Fernsprech-Anschluss Nr. 126. Verurech-duschluse Ntr 485. Nr. 221.— 1889. Samstag den 21. Septenber. 61. Jahrgung. —„ und Feiertage. Erscheint täglich mit Ausnahme der So Rieralthriche Abmmeemenchrn#. J. Ar einen Monar 6V.), dunch die Post bezogmn pre Quartal 2.## 40-4. Intercionsprets voo Tspalk. Peritzeile oder deren Nerlamezeile 40 JJ. 12 J. Bochumer Zeitung und Kreisblatt für den Stadt= und Landkreis Bochum. à k Aut 2#. u h-chn 1#. bnlht##h. het#ns u. Sichlif buim: 5 Autrg, r.. M s er Sit.# ec ete g e ghie 2 T Gratis-Beilag Mittwochs Cseitiges Umechaltungsktatt, wechsehrb Heudel und Waudel“,„Deutsche Rode, Deis und Garter“,„Spiel und SpotF. Sountags 8 seitiges Unterhaltungsbien„Alldentschlaut. und messen un uun a. I een u barnch.-— Buien unn echiant i S. i“e. Brh. Barst. Tr. Erstes Blatt. Zu Neubestellungen auf das 4. Quartal des „Märkischen Sprechers“, Amtliches Kreisblatt für den Stadtund Landkreis Bochum, laden wir ergebenst ein. Mit 1. October cr. übernimmt Herr Dr. Paul Küppers aus M.=Gladbach die Redaction des Blattes: die Tendenz bleibt unverändert dieselbe,— liberal und national. Wir bleiben unausgesetzt bemüht, unserem Blatte immer mehr Mitarbeiter zu gewinnen und dasselbe nach jeder Richtung hin zu vervollkommnen. Mit dem neuen Quartale bringen wir einen besonders spannenden Roman aus der Feder der Baronin von Prochazka: „Der Schwur am Sterbebette“. Außer der im„Märkischen Sprecher“ gebotenen Unterhaltun slectüre geben wir als Gratisbeilagen jeden Samstag das achtseitige illustrirte Unterhaltungsblatt „Alldeutschland“. jeden Mittwoch ein vierseitiges, abwechselnd „Haudel und Wandel“, Illustrirte Mutheilungen aus allen Gebieten des wirthschaftlichen Lebens, „Feld und Garten“, Monatsschrift für pract Haus= und Gartenwirthschaft, „Deutsche Mode“, Illustr. Monatsschrift für Mode und Handarbeit, „Spiel und Sport“, Monatsschrift für Unterhaltung und Belehrung. Wir bringen somit für Jeden etwas und hoffen zu der Schaar unserer alten Freunde recht viel neue Abonnenten zu gewinnen. Der Quartalspreis für den„Märk. Spr.“ nebst Beilagen beträgt in unserer Expedition oder bei den Boten 2 Mk, für den Monat 67 Pfg., durch die Post per Quartal 2 Mk. 40 Pfg. Schon jetzt hinzutretende Abonnenten erhalten das Blat bis zum 1. Leiober gratis. Inserate finden im„Märk. Spr.“ erfolgreichste Verbreitung. Verlag des Märkischen Sprechers. Relsche doer het. Berlin, 20. September. * Die„Nordische Corr.“ schreibt: Unsere Nachricht, daß auf Anregung der dänischen Königin zwischen den Höfen von Berlin und Kopenhagen Verhandlungen angeknüpft worden seien, welche eine Verlobung des ältesten Sohnes des dänischen Kronprinzen mit der jüngsten Schwester des deutschen Kaisers zum Ziel habsen, ist bisher von keiner Seite dementirt worden. Die Nachricht hat vielmehr in Dänemark in weiteren Kreisen auf Grund verschiedener Anzeichen immer mehr Glauben gefunden. Ob die Verlobung thatsächlich stattfinden wird, hängt natürlich von dem persönlichen Eindruck ab, den die jugendlichen Fürstenkinder auf einander machen werden; jedenfalls kann als feststehend betrachtet werden, daß der Besuch der Kaiserin Friedrich nicht einzig und allein dem früher angegebenen Zweck gelten sollte, dem Kronprinzen von Griechenland ein kurzes Zusammensein mit seiner zukünftigen Gemahlin während der letzten Brautwochen zu ermöglichen. * Vom Kaisermanöver. Der Kaiser traf vorgestern Morgens 8½ Uhr in Osterwald ein und begab sich alsbald mit den fremden Fürstlichkeiten, welche mittelst Sonderzuges von Hannover hier eingetroffen waren, zu Pferde zur Avantgarde des 7. Corps, welches auf drei Straßen von Paderborn her in beschleunigtem Anmarsche ist, um das 10. Corps, welches sich bei Nordstemmen sammelt, anzugreifen. * Der Eisenbahnminister v. Maybach soll, nach einigen Blättern, gewillt sein, vom 1. Oct. ab sämmtlichen Eisenbahnbeamten, welche in einer Stadt über 15 000 Einwohnern ihren Wohnsitz haben und ein jährliches Gehalt bis 1200 Mark beziehen, eine Theuerungszulage bis 150 Mark jährlich zu gewähren.(Wenn's nur wahr ist!) * Das Wegbleiben des Freiherrn v. Schorlemer=Alst vom Bochumer Katholiken= tag war von einem Theil der clericalen Presse nur schwach begründet, von einem anderen mit auffallendem Stillschweigen übergangen worden. Die Annahme, daß im Centrum nicht mehr Alles klappe, und daß die mehr regierungsfreundliche Adelsgruppe im Centrum von der Windthorst'schen Leitung abrücke, erhielt dadurch eine bemerkenswerthe Unterstützung. Selbst in der Centrumspresse finden sich jetzt Andeutungen in diesem Sinne, und die Art, wie z. B. die Dortmunder„Tremonia“ die Spaltungsgerüchte zurückweist, ist weit eher geeignet, ihnen Vorschub zu leisten; es heißt da: „Die Blätter verschiedener Schattirungen beschäftigen sich fortgesetzt mit der Person des Vorsitzenden der Centrumsfraction des preußischen Landtages, Herrn Dr. Freiherrn v. SchorlemerAlst, und bemühen sich, darzuthun, daß zwischen diesem und dem Abgeordneten Dr. Windthorst eine Meinungsverschiedenheit bestehe. Es ist unnütz, auch nur ein Wort darüber zu verlieren; richtig aber ist, daß der hochverdiente Herr leider beabsichtigt, sich vom politischen Leben mehr und mehr zurückzuziehen, um seiner bedeutsamen Schöpfung— dem Westfälischen Bauernvereine— seine Kräfte möglichst ganz zu widmen. Herr Dr. Frhr. v. Schorlemer=Alst wird in diesem Herbst 64 Jahre alt, es ist begreiflich, daß er, zumal seine Gesundheit nicht eine allzu feste ist, sich nach Ruhe sehnt, wie sehr das auch im Interesse des Centrums und des katholischen Volkes, um welches Herr v. Schorlemer sich unvergängliche, durch keine Dankesbezeugungen würdig zu lohnende Verdienste erworben hat, bedauert werden muß. Es ist somit auch nicht daran zu denken, daß Herr Dr. Freiherr v. Schorlemer=Alst bei den nächsten Reichstagswahlen eines der verschiedenen ihm angetragenen Mandate übernehmen wird; seinen Sitz im Landtage wird er dagegen wohl noch beibehalten und hoffentlich die Möglichkeit finden, mit gleichem Eifer wie seit langen Jahren sich den parlamentarischen Arbeiten zu widmen." Sollten wirklich nur Gesundheitsrücksichten Herrn v. Schorlemer, der weit jünger und anscheinend auch weit rüftiger ist als der alte Windthorst, den Rückzug vom politischen Kampsplatze nahe legen? Noch kürzlich hielt man, schreibt das„Berl. Tabl.“, seine Gesundheit für so fest, daß man ihn sogar mehrfach, und nicht lediglich scherzweise, als eventuellen Kandidaten für ein Regierungsamt bezeichnete. * Edison beabsichtigt, heute von Heidelberg nach Ars(Lothringen) zu reisen, um die Erzlager der lothringer Eisenwerke zu besichtigen; sein Besuch hängt zusammen mit den schon seit Jahresfrist gemachten Versuchen mit Erzen der lothringer Eisenwerke, beireffs eines neuen Scheidungsverfahrens auf elektrischem Wege, das besonders für das Erz von Ars von Wichtigkeit sein soll. Dänemark. * Der König, der Kronprinz und Prinz Eugen von Schweden trafen heute Vormittag zum Besuche des Hofes auf Schloß Fredensborg ein und haben heute Nachmittag die Rückreise angetreten. Der Kaiser von Rußland, der König von Dänemark und die Kaiserin Friedrich gaben denselben bis Helsingör das Geleite und kehrten, nachdem die Kaiserin Friedrich Schloß Kronborg besichtigt hatte, nach Schloß Fredensborg zurück. Die Abreise des Königs von Griechenland und seiner Familie ist auf nächsten Sonntag festgesetzt. Frankreich. * Alle Minister werden gegen Ende dieser Woche in Paris zurück sein, um dem Ministerrath anzuwohnen, der am nächsten Sonntag vor der Feierlichkeit auf der Place de Nation(Enthüllung eines Standbildes der Republik) stattfinden wird. Dann werden die Minister Paris nicht mehr verlassen, sondern bis zu den Nachwahlen auf ihrem Posten verweilen. Für den nächsten Sonntag hat die Regierung großartige Vorsichtsmaßregeln ergriffen. Die ganze Polizeimannschaft wird aufgeboken und die Garnison von Paris marschbereit gehalten werden. Der Gouverneur von Paris, General Saussier, hat die weitgehendsten Vollmachten für den Fall erhalten, daß es zu Ruhestörungen kommen sollte. Die Regierung tritt namentlich deßhalb so vorsichtig auf, weil sie befürchtet, daß Boulanger doch plötzlich nach Paris kommen könnte, um einen Putsch zu versuchen. Sie hat deßhalb auch, wie heute der Figaro meldet, alle Gendarmerieposten an der Nordküste Frankreichs verstärkt, was aber wohl eine nutzlose Maßregel ist, da, wenn Boulanger will, er sehr leicht unerkannt bis nach Paris gelangen kann. Das heute verbreitete Gerücht, er sei gestern nach Frankreich abgereist, scheint übrigens nicht begründet zu sein, da die Londoner Depeschen melden, daß er gestern Abend um 8 Uhr noch in der englischen Hauptstadt gewesen sei. * Thiebaud, der lange der eifrigste Vorkämpfer Boulangers war, aber nun im 18. Arrondissement seine Kandidatur gegen Boulanger aufgestellt hat, setzt heute im„Figaro“ auseinander, warum er von Boulanger abgefallen: er habe mit ihm die monarchischen Parteien zum Nutzen einer conservativen Republik stürzen wollen; heute aber strebe Boulanger's Politik dahin, die republikanische Partei zu stürzen zum Nutzen der Monarchisten. Italien. * Zu Ehren Crispi's fand am Donnerstag Nachmittag eine große öffentliche Kundgebung statt. Gegen 20 000 Personen, darunter die Elite der Einwohnerschaft, Senatoren, Deputirte und alle liberalen Vereine mit Fahnen und Musikcapellen, an der Spitze der Bürgermeister der Stadt, begaben sich in feierlichem Zuge vor die Wohnung Crispi's; Crispi erschien, mit lebhaften Hochrufen begrüßt, auf dem Balcon und dankte in bewegten Worten. Er bedauere, dem, was sein Herz bewege, entsprechenden Ausdruck nicht geben zu können. Der heutige Tag sei der schönste seines Lebens und entschädige ihn für Alles, was er für die Freiheit und das Vaterland gelitten; er werde stets auf dem Platze sein, wenn die Freiheit und das Vaterland dies forderten. Die Dankesworte Crispi's wurden mit stürmischen Hochrufen aufgenommen. Darauf begab sich der Bürgermeister mit einer Deputation in die Wohnung Crispi's und beglückwünschte denselben Namens der ganzen Stadt zu der Errettung aus Lebensgefahr. Spanien. * Wegen der jüngst bei Alhucemas durch Riffpiraten erfolgten Plünderung eines spanischen Schiffes beschloß die Regierung, die sofortige Freilassung der in die Gefangenschaft geführten Personen, die Zahlung einer ausreichenden Entschädigung, sowie die strengste Bestrafung der Urheber und Theilnehmer an der Gewaltthat von Marokko zu verlangen. Der spanischen Flagge soll durch Salutiren Genugthuung geleistet werden. Ein aus vier Schiffen bestehendes spanisches Geschwader soll am Samstag vor Tanger eintreffen, um eventuell der spanischen Forderung Nachdruck zu geben. Serbien. * Die innere Lage Serbiens gestaltet sich von Tag zu Tag ernster, und die Anzeichen mehren sich, daß dir Krise, welche sich seit Milans Thronentsagung langsam vorbereitet hat, dem Ausbruche nahe ist. Das„Berl. Tgbl.“ empfing aus Budapest folgende Privatdepesche:„In Budapest ist das Gerücht verbreitet, die serbische Actionspartei plane einen großen Coup und bereite die Rückberufung der Familie Karageorgjewitsch vor; das Wiener Cabinet habe Kenntniß von dieser Bewegung und setze die letzte Hoffnung auf die Rückkehr Nataliens, von der erwartet wird, die Popularität der Mutter werde den Thron des Sohnes stützen.“ Locales und Provinzielles. * Bochum, 21. September. * Statistisches. Nach den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheits=Amtes beträgt die Zahl der in der Woche vom 1. bis 7. September cr. Gestorbenen, ausschließlich der Todtgeborenen, in Aachen 62 (67), Barmen 34(78), Bochum 23(49), Dortmund 33(55), Düsseldorf 46(86), Duisburg 24(51), Elberfeld 42(69), Essen 33(50), M.=Gladbach 9(44), Köln 123(186), Crefeld 41(94), Münster 13(31). Die Zahl der Geburten, ausschließlich Todtgeburten, in der vorvergangenen Woche ist eingeklammert. * Die plötzliche Kälte veranlaßt die Straßburger „Post“ zu folgendem Stoßseufzer:„Reaumur ist zwar als ein gelegentlich sehr tückischer Geselle sattsam bekannt; was er aber heute(Montag) über Nacht geleiftet hat, dürfte in den Jahrbüchern seiner Zähne aneinander klappernden Thätigkeit noch nicht zu finden sein. Heute, am 16. September, nur zwei Grad Wärme— da hört freilich Verschiedenes auf: namentlich aber der Sommer, und unheimlich triumphirend erschallt auf den Straßen der Ruf der schwarzen Männer: Ko=ooohlenn!“ J' Feuerlärm. Vergangene Nacht ertönten die Alarmsignale der freiwilligen Feuerwehr. In dem Keller der Märkischen Vereinsdruckerei waren Papiervorräthe 2c. in Brand gerathen. Ohne weiteren Schaden angerichtet zu haben, wurde das Feuer sofort im Keime erstickt und die Feuerwehr konnte wieder abrücken. § Feuer entstand gestern Abend im sog. Aufsichtsthurm des Bochumer Vereins; die schnell durch Lärmapparate allarmirte Feuerwehr des Werkes erstickte dasselbe im Keime. Es zeigte sich bei dieser Gelegenheit wieder die Vorzüglichkeit der Apparate, welche durchweg gut functionirten; dieselben wären auch für die Stadt sehr zu empfehlen. a Eine gewaltige Kanonade ließ sich gestern im westlichen Theile unserer Stadt vernehmen. Auf dem Schießstande des Bochumer Vereins wurden wieder für Spanien angefertigte 9=Centimeter=Geschütze eingeschossen. 8 Im Griesenbruch hört man in jetziger Zeit vielfache Klagen der Gartenbesitzer über„Mausers", das sind gewöhnlich Leute, welche da ernten, wo sie nicht gesäet haben. Um diesen Räubern das Handwerk zu legen, haben sich die Gartenbesitzer geeinigt, abwechselnd eine Nachtwache zu halten, und dadurch eine Controlle auszuüben; das Mittel hat sich bewährt; in voriger Nacht wurde solch ein Marder auf frischer That ertappt und gründlich durchgebläut. Um Gnade winselnd, gab er das Versprechen, nie wieder solchen Pfad zu betreten. Das wird für Andere wohl als Warnung dienen. I Diebstahl. Gestern Mittag gegen 11 Uhr wurde bei dem Wirth M. an der Allestraße ein recht dreister Diebstahl verübt. Ein etwa 13jähriger Junge hatte das die Wirthsstube mit dem Hausflur verbindende Schenkfensterchen geöffnet und die im Bereiche seiner Finger stehende Kasse an sich gerissen, worauf er schleunigst durch die Bessemerstraße Reißaus nahm. Trotzdem der etwas corpulente Wirth den leichtfüßigen Dieb sofort verfolgte, konnte er denselben doch nicht einholen; nur den Einsatz aus dem Geldkörbchen und etwas kleines Geld, welches der Dieb weggeworfen, vermochte er wieder zu erlangen. Den jugendlichen Spitzbuben gegenüber dürften die Geschäftsinhaber ganz besonders auf der Hut sein. 6 Rohheit. In der Schienen=Adjustage des Bochumer Vereins geriethen gestern Morgen die Arbeiter Pfannkuch und Herschelmann in Folge eines Scherzes aneinander, wobei leider der Erstere sich soweit vergaß, daß er seinem Gegner mit einer schweren Eisenzange einen wuchtigen Schlag vor den Kopf versetzte. An einer schweren Schädelverletzung liegt der tödtlich Getroffene im Krankenhause darnieder, während der Thäter in das Gefängniß wandern mußte. * Brteftauben=Sport. Das diesjährige Reise programm des Brieftaubenliebhaber=Vereins„Columbia“ erreicht mit dem 22. September seinen Abschluß und zwar findet der letzte Wettflug für junge wie alte Tauben morgen(Sonntag) von Löhne aus statt. Die Thierchen werden dortselbst gegen 7 Uhr Morgens in Freiheit gesetzt und gegen 9 Uhr auf ihren heimathlichen Schlägen erwartet. Seitens des Vereins sind für diese Tour 15 Geldpreise für die zuerst eintreffenden Tauben ausgesetzt.— Sodann machen wir die Liebhaber noch auf die am 26. 27. und 28. October stattfindende Wanderversammlung des Verbandes deutscher Brieftaubenliebhaber=Vereine aufmerksam. In diesem Jahre werden die Tauben ganz besonders nach ihrer Leistung, welche sie von den Wettflügen aufzuweisen haben, prämiirt: auch wird vornehmlich auf kräftigen Körperbau, zstarke Flügel, schönen Kopf und breite Brust gesehen. Das königl. Kriegsministerium wie auch der Verband haben bereis enorme Summen für die Prämiirung bewilligt; auch hat die Stadt Crefeld sowohl als die verschiedenen Vebandsvereine Ehrenpreise ausgesetzt. Die„Columbia" hat ebenfalls bereits gestern dem Crefelder Verein einen solchen übermittelt. Hoffentlich stellen die Mitglieder der hiesigen Vereine die besten und schönsten Thiere aus, um den so vielen dort zusammenkommenden Brieftaubenliebhabern aus ganz Deutschland den Beweis zu liefern, in wie weit die Brieftaubenzucht in Bochum fortgeschritten ist und gefördert wird.„Gut Flug!“ + Städt. Viehhof. Zum gestrigen Fettviehmarkte waren 50 Stück Großvieh, darunter mehrere Ochsen, aufgetrieben. Bei flottem Handel fand die sehr gute Waare schnell Abnehmer. Für 50 Kilo Schlachtgewicht wurde je nach Qualität 55—66 Mk. gezahlt. * Berichtigend wird uns zu Nr. 219 d. Bl. mitgetheilt, daß der verhaftete Schlossergeselle nicht steckbrieflich verfolgt war. cD Wiemelhausen, 20. Sept. Bei dem heute Mittag hier niedergegangenem Gewitter schlug der Blitz derartig an den Schornstein der Zeche „Friederika“, Schacht 2, daß ein Theil des Schornsteins einstürzte. Bergleute, welche sich zur Zeit gerade unterirdisch in der Nähe des Schachtes befanden, wollen heftige Erschütterungen an der Schachtpumpe und deren Gestänge wahrgenommen haben. = Langendreer=Bahnhof, 19. Sept. Hier wurde am Dienstag der Bahnassistent Kr. durch zwei Revolverkugeln, die der Heizer St. auf ihn abgeschossen und welche bis gestern aus dem Oberschenkel und Leibe noch nicht entfernt werden konnten, verwundet. Zwischen den Beiden ist in der Wohnung des K. ein Streit ausgebrochen, der zu diesem Ausgange führte. St. stellte sich der Behörde freiwillig, befindet sich aber auf freiem Fuße.— Gestern war hier Herr Landrath Spude, sowie einige Herren von der EisenbahnBauverwaltung und der Gemeinde Langendreer und Werne, um einige Mängel an der neuen Fußgängerbrücke zu besichtigen. * Witten, 19. Sept. Bestrafte Fahrlässigkeit. Die Frau des Kaufmannes K. hatte im Juni d. J. von dem Fenster ihrer im Erdgeschoß gelegenen Wohnung aus Obstreste auf die Straße geworfen. Ein Tapezierer=Lehrling war über die Obstreste ausgeglitten und hatte dabei einen Beinbruch erlitten, so daß er in das Krankenhaus geschafft werden mußte. Nachdem durch polizeiliche Untersuchung der Sachverhalt festgestellt worden, wurde Frau K. als mittelbare Veranlasserin des Unglücksfalles zur Zahlung der Kurkosten im Betrage von 42 Mark civilgerichtlich verurtheilt. Außerdem Heutige Ausgabe 3 Blätter. ist gegen Frau K. die Untersuchung wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet.(Westf. Post.) &g Linden=Dahlhausen, 20. Sept. Noch ist kein Jahr verflossen, seitdem die Ehefrau Dahlmann auf so schreckliche Weise ermordet wurde, und schon wieder ist unser Ort der Schauplatz eines schrecklichen Verbrechens gewesen. Gestern Abend gegen 10 Uhr wurde nämlich der Bergmann Litver in seiner Wohnung, welche in den Familienhäusern der Zeche Hasen winkel liegt, von dem Bergmann Völkopp durch einen Schlag mit einem Grabspaten auf den Kopf tödtlich verwundet und verschied schon einige Stunden nachver. Der Mörder, ein 24jähriger Mensch, hatte sich den Tag über bereits in den benachbarten Wirthschaften herumgetrieben und bedrohte dabei in übermüthiger Weise verschiedentlich die Gäste derselben, so auch in der Kestermann'schen Wirthschaft zu Munscheid, wo er mehrere Personen thätlich insultirte. Auf das Bitten des letzteren Wirthes entfernte er sich kurz nach 9 Uhr und begab sich in die Wohnung seiner Mutter, die Wittwe und deren ältester Sohn und Stütze er ist, hier setzte er seine Ungebundenheiten und Grobheiten weiter fort, indem er Mutter und Geschwister aus dem Hause jagte. Jetzt begab sich der Wütherich auf die Straße und scandalirte daselbst unter den Fenstern des Ermordeten, nach seiner Mutter suchend, herum. Die älteste Tochter des L. öffnete ein Fenster und bat ihn, er möge doch lieber nach Hause gehen und sich ruhig verhalten; das Mädchen schloß aber das Fenster direct wieder, als sie sah, wie der Mensch nach einer an der Wand lehnenden Grabschüppe griff. Dies war kaum geschehen, als die gefährliche Waffe schon durch den Kreuzrahmen des Fensters sauste. Hiermit nicht genug, drang er in die Wohnung des L. und führte mit dem Spaten nach dem Haupte des in der Mitte des Zimmers stehenden Hausherrn einen so wuchtigen Schlag, daß die Schüppe vom Stiele abflog. Mit zertrümmerter Hirnschale sank der Getroffene lautlos zu Boden und starb gegen Mitternacht. Der Verstorbene hinterläßt eine zahlreiche Faulilie und war als braver, ruhiger und besonnener Mann allseitig geachtet und beliebt. Der Mörder wurde noch im Lause der Nacht durch die hiesige Genvarmerie in Haft genommen. * Der hiesige evang. Arbeiterverein feiert am Sonntag den 22. d. sein diesjähriges Stiftungsfest durch Kirchgang, Festzug und Nachversammlung im Vereinslocale. Mehrere tüchtige auswärtige Redner haben ihr Erscheinen zugesagt, und bitten wir unsere Mitbürger, zur Feier des Tages ihre Häuser zu beflaggen, um den von auswärts erscheinenden Gästen zu zeigen, daß uns Sinn und Muth für unsere ev. Sache nicht verloren gegangen ist. * Castrop, 19. Sept. Die„Westf. Volksztg. des Herrn Fusangel bringt folgenden Artikel, der, schreibt die Dortm. Ztg., unseres Erachtens unmöglich auf Wahrheit beruhen kann:„Am verflossenen Samstag kam der Delegirte Gravemann mit dem 8 Uhr=Zuge Abends von Dortmund hier an und begab sich in den Wartesaal des alten Bahnhofes. In demselben saßen etwa 12 Beamte der Zeche„Victor", u. A. der Grubenverwalter Masling, Betriebsführer s Kleewitz, Steiger Buschmann rc. Gravemann setzte sich an einen freien Tisch, worauf alsbald das Gespräch auf den verflossenen Bergarbeiterstreik gelenkt wurde und seitens der Beamten sowie des G. scharfe Aeußerungen fielen. Da G. befürchtete, die Ausein andersetzung, wenn sie so fortgeführt werde, könne für ihn kein gutes Ende nehmen, setzte er seinen Hut auf und wollte sich entfernen. Kaum, als er die Thür geöffnet, erhielt er aber von hinten einen Schlag mit dem Bierglase auf den Kopf, dem noch einige weitere folgten, sodaß G. blutüberströmt zur Erde stürzte. Diese Schläge sollen ausgeführt worden sein von dem an der Ausgangsthür sitzenden Steiger Buschmann; ein weiterer beabsichtigter Schlag mit einem Stuhle, durch den sich der Beiriebsführer Kleewitz auszeichnen wollte, wurde von dem ebenfalls anwesenden Ingenieur Herrn Koch verhütet. Dem Ueberfallenen sind auch noch Papiere abhanden gekommen, die sich später beim 2c. Masling vorgefunden haben und welche derselbe später einem Gendarmen als socialistische Schriftstücke übergeben haben soll. Gravemann, der jetzt schwer verletzt darniederliegt, hat Strafantrag gestellt, auch den M. polizeilich auffordern lassen, zu erklären, wie er zu den Papieren, die kein Wort von Socialdemokratie enthalten, des G. gekommen ist.(Gravemann ist früher selbst einmal Beamter gewesen, er ist derjenige Delegirte, der auf der hier stattgehabten Delegirten=Versammlung im Saale des Herrn Feelen mittheilte, er sei vor einigen Jahren auf einer Zeche(wenn wir nicht irren,„Lothringen") in die Steigerstube eingeschlossen und da selbst von den Beamten fürchterlich mißhandelt worden. Gravemann ist ein sehr redegewandter Herr.)" * Hagen, 19. Sept. Der neue Perron ist nun so weit vollendet, daß die Dortmunder Züge bereits von demselben abgehen. Auch das Umsteigen der Passagiere in Herdecke fällt nun größtentheils weg, da die Personenzüge Hagen=Steele nunmehr von hier direkt abgelassen werden. Der große Bahnhofsverkehr mird durch die Neueinrichtung noch großartiger. Zu gewissen Tagesstunden stehen, wie die„Rh.=W. Ztg. schreibt, nicht weniger als 9 Personenzüge gleichzeitig zur Abfahet fertig da. * Soest, 19. Sept. In Folge vielfach übertriebener Gerüchte, die durch andere Zeitungen über den hiesigen Gesundheitszustand verbreitet wurden, sieht sich die städtische Behörde veranlaßt, mitzutheilen, daß die Typhuserkrankungen keinen bedrohlichen Charakter zeigen, Todesfälle von Typhuskranken seit dem 24. Juni auf dem städtischen Standesamte nicht zur Anzeige gekommen sind, und die chemische Untersuchung des Wassers der städtischen Wasserleitung ergeben hat, daß es seine bereits früher festgestellte Eigenschaft als vorzügliches Trinkwasser unverändert beibehalten hat. Druckschriften, wurde vertagt, da einer der Schöffen erklärte, daß er selbst der Bergwerksdirection angehöre, mithin zu den Beleidigten zu rechnen sei. Die neue Verhandlung findet am 17. October statt. Gerichtssaal. * St. Johann a. d. Saar, 19. Sept. Der auf heute angesetzte Termin gegen Nicolaus Warken, den ersten Vorsitzenden des Rechtsschutzvereins, wegen Beleidigung der Bergwerksdirection, begangen bei der Empfehlung verbotener satirischer Neueste Nachrichten. * Berlin, 20. Sept. Der Kaiser gedenkt, nach den hierher gelangten Nachrichten, morgen das Ma növerterrain bei Springe in Hannover zu verlassen und mit den Herren seiner Umgebung von dort mittelst Separatzuges nach Potsdam zurückzukehren. Die Ankunft auf der Wildparkstation bei Potsdam dürfte voraussichtlich am Sonnabend Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr zu erwarten sein. Vom Bahnhofe aus begibt sich der Kaiser direct nach dem Neuen Palais, um daselbst, so lange das Wetter günstig bleibt, mit der Kaiserin zu verbleiben. Der Kaiser hat, wie aus Athen gemeldet wird, der griechischen Regierung den Wunsch ausgesprochen, gelegentlich seiner Anwesenheit in Athen auch einen Abstecher nach dem Peloponnes zu machen und dort die Ausgrabungen in Olympia, sowie das berühmte Theater des Aesculap bei Nauplia zu besuchen. Die griechische Rrgierung läßt daher schon jetzt die Straßen in Stand setzen und speciell bis Nauplia eine ganz neue Chaussee anlegen. Zum Empfange des Kaisers wird jetzt auch eine Galaschaluppe in Stand gesetzt, die noch aus der Leit des ersten griechischen Königs, Otto I., stammt und am Bug den Doppeladler zeigt, während sie am Heck mit Blumen und Amoretten geschmückt ist. Auf dieser historischen Schaluppe wird Kaiser Wilhelm die Fahrt von seiner Yacht bis zur Landungsstelle im Piräus machen Die Kaiserin Friedrich, welche die Ueberfahrt von Venedig nach dem Piräus in dem österreichischen Lloyddampfer„Victoria" zurücklegt, trifft bereits einen Tag vor dem Kaiser in Athen ein. Der Großfürst=Thronfolger von Rußland wird sich in Brindisi auf dem Kreuzer„Admiral Korniloff“ einschiffen und soll auf demselben dann von Athen aus eine Reise nach dem Stillen Ocean antreten, von wo er später über Sibiren zurückzukehren gedenkt. Der Kaiser hat für die durch das Unglück in Antwerpen betroffenen Personen einen Beitrag von 10 000 Franken zu bewilligen geruht. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt an bemerkenswerther Stelle: Die in veschiedenen Blättern immer wieder auftauchenden Gerüchte von dem bevorstehenden Rücktritt des Herrn Grafen Szechenyi von dem hiesigen Botschafterposten entbehren jeglicher Begründung. Ausweislich des vorjährigen Erats beziehen die beiden Directoren des Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten je 20000 Mark Gehalt. Es verlautet, daß in diesem Jahre auch die Directoren der übrigen preußischen Ministerien, welche bisher nur ein Gehalt von 15000 Mark beziehen, den erstgenannten gleichgestellt werden sollen. Eine bezügliche Vorlage wird, der„V. Ztg.“ zufolge, dem nächsten Landtage zugehen. * Mehle, 20. Sept. Bei der heutigen TruppenUebung machte der Kaiser mit dem 7. Arme corps einen Flankenmarsch durch Osterwald, griff die rechte Flanke des feindlichen Corps an, drängte letzteres zurück und zwang es, seine feste Stellung aufzugeben. Das anhaltende Regenwetter erschwerte die Uebersicht. Das 7. Corps bediente sich der Patronen mit dem neuen, fast rauchlosen Pulver, was besonders bemerkt wurde, da die Schützenlinie von Weitem nicht erkennbar war. Die Uebung schloß um 11 Uhr, worauf eine kurze Kritik folgte. Die Truppen beziehen wiederum Bivouaks. Der Kaiser welcher Generalsuniform angelegt hatte und überall mit enthusiastischen Kundgebungen begrüßt wurde, begab sich zu Pferde nach dem Jagdschloß Springe zurück. Morgen wird der Kaiser den Oberbefehl über das 10. Armeecorps übernehmen. Madrid, 19. Sept. Die spanische Regierung wird Truppen nach Marokko schicken, um eventuell ihren Forderungen wegen des Schiffsüberfalles Nachdruck zu verleihen. * Paris, 19. September. Der spanische Minister des Aeußern, Vega de Armijo, sieht zwar in dem Zwischenfall von Alhucemas nur einen gewöhnlichen Akt von Piraterie, wird aber dennoch 20000 Mann nach Marokko schicken, wenn der Sultan der spanischen Flagge Genugthuung verweigert. Die spanischen Besatzungen an der marokkanischen Küste erhalten Kriegsmaterial. Der spanische Gesandte wird dem am 21. Sept. in Tanger eintreffenden Sultan seine Creditbriefe nicht überreichen, wenn bis dahin Satisfaction nicht gegeben sein sollte. * Rom, 20. September. Am heutigen Jahrestage des Einzugs der italienischen Truppen in Rom hatte die Stadt festlichen Flaggenschmuck angelegt; um 11 Uhr wurde zur Erinnerung an die Stunde, in welcher vor 19 Jahren der Einmarsch erfolgte, die große Glocke des Capitols geläutet. * Gibraltar, 19. Sept. Die deutsche Kreuzercorvette„Irene" unter dem Befehle des Prinzen Heinrich ist heute hier eingetroffen. Der Prinz Heinrich ging unter Salutschüssen der Geschütze an's Land, wurde von einer Ehrenwache empfangen und machte dem Commandanten einen Besuch. * Quebee, 20. Sept. Von der hiesigen Duffering=Terrasse löste sich eine große Felsmasse ab und zertrümmerte die zweihundert Fuß tief unterhalb gelegenen Wohnhäuser. Man zählt vorläufig 13 Todte und etwa 20 Verwundete. Die Zahl der noch unter den Trümmern Verschütteten soll angeblich gegen 50 betragen. Briefkasten der Redaction. Abonnent in Eickel. Die Vertretung wäre in diesem Falle gleichbedeutend mit Betrug und würde dementsprechend bestraft. Verantwortlich für die Redaction: i. Vertr.: Fr. Wilh. Wiesmann Teuce-Anzeige. Nach achttägigem schwerem Leiden verschied heute unser Mitarbeiter, der Materialien-Verwalter Herr Max-AroCe. Durch acht Jahre hindurch hat der Entschlafene pflichtgetreu und eifrig für die Interessen unseres Werkes gearbeitet und sich dadurch bei uns ein ehrendes Andenken gesichert, welches wir ihm stets bewahren werden. Hofstede, den 20. September 1889. Namens der Beamten der Gewerkschaft ver. Constantin der Grosse: HI. Pieper, Berg-Assessor. Die Beerdigung findet statt am Sonntag den 22. cr., Nachmittags 3¼ Uhr vom Sterbehause in Hlofstede, 4 Uhr von Bochum aus.[4144 Mittwoch den 25. September d. J., Nachmittags 4 Uhr, soll bei der Wirthin Ww. Degener in Kornharpen das Anfahren, Aussetzen und Zerkleinern von Sandsteinen auf die hiesigen Gemeindewege öffentlich an den Mindestfordenden vergeben werden. 4156 Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht. Harpen, den 20. September 1889. Der Gemeinde-Vorsteher: Becker. Am Montag den 23. d. M., Morgens 6 Uhr, wird im städtischen Schlachtbose minderwerihes[4149 Rindfleisch Kilo 80 in Stücken bis öffentlich verkauft. Bochum, den 20. September 1889 Die Schlachthof=Verwaltung. Kuppus=Verkanf am Mittwoch den 25. Septem. ber 1889, Nachmittags 4 Uhr, für Herrn Wahmann zu Querenburg, 10,000 Stück. 4000 Buschmann. Kappus=Verkauf am Samstag, 28. Septbr. 1889, Nachmittags 4 Uhr, für Herrn Specht zu Querenburg 16,000 Stück 40941 Buschmann. am Freitag, 27. Septbr. 1889, Nachmittags 4 Uhr, für Herrn Beckmann zu Haus Heve, 5000 Stück. 4129] Buschmann. Verkauf am Montag, 7. October 1889, Nachmittags 4 Uhr, für Herrn Schulte=Kleinherbede zu Querenburg, 18,000 Stück. 4091) Buschmann. Mittwoch den 25. Septbr. er., Nachmittags 4 Uhr, werde ich(4084 10 Morgen Kartoffeln nummerweise verkaufen. Klettmann in Eppendors. Terrauft. Montag den 23. September, Nachmittags 3 Uhr, Kappus für Vogelsang bei Wirth Stücker in Weitmar. Desgleichen 5 Uhr für Herrn Preutenborbeck in Wiemelhausen. Dienstag den 24. September, Nachmittags 3 Uhr, für Herrn Korthaus in Bärendorf. Nachmittags 5 Uhr Kartoffeln für Herrn Hackert in Wiemelhausen. Mittwoch den 25. September, Nachmittags 3 Uhr, beim Waldschlößchen für Herrn Knoop=Ternedden in Brantrop. Nachmittags 5 Uhr Kartoffeln für Herrn Brässe auf Stoodt's Hof bei Dannenbaum II, Altenbochum. Donnerstag den 26. September, Nach nittags 3 Uhr, Kappus bei Wirth Kallenberg für Herrn Stens in Weitmar. Nachmittags 5 Uhr, Schweine, Schiebkarren und Lehnbänke beim Wirth Schmiebusch in Bärendorf. Freitag den 27. September, Nachmittags 3 Uhr, Kappus für Herrn Cramer an der Engels vurg. Samstag den 28. September, Nachmittags 3 Uhr, bei Wirth Diedrichs in Bärendorf für Herrn Wienken. Nachmittags 5 Uhr für Frau Wwe. Grümer in Bärendorf. Versammlung beim Hofe. Die Verkäufe finden gegen Credit statt.(4141 Nöcker, Auctionator. Kuppus=Verkauf. Am Mittwoch den 25. September er., Nachmittags 4 Uhr, für Herrn Schulte=Hiltrop zu Hiltrop 4136 20,000 Stück, beim Hofe gelegen, gegen Credit. W. Verkauf. Am Donnerstag den 26. September er., Nachmittags 4 Uhr, für Herrn Fleige in Gerthe 15,000 Stück, beim Hose gelegen. 4137 W. Hegenberg. Am Freitag den 27. September er., Nachmittags 4 Uhr, für Herrn Surig in Gerthe 12,000 beim Hofe gelegen. 4138 W. Hegenberg. Habe mich hier als Idebamme niedergelassen und halte mich den geehrten Bewohnern von Wiemelhausen und Umgegend in allen vorkommenden Fällen bestens empfohlen Wohne im Hause des Herrn Schneidermeisters Hüwel. 4146 Frau Wieg. Mack's Ipsdleien aus eigener Fabrik, zur raschesten Herstellung gesunder, trockener Wohnräume und Arbeitssäle zu jeder Jahreszeit. Vorzügl. als isolirmittel für Sheddächer etc., schalldämpfend, leicht, empfiehlt Guillaume& Wegmann, Duisburg. gum Einzige Fabrik und Hauptlager für Rheinland und Westfalen. Vertreter für Bochum und Umgegend Herr Stuckateur August Scheurer ini Bochum. Rüben= und Kappusverkauf. Am Montag den 23. 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Sämmtliche Mitglieder des Vereins und alle hierfür sich interessirenden Landwirthe werden freundlichst ersucht, der Probe beizuwohnen. 4152 Die Zusammenkunft ist auf 2 Uhr Nachmitags im Vereinslocale bei Brunkhorst festgesetzt. Nach der abgehaltenen Probe findet dortselbst Versammlung statt, welcher sich ein gemeinschaftliches Abendessen anschließt. Der Vorstand. Gobrador-Peschftneshmr Bosrichl Fernsprech-Anschluss Nr. 187. empfehlen ihre große Auswahl neuer Obere Marktstr. 6S. Gegenmauter, Fernerrinanter, erkottaltlin, Arieentrrochen. Große Auswahl in neuen Anzug=, Paletot=, Hosen=Stoffen. Anfertigung nach Maass unter durchaus tüchtiger Leitung. 3844 Herren= und Knaben=Anzüge, Paletots, Hosen 2c. zu bekannt billigen PPreisen. Täglich Ein ang von Neuheiten in Kleider= und Besatzstoffen für die Herbst= und Winter=Saison. Nro. 221. dem Jah kam: Zum Ausst fährt der Bericht so Ein drittes Bege aller Ueberschich nach dem Bergpolize Dem fleißigen und zu wollen, sein Einke arbeit von 2 oder würde selbst von sel lässige Bevormundu## müßten während de nach Kohlen beim 2 heblich größere Zahl und im Sommer finden oder aber öf — beides Dinge, d durchaus nicht wüns Der Anspruch, und Gezähe vor Selbstkosten berechn ist allerdings von Unterstützungskassen ist allerdings berech gemein bewilligt wo Sodann sind der Förderwagen la ist diese Beschwerd vielen ist aber das denn es kann dock werden, wenn z. B verworfen werden. meist den Unterstü auf einzelnen Zech genullt worden ist, festzustellen, ob d handen war. Eir Beschwerdepunktes keiten. Die Annahr in doloser Weise Ertrags ihrer Thäl gänzlich unbegründ Der Wunsch, deckter Gang zu Zechen längst erfüll situirten Zechen fe muß aber zugeben, Bedeutung hat, un andern Gewerbzw# Unbilden des Wett Schließlich ist lung der Arb amten geklagt we beiter hervorgegan inhumanen Denksicherlich nicht bere das größte Intere wissen, und begrün sie gegen Unterbehöheren Vorgesetzte ein williges Gehör diese Thatsache nich da in do audgebebn Volksron 28. „Wo haben lernen?“ fragte Lehrer,„das ist schier mit Jedem daran sind, wo gar nichts Recht Er verschwie Kapellenhäuschen schieben vermeint Schmied war d ausgewichen, er leicht, weil er je keinen reellen nahm er keinen „Da ist kei eigentlich eines mit drei Worten ich nicht. Icht losen Lehrersleut land„gelegt“ wi und der alte Lei beigebracht. Sp ins Waisenhaus Lehrerberuf vorg und dann ging und wie's weiter Er schwieg nachdenklich. „Es ist eige merkte der alte weiß, woher ma Theaterstück zusa Aber sein S wie wir wissen, Schützen“ seinem sagte schnell: „Das woller im wirklichen Le Druck und Verlag von Wilh. Stumpt in Bochum. 27 ection N 4145 5 G * * * 9 5 * * Uenverein ne“, Xaer. en 29. er. tsaumlung. rdnung: er Mitglieder. Leitrüge enheiten. er Vorstand. siemerng kel. verden gebeten, zur er Berdigung des jedes egenbein er sich am Sonnk., Nachmittags Vereinslocal ver4154 er Vorstand. al-Verein nne. Nachmittag den anstaltet der LandI=Verein in Wanne leuprobe mit verSämmtliche Mitund alle hierfür Landwirthe werden der Probe beizu4152 unst ist auf 2 Uhr Vereinslocale bei esetzt. tenen Probe findet mlung statt, welchaftliches Abender Vorstand. I. 3844 1„„ Nro. 221.— 1889. Druck und Verlag von Wilh. Stumpf in Bochum. Samstag den 21. September. Für die Redaction verantwortlich: Fr. Wüh. Wiesmann. 61. Jahrgang. dem Jahresberichte der Handelekammer zu Bochum. 1II. Zum Ausstand der Bergarbeiter fährt der Bericht folgendermaßen fort: Ein drittes Begehren betraf das unbedingte Verbot aller Ueberschichten. Zu solchen kann bekanntlich nach dem Bergpolizeigesetz Niemand gezwungen werden. Dem fleißigen und kräftigen Bergmann aber verbieten zu wollen, sein Einkommen durch eine gelegentliche Ueberarbeit von 2 oder höchstens 4 Stunden zu vermehren, würde selbst von sehr vielen Bergleuten als eine unzulässige Bevormundung abgelehnt werden. Außerdem müßten während des Winters bei stärkerer Nachfrage nach Kohlen beim Wegfall aller Ueberschichten eine erheblich größere Zahl von Bergleuten beschäftigt werden, und im Sommer entweder viele Entlassungen stattfinden oder aber öftere Feierschichten eingelegt werden, — beides Dinge, die auch im Interesse der Bergleute durchaus nicht wünschenswerth erscheinen. Der Anspruch, daß für Sprengmaterial, Oel und Gezähe von den Zechenverwaltungen nur die Selbstkosten berechnet werden möchten(der Mehrerlös ist allerdings von den meisten Zechen den SpezialUnterstützungskassen für Bergleute zugeführt worden), ist allerdings berechtigt, aber auch ohne Sträuben allgemein bewilligt worden. Sodann sind Klagen über zu vieles„Nullen“ der Förderwagen laut geworden. Aus einzelnen Zechen ist diese Beschwerde vielleicht begründet gewesen, auf vielen ist aber das rechte Maaß innegehalten worden, denn es kann doch unmöglich als auffällig bezeichnet werden, wenn z. B. 1 Prozent der Wagen als unrein verworfen werden. Auch kommt ja der Erlös dafür meist den Unterstützungskassen zu Gute. Wenn aber auf einzelnen Zechen eine größere Zahl von Wagen genullt worden ist, so wäre in jedem Einzelfall erst festzustellen, ob dazu nicht berechtigter Anlaß vor handen war. Eine vollbefriedigende Regelung dieses Beschwerdepunktes bietet ja außerordentliche Schwierigkeiten. Die Annahme aber, daß die Zechenverwaltungen in doloser Weise die Arbeiter um einen Theil des Ertrags ihrer Thätigkeit betrügen wollen, ist jedenfalls gänzlich unbegründet. Der Wunsch, daß von dem Förderschacht ein bedeckter Gang zur Kaue führen möge, ist auf vielen Zechen längst erfüllt worden. Auf anderen weniger gut situirten Zechen fehlten bisher die Mittel dazu. Man muß aber zugeben, daß dieser Beschwerdepunkt wenig Bedeutung hat, und daß auch die Arbeiter in manchen andern Gewerbzweigen nach starker Anstrengung den Unbilden des Wetters preisgegeben sind. Schließlich ist über unangemessene Behandlung der Arbeiter Seitens der Zechenbeamten geklagt worden. Die aus den Kreisen der Arbeiter hervorgegangenen Beamten im Allgemeinen einer inhumanen Denk= und Handlungsweise zu zeihen, ist sicherlich nicht berechtigt. Die Zechenverwaltungen haben das größte Interesse daran, ihre Arbeiter zufrieden zu wissen, und begründete Beschwerden derselben, auch wenn sie gegen Unterbeamte gerichtet sind, werden bei den höheren Vorgesetzten derselben in den allermeisten Fällen ein williges Gehör finden. Einzelne Ausnahmen können diese Thatsache nicht umstoßen. Kein Arbeiterstand genießt ja in so ausgedehntem Maaße die Vortheile mannigfacher Wohlfahrtseinrichtungen als der der Bergleute. Es ist daher geradezu widersinnig, die Zechen=Directoren und =Beamten als herzlose Tyrannen hinzustellen. Nach allem im Vorstehenden Erörterten mußte es im höchsten Grade überraschen, daß gerade im Oberbergamtsbezirk Dortmund, wo von allen Bergrevieren des Europäischen Festlandes die höchsten Löhne gezahlt werden und die kürzeste Arbeitszeit besteht, die Bergleute, ohne vorher zu kündigen, und eine friedliche Verständigung mit den Zechenverwaltungen zu versuchen, massenhaft die Arbeit plötzlich niederlegten und mit Forderungen hervortraten, bei deren Bewilligung nur sehr wenige Zechen mit besonders günstigen Kohlen=Lagerungsverhältnissen im Stande sein würden, ihre Selbstkosten zu decken, die Bergwerksbesitzer aber keine Rente von ihren im Bergbau angelegten Kapitalien erzielen könnten. Man sollte meinen, daß wenigstens die älteren Bergleute diese Lage der Dinge eingesehen hätten. Thatsächlich hat diese Erkenntniß auch einem bedeutenden Theil der Bergleute nicht gefehlt, und dieselben haben, nur widerwillig dem Druck und den Drohungen jüngerer unverständiger Kameraden nachgebend, sich dem Ausstand angeschlossen. Aber auch bei diesen besonneneren Elementen hat doch fast allgemein eine lebhafte Verstimmung gegen die Bergwerksverwaltungen geherrscht. Forschen wir nach den Ursachen dieser Erscheinung, so müssen wir zunächst daran erinnern, daß unsere Handelskammer seit etwa einem Jahrzehnt fast in jedem ihrer Jahresberichte auf das unheilvolle Treiben gewisser ultramontaner und demokratischer Zeitungen hingewiesen hat, welche systematisch die Arbeitgeber,„die Schlotjunker und Zechenbarone", als gewissenlose Ausbeuter des Schweißes der Arbeiter kennzeichneten, die Lage der letzteren als nicht„menschenwürdig" darstellten und insbesondere fort und fort von„Hungerlöhnen",„Sklaverei" u. dgl. sprachen. Lange Zeit hat der gesunde Sinn unseres Bergmannsstandes diesen frivolen Aufhetzungen und Verleumdungen widerstanden, aber bei einem Theil der Bergarbeiter, die täglich solche Schilderungen lasen, ist diese böse Saat doch endlich aufgegangen. In den letzten Wochen vor dem Ausbruch des Ausstandes hat nun die oben erwähnte Presse ihre Aufwiegelungsarbeit mit verstärkter Kraft betrieben, und in gleicher Weise sind auch die durch jene Presse irregeführten Redner, welche in den Versammlungen das Wort führten, nicht müde geworden, die Leidenschaften durch unwahre Schilderungen der Lage der Bergleute anzufachen. Vor ungesetzlichen Schritten haben allerdings sowohl diese Redner als auch die in Rede stehende Presse mit vieler Emphase gewarnt. Aber gleichzeitig wurde immer von Neuem erklärt, die Forderungen der Arbeiter seien äußerst„bescheiden“ und durchaus„gerecht", die öffentliche Meinung stehe mit warmer Sympathie auf Seite der Ausständischen, und es sei undenkbar, daß die Bergwerksverwaltungen den„Unverstand“ und die„Halsstarrigkeit" haben würden, die Ansprüche der Arbeiter unerfüllt zu lassen. Schließlich haben sich ohne Zweifel auch Sozialdemokraten an den Agitationen betheiligt. Im Großen und Ganzen war das aber kaum noch ersorderlich, da die von uns gekennzeichnete Presse der spezifisch sozialdemokratischen im Hetzen und Verleumden durchaus nicht nachsteht, woher auch zu erklären ist, daß die Sozialdemokratie in unseren Bergrevieren niemals rechten Fuß gefaßt hat. Eine sachlichs Prüfung der Berechtigung der Forderungen der Bergleute hat weder in der von uns genannten Presse noch in den BergarbeiterVersammlungen irgendwo stattgefunden, und so ist es denn erklärlich, daß besonders die jüngeren Bergleute fest davon überzeugt waren, die Zechen=Directoren und=Beamten seien habgierige Blutsauger und Tyrannen. Verschlimmert wurde die Lage noch dadurch, daß die öffentliche Meinung durch Berichterstatter großer auswärtiger Zeitungen, welche ihre Mittheilungen über die Ausstandsbewegung ohne genügende Sachkenntniß abfaßten, ferner durch das Anfangs unsichere Auftretender Verwaltungs= und das Schweigen der Bergbehörden zu Ungunsten der Zechenverwaltungen beeinflußt wurde. Außerdem hatten auch die meisten farblosen oder gemäßigtliberalen Localblätter der im Ausstandsgebiet belegenen Orte aus Furcht, Abonnenten zu verlieren, nicht den Muth, der Hetzpresse mit Entschiedenheit gegenüberzutreten und ihren Lesern die wahre Lage der Dinge zu schildern. Nach und nach hat sich allerdings das Urtheil des Publikums wesentlich umgestaltet. Die Verwaltungsbehörden erkannten nach genauer Ermittlung der Sachlage, daß begründete Anlässe zum Ausbruch des Ausstandes nicht vorhanden gewesen waren, und auch die öffentliche Meinung wendete ihre Sympathieen von den Ausständischen ab, als deren Forderungen immer weiter gingen und kein Maaß mehr zu kennen schienen. Nur die demokratische und ultramontane Presse setzte das Hetzen unverdrossen fort und bemühte sich, durch erfundene Geschichten über Rohheiten der Zechenbeamten und „Maßregelungen" unschuldiger Arbeiter die Aufregung von Neuem zu schüren. Ort und Name wurde dabei fast nie genannt, und geschah es einmal, so folgte natürlich stets eine Richtigstellung des Sachverhaltes Seitens der Angegriffenen, sodaß schließlich auch nicht eine einzige dieser Schauergeschichten als Thatsache erwiesen blieb. Daß die Bergleute ihre Lage zu verbessern suchten, war ja durchaus begreiflich. Dieses Bestreben wurde durch die in den verflossenen Monaten aller Orten hervorbrechende Streiklust ermuntert und außerdem durch irrige Vorstellungen über die Gewinnergebnisse der Zechen in Folge der Manöver der Börsen=Speculation. Gleichwohl wäre unserer Ueberzeugung nach der Ausstand ohne die langjährige und im April d. I. mit verstärkter Leidenschaftlichkeit betriebene Hetzarbeit gewisser Zeitungen nicht zum Ausbruch gekommen oder doch rasch zu Ende gegangen. Es hatte sich aber in den Gemüthern der Bergleute durch die fortwährende Aufwiegelung soviel Grimm angesammelt, daß der ruhigen, besonnenen Ewägung kein Raum mehr blieb. Ein Erlaß der Herren Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern vom 25. Mai an die Herren Regierungspräsidenten zu Arnsberg, Münster und Düsseldorf, sowie den Berghauptmann zu Dortmund ordnete zur Einlösung des von Sr. Majestät dem Kaiser den Deputirten der Bergleute gegebenen Versprechens eine Untersuchung der von ihnen über ihr Arbeitsverhältniß erhobenen Beschwerden an. Es liegt uns fern, dem Untersuchungs=Ergebniß mit unserem Urtheil vorzugreifen, aber auf Grund unserer genauen Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse sprechen wir schon jetzt die Ueberzeugung aus, daß wenigstens eine Nothlage der Bergleute, wie die Hetzpresse behauptet, nicht vorhanden gewesen ist, und daß die Löhne keineswegs Hungerlöhne sondern der Lage des Bergbaus im Allgemeinen angemessene gewesen sind. Da die Lohnfrage aber beim Beginn des Ausstandes Seitens der Bergleute selbst fast ausschließlich als Ursache desselben bezeichnet worden ist, so erscheint auch der Ausbruch einer Arbeitseinstellung von dem Umfange und der Verbitterung, wie wir sie leider erleben mußten, keineswegs gerechtfertigt. Beschwerden über sonstige untergeordnete Punkte, wie sie wohl in keinem Gewerbebetrieb vollständig fehlen dürften, konnten jedoch um so weniger einen genügenden Anlaß zu dem Contractbruch vieler Tausende bieten, welcher der vaterländischen Gewerbthätigkeit und schließlich auch den Bergarbeitern selbst schwere Nachtheile gebracht hat. Löhne sind ja nicht nur für die Arbeiter, sondern für weite gewerbliche und kaufmännische Kreise in hohem Grade zu wünschen, und werden dem Arbeiter gern gegönnt werden. Es darf aber bei der Festsetzung der Löhne doch nicht die Grenze überschritten werden, hinter welcher das in der Industrie angelegte Kapital ohne ausreichende Rente bleibt und der Wettbewerb mit dem Ausland, falls derselbe mit in Betracht kommt, unmöglich wird. Nach der Beendigung des Ausstandes wird von vielen Seiten lebhaft erörtert, durch welche Mittel sich der Wiederkehr einer solchen Calamität vorbeugen läßt, oder auf welche Weise wenigstens die schädlichen Wirkungen einer Arbeitseinstellung der Bergleute abgeschwächt werden können. Wir wollen von den bezüglichen Vorschlägen nur die wichtigsten kurz berühren. Eine Verstaatlichung der im Privatbesitz befindlichen Gruben würde unwirksam sein, da, wie die Erfahrung an den Saarbrückener und Schlesischen Revieren gelehrt hat, auch fiskalische Bergwerke keineswegs vor dem Ausbruch eines Arbeiterausstandes gesichert sind. Auf die sonstigen Bedenken gegen eine Verstaatlichung der Bergwerke einzugehen, ist hier nicht der Ort. Die mehrfach befürwortete strafrechtliche Verfolgung des Contractbuches von Arbeitern halten wir sowohl aus juristischen als aus practischen Gründen für unzulässig. Eher lassen sich vielleicht auf dem Gebiete des Civilrechts Wege finden, um den Arbeitgeber besser als bisher vor den Nachtheilen zu sichern, die ihm durch Arbeitseinstellung ohne vorherige Kündigung drohen. Wenn aber auch die Kündigungsfrist innegehalten wird, so kann ein umfassenderer Arbeiterausstand doch die unheilvollsten Folgen haben. Wir können auch nicht in der Bildung von Arbeiterausschüssen ein wirksames Gegenmittel gegen den Ausbruch von Ausständen erblicken. Die Aufrechterhaltung der Disciplin und Ordnung ist für alle größeren Betriebe und ganz besonders für den Bergbau von höchster Wichtigkeit. Bei der Bildung von ArbeiterAusschüssen namentlich unter aufregenden Verhältnissen liegt aber offenbar die Gefahr vor, daß in solche Ausschüsse Seitens der Arbeiter vorzugsweise die unruhigen Kameraden gewählt werden, welche sich durch dreistes Reden oder eifriges Agitiren in den Vordergrund gedrängt haben. Daß diese Befürchtung nicht unbegründet ist, hat gerade der Mai=Ausstand unwiderleglich bewiesen Auch Einigungsämter und Schiedsgerichte haben sich, wie die in Berlin, Frankfurt u. a. O. in diesem Frühjahr gemachten Erfahrungen beweisen, weder zur Verhütung noch zur Beilegung von Arbeiterausständen geeignet gezeigt. In Frankfurt a. M. sind dieselben nicht einmal von den streitenden Theilen überhaupt angerufen worden. Der auf die Ansammlung bedeutender Kohlenbestände an den Productionsstätten oder auf den einzelnen industriellen Werken gerichtete Vorschlag klingt recht zweckmäßig, für die Vewirklichung desselben in weiterem Umfang ergeben sich aber so zahlreiche und Die beiden Schützen. Volksroman von August Butscher. 28. Nachdruck verboten. „Wo haben Sie nur die Flöte so herrlich spielen lernen?“ fragte einmal der alte Humsele den jungen Lehrer,„das ist fast mirakelhaft und Sie können's schier mit Jedem aufnehmen. Und weil wir gerade daran sind, wo sind Sie eigentlich her? Man weiß gar nichts Rechtes über Ihren Lebenslauf.“ Er verschwieg wohlweislich, daß ihn die Beiden im Kapellenhäuschen, die ihn schoben, während er zu schieben vermeinte, zu dieser Frage aufgestachelt hatten. Schmied war den direkten Fragen des Kapellenjörg ausgewichen, er wußte selbst nicht recht warum, vielleicht, weil er jener Eiweißgeschichte des Kapellenjörg keinen reellen Hintergrund geben wollte. Hier aber nahm er keinen Anstand, wahrheitsgetreu zu bemerken: „Da ist kein Geheimniß dabei— und doch ist eigentlich eines dabei— und das Lebensläuflein ist mit drei Worten erzählt. Wo ich geboren bin, weiß ich nicht. Ich bin als kleines Kind zwei alten, kinderlosen Lehrersleuten in Krummbach drunten im Unterland„gelegt“ worden. Sie haben mich aufgezogen und der alte Lehrer hat mir auch das Flötenspielen beigebracht. Später sind sie gestorben und ich bin ins Waisenhaus gekommen. Dort hat man mich zum Lehrerberuf vorgebildet, nachher kam ich ins Seminar und dann ging das Wandern an bis nach Kühlewald, und wie's weiter geht, weiß Gott.“ Er schwieg sinnend und auch die Anderen waren nachdenklich. „Es ist eigentlich eine traurige Geschichte," bemerkte der alte Humsele,„wenn man nicht einmal weiß, woher man stammt. Man könnte daraus ein Theaterstück zusammendichten wie die„beiden Schützen". Aber sein Sohn, der sonst nicht sehr redselig war, wie wir wissen, und der wußte, daß die„beiden Schützen“ seinem Brodherrn ein Dorn im Auge waren, sagte schnell: „Das wollen wir beruhen lassen, wir spielen jetzt im wirklichen Leben und Jeder führt sein Instrument Heste duer de Ascenesicenen bsicret einmal ein Ende nehmen.“ „Das Geheimnißvolle ist auch schön," warf die schöne Senz ein. „Besonders wenn die spätere Lösung gut ist," stimmte Emerentia bei, und fragte dann Schmied: „Ei, Herr Schmied,“— sie thaten in Gesellschaft immer sehr förmlich—„da wir an Geheimnissen sind, möchte ich einmal fragen, weil es mir gerade einfällt, was Ihnen mein Vater im Pulte Wichtiges hinterlassen hat?“ Er erwiderte heiter: „Da ist gar kein Geheimniß dabei, aber eine schöne Liebesthat. Es ist ein Bittschrift an die Oberbehörde, verfaßt von Ihrem seligen Vater und unterschrieben von allen Rathsmitgliedern und von fast allen Bürgern, mir nach seinem Ableben die Schulstelle von Kühlewald zu übertragen. Das Schriftstück ist fast zu schmeichelhaft für mich, aber ich muß es doch, dem Willen des Seligen Folge gebend, einsenden, wenn die Stelle ausgeschrieben wird. Dann wollen wir sehen, ob es Glück bringt. Bringt es dieses, nun, so“ — fügte er scherzend bei, indem er die Augen niederschlug—„führt der, welcher das Glück hat, wohl auch die Braut heim.“ Die Mädchen wurden roth und athmeten schwer, Ruperts Blicke aber waren fast finster geworden, während die beiden Alten sich fragend ansahen. Dann griff man wieder zu den Instrumenten, um über die schwüle Situation hinwegzukommen, und die Mädchen sangen zum Schlusse wieder einmal: Schon die Abendglocken klangen, Und die Flur im Schlummer liegt, Wenn die Sternlein aufgegangen, Jeder gern im Traum sich wiegt. * * Wer nur mit dem Auge der Oberflächlichkeit sah, hätte unsern jungen Helden in dieser„sommerigen Zeit" unbedingt glücklich preisen müssen, er hatte ja so ziemlich Alles, was man bei bescheidenen Ansprüchen verlangen kann:„ein Häuschen im Grünen“, keine Brodnoth, keine unerträgliche Arbeit, so manche freie Stunde, wackere Freunde, und was das Beste war, eine„stille Braut", deren Locken, wie beim Gothenkönig Alarich,„noch die Stirn blond umgaben.“ Und dennoch war er nicht glücklich, denn die rothwangigsten Aepfel bergen am häufigsten Würmer. Um glücklich zu sein— und wäre es auch nur eine kurze Frift— muß man die Harmlosigkeit und Genügsamkeit eines Kindes haben, das lächelnd im Grünen liegt und die Baumblüthen wie Mannabrot auf sich niedertropsen läßt, nicht fragend, was es sei, und ob es nicht einmal anders komme. Aber Schmied war eben kein Kind mehr und zu allem ein Grübler, der des Augenblicks nicht froh wird, und hinter jedem warmen Sonnenblick das zerstörende Gewitter wittert. Das Häuschen war wohl herzig und heimelig, aber es war so einsam und man sah stets auf den Kirchhof, auf dem die Grabkreuze im Sonnenglanz flimmerten und mahnten, daß Alt und Jung dem alten Hain verfallen sei. Brod hatte er wohl auskömmlich, aber keine Butter darauf und selten ein Glas Bier dazu. Und wie sollte es erst mit Zweien oder — Dreien und Vieren sein! Die Arbeit war erträglich, aber sie befriedigte ihn nicht, sein alter Freund, der Lahrer Wagner war nicht mehr da, und es hatte fast Niemand Verständniß für seine Leistungen. Als Theaterdirektor war er recht gewesen, als„Hanswurst“, für die sensationshungrige Masse, jetzt hieß man ihn sauertöpfisch und„keine drei Batzen werth". Auch sonst heftete sich die Klatschsucht an seine Fersen und da man keine Thatsachen mit Sicherheit aufzudecken wußte, so griffen die alten Weiber und die jungen Mädchen zur Mythe und„dichteten" nach Noten kleine Geschichtchen, die wie Kobolde über seinen Weg sprangen. Die freien Stunden waren dem jungen Lehrer im Sommer allerdings reichlich zugewessen, aber sie machen die einsamen Leute oft am meisten unfrei. Sein zweites Examen hatte er mit Glück, oder eigenlich mit Geschick, bestanden und war nach der gewöhnlichen Auffassung der Dinge„fertig für's ganze Leben“. Es gibt wirklich Leute, die meinen, wenn man dem Examinator die Thüre vor der Nase zugemacht habe, habe man abgeschlossen für Lebenszeit. Dieser Meinung sind sogar einzelne der„Geprüften" selbst und begnügen sich damit, den Alltagskarren„abzufertigen", bis er lendenlahm unter's Gerümpel kommt, während die„Lebensweisen" um seine nüchterne Stirne die Kränze ernsten Studiums verschönend und versöhnend winden, immer wieder in anderer Gruppirung, so daß sie von Tag zu Tog etwas zu schauen und an etwas zu zehren haben..(6enrhs. Zu den letzteren gehörte selbstverständlich auch unser Held, der für seine Jugend fast zu ernste Studien trieb. Immerhin aber gab er auch der freien Natur, in der auch unsere eigentliche Natur frei wird, ihr Recht und schoß im Gärichen hinter dem Hause mit der alten Büchse, die ihm auf so sonderbare Weise zugefallen, Kartoffeln und Aepfel, die er in die Lust warf. Aber dann fiel ihm immer wieder der Abend seines Einzugs ein, der ihn so verheißungsvoll angemuthet, aber auch„die beiden Schützen“, deren eigentliches Wesen er nicht zu ergründen vermochte und die — er fühlte das— eine gewisse Rolle in seinem Leben— entweder gespielt hatten oder zu spielen berufen waren. Ein dumpfes Gefühl der Beklommenheit ließ ihn nie ganz los, und selbstsseine Kameraden im Kapellenhäuschen vermochten nur selten, ihn seiner grüblerischen Stimmung zu entreißen. Sie hatten sich in neuerer Zeit mit besonderer Wärme an ihn angeschlossen, und besonders der Zigeunerfranzel schien ihn mit seiner Freundschaft fast erdrücken zu wollen. Der eben Genannte war vor wenigen Tagen— es war im Hochsommer— von einer weiteren Reise zurückgekehrt und schien die längere Abwesenheit durch doppelte Liebesbeweise ausgleichen zu wollen. Er bot ihm sogar das vertrauliche„Du“ an und Schmied konnte es dem viel Besprochenen und auch Gefürchteten nicht wohl abschlagen. Der Mann hatte übrigens stets noch etwas Räthselhaftes auch für ihn und er fühlte gut, daß all' diese unerklärlichen gen einem Abschlusse zudrängten, den er herbeiwünschte und doch unwillkürlich fürchtete. Uebrigens gewährte es ihm doch eine gewisse Befriedigung, daß er, der so verwaist durch's Leben ging, Jemanden gefunden, der ihn ungehenchelte Zuritgung en, orsetzung felgt. Heutige Ausgabe 3 Blätter. kaum zu überwindende Schwierigkeiten, daß dieser Gedanke zur Zeit als nicht ausführbar erscheint. Was speziell die jetzt so üppig wuchernden„General= Streiks" betrifft, so empfiehlt es sich, daß die Arbeitgeber künftig rundweg ablehnen, mit den Vertretern solcher Ausstände, den„Central=Streik=Comité's“, überhaupt in Unterhandlung zu treten. Daß ein paar unruhige und unverständige Leute, die vielleicht verkappte oder offene Sozialdemokraten sind, im Namen der Arbeiter eines ganzen Gewerbszweiges Forderungen erheben, erscheint uns durchaus unzulässig. Den„General=Streiks" der Arbeiter möge also die thunlichst lokalisirte Abwehr der Arbeitgeber gegenübergestellt werden. Schließlich gestatten wir uns, der Königlichen Staatsregierug unsererseits einen Vorschlag zu unterbreiten, dessen Verwirklichung sich zur Verhütung von Arbeiterausständen oder wenigstens zu einer rascheren Beilegung derselben förderlich erweisen dürfte. Die Aufrechterhaltung eines guten Einvernehmens zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ist ohne Frage von höchster wirthschaftlicher, sozialpolitischer und sittlicher Bedeutung. Es darf daher nicht zugelassen werden, daß ultramontane, demokratische und sozialdemokratische Hetzer und Hetzblätter dieses Einvernehmen fort und fort zu stören suchen. Unserem Strafgesetzbuch fehlt es aber an einer klaren Bestimmung zur Verfolgung solcher Hetzereien. Es dürfte sich demgemäß empfehlen, eine Bestimmung in das Strafgesetz aufzunehmen, nach welcher mit Gefängnißstrafe derjenige belegt wird, der in Rede oder Schrift das Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Abeiterrn durch unbegründete Beschuldigungen über ein angeblich arbeiterfeindliches Verhalten der ersteren oder ihrer Beamten, oder durch herabwürdigende Bezeichnungen der Arbeitgeber, oder durch unwahre aufreizende Mittheilungen über Lohn= und sonstige Arbeitsverhältnisse zu sören sucht. Emin Pascha-Expedition. Von der deutschen Emin Pascha-Expedition berichtet die„Colonialzeitung": Wie aus den veröffentlichten Berichten erinnerlich, war Dr. Peters nach der Landung in der Kweihoobucht westwärts marschirt, um Witu und dann den Tanafluß zu erreichen. Der letzte der damals mitgetheilten Berichte war aus Hindi, den 25. Juni, datirt. aus den inzwischen eingegangenen weiteren Berichten ergibt sich, daß Dr. Peters am 3. Juli von Hindi aufbrach und nach einem mit mancherlei Beschwerlichkeiten verknüpften Marsch am 7. Juli vor Witu anlangte. „Daß wir Witu näher kamen, ward uns zunächst durch etwa dreißig Witu Askaris angezeigt, welche uns im Namen des Sultans willkommen hießen. Etwa eine halbe Stunde vor Witu begrüßte mich der Scherif Abdallah, ein außerst gebildeter Suaheli, in dessen Begleitung auch Herr Dörfer, ein Beamter des Herrn Denhardt, mich willkommen hieß. So marschirten wir mit unserer Flagge und dem Geschütz voraus in das lachende Wituthal hinein. Hier ist schwerer, guter Weizenboden und das Land mit Weizen und Mais bebaut. Witu selbst liegt an einem kleinen Höhenrücken und ist vollständig mit Waldbefestigung umgeb n. Zwei Thore führen in den Ort hinein, massiv befestigt, an denen Tag und Nacht Wachen aufgestellt sind. Witu mag 2000 Einwohner zählen, aber durch die Menge gebildeter und vornehmer Bewohner wird das Gefühl wach erhalten, daß man sich hier in einem Mittelpunkte ostafrikanischen Lebens befinde.— Unter einem großen Volksauflauf ritt ich in Witu ein. Vor dem für mich bestimmten Hause sah ich unsere Flagge aufgezogen, und ich erfuhr, daß der Sultan mir vier Häuser für meine Leute, sowie einen Ochsen zur Verfügung gestellt habe.“ Am folgenden Tag, den 8. Juli, hatte Dr. Peters Audienz beim Sultan Fumo Bakari. Er berichtet darüber wie folgt: „Ich wurde abgeholt von den ersten Würdenträgern des Hofes, dem Scherif des Abdallah und dem ersten Offizier der Sultanstruppen, letzterer in der Uniform eines preußischen Artillerieoffiziers. Ich hatte zwei meiner Diener in weiß=rothe, mit Silber gestickte Kawaß=Uniformen kleiden lassen, welche mir folgten und die Geschenke für Fumo Bakari trugen: ein vornehm vergoldetes, arabisches Schwert mit einer echten Jellaharklinge und zwei Dreyse'sche Repetirgewehre neuester Construction. In meiner Begleitung gingen Herr Dörfer und Herr Friedenthal. Der Sultan seinerseits hatte etwa 40 Mann Soldaten zu unserem Empfange aufstellen lassen und empfing uns inmitten seines gesammten Hofes. Sein steinernes Haus macht zwar einen recht einfachen Eindruck, indessen unterschied sich die Versammlung nicht wesentlich von der Umgebung des Sultans. von Sansibar bei ähnlichen Gelegenheiten. Fumo Bakari kam mir bis an die Thür entgegen und führte mich auf einen Lehnsessel links von seinem erhöhten Sessel, während rechts von ihm auf einem gleichen Stuhl wie dem meinen der Thronfolger, ein Bruder von ihm, saß. Fumo Bakari ist ein Mann von etwa vierzig Jahren, mit weichem, wohlwollendem Gesichtsausdruck. Unsere Unterhaltung bewegte sich in Kisuaheli und hatte nach den Begrüßungsphrasen und Freundschaftsversicherungen naturgemäß den Zweck meiner Expedition zum Gegenstand, welche der Sultan nach Kräften zu un terstützen versprach. Auf meine Bitte bewilligte er mir sosort Schreiben an seine Ortsältesten. Auch erklärte er sich bereit, Tanaboote für mich zu besorgen, und gab wiederholt die Erklärung, ich möge ihm jeden meiner Wünsche mittheilen; er sei ein zu guter Deutscher, um mir nicht in Allem entgegenzukommen. Die Audienz dauerte eine Stunde und den Rest des Tages beeilten sich nach einander die Großen des Orts, mir ihren Besuch abzustatten, darunter einzelne in der That gebildete und sympathische Männer.“ Seinen Abmarsch von Witu nach dem Tanaflusse hatte Peters anfänglich auf den 17. Juli festgesetzt; der Aufenthalt in Witu verlängerte sich jedoch, weil dort noch verschiedene, zur Vervollständigung der Ausrüstung nöthige Maßregeln zu treffen waren. Erst am 25. Juli war die Colonne des Dr. Peters vollkommen marschfertig und verließ Witu am 26. Juli. Diese Colonne, geführt von Dr. Peters und Lieutenant v. Tiedemann, bestand aus 25 Soldaten(Somalis), 98 Trägern(85 Männern, 13 Frauen), 8 Dienern, 1 Wagenführer; sie nahm 16 Kameele, 8 Esel, 1 Pferd und 4 Hunde mit sich. Außerdem hatte Peters 6 Boote auf dem Tana zur Beförderung von 80 Lasten Getreide gemiethet. Ueber seine Somalis spricht sich Peters in einem Berichte sehr lobend aus. „Ich habe persönlich die Somalis überhaupt hoch geschätzt, seit ich sie kenne. Nur muß man sie kennen, um sie benutzen zu können. Die Leute sind in der That eigenartig zu behandeln. Ein brennender Ehrgeiz, ein ausgesprochenes Ehr= und Freiheitsgefühl zusammen mit einem oft kindischen Eigensinn macht ihre Verwendung schwierig, wenn man glaubt, sie wie Suahelis mit dem Druck der Macht handhaben zu können; aber ganz außerordentlich leicht, wenn man diesen Eigenschaften vollständig Rechnung trägt. In letzter Linie und in schwierigen Lagen sowohl in Bagamoyo wie auf der Expedition ist immer das Ent scheidende ein Appell an ihr Ehrgefühl gewesen. Der Somali ist launisch, läßt sich von Empfindungen hierhin und dorthin bestimmen; wird aber unbedingt durch eine, ich möchte sagen, ritterliche Behandlungsweise zu leiten sein. Sein natürlicher Stolz hält ihn vom Fraternisiren mit anderen Schwarzen ab und macht ihn demnach zu dem geborenen Expeditionssoldaten. Ich muß gestehen, daß ich mich stets über diese scharfgeschnittenen und stolzen Gesichter freue, und ich glaube andererseits auch der Anhänglichkeit dieser Leute sicher zu sein. Ihr Auftreten wirkt auch auf die eingeborne Bevölkerung vollkommen in erwünschter Weise.“— Die Träger hatten Anfangs Schwierigkeiten durch ihren Mangel an Disciplin bereitet. Durch energisches Einschreiten gelang es Peters, diese Schwierigkeiten zu beseitigen; er schreibt darüber: „Unter den Trägern hat eine strenge, gerechte handhabung der Disciplin Ordnung und unbedingten Gehorsam geschaffen. Von meinen Manyemas, Wanjamwesi und Wasaramo ist nicht ein Mann mir entlaufen. Morgens 5½ Uhr treten die Leute an, werden namentlich gemustert, und um 6 Uhr ist die letzte Trägerlast auf dem Marsch. Nach Ankunft werden die Lasten gezählt und die Träger von Neuem namentlich gemustert. Ich habe bis heute keinen Nagel von meiner Last und keinen Mann verloren. Wer die Verhältnisse bei Beginn von Expeditionen kennt, wird dies Resultatals ein günstiges anerkennen.“ Die Benutzung von Kameelen war Herrn Dr. Peters besonders durch den Grafen Teleki und den Schiffslieutenant von Höhnel, welche er auf der Hinreise nach Sansibar in Aden getroffen hatte, angerathen worden. Die beiden genannten Reisenden kamen damals von ihrer Expedition nach dem Keniagebirge zurück und theilten dem Führer der deutschen EminPascha=Expedition ihre Erfahrungen, auch soweit solche für die Feststellung des Reiseweges von Wichtigkeit waren, mit dankenswerther Bereitwilligkeit mit. Dr. Perers schreibt, daß die Kamele sich als sehr nützlich für die Expedition erwiesen; ein Kameel trägt 6 bis 8 Listen, die 16 Kameele ersetzen mithin gegen 100 Träger und dabei ist ihre Beköstigung überaus billig; sie suchen und finden in der Tangebene überall Weide futter. Auf je zwei Kameele kommt nur ein Kameeltreiber. Der letzte von Peters eingegangene Bericht ist vom 27. Juli,„Marsch zwischen Witu und Engatana. Erste Rast auf der Steppe“ datirt und bestätigt nur kurz, daß der Abmarsch in voller Ordnung bewerkstelligt sei. Eine zweite Colonne mit dem Rest des Gepäcks sollte unter der Führung des Herrn Capitänlieutenant Rast und O. Borchert dem Dr. Peters nachfolgen. Borchert war durch den Proceß der„Neera“ in Sansibar zurückgehalten. Das Prisengericht hat bekanntlich die Kaperung der„Neera" als nicht gerechtfertigt erkannt. Am 4. September telegraphirte O. Borchert hierher:„Durch„Neera"=Kaperung erlitt Expedition 5400 Rupees Schaden. Ich heute Peters nach.“ Daß Dr. Peters irgend welche Conflicte mit den Eingeborenen von Witu gehabt hätte, und daß er gar zum Rückmarsch nach Witu gedrängt sei, wie in englischen Blättern gemeldet wurde, davon ist dem Ausschuß des Emin=Pascha=Comitees bis jetzt nichts bekannt geworden, und nach dem soeben mitgetheilten Telegramm Borchert's darf man annehmen, daß die Nachricht von dem Rückmarsch des Dr. Peters nach Witu lediglich auf böswilliger Erfindung beruht. Je weiter die Expedition in das Innere vordringt, um so länger werden wir auf sichere Mittheilungen über ihr Schicksal warten müssen. An der Küste Ostafrikas aber werden in dieser Zeit noch öfter falsche Gerüchte zum Nachtheil der Expedition austauchen. Die deutschen Blätter sollten in der Aufnahme und Weiterverbreitung derartiger Gerüchte mit Vorsicht zu Werke Allerlei. *(Schneefälle.] Im Riesengebirge beginnt der Winter bereits seine Vorboten auszusenden. In der vergangenen Nacht und auch während des heutigen Tages haben auf dem Gebirgskamm wiederholt starke Schneefälle stattgefunden, sogar im Thale wurden während der Nacht schneeige Niederschläge beobachtet. *[Heuschrecken=Seife.] Eine„epochemachende" Erfindung soll nach dem„Hamb. Corresp.“ in Spanien gemacht worden sein. Ein Herr Juan Hermandez hat ein Patent auf ein Verfahren genommen, aus Heuschrecken Seife zu machen, und zwar eine Seife, die an Feinheit und Fettsubstanz alle bisherigen Fabrikate übertreffen soll. Da nun in Spanien und in andern südeuropäischen Ländern, ganz von Central= Asien zu schweigen, Heuschrecken in manchen Jahren zu vielen Tausenden von Centnern gefangen und vernichtet werden, so dürfte, zumal das Verfahren der Feitextraction und der gleichzeitigen Reinigung ein sehr einfaches sein soll, die Erfindung sich leicht praktisch verwerthen lassen und dürfen wir bald von spanischer Heuschrecken=Seife hören. *[Ein neuer Vulkan,] der Queccia de Salsa, mruhigt die Stadt Reggio d’Emilia in Oberitalien. bel.rrp. ur Setu butgn e Techlia in Oberiglien. Seit Wochen wirft derselbe große Massen von Lava, Steinen und Asche aus, so daß die Fluren in seiner Umgebung ganz zerstört sind. Obgleich der Vulkan acht Kilometer von der Stadt entfernt ist, hört man die Detonationen dennoch bis nach Reggio. Dort herrscht zeitweise eine wahre Panik. Man erinnert sich mit Schrecken daran, daß ein aus Reggio stammender Gelehrter behauptet hat, seine Vaterstadt werde dereinst das Schicksal Pompejis theilen. *(Ein großes Geheimnitz.] Bei den„Bazars“ oder„Fairs", die in Amerika meist zu kirchlichen Zwecken abgehalten werden, wird auch in versiegelten Briefumschlägen ein„großes Geheimniß" für 10 Cent verkauft. Oeffnet der Käufer den Umschlag, so findet er einen Zettel mit folgendem Rathschlag:„Kaufe nie einen Gegenstand, ehe Du ihn untersucht hast. Wenn Du dies vorher beachtet hättest, würdest Du jetzt nicht für 10 Cent ein werthloses Couvert erstanden haben. *[Abergläubisch.]„Was, durch die Straße dort willst Du nicht gehen? Warum denn nicht?“—„Aus altem Vorurtheil.“—„Was heißt das?“—„Da wohnen gerade dreisechn Kratt, Kroen ih Gech shatta tin: Bekanntmachung. N., N., N.; Nach Bestimmung der Kaiserlichen Ober=Postdirection in Arnsberg wird am 1. October d. J. in dem Dorfe Günnigfeld eine Kaiserliche Postagentur, welche in Bezug auf den Betriebsverband und die Rechnungslegung dem hiesigen Postamte zugewiesen ist, in Wirksamkeit treten. Die Verwaltung derselben übernimmt der Gemeindevorsteher und Gastwirth Herr Fritz Dieckmann in Günnigfeld. Die Verbindung der Postagentur mit dem Postamte wird durch eine werktäglich 2 mal und sonntäglich 1 mal verkehrende Botenpost mit folgendem Gange hergestellt: a) an Wochentagen: aus Wattenscheid 8¾ Uhr V. und 2½ Uhr N., in Günnigfeld 9¼„„„ 3 aus Günnigfeld 12„„„ 6 in Wattenscheid 12½„ N.„ 6½ b) an Sonntagen: aus Wattenscheid 8¾ Uhr V., in Günnigfeld 9¼„ V., aus Günnigfeld 12„ V., in Wattenscheid 12½„ N. Für den Verkehr mit dem Publikum hat die neue Postagentur folgende Dienststunden zu halten: a) an Wochentagen von 9 bis 11 Uhr V., „ 3„ 6" N.; b) an Sonntagen von 8„ 9„ V., „ 5„ 6„ N. Den Ortsbestellbezirk der Postagentur bildet die Zeche Hannover mit dem geschlossenen Orte Günnigfeld; den Landbestellbezirk die Ortstheile: Böckenbusch, Hordeler Heide (Monstadt, Hordelhoff u. s. w.), Coaksbrennerei, die Aschenbruchstraße(Günnigfelder Antheils) und die übrigen Einzelhöfe, Häusergruppen und Einzelhäuser. Die Briefbestellung im Orts= und Landbezirke der Postagentur erfolgt zwischen 9¼ bis 12 Uhr V. und„ 3„ 6„ N. An den Sonn= und gesetzlichen Feiertagen findet nur eine einmalige Briefbestellung statt. Die jetzige Posthülfsstelle in Günnigfeld wird mit Ablauf dieses Monats aufgehoben. Eigenes Ausstellungs-Gebäude mit 1000 eingerichteten Musterzimmern. MOBEL-FABRIK A. REHBOCK WE HANNOVER Fillale COLN, Heumarkt 64/66. Fillale CASSEL, Obere Königstrasse 24. CATALOGE mit Abbildungen obiger Musterzimmer werden vom Hauptgeschäfte in Hannover franoo versandt. Dienstag den 24. September un widerruflich Ziehung der Schneidemühler PferdemarktFUrvorre Hauptgewinne i. W. von 10.000, 4000, 3000 Mark etc. Loose hierzu à 1 M.(11 Loose 10 M.) empfiehlt das Generaldebit von Fr. Jooss, Hellbronn a. N. (Für Porto und Liste 25 Pfg. beifügen.) Auch zu haben in Bochum bei Carl Deppe u. L. Trass. Wer will Geld ersparen und billig gutef Waare kaufen, Der muß nach Jos. Levy auf der Bahnhofstraße laufen, Da kleidet man sich für wenig Geld von Kopf bis zuß Fuß,1 So wie es Jeder haben muß. den Bergsenten und Habrlt(3654 Civilstand des Stande amtes Bochum 1(Nord) vom 9. bis 16. September 1889. Geburten. Sohn: Bergm. Friedr. Grzybowski. Vom 1. October d. J. ab wird der gegenwärtig zur Postagentur in Höntrop gehörige Theil des Dorfes Westenfeld mit Ausnahme der unmittelbar an der Bochum Steeler Staatsstraße belegenen Wohnhäuser, ferner vom sogenannten Zollwege die zur Gemeinde Sevinghausen gehörige Häuserreihe und Todtsfeld dem Landbestellbezirke des Postamts in Wattenscheid zugetheilt. Die von dieser Aenderung betroffenen Zeitungsbezieher wollen bei der bevorstehenden Erneuerung der Zeitungsbestellungen auf die veränderten Verhältnisse im eigenen Interesse gefl. Rücksicht nehmen. 4133 Wattenscheid, den 20. September 1889. Kaiserliches Bllmete. Besonders empfehle arbeitern mein„ großes Lager in getragenen und neuen Kleidungsstücken, Schuhen und Stiefeln 2c. zu den bekannt billigen Preisen, auch habe jetzt Auswahl in Berren=, Knaben= und Kinderhüten zu fabelhaft billigen Preisen. Sahnkgftraße Jos. Levy, Setentacher in Weitmar, an der neuen katholischen Kirche, empfiehlt(992 fertig geriebene Oelfarben, auch zu Fußböden, zu 30 Pfg. 4 Pfd., Möbellack zu 30 Pfg. à Pfd., Fußbodenlack zu 1 Mr. à Pfd., Leinöl zu 60 Pfg. à Liter, trockene Farben billigst. Pinsel und Weißquasten in jeder Größe. Fenflerglas wird billigst abgegeben und nach Maat ausgeschnitten. Druck und Verlag von Wilh. Stumpf in Bochum. Krongnieger, Vochum, Vongardstr. 6. S Empfehle meine Abtheilung S. 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Gratisbeilage zum Märkischen Sprecher. 1889. chicksals-Launen. Ven J. R. als seinen Morgengruß entgegenzubringen. Niemand hatte ihn dazu eingeladen, kein Wort, kein Blick Charletten's hatte ihm gesagt, daß er willkommen 3] sein werde, und doch drängte ihn ein unnennbares ob die Hand Müssen, die Gestalten wiederzusehen, in deren Kreis 4l harlotte hatte das Gefühl, ais ve ene#une U sie brenne, die der junge Journalist in die ihn seine Träume versetzt hatten. seinige gepreßt hatte; es war ihr, als ob sie seine klaren Augen noch vor sich leuchten sehe. „Oh, wenn er mich liebte!“ hauchte sie. Aber sie schrak bei diesem Gedanken selbst zusammen, und wie sie noch einmal aufblickte, sah sie nichts mehr, als tief unten die todte Straße und hoch oben den grauen Himmel, durch dessen Schleier ihr das Licht keines Sternes entgegenleuchtete. IV. Kaum hatte Albert auch die Ruhe aufgesucht, so entführten ihn die Engel des Schlafes in das Reich der Träume. Er sah wunderbare Fluren in frischem Blüthenkranz, und mitten unter den Blumen, aber schöner als sie alle, sah er das Bild Charlottens. Und wieder sah er ein kleines freundliches Zimmer. Er saß in demselben an der Seite Charlottens, ihm gegenüber die alte Mutter, um ihn die kleinen Geschwister. Er war so glücklich! Wo ihn die Träume auch hintrugen, auf Berge, über Meere, überall schwebte das Bild des Mädchens mit ihm, das er in der Wirklichkeit nur so flüchtig gesehen hatte und das doch schon in seine Seele gewachsen schien. Er war enttäuscht, als er die Augen aufschlug und nichts mehr vor sich sah, als die düstern Wände des einsamen Gemaches. Das Licht des neuen Tages spielte schon lange durch die weißen Vorhänge, aber schwach und unsicher, und nur das Geräusch und Strandjunge.#— Berlin N., Monbisouplatz 10.— Verantwortlich für die Redaktion: Karl Keller in Ber etlin. und nur das Geräusch und] Er eilte die Treppe empor und stand bald der dumpfe Lärm, der von der Straße heraufklang, vor der niederen Thüre des Dachstübchens. kündete, daß es schon spät sein müsse.[Er horchte eine Sekunde, aber er hörte kein Albert erhob sich rasch und kleidete sich an. Geräusch, keine Stimme. Er pochte an, aber Dann war sein erster Gedanke, in das kleine Dach=[Niemand öffnete ihm. Eine böse Ahnung beschlich stübchen hinaufzusteigen und der armen Familie sein Herz. Er öffnete das Zimmer selbst 1889, III. dasselbe war leer; kein Fädchen, kein Stäubchen blieb zurück. „Sie sind fort— ich habe sie verdrängt!“ rief Albert aus. Eine Weile starrte er die leeren Wände an. Dann eilte er zu Joseph, um Auskunft zu finden. Derselbe lächelte. „Die Vögel sind ausgeflogen,“ sagte er.„Sie haben ihre Miethe heute nicht erneuert und in aller Frühe das Haus verlassen.“ „Und wissen Sie nicht, wohin sie sich gewendet haben?" fragte Albert. „Wer würde solches Lumpenvolk fragen, wohin es ziehen will!“ Albert ermahnte den Bedienten, mit mehr Achtung von dieser Familie zu sprechen. Dann verließ er das Haus und durcheilte die Gassen, als hätte er die Spuren der Ausgezogenen aufsuchen wollen. Es war ein unfreundlicher, trüber Tag. Die Sonne war hinter grauem Gewölk verborgen, der Wind fegte kalt und feucht durch die Gassen, die Hügel trugen ihren Nebelschleier und das Meer brummte dumpf und hohl. Es war, als ob der Winter seine streuge Herrschaft von den nordischen Fluren plötzlich auch über diesen Strand ausdehnen und die Stadt mit einem Schneeregen beschenken wolle. Alles Suchen, alles Nachfragen des Journalisten war umsonst. Da machte er sich die bittersten Vorwürfe. Warum wollte er seine Freundschaft der armen Familie aufdrängen? Warum mußte er sie bei diesem Wetter in das Freie treiben. Er sah im Geiste alle die unglücklichen Gestalten, die schon so viel gelitten hatten, wie sie im Froite erzitternd nach einem neuen Obdach suchten. Er sah die kleine Luise in ihrem zusammengeflickten Kleid dem Hohne der Menge ausgesetzt, verlacht, verspottet. Er sah auch Charlotte, die Marmorstirne nech weißer, die Wangen wieder mit blauen Streifen überzogen, den Bick noch kälter, die kleine Hand im Froste erstarrt, das Herz voll Groll gegen den unbescheidenen Fremden. Mhn u 1 gu i 10 funig ui 1 u M unt ulM M Mch W nWet Whin um gl os auc Mpznu ue Mfllc u W ug ## hnv gusc n##l uda uzung nhnu Muee n g kunn W u ue Wpahn ig W ch u Hi M Mu M M n# ppne Nunun un gi Msuc Puug Spsschlagn u u ui u un Him 1 hu gn W i„ Diese Bilder machten ihn schandern. Halb wahnsinnig kehrte er endlich in sein Zimmer zurück. Dort, in den Sefsel gelehnt, der die schöne Gestalt des jungen Mädchens getragen hatte, saß er lange in trübe Gedanken versunken. Endlich wurde er ruhiger, seine Gedanken wurden klarer. Er hatte einen Fehler begangen— er sah es ein—, indem er diesen Unglücklichen seine Freundschaft aufdrängen wollte. Aber waren sie gezwungen, vor ihm zu fliehen? Hatte er nicht nur ihr hattes Loos lindern wollen? Plötzlich erhob er sich. „Was bekümmere ich mich denn um sie!“ rief er aus.„Sie fliehen mich, sie wollen nicht von meiner Hülfe! Es gibt tausend und tausend Familien, die, wie sie, in der Armuth verkommen, die gleiches Recht auf mein Mitleid und auf meine Hülfe haben!“ So suchte er sich zu täuschen, zu vergessen, seine Gedanken auf andere Sachen zu lenken. Umsonst. Das Bild Charlotten's, ewig schön, ewig ernst, war immer und immer wieder vor seinen Augen. Da durchforschte er sein Herz, da schloß sich ihm alles auf und wie erschaudernd über die Entdeckung, die er machte, sank er nun in den Lehnsessel zurück. „Ich liebe sie,“ hauchte er. Und dieses Gefühl, das er erst entdeckte, das den Menschen so unendlich beglücken, aber auch so namenlos elend machen kann, war tief und unverwischbar in seinem Herzen eingewurzelt. Albert war jedoch nicht der Mann, um Werther's Leiden in zweiter Auflage wiederzugeben, obschon das Mädchen, das seine Liebe zu erringen gewußt hatte, zufällig auch Charlotte hieß. „Ich liebe sie," wiederholte er.„Gut, ich werde sie suchen, bis ich sie finde, ich werde auch ihre Liebe zu erwerben wissen und dann heirathe ich sie. Mit der Heirath hat der Roman ein Ende.“ Er wandte sich an die Polizei, die auch in Oran alles hört, alles sieht, alles weiß, um den neuen Aufenthalt der Familie Cherebourg zu erfahren, denn mit den Mitteln, die derselben zu Gebote standen, konnte sie unmöglich die Stadt verlassen haben. Er harrte zwei, drei Tage, dann erhielt er die Antwort: „Der Name von Frau Cherebourg findet sich in keinem Register eingetragen und alle unsere Nachforschungen blieben erfolglos. „Genehmigen Sie, Herr, die Versicherungen unserer vollkommenen Hochachtung und Ergebenheit 2c.“ Eine neue Enttäuschung! Frau Cherebourg mußte sich unter einem falschen Namen verbergen. Was konnte sie hierzu zwingen? Lastet ein Verbrechen auf ihrem Gewissen, daß sie der Polizei zu entgehen suchte? Albert verwarf diesen Gedanken. Ein solches Weib war zu keinem Verbrechen fähig; eine schlechte That, ein unredlicher Gedanke konnte nie ihr Herz befleckt haben. Es war etwas anderes, ein tiefes Geheimniß, das der schärfste Sinn nicht zu durchdringen vermochte, eine unglückselige Pflicht, die einzig ein solches Handeln gebieten konnte. Albert mußte dieses Geheimniß entschleiern, diese Pflicht erforschen. Alle Tage irrte er während einiger Stunden durch die Stadt. Er durchwanderte die abgelegensten, düstersten, schmutzigsten, verrufensten Gassen, stets glaubend, das junge Mädchen aus irgend einem Hause treten zu sehen. Alles war umsonst! Wochen, Monate vergingen, aber Albert hörte nichts mehr von der Familie Cherebeurg. Er wurde düsterer, seine Brust beengte ihn, die Luft fehlte ihm in dem kleinen Zimmer. Er floh seine Bekannten, die Gesellschaft, die Menschen, das Geräusch der Stadt und irrte oft ganze Tage durch die wilden, dürren, zerklüfteten Höhen. Er arbeitete nur noch selten. Seine Berichte wurden unregelmäßig, ermangelten der gehörigen Ausarbeitung und hatten nicht den entsprechenden Ton. Sen Sprache wurde bitter, seine Kritik war oft ungerecht. Die Redaktion seines Journals beklagte sit darüber. Er schrieb zurück, daß das Winterwetter Schuld an seiner Mißstimmung sei und daß er die Sonne suche. In Wahrheit suchte er endlich das Vergessen. Aber das Herz vergißt nicht. Das Bild Charlotten's war immer und immer wieder da. V. Albert hatte alle Hoffnung aufgegeben, je wieder etwas von dem Mädchen zu erfahren, das er liebte. Doch eines Morgens, als er seine Wäsche durchsuchte, sah er ein graues gefaltetes Blatt Papier, das über der Brust eines frischen Hemdes hervorschaute. Er zog dasselbe heraus; er sah niedliche, mit dem Bleistift hingekritzelte Schriftzüge, wie sie so fein und regelmäßig nur unter der Hand einer Dame entfließen können. Ueberrascht schaute er nach der Unterschrift. „Charlette Cherebourg," las er. Er glaubte zu träumen. Er wollte weiter lesen, aber da war alles grau vor seinen Augen; die Schriftzüge verschmolzen sich. Er sah nichts mehr. So stand er lange und hielt das Blatt in seiner zitternden Hand. Endlich wurde es wieder Tag um ihn. Seine Gedanken sammelten sich. Er bemerkte, daß er nicht träume. Das Blatt trug wirklich die Unterschrift des Mädchens, das er so lange vergeblich gesucht hatte. Aber kam es wirklich von ihr? War die Hand, die er nur die Nadel führen gesehen hatte, geschickt genug, solche niedliche Zuge auf ein Blatt Papier hinzuwerfen, oder hatte man sich mit ihm nur einen niedern Spaß erlaubt? Er las: „Wenn Ihnen dieses Blatt Papier in die Hände fällt, werden Sie vielleicht fern von uns sein und die unglückliche Familie längst wieder vergessen haben, der Sie im Edelmuth Ihres Herzens ein Retter sein wollten. Aber wir werden die Güte nie vergessen, mit der Sie uns entgegengetreten sind; wir alle werden die fröhliche Stunde, die Sie uns bereitet haben, als eine der schönsten Erinnerungen unseres Lebens in unserer Brust bewahren. Sie müssen freilich nach unserem Betragen, nach unserem abschiedslosen Verschwinden geglaubt haben, daß Sie Ihre Güte an Undankbare, an Unwürdige verschwendet hätten, und wenn Sie vielleicht einmal an uns zurückdenken, so thun Sie es gewiß mit der Verachtung und Geringschätzung, die wir dem Scheine nach so wohl verdient haben. Aber wir möchten von Ihnen nicht schlecht beurtheilt sein. Sie sind der einzige Mann, der uns seit unserem Unglücke ohne Hohn, ohne niedere Absichten genaht ist, und deshalb ist es unsere Pflicht, Ihnen das Geheimniß aufzuschließen, das uns von der Welt abgesondert hat. Dieser Pflicht komme ich nach. Ich schreibe Ihnen auf ein Blatt, das mir der Wind entgegengetragen hat, und mit einem Stifte, der mir als Angedenken meines armen Vaters blieb. Ich will Ihnen alles sagen, alles vertrauen. „Wir haben bessere Tage gesehen, als die heutigen. Meine Mutter ist die Tochter eines hohen Beamten, den sie jedoch schon frühe verlor. Mein Vater entstammte einer der ersten Adelsfamilien Frankreichs. Er war stolz auf seinen Namen, den wir heute verbergen müssen. Er führte ein fürstliches Leben, war wohlthätig gegen die Armen und unterstützte alle, die bei ihm Hülfe suchten. Er liebte uns, wie ein Vater seine Kinder nur lieben kann und wir erhoben unsere Augen nur in Ehrfurcht gegen ihn. Meine Mutter hatte zu ihm ein unbedingtes Vertrauen. Kein Wort des Zwistes oder des Unfriedens erhob sich je zwischen ihr und ihm. „So lebten wir glücklich erst lange Zeit in Paris, dann auf einem kleinen Schlosse im Süden Frankreichs. Unser Vermögen galt allgemein als ein enormes und Niemand hätte ahnen können, welches Geschick uns die Zukunft aufbewahrte. „Ich war zwölf Jahre alt, als mich mein Vater wieder nach Paris führte, wo ich in einem der ersten Pensionate meine Erziehung vollenden sollte. Es fiel mir schwer, mich von meiner Mutter, von meinen Geschwistern loszureißen; es war mir, als ob ich mit ihnen mein ganzes Glück hinter mir zurücklassen müßte. Aber in Paris fand ich nun Freundinnen, die mich trösteten, die mir den Aufenthalt im Pensionat verschönerten. Ich fand nach und nach auch Gefallen an der Arbeit und dem Studium. Ich lernte englisch, italienisch und deutsch, studirte die Literatur, die Geschichte, die Mathematik und die Naturwissenschaften. Man zeigte mir, wie man den Stift und den Pinsel führe und brachte mir einige Begriffe von der Musik bei. So lernte ich von Allem, aber ich lernte nichts vollkommen und brachte es in keiner Wissenschaft weiter, als bis zu den Anfangsgründen. Eines vergaß man ganz: man zeigte mir nie, wie man eine Nadel führe, wie man ein Hemd wasche und plätte, was mir später einzig hätte nützlich sein können. „Ich erhielt alle Wochen einen Brief von meiner Mutter. In einem derselben theilte sie mir mit, daß der Vater düsterer werde, daß er einen geheimen Kummer habe, den sie nicht zu erforschen vermöge. „Es sind nun etwas mehr als zwei Jahre, ich hatte das 15. Altersjahr erreicht, als man mir plötzlich die Ankunft meines Vaters meldete. Ich war überrascht, aber freudig eilte ich in das Empfangszimmer, denn das Wiedersehen der Eltern ist nach langer Trennung für das Kind immer das höchste Fest. Aber ich erkannte meinen Vater kaum wieder. Auf seiner Stirne lagen tiefe Furchen, seine Augen waren eingefallen, seine Haare bereits so weiß, wie der Schnee.„Du hast gelitten, Vater, Du bist krank!" rief ich. Er küßte mich auf die Stirne und schwieg.„Ich komme, um Dich zu holen,“ sagte er dann nach einer langen Pause, in der er mich mitleidig betrachtet hatte. Er zahlte meine Pension. Ich war gegenwärtig, aber ich sah ihn diesmal nicht einige Bankbillets stolz auf den Tisch werfen, wie er es früher gethan hatte. Sein Benehmen war das eines gedrückten Mannes, der unter dem Gefühle seiner Hilflosigkeit leidet. Er legte erst einige Goldstücke heraus, dann Silber= und endlich eine Menge von Kupfermünzen. Ich begriff in jener Zeit den Werth des Geldes nicht; ich hatte noch nie daran gedacht, woher es komme, wie man es verdiene. Aber wie ich sah, mit welchen Blicken mein Vater diese Münzen zahlte und zählte, da beengte mich mein Herz und ich hätte weinen mögen, weil ich ihm so viel kostete. „Ich verließ das Pensionat für immer, aber vor demselben hielt kein Wagen, um mich aufzunehmen. Mein Vater führte mich auch nicht in das prachtvolle Hotel, das er sonst während seines Aufenthalts in Paris bewohnte. Ich hatte nun die Gewißheit, daß etwas Furchtbares vorgefallen sein müsse, aber ich hatte nicht den Muth, meinen Vater darum zu befragen. Er schritt immer düster, immer schweigend dem Bahnhofe zu. Ich folgte ihm mit klepfendem Herzen. Hinter uns trug ein Mann meinen leichten Koffer. Auf dem Bahnhof löste mein Vater zwei Billets dritter Klasse. Wir nahmen den Zug nach Lyon. Ich saß meinem Vater gegenüber. Derselbe schwieg immer und suchte mir sein Gesicht zu verbergen. Gott weiß einzig, welchen furchtbaren Ahnungen ich mich hingab, aber was mich erwartete, war furchtbarer, als alles das, was ich mir in meinen Sinnen ausgemalt hatte. In Lyon stiegen wir nicht aus, wie wir es hätten thun sollen, um unser kleines Schloß zu erreichen. Wir fuhren weiter nach Marseille. Da nahm ich endlich mein Herz zusammen, da rief ich:„Vater, wo sind meine Geschwister, wo ist meine Mutter?“— „Du wirst sie bald sehen," sagte er nur. Dieses beruhigte mich ein wenig. Ven der langen Fahrt ermüdet, von der Angst gebrochen, versank ich in einen tiefen Schlaf. Erst als der Zug anhielt, erwachte ich wieder. Es war Nacht.„Wo sind M W u gun— M gn uge zu ssuhl giic Egg bunng cir nom Uui Mnnng u u uiue og W Wu „„„* Wg Wh hm uge w W M M n Mc A i ntig W MM mt m 1 Min n p#lnn smumn S T W tuo a e a P Mhuzng •... iing m escl — 7 turellen Entwickelung von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, möchte ich es nicht unterlassen, nechmals zu betonen, daß das Haus Ascher& Münchow seinen Ruf nicht nur im Inlande, sondern auch im Auslande zu begründen wußte und hier wie dort in seiner Branche mit Recht stets als tenangebend gelten wird. Das ist auch von den maßgebenden Seiten stets anerkannt worden. Wenn Gewebe in Seide und Wolle, farbenprächtige Dra=shierzu bietenden Gelegenheit durch die mannigperien— das Alles findet der Käufer hier in kaum fachsten Auszeichnungen von Nah und Fern geübersehbarer Menge. Während man früher nach bührende Anerkennung finden. der gelobten Stadt des Kunstsinus und des guten] Mit dem„Rothen Kaufhause“(in der Leipziger Geschmacks, nach Paris pilgerte, um die Paläste Straße 43, Ecke der Markgrafenstraße), dessen der Großen und die Gemächer der Vornehmen arch tektonische Bedeutung schon längst gewürdigt künstlerisch dekorativ auszustatten, finden wir jetzt worden, ist die deutsche Metrovole um ein„Museum“ alles in unserm aufttiihenden Berlin, und die bereichert worden, welches bei dem Fürsten wie bei es gilt, den Palast eines Souveräus oder das vornehme Heim einer höheren Standesperson dekorativ zu gestalten, so verbinden sich unsere ersten Künstler und Architekten mit Ascher& Münchow, deren Vorräthe die kostbarste und geschmackvollste Sammlung für ihre Zwecke darbieten. Reiche und schwere Seidenbrokatstoffe in den zierlichsten wie imposantesten Mustern, entzückende Gobelins und zarte Künstler des Auslandes sind es, die jetzt zu uns kommen. Das haben wir aber in der That nur dem Fleiße, der Euergie und dem künstlerischen Geschmack unserer großen Geschäftshäuser zu danken, die in rastlosem Eifer unserer wirthschaftlichen Entwickelung förderlich waren, und als eines der respektabelsten Häuser dieser Art gilt das von Ascher & Münchow, dessen Bestrebungen bei jeder sich dem Bürger, bei dem Künstler wie bei dem Handwerker ein gleich lebhaftes Interesse erweckt. Unfere Architekten und Dekorateure betrachten diese Stätte als ihr zweites Heim. 6schüssige Revolver, Cal. 7 mm 6 Mark, 9 mm 8 Mark Centralseuer-Doppelflinten von 35 Mark an. Teschins(Geweorferm), ohne Knall, Cal. 6 mm 8 Mark, 9 mm 15 Mark. Patent-Luft-Gewehre, ehne Geräusch, 25 Mark. Taschen-Teschins, ehne Knall, 4 Mark. Patronen und alle Jagdutensilien in größter Auswahl.— Zu jeder Waffe giedt es 25 Patronen gratis. Versandt nur gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages. Für jede Waffe übernehme ich volle Gasantie. 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Johann Megerlin, ein Senator, hatte sich auf den Thurm des Rathhauses geflüchtet, aber Ratburg, sein eigener Gevatter, stürmte ihm nach, entdeckte ihn in seinem Versteck und stürzte ihn, trotz seiner flehenden Bitten, vom Kranze des Thurmes herab in die Spieße der auf dem Fischmarkt aufgestellten Geschwornen. Nachdem die Rache an den Rathsherrn gestillt war, richtete sich die Wuth gezen das Rathhaus. Die Gemächer wurden aufgesprengt, die Kasten zerschlagen und das darin befindliche Geld von der entzügelten Menge geraubt. Die Stadtprivilegien, die man in einem Kasten auf dem Thurme vorfand, wurden zerrissen, zerhauen und zerstreut. „* * Mehrere Monate waren seit diesen blutigen Auftritten verflossen, als Lorenz Haller seine Gertrud zum ersten Mal wieder sah. Er hatte mehrfach in dem Hause des Goldschmiedes vorgesprochen, war aber stets abgewiesen worden. Büttner war erkrankt und Monate lang lag er darnieder. Als er wieder hergestellt war, nahm er den Besuch des Schwertfegers an. Von der Vergangenheit wurde kein Wort gesprochen. Lorenz vermied es, des enthaupteten Rathsherin Heinrich Schmidt und der Ereignisse, welche damit in Zusammenhang standen, zu erwähnen. Bei gelegener Zeit brachte er seine Werbung um die Hand Gertrud's auf's Neue vor, und diesmal wurde er nicht abgewiesen. Im Dezember des Jahres 1418 trat das glückliche Paar vor den Altar. Lorenz traf mit seinem Freunde Heinrich Thiele vielfach zusammen. Der letztere pflegte seine Schwester, die er aus dem Kerker in seine Behausung geführt hatte, mit aufopfernder Sorgfalt, aber er konnte ihr die verlorene Gesundheit nicht wieder geben. Als der Winter über das Land kam, schloß sie die Augen zum ewigen Schlummer. ** * Unter Ratburg's Leitung waren nach dem Tumulte neue Rathsglieder gewählt worden, aber König Wenzeslaus ließ sie wieder absetzen und schickte den Unterhauptmann Johann Wiltberg nach Breslau, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Am 16. August 1419 starb Wenzeslaus, und sein Bruder, der Kaiser Siegismund, folgte ihm auf den Böhmischen Thron. Dieser kam 1420 am Dreikönigstage Nachts um 2 Uhr nach Breslau, und wenige Tage darauf übergab ihm der neue Rath die Anklage gegen die Anführer des Aufruhrs vom 17. Juli 1418. Ein Theil derselben hatte sich in fremde Länder geflüchtet, und nur über 23 Aufrührer konnte zu Gericht gesessen werden. In dem Gerichte saßen die Breslauer Schöppen, Aeltesten, Kaufleute und Geschwornen, nebst den hinzuberufenen Rathmännern von neun schlesischen Städten. Die Angeklagten, darunter Thiele, Ratburg und Griefter, wurden zum Tode verurtheilt. Lorenz Haller war schon 6 Monate vor der Ankunft des Kaisers nach Nürnberg übergesiedelt und dadurch einer drohenden Gefahr entgangen. Der 6. März 1420 war zur Vollziehung des Urtheils bestimmt. An der Ecke des Olstmarktes. dem Elisabethkirchhofe gegenüber, stand der Urtheilstisch unter freiem Himmel. Mit Ketten belastet, erschienen Ratburg und seine Unglücksgefährten und mit Fassung hörten sie den Urtbeilsipruch vertesen. Muthig bestanden sie die letzte Probe, keiner flehte um Gnade, und verwundert sah der Kaiser aus den Fenstern der Burg dreinndzwanzig Männer= sallen, die ihrem Willen getreu blieben bis zum Tode. Ihre Köpfe wurden auf die Thürme der Stadtmauer gespießt und ihre Körper unter die breiten Steine auf dem Elisabethkirchhofe, die vom Ringe zum Kircheneingang führen, begraben, damit die Vorübergehenden sie mit Füßen treten sollten. Der Strandjunge. (Zu dem Bilde auf der 1. Seite.) Unser Strandjunge ist ein derber Bursche, aus dem dereinst ein tüchtiger Seemann werden wird, wie sie in der Familie seit Generationen zu finden waren. Das frische Gesicht zeugt von jener blühenden Gesundheit, wie sie den Bewohnern unserer Küsten eigen ist. Es war ein guter Gedanke, an jenen Orten Ferien= und Heilstätten für die Kinder unserer Großstädte zu errichten, die nun Jahr für Jahr dort in großen Schaaren weilen und sich in der frischen, stärkenden Luft erholen und kräftigen können. Die Poesie der Wolle. Die Poesie der Wolle! Mit diesen Worten schloß mein Freund Werner die kleine Geschickte, die er mir in seinem traulichen Junggesellenheim erzählte. Es war die Geschichte der schönen Fatme, die schon vor länger als zweihundert Jahren in das Paradies eingegangen ist, nachdem sie ihr ganzes Leben lang um den stolzen Mirzi gerungen. Mirza war reich und vornehm und Fatme ein armes Mädchen. Aber der Vater Mirza's hatte ihr gesagt, daß sie dem schönen Jüngling gehören solle, wenn sie einen Teppich webe von wunderbarer Pracht. Fatme hatte ihre Genossinnen zusammen berufen und sie begann die Arbeit ihres Lebens. Aber als der Teppich fertig war, da hatte sich das glänzende Schwarz ihrer Haare in die Farbe des Schnees verwandelt und Mirza war ein gebrechlicher Greis. Ein ganzes Leben hindurch hatte Fatme mit ihren Gefährtinnen an dem wundersamen Gebild gewebt. Und dieser Teppich, dessen Geschichte Werner mir erzählt hatte und die zugleich die Geschichte der armen Fatme war, lag jetzt vor uns in wunderbarer Farbenpracht. Man hatte ihn aus Persien hierher gebracht nach der Hauptstadt des deutschen Reiches. Zweihundert Jahre war er alt und die Gluth seiner Farben hatte sich erhalten, als ob sie für die Ewigkeit währen sollten. Die kleine Geschichte Werners hatte von Neuem mein Interesse für einen Gegenstand erweckt, dem ich schon in früheren Jahren eine lebhafte Beachtung schenkte. Lange schon hat sich bei uns eine Bewegung geltend gemacht, die auf eine Reform unserer Wohnungseinrichtungen abzielt und die größten Erfolge zu verzeichnen hat. Der Geschmack hat sich im Allgemeinen verfeinert und der hohe Aufschwung unseres Kunstgewerbes begünstigt die Befriedigung unserer ästhetischen Bedürfnisse in einem vordem kaum gekannten Grade. Wir wollen unsere Wohnstätten nicht nur bequem einrichten, sondern auch den Anforderungen unseres Schönheitsgefühls anpassen. Und nie zuvor war man in der Lage, dies so leicht zu bewirken, als gegenwärtig. Eine ganz bedeutende Rolle bei unseren Wohnungseinrichtungen spielt der Teppich und das zu dekorativen Zwecken zu verwendende Gewebe. Der Teppich entspricht nicht nur unseren Bedürfnissen nach Bequemlichkeit, er verleiht unserm Heim nicht nur das Wesen der Wohnlichkeit, des Anmuthenden— er erfreut auch unser Auge und wirkt deshalb in auregender Weise auf unser Gemüthsleben. Es wäre interessant, des Näheren zu untersuchen und festzustellen, inwieweit solche Aeußerlichkeiten der Wohnungseinrichtung auf das geistige und soziale Leben einer Nation einwirken. Man würde sicher zu dem Resultat gelangen, daß diese Einwirkung eine ebenso günstige wie bedeutende sei. Wenn man sich in seiner Wohnung behaglich fühlt, so wird die Schaffenslust geweckt und die Lebensfreudigkeit geboben— und mit diesen beiden Fakteren im Völkerleben hat man wohl in erster Linie zu rechnen.... Es war die Geschichte der schönen Fatme und ihres wunderbaren Teppichs, die mich veranlaßte, mit meinem Freunde„das rothe Kaufhaus“ von Ascher& Münchow aufzusuchen. Ich hatte schon vorher meinem Teppich=Amateur, der offenbar noch eine Reihe anderer respektabler Firmen auf demselben Gebiete kannte, gehört, daß Ascher& Münchow in dieser Branche vor wie nach einen ersten Platz behaupten and unbestritten die größten Lagervorräthe im Gebiete dieser ihrer Handelszweige unterhalten, aber nichtsdestoweniger war ich bei dem Anblick der wunderbaren Schätze, die ich hier aufgehäuft fand, im höchsten Grade überrascht.... In der That, es waren wunderbare Schätze... Nicht nur Fatme hat ein ganzes Menschenleben lang an ihrem Teppich gewebt, sondern viele geschäftige Hände im Morgenlande waren Jahrhunderte hindurch thätig, die kunstvollen Gespiunste zu schaffen, die das Entzücken des Malers erwecken und den Blick jeder kunstsinnigen Hausfrau auf sich bannen. Es waren Hunderte und Tausende, und „es schlingt um sie durch alle Zeiten die Sage noch ihr Wunderkleid"... Aus allen jenen Städten und Distrikten des Morgenlandes, von welchem uns die Ueberlieferungen der Geschichte und die Werke unserer Dichter erzählen— aus allen diesen märchenumwobenen Orten liegen uns Erzeugnisse vor, die von einem vollendeten Kunstsinn, einer wunderbaren Geschicklichkeit und einem erstaunlichen Fleiße und Farbensinn sprechen. Die Teppiche aus Persien und die Gewebe aus Smyrna, die Arbeiten aus Afghanistan und Indien— sie alle sind in seltener Fülle vor uns ausgebreitet und erfreuen unser Herz und bezaubern unser Auge. Es ist in der That die Sprache der Poesie, die zu uns spricht— die Poesie der— Wolle. Gewiß— Werner hatte Recht, als er Existenz dieser eigenartigen Poesie behauptete. Sie spricht zu uns aus vergangenen Zeiten und mit der Zunge fremder Menschen, und dennoch ist uns diese Sprache verständlich. Aber das ist es nicht allein, was mich die Poesie des Teppichs empfinden läßt. Sie wissen, geschätzte Leserin, daß Sacher=Masoch, der Poet des Lebens der russischen Aristokratie, dem Pelz manchen Hymnus gesungen hat. Er hat dadurch stets ein wohliges Gefühl bei dem Leser erweckt und seiner Erzählung eine anmuthende poetische Färbung gegeben. Ganz dieselbe Wirkung übt der Teppich aus, wenn er in unseren Wohnstätten in verständiger Weise verwandt wird. Er erzeugt das Gefühl der Behaglichkeit und der Freude am Dasein. Und zu dieser Behaglichkeit kann man selbst auch dann gelangen, wenn man mit Glücksgütern nicht einmal so reich gesegnet ist. Nicht jeder kann Teppiche aus Indien, Persien oder Smyrna besitzen. Für diejenigen, welche ihre Ausgaben einem beschränkten Budget anzupassen haben, bieten sich die vortrefflichen Imitationen jener echten Teppiche dar, die in ihrer Gesammtwirkung so vorzüglich sind, daß sie von echter Waare allerdings nur der wirkliche Kenner zu unterscheiden vermag. Ich habe bei Ascher& Münchow Teppiche beider Arten in reicher Fülle gesehen, die gleichmäßig meine volle Bewunderung erweckten. Und die Preise erschienen mir bei diesen wie jenen durchaus angemessen. Die hohe Entwickelung unserer Verkehrsmittel auf der einen, die enorm gesteigerte Leistungsfähigkeit unserer Industrie auf der anderen Seite haben es bewirkt, daß wir heute für verhältnißmäßig geringe Ausgaben das erreichen können, was unsere Voreltern sich nur mit schweren Opfern verschaffen konnten. Indem ich hier die Aufmerksamkeit der Leser auf ein Gebiet gelenkt habe, das in unserer kul„ iim pusc itub nngt zm i gn S t Ws M u M Him Mn M unu unu n 1 wnt uici dar Hrn M M e uu gat wal#“. ***„ Sius 1 cn Mhihrg u t Nun 1 Jug gu u Wn M Pp Wu t M bun 10 t M n * W un Mui t lln Piu t M us 12 Si M bunt M W M M pant Me ue a uuch Wur it Mi wir?“ fragte ich.„In Marseille,“ antwortete mein Vater. Und dann führte er mich in eine kleine. niedere, düstere Herberge, in ein armfeliges, dunkles, unheimliches Gemach. Dort schlangen sich zwei Arme um meinen Nacken. Ich lag an der Brust meiner Mutter, war in der Mitte meiner Geschwister.—— „Ich erfuhr noch am gleichen Abend alles Mein Vater hatte sein Vermögen überschätzt und dasselbe der Verwaltung eines Mannes überlassen, der ihn beständig täuschte. Er führte das verschwenderische Leben allzulange fort und gewahrte zu spät die Lücken, die dasselbe in seine Vermögenszustände riß. Er suchte dieselben wieder zu vertilgen und verlor sich in unglücklichen Börsenspekulationen, die den Rest unseres Vermögens verschlangen. Da dachte mein Vater nur noch an die Rettung der Ehre seines Namens. Schneller, als seine Gläubiger verkaufte er alles: sein Hotel in Paris, seine Höfe und das Schloß seiner Väter. Er löste gerade genug, um alle Gläubiger zu befriedigen; er rettete die Ehre seines Namens. Aber ich sehe ihn noch, den unglücklichen Vater, den sonst so stolzen Mann, wie er nun gebückt und gebrochen, das Haupt ergraut, den Kopf in beide Hände gestützt, in unserer Mitte saß. Er litt mehr für uns, als für sich und machte sich die bittersten Vorwürfe. Aber meine Mutter tröstete ihn, flößte ihm neuen Muth ein, wir Kinder umringten ihn, küßten ihm seine ergrauten Locken und wuschen die Thränen aus seinen Augen. „Am folgenden Morgen schifften wir uns ein. Mein Vater sollte in Oran eine Stelle antreten, deren Eintrag uns immer noch ein sorgenloses Leben zugesichert hätte. Aber kaum auf der Erde Afrikas angelangt, ergriff ihn ein heftiges Fieber und er vermochte das Bett nicht mehr zu verlassen. Wir waren hier fremd, ohne Freunde, ohne Bekannte, ohne weitere Mittel. Aber wir wußten uns mit dem Aeußersten zu begnügen. Wir verkauften zuerst den Schmuck, dann jedes überflüssige Kleid und zuletzt die heiligsten Angedenken der Familie, um den Arzt bezahlen zu können und dem theuren Kranken nichts vorenthalten zu müssen. Aber der Tod sollte ihn uns dennoch entreißen! Er fühlte es; er hat uns alle an sein Sterbelager. Dort bat er uns noch einmal um Verzeihung. Dann ließ er uns alle schwören, in unserem Unglück groß zu bleiben und den Namen seiner Väter nicht zu entehren. Wir schworen es, wie er seinen Geist aushauchte.— „Dieses war der furchtbarste Verlust, den wir erleiden konnten. Uns fehlte nun auch noch der Vater, der Beschützer, der Ernährer. Soll ich Ihnen sagen, in welcher Verzweiflung wir seinen Leichnam umringten? „Das letzte überflüssige Kleid wurde versetzt, um ihm einen Sarg kaufen, ihn in Ehren beerdigen zu können. Es ist unnennbar, namenlos, was wir alle litten, als wir an seinem Grabe standen. Und dann fiel auch noch die Mutter krank und die Furcht, sie auch noch verlieren zu müssen, erhöhte noch die Furchtbarkeit unserer Lage. Aber sie rang um ihr Leben, rang ohne Klage und fand in ihrem Weh noch Worte des Trestes für uns. Wir zogen endlich in das Dach stübchen, in dem Sie uns fanden. Wir hatten nichts mehr, als das Kleid auf unserem Leibe, aber ich war entschlessen, zu arbeiten. Ich hätte vielleicht in einer Familie Unterricht in der Musik und im Zeichnen geben können, aber ich durfte mich in meinem Kleide nirgends vorstellen. Ich traf eine Wäscherin, die ich um Arbeit anfragte. Sie versprach mir 15 Sous für den Tag und ich arbeitete bei ihr. Endlich vermochte ich auch einige Näharbeiten zu finden, deren ich mich des Abends mit meiner Mutter widmete. So stritten wir unser Leben dem Hungertode ab. „Wir hätten uns an unsere alten Freunde wenden können. Sie hätten uns vielleicht geholfen, aber sie hätten mit Spott gesagt:„Seht da die Kinder des vornehmen.....!“ Wir zogen vor, elend Schwure getreu bleibend, nicht den Hohn auf einen bis dahin unbefleckten Namen zu lenken. „Begreifen Sie nun, daß wir keine Almosen annehmen können, von wessen Hand sie auch geboten seien. Wenn unser wirklicher Name einmal entdeckt wird, so soll man nicht sagen können, die Kinder des haben gebettelt oder waren auf das Mitleid der Menschen angewiesen. Nein! wir wollen arbeiten, wir wollen leiden; wir wollen unser Geschick, auf Gott vertrauend, tragen, der seine Geschöpfe nie ganz verkommen läßt. „Es giebt noch einen andern Umstand, der unsere schnelle Abreise erforderte. Wir konnten nicht zugeben, daß Sie Ihre Zeit einer unglücklichen Familie ausopfern, daß Sie Ihr Geschick mit dem unsern verflechten. Zudem würde die Welt in Ihrem Edelmuthe nur eine niedere Alsicht gesehen haben und— verzeihen Sie mir meine freie Sprache — ich mochte nicht für Ihre Geliebte angesehen sein. Prüfen Sie und Sie werden finden, daß wir nicht anders handeln konnten. Ich lege diesen Brief in eines Ihrer Hemden, das ich selbst gewaschen und geplättet habe. Es wird vielleicht lenge gehen, bevor Sie ihn finden werden, aber ich hoffe, daß Sie uns milder heurtheilen, wenn Sie je diese Zeilen gelesen haben. Ihre Ihnen ewig dankbare Charlotte Cherebourg.“ Als Albert das Blatt mit diesen zierlichen Lettern, mit dieser Unglücksgeschichte einer guten Familie gelesen hatte, barg er es sorgfältig auf seiner Brust. Dann eilte er zu Joseph. „Wem übergeben Sie meine schmutzige Wäsche?“ fragte er ihn. „Der Frau Gorges.“ „Immer?“ „Immer!“ „Wo wohnt diese Frau Gorges?“ Er sagte es ihm. Albert eilte in das bezeichnete Haus. Eine alte, häßliche, schmutzige Frau trat ihm entgegen. „Eine neue Kunde?“ lächelte sie. „Nein, eine alte,“ antwortete Albert.„Ich möchte wissen, ob Ihnen nicht ein Fräulein Cherebourg bei der Arbeit mithilft.“ „Ein Fräulein Cherebourg: Ah, die Kleine mit der weißen Stirne und den schwarzen Augen!“ „Fräulein Cherebourg hat wirklich eine weiße Stirne und schwarze Augen.“ „Und das angenehmste Gesichtchen der Welt obendrein! Aber sie ist ein wenig stolz. Schadet übrigens nicht; man darf schon stolz sein, wenn man so schön ist. Nicht wahr, mein Herr?“ „Ich möchte wissen, ob dieses Mädchen bei Ihnen weilt,“ sagte Albert ungeduldiger. „Ah nein, das nicht! Habe nicht die Ehre! Es hat mir früher nur ausgeholfen; ich bezahlte ihm 15 Sous für den Tag. Aber Sie kommen zu spät, mein Herr, das junge Mädchen ist von hier verschwunden, sie zeigte sich schon seit zwei Monaten nicht mehr bei mir.“ Der junge Journalist hatte gehofft, hier endlich Auskunft über das Mädchen zu erhalten, das er liebte. Bei dieser neuen Enttäuschung war er wie vernichtet. „Sie können mir nicht sagen, wo sich das Mädchen hingewandt hat?“ stammelte er nur noch. Die Frau wußte keine Auskunft. Albert wurde von diesem Tage an noch trüber. Er verlor einen großen Theil seiner Zeit, um den Brief Charlotten's immer wieder neu zu lesen. Er saß ganze Stunden in einem Lehnsessel und betrachtete die niedlichen Schriftzüge. Er litt nun wirklich. Er wußte nun, daß er seine Liebe einem Mädchen geschenkt hatte, das derselben in jeder Beziehung würdig war. Und diese Liebe war größer und mächtiger, als er es je geahnt hatte. Er war unglücklicher, als Werther, denn derselbe wußte seine Eleude, allen Entbehrungen preisegehen, sich an der Arbeit aufopfernd, in ewiger Trauer verblühend, ohne Freund, ohne Beschützer, ohne eine Hand, die ihr eine Blume vor die Füße streute. Und er war von ihr getrennt; er konnte ihr nicht helfen, sie nicht trösten. Als ihm die Redaktion seines Blattes abermals Vorwürfe machte, weil seine Berichte noch unregelmäßiger, noch unvollständiger wurden, schrieb er ihr zurück: „Die Sonne ist mir untergegangen.“ Die Redakteure verstanden ihn nicht und flüsterten sich mitleidsvoll zu: „Er ist ein Narr geworden.“ Einmal nur glaubte Albert einen neuen Schimmer des Glückes vor sich aufleuchten zu sehen. Als er sich eines Morgens erhob, fand er ein kleines Billet auf seinem Nachttische. Dasselbe war ohne Unterschrift; es enthielt nur die drei Worte:„Ich liebe Dich.“ Wer konnte dieses Billet gebracht haben und wie? Albert sah wohl, daß dasselbe nicht die Schrift Charletten's trug, aber er versuchte sich selbst zu täuschen und sich glauben zu machen, daß das Mädchen, an dem sein ganzer Sinn, sein ganzes Herz hing, ihm auf eine neue räthselhafte Weise ein Zeichen ihres Lebens gesandt habe. Aber auch diese Selbsttäuschung war von kurzer Dauer. Am felgenden Tage, als Albert brütend auf dem Sopha in seinem verschlossenen Zimmer lag, hörte er ein leises Geräusch. Ein Schlüssel drehte sich im Schlosse seiner Thüre, die sich bald öffnete. Er war im Begriffe, emporzuspringen, aber er sah, daß das Wesen, das sich ihm nahte, nicht gefährlicher Natur sei. Es war das„Fräulein nebenan“, die Spanierin, von der ihm Jeseph schon so oft erzählt hatte. Sie schritt gegen ihn, das Gesicht lächelnd, den kleinen Körper in anschmiegenden Kleidern, die schwarzen Locken aufgelöst. „Also Sie haben mir die Liebeserklärung geschrieben!“ lachte Albert bitter. Und dann fragte er plötzlich hart und unfreundlich: „Wer hat Ihnen denn einen Schlüssel zu meinem Zimmer verschafft?“ „Ich habe ihn von Joseph erhalten," lächelte das Mädchen. „Dann bitte ich gefälligst, mir denselben zurückzugeben und mich nicht wieder zu stören.“ Damit war das kleine Abenteuer beendigt. VI. Der Monat März hatte seinen Einzug gehalten. Während drüben in Deutschland der Winter seine Herrschaft noch zuführte, während er noch von Zeit zu Zeit eine dichte Schneesaat über die Fluren warf, hatte die Sonne auf den Strand Algeriens schon wieder neue Blumen hervorgezaubert. Alle Hügel hatten sich mit einem flüchtigen Grün bekleidet, in allen Klüften rannen noch frische Quellen und die Zugvögel belebten für einige Zeit die Fluren mit hundert und hundert verschiedenen Stimmen. Mit der Natur scheinen auch die Menschen neu aufzuleben. Die Stadt, die eine Zeitlang auch geschlafen zu haben schien, hatte plötzlich mehr Lärm, mehr Geräusch, mehr Treiben. Die Mauren sonnten sich wieder vor ihren Wohnungen, die Beruinen besuchten die Märkte zahlreicher. Europa sankte seine Touristen, die der Soune entgegenzogen, seine Handelsleute, die es mehr auf das Geld der Algerier und die Erzeugnisse des Landes abgesehen hatten, als auf Wanderungen durch alte Ruinen und süße Träume unter den Palmen des Südens. An einem dieser Tage durchschritt ein junges Mädchen die Straßen Orans. Sein Kleid war so arm, daß es mit der Hand festgehalten werden mußte, damit es nicht von dem leichten Winde weggerissen und fortgetragen wurde. Sein schönes Gesicht hatte die Farbe des Marmors, über den 8 9 *6 gerollt sind, aber um die feinen brussen Lippen lag ein zufriedenes Lächeln, als wäre von der milden Sonne des Frühlings auch ein Strahl bis zu seinem Herzen gedrungen. Dieses Mädchen war Charlotte Cherebourg. Die Frauen, die es an ihnen vorübereilen sahen, rumpften ihre Nasen und hatten für es nur verächtliche Blicke; die Männer, von der fzemdartigen Schönheit gefesselt, lächelten ihm zu, denn die einen, wie die andern glaubten in ihm eines jener leichtsinnigen Geschörfe zu sehen, die man in Paris „Loretten“ nennt und die sich von hier bis in die entferntesten französischen Besitzungen verpflanzt haben. Man glaubt in Oran, wie überall, daß in einem schlechten Kleide nothwendigerweise auch eine sündhafte Seele sterben müsse und gibt dem Reichen oder der Reichen einzig das Recht, Anspruch auf Tugend zu machen. Aber Charlotte schien weder die verächtlichen Blicke der Frauen, noch das Lächeln der Männer zu sehen und hielt in einer Straße plötzlich vor dem Hause, das die Nummer 113 trug und das sie früher selbst bewohnt hatte. Wir kennen dieses Haus. Sie berührte den gelben Kuopf neben der Thüre und bald erschien Joseph in seiner unvermeidlichen gelben Schürze vor ihr. Er schien nicht wenig überrascht zu sein, das Mädchen wiederzusehen, das so lange das kleine Dachstübchen bewohnt hatte, aber er erwiderte den freundlichen Gruß desselben nicht und fragte barsch und stolz nach seinem Begehren. Charlotte war verlegen. „Ich kam, um den Herrn Journalisten zu sprechen,“ sagte sie endlich. „Oder Dich von ihm noch einmal zu einem Souper einladen und von dem guten Joseph bedienen zu lassen!“ Er sagte es höhnend. „Nein, nein,“ antwortete Charlotte mit niedergeschlagenen Augen.„Sie sollen wegen uns keine Mühe mehr haben. Ich bitte Sie nur noch um die Güte, mich bei dem Herrn Journalisten anmelden zu wollen. Ich muß ihn sprechen.“ „Dann mußt Du ihn auch suchen! Ich glaube, daß er lange genug nach Dir gesucht hat. Jetzt wohnt er nicht mehr hier.“ „Er hat nach mir gesucht— er wohnt nicht mehr hier!“ rief Charlotte. Und ihr Gesicht war für einen Augenblick noch blasser, noch durchschimmernder. „Wissen Sie nicht, wohin er sich gewendet hat?“ fragte sie dann noch. „Nein, die Welt ist groß.“ „Er hat keine Adresse hier gelassen?“ „Er glaubte wahrscheinlich nicht, daß Du ihm noch einmal die Ehre erweisen würdest, Dich nach ihm zu erkundigen. Er sagte es höhnend, wie früher, und schloß die Thüre wieder. Charlotte blieb noch eine Weile unbeweglich auf der Stelle, warf dann einen Blick zu den verschlossenen Fenstern empor und ging wieder. Das Lächeln um ihre Lippen war verschwunden und hatte der Trauer, den trüben Gedanken wieder Platz gemacht. „Er hat nach mir gesucht,“ klang es nur wie der Widerhall eines verlorenen Glückes in ihrem Innern. (Schluß folgt.) Der König war freundlich und überließ uns einen Theil des Dorfes zu unserer Wohnung. Am nächsten Tage war er nicht so freundlich, verkaufte uns aber Elfenbein in Menge. In wenigen Tagen hatten wir ungefähr 400 Elephantenzähne zusammen, so viel als wir nur tragen konnten. Nun hielten wir es für das gerathenste, sogleich die Rückreise anzutreten. Allein der König sagte zu unserm Erstaunen— er war nicht länger als mein Bein—, daß er uns die Erlaubniß zur Abreise nicht gebe. „Warum nicht?“ fragten wir.„Weil dies mein Land ist und Ihr nicht eher weggehen sollt, als bis ich es sage.“„Aber unsere Geschäfte sind beendigt; wir wünschen nicht noch irgend mehr zu kaufen.“„Ihr müßt alles Wir haben in den letzten Jahren eine Unmenge „Wilde“ in Berlin gesehen; zu den interessantesten gehörten der afrikanische Zwerg und die Riesen, die sich in der Charlottenburger Flora und alsdann im Ausstellungspark in der Hasenheide zeigten. Ueber die merkwürdigen Zwerge, von welcher sich einer bei der Truppe befindet, geben uns bereits Stanley's Berichte(bearbeitet von Dr. Berthold Volz) Auskunft. Ein Araber, Abed bin Dschumah, ein Untergebener des nachmals so bekannt gewordenen Tippu=Tib, erzählte Stanley über eine Reise in das Land der Zwerge, die er mit Mtagamojo unternommen, das Folgende: „Wir kamen zuerst nach Uregga, einem Waldlande, wo es nichts giebt als Wälder, große Waldungen Tage und Wochen und Monate lang. Die Wälder nahmen gar kein Ende. Die Bewohner wohnten von Wäldern umgeben. Fremde waren selten da gewesen, ehe sie uns zu sehen bekamen. Wir zogen wenige Tage still und ruhig durch das Land; dann aber kam es zu Kämpfen. Einen Tag nach dem andern hatten wir zu kämpfen. Es sind furchtbare und verwegene Kerle. Jeden Tag verloren wir Leute. Jeder der unserigen, welcher fiel, wurde aufgegessen. Sie pflegten sich hinter dichtem Gebüsche zu verstecken, so daß wir sie nicht sehen konnten, und ihre Pfeile waren vergiftet. „Wir hielten ein Schauri. Einige stimmten für den Rückzug, denn wir hatten viele Leute verloren. Aber Mtagamojo wollte nichts davon hören. Er sagte, die Heiden sollten ihn nicht vertreiben. „Nun gut; wir beschlossen also, über den Lualaba zu setzen und weiter zu ziehen. Aber es wurde immer schlimmer. Endlich kamen wir, noch 290 Flinten stark, in das Land Kima=Kimas. Kima=Kima erzählte uns von dem Lande der kleinen Leute, wo es Elfenbein in solchem Ueberflusse gäbe, daß wir einen Zahn für eine einzige Kauri=Muschel erhalten könnten. Ihr wißt, Meister, daß, wenn wir Araber hören, daß es Elfenbein irgendwo in Masse giebt, für uns kein Halten mehr ist. Ol wir brachen sofort auf und gelangten in das Land der Wakuna. Unter den Wakuna, welche selbst große, starke Menschen sind, sahen wir ungefähr sechs oder sieben von den Zwergen, die sonderbarsten Geschöpfe, welche auf Erden leben, gerade eine Elle groß, mit langen Bärten und dicken Köpfen. „Die Zwerge thaten eine Menge Fragen an uns, wo wir herkämen, wohin wir gehen wollten, und wonach wir Verlangen trügen. Wir lachten bei ihrem Anblick, denn sie schienen uns muntere, kleine Teufel zu sein. Sie erzählten uns, daß es in ihrem Lande so viel Elfenbein gäbe, daß wir nicht Leute genug hätten, um es fortzutragen, aber daß sie sehr begierig wären, zu erfahren, wozu wir es brauchen wollten. Ob wir es denn äßen? „Nein.“„Wozu denn sonst?“„Wir verkaufen es an andere, welche Zaubermittel daraus machen.“„O! was wollt Ihr uns geben, wenn wir Euch das Elfenbein zeigen?“„Wir wollen Euch Kauris und Glasperlen geben.“„Gut, so kommt mit uns!“ „Wir reisten sechs Tage und kamen dann an das Grenzdorf ihres Landes. Hier mußten wir einige Tage warten, bis uns der König erlaubte, nach seinem Dorfe zu kommen. Es war nur eine einzige lange Straße, müßt Ihr wissen, mit Häusern, welche sich zu beiden Seiten weithin erstreckten. Elfenbein kaufen, was ich herbeigeschafft habe; ich brauche mehr Kauris.“ Und dabei knirschte er mit s S Sü &a 5HOSHS. V.P5gSFESS S 55 5 SS Saß P55 „OPHSGEES o SE SESA S##gs S####ge S 9 BGSE *. E# 50 E5 8 „FTT S-. 5 8 KS ggg E5SSEPSES SSEE 68 —*— SS—EEE E.SpSES den Zähnen und sah genau so aus wie ein wilder Affe. „Mtagamojo lachte ihn aus, denn er war sehr possierlich, und sagte ihm, daß wir doch würden wegreisen müssen, weil wir viele Freunde hätten, die auf uns warteten. Der König aber sagte: „Ihr dürft nicht aus meinem Lande fort!“ „Wir hielten wieder ein Schauri und beschlossen, das Land innerhalb zwei Tagen zu verlassen. Während wir aber noch zusammen saßen, stürzten die Wangwana unseres Zuges herein und riefen:„Die Zwerge rücken aus allen Dörfern in ungeheurer Zahl gegen uns heran. Der Krieg ist da: macht Euch fertig!“ „Es war für uns auch die allerhöchste Zeit. Wir hatten kaum unsere Gürtel umgelegt und unsere Flinten ergriffen, als auch die nichtswürdigen Zwerge schon ganze Wolken von Rohrpfeilen auf uns abschossen. Sie erhoben dazu ein kreischendes und gellendes Geschrei, gerade wie Affen. Viele unserer Leute fielen von dem Pfeilgift gleich todt nieder, ehe wir uns nur sammeln und auf sie schießen konnten. Und Mtagamojo! Er war überall und schwang mit beiden Händen sein großes Schwert und spaltete die Zwerge mitten durch, wie man eine Banane zerschneidet. Und andere fochten eben so tapfer wie Mtagamojo. Aber das konnte uns alles nichts nützen. Die Zwerge schossen von den Gipfeln der Bäume herab, sie krochen durch das hohe Gras bis dicht an uns heran und schossen uns ihre Pfeile in's Gesicht. Als Mtagamojo sah, daß sie uns so hart zusetzten, rief er laut:„Pallisaden!“ Sofort hieben wir Bananenbäume um, hoben Thüren aus den Angeln, rissen Häuser nieder, und bildeten so Verschanzungen an jedem wegs in den nächsten Haufen hinein und ergriff zwei von den Zwergen; und wir folgten ihm und fingen auch noch mehrere. Denn sie wollten nicht weglaufen, bis sie gesehen, was wir vorbätten. Dann ließen sie uns den Weg zum Wasser frei. Wir füllten unsere Töpfe und trugen die kleinen Teufel in die Verschanzung, und bemerkten nun erst, daß wir ihren König gefangen genommen hatten. „Wir waren alle der Meinung, daß wir ihn tödten müßten. Aber Mtagamojo wollte dazu seine Zustimmung nicht geben.„Tödtet die andern", Das schaffte uns etwas jetzt mit mehr Ueberlegung mehreren Stunden in die Ende der Dorfstraße. Ruhe. Wir feuerten und schlugen sie nach Flucht. „Glaubt Ihr wohl, daß sie uns dann in Frieden ließen? Nicht im geringsten; eine frische Truppenschaar kam heran und setzte den Kampf fort. Mtagamojo theilte uns in zwei Abtheilungen, von denen die eine die Verschanzungen zu bewachen hatte, während die andere sich zum Schlafen niederlegte. Aber die ganze Nacht hindurch ließ uns ihr gellendes Geschrei nicht zur Ruhe kommen; die ganze Nacht hörten wir ihre Pfeile sausen oder auf den Dächern und an den Pallisaden klappern. Ein paar mal versuchten sie auch, die Verschanzungen zu erstürmen: wir hatten aber an jedem Ende zwanzig Musketen. „Nun, das Gefecht dauerte die ganze Nacht hindurch und auch den ganzen nächsten Tag und die darauf folgende Nacht. Wir hatten aber kein Wasser. Da forderte Mtagamojo hundert Mann auf, ihm zu folgen, fünfzig mit Flinten und fünfzig mit großen Wassertöpfen. Mtagamoso war wie ein Löwe. Er hielt einen Schild vor sich empor, und nachdem er rings umgeblickt, rannte er geradesagte er, und wir schnitten ihnen allen augenblicklich die Köpfe ab und schleuderten sie ihren Freunden entgegen. Aber der König wurde nicht angerührt. „Darauf stellten die Zwerge die Feindseligkeiten ein; sie kamen an uns heran und riefen:„Sennene!") Sennene!“ Wir schlossen mit ihnen Frieden, und sie sagten, daß wir unbelästigt abziehen dürften, wenn wir ihnen ihren König freigäben. Nach einer langen Berathung lieferten wir ihn aus. Aber der Krieg entbrannte nun schlimmer als je. Tausende kamen gegen uns herangezogen, und jeder von uns suchte, so viele von ihnen er nur konnte, todtzuschießen. Wir kämpften wieder den ganzen Tag und auch noch die Nacht. Dann aber sahen wir, daß unser Pulvervorrath zu Ende ging; wir hatten nur noch zwei Fäßchen. „So ließen unsere Führer uns alle zusammentreten und erklärten, daß die einzige Rettung in einem nochmaligen Ausfall läge, und daß wir sie fangen und mit unseren Schwertern in der Weise tödten sollten, wie Mtagamojo gefochten hätte. „In einer dichten Schaar stürmten wir hinaus und liefen, den Kopf ganz niedergebeugt, direkt auf die Zwerge los. Als sie uns mit unsern breiten, langen, glänzenden Schwertern herauskommen sahen, liefen sie davon; aber wie Wölfe verfolgten wir sie mehrere Stunden lang. Viele tödteten wir, sehr viele, denn sie konnten nicht so schnell laufen wie wir. „Wir kehrten darauf in das Lager zurück, packten schnell unsere Sachen, namentlich auch die Hälfte unseres Elfenbeins zusammen und brachen sogleich nach dem Walde auf. Wir zogen bis in die Nacht hinein vorwärts und legten uns dann todtmüde zum Schlafen nieder. Meister, mitten in der Nacht fielen sie wieder über uns her! In allen Richtungen hörte man ihre Rohrpfeile schwirren. Unser Pulver war bald verschossen. Wir warfen alles weg, nur unsere Flinten und Schwerter nicht, und liefen davon. Dann und wann hörten wir Mtagamojos Horn und folgten demselben. Aber viele waren durch Hunger und Wassermangel so geschwächt, daß auf der Flucht ihnen das Herz brach, und sie starben. Andere, die sich einen Augenblick zum Ausruhen niedergelegt hatten, wurden sogleich von den kleinen Teufeln umringt und getödtet. Meister, von jener großen Menge Menschen, welche Njangwe damals verlassen hatte, Araber, Wangwang und Sklaven, kehrten nur dreißig in ihre Heimath zurück, und ich bin einer davon.“ Dem Vertreter des afrikanischen Zwerggeschlechts, welches in der vorstehenden Erzählung geschildert worden ist, hat man bei der in Berlin gezeigten Truppe den Namen Ibrahim beigelegt, da das eigene Idiom des kleinen Mannes nicht zu enträthseln ist. Er verräth im Gesicht wie in seinem ganzen Wesen hohe Intelligenz, gepaart mit einer seltenen Portion drastischer Komik. Das Wilde scheint er sich lange, bevor er den Aequator passirte, abgewöhnt zu haben, nur im fanatischen Derwischtanz kommt es auf Augenblicke wieder zum Durchbruch. Im Gegensatz zu dem Zwerg steht der Riese der Truppe, der zwei Meter große Abdallah. Derselbe soll ein hervorragender Krieger seines Stammes sein. Die stattliche Figur mit den glühenden Augen läßt diese Behauptung berechtigt erscheinen, sie wird aber überzeugender noch, wenn Abdallah sich im Kampf zu Fuß oder auf leichtfüßigem Dromedar mit Lanze und Schwert produzirt. Gleich interessant sind die beiden übrigen Männer der Truppe: der Krieger Mabruk und der Krieger und Musiker des Stammes Ladallah. Mabruk ist fast ebenso groß, wie der erstgenannte Abdallah; beide sind Meister in der Handhabung ihrer Waffen und gute Reiter. Die Frau des Häuptlings, welche man in Egypten mit dem Namen Saida belegte, sist eine große, bagere Gestalt, nach Art der mohamedanischen Frauen in weite, bunte Gewänder gehüllt und das Gesicht verdeckt von dem weißem Kopftuch. Als Kameeltreiber befindet sich bei der Karawane schließlich noch ein in Europa engagirter westindischer Neger von der englischen Insel Barbados, ein gewisser Nathangel Cottle, der sich auch durch hellere Färbung und andere Schädelformation wesentlich von den Zentralafrikanern unterscheidet. *) Friede. Der Schwertseger. Eine Erzählung aus alter Zeit. Schluß. Als Lorenz den Kerker verlassen hatte, eilte er dem Rathhause zu. Als er hinkam, hatte das furchtbare Blutgericht auf demselben bereits sein Ende erreicht. Um zwölf Uhr Mittags hatten sich