Erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend. Der Preis dieser Zeitschrift beträgt: für ein halbes Jahr 22 Sgr. 6 Pf., für ein ganzes Jahr 1 Thlr. 15 Sgr. Durch die k. Postämter bezogen, wird p. Jahr 12 Sgr. berechnet. Ann!„„„ Kreisblatt für den Kreis Bochum. Anzeigen u. Bekanntmachunge aller Art werden darin inserit und die Spaltenzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.— Beiträge werden bis Dienstag u. Freitag jeder Woche(Vormittags 10 Uhr) erbeten. Motto: Besonnenheit— Gemeinwohl. Sonnabend den 17. Februar 1849. Die Hauptstadt von Preußen. Viele haben die Sache des erblichen Kaiserthums über Deutschland seit der preußischen Note aufgegeben. Diese haben die preußische Note nicht verstanden; aber noch weniger Geist der deutschen reformatorischen Bewegung, der mit dem Revolutionsschwindel schon lange nichts mehr gemein hat. Wir können ur täuschen; aber wenigstens die preußische Note hat die Aussichten auf das deutsche Kaiserthum nicht verdunkelt, vielmehr den sehr umwölkten Horizont aufgeklärt. Bei Gelegenheit der Kaiserfrage ist zum un es a Spreitan umn des Geisr g, Kase, Dachz bise die Kaser=Ide sich verwirklicht, der maüsthig“, gesigergeswpifh dopurcghihe eine vengstens P troch, bzg epovzu, wpohs einem Deuschen zu verdeutschen Landern gebracht. Ist es nun wogz einen.—. zmagr Eerdenken, wenn er diesen Schemn, als ob nicht der Kaiser, Vit.rg.„in Voiksstamm über das Vaterland regiert, entfernt wünscht? Dies ist der tiefe Grund, weshalb so leidenschaftlich darauf bestanden wird, vuß der Kaiser nicht in seinem besondern Lande residire, sondern in eine andern Stadt des deutschen Reichs, welche sich dazu eignet. Wäre der König von Preußen, wie doch vorauszusehen ist, berufen, erblicher Kaiser der Deutschen zu werden, so hätte die Frage nach der Residenz große Schwierigkeiten bereitet, da der König nur ungern die Hauptstadt seines eigenen Landes verlassen haben würde, um etwa in Frankfurt am Main sein Hoflager zu halten und den Sitz der Reichsregierung aufDie Demokraten haben uns über diese Schwierigkeit hinweggeholfen. Denn, abgesehen von allem Kaiserthum, scheint uns so viel festzustehen, daß dem Könige nicht zuzumuthen ist, je wieder in Berlin zu residiren. Im Grunde, gern gesehen ist der königliche Hof allenthalben, aus Eigennutz und natürlich von einer großen Zahl treuer Angehörigen, die es in jeder preußischen Stadt gibt der sichere Maßstab für die Gesinnungen der Mehrzahl liegt in den Wahlen. Wir wollen mit der Stadt Berlin nicht um diejenigen rechten, welche sie zu treffen für gut befand. Es sprach sich aber darin der Geist der Bevölkerung aus, und ihre Bedeutung war die, der Nationalversammlung zum Siege gegen die Krone zi verhelfen, die Revolution zu erneuern, die Verfassung zu stürzen. Haben nun auch manche Maßnahmen und Vorfälle Einfluß auf die Wahl geübt, die Behandlung Temme's, die Fortsetzung des Belagerungszustandes, die Ausweisung von Goldstücker und Rodbertus, legt auch seibst die demokratische Correspondenz in ihrer Is 8 vom 5. Februar ein großes Gewicht darauf, daß die Berliner Wahlmänner bis zum Stattfinden neuer Wahlen statt der doppelGewählten in der jetzigen„Stimmung“ erhalten werden, so gibt dies Alles doch keine genügende Erklärung für so vaterlandsvergessene Wahlen! Denn freilich steht das Königthum erhaben über allem Parteienkampf, und es ware gar seltsam, wenn der König seine Residenz um dessentwillen verlegen wollte, weil bei den Wahlen die pposition den Sieg davongetragen. Aber welche Opposition! das ist der Unterschied. Freilich steht der König über den Parteien, aber wenn Eine Partei die freche Hand ausstreckt nach seiner Krone, wie die Nationalversammlung, vielleicht ohne es zu wissen, am 7. September 1848 gethan und wie Waldeck und Jacoby— sie müßten denn ewig von Sinnen gewesen sein— im Schilde führen, dann soll sich die Krone wohl nicht geduldig darnjederwersen und demüthigen lassen! Nicht jeder Gegner ist ein Feind, nicht jede Opposition gegen die Regierung ist Feindschaft; aber wer es mit offenbaren Feinden des Königthums hält, wer ihre Häupter, wie Berlin gethan hat, mit Enthusiasmus in die Kammern tragt, dem soll der König den Rücken wenden, nicht um seinetwillen, sondern wegen der Institution, deren Träger er ist, und mit Rücksicht auf die durch solche Wahlen beleidigte Eyre seines Landes. Wenn aber Berlin in der Stunde der Gefahr das Vaterland verrathen konnte, dann kann das Vaterland einer solchen Hauptstadt entrathen! Königsberg machte sich Friedrich dem II. verhaßt durch Servilismus gegen die Russen und sein Fuß betrat nicht wieder jene Stadt, welche später den flüchtigen König Friedrich Wilhelm III. gastlich aufnahm. Wir halten es unter der Wärde des Königs, in Berlin künftig zu residiren, aber die deutsche Nation berufen wird, den kaiserlichen Tyron aufzurichten, so wird es nicht schwer halten, zur kaiserlichen Residenz Frankfurt oder Gotha zu bestimmen. Entweder— Demokratische Blätter sprechen von einem Proteste, unter welchem die zweite Kammer ihre Geschäfte beginnen müsse; die Verfassung habe eigentlich keine Gültigkeit, werde dieselbe vielmehr erst erlangen dunch die Genehmigung der vom ganzen unzensirten Volke gewahlten zweiten Kammer; so lange es noch an dieser Genehmigung fehle, werde die Verfassung nicht als Recht, sondern nur als Thatsache fortbestehen. Voraussetzung hierbei ist, daß die Verfassung nicht zu Recht sondern nur durch einen Akt brutaler Gewalt dem Volke obtrudirt worden sei, wobei freilich verschwiegen wird, daß die aufgelöste Versammlung es gewesen ist, welche die dargebotene Vergershogrng, erckgewiesen, hierdurch die Krone wieder in den vorigen Etcms zulaurersetzt, so aber endlich gezwungen hat, ihre Absolutheit zum letzten Male zusammenzunehmen und allein zu erschaffen, was der vielköpfigen Hydra der Vereinbarungsgesellschaft unmöglich war. Vergebliche Mühe indessen wäre es, der Gegenpartei, welche eben keine Lust hat, über diesen Punkt Gründe zu hören, dergleichen zu geben, deswegen wenden wir uns von jener Voraussetzung ab und gehen über zu der Folgerung, hier zu dem mit so bewunderungswürdig scharfer Beurtheilungskraft ersonnenen Proteste. In der That, der Plan ist nicht übel angelegt! Die Demokraten wollen die dargebotene Verfassung nur so weit annehmen und die Krone durch sie gebunden erachten, als sie ihnen gefällt; so weit sie ihnen dagegen mißfällt, wollen sie sich selbst nicht durch sie gebunden finden, sondern sich vorbehalten, bei vorkommender Gelegenheit Alles zu machen wie das vorige Mal, und Alles zu begehren, was ihnen ihr, bekanntlich Alles umfassendes Begehrungsvermögen zu begehren heißt. Endlich, um diese ihre Absicht, eine solche Löwengesellschaft mit der Krone einzugehen, zu bemänteln, da wollen sie zwar die Geschäfte immer sachte anfangen und den Fuß in den Steigbügel setzen, aber nur unter der Annahme, daß eigentlich Alles nichts gelte. Dies nennen sie nun, da sie ihre ausländischen Ideen gern unter ausländischen Namen verhüllen, einen Protest, welchen sie alsdann bei nächster Gelegenheit etwas stärker und bei einer dritten und vierten immer lauter und schreiender vorbringen werden, bis sie endlich einmal bei passend scheinender Konjunktur der Verhältnisse den Hauptpuff loslassen und irgend einer fanatisirten Menge den Vorschlag machen werden, etwa der Familie Hohenzollern Passe zuzusenden, oder Aehnliches zu thun. Obwohl wir nun zu dem gesunden Sinne des Landes das Vertrauen haben, daß es schlimmsten Falles noch einmal„seine Abgeordneten im Stiche lassen werde“, so wäre doch für unser ganzes Volksleben, insbesondere aber für unsere ganze konstitutionelle Zukunft schlimm, sehr schlimm, wenn wir noch einmal ein solches verzweifeltes Jahr, wie das vorige war, durchmachen müßten. Darum wenden wir uns an diejenigen, welche gegenwärtig das Geschick des Landes in der Hand halten, und fordern sie dringend auf, den Verrath gleich in seiner Wiege zu ersticken, und sowohl den Kammern im Ganzen, als jedem einzelnen Abgeordneten, die unzweidentige Erklärung abzuverlangen, ob sie Etwas sein wollen, oder Nichts? d. h. ob sie die Verfassung vom 5. December v. J., so wie sie liegt, ohne allen Vorbehalt als zu Recht beständig anerkennen, oder ob sie sie nicht anerkennen und alsdann nach Hause gehen wollen! Wer keine Verfassung vom 5. December v. J. kennt, der hat natürlich in einer nach dieser Verfassung gewählten Kammer Nichts zu suchen, sondern geht nach Hause, oder wenn er nicht freiwillig geht, so wird er nach Hause geschictt. Dies nun zeitig vorzubereiten, dahin geht an diejenigen, welche es angehr, unsere Anforderung. Principus obsta! Besser redlicher Krieg als ein elender Friede! Darum gleich von Anfang an ein klares und deutliches Entweder— Oder. Aus Berlin. Die seitherigen Wahlnachrichten ergeben ein Uebergewicht zu Gunsten der conservativen Partei. Nicht allein, daß viele der bedeutendsten Vorkämpfer der conservativen Sache, wie Herr v. Vincke, v. Bodelschwingh, Harkort, v. Bismark=Schönhausen, Graf von Arnim u. A. m. gewählt sind— auch das numerische Uebergewicht ist bis jetzt auf dieser Seite. Freilich fehlen noch die Nachrichten aus Preußen, Posen und vom Rhein, so wie aus einem großen Theile Westphalens und Schlesiens. Aber das Verhältniß dürfte doch höchstens sich nur dahin ändern, daß die conservative und die oppositionelle Seite der zweiten Kammer sich der Zahl nach die Waage hielten. Und zeigte sich selbst eine oppositionelle Mehrzahl, so hat diesmal die conservative Seite Vertreter von einer solchen geistigen Bedeutsamkeit, daß das moralische Gewicht einer conservativen Minorität widersinnige und übergreifende Beschlüsse einer radicalen Majorität in den Augen der besonnenen Bevölkerung gänzlich wirkungslos machen würde. Die Zusammensetzung der Kammer zeigt sich schon jetzt so, daß man versichert sein kann, die republikanischen Umtriebe werden keine widerstandslosen Siege mehr erkämpfen. Als gewählt auf oppositioneuer Seite wurden gemeldet fast aue bekannteren Persönlichkeiten der Linken in der National=Versammlung: Schulze Delitzsch, Kaplan v. Berg, Temme zweimal, v. Kirchmann, Krackrügge, Stein, Elsner, Kyll, Schneider, Par, v. Unruh, Hildenhagen, Rensch. Durchgefallen sind: Uhlich, Schulze Wanzleben, Jung, v. Wangenheim, Gierke, Kaempff, Schramm, Weichsel. Dagegen sind auf conservativer Seite außer den Genannten noch gewählt: Vincke dreimal, Harkort zweimal, Landräthe v. Arnim, v. Schlottheim, v. Wedell, v. Dewitz, v. Kleist, v. Hagen, Prof. Baumstark, Minister Graf v. Schwerin, Minister v. Manteuffel in Luckau, Justizrath Krause, Geh. Rath v. Werdeck, Fürst Hatfeld, Graf Renard, Prof. Keller, Geh. Rath v. Viebahn, Archiv=Rath Ridel u. A. m. Nach einem von Waldeck entworfenen Plan beabsichtigt die Oppositionspartei sich bereits am 15. d. M. in Berlin einzufinden und hier in einer Art Vorparlament die künftig zu befolgende Taktik festzustellen. Als Punkte, über welche sich die Opposition zu gemeinsamem Auftreten zunächst verständigen will, werden angegeben: 1) die Anklage der Minister, 2) die Aufhebung des Belagerungszustandes, 3) die Revision der seither erlassenen Gesetze, 4) die Abanderung der Steuergesetzgebung, 5) die Beseitigung der ersten Kammer.— Die bei hiesigen Demokraten eingelaufenen Nachrichten besagen, daß der Losbruch der neuerdings dort zu Tage gekommenen Bewegung in Paris und Lyon eigentlich auf den 8. d. Mts. festgesetzt gewesen, aber durch die Ereignisse beschleunigt und übereilt worden sei.— Die Berliner Gurnison wird in diesen Tagen noch eine Verstärkung von 5000 Mann Infanterie erhalten. Einige Abtheilungen Kavallerie werden wahrscheinlich wieder aus der Stadt auf die Dörfer verlegt. Von einer baldigen Aufhebung des Belagerungszustandes ist noch gar keine Rede. Vorgestern haben die Stadtverordneten den bereits zum dritten Male wiederholten Antrag, sich für die Aufhebung zu verwenden, endlich angenommen; es steht indessen nicht zu erwarten, daß die Verwendung eine Aenderung in der Lage der Dinge bewirken werde.— Die hiesige demokratische Partei ist nach ihrem ersten Jubel über den Ausfall der Wahlen jetzt bedeutend niedergeschlagen, weil so Viele aus ihren Reihen durchgefallen sind. Sie setzt ihre ganze Hoffnung noch auf Posen und die Rheinprovinz.— Noch immer sind nicht alle Wahlergebnisse für die II. Kammer bekannt. Es fehlen noch Nachrichten aus den entlegenen Theilen Ostpreußens, aus mehreren posener Wahlkreisen und aus einigen Kreisen der Rheinprovinz. Wie sich aus den eingegangenen Mittheilungen ergiebt, ist das Verhältniß nach den einzelnen Landestheilen folgendes: 1) ganz überwiegend conservativ haben gewählt Brandenburg, Pommern und Westpreußen; 2) zu gleichen Theilen conservativ und radical Schlesien, Posen, Ostpreußen und Westphalen; 3) mehr radical Sachsen und Rheinland. Was das Zahlenverhältniß näher betrifft, so ergab eine gestrige ungefähre Zusammenstellung auf 160 conservative Abgeordnete deren 110 Radicale. Die noch zu erwartenden Berichte dürften dies Verhältniß dahin ändern, daß die conservative Partei noch 35, die radicale noch 45 neue Mitglieder zuzuzählen hätte, so daß die Gesammtsumme sich auf 195 Conservative gegen 155 mehr oder weniger Radicale stellen würde. In dem Comité für volksthümliche Wahlen ist großer Zwist ausgebrochen, indem die Mitglieder es sich gegenseitig Schuld geben, daß Niemand von ihnen gewählt worden. Herr Martins hat erklärt, er wolle mit der ganzen Sache nichts mehr zu thun haben. Herr Dr. Spickermann hatte von Herrn Rodbertus das Versprechen, in Pommern gewählt zu werden; geht nun aber auch leer aus, da es Herrn Rodbertus nicht gelingen wollte, so wenig für sich selbst als für einen Andern Vertrauen bei den pommerschen Wahlern zu erwecken. Eine möglichst genaue Uebersicht der Wahlen, wobei jeder irgend Zweifelhafte der gewählten Abgeordneten zu den Gegnern gezählt ist, ergiebt 181 für unsere Partei, 151 fur die Partei der Nationalversammlung; also eine Mehrheit von 30 Stimmen für unsere Partei; 18 Wahlen sind noch unbekannt; unser Sieg ist also entschieden. Gott segne das Vaterland! Seit einigen Tagen passiren hier wieder viele Polen durch, die sich mit Erlaubniß der Regierung nach dem Großherzogthum begeben. Möchte nur der Regierung ihre übergroße Nachsicht nicht schlecht gelohnt werden. Im Posenschen werden schon seit längerer Zeit Vorbereitungen getroffen, welche fast mit Sicherheit auf den nahen Wiederausbruch einer polnischen Bewegung schließen lassen. Gestern Mittag wurden die beiden neu erbauten Gebäude für die Kammern gerichtet. Die bedeutenden Bauwerke sind in kaum 5 Wochen hergestellt worden. Man versucht von Neuem das Gerücht zu verbreiten, daß Graf Brandenburg zurücktreten will. Die Sitzungslocale der beiden Kammern werden so eingerichtet, daß nöthigenfalls in denselben eine Besatzung untergebracht werden kann. Die Ueberfalle des souverainen Volks und die Umlagerungen der Gebäude mit Stricken und Mordinstrumenten sollen in Zukunft nicht wieder geduldet werden. In nächster Zeit steht die Reorganisation der hiesigen Bürgerwehr bevor. Unter dem betriebsamen Bürgerstande herrscht die entschiedenste Abneigung gegen dies so vielfach prostituirte Institut. Eine große Anzahl von Bürgern wird den Wiedereintritt verweigern und will sich lieber Straf= und Zwangsmaaßregeln aussetzen, als ferner Mitglieder der Bürgergarde sein. Dagegen drängen sich die Demokraten zum Wiedereintnitt und schmeicheln sich mit der Hoffnung, daß die Bürgerwehr auch fortan wieder die beßte Stütze der Anarchie und der Emeute sein werde. Unter dem hiesigen Militair herrscht seit mehreren Tagen eine ungewohnte Bewegung. Auf mehreren öffentlichen Plätzen werden täglich Besichtigungen und Uebungen abgehalten, in der Hasenheide finden täglich zahlreiche Schießübungen Statt. Die meisten hier garnisonirenden Bataillone haben jetzt Zündnadelgewehre erhalten, und werden in dem Gebrauch derselben fleißig einexercirt. Die hier noch erwarteten neuen Bataillone werden besonders in Privathäusern einquartirt werden. Bereits sind das 12. und 24. Regiment schon zum größten Theil in leerstehenden Privatwohnungen unter gebracht. Auch Artillerie wird dem Vernehmen nach hier noch einrücken und in der Umgebung des Wilhelmsplatzes stationirt werden. Im eigensten preußischen Interesse, wenn der Blick nicht höher hinausreicht(!), fragen wir uns doch, wo wir echten Preußen beispielsweise den Freiherrn von Vincke leichter und lieber entbehren möchten, in Frankfurt bei den unsere Existenz tief berührenden Verhandlungen über das Reichsoberhaupt u. s. w., oder in Berlin, wo sich auf neuer Grundlage ein neues Parteiwesen bilden soll und wo ein Mann wie Vincke selbstthätigen Antheil an der Organisation nehmen muß, wenn er nicht vereinzelt und ohne den gebührenden Einfluß bleiden soll. Die Antwort kann keine andere sein, als„weder in Frankfurt, noch in Berlin“. Und was an Herrn von Vincke am deutlichsten vielleicht in's Auge springt, das gilt vom Grafen Schwerin und von den zahlreichen Parlamentsmitgliedern, die doch gewiß noch zur ersten Kammer gewählt sein werden. Unser Land, mit seiner großen Bestimmung und den ihm obliegenden hohen Verpflichtungen gegen sich und Deutschland, namentlich aber jetzt, da sich die Geschicke des Vaterlandes erfüllen, bedarf einer starken Regierung. Stark ist eine Regierung aber nicht nur, wenn sie sich auf Bajonette stützt und Ordnung herstellt, sondern wenn sie das Nothwendige jedesmal mit voller Freiheit, unbeirrt und furchtlos thut. Wenn die Regierung Preußens eine Maßnahme, wie die Vertagung der Kammern, welche das Interesse von ganz Deutschland fordert, welche von Allen, die es aufrichtig und ehrlich meinen, gebilligt werden muß, auszuführen sich scheut, nur weil demokratischer Seits großer Larm geschlagen werden wird, dann ist sie nicht weniger als eine starke Regierung. Wir sind dessen gewärtig, ob die jetzigen Minister sich stark genug fühlen, die Kammer=Vertagung auszuführen ohne Gefahr für den innern Frieden des Staats. Wir entscheiden nicht, ob die Regierung dazu stark genug ist; aber die Nothwendigkeit der Vertagung wird durch keine ministerielle Rücksicht berührt. In Frankfurt ist die österreichische Note eingetroffen. Darin protestirt Oesterreich offenkundig gegen jede Constituirung eines deutschen Staats. Während dessen singen die politischen Knabenseelen:„Das ganze Deutschland soll es sein" und protestiren gegen ein Deutschland ohne Oesterreich. Wollte man uns doch lehren, wie Deutsch=Oesterreich zu zwei Staaten gleichzeitig gehören soll, zum deutschen Bundesstaat und zur österreichischen Monarchie. Ja, wenn es nach den kind lichen Sängern geht, wird es das ganze Deutschland sein, das ganze 37mal getheilte, völkerrechtlich=verknupfte sogenannte Deutschland. Gott im Himmel sieh' darein" oder vielmehr:„schlage d'rein“! Möchten wir doch wenn nun die deutsche Einheit zum Gespötte der Welwie in der sonst so umsichtigen Schles. Ztg. Hr. R., die stiften die gräuliche Katzenmusik, mit der das so schön beginnende deutsche Conzert enden soll! Die ehemaligen Abgeordneten Kuhlwetter und Reichensperger sind nicht wieder gewählt. Wie wir hören, war die Absicht, dieselben zur ersten Kammer zu wählen; doch fehlt beiden das erforderliche Alter. Vielleicht bringt noch die eine und die andere Neuwahl diese beiden ausgezeichneten Mitglieder der Rechten in die 2. Kammer. Turnen. Es ist eine auffallende Erscheinung, däß da, wo viel für die geistige Fortbildung der Jugend geschieht, nicht auch der Kräftigung des Körpers mehr Sorgfält gewidmet wird, da doch von Alters her bekannt ist, daß ein kräftiger Körper einem starken Geiste zur Stütze dienen muß. Dies ist auch namentlich in unserm dem Fortschritte hul digenden Bochum der Fall. Um Bedeutendes steht dasselbe durch den Mangel eines Turnvereins vor manchen anderen, nicht belebteren und kleineren Orten Westphalens zurück. Zwar ist vor einigen Jahren schon von einigen Seiten dahin gewirkt, namentlich für die Rectoratschüler hiesiger Stadt einen Tumverein in's Leben zu rufen, aber theils Mangel an Geldmitteln, an Turnlehrer 2c., theils Mangel einer passenden Lokalität machten den Plan zu nichte. Alle diese Hindernisse zu beseitigen, ist aber nicht so schwierig, daß der edle Zweck eines Turnvereins dadurch ganz vereitelt werde. Mehrere Freunde des Turnens, junge Leute hierselbst, haben diese Umstände kürzlich erwogen und glauben, gefunden zu haben, daß, wenn der Wille ernstlich ist, ein Turnverein sich hier wohl bilden kann, und haben das Turen zugleich in jetziger Zeit für ein dringendes Bedürfniß der jungen Leute und erwachsenen Schüler gehalten. Es ist auch gar zu einleuchtend, wie wohlthätig das Turnen auf die Ausbildung der Glieder und Kräftigung des Körpers wirkt, um darauf hier weiter eingehen zu brauchen. Zur Erreichung unseres Zweckes laden wir daher alle Mitfreunde des Turnens zur Berathung über diesen Gegenstand auf den 18. Februar c., Nachmittags 4 Uhr, bei dem Herrn Restaurateur Wm. Bertelt hierselbst ergebenst mit der Bitte ein, sich recht zahlreich einzufinden. Bochum, den 13. Februar 1849. Mehrere Turnfreunde. Bekanntmachung. Das Königliche Kriegs=Ministerium beabsichtigt eine Ersatz=Gestellung zum 1. April d. I., esbchenn. I. See l g aan a e. Donnerstag den 1. März c.— Da die Loosung hoherer Bestimmung zuftige ohne alle Unterbrechung vorgenommen wird, so müssen sich sämmtliche zur Altersklasse 1828 gehörende Militairpflichtige des ganzen Kreises an dem genannten Tage zu der in der Vorladung festgeset Zeit in hiesiger Stadt bei der Schenkwirthin Wittwe Kaltheuner einfinden. Für diejenigen, welche der Loosung beizuwohnen verhindert sind, wird von der Ortsbehörde oder von einem CivilMitgliede der Kreis=Ersatz=Commission gelooft werden. II. Musterung der Cantonisten sämmtlicher auerorlassen des Amtes Herne. in Bochum am 2. März, Morgens 7 Uhr, „„ Witten der Stadt Bochum des Amtes Bochum „„ Wattenscheid= =. Blankenstein= der Stadt Hattingen= Haltingen des Amtes Hattingen=(die Jahrgänge 1826, 1825 und zurück) des Amtes Hattingen in Hattingen(die beiden jüngern Jahrgänge 1827 u. 1828) 2 6 Auf ein pünktliches Erscheinen zur Musterung wird strenge gehalten. Die um Befreiung vom Militairdienst als Ernährer ihrer Familie reclamirenden Cantonisten werden aufgefordert, diejenigen Personen, auf welche sie sich in den Reckamationen beziehen, in den Aushebungsterminen um so sicherer mitzubringen, als sonst die Reclamationen als unbegründet idn Wochum, den 13. Februar 1849. Der Landrath. er ding. Die Arbeiten behufs Neubau der Emporen in der evangelischen Kirche dahier, bestehend in Zimmer=, Tischler=, Pliesterer= und AnstreicherArbeiten, sollen in termino den 23. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, in der Behausung des Herrn Kirchen=Rendanten Herbert dahier im Wege des öffentlichen Verdinges an den Mindestfordernden verdungen werden.— Unternehmungslustige werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß Plan, Anschlag und Bedingungen beim Herrn Baumeister Freyse jun. in Essen zur Einsicht offen gelegt sind. Gelsenkirchen, den 15. Februar 1849. Das Presbyterium. 2. * 3. * 3. = 5. = 5. 6. * 6 6 9= 6= 9* 6„ 8= Bekanntmachung. Zur Aufnahme der Militair=Reclamationen für die mit dem 1. März c. beginnende Aushebung können sich die Reclamanten mit den nöthigen Bescheinigungen versehen am 21., 22., 23. und 24. d. M., Morgens 8 Uhr, hier melden. Hattingen, den 15. Februar 1849. Der Amtmann Pickert. Bekanntmachung. Die Repartition des Deficits der Schulkasse hiesiger katholischer Gemeinde pro 1849 liegt vom 19. d. M. ab an sechs Tage lang auf hiesiger Amtsstube offen. Blankenstein, den 15. Februar 1849. Der Amtmann Kämper II. Bekanntmachung. *. Mittwoch den 21. d. M., des Vormittags Um 10 Uhr anfangend, sollen im hiesigen Auctions=Locale bei der Frau Wittwe Arn. Fiege: 1 Eckschrank, 1 Ziehkarren, 3 Taschenuhren, 2 Wanduhren, 2 Bienenkörbe mit Bienen, 1 Topf mit Honig, verschiedene Kleidungsstücke, Maurergeräthe und einige Bücher 2c. gegen gleich baare Zahlung öffentlich verkauft werden. Bochum, den 14. Februar 1849. Der gerichtliche Auctions=Commissar Parpat. Das hiesige alte Schulhaus soll zum Abbruch auf Meistgebot öffentlich verkauft werden und ist hierzu ein Termin auf Donnerstag den 22. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, im hiesigen Schullocale anberaumt. Crange, den 17. Februar 1849. Der Kirchen= und Schulvorstand. Neuer März=Viehmarkt in Witten an der Ruhr. Durch Ober=Präsidial=Verfügung vom 10. Juni v. J. ist der Stadt Witten ein neuer, am 2. Donnerstage im Monat März, also pero 1849 am 8. März abzuhaltender Viehmarkt bewilligt worden, worauf das handeltreibende Publikum hiermit aufmerksam gemacht wird. Witten, den 1. Februar 1849. • Der Amtmann Kämper. Kotten=Verpachtung. Der zu Brenschede belegene Kortebusch's Kotten, wozu außer den erforderlichen Gebäulichkeiten ungefähr 20 Morgen Acker, Wiesen und Gärten gehören, soll im gerichtlichen Auftrage durch den Unterzeichneten am Donnerstag den 22. dieses Monats, Nachmittags 2 Uhr, an Ort und Stelle zu Brenschede in einzelnen Abtheilungen oder auch im Ganzen auf mehrere Jahre verpachtet werden. Bochum, den 13. Februar 1849. „„ B a l t z. Verding. Zur öffentlichen Verdingung der bei der Abteufung des Maschinenschachts auf Vereinigte Urbanus erforderlichen Schachtholzlieferung steht Termin am 26. d. M., Nachmittags 1 Uhr, in der Behausung des Herrn Meeßmann zu Laer an, wovon lusttragende qualistärte Unternehmer hierdurch benachrichtige. Bochum, den 1o. Februar 1849. Crone, Obergeschworner. Die Repartition über die von der katholischen Gemeinde hierselbst aufzubringende Kirchen=Steuer liegt vom 19. Februar an 8 Tage lang bei mir offen, wovon die Betheiligten hierdurch benachrichtigt werden. Bochum, den 15. Februar 1849. Der Communal=Empfänger A. Osterman. Fettweiden=Verpachtung. Zur öffentlichen Verpachtung auf mehrere Jahre sollen ausgesetzt werden: 1) die zum Rittergute Werdringen gehörenden, ihrer vorzüglichen Güte wegen bekannten zwei Fettweiden: Twieflott=Weide groß 47 Morgen, Hard=Weide 63„ welche am linken Ruhrufer, nahe bei der Stadt Herdecke vortheilhaft gelegen sind, in termino den 20. Februar 1819. Nachmittags 2 Uhr, beim Gastwirth Herrn Glaser zu Herdecke und 2) die zum Rittergute Mallinkrodt gehörenden vorzüglichen Fettweiden, genannt große und kleine Ochsenkamp, soweit solche zwischen der Bergisch=Märkischen Eisenbahn und dem rechten Ruhrufer, mit einer Flächengröße von 92 Morgen, in der Gegend zwischen Witten und Wetter darliegen, in termino den 21. Februar 1849, Nachmittags 2 Uhr, in der Behausung des Gastwirths Herrn Brinckmann zu Gedern. Querenburg bei Bochum, den 2. Februar 1849. G. Buschmann. Bekanntmachung. Mein bisheriges Wohnhaus, 50 Fuß lang und 40 Fuß breit, ist mir nach einem Neubau überflüssig geworden. Ich werde dasselbe daher am 10. März, Nachmittags 2 Uhr, auf Abbruch zum Verkauf aussetzen und ersuche Kauflustige, sich alsdann auf meinem Hofe einzufinden. Bövinghausen bei Lütgendortmund, den 13. Februar 1849. Horstmann. Kotten=Verkauf. Donnerstag den 22. d. M., Morgens 11 Uhr, soll das dem Kötter Theoder Dortland auf der Herre bei Recklinghausen gehörige, vor 10 Jahren neu erbaute Wohnhaus nebst 2 Morgen Acker und Gartenland im Hause des Wirths Herm Jos. Heilberg in Recklinghausen meistbietend gegen Credit verkauft werden. Am Freitag den 23. d. M., Morgens 10 Uhr, sollen von den hiesigen Speichern ungefabf 14 Metzen Rübsamen, 500 Scheffel Roggen, 400„ Gerste, 11„ Buchweizen, 30= Mangkorn, 100„ schwere Hafer, 100= leichte Hafer zum Verkaufe im Meistgebot ausgesetzt werden. Recklinghausen, den 14. Februar 1849. Der Herzoglich Arenberg'sche Domainen= Rentmeister Dr. Landschütz. Kiefern=Verkauf. Freitag den 23. dieses Monats, gens 10 Uhr, sollen in den Kiefernbeständen Lohhausen und auf der Lusenheide bei Oer, 1 Stunde von Recklinghausen, 52 Kiefern zu Balken, 45 bis 50 Fuß lang und 7 à 8 Zoll dick, 49„„ Sparren, 40 bis 50 Fuß lang, 1000„= Baumpfählen, 6300„= Bohnenstangen und 1650.= Heckenruthen, in 80 Nummern meistbietend gegen Credit verkauft werden. Recklinghausen, den 14. Februar 1849. Der Herzoglich Arenberg'sche ForstrasseVerwalter Manderfeld. Kiefern=Verkauf. Dienstag den 20. d. Mts., Morgens 10 Uhr, werde ich auf der Jungfernheide und am Berkumer Veen, nahe bei Bruchhausen, circa 150 Schleitern, 1000 Baum= und HeckenPfähle, 4000 Bohnenstangen und 1000 Heckenruthen in 60 Nummern meistbietend gegen Eredit verkaufen. Versammlung zu Bruchhausen. Recklinghausen, den 14. Februar 1849. Breucker. Bekanntmachung. In Folge unserer vorläufigen Ankündigung zeigen wir an, daß am Donnerstag den 22. Februar 1819, Morgens 10 Uhr, im Hause des Wirths Herrn de Boye zu Recklinghausen: 1) das Colonat Böhmer gnt. Schmied im Bruch, circa 75 Morgen groß, mit Haus, Scheune, ausstehenden Früchten, Holzungen, Vieh, Feldinventar und Mobilien, 2) das Colonat Ehrenberg, 10— 11 Morgen groß, mit Haus, ausstehenden Früchten und Mobilien zum Verkauf im Meistgebot auf Credit ausgesetzt werden sollen. Jedes Colonat wird für sich allein verkauft. Beide liegen an der Emscher, etwa ½ Stunde von der Barriere zu Bruchhausen an der Chaussee von Recklinghausen nach Bochum. Der definitive Zuschlag kann gleich im Verkaufstermine ertheilt werden. Wir sind erbötig, den sich vor dem Termin bei uns meldenden Kauflustigen die Colonate u. s. w. näher auszuweisen. Böhmer. Ehrenberg. Zwei geräumige Wohnungen des früher vom Schieferdecker A. Warstein in Königssteele bewohnten Hauses sind am 1. Mai miethlos und soll am Donnerstag den 22. d. M., Nachmittags 3 Uhr, bei dem Wirth Rautert daselbst die weitere Vermiethung derselben vorgenommen werden. Lusttragende belieben sich einzufinden. Bochum, den 16. Februar 1849. Fr. Ritter. Bei mir ist gedüngtes Land zum Kartoffelnpflanzen zu pachten. Zahlungsfähige Pachtlustige benachrichtige ich hiervon. Bochum, den 15. Februar 1849. A. Osterman. Die Churhessischen und Badischen PrämienZiehungen bieten diesmal nachfolgende bedeutende Gewinne, als: fl. 50,000, 15,000, 5,000, 4 à 2,000, 13 à 1,000, 20 à 250, 2c.; ferner: Thlr. 36,000, 8,000, 4,000, 2,000, 2 à 1,500, 3 à 1,000, 5 à 400, 10 à 200, 2c. Bis zum 28. Februar 1849 kann man sich gegen Einsendung von fl. 4 40 kr. oder 2 3/ Chlr. Pr. Crt. für eine Nummer zu beiden Ziehungen bei uns betheiligen. Ausführliche Pläne, so wie s. 3. Ziehungslisten erhält jeder Theilnehmer. Wiederverkänser genießen angemessenen Rabatt. Nachmann& Banquiers in Mainz a. Rhein. Haus=Verkauf. Ich bin willens, am 3. März d. mein Unterhaus, welches 47 Fuß lang, 42 Fuß breit ist und woran die Pföste 15 Fuß hoch sind, öffentlich meistbietend zum Abbruche zu verkaufen. Dasselbe befindet sich in einem noch sehr guten Zustande und kann im Monat Mai d. J. in Empfang genommen werden. Zahlungsfähige Kauflustige wollen sich am bestimmten Tage, Nachmittags um 1 Uhr, auf meinem Hofe einfinden. Baukau, den 11. Februar 1849. Georg Arndt. Kotten=Verkauf. Den von mir angekauften Papenhoff's Kotten zu Munscheid beabsichtige ich unter der Hand wieder zu verkaufen. Derselbe kann am 1. Mai d. J. angetreten werden und wollen sich Kauflustige bei mir melden. Neuling bei Weitmar, den 14. Februar 1849. Heinr. Schmidtmann. Indem ich hierdurch meinen Freunden und Gönnern meine Leinen= und Garnbleicherei bestens empfehle, mache ich dieselben noch besonders darauf aufmerksam, daß das Leinen und Garn in Witten bei Herrn Friedr. Soeding, in Bochum bei dem Wirth Herrn I. Bergermann auf der Beckstraße abgegeben, auch spater nach erfolgter Bleiche gegen Entrichtung des Bleichlohns wieder in Empfang genommen werden kann. Hoffend, daß diese Vorkehrung das Publicum veranlassen werde, mir sein Zutrauen zu schenken, werde ich mich bemühen, durch gute und prompte Bedienung mir dasselbe zu erhalten. Die Preise sind folgender Art: Ein Stück Gebild von 20 Ellen kostet 15 Sgr. Ein Stück Leinen= 20„" 11„ Ein Strang Zwim= 20 Gebind= 3„ Ein Pfund Garn 2 Das Leinen kann bis zum 1. August, der Zwirn und das Garn bis zum 15. Mai abgegeben werden, und muß das Garn in Säcken befindlich sein. Barnei bei Wengern, ven 14. Februar 1849. Wilh. Schluck Junior. Anzeige. Constitutioneller Verein des Amts Bochum. Außerordentliche Sitzung am Mittwoch den 21. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, beim Herrn Gastwirth Velten gnt. Wolf hier. Tagesordnung: 1) Besprechung über den Entwurf zur neuen Gemeindeordnung, 2) desgl. über Anordnung von Schiedsmännern, 3) Vorträge über mehrere gestellte Anträge. Wohnung zu vermiethen. Die bisher von dem Fahrsteiger Lomberg bewohnte, aus sechs Zimmern bestehende Wohnung in dem Hause Is 62 zu Weitmar nebst Stall und Garten ist miethlos und kann sogleich oder im Mai d. J. bezogen werden. Qualificirte Miether wollen sich zeitig auf dem Hause Weitmar melden. Bei mir ist 1 Zimmer nebst Gang, Speicher und Keller zu vermiethen, welches am 1. Mai bezogen werden kann. Moses Wolf junior am Hellwege. In einem an der Hauptstraße gelegenen Hause stehen 5—10 Zimmer miethlos, welche am 1. Mai c. bezogen werden können. Näheres in der Exp. d. Bl. Bochum, den 14. Februar 1849. Der alljährliche Fasinachtsball des hiesigen Handwerks=Gesellen=Vereins wird am Samstag den 12. Februar, Abends 6 Uhr, im Vereinslokale stattfinden, wozu die Herren Meister und Fabrikbesitzer, so auch die geehrten Bürger außer dem Meisterstande, die den Verein mit der Theilnahme am Balle beehren wollen, ergebenst eingeladen werden. Bochum, den 12. Februar 1849. Der Vorstand des Handwerks=Gesellen=Vereins. In einem Gasthause ersten Ranges ist eine Stelle für ein Mädchen evangelischer Consession, das die Kochkunst zu erlernen wünscht, offen. Näheres in der Expedition dieses Blattes. Es sucht Jemand ein Kapital von 300 Thalern gegen doppelte Sicherheit anzuleihen. Den Namen kann man in der Expedition dieses Blattes erfahren. Brod=Tare. Hattingen, den 13. Februar 1849. 12 Pfund Schwarzbrod.. 5 Sgr. 4 Pf. 27 Loth Weißbrod1—„ Der Magistrat. Pfund Da ich meine Wohnung vom Hause Strünkede nach dem Hofe des Herrn Schulte Oestrich genannt Alstedde zu Sodingen bei Herne und Castrop verlegt habe, so zeige ich hiermit ergebenst an, daß fortwährend frische und echte Gartensämereien, 2— 3jährige Spargelpflanzen, gute Winterkappuspflanzen und späterhin alle Gattungen von Sommer=Pflanzen bei muir zu haben sind.. Auch werde ich dies Fruyjayr, wie in frühern Jahren, an den Markttagen in Bochum, des Dienstags in Hattingen und des Donnerstags in Witten mit Gartensamen ausstehen. Sodingen bei Herne und Castrop im Februar 1849. Heinrich Muckenheim. Markip Hattingen, Weizen Roggen Gerste Hafer Erbsen Buchweizen Kartoffeln Kleesamen p. Pfl Heu p. 100 Pfund Stroy p. 100 Pfund Bochum, Weizen Roggen Gerste Hafer Erbsen Buchweizen Bohnen Kartoffeln Butter Wieten Weizen Roggen Gerste Hafer Erbsen Buchweizen Bohnen Rapsaamen Rübsaamen Kartoffeln Heu per Centner Stroh per Schock Butter per Pfund reise. am 13. Februar 1849. 2 Thlr. 2 Sgr. 1„ 9„ 1 „ 6 Pf. 23 28 10 24 —„ 3 —" 18 —„ 10 am 14. Februar 1849. 2 Thir. 2 Sgr. 1„ 10„ 1„ 7 26„ 10„ —„ 5„ 6 Pf. den 15. Februar 1849. 2 Thir. 1 Sgr. 3 20 24 12 22 6 6 20 18 6 Pf. (ierzu eine Beilage.) zu Né 14 des Märkischen Sprechers. Bochum, den 17. Februar 1849. Herrn Wille geschehe! Herr, Dein Wille gescheh'! Sei's wohl mir oder weh'. Wenn rings der Nachtluft Wetter ziehen Und Finsterniß mich auch umhüllt, Dem Drangsal will ich nicht entfliehen, Bis ganz des Herrn Gebot erfüllt; Dem Herrn hab' ich mich ganz ergeben Und ihm geweiher Sein und Leben. Herr, Dein Wille gescheh'! Wenn ich's auch nicht versteh'. Ich lege mich in Deine Hände Und harre, wie's Dein Wille ist; Ich weiß, daß hier in dem Elende Der Vater nie sein Kind vergißt. Dem Herrn hab' ich mich ganz ergeben, D'rum werd' ich nimmermehr erbeben. Herr, Dein Wille gescheh'! Wie sich's auch wend' und dreh'. Mein Wollen, Thun und mein Voubringen Soll ringen sich zu Dir hinauf; Des Busens Sehnen, Kämpfen, Ringen Sei Freuden= oder Thränenlauf: Dem Herrn hab' ich's anheimgegeben, Ob Licht, ob Nacht mich soll umweben. Herr, Dein Wille gescheh'! Es gehe, wie es geh'. Will schwinden jedes Glückes Schimmer, Mein Hoffen all' in Staub verweh'n, Zu Dir dort über'm Sternenflimmer Soll hin mein thränend Auge seh'n; Zu Dir, o Herr! will ich mich wenden: Du wirst mir Rath und Stärke senden. Herr, Dein Wille gescheh'! Wenn ich ihn auch nicht seh'. Will Todesangst mich auch umspannen, Umnachtet sich mein trübes Aug: Du wirst des Todes Schrecken bannen Und mich erfreu'n mit sel'gem Hauch; Der Herr wird scheuchen Angst und Trauern Und retten mich aus Grabesschauern. Herr, Dein Wille gescheh'! Wenn ich auch d'rum vergeh'. Wie Du es willst, so sei mein Wille; Ich nehme Alles gerne an: Der Freuden Strom wie Schmerzen Fülle Umschlinge meine Erdenbahn; Dem Herrn, der Alles mir gegeben, Soll mie mein Wille widerstreben. Herr, Dein Wille gescheh'! Ob Alles auch verweh'. Die Welt in Deinen weichen Armen Erfreut sich Deiner ew'gen Huld; Dein Odem hauchet rings Erbarmen Und löst der Erdenpilger Schuld. Des Herren Wille schuf die Welten, Und außer ihm darf Keiner gelten. Herr, Dein Wille gescheh'! Ob ich auch weinend fleh. Wie Du und nicht wie ich es wolle, Geschehe es auf dieser Welt; So sei's, bis diese Erdenscholle In's eitle Nichts zurücke fällt. Dem Herren will ich fest vertrauen, Auf Menschenträume nimmer bauen. Freiherr von Vincke. Auf der Promenade, die Frankfurt umgibt, begegnen wir unter den Abendspaziergängern einem rasch daherschreitenden Paare. Die junge, erst in diesem Jahre vermählte Frau interessirt unsern Blick durch jene nicht bloß regelmäßige, sondern zugleich eigenthümliche Schönheit, in der sich die erblichen Familientraditionen eines edlen Geschlechts durch sichere Linien und feste Züge fortpflanzen. Daneben ein Herr im blauen bis an den Hals zugeknopften Rock, von wohlbeleibter Gestalt. Nur etwa die breite Brust und der kurze Nacken lassen die Willenskraft und den lebendigen Genius eines der siegreichsten Kämpfer des Parlaments in ihm errathen. Das sanft gewellte, leicht geröthete Gesicht wird durch eine Brille abgestumpft und der Ausdruck seiner Physiognomie hat eher einen freundlichen, höchstens einen ironisch lächelnden, als mächtigen Ausdruck. Dennoch ist's der Landrath von Hagen, der Sturmbock der Linken des weiland vereinigten Landtages im weißen Saale zu Berlin und hier in Frankfurt der Führer der conservativen Notabilitäten. Seine Rede ist ein homerisches Schneegestöber von allseitig herzuströmenden Gedanken, die auf den ersten Anblick sich mehr durch Schnelligkeit und Fülle des Angriffs, als durch irgend welche logische Ordnung Bahn zu erkämpfen scheinen. Aber der rasche Gang und die Mannigfaltigkeit täuscht, bei ruhigem Betracht finden wir, daß es den Vincke'schen Reden durchaus nicht fehlt an einem klar erkannten und trotz aller Seiten= und Wahlbewegungen unerschütterlich behaupteten Ziele. Die erstaunliche Geisteskraft, mit welcher der Sprecher trotz des Anstrichs von Uebereilung und bei dem weitesten Gebrauche seines unerschöpflichen Gedankenarsenals, dennoch sowohl das Maß behauptet, als den geraden Weg, wird unterstützt durch den Vortheil seines Standpunktes. Ihn beirrt nicht, was die Redner aus den verwandten Schichten der rechten Seite des Hauses hier und da aus dem Gleichgewicht und auf Widersprüche gerathen läßt: die Vermittelung einer reformirenden Thätigkeit mit der revolutionären. Die letztere ist nicht vorhanden für ihn. Vereinbarung, nicht Vorschrift der Verfassung, lautet der Wahlspruch seiner Partei, daher überall ein breiter Rechtsboden unter seinen Füßen, überall Anhalt und vorausgegebene Bestimmung. Ein unentdecktes, mehr geahnetes als begriffenes Land suchen die andern zu ersteuern. v. Vincke dagegen kennt genau nicht nur die Gegend, sondern auch die Küste selbst, nach der er sein Fahrzeug lenkt und er rudert mit dem Muthe eines erfahrenen Piloten. Dazu trifft die Schärfe seiner Geißel nicht bloß die entschiedenen Gegner, sondern oft noch härter die halben Bundesgenossen. Wo sich irgend eine Blöße verräth, dahin fällt sein Streich, und kaum daß er hier verwundet hat, so verwundet er auch schon dort, so daß der Ueberraschung mühsam die Zeit bleibt, sich auch nur der schmerzlichen Berührung recht bewußt zu werden. Er redet nicht blos, er streitet, seine Debatte ist von der allerpersönlichsten Art und doch von jeder Persönlichkeit frei, denn hinter dem Vertreter der Meinung zieht er stets die Meinung selbst hervor. Dies verführt die Linke zu Unterbrechungen. Sie hält den rollenden Kriegswagen durch einen vergeblichen Ruf zur Ordnung oder auch nur durch ein entrüstetes Zornestoben an. Aber sie rettet nicht, was einmal unter die Räder gestürzt ist, noch weniger bringt sie den Herrn von Vincke aus dem glühenden Gusse. Er kann den Athem verlieren, aber schwerlich verliert er den Faden, und so wie das Hinderniß beseitigt ist, welches ihm entgegen geworfen ward, setzt auch die Rede ihren drängenden Anlauf fort. Man kann anderer Meinung, als der Vorsteher des Kafe Milani sein, und kann beklagen, daß eine so ausgezeichnete Fähigkeit nicht im Mittelpunkt der Parlamentsbewegung, ja vielleicht nicht völlig auf der Höhe der gegenwärtigen Zeit, so weit sie eine schöpferische sein soll, wirkt. Allein die edelste Liebe zu unserem gemeinsamen deutschen Vaterlande, ein offenes Wesen gegen Freund und Feind und warme Hingebung an seinen Beruf wird Herrn von Vincke Niemand ableugnen. Zugleich wendet er niemals andere Waffen als ehrliche an, und keine leidenschaftliche Hitze reißt ihn jemals zu Aeußerungen hin, die nicht bloß der Würde, sondern auch nur dem Anstand der Versammlung erwas vergeben könnten. Ueber den Nutzen der Eisenbahnen. Unter den Werkzeugen, wodurch die Menschen das früher nie Gedachte sicher und leicht vollbringen, sind unstreitig die Dampfmaschinen und Eisenbahnen die wichtigsten und nützlichsten. Entfernte Städte und Ortschaften werden durch sie vereinigt, und Länder und Völker rücken näher an einander, wodurch Handel und Wandel ungemein erleichtert wird. Noch vor einem Dezennium brauchte man zu einer Reise von Paris nach Petersburg 4 Wochen, jetzt kaum 8 Tage. Vom Rhein nach Afrika kann man jetzt in 5, aus der Mitte von Deutschland nach New=York in 10, von der Donauquelle nach Konstantmopel in 8 Tagen gelangen. Die früher 5 monatliche gefahrvolle Reise aus Europa nach Ostindien ist jetzt zu einer 6 wöchentlichen geworden.— Wie lange wird es dauern, so wird eine Reise rund um die Erde eine kurze Sommertour sein? Nicht zu gedenken der Vortheile, welche das Reisen auf der Eisenbahn in Rücksicht auf die Gesundheit gewährt. Ein berühmter englischer Arzt, Dr. James Johnson, erklärt das Fahren auf der Eisenbahn als der Gesundheit außerordentlich zuträglich und empfiehlt diese Bewegung besonders den Einwohnern großer Städte, als ein Mittel, nachdem sie im Sommer durch die verdorbene Atmosphäre der von vielen Tausend Menschen bewohnten Städte schwach geworden, durch das Einathmen der reinen, stets neu regene rirenden Luft der Eisenbahnen wieder zu erfrischen und zu stärken. Eine tägliche Eisenbahnfahrt, wenn auch nur von einigen Meilen, sei das Heilsamste, was Hypochondristen und Reconvalescenten empfohlen werden könnte.— Selbst bei der ruhigsten Sommerluft herrscht in den fahrenden, nicht ganz verschlossenen Eisenbahnwagen ein erfrischendes, alle Poren durchdringendes Wehen.— Kein Essig, kein Chlor sei im Stande, die von Krankheitsstoffen durchdrungene Kleidung so gänzlich davon zu befreien, wie die Fahrt auf einem offenen Eisenbahnwagen. Die osaillirende Bewegung in demselben sei nicht blos gesunder, als das Rütteln und Stoßen auf gewöhnlichen Wagen, sondern auch dem Reiten bei weitem vorzuziehen. Nach dem Urtheile anderer Naturforscher soll das Fahren auf Eisenbahnen auch die Blutzirculation reguliren, die Nerven beruhigen und nach jeder Tagereise einen gesunden, kräftigen Schlaf herbeiführen. Ebenso sollen die Abwechselungen, die eine solche Fahrt gewährt, sowie die raschen Veränderungen der Scene auch auf das Gemüth einen zerstreuenden, heilsamen Einfluß ausüben. Anderer Fortschritte nicht zu gedenken. Schade, daß ein solches Reisen auf Eisenbahnen mit so vielen Kosten verbunden ist! Wie es einem armen deutschen Handwerksburschen zwischen Oesterreich und Baiern gehen konnte. Der Hannesle von Strümpfelbach, der mit dem Bruder Straubinger lang in Regensburg drein gewesen war, begleitete seinen Kameraden nach Straubing und reis'te von da Passau zu, um sich in's Oesterreichische zu schlagen. In Passau angekommen, überzählte er vor allen Dingen sein Geld, denn es ist von der löblichen Polizei die weise Einrichtung getroffen, daß jeder Handwerksbursche, wenn er die Grenze passiren will, eine bestimmte Summe Geldes aufweisen muß. Als nun der Hannesle sein Geld ein=, zwei=, dreimal überrechnet hatte, fand er zu seinem großen Vergnügen, daß ihm noch etliche Sechser über die zwei Gulden, die er auf der Grenze vorweisen mußte, für bairisch Bier übrig blieben, und es wäre gegen sein Gewissen gewesen, dieses übrige Geld noch in's Oesterreichische zu verschleppen. Er setzte sich daher in ein Bierhaus und trank in aller Gemüthsruhe verschiedene Seidel, bis die polizeiliche Summe hergestellt war. Hierauf huckte er sein Ränzchen wieder auf, griff nach Hut und Stab und wanderte wohlgemuth über die Passauer Brücke. G84 Mit dem Gelde hätte es nun schon seine Richligten gehabt, aber in's Wanderbuch machte der österreichische Grenzvisitator am jenseitigen Brückenend ein ellenlanges Gesicht hinein, so daß dem armen Hannesle der kalte Greusel den Buckel hinaufstieg, wie der Grimme Blatt um Blatt umdrehte und mit seinem langen Schnauzbart schier den Sand von der letten Seite kehrte..6 Geut. m Er Der Herr Grenzhauptmann war namlch heute ganz besonders ingrimmiger Natur; denn seine Kathel hatte ihm die Knödel versalzen, auch drückte ihn sein rechtes Hühnerauge.— Grund genug, einen armen Handwerksburschen zu schikaniren. Deshalb warf er jetzt auf den Hannesle, der demüthig mit abgezogenem Hute vor ihm stand, nachdem er ihn durch viertelstündiges Blattern auf die Folter gespannt hatte, einen jener unbeschreiblichen Blicke, die nur aus dem Auge eines deutschen oder russischen Beamten auf das gebeugte Haupt eines Unterthanen fallen können. Dieser Löwenblick hätte den Hannesle unfehlbar zu Boden geschmettert, ohne das Bewußtsein der verschiedenen Seidel Bier die er im Leibe hatte, und die ihm einigen Anhalt verliehen. „Das ist nicht in Richtigkeit,“ polterte endlich der Grenzaufseher heraus,„das muß in Passau noch einmal visirt werden. Die Unterschrift ist verlöscht und das Sigill ist nicht ausgedruckt. Mach' Er, daß Er forkkommt.“... esen“ 8 Diese letzte Ermahnung ware nicht nothig gewe#en; denn raum hatte der Hannesle sein Wanderbuch wieder in der Hand, als er über die Brücke zurückfloh, wie wenn ihn die Tarantel gestochen hätte. Aber als er nun am andern Ende der Brücke angekommen war und wieder nach Passau hinein wollte, hielt ihn der bairische Grenzaufseher an und verlangte— o Schrecken!— den Vorweis von zwei Gulden vierundzwanzig Kreuzer, und unser armer Hannesle hatte doch nur zwei Gulden.— Er nahm deshalb sein Herz in beide Hände und kehrte noch einmal an das österreichische Ende der Brücke zurück. Aber da kam er schön an. Erschrocken wandte er sich noch einmal auf die bairische Seite, aber wieder vergebens; und so lief er zwischen Baiern und Oesterreich hin und her, wie eine arme Seele, die nirgends Ruhe findet. 3 Endlich setzte er sich auf's Brückengelander und verrachtett die unter ihm wegeilende Donau. Er beneidete das freie Element, das dahinziehen darf, ohne daß ihm ein Grenzaufseher den Weg versperren kann. Er beneidete die Vögel, die über den Wellen tanzten, und die Fische, die sich lustig in die Luft schnellten, und wenn er gekonnt hätte, er ware lieber ein Hecht geworden oder eine Möve, als der Hannesle von Strümpfelbach auf der Passauer Brücke geblieben. Zuletzt packte ihn aber doch der Zorn, soweit dies nämlich einem loyalen deutschen Unterthanenherzen möglich ist, und er hatte stark im Sinn, seine Wuth an sich selber auszulassen und in die Donau zu springen. Aber zur rechten Zeit sielen ihm noch die zwei Gulden ein, die er bei sich trug, und die mannichfachen Seidel Bier, die man dafür kaufen könnte. Er hörte ganz deutlich das Klappen der Bierkrugdeckel im Ohr und in der Nase spürte er das Brillen des Schaumes— und er war gerettet.,„„ Ueber Nacht ronnte er aver doch nicht bieiven auf der Brucke, und er faßte sich deshalb noch einmal das Herz, mit dem bairischen Aufseher zu sprechen, der ihm etwas weniger Angst eingejagt hatte, als der österreichische. Er stellte ihm seine schauderhafte Lage auf's Ergrei fendste dar, und siehe, der Baier— den einige, unterdessen genossene, Seidel Bier etwas weichherzig gemacht hatten— er fühlte ein menschliches Rühren. Aber der Amtspflicht mußte Genüge gethan, es mußte irgend ein Auskunftsmittel gefunden werden, um die Strenge des Gesetzes und die Milde des Vollziehers in Einklang zu bringen. Derohalben ließ der Herr Grenzaufseher unsern armen Hannesle über die Bank legen und für die fehlenden vierundzwanzig Kreuzer vierundzwanzig Prügel aufmessen. Damit er sich aber gewiß nicht beklagen könne, bekam er noch den fünfundzwanzigsten drein. Der arme Hannesle bedankte sich für die gnädige Strafe und sagte, indem er beim Fortgehen seine beleidigten Theile rieb:„Daß muß man sagen, die Leute halten mit einer Gewissenhaftigkeit auf den Dienst, daß man es acht Tage spürt.“ Hierauf zog er wieder in Passau ein, indem er melancholisch vor sich hin sang:„Was ist des Deutschen Vaterland?“ Eine unvorhergesehene Begegnung. Der österreichische Courier erzählt nachstehenden Vorfall, den wir für einen sehr geeigneten Stoff zu einem modernen Lustspiel halten und daher Dichtern, welche nicht selten um Erfindung und Anlage einer pikanten Intrigue verlegen sind, empfehlen.— Vor ungefähr zwei Monaten— so erzählt genanntes Blatt— beschloß ein junger Pariser, Monsieur N., welcher ein sehr hübsches Vermögen besitzt, zu heirathen. Die junge Person, welche er heirathete, war bildhübsch— er betete sie an, und um sein Glück besser und ungestörter genießen zu können, beschloß der junge Ehemann, die Frau zwanzig Meilen von Paris auf das Land zu führen, und den Winter daselbst zuzubringen. Einen Monat ging es gut, aber nach ungefähr sechs Wochen wurde dieser Aufenthalt für den verliebten Gemahl so langweilig und unerträglich, daß er beschloß, um jeden Preis nach Paris zu entfliehen und dem bevorstehenden Spleen auf jede Weise zu entgehen. Allein der brave Ehemann konnte seiner jungen Frau unmöglich sagen:„Ich enpupite mich bei Dir“, daher nahm er zu einer andern Kriegslist seine Justatt Eines Tages erhielt er einen Bicf eines verbindlsgigzg,g#ene aus Brüssel.— Liebe Frau, sprach er, mit der verdrre, von der Welt, indem er der armen Getäuschten den Brief hahien, ei sehr wichtige Angelegenheit ruft mich nach Belgien; ich reise, um Dich längstens in vierzehn Tagen wieder zu umarmen. Und unter dem Vorwande, mit der Deligence nach Brussel zu fahren, reis'te der Schlaue direkt nach Paris.— Dessenungeachtet erhielt die junge Frau nach vierzehn Tagen einen Brief aus Brüssel, mit dem gehörigen Postzeichen versehen, in welchem er der theuren Gemahlin ankündigte, daß, trotz seines Wunsches, bald zurückzukehren, die Angelegenheit sich so verwickelt habe, daß er noch wenigstens drei Monate in Brüssel zubringen müsse. Die junge Frau war darüber anfangs ganz trostlos, sie weinte und da man aber nicht immer weinen kann, so dachte sie, es könne nicht schaden, wenn sie vierzehn Tage in Paris zubringen würde, ohne ihren Gatten davon zu benachrichtigen. Am nächsten Sonntag ließ sich Madame N. auf den Ball im Saale Valentino führen. Kaum eingetreten, steht sie ihrem Gatten von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Dieser konnte seinen Augen nicht trauen, glaubte, er sei im Traume, und indem er sich heftig die Augen rieb, packte er die junge Frau am Arm und schrie mit Wuth: Was machst Du hier?— Die Frau erblaßte, hatte jedoch den Muth, sich schnell zu fassen und ihre Rolle durchzuspielen.— Was wollen Sie, mein Herr, sagte sie, ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen.— Was, Du unterstehst Dich, Nichtswürdige!— Mein Herr, sagte der Begleiter der Madame N., mit welchem Rechte beleidigen Sie diese Dame, ich dulde es nicht—— Geier, diese Dame ist meine Frau!— Infamer Lügner! rief Madame N. voll Entrüstung.— Aus der Scene war ein völliger Aufstand geworden, die Polzei mischte sich darein und Herr und Wadame B. wurden vor den Commissair geführt. Mein Herr, sprach Narume N. zum Magistratsbeamten, schützen Sie mich, ich verstehe die Scene nicht, welche ein Fremder mit mir spielen will. Mein Mann ist in und ich bin so glücklich, es Ihnen sogleich beweisen zu können, denn ich habe einen Brief bei mir, welchen ich aus Brüssel empfangen habe. Und die junge Frau wies den Brief vor. Herr N. geberdete sich wie ein rasender Teufel, allein da er keine Papiere bei sich hatte, so wurde er der Verläumdung und des Betruges angeklagt und provisorisch in's Loch gesteckt. In der Nacht nahm Madame N. die Post und kehrte in die eheliche Behausung auf's Land zurück, in welcher ihr der Gatte sehr bald nachfolgte, und der Rosenmond der Liebe hat sich in einen Decembersturm umgewandelt und— Beide haben auf Scheidung geklagt. Sollten sich die Ehegatten jedoch auf eine gute und freimüthige Weise versöhnt haben, so werden wir es seiner Zeit unsern Lesern mittheilen. Herausgeber, Drucker und Verleger: Wilh. Stumpf in Bochum.