dem Oberleutnant Kern vom Preuß. Kürassier=Regiment Nr. 8, dessen Chef der Prinz von Wales ist, eingetroffen. Die beiden Offiziere wurden heute Vormittag vom Prinzen v. Wales empfangen und nahmen später an der prinzlichen Frühstückstafel teil. Auf der Fahrt von Peking nach Paris Die kühnen Automobilisten waren auf der Riesenstrecke Peking=Paris am 14. Juli in Omsk angelangt. Die Strecke von Tomsk bis Omsk, die 960 Kilometer beträgt, haben sie in drei Tagen zurückgelegt. Die Weiterreise von Omsk erfolgte am Morgen des 16. d. M. über Dumen, Perm und Kasan. Größere Ausbesserungen bedingten die Automobile bisher nicht. Am 18. Juli trafen sie in Tjjumen ein und waren schon am nächsten Tage in Jekaterinoslow, am Fuße des Uralgebirges. Damit befinden sich die kühnen Fahrer wieder auf europäischem Boden. In einem telegraphischen Bericht heißt es: Wir sind am Fuße des Uralgebirges angelangt. Aber seine Spitzen können wir nicht sehen, da sie von dunklen Wolken verhüllt sind. Eigentlich befinden wir uns schon seit heute Morgen auf europäischem Boden, da wir das Gouvernement Tobolsk verlassen und das Gouvernement Perm betreten haben. Alles hat sich heute verändert. Wir sahen die Strecke sich allmählich in dichten Wald verwandeln, in welchem die Straße häufig mit Strauchwerk und Unkraut bewachsen war. So müssen wir die Geschwindigkeit mäßigen. Fünfzig Werst hinter Tjumen kommen wir zur Grenze zwischen Asien und Europa und wir rufen:„Lebe wohl, Sibirien!“ Brautwerbung und Verlobung sind jetzt per Kabel erledigt worden, und die junge Braut führt ihre ganze Ausstattung von Möbeln und Betten bis zum Tropenhelm bei sich. Zu ihrem Inventar gehört auch ein Myrtenstock im Blumentopf, den ihr feinsinnige Freundschaft bei der Ausreise für den Brautkranz verehrt hat; er prangt vor uns auf der Tafel und wird täglich begossen mit Wasser und gelegentlich auch, symbolisch, mit edlerem Getränk. Fräulein ist nicht die einzige Braut an Bord. Eine lebhafte, polyglotte, tief brünette Spanierin, Fräulein C.., reist nach Beira, um dort den deutschen Direktor der Zuckerfabrik ihres Vaters zu heiraten. „*„„ Nach einer telegraphischen Meldung hat der „Feldmarschall“ mit dem Staatssekretär vorgestern Aden passiert. An Bord ist Dernburg alles wohl. Der Ozean ist an dieser Stelle sehr tief, man hört ein unaufhörliches Donnern und es finden häufige Explosionen statt, wobei Bimsstein auf die Insel Niukalofa, die 80 Seemeilen entfernt ist, geschleudert wird. Das tonganische Regierungsblatt kündet an, daß sich um die Ausbruchsstelle Land bilde; man glaubt, daß eine neue Insel im Entstehen begriffen ist. Die Insel Tongatabu ist die südlichste und die größte Insel der Tonga-Inselgruppe. Sie bildet den südlichsten Punkt einer langgestreckten Reihe von Koralleninseln und Inseln vulkanischer Heralot anderen englischen Playen gehen, und 85 Deutsche, die letzteren mit dem Reiseziel Tanga, Daressalam oder Kilwa. Der Restt sind Portugiesen nach Beira, viel französische Missionsschwestern nach Britisch= Ostafrika und ein paar Mohammedaner nach Port Said. Von den 83 Deutschen reisen 47 im Regierungsinteresse, 86 in Privatinteressen. Zu den 47 rechne ich den Staatssekretär und seine offiziellen Reisebegleiter, Oberstleutnant Quade, den Geh. Regierungsrat Baltzer und den Rittmeister Grafen Henckel von Donnersmarck, ferner die 16 Offiziere und Militärbeamten eines Ablösungstransport für „Bussard" und„Seeadler“ in Stärke von 164 Mann, der sich außerdem an Bord befindet. Unter den 36 Privatpersonen sind nur einige wenige Journalisten; man sieht, daß neben Offizieren und Beamten entgegen der landläufigen Annahme auch eine ganze Menge anderer Leute in den Kolonien zu tun hat. Da sind zum Beishiel zwei Kavallerieoffiziere aus Paderborn und ein Industrieller vom böhmischen Abhang der Schneekoppe, die etliche Wochen auf Großwild, namentlich auf Raubzeug, jagen wollen. Ihre Expeditionen sind von ortsansässigen Agenten sorgfältig vorbereitet. Da ist ferner ein junges Ehepaar, seit Mai verheiratet, er ein studierter Landwirt aus der Lausitz, sie ebenfalls vom Lande, aus dem Oderbruch. Er der Typus des kolonialbegeisterten Jungdeutschland. Glücklicherweise hat er Geld. Er will eine große Gummi= und Bumwollenplantage in der Region von Kilwa anlegen und sich jetzt nach einem geeigneten Terrain umsehen. Eine junge Dame, Fräulein., die Pflegetochter eines der ersten protestantischen Geistlichen Berlins, fährt hinaus, um unmittelbar nach ihrer Ankunft in Tanga zu heiraten. Ihr Bräutigam, ein ehemaliger Schutztruppler, sitzt seit drei Jahren als Farmer am Kilimandscharo und hat Erfolg gehabt. Die beiden haben Berlin, 25. Juli. Neuer Aufstieg des sich vor vier Jahren in Deutschland kennen gelernt. slenkbaren Militärmotorluftschiffes. kunft. Niu#####fa ist die Hauptstadt von Tongatabu und nicht, wie die Depesche irrtümlich berichtet, eine Insel. Die Eruption, um die es sich handelt, hat offenbar bei den Inselgruppen Honga=Tonga oder Hanga=Tapai, die 30—40 Seemeilen von Tongatabu liegen, stattgefunden. Darauf weist die Tatsache hin, daß diese beiden Inselgruppen vulkanischer Natur sind, oftmals von unterseeischen Eruptionen heimgesucht werden und weil der Meeresgrund dort Bimssteinbeschaffenheit hat. Es ist möglich, daß die Eruptionsmassen bis nach Niukalofa geschleudert wurden. Derartige weittragende Eruptionen wurden schon öfter beobachtet, zuletzt bei einem vulkanischen Ausbruch auf der Insel Sawaii aus der Gruppe der Samoainseln. Es wird oben berichtet, daß sich infolge der Eruption eine neue Insel bildet. Derartige Eruptionen sind im Tonga=Gebiet häufig. Doch verschwinden diese Inseln in der Regel nach einiger Zeit wieder. Vermischtes. Fortschritte der forschung in Paris und Berlin. Wir brachten die Nachricht, daß Professor Chantemesse, der berühmte Bakteriologe, den gelungenen Versuch gemacht habe, das Typhustoxin als unfehlbares Diagnostikum für den Typhus anzuwenden. Jetzt kann man die hocherfreuliche Mitteilung machen, daß auch in Berlin ein neuer Fortschritt auf dem Gebiete der Thphusforschung zu verzeich,...sende Abteilung“ di recht primitiber nen ist und zwar in der Klinik des Geheimrats befassene:„Geleilung“, die ihre recht primitiven Heute Mittag stieg über dem umfangreichen Waldund Wiesengelandes des Tegeler Schießplatzes das lenkbare Militärluftschiff zum dritten Male auf. Das Luftschiff wurde zunächst von Mannschaften des Versuchskommandos behutsam aus der großen Ballonhalle geschleppt, in der sein gaserfüllter Riesenleib schwebend zu übernachten pflegt, und sodann nach dems Schießplatz gebracht, wo zahlreiche Ingenieure und Offiziere, Major Groß an der Spitze, sich als Sachkenner und Zuschauer eingefunden hatten, um sich durch den Augenschein von den neuen Erfolgen zu überzeugen, die deutscher Erfindergeist und deutsche Zähigkeit in Gestalt des neuen Seglers der Lüfte errungen haben. Ingenieur Basenach und Hauptmann von Sperling bestiegen das Luftschiff, dessen flottem Aufstieg außer dem engeren Kreise der Zuschauer innerhalb der Umgitterung des Platzes eine ungezählte Menschenmenge mit den Augen folgte. Tadellos dem Steuer gehorchend, beschrieb das Motorluftschiff die gewagtesten Drehungen und Wendungen, schrägauf und abwärts, um nach Erreichung einer Höhe von 1200 Meter und nach mehreren glucklichen Einzelmanövern in etwa dreiviertel Stunden wieder glatt zu landen. Die Versuche werden täglich fortgesetzt werden. —(Major Groß), dessen Name mit dem epochemachenden Aufstieg des lenkbaren Militärballons eng verknüpft ist, gehörte schon als junger Offizier der Truppe an, deren Kommandeur er setzt ist. Damals aber gab es noch kein Luftschifferbataillon, sondern nur eine mit der Aeronautik sich Verletzung der Amtsehre der beteiligten ferngelegen haben.“ Berlin, 25. Juli. Wie wir kürzlich mittellten, haben die beiden deutschen Firmen Krupp und Erhardt, die an dem von der griechischen Regierung veranstalteten Wettbewerb zur Erlangung von neuen Geschützen beteiligt waren, ihr Geschützmaterial zurückgezogen, nachdem sie sich überzeugt hatten, daß die französische Konkurrenz von vornherein in unzulässiger Weise begünstigt wurde. Die deutsche Regierung hatte, solange der Wettbewerb einen ernsten Untergrund zu haben schien.“ die deutschen Werke nach Kräften unterstützt; jert besteht für sie kein Anlaß mehr, sich in Erörterungen mit der griechischen Regierung über die Bevorzugung des einen oder des anderen Konkurrenten einzulassen. Straßburg, 24. Juli. Die„Dtsch. Nachr." bezeichneten, wie gemeldet, es neulich als vollkommen unrichtig, wenn behauptet werde, Prinz=Alexander zu Hohenlohe habe von dem Inhalt der Memoiren nichts gewußt. Er habe vielmehr die ganzen Auszüge zweimal eigenhändig durchkorrigiert, den letzten Teil sogar ein drittes Mal. Präsident Curtius habe dem Prinzen mehrfach gesagt, er, der Prinz, sei voll und ganz für den Inhalt verantwortlich, Curtius nur für die literarische Form. Dazu schreibt jetzt die„Straßb. Ztg.“, die Präsident Curtius mehrfach zum Sprachrohr seiner Mitteilungen gemacht hat, folgendes:„Wir können diese Nachricht bestätigen und hinzufügen, daß alle anderen Darstellungen, die Herrn Curtius einen weitergehenden Anteil an den Memoiren zusprechen, unrichtig sind. Dr. Curtius scheidet demnach für die politische Beurteilung des Memoirenwerkes gänzlich aus, und alle auf anderer Grundlage aufgebauten Urteile, also auch die seinerzeit in unserem Blatte abgegebenen, werden damit hinfällig.“ München, 25. Juli. Das amtliche Blatt der Diözese München, das den Papstbrief in der Schell=Angelegenheit an Prof. Commer in Wien enthielt und, wie seinerzeit gemeldet, bisher zurückbehalten wurde, ist nicht mehr zur Ausgabe gelangt, sondern durch eine neue Nummer ersetzt worden, die jene päpstliche Kundgebung nicht enthält. Belfast, 25. Juli. Hier haben sich heute im Zusammenhang mit dem Ausstande aufregende Szenen abgespielt. In verschiedenen Teilen der Stadt wurden Lastfuhrleute angegriffen. Ein Wagen wurde in den Fluß geworfen und von einem anderen die Ladung in Brand gesteckt. Mit Dernburg nach DeutschTstafrita. An Bord des„Feldmarschall“, 18. Juli. In Neapel feierte man gerade ein Volksfei und der Stadtteil am Hafen lag in strahlendem Lichterglanz an dem Abend, als Exzellenz Dernburg das Schiff betrat, das uns nach Ostafrika trägt. Von der Gegend der Illumination her wurde das rote Licht eines schnell fahrenden kleinen Dampfers sichtbar, der gleich darauf an der zu Ehren des Tages an Steuerbord herniedergelassenen Außentreppe lag; die Stewardkapelle spielte „Deutschland. Deutschland über alles!" Der Kapitän des„Feldmarschall“ schritt den Ankömmlingen feierlich bis zur halben Höhe der Treppe entgegen und führte dort salutierend die Hand an die Mütze, ein Herr eilte behend die Stufen hinan, einige andere, aus deren Mitte die Hünengestalt des Ober Quade um Haupteslänge hervorragte, folgten bedächtiger, und Staatssekretär Dernburg wie seine Begleiter befanden sich unter den Flaggen des Reichs, Hamburgs und der deutschen Ostafrikalinie an Bord des Reichspostdampfers„Feldmarschall". Am andern Morgen erwachten wir bereits angesichts des Stromboli, und zwei Stunden später liefen wir in die Straße von St. Bonifacio ein. Dem Staatssekretär ist an Bord die auf dem Kommandodeck gelegene, aus drei Kabinen mit besonderer Badeeinrichtung bestehende Kapitänswohnung eingeräumt. Für das Gros der Passagiere wird Exzellenz Dernburg nur beim Frühstuck und beim Diner sichtbar; in seinen Privaträumen hat er Besprechungen, hält er Konferenzen ab, sieht er auch abends, wie z. B. gestern, einige Gäste zu einem Glas Bier bei sich. Im übrigen ist der Dampfer ausverkauft; für Passagiere wie Fracht ist einfach kein Tüpfelchen Platz mehr vorhanden. Das Schiff führt 188 Passagiere erster und zweiter Klasse. Von diesen sind 88 Engländer und Engländerinnen, die teils nach Englisch=Ostafrika, teils nach Durban und Leyden durch die beiden Aerzte Dr. F. Meyer und Dr. Bergell. Wir erhalten dazu folgende eingehendere Mitteilung: „Was das Typhustoxin des Prof. Chantemesse betrifft, so wird die Diagnose so gestellt, daß ein Milligramm des Toxins, in einem Tropfen Wasser aufgelöst, ins Auge geträufelt wird, wo es alsdann auf der Bindehaut eine charakteristische Entzündung hervorruft, die Tränen und Exsudat erzeugt. Diese Wirkung läßt dann mit Sicherheit auf die Typhuserkrankung auch schon in den ersten Stadien der Krankheit schließen. Zu dieser Nachricht sind wir in der Lage, über den jetzigen Stand der Typhusforschung in der Berliner Klinik des Geheimrats v. Leyden Bericht zu geben. Was zunächst das neue Diagnosticum betrifft, so wird es in der Leydenschen Klinik vorläufig nicht in Anwendung kommen, da man es nicht für nötig hält, das empfindliche Sehorgan einem Entzündungsprozeß lebenswichtigen Teil zusetzen, Auges der leicht einen Tuberkulose ergreifen ulosei aus. keil des fen und schädigen könnte. Bei der st die Methode des Einträufelns ins Auge unter gewissen Umständen die einzige, die einen Rückschluß auf die Erkrankung gewährleistet, und darum muß man wohl oder über das Auge für die Diagnose in Anspruch nehmen. Beim Typhus gelingt es jedoch in 99 von 100 Fällen, durch einfache Blutanalyse des Patienten die Krankheit festzustellen. Diese gefahrlose und sichere Diagnosenart verdankt man der Entdeckung, daß die Typhusbazillen nicht nur, wie man früher glaubte, das Krankheitsgift in ihrem Körper haben, sondern, daß sie es ins Blut abgeben, sodaß es überall im Blut des Kranken nachgewiesen werden kann. Von großer Wichtigkeit für die Menschen und die Wissenschaft ist nun die Entdeckung eines wirksamen Heilserums gegen Typhus, das in der Klinik des Geheimrats Prof. Leyden von den Aerzten Dr. F. Meyer und Bergell hergestellt wurde, und das jungst den Gegenstand einer klinischen Vorlesung des Prof. u. Leyden gebildet hat. Für Frankreich hat bereits Prof. Chantemesse ein Typhusheilserum erfunden, das jedoch außerhalb Frankreichs nicht in Verwendung kommt. Die Doktoren Bergell und F. Meyer haben nun, analog dem Verfahren bei der Gewinnung des Diphtherieheilserums, schon seit zwei Jahren auch mit dem Typhusgift die Krankheit bei Pferden erregt und einen gegen Typhus wirksamen Immunisierungsstoff aus dem kranken Blut der Pferde gewonnen. Diese Experimente, die zunächst auf den Kliniken in Wien und Prag nachgeprüft und wirksam befunden wurden, haben dann auch in der Anwendung auf Menschen die besten Erfolge gehabt, die sich in der Abkürzung des Fiebers, der Hebung des Pulses, der Verminderung der Diarrhöe und der Delirien äußerten, sodaß man zuversichtlich behaupten kann, daß man auf dem besten Wege ist, ein absolut wirksames Heilserum gegen Typhus herstellen zu können. Eine bulkanische Katastrophe im Stillen Ozean. London, 25. Juli. Der Daily Mail wird aus Sydney telegraphiert: Nach Meldungen von den Tonga=Inseln vom 5. Juli sind seit 14 Tagen von Tongatabu, der größten Insel der Gruppe, sieben verschiedene Säulen von Feuer, Rauch, Dampf und schwargem Bimsstein, sämtlich innerhalb eines Flächenraums von zwei Seemeilen sichtbar. Die Höhe der Söulen, die aus Löchern im Meere herzukommen scheinen, wird auf 250 Fuß geschätzt. Lokale Nachrichten. Dortmund, 26. Juli. Ueberfahren von der Straßenbahn wurde gestern mittag auf der Münsterstraße beim Hause Nr. 186 ein älterer Radfahrer, der zwischen dem Gleis zum Fredenbaum fuhr. An genannter Stelle kreuzen sich die Straßenbahnwagen; gestern fuhren außerdem noch zwei schwere Lastwagen in nächster Nähe, die das Getöse noch vermehrten. Drei Radfahrer, wovon einer wegen der engen Passage im Straßenbahngleis fuhr, wurde von dem Motorwagen rücklings überfahren. Der Radler hatte nicht bemerkt, daß ein Straßenbahnwagen hinter ihm war. Dem Führer war aver, wie uns ein Augenzeuge mitteilt, zugerufen, er sollte halten. Dieser kehrte sich jedoch nicht daran und so passierte denn das Unglück. Zum Glück kam der Radfahrer außer dem Schrecken mit zerrissenen Kleidern, seinem verbogenen Rade und etlichen Hautabschürfungen davon. Der Radfahrer lag mit seinem Rade schon unter dem Straßenagen und hätte um Haaresbreite sein Leben burch die uchtlosigkeit des Führers eingebußt. Der Wagen hatte die Nummer 84. Kasernements am westlichen Rande des Tempelhoferfeldes hatte. Mit der wachsenden Bedeutung, welche die Luftschiffahrt gewann, wuchsen auch Stärke und Bedeutung der Truppe. In Wort und Schrift und Tat, d. h. durch Aufstiege, die der Wissenschaft dienten, auf die Wichtigkeit der Aeronautik hingewiesen zu haben, war das Verdienst des Leutnants und nachmaligen Hauptmanns Groß. Um an seinem Teil an dem Verständnis für die Luftschiffahrt mitzuarbeiten und anregend und fördernd für ihre Vervollkommnung auch außerhalb seines Dienstbereiches zu wirken, trat der Ofizier in den„Verein zur Förderung der Luftschtffahrt, ein. Als diese Vereciuignung, die sich## seinra Rade schon unter dem Straßenim Herbt v. J. die Feier shres, Bsährigen Beste, Zurnwader, und bätte um Haaresbreite sein Leben hens beging, hielt Groß einen Vortrag uver das Problem des lenkbaren Luftschiffes, zu dessen Lösung das von dem Major mit konstruierte Fahrzeug so bedeutsam beitragen sollte. Schleswig, 24. Juli. Graf Rantzau=Rastorff ist dem„Deutschen Verein für das nördliche Schleswig" als Mitglied beigetreten. In seinem Schreiben an den Vorsitzenden des genannten Vereins heißt es u..:„Ich halte es für die patriotische Pflicht jedes Schleswig=Holsteiners, den auf Selbsthilfe angewiesenen deutschen Nordschleswigern kameradschaftlich an die Seite zu treten.“ Osnabrück, 25. Juli. Der katholische Universitätsprofessor Leo v. Savigney in Münster veröffentlicht in der„Osnabrücker Zeitung" ein scharfe Erklärung gegen ultramontanes römisches Wesen und gegen den Bischof von Münster wegen der Maßregelung des Professors Renz. Nachrichten und Depeschen. Berlin, 25. Juli. Zur Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Eduard schreibt nunmehr das Londoner Regierungsblatt„Tribune", es sei in der Lage, die kürzliche Meldung, König Eduard werde mit dem Kaiser anläßlich seiner eRise nach Marienbad in Wilhemshöhe zusammentreffen, zu bestätigen; es sei endgültig bestimmt worden, daß der König am Morgen des 14. August eintreffen und bis zum Abend bleiben werde, um si chdann nach Oesterreich zu begeben.— Auch die „Nordd. Allg. Ztg.“ teilt mit, daß guten Vernehmen nach der König von England für den 14. August seinen Besuch bei Kaiser Wilhelm auf Schloß Wilhelmshöhe angesagt hat. Berlin, 25. Juli. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: In dem vor dem Münchener Schöffengericht verhandelten Petersprozeß hatte Generalleutnant v. Liebert geäußert, die Urteilsfindung der Disziplinargerichte, von denen Peters abgeurteilt wurde, erscheine ihm nicht nur als ein Justizmord, sondern als ein Schandfleck des deutschen Volkes und der Justiz. Deswegen wurde auf Veranlassung des Reichskanzlers Liebert um Aeußerung ersucht. In seinem Antwortschreiben erklärt v. Liebert, daß er den Vorwurf, der in der Aeußerung gegen die Disziplinargerichte und die beteiligten Richter gefunden werden könne, zurücknehme. Das Schreiben schließt: „Ich bedaure lebhaft die von mir im Eifer der Rede gebrauchten scharfen Worte und versichere, daß mir die Herabsetzung der erkennenden Gerichte und die Hörde, 25. Juli.(Ueberfahren.) Heute abend wurde das 4jährige Mädchen der Eheleute der unteren Chausseestraße von einem elektrischen Straßenbahnwagen überfahren. Dem Kinde wurde ein Aermchen abgefahren und erhielt außerdem noch Verletzungen am Kopf. Es wurde sofort in das Krankenhaus Bethanien gebracht. Direkte Lebensgefahr soll nicht vorhanden sein. Ob dem Führer die Schuld trifft, wird hoffentlich die Untersuchung ergeben. Herne, 25. Juli.(Durchgegangen) ist einem hiesigen Kapellmeister unter Mitnahme von 300 Mark, die er auf einer auswärtigen Konzertreise vereinnahmt hatte, ein Musiker. Bis jetzt gelang es nicht, des Flüchtigen habhaft zu werden. (Weitere lokale und provinzielle Nachrichten siehe zweites Blatt). S Gewerbe und (Börse.) Die gestern vielan der Börse gehegten Erwartungen, daß die bessexe Gestaltung der Tendenz nunmehr weitere hotlschritte machen werde, ist durch den Verlauf. den der heutige Verkehr nahm, nicht erfüllt worden. Gerschiehenz“; da gunstige Momente jsedoch traie: Art vorlagen, in recht guter Haltung, jeooch trat später wieder eine Abschwächung ein, und auch das Geschäft, das bis gestern schon eine wenn auch geringe Belebung erfahren hatte, ließ wieder nach. Auch die Quartalsnachweise zweier großen Kohlengesellschaften waren geeignet, einen guten Eindruck hervorzurufen. Indessen konnten alle diese günstigen Momente nicht in vollem Maße zur Entfaltung gelangen, weil die Spekulation der Meldung aus Manitoba, nach der die Ernte in Kanada hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, eine größere Bedeutung beilegte, und zwar merkwürdigerweise erst im späteren Verlauf des Verkehrs, wiewohl die Nachricht doch bereits bei Eröffnung bekannt war. Die Haltung des Montanaktienmarktes unterlag, je nach der Tendenz, mehrfachen Schwankungen, doch blieben die Kurse sowohl der Eisen- wie der Kohlenaktien trotz der eingetretenen Abschwächung meist noch etwas höher als sie gestern geschlossen hatten. Gleichwie in den letzten drei Jahren werden für die Folge alljährlich für die Zeit der großen Schulferien unter den für die Monatskarten gültigen Bedingungen„Ferien=Stamm= und Nebenkarten" ausgegeben. Die Preise entsprechen denen der Monatskarten, wenn die Karte nicht länger als 81 Tage gelten sol. Für jeden weiteren Tag erhöht sich der Preis um den 80. Teil des Monatskartenpreises Die Karten können acht Tage vor Beginn der Ferien und auch in der Ferienzeit gelöst werden. Anträge auf Ausfertigung solcher karten sind mindestens einen Tag vor ihrer Benutzung an die Fahrkartenausgaben zu richten. in riesiger Auswahl. Sehr billige Preise! Oortmund, Balkenstr. 36—38 beim Bezirks-Kommando. Aelt. ert. Mädchen für klein, bess. Haushalt gesucht. Munsterstr. 285, 2. E. A. Eick& Comp. Nädchen z. 1. o. 15. Aug. ges. Adlerstr. 14. Morgenm. g. Münsterst. 44,1. 1 jung. Mädchen für Hausarb. ges. Richardst Mädchen, das Liebe zu Kindern hat. n. Düsseldorf ges. Näh. 1. 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Sonnabend, 27. Juli 1907 Noch einmal der Prozeß, San. Ich habe nur ein paar Stunden im Gerichtssaal zugebracht— man hat ja nicht so viel Zeit wie die Damenwelt, die hier ganze Tage und halbe Nächte lang der höchsten Temperatur und der schlimmsten Atmosphäre trotzte. Aber diese wenigen Stunden ließen eine solche Fülle von Eindrücken, die zum Nachdenken stimmen, auf mich eindringen, wie ich es selten erlebt habe. Ich meine nicht die Intermezzi furiosi zwischen Staatsanwalt und Verteidiger, die ja kaum in einem„großen" Prozeß fehlen. Sondern mancherlei anderes. Vor allem das Schwurgerichtsverfahren überhaupt. Ist es nicht die schlechthin unhaltbarste Form der Rechtsvermittlung und Rechtsprechung?„Es steigert alle Möglichkeiten zum Extrem. Der Staatsanwalt muß um jeden Preis den Verdächtigen zum Schuldigen machen, der Verteidiger um jeden Fall die Unschuld konstruieren. Von einer Stimme hängt es ab, ob der Angeklagte geköpft oder freigesprochen wird. Und diese eine Stimme gehört vielleicht einem biederen Landwirt oder Kleinbürger, der wohl nach bestem Willen votiert, aber seiner ganzen Lebensstellung, seiner ganzen seelischen Struktur nach völlig außerstande ist, in komplizierte Zusammenhänge seelischen Geschehens sich hineinzudenken. Man sagt, auf der Geschworenenbank sitze das gesunde, von keiner Tiftelei angekränkelte Rechtsbewußtsein. Mir scheint, mit diesem„gesunden" Rechtsbewußtsein ist es, wie mit dem„gesunden" Menschenverstand: es hat sehr unrecht. Ein Kenner wie Aschaffenburg veroft— zweifelt einfach an einer gedeihlichen Sachverständigentätigkeit vor den Schwurgerichten. Und kein denkender Laie kann eigentlich einen Schwurgerichtssaal mit einem anderen Gefühl verlassen als: Gott behüte mich, daß jemals ein unglückseliger Verdacht mich zum Objekt dieses Würfelspiels um Kopf oder Freiheit macht! Lieber dem strengsten Richterkollegium mein Schicksal in die Hände geben als dem Zufall der Geschworenenbank. Sind doch die einfachen Fragestellungen, die da vorgelegt werden, dem meisten kriminellen Geschehenen gegenüber unzulänglich; und zeigt es sich doch nur zu oft, daß der Versuch, die Fragen zu differenzieren, zu nüancieren, an der völligen Verwirrung scheitert, die er im Denken der Geschworenen anrichtet. Dann das Problem der Voruntersuchung. Diese fürchterliche Langsamkeit; diese hypnotische Konzentration auf den einen, einmal gefaßten Verdacht. Für den Arzt fiel in diesem Falle eine besonders lehrreiche Episode ab. In einem der Scharmützel zwischen Staatsanwalt und Verteidiger wurde festgestellt, daß der Untersuchungsrichter durch die Münchener Polizei an den Professor Klein(den Gynäkologen) die Aufforderung hatte ergehen lassen, Mitteilungen über eine Unterleibskrankheit der Frau des Angeklagten zu machen— nachdem diese ihr Zeugnis bereits verweigert hatte. Drei Juristen, ein Anwalt, ein Richter, ein Ver waltungsbeamter, bestätigten mir, daß darin nichts Außergewöhnliches liege: denn erstens könne die Frau bis zur Hauptverhandlung sich anders besinnen, zweitens aber wisse ja der betreffende Professor, daß er das ärztliche Geheimnis nicht verletzen dürfe. Solche Anfragen seien demgemäß überall„Brauch“— Pardon, aber wenn sie es sind, so ist das ein schlechter Brauch, der schleunigst beseitigt zu werden verdient. Es muß alles rechtsbewußtsein heillos verwirren, wenn die das Recht ermittelnde Instanz den Laien zu einer mit Strafe bedrohten Handlung auffordern kann— in der Voraussetzung, er müsse ja wissen, daß er der Aufforderung nicht ohne weiteres nachkommen dürfe. Das ärztliche Berufsgeheimnis ist ohnedies ein Sorgenkind der neueren Rechtsbrechung. Aber hier stellt es sich von einer Seite dar, die den Aerzten ganz neu sein dürfte und über die es für sie gar keine Diskussion mehr geben kann. Das Würfelspiel im Falle Hau endete mit „Kopf": Verurteilung zum Tode. Zwei Richter versicherten mir, kein Richterkollegium würde Hau freigesprochen, aber keines ihn zum Tode verurteilt haben— auf diesen Indizienbeweis hin. Alle Gebildeten, die ich sprach, äußern ihre Befremdung. Man wundert sich, daß die Geschworenen sich nicht (wie so oft schon) die zweite Frage zunutze gemacht haben, um ein Todesurteil zu vermeiden. Der Professor Aschaffenburg, der den Angeklagten begutachtet hat, hält ihn, wie er privatim geäußert hat, sicher für nichtschuldig, hielt die Freisprechung für unumgänglich. Man braucht nicht derselben Meinung zu sein und wird doch finden können, daß sie gewaltig zu denken gibt: denn hier spricht einer der allerersten psychologischen Kenner des Verbrechens. Sein Gutachten war also ebenso wie dasjenige des Geheimrats Hoche aus Freiburg ein Kabinettstück von Darstellung einer abnormen Menschennatur. Ob die biederen Landwirte, die die Mehrheit der Geschworenen bildeten, wirklich den beiden Psychopathologen auf den labyrinthischen Wegen ins Dunkel einer psychopathischen Seele hinein zu folgen vermögen? Und ob ihre Gewißheit von der Täterschaft Haus nicht vielleicht auf einem allzu„gesunden", das heißt fürs Ungewöhnliche, nicht Alltägliche nicht berechneten Fühlen und Denken beruht? Man vermag diese Fragen nicht ohne Beklemmung zu stellen. Ich ging eigentlich nur zur Verhandlung, um den Angeklagten zu sehen. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen, die je auf einer Anklagebank Platz genommen haben. Hat wirklich nur der juristische„Kalkül“ ihn seine seltsame Rolle im Gerichtssaal spielen heißen? Dann hätte er sie unzulänglich gespielt. Ich glaube es nicht; glaube eher, daß er sich so seltsam benahm, wie er ist. Mischung von sympathischem und unheimlichem Wesen, das Sympathische gelegentlich zu Jaszinierenden, das Unheimliche zum Aengstigenden potenziert. Ist er der Mörder? Ich weiß es nicht. Wenn er es ist: ein berechnender, geldhungriger Raubmörder? Ich glaube es nicht. Winn er es ist, viel eher einer aus einem Chaos abnormer. perverser Leidenschaften und Instinkte heraus. Wenn er es ist, so gerade darum ein sozial eminent gefährlicher, prädestiniert für den dauernden Ausschluß aus der Menschheit. Aber— ob er es ist? Ob er es ist? Die Frage ist damit für andere Menschen noch lange nicht erledigt, weil mehr als sieben Geschworene sie bejaht haben. So oft ich während der Sitzung vom Angeklagten zu den Männern auf der Geschworenenbank hinüberblickte, packte mich die beängstigende Frage: wie werdet ihr euch mit diesem Rätsel abfinden? Ihr, für die das Aufspüren und Durchspüren abnormer Seelenleben nicht wie für unsereinen Lebensberuf ist! .... Unten johlte und tobte der Pöbel, in dem das.„Verbrechen di: Instinkte zum Verbrechen peirschte. Das ist die sozialpsychologische Frucht dieses Prozesses: Unser ruhiges, phlegmatisches Karls. ruhe hat einen Pöbel, der mit Gendarmen und Soldaten traktiert werden muß. Winige Augenblicke aber, ehe die ersten Paroxysmen der„Straße" sich entluden, hatte oben im Schwurgerichtssaal die einzige, erfreuliche, im menschlichen Sinne große Szene sich abgespielt: Die beiden Professoren der Psychiatrie, die nach Erstattung ihrer Gutachten in die Heimat zurückkehrten, verabschiedeten sich von dem Angeklagten mit herzlichem Händedruck. Wir Seelenärzte, sagte dieser Händedruck, sind nicht da zu richten und zu verurteilen. Wir sehen das Verbrecherische nur als die verhängnisvollste Konstellation des Menschlichen: die Bedingungen solcher Konstellation zu erkennen, der Möglichkeit ihrer Vermeidung nachzuspüren, zu heilen, zu bessern, zu verhüten: das sind unsere Aufgaben. Und ein Student, der gerade in den Wochen vorher die Beziehungen der abnormen Psyche zu den Rechtsforderungen in meiner kulturpathologischen Vorlesung hatte erörtern hören, sagte mir nachher, daß dieser Abschied der Psychiater ihm blitzartig eine weite, lichte Perspektive eröffnet habe: der„Barbareneinbruch der Psychopathologen in die Rechtspflege“ in Wahrheit ein Einströmen lebendiger Menschlichkeit ins Reich der toten Buchstaben. Hoffentlich hat auf den Zuschauerbänken noch der eine oder andere etwas Aehnliches empfunden. Privatdozent Dr. Willy Hellpach(Karlsruhe) im„Tag“. Naumann über Dr. Peters. Reichstagsabg. D. Naumann sucht sich in einem„Moral und Kolonialpolitik“ überschriebenen Artikel gegen die Vorwürfe zu verteidigen, die auch aus den Kreisen seiner engeren Anhängerschaft der Nationalsozialen gegen ihn erhoben worden sind, weil er den zur Verteidigung von Peters bestimmten Ausführungen seines Freundes Rohrbach Aufnahme in der„Hilfe“ gewährt hat. Naumann druckt zu seiner Rechtfertigung ab, was er in der„Hilfe“ im Jahre 1896 über Peters geschrieben hat. Sein damaliger Artikel lautete u. a. wie folgt: „Die Sache ist keineswegs leicht und einfach. Es wäre sehr schön und angenehm, wenn man sagen könnte;„wir sind nur unter der Bedingung für Kolonialpolitik, daß keine Roheiten vorkommen dürfen". Eine Kolonialpolitik ohne Roheiten hat es aber, soweit wir die Geschichte kennen, noch nie gegeben. Als Karl der Große unter den Sachsen kolonisierte, als die frommen Kreuzfahrer zum Heiligen Lande zogen, als die Spanier und Portugiesen Amerika besiedelten, als die Niederländer Java besetzten, als die Engländer die Eingeborenen von Tasmanien wie Rebhühner jagten und als sie die indischen Aufstände blutig erstickten, nie ist es ohne Greuel abgegangen. Auch die beste deutsche Kolonialpolitik im Mittelalter war voll solcher Vorkommnisse. Wir erinnern an zwei bekannte Männer: Heinrich der Löwe, der Kolonisator von Mecklenburg und Pommern, knüpfte am Schweriner See einen slavischen Fürsten an einem Baum auf, während dessen Bruder diesem Schauspiel über das Wasser hinweg zusah, und ließ den Kopf Niclots, des Ahnherrn aller mecklenburgischen Großherzöge, im Triumph durch das sächsische Lager tragen. Der Comthur des deutschen Ordens aber, Grumbach, ließ im Kampfe gegen die heidnischen Preußen zwei Brüder seines eigenen Ordens vor allem Volk bei lebendigem Leibe verbrennen, weil sie einer verräterischen Verbindung mit den Preußen beschuldigt waren. Dieser Comthur wurde dann wegen dieser Handlung vom Papst abgesetzt und der Konvent, der ihm zugestimmt hatte, zu einer Jahresbuße verurteilt, aber die Kolonisation ging weiter und Deutschland wurde bis zur Memel ausgedehnt. Wer würde nun wünschen, daß wegen dieser und ähnlicher Roheiten die Verdeutschung Mecklenburgs, Pommerns und Preußens aufgegeben worden wäre? So liegt die Frage. Was damals das Slavenland war, ist heute Afrika. Der Kulturzustand ist, ganz im allgemeinen geredet, ähnlich. Wer kolonisieren will, muß gegen Barbaren kämpfen, wer aber gegen Barbaren kämpfen will, muß so kämpfen, daß es auch Eindruck auf sie macht. Bei dieser Sachlage verdenke ich es keinem Christen, wenn es ihm sehr schwer wird, der Kolonialpolitik zuzustimmen. Es liegt ganz ähnlich wie beim Krieg. Ein Krieg ohne Grausamkeit wäre ganz schön, aber es gibt ihn nicht. Auch die nötigsten, besten und, wie man sagt, heiligsten Kriege sind voll Blut und Ekel... Wißt ihr, was die Worte„Rußland, England, China" bedeuten? Sie bedeuten, daß wir Deutschen alle Adern und Sehnen anspannen müssen, wenn unsere Nation nicht untergehen soll. Wollen wir aus Sparsamkeit und Bequemlichkeit auf die Zukunft der deutschen Nation auf der Erdlugel verzichten? Wenn wir groß werden wollen, so müssen wir Opfer bringen und sollten sie so groß und schwer sein wie die Opfer, die jetzt Italien am Roten Meere bringt.“ Naumann erklärt, daß er diese vor reichlich elf Jahren geschriebenen Worte noch heute als sein versönliches Bekenntnis in diesen Fragen gelten lassen könne und fügt dann hinzu: „Wenn ich also gegenüber allerlei Mißtrauen durch den Abdruck dieses Abschnittes festgestellt habe, daß es nicht erst mit der Bülowschen Blockpolitik oder etwas ähnlichem zusammenhängt, wenn jetzt die„Hilfe“ ihren Raum den Ausführungen ihres alten treuen Freundes Dr. Rohrbach zur Verfügung stellt, so ist natürlich damit die Grundfrage noch nicht beantwortet, ob nicht mein Aufsatz schon im Jahre 1896 sich mit den moralischen Grundzügen unserer sonstigen Politik nicht vertrug und deshalb schon damals falsch war. Es gibt Gesinnungsgenossen, die so urteilen. Was ich ihnen theoretisch antworten kann, steht in meinen„Briefen über Religion“ geschrieben und kann hier in der Kürze nicht wiederholt werden. Es ist mit einm Worte die Geschichtserfahrung, die Dr. Luther ausspricht, wenn er das Regieren ein weltlichts Geschäft nennt. Das soll heißen: man kann an Staatshandlungen nicht die höchsten Anforderungen der vollkommensten Moral stellen, da der Staat durch Zwang gegründet ist und niemals nur aus Bürgern allerhöchster Sittlichkeitsstufe besteht. Der Staat muß auch mit Menschen von geringeren Qualitäten arbeiten, weil er sonst überhaupt nicht arbeiten kann. Das ist für den sittlich fein empfindenden Menschen peinlich und stößt ihn ab, aber es ist eine offenbare Tatsache, die wir mit guten Wünschen nicht beseitigen können. Dieses peinliche Sachverhältnis ist uns nun besonders wieder zum Bewußtsein gekommen, „Peters und fast alle anderen Afrikaner benutzen schwarze Frauen und verletzen damit die monogamischen Grundsätze unserer christlichen Kultur.“ richtig! Sie verletzen das Ideal des neuen Testamentes und der besten Moralphilosophie. Ist nun aber der Staat imstande, alle Personen auch nur vom Offizier= und Beamtenstande auszuschließen, die dieses tun? Damit würde er sich selbst aufheben! Der Moralprediger(und das ist jeder Prediger) muß sein Ideal vertreten und vom Einzelmenschen verlangen, daß er ihm folge. Der Staat aber kann nur das verlangen, was er tatsächlich erzwingen kann. Er kann auch in Hinsicht auf allgemeine Menschenliebe nur das verlangen, was dieser Bedingung entspricht. Gewiß rde es auch für den Staat besser sein, wenn die sittlichen Durchschnittqualitäten höher wären, aber doch muß er mit den Menschen arbeiten, die er vorfindet. Das aber bedeutet für unsere jetzt brennend gewordenen Afrikafragen: Man soll möglichst gutes Menschenmaterial hinausschicken und dann vertrauen, daß diese unsere Afrikaner, die doch wahrhaftig im Durchschnitt nicht schlechter sind als wir andern, die richtige Praxis finden werden. Sie müssen uns sagen, wo die Grenzen dessen sind, was in Afrika erreichbar oder zulässig ist. In diesem Sinne stimme ich Dr. Rohrbach auch darin bei, daß afrikanische Moral= und Rechtsfragen in erster Linie von Leuten entschieden werden sollten, die drüben gestanden haben. Wenn unsere besten Afrikaner einen Peters verwerfen, dann wird er verworfen sein. So aber lieg, offenbar bis jetzt die Sache nicht. Wir andern können beim besten Willen nicht fertige Urteile in der Tasche haben. Deshalb lehne ich es auch durchaus ab, wenn von mir als Herausgeber der „Hilfe; gefordert wird, ich solle nun mein Urteil über die einzelnen Handlungen oder die Methode von Peters aussprechen. Ich kann das gar nicht. Was ich kann, ist, mich möglichst gut von sittlich hochsteehnden„Afrikanern" unterrichten zu lassen. Wenn ich aber sagen sollte, ob Peters in einem besonderen Falle richtig oder unrichtig gehandelt hat, ob er schießen oder schlagen durfte oder mußte, da komme ich mir vor, wie wenn ich über die Brauchbarkeit einer Vorrichkung am lenkbaren Luftballon oder sonst über etwas reden soll, wovon ich keine eigene Erfahrung habe. In solchen Fällen kann man zur Not nachsagen, was andere vorgesagt haben, aber was hat das für Zweck? Diese Zurückhaltung ist vielen Leuten auch in unsern eigenen Kreisen nicht recht begreiflich, vielleicht würde ich sie auch nicht so streng üben, wenn ich nicht wiederholt in fremden Ländern gewesen wäre. Der Besuch des Orients und Nordafrikas hat bei mir so viel Einsicht in die tiefe Verschiedenheit der Vorbedingungen alles menschlichen Handelns auf fremdem Boden gebracht, daß ich etwas scheu geworden bin, mit unsern Heimatbegriffen allzu sicher gegenüber der afrikanischen Kulturferne zu operieren. So wenig ich den Tamtam der Herren Liebert und Arendt vertragen mag, so wenig vertrage ich den umgekehrten Lärm. Man verzeihe diese persönliche Aussprache, aber es ist zu dringend von mir gefordert worden, daß ich meine Meinung sage, um ganz unpersönlich bleiben zu können!“ — In einem Aufsatz über den„München. Prozeß“. im„Tag“ zieht Dr. Karl Peters das Fazit aus den Münchener Verhandlungen, wie es sich ihm darLustiges aus dem Engern und Weiteren. Wochenplauderei. Wie schnell wird in der Menschen Hand Die Mücke doch zum Elefant, Wenn an das Tierchen, das friedlich lebt, Man dieses noch und jenes klebt. Die Mücke hat in wenigen Stunden Dann einen solchen Umfang gefunden. Daß man in ihr, verblüfft und erschreckt, Ein sehr gewichtiges Ding entdeckt.... Was war das jüngst auf Norderney Ein Tuscheln bei der Polizei, Die sonstigen Beamten waren Sich gleichfalls gar nicht recht im Klaren, Und erst das Publikum erfuhr Vom wahren Sachverhalt keine Spur. Die Villa Bülow sollte ihren So angenehmen Gast verlieren Auf einige Tage, nachdem sie soeben Ihm wonniges Quartier gegeben: Das war das Ereignis, dessentwegen Die Köpfe begannen sich aufzuregen.... Was war gescheh'n? War unerwartet Ein Spielchen gegen uns abgekartet, Daß unser Fürst vom gastlichen Tische Erheben sich mußte der Sommerfrische Und, statt zu schonen seine Kräfte. Sich stürzen mußte in Dienstgeschäfte, Für die sein Aufenthalt in Berlin Persönlich dringend notwendig schien? Man unterbricht die Ferienzelt Doch nicht um eine Kleinigkeit, Die auch vom zaubervollen Meere Durch einen Kurier zu erledigen wäre, Es mußten also im Handumdrehn Ganz außergewöhnliche Dinge gescheh'n, So daß die Diener mit wichtigen Akten Vielleicht für den Fürsten die Koffer packten Der Kaiser von Korea, nun, Was sollte der alte Mann uns tun, Er war schon froh, wenn seine süßen Verwandten und Freunde ihn leben ließen Und sprach, gebrochen und völlig schlapp, Zum Schlusse gern:„Ichdanke abl“ Bevor als alter Kaisersohn Er aber niederstieg vom Thron, Berief er durch einen Abgesandten Den braven Hofhutfabrikanten Und gab im Auftrag„Onkel Fritze“ Noch eine neue Zipfelmüßze, Wie sie Koreas Herrscher tragen An allerhöchsten Feiertagen: Zwei Photographen traten sodann Mit ihren Riesenmaschinen an Und nahmen in zweier Stunden Verlauf Zwei, Dutzend Male den Kaiser auf: Auf seinen Wunsch bald ganz von vorn— Im Auge kaiserlichen Zorn—, Bald das Gesicht nach rechts gedreht, Weil dem Monarchen das besser steht, Zum Schluß, gehorsam seines Winks, Die edlen Züge gewandt nach links— Auf allen Bildern machte sich gut Jedoch der prächtige„neue Hut“, heißt, die Zipfelmäte, die Der Herrscher zum Ende sich selbst verlieh! Und also lieber Leser, seh Ich in der Presse den Kaiser a.., Wie er mit würdigen, stolzen Manieren Geht durch Europas Blätter spazieren, Und ich behaupte mit etwas Tücke, Wenn ich sein holdes Porträt erblicke, Daß nur einem Mann mit solcher Mütze Man nimmt die Leitung der staatlichen Spritze Der Kaiser von Korea, nein, Vermochte nicht Grund zur Reise zu sein, Auch kümmerte kaum in das Liebesidyll Des glücklichen Ehepaares Cyrill: Den Kanzler mußte es nach Berlin Mit höheren Gewalten zieh'n! Und richtig, bald gab mir Bescheid Ein Vorfall aus vergangener Zeit: Auch Hohenlohe war mal entschwunden Auf sehr geheimnisvolle Stunden, Dann stellte man fest, daß in Paris Er einen Zahn sich plombieren ließ! Genau so Bülow! Ein schlechter Zahn Trieb jäh ihn auf die Eisenbahn, Ein immer wiederkehrendes Weh' Verleidete ihm die schönste See, Und unser Fürst fuhr drum zum Segen der Zähne neuem Glück entgegen! Die Journalisten im Haag. Hört es, weite Völkerzonen, Großes Werk muß dort gelingen, Und die Journalisten wohnen Allesamt in Scheveningen; Während die Debatten tosen Um Vermind'rung der Brigaden, Schlüpfen sie in kurze Hosen, Gehn sie baden! Geh'n sie baden. Ach, verehrte Herr'n Kollegen, Ihr habt recht, es kann nicht schaden, Spricht man dort vom Kugelregen,— Geh'n Sie baden! Geh'n Sie baden! Redet Englands Haupt=Vertreter Von den Prisen und Blockaden. Wie sich die gestalten später,— Geh'n Sie baden! Geh'n Sie baden! Peinlich sind wohl solche Themen: Metzelel'n und Kanonaden, Statt davon Notig zu nehmen, Geh'n Sie baden! Geh'n Sie baden! Ob sie dürfen Dumdums werfen Auf bewaffneten Promenaden, Ach, das fällt ja auf die Nerven,— Geh'n Sie baden! Geh'n Sie baden! Ueberhaupt, wer will im Juli Bei verhängten Fensterladen Drinnen schwitzen wie ein Kuli!— Geh'n Sie baden! Geh'n Sie baden! Diese ganze Friedensfinte, Derentwegen Sie geladen, Lohnt nicht für zehn Pfennig Tinte.— Geh'n Sie baden! Geh'n Sie baden! („Lustige Blätter“.) Kaltblütig. iöhr Sagrerzeugungsmittel ist ein gage gemeiner Schwindel!... Ich hätte gute Lust, Ihnen eine tüchtige Pracht Prügel zu verabreichen!“ „Seh'n Se, es hat doch genutzt— jetzt hab'n Se wenigstens Haar uff die Zähn.“ . Alles da. „Also— was hab' ich gehört: Sie verreisen auch?“ „Ja, nach dem Luftkurort Kiefernhalde'. Ist mir sehr empfohlen.“ „Kenn' ich, kenn' ich! Sie— da werden Sie sich erholen nach all der Unruhe! Einsam sag' ich Ihnen— ganz einsam.“ „So? Ich hätte lieber ein bißchen Unterhaltung gehabt.“ „Unterhaltung? Haben Sie dort auch. Mücken sind da, sag' ich Ihnen, sie können immerzu nach Mücken schlagen. Und Mäuse sind in jedem Zimmer. Zu possierlich.“ „Possierlich finden Sie das! Ich finde das gräßlich." „Ach so, Sie sind kein Tierfreund? Nu, Pflanzen sind auch da. Viel Schlingpflanzen, da muß man sich in acht nehmen. Aber dann: prachtvolle Sumpfpflanzen mit satten gelben Blüten.“ „Ja, ist denn dort der Boden teilweise sumpfig?“ „Teilweise? Fast ausschließlich. Wo käme denn jeden Sommer die Typhus=Epidemie dort her? „Was— Typhus=Epidemie! Ich hab' ihn zwar schon gehabt, aber—“ „Aber man kann ihn zweimal kriegen. Ich habe einen Herrn in Oldenburg gekannt, der ist gestorben, wie er ihn das dritte Mal hatte. Die Hauptsache ist der Arzt—“ „Ein tüchtiger Arzt ist doch in Kiefernhalde“?" „O, da haben Sie einen vortrefflichen Arzt gehabt. Aber der ist vor drei Wochen gestorben. Ein toller Hund hat ihn gebissen. Sie haben vielleicht gelesen, daß in Liebenbach jetzt schon der sechste Hund toll geworden ist innerhalb sechs Wochen.“ „Ja, ja, aber was geht mich Liebenbach an? Ich gehe doch nach Kiefernhalde.“ „Das ist doch dasselbe. Liebenbach ist nur der Ort, Kiefernhalde ist nur das Hotel.„Hotel“ ist ein bischen üppig gesagt. Seh'n Sie zu, daß Sie Zimmer nach Norden bekommen, da regnet's weniger hinein.“ „Nach Norden? Da hat man ja keine Sonne.“ „Sonne? In Kiefernhalde haben Sie nie Sonne. Ich bin drei Wochen dort gewesen in der schönsten Jahreszeit und hab keine Sonne geseh'.“ „Da werd' ich sofort die Zimmer abbestellen.“ „Sie, wenn ich Ihnen raten darf— tun Sie das nicht. Der Wirt von Kiefernhalde hat zwar keinen Omnibus, wie im Prospekt, steht— was „Alles Einwohner von Liebenbach und Kiefernhalde?“ Sprüche. „Aber nein. Die Einwohner sind gräßlich.] In der dieswöchigen„Hilfe“ sind folgende Sowas von Sacksiedegrobheit kommt nicht Sprüche von Margarete Sachse zu lesen: wieder. Gott sei Dank, daß man ihren abscheulichen] Unbewußtes Vertrauen ist der Freimaurergruß Dialekt absolut nicht versteht. Aber was das der wahrhaft Vornehmen,6°9 oben liegt, das sind Kurgäste. Lauter Kur=] Man ½ gästel“ Man kann sich durch den („Lustige Blätter“.) Reisezeit. Leer ist die Stadt, und öde ward's Nunmehr in jedem Kreise, Hinaus zog alles aus der Stadt Auf seine Sommerreise. Der Kaiser fuhr zum Nordland hin, Der Kanzler weilt im Bade. Herr Dernburg strebt nach Süden gar Zu Afrikas Gestade. Es bleiben in Berlin nicht mal Die neuen Herr'n Minister, Sie ließen Akten Akten sein Und griffen zum Tornister. Der Kaufmann, der so rastlos sonst, Will nicht mehr disponieren. Statt zu dem Börsenstand zu geh'n, Geht er am Strand spazieren. Es wälzten ab der Sitzung Last Sich längst die Parlamente, Es legte auch die Bürgerschaft Schon in den Schoß die Hände. Und während sie im Wald, am Meer Spazieren froh und heiter, Geht doch auch ohn' die großen Herr'n Die Welt ganz lustig weiter. Sie sollen sorglos sein. Jedoch, Auf eines möcht' ich wetten, Sie sorgen sich, ob sie nicht bald Beständig Wetter hätten. („Hamb. Fremdenbl.“) Ein Vorschlag zur Güte. an kann sich durch den Umgang mit einem einzigen, feinfühligen Menschen schadlos halten, aber auch untüchtig machen für die übrigen Ansprüche des Lebens. * #„Daz ist nicht die echte Intelligenz, die auf Minderbegabte erdrückend wirkt; das Genie befreit und psiemt. elt, ad Venie beft * Frauen, die keinen Trost geben können, sind blind durch die Schule des Lebens gegangen. Das Mitleid wohnt dicht über der Taktlosigkeit: darum kann es nicht leise genug auftreten. Warum gibt es keine verschämten Reichen, wie es verschämte Arme gibt? * Das Glück. In der neuesten Nummer der Festzeitung für das Eidgenössische Schützenfest" in Zürich ist folgender„Scheibenspruch“ von Otto Jul, Bierbaum eu lesen: „Ich heiß: Das Glück. Soll es dir glücken. Daß du mich triffst, mußt du's verstehn, So, wie im Leben: scharf zu sehn Und doch— ein Auge zuzudrücken.“ Karlsbad. Wenn einer zwölf Kilo abnimmt: W5 un Aues#iokas Durchschlagender Erfolg. Wenn einer einhalb Kilo abnimmt: Wenn einer füpf Kllo zunimmt:6 Heiterkeitserfolg. (Lustige Blätter.) Der Metgerssohn. Lehrer:„Warum wollte Abraham seinen Dem„Elsässer“ erzählt ein Reisender folgende Sohn Isaak schlachten?“ salshlscn eici, Kealfesesäcse. Mase Bashe:. des Oeffnens der Fenster. Die eine behauptete, sie würde den Tod erleiden, wenn die Fenster auf= gn. gz..Münchener Kindl.“ blieben, die Zugluft würde ihe das Herz zusammen=] Bubi(vierjährig, zu seiner Mutter):„Mutter. gen Ganidon, uie ier Basent heit—. uas engente uid ui, Pag, Nüinr dr sche Tad. Desu, Bu.e Cdor.. t, utd g ist ihm auch ein Omnbus ohne Pferde, nicht!— wenn die Heosek wliede vem Schlage getrasten, um ge du Tode ersctrecte Eriuti Wadt. 8ohn nd dat seine Legelbahn znd keinen Tenmisslat. Ider sse däle gowaligen Paor eichiosen bichen, um Velitetmiten das durt non doch niot koent“ und dat keine Legeldain und leinen Tennseplat, Lenn ur gchtenteg. 399 Ungzg. eschlosen Blschen, VLastzpilien das daurt mon dech nicht lggeni' hurter ut duer Prdelt und dan m aislier De Lasten, Taihzr Pengeunun un apse) vur Zuisk un Ashrieh, Keis aldgrang Peseeils*.* seit Jahren nur kar den guen, Maust Fruchie viche uggempn gallein der Scherdet tief geknickt, versoricht unter ktrömenden imen Tränen, es„nimmer wieder“ tun zu wollen. Nach Respektl— der lebt seit Jahren nur von den Prozessen gegen die Leute, die ihre Zimmer in Kiefernhalde abbestellen. Und alle Prozesse gewinnt der.“ „Ja, wenn ich aber dort den Typhus bekomme? Oder von dem tollen Hund gebissen werde, „Beruhigen Sie sich, eins muß man dem Nest lassen: einen entzückenden Friedhof haben sie dort, Liegt nur ein bischen erhöht und ist der Platz in der ganzen Gegend, wo ein paar Bäume stehn. Und die Inschriften sind sehr in.Schnestenra sselander Gmgse u ie weite tüchtge Vente arme Mann wußte nicht, was tun, um die Damen zufriedenzusellen.„Ein mitgabt er war aus Obereh den Gedanken. ellen. Ein mitfahrender Passagier— stauttgehabter kußreicher Versöhnung versinkt Bubi oeregnheim— kam auf einen retten= einig„Augenblicke in tiefes Sinnen. Plötzlich verzen„Gedanken.„Schaffner“, rief er,„mache's###r sich sein Gesichtchen, und mit strahlendem Fenster züe, dirno stirbt die eind von denne zwei, zächeln fragt er Mutti:„Gelt, Mutti, a ganz a und'irno mache Ihr's wieder uff, un dann stirbi kloan's Oechele darf i doch sagen!“ d' ander, un so bekumme mir no endli Rüeb dofalt, mit, dem„schmübischen Gruß“ verabschiebet Khiamses enlana. Buhi. Heim Krcsiag., ter bes fält, mit dem„schmübschen Gruß verahschiebet Ehiaemses enllang, Budi, beim Erblicken de gattent,„Ste suchten jede ein Abteil nach vorher ge ßen Wasserfläche mit fast ehrfürchtigem Sta.„: Wunsche auf und setzten geirennt ihre.„Latter, is das a Bier Staunienz Reis nach Strappura torz.. teeuut dre Seionbers. Tie Ver Vesite, Pehubtseinr gekommen, den Münchener Verhandlungen, wie es sich ihm dar. u uu in#n legren Wochen hören mußten: stellt. Die zwei Punkte, in denen seiner Ansicht nach A die prinzipielle Bedeutung des ganzen Falles liegt, sind die folgenden: „Der eine Punkt ist mir von Beginn meiner kolonialpolitischen Tätigkeit an lebendig vor Augen gewesen und ich sprach ihn am 24. August 1889 zu Anfang der deutschen Emin Pascha=Erpedition in einem Schreiben an einen deutschen Freund dahin aus: „Leute, wie ich, werden wohl meistens über eine gewisse Grenze, auch des Lebens, nicht hinüberkommen, und zwar scheitern sie daran: einerseits sollen sic Eigenschaften entfalten, welche in der Tat über die Normen der gegebenen Schranken hinüberreichen müssen wenn sie ihre Aufgabe draußen lösen wollen; andererseits sollen ihre Eigenschaften innerhalb der privaten Schranken bleiben. Man verlangt Versöhnung eines tonträren Gegensatzes.“ Man soll seinem Volke einen halben Erdteil erobern; aber, um Gottes willen, keinen Paragraphen des deutschen Strafgesetzbuches aus den Augen verlieren. Der andere Punkt hat für unsere praktische Kolonialpolitik eine viel unmittelbarere Bedeutung. Man schickt einen Kommandanten in ein rebellisch aufgeregtes Gebiet mit diktatorischen Vollmachten, zu handeln, wie es ihm im Interesse des Reiches gut erscheint. Er unterdrückt durch seine Maßnahmen tatsächlich einen sich bildenden Massenaufstand. Dann wollen sich nach Jahren Leute, die von dem realen Verhältnissen nicht mehr kennen als der Hund vom Monde, hinsetzen und untersuchen, ob die Umstände seine speziellen Maßnahmen erforderten, und ihn auf Grund ihrer rein theoretischen Erwägungen aburteilen. Er hat den Aufstand im Keime unterdrückt, und deshalb ist er nicht zu erweisen. Also, schließen die Herren vom grünen Tisch, hat er gar nicht bestanden, alles blieb ja ruhig. Wenn es mir gelungen wäre, durch ein Vorgehen, wie am Kilimandscharo, den südwestafrikanischen Aufstand in seinen Anfängen zu ersticken würde ich heute voraussichtlich ebenfalls unter der Anklage des Mißbrauchs der Amtsgewalt stehen. Alles war ja ruhig; unter meinem Vorgänger war keine Rebellion, und nach meiner Abberufung ist sogar dieser oder jener mit dem Spazierstock durch jene Gebiete gereist. Ich frage nicht, ob es billig ist— denn eine solche Frage würde bei, den meisten meiner Kritiker nur ein kicherndes Behagen hervorrufen—, sondern ob es klug ist für einen großen kolonialen Staat, seine Beamten vor das Dilemma zu setzen, entweder sich und ihre Umgebnug von rebellischen Eingeborenen niedermachen zu lassen oder aber sich hernach wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt verteidigen zu müssen. Sicherlich kann ein solches System nicht erfolgreich sein.“ Zur Inderfrage. Aus dem schon signalisierten Aufsatz des katholischen Professors v. Savigny=Münster in der „Osnabr. Ztg.“ über„Die Bewegung im deutschen Katholizismus“ seien folgende Stellen mitgeteilt: „In keinem anderen Lande war der Katholizismus in den letzten Jahrzehnten so vollständig „römisch“ geworden wie in Deutschland; widerstandslos gab man die deutsche Eigenart hin, um den Tand welscher Veräußerlichung dafür einzutauschen. Schien doch die Religion vornehmlich in Modeandachten, höchstgesteigertem Reliquienkult, Lourdes-Grotten und feierlicher Krönung von Bildern ihren Ausdruck finden zu sollen. Und dabei blühte fröhlich der Geschäftskatholizismus: auf dem Weihnachtstisch der katholischen Familie lag das neueste mit S. J. oder O. P. ausgezeichnete Produkt des Herderschen Verlages in trautem Verein mit den jugendbildenden Erzahlungen des„Katholiken" Karl May. Der deutsche Geist ließ sich aber nicht vollständig und dauernd unterdrücken, so daß die Inquisitoren „häretischer Verderbnis“ bald da, bald dort auf vorschriftswidrige Regungen stießen, denen sie mit den Machtmitteln der kirchlichen Disziplin freilich meist rasch ein Ende bereiteten. Dies ist nun neuerdings in dem Fall Schell nicht so vollständig gelungen, und zwar wohl hauptsächlich darum, weil der weltliche Arm des im Zentrum organisierten Ultramontanismus, vor allem die einflußreiche Parteipresse, nicht mehr so unbedingt zur Verfügung stand. Das Zentrum empfand es mehr und mehr als ein Bedürfnis, sich als rein politische Partei zu gerieren und sich daher etwas zu entklerikalisieren. Zugleich drängten trübe Erfahrungen, wie der Taxil=Schwindel, die Erlebnisse mit dem „Teufel Bitru“, dem„Pelikan“ und ähnlichem ernstere Kreise zum Nachdenken, ob man sich denn überhaupt ganz auf dem rechten Wege befinde. Und so begann denn, selbst innerhalb der Zentrumsorganisation, die Tendenz sich geltend zu machen, etwas vom Jesuitismus abzurücken. Deutliche Kunde davon gibt z. B. die zweite Auflage des Staatslexikons der Görresgesellschaft, die manchen ultramontanen Ladenhüter verschwinden sah, an dem man früher sich unbefangen freute. Deutlicher wurde es, als das Unbehagen katholischer Kreise über inquisitorische Verfolgungssucht in der großen Zentrumspresse häufigeren Ausdruck fand. So sah man denn in Rom nicht ohne Sorge die Symptome eines neuen Geistes sich häufen und beschloß anscheinend, bei erster Gelegenheit mit allen Machtmitteln einzuschreiten. Diese Gelegenheit bot die Frage des Schell=Denkmals, bei der das schwerste Geschütz direkter päpstlicher Kundgebung aufgeboten wurde, um die heimlichen Gegner des Jesuitismus bis in die Reihen des Episkopats hinein vernichtend zu treffen. Und in innerem Zusammenhange damit steht das rücksichtslose Vorgehen gegen die doch so kindlich ehrerbietigen Index=Petenten. So wird denn die bisherige Zentrumsführung des katholischen Deutschlands die Geister des Ultramontanismus, die sie gerufen, deren Dienste sie weidlich genützt hat und weiter nützt, nicht wieder los. Die konfessionelle Absperrung und Ueberspannung, von der das Zentrum allein lebt, gibt es waffenlos in die Hand er in Rom gebietenden Partei. Es ist ein schöner Traum der„aufgeklärten“ Zentrumskreise, auf der einen Seite dumpfen politischen Konfessionalismus pflegen und zur Basis der Parteiexistenz machen zu können, auf der anderen aber die kulturellen Konsequenzen dieser Geistesrichtung ablehnen zu dürfen: Index und Syllabus werden den Herren mit dem Januskopfe die Antwort nicht schuldig bleiben! Und so zittern denn trotz aller großen Worte, mit denen die Unabhängigkeit der rein politischen Zentrumspartei versichert wird, die Führer auf ihren Parlaments= und Redaktionssesseln, wohl wissend, daß sie Gefangene der von ihnen selbst begründeten und befestigten Kaplanokratie im politischen und sozialen Leben sind, die die Ungehorsamen wie dürres Holz zerbrechen wird! Die aber, die auf ein Neuerwachen deutschen Geistes im Katholizismus hoffen, werden die jüngsten Ereignisse als erste Symptome erfreulicher Wandlung begrüßen dürfen, als Zeichen dafür, daß die Ueberspannung des ultramontanen Systems eine Reaktion zu zeitigen begonnen hat, die fortschreitende kulturelle und politische Befreiung von dem Alp des maßlos gesteigerten Konfessionalismus erhoffen läßt. Der Schluß des Artikels beschäftigt sich mit dem Ketzergericht der bischöflichen Kurie gegen den Professor Renz. Es kann sich doch wohl nur um Schönheitsfehler vom ultramontanen Standpunkt aus handeln, wenn derselbe Bischof bereit war, wie der bischöflich=offiziöse„Merkur" verrät, den verdächtigen Dogmatiker als Lehrer des Kirchenrechts zu akzeptieren, wenn der Breslauer Oberhirt kein Bedenken gegen seine Wirksamkeit als Vertreter der Moral hat. So stellt sich denn dieser Akt bischöflicher Jurisdiktion als eine reine Machtprobe dar, durch die man an den theologischen Fakultäten, deren Verbindung mit den Universitäten der Ultramontanismus ja von jeher scheelen Auges betrachtet hatte, ein Exempel statuieren wollte. Und hier drängen sich vom Standpunkte des Staates und der deutschen Universitäten ernsteste Bedenken geradezu auf. Willkürliche Gewaltakte, wie der im„Fall Renz“ geübte, versetzen die staatliche Autorität, die bischöflichem Gutdünken sich stumm beugen soll, in eine schwer erträgliche Lage. Und ebenso werden die deutschen Universitäten die ihnen geschaffene Situation ernst erwägen müssen. Sie können es nicht gleichgiltig ansehen, wenn Spionage und Denunziation das akademische Lehrverhältnis zu vergiften drohen, wenn über den regelmäßig auch zu allgemeinen Universitätsämtern, namentlich dem Rektorat, berufenen theologischen Professoren das Damoklesschwert willkürlicher bischöflicher Interdiktion ohne jegliche Rechtsgarantien schwebt.“ Aus dem Gerichtssaal. Ferienstrafkammer. Dortmund, 26. Juli. Ein Wechselfälscher„en gros" Der Berginvalide Gust. Scheffler aus Altenbochum hatte sich heute wegen Wechselfälschung in 9 Fällen zu verantworten. Die gefälschten Wechsel repräsentierten insgesamt eine Summe von 2650 Mark. Der Angeklagte betrieb früher ein Metzgergeschäft und, wie er angibt, mit wenig Erfolg. Um sich aus den oft eintretenden Kalamitäten zu helfen, kam der Angeklagte auf den Gedanken, Wechsel zu fälschen, und es ging dieses anfänglich auch ganz gut, weil er die von ihm gefälschten Wechsel regelmäßig einlöste. Er gab an, daß er insgesamt wohl 50 Wechsel gefälscht habe, aber als er aller Mittel bar war, da trat die Katastrophe ein; er mußte die Wechsel unter Protest gehen lassen, und nun stellten sich die Fälschungen heraus. Der Angeklagte erlitt im Jahre 1899 einen Unfall im Bergwerk, der ihn dauernd erwerbsunfähig machte. Nach diesem Unfall eröffnete Scheffler den Metzgerladen und beging im vorigen Jahre die ihm zur Last gelegten Fälschungen, die er unumwunden zugibt. Ueber seinen Geisteszustand, der eingehend geprüft wurde, äußern sich die Herren Sachverständigen dahin, daß das Gedächtnis des Angeklagten infolge des Unfalles wohl gelitten habe, sonst sei er sich seines Tuns wohl bewußt und also auch verantwortlich für seine Taten. Herr Rechtsanwalt Kohn gab sich als Verteidiger große Mühe, für seinen Klienten eine möglichst geringe Strafe zu erzielen; er machte geltend, daß, wenn das Gericht sich auf die Gutachten der Herren Sachverständigen stützend, auch nicht in der Lage sei, dem Angeklagten gegenüber den Paragr. 51 anzuwenden, so möge es doch berücksichtigen, daß man es hier mit einem moralisch minderwertigen Menschen zu tun habe, und die Strafe demnach bemessen. Der Gerichtshof erkannte auf 5 Monate Gefängnis und zwar unter weitgehendster Zubilligung mildernder Umstände. „Das habe ich verschwitzt, Kinder," entschuldigte sich die Ehefrau Berginvalide Schneider von hier, die angeklagt war, ihren Sohn Heinrich der Fürsorge entzogen, bezw. ihm Hülfe dazu geleistet zu haben. Sie war vom Magistrat aufgefordert worden, die Adresse des Flüchtlings anzugeben, und das hat sie eben„verschwitzt". Das Urteil lautete auf Freisprechung. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde sodann gegen den Maschinisten Josef Schmidt von hier verhandelt. Der Mann, der sich noch auf freiem Fuße befand, war beschuldigt, sich gegen die Paragraphen 180—181 des Strafgesetzbuches vergangen zu haben. Er leugnete zwar, die ihm zur Last gelegten Straftaten begangen zu haben, wurde aber durch die Beweisaufnahme überführt und zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Auch wurde Polizeialfsicht als zulässig erklärt. In Anbetracht der Höhe der ihm zudiktierten Strafe wurde der Angeklagte sofort in Haft genommen. Theater, Konzerte, Vereine 2c. Wartburg. Die bisher dem ev. Männer=Verein des Paulus=Bezirkes gehörende Besitzung Westerbleichstraße 62½, Restaurant„Wartburg“, geht, wie wir hören, nunmehr in den Besitz des Erbauers, Herrn Architekten Wilh. van Koten, über und ist die behördliche Erlaubnis zum Betriebe der Schenkwirtschaft dem neuen Besitzer bereits erteilt. Dem Zuge der Zeit folgend, war Herr van Koten genötigt, im Umfange der ganzen Besitzung mit größeren Aufwendungen eine Modernisierung vorzunehmen, welche in tadelloser Weise durchgeführt ist. Es muß dem Hause nachgerühmt werden, daß es ein Lokal ersten Ranges ist, und dürfte es zu den schönsten Restaurants unserer Stadt zu zählen sein. Wie verlautet, sollen in den Sälen in Verbindung mit dem schön angelegten Garten des Sonntags Konzerte stattfinden, ein Vorhaben, welches sicherlich von den Bewohnern jenes Stadtviertels mit Freuden begrüßt werden wird. Des weiteren ist auch für Kegelfreunde gesorgt. Es ist eine 23 Meter lange Parkettbahn angelegt worden, welche schon für mehrere Abende in der Woche belegt ist. Man ist zu der Annahme berechtigt, daß bei guter Bedienung die angenehmen Räume vom Publikum gerne besucht werden, und daß dieses neue Unternehmen von Erfolg gekrönt sein wird. Wir weisen an dieser Stelle auch auf die Bekanntmachung im Annoncenteile hin. * Bei der lutzten Prämiierung der Dienstboten, die vor kurzer Zeit stattfand, hob Herr Stadtrat Rath ganz besonders hervor, wie notwendig es sei, die jungen Mädchen bei einer tüchtigen Hausfrau unterzubringen, damit sie in Küche und Haus gut ausgebildet werden. Er betonte auch, durch die Damen der Rechtsschutzstelle für Frauen schon öfter bestätigt gehört zu haben, daß die mangelhafte Ausbildung der Mädchen schuld sei an vielem häuslichem und ehelichem Zwist und lobte die Mädchen, die sich für ihren Hausfrauenberuf genügend vorbereiteten. Die Damen der Rechtsschutzstelle für Frauen möchten nun diese gute Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne alle Frauen darauf aufmerksam zu machen, wie notwendig diese Ausbildung der heranwachsenden Mädchen ist. Wie wenig gute Dienstboten sind heute zu haben und wie gerne möchten viele Frauen sie anlernen und zu sich heranziehen. Jedoch die lockende Aussicht, bald zu verdienen, ohne etwas gelernt zu haben, verführt die Mädchen, verführt die Eltern und zeigt uns klar und deutlich, daß etwas faul ist in unserer Mädchenerziehung. Es fehlt das verbindende Glied zwischen Schule und Leben. Die 1jährigen schulentlassenen Mädchen müßten doch mindestens ein Jahr eine hauswirtschaftliche Schule besuchen, sie müßten in Küche, Haushalt und im Nähen unterrichtet werden. Sache der Frauen ist es, an Kommune und Staat heranzutreten und die obligatorische Fortbildungsschule fstr alle schulentlassenen Mädchen zu fordern. Diese Forderung hat um so mehr ihre Berechtigung, als es für Knaben schon lange solche Fortbildungskurse gibt. So gut, wie in allen anderen Dingen, müssen wir auch im Fortbildungsschulwesen gleiches Recht für Knaben und Mädchen fordern, umsomehr als bekanntlich Mädchen viel früher für die Ehe reif erachtet werden, als Knaben. So lange wir aber keine tüchtig vorgeschulten Mädchen haben, so lange werden unsere Ehen keine durchweg guten werden, so lange wird das Gros unserer Knaben keine Mütter haben, die vorbildlich in der Erziehung wirken können. Staat und Stadt sollten nie vergessen, daß die Erziehung der Kinder in den Händen der Frauen liegt, daß nur die lehren kann, die selbst geelrnt hat und nur die erziehen kann, die selbst erzogen wurde. Die Erziehung unserer Töchter muß eine abgeschlossene sein, wir müssen Fortbildungsschulen haben für unsere Mädchen, damit sie so erzogen werden, daß sie selbst später erzieherisch wirken können. Deshalb ihr Dortmunder Frauen, mit uns an die Arbeit, kämpft und werbet für die obligatorische Fortbildungsschule für Mädchen! * Naturwissenschaftlicher Verein. Am Mittwoch hielt der Vorsitzende, Herr Möllenkamp, einen Vortrag über die„Goliathiden der Westküste Afrikas". Er erörterte den Körperbau, die Lebensweise und systematik dieser merkwürdigen Riesenkäfer. Der Vortrag wurde durch ein reiches Demonstrationsmaterial unterstützt. Die farben= und formenprächtigen Exoten erregten allgemeine Bewunderung. Eine solche vollständige Kollektion dieser Käferfamilin dürfte wohl in keiner zweiten Sammlung vorhanden sein, denn Herr Möllenkamp ist auf diesem Gebiete eine anerkannte Autorität und hat mehrere neue Arten beschrieben.— Der Verein beschloß, eine Anzahl Bücher der Stadtbibliothek zu übrweisen.— Am Sonntag den 28. d. M. veranstaltet der Naturwissenschaftliche Verein eine geologische Exkursion nach Letmathe zum Studium des Devon und Culm Abfohrt Bahnhof=Süd 8,42 Uhr. Der nächste Vortragsabend findet wegen der Ferien erst im September statt Huckarde, 26. Juli. Am Sonntag, den 28. d.., nachmittags 3½ Uhr, findet das diesjährige Rennen in Huckarde statt. Allem Anscheine nach wird dieses eine Veranstaltung ersten Ranges, da öffentlicher Totalisatorbetrieb stattfindet, 62 Nennungen erfolgt sind und eine ganze Reihe erklassiger Steepler die Boxen bereits bezogen hat. Fast jeden Tag wurde die Bahn von Interessenten und Fachleuten besichtigt; alle sprachen sich lobend über den vorzüglichen Zustand der Bahn und die getroffenen Einrichtungen aus. Auf dem Sattelplatze sind zwei Tribünen erbaut. Fur den Betrieb der Weinwirtschaft ist ein großes Zelt mit Sitzgelegenheit vorhanden. Auch das Wetter hat sich aufgeheitert, sodaß alles in allem genommen ein vorzüglicher Sport zu erwarten ist. Von Dortmund aus ist Huckarde in 9 Minuten mit der Eisenbahn zu erreichen. Der Fahrplan der Extrazüge wird noch veröffentlicht. Freischütz bei Schwerte. Am Sonntag, den 28. d. M. konzertiert im Freischütz nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr anfangend die Kapelle der großherzogl. hessischen Garde=Artillerie aus Darmstadt unter Leitung ihres tüchtigen Dirigenten Herrn Mickley. Der Kapelle geht ein sehr guter Ruf voraus und hat sehr oft die Ehre, am Hofe des Großherzogs zu spielen. Das Programm ist äußerst reichhaltig und enthält auch Cornet a Piston=Solos. Namentlich das Abendkonzert im illuminierten Walde dürfte sich eines besonders zahlreichen Besuches erfreuen. GEES Zum tägl. Gebrauch i. Waschwasser, ein unentbehrliches Toaletmittel, verschönert d. Harzburg. D 1 Pension Parkhaus, unter RahbinatsAussicht. Vornehmes Etablissement Ranges. 90 Salons. Prospekte gratis. Max Hecht. Der Schwur der Soubrette. Ein Couplet. (Eine Varietee=Soubrette hatte vor dem Kölner Landgericht ihren Direktor verklagt, der die Gagezahlung verweigerte mit der Motivierung, die Soubrette habe nicht die vertraglich vorgeschriebenen Couplets gesungen. Hierauf gab das Gericht der Soubrette folgenden Eid auf:„Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden: es ist wahr, ich habe gesungen den„Bunten Schmetterling", das„Autogirl" und„Wir haben den Rummel heraus: So wahr mir Gott 4 helfe.“) I. Ich stand mit reizendem Gesichterl [Mal neulich vor dem Landgerichterl, Mein kleines Herzchen war voll Rage, Denn, ach, ich kriegte keine Gage! Zum Schluß sprach des Gerichtes Hoferl: „Mein liebes Fräulein, sein's nit schoferl, Es läßt der Streit sich nur entscheiden, Wenn Ihre Worte Sie beeiden: Refrain: Bitte, bitte, bitte, schönes Maiderl; Bitte, bitte, schwör' ein kleines Eiderl! Aber mit der nötigen Grandezzerl, Heilig nämlich ist ein Eid, mein Schätzer!! II. So schwor ich mit erhob'nem Fingerl: „Ich sang„das Lied vom Schmetterlingerl“, Ich habe keck und ungezwungen Den Sang vom„Autogirl“ gesungen. Ich sang,„ich hätt' heraus das Rummerl“. (Denn, unter uns, ich bin kein Dummerl), So wahr Gott helfe mir, ich sang es!“ Und vom Gerichtstisch höflich klang es: Refrain: Danke, danke, danke, schönes Maiderl, Danke, danke für das hübsche Eiderl! Denn Du schworst mit nötiger Grandezzerl, Diesen furchtbar heil'gen Eid, mein Schätzerl! III. Der liebe Gott, der hört im Himmerl, Was ich beschwor mit süßem Stimmerl, Er sagte zornig voll Entrüsten: „O. diese schrecklichen Juristen! Was war denn das für'n tolles Eiderl? Schwört nicht soviel, das wär gescheiterl! Die vielen Eide gar nicht mag ich, So wahr ich selbst mir helfe, sag' ich: Refrain: Bitte, bitte, bitte, arme Schächerl, Laßt nicht wieder schwören solch ein Blecherl, Schont ein bisserl, bitte, meinen Namen, Sonst soll Euch das Teuferl holen, Amen!“ Karlchen in der„Jugend“. Die Annonce. „Sie wollten doch Ihr Landhaus verkaufen— was hat Sie wieder davon abgebracht?" „Das war nämlich so— wir übergeben die Sache einem Grundstücksmakler, der's in die Zeitung einrücken ließ; in der Annonce war nun unser Haus so reizend geschlidert, daß meine Frau und ich, wie wir's lasen, gleich beschlossen haben, uns von dem Häuschen nicht zu trennen.“ („un“ Ein Venusberg. Staatsanwalt: Die Verhandlung wird erweisen, daß in jenen verschwiegenen Nischen nichts, absolut nichts passiert ist, was das Licht zu scheuen hätte. Es wird sich, ich betone dies hier im voraus, ein Bild makelloser Ehrbarkeit entrollen. Ich beantrage daher, während der Dauer der Verhandlung die Oeffentlichkeit auszuschließen. Die Verordnung. Badearzt: Nun, wie schmeckt Ihnen der Brunnen? Patient: Ach schrecklich, ich bekomme ihn kaum herunter. Badearzt: Das macht nichts. Sie werden über die Heilwirkung staunen. Von morgen ab also erhöhen wir das Quantum; zu den bisherigen zwei Bechern werden Sie noch einen dritten trinken. Patient: O Herr, laßt diesen Becher an mir vorübergehn! „Lustige Blätter.“ Einige zuverlässige Wetterregeln für den Sommer 1907. Nimmt der Mond ab, So gißt's nicht zu knapp; Ist der Mond neu, Verregnets das Heu; Nimmt der Mond zu, So regnet's im Nu; Wird der Mond voll, So schüttet's wie toll! * Wenn der Gockel kräht, Regnet's früh und spät— Kräht es nicht, das Vieh, Regnet's spät und früh! * So das Barometer sinkt— Regnets, daß man fast ertrinkt; Wenn das Barometer steigt, Isttes auch dazu geneigt!— Willst du mit dem Instrument, Dich nicht ärgern permanent, Nimm das Luder in die Hand, Wirf es an die nächste Wand, Nimm dafür das Parapluie, Dies enttäuscht Dich heuer nie! Falls der Himmel voll Wolken ist, Gibt es ein Wetter in kurzer Frist, Ist aber der Himmel voll Wolken frei, Dann gibt es die gleiche Schweinerei! In diesem Jahr herrscht allerwegen Die Neigung zum Gewitterregen; Der Landregen aber, der beginnt, Wenn keine Gewitterregen sind, Und endet dieser seinerseits— Dann schneit's! Wind von Ost Bringt Regen und Frost, Von Westen hingegen Bringt er Frost und Regen! Der Schäfer Thomas in der„Jugend“. Der Speyerer Konviktsausflug oder Die verhängnisvolle Zuckerfabrik zu Waghäusel in Baden. Zucker ist bekanntlich eine Masse, Welche süß schmeckt, wenn man sie versucht Dieser Umstand hatte jüngst’ne krasse Sache zum Gefolge, ei verflucht! Ein Konvikt, ein frommes, gibt's in Speyer. Dessen Schüler hat man jüngst gebracht In ein Haus als ganz besondre Feier, Wo man Zucker fur die Menschheit macht. Ach, der Mensch ist nur ein schwacher Schlucker, Die Versuchung ist ein böses Kraut, Und sehr süß schmeckt, wie gesagt, der Zucker, Deshalb haben sie ihn auch geklaut! Jeder Zögling„kaufte“ sich mit raschen Griffen Süßigkeit, so viel er kunnt', Als man untersuchte ihre Taschen, Waren es nur 86 Pfund. Ob des Vorfalls faßte mich ein Grauen, Denn den Diebstahl haßt ein jeder Christ, Ganz besonders aber soll nicht klauen, Wer mal später ein„Hochwürden“ ist. Liebe Schüler, unterdrückt bei Zeiten Das Gelüst, denn künftig nah'n geschwind Noch ganz andre süß're Süßigkeiten, Welche gleichfalls Euch verboten sind. Wenn Ihr dann nicht besser Euch bemeistert, Müßt Ihr braten in der Hölle Schlund— Wiegt das Mädel, dran Ihr Euch begeistert Auch nur süße 86 Pfund! Karlchen in der„Jugend“. Der Karlsruher Prozeß. Das war ein Raufen vor. Gericht! Und Dietz, der Herr Verteidiger, rief mit gerötetem Gesicht: „Wenn so der Staatsanwalt hier spricht, Dann ist er ein Beleidiger!" Auch mit dem Präsidenten Eller Ging es nicht zu zeremonieller: Was für ein Zanken und ein Schrei'n! Beinah', daß es gekommen wäre Bei diesen schwer gereizten Drei'n Zu einer Hau=Affäre. („ult“). Wahres Geschichtchen. Hauptmann N... der seinen Uebungen die absonderlichsten Ideen zugrunde zu legen pflegte, nahm eines Tages an, es sei Nacht, um die Schwierigkeit des Nachtdirigierens von Unterstützungen bei Dunkelheit zu zeigen. Leutnant., der nach Lage der Dinge mit seinem Unterstützungszug längst hätte eingreifen müssen, blieb ruhig in einer Mulde liegen, obwohl Hauptmann N. seit geraumer Zeit heftig mit dem Säbel winkte. Da alle Zeichen unbeachtet blieben, sprengt er wütend auf den Leutnant zu und brüllt:„Zum Teufel, Herr, sehen Sie denn nicht, daß ich mir den Arm lahm winke?“ Gelassen gab der Leutnant zur Antwort:„Ich habe nichts davon gesehen, Herr Hauptmann— es ist Nacht.“ Blütenlese der„Jugend“. Karl Schmidt, Primus der Sekunda, ist ein sehr gesitteter, wohlerzogener junger Mann. Wir entnehmen einem von ihm gefertigten Schulaufsatze über Friedrich den Großen folgende Stelle: „So hatte Friedrich der Große zahlreiche Widerstände zu überwinden. Das Wort des griechischen Dichters bestätigte sich auch an ihm:„Vor die Tugend haben die Götter die Transpiration gesetzt.“ Unsere Kleinen. Das gläserne Haus. Auf Long Island, wo die großen Dollarfürsten ländlich wohnen, Wird der allerschwersten einer Bald in einem— Glashaus thronen. Freilich geht nach altem Sprichwort Glück und Glas gar leicht zu schanden, Doch wird beides oft recht haltbar, Wenn genug Metall vorhanden! Peking—Paris. (Nach der Rückkehr.) Erster Automobilist:„Na, wie ging's bei der Fahrt?“ Zweiter:„Soweit ordentlich, durch China, Tibet, die Mongolei, Mandschurei und Sibirien sind wir ganz gut gekommen— aber in Deutsch= land wurden wir alle Oogenblicke von eenem Schutzmann überfallen." (Schnauferl.) Die neue Generation. Die lernbegierige Trude Veilchentau(zu ihrer Gouvernante): Bitte, wie heißt auf Englisch Tisch? Miß Mackintosh: Table. Trude: Wie heißt Stuhl? Miß Mackintosh: Chair. Trude: Wie heißt Apfel? Miß Mackintosh: Apple. Frau Kommerzienrat Veilchentau: Bitte, sage nicht immer„Wie heißt?“ Es klingt nicht gut. „Lieschen, Du mußt Dich nicht so in den Vordergrund drängen, nicht immer die allgemeine Aufmerksamkeit für Dich beanspruchen.“ „Aber Mama, wir leben doch im Jahrhundert des Kindes!“ (Jugend.) Humor des Auslandes. Ein Herr erkundigt sich betreffs seines zukünftigen Schwiegersohnes.—„Er hat eigentlich nur einen Fehler. Er versteht nicht zu spielen.“— „Aber das ist doch eher ein Vorzug als ein Fehler!" —„Er spielt aber leider trotzdem.“— * In einem billigen Restaurant.— Gast:„Ich bedauere, nicht schon vor acht Tagen hier gegessen zu haben.“— Kellner:„Es freut mich, daß Sie so zufrieden sind.“— Gast:„Ich meine nur wegen des Fisches, der war damals gewiß noch frisch."(Carasy Caretas.) * Im Seebade. Kurgast:„Sie sagen in Ihrer Anzeige, daß die Zimmer vor Beginn der Saison billiger sind.“— Wirtin:„Ja, aber da Sie mit sechs Personen gekommen sind, habe ich die Saison sofort eröffnet."(Slovo.) Mabel:„Ist Ediths neuer Hut nicht ein entsetzliches Monstrum?“— Ethel(freudig):„Nicht wahr? Ich habe ihr beim Aussuchen geholfen!“ (Brownings Magazine.) Politiker:„Ehe Sie Ihren Bericht über dieses Interview einsenden, wünsche ich ihn zu sehen.“— Reporter:„Unmöglich! Ich habe ihn schon eine halbe Stunde vor Beginn dieses Interviews eingeschickt!“(Life.) * Die Gesellschaftsblätter reden immer davon, daß eine Braut„zum Altar geleitet wurde“, gerade alt ob eine Braut ihren Weg dahin nicht mit verbunde nen Augen finden würde. (Philadelphia Ledger.) * „Wenn es eine Frau gibt, die ich mehr als eine andere in der Welt beneide, dann ist es Frau Lorder."—„Weshalb beneidest Du sie denn, Schayz?“—„Weil sie so überaus entzückend in schwarz aussieht und es fertig bringt, alle zwei, drei Monate einen Verwandten zu verlieren.“ (Pick me up. Zweimal reingelegt. In dem großen Zimmer herrscht eine fast vollständige Stille, abgesehen von dem Kratzen der Federn und den leisen Schritten des Examinators, denn es war ein Examen im Gange. Plötzlich fiel das Auge dieses wachsamen Herrn auf einen Studenten, der seine Uhr mit mehr als gewöhnlichem Interesse betrachtete, und dieser Student wurde sofort angerufen. Herr. Smith, lassen Sie mich, bitte, mal Ihre Uhr sehen.— Smith schien die Sache unangenehm. aber er überreichte die Uhr. Der andere öffnete sie und sah über dem Zifferblatt einen schmalen Papierstreifen mit der lakonischen Bemerkung: „Reingefallen!"— Natürlich durfte Smith sich wieder an seine Arbeit machen, aber der Examinator behielt ihn im Auge und fand es bald angebracht, einen zweiten Blick auf die Uhr zu tun. Aber diesmal sah er sich nicht das Ziffernblatt an. Er öffnete statt dessen die Rückseite. Und dort fand sich denn auch ein zusammengefalteter Zettel. Ihn eiligst prüfend las er:„Abermals reingelegt!"— Dann durfte Herr Smith seine Arbeit in Frieden beenden. Junge Frau:„Heute ist unser Hochzeitstag. Ich werde eins von den Küken zu Ehren des Tages schlachten lassen.“— Ihr Gatte:„O, das laß doch, das Küken hat doch keine Schuld.“(Answers.) * Dr. B. traf selten seinen Meister, aber bei einer Gelegenheit mußte er es doch zugeben. Ein Wirt hatte nach ihm geschickt, weil er einen Streit mit seiner Frau gehabt hatte, und ihm das Gesicht von ihr arg zerkratzt worden war, sodaß der arme Mensch stark blutete und bös entstellt war. Dr. B. hielt dies für eine gute Gelegenheit, der Uebeltäterin ins Gewissen zu reden, und sagte:„Aber Frau, schämen Sie sich denn nicht, Ihren Mann so zu behandeln? Der Ehemann ist unser aller Haupt, auch Ihr Haupt, Frau.“—„Na, Doktor,“ entgegnete wütend die Amazone,„darf ich denn mein eigenes Haupt nicht mal kratzen?"(Tit Bits.) „Jugend“) Im allergrössten u. ältesten Kredit-Haus DORTMUND Ostenhellweg 41. 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Sollte sein Tun erklären, Rätsel lösen, für sein junges Leben fechten. Gab sich aber aber nicht dazu her. Blieb ruhig, höflich, taktvoll; im ärgsten Gedräng. Wog die Tragweite jedes Wortes und war weder durch Furcht noch durch Hoffnung aus der bedachtsam gewählten strategischen Stellung zu locken. Bis in die letzte Stunde hinein der klügste Mann im Saal. Einer, der sich mit seiner Klugheit nicht brüstet. Nicht posiert. Sich nicht vordrängt. Die Bruchstellen in den Grundmauern der Anklage nicht aufdeckt. Nur redet, wenn er gefragt ward; und den meisten Fragen die Antwort verweigert. Ein Muster der Selbstzucht. Ob die Zeugen ihn ein Genie oder einen Hochstapler nennen, als Märtyrer oder Mörder behandeln: keine Schwachheit wandelt ihn an. Nie versucht er, auf das Gefühl seiner Richter zu wirken, um ihr(Mitleid zu werben. Wenn er spricht, über die Krisis seines Schicksals, über die Absolution, die er vom Priester im Untersuchungsgefängnis empfing, über den Selbstmord seiner Frau: immer ist's, als habe er vorher jede Silbe in Eis gekühlt. Er klagt nicht; trotzdem Staatsanwalt und Gerichtspräsident ihm Grund genug bieten. Wozu?„Ich habe nicht auf meine Schwiegermutter geschossen, sehe aber ein, daß der Schein wider mich zeugt.“ Das war ihm fast schon zu viel. Nicht ein Laut, der einer Bitte ähnelt. Der ganze Mensch aus einem Stück. Drum wird er bewundert. Drum drängen Tausende in den Saal: zu sehen, ob auch die nächsten Speerstöße vom Erz dieser Wesensrüstung abprallen werden. In Friedrichs stiller Residenzstadt kommt es zu Straßentumulten, weil die kühle Ueberlegenheit des Angeklagten den Kleinbürgersinn in hero=worship getrieben hat. Und Millionen harren, am Meer, im Gebirg, an der Heilung verheißenden Quelle. des Urteils, als gälte es einem geliebten Haupt. Schuldig oder Unschuldig? Kaum taucht die Frage noch aus der Weißglut der Ungeduld. Wie im Diesseits von Gut und Böse, wünscht alles dem Starken den Sieg. Indieia. So wars am ersten Tag nicht gewesen. Juf dem Gerichtstisch stand ein Glas, in dessen heller Flüssigkeit ein dunkles Knäuel zu schwimmen schien. Aller Augen haften an der diaphanen Wand des Gefäßes; und wenn die Hand eines Arztes oder Richters das Glas streift, gehts wie frommes Schaudern durch die Reihen. Als heb eauf dem waldigen Berg der Templeisen unsichtbare Kraft den Gral hoch ins Gewölb. Doch der dunkle Fleck ist nicht ein Gerinnsel vom sanguis realis des Galiläers, das Glas kein Kultgerät: in Spiritus bewahrt es das Herz, das Karl Hau durchschossen haben soll. Das Herz der Frau, deren Tochter er entführt und zur Ehe genommen hat. Blutet es nicht, da der Mörder so nahe ist? Zuckt nicht, wie in Krämpfen, noch einmal der Muskel?„Der Mensch weiß niemals, wie anthropomorphistisch er ist“, spricht Goethe. Klümpchen wird zum beseelten Wesen, zum unsterblichen Mutterherzen der Legende; und wie grasse Anklage dröhnts aus dem blinkenden Behälter.„Mein Kind hast du betört, nahmst es mir, wolltest mit ihm in den Tod, hattest aber, als Du den jungen Frauenleib bluten sahest, nicht den Mut, gegen die eigene Brust die Waffe zu kehren. Leichtfertig also mit fremdem Leben und feig. Leichtfertig auch in Deinen Geschlechtssitten. Ein Schürzenjäger. Ein Freund feiler Weiber. Ein Prahlhaus. Und ein siecher, im Brennpunkt der Zeugerkraft vergifteter Mann. Was gabst Du Deiner Frau? Elend und Lebensgefahr lauerte auf der Schwelle ihrer Brautkammer. Dann, als Dein scharfer Verstand und Deine Geschmeidigkeit in der neuen Welt Dir zu reichlichem Einkommen verholfen hatte, gabst Du ihr Luxus, Edelsteine, den erkauften Tand eines Ordens. Glück? Eifersucht zehrte an ihr: und Du warst schuld. Auf die heißen Freuden der Weibheit und neuer Mutterschaft mußte sie früh verzichten: und Du warst schuld. Ihr Kind sah sie als hageren Schwächling hinkümmern: und Du warst schuld. Hast sie mit Deinem Flatterdrang, Deinem Trug, Deinem Mordgeruch ins Wasser getrieben. Nachdem sie durch Dich zur Weise geworden war. Wenn das Opfer Dir den Mord verziehe: kann die Mutter verzeihen, was Du an Kind und Kindeskind ihr getan hast?“ Präsident, Staatsanwalt, Geschworene brauchten den Mund nicht zu öffnen. Das durchschossene Herz vertrat die Anklage mit so ungeheurer Wucht, daß kein Entlastungsbeweis dagegen aufkommen konnte. Dramatis personge schienen nur dieser Ankläger und der des Mordes Verdächtige. Und jeder Blick, der sich feucht von dem funkelnden Glase löste, sprach den Angeklagten schuldig. Karl Hau hat die Depesche geschrieben, die seine Schwiegermutter erschrecken und zu hastiger Abreise nach Paris drängen mußte. Karl Hau war am sechsten November heimlich in Baden=Baden, hat sich am Telephon für einen Postbeamten ausgegeben und Frau Molitor zu dem Wege genötigt, von dem sie nicht wiederkam. Als er von London abfuhr, verbarg er Lina das Ziel seiner Reise und verpflichtete sie, keinem Menschen zu sagen, daß er auf dem Kontinent sei. Von einem Londoner, zum zweiten Mal von einem Frankfurter Friseur ließ er sich Barthaar ins Gesicht kleben. Wurde in dieser Vermummung bei der Stätte und in der Stunde des Mordes gesehen. Riß den Bart dann ab; fuhr, ohne Molitors Haus zu betreten, mit dem nächsten Zug nach Frankfurt; warf Hut und Mantel, die er in Baden=Baden getragen hatte, in den Aermelkanal. Und war just damals in arger Geldklemme. Hatte hinter dem Rücken der Frau auch deren Vermögensrest schon aufgezehrt. Das hat er. Alles, Monate lang stramm und ohne Erregungszeichen geleugnet. Nach und nach nur zugegeben, was unwiderlegbar erwiesen war. Schließlich das ganze Gewicht der belastenden Umstände auf sich genommen und mit kalter Entschiedenheit nur bestritten, daß er je einen Mord geplant oder gar ausgeführt habe. Darf man ihm glauben? Sein Verteidiger, der durch allzu lärmenden Eifer, nicht durch richtiges Augenmaß auffiel, meinte, aus Anklage und Beweisaufnahme sei nur ein jämmerliches Kartenhaus entstanden, das ein leis aus der Wirklichkeit herwehender Wind umstürzen müsse... Ein verwöhnter, der wärmenden Gelddecke beraubter Mann, der zu einträglichen Geschäften Barmittel braucht. Falsche Depesche, falscher Bart, falscher Telephonruf. Heimliche Reise, heimlicher Aufenthalt im Wohnort der Schwiegermutter. Die wird zuerst nach Paris, dann aufsPhstamt gelockt und auf diesem Weg(den Karl Hau wies und in derselben Stunde, verkleidet, unkenntlich gemacht, geht) von einer Kugel getötet.„Cui bono? Nur dem Erben, der, wenn sein Plan gelingt, in zwei, drei Wochen wieder siebenzigtausend Mark haben wird. Der Vermummte flieht aus der Schwarzwaldstadt, ändert, so schnell ers vermag, sein Signalement, stellt sich wahnsinnig, leugnet und läßt sich Schritt vor Schritt von der Notwendigkeit zu halbem Geständnis drängen. Ein Kartenhaus? Selten sind Indizienbeweise so fest gezimmert. Auch der Gewissenhafte durfte auf diese Brücke treten; und sicher sein, daß er auf gutem Grund stand. Dennoch war Karl Hau Tage lang ein populärer Held. Trotz Bankkontoschwindel und Türkenschacher; trotzdem er seinem Kind Syphilis vererbt und seine Frau in den Pfäffiker See getrieben hat. Millionen harrten des Spruches, als gölte es einem geliebten Haupt. Schön ist Wüst und Wüst ist Schön. Der Kluge mit dem welkenden Knabengesicht hat mit starker Hand, die das Zittern nie lernte, die Fährnis gemeistert. Stumm stand das Glasgefäß; wurde kaum auf Sekunden noch von den Blicken gestreift. Gott weiß, wer die gute alte Dame getötet hat! Vielleicht der Angeklagte, vielleicht ein Anderer. In dem gefurchten, ausgespülten Beutelchen regt sich nichts mehr. Kinder mag man mit solchem Zeug schrecken. Was solls denn auf dem Tisch? Hier kämpft ein Hirn um sein Recht; ums Recht seiner Kraft. Karl Hau, gegen den stumpfe Waffen fochten, wäre ein bewunderter Held geblieben, auch wenn er die Tat gestanden und, wie Wedekinds Mörder, gesprochen hätte: Ich hab' meine Tante geschlachtet, Meine Tante war alt und schwach; Ihr aber, o Richter, Ihr trachtet Meiner blühenden Jugend nach. Kriminalpsychologie Um lumpige siebenzigtausend Mark? Die er am Ende doch nicht ganz, vor dem mißtrauischen Auge der Schwäger, ins Geschäft stecken konnte. Darum Meuchelmörder? Ein Pappenstiel für Einen, der am Goldenen Horn mit dem Redakteur Mygind, dem Feind Marschalls und dem Protektor Fehims, recht wie ein Kavalier gekneipt und überall Bakschich amerikanischen Formates gegeben. Er kann Verwandte anpumpen. Die strecken bis zu Fünfzigtausend gern vor(habens in Karlsruhe beschworen). Erstens aber ist geliehenes nicht ererbtes Geld. Zweitens wäre er vor diesen Verwandten um seinen Nimbus, wenn er als Bettler käme. Denen hat er wilde Sachen erzählt: von seinem Reichtum seiner sozialen Stellung, seinen Triumphen als Gelehrter und Unterhändler. Nun den leeren Klingelbeutel hinhalten? Dann platzt die Blase. Wer vom Rhein zu den Sternenbannerleuten gegangen ist, kann sich daheim nur noch als Dollaronkel zeigen; sonst ist er Haus Habenichts oder, wenn er sich in feinem Kammgarnanzug aufplustert, ein Hochstapler, den deutsche Treue meidet. Lieber ein Ende mit Schrecken als den Verlust der heimischen Claque, die den großen Mann aus Atlantis anstaunt und, seit er Linchens Hals mit echten Steinen pflastert, in einer Gedächtnisfalte die Tatsache gefunden hat, daß er als Junge schon ganz sicher ein Genie war und eben drum blöden Augen als ein Thunichtgut galt. Grund genug, das peinliche Bekenntnis, die Leihgebühr und die Dankpflicht zu sparen. Welcher Pedant hieß Euch denn logisch faßbare Erklärung des Verbrechens suchen? Wenn der Rat ruhiger Vernunft immer befolgt würde, blieben die meisten Sünderbänke leer. Feuerbach, der Ritter der Bayerischen Krone, Wirklicher Geheimer Rat und Appellhofspräsident war, hat vor bald hundert Jahren„Merkwürdige Kriminalrechtsfälle“ aus seiner Praxis zusammengetragen. In dieser Sammlung ist auch die Geschichte Eines zu finden, der uns als„Brudermörder aus Enthusiasmus für eine Handlungspekulation“ vorgeführt wird. Er wollte in Nürnberg ein Geschäft übernehemn, von dem er sich viel versprach, brauchte dazu seinen Bruder, der aber allerlei Bedenken hatte, und schoß den nicht zu Ueberredenden nieder. Irsinn? Dieser Ludwig Christian von O. gab sich selbst nicht für einen psyhisch Kranken. Im Verhör sagte er(der Herausgeber schreibt das Potrokoll ab):„Stelle man sich nur vor, wenn man es so weit gebracht hat als ich, wenn man eine beträchtliche Handlung überkommt, durch die man sein und seiner Familie Glück gründen kann, und daß unsere Firma auf unseren Handlungsplätzen zu Frankfurt, Bamberg und Würzburg schon annonziert war und daß wir in jeder Stunde das Warenlager wirklich übernehmen sollten: und nun kommt ein Bruder, der gegen alles Erwarten nichts als Bedenklichkeiten hat, nichts als elende Einwendungen vorbringt: ob man da nicht toll werden und in Verzweiflung kommen muß! Ich hätte besser getan, wenn ich meinen Bruder ganz hätte gehen lassen; allein in der Hitze überlegt man Solches nicht gleich!“ Weil der Bruder nicht mit nach Nürnberg will, muß er ins Gras beißen. Triftigeren Grund hätte Karl Hau immerhin gegehabt, die reiche Schwiegermutter, der seine Eitelkeit den Schiffbruch stolzer Hoffnungen so lange wie möglich hehlen wollte, um die Ecke zu bringen. Aus dem Buch des Alten ist noch mehr zu lernen; auch für unseren Fall, Der Karlsruher Schwurgerichtspräsident konnte, wie er sich mühte, nicht fassen, daß Hau(„ein so kluger Mann“) so unvernünftig gehandelt haben sollte. Das dünkte ihn ganz unglaublich. Den Ritter von Feuerbach nicht. Der sagt:„Der Stern der Vernunft leuchtet nur, so lange ihn nicht der Sturm der Leidenschaften mit seinen Wolken bedeckt. Die Logik der Leidenschaft erkennt keine Syllogismen des Verstandes; sie hat zum Grundsatz, über alle Syllogismen hinaus graden Weges auf ihre Befriedigung loszugehen; sie sieht in ihrer Blindheit nichts als sich selbst und ihren Gegenstand, wirft Alles nieder, was ihr in den Weg kommt, und tut in ihrer Torheit nicht selten, was ihrem eigenen Zweck entgegen ist. Die Leidenschaft nach den Gesetzen des Verstandes beurteilen, ist so viel wie: einem Trunkenen zumuten, so zu tun, als wenn er nüchtern wäre, oder auf sicherem Ufer einem Ertrinkenden zurufen, nur hbsch fest und grade auf den Boden zu treten, und uns dann verwundern, daß ers nicht gemacht hat wie wir. Es ist allgemein ein sehr verwegener Schluß: Was wir nicht begreifen, Das nicht; was wir nicht erklären können, hat aue keinen Grund der Erklärung. An Vermessenheit ist er bei Erscheinungen des menschlichen Gemütes, die an so feinen Fäden fortlaufen, daß ihr Ursprung oft in den dunkelsten Kammern des Geistes sich verliert." Das ist vor hundert Jahren geschrieben. In Deutschland. Dieser Richter wäre nicht in Wut geraten, wenn er das Handeln des Angeklagten unlogisch und zweckwidrig gefunden hätte. Bayern und Baden. Wir habens im deutschen Säkulum mit unserer Kriminalpsychologie herrlich weit gebracht. In der gallischen Heimat feiner Seelenkenner ist die Prozedur menschlicher. Wird von dem Angeklagten nicht Kadavergehorsam, nicht blinde Unterwürfigkeit geheischt. Er darf seinem Temperament freien Lauf lassen. Solls: denn der Richter will ihn ja kennen lernen. Brüllt er einmal auf: der Kampf geht um Freiheit, Ehre, Leben vielleicht; und der Affekt sprengt die Pforten des Seelengehäuses. Zola schrie:„Ich kenne Ihre Gesetze nicht, will sie nicht kennen!“ Und wurde nicht mit Ungebührstrafe bedroht. Schrie, die Nachwelt werde seinen Namen noch nennen, wenn der eines Generalissimus längst verschollen sei. Und wurde nicht väterlich vor Größenwahnanwandlung gewarnt. Jupiters Recht ist drüben auch das Recht der Oechslein. Nie fährt ein Robenärmel dem Angeklagten Rau übers Maul. Eine Heiratvermittlerin stand in Versailles neulich vor Gericht. Der Vorsitzende ließ sie reden, wie ihr der Schnabel gewachsen war. Merkte dabei ja, was er von ihr zu halten, wessen sich zu versehen habe.„Meine Kunden sind so anständig, wie Leute sein können, die einer Mitgift nachjagen.“ Sie soll Papiere aus einer verschlossenen Truhe genommen haben.„Na, die Diplomaten tun doch von früh bis spät weiter nichts!“ Sie hört, daß der Strafprozeß sich mit Indizien begnügen und auf die schlüssigen Beweise des Zivilprozesses berichten kann.„Famos! In einem Sechsdreirstreit fordert man also mehr Beweise als in einem Verfahren, wos um lange Kittchenjahre geht!“ Und so weiter. Als Hau, ein einziges Mal, um etwas höflichere Kritik seines Handelns bitten wollte, hagelte es grobe Worte vom Präsidentenstuhl. Darf ein Mann grob werden, dem die Ehre ward, einem Gericht vorzusitzen? Herrisch und wild gegen den Wehrlosen, der ganz in der Hand des unumschränkt Mächtigen ist? Tarf er ihn, der zum Kampf tüchtig sein soll, die Ohnmacht fühlen lassen? Halali. Sonnabend durfte Hau, als die Nacht sank, leise auf Freispruch hoffen. Als die Montagssonne den höchsten Punkt erreicht hatte, war er verloren. Ein Zeuge(der späte Zeuge, der fast in jedem umschwatzten Prozeß Sonderrühmchen sucht) hatte den Schweigsamen endlich zum Reden gezwungen. Zum Rückzug aus der strategischen Stellung. Bisher war Alles stark, eigensinnig, klug. Nicht ein sentimentales Wörtchen.„Ich habe nichts zu sagen.“„Ich kann nur meine frühere Erklärung wiederholen.“ „Was bewiesen ist, gebe ich zu; aber nicht mehr.“ „Ueber die Tragweite meines Handelus habe ich keinen Zweifel.“ Würdig. Amor sati in Haltung und Ton. Jetzt ward es romanhaft. Karl hat seine hübsche Schwägerin Olga geliebt. Nicht nur, wie Lina witterte, lebemännisch mit ihr getändelt(die Verse machte, pikante Bücher las und von kurstädtischen Philistern deshalb eine„Emanzipierte“ genannt wurde.) Leidenschaftlich geliebt. Mit allen Wesensfasern sich an sie geklammert. Und kein Aederchen seines Gefühles ihr doch enthüllt. Um die Gefahr zu bannen, rief er Frau Molitor nach Paris. Sie sollte Olga mit nach Haus nehmen; sah aber nichts, hörte auch nichts und die Damen fuhren gemächlich heim: zwölf Stunden vor dem Anbruch des für die Abreise des Fräuleins von jeher festgesetzten Tages. Um Olga noch einmal zu sehen, vor der Rückkehr an die Atlantisküste einmal noch, kam er heimlich nach Baden=Baden, Verkleidet. Mit fremdem Haupt= und Barthaar. Nötigte er die Schwiegermutter, trotz ihrem Schnupfen, aus dem Haus. Ging sie, dann blieb Olga allein und er konnte zu ihr sprechen. Nur sprechen. Abschied nehmen.(Die große, keutsche Passion.) Das mißlang: denn Mutter und Tochter gingen gemeinsam zum Postdirektor. Nun mußte Alles herauskommen. So schnell wie möglich also aus der Mumme und fort. Den Schuß hat er nicht gehört. Von dem Mord erst in London erfahren, wo Lina ihn mit dem Kind zur Fahrt nach Newyork erwartete. Verdacht? Nicht den geringsten. Und mehr sagt er nicht... Dem Präsidenten gefiel der roman romanesque. Der hatte die Akten durchaus studiert, dem Angeklagten und jedem Zeugen das im Vorverfahren Ausgesagte noch einmal abgefragt und ganz und gar nicht begriffen, daß sein Werk nun nicht mit einem Geständnis Haus gekrönt werden solle. Jetzt hatte ers: ein Geständnis der Unschuld zwar, das immerhin aber der ungehörigen Verstocktheit vorzuziehen war.(Daß der Angeklagte sich nicht reuig ans Messer liefert, bleibt diesen zum Beisitzen Geborenen stets ein empörendes Rätesl.) Der Herr Präsident geruhte denn auch gnädig, fortan die Sonnenseite zu zeigen. Das Mysterium mag auch Anderen gefallen haben. Dabei ließ sich was ahnen. Am Ende war der Pöbelinstinkt, der draußen gegen die Molitors heulte, auf richtiger Fährte. Ein Unschuldiger, weil er aus tiefrer Schicht kam, frech des Mordes verdächtigtt. Zwischen Olga und Karl doch Intimeres, als keusche Herzen zugeben konnten. Literaturerinnerungen an Rosmers Frau, die ihren Johannes mit seiner Rebekka in den Mühlbach nachzieht. Wenns Sonnabend zum Spruch gekommen wäre, hätten ein paar Geschworene den Beweis vielleicht unzureichend gefunden. Drum wollte Hau, nach dem Effekt seiner Beichte, auf alle weiteren Konstatierungen und Aussagen verzichten; drängte er hastig dem Ende zu. Nun ward Sonntag. Ueberlegte man recht, so stimmte die Geschichte eigentlich nirgends. Um so Harmloses im Dunkel zu lassen, wagt Keiner den Kopf. Und just so dicht bei dem vermummt girrenden Eidam muß Frau Molitor verbluten? Kein Täter auch nur im Verdacht? Doch: der verschwundene Diener Karl Wieland, den der Verteidiger recht laut schon der Tat zieh(weil er, verhängnisvoll unklug, ihn unauffindbar glaubte). Ein gutes Kerlchen, dessen Anblick die Spannung in Lachen löst. Und Frau Hau hat ihr Kind Olgas Obhut vermacht. Und hat ihren Mann besser als Einer im Saal hier gekannt. Verloren. „Nieder mit der roten Olga!“ johlt es draußen. Der Angeklagte ist zum Tode verurteilt worden; wird, als ein nicht unzweideutig Ueberführter, den Kopf aber nicht unters Richtbeil legen.„Sentimenkalität kleidet ihn nicht gut,“ sagt Einer in der Tür. Pollice verso! Der Ringkämpfer hat mit beiden Schultern die Erde berührt und ist abgetan. Die letzte Ziffer noch in die Kostenrechnung.„Im Erdgeschoß ist die Kasse.“ Der Gerichtsbote greift nach dem Elas, in dem das durchschossene Herz schwimmt. Und das Sühnefest ist aus. Westenhellweg 35 K Westenhellweg 35 Kn Bsb e —— heute Schuhwaren zu ganz kolossal billigen Preisen Fecruess zum Verkauf. In dieser einen Woche kommen grosse Mengen für Kinder: Farbige Schubwaren Zum Teil die Hällte billiger als sonst. jür Damen: Farb. u. schwarze Schubwaren sum Tell Sa- ½ billiger als sonst. ür Herren: smm Farb. u. schwarze Schubwaren sum Tell 3 billiger uis Sohsi. Wer diese Gelegenheit nicht wahrnimmt schadet sich selbst. Westenhellweg 35 Telephon 2141. Westenhellweg 35 HVVEITTATBA *** Sonntag, den 28. 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Originell ast das Modell eines alten dänischen Kugelpostversehen, das am 1. Dezember 1876 in einer Ausdehnung von 25,9 Kilometern mit 15 Stationen dem Betriebe übergeben wurde. Heute sind von 113 Postämtern 57 an das Rohrpostamt angeschlossen. Das Rohrpostnetz entlastet den Telegraphenverkehr in erwünschter Weise und ermöglicht es, Depeschen in wenigen Minuten von einem Ende Berlins an das andere zu befördern. Innerhalb einer Stunde kann man auf jedem von der Rohrpost berührten Punkte Berlins Frage und Antwort ausgetauscht haben. Joder Roorpostzug legt etwa 1000 Meter in der Amute zurück; zur Beförderung dienen Blechz#####der mit Lederausfütterung; die bewegende Kraft ist entweder komprizgenbildern usw. bedeckt und das zierliche Mauleselein ist vor lauter gold= und silberschimmerndem Behang kaum zu sehen und hat obendrein noch einen im Verhältnis zu seiner Größe riesigen SchellenAugen einige Gegenstände mit Röntgenstrahlen durchleuchten ließ. Fingerdickes Holz wurde von diesen phänomenalen Strahlen förmlich verschluckt und nur die Eisenteile im Innern eines verschlossebaum zu tragen. Auch in zahlreichen Abbildungen nen Kastens, in diesem Falle ein Reißzeug, erschiewird der Gang der Entwickelung des Wagens von nen auf dem Transparent. Um die eminent hohe ältesten geschichtlichen Zeiten bis auf die Ge= Bedeutung darzulegen, die der Röntgenapparat zum genwart veranschaulicht. So zeigt uns eine Skizze Beispiel fur die Zollbehörden hat, ließ der Angeden Papst Johann und seinen Wagen, welcher auf stellte einen starken Holzkasten durchleuchten und seiner Reise in Tirol am Arlberge infolge des dama= deutlich sahen wir den Inhalt, oder wenigstens die Agen traurigen Zustandes der Wege umgestürzt ist Umrisse eines Geschmeides. Einige Heiterkeit ersund den Papst entschlupft trotz seiner geistlichen regte es, als ein geschlossener Regenschirm den Röntgenstrahlen, diesem heimtückischen Detektiv, ausgesetzt wurde: Von dem Stoffbezuge des SchirReisen gewesen sein! Die Sammlung der Trans= mes war fast nichts zu sehen, aber an dem sichtbaren zortmittel des Postmuseums vervollständigen noch Gestell konnte zur Beschämung des Schirmbesitzers ildungen und figürliche Nachbildungen des nor= mit Sicherheit festgestellt werden, wie reparaturWürde der Ausruf:„Hier liege ich in Teufels Ramen." Das muß seinerzeit ein angenehme 955 Zum Schluß wurde be—rühmten Kinewegischen Skyds, der archangelschen Renntierpost, bedürftig die Musspritze war. der ruffischen Hundepost in den Steppen Sibiriens. uns noch der Vorgänger der Desgleichen gestatten uns die Modelle ostindischer matographen in Tätigkeit gezeigt, ein Apparat, dem Briefboten, Postwagen, Sänften, südamerikanischer man es an seiner Einfachheit wirklich nicht ansieht, Kuriere, französischer Landbriefträger, die bei der daß er sich zu einer solch' epochaten Erfindung ausBriefbestellung die sandigen Steppen ihrer Heimat, wachsen konnte. Die bekannten auf Glas überdes Departements les Landes auf hohen Stelzen tragenen photographischen Momentaufnahmen sind durchschreiten, sowie Schneeschuhe lappländischer an der Peripherie einer großen drehbaren Scheibe Postboten einen Einblick in die Post= und Verkehrs= angebracht und werden in dunklem Raum schell verhältnisse fremder Länder. Ein„Einbaum aus vor einer erleuchteten Fläche vorbeigeführt, so die Eichenholz“ liegt einsam in einer Ecke wie eine bei optische Täuschung eines marschierenden Soldaten Seite geworfene, morsch und unbrauchbar gewordene oder dergl. hervorrufend. groß Fleischmolle. Dagegen stehen protzig mitten Ein freundlicher Dank, sonst nichts, belohnte den im Gang in ihren Glasschränken mehrere minutiös selbstlosen Museums=Zauberkünstler und wir scheigearbeitete Modelle moderner Postdampfer. Und den von dem Museum, dessen Besichtigung wir aufdoch diente einst die Fleischmolle demselben Zweck! richtig jedem empfehlen können, der Interesse hat Ebenso präzise und sauber gearbeitet wie die Post= an den hochbedeutsamen Einrichtungen, welche bedampfer=Modelle sind die zierlichen, auf Schienen stimmt und mehr als alle Friedenskonferenzen belaufenden Modelle der Eisenbahn=Postwagen, die rufen sind, mit der Zeit die Verbrüderung aller ans zum Teil auch Einblick in das Innere eines Völker bezw. diesen großen Gedanken seiner Versolchen gewähren. Weiteres Interesse beanspruchen die Gerätschaften für den Feldpostdienst, die sich im Kriege von 1870—71 so trefflich bewährt haben, ferner die Staatsexemplare wichtiger Postverträge, in prachtvollen Einbänden und mit Staatssiegeln aller europärschen Mächte versehen, sodann die Urkunden und Garten des Weltpostvereins und endlich auch der Treffpunkt unserer Philatelisten, die kostbare Marwirklichung näher und näher zu rücken. Briefkasten der Nedaktion. F.., Hengsen. Von dem eingezahlten Gelde erhalten Sie nichts zurück. D. 101, Dortmund. Sie können nur an jedem e,#.###are Mar. Iiertel sahrsersten kündigen, der Vermieter kann kensammlung mit Tausenden von Postwertzeichen vunn aber sofort mit einem Monat kündigen. ler Länder der Erde, darunter in einem in die s.., Dortmund. Zu 1. Das ist im allgemeinen Wand eingelassenen Kastenschränkchen die seltensten kein Grund zum Ausziehen ohne Kündigung. Zu 2. Stücke des Museums: Mauritius 1647 1 Penny] Sie können, wenn die Aufforderung zum Tapeund 2 Penny, Britisch=Guiana 1656 4 Cents und zieren vergeblich ist, dies auf seine Kosten tun Hawai 1651462 2, 5, 13 Cents, letztere doppelt. In Schränken finden wir farbenprächtige Uniformen der Postbeamten aller Grade und deutscher sten entfernen..; Hafür Bundesstaaten aufgehängt. In der Stephan=Samm=] N.., Dortmuns. Zu 1. Dafur ist das kung entdeckten wir ein in eingelegter Arbeit(In= mogen der Ehefrau nicht pfandbar. Zu 2. Man ##rsia?) gefertigtes, verschiedene Abbildungen von braucht dem Ehemanne nur die notwendigen KleiBriefmarken tragendes rundes Tischchen, welches dungsstücke zu belassen. mit dem geistreichen Motto geziert ist:„Wo man 87, Horsthausen. Zu 1. Dazu gehört eine besondenkt, wirds Schreiben auch nicht rosten; wilde dere Konzession. Zu 2. Sie wird vom Kreisausschuß Menschen haben keine Posten.“ Wahre Kunstwerke in Bochum erteilt. Zu 3. Das Zeichen bedeutet norstellen die verschiedenen Urkunden dar, mit denen dem male Sehschärfe auf beiden Augen. berdienstvollen Dr. u. Stephan von Seiten verschie= Fredenbaum, Dortmund. Zu 1. Im Falle nichts deuer Städte das Ehrenbürgerrecht verliehen ist dar gnderes, vorgeschrieben ist, können Sie an jedem unter auch der am 22. Juli 1895 ausgefertigte Ehren=# kündigen. Das ist allein kein ausreichender lassen und diese an der Miete abziehen. Zu 3. Die Gemüse müssen Sie beim Ausziehen aus dem GarVerMon ##rge rbrief der Stadt Dortmund; aber nicht minder Zu gigre, Agsgiehen. interessant ist die Sammlung von Urkunden und 9. N. 532. J.„„Ftagt. Zug ist en bür tnteresant ist die Sammlung von Urkunden und o. 2 u— J 2. 105. 31 Verfugungen betreffend Postangelegenheiten, die 3½lngefahr Par., mit eigenhändigen Randbemerkungen Friedrich Wilhelm k. und Friedrich 2. versehen sind. ein Personenzug. 789, Hörde. Zu 1. Aoressieren Sie nur:„An den Vorstand der Diener=Schule in Berlin, durch die Die zweite Abteilung des Museums ist dem Hand des Königl. Polizei=Präsidiums daselbst“, Telegraphenwesen, der Darstellung seiner histori= und lassen sich einen Prospekt senden. Zu 2. Von schen Entwickelung und der Vorführung der verschiedenen Systeme von Telegraphenapparaten von den ersten Versuchsapparaten ab bis zu den neuen Morse= und Hughes=Systemen, ferner der Materialien für den Bau von oberirdischen und unterirdischen Leitungen sowie submarinen Kabeln, des Mikrophons, jenes Sammlers und Ueberbringers der leifesten und zartesten Töne, gewidmet. Im letzten Zimmer des letzten(.) Stockwerkes nehmen wir eine letzte Belehrung entgegen, die ein uniformierter Angestellter des Reichspostmuseums in dozierender Form dem verehrlichen Publikum Dortmund nach Hannover können Sie ohne Umsteigen durchfahren; Kosten 3. Klasse einfach 6 Mk. 50 Pfg., 4. Klasse 4 Mark 20 Pfg. Ludwigshafen. Ungefähr.50 Mk., über KölnMainz=Worms. X. X. 100, Eving. Bei welcher größeren Station liegt Heerlen? bezirk: Pastor Brockhaus. Taufen und Trauungen in der Kirche: Pastor Ulmte. Martin=Kapelle. Morgens 10 Uhr: Pastor Koch. Kindergottesdienst fällt aus. Abends 8 Uhr: Pastor Mustroph. Taufen und Trauungen in der Kapelle: Pastor Bosselmann. Pauluskirche. Morgens 10 Uhr: Konfirmation. Pastor Wewer. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Nachm. 5 Uhr: Vorbereitung und Abendmahlsfeier. Pastor Wewer. Taufen und Trauungen in der Kirche Pastor Goldberg. Marien. Morgens 8 Uhr: Pastor Hartog. Morgens 10 Uhr: Pastor Schnapp. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Altkatholische Gemeinde in der Krimkapelle. Sonntag, den 28. Juli: Gottesdienst in Kamen. Ostpr. Evangelischer Gebetsverein. Lutherhaus Luisenstraße. Sonntag, den 28. Juli, Morgens 8 Uhr: Bibelstunde, Hermannstraße 30. Nachmittags 2 Uhr: Versammlung im Lutherhaus. 3½ Uhr: Uebung des gemischten Chors. Mittwoch, Abends 8 Uhr: Uebung des gemischten Chors Kesselstr. 29. Donnerstag, abends 8 Uhr: Gebetstunde, Hermannstraße 30. Baptisten=Gemeinde, Westerbleichstr. 64. Sonntag, den 28. Juli. Vorm. 10 Uhr: Prediger de Haan, 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Nachmittags 4 Uhr: Prediger de Haan. Mittwoch, den 31. Juli. Abends 8½ Uhr: Gebetsversammlung. Hollandsche Godsdienst in het Kerkzaaltie Königswall 55's morgens om 10 uur. Freunde des Reiches Gottes sind herzlich willkommen. Evangelischer Gottesdienst. Hörde. Morgens 8 Uhr: Prüfung der Konfirmanden. Pastor Große=Oetringhaus. Morgens 10 Uhr: Pastor Vohwinkel. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Taufen und Trauungen in der Kirche: Pastor Vohwinkel. Wellinghofen. Morgens ½10 Uhr. Pastor Sogemeier. ¾11 Uhr: Kindergottesdienst. Kirchhörde. Morgens 10 Uhr: Gottesdienst Pastor Blomberg. Morgens 11¼ Uhr: Kinder gottesdienst. Mittags 12 Uhr: Taufen in der Kirche. Morgens 9 Uhr: Gottesdienst in der Schule zu Kruckel. Pastor Blomberg. Amtswoche: Pastor Blomberg. Brackel. Morgens 10 Uhr: Gottesdienst. Nachm. 2 Uhr: Konfirmiertenversammlung. Nachm. 3 Uhr: Taufen. Dorstfeld. Morgens 8 Uhr: Frühgottesdienst. Morgens 10 Uhr: Hauptgottesdienst. Morgens 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Eving. Morgens 9½ Uhr: Pastor Thiele. Morgens 11 Uhr: Kindergottesdienst. Nachm. 2 Uhr: Taufstunde. Taufen und Trauungen in der Kirche: Pastor Brand. Bibelstunde Donnerstag Abend 7½ Uhr: Jakobstraße 29. Huckarde. Morgens 9½ Uhr: Gottesdienst. Nachm. 1½ Uhr: Kindergottesdienst. Preußen. Morgens 9½ Uhr: Gottesdienst. Scharnhorst. Morgens 10 Uhr: Gottesdienst. Morgens 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Mittags 12¼ Uhr: Taufen. Mengede. Morgens 8 Uhr: Pastor Hennecke. Morgens 9½ Uhr: Probepredigt. Pastor Oetting= Schwelm. Westerfilde. Morgens 9½ Uhr: Pastor Schmiedicke. Sonntag, den 28. Juli. St. Reinoldi. Morgens 8 Uhr: Prüfung der zuteil werden läßt. Zunächst spielt uns ein Phono= Konfirmanden. Pastor Schmidt. Morgens 10 Uhr: graph eine militärische Uebung vor und ein Gram= Pastor Daub. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesmophon läßt darauf muntere Marschweisen erklin= dienst. gen, um seine Platten mit den Walzen des Phono=] Wambel. Morgens 9½ Uhr: Gottesdienst. 9½ poun sowert der Veamie einen Parterre hausenden Rollegen auf, seine Stimme durch den Telephonographen in einen Wettbewerb zu stellen. Alle An= Pastor Kühn. wesenden sind sich darüber einig: Das Grammophon! Waisenhaus an der Hohenstraße. Morgens bet einen glänzenden Sieg davon getragen. Als- Uhr: Gottesdienst. Pastor Kühn. gann fordert der Beamte einen Barterre hausenden! Johanneskirche. Morgens 7½ Uhr: Pastor konsbach.(Prüfung der Konfirmanden.) Morgens Sir durch di.## und dentlich vernehmen 10 Uhr: Pastor Seewald. Morgens 11½ Uhr: #r vo. ade Vogenlampe den lieblichen Kindergottesdienst. Sonntag Abend 8½ Uhr: BiSant in J.###geden führen wir. Recht inter= belbesprechst. über Röm. 1, 11 ff. im Johanneum, Genn Eg iir votsuhrung der Rohrpost, die inner= Kielstraße 18. Pastor Donsbach. Lutherkirche. Morgens 10 Uhr: Pastor Hartog. Mitwirkung des Kirchenchors. St. Petri=Nikolei. Morgens 7½ Uhr: Pastor immer Ulmke.(Prüfung der Knaben.) Morgens 10 Uhr: graph ertönen zu lassen wr bulch die sprelhe Dase Schee umes praktisch in Betrich gefitzt wird. der Rehrpost bergegenwärngt uns eine Gebensader der großen Hauptstädte. Dr. Stephan leßz, weil der Stroßen guetschende Enge“ immer Ante unterichschen Bere d Stadt Verig guit Pastor Boselmann.(Konfirmation der Rädchen.) tem—g mte den zenmatischen Tuven Kindergottesdienst fällt aus. Amtswoche im StadtStandesamt Sodingen. Vom 1. bis 20. Juli 1907. Geburten. Ein Sohn: Bergmann Heinrich Schwettmann, Holthausen. Maschinist Julius König, Holthausen. Schuhmachermeister August König, Holthausen. Bergmann Johann Peters. Bergmann Anton Mazurkiewicz, Bömig. Bergmann Franz Repows, Holthausen. Bergmann Josef Mushold, Börnig. Bergmann Ludwig Buoc, Holthausen. Bergmann Stefan Janowski, Holthausen. Bergmann Johann Kurzawa, Holthausen. Bergmann Johann Struppel, Holthausen. Schmied Bruno Jäckel, Holthausen. Bergmann Johann Piszezolka, Börnig. Bergmann Michael Konczak, Börnig. Steiger Josef Hugardick. Bergmann Josef Prymka. Bergmann Gustav Stratmann. Bergmann Anton König. Eine Tochter: Bergmann Bernh. Bargel. Bergm. Johann Poslednik. Bergmann Gregor Vodopivec, Holzhausen. Bergm. Wilhelm Volbracht, Holthausen. Bergm. Theodor Ratte, Holthausen. Bergm. Franz Wauchnik. Polizeiassistent Heinrich Seibert. Schneidermeister Hubert Klaßen. Anstreicher Willi Thorhauer. Bergm. Franz Henneböhl, Holthausen. Bergmann Friedrich Rieck. Arbeiter Jakob Polmann, Börnig. Bergmann Anton Wilecke, Börnig. Bergm. Alexander Bryl, Holthausen. Bergm. Gottlieb Merkel. Bergm. Michael Smolnikar, Holthausen. Bergmann Pokczywniak, Börnig. Kolonialwaren=Händler Franz Nowak. Bergmann Joh. Szalkowski. Bergm. Franz Senitscher. Maurer Friedrich Schaller. Aufgebote: Bergmann Andreas Kaspersli mit Wtw. Josefa Scholz. Landwirt Wilhelm Schritt, Anholt, mit Maria Höltmann. Bergmann August Chilko mit Ottilie Benditzki. Bergmann August Wöhrmann mit Anna Maria Tewes, Börnig. Bergmann Michael Kolodziejczek mit Cicilia Mazurek. Bergmann Franz Lingus mit Elisabeth Fischer, Börnig. Eheschließungen: Bergmann Lucian Zblewski mit Clementine Jarzemfinski. Bergmann Johann Kleinschubbert mit Maria Osterhoff. Bergmann Nowak mit Hedwig Pacholek, Holthausen. Sterbefälle: Josef Mazurkiewicz, Börnig, ¼ Stunde. Witwe Anna Schierbaum, Börnig, 65 Jahre. Johann Gruchot, Holthausen, 3 Monate. Anton Zugel, Holthausen, 1 Jahr. August Riedel, 5 Jahre. Katharina Wroblewski, Holthausen, 1 Jahr. Anna Vollmer, Börnig, 21 Jahre. Gustav Pamp, Holthausen, 1 Jahr. Josef Giel, Holthausen, 1 Jahr. Josef Prymka, 2½ Stunden. Tägliche Gratisbeilage zum Dortmunder Generalanzeiger. Die Werl Das Theater war jetzt zu Ende. Die Leute fluteten an ihnen vorbei. Maria blickte zufällig auf und sah in einigen Schritten Entfernung die fast hünenhafte Gestalt eines Husarenleutnants stehen. Sie hatte ihn sonst nicht beachtet; aber er stand und starrte sie mit einem kecken Lächeln an, indem er mit der Rechten das rechte Schnurrbartende drehte. Offenbar hatte er in Maria die eben bewunderte Schauspielerin wiedererkannt. „Komm, Fränze, wir gehen“, sagte Maria, die das Anstarren lästig empfand. Als beide draußen sich aus dem Gewühl herausgearbeitet hatten. „Also ein Eroberung, Fränze?" lachte Maria ihre Schwester an. „Ach, der Herr, meinst Du? Ich habe ihn eigentlich heute zum ersten Mal ordentlich angesehen. Daß diese Herren doch so dreist sind!" „Schien ein ganz hübscher Mensch zu sein,“ bemerkte Maria.„Und da hat er Dich heute angesprochen?" „Ja. Er muß mir gleich nachgekommen sein, als ich aufstand. Ich wollte eben zu Dir heraufsteigen, als er hinter mir stand und mich ansprach. Ich war so ärgerlich.“ „War er denn ungezogen?“ „Nein, das gar nicht, sogar recht artig.“ „So sah er auch aus,“ lachte Maria.„Ein Unartiger geht nicht so still und betrübt als wie der. Was wollte er denn von Dir?" „Ob er mich nicht einmal an anderer Stelle sprechen könnte. Er hätte mich schon lange beobachtet und ich hätte ihm so gefallen, und meinetwegen wär er zuletzt immer ins Theater gekommen, und er habe durchaus ehrliche Absichten.... ach, was weiß ich, was er alles zusammengequatscht hat.“ „Sieh mal! Ehrliche Absichten! Die sind nie Quatsch, Fränze; die muß man schätzen. Wer ist er denn?" „Ach, ich habe seinen Namen nicht behalten. Hofmüller oder Hofmeister oder so ähnlich. Bankbeamter ist er, Prokurist.“ „Na, das wäre doch was.“ Fränze hängte sich lachend in Marias Arm. „Ich muß doch Dir zur Seite bleiben, Ria. Was soll mir denn so einer?“ „Gute Seele! Aber Du darfst auf mich keine Rücksicht nehmen. Du kannst doch nicht Deine ganze Lebenszeit für mich opfern. Schließlich bleibst Du noch als alte Jungfer sitzen.“ „Das wär' aber mal ein Unglück,“ spottete Franze.„Und überhaupt... ich mag garnicht darüber reden.“— Am nächsten Monatsersten kam Maria sehr verstimmt nach Hause. Der Direktor hatte keine Gage gezahlt. Er hatte sich mit Schwierigkeiten entschuldigt, die ihm der Eigentümer des Theaterbaus mit dem Pachtvertrage mache. Am nächsten Ersten würde alles anstandslos reguliert werden. Fränze schien das nicht zu verdrießen. „Gott, wenn wir's doch kriegen, dann kommt's auf die Zeit nicht an. Wir haben ja noch Geld.“ Aber es war beiden auch nicht recht geheuer, wenn sie den kläglichen Rest ihres kleinen Kapitals überrechneten. Und dann hatte Maria so mancherlei munkeln hören über den Direktor... Fränze war eines Abends wieder von dem Bankbeamten angesprochen worden. Ob er sie denn nicht einmal sprechen könne. Nein, sie habe nichts mit ihm zu besprechen. Das täte ihm weh. Er könne sich nicht losreißen von ihrem Bilde. Tag und Nacht müsse er an sie denken. Und Gott sei Dank sei er so gestellt, daß er eine Frau gut ernähren könne. „Ich bin bei meiner Schwester. Die braucht mich und ich bleibe bei ihr,“ hatte Fränze erklärt. Da war Maria hinzugetreten. Der junge Mensch sah sie überrascht an, zog seinen Hut und nannte seinen Namen. „Hofmüller.“ Dann empfahl er sich. Er hatte die Schauspielerin erkannt und begriffen, daß diese die Schwester war, von der Fränze gesprochen hatte. „Hat er einen neuen Sturm versucht, Fränze?" lachte Maria. Fränze nickte und schritt mit der Schwester hinaus. Roman von Max Wundtke. „Und wieder abgeschlagen?“ „Was soll ich denn mit ihm anfangen?“ „Magst Du ihn nicht leiden?“ „Mein Gott, ich kenne ihn ja gar nicht. Und mich gleich auf den ersten Blick verschießen, nein Du, das bekomme ich nicht fertig. Dazu bin ich zu sehr vernünftigt.“ „Meine Ria freilich... die scheint eher auf den ersten Blick zu schwören.“ „Ach, mach doch keinen Scherz. Das ist ja eine Dummheit,“ wehrte Maria ab. In diesem Augenblick ging jemand vorüber und grüßte. Maria sah auf. Zuerst wollte sie den Grüßenden ignorieren. Da erkannte sie den Husarenoffizier wieder, der sie kürzlich so angestarrt hatte. Das war seine reckenhafte Gestalt, daß sich Maria neben ihm ausgenommen hätte wie ein Porzellanpuppchen; das war sein lustiger, übermütiger, kecker Blick, der feudale Schnurrbart. Sie erkannte ihn sofort wieder, obwohl die Gasbeleuchtung hier trübe genug war, überdies die Luft mit seinem Nebel erfüllt war. Als er sah, daß Maria ihn erkannte, stellte er sich in strammer Haltung, mit aneinanderklappenden Fersen, auf und grußte militärisch, dabei immer jenes frohe, sorglose, sieggewohnte Lächeln um die Lippen. Maria errötete leicht und senkte dankend den Kopf. Fränze hatte das alles wohl beobachtet. Fränze blieb für die nächsten Tage, so lange dasselbe Stück auf dem Repertoire stand, zu Hause. Sie hatte ja im Theater nichts zu tun und vor allem wollte sie ein Zusammentreffen mit Hofmüller vermeiden. Sie kam gewöhnlich, wenn das Theater zu Ende war, Maria entgegen und nahm sie in einiger Entfernung vom Theater in Empfang. Heut aber schaute Maria vergebens nach der Schwester aus. Fränze hatte mit der letzten Post noch einen Brief erhalten, in welcher ihr Herr Rudolf Hofmüller ernstlich seine Hand antrug. Er sprach in bewegten Worten von der heftigen Neigung, die ihn für sie beseele, von dem Glück, das er ihr bereiten wolle, von seiner Familie, seinen Hoffnungen und so weiter. Wenn Fränze am Anfang auch darüber lachte und den Brief nichtachtend be#### schöb.... ia und den Brief nichtachtend beiseite schöb.... so ganz gleichguttig, wie sie sich einredete, war ihr die Sache doch nicht. Nicht etwa, daß sie den Wunsch verspürte, die Bitten des Mannes zu erhören— nichts lag ihr ferner als das. Aber sie fing an, das Leben, das sie führte einmal gründlich zu überdenken. Sie fand, daß es kalt und freudenlos war. Sie war ja gar nicht für das Abenteuerliche, für das Wechselnde und für das Kämpfen. Ein stilles, beschauliches Fleckchen, traut und warm, und liebe, herzensgute Menschen darin— das war ihre Sehnsucht. Was brauchte sie eine große, weite Welt, was all den Flitter und Tand! Und über diesen Träumereien vergaß sie ihre Arbeit und ihren Gang nach dem Theater. Als sie sich besann und erschrocken auffuhr, hörte sie Maria schon die Korridortür schließen. „Ach verzeih, liebe, gute Ria...“ Fränze trat zurück. Sie sah in ein bochrotes, erregtes Gesicht. Marias Brust keuchte. „Ist Dir etwas geschehen, Maria?“ Maria warf sich auf einen Stuhl und rang nach Luft. „Ich bin die Trepper förmlich heraufgejagt,“ sagte sie. „Aber was war denn?“ „Ach, wieder eine Unverschämtheit von solchem eleganten Pflastertreter, solchem Laffen. Hat mich schon im Theater angequatscht. Ob er eine Droschke rufen dürfen. Ich kümmere mich nicht um ihn und laß ihn stehen. Ich denke, ich bin ihn lange los, da ist er einige Straßenecken weiter wieder an meiner Seite und schwaßt so unverschämt auf mich ein, daß ich mir das ernstlich verbitte und ihn seine Wege gehen heiße. Seine Wege gingen eben hier, sagte der Mensch frech, hier an meiner Seite. Da würde er immer gehen. Ich lief immer schneller, er auch. Hier vor der Haustür griff er an meinen Arm. Ich dürfte noch nicht nach Hause; ich müßte erst noch mit ihm auf ein Glas Sekt einkehren. Ich schrie auf, (Nachdruck verboten.) wie er mich berührte; aber in unserer Straße ist ja um elf Uhr kein Mensch mehr zu sehen.“ Fränze hing mit ihren Blicken atemlos an Marias Munde. „Und nun? Mein Gott, daß ich auch so vergeßlich sein konnte... „Ach, nun wirds romantisch!" Maria versuchte zu lächeln. „Wie ich so aufschreie, kommt auf einmal...“ Maria machte, wieder atemlos eine Pause. „Nun kommt der Retter, der Ritter, der die Prinzessin von dem Drachen erlöst,“ scherzte Fränze. „Ja, es ist auch so. Ein Ritter war's wirklich. Hör' nur! Aus dem Schatten der Häuser kommt von drüben der Husarenleutnant über den Damm und kriegt den Menschen im Genick zu packen.“ „Gnädiges Fräulein... ist dieser Mensch hier unverschämt zu Ihnen gewesen?" „Ich kenne ihn gar nicht, und er insultiert mich schon den ganzen Weg,“ sage ich. „Im nächsten Augenblick hat dieses Unglückswurm von Lebemann von der mächtigen Hand des Husarenoffiziers eine Ohrfeige weg, daß der Mensch sich auf alle Viere auf den Damm legt. „Das nächste Mal hänge ich den Lumpensammler an den ersten Laternenpfahl,“ knurrte der Offizier. Der Geschlagene erhob sich und suchte schimpfend das Weite, nachdem er seinen Hut, der bis auf den Damm geflogen war, aufgesucht hatte.“ „Ach, das ist ja ein richtiges Abenteuer,“ sagte Fränze.„Derselbe Husarenleutnant, der Dich neulich so militärisch grüßte?" Maria errötete leicht. „Derselbe, ja.“ „Wie ist der aber hierher gekommen?“ „Das weiß ich auch nicht. Ich war aber herzlich froh, daß er da war.“ „Naturlich! Wer weiß, was sich der Mensch noch alles herausgenommen hätte. Da war der Husar wohl recht glucklich, als Du ihm danktest? Er hat Dich ja immer so bewundernd angesehen.“ „Gott, gesagt hab ich eigentlich nichts. Ich war so aufgeregt und geängstigt, daß ich kaum reden konnte. Er schien auch gar nichts derartiges zu erwarten. Er stand respektvoll auf dem Bürgersteig salutierte, als ich die Haustür aufgeschlossen hatte und machte Kehrt, als ob er vor einem Vorgesetzten stünde.“ Maria lachte laut auf. Noch eine Weile sprachen sie von dem Vorfall, und dann erzählte Fränze von dem Briefe Hofmüllers. Fränze aber erklärte, daß ihr der Mensch völlig gleichgütig sei und so war die Sache bald erledigt. Maria aber konnte sich über ihr Erlebnis nicht so leicht hinwegsetzen. Sie mußte noch lange an den hunenhaften Husarenoffizier denken. Dabei machte sie sich ernsthaft Vorwürfe, ihm so wenig für seine ritterliche Tat gedankt zu haben. Was sollte er nun von ihr halten? Aber sie wollte das Versäumte nachholen, so bald sich Gelegenheit dazu fand. Und die würde er schon suchen. Sie erwartete das und freute sich schon darauf. Mit dem beglückenden Gedanken daran schlief sie ein. 8. Kapitel. Am nächsten Tage fing Maria an, von der Bühne aus mit ihren Blicken nach dem Husarenleutnant zu forschen. Sie erkannte ihn denn auch in einer Loge des ersten Ranges. Das war eine Freude für sie, als wäre sie reich bescheickt worden. Und dann schalt sie sich wieder, daß dieserzfremde Mensch eine solche Bedeutung für ihr Empfinden gewonnen hatte. Aber schließlich tröstete sie sich mit dem Gedanken, daß es ja nichts als Dankbarkeit sei, was sie bewege, Dankbarkeit für sein ritterliches, wenn auch etwas ungestümes Eingreifen gestern abend. Mehrere Male suchte sie mit den Augen und jedesmal sah sie, wie er keinen Blick von ihr wandte Es kam dann jedesmal wie ein warmer Strom über sie, und sie spielte freier und sicherer. Und noch eine andere, größere Freude wurde ihr an jenem Abend zuteil: Im letzten Aufzuge wurde ihr von der Rampe der ein köstliches Blumenarrangement auf die Bühne gereicht; eine große aus Edelweiß und Lilien gebildete Lyra, in 55 8 5 2 Nr. 204. Sonnabend, 27. Juli 1907. 5 # S. SEHEESRS Saraen 889600 .# EE G 55 HE BPSEgEASEEZRSESOSUEE Susesges 8 55 E S 9E 22 B Sio 8 S 65 a BCEMSSBSMSGES welcher sich um die Saiten in brennendroren Blüten das Monogramm R. B. schlang. Am Anfang war Maria= betroffen. Wenn sie auch früher von solchen Ehren in reicher Fülle geträumt hatte, so hatte sie doch jetzt, da sie mitten in der Kunst stand, nie mehr daran gedacht. Sie hatte erfahren, daß der Lorbeer ein rares Gemüse war. Nie hatte sie dergleichen bekommen, und so weit sie sich in Kollegenkreisen umschaute, waren diese Blumenspenden fast immer aus eigener Tasche bezahlt oder von Verehrern gewidmet, freilich nicht von Verehrern ihrer Kunst, sondern ihrer Person. Nachdem ihr erster freudiger Schreck vorüber war, blickte sie aufatmend nach der Loge des Offiziers hinüber. Der saß da und lächelte und nickte ihr freundlich zu. Wie eine Erlösung ging cs durch ihre Nerven. Ein dankbares Aufleuchten brach aus ihren Augen. War Maria an sich schon von hervorragender Schönheit und Lieblichkeit, die ihr alle Herzen gewann, so war sie in diesem Moment doppelt anziehend. Das Publikum erkannte das an und brach zum Teil, namentlich in den Stehparketts und oberen Rängen, in lebhaftes Klatschen aus. Das erhöhte Marias Verwirrung. Und doch — so beglückt hatte sie noch niemals dareingeschaut. Eigentlich erwartete sie, daß der Husar irgend einen Versuch machen würde, sie zu sprechen. Aber sie sah, daß er kurz nach Ueberreichung der Blumenspende aus der Loge verschwand. Das war für Maria, als seien plötzlich die Lichter ausgelöscht, als hätte ihr ganzes Spiel nun keinen Sinn mehr. Aber noch trug sie die Hoffnung, daß sie nachher beim Verlassen des Theaters auf ihn stoßen werde. Sie irrte sich. Der unbekannte Husar blieb unsichtbar. Immerhin hatte Maria ihre frohe Stimmung wiedergefunden, als sie mit ihrer Schwester, die sie in einer Nebenstraße erwartete, zusammentraf. War das ein Erzählen Und wie leuchtete ihr der Triumph aus den Augen! Fränzes Mitfreude war herzlich und groß. Am nächsten Morgen, als der Theaterdiener, wie ihm geheißen, die Blumenlyra brachte, glich die Stimmung in der stillen Wohnung der eines hohen Festtages. Beide konnten nicht müde werden, die geschmackvolle Blumenzusammenstellung zu bewundern, wie auch die zarte, sinnige Aufmerksamkeit des Offiziers. Maria hatte dabei noch ihre besonderen Gedanken; aber ihre Hoffnung, auch an diesem Abend den Husaren wiederzusehen trog. Seine Loge blieb während der ganzen Vorstellung leer. Auch die folgenden Abende. (Fortsetzung folgt.) Der Starm. Skizze von Maud von Conring. (Nachdruck verboten). Eben noch Totenstille auf dem trägen Meer und an dem schwarzgefleckten Himmel— und jetzt brüllender Sturm, der der See jäh mit tausend Tatzen in den Nacken gesprungen war, daß sie laut aufheulte vor Wut und Schmerz und Berge von Wellen zischend und zischend hoch emporschleuderte. Die Mrischenden Möven waren wie Federbälle auf das Land geblasen, und die ragenden Küstenfeisen schienen in ihren ewigen Grundfesten zu erzittern. Vom Meer war der Sturm dann aufs Land geschritten und klopfte nun mit Riesenfingern an die Tür einer kleinen Hütte, die wie ein Schwalbennest am Abhang klebte. Die beiden erleuchteten Fenster des Häuschens glühten wie zwei angsterfüllte Augen in den Kampf von Wind und Wasser hinein, als ob sie nach einem lieben Freund suchten, der sich arglos in das Unwetter hinausgewagt hatte und nicht mehr zu sehen war. In dem niedrigen engen Raum der Hütte waren drei Menschen zusammengepfercht. Ein schwacher, weißhaariger Greis, ein altes Weib mit rotbraunem Gesicht und ein junges Mädchen. Der alte Mann saß und stierte ins Feuer, das Weib ging leise hin und her und bereitete das Abendbrot und das Mädchen rannte rastlos auf und ab. Und der Sturm riß an den Türpfosten und heulte um Dach und Schornstein. O Gott erbarme dich der Menschen, die jetzt zu Schiff auf der See sind! murmelte der Greis mit düsterer Frömmigkeit vor sich hin. Und auch der in Booten! ergänzte das Weib und fügte hinzu:„Unser John ist in einem Boot, Vater.“ „Der Herr macht keinen Unterschied zwischen Schiffen und kleinen Booten" erwiderte der Greis. Ich weiß nicht", sagte die Frau skeptisch und unruhig,„die Boote sind kleiner und leichter überspült von dem schwarzen Wasser da draußen.“ „Wer hat den Jungen eigentlich mitgeschleppt, Mutters" „Der Satanskerl, der Jeff Andrew!“. Und sie spukte aus. Das Mädchen blieb jäh stehen in ihrem Gang und sagte:„Er ist auch nicht schlimmer als die anderen alle: „Also hältst du John auch nicht für besser; als all die andern? John, der bald dein Mann sein wird?" fragte das Weib vorwurfsvoll. „Wer sagt, daß ich es nicht tue...?“ warf das Mädchen gleichgültig hin. „O Gott rette unseren John!" betete das Weib andächtig, als der Blitz die Wolken auseinanderschnitt und der Sturm wieder ärger zu pfeifen begann. „Er hört uns schon, Mutter. Er weiß, daß uns John ein guter Sohn ist... nimmt schon lieber einen von den Jungen, die nur eine Pflage für ihre Eltern sind“, stammelte der Greis, während seine Augen hoffnungsvoll aufleuchteten. Das Mädchen blieb jetzt bei dem Feuer stehen und setzte sich auf einen Schemmel, der neben den Flammen stand. Sie verbarg ihr Gesicht in den Händen und schaukelte sich mit dem Oberkörper hin und her, sodaß der Feuerschein mit ihrer schwankenden Gestalt groteske Schatten auf die niedrige Decke malte.„Warum macht wohl Gott Sturm und ertränkt hilflose Menschen?“ murmelte sie seufzend. „Armes Ding! Armes Ding! Ihr Bräutigam draußen im wilden Sturm“, sagte der Gkeis, sie mitleidsvoll anblickend. „Was ist ihre Liebe gegen meine?“ warf die alte Frau leidenschaftlich dazwischen.„Hab ich ihn nicht geboren? War er nicht funfundzwanzig Jahre mein? Fünfundzwanzig Jahre eher, als die ihn gesehen hat?“ „Still, Mutter, still“, sagte der Greis, beschwichtigend die Hand erhebend. Das Weib kehrte zu ihrer Arbeit zurück und bald darnach setzte sie eine dampfende Suppe auf den Tisch. „Komm Mädchen“, sagte sie jetzt freundlich, „komm! Essen beruhigt dich vielleicht ein wenig. Das Mädchen stieß fast den Teller zurück und sagte:„Meine Kehle ist mir voll von Salzwasser. Ich kann nicht essen.“ Der alte Mann aß sein Teil, aber die alte Frau nahm keinen Bissen. „Vater, erinnerst du dich", fragte sie, ihren Gedanken nachgehend, ohne den Blick von den Flammen wegzuwenden, in die sie unverwandt hineinstarrte. „Damals, als er Jeff Andrews Leben rettete? Damals als das Boot umschlug und das Meer sie fast beide verschluckt hätte?“ Das Mädchen löste den Kopf aus ihren Händen. „Unser John war immer ein feiner, tapferer Junge, Mutter. Gerade so wie ich, als ich jung war.“ Und der Greis zog seine schwachen Schultern stolz in die Höhe. „Er ist größer und stärker als Jeff. Trotz ihrer Vetternschaft", sagte das Weib selbstzufrieden. „Was hat das jetzt hier zu tun“, rief das Mädchen plötzlich auf. Betet für sie! Betet für beide! Für dein und deiner Schwester Kind!"— Auf ihre Worte hin neigten der Greis und die alte Frau ihre Köpfe, während das Mädchen fortfuhr, sich hin und herzuschaukeln.— Aus dem Krachen und Brechen des Sturmes tönte plötzlich ein anderer Laut. Es pochte an der Tür. Die Frau sank auf ihre Knie, und das Mädchen, das wie Espenlaub an allen Gliedern zitterte, stand auf und schob den Riegel zurück. Als die Tür auffflog, jagte ihr der Sturm einen Schuß von Regen und Wind in die Augen, daß sie fast geblendet wurde und nur noch mit Mühe zu erkennen vermochte, daß ein Mann das Zimmer betrat. Sie schloß ihre Augen, sie freute sich der Blendung, denn sie wagte nicht hinzusehen. Sie hörte wie der Greis aufschrie:„John!“— da lehnte sie sich gegen den Türpfosten, und dann hörte sie die Frau schreien:„Wo ist mein Sohn John? Wo ist John, mein Sohn?" Jemand nahm sie beim Arm, und der Greis rief:„Mutter, Mutter! Sieh' das Mädchen an, das Johns Frau hatte werden sollen!" Das Mädchen schlug die Augen auf und blickte in Jeffs Andrews weißes Gesicht, das von Seewass ser troff, und dann schrak das Weib zusammen.„Ach, sieh sie an. Sieh das Weib an, daß unseres Johns Frau werden sollte!“ Und der alte Mann sah hin. Die Augen des Mädchens glänzten wie Sterne Zwei rote Flecken brannten auf ihren Wangen und mit unendbarer Freude umklammerten ihre heißen Hände Jeffs Andrews nasse kalte Hände. Sie sahen sich an und vergassen die ganze Welt. „Hinaus!“ schrie das Weib heißer und zeigte nach der Tür.„Hinaus, du—!“ Der Mann legte seinen Arm um ihre Schultern und beide gingen in die Nacht hinaus. Die Wut des Surms war noch ungebrochen, sodaß sie nicht einmal ihre Stimmen vernehmen konnten und, sich stumm aneinanderschmiegend, den Weg gegen den peitschenden Wind erkämpfen mußten. Als sie einen großen Felsen erreicht hatten, der weit aus der Küste hervorragte und an dem die Kraft des Sturmes machtlos zerschellte, drückten sie sich hinter das Schutzdach und schlossen sich in die Arme. „Wußte ich doch, daß du mich lieb hattest!“ rief er triumphierend.— John kann nicht sagen, daß ich ihn belogen habe!" „Wieso? Hast du mit John davon gesprochen?“ fragte sie verwundert. „Ja doch! Als das Boot sich am Felsen den Schädel eingerannt hatte und wir beide an der Planke hingen, die wir in der Dunkelheit gefaßt hatten, sagte John, es sei seine größte Sorge, wie du den Tod tragen würdest. Er dachte, wir müßten beide sterben. Da sagte ich ihm, daß du mich liebtest und nicht ihn. Es war nur Platz für einen auf der Planke und als John sie losließ, rettete ich mich und kam zu Dir.“ „John rettete Dich schon einmal,“ sagte sie nachdenklich. „Lange hher. Als wir Knaben waren,“ antwortete er gleichgültig. „Und auf der Planke war nur Platz genug für einen?“ wiederholte sie langsam. Plötzlich sprang sie von ihm weg und auf die Ecke des Riffs zu. Er streckte seine Hand aus, um sie an der Schulter festzuhalten.„Rühr mich nicht an!“ schrie sie heiser.„Rühr mich nicht an, Feigling! Ich geh' zu John, um ihn um Verzeihung zu bitten!“ Er packte sie beim Arm, aber sie kämpfte verzweifelt. Ihr nasses Haar löste sich im Wind und fuhr ihm wie eine Peitsche ins Gesicht, daß er ihre Hand loslassen mußte. Als er sich von dem Schlage erholt hatte, sah er, daß er allein war. „Möderne Sceraufer! Der unglaublich verwegene Raubüberfall auf den russischen Passagierdampfer„Sophia“, der, wie gemeldet wurde, vor einigen Tagen auf hoher See vor Odessa stattgefunden hat, ist selbst den an alles gewohnten Russen geradezu märchenhaft vorgekommen. Der„Voss. Ztg.“ geht aus Petersburg folgende Schilderung des Ueberfalles zu: Man denke: Ein großer Passagierdampfer geht um 8½ Uhr abends in See. Um 11¼ Uhr erscheinen drei junge Burschen auf dem Promenadendeck, wo der Schiffskapitän gerade sein Abendbrot verzehrt und erklaren ihm und den mit ihm speisenden Reisenden mit Browning=Revolvern in den gestreckten Händen, sie seien alle„verhaftet". Der Kapitän zögert einen Augenblick, dem Befehl: „Hände hoch!“ Folge zu leisten. Der Anführer bemerkt ihm darauf trocken, er dürfe die Geduld der Angreifer nicht auf die Probe stellen, und nun gehorcht er. Einer der drei Angreifer bleibt zur Beaussichtigung der„Verhafteten" auf Deck, die übrigen zwei begeben sich auf die Kommandobrücke und befehlen dem wachthabenden Vertreter des Kapitäns, den Kurs nach Odessa zu nehmen. Der weigert sich anfangs, gibt jedoch dem sanften Zwange der Browning=Pistole ebenfalls nach, und das Schiff kehrt um. Unterdessen machen sich die übrigen 15 Mitglieder der Bande— es sind ihrer im ganzen 18— hurtig an die Arbeit. Drei begaben sich nach der Kajüte erster Klasse, wo der Bankbote Zygano, der 50000 Rubel bei sich führte, den Schlaf des Gerechten schlief. Er versucht, die Räuber irrezuführen, indem er erklärt, er habe kein Geld bei sich. Sie wissen aber ganz genau Bescheid. Im Nu wird aus einem vervorgenen Winkel unter der Koje eine Geldkassette mit 50000 Rubeln herausgezogen. Zwei Räuber begeben sich nach der Kajüte des Hafendirektors von Sladowsk, Herrn Mangubi. Schlaftrunken, kann er die gefährliche Lage, in der er sich befindet, nicht sofort erfassen. Da er in der Hand eines der Räuber einen blitzenden Dolch sieht, glaubt er, den Küchenchef vor sich zu haben. In der Vermutung, daß der Koch eine so ungewöhnliche Stunde gewählt hat, lediglich um mit ihm die Speisekarte des folgenden Tages zu besprechen, fertigt er den Mann mit einigen kräftigen Worten ab und legt sich von neuem zum Schlafe nieder. Die Räuber haben alle Mühe, ihn mit guter Laune über die Sachlage aufzuklären. Endlich zum vollen Bewußtsein gebracht, gibt Herr Mangubi seine Geldtasche mit 500 Rubeln widerstandslos her und bekommt von den Räubern fünf Rubel zur Bestreitung kleiner Reiseauslagen zurück. Ebenso höflich erwiesen sich die Räuber auch den anderen Reisenden gegenüber; jeder von ihnen erhielt einen kleinen Geldbetrag, der es ihm ermöglichen sollte, ohne Entbehrungen nach Hause zu kommen. Ja, sogar noch mehr: als die Räuber sahen, daß ein Viehhändler, dem sie 300 Rubel abgenommen hatten, über den Verlust dieser Summe völlig niedergeschlagen war, gaben sie ihm den ganzen Betrag großmütig zurück. Auch den Matrosen gegenüber zeigten sie sich recht nobel. Als diese sie um den reichen Ertrag ihres Ueberfalls aufrichtig beneideten, gaben sie jedem Matrosen je fünf Rubel; außerdem warfen sie einen Betrag für die Heizer und Dienstboten aus. Alles das ging ganz gemütlich und ohne Störung vor sich. Nach Angaben der Augenzeugen schienen die Räuber über jede Einzelheit auf dem Schiffe vorzüglich unterrichtet zu sein. Erst als der Woronzow=Leuchtturm in Sicht kam, begannen sie, für ihren ungestörten Rückzug zu sorgen. Nachdem sie sich mittels einer Laterne mit ihren Kameraden, die offenbar in Booten auf sie warteten, verständigt hatten, zerstörten sie den Scheinwerfer, legten die Maschine still und warfen die Schiffsglocke ins Meer. Von den drei Ruderbooten, die auf dem Schiff vorhanden waren, ließen sie eines zertrümmern und zwei aufs Wasser setzen; diese beiden bestiegen sie selbst, nachdem ihr Anführer vorsorglicherweise der Schiffsmannschaft und den Reisenden auf das strengste eingeschärft hatte, vor Ablauf von zwei Stunden keine Alarmsignale zu geben und keinen Versuch, das Schiff in Bewegung zu setzen, zu unternehmen. Dieser Befehl wurde gewissenhaft befolgt. Der Kapitän gab allerdings nach Abfahrt der Räuber die Absicht kund, ein Notsignal zu geben, er wurde aber von den Reisenden, die noch unter dem Eindruck der Drohungen des Räuberhäuptlings standen, davon abgehalten. Erst nach zwei Stunden ließ der Kapitän Dampf machen. Als das Schiff in Odessa ankam, machte sich die Polizei natürlich sofort auf die Suche nach den Räubern. Es fand sich jedoch keine Spur von ihnen vor. Die beiden Boote der„Sophia“ wurden einige Zeit darauf von den Wellen nach dem Strande getrieben. K Die empiintungen Im Ichnbaren-Bulischin. (Von unserem Mitarbeiter.) Es war ein unvergeßlicher Eindruck, den die Bewohner der westlichen Berliner Vorstädte am letzten Dienstag empfingen: Ein seltsames, rauschendes knatterndes Geräusch lockte sie ins Freie. Aus den Lüften schien der wunderliche Lärm zu kommen, ein hastiges, rhythmisches Knattern, das sich immer verstärkte. Da kam von Westen, aus der Richtung von Tegel her, ein länglicher, gelbrauner, torpedoS. 2 5 S# S S S#2 3 2 .# 4g: ** S BEHSaSSESE 5 K.* S 5 5 E 3 Luftschiff des Majors von ist nach einem neuartigen Prinzip einer Schraube mit vier Flügeln aus losem Stoff konstruiert und hat in Luftschifferkreisen großes Aufsehen hervorgerufen. Eine Augsburger Maschinenfabrik hat ein Gondelgerippe aus Stahlröhren und Aluminium dazu geliefert. Die Gondel mit Motor und Schraubenflügel ist unter der Leitung des Majors von Parseval und dessen Ingenieurs gebaut. Die Schraubenflügel sind einfach aus losem Stoff hergestellt, die, wenn der Motor ruht, schlaff herunterhängen. Beginnt der Motor zu arbeiten, so spannen sich die Flügel infolge einer besonderen Anordnung von Gewichten durch die Schleuderkraft. Die Parsevalsche Erfindung soll unter anderem auch einer Idee dienen, die alle militärischen Kreise, beschäftigt, nämlich der Verwendung des Luftschiffs im Kriege. ähnlicher Riesenkörper durch die Lüfte dahergezogen, unter dem man deutlich eine schwankende kleine Brücke unterscheiden konnte, auf der sich zwei oder drei Menschen zu befinden schienen. Ueber Westend änderte das Fahrzeug plötzlich seinen Kurs. Eine regelrechte Kreuzerfahrt begann. Bald nach Süden, bald nach Norden abfallend, begann ein rascher Zickzackkurs. Ruhig, sicher und ohne Schwankungen zog die braune Zigarre ihre Bahn durch die Lüfte. Das Geräusch verstärkte sich wieder, man sah, wie das Fahrzeug den Kurs zur Erde herabnahm, vernahm die kurzen harten Schläge eines Motors und konnte die Flügel einer großen Schraube deutlich sehen, wie sie in ruhelosem Kreisen die Luft durchpeitschte und die riesige Hülle rasch und unaufhaltsam vorwärts trieben. Dann wieder wandte sich die Spitze des langen Körpers himmelwärts, der Lärm verhallte, und das Gefährt stieg wieder hoch in die Lüfte, tummelte sich in weiten Schleifen, Kurven, Wendungen und Kreisen und verschwand schließlich im Osten hinter den Bäumen über Charlottenburg. Es war der lenkbare Militärballon, der seine erste größere Probefahrt machte und schon beim ersten Aufstieg den vielversprochenen jüngsten Rekord des französischen Dirigiable, der„Patrie", brach... Bei diesem Anlaß ist eine Schilderung der Empfindungen des Aeronauten in einem solchen lenkbaren Luftschiff von besonderem Interesse, die der rastlose Erfinder auf dem Gebiete der Aeronautik, Santos Dumont, in seinem kürzlich erschienenen Buche„In der Luft“ niedergelegt hat. In dem Augenblick, da man den festen Erdboden unter sich entschwinden fühlt, so führt er aus, wird man zum Abenteurer, zum Forscher, zum Entdecker. Man hat keine Gewißheit mehr, wo man sich eigentlich befindet, alle Anhaltspunkte zur Lokalisierung schwinden. Santos Dumonts erste Empfindung als Luftschiffer war Ueberraschung.„Ich war überrascht zu fühlen, wie das Schiff geradenwegs aufwärts stieg. Ich war überrascht zu spüren, wie der Wind mir ins Gesicht blies.“ Wenn ein gewöhnlicher Ballon horizontal durch die Luft dahingleitet, so hat man das bestimmte Gefühl, daß das Fahrzeug unbeweglich steht, während die Erde unter ihm sich zu drehen scheint.„Während meine Maschinen die Luft teilte, der umsichtige Luftschiffer bei windstillem Wetter zu fahren und darum versucht er es, wenn eine widrige Strömung sich ihm entgegenstellt, sie zu umgehen, entweder durch ein sich senken oder ein Steigen. So machen es auch die Meister des Fluges, die Vögel. Der Kapitän des Flußdampfers hält sich nahe am Ufer, um den Widerstand der Strömung nach Kräften zu vermeiden. Er fährt lieber mit der Ebbezeit flutabwärts, als gegen die Flut. Und so operiert auch der Kapitän des Luftschiffes. Und gegenüber dem Segler hat der Aeronaut ein Uebergewicht: er kann einer Strömung ausweichen und eine bessere suchen. Die Atmosphäre ist voll von wechselnden, einander widersprechenden Strömungen; durch ein Steigen oder Fallen wird man fast stets eine Region, sei es der Windstille, sei es der gunstigen Strömung, finden können. Das sind nur praktische Maßnahmen, und sie haben nichts zu schaffen mit der Fähigkeit, auch widrige Winde zu überwinden.“ Anfangs glaubte Santos Dumont, daß das Steigen und das Fallen bei dem Ungewohnten unangenehme Empfindungen auslösen würden, und er fürchtete eine Art Seekrankheit. „Aber ich verspürte nichts dergleichen, kein Schaukeln, kein Schlingern, kein Stampfen. Der Ballon kennt die Bewegung kaum. Es scheint, daß die Bewegungsgefühle vermindert werden. Bei mehreren meiner Fahrten stampfte der Ballon sehr heftig; aber niemals empfand ich eine Neigung zur Uebelkeit. Das Schiff zieht seine Bahn in einer leisen, gleitenden Bewegung. Das Schaukeln ist selten und ungleich schwächer wie auf See, und so langsam, daß man mit der Reflexion der Weite der Kurve folgen kann. Das Ozeanschiff empfängt sein Stampfen dadurch, daß es abwechselnd aus dem Wasser sich erhebt und zurückfällt. Das Luftschiff verläßt niemals sein Element. Seine einzige Bewegung ist das Streben, die Balance zu halten.“ Aber das seltsame Gefühl, ein Gefühl, das man auf Erden niemals kennt, ist das einer vertikalen Bewegungsfreiheit. Santos Dumont nennt es die „vertikale Existenz“. Der Mensch hat keine Empfindung für die Kombination horizontaler und vertikaler Bewegung. Aber seine Bewegungsgefühle beachtzehn Menschen vom Tode in den Wellen errettet und ist mit der eZit eine der berühmtesten Frauen Amerikas geworden. Als sie fünfzehn Jahre zählte, wurde ihr Vater zum Leuchtfeuermeister ernonnt und alsbald bezog die Familie ihre Amtswohnung, das einsame Leuchthaus draußen im Hafen. Die kleine Ida, das älteste Kind ihrer Eltern, wurde rasch mit dem feuchten Element vertraut, alltäglich ruderte sie ihre Geschwister hinüber zum Festland und allabendlich holte sie mit ihrem Boot die Kleinen wieder von der Stadt ab. Schnell sollte sie durch eine entschlossene Rettungstat bekannt werden. Vier junge Leute, Kinder angesehener Newporter Familien, kenterten mit ihrem Boot und ihre Verzweiflungsrufe drangen bis zum Leuchthaus. Sofort fuhr Ida Lewis mit dem Boot hinaus und unter furchtbaren Anstrengungen gelang es dem Mädchen, alle vier im letzte nAugenblick noch dem Tode zu entreißen. Mit achtzehn Jahren übernahm sie die Wartung der Leuchtfeuer; ihr Vater war zum Krüppel geworden. 22 Jahre später belohnte sie der Kongreß definitiv mit dem verantwortungsvollen Posten, den sie noch heute, als Achtundsechzigjährige, in voller Rüstigkeit vorsteht. Im Winter 1868, während eines furchtbaren Wirbelsturmes, gelang es ihr, zwei Soldaten zu retten, deren Boot in der Nähe des Leuchthauses umgeschlagen war. Auf der waghalsigen Fahrt fand ihr Bootsmann den Tod in den Wellen, allein das kühne Mädchen schreckte nicht zurück, es gelang, die Körper der Bewußtlosen ins Boot zu zerren, wieder zurückzurudern und wieder ins Leben zurückzurufen. Viele Medaillen, und Ehrenzeichen, Diplome und Geschenke schmücken heute das bescheiden Heim dieser Frau, die 18 Menschenleben gerettet hat und noch heute still und zurückgczogen mit einer starken Abneigung gegen alle Ruhmesworte unentwegt ihre harte Pflicht erfüllt. —(Ibsens Galoschen). Neue IbsenAnekdoten hat jetzt, dem„Neuen Pester Journal“. zufolge, der Theatermaler Jens Wang in Christiania veröffentlicht, den sein Beruf dem großen Dramatiker näher brachte. Bekanntlich hielt Ibsen zeitlebens mit Bezug auf seine Person bis zur Pedanterie auf Ordnung und zeigte dies auch bei jenen feuchtfröhlichen Anlässen, denen er hie und da nicht aus dem Wege ging. Sein 70. Geburtstag, der 20. März 1898, fiel auf einen Sonntag, und dessen Nachmittag und Abend war nach ernsthaftem Beisammensein einem ungebundenen Gelage mit jüngeren Verehrern gewidmet. Nach ein paar Stunden schwamm der Boden des großen Festsaales im Hotel Grand in Christiania von Bier, Punsch und dem zur Hälfte aus Kognak und Selterswasser zusammengesetzten„Pjolter“. Aber mitten im Getümmel stand der festlich gekleidete Dichter in Galoschen und mit hoch hinaufgeschlagenen Beinkleidern. Die Galoschen spielten bei ihm überhaupt eine Rolle gerade wie in Andersens Märchen, er verlangte sie sogar bei seinen Freunden. Einmal hatte ihn eine Delegation von Verehrern zu einem Fest geladen, der Dichter nahm dankend an und geleitete dann die Erschienenen höflich in das Vorzimmer, wo sie die wegen des Regenwetters mitgenommenen Galoschen wieder anzogen; gerade dem Wortführer aber fehlten sie. „Wo haben Sie Ihre Galoschen?“ fuhr ihn Ibsen an.„Sie stehen vor der Haustür“, entgegnete der Geängstigte und ging schleunigst aus dem Zimmer um sie sich zu holen. Lindau, 24. Juli.(Einen großen Verlust) erlitt gestern ein Amerikaner, der auf der Durchreise nach der Schweiz unsere Stadt passierte. Auf dem Bahnhofe oder auf dem Wege zum Hafen kam ihm nämlich eine Brieftasche mit einem Wertinhalt von 20000 Pfund Sterling(400000 Mk.), abhanden. Die Polizei befindet sich in fieberhafter Tätigkeit. Rom, 24. Juli.(Von einem Haifisch verschlungen) wurde an der Nordküste der Insel Veglia am 18. Juli ein Bursche beim Baden. Mit einigen Freunden schwamm er in das offene Meer hinaus. In der Nähe der Küste wieder angelangt, hörte einer der Schwimmer plötzlich Hilferufe eines Kameraden. Als er sich umwendete, bemerkte er, wie sein Freund von einem Hai gepackt und in die Tiefe gezogen wurde. Da in letzter Zeit vielfach Haifische gesichtet und überdies zwei Personen verschlungen worden sind, purde ein Schiff ausgerüstet, um die gefährlichen Tiere einzufangen. Kleidern, schlug meinen Rock auf dem schiffahrt hat noch nicht eine vierte Dimension errichtiger, die Motorluftschiffahrt mit der Flußdampfschiffahrt zu vergleichen. Denn mit der Segelfahrt hat sie so gut wie keine Verwandtschaft. Das„Kreuzen" des Luftschiffes ist eine nur äußerliche Aehnlichkeit, die nicht viel besagt, dagegen ist die Parallele mit dem Flußdampfer, der gegen die Strömung kämpft, nahezu erschöpfend. Bei Windstille entspricht die Fahrt der auf einem stillen See. Wenn mein Motor mich mit einer Stundengeschwindigkeit von 30 Kilometer durch die Luft treibt, so gleiche ich dem Kapitän, der sein Schiff mit und gegen den Strom in der gleichen Geschwindigkeit laufen läßt. Nehmen wir an, die Strömung hat eine Schnelligkeit von 15 Km.; fährt das Dampfboot gegen den Strom, so entwickelt es am Ufer gemessen, eine Schnelligkeit von 15 Km. Mit dem Luftschiff ist es dasselbe. Darum sucht suplementären Dimension: der dritten. Und die Empfindungen grenzen ans Wunderbare. Ich finde keine Worte, um die Freude, den Rausch zu schildern, welche durch die freie diagonale Bewegung eines Luftschiffes erzeugt werden, verbunden mit weiten, starken horizontalen Kurswechseln, die durch die Steuerung ermöglicht werden. Munnigfülliges. —(Eine tapfere Frau.) Aus Newyork wird berichtet: Ida Lewis, die amerikanische Grace Darling, hat in Newport in diesen Tagen ihr 50jähriges Dienstjubliäum feiern können. Ein halbes Jahrhundert lang hat sie in dem abgelegenen Wächterhaus die Lune=Rock=Leuchtfeuer unterhalten, hat zustellen Berliner Briele. (Von unserem Berliner Bureau.) Berlin, 26. Juli. Unser Reichs=Posamuseum. II. In unserem letzten Artikel sprachen wir von der Erfindung der Post=Briefkasten, die dem Steuereinnehmer Mr. Belayer zugeschrieben wird. Diesen Standpunkt scheint man aber doch nicht mit Sicherheit vertreten zu können, denn eine zweite Ueberlieferung gibt in dieser Streitfrage eine Erklärung. die auch die Vermutung nicht von der Hand weisen läßt, daß die Erfindung der Briefkästen in die Jugendzeit Ludwig des 14. fällt. Die Postbeamten. heißt es, trugen damals alle Briefe sorgsam in die dicken Postfolianten ein und zwar mit dem Namen des Absenders, weil der Polizeiminister Louvois dieser Angaben sich bediente, und so kam einmal eine zärtliche Korrespondenz des Königs zur Kenntnis Richelieus, welcher die Briefchen dem Könige am Morgen nach deren Absendung feierlich wieder ließ, Seitdem erhob sich ein wahren Nr. 204.(3. Blatt.) General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Preßstimmen zur Lieberts Ertlärung, wonach er bedauert, die Aeußerungen im PetersProzeß, die Verurteilung Peters sei ein„Schandfleck des deutschen Volkes“, getan zu haben. „Frankf. Zeitung.“: Aus dem Schreiben spricht eine geradezu erheiternde Naivität. Erst redet der General vor Gericht, wo er doch unter dem gewissenschärfenden Eindruck des Eides stehen müßte, in den stärksten Tönen so, wie es ihm nicht einmal in der derberen Sphäre des Exerzierplatzes gestattet wäre, und nachher erklärt er wie ein Schultnabe ganz munter: Er habe sich nichts dabei gedacht! Offenbar scheint man in Regierungskreisen diese Kläglichkeit als genügende Sühne betrachten und weitere Konsequenzen nicht ziehen zu wollen. Nach der persönlichen Seite ergibt sich daraus zunächst, daß Herr von Liebert künftig wo und wann er mag, schwatzen kann, was und wie es ihm beliebt, ohne daß er noch den mindesten Anspruch hätte, ernst genommen zu werden. Sachlich wird weiter damit ein ganz unbezahlbarer, allerdings für die guten Formen im öffentlichen Leben auch höchst beklagenswerter Präzedenzfall geschaffen. Ritter St. Georg=Liebert, der als Vorsitzender des antisozialdemokratischen Reichsverbandes auszog, das Vaterland zu retten, und nun schon vor einem widrigen, Lüftlein die Flucht ergreift, welch lächerliches Bild! Wenn künftig ein armer Teufel sich in Not und Unbeholfenheit bei der Wahl seiner Worte vergreift, so wird man ihm jedenfalls die gleiche Freiheit und Rücksicht gewähren. Andernfalls wäre der Vorwurf, daß mit zweierlei Maß gemessen werde, ganz unausbleiblich und sogar berechtigt. „Berliner Morgenpost“: Man muß abwarten, ob sich die beleidigten Richter mit dieser Erklärung des Herrn v. Liebert zufrieden geben, man könnte es ihnen nicht verargen, wenn sie noch im Wege der Beleidigungsklage eine schärfere Rektifikation des maßlosen Angriffes gegen sie herbeiführten. Wir unsererseits meinen freilich, daß sich dieser seltsamste aller Sachverständigen schon durch sein eigenes Auftreten vor Gericht hinreichend vor der Oeffentlichkeit gerichtet hat, und, wenn sonst die Zurücknahme eines übereilten Wortes auch das Wort selbst verzeihen und vergessen läßt, so kann hier nicht einmal das„Bedauern" des Beleidigers ihn vollständig rehabilitieren. Denn die Abbitte Herrn v. Lieberts ist nicht aus freien Stücken, sondern erst auf eine„Anfrage" des Reichskanzlers erfolgt. Vor allem aber wollen wir uns den Umstand, daß sich die Regierung mit der Liebertschen Abbitte begnügt, ad notam nehmen. Man pflegt ja sonst, wenn weniger prominente Persönlichkeiten als der Herr Generalleutnant a. D. sich eines Verstoßes vor Gericht schuldig machen, gleich mit der vollen Strenge des Gesetzes dreinzufahren. Der schlichte Arbeiter, dem in seiner Ungewandtheit und Befangenheit ein in seiner Sphäre vielleicht gar nicht so schlimmer Ausdruck entschlüpft, kommt in der Regel nicht so billig davon wie dieser hohe Militär und Reichstagsabgeordnete, der gewohnt ist, in der Oeffentlichkeit zu sprechen, der die Rede beherrscht und durch seinen Rang dreifach verpflichtet wäre, sein Wort zu wägen, bevor er es sagt. Aber vielleicht schafft der Fall Liebert ein günstiges Präjudiz. Es ist nur lebhaft zu wünschen, daß man künftig auch bei anderen Leuten, die sich in der Hitze des Gefechts einer Ungebühr schuldig machen, nicht gleich eine empfindliche Geld= oder Haftstrafe verhängt, sondern es bei einer öffentlichen Abbitte des reuigen Sünders sein Bewenden haben läßt. Der Münchener Fall Liebert bleibt abschreckend genug, als daß etwa die Verallgemeinerung der gegen ihn geübten Milde die Gefahr einer allzu großen Nachfolge in seinen Schandfleckspuren mit sich brächte. Erlebnisse einer Frau in der Autersuchungehaft. Berlin, 24. Juli. In der sozialdemotratischen „Neuen Gesellschaft" erzählt die Frau eines Architekten, Marie Feuth, seltsame Dinge über ihre Erlebnisse gelegentlich einer zehntägigen Untersuchungshaft, die sie Anfang November v. J. über sich ergehen lassen mußte. Ihr Mann, der sich Jahre hindurch in geschäftlichen Schwierigkeiten besunden hatte, war wegen Urkundenfälschung und Arrestbruchs angezeigt worden. Als das Ehepaar zu einer Vernehmung, zu der ihm versehentlich die Ladung nicht zugegangen war, nicht erschien, wurde die Verhaftung der beiden angeordnet und in Berlin auf offener Straße vollzogen. Ueber den Grund ihrer Verhaftung schreibt Frau Feuth: Noch habe ich keine Erklärung dafür, wie cs möglich war, mich in das gegen meinen Gatten Dortmund, 27. Juli. War das am Dienstag Morgen ein Leben auf dem Hauptbahnhof. Nicht, daß etwa ein neuer elektrischer Anschluß durch das Bahnplanum nach dem rheinisch=westfälischen Elektrizitätswerk vollzogen werden sollte— bewahre. Ein Extrazug mit über 400 Männlein und Weiblein füllte sich, um mit dieser fröhlichen Gesellschaft nach dem schönen Rhein zu dampfen. Alle Passagiere waren Dortmunder, und man rate einmal, was für welche? Nun, wir wollen damit nicht hinter dem Berge halten— die Ausflügler waren keine anderen, als unsere Gastronomen mit ihren Damen und Freunden. Kaum, daß der Zug die Bahnhofshalle verlassen, da warf auch schon die Fidelitas ihre Netze aus und brachte die tollsten Witze zutage. Das Gelächter verstummte erst, als die Herren vom Vergnügungsrat das Kommando gaben, die Liederbücher hervorzuholen, um mit allen Kehlen— die dunklen Wolken am Himmel zu verjagen. Das gelang denn auch, wenn auch nur zeitweise. Ausreichende Gelegenheit, seine stimmlichen Leistungen ins rechte Licht zu stellen, hatte man, denn der Sonderzug rollte mit einem wahren Schneckentempo über die Schienen und hielt, wo es ihm beliebte. Mein Gott, das darf sich so ein Extrazügle auch erlauben. Ein süßer Trost erfüllte die Brust eines Jeden: Der Aufenthalt in Köln.„Gastliche Colonia, sei gegrüßt, gleich liegen wir Dir zu Füßen!" eingeleitete Verfahren hereinzuziehen und über mich steckbriefliche Verfolgung und Untersuchungshaft zu verhängen. Während meiner zehntägigen Haft habe ich erfolglos über deren Motiv nachgedacht und bin zu keinem Resultat gelangt; ich war inhaftiert, ohne überhaupt zu wissen, was ich verbrochen haben sollte. Auch aus den beiden Vernehmungen nach meiner Haftentlassung habe ich nicht ersehen können, was mir vorgeworfen war. Auch keinem Gatten war nicht bekannt, welches Vergehen mir zur Last gelegt wurde; vergeblich befragte er mich danach während der Besuche, welche ich ihm im Gefängnisse abstattete, und in den Tagen meiner Haft schrieb er an das Gericht, ob tatsächlich bei uns die orientalische Praxis gehandhabt werde, derzufolge Familienmitglieder der Angeschuldigten ohne weiteres zur Mitverantwortung herangezogen werden können. Einige Tage nach dem Verhandlungstermin, der ihm seine Freiheit wiedergab, suchte er den Gerichtsschreiber auf und stellte fest, daß es sich um den Verdacht der Beihilfe zum Arrestbruch gehandelt hatte. Nach dieser Darstellung hat es den Anschein, als sei Frau Feuth während der ganzen Unterfuchungshaft über die ihr zur Last gelegten Handlungen nicht vernommen worden. Das wäre ein auffälliger und unentschuldbarer Verstoß gegen den§ 115 der Strafprozeßordnung, wonach jeder Verhaftete spätestens am Tage nach seiner Einlieferung in das Gefängnis durch einen Richter über den Gegenstand der Beschuldigung gehört werden muß. Indessen geht aus einer späteren beiläufigen Bemerkung des Artikels hervor, daß Frau Feuth doch vernommen worden ist. Wer die Unerfahrenheit vieler Leute, und besonders vieler Frauen, in solchen Dingen kennt, wird sich nicht wundern, daß es vortommen kann, daß eine Untersuchungsgefangene nicht einmal aus der richterlichen Vernehmung klar darüber wird, wessen sie beschuldigt ist. Hier ist unbedingt eine Aenderung unseres Strafprozeßverfahrens nötig, durch die der ganze Prozeß und die Rechte und Pflichten der einzelnen Beteiligten auch dem Unerfahrenen verständlicher werden. Immerhin erhält man den Eindruck, daß die Darstellung der Verfasserin in diesem Punkt: eben wegen ihrer prozessualen Unerfahrenheit nicht erschöpfend und daher nicht ganz objektiv ist. Interessant ist, was Frau Feuth aber weiterhin darüber erzählt, wie sie in diesen zehn Tagen behandelt worden ist und welche unglaublichen Verhältnisse sie im Untersuchungsgefängnis vorgefunden hat. Sie schreibt u..: Um 8 Uhr wurden wir nebst einigen Zuhältern in den„grünen Wagen" verladen und nach dem Polizeipräsidium übergeführt. Hier saßen wir im „Sistierungszimmer“ inmitten der gesamten Einlieferung des betreffenden Tages, unter Verbrechern, Dirnen, zotenden Zuhältern und betrunkenen Rowdys bis um Mitternacht. Wir wurden dann einem Kriminalkommissar vorgeführt und von diesem kurz dahin beschieden, daß wir am folgenden Tage in das Untersuchungsgefängnis eingebracht werden würden. Gegen 1 Uhr wurden wir in langem Zuge durch Treppen und Korridore in das Polizeigefängnis transportiert. Ich wurde von meinem Manne getrennt und bedeutet, eine Wendeltreppe im Hintergrunde einer düsteren Galerie emporzusteigen. Oben nahm mich eine Aufseherin in Empfang; ich wurde im Gefängniskorridor bis auf die Haut entkleidet und untersucht. Dann öffnete sich eine Türe und ich war in der dunklen, schmalen Zelle mit meinen Gedanken allein. Es war mir unmöglich, mich niederzulegen; ohne mich von der Stelle zu rühren, verbrachte ich, angekleidet auf der Bettkante sitzend, diese schrecklichste Nacht meines Lebens. Gegen 11 Uhr am folgenden Vormittag wurde ich in den Hof hinabgeführt; ein Wagen fuhr vor und ich wurde zum Einsteigen aufgefordert. obwohl das kaum noch möglich war, denn in dem auf 10—12 Personen bemessenen Gefährt befanden sich bereits etwa 20 Menschen. Als sich dann herausstellte, daß noch —4 Leute übrig blieben, wurde nach einem zweiten Wagen gesandt; vorläufig schob man auch diese restierenden Transportobjekte zu uns herein. Die Leute saßen sich gegenseitig auf dem Schoß und standen sich auf den Füßen; Dirnen niedrigster Kategorie und Zuhälter waren in größerer Anzal vertreten, Witze von unglaublicher Gemeinheit un Handgreiflichkeiten der abszönsten Art wurden produziert. Die Atmosphäre verschlechterte sich derart, daß ein alter Mann in Ohnmacht fiel und über die Köpfe hinweg zum Fenster gehoben werden mußte. Nach einer entsetzlichen Viertelstunde hieß es:„Raus mit euch!“ und wir wurden neu eingeteilt; ich hatte das Glück, meinen Gatten wiederzusehen und mit ihm zusammen in den requirierten zweiten Wagen verladen zu werden. Wir saßen Hand in Hand in der Ecke, mußten aber nach einigen Augenblicken infolge einer barschen Order des Transporteurs uns trennen, und ich wurde dann zwischen einige Dirnen plaziert, welche aus dem Frauengefängnis Barnim zwecks rief überglücklich eine durstige Seele und elektrisierte mit diesem Rufe die ganze Umgebung. Doch der Mensch denkt— und die Eisenbahn lentt. Ehe sich's die Reisenden versahen, weilten sie in einer ganz fremden Gegend und auf aller Lippen war die Frage Agathen's aus dem„Freischütz" zu lesen: Wo bin ich? Der Zug hatte Köln links liegen lassen und hatte die Strecke über Neuß eingeschlagen, um von dort aus sein Endziel Bonn zu erreichen. Dort regnete es bei der Ankunft in Strömen, so daß selbst die Musikkapelle, welche die Ausflügler erwartete, die Schirme aufspannen mußte. Mit klingendem Spiele ging es dann durch die Stadt zur Landungsstelle des Rheins, wo der hochmoderne Salondampfer„Großherzog Ernst Ludwig" zur Abfahrt bereit stand. Auf Deck erholten sich die Dortmunder wieder. Man stärkte den inneren Menschen und erfreute sich an der herrlichen Gegend, die sich nun den Blicken bei hellem Wetter darbot. Dröhnende Böllerschüsse verkündeten den Bonnern, daß„Ernst Ludwig“ die Anker lichte und die alte Musenstadt am Rhein verlasse. Majestätisch glitt das stolze, mit farbenprächtigen Wimpeln und Flaggen geschmückte Schiff dahin. Bald nahte Königswinter, der Drachenfels, Rolandseck— o, wie weit sich vor Jubel und Freude die Herzen öffneten. Noch höher aber schlug das Herz eines jeden, als die Glocke den Beginn des Mittagsmahles ankündigte. Da fehlte keiner an der Tafel— wer sollte auch bei diesem delikaten Menu fehlen: „Königin=Suppe, Rheinsalm mit Butter und Kartoffeln, Roastbeef mit Erbsen und Möhren, Gänseeiner Vernehmung nach Moabit transportiert wurden. Ein Eisentor sprang auf; der Wagen fuhr in eine Durchfahrt ein, ich stieg einige Stufen empor und hinter mir schloß sich die Pforte des Gefängnisses. In einem Aufnahmebureau wurde ich registriert und dann einem Aufseher überwiesen der mich über einen Hof fihrte und dann einige Treppen hinauf in das Frauengefängnis geleitete. Doct wurden in einem Bureau nochmals meine Personalien festgestellt und gebucht; dann wurde ich zwei Weibern übergeben. Sie brachten mich in einen Nebenraum und ich mußte mich wiederum bis auf die Haut entkleiden. Meine Garderobe wurde betastet und befühlt und dann rücksichtslos zur Erde geworfen. Nach 10 Minuten erschien die Oberin; sie kommandierte:„Stellen Sie sich dort in die Ecke.“ Ich durchschritt im Kostüm der Eva den Raum und man ließ mich in dieser Verfassung noch eine ganze Weile an der Wand stehen, mit dem Gesicht dieser zugekehrt, bis meine sämtlichen Sachen ausreichend beschnüffelt und gebucht waren. Dann wurde ich zu einem Meßapparat geführt und von oben bis unten visitiert; endlich erhielt ich die Genehmigung, mich wieder anzukleiden. Ich wurde in eine Zelle gebracht und mit barschen Worten auf die Lektüre des an dr Wand hängenden, mit Strafandrohungen gespickten Reglements verwiesen. Nach einer halben Stunde öffnete sich die Tür und es hieß:„Kommen Sie baden!“ Mit einer anderen Inhaftierten zusammen wurde ich in den Keller geführt, mußte mich mit schwarzer Schmierseife waschen und dann in einer keineswegs reinen Wanne baden. Meine Leibwäsche wurde mir abgenommen und ich erhielt Anstaltswäsche, ein grobes sackleinenes Hemd und ein Paar dicke Strümpfe, welche für meine Schuhe viel zu stark waren, so daß ich nur mit großen Schmerzen gehen konnte. Beinkleider wurden nicht verabfolgt. Dann wurde ich durch eine Strafgefangene auf Läuse untersucht. Ich wurde in die Zelle zurückgeführt und dort in schroffer Weise auf die Obliegnheiten der Zellenreinigung usw. hingewiesen. Am Abend gab es eine Art von Wassersuppe und ein Stück Brot. Ich vermochte nichts zu genießen, entkleidete mich auch nicht und blieb wiederum während der ganzen Nacht auf der Bettkante sitzen. Der Raum wimmelte von Ungeziefer, so daß ich nicht wagte, mich von der Stelle zu rühren. Am folgenden Morgen wurde gegen 6 Uhr durch ein Glockensignal geweckt; eine Art von spülwasserartiger, als Kaffee bezeichneter Brühe und ein Stück Brot wurden hereingereicht. Dann wurde ich zur„Freistunde“ auf einen Hof hinabgeführt und mußte nun im Kreise von etwa 30 weiblichen Gefangenen um ein Rasenrondell herumlaufen. Um 11 Uhr gab es die Mittagssuppe, Gemüse und Kartoffeln zusammengekocht und dergleichen, stets in einer so schlechten Zubereitung, daß ich niemals etwas davon habe genießen können. Die„Frankfurter Zeitung" bemerkt dazu: Man bedenke: Die so mißhandelte Kapitalverbrecherin war der Beihilfe zum Arrestbruch beschuldigt, eines Vergehens, das schlimmstenfalls miteinigen Monaten Gefängnis bestraft wird, und ist bald darauf ganz außer Verfolgung gesetzt worden. Die zuständigen Behörden werden sich hoffentlich recht bald zu der Angelegenheit äußern. Im Ballon über den Gotthard nilch Itatien. Dr. H. Roth in der Frankf. Ztg. Zürich, 24. Juli. Was hätten wohl die wackeren Urner, die vor etwa 1000 Jahren unter Lebensgefahr der tosenden Reuß entlang ein schwaches Steglein bauten, gesagt, wenn sie den merkwürdigen Troß gesehen hätten, vor vierzehn Tagen durch die Serpentinen der Gotthardtstraße sich hinaufwand? Zwölf Fuhrwerke mit langgezogenen Wasserstoffgasbomben, andere mit Ballonkörben, Netz= und Seilwerk usw., bestimmt, dem unermüdlichen Aeronguten Spelterini zu einer fünften Alpenfahrt zu dienen. Andermatt war als Ort des Aufstiegs ausersehen. Wahl dieses Abfahrtortes führten Erfahrungen über die Windverhältnisse unserer Alpen, sowie ganz spezielle technische Erwägungen, denen gegenüber der weite Transport des Materials keine Rolle spielen durfte. Es ist keine kleine Mühe, sich für eine Alpenüberquerung richtig und vollständig auszurüsten. Die „Augusta“, aus der Riedingerschen Fabrik in Augsburg stammend, 1700 Kubikmeter fassend, mußte aufgetrieben und nachgesehen, die Apparate mußten den Platzverhältnissen angepaßt, das Netzwerk entfaltet, Ventil und Netzkrone aufprobiert werden, viele kleine Verrichtungen, die uns die vollen acht Tage, während welcher wir auf besseres Wetter und guten Wind warteten, nicht lang werden ließen. Zum Ueberfluß konnten wir konstatieren, daß es sich im Hotel Bellevue mit seiner ausgezeichneten Verpflegung und seinen allabendlichen Streichkonbraten, Salat und Kompott, Obst“. Und dazu gab es noch eine halbe Flasche Rheinwein extra. Konnte man mehr verlangen?„Bravo, Herr Vergnügungsrat, Sie haben Ihre Sache gut gemacht, wir werden Sie zur Ordensdekoration vorschlagen!“ Ein Nachbar rief es Herrn Ellerkmann zu, der aber keine Zeit zur Erwiderung hatte, weil er gerade mit einer leckeren Gänsekeule beschäftigt war. Bei solchen Dingen läßt man sich nicht stören. Das Mahl währte über vier Stunden und ging erst zu Ende, als das deutsche Eck mit dem erhabenen Kaiserdenkmal in Sicht kam. Da blieb niemand auf dem Platze, obwohl ein abscheulicher„Bindfaden" niederrieselte und den Schiffsgästen ins Gesicht fuhr. Vorgesehen war, in Koblenz einen Teil der Passagiere abzusetzen, um diesen Zeit zu geben, den„Roten Hahn“ auf dem Arenberg zu besuchen, der bekanntlich so viel Sehenswertes birgt. Die verspätete Ankunft ließ jedoch dieses Vorhaben zu Wasser werden. Das Schiff steuerte daher direkt auf Kapellen zu, wo es nach etwa 20 Minuten festmachte. Der Himmel hatte sich leidlich geklärt, so daß man wenigstens die Wanderung nach dem Schlosse Stolzenfels riskieren konnte. Auf die Langohren, welche mit den roten Deckchen bereit standen, die Fremden den Berg hinauf zu bringen, wurde ein förmlicher Sturm unternommen. Die paar Eselsführer bedauerten, nicht allen Ansprüchen genügen zu können, erklärten sich indessen gern bereit, wenigstens noch die neue„Königin des Nordenszum Schlosse zu geleiten. Und die junge Majestät ritt stolz hinauf zur luftigen Höre getragen don ih im reutier. Oben geb es dann Stel Jteo zerten auch ohne„hochfahrende“ Pläne vorzüglich leben läßt. Am 20. ds., morgens gegen 5 Uhr, meldeten die Beobachter des gegen 2500 Meter hoch gelegenen Forts„Stöckli“ das schönste Wetter fast überall in der Runde und leichten Nordwest, der uns über die Alpen gegen Verona hin treiben mußte. Auf denn, die Schläucht angesetzt, die photographischen Apparate mit Platten geladen; um acht Uhr schon blähte sich unsere„Augusta“ stolz in der über der Oberalp aufsteigenden Sonne, und im Kreise vieler Offiziere der Gotthardtruppen und schaulustiger Fremder und Einheimischer schnürten wir das Bündel zu der nicht alltäglichen Reise. Auch diesmal wurde auf die photographische Ausrüstung des Hauptgewicht gelegt. Eine Suter=Camera(13X18) mit 12, eine Goerz=Camera (18X24) mit 30 Chassis genügten unserem Führer nicht; auf dem Rande des Korbes verschraubt stand noch ein Kinematograph, mit 6 Kassetten von je 100 Meter Films. Für Proviant war hinreichend gesorgt, Seile, sibirische Stiefel, Laterne und Notfeuerwerk für etwaiges Landen und Uebernachten im Hochgebirge, und die üblichen registrierenden Baro=, Thermo= und Hygrometer vervollständigten unsere Ausrüstung; das lebende Gewicht bestand aus etwa 150 Kilogramm, nämlich unserem Kapitän und meiner Wenigkeit, sowie einigen Brieftauben von der Festung Andermatt. Schlag 9 Uhr nahmen wir Abschied.„Los!“ Kaum von ihren Fesseln befreit, schwebte die „Augusta“ schon an den Hängen der Gurschenalp und drehte sich dann, wie wenn sie sich ein wenig orientieren wollte, um sich selbst. Nun, uns kann's recht sein: Ein Augenblick Ruhe nach mehrstündiger anstrengender Arbeit läßt uns das vor unseren Augen aufsteigende Panorama um so mehr genießen. Unter uns Andermatt, von wo aus immer noch vereinzelte Rufe zu uns heraufdringen, die Befestigungen auf Bätzberg und Stöckli im Norden, im Westen Damma= und Galenstock, die freundliche Furka mehr gegen Süden; sonnige Klarheit über uns, allüberall! Wir lassen das Schneefeld des Kastellhorns links liegen und schweben über Furkaegg und Monte Prosa dahin nach Süden. Ein Blick auf die Ede zeigt uns den Schatten der„Augusta“, wie er fast haargenau einige Kilometer der Gotthardstraße folgt. Wir treiben mit einer Geschwindigkeit von 8 bis 10 Km. die Stunde. Und nun in rascher Folge wie die Blätter eines Bilderbuches ein reizender Blick nach dem andern: das Gotthardhospitz mit seinem Seclein, der Paß wie ein blendend weißer Faden, über den spärlichen Matten schwarzgraue, verwitterte Geröllhalden und Felswände, Lebenswärme und kalter Tod so nahe aneinandergerückt! Das sonnenglutstrahlende Val Tremola, Airolo mit dem südlichen Tunnel=Tor, das graue Wolken ausstößt wie ein ausgeräucherter Fuchsbau, die Panzertürme der Forts wie Stecknadelköpfe, gegen Westen, weit weit hinauf das Bredettotal, gegen Osten das Bal Piora mit dem Ritow=See. Wir sind unterdessen auf 3000 und bald auf 3500 Meter gestiegen. Der Wind dreht sich, wir wenden uns gegen Südwesten, nähern uns der Bergkette, welche das Tal der Maggia gegen Osten abschließt, und ein kalter, modriger Hauch, der auf den Ballon drückt, zwingt uns, etwas Ballast auszuwerfen. Wir überfahren den Pizzo Sasselo. Das Bild unter uns uns läßt uns unter der Langsamkeit unserer Fahrt fast leiden: Nichts von der Schönheit unserer bernischen oder Walliser Riesen mit ihrer abwechselungsreichen, freundlich hellen Sznerie, nein, lauter empor starrende Kiefer vorweltlicher Giganten, schwarz, tot, ein Zahn wie der andere, ein Bild des Zerfalls, dem menschlichen Fuß unzugänglich, eine unheimliche, abstoßende Oede! Wir atmen förmlich auf, als das untere Maggiatal, der Lago Maggiore und in rascher Folge Locarno, Barese, fast hinter uns Bellinzona, Monte Cenere und Luganersee und gung fern im Osten der Comersee auftauchen. In die Freude über das schöne Panorama, das sich uns auftut, mischten sich aber Hunger und Durst. Unser Führer öffnet die Speisekammer und den Eiskasten und mit einer feinen Koketterie frägt ex mich: „Was befehlen Sie, Pilsner, Vordeaux oder Gisler?“ Bald haben wir uns gelabt und gestärkt, um alle Müdigkeit zu vergessen und uns dem Genuß des Alpenpanoramas ganz hinzugeben, das sich immer schöner für uns zurechtschiebt, wie wenn eine unsichtbare Hand von unserm Ballon aus die Kulissen ordnete: Von einem fleckenlosen Blau des Himmels hebt sich die ganze Kette der Alpen glänzend weiß ab, vom Monte Rosa bis zur Berninagruppe, und alles das in einer Fülle von Luft und Licht, in einer überirdischen Ruhe— man weißt nicht, soll man Mitleid haben mit all denen, die im Schweiße ihres Angesichts die Spitzen der Berge erkraxeln müssen, oder soll man sich schämen, daß man so angenehm mühelos faul sich über die Kämme und Spitzen hinwegtragen läßt? Eine erste Brieftaube soll der Festung Andermatt“ essantes zu sehen. Die ersten Besucher des Schlosses konnten noch mit Filzschuhen das Schloß durchstreifen, die letzten aber mußten mit ungeschützten Schuhen den glänzenden Parkett passieren. Unten im Hotel„Bellevue“ hatte sich unterdessen die Dortmunder Reisegesellschaft zum Kaffee niedergelassen. Man schlug auch diesmal nach echter Westfalenart eine kräftige Klinge— zum Leidwesen des Hoteliers, der alsbald seiner ganzen Vorräte beraubt war und zu seinem Leidwesen die zu spät von Stolzenfels kommenden Gäste mit kalten Worten abspeisen mußte. Einen solchen Appetit kannte er noch nicht. Hoffentlich ist er das nächste Mal auf der Hut und sieht sich vor. Die Dortmunder spaßen nicht. Die Heimfahrt gestaltete sich noch fröhlicher. Einzelne Ortschaften brannten bei dem Passieren des„Ernst Ludwig" bengalisches Feuerwerk ab, was vom Schiffe mit Kanonendonner erwidert wurde. Unterwegs wurde auf dem Promenadendeck ein Tänzchen arrangiert— und die, welche die Ballfreuden eines Dampfers mieden, setzten sich in eine feuchte Ecke und brachten dem Gotte Bachus ihre Opfer. Dabei fehlte es denn auch nicht an fidelen Gesängen. So sang ein Dortmunder Gastrat mit ausgezeichnetem Erfolge das herrliche Weinlied von Emil Rittershaus, worin es heißt: „Mit Rheinwein füllt den Becher!“ Der perlt so klar und frisc, Ich saß als wack rer ZecheAn manchem Schenkentisch. Sai wuihen Weis und geten Sonnabend, 27. Juli 1907 unsere Grüße bringen. Wir falten und rollen unser Briefchen in ein Stückchen Federkiel, das wir an den Schwanzfedern befestigen, das Tierchen äugt ein paarmal, auf dem Rand des Korbes sitzend, in der Runde,— fort ist es, in spiraligem Flug nach Norden hastend. Schade, keiner der geflügelten Boten ist angekommen, die Raubvögel sind offenbar in jener Gegen zu gefährlich. Wenige Auf=und=Nieder infolge Kondensation abgerechnet, bleiben wir während der ganzen Fahrt über die Berge auf der Höhe von durchschnittlich 3800 Meter, ohne bisher viel Ballast verbraucht zu haben. Die Versuchung liegt nahe, 1000 Meter, 1500 Meter höher zu steigen, jedoch ganz abgesehen vom eigenen Wahlbehagen, das über 5000 Meter allmählich beeinträchtigt wird, dünkt es uns schade, das herrliche Relief unter uns sich mehr verflachen zu sehen, und da die photographische Ausbeute uns besonders am Herzen liegt, ziehen wir es vor, möglichst nahe an all den Bergungetümen vorbeizulavieren, so nahe, daß man da und dort meint, die schwarzen Klippen mit den Händen greifen zu sollen. Es geht gegn 2 Uhr. Langsam zieht der Lago Maggiore unter uns hinweg, der Monte Cenere mit seinem Tunknel, Lugano mit seinem idyllischen See, der, durchfurcht von den winzigen Dampfschiffchen, blitzt und blendet wie ein Edelstein in der Sonnenglut, die sich immer brennender um uns legt. Ueber das Felsennest Gondria, die Grotten von Caprino hin, wo der Fremde so gerne in den natürlichen Felsenkellern den süßen Asti schlürft, trägt uns die „Augusta" über das Val'Inteloi gegen den Comersee. Wir lassen Bellagio links liegen, überfliegen den 1865 Meter hohen Monte San Primo, der uns mit seinen sanften Formationen schon den allmählichen Uebergang zum Hügellande andeutet, am Südostende des Sees taucht das reizlose Lecco auf, im Süden die trägen Seen Lago Pusiano und Lago di Annone,— hinaus auf die fruchtbare Ebene der Lombardei. Schon über dem Val'Inteloi können wir einzelne weiße, mächtig emporwallende Wolkenbälle unter uns beobachten und auf die photographische Platte bannen, jetzt, über dem Tiefland, im weiten Kranz ein Flöckchen am andern, wie eine Perlenschnur, dahinter ein grauer Schleier. Das kaum 40 Kilometer entfernte Mailand bleibt uns verborgen, wir ahnen nur den Po, und je weiter wir, immer auf einer Höhe von etwa 4000 Metern, gen Süden schweben, desto näher kommt uns der graue Schleier, als müßte er die Perle der Lombardei vor unsern respektlosen Blicken schützen. Wir schweben südwärts, zwischen den Flüssen Seveso und Lambro, und beratschlagen eben, ob wir an die Landung denken wollen,— es ist halb vier Uhr nachmittags—, als der Ballon rasch zu sinken beginnt. Wir fallen von 4200 auf 2000, werfen einen Sack Ballast aus, fallen auf 1500, 1000, bis auf 600 Meter, ein halb singendes, halb zischendes Geräusch ganz in unserer Nähe macht uns stutzig, ein Blick aufwärts zeigt uns, daß die „Augusta“ ein wenig schrumpft. Das Singen wird immer stärker: woher kommt es? Ist der Ballon leck? Wir opfern zwei Säcke— das Schleppseil, das schon durch die üppigen Maisfelder schleifte, hebt sich, zur Betrübnis des jungen Volkes, das von allen Seiten neugierig herbeiläuft, wir steigen wieder, und bald wenden wir uns, nachdem wir in der Nähe des Eisenbahnknotenpunktes Treviglio einen Moment fast unbeweglich gestanden haben. gegen Nordosten, wo in der Ferne die malerische Altstadt von Vergamo auftaucht. Das unheimliche Zischen ist wieder verstummt und eine heiße Luftwelle gibt dem Ballon neues Leben. Wie wir bei der Landung nachher wahrnehmen konnten, waren es die Grillen, die, in Milliarden die Ebene bevölkernd, mit ihrem Zirpen und Summen die Luft erfüllen und uns fast bange gemacht haben. Schon kommt das bergamastische Hügelgelände näher, wir müssen einen Entschluß fassen. Wollen wir uns von neuem ins Gebirge treiben lassen oder die weite Ebene zur Landung benützen. Die Arbeit des Morgens macht sich geltend, der Plattenvorrat ist nahezu erschöpft und dasselbe Hochgebirge, das wir mit Genuß überflogen, vermag uns für eine Landung nicht zu locken. Bald hat unser routinierter Kapitän in dem ausgetrockneten breiten Sandbett des Serio östlich von Bergamo den geeigneten Landungsplatz erspäht, und ein Zug an der Ventilleine läßt uns der Erde auf 100 Meter nahekommen. Wir machen uns bereit. Schon eilen aber von den Maisfeldern rings umher die Leute zusammen, eine tolle Jagd nach dem Schleppseil beginnt, schon wird es von 110, 20, 40 Händen gepackt, trotz unseres Rufens„Lasciate, lasciate“, um einen kräftigen Maulbeerbaum geschlungen. Ein Blick nach unten zeigt ein Stoppelfeld, Spelterini öffnet das Ventil, ein Ruck, ein Sprung, ich öffne die Reißbahn von oben bis unten und die „Augusta" legt sich todmüde auf die Seite, während ein buntes lebhaftes Völklein uns umringt, strahlend, daß ein solches Ereignis einmal sein eintsniges kärgliches Leben unterbricht. Unser Kapitän, ein halber Italiener, spricht wohl den Dialekt ziemlich unverfälscht und lebt mit In Kelchen spiegelblank, Doch nichts hat überboten Der Heimat Göttertrank! Da bergen doch die Fässer Den allerbesten Wein! Es zecht sich ja nirgends besser Als an dem deutschen Rhein.“ Nur zu schnell landete man wieder in Bonn. Noch eine Stunde Erholungspause im nahen Bahnhofshotel und dann bummelte der Sonderzug durch die dunkle Nacht der Heimat entgegen. Dunkel war die Nacht— aber die Herzen aller Teilnehmer waren hell und voller Fröhlichkeit. Gegen 2 Uhr nachts traf die Reisegesellschaft wieder in Dortmund ein. Hätten wir hier einen städtischen Saalbau gehabt, dann wäre die Gesellschaft vielleicht noch geschlossen dahinmarschiert, um dort einen Abschiedstrunk zu tun. Aber leider fehlte dieser Bau— und er wird auch nicht kommen, denn am Tage vorher hatten ja die Stadtverordneten das Projekt rundweg abgelehnt. Schade darum. Auf der Fahrt nach Koblenz wurde die Sache eingehend besprochen, wie auch der„Fall Hau“ den Schiffsgästen viel Stoff zur Unterhaltung gab. Man wird von diesem amüsanten Ausfluge noch lange sprechen, wie auch die Rheinländer, die unsere Dortmunder kennen gelernt haben, den Besuch nicht so bald vergessen werden. Der Dortmunder Wirteverein hat wieder bewiesen, daß er nicht allein Feste und Ausstellungen, sondern auch Vergnügungs. reisen zu arrangieren versteht. * vem südländisch lebhaften Schwarm neu auf. Die braven Leutchen legten uns förmlich die Hände unter die Füße. Wie wohl tat die eifrige Hilfe in der sengenden Glut! Schon nach einer Stunde konnten wir unser Fahrzeug auf einen Ochsenkarren verladen, und, geleitet von einer Schar junger Burschen, auf die doch auch etwas von dem großen Tag abfärben mußte, zogen wir gegen 7 Uhr abends in Bergamo ein. Westfalen und Nheinland. Brechten, 25. Juli.(Sehrrabiat) benahm sich der jugendliche Bergmann Hangebrauck von hier. Er skandalierte gestern abend im angetrunkenen Zustande vor dem Hause des Bergmanns Rüttner am Maiweg. Er bedrohte den schon bejahrten, alleinstehenden Mann mit einer Zaunlatte und warf mit allerlei Wurfgeschossen nicht weniger als 11 Fensterscheiben ein; die Haustür bearbeitete er dermaßen, daß der Eingang vorläufig mit einem Laken verhängt werden mußte. Lünen, 25. Juli.(Auf der kn der Nähe der Wernerstraße) gelegenen Sandentnahmestelle sind 50 Zentimeter unter der Oberfläche zahlreiche Urnen mit Knochenresten gefunden worden. Leider haben die Arbeiter in Unkenntnis des geschichtlichen Wertes der irdenen Töpfe die meisten zerschlagen und zur Seite geworfen. Nur einige sind verschont geblieben. Auf dem Gelände, auf dem jetzt die Harpener Bergbau=Aktiengesellschaft eine Planierung und eine Eisenbahnzuführung vornehmen läßt, hofft man in den Böschungen, die noch nie vom Spaten getroffen sind, wertvolle vorgeschichtliche Funde zu machen. Schüren, 26. Juli.(Zu dem Entendiebstahl,) über den wir in unserer Nummer 198 vom Sonnabend, den 20. Juli, berichteten, teilt uns Christian Wille mit, daß er bei demselben nicht beteiligt gewesen ist. Wir berichtigen daher die Notiz in diesem Sinne. Castrop, 26. Juli.(Ein Grubenunglück) ereignete sich auf Zeche Graf Schwerin dadurch, daß der Bergmann Heinrich Winkelmann durch Steinfall aus dem Hangenden getroffen wurde. Mit dem Bruch eines Unterschenkels und einigen anderen geringeren Verletzungen kam er davon. Er wurde nach Castrop ins St. Rochus=Hospital gebracht. Holthausen(Amt Sodingen), 26. Juli.(Rascher Tod.) Der Landwirt Höltring begab sich mit seiner Schwester, die im 70. Lebensjahre steht und nach Bochum zu den Ihrigen zurückkehren wollte, zu der nicht weit entfernten Haltestelle Börnig der Emschertalbahn. Die betagte Frau wurde unterwegs von einem plötzlichen Unwohlsein befallen, sank mit einem Aufschrei zusammen und war nach wenigen Augenblicken eine Leiche. Ein Schlagfluß hatte ihrem Leben ein Ziel gesetzt. Die Verstorbene brachte man mittels Kutschwagens zu dem Höltringschen Gehöft zurück. Bövinghausen, 26. Juli.(Tödliche Unfälle.) Auf der Zeche„Zollern“ wurde gestern der Bergmann Schwantay so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und drei Kinder.— Auf derselben Zeche kam auch der Bergmann Karl Herrmann bei seiner Arbeit zu Tode. Köln, 25. Juli.(Die 22. DelegiertenVersammlung) des Allgemeinen deutschen Musikerverbandes beschäftigte sich gestern fast ausschließlich mit der Konkurrenz der Militärmusiker und der Lehrlingszüchterei in Süddeutschland. Es wurde betont, daß die Regelung des gewerblichen Musizierens der Militärmusiker durchaus ungenügend sei, denn sie lasse trotzdem die unbeschränkte Konkurrenz zu. Der Verband müsse dahin wirken, daß die private Tätigkeit der Militärmusiker gänzlich verboten werde, denn kein anderes Gewerbe brauche eine solche staatliche Konkurrenz zu dulden, wie der Musikerberuf. Mehrstündige Debatten wurden gepflogen über folgenden Antrag des Lokalvereins Berlin:„Dem Präsidium wird aufgegeben, so schnell wie angängig eine Petition mit Massenunterschriften, die Militärkonkurrenz betreffend an den Reichstag und die Einzellandtage einzureichen", ferner über den Antrag des Lokalvereins Elberfeld: Dem§ 25(Pflichten der Lokalvereine) ist hinzuzufügen:„Eine Kommission zu bilden, die in Permanenz die Tätigkeit der Militär= und Beamtenkapellen überwacht.“ Im weiteren Verlauf der Verhandlungen über die Konkurrenz der Militärmusiker nahm man die Anträge Berlin und Elberfeld an und stimmte außerdem für folgende Resolution: Die Delegierten=Versammlung erhebt Protest gegen die Ausübung gewerblicher Musik durch Militärmusiker. Abgesehen davon, daß hierdurch diese Musiter ihrer eigentlichen Bestimmung entzogen werden, müssen wir als Staatsbürger ganz entschieden Verwahrung dagegen einlegen, daß es den Militärmusikern noch immer gestattet ist, uns durch schrankenlose Ausübung des Musikergewerbes das Brot zu nehmen. Auch wir sind steuerzahlende Bürger und verlangen denselben Schutz, den alle anderen Berufsstände genießen; damit, daß der Gewerbebetrieb der Militärmusiker durch besondere Bestimmungen geregelt wird, können wir uns nicht zufrieden geben. Unsère Forderung lautet: Gänzliche Beseitigung dieser staatlichen Konkurrenz; Verbot jedes gewerblichen Musizierens der Militärmusiker.— In dem Bericht des Vizepräsidenten über die Aufführungssteuer wurde betont, daß die Genossenschaft deutscher Tonsetzer anfänglich den Musikern die Zusicherung gegeben habe, daß der Betrag der Aufführungssteuer nicht auf sie fallen werde, sondern den Lokalinhabern oder den Unternehmern zur Last gelegt werden solle. Dieses sei durchaus nicht eingetroffen; die Steuer sei den Musikern, an die immer größere Ansprüche gestellt werden, aufgebürdet. Alsdann befaßte man sich mit einer großen Anzahl Anträge, die sich auf die Satzungen der Lokalvereine beziehen. Heute vormittag wurde der Kassenbericht erstattet. Die Einnahmen betrugen 98547,50 Mark, die Ausgaben 85.103,90 Mark, das Vermögen der Verbandskasse 109 940,54 Mark. Die Delegierten=Versammlung sprach sich gegen jeden Anschluß an ein: gewerkschaftliche Organisation aus. Eine sehr lebhafte Diskussion entspann sich über die Frage der Gründung eines Unterstützungsfonds, der dazu dienen soll, die Mitglieder im Kampf um Erringung besserer Lohnbedingungen zu unterstützen. Namentlich wurde die Grundung von den Herren aus Oesterreich empfohlen, die bereits einen ähnlichen Dispositionsfonds haben und ganz besonder: Vorteile damit erzielt haben, trotzdem die Beiträge hierzu freiwillig geleistet würden. Es hatten sich noch 80 Redner zum Worte gemeldet, als man zur Abstimmung schritt, die sich für Gründung des Unterstützungsfonds entschied. Stadtverordnetensitzung in Hörde, 26. Juli. Vor Eintritt in die Tagesordnung erbat Herr Bürgermeister Ewers das Wort betr. den Ehrenbogen bei dem Rheinisch=Westfälischen Kavallerievereinsfeste. Herr Hilgebrand hatte in der vorletzten Sitzung moniert, daß der Ehrenbogen nicht von hiesigen, sondern von Dortmunder Unternehmern ausgeführt worden sei. Der Herr Bürgermeister bemerkte seinerzeit, daß die Hörder Gärtner erklärt, hätten, sie seien nicht in der Lage, den Ehrenbogen in so kurzer Zeit herzustellen. Die ganze Sache beruht darauf, daß ein Beamter des Bauamtes den Herrn Bürgermeister seinerzeit nicht über den wahren Sachverhalt aufgeklärt hat und auf eigene Verantwortung den Ehrenbogen vergeben hat. Der Beamte ist nachträglich hierüber zur Rede gestellt worden. Der Herr Bürgermeister war seinerzeit verreist. Gleichzeitig teilt Herr Bürgermeister mit, daß er im Namen des Kollegiums den früheren Landrat des Kreises Dortmund=Hörde Geheimrat von Rynsch zu seinem 80. Geburtstage gratuliert habe. Die Sparkassenrechnung für das Geschäftsjahr 1906 ist von dem Rechnungssachverständigen Herrn Gerichtssekretär Schulte geprüft und für richtig befunden worden. Der Sparkassenverwaltung wird Entlastung erteilt. Einstimmig wird genehmigt, daß vom 1. Januar 1908 ab der Zinsfuß der hiesigen städtischen Sparkasse für Sparer von 3½ Proz. auf 3¾ Proz. erhöht werden soll. Gleichzeitig soll der Zinsfuß für Geldleiher vom 1. Dezember 1907 an von 4¼ Proz. auf 4½ Proz. erhöht werden. Herr Direktor Dr. Adams teilt mit, daß aus den Ueberschüssen der in der Aula des Gymnasiums veranstalteten Konzerte ein schöner Konzertflügel für die Aula des Gymnasiums im Werte von 1650 Mark gekauft worden sei und als Eigentum der Stadt überreicht worden sei. Der Stadtgarten soll ein neues Tor nach dem Stift erhalten, die Kosten sollen 700 Mark nicht übersteigen. Kolligeum genehmigt die Vorlage. Die Einwohner des Amtes Wellinghofen haben zu Beginn ds. Is. bei dem Herrn Landrat des Kreises Hörde wiederholt den Wunsch auf Verlegung der elektrischen Straßenbahnlinie Hörde=Welling= hofen über die Eisenbahnbrücke zum Ausdruck gebracht. Die Straßenbahnverwaltung erklärt, daß sie mit dieser Verlegung einverstanden sei, und für den Ausbau der Wellinghoferstraße eine einmalige Beihülfe von 10000 Mark zahlen wolle. Die Kosten für die Umlegung der Gleise über die Brücke trägt die Straßenbahnverwaltung. Außerdem will die Straßenbahnverwaltung für die Benutzung der Brücke eine jährliche Rekognitionsgebühr von 100 Mark zahlen. Ueber diesen Punkt wird längere Zeit debattiert in der die Herren Ebert, Osthoff, Heuseshoven eingreifen und für Ablehnung der Vorlage sind. Die Bewohner der oberen Chausseestraße und der Hochofenstraße hatten ein Schreiben an sämtliche Stadtverordnete gerichtet, wonach sie sich geschädigt fühlen, wenn die Straßenbahnlinie verlegt würde.. Mn. 4 g. 9. Bei der Abstimmung ist die Mehrheir fur die Ablehnung der Vorlage, für die Vertagung sind nur fünf Stimmen. Der Leiter der höheren Mädchenschule, Herr Professor Heeger hat unter dem 3. Juni ds. Is. folgenden Bericht erstattet: Das jetzige Gebäude entspricht nicht mehr den Anforderungen der Schülerzahl. Dieselbe ist trotz den kläglichen Räumen sichtlich emporgeblüht. Die Zahl der Schüler beträgt 137. Ein weiteres Anwachsen ist aber in dem jetzigen, einst für eine winzige Rektoratschule bestimmten Gebäude nicht möglich. Die alten Räume bieten der Schule schon bei der heutigen Zahl nur eine kümmerliche Existenz. Es wird eine Kommission gewählt, die aus folgenden Herren besteht: Brölemann, Fronig, Arens und Gans, die die Verhältnisse der höheren Mädchenschule prüfen sollen. Dem Kaninchenzuchtverein von Süd=Hörde werden 30 Mark bewilligt. Punkt 12, Schreiben der Handwerkskammer Dortmund, wird vertagt. Da der Ausbau der Wellinghoferstraße mit der Verlegung der Straßenbahnlinie zusammenhängt, wird die Vorlage vom Magistrat zurückgezogen. In der Stadtverordnetensitzung vom 20. Mai 1905 war beschlossen, einen Entwurf eines Ortsstatuts betr. die Umgestaltung und Unterhaltung vorhandener Straßen und Plätze. Die Vorlage wurde einer gemischten Kommission überwiesen. Diese Kommission hat nunmehr unter dem 22. Juli ds. Is. getagt und den Erlaß des genannten Ortsstatuts nach vorliegendem Entwurf einstimmig der Stadtverordnetenversammlung empfohlen. Der Entwurf liegt gedruckt bei. Einstimmig wird das Ortsstatut angenommen. Für die Einfriedigung der Klaraschule an der Virchowstraße sind 1100 Mark erforderlich, die das Kollegium bewilligt. Außerhalb der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung wird auf Antrag des Magistrats noch folgender Gegenstand verhandelt: Unter dem 29. April ds. Is. hat die Stadtverordneten=Versammlung beschlossen, auf Grund des Magistrats=Beschlusses vom 27. April ds. Is. zur Deckung der Ausgaben im Extra=Ordinarium des Haushaltsplanes für 1907 Abschnitt 7 4e in Höhe von 45 100 Mk. eine Anleihe in dieser Höhe bei der Landesbank der Provinz Westfalen aufzunehmen. Diese Anleihe von 4,10 Prozent zu verzinsen und mit 1 Prozent unter Mitverwendung der durch fortlaufende Tilgung ersparten Zinsen zu tilgen. Der Herr Regierungs=Präsident hat daraufhin zunächst beanstandet, daß die mit 2600 Mk. angesetzten Kosten eines neuen Anstrichs der Straßenbrucke über die Bergisch=Märkische Eisenbahn durch Anleihe aufgebracht werden soll, sowie des ferneren, daß für die Straßenbauten eine nur 1prozentige Amortisation vorgesehen ist. Daraufhin hat der Magistrat unter dem 23. d. Mts. beschlossen den Anleihebeschluß dahin zu ändern, daß zunächst die Anleihe um 2600 Mk. vermindert wird und daß diese für den Anstrich der Brücke bestimmten Kosten aus laufenden Mitteln bewilligt werden, daß ferner die AmortisationsQuote in der verbleibenden Anleihe auf 2½ Prozent festgesetzt wird. Da die Beschaffung des Geldes nunmehr notwendig wird, bitte ich den AnleiheBeschluß vom 29. April ds. Is. nach diesem neuen Vorschlage des Magistrats zu modifizieren. Kollegium erklärt sich mit vorstehendem einverstanden.— Hierauf geheime Sitzung. Stabtverbronekensihung in Herne. Herne, 26. Juli. Die Vertreter unserer Bürgerschaft kamen heut wieder einmal zu löblichem Tun zusammen, um in der hohen Kommunalpolitik zu ratschlagen. Der Vorsteher, Herr L. Schlenthoff, leitete die Sitzung, die nur von einem Magistratsvertreter, Herrn Bürgermeister Dr. Büren, besucht war. Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest der Vorsteher eine Einladung des Marinevereins an das Kollegium zur Teilnahme an der am 10. und 11. August stattfindenden Fahnenweihe. Dann bringt Herr Westerhold eine lange Interpellation von entlassenen Aus der Gratis= Anterstügzung des Generat Anzeigers. Infolge Sturzes auf den Kopf erlitt unser Abonnent Wilhelm Strecker sen. aus Volmarstein eine Gehirnerschütterung, an deren Folgen er tags drauf starb. An die Frau des Verunglückten haben wir die Unfallunterstützung im Betrage von 300 Mark auszahlen lassen. Der General- Anzeiger zahlt nich nur seinen Abonnenten tödliche Unfälle aus, welche auf der Arbeitsstätte vorkommen, sondern auch alle anderen, gleichviel, ob sie auf dem Wege zur oder von der Arbeitsstätte oder zu Hause passiert sind; ausgenommen sind nur laut unseren Statuten grobes Selbstverschulden, Selbstmord, Mord und Totschlag, Schlägereien, Schlag=, Krampf= und epileptische Anfälle, innere Erkrankungen oder dergl. Kontrolleuren der Straßenbahn Herne=Sodingen über angebliche Unregelmäßigkeiten der Direktion und des Werkmeisters gegenuber den Angestellten zur Kenntnis. Herr Hoppe meint, der eingeschlagene Weg der Interpellanten sei unzulässig und unangebracht. Vor allem hätte dem Ausschuß der Straßenbahn, als der ersten zuständigen Instanz, Mitteilung gemacht werden müssen. Andere Redner sind derselben Meinung. Interpellationen müßten in Zukunft nur bei Unterstützung von—5 Mitgliedern berücksichtigt werden. Herr Bürgermeister Dr. Büren betont, daß die Angelegenheit untersucht werden wird. Im allgemeinen seien die Beschwerden gegen die Straßenbahndirektion„olle Kamellen". Es wird zur Tagesordnung übergegangen. Herr Oberbürgermeister Schaeffer hat sich erboten in seinem demnächstigen Ruhesitz Darmstadt die Geschichte der Stadt Herne zu schreiben, und zwar unentgeltlich, nur gegen Erstattung der entstehenden Unkosten. Der Magistrat befürwortet das Anerbieten. Der Antrag wird mit großer Majorität angenommen, nachdem sich Herr Bösser mit großer Entschiedenheit dagegen ausgesprochen hat und hervorhob, sich evtl. an die Regierung wenden zu wollen, da es nicht statthaft sei, städtische Akten nach außerhalb zu geben, was Herr Dr. Büren widerlegte. Es folgen verschiedene Wahlen von Kommissionen resp. Sachverständigen für die Lieferung von Naturalien und Futter, für die Abschätzung von Vieh im Mobilmachungsfalle, sowie für die Abschätzung von Schäden, die marschierende Truppen verursacht haben. Herr Dr. Büren referierte über einen Beitrag zum bakteriologischen Institut in Gelsenkirchen. Bisher war die Benutzung dieses Instituts unentgeltlich, da der Kreis Bochum dafür aufkam. Für das Jahr 1907 würde der Beitrag 980 Mark betragen, der sich mit Zunahme der Bevölkerung allmählich steigern würde. Das Kollegium beschließt demgemäß. Für die Erbreiterung der Altenhöfenerstraße ist ein entsprechender Grunderwerb notwendig von dem Grund und Boden des Herrn Baunternehmers Kleinsorge, der unentgeltlich nicht zu haben ist. Es handelt sich im Ganzen um den Betrag von 162,67 Mark, der biwilligt wird, nachdem sich einige Redner dafür ausgesprochen hatten, daß eigentlich dieser Boden im Interesse der Stadt unentgeltlich überlassen werden müßte, wie es bisher noch immer geschehen sei. Herr Bürgermeister Dr. Büren berichtet dann über die Beratungen des Magistrats und der Finanzkommission über eine von Herrn Westerhold in der vorigen Sitzung angeregeten Petition auf Abänderung des Paragr. 23 des Einkommen= steuergesetzes. Der Magistrat hat folgende Petition beschlossen, die an die Staatsregierung und die beiden Häuser des Landtags gerichtet werden soll: 1. Die Einkommen bis zu 1200 Mark sollen einkommensteuerfrei bleiben. 2. Bei einem Einkommen bis zu 3000 Mark für jedes zu unterhaltende Familienglied im Sinne des Paragr. 19 des Einkommensteuergesetzes sollen anstatt 50 Mk. 100 Mk. abgezogen werden. 3. Beseitigung des Steuerprivilegiums der Beamten, Geistlichen und Lehrer. Herr Dr. Büren hebt hervor, daß durch das Steuerprivileg der Beamten und Geistlichen der Stadt Herne za. 23000 Mk. jährlich verloren gehen. Nach einer Debatte wird diese Petition vom Kollegium gutgeheißen. Herr Dr. Büren referiert über den Ausbau der Kampstraße, die sich in einem äußerst mangelhaften Zustande befindet. Durch die beharrliche Weigerung des Herrn Kaufmanns Stein, den auf ihn entfallenden Beitrag zu leisten, sei noch ein Zuschuß von 752 Mk. zu decken. Im Interesse der dortigen Anwohner wird dieser Betrag nach erregter Debatte über die Weigerung des Herrn Stein bewilligt. Die vom Magistrat beantragte Anleihe von 338000 Mark bei der Landesbank zu 4 ein Zehntel Prozent und 2½ Prozent Amortisation wird genehmigt. Die Straßenbahn Herne=Baukau=Recklinghausen wird gegenwärtig besser ausgebaut, deshalb mache sich eine Erhöhung des Anlagekapitals um 60000 Mark erforderlich, die aus Betriebsmitteln nicht genommen werden könnten. Auf Herne entfallen 20000 Mark, Baukau 10000 Mk. und Recklinghausen 30000 Mark. Der Betrag wird bewilligt. Ferner wird der Ankauf 20 weiterer Westfalenaktien im Betrage von 23 400 Mark zum Kurse von 117 beschlossen. Unsere Stadt hat mit finanziellen Sorgen zu kämpfen und darum hat der Magistrat den Antrag eingebracht: Beschaffung weiterer Geldmittel für außerordentliche Zwecke im laufenden Etatsjahre. Herr Dr. Büren führt aus, daß 382000 Mark zu decken seien. Die flüssigen Mittel im Stadtsäckel reichen aber dazu bei weitem nicht aus und deshalb schlägt der Magistrat vor, eine Anleihe von 300000 Mark zum Zinssatze von 4½ Prozent bei der hiesigen Sparkasse aufzunehmen, womit die Versammlung einverstanden ist. Die neue Tropfsteinhöhle in Wesesaten. Attendorn, 26. Juli. Eine Tropfsteinhöhle wu. de unvermutet durch einen Sprengschuß im Kalksteinbruch der Firma„Biggetaler Kaltwerke“ freigelegt. Nachdem die Oeffnung erweitert war, gelang es den Leitern der Werke, in die Höhle zu gelangen. Der größere Teil wurde untersucht, während mehrere Nebengänge zurzeit noch nicht passierbar sind. Außer großen, meterbreiten Vorhängen, die nicht ganz 1 Zentimeter dick sind und aus schneeweißen Tropfsteinen bestehen, fand man Vorhänge, die in allen Farben leuchteten. Inmitten der Tropfsteinhallen erheben sich ungezählte kleine Säulen, die bis 5 Meter aufragen. Die gletscherartigen Tropfsteinbäche kommen aus einer Höhe von 15 Metern herab und ergießen sich, blendend weiß von Farbe, in die tiefe Höhle, die noch nicht untersucht werden konnte. Die Zahl der in wunderbarer Feinheit gebildeten Gruppen, die Nischen, Chöre, Kanzeln und kapellenartige Gebäude darstellen, ist überaus groß, man schätzt sie auf 50 bis 60. Die Grotte überrascht durch ihre blendend weiße Pracht und das immerwährende Geräusch der in die Tiefen gehenden Bächlein. Die Untersuchung der Höhle ist noch keiniswegs abgeschlossen; bisher wurde nur der größere, hallenartige Teil betreten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß noch weitere Hallen entdeckt werden, was einer Untersuchung durch Sachverständige vorbehalten bleiben soll. Von deren Urteil wird es auch abhängen, ob weitere Sprengungen vorgenommen werden. Es ist als sicher anzunehmen, daß die neuentdeckte Höhle wohl die bedeutendste, sicher aber die schönste Deutschlands ist und an Tropfsteinbildung die Dechenhöhle weit hinter sich läßt. Zurzeit ist die Besichtigung der neuen Höhle noch mit Unbequemlichkeiten verbunden, doch wird sie später dem allgemeinen Besuch freigegeben werden. Von den bisher bekannten Tropfsteinhöhlen verdienen diejenigen in der Gegend von Muggendorf im Fränkischen Jura besondere Erwähnung. Die bedeutendste ist die Sophienhöhle bei Schloß Rabenstein. Auch im Uebergangskalkstein des Harzes, an der Bode, befinden sich derartige Höhlengebilde, von denen die Baumannshöhle nachweislich schon im 16. Jahrhundert bekannt war. Jenseits der Bode liegen die um das Jahr 1672 aufgefundene Bialshöhle und die Hermannshöhle mit zahlreichen Knochenresten vorweltlicher Tiere. Im Lennetal bei Iserlohn wird die aus 15 Abteilungen bestehende 1868 aufgefundene und schon oben genannte Dechenhöhle vielfach besucht. Die in Krain gelegene berühmte Adelsberger Grotte war zum Teil schon 1213 bekannt, der größte Teil aber erst seit 1818. Die Grotte kann auf einer fast drei Kilometer Rollbahn befahren werden. Ferner ist noch die merkwürdige Tropfsteinhöhle auf der griechischen Höhle Antiwaros zu erwähnen; auch kommen am oberen Mississippi mehrfach derartige Formationen vor. Lokale Nachrichten. Dortmund, 27. Juli. Der Feriensonderzug von Duisburg nach Cassel am 10. August hält nicht Dortmund.=., sondern Dortmund=Süd. Abfahrt von dort 8,33 Uhr vormittags. Vom Stadtausschuß. Das Eisen= und Stahlwerk„Hösch“ Aktiengesellschaft hierselbst beabsichtigt auf seinem Grundstuck Zeche Kaiserstichl Schacht 2 die Errichtung einer Ammoniak=Fabrik, in der die durch den Betrieb der dort befindlichen Koksöfen entstehenden Gewässer verarbeitet und aus ihnen schwefelsaurer Ammoniak hergestellt werden soll. Die Absicht der Errichtung dieser Fabrik wax öffentlich bekannt gegeben, es war darauffhin aber ein Einspruch nicht erhoben worden. Der Stadtausschuß, unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Geheimen Regierungsrats Schmieding erteilte dann auch die nachgesuchte gewerbliche Konzession in seiner vorgestrigen Sitzung in dem erbetenen Umfange. Dabei setzte er Bedingungen, die ein Entweichen übelriechender Gase und eine Ableitung schädlicher Abwässer wirksam verhüten und somit die Nachbarschaft vor erheblichen Belästigungen in ausreichendem Maße schützen. Die landespolizeiliche Prüfung des Projektes einer Grubenanschlußbahn für Schacht 2 der Zeche Kaiserstuhl findet am 7. August, vormittags 10½ Uhr an Ort und Stelle statt. Grunderwerb. Der Frauenarzt Dr. Hartung kaufte das an seine Besitzung anstoßende Haus Südwall 29 zum Preise von 61 500 Mark von der Castroper Sicherheitssprengstoff= Aktiengesellschaft zur demnächstigen Vergrößerung seiner Frauenklinik. Wirtschaftsverkauf. Die unbeschränkte Schenkwirtschaft zur„Union“, Rheinischestraße 111, Ecke der Alten Radstraße, seither dem Kaufmann Franz Krahn jr. gehörend, ist zum Preise von rund 175 000 Mark von dem bisherigen Inhaber der Klodt'schen Wirtschaft in Eving, Restaurateur Heinr. Lamm daselbst käuflich erworben. Das Grundstück hat eine Größe von 18 Quadrat=Ruten. Ortstermin. In dem den Bau einer Hafenbahn von Dortmund nach Schüren in der Gemeinde Eving betreffenden Enteignungsverfahren ist zur Eröterung der gegen den Plan erhobenen Einsprüche Ortstermin auf den 3. August, vormittags 10¼ Uhr von dem Enteignungskommissar, Regierungsassessor Weber, anberaumt. Eine jugendliche Diebin, welche in verschiedenen Häusern der Stadt Diebstähle ausgeführt hat, wurde verhaftet. Das erst 11 Jahre alte Mädchen hat eine große Anzahl Häuser heimgesucht und bei Familien um Beschäftigung als Kindermädchen angefragt. Bei dieser Gelegenheit hat das Mädchen bei mehreren Familien Diebstähle ausgeführt und zwar in der Töllnerstraße(hier sind ihr für etwa 300 Mark Schmucksachen in die Hände gefallen), Märkischestraße, Betenstraße, Burgwall usw. Nunmehr sind auch die beiden letzten Einbrecher, die im nördlichen Stadtteile eine Anzahl großer Einbruchsdiebstähle(wie bei Rosenthal, Hüllen, Daum etc.) ausgeführt haben, ermittelt und festgenommen. Es sind die oftmals vorbestraften Arbeiter Kaspar Albers und Heinrich Lechner, die ebenfalls wie ihre Komplizen in gerichtliche Untersuchungshaft abgeführt wurden. Einem am Friedhof wohnenden Portier wurde aus der verschlossenen Tischschublade ein Geldbetrag in Höhe von 500 Mark gestohlen. Der Dieb ist der 18 Jahre alte Hausbursche Müller, der mit dem Gelde geflüchtet ist. Vermischtes. —(Drei Personen vergiftet.) Ein sensationeller Mordprozeß begann gestern vor dem Schwurgericht in Guildford unweit London. Der 35jährige Zimmermann Richard Brinkley wird beschuldigt, im April d. J. die Eheleute Richard Beck und Anna Elisabeth Beck in der Londoner Vorstadt Croydon ermordet zu haben, indem er Blausäure in Bier, das sie tranken, schüttete. Ferner ist er der Körperverletzung angeklagt, die er an Daisy Kathlsen Beck, der Tochter des ermordeten Paares. begangen haben soll, die von der Vergiftung genas, und des Giftmordversuchs gegen deren Mieter Reginald Clifford Parker. Der letzte Anklagepunkt enthält den Clou des Dramas, das ganz England in Aufregung versetzt hat. Denn, so behauptet die Anklage, Brinkley versuchte Parker heimtückisch zu vergiften, und nur durch Zufall tranken die unglücklichen Opfer von dem im Zimmer stehenden Bier. Der Grund, den Brinkley gehabt haben soll, um Parker zu beseitigen, war folgender: Es lag ein Testament einer Dame namens Bloombury vor, die eigentlich eine Deutsche mit Namen Johanna Maria Blume war; darin war der Angeklagte Brinkley als Erbe ihres 75000 Mark betragenden Vermögens eingesetzt. Als Zeuge hatte Parter unterschrieben— die Unterschrift aber war, so wird angenommen, von Brinkley gefälscht, denn Parker bestritt ihre Echtheit. Kam er in die Lage, dies vor Gericht zu erklären, so war das Erbe für Brinkley verloren. Darum wollte er Parker beseitigen. Der Angeklagte leugnet alles, und der Nachweis der Schuld wird sich schwierig gestalten. Niemand hat gesehen, wann Brinkley Gift in das Biar geschüttet hat; und es handelt sich jetzt darum, ihm nachzuweisen, daß er die Eheleute Beck getötet hat, weil er Parker ermorden wollte. Stuttgart, 25. Juli.(Musikdirektor Steindel,) der mit seinen drei jugendlichen, musikalisch hochbegabten Söhnen das bekannte Steindelquartett bildete, wurde wegen fortgesetzter Mißhandlungen seiner Söhne verhaftet. Der älteste der Knaben erstattete Anzeige gegen den Vater. Ueber die Art der Mißhandlungen verlauten haarsträubende Einzelheiten. Aus Oberhessen, 26. Juli. Nach 30jähriger Zuchthausstrafe, die sie in Marienschloß bei Rockenberg verbüßt hat, begnadigt wurde die im Jahre 1877 vom Gericht zu Gießen wegen Giftmordes an ihrem Verlobten zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte Karoline Bopp von Molbach. Der Landesherr hatte s. Zt. die Todesstrafe in Zuchthaus umgewandelt, und jetzt ist ihr nach dreißigjähriger Gefangenschaft vom Großherzog die Freiheit geschenkt worden. Die übrigen weiblichen Strafgefangenen werden am 1. August nach Mainz gebracht, wo sich in Zukunft das Zuchthaus für weibliche Strafgefangene befindet, während Rockenberg nur noch für männliche Strafgefangene dient. Mit dem 1. August ist die Neuorganisation des Strafvollzuges für Hessen beendet. Die Zellenstrafanstalt im nahen Butzbach dient für männliche Gefängnisgefangene. Theater, Konzerte, Vereine 2c. Vaterländischer Frauenverein. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat der hiesige Vaterländische Frauenverein, der bekanntlich vor einigen Gahren die segnsreich wirkende Hauspflege ins Leben rief, nunmehr eine geprüfte Krankenschwester für Pflege in Privatwohnungen angestellt, da in unserer Stadt die Anfragen nach Krankenschwestern für Privatpflege sich andauernd vermehren. Die Schwester wohnt im Vereinshause Alte Radstraße 16 und werden dort Anmeldungen entgegengenommen. * Im herrlichen„Blücher"=Garten, Münsterstr. 77, findet kommenden Sonntag, den 28. Juli er., nachmittags 5 Uhr Konzert bei freiem Eintritt statt. Der große geräumige Garten bietet schönsten Aufenthalt für Familien. Die Verpflegung ist eine bekannt gute. Es gelangt zum Ausschank Dortmunder Aktien=Bier, hell, und Pilsener, Münchener Bier und reine Weine aus eigener Weingroßhandlung. Zu dem am Sonntag den 28 Juli 1907 im Kanal bei Herne(Hafen der Zeche König Ludwig) stattfindenden Schwimmfest des SchwimmVereins Bochum wird uns geschrieben: Zum Militärschwimmen im Kanal. Die Meldungen zu dem am kommenden Sonntag im Hafen „König Ludwig" stattfindenden Militärschwimmen sind nunmehr nahezu beendet. Es ergibt sich infolge der Bedeutung, welche die Militärbehörde dem Unternehmen beilegt, eine glänzende Beteiligung, speziell der 13. Division. Die Mannschaften treffen aus den Garnisonen Münster, Mülheim, Bielefeld, Minden, Höxter und Paderborn im Laufe des Sonntagvormittag unter Führung von Vorgesetzten in Herne ein. Die Vorführungen am Kanal beginnen um 3½ Uhr. Die InfanterieMannschaft wird in vollständigem Anzug, umgeschnallt und mit Gewehr den Kanal durchschwimmen. Man darf auf das Resultat nicht nur in Schwimmkreisen mit Recht gespannt sein. Ebenfalls von höchstem Interesse wird sich das Stafettenschwimmen um den Ehrenkranz des Oberpräsidenten gestalten. Etwas Derartiges, wie es am Sonntag im Kanal gezeigt wird, dürfte in der hiesigen Gegend wohl überhaupt noch nicht gesehen worden sein. Bei dem äußerst niedrigen= Eintrittspreis(Stehplatz 0,30 Mk. und Sitzplatz.75 Mark) ist ein Besuch des Festes sehr zu empfehlen. „Bekam 8 Zähnchen ohne alle Beschwerden“. Da man sich durch die Erfahrung anderer leiten lassen soll, dürsten alle Eltern gut tun, den Brief von Frau Bräuer zu beherzigen, worin sie über den bei ihrem Söhnchen mit Scotts Emulsion erzielten Erfolg eingehend berichtet: Cotta bei Dresden, den 7. Mai 1906, Lübeckerstr. 96. „Auch bei meinem kleinen jetzt 1¾ Jahre alten Alfred habe ich die großartige Wirkung von Scotts Emulsion beobachten können. Das früher sehr schwächliche und skrofulöse Kind hat sich seit dem Gebrauche des Präparates ganz wunderbar erbolt. Es hat bedeutend zugenommen, ist frisch und kräftig, hat in ganz kurzer Zeit 8 Zähnchen ohne alle Beschwerden bekommen und läuft auch allein.“ (gez) Frau Bräuer. Die Ursache für diese überraschende Wirksamkeit von Scotts Emulsion liegt darin, daß für dieses hervorragende Stärkungsmittel nur die beste Qualität der Rohmaterialien, die überhaupt erhältlich ist, verwendet wird. Der in Scotts Emulsion enthaltene Lebertran ist reinster Norwegischer(Lofoten) Dampftran, worin die Firma Scott& Bowne die größten Einkäufe der Welt macht. Nur. ect mit dieser Die anderen Bestandteile sind gleichfalls nur erstklassige Ware, die zudes Scoit= sammen mit dem Lebertran im schen Verjahrens. 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Arbeiter Bobkowski, Hohensyburgstr. 66. 1 Tochter: Anstreicher Solbach, Rheinischestr. 76. Schuhmachermeister Becker, Rittershausstr. 23. Buchhalter Weber, Hage nstr. 44. Schlosser Stammer, Sunderweg 109. ufgebote: Schuhmacher Auguste Ebbighausen und Maria Blase. Metzger Emil Dogge und Hedwig Gebauer. Sparkassengegenbuchführer Mesters und Elisabeth Neveling. Eheschließungen: Rangierer Bernhard Osterkamp und Auguste Runde. Maler Paul Langer und Anna Elsner. Kohlenhauer Josef Antpöhler und Emilie Brenscheidt. Sterbefälle: Arbeiter Michael Gawentz, Eving, 41 J. Witwe Wilhelmine Meyer, Kuhstr. 32a, 78 J. Ehefrau Karoline Böhmer, Kuhstr. 27, 70 J. Lydia Hoffmann, Grünstr. 18, 8 J. Inv. Karl Hondeicken, Weberstr. 20, 71 Standesamt2. Geburten. 1 Sohn: Schlosser Henkel, Münsterstraße 177.(Zwillinge.) Techniter Sichting, Clausthalerstr. 41. Schlosser Scholz, Enschederstr. 10. Bergm. Simon, Dürenerstr. 72. Schlosser Müller, Kirchdernerstr. 125. Bergm. Orzech, Bornstr. 220. 1 Tochter: Kaufm. Böhmer, Märkischestr. 62. Schlosser Loose, Alsenstr. 77. Aufgebote: Vorschneider Heinrich Wikewski und Lina Henke. Händler Georg Koch und Adele Klos. Arbeiter Josef Kaczmarek und Pelagia Dasz= kiewicz. Eheschließungen: Arbeiter Anton Neuß und Grete Birth. Arbeiter Josef Schulz und Martha Rosmanowski. Hauer Otto Jaschinski und Elisabeth Foth. Sterbefälle: Stanislaus Mitkiewicz, Tiefestraße 20, 2 M. Wilhelm Sichting, Clausthalerstr. 41, 1 Tag. August Hill, Holsteinerstr. 5, 2 M. Ehefrau Maria Tytarski, Oesterholzstr. 76, 34 J. Paul Rogowski, Brackelerstr. 9, 3 M. Anna Brozoskowski, Schlosserstr. 55, 5 M. Kirchliche Nachrichten. Evangelisch=lutherische Gemeinde Ardeystr. 82a. Sonntag Vormittag 10 Uhr Gottesdienst, nachmittags 4 Uhr Gottesdienst, nachmittags 3½ Uhr Christenlehre. Evangel. Gemeinschaft Wanne, Bahnhofstr. 76. Sonntag Vorm. ½ 10 Uhr Gebetsstunde. Nachm. ½8 Uhr Predigt und Abendmahlsfeier. Prediger Kücklich. Mittwoch Abend 8 Uhr Bibelstunde. Prediger Barchet. 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Gegenstand des Unternehmens ist die Erzeugung und der Vertrieb von Bier und mit ihm zusammenhangender Produkte(Hefe, Malz etc.) Die Gesellschaft kann Zweigniederlassungen errichten. Sie kann sich an anderen Unternehmungen auch in andern Geschäftszweigen beteiligen. Das Stammkapital beträgt 1000000 Mark. Geschäftsführer ist der Kaufmann Heinrich Stade senior zu Dortmund. Herr Heinrich Stade als Geschäftsführer ist berechtigt, mit sich selbst Geschäfte im Namen der Gesellschaft abzuschließen. Werden die Herren Heinrich Stade Sohn oder Carl Stade Geschäftsführer, so ist jeder derselben selbstständig berechtigt, die Gesellschaft zu vertreten. Alle vorgeschriebenen öffentlichen Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen durch den deutschen Reichsanzeigen Die beiden Gesellschafter Kaufmann Heinrich Stade senior zu Dortmund und Witwe Carl Stade, Erna geborene Vorgemann legen das von ihnen in offener Handelsgesellschaft unter der Firma Heinrich Stade zu Dortmund betriebene Brauereigeschäft ein. Die Einlage des Geschafts unter der Firma Heinrich Stade erfolgt auf Grundlage der letzten Bilanz, errichtet auf 1. Oktober 1906. Es gilt als vom 1. Oktober 1906 ab für Rechnung der Gesellschaft geführt. Von den nach der Bilanz auf 1. Oktober 1906 vorhandenen Aktiven werden bei der Uebernahme ausgeschlossen: a) das Haus belegen zu Dortmund, Vittoriastraße 6; b) die Effekten eingetragen im preuß. Staatsschuldbuch im Betrage von 220000 Mark, nominal. Mit dem Hause Victoriastraße 6 ist auch die auf demselben ruhende Hypothek in Höhe von Mk. 30000.— von der Uebernahme ausgeschlossen. Die Gesellschaft übernimmt das Geschäft unter Anrechnung von 996000 Mark auf die Einlage des Heinrich Stade und unter Anrechnung von 4000 Mark auf die Einlage der Wwe. Carl Stade. DDer Restbetrag wird von den Gesellschaftern der Gesellschaft als Darleyn belassen. * Den Kaufleuten Heinrich Stade junior zu Dortmund und Carl Stade zu Coblenz ist Prokura erteilt. Dortmund, den 12. Juli 1907. HellInstitut fürveraltete Beinschäd. Krampf= ader= geschwüre. Salzfluß, Flechten u. geschwoll. Veine nach einer ganz neuen Methode ohne Operation und Berufsstörung. F. Teichgräber, Dortmund, Weißenburgerstraße 10, Haltestelle der Ringbahn. Sprechstunden: Sonntags von—5 Uhr nachm. Unbemittelte werd. berücksichtigt Weise noch ganz besonders darauf hin, daß ich keine veraltete, drückende, steif u. unbequem sitzende ZinkleimVerbande anlege. Viele glänzende teils amtl. beglaubigte Dankschreiben. Danksagung. Trotz verschiedener Versuche konnte ich mein Beinleiden(Krampfadergeschwur) nicht zur Heilung bringen. Im Gegenteil, die Wunde verschlimmerte sich in kurzer Zeit derart, daß ich von Schmerzen geplagt, keine Nacht mehr schlafen konnte. Erleichterung und Linderung bekam ich erst, als ich in die Behandlung des Herrn F. Teichgräber ging, wo meine Schmerzen bald nachließen, und der mich auch in einiger Zeit vollstandig schmerzlos geheilt hat. Aus Dankbarkeit für diese Heilung, sowie auch für das bequeme Sitzen der Verbände spreche ich obigen Herrn meinen verbindlichsten Dank aus und gebe demselben die Erlaubnis, dieses im Interesse anderer Leidensgefährten zu veröffentlichen. Dortmund. d. 14. Juli 07. Frau Fr. Swillus, Stahlwerkstraße 10. Otsch, Fands u. Staats-Pao. Di. Rchs.-Schatz Co. tall. 1..08 do. fau..10.08 de. 1aUl. 1. 4. 09 Dt. Reichs-Anl. vo. 6e. Preuss. cons. A. Ge. 60. ba. 84-Anl 190 27. 4o. 1902 Ner. 31.-Anl. S 16 60 Gas:. Hamd r. 99.000 98.90b 98.50b 99.30b 93.10b 83.40 B 93.30b 83.30b 100.755 92.40 B 100.905 3 93.00 B 93.250 91.900 3 93 99 31 er.: 1902#. 81..98 00 34 Pe 2603 54 05 3 ###. vo. 09 4 /100.300 Coo. St.Kreg Obl 311—.— beundend.Pr.-A. 31 92.006 14•3 28. M. S1N 30—.— .331.##. Oel. 31 90.25B Psnim. Fn.-Anl. 3t 90.000 ##es.-#l. 34 90.300 e 137—.— .-00 51 e. T. al. 1u/3 Talte: srheleihe Westz. Prr.-Anf. er. 6s. 5# Ves. ur. Pr. 32l. 54 AltonastA. 1901 4 Sacmer 81.-Anl.) 3t Berline: 24.-4 u. 31 807 13 34 94.255 Sresiaversu e1 34 92.000 Bramp##g..=A. 31 21.50 U 91.800 90.750 91.600 63.750 99.70b 83.500 99.700 99.000 99.250 91.50 B 96.550 #9. 6o.4 Chartoite. 89 991 4 Cöls. S1.-A v. 93 34 Grefelder 31.-A) 34 Dessll 88 9503 31 Uder S1.=0. 99 4 69. de. 89 3 S6.WV.(98 3 Han. St A 99/ 34 Lieier 81.-Jet. 3 Magöeburger J 31 Mendeser br. 4. Pspserstadt-dell 3t Stefhser St.-Aul. 2 Wiesras. 1901 34 * 881l. Ader s 29.000 99.30 91.405 95.00 92.00 99.750 93.000 93.00B 32.250 92.60 0 99.90 BrIPLC NAU ge. de. Cent.Idsch. de 6e. 6o. de. Kur u. Neum. 6o. de. Ostpreuss. 00. Pomm. Land de. 6e. Posensche de. Sächsische 60. 6e. Schis. anld. do. do. L. A. do. do. I. C. Schlllist. Le# Westf. Land d0. 6e. Westp. vitt. 1. do. I. hannovrech 60. Hess.-Eass. 92. Ker.Neum. de. de. Pommersch Oe. Pcsensche 60. Preussisch. 60. Rb.-Westl. de. Sächsische 3 91.900 84.000 31 3 3 34 * 3 S1 93.100 3 83 0UB * 9 9. 5 5 0 3 95.250 103.250 s 3 81.755 93.100 99.10 99.10 B 91.400 99.70b 91.250 93.785 Chin.Anl. v. 1898, 44 95.9000 Griech..81-84.6 48.806 Griech. Goldrnt. 114 do. Monopol Japkal. H. 10..7 60. Halien, Rente Verikan Anleihe Umrechnungseätse: 1 Fr. 80 Pf. 1 Oest. 1 fl. Gold:.00, 1 Kr. 85 F. 4 1 fl. d0fl.:.70. 9 1 Kr. 94n. 1. 124 1 Abi..16. 1 00.-Rbl.:.20. 1 1 Defl.:.20. 1 1 Latri.: 20.40. 1 Dies.: Rb. 3½ tb. 6½, Prtr. 4½ 93.60 B 83.400 95.750 94.000 103.400 92.50b Oesterr. Goldr. do. Papier 60. Silber:. do. 1860 1030 Port. StA. un if. II. 3 vo. III. Speo.! fro. Ruman. 1903 5 ve. 1896 4 Russ. Anl. 19024 6o. de. 1995 41 4o. Goldrentel 5 vo. Staatarat. 4 de. Boden Gr. 5 Sao Paulo 6. A. 5 Schwed. St.A. 86 31 Serb. am. Anl. 95 4 pas. Schuld 92.256 Turk. Staats4. 03 v0. Bagead-.## vo. 05 4 de. Lese.. ire. Ung. Goldrente. 4 de. Kronenrat. 4 Staatsr. 97 37.706 49.00 M 90.100 82.0050 11 4 * 5 1100.505 4—.— 44—.— 4 98.100 161.50 M 67.400 11.400 100.700 87.90M 75.500 91.750 83.60b 91.7500 99.400 99.300 92.300 94.700 92.800 79.505 94.50 86.1000 86.400 142.000 92.70 B 81.200 84 4 96.250 .Air.St.A. 100l. 4 91.605 6o. de. Pes. 6 100.905 Lissabon. 31.-A. 4 81.7000 Stockb. S1.-A. 84 4—.— to. vo. 87 31 89.0010 eiserbahn-Stamm-Axticn. 99.30G Bucarest.Anl 84 92.405. 99.300 92.000 99.700 92.0000 99.90 99.600 en. Schl.-Holst. 69. Bad.Pram.-A. 01 Braunsch. 20fl. Ire. 160. 850 Cola-Mind..-A. 34/131.000 Hamb. 50 Nr.-L 3 1144.00b Piederlauattz Lubecker de. 31/146.000 Norda. Wern..A. deir. 7 Guld.-.fre. 32.000 Oesterr Staatst Odend. 40 fl. 4. S 123.73b de. 860b.(1b. Assländ sche Fonds. 1ach.-Mast. a0g. 99.406 UAlg. Dr. Kleiab. 92.300 Brauaschw.#. Crefelder Kutm-Lübeck Halberst.-Blank. Pietertlunder —.— 44 89.505 7 130.750 6 142.750 3 83.500 6 1126.001 9—— 97.000 Elis. Westb. 1890 4 Franzdos Silber 5 Galiz. Carlludw. 4 Kasch. Odb. Celc 6o. Silb. 891 4 Oest.-Ung. St. uit 3 do. Ergazgen### 3 do. Staats Ce:#### do. Norowest Südbst.(Lon de. Obl. Cold lvangorodDomd. Koslou-Woron Kurak-Kien Mosc.-Kieu Wor. 4 Mosco-Kursk. Mosco-Rasan4 Mosc.-Smol. abg Orel-Griasi 89er Rlasan-Hotion do. 1897 uk. 08 Rybinst gar. Sod-Ost 1898 Soo-Westbahn Wladtkaukas 98 Anat. Lisb.-Obl. vo. Erganz.-Aet: Gotthardbaha tal. Eisb. C. st. g. Ital.Mittelmeer Centr.Pac. 1949 S. Louis.Frane. St. Lovis S. West. vo... Inc. South. Pac. 1912/ 6 TehoantepecGA. 5 Meckl. Str..-Pl. Meining..-8. II. 4o. VI. VII. de. VIII. do. IX. a. 1914 do. Kl. u. 1916 con7. 6o. unk. d. 07 #o. 1913 do. Präm.-Pfd. Mitteld. Bod.-Cr. do. do. uk. 06 do. Grader.-B. 86.5050 Neue 80d. G. 0d 74.50G/ vo. 60. —.— Nordd. Grder. III. 82.00bB Preuss. Bode. Pf. 86.000 97.400 63.200 103.200 85.755 vo. k. 4o. 1905 XIV. de. Tl. P.Cot. 8d. Pf. 90 do. v. 03 uk. 12 6o. v. 06 sk. 16 do. v. 86. 89. 94 do. v. 04 uk. 13 40..-.96 uk06 Deutsche Rypeth.-Plandbr. 72.0050 72.000 71.90C 71.900 72.250 72.00b 75.00 101.900 101.750 B oo v. 06 uk. 16 Preuse. Nyp. A. B. 6o. 6e. abg. 6o. de. de. 40. Nyp.-Vers. do. 6e. do. Plandbr.-B. de. de. 1908 do.KX.IRI. st. 10 60. EXII. 1912 do. LXV. 1914 do. XXVII. 1915 98.200 98.3000 96.5000 98.800 99.200 92.5000 92.5000 93.0000 98.0050 93.000 99.6000 94.250 88.506 97.2500 41113.256 4 109.600 100.750 S 823 ##gent. bel. 87 do inn 40000 do. Juss 1001 F 91.900 o. Ge: Bbig St.-4sl. 92 123.60G Chile eld-An 4107.250(Chie. Anl.v.##8. 90.5010 e. 7. 4 99.205 93.700 91.800 102.6010 Warschau-Wien Gorthardbahn Mittelmeer Prinz Heuri Weststz. Eisend Firste 13 16.6 29.30 U 89.25 0 189.250 131.230 77.80¼ 31/290.000 v: Jest 890: 27.808 uu. eo. 96.33/29, Samer buen „Pesu. ö. ui 4 97, 609 Ngeb ST..-N. 85ge-S Geg-aut Berin. Ayo.-Rk 4 96.4045 o. IXVI. 1917 vo. 31 91.000 o. KxIN. 191 do. fu..ok. 1914 4 98.50 G oo. XIH. 1914 co. Ill e. W. 1915 4 98.80G go. EIIV. 1912 Br. hann..-8. 34 94.060 vo. Kleinb.-Obl. de. XVI. XVIII. 4 97.2E u3/ do. Comm.-Obl. Disch. Grder. I. 31 129.256(do. VI. 1917 en. f. 34/11.760B#e. 1912 S. M. es. VIII. 34 92.000 fhn. K. Pl. 33-85 6o. IX s. Iks. 4 96.(014) de. Ser. 69-82 4o. Nyp.-8 VII. 4 90.0041] se. Comm. 0bl. #. de. VIIl 3: 92.5001 Rhein.- W. 8. I. 1 4 6e. es. J. 08 4 98.0061 Ge. fl. IV. 34 6o. kl u. k1 10 4 20.100 Sachs. Bodener 31 FrM. N. 8..XIV. 4 96.501 Schles. Boder. Pf 4 Hemb. Hypot.-B4 4 88.00A ee. 69. e. 1908 34 92.000(Wesid. Bosener Raan. 8. C. A. 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