Nr. 233. Dritter Jahrgang. l#glich, mit Ausnahme der Vonn- und Teiertage. nebst den Gratte- Beilagen„Sonntagsfreude" und „Akrune und Blumon“ durch die Boten zugestellt nur 50 Pfg. pro Monat, durch die Posk bezogen nur 1,20 Mk. pro Quartal. Montag, 12. December 1893 # Preis für die 1spaltige Petitzeile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen entlprechender Rabakt. Größere Anzeigen können nur bis spätestens Abendo 5 Uhr angenommen werden, ganz dringende Inserate bis Morgens 8 Uhr. Geschäftostelle: Witten, Hauptstraße 70. Swantwortlich für den ganzen Inhalt: H. Bringewald, Witten. Telephon=Auschluß 130. Centrums-Organ für das Kuhrthal. Vöstzetung Wüm. Druck und Verlag von H. Bringewald Witten. Ba o Politische Tagesübersicht. Herr v. Miquel macht für die MilitärVorlage Stimmung. Er läßt die ihm nahestehenden„B. P. N.“ über die günstige Finanzlage, wie sie sich in dem Etatsentwurf für 1899 darstellt, folgende Betrachtungen anstellen: Charakteristisch für die Finanzlage im Reiche ist die Thatsache, daß der schon im laufenden Jahre ganz ungewöhnlich hoch bemessene Betrag der aus den ordentlichen Einnahmen zu bestreitenden einmaligen Ausgaben trotz des Mehrbedarfes im Ordinarium von rund 24 Millionen Mark um weitere rund 20 Millionen erhöht werden konnte, ohne die Spannung zwischen Matrikularumlagen und Ueberweisungen gegen das Vorjahr zu erhöhen. Die Bundesstaaten sind im Gegentheil besser gestellt als im laufenden Jahre; denn sie sollen an Ueberweisungen rund 35 Millionen Mark mehr erhalten, während an Matrikularumlagen nur etwas über 28 Millionen Mark mehr aufzubringen sind. Da die Matrikularumlagen den Etatsbetrag der Ueberweisungen nur um wenig über 13 Millionen Mark übersteigen, so erhellt, daß selbst bei sehr vorsichtiger Veranschlagung die eigenen Einnahmen des Reiches nicht nur zur Deckung der dauernden Ausgaben, sondern auch einmaliger Ausgaben in dem hohen Betrage von nahezu 150 Millionen Mark, das heißt von nahezu 20 vom Hundert der dauernden Ausgaben, ausreichen. Wäre kein außergewöhnliches Bedürfniß zu einmaligen Ausgaben vorhanden, so würde daher auch das ganze Extraordinarium aus den ordentlichen Einnahmen dotirt werden können. Wenn jetzt neben den einmaligen Ausgaben im ordentlichen Etat in dem ungewöhnlichen Betrage von rund 162 Millionen Mark ein außerordentlicher Etat in Höhe von 90 Millionen Mark vorzusehen war, so hat dies eben seinen Grund darin, daß im nächsten Jahre die Lasten für die Durchführung des Flottenplanes mit der ersten Rate zur Durchführung der Militärvorlage und der letzten Rate für die Neubewaffnung der Artillerie zusammentreffen. Infolge dieses Zusammentreffens sind allein die einmaligen Ausgaben der Heeresverwaltung auf rund 125 Millionen angeschwollen. Schon im nächsten Jahre wird sich dieser Theil der Ausgaben beträchtlich vermindern; es handelt sich also bei der Einstellung einer Anleihe von nahezu 90 Millionen Mark um die Befriedigung von ganz ausnahmsweise hohen Bedürfnissen und nicht entfernt um einen dauernden Zustand. Erwägt man ferner, daß bei den dauernden Ausgaben nicht nur die Kosten der Heeresverstärkung für ein halbes Jahr, sondern auch die Kosten erheblicher Verbesserungen der Gehälter zahlreicher Classen von unteren und mittleren Beamten vorgesehen sind, so ist man zu dem Schlusse berechtigt, daß der vorliegende Etat trotz des Anleihebedarfs von 90 Millionen Mark eine ganz ungewöhnlich günstige Lage der Reichsfinanzen beweist. wäre auch noch schöner, wenn die Noth= wendigkeit, Anleihen von 90 Millionen Mark aufzunehmen, einen dauernden Zustand darstellen sollte! Viel Eindruck werden die Ausführungen der„B. P. N.“ auf die Steuerzahler nicht machen; diese sehen in Allem nur die Summen, die sie aufzubringen haben, und lassen sich durch solch officiöse Rosafärbereien nicht fangen. In einer Besprechung der Militärvorlage schreibt die„Nat.=Ztg.“: „Man kann nicht sagen, daß die Begründung der Militärvorlage geschickt und eindrucksvoll wäre. In dem allgemeinen Theile befinden sich sogar einige recht anfechtbare Sätze. Eine weise Politik, so liest man dort, habe dem deutschen Volke in den letztverflossenen Jahren den Frieden zu bewahren gewußt. Es ist ungewöhnlich, daß eine Regierung sich in einem amtlichen Schriftstück selbst ihre Weisheit bezeugt, und es kann leicht die Erinnerung an Manches, was nicht besonders weise war, wieder hervorrufen. Daß der militärische Zusammenbruch eines Staates wie Spanien für uns irgend etwas und sogar mit erschreckender Klarheit bewiese, kann nicht zugestanden werden. Nach allem, was in Deutschland seir einem Menschenalter zur Verstärkung der Wehrkraft geleistet worden, brauchen wir wahrlich nicht erst durch das spanische Beispiel belehrt zu werden,„wie schwer der Mangel einer sorgsamen und planmäßigen Kriegsvorbereitung sich rächt." Daß„Aenderungen und Ergänzungen der Formationen das Kennzeichen eines gesunden, sich innerlich festigenden Heeresorganismus sind", ist eine allzu weit gehende Behauptung, so richtig es auch ist, daß sich in allen Dingen mit der Zeit Mängel und Lücken ergeben, die beseitigt werden müssen. Wenn aber beispielsweise die erst vor kürzester Frist geschaffenen„Jäger zu Pferde“ jetzt schon wieder in der übrigen Reiterei aufgehen sollen, so ist die Frage nicht unberechtigt, ob nicht plötzlichen Impulsen zuweilen allzu rasch Folge gegeben wird. Nachdem im Jahre 1893 die große Erhöhung der deutschen Rekrutirungsziffer beschlossen worden, die nach der Meinung aller Welt es den Franzosen mit ihren 37 Millionen Einwohnern endgiltig unmöglich machte, die jährliche Einstellungszahl des bekanntlich 52 Millionen Einwohner zählenoen Deutschen Reiches zu erreichen, macht es einen seltsamen Eindruck, wenn die Begründung der Vorlage gerade wie 1893 wieder eine französische Rekrutenziffer anführt, die höher ist als die deutsche. Wußte der Verfasser der Begründung nichts Ueberzeugenderes an allgemeinen Betrachtungen vorzubringen, so wäre es wohl ebenso gut gewesen, wenn er sich auf die militärischen Motive für die einzelnen vorgeschlagenen Aenderungen beschränkt hätte, zumal diese eine etwas eingehendere Behandlung sehr wohl vertragen hätten. Man muß beispielsweise von der gegenwärtigen und von der für die Zukunft beabsichtigten Organisation der Artillerie bereits selbst ein sehr klares Bild haben, um eine bestimmte Vorstellung mit dem verbinden zu können, was in den darauf bezüglichen fünfundzwanzig Zeilen der Begründung gesagt ist. Man darf von einer„weisen“ Politik erwarten, daß sie einem so begehrenswerthen Verbündeten, wie das Deutsche Reich es ist, unter allen Umständen, auch wenn die jetzigen Bündnisse sich einmal auflösen sollten, Allianzen zu verschaffen wissen wird. Gleichwohl sind wir ganz einverstanden mit der Auffassung, daß Deutschland sich auch für den schlimmsten Fall vorsehen müsse.“ Im Uebrigen verlangt das Blatt die Festlegung der zweijährigen Dienstzeit. Dafür tritt auch die agrarische„Deutsche Tagesztg.“ ein. Am 19. October d. J. fand in Berlin eine Delegirten=Versammlung preußischer Gerichtsvollzieher statt, in welcher der Entwurf einer an das Abgeordnetenhaus wegen Verbesserung ihrer wirthschaftlichen Lage und ihrer dienstlichen Stellung zu richtenden Petition der preußischen Gerichtsvollzieher festgesetzt wurde. In der„Zeitschrift über Vollstreckungsrecht und Zustellungswesen“ und gleichzeitig in der„Deutschen Gerichtsvellzieher=Zeitung“ ist nun dieser Petitionsentwurf gleichzeitig mit einem Aufruf des Vorsitzenden des Vereins Berliner Gerichtsvollzieher veröffentlicht worden, worin die Gerichtsvollzieher gebeten werden, ihre Zustimmung mitzutheilen. Mit Bezug auf diesen Entwurf heißt es in dem Rundschreiben des OberlandesgerichtsPräsidenten Falk an die Gerichtsvollzieher seines Bezirks:„Dies gemeinschaftliche Vorgehen, insbesondere auch der durchaus agitatorische Inhalt und die höchst unangemessene Form der Petition erscheint als eine nicht zu duldende Untergrabung der dienstlichen Ordnung. Einer Weisung des Herrn Justizministers entsprechend, untersage ich Ihnen daher hiermit die Betheiligung an der Petition, bei Vermeidung disciplinarischer Maßregeln. Dabei eröffne ich Ihnen aber, daß es jedem Gerichtsvollzieher unverwehrt bleibt, von dem ihm verfassungsmäßig zu. stehenden Petitionsrechte für seine Person in einer Einzeleingabe Gebrauch zu machen, daß aber die Theilnahme an derartigen Sammelpetitionen nicht wird geduldet werden. Falk.“ Selbst die regierungsfreundliche„Köln. Ztg.“ meinr, man schieße doch über das Ziel hinaus, wenn man den Beamten grundsätzlich das Recht bestreiten wolle, gemeinsam Eingaben einzureichen. Wie der„Post“ gemeldet wird, haben sich bei dem neuen französischen Feldgeschütz M. 1897 jetzt ziemlich bedeutende Mängel herausgestellt. Vor allen Dingen tadelt man die geringe Durchschlagskraft der Schrapnellkugeln auf größere Entfernungen, ja es heißt jetzt sogar, man construire bereits ein neues wirksameres Geschoß und wolle die vorhandenen nur bei Schießübungen aufbrauchen. Vom Verschluß des Rohres wird behauptet, daß er äußerst diffieil sei, ein kleines Sandkorn schon genüge, denselben unbrauchbar zu machen. Wenn man dagegen die große Feuergeschwindigkeit der Geschütze hervorhebt, so wird übersehen, daß dieselbe auf Kosten der Einfachheit und Kriegsmäßigkeit erreicht wird; man wird in dieser Beziehung noch üble Erfahrungen machen. Ein Fachblatt, das in dieser Hinsicht mehr Urtheil an den Tag legt, als die politischen Blätter Frankreichs, berechnet, daß man, wenn auch nur vier Schuß in der Minute aus jedem Geschütz verfeuert werden, innerhalb einer Stunde die gesammte bei einer Armee mitgeführte Artilleriemunition wegfeuert. Auch die Herabsetzung der Zahl der Geschütze in einer Batterie von sechs auf vier findet viele Anfechtung. Politische Nachrichten. Berlin, 9. Dec. * D i e E t a t s b e r a t h u n g w i r d s i c h v o r a u s sichtlich sehr in die Länge ziehen, so daß in der nächsten Woche wohl kaum noch viel daneben gethon werden wird. Es liegt eben zu viel Stoff vor. Eine Besprechung der Militärvorlage wird man wohl möglichst aus der Etatsdebatte fernzuhalten suchen, allein da die Vorlage enge mit der Finanzlage zusammenhängt, wird man ihr Heranziehen nicht ganz verhindern können. Hat sie doch einen erheblichen Antheil an der vorgeschlagenen Anleihe von 90 Millionen. Die Begründung der Vorlage wird sogar von der„Nat.=Ztg.“ scharf kritisirt. Sie sei weder geschickt noch eindrucksvoll. Besonders spottet das Blatt darüber, daß die Regierung sich selbst bezeugt, sie habe in den letzten Jahren eine„weise Politik“ befolgt und dadurch den Frieden erhalten. Der Hinweis auf Spanien und seinen militärischen Zusammenbruch imponirt ihm mit Recht gar nicht; ebensowenig der Hinweis auf die französische Recrutirungsziffer, die schon bei der Vorlage von 1893 eine Rolle gespielt hat. Aber die Vorlage selbst hat im Allgemeinen ihren Beifall, wie zu erwarten stand. Nur daß die zweijährige Dienstzeit nicht dauernd festgelegt werden soll, gefällt ihr nicht. Nachdem diese nun bold fünf Jahre bestanden hat und abermals auf fünf Jahre verlängert werden soll, ist an ihre Abschaffung doch kaum zu denken. Wozu denn also auch noch das Sprödethun? Man wird doch Niemand bange machen, daß er aus Besorgniß vor der Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit sich zur Annahme von Militärforderungen bestimmen lasse, die ihm nicht begründet erscheinen. * Der in der Thronrede nicht erwähnte Gesetzentwurf über die privaten Versicherungsunternehmungen wird, so schreibt die„Nordd. Allg. Ztg.“, dem Reichstage in dieser Session sehr wahrscheinlich noch nicht zugehen. Der Entwurf wurde im„Reichsanz.“ veröffentlicht, um ihn der öffentlichen Kritik zu unterbreiten. * Bezüglich der Mittheilungen, daß zur Deckung der Orientreise des Kaisers eine Vorlage an den Landtag in Vorbereitung sei, erfährt die „N.=L. C.“ von wohlunterrichteter Seite, daß weder von einer solchen Vorlage etwas bekannt ist, noch in dieser Richtung an maßgebende Stellen in der preußischen Regierung Anregungen vom Hofe her ergangen sind. O Die„Nat.=Ztg.“ theilt mit, daß sich die Regierungen in der Lippeschen Angelegenheit nunmehr dahin verständigt haben, daß der Bundesratg# die Berechtigung der lippe=detmoldischen Landesgesetzgebung zur Regelung der Erbfolgefrage anerkennen wird. Diesem Beschluß soll eine Erklärung vorausgeschickt werden, daß der Bundesrath sich zwar für zuständig hält, von dieser Zuständigkeit indeß keinen Gebrauch machen will. * Abg. Graf Hompesch ist sochen wieder zum Vorsitzenden der Centrums=Fraction de s Reichstages erwählt worden. Es dürfte interessiren, bei dieser Gelegenheit an die früheren Vorsitzenden der Centrums=Fraction zu erinnern. Der erste Vorsitzende der Fraction war Heer v. Savigny, von 1871 bis zu seinem Tode im Jahre 1875. Ihm folgte als Vorsitzender Fehr. zu Franckenstelin, 1875 bis zu seinem Tode im Jahre 1800. Dann folgte Graf Ballestrem, 1890 bis 1893. Bei der Neuwahl 1893 lehnte Graf Ballestrem eine Wiederwahl ab. Es wurde an seine Stelle gewählt Graf Hompesch, der also von 1893 bis 1898 Vorsitzender war und jetzt für 1898 bis 1903 wiedergewählt ist. Im Preußischen Abgeordnetenhause war ebenfalls Herr v. Savigny Vorsitzender bis zu seinem Tode, also 1871 bis 1875. Ihm folgte Frhr. v. Schorlemer=Alst 1875 bis 1889, dann Frhr. v. Heereman bis 1898. Die Centrums=Fraction des Abgeorknetenhauses wird im Januar wieder zusamment reten und zweifellos Herrn v. Heeremon zum Vorsitzenden wiederwählen. * Zu den Erklärungen des österreichischen Ministerpräsidenten Grafen Thun in Sachen der preußischen Ausweisungen wird aus Wien gemeldet: In den nächsten Tagen wird der ungarische Ministerpräsident Baron Bauffy seine Ant wort auf die Interpellation Franz Kossuths bezüglich der Erklärungen Thuns ertheilen— falls die parlamentarischen Verhältnisse in Ungarn eine Verhandlung überhaupt gestatten. Baron Banffy wird in seiner Antwort darlegen, daß Graf Thun, wie dies selbstverständlich, seine Erklärung, bevor er sie im Parlamente abgab, mit dem Minister des Außern, Grafen Goluchowski, besprochen und festgestellt hat, daß es jedoch weder dem Grafen Thun noch dem Grafen Goluchowski in den Sinn gekommen sei, in jener Erklärung eine Verletzung des Bündnisses mit Deutschland zu sehen, welches der Eine aue der Andere als eine unerschütterliche Grundlage der österreichischen Politik hochhalte. So beiläufig dürfte die Antwort des Barons Baufsy gehalten sein, welche berufen sein soll, in dieser Augelegenheit beruhigend zu wirken. * Zu den Ausweisungen meldet ein Kopenhagener Berichterstatter des„B. T.“: Am Dienstag waren viele dänische Eltern vor den Amtsrichter Hahn in Nordborg citirt. Der Amtsrichter forderte in seiner Eigenschaft als Obervormund alle Eltern auf, ihre Kinder, welche Schulen in Dänemark besuchen, sofort zurückzurufen. Die Aufsorderung wurde von allen Eltern mit einer energischen Weigerung beantwortet. Der Amtsrichter drohte nun, den Eltern das Elternrecht zu entziehen. Ein hochstehender Beamter in Nordschleswig erklärte dazu, daß alle jungen Nordschleswiger in der nächsten Zeit aus Dänemark zurückgerufen werden sollen. Oberpräsident v. Köller hat erklärt, daß diese Maßregel derartig durchzuführen wäre, daß alle in Nordschleswig wohnenden dänischen Optanten vor die Wahl gestellt werden sollen, entweder ihre Kinder, welche in Dänemark Schulunterricht erhalten, zurückzurufen oder selbst aus. gewiesen zu werden. * Professor Dr. Haus Delbrück hat es wieder einmal mit den brutal=nationalen Blättern arg verschüttet, indem er in den von ihm herausgegebenen„Preuß. Jahrb.“ die Ausweisungen 10 Das Geheimniß der alten Kirche. Von M. Elton. „Das ist traurig, weil es so unerwartet kommt; aber besser ist es so, glaube mir. Nie hättest Du Dünfelts Frau werden können, Dein Vater hat andere Ansprüche für seine Töchter, und selbst wenn er Deinetwegen nachgegeben hätte, so würde er sich mit Adeline und Deinen Tanten überworfen haben. Es wäre ein Kampf ohne Sieg gewesen; wie willst Du kämpfen, Du Gute, Wehrlose, Du wärest nur unterlegen.“ Verständnißlos sah Sandra ins Leere und murmelte wieder:„Wie bin ich so unglücklich „Versündige Dich nicht!“ rief Hilde mit einer gewissen Heftigkeit.„Du hast Alles, was das Leben begehrenswerth macht: Jugend, Schönheit, Reichthum und ein Heim.“ In ihrem Toue war etwas herbes; wäre Sandra nicht so ganz von ihrem Kummer erfüllt gewesen, so hätte sie begriffen, daß Hilde sagen wollte: Siehe mich an, die heimathlose Waise, die vor einer Stunde das Bitterste erfahren mußte: gedemüthigt, verhöhnt, mit Füßen getreten in dem Hause, das die Waise aufgenommen.„Alle Deine Wünsche sind Dir von jeher erfüllt worden,“ fuhr sie fort,„jetzt aber, wo Du nach dem Sterne greifst und ihn vom Himmel holen möchtest, klagst und jammerst Du, daß Dir der eine Wunsch versagt bleibt.“ „Wie hart bist Du gegen mich, Hilde,“ weinte sie in herzzerreißendem Tone. „Verzeihe mir," schluchzte Hilde auf,„ich werde gefühllos, böse und schlecht, wenn ich mit Füßen getreten werde; ich muß fort, Sandra, in der mir liebgewordenen Arbeit muß ich mich wiederfinden.“ Sandra sprang auf, ihr eigner Kummer war vergessen: „Wer hat Dich gekränkt?“ rief sie, und ihr Blick hing, als wolle er Verzeihung erflehen, an Hilde's verdüstertem Gesicht. „Adeline?“ fragte sie zögernd.—„Sei nur wieder gut, Hilde; wir kennen sie ja,“ schmeichelte sie,„meinst Du nicht auch, daß sie Herrn von Blessen heirathen wird? sagte sie doch zu Papa, das hinge nur von ihr ab, und sie wird wollen, da sie ihn auf jede Art auszeichnet. Dann haben wir ja Ruhe, Papa hat uns doch so lieb.“ Hilde starrte vor sich hin. Also so weit war es schon, der Antrag schon gemacht? Fort, sort von hier, ehe der Brautstand kam; sie durfte das Gnadenbrod nicht länger essen; in der geliebten Classe, umgeben von Solchen, die ein gleiches Streben mit ihr hatten, da mußte ihr Geist wieder gesunden. „Gute Nacht, Sandra, ich bin so müde, der Schlaf wird mir wohlthun,“ sagte sie zerstreut, drückte innig der Freundin Hand und verschwand. „Auch bei Hilde kein Verständniß mehr,“ klagte Sandra, als sie allein war. In den Gesellschaftsräumen rüstete man sich zum Aufbruch. Des Landraths Auge schweifte durch den Saal.„Ich sehe die beiden jungen Damen nicht und möchte mich doch von ihnen verabschieden,“ sagte er. Adeline lachte auf.„Das geben Sie nur auf, für mein Schwesterchen aber bitte ich um Entschuldigung. Das arme willenlose Kind steht ganz unter der Herrschaft des Mädchens, das mein Vater die Unklugheit hatte, in seine Familie aufzunehmen. Die gesellschaftlichen Verpflichtungen werden seitdem in unserm Hause verletzt, eine Art von Anarchie reißt täglich mehr ein, denn das wenig gebildete anmaßende Mädchen geht ganz zuversichtlich seinen Weg und denkt gar nicht daran, die geringste Rücksicht auf uns zu nehmen.“ „Sie setzen mich in Staunen; alle diese Eigenschaften habe ich nicht bei Fräulein Vauerus gesucht. Welch ein schönes Feld des Wirkens für Sie, dem Kinde, dem Ihr Papa eine Heimstätte geboten, mit Güte und Geduld zu begegnen, und die Waise die herben Erfahrungen, die ihr das Leben so frühzeitig gebracht, vergessen zu machen," und ehe Adeline eine Erwiderung vorbringen konnte, verabschiedete er sich kurz von ihr, um Andern Platz zu machen. 6. Die Zeit trieb schon in das neue Jahr hinein, Soirden, Bälle, Schlittenfahrten reihten sich in buntem Wechsel aneinander. Mit Todesverachtung betheiligte sich Weißenbach bei allem; er mußte es doch, seine Tochter verlangte es so und bei der allgemeinen Annahme, daß es sich über kurz oder lang mit Blessen entscheiden werde, nahm er seine ganze Selbstüberwindung zusammen, lange konnte es doch nicht mehr dauern. Allen Einladungen von Seiten ihrer Verwandten in Berlin lieb Adeline in diesem Winter ein taubes Ohr, Jedermann begriff das, und erwartete die Entscheidung. Wie viel auf Blessens Rechnung kam, wie viel auf Adelinens, darüber machte man sich nicht weiter klar: war man doch gewöhnt, das von Huldigungen umgedene Mädchen nicht zurückhaltend in den Aeußerungen der Bevorzugung einzelner Auserwählten zu sehen. Daß Blessen ihre Huld in außerordentlichem Grade besitzen mußte, das wurde bei jeder Gelegenheit sichtbar. Weißenbach hatte eine Erklärung von seiner Tochter erwartet, daß Hilde's tiefblaue Augen auf dem reizenden Gesichte, das blässer, wie sonst war, hafteten, immer eine neue Feindseligkeit erwartend; Adeline sah aus, als wäre nichts zwischen ihr und Hilde vorgefallen. Noch mehr unbeachtet, als sonst, blieben die beiden jungen Mädchen von ihr; denn Sandra lehnte es ganz bestimmt ab, sich an den Vergnügungen der Wintersaison zu betheiligen. Ihr Aussehen war kein gutes, sie klagte nicht, aber ihr ganzer Ausdruck zeigte etwas Mattes, Müdes. Adeline wärmte die schönen Füßchen am Kaminfeuer, die zierlichen Pantoffeln waren zur Seite geflogen, der cremeseidene Strumpf mit den bunten Stickereien ließ die Wärme behaglich zu den Füßen dringen, tief im Lehnstuhl vergraben, war sie in Nachdenken verloren. Sie hatte sich ein weiches entzückendes Nestchen hergerichtet; kein schwerfälliger Pomp beleidigte das Auge. Alles war zart und duftig in Farbe und Form. „Wollen das gnädige Fräulein sich nicht ankleiden?“ fragte die Jungfer sie, den Kopf durch die Portiere steckend. „Warum stören Sie mich? ich werde schellen, wenn ich Ihrer bedarf,“ entgegnete Adeline mißlaunig. Wieder blieb sie regungslos im Sessel, eine halbe Stunde darnach trat Weißenbach ein.„Ei, ei, noch im Dämmerlichte?“ rief er verwundert.„Es ist neun Uhr?“ „So spät?“ fragte sie, reckte sich und rieb sich die Augen;„gib mir nur eine halbe Stunde Zeit. Du bist schon in Toilette? ich bewundere Deinen Eifer, Papa.“ „Ganz unverdient; wärest Du, wie sonst um diese Zeit in Berlin, so würde ich mit den beider Kleinen ein ganz beschauliches Stillleben führen,“ erwiderte er trocken. „Also bin ich auch hier wieder zu Dank verpflichtet,“ versetzte sie gereizt, erhob sich hastig und schellte. „Durchaus nicht, mein Kind," begütigte Weißenbach,„für einen alten Mann ist es gut, wenn er Anregung hat.“ Die Jungfer hatte keine leichte Aufgabe, heute besonders nicht. Adelinens hastig nervöse Bewegungen derangirten Alles. Endlich war das Werk aber doch vollendet, der schwere weiße Atlas rauschte und knisterte, das leichte weiße Spitzengewebe fiel durchsichtig duftig darüber und ein Kranz von weißen Camelien schlang sich um die Schultern und faßte anmuthig das Spitzengewund des Rockes in seine Umschlingung. In den dunkeln Löckchen über der Stirne zeichnete sich eine einzige Camelie aus. Ein langer prüsender Blick fiel in den Spiegel, es schien, als sei das junge Mädchen selbst überrascht von dem Bilde, das sich ihr bot. Blässer, wie sonst, war ihre Gesichtsfarbe wohl durch das schneeige Weiß, in das ihre Gestalt gehüllt, heute schmelzender, weicher als je. Ihre dunkeln Augen glänzten berückend schön in einem blauen Azur. Als sie nach den Handschuhen griff, sah sie, wie die Blicke ihrer Jungfer bewundernd an ihr hingen.„Findest Du mich schön?“ fragte sie und verließ den Spiegel. „Ueber jeden Ausdruck schön, gnädiges Fräulein,“ rief das Mädchen und faltete, wie in Verzückung die Hände. Der mit gelber Seide durchwirkte weiße Radmantel wurde leicht um die Schultern geworfen, Weißenbach trat schon aus seinem Zimmer, als er ihren leichten Schritt hörte. Man schien bei der Frau Adjutant von Bodenbach nur auf Adelinens Erscheinen gewartet zu haben, die Musik schmetterte den Anfang der Polonaise und Graf Hatfeld, der Bruder der Baronin von Bodenbach, bemächtigte sich sogleich Adelinens. Ihr war dies etwas peinlich, da sie alle Beziehungen mit ihm abgebrochen, seit seiner Liaison mit Stella, der beruhmten Kunstreiterin. Nun, was lag schließlich daran, er kam ihr mit der ganzen Harmlosigkeit seiner liebenswürdign Offenheit entgegen, sein strahlender Blick hing bewundernd an ihr, sie wollte sich ja amüsiren, wollte gefallen, betheiligte sich ein verabschiedeter Bewerber ebenfalls an ihrem Ttiumph, so war seine Huldigung wenigstens ehrlich. War sie so ehrlich. „Sind Sie nicht zu hart gegen mich gewesen, Fräulein Adeline?“ flüsterte er ihr mit heißem Athem ins Ohr „Was ist mir Hecuba?“ Glühende Röthe bedeckte plötzlich Abelinens Gesicht und Hals. Haßfeld erschrack, er hatte zu viel gewagt. „Führen Sie mich auf den nächsten Platz, Graf,“ sagte sie gereizt. Mit einem tiefen Seufzer drückte er ihre Hand.„Wie unbarmherzig Sie sind,“ sagte er niedergeschlagen,„strafen Sie mich aber nicht vor den Augen aller dieser Meuschen,“ und er schlang den Arm um die kaum Wiederstrebende und raste in einem tollen Walzer mit ihr davon.„Sind Sie mir nicht böse!“ fragte er, als er sie zurückdegettche. (Fortsetzung folgt.) aus Schleswig in folgender Weise abfällig beurtheilt: „Die jüngsten Ausweisungen in Schlesien schreien zum Himmel. Wenn man in der Darstellung der deutschen Geschichte zum schleswig=holsteinischen Kriege kommt und die Unthaten der Dänen an dem verrathenen Bruderstamm schildern möchte, dann stockt die Stimme und das Wort erstirbt auf der Zunge, denn die peinlicke Wahrheit legt sich dazwischen; es war alles Kinderspiel, was die Dänen damals gethan haben und was den sittlichen Zorn des damalig#### deutschen Volkes erregte, gegen die Gewaltsamkeit, mit der wir heute selber jene Landschaft regieren. Und noch schlimmer als die Brutalität, die uns zum Abscheu der gebildeten Welt macht, ist die Verblendung, die da glaubt, mit solchen Mitteln im Kampf der Nationalitäten dauernde Erfolge erzielen zu können.“ Daraufhin wird nun der Herr Professor„geistig gestört“ genannt, oder als„Agent der dänischen Propaganda" bezeichnet. Zugleich wird er denuncirt und seine Entfernung vom Lehrstuhl an der Universität verlangt. Wie kann aber auch ein staatlich angestellter und wohlbestallter Universitätsprofessor es wagen, die Wahrheit zu sagen, noch dazu, wenn er der Nachfolger eines einrich von Treischke im Lehramt ist! * Ueber Gefahren, welche der deutschen Industrie, die sich an der Pariser Weltausstellung betheilige, drohen, berichtet eine Depesche aus Bern:„Ein Stickereifabrikant in St. Gallen hatte bemerkt, daß eine von ihm in Paris registrirte Zeichnung von einem fran zösischen Fabrikanten in St. Quentin nachgeahmt worden war. Er klagte, und das Pariser Appellotionsgericht gab ihm Unrecht, gestützt auf ein französisches Gesetz von 1806 und eine einschlägige Verordnung von 1825. Das Urtbeil hat folgende Consequenzen: Die Zeichnungen und Muster aller ausländischen Fabrikanten, welche die Pariser Welt ausstellung von 1900 beschicken, können von den französischen Fabrikanten straflos nachgeahmt werden, sofern die Aus teller nicht in Frankreich selbst eine Fabrik besitzen. * Breslau, 8. Dec. Die„Schles. Ztg. melde.: Die amtlich aufgestellte Liste der seit länger als fünf Jahren unbehelligt in Breslau lebenden österrei vischen Angehörigen umfaßt 326 Namen aus verschiedenen Erwerbszweigen. Seit dem 1. April 1898 sind in Breslau zugezogen und bis her unbeanstandet geblieben 397 österreichische Angehörige. Von den Ausweisungs=Maßnahmen wurden betroffen seit dem 1. April d. I. in Breslau 96 österreichische Angehörige, denen vielfach ein Ausstand bewilligt wurde und von denen mehr als die Hälfte vor der Ausweisungs=Verfügung sich hier in irgend einer Weise strafbar gemacht haben.— Bei der gestrigen Nachwahl zur Stadtverordneten=Versammlung wurden zum ersten Male zwei Socialdemokraten gewählt, nämlich der Verleger Schütz und der Redact eur Bruhns von der„Volkswacht". E Brüssel, 7. Der. Die„Indep. Belge" bespricht die Thronrede Kaiser Wilhelms und sagt, es sei auffallend, daß in derselben des Dreibundes keine Erwähnung gethan sei. Es sei kein Zweisel, daß der Dreibund, sobald der jetzige Vertrag ab gelaufen sei, nicht mehr erneuert werde.— Dies ist auch die Meinung der übrigen Brüsseler Blätter.— Der Justizminister hat in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach das Absingen von unsittlichen Liedern im Beisein von Kindern unter 16 Jahren mtt Gefängniß von 1 bis 3 Monaten oder mit Geldbuße von 100 bis 1000 Mk. bestraft wird. * Brüssel, 9. Dec. In der gestrigen Sitzung der Liberalen Liga erklärten der Bürgermeister von Brüssel, Buls, und mehrere Führer der gewäßigten Liberalen, eine Vereinigung der Liberalen mit den Socialisten zur Bekämpfung der Regierung scheine nothwendig. Seitens der Versammlung wird hiergegen keinerlei Einwendung ausgesprochen. * Paris, 8. Dec. Bei der Feier des 25jährigen Bestehens der englischen Handelskammer in Paris hielt der englische Botschafter Sir Edmond Monson eine Rede, in welcher er u. A. Folgendes sagte: Die vielen in England in letzter Zeit gehaltenen Reden haben die Franzosen mißgestimmt. Aber zu Unrecht. Wir freuen uns im Interesse des allgemeinen Handels der colonialen Ausdehnung Frankreichs. Wir wollen, daß die Franzosen glauben, daß wir keine Animosität gegen sie empfinden, wie wir glauben, daß sie keine gegen uns hegen. Unser Verlangen ist, daß die Franzosen über die schwebenden Streitfragen mit uns ohne den Hintergedanken verhandeln, einen diplomatischen Sieg zu erringen. Ich hoffe, daß die Regierungen diese Anschauungen theilen und verlange, daß sie die für eine stolze Nation unduldbare Politik der Nadelstiche einstellen. Ein Manöver dieser Art sehe ich in dem neuerdings gemachten Vorschlag, Unterrichtsanstalten zum Wettbewerb mit den unserigen im Sudan zu gründen. Derartige Herausforderungen könnten uns zu Maßnahmen bewegen, die, wenn sie auch von einem sehr großen Theil Englands günstig aufgenommen würden, nicht eben den Empfindungen Frankreichs entsprechen. Ein Theil der Blätter bespricht mit wachsender Heftigkeit die Rede Monsons. Einzelne Blätter verlangen die Abberufung des Botschafters, andere verzeichnen das Gerücht, sie werde nächstens erfolgen.— Das Urtheil des Cassationshofs, das dem Kriegsgericht den Piequartproceß entzieht, wirkte ni t überraschend, da der Inhalt der Berichte des Cassationsraths Attalin und des Generalprocurators Manau schon bekannt war. Das Urtheil bedeutet eine neue Niederlage des Generalstabes. Das Generalstabsblatt„Soir" beschimpft deshalb den Cassationshof und erklärt, dieser habe vom Dreyfussyndikat Geld erhalten. Die Dreyfuspartei stellt nunmehr jede Agitation ein. Wie verlautet, wird der Cassationshof die Untersuchung auch auf die Klarstellung der Verwendung des Geheimfonds ausdehnen, da Veruntreuungen festgestellt worden sind. * Paris, 8. Dee. Der spanisch=amerikanische Friedensvertrag wird aus 14 oder 15 Artikeln bestehen. Die ersten Artikel beziehen sich auf die Abtretung von Cuba, Portorica und den Philippinen, auf die Folgen dieser Abtretung in politischer und administrativer Hinsicht sowie auf die Uebergabe der Staats=, Provinz= und Gemeinde=Archive. Die folgenden Artikel treffen Bestimmung über die persönlichen Rechtsverhältnisse der Spanier, die auf den abgetretenen Inseln ansässig bleiben, und die Rechtsverhältnisse der für die spanische Nationalität optirenden Eingeborenen. Sie regeln das Privateigenthum sowohl mit Bezug auf das Einzel= als das Gemeineigenthum. Das Eigenthum religiöser Gemeinschaften wird dem gemeinen Recht# stellt. Der Artikel, der über das handelspoli sche Regime auf den abgetretenen Inseln Bestimmung trifft, setzt fest, daß auf den Philippinen=Inseln nur spanische Waaren den gleichen Zöllen wie an erikanische Waaren unterliegen. Die Amerikaner verweigern die Anertunung der Geldsummen, die in die eubanische Staatsbank als Caution der öffentlichen Rechnungsbeamten ober als gerichtliche Depots oder Hinterlegung von Unternehmern öffentlicher Arbeiten eingezohlt wurden. Von einem Ankauf der Carolinen durch die Vereinigten Staaten erwähnt der Vertrag nichts. In dem Vertrage steht nichts über die cubanische Schuld; für die Abtretung der Philippinen ist eine Entschädigung von 20 Millionen Dollar festgesetzt. Für die Ratificirung des Vertrages durch die Parlamente beider Länder ist eine Frist von sechs Monaten vereinbart. Am Schluß der gestrigen Sitzung verlas der Präsident der spanischen Commission Moutero Rios einen scharfen Protest, worin es heißt:„Wir sind weniger getroffen durch die uns auferlegten Zugeständnisse, als durch die in der Botschaft des Präsidenten MeKinley uns zugefügte Beschimpfung. Wir protestiren von Neuen gegen die Anklage bezüglich der„Maiae“; wir wiederholen unsern Vorschlag, die Frage einer internationalen Commission aus Engländern, Franzosen und Deutschen zu unterbreiten, um die Verantwortlichkeit für die Katastrophe festzustellen.“ Die Amecikaner wiesen wiederum, wie vorgestern, den Vorschlag zurück. X Paris, 9. Der. Die nationalistischen Blätter greifen aufs Schärfste den Cassationshof wegen seiner gestrigen Entscheidung an und erkiären, der Cassationshof sei offenbar entschlossen, eine Art Gerichtsdietatur auszuüben und sich an die Spitze des Kampfes gegen die Armee zu stellen. Die republikanischen Organe sagen, die durchaus gesetzmäßige Entscheidung des Cassationshofes sei das einzige Mittel, um eine Beruhigung der Gemüther herbeizuführen.— Es verlautet, Labori werde unverzüglich vom Cassationshofe oder vom Zuchtpolizeigericht die Freilassung Piequarts verlangen.— Die Wittwe Henrys richtete ein Schreiben an Reinach, worin sie diesen einen c Geschenkliteratur. V. In der Verlagsanstalt von Benziger u. Comp.(Einsiedeln, Waldshut und Cöln) erschien eben rechtzeitig zum Weihnachtsfest in neuer Ausgabe: Das Leben der Heiligen Gottes. Nach den besten Quellen bearbeitet. Von P. Otto Bitschnau, O. S. B. Mit Approbationen und Empfehlungen von 20 hochwürdigsten Kirchenfürsten. Mit 1 Chromobild. 1600 Seiten. 8. Gebunden: Rücken Leder, Decken Leinwand mit neuer Original=Relief= und Goldpressung, Rothschnitt M. 6. Die Sprache, welche diese Legende spricht, ist rein und edel und dabei doch so verständlich, daß auch das wenig geschulte Volk sie versteht. Eine besonders hoch anzuschlagende Eigenschaft dieser Legende ist die Beifügung von Lehrstücken zu jeder Lebensbeschreibung, deren Inhalt der Heilige in seinen Lebensverhältnissen practisch verwerthet und in unsterblichen Tugendwerken ausgestaltet hat. Von einem Hausbuche in dem schönen Sinne des Wortes wird eigentlich viel verlangt. Es soll nicht nur den Zweck, den es anstrebt, ganz und nach allen Seiten hin erschöpfen, es soll auch verstehen, sich angenehm zu machen, daß jeglich, allzeitig und gerne darnach gegriffen wird. Ein solches Hausbuch und zugleich ein Prachtwerk, sowohl was Inhalt als Ausstattung betrifft, ist die vorliegende Heiligenlegende, die mit wissenschaftlicher Gründlichkeit eine sofort ins Auge springende Volkethümlichkeit der Darstellung vereint, eine Volksthümlichkeit, die nichts Gesuchtes an sich hat, wie sie sich anderseits aller, für den Ernst und die Heiligkeit des Gegenstandes gewiß auch nicht ziemlichen Derbheit enthält. Ob der schönen klaren und knappen Sprache wird Jedermann das Werk gerne zur Hand nehmen, und es wird da, woes einmal im Gebrauche ist, ein beliebter Hausfreund werden. Der große schöne Druck macht das Werk auch für schwächere Augen lesbar. Jungen Brantleuten und Eheleuten dürfte ein in gleichem Verlage erschienenes reizeud ausgestattetes Büchlein von P. Girardey:„Populäre Belehrungen über die Ehe“ eine willkommene und höchst heilsame Festgabe sein. Das 100 Seiten starke Buch behandelt in verständlicher, edler Sprache die folgenden Punkte: Würde des Ehestandes, Unauflöslichkeit des Ehebandes, Von den Ehehindernissen, Die gemischten Ehen, Wie man zur Ehe schreiten soll, Von den Pflichten der Verheiratheten, Von den Pflichten der Eltern, Von der Erziehung der Kinder und Lebensregeln für junge Leute. Das Buch, das sicher reichen Segen stiften wird, kostet in schönem Leder=Imitationeinband mit Goldschnitt nur 2 Mark. In der Vonisatiusdruckerei in Paderborn ist in 3. Auflage R. P. Leonhard Goffines Handpostille erschienen. Dieses mit kirchlicher Approbation von W. Cramer herausgegebene katholische Unterrichts= und Erbauungsbuch enth#lt neben Erklärungen der Spisteln und Svangelten Verrachtungen auf alle Sonn= und Festtage des Kirchenjahres, Erklärung der hk. Messe, der kirchlichen Gebräuche 2c. Dieses herrliche Volksbuch eignet sich ganz besonders als Festgeschenk zu Weihnachten, zum Namenstag, Hochzeitsfest und dergleichen Anlässen. In den katholischen Familien ist es unentbehrlich und wird dort mit großem Nutzen gelesen. Es ist kaum möglich, mit wenigen Worten mehr Belehrendes und Erbauliches in so anziehender Weise zu sagen, als es hier geschieht. Der Preis des 728 Seiten starken Buches, das sich in elegantem Calicoeinband präsentirt und mit einem feinen Farbentitel, zwei Titelbildern und vielen Bildern im Text geschmückt ist, beträgt nur 1,60 Mark. Im gleichen Verlag erschien in zehnter Auflage das aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts stammende Lehrund Gebetbuch„Jesus die Krone der Jungfrauen“ von Pater Joseph Waldner, S. J., in neuer Bearbeitung. Dieses Gebetbuch, eines der schönsten und passendsten Geschenke für Jungfrauen, zählt zu den reichhaltigsten und besten, die auf dem Boden echt katholischen Lebens erblüht sind. Wir wünschen dem Buche, das reich ist an schönen, anmuthigen Gebeten, guten Rathschlägen und lehrreichen Unterweisungen, die weiteste Verbreitung. Preis gebunden in Calico mit Rothschnitt 1,50 Mk. „Das Lilien=Veitle“ Märchen von P. Ambros Schupp, S. J. 3. Auflage. Bonisatiusdruckerei.— Ein Märchen voll Tiefsinn und Gedankenreichthum, das wir immer wieder gern empfehlen. In die Erzählung hat der Dichter reizende Lieder und Gedichte verwebt, daß das ganze schillert wie eine kunstreiche, bunte, golddurchzogene Stickerei. Und es steckt in der bunten Schaale auch ein prächtiger Kern; das Märchen greift hinüber in's Leben, ja, es ist das Leben selbst, wie es hofft und irrt und büßt. Die Ausstattung des Büchleins ist dem Inhalte entsprechend. Wir empfehlen das hübsch illustrirte Werk—(gebunden 1,60 Mk.)— nicht allein der reiferen Jugend, sondern auch Erwachsenen, als gesunde Lectüre. Die Stadt Gottes, Illustrirte Monatsschrift zur Unterhaltung, Belehrung und religiösen Anregung. Verlag der Missions=Druckerei in Steyl, postlagernd Kaldenkirchen(Rheinland). Im neuen, schmucken Kleide erscheint„Die Stadt Gottes“ Die uns vorliegenden Hefte des neuen Jahrganges übertreffen in Bezug auf Mannigfaltigkeit des Inhaltes und Bilderschmuck noch die früheren. Was uns an ihrem Inhalte besonders gefällt, ist der religtöse Hauch, der über ihn ausgebreitet ist. Aber auch die Unterhaltung kommt durchaus zu ihrem Recht. Von Herzen wünschen wir der trotz ihrer Gediegenheit so billigen Movatsschrift(der ganze aus 12 Heften bestehende Jahrgang kostet nur 3 Mk.) die weiteste Verbreitung.— Bei dieser Gelegenheit sei auch auf den vom gleichen Verlage herausgegebenen„Wegweiser durch die katholische Literatur, zugleich Weihnachtsalmanach“ empfehlend hingeVerleumder nennt. Reinach verlangt von ihr, vor die Geschworenen citirt zu werden, wo der Wahrheitsbeweis zugelassen sei.— Im Saale Mille Colonnes fand gestern Abend eine große Versammlung zu Gunsten Piequarts statt, woran 2000 Personen theilnahmen. Das Mitglied des Instituts Duclaux präsidirte. Piequart wurde als Ehrenpräsident sproclamirt. Die Redner verlangten die Revision der Militäreinrichtungen. In Folge der Versammlung wurde eine Gegenkundgebung zu Gunsten der Armee hervorgerufen, welche sich gegen das Gefängniß Cherche Miei bewegte, aber von der Polizei zerstreut wurde. ( London, 8. Dec.„Daily Mail“ meldet aus New=York, die Rede Monsons werde in den Ver einigten Steaten stark kritisirt. Das Blatt„Commercial Advertiser“ sagt, die Rede grenze an Tollheit. Wenn Monson seine Rede im Auftrage der englischen Regierung gehalten hat, so ist das ein schlecktes Verfahren, die internationale Politik Englands zu leiter. Ist die Rede jedoch aus eigener Initiative gesalten, so muß sie der diplomatischen Laufbahn des Gesandten ein Ende machen. O London, 9. Dec. Die Vlaubücher über Creta sind veröffentlicht. Sie enthalten die Documente vom Beginn dieses Jahres bis zum 7. November. Der Inhalt ist größtentheils durch die Zeitungen bekannt, Parlamentarisches. * Das Resultat der Wahl der Schriftführer im Reichstage, welches in der Montagssitzung bekannt gegeben wird, ist folgendes: Es wurden gewählt die Abgeordneten Braun, Krebs, Pauli(Oberbarnim), v Normann, Paasche, Hasse, Hermes und Graf Kwilecki. Der von den Socialdemokraten präsentirte Abgeordnete Schivpel wurde nicht gewählt; er erhielt 46 Stimmen weniger als der Vole Graf Kwilecki. Die Socialdemokraten werden eine Reihe von Anträgen aus der vorigen Legislaturveri ode wieder einbringen, darunter die Anträge auf obligatorische Einführung der Gewerbegerichte, Beseitigung des MajestätsbeleidigungsParagraphen, Ein führung eines Reichsberggesetzes und des AchtstündigenArbeitstages. Ebenso wird eine Resolution eingebracht, in der die Ausdehnung der GewerbeInspection verlangt wird. Der Antrag PachnickeRoesicke betreffend die Errichtung eines Reichsarbeitsamtes zur Unt rsuchung und Feststellun der Arbeiterverhältnisse im deutschen Reiche soll ebenfalls dem Reichs tage aufs Neue zugehen. * Der Abg. Lenzmann, unterstützt von den Volkspatteien, hat im Reichstage den Antrag eingebracht, den Reichskanzler zu ersuchen, baldigst den Entwurf eines Reichs=Berggesetzes vorzu: legen. Herrn Vicar Ludmann, gehalten in der Festversammlung des BonifatiusSammelvereins am 4. December in Bochum. (Schluß.) Verehrte Anwesende! Nehmen wir nun den zweiten Sammelkorb in die Hand und sehen wir zu, was er enthält. Wir finden darin die Antwort auf die Frage: Wer soll sammeln? Die Antwort lautet: Alle mit Mann und Maus oder wie der Sammeldichter singt: Ob arm ob reich— ob groß ob klein— jeder soll Sammelbruder sein. Die Fähigkeit dazu hat Jedermann. Das Fechten im Sammel= verein ist kein großes Kunststück, man fange nur einmal damit an und in kurzer Zeit wird man darin eine große „Fixigkeit" haben, wie Onkel Bräsig sagt. Sie haben in den letzten Zeiten viel vom Fechten gelesen; ich erinnere nur an die Duellwütheriche. Dieses„nobele“ Morden ist von der Kirche ausdrücklich verboten und mit schweren Strafen belegt. Aber ein anderes Fechten gibt es, das die Kirche auf's Wärmste empfiehlt, das ist das Fechten auf dem Boden des Sammelvereins. Von solchen Jünglingen und Männern, die in dieser Fechtkunst geübt sind, singt der Dichter: Hoch klingt dus Lied vom braven Mann, der ordentlich was fechten kann. Und von diesem Fechtboden sind auch die Damen nicht ausgeschlossen. Man neunt sie wohl das schwache Geschlecht, aber im„Fechten“ sind sie stärker, als alle Männer. Vor dem„einnehmenden Wesen“ der Damen streckt man gerne die kalte Waffe der Hartherzigkeit und Lieblosigkeit, kurz, die Damen sind beim„Fechten" unüberwindlich. Was wäre der Sammelverein ohne die tapferen„Fechtschwestern"? Vor Allem mögen die Damen nicht vergessen, abgetragene Schmucksachen dem Herrn Vicar Klein zu bringen; er besitzt nämlich die lobenswerthe Kunst, derartige Gegenstände für den Sammelverein zu„versilbern“ und zu„vergolden“. Insbesondere ist das Sammelgeschäft für Kinder von großem erziehlichem Nutzen. Sie lernen kleine wiesen. Das 80 Seiten starke Heft gibt eine Uebersicht der hervorragendsten Erscheinungen des katholischen Buchhandels nebst einer kurzen, treffenden Kritik. Die Zukunft der Religionen. Von L. v. Hammerstein, S. J. Verlag der Paulinus=Druckerei in Trier. Preis Mk. 2. Mit diesem Werke hat der unermüdliche Pater v. Hammerstein, dessen Feder wir die großartigen apologetischen Werke„Edgar",„Gottesbeweise" und andere werthvolle Erzeugnisse verdanken, seinem schriftstellerischen Ruhme ein neues Lorbeerblatt eingefügt. In dreißig Capiteln behandelt er den Wirkungskreis der verschiedenen Religionsformen auf der ganzen Welt, ihren Einfluß, ihre Kraft, ihre Lebensfähigkeit. Er führt uns in die Neue Welt, die Vereinigten Staaten und die verschiedenen Republiken in Nord=, Mittel= und SüdAmerika, das Inselreich und die auf ihm wirkenden Missionen lernen wir kennen, über Australien gelangen wir in das asiatische Bereich, nach Japan, der Mongolei, China, Sibirien, Tibet, Indien und Persien. Nach Afrika kehren wir auf den europäischen Continent zurück, von dem wir ausgegangen. Es ist eine wahre Fundgrube der Gelehrsamkeit, die hier niedergelegt ist, ungeheures statistisches Material ist zu Beweiszwecken herangeholt, und das vielseitige Material ist auf einen verhältnißmäßig knappen Raum vereinigt. Nun pflegt man bei Werken derart anzunehmen, daß sie für den Laien in gewisser Beziehung langathmig sind wegen der Trockenheit, die Statistiken und Vergleiche an sich zu haben pflegen Aber weit gefehlr: es ist eben die große Kunst Pater Hammersteins, aus dem scheinbar sprödesten Stoff etwas zu machen, seinen Gegenstand, er mag auf einem Gebiete liegen, auf welchem er soolle, immer interessant und spannend zu gestalten. Die Form des Vortrages trägt dazu freilich nicht wenig bei. Das Buch verdient die weiteste Verbreitung.— Im selben Verlage ist erschienen„Eine Pilgerreise nach dem heiligen Lande“ im Frühjahr 1897. Von J. K., Priester. Die Reise des deutschen Kaiserpaares zum hl. Lande hat die Blicke der ganzen Welt nach diesem Erdstriche hingelenkt, wo vor 2000 Jahren unser Erlöser 33 Jahre wandelte, seine segensreichen Lehren predigte und seine Gottheit durch große Wunder bekräftigte. Viele Leser möchten nun etwas mehr über das hl. Land erfahren, als die Zeitungen in den Berichten der Kaiserreise darüber meldeten. Da veröffentlicht nun zu gelegener Zeit die Pauliuus=Druckerei die Broschüre eines Trierer Geistlichen, welcher im Frühjahr 1897 eine Pilgerfahrt nach Palästina unternommen und die meisten Orte besucht, welche der Heiland durch seine Gegenwart geheiligt hat. In einfacher, klarer Sprache schildert der Verfasser die Landschaften und Städte, welche er besucht, die heiligen Orte, welche er gesehen und verehrt hat. Der Preis(0,75 Mk.) ist so gestellt, daß auch dem Minderbemittelten die Anschaffung des Bächleins möglich ist. Sachen werthschätzen, werden an Sparsamkeit gewöhnt und pflegen zu gleicher Zeit die edle Tugend der Wohlthätigkeit und Nächstenliebe. Darum möchte ich den Eltern und Erziehern dringend die Bitte aus Herz legen, doch darauf zu achten, daß die Kinder Sammelgegenstände sorgfältig aufheben und in Gewahrsam nehmen. Und welches sind denn diese Gegenstände? Mit dieser Frage hebe ich den Deckel des dritten Sammelkorbes auf, der die Aufschrift trägt: Mittel, um für die Waisenkinder die Unterhaltungskosten aufzubringen. Wie die Aufschrift schon andeutet, hat dieser Korb einen werthvollen Inhalt. Zunächst zeige ich Ihnen die Mitgliedskarten. Nur 50 Pfg. hergeben, und man ist Mitglied für ein ganzes Jahr. Sollte aber einem 50 Pfg. zu viel sein, nun gut, dann wollen wir uns den Streit theilen; gebe er 30 Pfg., und der Geschäftsführer der hiesigen Sammelstelle wird ihm ganz gern eine Karte überlassen. Ist dieser oder jener noch nicht zufrieden, so können wir einige Sachen noch billiger losschlagen. Für Jeden kommt mal die Stunde, wo er einen lustigen Groschen in der Tasche hat. Dafür kann er beim Sammler oder bei der Sammlerin oder bei dem Sammleroberst einen seinen—„abgerissen" bekommen, ich meine einen seinen Spruch, z. B.: Entziehe Tags Dir ein Schnitt Bier Und kauf ne Karte Dir dafür: Das merk'st Du nicht im Portemonnaie Und schützt Dich auch vor— Magenweh. Beträge unter 10 Pfg. werden mit Dank angenommen, wir verkaufen aber nichts dafür. Hat nun einer bei seinem gutmüthigen Herzen auch noch ein gutes Portemonnate voll Geld, dann rechnet es sich der Verein zu hoher Ehre, einem solchen das Sammelehrendiplom für eine Vergütung von 2 M. überreichen zu dürfen. Diese Ehrenmitgliedskarten sind so schön, daß es sich beinahe der Mühe lohnt, dieselben einzurahmen. Auch„verwerthet“ der Sammelverein eine ganze Meuge von unbedeutenden Gegenständen, wie: Glas, Papier, Cigarrenende, Stanaiol und Zink und Blei; Briefmarken, Zeitschriftenbände Steckt der Sammelbruder bei. Korke, wenn daran noch Flaschen, Selbst, wenn diese voll mit Wein. Eifrig sucht man zu erhaschen Brod und Wein noch obendrein. Man nimmt echte, falsche Zöpfe, Auch den Knopf stets dankbar an; Doch am besten sind die Knöpfe,—— Wenn noch sitzt die Hose drau. Noch auf einen Gegenstand möchte ich Ihre besondere Aufmerksamkeit richten, nämlich auf Die Beileidskarten. Es ist wohlthuend für die Leidtragenden, wenn beim Todes= falle in der Familie Freunde und Verwandte ihr Beileid bekunden. Denn getheilter Schmerz, halber Schmerz. Aber die Art und Weise der Beileidsbezeugung ist durchaus nicht lobenswerth. Die Kränze, welche der Leiche nachgetragen werden und mit welchen man den Grabeshügel bedeckt, sind balo vertrocknet und werthlos. Sollte die Liebe zu den Verstorbenen auch nicht von längerer Dauer sein, dann ist sie der Rede nicht mal des Kranzes werth. Unsere Liebe zu den Dahingeschiedenen soll keine äußerliche prunkhafte sein, sondern eine wirkthätige, durch welche wir den Verstorbenen zu Hülfe kommen können, falls sie noch zu leiden haben. Dazu gibt uns der Sammelverein Gelegenbeit durch seine BeileidsKarten. Anstatt eines Kranzes gibt man für die Seelenruhe des Verstorbenen ein Almosen an's Waisenhaus und erhält dafür eine Beileidskarte. Diese übermittelt man mit Namensunterschrift an die Leidtragenden. Eine einzige solche Karte ist von weit größerem Nutzen für den Verstorbenen und daher ein weit größerer Beweis der Liebe und Anhänglichkeit als alle Kränze, mögen sie noch so kostbar sein. Denn das Almosen reinigt von Sünden, welche die Verstorbenen im Fegfeuer abzubüßen haben, die Kränze aber verfaulen blos im Sturm und Wetter. Das sind, verehrte Anwesende, so ungefähr die Sachen, die ich Ihnen aus meinen Eingangs erwähnten Sammelkörben zeigen wollte. Ich gebe mich nun der freudigen Hoffnung hin, daß Sie in den kommenden Monaten Mann an Mann frohen Muthes auf dem ehrenollen Schlachtfelde der edlen„Fechterei“ unter Anführung Ihres Oberfechtmeisters erscheinen, um Alles, was Ihnen in den Weg komm', zusammenzufechten. An Gelegenheit dazu fehlt es nicht. Höret, wie das Commando zum Fechten lautet: Siehst Du Leute Karten spielen, Dann steck' ein gleich den Gewinn. Die beim Bier den Gaumen kühlen, Laß nicht ungerupfet zieh'n. Und wer pocht auf volle Börse, Dem erleichtere gern die Last. Folg' dem Geizigen auf der Ferse, Sei bei ihm oft Sammelgast. Bei Hochzeiten und auf Taufen Denk' an Deine Sammelpflicht! Mußt die Gäste stets Dir kaufen! Merkt's Euch und vergeßt es nicht!! Bedenken Sie endlich recht wohl das Eine! Alles was wir aus Liebe den Kleinen thun, will uns der Heiland hoch aurechnen, er will es so ansehen, als wären alle Wohlthaten ihm selbst zu Theil geworden. Verehrte Anwesende! Wir sind in der Zeit der Vorberereitung auf das hehre Weihnachtsfest. In freudigen Verlangen sehen wir den Tag herannahen. Noch einige Wochen und in jubelnder Freude feiert die ganze Christenheit den Tag der Ankunft des Weltenheilandes, der als armes Kindlein bei winterlicher Kälte im Stalle zu Bethlehem ge# boren wurde. Stiege noch einmal das Christkind hernieder auf diese Erde, mit welch' heller Freude, mit welch' dankbaret Liebe würden Sie es aufnehmen in den trauten Kreis IhrerFamilie. Nun schauet! In den Waisenkindern klopft das Jesukind an Ihre Thüre, weisen Sie es nicht zurück und gewähren Ste ihm freudig Einlaß. Das Waisenkind ist ja in gewisser Beziebung noch ärmer daran als das Jesukind. Aermlich freilich war die Geburtsstätte des göttlichen Kindes, hart sein Lager, auf dem es ruhte. Aber voa beiden Seiten der Krippe schlug ein liebevolles Herz. An der einer Seite kniete Maria, die Mutter. Ihr Herz war voll bimmlischer Liebe zum göttlichen Kinde und in dieser Liebe suchte sie das Kind zu schützen so gut sie konnte, ihr ganzes Leben hindurch. An der anderen Seite steht der heilige Joseph. Freudevoll ruhten seine Augen auf dem göttlichen Pflegesohne. In seinem Herzen war der Entschluß, alle Sorge, alle Liede diesem Kinde zu weihen bis in den Tod. Nun betrachten Sie ein armes Waisenkind. Das Mutterherz, das einst voll Eit ein armer Watsentne. Bür Pirn.,erg. 6 einst Liebe für das hülflose Kind schlug, steht still für immer und ruht im kühlen Grabesgrunde. Das Auge des Vatere, de in Sorge und Liebe dasselbe überwachte, ist geschlossen fir immer. Vergebens ruft das Waisenkind: Vater, Muttck. Nur an den einen Vater kann es sich noch wenden, zu dem wir alle beten: Vater unser... gib uns unser täglichee### Brod. Klagend und flehend bittet es zu Gott: Golt in Himmel Dir empfehle— ich mich armes Waisenkind, sende deine Englein nieder, auf daß ich auf Erden wieder— ein gute Heimath find'! Ach wohin soll ich sonst gehen— a#### die Welt, sie ist so weit!— Womit meinen Hunger stillen, Worin meine Glieder hüllen?— Niemand fühlt mein bitteres“ Leid!— Dieser Klage möchte ich noch den Wunsch auschlir anstatt meiner Worte— mögen Gottes Englein rühren mancher Christen hartes Herz,— daß sie doch den armen# Kindern— geben stets und freudig lindern— ihre Noth und ihren Schmerz! So gehe frank und frei Durch alle Lande Die edle Sammelei. Im Anschluß an diese Ausführungen sei beinerkt, daß“ Centralstelle Paderborn im Jahre 1897 im Ganze 124,625.45 M. aufgebracht, d. h. diese Summe ist von kes einzelnen Sammelstellen dort eingelaufen. In den 13 seines Bestehens(im Jahre 1885 wurde er gegründet) hat dl Bonisatius=Sammelverein 1,106,939.42 M. aufgebracht. Hauptsammelstelle Bochum, welche bis jetzt unter den Samme stellen noch immer an erster Stelle steht, hat im verflossenen Jahre 4524.76 M. aufgebracht. Sie besteht leider nur aus der Stadt Bochum, bis jetzt hat sich noch keine der Gemeinde des Decanats angeschlossen. Bis jetzt hat Bochums insgesamd 27,706.39 M. eingebracht, wovon 18,269.81 M. allein# Bochum aufgebracht wurden. Der übrige Theil wurde der außergewöhnliche Gaben von Auswärts aufgebracht. In dei Stadt sind jetzt 58 Sammelbüchsen aufgestellt. Im Jahr“ 1898 sind bis jetzt etwa 2100 M. gesammelt worden. muß also noch wacker gesammelt werden, um wenigstens den vorjährigen Stand wieder zu erreichen. * Crefeld, Seiden web heute folgende wachsenden agita der mechanischen tigten Aus Behinderung de einzelnen Fabrike zusetzen, haben d um diesem Terr# Falle ein Ausf Zwecke eingesetzt fertigt erweist, Kündigung der? lichen mechanisch zeitig eingestellt Locale * Witten, dem Plane gemä die Inbetrie Straßenbal Langendreer un und ist das Fahr ner u. s. w. für geschult und vor am 15. kss. Mt bleibt abzuwarte ja und wollen: Thatsache wird. 0—. Der veranstaltet vom lich den 19. ds. stellung von Utensilien. Es vertheilung von damit verbunden Restaurant W. *— Gestoh der Arbeitsstelle ein Arbeitscolleg *— Der A Verein zu einer zuverlässig Einrichtung getr unter den Mitg Keuptniß des Re ihm selbst behand buch, in welchem ist. Die nicht v zu seiner Kenntni ältesten zu erstatt Todesursache na falls ihm die vor maßliche Todesu Vom Revierarzt anzeigen an de Außer den Tode eine Anzeige dire zahlung des St. muß die Todes Grund der letzt ständige Knappf blättchen aus, in Anzeige vergliche weichung der à Aeltesten angege sollte, nach dem d Zur Vereinfachun sind entsprechende Aerzte ausgegeber 2.— Die V rungen, die m tritt, falls sie unterbrochen wirk wenigen Wochen scheinen, sich jetzt formiren, wann ihre Allgemeinen tritt Verjährung jetzt standenen Fordern leute, Krämer, K für gelieferte Wa rungen der Schu anstalten an ihre ter, Fuhrleute u. und Auslagen, s# für Wohnung un rungen für alle: Bauarbeiten falle 1896 und früher Tagegen ist dies Bauhandwerker 1 für die von Ba Veräußerung err Ansprüchen aus rungen verjähren verjähren am 31 Jahre 1884 her wälte und Notare. und Gehaltsforder Gesindes und der sowie Forderunger bedungener, noch Pachtgelder, Pen Renten= und Stei Betreffs militärpflich polizeibehörden S zu Potsdam dieser welcher besagt,! Herrn Kriegsmini streckung von Pr nach der Straffe Heer gelangt sind, eine erhebliche Be essen herbeiführe. deshalb angewiese noch vor der Ein 2.— Die Verei Harpenter Gesell gekemmezt. Wie d Kreisen der G unter den Ak schaft der Wide lester Zeit storki -#ug drn Aktien sammlung der Ha# varsamkeit gewöhnt und zend der Wohlthätigkeit ch den Eltern und aus Herz legen, doch ammelgegenstände sorgehmen. egenstände? Mit dieser Sammelkorbes auf, der für die Waisensten aufzubringen. hat dieser Korb einen eige ich Ihnen die Mitund man ist Mitglied em 50 Pfg. zu viel sein, Streit theilen; gebe er r hiesigen Sammelstelle issen. Ist dieser oder wir einige Sachen noch nt mal die Stunde, wo che hat. 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Fast sämmtliche Seidenwebereien, 46 an der Zahl, hiesigen erließen heute folgende Bekanntmachung: Gegenüber den wachsenden agitatorischen Bestrebungen, die Arbeiter der mechanischen Stofffabriken zu ungerechtfertigten Ausständen zu veranlassen und durch Behinderung der arbeitswilligen Elemente bei den einzelnen Fabriken stets steigende Forderungen durchzusetzen, haben die unterzeichneten Firmen beschlossen, um diesem Terrorismus entgegenzutreten, daß, im Falle ein Ausstand nach Prüfung der zu diesem Zwecke eingesetzten Commission sich als ungerechtfertigt erweist, der Betrieb nach vor hergegangener Kündigung der Arbeiter binnen 14 Tagen in sämmtlichen mechanischen Stoffwebereien Crefelds gleichzeitig eingestellt werden soll. Locales und Provinzielles. * Witten, 12. Dec. Im Laufe dieser Woche, dem Plane gemäß am nächsten Donnerstag, soll also die Inbetriebsetzung der eleetrischen Straßenbahn erfolgen. Probefahrten zwischen Langendreer und hier haben bereits stattgefunden, und ist das Fahrpersonal, als Wagenführer, Schaffner u. s. w. für den verantwortungsvollen Dienst geschult und vorbereitet. Ob trotzdem der Betrieb am 15. ess. Mts. wirklich eröffnet werden kann, bleibt abzuwarten. Sehr wünschenswerth wäre es ja und wollen wir auch hoffen, daß der Plan zur Thatsache wird. (.— Der Kanarien=Verein„Wohlgemuth“ veranstaltet vom nächsten Freitag an bis einschließlich den 19. ds. Mts. eine allgemeine Ausstellung von Kanarien, Exoten und VogelzuchtUtensilien. Es wird eine Prämiirung und Gratisvertheilung von Konarienhähnen und Vogelbauern damit verbunden sein. Die Ausstellung findet im Restaurant W. Kruhöffer am Markt statt. *— Gestohlen wurde einem Fabrikarbeiter auf der Arbeitsstelle eine Taschenuhr. Als Thäter wurde ein Arbeitscollege des Bestohlenen ermittelt. *— Der Allgemeine KnappschaftsVerein zu Bochum hat behufs Erlangung einer zuverlässigen Medicinalstatistik die Einrichtung getroffen, daß sämmtliche Todesfälle unter den Mitgliedern des Vereins zunächst zur Keuptniß des Revierarztes gelangen. Ueber die von ihm selbst behandelten Fälle führt derselbe ein Tagebuch, in welchem auch die Diagnose zu verzeichnen ist. Die nicht von ihm behandelten Fälle gelangen zu seiner Kenntniß durch die von dem Knappschaftsältesten zu erstattende Anzeige. Der Arzt hat die Todesursache nach Möglichkeit richtig zu stellen, falls ihm die von den Aeltesten angezeigte, muthmaßliche Todesursache zu Zweifeln Anlaß gibt. Vom Revierarzt werden alsdann die Sterbefallanzeigen an den Knappschaftsvorstand erstattet. Außer den Todesanzeigen sendet der Aelteste noch eine Anzeige direct an den Vorstand behufs Auszahlung des Sterbegeldes; auch in dieser Anzeige muß die Todesursache angegeben werden. Auf Grund der letzterwähnten Anzeige fertigt das zuständige Knappschaftsbureau ein Sterbefallzählblättchen aus, welches schließlich mit der ärztlichen Anzeige verglichen und für den Fall, daß eine Abweichung der ärztlichen Feststellung von der vom Aeltesten angegebenen Todesursache vorhanden sein sollte, nach dem ärztlichen Gutachten berichtigt wird. Zur Vereinfachung dieser statistischen Feststellungen sind entsprechende Formulare an die Aeltesten und Aerzte ausgegeben worden. 2.— Die Verjährung älterer Forderungen, die mit dem Ablauf dieses Jahres eintritt, falls sie nicht durch Mahnung oder Klage unterbrochen wird, läßt es Angesichts der nur noch wenigen Wochen bis zum Jahresschluß geboten erscheinen, sich jetzt schleunigst genau darüber zu informiren, wann bezw. ob mit dem Ende dieses Jahres ihre Forberungen verjähren oder nicht. Im Allgemeinen tritt nach preußischem Recht die Verjährung jetzt ein bei allen im Jahre 1896 entstandenen Forderungen der Fabrikunterneymer, Kaufleute, Krämer, Künstler, Handwerker und Apotheker für gelieferte Waaren und Arbeiten; ferner Forderungen der Schul=, Erziehungs= und Verpflegungsanstalten an ihre Zöglinge, Forderungen der Arbeiter, Fuhrleute und Schiffer für Lohn, Frachtgeld und Auslagen, sowie der Gast= und Speisewirthe für Wohnung und Beköstiguag. Auch die Forderungen für alle unter den gewöhnlichen Begriff von Bauarbeiten fallenden Leistungen aus dem Jahre 1896 und früher verjähren am Ende dieses Jahres. Tagegen ist dies nicht der Fall bei Ansprüchen der Bauhandwerker und Lieferauten aus Lieferungen für die von Baugewerksmeistern zum Zwecke der Veräußerung errichteten Gebäude, ebenso nicht bei Ansprüchen aus Entreprise=Verträgen, diese Forderungen verjähren erst in 30 Jahren. Weiterhin verjähren am 31. December d. I. die aus dem Jahre 1884 herstammenden Forderungen der Anwälte und Notare, Aerzte, Makier; ferner die Lohnund Gehaltsforderungen der Handlungsgehülfen, des Gesindes und der Haus= und Wirthschaftsbeamten, sowie Forderungen aus dem gleichen Jahre wegen bedungener, noch rückständiger Zinsen, Mieths= und Pachtgelder, Pensionen, Besoldungen, Alimeute, Renten= und Steuerforderungen. *.— Betreffs ber Polizeistrafen gegen militärpflichtige Persouen ist den Ortspolizeibehörden Seitens des Regierungspräsidenten zu Potsdam dieser Tage folgender Erlaß zugegangen, welcher besagt, daß nach einer Mittheilung des Herrn Kriegsministers die Anträge wegen Vollstreckung von Polizeistrafen gegen Personen, die nach der Straffestsetzung zur Einstellung in das Heer gelangt sind, sich stetig vermehrt haben, was eine erhebliche Beeinträchtigung militärischer Interessen herbeiführe. Die Polizeibehörden werden deshalb angewiesen, die Vollstreckung der Strafe noch vor der Einstellung zu bewirken. *.— Die Vereinigung von Zeche Centrum mit der Harpenter Gesellschaft ist bekanntlich nicht zu Stande ekemmezi. Wie die„K. Z.“ hört, war nicht nur in den Kreisen der Gewerken von Centrum, sondern auch unter den Aktionären der Harpener Gesellschaft der Widerstand gegen die Veremigung in Zeit stork im Wachsen beeriffen. Die AnmelLung vrn Aktien für die außerordentliche Hauptversauumlung der Harpener Gesellschaft hatte dem Vernehmen nach die Höhe von 20 Millionen Mark erreicht, davon entfielen auf die Gegner des Ankaufs der Zeche Centrum etwa 6 Millionen, sodaß die Veraltung über die nach den Satzungen erforderliche dreifache Mehrheit nicht verfügte. X Bochum, 10. Der. Am Donnerstag Abend hielt die Gesellschaft„Katholisches BürgerCasino“ ihre statutengemäße Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Kassirers, Herrn Carl Unterberg, betrug die Einnahme mit dem Bestande von 1274 Mark 3337 Mark, die Ausgabe 2130 Mark, so haß ein Bestand von 1230 Mark verbleibt. Vom Rechnungsprüfer, Herrn Dilla, wurde die Entlastung des Rechners beantragt. Das Casino zählt jetzt 174 Mitglieder, früher 177. Das Eintrittsgeld wurde für alle neu Eintretenden auf 3 Mark gesetzt. In der Vorstandswahl wurden die alten Mitglieder wiedergewählt und die Herren W. Winkelmann und Theod. Schulz neu in den Vorstand berufen. Im Laufe des Winters sollen populär= wissenschaftliche Vorträge gehalten und im Januar soll ein Vereinsfest gefeiert werden. (— Das zweite diesjährige Concert des biesigen Musik=Vereins, das Mitte Januar n. I. stattfindet, wird durch die berülmte Peimadonna der könlglichen Oper in Berlin, Kammersängerin Fräul ein Ida Hiedler, und den ausgezeichneten Clavier= Virtuosen Herrn Fritz Masbach in Berlin ausgeführt werden. Wir möchten nicht verfehlen, auf diesen außergenöhnlichen Kunstgenuß, der den Höhepunkt unserer musikalischen Saison bilden wird, schon jetzt aufmerksam zu macher. Im dritten Concert (3. März n. J.) wird Schumanns herrliches Tonwerk „Das Paradies und die Peri“ zur Aufführung gelangen. Auch in die sem Concert werden nur Künstler allerersten Ranges mitwirken; so ist als„Vers“ die zur Zeit beste Vertreterin dieser Parthie, die renommirte königlich bayerische Opern= und Concertsängerin Frau Röhr=Brajnin in München bereits gewennen worden. Das vierte Concert(April n. I.) wied ein gemischtes Programm bringen, wofür die Mitwirkung des bekannten Cello=Virtnosen Herrn Prosessor Grützmacher vom Conservatorium in Cöln in Aussicht genommen ist. Eine musikalischdramatische Abendunterhaltung im Mai n. I. wird dann für dieses Jahr den Abschluß bilden.— So wird der Musik=Verein, der schon mit der Aufführung der„Jahreszeiten“ einen so glänzenden Erfolg erzielt hat, durch sein echt künstlerisches Programm auch in diesem Jahre nicht nur seinen zahlreichen Mitgliedern, sondern auch allen andern Musikfreunden unserer Stadt und Umgegend reichen musikalischen Genuß verschaffen. *— In der letzten Zeit ist in mehrere Geschäfte zur Nachtzeit eingebrochen worden, so auf der Marien= straße, wo nach Zertrümmerung der Schaufenster Aevfel, Nusse, ein Sack Kartoffeln und Kleidungsstücke gestohlen wurden, dann auf der Rottstraße, wo Cocosnüsse und Aepfel im Werthe von 70 Mark abhanden kamen. Die Thäter scheinen jezt in noch schulpflichtigen Knaben ermittelt zu sein. *- Der im hiesigen Centralgefängniß untergebrachte und Dienstag Mittag zur Wabrnehmung eines Termins nach Dortmund transportirte Strafefangene Karl Ilore ist seinem Transporteur entsprungen und konnte bis her noch nicht wieder dingfest gemacht werden. *— Herr Friedrich Beckmann ersucht uns mitzutheilen, daß er nicht 1500 Mark, sondern nur 1250 Mark erhalten habe. *— Im Monat November sind 208 Personen mehr zu= als abgezogen und 119 mehr geboren als gestorben. □ Hordel, 7. Der. Der Männergesangverein „Kaiserveilchen“ wird sein dies jähriges Winterfest, verbunden mit Kaisersgeburtstagsf eier, am 5. Februar im Saale der Wittwe Blome felern. Das umsangreiche Programm bietet Concert, Gesang, Theater, humoristische und patriotische Solo= und Gesammt= scenen in reicher Auswahl. Hoffentlich ist der Besuch des Festek ein eben solch starker, wie in allen früheren Jahren, zumal die Leistungen dieses starken Vereins genugsam bekannt sind. * Kray, 8. Dec. Der Locomotivführer Nitsch, der sich auf Zeche„Ver. Bonifatius“ beim Rangiren eine starke Quetschung zuzog, ist seinen Verletzungen erlegen. Eine zahlreiche Fawilie, Wittwe mit zehn Kindern, beweinen den Tod ihres Ernährers. * Recklinghausen, 9. Dec. In den letzten Tagen besuchte ein Schwindelmeier die Frau eines wegen Diebstahls in Untersuchungshaft befindlichen Fuhrknechtes von hier und stellte sich als Vertreter eines auswärts wohnenden Rechtsanwalts vor, der ihren Mann und einen Mitschuldigen vor Gericht zu vertheidigen habe. Als Legitimation zeigte der Schwindler ein Schriftstück vor, welches wie ein amtliches aussoh und auch mit amtlichen Stempelabdrücken verziert war, worauf er von der Frau 40 M. Vorschußkosten, Reisekosten nach Münster 10 M. und für Schreibgebühren auch noch 3 Mark, also 53 Mark erhielt. Später, als sich Mißtrauen bei der Frau regte, reiste sie zu dem auswärts wohnhaft Rechtsanwalt, wo sie, laut„Reckl. Ztg.“, erfuhr, daß sie betrogen war.— Gestern Abend wurde hier ein ehemaliger Müller verhaftet, welcher sich auf ein bei Zeche„Schlägel u. Eisen" stehendes Pferd setzte und mit diesem von dannen ritt, jedenfalls nur, um dasselbe irgendwo zu verkaufen. * Essen, 8. Dec. Unter Hinterlassung einer ganz enormen Schuldenmenge ist seit dem 25. November der Procurist Becker vom Kohlensyndieate verschwun den. Sein Ausbleiben motivirte er mit einem Besuche seiner erkrankten Mutter. Wie verlautet, sollen unglückliche Speculationen Becker zu dem Schritte getrieben haben. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß er in letzter Stunde noch Gelder aufgetrieben und mitgenommen hat. Das Kohlensyndicat ist jedoch nicht geschädigt. * Essen, 8. Der. Der Staatssecretär der Marine, Tirpitz, weilte zum Besuche der Gußstahlfabrik hier und besuchte heute die Kanonenund Lafettenwerkstätten. * Elberfeld, 9. Dec. Mit der Frage, ob die Eleetrieität eine bewegliche Sache sei, also nach rechtlichen Begriffen gestohlen werden könne, hatte sich gestern die hiesige Strafkammer zu beschäftigen. Während das Reichsgericht seiner Zeit diese Frage in verneinendem Sinne beantwortet hatte. bejahte sie die hiesige Strafkammer. Ein Wirth und ein Monteur hatten in Wülfrath Electricttät von dem städtischen Licht= und Kraftwerke widerrechtlich entnommen und waren deshalb wegen Diebstahls unter Anklage gestellt worden. Die Strafkammer verurtheilte beide zu je einem Tag Gefängniß. weil die Richter die Wegnahme von Electrieität als einer beweglichen Sache im Sinne des Strafgesetzbuches auffaßten. Im Uebrigen erklärte der Vorsitzende, daß eine grundsätzliche Entscheidung der Frage nothwendig sei, damit die noch herrschende Unsi cherheit nach dieser Richtung aus der Welt geschafft werde. Weil diese Unsicherheit auch bei dem Angeklagten bestanden habe mögen, erkannte das Gericht auf das geringste zulässige Strafmaß(einen Tag Gefängniß). * Düsseldorf, 8. Der. Der 17 Jahr: alte Gymnasiast Freiherr Carl v. Massenbach, Sohn des hier wohnenden Obersten z. D. Frhrn. v. Massenbach, stand gestern vor der hiesigen Strafkammer unter der Anklage, Fahrräder gestohlen zu haben. Der Angeklagte war geständig; er hat im April d. J. auf der Straße ein Fahrrad gestohlen; im Juli stahl er einem Schulkameraden das Fahrrad und verkaufte es für 100 Mark, die er seinem Bruder gegeben haben will. Nach diesem Diebstahl wurde er nach Pyrmont auf die Schule geschickt. Zur Verhandlung waren viele medicinische Gutachter geladen, darunter Geheimrath Pelmann aus Bonn. Die Sachverständigen erklärten den des Diebstahls angeklagten jungen Freiherrn für unzurechnungsfähig, worauf er freigesprochen wurde.— Im Wiederaufnahmeverfahren wurde gestern von der Strafkammer der frühere Bauunternehmer Albert Wiese freigesprochen. W. war am 28. April d. J. wegen Wechselfälschung zu einer Gefängnißstrafe von sechs Monaten verurtheilt worden. Das Reichsgericht hatte die Revision abgelehnt, trotzdem gelang es ihm, das Wiederaufnahmeverfahren durchzusetzen. In der heutigen Verhandlung stellte es sich heraus, daß ein Zeuge, der Kaufmann Friedrich Wolf, dringend verdächtig ist, den Wechsel gefälscht zu haben. * Cöln, 8. Dee. Mit dem gestrigen Tage haben die Söhne des hl. Dominikus, die vor ca. 100 Jahren, als ihr blühendes Kloster von den Franzosen säcularisirt wurde, die Stadt Cöln verlassen mußten, wieder ihren Einzug in das hl. Cöln gehalten. Im Norden der Stadt, dicht an der Umwallung, in der Nähe der im Bau begriffenen Agneskirche, an der Melchiorstraße, haben sie vorläufig in gewiethetem Hause eine neue Niederlassung gegründet. Um ½7 Uhr eelebrirte in der goldenen Kammer von St. Ursula, in deren Pfarrbezirk die Niederlassung liegt, der hochw. Herr P. Provincial Albertus Trapp aus Düsseldorf, die hl. Messe, der die hiesige Klostergemeinde nebst Vertretern der Klöster aus Düsseldorf, Venlo und Vertreier der Franziskauer beiwohnten. Darauf begaben sich die Theilnehmer mit dem Pfarrclerus von St. Ursula in das Klösterchen, wo der hochw. Herr Weihbischof Dr. Fischer die Einweihung des Capellchens und die Einführung der Patres in ihren neuen arbeitsreichen Wirkungskreis vollzog. Vorläufig werden die Patres Albertus Trapp, Ceslaus Hansen und Lucas Knackfuß nebst drei Fratres hier wohnen. Die Freude der katholischen Bürgerschaft über die Rückkehr der Dominikaner ist allgemein. Möchten ihnen die Lazaristen nur recht bald folgen. * Petersburg, 9. Dec. Seit gestern Mittag herrscht hier große Ueberschwemmung. Die die Stadt durchkreuzenden Canäle sind an vielen Stellen ausgetreten, die benachbarten Straßen vollständig überschwemmend. Die Pferde stehen bis an den Leib im Wasser, das auch in die Droschken dringt. Der Jammer der Hafenanwohner ist unbeschreiblich, da sämmtliche Wohnungen unter Wasser stehen. Sogar mitten in der Stadt sind die Kellerwohnungen und Portierlogen ganz und gar unter Wasser. Von der Festung ertönen die Warnsignale unaufhörlich. Ob Personenverluste zu verzeichnen sind, ist noch nicht festgestellt. * Verschiedenes. In Celle ist die 15jährige Lina Stolzmann am Montag Abend gegen 10 Uhr in der Schloßanlage durch einen Stich ins Herz ermordet worden. Der Mörder ist leider entkommen. — Die Erbauung eines kaiserlichen Sommerschlosses am Kriegshafen in Kiel soll, dort verbreiteten Gerüchten zufolge, beabsichtigt sein. Zum Bauplatz ist angeblich das Düsternbrooker Grundstück Krupps ausersehen.— Krawalle sanden am Sonntag Abend in Neumünster bei Kiel statt. Die durch die Polizei nicht zu bewältigenden Tumultuanten demolirten die Tonhalle und die Reichshallen. Dann zogen sie nach dem Tivoli. Es wurde Militär requirirt, das mit blanker Waffe einschreiten mußte, sodaß zahlreiche Verwundungen erfolgten.— Ein plötzlich wahnsinnig gewordener Sträfling ermordete in der mecklenburg= schwerinschen Landesstrafanstalt Dreibergen seinen Zellengenossen.— Scharlach und Diphtherie treten in mehreren Ortschaften der Umgegend von Liegnitz epidemisch auf. In Polsnitz und Groß=Peterwitz starben gegen zwanzig Kinder. Der Schulunterricht mußte länger als einen Monat ausgesetzt werden. Jetzt ist die Epidemie in Abnahme begriffen.— Im Rangirbahnhof zu Bingerbrück wurde der Bedienstete Eckes aus Münster zwischen den Puffern erdrückt. Der Tod trat auf der Stelle ein.— Ein mißglücktes Attentat unternahm am Montag in Gießen ein Schüler der Obersekunda des Realgymnasiums gegen seinen Lehrer. Er hatte eine Cigarrenkiste mit Explosionsstoffen gefüllt und mit einer Vorrichtung versehen, so daß beim Oeffnen des Behälters leicht ein Unglück hätte geschehen können. Als Motiv der That gibt der Attentäter an, er habe von der Schule los gewollt, wozu die Eltern ihm die Erlaubniß verweigerten.— In Dresden ist der holländische Rentner und frühere Staatsbeamte Kornelius Johann Theodor van der Hoeft wegen eines schweren Sittlichkeitsverbrechens und Beilegung falscher Titel und Orden zu einem Jahr zwei Monaten Geföngniß und fünf Jahren Ehrverlust verurtheilt.— Der Polizei in Paris gelang es, die Führer einer berüchtigten Diedesbande zu verhaften, welche seit einiger Zeit in den Provinzen zahlreiche Villen ausgeraubt und dabei eine Beute von eirca 5 Millionen Francs gemacht haben sollen. Bei den Verhafteten wurden Werthpapiere in Höhe von eirca 100,000 beschlagnahmt.— Eine Erbschaft von zweieinhalb Millionen Mark ist von den spanischen Gerichton nach einem Prozesse von fast einem Jahre dem kleinen König Alfons XIII. zugesprochen worden. Der Erblasser war ein Senor Soler, dessen Familie das Testament angefochten hatte.— Bei der an der Wolga belegenen Stadt Kineschma kenterte ein großes Boot, auf welchem sich über 50 Fabrikarbeiter befanden. Bei dem starken Welleaschlage ertranken 38 Arbeiter; die übrigen wurden von einem herankommenden Boot gerettet. * Nobler Bräutigam. Braut:„Sagen Ste meinem Bräutigam für das schöne Bouquet besten Dank und hier haben Sie für's Ueberbringen einen Thaler— vertrinken Sie ihn aber nicht gleich.“— Diener:„I bewahre, die Blumenverkäuferin, die den kriegt, steht ja schon vor der Thüre.“ * Der Pedant. Registrator(zu einem Bureauschreiber, dem er ein von jenem ausgeführtes Schriftstück zurückgibt): „Herr Schmidt, hier fehlt e' I=Pünkiche. Machen Sie's mal sälwer driewer, daß nicht zweerlee Schrift wärd!“ * Der Fleißzige. Freund:„So steh doch endlich auf— es ist ja schon elf Uhr!“ Hausherrnsohn:„Aufstehen will ich noch— aber sonst thu ich heute nichts mehr!“ * Stoßseufzer. Xaverl(als er für den Vater die fünfte Maß Bier holen mußte):„Du Mutter, der Vater kommt uns aber teuer!“ * Auf der Treibjagd. Sonntagsjäger:„Was nützt es euch Hasen, wenn ihr mir auch jetzt davon lauft— beim Wildprethändler erwisch' ich euch doch!“ Neueste Nachrichten und Telegramme. Berlin, 9. Dec. Der Jesuitenantrag des Centrums muß selbstverständlich eingebracht worden sein, damit das Centrum ein Tauschobjekt für das Geschäft habe, das es mit der Regierung bei der Militärvorlage u. s. w. zu machen beabsichtigt. Es ist einmal so Sitte und Herkommen bei der gegnerischen Presse, dies jedesmal zu sagen. Daß das „Geschäft" noch niemals gemacht worden ist, genirt ja weiter nicht. Der Gedanke, das Centrum könne aus einem Rechtsund Pflichtgefühl den Antrag eingebracht haben, kommt den Gegnern natürlich nicht, oder vielmehr sie wollen ihn nicht aufkommen lassen. Die„Hamb. Nachr.“ erwarten, daß die Regierung nicht auf einen Antrag eingehen werde, bei dem es sich um eine„innere Macht= und Würdefrage“ handele, und culturkämpfert immer einiges über die„principielle Unterwerfung" der Regierungen„unter den Willen des römischen Centrums“ und über daß„nationale und protestantische Bewußtsein“, der großen Mehrheit des deutschen Volkes. Also Recht und Gerechtigkeit kommt gegenüber den Jesuiten garnicht in Frage, sondern nur die„Macht“. Und bei dieser ausschließlichen Anwendung der„Macht“ gegen eine Handvoll Staatsbürger, die nicht das Geringste verbrochen haben, redet man dann auch noch von der„Würde" des Deutschen Reiches. Für das Centrum und die deutschen Katholiken ist es Ehrensache, darauf zu bestehen, daß den Jesuiten ihr Recht werde. Für andere Leute scheint es die„Würde“ zu gebieten, daß ihnen Unrecht geschehe. So sind die Begriffe von Ehre und Würde verschieden. § Im Reichstag ist die Fractionsliste herausgegeben worden. Nach derselben zählt das Centrum 106 Mitglieder, die Conservativen 52, die Reichspartei 22, die Antisemiten 10, die Polen 14, die Nationalliberalen 48, die freis. Vereinigung 12, die freis. Volkspartei 29, die deutsche Volkspartei 8, die Socialdemokraten 56. Wild sind 40 Abgeordnete. + Der Gesetzentwurf zum Schutze Arbeitswilliger soll nach der Angabe eines Berichterstatters in der letzten Sitzung des Staatsministeriums genehmigt worden und dem Bundesrathe zugegangen sein. Nach der„Nat.=Ztg.“ dagegen ist dies nicht der Fall. Dem Bundesrathe soll sogar das Material noch nicht bekannt sein, das von den verschiedenen Bund Sregierungen in Folge des bekannten Posadowsky'schen Erlasses eingegangen ist. Man soll mit der Ordnung und Verarbeitung desselben beschäftigt sein. Aber den Gesetzentwurf kann man doch auch ohne das„Material“ machen. I Bei der bevorstehenden Etatsberathung wird Namens des Centrums an erster Stelle wieder der Abg. Fritzen(Düsseldorf) sprechen. #c Von der Absicht des Kaiserpaares, im nächsten Frühjahr zum Besuch des italienischen Königspaares nach Italien zu reisen, ist der„N. Berl. Corr.“ zufolge in Hofkreisen, die es wissen müßten, nichts bekannt. I Die Nachricht, daß zur Deckung der Reisekosten des Kaisers auf der Fohrt nach Palästina dem Landtage eine besondere Vorlage zugehen werde, entbehrt nach der „Nordd. Allg. Ztg.“ jeder Begründung. ) Ein Mitglied des österreichischen Reichsraths hat bekanntlich die österreichische Regierung dar über inter pellirt, daß der deutsche Kaiser bei seinem Aufenthalt in Beirut es gegenüber den dortigen deutschen„Honororconsul“ als Pflichtvergessenheit bezeichnet haben solle, daß dieser neben den deutschen auch österreichische Formen vertrete. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ ist zu der Erklärung ermächtigt, daß an der Geschichte kein wahres Wort ist. X Die durch den Fall Grünenthal bei der Leitung der Reichsdruckerei veranlaßten Erwägungen, wie eine größere Sicherheit im technischen Betriebe herzustellen sei, haben der„Nat.=Ztg.“ zufolge nunmehr zu einem Ergebniß geführt. Man beabsichtigt, die Geschäfte der einzelnen Abtheilungen anders abzugrenzen und eine euen Abtheilung zu bilden unter der Leitung und Aufsicht eines neu einzustellenden Betriebsinspectors. ): Dresden, 10. Dec.(Telegramm.) Hier ist ein partieller Strike der Brauer ausgebrochen. O Wien, 9. Dec. Die heutige Sitzung des Abgeordneten hauses schloß in Folge eines Beschlusses der Majorität, die erste Lesung des Ausgleichsprovisoriums sofort auf die Tagesordnung zu setzen, mit ungeheurem Lärm. Die gesammte Linke führte das bekannte, alte Pultdeckel=Concert auf und schrie dabei;„Abzug Präsident!“ Pest, 9. Dec. Das Abgeordnetenhaus war heute stark besetzt. Die Galerien zeigten sich überfüllt. Es berrichte eine äußerst erregte Stimmung. Nachdem der den Vorsitz führende Vice=Präsident Lang einen Brief Szilagyis verlesen hatte, in der dieser mittheilt, daß er auf seiner Demission bestehe, hielten Graf Apponyi und Kossuth Namens ihrer Parteigenossen längere Reden, worin sie ihr Bedauern über die Demission aussprachen. Hierauf wurde die Sitzung auf Morgen vertagt und die Bestimmung der Neuwahl des Präsidenten auf die Tagesordnung gesetzt. * Madrid, 9. Dec. Der„Imparcial“ legt abermals lebhafte Verwahrung dogegen ein, daß die Schuld an der Katastrophe der„Maine“ Spanien zugeschoben weide. Das Blatt fügt hinzu, daß vielmehr die Amerikaner die Verantwortlichkeit für die Explosion trügen. Madrid, 10. Dec.(Telegramm.) Nach einer amtlichen Depesche aus Ilo=Ilo empörte sich eine Abtheilung von Eingeborenen. 6 Soldaten sind erschossen, weitere Empörungen fanden in Tomba, Niogranda und Ballabad statt. Schiffe sind zur Unterdrückung der Empörung entsendt. * Barcelona, 9. Der. Auf einem hier von Mauila mit heimkehrenden spanischen Soldaten eingetroffenen Packetboot starben während der Ueberfahrt 60 Mann. * Paris, 9. Der. Die„Agence Havas“ veröffentlicht folgende Information: Die Commentare, welche die jüngste Rede Monsons auf dem Bankett der hiesigen englischen Handelskammer hervorgerufen hat, zeigen, daß der Gedanke des Botschafters nicht verstanden oder nicht mit genügender Klarheit ausgedrückt worden ist. Monson wollte sich in keiner Weise in die inneren Verhältnisse Frankreichs einmischen, noch über die Politik des Landes ein Urtheil fällen, denn er ist in keiner Weise berechtigt es zu thun, und es ist nicht seine Aufgabe. Uebrigens widerspricht seine ganze Haltung jedem Verdachte einer übelwollenden Absicht.— Die Regierung hat dem Vertheidiger Dreysus' dem Advocaten Demange, die Erlaubniß geg ben, Dreyfus alle diejenigen Schriftstücke zu übermitteln, die er für nothwendig erachtet.— Gegenüber der Meldung der„Aurore“, General Gallifet habe vor dem Cassationshofe ausgesagt, General Darras habe nach der Degradirung des Capitäus Dreyfus die Bemerkung gemacht:„Heute haben wir einen Unschuldigen degradirt“, erklärt Gallifet, er habe niemals eine derartige Aeußerung von General Darras gehört. = Kronstadt, 10. Dec.(Telegramm.) Bei der Ueberfahrt von London nach Kronstadt ist der Dampfer„Erin“ mit 25 Mann Besatzung untergegangen. + Peking, 10. Dec.(Telegramm.) Der russische! Gesandte wurde vom Kaiser allein in Abwesenheit der KaiserinWittwe in Audienz empfangen. Das Aussehen des Kaisers ist kränklich und schlaff. — Rädmads o„„„„ Stein- und Gerberstr.-Ecke. Witten, Stein- und Gerberstr.-Ecke. 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Der Buchbinder Josef Schiffer und die Büzlerin Wilhelmine Schirmer von hier haben für die von ihnen einzugehende Ehe laut gerichtlicher Verhandlung vom 15. November 1898 jede Art lichen Gütergemeinschaft schlossen. Witten, 26. November 1898. Königliches Amtsgericht, Abth. III. Bekanntmachung. Die Brautleute Kaufmann Otto Dickel zu Wittenu. die unverehelichte Tophie Engenie Büchsenschütz zu Barmen haben laut notariellen Akts de dato Barmen den 19. November 1898 bestimmt, daß in ihrer künftigen Ehe nur eine Gemeinschaft des Erwerbes bestehen, und jede andere Art der Gütergemeinschaft ausgeschlossen sein soll. Witten, 5. Dezember 1898. Königliches Amtsgericht, Wbitz, III. Talen 187 der eheausgeHolz=Verkauf. Am Donnerstag den 15. 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