90000 Abonnenten. Sechentrnichentuich sieben Mal. „Bezuospreit 60 Vig, monatlich Mit der Wochenbeilage „Dorim Lustige Blätter“ nur 10 Pfg, mebr Bei der Pok mit den Peelagen: Vierteljährlich.25Mk. Postzeitungs=Nr. 2914. Berliner Buream Berlin SW. Markgrasenstraße 19. Nr. 175. 20. Jahrgang. Dortmund, Freitag, den 28. Juni 1907. Abonnenten Telephon= Dortmund: Nr. 403 und 404. Auschlüsse: Heupi=Agentur Aplerbeck Nr. 128(H. Kümper, nschlusse: Haupt=Agentur Castrov Nr.58.(FrauH. Reinbardt) D uc. äma m.; 175 Karl Meibert) Haupt= Agentur Gelsenkirchen Nr. 1437(K. Stoffer.) 9000 Pes der Sostesenläte Balel Keichaeser Tceueh für Dortmund und die Gräste und verbreitetste Zeitung im mestfälischen znd Purtrd abensaten. unuuu nnd Vrrerritristt=Friluug im westsülischen Inoustriegebiet. Unparteiisches Organ für Jedermann. Telephon= Huui=omhun Hene Nr 1045 D8 Anlan) Auschlüsse:„ Laut=sentdr Hioe Nr 1c.(M. Con) Apation und Haupt=Agentur Unna Nr.2X8(.Timmermann.) Pertm: Haupbeügentur Witen Nr. 2ic.(. Hanung) Keinaldistraße 12. Re „Iulerate 30 Bfa Reklamen die KolonelZeile 1 Mark. Für die Aufnahme von Inseraten an ber Limmtvorgeschriebenen Tagen wird keine Garantie übereen umun Druck und Verlag:, „Deneral=Anzeiger Dortmund“, S. m. u. 6. Drittes Blatt. heutige Nummer enthält drei Ausgaben; außerdem das vierseitige Unterhaltungsblatt und bieachtseligebelage,Dortnunder Lustige Blätter“, zusammen 22 Seiten. Bebel als Zeuge im (Von unserem Berliner Bureau.) Berlin, 27. Juni. Es ist ganz selbstverständlich, daß ein Abgeordneter ebenso wie ein Journalist eher alle strafrechtlichen Folgen des Zeugniszwanges über sich ergehen läßt, als daß er den Namen eines Gewährsmannes preisgibt, der im Vertrauen auf seine Verschwiegenheit ihm Mitteilungen oder Material geliefert hat. Aber etwas anders liegt unseres Erachtens doch die Sache, wenn sich dieses Material hinterher als eine Fälschung herausstellt, von der jener Gewährsmann jnach Lage der Dinge wissen mußte, daß es sich um eine tendenziöse Erfindung handelt, die einen dritten öffentlich bloßstellen und schädigen soll. Der Abgeordnete oder Journalist, der im Vertrauen auf seine Quelle von solchem gefälschten Material Gebrauch gemacht hat, ist dadurch wider Willen zum Werkzeug einer verabscheuungswürdigen Intrige gemacht worden. Der Gewärhsmann, der das in ihn gesetzte Vertrauen in so schändlicher Weise gemißbraucht hat, darf unseres Erachtens keinen Anspruch mehr auf die unter allen anderen Umständen selbstverständliche Verschwiegenheit erheben. Niemand wird einen Abgeordneten oder Journalisten tadeln, wenn er einen derartigen Gewährsmann öffentlich nennt und der allgemeinen Verachtung preisgibt. Abs. Lebel, der im Peters=Prozeß als Zeuge gustrat, Hefand sich in solcher Lage, Ihm war im Jahre 1896 ein angeblicher Brief des Dr. Peters an einen englischen Bischof Tucker übergeben worden, worin Dr. Peters alle die Anschuldigungen, die man. gegen ihn erhoben hatte, in geradezu zhnischer Weise als zutreffend anerkannte. Dieser Brief rief im Reichstage, wo ihn der Ab. Bebel verlas, einen Sturm der Entrüstung auf allen Seiten des es hervor und gab den Hauptanstoß zu dem Disziplinarverfahren, das dann ein Jahr später zu ziger Verzrteilung des Dr. Peters führte. Der Abg. Bebel mußte jetzt als Zeuge zugeben, daß die Existenz dieses berüchtigten Tuckerbriefes nicht nachzuweisen sei, und Bischof Tucker hat seinerseits erklärt, daß er von diesem angeblichen Briefe des Dr. Peters nichts wisse. Da dieser Vorgang im Reichstage gleich der darauf eingeleiteten Untersuchung gegen Dr. Peters in der ganzen Welt das größte Aufsehen erregt hatte, auch bekannt wurde, daß Dr. Peters entschieden leugnete, einen solchen Brief geschrieben zu haben, so ist mit aller Sicherheit anzunehmen, daß es sich um eine grobe und tendenziöse Filschung, handelte. Auch der Abg. Bebel scheint heute nicht mehr daran zu zweifeln. Er hätte deshalb, wie wir meinen, den Namen des Gewährsmannes, der ihn so schwer getäuscht hat, ohne Bedenken preisgeben dürfen. Er hätte dies um so eher tun können, als der Vertreter des Dr. Peters von der schlecht angebrachten Drohung mit dem Zeugnis- jenem verwerflichen Rechtsmittel, das natürlich einen Abgeordneten so wenig wie einen Journalisten schrecken darf.— sehr bald zurückam und lediglich als Mensch den Menschen bat, sich doch in die Lage seines Klienten zu versetzen und diesem, die Möglichkeit zu geben, die damals gegen ihn gesponnene Intrige aufzudecken. Der„Fall Peters“ kann dabei ganz auf sich besuchen,„Gleichpiel, ob Peters Grausamleiten und Brutalitäten begangen hat oder nicht, er darf verlangen, daß man ihm die Gelegenheit gibt, eine zu seinem Ungunsten und zu seinem schweren Schaden begangene Fälschung klarzustellen. Der Abg. Bebel, der gewiß in gutem Glauben von dieser Fälschug auf der Reichstagstribüne Gebrauch gemacht hat, muß die moralische Verpflichtung fühlen, ihm hierbei behilflich zu sein. In diesem besonderen Falle kommt weder die Abgeordneten=Immunität noch die mit dem Beruf eines Abgeordneten oder Journalisten verbundene Pflicht der Verschwiegenheit in Betracht. Wo es sich darum handelt, einen gemeinen, böswilligen Fälscher, der vermutlich eine persönliche Rache nehmen wollte, vor der Leffentlichkeit zu entlarven, haben alle anderen Rücksichten zu schweigen und hat jeder die moralische Pflicht, dabei mitzuwirken. Von einem Wortbruch, von einer Verletzung der Ehre kann in solchem Falle keine Rede sein. Ein Fälscher kann nicht beanspruchen, daß man es für eine Ehrensache halte, ihn zu decken. Wir bedauern darum, daß der Abg. Bebel als Zeuge sich auf einen falschen Standpunkt gestellt und den Fälscher des angeblichen Tuckerbriefes, mit dem man ihn selbst gröblich getäuscht und zu seinem Vorgehen auf der Reichstagstribüne verleitet hatte, nicht der öffentlichen Verachtung preisgegeben hat. Niemand würde ihm daraus den Vorwurf gemacht haben, daß er sein Wort gebrochen und das Vertrauen, das man einem Abgeordneten entgegenbringt, gemißbraucht oder getäuscht habe. Wer gerecht denkt und urteilt, würde ihm vielmehr lebhaften Beifall gespendet haben, wenn er dazu mitgeholfen hätte, einen gewissenlosen Fälscher zu entlarven. Albert in Paris, 26. Juni. Marcellin Albert hat sich heute nachmittag 2 Uhr in Montpellier alsGefangener gestellt. Damit hat er zu erkennen gegeben, daß er jeden Versuch, durch seine Worte den Süden zur Ruhe zu bringen, für aussichtslos hält. Er hat die Reise von Argeliers nach Narbonne in einem Automobil zurückgelegt und in Narbonne den Zug nach Montpellier bestiegen. Wie erzählt wird, war er traurig und schweigsam. Sein Entschluß ist auf das Winzerkomitee zurückzuführen, das von den eVrhandlungen mit der Regierung nichts wissen will und deshalb Abert, der nun als Emissär Clemencaus galt, unschädlich zu machen wünschte. Albert hat sich dem Beschluß gefügt und den wenigen Leuten, die ihn auf der Fahrt begrüßten, erklärt, daß er sich völlig dem Komitee unterordne. Der Mensch sei nichts, die Sache alles. Nach diesem Ausgang darf man das Exparlament Clemenceaus als gescheitert betrachten und muß nun abwarten, was bei den Beratungen der Weinbauer mit Herrn Cazeaux=Cazalet herauskommt, von denen bereits berichtet wurde. Der Deputierte der Gironde, der zugleich Präsident und Rapporteur der Kommission für das Weingesetz ist, reiste heute mittag nach dem Süden ab. getretenen Pensionsgesetz=Novelle, sich nicht in ganz kurzer Zeit bewältigen lassen werde, da eine sehr große Anzahl von pensionierten Beamten in Frage käme, wird dem„Berliner Lokal=Anzeiger“ aus Beamtenkreisen geschrieben: Diese Begründung kann als stichhaltig nicht anerkannt werden. Seit dem 1. Juni 1906, an welchem das neue Militärpensionsgesetz in Kraft getreten ist, war es für Jedermann einleuchtend, daß eine ähnliche Bestimmung, wie das Militärpensionsgesetz bezüglich der rückwirkenden Kraft für die Kriegsteilnehmer enthält, auch in dem zu erlassenden Zivilpensionsgesetz Aufnahme finden mußte. Die untergeordneten Behörden konnten also schon seit Jahresfrist alle Pensionen darauf prüfen, ob eine Erhöhung wegen Kriegsteilnahmeschaft stattzufinden hätte. Bei Annahme des Gesetzes durch den Reichslag konnten daher 14 Tage nach Publikation die erhöhten Vensionen gezahlt werden, wie es ja auch mit den Teuerungszulagen für die mittleren und unteren Beamten geschehen ist. Die Regierung ist also sehr im Rückstande, wenn sie erst jetzt die Beschleunigung der Pensions=Festsetzungen Lure 2ie., Sriens tezilnechmer angeordnet hat. Wenn auch zugegeben wird, daß den Beteiligten ein pekuniärer Verlust durch verspätete Feststellungen der Pensionen nicht erwachsen kann, so wird den Pensionären dadurch ein anderer Nachteil entstehen. Zahlreiche frühere Beamte, welche Kriegsteilnehmer sind, haben infolge ihrer durch den Krieg verursachten Leiden vorzeitig den Staats= bezw. Reichsdienst mit zwei Drittel der Pension verlassen müssen. Der Gesundheitszustand dieser Pensionäre ist meistens ein schwacher, sodaß ihnen jeder Lebenstag als ein Geschenk vorkommt. Zur Entäuschung dieser kranken Pensionäre erklärt jetzt 6 Wochen nach Publikation des Gesetzes die Regierung, daß die Durchführung sich nicht in kurzer Zeit bewältigen lasse. In den beteiligten Kreisen ist daher angeregt worden, durch Stellung von Anträgen auf Vorschußzahlungen, einen Druck auf die Regierung auszuuven, SSchließlich muß noch erwähnt werden, daß die Zivilpensionäre, welche Kriegsteilnehmer sind, gegenüber den Militärpensionen derselben Kategorien, welche die erhöhten Pensionsbezüge bereits lesiat Feschernent. e seu überhaupt schon benach ständigen Schiedsgerichtshofe im Haag zu unterbreiten.— Die nächste Sitzung wurde auf kommenden Dienstag angesetzt. Zur PensionsgesetzRovelle. Mit Bezug auf die amtliche Mitteilung, daß die Umrechnung der Pensionen der Kriegsteilnehmer nach den höheren Sätzen der am 1. April in Kraft Einweihung des neuen Amtshauses in Aplerbeck. Aplerbeck, 27. Juni. Nach langer Zeit wurde endlich der Bau eines neuen Amtshauses in Angriff genommen. Die Verhältnisse des alten Gebäudes erforderten schon lange einen Neubau mit besseren und gesunderen Bureauräumen. Die Regelung der Platzfrage nahm auch noch einige Zeit in Arspruch. Schließlich aber bewilligte die Amtsvertretung einen Betrag von 120 000 Mark und beauftragte gleichzeitig den Amtsbaumeister Stricker, eine Zeichnung eines neuen Amtsgebäudes herzustellen. In welch' schöner Weise Herr Baumeister Stricker seine Aufgabe löste, zeigte allen heute bei der Einweihung der schöne= wohlgelungene Bau. Auf heute war nun die Einweihung angesetzt. Die Herren der Amts= und der Gemeindevertretung versammellen sich vor dem alten Amtsgebäude, in dem zur Zeit fleißzig geräumt und gepackt wird, um nach dem neuen Heim überzusiedeln. Nachdem auch Herr Landra: Dusch=hörde auf seinem Automobl eingetroffen war, begaben sich die Versammelten im Zuge nach dem neu, uten Gebäude, das dem alten schräg gegenüber I. gesern im Jindg un d wir unseren Litrige, Lilde zeigen, übergab Herr Baumeister sich er dem Herrn Landrat Busch den Schlüsse! zu dem stattlichen Bau mit einer kurzen Ansprache. Eigener Depeschendienst des„General-Anzeigers“ Die Haager Friedenskonferenz. Die erste Unterkommission der ersten Kommission des Haager Kongresses trat gestern unter dem Vorsitze Vourgeois zu einer Sitzung zusammen, der auch der Präsident der Friedenskonferenz Relidow beiwohnte. Nach verschiedenen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden begann die Kommission die Lesung der 1899er Uebereinkünfte betreffend das Schiedsgericht und erledigte davon die drei ersten Titel. Der amerikanische Delegierte Chate äußerte hierbei den Wunsch, daß Artikel 3 aussprechen solle, daß die Signatarmächte nicht nur als nützlich sondern auch als wünschenswert bezeichnen, daß ein oder mehrere fremde Mächte einem im Widerstreit befindlichen Staate aus eigener Initiative ihre guten Dienste und ihre Vermittelung anbieten. Ferner beantragte der erste Delegierte Argentiniens, Pena, die Haager Konferenz möge den Wunsch aussprechen, daß kein Souverän oder Staatschef ein Schiedsrichteramt in irgend einem Streitfalle zwischen zwei Souveränen zweier Nationen annehmen, bevor diese nicht die Versicherung abgegeben hätten, daß sie sich nicht darauf haben einigen können, ihre Fälle dem Die Auto=Fahrt Peking=Paris. Ueber den weiteren Verlauf der Automobilfahrt Peking—Paris erhalten wir nachstehendes Privattelegramm: Rom, 27. Juni. Der Italiener Barzini, der auf dem Itala des Fürsten Vorghese an der Fahrt teilnimmt, berichtet aus Aimatuchen vom 25. d. Mis.: 350 Kilometer vor Kiachta ist der Weg weit schlimmer als in der Gobi=Wüste und im Kalgangebirge. Das Automobil versank zweimal im morastartigen Torflager, dann wieder sauste es die Abhänge steuerlos hinunter und war mehr als einmal um ein Haar daran, am Felsen zu zerschmettern. Durch den Jrofluß mußte der Wagen von Ochsen geschleppt werden, nachdem mit Schaufeln der Durchgang geöffnet worden war. Kurz vor Klachta hatte ein Sandzyklon das Automobil fast umgestürzt. Wiederholt wurde die Hoffnung aufgegeben, weiter zu kommen und nur den Mongolen war jedesmal die Rettung zu verdanken. Nasi in der Deputiertenkammer. Der frühere italienische Unterrichtsminister Nasi, der mehrere Jahre verschwunden war und nach seinem Wiedererscheinen von seiner Vaterstadt Trapani alsbald wieder in die Deputiertenkammer gewählt wurde, ist gestern in das Haus eingetreten und hat alsbald eine große Rede zu seiner Verteidigung gehalten. Es geht uns darüber folgender Spezialdrahtbericht zu: Rom, 27. Juni. Auf dem Montelitori=Platz stehen einzelne Gruppen, überwiegend Sizilianer und Photographen. Als Nasi im Hiutergrund einer Droschte erkannt wird, stürzt alles zum Seiteneingang der Deputiertenkammer. Man kann den Ezminister und neu gewählten Abgeordneten aber gerade nur noch im Eingang verschwinden sehen. Der Saalwärter nimmt ihm den Hut ab. Der Ober=Mutzi begrüßt ihn mit den Worten:„Willkommen, Neue Exzellenz Rasi?“ Der Ruf:„Nasi ist hier“ erfüllt zugleich den ganzen MontelitoriPlatz. Die Deputierten stürzen auf ihre Sitze. Die Tuibüne ist erstickend voll. An den Eingängen spielen sich wahre Faustkämpfe ab. Als Nasi die Schwelle übertritt, zögert er bei dem imponierenden Eindruck, den die Kammer gewährt, faßt dann aber Mut und steigt zum Präsidenten, um sich anzumelden. Der Präsident erwiderte einige nichtssagende Worte. Nasi, dem die Blicke sämtlicher Deputierten folgen, begibt sich unter erdrückendem Stillschweigen auf seinen alten Platz. Der Präsident fordert Nasi auf, den Eid zu leisten. Nasi ruft mit lauter Stimme:„Giuro!“ Ein Dutzend bombenfester Freunde drückt ihm zu seiner sichtbaren Erleichterung die Hand. Sämtliche Redner verzichten auf das Wort. Der Präsident:„Onrevole, Nasi hat das Wort.“— Nas:„Ich möchte erst nach dem Berichterstatter sprechen.“ Der Berichterstatter erklärt, er habe nichts seinem Bericht hinzuzufügen und nun führt Nasi unter allgemeiner Spannung aus:„Nach dem er einen dreijährigen Kampf um die Zuständig keit des Senats geführt, hoffte er, es werde Nie. mand seinen Wunsch bezweifeln, vor dessen Schrau ken zu erscheinen. Er habe erwartet, die Kommission, die sich anschickte die Anklage zu erheben, würde ihn vernehmen, um die nicht bewiesenen Anklagepunkte fallen zu lassen und andere hinzuzufügen. Er sei daher zu der Frage berechtigt, ob die Beschlüsse des Fünferausschusses, der sich einfach die Anklageschrift des gewöhnlichen Gerichts angeeignet habe, als formelle Anträge oder nur als Ansicht aufzufassen sei, zumal der frühere Fünferausschuß ausdrücklich erklärt habe, daß er sich mit der strafrechtlichen Verfolgung nicht befassen würde. Selbst die Anklagekammer habe die schweren Anschuldigungen über Bord geworfen und sich an unwesentliches geklammert, aber ohne daß er(der Angeschuldigte) zum Wort gekommen sei. Nast sucht dann nachzuweisen, daß die angeblichen Erhebungen, von befangenen Personen angestellt, zu falschen Schlüssen geführt hätten. Er versichert, vollkommen korrekt gehandelt zu haben, andere an seiner Stelle hätten ebenso gehandelt. Seine Anschuldigungen könne er mit einem einzigen Wort entkräften. Er bedaure, daß der Kammerbericht ihm neue Tatsachen zur Last lege. Man habe den Entlastungszeugen den Mund verschlossen und Aussagen, die seine Unschuld bewiesen hätten, in einem Protokon aufgenommen. Einige übrigens wertlose Gegenstände, die sich im Rathause zu Trapani befanden, betrachtet man kritiklos als von ihm entwendet. Es sei nicht einmal festgestellt, ob die Faktoren, die irrigerweise auf den Minister lauten, nicht etwa Privatleute betreffen. Der Fünferausschuß habe gewit in gutem Glauben gehandelt, aber er habe die Sache der Wahrheit nicht gefördert. Rast behält sich vor, volles Licht zu verbreiten und Ramen zu nennen. Darunter solche, die am besten verschwiegen bleiben. Er schließt schwungvoll:„Ich verlange keine Nachscht“ Sprachs und verließ den Saal und bald darauf fast unbemerkt das Parlamentsgebäude. Die Kammer hörte von Anfang bis zu Ende unter lautloser Spannung die mit bewunderungswürdiger Selbstbeherrschung gehaltene Rede des feurigen Sizillaners an. In der italienischen Presse findet, wie uns weiter telegraphiert wird, die Rede entschiedene Beurteilung.„Giornale d' Italia“ segt, sie sei mehr ein Protest als eine Widerlegung und lasse alles beim Alten.— Die„Tribuna“ sagt, im ganzen sei der Eindruck auf die Kammer günstig gewesen.— Der sozialistische„Aventi“ schreibt: Aus Angst, er könnte zu viel sagen, waren manche Zuhörer aufgeregter als der Redner. Nasi selbst äußerte sich nach der Sitzung sehr zuverlässig. Er erklärte auf Befragen: „Ich bin des Lampendiebstahls beschuldigt, brenne nur elektrisches Licht, ich bin für Ankäufe, die andere Minister gemacht, für Bücher, die andere einbinden ließen, verantwortlich gemacht worden. Geschenke wurden als gestohlenes Gut angesehen. Der Prozeß ist eine Anhäufung gemeiner Lügen. Ich werde bis zum letzten Atemzuge protestieren. Ich soll das Unterrichtsministerium mit dem Vorsatz der Bereicherung bezogen haben. Als Postminister hätte mich eine einzige Konfession reich gemacht. Die Kammer hat mich sehr freundlich aufgenommen.“ 4 905 Shslsgel gene getuig uderreichte den großen Tor##rg## dem Amtmann mit dem Wunsche, daß auch an dieser neuen Stätte die Geschäfte der Gemeinde Aplenbeck recht segensreich geführt werden möchten. Alsdann schloß der Amtmann Leonhard die Pforten des Gebäudes auf und die Versommelten begaben sich gemeinsam na chdem großen SitzungsHier ergriff Herr Amtmann Leonhard das Wort. um kurz die Entwickelung der Gemeinde Apschildern. Dann wurde eine eingehende Peicztigung des ganzen Gebäudes vorgenommen, ist im Renaissancestil gebaut. Die Front hat eine Länge von 62 Metern, die Breite beträgt 18 Meter und die Höhe bis zum Dachgeschoß 11.60 Kellergeschoß, der Straße zunächst ist der Ratskeller untergebracht, während rechts am Haupteingange sich ein Eingang zur Wachtstube und zum Arrestlokale befindet. Außerdem ist im Kellergeschoß no chdie Heizanlage, untergebracht. In der Mitte des Gebäudes führt die Treppe zu den oberen Stockhwverken. Der Flur hat eine Breite von.85 Meter. In der ersten Etage befindet sich das Polizeiamt, das Bauamt mit der Amtsstube des Baumeisters, das Meldeamt und die Kassenräume. Alle Räume sind hell und luftig. In den Türen sind Schilder von matter Aetzung und blauer Inschrift angebracht, sodaß jedermann sich schnell zurechtfinden, kann. Eine breite bequeme Treepe aus Sandstein führt zum zweiten Sloackmerk. Im Treppenhause ist ein großes Fenster angebracht, das in Glasmalerei die Landwirtschaft und Industrie versinnbildlicht. In diesem Stockwerk ist das Versicherungsamt, die Kanglei, das Standesamt, das Amtszimmer des Herrn Amtsmanns und der Sitzungssagl für die Gemeinderatsversammlungen untergebracht. Der Sitzungssaal ist recht geschmackvoll bergerichtet. Rund um den Fries sind die WarNur de heuge Reihenfolge ihrer Entstehung angebracht. Die Wändssind mit hellblauer Tapete überzogen. Ein großes Fenster mit Glasmalerei, ein Geschenk der Aplerbecker Hütte, macht einen imposanten Eindruck. Nach der Besichtigung begab sich alles in den Ratskeller, der so stattlich ist, daß er wohl allabendlich die Bürger Aplerbecks recht zahlreich versammelt sehen wird. Die Räume des Ratskellers sind mit guter Ventilation versehen, der Fußboden ist mit Eichenplatten belegt, die Wände sind in hellen Farben gehalten. Jetzt nahmen die Herren zu einem von der Gemeinde gestifteten kleinen Essen Platz, bei dem es sich zeigte, daß auch die Küche des Hen. Bonnemann auf der Höhe der Zeit ist. Während des Essens brachte zunächst Herr Landrat Busch das Kaiserhoch aus. Der Herr Amtmann feierte die zahlreich anwesenden Gäste, insbesondere den Herrn Landrat Busch. Herr Kommerzienrat Brügemann von der Aplerbecker Hütte schilderte das gute Einvernehmen zwischen dem Werk und der Gemeinde, das stets gut gewesen sei und auch hoffentlich so bleiben werde. Dann ergriff noch einmal Herr Landrat Busch das Wort, um seine Freucde über den wohlgelungenen Bau zum Ausdruck zu bringen. Der Beigeordnete der Amtsvertretung. Herr Apotheker Leuenschloß toastete auf die Baukommission, deren Arbeit der schöne Bau zu verdanken sei. In größter Fröhlichkeit blieben allse noch mobrere Stunden zusammen und taten der Küche urd dem Keller des Rathauswirtes alle Ehre an„e Die Winzerkrise in Frankreich die für das Kabinett Clemenceau noch immer bedrohliche Momente in sich birgt, dauert trotz der äußeren Beruhigung des Südens in ihren inneren Zusammenhängen an., Wie uns Privattelegramme aus Paris melden, erklärte Olier, eines der einflußreichsten Mitglieder des Ausschusses von Argelliers, die Winzer beständen unerschütterlich darauf, daß das Fälschergesetz auf der Grundlage von Easseau Cassanat ergänzt werde, damit den Fälschern keine Hintertür bleibe. Der Süden könne nicht dem Ruf jener folgen, die die Aufgabe des ausschließlichen Weinbaues für notwendig hielten, da er seiner Ausschließlichkeit seine Existenz dankt. Ueber die Eventualitäten, denen das Kabinett Clemenceau in folgender Winzerkrisis in der heute, Freitag, stattfindenden Kammerdebatte ausgesetzt ist, geben folgende Privattelegramme Aufschluß: Paris, 27. Juni. Die politische Lage bleibt drohend. Der Deputierte Aldy, der eben aus dem Süden zurückkam, erklärte, er müsse in der Kammer morgen die Regierung schwer belastende Tatsachen vorbringen. Weitere Interpellationen, darunter eine wegen Verlegung des 11. Regiments nach einer klimatisch gefährlichen Garnison, sind eingegangen. Die anti=ministerielle„Liberte“ beleuchtet die Unsicherheit des Ausganges der morgigen Debatte, die durch einen beliebigen Zwischenfall eine entscheidende Wendung erhalten könne. Paris, 27. Juni. Die Deputierten Blane und Pastre haben einen von ihnen gestellten Antrag auf Versetzung Clemenceaus in Anklagezustand zurückgezogen, dagegen erhält sich das Gerücht, daß die Abgeordneten und Senatoren aus dem Süden morgen in einem gemeinsamen Manifest ihre Mandate niederlegen werden. Die„Kieler Woche“. hat am gestrigen Donnerstag mit der Verteilung der Preise durch den Kaiser ihren offiziellen Abschluß gefunden, obgleich in den nächsten Tagen noch einige Wettfahrten ausgesegelt werden. Der Kaiser hat, wie uns telegraphiert wird, beim vom Bordgehen vom japanischen Flaggschiff Tsukuba den ersten Offizier, den Flaggleutnant und den Offizier dekoriert, der die Ausbildung im Ringen und Fechten unter sich hatte und außerdem einige Dekorationen an jüngere Offiziere, Unteroffieziere und Mannschaften gegeben, die sich bei den Kampfspielen besonders hervorgetan haben. Gestern Nachmittag besuchte der Kronprinz die Tsukuba. Zur Abendtafel bei dem Kaiserpaar an Bord der„Hohenzollern“ waren die dort weilenden Mitglieder der kaiserlichen Familie geladen. Später begab sich der Kaiser zum Kaiserlichen Jachtklub, wo die Preisverteilung stattfand, an die sich der Herrenabend des Kaiserlichen Jachtklubs anschloß. Der Kaiser empfing hierbei den Professor Richards von der Harvard=Universität, der in diesem Semester als Austauschprofessor an der Berliner Universität Vorlesungen hält. Wir erhalten hierzu folgenden Spezialdrahtbericht: Kiel, 27. Juni. Heute Abend endete die eigentliche Kieler Woche mit der Verteilung der Seglerpreise durch den Kaiser. Der Monarch zeigte eine sehr freundliche Laune, wie er überhaupt während der ganzen Woche unausgesetzt in der heitersten Stimmung gewesen ist. Besonders zeichnete er den bekannten Hamburger Sportmann, Konsul Howaldt, der mit dem Prinzen Heinrich zusammen auf der„Tilly“ nicht weniger als 5 Preise gewonnen hat, obwohl er den Samoa=Pokal an die „Wittelsbach“ abtreten mußte, durch eine launige Ansprache aus. Als der Kaiserin der Preis für die „Iduna“ übergeben wurde, rief der Kaiser den Kronprinzen, Prinzen Eitel Friedrich und den Prinzen Oskar herbei und händigte ihnen den wunderhübschen, durch seine apparte Zeichnung und Ausführung auffallenden Preis für ihre Mutter aus. Dies führten die Prinzen zur allgemeinen Heiterkeit aus, indem sie den Preis gemeinsam trugen Unsere Prinzen haben bei der Regatta ausgezeichnet abgeschnitten. 5 Preise für die„Tilli“ fielen, wie oben bemerkt, zum Teil auf den Prinzen Heinrich. Hervorragend ist die Leistung des Kronprinzen mit der„Angela“, der beim ersten Rennen als zehnter ankam, beim zweiten den fünften, beim dritten den vierten und beim heutigen Rennnen sogar den zweiten Preis davon trug und heinahe den ersten Preis gewonnen hätte. Dieses ist bei einem Start von 28 Booten eine ganz ausgezeichnete Leistung, die den Kronprinzen gewiß mit Genugtuung erfüllen wird. Während der ganzen Woche war ein günstiges Wetter. Es herrschte eine Windstärke von 5 zu 9. Bei geringer Windstärke hätte der Kronprinz mit der„Angela“ seinem Onkel, Prinzen Heinrich, mit der„Tilly“ wahrscheinlich einen schweren Stand gemacht. Die Ausländer scheinen im Allgemeinen für mittlere, nicht aber für schwere Windstärken gebaut zu sein, denn sie haben nicht gut abgeschnitten. Der Bierabend, der im Garten des kaiserlichen Dachtklubs stattfand, verlief, wie uns ein weiteres Privattelegramm meldet, in guter Stimmung. Der Kaiser unterhielt sich sehr lange mit dem Fürsten von Monacs und den anwesenden fremden Herren, unter ihnen speziell mit dem Kommodore Caylley, der zum zweiten Male aus England gekommen war und drei wertvolle Preise mit nach Hause nahm. Wie schon einmal erwähnt, sind die Franzosen ganz besonders entzückt von der Liebenswürdigkeit des Kaisers und nicht minder die Japaner, die sich geradezu in begeisterten Ausdrücken über die Leutseligkeit des Monarchen ergehen. Der Kaiser hat dem Admiral Inin sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift gewimet. Mottl, Direktor der Hofoper. München, 27. Juni. Der Prinzregent hat den Generalmusikdirektor Mottl zum königlichen Hofoperndirektor ernannt. Damit ist Mottl die gesamte Leitung der Münchener Hofoper in künstlerischer Beziehung übertragen. Ergriffene Mörder. Stockholm, 27. Juni. Die hiesige Polizei erhielt die Mitteilung, daß die beiden Deutschen, welche des Mordes an dem Briefträger Olsson verdächtig sind. in Motiolm ergriffen wurden und ein Geständnis abgelegt haben. Verhandlungen zwischen Italien und Nußland bezüglich des neuen Handelsvertrages sind, wie uns ein Privattelegramm meldet, definitiv abgeschlossen worden. Der neue Vertrag, welcher für beide Nationen Meistbegünstigungen anerkennt, soll bis zum 15. November geheim bleiben. Massenaussperrungen in der Textil=Industrie. Breslau, 27. Juni. In zwei überfüllten Versammlungen nahm die Landshuter Textilarbeiter= schaft Stellung zu der geplanten Massenaussperrung. In der ersten Versammlung wurde einstimmig beschlossen, die Entscheidung über die Zurücknahme der Kündigung den Methner'schen Webern zu überlassen. In der zweiten Versammlung beschlossen aber diese selbst, die Aufrechterhaltung der Kündigung. Dieser Beschluß hatte zur Folge, daß in allen Fabriken bekannt gemacht wurde, die Gesamtarbeiterschaft werde am 18. Juli ausgesperrt werden. ∆— Schiffbruch. Dünkirchen, 27. Juni. Der Schooner„Violette“ aus Gravelingen mit einer Bemannung von einem Kapitän und 18 Matrosen hat an der Küste von Island Schiffbruch erlitten. Kabinett Clemenceau vor der Entscheidung. Paris, 27. Juni. Der Kammerdebatte, die sich morgen über die Krisis im Süden entwickeln wird, sieht man hier mit großer Spannung entgegen. Eine Reihe von Interpellationen ist eingebracht, die fast alle gegen die Regierung zielen. Jaures sprach in der„Humanite“ bereits offen von einem Ministerium Sarrien=Ribot und den Reaktionären wäre ein Ministerium mit Herrn Ribot, der sich zwar als Progessist bezeichnet, aber manchmal der rechten Seite weit näher als der demokratischen Linken ist, wahrscheinlich gar nicht unwillkommen.„Liberte" und andere Blätter teilen von Herrn Sarrien, von dessen Haltung morgen alles abhängen soll, mit, daß er erklärt hat, selbst wenn er gegen die Regierung stimmen wolle, würde er das nach der Andeutung von Jaures nicht tun, sein Bedenken dem Interesse des Vaterlandes zu opfern. Was er tun wird, ist nicht zu erfahren. Er hat die Gauche=Radikale, deren Präsident er ist, für morgen zu einer Sitzung zusammenberufen. Trotz der wütenden Agitation wird aber wahrscheinlich, wenn nicht unberechenbare Zwischenfälle sich ergeben, zunächst noch alles beim alten bleibt, da wenigstens die äußere Ruhe im Süden wieder hergestellt sei. Von einer Anzahl militärischer Exzesse berichten allerdings einige Abendblätter, während die gemäßigten Zeitungen immer von neuem betoneu, daß alle diese Vorfälle erfunden oder stark übertrieben seien. Ob aber das Ministerium bleibt oder fällt, der Eindruck steht ziemlich allgemein fest, daß man von ihm keine Großtaten mehr zu erwarten hat. Russische Flottenpläne. Petersburg, 27. Juni. Den beiden großen hiesigen Schiffswerfteu, der baltischen und der franko=russischen, ist vom Marineminister die vertrauliche Mitteilung zugegangen, daß sie demnächst einen sehr bedeutenden Auftrag betreffend den Bau von Panzerschiffen mit Dampfturbinen erhalten werden. Die franko=russische Werft hat daraufhin mit der Neueinrichtung von Werkstätten zum Bau von Dampfturbinen begonnen. Die baltische Werft dagegen hat ein Uebereinkommen mit der Firma Parson getroffen, die ein Patent auf die angeblich besten Dampfturbinen besitzt. Eine Mutter, die ihre Tochter ertränkt. Prag, 27. Juni. Am 15. Mai früh Morgens ist die Leiche eines zehn Jahre alten Mädchens aus der Moldau gezogen worden. Die Aerzte stellten fest, daß das Mädchen an Knochenfraß gelitten habe. Ob ein Selbstmord, Unglücksfall oder ein Verbrechen vorlag, konnte nicht ermittelt werden. Die Identität der Leiche wurde schon einen Tag nach der Auffindung festgestellt. Das tote Mädchen war die Tochter einer Näherin namens Marie Tosner, die seit sechs Jahren von ihrem Gatten getrennt lebt. Wie sich ergab, hatte die Tosner die alte Wohnung damals bereits verlassen, das heißt, sie war, da sie den Zins nicht zahlen konnte, delogiert worden. Das kranke Kind, das allein nicht gehen konnte, wurde von der Frau auf den Armen weggetragen. Den Koffer, das einzige Gut, ließ die Frau zurück. Diese Umstände ließen schon damals die Vermutung aufkommen, daß die bedauernswerte Frau das kranke Kind selbst in die Moldau geworfen habe. Nachbarsleute wollen auch gehört haben, daß die Mutter zu dem Kinde gesagt habe. Mariechen, es nupt nichts. ich mus Aus der GratisUnfall=Unterstützung des General=Anzeigers. Unser Abonnent, der Bergmann Josef Flesch aus Langendreer erlitt am 5. Juni auf Zeche NeuIserlohn so schwere Verletzungen, daß er am nächsten Tage im Marienhospital zu Witten starb. Wir haben der Witwe des Verunglückten 300 Mark ausgezahlt. dich ertränken. Doch die Mutter war damals nicht aufzufinden, so daß man annahm, sie habe sich nach der Tat vielleicht das Leben genommen. Ueber fünf Wochen blieb die Frau verschollen. Erst vorgestern gelang es, ihren Aufenthalt zu ermitteln. Ueber das Schicksal des Kindes befragt, gab sie an, daß ihre Tochter sich bei Verwandten befinde. Den nächsten Morgen gestand sie aber die Tat ein. Sie gab an, daß die bitterste Not sie zu dieser entsetzlichen Tat getrieben habe. Früher habe sie noch verdienen können, seitdem das Kind aber krank war und getragen werden mußte, konnte sie nur kleinere Arbeiten verrichten. Dazu kam besonders, daß sie eines Tages von ihrem Hauswirt delogiert wurde. Bei diesem furchtbaren Elend wußte sie nicht, was sie tun sollte. Mit dem schwer kranken Kinde irrte die Frau in den Straßen Prags umher und sie faßte den Entschluß, das kranke und hungernde Kind lieber in die Wellen zu senken. Nach diesem Geständnis wurde sie dem Strafgereicht eingeliefert. gen die Automobilrennen im Taunus. Homburg v. d.., 27. Juni. Großes Aufsehen erregt eine öffentliche Erklärung des Oberbürgermeisters im„Homburger Taunusboten,, die sich gegen die weitere Veranstaltung von Automobilrennen des kaiserlichen Automobilklubs richtet. Der Oberbürgermeister stellt zunächst fest, daß die städtischen Körperschaften, welche vom kaiserlichen Automobilklub überhaupt in einer sonst nicht üblichen Weise übergangen sind, gar nicht gefragt wurden. Man erfuhr erst das Rennen, als es zu spät war. Sonst hätte man rechtzeitig Stellung nehmen können gegen ein Unternehmen, das der Stadt Homburg einen außerordentlichen, nie wieder gut zu machenden Schaden bringt. Die diesjährige Kur sei jedenfalls so geschädigt, daß nichts mehr sie zu einer guten machen könne. Der Oberbürgermeister fordert weiter in der Erklärung den königl. Landrat auf, im Interesse Homburgs jede ähnliche Veranstaltung künftig fern zu halten. Auch die„Medizinische Gesellschaft“, Homburg veröffentlicht einen von 24 Aerzten unterschriebeneu Protest gegen jede Wiederholung der Automobürennen im Taunus. Hoffnung auf den e- e Zu unserer Befriedigung mehren sich, so lesen wir in den Hamb. Nachrichten, in der deutschen Presse die Stimmen, welche die Ansicht vertreten, daß es mit dem soeben stattgehabten Ministerwechsel nicht sein Bewenden haben dürfe, sondern daß vor allem eine bessere und energischere Wahrnehmung unseres auswärtigen Dienstes, als sie bisher erfolgt sei, erstrebt werden müsse. Das scheint in der Tat sehr viel notwendiger als die Fortführung der Sozialreform, oder die Erfüllung sonstiger Wünsche, die aus Anlaß des Ministerwechsels auf dem Gebiete der inneren Politik verlautbart worden sind. Sozialpolitik haben wir mehr als genug getrieben und können da ohne Schaden, ja mit Nutzen eine Pause recht wohl eintreten lassen. In der auswärtigen Politik dagegen haben wir keineswegs auf Erfolge zurückzublicken und sind außerdem nach wie vor von den„Schwierigkeiten und Gefahren" umgeben, von denen der Reichskanzler kürzlich erst im Reichstage gesprochen hat. Jeder neue internationale Vorgang, der bekannt wird, richtet sich mehr oder weniger gegen Deutschland, wie sich das erst jetzt wieder bei der„dokumentarischen Festlegung“ des neuen Mittelmeerbundes gezeigt hat. Wohin wir schließlich geraten werden, wenn die Eliminierung Deutschlands mit gleichem Erfolge wie bisher weiter betrieben wird, entzieht sich jeder menschlichen Voraussicht. Jedenfalls haben wir alle Ursache, das Maß von Staatskunst, über welches wir zur Zeit im Deutschen Reiche noch verfügen, zunächst zur Lösung der schwierigen Aufgaben zu verwenden, welche die auswärtige Politik uns zur Zeit stellt. Vielfach wird erwartet und verlangt, daß Fürst Bülow, nachdem die Konsolidierung der Regierung im Reiche wie in Preußen erfolgt sei, nunmehr„seine ganze Kraft der auswärtigen Politik zuwende.“ Er habe offenbar in der letzten Zeit zu viel mit innerpolitischen Dingen, darunter auch mit vielem eigentlich recht nebensächlichen Kleinkram zu tun gehabt, als daß er der auswärtigen Politik unausgesetzt diejenige Aufmerksamkeit habe widmen können, die sie unter den heutigen Verhältnissen unbedingt erfordeve. Auch müsse Deutschland durch seine auswärtigen Vertreter in die Lage versetzt werden, bei den ersten Anfängen neuer internationaler Beziehungen„mitzusprechen", entstehende Koalitionen, die für Deutschland gefährlich seien, möglichst zu durchkreuzen und überall rechtzeitig im Interesse Deutschlands einzugreifen. Daran habe es in der letzten Zeit nur zu sehr gefehlt. Die deutsche Diplomatie habe in keiner Weise auf der Höhe ihrer Aufgabe gestanden; unsere diplomatischen Vertreter schienen des nötigen Maßes und der Geschicklichkeit zu entbehren, richtige Prognosen für internationale politische Wetterbildungen rechtzeitig genug geben zu können, um etwaigen Schäden solcher drohenden Erscheinungen vorzubeugen. Es ist nicht zu leugnen, daß die deutsche Diplomatie in den letzten Jahren mit wenig Glück und Erfolg gearbeitet hat. Es fragt sich nur, woran das liegt. Wir möchten nicht ohne weiteres annehmen, daß die Unfähigkeit und Ungeschicklichkeit unserer Botschafter und sonstigen ausländischen Vertreter daran die Schuld tragen, sondern sind der Ansicht, daß die Verantwortung für den Mißerfolg in der Hauptsache der Berliner Zentralleitung aufällt. Desbalb können wir uns auch nicht ohne weiteres den erhofften Erfolg davon versprechen, wenn Fürst Bülow in Zukunft mehr, als es bisher der Fall war, den auswärtigen Angelegenheiten seine volle Kraft widmet. Unseres Erachtens rührt die üble Lage, in der wir uns zur Zeit nach außen hin befinden, in der Hauptsache davon her, daß wir seinerzeit den übrigen Mächten durch die Proklamierung unserer „Weltpolitik“ und durch Aeußerungen, wie die, ohne den Willen des deutschen Kaisers dürfe in der Welt nichts geschehen, Grund zur Beunruhigung über unsere Absichten gegeben haben. Dazu kam dann das sprunghafte und widerspruchsvolle Umwerben bald dieser, bald jener Macht, die Absendung von Telegrammen, die nur zu leicht mißverstanden werden konnten und sonstige Kundgebungen, die dem Temperament der deutschen Politik ein besseres Zeugnis ausstellten als ihver Besonnenheit. Wir sind natürlich weit davon entfernt, den Fürsten Bülow für alles das verantwortlich zu machen. Viele der oben erwähnten Vorgänge fallen in die Zeit vor seiner Amtsführung, und wir glauben auch gern, daß er häufig mit Erfolg bemüht gewesen ist, weitere Schädlichkeiten zu verhüten, sowie daß es ihn geschmerzt hat, wenn er einmal nicht in der Lage war, irgend etwas rechtzeitig zu verhindern, das nach seiner Ueberzeugung nicht zum Nutzen Deutschlands ausschlagen konnte. Wir haben auch zur Geschicklichkeit des Fürsten Bülow einiges Vertrauen. Wir halten ihn zwar nicht für einen großen Staatsmann, der die Fähigkeit besäße, in der Stunde der Gefahr das Reichsschiff mit fester Hand zu steuern und vor dem Schicksal zu bewahren, von der Brandung erfaßt und ins Verderben gerissen zu werden; wir erwarten zwar von ihm keine großen heroischen Taten, wohl aber geschicktes Lavieren mit Erfolg, solange ein solcher noch zu erzielen ist. Es fragt sich nur, ob und inwieweit Fürst Bülow sich jetzt in der Lage befindet, in der Behandlung der auswärtigen Politik lediglich seiner eigenen Einsicht und seiner Geschicklichkeit folgen zu dürfen. Davon würde es zunächst abhängig sein, ob seine intensivere Befassung mit den Fragen der auswärtigen Politik den erhofften Nutzen für Deutschland haben würde oder nicht. Vermischtes. Berlin, 27. Juni. Der Vater der lex Heinze. Der Töpfer Hermann Heinze, der Vater der lex Heinze, verläßt heute das Zuchthaus, hinter dessen Mauern er 15 Jahre zugebracht hat. Er war am 2. Juli 1892 gleichzeitig mit seiner Ehefrau nach langer Verhandlung von den Geschworenen für schuldig erkannt worden, einen Wächter an der Elisabethkirche in der Invalidenstraße umgebracht zu haben. Berlin, 26. Juni. Der Selbstmord einer jungen Schauspielerin wird aus der Kurfürstenstraße gemeldet. Hier wohnte in einem Pensionat seit drei Wochen die 22 Jahre alte Schauspielerin Anni Geskesch, die frühre am Düsseldorfer Stadttheater angestellt war und dann hierher kam und mit dem Kleinen Theater verhandelte. Die junge Dame, deren Mutter noch in Düsseldorf lebt und die dort mit einem Schauspieler verlobt war, erkrankte schon am zweiten Tage nach ihrer Ankunft an Gelenkrheumatismus, besuchte jeden Tag einen Spezialarzt, fand aber keine Heilung. In der Verzweiflung erhängte sie sich in ihrem Zimmer am Ofen. Westfalen und Kheinland. Hörde, 27. Juni.(Grunderwerb.) Von dem Freiherr von Romberg erwarb die PhönixAbteilung Hörder=Verein einen im Hacheneyer Gebiet liegenden größeren Grundkomplex. Auf diesem Terrain sollen 120 neue Kotsöfen nebst Anlagen zur Gewinnung der Nebenprodukte errichtet werden. Das Werk besitzt bereits drei Kokereiabteilungen von je 60 Oefen, sodaß nach Fertigstellung der Neuanlagen 800 Oefen in Betrieb sind. Auch ein neuer Hochofen ist angeblasen worden, ein alter soll noch abgebrochen werden und ein neuer an dessen Stelle wieder aufgebaut werden. Hörde, 27. Juni.(Berufsjubiläum.) Am heutigen Tage sind 25 Jahre verflossen, wo Herr Rektor Fürstenau in den Schuldienst trat. Im Kreise des Kollegiums fand dieserhalb eine kleine Feier statt, wobei dem Jubilar eine schöne Palme überreicht wurde. Auch die Kinder feierten ihren verehrten Lehrer durch Vortrag von Gesängen und Gedichten und überreichten ihm prächtige Blumenarrangements. Köln, 27. Juni.(Das hiesige Schwurgericht) sprach die Dienstmagd Blumenrath frei, die, wie seinerzeit gemeldet, ihr drei Monate altes, uneheliches Kind in der Erde vergaben hatte. Das Kind wurde damals von einem Hunde lebend aufgespürt und in eine Anstalt gebracht, wo es genas. Das Gericht nahm an, daß die Angeklagte zurzeit der Tat durch Ohnmacht der Sinne beraubt war. Bochum, 26. Juni.(Zwei gemeingefährliche Einbrecher) in den Personen des Pferdehändlers Heinrich Paul und des Schlossers Heinrich Breuer standen vor der hiesigen Strafkammer unter Anklage des Pferdediebstahls. Beide haben eine erkleckliche Anzahl Vorstrafen erlitten. Breuer verbüßt gegenwärtig wegen Zuhälterei 1 Jahr Gefängnis. In der Nacht erbrachen beide hier den Stall des Roßschlächters Esser in der Dorstenerstraße und führten drei wertvolle Pferde ab. Eins der Pferde entlief ihnen, das in der Nacht von einem Polizeibeamten eingefangen wurde. Die übrigen Pferde verkauften sie an Zigeuner auf der Landstraße und Roßschlächter. Paul gilt in Händlerkreisen als raffinierter Handelsmann, gegen beide Angeklagten lag anfangs eine ganze Reihe Diebstahlsanklagen vor, die aber wegen mangelnder Beweise resultatlos verliefen. In der Untersuchung leugneten die Angeklagten hartnäckig, am 2. Mai bequemte sich Paul zu einem Geständnis. Nunmehr kam auch Breuer mit der Wahrheit heraus. Die Strafkammer verurteilte Paul zu 1 Jahre, Breuer zu 2 Jahren Gefängnis. Außerdem sprach man beiden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 8 Jahren ab. Der Staatsanwalt hatte gegen Paul 2 Jahre und gegen Breuer 8 Jahre Zuchthaus beantragt. Breuer nahm das Urteil mit verächtlichem Grinsen auf. Toiale Nachrichten. Dortmund, 28. Juni. Kommt unser Regierungspräsident ins Ministerium? Die von Berlin aus verbreitete Meldung von der Ernennung des Regierungspräsidenten in Arnsberg, Dr. Freiherrn v. Coels, zum Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, als Nachfolger des Herrn Holle, scheint verfrüht zu sein. Ein Telegramm geht der„Rhein= Westf. Ztg.“ zu: Arnsberg, 27. Juni. Ernennung ist mir bisher nicht zugegangen. In Arnsberg säbe man den beliebten Regierungspräsidenten ungern scheiden. Ausgeschlossen ist durch das Telegramm natürlich nicht, daß die Ernennung demnächst doch zu erwarten ist. Militärisches. Neben der Infanterie wird auch die Feldartillerie im nächsten Monat zu Uebungen herangezogen werden, und zwar gelangen Unteroffiziere, Fahrer und Bedienungsmannschaften der Reserve der fahrenden Artillerie vom 23. Juli ab auf 14 Tage beim Feldartillerie=Regiment Nr. 7 in Wesel zur Einziehung. Es handelt sich um die Jahresklasse 1903 und um die Landwehrbezirke 1 und 2 Dortmund sowie 1 und 2 Bochum. (Weitere lokale und provinzielle Nachrichten siehe zweites Blatt.) Naubmord an einem Kinde. Essen, 27. Juni. Mit einer grauenhaften Tat hat sich heute das hiesige Schwurgericht zu beschäftigen. Sie betrifft den am Nachmittage des 18. Februar d. J. im Walde bei Dorsten begangenen Raubmord an der 13jährigen Wilhelmine Bleckmann aus Hervest=Dorsten, deswegen der Arbeiter Anton Muckel von dort angeklagt ist. Während die Anklagebehörde durch den Ersten Staatsanwalt Dr. Eger vertreten ist, führt die Verteidigung Rechtsanwalt Kempkes. Drei medizinische Sachverständige, der Gerichtschemiker Dr. Kirchner und zahlreiche Zeugen sind zu der Verhandlung erschienen. Zu den Personalien des Angeklagten sei bemerkt, daß derselbe am 18. August 1856 in Groß=Buslar, Amt Grevelsberg geboren, Soldat gewesen und unbestraft ist. Am 16. Februar d. J. wurde der Angeklagte von dem Landwirt Theodor Nachbarschulte in Altendorf bei Dorsten, bei dem er seit Oktober 1906 als Knecht in Stellung gewesen war, entlassen. Noch an demeslben Tage zog er als Kostgänger zu dem Händler Wilhelm Bleckmann, bei dem er bereits früher kurze Zeit gewohnt hatte. Am Nachmittage des 18. erklärte er der Ehefrau Bleckmann, er wolle von Nachbarschule seine noch dort befindlichen Sachen holen, ihre Tochter möge diese in der Wirtschaft Kuhlmann abholen. Frau Bleckmann sagte ihm zu, nach Schluß des Schulunterrichts solle ihre Tochter Wilhelmine, die noch Brot in Dorsten zu holen habe, seine Sachen von Kuhlmann mitbringen. Zwischen 3½ und 4 Uhr verließ der Angeklagte das Bleckmannsche Haus und ging in der Richtung nach der in der Nähe befindlichen Sandkuhle davon. Gleich nach 4 Uhr kam Wilhelmine Bleckmann aus der Schule, trank Kaffee und trat dann den Weg nach Dorsten an. An der Hand führte sie einen kleinen Wagen mit sich, auf dem ein Korb stand, in welchem ein Portemonnaie mit einem Fünfmarkstück lag. Da sie nach Verlauf mehrerer Stunden nicht zurückkehrte, auch der Angeklagte, in dessen Gesellschaft man das Mädchen gesehen hatte, nicht in sein Logis zurückkam, so machten sich die Eheleute Bleckmann mit anderen Personen auf die Suche. In der Nacht zwischen 11 und 12 Uhr ist dann der Angeklagte in der Scheune des Landwirts Theodor Nachbarschulte aufgefunden, festgenommen und dem Polizeigewahrsam zugeführt worden. Er bestritt zunächst, von dem Verbleib des Kindes zu wissen. Erst als am 21. Februar auf einer Streifsuche die Leiche des Kindes gefunden worden war, gestand er ein, das Kind getötet zu haben. Der Tod des Kindes war durch Erdrosselung herbeigeführt. Um den Hals war ein starker Bindfaden doppelt herumgeschlungen und durch zwei hölzerne Knebel eng angedreht. Eine zweite Schnur aus Kokesfasern lag in einem losen Knoten um den Hals. Die Leiche lag dicht an einer Schneise in einem Kieferngebüsch, mehrere Hundert Schritte vom Hauptwege entfernt. Der Angeklagte gibt zu, das Mädchen getötet zu haben, will aber nicht wissen, wie er zu der Tat gekommen ist. Er habe das Mädchen weder unsittlich berührt no chberaubt, wenngleich er eingesteht, das Fünfmarkstück nach vollbrachter Tat an sich genommen und zu seinem Nutzen verwendet zu haben. Die Verhandlung dauert fort. Letzte Nachrichten und Berlin, 27. Juni. Zu dem großen Brande des Viktoriaspeichers in der Köpenickerstraße wird gemeldet, daß nunmehr die Ueberreste des Speicherarbeiters Siegmann, der seit dem Brande vermißt wurde, unter dem Schutthaufen aufgefunden worden sind. Der verkohlte Rumpf lag in der Nähe des Fahrstuhles, an welcher Stelle etwa das Feuer ausgekommen sein muß. Die Ueberreste erschienen wie ein Stück verkohlten Holzes. Nur die Urkette und Teile der Uhr ließen erkennen, daß man es mit einem verbrannten menschlichen Körper zu tun habe. — Im ganzen hat das eFuer drei große Gebäude, die Speicher 2, 3 und 4, in denen sich Ställe befanden und große Mengen Stroh und Heu lagen, in Asche gelegt. Handel, Gewerbe und Verkehr: Berlin, 27. Juni.(Börse.) Einer„Reihe von schönen Tagen" vermag die Börse vorläufig noch immer nicht in ununterbrochener Folge froh zu werden. Ein vages Gerücht über die Verschärfung der amerikanisch=japanischen Beziehungen, über dessen Ursprung und Charakter wir uns an anderer Stelle aussprechen, trug anfangs gleichfalls zurUnterbrechung der zuversichtlicheren Auffassung bei, woraus wieder einmal hervorgeht, daß die innere Widerstandskraft des Marktes noch keineswegs einen nennenswerten Grad erreicht hat. Die aus der Industrie vorliegenden Meldungen, der so relativ befriedigende amerikanische Eisenmarktbericht des Iron Age, ferner die Meldung von einer Pariser Erholung des englischen Gießereiroheisens in Ruhrort, sowie die im späteren Verlauf bekannt gewordene Einigung zwischen dem Luxemburger Roheisenkontor und dem Düsseldorfer Syndikat waren geeignet, dem Markte eine Stütze zu geben. Zur Beurteilung der industriellen Lage trägt unseres Erachtens auch der glänzende Eportausweis des Generalkonsulats Berlin nach den Vereinigten Staaten für den Monat Mai bei. Am Montanmarkt schwächten sich nach anfänglich kleinen Preisbesserungen die Notierungen ½ bis ¾ Prozent ab. Phöni und Gelsenkirchen zirka 1 Prozent niedriger. Der Verband rheinisch=westfälischer Brauereien hat in seiner gestrigen Generalversammlung beschlossen, den bestehenden Boykottschutzverband bis zum Jahre 1910 zu verlängern. Große Auszeichnung. Auf der internationalen Kunst= und großen Gartenbau=Ausstellung zu Mannheim vom 22.—24. Juni erhielt die Firma Alfred Prümer hier, Betenstraße, in der Abteilung Blumen=Bindekunst 11 Preise, darunter für Gesamtleistung den ersten Preis die höchste Ausnung„Goldene Medaille“. Jg. brav. Mädchen gebil. u. freundl., zum Anlernen an d. Buffet in ein vess. Hotel nach ausw. ges. Familienanschluß. Ernst Seringhaus, Bahnhofshotel, Soest i. W. 2 propere Mädchen für Wirtsch. u. 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Abonnementskarten an der Kasse 308600000 u Café „Metropol“ Jeden Abend, 8 Uhr beginnend: Hondert des berühmten Streichorchesters „Arno Richter“. Dortwunder * LandwehrVerein. Nördlicher Berlmander Schafzchbung. f Airi Nr.—„ zür aus am Sonntag, 30. Juni und Montag, 1. Juli 1907 am Fredenbaum nlettfndende Clau-parn-Beuium Jeden Freitag Abend KUNZERT a der städt. Kapelle Huuls-Diretion: Pr. Merkert. Joit Steidenker-Verein T Juhu, Samstag Abend 3½ Uhr CondzemPect prolongiert. Hllabendlich: □ Gastspiel Metropol-Theater zu Köln in " h m p i a- T h e a t e r z u D o r t m u n d. 5# 4 Die *„„ K von Pranz lustige P * gruren... w G1 Opereite in 3 Akten von Franz Lehár.### — S (82560 5 Chorleiter: Herr Kapellmeister J. Maus. — Samstag, den 29. Juni, abends 8 Uhr am Fredenbaum: BEBER-ABEND. Musik: Kapelle diesenkirchen. Bei ungünst. Witterung findet das Konzert im Saale statt. Entree: Im Vorverk. 20 Pf., an der Abendk. 50 Pf. Karten im Vorverkauf sind in den durch Plakate kenntlich gemachten Verkaufsstellen erhältlich. Samstag Abend 8½ Uhr im Deutschen Hause, Betenstraße: Vortrag. Gäste freundl. eingeladen. — Freie Diskussion.—( Männer-Ges.-Verein „Concordia“. ###ub.“ Probe. Sonntag, den 30. Juni er. Austlug bei Wellinghosen. Zheibrucker Hor Herdecke-Ruhr hält sich Gesellschaften, Vereinen 2c. bestens empfohlen. Große Gartenanlagen, herrliche gut####ussicht. 20158 Güte Ruche. Reine Weine. — 11. Biere.— Hotel. Pension. Telephon 526— Amt Hagen. Besitzer: 0. Mertmann. PROGRAMM: Zum 4. August wird ein Zelt 400 □m groß, zu leihen gesucht. Schriftl. Angeb. unter Z. E. 4279 an die Geschäftsst. 23382 Sonnabend, den 29. Juni 1907. Abends 8½ Uhr: Antreten der Schützen am Börsensaale. Sodann: Grosser Zapfenstreich sich ise Pre e, nie Zuge. a(Hptm. Oberwihter) Prior- Heroldstrasse(Begrüssung „, sen-, Heiligegarten-, Roland-, BleichDürener-, Stahlwerk-, Oestermärschstrasse Peneng: —.— Sonntag, Verein„Glück auf!“ u. 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Die Mitglieder des Vereins„Glück auf“ können ihre Beiträge im Vereinslokal Schnelle, 1. Kampstraße 49, zahlen. Hosover. . Witwe. Ballsiren=Walzer) Lustige Vilja=Lied„0e Doppelplatten. feinste Qual., 25 cm.50,.50 und.— Mk. Walzen 25. 40, 60 u. 100 Pfg. Reparaturen an allen Musikinstrumenten in eigener Werkstatt. Deutsch-Amerikan. Phonographen-Werke Dortmund, Westenhellweg 129 am Körnerplatz. 21805 bekanntmachung Am Sonnabend, den 2 Juni er., vormittags 11 Uhr. werde ich im Auklionslokale, nuf dem Berge 26(23583 13 Kisten Holl. Kase wegen Annahme=Verweigerung öffentlich meistbietend gegen Barzablung versteigern. Dortmund, den 27. Juni 1907 Meik, Gerichtsvollzieber. durch den nördl. Stadtteil und zwar: Steinstrasse(Begrüssung und Abstrasse(Begrüssung Ihrer Moigstht de 1. Halbbataillon und Abholung des Obersten), Als mürsch-, Oestgori:— Zteinplatz rten, s. Meisbafsigs steiigegartgstrasse, Stgzmphtz(Aulibung)ieh #„stallion(Hptm. möhmann) westerbleich-, Kurfürsten-, Rossvocitzen, hesselstrasse, Snyjehmagz H Auzisgung Schützen-, Westerbleichstrasse Sonntag, den 30. Juni 1907. Morgens 5 Uhr: Reveille Um 6 Uhr: der Schützen auf dem Vichmarktplatze Abholen der Fahnen durch die Fahnenkompagnie Begrüssung u. Begleitung des Königs durch den Vorstand. Königs-Parade und Festzug durch folgende Strassen: Stein-, Kurfürsten-, Kirchen-, Schützen-, Kesselstrasse, Sunderweg, Landwehr-, Mallinkrodt-, Schützen-, Westerbleich-, Leopold-, Hecken-, Zimmerstrasse, Steinplatz, Mühlen-, DüppelHerold-, Nord-, Lambach-, Münsterstrasse zum Fredenbaum. Morgens 9 Uhr: me- Beginn des Könlgsschiessens. Während desselben: = Grosses Doppel-Konzert. Von 10 bis 12 Uhr: Pause. Dann Fortsetzung des Königsschiessens, Verkündigung des Königsschusses dureh Kanonendonner. Gegen 4 Uhr nachmittags: Abholen der Königin und ihres Hofstaates und Festfahrt zum Fredenbaum. Hierauf: Proklamierung des neuen Königspaares, Krönung desselben und Verteilung der Prämien u. Auszeichnungen. „ Abend: 9 Uhr: M b e g i n n d e s F e s t- B a l l e s in den Sälen am Fredenbaum und Konzert in den Anlagen. Grosses Feuerwerk und Illumination der Anlagen. Montag, den 1. Juli 1907. Antreten*.-Sahützen. n: 10 Uhr: "n der scnussen auf dem Viehmarktplatse. Abholen ner rahnen, des Königs und der Königin nebst Hofstaates. „ Sodann — drosse Farade und Hauptfestzug vom Viehmarkt aus durch folgende Strassen: Steinstrasse, Steinplatz, HeiligeIstrasse, Papengarten, Bleichmärsch-, Oesterhotz-, Dürener-, Stahlwerk-, Oestermarschsurasse, Papengarten, Born-, Herold-, Alsen-, Mühlen-, Münsterstrasse zum Fredenbaum. Nach Ankunft daselbst: Grosse Parade vor Ihren Majestäten, dem Hofstaate und dem Vorstand. Nachdem: Grosses Doppel-Konzert und Volksbelustigungen Luftballons und komischen Figuren, Sacklaufen, Stangenklettern, Topfschlagen, Baumlaufen, Waldbeerenessen, Abbrennen von Tagesfeuerwerk (Neuheit) etc. etc. Abends 9 Uhr: Grosser Fest-Ball. " Bei eintretender Dunkelheit: Grosses Kunst-Feuerwerk, abgebrannt durch den Feuerwerker Carl Bauer, Dortmund. Illumination der Anlagen u. Konsert daselbst. Am Sonntag, den 30. Juni 1907, vormittags 11 Uhr: Generalversammlung im Vereinslokal Kölnischer Gof Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Empfangnahme der bis jetzt noch nicht abgeholten Mitgliedskarten für 1907. Ohne diese Karte können Mitglieder und deren Angehörige am Stiftungsfest nicht teilnehmen. 4. Ausgabe des neuen Anhang des Statuts. 5. Stiftungsfest betreffend u. Vereinsverschiedenes. ist dieses die letzte Generalversammlung vor dem Feste, in der den Mitgliedern Gelegenheit geboten wird, ihre Beiträge zu entrichten. „Um rege Beteiligung erruchr bringend(23589 Der Vorstand. Vereinigung ehem. 16er „Nacketäue:“ Tarversammtung am Samstag den 29. Juni, abends 8½ Uhr beim Kameraden Wirt Ellerkmann, (a. Markt 20(Zum Saueren) Tagesordnung: 1. Zahlung der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Regiments=Appell in Crefeld am 18. August. 3. Meldungen zur Teilnahme am Regimentsappell 4. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen bittet um zahlreichen Besuch Der Vorstand. Dortmunder Bürger-Schützen-Verein. P eir. Alles hat einzutreten. Freitag, 23. Juni. abds. 9 Uhr: 2. Komp. Restaur. Pollack, Humboldtstraße. Samstag, 29. Juni, abds. 9 Uhr: 1. Komp. Restaur. Reinoldnshof, Wißstraße. 3. Komp. Restaur. Zimmermann, Lütgebrückstraße. 4. Komp. Restaur. Wencker, Brückstr. Artillerle Restaur. von Rötel, Hobestraße. 23545 Der Oberst. Dortmunder Bürger-SchützenVerein, I. Kompagnie. Sonnabend, den 29. Juni 1907, abends 8¼ Uhr: Autreten: Marienkirchhof. Abholen der Rekruten Sodann: Grosser Fachel-Zug mit besonders hierzu angefertigten Fackeln durch einige Straßen des Reviers der I. Kompagnie. Hieran anschließend: Appell Im Reinoldushof. Der Hauptmann. bat einzuteses. Der Hauptm: Uramana Heute Freitag auf vielseitigen Wunsch: Del Kund von basherine Sensationelle Detektivkomödle. I. Abt. Das gebetzushen Pa#erbrechen II. Abt. Im Scholl####e III. Abt. Auf der Fährte 1v. Abt. Auf Tod und Leben. Dortmunder Fuhrmann's Verein Am Sonntag, den 30. Juni abends 7 Uhr bei Wwe. Lanterbach, Düppelstr. 35 Ausserordentliche Versammlung. Tages=Ordnung: Berbandsangelegenheiten und Verschiedenes.(23557 Wozu freundlichst einladet Der Vorstand. Buckskin-Reste von.50—5 Meter Länge. auch zu Damen=Sportröcken geeignet, u außerst billigen Preisen. — Maasaniertigung— prompt und billig. en gros Tuchluger. en detail. 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Den neuen Männern aber möchte Ich wünschen, daß sie finden das Rechte, Daß sie bei ihren ernsten Lasten Nicht allzuweit daneben taften, Und daß ein guter, gesunder Geist Sie auf erfreuliche Bahnen weist... Das Ausland?— Jeder junge Tag Bringt etwas Neues aus dem Haag, Richts, was besonderer Grünbe wegen Vermöchte heftig uns aufzuregen, Doch wird berichtet, daß die Gelehrten Gehörig ihre Zeit verwerten. Daß in den einzelnen Bezirken Der Tagung sie mit Eifer wirken, Und daß auch, treu zur Seite ihnen, Die Diplomaten der Sache dienen.— In Frankreich ist noch immer quälend Und dauernd drückend der Winzer Elend, Das Volk, verlierend die Geduld, Kam rasch zu Aufruhr und Tumult, Und da in diesen auch die Soldaten Noch neuerdings hineingeraten, So hat die Regierung großes Leid In einer sonst so glücklichen Zeit!— Denn, lieber Leser, auch Frankreich sah Sich keinem braven Freunde nah, Und als der neue Dreibund drum Sich wandte an sein Bublikum, Da schrieb es, dem Projekt gewogen, Sein kräftiges„Ja“ auf den Fragebogen!— Natürlich sehn wir in holder Ruh' Iin Deutschland diesem Beginnen zu, Man hat gezittert nicht an der Spree Vor Boulanger und Deleasse Und läßzt sich deshalb auch nicht trüben Den Sommer 1907. Das kleine Preußzen in schweren Tagen Hat tapfer sich herausgeschlagen, Da wird das große deutsche Reich Nicht fallen auf den ersten Streich, Und wer den Mut nun sollte finden, Mit unseren Truppen anzubinden. Der wird nach zwei verlornen Schlachten Mit anderen Augen uns betrachten Und einsehn, wenn er nicht völlig blind, Daß wir die Alten von 70 sind. Doch ruhig Blut! Vor Kriegsgetümmel Bewahrt uns vorderhand der Himmel: Solange in der Feststadt Kiel Man redet nur von„Start“ und„Ziel“, So lange die verschiedenen„Klassen“ Der Boote werden noch„entlassen“, Und man noch hört: der„Meteor“ Geht wieder ganz gewaltig vor— So lange zieht Mars, der grimme Kumpan, Nicht seine alte Rüstung an!— Und gibts nicht noch ein zweites Zeichen Für einen Frieden ohnegleichen! Gewiß, es hat auf eigene Art Bebandelt uns König Eduard: Anstatt mit seinem hohen Reffen Von Zeit zu Zeit sich artig zu treffen, Ging uns der König rüstig und rege An allen Ecken aus dem Wege! Jetzt aber hat er vom Themsestrand Den allerherzlichsten Brief gesandt Und auch als Gäste zu Englands Gestaden Das deutsche Kaiserpaar eingeladen: Der Kaiser wird nach Windsor gehen— Auf frohes, aufrichtiges Wiedersehen! Soelogie. Frau Kommerzienrat Morgenstern(zu ihrem Söhnchen, das aum erstenmale im Zoologischen Garten war): Run, Kurchen, was hat Dir gefallen am besten im Zoologischen Garten, Kurt: Der Bär und der Löb und der Aaron Utang. Eine Geburtstagsnede. Hoftheaterintendant und erster Charakterdarsteller(zu seinem Söhnchen an dessen zwölftem Geburtstage): Christoph. Du bist heute zwölf Jahr: alt geworden. Deinen Vater kann ich mich von jetzt ab nicht mehr nennen, aber laß mich wenigstens von jetzt ab Dein Freund sein! („Jugend“.) Boshaft. „In einigen Provinzstädten sind die Sicherheitsvorrichtungen in den Theatern doch noch recht rückständig. sagte der Schauspieler X.„Neulich z. B. spielte ich in N. den Hamlet; es brach Feuerlärm 813 und.“ dauerte geschlagene zehn Minuten, dis das Publikum zur Tür hinaus war!“ ., 2c, slaubde,; erwiderte sein Kollege,„der erme Kerl war lahm.“ „Dorfbarbier“. Aus dem lyrischen Tagebuch des Leutnants v. Versewitz: Harden—Moltke—Eulenburg. Fall nun seit Wochen schon beschwätzt, Für un Wider bekrittelt. Schnurrig nur: Anklags=Objekt bis jetzt Rich janz sicher ermittelt! Zukunftshefte von janzen Jahr— Aufjabe!— durchjenommen. Alles jelesen! Zweimal jar! Nich auf Trichter jekommen. Hardens Schuld! Jeht um den Brei herum, Will sich nich lassen fangen. Unverständlich das meiste drum... Nich bloß mir so erjangen. Schließlich aus all dem Geschreibsel kapiert, Taß Kamarilla bestündel Nachricht, so oft schon kolportiert, Daß jradzu lachhaft finde. Is wie mit Seeschlange— janz und Jiebt's nich. Muß jeder jestehen. Läßt aber trotzdem Jahr für Jahr Regelmäßig sich sehen! Erst mal abwarten. Wird ja Prozeß Licht bringen in die Sachen. Ilaube nicht leicht diesem Harden, indeß: Kerlwill sich wichtig machen! (-Jugend“) Der Stadtfrack. u5.x::: Da seid Ihr also den ganzen Sommer mit Euren Kühen hier oben auf der kleinen Bude? Na, wenn Ihr so egal bloß das liebe Rindvieh um Such rum habt, da seid Ihr wohl sehr erfreut, wenn ab und zu soin unterhaltender Herr aus der Großstadt auf Besuch kommt?“— Das Deandl: „A, ja, 2 is nur halt a ka großer Unterschied!“ Noble Passionen. „Du, Ede, wat roochste denn da for'ne Ziehjarre! Dat is ja Elbknaster!“—„Ick will doch meen Bainiesen ham! Feine Leute stinken mit m Automobil!“ Ermahnung. Mutter:„Kinder, seid heute schön brav. Der Vater hat eine böse Hand, da kann er euch nicht durchhauen!“ Widerspruch. „Sie werden also das Geheimnis streng hüten?“ „Gelbstredend!“ Unbeabsichtigte Selbstironie. Gattin eines Tierarztes: Du, Männchen, fag' mal. Austern sind doch gesund?!“ Tiergrzt: Ich habe wenigstens noch keine behandelt.“ „Dorsharbber“. Offizierswucher. „Aber bester Salomon, was soll ich denn bloß mit dem ausgestopften Affen, den Sie mir da für 6000 Mark angerechnet haben!“ Herr Graf, hängen Se'n doch in de Ahtengaleriel:gen Sen doch in de Unter Kameraden. Leutnant Demmler(stößt, in Schillers Gedichten blätternd, auf Nadowessirs Totenlied):„Mit dem Anstand, den er hatte, als er's Licht noch sah.“ „Was soll das eigentlich heißen?“— Leutnant Flipps:„Na, ganz einfach: Als das Licht ausgelöscht war, wurde er unanständig. 80197 Kühne Folgerung. Dummhofsbauer:„Du Sepp— i glaub, aus meinem Hiasl wird amal a zweiter Moltke werden — der spricht manchmal den ganzen Tag ka Silb!“ „Dorfbarbier“. Kindliche Theologte. Die kleine Klara sieht bei ihrem„Onkel Dr.“ zum ersten Mal ein Skelett. Sie fragt, was das Lei.„Das sind die Knochen eines gestorbenen Mannes!“ ist die aufklärende Antwort. Nach einem kurzen ungläubigen Schweigen sagt sie, auf ihre glückliche Lösung stolz:„Dann kommt also bloß der Speck in Himmel1!“ (=Jugend“) Feudal. „Wie heißt eigentlich der neue Fähnrich, den man uns da aufgehalst hat?“—„Hoffmann oder so was, glaube ich.“—„Pui Deibel— Hoffmann! Wat fürn Name! Hoffmann, Lehmann, Schulze Stiesel, Bandwurm, Mistvieh— diese bürgerlichen Namen gleichen sich doch wie die Pferdeäppell: „Simplizissimus“. Humer des Auslandes. Kein Geschäft. Gast:„Warum guckst du mich denn so böse an, kleiner Luigi?“— Luigi:„Weil du al den Kuchen aufgegessen hast und haft noch keine von meinen Schwestern geheiratet.“ (Il Diavolo Rosa.) Wie war's gemeint. Richter:„Angeklagter, erzählen Sie, wie die Schlägerei begann.“— Angeklagter:„Folgendermaßen, Euer Exzellenz. Checco, der betrunken war, sprang auf und schrie:„Ihr seid aUe, Esel, dämliche Esel!“— Richter(ihn unterbrechend)„Sehen Sie gefälligst die Geschworenen an, wenn Sie reden.“ (Il Mondo Umoristicd.) „Haben Sie gehört, was soeben auf der Brücke von Barracas passiert ist?“—„Nein.“—„Ein Zug ist über eine Familie von sechs Personen hingefahren.“—„Schrecklich! Und alle tot!“—„Nein, 48 hat ihnen nichts gemacht. Sie saßen in einem Boot.“ * mir gestern derkauft haben, war nicht frisch“—„Das ist Ihre eigene Schuld. Sie ihn nicht vor drei Tagen gekauft, als ich ihn Ihnen anbots. Tegen 6e (P. B. T. Buenos Aires.) Ein Newyorker Klubmann trat auf einen Freund zu und flüsterte:„Bludd hat gedroht, daß er mit das nächste Mal, wenn er mich in Gesellschaft trifft einen Tritt versetzen will. Wenn er jetzt hierher was würdest Du mir da raten, 3u tun 7“—„Dich hinzusetzen, war die Antwort. * ###ein Herr, ich bitte Sie um die Hand Tochter.“—„Die können Sie mit dem größten Vergnügen haben, wenn Sie die nehmen wollen, die siiummer in meiner Tasche hat: len, die 94 (Baltimore Sun.) Swillup(nach dem Diner):„Ja, ich erzählte meiner hübschen Nachbarin alles, was ich wußte: — Sein Nebenbuhler:„Ja, ich habe bemerkt, wie stil es an Ihrem Ende der Tafel war.“ 6 "(Detroit Free Preß.) Herr sparte für seine Sommerreise versecan zannter Tie.saug; hinter die er sich verstecken konnte, als die Dame von imponierendem Aeußern den Straßenbahnwagen betrat, der schon voll war. Sie war eine Frau von Erfahrung und verschwendete ihre Energie nicht erst damit, daß sie aisc lsähr ni Fen Fahrgäste einen nach dem andern anbieten werher Ocimtpgend ihr eimner seinen Sit anbieten werde. Sie konzentrierte ihren Blick einfach auf den kleinen Herrn und wartete.—„Gnä255, Prarg, segzte.#, snehmen Sie, bitte, hier P4#.5 Sie setzte sich ohne ein Wort des Dankes, während er turnerische Uebungen an den Lederstrippen aufführte.—„Was hat es für einen Sinn xief. sie.„Komm hier auf meinen „Gnädige Frau,“ stammelte der kleine und errötete in seiner Verlegenheit, ich .—.„Sie unverschämter Patronl“ kreischte die Dame.„Ich meinte Gie nicht. Ich rief meine Tochter dort hinten im Pagen.“—6 George:„Ein vollendeter Gentleman zieht sein Zeug an und vergißt es dann.“— Red:„Das bersuchs, ih auch, aber mein Schneider hindert mich "(Answers.) 1. Schläfrig. Rektor(einem Fremden die Grabmale in der Kirche zeigend):„Mein Großvater hat achtzig 19555 ir wichf, Pirche geschlasen.“— Der Fremdes * 13—Temmp; Papa wieviel Haare hat ein Mann auf dem Kopfe?“— Tommys Papa:„Das hängt davon mein Sobas gut du seimer vrau steht oder nicht, * Ethel:„Würdest Du schreien, wenn ein Here versuchen würde. Dich an küssen!“— Mabel: „Sicher!“— Eihel:„Was würdest Du denn schreien1“— Mohal:„Da epof:. demn 181 (Illustrated Bits.) Der Petersprozeß. (Nachmittagssitzung des 3. Verhandlungstages). München, 27. Juni. Vor Beginn der Nachmittagssitzung wurden vor hem Gerichtsgebäude drei Gendarmen postiert weil Dr. Peters gestern mehrfach von herumlungernden Leuten insultiert wurde. So hat man ihm verschiehene Ausdrücke wie„Hängepeters" nachgerufen. Es ist inzwischen gelungen, einige der Hauptschreier kestzustellen. Auch heute sind wieder zahlreiche Photographen mit ihren Apparaten zur Stelle, um ille diejenigen bekannten Persönlichkeiten auf der Platte festzuhalten, deren sie habhaft werden könsten. Es wird dann bei glühender Hitze in der Bepeisaufnahme fortgefahren. Zunächst wird der Verlagsbuchhändler v. Olhenburg(München), der Verleger des Buches hon Dr. Peters über die Emin Pascha=Expedition hernommen. Er gibt an, daß nach seinem Wissen das Buch in 11 Auflagen zu je 1000 Exemplaren, ##lso in 11000 Exemplaren gedruckt worden ist, und daß, soviel ihm bekannt sei, keine Aenderungen vorzekommen sind. Es hat auch niemand auf ihn einzewirkt, daß irgend etwas geändert werden solle. —.=A. Dr. Rosenthal: Die Gegenpartei behauptet, die erste Auflage wäré aufgekauft und eingestampft worden, weil sie in der gebildeten Welt hinangenehmes Aufsehen wegen der angeblichen Scheußlichkeiten, die darin geschildert sind, erregt hat.— Zeuge Generalkonsul v. Oldenburg: Von solchen Scheußlichkeiten ist mir nichts bekannt. Ich weiß wohl, daß die Kritiken, je nach der Parteistellung der einzelnen Kritiker verschieden waren, aß aber irgendwo in der gebildeten Welt sittliche Entrüstung geherrscht hätte, ist vollkommener Unsinn. * Es ist vollständig aus der Luft gegriffen, wenn behauptet wird, daß irgend eine Auflage aufgekauft sind vernichtet worden ist, um sie aus der Welt zu schaffen.— Generalkonsul v. Oldenburg überhibt dem Vorsitzenden die erste Auflage des Buches, welcher sie dem Beklagten überreicht. In der Vormittagssitzung war behauptet worden, daß der Zeuge die Herausgabe einer zweiten Auflage des Buches einerzeit verweigert habe.— Generalkonsul v. Oldenburg: Davon ist niemals die Rede gevesen. Dr. Peters bittet nochmals den Geh.=Rat Friedl=Martin aus dem Kreise der Sachverständigen auszuscheiden. Es sei ihm wieder neues Material zugegangen, das Friedl=Martin mit der Gegenpartei konspiriert habe. Da könne er doch unmöglich hier als Sachverständiger fungieren. Er bittet die Herren Scheuermann=München und Dessauer=Gießen zu laden, welche Auskunft über den Leumund des Sachverständigen geben sollen.— Vors. Oberlandesgerichtsrat Mayer: Die Sachverständigen werden sich zu äußern haben, wie die Handlungen des Dr. Peters am Kilimandscharo und in Ostafrika überhaupt unter dem Gesichtswinkel der afrikanischen Verhältnisse zu beurteilen sind. Es kann ja nach dem Gutachten der Sachverständigen deren Glaubwürdigkeit evtl. geprüft werden.— Beh.=Rat Friedl=Martin: Herr Dr. Peters hat von seinen Gegnern gelernt. Er hat es immer so hingestellt, als ob die„Münchener Post" nach seinem Privatleben geforscht hätte. Jetzt tut er dasselbe. Er fürchtet, daß er in ein schiefes Licht ge gestellt wird.— Dr. Peters: Ich will nicht in das schiefe Licht, söndern wir wollen Sie als Sachverständigen in das richtige Licht stellen.(Heiterkeit) Der folgende Zeuge ist der Major DonathMünchen, weiten Kreisen bekannt, durch seine aufsehenerregende Veröffentlichungen über die Verwendung der bayerischen Wasserkräfte durch lektrische Anlagen usw. Major Donath hat gehört, daß Dr. Peters sich in Kassel einer Reihe von scheußlichen Bluttaten gerühmt hat. Er bekundet heute, daß das nach einem Diner bei dem Grafen v. Hutten=Czapski war. Der Zeuge will Dr. Peters damals Vorwürfe über den Zinismus seiner Worte und Anschauungen gemacht haben. Dr. Peters habe damals von einer Reihe von Bluttaten erzählt, die keinerlei ehrenwerte Motive hatten. Die später erfolgten Angriffe gegen Dr. Peters im Reichstag und in der Presse waren also durchaus gerechtfertigt und die Verteidiger des Dr. Peters hatten Unrecht. Die Angriffe auf ihn waren nur eine Folge der Scheußlichkeiten, die er selbst erzählt hat. Bestimmtes aber weiß der Zeuge nicht mehr anzugeben.— Vors.: War vielleicht „etwas Renommage“. des Dr. Peters dabei?— Zeuge: Das kann ich nicht beurteilen. Der Zeuge erzählt dann weiter, daß er stets jedes Vorgehen gegen Dr. Peters auf das Sympathischste begrüßt habe. Seiner Meinung nach sei es eine menschenfreundliche Tat, wenn verhindert tourde, daß Dr. Peters wieder in Amt und Würden kam.(Bewegung.)— Major v. Donath teilt mit, daß an demselben Abend in Kassel eine Versammlung stattfinden und daß in dieser Dr. Peters sprechen sollte. Aus Furcht vor ihm habe aber Dr. Peters nicht das Wort zu ergreifen gewagt.— Dr. Peters: Der Herr Major kann mir nicht vorwerfen, etwas Unehrenhaftes erzählt zu haben. Wie könnte er sonst als aktiver Offizier 12 Jahre lang über solche Scheußlichkeiten schweigen. Uebrigens habe ich in der Versamnmlung in Kassel gesprochen und bin jederzeit in der Lage den Nachweis hierfür zu führen. Zeuge Major Donath: Wenn ich geschwiegen habe, so geschah das, weil ich dem Reichstage und dem Gericht nicht vorgreifen wollte. Ich hielt Dr. Peters für gerichtet und glaubte nicht nötig zu haben, meinerseits einzugreifen. Dr. Peters konnte ja keine persönliche Satisfaktion mehr geben.(Bewegung.)— Vors.: Wie meinen Sie das?— Zeuge Major Donath: Nach den Taten des Dr. Peters, die er mir selbst erzählt hat, konnte ich ihn als Ehrenmann nicht mehr anerkennen. Es waren noch-drei andere Herren bei dem Gespräch, die sich allerdings durch Dr. Peters imponieren ließen.— Vors.: Waren diese drei Herren satisfaktionsfähig?— Zeuge Major Donath: Nein.— Vors.: Haben diese drei Herren Widersprüche erhoben oder Dr. Peters gefordert?— Zeuge Major Donath: Das weiß ich nicht.— Auf verschiedene Anfragen des Rechtsbeistandes des Dr. Peters.=A. Rosenthal antwortet Major Donath mit einem kurzen nervösen Lachen.—.=A. Rosenthal erhebt hiergegen Widerspruch.— Vors.: Ich glaube, der Zeuge will den Herrn Verteidiger nicht auslachen. Das Lachen ist eine Eigentümlichkeit des Herrn.— .=A. Dr. Rosenthal: Das genügt mir(Große Heiterkeit).— Auf Befragen des.=A. Dr. Rosenthal erklärt der Zeuge, daß er auch in Büchern ähnliche Scheußlichkeiten gelesen habe, wie er sie hier von Dr. Peters gehört haben will.—.=A. Dr. Rosenthal: Haben Sie jemals von den Scheußlichkeiten weiter erzählt.— Zeuge: Ja, aber ich weiß nicht mehr von wem. Ich weiß aber ganz genau, daß Dr. Peters solche Sachen erzählt hat. Er sah allerdings damals anders aus als jetzt.(Heiterkeit.)—.=A. Dr. Rosent hal: Vielleicht war er es gar nicht. (Erneute Heiterkeit).— Major Donath: Doch, er war es. Er machte den Eindruck eines Menschen der mit dem Tropenkoller behaftet ist. Er fiel mir weiter durch einen wüsten Ausdruck seiner Augen auf..=A. Dr. Rosenthal: Haben Sie schon einmal einen Menschen gesehen, der den Tropenkoller hatte:— Zeuge Major Donath: Nein. (Heiterkeit.) Dickfellig. Feldwebel:„Einjähriger Meyer, Sie sind ein Rhinozeros, mit Erlaubnis zu sagen!“— Meyer: „Wie meinen Sie das, Herr Feldwebel?“ * Fachsprache. Kunde:„Ein prächtiges Mädel!“— Junger Vater(Schlächtermeister, stolz):„Will ich meinen; wie die Kleine auf die Welt kam, hatte sie auch schon zehn Pfund Schlachtgewicht!" Hyperbel. „War denn der Schneider Flick wirklich so mager?“—„Na, ich sage Ihnen, auf dem sein Grab ist nachher nicht mak Gras gewachsen.“ Korfharbder“. Aus den„Tit Bits“. Wie man heutzutage das Geschäft machen muß.—„Madam“, fing der Hausierer an, während er seine Handtasche öffnete,„kann ich Ihnen heute morgen etwas verkaufen?" „Nein!“ antwortet die ältliche Matrone schnippisch, indem sie mit dem Kammerbesen in einer bedenklichen Weise umherfuchtelte,„machen Sie, daß Sie fortkommen.“ „Gewiß, Madam, ich gehe,“ entgegnete der Hausierer,„ich wollte Ihnen nur mein neupatentiertes Runzeln=Entfernungsmittel zeigen, aber wie ich sehe, haben Sie es nicht nötig.“ „Ach— was ich noch sagen wollte—“ „Dann habe ich noch ein ausgezeichnetes Haarfärbemittel, um graue oder weiße Haare zu ihrer ursprünglichen Farbe zurückzubringen, aber das gebrauchen Sie ja auch nicht.“ „Es ist wirklich sehr nett von Ihnen, daß Sie solche Meinungen von mir haben. Ich möchte—“ „Und dieser japanische Fettpuder, der den unreinsten Teint wieder schön und jugendlich frisch macht. Aber es ist ja überflüssig, daß ich Ihnen meine Ware anpreise, denn ich sehe, Sie haben keinen Bedarf dafür. Guten morgen, Madam.“ „Warten Sie einen Augenblick; ich selbst gebrauche freilich nichts von Ihren Sachen, aber ich will dieselben trotzdem kaufen und sie meiner Freundin schenken. Ihre Wahrheitsliebe muß belohnt werden.“ Blüten amerikanischen Humors. Schlechte Aussichten.—„Sie sehen so mißvergnügt aus,“ sagte ein Herr zu einem Leichenbestatter,„ist das Geschäft schlecht gegangen?“ „Das nicht grade“, lautete die Antwort,„aber die Aussichten sind trübe. Doktor Pilkimgton verzieht aus unserem Distrikt.“ Jack:„Aber für wen arbeitest du jetzt, Bill?“— Bill:„Immer noch für dieselben Leute— meine Frau und sieben Göhren."(Illustrate et Bits.) Geheimrat Friedl=Martin: Herr v. Kardorff spricht in einem Artikel des„Tag“ der im September des vorigen Jahres erschienen ist, von sittlichen Verfehlungen des Dr. Peters. Vielleicht kann uns Herr Arendt sagen, ob Herr v. Kardorff die Vorgänge am Kilimandscharo meinte.— Abg. Dr. Arendt: Herr v. Kardorff ist ein alter Freund von mir und ich kenne seine Ansichten so ziemlich. Ich meine, er erkennt sittliche Verfehlungen des Dr. Peters am Kilimandscharo nicht an, sonst hätte er nicht die Broschüre verfaßt.— Geh.Rat Friedl=Martin: Dann werde ich als Sachverständiger auf diesen Artikel nicht Bezug nehmen. Es wird dann nochmals der Polizeisekretär Neuhaus(Altona) vernommen. Er erklärt auf Befragen, daß er den Brief an den Abg. Bebel vor 10 Jahren geschrieben habe im unmittelbaren Anschluß an die damaligen Reichstagsverhandlungen, die seiner Ansicht nach nicht die notige Aufklärung über das Verhalten des Dr. Peters gebracht haben. Er denke heute aber anders über die Sache.— Auf Befragen des.=A. Dr. Rosenthal erklärt er weiter: Sein heute vormittag verlesener Brief, sei an den Abg. Bebel gerichtet gewesen, in der ausdrücklichen Voraussetzung, daß er von dem Abg. Bebel nur zum privaten Gebrauch benutzt würde. Daß der Brief heute vorgelegt worden sei, sei ohne sein Wissen geschehen und er betrachte das als einen groben Vertrauensbruch. (Große Bewegung.)— Abg. Bebel hat sich leichenblaß erhoben.—.=A. Dr. Rosenthal: Sie waren also nicht mit der Vorlegung des Briefes durch den Abg. Bebel einverstanden?— Zeuge Neuhaus: Gewiß nicht.—.=A. Dr. Rosenthal: Sie haben den Brief in einem gewissen jugendlichen Ueberschwang geschrieben; heute als gereifter Mann und Polizeibeamter würden Sie nicht mehr daran denken, einen solchen Brief abzusenden. — Zeuge Neuhaus: So weit will ich nicht gehen, aber ich hätte erwartet, daß ich nach Verlauf von 10 Jahren erst gefragt worden wäre, ob ich alles aufrecht erhalte oder nicht. Man erfährt doch in 10 Jahren mancherlei. Man kann in so langer Zeit sein Urteil ändern.— Zeuge Abg. Bebel: Am Schluß des Briefes heißt es ausdrücklich: Sie können von diesem Brief Gebrauch machen.— Zeuge Neuhaus: Ja, aber nur zu privaten Zwecken, aber nicht im Gerichtssaale.. Daß er hier vorgebracht werden würde, daran habe ich nicht gedacht.— Abg. Bebel: Die Reichstagsverhandlungen waren schon längst vorüber, als der Brief ankam und ich ließ ihn daher liegen. Ich habe ihn erst wieder vorgeholt, als im vorigen Herbst der„Fall Peters“ erneut verhandelt wurde. Als die Untersuchung gegen die „Münchener Post“ eingeleitet war, stellte ich dieser den Brief zur Verfügung und ersuchte, sich mit dem Zeugen Neuhaus darüber zu verständigen, ob sie ihn verwerten dürfe.—.=A. Dr. Rosenthal: Ich stelle fest, daß heute früh, ehe der Brief verlesen wurde, zwischen dem Verteidiger des Beklagten Gruber und dem Abg. Bebel ein geheimes Einverständnis, indem beide sich zunickten und der Verteidiger gleich nachher den Brief zur allgemeinen Ueberraschung und zum Befremden des Zeugen Neuhaus produzierte. Ich habe den Zeugen Neuhaus beobachtet und habe bemerkt, daß er wie vom Blitz getroffen war. Jedenfalls liegt die Tatsache vor, daß der unbeholfene junge Mann, der nicht weiß, was aus einer Sache entstehen kann, nach langen Jahren bloßgestellt wird.— Zeuge Abg. Bebel: Ich wußte nicht, daß der Zeuge inzwischen in amtliche Stellung gekommen war und wiederhole, daß die„Münch. Post“. von mir aufgefordert war, sich zunächst des Einverständnisses des Herrn Neuhaus zu versichern.— .A. Dr. Rosenthal: Das ist aber nicht geschehen. Und ich konstatiere weiter, daß derjenige, der trügerisch fälscht und verleumdet, von Herrn Bebel geschützt wird in seinen Lügen ein Menschenalter hindurch. Herr Bebel nennt seinen Namen nicht.— Abg. Bebel: Ich verstehe, daß Herrn Neuhaus nach seiner amtlichen Stellung der Brief jetzt sehr unangenehm ist. Ein Vertrauensbruch liegt aber nicht vor, denn er hat mir ausdrücklich den Brief zur Veröffentlichung übergeben.—.=A. Dr. Rosenthal: Aber nicht nach 10 Jahren.— Zeuge Neuhaus: Damals hätte Herr Bebel den Brief veröffentlichen können, aber nicht jetzt.— .=A. Dr Rosenthal: Wenn man so feinfühlig ist wie Herr Bebel, dann muß man bedenken, daß in dem Brief steht, die Erzählung könne er weitergeben, nicht aber den Namen.(Große Bewegung.) — Dr. Arendt: Die Wahrung der Diskretion ist Pflicht eines jeden Abgeordneten. Ich würde trotz aller Konsequenzen die Aussage in einem solchen Falle verweigern, aber es ist die Pflicht des Abgeordneten, sich stets zu vergewissern, ob die Beschuldigungen auch wirklich richtig sind, ehe man sie vorbringt. Würde man sie ohne Kritik verbreiten, so würde man aus den Skandaldebatten niemals herauskommen. (Bewegung.) Im Falle des Tuckerbriefes hätte ich gesagt, ich würde die Sache vorbringen, wenn er die Gewähr dafür übernimmt und eventuell gestatte, daß ich mit seinem Namen hervortreten darf. Jedenfalls wenn man so schwere Beschuldigungen vorbringt, muß man sie beweisen können und muß die Gewähr haben, daß man nötigenfalls auch mit dem Namen hervortreten darf. Herr Bebel würde aus allen schweren Anschuldigungen heraus sein, die ihn jetzt treffen, wenn er den Namen nennen würde.— Abg. Bebel: Die Abgeordneten sind immun. Logischer Weise gehörte auch das Recht der Zeugnisverweigerung dazu. Sonst hat die Immunität keinen Wert und bleibt Stückwerk. Es liegen ja auch dem Reichstage verschiedene Anträge anläßlich des Falles Erzberger vor. Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt der Wahrung vollster Diskretion. Die ganze Natur meines Vertrauensmannes, seine hohe Stellung, seine soziale Position verbietet es mir, seinen Namen zu nennen.(Große Bewegung.) Der Name wird niemals genannt werden.(Erneute Bewegung.) Ich werde die Folgen zu tragen wissen.— Vors.: Ich denke, wir brechen hiermit diese Frage ab. Wir kommen doch zu keinem Ziel.—.=A. Dr. Rosenthal: Ich bitte, Herrn Bebel zu fragen, ob er nach den bisherigen Feststellungen jetzt seine damaligen Bekundungen zurücknimmt und seine Quelle als unlauter bezeichnen will. Bebel: Herr Dr. Rosenthal scheint anzunehmen, daß ich als Angeklagter hier stehe und nicht als Zeuge.—.=A. Dr. Rosenthal: Noch niemals ist wohl vor einem Gerichtshof eine solche Anklage erhoben worden, wie es damals vor dem Disziplinargericht geschehen ist, auf grund einer so unlauteren Quelle.— Dr. Peters: Ich frage Herrn Bebel, ob er heute noch behauptet, daß ich den Mabruck und die Jagodja aufhängen ließ, weil ich sie beim geschlechtlichen Verkehr antraf.— Abg. Bebel: So einfach liegt die Sache nicht.(Unruhe im Zuschauerraum.)— Dr. Peters: Weichen Sie mir nicht aus.— Bebel(mit aller Schärfe): Ich weiche niemals aus. Ich berufe mich auf das Urteil des Disziplinargerichtshofes und damit fertig. —.=A. Dr. Rosenthal: In diesem Urteil ist nichts von einem geschlechtlichen Verkehr der beiden zu finden. Uebrigens wundere ich mich nicht über die Worte des Herrn Bebel, da doch sonst gerade die Sozialdemokraten immer die Urteile der Disziplinargerichtshöfe angreifen.—.=A. Dr. Bernheim: Warum legt man das Urteil nicht vor? Man hat nicht den Mut dazu. Abg. Bebel: Ich habe niemals Disziplinarurteile angegriffen, weil es solche sind. Wir beugen uns jedem Urteil, das gerecht ist, also auch dem der Disziplinargerichtshöfe.— Vors.: Wir sind nun ziemlich am Schluß der Beweiserhebung angelangt, es würde vielleicht doch viel zur Aufklärung beitragen, wenn die Urteile im Falle Peters zur Verfügung gestellt würden. Vielleicht wird mehr dahinter vermutet, als in ihnen steht. Ziehen wir doch den letzten Schleier von den Geheimnissen. Ueberlegen Sie sich das und antworten nicht nur kurz mit„nein“.—.=A. Dr. Rosenthal: Wir waren geneigt, die Urteile zu überreichen, wenn aber das Auswärtige Amt die Herausgabe der Akten verweigert und wenn Staatssekretar Dernburg auch die Veröffentlichung der Urteile nicht zuläßt, weil das nicht im Interesse des deutschen Reiches liege, sollen wir uns dann den Vorwurf machen lassen, daß wir gegen die Entscheidung der höchsten Verwaltungsbehörde gewissermaßen Landesverrat verüben? Es spielen hier sicherlich politische Rücksichten mit. Da das Kolonialamt die Urteile nicht herausgibt, können wir das auch nicht tun, sonst würde ich Dr. Peters raten, die Urteile ruhig vorzulegen und den Feldzug gegen die Kleinigkeiten aufzunehmen, die in dem Urteile stehen und die wir jederzeit widerlegen können.— Dr. Peters: Ich bitte doch für diese Verhandlung die Urteile beiseite zu lassen, damit eine unparteiische Reichstagskommission die ganze Angelegenheit noch einmal nachprüft. Die Urteile bringen keine Aufklärung in diesen Prozeß und deshalb glaube ich sie nicht vorlegen zu sollen. — Vors.: Ich glaube nicht, daß ein Hindernis zur Vorlegung der Urteile besteht. Vielleicht fragen Sie nochmals beim Auswärtigen Amt an und weisen darauf hin, daß Sie ja selbst im Besitz der Urteile sind und daß die Weigerung der Behörde zur Herausgabe also an sich nutzlos ist. .=A. Rosenthal: Dr. Peters hat alle Ursache, sich mit dem deutschen Reichskolonialamt nicht einzulassen.(Heiterkeit.)— Dr. Peters: Ich bin beleidigt und verleumdet worden ohne Beweismaterial, da solches nicht vorgelegt worden ist. Ich stehe auf dem Standpunkt daß der Beklagte sich seine Beweismittel selbst beschaffen muß. Es ist nicht meine Aufgabe, ihn mit Beweismaterial zu versorgen.—.=A. Dr. Rosenthal: Wir werden die Frage prüfen, aber jedenfalls die Urteile nur unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vorlegen können.(Bewegung.) Der Grund hierfür liegt in dem Bescheide des Auswärtigen Amtes.— Dr. Peters: Dann ist auch vieles in den Urteilen nicht richtig und es sind andere Zeugen nötig, um die Unrichtigkeit darzutun.— Redakteur Gruber: Man vergißt ja ganz, daß ich doch schließlich hier der Angeklagte bin. Man kann nicht urteilen, ohne daß man die Disziplinarurteile gegen Dr. Peters kennt.—.=A. Dr. Rosenthal: Die Disziplinarurteile haben mit der jetzigen Sache nichts zu tun. Die bisherige Beweisführung genügt vollkommen. Sie können eben nichts beweisen und stützen sich nun auf Urteile, die Sie gar nicht kennen. .A. Dr. Bernheim verlangt nunmehr formell, daß die Urteile gegen Dr. Peters vorgelegt werden, zur Vermeidung der Einstellung des Verfahrens. Das könne das Gericht aussprechen.— .=A. Dr. Rosenthal: Wir werden uns die Sache überlegen und morgen früh dazu äußern.— Vert..=A. Dr. Bernheim: Was weiß Herr Bebel von den Versuchen, Dr. Peters wieder in ein Amt zu bringen. Witterte man nicht Morgenluft, als Kolonialdirektor Dernburg ins Amt kam?— Dr. Peters: Es hat sich niemals um meine Wiederanstellung gehandelt, sondern um meine Rehabilitierung und ich erhielt den Titel Reichskommissar a. D. schließlich zurück.— Abg. Bebel: Ich habe nie von einer Wiederanstellung gehört, höchstens können es vage Gerüchte gewesen sein.— Abg. Dr. Arendt: Es bestanden niemals Bestrebungen, Dr. Peters wieder in ein Reichsamt zu bringen, es hat sich immer nur um Wiederherstellung seiner Ehre gehandelt und um den Kampf gegen ein Urteil, das wir nicht für richtig halten. In Frankreich wurde das Urteil gegen Dreyfus mit Hilfe der Sozialdemokratie aufgehoben. Auch das Urteil gegen Dr. Peters ist politisch verfehlt und Herr Bebel sollte mit dafür eintreten, daß volle Klarheit geschaffen wird.— Abg. Bebel: Selbstverständlich. — Abg. Dr. Arendt: Ich habe mich niemals dabei von politischen oder Parteirücksichten leiten lassen, sondern nur immer das Bestreben gehabt, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Abg. Bebel: Ich denke nicht daran, die Sache parteipolitisch auszuschlachten. Sie wird im Reichstage genau geprüft werden, darauf können Sie sich verlassen.— Dr. Peters: Und ich hoffe, daß ich da auch Gelegenheit zu neuen Beweisanträgen haben werde, damit die Urteile umgestoßen werden.— Abg. Bebel: Wenn Dr. Arendt solche beantragt, so werde ich ihn durchaus unterstützen. .=A. Bernheim verliest darauf einen Artikel aus der„Vossischen Zeitung“ mit der Ueberschrift: „Nebenregierung". Es wird darin u. a. ausgeführt, daß eine Petersclique am Werke sei, um Dr. Peters wieder in ein Reichsamt zu bringen.— Dr. Arendt: Man sieht deutlich, daß der Artikel nicht in der Redaktion der„Vossischen Zeitung" entstanden ist. Nur ein Fachmann, der mit fanatischem alle verfolgt, die sich des Dr. Peters annehmen, kann in solchen Ausdrücken arbeiten. Die ganze Sache ist aber unwahr. Wenn wir vor zehn Jahren den dringenden Wunsch hatten, den Dr. Peters wieder in den Reichsdienst zu bringen, so war das damals durchaus berechtigt und Dr. Kayser hat uns ja lange Zeit darin unterstützt. Geheimrat Hellwig hat erzählt, daß an seinem Sturze Herr v. Kardorff und ich schuld seien, und zwar hat er das auch dem Abg. Erzberger erzählt. Dr. Peters teilt dann mit, daß ihm soeben von Dr. Schröder aus Schöneberg zwei Briefe zugegangen sind, die Geheimrat Hellwig an den Kolonialschriftsteller Wagne: geschrieben hat, wonach Geheimrat Hellwig diesen auffordert, gegen Dr. Peters zu Felde zu ziehen. Im ersten Brief vom Februar 1903 fordert er Wagner auf, sich über das Diziplinarverfahren zu orientieren und gegen Dr. Peters zu schreiben; am 3. März 1903 dank er ihm für einen Artikel im„Tag“ der sich gegen Dr. Peters richtet. Dr. Peters meint, es sei ja sehr interessant, daß man jetzt weiß, woher solche Zeitungsartikel kommen. Sie kommen also nicht bloß von Ihnen, Herr Gruber. (Heiterkeit)..=A. Dr. Rosenthal: Diese Briefe hat uns auf Wunsch des verstorbenen Dr. Wagner sein Schwager soeben übersandt.—.=A. Dr. Bernheim: Wenn sich hohe und höchste Beamte etwas zuschulden kommen lassen, so entlastet das doch die Tätigkeit des Dr. Peters gar nicht.—.=A. Dr. Rosenthal: Es beleuchtet aber die Intriguen und zeigt den Ankläger des Dr. Peters vor dem Disziplinargericht in schlechtestem Licht. Geheimrat Hellwig war vor, in und nach dem Prozeß ein Feind des Dr. Peters.—.=A. Dr. Bernheim: Das mag sein. Aber sieben andere hohe Beamte haben das Urteil gefällt.— .=A. Rosenthal: Es ist bezeichnend, daß man als Ankläger gerade diesen schlimmsten Feind des Dr. Peters gewählt hat. Hierauf wird die Verhandlung auf Freitag früh 9 Uhr vertagt. Dr. Peters verläßt unter dem Schutze von Polizeibeamten das Gerichtsgebäude. 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In der heutigen Gewerkenversammlung der Gewerkschaft König Ludwig, in der 78 Gewerken mit 464 Kuxen vertreten waren, knüpfte der Vorsitzende an den Geschäftsbericht folgende Ausführungen: Die Förderung ist im Jahre 1906 von 885 000 To. im Vorjahr auf 1 086000 To. und die Kokserzeugung von 283000 To. auf 385000 To. gestiegen. Die Beteiligung in Kohlen ist dieselbe geblieben. Unerläßlich sei es, daß die Beteiligung in Koks erhöht werde. Es sei Aussicht vorhanden, daß dies schon in den nächsten Tagen geschehe. Ueber Tage ist man dazu übergegangen, den elektrischen Betrieb immer mehr einzuführen. Die erste Turbine mit 82000 PS ist schon jetzt vollbelastet so daß für die demnächst in Betrieb kommende zweite Turbine genügend Arbeit vorliegt. Auf Schacht 8 werden 60 Normal=Kolsöfen abgebrochen. Demnächst sollen weitere 80 Kolsöfen neu errichtet werden, so daß demnächst 340 Oefen mit Gewinnung von Nebenerzeugnissen vorhanden sind. Die Einrichtungen für die Gewinnung von Nebenerzeugnissen sind so getroffen, daß ste die ganze Erzeugung der Kokerei aufnehmen können. Die Verhältnisse unter Tage haben sich sehr gut entwickelt. Auf der 242 Meter=Sohle sind soviel Kohlen angetroffen worden, daß man den Betrieb auf der 527 Meter=Sohle einschränken kann. Es stehen über 14 Millionen Tonnen Kohlen an, die für die Förderung auf 25 Jahre reichen. Wegen der heiklen Arbeiterverhältnisse ist die Förderung in diefem Jahre noch nicht nach Wunsch gestiegen. Aus diesem Grunde ist man der Frage nach Angliederung einer kleinen Zeche noch nicht nähergetreten. Die Zahl der Arbeiter hat um 600 Mann zugenommen. Es sollen 28 neue Arbeiterwohnhäuser gebaut werden. Auf Schacht.5 ist ein neuer Kokskohlenturm auf 1500 To. berechnet gebaut worden. Ferner ist ein Ammoniaklager errichtet, denn das AmmonialSyndikat hat beschlossen, in keine vorzeitigen Verkäufe einzutreten, und die Zechen ersucht, bis zu 40 Prozent ihrer Beteiligung auf Lager zu nehmen. Die Grubenfelder in Henrichenburg sind sehr gut gugeschlossen. Alle Schächte sind jetzt mit der Normalspur=Eisenbahn verbunden. Ebenso ist die Bahn nach dem Hafenamt des Dortmund=EmsKanals fertiggestellt worden. Im Laufe dieses und des nächsten Jahres werden die Anlagen der Leche König Ludwig im ganzen fertig sein. Der Vorstand hofft, daß die vielen Millionen, die in das Werk gesteckt worden sind, sich sehr gut rentieren. Im ersten Halbjahr 1907 ist ein Ueberschuß von 400 000 Mark mehr als in demselben Zeitraum des Vorjahres erzielt worden, was den Grubenvorstand veranlaßt hat, die Ausbeute vom 1. Juli ab von 200 Mark auf 300 Mark vierteljährlich zu erhöhen. Der Vorsitzende glaubt, daß, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, dieselben Ergebnisse auch ferner erzielt werden. Die Tagesordnung wurde darauf eine Erörterung genehmigt. Köln, 27 Juni. Gewerkschaft Kaiser Friedrich in Barop. Die unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Rat Weidtmann heute in Köln tagende Gewerkenversammlung genehmigte sämtliche Punkte der Tagesordnug. Die Bilanz wurde genehmigt und dem Grubenvorstande Entlastung erteilt. Das ausscheidende Mitglied des Grubenvorstandes, Herr Geh. Rat Weidtmann, wurde ebenfalls wie die bisherigen Rechnungsprüfer einstimmig wiedergewählt. Zu Punkt 5 der Tagesordnung: Erhöhung der Remuneration für den Grubenvorstand, wurde beschlossen, die bisherige Vergütung von 3600 Mark auf 12000 Mark zu erhöhen. Dieser Beschluß hat rückwirkende Kraft auf das Rechnungsjahr 1906. Der Direktor des Werkes berichtete eingehend über die Lage des Unternehmens und wies besonders darauf hin, daß voraussichtlich im Beginn des nächsten Jahres di Gestehungskosten um 1 Mark bis.50 Mark pro Tanne sich verringern würden, da die Lagerungsverhältnisse der Flöze flacher und die Strecke nicht mehr so lang würde wie augenblicklich. Theater. Konierte, Vereine 2c. Im Olympia=Theater zu Dortmund hat das Metropol=Theater in Köln mit„Die lustige Witwe“ einen devaztig dunchchlagenden Brfolg au vorerbstellungen und zwar Nachmittags 4 Uhr und Abends 6 Uhr. In beiden Vorstellungen gelangt„Die lustige Witwe“ zur Aufführung. In der Nachmittagsvorstellung zahlen Kinder auf allen Plätzen die Hälfte. Im Olympia=Tunnel beendet Tünnes am Sonntag sein erfolgreiches Gastspiel. Morgen, Sonntag, 11—1 Uhr ist großes Doppelkonzert und Vorträge. Entree frei. Nachmittags 3 Uhr: Tünnes! Künnes! Im Theater=Café im Olympiatheater, Burgwall 9, täglich großes Künstlex=Konzert. Entree frei! Das Gastspiel des Metrovol=Theaters Köln im Olympia=Theater zu Dortmund hat einen Erfolg zu verzeichnen, welcher wohl einzig dastehen dürfte. Allabendlich ist das Olympiatheater ausverkauft und erzielt die Operette„die lustige Witwe“ den stürmischsten Beifall., Vielfachen Wünschen zu entsprechen, hat sich die Direktion des Olympiatheaters veranlaßt gesehen, das Gastspiel des Kölner Metrovol=Theaters bis zum 15. Juli zu verlängern und gelangt allabendlich„Die lustige Witwe“ zur Aufführung. Es wird noch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß telephonisch bestellte Billetts nur bis 7 Uhr reserviert bleiben. * Wie wir schon kurz mitgeteilt, veranstaltet am heutigen Samstag, abends 8 Uhr, am Fredenbaum der.=.=B.„Cäcilia“ einen Liederabend unter Mitwirkung der Giesenkirchen'schen Kapelle. Das gutgewählte, 18 Kompositionen enthaltende Programm bringt u. a. als Einleitung der Liedervorträge den machtvoll feierlichen Chor:„Das ist der Tag des Herrn“ von Kreutzer, ferner„Abendfeier“ von Gräfe,„Königsfelden“ von Angerer,„O stille Nacht“ von Kothe,„Röslein im Walde“ von Fischer, „Königskinder" und„Braun Maidelein“ von Schwarz.„Gruß an den Wald“ von Dr. Wilh. Volkmar Außerdem hat Herr Giesenkirchen ein vorzügliches Programm zusammengestellt, u. a.„Hast du mich lieb?“ von Bohm, Solo für Cornet à Piston, vorgetragen vom Virtuosen Herrn Spengler, ferner das große musikalische Frage= und Antwortspiel, Potpourri, von Wiggert, beide mit Text. Aus Vorstehendem ist zur Genüge ersichtlich, daß den Besuchern am heutigen abend ein genußreicher Abend bevorsteht. In unserer Nachbarstadt Essen, wo der Männergesang eine achtunggebietende Stellung einnimmt, haben die Volksliederabende, welche von den größeren Essener Männergesangvereinen zu billigem Entree(man gibt sie dort sogar für 10 Pfg.) veranstaltet werden, eine ungeheuere Anziehungskraft. Der große Stadtgarten ist an diesen Abenden seit Jahren das Ziel Tausender. Es ist deshalb ein hohes erziehliches Verdienst der„Cäcilia“, daß sie versucht, diese Volksliederabende zum billigen Entree von 20 Pfg, auch hier einzuführen, um so unserem Volke diese kostbare Perle nicht vorzuenthalten. Dazu gesellt sich jett der Genuß, den ein solcher Liederabend nach des Tages Hitze gerade in den herrlichen Fredenbaum=Anlagen dem Publikum bietet. Es wird jedoch an unserer musikliebenden Bürgerschaft liegen, durch zahlreichen Besuch die„Cäeilia“ in ihrem lobenswerten Bestreben zu unterstützen. Zur schnellen Beförderung der Besucher wird die Straßenbahnverwaltung ab 7 Uhr auf der Linie Reinoldikirche=Fredenbaum verstärkten Betrieb einrichten. * Freischütz bei Schwerte. Das Holländische Vokal=Sextett bestehend aus den Herren Mces Voo. Bochum, 26. Juni. Der Marineappellrückt immer näher. Ueberall regen sich in der Stadt fleißige Hände, um die Vorbereitungen zu den kommenden Tagen zu vollenden. Die Stadt wird ein der Feier würdiges Aussehen erhalten, die Denkmäler werden geschmück, die öffentlichen Gebäude aufgefrischt. Eine besondere Glanznummer der Veranstaltungen anläßlich des Marineappells wird das Brillantfeuerwerk am Abend des 1. Juli werden, bei Matrosenkonzert abgebrannt von der bekannten phrotechnischen Firma C. Lippold in Elberfeld, welche stets bei den ersten und höchsten Festen engagiert wird. Ein derartiges Kriegsfeuerwerk, wie auf dem großen Teiche des neuen Stadtparks wird mit einem Kostenaufwand von mehreren 1000 Mark veranstaltet, ist im Industriegebiete noch niemals geboten und schon eine Reise nach Bochum wert. Hoffentlich zeigt der Himmel ein freundliches Gesicht. Standesamt Dortmund. Vom 28. Juni. Standesamt 1. Geburten. 1 Sohn: Kaufmann Bedder, Humboldtstr. 67. Friseur Herkenhoff, Märkischestr. 33. Steinschläger Lapinski, Ofenstr. 18. 1 Tochter: Bergm. Baehr, 2. Kampstr. 35. Zwillinge. Arbeiter Schulz, Siemensstr. 5. Arbeiter Trampezynski, Westerbleichstr. 81. Kohlenhauer Schinor, Heinrichstr. 11. Schuhmacher Groß, Aachenerstraße 9. Brauer Schiller, Adlerstr. 18. Schreiner Grote, Schillerstr. 81. Bergm. Hegemann, Schillerstr. 31. Tischler Bühner, Paulinenstr. 35. Aufgebote: Schlosser Eduard Böke und Auguste Zalewski. Bergingenieur Otto Pohlmann und Alma Schade. Reisender Albert Meyer und Elise Silkenbeumer. Hauer Johann Zaremba und Vodeska Karczewski. Schlosser Johannes Rober Elisabeth Trollmann. Eheschließungen: Arbeiter Johann Dudda und Maria Wiegand. Lok.=Geizer August Gille u. Karoline Irkob. Techniker Hermann Lene und Berta Kauf. Sterbefälle: Alwine Scheele. Linienstr. 17, 1 M. August Dörner, Rentner. Redtenbachstr. 14, 72 J. Hermann Boland. Unionstr. 8. 6 M. Maurer Franz Reuter, Rheinischestr. 39. 60 Jl. Händler August Lages, Zimmerstr. 29, 57 J. Witwe Wilhelmine Karbach, Schützenstr. 108, 88 J. Stanislawa Frackowiak, Treibstr. 21, 2 M. Standesamt 2. Geburten 1 Sohn: Schlosser Sossna, Oestermärschstr. 21. Mechaniter Rohloff, Stahlwerkstr. 8. Eisenbahnschaffner=Schwekendick, Leutstr. 7. Former Schmidts, Borsigstr. 1. Arbeiter Knarr, Robertstr. 22. Geschäftsführer Fahle, Nordstr. 20. 1 Tochter: Kohlenhauer Comes, Inselstr. 10. Aufgebote: Oberschmelzer August Broll u. Anna Wendte. Eheschließungen: Verputzer Max Chmielowski und Marianne Krysztofiak. Hülfsschaffner Karl Maretzti und Johann Stahr. 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Zu dem gewaltigen Kurzschluß auf der Newyorker Hochbahn, über den wir telegraphisch berichteten, wird von sachverständiger Seite noch geschrieben: Die Angabe, daß die Feuerwehr nicht wagte, Wasser auf die brennenden und glühenden Teile zu geben, weil sie fürchtete, durch den Wasserstrahl elektrische Schläge zu erhalten, dürfte kaum auf einer richtien Auffassung beruhen. Es ist in Feuerwehrreisen bekannt, daß schon ein Wasserstrahl von wenigen Metern Länge zuviel Widerstand bietet, als daß die verhältnismäßig geringe Spannung von 500 oder 1000 Volt einen nennenswerten Strom in ihm hervorzurufen vermöchte. Versuche haben darüber völlige Sicherheit ergeben. Der Grund, weshalb die Löschmannschaften vom Spritzen absahen, ist vielmehr ohne Zweifel ein anderer gewesen, nämlich der, daß beim Bespritzen weißglühender Metallmassen mit Wasser infolge von dessen augenblicklicher Verdampfung gefährliche Dampfexplosionen entstehen können, durch die geschmolzene Metallmassen weithin verschleudert werden und die Gefahr, zu verletzen und Brand zu stiften, vergrößern. Dazu kommt, daß, wenn der Strom seitens der Zentrale nicht unterbrochen wird oder eine Unterbrechung nicht durch Zerstörung der Leiter eintritt, ein Abkühlen mit Waskaum möglich ist, da dieses beim Auftreffen sort eine Dampfschicht bildet, die seine Berührung mit dem heißen Metall verhindert, eine Erscheinung, die man seit zweihundert Jahren als Leidenfrosts Phänomen kennt und in einem sehr heiß gehaltenen Blechlöffel mit einem Tropfen Wasser im kleinen leicht erzeugen kann. Es sind einige schwere Unfälle dadurch eingetreten, daß man Motoren, die infolge sehr hoher Ueberlastung glühend geworden waren, mit Wasser schnell zu kühlen versuchte, zunächst aber den Erfolg erzielte, daß das geschmolzene Kupfer der Bewickelung den Umstehenden ins Gesicht spritzte. Der Massenmörder Orchard. Newyork, 27. Juni. Wenn irgend ein Romanschreiber in seinen Werken eine Persönlichkeit wie Harry Orchard auftreten ließe würde sie von Kritik und Publikum als das Produkt einer viel zu üppig wuchernden Phantasie bezeichnet werden. Die Vernehmung des Genannten als des Hauptzeugen in dem Mordverschwörungsprozesse gegen die Führer der„Westlichen Bergarbeiter“, Haywood, Moyer und Pettibone, in Boise, Idaho, wurde kürzlich zu Ende geführt. Orchard war seit dem 5. d. M. im Verhör; er hat nicht nur die Ermordung des Gouverneurs Steunenberg, auf welche sich die genwärtige Anklage gründet, zugestanden, sondern auch eine so umfangreiche Reihe anderer Verbrechen aufgedeckt, die, wie der Steunenberg=Mord, er auf Veranlassung der erwähnten Angeklagten begangen haben oder bei welchen er Mithülfe geleistet haben will, daß man sich ernstlich fragen muß, ob dergleichen Vorkommnie in einem zivilisierten Gemeinwesen möglich sind und ob es eine Person von so abgrundtiefer Verworfenheit gibt, wie dieser Orchard es sein muß, In chronologischer Reihenfolge sind die Untaten, die Orchard im Verein mit den anderen Angeklagten begangen haben will(der Mann ist auch unter Anklage gestellt worden, obgleich er wohl schwerlich je prozessiert werden wird) folgende: 1. Der Versuch, ein Etablissement des Sullivanund Bunker=Hill=Bergwerkes in Wardner, Idaho, in die Luft zu sprengen und den Direktor zu hängen. Dieser entkam, indessen verloren zwei Arbeiter durch die Explosion ihr Leben. 2. Legung einer Höllenmaschine in die Bindicator=Mine in Cripple Creek, die zwei Männer tötete. 3. Die versuchte Ermordung des Gouverneurs Peabody in Colorado. 4. Die Ermordung des Hilfs=Sheriffs Lyte Gregorh in Denver. 5. Der Dynamitfrevel am Bahnhof der Independenre Mine in Colorado, bei welchem 14 Arbeitswillige gctötet wurden. 6. Der Versuch, den Minen=Direktor Frederick Bradley zu vergiften. Es wurde der im Haushalt gebrauchten Milch Strychnin zugegeben, dies indessen durch einen Zufall entdeckt. 7. Die Anfertigung und Plazierung einer Höllenmaschine auf Bradleys Haustreppe, Bradley erlitt schwere Verletzungen. 8. Die Plazierung einer Vombe auf einen von Richter Gabberk benutzten Weg, die aber eine andere Person tötete. 9. Das Niederlegen einer Höllenmaschine vor Richter Goddards Haus, die indessen schadhaft war und nicht explodierte. 10. Ein Mordversuch an General Sherman Bell. 11. Der Plan, einen Mann namens Mayberry aus der Welt zu schaffen. Ohne irgendwelche Erregung, in ruhiger gelassener Stimme hat Orchard diese Taten zugestanden. Mit ähnlichem Gleichmut bekannte er eine Reihe von weiteren Vergehen, die er allein auf dem Gewissen hat. Darunter sind folgende: 1. Brandstiftung in einer Molkerei, um die Versicherung zu bekommen. 2. Beschwindelung von Farmern mittels falscher Hagelversicherungs=Policen. 8. Versuch eines Freundes, das Kind eines Freundes, Poulson, zu entführen, um es gegen 50000 Toll. Lösegeld freizulassen. Der Versuch mißlang, weil ein Helfeshelfer Orchards im letzten Augenblick absprang. 4. Bigamie in Kanada. 5. Bigamie in Colorado. 6. Schafdiebstahl. 7. Einbruch und Diebstahl von 40 Doll. 8. Diebstahl eines Koffers. 9. Niederbrennen einer Wirtschaft in Independence, Colorado, um das Versicherungsgeld zu erlangen. Einmal hatten, seine„Arbeitgeber“, die„Westlichen Bergarbeiter“, nicht prompt bezahlt, weswegen er einen von ihnen ausgeheckten Anschlag, das Bahnbett der Florence= und Cripple=CreekBahn zu zerstören, der Leitung dieser Bahn verriet. Orchard führte selten seinen wirklichen Namen, der Samuel Horsley ist. Er gab zu, zur Begehung jedes Verbrechens, das man ihm suggeriert habe, bereit gewesen zu sein. Alle diese Tatsachen, soweit sie sich auf die nicht im Einverständnis mit den Führern der Bergarbeiter begangenen Verbrechen beziehen, wurden im Kreuzverhör aufgedeckt. Es gelang indessen auch der Verteidigung durch die geschickteste Fragestellung nicht, die hauptsächlichsten Angaben über die Beteiligung von Haywood, Moyer und Pettbone an den Ausschreitungen gegen Grubenleiter oder Staatsbeamte zu erschüttern. Brieftasten der Redattion. C. M. D. 43. Regiment Königs=Jäger zu Pferde Nr. 1 in Posen, Jäger=Regiment zu Pferde Nr. 2 in Langensalza und Nr. 4 in Graudenz. Wettende F. P. und E. H. Zu 1. Ja. Zu 2. An die Polizeiverwaltung. O. R. Schüren. Die Verpflichtung besteht trotzdem. Eine Reklamation dürfte aber von Erfolg sein. A. B. L. Zu 1 und 2. Verpflichtet ist er nicht. Zu 3. Das kommt auf den abgeschlossenen Vertrag an. Wenn Sie sich in kaufmännischer Stellung befinden und keine Kündigungsfrist vereinbart haben, müssen Sie 6 Wochen vor dem Quartalsersten kündigen. G. A. In Soest, da dort der Zug Aachen=Berlin über Halberstadt erreicht wird. K. G. Aplerbeck. Mit Pers.=Zug. 4 Kl. Schraplau ab.51., Kassel an.51., Kassel ab.24., Aplerbeck an.54 N. Mit Schnellzug ab Oberröblingen über Kassel—Altenbecken. Ankunft in Aplerbeck .02 N. Fahrpreis 4. Kl. ungef. 8,50 Mk., 3 Kl. 14 M. A. 888. Dortmund ab.31., Sz. über Dbg. Krefeld. Ankunft in Cleve.22 V. Fahrpreis 4,30 Mark. 4. Kl. 2,80 Mk. Abjahrt.28., an Cleve 12.51 N.(über Krefeld). Müller. Heilbare Krankheiten des Herzens oder der großen Gefäße, Sehschärfe auf beiden Augen regelrecht und Formveränderungen beider Füße in geringem Grade. 111. Ja, Sie müssen aber vorher dieserhalb ein Gesuch an den Herrn Kassenkurator zu Protokoll geben. W. H. Huckarde. Der Kontrakt ist maßgebend. Kirchliche Nachrichten. Sonntag, den 30. Juni. St. Reinoldi. Morgens 8 Uhr: Pastor Stein. Morgens 10 Uhr: Pastor Traub. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst.— Wambel. Morgens 9½ Uhr: Gottesdienst. Pastor Schmidt.— Waisenhaus an der Hohenstraße. Morgens 9½ Uhr: Gottesdienst. Pastor Stein. Johanneskirche. Morgens 8 Uhr: Pastor Donsbach. Morgens 10 Uhr: Pastor Seewald. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Sonntag Abend 8½ Uhr im Johanneum, Kielstr. 12, Bibelbesprechstunde über 1. Petri 5, 8 ff. Pastor Donsbach. Lutherkirche. Morgens 10 Uhr: Pastor Hartog. St. Petri=Nikolai. Morgens 8 Uhr: Pastor Koch. Morgens 10 Uhr: Pastor Ulmke. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Die nächste Abendmahlsfeier findet am 7. Juli statt. Amtswoche im Stadtbezirk: Pastor Koch. Taufen und Trauungen in der Kirche: Pastor Ulmke. Martin=Kapelle. Morgens 10 Uhr: Pastor Koch. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Abends 8 Uhr: Pastor Höpher. Taufen und Trauungen in der Kapelle: Pastor Bosselmann. Pauluskirche. Morgens 8 Uhr: Pastor Höpker. Morgens 10 Uhr: Pastor Wewer. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Taufen und Trauungen in der Kirche: Pastor Goldberg. Marien. Morgens 8 Uhr: Pastor Große=Oetringhaus aus Hörde. Morgens 10 Uhr: Pastor Schnapp. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Die nächste Feier des hl. Abendmahls findet am Sonntag, den 7. Juli, statt. Evangelische Gemeinschaft Dortmund, Holzhofstraße 31, Friedenskirche. Vorm. 10 Uhr: Predigt. Prediger Ruprecht. 11½ Uhr: Sonntagsschule. Abends 6 Uhr: Predigt. Prediger Kaiser. 7½ Uhr: Jünglingsverein. 7½ Uhr Jungfrauenverein fällt aus. Montag abends 8½ Uhr: Gesangübung. Mittwoch abends 8½ Uhr: Bibelstunde. Freitag abends 8½ Uhr: Gebetsversammlung. Nächste Allianzgebetsvereinigung Dienstag den 2. Juli in der Friedenskirche. Altkatholische Gemeinde in der Krimkapelle. Gottesdienst in Kamen. Evangelisch=lutherische Gemeinde, Ardeystr. 82 a. Sonntag, Vorm. 10 Uhr: Gottesdienst. Nachmittags 4 Uhr: Gottesdienst. Nachmittags 3½ Uhr: Christenlehre. Baptisten=Gemeinde, Westerbleichstr. 64. Vorm. 10 Uhr: Prediger Kaiser aus Bonn. Vorm. 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Nachm. 4 Uhr: Prediger Kaiser. Mittwoch den 3. Juli, abends 8½ Uhr: Gebetsversammlung Ostpr. Evangelischer Gebetsverein Dortmund, Lutherhaus, Luisenstr.. Nachm. 2 Uhr: Versammlung. 3½ Uhr: Gemischter Chor. Mittwoch abend 8 Uhr: Gemischter Chor Kesselstr. 29, Donnerstag abend 8 Uhr: Gebetstunde Hermannstr. 30. Hierzu wird ein Jeder freundlichst eingeladen. Hollandsche Godsdienst in het Kerkzaaltje Königswall 55,’morgens om 10 uur. Freunde des Reiches Gottes sind herzlich willkommen. Evangelischer Gottesdienst. Hörde. Morgens 8 Uhr: Pastor Vohwinkel. Morgens 10 Uhr: Pastor Große=Oetringhaus. Morgens 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Kollekte für Kirchund Pfarrhausbau in Habinghorst. Taufen und Trauungen in der Kirche: Pastor Große=Oetring= haus. Wellinghofen. Morgens 10½ Uhr: Pastor Sogemeier. 10¾ Uhr: Kindergottesdienst. Kirchhörde. Morgens 10 Uhr: Gottesdienst. Pastor Blomberg. Morgens 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Mittags 12 Uhr: Taufen in der Kirche. Morgens 9 Uhr: Gottesdienst in der Schule zu Kruckel. Hilfsprediger Beucker. Morgens 10 Uhr Taufen in der Schule. Amtswoche: Hilfsprediger Beucker. Eving. Morgens 9½ Uhr: Pastor Thiele. Morgens 11 Uhr: Kindergottesdienst. Nachm. 2 Uhr: Taufstunde. Taufen und Trauungen in der Kirche: Pastor Brand. Bibelstunde Donnerstag abend 7½ Uhr: Jakobstraße 29. Dorstfeld. Missionsfest. Morgens 10 Uhr: Festgottesdienst. Morgens 11¼ Uhr: Kindermissionsgottesdienst. Nachm. 4 Uhr: Missionsfest im Gemeindehaus(Missionar Blum von Neu=Guinea). Huckarde. Morgens 9½ Uhr: Gottesdienst. Nachmittags 1½ Uhr: Kindergottesdienst. Barop. Nachm. 2 Uhr: Gottesdienst in der Denkmalschule. Preußen. Morgens 9½ Uhr: Gottesdienst, danach Feier des hl. Abendmahls. Morgens 10¼ Uhr: Kindergottesdienst. Morgens 11½ Uhr: Taufen. Scharnhorst. Morgens 10 Uhr: Gottesdienst. Morgens 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Mittags 12¼ Uhr: Taufen. Derne. Morgens 9 Uhr: Pastor Thabe, im Anschluß Beichte und Abendmahl. Nachm. 3 Uhr: Taufstunde. Horstmar=Beckinghausen. Morgens 9 Uhr: Hilfsprediger Ringsdorff. Morgens 10¼ Uhr: Kindergottesdienst. Donnerstag abend 7½ Uhr: Bibelstunde. Mengede. Morgens 8 Uhr: Pastor Stenger. Morgens 9½ Uhr: Pastor Schmiedicke. Wanne, Evangelische Gemeinschaft, Bahnhofstr. 76. Vorm. 9½ Uhr: Predigt. Pr. R. SteckelReutlingen. Nachm. 5 Uhr: Abschiedspredigt: Prediger L. Koch. Mittwoch abend 8 Uhr: Bibelstunde. Recklinghausen=Süd, Hernerstr. 187. Vorm. 9½ Uhr: Betstunde. Nachm. 2½ Uhr: Abschiedspredigt. Prediger Koch. Donnerstag abend 7 Uhr: Bibelstunde. Nangendreer. Vom 1. bis 15. Juni. Geburten. Ein Sohn: Brauer Friedr. Wirth. Lokom.=Heizer Franz Koch. Fabrikarb. Karl Kammradt. Bergm. Adolf Mrotzek. Bergm. Franz Neumann. Maurer Heinr. Marschall., Fabrikarb. Martin Beimaniak. Schmied Heinr. Kötz. Maurer Willibald Müller. Bergm. Karl Rose. Fuhrmann Joh. Johannloberens. Bergm. Friedr. Pitscher. Bergm. Franz Babilinski. Ackerknecht Peter Papendeg. Platzarb. Joh. Dombrowski. Agent Hubert Kick. Bergm. Th. Bremer Bergm. Josef Schnieders. Bergm. August Neuhaus. Eisenbahnassistent Joh. Dotzerts. Bergm. Gust. Schulte. Bergm. Joh. Dellwig. Eine Tochter: Kaufmann Willy Mittelstraß. Fabrikarb. Joh. Nikolaus. Bergm. Aug. Malyszczak. Bergm. August Knapp. Schlosser Heinr. Beindorf. Hülfsbremser Karl Schulz. Bergm. Joh. Polomski, Weichensteller Heinrich Eichenauer. Bergm. Heinr. Höffken. Bergm. St. Walczak. Telegraphist Gustav Kilian. Bergm. Ignaz Cwitlinski. Glasmacher Chr. Klasischke. Fuhrknecht Joh. Steinmetz. Wirt Herm. Schulte. Bergm. Franz Resniewski. Bergm. Heinr. Grafenhain. Bergm. Karl Wischniewski. Bergmann Gustav Schulte. Aufgebote: Rangierer Wilh. Lucken und Anna Pfannkuch. Schlosser Georg Tillmann und Katharina Bracht. Bergm. Anton Redegeld und Theresia Wibbeke. Bergm. Franz Kuzinacki und Maria Walasiak. Bergm. Joh. Krug und Wilhelmine Falkenreck. Bergm. Friedr. Gehrmann und Hulda Bandillab. Bergm. Emil Limberg und Hedwig Netz. Steiger Heinr. Tiggemann, Altenessen und Emma Dittmar. Färbereibesitzer Julius Meisenberg und Sofie Hobrecht. Bergm. Gust. Czerwinski und Barbara Wenner, geb. Daube. Bergm. Ernst Brinkmann und Helene Schmidt. Bergm. Joh. Wlodarczyk und Luise Breitenstein. Bergm. Friedr. Köster und Elise Keller, Witten. Eheschließungen: Gutsverwalt. Adolf Friedr. Wilh. Ellerckmann und Anna Barbara Winkelhart. Schlosser Karl Umbach und Anna Garweg. Dreher Johannes Emil Eubel und Elisabeth Ackermann. Bergm. Wilh. Dördelmann und Anna Hedwig Specht. Wirt Heinrich Wiethoff und Alma Rosa Imhoff. Kaufm. Theodor Wilhelm Tekaat und Maria Hendrika Schmitz. Sterbefälle: Klara Müller, 19 J. Stephania Cwiklinski, 2 Stund. Bergm. Wilhelm Halbach, 39 J. Kesselwärter Georg Marth, 51 J. Therese Pfeil geb. Hackler, 30 J. Bergm. Karl Arthur Ilberg, 19 J. Friedrich Wilhelm Wirth. 12 Tage. Tägliche Gratisbeilage zum Dortmunder Generalanzeiger. aGra! Vm, I IKRSSN Er* 1E Killellose Rädchen. 42 Ruth selbst öffnete auf ihr Klingeln die Tür. Sie erschrak so, daß ihre Hand nach dem kleinen Tischchen im Entree tastete, um sich daran festzuhalten. Im Moment konnte sie sich die Situation überhaupt nicht erklären— sie sah nur zerstört, was sie mühselig aufgebaut. „Oh Gott, Suse!“ war alles, was sich zur Begrüßung über ihre weißgewordenen Lippen rang. Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie aus Suses konfusen Erklärungen, die sie in abgebrochenen, sich überstürzenden Worten, am Halse der Schwester hängend, hervorsprudelte, klug wurde. Trautendorf mischte sich schließlich lachend hinein: „Du bringst Deine Schwester ja um, Tollkopf! Ihr muß ja Hören und Sehen vergehen bei dem, was Du alles in sie hineinschreist. Laß sie doch wenigstens los.“ Suse gehorchte, jedoch nur, um sich stürmisch an seine Brust zu werfen. „Du bist ja bloß eifersüchtig, Schatz— ich darf nicht mal mehr meine Schwester umarmen— aber warte— weißt Du noch Ruth, wie ich früher mal behauptete, ich küßte meinen einstigen Bräutigam mal tot vor Liebe.“ Ruih nickte zustimmend. Sie erinnerte sich noch so gut jenes Ausspruchs und des Abends, an dem er gefallen— jenes elenden peinvollen Abends. Wie die Leiertöne winselten:„Nur einmal blüht im Jahr der Mai, nur einmal im Leben die Liebe.“ Es war nicht wahr. Ein Herz konnte noch eine zweite, schönere Blüte treiben, wenn die erste welken mußte. Aber warum konnte diese zweite nicht auch sterben? Warum quälte die Sehnsucht noch immer, die zermürbende, ungestillte Sehnsucht? Warum mußte sie die Lippen fest zusammenbeißen, um einen neidvollen Schmerzensschrei zu ersticken, als der hübsche schlanke Offizier sich nun zu der Schwester niederbog und neckisch forderte: „Nun, Du kannst mit dem Totküssen immerhin anfangen, Liebling“, als sie mit ansehen mußte, wie die Lippen der beiden sich fanden? Sie machte sich etwas an dem kleinen Schreibtisch zu schaffen, schob ein loses Blatt in die darauf liegende Ledermappe, um unauffällig ihren Mienen äußere Fassung, freudige Teilnahme aufzuzwingen. Sie hatte sich nie so bettelarm gefühlt wie in dieser Stunde. Das Kommen der beiden Brüder erlöste sie aus einer quälenden Situation. Walters Jubel war echt und impulsiv.— er forderte auch keine Erklärungen— er wußte ja nichts von all dem Vorangegangenen, er staunte nur darüber, daß die wilde Schwester, die so oft mit ihm getollt, nun eine Frau werden sollte, worunter er sich etwas sehr gesittetes, ruhiges und sanftes vorstellte. Den Schwager fand er famos und er machte große Augen, als er erfuhr, daß er soeben erst aus China gekommen war— wie viel interessantes würde er da hören! Seine Augen leuchteten. Er sah jetzt frisch und wohl aus. Suse küßte ihn für seine Freude tüchtig ab. Auch Heinz bekam seinen Kuß, trotzdem er ein mehr verlegenes als beglücktes Gesicht zur Schau trug und den ehrlichen Augen des neuen Schwagers scheu auswich. Trautendorf empfand keine Sympathie für ihn. Er hatte das bestimmte Gefühl, als habe der mürrische blasse Bursche nach irgend einer Richtung hin ein schlechtes Gewissen. Schade! Es wirkte förmlich störend in der Harmonie der schönen, gutgearteten Geschwister. Was war der Jüngste auch für ein prächtiges Kerlchen! So viel Offenheit und Temperament in dem hübschen Gesicht. Und diese Genügsamkeit in der grenzenlosen Freude, die er über die Wagenfahrt zu Brockhaus außerte. Er zappelte förmlich vor Vergnügen auf dem Kutschbock. Wieder erregten sie allgemeine Aufmerksamkeit, worüber Suse sich jetzt köstlich amüsierte. Meta hatte unterdeß mit Hilfe eines durch den Portier rasch herbeigerufenen Lohndieners, der die zu einer erkrankten Mutter beurlaubte Zofe vertreten mußte, eine kleine Festtafel hergerichtet, in einem nahen Restaurant war zu dem kleinen Diner rasch noch ein Gang nachbestellt, aus der Konditorei eine Torte geholt worden, in den silbernen Eiskübeln Roman von H. Ehrhardt. blinkten goldhalsige Sektflaschen— so daß es an nichts zu einer richtigen Verlobungsfeier fehlte. Suse mußte noch eine weiße Bluse anziehen, um das Trauermäßige der kleinen Tischgesellschaft zu verwischen und Ruth bekam trotz ihres Sträubens eine helle Schleife vorgesteckt. Sie war die einzige, die an der allgemeinen Fröhlichkeit innerlich keinen Anteil hatte. In ihr war zu viel zerbrochen und vernichtet. Sie sah elend aus mit tief in den Höhlen liegenden Augen und schmal gewordenen Wangen. Sie fühlte sich alt, den Ihren in ihrer Heiterkeit ganz entfremdet. Sie grollte Suse fast wegen ihres glücklichen Anpassungsvermögens. Ihr tat es direkt weh, wenn sie das schelmische„Muttchen“ hörte, mit dem der Uebermut nicht sparte. Die blasse, vergrämte Frau, die sie geboren und die ihnen trotz allen Kümmern und Sorgens hatte kein Glück verschaffen können, stieg vor ihr auf und lächelte ein wehes:„So schnell vergessen?“, sie sah das müde, verbitterte Gesicht des fleißigen, nie rastenden Vaters— Stiefkinder des Glücks! Gelebt und gestorben als solche. Ihr war das gleiche Los gefallen. Ein entsetzliches Kältegefühl durchrann sie. Wäre das Essen nur bald vorüber! Nur nicht so da sitzen, jeden forschenden Blick fürchten zu müssen. Fritz Trautendorfs feinfühlige Natur hatte sich mit Ruths wehmütigem Empfinden getroffen. Nachdem er den abwesenden Hausherrn und die anwesende Hausfrau mit warmen Dankesworten gefeiert hatte, bat er kurz und bewegt, ein stilles Glas den Toten zu weihen, die den Freudentag der Tochter nur von lichten Höhen aus mitfeiern konnten. Er knüpfte die Hoffnung daran, daß er auch den verstorbenen Eltern ein willkommener Sohn gewesen wäre, daß er auch ihres Segens gewiß sein möge. Suse fiel ihm leise weinend um den Hals und er wehrte ihren Tränen nicht. Ueber ihren blonden Kopf hinwveg tauschte er mit Ruth, die wie versteinert dasaß, einen Blick. Und ihre Augen sagten ihm deutlich, wie viel höher sie ihn seit wenigen Minuten noch schätzte, als vorher. Es war eine stolze Freude, die sie ihm damit gab. Er hatte eine große Hochachtung vor diesem Frauencharakter. Was mochte es sein, das diese stolzen Schwingen gebrochen? Nur der Kampf um das tägliche Brot? Suse mußte das zu erfahren suchen. Suse! Das ganze Glück ihres Besitzes überflutete ihn plötzlich wieder, jeden anderen Gedanken hinwegschwemmend. Er nahm mit zärtlichen Händen das blonde Köpfchen von seiner Brust empor und küßte die letzten Tränen von den schönen blauen Kinderaugen. Die gerührte Stimmung ebbte ab, die übermütige Heiterkeit, die der Stunde angemessen, kam wieder zu ihrem vollen Recht. Die Fruhlingsblumen dufteten berauschend dazwischen und durch die hohen Spiegelscheiben stahlen sich, schimmernden Goldpfeilen gleich, noch ein paar Strahlen der tiefer sinkenden Wintersonne. Und Suse breitete die Arme aus und jauchzte aus übervollem Herzen, berauscht von Liebe und Wein, Duft und Wärme und Licht:„Ach, das Leben ist doch schön.“. Alle lachten zustimmend, nur Ruth lächelte bitter. 2. Kapitel. Eines wenigstens blieb ihr erspart. Sie brauchte nicht stündlich das Liebesglück der jungen Schwester vor Augen zu haben, sie konnte sich ungestört in ihren Schmerz einspinnen, ohne daß noch die Außenwelt in der offenen Wunde verdoppelte Qual aufrührte. Suse galt bereits völlig als Brockhaus Tochter, sie hatte sogar ganz feierlich tränenreichen Abschied von Ruth und dem alten Heim genommen, als sie sich ihre sämtlichen Sachen zusammengekramt und mitgenommen hatte. Die Schäfern hatte heulend dabei Hilfe geleistet. Der allmorgendliche Schwatz mit dem lustigen Fräulein Suse hatte ihr schrecklich gefehlt— nun war das für alle Zeiten vorbei. Suse war sehr gerührt über diese Anhänglichkeit. Sie schenkte ihr großmütig einige abgelegte Kleidungsstücke und lud sie ein, zu ihrer Hochzeit Brautschauen zu kommen. Auch Hochzeitskuchen versprach sie. Sie lebte bereits nur in dem Gedanken an die Hochzeit, die im Mai. da auch Major Brockhaus (Nachdruck verboken. wieder in der Heimat angelangt sein würde, erfolgen sollte. Bis dahin mußte auch Trautendorfs Beförderung zum Hauptmann heraus sein. Underdes gab es mannigfache Beschäftigungen und Besorgungen, welche die Aussteuer und die Einrichtung einer Wohnung erfordern. Meta ging von dem vernünftigen Grundsatz aus, Suse nicht zu sehr zu verwöhnen, um ihrer Leichtlebigkeit nicht von neuem die Tore zu öffnen, und so bestellte sie nur einen Teil der Wäscheausstattung fertig aus einem Geschäft. Zu den einfachen Gegenständen kam eine Weißnäherin ins Haus und Suse mußte tüchtig mit Hand anlegen, was sie auch freudig und lernbegierig tat. Sie jubelte wie ein Kind über das erste tadellos geratene Knopfloch und säumte mit glühenden Wangen viele Dutzend Handtücher, ohne die Geduld zu verlieren. Kam Trautendorf gegen Abend, so mußte er seinen Schatz erst aus ganzen Wolken weißer Leinwand heraussuchen, die sie vorher geschickt um sich her drapierte. Dann durfte sie Feierstunde halten und am Halse des Geliebten wonnige Zukunftspläne spinnen. Sie zählten die Tage bis zu ihrer Hochzeit. Suse hatte neben dem Sofa, auf dem sie stets saßen, ein kleines Täfelchen aufgehängt, das in Strichen die Tage bis zum 16. Mai bezeichnete, und jeden Tag strich sie selig lächelnd einen hinweg. Trautendorf nahm sie dann ebenso regelmäßig in die Arme und küßte sie so lange, bis sie ganz außer Atem war und schmollend auf„Muttchens“ Gegenwart verwies. „Schämst Du Dich denn gar nicht, Du abscheulicher Mensch?“ Aber in dieser Beziehung war er ein hartgesottener Sünder— er schämte sich nicht. Und Meta verzieh gern den ungestümen Gefühlsausbruch, denn sie war in ihr Töchterchen fast ebenso verliebt wie Trautendorf. Suse gewann sich eben alle Herzen. Jetzt in ihrem Glücksrausch, ihre kindlich demütigen Dankbarkeit gegen die Verwandten war ihr vollends nicht zu widerstehen. Alle guten Eigenschaften, die verbitterter Trotz gegen ihr hartes Schicksal früher unterdrückt hatte, sproßten jetzt in ihr auf wie köstlich duftende Blüten. Sie umgab Meta mit tausend kleinen Aufmerksamkeiten, sie, die früher stets andere hatte für sich sorgen lassen, die gestöhnt hatte, wenn sie sich allein ein Glas Wasser aus der Küche holen sollte. Sie legte überall mit Hand an, stand frühzeitig auf. um den Kaffeetisch zu besorgen, half der dicken Ida kochen und backen, lernte bei ihr plätten und ließ sich theoretisch in die Geheimnisse der Wäsche und des Früchteeinkochens einführen. Und die Köchin war ganz stolz auf ihre Schülerin. Die würde sich gewiß von so einer Berliner Küchenfee nicht auf der Nase herumtanzen lassen— sie würde die erfahrene Hausfrau würdig vertreten, so jung sie auch war. Suse war sehr stolz auf das Lob der perfekten Ida. Sie freute sich kindisch auf den eigenen Haushalt. Vor einem Jahre noch hätte sie hell aufgelacht, wäre ihr prophezeit worden, daß ihr einmal die Besorgung ihrer Kücheneinrichtung mehr Vergnügen machen würde, als das Auswählen ihrer Salonmöbel. Aber es war wirklich so. Die Küche sollte ein wahres Schmuckkästchen werden. Die Möbel wurden alle modern. aber ganz einfach gewählt, doch durfte sich Suse all das gestatten, was eine Wohnung gemütlich zu machen pflegt, recht mollige Teppiche und Felle und viele weiche Kissen. Das besorgte das junge Paar sich allein, wenn sie nachmittags suchend und prüfend von Schaufenster zu Schaufenster schlenderten. Sie endeten dann, wenn es irgend anging, in der kleinen Konditorei, in der sie ihr Wiederfinden gefeiert hatten und Suse schwelgte in Süßigkeiten und schönen Erinnerungen. Bei einem solchen Besorgungsgange prallten sie an der Ecke der Leipziger= und Friedrichstraße mit einem langen, rotblonden Infanterie=Offizier zusammen, der sie einen Moment wie geistesabwesend anstarrte. Dann ging ein strahlendes Lächeln über sein häßliches Gesicht. „Trautendorf!"„Bittner!“ klang es herüber und hinüber. Die beiden Freunde schüttelten sich kräftig die Hand. Suse stand errötend und lachelnd daneben. „Mein gnädiges Fräulein!“ der lange Offizier S EEE 2 25 #e 3 S 5 S SSSBSPE “PESASGEG 2 S T5ßSSaRER 358.5 ###### SgOBSESEAEE S SSSSBSSHSSES SCEPTEES 2 8585885BSS 3S 53SS R5 # BBg„E. „n g RpR''SEE S 5 SSOS ng EoSPSDFAEBE E BHE S25OE S001L S 9/905.1. Sch 552 S E. 8 B S 5 S955 FI•SE! beigte sich bewegt über ihre Rechte,„wie freue ich mich, Sie beide in Ihrem Glück zu sehen.“ Ein ganz klein wenig zitterte ihm die Stimme. Nun er in das einst so heiß geliebte, süße Gesichtchen blickte, fühlte er doch, daß die alte Wunde noch immer brannte. Er gehörte zu den Männern, die nur einmal lieben können. Suse sah unbefangen zu ihm auf. „Ja, wir haben uns doch gekriegt,“ meinte sie Doch käme auch in hellen Haufen Dir nachgereist der Gäste Schar, Der Erste, Liebste unserm Herzen Wirst Du doch bleiben immerdar. Um solche Wahrheit Dir zu künden, Nimm unsrer Freude Zeichen hier Und laß die Stirne Dir umwinden Mit dieses Kranzes grüner Zier." Das wär' ein Unrecht gegen den Ochsenwirt, der so auf Gäste lauert, weil ihm das Bauen so viel geIostel But.— sste „Was hat er denn bauen müssen und sich eine Krone aufsetzen? Mir war der rote Ochse noch lange gut genug. Und nun gefällts mir halt nimmer hier.“ „Das ist nicht wahr!“ rief das Reserl und schauArm fes an sich drückend, Haupte und er dachte nicht sogleich daran, ihn wie Morgensonne hinein. trahtende 98#aben pir uns damals nicht träumen lassen, der heratzureißen, sondern starrte wilden Blickes Menschen nicht gefan edie donm das wodt enen in N. zur Bahn brachten, daß Sie mich zu dem Schild empor, das neben der Ehrenvforte ganzen Welt noch was drei Jahre später in Berlin auf der Leipzigerstraße ragte und darauf zu lesen stand: Dem Doktor wollte 22 bahinfer f. F als Trautendorfs Braut begrüßen würden nicht!„Luft und Höhenkurort Oberpolding.“ unrecht nicht. Aberun uis Bade nie 19 und zu dem Schild enpordeutend, rief jetzt die nicht auf die dde sein nachdentlicher Bick war Praungeägote:(sondern auf das uug Taudschaft gerichtet, „Der Luft= und Höhenkurort Oberpolding ist sich wieder u gand, verzickte Resert. Bis dus eröffnet. Hurra hoch, hoch und nochmals hochl““(dem Schelm 0 mit „Hurra hoch! Hurra hoch!“ brüllten wie be„Gelt Sie sessen die anderen ihr nach, Friedrich Ponndorf l bleiben noch ein By an: Sie aber fühlte seine beiden Hände gefaßt, gedrückt, ge teine anderen Gäste da sind. DEr hat auch sein Gutes gehabt, sagte Trauten=(schüttelt. Zu seiner Rechten stand der Schulze, zu dach zu viele Vorwürfe her mubt 10 uirt vorf. wer weiß, wären wir heut so glücklich, wäre seiner Linken der Schulmeister und auf seine volle Einweihungsfeier 20 mut der alles den glatten, alltäglichen Weg gegangen, hätten Front drang ein Dritter ein, aus dessen schwarzem] Also sie haf wir nicht so umeinander kämpfen müssen. Aber nun Akendmahlsrock er sich nur mühsam des Ochsen= den ganzen Luft,eett, Aeute womogiich sag, wandte er sich lebhaft an den neben Suse her= wirts bekannte Erscheinung herausschälte, die wissen. Und u. d ss=erru auf dem Geschreitenden Freund,„welcher Wind weht Dich heut hemdsärmelig, in seiner Erinnerung lebte. Was wissensh. eine Senach Berlin? Ich habe seit Deinem Glückwunsch zu des Schildes Inschrift kündete, begannen die Drei grad Aber.. das fiel ihm auch unserer Verlobung nichts mehr von Dir gehört— sihm weiter zu erläutern, bis er's dann richtig be= flassen.. z Oeemwirt darunter leiden und der war noch dazu verdammt kurg.:(griffen hatte: in feierlicher Gemeindesitzung war Kron, ud der vonöglich an seiner goldenen Bittner konnte eine leichte Verlegenheit nicht beschlossen worden, Oberpolding der Zahl der offi schwatza vielleicht auch aufoeganz, verbergen. Er wich dem offenen Frageblick ziellen Sommerfrischen einzuverleiben. Der Luft=] Das Re und Höhenkurort war eröffnet und ihn den ersten nn nesert mochte ihm ansehen, zu welchem als Trautenborss Slaut begraßen wurden, nicht wahr, Herr Oberleutnant?" Er nickte. „Das war ein böser Tag damals." ..„ Die beiden Männer tauschten einen ernsten Blick. Es gibt Stunden im Leben, die fester aneinander knüpfen als Jahre und die man nie vergißt. „Er hat auch sein Gutes gehabt,“ sagte Trautendes Freundes aus. (Fortsetzung folgt). Der ersie-Casl. Humoristische Erzählung von H. Abt. (Nachdruck verboten.) Der Doktor chem. Friedrich Ponndorf freute brein, leiteten sie ihn zum Gasthof u (sich und rieb sich vergnügt die Hände, wie er in die hof: Nein, zum„Hotel“. Vergeblich suchten des Sdte beiwne, Echnelgug in die schone Ferne beför mit seinem Giebeltübchen und den halbblinden und Hexemutott wur eroffner undo ign, den ersten gutmütigen Entschluß 2 zn ansehen, zu welchen sehnlichst erwarteten Gast hatte man zum Opfer voll herzlicher Freuze naie dieser Einweihungsfarce ausersehen. Jetzt fuhren]„Daß ist lieb voan Ihnen daß#seine Hände zum Kopf empor, die grüne Narren= und Sie werdens. ie dableiben, kappe herabzureißen. Doch statt, wie es seine Ab Er faus au ganz gewiß nicht bereuen.“ sicht gewesen, den Kranz zu Boden zu schleudern, aber dann...6 ihr au anworten. Als er stepfte er ihn in eine der weiten Taschen seiner les ihm auf einmal 86 Joppe hinein, wie sein Blick wieder den braunen grüßungsgedicht katt, ein: das BeAugen begegnete, die ihn so schelmisch anlachten. macht. pnd auch selber geDie Musik voran, der Zug des Volles hinter= wieder ein: Jeiten des Gebichtes sielen ihm „Der erste, liebste unserem Herzen Wirst Du bleiben immerdar." Na, so gingen denn acht Tage dahin und die Reue hatte dem Doktor bisher noch nicht zugesetzt, auch dann nicht, wenn er tagtäglich dem Reserl begegnete. Lieber Gott, das Bedürfnis des Sprechens ist dem Menschen doch nun einmal gegeben und so redeten er und das Reserl denn miteinander, Und eines Morgens rief sie ihm ent„Heut' kommt nun auch die Frau mit den KinAuf die Bank, neben der sie standen, sank der Doktor nieder. Sein letztes Stündlein hier hatte also geschlagen. Die Witwe, die sich auf die Annonce hin, welche der Luft= und Höhenkurort losgelassen, gemeldet hatte, kam heute mit ihren vier schoft, immer grüner traten die bewaldeten Höhen= war verblieben, drauf hatte man züge hervor, zwischen denen eingebettet das welt= goldenen Krone“ gesetzt und„mit allem Komfort eschts bes asie schsece eie hent san ersite echiche d ad S ce e enen. zwaren ihm ganz besonders zuwider, denn in solch]„Zum Donnerwetter, unter der Linden will i einer eleganten Sommerfrische war's ja gewesen, mei Nachtessen und a Speiskarten brauch wo—— pah! Die alte Geschichte, daß ein Mann A Backhändel will i ham und an Schmarn. Ibvon einem Weibe genasführt wird, sie war ja seid's da heroben ja wohl allesamt verruckt längst abgetan und bergessen, und daß er darüber und morgen in der Fruh geh'i weiter!“ zum Menschheits= und vor allem zum Frauenver=] Und dieser Vorsatz wurde ihm weder dedurch E# äckter geworden war— nun, seinem sonstigen erschüttert, daß Backhändel und Schmarn von taNie ders bhorschedenen Sesten, Fieen Abruch und belosester Güte waren, nach daß nach vollendeter„ich habe Kinder uu au drenet waren. tetlich, e, Sähterlichge, seiner Gemützart. Jestsdoraus der Dotor erfsahr, daß die Weitgeleidete, sag e bild. 46g. Dan werden Sie Ainglingshaester Vesdendsheit anck einen Alstei, als fund und heit Fesie deibe des Zaplans Schmester, ahgaeben und für nichte ui den bongen der se esesne Hauleskele ereicht kante un der set. den er Dd unsgchiger Mimitung dei der sSinz hatdanrer uid auicht udr Sat u lag. Empfangsfeier gehörig den Kopf gewaschen habe. dag ich mich schon mit ihnen, nickte (an. Sin, Scrleust, öiterbordiertex, Rütze kam ange. Der Dotor murmelte etwas undentliches. Als dem er uud dann emstand eine Bause, in der eis bernshtesder Bug iser wogen aufübdigen ser aber spaäter droben in seiner„mit alen Konfort.e, Voty, giangz,Plutdürktioes Heradtesgelite kon, , vexntggesver Dua nuieß den Dienernden zu. der Neuzeit“ ausgestatteten Stube, der man das santlicher, kzingern in der Velt den Garaus zu zu Wagen, mit solch einem galonierten Neue nur so anroch, aus seiner Joppentasche der machen. Mit glühenden Augen sah er sie an. Kütuerefigeinenitseen. in seitzesaen Pherhel, verwelten Kranz hervorzerte, knurte er schr ver, besert wenn Sie wirlich ein Herz für den Zu Fuß ging er und sein abermaligen Vorsatz, morgen in aller Frühe weiter die sollen Sie mir jen Zeiten, eset ei. Keuen Segrelich, ale schs ant sagd dan Szald engs zugh has desie der Mahrkionz autf dren Hut u. list bodem wichen wiede fechiede Priöchen grich= schone Ausichz, von dem Hesen duben, zu den ersster sny gicheier. Reierl, tut Ihnen der 9h. der eien Sinde den Tich dechte in Gärigen unter samn anderen Morgen nch einmal hnausgelletert ssenwirt Gaexsiot mehr leidi ader haben Sie ihre is seersie erien un grih den Hut spor. Aber auch nach ene andere wur in aler edenen berze bergesenr“. vom Kopfe, und, e Sazte ihn dem Korschen, ent= verrgottsfrühe heraufgeklettert, sich, der schönen nigu schutelte, se den Kopf. Vergessen nach dam pautrangz der ragenden Berge Pusicht g. erfreuen, Auf einem Felsckarsunng 109t aber u.—. „Aber— ist's heut', wo wir uns besser kennen, vielleicht nicht mehr wahr?" Jetzt lachten die braunen Schelmenaugen ihn wieder an. „Wahr ist's schon noch— wie halt so eine— poetische Lizenz wahr ist.“ „Reserl!!" „Au!“ sagte das Reserl, aber erst nach einer Weile, wie der Doktor seine Lippen gar zu nachdrücklich auf die ihren gepreßt hielt. Da ließ er sie los und triumphierte:„So— das war auch eine poetische Lizenz. Und nun mag meinethalben das Weib mit ihren vier Satansbraten kommen und noch ein ganzes Schock anderer Gäste hinterdrein. Daß ich Dir der Erste, Liebste bleibe, scheint mir nun ausgemacht. gegen, als ous, vom Halbkranz der ragenden Berge Aussicht zu erfreuen. Auf einem Felsvorsprung leingeschlossen, auf grüner Wiesenmatte zum Vor= saß das Reserl und lachte dem Doktor mit brauschein kam. Doch plötzlich stutzte er. Na nu, was nen Augen entgegen. Und wie der sich mit war denn das? Wo die Dorfstraße begann, eine Gruße nicht beeilte, stand sie auf, knixte wie ein Syrenpforte mit guirlandenumwundenen Masten, sartiges Kind und sagte hellen Tones„Guten hunten Fähnchen und grünem Kranze, aus dessen Mogen.“. Veien Tones=Huten Ritte ein goldenes„Willkommen“ weithin strahlte.] Jetzt wurde er rot, riß den Hut vom Kopfe, zin welche Kirmes oder welches Vogelschießen geriet sagte gleichfalls:„Guten Morgen“ und dachte wie####n da hinein? Musik klang auf. Was für der dabei:„Naseweiser Grasaff“. Und er sah Musik! Dem Doktor gab's einen Ruck, als wolle ihm sich den Grasaff an. einer das Herz aus dem Leibe reißen. Und unter Auch das Reserl sah sich den Doktor sehr genau trat ein Zug. Die Mu= an und wie sie die schweren Nägelschuhe bemerkte, sikanten mit ihren Hölleninstrumenten voran, der fragte sie ihn, wie einen alten Bekannten:„Solls Lehrer mit der Schuljugend hinterdrein, darnach in in die Berge hinauf!“ des Dorfschulzen vierschrötige„Wieder fort soll's“ gab er mit bösem Gesicht Gestalt und hinter ihm paarweis alles, was Ober= szurüch. sem Sencot polding an Männlein und Weiblein besaß. In das!„Wieder fort?" Es klang ganz erschrocken.„Ja Randalieren der Musik ließen sie die Stimmen er= nein, der Ochsenwirt hat doch gesagt. Sie hätten Ahgen und esegz,sgend eigen Aniomnmenden ihrsdrei Wohzen blecden wolen: ersct, Ste 6 „Willkommen! Willkommen!“ entgegen.]„Beim Ochsenwirt ja, aber nicht im„Hotel zur##interessanter Prozeh. Eine ranke, schlante im weißer Kleide, mal so groß, wie das Reserl fragte:„Ja, wmas Die Klog= Zu. en Hgareg, lachenden braunen Augen haben denn Ihnen die Menschen getan, daß sie vor liche Traade der Larpin v. Scardstein auf gericht. und lachenden roten Lippen, hielt in den erhobenen denen davonlaufen, noch eh welche da sinds:: arennung von inrem Semadl kam vorgestem Händen einen Kranz aus Eichenlaub, trat dicht vork. Was ihm die Menschen getans Sollte ers dem Geschworenen u dor besonderen den ganz verblüfften Doktor hin und dellamierte Grasuff vielleicht auf die Nase binden? Er schwiegl die zu Zieser Alg.s Die Vorgeschichte, vol Schwung und Pathos:„.(mit überlegener Niene. Das Reserl aber giser as du dieser Elage führte, it wiederholt schon eregeler De da konmnen solen, weitg:.=— uen ur ereite, uihnt worden se duh u genigen Bürtz, Aun Zies ein bei uns, verweil recht lunge.(Enpsang gemacht, Sie aber haben sich darüber er. * 5* O EE. E 5 Sbu SUS ESp #EEE SEEEEE 63S B 5S:„SSSaPPSSE *5 S E SSESEBAESG S S SA SEEEs 9 T55 #o #HTSS:OSEDOOOPSESESa SSaxC-S9g S 5 USE SRRZDELEEEEEETeS S5UUI 25 :85 S 5. 5 5 6: S# =PEGRTSSEL SEEOSDSRESEEES EU 256 *•* 9e S„ Zur Enthüllung des Graf-Regent Ernst-Denkmals in Detmold Am 30. d. M. wird in Detmold das Denkmal für den verstorbenen Graf=Regenten Ernst enthüllt werden. Aus dem Wettbewerb, der seinerzeit ausgeschrieben wurde, ist der Berliner Bildhauer Heinhervorgegangen. Das Denkmal stellt den Graf=Regenten, der eine würdevolle Erscheinung war, sitzend dar, ein Mantel in malerischem Faltenwurf umgibt seine Gestalt. Der Sockel aus rotem, schwedischen Granit trägt auf der vorderen abgerundeten Fläche die Widmung, und an jeder Seite befindet sich ein künstlerisch besonders schön ausgeführtes, figurenreiches Relief, die beide durchaus bemerkenswert sind. Das eine dieser Reliefs stellt den Einzug des Grafenpaares in das Lipperland am 17. Juli 1897 dar, das andere zeigt die gräflichen Herrschaften als Wohltäter der Armen und Elenden und als Gründer gemeinnütziger Anstalten. Gerade diese Betätigung hat das Lippervolk zu der Errichtung des Denkmals veranlaßt. Klagegründe waren Treubruch und Grausamkeit. Mr. Duke, der Anwalt der Baronin erklärte eingangs, daß seine Klientin nur deswegen nicht auf vollständige Scheidung klage, weil beide Teile in Deutschland domiziliert seien, und daher in England keine Scheidungsklage einreichen könnten. Der Anwalt schilderte dann die wenig erfreulichen Vorgänge, die zu dieser Klage führten. Sir Blundell Maples Tochter war ein junges Mädchen von 18 Jahren, als sie ihren späteren Gemahl kennen lernte, der damals bei der deutschen Botschaft in London war; er war zwölf Jahre älter als sie. Sir Blundell wollte von der Verbindung nichts wissen, gab aber schließlich dem Drängen der jungen Leute nach. Wie die Baronin jetzt behauptet, hat ihr Gemahl ihr von vornherein nicht die Gefühle entgegengebracht, die sie erwarten zu können glaubte. Auf der Hochzeitsreise schon habe er einen unwürdigen Ton ihr gegenüber angeschlagen, und in Paris und Berlin habe er sie allein in den Hotels sitzen lassen, während er mit Freunden ausging. Damals dachte sie aber nicht daran, daß eheliche Untreue vorliegen könne und darum bewahrte die junge Frau trotz des Vorgefallenen ihre Gefühle ihrem Mann gegenüber. Die Szenen zwischen den Eheleuten wurden aber immer schlimmer und nahmen schließlich einen solchen Charakter an, daß die Gesundheit der Baronin zu leiden begann und es verschiedentlich notwendig war, einen Arzt herbeizuholen. Verschiedentlich soll der Baron gedroht haben, Selbstmord zu begehen, er habe sich aus dem Fenster stürzen oder in Gegenwart seiner Frau erschießen wollen. Sir John habe das Ehepaar reichlich mit Geld versehen, zuerst habe er 120000 Mark im Jahr zugesteuert, später 180000 Mark. Ein Jahr nach der Hochzeit habe er die Entdeckung gemacht, daß sein Schwiegersohn an der Börse Schulden gemacht habe, die sich auf 120000 Mark beliefen und um einen Skandal zu vermeiden, habe er dieselben bezahlt. Trotzdem habe der Baron, als Sir John im Sterben lag, seiner Frau gesagt, ihr Vater sei wahnsinnig. Das sei gewesen, weil er gehört hatte, daß Sir John das Vermögen seiner Tochter gegen ihn sicher gestellt habe. Er sei über diese Geldangelegenheit so sehr in Wut geraten, daß er seine Frau aus dem Zimmer wies und sie die Nacht auf der Treppe zubringen mußte. In dem Testament bestimmte Sir John, daß die Hälfte des Vermögens an seine Tochter gehen sollte, daß sie aber den größeren Teil des Jahres in England bleiben müsse, dem Baron hinterließ er nur einen Jahreszuschuß von 20.000 Mark. Weiter behauptet die Baronin, ihr Gemahl habe fortgesetzt Geld von ihr verlangt und zwar Summen von dreihunderttausend bis zwei Millionen, und wenn sie dieselben nicht sofort hergegeben habe, drohte er mit Selbstmord. Die Anschuldigungen wegen ihres Umganges mit ihrem Arzt habe der Baron erst vorgebracht, als er sah, daß er mit Bezug auf die Geldangelegenheiten nicht seinen eigenen Willen durchsetzen konnte. Schließlich habe die Baronin dann herausgefunden, daß der Baron mehrere wenig wünschenswerte Bekanntschaften unterhielt, und einige von zweifelhaften Frauen an ihn gerichtete Priefe fielen ihr in die Hände; daraufhin erst habe sie sic entschlossen, die Klage einzureichen. Nach diesen Darlegungen wurde die Verhandlung vertagt, und bei der nächsten Verhandlung wird man die Darstellung der Verhältnisse von Seiten des Barons zu hören bekommen. Mannigfaltiges. „###erlin, 27. Juni. Eine elektrische vortbahn im Tunnel quer durch Berlin vom Wannsee= zum Stettiner Bahnhof wird gemeinsam von Siemens u. Halske und der preußischen Eisenbahnverwaltung geplant, und die Verhandlungen sind bereits so weit gediehen, daß ein volles Einverständnis erzielt worden ist. Das Projekt liegt jetzt der städtischen Verkehrsdeputation vor. Die Bahn soll die südlichen mit den nördlichen Vorortbahnen in direkte Verbindung bringen, sodaß die Züge von einer Bahn zur andern übergehen können. Der Tunnel soll unter dem Potsdamer Bahnhof hinweg zum Brandenburger Tor, Weidendamer Brücke, Elsasser Straße, Stettiner Bahnhof, Humboldthain und Gesundbrunnen führen, und an den genannten Stellen sollen Haltestellen] eingerichtet werden. Die Bahn wird eine elektrisch betriebene Vollbahn werden. Durch die neue Untergrundbahn wird nicht nur den Reisenden, die auf dem Stettiner Bahnhof eintreffen, ermöglicht Anhelter gos und deauem den Potsdamer und auch die Sahnhof zu erreichen, sondern es werden 10 die Straßen in der Nachbarschaft der genann(ur Pohphöfe erheblich entlastet werden.— Ur. zunglich war der Bau dieser Stecke, wie uns des salie ein. 5 Frgänzung bilden der von seiten Verlins shouter Prig nister Buge iei. Jadn. Der damalige Mi, üdde erklärte jedoch, daß er diese Strecke „Potsdamer Platz—Stettiner Bahn“ dem Staate vorbehalten wolle, wobei es eine offene Frage bleiben sollte, ob der Staat, oder ob es von Privaten gchgut und diesen als Pächter betrieben werden rauf Zens Eisenbahnministerium hat demnach damehmen, sich den Van selbst in die Hand un sepelt höfliche Professor.) Der Rauvor einigen Lagen durdeß aud Rendork het in Bonn seine Vorlesungen über das Staatsrecht der Vereinigten Staaten vor einem zahlreichen Auditorium beendet. Der Bonner Zei' tung zufolge führte Burgeß unter anderem aus. daß seine Bewunderung der Deutschen bei seinem diesmaligen Aufenthalt in Deutschland, wenn mögnoch größer geworden sei. Wir, Deutschland und Amerika, sagte er ferner, gehören zu den großen, fortschreitenden Nationen. Wir besitzen Gevsotzienehengerad nungesfreudigen Unternehmungsgeist; wir gehören zusammen. Wohl, unseren beiden Völkern, Heil der ganzen Welt, daß wir zusammengehen und zusammenarbeiten!(Beifall.) Hierauf verabschiedete sich Professor Burgeße Iuterse daunke. uus.Der Ziegelstein als Urkunder Hirschberg, Schlesien, schreibt man der„BerlVolksztg.“ vom 26. Juni: . Durch die ganze deutsche Presse ging vor einiger Zeit ein Bericht, in dem im Anschluß an das Urteil des Reichsgerichts ausgeführt wurde, daß die Hirschberger Strafkammer in einem vom Reichsge) richt aufgehobenen und an die hiesige Strafkammer, zurückgewiesenen Urteil einen Ziegelstein als Ur, cchsmgerklärt hatte. Die Ziegelsteinurkunde beg schaftigte also heute die hiesige Strafkammer zum zweiten Male. Bei dem Neubau des Lehrerinnenseminars in Löwenberg hatte der Pächter der dorh tigen städtischen Ziegelei, Wiesenhütter, eine größere Ziegellieferung übernommen. Die Baulei## tung wollte dann nicht voll Zahlung leisten, weil, sie behauptete, die gelieferten Ziegel seien schlechter, als die drei Probeziegeln, die der Bauleiter aus der Ziegelei mitgenommen und mit entsprechenden Blaustiftnotizen versehen hatte. W. behaupe tete aber, der Baumeister habe eine vierten Probeziegel mitgenommen und diesem entsprächen die gelieferten Ziegel. Im Bureau fand sich in der Tat, noch ein vierter Probeziegel, der dieselben Blaustiftnotizen trug, wie die drei Probeziegel. W. soll jedoch diesen vierten Ziegel selbst geschrieben und auf geschickte Art und Weise in das Baubureau eine geschmuggelt haben. Die Strafkammer sah in dem Beschreiben des vierten Ziegels eine Urkundenfälschung und verurteiltee W. zu drei Monaten Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe. Auf die Revision des W. hob das Reichsgericht dieses Urteil auf, weil es den Charakter des Ziez gelsteines als Urkunde für nicht genügend festger stellt erachtete. In der heutigen Verhandlung erklärte der Baumeister, wie schon zum ersten Male, die Blaustiftnotizen auf den Probeziegeln hätten den Zweck gehabt, vor Verwechselungen zu schützen. Daraufhin nahm die Strafkammer, gestützt auf die Entscheidung des Reichsgerichts, bei W. diesmal keine Urkundenfälschung, sondern nur versuchten Betrug an, da die gefälschten Notizen auf dem Probeziegel für den Lieferungsvertrag ohne Bedeutung waren. Aber die Strafkammer erkannte diesmal auf dieselbe Strafe wie das erste, Mal, nämlich auf dreiMonate Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe. Jetzt will W. zum zweiten Male Revision einlegen.— —(Kannibalismus in China.) In China wütet die Hungersnot auf das schrecklichste. und chinesische Blätter berichten, daß in manchen Gegenden des Landes die Hungerleidenden bereits. nach Menschenfleisch greifen. Die Reisverteilung durch die chinesische Regierung kann dem ungeheuren Elend in keiner Weise steuern. Darum ist, es auch nicht verwunderlich, daß die Landbevölkerung, die unter der Hungersnot am meisten zu leic den hat, auch vor dem Aeußersten nicht mehr zurück. scheut. Ein Tongkinger Blatt erinnert bei dieser Gelegenheit daran, daß der Kannibalismus in China schon öfters bei Hungersnot aufgetreten ist. So auch bei den Bandenkämpfen im Hoch=Tongking,“ wo die Piraten, wenn ihnen die Lebensmittel ausgingen, ihre Gefangenen verzehrten, insbesondere Frauen und Kinder. Eine Frau von dem eben in Marseille gelandeten Dampfer„Sailaire“, der mit 200 Passagieren aus China heimkehrte, erzählte, daß in ihrer Gegenwart ein chinesischer Bandit einer Frau ihr Kind aus den Armen gerissen und ihm den Kopf an einem Baumstamm zerschmettert habe. Die verzweifelte Mutter stürzte sich auf den Mörder, der aber die Angreiferin sogleich tötete. Mutter und Kind wurden von der Bande verzehrt. Auch ein Offizier, der an den Bandenkämpfen in Tongking teilgenommen hatte, berichtet, daß die Banditen häufig die Gefangenen verzehrten. Bei diesen Gelegenheiten aber stellte es sich heraus, daß die Neig gung der Chinesen zum Kannibalismus nicht allein durch Hungersnot bedingt sei, denn auch die Regierungssoldaten erbaten sich oft die Erlaub#nis, die gefallenen Feinde verzehren zu dürfen, und die europäischen Offiziere mußten bei den Soldatenleichen Wachposten aufstellen, damit dies verhindert wurde. Selbswverständlich ist es, daß die Hungers. e — Nr. 176.(3. Blatt.) General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Sonnabend, 29. Juni 1907 Räcaeemnacken=Sammieclkel uner Sämmer! Es liegt in Ihrem eigenen Interesse die in Ihrem Besitze befindlichen Rabattmarken-Bücher bis zum 15. Juli ds. Is. spätestens einzulösen, da die namhaften aushenangebenden Ganchilte vun diuen lege ur veier Aasten veun Pünkr oier ven Rachter a Ge. augebern, uch ierter Bicher kn Aalhlug nehimen verden. Für die Folge werden nur grüne Rabattmarken des Rabattmarkenvereins von Dortmund und Umgegend ausgegeben. Der Peters=Prozeß. (Schluß des 3. Verhandlungstage siehe 1. Blatt.) München, 28 Juni. (4. Verhandlungstag). Der heutigen Sitzung, welche die Entscheidung in den interessantesten aller großen Kolonialprozosse der letzten Jahre bringen soll, sieht man naturgemäß hier mit größter Spannung entgegegen. Der Andrang des Publikums ist ein so enormer, daß man am frühen Morgen bereits polizeiliche Vorkehrungen traf, um einer Ueberfüllung des Gerichtsgebäudes vorzubeugen. Gendarmen sperren das Gebäude in weitem Umkreise ab und nur mit Eintrittskarten versehene Personen vermögen in das Gerichtsgebäude zu gelangen. Der Abg. Bebel wurde von den angesammelten Genossen lebhaft begrüßt, ebenso der„ungekrönte König von Bayern“, der Abg. v. Vollmar. Im Zuhörerraum bemerkt man auch den sozialdemokratischen bayerischen Landtagsabgeordneten Frhr. Haller von Hallerstein. Wenn Dr. Peters im Laufe des heutigen Tages die Urteile der Disziplinargerichte vorlegt, so ist das Urteil für heute abend zu rwarten, falls nicht weitere Anträge gestellt werden, da Dr. Peters bekanntlich das Urteil als falsch bezeichnet und durch andere Zeugenvernehmungen einschränken will. Von der Redaktion der„Voss. Ztg.“ ist ein Telegramm eingegangen, worin die Redaktion erklärt, daß der gestern von.=A. Bernheim verlesene Artikel mit der Ueberschrift„Nebenregierung“, in welchem die„Peters=Kamarilla" beschuldigt wird, daß sie versuche, Dr. Peters wieder ins Amt zu bringen, entgegen der Behauptung des Abg. Dr. Arendt, aus der Redaktion der„Voss. Zig.“ selbst stamme. Es wird besonders betont, daß Geh.=Rat Hellwig dem Artikel durchaus fernstehe. Hierauf wird als letzter vorgeladener Zeuge der Hotelier Obermayer=München vernommen. Er gibt an, daß am Tage vor dem Vortrag des Dr. Peters im„Neuen Verein“, der die Unterlage zu den Angriffen der„Münchener Post“ geboten hat, ein Brief an die Leitung des Hotels eingelaufen sei, in welchem diese von der Gestattung der Abhaltung der Versammlung gewarnt wurde, weil andernfalls Demonstrationen von sozialdemokratischer Seite erfolgen würden. Bestimmte Anhaltspunkte dafür, daß die Warnung von sozialdemokratischer Seite ausgegangen ist, hat der Zeuge nicht, er hegt aber die Vermutung. Hotelier Jaffe in München, der über die Beweggründe der Warnung näheres bekunden soll, wird hierauf als Zeuge geladen. [ Es werden dann die Protokolle der kommissarischen Vernehmungen verlesen, die in großer Zahl verliegen, da ein Teil der Zeugen in Afrika oder sonst im Ausland weilt, ein anderer Teil krank und ein dritter Teil schon verstorben ist. Zunächst wird das Zeugnis der Schriftstellerin Friedg v. Bülow verlesen. Sie ist eine Tochter des früheren preußischen Generalkonsuls von Bülow in Suyrna und bekannt geworden als erfolgreiche Kolonialschriftstellerin durch den Roman„Tropenkoller“ in welchem sie die Roheiten subalterner Beamten in Dar=es=Salaam schildert. Ihre Schwester swpar die sehr befähigte Novellistin, v. Bülow, die im Jahre 1884 im Rummelsburger See ertrank, als sie einen beim Eislauf eingebrochenen Knaben zu retten versuchte. Die Zeugin Frieda v. Bülow aibt in dem Protokoll an, daß sie Dr. Peters im Jahre 1885 kennen gelernt habe. Zwei Jahre später sei sie als Krankenpflegerin nach Afrika gegangen u. dort in Sansibar mit Dr. Peters wieder zusammehgetroffen. Sie erklärt freimütig, daß sie eine gewisse Neigung zu ihm gefaßt und daß auch dieser sich für sie interesiert habe, so daß beide hofften, sich heiraten zu können, welche Hoffnung sich aber später nicht erfüllen ließ. Sie gibt weiter an, daß Dr. Peters von den Eingeborenen hoch geschätzt wurde und sie habe oft gesehen, daß in den Hütten der Schwarzen sein Bild neben dem des Deutschen Katsers hing. Sie weiß von Grausamkeiten oder gar sadistischen Reigungen des Dr. Peters nicht das geringste. Im Gegenteil, er war sehr aufmerksam und konziliant gegen jedermann und auch im Verkehr mit den Eingeborenen hat er diesen die größte Hochachtung abgenötigt. R euite eunr de eht de blcheh des Dr. Peters in seinen beiden Disziplinarprozessen, Dr. Scharlach, der bekannte Kolonialgründer und Vorstandsmitglied verschiedener Landgesellschaften, verlesen. Dr. Scharlach hat den Eindruck, daß die Angriffe auf Dr. Peters im Reichstage nicht sachlicher, sondern politischer Natur waren. Er habe die Tätigkeit des Dr. Peters stets bewundert, aber sich von ihm fern gehalten, da Dr. Peters es liebte, seine Persönlichkeit möglichst in den Vordergrund zu stellen. Als Dr. Peters verschiedene Ordensdekorationen verliehen und er dann endlich als deutscher Reichskommissar angestellt wurde, kannten der Kaiser und der Reichslanzler das, was man Dr. Peters wegen der Vorgänge am Kilimandscharo vorwarf. Der Disziplinargerichtshof bestand aus Männern, die nichts von afrikanischen Verhältnissen verstanden. Die erste Instanz sprach Dr. Peters schüldig der Hinrichtung des Negers Mabruk, der falschen Berichterstattung an die Vorgesetzten und schließlich unpassender Aeußerungen über die Hinrichtung des Mabruk. Das letztere hatte der österreichische Afrikaforscher Karl Kaumann behauptet, der später in geistiger Umnachtung verstarb. Die zweite Instang sprach Dr. Peters auch noch der Hinrichtung der Negierin Jagobja und der Züchtigung verschiedener schwarzer Weiber schuldig. Der Disziplinargerichtshof wußte, daß dem Kaiser, dem Reichslanzler und den Kollegen des Dr. Peters all die angeblichen Vorgänge bekannt waren und daß sie ihm trotzdem ihre Achtung nicht entzogen hatten. Das Urteil wurde deshalb meinerzeit mit großem Befremden aufgenommen. Der Gerichtshof kümmerte sich darum nicht und erklärte, es gäbe für Afrika keine besonderen Verhältnisse.(Bewegung bei den alten Afrikanern.) Der Disziplinargerichtshof meinte, es sei eine Verletzung der Beamtenpflicht, wenn man die Verhältnisse in Afrika anders beurteile, als in Deutschland. Der Gerichtshof stand eben durchaus unter dem Eindruck der Bebelschen Rede im Reichstage und lehnte alle Beweisanträge ab. Dr. Scharlach erklärt, gegenüber den Erzählungen anderer Afrikaforscher sind die Sachen, die Dr. Peters in seinem Buche über die Emin=Pascha=Expedition und sein Verhalten dabei schildert, harmlose Kleinigkeiten. Bei solchen Erzählungen ist allerdings oft viel Renommage im Spiel. Das lange Schweigen in Afrika treibt gewissermaßen zu Uebertreibungen, wenn die Afrikareisenden dann wieder nach Hause kommen. In diesem Sinne sind auch die Erzählungen in dem Buche des Dr. Peters meiner Ansicht nach anzusehen. Der Zeuge rühmt den großen Mut und die große Tatkraft des Dr. Peters, dessen Keckheit, Verwegenheit und Schneid wir allein den Besitz von Deutsch=Ostafrika zu verdanken haben.(Bewegung.) Hierauf wird das Zeugnis des früheren Gouverneurs von Ostafrika, jetzigen Kabinettschef des Königs von Württemberg, Frhr. v. Soden verlesen. Er gibt an, daß es in der Natur der Sache lag, wenn Dr. Peters am Kilimandscharo mit den Eingeborenen in Konflikt kam. Seine Stellung dort war schr schwvierig. Ein Mann ohne den Ehrgeiz und ohne die Tatkraft des Dr. Peters wäre gar nicht hingegangen, oder hätte befürchten müssen, totgeschlagen zu werden, wenn er nicht die nötige Energie besaß und auch anwendete. Die deutsche Oberhoheit dort war damals nichts weniger als gefestigt. Die Verbindung zwischen dem Kilimandscharogebiet und der Küste zeitweilig unterbrochen. Wahrscheinlich habe auch die englische Mission die Massai mit Waffen versehen. Die Lage war sehr gefährlich und deshalb habe Dr. Peters auch vollständig richtig gehandelt, als er den englischen Bischof Smity zurechtwies, als dieser Aufklärungen über seine Tätigkeit haben wollte. — Der Afrikaforschende Eugen Wolff sei 1891.=02 aus Ostafrika ausgewiesen, wweil er alamierende Zeitungsnachrichten nach Deutschland sandte, die das Ansehen des Reiches zu erschüttern geeignet waren. Genaueres über die Ausweisungsgründe vormag Herr v. Soden nicht anzugeben. Afrikareisender Eugen Wolff: Es handelte sich damals nur um ein Küstenverbot. Ich bin nicht von Herrn v. Soden, sondern vom Reichskangler v. Caprivi ausgewiesen worden. Bald nach Aufhebung meiner Wostnsten eushe bie ue elscherel ich nach Berlin kam und den Reichskanzler v. Caprivi im Auswärtigen Amt traf, streckte er mir die Hände entgegen und sagte: Verzeihen Sie mir die Ausweisungsordre. Ich muße annehmen, daß sie dem Gouverneur v. Soden in seiner Tätigkeit störten. Jetzt bin ich anderer Ansicht. Tatsächlich lag die Sache auch so, daß Herr von Soden von der Westküste Afrikas nach der Ostküste versetzt worden war und nun einfach die dortigen Verhältnisse auf Deutsch=Ostafrika übertragen wollte. Das war aber bei der ganz verschiedenen Natur der Eingeborenen nicht möglich. Das habe ich wiederholt festgestellt. Herr v. Soden verstand mit den Eingeborenen im Osten nicht zu verhandeln und seine Abberufung aus der Kolonie lag daher durchaus in deren Interesse.— In dem verlesenen kommissarischen Zeugnis des Herrn v. Soden heißt es dann noch weiter, daß ihm der englische Bischof Smithy wiederholt mit der englichen Presse gedroht habe, wenn nicht gegen Dr. Peters wegen der Hinrichtung der beiden Neger am Kilimandscharo eingeschritten würde. Herr v. Soden hat sich aber dadurch nicht beeinflussen lassen und es nicht für nötig gehalten, gegen Dr. Peters vozugehen, Der gleichfalls kommissarisch vernommene Abg. v. Kardorff gibt an, daß fer'stets die Strafen des Mabruk und der Nagadsa für durchaus=berechtigt gehalten habe. Die gleiche Ansicht steilte auch Major v. Wissmann. Die ersten beiden Verfahren gegen Dr. Peters hätten mit Freispruch geendet; als dann der Tuckerbrief erschien, wurde das Verfahren wieder aufgenommen und auch wveitergeführt, ais man die Fälschung des Briefes schon erkannt hatte. Man habe dem Dr. Peters eine wichtige Stelle am Tanganjika angeboten, Dr. Peters habe diese Stellung aber abgelehnt. Es sei also unwahr, daß sich Dr. Peters zum Amt gedrängt habe. Dr. Peters übergibt die Disziplinarurteile. Unter allgemeiner Spannung richtet hierauf der Porsitzende Oberlandesgerichtsrat Mayer die entscheidende Frage an Dr. Peters, ob er nicht zum Schluß der Beweisaufnahme die Urteile der Disziplinargerichtshöfe vorlegen wolle, die außer ihm nur noch das Auswärtige Amt besitze und die demnach ohne sein Zutun nicht zur Verlesung kommen könnten, da das Auswärtige Amt in Berlin die Verlesung verweigere. Dr. Peters: Nach eingehender Besprechung mit meinem Verteidiger haben wir uns entschlossen, die Urteile jetzt dem Gericht zu übergeben. Wir hatten uns hauptsächlich deshalb geweigert, weil wir nicht so naiv sein wollten, unseren Gegnern Material zu übergeben, da sie selbst nicht in der Lage waren, solches beizubringen. Ich gebe aber die Urteie heraus mit dem ausdrückichen Hinzufügen, daß diese Urteile keine rechtsgültigen Dokumente mehr sind. Die Tatsachen, die sich inzwischen ergeben haben, zeigen, daß beide Urteile vollständig hinfällig sind. Sie sind verfaßt von Leuten, die nichts von afrikanischen Verhältnissen verstehen. Der Hauptzeuge Leutnant Bronsard von Schellendorff ist ja ebenfalls inzwischen genügend gekennzeichnet, so daß die Urteile sich auf seine Angaben nicht mehr stützen können. Dre Vorsitzende, Oberlandesgerichtsrat Mayer, und die beiden Rechtsbeistände Dr. Rosenthal und Dr. Bernheim teilen sich nunmehr in die Verlesung der Urteile, die außerordentlich umfangreich sind. Dabei ereignen sich einige heitere Szenen. Als.A. Dr. Bernheim, der Verteidiger des beklagten Redakteurs=Gruber, die Verlesung übernimmt, verliest er bestimmte Stellen, die besonders gegen Dr. Peters sprechen, mit erhobener, langsamer Stimme und begleitet die Verlesung dieser Stellen mit einem charakteristischen Augenzwinkern zum Angeklagten, was den Rechtsanwalt Dr. Rosenthal, den Rechtsbeistand des Dr. Peters, nervös macht. Dieser springt mehrmals auf, der Vorsitzende winkt ihm aber lächelnd ab. Als schließlich Dr. Bernheim längere Pausen macht as den blcte bice bisereient eereh das Urteil nachzustenographieren, erhebt Rechtsanw. Dr. Rosenthal entrüsteten Widerspruch. Das gehe doch zu weit. Die Gegenpartei habe absolut keine Beweise, und nun sollen die Verhandlungen noch verschleppt werden durch Stenographieren! Dr. Peters habe die Urteile zum Verlesen übergeben und nicht zum Nachstenographieren. Der Vors. nimmt darauf unter allgemeiner Heiterleit dem Rechtsanw. Dr. Bernheim das Aktenstück weg, obwohl dieser beschwörend erklärt, er wolle schnell vorlesen, niemals mehr betonen und auch nicht mehr mit den Augen zwinkern.(Erneute Heiterkeit.) Zunächst wurde das Urteil der Kaiserlichen Disziplinarkammer vom 24. Aprtl 1897 verlesen. Es heißt darin, daß Dr. Peters des Dienstvergehens schuldig und deshalb mit Entlassung zu bestrafen sei.: Als Dr. Peters die Marengostation am Kilimandscharo gegründet habe, seien Frhr. v. Pechmann und Jahnke nicht Reichsangestellte, sondern nur Privatbedienstete gewesen. Es wird dann geschildert, daß der Sultan Malamia der Station in der landesüblichen Weise drei Weiber überwiesen habe, unter ihnen die Nagodja. Letztere habe Dr. Peetrs zu seinem eigenen Gebrauch bestimmt, während eine andere, krankheitsverdächtige dem Frhrn. v. Pechmann gur Verwendung überwiesen wurde. Die drei Weiber schliefen in einem Verschlage hinter der Hütte des Dr. Peters. Eines Nachts sei dort eingebrochen worden. Zunächst hätte man den Täter nicht ermittelt. Mehrere Tage später habe Dr. Peters mehrere Diener prügeln lassen, unter ihnen auch den Mabruk. Als Mabruk später einmal eine Zigarette rauchte, kam er in den Verdacht, daß er auch der Einbrecher gewesen sei. Dr. Peters habe angenommen, daß Mahruk aus geschlechtlichen Motiven eingebrochen sei. Darauf sei seine Hinrichtung beschlossen worden. Im Anschluß an die Verlesung dieser Stelle fragt Rechtsanw. Dr. Bernheim den Zeugen Freiherrn v. Pechmann, ob er sich genau erinnere, daß die Zigarette, die Mabruk damals rauchte, dem Dr. Peters gehörte.— Freiherr v. Pechmann bejaht diese Frage.— Rechtsanw. Dr. Bernheim findet es unerhört, daß Frhr. von Pechmann sich an diese Kleinigkeit noch erinnert, während er von anderen wichtigen Sachen nichts mehr'wisse.— Freiherr v. Pechmann: Das ist ein Mißbrauch meiner Aussage.— Rechtsanw. Dr. Bernheim: Das ist kein Mißbrauch, ich bitte dem Herrn Vorsitzenden, mich gegen solche Beleidigungen zu schützen.— Vors.: Das war keine Beleidigung. Wir sind eben wieder einmal auf der Höhe angelangt.(Heiterkeit) Dann wird die Verlesung des Urteils fortgesetzt. Es wird darin weiter geschildert, daß das Todesurteil über Mabruk gefällt worden war, nachdem er als der Einbrecher auch nach der Aussage seiner Kollegen erkannt worden war, Bronsart v. Schellendorf und Kuhnert hätten das Urteil nicht gebilligt. Peters gebe an, daß die Bvölkerung damals sehr aufgeregt war, besonders nach dem Untergange der Zelewskischen Expedition. Er habe sich daher zu dem Urteil berechtigt gehalten. In dem geschlechtlichen Verkebr des Mabruk mit einem der drei Weiber habe Dr. Peters noch einen erschverenden Umstand erblickt und meinte, daß ein Häuptling in einem gleichen Falle ebenso gehandelt haben würde. Im Westminster=Hotel in Berlin soll sich Dr. Peters dahin geäußert haben:„Ich bin ein stiller, ernster Pastorensohn, aber die Schwagerschaft mit diesen schwarzen Schweinen paßt mir nicht.“ Das Urteil sagt weiter, daß die entflohenen und wiedergefaßten Weiber mehrmals geprügelt worden sind. Die Nagodja sei wegen Konspiration mit den Häuptlingen und Desertion hingerichtet worden. Dr. Peters habe in keinem seiner Berichte an dn Gouverneur irgend etwas von der Hinrichtung erwähnt, auch nicht in dem Spezialbericht über die Verwicklungen mit dem Sultan Malamia. Dr. Peters(unterbrechend): Ich war nicht verpflichtet, über gerichtliche Urteile an den Gouverneur zu berichten.— Generalleutnant a. D. von Liebert: Ich sehe darin auch kein verdächtiges Moment. Die Zivilsachen konnten den Gouverneur eis eues geune eun ur er Gerche auf kriegerische Verwicklungen Rücksicht nehmen mußte. Weiter heißt es in dem Artikel, daß Mabruk wohl zu einem der drei Mädchen Beziehungen gehabt haben mag, es sei das aber wohl das Mädchen des Freiherrn v. Pechmann gewesen. Dieser Grund sei aber bei dem Urteil nicht ausschlaggebend gewesen. Die Urteile der englischen Missionare über das Verhalten des Dr. Peters, so führt das Urteil weiter aus, seien von der Disziplinarkammer nicht gewürdigt worden, und die Aussagen der farbigen Zeugen kamen nur so weit in Betracht, als sie mit den Weißen übereinstimmten. Dr. Peters werde wegen der Hinrichtung des Mabruk und ungehöriger Jeußerungen über diese Hinrichtung sowie wegen falscher Berichterstattung an die Vorgesetzten mit Dienstentlassung bestraft. Ein Brief Bronsart von Schellendorffs. Die Verlesung wird dann unterbrochen, da inzwischen ein Schreiben des Kolonialschriftstellers Dr. Förster aus Regenswalde bei Templin eingetroffen ist. Dr. Förster schreibt, daß ihm soeben bom Leutnant Bronsart v. Schellendorff aus Afrika die Nachricht zugegangen sei, das Bronsart von Schellendorff seine Schulden inzwischen auf Heller und Pfennig bezahlt habe. Die Untersuchung gegen ihn wegen angeblicher Vergehen gegen Parg. 175 des StGB, werde nach seiner Ansicht ungebührlich lange durch das Bezirksamt hingezogen, so daß darin noch keine Entscheidung getroffen sei. Bronsart v. Schellendorff hoffe auf seine völlige, Rehabilitierung. Dr. Förster überreicht den Brief Bronsart v. Schellendorffs und bittet, ihn selbst zu vernehmen oder die Vernehmung des Leutnants Bronsart von Schellendorff zu beschließen. Dr. Förster überreicht dann auch noch ein Schreiben des englischen Vizekonsulats in Mombassa, in welchem mitgeteilt wird, daß dort nichts Nachteiliges über Bronsart v. Schellendorff bekannt ist. .=A. Dr. Rosenthal: Bronsart v. Schellendorff hat dem Frhrn. v. Tiedemann und Herrn Kuhnert gefälschte Schecks gegeben. Das genügt uns. 2— Afreikareisender Eugen Wolff: Man wirft dem Leutnant Bronsart v. Schellendorff perverse Neigungen vor. Aber Dr. Peters hat 16 Jahre lang mit Herrn Krupp verkehrt.(Großer Lärm im ganzen Saale. Dr. Peters, Dr. Rosenthal, sein Rechtsbeistand, die Sachverständigen springen erregt von ihren Sitzen auf.)— Generalleutnant von Lieber(in höchster Erregung): Herr Vorsitzender, ich bitte Sie dringend, mich sofort als Sachverständigen zu entlassen, wenn ein solcher Herr als Sachverständiger neben mir am Tische Platz nimmt. —.=A. Dr. Rosenthal: Es ist unerhört, hier den Namen Krupp in beschimpfender Weise in die Verhandlung zu ziehen und den Namen, der für Deutschland von so hoher Bedeutung ist, derart zu“ behandeln.— Eugen Wolff: Ich konstatiere, daß Dr. Peters wiederholt im Zimmer des Herrn Krupp im Westminster=Hotel geweilt hat.(Erneuter Lärm und Bewegung.) Nachdem der Lärm sich einigermaßen gelegt hat, wird in die Verlesung des Urteils der Disziplinarkammer fortgefahren. Danach sei die Verhängung der Todesstrafe gegen einen Einbrecher ungerechtfertigt gewesen.“ Die Station sei nicht gefährdet gewesen, sondern höchstens durch die eigene Schuld des Dr. Peters. Das Gericht müsse aussprechen, daß die geschlechtlichen Beziehungen des Mabruk zu den Weibern der Hauptgrund seiner Bestrafung gewesen sei. Dr. Peters habe nicht den nötigen sittlichen Ernst gezeigt. Die Hinrichtung der Nagobsa wurde ihm in dem ersten Urteile nicht zum Vorwurf gemacht. Es heißt da, persönliche oder geschlechtliche Beziehungen kamen hierbei nicht in Frage. Dagegen werde Dr. Peters der falschen Berichterstattung beschuldigt, er habe sich dadurch seines Amtes unwürdig erwiesen. Seine Verdienste um die Afrikaforschung in früheren Jahren könnten nicht beDortmund, 29. Juni. Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt! Un dieses Jägerlied in Wallenstein's Lager wurden wir erinnert, als wir am vorigen Sonntag im Norden unserer Stadt weilten und die grün bemützten Scharen hinausziehen sahen nach Sving. So ein Schützenfest hat auch eine kommunalpolitische Bedeutung, besonders dann, wenn ein gewisser streng abgegrenzter Bezirk einer Stadt eine solche vollstümliche Feier begeht. Man meint zwar allgemein, Schützenfeste paßten nicht mehr in den Rahmen unserer Zeit, sie wären Einrichtungen, für die die Großstädte keinen Platz mehr hätten. Das trifft jedoch auf Dortmund nicht zu. In diesem Jahre werden sogar zwei große Schützenfeste hier gefeiert und vor einem Jahrzehnt kam es sogar noch vor, daß auch die Eisenbahner ein regelrechtes Volisfest mit Königsschießen usw. veranstalteten. Die Gesellschaft„Sommervergnügen“ hat später ihre regelmäßzigen Veranstaltungen insotern abgeändert, als sie den Festzug sowohl wie auch das Königsschießen aufgab und nur noch das Preisschießen für ihre Mitglieder beibehalten hat. Die beiden übrigen Schützengesellschaften halten an den alten Traditionen fest und rufen bei ihren Festen stets einen Herrscher auf den Plan, der sich durch einen Reisterschuß ausgezeichnet hat. Wie sehr die nördliche Bürgerschaft den Entschluß des Vorstandes, in diesem Jahre das beliebte Fest des Nordens wieder aufleben zu lassen, begrüßt hat, gegt aus der gahlreichen Teilnahme hervor, welche bie einzelnen Kompagnielisten aufweisen. Es sind übre 900 Schützen eingeschrieben, do zu kommen noch der Vorstand, der Hofstaat. die Musik, die Spie“ sacte ie ch us de aune nan dn daet zug mitmachen werden., Es ist hier und da gesagt worden, der bessere Teil der nördlichen Bevölkerung halte sich dem Feste fern oder beteilige sich nicht an der Feier. Nichts ist unsinniger, als diese Behauptung. Fast sämtliche besseren Geschäftsleute, viele angesehene Handwerksmeister, Unternehmer, Beamte und andere sind dem Schützenbunde als zahlende Mitglieder beigetreten und fast alle werden den Festzug mitmachen. Warum sollte man sich denn auch zurückziehen! Das nördliche Schützenfest trägt den Charakter eines echten deutschen Volksfestes, wie es die Gründer erstrebt haben.„Das nördliche Schützenfest sollte, so heißt es in einem uns vorliegenden Aufruf, den Geist und die Zusammengehörigkeit aller nördlichen Bewohner heben, es sollte den alten deutschen Grundsatz auf's Neue erwecken, daß nur die Eintracht und die Einigkeit etwas Großes schaffen können. Das Wjährige Jubelfest des nördlichen Dortmunder Schützenbundes hat hierzu das seinige in hervorragendem Maße beigetragen. Möge die Schützensache unseres geliebten Nordens nie ersterben, mögen sich vielmehr immer wieder tatkräftige Männer finden, die sich an die Spitze des Bundes stellen, um die treuen Anhänger desselben zu immer neuen Erfolgen zu führen.“ Der Bund besteht nunmehr 27 Jahre. In diesem Zeitraum hat sich der nördliche Stadtteil in ganz hervorragender Weise entwickelt. Vielleicht interessiert es, darüber einige Zahlen zu vernehmen. Im Jahre 1855 gählte unsere Siadt etwa 16000 Einwohner, wovon nur ein geringer Bruchteil auf den Norden entfiel. Im Jahre 1865 war das Verhältnis schon ein anderes. Von den 80 000 Einwohnern tamen 6000 auf den nördlichen Stadteil. Runmehr ging die Bevölkerungsziffer jedes Jahr um mehrere kausend in die Höhe und gvar kam der Zuwachs vornchmlich dem Norden zugute. Im Jadre 1873 Tate Aadanund frenid Ganahgrt, dn daune 15000 im Norden ihr Heim hatten. 1885 hatten wir insgesamt 78 400 Einwobner. für den Norden kamen hiervon rund 80.000 Menschen in Betracht. Im Jahre 1895 stand das Verhältnis so, daß von 111 000 Einwohnern 42.000 auf den Norden abgugeben waren. Fünf Jahre später hatte es Dortmund auf 145 000 Eimvohner gebracht, wovon der Norden für sich rund 60000 beanspruchte. Heute aber, wo Dortmund eine Stadt von rund 190000 Einwohnern ist, kann man sagen, daß belde Stadthälften sich die Wage halten, denn es werden nur wenige tausend sein, die dem Norden an den 95 000 fehlen. Welch ein gewaltiger, geradezu an amerikanische Zustände erinnernder Aufschwung! Bei Gelegenheit des Jubelfestes vor drei Jahren wurde eine Festschrift herausgegeben, welche auch einen Sang an den Norden enthielt. Darin bieß es: Ein Schützenbund, der konnt fürwahr Des Nordens Aufschwung nützen, Das war den Bürgern sonnenklar Und alle wurden Schützen. Und als der erste Hornruf klang Und weckte zum Appelle, Da waren strammen Reih'n entlang Eintausend Mann zur Stelle. Das war ein Jubel manches Jahr Am Fredenbaum im Walde, Wenn dort der Schützen Festtag war Auf grüner Wiesenhalde. Und mancher König zog schon ein Gehüllt in eine Wolle Von Jubel und von Hurraschrein, Wie's giemt dem treuen Volka. Der nördliche Schützenbund hatte bis jetzt 19 Könige, die allen Ständen angehörten. Wer wird setzt den Meisterschuß tun! Herr G. E. Backer legt die Krone am Sonntag Nachmittag nieder. Wie wir hören, hat der Vorstand beschlossen, ihm in Anerkennung seiner vielen Vendienste um den Schützenbund eine besondere Ehrung zu bereiten. Um den König gruppieren sich, was auch vielleicht interessieren wird, folgende Vorstandsmitglieder: Withelm Sppelsheim, Präsident, Wilhelm Stoltefußz, Vigepräsident,„Anton Hannemann, 1. Kassterer, Fritz Wolff, 2. Kassierer, G. Tiefensee. 1. Schriftführer, Karl Strunck, 2. Schriftführer. Als Beisitzer fungieren die Herren Karl Verkemeyer, Karl Grobe, Hermann Vogell, C. H. Kipper, Apotheker Schlesinger, Heinr. Braun. Wir wollen dem Schützenbund den besten Erfolg zu seinem morgigen Feste wünschen, so daß er mit Befriedigung auf die diesjährige Feier zurückblicken kann. An dem Feste nehmen nicht nur die nördlichen, sondern auch die Bewohner der Altstadt teil. Vor drei Jahren war das Fest von 30— 40,000 Menschen besucht, ein Zeichen, baß die„Rördlichen“ ihre Feste zu feiern verstehen. In zwei Tagen verzapfte der Fredenbaum=Wirt nicht weniger als 300 Hektoliter Gerstensaft, eine Leistung, deren sich nur eine Bierstadt von der Bedeutung Dortmunds rühmen darf. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in diesem Jahre der Konsum noch übertroffen wird und den auswärtigen Blättern neuen Stoft zu Betrachtungen über die Bierseligkeit Dortmunds liefert. Dortmund wird übrigens recht oft in der auswärtigen Presse erwähnt. Namentlich in den letzten Tagen konnte man wieder viel über unsere Stadt lesen. Man denke sich auch: ein Dortmunder ist Kultusminister geworden. Das kommt nicht alla Tans aur au auen au ani an. e. deutende und namhafte Persönlichkeiten hervorgegangen. Aber einen Kultusminister am Steuer zu sehen, dessen Wiege in Dortmund stand, diese Das Elternhaus des neuen Kultnsministers. Ehre hatten wir noch nicht. Wir bringen heute das Vaterhaus des Herrn Dr. Holle im Bilde. Gs steht am Eisenmarkt, wo die Eltern der neuen Exzellenz einen glücklichen Lebensabend verbringen. In ihren Stolz, solch wackere Söhne zu besitzen, welche die höchsten Stufen zu erklimmen vermochten, wollen wir den Wunsch einfügen, daß das Elternpaar noch recht viele Freude an keinen Kindenn und Guteln haben mndes, rücksichtigt werden, da sie vor den Verfehlungen lägen.— Damit ist die Verlesung des ersten Urteils beendet. Dr. Peters: Ich chwar seinerzeit über das Urteil sehr erregt und tat daher auch das einzige, was ich tun konnte: Ich warf das Urteil ins Feuer. Jetzt bei der Verlesung wirkt es allerdings ganz anders. Jetzt wirkt es nicht mehr brutal, sondern ziemlich lacherlich. Man merkt, wie naiv eine so große Körperschaft wie die Kaiserliche Disziplinarkammer für die Schutzgebiete in der Wilhelmstraße in Berlin über afrikanische Verhältnisse urteilt.— Vors.: Herr Doktor, Ihre Worte sollen doch keine Beleidigung eines deutschen Gerichtshofes bedeuten?— Dr. Peters: Nein, nein, das war ja auch gar kein richtiger Gerichtshof.(Heiterkeit). Außerdem kommt ja auch gar nicht mehr das Urteil in Frage an der Hand der jetzigen Beweisführung. Es wird dann das zweite Urteil verlesen, das vom Disziplinargerichtshof am 16. November 1897 gefällt ist. Da der Vorsitzende vollständig erschöpft ist, so vereinbaren die Parteien erneut, daß die Rechtsbeistände ihn bei der Verlesung unterstützen. Zunächst verliest wieder Rechtsanw. Dr. Bernheim. Die Verlesung ergibt, daß dem damaligen Gerichtshofe u. a. auch der jetzige Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Dr. v. Mühlberg, angehörte. Das Gericht hat das Urteil der ersten Instanz bestätigt und ebenfalls auf Dienstentlassung und Tragung der Kosten erlangt. Gegen das Urteil der ersten Instanz war eingewendet worden, daß die Regierung die Anklagepunkte kannte und trotzdem die Untersuchung nicht nur nicht einleitete, sondern den Angeschuldigten noch beförderte. Der Gerichtshof gibt dies als möglich zu, es kann aber für den Gerichtshof vollständig gleichgültig sein, ob die Regierung früher die Sachlage anders beurteilt hat. Der Gerichtshof hat lediglich das vorliegende Material zu prüfen. Die Ladung der vorgeschlagenen Zeugen werde als unerheblich abgelehnt. Das Zeugnis des Leutnants von Schellendorf komme wenig in Betracht, es sei daher gleichgültig, ob und inwieweit Herr v. Bronsart glaubwürdig sei. Auch das Zeugnis des Lazarettgehilfen Wiest sei von keinem Belang. Der Gerichtshof erachtet für erwiesen, daß Dr. Peters den Madrut habe hinrichten lassen, weil er ihn im Verdacht hatte, daß er mit seinen Weibern seruellen Verkehr gehabt habe. Der Gerichtshof nimmt ohne weiteres an, daß die Verhältnisse am Kilimandscharo andere seien als in Deutschland. Dies rechtfertige aber noch nicht die Hinrichtung des Mabruk. Dr. Peters müsse auch gefuhlt haben, daß er unrecht getan habe, sonst hätte er nicht einen falschen Bericht über die Hinrichtung an seine vorgesetzte Behörde erstattet. Er hat behauptet, daß sämtliche„Europäer auf der Station mit dem Urteil einverstanden waren. Das war eine Unwahrheit. Zum mindesten war der Maler Kuhnert mit der Hinrichtung nicht einverstanden. Der Gerichtshof ist der Ansicht, daß Dr. Peters ein Recht auf die ihm geschenkten Weiber in keiner Weise zustand und daß er sie ohne ihren Willen nicht behalten durfte. Deshalb hatte er kein Recht, die Herausgabe der entflohenen Weiber zu verlangen und die Weiber peitschen zu lassen. Das letztere hält der Gerichtshof für eine besondere Grausamkeit. Auch die Hinrichtung der Nagodja sei vollständig unberechtigt. Dr. Peters behaupte selbst nicht, daß diese Hinrichtung im Interesse der Sicherheit der Station geschah, und auch die Aeußerungen des Angeschuldigten über die Hinrichtung des Mabruk entsprechen nicht der Würde eines Beamten. Der zweite Gerichtshof verkennt keineswegs die großen Verdienste, die der Dr. Peters um die deutsche Kolonialpolitik sich erworben hat. Es sei auch nicht richtig, wen die erste Instanz sage, daß diese Verdienste nicht in Betracht kommen, weil damals Dr. Peters noch nicht Beamter war. Aber alle die Verdienste nützen nichts, wenn der Gerichtshof zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Angeklagte sich Amtsvergehen schuldig emacht hat, die es erforderlich machen, ihn nicht länger im Amte zu lassen. An Einzelheiten aus dem Urteil der zweiten Instanz ist noch bemerkenswert, daß die Kaiserin die Widmung eines Besuches von Dr. Peters angenommen hat, und daß Freiherr v. Pechmann und Jahnke nur als Strohmanner bei dem sogenannten Kriegsgericht fungieren, daß bei aellr Verschiedenheit der Verhältnisse man doch für Afrika keine besondere Moral schaffen könne. Die Kriegserklärung an den ultan Malamia erachtet der Gerichtshof für ein schweres Dienstvergehen, zumal dadurch die schlimmsten Folgen hätten entstehen können. Stadtverordnetensitzung in Verne. Herne, 28. Juni. Die Stadtväter traten heute nachmittag unter Vorsitz des Herrn Vorstehers Schlenkhoff zu einer Sitzung zusammen; es waren 21 Stadtverordnete anwesend. Die Tagesordnung enthielt eine für die finanziellen Verhältnisse unserer Stadt wichtige Frage betr. die Rückzahlung der von der Stadt Bochum entliehenen 360000 Mark Vor Eintritt in die Tagesordnung bringt Herr Clüsener zwei Wünsche vor. Zuerst möchte er durch eine entsprechende Polizeiverordnung dem schnellen Radfahren speziell an Sonntagen auf der Bahnhofstraße, wodurch die Passanten gefährdet werden, Abhilfe geschafft sehen. Dann wünscht Redner, auf der Straßenbahnlinie Herne=Sodin= gen für die Arbeiter der Zeche Mont Cenis anstatt der Blocks unübertragbare Monatskarten einzuführen, da bei der jetzigen Einrichtung oft Mißbrauch getrieben werde. Herr Erster Bürgermeister Schäfer wünscht zunächst, daß dem Magistrat derartige Anliegen vor der Sitzung übermittelt werden möchten. Er bemerkt, daß er als Polizeiverwalter eine diesbezügliche Polizeiverordnung nur mit Zustimmung der Stadtverordneten erlassen wolle. Es sei auch schwer, eine genaue Kontrolle zwischen schnellem und Schrittfahren durchzuführen. Herr Sickemeyer bestätigt den Mißstand des raschen Radfahrens. Herr Westerhold beantragt sodann, eine Petition an den Landtag zu richten, die Ueberschichten der Arbeiter bei der Besteuerung unberucksichtigt zu lassen. Herr Dr. Berkemeyer meint, man möge das steuerpflichtige Einkommen von 900 auf 1200 Mark festsetzen. Bürgermeister Dr. Büren erwidert, daß das Abgeordnetenhaus dieser Angelegenheit sympathisch gegenüberstehe; der Magistrat hat s. Zt. eine Petition an den Landtag gerichtet. Der Magistrat lasse sich bei den Arbeiter=Einkommen nicht die Lohnlisten— gemäß der neuen gesetzlichen Bestimmungen— vorlegen, sondern verfahre bei der Steuer=Einschätzung dieser Kategorie wie früher. Auch werde bei den vielen Reklamationen die weiteststehende Rücksicht geübt. Das praktischste Verfahren wäre es, wenn die kinderreichen Familien weniger besteuert und die ledigen Arbeiter stärker zur Steuer herangezogen würden; für jedes Kind müßten 150 Mark abgezogen werden können. Es wird beschlossen, diese Sache der Finanzkomkommission zur weiteren Erledigung in obigem Sinne zu überweisen. Beim ersten Punkt der Tagesordnung werden die Herren Schlenkhoff und Hirdes als Wahlmänner zur Wahl von Mitgliedern der Landwirtschaftskammer gewählt. Anstelle des verstorbenen Herrn Bergrat Berens wird der bisherige Stellvertreter Herr Striebeck zum Mitgliede des Verwaltungsausschusses für die gemeinsame Tiefentwässerung gewählt, Herr Olzen zu dessen Stellvertreter. Das Kollegium ist der Ansicht, das Sedanfest nicht offiziell zu feiern. Beim Punkte: Entlastung des Rechnungswesens der Straßenbahn Herne=Baukau=Reckling= hausen aus 1906 übernimmt anstelle des verhinderten Herrn Direktor Papentin Herr Erster Bürgermeister Schäfer das Referat. Er führt aus, daß das 1. Betriebsjahr einen Zuschuß von etwas über 2000 Mark, die anderen Jahre Ueberschüsse ergeben haben. Pro 1906 sind reichliche Abschreiungen erfolgt und ist ein Gewinn von 6200 Mark zu verzeichnen, der auf die Stadt Herne entfällt. In der Tariffrage habe die Stadt Herne gesiegt. Der Tarif werde etwas günstiger gestaltet werden, wie er jetzt ist. Diese Angelegenheit, die sich nachgerade zu einer„Seeschlange“ ausgewachsen habe, werde damit nunmehr zum Abschluß kommen. Herr Vogel empfiehlt der Straßenbahnverwaltung, größere Sparsamkeit zu üben. Herr Bürgermeister Dr. Büren bemerkt, es werde demnächst ein Tarif von 10 bis 35 Pfg. zur Einführung gelangen. Hierauf wird die Entlastung einstimmig erteilt. Auf den Antrag des Ziegenzuchtvereins wird diesem eine Beihilfe von 75 Mk. gewährt. Bei der Vorlage des Magistrats betr. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Frage, ob eine Badeanstalt erbaut werden soll, entwickelte##1 langere Diskussion. Herr Erster Bürgermeister Schäfer hält eine städtische Badeanstalt für durchaus unrentabel. Er rate von Brausebädern entschieden ab, denn dann würde sofort der Wunsch nach einem Schwimmbad laut werden; eine derartige Badeanstalt koste aber, wie Beispiele von Dortmund, Bochum etc. beweisen, etwa 550000 M. Er beantrage, die Angelegenheit zur eingehenden Prüfung einer Kommission zu überweisen. Herr Vogel tritt diesen Ausführungen entgegen und betont, daß die Errichtung eines Luxusbades durchaus nicht erforderlich sei, es genüge, wenn man ein reinigendes Bad habe. Nach weiterer Debatte wird schließlich die Vorlage der Finanzkommission überwiesen. Der Magistrat schlagt dem Kollegium vor, die frei werdende Stelle des zweiten Bürgermeisters öffentlich auszuschreiben, mit einem Anfangsgehalt von 5500 Mt., steigend nach je 2 Jahren um 400 Mk. bis zum Höchstbetrage von 7500 Mk., zuzüglich einer Mietsentschädigung von 600 Mk. für ledige und 1000 Mk. für verheiratete Bewerber. Die Versammlung schließt sich diesem Vorschlage an. Als letzter Punkt der Tagesordnung steht die Rückzahlung der von der Stadt Bochum entliehenen 360000 Mk. zur Beratung. Herr Bürgermeister Dr. Büren führt aus, die Stadt Herne sei zurzeit in Geldverlegenheit, dessenungeachtet könne sie aber nicht mit ihren erforderlichen öffentlichen Arbeiten einhalten. Das Darlehn ist von der Stadt Bochum bereits am 1. April gekündigt, doch ist der Termin bis zum 1. Juli d. J. verlängert worden; an diesem Zeitpunkte muß aber die Rückzahlung unbedingt erfolgen. Der Magistrat schlagt in erster Linie vor, ein Darlehen in der gleichen Höhe unkündbar auf zehn Jahre zum Zinssatze von 4½ Prozent bei der Landesbank aufzunehmne, eventl. bei einer Anzahl von großen Banken Offerten für ein einjähriges Darlehen einzuholen. Die Stadtverordneten entschieden sich einstimmig für den ersten Vorschlag. Schluß der Sitzung ½6 Uhr. Im Interesse meiner Kundschaft und um meine SommerLäger vollkommen zu räumen erhalte meine Sensationelle noch aufrecht. 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Oldenb. 40 fl.-L. Sicheische 4 90.700 Schlesische; 99.800 93.100 83.100 93.400 84.1000 96.000 93.600 104.100 93.100 93.000 83.500 100.90 93.60B 103.000 94.500 93.00B 94.400 99.90B 99.90 92.30 B 99.500 92.250 94.300 84.905 99.900 92.750 99.7000 92.7000 99.705 92.7550 99.7000 92.600 100.0050 Chin. Anl..1898 44 95.705 Griech. A. 81-84/ 1. 6 60.0040 Griech. Goldrnt.I1 4) 37.600 do. Monopol. 1] 49.300 Japhal. l. 10.1 fl 41 82.0000 ve. 4 85.3050 Italien. Rente 4 1103.5050 Mezikan.Anleihel 5 100.3050 Oesterr. Goldr. 4 98.6050 de. Papien de. Silber:. de. 18601036 Port. SMl. unst. II. 4o. III. Sase. Reman. 1903 de. 1898 Ruse. Anl. 1902 de. do. 1965 de. Goldrente do. Staaternt. de. Boden Cr. Sao Paule 6. A. Schwed. St.A. 86 Serb. am. Anl. 95 Span. Scheld Turk. Staats k. 08 60. Bagead-A 4o. 05 de. Lovo.. Ung. Goldrente. do. Kronenrnt. do. Staater. 97 Bucarest. Aal. 84 .Air St.A. 1001. de. de. Pes. Lissaben. 81.-A. Stockb. St.-A. 84 67 Eisenbahn-Stemm-Aktien. 99.780 Argent Aol..57 de. inn. 4000M 40. Auss. 100 vr de. Ges. 6. 8. 96 Buig. S1.-Anl. 92 Chile Geld-Anl Ohies. Ael.s. 1895 (ro.147.005 31.129.0000 3 144.755 3/148.605 tre. 81.285 e3.70 Ausländische Fonds. 98.90 B 94.300 90.750 84.0050 101.005 92.40b 106.005 93.905 130.250 66.251 11.2000 100.20b 88.000 75.4000 90.8000 83.50b 70.000 100.00 93.750 92.105 79.0050 94.300 85.10M 86.0000 130.000 93.255 92.060 81.3050 96.6050 100.400 91.80B 99.000 1sch.-Bast. abg. Allg. Ot. Kleinb. Braunsche. 14. Crefelder Kutio-Lübeck Halberst.-Blenk. Biederlausitzer Nordh. Wern..A. Oesterr. Staateb de. 320d.(1b.) Warschas-Wien Gottber dbehe Mittelmeer Pner Heart Wesisir. Eisend. Lschot. Finsmn. 15 90.600 136.75 143.000 83.300 126.500 3t 67.408 41 90.1000 6 //141.500 27.50B 88.005 .4—— 131.70 75.2550 276.300 H100-ASEBIUR NEER L. eisanbaha-Prier.-Obligat. un-Prager Gold 31 76.000 F# e Aed e1 87 Elis. Westb. 1890 Franzdes Silber Galiz. Carlludw. Kasch. Odb. Gold de. Silb. 89 Oest.-Ung. St. alt do. Ergasganet: do. Staate Gold de. Nordwest Sodöst.(Lomd. de. Obi. Gold lvangorodbomd. Koslow-Woren. Kurek-Kien Mose.-Kien Wor. Mosco-Kursk Mosco-Rjasan Mosc.-Smol. abg Orel-Griast 89er Ri#san-Koriow do. 1897 uk. 08 Brbinet ger. Söc-Ost 1598 Sod-Westbahn Wiadikaukas 98 Anat Lisb.-Obl. do. Ergänz.-Netz Gotthardbahe Ital. Lisb. C. et. g. Ital.Mitteimeer Centr. Pac. 1949 Arth. Pas. P. Lies de. Gen.-Lien .Lovis.Frane. St.Louis.West. Co. II. ine. 8. Sopth.Pac. 1912 Lehpaniepse 64 ver Dertsche H1 Borlia. Hyo.-Bk de. de. do. v. II. et. 1 914 S0. IIle. V. 1915 Sr. Hane..-8. de. XVI. XVIII. Otsch. Order. 1 8 #e. vIn. 6e. II e. IIa. de. Hyp.-8. VII. 6r. 7e. VIl. 6e. de. k. 08 de. kl e. kl 10 Fr W. K. B..IW. Hamb. Hypot.-8. de. de. 1 900 Nana. 8. G. A. 6r. Sohelbest. 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