Samstag den 31. December 1898. 1. Blatt. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Abonnementspreis nebst den Gratisbeilagen„Sonntagsfreude" und„Sterne und Blumen" durch die Boten zugestellt nur 50 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen nur 1,20 pro Quartal. Nr. 299 Dritter Jahrgang. Preis für die Lspaltige Petitzeile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen entspreche nde Rabatt. Größere Anzeigen können nur bis spätestens abends 5 Uhr angenommen werden, ganz dringende Inserate bis morgens 8 Uhr. Geschäftsstelle: Witten, Hauptstraße 79. Verantwortlich für den ganzen Inhalt: H. Bringewald, Witten. Telepyon=Anschluß 130. Centrums-Organ für das Kuhrthal. Telegramm=Adresse: Volkszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringewald, Witten .„* Witten, Tieferweg 7, bringt seinm reichhaltiges Lager in AMoVern aller Art, angefertigt in meiner Werkstatt, in empfehlende Erinnerung. Für gute, solide Arbeit wird garantirt. Die Preise sind äußerst billig gestellt. 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Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. u. Sonntag den 1. Januar 189 G G Sonnabend den 31. d. Mts.(Sylvester); u. Sonntag den 1. Januar 1899: z# ausgeführt von der beliebten # Tyroler=Gesellschaft„Almrausch“. Sonntag von 12 Uhr ab: Matinee.# Genußreiche Stunden versprechend, ladet ergebenst ein M. Feters, Marktstr. 5.5 Molkerei=Süßrahm=Butter per Pfd. 120 Pfg. Frische Landbutter per Pfd. 100 und 105 Pfg. Kleine Schinken per Pfd. 53 Pfg. Wilh. Petersmann, Tieferweg 78. Klauenol räpariet für Nähmaschinen und Fahrräder von F. Möbius& Sohn, Knochenölfabrik, Haunover. 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Neben Herrn Dr. Lingens war er das einzige Mitglied der beiden Centrumsfractionen des Reichstages und preußischen Landtages, dessen parlamentarische Thätigkeit noch in die Zeit der katholischen Fraction der fünfziger Jahre zurückreicht. Seit 1873 war er ununterbrochen Mitglied beider parlamentarischer Körperschaften und zwar stets für denselben Wahlbezirk Wittlich=Berncastel. Seine Wiederwahl mit erdrückender Mehrheit gehörte dort immer zu den selbstverständlichen Dingen. Erst bei der letzten Wahl dachte er daran, mit Rücksicht auf seine 87 Jahre und die ersten Anzeichen seiner Todeskrankheit ein Mandat zum Reichstage bezw. Landtage nicht wieder anzunehmen. Eine vorübergehende Besserung ließ ihn seinen Entschluß ändern, doch war er bei Eröffnung der Reichstogssession nicht im Stande, sein Ehrenamt als Alterspräsident wahrzunehmen. In den parlamentarischen Verhandlungen ist er als Redner wenig hervorgetreten, doch war er durch seine ganze liebenswürdige und charakterfeste Persönlichkeit für das innere Leben der beiden Fractionen, deren Vorstand er angehörte, von nicht geringer Bedeutung. Bei allen Parteien ohne Unterschied erfreute sich„der alte Dieden“ der größten Beliebtheit. ( Der„Reichsanzeiger“ meldet die Ernennung des bisherigen Gesandten in Bern Frhr. v. Rotenhau zum Gesandten beim päpstlichen Stuhle. Der Unterrichtsminister Dr. Bosse besuchte im vergangenen Frühlinge das nördliche Ostpreußen, um sich persönlich von dem Stande des littanischen Religionsunterrichtes zu überzeugen. Das Ergebniß dieser Reise liegt jetzt, wie aus Tilsit gemeldet wird, in Nochstehendem vor:„Die littauischen Kinder der Unterstufe sollen, auch wenn sie der deutschen Sprache mächtig sind, die biblischen Geschichten, Gebete u. s. w. in erster Linie littauisch lernen. Die Kinder der Mittel= und Oberstufe sind im littauischen Lesen und Schreiben zu unterrichten, die religiösen Memorirstoffe, Katechismusstücke und Kirchenlieder haben sie gleichfolls litauisch zu lernen.“ Die Littauer sind gute Protestanten und haben neuerdings angefangen, den Conservativen die Gefolgschaft aufzukündigen. Darum gewährt man ihnen in der Sprachenfrage, was man den katholischen Polen verweigert. Man sagt nun zwar, die Littauer seien auch königstreu und die Polen nicht, aber wenn man es schon für nothwendig hält, die Handvoll ganz ungefährlicher Littauer in ihren Wünschen bezüglich der Sprache zufriedenzustellen, um wie viel mehr sollte man dann nicht bestrebt sein, die Millionen Polen zufrieden zu stellen! * Die Ausrüstung der gesammten Feldartillerie mit dem neuen Schnellfeuergeschütz(Modell 1896) wird der„Post“ zufolge mit dem Beginn des Jahres 1899 beendet sein. Das neue Schnellfeuergeschütz hat das Kaliber von 7,7 Centimeter und zeichnet sich durch eine große artilleristische Wirkung, wie eine hervorragende Beweglich keit und Schußgeschwindigkeit aus. Die Studien und Versuche zur Feststellung des Systems gehen bis zum Ende des vorigen Jahrzehnts hinauf, nachdem als Grundbedingung der Existenz ein kriegsbrauchbares, rauchloses Pulver hergestellt war. Ter Allerhöchste Befehl zur Bewaffnung von vier Feldartillerie=Brigaden(der Garde=, 6., 13. und 15. Brigade) mit demselben datirt vom Tage der Centenarfeier, 22. März 1897. Der Zeitraum zur Durchführung der Bewoffnung ist ein verhältnißmäßig kurzer gewesen. Die in Aussicht genommene Aufstellung einer Anzahl von Haubitz=Abtheilungen hängt von den Ergebnissen der Berathung der Militärvorlage ab, durch nelche über haupt der Feldartillerie erst eine zur Ausnutzung der vorzüglichen Bewaffnung geeignete Organisation verliehen werden soll. * Den Marine=Enthusiasten gilt das Flottengesetz schon jetzt als veroltet. Die „Berl. Neuesten Nachrichten“ mahnen, bei der Ausführung des Flottengesetzes nicht stehen zu bleiben im Ausbau der Seestreitkräfte. Die„Deutsche Volksw. Corresp.“ erklärt es für eine falsche Vorstellung, daß das deutsche Reich etwa in wenigen Jahren über eine Flotte verfüge, die seinen sonstigen Machtverhältnissen in politischer und wirthschaftlicher Beziehung angemessen sei. Do müsse man doch mit einiger Beschämung gestehen, daß hiervon nicht die Rede sein könne. Das nationalliberale Blott meint zwar, der deutsche Kriegsschiffsbau könne mit dem englischen nicht Schritt halten, aber immerhin sei doch eine Ueberflügelung der französischen Schlachtflotte möglich, um eine Weltpolitik im großen Stile zu treiben. * Zur Canalvorlage befinden sich bereits sehr umfangreiche Deukschriften im Druck, die das Ergebniß der im Auftrage der Regierung durch Sachverständige vorgenommenen Untersuchungen über die Verkehrsverhältnisse der geplanten Wasserstraße zwischen Elbe und Rhein, ihre volkswirthschaftliche und finarcielle Bedeutung, enthalten. Neben diesen Denkschriften soll dem Gesetzentwurf eine eingehende Begründung beigegeben werden, die alles Material an Thatsachen und Urtheilen entvält, für das die Regierung die volle Verantwortung übernehmen kann, während jenes zwei starke Bände füllende Material nur zur genaueren Information der Abgeordneten dienen soll. Im Reichstage ist nunmehr die Denkschrift über die Entwickelung Kameruns im Jahre 1897/98 zur Vertheilung gelangt. In der allgemeinen Uebersicht heißt es, daß in dem Berichtsjahre fast auf allen Gebieten ein bedeutender Fortschritt hervorgetreten sei. Für die Zukunft der Colonie sei es von größter Bedeutung, daß endlich das deutsche Capital seine bisher geübte Zurückhaltung aufgegeben und sich mit Energie auf die Hebung der in dem jungfräulichen Boden Kameruns ruhenden Schätze geworfen habe. Dem Handel sei durch die Unterwerfung der Baues und Bulis neue Absatzgebiete geschaffen, aber auch die längst von europäischen Handelsbäusern in Bearbeitung genommenen Flußgebiete des Mungo, Wuri, Abo und Sannaga hätten im vergangenen Berichtsjahre gezeigt, wie sehr auch in ihnen der Handel noch weiterer Ausdehnung fähig sei, so daß, wenn Friede und Ordnung aufrecht erhalten blieben, das Schutzgebiet auf allen Gebieten eine gedeihliche Entwickelung verspreche. * Am 5. Januar wird in Berlin eine Conferenz behufs Berathung einer Reform der Prüfungsordnung für Aerzte im deutschen Reiche zusammentretev. Als Grundlage der Berathungen wird ein schon vor Jahresfrist ausgearbeiteter Entwurf einer Vorlage für den Bundesrath dienen, der neuerdings einige Abänderungen erfahren hat. Die geplante Reform soll sich in der Ricktung bewegen, daß von den zu prüfenden Candidaten eingehendere Kenntnisse in der Psychiatrie, Hygiene und Bacteriologie gefordert werden und daß vor Allem die jungen Verzte nach bestandener Staatsprüfung ein sogenanntes„practisches Jahr“ an einer Universitätsklinik oder an einem von der Behörde bezeichneten öffentlichen Krankenhause zu absolviren haben, bevor ihnen die Approbation als Arzt ausgehändigt wird. Gemäß den Wünschen der ärztlichen Standesvertretungen soll auch erwogen werden, wie dem unberechtigten Mißbrauch der Bezeichnung„Specialarzt“ entgegengetreten werden könne und ob es sich empfehle, die Führung dieses Titels abbängig zu machen von dem Nachweis eingehender specialistischer Studien bezw. dem Nachweis einer mehrjährigen Assistentenzeit an einer specialistischen Klinik. Endlich soll, wie die„Nat.=Ztg.“ bört, die MedicinalConferenz, gleich der Rectoren=Conferenz, ein Gutachten über die Zulassung von Frauen zum Studium der Mediein an deutschen Universitäten abgeben. ? Der Character als Geheimer Commereienrath ist jüngst dem deutschen Großindustriellen Julius van der Zypen verliehen worden. Die Presse hat viel Aufhebens davon gemacht, daß Herr van der Zypen gleich Gebeimer Commerzienrath geworden ist, während sonst nur Personen dieser hohen Auszeich# gewürdigt werden, die zuerst Commercienräthe gewesen sind. Die„Post“ klärt uns nun auf, warum mit ihm eine Ausnahme gemacht worden ist. Herr van der Zypen ist Geheimer Commereienrath geworden, weil er in den letzten Jahren bei der Agitation für das Flottengesetz, bei der Gründung des Flottenvereins und bei ähnlichen Anlässen patriotischen(Stun und Opferwilligkeit bewiesen habe. Das wird gewiß ein Ansporn sein für die Macher im Deutschen Flottenverein, ihre Anstrengungen zu Gunsten einer neuen Flottenvorlage zu verdoppeln und zu verdreifachen. Die„Frs. Ztg.“ demerkt zu der Ernennung:„Herrn van der Zypen in Köln ist der Titel eines Geheimen Cemmercienraths verliehen worden in Anerkennung des Umstandes, daß derselbe sich bereit erklärt hat, auf Anregung des Oberpräsidenten v. Goßler zur Hebung der Industrie des Ostens in Danzig eine Waggonfobrik zu errichten. von der Zypen ist bekanntlich Theilhaber der Firmo, welche die große Waggonfobrik in Deutz bei Köln besitzt. Den einfachen Titel „Commereienrath“ hatte van der Zypen als unzureichend abgelehnt.“ * München, 28. Dee. Der Delegirtentag der bayerischen Centrumspartei war außerordentlich stark besucht. Ueber die Verhandlung meldet die„Cöln. Vztg.: Abg. Pichler berichtete über die Portei=Organisation. Der von ihm vorgelegte Organisations=Entwurf wurde einstimmig angenommen. Danach soll die Organisation bestehen aus den örtlichen Vertrauensmännern, den Bezirks=Obmännern, den Kreis=Ausschüssen und einem Central=Ausschuß. Es wurde eine Cowmission aus den Centrums=Abgeordneten beider LandtagsAusschüsse eingesetzt, um das Orgarisations=Stotut festzustellen und den Central=Ausschuß zu bilden. Diesem sollen unter Leitung der beiden Vorsitzenden der Landtags=Fraction insbesondere die Vorsitzenden der sieben Kreis=Ausschüsse angehören. Abg. Schädler berichtete über das Wahlprogramm. Die Fraction wird demnächst einen RechenschaftBericht über die Legislaturperiode ausgeben. Abg. Daller behandelte die Preß=Frage. Die ParteiLeitung müsse in München ein Organ haben, welches in engster Fühlung mit den Fractionsführern stehe und ihre Anschauungen auch tactisch vertrete. Er empfahl als solches die„Neue bayerische Zeitung.“ Die Fraction habe zur Sache noch keinen Beschluß gefaßt, trete auch in keine Verbindlichkeit ein. Daller und andere Redner widmeten der„Augsburger Post=Zeitung“ Worte warmer Anerkennung. Ueber den„Bayerischen Courier" entstand eine längere Debatte, Abg. Orterer sprach im Sinne Daller's. * Wien, 28. Dec. Heute wurden die Landtage der österreichischen Kronländer mit einer gleichlautenden kaiserlichen Botschaft eröffnet, in welcher der Dank des Kaisers für die zum Regierungsjubiläum ihm dargebrachten Huldigungen ausgesprochen wird und die Landtage zum einmüthigen und versöhnlichen Zusommenwirken aller Parteien und Völker aufgefordert werden. * Paris, 28. Der. Der nationalistische Abg. Millevoye hat an den Justizminister einen Brief gerichtet, in dem er diesen davon in Kenntniß setzt, daß Unregelmäßigkeiten in dem Revisionsverfahren des Dreyfusprocesses begangen worden seien. Er werde den Minister beim Wiederzusammentritt der Kammer darüber interpelliren, welche Maßregeln die Regierung zu ergreifen gedenke, um dem Gesetze Achtung zu verschaffen und gewisse Richter zu ihrer Pflicht zurückzurufen. Der antisemitische Abg. Firmin Faure wird den Ministerpräsidenten Dupuy über denselben Gegenstand interpelliren. Die beiden Interpellationen sind gegen den Berichterstatter des Cassationshofes Bard gerichtet, den die Gegner Dreyfus' seit der Eröffnung des Revisionsverfahrens vor dem Cassationshose mit Erbitterung befehden und aus dem Amte zu verdrängen suchen. Sie beschuldigen ihn, beim Zeugenvernehmen parteiisch verfahren zu sein und mit Piequort vertraulich verkehrt zu haben. Was von diesen Beschuldigungen übrig bleiben wird, muß die Zukunft lehren. * London, 28. Dec.„Daily Mail“ meldet aus Washington, Mae Kinley habe beschlossen, daß die amerikanische Flagge vom 1. Jonuar ab ohne besondere Feierlichkeit auf Cuba gehißt werde. * Rom, 28. Der. Die Zeitung„Faufulla“ veröffentlicht ein Interview mit dem Cavaliere Centra, dem bekannten Leibkämmerer des Papstes. Centra erklärt, der Papst sei nicht nur beständig bester Laune, sondern lese, schreibe, diltire und studire alle das Interesse der Kirche berührenden Fragen fortwährend; seine Augen seien so vortrefflich, daß er bei dem Licht einer einzigen Kerze selbst die kleinsten Schriftzüge zu lesen vermöge. Mit seiner Umgebung scherze er oft so fein, daß die Prälaten zuerst nicht einmal verstehen, was der Papst sagen wolle. Niemals war das Befinden des Papstes so ausgezeichnet wie gegenwärtig, seit einigen Wochen fühle er sich fast wie neugeboren. Zum Beweise für die Arbeitskraft des Papstes beschreibt Centra die Thätigkeit Leo's XIII. im Laufe des * Am Sylvesterabend. Kalender du, dort an der Wand, Ein Datumblatt nur zeigst du mehr; Das letzte Blatt ist Dir geblieben. Bald hängst Du gänzlich blätterleer: Das letzte Blatt von meiner Hand Gedankenlos zerrieben! Allabendlich zur Dämmerzeit Nahm ich ein Blatt von deinem Buch: Gewohnheitsmäßig kam ich immer, War mir ein Tag nicht lang genug, Verhießest du mir trostbereit Bald neuen Morgenschimmer. Den letzten Tag des Jahres nennt Mir stumm das eine Datumblatt: Schon schlägt des Jahres letzte Stunde, Die Hand, die sich erhoben hat, Sie stockt, bevor das Blatt sie trennt, Das letzte Blatt vom Bunde. Kalender du, dort an der Wand, Ein Ruck— und meine Hand, sie hat Das letzte Blatt dir fortgenommen. So nimmt das letzte Lebensblatt Auch mir dereinst die Schöpferhand, Und Neujahr ist gekommen. man betet. Eine Neujahrsgeschichte von J. S. Das Nachstehende soll dem Andenken eines Meßners, oder wie man sie im Rheinlande nennt, Geschichte passirt ist, eines Küsters, gewidmet sein, braven wo die zugleich schichte passirt ist, eines Küsters, gewidmet sein, z##### aber ebenso auch der Ehre einer Mutter, welche ihre Kinder das Beste gelehrt hat, was eine Mutter denselben beizubringen vermag, nämlich das innige, vertrauensvolle Beten. Die um mit ihr anzufangen, war die Wittwe eines Schlosserv, welcher früher in guten Verhältnissen gelebt hatte, aber durch Leichtsinn und Trunkenheit völlig heruntergekommen war. Sein armes Weib hatte viel von ihm ausgestanden, hatte aber nach außen hin stets noch Partei für ihren Mann genommen. Und, wie die Welt einmal ist, anstatt, daß man ihr dies hoch anrechnete, wurde sie mit ihrem Manne verurtheilt, trotzdem sie sich durch Fleiß, Sittsamkeit und besonders durch eine gute Erziehung ihrer Kinder vor vielen ihrer Standesgenossen auszeichnete. Als ihr Mann an der Auszehrung starb, arbeitete sie Tag und Nacht, um ihre Kinder ehrlich und gut zu erziehen Allein der schlechte Name ihres Mannes wirkte noch überall nach, so daß viele Leute Bedenken trugen, die Wittwe in Arbeit zzu nehmen, wenn man auch ihr persönlich nichts vorwersen konnte. In Folge dessen mußte sie mit ihren Kindern an manchen Tagen arge Noth leiden. Allein sie ließ nicht nach mit Beten. Und ihre kleinen Kinder mußten kräftig mitbeten um die so nöthige Arbeit. Und es war nicht umsonst. Sie bekam bei einer Fawilie viel Arbeit. Aber nachdem sie im ersten Monate stets gleich ihr Geld bekommen hatte, wurde ihr im Laufe des November mitgetheilt, sie werde nächstens erst am Anfange des Vierteljahres ihren ganzen Verdienst zu: sammen ausbezahlt bekommen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf sie diese Bemerkung. Was nun anfangen? Sie wollte gerne Einwendungen machen, aber sie befürchtete, auch diese Kundschaft wieder zu verlieren. Sie arbeitete also weiter und litt dabei große Noth. Doch war sie wenigstens froh, daß sie überhaupt Arbeit hatte. So kam der Nikolaustag. Der heilige Mann brachte vielen Kindern Vieles: aber dem kleinen Peter der Wittwe und deren Maria brachte er Nichts. „Mama“, sagte der kleine Peter,„kommt der heilige Mann zu uns nicht? Ich war doch auch recht brav und die Maria auch.“ „Geduld, o Kind“, tröstete die arme Mutter,„der heilige Mann wartet in manchen Häusern etwas länger. Er will erst sehen, ob auch die Kinder brav bleiben. Betet darum, der heilige Mann möge machen, daß Ihr immer brav bleibet, das ist die schönste Gabe. Dann bringt Euch wohl das Christkind Etwas.“ Peter schwieg; er wollte die Sache nicht ganz nach seiner Meinung finden; aber er und seine Schwester beteten herzlich, der heilige Mann möge sie brav erhalten. Und das that er auch. Weihnachten kam und tausend Christbäume standen in tausend Stuben, und Zehntausende von Kindern jubelten. Aber Peter und Marichen gingen wieder leer aus. Und wieder fragte er die Mutter, warum das Christkindlein, das doch so gut sei, sie vergessen habe? Und die Mutter tröstete die Kinder:„Das Christkind will seben, ob Ihr auch Geduld habt und ohne Belohnung brav sein könnt. Betet um Geduld und ein reines Herz, das schenkt Euch das Jesuskind gewiß. Wenn dann sein Namenstag ist, um Neujahr, dann mag es Dir was bringen und der Maria.“ Und die Kinder beteten wieder und waren zufrieden. Der Sylvesterabend war da, die Zahlungen aber nicht, und die Kinder sagten diesmal Nichts, sie schauten nur stumm ihre Mutter an. Diese konnte es nicht mehr ertragen. Unter Thränen umarmte sie die Kinder, sagte ihnen, sie sollten brav beisammen bleiben und etwas beten; sie habe noch einen Gang zu machen. Und dann eilte sie fort, zum Oite, wo alle Betrübten stets noch die letzte Zuflucht gefunden haben:— in die Kirche. Während des Neujahrsschlußgottesdienstes kniete sie an einem Altare seitwärts und betete voller Inbrunst. Ihre Kinder aber beteten unter essen dah im. Die Kirche war aus, die Mutter halb todt vor Hunger und Wehe, ließ ihren Thränen freien Lauf. Und ihre Erlösung nahte! Während sie glaubte, von den Mei schen nicht beachtet zu werden, hatte der alte Küster ihr Seufzen und Schluchzen gehört. In dem Gedanken, sie sei eine Person, welche zu beichten wünsche und Gewissensangst habe, kam er zu ihr:„Wenn Sie beichten wollen, der Herr Kaplan ist noch da, machen Sie aber voran, er ist gleich fertig, nur noch ein Beichtkind ist da.“ Dann fuhr er in seiner Beschäftigung, die Stühle abzustauben, fort. Aber unwillkürlich richtete er immer wieder seinen Blick auf die Frau. Da,— auf einmal sinkt diese zusammen,— sie war ohnmächtig geworden. Mit Hülfe zweier Frauen, die noch in der Kirche knieten, brachte der Küster die Arme in die frische Luft, aber sie blieb auch draußen regungslos. Deshalb ließ sie der gute Alte in seine Wohnung bringen. Als man sie in dem warmen Stübchen auf einen Stuhl gesetzt hatte, merkte man, daß sie etwas zu sich kam. Melissengeist half mit, und bald schlug sie die Augen auf. Dann rief sie:„Peterchen, nicht sterben,— wart', ich bring' was!— Hast Du noch Hunger?“— Dann ward sie wieder ohnmächtig. Da wußte der Küster, woran er war. Er holte schnell etwas Wein, um die Arme zu stärken. Nach Verlauf einer guten halben Stunde war sie wieder ganz zu sich gekommen. Ste dankte und wollte sich empfehlen. Aber wenn man einmal ein gutes Werk angefangen hat, so läßt es Einen nicht ruhen, bis man damit zu Ende ist. Und so hielt der alte Küster sie zurück.„Frau“, sagte er im herzlichsten Tone,„Ihr seht so schlecht aus, habt Ihr vielVormittags, wo er sich nicht nur mit der Lektür der italienischen und auswärtigen Zeitungen be## schäftige, sondern auch Telegramme an die Nuntien## und Bischöse redigire und den Cardinalscongre## gationen präsidire. Sein Gedächtniß endlich set so wunderbar, daß er sich selbst der fernsten Ereig### nisse und Daten mit absoluter Sicherheit erinneren# Locases und Provinzielles. ∆ Witten, 31. Dec. Wie die Wilden geber. deten sich in der Nacht zum 5. September er. der Arbeiter Fritz A., der Bergmann Heinrich A. un der Bergmann Otto A., alle drei Gebrüder, sow der Arbeiter Heinrich W., sämmtlich von hie Ersterer und Letzterer z. Z. in Bochum in Untersuchungshaft, die sich wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung vorgestern vor der Bochume Strafkammer zu verantworten hatten. Heinrih A. ist bereits 15 und W. 5 Mal vorbestraft. jener Nacht befanden sich die Angeklagten in einer Wirthschaft, wo es zum Wortwechsel kam, der zu Thätlichkeiten führte. Dort schlug Fritz A. den Wilhelm F. mit einem Stock auf den Kopf u Arm. Auf dem Heimwege überfielen sie die Bergarbeiter Heinrich und Valentin D. und Bernhard sowie dessen Ehefrau und mißhandelten sie in jämmerlicher Weise, wobei der alte H. schrecklich zugerichtet wurde. Dieser erlitt Verletzungen von 1, 4, 5, 6, 8 und 10 Centimeter Länge. Es wurde# erkannt: gegen den Hauptanführer Fritz A. auf Jahre, gegen Heinrich A. auf 9, gegen Otto A. au 3 Monate und gegen W. auf 1½ Jahr Gefängniß.] 2— Die diesjährige Weihnachtsfeie im„Katholischen Arbeiter=Verein findet morgen im großen Saale des katholischen Gesellenhauses statt. Die Feier wird in Ansprache, Aufführung eines Weihnachtsspiels und KinderBescheerung bestehen. Näheres siehe Inserat. *— Auf der Ardeystraße wurde gestern Vormittag ein fast erblindeter Hausirer von einem auswärtigen Hauderer überfahrer. Zum Glüc trug der Ueberfohrene nur geringe Verletzung davon. 8- Wegen Thierquälerei wird sich dem nächst ein Knecht eines hiesigen Fuhrunternehner# vor Gericht zu verantworten haben. Derselbe miß handelte seine ihm anvertrauten Pfeede in der brutalsten Weise. Der schwer beladene Wagen war in eine Vertiefung gerothen, in Folge dessen die Pferde nicht in der Lage waren, denselben herauszuziehen. Eine exemplarische Strafe wäre für diesen Menschenz wohl am Platze. =— Der Arbeitsanstalt Benninghausen zugeführt wurde gestern die Ehefrau Br. von Annen, welche vom hiesigen Amtsgericht wegen gewerbsmäßiger Unzucht zu 3 Wochen Haft und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde verurtheilt war. Die Uebergeführte ist erst vor kurzer Zeit aus der genannten Anstalt entlassen worder, Hoffentlich wir dieser Cursus von Erfolg gekrönt sein. *.— Auf der Johannisstraße wurde vorgester: Abend ein Pole verhaftet, der in total betrunkene Zustande einen furchtbaren Scandal gemacht un dadurch einen Menschenauflauf herbeigeführt hatte. *— Die Rechnung der Westfälische Wittwen= und Waisen=Versorgungs=Kass für 1897/98 schließt ab in Einnahme mit 203 454,20 Mk., in Ausgabe mit 201 268,82 Mk., also mit einem Bestande von 2185,38 Mk. Das Vermögen der Kasse beträgt einschließlich des Bestandes 1 167 037,92 Mark. An Wittwengeld wurden i abgelaufenen Jahre 54014,17 Mark, an Waisengeld 12 881,09 Mark gezahlt. *— Wegen des Neujahrstages erfolgt die Aus zahlung der Unfall=, Invaliden= und Altersrente erst am 2. Januar. *— Die Zahl der Unfall=, Invaliditätsund Altersrenten hat im Deutschen Reich während des Jahres 1898 bereits die erste Million erreicht. § Heven, 30. Der. Der hiesige Bürger Verein veranstaltet morgen Abend in seiner Vereinslocale eine Sylvesterfeier. Xc kommern, 31. Dec. Der biesige„Kath lische=Arbeiter=Verein“ feiert morgen Vereinslocale seine diesjährige Weihnachts= Feirs. Damen aus unserer Gemeinde werden bei dieser Gelegenheit ein Weihnachtsspiel:„Die Geburt Christi“ aufführen. Näheres im Inseratentheil. * Annen, 30. Dee. Eine schöne und segensreiche Einrichtung wurde von der Gewerkschaft der Zechen„Hamburg" und„Franziska“ getroffen. Sie leicht Noth gelitten? Ihr braucht Euch nicht zu geniren Wir sind zwar nicht reich, aber wenn wir etwas thun können, thun wir es Gott zu lieb gern.“ Der Ton, in dem diese Worte gesprochen wurden, offenbarte ein so theilnehmendes Herz, daß die arme Frau einer solchen Güte gegenüber sich nicht mehr zurückhielt. Sie erzählte alles, was sie gelitten hatte. „Nun ist es gut, daß Gott alles so gefügt hat. Wir haben noch Manches hier von der Weihnachtsbescheerung, damit können wir Enern Kleinen eine Freude machen. Daß Ihr morgen etwas zu essen habt, dafür wird meine Frau auch sorgen.“ Schuell wurde von der Frau des Küsters in einem Korbe alles Nöthige zusammengepackt: Brod, Fleisch, Mehl und Vieles für die Kinder. Mit Thränen des Dankes in den Augen und großer Freude im Herzen eilte die arme Frau nach Hause. Ihr erster Blick daselbst fiel auf die schlafenden Kinder. Als wenn himmlische Seligkeit ihn umfangen hätte, so schön war das Gesicht Peters, der im Traume lag. Nach dem sie ihre Liebling= nochmals gesegnet, begab sie sich geräuschlos ins andere Zimmer, um ihre Schätze auszupacken und zu ordnen. Eine solche Freude, wie an diesem Abende, hatte sie lange nicht mehr empfunden; wie alles auf dem Tische sie anlachte und wie sie sich im Geist: die Freude vorstellte, die ihren Kleinen damit bereitet wurde, sank siel unwillkürlich in die Knie, um Gott dem Herrn und ihrem Wohlthäter aus innerstem Herzen zu danken. Und als siel bereits zur Ruhe sich begeben hatte, wogte es immer noch in ihrer Brust, daß sie Anfangs nicht einschlafen konnte. Das alte Jahr zog ab, des neuen Jahres erster Tog kam berauf und wie er in die Stube der Wittwe strahlte, so beleuchtete er eitel Freude, Jubel und Wonne. Einige Tage später war der Miethszins fällig. Durch die Vermittelung des braven Küsters ward der armen Wittwe geholfen. Sie fand auch sortan Hülfe. Das Beste kommt aber noch. Der kleine Peter von damals ist unterdeß ein kräftiger Jüngling geworden und ist auf dem besten Wege, Geistlicher zu wirden. Nachdem nämlich durch den alten Küster die Aufmerksamkeit der geistlichen Herren auf die arme Familie gelenkt war, wurde u. A. auch vermittelt, daß Peter, der in der Schule schöne Anlagen des Geistes und des Herzens zeigte, nachdem er seine erste hl. Communion empfangen, in eine höhere geistliche Lehranstalt gebracht wurde, wo er jetzt noch als fleißiger und braver Student weilt. Und wenn dann sein Mütterlein einst bei der ersten heiligen Messe ihn am Altare schant, so mag sie Gott danken dafür, daß er ihr die Tugend des Betens für sich und ihre Kinder gegeben hat. besteht derin, daß vom 1. Januar an nicht nur die dort beschäftigten Arbeiter, sondern auch die Familienangehörigen der verheiratheten Arbeiter in Krankheit=fällen freie ärztliche Behandlung erhalten. &a Langendreer, 30. Dee. Gestern fanden hier die Gemeinderathswahlen der ersten und zweiten Abtheilung statt. Von 187 Wahlbereatigten der zweiten Abtheilung haben 138 gewählt; davon entfielen auf Kaufmann von Berge 55 und auf Bauunternehmer Aug. Krämer 83 Stimmen. In der ersten Abtheilung waren 13 wahlberechtigt; es erhielten Brauereibesitzer A. Müser 5 und Kaufmann Alb. Kersten 8 Stimmen.— Der Termin zur landesherrlichen Abnahme der electrischen Straßenbahn ist auf den 4. Januar kommenden Jahres angesetzt. ) Bochum, 30. Dee. Das Amtsblott des Reichspostamtes meldet: Vom 1. Januar 1899 ab wird der Meistbetrag der Nachnahmen auf Postfrachtstücke im Verkehr zwischen Deutschland und den folgenden Ländern auf 800 Mark erhöht: Belgien, Frankreich, Großbritannien und Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen. Oesterreich= Ungarn, Schweden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika. 9— Der Werkmeister=Bezirks=Verein von Bochum und Umgegend beschloß in seiner letzten Versammlung, die nächste Monatsversammlung am Sonntag, 8. Januor, Nachmittags 4 Uhr, im Vietoria=Hotel abzuhalten. Anschließend hieran soll um 5 Uhr ebendaselbst eine Wahlkreisversammlung der Vereine Steele, Hattingen und Bochum stattfinden, in der unter Anderem auch die Wahl des Delegirten und dessen Stellvertreters für den im nächsten Jahre zu Ostern in Eisenach stattfindenden Delegirtentag des deutschen Werkmeisterverbandes gewählt werden sollen. r1— In der gestrigen Sitzung der Strafkammer wurde verhandelt: gegen den Bergmann Wilhelm D. von Gerthe, der sich wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten hatte. Ungeachtet des bergpolizeilichen Verbots, ließ der Angeklagte, der auf Zeche„Lothringen" beschäfrigt war, den Förderkorb mit 11 Mann herunter, wodurch der Bergmann Wilhelm Qu. einen Beinbruch erlitt und vom Tage des Unfalles an, vom 1. October bis 13. December cr., im Krankenhause war. Der Angeklagte erhielt 30 Mark Geldbuße ev. je 5 Mark 1 Tag Gefängniß.— Wegen Pfar dverschleppung bezw. Beihülfe standen unter Anklage die Gebrüder Bergmann Heinrich C. und der Schuhmacher und Fuhrmann Wilh. C. jr. sowie deren Vater Wilhelm C. sen., sämmtlich von Gerthe. Letzerer hatte seinen Kotten nebst Inventar und Viehstand dem Ersteren übertragen, jedoch hatte der Vater sich das Verfügungsrecht vorbehalten. Als Heinrich C. stark in Schulden gerathen, und am 21. Mai und 18. Juli cr. durch den Gerichtsvollzieher Wölker bei ihm mehrere Mobilien, als: Sopha, Stühle, Tische, Decken, sowie Wagen und Kühe gepfändet waren, nahm der alte C. die Pfandobjecte als sein Eigenthum in Anspruch und ließ sie durch seine beiden Söhne fortschaffen, anstatt zuerst Interventionsklage zu erheben. Er glaubte auch heute noch, dazu nicht verpflichtet zu sein, weil er Eigenthümer sei. Wilhelm C. jr. behauptet, es sei ihm bei Fortschaffung der Sachen von einer Pfändung nichts bekannt gewesen, was auch nicht erwiesen wurde, so daß gegen ihn auf Freisprechung, gegen Heinrich C. auf eine Woche und gegen Wilhelm C. sen. auf 3 Tage Gefängniß erkannt wurde.— Unter Ausschluß der Oeffertlichkeit wurde der Bergmann Samuel B. von Weitmar wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit zu 7 Monaten Gefängniß verurtheilt.— Wegen versuchter Nöthigung wurde der wegen weiter Ortsentfernung vom Erscheinen in der Hauptverhandlung entbundene Viehtreiber Reinhold D., früher in Recklinghausen, jetzt in Berlin wohnhaft, zu einer Woche Gefängniß verurtheilt.— Der Bergmann Paul E. von Bruch, z. Z. hier in Untersuchungshaft, war angeklagt, am 16. November cr. ohne Erlaubniß einen Revolver mit sich geführt und auf den Bergmann Heinrich B. einen Revolverschuß abgefeuert zu haben, der glücklicher Weise aber nicht getroffen hatte. Da Angeklagter vorher stark gereizt und verprügelt worden war, so ließ der Gerichtsbof Milte walten und verurtheilte ihn zu nur 30 Mark Geldbuße und 4 Wochen Gefängniß. Beide Strafen wurden durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet.— Eine geladene und nicht erschienene Zeugin wurde in 10 Mark Ordnungsstrafe event. 2 Tagen Haft genommen. O Riemke, 30. Der. Der Werkmeister Hrch. D. und der Schlosser Carl N., beide von hier, Letzterer z. Z. in Untersuchungshaft in Bochum, waren s. Z. auf dem Siebeckschen Stanzwerke beschäftigt. Im Verlaufe seiner 3jährigen Beschäftigung stahl N. von dem Werke fortgesetzt eine große Menge Handwerkszeuge, als Schraubstöcke, Flaschenzüge, Schraubenschlüssel, Feilen, Zangen, Hämmer, Ambösse und Stahl 2c., wozu D. Beihülfe geleistet haben soll. Obschon der Verdacht schon lange entstand, daß auf dem Werke Unredlichkeiten getrieben wurden, so führte erst eine Annonce, wonach die Gegenstände zum Verkauf augeboten wurden, auf die Spur und der Dieb wurde in der Person des N. ermittelt. Bei einer vorgenommenen Haussuchung wurde ein ganzer Wagen voll der gestohlenen Handwerkszeuge und Stahl 2c. in der Wohnung des N. vorgefunden und conficirt. Einzelne Theile waren mit Farbe bestrichen, um sie unkenntlich zu machen. Gestern kam die Sache vor der Bochumer Strafkammer zur Verhandlung. Angeklagter N. sucht den D. sehr stark zu belasten und behauptet, sie hätten gemeinschaftlich eine Fabrik errichten wollen, was D., der gegenwärtig eine sehr schöne einträgliche Stelle bekleidet, ganz entschieden bestreitet. Da Letzterer nar von N. belastet wurde, so wurde gegen ihn mangels ausreichender Beweise auf Freisprechung und gegen N. auf 4 Monate Gefängniß erkannt.— Der Bergmann Victor D. von hier, ein Bursche im Alter von 18 Jahren, z. Z. in Untersuchungshaft, hatte sich ebenfalls gestern und zwar wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Ohne Anlaß bearbeitete der junge Mensch mittelst eines Messers am 8. d. Mts. den Bergmann Emil O. dermaßen, daß dieser 14 Tage im Krankenhause zubringen mußte, und die erhaltenen Stiche von 2, 3. 5, 6 und 9 Centimeter Länge bis heute nicht geheilt sind. Das Gericht verurtheilte den gefährlichen Messerhelden zu der xewplarischen, aber wohlverdienten Strafe von wei Jahren Gefängniß. * Wanne, 28. Der. Zwei Leute aus Sodingen bei Herne, die hier zum Besuche weilten, wurden in der Alleestraße von mehreren Burschen überfallen und durch Messerstiche arg zugerichtet. Die Thäter sind gestern Morgen verhaftet worden.— Die Personentarife auf den preußischen Staatsbahnen weisen manchem gewöhnlichen Sterblichen unverständliche Einzelheiten auf. So kostet eine Fahrkarte vierter Klasse von hier nach Aachen 2,70 Mark, von Bruch nach Aachen dogegen 3,40 Mark. Von Bruch nach Wanne kostet ein Billet vierter Klasse 0,10 Mark. Warum nun der Preis für diese Bruch=Wanne=Strecke bei einer längeren Fehrt mit 0,70 Mark berechnet wird, ist einfgch unbegreiflich. Wahrscheinlich liegt hier ein Fehler vor.— Die Verwaltung der Zeche„Pluto“ gibt ihren Arbeitern durch Anschlag bekannt, daß demnächst eine Familienkraukenkasse eingeführt werden soll in der Weise, daß Seitens der Zechenverwaltung die Aerztekosten und Seitens der Arbeiter die Arneikosten bei Erkrankungen der Familienangehörigen getragen werden. Die Arbeiter haben sonst keinerlei Beiträge zur Kasse zu zahlen. &ac Günnigfeld, 30. Dee. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, soll die Canalisirung unserer Gemeinde bold in Angriff genommen werden. Der projectirte Plan siebt den beträchtlichen Kostenaufwand von über 200000 M. vor.— Im„Sankt Joseph= ArbeiterVerein“ werden in diesem Jahre über 400 Kinder zu Neujahr bescheert werden. Es werden von den Kindern drei schöne Weihnachtsspiele aufgeführt werden und zwar: 1.„Die Ankunft der Hirten“, 2.„Die heiligen drei Könige", 3.„Der Schutzengel in der Christnocht“. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß alle Kinder nur durch Vorzeigen der Stempelkarte Zutritt haben. * Braubauerschaft, 28. Dee. Die beiden Kinder eines hiesigen Arztes vergnügten sich damit, in einem unbewachten Augenblick mit Streich= hölzern zu spielen. Plötzlich standen die Kleider des vierjährigen Mädchens in hellen Flammen und nur dem energischen Eingreifen des gerade heimkehrenden Vaters ist es zu verdanken, daß die Sache nicht schlimmer geworden ist. Immerhin hat das Kind bedeutende Brandwunden, besonders an den Armen erlitten; auch der Vater hat sich erheblich verbrannt. * Buer, 28. Dec. Am zweiten Weihnachtsfeiertage ist in dem um Schloß Berge liegenden Teich der 17jährige Bäckerlehrling H. Schlatholt, Sohn des Wirthes Schlatholt von hier, ertrunken. Der junge Mann lief auf dem zugefrorenen Wasser Schlittschuh, wobei er plötzlich einbrach. Er wurde durch den ebenfolls erst 17jährigen Grafen Max v. Kleist unmittelbar nach dem Einbrechen aus dem Wasser gezogen, war aber bereits tobt. * Münster, 28. Der. Die Unterrichtsverwaltung schreitet auch im Regierungsbezirke Münster dazu, an den sechsklassigen Schulen Lehrer zu Rectoren zu ernennen. In hiesiger Stadt ist diese Einrichtung für St. Mauris, St. Joseph und Uppenberg geplant. Die Localschulinspection wird für die betreffenden Systeme überflüssig. Auch aus Bocholt hört man von demselben Vorgehen der Regierung. * Essen, 29. Dec. Heute Morgen hatte sich vor der Strafkammer die Ehefrau des Zimmerwanns Karl Grabosch aus Essen wegen Majestätsbeleidigung zu verantworten. Die Angeklagte hatte ihre beiden Kinder mit auf die Anklagebank gebracht. Im October v. Is. soll dieselbe in der Wohnung ihres Schwagers Weiß, als letzterer gerade etwas über den Kaiser aus der Zeitung vorlas, über den Kaiser und dessen Familie beleidigende Aeußerungen gethau haben. Die Verhandlung war öffentlich. Die Angeklagte bestritt ihre Schuld. Da der einzige Zeuge Weiß als Schwager von lem Rechte der Zeugnißverweigerung Gebrauch machte, erkannte laut„Rh.-Westf. Zig.“, das Gericht auf Freisprechung. * Barmen, 29. Dec. In der Stadtverordnetenversammlung berichtete Bürgermeister Brodzina über den Fund von Bacterien in dem Wasser der städtischen Leitung. Unter den vielen Bacterien hätten sich auch solche befunden, die als krankheiterregend bekannt seien. Die bacteriologische Untersuchung des Wassers, bei der das Vorhandensein der Bacterien festgestellt wurde, ist dadurch veranlaßt worden, daß ein Arzt sehr viele Typhusfälle zu behandeln hatte, woraus er den Verdacht schöpfte, daß die Typhuserkrankungen durch das Wasser der Wasserleitung hervorgerufen werden könnten. Eine Anfrage bei der städtischen Behörde ergab, daß seit Juli keine bacteriologische Untersuchung des Wassers mehr vorgenommen worden war. Eine am 13. ds. angeordnete Untersuchung förderte in der That die Bakterien zu Tage. Um ein ganz genaues Ergebniß zu erzielen, wandte sich die städtische Behörde für eine wiederholte bacteriologische Untersuchung des Wassers an die landwirthschaftliche Untersuchungsanstalt in Bonn. Diese lehnte den Auftrag aber wegen Arbeitsüberbürdung ab. Neuerdings trat die Behörde mit dem chemischen Institut in Bonn in Verbindung. Die Bacterien werden auf den niedrigen Grundwasserstand zurückgeführt; man hofft, daß sie beim Steigen wieder verschwinden. Von Abwendungsmaßregeln ist vorläufig noch abgesehen worden. Allgemeine Heiterkeit erregte es, als der Stadtverordnete Horst die Frage aufwarf, ob das im Sitzungssaale für die Stadtverordneten vorgesehene Trinkwasser gekocht sei, und von der Verwaltung zugegeben werden mußte, daß dies nicht der Fall sei. Der Antrag des Justizroths Horst, aus diesem Grunde die Sitzung abzubrechen, fand keine Mehrheit. * Barmen, 29. Dee. Die zwei wegen unbefugten Eindringens in Fabrikräume in Haft befindlichen Fabrikarbeiter Fritz Hinnenberg und Julius Wacker versuchten gestern ihre Zelle im hiesigen Kantongefängniß in Brand zu setzen, indem sie das Ofenrohr abrissen und durch Taschentücher und Papier, welches sie an dem Ofen anbrannten, die Pritsche entzündeten. Durch den Brandgeruch wurde das Aufsichtspersonal aufmerksam gemacht und durch schnelles Eingreifen gelang es, ein größeres Brandunglück zu verhüten. Die beiden Inhaftirten wurden gefesselt in einer anderen Zelle untergebracht. * Düsseldorf, 28. Der. Die Regierung zu Düsseldorf hat jetzt auch, nach der„Rhein= und Ruhrztg.", bei der Staatsanwaltschaft um Beschlagnahme des Buches von Andreas Müller „Pastor Felke und seine Heilmethode“ nachgesucht und das Consistorium zu Coblenz aufgesordert, Pastor Felke jeden Curbetrieb zu untersagen. s Aus den Provinzen, 29. Dec. Sein ganzes, etwa 600,000 Kronen betragendes Vermögen, vermachte der aus Westfalen gebürtige und vor einigen Wochen in Stockholm verstorbene Kaufmann B. Ursell wohlthätigen und gemeinnützigen Anstalten und zwar 100,000 Mark der jüdischen Gemeinde in Soest, sowie je 100,000 Kronen den katholischen und jüdischen Krankenhäusern in Soest und Paderborn. Den Rest seines hinterlassenen Vermögens bestimmte er für andere wohlthätige Zwecke.— Auf der Abtheilung St. Wilhelmshütte der Warsteiner Gruben= und HüttenWerke fand eine Gasexplosion statt. Ein Arbeiter wurde hierbei getödtet und zwei Arbeiter nicht unerheblich verwundet.— Auf Zeche„Richrath“ in Hamm bei Werden wurde der Bergmann H. durch einen herabfallenden schweren Stein so verletzt, daß er bald darauf verstarb. Der Verunglückte hinterläßt eine trauernde Wittwe. Dieses ist der zweite Unglücksfall auf genannter Zeche mit tödtlichem Ausgange innerhalb 8 Tagen.— Der Gefängniß=Inspector Witzki, der am 1. October d. I. aus Wartenburg(Ostpreußen) an das Gefängniß in Elberfeld versetzt, aber bald nachher in Haft genommen wurde, weil er sich in seiner früheren Stellung an Gefangenen vergangen hatte, ist dieserhalb zu 11 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden.— In Mülheim am Rhein wurde einem neunjährigen Knaben, der an einem vor einen Milchwagen gespannten Pferde vorbeiging, ein Ohr abgebissen. Ehe das Kind sich dessen versoh, hatte der Gaul zugeschnappt und ließ dann das abgebissene Knorpelstück zur Erde fallen.— Die Grube„Friedrich=Segen" bei Ems ist für eine Million Francs an einen Bonner Herrn verkauft worden.— Seit einem Jahre waren in der Husarenkaserne in Frankfurt a. M. den Mannschaften verschiedentlich Taschenuhren entwendet worden, ohne daß man des Thäters hätte habhaft werden können. Endlich wurde er in der Person eines von Danzig stammenden Gefreiten ertappt und in Untersuchungshaft abgeführt. Dort machte er seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Literarisches. Der Feind im Lande! Erinnerungen aus dem Kriege 1870/71. Nach dem Tagebuche von Franzosen herausgegeben von Ludwig Halevy. Deutsche, autorisirte Uebersetzung von Dr. Altona. 4. Auflage. Preis 1,50 Mk. Verlag von Otto Salle in Berlin W, 30. Lebendige und frische Schilderung aus dem Kriege 1870/71 werden uns in diesem Buche geboten, das nun schon seine vierte Auflage erlebt. Ein ganz besonderes Interesse dürfen sie deshalb beonspruchen, weil es fran zösische Soldaten sind, die über ihre Erlebnisse und Eindrücke berichten. Aus denselben stellen sie auch eine werthvolle Bereicherung der sehr umfangreichen Literatur über die Kriegsjahre dar. Ludwig Halevy, Mitglied der Académie frangaise, hat die Skizzen gesammelt und überarbeitet, deren Uebersetzung sich flüssig liest. Wir können das kleine Buch bestens empfehlen. Neueste Nachrichten und Telegramme. 0 Berlin, 29. Dec. Ueber die Reise des Kalser paares nach Palästina hielt der Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherr v. Mirbach, am Mittwoch Abend in Potsdam einen Vortrag. Freiherr v. Mirbach sprach ganz im Panegyeikusstile offictöser Festberichte und in der blumenreichen Redeweise des Staatssecretärs v. Bülow. Besonders scheinen Herrn v. Mirbach die Poremkinschen Dörfer, die man den Gästen vorgemacht hat, und die Absperrungsmaßregeln gefallen zu haben. Er erzählte, bei der Einfahrt in Constantinopel sei es ganz anders gewesen als vor neun Jahren.„Damals schaukelten Tausende von Fahrzeugen um uns herum— heute war alles still und leer. Mit eiserner Strenge waren weit hinten die Absperrungsketten gezogen. Nur wenige Schiffe, so die für den Empfang zurückgebliebene„Bohemia“, dursten sich in angemessener Entfernung anfhalten. Bei den Ausfahrten in die Stadt sahen wir durchaus nichts von dem für Const antinopel sprichwörtlich gewordenen Schmutz, den Kranken, Elenden, den schrecklichen Hunden u. s. w. Alle Straßen waren gepflastert, alle Häuser neu angestrichen, von oben bis unten geschmückt und alles ferngehalten, was das Auge des Kaisers und der Kaiser in irgendwie hätte beleidigen können. Es war ein Absperrungssystem, wie man es sich praktischer und schöner nicht denken kann. Wir erfuhren, daß seit Wochen die ganze Stadt durchsucht worden und daß Jeder, der sich nicht ausweisen konnte, in das Innere Kleinasiens geschickt wor den war. Auch wurden Hunderte von Menschen während unserer Anwesenheit in den Stuben der Gefängnisse gut verpflegt. Unbeschreiblich großartig war die zauberhafte Illumination der Ufer des Bosporus." Vor Beginn der Reise, erzählte er weiter, seien anonyme anarchistische Drohbriefe in großer Zahl an den Hof gekommen. Auch habe es nicht an dringenden Mahnbriefen gefehlt, die wegen der im Ortent geplanten Attentate von der Reise abriethen. Man habe festgestellt, baß gefährliche Anarchisten nach dem Orient abgereist seien. Der Kaiser habe sich dadurch aber nicht abschrecken lassen. Die Kunde von der Festnahme der Anarchisten in Port Said habe der Kaiser bei der Abfahrt von Venedig empfangen. Die Nachricht habe einen tiefen Eindruck gemacht und Hofprediger Dryander habe am folgenden Sonntag darüber gepredigt. Apropos, wie steht es denn eigentlich mit dieser Anarchistenverschwörung? Es ist ja jetzt ganz mäuschenstill davon geworden. Die Untersuchung könnte doch nun nachgerade abgeschlossen seiv. Das allgemeine Schweigen läßt darauf schließen, daß die ganze grausige Geschichte sich in blauen Dunst aufgelöst hat. = Ueber eine Kanzlerkrisis wußte der „Homb. Generalanz.“ allerlei Sensationelles zu melden. Es sollten tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kaiser und dem Kanzler herrschen und bei Hof und im Ministerium an dem Sturze des Fürsten Hohenlohe gearbeitet werden. um Miquel an seine Stelle zu bringen. Es sollten dazu die Ausweisungen aus Nordschleswig verwendet werden, über die Fürst Hohenlohe ganz anderer Meinung sei als die übrigen Minister und der Kaiser. Demgegenüber erklärt die„Nordd. Allg. Ztg.“ offieibs, an der Behauptung, daß in Betreff verschiedener gesetzgeberischer Fragen und einzelner Verwaltungsmaßregeln scharfe politische Gegensätze zwischen dem Reichskanzler und Herrn von Miquel und anderen Ministern beständen, sei natürlich kein wahres Wort. 9 Der Stand der Reichsfinanzen wird amtlich wie halbamtlich fortgesetzt als außerordentlich glänzend geschildert. Handelt es sich doch darum, die neue Mililärvorlage ohne Unfälle unter Dach und Fach zu bringen, und da sie viel Geld erfordert, muß immer gepredigt werden, daß wir Geld wie Heu besitzen. Die„Berl. Pol. Nachr.“ führen unter Bezugnahme auf den lotzten Ausweis über die Einnahme der Reichskasse aus, daß, selbst wenn im letzten Drittel des laufenden Etatsjahres nicht mehr als im vorigen Jahre aufkäme, die Einnahme den Etatsonsatz um nahezu 70 Millionen übersteigen würde. Setze sich dagegen die aufsteigende Bewegung in demselben Maße fort wie in den ersten acht Monaten, so wäre ein Ueberschuß über den Etatsansatz von nahezu 90 Millionen zu erhoffen. Auch die preußische Finanzlage wird von dem offieiösen Organ unter Hinweis auf die Betriebsergebnisse der Staatseisenbahnen als äußerst günstig geschildert. Da immer über die hohen Steuern geklagt wird, rechnen die„Berl. Pol. Nochr.“ auch wieder einmal aus, daß die preußische Bevölkerung an Reichs= und Staatssteuern auf den Kopf nur etwa ein Drittel von dem zu tragen habe, was die Franzosen zahlen. Bei derartigen Gegenüberstellungen wird regelmäßig unbeachtet gelassen, daß Frankreich viel reicher als Deutschland ist und daß wir in Deutschland neben den Reichs= und Staatslasten auch noch viele Communal= u. s. w. Lasten haben, so daß bei der Ungleichheit der Verhältnisse ein Vergleich der beiderseitigen Steuern auf sehr unsicheren Füßen steht. 6 In Bezug auf die Stellvertretungskosten der Abgeordneten, über die neuerdings so viel geschrieben wird, erzählt das„Schneidemühler Tagebl.“, dem conservativen„Abgeordneten Gymnasialprofessor Dr. Pauli in Eberswalde der ebenfalls Stellvertretungskosten hat zahlen müssen, habe das Ministerium im vorigen Jahre verboten, die Kosten weiter zu zahlen. Zugleich sei der Magistrat vom Provinzialschulcollegium aufgefordert worden, die Vertretungskosten zu leisten. Da der Magistrat sich weigerte, sei der Betrag aus der Gymnasialkasse ausgelegt und der Magistrat abermals aufgefordert worden, etwa 500 Mark an die Gymnasialkasse zurückzuzahlen mit dem Anheimstellen, den Betrag im Civilprozesse von Professor Pauly einzuklagen. Es ist auffällig, daß man bisher davon nichts gehört hat. * Oberstlieutenant a. D. v. Egidy, dem alle Abendblätter ohne Unterschied der Parteistellung sympathische und seine Persönlichkeit würdigende Nachrufe widmen, ist an einer Beustfellentzündung und Herzbeutelwassersucht gestorben. Er hinterläßt zehn Kinder. = Deutsche Flottenvereine sind, wie die„Nordd. Allg. Ztg.“ triumphirend berichtet, jetzt sogar auch in Alexandrien und Kairo begründet worden. Bei der Gründung in Kairo wurden gleich 4300 Mark Jahresbeiträge gezeichnet. Daß die Flottenvereine das Geld für neue Schiffe aufbringen wollen, haben wir bisher nicht gewußt. Wir meinten, sie sollten blos Stimmung machen für die Vergrößerung der Flotte. Wenn sie diese Vergrößerung aus ihrer Tasche bezahlen wollen, sind wir ganz damit einverstanden, wenn recht viele Vereine gegründet werden. * Gegen den Leipziger Verband deutscher Kriegsveterauen richtet sich eine scharfe Verfügung des preußischen Kriegsministers. Der Verband hat Anstoß dadurch eiregt, daß er die Erlangung eines sogenannten Ehrensoldes für alle Kriegstheilnehmer anstrebt und dabei eine der Regierung unbequeme Sprache geführt hat. Der Kriegsminister fordert daher die unterstellten Behörden auf. Anordnung zu treffen, daß den Bestrebungen des Verbandes entgegengetreten und die zum activen Heere gehörenden Personen dem Verbande und seinen Veranstaltungen thunlichst ferngehalten werden. Für die Civilverwaltung sind Seitens der zuständigen Ressortminister entsprechende Anordnungen zu erwarten. Alles, was Militär gewesen ist, scheint für sein ganzes Leben zum Maulhalten verpflichtet werden zu sollen. * Paris, 29. Der. Das Geheimactenstück wird heute Nachmittag dem Cassationshof mitgetheilt werden.— Der Deputirte Lasies theilte dem Präsidenten Deschanel seine Absicht mit, die Regierung sofort beim Wiederzusammentritt der Deputirtenkammer über den Zwischenfall Bard=Piequart zu interpelliren.— Auf Anweisung des Justizministers Lebret schreitet jetzt der erste Präsident des Cassations= hofes Mazeau zu einer halbamtlichen Untersuchung des Falles Bard=Piequart. )( Paris, 29. Der. Die Abordnung der Kriegsschule von Saint Cyr, welche sich zur Hundertjahrfeier der Kaiser Paul=Mil itärschule nach Petersburg begibt, wird in mehreren Städten, darunter auch in Berlin einen zweitägigen Aufenthalt nehmen.— Die Sammlung der„Libre Parole“ für die Wittwe Henrys ergab 125 000 Francs.— Der„Petite Republigne" zu Folge gestand der vor mehreren Jahren wegen Spionage verurtheilte Polizeikommissar Schwarz, daß er Beziehungen zu Esterhazy unterhalten habe. * Madrid, 29. Der. Der„Liberal“ spricht Andeutungen aus von der Zusammenkunft von etwa zehn Generälen und mißt der Angelegenheit, von der auch die Regierung Kenntniß habe, große Bedeutung bei.— Wie die Blätter schreiben, dürfte der Entschluß MeKinleys, den Friedensvertrag im Januar zu ratificiren, zur Folge haben, daß die Lösung der Ministerkrisis bis nach der Ratifieation hinausgeschoben wird, da das gegenwärtige Cabinet den Friedensvertrag den Cortes vorlegen wolle. Lübeck, 30. Der.(Telegramw.) Der Dampfer „Proeven" von Gothenburg nach hier unterwegs, ist gesunken. Die Mannschaft wurde gerettet. = Rotterdam, 30. Der.(Telegramm.) Bei einem Brande in einem Droguenlager sind eine Frau und zwei Kinder verbrannt. Einige Halberstickte wurden gerettet. * Wien. 30. Dec.(Telegramm.) Wie verlautet, wird die Einberufung eines von allen deutschen Parteien zu beschickenden deutsch= böhmischen Volkstages geplant. )1( Paris, 30. Dee.(Telegramm.) Die Patriotenliga hielt gestern Abend eine Generalversammlung ab, zu der etwa 4000 Theilnehmer erschienen waren. Zahlreiche Redner betonten die Nothwendigkeit angesichts der durch die DreyfusSache geschaffenen Lage, eine neue Patriotenliga zu gründen. Die Versammlung nahm eine Tagesordnung an, in der die Statuten der neuen Liga genehmigt und Deroulede zum Präsidenten gewählt wurde. Die Ruhe blieb ungestort. Vienstag, Mretwöeh, Bollnerstag und Prertag, 3., 4., 5. und 6. Januar: WHrrne auf sämmtliche Bürsten- und Korbwaren auf sämmtliche Porzellan-Waren Glaswaren, Vasen, Liqueur-Service auf sämmtliche Nippessachen auf sämmtliche Haus- und Küchengeräte auf reguläre Emaille-Waren auf angeschlagene Emaille-Waren 20 Prozent, 20 brogent, 25 Prozent, 30 Prozent, 20 Prozent, 20 Prozent, 50 Prozent. Waromhaus bisekyass Männer-Gesang-Verein Einigkeit Witten Todes=Anzeige. Am Donnerstag den 29. d. Mts. starb unser langjähriges treues Mitgieh 4 Wilhelm Hufeisen. Sein Andenken bleibt bei uns in Ehren! . Der Vorkand. Zur Beerdigung versammeln sich die Mitglieder am Sonntag den 1. Januar 1899, nachm. 1½ Uhr, im Vereinslokal. Unserer werthen Kundschaft zur gefl. Kenntnißnahme, daß vom 1. Januar ab die Butter 1,25 Mark per Pfund kostet. Molkerei Witten. Wbosdaer dar: 00 Kirchhofstr. 88 vis-A-vsie der Molkersi Reschache vis-A-die der Molkerei Goldschmied und Graveur. Arbeitsgeschäft für Juwelen. Gold= und Silberwaaren. Fabrikation massiv goldener m# Trauringe# in jedem gewünschten Facon, gesetzlich gestempelt schon von 4 Mk. an. Neuarbeiten sowie Reparaturen an allen Schmuck=Gegenständen prompt und billig. Graviren von Peischaften, Stempel, Thür= und Firmenschilder in Metall in jeder gewünschten Ausführung äußerst sauber und billig. Altes Gold und Silber wird in Zahlung genommen, sowie stets zu hochsten Preisen angekauft. Einziges Spezialgeschäft dieser Art am Platze. „ Prrnauf vr fertigen Betten, Bettstellen, Matratzen u. 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