Mittwoch den 30. November 1898. 1. Blatt. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Abonnementspreis nebst den Gratisbeilagen„Sonntagsfreude" und„Sterne und Blumen“ durch die Boten zugestellt nur 50 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen nur 1,90 pro Quartal. E * * Verantwortlich für den ganzen Inhalt: H. Bringewald, Witten. Telepyon=Anschluß 130. Centrums-Organ für das Ruhrthal. Nr. 274. Dritter Jahrgang. Preis für die Lspaltige Petitzeile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Größere Anzeigen können nur bis spätestens abends 5 Uhr angenommen werden, ganz dringende Inserate bis morgens 8 Uhr. Geschäftsstelle: Witten, Hauptstraße 79. Telegramm=Adresse: Volkszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringewald, Witten. Resch e es gungggggungngeguge Heteeeeenenunnumnnnunnnngngengne Petsehe K g n ct. Flannannnnnnnnannnannnnnnung ssepnn #. nustaunntgtunnustunnatnu Baunmeneuesrtinen Wissszennenentg #nnnnnnnnnnnunnnnnnnnnun Pemmn. 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Vor etwa zwei Monaten veröffentlichten wir eine Aufrechnung der Wahlergebnisse von 1893, die bewies, daß die Katholiken, obschon sie ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, doch nicht einmal ein Fünftel der socialdemokratischen Stimmen aufbringen, und daß die Nichtkatholiken auf je 1000 Köpfe mindestens 45 socialdemokratische abgeben, während auf 1000 katholische Einwohner noch nicht 20 fallen, also die Widerstandskraft der Katholiken mindestens das 2¼ fache der protestantischen Widerstandskraft beträgt. Nachdem jetzt die amtliche Statistik der Wahlen von 1898 vorliegt, haben wir auch für diese Wahl dieselbe Rechnung aufgemacht, d. h., wir haben in jedem einzelnen Wahlkreise die dort aufgebrachten socialdemokratischen Stimmen nach dem dortigen Stärkeverhältniß der Confessionen auf die letzteren vertheilt. Die Rechnung beruht also auf der Voraussetzung, daß innerhalb jedes einzelnen Wahlkreises die Katholiken ebenso stark, wie die Nichtkatholiken, an den socialdemokratischen Stimmen betheiligt wären. Diese Annahme ist ungünstig für die Katholiken. Deshalb steht es außer Zweifel, daß die Ziffern, welche sich ergeben, den katholischen Antheil sicher nicht zu klein, wahrscheinlich noch zu groß angeben. Wir dürfen salso mit Recht sagen, daß höchstens die angegebene Stimmenzahl auf den katholischen Volkstheil entfallen kann. Auf den nichtkatholischen Volkstheil entfallen also an socialdemokratischen Stimmen mindestens 1,715,112. Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß die Gesamentzahl der socialdemokratischen Stimmen um 18 Procent, die Zahl der den Katholiken zur Last zu legenden Stimmen aber nur um 13 Procent gewachsen ist. Die Widerstandskraft des katholischen Volkstheiles gegen die Socialdemokratie erscheint also jetzt noch stärker als 1893. Das Resultat von 1898 würde noch günstiger sein, wenn nicht in Oberschlesien durch die bekannte außerordentliche und hoffentlich nicht andauernde Zunahme der socialdemokratischen Stimmen eine Belastung eingetreten wäre. Sehr beachtenswerth ist, daß in Bayern zwar die Gesammtzahl der socialdemokratischen(jedoch nicht in dem Durchschnittsmaße) zugenommen, dagegen der katholische Antheil an den rothen Stimmzetteln abgenommen hat. Das verdient eine nähere Untersuchung; vorläufig sei nur bemerkt, daß 1898 vielfach der Bauernbund die Stimmen von Unzufriedenen erhalten hat, die 1893 auf die Socialdemokratie gefallen waren. Facit: Die Katholiken bilden ein starkes Drittel der Nation, bringen aber noch längst nicht ein Fünftel der socialdemokratischen Stimmen auf; sie erweisen sich wenigstens 21/8 Mal so widerstandsfähig, als die nichtkatholische Bevölkerung. Ueber die nächste Papstwahl orakeln liberale Schriftsteller innerhalb und außerhalb Italiens gegenwärtig wieder mit besonderem Eifer. So hat soeben der Schriftsteller Giovanni Berthelet ein Buch geschrieben:„II Papa futuro“, der zukünftige Papst, in welchem der Verfasser sich als besonderer Kenner vaticanischer Verhältnisse aufspielt. Er schreibt, unter den Cardinälen, welche ihren Sitz bei der Curie haben und daher für die Vorbereitung einer Papstwahl am meisten in Betracht kommen, seien drei getrennte Gruppen wahrzunehmen; die Mehrzahl wünsche, daß der künftige Papst völlig die politische Richtung des gegenwärtigen beibehalte; eine zweite Partei vertritt die Ansicht, daß der neue Papst sich, weniger um die besonderen Interessen der Staaten und vielmehr um das allgemeine religiöse Gefühl zu kümmern habe, und eine dritte endlich möchte durch große Reformen im Kirchenregiment das Papsithum von allem politischen Parteiinteresse loslösea und wieder seinen lauteren Quellen zuführen. Diese drei Richtungen werden im künftigen Conclave um die Oberhand kämpfen und den Ausschlag dürften dabei die Stimmen der nicht italienischen Cardinäle geben. Berthelet hält es für zweifellos, daß im heiligen Collegium Niemand von der Gewohnheit abweichen will, einen Italiener auf den Stuhl Petri zu setzen; die Zahl der als „papabili“ in Betracht zu ziehenden Cardinäle beschränkt sich daher augenblicklich auf 28. Aus der Charakteristik, die Berthelet von ihnen entwirft, geht hervor, daf sbesondere vier als„papabili“ im engeren Sinr zuzusehen sind: der Patriarch von Venedig. Giuseppe Sarto, der einer Versöhnung von Vatican und Italien zuneigt, der Cacdinalvicar des Papstes Lucido Parochi, von##elchem Berthelet glaubt, daß er nicht der„Intranstgente“ sei, als er gewöhnlich verschrieen werde, der gemäßigte und bei den fremden Regierungen gern geselene Serafino Vannutelli, der es bis jetzt klugerweise verstanden hat, alles zu vermeiden, was ihn politisch„compromittiren“ könnte, und schließlich der General des Karmeliterordens Girolamo Maria Gotti, der gleichfalls sich bis jetzt keiner für den italienischen Patriotismus verletzenden Kundgebung schuldig gemacht hat. Von den nichtitalienischen Cardinälen, die ungefähr die Hälfte des hl. Collegiums ausmachen, erwartet Berthelet die ausschlaggebende Stellungnahme zu den unter den Cardinälen der Curie vorhandenen Richtungen; er glaubt aber auch, daß sie Alles aufbieten werden, um die Versöhnung der Curie mit Italien zu verhindern, und daß sie daneben sich bemühen werden, ohne viel Aussicht auf Gelingen allerdings, die Wahl eines Cardinals der Curie zu verhüten. Auf Grund langjähriger Beobachtung der vaticanischen Verhältnisse und der Beziehungen zwischen Vatican und Quirinal kommt Berthelet endlich zu dem Schluß, daß der künftige Papst, welcher Richtung er auch angehöre, sich vor die Nothwendigkeit gestellt sehen wird, mit der bisherigen Lage der Dinge zu brechen und zwischen zwei entgegengesetzten Wegen zu wählen: endgültige Versöhnung mit dem Königreich Italien oder ausgesprochene offene Feindseligkeit unter Aufwendung aller verfügbaren Kampfesmittel. Auf beiden Seiten sei man von der Unerträglichkeit der gegenwärtigen Lage überzeugt, mit dem Unterschied jedoch, daß der Vatican auf die Lösung der Frage besser vorbereitet sei, als die italienische Regierung und diese Vorbereitung sei wesentlich das Verdienst der Klugheit und Thatkraft Leo's XIII.„Seine Arbeit und sein Beispiel“, so schließt der Verfasser,„werden sich seinem Nachfolger aufzwingen; er wird zwischen einem großen Conflict oder einer dem Papstthume zusagenden Versöhnung zu wählen haben.“— Das Hauptmoment einer Versöhnung Neu=Italiens mit dem Papstthum liegt bei der italienischen Regierung; man gebe dem Papst, was ihm gehört, das ist Rom, das Erbtheil des hl. Petrus, so ist die ganze Frage gelöst. Im Uebrigen haben die Katholiken die Ueberzeugung und die Geschichte hat es auch schon unzählige Male erwiesen, daß die Kirche vom hl. Geiste regiert wird. Das gilt vor Allem auch für die Besetzung der kirchlichen Aemter. Diese ist schon oft ganz anders ausgefallen, wie die klügsten„Propheten“ vorausgesagt haben. Die Ausweisungen aus Preußen macht die halbamtliche„Berl. Corr.“ zum Gegenstande eines ausführlichen Artikels, der sich fast ausschließlich mit den Ausweisungen aus Nordschleswig befaßt, weil nur diese aus politischen Rücksichten und in größerem Umfange stattgefunden hätten, indem 117 Personen mit 18 Familienangehörigen ausgewiesen worden sind. In dieser Beziehung wird ausgeführt: Daß sich die dem deutschen Reichsverbande angehörigen Dänen nach Möglichkeit ihre nationalen Eigenthümlichkeiten 4 der alten Kirche. 1 Von M. Elton. (Nachdruck verboten.) 1. „Wenn ich Ihnen sage, daß ich es mit eigenen Augen gesehen habe, daß ich glaube, durch den Sturmwind und das Tosen des Flusses Stimmen in der Todtenkirche gehört zu haben!“ erklärte Amtsrichter Dünfelt endlich gereizt.„Lassen wir den Gegenstand fallen, ich bedaure aufrichtig, die Geschichte erwöhnt zu haben.“ „Aergern Sie sich nicht, Herr College,“ sagte der alte Staatsanwalt Meurer mit ironischem Achselzucken;„ich möchte Ihnen nur das bemerken, daß Augen und Ohren etwas unzuverlässig sind nach Mitternacht beim Heimgang aus dem Wirthshaus.“ Dem jungen Richter stieß es heiß zu Kopfe. „Bitte zu bedenken,“ erwiderte er gereizt,„daß weder Sie, noch wer es immer sei, mich in dem Zustand, den Sie andeuten wollen, gesehen hat.“ „Bedinken Sie doch,“ fiel eifrig ein älterer Landrichter ein,„welches Unglück Sie auf unsere armen Kinder heraufbeschwören. Elende nervose Creaturen werden wir großziehen, die aus dem Zittern und Erbleichen gar nicht mehr herauskommen. Wenn Sie behaupten, den Spuk gesehen zu haben, so lautet das anders, als wenn ein altes Weiblein solches erzählt. Wir waren seit mehr wie fünfzig Jahren glücklich über die Geistergeschichten hinaus und nun tritt ein Mann wie Sie als Verfechter des alten, längst zum Gerümpel geworfenen Aberglaubens auf.“ Hastig erhob sich der junge Amtsrichter. „Ich bedaure die Indiscretion des Herrn Assessors," stieß er mit einem Seitenblicke auf Assessor Moor hervor; „ich hatte ihn doch ersucht, nicht dar über zu sprechen. Gute Nacht, meine Herren!“ „So bleibe doch, lege doch der Geschichte keine solche Wichtigkeit bei,“ rief Assessor Moor, ihm nacheilend, aber die Thüre schloß sich bereits hinter Dünselt. „Das ist mir höchst verdrießlich,“ sogte er und setzte sich wieder am Juristentisch des Gastzimmers nieder. „Ach was verdri ßlich,“ polierte der Landrichter,„solchen Unsinn schreit man nicht in die Welt hinaus. Meine Mädchen kamen gestern mit der Spukgeschichte aus der Schule, Abends wollten sie nicht schlafen gehen, und meine Frau mußte die halde Nacht aufsitzen, bis sie endlich eingeschlafen waren.“ „Wie war es denn eigentlich, Herr Assessor?“ fragte der Staatsanwalt ironisch.„Wenn die Spukgeschichte schon bis in die Schulbänke gekommen ist, dürfen Sie uns dieselbe hier im vertraulichen Kreise wohl auch vortragen.“ „Es ist ja kaum der Mühe werth, Herr Staatsanwalt.“ erklärte Assessor Moor im höchsten Verdruß.„Die Sache ist einfach diese: Herr Amtsrichter Dünfelt verläßt etwas nach Mitternacht unser Bierkränzchen und ist im Begriff, sich auf einem kleinen Umweg in seine Wohnung zu begeben. Als er die Straße verlassen und an den Fluß kommt, blickt er durch die stockfinstere Nacht hinüber jenseits des Flusses nach den Thürmen der Todtenkirche. Kaum heben sie sich von dem sternenlosen Winterhimmel ab, aber was plötzlich seinen Blick fesselt, ist, daß die gothischen Fenster der Todtenkirche einen hellen Lichtschein werfen. Die Kirche ist hell erleuchtet, das läßt sich nicht bezweifeln. Um eine Erklärung zu suchen, geht Dünfelt zurück bis zur Brücke, überschreitet sie und steht in der armen einsamen Gasse, an deren Ende die Todtenkirche mit dem sich an dem Flusse hinziehenden Kirchhof steht. Das schwere Eingangsthor ist verschlossen, mein Freund geht um die Kirche herum nach der Thüre des Kirchhofs. Er findet sie verschlossen und klettert über die hohe Mauer. Sie sehen, meine Herren, daß es sich hier nicht um abergläubische Furcht handelt, denn vollständig ruhig schreitet Dünfelt an den Graosteinen vorüber, das Räthsel der hellerleuchteten Kirche sich klar zu machen. Die große Eingangsthüre vom Kirchhof her ist ebenfalls verschlossen, und nun steht er kopfschüttelnd und schaut nach den Fenstern empor, die ihr Licht auf die Gräber werfen.“ „Und da hört Herr Amtsrichter Dünfelt Orgelspiel,“ siel der Landrichter heftig ein,„kein Orgelspiel, wie es unter den Fingern der Lebenden hervorgeht,— nein, ein geisterhaftes Win seln und Aufschluchzen und einen Gesang, der geisterhaft verweht wie das Rascheln verdorrter Todtenkränze. Und bei solch baarsträubender Spukgeschichte sollen unsere armen Kinder Appetit und Schlaf behalten?— es ist rein unverantwortlich.“ Afsessor Moor sah ihn groß an, „Ihre Kinder scheinen mir Phantasie begabt zu sein, Herr Landrichter,“ sagte er mit ruhiger Ueberlegenheit.„Ich beende meinen Bericht, indem ich hinzufüge, daß mein Freund nach minutenlangem Holchen unsicher war, ob er überhaupt einen Laut vernom hatte, den Kirchhof verließ und sich nach Hause begab.#. a er mir am folgenden Tage von der Geschichte erzählte, so geschah es lediglich in der Absicht, vielleicht bei mir etwas Annäherndes zur Erklärung der Thatsache zu finden. Leider war ich unnorsichtig genug, bei Küster und Todtengräber Aufklärung zu suchen und Herrn Amtsrichter Dünfelts Namen dabei zu nonner. Was ich dadurch zu bewahren suchen, mag erklärlich sein; wenn aber ihre nationaldänische Gesinnung Formen annimmt, die mit voller Deutlichkeit das Ziel der Wiedervereinigung Nordschleswigs mit Dänemark erkennen lassen, so ist für die preußischen Verwaltungsbehörden die Nothwendigkeit gegeben, einem solchen Treiben mit allen gesetzlichen Mitteln entgegenzutreten. In den politischen wie in den angeblich geselligen dänischen Vereinen, die als ein engmaschiges Netz über den ganzen Norden von Schleswig=Holstein verbreitet sind, wird ebenso wie in der nordschleswigschen dänischen Presse Preußen als Ausland, Dänemark als Inland behandelt und der Tag der Abschüttelung des fremden Jsochs fortgesetzt und ungescheut als nahe bevorstehend verkündigt. Was in dieser Richtung anläßlich politischer Wahlen geleistet wird, überschreitet jedes erlaubte Maß, Diese staatsfeindliche Agitation würde vielleicht aus Mangel an iunerer Kraft von selbst erlohmen, wenn ihr nicht vom Auslande her fortgesetzt neues Leben eingehaucht würde. Und das geschieht in stets zunehmendem Grade. Gegenüber diesen Ausführungen muß es jedoch höchst auffällig erscheinen, daß die Ausweisungen in der Hauptsache Dienstboten betreffen. Sollten gerade die se die politisch gefährlichen Träger der„stoatsfeindlichen“ Agitation sein? Die„Berl. Corr.“ demerkt dazu: Die Waffe der Ausweisung wird daher der Regierung durch das Verhalten der dänischgesinnten Bevölkerung Nordschleswigs selbst in die Hand gedrückt. Sicherlich ist zu bedauern, wenn darunter auch solche Elemente leiden müssen, welche, wie Dienstboten und Gesinde, an und für sich als politisch indifferent zu betrachten sind. Aber gerade die Heranziehung dieser Leute bildet ein wichtiges und wirksames Glied in der Kette der dänischen Azitationsmittel und ist nichts weiter als Mittel zum Zweck. Sie werden von den dänischgesinnten Besitzern in der ausschließlichen Absicht herangczogen, damit dem Dänenthum Vorschub zu leisten und das Vordringen des Deutschthums zu verhindern. Sie sind mithin recht eigentlich dozu b stimmt, einen Keil in die deutsche Bevölkerung hineinzutreiben und allmählich zu einer compacten nationaldänischen Masse heranzuwachsen. Werden daher diese Elemente durch die harten aber nothwendigen Gegenmaßregeln der preußischen Staatsverwaltung betroffen, so fällt die Verantwortung für ihr Geschick ausschließlich auf Diejenigen zurück, welche sie als ein Werkzeug im Kampfe gegen das Deutschthum zu mißbrauchen versucht haben. Daraus geht hervor, daß die ausgewiesenen Dienstboten und Landarbeiter selbst nichts verschuldet haben, insbesondere selbst durch eine dänische Agitation nicht„lästig“ gefallen sind. Sie sind nur die unschul digen Opfer für die dänenfreundliche Gesinnung ihrer Brodherren, und diese will man dadurch politisch und wirthschaftlich strafen, daß man ihnen die Dienstbeten und Arbeiter aus Dänemark entzieht! Für eine solche Verwaltungs„Justiz“ fehlt uns das Verständniß ebenso wie für eine Politik, die„moralische Eroberungen“ machen will, indem sie Erbitterung erregt. Kann denn die dänische Gesinnung in Nordschleswig dem mächtigen Staate Preußen und Deutschland jemals gefährlich werden? Berkin, 28. Nov. * Zu der von süddeutschen Blättern gemeldeten Nachricht, daß bei Ankunft des Kaiserpaares in Stuttgart ungewöhnliche Absperrungs maßregeln getroffen worden seien, weil ein italienischer Anarchist Zauardi geäußert habe, in verbrecherischer Absicht nach Stuttgart reisen zu wollen, bemerkt die„Nordd. Allg. Ztg.“, jene Maßregeln seien auf Anlaß der italienischen Regierung geschehen; nach neueren Nachrichten sei es indessen den italienischen Behörden rechtzeitig gelungen, Zanardi auf italienischem Boden zu verhaften. * Potsdam, 27. Nov. Gestern Abend fand bei Ihren Majestäten eine Tafel statt, zu welcher die sämmtlichen Damen und Herren, die an der Orientreise theilgenommen haben, geladen waren; außerdem die Gräfin August zu Eulenburg, Frau v. Plessen und die Lieutenants v. Plessen vom 1. Garde=Regiment zu Fuß bezw. Garde=SchützenBataillon. * Cöln, 28. Nov. Wie die„Cöln. Vztg.“ meldet, läßt der Vorstand des deutschen Vereins vom heiligen Lande auf dem Grundstücke„Dormition“ Ausgrabungen vornehmen, um festzustellen, ob die Grundmauern und Unterbauten des alten, eigentlichen Coenaculums aufzufinden sind. Wenn sich erhebliche Ueberreste finden, welche die Anlage des alten Gotteshauses mit einiger Sicherheit erkennen lassen, würde der Wiederaufbau in dementsprechenden Stilformen in erster Linie in Betracht kommen. * Paris, 27. Nov. Die Bewegung zu Gunsten Piequarts nimmt einen ungeahnten Umfang an. Die neuen Zustimmungen zu dem öffentlichen Einspruch gegen die Anklage Piequarts und das Verangerichtet habe, sehe ich jetzt mit dem aufrichtigsten Bedauern.“ „Der Küster und der Todtengräber haben Ihnen keine Aufklärung geschafft?“ fragte der Staatsanwalt spöttisch. „Nein, Herr Staatsanwalt; der Todtengräber schüttelte ungläubig den Kopf, der Küster aber sagte geheimnißvoll, das sei jetzt die Zeit, in der Adventszeit, da rege es sich Nachts auf dem Kirchhof und in der Todtenkirche." „Da haben wir es ja!“ rief der Landrichter.„Die Phantasie meiner Kinder hatte wohl nichts hinzuzufügen, Herr Assessor.“ Ohne des Landrichters gereizten Einwurf zu beachten, fuhr Moor fort: „Meine und meines Freundes Ansicht ist diese, daß sich die Sache auf die einfachste, natürlichste Weise dahin erklären wird, daß Landstreicher ein nächtliches Unterkommen in der Kirche gesucht und sich zur bessern Orientirung die Kerzen auf dem Altare angezündet haben.“— „Nicht wahrscheinlich,“ schnitt der Staatsanwalt die Vermuthung kurz ab.„Die Thüren waren, wie Sie sagen, verschlossen und in der feuchten, einige Fuß tief in der Erde liegenden Kirche sucht Niemand zur Winterzeit ein Obdach. Kommt man aber nach Mitternacht vom Biertisch, so sieht man oft curiose Dinge.“ „Amtsrichter Dünfelt ist nie in diesem Falle gewesen.“ fuhr Moor auf.„Er arbeitet jeden Abend bis gegen neun Uhr, dann kommt er zu unserm Biertisch und bleibt bei seinen zwei Glas Bier, an welchen er mit pedantischer Mäßigkeit festhält bis elf Uhr, ausnahmsweise auch bis Mitternacht.“ „Ihr Bestreben, dem Herrn Amtsrichter ein glänzendes Zeugniß auszustellen, ist lobenswerth. Uebrigens ist er ja als tüchriger Arbeiter und solider Charakter bekannt. Trotz der Freundschaft, die Sie für ihn hegen mögen, haben Sie ihm Arges angethan; Sie haben ihn lächerlich gemacht. „Le ridicule tue, das Lächerliche tödtet,“ sagen unsere liebenswürdigen Nachbarn, die Franzosen,“ versetzte scharf der Staatsanwalt und schnitt, indem er sich erhob, jede weitere Erörterung über diesen Gegenstand ab. Moor stand bleich und verwirrt am Tische, den die Herren eben verlassen hatten. Seine Hand fuhr langsam über das Gesicht, wie in tiefer Rathlosigkeit. Unsicher griff er nach Hut und Paletot und verließ ebenfalls das Gasthaus. Es mußte ja Aufklärung in die Geschichte kommen! Und je mehr er dazu that, desto länger blieb sie der Gesprächsstoff des Publieums, desto mehr würde Dünfelt bloßgestellt. Zum Verzweifeln war die Sache, deren Tragweite er nicht vorhergesehen. Und dazu Düufelt! Mit seiner Zurückholtung, seiner Empfindlichkeit, ja seinem Stolze war ihm nicht beizukommen, fahren der Militärbehörde füllen mit mehreren Tausenden von Unterschriften die Spalten der Dreysusblätter. Darunter sind vertreten die ersten Namen der Gelehrtenwelt und der Universität, sowie zahlreiche Anwälte des Pariser Appellhofes, selbst staatliche Verwaltungsbeamte. Ueber die Betheiligung der letzteren hat der Deputirte Massabuan auf morgen eine Interpellation in der Kammer angemelbet. Die Kreise der Universität haben auf morgen Abend eine öffentliche Versammlung anberaumt, wofür Duclaux, der Nachfolger Pasteurs, den Ehrenvorsitz übernommen hat. Angesichts dieser Bewegung treten„Temps" und„Journal des Debats“ entschieden für Vertagung des Kriegsgerichtes bis nach der Entscheidung des Cassationshofes ein. Die „Libertee“, die gestern dem Kriegsgericht freie Hand gelassen wissen wollte, schwenkt heute ebenfalls um. Der„Soir“, das Organ der Militärpartei, der bis jetzt gegen die Vertagung eintrat, theilt mit, die Regierung werde erklären, daß sie jede Einmischung ablehne.— Den Blättern zufolge erhielt Frau Dreysus folgendes Telegramm ihres Gatten: Freue mich mit euch allen; meine geistige und körperliche Verfassung gut.— Das„Amtsblatt" veröffentlicht heute die Mittheilung, daß der Wittwe des Oberst=Lieutenants Henry eine Jahrespension von 1667 Frcs. zuerkannt wurde. * Madrid, 27. Nov. Die Regierung wird ein Rothbuch veröffentlichen mit den auf den Frieden bezüglichen Actenstücken. a Reichstagspräsidium und kein Ende. Noch niemals ist Wochen lang vor der Eröffnung eines neuen Reichstags so viel über die bevorstehende Präsidentenwahl geschrieben worden wie jetzt. Das hängt hauptsächlich damit zusammen, daß man sich arf allen Seiten zui ersten Male in die Wahl eines Präsidenten aus dem Centrum hineinzufinden hat, und die Cartellparteien jetzt wohl oder übel den Anschluß wieder suchen müssen. Daneben spielt die Parteizersplitterung mit, die ein klares Bild der parlamentarischen Lage unmöglich macht. Das Centrum kann die Debatten in großer Gemüthsruhe anhören. Den ersten Präsidenten macht ihm Niemand streitig; damit ist es befriedigt. Wer aus seiner Mitte für den Posten erkoren wird, ist Nebensache, genug, daß es über eine Reihe geeigneter Kräfte verfügt, wie selbst die andern Parteien anerkennen. Mit einer gewissen Genugthuung kann das Centrum auch zusehen, wie die andern Parteien mit einander um die Ehre, neben einem Centrumsmitgliede im Reichstagspräsidium zu sitzen, rivalisiren. Früher wurde von kartellparteilicher Seite mit vorgeblichem Stolze behauptet, es sei keine Ehre, die Geschäfte„dieses" Reichstags zu führen. Noch zu Beginn der vorigen Session meinte die„Nat.=Lib. Corr.“, man überlasse es mit Freuden dem Centrum, den Freisinnigen und der Socialdemokratie, die Firma„dieses" Reichstages zu zeichnen. Der neue Reichstag ist zum Mindesten nicht„besser“ als der alte, und nun sind es gerade die Nationalliberalen, die eifersüchtig beanspruchen, der Firma auch Namen einzufügen. Die Frage des ersten Vicepräsidenten erledigt sich leicht; er wird der zweitstärksten Fraction, also den Conservativen eingeräumt. Niemand hat etwas dagegen. Aber der zweite Vicepräsident! Da die Socialdemokraten ausscheiden, und zwar freiwillig schon, so kämen als die stärkste Partei nunmehr die Nationalliberalen in Betracht. Sie haben sich auch bereis so in ihren Anspruch hineingelebt, daß sie erstaunt sind, wie noch eine andere Möglichkeit auftauchen kann. Die beiden freisinnigen und die süddeutsche Volkspartei sind wiederholt als einheitliche Gruppe aufgetreten und behandelt worden, z. B. bei der Besetzung von Commissionen. Sie würden zusammen jetzt zwei Mann mehr als die Nationalliberalen(49 gegen 47) haben, und, wenn als eine Gesammtpartei anerkannt, den zweiten Vicepräsidenten beanspruchen können. Sie liebäugeln mit diesem Gedanken und erinnern daran, daß ja auch Conservative und Reichspartei schon als einheitliche Gruppe bei den Präsidentenwahlen behandelt worden sei. In der conservativen Presse ist leise angedeutet worden, daß man die Wahl eines freisinnigen Vicepräsideuten vielleicht gestatten könne, um die Nationalliberalen für ihre Unliebenswürigkeiten gegen die Conservativen zu strafen. Die„Nat.=Ztg.“ ist dadurch lebhaft beunruhigt und gibt den Freisinnigen zu bedenken, daß sie durch ihre unberechtigten Ansprüche das nichts wieder gut zu machen. Moor nahm den Weg. den einige Abende vorher Dünfelt genommen, die einsame Straße, an der hier und da ein bescheidenes Haus zu seiner Rechten stand, zur Linken den Fluß, der schäumend und tosend, blendenden Schaum zusammenwirbelte. Drüben lag düster die Todtenkirche mit den sich klar vom Sternenhimmel abhebenden Thürmen. Die gothischen Fenster waren dunkel, nur heller schimmerten die weißen Kreuze auf dem sich am Flusse hinziehenden Kirchhofe. „Da siehe Einer die hellerleuchtete Todtenkliche!" rief Moor in wüthendem Verdruß.„Hätte ich nur von vornherein eher an Dünfelts abgearbeitetes Hirn gedacht, als an die Möglichkeit, daß die düstere Kirche um Mitternacht helles Licht auf die Gräber ausstrahlen soll. Warum weckte er nicht den nebenan wohnenden Todtengräber? Nun schlägt es eben Mitternacht auf allen Uhren, die Kirche bleibt in ihrer stummen Ruhe." Noch eine ganze Stunde wanderte er hin und her, das Auge auf Kirche und Kirchhof geheftet. Schwer lag ihm der Blick auf dem Herzen, mit dem Dünfelt ihn angesehen, als er den Tisch verlassen hatte. Der war kein Mensch, wie ein anderer Alltagsmensch, der gerieth nicht in Zorn und wüthete nicht; er sagte nichts, aber er vergaß auch nichts. Die Verhältnisse, in denen er aufgewachsen, hatten seinen Charakter zu dem gemacht, was er nun war. Schon als kleiner Knabe war er nie aus eigenem Antriebe hinzugekommen, er, des Pedellen Sohn, wenn die Kinder des Gymnasialdirectors im geräumigen Hofe spielten. Er mußte herbeigeholt werden, war aber dann ganz, wie ein Gleichberechtigter. Fühlte er das Geringste von Ueberhebung bei den Directorskindern, dann ging er und sam erst auf vieles Zureden wieder herbei. Schon der sechsjährige Junge erröthete, wenn die Frau Director dem willigen Pedellen, der zu Allem zu gebrauchen war, gewissermaßen zu allen Hausdiensten sich bereit zeigte, herrisch die Befehle gab. So lange Johannes Dünfelt ein kleiner Knabe war, verwendete ihn die Frau Director zu Allem. Bald trug er der Köchin das Holz in die Küche, bald jätete er den Garten. So bald er aber als Schüler des Gymnasiums in die Sexta aufgenommen war, that er alle Arbeiten so schlecht, daß ihm die Frau Director auffässig wurd: und ihn bei ihrem Manne verkleinerte. Johannes aber war ein so tüchtiger Gymnasiast, überragte alle anderen, wurde der Primus jeder Classe, so daß die Frau Director sich widerwillig den Anordnungen ihres Mannes unterwarf und duldete, daß Johannes ihrem gleichalterigen Sohne Otto täglich Nachhilfestunden ertheilte. Ihr einziger Trost dabei wer, daß die Nachhilfestunden gratis ertheilt wurden. (Fortsetzung folgl.) hsam erzielte bis en wieder zerstöre nservativen, welch igen Liberalea abzu die Legislaturpe berung beginne, de ums nach der E Wort reden und sehen. Wie rühm hade aus nationall Nationalliberalen undsätzlich vom P die zweitstärkste ter kein Centrums llen und noch 188 hung des Centru den lassen. 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Im L Rangel eines städti ern in Annen dur schlachthause in W letzger dieser Anord olizei mit Strafen kung des Fleisches vo nach das Schöffeng #ogegen seitens der ##legt wurde, so daß i der Angelegenheit folgte indessen die rwaltung in Annen n die für kleinere C setzger wichtige Aug E#tscheidung zu bring * Herne, 28. chulvorstand * Schulgebäude an käume zu erweitern, Hale mit einer Mau hrer Hoischen= Bheda für die Besetz n — n mit mehreren palten der Dreydie ersten Namen ität, sowie zahlsofes, selbst staatdie Betheiligung ibuan auf morgen Kammer angeaben auf morgen anberaumt, woeurs, den Ehrendieser Bewegung es Debats“ entzerichtes bis nach hofes ein. Die zericht freie Hand ite ebenfalls um. tärpartei, der bis theilt mit, die jede Einmischung ge erhielt Frau i ihres Gatten: #istige und körper„Amtsblatt" verdaß der Wittwe ne Jahrespension egierung wird ein n auf den Frieden und kein vor der Eröffnung die bevorstehende wie jetzt. Das daß man sich arf die Wahl eines zufinden hat, und bel den Anschluß pielt die Parteiild der parlamenis Centrum kann anhören. Den d streitig; damit r Mitte für den *, genug, daß es erfügt, wie selbst tung kann das andern Parteien einem Centrumssitzen, rivalisiren. r Seite mit vorkeine Ehre, die Ihren. Noch zu e die„Nat.=Lib. den dem Centrum, ildemokratie, die hnen. Der neue „besser“, als der Nationalliberalen, Firma auch ihren des ersten Vicewird der zweititiven eingeräumt. r der zweite Viceaten ausscheiden, n als die stärkste len in Betracht. ihren Anspruch wie noch eine üddeutsche Volksiche Gruppe aufB. bei der Befürden zusammen onalliberalen(49 ne Gesammtpartei iten beanspruchen m Gedanken und konservative und Gruppe bei den en sei. In der utet worden, daß Vicepräsidenten Nationalliberalen die Conservativen dadurch lebhaft igen zu bedenken, Ansprüche das ahm den Weg. den die einsame Straße, s zu seiner Rechten id und tosend, blen ben lag düster die nhimmel abhebenden dunkel, nur heller sich am Flusse hinTodtenkliche!“ rief nur von vornherein jedacht, als an die tternacht helles Licht weckte er nicht den i schlägt es eden he bleibt in ihrer hin und her, das Schwer lag ihm der zu angesehen, als er in Mensch, wie ein Zorn und wüthete ch nichts. Die Veren seinen Charakter n als kleiner Knabe ugekommen, er, des omnasialdirectors im serbeigeholt werden, echtigter. Fühlte er rectorskindern, dann wieder herbei. ele, wenn die Frau Allem zu gebrauchen en sich bereit zeigte, hannes Dünfelt ein Frau Director zu z in die Küche, bald er als Schüler des war, that er alle u Director auffässig erte. Johannes aber ragte alle anderen, e Frau Director sich nnes unterwarf und n Sohne Otto täglich rost dabei wer, doß u. rtsetzung folgt.) hsam erzielte bischen Zusammenwirken aller Libeen wieder zerstören würden zur Freude derjenigen nservativen, welche die Nationalliberalen von den tigen Liberalea abzuziehen bestrebt seien. Wer wünsche, die Legislaturperiode nicht mit gegenseitiger Erherung beginne, der werde der Bildung des Präums nach der Stärke der wirklichen Fractionen Wort reden und von allen rechnerischen Künsten sehen. Wie rühmend unparteiisch und gerecht das hode aus nationalliberalem Munde klingt! Gerade Nationalliberalen haben bis 1879 das Centrum undsätzlich vom Präsidium ausgeschlossen, wiewohl die zweitstärkste Partei war. Sie haben auch ter kein Centrumsmitglied im Präsidium dulden llen und noch 1887 das Präsidium unter Ueberhung des Centrums als der stärksten Fraction den lassen. Wenn sie jetzt für Zusammensetzung Präsidiums nach der Stärke der Fractionen einten, so geschiebt es nicht aus Gerechtigkeitsgefühl, dern weil sie selbst sonst ausgeschlossen wären. Man muß sagen, ein Präsidium aus dem Centrum, Conservativen und den vereinigten Linksliberalen rde der Lage am Besten entsprechen. Es würde edrücken, daß eine positive und eine Abwehrmehrt vorhanden ist, wobei jedes Mal das Centrum Ausschlag gibt. Andererseits hat aber auch die brteicombination ad hoc ihr Mißliches. Wie die i linksliberalen Gruppen so könnten sich auch liebige andere Parteien zu einem bestimmten pecke zusammenthun und nun auf Grund ihrer kärke Ansprüche erheben, zu denen sie sonst nicht tfernt berechtigt wären. Das möchte denn doch zu denklichen Consequenzen führen. Das Beste ist irklich, man verfährt ganz unparteiisch nach der Stärke Fractionen, so wenig auch gerade die Nationallibelen das verdienen mögen. Wenn darauf hingewiesen brden ist, daß früher die Besetzung des Präsidiums auch scht nach der Parteistärke erfolgt sei, so geschah dies eben ttelst ungerechter Zurücksetzung des Centrums; auf ses Unrecht sollte man sich doch nicht berufen, um Herkommen festzustellen. Wenn auch später nicht sch der Stärke besetzt wurde, so war der Grund Bescheidenheit des Centrums, das freiwillig auf ersten Präsidenten verzichtete. Damit ist es nun rbei. In den letzten Sessionen hat mon es allgein als selbstverständlich angesehen, daß die Frakbusstärke die Rechte im Präsidium bestimmen müsse, ungleich in der Praxis nicht immer darnach verhhren worden ist. Wo kein triftiger Anlaß vorgt, von dem Grundsatze abzuweichen, sollte man mach handeln. Es kann sich dann Niemand bebgen und es gibt nicht unnöthig Streit und Feindoft. Locales und Provinzielles. Witten, 30. Nov. *— Ein Wassermangel in der gegenwärtigen ohreszeit ist eine Erscheinung, welche man nicht sonders oft erlebt. Ein solcher herrschte momentan benachbarten Ardey. Die dortigen Bewohner sissen zum Theil das Wasser weit holen und hält manchmal schwer, von dem unentbehrlichen Naß pas zu bekommen. Wie glücklich sind in dieser ziehung doch wir Städter daran; weil uns das asser in's Haus geleitet wird. Hoffentlich ist die eit nicht mehr fern, wo auch die Ardey-Bewohner Besitze einer Wasserleitung sind. *— Ueber den Kohlenmangel in Rheinnd-Westfalen meldet ein Eigentelegraum der ##rliger„Industrie", Fachzeitung für Kohlen= und bli=Bergbau: Der Kohlenmangel bringt weitere einisch=westfälische industrielle Unternehmungen in soße Verlegenheit. In Schwerte mußte ein erk theilweise den Betrieb einstellen. ndere größere Werke kündigen an, daß sie in olge des Kohlenmangels den vollen Betrieb in in nächsten Tagen einschränken müssen. Angesichts durch den niedrigen Wasserstand veranlaßten sückgangs der Rheinschifffahrt ist die Wagenstellung genüber den erhöhten Ansprüchen unzulänglich. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht eine Verdnung der Ministerien des Cultus, der Landsirihschaft, des Innern und des Handels an die egierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten Berlin betreffend strengere Handhobung des esetzes über den Verkehr mit Butter, Käse #d Schmalz beir: Handel mit Kunstspeise und Fett. sbesondere ist darauf Bedacht zu nehmen, thunschst häufig Proben untersuchen zu lassen, die Einbltung der Declarationsvorschriften im Handelserkehr und die Befolgung der Anmeldepflicht für säume, in denen Kunstspeisefett gewerbsmäßig herstellt wird, zu überwachen, die strafrechtliche Verelgung von Zuwiderhandlungen herbeizuführen und du den den Behörden eingeräumten Befugnissen r Vornahme von Revisionen in den Räumen, wo unstspeisefett hergestellt, aufbewahrt, feilgehalten per verpackt wird, möglichst weitgehenden Gebrauch machen. * B o m m e r n, 2 9. N o v. Z u G e m e i n d e= V e r #neten wurden hier gewählt bezw. wiedergewählt R Herren Kaufmann Leonhard Barry, Gutsbesitzer k. Lohmann und Rentner Friedr. Frielinghaus. Die Amtsperiode dauert 6 Jahre. * Bochum, 29. Nov. Ein Proceß, der in letzgerkreisen großes Interesse erwecken dürfte, in Freitag vor der hiesigen Strafkammer zur Atscheidung. Im Lause des Jahres wurde bei dem Nangel eines städtischen Schlachthauses den Metzdern in Annen durch Ortsstatut aufgetragen, im Ftlachthause in Witten zu schlachten. Als die Peoger vieser Anordnung nicht nachkamen, ging die solizei mit Strafen und endlich mit der Confiscising des Fleisches vor. Auf eingelegte Berufung Nach das Schöffengericht Witten die Metzger frei, P#gegen seitens der Amtsanwaltschaft Berufung ein#egt wurde, so daß sich die hiesige Strafkammer der Angelegenheit zu befassen hatte. Auch hier Ffolgte indessen die Freisprechung. Die Polizeitwaltung in Annen will nun Revision einlegen, die für kleinere Communen sowohl als für die letzger wichtige Angelegenheit in letzter Instanz zur Rtscheioung zu bringen. * Herne, 28. Nov. Der katholische echulvorstand beschloß in seiner letzten Sitzung, Schulgebäude an der Wilhelmstraße um sechs Nume zu erweitern, den Schulplatz an der Mädchen### mit einer Mauer zu umgeben und die Herren . Hoischen=Kupferdreh und Bendorffür die Besetzung einer Lehrerstelle bei der königl. Regierung in Vorschlag zu bringen.— Wie sehr die Häuser im Preise steigen, zeigt sich beim Verkauf des Hauses am Eingange der Marien= straße, Eigenthum des Metzgermeisters Lorenz. Derselbe erwarb das Haus vor ungefähr sieben Jahren zum Preise von 46,000 M. und erhielt jetzt 100 000 M. wieder.— Am Freitag wurde im Funke'schen Saale ein Wohlthätigkeits=Bazar zum Besten der Armen eröffnet, der an drei Tagen ein ansehnliches Sümmchen einbrachte. * Recklinghausen. 28. Nov. Nach der im laufenden Monat stattgefundenen Personenstandsaufpahme beträgt die Einwohnerzal im Stadtbezirk Recklinghausen 27 864. Hiervon entfallen auf die Stadt und Feldmark 11 945, auf Hillen 1 220, auf Bruch(einschl. Hillerhaide 14 699. In welchem Umfange die Einwohnerzahl seit dem Jahre 1890 zugenommen hat, geht aus Nachstehendem hervor. Ermittelt wurden bei den allgemeinen Volkszählungen am 1. December 1890 14041 Personen, am 2. December 1895 20644 Personen, November 1896 betrug die Einwohnerzahl 22 285 Personen, November 1897 betrug die Einwohnerzahl 24 694. Im verflossenen Jahre ist somit eine Zunahme von 3170 Personen zu verzeichnen.— Heute Morgen gegen 6 Uhr fand laut„Reckl. Zig.“ der Hausknecht der Gastwirthschaft D. in dem innern Hofraum, an einem Orte, wo Flaschen aufbewahrt werden und in welchem eine Treppe nach oben führt, vor dieser liegend die Leiche des Fuhrknechts Scharmann. Derselbe, seit einigen Tagen obdachlos und ohne Stelle, wird gestern Abend spät in den ihm bekannten Räumen ein Unterkommen gesucht haben. Er stürzte von der Treppe und gerieth in eine so hülflose Lage, den Kopf nach unten, daß er erstickt ist. * Siegen, 28. Nov. Gestern Nachmittag fand hier eine überaus zahlreich besuchte Versammlung des Vereius christlicher Berg= und Hütten=Arbeiter für den Oberbergamtsbezirk Bonn statt. Der Verein, der erst vor Jahresfrist gegründet worden ist, zählt bereits über 5000 Mitglieder und hat in der kurzen Zeit seines Bestehens schon eine recht erfolgreiche Wirksamkeit entfaltet. Ein eigenes Vereinsorgan, das bis jetzt monatlich ein Mal erschienen ist, vertritt die Interessen der Vereinigung. Diese Zeitung soll nunmehr zwei Mal pro Monat erscheinen, so daß die Vereinskasse höher belastet werden muß. Es wurde deshalb der heutigen Versammlung vorgeschlagen, den monatlichen Beitrag von 10 auf 20 Pfennig zu erhöhen. Nach längerer Debatte beschließt die Versammlung die Erhöhung des Beitrages auf monatlich 15 Pfennig. Weiter nimmt die Versammlung Stellung zur Errichtung eines Gewerbegerichts für Bergarbeiter im hiesigen Industriebezirke. Zu diesem Punkt der Tagesordnung wurde ausgeführt, daß das hier bestehende Gewerbegericht für Industrie=Arbeiter nur selten in Anspruch genommen würde. Ein Gewerbegericht für Bergleute wäre viel nöthiger, da die ganze Arbeitseintheilung der Grubenarbeiter viel leichter zu Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer führe, wie bei andern gewerblichen Betrieben. Ein bezüglicher Antrag wird demnächst an den Handelsminister gerichtet werden. Die Versammlung beschließt sodann, die Vertreter im Reichsund Landtage zu ersuchen, für die Sicherung der Coalitionsfreiheit der Arbeiter einzutreten. * Essen, 28. Nov. Die hiesige Johanniskirche, die den Altkatholiken überwiesen ist, ist von der Münsterkirche nur durch einen Vorhof getrennt, so daß Verwechselungen leicht möglich sind. Aus diesem Grunde hatte die katholische St. JohannisGemeinde an der altkatholischen Kirche ein Schild anbringen lassen mit der Aufschrift:„In dieser Kirche findet römisch=katholischer Gottesdienst nicht statt.“ Nachdem dieses Schild sich jahrelang dort befunden hatte, ließ es die altkatholische Gemeinde vor einiger Zeit entfernen. Der Kirchen=Vorstand von St. Johann erhob Einspruch dagegen und verklagte die altkatholische Geweinde wegen Besitzstörung. Das Landgericht hat nunmehr entschieden, daß das Schild wieder an derselben Stelle wie früher anzubringen sei und daß die Beklagte sich jeder Besitzstörung Lei Vermeidung einer Strafe von 300 Mk. zu enthalten habe. * Velbert, 28. Nov. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich auf der Dampfziegelei„Germania“ ereignet. Der Ziegelmeister Schröder, ein Bruder des vor sieben Wochen dort verunglückten Maschinisten, hatte 2½ Kilo Dynamit, welches zum Sprengen dort gebraucht wird, geholt und war damit in das von ihm und seiner Familie bewohnte Haus eingetreten. Durch irgend einen unglücklichen Umstand ist das Dynamit explodirt. Die Wirkung derselben war eine schreckliche. Der Mann trug so schwere Verletzungen davon daß er gestorben ist. Eine Giebelwand und ein Theil der Seitenmauer des Hauses ist durch die Explosion eingestürzt, und die Mobilien sind vollständig zertrümmert und unter dem Mauerschutt begraben. * Elberfeld, 28. Nov. Die Schwebebahn Elberfeld=Barmen bildet den Inhalt eines illustrirten Feuilletons einer der letzten Nummern des Pariser Temps. Man sieht die Gegend an der Döppersberger Brücke, im Hintergrund das Theater, über der Wupper die Schwebebahn und auf der Wupper— Ruderboote! * Cöln, 28. Nov. Dem Vorsitzenden der Section Cöln des Verbandes deutscher Kriegsveteranen, der bekanntlich jüngst unter der Beschuldigung, Unterschlagungen und Betrug verübt zu haben, von der Criminalpolizei verhaftet, in Untersuchungshaft abgeführt und nach 10 Tagen gegen Erlegung einer Caution auf freien Fuß gesetzt wurde, ist nunmehe gerichtlicherseits eröffnet worden, daß sich seine Unschuld herausgestellt habe. Das Verfahren wurde eingestellt. : Aus den Provinzen, 28. Nov. Der in Recklinghausen beschäftigte Referendar a. D. Dr. jur. Brügger ist auf 1. Januar 1899 zum eommissarischen Amtmann von Olfen ernannt worden.— In Bielefeld stürzte ein noch junger Maurer, der seit eirca 7 Wochen verheirathet ist, vom Schornstein der Fabrik von Droop u. Rein, wo der Schorn= stein zur Zeit erhöht wird. Leider war der Sturz verhängnißvoll; schon nach kurzer Zeit gab der Bedauernswerthe seinen Geist auf.— Ein Weichensteller in Remscheid wollte kurz vor dem Zuge noch die Geleise überschreiten, wurde aber vom Zuge erfaßt und zu Boden geschleudert. Dem Unglücklichen sind beide Beine abgefahren und trat der Tod auf der Stelle ein.— In Bonn sielen zwei an der neuen Rheinbrücke beschäftigte Anstreicher= gehülfen in den Rhein; einer ertrank, der andere wurde gerettet. * Mailand, 26. Nov. Der hiesige Ingenieur Tosi, Inhaber einer bedeutenden Dampfkessel= und Maschinenfabrik in Lequano, wurde gestern Nachmittag bei Ankunft daselbst von einem kürzlich entlassenen 20jährigen Arbeiter durch einen Revolverschuß ermordet. Der Thäter stellte sich hierauf der Behörde, * Washington, 28. Nov. Gestern und vorgestern wüthete einsorkanartiger Schneesturm, wie er seit Jahren nicht vorgekommen ist. An der atlantischen Küste von Washington bis Boston und landeinwärts bis Pittsburg ist der Verkehr unterbrochen. Schiffe wurden beschädigt. Es heißt, daß 30 Barken untergegangen sind. Bei Boston sind zwölf Personen untergegangen. Reueste Nachrichten und Telegramme. * Berlin, 28. Nov. In den Abendblättern liest mon: Gutem Vernehmen nach dürfte dem Reichstag zugleich mit dem Etat eine Vorlage über die Erhöhung der Friedenspräsenz des deutschen Heeres zugehen, welche am 1. October 1899 in Kraft treten soll. Wie verlautet, soll der Entwurf vornehmlich begründet werden durch den Hinweis auf die Erhöhung der Präsenzstärke in den Nachbarreichen und auf die Erfahrungen im jüngsten spanischamerikanischen Kriege, in dem die mangelnde Bereitschaft die schlimmsten Folgen gezeitigt habe. Andererseits sei in absehbarer Zeit an eine Verwirklichung des russischen Abrüstungsvorschlags nicht zu denken. X Das Oberverwaltungsgericht hat am Samstag entschieden, daß die Verfügung des Berliner Polizeipräsidiums, welche die Versammlungen der Berliner Getreidehändler im Feenpalaste untersagte, zu Recht bestehe. An der Lage der Dinge ändert diese Entscheidung nichts, denn die Händler haben sich bekanntlich längst im Heiligengeist=Hospital eingerichtet und handeln dort „von Contor zu Contor“. Sie würden in den Feeupalast nicht zurückgekehrt sein, auch wenn das Oberverwaltungsgericht es ihnen erlaubt hätte. Nun wird natürlich von der„Deutschen Tagesztg.“ erwartet, daß der Börse im Heiligengeist=Hospital ein Ende gemacht werde. So leicht wird das nicht gehen, denn da werden die Merkmale einer Börse viel schwerer festzustellen sein, als bei der Feenpalastversammlung. Aber auch aus dem jetzigen Bau vertrieben, werden die Getreidehändler nicht in die Producten=Börse zurückkehren, sondern wieder neue Aushülfsmittel zu finden wissen. Darüber soll man sich nur keinen Täuschungen hingeben. Die„Deutsche Tagesztg.“ triumphirt, die Verhandlungen vor dem Oberverwaltungsgerichte hätten dem Vorstande des Bundes der Landwirthe außerordentlich werthvolles Material zur Begründung seiner ersten Interpellation geliefert. Die Interpellation wird die Dinge auch nicht ändern. 8 Ueber die Verbesserung der Unterbeamtengehölter äußern sich die„Berl. Pol. Nachr.“ nochmals. Sie verweisen darauf, daß der Landtag im Jahre 1897 bei der Aufbesserung der höheren und mittleren Beamten unter Zustimmung der Regierung die Ansicht ausgesprochen habe, es sei zwar im Allgemeinen die Gehaltsregulirung für die Unterbeamten abgeschlossen, doch seien noch einige Härten und Ungleichheiten auszugleichen. Die Regierung beabsichtige aber, noch weiter zu gehen und eine Vorlage in Betreff der Gehälter einer großen Zahl von Unterbeamten unter nochmaliger Aufwendung erheblicher Mittel vorzulegen und damit die Gehaltsregulirung zum endlichen definitiven Abschluß zu bringen. Wenn die Vorlage der Reclame entspricht, die ofsiziös im Voraus für sie gemacht wird, werden die Beamten gewiß alle sehr zufrieden sein. +. In wessen Namen wird der bayerische Senat des obersten Militärgerichtshofes Recht sprechen? Der„Hamb. Corr.“ behauptet: unzweifelhaft im Namen des Kaisers. Aber der Senat ist Bayern doch zugestanden worden, weil es ein Reservatrecht auf die Militärjustizhoheit hat. Also muß der Senat doch auch im Namen des Königs von Bayern Recht sprechen. Was hätte er denn sonst für einen Zweck? * Wie aus Constantinopel gemeldet wird, wurde dem Sultan die türkische Uebersetzung des Berichts des Professors Belek über die ihm von Kurden unweit des Wansees zugefügte Beraubung und Verwundung unterbreitet. Der Sultan verfügte die Zahlung einer Entschädigung und einer Pension an Belek, sowie die Verhaftung der Schuldigen. Die Pension wird Belek wahrscheinlich nicht annehmen. Die deutsche und die britische Botschaft drücken ihre Ueberzeugung aus, der Kurdenchef Hußein Pascha sei der Haupturheber des Ueberfolls, aber der Sultan begünstige und schirme ihn. * Paris, 28. Nov. Deputirtenkammer. Das Haus ist stark besetzt, es herrscht eine lebhafte Bewegung. Deschanel theilt mit, daß zwei Juterpellationen über die Picquart=Angelegenheit angemeldet seien. Dupuy verlangt die sofortige Discussion derselben. Fourniere verlangt die Vertagung der Kammer auf eine halbe Stunde, um den Republikauern die Möglichkeit zu geben, sich mit den Gruppen des Senats ins Einvernehmen zu setzen. Der Vertagungsantrag wird in namentlicher Abstimmung mit 252 gegen 244 Stimmen abgelehnt. Während der Vornahme der uamentlichen Abstimmung traten die Bureaux der Gruppen der Linken zusammen, um zu versuchen, eine Grundlage gemeinsamen Vorgehens herzustellen. Bos interpellirt über die Verweisung Picquarts vor das Kriegsgericht, bevor der Cassationshof die Dreyfus=Angelegenheit beendet habe. Mehrere Radicale und Socialisten, darunter hauptsächlich Millerand, unterstützen die Interpellation Bos'. Cassagnac, der Leiter der„Autorité", bekämpft den Antrag Bos'. Hierauf besteigt Poincarré, der 1894 im Cabinet Dupuys gewesen, die Redner tribüne und hält eine sensationelle Rede, worin er erklärt, Mereier habe 1894 ungerecht gehandelt, indem er Dreyfus gerichtlich verfolgen ließ, ohne die übrigen Minister hiervon zu unterrichten. Dreyfus sei vier Tage verhaftet gewesen, ohne daß Dupuy oder andere Minister hiervon gewußt hätten. Poigcarré unterzieht Merciers Ver halten einer scharfen Kritik und sagt, die Minister des 1819er DupuyCabinets hätten keinen anderen Beweis über die Schuld Dreyfus' als das Borderau gehabt. Sodann betritt der frühere Kriegsminister Cavaignac die Tribüne und beginnt eine Rede, die aber durch beftiges Hohngeläckter unterbrochen wurde. Peincarré ergreift nochmols das Wort und fordert die Vertagung des Processes Picquart bis nach der Beendigung des Dreyfus=Verfahrens vor dem Cassationshofe. Kriegsminister Freycinet bekämpft diesen Vorschlag; er sogt, die Regierung müsse so wohl die bürgerliche als auch die militärische Rechtsprechung anerkennen. Poincaree sagt, man dürfe die Armee nicht mit unklugen Persönlichkeiten verwechseln. Er erkläre ausdrücklich, er wolle nicht den geriggsten Verdacht gegen die Mitglieder des Kriegsgerichts auesprechen, aber die Verfolgungen hätten den Cherakter von Repressalien. (Beifall.) Die Geheimhaft Piequorts sei über die Maßen verlängert worden; es gebe Schuldige, die sich einer Anstoß erregenden Straflosigkeit erfreuten (Beifall); es gäbe andere Fälscher als Piequart, die nicht verfolgt würden. Diese Ungerechtigkeiten würden schließlich dazu führen, daß man außer sich gerathe.(Wiederholter Beifall.) Poincare fügt noch hinzu: Man hat uns gelegentlich des Processes von 1893 angegriffen. Ich habe die Affaire aus den Zeitungen erfahren.(Beifall; Lärm. Barthou ruft:„Ich bin bereit, die Erklärungen Poincares, die der Ausdruck der Wahrheit sind, zu bestätigen!“ Lebh. Beifall. Ausrufe: Das ist wahnsinnig und unschicklich!) Der einzige Beweis für die Schuld Dreysus war 1894 das Bordereau. Weder der Ministerpräsident noch irgend ein Minister hat von Geständnissen Dreyfus gehört, die Lebrun=Renault entgegengenommen hat.(Beifall. Cavaignal ruft: General Mercier hat sie empfangen!) Lebrun=Renault hat, als er vom Ministerpräsidenten darüber befragt wurde, nicht von Geständnissen Dreyfus gesprochen. (Beifall auf allen Bänken. Cavaignac will sprechen, wird aber durch den herrschen Lärm gehindert.) Poincaree schließt: Das Schweigen lastete auf mir, ich bin glücklich, die Gelegenheit zu ergreifen, um zu sagen, was ich wußte.(Erneuter Beifoll.) Cavaignac besteht auf der Existenz des Berichts Lebrun Renaults betreffs des Geständnisses Dreyfus. Freycinet erklärt:„Die Militär= justiz ist regekrecht mit der Affaire Picquart befaßt. Wir Alle wollen Licht, und Licht wird gemacht werden." Dupuy erklärt, die Vertagung anzubefehlen wäre eine Verletzung des Princips der Trennung der Gewalten. Es sei nicht Sache des Parlaments und der Regierung, über einen etwaigen Zusammenhang zwischen der Angelegenheit Dreyfus und der Piequarts zu urtheilen. Wir sind die Regierung, müssen es indeß ablehnen, eine Regierung der Willkür zu sein.(Auhaltender Beifall.) Die Regierung nimmt eine Tagesordnung Dujardin an, welche die Regierungsecklärung der Treunung der Gewalten billigt. Diese Tagesordnung wurde dann auch mit 437 gegen 73 Stimmen angenommen. * Paris, 28. Nov. Der Cassations= hof verhört heute Piequart.— Die spanisch= amerikanische Friedens=Commission tagte heute Nachmittag von 2 bis 2¾ Uhr. Die Spanier nahmen die Bedingungen der Amerikaner an, nämlich: Aufgabe der Philippinen und des SuluArchipels gegen eine Entschödigung von zwanzig Millionen Dollars: Amerika kauft alle Karolineninseln. Die Fragen betreffend die kubanische Schuld bleiben in der Schwebe. Die nächste Sitzung der Commission findet am Mittwoch statt. * Rom, 28. Nov. Der Papst, welcher sich vorzüglicher Gesundheit erfreut, hielt ein geheimes Consistorium ab, in welchem die Wahl Rimanis zum Patriarchen von Syrien bestätigt und 40 neue Bischöfe präconisirt wurden; unter den letzteren befinden sich die Bischöfe Endert=Fulda, Willi=Limburg und Nörber=Freiburg i. Br. * Konstantinopel, 28. Nov. Nach einer Meldung aus Kreta werden in drei Distrikten der Provinz Kandia sechs Postämter errichtet. Zum Hauptpostamt wurde das österreichische Postamt in Kandia bestimmt. 5 Berlin, 28. Nov.(Telegramm). Die„Volkszeitung" veröffentlicht einen Erlaß des Staatssecretärs v. Podbielski. Der Erlaß beschäftigt sich mit den Verhältnissen der Beamten, mit den Pflichten der Vorgesetzten und im Besonderen mit der Art, wie mit nachgeordneten Beamten zu verkebren ist. Darnach erwartet Herr v. Podbielski, daß in Zukunft vor der Verfügung einer jeden lebenslänglichen Anstellung auf die gesammte dienstliche und außerdienstliche Führung des Beamten oder Unterbeamten zurückgegangen und die Verleibung der Unkündbarkeit von dem Ergebniß einer sorgfältigen Prüfung des gesammten dienstlichen und außerdienstlichen Verhaltens des Beamten abhängig gemacht werde. Weiter wird in dem Erlaß die Nothwendigkeit ausgesprochen, daß Beamte und Unterbeamte, die sich nach ihrer Führung oder ihren Leistungen für den Postdienst nicht geeignet zeigen, früher als bisher aus dem Dienste entlassen werden, damit sie sich leichter einem anderen Beruf widmen können, als dies bei einer Entlassung im späteren Alter der Fall sei. Wo es gilt, unlautere und ungeeignete Elemente von dem kaiserlichen Dienste sernzuhalten, müsse strenge Gerechtigkeit gegen die Unter gebenen und wohlwollende Förderung ihrer Interessen gepaart sein. Der schriftliche Verkehr der Vorgesetzten mit ihren Beamten sei auf das Mindestmaß berabzusetzen, und es müsse sich der schriftliche Verkehr sowolh wie der mündliche in angemessenen, das Ehrgejühl nicht verletzenden Formen bewegen. ( Paris, 29. Nov.(Telegramm.) Die von den Anbängern Deeyfus' einberufene Versammlung veranstaltet eine Kundgebung zu Gunsten Picquarts. Rom, 29. Nov.(Telegramm.) Die Antianarchisten=Conferenz setzte gestern ihre Arbeiten sort. London, 29. Nov.(Telegramm.) Oberst Lewis, der im vorigen Jahre nach Wei=hai=wei gesandt wurde, um den Platz vom militärischen Standpunkte aus zu begutachten, erklärte einem Vertreter des Reuterbureaus, daß Wei=hei=wei sowohl vom militärischen wie vom seemännischen Standpunkte sich als werthvoller erweisen werde, als irgend einer der früher besessenen Häfen, und bedeutend vortheilhafter als Port Arthur sei. O Havannah, 29. Nov.(Telegramm.) Gestern explodirten eine Anzahl mit Geschützpulver und Gewehrpatronen gefüllte Kisten, die in einem hiesigen Hause lagerten. Ungefähr 40 Personen wurden geöbhet. Aibelt Lohchoteh De-Piollinig Part., Bahnhofstraße 41. Witten. Bahlhbsstraße 41. „Terwauren. 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Der Vorstand sovielen Arbeite Bochum, Dortn Mülheim besteh Von den Geschä 2040 reichsgeset 993 knappschaft gelegenheiten, 36 Anträge auf stattungder reichs fanden 618 statt anträge gingen Krankengelde schuldhafte Bethe in 162 als erwil wiesen angenomn gesetzt wegen Ve wegen Besuchs keiten in 150, Fällen. Die veo 6140,29 Mk., stützungen an gezahlt. Stören! Zechen— ist de Belegschaft, Belegschaft von waren 107884 Die Zahl der betrug 88472 d. Verwaltungskörpe Vertrauensmänne 94 721 Kranken Die Krankenk Arbeit sverdienste! 914944,40 Mt wiederum die Fä einiger Mitgliede Gesammtbeiträge der Werksbesitzer wurde für jedes 17,24 Mk., von Die Mitglieder ver Den einzelnen Lo nach den 4 Quart 4774; 2. Class 3. Classe(Lohn (Lohn 2,21—2,6 2,60—3,00 Mk.) Mr.) 16019; 16 904; 8. Class 9. Classe(Lohn (Lohn 4,60—5,0 (Lohn 5,00—5,4 (Lohn 5,40—5,8 über 5.80 gehörten de 1896 erst 4934 classe 1895: 242 1895: 5719, 18 auf besonders hir Erhöhung de machen sich besonde bemerkbar. lichen Arbetter be Mann, 1896: 22 (Lohn 1895