V N S 5 S8S S845 Srg 5885 15 118000 Abonnenten Nr. 19. 26. Jahrgang. Dortmund, Sonnabend, 18. Jannar 1913. Abonnenten 118000 * 5 55* Erscheint wichentlich sieben Mal. Bezugspreis; 70 Pfg, monatlich. Mit der Wochenbeilage „Dortm. Julige Blätter“ nur 10 Pfg, mehr. Bei der Bost mit den Wetlagen: monatlich 80 Pfa. Postzeitungs=Nr. 2914 Berliner Buxeau: Berlin SW., Markgrafenstraße 19. Nr. 318: Geschäftstelle. " 408 Redaktion. Expedition 404 und Druckerei. Telephon= Anschlüsse:: Sprechstunden) Mittags 12 bis 1 Uhr: der Redaltion:) abends 6 bis 7 Uhr. Rechtsauskunft: Mittags 12 bis 1 Uhr: abends 5 bis 7 Uhr Annen Nr. 488.(Gebr. Krampen). Vvlerbeck Nr. 306(., Kümperl. Chefredakteur Karl Richter, Dortmund. Für die Redalign verantwortlich: A.&am. L. Sufrian. Hortmund; für Inserate u. Rellamen: Jul. Reitemeier. Dortmund. Castroo Nr.181.(Frauch Reinbardo Hrn de 2dh ich. Gseiz) ——*** N87 Soes Nr. 485(Wu. Fr. Kurteck= Co.) Schwerte 144 Ph. Weisenbach) Unna Nr. 444.(.Timmermann.) Wanne Nr. 1358.(E. 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Und heute wird zur Table’hote geläutet und schöne Frauen aus Dortgund und Hagen erscheinen in Full dreß an der Xafel und reden von Ski= und Rodelsport. Das Beefsteak wird mit Christianiaschwung geschnitten, der Semmelkorb wird im Telemark herungereicht. Man setzt sich in Christianiamanier auf den Stuhl und fügt der Unterschrift auf den Ansichtskarten als Schnörkel einen Telemark an. Im Doppelschwung, Christiania und Telemark verLinigt, springt man abends ins Bett und schließt Ise dungn dun üick choan dbat daesidher ane. genommen. Ja, man sollte es nicht glauben, was der Wintersport aus den einfachen biederen Westfalen gemacht hat. Vorgestern Abend sagte so ein moderner Sportfatzke zu mir: „Wenn Sie Skifahrer wären, so würden Sie nicht solchen Unsinn reden———“ Das mußte ich mir von einem oberflächlichen Bekannten am Stammtisch sagen lassen! Also das Skifahren— sprich Schi— gibt einem gewöhnlichen Menschen ein solches Uebergewicht über mich, daß er mir Grobheiten ins Gesicht schleudern darf? Und das mußte ausgerechnet ich mir gefallen lassen, der ich doch seinerzeit sogar Radfahren erlernt habe und meinen Verwandten, den Gemahl der Königin Wilhelmine in Amsterdam per Rad besucht haben würde, wenn meine nichtswürdigen Freunde in Lünen mich nicht bekneipt gemacht hätten, sodaß ich den falschen Zug bestieg und statt nach Gronau zu gelangen, vor der Zeit wieder in Dortmund ankam! Mit den ersten Schneeflocken, die das neue Jahr brachte, fuhr ich stolz entschlossen ins Sauerland, bewaffnet mit zwei langen krummen Holzstangen, über die ich beim Wechseln der Züge immer fiel, sodaß ich mir fast das Genick brach. Aller Anfang ist schwer, das weiß ein Journalist am besten. Früher stolperte ich über die kleinste einzeilige Lüge, während ich heute ganze Seiten vollmache, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Neulich erst sagte ein Staatsanwalt zu mir:„Wissen Sie,“ Wansctacher dust achin Sie nie nich dach dher) salche Flausen—.—.—.“ Nun, das gehört nicht hierher, umsoweniger, als dieser Staatsanwalt, der den Mund so voll nahm, gar nicht Skifahren konnte. Pah, was tue ich mit solchen Leuten! In Hagen traf ich auf dem Bahnhof einen bekannten orthodoxen Pastor aus dem Ruhrtal. Er glaubte wegen meinen beiden Holzstangen, ich sei Tischler geworden und sagte:„Das ist recht, mein Lieber, daß Sie endlich einen anständigen Beruf ergriffen haben!" „Schi, Schi!“ sagte ich; er verstand wohl etwas anderes, denn er machte sich naserümpfend davon. Hier in Winterberg nutzt es nichts, daß man Artikel schreiben und Verse machen kann, dadurch gelangt man nicht zu Ansehen, man muß Skilaufen können, um das Wohlgefallen der Damen zu erringen. Soll es vielleicht in Dortmund noch beschränkte Leute geben, die den Unterschied zwischen dem Christianiaschwung und dem Telemark nicht kennen, so sei ihnen gesagt, daß der Christiania ein kurzer Schwung ist, bei dem beide Skier aus der Fahrtrichtung parallel zur Seite gerissen werden, sodaß sie quer zum Berghang stehen. Die schnellste Fahrt wird dadurch augenblicklich gehemmt. Das sieht sehr schneidig aus. Wenn man's kann. Ich kann's! Der Telemark dagegen ist eher dekorativer Natur. Er bildet gewissermaßen den verzierenden Schnörkel einer schönen Fahrt bergab. Ein Bein des Läufers wird nach vorn geschoben, das andere bleibt zurück, der Läufer geht tief ins Waae und dlante die deche uit übgen. 1che auslaufendem Schwung. „Schmalspurig abfahren, linken Fuß vorführen, rechtes Knie abbiegen, Kopf hoch, Blick geradeaus. Skier nicht kanten, Körpergewicht nach innen neigen, Stecken nach hinten, Brust heraus, Kreuz hohl, und der Telemark ist da.“ Sehr einfach allerdings. Wer das alles genau macht, der trifft es gang gewiß. Aber man versuche das, wenn die Erde pfeilschnell unter dem Skier wegsaust. Ein Student aus Bonn, der aus Christiania stammt, ja, der kann es, seine beiden Skier sind dicht nebeneinander geschlossen und ergeben eine einzige schmale Spur, die Idealspur des Stiläufers. Der Körper steht kerzengerade und bewegungslos auf den blitzschnell dahingleitenden Stiern. Jede Muskel ist angespannt, der Körper wie zum Sprung gesammelt. Jetzt geht der Läufer ins Knie. Die Gestalt neigt sich graziös zur Seite, der Pulverschnee stiebt unter dem Ski auf und mit einer edelen Bewegung, wie wenn Lohengrin sich vom Schwan verabschiedet, vollendet der Läufer den Schwung. „Wundervoll,“ ruft eine schöne Dortmunderin. Mit leuchtenden Augen steht sie da. In ihren Augen ist der Student der größte Mann aller Zeiten. Was war Relson, was war Shakespeare, was Wagner, was die Reichstagsabgeordneten? Verstanden sie vielleicht etwas vom Telemark? Nein. Ra also! Abends wurden in der großen Halle des Hotels Sportabenteuer erzählt. Während draußen der „Schausdan dalt ist iche dcn din danrche auch gar zu gemütlich. Wer sich einen besonders raffinierten Genuß verschaffen will, steht alle Viertelstunden auf, steckt den Kopf aus der Haustür, macht brer und setzt sich wieder in seinen bequemen Sessel. Ein alter Skifahrer, ein Tierdoktor aus Elberfeld, erzählt tolle Sachen:„ich komme also den Abhang runtergerast, gerade auf den Einschnitt des Bahngleises zu. Wer zum Teufel schnaubt da unten gerade heran? Der Zug! Ein Zurück gabs für mich nicht mehr. Ich stoße also feste ab und fliege flott über die Lokomotive weg, ohne sie mit dem Körper zu berühren. Nur mit meiner Pike bohre ich ein Loch in den Kessel, daß der Dampf zischend entweicht und die ganze Karre stille steht. Jetzt wollen die Kerle mich noch wegen Gefährdung eines Bahntransports herankriegen.„Was sagen Sie dazu, Herr Rechtsanwalt!“ wendete er sich an einen der Zuhörer. Dieser, der nach Winterberg gekommen ist, um hier durch Schadenersatzklagen vielleicht einige Klienten zu bekommen, fährt aus seinem trübseligen Halbschlummer auf und ist gleich ganz bei der Sache.„Natürlich,“ ruft er,„da konstruieren wir mit Recht einen Notstand. Sie mußten Ihre Pike da einbohren, um Ihr Leben zu retten, da kann Ihnen nichts passieren. Darf ich am 50 Mark Vorschuß bitten!“ Ponntugs=Püschabe. Viertes Blatt. Die heutige Nummer enthält vier Ausgaben und das vierseitige Unterhaltungsblatt, zusammen 18 Seiten kigener *„ des General= Hnzeigers. Die Präsidentschaftswahl in Frankreich. Rücktritt des Ministeriums Poincaré. Paris, 18. Jan. Der bisherige Ministerpräsident Poincaré ist zum Präsidenten gewählt. Was wird nun aus dem Ministerium Poincaré? Mit seiner Wahl ist Poincaré nun wirklich Präsident, aber er wird es erst am 18. Febr., mit dem Tage, an dem die Amtszeit Fallieres abläuft. Es könnte also bis dahin das Ministerium Poincaré ganz gut im Amte bleiben und man hatte sich noch vor einigen Tagen die Sache auch so gedacht. Allerdings sollte Poincaré die Leitung des Kabinetts dem Vizepräsidenten, Justizminister Briand, überlassen und nur die Geschäfte des Auswärtigen Amtes weiter führen. Am 18. Februar hätte sodann das gesamte Kabinett demissioniert und der neue Präsident der Republik hätte zur Ernennung seines ersten Kabinetts schreiten können. Die Vorgänge der letzten Tage unmittelbar vor der Präsidentenwahl, besonders aber die Demission der Minister Millerand und Pams haben jedoch diesen Plan über den Haufen geworfen. Man begreift, daß die besiegten politischen Parteien es schwer über sich werden gewinnen können, einen ganzen Monat lang eine Art Waffenstillstand zu beobachten. Auf der anderen Seite muß vermieden werden, den künftigen Präsidenten einen Monat lang den parlamentarischen Angriffen und den Zufällen von Kammerabstimmungen auszusetzen. So wurde denn der Rücktritt des Gesamtkabinetts beschlossen. Das Demissionsgesuch wird bereits heute vormittag dem Präsidenten der Republik unterbreitet werden und Herr Fallieres ist unn knapp einen Monat vor seinem Rücktritt gezwungen, noch ein neues Kabinett zu ernennen. All zu schwer wird ihm diese Aufgabe ja nicht fallen. Dieses provisorische Kabinett, denn in vier Wochen wird es wieder demissionieren, ist bereits gegeben: Briand wird es aus dem bisherigen Ministerium Poincaré bilden und Leon Vourgeois wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Arbeitsministerium mit dem Ministerium für Auswärtge Angelegenheiten vertauschen. Man erwartet die Lösung dieser ganz eigenartigen Ministerkrise bereits am heutigen Tage. Die Wahl Poincarés und die Pariser Presse. Paris, 19. Jan. Die Presse erörtert die Wahl Poincarés zum Präsidenten der Republik fest„einmütig mit lebhafter Befriedigung. Selbst der„Radical“, das offizielle Blatt der sozialistischradikalen Partei der die Wahl Poincarés so scharf bekämpft hat, erklärt heute, daß die öffentliche Meinung das Botum der Nationalversammlung mit Freuden aufnehme und mit Vertrauen den hervorragenden Staatsmann begrüßen werde, der nunmehr nur von dem einen edlen Gedanken erfüllt sein werde, die ihm zugewiesene rühmliche Rolle sorgfältig zu erfüllen. Die„Petite Republique“ meint, die Bedeutung der gestrigen Wahl selbst läßt sich in den Worten ausdrücken: demokratischer Fortschritt, vernünftige Entwicklung und eine Politik der Ehre und des Friedens. Die öffentliche Meinung Frankreichs und auch die des Auslandes werden die Wahl in diesem Sinne auffassen. In der„Franee" verspottet der radikale Deputierte Monzier die von den Gegnern Poincarés aufgestellte Behauptung, daß diese Wahl Diktatur und persönliche Gewalt bedeute. Die einzige Diktatur, die gestern gebrandmarkt wurde, sei die geheime Diktatur der parlamentarischen Gruppen und der Bänke. Der„Rappel“ erklärt: Wer Poincaré kenne, der wisse, daß er unfähig sei, Ranküne und Vergeltung zu üben. Als Präsident der Republik werde er nicht daran denken, sich für die Beleidigungen zu rüchen, die ihm als Ministerpräsident angetes warden. Die„Lanterne" stellt fest, daß Poincaré von einer unleugbaren republikanischen Mehrheit gewählt wurde; denn er habe 383 reine republikanische Stimmen erhalten gegenüber den 296, die auf Pams entfallen. Der konservative Graf de Mun gibt im„Echo de Paris“ in begeisterten Worten seiner Befriedigung über die Wahl Ausdruck, die ee als einen Sieg des Patristismus bezeichnet. Die guten Franzosen, in deren Namen er spreche, wendeten sich angesichts der ernsten internationalen Lage voller Beunruhigung, aber zugleich in voller Hoffaung dem neugewählten Präsidenten zu. Der„Gaulois“ meint, Poincaré mde Bertranen zu dem Lande haben, dann werde er sich um den wutenben Ansturm, den seine volktischen Feinde bereits jetzt gegen ihn vorbereiteten, nicht zu kümmern brauchen. Der„Figaro“ sagt: das Land werde sich um den Groll der Besiegten nicht weiter scheren. Die Gegner Poincarés sollten es unterlassen, für einen Kampf, der im ganzen Volke Entrüstung hervorrufen werde, nach zweideutigen Waffen zu greifen. Die Republik sei in guter Hand, und wenn das Parlament im Einvernehmen mit dem Lande bleiben will, dann muß es vertrauensvoll mit dem neuen Präsidenten zusammengehen. Der„Matin“ will wissen, daß die ursprüngliche Absicht, daß das Ministerium bis zum Anfang Februar, dem Tage des Amtsantritts Poinearés am Ruder bleibe, fallen gelassen werde. Nach dem heftigen Wahlkampfe fragt mun sich, ob die politischen Parteien in einen einmütigen Waffenstill stand einwilligen würden. Man glaubt dies nicht. Jedenfalls sei man der Ansicht, daß man dem Ministerpräsidenten Poinearé, der morgen Präsident der Republik sei, den parlamentarischen Erörterungen nicht aussetzen dürfe. Die politische Lösung scheine deshalb die zu sein, daß das gesamte Kabinett noch heute dem Präsidenten Fallières seine Demission überreiche, der sodann das neue Ministerium zu bilden habe. Fallières würde sich an Briand wenden, der dem gegenwärtigen Minister der Arbeiten und sozialen Fürsorge, Vourgeois, das Ministe. rium des Aeußern übertragen werde. Den anderen Blättern zufolge würde Fallières die Demission des Kabinetts nicht annehmen und dasselbe ersuchen, die Erledigung der laufenden Geschäfte weiter zu bewirken. Poincaré würde bis zum 18. Februar einfach Urlaub nehmen. Der„Figaro“ zitiert eine Erklärung, die die 76jährige Mutter Poincarés gestern vor der Wahl getan habe:„Wenn mein Sohn nicht durchkommen sollte, dann wäre es wirklich schade, denn das wäre sein erster Mißerfolg!“ Eine deutsche Preßstimme. Berlin, 18. Jan. Zu der Wahl Poincarés äußert die„Tägliche Rundschau": Die deutschfranzösischen Beziehungen werden schwerlich eine Besserung erfahren, aber wohl auch keine Verschlechterung. Poincaré wird eine korrekte Haltung Deutschland gegenüber bewahren, und damit wird beiden Ländern am besten gedient sein.— Das„Tageblatt“ hebt hervor, daß Poincaré gegenwärtig in Frankreich der populärste Mann sei, und Clemenceau, Combes und ihre radikalen Anhänger verspielt haben. Die Kraftprobe, die sie versucht haben, ist nicht gelungen. Man muß sagen, sie haben ihr Schicksal ein wenig verdient. Herrn Pams Resignation. Paris, 18. Jan. Poincarés Gegenkandidat, Pams, erträgt seine Niederlage mit resignierter Würde. Er trage, so erklärt er, niemand Groll nach, er habe keinerlei Enttäuschung zu verwinden. Persönlich habe er nie etwas angestrebt, nur dem Dienst des republikanischen Gedankens habe er seine Ruhe geopfert und dem Drängen seiner politischen Gesinnungsgenossen nachgebend, der Aufstellung seiner Kandidatur zugestimmt.„Das Licht, das sich über mich ergossen hat, hat mich nicht geblendet und da sich nun der Strahl gewendet hat, so trete ich ohne Bedauern in den Schatten zurück.“ erklärte er in einem etwas pathetischen Bilde. Poinearés auswärtige Politik. Paris, 18. Jan. Herr Poincaré tritt aus einer Tätigkeit heraus, der er den Stempel seines Wollens und Denkens aufprägte, an die Spitze des Staates. Seine Amtsvorgänger Fallières und Loubet waren aus dem Senatspalast ins Elysee gekommen, aus einer repräsentativen Stellung, die C Raymond Poinears. Der neue Präsident von Frankreich. zu direkter politischer Betätigung wenig Anlaß bietet, in eine andere repräsentative Rolle, der jeder unmittelbare Eingreifen abgesprochen wird. Bei der Wahl Loubets war es offen ausgesprochen worden, daß man ihn nur als Ausdruck eines damals allerbiggs legreichen Parteiwillens betrachtete und Heren Fallidres Wahl bedeutete nur die Fortsetzung der Aera Loubeis. Damals schten es Sitte werden zu sollen, duß das Palais Luxembourg das Vorzimmer zum Elysee sei. Herr Peincart kommt aus dem Valais des auswärtigen Amtes ins Präsidentschaftspalais. Das is kein Zufall, benn selne Erfolge am Quak'Orsatz haben ihn erst zum Kandidaten für die höchste Stelle im französischen Staate gemacht. Er hat, das ist nicht zu leugnen, das Ansehen Frankreichs in dem einen Jahre seiner Ministerschaft gehoben, wie keiner seiner Vorgänger es vermocht hat und dem Karken Nationalbewußtsein große Freude bereitet. Man hofft und erwartet von ihm weiter erfolgreichen Einfluß auf die auswärtige Politik. Da französische nationale Politik in gewissem Sinne antideutsche Politik sein wird, hätte für uns Deutsche die Wahl Poincarés mehr als symptomatische Bedeutung, zumal der neue Präsident im Gegensatz zu den meisten seiner Vorgänger zweifelsohne eine willensstarke und selbstbewußte Persönlichkeit ist, die sich gewiß bemühen wird, seinon augenblicklich bestehenden Einfluß mit hinüber ins Elysee zu retten. Formell hindert ihn ja auch nichts daran, diesen Einfluß auszuüben. Die Verfassung des französischen Staates gewährt ihm u. a. das Recht über Armee und Marius zu verfügen, von den Kammern die Prüfung der Verfassung zu verlangen, mit anderen Staaten Verträge abzuschließen und Verträge anzunehmen oder zu verwerfen, mit den diplomatischen Vertretern des Auslandes direkt zu verkehren usw. Ein Präsident, der sein eigener Minister des Auswärtigen sein wollte und könnte, wäre also der Verfassung nach imstande, die auswärtige Politik in seinem Sinne zu beeinflussen. Wird Herr Poincaré dieser Präsident sein? Jedem Kenner der tatsächlichen Verhältnisse muß es sehr zweifelhaft erscheinen. Die Stellung der einzelnen Ressortminister zum Präsidenten der Republik ist zu unabhängig. Unter den Machtbefugnissen des Staatschefs fehlt, die Minister entlassen zu können, selbst das Recht, sie zu wählen ist durch den auf Gewohnheitsrecht beruhenden Einfluß der Kammer stark beschränkt und die Erfahrung lehrt, daß der Präsident der Republik von den Staatsgeschäften der Republik nur gerade so viel erfährt und so viel weiß, als seine Minister ihm mitteilen wollen. Der Tätigkeitsdrang eines Casimir Perrier ist an diesem passiven Widerstand kläglich gescheitert, der Poincarés wird sie auch kaum überwinden können. Berliner Börfe. Berlin, 18. Jan. Die Börse gab sich heute anfangs den schon gestern wirksamen Zweifeln über das Fortbestehen der günstigen Eisenkonjunkturperiode hin. Sie wurde darin bewogen durch die zurückhaltende Beurteilung der Aussichten am heimischen Eisenmarkt in dem Monatsbericht der Rheinisch=Westfälischen Zeitung und durch den Passus im Düsseldorfer Produktenbörsenbericht, wonach die Händler im Stabeisengeschäft eine gewisse Zurückhaltung beobachteten. Das Geschäft hielt sich infolgedessen in recht engen Grenzen, da die Börse anscheinend die Antwort der Türkei auf die Kollektivnote der Großmächte abwarten will. Die bereits in den letzten Tagen rühriger auftretende Kontremine benutzte daher die Unlust und die allgemeinen Zurückhaltung, um mit Angaben auf den Kursstand zu drücken. Am meisten betroffen wurde hier naturgemäß der Montanmarkt, wo die führenden Werte bis zu 1½ Prozent einbüßten. Auch am Schiffahrtsverkehrsmarkte erneuerten sich die Abgaben, die besonders in Paketfahrt stattfanden, wofür erneut auf die Ermäßigung der Zwischendecksrate und auf den angeblich nur 10proz. Dividendenvorschlag der Hamburg=Amerika=Linie verwiesen wurde. Auf den übrigen Gebieten überwogen gleichfalls die Abschwächungen, die aber wesentlich belangloser Natur waren. Als ein unerfreuliches Momen; ist vom Ultimorentenmarkt der Rückgang der 3prozentigen Reichsanleihe auf 77,80 vervorzuheben. Noch in der ersten Stunde kam die rückläufige Bewegung zum Stillstand, als zuversichtlichere Aeußerungen des Präsidenten der Seehandlung über die politische Lage an der Börse bekannt wurden und zum Teil daraufhin Rück= und Meinungskäufe am Montanmarkte erfolgten, wodurch die gestrigen Schlußkurse zum Teil wieder eingeholt werden konnten. In Bochumer fanden angeblich von erster Bankseite große Käufe statt. Die Gesamthaltung wurde hierdurch im allgemeinen freundlicher. Das Geschäft blieb aber unbedeutend. Tägliches Geld 4 und 4½ Prozent Die Seehandlung gab Geld auf 5 Tage und bis Ultimo zu 4½ Prozent. Dis bage auf dem Balkan. Der Druck auf die Pforte. Berlin, 18. Januar. Die von den Botschaftern in Konstantinopel gestern übergebene identische Note hat folgenden Wortlaut: Die unterzeichneten Botschafer von Oesterreich=Ungarn, England, Frankreich, Rußzland, Deutschland und Italien sind von ihren Regierungen beauftragt wor. den, Seiner Erzellenz, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten Seiner Kaiserlichen Majestät des Sultans, die folgenden Mitteilungen zu machen: In dem Wunsch, der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten vorzubeugen, glauben die genannten Mächte die Aufmerksamkeit der kaiserlich=ottomanischen Regierung auf die schwere Verantwortung lenken zu sollen, die sie auf sich nehmen würde, wenn sie entgegen den Ratschlägen der Mächte die Wieder herstellung des Frieden? verhindern würde. Gie würde es nur sich selbst zuzuschreiben haben, wenn die Fortsetzung des Krieges zur Folge haben würde, das Schicksal der Hauptstadt in Frage zu stellen und vielleicht die Zeindseligkeiten auf die astatischen Provinzen des Reiches auszudehnen. In diesem Falle wird sie nicht auf den Erfolg der Bemühungen der Mächte rechnen können, sie vor den Gefahren zu bewahren, denen sich auszusetzen sie ihr bereits widerraten haben und auch weiter abraten. Wie die Dinge liegen, wird die kaiserlich ottomanische Regierung nach dem Friedensschluß des moralischen und materiellen Beistandes der Großmächte bedürfen, um die Schläge des Krieges wieder gut zu machen, ihre Stellung in Konstantinopel zu befestigen und die weiten asiatischen Gebiete in guten Stand zu setzen, deren Gedeihen ihre wirksamste Stärke bilden wird. Um dieses notwendige Werk zu unternehmen und durchzuführen, würde die Regierung Seiner Kaiserlichen Majestät des Sultans auf die Wirksamkeit der wohlwollenden Unterstützung der Mächte nur dann rechnen können, wenn sie ihren Ratschlägen folgen wird, die von den allgemeinen Interessen Europas und denen der Türkei eingegeben sind. Unter diesen Umständen glauben die europäischen Grotzmächte, gemeinsam der kaiserlich=ottomanischen Regierung den Rat geben zu sollen, der Abtretung der Stadt Adrianopel an die Balkanverbündeten zuzustimmen und den Großzmächten die Sorge zu überlassen, über das Schicksal der Inseln des ägäischen Meeres zu befinden. Gegenüber diesen Zugeständnissen würden die genannten Mächte es sich angelegen sein lassen, den Schutz der muselmanischen Interessen in Adrianopel und die Achtung vor den in dieser Stadt befindlichen Moscheen, religiösen Gebäuden und Grundstücken zu sichern. Ebenso würden sie dahin wirken, daß bei der Lösung der Frage der Inseln des Archipels jede Drohung für die Sicherheit der Türkei ausgeschlossen ist.“ Berlin, 18. Jan. Mit der gestern erfolgten Ueberreichung der gemeinschaftlichen oben abgedruckten Note der Mächte an die Türkei hat eine neue, hoffentlich kurze Periode des Ratens, Kombinierens und Prophezeiens eingesetzt. Es ist nur ein Rat, der in verbindlicher Form gegeben ist. Er enthält aber eine schroffe Spitze durch die ziemlich unverhüllte Drohung, daß die Mächte der Türkei, falls der Rat nicht befolgt werden sollte, keine Geldmittel zur Verfügung stellen, sie also dem unabwendbaren finanziellen Ruin entgegentreiben lassen werden. Darin liegt unzweifelhaft eine Parteinahme zugunsten der Balkanstaaten, die mit den von den Mächten versprochenen Neutralität unvereinbar ist. Es wäre demnach nicht verwunderlich, wenn die Türkei auch der Zusage der Mächte inbetreff der Lösung der ägäischen Inselfrage kein allzu großos Vertrauen entgegenbrächten. Ueber die Antwort der Pforte tappt man mit allen Wahrscheinlichkeitsberechnungen völlig im Dunkeln. Man hört von einer täglich auschwellenden Kriegsstimmung in Konstantinopel, von jungtürkischen Umtrieben, von neuen Verhaftungen, von militärischer Bewachung der Pforte und anderen öffentlichen Gebäuden. Die„Westminster Gazette“, die den englischen Regierungskreisen sehr nahe steht, behauptet, der Großwesir Kiamil Pascha trete den kriegerischen Bestrebungen der Militärpartei mit wachsendem Erfolge entgegen. Konstantinopeler Meldungen schwächen teils diese Darstellung ab, teils behaupten sie das gerade Gegenteil: Kiamil sei die Seele der Vorbereitungen zu einer Fortsetzung des Krieges. Ungelöst ist noch die Frage, ob der kaiserliche Divan, die Nationalversammsung, zusammentreten wird oder nicht. renden katholischen Kreisen und bloser Umsland wog zahlreiche kleine Geschäftsleute des Eichsfell und darüber hinaus, ihre Ersparnisse ihm anzun trauen. Der Zusammenbruch erfolgte, weil Firma im Kreditgeben sehr leichtsinnig war außerdem durch verfehlte Spekulationen in Goll minenaktien. Nachdem der Konkurs angemeld war, beschäftigten sich einflußreiche Kreise der tholischen Geistlichkeit damit, einen außergerich lichen Vergleich herbeizuführen. Zu diesem Zwecke wurde eine Hilfsaktion ein geleitet, zu der auch Kardinal Kopp insofern be# steuerte, als er auf sein Guthaben von 400 000 verzichtete. Außerdem wurden von Freunden de# Bankhauses noch 900 000 Mark aufgebracht. Abauch dieser Betrag genügte nicht, um das Bankhau# noch über Wasser zu halten und der Konkurs wurk endgültig über die Firma verhängt. Im Laufe de## Untersuchung traten verschiedene Momente zutag die der Staatsanwaltschaft Anlaß zu der jetzt ver handelten Anklage gegeben haben. Pistorius wurde wegen Konkursvergehens zu 10 Mk. Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt ha## ein Jahr Gefängnis beantragt. Die Strafverfolz## ung gegen die beiden ehemaligen Prokuristen## Firma ist bereits vor einiger Zeit eingestellt wur den. Bei dem Konkurs des Bankhauses, der namenlich der ländlichen Bevölkerung des Stiftes Hilde### heim bedeutenden Schaden verursachte, betrugen di# Aktiva 770000 Mk., die Passiva 270 000 Mk. Die Spitzbergenexpedition. Berlin, 18. Jan. Von der Generaltelegn phendirektion in Christiania ist heute morgen hien folgendes Telegramm eingegangen: Kapitän Ritschel wird längere Zeit ans Bett gefesselt sein, hofft aber der Amputation zu entgehen# Ueber das Schicksal der zurückgelassenen Mitglieden# der Expedition sind neue Nachrichten in Berlin bin her nicht eingetroffen. Vermischtes. Die Verhastung in der Labendorfer Mordasfäre. Berlin, 18. Jan. Der Brunnenbauer Kolbe aus Dabendorf, der mutmaßliche Mörder des Magistratsassessors Behm, der in der vergangenen Nacht in einem Lokal in der Flottwellstraße verhaftet wurde, ist heute vormittag auf dem Berliner Polizeipräsidium eingehend vernommen worden. Kolbe leugnet jede Beteiligung an dem Morde, er will von der Tat überhaupt nichts wissen und meint, daß ein anderer Geliebter der Frau Behm den Tod ihres Mannes wahrscheinlich auf dem Gewissen habe. Auf die Frage, warum er sich denn, wenn er sich unschuldig fühle, nicht selbst der Polizei gestellt habe, erwidert Kolbe, daß er noch eine mehrwöchige Gefängnisstrafe wegen eines anderen Deliktes zu verbüßen habe und daß er sich dieser Strafe entziehen wolle. Die Kriminalpolizei wird die Ermittelungen in dieser Sache fortsetzen. Ob Kolbe nochmals wegen Mordes unter Anklage gestellt wird, hängt von der Auffassung ab, die sich das Gericht über den Fall bilden wird. Da Kolbe im vorigen Jahre von den Geschworenen freigesprochen ist, kann eine neue Anklage gegen ihn nur dann erhoben werden, wenn er nach feinem Freispruch selbst ein glaubhaftes Geständnis abgelegt hat, daß er die Tat verübt habe. Nun ist Kolbe tatsächlich so unvorsichtig gewesen, nach feinem Freispruche, als er glaubte, daß man ihm nichts mehr anhaben könnte, mehreren Bekannten gegenüber damit zu prahlen, daß er Behm erschossen habe. Es ist die Frage, ob das Gericht diese Geständnisse als ausreichend im Sinne des Gesetzes ansehen wird. Eine Millionenpleite vor Gericht. ildesheim, 18. Januar. Die hiesige Strafkammer beschäftigte der Millionenkonkurs, dem im April 1911 das angesehene Bankhaus Pistorius zum Opfer gefallen ist. Angeklugt sind der Inhaber der Bank, Geh. Kommerzienrat Theodor Pistorius und die Prokuristen Nordhoff und Meyer, wegen Konkursvergehens. Der Zusammenbruch des Bankhauses erregte seinerzeit großes Aufsehen. Der Inhaber hatte Fühlung mit suh. Steuer=Erklärung. Deutsche Frauen, deutsche Männer, An dem zwanzigsten des Jänner Zückt der Fiskus seine Klauen— Deutsche Männer, deutsche Frauen. Wie das Schicksal immer komme: Der das Schreiben schickt heißt Fromme. Nicht gemogelt, nicht gelogen! (Nur die Spesen abgezogen.) Mancher jammert. Schüsse knallen. Aktien sind(im Krieg) gefallen. Doch sie steigen wieder künftig. (Schultheiß fast zweihundertfünfzig.) Einigt Euch mit Fromme gütlich, Knausert nicht und seid gemütlich. Gern ein Hallelujah zirpt Welcher was von Tante'n irbt. Hast du Moos hinzubekommen, Opfre was für Nutz und Fromme'n. Birgste viel auf hoher Kante, Gib sein Teil dem Vaterlante. Auch hat Fromme unbestritten Trostreich=liebenswerte Sitten; Das Papier, worauf er droht, Ist entzückend: rosarot... Gotlieb im Tag. Kunst und Wissenschaft. Gerhart Hauptmann hat der Ausstellungsleitung in Breslau telegraphisch aus Portofino mitgeteilt, daß er das Festspiel zu der in diesem in Breslau stattfindenden Jahrhundertfeier vollendet habe. Das Festspiel wird durch Reinhardt=Berlin inszeniert. Ein neuer Schwank von Fritz Brentano und unserem Berliner Mitarbeiter Arthur Lokese „Pe Pa Pu“ wurde vom Lustspielhaus Düsseldor zur Uraufführung angenommen. Hendel und dechehe. Steinkohlen= und Eisenstein=Bergwerk Carolint zu Holzwickede. Die Kohlenförderung im vierten Vierteljahr 1912 betrug 58 571 T. gegen 43 126 L. in derselben Vorjahrszeit und 48947 T. im dritten Vierteljahr 1912. Der Reinüberschuß stellte sich auf 84 987 Mk.(50 872 bezw. 46 402 Mk.), nachter: diesmal 15000(3000 Mr.) für Tilgung Grundschuld abgesetzt worden sind. Unter Hinzu, rechnung des Bestandes von 56 538 Mr.(67040 bezw. 56 486 Mk.) aus dem Vorvierteljahr nach Abzug der Ausbeute für das dritte und viern Vierteljahr 1912 von je 46 350 Mk.(wie im Vorjverbleibt ein Bestand von 1929 Mk.(25 218 bezw. 56 588 Mk.). Für das vierte Bierteljahr werdes wieder 30 Mk. Ausbeute verteilt. Marten, 18. Jan.(Eingebrochen) wur# in vergangener Nacht bei dem Lehrer Bergmann Harkordtstraße 22, hierselbst. Der Dieb hatte in Wohnzimmer eine Fensterscheibe eingedrückt, deu Riegel hochgehoben und war so in den Flur ge### langt. Entwendet wurden ein dunkelgrauer Her## renüberzieher, ein Herren und ein Kinderkapet## ein Regenschirm und ein Spazierstock. —(Den Tod vor Augen.) Auf dem Rangierbahnhof in Heidelberg wurde in der Nacht zum Freitag der Zugmeister Groß beim Ueberschreiten der Gleise mit dem Fuß von einer Weiche derartig festgeklemmt, daß er sich nicht befreien konnte. Er mußte hilflos zusehen, wie eine aus sieben Wagen bestehende Rangierabteilung heranrollte, die ihm beide Füße zermalmte. Der Unglückliche verstarb bald darauf an den erlittenen Verletzung gen. Rom, 17. Jan.(Ein deutsches Liebespaar in Neapel verhaftest.) An Bord de### heute aus Newyork in Neapel angekommanen Ozcan dampfers„Berlin“ wurde ain deutsches Liebespaar verhaftet, das angeblich der Berliner Anistokrat### angehört. Es soll sich um einem Grafen A. handeln, der eine verheiratete adlige Dame entführ: haben soll. In Newyork, wohin sich das Liebespaar zuerst flüchtete, wurde es von der Geheimpolizei ausfindig gemacht, und um ihr zu entfliehen, schifften sich### Liebenden auf dem Dampfer„Berlin“ ein. Allein das Schicksal erreichte sie, als sie im schönen Neapel das Liebesiyll fortsetzen wollten. Der Graf wurd mit seiner Geliebten unter dem Geleit deutcher Konsulatsbeamten nach dem Polizeikommissariat in Neapel gebracht, von wo das Liebespaar nach Deutschland zurückbefördert werden dürfte. 3 Serien m S Posten Wart bis 2450 Posten II Wert bi 81.00 Posten III Wert bis 8400 Suche für meinen Restaurationsbetrieb ein tüchtiges. ansehnliches Büfettfräulein mit guten Zeugnissen. Schr. Ang. an Adolf Steffen, Herne, Reichshallen. Suche tücht. Fräulein als Röchin u. Stütze, w. schon in größ. Restaur.=Betrieb tätig war. Restaur. u. Gartenw. Lins, Iserlohn. Aelteres, tüchtiges un proveres Dienstmädchen für Küche und Haus zun sofortigen Eintritt gesucht Fahrt 8. Klasse wird bei An tritt der Stelle vergütet. 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Großbankwelt, Börsenspekulation und Fachbresse stimmen in der Ansicht überein, daß man wie die politischen Verhältnisse auch die Geldmarktlage it großer Vorsicht beurteilen müsse. Seit der ahreswende hat sich zwar am offenen Geldmarkt ine Erleichterung vollzogen, von einer wirklichen und nachhaltigen Geldverbilligung sind wir indes soch weit entfernt und es wird auf eine Periode esentlich ermäßigter Zinssätze in diesem Jahre berhaupt schwerlich zu rechnen sein. In der hauptsache wurde der Geldmarkt neuerdings durch Freiwerden vielfach bis zum Jahresschlusse angeammelter Barbestände und die Bereitstellung erheblicher verfügbarer Mittel seitens der HypothekarRreditinstitute allimentiert. Jedenfalls wäre es ehr verfehlt, aus dem Rückgange des Berliner Privatdiskonts und der dadurch sich ergebenden berächtlichen Spannung zwischen Privatwechsel und Reichsbanksatz Schlüsse auf eine allgemeine Zinsverbilligung zu ziehen. Hat doch der internationale Beldmarkt für 1913 sich auf eine sehr starke Inanspruchnahme durch Neuemissionen, insbesondere eswerzinslicher Werte gefaßt zu machen, indem allein der Emissionsbedarf der Balkanstaaten auf betwa 2½ Millionen Franks veranschlagt wird. Bei Dder Bffrieuigung dieser internationalen Kreditansprüche kann Deutschland keinesfalls beiseite steden. Allerdings dürfte bis zu dem Einsetzen einer umfangreichen internationalen Emissionstätig'eit noch einige Zeit vergehen, da die Klärung der weltpolitischen Lage noch immer auf sich warten läßt. Die Friedenskonferenzen in London standen bereits vor dem Abbruch und haben noch zu keinem irgendwie bemerkenswerten greifbaren Ergebnis geführt. Trotzdem erhält sich an allen maßgebenden Stellen die Ueberzeugung, daß unter dem starken Drucke er Großmächte eine Verständigung zustande komnen und der Wiederausbruch von Feindseligkeiten unter allen Umständen vermieden werde. Als die stärkste Friedensgarantie darf man es wohl betrachten, daß der europäische Geldmarkt den Balkanbund=Staaten wie der Türkei für Kriegszwecke #esperrt bleibt. Abgesehen von dem durch den Krieg veranlaßten umfangreichen Erneuerungs= und Ausrüstungsbedarf fallen für das laufende Jahr auch die heinischen Ansprüche an den Geldmarkt ins Gewicht. Noch verlautet nichts bestimmtes von Anleiheplänen des Reiches und Preußens; immerhin muß man damit rechnen, daß der größte deutsche Bundesstaat, der im Begriffe steht, mehrere 100 Millionen allein unverzüglich für Ausbau, Ergänzung und Weiterausrüstung seines Eisenbahnnetzes aufzuwenden, schon in den nächsten Monaten die ihm offenstehenden Kredite in Anspruch nehmen werde. Von den andern Bundesstaaten dürfte Bayern mit einem größeren Anleihebetrag auf den Plan tredni, nachdem zunächst der Hamburgische Staat damit hervorgetreten ist. Von der jüngsten 60 Mill.= Anleihe der Stadt Berlin werden dieser Tage weitere 20 Millionen an den Markt gebracht. Andere städtische Gemeinwesen dürften in kurzem folgen. Von dem Maße der Zurückhaltung, die sich der öffentliche Kreditbedaof in Deutschland auferlegt, wird es ganz wesentlich abhängen, ob das Zentvalsoteninstitut zu einer Lockerung der Diskontschraube schreiten kann Vorläufig stellen sich die Aussichten hierfür nicht günstig dar, zumal auch der Londoner Geldmarkt nach kurzer Erleichterung wieder eine bemerkenswerte Festigkeit aufweist. Infolge der fällig werdenden Rückzahlungen der Großdiskonteure hat sich in den letzten Tagen der Privatdiskont von 4½ auf 4¾ Prozent versteift und diese Tendenz dürfte sich voraussichtlich noch weiter erhalten. Viel beachtet wurden die jüngsten amemischen Goldverschifungen nach, Fprankgrich, die einen dringenden Barbedarf franzosischer Instirute entsprechen dürften. Bei allen europäischen Notenbanken geht das Streben nach Verstärkung des Goldschatzes und es hat sich auch der Präsident der Deutschen Reichsbank nachdrücklich für eine Vernehrung des Goldbestandes der Bank möglichst im ½ Milliarde auf 1½ Millarde Mark eingesetzt. Mit Recht wurde von einem kavier in der Budgetkommission des Reichstages darauf hingewiesen, daß in keinem Lande der Welt der Verkehr so mit Gold durchsättigt ist wie in Deutschland, wo die Summe des umlaufenden Goldes nach der niedvigsten Schätzung auf 2 Milliarden deziffert werden darf. Dieser Luxus erscheine um verständlicher, als Deutschland das angestrengeste Wirtschaftsleben und damit erschwerte Bildung nobilen Kapitals ausweist. Die auf Verstävkung Reichsbank=Goldschatzes abzielenden Vorschläge *9 Präsidenten Havenstein fanden denn auch in Er Kommission allseitiges Entgegenkommen und es werden. Das die Regierung systematisch im Interesse unserer Goldwirtschaft vorgeht, beweist auch ein an die Staatskassen ergangener Erlaß, wonach diese bei der Reichsbank nur 1 Prozent ihres Gesamtbedarfs abheben dürfen. Zu einer einheitlichen Kursentwickelung gelangte die Börse auch während der letzten acht Tage auf keinem einzigen Marktgebiete. Die fortlaufend befriedigenden Berichte vom Eisen= und Kohlenmarkte, insbesondere die Feststellung eines unvermindert starken Kohlenabsatzes in allen Produktionsgebieten sowie die besonders günstige Verfassung der oberschlesischen Montanindustrie, des weiteren die Rekordabsatzziffern des Stahlwerksverbandes vermochten nur vorübergehend die Kauflust anzuregen, Mehrprozentige Kurshebungen in den führenden Werten, in erster Linie Phönix, Gelsenkirchen, Harpen, denen sich Laurahütte und Oberbedarf anschlossen, wurden alsbald durch Rückschläge abgelöst. Der Spekulation fehlt jede Zielsicherheit, und man ist auf allen Seiten bestrebt, eingegangene Engagements rasch wieder zu lösen, da die Unklarheit in politischen und geldlichen Verhältnissen weitsichtige Operationen nicht ratsam erscheinen läßt. Am Schiffahrtsmarkte waren Paketfahrt Gegenstand stärkerer spekulativer Vorstöße, die mit Kapitalbedarf der Gesellschaft begründet wurden, obwohl die Deckung desselben nicht im Wege der Aktien=, sondern der Obligationsausgabe erfolgen solle. Jedenfalls folgerte man aus der unbestreitbaren Tatsache, daß die Hamburg=Amerika=Linie für ihre großen neuen Schiffsbestellungen finanzielle Vorsorge zu treffen hat, die Notwendigkeit einer Zurückhaltung in der Bemessung der Dividende und veranschlagte sie nicht höher als 10 Prozent gegenüber der bisherigen Höchstschätzung von 12 Prozent. Von den anderen Transportwerten unterlagen Canada einem größeren Preisdruck unter dem Einflusse Newyorks. Die Platzspekulation wurde noch besonders durch Abgaben angeregt durch den Hinweis im Prospekt über die neuen Aktien, wonach die canadische Regierung jederzeit berechtigt ist, eine Herabsetzung der Tarife zu fordern, sobalo die Bahn mehr als 10 Prozent auf das mit nur 65 Millionen Mark anerkannte Baukapital zahlt, während inzwischen das Grundkapital die zweite hundert Millionen überschritten hat. Wenig Leben herrschte am Markte der Elektrowerte, die mehrfachen Schwankungen unterlagen, sowie im Bankaktiengebiete. Rentenpapiere neigten im allgemeinen zur Schwäche, auch die Mehrzahl der Balkanwerte. Der Verkehr am Kassaindustrie=Aktieumarkt ihm einen sehr unregelmäßigen Verlauf. Bei allnahm einen sehr unregelmäßigen Verlauf. Bei allgemeinen nicht belangreichen Umsätzen unterlagen namentlich die sogenannten Spezialitäten mehrfachen und beträchtlichen Kursschwankungen. Hauptsächlich gilt das von einzelnen Maschinenfabriken, wie Vogtländische und Kappel, ferner Accumlatorenfabrik, Deutsche Waffen, den Aktien der großen Farbwerke und etlichen Textilpapieren. Die Werte der beiden erstgenannten sächsischen Maschinenunternehmungen gaben nach auf ungünstige Angaben über den Geschäftsgang, denen von beteiligter Seite widersprochen wurde. Rege Kauflust erhielt sich für Linoleumwerte auf Grund der andauernd günstigen Geschäftslage dieses Spezialzweiges, der neuerdings wesentlich von der Verbilligung des für wichtigsten Rohstoffes(Leinöl) profitiert. Gebesserte Meinung erhält sich für Terraiaktien, da man mit einer, wenn auch langsam fortschreitenden Gesundung des Grundstücksmarktes rechnet und die soliden Objekte dieses Gebites für preiswert erachtet. Im allgemeinen überwiegen Kurseinbußen. Der letzte Berichtstag brachte, ausgehend vom Phönixmarkte, wo angeblich für rheinische Richtung größere Abgaben getatigt worden sein sollen, eine allgemeine Ermattung. Neben Montanpapieren, deren schlechte Tendenz mit dem Hinweis auf Anzeichen angeblich nachassender Konjunktur am Eisenmarkt zu begründen gesucht wurden, lagen besonders noch Schiffahrtsaktien und einzelne Eisenwerte schwach. Westfalen=Rheinland. Asseln, 18. Jan.(Einbruch.) In der Nacht zum 16. Jan, wurde bei dem Pächter Karl Hesselmann in der Lünenerstraße eingebrochen. Die Diebe haben an einer an der nördlichen Seite des Wohnhauses befindlichen Tür die Glasscheibe eingedrückt, sodann den Riegel an der Tür gelockert und sind hierauf in den Keller eingedrungen. Gestohlen haben sie aus dem Fleischfaß 2 Schinken, 2 Seiten Speck, 4 Flaschen Wein, einen alten Ueberziehen, gezeichnet mit dem Namen Wilhelm Balster, Dortmund, einen Biberpelzkragen und einen alten Umhang. Lünen, 17. Januar.(Jubiläen.) Dem Formermeister Heinrich Grundmann bei der Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia hierselbst wurde aus Anlaß seines 25jährigen Meisterjubiläums von der Direktion des genannten Werkes als Anerkennung für treu geleistete Dienste eine goldene Uhr nebst goldener Kette überreicht. Gleichzeitig konnte G. auf eine insgesamt 50jährige Tätigkeit bei der Eisenhütte Westfalia zurückblicken. Derartige Jahre 1908 zwei 50jährige Arbeitsjubiläen, sowie die Tatsache, daß von der 300 Mann zählenden Belegschaft des Werkes mindestens ein Viertel auf eine mehr als 25jährige Tätigkeit dort zurückblicken kann, gibt wohl ein sicheres Zeugnis von dem guten Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Lanstrop, 17. Januar.(Gemeinderatssitzung.) Das neugewählte Mitglied Heinrich Tappe und das wiedergewählte Mitglied Fr. Vogler wurden heute in ihr Amt eingeführt. Der Schuletat für das Rechnungsjahr 1918 wurde in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 18 200 Mark festgesetzt. Das Resultat der Prüfung der Gemeindekassenrechnung pro 1911=12 wurde bekannt gegeben. Die Rechnung schießt ab in Einnahme mit 34510.11 Mk., in Ausgabe mit 31 935.91 Mk., mithin mit einem Bestand von 2584.20 Mk. und einem Einnahmerest von 528.72 Mk. Dem Rendanten wurde Entlastung erteilt. Wegen der Zeche Preußen 2 stellt die Gemeinde Lanstrop als Wohnsitzgemeinde einen Anspruch auf Betriebszuschüsse an die Stadt Lünen und die Gemeinde Horstmar für das Jahr 1912=13. Die Kanalisation am Hausgrundstück Adams soll nach Vorschlag des Gemeindevorstehers ausgeführt werden. Als Gegenleistung verlangt die Gemeinde aber, daß Adams sich schriftlich verpflichtet, der Gemeinde dauernd zu gestatten, etwa 1½ Meter von seinem Grundeigentum als Trottoir zu benutzen und die nordwestliche Ecke seines Grundstücks zur Erleichterung des Verkehrs abzurunden. Auf Kosten der Gesamtschulverbandskasse Courl sollen noch verschiedene Lehrmittel angeschafft werden. Münster, 17. Januar.(Der Rosenmontagszug in Münster.) Von Jahr zu wurde der Zug erweitert, sodaß, zumal der Requisitenbestand größere Prachtentfaltung gestattete, im vorigen Jahre ein Zug zustande kam, der dem berühmten Kölner Rosenmontagszug fast ebenbürtig an die Seite gestellt werden konnte. Der Erfolg hat nun in diesem Jahre mehreren noch abseits stehenden Vereinen Mut gemacht und sie bewogen, beim diesjährigen Zuge mitzutun. So ist denn, wie uns der Verein der Karnevalsfreunde mitteilt, in diesem Jahre in sichere Aussicht zu stellen, daß der Karnevalszug 1913 alle seine Vorgänger an Umfang und Pracht übertreffen wird. Allein für 12 Musikkapellen sind neue Kostüme in Arbeit. Namentlich die Fuß- und Reitergruppen werden in diesem Jahre zahlreich vertreten sein und für lebhafte Verbindung der einzelnen Prunk= und Ulkwagen sorgen. Da der gleiche bewährte Wetterdezernent am Ruder ist, der in den Vorjahren die sonnigen Vorfrühlingstage bestellt hat, so hofft man, auch in diesem Jahre bezüglich des Wetters keinen Mißgriff zu tun. Extrazüge werden wie in den Vorjahren aus allen Richtungen nach Münster verkehren, die Fahrzeiten werden in den nächsten Tagen durch die Zeitungen und Plakate, sowie Aushang an den Fahrkartenschaltern bekannt gegeben. Damenuhr mit Kette. Schließlich erhielt sie auch noch von einem italienischen Bergmann, der jetzt in seiner Heimat ist, Geld, um Eßwaren zu holen. Aber statt zu zahlen borgte sie die Sachen und fälschte Quittungen. Die Angeklagte ist eine sehr oft vorbestrafte Person. Das Gericht gewann die Ueberzeugung ihrer Schuld in den Diebstahlsfällen den Kostleuten gegenüber, die als Zeugen nicht erschienen sind, nicht. Im übrigen wurde sie schuldig befunden und zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Vermischtes. Aus dem 1. Strafkammer. Kommission allseitiges Entgegenkommen und es Jubiläen gehören bei genannter Firma nicht zu düirfte die eine weitere Ersparnis an Gold be= den Seltenheiten. So z. B. konnte im Oktober v. zweckende Vermehrung der Ausgabe kleiner Bank=] Is. dem Vernickler Heinrich Leismann ebenfalls koten durch Wegfall der im Jahre 1906 verein=] für ununterbrochene 50jährige Tätigkeit das gleiche darten Höchstgrenze alsbald in die Wege geleitet! Geschenk überreicht werden, während bereits im Dortmund, 18. Januar. Wegen Einbruchsdiebstahls, Anstiftung dazu und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit Betrug hatten sich der Zuträger Wilh. Möritz, der Bergmann Wilh. Werner und der Arbeiter Ludw. Schulte, sämtlich von hier, zu verantworten. Der erste Angeklagte war in Arbeit bei dem Kaufmann Theodor Otto hier= selbst und stahl diesem aus dem Lager seines Bruders Alfred Otto, in Gemeinschaft mit dem zweiten Angeklagten, im September v. Is. Säcke im Gesamtwerte von—300 Mk. Um das Verschwinden der Säcke zu verdecken, fälschte Möritz einige Quittungen. Schulte soll die Leute zu den Diebstählen angestiftet haben. Die Angeklagten wurden schuldig befunden und Möritz zu 10. Monaten, Werner zu 1 Jahre, weil er im Rückfall handelte und Schulte zu 1 Monat Gefängnis verine Anzahl von Verbrechen wird der von ihrem Mann getrennt lebenden Frau Laura Krotowski, ohne festen Wohnsitz, zur Last gelegt, wie Diebstahl, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Betrug usw. Die Angeklagte saß z. Zt. hier in Dortmund in Strafhaft und lernte dort eine Frau Zaiba aus Rauxel kennen. Als beide entlassen waren, begleitete die Angeklagte die Zaiba und blieb 6 Wochen bei ihr wohnen. Die letztere hatte einen Kostgänger und einen Mieter. Dem ersten stahl die Angeklagte 5 Mk., dem zweiten 15 Taschentücher, einen Siegelring und 12 Mk. Der Frau Zaiba's Mutter pumpte sie 30 Mk. ab, unter der Vorspiegelung, sie würde ihr die Summe zurückgeben, sobald sie zur Sparkasse gewesen sei. Der Zaiba selbst nahm sie eine Bluse mit. Dann fuhr sie nach Essen im Auftrage einer zweiten Bekanntschaft aus dem Gefängnis, um deren Tochter einige Mitteilungen zu machen. Da das Mädchen nicht zu Hause war, stahl sie einer Frau Gückchen, die in dem Hause wohnt, eine goldene Dortmund, 18. Januar. Wegen Straßenraubes wurde heute morgen gegen den am 12. August 1892 zu Dortmund gebovenen Arbeiter August Wiedemann von hier verhandelt, der beschuldigt wurde, am Abend des 19. Oktoher dem Arboiter Schmitz in einer Gasse an der Kielstraße mit Gewalt ein Portemonna# mit 6 Mk. Inhalt weggenommen zu haben. Der Angeklagte schildert den Vorgung folgenderPaser. G# urene Ne. T An dem betreffenden Abend gegen 7 Uhr hätte er in der Wirtschaft„Zur Kum“ an der Heiligengartenstraße gesessen, als nach amger Zeit Schmitz mit einem Bekannten erschiemen wäre und an seinem Tische Platz genommen hätte. Schnitz, der schon angetrunken war, hätte für ihn einige Gläser Bier bezahlt und ihn dann gebeten, ihn nach Hause zu bringen zur Lessingstraße. Er hätte zugesagt und sie wären dann einer vorn und einer hinten aus der Wirtschaft herausgegangen. Vor dem Lokale seien sie wieder zusammengetroffen. Nachdem sie noch bei Brockschmidt in der Düppelstraße ein Glas Bier getrunken hatten, seien sie durch die Düppelstraße zur Kielstraße gegangen, um von hier aus zur Münsterstraße zu gelangen. Als sie an einer Gasse vorbelgekommen wären, die zwischm den Häusern Kielstraße 7 und 9 begimmt, hätte ihn Schmitz plötzlich an die Brust gepackt und ihn an die Wand gedrängt. Er habe ihn aber zurückgestoßen und dann bemerkt, wie Schmitz mit erhobener Hand, in der etwas geblitzt habe, auf ihn zugekommen sei. Da sei er weggelaufen und hätte nur noch gehört, wie Schmitz um Hilfe geschrieen hätte. Ganz anders schildern allerdings der Beraubte Schmitz und der Zeuge Kemper den Vorgang. Schmitz war von der Nachtschicht gekommen und hatte mit einem Kollegen den ganzen Tag über gekneipt. Abends kam er in die Wirtschaft„zur Krim", wo ihn Wiedemann mit dem Bemerken begrüßte, daß sie sich schon lange kennten. Er hätte früher bei ihm gearbeitet. Ihm, sagte Schmitz, sei davon nichts bekannt gewesen. Er habe aber doch einige Glas Bier für Wiedemann bezahlt. Als er nach Hause ging, schloß sich Wiedemann ihm ohne weiteres an. An der Kielstraße stieß er ihn plötzlich in eine Gasse hinein, würgte ihn und warf ihn auf die Erde. Dann habe er um Hülfe gerufen, worauf Wiedemann im Galopp geflohen wäre. Sofort habe er festgestellt, daß sein Portemonnaie weggewesen sei. Der Zeuge Kemper bekundete, daß er an dem fraglichen Abend gerade in die Gasse einbiegen wollte, als ihm am Eingang der Angeklagte entgegengestürzt und ihm zurief, daß er überfallen worden sei. Dann sei ihm aber sofort der Ueberfallene(Schmitz) entgegengekommen und hätte ihm mitgeteilt, daß der Entflohene ihm sein Portemonnaie geraubt habe. Ohne sich lange zu besinnen sei er dem Angeklagten nachgestürzt und hätte ihn in der Heiligegartenstraße wieder eingeholt Dieser sei zuerst ganz erstaunt gewesen, dann habe er versucht ihn zu schlagen. Zum Glück sei gerade ein Schutzmann in der Nähe gewesen, der den Wiedemann auf seine Veranlassung sofort festgenommen habe. Der Schutzmann habe sofort in der äußeren Jackentasche einen Gegenstand bemerkt und ihn herausgezogen. Es sei ein Portemonnaie gewesen, daß der Angeklagte nicht gekannt haben will. Vielmehr habe er behauptet, daß er gar nicht wüßte, wie das„oorpus delikti“ in seine Tasche gekommen sei. Das könne ihm nur jemand in der Wirtschaft in die Tasche gesteckt haben. Der Angeklagte leugnete bis zum Schluß der Verhandlung den Raub begangen zu haben. Kriminalkommissar Ilsen, der über den Leumund des Angeklagten vernommen wurde, bemerkte, daß er den Angeklagten nach seiner letzten Entlassung aus dem Gefängnis wiederholt herumlungernd ohne Arbeit auf der Straße getroffen habe. Der Spruch der Geschworenen ging dahin, daß der Angeklagte schuldig des Raubes ist. Die Frage nach Straßenraub wurde verneint und ihm auch die mildernden Umstände versagt. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus. Das Urteil des Gerichtshofes war aber milder, denn es lautete auf 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus. 1 Monat der erlittenen Untersuchungshaft werden angerechnet und dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt. —(Eine Weltstatistik des Telephons.) Einen fesselnden Ueberblick über die gewaltigen Fortschritte des Telephonwesens gewährt eine statistische Zusammenstellung, die den Stand des gesamten Fernsprechwesens der Welt vom 1. Januar 1912 berücksichtigt. Nach diesen auf amtliche Berichte aufgebauten Angaben, die im Matin veröffentlicht werden, belief sich zu dem angegebenen Zeitpunkt die Zahl der Fernsprechstellen auf der Erde auf rund 12½ Millionen Anschlüsse. Sie sind untereinander durch mehr als 57½ Mill. Kilometer Draht verbunden. An der Spitze der Entwicklung und der Ausbreitung des Fernsprechwesens steht Amerika mit 8 666000 Anschlüssen und 81 065 000 Kilometer Drahtlänge. Das gesamte Europa hat diesen Ziffern nur 8 239000 Anschlüsse und 576 000 Kilometer Leitungslängen, Afrika 41000, Anschlüsse und 282000 Kilometer, Austvalien und Ozeanien verfügen schließlich über 141 000 Anschlüsse und 496 000 Kilometer Leitungslängen. Danach entfällt von der Summe der Anschlüsse auf ganz Europa nur ein Prozentsatz von 26,8 während die Vereinigten Staaten 674 Prozent der Gesamtzahl für sich beanspruchen. Interessant sind aber vor allem die Ergebnisse der statistischen Forscher über das Verhältnis der Ferngespräche zum Briefverkehr und zum Telegraphenwesen. Hier zeigt es sich, daß in Europa der Brief noch immer die erste Stelle behauptet, während er in den Vereinigten Staaten bereits von den Ferngesprächen zu einem Verständigungsmittel zweiten Ranges herabgedrückt worden ist. Im Jahre 1909 zählte man in Europa 15 387 Millionen Briefpostsendungen, 4937 Mil. lionen Ferngespräche und 345 Millionen Telegramme. Zur gleichen Zeit wurden in Amerika 12617 Millionen Ferngespräche geführt, 8793 Millionen Briefe und 98 Millionen Telegramme aufgegeben. Der Briefverkehr umfaßt also in Europa 74,3 Proz. der Gesamtzahl, während auf das Telephon nur 28 Proz. entfallen. In den Vereinigten Staalen dagegen werden 57,8 Proz. aller Mitteilungen durch den Fernsprecher erledigt und nur 40,9 Proz. bleiben dem Brief vorbehalten. Während der letzten 4 Jahre zeigt die Zahl der Ferngespräche auf der ganzen Welt eine stetig wachsende Zunahme. Im Jahre 1911 wurden 22 Milliarden Telephonverbindungen hergestellt; im vergangenen Jahre stieg diese Ziffer um nicht weniger als 3 Milliarden und erreichte insgesamt 25 Milliarden Ferngespräche. —(Die Wehrmacht Rumäniens.) Aus Anlaß der zwischen Rumänien und Bulgarien entstandenen Schwierigkeit werden über die Größe des rumänischen Heeres folgende Mitteilungen gemacht: Rumänien besitzt ein sehr gut ausgebildetes und hervorragend organisiertes Heer. Im Frühjahr 1908 ging Rumänien zur zweijährigen Dienstzeit für die Infanterie über. Am 1. Oktober 1912 trat dann eine völlige Neueinteilung des Heeres und eine Abänderung hinsichtlich der Gesamtdienstzeit in Kraft. Seitdem besteht das Heer aus zwei Teilen: der aktiven Armee mit ihren Reserven und der Miliz. Die aktive Armee und Reserven bilden im Kriege das Feldheer, die Miliz dient zum Schutze des Landes oder sie wird zu selbständigen Formationen innerhalb des Feldheeres zusammengefaßt. Nach dem letzten Etat beträgt die Friedensstärke des rumänischen Heeres rund 100 000 Mann, 21000 Pferde, 580 Geschütze und 150 Maschinengewehre. Die Kriegsstärke der Feldarmee soll ungefähr 210000 Mann einschließlich der Ersatztruppen und der Besatzungsformationen 450000 Mann betragen. In Rumänien besteht die allgemeine Wehrpflicht. Sie beginnt mit dem 21. Lebensjahre und dauert bis zum 48. Lebensjahre. Jeder Rumäne hat sieben Jahre davon beim stehenden Heere zu dienen, zehn Jahre in der Reserve, die letzten vier Jahre in der Milig. Die Fußtruppen stehen zwei Jahre unter der Fahne, während der übrigen fünf Jahre des aktiven Dienstes sind sie beurlaubt. Der Frontdienst der anderen Truppengattungen dauert drei Jahre, während sie den Rest der aktiven Dienstzeit d. h. vier Jahre beurlaubt sind. Die Marinemannschaften dienen vier Jahre und sind drei Jahre auf Urlaub. Die Infanteriemannschaft bleibt nach Beendigung der zweijährigen Dienstzeit noch ein Jahr zur Verfügung des Kriegsministers und kann gelegentlich zum Garnisondienst herangezogen werden. Die Stärke der einzelnen Truppengattungen ist die folgende: die Infanterie besteht aus vierzig Regimentern, von denen 82 je drei Bataillone zu vier Kompagnien, eine Depotkompagnie und einen Zug Maschinengewehre zu zwei Gewehren, haben. Acht Regimenter haben zwei Bataillone, im übrigen dieselben Bestandteile und ein Kader von fünf Offizieren für ein drittes Bataillon. Ferner sind noch neun Jägerbataillone vorhanden. Die Kaders für 40 Reservebataillone bestehen schon im Frieden. Die Kavallerie wurde so vermehrt, daß die Aufstellung von zwei aus je fünf Regimentern zu Maschinengewehrzügen bestehenden Kavalleriedivivier aktiven und einer Depoteskadron mit drei tion möglich ist. — Die gefühlvollen Rosse von #ertebn)„Man, schreibt der„Frlf. Ztg." Die Pferde berechnen schon siebenstellige Logarithmen, die Hunde halten tissinnige Monologe, und bereits dräut die Zeit, in der der homo sapiens auf Altenteil gesetzt in stummer Ueberflüssigkeit der geistigen Betätigung aller übrigen Kreatur zuschauen wird. Einen beachtenswerten Fortschritt in der Emanzipierung unserer vierbeingen Mitbürger weiß die Fama aus Iserlohn zu melden. Wenn ein Iserlohner stirbt, halten ihm Pferde den Nachruf. Damit ja kein blaspheimisches Mißverständnis entstehe: die üblichen kirchlichen und weltlichen Grabreden werden auch in Iserlohn abgehalten. Ein neues Moment aber ist, daß auch die von Berufswegen würdevollen Pferde der Leichenbestattung das Ihrige zur Vervollkommnung der Trauerstimmung beitragen. Schreitet man an der linken Seite solch eines Gaules, liest man auf seiner silberbestickten Decke:„Traurig ist unsere Pflicht...“ Geht man auf die andere Seite, vernimmt man der Dichtung Fortsetzung:„Gern erfüllen wir sie nicht...“ Wie schön muß es sein, in Iserlohn begraben zu werden. —(Der schriftliche Heiratsantrag obligatorisch.) Aus Newyork wird berichtet: Die jüngste amerikanische Neuheit auf dem Wege zu einer Reform der Ehegesetze ist eine Bewegung, die auf gesetzlicher Basis bei Heiratsanträgen die schriftliche Form obligatorisch machen will. Alle Heiratsanträge, die nicht Schwarz auf Weiß erfolgen, sollen fortan als ungültig angesehen werden. Wird das Gesetz genehmigt, so können künftige Prozesse wegen Bruch des Eheversprechens nur noch angestrengt werden, wenn der Kläger einen schriftlichen Heiratsantrag des Beklagten vorweist. Schon ist ein unternehmender amerikanischer Verleger im Begriffe, diese Idee auszunutzen und kündigt feiersichst an, daß er zum Frühjahr, zum Beginn der Reisezeit, allen jungen Damen Heiratsantragsforlave liefern will. Jede junge Amerikanerin sollte in Gesellschaft und besonders im Sommer im Seebade die hübsch ausgestatteten Formulare bei sich tragen. Gie sind so leicht und so bequem auszufüllen wie eine Tanzkarte, alles ist vorgedruckt, und es kommt nur darauf an den Herrn dazu zu bringen, das Formular auszufüllen und zu unterschreiben. Die neue Bewegung gefährdet natürlich die Pläne der Eugenisten, die Eheschließungen auf eine wissenschaftliche Basis stellen wollen und ihrerseits verlangen, daß Verlobungen ohne amtliche beglaubigte Verlobungserlaubnis ungültig sein sollen. Nach den Forderungen dieser Reformatoren müßte der ehelustige junge Mann sich zunächst von einem amtlichen Arzte einen Verlobungsschein verschaffen; erst dann gewinnt er das Recht, einen Heiratsantrag zu machen, und erst dann darf er das Eheantragsformular ausfüllen. Die jungen Damen werden also fortan gut tun, bei Heiratsanträgen auf der Stelle den Vorweis des Verlobungsscheines zu verlangen und dann erst das Formular unterschreiben zu lassen. Das Verfahren ist zwar umständlich, aber wahre Liebe versetzt Berge. Löttringhausen und Schwerte=Letmathe beschäftigte und für beide Projekte mit aller Entschiedenheit eintrat. Die in dieser Versammlung gewählte Kommission, die diese Angelegenheit weiter betreiben sollte, hat sich jetzt nach Berlin begeben, um im Eisenbahnministerium in ihrer Mission vorstellig zu werden. Noch ein neues Eisenbahn=Projekt. Eine Versammlung interessierter Kreise aus Balve, Allendorf, Sundern usw. fand dieser Tage in Balve im Hönnetal statt, um über die Weiterführung der Eisenbahn Dortmund=Schwerte=Iserlohn nach Balve=Allendorf=Sundern=Endorf=Finnentrop zu beraten. Diese Strecke dürfte sich zweifellos als eine der rentabelsten Strecken des Sauerlandes erweisen und den größten Teil des Kreises Arnsberg mit seinen reichen Kalksteinlagern auch für Dortmund und Umgegend erschließen. Bekanntlich birgt die Gegend von Allendorf große Mengen von Kalkund Eisensteinlagern, die sich sicherlich ebensogut wie die Hönnetaler Kalkwerke rentieren werden. Eine neue Haltestelle für den Theaterzug Dortmund=Iserlohn. Vom 30. dss. Mts. ab hält der Sonntags und Mittwochs verkehrende Theaterzug Dortmund=Schwerte=Iserlohn(ab Dortmund 11.15 Uhr, an Iserlohn 12.27 Uhr) auch auf der Station Hennen und zwar um 12.07 Uhr nachts. Lokale Nachrichten. Dortmund, 18. Januar. Der heutige Wochenmarkt erfreute sich keines zahlreichen Besuches. Die Anfuhr war dagegen eine sehr große. Auf dem Obst= und Gemüsemarkt war die Nachfrage matt, nur Apfelsinen und Aepfel wurden lebhafter begehrt, die im Preise nach wie vor verhältnismäßig niedrig stehen. Die Apfelsinen wurden dutzendweise zu 40, 50 und 60 Pfg. abgegeben. Ganze Waggons von Apfelsinen waren angefahren. Nicht minder war die Anfuhr von Aepfeln. Einen schönen Apfel konnte man schon das Pfund zu 80 Pfg. haben; bessere Sorten standen im Preise von 50 Pfg. das Pfund. Flott gehandelt wurde mit Blumenkohl, der heute erheblich billiger zu haben war als in der verflossenen Woche. Ein frischer Kopf kostete 25 und 80 Pfg., während noch vor kurzem 50, 60 und 70 P. gezahlt wurden. Teuer sind die Salate. Für Endivien und Feldsalat wurden verlangt 40 Pfg. das Pfund. Weiß= und Rotkohl wurden zu 40 und 50 Pfg. abgegeben, womit man um diese Jahreszeit noch zufvieden sein kann. Auf dem Fleischmarkte war die Tendenz eine wenig rege, während am Stande des städtischen Fleischverlaufs großes Gedränge herrschte. Auf dem Wildmarkte begegnete man heute ganz außergewöhnlich hohen Preisen. Für die Hasen forderte man 4,70 Mark. Die Gänse kosteten 85 Pfg. und 1 Mark das Pfund. Gute Suppenhühner hielten sich in der alten Preislage von 2,50 und 8 sich im Preise von lebendem Geflügel reichlichen Absatz, davon am meisten Tauben, Hühner und Enten. Jetzt füllt der letzte Rest! Am Donnerstag ist man dazu übergegangen, den letzten Flügel des alten Stationsgebäudes am Hauptbahnhof abzubrechen. Sobald der Bau dem Erdboden gleich gemacht ist wird der Posttunnel hergestellt, der von dem neuen Postgebäude nach den Bahnsteigen führt. Gleichzeitig wird der noch fehlende Anbau für die Bahnpost in Angriff genommen. Verkehrs=Vereins=Bureau Markt 12, F. 2885. Die beiden Geschäftostellen des Verkehrsvereins Markt La und im östlichen Anbau des Hauptbahnhofes, gegenüber der Freistuhlbastei, sind vereinigt in dem Verein von der Stadtverwaltung in entgegenkommenster Weise zur Verfügung gestellten Raum Markt 12 im Erdgeschoß. Das frühere Bureau Markt La wurde abgebrochen zur Straßenregulierung, das Bureau am Bahnhof mußte vom Verein aufgegeben werden, weil der Ausübung seiner Tätigkeit von der Eisenbahnverwaltung zu große Beschrankungen auferlegt wurden. Durch die Zusammenlegung beider Bureaus wird erreicht, daß das Bureau nunmehr den ganzen Tag über von Vormittags ½9 bis Abends 8 Uhr ununterbrochen geöffnet bleibt. Dort ist Gelegenheit zum Schreiben und zur Benutzung des Fernsprechers. Kaisergeburtstagsfeier. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Einzeichnungslisten zur Teitnahme an der allgemeinen Kasergeburtagsfeier am Fredenbaum am Dienstag, dem 21. Januar, abends geschlossen werden. Anmeldungen größerer Gruppen von Festveilnehmern zur Vormerkung gusamliegender Plätze nimmt bis Mittwoch(22. Jon.) abends das Magistratsburean I(Stadthaus, Zimmer 71) entgegen. Die Strafkammer hat den Antrag des Bücherrevisors Hartwig auf Rückzahlung von 50000 pek. von der gegen Haftenklassung gestellten Kauton von 200 000 Mark abgelehnt. Dortmund=Schwerte=Letmathe und DortmundSchwerte=Löttringhausen. Wie wir bereits berichteten, sand kürzlich im Hotel„Kaiserhof“ in Jugendliche Diebe. Dem Metzger Friedvich Beckmann aus Dortmund wurden in Marten vom Wagen 16 Pfund Wurst gestohlen. Als Täter kommt die 14 Jahre alte Emma und ihr erst 9 Jahre alt Bruder Waldemar Kossin in Frage. Der Waldemar Kossin hat erst vor kurzer Zeit einen regelrechtem Einbruchsdsebstahl verübt. Beide hatten vorher schon Stiefel gestohlen. Diebe erbrachen an der Hansastraße den Laden eines Manufakturwarengeschäftes und entwendeten daraus einen größeren Posten Herrenwäsche sowie mehrere Herren=Anzüge und Ueberzieher. Der Schaden der Firma beträgt zirka 500 Mark. Einem Händler an der Schützenstraße wurde gegen Mittag aus einem Hausflur eine Waschmaschine, (Marke Westfalia), gestohlen. Der Täter, welcher von einem Schüler beim Forttragen der Waschmaschine gesehen worden ist, entfernte sich in der Richtung der Kesselstraße.— Am Nordmarkt wurden einem Anwohner aus dem Hühnerstall 24 Hühner entwendet und an Ort und Stelle abgeschlachtet. Unfall. Während der Arbeit fiel heute Vormittag auf der Zeche Kaiserstuhl 3 der Arbeiter I. Schuhmacher, Gronaustraße 29 wohnhaft, von einem Gerüst und trug solch schwere innere Verletzungen davon, daß er sofortz in das Krankenhaus transportiert werden mußte. Ein Stück Dortmunder Vergangenheit steht wieder einmal vor seiner Vernichtung. Wie schon berichtet, hat man vor einigen Tagen mit dem Abbruch der früheren Kopfermann'schen Besitzung am Markt begonnen, die dem Hültenschmidt'schen Apotheken=Neubau weichen muß. Als der Herbrechter'sche Neubau am Ostenhellweg aufgeführt wurde, bot das Straßenbild durch den freigelegten Giebel der Kopfermann'schen Wirtschaft einen so unvortetlhaften Anblick, daß sich die Stadtverwaltung entschloß, Vorkehrungen zu treffen, den schlechten Eindruck zu beseitigen. Es wurde ein provisorischer Bau errichtet, in dem das Geschäftsbureau des Verkehrsvereins untergebracht wurde, das nunmehr in das frühere Pottgießer'sche Haus am Markt verlegt worden ist. Interessieren dürfte allgemein, daß das nunmehr zum Abbruch gekommene Wirtschaftsgebäude zu einem der ältesten Bauten Dortmunds gehörte. Das Alter dieses Hauses schätzt man auf wenigstens 200 Jahre. Es war ursprünglich ein Patrizierhaus, wie man es noch an der Ecke des Ostenhellwegs und der Schliepstraße findet. Ein ähnliches Haus befand sich an der Stelle des jetzigen Reichshofs am Bachmann zu 1 Monat Gefängnis. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er die Strafe annehme, antwortete er mit einem kräftigen Ja. Westenhellweg(Biedermeier) dem Brauereibesitzer Wenker=Doert gehörig. Aelter noch soll das Gebäude der Adler=Apotheke sein, das im Jahre 1871 in den Besitz der Familie Hültenschmidt überging. 28 soll eir P enheit von mindester: Das Haus son eine Vergangenhei, von mindestens 250 Jahren haben. In den vorhandenen Grundbuchakten lassen sich nähere Feststellungen nur bis zum Jahre 1797 machen. Damals befand sich die Apotheke in den Besitz der Familie Mallinkrodt, die in Dortmund seit Jahrhunderten eine große Rolle spielte und namhafte Familienglieder in den Stadtrat entsandte; auch ein Bürgermeister gleichen Namens ist in der Geschichte der Stadt Dortmund zu finden. Wie lange die Adler=Apotheke im Besitze der Familie Mallinkrodt gewesen ist, läßt sich mit genauer Sicherheit nicht nachweisen, bekannt ist nun, daß hinterher ein gewisser Erdmann und nach diesem ein Apotheker Schreiber das Geschäft geführt hat. Der Neubau der Adler= Apotheke wird in der Weise ausgeführt, daß zunächst das Grundstück Markt 2 bebaut wird. Ist dieser Teil fertig, dann wird die jetzige AdlerApotheke abgebrochen und zugleich werden die kleinen Hütten am historischen Schuhhof dem Erdboden gleich gemacht. Damit verschwindet auch ein Stückchen Romantik. Seit vielen Jahren wird in diesem Häuschen eine Wildhandlung betrieben, denn der Marienkirchhof wurde von altersher zu Marktzwecken benutzt und die Händler siedelten sich in der Nähe des Wochenmarktes an. Durch den Neubau der Adler=Apotheke wird inmitten der Aktstadt ein ganz neues Straßenbild geschaffen, das einen großstädtischen Eindruck macht. Wegen Betrugs und Diebstahls heute vor dem Schöffengericht die laubmörder Schmied Friedrich Schwehatten sich kendieck und der Kutscher Johann Bachmann von hier zu verantworten. Es wurde jedoch nur der zum Tode verurteilte Schwekendieck vorgeführt; der zu 10 Jahren Gefängnis verurteilte Bachmann war wegen zu weiter Entfernung(er verbüßt die Strafe in Herford) vom Erscheinen entbunden. Die Angeklagten wurden heute beschuldigt, im August v.., burze Zeit nach der Verübung des Mordes an der Hauptpost dem Kaufm. Müller ein Fahrrad gestohlen zu haben; den Diebstahl gaben sie unumwunden zu. Ferner waren sie geständig, zur selben Zeit einige Bäckermeister um Lebensmittel beschwindelt zu haben. Wie allgemein bekannt ist, hatten die Mörder den Lefarth bis aufs Hemd beraubt, aber für die Sachen nur 5 Mark erlös herausgeschlagen, die sie noch am selben Abend im Kino und Zirkus verjubelten. Der Brotschwindel war ihnen leicht gemacht, denn sie kannten verschiedene Kunden, die bei den betreffenden Bäckern kauften, auf deren Namen sie die Brote entnahmen. Schwekendieck legte in allen Punkten ein Geständnis ab, was auch Bachmann getan hat, nur behauptete dieser, zu den SchwindeSchwerte eine Versammlung von Vertretern der leien von Schwekendieck angestiftet worden zu sein, Handelskammern, der Kreise, Gemeinden, Indu= was dieser auch nicht bestritt. Mit Rücksicht auf striellen etc. statt, die sich eingehend mit der Frage das volle Geständnts ließ das Gericht Milde walten des Ausbaues der Eisenbahnlinten Schwerte= und verurtellte Schwekendies zu 4 Wochen und Die langen Hutnadeln an den Küten des schönen Geschlechts haben in hiesiger Stadt schon viel Aerger hervorgerufen, seitdem der Direktor der Straßenbahn eine Verordnung zu erlassen Veranlassung gab. Daß die Verordnung, die Nadelspitzen mit Schützern zu versehen, gerecht ist, wird niemand bestreiten, denn schon manche Unglücksfälle sind dadurch hervorgerufen worden. Seitens der Straßenbahndirektion wurden die Schaffner mit Spitzenschützern ausgerüstet, die von den Damen in der Straßenbahn gekauft wurden, um so eher, da der Preis nur 5 Pfg. beträgt. Am 29. Oktober v. Jahres fuhr die Ehefrau des Schlossers Richardt in der Straßenbahn, wobei der Schaffner bemerkte, daß der Fahrgast eine außergewöhnlich große Nadelspitze ungeschützt hervorstehen hatte. Dies gab ihm Veranlassung, der Frau einen Spitzenschützer anzubieten. Da diesem Verlangen nicht entsprochen und auch die Nadel nicht entfernt wurde, mußte die Frau den Wagen verlassen, worüber sie so erregt wurde, daß sie dem Schaffner zurief:„Sie dämlicher Affe!" Durch diese Aeußerung machte sie sich der Beleidigung schuldig, weshalb sie sich heute vor dem Schöffengericht zu verantworten hatte. Das Gericht zog ihre Erregung in Betracht und erkannte nur auf eine Geldstrafe von 6 Mark. Die Eheleute Wilhelm Frieling, Wambel, gen amn 10 d omn dag Taßzt der anfeiern am 1v. v. M. zeit. dest der silbernen HochPatienten finden im Kaffee Hag, dem eoffelnfreien Bohnenkaffee, den gleichen Geschmack des Kaffees, ohne eine Erregung des Herzens zu verspüren uns reitenden Jockehs, um auch über Winte Form zu bleiben, nach Johannisburg. Man sich z. B. den Jockey des Königlich preuß### Hauptgestüts als Träger der Farben eines Bas## häuptlings vor. URORRARRBORSA Geheimrat Exzellenz v. Leyden. (Vortrag„Herzueurose und deren Behandlung“.) Fay': ächte Sodener Mineral-Pastillen Sport. werden aus den Hellquellen III u. XVIII der Gemeinde Rad Soden em Tauaus bergestallt, die eich seit Jahrhunderten bei Busten, Beiserkeit, Bronchlalkatarrh# 9 veraüglich bewührt heben. Hechehmungen weise man eurüch. Preis a5 Ptr. per Gahachtel, üher=ll arkpltljeh. Ein Basuto=Häuptling als Rennstall=Besitzer. Wie der„Sportsman" berichtet, herrscht in den rennsportlichen Kreisen von Johannisburg(Südafrika) große Aufregung, weil der Johannisburger Turf=Club mehrere Nennungen des Basutohäuptlings Il'Tsiing für sein Pferd Mow für das Sommer(Christmas) Meeting angenommen hat. Aehnlich wie in Amerika besteht auch in Transvaal eine strenge Scheidung zwischen Weißen und Farbigen, und man ließ weder Pferde von Eingeborenen laufen, noch farbige Jockeys reiten. In Natal und der Kapkolonie ist man dagegen in dieser Begiehung nicht so streng. Mehrere Mitglieder des Johannisburger Turf=Klubs haben nun erklärt, daß sie sich vom Rennsport zurückziehen werden, wenn die Nennungen des Basultohäuptlings aufrecht erhalten werden. Die Vorgänge in Johannisburg sind auch für deutsche Verhältnisse nicht ganz ohne Interesse, denn verschiedentlich gehen die bei S.. Gat echaohenr MGGVESDOGDOGDOSDASPASDSSDE Konkurs=Nachrichten. Ueber den Nachlaß der am 11. Dezember 191# Köln verstorbenen Witwe Oskar Haak, Matt geb. Stampfer, Inhaberin einer Zigarrenhand# zu Köln, Friedrich Wilhelmstraße 8 ist das kursverfahren eröffnet. Erste Gläubigerversat lung und allgemeiner Prüfungstermin am 12.9 bruar 1913, vormittags 11 Uhr vor dem KönAmtsgericht Köln, Abt. 64. 86 In dem Konkursverfahren über das Vermit des Rentners Bernhard Leyden zu Köln=Nin Steinberger Straße 28, ist der Schlußtermin den 12. Februar 1918 bestimmt. In dem Konkursverfahren über das Vermit des Kaufmannes Cuno Haltermann, Inhaber## Farbwarengeschäftes unter der Firma Cuno Ha# mann zu Köln, Erftstraße 18, jetzt Berlin=Wilme dorf, Wittelsbacher Straße 25, ist der Schlußter## auf den 12. Februar 1918 bestimmt. „ Fge T Scuas in meinen neuen Riener 2x-JAhrige Peteste und größte Anstalt dieser Art in. Mmsoihomt heden-Mieller 22-jährige Pltest und arböte Anstalt dieser Art in Pravis! Westsalen; als besonders leistungsfähi Prakis: allgemein anerkannt. 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Wie wir hören, sin schen den Parteien eine andererseits noch in volle legt großen Wert darau noch vor Schluß des Lan Aber auch die Parteien! daß die Reform zustan nämlich, so bleiben die p# verändert mindestens noDas kann den Parteien gerade vor sei unmöglich erwünscht# bestehen muß, die durch auferlegte Last wenigste Staatseinnahmen all zu der ersten Lesung des und Freikonservative be stens durchblicken lassen, gung der Zuschläge ihne Kunst uub Madetorbeiten Was jetzt in lichtflute der Tanzmusik an Deas ist zu einem guten Tei liche Mode gewesen. Z1 hatten ernstere Leute Kleidungsart einfach als auch wenn sie eben als? spazieren geführt wur Obrigkeit bekundete sold 14. Jahrhundert erging ordnung, wonach die 3 Reihen von Krausen ha Kleid„durch Engnissee Stadtbehörden mußten unwilligen Damen mar chen. 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Januar. e3 gewinnt immer mehr den Anschein, als ob die Madungen einiger Berliner Blätter, daß die Steuerresorm bereits als gescheitert zu betrachten sei, weil sich unüberbrückbare Gegensähe wpischen Parlament und Regierung, in der be der ensen hestosg bi Sae. Vezähshng zwischen Abgeordnetenhaus und Finanzmtgister über die Frage der Steuerzuschläge ausgeschlossen sei, auf Grund der Meldung über den Termin der preußischan Landtagswahlen gekommen. Aber auch diese Meldung war, obwohl vom Wolf'schen Bureau verbreitet, nicht ganz vichtig, oder wenigstens ungenau. Der Tevmin der Wahlen ist nämlich noch nicht definitto auf den 14. Mai bezw. den 2. Juni festgesetzt, sondern diese Tage sind vorläufig in Aussicht genommen, falls das haus bis dahim mit seinen wichtigsten Arbeiten fertig werden sollte. Und die Mitteilung an die Parteifühner erfolgte zu dem Zweck, daß das Haus sich mit seinem Arbeitspensum einrichten Könne. Es ist mm sehr wohl möglich, die Steuengesetze noch bis zum Schluß der Legislaturveriade zu erledigen. Wenn erst einmal eine Verständigungsfornuelk gefunden ist, wich die gweitz, ugd, drite De. sung nicht uuodher Abguligge, giezetge, zeiger G. anz men, wie die Veratung, sper Veszter, Gr sge corenten Grund eines Komprowisses zustande sind. Wie wir hören, sind die Verhandlungen zwischen den Parteien etnerseits und der Regierung andererseits noch in vollen Garg, 26. legt großen Wert darauf, noch vor Schluß des Landtages durchgeführt werde Ader auch die Parteien haben ein Interesse daran, daß die Reform zustande wurmt, Scheitert sie näkmlich, so bleiben die proviforischen Zuschläge unverändert mindestenz noch ein Jahr lang bestehen. Das kann den Parteien aber gerade vor den Wahlen eseiante iae derichen R ascher. br. Staatseinnahmen all zu staonk zu beschneiden. Bei der ersten Lesung des Etats hoben und Freikonservative bereits erkärt, oder wenigstens durchblicken lassen, daß die gänzliche Beseittund ber beilciter brem dicht mnotuatg ertecn. Kunst und Wissenschaft. Modetorheiten im Mittelalter. Was jetzt in lichttlutenden Sälen unter prickelnder Tanzmusik an Maskenkostümen auftaucht, das ist zu einem guten Teil in früheren Zeiten wirkliche Mode gewesen. Freilich schon Anno dazumal hatten ernster: Leute das Gefühl, daß manche Kleidungsart einfach als Madkergde ageztebgn, Jet, auch wenn site eben als das Uebliche auf den Gassen spazieren geführt wurde. Besonders die hohe Obrigkeit bekundete solche kritische 14. Jahrhundert erging in Speier eine ordnung, wonach die Frauenhauben höchstens vier Reihen von Kraufen haben sollten, auch dürfe kein Rleid„durch Engnisse eingezwungen“ werden. Die Stadtbehörden mußten aber schließlich doch den unwiligen Damen mancherlei Zugestägdnisse gochen. Glocken, Schellen, Federkränge, Kappen ader Gugeln von vier Ellen Tuch, Schleppen bis über zwei Ellen, lächerlich lange Schnabelschuhe, Ueberladung an Perlenschnüren und Goldketten.— da begreift man die grimme Satire eines Sebaitian Braut:„Es kommt daber eines Bürgers Weib vtel stolger, denn eine Gräfin dut wo jetzt Geld ist, da ist Hochgemut. Was eine anderen sieht, darauf ohn Unterlaß sie dichtst!“ Schon früher hatte der berühmte Prediger Verthold von Regensburg den allzu modischen Vaur te cher euit dern usit elen ee. sen, daß sie das Fortbestehen der Zuschläge in der jetzigen Form für unerwünscht halten. In dieser letzteren Hinsicht sind alle Parteien des Hauses einig, wie ja auch der von der Steuerkommission angenommene Antrag auf allmählichen Abbau der Zuschläge zeigt, den die Regierung freilich für unannehmbar erklärt. Die Meinungen der Parteien gehen nur darüber auseinander, was an Steile. der jetzigen Zuschläge treten soll. Die beiden Rechtsparteien wollen nur eine andere Form, die äußerste Linke will sie ganz beseitigen. Die Haltung des Zentrums ist nicht ganz klar. Die Nationalliberalen stehen zwar prinzipiell auf dem Standpunkt, daß die Zuschäge angesichts der guten Finanzlage abgeschafft werden könnten und müßten, wenn auch vielleicht erst allmählich. Sie werden aber mit sich reden lassen und Entgegenkommen gegen die Wünsche der Regierung zeigen, wenn diese ihnen auf anderem Gebiete Konzessionen macht. Bei dieser Sachlage ist es voweilig, von einem Scheitern der Steuerreform zu sprechen. Die Parteien selbst sind ernstlich bemüht, die bisherige müthevolle Arbeit doch noch zu einem Abschluß zu bringen, das zeigt auch ein bereits von den Konsernativen eingebrachter Vermittelungsantrag, der einen Ausgleich zwischen den divergierenden Meinungen schaffen will und ihn mit einigen Aenderungen auch schaffen kann. Der Antuag, dessen Hauptfehler darin besteht, daß er sehr komplziert ist, lautet:„Uebersteigt die Einnahme an Einkommen= und Ergänzungssteuer für, das Jahr 1911 das um.5 Prozent vevminderte Erhebungssoll zuzüglich 5 Prozent und für die folgenden Jahre einen um je 5 Prozent erhöhten Betrag, so sind die Ueberschüsse zu einem besonderen, von dem Finanzmimister zu verwaltenden Fonds abzufühven. Der Fonds einschließlich seiner auf 8 Prozent zu berechnenden Zinsen ist zunächst zur gängung der Einnahmen an Einkommen= und Ergänzungssteuer bestimmt, soweit sie hinter der in Satz 1 bezeichneten Grenze zurückbleiben. der Fonds nebst den Zinsen die Höhe von 10 Prozent oder eines Vielfachen von 10 Prozent der nach 1 8 des Gesetzes vom 26. Mai 1900 zu erhebenden Ginkommensteuerzuschläge, so hat der Finangminister für das kommende Steuerfahr eine entsprechende Evmäßigung der zu erhebenden Einkommensteuerzuschläge zu verfügen. Die bei den Jahresbertaigen der ermäitzigten Steuegzschenr„sieh er gebenden nicht durch zwanzig teilbaren Pfennigbetrüge werden nach unten auf den nächsten durch zwangig teilbaren Pfennigbetrag abgerundet.“ So, wie der Antvag vorliegt, dürfte er kmum anzunehmen sein, schon weil er die nötige Klarheit vermissen läht. Twtzdem aber dürfte er eine bmnuchbore Unterlage für weitere Verhandlungen geben, so Wistse aschm at enr Gestehton enrd mit auf eine Verabschiedung der Steuerreform noch keineswegs ganz geschwunden sind. Eisenbahnerwünsche. Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses hat in ihrer lebten Sitzung über eine Reihe von Bittschriften aus Eisenbahnerkreisen des Industriereviers verhandelt, ihnen jedoch in der Mehrzahl wenig, Gegenliebe erwiesen, da die Kommission bei fünf Bittschriften zu beantragen beschloß: das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: über die„Petitionen zur Tagesordnung überzugehen. Der Verband deutscher Eisenbahn=HandwverkerKolonnenführer in Siegen hatte um etatsmäßige Anstellung der Handwerser=Kolonnenführer mit einem Gehalt von 1400 Mark, steigend in 15 Jahren auf 2000 Maxk, gebeten. Der Regierungsvertreter drang mit seiner Darlegung durch: daß die Kolonnenführer keine so großes. dernde Stellung einnähmen, daß ihnen das Beamtenverhältnis bewilligt werden könne. Die Bittschrift des Verbandes deutscher Eisenbahnwerkführer in Witten wünschte die Ueberführung der Werkführer in das mittlere Beamtenverhältnis und Aenderung der Anstellungsverhältzuisse. Ein Regierungsvertreker erklärte, daß das Verfahren der Verwaltung bei der Anstellung der Gerechtigkeit entspreche. Das Eisenbahndienstalter müsse entscheidend bleiben, weil sonst Anwärter benachteiligt werden würden, die ohne ihr Verschulden verspätet in den Veamtendienst hineingekommen feien. Der Berichterstatter beantragte sodann den Uebergang zur Tagesordnung. Der Verband deutscher Eisenbahnrotten= und Hilferottenführer in Dahlhausen bemühte sich in seiner Bittschrift um Schaffung einer neuen Beamtenklasse, der„Unterbahnmeister“ für die Rottenführer, Gleichstellung mit den Werkführer im Gehalt und Rang, Gewährung des Lohnes der Werkstätten=Vorarbeiter an die Hilfsrottenführer und Aenderung der Pensionsverhältnisse. Da es sich nach Ansicht der Kommission bei dem Antrage um eine Durchbrechung der Besoldungsordnung handle, wurde ebenfalls Uebergang zur Tagesordnung beschlossen.— 1 Aus der prinzipiellen Erwägung: daß sie Nenderungen der Besoldungsordnung„voraussetzen, wurde auch über die Bittschrift des Weichenstellers Schlaadt in Köln um Festsetzung! Weichensteller auf 1400 Mark, steigend in 15 Jahren auf 2100 Mark, und Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses, und die Bittschrift des Eisenbahnpachmeisiers Bremer in Köln um Festsetzung des Gehalts der Packmeister auf 1400 bis 2000 Mark Weache d Buschchn ur Gorchechune Ge gehen. Teilweisen Erfolg hatte die Bittschrift des Rangierführers Hoffmeister in Bochum um Gleichstellung der Rangierführer mit den Schaffnern bezüglich der Nebengebühren in Form einer pensionsfäbigen Rangierzulage, Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses. Abkürzung der Gehaltstufen von 15 auf 19 Jahre und andere Regelung der Anstellungs= und Beförderungsverhältnisse. Der Regierungsvertreter sprach sich gegen die Bittschrift aus. Die Anstellung von Arbeitern, die zum Unterbeamten geeignet seien, hänge von den Verhältnissen des einzelnen Bahnhofes ab, zu welchem Zeitpunkte ein geeigneter Arbeiter in den Beamtendienst übergeführt werden könne. Da sei es nicht zu vermeiden, daß manche sehr gut geeignete Arbeiter später als jüngere und nicht besser geeignete in den Beamtendienst übergeführt würden. Der Berichterstatter beantragte sodann, über die Punkte 1, 2, 8 und 4 der Petition zur Tagesordnung überzugehen, die Punkte 5 und 6 aber der Königlichen Staatsregierung als Material zu überweisen. Die Kommission beschloß demgemäß. Um Gleichstellung der Wagenmeister mit den Lokomotivfühern in Rang, Gehalt und Wohnungsgeldzuschuß, Einführung des Titels Oberwagenmeister, Vermehrung der etatsmäßigen Stellen, höhere Stellenzulagen für die Wagenwärter und Dicktare, Lohnerhöhung für die Hilfswagenmeister, Vorlängerung des Erholungsurkmubs und Gewährung einer Nachtdienstzulage“ bat der Verband deutscher Eisenbahn=Wagenmeister in Laer(Krais Bochum). Unter Ablehnung der anderen Wünsche beschloß die Konmmissian auf Antung des Beuichterstatters zu beantragen: Das Haus der Abgeondrueten wolle beschließen: 1. die Petivion II 625, soweit sie sich auf die Gewährung einer Nachtdieastzulage beziehe, der Abmiglschen Staatsregierung als Matertal gu übrrweisen: 2. soweit sie eine Berücksichtigung der Altpensionäus wünsche, dunch die diesbegüglichen Erklärungen dar Könglichen Staatsuegierung für ersedigt zu erkläven: 3. soweit sie auf Lohnarhöhung Verlaihung des Titals Oberwagenmaster“ Vermehrung der etatsmäßigen Stellen, Gewährung höherer Stellenzulagen und Verbessarung der Urlaubsverhältgisse genchtet ist, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Woanschasten vunn d ur ant e cden belegenen Wirtschaft des Angeklagten wurde längere Zeit hindurch das Tröpselbier mit frischem Bier vermischt und diese Mischung den Gästen vorgesetzt. Die Angeklagten haben dies auch gar nicht bestritten, wohl aber geltend gemacht, daß das angebliche Tröpfelbier aus ganz frischem Bier bestanden habe, das beim Einfüllen in das Glas übergelaufen und in einen darunterstehenden Kruge aufgefangen worden sei. Das eigentliche Tröpfelbier sei stets durch den durchlöcherten metallischen Untersatz nach unten gelaufen und nicht mitverwandt worden. Das Gericht hat es nicht als erwiefen angesehen, daß Tröpfelbier verwandt worden ist, deshalb hat es keine Nahrungsmittelfälschung angenommen, sondern nur eine Unsauberleit bei der Bedienung. Auf die Revision des Staatsanwalts hob indes das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Das Publikum, so wurde ausgeführt, nimmt in der Regel an, daß es Bier erhält, welches direkt durch den Hahn in das Glas geleitet worden ist. Ge häte geprüft werden müssen, ob die Gäste des Angeklagten solches Bier zu erhalten erwarteten. Da durch Zeugen bekundet ist, daß das aufgefangene Bier oft bis zu dreiviertel Stunden unter dem Hahn gestanden hat, ehe es in die nicht gang vollen Gläser geschüttet wurde, so liegt ein Widerspruch im Urteile, wenn es annimmt, daß es sich nicht um verdorbenes Bier gehandelt habe. Auch muß Bier, daß über die Hand des Einschänkenden geflossen und dann wieder aufgefangen worden ist, als elelerregend angesehen werden. Vermischtes. Versuchen ## Siei Kombela Die nichtfettende Hautcrôme! Velberchmt und urstlich ampichlen gur Hast. uud Schönheltepllegs, gegen maube, rote, rlesige, aulgesprungene Hände! Unerreicht gegen unschönen Telut, Mltosser etc. Tube do u. 100 Pl. Kombella-Selle 50 FL. Schanplanereme 30 Pl., Frostereme 30 PL., Schweißereme 40 Pf. Zr. hahgn in Apotheken. Progerion, Vorsämerien. hpziell bei: P. Britt, Drog, am Maxk.— a. Voautshek, Kaiserstraße 10 u Rheinischestraße 97.— Ceurgd Miler, —(Tröpfelbier.) Von der Anklage der Rahrungsmittelyerfälschung sind am 19. April 1912 Prog, Rhrinischestr.— Fritz Kilian, Drozerte, Märkische vom Landgericht Vonn ein Gasthof=Besitzer, straße 3 und Münsterstraße 44. eine Kellnerin und eine weitene Mitangetlagte sen eite er ic eiter Asheere mer, wenn sie den Gatten um sechserlei Kleidung quälten und die Hälfte des Jahres auf grotesken Haarputz verwendeten, gang zu geschweigen#e# den„Färberinnen und Gilberinnen", das heißt von den Weibern, die sich schminken. Aber die Männer waren oft noch größere Modenarren. Immer enger und immer kürzer wurden die Mannskleider. Rote, grüne, gelbe Kapuzen, wurden aufgestülpt.„Ihre Mannheit lästernd, spottet eine alte Limburgere Chronik,„nahmen viele weiblichen Gebrauch an, trugen lange Haare, kämmten und bleichten sie naß an der Sonne. Andere nahmen ein heißes Eisen, brannten und drehten ihr Haar daran, und se schöner einer das konnte, se schhner er sich zu sein bedünkte.“ Sehr ergötzlich liest sich auch die begeichnende Sattre Peter Suchenwirts:„Baumwolle legst du dir vor und ziehest doch ein in den Seiten, daß du schlank seiest.... Früh und spät schmierst du dein Antlitz ein: deine Stirn glitzert und Salben bedecken deine Wangen, daß du falscher Farbe Schein gibst. Auch kremdes Haar bindest du ein und machst deine Zehen anders, als sie dir Gott gegeben hat, lang, spitz und krumm wie des Teufels Rase.“ Auch die Dienstboten wollten jede Modetnacht mitmachen; im Jahre 1497 wurde ihnen vom Reichstag verboten, gestickte Sammet= und Seidengewänder zu tragen, und sich mit Gold und Perlen zu schmücken. Als zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Französelei in Deutschland eindrang, gab es eine Tgrcdne aidmiche Achermastgrehe. Gulch) schuhe, kurmhoch gedrabtete, Haarfrisuren mit Bändern und Puder, Reifrock, Schönpflästerchen— und dagu natürlich auch die von Frankreich geborgten Manieren und Redewendungen. Massenhafter Hutz mit protzenhafter und übernungneterter Außenwirkung wurde daraus, so daß Kotzebue berichten konnte, zur Garderobe einer Dame gehörten mindestens 600 Kleider, 365 Frisuren und ebenso viele Schuhe. S. C. Die wir dem Die wir dem Schatten Wesen einst verliehen, Seiin Besen enst als Schatten sich vorziehen. Chamisso. Auf einem alten Friedhof in Genf stebt ein einfacher Stein mit den Buchtaben J. C. Es ist keine Grabplatte, lein Marmorstück, keine Granittafel, keine Steinsäule. Wie die Feldmarke zwischen den Aeckern durch einen Grenzstein bezeichnet wird, se erschien auch dieser Stein auf dem grünen Rasen als Flurmarke. Nur stand er in leiner Furche und keine Linie folgte seiner Richtung So mußte er etwas anderes bedeuten. Ich erschoaf fast, als ich hörte, daß dieser Stein das einzige unsichere Erinnerungszeichen an Johann Calvins Grab sei. Und das mitten in der Stadt, deren Geschichte er auf Jahrhunderte ein eigentümliches Wende uen eui e ei e duer eich und gewaltet und verbannt und verbrannt hatte, wer nicht seines Geistes sein wollte, Wie kam das! Gr hat in seinem Testament verboten, daß man ihm einen Gedenktein setze. Gost nach Jahrzehnten oder später, als sich die mündliche Ueberlieferug langsam verlor, mnag jemand diesen schlichten, kaum über den Boden ragenden Stein, gar noch mit schlechtem Gewissen, dorthir, gesetzt haben. Zwvei Buchstaben und ein poar Kubikzentimeter Stein— die fi. d das sichtbare Zeichen jenes in seiner Art Gewaltigen. Do: Tod uot herzergrt ende viecbhe. Gr nimmt das Leben zunück in seinen Schoß und fragt nach nichts, was war. Er erinnert die Menschenkinder an die leichthin vergessene Gewißheit, daß sie gleichen Ursprungs sind. Wie eine Mutter läßt er verlorene Söhne und gutgeratene Töchter gleicherweise zu sich kommen. Er legte in eine Reihe Freund und Feind. Konkurrenten, die sich gegenseitig keine Stunde Rühe gönnten, schlafen nebeneinander. Krieger, die ihre Gewehrläufe aufeinander richteten, deckt derselbe Rasen. Ausgemergeltes Alter und saftigblühende Jugend sind ihm gleich. Er kennt leine Vorrechte. Er holt sie alle, zieht ihnen chr Lebensgewand aus und läßt sie in einem weiten, stillen Reich erfahren, daß sie Erdgeborene bleiben und aus ihrer Mutter Leibe kamen. Der Friedhof sing' sein Lich der Liebe. Es ist urgewaltig rein. Alle zeine Töne erklingen in der einen Melodie von der Einheit des Menschengeschlechts und der Zusammengehörigseit alles Menschlichen. nicht malen als gierigen Herrscher und höhnischen Sieger. Gr ist größer als diese beiden. Ich möchte ihn nicht bloß zeichnen mit hohlen Gerippen und schwingender Senfe. Er ist menschlicher als diese Gräßlichkeiten. Er ist lösende Macht. Wenn der Schlaf über unsene Lider gieht und die Bänder der Muskeln leise löst, so emwpfinden wir das als wohlige Kraft einzugehen in ein Reich, daß wir nicht lennen und wo wir doch Kräfte holen, da wir ruhen und es doch in uns weiterapbeitet. Sollte der Tod etwas gang anderes sein! Konn uns dieser Mutterschoß nicht neu gebären! Wenn ich auch dem jetzt nicht weiter nachdenken will, so bleibt doch die Gütigleit jener Predigt unangetastet, die der Tod uns häll: die Predigt von der einen Menschennatur. In sie einzugehen, mag jedesmal eine harte Sache sein. Aber weit grausamer ists, daß wir im Leben nicht daran denken wollen. Vielleicht schüttelt der Tod nur den der ihm vorher nie ruhig ins Auge sah, damit er des Lebens Tag und seine Nächte richtig messen lernte. Warum braucht der Tod erst zu rusen mit dem gemeinsamen Ramen: „Menschenkinder“? Solcher Ruf und Namen klingt uns nicht fremd und rauh, wenn wir im Leben nach solchem Sinn handeln:„wir alle sind Menschenkinder und nichts anderes.: Wer des Lebens Liabe übt, erschrickt nicht vor der Liebe des Todes. Traus. AAAFORARARAEEBARAOREE für Erwachsene und Kinder. Ständiges □ EI Lager über 300 Stück zu billigsten Preisen Nk. 11.50, 15, 13, 22, 26, 32, 40 k. s. u. bis zum elegantesten Messingbett. Nur beste Fabrikate! Bettiedern, Daunen esonders preiswert und füllkräftig. Fabrikation von Steppdecken u. Naraten Weisslacklerte Möbel für Schlaf- und Kinderzimmer. """ Teinaz. Fi. Priese Ostenhellweg 23 Dortmund Ständige Ausstellung über 100 kompl. Betten.— Franko Versand. K M! K GSSAA US K FSge Srs Ladenlokal billig zu vermiet. I Buraholzstraße 33, 1. E. Laden o. Kontor 1. Kampst. 41, Nähe Hansast. zu v. Näh. Weiherstr. 6, 1. Eckladen Kaiserstr. 10, Ecke Weiherst., a. Wunsch m. gr. Lagerraum u. ar. Ladenkelle u. gr. Ladenkeller., 1. April zu vm. Näh. Rich. 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Bleiben die Forderur solchen Grenzen, daß ihre Mitteln oder lediglich u Aussicht gestellten Reicht den können, dann wür sich bescheiden und ihre 1912 einstweilen verzich dieses Jahr zurückstellen, vorlage so große Forddeckung ohnehin neue werden müssen, dann is ogar die Wahrscheinlich #verweltung die gu: 00000000 Sonntags=Ausgabe. Nr. 19.(1. Blatt). General=Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen. Sonnabend, 18. Jannar 1913. 2000000000 en RORRRRASGG □5 LOHOROARAARORRARRORAARARRORRARGRAR 0 bis Preis-Ermäßigung auf grosse Posten = Damen- und Kinder-Konfektion 8 OOSGGGHOPOHOHGGOHGPPPOOOROOOROHOOGCGAPOPOOOOOOAGGG Von Montag ab: Püaolamo P POTSs für Lomiom aisachmourerrer. RORRRERRRE gen. umen arbeiten, ibe nicht 2sien Nachteilen. e machen und 19 Ihre Ausen ne Ihnen nicht rd Ihre Arbeit te, obwohl Sie int. Darunter aft. leisten, solange ktionieren. Ist und Milfe. igen bearzwöhlösern, sondern leststellen. 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Tirpitz, wenn für das Landheer größere Summen bewilligt werden, auch seinerseits einige vorläufig zurückgestellte Wünsche für die Marine wieder vorbringt und durchzusetzen sucht. Vorläufig ist noch nichts Bestimmtes beschlossen, wenn auch die Marineverwaltung sich bereits darüber im Klaren zu sein scheint, was sie fordern will. Ob eine Flottenvorlage kommt oder nicht, wird von mancherlei Umständen abhängen. Einmal davon, welchen Umfang die Militärforderungen annehmen werden, die noch immer nicht endgültig formuliert sind, zweitens davon, wie die Deckung für diese Forderungen beschafft werden soll. Bleiben die Forderungen für das Landheer in solchen Grenzen, daß ihre Kosten aus den laufenden Mitteln oder lediglich unter Zuhilfenahme der in Aussicht gestellten Reichsbesitzsteuer bestritten werden können, dann würde die Marineverwaltung sich bescheiden und ihre Wünsche, auf die sie schon 1913 einstweilen verzichten mußte, abermals für bieses Jahr zurückstellen. Bringt jedoch die Heeresvorlage so große Forderungen, daß zur Kostendeckung ohnehin neue Einnahmequellen erschlossen Nuer de eichte Bedasch unch der dumr 6r der anderen Richtung hin zu ergänzen. Sollten neue Flottenforderungen kommen, so würden sie sich in sehr bescheidenen Grenzen halten. Unter keinen Umständen würde eine neue Basis für unsere Flottenrüstung in Frage kommen sondern, wie gesagt, nur die Ausfüllung einiger kleiner noch bestehender Lücken in unserer Flottengesetzgebung. Dazu würde in erster Linie eine Aenderung des Bantempos für die Jahre 1914—1917 gehören, und zwar in der Richtung, daß in diesen Jahren je drei Kampfeinheiten auf Stapel gelegt werden. Das würde keine Mehrforderung bedeuten, sondern nur eine andere Verteilung der Bauraten. Die Einführung des Dreiertempos gehört bekanntlich zu den alten, bisher nicht erfüllten Wünschen der Marineverwaltung. Ferner würde eine Auffüllung des Mannschaftsbestandes und eventuell eine Vermehrung des Offiziersstandes in Frage kommen. Es herrscht zwar kein Besatzungsmangel auf unseren Kriegsschiffen, aber es wäre für die Kriegsbereitschaft und Schlagfertigkeit der Marine wünschenswert, wenn verschiedene Posten, die jest einfach besetzt sind, doppelt besetzt werden könnten, zumal ohnehin schon der Dienst im Frieden ungewöhnlich große Anforderungen an die Mannschaften und Offiziere stellt, sodaß in keiner anderen Marine der Welt so angespannter und langdauernder Dienst getan wird, wie auf den deutschen Kriegsschiffen. Für den Kriegsfall, in dem man immer mit mehr oder weniger großen Menschenverlusten rechnen muß, und in dem bei der jetzigen Stärke der Besatzung die jetzt üblichen Rubepausen nicht werden müssen, dann ist die Möglichkeit, vielleicht eingehalten werden können, würde sehr bald eine pgar die Wahrscheinlichkeit gegeben, daß die Ma Erschöpfung der Mannschaften eintreten, woenn nicht ##verwaltung die günstige Gelegenheit benitzt, für die Möglichkeit der Abläsung gesorgt wird, zumal sich selten oder nie in einem Seekriege Truppennachschube, wie sie beim Landheer Brauch sind, bewerkstelligen lassen. Dazu kommt noch folgendes: Im September, wo die alten Mannschaften von den Schiffen entlassen werden, tritt für eine Zeit von mehreren Wochen jedes Jahr ein Tiefstand der Schlagfertigkeit ein, da in dieser Zeit die neuen Marinerekruten noch nicht ausgebildet sind. Es ist aber ein Ding der Unmöglichkeit, ein Kviegsschiff mit einer Besatzung, von der ein Teil noch nicht ausgebildet ist. gegen den Feind zu führen. Sollte es das Unglück wollen, daß gerade in dieser kritischen Zeit ein Seekrieg ausbrechen sollte, so würden wir gar nicht in der Lage sein, die Stoßkraft unserer Flotte voll zu entfalten. Deshalb geht der Wunsch der Marineverwaltung schon lange dahin, die Einstellung der neuen Rekruten schon einige Wochen früher vorzunehmen, so daß ihre Ausbildung in der Hauptsache vollendet ist, wenn die alten Mannschaften entlassen werden. Mit Rücksicht auf die Kosten, die diese Maßregel verursachen wünde, ist sie bisher unausgeführt geblieben. Man wird annehmen können, daß die Forderung einer früheren Einstellung der Marinerekruten in der Flottenvorlage, wenn eine solche kommen sollte, enthalten sein wich. Das sind die Forderungen, die möglichst bald erfüllt zu sehen die Marineverwaltung den sehnlichsten Wunsch hat. Ob sie sie schon in diesem Jahre wird geltend machen und durchsetzen können, hängt, wie eingangs erwähnt, von Umständen ab, auf deren Gestaltung der Marineverwaltung eine Einwirkung nicht möglich ist. Rongente, Dersine tr. Karneval im„kleinen Rat.“ Die dritte närrische Sitzung obiger Gesellschaft, welche einen Riesenbesuch zu verzeichnen hatte, bot wieder das gewohnte großzügige Bild: Ein buntes Gewoge lachender, singender, fubelnder Menschen, die als „Narrenschwestern" und„Narrenbrütder“ in schönster Harmonie Stunden des Frohfinns genießen! Nicht vom Zufall abhängig ist diese wofige Stimmung, nein, sie wird uns suggeriert durch die eriginelle Saaldekoration durch packende Lieder und humordurchtränkte Vorträge. Geist und Witz in schönstem Gewande werden in solch reichem Maße aufgetischt, daß für den Ernst in keinem Herzen Raum bleibt. Die treffliche Anondnung im Programm und die stete Abwechslung lassen die Narrenschaven nicht ermüden, man will immer mehr Neues, will immer Witzigeres hören. Das Liederheftchen der Gesellschaft hat viel Poosie aufzuweisen und bestätigt, daß zum fröhlichen Scherzen sich leicht Gedanken und Worte finden. Manchem zu früh verbündet da die Präsidentenglocke den Schluß der Sitzung— doch man bleibt noch lange an der sorglosen Stätte, man tanzt und schwelgt in den Morgen hinein und einer tröstet den andern mit den Worten: Kinder es ist nur einmal Karneval! Sport. Turnerisches.: Seit Jahren machten sich im Kreise 8a.— Westfalen und Lippe— der Deutschen Turnerschaft Bestrebungen geltend, den übergreben„Närkischen Gau mit seinen annähernd 20 000 Mitgliedern zu teilen. Nach Ueberwindung mancherlei Hindernisse ist dieser Wunsch jetzt seiner haldigen Verwirklichung näbergekommen. Aus der Mitte des Gaues ist beim Kreisausschuß des Kreises Za der Antrag aus Abtrennung des Kreises Altena vom Märkischen Gau unter Bildung eines neuen„Lenne=Volme=Gaues“ gestellt und der Kreisausschuß bat in setzer,. Sspung.#e#.#r ih. u Veriememnd Weenden deistach wrtechte: ausschuß stimmt dem Antrag auf Grüdung eines neuen Gaues im Prinzip zu und beauftragt den Kreisvertreter, das weitere baldigst in die Wege zu leiten. Der neue„Lenne=Volme=Gau“ wird 28 Vereine mit rund 7000 Mitgliedern umfassen. Deutsche Turnerschaft. Die nächste Vorvirnerstunde des 27 Vereine umfassenden 1. Bezirks des Hellweg=Märkischen Turngaues findet Sonntag den dieses Jahres nachmittags 8 Uhr beschschesce che sche e e zahlreiche Teilnahme an der vorgedachten Veranstaltung wünschenswert. Ebenso sind Freunde der Turnsache als Gäste willkommen. Fußballsport. Drei interessante Fußballspiele, bei denen sich immer fast gleichwertige Gegner gegenüberstehen, werden am morgigen Sonntag in der westdeutschen Ligaklasse in Szene gehen. Das Programm des Tages setzt sich wie folgt zusammen: In Duisburg werden sich die Duisburger Preuhen und die Nachener Alemannia um die delden Punkte streiten. Wenn auch die Nachener Mannschaft ziemlich gut ist, so ist die Preußenmannschaft in ihrer Launenhaftigkeit ein schlecht zu berechnender Gegner und dürfte so ein Ausgang des Spieles schlecht vorauszusagen sein.— Das zweite Treffen, bei dem sich nicht weniger gleichstarke Vereine gegenüberstehen, findet in Dasseldorf statt. Hier hat der Düsseldorfer Sport=Klub den Kölner Ballspiel=Klub zu Gast. Trotzdem die Düsseldorfer Mannschaft, die auch in der Tabelle sehr gut steht, sich in vorzüglicher Form befindet. sprechen wir der Kölner Mannschaft mehr Aussicht auf Erfolg zu, da man bei ihr in den letzten Spielen fesistellen konnte, daß sie den absoluten Willen hat zu gewinnen.(Sie hat's ja auch nötig.)— Das Schlußtreffen des Tages wird in Köin zwischen dem Kölner Fußball=Klucb und dem Essener Turnerbund ausgetragen. Wenn auch die Kölner Mannschaft augenblicklich nach der Ligatabelle die schlechteste ist, so dürfte es doch leicht, wenn die Essener, wie gewöhnlich bei leichten Spielen, schon glauben den Sieg in der Tasche zu haben, eine Ueberraschung zugunsten der Kölner geben. Die Heikapene zu Meinnigen unter Leitung ihres Dirigenten, des Herrn Hofrat Professor Dr. Max Reger wird am Montag, den 8. Februar an der Kronenburg ein grosses Konzert veranstalten. Eintrittakarten, jetzt noch zu den besten Plätzen, eind zu haben in der Buchhandlung Rudolf Dreist, Dortmund, Betenstrasse 16. Zur Feier des RebAfte.48 Sr. Majestät des Kaisers u. Königs findet Montag, den 27. Januar 1913, nachmittags 2 Uhr an Fredenbaum in E. Pettrktänt statt.— Gedeck ohne Wein.30 Mk. Unsere Mitbürger bitten wir, sich recht zahlreich an der Feier zu beteiligen. Einzeichnungslisten liegen aus:„Zum Biedermeier",„Bismarck= hallt".„Zum Blücher",„Bürgerhaus“,„Deutsches Haus“, „Fredenbaum",„Gewerbe=Verein",„Kafino",„Zur Krone", „Lindenhof".„Löwenhof“.„Loge zur alten Linde",„Ratskeller", „Reichskapelle",„Reinoldushof",„Rheinischer Hof“. Römischer Kaiser".„Zum breiten Stein“,„Union=Bräu(Nordstern)", „Wintergarten“, ferner in den Weinhäusern Höblich, Kopfermann und W. Stade und in den Wirtschaften von Franz Klöpper, H. Stade, Vogell und Wolters=Körne, sowie in der Zigarrenhandlung von Albert Schmidt. Der Kartenverkauf wird Dienstag, den 21. Januar, abends gechlossen. Die Festkommission. J..: Dr. Richhoff, Oberbürgermeister. #21 Ait Holland 64 Bols Staß, verbunden mit Kaffee-, Tee- und Kakao-Ausschank. Südweine. American Drinks. DORTMUND, Westenhellweg 11 Schenswertes, vornchmer Lotnlun Wichtig für praktische Damen! Montag, den 20. Januar. abends 8½ Uhr, hält die langjährige Fachlehrerin Frl. W. Hedrieh im Saale des Reinoldushofes, Wißstraße, einen lehrreichen und interessanten In dem Vortrag wird nach neuester amerikanischer Methode das Stärken, Bügeln und Glanzieren vorgezeigt und erklärt. Jede Dame kann in einer Stunde 50—60 Kragen perfekt plätten. Eintritispreis 50 Pfg. Im Anschluß daran wird ein Glanzbügel-Kursus eröffnet. Lehrzeit 3 Nachmittage. Honorar 10 Mk., das erst nach vollendeter Ausbildung zu entrichten ist. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Anmeldungen am Vortragsabend erbeten. 5100 Es ladet ergebenst ein W. Hedrich. Verkehrs-Vereins-Bureau(v. 23.3 geöffnet von ½9 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. (Vereinigung der Bureaus v. Hauptbahnhof u. 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Bei der Vernehmung stellte sich auch heraus, daß der Professor mit einer erstaunlichen Gewandtheit die verschiedensten Schriftzüge in männlicher und weiblicher Handschrift anzufertigen verstand. Sehr eigenartig ist der Entschuldigungsgrund des noblen Bräutigams. Er gab nämlich an, er habe die Briefe geschrieben, um den Charakter seiner Braut zu prüfen. Er habe sehen wollen, wie sie sich den in den Briefen enthaltenen Beschuldigungen gegenüber verhalten würde. Das Verfahren des Professors erregt umso mehr Entrüstung, als tatsächlich an der Ehre seiner ehemaligen Braut nicht der geringste Makel haftet. —(Die Schädlichkeit der hohen Absätze.) Daß der hohe Absatz, den die elegante Frauenwelt trägt, und sie zu einem unnatürlichen Gange zwingt, nicht ohne schädlichen Einfluß auf die Konstitution der Frau bleiben konnte, war vorauszusehen. In der Tat mehren sich in bedenklicher Weise die Fälle, in denen die Frauen ihre Aerzte konsultieren, um sich bei ihnen über heftige Schmerzen in den Schenkeln und in den Füßen zu beklagen. Es soll hier nicht auf die Einzelheiten der Gehmechanik des menschlichen Körpers eingegangen werden, ein Blick auf die moderne Frau und ihren durch den hohen Hacken bedingten Gang genügt, um es als selbstverständlich erscheinen zu lassen, daß die natürliche Verschiebung des Gleichgewichtes nicht ohne störende Folgen für den Gesamtorganismus sein kann. Der Schaden, den sich die Frauen durch zu hohe Hacken zuziehen, wird zum Teil noch dadurch verstärkt, daß die Trägerin solcher Stiefel, wenn sie nach Hause zurückkehrt, sich schleunigst des lästigen Schuhwerkz entledigt und es durch bequeme Hausschuhe ohne oder mit nur sehr niedrigen Absätzen ersetzt. wird der Fuß, der eben übermäßig nach oben gebeugt war, plötzlich einer starben Dehnung nach unten ausgesetzt. Unsicherheit im Gehen, Sehnenentzündung und andere schmerzhafte Erscheinungen sind unausbleiblich. Ein französischer Arzt gibt deshalb den Damen, die durchaus nicht auf den hohen Hacken verzichten wollen, den Rat, wenigstens im Hause keine absatzlosen Schuhe zu tragen, wenn schlimme Schäden der Bein= und Futzmuskeln vermieden werden sollen. —(Wie hoch ist die Tempevatur auf der Mondoberfläche]) Schon bei den alten Indiern galt der Mond als kalt und wurde der Kaltstrahlende genannt im Gegensatz zu der Wärme spendenden Sonne. Im siebzehnten Jahrhundert versuchte Tschirnhausen mit seinen großen Brenngläsern und 1705 der Franzose Lahire mit einem Brennspiegel von fast 1 Merer Durchmesser, durch Konzentration der Mondstrahlen Wärmewirkungen derselben zu erzielen auf ein Thermometer, aber vergebens. Erst 1846 gelang es Melloni mit einer Zonenkinse von 1 Meter Durchmesser, in deren Brennpunkt ein thermoelektrischer Appovat aufgestellt war, unter der Einwirkung der Mondstrahlen die Nadel im Sinne einer Wärmewirkung zum Ausschlag zu bvingen. Später hat Lord Rosse diese Wärmestrahlung ebenfalls beobachtet und feststellen können, daß sie sich mit den Mondphasen ändert, woraus folgt, daß sie nicht aus dem Innern des Mondes kommt, sondern von der Sonne stammt. Aus diesen Beobachtungen ist es aber nicht möglich, auf die Temperatur der Mondoberfläche zu schliehen, denn die Größe der Wärmestrahlung eines Körpers hängt nicht einsach von dessen Temperatur, sondern auch von seiner Beschaffenheit ab. Erst die theoretischen Untersuchungen des Mathomatikers Ferrel und die Untersuchung mit einem neuen, überaus empfindlichen. Wärmemesser(dem Bolometer), welche Frank W. Very anstellt, haben die Frage nach der Temperatur der Mondoberfläche geEöst. Very zeigt, daß die Temperatur des Mondbodens 24 Stunden vor Sonnenuntergang über einer Mondgegend bereits auf den Gefvierpunkt des Wassers heruntersinkt, während der Mondnacht die grausenvolle Kälte von 170 bis 220 Grad unter dem Gefrierpunkt des Wassers erreicht. Dagegen steigt die Temperatur des Mondbodens während des Mondtages bis zu großer Hitze mittags. So ist, wie Very betont, ein großer Teil der Mondoberfäche täglich gewaltigen Temperaturschwandungen umterworfen. Die Gesteinsmassen werden unter denjenigen Breitengraden, wo die Sonne mittags hoch über den Horizont steigt, bis zu einer Tempenatur erhitzt, welche die des kochenden Wassers übersteigt und nur die schrecklichsten Wüsten auf unserer Erde, in denen der glühende Sand die Haut versengt und Mensch wie Tier tot niederfallen, können um ihre Mittagsstunde mit ihrer Hipze der Oberfläche des Mondes verglichen werden. Nur allein die äußersten Polargegenden des Mondes genießen während des Tages eine erträgliche Temperatur. Bei Nacht aber müßten wir Höhlenbewohner werden, um uns vor der alsdann auf der Mondoberfläche herrschenden, entsetzlichen Kälte zu schützen. Bery hat durch seine Untersuchungen die Frage nach den Temperaturverhältnissen der Mondoberfläche endlich zu einem dem Standpunkt der heutigen Wissenschaft entsprechenden Abschluß gebracht. Erwägt man, daß der Mond keine Lufthülle wie die unsrige besitzt, daß dort kein Schall und kein Klang ertönt, keine Wolken mit wechselnder Gestaltung in der Höhe dahin ziehen, und kein Regen die trockenen Fluren tränkt, so erkennt man, daß die Oberfläche unseres Trabanten kein Elysium #n, sondern eine öde, tote Welt, eine Stätte des Codes und des Goauens. Was Frau Aaaßter fagl. Geehrte Redaktion! Nein, Herr Redakteur, mit diesem Flötisten! Was man da erlebt! Er hat eine angeborene Abneigung, Kostgeld zu zahlen, gerade, als ob er ein Stadtverordneter wäre, der Steuern berappen soll. Am 5. Januar hatte er noch nicht bezahlt. „Herr Flötig,“ sage ich,„wie ist's mit dem Kostgeld? Ich muß meine Lieferanten auch bezahlen.“ Der Milchmann stand dabei. Was erwiderte der erbärmliche Musikante darauf? Nun hören Sie bloß; „Das ist wohl der Dank dafür, Frau Quaßler, daß ich immer Ihr schlechtes Essen so stillschweigend runtergewürgt habe, daß Sie mich jetzt öffentlich mahnen!“ „Schlechtes Essen,“ sage ich,„das hat mir noch keiner geboten. Ich tue, was ich für 60 Mk. monatlich kann und jeden Tag kommt gutes Fleisch auf den Tisch.“ „Gutes Fleisch,“ sagte er verächtlich,„es schmeckt so süßlich und ist so grobdrähtig, daß man dran sticken kann.“ Na, ich wußte ja, worauf er raus wollte: Auf Pferdefleisch! Aber ich tat ihm den Gefallen nicht, daß ich mich ärgerte.„Wenn Sie sticken,“ sage ich, „dann sticken Sie nicht an meinem Fleisch, sondern an den Schnäpsen, die Sie sich nachts hinter die Binde gießen. Uebrigens werde ich Ihnen von jetzt an Filet kaufen, das Pfund zu 2 Mi. Ich wußte nicht, daß Ihre Kehle so zart ist. Verstehen Sie mich! Aber erst mal berappen. Wenn das Geld bis morgen nicht auf dem Tisch liegt, dann ist Schluß, verstehen Sie!" Na, da zahlte er denn, weiß Gott, wo er sichs gepumpt hat! Er will nämlich bei mir nicht raus. Erst dachte ich, er hätte an mir son Gefallen, bis ich vorgestern hinter die Musike kam. Sollte mans denken, Herr Redakteur, son Windhund und Rumtreiber, der kein ganzes Hemd auf dem Leib hat, setzt meiner ältesten Tochter, die nächstens sechzehn wird, Liebesgedanken in den Kopf. Und wie ich dahinter kam? Mittags beim Essen war in letzter Zeit immer sone Unruhe unterm Tisch, als ob da Hunde wären. Da trete ich ein paarmal feste dazwischen und komme dabei dem Musikus eklig auf die Hühneraugen; denn er schrie laut auf. „Nanu,“ sage ich,„warum stellen Sie denn Ihre langen Beine immer bis hinter unter dem ganzen Tisch durch!" Er lacht verlegen und meine Tochter, die am andern Ende des Tisches sitzt, wird ganz rot. Na, wissen Sie, Herr Redakteur, in dem Geschäft bin ich in meiner Jugend auch mal gewesen. Wir nannten das Fußeln. Als ich nun mal Lunte gerochen hatte, ging ich los und revidierte meiner Aeltesten mal die Kommode. Was meinen Sie, drei Liebesbriefe von diesem Windhund.„Nein holder Stern usw.“ Und am Schluß hieß es in dem einen:„Der Drache bewacht Dich, aber wir werden ihn überlisten. Sei morgen nachmittag 5 Uhr im bewußten Café im hintersten Zimmer und sage dem Drachen, Du müßtest in die Bibelstunde.“ Mit dem Drachen meinte der Hallunke mich. Na, dachte ich, wir werden ja sehen, wer sich überlisten läßt. Richtig, am andern nachmittag geht meine Lisbeth in die Bibelstunde.„Mein Gott.“ sage ich,„hast Du Dich aber heute lange angezogen und den Sonntagshut hast Du auch auf, ist es denn in der Bibelstunde so fein?“ „Ja,“ sagt sie, der Pastor hätte gesagt, man müßte auch mit der Zeit fortschreiten. „Sieh mal an,“ sage ich und tue, als ob ich den Schwindel glaube. Sie also fort mit dem neuen Testament unterm Arm. Daß es nicht Pech und Schwefel vom Himmel regnet bei solcher Verlogenheit der Jugend, ist alles, was mich wundert. Na, da der Himmel kein Einsehen hat, mußte ich mich der Sache annehmen. Ich also den beiden nach. Vorsichtig mache ich die Tür von der Konditorei auf und da sehe ich sie schon in der Ecke sitzen.„Der Drache kommt!" brüllte ich und stürzte mit dem Schirm auf die beiden los. Er guckt mich erst starr an, wie ein Oelgötze und dann zog er Leine. Aber wo wollte er hin? Den Eingang hatte ich besetzt. Er also weiter ins Lokal retiriert und ich hinter ihm her, was hast du, was kannst du. Schon will ich ihm in sein langes Künstlerhaar greifen, da macht er eine Tür auf und raus ist er auf die Straße. Ich dummes Luder ahnte ja nicht, daß das Lokal noch einen zweiten Ausgang hat! Draußen fährt gerade ein leeres Auto vorbei, er rein und weg war er, meinem rächenden Mutterarm entronnen. Ich nun mit meiner Lisbeth nach Hause. Sie können sich denken, Herr Redakteur. Ich habe ihren Konfirmationspastor zwei Stunden im Hause gehabt, denn das freche Ding war verstockt und sagte, sie liebte ihn. Den Bummelanten! Wo hat er bloß das Geld her, um Dich zu traktieren und dann noch Auto zu fahren? Daß mich der Schlag nicht rührte, Herr Redakteur, da kams raus: das dämliche Ding hatte ihm alles gepumpt, was sie im Warenhaus an Lohn und zu Wethnachten gekriegt hatte. 70 Mark. Und davon bezahlte er mir das Kostgeld und mit dem Rest traktierte er sie und dann fuhr er im Auto ab. Nun frage ich Sie, Herr Redakteur, wie würde Ihnen das als Mutter und möblierte Kostwirtin gefallen? Das Jahr fängt gut an, womit ich verbleibe Ihre geehrte Frau Quaßler. Literarisches. (Untenstehende Werke sind in der Buch= und Musikalienhandlung von C. L. Krüger, G. m. b. H. zu haben.) Die Wunder der Welt. Hervorragende Naturschöpfungen und staunenswerte Menschenwerke aller Zeiten und Länder in Wort und Bild; vollständig in 34 Lieferungen a 60 Pfg. von Ernst von Hesse=Wartegg. Die Lieferungen 16—20 sind inzwischen von der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart herausgegeben. Karnevals-Ulk. Sammlung heiterer Lieder, urkomischer und närrischer Vorträge, Reden und humoristischer Aufführungen. Angaben zu komischen Schattenspielen und Maskenzügen. 172 Seiten stark. Preis.50 Mark. Prinz Karneval. Praktisches Handbuch zur Leitung von KarnevalsSitzungen, Maskenzügen u. Kostüm=Aufführungen, nebst einer Sammlung fröhlicher Karnevals=Lieder, närrischer Vorträge und Reden, ulkiger Antworten des Präsidenten auf die Lieder etc. Preis.29 Mark. Prologe für Karneval. Maskenfeste. Narrenabende Preis 60 Pfg. L. Krüger, G. m. b. H. Buch= und Musikalienhandlung, Westenhellweg 9, Dortmund,(Krüger=Passage), Nr. 19. Sonntag, 19. Januar 1913. Der Sieg des Herzenl. 11 Roman von Otto Elster.(Nachdruck verboten.) Hans war niemals auf Schloß Ballhausen gewesen. Seine Knabenjahre hatte er in dem Kadettenkorps verlebt; als junger Offizier war er dann an die Westgrenze des Reiches gekommen. sodaß ihm jede Gelegenheit gefehlt hatte, die alte Wiege seines Geschlechts aufzusuchen. Auch hatte sich mit der Zeit die Verbindung der einzelnen Linien des Geschlechtes so sehr gelockert, daß an einen näheren Verkehr nicht zu denken war. Der alte Graf lud seinen Neffen nicht ein, er glaubte genug zu tun, wenn er ihm eine Unterstützung zukommen ließ, die sein Leben einigermaßen sicherstellte. So konnte Hans kein heimatliches Gefühl für das Schloß, den Park, den großen Wirtschaftshof mit seinen Wiesen, Feldern und Wäldern gewinnen. Er schaute staunend auf den Prunk dieser Hallen und Prachtgemächer, die mit den kostbarsten alten Möbeln ausgestattet waren, an deren Wänden wertvolle Gemälde alter Meister hingen, oder die Gesichter ernster Männer, schöner Frauen, der Ahnen des Geschlechtes, herabschauten. Ein festbegründeter Reichtum sah ihm überall entgegen, in dem Schlosse, im Parle, auf dem Hofe, in den Ställen und Scheunen. Hans staunte, aber er erschrak auch bei dem Gebanken, daß er der Erbe von all diesem Reichtum sein sollte. Er war es so wenig gewohnt, aus dem vollen zu leben, daß er sich von diesem Reichtum erdrückt fühlte, daß er sich fast davor fürchtete, wie vor einer dämonischen Macht, die ihn mit unzerreißbaren Ketten umgeben wollte. Er durchstreifte den Park; der Obergärtner grüßte ihn ehrerbietig und die Gärtnerburschen flüsterten hinter ihm drein. Er begab sich auf den Wirtschaftshof; der Oberinspektor trat ihm mit höflichem Gruß entgegen und fragte, ob er ihm die Ställe und Wirtschaftsgebäude zeigen solle— die Knechte und Mägde starrten ihm nach— alle sahen in ihm schon den Erben, den künftigen Herrn— Hans fühlte sich beengt und bedrückt; er dankte dem Oberinspektor und lehnte eine Besichtigung der Stallungen ab. Dann eilte er in den nahen Wald, wo ihn die Einsamkeit der Natur umfing. Hier atmete er wie befreit auf. Er dachte an Eva. Er war sich bewußt, daß er vor eine Entscheidung gestellt werden würde. Er mußte wählen: hier ein reiches, sorgenloses Leben — dort ein Leben der Arbeit, vielleicht der Sorgen. Aber hier auch ein Leben des Nüßigganges, der innerlichen Einsamkeit, ein Leben, das dem Standesbewußtsein zum Opfer gebracht wurde, ein Leben ohne Wärme, ohne Liebe— dort ein Dasein, erfüllt von Tätigkeit, von Arbeit und Weiterstreben, ein Dasein voll innerlicher Wärme, von tiefer, inniger Liebe durchglüht. Er mußte wählen— die Stimme des kühlen Verstandes raunte ihm zu:„Sei kein Tor! Greif nach der schimmernden Krone des Reichtums“— doch die Stimme des Herzens mahnte:„Gold macht nicht glücklich— Gold stillt nicht die Sehnsucht des Herzens— greif nach dem Kranz der Liebe!" Unruhevoll, mit sich selbst uneins, streifte er im Walde umher. Erst am späten Abend kehrte er in das Schloß zurück. „Hat der Herr Graf nach mir gefragt?“ wandte er sich an den Diener, der ihm im Korridor Hut und Stock abnahm. „Nein, Herr Baron. Der Herr Graf haben sein Zimmer nicht verlassen. Herr Graf wollen nicht gestört sein und lassen Herrn Baron bitten, allein zu Nacht zu speisen.“ Und dann saß Hans allein in dem großen dunkelgetäfelten Speisesaal mit dem mächtigen altertümlichen Kamin und dem prächtigen Kronleuchter. Kristall und Silber blitzte und schimmerte vor ihm auf der schneeweißen Damastdecke des Tisches, in dessen Mitte ein herrlicher Blumenstrauß prangte. Geräuschlos fervierte ein Diener ein reiches Mahl und schenkte purpurnen Wein in das geschliffene Glas. Aber Hans vermochte kaum zu essen und zu trinken. Unheimliche Geister schienen ihn gespensterhaft aus den dunklen Winkeln des nur spärlich erleuchteten Saales anzustarren. Er aß schnell und trank hastig einige Gläser Wein. Dann zog er sich in sein Zimmer zurück, um einen langen Brief an Eva zu schreiben. Während er schrieb, ward er ruhiger und sicherer in seinem Innern. Es war ihm, als schmiegte sich die Geliebte an seine Schulter und sähe mit lächelndem Auge zu ihm auf. Konnte er ihr nicht die goldene Krone auf das blonde Haupt setzen und ihrer beider Leben mit dem Kranze der Liebe und des Glückes schmücken? Diesem Gedanken sann er nach, und von diesem Gedanken waren auch seine Träume der Nacht erfüllt.— Nach dem Frühstück am andern Morgen, das Hans wieder allein in dem großen, düsteren Speisesaal einnehmen mußte, erschien der Kammerdiener des Grafen:„Der Herr Graf lassen den Herrn Baron bitten, zu ihm in sein Arbeitszimmer zu kommen.“ Hans traf den Grafen in einem hohen Lehnsefssel vor dem Schreibtisch sitzend; vor ihm lag eine durch das Alter vergilbie, umfangreiche Urkunde. Des Grafen einstmals hohe kraftvoll=schlanke Gestalt war zusammengesunken; das aristokratischschöne Gesicht, von weißem Haar und Bart umgeben, war durch tiese Falten, die Gram und Kummer gefurcht hatten, durchzogen. Nur sein dunkles Auge leuchtete in ungebrochenem Stolz unter den weißen Brauen hervor. Er war in tadellosem, korrektem Schwarz gekleidet. „Verzeih, daß ich Dich sitzend empfang“ sagte er mit tiefer, dumpfer Stimme, indem er Hans die gelblich=weiße hagere Hand entgegenstreckte.„Aber die Füße wollen mich nicht recht mehr tragen.“ „Ich bitte Sie herzlich, lieber Onkel,“ entgegnete Hans,„auf mich keine Rücksicht zu nehmen.“ „Setze Dich zu mir," war des Grafen kurze Antwort, indem er auf einen Stuhl neben dem Schreibtisch wies. Hans nahm Platz. Eine gewisse Befangenheit überkam ihn nun doch diesen dunklen, scharfblickenden Augen des alten Herrn gegenüber, den der plötzliche Tod seines Sohnes so hart getroffen hatte, ohne seinen Stolz, sein Leben doch ganz zu zerbrechen. Aber auch tieses Mitleid schlich sich in sein Herz, wenn er die Gebrechlichkeit des Grafen sah, der sich nur durch kraftvollen Willen aufrecht zu halten schien. Des Grafen Hand strich über das vergilbte Dokument. Dann sagte er: „Dein Leben wird sich jetzt ganz anders gestalten. Nach den Satzungen unserer Gesamtfamilie bist Du jetzt der nächste Anwärter auf das Familienfideikommiß Ballhausen. Du wirst einmal nach meinem Tode, der ja nicht allzu lange auf sich warten lassen wird, ein sehr reicher Mann werden.“ Er hielt inne. Hans wußte nicht, was er erwidern sollte. Mit einer banalen Redensart mochte er dem ruhig und leidenschaftslos sprechenden Oheim nicht kommen. Nach einer kleinen Pause fuhr dieser fort: „Du warst die letzten Monate in einer Bank beichaftigt?“ „Ja, Onkel „Das war immerhin eine anständige Beschäftigung— gegenüber Deinem früheren Leben.. „Lieber Onkel...“ „Laß nur. Wir wollen darauf nicht mehr zurückkommen. Ich habe den Justizrat Walterburg, der sich schon einmal Deiner Schulden wegen an mich wandte, beauftragt, Deine Gläubiger zu befriedigen. Das ist also abgemacht.“ „Ich danke Ihnen, lieber Onkel...“ Der Graf machte eine abwehrende Handbewegung „Du wirst Deine Stellung in der Bank aufgeben,“ fuhr er fort,„da ich wünsche, daß Du bei mir bleibst, um Dich in die Bewirtschaftung der Besitzung einzuarbeiten. Meine Verbindungen könnten Dir ja die militärische Laufbahn wieder öffnen, doch wünsche ich selbst nicht, daß Du diese wieder einschlägst. Ich bin ein einsamer Mann geworden und möchte Dich um mich haben.“ „Was in meinen Kräften steht, soll geschehen. lieber Onkel, um Ihnen meinen Dank zu beweisen.“ „Du bist mir keinen Dank schuldig. Die Familiensatzungen, die auch für mich maßgebend sind, legen mir die Verpflichtung auf, für Dich als den nächsten Anwärter zu sorgen. Das wäre also abgemacht, Du bleibst hier— für Deinen standesgemäßen Unterhalt wird Sorge getragen werden. Der Oberinspektor wird Dich in die Wirtschaft einführen. Du bist doch damit einverstanden?" „Ja, lieber Onkel—“ entgegnete Hans zögernd. und leicht errötend, vor den dunklen Augen des Greises den Blick senkend.„Doch halte ich es für meine Pflicht, Ihnen zu sagen, daß ich nicht mehr ganz frei bin— ich habe eine Verpflichtung übernommen.“ „Ich hörte davon", unterbrach ihn der Graf „Es handelt sich wohl um Dein Verhältnis zu einem einfachen Mädchen aus bürgerliche. Stande— dieses Verhältnis mußt Du allerding: lösen— kann das durch Zahlung einer Abstand. summe geschehen, so nenne mir die Summe, ic# werde dann meinem Anwalt die nötige Anweisung geben.: Hans war blaß geworden. Kalt rieselte es ihm durch die Adern. Der Graf sprach von der Lösung des Verhältnisses zu Eva mit einer geschäftsmäß.gen Kälte, als ob es sich um etwas Selbstverständliches handelte. Er machte ihm nicht einmal einen Vorwurf, daß er dieses Verhältnis eingegangen war. Fur ihn war es nichts mehr, als die Forderung irgendeines Gläuigers, die durch eine einfache Geldanweisung erledigt werden konnte. Ein einfaches Bürgermädchen!— Was sollten da große Umstände gemacht werden?— Sie mußte froh sein, wenn man ihr eine reichliche Abstandssumme zahlte. Wenn Hans dabei an Eva dachte, an ihre Liebe, an ihre Uneigennützigkeit, an ihren Edelmut und ihre Opferfreudigkeit, so empörte sich in ihm alles gegen den Gedanken, sie durch ein solches Angebot in ihren tiefsten Gefühlen zu verletzen und zu beleidigen. Er raffte all seinen Mut und seine Entschlossenheit zusammen und entgegnete: „Sie täuschen sich, lieber Onkel, in der Beurteilung meines Verhältnisses zu dem jungen Mädchen, die das Recht hat, sich als meine verlobte Braut zu betrachten.“ Ein Blick aus den dunklen Augen des Greises traf ihn. „So mache Deine Verlobung rückgängig“, sagte er kalt. „Das kann ich nicht...“. „Ach, so weit hast Du Dich eingelassen! Du hast ein Eheversprechen gegeben— das war nicht recht...“ „Verzeihen Sie Onkel. Sie dürfen nicht schlecht über das Mädchen denken. Ihre Ehre und Reinheit sind unangetastet...“ „Um so besser. Dann sehe ich keinen Grund, der die Lösung dieses Verhältnisses verhindern könnte." „Unsere Liebe, Onkel...“ Wieder die abwehrende Bewegung der hageren Greisenhand. Das ist kein Grund— Du hast jetzt an anderes zu denken, als an solche romantische Schwärmerei. Mit den neuen Rechten sind Dir neue Pflichten erwachsen. Ich hoffe daß Du das einsiehst.“ „Gut— aber ich sehe nicht ein, wie meine Liebe mit den neuen Pflichten kollidieren sollte!" Der Graf blätierte in dem vorliegenden Aktenstück. Dann sagte er, und seine Stimme klang wmdbt „In den Familiensatzungen steht allerdings keine Bestimmung über die Verheiratung der Familienmitglieder; der Stifter des Fideikommisses nahm wohl als selbstverständlich an, daß die Mi.glieder keine unstandesgemäße Heirat schließen. Es war und ist Familientradition— Du wärest der erste, der mit dieser Tradition bräche. Wenn Du auf dieser Heirat bestehst, dann würdest Du guttun, von Deiner Anwartschaft zurückzutreten und sie auf Deinen Vetter Ernst von Ballhausen, der in Metz als Leutnant steht, zu übertragen.“ „Ich bin dazu bereit“, sagte Hans schnell. „Ueberleg es Dir noch einmal. Zum Rücktritt ist noch immer Zeit. Wenn Du Dich dazu entschließt, werde ich übrigens Deine Zukunft sicher sellen... Du brauchst mir nicht zu danken— ich erfülle damit nur eine Bestimmung der Familien= satzungen, die in einem solchen Falle für den Zurücktretenden eine auskömmliche Rente festsetzen. Deine Söhne würden übrigens in Deine Rechte wieder eintreten, da Du für sie nicht verzichten kannst. Du kannst nur persönlich für Dich Verzicht leisten. Hier ist eine Abschrift der Satzungen. Nimm sie an Dich, und lies sie aufmerksam durch, damit Du vollständig orientiert bist. Und jetzt bitte ich Dich, mich zu verlassen— ich bin ermattet.— Wenn Du ausreiten oder ausfahren willst— der Stall steht ganz zu Deiner Verfügung... adien.“ Er reichte Hans wieder die Hand, die dieser griff und innig drückte. „Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Güte, lieber Onkel— und ich bitte Sie um Verzeihung, wenn meine Worte Ihnen Kummer bereitet haben sollten... aber konnte ich denn ahnen, daß alles so kommen sollte...!“ „Nein, das konntest Du nicht. Deshalb ist Dir auch kein Vorwurf zu machen. Das was den Kummer anbetrifft, so habe ich diese letzten Tage so viel Herzeleid ertragen müssen, daß es auf ein bißchen mehr oder weniger nicht ankommt.“ „Lieber Onkel...“ Der alte Herr hatte die Hand über die Augen gelegt und blieb eine Weile schweigend sitzen. Er atmete heftig, als unterdrückte er ein aufsteigendes Schluchzen. Hans sah zwei schwere Tränen über die blassen, eingefallenen Wangen perlen; er fühlte ein inniges Mitleid mit dem vereinsamten, alten Mann; er wagte nicht sein Schweigen zu unterbrechen; es kam ihm keinlich vor, jetzt von seiner Liebe spreechn zu wollen. Diesem tiefen Schmerz des schwer geprüften alten Mannes gegenüber, der gegen sein Leid mit solcher stolzen Kraft ankämpfte, erschienen Hans seine eigenen Sorgen klein und nichtig. Rechte und Pflichten! Waren aber auch diese Pflichten, die ein unglückseliger Unfall ihm zugewiesen hatte, in diesen Rechten enthalten, die er Zufüllen sollte? Stand das Recht seiner Persönlichkeit, das Recht seines Herzens, seiner Liebe nicht höher als jene Pflicht, die eine alte Familiensatzung ihm überwies? Konnte er jetzt nicht mehr als freier Mensch handeln? Flüchtig zogen ihm diese Gedanken durch die Seele. Aber er wagte sie nicht auszusprechen; er war sich bewußt, daß der alte Mann da vor ihm sie doch nicht verstehen würde, der in den Traditionen seiner Famitiensatzungen ein Greis geworden war. Der Graf hatte sich wieder gefaßt. „Ich möchte allein sein“, sagte er.„Wir sprechen moch über Deine Angelegenheit— einstweilen bleib nur hier— Du mußt Dich erst einmal eingewöhnen— lebe wohl...“ Haus erhob sich und entfernte sich nach achdungsvollem Gruß schweigend und in Gedanken verfenden. Haus wußte nicht, was er in den weiten, totenstillen Räumen des Schlosses beginnen sollte. Obgleich ihm alle Zimmer und Säle offen standen, Lam er sich doch wie in einem Gefängnis vor. Fester, enger als Mauern und Gitter umschlos ahn die Traditionen und Satzungen der elten milie, deren Ahnenbilder so ernst und fast vorwurfsvoll auf ihn herabzublicken schienen. Er wagte kaum frei aufzuatmen. Die Größe, der Reichtum kasteten mit fast erdrückender Wucht auf ihm. Er konnte sich in den Gedanken nicht hineindenden, daß er einst Herr über all dieses sein sollte. Er schrieb wieder einen kangen Brief an Eva, in dem er ihr die Unterhaltung mit seinem Oheim erzählte und ihr mitteilte, daß er unter diesen Umständen auf das Erbe verzichten wollte. Dann ließ er sich ein Pferd satteln und ritt fort. Der Oberinspektor fragte, ob er ihn begleiten sollte; aber Hans lehnte ab. Er wollte allein sein. In der freien Natur atmete er auf. Es war ein herrlicher Frühlingstag. Ein wolkenloser Himmel spannte sich in seinem tiefen Blau über Wald, Wiesen und Felder. Das Korn war schon zu beträchtlicher Höhe emporgewachsen; über das Meer der grünen Halme wogte schon ein leichter Wellenschlag unter dem sanften Westwind. Die Wiesen standen in vollem Blumenflor; die Heckenrosen Gühten an den Ruinen und die Vergißmeinnicht und gelben Butterblumen am Rande des murmelnden Baches. Die Lerchen trillerten in hoher Luft, und aus dem Walde erscholl der Ruf des Kuckucks. Soweit das Auge reichte, gehörten Felder, Wiesen und Wälder zu dem Besitz des Schlosses Ballhausen. In der Ferne ragten die spitzen Kirchtürme einiger Dörfer empor. Die apfelbaumumsäumte Heerstraße zog sich breit und hell durch die Landschaft; ein Eisenbahndamm kreuzte sie; ein langer Güterzug kroch auf ihm entlang, die schwere Lokomotive keuchte und fauchte unter der Last ihrer Arbeit. Auf einer kleinen Anhöhe, die ein altes halbverwildertes Steinkrenz schmückte, unter dem sich das Massengrab von in einem früheren Kriege geFallenen Soldaten befand, hielt Hans sein Pferd an und ließ den Blick über die Landschaft schweifen. Dabei überkam ihn doch ein Gefühl des Stolges, daß dieses weite Land einst alles sein werden sollte, daß er hier als Herr gebieten sollte, daß hier seine Tatkraft, sein Fleiß ein lohnendes Arbeitsjeld finden sollte. Wie oft hatte er sich eine solche Tätigkeit auf eigener Scholle gewünscht, als die moglichteit dazu noch in unerreichbarer Ferne zu liegen schien. Jetzt wan ihm diese Kussicht in Katalog Preis 39 Pfennig. Nach auswärts für 40 Pfennig franko. C. L. Prüger, S. m. b. Westenhellweg 9. Dortmund. Krüger=Passage. greisbare Nähe gerückt; die Möglichkeit war Wirklichkeit, die dämmernde Zukunft war Gegenwart geworden. Und nun mußte er verzichten, um sich selbst nicht untreu zu werden. Er seufzte leicht auf. war ihm, als stände der Versucher neben ihm, breitete die Arme aus und spräche lächelnd: „Dies alles will ich Dir geben, wenn Du mich anbetest.. Ein Schauder überrieselte ihn. Er wandte das Roß, gab ihm die Sporen und galoppierte davon, als könne er so dem Versucher entfliehen. Aber die Gedanken ritten mit ihm und ließen ihm keine Ruhe! Als er heimkehrte, empfingen ihn bestürzte Gesichter der Dienerschaft. „Der Herr Graf sind krank geworden,“ sagte der Reitknecht mit scheuer Stimme, als er Hans das Pferd abnahm. Hans eilte in das Schloß. Mit bekümmerter Miene trat ihm der alte Kammerdiener entgegen. „Ein Schlaganfall, Herr Baron...“ sprach er mit tränenerstickter Stimme.„Der Herr Doktor ist schon da— aber herr Graf verlangen nach Herrn Baron.. Er führte Hans in das Schlafzimmer, in dessen breitem Bett der alte Graf regungslos, mit geschlossenen Augen lag. Der Arzt saß neben ihm und hielt seinen Puls. Der Kammerdiener beugte sich über den Erkrankten,„Herr Graf— der Herr Baron sind la.“ Langsam schlug der Kranke die Augen auf. deren düsteres Feuer erloschen schien. Er erkannte Hans, und es schien, als wollte er ihm die Hand entgegenstrecken. Der Arzt verhinderte es: „Ich bitte, Herr Graf— recht ruhig bleiben. Hans aber nahm doch die Hand sanft in die seinigen. „Lieber Onkel... ich bin da... wünschen Sie etwas?“ Die Lippen des Kranken bewegten sich „Bleibe bei mir,“ flüsterte er.„Es ist ja doch bald vorüber...“ „Ich blewe bei Ihnen, lieber Ondel— seien Sie ganz ruhig...“ „Du— Du sollst mein lieber Sohn sein... sch — ich haoe ja nur Dich— nur Dich.. Seine Worte erstarben in einem undeutlichen Geflüster. Erschöpft schloß er die Augen und blieb regungslos liegen. Seine keuchenden Atemzüge wurden ruhiger. Der Arzt erhob sich und sagte leise:„Er ist eingeschlafen. Stören wir ihn nicht. Sie bleiben wohl bei ihm,“ wandte er sich an den Kammerdiener, der schweigend mit dem grauen Kopf nickte und an dem Bette Platz nahm. Der Arzt winkte Haus. Sie traten in das nebenanliegenoe Arbeitszimmer. „Was ist geschehen?“ fragte Hans.„Vor etatgen Stunden war mein Onsel ja noch ganz wohl?“ Herr Baron, bei dem Alter und den schmerzlichen Aufregungen der letzten Zeit kommt solch ein Schlaganfall rasch,“ entgegnete der Arzt. „Momentane Lebensgefahr besteht ja nicht. Aber solche Aufälle wiederholen sich leicht, und dann ist das Ende da. Die sorgsamste Pflege ist nötig— und Ruhe, unbedingte Ruhe. Der alte Valentin ist ja ein guter, treuer Mensch, doch rate ich, einen gewissenhaften Krankenpfleger kommen zu lassen. Vielleicht auch eine Pflegerin— weibliche Hände sind sanfter und geschickter...“ Ein Gedanke an Eva flog durch Hausens Seele! Sie hatte ja einen Kursus in der Krankenpflege durchgemacht und in einem großen Krankenhause längere Zeit gedient. Wenn sie jetzt hier wäre! „Ich werde für eine Pflegerin Sorge tragen“, sagte er. „Sehr wohl, Herr Baron. über in unserer kleinen Kreisstadt haben wir kaum eine geeignete Person.“ „Ich werde eine Pflegerin aus Berlin kommen lossen: „Das wäre das Beste.“ Der Arzt empfahl sich, nachdem er noch einige Anordnungen gegeben. Am Abend wollte er wiederkommen. Hans schickte einen reitenden Boten mit einem Telegramm an Eva nach der nächsten Telegraphenstation. Das Telegramm rief in der Familie Evas große Aufregung hervor. Herr Borchers war natürlich Feuer und Flamme, Eva sollte sofort abreisen; Frau Vorchers hatte dagegen ihre Bedenken. „Wenn Du reisen willst“, sagte sie zu Eva, „so will ich Dich nicht zurückhalten. Aber Du darfst Dich keinen Hoffnungen hingeben, die Dir später schwere Enttäuschungen eintragen könnten. Betrachte Dich nur als Pflegerin des alten Grafen und laß Dein Verhältnis zu Hans ganz aus dem Spiele. Das mußt Du auch dem jungen Herrn als Bedingung stellen, sonst begeht Ihr beide ein Unrecht gegen den Kranken, der sehr wahrscheinlich von Eurem Verhältnis keine Ahnung hat, jedenfalls es aber nicht billigt. Das ist ja bei seiner Stellung ganz selbstverständlich.“ Eva sah ein, daß ihre verständige Mutter recht hatte. Dennoch entschloß sie sich, dem Rufe Folge zu leisten; Hans bat sie um ihre Hilfe, das allein genügte ihr schon. Aber heimlich in ihrem Herzen keimte auch, ohne daß sie sich dessen selbst klar bewußt war, eine leise Hoffnung empor, als könne dieses Ereignis die Lösung aller der verwickelten Verhältnisse bringen. So telegraphierte sie zurück, daß sie bereit wäre, die Pflege des erkrankten Grafen zu übernehmen, und reiste am andern Tage ab, nachdem sie noch Hansens Brief erhalten hatte. Hans empfing sie am Bahnhof. Er wollte sie in die Arme schließen, aber überrascht blieb er stehen, denn sie trat ihm in der dunklen, strengen Tracht einer Schwester des Roten Kreuzes entgegen. Lächelnd reichte sie ihm die Hand. „Ich bin Deinem Rufe gern gefolgt, Hans,“ sprach sie, und eine leichte Röte färbte ihre Wangen,„da ich mich hier nützlich machen kann. Aber betrachte mich nur als Pflegerin Deines Oheims — laß uns für diese Wochen ganz vergessen, was uns sonst verknüpft— wir setzen uns sonst einem häßlichen Verdacht aus.“ „Wie meinst Du das?" fragte Hans erstaunt. „Ich bin hier nur Schwester Eva—“ entgegnete sie ernst.„Du bist der junge Herr Baron— so laß uns vor den Leuten verkehren, Haus.“ „Aber Cva...“ „Du mußt es mir versprechen, Haus. Sonst kann ich nicht hier bleiben. Wir wollen Deinen armen Onkel nicht täuschen, nicht wahr, Hans?" Er sah ein, daß sie recht hatte. Sie kam ihm fast fremd vor in der strengen dunklen Kleidung einer Krankenschwester, dennoch sah sie gar lieblich aus in der weißen Haube, und das einfache, schwarze Gewand hob ihre schlanke Gestalt vorteilhaft hervor. Er führte sie zu dem Wagen, dessen feurige Rappen er selbst lenkte, während der Kutscher auf dem hinteren Sitze Platz nahm. Sie saß an seiner Seite und ließ ihre Augen nicht ohne eine gewisse Neugier über das Land schweifen, ohne jedoch zu sprechen. Ihr Gesichtsausdruck wurde immer ernster, ja trauriger. Denn während sie über die breite Heerstraße und dann durch die herrliche Lindenallee, die zu dem Schlosse führte, dahin rollten, zeigte ihr Hans die Felder, Wiesen und Wälder sowie die verschiedenen Vorwerke, welche zum Schloß gehörten; sie sah die zahlreichen Gespanne auf den Feldern beschäftigt; auf einem großen Anger weidete eine Herde Schafe, die wohl mehrere hundert Stück stark war; der Verwalter, die Leute, an denen sie vorüberfuhren, grüßten alle sehr ehrerbietig, und aus dem Grün des Parkes ragten die Türme des Schlosses empor, auf deren höchstem eine Fahne in den Wappenfarben des Geschlechtes Ballhausen flatterte. So groß und so reich hatte sich Eva den Besitz nicht gedacht. Und von all dem war Hans der Erbe. Wie konnte sie, das arme Mädchen aus dem Volke, nur daran denken, seine Gattin werden zu wollen! Traurigkeit und Mutlosigkeit schlich sich in ihr Herz. Sie fühlte die Hoffnung, die in ihrem Herzen empor hatte keimen wollen, mehr und mehr zusammenschrumpfen. Es war töricht von ihr, diese Hoffnung zu nähren; sie mußte verzichten— das Glück wäre zu groß gewesen— und sie bedauerte jetzt fast, seinem Rufe gefolgt zu sein. Hast Du meine letzten Briefe erhalten?“ fragte er leise. Ja. „Nun— was ist Deine Antwort!“ „Laß uns jetzt nicht darüber sprechen,“ entgegnete sie, indem sie es vermied, ihn anzufehen,„Du kennst ja meine Bedingung. Solange ich hier bin, bin ich nur die Schwester Eva...“ Mit einem leichten Seufzer fügte er sich. Schweigend legten sie die letzte Strecke des Weges gerück Vor dem Schlosse wurden sie von dem Oberinspektor und dem Arzt empfangen. „Wie geht es meinem Onkel!" fragte Hans, die Zügel dem Kutscher reichend. „Immer noch dasselbe,“ entgegnete der Arzt. „Der Herr Graf liegt teilnahmslos da. Es ist sehr schön von Ihnen, Schwester, daß sie so rasch gekommen sind. Der alte Valentin allein schafft es nicht mehr. Wenn Sie sich von der Reise erholt haben, darf ich Sie wohl zu dem Kranken führen?" „Ich bin durchaus nicht ermüdet,“ entgegnete Eva. „Nun, ein Stündchen der Ruhe wird Ihnen doch gut tun,“ meinte der Arzt.„Ihr Zimmer ist ja bereit, wie mir der Herr Oberinspektor sagte.“ „Gewiß— he, Friedrich!“ rief der Inspektor einem Diener zu.„Führe das Fräulein auf ihr Zimmer. Die Wirtschafterin soll für eine kleine Erfrischung sorgen.“ Hans beschäftigte sich mit den Pferden. Es widerstrebte ihm, fremd gegen Eva zu tun, und doch durfte er sie nicht in vertrauter Weise anreden; deshalb schwieg er lieber und überließ es dem Oberinspektor und der Wirtschafterin, für Eva zu sorgen. Foricheng feigt.) 2* E 5— 2 S 2 8 S. 5 #S5.0 ##- sg K#2 S# S 2 m 5 .. 2 1 S 8 SEge *.9·1 S g *.* 0 5 S S 3 1 E Fe S113 #EL Das Heimattier. Stizze von Annette Gleiß. (Nachdruck verboten.) Es war schon so lange her, daß er sern von der Heimat war. In dem fremden Lande hatte er angenehme Stellung und glänzende Bezahlung. Aber manchmal regte sich heimlich in ihm ein Heimatsehnen, leise schwang es sich auf in seinen Sinnen, klopfte zart an sein Herz und vor seinem geistigen Auge erstanden die Bilder der Kindheit, der Jugend, das Elternhaus mit seinem Fliederbaum, den Lindenbäumen im Garten, und der Fluß, an dessen Ufern er gespielt, trug glitzernd seine Wellen davon, die rauschend an der Brücke sich brachen. Er hörte der besorgten Rutter Stimme, hörte sie rufen nach den Kindern, wenn der Abend kam. Sein Herz lauschte den Lauten! Die Burgruine sah er, zwischen deren geborstenen Mauern er mit den Brüdern und Kameraden allerlei übermütige Spiele getrieben hatte, hinunter blickte er von ihrer Höhe auf das altersgraue Städtlein, das sich traulich um den Berg gruppierte, mit seinen winkeligen Gassen, seinen Giebel= und Fachwerkhäusern, sah die Lindenallee die zum Fluß hinführte, der in der Ferne verschwand wie ein silbernes Band. O wie schön, wie anmutig, wie stimmungsvoll war der Blick von der Berghöhe, wenn der Abendsonnenschein auf den Dächern lag und alles wie mit Gold überschüttete. Alles alles was einst gewesen und nan längst vergangen war, gewann Gestalt und zeigte sich in seinen Gedanken. Als er geschieden war von Vaterhaus und Heimat, um in der Ferne das Glück sich dienstbar zu machen, hatte er alle Sehnsucht und das Heimweh abschütteln, niederzwingen wollen, aber beides war mächtiger als sein Willen und kam immer wieder und dann geschah es wohl, daß Tränen seine Blicke trübten und heimlich fühlte er die Heimatsehnsucht in sich, die mit Macht ihn bedrängte. Wann es wohl sein würde, daß er die Stätte der Kindheit wieder sah! Weit war er fort und schwer schien ein Wiedersehen möglich. Er war auch schon so lange außer jeder Beziehung mit seinen Angehörigen, die Eltern waren tot und wenn er gekommen wäre, so hätte er wohl ihre Gräber aufsuchen können, aber sie selbst waren ihm entrückt. Die Geschwister hatten nar spärlich auf seine Briefe geantwortet, die er im Anfang als er die neue Welt betreten hatte und ihm noch recht mühselig gegangen war, an sie gelangen ließ. Da hatte er das Schreiben aufgegeben, hatte geschwiegen. Wozu auch schreiben! Sie hatten wohl Angst, er wolle sie in Anspruch nehmen. Darüber konnten sie ruhig sein, dazu war er doch zu stolz. Selbst wollte er sich alles verdanken was er erreichte, Niemand zu Dank verpflichtet sein als nur seiner eigenen Kraft, seinen Fähigkeiten, seinem Willen. Es war seiner zähen Energie auch gelungen, sich durchzuringen und einen Platz zu erkämpfen, auf den er stolz sein konnte. Und nun war er seit mehreren Jahren als Ingenieur in dem großen, industviellen Betrieb tätig und bezog einen Niesengehalt, aber er blieb ein einsamer Mann. Stille lebte er für sich, immer mit neuen Plänen und Konstruktionen beschäftigt, abgewendet dem gesellschaftlichen Verkehr. Wohl folgte manches feuvige Frauenauge dem hochgewachsenen, blondhaarigen und bärtigen Deutschen, wenn er durch die volksbelebten Straßen der füdamerikanischen Handelszentrale schvitt, aber er kümmerte sich nicht um sie und ging unentwegt seinem Ziel zu. Er paßte nicht zu diesen koketten, leichtlebigen Geschöpfen, die nur dem Vergnügen lebten und dem Genuß huldigten, er wollte ihr heißer Werben nicht verstehen. Zu schwerflüssig war sein Blut, zu ernst sein Sinn, zu abgewendet sein Streben der oberflächlichen Lebenslust. Er verachtete diese Frauen, die sich so offen und unverhüllt anboben, deren Wünsche nur darauf gerichtet waren, möglichst viel heraus zu schlagen an Erdenlust und Wonne. Nein dafür war er nicht geschaffen, sich zum Sklaven eines Weibes zu machen. Das Weib das er zur Lebensgefährtin sich erwählen wollte, mußte anders beschaffen sein. Sein Ideal war eine holde, zärtliche Frau, die treu zu ihm halten würde in Glück und Leid, wie einst die Mutter zum Vater. Aber wo sollte hier ein solches Weib zu finden sein? Einsam würde er wohl seinen Lebensweg gehen, nur seinem Beruf lebend, geschätzt, geachtet von seinen Chefs, verehrt geliebt von und bei seinen Untergebenen, aber allein, einsam, ohne Sorgen, aber auch ohne Freude und Liebe. So sinnend stand an einem Sonntagnachmittag Philipp Herlau auf dem Balkon seiner Wohnung, die er in einem Landhause inne hatte und sah hinaus in's weite Land und wieder kamen die Gedanken an die Heimat über ihn und das Heimatsehnen regte sich übermächtig und ließ ihn nicht mehr los. Wann, o wann würde er die Heimat wieder sehen, wann würde er die Stätten aufsuchen können, die sein Fuß beschritten hatte in längstvergangenen Tagen. Wo war die Zeit, als er den Burgweg ging. im Fluß gebadet hatte, als sein Herz geschwellt war vor Jugendlust und Freude. Vorbei alles, vergangen, versunken, dahin, vorüber! Und niemand war mehr in der Heimat, der ihm ein lieb Gedenken widmete... Er horchte plötzlich auf. Staunen malte sich auf seinem Gesicht und weiter hinaus trat er auf den Balkon und blickte hinüber in den Nachbargarten. Dort saß auf den Treppenstufen, die zu einer Veranda führten ein junges Weib und sang, umglüht von den Strahlen der untergehenden Sonne, ein deutsches Lied, ein Heimatlied, ein Heimwehlied und es klang ergreifend in des Mannes Ohren: Sei gegrüßt in weiter Ferne, teuere Heimat sei gegrüßt... Lauschend stand er und regte sich nicht, um die Sängerin nicht zu vertreiben. Solch' ein sehnsüchtiger Ausdruck lag über dem jungen Gesicht und zitternd klangen zuletzt die Töne aus: Teuere Heimat sei gegrüßt. Das war ein Wesen, das gleich ihm an Heimatsehnsucht krankte, das sern der Heimat in einem fremden Lande leben mußte und das nun einsam hier saß und ein Heimatlied sang. Wer sie wohl sein mochte, wie lange sie schon hier weiite? Das junge Weib stand auf, blickte nach der Abendsonne, die fern am Horizont in Gluten wie ein feuriger Ball hing und schritt dann langsam, zögernd nach der Veranda hinauf und noch einmal klang ihre Stimme: in weiter Ferne... sei gegrüßt. Dann verschwand sie im Innern des Hauses. Ingenieur aber fühlte sich in seinem Innern seltsam erregt durch das Heimatlied und er konnte lange... lange nicht zur Ruhe kommen, sich selbst wieder finden. Wie ein Gruß aus fernen Tagen war es gewesen, wie ein Gruß aus der Heimat und so innig hatte sie es gesungen, fast andächtig und ihm war so eigen zu Mute, lang versiegte Quellen geheimer Wünsche regten sich und das Lied, der Klang der Stimme, die es gesungen hatte, bebte weiter in seinem Ohr. Immer wieder klang es an und erfüllte seine Sinne. Welch ein liebliches Gesicht hatte sie und das Haar hatte geglänzt im Abendschein wie mit Gold überschüttet, so schlank und feingegliedert war die Gestalt, so zart und schmiegsam. Den großen, stattlichen Mann überkam eine wonnige Erregung. Nun, er würde schon erfahren, wer sie war, die er noch nie beachtet, ein Landsmann hatte das Recht, sich zu erbundigen, aus welcher Stadt sie war und warum sie so weit fortgezogen war von daheim, so sern von der Heimat. Und er saß und sann, dachte vergangener Zeiten und summte das Heimatlied vor sich hin, das sehnsüchtige Lied, das dem drängenden Heimweh Ausdruck verneh. Durch vorsichtiges Umfragen brachte er in Erfahrung, daß die junge Frau des neuen Besitzers der anstoßenden Villa eine Deutsche als Erzieherin für ihre beiden Kinder von einer deutschen Agentur angeworben hatte, weil sie selbst eine DeutschAmerikanerin war und in Deutschland in Pension gewesen war. Kurz entschlossen suchte Herlan die Bekanntschaft Misters Clydsam zu nachen, und es gelang ihm, Einlaß in sein Haus zu erhalten. Der deutsche Ingenieur stand in gutem Ansehen, aber es war auch bekannt, daß er dem Gesellschaftsleben abhold und eine Art Einsiedler sei. Mister Clydsam machte ihn mit seiner Gattin bekannt und so ergab es sich fast von selbst, daß er auch die Erzieherin Elsbeth Schröder kennen lernte. Als sie einmal zusammen auf der Veranda standen, sagte er ihr, daß er sie habe singen hören, ein Heimatlied und daß er gelauscht habe. Ihretwegen nur sei er mit Chydsams in Verkehr getreten, ihretwegen... und daß er so allein und einsam sei im fremden Lande, den koketten Frauen fern bleiben wolle. Er denke immer an ein liebes Weid, das ihm angehöre und die Seine sei und bleibe in Glück und Leid. Und solche Heimatsehnsucht habe er gefühlt immer, stets— und sie habe ein Heimatlied gesungen, sein Herz habe so seltsam wonnig geschlagen beim Lauschen. Sie gefalle ihm gut— nun er sie kennen gelernt, sei sein Herz in wonnigster Bewegung. Seine Stimme hatte zitternden Klang, tastend ergriff er die Hand tes jungen Mädchens und dann fragte er, ob ihr Herz noch frei sei und ob sie die Seine werden wolle. Elsbeth hatte ihm voll in die Augen gesehen und mit leiser Stimme sagte sie, fast flusternd, daß auch sie einsam sei, allein stehe in der Welt, im Leben. Früh hatte sie die Eltern verloren und war bei Verwandten erzogen worden. Der guten Gehaltsverhältnisse halber hatte sie der Heimat Valet gesagt und war übers Meer gekommen, weil in der Heimat niemand sie zurück hielt. Ein eigenes Heim— o das war schon lange ihr geheimer Wunsch gewesen, einen Menschen zu finden, dem sie zugehörig sein konnte in Liebe, das, das war ihr Sehnen, still, geheim gehegt— und nun hatte ihr das Schicksal Erfüllung ihres Sehnens gewährt. Sie hatte ihn sehr, sehr gerne, war ihm zugetan, und... aber weiter konnte sie nicht sprechen, Philipp Herlan hatte sie fest umschlungen und hielt sie an seinem Herzen. Da gabs dann ein großes Halloh als Clydsams von der Einigung des Paares hörten und scherzend pretestierten sie dagepen. Das erlaubten sie nicht, ihnen die gute Erzieherin weg zu heiraten, was sich dieser deutsche Brummbär eigentlich einbilde. Dann feierten sie Verlobung mit Becherklingen, Glückwünschen, und Elsbeth sang deutsche Lieder und begleitete sie auf dem Piano. Der Ingenieur war in selig gehobener Stimmung, solch ein liebes Weib durfte er bald sein eigen nennen, ihm hatte das Geschick es noch so gut vermeint, ein seinsinnigs, anmutiges Wesen wurde seine Lebensgefährtin. Gut würden sie sich verstehen, so ganz in einander aufgehen, für einander leben und gerne wollte er mit neuem Mute streben, wirken, um sich einen Platz an der Sonne zu erobern. Sobald er ein angenehmes Heim eingerichtet hatte, wollte er Elsbeth heimführen und er wollte es so ausstatten, daß sie sich glücklich fühlen mußte, ausschmücken mit Liebe und zarter Fürsorge, damit es seinem lieben Weide an nichts fehle, sie nichts vermisse. Nicht umsonft hatte er gespart und die Dollars zusammengehalten, nun sollten Sie angemessene Verwendung finden. Still lächelte er vor sich hin. Das solle eine Ueberraschung geben für Elsbeth— welch' ein lieblicher Name, wie zärtlich er sich anhörte und aussprechen ließ— wenn sie sein Heim betrat an seiner Seite, staunend sollte sie alles in Augenschein nehmen, was die Liebe für sie geschaffen und bereitet hatte! Arm in Arm stand das glückliche Paar im sonnbeglänzten Garten, sie sprachen von der Zukunft und gedachten auch der Heimat sern über dem Meer. Herlan sagte mit bewegter Stimme:„In einigen Jahren suchen wir sie zusammen auf und wandeln die Wege, die wir in der Jugend beschritten haben, besuchen die Stätten, da uns die Sonne zuerst leuchtete, wo wir geboren sind und es wird uns ein Gefühl der Wehmut überkommen, wenn wir nach so langer Zeit alles wieder sehen. Aber auch selige Gefühle der Freude werden sich regen in uns, daß uns das Schicksal gewährt, zusammen die Heimat wiederzusehen. Nicht mehr als einsame Menschen kommen wir zurück, sondern in Liebe verbunden, werden wir für alles erst das richtige Verständnis haben, für das Verlorene und das Gewonnene. Nicht wahr, meine Elsbeth?“ Innig umsaßte er sie:„Und unn singe mir das Lied, das Heimatlied, das unserm Sehnen Ausdruck verleiht: Teuere Heimat sei gegrüßt, in weiter Ferne sei gegrüßt! Das Lied, das ich aus Deinem Munde hörte, als ich der Heimat sehnsuchtsvoll gedachte, das uns zusammenführte." Und sie sang's mit leiser, süßer Stimme, enger sich an seinen Arm schmiegend. Mannigfaltiges. —(Die Bekämpfung der Fettleibigkeit) soll nach neueren Forschungen bediglich in einer Beschränkung der Abendmahlzeit bestehen. Dr. Gatisch geht von der Erwägung aus, daß während der langen Nachtruhe die in den letzten Stunden vor dem Schlafengehen ausgenommenen Speisen in ganz besonderer Weise vom Körper zum Fettansatz ausgenutzt werden. Die Diäworschrift ist folgende: Frühmorgens Tee mit Weißbrot und Butter, um 10 Uhr ein Ei mit kleinem Butterbrot, falls der Patient ohne ein solches Frühstück starkes Hungergefühl hat. Um 1 Uhr Fleisch mit Gemüse, mäßig Sauce mit Kartoffeln, Salat und Kompott, nachmittags Kaffee mit etwal Zwieback oder Weißbrot mit etwas Butter. Abends eine kleine Scheibe Beot mit Butter und etwas Beilage. Bier resp. Wein sind in bescheidener Menge gestattet. Beim ersten Frühstück und Mittagessen darf die Quantität der Speisen so groß sein, daß der Patient richtig gesättigt den Tisch verläßt. Während der ersten zwei bis drei Tagen stellt sich abends starkez Hungergefühl ein, welchen dann aber schwindet, da zum ersten Frühstück und Mittagessen bald mehr genossen wird. Eine Gewichtsabnahme ist allein darauf zurückzuführen, daß während der Nachtruhe der Körper weniger Material zur Ausnutzung hat. Bei Durchführung dieser Vorschriften nehmen alle Patienten poo Woche ein bis zwei Pfund ab. Dr. Galisch hat auf diese Weise Abnahmen bis zu 25 Pfund im Vierteljahr erzielt. Ist das Normalgewicht erreicht, dann darf die Abendmahlzeit vorsichtig unter regelmäßiger Gewichtskontrolle etwas reichlicher bemessen werden. —(Ein Gymnasialprofessor als anonymer Driefschreiber.) In der besten Gesellschaft Düsseldorfs erregt, wie uns von dort geschrieben wird, ein großer Skandal die öffentliche Aufmerksamkeit. Der Professor eines Düsseldorfer Gymnasiums, Wilhelm W. ist nämlich durch die Düsseldorfer Kriminalpolizei der anonymen Briefschreiberei überführt worden, durch die nicht nur die Braut des Professors selbst, sondern auch viele männliche und weibliche Mitglieder der Düsseldorfer Gesellschaft belästigt und beschimpft wurden. Die Entdeckung dieser geheimnisvollen Angelegenheit und die Entlarvung des Täters spielte sich in folgender Weise ab: Der Professor hatte vor einiger Zeit die Tochter eines angesehenen Fabrikanten kennen gelernt. Die Bekanntschaft führte bald zur Verlobung, und es wurde auch bereits der Termin für die Hochzeit festgelegt. Die Vorbereitungen zur Eheschließung waren bereits sehr weit fortgeschritten— man hatte schon eine Wohnung gemietet und auch die Einrichtung gekauft—, als bei dem Bräutigam eine Anzahl anonymer Schmähbriefe einlief, in denen die Ehre seiner Braut unter Angabe genauer Einzelheiten sehr stark herabgesetzt wurde. Auf — Grund dieser Briese machte der Professor seiner Braut heftige Vorwürfe, da diese sich aber völlig unschuldig fühlte und den Inhalt der Briese mit vollem Recht als Erfindung bezeichnen konnte, so löste sie die Verlobung auf. Der Vater übergab die Angelegenheit der Polizei und sorgte für eine weitgehende Verbreitung der Schriftprobe des anonymen Briefschreibers in den Zeitungen. Lange Zeit hindurch war es nicht möglich, Klarheit zu schaffen. Da brachte endlich der Einlauf neuer anonymer Briefe an andere Personen eine Spur. Man hatte Grund, den Anonymus unter den gebildeten Kreisen zu vermuten, und stellte in dieser Richtung weitere Untersuchungen an. Das Ergebnis war im höchsten Grade überraschend. Der Schreiber der anonymen Briefe war niemand anders als der Professor selbst. Natürlich bestritt er auf das entschiedenste jede Schuld und versuchte, die Polizei auf andere Spuren zu leiten, schließlich aber gelang es doch, ihn so zu überführen, daß er nichts mehr bestreiten konnte. Er legte ein Geständnis ab, in dem er erklärte, er habe nicht nur die Briefe, in denen seine Braut angegriffen wurde, sondern auch die an andere Personen