Centrums-Organ für das Ruhrthal. Telegramm=bbrehe: Soltszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringewalb Witten Nr. 256. Dritter Jahrgang. Erscheint täglich, mit Ausnahme der Vonn- und Jeiertagr. Abonnementopreis nebst den Gratis-Beilagen„Sonntagsfreude" und „Oterne und Blumen“ durch die Boten zugestellt nur 50 Pfg. pro Monat. durch die Poll bezogen nur 1,20 Mk. pro Auartal. Verantwortlich für den ganzen Inhalt: H. Bringewald, Witten. Telephon=Auschluß 130. eT Dienstag, 8. November 1893. Preis für die 1spaltige Pekitreile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen ontlprechender Rabakt. Größere Anzeigen können nur bis spätestens Abende 5 Uhr angenommen werden, ganz dringende Inserate bis Morgens 8 Uhr. Geschüftostelle: Witten, Hauptstraße 79. + Wahlnachklänge. Jetzt reden sie darüber, wie es gewesen sei und wie es hätte sein können. Alle aber sind sie zufrieden, oder nehmen wenigstens eine zufriedene Miene an. Wenn sie Unzufriedenheit äußern, richtete sich diese immer gegen andere, nicht gegen sich selbst. Die Nationalliberalen haben die meisten Verluste erlitten, aber sie sind„zufrieden". Allenfalls gestehen sie zu, daß sie nicht ausreichend „organisirt“ seien. So geht es ja regelmäßig. Hat eine Partei Verluste erlitten, so gibt sie nicht zu, daß sie den Wählern nicht mehr gefalle, sondern sie sagt, die mangelhafte Organisation sei schuld. So zufrieden die Nationalliberalen mit sich sind, so unzufrieden ist man links und rechts mits ihnen. Herr Richter behauptet, sie hätten eine größere Niederlage der Conservativen verhindert, weil sie sich nicht hätten entschließen können, gegen die Rechte Front zu machen. Die Conservativen werfen den Nationalliberalen umgekehrt vor, daß sie mit Freisinnigen und Socialdemokraten gegen die Conservativen gekämpft hätten, und äußern ihre Schadenfreude über die nationalliberalen Verluste. Die„Post“, deren Partei ja auch nicht gut weggekommen ist, ist so ärgerlich, daß sie den Nationalliberalen die nationale Gesinnung absprechen möchte.„Unterstützung der Socialdemokraten" und„Mangel an nationaler Gesinnung", das sind ja die Hauptschlagworte, die die Conservativen immer wieder gegen andere Parteien ausspielen. Dabei sind sie selbst lächerlich empfindlich, wo sie vermuthen, daß ihre nationale Gesinnung in Zweifel gezogen werden könne. Die„Nat.=Lib. Corr.“ hatte gesagt, die Wahlmänner möchten sorgen, daß im Abgeordnetenhause das liberale und nationalgesinnte Bürgerthum so stark vertreten bleibe, wie es nur irgend möglich sei. Das enthält nichts Beleidigendes für die Conservativen. Die„Conserv. Corr.“ aber ruft entrüstet, in schamloser Weise würden die Conservativen damit von dem nationalgesinnten Bürgerthum ausgeschlossen; das Wort„national“ werde mißbraucht; so etwas übersteige alles, was bisher an Verdrehung der Wahrheit und Irreführung geleistet worden sei. Hoffentlich merken sich die Nationalliberalen, daß nur die Conservativen berechtigt sind, andern die nationale Gesinnung abzusprechen. Sie brauchen dies Monopol nothwendig, denn was hätten sie sonst noch zu ihrer Empfehlung aufzuweisen, als ihre serupellose Habsucht? Um die Erfolge der Linken möglichst klein erscheinen zu lassen, behaupten die Organe der Rechten hartnäckig, die Liberalen hätten die Conservativen „ganz klein machen“, ihnen eine„empfindliche Niederlage“ beibringen wollen. Die Wahrheit in, daß Niemand das auch nur geträumt hat. Man hat nur gewünscht, eine conservative Mehrheit zu verhindern und sich weiter gar keinen Illusionen hingegeben. Das Ziel ist durchaus erreicht. Wenn die Conservativen eine größere Niederlage befürchtet haben, so ist es doch kein Mißerfolg der anderen Parteien, die daran nicht gedacht haben, wenn diese Niederlage nicht ei getreten ist. Förmlich lächerlich wirkt es nachgerade, wie die conservative Presse nun schon 14 Tagelang ununterbrochen auf die bekannte ProfessorenKundgebung schimpft. Das soll der Gipfel aller Niederträchtigkeit sein. Als ob Leute, die früher conservativ gewählt hatten, nicht erklären dürsen, daß sie eine conservative Mehrheit für schädlich hielten! Im Kreise Teltow=Beeskow=Charlottenburg hat man noch unmittelbar vor dem Wahlacte die Comödie gemacht, die conservativen Wahlmänner eine Entrüstungs=Resolution gegen die„sich widerrechtlich conservativ nennenden Unterzeichner der bekannten berüchtigten Wahlaufrufe" beschließen zu lassen. Den Humbug, den der Bund der Landwirthe mit seinem„Siege" treibt, haben wir schon gekennzeichnet. Die Conservativen sind aber mit den Bündlern gar nicht recht zufrieden. Haben sie doch in Rotenburg=Hersfeleld den Antisemiten zum Siege über die Conservativen verholfen und in Minden=Lüdbecke die Conservativen um ein Mandat geprellt. Es war abgemacht, die Bündler sollten im zweiten Wahlgange für den conservativen Candidaten Strosser stimmen, wenn dieser im ersten Wahlgange mehr Stimmen erhalten sollte, als der Bundescandidat Rehling, und umgekehrt. Sie hielten aber nicht Wort, sondern brachten mit Hülfe der Liberalen ihren Candidaten, der im ersten Wahlgange die wenigsten Stimmen erhalten hatte, durch. Derartige treu= und ehrlose Streiche scheinen überhaupt eine besonders gepflegte Specialität der biederen Bundesbrüder zu sein. In Konitz=Tuchel hatten die Bündler und das Centrum das Abkommen getroffen, den von den Conservativen fallen gelassenen v. Hilgendorff und einen Centrumscandidaten zu wählen. Nachdem die Centrumswahlmänner die Dummheit begangen hatten, im ersten Wahlgange den Bundescandidaten zum Siege zu verhelfen, drückte sich ein Theil der Bündler. In Folge dessen erhielt der Centrumscandidat zunächst nur die gleiche Stimmenzahl wie sein conservativer Gegner. Beim dritten Wahlgange drückten sich dann noch einige Bündler und der Centrumscindidat blieb in der Minderheit. Zwischen der Centrumspartei und dem Bunde in Hildesheim und Morienburg war über ein Wahlabkommen verhandelt worden, wonach der Bund in Hildesheim für den Centrumscandidaten, die Centrumspartei in Marienburg für den Bundescardidaten eintreten sollten. Der Sieg war denn in beiden Kreisen sicher. Die Bundesleitung in Peine verschob aber eine bindende Zusage von Tag zu Tag und muthete schließlich dem Centrum zu, ohne jede Bürgschaft der Gegenseitigkeit in Marienburg zu stimmen. Man wollte offenbor so lange hinter dem Berge halten, bis die Wahl des Bündlers geschehen war. Die Centrumspartei fiel darauf glücklicherweise nicht berein, sondern beschloß Wahlenthaltung und so kamen die Bündler um den erhofften billigen Sieg. Solche Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit der Bündler dienen hoffentlich allen Centruasmitgliedern zur Warnung. Die Socialdemokraten sind mit dem Wahlausfall sehr zufrieden, weil sie ihre Erfolge selbst nicht erwartet hatten. Jetzt thut es ihnen aber auch schon leid, daß sie nicht entschieden in den Wahlkampf eingegriffen haben. Das kam am Dienstag Abend recht lebhaft zum Ausdruck auf einer Berliner socialdemokratischen Versammlung, in der Auer, Fischer u. A. sprachen. In fünf Jahren, so betonte Auer, werde von einer Meinungsverschiedenheit über die Wahlbetheiligung nicht mehr die Rede sein. Mon hätte jetzt schon aus eigener Kraft in Berlin einen Candidaten durchbringen können, wenn man nur thatkräftig eingegriffen hätte. Lebhaft beklagte Auer, daß die Socialdemokraten nicht den conservativen Sieg in Teltow=Beeskow=Chorlottenburg hätten verhindern helfen, wiewohl sie es gekonnt. Nach der Ansicht der„Post“ ist die„characteristische Wirkung“ der Neuwahlen:„Rückgang der nationalliberalen Partei, Fortschritt des Centrums.“ Die Aussichten eines Zusammengehens der Conservativen und des Centrums mehrten sich; die Stellung des Centrums sei in Folge der linksnationalliberalen Wahlkampagne nur noch stärker und einflußreicher geworden; es eröffne sich ihm eine ungleich wirksamere Aussicht als bisher, von seiner ausschlaggebenden Stellung im Reichstage auch für die Förderung seiner Interessen in Preußen Nutzen zu ziehen. Auch die Nationalliberalen werden leicht merken, daß die„Post“ das Centrum nur als Schreckmittel benutzen will, um sie von der Linken nach der Rechten hinüberzutreiben. o Politische Tagesübersicht. Ueber das Verhältniß zwischen Preußen und dem Vatican schreibt der vaticanische Officiöse der„Pol. Corr.“ aus Rom:„Der Audienz, welche der deutsche Kaiser dem apostolischen Delegaten in Constantinopel, Monsignore Bonnetti, gewährt hot, wird hier eine besondere Bedeutung beigelegt. Man kann diese Audienz als ein Dementi gegenüber den übertriebenen Gerüchten, die deutsche Journale über die Spannung in den Beziehungen zwischen dem heiligen Stuhle und der preußischen Regierung verbreitet haben, betrachten. Daß sich die preußische Regierung beeilte, in Herrn von Rotenhan einen neuen Vertreter beim Vatican zu ernennen, beweist wohl zur Genüge, daß die letzten päpstlichen Kundgebungen in Beziehung auf das französische Protectorat im Orient keinerlei ungünstige Stimmung in den officiösen Kreisen in Berlin hervorgerufen haben, und daß keine thatsächliche Aenderung in den vollkommen correcten Beziehungen eingetreten ist, welche die preußische Regierung dem Vatican gegenüber aufrecht zu erhalten verstanden hat. Die Ernennung des Herrn von Rotenhan wurde im Vatican mit lebhafter Befriedigung aufgenommen. Herr von Rotenhan ist ein alter Bekannter des Papstes, da er durch acht Jahre als Botschaftsrath fungirte, in welcher Zeit Herr von Schloezer Gesandter war. Nach seiner Vergangenheit zu schließen, glaubt man die Ueberzeugung hegen zu dürfen, daß Herr von Rotenhon sich bemühen werde, das freundliche Einvernehmen zwischen Preußen und dem Vatican aufrecht zu erhalten. Jo den hiesigen kirchlichen Kreisen betont man auch, daß die Presse im Allgemeinen der jüngsten Ansprache des Papstes an die französischen Pilger eine übertriebene Bedeutung beigelegt und daß der Papst niemals daran gedacht habe, daß diese Rede zu so peinlichen Auslegungen Anlaß geben könnte. Die provseutorische Absicht, die ein Theil der Oeffentlichkeit darin erblicken wollte, sei den Intentionen Seiner Heiligkeit vollständig ferne gelegen. Ueberdies kann man nach dem freundlichen Meinungs=Austausche, der beiderseits gepflogen wurde, den fraglichen Zwischenfall als endgültig abgeschlossen erkennen.“ Das bekannte Manöver: Militärvorlagen durch zeitweilig sich wiederholende Mittheilungen über dieselben den Steuerzahlern schmackhaft zu machen, letztere an die hohen Forderungen zu gewöhnen, wird unentwegt fortgesetzt. So läßt Herr v. Miquel, der überzeugte Vertreter aller Militärforderungen, durch seinen offiziösen Galizier verkünden, daß wir„heidenmäßig viel Geld“ haben und wir deshalb die Kosten einer Heeresvermehrung spielend bestreiten können:„Die günstige Finanz= lage wird im Reichstag auch den Mehrforderungen, die für die Stärkung unserer Landesvertheidigung unabweisbar nothwendig sind(Was der Militarismus sordert, ist selbstverständlich immer„unabweisbar nothwendig“!) die Wege ebnen.“ Der Ueberschuß des laufenden Etatsjahres im Reichsetat werde den des vergangenen Jahres im Betrage von 78 Millionen Mark„mindestens erreichen". Man staunt über die Kühnheit, mit der hier als ganz selbstverständlich angenommen wird, daß die Erträge der Steuern sowohl wie Ueberschüsse so ohne Weiteres für den Militarismus verwendet werden müßten. Bei solchen Anschauungen allerdings kann es nicht auffallen, daß die Forderungen für das Heerwesen immer maßloser werden und kein Ende nehmen wollen. Dabei ist die Angabe betreffs der Ueberschüsse gar nicht zutreffend. Mit dem diesjährigen Ueberschuß ist zunächst eine Anleihe von 55½ Millionen M. zu begleichen, sodaß ein Ueberschuß von nur etwa 20 Millionen bleibt. Natürlich läßt der Reichstag durch derartige Manöver sich nicht täuschen. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß vor den letzten Reichstagswahlen im vergangenen Frühjahr irgendwie erhebliche Mehrforderungen für das Heer Seitens der Kriegsverwaltung in Abrede gestellt wurden. Jetzt aber glaubt man ganz ungenirt mit der Wirklichkeit herausrücken zu dürfen; denn daß auch die neueste officiöse Ankündigung auf sehr bedeutende Neuforderungen schließen läßt, wird kein vernünftiger Mensch anzweifeln. Das zeigt, was auf Regierungsversicherungen zu geben ist. Die amerikanische Forderung betreffend die Annexion der ganzen Philippinengruppe wird auch in Amerika nicht rückhaltlos gebilligt. Die gesammte gemäßigte Presse verurtheilt dieselbe aufs Entschiedenste und beschuldigt Mae Kiuley der plötzlichen, nach seiner Rede in Omaha fast heimtückischen Schwenkung zum vollsten Jingothum. Seit dem Bestehen der Union sei nichts so folgenschwer, wie diese radicale Abschwenkung von der Bundesverfassung und der Ueberlieferung. Das Jingothum ist leider jetzt in den Vereinigten Staaten ausschlaggebend. Es ist daher auch wenig wahrscheinlich, daß die vernünftigen Stimmen der gemäßigten Presse gehört werden. In dieser Beziehung gibt man sich auch in Spanien keinen Illusionen hin, ja man rechnet dort nicht einmal auf eine Hülfe Europas. Einer Madrider Meldung der „Agenzia Fabra“ zufolge ist in Madrid die öffentliche Meinung lebhaft mit den amerikanischen Ansprüchen auf die Philippinen beschäftigt. Die Presse erkennt an, daß jeder Appell an Europa vollständig nutzlos sein würde, denn Europa sei von anderen Fragen vollständig in Anspruch genommen, es würde Spanien ganz und ger sich selbst überlassen. Vielleicht heißt das doch den Pessimismus etwas zu weit treiden. Politische Nachrichten. Berlin, 6. Nov. ( Ueber die geplanten gesetzgeberischen Maßregeln gegen Socialdemokraten und Anerchisten gehen die Nachrichten jetzt sehr bunt durcheinander. Die offieibse„Süddeutsche Corr.“ in Karlsruhe kündet an, daß dem Reichstage„Eindämmungsmaß( Die Insel-Aize. Roman von E. Heinrichs. Einen Augenblick noch schwankte Diedrich, dann fragte er zögernd:„Wer verbürgt es mir, daß Sie wirklich zur Polizei gehören und mir in der Sache helfen können?“ Finley zog lächelnd ein Schild aus der Tasche und legte es vor ihm hin. „Ueberzeugen Sie sich, das ist unsere Legitimation.“ Diedrich las die eingravierten Worte auf der Messing= platte und nickte befriedigt. Dann nahm er sein seidenes Taschentuch heraus, wickelte es vorsichtig auf und öffnete die goldene Kapsel. „Sehen Sie sich dieses Bild an, Mr. Finley“, sagte er, „dies ist der wahre Dr. Siegfried, der auf dem„Rothen Stern" als Schiffsarzt angenommen war, und dieser hier hat die Reise unter seinem Namen gemacht. Besehen Sie sich das Bild recht genau und dann sagen Sie mir, was Sie davon halten.“ Finley hatte eine Lupe aus der Tasche gezogen und sich beide Bilder genau betrachtet. Auf seinem sonst so undurchdringlichen Gesicht malten sich jetzt Ueberraschung, Aufregung und Erstaunen. „Woher haben Sie dieses Bild?“ fragte er endlich, die Lupe wieder in die Tasche steckend und auf die Photographie deutend. „Die hat mir Capitän Shanning, bei dem ich heute war und dem ich das andere Bild zeigte, gegeben. Er und sein Maat Tom Boxley bezeugten, daß dieser als Dr. Siegfried zu ihm gekommen ist und die Gelehrtenfahrt als SchiffsArzt mitgemacht habe. Kommt Ihnen das Bild nicht bekannt vor?“ „Gewiß, es ist kein anderer als Bill Jackson, dessen richtiger Name Dr. Jackson lautet. Wer ist denn dort in Indien ermordet worden?“ „Das war ja die lustige Geschichte, über die er beinahe einen Lachkrampf kriegte, und um die sein Kumpan mich gebracht hat. Nun passen Sie auf, Mr. Finley, nun will ich Ihnen eine Geschichte erzählen, dann wird's wohl helle genug für Sie werden, daß Sie ins richtige Fahrwassce kommen.“ Er erzählte dem gespannt Aufhorchenden die Geschichte des armen Walter Siegfried und die Erbschleicherei des Stiefvaters, soviel er davon erfahren hatte, er erzählte von der zersotzten Leiche in Indien, die Niemand als die des Arztes hatte erkennen und bezeugen können, außer an der Brieftasche und den Kleidern. „Und nun kalfatern Sie sich die Worte dieses Schuftes von heute Abend dazu und ich denke, Sie haben den rechten Curs.“ Finley nickte. „Wo ist der echte Dr. Siegfried hingekommen?“ fragte er endlich langsam.„Sie haben doch keinen Verdacht auf Dr. Adams in Brompton?“ „Verdacht? Nein, die Ueberzeugung hab' ich, daß dieser ehrenwerthe Genlleman mit den beiden Schuften, dem Stiefvater und seinem Maat, im selben Fahrwasser gewesen ist. Das Geld ist der Schlüssel zum Tollhaus für meinen armen Dr. Siegfried gewesen und der Pirat in Brompton hat ihn in den Grund gesegelt.“ „Nicht übel combinirt“, bemerkte Finley, beifällig nickend. „Es kommt jetzt vor allem dar auf au, ob der echte Siegfried noch am Leben ist. Bill fing plötzlich an zu flüstern, ich konnte nichts ver stehen, und es betraf sicherlich sein Opfer.“ „Er flüsterte mir zu, daß es Dr. Siegfried gar nicht gewesen war, den man in Indien erstochen hatte, daß er aus dem Tollhause ausgerissen sei; und da bot ich dem Hallunken 10 Pfund Sterling, wenn er mir sagen könnte, wo mein Dr. Siegfried zu finden wär'.“ „Das hörte ich; schade, daß der andere Bursche dazu kam und ihn störte.“ „Ja, er war just im rechten Curs, uber durch den andern wurde ich erst ganz klar über den Pirat, den Sie mir nun unterstauen müssen, Mr. Finley, und das in Ketten und Banden." Er warf einen Blick auf seine Uhr und wickelte seine Schätze wieder in das prunkvolle Taschentuch. „Wollen Sie mir diese Photographie nicht einstweilen lassen, Mr. Thomsen?“ fragte Finley,„sie würde mich wesentlich unterstützen.“ „Das geht noch nicht, ich muß sie einer Dame, nämlich einer Verwandten des Dr. Siegfried, vorlegen, auf daß sie sich mit eigenen Augen überzeugen kann.“ „Die Dame ist hier in London? So gehört ihr wohl die goldene Kapsel?“ „Das stimmt beides, vielleicht treffen wir uns morgen Abend in der andern Wirthschaft, Mr. Finley. Ich lud die Kerls dort wieder ein.“ „Ich hörte es, werde mir aber doch den Bill vorher allein mal einladen. Ich setze voraus, Mr. Thomsen, daß Sie morgen zu der betressenden Dame gehen werden.“ „Versteht sich, um elf Uhr Vormittags muß ich bei ihr Auter wersen: „Wann gehen Sie fort?“ fragte Finley,„vielleicht müßte ich Sie vorher noch sprechen.“ „Na, segle so um halb elf von der„Brunonia“ ab, bin dann zur rechten Zeit in Westend.“ Diedrich betonte das letzte Wort mit unverkennbarem Stolz. „Sie fahren natürlich mit der Bahn; ich danke Ihnen. Mr. Thomsen! Verwahren Sie die Bilder nur gut.“ „Keine Sorge“ meinte Diedrich, das Tuch in die Brusttasche steckend und den Rock fest zuknöpfend.„Wer bei mir ernten will, muß erst sein Leben versichern.“ Finley lachte und verließ mit ihm den Gasthof. Er gab an, den selben Weg zu haben, und wollt ihn eine Strecke begleiten. „Vielleicht fahren Sie morgen mit einem Dampfer bis nach Westend, es wäre der bequemste Weg. Wo liegt Ihr Schll““ „In der Nähe von London=Brücke, ja. ich will auf einem Dampfer nach Westend", erwiderte Diedrich,„die Eisenbahn ist mit ein Greuel, der arme Capitän Shanning ist ein Wrack darauf geworden. Kann man jetzt noch nicht mit einem Dampfer fahren?“ „Noch bis Mitternacht, wenn Sie Lust haben, das heißt nicht im November und December— woran ich trotz des Nebels nicht gedacht habe.— Merkwürdig!" Mr. Figley ärgerte sich über seine unerklärliche Zerstreutheit. „Ich wollt auch schon Stopp sagen“, bemerkte Diedrich trocken,„der Nebel ist am Tage doch noch nicht so faustdick wie in der Nacht. Können Sie mich binführen. Mr. Finley?“ „Natürlich bleib' ich bei Ihnen, Mr. Thowsen, da konnnt, wenn ich nicht irre, noch ein Whitechapelwagen, vören Sie das unaufhörliche Gebimmel? Kommen Sie rasch, er hält gleich dort an der Ecke der Lemannstraße und bringt uns rasch in die Nähe der London=Brücke.“ Finley hatte des Steuermanns Arm ergriffen und ihn schnell ohne Umstände mit sich fortgezogen. „Sie bleiben also doch bei mir?“ fragte Diedrich aihemies. „Sie führen zu kostbare Bilder bei sich, um Sie nicht selber in Sicherheit zu bringen, M. Thomsea! Morgen Abend um fünf Uhr treffen wir uns wieder in der„Britischen Flagge". Merken Sie sich: um fünf Uhr: Bob Morton mag getrost auf Ihren Grog warten, der Bursche ist zu gerieden, er darf nichts von der Sache merken. Hören Sie das nahe Bimmeln? Nun wird der Wagen schon halten.“ Finley's Augen durchdrangen Nacht und Nebel, day ge rade dieser große Verkehrsdistrict der eigentliche Schauplatz seiner Thätigkeit war. Nach wenigen Minuten saßen sie in dem Wagen, der sich sofort wieder langsam und unter fortwährendem Läuten in Bewegung setzte. „Morgen Abend um fünf Uhr, sagten Sie doch, Mr. Finley!“" begann Diedrich, der sehr unruheg geworden war, sich dicht ans Ohr seines Begleiters beugend. „Warten Sie nur, bis wir ausgestiegen sind", beruhigte ihn dieser beinahe schreiend. Als sie den Punkt errricht hatten und durch den Nebel der London=Brücke zuschritten, was immerhin noch eine gute Strecke bedeutete, sagte Finley:„Sie müssen mir Bil Jackson's Bild morgen Abend um fünf Uhr bringen, wenn Ihnen die Stunde paßt—“ „Das läßt sich einrichten“ murrte Diedrich, der wieder mißtrautsch geworden war,„wo bleibt aber der Pirat?“ „Den mach' ich vorher dingfest, daß er nicht zu früh Lunte riecht und sich unsichtbar macht. Diese Gauner haben überall ihre Schlupfwinkel, wo sie so ziemlich sicher sind.— Aber ich muß ein volles Geständniß von ihm haben, um den Doctor in Brompton und den Stiefvater in Deutschland in's Netz zu bekommen.“ „Sturm und Gewitter, das wär' eine Fahrt, vor der ich die Segel streichen würde. Wenn die Dame es für gut hält, bring' ich Ihnen das Bild, Mr. Finley!“ „Kein Wenn und Aber“, sondern„Entweder— Oder“, erwiderte der Beamte gelassen. „Zum Henker, die Insel=Nixe ist klug und wird das Rechte treffen“, sprach Diedrich entschlossen,„wenn nicht, bring' ich's Ihnen doch.“ Sie waren bei der Brücke angelangt, hier blieben sie stehen; und während der Steuermann eine schrille Pfeife dreimal ertönen ließ, zog Finley eine Karte aus der Tasche, die er Diedrich einhändigte. „Geben Sie diese Karte der Dame, verlieren Sie sie aber nicht. Wenn sie klug ist, wird sie Ihnen das Bild ohne Weiteres überlassen.“ In diesem Augenblick tönte das Geräusch von Ruderschlägen an ihr Ohr. Die beiden Männer schüttelten sich die Hände und ein langgezogenes„Ob!“ bewies dem Steuermann, daß sein Pfeisen geyört worden war und ein Boot an der Brücke lag. Er wiederhelte den Ruf, tastete sich hinunter, wobei trüder Lichtschimmer in einer Schiffslaterne ihm als Leitstern diente. (Fortsetzung folgt.) zageln gegenüber der socialdemokratischen Hochfluth“ vorgeschlagen werden sollen. Mit der bisherigen Tactik in der Behandlung der Umsturzpropaganda müsse endlich gebrochen werden. Der Kampf gegen die Todfeinde aller göttlichen und menschlichen Ordnung müsse mit rückhaltlosester Energie aufgenommen werden. Die Coalitionsfreiheit der Aregiter müsse mit den wünschenswerthen Garantien gegen ihre mißbräuchliche Verquickung mit Contract= bruch und Terrorisirung Arbeitswilliger umgeben, zweitens aber müsse eine wirksame Niederhaltung der gemeingefährlichen, untergrabenden Umtriebe ermöglicht werden. Nach der„Schles. Ztg.“ sollen speciell gegen die Anarchisten gerichtete Bestimmungen auf dem Gebiete der Vereins= und Preßgesetzgebung geplant sein. Dagegen behaupten die„Berl. Pol. Nachr.“, die Angaben über ein geplantes Anarchistengesetz beruhten auf Combination; die Regierung werde wohl zunächst die Ergebnisse der Anarchisten=Conferenz abwarten wollen, ehe sie entscheidende Beschlüsse fasse. Von der Wiederaufnahme des im vorigen Jahre gescheiterten Vereinsgesetzes ist nach den Erkundigungen der„Berl. Pol. Nachr.“ in maßgebenden Kreisen nichts bekannt. Es scheint mal wieder Niemand zu wissen, wer Koch und wer Kellner in der Regierungswirthschaft ist. * Aus Posen wurde dieser Tage gemeldet, der Ministerial director v. Bitter sei dort mit zwei Geheimräthen eingetroffen, um mit dem Oberpräsidenten der Provinz Posen und den beiden Regierungspräsidenten von Posen und Bromberg über die geeigneten Maßnahmen zur Hebung des Ostens zu berothen. Jetzt berichtet man nun aus Posen:„Die Berathungen, die im Oberpräsidium stattfanden, hatten zum Zweck, über Dinge, die für die wirthschaftliche Entwickelung des Ostens von Bedeutung sind, Klarheit zu schaffen. So wurde z. B. sängere Zeit die Frage erörtert, wie der Leutenoth zu steuern sei und wie die Zulassung russisch=polnischer Arbeiter geregelt werden müsse. Daneben kamen Fragen des deutsch=russischen Grenzverkehrs, der Erweiterung des Bahnnetzes der Provinz zur Verhandlung. Auch die Verhältnisse der Stadt Posen u. s. w. wurden erörtert. Bindende Beschlüsse konnten naturgemäß nicht gefaßt werden.“ Westpreußische Blätter melden ferner, daß in Danzig noch im Laufe dieses Monats verschiedene Vertreter der rheinisch=west fälischen Industrie eintreffen werden, um sich an Ort und Stelle über die in Betracht kommenden Verhältnisse zu unterrichten. Weitere Berathungen würden erst im Frühjahr in Berlin und Danzig erfolgen.— Commercienrath Krupp=Essen kaufte in dem unmittelbar an Posen grenzenden Vorort Wilda ein 14 Morgen großes Grundstück für 100,000 M. Das scheint der erste Versuch eines westlichen Industriellen zu sein, die Industrie auch im Osten zu beleben. * Der Verleger des Witzblattes„Simplieissimus“, Langen, sowie der Mitarbeiter desselben, Wedekind, flohen nach der Schweiz vor der ihnen drohenden Verhaftung wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch ein Gedicht und ein Bild, das die Palästinafahrt des Kaisers betrifft. Der Zeichner des Bildes, Heine, ist in Leipzig verhaftet. s Die„Genossin" Rosa Luxemburg, die bei der„Sächsischen Arbeiterzeitung" den ausgewiesenen Chefredacteur ersetzte und auf dem Stuttgarter Parteitage sich durch ihre radicalen Phrasen„hervorthat“, ist wie Dr. Lütgenau„hinausgeflogen“. Die Gründe will oder darf sie in dem genannten Blatte nicht auseinandersetzen; sie will dazu ein anderes Blatt benutzen. * Brüssel, 5. Nov. Die„Reforme" veröffentlicht die sensationelle Meldung von der Entdeckung eines anarchistischen Mordanschlags auf den König Leopold am 26. October zu Ostende. Zwei Italiener seien verhaftet. Den eingezogenen Erkundigungen zufolge sind thatsächlich zwei verdächtige Italiener in Ostende festgenommen, jedoch wird der Mordaaschlag auf den König in Abrede gestellt.— Die„Independance belge" will aus guter Quelle wissen, daß in Folge Besprechungen mit dem Könige und nach Berathung mit den Generälen, namentlich dem Chef des Generalstabes, dir interimistische Kriegsminister einen Gesetzentwurf ausarbeite, wonach der persönliche Militärdienst an die Stelle des Stellvertretungsdienstes treten soll. Der Gesetzentwurf soll dem Parlamente bei seinem Wiederzusammentritt vorgelegt werden. 2 Wien, 5. Nov. Das Abgeordnetenhaus verhandelte in der gestrigen Sitzung über den Anklage=Antrag Kronawetter gegen den früheren Ministerpräsidenten Badeni wegen Verschleuderung von Staatsgeldern durch den Vertrag mit dem Wiener Blatte„Reichswehr“. Antragsteller Kronawetter führt aus, die erste Pflicht des Parlamentes sei, über die Verwendung der Steuergelder Controlle zu üben. Solche Dinge wie mit der„Reichswehr" seien schon öfter vorgekommen, aber man habe früher bei derartigen Dingen keinen Vertrag geschlossen. Die Badenische Regierung sei die erste, die einen derartigen Vertrag abgeschlossen habe. Redner fract, woher Badeni die Summe nahm, um die„Reichswehr" zu erhalten, man bringe dies mit verschiedenen bedenklichen Quellen in Zusammenhang; schließlich habe sich ein Consortium gebildet, welches die finanziellen Verpflicht ungen der Regierung für die„Reichswehr" übernahm. Das Haus möge Badeni und seine Mitschuldigen anhalten, das dem Staate entzogene Geld zu ersetzen. Ministerpräsident Graf Thun erwidert, gleich nach Einbringung des Antrages habe er eingehende Erhebungen veranlaßt, welche folgendes Resultat ergaben: Der Disvositionsfonds ist laut kaiser licher Verordnung vom Jahre 1866 unverrechenbar und gehört zur freien Disposition der jeweiligen Regierung; er unterliegt weder der Controlle des Parkaments noch des Obersten Rechnungshofes. Von einer Verschleuderung könnte nur dann die Rede sein, wenn die vom Parlamente als Dispositionsfonds bewilligte Summe überschritten würde und zur Bedeckung der Zwecke, für welche der Dispositionsfonds besteht, andere Staatsgelder verwendet würden. Das hat aber nicht stattgefunden, und wird sich das Haus hiervon aus den Rechnungsabschlüssen des Obersten Rechnungshofes überzeugen können. Socialdemokrat Berner ruft:„Woher nahm man also das Geld?“ Ministerpräsident Graf Thun sagt fortfahrend, um gleich auf diese Frage zu antworten, weise er darauf hin, daß der Dispositionsfonds nicht jedes Jahr abschließe, die Ueberschüsse auf die folgenden Jahre übertragen würden und sich daraus dann wieder ein neuer Fonds bilde. Der Ministerpräsident schließt, es fehle somit die Voraussetzung für die Erhebung der Anklage.(Beifall.) Nach dem Herrn Ministerpräsidenten sprachen noch mehrere Abgeordneien. Schließlich wurde der Anklageantrag in namentlicher Abstimmung mit 173 gegen 116 Stimmen abgelehnt.— Die Abgeordneten Türk, Schönerer, Iro und Genossen brachten einen Antrag auf Erhebung der Anklage gegen den Justizminister Ruber ein wegen der Versetzung des GBerichtsadjuncten Machatti von Joslowitz nach Kotzenplotz und wegen des Erlasses an die Oberlandesgerichte. * Paris, 5. Nov. Bei Beginn der gestrigen Sitzung der spanisch= amerikanischen Friedens commission legten die spanischen Delegirten einen schriftlichen Einspruch ein gegen Einführung von Clauseln in die Verhandlungen der Commission, die dem von den Bevollmächtigten beider Mächte in Washington unterzeichneten Protocolle widersprächen. In Folge dessen erklärten die spanischen Delegirten, daß sie die Souveränität Spaniens über die Philippinen nicht in Frage stellen lassen könnten, und ersuchten die amerikanischen Delegirten, mit ihnen das für die spanischen ostasiatischen Colonieen einzuführende Verwaltungssystem gemäß den Abmachungen des Protocolls von Washington zu erörtern. Die Anerikaner verschoben ihre Antwort bis zur nächsten Sitzung am 8. November.— Gerüchtweise verlautet, der Berichterstatter des Kriegsgerichts Hauptmann Tavernier habe in der Angelegenheit Piequart die Einstellung des Verfahrens beantragt, da Picquart unmöglich der Urheber des Rohrpostbriefes sein könne. * Bern, 4. Nov. Laut Mittheilung des italienischen Gesandten beginnt die römische Conferenz zur Bekämpfung der Anarchisten am 24. November. Der Bundesrath hat das Justizdepartement eingeladen, ihm Vorschläge betreffend die Ernennung der Delegirten und ihre Instruction zu unterbreiten. Die Palästinafahrt des Kaiserpaares. Das Kaiserpaar suchte, nie bekannt, am vergangenen Mittwoch Mittags das deutsche evangelische Waisenhaus von Talitha Kumi auf, die älteste prote stantische Anstalt in Jerusalem, welche schon Kaiser Friedrich 1869 besuchte. Von dort begaben sich die Majestäten nach dem deutschen katholischen Hospiz, das mit deutschen Fahnen geschmückt war. Am Eingange erwartete der HospizDirector Pater Schmidt, umgeben von den im Hospiz thätigen Schwestern von der Regel des bl. Borromäus, die Majestäten. Nachdem das Kaiserpaar im Hauptsaale Platz genommen hatte, der mit Bildern der Majestäten geschmückt war, hielt Pater Schmidt folgende Ansprache: „Mit ehrfurchtsvoller Treue begrüße ich die Majestäten in den Räumen des deutschen katholischen Hospizes. Unsere Anstalt ist noch jugendlich, aber sie ist dem Saatkorn gleich, das freudig aufsproßt und Hoffnung gibt auf gute Blüthe und Ausgestaltung zu einem fruchtbaren Baume. Hier im Orient herrscht viel Trockenheit und Dürre, aber wenn auf das von der Sonne verbrannte Land endlich Schatten fällt. gedeiht und blüht alles. Auf den Boden, worin unser Samenkorn ruht, fiel der Schatten des Kaisers kühlend und erfrischend. Wohin dieser Schatten fällt, da muß Schönes und Großes emporsprießen. Die Gründung dieser Anstalt war nothwendig, denn im hl. Lande Gutes zu thur, ist Pflicht; dabei durfte der katholische Theil des großen Deutschen Reiches nicht zurückbleiben. Wackere Männer, geistlichen und weltlichen Standes, nahmen darum das Werk in die Hand. Edle Begeisterung für den Glauben und des Vaterlandes Ehre verpflanzte das Samenkorn von dort hierher. Der Segen des Vaters unserer Kirche befruchtete es, und in hochsinniger Weise haben Ew. Majestät der Anstalt allerhöchsten Schutz und thätiges Wohlwollen zugewendet. „Ich bitte Ew. Majestät den ehrfurchtsvollen Dank des deutschen Vereins vom hl. Lande dafür eurgegennehmen zu wollen, einen Dank, der zugleich den Millionen deutschen Katholiken aus der Seele gesprochen ist. Wenn ich nun vor drei Tagen auf der Höhe des Sion in freudiger Dankesbewegung Ew. Majestät in Erinnerung an zwei große Namen, die mit dem Berge Sion verknüpft sind, die lange, glorreiche und kraftvolle Regierung des Königs David wünschte, so habe ich für heute noch einen dritten Wunsch, wozu wieder der Ort, auf dem wir stehen, mir Anlaß bietet. Nicht weit von diesem Hause hier stand vor Jahrtausenden der Prophet Jesaias und sprach die Weissagung von der Jungfrau und von Immanuel, die in ihrer Erfüllung das Antlitz der Erde umgestaltete. Diesen Immanuel— und das ist das Beste, was Ew. Maj. gewünscht werden kann— wünschen wir Allerhöchst Denselben für all' die großen Pläne, deren Ausführung Sie in der Seele tragen; daneben die starke und freudige Glaubenszuversicht jenes erleuchteten Propteten. „Und nun unserer Landesmutter, der hochedeln Dame an Ew. Majestät Seite, was soll ihr als unser aller Herzenswunsch ausgesprochen werden? Vor zwei Jahrtausenden, denn so lange ist es fast her, weilte hier in Palästina die erste christliche Kaiserin, eine heilige Kaiserin, die hl. Helena. Ihr Andenken ist, weil sie alle ihre Schritte mit Gutesthun begleitete, bis auf die Stunde von allen Orientalen gesecnet. Ein solches unvergängliches Andenken im heiligen Lande wünschen wir Ihrer Majestät. Wenn Hochdieselbe nach einem langen Leben das Diesseits verläßt, möge sie einen hohen und schönen Platz im himmlischen Jerusalem gewinnen neben der Kaiserin Helena. Unserm Hause aber, das darf ich wohl beifügen, möge nun eine Periode des Wachsthums und freudigen Gedeihens anbrechen unter dem erfrischenden und kühlenden Schatten Ew. Majestät.“ Hierauf erwiderte der Kaiser: „Zunächst danke Ich Ihnen für Ihre patriotische Ansprache. Ihre Anstalt steht, wie Sie sagten, unter Meinem Schatten. Dieser Schatten gebt von demselben schwarz=weißen Schilde aus, den Ich ausgebreitet habe auch über Ihre Brüder und Glaubensgenossen, welche im fernen Osten ihr Leben und ihr Blut ihrem Heilande zu Liebe für die Ausbreitung des Evangeliums einsetzten; sie zu beschützen ist jetzt Mein Bruder draußen mit der gepanzerten Macht Meiner Schiffe, deren Flagge auch hier schützend über Ihnen welst. Bei Meiner Heimkehr ins Vaterland werde Ich dafür Torge tragen, daß Ihre Landsleute erfahren sollen, wie mübsam Sie hier draußen. arbeiten, und welch' vortreffliche Resultate Ihre Anstalt aufzuweisen hat, deren ausgezeichneter Ruf Mir bereits zu Ohren gekommen war; sie ist in der That ein Segen für die hiesige Bevölkerung und das hiesige Land.“ Nachdem hierauf Namans der Anstalts=Zöglinge ein grabisches Mädchen in deutscher Sprache eine Huldigung an die Majestäten vorgetragen hatte, sangen alle Kinder gemeinsam in arabischer Sprache ein Lied in grabischem Versmaß, welches, der hohen Freude über den Besuch des deutschen Kaiserpaares Ausdruck gebend, für dieses langes Leben, Glück und Segen erfleht. Nachdem die Majestäten die Borromäerinnen, von denen mehrere während der Feldzüge von 1866 und 1870 in preußischen und deutschen Lazarethen thätig gewesen waren, mit gnädigen Ansprachen und Händedruck ausgezeichnet hatten, verließen sie das Hospiz unter den begeisterten Hochrufen aller Anwesenden. # Berlin, 5. Nov. Das Kaiseryaar wird, wie berichtet wird, die Rückreise nach Europa über Genua antreten und zwar auf der„Hohenzollern“ in Begleitung der Panzer„Hertha" und„Hela“. Von Genua soll in strengstem Incognito ein Ausflug nach San Remo gemacht werden zur Besichtigung der dort für Kaiser Friedrich vom deutsche: Veteranenverein in Itsim gestifteten Gedächtnißtafel. Die letzten Acten stücke, die dem Kaiser vom Civil= und Militärcabinet nachgeschickt wurden, sind am 2. November in Port Said eingetroffen, dort von der mit forcirter Fahrt aus Jaffa eingetroffenen„Hela“ in Empfang genommen und nach Jaffa weiterbefördert worden. Mit Rücksicht aus die in Palästina und Syrien herrschende trovische Hitze ist der Kaiserin von ärztlicher Seite die directe Rückkeür aus dem Süden nach dem Norden widerrathen wor den; voraussichtlich werden Ihre Majestäten deshalb auf dem Seewege nach Deutschland zurückkehren. Wahlnachrichten. Die Centrumsfraction des neuen Abgeordnetenhauses zählt folgende Mitglieder.(Mit einem Stern sind diejenigen Abgeordneten bezeichnet, die dem Hause in der vorigen Tagung nicht angehört haben: Albers, Prinz von Arenberg, Bachem, Graf Ballestrem, *Becker, Bender, Biesenbach.* Böhm, Brandenburg, Breuer, Broekmann, Bumiller, Cahensly, Dasbach, Dauzenberg, *Degen, v. Detten, Dieden, Dittrich, Euler, v. Eynatten, Fritzen=Borken, Fritzen=Rees, Fuchs, Glattfelter,*Geisler, *Göbel,*Glowatzki, Gorke, Gornig, v. Grand=Ry, Graw, v. Hagen, Hartmann, Hauptmann, v. Heereman,*Heiseg, Herold, Herrmann,*Heuser, Heveling, Hodler,*Hitze,*Hoheisel, Hubrich, v. Huene, Hnmann, Im Walle,*Kande, Kirsch, *Klausener, Klose, Krebs, Krings, Langer, Lappelmann, Letocha, Lieber, Lohmann=Brilon, Marcour, Metzner, Meyer=Riemsloh, Mies, Mooren,*Moritz,*Mücke, Nadbyl, Opfergelt, Ostrop, *Graf Plettenberg, Pingen, Pleß, Porsch,*Rath, Rintelen, Roeren,* Rüngenberg, v. Savigny, Schmidt=Warburg,*SchmitzDüsseldorf, Schwarze, Spahn, Stanke, Stötzel, Graf Strachwitz, v. Strombeck, Stupp, Strzoda, Szmula, Trimborn, van Vleuten, Wallenborn, Wellstein, Wester=Schulte, Willebrandt, de Witt, kam Zehnhoff. Die Entwickelung der Parteien seit 1873 veranschaulicht folgende Tabelle: Locales und Provinzielles. Witten, 8. Nov. (9— Ein Unglücksfall ereignete sich auf der hiesigen Walzenmühle. Die daselbst beschäftigten Ar beiter Fr. Löwenthal und M. Kunze von hier wollten an einem im Betrieb befindlichen Dampfkessel eine Schraube festdreben, als plötzlich an einem Dampfrohr eine Flansche undicht wurde und Beide durch den ausst ömenden Dampf an den Oberarmen bezw. am Kopfe verbrannt wurden. *— Unter zahlreicher Theilnahme veranstaltete der Männer=Gesang=Verein„Liedertafel“ am vergangenen Sonntag in seinem Vereinslocale (katholisches Gesellenhaus) ein Winter=Vergnügen. Der Vorstand hatte dafür ein vorzügliches Arrangement getroffen. Neben hübschen Instrumentalund Gesang=Vorträgen, die geboten wurden, kamen auch einige Theaterstücke zur Aufführung. Gegeben wurde zunächst der einactige Schwank:„Der Spottvogel“. Das Stück wurde mit großem Beifall aufgenommen. Noch größer war der Beifall nach der zweiten Aufführung:„Das erste Mittagessen“. Der Beifall war aber auch ein wohlverdienter, denn es wurde— im Allgemeinen genommen— recht gut gespielt. Diesen Darbietungen schloß sich ein Tanzkränzchen an, das die Theilnehmer noch lange zusammenhielt. Die„Liedertafel“ hat es mal wieder verstanden, seinen Mitgliedern und deren Angehörigen, sowie allen sonstigen Theilnehmern einige recht amüsante und gemüthliche Stunden zu bieten. #— Wesen 35jähriger ununterbrochener Dienstleistung erhielten folgende auf der hiesigen Maschinenwerkstatt beschäftigte Personen ein Geschenk von 60 Mark: Hobeler W. Benecken, Schlosser W. Brebach, Schlosser L. Mühling= haus, Anstreicher W. Schweppe und Schlosser Wernicke. *— Kaiser=Panorama im Gasthof„zur Stadt Witten“. Seit Sonntag ist unsere Stadt vorübergehend um eine interessante Sehenswürdigkeit bereichert, der es an zahlreichen Besuchern sicherlich nicht fehlen wird. Dem Juteressenten bietet sich Gelegenheit, durch Ansehen der verschiedenen darin ausgestellten Serien einen großen Theil der schönsten Landschaftsparthien des In= und Auslandes und außerdem manch hübsches Bild aus dem Leben der Völker kennen zu lernen. Die gegenwärtige Serie die gam 6. kernen, Die gegenwärtige Sern, die vom 8. bis 13. November ausgestellt ist, zeigt uns in verschiedenen Bildern des malerische Tyrol. Es würde uns zu weit führen, wollten wir all' die sehenswerthen Parthien aufzählen, die sich bei dieser Serie, darstellend eines der schönsten Fleckchen Erde, den Blicken des Panoramabesuchers darbieten. Auch wollen wir nicht das eine oder andere Gemälde als besonders sehenswerth hervorheben, denn alle sind in ihrer Art einzig und großartig. Wir wünschen nur, daß recht Viele die Gelegenheit, ohne Mühe und ohne große Kosten manch prachtvolles eigenartiges und auch lehrreiches Stück Welt zu sehen benutzen. )(— Von mehreren jungen Burschen überfallen wurde der Arbeiter Jul. Küpper aus Wannen, als er durch das Fischerthal sich nach Hause begeben wollte. Der Ueberfallene hat nicht weniger als sechs Kopfwunden davongetragen. Da die Thäter bekannt sind, werden sie der n ohlverdienten Strafe nicht entgehen. *— Eine furchtbare Messeraffäre spielte sich am Sonntag in der Nähe der Gasanstalt ab. Ein italienischer Arbeiter wurde dort von mehreren Burschen so arg zugerichtet, daß er in das Diaconissenhaus untergebracht werden mußte. Außer anderen Verletzungen erhielt er eine angeblich lebensgefährliche Schnittwunde am Halse. Unsere Polizei nahm sofort die Verfolgung der geflüchteten Thäter auf, konnte sie aber nicht mehr erreichen. *— Einem raffinirten Schwindler fiel am Sonntag die Ehefrau des Maschinenwärters Sch. von der Crengeldanzstraße in die Hände. Bei derselben erschien ein anständig gekleideter Herr und bat, ihm für kurze Zeit das Fahrrad ihres Mannes zu leihen. Die abnungslose Frau übergab auch der „Herrn" das Fahrrad und dieser fuhr mit demselben auf Nimmerwiedersehen davon. Hoffentlich gelingt es unserer Polizei, des Gauners habhaft zu werden. *— Auf der Ruhrthalbahn, auf der Strecke Bommern=Wengern, wurden am Sonntag in der Frühe 19 Schafe überfahren. Die Thiere gehören einem Landwirth in Bommerholz. *— Der Sprechverkehr mit Kronenberg bei Elberfeld ist eröffnet. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch von drei Minuten beträgt 25 Pfg. O Bochum, 7. Nov. Am Samstag Nachmittag fiel auf der Marienstraße der Anstreichermeister Sch. von der Leiter und zog sich beim Sturze so schwere Verletzungen zu, daß er in wenigen Augenblicken starb. Er hinterläßt eine Wittwe und Kinder. =— Im neuen Theile des Stadtparkes erschoß sich gestern Nachmittag ein junger Mann von etwa 19 Jahren. Neben seiner Leiche fand man ein Häuflein verbrannter Vriefschaften. 2— Im Restaurant Kortum fand dieser Tage eine größere Versammlung der Uhrmacher, Goldschmiede und Optiker aus dem Stadtund Landkreise Bochum, Stadt= und Landkreise Gelsenkirchen, sowie aus dem Kreise Hattingen statt. Die Herren H. Döhmann und Baugewerksmeister Nolte von hier und Herr Rustein aus Ruhrort sprachen in eingehender Weise über die Innungsfrage nach dem Gesetz vom 26. Juli 1897. Es wurde dann die Bildung einer Zwangsinnung beschlossen. Wenn Alle, die bis heute der wichtigen Sache noch fremd gegenüberstehen, ihr Interesse durch Anschließung an die Innung bekunden, dann wird das Bestreben dieser Innung auch von Erfolg gekrönt sein. Beitrittserklärungen nimmt Herr Uhrmacher Krancher in Bochum entgegen. c.— In der Freitags=Sitzung der Strafkammer wurde der Bergmann Stanislaus T. von Baukau wegen Urkundenfälschung zu einer Woche Gefängniß verurtheilt.— Ein theures Vergnügen bereitete sich am 26. Januar cr. auf dem hiesigen Pferdemarkte der Handelsmann Julius H. von Stiepel, der wegen Betrugs unter Anklage stand. Von dem Händler Hubert P. in Holzheim hatte Angeklagter ein Pferd für 234 Mk. gekauft, welches er an jenem Tage für 450 Mk. als völlig fehlerfrei an den Pferdehändler Alex F. in Elberfeld weiter verkaufte. Nachträglich stellte sich heraus, daß der Gaul unbrauchbar war. Das Pferd hatte, wenn es fehlerfrei war, einen reellen Werth von 7—800 Mk. Da der Verkäufer den wahren Sachverhalt verschwiegen hatte, so muß er den schönen Handel mit 4 Wochen Gefängniß und 100 Mk. Geldbuße fühnen.— In hinterlistiger Weise bearbeitete mittelst eines Messers der Bergmann Gustav K. von Stiepel seinen Onkel, den Bergmann Ludwig K., wofür der Messerheld ein Jahr in's Gefängniß muß; auch wurde er sofort verhaftet.— Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde der Bergmann Valentin F. von Horsthausen wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit zu einem Jahre und 6 Monaten Zuchthaus verurtheilt.— Ohne jeden Anlaß mißhandelten die Bergarbeiter Michael I., Martin St., Ernst A. und Leno D., sämmtlich von Wattenscheid den Bäckergesellen Jos. V. und den Bergmann P., wobei sich die rauflustigen Brüder eines Stockes, Hampelmanns und Schlagringes bedienten. Es wurde gegen den 17jährigen St. auf 5 und gegen die übrigen Angeklagten auf je 6 Monate Gefängniß erkannt.— Eine rohe That verübte der Metzgergeselle Paul Sch. von Recklinghausen, der sich wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung zu verantworten hatte. Mittelst eines Messers brachte der Angeklagte dem Schuhmacher Joseph V. eine 10 Ctm. tiefe und 3 Ctm. lange Verletzung an der linken Halsseite bei, wofür er 2 Jahre in's Gefängniß muß. * Wattenscheid, 7. Nov. Das Grubenunglück auf Zeche„Holland“, Schacht 1 und II, hat noch weitere Opfer gefordert. Am Samstag Nachmittag 4 Uhr starb im Marienhospital Herr Hauer Renzmann, während gestern Nachmittag dortselbst Herr Philipp Stockhausen gegen 3¼ Uhr verschied. Für die tiefbetrübte Wittwe des Letztern kommt noch hinzu, daß sie gestern Mittag 12 Uhr ein vierjähriges Söhnchen, das an Scharlachfieber litt, durch den Tod verlor. Wahrscheinlich werden hier Vater und Sohn gleichzeitig zur letzten Ruhe bestattet. Von den im evangelischen Krankenhause untergebrachten, ebenfalls schwer verletzten, Gebrüder Seboldt ist einer gestorben. Die Zahl der Getödteten beträgt demnach fünf. Auch sollen zwei Personen in den Krankenhäusern von Gelsenkirchen ihren Verletzungen erlegen sein. (9— Gestern fanden hier zwei Bergarbeiter=Versammlungen behufs Auf stellung von Candidaten für die Knappschafts: ältestenwahl statt. In der Versammlung bei Herrn Fritz Schlüter wurden aufgestellt die Herren Joh. Wahl, Ferd. Stiepeldei und Th. Krengel; während bei dem Wirth Herrn Th. Wilken folgende Herren aufgestellt wurden: W. Dötze, H. Pabst und Schneider, Nordfeldmark Nr. 13. Letzterer ist richt zu verwechseln mit dem bisherigen Knappschaftsältesten W. Schneider, Sommerdelle. * Gelsenkirchen, 5. Nov. Die diesjährigen Stadtverordneten=Wahlen der dritten Abtheilung haben mit dem Siege der den katholischen Volkstheil repräsentirenden Volkspartei geendet. Die Wahlbetheiligung war allerdings schwach, denn von 3384 Wählern gaben nur 846 ihre Stimme ab. Auf die Candidaten der Volkspartei entfielen 617, auf die der liberalen Partei, die sich hier Bürgerund Arbeiter=Partei nennt, 97 bis 104, und auf die der Social=Demokraten 127 bis 132 Stimmen. Die Social=Democroten betheiligten sich hier zum ersten Male an den Stadtverordneten=Wahlen. * Recklinghausen, 7. Nov. In welcher Weise auf der Hauptgeschäftsstraße unserer Stadt, der Breitenstraße, speculirt wird, ergibt der dieser Tage gethätigte Verkauf des Metzgermeister Jos. Besteschen Hauses. Dieses wurde zum Preise von 61000 Mark durch die Firma Hömberg in Witten erworben. Herr Beste hat die Besitzung vor nunmehr fünf Jahren von den Erben de Roy für nur 26000 Mk. gekauft, also 35000 Mk. daran verdient. Hamm, 5. Nov. Zu dem Siege eines Centrumscandidaten im Wahlkreise Hamm=Soest schreibt die„Hamm=Soester Volkszeitung":„Die Centrumspartei des Wahlkreises Hamm=Soest kann mit Befriedigung auf den heutigen Tag zurückblicken. Es hat zum ersten Male, seit es zum preußischen Landtage wählt, einen Centrumsmann gewählt und so unsere Landtagsfraction um ein Mitglied verstärkt. Daß die Centrumswähler, nachdem die Conservativen respective die Mitglieder des Bundes der Landwirthe unseren Candidaten, Graf Plettenberg, mitgewählt hatten, den Candidaten mitwählten, der ihnen von jener Seite präsentirt wurde, war einfa### Pflicht; ob dieser Candidat Sümmermann oder Bockum=Dolffs heißt, mußte ihnen gleichgültig sein. Zur Ehre aber gereicht es der Centrumspartei, daß ihre Wahlwänner mit derselben Einmüthigkeit für den Candidaten der verbündeten Partei eintraten, wie sie für den eigenen Candidaten eingetreten waren, Möge dieser erst guter Vorbedeut „Tremonia“ in Resultate, das netenhauses ein unserer Freude sultat der Wa müssen sagen, sehr geschid einigung mit den liberalen a selbe„Tremonia“ Monaten für„ ein Bündniß mit herbeizuführen Centrumsa Wohlkreisen zu vereiteln. endlich die besser gekehrt zu sein. * Münster, Telegramm der partei des Wa Ueberweisung de Grafen Droste= Antwort eing Majestät der K trauensmännern Wahlkreises für der Ueberweisung gebung bestens v. Lucanus. * Bebra, 3 hat ein Gend auernerse weise zu einem widersetzte sich al mit einer schwere Helm zersplitterte auf mit einer seinen Revolver fährlichen Waffe dieser rief ihmz jähzornige Mann der Beamte, um seiner Waffe Geb greifer einen Sa Bauern in den zusammenbrach. Verletzungen erl § Wien, 5. mäßige Betrieb wieder aufgenomt hinsichtlich der Krankenbesuche fa X Moskau, linie der Jarosla auf einen Wagen geblieben war. A hinab und gingen getödtet, ein Scha ein Arbeiter schm Charlest „Maria Theresa“. in der Schlacht b von den Amerikon am 1. November Die Mannschaft he * Ueber die 4 Schnellzuges bei 9 heiten mitgetheilt: 2 am Mittwoch Nachmi die Station Rohrbach von der Kurve entfer und mit dem Packn Meter weiterfuhr, sti 13. Jiehung (Vom 21. Oktober bi sind den betreffenden 61 15001 180 1082 157 130001 2 2115 213 88 96 86 90 239 493 91 477 608 913 615 69 847 8214(300 300) 48 357 80 4 10045 237 40 940 12006 25 24 634 1500) 83 799 823 42 68 15068 333 56 462 858 91 44 99 18001 34 84(1000) 630 727 20009 55 122 269 486 751 53[3 613(300) 712 99 3000) 715 60 86 83 89 582 26027 916 28226 451 29009 49 189 319 # 30066 75 99 3000) 87 151 287 31(1000) 37 49 36 82 281 310 44 400 395(500) 625 890 87 36210 537 510 605 881 972 922 72 1500) 99 40007 61 172 240 56 72 532 66 700 71 43070 28 44218 79 303 53 89 467 46082 300) 911 27 33 550 75 332 84 989 87 806 951 50277 82 437 763 813 52263 5 480 83 87 594 632 864 901 22 53 5 827 950 56028 330 440 745 58 59397 460 585 811 60023 337 601 735 900 62028 36 25 412 97 500 41 56 740 976 6505 3000) 201 45 449 937 89 68054 266 21 44 406(500) 82 70270 759 860 149 53 246 364 49 527 72 701 853 94 300) 669 827 42 506 687 755 895 77070 167 251 61 72 248 447 711 8 723 871 80151 73 680 82327 452[300) 96 395 453 533 45 67 515 61 697 801 36 87676 768 862 71 605 40 1000) 778 8 ie o dac 2. 900 99 914 35 933468 734 805 49 74 224 73 533 853 442 589 08086 18 540 830 82 194068 999 E5 358 695 1000) 721 1000 452 83 99 51 427 901 37 88 66 100031 1300) 89 453 541 721 800 82 86 882 1500) 918 110198 200 9 2o6 305 451 57 61 ffentlich gelingt es aft zu werden. auf der Strecke Sonntag in der Die Thiere gerholz. 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Siege eines Hamm=Soest itung":„Die mm=Soest kann ag zurückblicken. sum preußische. u gewählt und Mitglied verdem die Conseres Bundes der af Plettenberg mitwählten, der de, war einfa mermann oder leichgültig sein. umspartei, daß müthigkeit für artei eintraten, getreten waren, Möge dieser erste Wahlsieg der Centrumspartei von guter Vorbedeutung für die Zukunft sein.“— Die „Tremonia“ in Dortmund bemerkt zu dem schönen Resultate, das der Centrumsfraction des Abgeordnetenhauses ein Mitglied mehr zuführt: Wir geben unserer Freude und Genugthuung über dieses Resultat der Wahl in Hamm=Soest Ausdruck und müssen sagen, daß unsere dortigen Parteifreunde sehr geschickt handelten, als sie durch die Vereinigung mit den Bauernbündlern die Nationalliberalen an die Wand drückten.— Dieselbe„Tremonia“ erklärte es bekanntlich vor einigen Monaten für„sehr geschickt", in Dortmund durch ein Bündniß mit den Nationalliberalen deren Sieg herbeizuführen und die fast sichere Wahl von drei Centrumsabgeordeten in den benachbarten Wohlkreisen zu Gunsten der Nationalliberalen zu vereiteln. Erfreulicher Weise scheint also jetzt endlich die bessere Einsicht der„Tremonia“ zurückgekehrt zu sein. * Münster, 5. Nov. Auf das DankesTelegramm der Vertrauensmänner der Centrumspartei des Wahlkreises Münster=Coesfeld für die Ueberweisung der Dormition ist bei dem Herrn Grafen Droste=Erbdroste gestern Abend folgende Antwort eingetroffen:„Jaffo, 4. Nov. Seine Majestät der Kaiser und König lassen den Vertrauensmännern der Centrumspartei des dortigen Wahlkreises für die Allerhöchst Ihnen aus Anlaß der Ueberweisung der Dormition dargebrachte Kundgebung bestens danken. Auf allerhöchsten Befehl v. Lucanus. Vermischtes. * Bebra, 3. Nov. In dem Dorfe Hainrode hat ein Gendarm in der Nothwehr einen Bauern erschossen. Letzterer sollte zwangsweise zu einem Termin vorgeführt werden, er widersetzte sich aber dem Gendarmen und schlug ihn mit einer schweren Kette über den Kopf, so daß der Helm zersplitterte. Der Bauer bewaffnete sich hierauf mit einer Mistgabel, während der Gendarm seinen Revolver zog. Ersterer ging mit seiner gefährlichen Waffe abermals auf den Beamten zu, dieser rief ihm zu, die Mistgabel wegzulegen, der jähzornige Mann hörte jedoch nicht hierauf, so daß der Beamte, um sich seines Lebens zu wehren, von seiner Waffe Gebrauch machte und auf seinen Angreifer einen Schuß abgab. Die Kugel traf den Bauern in den Leib, so daß er tödtlich getroffen zusammenbrach. Am gestrigen Tage ist er seinen Verletzungen erlegen. § Wien, 5. Nov. Von heute ab ist der regelmäßige Betrieb des Kaiser Franz Josef-Spitals wieder aufgenommen worden. Die Beschränkungen hinsichtlich der Aufnahme von Kranken und der Krankenbesuche fallen nunmehrt fort. X Moskau, 5. Nov. Auf der Ttikowo=Zweiglinie der Jaroslawer Eisenbahn stieß ein Ballastzug auf einen Wagen auf, welcher in dem Geleise stecken geblieben war. Acht Wagen stürzten den Bahndamm hinab und gingen in Trümmer. Ein Arbeiter wurde getödlet, ein Schaffner verwundet, außerdem wurden ein Arbeiter schwer und fünf Arbeiter leicht verletzt. " Charleston, 5. Nov. Das Panzerschiff „Maria Theresa“ vom Geschwader Cerveras, welches in der Schlacht bei Santiago strandete, später aber von den Amerikonern wieder flott gemacht wurde, ist am 1. November bei den Bahama-Inseln gescheitert. Die Mannschaft hat sich gerettet und ist eingetroffen. * Ueber die Cntgleisung des Köln=Baseler Schnellzuges bei Rohrbach werden noch folgende Einzelheiten mitgetheilt: Als der D-Zug(Schnellzug Cöln=Basel) am Mittwoch Nachmittag um 4 Uhr 50 Minuten von Landau die Station Rohrbach durchfuhr, entgleiste er etwa 100 Meter von der Kurve entfernt. Währeno die Lokomotive sich losriß und mit dem Packwagen noch eine Strecke von etwa 100 Meter weiterfuhr, stürzten die drei Personenwagen mit den darin befindlichen Passagieren, etwa 18 an der Zahl, die etwa 10 Meter hohe Böschung hinunter. Der erste Wagen blieb etwas weiter oben liegen, die beiden anderen prallten gegen die unten stehenden Telegraphenstangen, wodurch die Telegraphenleitung vollständig unterbrochen wurde. Die weitaus größte Zahl der Passagiere kam glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Eine Frau und ein Kind erlitten leichtere Verletzungen an den Augen, eine andere Frau erhielt durch den starken Sturz ein Loch in den Kopf, der Kellner des Speisewagens zog sich eine stärkere Verletzung an der rechten Hand, eine leichtere an der linken Hand zu. Mit einer Verspätung von nahezu zwei Stunden wurden die Passagiere des Schnellzuges nach Weißenburg weiter befördert. A's das Unglück geschah, hörte man im Dorf Rohrbach einen mächtigen Schlag, die Einwohnerschaft eilte dem Bahnhof zu, wo sich das Unglück ereignet hatte, und die Feuerwehr war zur Hilfeleistung ausgerückt, fand aber nur wenig zu tbun, da die Passagiere des Schnellzuges durch die Bahnbediensteten schon aus ihrer kritischen Lage befreit waren. Hunderte von Menschen umlagern die Unglücksstätte. Durch den Umbau der Brücke oberhalb des Bahnhofes konnte nur ein Geleise befahren werden. Der Materialschaden ist beträchtlich. und Telegramme. 2 Berlin, 6. Nov. Der„Reichsbote“ hat mal wieder„Beklemmungen". Es kränkt ihn, daß der officiöse Telegraph über die Besuche des Kaiserpaares in evangelischen Anstalten in Jerusalem so kurz berichtet, kaum die Namen der empfangenen Personen genannt, die Reden des katholischen Paters Schmidt dagegen im vollen Umfange mitgetheilt habe. Es sollte doch mehr Parität walten, damit es nicht scheine, als seien die evangelischen Geistlichen und Anstaltsvertreter stumm und die ganze Feier schließlich zu einem Triumphe der katholischen Kirche ausgeschlagen. Ohne Zweifel haben die Worte und Thaten des Kaisers gegenüber den Katholiken in der Welt mehr Beachtung gefunden, als gegenüber den Protestanten. Das hat eben der officiöse Telegraph auch herausgefühlt.— Die „Post“ meint, es wäre heilsam, wenn die ganze katholische Welt Deutschlands aus den Vorgängen bei der Kaiserreise erkennen wollte, daß die Besorgnisse, als ob jemals von der evangelischen Mehrheit unseres Vaterlandes die katholische Minderheit in irgend einem Punkte vergewaltigt werden könnte, gänzlich leer und nichtig seien. Das ist denn doch ein sehr kühner Schluß, den wir nicht mitmachen können. Erstlich kann man für den Kaiser nicht ohne Weiteres die evangelische Mehrheit substituiren und zweitens haben wir für die Vergewaltigung doch eine zu reiche Erfahrung. &a Nach einer von den Morgenblättern wiedergegebenen Zusammenstellung werden der nächsten Tagung des Reichstages voraussichtlich folgende Aufgaben vorliegen: Außer dem Etat der Invaliden versicherungs= Gesetzentwurf, ferner die Vorlage betreffend den Schu der Arbeitswilligen, eine Gewerbeordnungsnovelle und das Fleischschaugesetz, wahrscheinlich auch der Hypothekenbankgesetzentwurf und die Revision des Urheberrechts, sowie der Entwurf wegen der Uebernahme Neuguineas in die Reichsverwaltung. Ferner würden Seitens der Militärverwaltung die Consequenzen aus dem Ablauf des Quinquennats gezogen und einzelne Organisationsänderungen vorgeschlagen werden. * Die Meldung, daß die Untersuchung gegen die Anarchisten in Alexandrien ergebnißlos verlaufen sei, is: allen Scharfmachern natürlich sehr unbequem. Der„Hamb. Corr.“ bezeichnet sie daher als nicht zutreffend. Einmal ständen die Verhandlungen vor dem italienischen Consulargerichte noch bevor. Ueberdies habe auch der deutsche Consul in Alexandrien gewisse Feststellungen gemacht, deren Ergebniß freilich noch nicht mit getheilt werden könne. Wenn eine förmliche Gerichtsverhandlung auch noch nicht stattgefunden hat, so hat doch schon eine Untersuchug stattgefunden. Der deutsche Consul wird wohl nichts weiter„feststeilen“ können, als was die Polizei und der italienische Consul ihm mittheilen werden. * Der Vorstand des Preußischen Städtetages beschloß die Einberufung eines allgemeinen Städtetages behufs Beratbung: 1. eines Gesetzentwurfs, betreffend die Rechtsverhältnisse der Gemeindebeamten; 2. der Fleischversorgung der Städte; 3. über den Schutz des Kleingewerbes gegen die Waarenhäuser. Der Zeitpunkt der Einberufung des Städtetages hängt voraussichtlich ab von der Veröffentlichung des Gesetzentwurfs über die Gemeindebeamten, welcher in der nächsten Tagung des Landtags zu erwarten ist. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Der„Frankfurter Zeitung" ist von einer angeblich sonst gat unterrichteten Seite der Inhalt einer heutsch-türkischen Abmachung mitgetheilt worden. Die Redaction des Blattes hat gut daran gethan, diese Mittheilung unter allem Vorbehalt wiederzugeben: sie ist bestenfalls nichts als freie Phantasie. X Die„Nordd. Allg. Ztg.“ bringt abermals einen Artikel zur Fleischnoth. Derselbe beschäftigt sich mit dem Nachweis, daß die Zunahme der einheimischen Schweinezüchterei den Ausfall an eingeführten Schweinen decke. * Die„Genossin“ Rosa Luxemburg ist aus der Redaction der„Sächsischen Arbeiterztg.“ deshalb hinausgedrängt worden, weil sie in einer Polemik mit dem Genossen Gradnauer diesem die Aufnahme einer Erklärung ohne Mitwissen der übrigen Redacteure verweigert hatte und weil die Collegen ihre(Rosa Luxemburgs) Artikel nicht ohne die gewiß recht nöthige Censur in das Blatt gelangen lassen wollten. * Bückeburg, 5. Nov. Bei der heutigen Reichstagswahl erhielten Stroßer(cons.) 2336, Müller(freis. Volksp.) 2572, Böckler(Antisemit) 465, Reichenbach(Socialist) 610 Stimmen. Es muß also eine Stichwahl zwischen Stroßer und Müller stattfinden. * Wien, 5. Nov. Das Abgeordnetenhaus begann die Verhandlung der Anträge, den Minister Thun in den Anklagezustand zu versetzen. Schönerer griff die Regierung und namentlich den Justizminister an, dem er die Worte zurief:„Schämen Sie sich!“ Der Ministerpräsident erklärte, er halte es für seine Pflicht, für den angegriffenen Collegen einzutreten und gegen Schönerers Worte zu protestiren, werde aber gegenüber den Angriffen auf die Regierung und die Armee verachtend schweigen, da er eine höhere Sache im Auge habe, nämlich den österreichischen Gedanken, der nicht durch Wolf oder Schönerer wankend gemacht werden könne.(Stürmischer Beifall. Rufe: Verachtung!) Die Regierung sei sich dessen durchaus bewußt, daß das Staatsgrundgesetz für sie die Richtschnur bilde.§ 14, in den gesetzlichen Schranken gehalten, gebe der Regierung das verfassungsmäßige Recht, Verfügungen zu treffen. Er sei überzeugt, mit den beschworenen Pflichten nicht in Widerspruch gekommen zu sein, als er den Antrag auf Erlaß von kaiserlichen Verordnungen stellte.(Stürmischer Beifall.) Nach kurzer weiterer Debatteß wurde die Verhandlung auf Dienstag vertagt. * Pest, 4. Nov. Von Wien aus wurde hier ein schändliches Börsenmanöver durch die Verbreitung des Gerüchtes von einem Attentat auf den Kaiser Franz Joseph in Goedoelloe versucht. Der Kaiser ist vollständig wohlauf. * Paris, 6. Nov. Die„Agence Havas“ gibt unter Vorbehalt eine Depesche des„New York Herald“ aus Singapore wieder, wonach die französische Kirche in Bangkok am 19. und 20. October von siamesischen Polizeimannschaften und Soldaten geplündert sein soll. Dieselben hätten behauptet, daß dort böse Geister ihr Wesen trieben, die Thüren der Kirche aufgebrochen, das Tabernakel zertrümmert und mit den Bajonetten Ornamente und Stickereien zerrissen. Man spreche davon, daß es sich um eine Bande von 7 Siamesen handle, die von englischen Officieren dazu beordert sei. Die siamesischen Bebörden weigerten sich, um Entschuldigung zu bitten. In Bangkok herrschte Unordnung. * Paris, 6. Nov. Das Kriegsministerium bezeichnet die Nachricht, daß die Untersuchung gegen Piequart abgeschlossen sei und dessen Freilassung unmittelbar bevorstehe, für unzutreffend; Freyeinet habe hierüber noch keine Entscheidung getroffen. O Paris, 6. Nov. Nach Meldungen aus Cannes erhielt ein daselbst auf Urlaub befindlicher englischer Offizier Ordre, sofort einzurücken. X Canea, 5. Nov. Heute wurde der Rest der türkischen Truppen von dem englischen Geschwader nach dem Hafen von Candia gebracht und auf ein türkisches Schiff eingeschifft. Hier hat die Entwaffnung der Christen begonnen. Heute Abend findet in Haleppa eine Versammlung der christlichen Notabeln statt, in der die Antwort auf die Proclamation der Admirale festgestellt werden soll. &am Canea, 7. Nov.(Telegramw.) Ein in der Nähe von Fort Idzedin geankertes türkisches Panzerschiff mit Marinemannschaften an Bord, aber ohne Dampfmaschine, wurde von Insurgenten beschossen. Eine italienische Panzerfregatte kam zum Schutze derselben herbei; die türkische Post und der Telegraph ist sistirt. &* Constantinopel, 6. Nov. Auf Anrathen der Pforte wird der Sultan gegen die Ernennung des Prinzen Georg zum Gouverneur von Creta formell protestiren, um als Khalif die Stimmung der mohamedanischen Bevölkerung za beruhigen. * Malaga, 5. Nov. Der Dampfer„Granautille“, welcher Truppen nach der Heimath zurückbringt, ist hier eingetroffen; während der Ueberfahrt sind 100 Personen gestorben. Peking, 6. Nov. Der japanische Gesandte hatte gestern eine Audienz im kaiserlichen Palaste, um dem Kaiser und der Kaiserin=Wittwe mitzutheilen, daß ihnen ein hoher japanischer Orden verliehen worden sei. Die Letztere empfing den Gesandten, indessen der Kaiser auf einer der Stufen des Throues stand. Die Kaiserin=Wittwe sprach die üblichen verbindlichen Worte. Hierauf verlas der Kaiser eine ähnlich lautende Rede. Er sah gesund aus, wenn auch bleich.— Eine Verfammlung des diplomatischen Corps beschloß am 5. November, vom Tsung=liYamen(dem Auswärtigen Amte) energisch die Entfernung der Truppen Kangsus aus der Provinz Petschili bis zum 15. November zu verlangen und darauf zu bestehen, daß das Tsung=li=Yamen die Städte nenne, in welche dieselben gebracht werden sollen. Die Gesandten drohen, falls dieser Forderung nicht entsprochen werde, Schritte zur Sicherung der Eisenbahnverbindung zwischen Peking und der Küste zu thun. Markt- und Börsen-Nachrichten. * Berliner Coursbericht vom 5. Nov. Dortmunder Brauerei—, Dortm. Bergbauverein—.— Essener Creditbank 140,00 Reichsbank 162,00 Bochumer Gußstahl 217,00 Westfäl. Stahlwerke 214,90 Gelsenkirchener Bergw. 186.80 Harpener 172,60 Neuß, 5. Nov. Weizen, kleiner do. 1. S., engl. do, 2. S., engl. Roggen, 1. Sorte „ 2. Sorte Hafer, 1. Sorte „ 2 Sorte Neuer Hafer (Alles 100 Ko.) Fruchtpreise. 5. 4. 17,3017,30 16,1017,10 15,10 14,20 13.20 13.40 16,10 14.20 13,20 13,40 Raps 1. S. 100Ko. „ 2. S.„„ Aveel 1. S.„„ „ 2. S.„ Kartoffeln 50 Maschinenstr. 500„ Flegeldrusch„„ Kleien 50„ 5. 22.5022,50 19,6019,50 21, 18.50 16.— 18.— 5.20 21.— 18,50 16.— 18.— 5.20 der 4. Klasse 199. Kgl. Preuß. Lotterie. WLom 21, Oktober bis 1s. november 1898.) Nur die Gewinne über 220 Mk. und ven verreffenden Nummern in Klammern beigefügt.(Ohus Gewä.— 5. November 1898, vormittags.— 7 58 813 oißi 45 83 90 500 6i 715 62 792895 450 725 84 300 48 351 80 438 566(1000) 15 601 762 98 82n 13 8 101 26 12006 95 846 246 31 46 85 909(15000) 11192 256 536 89 607 940 12600 zn 2u0 405 806 60 997. 13228 48 66 398 419 532 73 634 1500) 83 799 14007 13 99 124 99 200 596 645(500) 59 60 80 333 56 462 858 911 17425 37 523 720 28 1500) 52 885 917 300 84 11000P835 34, 187 338 317 95 647 711 10185 319 424 84 542 55 122 24 37 91 220 64 300 99 644 93 768 956 21122 373 10 728 30 8% 87- 888 39.390) 22071 334 41 497 507 36 5001 fz 99 519 05 15 20081(300) 343 475 79 83 540 71 se eier di bb si, i.. hge ae ae 92.193, 305 54 55 583(500) 694 754 983 31036 3000 87 151 281 414 75 581(300) 641 832 33 32070(1000) 200 31(1000) 37 49 361 636 751 87 806 930 43 13000) 33010 18 138 395 1500 6o5 890 gas 70 309 99 575 604 774 826 913 78 34161 e feee, Eis Uee N tv 30032 156 302 535 38(300] 39 657 87 36210 537 84 940 80 37178 687 776 981(3000) 38254 338 895.88) 33 39246 304 83 779(500) 96(300) 810(10001 48 61 172 451 665 754 938 60(300) 67 83 41026 81 184 240 56 72 532 668 730 42112 38 93 263 344 60 83 436 699 4414 3 3070 28S 349 51(3000) 542 652(1000)53 742 76 85 879 „„## 300 501 610 812 86 945 45014 192(300) 259 65 76 82 401 46082 96 213 461 97 522 69 73 683 751 807 29 82 ½45¾ 33,52 97. 47295(500) 486 828 48144 291 472 g7 8906 gs: 9 95) 49199 275 364 402 41 48(500) 524 53 651 752 50277 82 437 56 528 27 726 807 47, 51089(3000) 160 528 813 52263 598 700 844 926 95(10000) 53067 172(300) 342 882 86, 88859s 633= 36 709. 989 96 54277 95 331 494 607 720 29 „5alot 50(500) 56 68 253 321 55 74 447 547 654 833 258„5802s 104 381 87 444(1000) 49 58 910 57031 67 150 59397 460 585 811 12 500, 3000) 81 457 68 06 690 792 84 858 88022 333.801 19 30(300) 707 28 55 939 61209 41 71 332 416 368 422(500) 35 46 641 761 943 63100 38 42 212 38 413 87.500 41 779 64038 137(3000) 263 377 417 554 95 624 786 887 905 61 66061 138 # 86 888 287 800 67064 313 18 486 594 634 758 21 44 408 7860 88 763 881 K 558 746 55 60139 87 500) 226 310 70270.759 860 71038 194 432 532 655 752 807 72061 1300) 149 53 246 364 496 638 89 746 874 947 75 73062 134 289 329 (2 701,853 94 944 97., 74166(300) 837[300) 61 70 470 517 300) 669 821 42 957 68 84 1300) 75028 209(300) 335 52 86 506 687 755 895 921 25 56 89 76043 149 495 602 753 994 77070 167 251 61 428 637 78 727 67 885(1000) 59 977 78122 33=248.447 711 829 48 903(300) 15 79082 215 50 317 400 85 80151 73 680 839 69(1000) 957, 81082 402 70 849 930 1300 82327 452(300) 96(1000) 514 22 609 16 709 3000) 83 978 83 83183 395 453 533 45 670 81 741 846 84008 126 364 408 913 85332 59 515 61 697 801 36 932 54 73 79 86189 340 70 443 95 570 859 64 87676 768 862 71 935 78 80 88110 204 67 69 80 303 26 404 550 605 40 /1000) 778 89036 88 117 63 98 276 425 57 70 500) 80 592 638 90033 126 201 80 519 764 67 820 943 89 91252 347 584 764 1000) 99 914 85 92074 167 274(3000) 366 470 73 738 895 955 93468 734 805 49 901 94062 94 199 544 83 706 865 95034 115 74 224 73 533 853 96009 109 68 257 419 574 924 97089 168 33 588 89808s 199 233 86 90(1000) 840 947(1000) 90206 411 100088 298 472 94 590 727 34 68 852 55 101115 44 213 39 358 695(1000) 721[800) 905 102012 329 689 886 103185 217 19%% 452, 88, 99 52= 48 789 905 56(1000) 104090 94(1000 330 427 B0i 51 08 66 105081 277 891 507 662 807 18 78(300 931 189031[390 89(1000) 174 266 772 78 843 107060 109 19 306 96 865 trcg, 800 82 990, 108103(500) 320 406 46 570[300) 643 Gu 602 Joia,, 918 10907 108 394 609 19 717 905 33 uns S, 40 9 357 670(8000 717 918 47 111006 44 96 142 — an ur 57 61 70 506 18 29 605 1300) 15 60 774 85 96 1500 887 112009 1 120 321 704 834 998 113071 104(1000) 58 232 455 P%0 587 88 902 8 81 99 1 14015 73 231 36 84 3000 si5 19 48 61538 876 87 919 31 115199 268 371 116097 98 103 15001 718 48 63 113444 948 75 92 18106 238(300 488 495 3096 355 86 4%8 504.. 52 721 60 66 891 121004181 5001 64 123157 252 392 2161 66 77 266 325 1300) 640 803 124055 179 954 871 go 403 518 97 658 67 970 300) 95(1000 2U1 bit do. 125223 490 528 818 950 57 126072 8% 48 7266 229, 328, 4 88 606 705. 985. 127299 442 56 551 802 180160(S0) Sob fe1 600(o 129111(500) 574 613(3000) 27 715 15001 536 P4 803 83 36e(300) 608 813 917 32 68 131103 230 7! 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Ziehung der 4. Klasse 199. Kgl. Preuß. Lotterie. (Vom 21. Oktober bis 14. November 1898.) Nur die Gewinne über 220 Mk. sind den deireffenden Nummern in Klammern beigefügt.(Ohne Gewähr.) S 5. November 1898, nachmittags. 141 68 649 774 1115 322 512 92 618 859 949 92 2025 45 193 37 86,301 8 31 518 689[30) 745 89 947(300) 84 3018 163 912 12/16 491 504(100012 14 23 604 700 814 40 83 910[500 40%e 219 64(04 808 75 984 85 5333 416 522 791 /3000 822 5o5 814·442.29001 10 239 81 99 388 674 844 943 7088 163 336 9048 f2 262 400 703 99 30g 30g]: 44 3000 64 612 30 776 887 „ 110242 416 548 674 791 919(1000], 11088 288 322 40 5000 9 01 3 1093 341 413 54 64 70 551[300) 55 728 813 57 917(9 50.„1; 251 380 86 485 664 72 744 807 912 42 83 14264 620(1 15065 214 371 645 65 732 867 958 16063 288 517 92(1000) 441(3000) 545 600 27 769 94, 17269 71(1000) 363 438 502 g1 g56 66 827 18205 449 570 689 864 952 19114 34 20006 7 131 403 46 93 664 21001 422 27 531 40 818 962 5007 60b 218-834 312 605 310 781 23072 111 61 275 381 93 74 446 538 643 978 114001 614 781 115121 41 208 351 79 489 542 653 810 77, 116025 28 37 391 714 53 900 33 117011 32 96 102 36 2°2 95 309 409 S2 582 604 735 118131 49 68 231(300] 36 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Novembr. er., nachmittags 5 Uhr, im Rathhaussaale. Tages=Ordnung: 1. Bewilligung der Stellvertretungskosten für einen erkrankten Lehrer. Ref. Soeding. 2. Neuanstellung eines Oberlehrers am Realgymnasium. Ref. Brinkmann. 3. Anstellunz eines Straßenmeisters. Ref. Derselbe. 4. Einmalige Bewilligung von Mk. 50 zum Bei ritt der Stadt Witten in das Comitee zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke. Ref. Dr. König. 5. Bewilligung der Kosten für bauliche Anlagen auf dem Schlachthof. Ref. Weber. 6. Aufbringung von Kosten für den Betrieb der städtischen Straßenbahn, zu denen die Betriebspächterin nicht verpflichtet ist. Referent Seidel. 7. Erweiterung des Straßenbahn=Unternehmens. Ref. Derselbe. 8. Bewilligung von Mark 486 zu Wasserrohrleitungen. Ref. Hanf. 9. Ortsstatut für die Anlegung, Veränderung und Bebauung von Straßen und Plätzen. Ref. Reichpietsch. 10. Niederschlagung von nicht beibringlichen Gemeindesteuern bezw. Hundesteuern. Ref. Bitter. 11. Prüfung und Entlastung verschiedener Jahresrechnungen. Referent Rechrungs=Kommission. 12. Wahl von Beisitzern zur Wahl von Stadtverordneten. Ref. WahlKommission. 13. Herstellung eines Kanals zwischen Röhrchen= und Kampst raße in der Ruhrstraße. Ref. Rüping. 14. Abänderung des§ 28 der Bestimmungen zur Entnahme von Wasser aus dem Wasserwerk. Ref. Schumann. Der Stadtverordneten=Vorsitzende: Erdmann. Actten-Geseuschaft Glektricitätswerke (vorm. O. L. Kummer& Co.) Dresden und Niedersedlitz. Elektrische Beleuchtungs-Centralen und Kraftübertragungen. Elektrische Strassen- und Wollbahnen. Truderschaft der Wittener Sterbekasse General-Versammlung Uhr, Gratis 1000 Preise! Wasche Luhn's Wasch- Extrakt „mit dem rothen Band“. Gibt schönste Wäsche! Ueberzeugen Sie sich davon. ½ Pfd.=Schachtel à 15 Pfg. — Ueberall zu haben— Uebertrifft jedes Waschmittel! Man beachte bie VI Straßburger Pferde=Lotterie. Nächste Ziehung sicher 19. Nov. 1898. 1000 Gew. vor M. 31000 Hauptgew. 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November, nachmittags 4 im Vereinslokale bei Herrn W. Kruhöffer. Tages=Ordnung: 1. Wahl von 2, evtl. 4 Aeltesten resp. Direktoren. 2. Wahl von 4 Deputirten und 4 Revisoren. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder unter der No. 427 bis incl. 456 des MitgliederVerzeichnisses laden wir hierdurch besonders ein, weil aus ihrer Mitte die Deputirten resp. Revisoren zu wählen sind. Außerdem richten wir an sämmtliche Mitglieder die dringende Bitte, wegen Wichtigkeit der Vorlagen zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. N Hierdurch mi die Mittheilung, Orchester=Ver habe. Gleichzeit gewünschte MaSIKT Orchest in bester Ausfüh ##e mein Bestreben zue gehrten Bürger ## # Hierdurch mache den Bewohnern von Witten und Umgegend### zu die Mittheilung, daß ich die Dirigentschaft des Wittener zu Orchester=Vereins wer- freiwillig niederaeleat### Trchester=Vereins ## habe. Gleichzeitig mache gewünschte nnt haß ich wnch. bekannt, daß ich nach *—"— wie vor jede## * a Orchester- wie Clavier-Musik ap; ## in bester Ausführung liefern werde. Es wird auch fernerhin mein Bestreben sein, das mir bisher erwiesene Wohlwollen der sns gehrten Bürgerschaft steis zu erhalten. 338 Lotatztungpok! 2 Herm. Dittmar; Musiklehrer, 16 Bismarckstrasse Wer K 0 B NRRE NE NEE BNN gefl. Kenntnißna von Schlachibe Kiral 59 Bismarekstrasse 5. u0 ERRRRRRRRRRI NRRE RE RENSAS gegenüber der Mich bestens Jalousien und Rollläden Johl liefert in bestbewährter Konstruktion mit langjähr. Garantie billigst die Düsseldorfer Jalousie-Fabrik.