kate, omp. m 25., 26. April Ve. alenl. IR. 9,00 Nk. 100000. * ckstrasse 35. tsnent irten, Terrassen) er Lage, sächlich Weink. 80-100 000, net, zu verienten, wollen den General21804 118000 Abennenten Nr. 109. 26. Jahrgang. Dortmund, Montag, 21. April 1913. Abonnenten 118000 Erscheint wächentlich sieben Mal. Bezugspreis: 70 Plfg,. monatlich Mit der Wochenbeilage Dortm. Lustige Blätter“ nur 10 Pfg, mehr. Bei der Pot mit den Beilagen: monatlich 80 Pfa. Postzeitungs=Nr. 2914. Berliner Bureau: Berlin SW. Markgrafenstraße 19. Chefredakteur i..: August Suffrian, Dortmund. Für die Redaktion verantwortlich: August Sufrian. Hortmund; für Inserate u. Rellamen: Jul. Reitemeier, Dortmund. Käsctenr rer hicer Alnschläßfe;. 4081 Redation. Expeditimn Anschlusse:" 404 und Druckerei. Redaktion und Expedition: Reinoldistraße 19. Sprechstunden) Mittags 12 bis 1 Uhr: der Redaltion:, abends 6 bis 7 Uhr. Rechtsauskunft: Mittags 12 bis 1 Uhr; abends 5 bis 7 Uhr. Annen Nr. 483.(Gebr Krampen). Avierbeck Nr. 30c.(H. Kümperl. Castror Nr.181,(Fraub.Reinbardo Herne Nr. 124.(B Anton.) Hörde Nr. 305.(M. Loos.) Soest Nr. 485(Mx. Fr Kurteck Co.) Schwerte 144 Ph. Weisenbach) Unna Nr.444.(.Timmermann.) Wanne Nr. 1858.(E. Triebel.) Witten Nr. 744.(R. Hartung.) 118000 25 Pig. die Kolonelzeile für amtliche und auswärtige Inserate 30 Pig., Arbeismarkt 25 Pfg, Reklamen die Kolonelzeile 1 Mark. Erfüllungsort Dortmund. Teretwa gewäbrie Rabat erlischt bei Konkursen. Zwanasvergleichen und gerichtlichen Klagen Für die Aufbewahrung und Rücksendung unverlangt eingesandter„Manuskripte, sowie für die Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen und Blätzen wird keine Garantie Abernommen. für Dortmund und die: Provinz Westfalen." Größte und verbreitetste Zeitung im westfälischen Industriegebiet. Unparteiisches Organ für Jedermann. Druck und Verlag; „General=Anzeiger Dortmund', S. m. b. H. Nachnahme. Neu eingetroften 45 cm lange tiefschwarze Dfedern k%5 Jordan mund Ecke Klelstraße. Wunt Mittwoch. -Lotterie von Mark 5 Jo 50 I, Peion ibe 30 Pl. autre) Köhente erstr. 4. Peiten gtat. Die heutige Nummer enthält drei Ausgaben und das vierseitige Unterhaltungsblatt, zusammen 16 Seiten Nancy erledigt. Die Reichsregierung läßt durch die„Nordd. Allg. Ztg.“ erklären, daß für sie die politische Seite er Vorfälle in Nancy durch die von der franösischen Regierung erfolgte Maßregelung der Poliheibeamten, die gegen die deutschfeindlichen Ausschreitungen nichts getan haben,„in befriedigender Weise erledigt“ sei. Natürlich„unter Vorbehalt der Ansprüche der Geschädigten“. Das will sagen, daß diese wegen zertretener Hüte, zerbrochener Regenchirme und Stöcke usw. Schadenersatzansprüche gelend machen werden. Ergebnis: etwa 200 Fres. Buße, vorausgesetzt, daß man die Schuldigen überaupt ermittelt, was höchst unwahrscheinlich ist. Die ffentliche Meinung Deutschlands wird sich nicht leicherweise für befriedigt erklären können, wie die erliner Regierung. Sie wird vor allen Dingen in en Mitteilungen des französischen Ministers der uswärtigen Angelegenheiten, Herrn Pichon, an nseren Botschafter in Paris jede Andeutung einer ntschuldigung oder auch nur des Bedauerns über Vorgänge in Nancy schmerzlich vermissen. Es zuzugeben, daß die deutsche Regierung nicht gut in sich aus ein solches Verlangen an die französie Regierung stellen konnte. Daß aber diese nicht #s freien Stücken getan hat, was uns allen wohl nter den obwaltenden Umständen, selbst wenn man ch dabei nur auf den von französischer amtlicher seite festgestellten, offensichtlich stark abgeschwächten atbestand stützt, als ganz selbstverständlich erscheien muß, ist in hohem Maße erstaunlich. Man stelle sich nur einmal vor, wie sich die deut#e Regierung verhalten würde, wenn Franzosen uf deutschem Boden eine ähnliche Behandlung zu#il geworden wäre, wie den Deutschen in Nanchl Bir hätten es daher lieber gesehen, wenn die ordd. Allg. Ztg.“ ihrer Mitteilung von der Erlebigung der Sache noch einen kleinen Zusatz gegeben itte, worin deutlich zum Ausdruck gebracht worwäre, daß die maßgebenden Berliner Stellen indestens ein Wort des Bedauerns von Seiten der anzösischen Regierung erwartet hätten. Indessen, wir sind es ja gewöhnt, daß die Fransen von Berlin aus immer ängstlich mit Samt###ndschuhen angefaßt und äußert zart und rückhtsvoll behandelt werden. Man muß also schon ##frieden sein, daß überhaupt eine Art Genugtuung für die den deutschen Landsleuten in Nancy angetane Schmach von der französischen Regierung äußerlich gewährt worden ist. Wir wollen daher auch den inneren Wert dieser Genugtuung nicht näher untersuchen und insbesondere nicht auf die Beauptung weiter eingehen, daß die Versetzung des bisherigen Präfekten von Nancy tatsächlich, soweit die Gehaltsverhältnisse in Betracht kommen, eine Beförderung sei. Jedenfalls ist die ganze Erledigung der häßlichen Angelegenheit wahrlich nicht derart, daß sie uns irgendwie aufrichtig befriedigen könnte. Die französische Regierung hat sich lediglich zu dem herbeigelassen, was unbedingt erforderlich war, wollte sie sich nicht mit den deutschfeindlichen Lärmmachern von Nancy solidarisch erklären und sich damit vor aller Welt eklatant ins Unrecht setzen. Auch dieser Zwischenfall und dessen Austragung haben uns von neuem gezeigt, wie wir mit unserem westlichen Nachbar daran sind. Diese Lehre bleibt und darf nicht vergessen werden. Insbesondere wird man verlangen müssen, daß von amtlicher deutscher Seite nun endgültig mit dem bisherigen System übertriebener Höflichkeiten und Aufmerksamkeiten gegenüber Frankreich gebrochen und die Linie der korrekten Zurückhaltung nicht wieder überschritten werde, wenigstens so lange nicht, als jenseits der Vogesen die deutschfeindliche, chauvinistische Stimmung andauert und nur mühsam im Zaum gehalten werden kann. Bezeichnend ist es, daß dieselbe französische Regierung, die auf die berechtigte deutsche Empfindlichkeit nur soweit Rücksicht nimmt, als ohne die Gefahr ernster Verwicklungen unbedingt erforderlich ist, selbst, sich ungemein feinfühlich und empfindlich zeigt, sobald sie glaubt, nicht rücksichtsvoll genug behandelt worden zu sein. Der Staatssekretät von Jagow hat bekanntlich zur Affäre in Nanch im Reichstage gesprochen, und zwar beide male ganz kurz und mit der gebotenen Zurückhaltung. Er tat dies lediglich in der löblichen Absicht, der mit Recht heftig erregten öffentlichen Meinung Deutschlands die Gewißheit zu geben, daß die deutsche Regierung entschlossen sei, hierbei ihre Pflicht in vollem Maße zu erfüllen. Er wollte also lediglich beschwichtigend wirken und hat dies auch erreicht, ohne selbstverständlich irgendwo zu sagen, was auch nur im entferntesten verletzend für Frankreich gewesen wäre. Dennoch hat sich die französische Regierung veranlaßt gesehen, Herrn von Jagow durch ihren Botschafter in Berlin ihr Erstaunen darüber aussprechen zu lassen, wie er den Nancher Fall im Reichstage behandelt habe. Damit noch nicht genug, hat sie auch wider den diplomatischen Brauch diesen Schritt sofort bekannt gemacht. Wir wissen nicht, was Herr Jagow dem Botschafter Cambon erwidert hat, wollen aber hoffen, daß die verdiente derbe Abfuhr nicht ganz ausgeblieben ist. Auch diese kleine, aber höchst kennzeichnende Episode zeigt, was sich die französische Regierung der deutschen gegenüber nachgerade herausnehmen zu dürfen glaubt. Wundern kann man sich ja nicht nach allem, was sich in den letzten beiden Jahrzehnten zwischen Berlin und Paris abgespielt hat bis in die jüngste Vergangenheit hinein. Man braucht nur den letzten Bericht über Abenteuer der Insassen des Z. 4 in Lunsville zu lesen und gleichzeitig daran zu denken, daß der kaiserliche Botschafter in Paris— es ist immer noch nicht aufgeklärt, in wessen Auftrag eigentlich— der französischen Regierung für die jenen Insassen bereitete Aufnahme gerührt gedankt hat! Bug v:„ Berlin, 19. Appil. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt nach Mitteilung der getroffenen Strafmaßnahmen des französischen Ministeviums: „Es wird anzuerkennen sein, daß die französische Regierung unverzüglich und noch bevor sie von den Aussagen der beteiligten Deutschen in Kenntnis gesetzt werden konnte, eingriff und die Versäumnis der Peamten geahndet hat. Die politische Seite der Sache scheint uns daher in befriedigender Weise selbstverständlich unter Vorbehalt der Ansprüche der Geschädigten, erledigt zu sein. Eigener des General Hnzeigers. Die bage auf dem Balkau. Die verzögerte Antwortnote der Verbündeten. Nachdem Montenegro den Vorschlügen der Großmächte für die Friedensverhandlungen zugestimmt hatte, wurde das unmittelbare Eintreffen der Antwortnote der gesamten Balkanverbündeten angekündigt. Wenn sich diese trotzdem bis heute verzögert hat, so ist dafür Serbien verantwortlich, das noch in letzter Stunde eine textliche Aenderung der Note wünschte. Wir erhalten nachstehendes Telegramm: Sofia, 21. April. Wegen eines von der serbischen Regierung neuerdings vorgeschlagenen Zusatzes von geringer Bedeutung verzögert sich die Uebergabe der Antwortnote der Verbündeten bis morgen, indessen hat Ministerpräsident Geschow ihren Inhalt den Gesandten bereits mitgeteilt. Der Abzug der letzten Gerben von Skutari. Antivari, 21. April. Die letzten Bataillone und Vatterien der serbischen Truppen sind von Skutari nach Alessio abgezogen. Die Montenegriner haben inzwischen ihre Stellungen besetzt, sodaß Skutari nur noch von den Montenegrinern eingeschlossen wird. Vor Skutari herrscht Ruhe. Das Präsidium der Pariser Finanz= konserenz. Paris, 21. April. Der Minister des Auswärtigen, Pichon, wird von der Finanzkouferenz voraussichtlich zum Ehrenpräsidenten ernannt werden. Der eigentliche Vorsitz ist dem Sektionspräsidenten für politische Angelegenheiten im Auswärtigen Amte, de Margerie, vorbehalten. Entscheidend hierfür ist die Erwägung, daß Politik und Finanzwesen bei dieser Konferenz notwendig ineinander greifen müssen. Allianz Spaniens mit Frankreich und Einen interessanten Kommentar zu der angekündigten Reise des Königs Alfons nach Paris veröffentlicht ein angesehener spanischer Parteifüherer, der einem Bündnis zwischen Spanien und Frankreich und England das Wort redet. Wir erhalten hierzu das folgende Telegramm: Madrib, 21. Aprik. Der republikanische Führer Melquades Alvarez erklärte, er sei entschieden für eine Alliang mit England und Frankreich. Im Kriegsfalle dürfe jedoch Spanien unter keinen Umständen auf französischem Gebiete kämpfen. Seine Mitwirkung müsse darin bestehen, französische Truppentransporte von Nordafrika an die Front durch Spanien hindurch zu gestatten und zu erleichtern. Eventuell könne Spanien auch marokkanische und algerische Aufstände niederschlagen und seinen Bundesgenossen seine Mittelmeer= und atlautischen Häfen zur Verfügung stellen. Alvarez glaubt, daß mit England bereits ein Flottenabkommen bestehe und daß des Königs Maireise nach Paris, die Allianz mit Frankreich besiegeln werde. Der Ministerpräsident Graf Romanones äußerte, diese Erklärungen feien interessant und wert, in Rechnung gezogen zu werden. Fortschreitende Besserung des Papstes. Rom, 21. April. Nach dem heute morgen ausgegebenen Krankheitsbericht der Aerzte Marchia Fava und Amiei verbrachte der Papst bereits den vierten Tag fieberfrei. Infolge der Besserung der Bronchienentzündung nehmen die Kräfte des Patienten allmählich wieder zu. Zum Nancyer Zwischenfall. Eine wichtige offiziöse Auslassung. Eine treffliche Abfertigung läßt die„Norddeutsche“ Allgemeine Zeitung“ der französischen Publizistik zuteil werden, die sich hinstellt, als sei sie die verfolgte Unschuld und die Deutschen die Störenfriede. Die Pariser Hetpresse ist es doch gewesen, die den Chauvinismus in einer Weise angefacht hat, daß solche Szenen, wie sie sich am verflossenen Sonntag in Nancy abgespielt haben, überhaupt möglich waren. Jetzt stellt sie sich an wie der verfolgte Spitzbube, der da ruft:„Haltet den Dieb!“ Wie verzeichnen das nachstehende Telegramm: Berlin, 21. April. Die„Nordd. Allg. Zeitung" schreibt:„Nach den Maßregeln, die die französische Regierung zur Korrektur der gegen deutsche Gäste in Nancy verübten Ausschreitungeng getroffen hat, können wir hoffen, daß nun auch die Versuche frauzösischer Blätter aufhören, die Vorfälle zu beschönigen oder als deutscherseits künstlich aufgebauscht hinzustellen. Insbesondere wurde behauptet, daß ein von Wolffs Telegraphenbureau übernommener Bericht der Lothringer Zeitung, dessen Angaben die Untersuchung Ogiers in den meisten Punkten bestätigte, in tendenziöser Absicht verbreitet worden sei. Wir erinnern daran, daß die erste Nachricht von Havas stammte und die Sache so darstellte, als ob die deutschen Gäste, angeblich Offiziere, durch Verspottung der franzssischen Armee die schimpflichen Szenen provoziert hätten. Das ist auch durch die französische Untersuchung positiv widerlegt worden. Wenn die französische Publizistik aufrichtig wünscht, daß solche Ausbrüche des überhitzten Chauvinismus wie in Nancy vereinzelt bleiben, wird sie selbst durch ihre künftige Haltung viel dazu beitragen Lönnen.“ Eine bemerkenswerte Auslassung des französischen Ministerpräsidenten. Die Franzosen bilden sich wirklich wunder was ein darauf, daß sie durch Bestrafung der„schuldigen“ Beamten den in ihrer Nationalität verletzten Deutschen eine kleine Genugtuung gegeben haben, daß ein Teil ihrer Volksgenossen in Nancy sich zu unerhörten Ausschreitungen gegen wehrlose Deutsche haben hinreißen lassen. Da war es doch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit und nichts weiter, als dafür eine angemessene Sühne zu leisten. Jetzt sich aber noch damit brüsten und so tun, als seien die Franzosen die unschuldigen Lämmer, die kein Wässerchen trübten, dazu liegt auch nicht die geringste Veranlassung vor. Wir geben den Inhalt der Rede Barthous in nachstehendem Telegramm inhaltlich wieder: Paris, 21. April. Auf dem jährlichen Wohltätigkeitsfest der Lehrervereinigung hielt Ministerpräsident Barthou eine Rede, in der er u. a. sagte: e mein mir in Ware setzten re für mudes.“ der Synagoge. haufenster. ohnungsarkt Blatt Kunst und Wissenschaft. Wohltätigkeits=Konzert. Dortmund, 19. April. Zum Besten der Erbauung eines evangelischen ankenhauses in Dortmund fand am heutigen amstag abend in den Sälen des Fredenbaums ungemein zahlreich besuchtes Konzert statt. Ran hatte entgegen der gewöhnlichen Gepflogenheit #i derartigen Veranstaltungen den Restaurationstrieb während der Vorträge ausgeschaltet und Emit diesen=selbst den besten Dienst erwiesen. Frau kobert Wiskott sprach eingangs einen kurzen, Enmungsvollen Prolog mit feiner Behandlung des ellamatorischen. Der Instrumental=Verein unter itung des hiesigen Musikdirektors Kern leitete n musikalischen Teil der Darbietungen mit der Piedergabe der Jubel=Ouverture von C. M. von Peber ein und zeigte sowohl hier als auch im Eeiteren Verlaufe des Abends durch den Vortrag # Larshetto und des Allegro molio aus der=dur Enfonie und der Egmont=Ouverture von Beet#ven ernstes Streben und beachtenswertes Können. #. Koch, der hier bekannte und geschäßte Sänger, und viel Beifall in Liedern von Hugo Wolf, Franz hubert und von Henschel. Besonders eindrucksvoll bihte er den„Prometheus“ von Schubert zu ge#ten. Auch der Evangelische Männer=Gesangverunter seinem Dirigenten Fr. Knoke trug durch E klangschöne und musikalisch vornehme Wieder##e dreier Männerchöre:„Im Mai“ von W. Ungst,„Abschied“ von A. Kirchl und„Aus der Aigendzeit“ von Radecke zum vortrefflichen Verlauf r Veranstaltung wesentlich bei. Die sechs altBederländischen Volkslieder für Männerchor und ichester, zu denen Frau Professor Schröder verbindende Dichtung sprach, beschlossen den utzreichen Abend. Kapellmeister Maas am ###vier und Kapellmeister Thiele an der Orgel #lteten in bester Weise ihres Amtes. Nach dem Anzert enwickelte sich ein reiches und buntbewegtes Eben in dem angrenzenden Wintergarten vor den Prkaufsständen. Auch hier dürfte wohl noch manD# Scherflein für den wohltätigen Zweck durch D. Liebenswürdigkeit und den Geschäftesinn der run stenmengtractt ser. 22. Kirchenmusik. Dortmund, 20. April. Eine eigenartige Idee hat der erste Organist von St. Reinoldi, Musikdirektor Holtschneider, in seiner heutigen 22. Kirchenmusik realisiert. Unter der Signatur„Ein Frühlingstag“ war von ihm ein zwar nicht direkt kirchliches, aber immerhin recht stimmungsvolles Programm zusammengestellt. Der Morgen, das Tagewerk und der Abend eines Frühlingstages zog in buntem Wechsel von Orgel=, Solound Chorvorträgen am Hörer vorüber. Zur Einleitung erklang die Fantasie über„Die Himmel erzählen“ aus der Schöpfung von Haydn. Daran schloß sich das in seiner schlichten Ausdrucksweise gemütvolle Lied„Geh aus mein Herz und suche Freud“ von Paul Gerhardt, durch den Gesanglehrer des hiesigen Konservatoriums Kurt FinkGarden mit viel Empfindung vorgetragen. Ein Kinderchor griff den von dem Solisten angestimmten dichterischen Gedanken auf und führte ihn in frischer Weise zu Ende. Hier sowohl, wie auch in dem späteren„Seht die Lilien auf dem Feld“ von Fr. Silcher hätte mehr Ruhe im Tempo herrschen müssen; in dieser Art der Ausführung ging das Gemütvolle, naiv Beschauliche der alten, heute noch beliebten Lieder zum großen Teile verloren. Auf das unmotivierte Eilen dürfte auch wohl die rhythmische Uneinheitlichkeit im Chore der Mädchen zurückzuführen sein. Im übrigen sangen die Kinder durchweg rein und auch tonschön. Herr Fink=Garden bewährte sich als sehr geschmackvoller Sänger im Vortrage des Bachschen „Die güldne Sonne, voll FZeuer und Wonne“, der Arie aus den Jahreszeiten„Schon eilet froh der Ackersmann“ von Haydn, bei der trotz feinsinniger Registerwahl die Begleitung durch die Ongel befremdete, und des Liedes„Nun ruhen alle Wälder“ aus Paul Gerhacdts Liedern in neuen Weisen von Friedrich Mergner. Der Kinderchor sang noch „Wir pflügen und wir streuen den Samen in das Land“, dus so wundervoll poetische„Der Mond st aufgegangen“ von M. Claudius und zum Schluß Paul Gerhacdts„Der Tag ist nun vergangen“. Ein Stimmungsbild für Opgel, das„Abendlied“ #dh die„Teäumern“ von Rob, Schumanx in einer Bearbeitung für Violine und Orgel, gefühlsinnig vorgetragen durch Fräulein Sprinz aus Würzburg, bewvollständigten das Programm. Die Reinoldikirche war bis auf den letzten Platz besetzt, Drittes Kammermusik=Konzert. Dortmund, 20. April. Professor Janssen gab sein letztes diesjähriges Kammermusikkonzert im Kasinosaale unter Mitwirkung des Kölner Violoncellisten Prof. Friedrich Grützmacher und des Konzertsängers Marimilian Troitsch aus Wiesbaden. Auf dem Programm standen drei Sonaten für Violoneell und Klavier, und zwar die Fedur Sonate op. 6 von Richard Strauß, die Temoll Sonate op. 32 von C. Saint=Saens und die.dur Sonate op. 69 von L. van Beethoven; außerdem verschiedene Lieder von Schubert, Brahms,=Schumann und einige Balladen von K. Loewe. Die Sonate von Strauß ist eins jener Jugendwerke, die vor der kühnen Metamorphose im Entwicklungsgange dieses Künstlers liegen. Die Melodik ist in den beiden Allegrosätzen noch von dem Feuer ungezügelter jugendlicher Wärme und Begeisterung getragen, in dem Mittelsatze von tiefster Schwermut erfüllt,— so ganz nach des Dichters Wort„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt...“ Dieser Ueberschuß an Gefühlswerten ist bekanntlich das Erbteil aller jugendlich impulsiven Naturen und in der Regel ein günstiges Zeichen für den Reichtum innerlich drängender und gährender Kräfte. Die Harmonik in dieser Strauß=Sonate ist noch von einer lichtvollen Klarheit, die Thematik leichtfaßlich und durchsichtig, die Rhythmik noch stark im Banne des Metrums befangen. Nach Seiten ursprünglicher Erfindung und einheitlichen Aufbaues ist der letzte Satz am gelungensten: in dem ersten Satze macht sich das Spielerische mit einem ziemlich unbedeutenden Nebengedanken zu aufdringlich breit und stört dadurch die große Linie, die Geschlossenheit des Satzes. Mag man nun auf den „alten oder neuen Strauß“ schwören, jedenfalls ist diese Sonate ein Werk voll unmittelbaree und starker Wirkungen auf den Hörer. Das läßt sich von der Cemoll Sonate des Franzosen Saint=Saens als Ganzes nicht in gleicher Weise behaupten. Die Böossognomik des Themenmaterials der beiden ersten Sätze ist so wenig charaktervoll und persönlich, daß auch die kunstvolle satztechnische Behandlung diesen Mangel nicht auszugleichen vermag. Lediglich der brillante, ungestüm vorwärts dringende letzte Satz mit seinen prächtigen Steigerungenomenten regt die Teilnahme des Hörers stärker an.— Beethovens schöne=dur Sonate hatte der Veranstalter des Konzerts wohl nicht ohne Grund, an die letzte Stelle des Programms gestellt, gingen doch von ihr die reinsten, musikalisch tiefsten Wirkungen aus, Wirkungen, wie sie ein in jeder Hinsicht harmonisches Kunstwerk stets hervorbringt. Professor Janssen und sein hier seit Jahren bekannter Partner legten bei der heutigen Wiedecgabe der drei Sonaten das Schwergewicht auf die plastische Herausarbeitung des Ideengehaltes. In dieser Hinsiche verdient das Dargebotene volles Lob. Die Klarheit und Durchsichtigkeit der Struktur blieb fast überall gewahrt. Auch in Bezug auf die Behandlung des Gefühlsmäßigen bewiesen beide Spieler ausreichende innere Anteilnahme. Verschiedene Steigerungen in der Strauß= und SaintSaens=Sonate gelangen sogar ausgezeichnet. Technisch stand die Eemoll=Sonate von Saint=Sasns sowohl bei dem Pianisten, als auch dem Violoncellisten am höchsten: nicht ganz ausgereift war vor allem verschiedenes im ersten Satze der Strauß=Sonate. Nach rein klanglicher Seite blieb noch das meiste zu wünschen übrig; man schöpfte durchweg zu sehr aus dem Vollen, griff manches zu robust an und ignorierte mehr wie gut jenen Modulationsreichtum des Spiels, der die Feinnervigkeit des Künstler zeigt und für das Kammermusikspiel eine unerläßliche Bedingung ist.: Der Solist Maximilian Troitsch hinterließ als Liedersänger einen guten Eindruck. Seine Tonbildung ist zwar mitunter etwas aufdringlich nasal wegen zu geringen Oeffnen des Mundes, das Organ aber selbst namentlich in der Höhe ungemein voll und klangschön, der Vortrag von gutem musikalischem Empfinden und innerlich geläuterter Kunstauffassung getragen. Am besten gelangen ihm die drei Balladen von Loewe: für das„Hochzeitslied“ freilich genügte die Sprachtechnik noch nicht ganz. Karl Mayer war darin früher ein unerreichter Weisten. Auch das schwermütige Schubert=Lied „Die Stadt“ und„Auf dem See“ von Brahms können als sehr beachtenswerte gesangliche Leistungen gelten. Professor Janssen und seine Gäste fanden reichen Applaus. ** Stadttheater. Mittwoch, den 23. d. M. und Freitag, den 25. gibt der bekannte Charakterdarsteller des Deutschen Theaters, Herr Paul Wegener ein zweimaliges Gastspiel am Stadttheater und zwar als„Jago“ in Shalespeares Othello= und als „Franz Moor in Schillers„Räuber“. Wir wollen nicht verfehlen, auf diest beiden Gastspiele des hervorragenden Künstlers hinzuweisen. ngeeir Wrauwign Zu Ehren des scheidenden Theaterdirektors Alois Hofmann findet Mittwoch, 7 Mai, im FredenbaumSaal ein Wagner=Konzert=Abend unter Mitwirkung des Lehrer=Gesangvereins, des Philharm. Orchesters und der besten Opernkräfte des hiesigen Stadttheaters statt. Hohenzollern=Margarite. Pressenotiz des Verbandes der Margarinefabriken! „Margarinefabrik in Cadinen. Wie ein guter Freund aus Danzig uns schreibt, soll die Gutsverwaltung der Kaiserlichen Besitzung Cadinen, deren Pächter in der letzten Zeit wegen seines Rechtsmit dem Kaiser oft genannt wurde, die Absicht haben, eine Margarinefabrik ins Leben zu rufen. Am 1. April soll in Cadinen eine Beratung von Sachverständigen stattfinden, welche die Gutsverwaltung eingeladen hat, um an Ort und Stelle die Rentabilitätsaussichten des Unternehmens zu prüfen. Tatsache ist, daß in den drei Provinzen Ost= und Westpreußen und Posen größere Margarinewerke nicht existieren, indes der Absatz von Butterersatzmitteln auch im Osten der Monarchie bedeutend gestiegen ist. Wenn der Plan verwirklicht wird, würde Kaiser Wilhelm als Besitzer von Cadinen Margarinefabrikant werden, ein Umstand, der dezu beitragen könnte, den berechtigten Forderungen unserer oft zu Unrecht angefeindeten Industrie für die Folge leichter Gehör zu verschaffen. Wenn wir uns erinnern, daß der Schwager des Kaisers, Herzog Ernst Günther zu SchleswigHoltein jahrelang Eigentümer der PflangenbutterTahrik, in Primkenau war, scheint die Melbung nicht unwahrscheinlich zu sein.“ beurteilen Frankreich falsch und berkenneu unser Land, die es hinstellen, als fähig, ich weiß nicht welchen chauvinistischen Angriffen. Die öffentliche Meinung und die französische Presse sind unter entscheidenden und schwierigen Umständen eins darin gewesen, zu zeigen, in welchem Maße sie kaltes Blut und das Gefühl ihrer Würde zu wahren verstehen. Man muß es sohr laut sagen, daß wir, indem wir solche Beispiele geben, zu denen gehören, die von niemanden Lektionen zu empfangen haben.(Beifall.) Allzuoft hat ein Chauvinismus, den man uns zu Unrecht vorwarf, sich jenseits der Grenze gezeigt. Frankreich ist dem Frieden ergeben, aber es will nur einen Frieden unter Wahrung seiner. Würde, seiner Interessenten und seiner Rechte und nicht unter Aufgabe seiner Erinnerungen, seiner Vergangenheit und seiner zivilisatorischen Mission. Goeben habe ich mit tiefer Bewegung gesehen, wie am Beginn dieser Veranstaltung die Turner sich vor unserer Fahne verneigten.(Beifall.) Es ist niemand hier, der sich nicht verneigt hätte, der sich nicht erhoben und die Trikolore begrüßt hätte, die von ruhmreicher Erinnerung an die Vergangenheit und strahlender Hoffnung für die Zukunft umweht wird.(Langanhaltender Beifall.) Zu dieser Rede bemerkt das„Verl. Tagebl.“: Diese Rede wird schwerlich dazu beitragen, die von den einsichtigen Kreisen in beiden Ländern angestrebte Beruhigung der Geister zu fördern. Daß man den Franzosen„zu unrecht" Chauvinismus vorwirft— das heißt also, daß überhaupt kein Chauvinismus in Frankreich existiert— ist eine überaus kühne Behauptung, die von niemanden in Deutschland als zutreffend angesehen wird und der Hinweis auf die „strahlenden Hoffnungen für die Zukunft" gehört zwar zum eisernen Bestande der tranzösischen Rhetorik, hat aber durchaus keinen Sinn, wenn man, wie wir gern glauben„dem Frieden“ ergeben ist und die Hoffnungen nicht zu verwirklichen gedenkt. Herr Barthon hat offenbar das Bedürfnis gefühlt, sich die Gunst derjenigen zurückzugewinnen, denen seine Haltung in der Nancyaffäre mißfiel. Gerade als er seipe Rede hielt, hatten die großen Pariser Blätter die schnelle Erledigung des Zwischenfalles und die Freilassung des in Deutschland verhafteten französischen Hauptmanns Lemerle mit Worten der Befriedigung begrüßt. Paris, 21. April. Die prompte Erledigung der Nancyangelegenheit, die Erklärung, daß auch in Deutschland der Zwischenfall in politischer Hinsicht abgeschlossen sei, hat hier bei den besönneneren Elementen der öffentlichen Meinung eine gute Wirkung gehabt und die Zeitungen geben dieser Genugtuung heute Ausdruck. Man hatte noch in einigen Kreisen gefürchtet, daß vielleicht durch ein gerichtliches Verfahren oder durch ein diplomatisches Bestehen auf zahlreiche Einzelheiten, die Sache weiter in die Länge gezogen würde. Um so größer ist die Zufriedenheit, daß die heille Sache so schnell verschwindet. Der„Temps“ schreibt gestern abend: „Die französische Regierung hat alles getan, was die Umstände ihr rieten. Es wäre ärgerlich gewesen, wenn ihre entgegenkommende Haltung nicht auf der anderen Seite anerkannt worden wäre. Wir erkennen wit Freude, daß die deutsche Regie. rung die Eingebung der richtig en Gebürde gehabt hat. Der Eifer, den die deutsche Regierung dabei an den Tag legte, ist eine glückliche und entscheidende Antwort auf jene Presse, die noch nach den bekannten Maßregeln Deutschland ermunterte, neue Forderungen zu stellen. Herr von Jagow hat noch mehr getan, er hat Herrn Jules Cambon mitgeteilt, daß der französische Hauptmann Lemerle in Freiheit gesetzt fei. Es ist anzunehmen, daß diese Gleichzeitigkeit der beiden Entscheidungen auf keinen Zufall beruht. Die französische Regie. rung hatte bei der Zeppelinaffäre ein Ehrenwort nicht diskutiert, die deutsche Regierung hat Wert darauf gelegt, einem frandösischen Offizier gegenüber nach derselben Methode vorzügehen. Der„Fisars" bemerkt:„Die deutsche Regie. rung hat keine Zeit verloren und sich beeilt, zu erklären, daß auch für sie der Zwischenfall abgeschlossen. Die Eile dieser Erklärung hat den Eindruck verwischt, den die Worte des Herrn von Jagow im Reichstage erweckt hatten.“ Daß trotz des jetzt vorherrschendon Gefühls der Erleichterung ein gewisses Mißtrauen noch besteht und vermutlich auch längere Zeit bestehen bleiben wird, läßt sich nicht gut leugnen. Die nationalistische Presse betont, daß der Vorfall für Frankreich eine Lehre sein soll und daß man mit aller Kraft an der #stung des Sande# arbeiten müsse. Go schreibt die„Liberi6“: „Vom französischen Standpunkte aus wollen wir hoffen, daß weder Regierung noch öffentliche Meinung die doppelte Lehre übersehen werden, die dieses Ereignis uns darstellt. Mit dringender Eile mössen wir daran arbeiten, unsere Sicherheiten durch größere Ordnung im Innern und durch lebhaftere Kraft dem Auslande gegenüber an beseitlgen: Das„Scho de Paris“ meint:„Aus dem peinlichen Zwischensall bleibt uns eine heilsame Lehre: Frankreich wird sich in der Welt vict hur Woete Reitelt besiAstian, es genügen nicht grobe Worte an die Adresse deutscher Reisenden, es genügen auch nicht die großen Worte, die bis jetzt über unsere Heeresvermehrung geredet worden sind. Es handelt sich jetzt darum, ruhig Blut zu behalten und tätig zu sein.“ Die Franzosen sind und bleiben die geborenen Komödianten. Paris, 21. April. Mehrere Blätter sprechen den dringenden Wunsch aus, daß chauvinistische Theater= und sonstige Schauvorstellungen im Interesse der friedlichen Beziehungen der beiden Länder aufhören migen. Paris, 21. April. In einer anscheinend offiziösen Mitteilung wird angekündigt, daß die Oftbahngesellschaft bereit sei, etwaige Entschädigungs. ansprüche der bei den Nancyer Zwischenfällen insultierten beiden deutschen Reisenden zu erfüllen. Die Beziehungen zwischen Deutschland und England. London, 21. April. Bei dem Jahresfestessen der Deutschen Wohltätigkeitsgesellschaft brachte der Vorsitzende, der deutsche Botschafter Fürst Lichnowsky einen Toast auf den König von England aus und erwähnte, daß der König demnächst der Gast des deutschen Kaisers sein werde. Er betonte den familiären Charakter des Besuches, der aber dennoch ein Beweis inniger Beziehungen zwischen den Höfen sei, die in den vertrauensvollen Beziehungen beider Reiche ein vollwertiges Gegenstück fänden. Der Botschafter toastete dann auf den deutschen Kaiser und sagte, er dürfe die Hoffnung aussprechen, daß binnen kurzem eine Zeit wirtschaftlicher Erleichterung und politischer Entspannung eintreten werde. Der Botschafter wies auf das rege Interesse der Deutschen Englands an der Berliner Hochzeit hin begrüßte auch den anwesenden österreichisch=ungarischen Botschafter Grafen Mensdorff und brachte einen Trinkspruch auf den Kaiser von Oesterreich aus.— Das Ergebnis der Sammlung in der deutschen Kolonie betrug 3900 Pfund. Sterling. Erledigung des Casablancazwischenfalles. Fast gleichzeitig mit dem Nancyer Zwischenfall ist auch die Casablancaaffäre, bei der, wie f. Zt. berichtet, das Haus eines deutschen Reichsangehörigen durch französische Soldaten widerrechtlich besetzt und zerstört wurde, von Frankreich in entgegenkommender Weise beigelegt worden. Ein Telegramm berichtet uns darüber: Tanger, 21. April. Am 8. März wurde in Casablanca aus einer Nebenstraße ein Stein auf eine durch die Hauptstraße ziehende französische Militärkapelle geworfen. Sofort führte der Kapellmeister, Pöbel und Soldaten einen Sturm gegen das leere, offene Geschäftshaus des Deutschen Heinrich Ficke unter Verwünschungen auf die Deutschen aus. Das Haus wurde teilweise demoliert. Die französische Presse veröffentlichte sofort falsche Berichte, nach denen aus dem Hause Fickes die Steine geworfen seien. Die auf Veranlassung des deutschen Konsulats in Cafablanca eingeleitete Untersuchung hatte schließlich zur Folge, daß am Freitag der französische Konsul in Casablanca seinem deutschen Kollegen im deutschen Konsulat namens des Generals Liautey und der lokalen Militärbehörde amtlich das lebhaftestr Bedauern über den Vorfall ausdrückte und erklärte, der Hauptschuldige, der Kapellmeister, sei mit einem strengen Verweise und acht Tagen Arrest, ein Soldat mit acht Tagen und ein zweiter mit vier Tagen Gefängnis bestraft worden. Der entlassene französische Hauptmann. Speyer, 21. April. Der hier verhaftete französische Hauptmann Lemerle ist aus der Haft entlassen worden. Die Entlassung geschah auf die von ihm an den Reichsanwalt gerichtete Beschwerde, nicht etwa weil sich seine Unschuld herausgestellt hatte, sondern weil keine begründeten Verdachtsmomente vorliegen. König Mannels Verlobung mit einer Hohenzollern=Prinzessin. König Manuel., der frühere König von Portugal, hat sich in Sigmaringen mit der Prinzessin Augusta Viktoria von Hohenzollern verlobt. Wir erhalten über diese überraschende Verbindung folgende Depesche: Sigmaringen, 21. April. Mit Genehmigung des Kaisers und des Fürsten von Hohenzollern wurde gestern die Verlobung der Prinzessin Augusta Viktoria geb. Tochter des Fürsten Wilhelm von Hohenzollern, mit dem früheren König Manuel 2. von Portugal veröffentlicht. Die Prinzessin ist die einzige Tochter des Fürsten Wilhelm und ist geboren am 19. August 1890 zu Potsdam. Der belgische Generalstreik. Brüssel, 21. April. Im Kohlenrevier von Charleroi stehen auf den Eisenbahnschienen so viele leere und beladene Waggons, daß sie den Verkehr beträchtlich hindern. Die Eisenbahnverwaltung hat deshalb die Industriellen gebeten, ihr das Abrollen dieser Wagen zu gestatten. Der Bürgermeister von Brüssel hat sich dahin geäußert, daß am Dienstag mittag ein Teil der städtischen Gasarbeiter in den Streik treten wird. Es ist aber schon jetzt für Ersatz der Ausständigen gesorgt worden. Die Brüsseler Buchdrucker haben in einer neuen Versammlung beschlossen, nicht mit in den Streik zu ziehen und badurch einen früheren Beschluß umgestoßen. Die Arbeiter der Zeitungen werden aber von ihrem Wochenlohn 50 Prozent an die Streikkasse abführen. Im Gebietz von Sharigrei gaitiert en Poten. nach dem zu Streikzeiten alle Bürger in ihren Häufern bleiben müssen, während die Arbeitswilligen zur Grube gehen oder von dort zurückkehren. Das Gesetz wird besonders streng angewendet. In der Zeit dürfen die Bürger nicht einmal in den Haustüren stehen bleiben. Ueberall, wo diese Vorschrift nicht beachtet wird, schreiten die Gendarmen ein. Heute werden die Diamantschleifer von Antwerpen sich dem Ausstande anschließen. Luxemburg, 21. April. Die sozialdemokratische Partei Luxemburg veranstaltet im ganzen Lande Sammlungen, um den Streik in der belgischen Arbeiterschaft finanziell zu unterstützen. Von einem Sympathiestreik der luxemburgischen Arbeiter ist keine Rede mehr.1— Morgaus Erben. Newyork, 21. April. Morgaus letzter Wille ist veröffentlicht worden. Außer Vermächtnissen von 20 Millionen Dollars für Verwandte und Angestellte vermachte Morgan sein ganzes Vermögen einschließlich seiner Kunstsammlung seinem einzigen Sohne. Die Witwe erhält sogleich eine Million Dollars und 100000 Dollars Jahresrente. Jede Tochter erhält 3 Millionen Dollars, die Schwiegersöhne je eine Million. 600 000 Dollars sind für wohltätige Zwecke bestimmt. Große Vermächtnisse fallen den Angestellten und Dienern zu, Morgan hat den Wunsch ausgesprochen, daß sein Sohn seine Gemälde=, Miniaturen. und Porzellan=Sammlung dem amerikanischen Volke ständig zugänglich mache. Eine krlegsmäßige Ballonverfolgung. Frankfurt=Main, 21. April. Der Frankfurter Verein für Luftfahrt und der Frankfurter Automobilklub veranstalteten mit Unterstützung des Generalkommandos des 18. Armeekorps eine kriegsmäßige Ballonverfolgung. Leider wurde die Veranstaltung durch das schlechte Wetter sehr beeinträchtigt, sodaß diejenigen Flieger, die sich von Darmstadt aus auf Eulerapparaten an der Ballonverfolgung beteiligen wollten, absagten, ebenso das Luftschiff Viktoria Luise, das als Beobachtungsschiff dienen sollte. Die Füllung der Ballons, die von den Mannschaften des 1. Infanterieregiments gehalten wurden, begann um 9 Uhr vormittags. Um 10,55 Uhr stieg als erster der Ballon Hansa auf(Führer Dr. Landmann), einige Minuten später folgte der Ballon Moenus(Führer Oberleutnant Meurer); unterdessen hatte Regen und heftiger Wind eingesetzt, der eine Zeitlang den Ballon Tilli(Führer Julius Hahn) gefährdete und hin= und herwarf, sodaß die Mannschaft Mühe hatte, ihn zu halten. Es folgten dann die Ballons Justicia(Führer Berthold Jessel), Taunus(Führer Max Korn, Hefsen(Führer Hauptmann Stuhlmann), Ballon Frankfurt(Führer Robert Marburg). Der letzte Ballon, der um 12 Uhr aufstieg, war der größte mit 4 Personen an Bord. In den oberen Luftschichten herrschte eine ruhigere Luftströmung. Fast alle Ballons schlugen südwestliche Richtung ein und blieben lange Zeit sichtbar. An der Verfolgung beteiligten sich ungefähr 27 Automobile. Von den Ballons wurde nur der Ballon Frankfurt erreicht und zwar zuerst von dem Automobil Wilhelm Kleyer. Der Ballon blieb bei Großenhausen in einem Baum hängen. Der Führer erklärte sich für ergeben. Der Ballon wurde durch Beilhiebe befreit. Die übrigen Ballons landeten nach ungefähr zweistündiger Fahrt in der Nähe von Frankfurt a. M. Ein Eifersuchtsdrama. München, 21. April. Der Nache eines verschmähten Liebhabers sind in München am Sonntag zwei Mädchen zum Opfer gefallen. Der 24jährige Metzger Karl Hager lauerte in einem Hausflur in der Reichenbacherstraße seine ehemalige Geliebte, die 21jährige Kellnerin Hanna Sterr, auf und fiel mit einem großen Messer über sie her. Schwer verletzt und um Hilfe schreiend floh das Mädchen auf den Hof, wo es der wütende Mensch förmlich abschlachtete. Nicht weniger als 10 Messerstiche hatte die Unglückliche erhalten. Dem ihr zu Hilfe eilenden jetzigen Liebhaber, dem 30jährigen Postschaffner O. Zimmermann, stach der Mörder nieder. Die Blutszenen spielten sich schnell ab. Hausbewohner fanden den Postschaffner durch 4 tiefe Messerstiche lebensgefährlich verletzt auf. Man zweifelt an seinem Aufkommen. Der Mörder, der zuerst floh, stellte sich später selbst der Polizei. Mit der Angabe, daß er beide aus Nache ermordet habe. Zur Geschäftslage. Berlin, 21. April. Der Wochenbericht der Berliner Handelsgesellschaft führt bezüglich des Schiffahrtsgewerbes aus, daß der Geschäftsgang bei den Schiffahrtsgesellschaften noch immer sehr lebhaft sei, sodaß für das erste Gemester des laufenden Jahres gute Erträgnisse in Aussicht stehen. Manche Anzeichen deuten jedoch daraufhin, daß der Höhepunkt bereits überschritten ist und daß für den weiteren Verlauf des Jahres mit einem allmühlichen Abflauen des Geschäfts. ganges gerechnet werden muß. Die Wirkung hiervon dürfte sich um so mehr bemerkbar machen, als in einigen Monaten durch die Fertigstellung neuer Schiffe eine erhebliche Vermehrung der Tonnage zu erwarten ist. Anfangs d. J. verfügte die deutsche Handelsflotte über rund 4 Millionen Bruttotonnen, nach dem Stande der im Gang befindlichen Schiffsbauten muß damit gerechnet werden, daß der in den nächsten Monaten zu erwartende Zuwachs an Tonnage sich auf etwa 10 Prozent des jetzt vorhandenen Schiffbraumes belaufen wird. Bekanntlich bilden die Aktien der Schiffahrtogesellschaften seit Monaten die Lieblingsobjekte der Spekulation. Soweit es sich um Gesellschaften mit einem großen Kapital handelt, hat sich die Kursbewegung natürlich in ruhigeren Bahnen bewegt. Anbers Liest st bai den mit einem Meinen Barital ausgestatteten Gesellschaften, deren Kurse infolge der geringen zur Verfügung stehenden Materialien weit erheblicher gestiegen sind. Viele seriöse Aktionäre, die ihren Besitz jahrelang konserviert hatten, haben sich seiner zu den stark gestiegenen Kursen entäußert, so daß die Aktien aus den Händen der Kapitalisten in diejenigen der Spekulation übergegangen sind. Ueber das Börsengeschäft im allgemeinen wird gesagt, daß es in der vergangenen Woche außerordentlich lebhaft war. Es hat durchaus den Anschein, als ob die Besserung der Tendenz sich als nachhaltig erweisen wird, wenn auch natürlich Schwankungen und Rückschläge nicht ausbleiben werden. Daß sich der bevorstehenden Ultimoliquidation keinerlei Schwierigkeiten entgegenstellen werden, ist als sicher vorauszusetzen. Bestsaten=Kheinland. Recklinghausen, 20. April.(Ein neuer Pokkenfall.) In der Gemeinde Ehsel ist abermals eine Pockenertrankung festgestellt worden. Es handelt sich um eine alte Frau, die inzwischen in die Seuchenbaracke bei Hochlar eingeliefert worden ist. Wattenscheid, 19. April.(Zwei schwere Unfälle) mit tödlichem Ausgange haben sich im hiesigen Bergbaubetviebe zugetragen. Auf dem Schacht=3 der Zeche„Centrum" stürzte der 19 Jahre alte Bergmann Martin Mucha in einem Aufbruchschacht ab. Er war sofort tot. Auf der Zeche„ver. Karolinenglück“ geriet der 60 Jahre alte Bergmann Johann Ramsack unter einen Förderkorb. Der Knappe, der schon seit mehreren Jahrzehnten auf der genannten Zeche beschäftigt war, wurde zu Tode gedrückt. Essen, 20. April.(Schweres Leid) wurde gestern morgen über zwei Familien gebracht. In der Frühstückspause gerieten die beiden Sextaner Höker und Friedheim auf dem Spielplatze des Rüttenscheider Gymnasiums miteinander in Streit, der aber bald beigelegt war. Kurz darauf äußerte der 10jährige., daß er sich sehr wohl wehren könne, da er im Besitze eines Messers sei. Da entgegnete, daß damit nichts anzufangen sei, meinte., ob er einmal versuchen solle. Als der kleine H. bejahte, stieß F. zu und traf seinen Kameraden ins Herz. In den Armen des herbeigerufenen Lehrers starb der Junge, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der Unterricht wurde am Gymnasium sofort ausgesetzt. Duisburg, 19. April.(Transport=Unglück.) Gestern mittag ertönte ein heftiger Kuall von dem Verwaltungsgebäude der an der Wertherstraße in Hochfeld gelegenen Deutschen Maschinenfabrik A. G. Beim Transport einer neuen Druckmaschine, die einen Wert von mehreren tausend Mark repräsentiert und für den Privatgebrauch der Maschinenfabrik bestimmt ist, riß plötzlich ein dickes Seil. Die Maschine sauste mit kolossaler Geschwindigkeit in die Tiefe. Es entstand eine große Panik. Mehrere Arbeiter, die mit dem Transport beschäftigt waren, erlitten zum Teil schwere und leichte Verletzungen, jedoch besteht bei keinem Lebensgefahr. Nur der Umsicht des leitenden Oberingenieurs ist es zu verdanken, daß kein Menschenleben bei dem Unglücksfall vernichtet wurde. Der Schaden soll sehr bedeutend sein. 5272,55 Mk., Plücker u. Starke, hier, 5323.90 Mr, Hempelmann, G. m. b.., hier, 5403,95 Mk. Anbau Stadttheater: Leop. Müller, hier, 1828,50 Mk., F. Pelzer u. Co., hier, 1829,50 Mk., Plücker u. Itarcke, hier, 1815,45 Mk., H. Hempelmann, G. m. b.., 1765,60 Mk. „Königsborn“, Aktien=Gesellschaft für Bergbau, Salinen= und Soolbad=Betrieb. Der Rohüberschuß beträgt im ersten Vierteljahr 1913 1 099 796,53 Mk. Konzerte, Vereine etc. Kolonial=Frauenbund. Wir machen auf den, Dienstag 22. April, abends 8 Uhr, im Rathaussaale stattfindenden Lichtbilder=Vortrag des Kolonialen Frauenbundes aufmerksam. Herr Richard Decken, der lange Zeit als Plantagendirektor in den Kolonien tätig war, wird über das Thema:„Die Rassenmischehe und ide weiße Frau“ sprechen, das sicherlich allgemein interessieren wird. Karten in der Buchhandlung Dreift und an der Kasse 50 Pf. Sprechsaal. Der Inhaber der Firma Alex Reinecke feiert— wie uns einige Leser mitteilen— am morgigen Dienstag mit seiner Frau seine silberne Hochzeit. Leider trüben dem Silberpaare unverschuldete geschäftliche Fehlschläge die volle Festesfreude. Vermischtes. Paris, 20. April.(Tödlicher Unfal! der Kinder Isadora Duncans.) Einem Automobilunglück sind gestern, lt.„B.., die beiden Kinder der Tänzerin Isadora Duancan, ein fünfjähriger Knabe und ein siebenjähriges Mädchen, mit ihrer Wärterin zum Opfer gefallen. Die Wärterin wollte mit den Kindern von Neuilly=surSeine, wo Isadora Duncan seit einem Jahre eine Villa bewohnt, nach dem Vorort Levallois Peret fahren und mietete zu diesem Zweck eine Automobildroschke. Auf der etwa fünfzig Meter von der Villa entfernten Seinebrücke wandte sich das Automobil plötzlich infolge Versagens der Steuerung zur Seite und stürzte über das Geländer in den Fluß. Da die Seine an dieser Stelle schmutzig und etwa 10 Meter tief ist, gelang es der Feuerwehr erst nach anderthalb Stunden die Leichen der Kinder und ihrer Wärterin aus der geschlossenen Droschke zu bergen. Das Automobil selbst konnte noch nicht gehoben werden. Da die unglückliche Mutter völlig fassungslos ist und man für ihren Verstand fürchtet, hat man ihr die ganze Wahrheit bis jetzt verschwiegen. Einer anderen Meldung zufolge hat sich das Unglück folgendermaßen zugetragen: Der Chauffeur hatte den Wagen angekurbelt, ohne vorher den Geschwindigkeitsmesser abgestellt zu haben. Das Automobil setzte sich, während der Führer davorstand, in Bewegung, überfuhr den Chauffeur, der unverletzt blieb und fuhr in die Seine. Der Chauffeur ist danach verhaftet worden. Sport. Fußball. Die Vorrunden um die deutsche Fußballmeisterschaft hatten folgendes Resultat:„..“.„Erg. Frankfurt=Main. Spielverein Duisvurg schlagt die Stuttgarter Kickers mit:1. Der Spielverein kommt dadurch in die Zwischenrunde und spielt am nächsten Conntag in Essen gegen Holstein=Kiel. Forst(Lausitz). Der Verein für Bewegungsspiele Leipzig schlägt Askaria=Forst mit:0 und kommt dadurch in die zweite Zwischenrunde in Leipzig gegen Viktoria=Berlin. Die Sieger aus diesen beiden Svielen kämpfen dann im Schlußspiel um die deutsche Meisterschaft., inuug# Braunschweig. Fußballklub Eintracht-Braunschweig schlägt Essener Turnerbund mit:2. Ligaresultate. Duisburg. Preußen=Duisburg schlägt Bonner Fußballverein mit:0, München=Gladbach. Borussia=.=Gladbach schlägl Kölner Fullbalklub von 1899 mit:1. Weitere Resultate. „Dortmund. Dortmunder Fußballklub I. schlägt Essener Turnerklub mit:0. Dortmund. Fußballklub Alte Herrenmannschaft schlägt die Alte Herrenmannschaft des Essener Turnerklubs mit:0 Dortmund. Dortmunder Sporterein I schlägt Holzwickede mit:1. Langendreer. V. f. B. Dortmund schlägt Sportverein Langendreer I mit:1. Langendreer. Langendreerer Sportverein III schlägt Alemannia Dortmund III mit:1. Dortmund, 20. Avril. Das gestern vom Konsulat Dortmund der Allgem. Radfahrer=Union veranstaltete Straßenrennen-Brechten=Münster und zurück(100 Klm.“ hatte folgendes Resultat: 1. Hch. Menne=Dortmund 8 Stunden 35 Min., 2. Murmann=Essen eine halbe Länge zurück, 3. BuchholzWickede=Asseln ungefähr 20 Längen zurück, 4. KantDortmund 8 Stunden 50 Min., 5. Warstadt=Dortmund 5 Längen zurück, 6. Renner 8 Stunden 55 Min. Köhler=Dortmund stürzte und erlitt leicht Verletzungen. Duisburger Spielverein schlägt Stuttgartei Kickers. Der westdeutsche Meister stand in Frankfurt am Main dem Meister von Süddeutschland gegenüber. Was man nur zaghaft auszusprechen wagte ist zur Wirklichkeit geworden. Westdeutschland siegte und zwar mit:1. Die beiden Tore für Duisburg wurden von Walter Fischer(links außen und Steinhauer(halblinks) getreten Durch diesen Sieg kommt Duisburg in die Zwischenrunde der deutschen Meisterschaft und muß kommenden Sonntag, wie uns mitgeteilt wird, wahrscheinlich in Essen, gegen den vorjährigen deutschen Meister „Holstein“, Kiel antreten. Durch diesen einwandsfreien Sieg des Svielvereins gegen die Kickers und durch das erfolgreiche Treffen Westdeutschland gegen Süddeutschland anläßlich der Zwischenrunde um den Kronprinzenvokal ist nun endlich die hobe Klasse der Westdeutschen in der deutschen Fußhallbewegung festgestellt. Die Zeit ist vorbei, daß Westdeutschland von Süddeutschland über die Achsel angesehen wurde. Daß in ganz Westdeutschland großer Jubel über Duisburgs Erfolg herrschte, braucht kaum erwähnt zu werden. Rennen zu Köln. 1. Rennen: 1. Blue Darling 2. Ninive, 8. Pilgrim. Tot.: 19, Platz 12, 14.—2 1. Jor, 2. Perdita, 3. Nachrichten Depeschen. Berlin, 90. April. Die„Kordbeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt zu der wohlwollenden Kritik, welche die Regierungsvorschläge zu den Deckungsvorlagen im allgemeinen im Parlament gefunden haben: Es habe sich in den letzten Wochen in den Erörterungen noch deutlicher gezeigt, daß die Einwendungen, welche sich meist gegen Einzelheiten der Steuervorlagen richteten, das Gelingen des Werkes nicht gefährden würdn. Es scheine sicher, daß der Reichstag nach eingehender Prüfung und Berücksichtigung der Abänderungsvorschläge der Parleien in der Budgetkommission schließlich den Wehrbeitrag mit überwältigender Mehrheit annehmen werde. Auch gegen die von der Regierung vorgeschlagene Uebertragung der Stempelabgabe seien von keiner Seite grundsätzliche Bedenken erhoben worden. Für die Beibehaltung der Zuckersteuer auf der bisherigen Höhe sei eine freundliche Stimmung vorhanden. Nur bei der Besitzsteuervorlage seien bisher unter den Parteien Gegensätze grundsätzlicher Natur hervorgetreten. Die Konservativen und das Zentrum beharrten bei dem Regierungsvorschlag der veredelten Matrikularumlagen. Die Liberglen forderten direkte Reichsbesitzsteuer. Da bei allen bürgerlichen Parteien der ernste Wille für eine Verständigung vorhanden sei, so sei zu hoffen, daß sie sich schließlich auch über die Form der Besitzbesteuerung einigen würden. Das Erbrecht des Staates werde von den Konservativen und dem Zentrum weiter bekämpft. Anderseits seien erneute Bedenken dagegen nicht erhoben worden. und Submissionsresultate für Plattierungsarbeiten usw. Oberbürgermeister=Dienstwohnung: Leop. Mtüllas Diur,. 5847.10 M, 8. Melorn u. Co. bter. 56.— 4. Rennen: 1. Koromaya, 2. Malotru, 3 Kale. Tot.: 147, Platz 20, 13, 12.— 5. Rennen: 1 Sideslip, 2. Jack Horner, 8. Blue in Blue. Tot.: 19, Platz 12, 13, 18.— 6. Rennen: 1. Cola Rienz 2. Silver Sea, 8. Merry Mat. Tot.: 62, Platz 21 92, 23.— 7. Rennen: 1. Waddles, 2. Lady Jim 8. Engadi. Tot.; 24, Platz 14, 15, 28. Rennen zu Paris. 1. Rennen: 1. Zoile, 2. Halle rie, 3. Coturnix. Tot.: 122, Platz 39, 22.— 2. Rennen: 1. Rabble, 2. Bonheur du Jvur, 8. Desir 2 Tot.: 173, Platz 62, 24.— 3. Rennen: 1. PerMarquette, 2. Bruleur, 8. Careleß. Tot.: 67 Plat 23, 26, 68.— 4. Rennen: 1. Carandor, L. Rasoil 8. Kellermann. Tot.: 111, Platz 87, 67, 50.— 5 Rennen: 1. Dagor, 2. Fourviers, 3. Souk. Tot.: 31 Platz 15, 15, 25.— 6. Rennen: 1. Coral 2, 2. Jasch 8. Causerie. Tot.: 24, Platz 13, 16. Rennen zu Frankfurt a. M. 1. Rennen: 1. Flot Fina, 2. Sunbath, 8. Sauchrie. Tot.: 164, Platz 19 19, 91.— 2. Rennen: 1. Cabin, 2. Sigurd, 3. Site via. Tot.: 53, Platz 18, 86.— 3. Rennen: 1. Ju Dubio, 2. Tempete 3, 8. May Royal. Tot.: 74 Plat 21, 29, 77.— 4. Rennen: 1. Tarpaulin 2, 2. Stern bild, 8. Jrish Lad. Tot.: 54. Platz 20, 84, 16.— 5 Rennen: 1. Mon Cheri, 2. Succurs, 8. Blau#t Dunst. Tot.: 20, Platz 18, 14.— 6. Rennen. 1. Diana, 2. Adler, 3. Sonnenblick. Tot.: 55, Plat 18, 18, 20. Rennen zu Grunewald. 1. Rennen: 1. Edelmann 2. Oberbayer, 8. Rusticus. Tot.: 18, Plat 12, 18, 14.— 2. Rennen: 1. Moose, 2. Jin Jitsu 8. Sankt Theobald. Tot.: 34, Platz 18, 26, 53.— 4. Rennen: 1. Bayard 4, 2. Wilkina, 8. Miß Fitt Tot.: 56. Platz 21, 25, 38.— 5. Rennen: 1. Col lege, 2. Werra. 8. Melton Pet. Tot.: 120, Platz 10 18, 12.— 6. Rennen: 1. Schönbrunn, 2. Ostia, 8 Rothaut. Tot.: 19, Platz 12, 19, 16.— 7. Renner: 1 Orinoco, 2. Reichsanwalt, 8. Smarand. Tot.: 31 Harnröhren serwendet Euergos Napdta, Benz se 11, Krrossl. Dden ie 94 ThanUntdr. 0/8, Sant, Kop. je.20. Sulf 15) Garanti Rückjahlung des Kauspreises von M..— bei Nichterst gegen ärttliches Attest. Verlangen Sie ärztliche(utachte Euernon=Gesell schaft Hamburg 39. Verkauf durch die a# iheken. Versand: Hirsch=Apotheke, Kaiserstr. 4. Einhef# Apotheke, Markt 22. 229 Am 28. April findet die Ziehung der graß Stadtlohner Kirchen=Lotterie statt. Lose zu 2 11 Lose 20 Mk. empfehlen und versenden Lostt# General=Debit Anaust. Resef. Münken u. alse 94 16458. n rn * Hier, 5823.90 Mr, hier, 5408.95 Mk. Müller, hier, 1828,.50 29,50 Mk., Plücker u. Hempelmann, G. m. lschaft für Verabau, Der. Rohüberschuß 518 1099 796,53 Ml. eine etc. r machen auf den, Uhr, im Rathaus=Vortrag des Kolosam. Herr Richard ntagendirektor in den r das Thema:„Die Frau“ sprechen, das n wird. Karten in an der Kasse 50 Pf. al. er Reinecke feiert— en— am morgigen ne silberne Hochzeit. re unverschuldete geFestesfreude. ttsche Fußballmeister'. in Duisbung schlägt 11. Der Spielverein senrunde, und spielt gegen Holstein=Kiel. in für Betnegungs=Forst mit:0 und te. 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Tet, nnen; 1. Roung ah ot.: 39, Platz 18, naha, 2. Malotru, 5 12.— 5. Rennen: I Blue in Blue. Tot: nnen: 1. Colg, Nienz ut. Tot.: 62, Blatz. 21. addles, 2. Bady Jin 15, 28. ien: 1. Zgile, 2. Halllatz 39. 22.— 2. Ren du Jpur, 3. Desix 8. Rennen: 1. Perweleß. Tot.: 67, Plas Carandor, 2. Rasoi, latz 87, 67, 50.—5 r4, 8. Souk. Totz: 31 1. Coral 2, 2. Jasi. S. 16. R. 1. Rennen; 1. Flag e. Tot.: 164, Platz, 19 in, 2. Sigurd, 3. Sie — 8. Rennen:,., Royal. Tot.: 74, Vla Egxpaulin 2, 2. SternPlatz 20. 34, 16.— Succurs, X. Blauch 14.— 6. Rennenmnblick. Tot.: 55, Plaz 1. Rennen: I. Ede# tiens. Tot.:, 18, Plah Moose, 2. Jiu Jitsu „Plas 18, W. 58. Wilking, 3. Miß Fite - b. Rennen: 1. Co, t. Tot.: 190, Platz 1 könhrunn, L. Oftia. 50 19, 16.— 7. Renner 3. Smarand. Tot.: 3½ benbs Euergos Wben je 94 Thann Suif 15), Warantu M. 6.— bei Nichters## n Sie ärztliche Gutachten Berkauf burc die unKaiserstr. 4 Sinhelt 228 Ziehung der groß statt. 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Die 25 Jahre seiner Regierung sind eine Zeit großen nationalen Aufschwungs auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiete gewesen. Das deutsche Reich hat nicht nur unter den Völkern Europas seine Großmachtstellung behauptet, es hat sich eine Weltmachtstellung und entscheidenden Anteil an den Aufgaben der Weltpolitik errungen, es hat seine Kolonien ausgebaut und in Blüte gebracht. Deutsches Wesen und deutsche Kultur sind die stärksten Träger von Deutschlands Macht in fernen Welttellen, sind ihre Grundfesten in den eigenen Schutzgebieten. Zu den wirksamsten Plonieren deutscher Gesittung in den Schutzgebieten gehören die christlichen Missionen. Das ganze deutsche Volk hat die Pflicht, das nationale und menschenfreundliche Kulturwerk der christlichen Das Missionen in den Schutzgebieten anzuerkennen und zu fördern. Andere Kolonialstaaten haben das für sich längst erkannt und bringen unabhängig von politischer Uberzeugung und vom Glaubens- und Bekenntnisstand des Einzelnen aus nationalen Gründen für ihre Missionen reiche Opfer. Daran fchlt es noch bei uns! Das Reglerungsjublläum des Kaisers fordert dazu auf, diese Lücke in der Erfüllung unserer nationalen Pflicht zu schließen und den unter Geldmangel leidenden Missionen in unseren Kolonien wirksam zu helfen. Sonderlich unsere evangelischen Missionen haben diese Unterstützung nötig. Sie haben ja die Arbeit in den Kolonien und Schutzgebieten mutig in Angriff genommen. Neben ihren religiösen Aufgaben haben die Missionen ein ausgedehntes Schulwesen und einen umfassenden ärztlichen Samariterdienst eingerichtet. Es gilt, den Eingeborenen zu einem verständigen brauchbaren Arbeiter, zu einem zuverlässigen Menschen, zu christlichen Lebensanschauungen zu eerziehen. Außerdem aber bedarf die eingeborene Bevölkerung dringend ärztlicher Hilfe zur Bekämpfung der verheerenden Seuchen und der Kindersterblichkeit, die das schwerste Hindernis einer gedeihlichen wirtschaftlichen Entwicklung bilden. Sa wie die Vertreter der katholischen Konfession für ihre Mission, so wollen auch wir, die Angéhörigen der evangelischen Kirche, den Ehrentag des Kaisers durch eine, wie wir wissen, ihm willkommene Spende für unsere Mission in den deutschen Schutzgebieten feiern. Das unterzeichnete Komitee wendet sich in diesem Sinne an die evangelischen Bewohner der Provinz Westfalen mit der herzlichen und dringenden Bitte um Gewährung einer möglichst hohen Spende für diesen Zweck. Möge auch jetzt die Opferwilligkeit sich bewähren und der Größe des Bedürfnisses wie dem hohen Zweck entsprechen! Alle Gaben, große wie kleine, sind willkommen! Bei Ubergabe der Spende wird Seine Majestät gebeten werden, die von den Gebern etwa ausgesprochenen Wünsche wegen der Verwendung ihrer Gaben zu berücksichtigen. * Provinzial-Komitee für die Provinz Westfalen: D. Zoellner Generalsuperintendent der Provinz Westfalen, als Vorsitzender. von Haugwitz, Oberpräsidialrat, als Schriftführer. Obiger von vielen Männern aller Stände und VolksDas Ortskomitee für Stadt- und Landkreis Dortmund: kreise der Provinz Westtalen unterzeichnete Aufruf wird auch von dem nebenstehenden Dortmunder Ortskomitee, das die Sammlung für die Nationalspende in Stadt und Land in die Hand genommen hat, aufs wärmste unterstützt. Alle Pfarrer, sowie das Evang. Oemeindeamt, Klosterstraße 18, sind bereit. Gaben entgegenzunehmen. Sammellisten werden in den nächsten Wochen In Umlauf gesetzt. Realgymnasialdirektor Dr. Auler, Vorsitzender des Evang. Afrikavereins. Landgerichtspräsident Barckhausen. Kaufmann Fr. Wilh. Böhmer. Buchbindermeister J. Dohle, Schriftführer des Evang. Arbeitervereins. Pfarrer Ehrhardt, Vorsitzender des Verbandes Evang. Vereine. 1 Professor Dr. Grau. Generalleutnant von Harbou. Exzellenz., Vorsitzender der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abt. Dortmund. Konsul Hild. Karl Preiherr zu Inn- und Knyphausen auf Haus Bodelschwingh. Pfarrer Kühn, praes, pres. von St. Reinoldi. Dr. Martens, Syndikus der Handelskammer. Freiherr von der Heyden-Rynsch, Landrat. Pfarrer lic. Schnapp, pracs pres. von St. Marien. Landgerichtsrat a. D. Schmieding, Landtagsabgeordneter. Kommerzienrat Schweckendieck. Pfarrer Spiecker, pracs, pres, von St. Petri-Nicolal. Pfarrer Thiele in Eving. Vertreter der Mission in der Synode Dortmund. Winkhaus, Pfarrer. Elnrichtung u. Führung kaufm. Bücher jeden Systemes, Revisionen kaufm. Bücher und Bilanzen Sanierungen außergerichtliche Vergleiche, Sels Seschehen übernimmt diskret Altorer, prakt, erfahron, gewissenhafter Buchhalter. Feinste hiesige und auswärtige Empfehlungen. Schriftl. Anfr. unter S. P. 535s an d.=Am. 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Das grüne Vogelfutter gedeiht in der Tat während des ganzen Jahres hindurch auf feuchten Plätzen, im Wald, längs der Landstraßengräben usw. Die ehrenwerte Gilde der Vogelfutterhändler zählt mindestens—3000 Mitglieder, meistens alte Leute, sogar Kinder. Jeder sucht bestimmte Stadtviertei und Straßen auf. Dort ist er bekannt. Daher wird's dem Neuling schwer, mit ihm in Wettbewerb zu treten. Meistens muß er warten, bis—— eine Stelle frei wird; denn alle beseelt ein neuzeitlicher Genossenschaftsgedanke. Außer diesen kleinsten unter den Kleinhändlern, die eine liebenswürdige und treue Kundschaft besitzen, gibt es noch andere Pflanzensammler, welche igene eingewurzelte Leidenschaft der Pariser, ihre große Vorliebe für Blumen, ebenso zu ihrem Nutzen sausbeuten wie der Vogelfuttermann die Neigung zu den gefiederten Lieblingen. Ihr Handwerk ist weit mühsamer. Schon frühmorgens heißt's aufbrechen nach dem Forst von Marly, am nächsten Tage die Felder Arcueils absuchen, die Ernte mit Geschmack aufbauen, Vorbereitungen treffen, daß sie während der heißen Tage nicht allzu schnell verwelke, endlich mach der Rückkehr unter der hastenden Menge auch Räufer finden, damit die mühevolle Arbeit wenigstens den Ertrag zum Lebensunterhalt abwerfe. Bereits Mitte Februar blüht das Geschäft des Istiegenden Blumenhändlers; denn das reizende Schneeglöckchen wartet kaum die ersten Frühlingsssonnenstrahlen ab, um sein milchweißes Köpfchen zwischen den zwei grünen Blättern hindurchzurrecen. In der nächsten Umgebung von Paris Findet man's äußerst selten; dafur wurden ihm der Park des Trianon und dessen nahe Waldungen zur lieblichen Heimat. Vereinsamt stehen auch einige im Boulogner Wäldchen, nicht weit vom uralten Klosterfriedhof; aber zur geschäftlichen Ausbeute sind's ihrer zu wenig. Die Bewohner von Verhailles zeigen eine sprichwörtlich gewordene Vorliebe für diese zarten Frühlingsboten und schmücken damit Fenster und Altane. Im ersten noch halb geschlossenen Entwicklungszustande gleichen die Schnerglockchen ganz den Knöpfchen von Orangeund bilden, hübsch geflochten, entzückende Sträußchen. Aber sie müssen bald gebrochen sein; denn wenn die Knospen aufgesprungen sind, beginnt der Stengel zu schwanken und hängt zu Boden. Dann verlieren sie den Reiz und begreiflicherweise an Marktwert. Anfangs März kommt's Veilchen, jenes süße kleine Ding, das Sinnbild der Bescheidenheit. In Wächern. Ier Pariser Umgebung findet man sie auf Schrift und Antt, die blauen Blumchen. Aber ihre Ernte ist trotzdem sehr ermüdend und langwierig, das arme Kleinchen gar zu winzig. Der BlumenTelch ist weniger breit und samtartig als jener seiner sudfcanzösischen Schwester, die frühzeitig nach Paris verschickt wird. Aber sein köstlicher Geruch hält jeden Wettbewerb aus und mehrere Tage an. Darum" macht der Händler mit„violettes qui embaument", Beilchen, die einbalsamieren, immer ein gutes Geschäft. Etwas später sprießt die gelbe Narcisse, welche, sehr vereinsamt lebend, im Walde von Bondy und Séuart gesucht sein will. Von diesen für Luxussträuße sehr begehrten Frühlingskindern vermag der kundige Thebauer in einigen Stunden den Vorgat zu einem Tagesgeschäft zu pflücken. Jene Wälder liegen weit vom hauptstadtischen Weichbilde. Doch das schreckt die Leute nicht, welche der Kampf zums Dasein peitscht. Wandern sie nicht bis zu 50 Kilometer in den Forst von Dourdan hinaus, um Sinngrün, dessen blühende Zweige zum Ausschmük#len von Körbchen Verwendung finden, zu holen? Das ist eine kleine Reise von mindestens drei Tagen, und unterwegs muß ein Nachtlager gesucht werden. Verweigern die oft harten Landbewohner das begehrte Bündel Stroh, dann lädt des Waldes Moos gastfreundlicher zur Ruhe ein. Wie viel Mühr einiger blanken Münzen wegen! Aber man will doch leben! Glücklicherweise zaubert der Lenz in der nächsen Pariser Umgebung bald andere Frühlingsblu#nen hervor. In Vincennes. Meudon oder die und Seineufer entlang begegnet man auf Schritt und Tritt der schmächtigen gelben Kuckuckswblume und Primavera. Die Blüten zahlreicher Psangpistarten, vom Vollsmunde Voutons 8Or „Svibrnopfe) getauft, glänzen überm kurzen Gras, sund die Sterne der Waldanemone Sylvie genannt. Sehreen, sich zwischen den wellen Blättern, die noch ##edeken, wie weißleuchtende Flecken saus. Vcrave diese Blume wird trotz ihrer ZartSchuegisaschen uicg gesucht und darf wie das nur halbgeöffnet gepflückt werden. Verkauft unterm vornehm klingenden Namen esichende Gricge hntane, Beith, matt um ant Rtachlen grngn di; Tade länger, geldene SonnenAöstliche Blumaufngge und entlocken ihr eine hungebrochen. der armen Leute Saijon ist Trot ihrr“ genig angenechmen Geruches sind die duuren des wuven Knoblauch, Zweige des werden auf den Markt gebrag wittommen und wrven auf den Murn gebrucht. Aber ein Hauptartikel ist das Maiglöckchen(le Muguet), welches schon gegen Ende April erscheint. Im Walde von Marly findet man weite Strecken damit bedeckt, und längst vor dem Aufblühen beginnt das Pflückgeschäft. Man muß es sehen, mit welch fieberhafter Tätigkeit hier gearbeitet wird! Auf dem Waldesboden knieen Frauen und Kinder, um die zarten Blütenstengel gierig abzubrechen, nicht ohne dabei eisersüchtige, neidische Blicke auf den Nachbarn schlacht! Man frage sie doch, warum sie diese kaum knospenden Dingerchen schon abreißen und wird erstaunt sein über die derb naiven Antworten! Um das Aufspringen der Blütenknospen zu beschleunigen, genügt es, den Stengel einen Tag in lauwarmes Wasser zu stellen. 24 Stunden später werden sie verkauft. Der Wald von Marly ist auch die Heimat jener Farnkrautfamilien, deren hübsche Blattformen sehr beliebt sind. Man gräbt die Pflanzen mit der feuchten Erde aus. Ihre Blätter werden so begehrt, daß gewisse Arten dieser Farnkräuter zum größten Bedauern der Botaniker heute fast ausgerottet sind. Im milden Monat Mai sprießt das Ziegenblatt, die Glockenblume und der Hage= oder Weißdorn mit seinem bittern Mandelgeruch. Dann bringt der Juni, wenn die Getreidefelder gelb zu werden beginnen, die Kornblume und Rade, der Lerchenfuß zeigt seine gespornten Blüten und wilder Mohn stolz den roten Kelch. Sie alle sind begehrte Handelsobjekte, aber wehe, wenn sich der arme Teufel in den Feidern erwischen läßt. Eine Schrotladung ist ihm unter Umständen sicher. Um dieselbe Zeit beginnt die Massenernte der großen Margaretenblume oder das Maßlieb, sehr beliebt beim Pariser Publikum, und dauert bis gegen des Sommers Ende. Auch das Johannes=, Beil= und Seifenkraut sowie die Kornwicke werden zu Straußverzierungen gesucht. Viele Liebhaber finden schließlich die getrockneten Blätter von Hindsgras und Quekken, gemischt mit roten Beeren des wilden Sauerampfers und Mohn. Legen die Seinedampfer bei Charenton, Point=du=Jour oder Suresnes an, dann sind die Aussteigenden nicht selten von Frauen und Kindern umringt, welche herrliche Sträuße feilbieten und mancher hübsche wird mit 50 Centimes bezahlt. Im Herbst findet Heidekraut Gnade vor den Augen des Parisers; denn nun beginnen die Blumen seltener zu werden. Längs der Wasserläufe pflückt man auch Schilfrohr und rotfarbiges Riethgras. Verspätete Kornblumen werden jetzt sehr hoch bezahlt. Dann naht der Oktober, und bald steht schon der Winter vor der Türe. Ans Sträußebinden ist nun nicht mehr zu denken. Im Wald und am Wegrain findet jedoch der Kundige immer noch etwas, macht aus Senesstraußblättern, Hirtentäschchen, Wegerich und den scharlachroten Beeren der Berberitzen, des Spierlings= oder Vogelbeerbaumes und dem Hexenkraut, selbst Distelzweigen einen letzten Naturstrauß. Das gibt unter Umständen eine hübsche Auslage zum sonntägigen Vogelmarkt, und falls sich die Ware geschmackvoll auf dem Bürgersteig präsentiert, ist der Verkäufer sicher, seinen Tag nicht zu verlieren; denn unter dieser suchenden, neugierigen Menge sind viele, die für ihren gefangenen gefiederten Liebling eine kleine Näscherei finden möchten. Dank der noch nicht sehr alten Mode, die Wohnungen auch im Winter mit Grün auszuschmücken, dauert die Nachfrage bei unsern bescheidenen Naturforschern bis zum Jahresende. Epheuzweige mit deren kleinen schwarzen Trauben, jene des Spindelbaums und seine eigenartig geformten Samen sind natürlich weniger geschatzt als die Stechpalme und ihre stets glänzenden grünen Farben oder gar die Mistel, ein Hauptartikel des Weihnachtsgeschäftes. Obwohl diese Schmarotzerpflanze überall gedeiht, bezahlt man doch für ein schönes Stück oft—4 Francs. Daher sucht man sie wie den Stein der Weisen und findet sie auch, trotzdem das Pflücken mit Lebensgefahr verbunden ist. Nur ganz ausnahmsweise auf der Eiche anzutreffen, seltener auf Ulme, Birnbaum, Weide, Akazie oder Ahorn, bevorzugt= sie den Apfelbaum und die holländische Pappel. Auf Pappeln muß sie auch der Pariser Händler suchen, denn Apfelbaumbestände gibt's nur sehr wenig in der Umgebung seiner geliebten Stadt. Der Mistelverkäufer im Gegensatz zu seinem Kollegen, der Vogelfutterhändler, welcher seine Ware laut anpreist, ist ein Schweiger und längst eine volkstümliche Straßenfigur geworden. All diese Leute machen aus dem Pflanzensamen ein Gewerbe, von dessen Ertrag sie leben. Aber es gibt auch viele andere, die sich nur vorübergehend und aus augenblicklicher Not damit beschäftigen. Ob zu diesen auch der geschwätzige Alte gehörte, welcher, wegen Landstreicherei dem Kadi vorgeführt, auf dessen Frage nach seinem Gewerbe zur allgemeinen Erheiterung schlagfertig antwortete:„Buchszweigehändler am Palmsonntag, Herr Gerichtebef! " Sehr groß ist auch die Zahl der Hundslattichsammler, welche die Umgebung von St. Cloud und Meudon aufsuchen und dort von Oktober bis März gute Ernte halten; denn der Salat aus diesen Blättern wird in Paris sehr geschätzt. Was läßt sich dort nicht alles verkaufen: für Vergoldung und Verzierungszwecken bestimmte Eichein, Artischokenköpfe, Quecken, Zittergras, Hafer, Trespe und anderes wetteifern, sorgfält;g gefärbe und getrocknet, erfolgreich mit ausländischen Gewächsen und dienen besonders zur Herstellung von Dauersträußen, die oft Prachtstücke in ihrer Art sind und in den großen Warenhäusern zum Verkauf kommen. Auch Moos findet viel Verwendung, wird gefärbt und zur Ausschmückung von Blumenständern benust. Aus Aestchen der Ulme, Stechpalme oder des Schwarzdornstrauches macht man Spazierstöcke und Sonnenschirmgriffe. Wie viele tausend Personen sind doch damit beschäftigt, in mühsamer Kleinarbeit all dieses Material herbeizuschleppen, welches in der Pariser Industrie so mannigfaltige Verwendung findet! Juni und Juli, also zur Zeit, da sie den größtea Umfang erreichen, werden die lappenförmigen K der Markthallen zum Ausschlagen ihrer Körbe geliefert. Tausend Andere brechen Hollunderbaumästchen, aus denen Naturflöten und Klatschbüchsen gemacht werden. Sie verkaufen ihre Ernte an zwei bis drei Großunternehmer, welche die Pfeifchen später in Paketen von 10 Stück in den Handel bringen, dafür bis zu 20 Centimes berechnen und also ein glänzendes Geschäft machen. Sammelt man denn dort keine Medizinalpflanzen? Ganz gewiß. Früher konnte man sogar Geld verdienen mit jener Beschäftigung. Aber heute, im Zeitalter der chemischen Industrieerzeugnisse, der Pillen und Kapseln, ist dieses Gebiet ein längst abgegrastes Feld" geworden. Nur beim Ausbruch einer Seuche wie 1889, als die Influenza wütete, verordnen die Aerzte noch Gerstentrank und Naturtee. Dann blüht auch das Geschäft der armen Leute, welche solchen sammeln. Lindenblüten, Eibischwurzeln, Malven und Borretsch werden jedoch noch sehr verlangt, aber nicht von jenen Pflanzenjägern geliefert. Der Eibisch kommt von Nordfrankreich und Belgien, die Lindenblüte, heute auch in der feinsten Pariser Gesellschaft als Tee getrunken, wagenweise aus Tirol, Malven pflanzen die vielen kleinen Gartenbesitzer und verkaufen sie in der Rue de la Ferronnerie. Dort wird der große Medizinalpflanzenmarkt, besonders Mittwochs und Sonnabends, lebhaft besucht, abgehalten und der jeweilige Tageskurs bestimmt. Zuletzt sei noch auf die Herstellung von Herbarien hingewiesen, welche an Naturaliengeschäfte geliefert werden. Diese Tätigkeit setzt gewisse botanische Kenntnisse voraus, denn die Pflanzen sollen mustergültig getrocknet, aufgeklebt und mit Namen versehen sein. Junge Leute und BildungsProletarier suchen auf solche Weise einen kleinen Nebenverdienst. Bei all diesen Arbeiten wurde noch keiner reich. und doch verdorrt der Hoffnung immergrüne Wunderblume nie. Literarisches. (Untenstehende Werke sind in der Buch= und Musikalienhandlung von C. L. Krüger, G. m. b.., zu haben.) Plutus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen(Herausgeber Georg Bernhard). Inhalt vom 16. Heft des zehnten Jahrganges: Morgan.— Deutscher Bank=Kalender (1. Quartal 1913). Von Dr. Josef Locwe=Berlin. — Revue der Presse.— Aus den Börsensälen.— Wie lege ich mein Kapital an? usw. Abonnement vierteljährlich per Post, Buchhandlung und direkt vom Plutus Verlag Mk. 4,50. Probehefte gratis in jeder Buchhandlung und vom Plutus Verlag, Berlin W. 62, Kleiststraße 21. Briefkasten der Fr. St., Dinslaken. Krankheiten, Verletzungen und deren Folgezustände an den unteren Gliedmaßen. W. B. Wanne II. Verlust eines Fingers oder zweier Glieder eines Fingers,, Verlust eines Gliedes an 2 Fingern einer Hand, wenn dadurch der Gebrauch der Hand oder die Handhabung der Waffen erschwert wird.— Sie müssen dreimal zur Musterung. A.., Hombruch. Wenden Sie sich an den nächsten Eisenbahnfahrkartenschalter. F.., Lütgendortmund. In Krefeld liegt das 11. grüne Husarenregiment. In Boms stehen die 7. Husaren. J.., Werne. 1 und 2. Ganz nach Bedarf des Regiments können Sie sich jederzeit melden. 3. 1,57. Meter. A. M. 100. 1. Reitende Artillerie dient 3 Jahre. 2. In Oesterreich. W. E. 100. Es gibt drei rote Husaren=Regimenter: Das Leib=Garde=Husaren=Rgt. in Potsdam, das 3.(Zieten)=Rgt. in Rathenow und das 5.(Blücher)=Regt. in Stolp. Soldat 37. 1. Nein, der schwarze Tambour war beim Leib=Garde=Husaren=Regt. in Potsdam. 2. Wissen wir nicht. Mitikär 1000. Es gibt drei rote Husarenregimenter: das Leib=Garde=Husaren=Regt. in Potsdam, das 3. in Rathenow und das 5. in Stolp. Das Bürgerliche Gesetzbuch für das Deutsche Reich. Zwei Teile in einem Bande. Umfang ca. 906 Tadellos erhaltene Remittenden. Früher.— Mark. jetzt nur.50 Mark. In Leinen gebunden nur.— Mark. Vorto nach auswärts: 1. Zone 25 Pf., 2. Zone 50 Pf. Der erste Teil des Werkes enthält gemeink, verständliche Erläuterungen des gesamten Bürgerlichen Gesetzbuches, der zweite Teil den vollständigen Text des Bürgerlichen Gesetzbuches. Beiden Teilen ist ein übersichtliches Sachregister, das die Auffindung jeden Falles ermöglicht, beigegeben. C. L. Krüger, G. m. b. Modernes Antiquariat. Dortmund, Westenhellweg 9 4Krüger=Passage). 8 9 .5 8 * * 5 7 3 □ □0 5 „Nun, Kinder, paßt mal auf das Echo auf!" rief der Generalkonsul mit wieder erwachenden Lebensgeistern beim Anblick des Zieles und rief sein sonores„Hoho!" hinauf zu der gewaltigen Felsenwand, die es mit einem merkwürdigen Akkompagnement wiedergab, nämlich mit einem ganz unzweifelhaften, recht kräftigen Donner, den das Echo bedrohlich doppelt und dreifach beantwortete.„Nanu? Was war denn das?“ fragte der alte Herr, mit langem Gesicht. „O, nichts weiter, als das der Niesen durchaus recht haben will,“ erwiderte der Doktor, auf eine kohlschwarze Wolkenwand deutend, die sich mit ravider Geschwindigkeit hinter dem Wald emporwälzte— schwefelgelb umsäumt, nicht eben einen milden Maienregen verheißend. „Aha— tja! Aber das zieht vorbei— zieht evident südwestlich weiter!“ sagte Herr Werner mit der schönen Zuversicht vulgo Hartnäckigkeit der Wetterpropheten, die sich für unfehlbar halten. „Ich habe eben einen dicken Regentropfen auf die Nase gekriegt," verkündigte Fritz triumphierend. „Na ja, ja— ist ja möglich, daß wir'n paar Tropfen abkriegen," brummte der alte Herr, weil auch er das gleiche auf seiner Nase verspürte. „Viel kann's auf keinen Fall werden. Aber wenn ihr das bissel Wasser fürchtet, so sucht euch doch eine geschützte Stelle. Es sind hier diverse leere Geißställe in der Nähe— Eile hat's nicht, aber — aha! Nun machen wir aber, daß wir ins Trockene kommen!" Dieser den ersten Worten widersprechende Schluß verhallte zwar in dem krachenden Donner, der einem schwefelgelben Blitz unmittelbar folgte, aber er wurde durch des Sprechers beschleunigte Abwärtsbewegung deutlich genug illustriert. Im nächsten Augenblick herrschte eine fast ägyptische : Finsternis, denn solch ein Gewitter in den Alpen reift mit unheimlicher Geschwindigkeit. Die großen, schweren Tropfen begannen dichter und dichter zu fallen und ein unheimliches unterirdischesTosen und Rollen, das die Bewohner dieser Region ihres dem Kanonendonner ähnlichen Geräusches wegen die „Musterung auf Seefeld" nennen und dem unterirdisch entspringenden Beatenbach zugeschrieben wird, machte die Situation noch bedrohlicher, als sie vielleicht wirklich war. Die wilde Flucht, mit der die kleine Gesellschaft den Schutz der leeren Geißställe suchte, entbehrte jeder strategischen Ordnung schon deshalb, weil man sich gegenseitig kaum mehr sah in den rapid immer dichter herabkommenden Wolken, und ein jedes rannte auf gut Glück dahin, wohin es sein Instinkt der Selbsterhaltung trieb. Graf Glasgow versuchte es, trotzdem seine Augen von den Blitzen und dem Regen geblendet waren, die Damen unter seinen ritterlichen Schutz zu bringen, denn als ein geübter Bergsteiger wußte er, daß solch ein planloses Rennen ins Wesenlose nicht ohne Gefahr war— aber sein guter Wille war besser als die Möglichkeit, etwas damit zu erreichen, und so folgte er nur der vor ihm herlaufenden weiblichen Gestalt, die er durch den dichten Regenschleier für Dagmar Werner hielt, und nach minutenlangem Lauf sah er sie in einer dunklen Oeffnung verschwinden, die sich richtig als die niedrige Tür eines solchen Geißstalles erwies, wie sie in der Nähe der Weiden verstreut, fest aus Holz gefügt, in dieser Region zu finden sind. Er bückte sich, durch die niedere Tür zu schlüpfen, und war kaum in den stockfinsteren Raum eingetreten, der wenigstens Schutz vor dem jetzt in Strömen niederrauschenden Regen bot, als sich auch schon zwei Arme um seinen Hals legten und eine weibliche Stimme ihm ins Ohr schluchzte: „Gottlob, Harald, daß Du da bist!" Ein betäubender Donnerschlag verschlang, was die Stimme sonst noch zu sagen hatte, und bis er knatternd, rasselnd und krachend verhallt war, hatte Graf Glasgow Zeit, darüber klar zu werden, daß einer Dame zu widersprechen zwar unhöflich, in gewissen Fällen aber geboten ist. Immer noch gebückt, weil die ihn umschlingenden Arme ihn fest in dieser Stellung hielten, sagte er daher, sich zuvor verlegen räuspernd, sobald als er vernehmbar war: „Pardon, gnädiges Fräulein— ich heiße nicht Harald, sondern Max.“ Ein halblauter entsetzter Aufschrei, und die Arme lösten sich von seinem Halse— er war frei Geuatein Erzählung von E. v. Adlersfeld=Ballestrem. und konnte sich aufrichten, wobei er kräftig mit dem Kopf gegen die niedere Decke des Stalles stieß. Trotzdem ihm von dieser unsanften Berührung der Schädel etwas brummte, verlor er doch nicht die Denkfähigkeit, die sich rapid um dieses Abenteuer bewegte— sehen konnte er zwar so gut wie nichts, aber an der Stimme hatte er erkannt, daß es nicht Dagmar, sondern Marianne war, die einen Harald so freudig begrüßt hatte. „Seh mal einer an!“ dachte er, seinen Kopf befühlend.„Der Gletscher hat also seinen Punkt, wo wo er schmilzt! Und der Punkt heißt Harald! Darum also! Na ja, eben! Wer ist denn dieser Harald? Hat sie sich mit ihm hier ein Stelldichein gegeben?"„Aber gnädiges Fräulein, wo wollen Sie denn hin.“ setzte er laut hinzu, als er die weibliche Silhouette in der Tür sah, augenscheinlich im Begriff. sich in den Kampf der Elemente hinauszustürzen.„Es regnet ja wie mit Mulden— Sie sind draußen in zwei Minuten naß zum Auswinden— ganz abgesehen davon, daß man die Hand vor den Augen nicht sieht!"— „Lassen Sie mich— ich kann hier nicht mit Ihnen bleiben nach allem, was geschehen ist!" kam es leidenschaftlich unter Schluchzen zu ihm zurück. „Unsinn— pardon, ich wollte sagen Blödsinn— nein doch— ist ja ganz egal, wollte ich sagen,“ widersprach er, die entfliehende Gestalt am Kleide zurückhaltend.„In dieser Dunkelheit find Irrtümer nicht nur möglich, sondern geradezu geboten. Faktisch, das sind sie. Sie rennen ja draußen in den sicheren Tod! Harald, wer immer er auch ist, müßte mich übers Schnupftuch fordern, wenn ich das zuließe. Eine Mehisuppe wäre er, wenn er's nicht täte. Aber so bleiben Sie doch— Herrgott, Sie sind doch in Gesellschaft eines Gentleman, dächte ich!“ Das half. Marjanne Werner wich von der Tür zurück in die dunkelste Ecke des Stalles hinein und für ein paar Minuten hatte der Donner wieder das Wort. Als er verhallt war, klang ihre Stimme leise, aber klar und deutlich aus der Ecke heraus: „Was werden Sie von mir denken, Herr Graf?" „Ich denke mir nur, daß Sie mich halt für einen anderen gehalten haben," versicherte er beruhigend. „Ich habe nicht das mindeste Recht, etwas anderes zu denken.“ „Doch!“ widersprach sie mit einer Leidenschaftlichkeit, die er ihr nie im Leben zugetraut hätte. „Ich selber habe Ihnen das Recht dazu gegeben! Ich war aber so fest davon überzeugt, daß es nur Harald sein konnte, der mir gefolgt war— er ist aber wahrscheinlich zurückgeblieben, als er sah, daß Sie selbst mir nachliefen—“ „Ich bin Ihnen nicht„nachgelaufen" und bezweifle, daß„Harald“— wer immer es auch sein mag— überhaupt etwas gesehen hat,“ sagte Graf Glasgow trocken, als sie unfähig weiter zu sprechen, sich unterbrach.„Daß ich mich hier Ihrer Gegenwart aufdränge, geschah einzig und allein aus dem Triebe— ins Trockene zu kommen. Wenn Sie aber befehlen, will ich gehen, falls Ihnen das lieber ist. Ich bin schon öfter naß geworden.“ „So habe ich's nicht gemeint,“ kam es bedeutend ruhiger aus der dunklen Ecke. „Danke!" Nun wieder eine Pause, weil der Donner sprach, dann wurde es etwas heller, so daß man sich gegenseitig doch unterscheiden konnte. Graf Glasgow stand an der Tür, vor die der noch immer in Strömen niederfallende Regen einen grauen Vorhang zog, und sah hinaus— sehr widerstreitende Gefühle im Busen. Aber er war nicht die Natur, die zu der schönen Eigenschaft des„Maulens" neigte: Klarheit in allen Lagen des Lebens war ihm Bedürfnis. Deshalb, als es draußen ruhiger wurde, daß man doch wenigstens sein eigenes Wort verstehen konnte, wandte er sich um und trat der hellen Gestalt in der dunklen Ecke einen Schritt näher. „Gnädiges Fräulein,“ sagte er fast heiter,„dieses Gewitter hat mich ganz unerwartet für uns beide zu Ihrem Vertrauten gemacht— ich möchte Ihnen nun so gern den Beweis liefern, daß ich dessen nicht unwürdig bin. Darf ich offen reden?" „Was wollen Sie sagen?“ kam es, immer noch etwas abweisend, aber doch nicht unfreundlich zurück, (Nachdruck verboten.) „Unumwunden das, was ich eigentlich korrekter Weise Ihnen gerade nicht sagen durfte,“ erwiderte Graf Glasgow geradezu.„Nach allem, was ich seit gestern erfahren und erlebt, habe ich den Eindruck erhalten, als ob eine kleine Verwandtenkonspiration mich blindlings in das Haus Ihrer Eltern gelotst hätte, um—— nun ja denn— um mit Ihnen— zusammengeführt zu werden. Zu welchem Zweck, das sieht ein Blinder. Ich habe nun weiter den Eindruck erhalten, als ob Sie mir zutrauten, dieser Konspiration ohne weiteres näherzutreten, die in die Hand gedrückte Angel sofort nach dem Goldfisch auszuwerfen, der sich meinem geblendeten Augzeigt. Da ich nun aber zufällig eine höhere Auf fassung von— von derartigen wichtigen Lebens frage habe und für das Angeln, in welchem Sinne es auch sei, nicht das mindeste Talent, nicht die entfernteste Neigung besitze, so gestatten Sie mit wohl, Sie nach dieser Richtung hin berubigen zi dürfen und Ihnen mein Ehrenwort zu geben, daß ich nicht die leiseste Ahnung davon hatte, daß eine solche Konspiration bestand, als ich ihr Haus betrat, von dessen Existenz ich fünf Minuten vor meinem Erscheinen bei Ihnen nichts wußte. Genügt das?" In der dunklen Ecke war’s für einige Sekunden mäuschenstill; dann löste sich die helle Gestalt daraus hervor und trat dicht vor den Sprecher hin. „Das ist die reine Wahrheit?“ fragte sie ernst. „Ich gab Ihnen mein Ehrenwort darauf.“ erwiderte er mit Betonung. Da reichte sie ihm mit einem schönen Blick ihrer großen dunklen Augen frei und frank die Hand. „Ich danke Ihnen— ich glaube Ihnen,“ sagte sie schlicht.„Vertrauen gegen Vertrauen, Herr Graf. Ja, es ist, wie Sie sagen. Es besteht diese — diese Konspiration, und ich glaubte Sie damit völlig einverstanden. Einen Moment, gestern abend, schien mir's, als könnten Sie dessen nicht fähig sein, aber als Sie heute doch noch dablieben ... nun ich sehe jetzt ein, daß Sie wohl auf das Zureden meiner Eltern, die leider ganz mit denr Projekt einverstanden sind— besonders meine Mutter—, nicht gut anders konnten. Ich, ich habe mich dagegen aufgelehnt, nicht allein, weil ich wie Sie eine höhere Auffassung von solchen Lebensfragen habe, sondern auch, weil mein Herz schon entschieden hat. Doch das habe ich Ihnen ja verraten, als ich Sie vorhin für— Harald hielt. Doktor Jensen und ich sind einig— seit Wochen schon. Aber unsere Liebe ist— vorläufig wenigstens — aussichtslos. Meine Eltern, vor allem meine Mutter, würden nie zugeben, daß ich einen blutarmen Gymnasiallehrer heirate... und ich liebe ihn doch von ganzem Herzen!" Ueberwältigt, mit brechender Stimme, hielt sie ein, und gerührt streckte Graf Glasgow nun seine Hand aus und druckte warm die des schönen Mädchens, die sie ohne Zögern in die seine legte..! „Gnädiges Fräulein, ich danke Ihnen aufrichtig für Ihr Vertrauen,“ sagte er herzlich.„Auf dieser Grundlage können wir treu und vielleicht mit Ersolg zusammenhakten. Wissen Ihre Eltern denn, daß... „Nein, sie wissen es nicht, daß ich mit Doktor Jensen verlobt bin,“ erwiderte Marianne Werner einfach und offen.„Wir sind übereingekommen, das Geheimnis zu bewahren, denn käme es zutage, so würde Doktor Jensen umgehend das Haus verlassen müssen. Mama würde es durchsetzen, selbst wenn Papa... er hat ein so gutes Herz, aber meine Mutter, die andere Pläne mit mir hat, gäbe nie ihre Zustimmung, und sie würde meinen Vater auf ihre Seite bringen. Ich kenne sie sie zu gut, als daß ich mich darüber täuschen könnte. Vielleicht später, wenn sie sieht, daß ich standhaft bleibe... sie ist eben der Ansicht, daß Reichtum und Stellung das Glück ausmachen. Vielleicht, vielleicht geschieht doch noch das Unerwartete, das meinem Verlobten gestattet, frei um mich zu werben, und wenn nicht, so warten wir eben geduldig, bis er wenigstens den Gymnasialdirektor in die Wagschale werfen kann. Und nun stehen wir klar miteinander, Herr Graf. Sie sind der einzige, der um mein Geheimnis weiß— ich hoffe, daß selbst Dagmar nichts davon ahnt— darf ich mich auf Ihr Schweigen verlassen?" „Aber unbedingt, gnädiges Fräulein," versichert 8 9 6 V Eg.8 E% SSuS .S 2 55 8 E 5 S%3 S8.5. .58 .5850 * 8% 2 8820 Sch S 9 5 a. 9 S * F S 8 S 88c GEFSG 8 SUS ZUA * 8 „„ S= 5½ *„* 5 * 2 ∆ ## 2 S 8 2 * 6 1 m 5 50 S 55 — SE S5 5 K%s3 EZUE K SE ZUUE .58 —— S S SSPSGEEE U— SS-ASS E ERR B 58. 20 E 2 555 2 50 S 88 90 5 aE S 5 9 ##ger SS#SES S.8# S 655- 8 FE S 165-5 * E 6 ES888 S= LEA .5. a5#%gs PESEF #eses Eags ES SSEG SS.5 — GERSN E* E. *8— .2 Su Glasgow.„Hier meine Hand darauf. Damit bitte ich Ihnen auch einiges ab, das so— so menschlich in meiner Seele gegen Ihre Behanddung meiner werten Person rebelliert hatte.“ „Mama hat mir befohlen, Ihnen mehr Entgegenkommen zu zeigen,“ sagte sie fest. „Ach, Sie Arme!" rief Glasgow, ehrlich gerührt.„Verzeihen Sie mir diese formlose Teilnahme,“ setzte er herzlich hinzu.„Aber da wir doch nun einmal Ihr Geheimnis teilen, Verbündete sind gegen diese Verschwörung gegen uns beide —— wobei ich den Wunsch nicht unterdrücken kann, daß Tante Urschel mich meinetwegen in Jericho suchen kann!" „Sie hat's von ihrem Standpunkt aus vielleicht gut gemeint,“ murmelte Marianne mit einem keisen Lächeln.„Aber schauen Sie— es wird hell draußen! Gestrenge Herren regieren nicht lange. Ob man's versucht, die unsern zu finden?" „Es regnet noch so sachtchen weg und der Weg ist ein reißender Bach,“ stellte Graf Glasgow nach eingehender Beobachtung der Wetterverhältnisse fest.„Wenn wir das Wasser noch ein paar Minuten lang ablaufen ließen— zwar werden die Ihrigen und— und Herr Doktor Jensen sich um Sie sorgen, aber was ist gegen die Macht der Umstände zu tun?" „Ach, ich habe ja mein Regencape sein säuberlich eingeschnallt bei mir und feste Schuhe an— ich denke, wir können's wagen,“ meinte sie heiter. „Suchen werden wir unsere Leutchen kaum können — das beste wird sein, wir nehmen den nächsten Weg nach dem Grand=Hotel, wo wir uns wohl alle wieder zusammenfinden werden und wo Mama gewiß Todesangst wegen des Gewitters auszustehen hat, denn sie fürchtet sich schrecklich, sobald es donnert. Warum lachen Sie, Herr Graf? Es fürchten sich viele Menschen beim Gewitter.“ „Ich lache nicht darüber— das ist nun einmal Sache der Nerven— sondern aus reiner Schadenfreude. Das Gewitter wird Ihrem Herrn Vater teuer zu stehen kommen,“ lachte Glasgow. „Wahrscheinlich, die Kinder werden auf ihrem Schein bestehen," lächelte Marianne, ihr Regencape entrollend. „Ich tät's an Ihrer Stelle auch,“ rief er, tatkräftige Hilfe leistend.„Ich meine wegen— dem Mann im Monde!" Sie sah ihn, in ihrer Arbeit einhaltend, verständnisvoll an, lachte und machte gleich darauf ein betrübtes Gesicht. „Ach, ich fürchte, das würde ihn nur noch weiter— in den Mond verbannen,“ seufzte sie. „Wer weiß, gnädiges Fräulein, nur wer wagt, gewinnt!“ „Oder verspielt alles auf einen Schlag. Nein, nein, Dagmar hat mehr Chancen mit ihrem Motorboot als ich mit dem Mann im Monde.“ „Je nun, Sie müssen freilich besser wissen, wie der Hase läuft. Können Sie sich nicht hinter Tante Urschel stecken?“ Jetzt mußte Marianne aber wirklich von Herzen lachen. „Nachdem es mit ihrem Mann im Monde Essig war?“ fragte sie.„Uebermenschliches dürfen Sie selbst der Tante Urschel nicht zumuten, Herr Graf. Aber nun kommen Sie— wir haben noch einen hübschen Weg vor uns!" Sie gingen also in den nunmehr nur noch Pprühenden Regen hinaus und machten sich auf den Abstieg nach Beatenberg. Die Wege glichen zwar noch kleinen Gießbächen, aber die Luft war wundervoll rein und kühl geworden, und auf den Spitzen der Hochalpen glühte die scheidende Sonne. Auch die anderen Teilnehmer der Partie hatte die Besserung des Wetters aus ihren Schlupfwinkeln herausgelockt. Man traf, wunderbar genug, unweit der Geißhütte, in der Marianne und Graf Glasgow Unterkunft gefunden hatten, fast auf Verabredung wieder zusammen, und so sehr dies auch den Generalkonsul über das Schicksal der ihm Anvertrauten zu beruhigen schien, umsomehr regte er sich nachträglich darüber auf, was bei der wilden Flucht hätte aus denen werden und ihnen zustoßen können, die sich nicht ihm angeschlossen, sondern sich seinem väterlichen Schutz entzogen hatten. Danach hatte er mit Doktor Jensen zusammen(den er notabene nicht locker gelassen) mangekhafte Unterkunft in einer Schutzhütte gefunden, in die es wie durch ein Sieb eingeregnet hatte. Dagmar und Fritz waren noch primitiver unter einen Holzstoß gekrochen, und nur Marianne und der Graf waren eigentlich trocken geblieben, was ihrer gegenseitigen Aussprache entschieden zugute gekommen war, denn solche Themata lassen sich unter Holzstößen oder leckenden Dächern nicht gut verhandeln. „Bei solchen Gelegenheiten muß man zusammenbleiben, nicht nach allen Richtungen auseinanderrennen," brummte der Generalkonsul, seine Aermel und seinen Rücken befühlend.„Ich war doch da, Euch zu führen! Ihr mußtet mir folgen! Ich habe eine Heidenangst um Euch alle ausgestanden. Doktor Jensen kann es mir bezeugen!" „Herr Generalkonsul, ich habe mich zehnmal erboten, mich nach den Damen— den Herrschaften = umzusehen!" verteidigte Doktor Jensen seine scheinbare Nachlässigkeit. Er hatte sehr finster dreingesehen, als Glasgow mit Marianne erschien, der gete Loktor. „Na, ich werde Sie doch nicht sehenden Auges in einen Abgrund jagen,“ erhitzte sich Herr Werner mit einem Ausdruck, als lägen die anderen alle vier darin.„Von Suchen war doch bei solchem Wetter keine Rede,“ setzte er ruhiger und ganz richtig hingu, um im selden Atem jammernd fortzufahren: möderne Lemeisnothek. Katalog Preis 30 Pfennig. Nach auswärts für 40 Pfennig franko. C. L. Krüger, G. m. b.., Westenhellweg 9. Dortmund. Krüger=Passage. „Aber der Guß war vorauszusehen bei dieser Schwüle. Ich hab's mir ja gleich gedacht, daß es was geben würde, aber nein, wenn die Jugend mal losrennen will, da ist es ganz egal, ob die Vernunft abrät oder nicht. Da heißt es„heidi“ und adien.“ Eine Lachsalve, in die sogar der sichtlich beunruhigte Doktor mit einstimmte, schnitt dem alten Herrn die weitere blumenreiche Schilderung der leichtsinnigen Jugend ab. „Allerholdester— Du willst kneifen!" jubelte Dagmar, und Fritz brüllte es einfach in die helle Luft hinaus:„Papa will kneisen! Papa will kneifen!“ „Na, was soll denn das wieder heißen?“ fragte Herr Werner ganz verdutzt, denn er hatte sich wirklich ganz ehrlich in den Glauben hineingearbeitet, daß er vor dem Wetter gewarnt. Bei dem Jubel seiner Jüngsten und der Heiterkeit der drei anderen fiel ihm aber plötzlich sein Anteil an dieser Partie ein, und zu seiner Ehre soll gesagt werden, daß er dabei— faktisch errötete. „Ich habe ja bloß sagen wollen, daß ich einen ordentlichen Guß prophezeit habe, als— als ich die schwarze Wand aufsteigen sah," versuchte er sich herauszureden, aber dabei mußte er doch mitlachen, wie er es immer tat, wenn ihm solch kleine Vergeßlichkeit passierte.„Kneifen! Was das für'n Ausdruck ist! Wenn Mama das gehört hätte, Dax! 's ist nur gut, daß sie's nicht gehört hat, sonst täte es was setzen, Mamsell. Verstanden? Kneifen! Warum sollte ich denn kneifen? Habt Ihr was Schriftliches? Na also! Ein andermal seid vorsichtiger und laßt Euch Versprechungen schriftlich geben. Dabei lachte er das Dreiblatt seiner Sprossen ganz spitzbübisch an; aber während Fritzens Gesicht ganz lang geworden war, ließ Dagmar sich nicht ins Bockshorn jagen. „Denkt Ihr zwei, was Ihr wollt,“ sagte sie, die Hand aufs Herz legend, mit schwärmerischem Blick zum Himmel, der sich übrigens wieder zu bewölken sichen,„mein Glaube an das einfache biedere Manneswort meines Vaters steht unerschüttert da. Ein Fels im Meer Eures Kleinmuts, meine Kinder. Und sollte ich hundert Jahre alt werden, so würde ich mit derselben lächelnden Zuversicht tagaus tagein auf die Erfüllung eines Versprechens meines Vaters warten!" „Quatsch!" zischelte Fritz wütend. „Papa, haste gehört? Das nennt der Bengel „Quatsch". Läßte Dir das gefallen?" fragte Dagmar, sich an ihrem Vater reibend. „Ich? Geht Dich doch bloß an!“ meinte der Generalkonsul schadenfroh. Haltet jetzt die Schnäbel,“ setzte er entschieden hinzu.„Ich habe keine Lust, den ganzen Stuß noch einmal durchzukauen. Abwarten und dann Tee kochen.“ (Fortsetzung folgt.) Im Frühling. Von G. Drossel. (Nachdruck verboten.) Es war ganz still. Die Kinder saßen über ihre Hefte gebeugt und schrieben. Nur manchmal wurde der Mißklang hörbar, mit dem eine schlechtgehaltene Feder auf dem Papier ausglitt. Die junge Lehrerin empfand diesen schrillen Ton mit Unbehagen. Er riß sie empor aus der träumerischen Stille, die sich langsam um sie zu spinnen begonnen hatte. Sie war so seltsam müde und apathisch und war doch sonst straff und voll Energie. Am liebsten hätte sie daheim in ihrem Stübchen geseffen, statt hier an dem lackierten Pult, um sich herum die kahlen Wände der Schulstube, vor sich die vierzig Kinder, die eifrig an ihrem Klassenaufsatz schrieben. Aber die Pflicht! So lange noch ihre Glieder beweglich waren, würde sie dem Glockenruf der kleinen Weckuhr folgen, die neben ihrem Bette stand. Die rief an jedem Morgen zu dem gleichen Weg. Vor ihr, auf dem Pulie, lag ein aufgeschlagenes Buch. Sie zog es zu sich heran, um seise darin zu blättern. Da bemerkte sie am Rande ein rötliches Fleckchen, das sich langsam fortbewegte. Konnte es möglich sein? Ja, wahrhaftig, es war schon ein Marienkäferchen. Auf den roten Flügeldecken sah sie zwei glänzende, schwarze Punkte. Langsam, langsam kroch das winzige Tierchen an den Blättern empor. War es denn schon Frühling? War es Frühling geworden, ohne daß sie es gemerkt hatte? Sie wandte den Kopf und fah zum Fenster hinaus. Der Himmel war von einem milden, stillen Blau. Einige leichte, weiße Wölkchen schwammen dahin. Die alte Linde im Schulhof trug grüne Blättchen an den draunen Aesten. Ein Vogel saß in der Krone und zwitscherte froh. Ja wirklich, es mußte Frühling dort draußen sein! Annemarie stützte nachdenklich den Kopf in die rechte Hanb. Auf ihrem kinken Arm spürte sie ein leises Zucken. Das Käferchen war daran emporgekrochen und saß nun, ein kleines rotes, leuchtendes Etwas auf der weißen Haut. Ein Lied aus der Kinderzeit kam ihr in den Sinn: „Marienkäfer, flieg, Mein Vater ist im Krieg, Meine Mutter ist im Pommerland, Pommerland ist abgebrannt. Marienkäfer, flieg!“ Wie oft hatten sie es daheim gesungen, sie und die Geschwister, wenn sie in Wäldern und Wiesen spielten, sich Kränze aus Blättern banden und gelben Löwenzahn und man im Laub solch rotes Käferchen fand. War man müde, dann streckte man sich aus im Gras. Es roch so kräftig und frisch, das erste, junge, hellgrüne Frühlingsgras. Der Sonnenschein blendete so stark, daß man nur mit Blinzeln oder durch die vorgehaltenen, schützenden Finger zum Himmel emporsehen konnte, der sich wie eine bläuliche Kuppel, in der die goldene Sonne hing wie eine ewige Lampe über einen unsichtbaren Altar, über der Erde wölbte. Abends kam man ausgetollt und ausgehungert ins Haus, Wiesenduft in den Kleidern, die Haare vom Wind zerzaust. Dann setzte man sich um den runden Tisch, löffelte vergnügt seine Grütze und biß mit gesunden Zähnen hinein in das derbe, kräftige, schwarze Brot. O glückliche Kinderzeit! Wie weit lag das alles hinter ihr! Fern war die Heimat, die Mutter tot, die Geschwister verstreut in alle Lande. Das kleine Haus, in dem sie geboren und die Jugend verlebt hatte, gehörte Fremden. Andere Kinder lärmten jetzt dort auf den Treppen und in den Stuben, säten Kresse und wilde Nellen auf den Gartenbeeten, banden den Wein an die Mauern, schüttelten im Herbst das Obst von den Bäumen. Und sie, das wilde, übermütige, verwöhnte Mädchen saß hier in der kalten Schulstube, eine noch junge Lehrerin mit einem festgeschlossenen, schweigsamen Munde, im Antlitz den harten vergrämten Zug, den die bitteren Kämpferjahre eingegraben, in denen sie sich, fast mittellos, bis zum Examen hindurchgearbeitet hatte. Sie wußte es wohl, die Kinder liebten sie nicht sehr. Sie war ihnen zu streng, zu ernst, zu hart in ihrer Art. Sie hatte das Lachen verlernt im harten Lebenskampf unddas Jungsein. Sie hatte dem Tod und dem Schicksal in das unerbittliche Augen sehen müssen und nur in Arbeit und strengster Pflichterfülung einen Trost gefunden. Die Stunde war zu Ende und damit die Schulzeit. Aus der offenen Haustür drängten sich die Kinder heraus, verteilten sich oder schritten zu zweien oder dreien in kleinen Gruppen dahin. Annemarie stieg langsam die Stufen des Schulhauses hinab. Mit einem Male schämte sie sich ihres abgetragenen braunen Winterkostüms in diesem hellen Sonnenschein. Sie hätte einen grauen Rock und ein graues Jäckchen haben mögen, eine leichte weiße Bluse und einen schwarzen Strohhut mit Rosen garniert. Die Luft war weich und voll Duft, als blühten ganz nahe viele Veilchen. Alle Bäume der Allee standen im grünen Blätterschmuck. Die Syringen hatten Kuospen. Bald würden die Wege leuchten von Weißdorn und Rotdorn, Goldregen und Kastanienkerzen. Ein Mädchen lief vor ihr her, die blonden Locken quollen unter einem roten Mützchen hervor und wehten im Wind. Es jagte spielend einem Reifen nach, den es mit einem Stäbchen lachend vor sich hertrieb. Geschmeidig wie ein Kätzchen und zierlich wie eine Bachstelze lief es dahin als läge das ganze Leben vor ihm wie dieser Weg, überstrahlt von Frühlingssonne, unter grünenden Bäumen, umhaucht vom sanften Wind. Wer noch so beneidenswert übermütig und froh und gläubig sein könnte. Golden war die ganze Welt um sie her, ein weißer Schmetterling flog ihr gerade an die Brust. Ihr entgegen kam ein Liebespaar. Sie gingen Arm in Arm, blickten sich zärtlich von der Seite an und lächelten selig vor sich hin. Ihre Augen füllten sich langsam mit Tränen. In diesem heiteren Sonnenschein, durch den die glücklichen Menschen gingen, empfand sie es plötzlich mit brennendem, tobenden Schmerz, wie einsam sie war. War sie nicht auch jung und hatte ein Recht auf Liebe und Glück, auf einen Willkommsgruß, auf eine Heimat wie die andern? Wie weh, wie weh tat das Einsamsetn im lachenden Frühling! Als Annemarie das Haus betrat, in dem sie zwei Zimmer bewohnte, lugte aus der Parterrewohnung ein Kinderköpschen heraus. „Guten Tag. Lorle,“ sagte Annemarie freundlich.„Spielst du nicht im Garten bei diesem schönen Wetter?" Ueber des Kindes blasses Gesichtlein huschte ein Strahl der Freude und färbte rot. „Ich mag nicht allein im Garten spielen,“ sagte es schüchtern.„Ich habe aus dem Fenster gesehen, Fräulein, bis Du nach Hause kommst.“ Annemarie lächelte gerührt. „Wenn Du so lange auf mich gewartet hast, Lorle, mußt du auch eine Tasse Schokolade haben. Komm mit hinauf in mein Zimmer.“ Das magere, heiße Kinderhändchen in ihrer kräftigen, kühlen Hand stieg Annemarie die Treppe empor. Sie setzte den kleinen blanken Kessel auf ihren Gaskocher und bereitete eine Tasse Schokolade für ihren Gast. Ueber den Tisch breitete sie ein weißes Tuch, stellte die Tellerchen mit dem Goldrand, die sie sich aus dem Elternhaus mitgebracht hatte, darauf und eine Schale mit Zwieback und Kuchen. Lorle aß und trank mit einem Behagen, das die junge Lehrerin ergötzte. Dann setzten sich beide an das geöffnte Fenster. Aus dem Garten. kum ein Duft wie ein Reseden. Annechertch und Lorle las aus einem Märchenbuch. „Es war einmal ein König und eine Königin,“ buchstabierte sie langsam und mühselig,„die hatten kein Kind und wünschten sich doch eines über alle Maßen. An einem Wintertag saß die Königin am Fenster und stickte. Dabei stach sie sich mit der Nadel in den Finger. Ein Tropfen Blut fiel in den weißen Schnee. Da dachte die Königin:„O hätte ich doch ein Kind so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie das Ebenholz.“ Das feine silberne Stimmchen klang wie ein Glöckchen durch den Raum. Die blonden Zöpflein hatten sich halb gelöst, das vorher so magere blasse Gesichtlein glühte jetzt im Eiser und der Anstrengung wie angehaucht vom Feuerschein. Die Lehrerin ließ langsam das Tuch sinken und sah auf das eifrige, hellhaarige Kindlein finnend herab. War dieses Waislein nicht tausendmal einsamer und beklagenswerter wie sie? Die Mutter war ihm gestorben, als es geboren wurde. Sie kannte das Kind und den Vater, da man sich als Hausnachbarn alle Augenblicke in den Weg lief und das Kind sich innig an das Fräulein angeschlossen hatte, schon vier Jahre lang. Der Baurat verließ morgens das Haus und kam am Abend oft erst so spät wieder, daß das Lorle schon im Bett lag und schlief. Des Kindes größte Freude war ein struppiges Kätzchen, das es, wo es ging und stand, unterm Arm mit sich herum schleppte. Ein Mädchen besorgte das Haus und die Küche und war seine einzige Gesellschaft. Die Mädchen dort unten in der Wohnung wechselten of.. Bald kam eine Mürrische, bald eine Laute, eine Schwatzende, Faule oder Leichtsinnige, aber niemals eine, die sich des verwaisten Kindes mit ein wenig Liebe angenommen hätte. Im Laufe der Zeit hatte es sich so gemacht, daß das Fräulein jeden Sonntag ein paar Stunden mit dem Vater und dem Töchterchen verbrachte. Sie lehrte das lernbegierige Kind lesen und nun konnte es sich in einsamen Stunden ein bißchen die Zeit vertreiben, denn Annemarie gab ihm eine dicke Fibel mit Bildern und ein schönes Märchenbuch. Die Lehrerin aber stieg ungern in die dunkle, schlechtgehaltene Wohnung hinab. Wenn Vater und Kind am Sonntag nachmittag eine Tasse Kaffee bei ihr tranken, zeigte sie dem Manne nicht ohne ein wenig Hochmut ihre kleinen blitzsauberen Zimmerchen mit den blütenweißen Gardinen, in denen manch schönes Stück und Gerät aus ihrem Elternhaus hing und stand. „Ja, hier ist's hübsch und sauber und sonnig und hell, nicht wahr, Lorle?“, sagte dann oft der Mann.„Bei uns ist's düster und trüb. Wenn wir es doch auch so hätten!" Dabei sah er mit seinen guten traurigen Augen dem Fräulein mit bittender Werbung in das Gesicht. Aber Annemarje wollte diese stumme Anfrage nicht verstehen und wußte sich seiner schüchternen Werbung geschickt zu entziehen. Doch heute hatte der Frühling an ihr Herz gerührt und es weich gemacht und sehnsüchtig und hellhörig für die leisen Stimmen der Liebe.„Wir drei Einsamen,“ dachte sie,“ gehören wir nicht eigentlich zusammen? Haben wir dann nicht eine Heimat und eine Familie und Frieden und Glück.“ „Komm, Lorle“, sagte sie plötzlich,„jetzt sollst Du nicht mehr lesen. Wir wollen gehen und Blumen kaufen und das Haus hübsch machen, damit Vater sich freut!“ Als am Abend der Rat nach Hause kam, kannte er seine Wohnung nicht wieder. Schon an der Haustür grüßten ihn Klinke und Messingschild mit goldenem Blinken. Die Diele roch nach Seife und Bohnerwachs, im Zimmer hingen reine Gardinen vorm Fenster. Der Tisch war nett und zierlich gedeckt. In einer Vase standen Nekken und Flieder. Neben jedem Teller lag ein Primelsträußchen. Das Lorle prangte im Sonntagsstaat und das errötende und erglühende Fräulein trug ein mattblaues Foulardseidenkleidchen, das er noch nie gesehen hatte. Er konnte vor Staunen und freudigem Schreck kaum sprechen. „Das ist alles für mich?“ fragte er. Das Fräulein nickte stumm und ihre Augen lächelten und leuchteten unter Tränen. „Deute ich mir das richtig, Annemarie!“ fragte er.„Sie wollen bei uns bleiben, bei mir und meinem Kinde?" Da reichte ihm das Fräulein statt der Antwort den Mund zum Kuß, von dem alle Gram= und Sorgenfalten plötzlich wie fortgewischt schienen von dem Tüchlein des Glücks. „Du Liebe, Gute, Beste“, sagte der Mann. „Kommst Du endlich? Warum kommst Du gerade jetzt!" „Weil es Frühling ist,“ jubelte das Fräulein. „Weil die Welt draußen so schön ist. Weil man glücklich sein und glücklich machen muß in dieser goldenen Sonne!" Dann stießen die Gläser mit funkelndem Wein zusammen mit einem feinen, frohen Klingen, das klang wie Hochzeitsglockengeläut. Die Langentabertaldse. Ein verbessertes Diphtheriemittel auf dem Kongreß für innere Medizin in Wiesbaden. Die sichere Diagnose einer beginnenden Lungentuberkulose macht trotz des durch die Röntgenuntersuchung und die Tuberkulinimpfungen erzielten Fortschritts noch oft große Schwierigkeiten. Auch die serologischen Untersuchungsmethoden haben die auf sie gesetzten Hoffnungen bisher nicht erfüllt. Es gelingt jedoch neuerdings, wie Prof. Hammer (Heidelberg) näher ausführte, durch die Verwendung von Extrakt aus tuberkulösem Gewebe in Verbindung mit Tuberkulin nahezu in allen Fällen von ausgesprochener Tuberkulose durch Untersuchung des Blutserums die Diagnose zu stellen. Aber auch die beginnende Tuberkulose jäßt sich auf diesem Wege nachweisen. Schwierigkeiten macht nur die Unterscheidung solcher Fälle, in denen früher einmal eine tuberkulöse Infektion bestanden hat, von solchen, bei denen augenblicklich eine „aktive“ Tuberkulose besteht. Da die neue Methode genauer zu erbeiten scheint als die frühern, so ist zu hoffen, daß sie uns einen Weg erschließen wird, eine beginnende aktive Tuberkulose regelmäßig zu erkennen.— Trotz aller Forschungen ist die Ursache des Ausbruchs der Schwindsucht noch immer nicht geklärt. Daß Tuberkelbazillen in die Lunge eindringen, genugt allein nicht; es muß vielmehr noch eine örtliche Empfänglichkeit für das Gift hinzukommen, die ererbt oder von dem Träger erworben sein kann. Ueber die erste Entstehung der Krankheit wissen wir nichts Genaues, da deren allerfrüheste Anfänge beim Menschen schwer zu untersuchen sind und bei Tieren eine echte Schwindsucht bisher auf experimentellem Wege noch nicht erzeugt werden konnte. Dr. Barmeister(Freiburg) berichtet nun im Ausbau früherer Arbeiten über seine Versuche an Tieren, bei denen es ihm gelungen ist, bei Tieren Erkrankungen hervorzurufen, die der menschlichen Schwindsucht in allen Punkten ähnlich sind. Er ließ Kaninchen in Drahtschlingen hineinwachsen, die die obersten Rippen in gleicher Weise gegen die Lungenspitzen drückten, wie es bei den zur Tuberkulose vernnlagten Menschen oft der Fall ist. An den erzielten Krankheitsbildern konnten nun alle Stadien der Schwindsucht studiert werden. Vor allem zeigte sich, daß der erste Beginn sowohl durch Einatmung von Bazillen erfolgen kann wie auch auf dem Blutwege von irgendeiner tuberkulösen Drüse aus. Die Gelegenheit zu diesen beiden Infektionsmöglichkeiten ist fast für jeden Menschen gegeben, der Ausbruch der Krankheit erfolgt aber erst, wenn die Lungenspitzen in irgendeiner Weise geschädigt werden. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die mechanische Beengung der Lungenspitzen durch den ersten Rippenring; eine weitere Ursache ist in der Einatmung staubiger Luft zu erblicken.— Durch die oben erwähnte Eigenschaft eines Teits der weißen Blutkörperchen, der Lymphochten, Fette zu spakten, wurde Dr. Rothschild(Bad Soden) auf einen neuen Weg zur Behandlung der Tuberkulose geführt. Er verfolgte das Ziel, durch eine Vermehrung dieser Blutzellen, deren Ferment den Fettmantel der Tuberkelbazillen anzugreifen vermag, die weitere Vernichtung der gefährlichen Keime durch den oberen Teil der weißen Blutkörperchen, die Freßzellen, vorzubereiten. Als geeignete Mittel hierzu bezeichnet Dr. Rothschild besonders alle Jagdpräparate und unter ihnen in erster Linie das Jodoform, dessen man sich ja bei der Behandlung der chirurgischen Tuberkulose schon lange mit bestem Erfolge bedient. Dieses vermehrt, wie sich herausgestellt hat, beide Arten von weißen Blutkörperchen. Da nun durch das Tuberkulin Schutzstoffe gebildet werden, die die chemischen Gifte der zerfallenen Bazillen binden, so empfiehlt es sich, die Tuberkulose zugleich mit Jodpräparaten und Tuberkulin zu behandeln. Eine andere Methode zur Bekämpfung der tuberkulösen Jufektion im frühen Kindeselter befürwortet Dr. Schrumpf(St. Moritz). Ausgehend von der Tatsache, daß es möglich ist, mit abgetöteten Tuberkelbazillen eine örtliche tuberkulöse Erkrankung hervorzurufen, die nach einigen Monaten unter beträchtlicher Vermehrung des Gehaltes des Blutserums an spezifischen Schutzstoffen ausheilt, hat Marigliano(Genua) zahlreiche Menschen, die in Gefahr schwebten, tuberkulös zu werden(z. B. Kinder Schwindsüchtiger) mittels eines Giyzeninbreies mit abgetöteten Bazillen geimpft. Die schmerzlose und völlige ungefährliche Impfung hatte in sämtlichen bisher nachuntersuchten(465) Fällen den Erfolg, daß die behandelten Personen von der Jesektion frei blieben; ihr Blut erwies sich alz ungewöhnlich reich an Schutzstoffen. Behandelt man Ziegen oder stillende Frauen in der oben beschriebenen Weise, so gehen die Schutzstoffe in die Milch über und können so in das Blutserum des Säuglings übergeleitet werden. Da wohl der größte Teil aller Tuberkuloseinfektionen in der Jugend und wahrscheinlich in dem frühesten Kindesalter stattfinden, so wäre die Darreichung immunisierender Ziegen= oder noch besser Frauenmüch ein ebenso einfaches nie wirksames Mittel zur Verhütung einer tuberkulösen Ansteckung. Prof. v. Behring teilte der Versammlung mit, daß er ein verbessertes Diphtheriemittel entdeckt habe, dessen Herstellung zum Teil auf anderer wissenschaftlicher Grundlage beruhe als die des frühern Serums. Bekanntlich stammt das bisher verwandte Serum von Pferden, die man mit immer größern Dosen von Diphtheriegift„aktiv" immunisiert hat. Spritzt man eine gewisse Menge dieses die Schutzstoffe der Diphtherie enthaltenden Serums einem Menschen ein, so wird dessen Widerstand gegen das Diphtheriegift erhöht; er wird „passio" immunisiert. Diese passive Immunität währt nur kurze Zeit, meist nur wenige Wochen, während die aktive einen weit längeren Schutz gewährt. Professor v. Behring hat immunisierte Pferde fünf Jahre lang im landwirtschaftlichen Betriebe verwenden lassen, und nach Ablauf dieser Zeit immer noch das Antitoxin in ihrem Blute gefunden. Die geringe Dauer des Schutzes gegen eine Diphtherieerkrankung und die wegen der Gefahr schwer anaphylaktischer Erscheinungen höchst unerwünschte Aussicht, unter Umständen die Einspritzung des Pferdeserums schon nach kurzer Zeit wiederholen zu müssen, hat bewirkt, daß das Diphtherieserum zur Verhütung von Diphtherieinfektionen nur recht wenig verwandt worden ist. Es diente fast ausschließlich als Heilmittel bei bereits ausgebrochener Erkrankung. Solche Ueberlegungen brachten Prof. v. Behring auf den Gedanken, ein Diphtherieheilmittel herzustellen, mit dem sich eine aktive Immunisierung beim Menschen erzielen läßt. Zu diesem Zwecke mischte er Diphtheriegist mit dem Gegengift, und zwar so, daß ein genz geringer Ueberschuß von dem Gift vorhanden ist, u ließ dieses Mittel, nachdem es sich im Tierversuch bewährt hatte, an einigen Kliniken prüfen. Es hat sich dabei gezeigt, daß das neue Poiparat eine weit stärkerei Wirksamseit entfaltet, als das bisherige, so daß v. Behring eine jahrelangSchutzwirkung annehmen zu dürfen glaubt, und die Erreichung seines Ideals, eine Schutzimpfung, ähnlich der Jennerschen Lymphe, nicht mehr für unmöglich hält. Dr. Hahn= Magdeburg konnte bestätigen, daß die mit dem neuen Serum erzielten Erfolge die Leistungen des alten weit in den Schatten stellen. Interessant war, daß sich bei den Bazillenträgern, jener anscheinend gefunden Personen, die lebende Diphteriebazillen in ihrem Haise beherbergten, eine besonders starke Wirtung der Mittels im Sinne der Bildung von Schutzstoffen im Blute zeigte. So dürfen wir hoffen, daß und die Genialität v. Behrings eine neue loistungsfähigere Waffe zum Kampfe gegen die gefährliche Krankheit in die Hand gegeben hat, mittels deren es gelingt, die Sterblichkeit an der Diphterie noch weiter herabzudrücken und so zahlreiche blühende Kinder dem Loben zu erhalten. Pariser Arme als Pstanzeusammter. Von Hermann Mattern. (Jochdrut verboten.) In Paris wie in allen Weltstädten ist das Elend viel größer als man gewöhnlich glaubt, und das Heer der armen Teufel, die jeder neue Morgen vor die alte Frage stellt, woven sie leben sollen, wächst stetig an. Aber Not macht erfinderisch, und die Mehrzahl jener Enterbten schlägt sich ohne Kenntnis eines bestimmten Berufes als Gelegenheitsarbeiter durch. Privat'Anglemont zählte deren verschiedene Arten einmal auf, und Gury Tomel beschrieb sie in humoristischer Weise. Alle Arbeitslosen können natürlich nicht Türöffner werden, Hunde scheren oden hinter Gepäckwagen nachlaufen, um sich als Trägen anzubieten! Diese kleinen Handreichungen sind übrigens fast ebenso vom Angebot bedroht wie jede dem freien Spiel der Kräfte erreichbare Tätigkeit, und wenn Wettbewerb des Handels Seele ist, kann umgekehrt auch nicht geleugnet werden, daß dieser an Einträglichkeit dadurch verlieren muß. Daher die stete Jagd nach neuen Erwerbsquellen! Viele kamen auf den Gedanken, das ungeheure, die Weltstadt umsänmende Gelände, die Wallanlagen, die Wäldchen von Boulogne und Vincennes, den Park des nahen St. Cloud oder die abten herrlichen Waldungen Fontainebleaus, den Forst von Meudon, die weiten Flächen Gentillys und des Grand=Montrouge zum Arbeitsfeld auszuwählen. Nicht weniger als—7000 Menschen suchen dort Verdienst. Die Ausübung ihres Handwerks setzt keine lange Lehrzeit voraus und vollzieht sich unterm Auge des Flurwächters, welcher alles duldet, nur keine Baumverwüstungen oder Schädigungen von Aupflanzungen. „Sie säen nicht, und ihr himmlischer Vater ernährt sie doch!“ Welcher Landmann könnte das von sich behaupten? Ihre Ernte ist immer bereit und wartet nur darauf, eingeheimst zu werden. Jeur Annen werden zu Botamitern, ohne daß sie's wise sen. Aber die Zahl der Wurzeln, Staubgefäße oder Blumenkronen besitzt in ihren Augen wenig Bedeutung. Ihre sehr unvollständige Einteilungsart ist ebenso praktisch wie einfach und nur dem Nützlichkeitsstandpunkte angepaßt; denn sie gipfelt in den beiden Begriffen: verkäuflich oder unverkäufe lich. Aber man irrt sich, wollte man annehmen, es ginge ihnen jedes tiefere Verständnis ab; denn im allgemeinen ist der gewöhnliche Mann ein guten Beobachter vieler Eigenarten der Pflanzenwelt. Zu den volkstümlichsten Figuren gehört der Händler mit der Vogelmiere! Keine Arbeiterin, die nicht ihr Pärchen„Fifis" besäße, dos sie mit zärtlicher Fürsorge umgibt und daher jeden Morgen auf den Mann mit dem Grünfutter für die Lieblinge wartet! Mit der Regelmäßigkeit einer Uhr erinnert sein langgezogener, fast traurig klingender, eintöniger Ruf die Quartierbewohner an dieselbe Stunde. Jeder dieser Händler besitzt eine kleine kundschaft und setzt vormittags ungefähr 40—60 Bündelchen der grünen Ware, deren Preis nach der Jahreszeit wechselt, ab. Im Winter kostet das bedeutend rleinere Bündel? Sous oder 10 Centimes, also ungefähr 8 Pfg., zur anderen Zeit nur die Hälfte und ist dann sogar doppelt so groß. Diesen 8 7 R2 SER B.0 835. SpB..8“ n SSRRG E S gg ##ges s S K“ S5 KR S 5 S 18 e ∆ 8. R F 9 — — 8 # * # E KFRES ## 5 8 ## R 85 29k ##gss S K 85 ## 7 E K 8 S —5. K 8 ##s 5 8 339. 9•. e ###f 95 9 # T9 5 6 25 8 5 52g 8 2 eb g S S S — 5 S 85 ### 8 8 S80 5 S Sa 5 8 S S F5SB'S. 58 # SSn EXERTESSS SShafi VR SSas SSS 8 2 5 B 98SSSTSS SETSSTSES RASEER aTOPSE S 8 #g OPaSTE .3 S· a8. #gean FSÄESS“ FSAESS“. P8 GAEEAE 4 B S FENRSORR #E 35#gEE ga#sses .BBEEE S 5158 #5SEEEE #üSS.2 S 1 55E 863ETGER ####“ S7 ##. 8 SgRS RäSes on ##ss SFR-SASS ## RS. SSE R38 aBRBSERP SHEKTSNE ###Ss SRORPAPE! n EFABESEES SnT a% KOSFEE F. BE5 SE“ dRe. ## FFSIRE 919* ETFFAIEE Nr. 110.(1. Blatt.) General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Dienstag, 22. April 1913. — Seffomager Unsere von jeher so beliebten Serientage beginnen Mittwoch, den 23. ds. Monats. In sämtl. Abteilungen unseres Hauses sind gewaltige Warenmengen welt unter dem sonstigen Preisausgelegt. Das ausführliche Preisangebot in der Mittwochs-Nr. muß unbedingt überraschen. OobhPOsorg.nhk BorenIare. Brückstr. 26 Westsaten=Kheintand. Dorstfeld, 21. April.(Diebstahl. Ein Schinken und ein Topf mit Schweineschmalz wurde in der vergangenen Nacht dem Gutsbesitzer Dietrich Prein von hier aus einem Vorratsraum mittelst Einbruchs gestohlen. Vom Diebe hat man keine Spur. Mengede, 21. April.(Ein Unfall) ereignete sich gestern morgen gegen 8 Uhr an dem neuen Schachte der Zeche„Adolf von Hansemann“. Beim Ausbauen eines elektrischen Kabels riß das Seil, welches zum Hochziehen benutzt wurde und traf den Schachtsteiger August Nolting, der auf der Schachtbühne stand, am Kopf, wodurch der Mann 250 Meter in den Schacht abstürzte. N. konnte nur als Leiche geborgen werden. Er war ein nüchterner, fleißiger Mann und stand bei seinen Vorgesetzten in hohem Ansehen. Frau und 8 Kinder beweinen ihren Ernährer. Westhofen, 21. April.(Pferdediebstahl.) Gestern morgen wurde aus der Stallung des Wirts Wilh. Fritzenkötter hierselbst ein Pferd des Steinbruchbesitzers Kühling aus Herdecke im Werte von ca. 800 Mark gestohlen. Der Dieb. ein Schlosserlehrling, wurde mit dem Pferde in Hohenlimburg festgenommen. Geisecke, 21. April.(Seinen schweren“ Verletzungen) erlegen ist nunmehr der vor einiger Zeit in Attendor beim Herabrutschen auf einem Treppengeländer verunglückte etwa 13jährige Sohn des hier ansässigen Wirts Schulte=Höppe." ür baute unr ail den demachen er dlnr dorn und erlitt bei dem verhängnisvollen Sturz schwere Rückgratverletzungen. Schwerte, 21. April.(Für den großen Rangierbahnhof Geisecke) ist jetzt ein erweiterter Plan herausgekommen. Hiernach sollen statt der bisher geplanten 36 Gleispaare nunmehr 42 Gleispaare gelegt werden. Hierdurch ist es erforderlich, daß ein weiterer großer Waldkomplex das sogenannte„Jungholz“, dem Verkehr zum Opfer fallen muß. Die Neuanlagen kommen fast alle auf Lappenhauser Gebiet zu liegen und erstrecken sich in der Richtung nach Langschede. Mit dem Aufbau des Stationsgebäudes ist man eifrig beschäftigt, dasselbe wird auch Wohnungen für zwei Beamte erhalten. Langendreer, 21. April.(Zur Deckung des direkten Kommunalabgabenbedarfs) der Gemeinden des Amtes Langendreer im Rechnungsjahre 1918=14 gelangen folgende Steuersätze zur Erhebung: In Langendreer: 260 Proz. der Einkommensteuer, 260 Proz. der staatlich vevanlagten bezw. der auf Grund der Gewerbesteuerordnung v. 21. Okt. 1903 ermittelten Gewerbesteuersätze, 100 Prozent der Betriebssteuer, sowie an Gemeindegrundsteuer.80 Mk., von jedem 1000 des gemeinen Wertes. In Stockum: 240 Prozent der Einkommensteuer und 220 Prozent der staatlich veranlagten Grund=, Gewerbe=, Gebäude= und Betriebssteuer. In Somborn: 190 Proz. der Einkommensteuer und 250 Prozent der staatlich veranlagten Grund=, Gebäude= Gewerbe= und Betriebssteuer. In Düren: 185 Prozent der Einkommen= und der staatlich veranlagten Grund=, Gebäude= und Betriebssteuer, sowie 185 Prozent der staatlich veranlagten bezw. der auf Grund der Gewerbesteuerordnung v. 17. Nov. 1902 ermittelten Gewerbesteuersätze. Bochum, 21. April.(Auf der Zeche„Karolinenglück“) war der 55jährige Bergmann Rambach von Wattenscheid im Sumpfe mit Reinigungsarbeiten beschäftigt. Plötzlich sauste der Bremskorb nieder, welcher den Mann vollständig erdrückte. Man fand im Sumpfe eine fast unkenntliche Masse. Bochum, 21. April.(Schwurgericht.) Die nächste ordentliche Schwurgerichtsperiode beginnt am Montag, den 26. Mai am hiesigen Landgericht. Vorsitzender ist Landgerichtsdirektor Linke. Bochum, 21. April.(Aus dem Baugewerbe.) Die im Herner Rathaussaale für die Bezirke Bochum, Wattenscheid, Gelsenkirchen, Herne und Recklinghausen unter Vorsitz des Stadtbaurates Dr. Erbe=Essen stattgefundene Sitzung der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Baugewerbe führte in den Tarifverhandlungen zu keinem Ergebnis. Die Arbeitgeber lehnten für die Vertragsdauer von 3 Jahren eine Lohnerhöhung ab. Eine solche machten sie abhängig von der Zurückziehung der Forderung der Arbeitsverkürzung. Die Verhandlungen scheiterten schließlich. Am 22, April treten die Zentralinstanzen in Berlin zu einer gemeinsamen Sitzung zur Formulierung der weiteren Maßnahmen zusammen. Der bestehende Tarifvertrag im Baugewerbe läuft bis zur Abschließung eines neuen. Konzerte, Vereine etc. Im Olympia=Theater findet heute die 25. Aufführung von Gilberts populärer Overetten=Posse „Autoliebchen" statt. Im Olympia=Tunnel spielt das Varieté=Ensemble jetzt den Schlußteil der Detektiv=Komödien= Serie, und zwar:„Zur Strecke gebracht!“ Walhalla. Der diesmalige Programmwechsel bringt eine Novität„Arm und Reich“. Ein Volksstück, das ein Milieu aus dem Münchener Großstadtleben mit Humor behandelt. Eine Militärburleske:„Der Stellvertreter" beschließt den genußreichen Abend, nachdem man sich an dem guten Solistenteil und den Dortmunder Straßensängern ergötzt hat. Vergnügungspark Fredenbaum. Die Likiputstadt im Vergnügungspark Fredenbaum ist der Lieblingsaufenthalt der Besucher geworden. Die reizenden Liliputaner verstehen ausgezeichnet sich bei den Gästen beliebt zu machen, besonders der Kleinste der Gesellschaft ist der erklärliche Liebling der Damen geworden und wird oft mit Süßigkeiten beschenkt. Fräulein Frieda, die reigende Soubrette des Stadttheaters erntet steis riesigen Beifall mit ihren Vorträgen, auch alle übrigen Mitglieder der Truppe sind humorvolle Menschen, und unterhalten sich mit den Besuchern in der angenehmsten Weise. Man muß sich die kleinen Menschen schon mal ansehen, da man selten eine so große Anzahl vereint sieht. Bei den bekannten guten Darbietungen in der Liliputstadt kann man den Besuchern des Vergnügungsparks einen Besuch der Liliputstadt empfehlen. Zieglers Wintergarten, Dorstfeld. Das am Sonntag stattgefundene Konzert war sehr stark besucht. Für kommenden Sonntag, 27. April, und Donnerstag, 1. Mai(Himmelfahrt) ist das Hellwegsche Militärmusik=Institut(städt. Orchester) aus Unna, unter Leitung des Musikdirektors Herrn Plate gewonnen worden. Während der Sommermonate finden jeden Sonn= und Feiertag große Garten=Konzerte von Zivil= und Militärkapellen statt. Lassen Sie sich diesen Apparat sofort kommen Poomialn Miast-Prsiste über andere Sprech-Apparate, sowie über Violinen, Celll, Handolinen, Gultarren, Zilbern, selbetspielende Puzikwerke gratts. Spielt ohne Nadelwechsel mit einem unzertörbaren Saphtratch. Keine Plattenabnutzung mehr! 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Mädchen, kath., 25 Jahre, 1000 Mk. Ersparn. u. eine sch. Wäsche=Ausft., wünscht, da es ihr an Herrenbekanntsch, fehlt, auf d. Wege ihr Glück zu versuch., am liebst. Bergm. o. strebs. Arbeiter. Witwer mit Kind nicht ausgeschl. Nur aufr. Denkende w. ihr w. Schr. u. Nr. 4950 V. P. Hagen, hauptpostlagernd serden. Solid. Mann. 35., w. Bekanntsch, mit ja. Mädch. oder Witwe zwecks Heirat, Schr. Ana u. B. P. 5639 an den Gen.=Ana, Dortm.“ 2 Freundin., Ende 20er, ev. u. katb., sehr häusl., Ausst vorh., w. Bek. zw. Heirat. Beamter bevorzugt. Schr. Ang. u. L. W. 5858 an den Gen=Ane Dortm. Ja. Witwer, 2 Kinder, etw. Vermög., wünscht sich wieder zu verheiraten. Damen od. tunge Witwe oßne Anb. w. öffert. einreich, u. R. O. 5834 a. d..=A. D. Str. Diskretion. Aronym und vostlagernd zwecklos. Geb. Fränlein, angen Erschein. 25., auf dem Lande wohnend, sucht die Bekanntschaft ein. Herrn sv. Heirat, Bess. Geschäftsmann n. ausgeschl. Größ, Barvermögen vorh Vermittl. u, anonum verb. Oft, 1. F. V. 3217 a. d..=k. Omd. Für m. Nichte, 25 J. alt, evgl., Halbwaise, tücht. in Haush. u. gut. Allgemeinsuche ich einen nett. Herrn v. 27 Jahr, Zech= od. Hüttenbeamter, zw. spät. Heirat. Meine Nichte bei eine gut bürgerl. Ausst, sowie 4000 Ml. bar mit und hot spät. d. Dovo zu erw. Off u. E. O. 5852 a. d..=A. D.( Technischer Beamter, 26 I alt, ev. s. die Bekanntschaft einer befs, bäuslich 35.„Dapie im Akter von 20—22 J. zwecks Heirat. Verw. erwünscht, d. selb ein Gesch übern=hm. will Off u. W. H. 397 m. B. bis 25. d Mts. postlagernd Wenter einsenden. Aufrichtig! Techn Eisenbahnbeamter, kath., 26., von ang. Neuß., wünscht die Bek. eines kath. häusl. ers. j, Mädchens zw. Heirat. Diskretion Ehrens. Schr. Ang. u. A. M. 5848 an den Gen.=Anz. Dortm.( SOHHOCHOOPOORGG Neigungsheirat! Hübsche blonde Dame, ev., a. a. Fam. 168 gr. vollschl. nat, heit.Wes. häusl., 10 000 Mk. sof., w. Bek. mit bess. sol symp. Herrn in sicher. Lebensstell., Alt. 30—40 J. Priv.=, mittl. Staatsbeamt. o. Lehrer. Ernstgem. 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April, abends 8 Uhr: = Begrüssungsabend.= Samstax den 26. April, vormittags 10 Uhr: Geschlossene Mitgliederversammlung. Nechmittags 3 Uhr: Oelfentliche Versammlung abends 8½ Uhr: Vortrag von Fräulein Dr. Jur. Duensing: „Warum unsere Jugend uns braucht“ Eintritt frei. Eintritt frei. Sonntng 11½ Uhr: Oelfentliche Versammlung nachmittags 5 Uhr: Oellentliche Versammlung — Eintritt frei.— Montag: Besichtigungen. Kangreßkarten gültig zu allen Veranstaltungen für Mitglieder — Theater. wegen haben wir uns entschlossen, die glänzende Kino-Tragödie F ASCTA noch bis Preitag, den 25. d. Mts. auf dem Spielplan zu belassen.— Unser neuer Schlager Drama in 3 Akten wird einen (94756 Scchn. auf die Kassen des Palast=Theaters ausüben, denn selten ist wohl ein Bild über die Leinwand gegangen, welches alle Vorzüge, wie Scharfe Photographis Wunderbare Realistik Packendes Spiel und Jeglsch aufgebaute Handlung in sich vereinigt.— Des weiteren der verl Den Sumn Kolorierte Komödie. Ein wunderhübsches, urdrolliges Bild, wobei die Zuschauer nicht aus dem Lachen herauskommen. Neue Wochenschaus Pathé Journa und Goumont=Woche u. a. mehr. Künetlerkapelle. Stadt-Theater Dienstag, den 22. April 1913 u. 62. 7½ 10½ Uhr. Opernpr. Alda. Grosse Oper mit Ballett von G. verdi. Mittwoch, den 23. April 1913. A 62. 7½—10½ Uhr. Opernpr. Othello, der Mohr von Venedig. Trauerpsiel v. W. Shakespeale. Jago: Herr Paul Wegener vom Deutschen Theater, Berlin als Gast. Texte au Der gute Ruf 2 Mk. Samson und Delila 60 Pf. Ueber unsere Kraft, 2. Teil, 2 Mark. Aida 50 Pfg. Othello 20 Pfg. Fidelio 20 Pfg. Die Räuber 20 Pfg. Der Zigeunerbaron 50 Pfg. Der fliegende Holländer 80 Pfg. Strant, Overnführer, 416 Seiten, geb. nur 1 Mark. Storck, Opernbuch, 436 Seit. geb. 3 Mark. Operettenführer, 264 Seit., geb. nur 1 Mark. Führer durch das Schauspiel d. Gegenwart. Von Melitz 255 Seit. Geb. nur 1 Mk. C. L. Krüger, G. m. b.., Buch= u. Musikalienhandlg. Westenhellweg 9. (Krüger=Passage.) 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Anscheinendes Alter 25 Jahre. Geboren am 15. August 1887 zu Laasphe, Kreis Wittgenstein, Letzter Aufenthalt(Wohnung): Holthausen. Jetziger Aufenthalt Größe.6 m. Gestalt schlank. Haar dunkel Bart: Blondes Schnurrbärtchen. Gesicht länglich gesund. Stirn doch Auge dunkelbraun. Augendrauen hraun. Nase gewöhnlich. Mund gs wöhnlich. Jähne gesund. Kinn spitz, Sprache deutsch Dortmund, den 17. April 1913.(24918 Der Königliche Erste StaatsanwaltF Spezial-Behandlung+ von Geschlechtsleiden aller Art, Harnleiden, Hautausschläge, Mundausbrüche, Pollutionen, Halsentzündung. u. belieben Adresse unter IX. 33. 1984 an den General=Anz. Dortmund einzusenden. 2911 STOmme Natürliche Heilmethode ohne Einspritzungen, od#. Berufsstörung!— Sicherste Erfolge! Fortlaufend eingehende Dankschreiben und Anerkennungen. Aerztliche Atteste über erfolgte Blutuntersuchungen bei von mir behandelten und geheilten Patienten zur Einsicht. Behandlung auch brieflich. Aufklärungen kestenlos und diskret. Briefl. 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Der Angeklag ständig und wird zu teilt. Unter Ausschl keit hatte sich dann de feld aus Aplerbeck w. der§§ 175, 185 des Das Urteil gegen ihn tängnis. Einen dumme September 1908 der Re hier. Der Angeklagte, Oppenhäuser tätig über Zigaretten und Vermögensvorteil von ließ dem Angeklagten zahlung, aber das tat sich davon. Auf Grur er dann in Hannover 3 Monaten Gefängnis Wegen schwerhatte sich der Arbeiter zu verantworten. Er Jahres mit dem Arbei nem damaligen Logisk setzte ihm dabei meh Rücken. Das Gericht schen eine Gefängnisstr. Unter Ausschl keit wurde dann Ortmann aus Aplei Sinne des§ 173 und zing. Das Urteil la sängnis. Acht Monate ebenfalls unter Aussch Lesselheizer Josef Zei am 12. Februar in Li im Sinne des§ 176 machte.. Hinter verschl dann gegen den Arbei von hier verhandelt. sich gegen den§ 181a bielt deshalb 1 Jahr Außerdem wird er n Landespolizei überwiese !„ I n G e m e i n s c h e z# ermittelten Leuten gursfen aus Braube dieses Jahres in Habin Bergmanns Stanislaus eine Kommode und stah 6 Monate Gefängnis. Ein gefährli Wegen schwerer Körpe bung, Sachbeschädigung kandes gegen die Staat mann Franz Ide aus Hn alle Leit unsere reich illus Wissen" zu abon verständliche Abs schaften. Die Die Mitarbeiter enthält ea. 20 Ar einige anführen danken.— Gibt Welt?— Die eine große 8 560 .50 In .00 k. m, Hänsel aun e. m 20 PL. äck Sandbochum, km 27 die Lieferung von erblendung, K erden. nen auf dem Köniad. Lippe eingesehen en vorherige, vortobar dorther bezogen lufschrift„Lieferung Hochwasserauslaß bei st bis zum VerdinApril, vormittags 11 ünen a. d. Lippe. sich verbörgen hält ürlicher Unzucht, I5 n0, am 11. April 1918 rbaften und in das zu den hiefigen Alten nd. Vorname Georg indes Alter 25 Jahre. 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Dortmund, 21. April. 1. Strafkammer. Wegen Betruges im Rückfalle, und zwar in drei Fällen, hatte sich der achtzehnmal, darunter viermal mit Zuchthaus vorbestrafte Arbeiter Wilh. Storck ohne festen Wohnsitz zu verantworten. Der Angeklagte wollte augenscheinlich unter allen Umständen einen festen Wohnsitz haben und logierte sich zu diesem Zweck am 5. Septomber v. J. bei der Ehefrau Ellerkmann in Asseln ein um dann unter Hinterlassung einer Schuld von 5 Mk. davonzugehen. Dasselbe Manöver führte er in Afseln bei dem Bergmann Hückschlag aus, den er um 10 Mk. betrog, und dann ging er nach Brackel, wo er die Witwe Restack um 7,50 Mk. prellte. Der Angeklagte ist in der Hauptsache geständig und wird zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit hatte sich dann der Bäckergeselle Gust. Borgfeld aus Aplerbeck wegen Verbrechens im Sinne der§s 175, 185 des Str.=.=B. zu verantworten. Das Urteil gegen ihn lautete auf 4 Monate Getängnis. Einen dummen Streich beging am 1. September 1908 der Reisende Heinr. Engler von hier. Der Angeklagte, der für den Kaufmann Oppenhäuser tätig war, fälschte eine Quittung über Zigaretten und verschaffte sich dadurch einen Vermögensvorteil von 32 Mk. Der Geschädigte ließ dem Angeklagten volle 4 Jahre Zeit zur Rückzahlung, aber das tat Engler nicht, sondern machte sich davon. Auf Grund eines Steckbriefes wurde er dann in Hannover verhaftet und heute hier zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen schwerer Körperverletzung hatte sich der Arbeiter Franz Bilski aus Marten zu verantworten. Er geriet am 23. Februar dieses Jahres mit dem Arbeiter Johann Tschekowski, seinem damaligen Logiskollegen. in Streit, und versetzte ihm dabet mehrere Messerstiche in den Rücken. Das Gericht diktierte dem rohen Menschen eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr zu. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde dann gegen den Bergmann Emil Ortmann aus Aplerbeck verhandelt, der sich im Sinne des§ 173 und 176.3 des Str.=.=B. versing. Das Urteil lautete auf 9 Monate Gefängnis. Acht Monate Gefängnis holte sich ebenfalls unter Ausschluß der Oeffentlichteit, der Lesselheizer Josef Zeller aus Horstmar, der sich am 12. Februar in Lünen=Süd des Verbrechens in Sinne des§ 176 3 des Str.=.=B, schuldig nachte.: Hinter verschlossenen Türen wurde dann gegen den Arbeiter Franz Schuhmacher von hier verhandelt. Dieser Angeklagte verging sich gegen den S 1812 des Str.=.=Buches und erdielt deshalb 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. Außerdem wird er nach verbüßter Strafe der Landespolizei überwiesen werden. In Gemeinschaft mit zwei anderen noch nicht ermittelten Leuten, brach der Arbeiter Heinr. Paffen aus Braubauerschaft am 11. Februar dieses Jahres in Habinghorst in die Wobnung des Bergmanns Stanislaus Schalach ein, öffnete dort eine Kommode und stahl daraus 80 Mark. Strafe: 6 Monate Gesängnis. Ein gefährlicher Gefängnisgast. Begen schwerer Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Sachbeschädigung, Bedrohung pnd Widerkandes gegen die Staatsgewalt hatte sich der Bergnann Franz I de aus Berglamen zu verantworDue ist heshiche ecin id urcd. ee dieses Jahres als Untersuchungsgefangener im Gefängnis zu Hörde, und bat am Mittag dieses Tages den Gerichtsdiener Abraham, der ihn besorgte, ihm Tinte und Schreibzeug zu bringen, er wvolle ein Schriftstück anfertigen, das um 4½ Uhr fertiggestellt sein würde. Abraham brachte ihm auch das Gewünschte, und wollte es um 4½ Uhr zurückholen. Das Schriftstück war fertig, der Angeklagte übergab es ihm. und Abraham nahm es mit einer Hand an, während er mit der andern das Tintenfaß faßte. Als er sich umdrehte, um die Zelle zu verlassen, holte der Angeklagte schnell ein vierkantiges Eisen unter seiner Jacke hervor, das er aus dem Pritschengestell herausgearbeitet hatte, und wollte den Aufseher damit über den Kopf schlagen. Dieser drehte sich aber zufällig rechtzeitig um, überschaute sofort die Sktuation, und ließ, geistesgegenwärtig Tintenfaß und Schriftstück fallen, um dem Gefangenen an die Kehle zu springen. Es entstand nun eine hartnäckige Frasselei, wobei es dem Angeklagten gelang, dem Abraham das Eisen zu entreißen und ihm damit einen wuchtigen Schlag über den Kopf zu versetzen. Der Geschlagene fiel zu Boden und als er dort lag, versetzte ihm Ide noch einige Faustschläge in der Magengegend, um dann aus der Zelle zu entwischen— die Tür verriegelte er von außen, sodaß nunmehr Abraham der Gefangene war. Dieser erholte sich bald wieder und rief um Hilfe, worauf sein Kollege Hippler erschien, ihn befreite, und die Verfolgung des Flüchtlings aufnahm. Ide hatte inzwischen die Dienstwohnung des Abraham betreten, und schwang sich gerade aus dem Fenster als Hippler auf dem Plane erschien. Der Angeklagte aber lief davon, wurde verfolgt und an der sogen „Seekante“ von Hippler, der dabei von dem Metzger K. und dem Dachdecker F. unterstützt wurde, festgenommen. DerAngeklagte spielte heute den Neumütigen und war in allen Punkten geständig. Das Gericht erkannte gegen ihn auf 2 Jahre Gefängnis. 2. Strafkammer. Seinem Logiskollegen stahl. im Rückfall handelnd, der Arbeiter Martin Weicht am 16. März dfs. Jahres in Brambauer einige Wäsche und ein Paar Schuhe. Er ist geständig und wird zu einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten verurteilt. Wieder eine Gerstenmehlmischung. Wegen Betrugs hatte sich f. Zt. der Mühlenbesitzer Wilh. Kranefeld aus Holzwickede vor dem Schöffengericht in Unna zu verantworten, und wurde dort zu einer Geldstrafe von 300 Mk. verurteilt. Gegen dieses Urteil legte er Berufung ein, über die heute vor der Strafkammer verhandelt wurde. Am 5. November vor. Jahres fand eine Revision beim Angeklagten statt, die ergab, daß man auf dem Boden des Hauses 40 Säcke mit Steinholzmehl fand, von denen der Angeklagte angibt, daß er sie aus Düsseldorf bezogen habe, und zwar um deren Inhalt mit gemahlener Gerste oder Hafer zu vermengen, und sie dann als Futter für sein eigenes Vieh zu verwenden. Einige Proben, die aus dem Lager des Angeklagten entnommen wurden, ergaben eine Beimischung von 25 Prozent Steinholzmehl, und etwa 25—30 Prozeni Gips und Holzmehl. Der Angeklagte behauptet, daß er von dem Mehl, aus welchem die Proben entnommen wurden, nichts an seine Kunden verkauft habe. Er habe es zum Füttern seiner Kühe, Schweine und Hühner gebraucht. Das Gericht glaubte ihm nicht, daß er für den eigenen Verbrauch gleich 40 Säcke Steinholzmehl, vermischt mit Gips usw. kaufe. Die Berufung wurde daher kostenpflichtig verworfen. Schöffengericht. Dortmund, 21. April. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde der Schneider Johann Jakubowski von hier, der sich wegen Erregung öffentlichen Aergernisses zu verantworten hatte. Der Angeklagte gab, die ihm zur Last gelegte Tat zu und wurde vom Gericht zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. 2 Wochen wurden durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. Der gefährlichen Körperverletzung und der Beleidigung machte sich am 27. Februar d. J. die Frau des Bahnwärters Wilhelm Janiak aus Lindenhorst schuldig. Durch Zwistigkeiten der Kinder geriet sie an dem genannten Tage mit einer Frau Gerhards aneinander und versetzte ihr im Verlaufe des Wortwechsels mehrere Schläge mit einem Stock. Später beleidigte sie die Frau auch noch schwer. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von insgesamt 25 Mark. Miteinem Stock schlug am 27. Januar der Bergmann Gustav Bojarski auf den Schachtmeister Saratowski ein, mit dem er über Arbeitsgelegenheit für Kollegen gesprochen hatte. Sie kamen in Wortwechsel und der Schluß war, daß Bojarski den Saratowski mit seinem Spazierstock verprügelte. Sa. trug erhebliche Verletzungen davon und mußte sich wochenlang in ärztliche Behandlung begeben. Sogar heute ist er noch nicht vollständig wiederhergestellt. Da der Angeklagte schon verschiedentlich mit Gefängnis bestraft ist, erkannte das Gericht gegen ihn auf 2 Monate Gefängnis. Wegen Beseidigung in 2 Fällen und Hausfriedensbruch hatte sich der Arbeiter Karl Czerwanski zu verantworten. Am 17. Februar kam er zu dem Hausverwalter und klopfte sehr laut an. Als er darüber zur Rede gestellt wurde, beschiumpfte er die Frau des Verwalters. Der Aufforderung, sich zu entfernen, kam er nicht nach und mußte mit Gewalt aus der Wohnung gedrängt werden. Das Urteil lautete auf 12 Mr. Geldstrafe. Einen polizeilichen Strafbefehl über 30 Ml. hatte die Speiseavirtin Böckenkamp von hier deshalb belommen, weil sie seit Ende Januar eine Kellnerin beschäftigt und diese nicht der Sittenpolizei anmeldete. Sie beantragie richterliche Entscheidung, die heute zur Verhandlung kam. Frau Böckenkamp fühlte sich zu Unrecht bestraft, da sie nach ihrer Angabe das Mädchen nur als Stütze engagiert hätte. Nur gelegentlich habe sie in dem Lokale bedient. Durch die Bewaisaufnahme wurde aber festgestellt, daß das Mädchen häufiger bediente und sogar von den verkauften Getränken Prozente bekam. Der Stuafbefehl wurde deshalb vom Gericht bestätigt. Des Betruges machte sich der Schlosser Walter Eng von hier schuldig. Er kam am 12. Juli v. J. zu dem Händler Ernst Riegenhagen und kaufte ein Fahrrad für 150 Mk., auf das er aber nur 10 Mk. anzahlte. Er gab an, daß er in Brackel auf Montage arbeite und deshalb ein Rad haben müsse. Diese Angaben stimmten aber nicht, denn schon am 15. Juli versetzte er das Rad und verkaufte auch den Pfandschein. Das Gericht nahm an, daß er schon mit dem Gedanken dus Rad gekauft habe, es sofort zu versetzen und sich daburch Geld zu verschaffen. Da Eng schon erhebliche Vorstrafen hat, erkannte das Gevicht auf eine Gefängnisstrafe von einem Monat. und dertiche. Dortmund, 21. April.(Städtischer Viehhof.) Zu dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 934 Stück Großvieh, 404 Kälber, 18 Schafe, 3048 Schweine. Bez. f. 100 Pfd. 2. 5e : 58 50—51 90—92 45—47 84—89 37-40 74—80 29—34 62—70 50—52 86—90 43—45 81—85 46—49 88—88 42—45 80—86 37—41 74—81 30—33 68—75 25—28 00—67 ün alle Lefer des„Dortmunder General-Hnzeigers“ richten wir die Bitte. wiere reich Unstrierte Wabenschrift„Melt unds wpohnharfeit der Rlaneten.— Wit dem.—22.] J. t.—=74ng..4 26, 2, 4 rer 1. Rinder. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben(ungejocht)........ b) vollkleischige, ausgemässete, im Alter von—7 Jahren........ e) junge, fleischige, nicht gusgemästeie und ältere ausgemästete...... 0) mäßig genährte junge, gut genährte ältere............ Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtweries......... b) vollfleischige jüngere....... ei mäßig genährte junge und gut genährte äitere......... 34—38 72—78 Färlen und Kübe: a) volfleischige ausgemästete Färsen böchsten Schlachtwertes........ b) vollsleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren e) ältere ausgemästete Kühe u. wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 4) mäßig genährte Kühe und Färsen.. e) gering genährte Kühe und Färsen. Gering genährtes Jungvieh(Freisen—— 2. Küber. a) Doppelender, feinste Mast.....—— b) seinste Mastkälber.....: 56—60 89—96 c) mittlere Mast= und beste Saugkälber 50—54 84—90 d) geringere Mast= und gute Saugkälber 45—48 78—86 e) geringere Saugkälber...... 40—44 70—77 3. Schafe. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel—.— 5) Altere Masthammel, geringere Mast. lämmer und gut genährte junge Schafe—— e) mäßig genährte Hammel und Schafe (Märzschafe)...........—— Weidemastschafe 4) Mastlämmgr::.—— b) geringere Lämmer und Schafe...—— 4. Schweine. a) Fettschweine, über 150 kg(3 Zentner) Ledendgewicht iac.:=— d) vollsteischige Schweine von 120—150tg (240—300 Pid.) Lebendgewicht... 54—56 68—70 e) vollfleischige Schweine von 100—120 kg (200—240 Pfd.) Lebendgewicht.. 54—56 68—70 4) vollfleischige Schweine von 80—100 kg (200, 200 Pfd.) Lebendgewicht... 52—56 66—70 e) vollfleischige Schweine von 80 kg(160 Pfd.) Lebendgewicht....... 51—54 64—68 Sauen............ 50—53 62—07 Tendenz: flau, infolge starken Auftriebs. Von den Schweinen wurden nach den vorschriftsmäßig ausgefüllten Verkaufsscheinen verkauft zum Preise von 72 Mk. 67 Stück, 71 Mt. 178 Stück, 70 Mark 382, Stück, 69 Mk. 286 Stück, 68 Mt. 482 Stück, 67 Mk. 194 Stück, 66 Ml. 101 Stück, 65 Mk. 50 Stück, unter 65 Mk. 26 Stück. Berlin, 21. April.(Börse.) Die heutige Börse begann die neue Woche mit mehr Zurückhaltung, da es an neuen Anregungen fehlte. Die Umsätze blieben etwas eingeschränkt, und nur einzelne Sonderwerte hatten einen lebhaftern Verkehr. In politischer Hinsicht erregt es einige Ungeduld, daß der Friedensschluß noch immer nicht zur Tatsache geworden ist trotz aller Ankündigungen für die nächste Zeit, und die. Frage der Gegensätze unter den Balkanverbündeten wurde im Gegensatz zu dem bisherigen Verhalten darum ernstlicher beachtet, weil der österreichisch=bulgarische Geheimvertrag, wenn sich die Meldungen darüber bestätigen, die Möglichkeit einer Verwicklung Gute anscheie Geche mit Serbien enthält. Von den auswärtigen Börsen kamen ebenfalls nur wenig Anregungen; die New Vorker Befestigung vom Wochenschluß wirkte hier nicht sonderlich ein, da der dortige Markt in letzter Zeit sehr unsicher geworden ist und öftern Schwankungen unterliegt, wobei auch die Ungewißheit über die Entwicklung der Geldmarktverhältnisse eine Rolle spielt. Wien ließ sich zwar heute durch die Friedensaussichten etwas anregen, war aber im allgemeinen zurückhaltend mit alleiniger Ausnahme von Oesterr. Südbahn und Oesterr. Staatsbahn. Von London wurde heute ein stillerer Verkehr gemeldet. Auf dem Montanaktienmarkt wurden oberschlesische Werte etwas gedrückk durch die Streiknachrichten. In Schiffahrtsaktien fanden Abgaben statt auf die Bemerkungen im Wochenbericht der Berliner Handelsgesellschaft, daß der Höhepunkt im Geschäft schon überschritten sei und für den weitern Verlauf des Jahres mit einem allmählichen Abflauen des Geschäfts zu rechnen sei. Sonst waren noch Elektrizitätswerte mit Ausnahme der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen, Otavi, South West Africa, Schaaffhausen, Amerikaner und von Montanaktien Gelsenkirchener, Rombacher und Aumetz etwas schwächer. Die Rückgänge hielten sich aber fast ausnahmslos unter 1 Prozent. Von der Abschwächung der oberschlesischen Werte waren Oberschlesische Eisenindustrie ausgenommen. Alsbald nach Eröffnung kamen Phönix in lebhaften Verkehr, wobei das Papier allmählich etwa um 2 Prozent stieg; davon wurden die andern Werte dieses Gebiets etwas mitgezogen. Auch Elektrizitätswerte und Canada konnten sich etwas befestigen, dagegen gaben Schiffahrtsaktien weiter nach. Auf dem Geldmarkt war tägliches Geld zu 4 Proz. und darunter zu haben. Schiebungsgeld bedang 5½ Proz. Die Seehandlung bot es zu 4¾ Proz. an, ferner Geld auf 5 Tage zu 4 Proz. und bis Ende April zu 4¼ Proz. Fremde Wechsel waren nicht einheitlich. Der 2 Uhr=Schluß war still. Oesterreichische Wette waren lebhafter. Privatwechselzinsfuß 4½ Proz. Die Aktien der Beka Record .=G. zu Berlin wurden erstmalig notiert. Der Kurs stellte sich auf 165¼ Prozent Geld. Wissen“Pmenschhiff„Wen und Wissen" zu abonnieren. Dieselbe bringt gemeinverständliche Abhandlungen aus allen WissenHaften.„Die Ausstattung ist eine erstklassige. Die Mitarbeiter sind erste Fachleute. Jedes Heft enthält ea. 20 Artikel, von denen wir als Beispiel einige anführen: Die Geschwindigkeit der Gezanken.— Gibt es ein räumliches Ende der Welt!— Die Farbenphotographien.— Die Belooynbarteit der Planeten.— mit vem — chin= und Um zu ermöglichen, daß alle Leser darauf abonnieren können, haben wir die kleine Entschädigung auf nur 15 Pfg. für ein 24 Saiten starkes Heft, festgesetzt. Außerdem erhält jeder Abonnent von„Welt und Wissen“ zu jedem Jahrgang drei komplette Werke, im ersten Jahre: Die Illustrierte Himmelskunde.— Illustriertes Buch der Technik.— Entdeckungsreisen nach dem Nord= u. 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Und im Gegensats Lichendog ckelter Mann, ein u. gen, formenschönes Weib wie mächtis anzichende Gamel macht die.. Park, slatlich und vormual. glanzen. det cie, Wangen roi und die Augen heller glänzen, der ganze Organismus spürt die Wohltaten seiner Tatigkeit. Dabei ist das durch Sarvol einmal er#ichs.-Stsdium von unberrenzler Dauer, denn Barvel ist tatsächlich das wirksamste Spezifikum zur Erzeugung #., Nuskelleisch auf wissenschattlicher Basis, das Wenn Sie wünschen 10, 20 oder sogar 30 Pfund gutes gesundes Muskellleisch auf Ihre Knochen zu verteilen, so warten Sie nicht länger und verlangen Sie unverzoglich die gratis angebotene.50-Schachtel #.„###. diesem Zwecke haben Sie nur den untenstehenden Gutschein auszuschneiden und mit Ihrem Namen und Adresse versehen, unter Beifügung von 50 Pl. in Brielteilweisen Deckung der Post- und Packkosten einzusenden an die Société Sarpol, 8, Cité de Paradis Parie, Frankr., Abtellung 1266. 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Schli geklagt zum Nachteile der Automol G. m in seiner Eigenschaft Gesellschaft über Forder gensstücke absichtlich zun verfügt zu haben. Die? ist durch Beschluß der E März 1908 von dem Hau Zur Anklage äußert si ster zunächst über die Gr tallwaren=Fabrik. Die sellschaftsvertrag vom 23. Vorsitzender: K rum die Bochumer Met wurde? Angeklagter Streck die Maschinenbauanstalt Vorsitzender: D Altenessen machte schlech fortwährend mit Unter! schaft zu sanieren wurde liale in eine selbständige Die Maschinenbauanstalt heblichen Gewinn. So hergang? Angeklagter Strecke Vorsitzender: E Geschäftsführer der Boch Angeklagter Streck führer war Herr Wieden dent unter Herrn Wieder gänge der Gründung wi kannt. Ich habe die Ein chern ersehen, als ich im rer wurde. vorsitzender: 2 unter ihrer Leitung die Angeklagter: D schlechter. Vorsitzender: U dem Jahre 1906 ergeben! Angeklagter: D lust. Vorsitzender: 0 35 181.92 Mk., ungerech früheren Jahren. Angeklagter:„ Die weiteren Erörter Bochumer MetallwarenBild über den Stand de schiedenen Jahren. Di Jahre 1903 1974.00 Mk. Mt., im Jahre 1905 912 35 181.92 Mk., im Jahr Jahre 1908 133 494.33 M Mk. Bei der Aufstellun Betracht kommenden Bil Suche Lieferanten v. auswärt. Brot pp. für ein neu zu erricht. Geschäft in best. Lage. Schr. Ang. u. B. N. 2431 a. d. Gen.=A v. Gen.suns. Dtm. Putzmacherin, w. s. selbst. machen möchte, find. Unterstützung. Kl. Laden, 1 Zimm. u. Einricht. in konkurrenzl. Lage vorhanden. Schr. Ang. u. L. B. 2432 g. d. Gen.=Ang. Dtm. 36262 Dortmund, Balken- u. Nikolaistr.-Ecke beim Bezirks-Kommando. der Verlust insgese Das Stammkapital 350 000.00 Mk. Vorsitzender:# stellung der Bilanz von ganze Stammkapital ver nicht, daß Sie damals sellschaft anmelden mußt Angeklagter: I Vositzender: U Anmeldung des Konkurse Angeklagter: Je lanz im Jahre 1908 vor denken geäußert. Herr 4 Vorten: Ich sollte mirk damit hätte ich nichts zu einmal zu Herrn Ohm g kärt, ich müsse jetzt den antwortete mir darauf: dann auch Herrn Wied Anfsichtsrats der Niederd chen Vorstellungen geme habe ich auch darauf hin zige Verlust größer als! war. Vorsitzender: E Angeklagter: N ten verwertet werden. Automobil=Vertriebs wu Vorsitzender: 0 Automobil=Vertriebs=Ges * 96 shof-Ecke. eleg.63 .45 uster .95 .65 ch ragen nur 11 höher. .95 nur .25 Roben Batist einundenung. ckerei 12.30 .75 .75 itter Meter .35 offe! neuesten Dessins .20 Mk. nachgewiesen. Vaschvolle offe ten Preisen. sucht u. Waschst. Vorsigstr. 31, 1. r. cht Kontor o. Lad. m. Lübeckerstr. 18. e Frau sucht einige Bülowstr. 11,.) Putzstellen ges. zegartenstr. 21. Frau s. Putzst. o. chäftigung. Frau valdstr. 4, 2. Eta. Basch= u. Putzstelle abe 41, 3. Eta. t. Wasch= u. Butz; hützenstr. 67.( ädchen f. Waschst, Bissenkamp 8. .sof, Besch, all Art. nstraße 40, 2. Et. r. und 11095 Nr. 110.(S. Blatt). General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. 22. April 1913. schiedenes eferanten v. ausst pp. für ein neu Geschäft in best. ., Ang, u. B. N. Gen.=Anz. Dtm. serin, w. s. selbst. öchte, find. Unter#l. Laden, 1 Zimm. st. in konkurrenzl. sanden. ng. u. L. B. 2432 =Ang. Dtm. 36262 rgen rmorgen u. Donnerstag) änderleigerung KOCLL rimund. Nikolaistr.-Ecke tirks-Kommando. Del Busammenerden der Miederdenischen Balln er Cerich. Der erste Vorprozeß. Dortmund, 21. April. Heute morgen begann vor der Sonder=Strafkammer, die eigens für die Ohmprozesse gebildet ist, der erste Prozeß in Sachen der Gründung der Niederdeutschen Bank. Den Vorsitz führte Herr Landgerichtsdirektor Wanjura, die Anklage vertrat Herr Staatsanwalt Fuhrmann. **„ Unter mäßigem Andrang des Publikums wurde mit minutiöser Pünktlichkeit um 9 Uhr durch Herrn Landgerichtsdirektor Wanjura die Verhandlung im ersten Ohmprozeß eröffnet. Die Anklage richtet sich gegen den Kaufmann Strecker aus Bochum. Die Anklage vertritt Stacktsanwalt Fuhrmann, den Angeklagten verteidigt Rechtsanwalt Dr. Hoffmann=Dortmund. Zur Feststellung seiner Personalien gibt der Angeklagte an, daß er am 21. Dezember 1872 in Langendreer geboren und bisher unbestraft sei. Nach dem Eröffnungsbeschluß wird dem Angeklagten zur Last gelegt im Jahre 1908 als Geschäftsführer der Bochumer Metallwaren=Fabrik die bei Eintritt der Ueberschuldung gesetzlich vorgeschriebene Konkursanmeldung unterlassen zu haben, ferner bezüglich derselben Gesellschaft es unterlassen zu haben, ordentliche Geschäftsbücher zu führen. Schließlich ist Strecker noch angeklagt zum Nachteile der Automobil=Vertriebs=Gesellschaft G. m. b. H. in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer dieser Gesellschaft über Forderungen und andere Vermögensstücke absichtlich zum Nachteile der Gesellschaft verfügt zu haben. Die Verhandlung gegen Strecker ist durch Beschluß der Eröffnungskammer vom 18. Närz 1908 von dem Hauptprozeß abgetrennt. Zur Anklage äußert sich der Angeklagte Strekster zunächst über die Gründung der Bochumer MeItallwaren=Fabrik. Die Gesellschaft ist durch Gesellschaftsvertrag vom 23. November 1902 gegründet. Vorsitzender: Können Sie uns sagen, warum die Bochumer Metallwaren=Fabrik gegründet wurde? Angeklagter Strecker: Soviel ich weiß, um die Maschinenbauanstalt in Altenessen zu sanieren. Vorsitzender: Die Maschinenbauanstalt in Altenessen machte schlechte Geschäfte, sie arbeitete fortwährend mit Unterbilanz. Um diese Gesellschaft zu sanieren wurde deshalb die Bochumer Filiale in eine selbständige Gesellschaft umgewandelt. Die Maschinenbauanstalt machte hierbei einen erheblichen Gewinn. So war im wesentlichen der Hergang? Angeklagter Strecker: Jawohl. Vorsitzender: Sie waren von vornherein Geschäftsführer der Bochumer Metallwaren=Fabrik? Angeklagter Strecker: Der erste Geschäftsführer war Herr Wiedenfeldt. Ich war Korrespondent unter Herrn Wiedenfeldt. Die einzelnen Vorgänge der Gründung waren mir damals nicht bekannt. Ich habe die Einzelheiten erst aus den Büchern ersehen, als ich im Jahre 1906 Geschäftsführer wurde. vorsitzender: Wie entwickelten sich denn unter ihrer Leitung die Geschäfte? Angeklagter: Die Geschäfte gingen immer schlechter. Vorsitzender: Und was hat die Bilanz aus dem Jahre 1906 ergeben? Angeklagter: Die Bilanz ergab einen Verlust. Vorsitzender: Gewiß einen Verlust von 35 181.92 Mk., ungerechnet die Verluste aus den früheren Jahren. Angeklagter: Ja. Die weiteren Erörterungen über den Stand der Bochumer Metallwaren=abrik ergeben folgendes Bild über den Stand der Gesellschaft in den verschiedenen Jahren. Die Unterbilanz betrug im Jahre 1903 1974.00 Mk., im Jahre 1904 30 835.85 Mt., im Jahre 1905 91248.10 Mk., im Jahre 1906 35 181.92 Mk., im Jahre 1907 126 244.00 Mk im Jahre 1908 183 494.33 Mk. im Jahre 1909 268 886.95 Mk. Bei der Aufstellung der für die Anklage in Betracht kommenden Bilanz im Jahre 1908 betrug der Verlust insgesamt 437 789.63 Mr. Das Stammkapital betrug demgegenüber nur 350000.00 Mk. Vorsitzender: Sie mußten bei der Aufstellung der Bilanz von 1908 also sehen, daß das ganze Stammkapital verloren war. Wußten Sie nicht, daß Sie damals schon den Konkurs der Gesellschaft anmelden mußten? Angeklagter: Ja, das wußte ich. Vositzender: Und warum haben Sie die Anmeldung des Konkurses unterlassen? Angeklagter: Ich habe Herrn Ohm die Bilanz im Jahre 1908 vorgelegt und ihm meine: Bedenken geäußert. Herr Ohm beruhigte mich mit den Worten: Ich sollte mir keine Kopfschmerzen machen, damit hätte ich nichts zu tun. Später bin ich noch einmal zu Herrn Ohm gegangen. Ich habe ihm erklärt, ich müsse jetzt den Konkurs anmelden. Ohm antwortete mir darauf:„Dummes Zeug.“ Ich habe dann auch Herrn Wiedensoldt, der Mitglied des Aufsichtsrats der Niederdeutschen Bank war, die gleichen Vorstellungen gemacht. Bei der Gelegenheit habe ich auch darauf hingewiesen, daß der buchmäzige Verlust größer als das Kapital der Gesellschaft var. Vorsitzender: Es geschah aber nichts! Angeklagter: Nein. Die Automobile soll##. verwertet werden. Auch eine Abtrennung des Automobil=Vertriebs wurde in Erwägung gezogen. Vorsitzender: Es ist aber schließlich eine Automobil=Vertriebs=Gesellschaft gegründet worden und zwar mit einem Stammkapital von 200 000 Mk., von denen die Lüner Bank 150000 Mk., die Bochumer Metallwaren=Fabrik 40000 Mk. und Herr von Schwedler 10000 Mk. übernahmen. Wieviele Automobile besaß damals die Bochumer Metallwaren=Fabrik? Angeklagter: Siebenundzwanzig Stück. Vorsitzender: Diese Automobile sollte die neue Gesellschaft abnehmen, damit die Bochumer Metallwaren=Fabrik sie los wurde und gutes Geld dafür erhielt. Sie würden auch Geschäftsführer der neuen Automobil=Vertriebs=Gesellschaft. In dieser Eigenschaft sollen Sie die Untreue begangen haben, weil Sie die Automobile zu teuer bezahlt haben. Angeklagter Strecker: Die Automobil=Vertriebs=Gesellschaft hat die Automobile zum Buchwerte von 183000 Mark übernommen. Vorsitzender: War dieser Preis denn nicht entschieden zu hoch. Die Automobile hatten doch schon einige Jahre auf Lager gestanden. Wie hoch bewerten Sie denn ein solches Automobil? Angeklagter Strecker: Wir hatten damals nichts abgeschrieben. Vorsitzender: Sie hatten ja nun nach der Gründung der neuen Gesellschaft Geld und konnten die Automobile von der Bochumer MetallwarenFabrik kaufen. Wer hat denn nun den Preis von 188 000 Mi. festgesetzt. Angeklagter Strecker: Ich habe mit der Niederdeutschen Bank telephoniert. Herr Benner hat mir dann auf demselben Wege mitgeteilt daß Herr Ohm angeordnet habe; daß als Kaufpreis für die Automobile 183000 Mark angesetzt werden sollten. Vorsitzender: Sie hatten aber doch noch eine besondere Aufstellung über die Automobile gemacht; nach der die Automobile nur 124000 Mk. wert waren. Demnach haben Sie doch die Automobil=Vertriebs=Gesellschaft um 60000 Mk. geschädigt. Angeklagter Strecker: Dic Gesellschaft war doch zu dem Zweck gegründet, die Automobile von der Bochumer Metallwaren=Fabrik zu kaufen und diese aber auch bei dem Verkauf vor Verlusten zu schützen. Vorsitzender: Beim Ausbruch des Konkurses, am 26. August 1910 ist dann auch festgestellt, daß die Handelsbücher der Bochumer=MetallwarenFabrik nicht ordentlich geführt waren. Die Anklage nimmt an, daß die Bilanzen nicht richtig aufgestellt sind und daß die wirklichen Verluste der Gesellschaft noch erheblich größer gewesen sind. Angeklagter Strecker: Es sind bei der Aufstellung der Bilanzen keine Abschreibungen vorgenommen. Vorsitzender: Die Abschreibungen sind absichtlich unterlassen, um weiteve Verluste zu verhindern. Angeklagter Strecker: Ganz trifft das nicht zu. Es waren im Laufe der Jahre auch neue Patente erworben, deren Werte nicht in Ansatz gebracht wurden. Rechtsanwalt Dr. Hoffmann: Ich bitte den Angetlagten fragen zu wollen, warum er die rechtzeitige Anmeldung des Konkurses unterlassen hat. Vorsitzender: Wollen Sie sich auf die Frage Ihres Herrn Verteidigers äußern, Herr Strecker. Angeklagter Strecker: Ich war zunächst mit Arbeiten überlastet und hatte im Geschäfte sehr viel zu tun. Außerdem wurden die Bücher und Abschlüsse fortlaufend von Hartwig geprüft. Irgendeine Beanstandung ist nie erfolgt. Ich glaubte deshalb durchaus gedeckt zu sein. Herr Ohm war durch Hartwig über alles orientiert. Wenn ich anders gehandelt hätte, so würde ich eben meine Stelle verloren haben. Als erster Zeuge wird dann der Konkursverwalter der Bochumer Metallwaren=Fabrik, Rechtsanwalt Kuhlemann=Bochum vernommen. Nach Ansicht des Zeugen ist die Buchführung der Gesellschaft bei Ausbruch des Konkurses in Ordnung gewesen. Möglich sei es, daß etliche Werte hoch eingesetzt waren. Allerdings seien auf die Automobile auch keine Abschreibungen vorgenommen. Vorsitzender: Aber hätte sich dann nicht eine größere Unterbilanz ergeben, wenn die Patente mit ihrem richtigen Werte eingesetzt worden wären? Was ist denn aus diesen Patenten überhaupt geworden? Zeuge.=A. Kuhlemann: Die Patente sind verfallen, weil eine Verwertung nicht möglich war. Bezüglich des Standes des Konkurses möchte ich bemerken, daß in der Masse zirka 50000 Mk. liegen, denen an Schulden 1380000 Mark gegenüberstehen. Die Konkursdividende dürfte sich auf 3 Prozent stellen.— Auf Befragen des Verteidigers bestätigt der Zeuge noch, daß die Niederdeutsche Bank unermeßliche Zinsen und Provisionen von der Bochumer Metallwaren=Fabrik erhoben hat. Der Angeklagte sei wohl nur das iWerkzeug des Herrn Ohm gewesen. Der nächste Zeuge, Kaufmann Wiedenfeldt, ist früher Geschäfstführer der Bochumer Metallwaren=Fabrik gewesen. Die Geschäfte der Fabrik bezeichnet der Zeuge als„nicht gut.“ Strecker habe bei ihm Beschwerde über die hohen Zinsen, die die Nitderdeutsche Bank berechne, geführt. Der Zeuge ist bei Ohm dieserhalb vorstellig geworden. Der Angeklagte Strecker fragt den Zeugen: Ist es nicht richtig, Herr Wiedenfeldt, daß ich Sie gebeten habe, Herrn Ohm zu sagen, er möge mir endlich meine Nuhe wiedergeben. Zeuge Wiedenfeldt: Ja, das ist richtig. Ich erinnere mich besonders der Worte: Herr Ohm solle Ihnen seine Ruhe wiedergeben. Der nächste Zeuge ist der frühere Prokurist der Niederdeutschen Bank, Hans v. Schwedler, der auf Befragen angibt, heute Buchhalter in.= Gladbach zu sein. Der Zeuge war an der Automobilvertriebs=Gesellschaft mit 10000 Mk. beteiligt. Nach seiner Aussage hat Herr Benner ihn aufgefordert, an der Gründung teilzunehmen. Rechtsanwalt Dr. Hoffmann wirft die Frage auf, ob der Zeuge von Schwedler denn überhaupt Geld gehabt habe, um sich an einem Unternehmen zu beteiligen, von Schwedler erklärt, daß Geld habe ihm die Bank gegeben. Pors.: Aber warum beteiligten Sie sich denn an dem Unternehmen, wenn Sie kein Geld hatten? Haben Sie etwa die Aufforderung des Herrn Benner als eine dienstliche Anweisung betrachtet und befürchteten Sie. Unannehmlichkeiten, wenn Sie sich nicht beteiligten? Zeuge: Nein, ich befürchtete keinerlei Unannehmlichkeiten. Vors.: Wozu sollte denn die Gründung der Automobilvertriebs=Gesellschaft dienen? Zeuge: Genaues wußte schdarüber nicht. Jedenfalls war mir nicht bekannt, daß die Gesellschaft lediglich gegründet werden sollte, um die Automobile der Bochumer Metallwaren=Fabrik zu erwerben. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hoffmann: Sie hattel also nicht einen Pfennig Barvermögen Herr von Schwedler? Zeuge(der übreigens sehr leise spricht): Nein. Verteidiger Dr. Hoffmann: Hatten Sie aber nicht bei der Niederdeutschen Bank erhebliche Spekulationsschulden? Und welches Gehalt bezogen Sie außerdem bei der Niederdeutschen Bank? Die Antwort des Zeugen ist am Pressetische nicht zu verstehen, insbesondere nicht, ob der Zeuge seine Spekulationsschulden auf 30;000 oder 80 000 Mark angibt. Herr von Schwedler hat ein Gehalt von 3600 Mark bezogen. Rechtsanwalt Dr. Hoffmann bemerkt hierzu: Ich habe diese Frage nur gestellt, um zu zeigen, daß von Schwedler lediglich der Strohmann der Niederdeutschen Bank bei der Gründung gewesen ist. Als nächster Zeuge wird der frühere Prokurist der Niederdeutschen Bank, Benner=Dortmund, vernommen Der Zeuge erklärt auf Befragen, er sei heute Bücherrevisor, habe bei der Niederdeutschen Bank Prokura gehabt und den Titel„stellvertretender Direktor“ geführt. Zu der Gründung der Automobilvertriebs=Gesellschaft bekundet Herr Benner, daß man die Gesellschaft deshalb gegründet habe, um die Automobile auf einmal abzustoßen und so den Stand der Bochumer Metallwaren=Fabrik zu heben und die Bank damtt wiederum zu entlasten. Herr Benner will den Gedanken der Gründung der Automolvertviebs=Gesellschaft selbst ausgeheckt haben. Vors.: Herr Ohm hat also den Gedanken der Gründung nicht ausgeheckt. Aber er hat doch wohl die Gesellschafter benannt? Zeuge Benner: Gewiß, Herr Ohm hat als Gesellschafter die Lünener Bank, die Bochumer Maschinen=Fabrik und Herrn von Schwedler bestimmt. Vors.: Wie kamen Sie denn auf Herrn von Schwedler, Herr Benner? Zeuge Benner: Herr von Schwedler hatte gute Beziehungen zu Kreisen, die wohl Automobile kauften. Er war weit und breit bekannt und ich glaubte, daß wir durch seine Beziehungen die Automobile schneller verkaufen würden. Vors.: Herr Benner sagen Sie uns bitte hier heute die Wahrheit. Sie sind als Zeuge geladen und müssen als solcher wahrheitsgemäß aussagen. Haben Sie nicht doch, als Sie Herrn v. Schwedler bestimmten, daran gedacht, jemanden zu suchen, der die Sache einfach machen mußte? Zeuge Benner: Ich wußte, daß.Schwedler aus guter Familie war und später Vermögen zu erwarten hatte. Vors.: Der nächste Zweck der. Gesellschaft war aber doch der, daß die Gesellschaft die Automobile der Bochumer Maschinenfabrik kaufen sollte. Zeuge Benner: Gewiß, das war der nächste Zweck. Hiervon sind auch Quantz und von Schwedler in Kenntnis gesetzt worden. Allerdings war auch weiterhin erwogen, einen Automobildroschken=Verkehr in Dortmund zu betreiben. In der weiteren Vernehmung bestreitet Benner, gewußt zu haben, daß die Automobile nur einen Wert von 124000 Mark hatten. Er will auch nicht im Auftrage des Herrn Ohm an den Angeklagten Strecker die Anweisung gegeben haben, den Verkaufspreis der Automobile mit 188000 Mark anzusetzen. Auf Vorhalt durch den Vorsitzenden bleibt der Angeklagte dabei, die Anweisung von dem Zeugen Benner erhalten zu haben. Herr Ohm als Zeuge. Als nächster Zeuge wird der Bankier Julius Ohm aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Der Zeuge läßt sich sehr eingehend über die Gründe, die ihn veranlaßten, die Bochumer Metallwarenfabrik von der Maschinenfabrik in Altenessen loszulösen, aus. Der eigentliche Grund sei keineswegs darin zu suchen, daß die Maschinenfabrik in Altenessen saniert werden sollte. Die Verschiedenartigkeit der Betriebe habe es vielmehr zweckmäßig erscheinen lassen, die Betriebe von Bochum und Altenessen zu trennen. Vors.: Es ist Ihnen wohl bekannt, Herr Ohm, daß die Bilanz der Bochumer Metallwarenfabrik von 1908 einen Verlust von über 400000 Mk. aufwies. Es hätte des halb der Konkurs angemeldet werden müssen. Herr Strecker behauptet nun, daß Sie ihn von der Anmeldung des Konkurses zurückgehalten hätten. Insbesondere sagt er auch, er habe Ihnen durch Herrn Wiedenfeldt sagen lassen, Sie möchten ihm seine Ruhe wiedergeben. Zeuge Ohm: Ich habe nie einen Herrn gesehen, der so viel Ruhe besaß, wie Herr Strecker. Ich bestreite auf das aller entschiedenste, Herrn Strecker irgendwie davon abgehalten zu haben, den Konkurs anzumelden. Von einer solchen Anmeldung ist zwischen uns nie die Rede gewesen. Uebrigens war ich über den Stand der Bochumer Metallwarenfabrik nie auf dem Laufenden. Die Bilanzen wurden von Herrn Strecker erst ein Jahr später vorgelegt. Die Bilanz von 1908 dürfte ich mithin erst zu Beginn des Jahres 1910 erhalten haben. Ich habe mit Herrn Wiedenfeldt dann allerdings über den Stand der Bochumer Maschinenfabrik gesprochen. Inbbesondere habe ich mich auch bereit erklärt, die berechneten Provisionen und Zinsen der Gesellschaft wieder gutzuschreiben. Damit wäre, wenn auch nicht die Unterbilanz, so doch die Ueberschuldung der Gesellschaft gehoben gewesen. Zur Anmeldung des Konkurses lag demnach auch gar kein Grund vor. Der Automobilvertrieb hatte bei der Bochumer Metallwarenfabrik einen ungeahnten Umfang angenommen. Herr Strecker kümmerte sich nur noch um die Automobile, er machte auch Privatreisen per Auto und vernachlässigte die übrigen Geschäftszweige. Ich habe deshalb Herrn Benner den Auftrag gegeben, mit Herrn Strecker zu verhandeln, um den Automobilvertrieb abzuzweigen. Der Gedanke der Gründung einer besondern Automobilvertviebs=Gesellschaft ist von mir. Die Einzelheiten der Gründung rühren aber nicht von mir her. Es war allerdings von vornherein unsere Absicht, die Automobile zum Buchwerte zu übernehmen. Ich hielt dies aus folgendem Grunde für durchaus richtig: Die Bochumer Metallwarenfabrik erhielt von den Lieferanten auf die Listenpreise einen Rabat von 80 Prozent. Die Buchwerte der Automobile entsprachen mithin den Listenpreisen minus 30 Prozent. Ich nahm an, daß wir diesen Preis jeder Zeit beim Verkauf der Automobile erzielen würden. Vors.: Wußten Sie denn nicht, daß die Automobile bis zu 8 Jahren alt waren? Zeuge Ohm: Nein, das war mir nicht bekannt gewesen. Ich habe die Automobile nie gesehen. Der Angeklagte Strecker erklärt, daß es unrichtig sei, wenn Ohm behaupte, er habe die Bilanzen eln Jahr zu spät erhalten. Das Gericht beschließt, hierüber einen an Gerichtsstelle anwesenden Zeugen zu vernehmen. Die Vernehmung Ohms ist damit beendigt. Ohm wird auf Veranlassung des Staatsanwalts wieder in Untersuchungshaft abgeführt. Der folgende Zeuge, Kaufmann Quantz, war früher Direktor der Lünener Bank. Er hat sich für diese Bank ohne Bedenken an der Automobilvertriebs=Gesellschaft beteiligt. Am Tage nach der Gründung ist er nach Bochum gefahren, weil er für seinen Gebrauch ein Automobil kaufen wollte. Bei der Gelegenheit habe er zu Strecker gesagt: Nein, die Dinger kaufe ich nicht. Er sei dann nach Dortmund gefahren und zur Niederdeutschen Bank gegangen, um Ohm zu sprechen. Ohm sei verreist gewesen. Deshalb habe er mit Herrn Benner verhandelt und Benner gesagt: Sagen Sie mal, mit der Automobilvertriebs=Gesellschaft scheint nicht alles richtig zu sein. Benner habe darauf gelacht. Er, der Zeuge, sei dann in Ferien gegangen und in dieser Zeit habe die Niederdeutsche Bank die Lünener Bank einfach mit 150000 Mark Anteile der Automobilvertriebs=Gesellschaft belastet. Der Korrespondent Grauerkuß=Hattingen war in den Jahren 1901—1910 Korrespondent der Bochumer Metallwaren=Fabrik. Er bekundet, die Bilanzen seien immer rechtzeitig aufgestellt gewesen. Herr Ohm habe auch den Geschäftsgang ständig durch Herrn Hartwig prüfen lassen. Hartwig habe die Bücher oft wochenlang in Dortmund gehabt. Der Zeuge ist überzeugt, daß der Angeklagte Herrn Ohm von dem schlechten Stand der Bochumer Maschinen=Fabrik in Kenntnis gesetzt hat. Im Anschluß hieran wird noch einmal der Konkursverwalter Rechtsanwalt KuhlmannBochum auf Veranlassung der Verteidigung vernommen. Der Zeuge bekundet auf Befragen, daß eine Uebergabe der Automobile von der Bochumer Maschinen=Fabrik an die Automobilvertriebs=Gesellschaft überhaupt nicht erfolgt sei. Nach seiner Meinung könne es einem Zweifel nicht unterliegen, daß der ganze Verkauf der Automobile nur ein offenbares Scheingeschäft gewesen sei. Das Gericht beschließt hierauf, den Zeugen Ohm unbeeidigt zu lassen, weil er in der gleichen Sache als Anstifter unter Anklage steht. Ebenso werden die Zeugen Benner, Quantz und von Schwedler nicht vereidigt, weil sie der Teilnahme an den unter Anklage stehenden Handlungen dringend verdächtig sind. Hierauf erstattet der Sachverständige Bücherrevisor Direktor Schröder=Dortmund sein Gutachten. Der Vorsitzende bemerkt hierzu: Die Frage, Herr Schröder, die ihrer Begutachtung unterliegt, ist einzig und allein die: Ist die Buchführung der Bochumer Metallwaren=Fabrik ein: ordentliche gewesen? Sachverständiger Schröder: Ich muß die Buchführung als ordnungsmäßig bezeichnen. Vorsitzender(erstaunt): Als ordnungsmäßig?. Sachverständiger Schröder: Jawohl, als ordnungsmäßig. Vorsitzender: Sie meinen wohl, daß die Buchungen rein äußerlich ordnungsmäßig erfolgt sind. Oder halten Sie eine Bilanz auch für ordnungsmäßig, wenn Patente und andere Werte in beliebiger Höhe eingesetzt werden und wenn keine Abschreibungen erfolgen? Gutachter Schröder: Nein, das wollte ich natürlich nicht sagen. Ordnungsmäßig waren lediglich die zahlenmäßigen Buchungen. Es kann natürlich keinem Zweifel unterliegen, daß schon die Bilanz des Jahres 1908 Herrn Strecker zeigen mußte, daß die Gesellschaft ganz erheblich überschuldet war. Die Gesamtverluste stellen sich bis 1908 auf 607000 Mk. Bis dahin hatte die Bochumer Metallwaren=Fabrik allein an Zinsen und Provisionen an die Niederdeutsche Bank 437000 Mk. bezahlt. Das Verhältnis der Bochumer Metallwaren=Fabrik zu der Niederdeutschen Bank war das gleiche, wie das der übrigen Tochter=Gesellschaften. Die Bochumer Metallwaren=Fabrik war die milchgebende Kuh der Niederdeutschen Bank. Durch die hohen Zins= und Provisionsberechnungen gegen die Tochter=Gesellschaften war es der Niederdeutschen Bank möglich, die hohen Tantiemen und Dividenden zu zahlen.— Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Staatsanwalt Fuhrmann führt dann etwa aus: Die Gründung der Niederdeutschen Bank und ihrer Untergründungen ist mit Vorbedacht in dem heutigen Prozeß nicht behandelt. Ich will deshalb auch auf diese Fragen nicht eingehen. Aber ich möchte doch die Bekundung des Herrn Ohm nicht unwidersprochen lassen. Die Abzweigung der Bochumer Metallwaren=Fabrik ist ganz ausschließlich erfolgt, um die Schuldenlast der Maschinenfabrik Altenessen bei der Niederdeutschen Bank zu mindern. Es ist bei allen Gründungen so gemacht worden, daß ein Loch aufgemacht wurde, um das andere zu schließen. Erst kam Altenessen, dann die Bochumer Metallwaren=Fabrik und dann die Automobilvertriebs=Gesellschaft. Man wird dem Angeklagten Strecker ja glauben können, daß er auf eine Sanierung durch Herrn Ohm gehofft hatte. Strafrechtlich verantwortlich bleibt er aber dennoch. Er hatte, soweit der erste Punkt der Anklage in Betracht kommt, den Konkurs über das Vermögen der Bochumer Metallwaren=Fabrik unbedingt anmelden müssen. Allerdings werden ihm hierbei mildernde Umstände zuzubilligen sein. Ich beantrage deshalb wegen dieses Vergehens gegen Strecker eine Geldstrafe von 200 Mk. Auch die Bücher gestatteten keinen Ueberblick über den Vermögensstand. Es wird auch deshalb gemäß der Bestimmungen der Konkursordnung eine Bestrafung erfolgen müssen. Ich beantrage unter Zubilligung mildernder Umstände auch für dieses Vergehen eine Geldstrafe von 200 Mark. Es kann auch keinem Zweifel unterliegen, daß sich Strecker der Untreue zum Nachteile der Automobilvertriebs=Gesellschaft schuldig gemacht hat. Er selbst hat gesagt, daß das Geschäft kein Scheingeschäft sein sollte. Ich beantrage wegen der Untreue gegen Strecker eine Gefängnisstrafe von einer Woche und eine Geldstrafe von 200 Mk. Wenn rtotz der Höhe der in Frage kommenden Objekte die beantragten Strafen so gering sind, so deshalb, weil ich von dem Standpunkt ausgehe, daß der Angeklagte Strecker lediglich das Werkzeug Ohms gewesen ist. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Hoffmann, beantragte die Freisprechung des Angeklagten. Er führt begründend etwa aus: Der Angeklagte ist insofern heute im Nachteil gewesen, als es nicht möglich war, das ganze Milieu zu beleuchten, aus der die Handlungen des Angeklagten geboren sind. Die Verteidigung erkennt aber gern an, daß in der heutigen Verhandlung alles erörtert ist, was zu Gunsten des Angeklagten in Betracht kommt. Ich bin der Meinung, daß der Angeklagte wegen der nicht rechtzeitigen Anmeldung des Konkurses nicht bestraft werden kann. Nach§ 84 Abschn. 2 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften m. b.., bleibt derjenige straflos, bezüglich dessen festgestellt wird, daß der Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens ohne sein Verschulden unterblieben ist. Sie dürfen nicht außer Acht lassen, daß Herr Strecker, wenn der damals noch allgewaltige Herr Ohm die Sanierung versprach, berechtigt war, daran zu glauben. Der Angeklagte kann aber auch meines Erachtens nicht aus den Bestimmungen der Konkursordnung verurteilt werden. Seine Bücher sind formell unstreitig in Ordnung gewesen. Ein Teil der Kommentatoren fordert allerdings nicht nur eine formelle, sondern auch eine materielle, ordnungsmäßige Buchführung. Diese Frage ist eine der Hauptfragen in dem Prozeß wegen des Leipziger Bankkrachs gewesen. Damals haben sich die Sachverständigen allgemein auf den Standpunkt gestellt, daß es genüge, wenn die Bücher formell in Ordnung sind. Auch das Reichsgericht hat bisher immer diesen Standpunkt vertreten. Was die Untreue angeht, so vertrete ich auch hier die Auffassung, daß eine Bestrafung nicht erfolgen kann. Es ist gar kein Kauf zustande gekommen. Das Rechtsgeschäft war aber auch aus§ 181 des B. G. B. nichtig, da Strecker Käufer und Verkäufer in einer Person war. Daß der Verkauf der Automobile überhaupt kein ernstes Rechtsgeschäft gewesen ist, kann nicht bestritten werden. Es handelt sich bei der ganzen Sache nur um eine rein rechnerische Manipulation. Eine wir liche Schädigung liegt im übrigen auch nicht vor. Aus all diesen Gründen erscheint die Freisprechung des Angeklagten geboten. Nach etwa halbstündiger Beratung verkündet Landgerichtsdirektor Wanjura folgendes Urteil: Der Angeklagte Stuecker wird zu einer Geldstrafe von 400 Mark und einer Woche Gefängnis verurteilt. Nach seinem Geständnis hat er bewußt und absichtlich die Anmeldung des Konkurses im Jahre 1908 unterlassen, obwohl ihm die Ueberschuldung der Gesellschaft bekannt war. Strecker war deshalb gemäß§ 84 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften m. b. H. zu bestrafen. Die Hoffnung auf Sanierung schließt die Strafe nicht aus. Das Gericht hat für dieses Vergehen auf eine Geldstrafe von 300 Mark erkannt. Wegen des Vergehens gegen§ 240,3 der Konkursordnung hat das Gericht auf eine Geldstrafe von 100 Mark erkannt. Der Angeklagte gibtin dieser Beziehung zu. daß er mindestens ein Patent um etwa 20.000 Mark zu hoch bewertet hat und daß er bei den Patenten keine Abschreibungen vorgenommen hat. Das Gericht hält den Angekalgten auch der Untreue aus§ 266 des Strafgesetzbuches für überführt. Der Angeklagte hat die Automobilvertriebs=Gesellschaft objektiv um 60000 Mark geschädigt. Das Gericht hat in diesem Falle eine Gefängnisstrafe von einer Woche für ausreichend erachtet. Bei der Strafzumessung sind dem Angeklagten mildernde Umstände im weitesten Maße zugebilligt worden. Es ist insbesondere auch berücksichtigt, daß Strecker unter dem Druck der Verhältnisse gehandelt hat. Inwieweit Ohm den Angeklagten Strecker zu dem Vergehen aus§ 84 des Gesetzes betreffend die G. m. b. H angestiftet hat, konnte dahingestellt bleiben, weil diese Frage demnächst in einem anderen Verfahren zu prüfen sein wird. Damit war der erste Ohmprozeß nach 4½stündiger Dauer beendet. Am Dienstag wied gegen Rosenkaimer und Hartwig wegen der Gründung der GlasPräzisions=Werke in Brackel verhandelt. Die Verhandlung wird zwei Tage dauern. Zum Fall Krupp. Der Kriegsminister ein Opfer der Affäre? „Berechtigtes und peinliches Aufsehen haben— so schreibt die„Kreuzzeitung"— die Enthüllungen — man kann in diesem Falle wohl von„Enthüllungen“ sprechen— des Aba. Liebknecht über zweifelhafte geschäftliche Manipulationen der Firma Es handelt sich scheinbar vorwiegend um Verstöße, die in das Gebiet des unlauteren Weitbewerbs fallen, allerdings in sehr schwerer Form. Da die Untersuchung schwebt, wird man mit einem definitiven Urteil zurückhalten müssen. Das Gericht wird seine Schuldigkeit tun. Wenn sich die Beschuldigungen, die der Abg. Liebknecht erhob und die der Back-Pulver:: Pudding-Pulver Vanillin-Zucker:: Rote Grütze Cremepulver:: Einmachepulver Vanille-Saucen-Pulver etc.sind Gesellschaft für Brauerei, Spiritus- und Preßhefe-Fabrikation vormals G. Sinner, Karlsruhe-Grünwinkel. Vertreter für Rheinland. Westfalen und Hannover: Wilh. Lutter. Düsseldorf 50.— Fernanrecher 3461. „„ PP Da PUTT Kriegsminister zum Teil als gerechtfertigt begeschUmfange als berechtigt er nete, im vollen umsal#n uis berechtigt erweisen, so wird man sagen dürfen, daß alle die patriotischen Verdienste, die der Kriegsminister der Firma Krupp nachrühmte, nicht hindern können, das allerschürfste moralische Urteil zu sprechen. Die Firma Krupp, die besondere Rechte genießt und besonderer Anerkennungen und Auszeichnungen oftmals für würdig befunden war, trug auch eine besondere Verantwortung, und niemand wird zugeben, daß diese Verantwortung etwa auf Beamte der Firma abgewälzt wird. Die Firma haftet für ihre Beamten. Zu denjenigen„höheren Beamten“, die vermutlich dem Krupp=Skandal zum Opfer fallen werden, dürfte übrigens der——— preußische Kriegsminister v. Heeringen zu zählen sein. In Hofkreisen nister v. Heeringen zu zählen sein. In## hat man ihm sein Auftreten im Reichstag gewalrig übel genommen.„Daß Herr v. Heeringen auf die Anschuldigungen des Aba. Liebknecht gegen die Firitz prinzivieller Verwahrungen doch .=., kaum non, mit irgendwelchen Nebenabsichten zu entschuldigen sein. Er scheint nicht bemerkt zu haben, daß es der Sozialdemokratie nur darauf ankam, durch stundenlanges Debattieren über Dinge, von denen einstweilen nichts Zuverlässiges bekannt ist, eine starke Suggestion auf die öffentliche Meinung und auf die Gerichte auszuüben, die mit der Prüfung der Angelegenheit befaßt sind. Sehr merkwürdig berührte es auch zu hören, daß der Kriegsminister mit Herrn Liebknecht, diesem enragiertesten Feinde des preußischen Heeres, einen förmlichen Pakt einging, um ihn dazu zu bestimmen, sein Material gegen Krupp der Oeffentlichkeit einstweilen vorzuenthalten.“ Das zitierte Blatt benutzt die Gelegenheit, auch sonst noch allerlei Vorwürfe gegen Herrn v. Heeringen anzubringen. Es hebt, wie wir es schon früher getan haben, hervor, daß es dem Kriegsminister kein Vertrauen erwerben könne, wenn er, nachdem ihm der Reichstag alles bewilligt hatte, was er zur Verstärkung des Heeres für notwendig erklärte, jetzt mit der Milliardenvorlage kommt, und kommt zu dem Schluß, daß es wirklich besser gewesen wäre, wenn Heer von Heeringen die amtliche Vertretung der neuen Wehrvorlage gegenüber der Volksvertretung einem Nachfolger überlassen hätte, dessen Autorität durch keine Sünden der Vergangenheit geschmälert ir. 1186## Die Tage des nriegsmininer von Heeringen scheinen also gezählt zu sein. Die gänzliche Hilflage im deichbicht eseint dal, scheint man ihm „oben“ nicht weiter übelgenommen zu haben. Aber daß er es nicht verstand, bei der Kruen=Affäre den Schneidigen zu markieren, das bricht ihm den Hals.——„ Der„Vorwärts" druckt in seiner Sonntagsaushabe den Bestechungsbrief der Deutschen Waffenund Munitionsfabrik ab. Er hat nachstehenden Wortlaut: „Personalakten. Abschrift. Bl. 16. Herrn G. 8286. (.—.Gehtimre Paris. istratur.) Konservativen Partei rat Graf Kuno v. Westarp, Reichstages), S Nationalliberalen Partei(Paul Fuyrmann, geschäftsführender Vorsitzender des altnationalliberalen ReichsverbReichsverbandes), haben Partei“ die Herausgabe eines in 3(drei) Millionen Exemplaren zur Verbreitung gelangenden Buchkalenders unter dem Titel„Deutscher Volksfreund" beschlossen, der in volkstümlicher, packender Form nationale Fragen behandelt und der dem deutschen Volke ein Wegweiser und Führer in verschiedenen, die Gesamtheit des Vaterlandes betreffenden Fragen sein soll. Redigiert wird der Kalender von dem bekannten Schriftsteller Richard Nordhausen. Die drei Millionen Exemplare werden unter Zuhilfenahme unserer Organisationen auf Wegen verbreitet, die nur uns zur Verfügung stehen. Das vortrefflich ausgestattete und reich illustrierte, vier Textbogen starke Kalenderbuch wird zum Preise von 10 Pfennig abgegeben. Um wenigstens einen Teil der Mehrkosten decken zu können, laden wir eine kleine Zahl angesehener Firmen zur Insertion ein. Wir bitten Sie im Interesse der großen und wichtigen Sache, Ihre Mitwirkung dabei nicht versagen und gleichfalls eine Anzeige aufgeben zu wollen. Wird doch bei der gewaltigen Auflage des Kalenders und seiner Verbreitung durch ganz Deutschland diese Mitwirkung auch kaufmännisch von besonderem Erfolge sein. Berlin, den 18. April 1913. Der Ausschuß: Zedlitz, Seehandlungspräsident a.., Mitglied des Abgeordnetenhauses. v. Loebell, Wirklicher Geheimer Rat, Oberpräsident a. D. Vertreter der Parteien: M. Erzberger, Paul Fuhrmann, v. Dewitz. Graf Westarp.“ Ein wenig boshaft schreibt das Blatt dazu: „Der geistige Geschäftsführer des neuen„nationalen" Unternehmens für Sammelpolitik, Herr Rich. Nordhausen, ist ein antisemitischer Journalist, Feuilletonredakteur am Bündlerorgan, der ehemals mit losigkeit, die er bei der Einbringung der Militärvor= nicht zu leugnendem Erfolge die Weltliteratur nach age im Reichstage gezeigt hat scheint man ihm Pikanterien durchsuchte. Vom„Interesse maßgeben— Geheimregistratur.) Wir drahteten Ihnen soeben:„Bitten unseren heutigen Brief in Paris abwarten. Grund dieser Depesche war, däß wir die Aufnahme eines Artikels in einer der gelesensten Zeitungen, möglichst im„Figaro", durchsetzen möchten, welcher folgenden Inhalt haben soll: „Die französische Heeresverwaltung hat sich entschlossen, die Neubewaffnung der Armee mit Maschinengewehren erheblich zu beschleunigen und die doppelte Anzahl, als zuerst beabsichtigt, zu bestellen.„„ G 1 C..f. Wir bitten Sie, aues aufzubieren, um die aufdahme eines derartigen Artikels zu erreichen. Hochachtungsvoll Deutsche Munitions= und Waffenfabrik. v. Gontard. Posegarten. Es ist übrigens noch unaufgeklärt, ob der Artikel wirklich Aufnahme in der französischen Presse gefunden hat. Der„Figaro" bestreitet, daß er bei ihm erschienen sei. Anderseits hat Dr. Liebknecht auch nicht behauptet, daß der Bestechungsversuch von Erfolg gewesen ist. Zu der Behauptung des Reichstagsabgeordneten Dr. Liebknecht schreibt der„Figaro":„Uns ist niemals ein derartiger Artikel angeboten worden. Wir hätten nicht einmal geduldet, daß man uns etwas derartiges zumutet, und von uns eine irreführende Veröffentlichung verlangte. Da der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete den„Figaro“ genannt hat, fordern wir ihn auf, uns zu sagen, in welchem Tage, in welcher Nummer und in welchem Artikel er eine derartige Unterstellung zu finden glaubt. Er ist uns diese Antwort schuldig." Die Absicht des Versuchs, in der französischen Presse Stimmung für Neurüstungen zu machen, ist damit noch nicht widerlegt worden. Sollte der Versuch an der Anständigkeit der französischen Presse gescheitert sein, so wäre das für die deutsche Wafenfabrik doppelt beschämend. der Regierungskreise und insbesondere des Herrn Reichskanzler begleitet“, versucht er jetzt, der Sammlungspolitik neues Leben einzuhauchen. Oktavio v. Zedlitz, der Helldunkle, Herr v. Loebell, der einstige Blockstützer, Matthias Erzberger, der Eiernudelheilige, Paul Fuhrmann, der altliberale Geheimbündler, der Sanger der Vermögenszuwachssteuer Herr v. Dewitz und Graf Westarp, Vizegeneral ver Heydebrandschen Desperados, verleihen dem Unternehmen die höhere Weihe und treten mit ihrem Namen bei den angesehenen Firmen als Inseratenakquisiteure auf. Vielleicht trägt die Rüstungsindustrie noch einen Teil der Herstellungskosten, falls die„entsprechenden" Beiträge aufgenommen werden. Für den Vertrieb werden die„nationalen". Vereine in Anspruch genommen. Naive Leute kaufen den Kalender wohl gar, und— Herr Richard Nordhausen lacht dazu!“ Totale Kachrichten. Dortmund, 22. April. Die gestrige Stadtverordnetensitzung dauerte nur eine knappe halbe Stunde. Die Tagesordnung wies zwar 10 Punkte auf, aber nur einige boten ein tiefergehendes Interesse. Stadtv. Konsul Der Patriolismas uls Seschaft. Auch das„Verl. Tageblatt" berichtet jetzt von einem recht interessanten Geschäfts=Patriotismus. Es handelt sich um ein Kalenderunternehmen für Sammelpolitik. Das genannte Blatt schreibt: „Es sind nicht nur die Rüstungsinteressenten, die vaterländische Stimmung in Gold umzumünzen verstehen. Noch jede nationale Regung hat allerlei Korporationen, Unternehmen und Schriftwerke hervorgebracht, die den Patriotismus geschäftlich zu fruktifizieren versuchten. Wehrverein, Reichsverband gegen die Sozialdemokratie und ähnliche Vereine sind wandelnde Zeugen dafür. Die Temperatur der „Opferzeit“ schien einem Konsortium von Sammlungspolitikern geeignet, die Welt zur Abwechslung wieder einmal mit einem„nationalen Kalenderunternehmen zu beglücken. Oder vielleicht wir uns. Vielleicht gelang es einfach einem sich „national“ nennenden antisemitischen Journalisten, für eine nicht gerade neue Erfindung eine Reihe bekannter politischer Persönlichkeiten zu interessieren. Aber, gleichviel! An einflußreiche Firmen und Personen ist jedenfalls das nachstehende Zirkular gelangt: „Zu treuen Handen! Vertraulich! Einschreiben! Vom Interesse maßgebender Regierungskreise, insbesondere des Herrn Reichskanzlers, begleitet, ist mit Hilfe privater Mittel ein wirklich großes, nationales, an die breite Volksmasse gehendes Aufklärungsmittel geschaffen worden, das vaterländischen Interessen dient und den in dieser Beziehung gemeinsamen Programmpunkten der staatserhaltenden, königstreuen Parteien mächtig und großzügig Ausdruck verleihen soll. Die mitunterzeichneten Vertreter der Freikonservativen Partei(Landrat a. D. Otto v. Dewitz, Mitglied des Abgeordnetenhauses), ild hat seine frühere Stiftung, die Konsul Hildstiftung, um weitere 10000 Mk. erhöht, sodaß diese nunmehr ein Kapital von 25000 Mk. umfaßt. Der Ertrag dieses Kapitals soll nach dem Wunsche des Stifters dazu dienen, tüchtigen, weniger bemittelten Schülern der oberen Klassen des städtischen Gymnasiums Reisen in Begleitung von Lehrern zu gestatten, um das Interesse für Handel, Schiffahrt, Industrie, Kunst und Kunstgewerbe zu beleben Die Stadtverordneten erklärten sich dankend mit der Annahme dieser Schenkung einverstanden. Zur Fortsetzung der Lokal= und Familiengeschichtsforschung bewilligte das Kollegium nach einem Referat des Herrn Dr. Meininghaus aus Sparkassenüberschüssen für das Jahr 1912 den Betrag von 1140 Mk. Wie wir den Ausführungen des Referenten entnehmen, dient dieser Betrag nicht nur dazu, im Interesse der lokalen Geschichtsforschung alte Kirchenbücher auszuziehen, sondern diese Auszüge, die in das 17. Jahrhundert zurückgreifen, können insbesondere auch bei Familien=, Erbschafts= usw. Feststellungen von großer Bedeutung sein. Dem Magistratsbeschlusse, die Errichtung eines Kindergartens in Verbindung mit dem Technischen Lehrerinnenseminar bis auf weiteres zurückzustellen, traten nach einem Antrage des Stadtv. Melchior die übrigen Mitglieder des Kollegi ums nicht bei. Man war anscheinend der Meinung, daß ein im Dezember gefaßter Beschluß heute nicht ohne zwingende Gründe als hinfällig angesehen werden könne und gab dem Magistrat den Antrag mit dem Ersuchen um weitere Beratung in den zuständigen Kommissionen zurück. Von den übrigen Gegenständen der Beratung konnten nur der Ma#istratsantrag auf Heranziehung der bevorteilten Grundeigentümer zu den ungedeckten Kosten der bisherigen Freilegung des in der Hansastraße aufgegangenen Teiles der Wißstraße von Kuhstraße bis Hiltropwall den Stadtv. Lindner noch zu einigen Einwendungen veranlassen. Das Kollegium lehnte seinen Antrag auf Vertagung ab und stimmte dem Magistratsantrage, der von den Anliegern zu den Kosten der Erbveiterung der Hansastraße 68 868 Mk. einziehen will, mit allen gegen eine Stimme zu. Damit erreichte die öffentliche Sitzung ihr Ende, was auf der Tribüne von den Zeirungsleuten beifällig ausgenommen wurde. Auch die geheime Sitzug hat, wie wir hören, trotz wichtiger Beratungsgegenstände nur eine starke Stunde gedauert. Die nächste Sitzung findet am 5. Mai statt. Zur Landtagswahl. Die Zentrumspartei für die Kreise Dortmund Stadt und Land und Hörde hat nunmehr für die demnächstige Landtagswahl die Aufstellung der Kandidaten vorgenommen, und zwar wurden aufgestellt für Dortmund Stadt der Weichensteller erster Klasse Peter Köhl in Barmen und für Dortmund Land der bisherige Abgeordnete Gronowsky, und für den Wahlkreis Hörde der Schneidermeister Treder=Hörde. Auszeichnung. Dem beim Werkstätten=Amt 15 beschäftigten Kgl. Eisenbahn=Werkführer Johan den Stackt oas„Allgemeine Uhrenzeichen in Silber" überreicht. Städtische Personalien. Endgültig übertragen wurde dem Ver altungsdirektor Major a. D. Walther die Vern tung der städtischen Krankenund Badeanstalten. Ernannt: Schlachthoftierarzt Dr. Eckardt zum„Overtierarzt“, Tiefbautechniker Schulze zum„Baukommissar“, die Stadtassistenten Grünewald und Schulte=Kemminghausen zu „Oberstadtassistenten“, Reviergärtner Lauber zum „Obergärtner". Als Beamte angestellt wurden: der Protektor der städtischen Krankenanstalten Professor Dr. Schridde mit der Amtsbezeichnung„Direktor des pathologisch=anatomischen Instituts", Schulzahnarzt Scherer mit der Amtsbezeichnung „Direktor der städtischen Schulzahnklinik“, ferner die bisherigen Assistenztierärzte Nieder, Mayer und Renner als Schlachthoftierärzte, 1. Assistent am chemischen Untersuchungsamt Dr. Heimsoth, technischer Eisenbahnassistent Dahlmeyer, Weichensteller Schmidt, Stadtbote Dreisewerd, die Gesundheitsaufseher Budde und Rautert, sowie die Desinfektoren Rau, Assauer, Rüters und Wettkowski. Befördert: Verwaltungsdiätar Fricke zum„Stadtassistenten", Forstwärter Lewe zum städtischen Forstaufseher. Eingetreten: Magistratssekretär Künkeler; zur sechsmonatigen Probedienstleistung die Zahlmeisteraspiranten Kühnle und Wöbking; zur dreimonatigen informatorischen Beschäftigung Vizefeldwebel Anger. In den Ruhestand getreten: Stadtarchitekt Schüler, Stadtsekretär Goslich, die Polizeisergeanten Kohl 1 und Tecklenburg. Gestorben: Kanzlist Schwaab. Zwei„Eingeseifte". Ein heiteres Vorkommnis spielte sich neulich in einer Barbierstube an der Kuckelke ab. Morgens, noch vor acht Uhr, betraten zwei Herren den„Salon" und sprachen den Wunsch aus, möglichst schnell rasiert zu werden. Der Meister ist oben in seiner Wohnung, aber Gehilfe und Lehrling bitten die Herren Platz zu nehmen, schlagen Schaum und beginnen die„Einseiferei". „Etwas flott!“ mahnt der eine Kunde.„Augenblick, Sie werden gleich barbiert!" erwidert der Gehilfe, hört mit dem Einseifen auf und geht zum Hintergrunde um ein Rasiermesser zu holten. Als er danach greifen will, stutzt er— die Messer, 21 an der Zahl, waren nicht da! Schnell steigt er die Treppen hinan und fragt den Prinzipal, ob er die Messer mit hinaufgenommen habe— die Kunden seien ungeduldig. Der fährt den Gehilfen an:„Ihr habt immer eine Unordnung da unten— wenn ich mal nicht nach dem Rechten sehe———" Dann poltert er mit dem Gehilfen die Treppe hinunter, ruft, als er eintritt:„Morgen, meine Herren!" und sucht seine Rasiermesser.„Nein, nicht morgen— heute!" ruft mit Galgenhumor der eine der Kunden und fügt hinzu:„Die Seife ist ja bald eingetrocknet!" Der Meister sucht, flucht und macht die Entdeckung, daß ihm sämtliche 21 Rastermesser gestohlen worden sind„Lauf zur Polizei!“ befiehlt er dem Lehrling. Da springt der eine der Kunden auf und ruft entrüstet:„Wo bin ich hier denn hingeraten— glauben Sie, ich wäre ein Verbrecher —— oder?“ Er tippt mit dem Zeigefinger an die Stim und macht mit seinem eingeseiften Gesicht einen solch komischen Eindruck, daß der Gehilfe sich des Lachens nicht erwehren kann. Im nächsten Augenblick saust er aber die Treppen hinan und kehrt mit zwei Rasiermesser zurück, die er in seinem Koffer hatte. Nun wurden die Kunden noch einmal eingeseift und flott barbiert. Die 21 Messer aber sind futsch! Union=Unfälle. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern vormittag wiederum auf dem Eisenwerk Union. Von einem schweren Gasrohr, welches aus beträchtlicher Höhe von einem Hochofen fiel, wurden die bei einem Unternehmer beschäftigten Arbeiter Camillio Gazzina und Anton Brühl getroffen, wodurch ersterer einen schweren Schädelbruch und letzterer erhebliche Quetschungen der Beckengegend erlitt. Beide wurden in das Brüderkrankenhaus gebracht, wo G. im hoffnungslosen Zustande darniederliegt. Ein Lebensmüder. Der Wächter Albert N. ist am Sonntag Morgen gegen 6 Uhr auf dem Eisenwerk„Union“ erhängt aufgefunden worden. Einbruchsversuch. Im Laufe des gestrigen Nachmittags drangen Einbrecher in eine Metzgerei an der Hohestraße ein und durchwühlten sämtliche Räume. Da sie anscheinend bei der Arbeit gestört worden sind, konnten sie nur geringwertige Gegenstände mitnehmen. Eine schwierige Verhaftung. Ein Steinplatz= bruder der schlimmsten Sorte von außergewöhnlich kräftigem Körperbau trieb gestern nachmittag auf dem Wege vom Steinplatz zum Bahnhofsplatz allerlei ungehörige Allotria und Lärm, was ihm schließlich ein Schutzmann verbot. Als dieser die gröbsten Schimpfworte zur Antwort erhielt, forderte er ihn auf, zur Wache mitzukommen. Dazu schien der Raufheld aber nicht geneigt zu sein, denn er drohte dem Beamten mit der Faust, und als dieser sie sich abwehrte, griff er ihn an. Da ein zweiter Beamter gerade zur Stelle kam, gelang es, den Kraftburschen an beiden Armen zu greifen, um ihn zur Wache abzuführen. Unterwegs machte er von Zeit zu Zeit Anstaltungen, sich loszureißen. Deshalb begleitete den Transport vom Markt an noch ein dritter Beamter, was sich als zweckmäßig zeigte, denn auf der Betenstraße gebärdete sich der Bursche wie ein wild gewordener Stier und stieß fortgesetzt ein entsprechendes Wutschnauben von sich. Obgleich ihn drei Beamte führten gelang es dem Burschen doch, alle zehn Schritte sich wieder zu Boden zu werfen. Schließlich konnten die Beamten nach Hinzukommen eines vierten, den störvischen Burschen bis zur Wache zum Teil tragen, zum Teil schleifen: Widerstand gegen die Staatsgewalt in höchster Potenz. Natürlich hatte sich eine Menschenmenge angesammelt, von denen zahlreiche Burschen sich an die Beamten herandrängten und vereinzelt Pfui viefen. Ein teurer Spaß. Gestern nachmittag schritten in gehobener Stimmung mehrere Herren, die der Kleidung nach an einer Beerdigungsfeier teilgenommen hatten, die Rheinischestraße entlang. Vor der Stehbierhalle Sobbe ergriff plötzlich der eine aus reinem Uebermut einen von den auf der Straße herumlaufenden Knaben von etwa 10 Jahren und versuchte mit ihm seinen rechten Arm gerade auszustrecken. Dabei geriet der kleine Junge so unglücklich in das dem Gastwirt Sobbe gehörige umfangreiche Schaufenster, daß dieses zerschlagen wurde und in tausend Stücken aus dem Fensterrahmen auf die Straße fiel. Wunderbarerweise hat weder der Knabe noch der Täter eine Verletzung erlitten. Letzterer bürfte nüchtern geworden und außer mit dem Schrecken mit einem guten Batzen Geld davon kommen. Hülsken wurde für treu geleistete Dienste für Neutabler Patriotismus. Wir berichteten in unserer Nr. 103 von einem Marine=Verständigungskonzern, dessen Sitz sich nach Angaben des„Vorwärts“ in Dortmund, Kronprinzenstraße 86 unter seinem vertraulichen Leiter, dem Mit=Direktor der Union, G. Gutheil, befinden sollte. Jetzt, nachdem inzwischen fast eine ganze Woche vergangen ist, gibt uns der. genannte Direktor Gutheil über die Angelegenheit folgende Erklärung ab: „Die Angelegenheit ist in der sozialistischen Presse gänzlich entstellt zur Darstellung gebracht worden. Ich halte es der Marinebehörde gegenüber für meine selbstverständliche Pflicht, dort die erforderliche Aufklärung zu geben. Es handelt sich um eine Vereinbarung, wie sie im wirtschaftlichen Leben seit vielen Jahren ganz allgemein üblich und in Gestalt der größeren Verbände und Syndikate in aller Oeffentlichkeit bekannt sind. Ich verweise nur auf das Kohlensyndikat, den Roheisenverband, das Schiffsbaustahlkontor und viele andere. Als ein derartiges Syndikat war auch der frühere Stahl=Formgußverband anzusehen, der indessen seit einigen Jahren nicht mehr besteht, und an dessen Stelle auf einzelnen Gebieten des früher geeinten Gesamtgebietes Einzelverständigungen, wie die hier berührten, fortleben. Von einer Ausbeutung des Käufers kann weder in diesem, noch in analogen Fällen auch nur im entferntesten die Rede sein. Der Stahlformguß ist von jeher infolge der zahlreichen Stahlgießereien ein so umstrittenes Gebiet gewesen, daß eine äußerst maßvolle Preispolitik eine selbstverständliche Voraussetzung jeder Verständigung ist. In der Tat liegen denn auch die Preise überall, auch da, wo solche partielle Verständigungen als Ueberbleibsel des alten Stahlformgußverbandes vorhanden sind, erheblich unter dessen früheren Listenpreisen. Es ist nicht einleuchtend, inwiefern eine Verständigung über ein relativ so kleines und nebensächliches Gebiet, wie es der Stahlformguß für Schiffbau darstellt, irgendwie anders zu werten sein soll, als etwa das, allgemein als eine segensreiche Einrichtung anerkannte Schiffsbaustahlkontor. Uebrigens handelt es sich im vorliegenden Falle. wie oben schon angedeutet, um insgesamt ganz unerhebliche Mengen, deren Jahreswert in keinerlei Verhältnis zu der in der Presse durchgerechneten Beispielszahl steht. In dem durch besonders lebhaften Bedarf an Schiffbaumaterial ausgezeichneten Jahre 1912 betrug der Gesamtumsatz nur etwa eine halbe Million Mark.“ Diese„Erklärung“ klingt ziemlich lahm! den klangvollen Namen für eine besondere Acgutsition. Bei den Damen war Herr Prokurist von Schwedler versong grata. Unbestritten und allbekannt in Tremonias engeren Mauern. Die Augen aller ruhen erwartungsvoll auf dem Türeingang, durch den im nächsten Augenblick ein weltgewandter, repräsentabler Herr seine Schritte lenken wird. Das Leben ist eine lange Kette mehr oder weniger bitterer Enttäuschungen! Schüchtern und zaghaft betritt den Gerichtssaal ein kleiner Herr, der sich unbeholfen vor dem hohen Gerichtshof verbeugt. Herr von Schwedler zeugt nicht einmal von verflossener Eleganz! Seine Aussagen sind so unbestimmt wie möglich. Beinahe könnte Herr von Schwedler den schlichten Namen Hase tragen. Je unangenehmer die pflichtgemäßen Fragen der Verteidigung, umso leiser die Antwort des Herrn von Schwedler. So erfähr die Oeffentlichkeit nicht einmal, ob Herr von Schwedler der Niederdeutschen Bank nur 30000 M. schuldet, oder ob sein Großmut soweit ging, der Bank 80000 Mk. schuldig zu bleiben. Uebrigens war das beinah recht so. Ein Herr v. Schwedler, der bewußt zur Renommage engagiert war, war mit 8600 Mk. miserabel bezahlt. Ihm können die angewandten Hilfsmittel zur Hebung seiner Repräsentationsmöglichkeit nicht verargt werden. Aber wenn Herr„Benner versichert, daß Herr von Schwedler, obwohl er nicht einen Pfennig Barvermögen besaß, als Gesellschafter der Automobil=Vertriebsgesellschaft wegen seiner glänzenden Beziehungen gewonnen wurde, so glaubt man das Herrn Benner nicht, trotz seines gewandten Auftretens und seiner geradezu luxuriösen Aktenmappe. Herr Ohm wurde persönlich bemüht. Er ist völlig der Alte als der er aus seinem ersten Prozeß noch hinreichend bekannt ist. Sein Aussehen ist zwar blaß, aber nicht kränklich. Fast drei Jahre Untersuchungshaft nehmen den Menschen gewiß mit. Seine Aussage war bestimmt, das Gedächtnis verläßt Herrn Ohm nur gelegentlich. Aber auch in der Untersuchungshaft hat Herr Ohm sich seinen beneidenswerten Optimismus bewahrt. Die Bochu mer Metallwarenfabrik brauchte gar nicht Konkurs anzumelden, denn die Bank hätte die belasteten Zinsen und Provisionen einfach wieder gutgeschrieben. So wäre zwar die Unterbilang nicht beseitigt sen, wohl aber die Ueberschuldung gehoben. das Präludium zum großen Ohmprozeß. Das große Ereignis, der Beginn des größten forensischen Schauspiels aller Zeiten(für die deutschen Gerichte) liegt hinter uns. Es hat in aller Ruhe begonnen. Das Interesse des pt. Publikums war nicht einmal besonders groß. Als der Vorsitzende mit fast militärischer Pünktlichkeit die Sitzung eröffnete, da strömte genau ein Dutzend Neugieriger in den Zuhörerraum, und unter diesen wenigen noch etliche Gäste sehr verdächtiger Observanz. Die Verhandlung selbst wickelte sich unter der überlegenen Leitung des Herrn Landgerichtsdirektors Wanjura äußerst glatt ab. Allerdings waren die besonderen Voraussetzungen für eine glatte Abwickelung insofern gegeben, als der Angeklagte Strecker geständig war. Aus der großen Zahl der Angeklagten, die die Anklagebank in den nächsten Wochen zieren werden, eine einzige, rühmliche Ausnahme. Herr Strecker machte auch nicht einmal den Versuch der Beschönigung. Er gab unumwunden zu, daß er bewußt die Anmeldung des Konkurses über das Vermögen der vielgenannten Bochumer Metallwarenfabrik unterlassen habe, obwohl die Gesellschaft überschuldet war. Allerdings: Unterlassen hat er die Anmeldung nur, weil der damals noch gewaltige Ohm, wie der Verteidiger Herrn Ohm apostrophierte, eine solche Absicht als dummes Zeug bezeichnete und eine baldige Sanierung in Aussicht stellte. Und dann: Die Bücher, Abschlüsse und Belege der Bochumer Metallwarenfabrik wurden ständig von Herrn Hartwig kontrolliert und geprüft. Die Zeugenvernehmung gestaltete sich keineswegs besonders interessant; wenigstens insofern nicht, als die Aussagen der Zeugen in Betracht kommen. Von Interesse war die Uebersicht, die der Vorsitzende über die andauernden Verluste der Bochumer Metallwarenfabrik nach den Jahresbilanzen gab; Das war ein trübes Bild! Unterbilanz seit der Gründung! Insgesamt bei einem Stammkapital von 850000 Mark bis zum Zusammenbruch mehr als, 700000 Mark, von welcher Summe die Niederdeutsche Bank nach dem Gutachten des Herrn Direktor Schröder reichlich 480000 Mark als Zinsen und für Provision eingeheimst hat. Um die hohen Tantiemen und die Dividenden zahlen zu können, meinte derselbe Gutachter. Durfte denn Herr Strecker diesem Herrn,#er zur Zeit das Vertrauen der Dortmunder Staatsanwaltschaft genoß, nicht trauen. Herr Hartwig war nicht nr Städtischer Handelschuldirektor, sondern auch ein für alle mal gerichtlich vereidigter Bücherrevisor. In den Gerichtssälen vertrat er besonders strenge Grundsätze über kaufmännische Pflichten. Er prüfte wochenlang die Bücher der Bochumer Metallwarenfabrik! Und nie hat Herr Hartwig auch nur das Geringste moniert! Durfte sich denn da Herr Strecker nicht doch in Sicherheit wiegen? Herr Strecker gab auch zu, ein Patent, das einen Wert von einigen 1000 Mark mit 24.000 Mark bewertet zu haben. Den Tatbestand der sonderbaren Gründung der Automobil=Vertriebs=Gesellschaft, über deren Autorschaft eine scharfe Rivalität zwischen Herrn Ohm und seinem ehemaligen Adlatus, Benner entbrannt ist, gab Herr Strecker ebenfalls im wesentlichen zu, ohne damtt allerdings etwa einräumen zu wollen, daß er sich der Untreue schuldig gemacht zu haben. Daß Herr Strecker motu proprio ganz aus eigenem Antriebe später die alten und ganz alten Automobile der ebenso neuen Gesellschaft für 183000 Mk. angehängt hat, ist sehr unwahrscheinlich. Was von den Zeugen hierüber mehrfach im entgegengesetzten Sinne bekundet wurde, ist deshalb fast belanglos. Mehr als die Aussagen interessiert in diesent Falle schon die Person des Zeugen.„Gerichtsdiener. Rufen Sie Herrn von lichen Darlegungen Rechtsanwalts Dr. Hoffmann. Er reklamierte zunächst mit Nachdruck den Absatz 2 des Paraar. 84 des Gesetzes betreffend die G. m. b.., nach dem derjenige straflos bleibt, der den Nachweis führt, daß der Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens ohne sein Verschulden unterblieben ist. Der Verteidiger führte für dieAnwendung dieses Absatzes einige stichhaltige Momente an. Bei der Frage des Konkursvergehens nach Paraar. 240 Absatz 8 warf Dr. Hoffmann die vielumstrittene Frage auf, ob die Bestimmungen der Konkursordnung lediglich eine formell oder darüber hinaus auch eine materiell ordnungsmäßige Buchführung verlangten. Der Verteidiger vertrat in Uebereinstimmung mit dem Reichsgericht die Auffassung, daß eine formell richtige Buchführung genüge. Bezüglich der Untreue erhob Dr. Hoffmann den beachtenswerten Einwand, daß der Verkauf der Automobile der Bochümer Metallwarenfabrik an die Automobil=Vertriebsgesellschaft gegen Paragr. 181 B. G. B. verstoße und allein schon nichtig sei, weil niemand Rechtsgeschäfte mit sich selbst abschließen könne. Der Gerichtshof war in allen Fällen jedoch anderer Meinung. Immerhin aber billigte das Gericht dem Angekladten mildernde Umstände im weitgehendsten Maße zu. Trotzdem dürfte aber das Gericht zu erkennen gegeben haben, daß es bezüglich der Erfüllung kaufmännischer Pflichten eine durchaus ernste Meinung hat. Im Zuhörerraum„sondierten“ zuletzt zwei der demnächst Angeklagten die Situation. Die Herren schienen die Auffassung des Gerichts übel zu vermerken. Es war einmal! Prozeß der Niederdeutschen Bank— Mein Gott, welch abgestandener Trank! Einst griff ein jeder gern danach, Heut wird's den Leuten. im Bauche schwach. Heut kriegen sie alle die Kränke— Mein Gott, welch abgestandenes Getränket schwedler auf!“ Herr von Schwedler! Ehedem Prokurist der Nieverdeutschen Bank! Man hielt Der Staatsanwalt gleicht einem Sommerwirt, Wenn der Regen plötzlich vom Himmel schwirn, Die Gäste flitzen schon durch's Tor, Und er hält noch immer das Bier empor. Der verschwundene Rechtsanwalt. Seit Mitte voriger Woche ist der Rechtsanwalt Amecke verschwunden. Die Gründe sind folgende: Etwa vor zwei Jahren wurde dem Rechtsanwalt Amecke die Verwaltung des hiesigen Konkurses Kuntze übertragen, obwohl Amecke bei der Verwaltung eines früheren Konkurses bereits Unregelmäßigkeiten begangen haben soll. Amecke hak nun die Aktivmasse des Konkurses in Betrage von etwa 5000 Mk. an sich gebracht und für sich verwandt. Im Sommer vorigen Jahres hätte bei normaler Abwickelung der Konkurs erledigt sein müssen. Die Gläubiger drängten auf Ausschüttung der Masse. Im Oktober v. J. schrit auf die Beschwerde der Gläubiger das Konkursgericht ein. Es erinnerte Amecke an Abrechnung Als alles erfolglos blieb, drohte das Gericht Ord nungsstrafen an und setzte solche schließlich fest Offenbar konnte Amecke jetzt die Sache nicht länger hinziehen. Er zog es daher vor, zu verschwinden. Wie verlautet, wird versucht werden, der fraglichen Betrag von den zahlungsfähigen Mitgliedern des Gläubigerausschusses einzuziehen. Der Regreßanspruch wird darauf gestützt, daß der Gläubigerausschuß es entgegen der ausdrücklichen Gesetzesvorschrift unterlassen hat, die Kasse des Verwalters monatlich einmal zu revidieren. Stadtverordneten sitzung in Vorrmand. Dortmund, 21. April. Die Sitzung wurde um 6 Uhr durch den stellvert tretenden Vorsitzenden Justizcat Pork eröffnch Dieser stellte der Versammlung zunächst den Regi rungsbaumeister Hartleben vor, z. Z. inform torisch bei der Stadtverwaltung beschäftigt. Wahl eines Vertreters und eines Ersatzmannt“ zur Genossenschaftsversammlung der westfälische landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Die Wahl ftel auf Herrn Köppelhoff Dahm, am Zehn Gutsbesitzer Loh 39, als dessen Ste Antrag des M mit der Annahm und zur Verstärku nenden Schenkung Hild vom 22. Mär Konsul Hild hatte früher 22000 Mar Zinsen unbemitt Reisen; die im In nommen werden s. ser Schenkung hat hinzugefügt. Die haftem Beifall und herzige Gabe entge Der Pflegesatz kenanstalten wird sammlung nimmt Dr. Brand von! Antrag des Me Entnahme von 45: fonds des Hafens schuppens und des Dortmund=Hafen; kurzen Bericht des nehmigt. Antrag des Mo Fortsetzung der Lo schung auf Grund des 17. Jahrhunde für das Jahr 1912 Der Referent, selbst große Verdie für Dortmund er Barich die Kirchenhücher vor abschreibe, da die schwer zu entziffern Vertretung des L: Betrag notwendig. die Genehmigung. führungen des Ref Petri die Abschrift lehnt hat. Antrag des M Kenntnis zu nehme strats vom 8. Apr eines Kindergarten dem technischen Lehr zurückgestellt werder Referent Stadtv züglich der gemein gartens zwischen de nar und der Fraue ten entstanden sind. dessen zu der Ent Klärung der Sache Stadtv. Melchi der Tagesordnung. Nachdem Oberbi Antrage zugestimm dementsprechend. Nach dem Refera die Versammlung d. setzung der Baufluck der Julius= und der Stadtrat Dr. Er oberen Teil der Rav um Verwechslungen Stadtv. Suhrn Gebührentarif für d „Denjenigen Firmer Verwiegungen auf de wird folgender Rab500 Verwiegungen 1 Verwiegungen 20 P. wiegungen 30 Proze gungen 40 Prozent, gen 50 Prozent. De Rechnungsjahres zur Oberbürgermeiste Vertagung, da sich b stimmigkeiten ergebe wiegungen 250 Mar zu zahlen seien. Ur die Versammlung de Antrag des Magi damit einverstanden jetzigen Grundbesitz herzigen Brüder an von dem Krankenhau 70 Nr. 14 eine Straf Vervollständigung de forderliche Bachfläche entbehrlich geworden kenhauses der Barm! der Grundstücksdeput festzusetzenden Preise Die Versammlung Antrag des Mag der bisherigen Freil aufgegangenen Teilel bis Hiltropwall soller werden. Wird vom Refer zur Annahme empfo ner Vertagung bea ihre Zustimmung zun das dicke Ende hinter Referent Stadtv. daß eine nochmalige ergeben werde. Die kommission eingehend fertigt. Auch der ol nicht ungerecht zu de Auch Baurat Bo Vertagung. Die Versammlung stimmt der Vorlage z Damit war die Sitzung erledigt. Es In der g wurden u. a. folge des Magistrats, z1 Dortmund die Bü dem Gaswerk für den von der städti Kredit bis zum Be des Magistrats, z1 bauung eines Kar denberg ein Darleh Prozent zu verzin lich der durch die Zinsen zu tilgen des Magistrats, ihr kreise Dortmund EFingemeindungen naym, Deusen. liegendem Entwur Magistrats, ihn zu 2 und 3 unter Auf B in den Eingeme meinden Dorstfeld, Deusen, Eving un neue Fassung zu a0 zu ermächtigen, die träge mit den Eving zu tätigen. Entwurfe vorliege Schnvereinigung Tortmund unter se besondere Aegutar Herr Prokurist Unbestritten und ren Mauern. Die voll auf dem TürAugenblick ein weltseine Schritte lenlange Kette mehr jungen! Schüchtern htssaal ein kleiner em hohen Gerichtswedler zeugt nicht anz! Seine Ausmöglich. Beinahe n schlichten Namen ner die pflichtgeig, umso leiser die eedler. So erfähr nal, ob Herr von Bank nur 30000 M. it soweit ging, der bleiben. Uebrigens Herr v. Schwedler, ingagiert war, war . 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J. schritt ibiger das Konkursrecke an Abrechnung ste das Gericht Ordolche schließlich fest. die Sache nicht län er vor, zu verschwinversucht werden, der en zahlungsfähigen sschusses einzuziehen. rauf gestützt, daß der in der ausdrücklichen hat, die Kasse des zu revidieren. etensthung nund. dertmund, 21. April. Uhr durch den stellver tigcat Pork eröffne ng zunächst den Rege n vor, z. Z. inform na beschatigtnd eines Ersagmanne ung der westfälische nossenschaft. in Köppelhoff Dahm, am Zehnthoff als Vertreter und auf den Gutsbesitzer Lohe gt. Schulte=Cörne, Altestr. 39, als dessen Stellvertreter. Antrag des Magistrats vom 11. April 1913, sich mit der Annahme der 10000 Mark betragenden und zur Verstärkung der Konsul Hild=Stiftung dienenden Schenkung des Stadtverordneten Konsul Hild vom 22. März 1913 einverstanden zu erklären. Konsul Hild hatte in dankenswerter Weise bereits früher 22000 Mark der Stadt geschenkt, aus deren Zinsen unbemittelten fleißigen Schülern Reisen; die im Interesse der Schiffahrt usw. unternommen werden sollen, ermöglicht werden. Zu dieser Schenkung hat der Genannte weitere 10000 Mk. hinzugefügt. Die Versammlung nahm unter lebhaftem Beifall und mit aufrichtigem Dank die hochherzige Gabe entgegen. Der Pflegesatz für die 3. Klasse der städt. Krankenanstalten wird um 25 Pfg. erhöht. Die Versammlung nimmt nach einem Referat des Stadtv. Dr. Brand von der Erhöhung Kenntnis. Antrag des Magistrats vom 12. April 1913, die Entnahme von 4520 Mark aus dem Erneuerungs= fonds des Hafens für den Umbau des Lokomotivschuppens und des Stationsgebäudes auf Station Dortmund=Hafen zu genehmigen, wird nach einem kurzen Bericht des Stadtv. Schweckendieck genehmigt. Antrag des Magistrats vom 8. April 1913, zur Fortsetzung der Lokal= und Familien=Geschichtsforschung auf Grund der Dortmunder Kirchenbücher des 17. Jahrhunderts aus Sparkassenüberschüssen für das Jahr 1912 1140 Mark zu bewilligen. Der Referent, Dr. Meininghaus, der sich selbst große Verdienste um die Geschichtsforschung für Dortmund erworben, teilt mit, daß Lehrer Barich die daß der Magistrat sieben der von ihm gemäß Paragraph 11 des im Entwurfe vorliegenden Gesellschaftsvertrages zu bestellenden Aufsichtsratsmitglieder nach Vorschlag der Stadtverordneten=Versammlung bestellt. Konkurs Adolf Schulte. Das hiesige Kolonialwarengeschäft von Adolf Schulte, an der Ecke der Kampstraße und Hansastraße, hat seine Zahlungen einstellen und den Konkurs anmelden müssen. Verwalter ist Herr Gundlach. Die Firma galt bereits seit Jahren als finanziell schwach, da der Inhaber sich durch den Bau eines großen Geschäftshauses an der Hansastraße mit seinen Mitteln ziemlich festgelegt hatte. Früher besaß dieser an der Kuckelke ein sehr gut gehendes und reichlichen Gewinn abwerfendes Geschäft, doch schwoll dem Inhaber der Kamm und die kleinlichen Verhältnisse genügten ihm nicht mehr. Er errichtete mehrere Filialen, die ihm aber doch nicht den Gewinn brachten, den er erhoffte. Schon vor einigen Jahren war Sch. in schwerer finanzieller Bedrückung, die eine Sanierung notwendig machte. Diese scheint aber nicht hinreichend, jedenfalls ncht nachhaltig gewesen zu sein. Beteiligt sind in der Hauptsache einige hiesige Engrosfirmen, deren Forderungen durch Sicherstellungen nur in ganz ungenügendem Maße gedeckt sind. Kirchenhücher von St. Marien und St. Reinoldi abschreibe, da die Originale zum Teil nur noch schwer zu entziffern und stark beschädigt seien. Zur Vertretung des Lehrers Barich sei der geforderte Betrag notwendig. Die Versammlung stimmte für die Genehmigung. Bemerkenswert ist aus den Ausführungen des Referenten, daß die Gemeinde St. Petri die Abschriftnahme der Kirchenbücher abgelehnt hat. Antrag des Magistrats vom 12. April 1913, Kenntnis zu nehmen von dem Beschlusse des Magistrats vom 8. April 1918, wonach die Errichtung eines Kindergartens in räumlicher Verbindung mit dem technischen Lehrerinnenseminar bis auf weiteres zurückgestellt werden soll. Referent Stadtv. Uhlmann legt dar, daß bezüglich der gemeinsamen Benutzung des Kindergartens zwischen dem technischen Lehrerinnenseminar und der Frauenschule Meinungsverschiedenheiten entstanden sind. Das Kuratorium ist infolgedessen zu der Entschließung gekommen, bis zur Klärung der Sache diese Angelegenheit zu vertagen. Stadtv. Melchior beantragt die Absetzung von der Tagesordnung. Nachdem Oberbürgermeister Eichhoff diesem semensiprechenz.(ciebt die Versammlung Nach dem Referat des Stadtv. Reckert stimmte die Versammlung dem Magistratsantrage der Festsetzung der Baufluchtlinie bezüglich der Mindener=, der Julius= und der Ravensbergerstraße zu. Stadtrat Dr. Cremer hatte vorgeschlagen, den oberen Teil der Ravensbergerstraße umzubenennen, um Verwechslungen zu vermeiden. Stadtv. Suhrmann bat, den Nachtrag zum Gebührentarif für die Stadtwagen zu genehmigen: „Denjenigen Firmen, welche jährlich mehr als 500 Verwiegungen auf der Stadtwage vornehmen lassen, wird folgender Rabatt eingeräumt: Bei mehr als 500 Verwiegungen 10 Prozent, bei mehr als 1000 Verwiegungen 20 Prozent, bei mehr als 1500 Verwiegungen 30 Prozent, bei mehr als 2000 Verwiegungen 40 Prozent, bei mehr als 2500 Verwiegungen 50 Prozent. Der Rabatt wird am Schlusse des Rechnungsjahres zurückerstattet.“ Oberbürgermeister Dr. Eichhoff bittet um Vertagung, da sich bei den Rabattsätzen einige Unsuimmigreiten ergeben hätten, indem für 500 Verwiegungen 250 Mark, für 501 dagegen 525 Mark zu zahlen seien. Unter diesen Umstanden stimmte die Versammlung der Vertagung zu. Antrag des Magistrats vom 14. April 1913, sich damit einverstanden zu erklären, daß a) durch den jetzigen Grundbesitz des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder an der Burgholzstraße und die von dem Krankenhaus zu erwerbende Parzelle Flur 70 Nr. 14 eine Straße nicht geführt und b) die zur Vervollständigung des Krankenhausgrundstückes erforderliche Bachfläche aus Flur 70 Nr. 24, sobald sie entbehrlich geworden ist, an den Vorstand des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder zu einem von der Grundstücksdeputation und dem Magistrat noch festzusetzenden Preise aufgelassen wird. Die Versammlung genehmigte die Vorlage. Antrag des Magistrats, die ungedeckten Kosten der bisherigen Freilegung des in der Hansastraße aufgegangenen Teiles der Wißstraße von Kuhstraße bis Hiltropwall sollen von den Anliegern getragen werden. Wird vom Referenten Stadtv. Suhrmann zur Annahme empfohlen, während Stadtv. Lindner Vertagung beantragt. Die Anlieger hätten ihre Zustimmung zum Umbau erteilt und nun käme das dicke Ende hinterher. Referent Stadtv. Suhrmann glaubt nicht, daß eine nochmalige Beratung ein anderes Resultat ergeben werde. Die Verteilung sei in der Baukommission eingehend beraten und durchaus gerechtfertigt. Auch der obere Teil der Hansastraße sei nicht ungerecht zu den Kosten herangezogen. Auch Baurat Bovermann widerspricht der Vertagung. Die Versammlung lehnt die Vertagung ab und stimmt der Vorlage zu. Damit war die Tagesrdnung der öffentlichen Sitzung erledigt. Es folgte eine geheime Sitzung. In der geheimen Sitzung wurden u. a. folgende Anträge genehmigt: Antrag des Magistrats, zu genehmigen, daß die Stadt Dortmund die Bürgschaft übernimmt für einen dem Gaswerk für die vereinigten Hellweggemeinden von der städtrschen Sparkasse einzuräumenden Kredit bis zum Betrage von 150000 Mark. Antrag des Magistrats, zu genehmigen, daß für die Erbauung eines Kantinengebäudes am Hafen Hardenberg ein Darlehn von 53 800 Mark, das mit 4½ Prozent zu verzinsen und mit 2¾ Prozent zuzüglich der durch die fortschreitende Tilgung ersparten Zinsen zu tilgen ist, aufgenommen wird. Antrag des Magistrats, ihn zu ermächtigen, mit dem Landkreise Dortmund einen Vertrag inbezug auf die Fingemeindungen Dorstfeld, Huckarde, Wischlingen, miym, Deusen, Eving und Lindenhorst nach vorliegendem Entwurse abzuschließen. Antrag des Magistrats, ihn zu ermächtigen, den Paragraphen 2 und 3 unter A und dem Schlußparagraphen unter B in den Eingemeindungsverträgen mit den GeFeinden Dorstfeld, Huckarde, Wischlingen, Rahm, Drusen, eving und Lindenhorst die vorliegende neue Fassung zu geben. Antrag des Magistrats, ihn zu ermächtigen, die im Entwurf vorliegenden Vertrage mit den Aemtern Dorstfeld, Mengede und Fring zu tätigen. Antrag des Magistrats, den im Entwurfe vorliegenden 5 Verträgen betr. StraßenDartmund unter swischen Stadt= und Landkreis arbeiten nach römtscher Art Torrmund unter der voraussetzung zuzustimmen, keine militärische Verwendung. Die Aus dem Reichstage. Berlin, 21. April. Der Wachdienst auf Hohenzollern.— Typhusepidemie in Hanau.— Reitfühlgkeit der Offizlere.— Die römische Kriegstaktik.— Die Nathenower Husaren. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min. Der Militär=Etat. Abg. Werner=Hersfeld(Ref.=.) wünscht eine Besserstellung der Kaserneninspektoren. Abg. Ickler(nl.): Das Submissionswesen ist noch immer nicht richtig geregelt, wir wir es früher durch eine vom Reichstag angenommene Resolution verlangt haben. Es finden sich überall bei Arbeiten und Lieferungen für die Garnisonverwaltung die oft beklagten Mißstände. Der Redner führt eine Reihe von Fällen aus der Provinz Hannover an. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten hat hier Einrichtungen getroffen, die für das Kriegsministerium maßgebend sein könnten. Abg. Pauly=Kochem(Ztr.) verlangt, daß bei Kasernenbauten nach Möglichkeit deutscher Schiefer, nicht, wie jetzt so häufig, ausländischer verwandt werde. Abg. Dr. Belzer(Ztr.): Die Kompagnie, die auf der Burg Hohenzollern Dienst tut, hat es durchaus nicht so leicht. Im Sommer mag es ja noch angehen, aber im Winter ist es anders. Um allen Klagen, daß diese Garnison unnütz sei, zu begegnen, empfiehlt es sich, ein Bataillon nach Hechingen zu legen. Dann brauchte auf der Burg bloß ein Wachkommando zu bleiben. Abg. Dr. Neumann=Hofer(Fortschr. Vp.): Die Kommandeure der Truppenübungsplätze sollten den wirtschaftlichen Wünschen der umwohnenden Bevölkerung möglichst entgegenkommen. Die Grasnutzung ware den Bauern der Umgebung zu gewähren. Abg. Rupp(kons.): Die Servisgelder, besonders fur Pferde, sind zu niedrig. Es muß ein Einheitstarif aufgestellt werden. Abg. Schmidt=Meißen(sd.) und Koß mann(Ztr.) sprechen über Abschätzung der Flurschäden. Generalleutnant Staabs sagt tunlichste Beschleunigung zu. Häufig ergeben sich Schwierigkeiten, aber wir lassen so viel Kommissionen als nur irgend möglich arbeiten. Abg. Hoch(sd.) wiederholt seine frühern Beschuldigungen, daß die Militärärzte bei der Typhusepidemie in Hanau oberflächlich verfahren seien, und daß man Lieferung schlechter Nahrungsmittel habe passieren lassen. Generalarzt Schultz und Kriegsminister u Heeringen weisen die Kritik zurück und stellen Vorlage etwaigen weiteren Materials anheim. Abg. Hoch(sd.): Das kann ich nicht. Die Soldaten, die es mir gegeben haben, hätten sonst die Folgen ihres Verkehrs mit einem sozialdemokratischen Abgeordneten zu tragen. Die Pferdegelder. Die Budgetkommission hat die bisherige Verteilung der Pferdegelder abgeändert und die Zahl der Pferdegelder vermindert. Kriegsminister v. Heeringen bittet, die Vorlage wiederherzustellen. Die Vorschläge der Regierungen entsprechen durchaus den früheren Vereinbarungen mit dem Reichstage; jetzt sollen die Offiziere eine Einkommenverminderung erfahren, und zwar an der empfindlichsten Stelle. Wer mit der Pferdehaltung Bescheid weiß, der weiß, wie die Kosten in den letzten Jahren sich gesteigert haben. Dabei werden an den Offizier immer größere Anforderungen hinsichtlich der Reitfähigkeit gestellt. Die Kosten sind schon so hoch, daß manche Offiziere finanziell überhaupt daran zugrunde gehen.(Hört, hört!) Wenn die neue Regelung Platz greift, dann ist fraglich, ob überhaupt noch ein anderer, als ein Vermögender Generalstädler werden kann.(Hört, hört!) Das ist doch von Ihnen nicht beabsichtigt. Es wird immer auf die kommandierenden Generale hingewiesen, aber deren Einkomen richtet sich nach dem, was von ihnen verlangt wird. Ich bitte dringend, daß bis zur dritten Lesung irgendein Weg gefunden wird, der einen Ausgleich schafft. Es wäre unbillig, wenn man den Herren jetzt einfach das Geld wegnehmen wollte. (Beifall.) Abg. v. Putlitz(kons.): Wir werden gegen die Fassung der Budgetkommission stimmen. Abg. Noske(sd.): Ich bin sehr erstaunt, daß der Kriegsminister jetzt die Regierungsvorlage wiederherstellen will. Bei den ungeheuren Lasten, die vom Volk verlangt werden, muß auch an den Aufwendungen für die höheren Offiziere gesport werden. Wenn man bei der Vermögensabgabe schon bei 10000 Mk. einen Wehrbeitrag erheben will, dann können auch die Herren, die bis zu 60000 Mk. Einkommen haben, etwas au fdem Altar des Vater. landes opfern. Die Wiederberstellung der Regierungsvorlage wird gegen die Stimmen der Rechten abgelehnt. Abg. Noske(sd.): Wenn der Kaiser Pioniere nach der Gaalburg kommandiert, damit sie Schanzarbeiten nach römischer Art ausführen, so ist das Rückkehr zur römischen Kriegstaktik ist nicht mehr Zu erwarten. Die Soldaten sollen dabei nicht mit ähren guten, modernen Werkzeugen, sondern mit solchen gearbeitet haben, die den römischen nachgebildet waren. Schließlich, wenn man einmal ein Pfahldorf bauen will, gibt man den Leuten Steinäxte oder ähnliche vorsintflutliche Werkzeuge in die Hand. Dann werden Soldaten, die auf Kosten der Steuerzahler erhalten werden, dazu verwandt, die Jagdreviere des Kaisers zu bewachen. Sie werden gewissermaßen wie zum Privatvergnügen der Fürsten gehalten. Da läßt man ein ganzes Regiment von Rathenow zu nachtschlafender Zeit kommen, damit es eine halbe Stunde bei dem Einzug des fürstlichen Brautpaares Spalier bildet. Man fordert heute so außerordentlich große Opfer. Solche Vergeudung erregt böses Blut im Volke. Deutsche Soldaten sind keine Paradepuppen für die Fürsten und ihre Kinder. Preußischer Kriegsminister v. Heeringen: Die Motive, die uns die Rathenover Husaren nach Berlin kommen ließen, habe ich in der Kommission bereits erörtert. Das Regiment stand seit langen Zeiten in engen Beziehungen zu dem Hannoverschen Königshause. Der Urgroßvater und Großvater des Prinzen Ernst August waren Chefs dieses Regiments. Da sollte der Moment, wo der Stammhalten dieser Königsfamilie in die preußische Armee eintrat. ganz besonders unterstrichen werden. Zu dem Zweck wurde die Heranziehung des Regiments gewählt, um die Verbindung der Armee mit dem jetzigen Stammhalter wieder aufzunehmen. Das ist der innere politische Zweck gewesen, und der hat wohl seine Berechtigung.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Sehr richtig! recht.) Ueber die Schanzarbeiten auf der Saalburg liegt ein Bericht der zweiten Pionierinspektion in Mainz vor, danach handelt es sich um Arbeiten auf einer Waldblöße, die sehr wohl belehrender Art sind. Es sind Erdarbeiten, die nicht nur auf einem schwierigen Boden vorgenommen werden, sondern auch Arbeiten mit Flechtwerken, die in der Garnison nur ganz unzulänglich vorgenommen werden könnten. Für die Ausbildung im Festungskrieg sind diese Arbeiten von großem Wert.(Lachen und Zuruf bei den Sozialdemokraten: Und römische!) Das ist nur der Ausputz der Sache gewesen. Die Pioniere machen solche Arbeiten, namentlich wenn sie auf Kosten anderer gemacht werden, mit groder Freude. Es folgt das Kapitel Artillerie und Waffenwesen. Abg. Büchner(sd.): Alle Petitionen und Resolutionen um Besserstellung der in den Militärwerkstätten beschäftigten Arbeiter sind vom Bundesvat in den Papierkorb geworfen worden. Die Unfallziffern in den Militärwerkstätten ist außerordentlich groß. Der Redner erregt große Heiterkeit, als er gegen den Generalleutnant Wandel polemisiert und diesen dabei als„Genossen Wandel" anredet. Die Nadelstichpolitik gegen die Arbeiter muß endlich einmal aufhören. Generalleutnant Wandel: Der Vorredner hat ein ganz falsches Bild unserer Militärbetviebe gezeichnet. Die Löhne sind, wie die Statistik beweist, durchaus nicht besonders niedrig. Das ist ja auch nicht möglich, da wir verpflichtet sind, dieselben Löhne zu zahlen wie die Privatindustrie. Dieser Verpflichtung kommen wir auch nach. Die neue Arbeitsordnung ist auf Wunsch der Arbeiterausschüsse geschaffen worden. Wir sind dabei, eine einheitliche Arbeitsordnung für alle Betviebe zu schaffen. Abg. Trimborn(Ztr.): Die Militäranwärter, welche in den Militärwerkstätten tätig sind, wünschen in ein Beamtenverhältnis übergefuhrt zu werden; bisher sind sie größtenteils nur auf Grund eines Privatdienstvertrags tätig. Soweit sie nicht etatisiert sind, unterliegen sie der Privatbeamtenversicherung. Sie haben nun gebeten, sie aus ihr herauszulassen. Es müssen mehr etatsmäßige Stellen geschaffen werden, damit diese Beamten aus ihrem Diätarverhältnis herauskommen. Das hat man ihnen schon früher in Aussicht gestellt, hat aber diese Zusage nicht erfüllt; auch dieser Etat bringt keine Besserung. Generalleutnant Wandel teilt mit, daß der Staatssekretär des Reichsschatzamtes in Aussicht gestellt hat, daß ein Teil der Verwaltungsbeamten astert werben kollte. öffentlichten Artikel sehen wir uns veranlaßt, sol gendes zur Richtigstellung wahrheitsgemäß zu Kenntnis zu geben. Nachdem die erneut ausgenommenen Tarifverhandlungen in Berlin durch das Verhalten der Gehülfenschaft wieder gescheitert sind, bleiben in ganz Deutschland sämtliche organisierten Gehülfen nach wie vor ausgesperrt. In Rheinland und Westfalen von 46 Ortsgruppen nicht weniger als rund 4600 Gehülfen ausgesperrt worden. Wenn auch leider einzelne Dortmunder Firmen trotz des auch ihrerseits zugestimmten Beschlusses der Aussperrung auf Kosten der Kundschaft und ihrer Kollegen Sondertarife bezw. Privat=Abmachungen mit den Gewerkschaften hinter dem Rücken ihrer Kollegen getätigt haben, so sind wir doch in der Lage, mitteilen zu können, daß die Aussperrungen auf Seiten der Malermeister bestens durchgeführt wird. Wie weit der Artikel der Gegenpartei von Samstag ernst zu nehmen ist, ergibt sich am besten aus den oben angefuhrten Zahlen. Wir bitten die wohllöblichen Behörden und unsere werte Kundschaft, in ihrem eigensten Interesse uns dadurch weiter zu unterstützen, daß sie alle Aufträge bis auf weiteres zurückstellen; vor allen Dingen aber keineswegs Auftrage an solche Firmen vergibt, welche ihren eigenen Stand durch ihr Verhalten schwer schädigen. Auskunft über die in Frage stehenden Firmen, welche trotz Leuanens ihrer Kundschaft gegenüber, ihren Kollegen den Kampf schwer machen, erteilt gern der Vorstand des Arbeitgeber=Verbandes für das Malergewerbe, Ortsgruppe Dortmund. Viehtreiben am Sonntag. Aus Bork wird uns geschrieben: „Während am Schabbes der Handel in Vieh vollständig ruht, wurden am Sonntag sowohl Vormittags, während die Leute zur Kirche gingen, wie auch Nachmittags Vieh hier durch's Dorf getrieben von Händlern. Ist das eigentlich erlaubt? Wenn nicht, so mögen diese Zeilen dazu dienen, unsere Polizeiorgane auf diese Entwürdigung des christlichen Sonntages aufmerksam zu machen!"“ Konzerte, Vereine etc. Musikalische Gesellschaft. Wir machen nochmals auf den heute, Dienstag abend, in der Kronenburg stattfindenden Vortrag über Parsifal von Richard Wagner aufmerksam.(Siehe Inserat.) Der Gewerbe=Verein(Korporation), Dortmund, hielt am Samstag abend im großen Festsaale des sein 74. Stiftungsfest ab. Der Besuch war sehr groß und sah man daran, wie beliebt die Festlichkeiten des Vereins sind. Es wurde aber auch für die Besucher vielerlei Schönes geboten und kam jeder auf seine Kosten. Neben einem Militär=Streich=Konzert der Kapelle des 8. Lothr. Infanterie=Regiments Nr. 159 under Leitung des Kgl. Ober=Musikmeisters Lätsch, trug die Gesangs=Abteilung unter Herrn Otto Apel mehrere sehr schöne Lieder vor, die alle großen Anklang fanden. Stadtrat Dr. Ruben, der Vorsitzende des Vereins, begrüßte zu Anfang die zahlreich Erschienenen und wünschte einen guten Verlauf der Feier. Die Leistungen der Kapelle, die von allem etwas brachte, wie schmetternde Märsche,, prichelnde Walzer, ernste Fantasien und neue Operettenmelodien fanden großen Anklang und mußten sich die Musiker zu mancher Zugabe beruemen. Der nach Erlevigung des Programms beginnende Ball hielt besonders die Jugend noch manche Stunde fröhlich zusammen. Der Allgemeine Damenchor von hier gab im Gewerkschaftshause einen Theaterabend. Gegeben wurde„Die Lieder des Musikanten". Sämtliche Rollen waren von Damen des Vereins besetzt. Es wurde gut gespielt. Der Verein ehemaliger Kavalleristen zu Dortmund hielt in den Räumen des Gewerdevereins unter Leitung des 1. Vorsitzenden Kam. L. Mönnig eine sehr gut besuchte Generalversammlung ab. Der Vorsitzende machte bekannt, daß das langjährige Vorstandsmitglied, Kom. Brößel, durch Versetzung gezwungen sei, seinen Posten als 1. Schriftführer aufzugeben. Nach Schluß der Versammlung hielt der Vize=Wachtmeister d.., Kam. Koester, einen hochinteressanten Vortrag über seine Amerikareise, wobei er Land und Leute, sowie deren Sitten und Eigenschaften an Hand zahlreicher Abbildungen erläuterte und die Aufmerbsamkeit der Zuhörer durch seine zum Teil bumorvollen Ausführungen zu fesseln wußte. Reicher Beifall wurde dem Redner zuteil. Unsern Zwillingskindern Martha und Grethe, die gesund aber zart auf die Welt kamen, hatte unser Arzt von ihrem 11. Monate an Scotts Emussion zu ihrer Kräftigung verordnet. Es war wirklich eine Freude, zu sehen, wie sich die beiden daraufhin von Tag zu Tag herausmachten, wie ihr Appetit sich ständig besserte und die Gesichtsfarbe frisch und rosig wurde. Von der Zahnzeit spürten weder sie noch wir etwas, denn die Kinder, von denen jedes jetzt 8 Zähnchen hat, waren nie unruhig oder verdrießlich, sondern immer gleichmäßig munter. Mit 12 Monaten begannen die Kleinen ihre Gehversuche, und nach kurzer Zeit konnten beide ganz allein laufen. Die Kinder sind jetzt 16 Monate alt und haben sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig überraschend entwickelt. Scotts Emulsion nehmen sie nach wie vor sehr gern und greifen mit beiden Händchen nach der Flasche, denn jedes will zuerst seinen Löffel voll haben. Siegen, Westf., den 28. Aug. 1912.(gez) Adolf Potz. Unterheimerweg 20. Die Herren Aerzte verordnen Scotts Emulsion, weil sie dieses seit bald 40 Jahren eingeführte Präparat als ein durchaus zuverlässiges und wirksames schätzen. Es gibt zwar viele Emulsionen, aber nur eine Scotts Emulsion, und wer sich den Nutzen dieses langerpr bten Kräftigungsmittels zuteil werden lassen will, kaufe nur Scotts Emulsion. WEAA mit einigen anderen Hütten des Wittener Syndikats habe die Gesellschaft mit Wirkung vom 1. Juni 1912 ab die Beteiligungsziffer der außer Betrieb gekommenen Mülheimer Hütte erworben, für den auf die Gesellschaft übergegangenen Anteil diese Beteiligung seien 48878 Mark zu zahlen, der Betrieb werde bis zum Ablauf des Syndikats Ende 1918 abgeschieden werden. Vom 1. März 1913 ab hätten sich die Abgaben für die amerikanischen Lizenzen, die bisher 22 688 Mark betragen haben, ermäßigt. Essener Bankverein. Ueber die am Samstag unter Ausschluß der Presse abgehaltene Besprechung einer Anzahl Aktionäre des Essener Bankvereins, die bekanntlich zusammengetreten sind, um Schadenersatzansprüche zu erheben wegen der Verluste, die sie durch die Verschmelzung des Bankvereins mit der Essener Credit=Anstalt erlitten haben, wird folgendes bekannt:„Herr Rechtsanwalt Remy, der Führer der Opponentengruppe, führte aus, der bestellte Ausschuß sei sich darüber klar geworden, daß die Art der Geschäftsführung sowie insbesondere die Tätigkeit des Aufsichtsrates in mancher Hinsicht bedenklich genannt werden müsse. Die Versammlung der Aktionäre wurde sich auch dahin schlüssig, daß der Versuch gemacht werden solle, gegen ein kapitalkräftiges Aufsichtsratsmitglied eine Schadenersatzklage anzustrengen. Die Klage soll auf angebliche Bilanzverschleierung gestützt werden. Nachdem bereits früher eine Mark pro Aktie zur Vorbereitung dieser Klage eingefordert worden war, wurde nunmehr der Beschluß gefaßt, eine weitere Mark zu erheben, um den Schasatzprozeß in die Wege zu leiten und durchzuführen.“ Edelkartoffel„Thuringia“ liefert schon Anfang Juni grosse mehlige Knollen in grosser Masse. Im vergangenen Jahr waren 72 Stück an einem Stock. Ist vollständig krankheitstrei. Geschmack extradelikat nussartig. Ertrag pro Morgen 225 Zentner, ein Edelstein für jeden Landwirt und Gartenbesitzer. 1 Zentner Mk. 11.— ½ Zentner Mk. 6,—, 20 Pfund Mk. 8,— und ein 10 Pfund-Postkolli Mk. 1,75. Theophll Ziegler. Erfurt 364, und Verkehr. Dividendenrückgänge bei der Wittener Glashütten=Aktiengesellschaft in Witten. Nach dem in der gestrigen Generalversammlung vorgelegten Abschluß erzielte die Gesellschaft einschließlich 48139 Mark(i. V. 28210 Mark) Vortrag aus dem Vorjahr, nach Abschreibung von 48217 Mark(t. V. 86 953 Mark) einen Reingewinn von 90 955 Mark(i. V. 134 969 Mark), hieraus werden 4 Prozent(t. V. 6 Prozent) Dividende verteilt und 48814 Mark(i. V. 48 189 Mark) vorgetragen. Im Vorjahr waren außerdem noch 10000 Mark dem Erneuerungskonto überwiesen worden. Zu diesem Ergebnis wird vom Vorstand im Geschäftsbericht ausgeführt: Infolge der Auflösung des Vereins deutscher Tafelglashutten Mitte vorigen Jahres sei die Marktlage unsicher geworden und schließlich hätten nicht unerhebliche Preiszugeständnisse gemacht werden müssen. Für die Hütten des Ruhr= und Saarbezirks, die ihr Syndikat bereits 1911 bis Ende 1918 verlängert hätten. habe sofort nach Auflösung des deutschen Vereins der Verein rheinischer und westfälischer Tafelglashütten in Bonn die Verkaufstätigkeit wieder übernommen. Er habe sich mit seinen Verkäufen zwar der Marktlage und den Verhältnissen anpassen müssen, es sei ihm aber möglich gewesen, den ihm angegliederten Hütten eine ausreichende Beschäftigung zu sichern. Reben der Ermäßigung der Vervoreise hätten auch die Mehraufwendungen für die Kohlen, sowie die vielfachen Störungen durch den lang anhaltenden Wagenmangel im vergangenen Herbst, ungünstig auf das Ergebnis eingewirkt. Bei der fortschreitenden Steigerung der Selbstkosten sei der bestehende Zollschutz ungenügend und es werde nmer schwieriger, der ausländischen Konkurrenz mit Eifoig zu begegnen. Schließlich sei der Gewinn auch noch geschmalert worden durch eine sehr erhebliche Nachforderung des Vereins deutscher Tafelglashütten, zur Begleichung der bei seiner Auflösung noch schwebenden Verbindlichkeiten. Angesichts der bevorstehenden Weitersteigerung der Kohlenpreise und mit Rücksicht darauf, daß an eine Erhöhung der vorläufig nicht zu denken sei, vielmehr hätten die Preise vor kurzem abermals ermäßigt werden müssen, so könnten die Zukunftsaussichten wenig zuversichtlich beurteilt werden. Zusammen Sport. Dresden, 20 April 20 Km.=Rennen für Klasse B. 1. Leviennois 14:08,8; 2. Arens, 2000 Meter, 8. Timmermann 2050 Meter: 4. Röthig, 8000 MeWaltbour 18.35. Pi.“ eis, 1. Lauf(20 Km.) 1. 2. Saldow, 900 Meter, 8. Thomas, 1100 Meter; 4. Scheuermann, 1250 Meter; 5. Janke.(Bei 20 Km. abgebrochen.) Die Rennen werden am Dienstag abend zu Ende gefahren. Kosts=Pinterbahn, 20. April. Premienfahren. I. Paueczusch, 2. Simeonie. 80 Km.==Rnnen. Endlauf: 1. Didier, 50:28,4; L. Lavalade, 7.: B. Germain, 80.) 4. Guignard, 84 R. Vorgabefahren. 1. Lacan(60); 2. Dupuy(); 8. Dupré(). Paris, 20. April. Die Fahrt Paris=Menin endete mit einer Ueberraschung, da sich keiner die Favoriten bis ins Ziel hinein in der Kopfgruppe zu behaupten vermochte. 56 Fahrer waren vom Starter entlassen worden. Paris=Menin. 802 Km. 1. Micheletto:04:00; 2. Monseur; 8. Deman; 4. Menjede: 5. Vanderberahe; 6. Verschoore. 20. April. 20 Km=Rennen, 1. Linark 2. Vanderstupft, 60 Meter; 3. Günther 1950 Meter. Stunden=Rennen: 1. Linart 84,790 Fßg am. Km.: 8. Banderstuhft Bölkerschlacht=Jubiläumsfahrt, 478 Km. 1 Hans Ludwig, 17 Stunden 85 Min., 2. Peter Böhm, 17 Stunden 87 Min., 8. Hübner, 17 Stunden 53 Min. 4. Oberger, 17 Stunden 53½ Min., 5. Bauer, 17 Fiunden 53½ Min., 6. Schallwig, 17 Stunden 546 Berlin=Olgmpiabahn. Hauptfahren 1. Rütt: 9. Wegener, 4.; 8. Finn; 4. Peter; 5. Kudela; 6, Garavezzi. Zweisitzerfahren, 1. Rütt=Peter, 2. Ku vela=Wegener, 2.: 8. Freiwald=Linsener; 4. KrupWölses giee““ fahren hinter Moren über geitelbes.83. Start. 1. Stellbrink:45; .574: 5. Wheri.8 Oöschlin.55; 4. Morau Oert:19. Das 100 Km.=Rennen mußte wegen der Kaßse der Bahn aus Dienstag verlegt Rennen zu Köln, 91. April. 1. Rennen: 1. Sternum, 2. Samhara, 8. Nicht doch. Tot. 12.— L. 2. Asa, Golden Garnet. Tot. 12.12, 21— 8. Rennen: 1. Mindenkem, 2. Granviar, 5. Trotz. Tot. 182, Platz 23, 18, 14.— 4. Bengen; 1. Beaufort 3, L. Kraile, 3. Cypris 2. Tot. Ptav 16, 18, 18.— d. wennen: 1. Mielleux, 2. Ukas, 8. Kondor. Tot. 49, Platz 17, 20, 98.— 6. aon 1. Albastiar, 3 Ricelbng, 8. Saint erreor, Tot. 22, Platz 18, 22.— 7. Rennen: 8. Lichtenstein. Tot. 28, Rennen zu Sait=Cloud, 21=Arpil. 1. Rennen: La Souree, 2. Bolazec, 8. Miladi. Tot. 28, Platz 17. 25.— 2. Rennen: 1. Alaska, 2. Clariere, 8. weaure du Diable. Tot. 61, Platz 32, 29, 38.— 8. 1. Ogrli, 2. Puritain, 8. Murillo. Tot. 54, Platz z0, 10, 82.— 4. Rennen: 1. La Seare Rich Nu. a; Pslebres, 3. Merveileuse. Tot. 51, Pei. 2o, Slad 19. ie,.mase, 4. Sprechsaal. Sperre im Malergewerbe. Der Vorstand des Arbeitgeber=Verbandes für das Nalergewerbe, Ortsgruppe Dortmund schreibt uns: „Bezugnehmend auf den in der Samstag=Ausgabe des„Gen.=Anz.“ von der Gebülfenschatt verIm Genuß liegt der Wert! „Unsere Marine“ 2 Pi. Cigarette. Georg A. Jasmatzl.-., Dresden Geödte derteche Olgerattentabrits. Saide 4uurGer 5 groses Moc! Erstes Speziel-Seidenhaus Westenhelweg 64- Dortmund Fernsprecher 1791 Nur moderne erstklassige Fabrikate. Hervorragend schöne Auswahl. = Billigste Preise. 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