Deitter Jahigang. Erscheint käglich, mit Rusnahme der Vonn- und Teiertage. Abonnementspreis nebst den Gratis-Beilagen„Sonntagsfreude" und „Sterne und Blumen“ durch die Boten zugestellt nur 50 Pfg. pro Monat. durch die Poslt bezogen nur 1,20 Mk. pro Auartal. Verantwortlich für den ganzen Inhalt: H. Bringewald, Witten. * Mittwoch, 26. October 1393 Preis für die 1spaltige Pekitreile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabakt. Größere Anzeigen können nur bis spätestens Abendo 5 Uhr angenommen werden, ganz dringende Inserate bis Morgens 8 Uhr. Geschäftostelle: Witten, Hauptstraße 79. T T# W• Telephon=Anschinß 130. Tentrums-Prgan für das Kuhrthal. Telegramm=Adresse: Volkszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringewald Mitten. An die Wähler der Centrumspartei des Landtagswahlkreises Bochum=Tortmund! Wie bei den letzten Landtagswahlen, so hat auch für die bevorstehenden Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause das Central=Wahlcomitee" für BochumHattingen=Gelsenkirchen in Uebereinstimmung mit dem Wahlcomitee für Dortmund=Hörde beschlossen, den Gesinnungsgenossen Wahlenthaltung zu empfehlev. Die Gründe für diesen Beschluß sind vornehmlich zu suchen in dem DreiclassenWahlsystem, wie es zur Zeit für die Abgeordnetenwahlen besteht, in der öffentlichen Stimmabgabe, die der großen Anzahl abhängiger Wähler die Ausübung des Wahirechts auf das äußerste erschwert, und in der durch beide bedingten Uebermacht der nationalliberalen Partei des rheinisch=westfälischen Industriebezirkes. Unter diesen Umständen würde ein selbstständiges Eintreten der Centrumspartei in den Wahlkampf keinerlei Aussicht auf Erfolg bieten. Es bleibt deshalb nur übrig, unseren Wählern Wahlenthaltung zu empfehlen. Das Central=Wahlcomitee der Centrumspartei für Bochum=Gelsenkirchen=Hattingen. 9 Das officiöse Preßwesen. An die Berufung des Herrn Dr. v. Falck in das Litterarische Bureau des Staatsministeriums knüpfen verschiedene Blätter die Hoffnung oder doch den Wunsch, es möge nun endlich eine gründliche Reform des offieiösen Preßwesens eintreten. Die s. Z. von dem Minister v. Köller ins Leben gerufene„Berliner Correspondenz“ hat im Grunde von dem oft beklagten Zustande alles beim Alten gelossen. Sie bringt nur kurze dürre Notizen über meist gleichgültige Dinge oder Berichtigungen falscher Nachrichten. Was man von der offieiösen Presse verlangen muß, ist, daß sie 1. in unzweideutiger Weise die Ansicht der Regierung über schwebende Tagesfragen zu erkennen gibt, und 2) alles das an thatsächlichen Nachrichten veröffentlicht, was für die Veröffentlichung reif ist. Aber wie steht es jetzt? Man liest überaus häufig:„Officibs wird dem und dem Hamburger, Kölner, Münchener, Berliner u. s. w. Blatte geschrieben“, aber ob es sich da wirklich um offieiöse Kundgebungen handelt, weiß im einzelnen Falle mit Sicherheit kein Mensch. Man weiß nur, daß verschiedene Blätter auch Nachrichten oder Sentiments aus amtlichen oder halbamtlichen Kreisen erhalten, nicht aber, was nun jedesmal aus dieser Quelle stammt. Manchmal ist der sogenannte Officiosus nur ein Correspondent, der allerlei erhorcht hat bei diesem oder jenem Geheimrath, mit dem er beim Weinschoppen saß, der aber durchaus nicht im Stande ist, die Meinung der Regierung wiederzugeben. In der Regel finden wir ja auch, daß die sogenannten Officiösen sich direkt widersprechen und damit die Werthlosigkeit ihrer Auslassungen am besten selbst illustriren. Wenn eine officiöse Kundgebung Werth haben soll, muß sie als von der Regierung kommend erkenntlich sein, wie es früher bei der Provinzial=Correspondenz der Fall. In der „Nordd. Allg. Ztg.“ finden sich ja zuweilen Artikel, deren officiöser Charakter außer allem Zweifel steht, aber da handelt es sich fast ausschließlich um Dementis, nicht um Darlegung der Regierungsansichten. Gewiß kann auch die Regierung ein Interesse daran haben, die öffentliche Meinung sozusagen anonym zu beeinflussen und Artikel in die Presse zu bringen, die nicht als von ihr ausgehend erkenntlich sind. Aber schließlich sind doch die Gründe, die vorgebracht werden, entscheidend; schlechte Gründe nützen der Regierung nichts, auch wenn sie anonym vorgetragen werden, und gute thun ihre Wirkung auch dann, wenn sie als von der Regierung stammend in die Oeffentlichkeit kommend, ja ihr Gewicht wird gerade dadurch in der Regel vermehrt. Das muß schon ein seltsam veranlagter Mensch sein, der gute Gründe darum nicht gelten läßt, weil sie die Gründe der Regierung sind. Manches unnütze Preßgezänk, manche Aufregung und mancher Angriff auf die Regierung könnte dadurch vermieden werden, daß diese rechtzeitig ihre Ansicht ausspräche. Allerdings, die Sache hat ihre Schwierigkeiten, wenn eine Voraussetzung nicht erfüllt wird. Wir müssen auch wirklich eine Regierung haben und diese muß wissen, was sie will und von einem einheitlichen Geiste beherrscht sein. Da wird's wohl hapern. Wenn keine der leitenden Persönlichkeiten mit Bestimmtheit sagen kann: So ist es und so soll es sein! wer kann dann die officiöse Presse inspiriren? Gegenwärtig haben die verschiedenen Minister ihre vermeintlichen oder wirklichen Officiösenund das Ergebniß, daß die Officiösen oft nicht miteinander übereinstimmen. Dieser Zustand wird wohl eine Weile so bleiben, und darum dürfen wir nicht auf eine Reform des Officibsenthums hoffen, die uns sicher über die Ansichten der Regierung unterrichtet. Mit den sog. officiösen Nachrichten könnte aber eine Reform jeder Zeit vorgenommen werden. Man sollte alles, was nicht Staatsgeheimniß ist und die Oeffentlichkeit angeht, ohne Zögern bekannt geben. Die Geheimthuerei, die bei uns zum Wesen des Beamtenthums zu gehören scheint, ist einfach lächerlich. Das Staatswohl leidet sicher nicht darunter, wenn Verfügungen, Erlasse, Entscheidungen, Gesetzentwürfe u. s. w. sofort der Presse zugänglich gemacht werden, statt daß man sie„vertraulich" behandelt oder die Bekanntgabe hinausschiebt. Es ist doch besser, die Regierung macht solche Tinge bekannt, als daß sie einem socialdemokratischen Blatte „auf den Redactionstisch fliegen“ oder daß ein mit Nachrichten handelnder Journalist sie geschäftlich ausschlachtet, bruchstückweise in die Presse bringt und Wahres mit Falschem vermischt. Insbesondere das Handeln mit Gesetzentwürfen sollte man durch sofortige Bekanntgabe des Fertigen verhindern. Freilich wird es nicht ganz zu verhindern sein, daß Corcespondenten bei befreundeten oder gefälligen Geheimräthen Stücke von Nachrichten aufschnappen, wie es auch nicht zu verhindern ist, daß sie die Ansichten von„Regierungskreisen" über diese oder jene Sache erforschen und, mit officiösem Nimbus umgeben, weiter verbreiten. Aber das Ansehen und Geschäft dieser Leute würde sehr rasch sinken, wenn es ein prompt arbeitendes Organ gäbe, das offen als Regierungsorgan aufträte und nur als Regierungsorgan. Fürst Bismarck hatte immer ein großes Verständniß für die Bedeutung der Presse. wenn er sie auch mißbrauchte. Die Hochmögenden in unserer Bureaukratie haben sich dagegen gewöhnt, die Presse vielfach recht von oben herab anzusehen als ein Uebel und nicht einmal ein nothwendiges. Sie sehen darin hauptsächlich einen giftigen Feind der Regierung. Wenn man auch so thut, als kümmere man sich gar nicht um das, was die Presse sagt, man ärgert sich doch darüber, nicht allein, wenn man angegriffen wird, sondera auch wenn„Geheimnisse“ in der Presse„verrathen“ werden, und kann sie deshalb nicht leiden. Es macht ihren Geheimräthen auch ungemeine Freude sagen zu können: „Es ist alles Unsinn, was da in den Blättern steht; sie wissen gar nichts.“ Ohne Zweifel ist ein großer, vielleicht der größte Theil der Blätteransichten über Regierungsangelegenheiten falsch oder ungenau. Man braucht nur einmal eine solche Nachricht mehrere Wochen oder Monate hindurch zu verfolgen; sie macht die seltsamsten Verwandlungen durch. Allein, statt der Presse, deren Beruf es nun doch einmal ist, Nachrichten zu verbreiten, daraus einen Vorwurf zu machen, sollte man lieber die bureaukratische Zugeknöpftheit aufgeben und die„Geheimnisse“ preisgeben. Es kommt ja doch schließlich alles zur öffentlichen Kenntniß und Besprechung, was die Oeffentlichkeit angeht. Die Geheimnißthuerei ist ein veraltetes Erbstück aus früherer Zeit. o Politische Tagesübersicht. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht nunmehr in seinem nichtamtlichen Theile die Mittheilungen der„Nordd. Allg. Ztg.“ aus dem Consularberichte über den Mordanschlag gegen den Kaiser. Er fügt nur hinzu:„Die gerichtliche Untersuchung wird an dem italienischen Consulargericht in Alexandrien weitergeführt.“ Wie die „Intern. Corr.“ mittheilt, hat die griechische Zeitung„Neologos“ in Athen schon fünf Tage vor den ersten englischen Meldungen über die Attentatsvorbereitungen nach Mittheilungen aus diplomatischen Kreisen einen längeren Bericht über eine„gegen Kaiser Wilhelm gerichtete Verschwörung" veröffentlicht. Sie meldete auch, man habe bereits 30 Auarchisten in Constantinopel, Jaffa und Alexandrien in aller Stille verhaftet. Jetzt schreibt das Blatt, wenn seine Angaben auch nicht in allen Punkten richtig gewesen seien, so habe man doch in verschiedenen Kreisen schon seit mehreren Wochen Kenntniß von dem verbrecherischen Plane gehabt. Sonderbar, sehr sonderbar, daß das Blatt über die Verhaftungen eher berichten konnte, als sie stattgefunden hatten, und sogar schon Verhaftungen in Jaffa, ehe noch die Verschwörer ihren Plan dahin geändert hatten, das Verbrechen in Palästina zu versuchen. Dr. Gerlich veröffentlicht eine Erklärung, worin er sich gegen die Anschaldigung einer Fälschung des Kreistagsprotocolls vertheidigt. Er stellt es so dar, als seien in dem Protokoll nur„einige Ungenauigkeiten berichtigt“ worden, auf die ihn der Protokollführer aufmerksam gemacht habe. Die Berichtigung sei vorgenommen worden in Gegenwart dreier Kreistagsmitglieder, die von dem Kreistage zur Vollziehung des Protokolls gewählt waren, und die er, um die Sache klarzustellen, zur Erörterung in das Kreishaus eingeladen habe. Herr Dr. Gerlich drückt sich da sehr unbestimmt aus; er sagt weder, warum es sich bei den„einigen Ungenauigkeiten“ gehandelt habe, noch daß und warum einer der Eingeladenen sich weigerte, das„berichtigte“ Protocoll zu unterschreiben. Daß er im Zusammenhange mit dieser merkwürdigen Angelegenheit am 1. Juli sein Landrathsamt niedergelegt hat, erwähnt er ebenfalls nicht. Die Angaben der„Elb. Ztg.“ über den Fall stellt Herr Steinmeyer dahin richtig, daß Dr. Gerlich nicht aus der 4 im Protocoll eine 5 habe machen lassen, sondern aus„14“„allen“. Es sollten also„alle“ gegen 9 Stimmen für den Chausseebau gewesen sein. So erst erscheine der Beschluß gültig, da 27 Kreistagsmitglieder als anwesend aufgeführt waren und 9 dagegen gestimmt hatten. Als nun in diesem Frühjahr Vorwürfe im Kreisausschusse gegen Gerlich erhoben wurden, schickte er bei allen Kreistagsmitgliedern herum, einerlei ob sie in jener Kreistagssitzung anwesend gewesen waren oder nicht, und ließ fragen, wie sie 1893 gestimmt hätten, da aus dem Protocoll das Stimmenverhältniß nicht genau ersichtlich sei. Jetzt sollen mehr Mitglieder ihre Zustimmung gegeben haben, als s. Z. in der Kreistagssitzung anwesend waren. Da Herr Gerlich mittheilt, er habe— was er freilich nicht gut vermeiden konnte— die Verbreiter jener Beschuldigungen wegen böswilliger Verleumdung der Staatsanwaltschaft angezeigt, so wird man ja wohl noch Zuverlässiges erfahren, falls die Sache nicht im Sande verläuft. Politische Nachrichten. Berlin, 23. Oet. * Conservative Blätter, insbesondere die„Kreuzzeitung,“ leisten sich den Scherz, sich im Gegensatz zu den„Demokraten" als Freunde der allgemeinen Gleichheit vor dem Gesetze hinzustellen, weil sie an ben Widersinnigkeiten des Dreiclassenwahlsystems keinen Anstoß nähmen. Für sie habe es nichts Empörendes, daß die„Großen" da mitunter hinter die„Kleinen" zurücktreten müßten und Schutzleute, Briefträger oder Müllkutscher in der ersten oder zweiten Classe wählten, während Minister der dritten angehörten. Das ist sophistisches Geflunker. Wie sie in Wahrheit über die allgemeine Gleichheit denken, zeigen sie bei ihren Angriffen auf das Reichstagswahlrecht. Nicht das ist das Widersinnige bei dem Dreiclassenwahlsystem, daß auch kleine Leute in der ersten und zweiten Abtheilung wählen, sondern daß bei einem Wahlrecht, welches nach der Steuerleistung bemessen sein soll, so haarsträubende Ungleichheiten vorkommen, daß dieses Wahlrecht eine wahre Karikatur dessen ist, was es sein will. Das Vertheilen von Flugblättern während der Zeit vor der Reichstagswahl ist bekanntlich durch§ 43 der Gewerbeordnung ausdrücklich gestattet. Das Oberlandesgericht in Dresden hat das Vertheilen aber für groben Unfug erklärt und, ein schöffengerichtliches und landgerichtliches Urtheil, das sechs Socialdemokraten in Bautzen deshalb zu Geld= und Haftstrafen verurtheilte, bestätigt. Vermuthlich bat man in der Verurtheilung eine„Beunruhigung weit erer Bevölkerungskreise" erblickt. Auf diese Weise kann man jede Partei um ihr klares Recht bringen. Die Mittheilungen der Blätter über einen bevorstehenden Wechsel in der Besetzung des Oberc. Die Insel-Aixe. Roman von E. Heinrichs. 29 Der Director starrte jetzt mit einem finsteren Blick nech der Thür, die Dr. Jacobsen soeben hinter sich geschlossen, stampfte dann leicht mit dem Fuße auf und grollte halblaut einige Worte vor sich hin, die wie„unverschämter Strolch,— fatales Gespenst, muß unschädlich gemacht werden,— hätte ihn am Ende doch bei mir behalten müssen,“ klangen. Er dachte eine Weile nach, wollte klingeln und zog die Hand wieder zurück. „Besser ist beiser,“ dachte er„will mich einem solchen klugen und rabiaten Burschen lieber nicht in die Hände geben. Das kann Mr. Finley ganz allein besorgen.“ Er wollte sich an seinem Schreibtisch niederlassen, als er aufhorchte, nach der Thür schritt und sie öffnete. Sein Zimmer lag im ersten Stock, in der Mitte eines Corridors, der sich zu beiden Seiten der Treppe hinzog. Unten auf dem Flur, an dem sich rechts und links die Consultationsund Sprechzimmer befanden, hörte er ziemlich lautes Sprechen, wobei er nur die Stimme des Mr. Jacobsen unterschied. Er schlich näher, um deutlicher zu hören, wie ihm Niemand verdenken konnte. Sein unliebsamer Besuch, der ihm mehr innere Unruhe bereitete, als er sich's gestehen mochte, war nach dem Verlassen des Zimmers rasch die Treppe hinabgestiegen und am Fuße derselben auf einen elegant gekleideten Herrn gestoßen, der von dem Pförtner sehr devot behandelt wurde. „Aha, da kommt der Mann schon, Sir!“ sprach Samson mit lauter Stimme,„nun werde ich sofort die Meldung machen. Beeilt Euch doch, mein guter Freund!“ setzte er in befehlendem Tone hinzu,„dieser Gentlemen ist nicht gewohnt, so lange aufgehalten zu werden, zumal durch Leute Eures Schlages.“ Mr. Jacobsen warf einen forschenden Blick in das bleiche hochmüthige Gesicht des wartenden Herrn und blieb auf der untersten Treppenstufe überrascht stehen. „Irre ich mich, wenn ich den Herrn Zurmühlen junior aus X vor mir sehe?“ fragte er in deutscher Sprache zum Aerger des verwunderten und neugierigen Pförtners. „Und wenn ich es wäre?“ gab der junge Herr, ihn mit geflissentlicher Verachtung vom Kopfe bis zum Fuße messend, hochmüthig zurück,„was kämmert's Euch?“ „Ein wenig vielleicht doch, junger Herr, wir sind Landsleute.“ „Das ist der allerletzte Grund für mich, Leuten Eures Schlages Rede zu stehen, merkt Euch das.“ Max Zurmüblen, der sich in den letzten sechs Jahren nicht gerade verschönert hatte, sondern sehr gealtert erschien, sprach ebenfalls deutsch. Es war ihm sichtlich höchst unangenehm, von einem so zweifelhaft aussehenden Menschen gekannt und angeredet zu werden, doch überwog die Neugierde, woher dieser ihn kannte, seinen Hochmuth. „Wie heißt Ihr denn eigentlich, Mann?“ setzte er kurz hinzu,„und aus welcher Gegend stammt Ihr? Ich wüßte nicht, Euch jemals gesehen zu haben.“ „Oho, wir haben sogar sehr häufig mit einander geredet und verkehrt. Das sind freilich schon an die zehn Jahre her, Sie waren allerdings sehr jung noch, aber kannten das Leben schon aus dem ff.— Ja, ja, schauen Sie mich nur kopfschüttelnd an, Herr Zurmühlen junior, vielleicht erinnern Sie sich meiner, wenn ich Ihnen den Namen Dr. Jacobsen neuge: Max Zurmühlen konnte einen Ausruf des Erstaunens nicht unterdrücken und trat unwillkürlich einen Schritt weiter purück. „Dr. Jacobsen,“ sagte er langsam,„Sie also sind es. Mein Vater deutete mir damals an, daß Sie Schulden halber 2 hätten verlassen müssen, weil Ihre Praxis gleich Null gewesen sei.“ „So, das hat also Ihr Vater gesagt, junger Herr," versetzte der verlotterte Mediciner höhnisch,„ja, das sieht dem Herrn Theophil Zucmühlen ähnlich. Allerdings stand es noch ziemlich schlecht mit meiner Praxis, aber trotz alledem besaß ich keine Schulden und hungerte lieber, als daß ich irgend einen Menschen betrogen hätte.“ „Desto besser," bemerkte der junge Herr, sich dann hochmüthig zu dem Pförtner umwendend,„melden Sie mich dem Herrn Director,“ gebot er in englischer Sprache,„hier ist meine Karte.“ Es gelang dem Dr. Jacobsen, einen Blick auf die Karte zu werfen. Großvenor=Hotel— „Natürlich,“ dachte er,„er kann es ja für die Siegfriedschen Millionen.“ Als der alte Samson die Treppe hinaufstieg, war Dr. Adams bereits wieder in seinem Zimmer. „Sie wollen wohl alle Merkwürdigkeiten Londous sich ansehen," begann der Mediciner auf's Neue mit ätzendem Spott,„na zu, die Nerven=Anstalt des Herrn Dr. Adams ist eine Berühmtheit, das kann ich ihnen sagen. Wünschen Sie den Director zu consultiren, Herr Zurmühlen?— Ich könnte Ihnen hübsche Dinge von ihm erzählen.“ „Wo wohnen Sie denn eigentlich, mein Herr Doctor?“ fragte der junge Herr, ungeduldig auf= und abschreitend. „Ueberall und nirgends,“ erwiderte Jacobsen, leise lachend.„Wenn Sie mich sprechen wollen, dann schreiben Sie nur an diese Adresse, ich könnte Ihnen hier in London vielleicht von Nutzen sein.“ Er zog ein Stück Carton aus der Tasche, worauf sich eine geschriebene Adresse befand. „Eine primitive Visitenkarte,“ setzte er ironisch hinzu, „stoßen Sie sich nicht daran.“ Herr Max nahm die Karte mit spitzen Fingern und ließ sie dann in die Tasche seines eleganten Ueberziehers gleiten. Als in diesem Augenblick der Pförtner zurückkehrte, folgte er ihm nach dem ersten Stock, während Dr. Jacobsen erst auf dessen Rückkehr warten mußte, um von ihm hinausgelassen zu werden. Der alte Samson schritt knurrend voran in den Garten, weil es ihm ehrenrührig erschien, einen solchen schäbigen Burschen hinausgeleiten zu müssen. „Prachtvoller Nebel,“ höhnte der Deutsche, neben ihm herspreitend.„So recht für Nerven=Anstalten und Todtengräber geschaffen. Sagen Sie mal, Mr. Samson, wie lange in Nummero Sieben eigentlich schon todt?“ Der Alte blieb stehen und suchte seinen Begleiter anzuschauen, was trotz des dicken Nebels, den man sozusagen schneiden konnte, in der Nähe nicht unmöglich war. Doch war der Doctor unter einen Baum zurückgewichen und hier völlig unsichtbar. Dieser hatte übrigens unbewußt die schwache Seite des Pförtners berührt, da Letzterem nichts in der Welt neben der Ginflasche angenehmer war, als sich Mr. Samson nennen zu hören. „Wo seid Ihr denn geblieben, old boy!“ fragte er deshalb gut gelaunt.—„Ich fresse Euch doch nicht, obschon auf ein Trinkgeld von so einem Patron nicht zu rechnen ist.“ „Haltet Ihr das für so gewiß, Mr. Samson?“ fragte der Doctor so dicht neben ihm, daß der Alte erschrocken zusammenfuhr. „Oho, wollt“ wohl Blindekuh mit mir spielen.“ knurrte er,„habt mich ja ordentlich erschreckt, Menschenkind. Möcht' Euer Trinkgeld wohl mal sehen.“ Der Doctor schob ihm eine Flasche in die Hand. „Etwas gegen den Nebel, Mr. Samson, ein echter Magentrost, versichere i.5 Euch.“ Der Pförtner zog den Kork heraus und roch ein wenig daran. „Scheint nicht übel zu sein, old boy!— Na, auf Euere Gesundheit!“ Er nahm einen langen Schluck und behielt die Flasche gedankenvoll in der Hand. „Ein guter Trunk fürwahr, wo habt Ihr den gekauft, be gg „In Penningtonstreet, London=Dock,“ versetzte Jacobsen, „die Blaujacken kennen diese Sorte.“ „Aha, Seemannsgeschmack ist fein," sprach der Alte beifällig, indem er die Flasche wieder an den Mund setzte. „Ja, jo. Euer Trinkgeld ist gar nicht schlecht, old boy! Ich dank' Euch— was wolltet Ihr wissen von Nummero Sieben?— War mir vorhin schon ganz verwunderlich.“ „Hm, ich brachte Euch damals Nummero Sieben, Mr. Samson!“ erwiderte der Doctor, sich an das Ohr des Pförtners neigend,„könnt Euch wohl nicht darauf besinnen, was daraus geworden ist?“ „Weiß nicht recht mehr,“ meinte der Alte vorsichtig,„ist schon so lange her, was sagte Euch Mr. Adams?“ „Schlauer Fuchs!“ dachte Jacobsen, laut aber sagte er: „Er wäre nach seiner Heimath zurück, sonst nichts. Könnt' Ihr mir vielleicht etwaß darüber sagen, Mr. Samson?“ Dieser setzte sich wieder langsam in Bewegung, konnte sich aber von der Flasche nicht treunen. „Eigentlich auch nicht mehr,“ erwiderte er dann halblaut, „was zum Henker, geht mich Nummero Sieben an? Warum fragt Ihr mich darnach? Mr. Adams muß es wissen, ich nicht. Bin ich sein Wächter gewesen? Ich hätt' besser aufgepaßt, als die Schlafmütze von Smith, der sich in Gin betrank und ihn laufen ließ. Zum Henker, wer wird sich denn auch im Dienst betrinken? Ha, ich bin ein anderer Mann, auf mich kann Mr. Adams sich verlassen.“ Er blieb stehen, setzte die Flasche wieder an den Mund und schien sie bis auf den letzten Tropfen zu leeren. Nun erst gab er sie dem Doctor zurück. „Ach ja, davon sprach Mr. Adams auch noch, daß Nummero Sieben nämlich jetzt wieder in seiner Heimath sei.“ bemerkte der Doctor, jedes Wort erst abwägend. „So wird's auch richtig sein, was zum Henker, wollte er hier in London aufangen, hier hätt' ihn Mr. Findley bald gefoht: „Ich kalkulire, Mr. Samson, daß von einem Detectiv die Rede ist,“ warf Jacobsen fragend ein. „Ja freilich, Mr. Findley ist der berühmteste Detectiv Londons, vor ihm kann sich keine Maus verstecken,— also, Nummero Sieben ist nach seiner Heimath entwischt.“ (Fortsetzung folgt.) präsidiums von Posen werden in der„Nordd. Allg. Ztg.“ in Bausch und Bogen als auf Erfindung beruhend bezeichnet. Die Palästinafahrt des Kaiserpaares. * Pera, 23. Oct. Zur Feier des Geburtstages der Kaiserin machten die Majestäten gestern Vormittag auf der Yacht des Sultans einen Ausflug nach der Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Therapia. An der prächtig geschmückten Landungsbrücke wurde das Kaiserpaar vom Botschafter Freiherrn v. Marschall und vom Präfecten empfangen. Nachdem das Moltke=Denkmal im Park besichtigt worden war, wurde das Frühstück in der Villa des Botschafters eingenommen. Hierauf trugen die Capelle der„Hohenzollern“ und die Schulkinder den„Sang an Aegir“ vor; dann erfolgte die Rückkehr auf der Yacht des Saltans. Die Einschiffung des kaierlichen Gefolges begann um 4½ Uhr. Vom Palaste bis zum Landungsstaden bildeten drei Züge der Leibcompagnie mit Musik und Fahne Spalier. Gegen 4¾ Uhr erschien am Ausgange des Palastes die Kaiserin in gelbseidener Toilette am Arme des Sultans und sodann der Kaiser in der Interimsuniform des Gardes du Corps=Regiments. Die Majestäten durchschritten unter den Klängen der deutschen Nationalhymne das Ehcenspalier am Landungsquai. Der Abschied gestaltete sich sehr freundlich und herzlich; vor der Kaiserin verneigte sich der Sultan wiederholt und drückte der hohen Frau mehrere Male die Hand. Vom Kaiser verabschiedete sich der Sultan durch wiederholtes längeres Händeschütteln. Auf der Fahrt zur„Hohenzollern“ wurden die Majestäten von den Mitgliedern der deutschen Colonie, die sich in Booten in der Nähe des deutschen Geschwaders befanden, begeistert begrüßt. Als das Boot mit den Majestäten sich der„Hohenzollern“ näherte, gaben die letztere und die türkischen Schiffe unter Hoch= und Tschok Jascha=Rufen den Salut ab. Nach 5 Uhr erfolgte die Abfahrt der„Hohenzollern“ und der„Hertha“, die„Hela“ war schon am Vormittag abgegangen. Als die„Hohenzollern“ sich in Bewegung setzte, wurde wieder Salut geschossen. Der Kaiser machte dem Sultan einen goldenen Stock zum Geschenk, der genau dem von Friedrich dem Großen gebrauchten nachgebildet ist. Bekanntlich hat Stadtpräfect Redvan Pascha dem Kaiser Namens der Bevölkerung Constantinopels zwei silberne Vasen überreicht. Der Kaiser stiftete der Stadt Constantinopel zur Erinnerung an den Aufenthalt einen Brunnen. Der Kaiser entwarf sofort eine Skizze, die der Maler Knackfuß noch während der Fahrt nach dem YildizPalast ein wenig ausführen mußte, und zeigte sie dem Sultan, der seine beifällige Zustimmung äußerte. Nach diesem Entwurf soll der Brunnen ein Kuppelbau sein, von Marmorbänken umgeben und an einem geeigneten Platz in Stambul aufgestellt werden. Unter den Geschenken des Sultans an Kaiser Wilhelm befinden sich auch zwei Gemälde, welche die Schlacht bei Domokos und die Kämpfe am Meluna=Passe darstellen, sowie verschiedene türkische Erzeugnisse. Nach dem Selamlik überreichte der Sultan dem Kaiser eine kostbare Tabatiere mit der Inschrift in türkischen Zeichen:„Zur Erinnerung an die Truppenrevue während des zweiten Besuches Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm“, auf der anderen Seite der Tabatiere den Namenszug des Sultans. Der Kaiser und die Kaiserin haben für die Armen und wohlthätige Zwecke 16000 und 40000 gespendet. Alle Blätter veröffentlichen herzliche und warme Abschiedsartikel. Eine Abtheilung von 600 Mann der berittenen Leibgarde des Sultans unter dem Befehle eines kaiserlichen Adjutanten wird die Eskorte des deutschen Kaiserpaares auf der Reise nach Jerusalem bilden. Behufs Anordnung der erforderlichen polizeilichen Maßregeln zum Schutze des deutschen Kaiserpaares auf dessen Reise ist der Vali 3. Jiehung der 4. Klasse 199. Kgl. Preuß. Lotterie. bis 12. November 1898.) Nur die Gewinne über 220 Mk. sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt.(Oyne Gewähr.) 24. Oktober 1898, vormittags. 475% 6865 S 866 F30oöf 8s 424 68 729 853 89 989 1039 206 69 435 765 87 S1e 99s 91889 2055(500) 78 156 211 79 89 306 56 400 105 oi ci0 voo oi0s z14 396 405 33 581(3000) 707 53 57 82 338(399% 4019 382 421 890 930 90 5022 183 201 4 21 384 742 BF3, 8 13 88 achh 5s aib 35 7 24 20 81 ei5 bis 928 440 16183 239 311 41 493 ls 14199 F 41 625 86 738 961 16183 239 311 41 490 bi0 741 601 bs 966 17088 225 588 3863 317-584-38 642 836 934 19224 78 801500) 312 461 77 511 20134 228(500) 98 415 586 21154 275 362 488 548 719 22 805 76(500) 96 929(300) 82 22015 27[500) 162 217 415 87 504 633 729 73 828(300) 58 934 43 77, 23011 224 85 352 431 43 538 917, 24022 23 276 314 11 541 42 83 712 14(300) 902 7 168 359 4 282 n0 622 25 817 47 26090 142 86 428/500 804 27079 6 Soo 8.737 832 58 90 929 28130 87 240 522 753 896 911 20120 234 25 2 30 209 33 302. 3000) 82 570 83 638 832 84 65 66s 32014.513 910 664 898 911 31080(300) 245 53 423 Sairg 9# 21. 55 728 971 33325 420 565 613 836 967 134 60 20s 16 43.90 747 852(3900.966 35407 502 932 30058 „#### 2m 10 10 9/3 412 b14 1b 1o0 837 48 57 989 37060 158 13000) 138% ObL4. 563 7 87 855 73 937 38133 50 79 228 404 51 600 uf ioz bu tin) 39036 85 144 268 460[500 97 550 721 925 49363.487,90 719 27 855 982. 41116 271[300) 79 426(3000 40 58 207 40r r+ 2918=388, 94 8 555 965 79 3000) 43018 118 us 50 501 40s 511 fx 75 101 59 60 11000) 842 44198(3000) 383 45006[300) 58 137[500) 300 485 531 45(1000 9 735 68 858 46116 43 88(300) 287 483 87 563(300, 677 81 98 826(3000) 34 47034 124 473 560 640 78 857 913 18987 63 39, 236 376 84 500(3000) 661(500) 777 852 911 44 *: 8o0io N 6 s 1 24 49 583 618 727 801 905 57 79 159 S11 11 8 498 10 454 15 566 600 93 895 51020 5000) 100 z11 41 565 bob 621 774 892 932 50 52364 464 532 1500) 99 680 869 960 53096 106 19 213 94 310 447 574 720 81 92 97 862 55021 127(1000) 63 203(3000 56 622 49 51 56086 188 329 64 617 34 57055 196 253 63(300 383 404 73 75 587 642 713 848 988 58000 224 423 32 537 55 90 950(3000) 59154 304 611[500) 20 711(500) 41 59(300) 980 91 60012 91 178 86 2791309 99 660 825 35 907 82 61323 41 99 510 98 940(1000) 62219 40 421 584 631 746 806 51 63022 268 82 415(500) 31 42(500) 734 64529(500) 62 804 8 36 65162 336 72 740 95 808 37 982 66027 147 234(300) 307 66 424 502 807 32 48 85 987 67049 72 86(3000) 99 395 412 565 755 872 932 68078 276586[500)89681 722 864(1000) 956 91 93 69088(1000) 305 99 401 aun 29993 26 53 180 203 23 78 306(1000) 75 647 /500) 63 770 839 and“-h 88 ch 342 958 72146 64 76 77 402 548 91 652 Ur 5ie Taund us 110 26.,68,(300), 242 67 77 949 74023 79 91 1590 343,461 626(24(300) 93 75155 302 486 534 637 42 48 60 to2 11000) 977 76027(3000) 89 137 444(500) 59 811 63 Be. 28se 89 656 80 770 329 8 94 477 503 49 633 807 50 70088 248 513 26 665 710 20 28 839 58 96 717 50 ers(30001 89 816 8%2 13-44 000 45 87 320(500) 22 486(300) 89 548(1000) 91 33 3 299 71 J.P 45 8 H as i oi 1066 Saami 7. 695 88114 84 464 65l 808 f500) 76 S3% 21 64(300) 148(300 345 86 465 609 67(3001 98 9800 84. 28 30, 233 500(2 887 972 01200 36 340 444 624 38 99 782 s008 75 64 122 358 577 655 732 46 880 93234 46 74 0 6 220 60 635 60 85 725 981 94060 516 28 740 822 95023 332 57 89 0i P44 63-1=901. 93 96032 43 213 60 313 95 434 61 100 143 85 419 6g 112 M7 159 853 86 /300 90 1000 or08r gaufi N. 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Kurz vor Ankunft im hiesigen Hafen erlitt einer der Theilnehmer an der Fahrt, Verlagsbuchhändler Kober aus Basel, einen Anfall eines ernstlichen Unwohlseins und verstarb noch vor der Landung an Herzlähmung. * Kairo, 24. Oet. Die Theilnehmer an der Festfahrt zur Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem trafen am Samstag Abend von Alexandria ein, wohnten gestern dem Gottesdienste in der hiesigen deutschen Kirche bei und besichtigten dann die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Heute erfolgt die Abreise von Alexandria nach Jaffa. * Altona, 24. Oct. Die Altonaer Criminal= polizei verhaftete in der Finkenstraße Nr. 4 hierselbst den kürzlich zugereisten Schirmmacher Oldenburg unter der Beschuldigung auarchistischer Umtriebe. Oldenburg soll erklärt haben, daß ihn das Loos getroffen habe, den Deutschen Kaiser auf der Rückreise nach Deutschland zu ermorden. Oldenburg wurde kürzlich in Hannover wegen Hausfriedensbruches zu drei Wochen Gefängniß verurtheilt. (Der Schirmmacher Wilhelm Oldenburg hat in Hannover seit 1883 seinen Wohnsitz gehabt; er wohnte zuletzt Rothereihe 13. Derselbe ist am 25. September 1859 in Rethem a. d. Aller geboren; er hat meist ein ruheloses, vagabondirendes Leben geführt und ist vielfach wegen verschiedener Vergehen bestraft, u. A. wegen Landstreichens, Betruges, Diebstahls u. s. w.; zuletzt wurde ihm wegen Hausfriedensbruchs, begangen in einem Hause der Bäckerstraße durch Strafbefehl des hiesigen Amtsgerichts eine 14tägige Gefängniß= und eine 8tägige Haftstrafe auferlegt, gegen welche er von Altona aus Einspruch erhoben hat.) * Wien, 24. Oct. Die„Polit. Corresp. berichtet in einer Zuschrift aus Kairo, die Entdeckung des gegen Kaiser Wilhelm II. von Anarchisten geplanten Attentats sei dadurch erfolgt, daß einige Tage vor der Festnehmung der Anarchisten in den Kleidern eines###u einem Franzosen ermordeten Italieners ein Porteseuille mit belastenden Briefen gefunden wurde. Bei der in der Wohnung des Ermordeten vorgenommenen Haussuchung seien dann Beweise dafür gefunden, daß von den Anarchisten eine Verschwörung gegen das Leben ein#eleitet war. Auf Grund dieser Entdeckung sei es gelungen, sämmtlicher Verschwörer habhaft zu werden. Die Pestfälle in Wien. Die asiatische Pest hat in Wien bereits ein zweites Opfer gefordert; am Sonntag Morgen erlag ihr auch der von der schrecklichen Krankheit befallene Dr. Müller. Ueber die Art der Infection bei Dr. Müller wird in ärztlichen Kreisen angenommen, daß er, da er Anfangs im Auswurfe des verstorbenen Dieners Barisch Pestbacillen nicht zu finden vermochte, mit einem Glasplättchen die Wände des Isolirzimmers abgekratzt hat, um Culturen von Bacillen zu sammeln und hierbei offenbar Pestbacillen durch die Athmungsorgane in sich aufgenommen hat. Darauf erkrankte Dr. Müller zunächst unter Erscheinungen der Lungenentzündung wie der verstorbene Diener Barisch. Am Freitag früh empfand Müller Fieber und stellte selber die Diognose auf Pest. Sobald er die Pestbacillen nachgewiesen, zeigte er sich als rechten Held und sagte:„Also in fünf Tagen ist's aus mit mir.“ Dr. Müller hat alle Wahrnehmungen niedergeschrieben, die er am eigenen Körper mit seiner Erkrankung gemacht hat, als ob es sich um eine andere Person handelte. Mit Ruhe und vollständiger Kaltblütigkeit studirte er an sich alle Symptome, zeichnete die Curven der Fiebertemperatur, zählte seine Pulsschläge und verzeichnete ein vollständiges Krankheitsbild. Die Pflege übernahm der 28jährige Aspirant der Neusser'schen Klinik, Dr. Rudolf Pöch, der Müller schon als Hülfsarzt nach Bombay begleitet hatte. Dr. Pöch ist in einem eigenen Wohnraume hinter der Baracke gänzlich von der Außenwelt abgeschlossen; wenn er sich zur Krankenvisite rüstet, legt er seine Kleider ab und zieht vollständig neue Wäsche und vollständig neue Ueberkleider an, die mit Karbol und Sublimatlösungen getränkt sind. So begibt er sich zu der leicht erkrankten Wärterin. Aus ihrem Raum heraustretend, zieht er sich wieder vom Kopf bis zum Fuß frisch an und besucht die zweite Kranke. Nach Verlassen dieses Traktes muß der behandelnde Arzt wieder gerade so gründlich seine Wäsche wechseln, da er sich zu dem dritten Erkrankten begibt. Vor Verlassen dieser inficirten Räume wechselt Dr. Pöch zum vierten Male die Kleidung und begibt sich in den für ihn reservirten Wohnraum. Dort nimmt er ein Bad, desinfieirt sich und zieht erst das separat präparirte Dienstkleid an. Jetzt erst ist Dr. Pöch in der Verfassung, den ins Directionszimmer führenden Telephonapparat in Bewegung zu setzen, und referirt dem Director sofort nach der Visite. Sowohl Dr. Pöch als auch die Wärterinnen erscheinen nie anders als in Sicherheitsmasken im Krankenzimmer. Diese bestehen aus Gaze und Watte, welche durch Imprägnirung mit desinficirenden Substanzen bakteriendicht gemacht sind, und haben nur zwei Oeffnungen für die Augen. Sie verhüllen auch den größten Theil des Kopfes und werden nach dem Verlassen des Krankenzimmers sofort verbrannt. Während Dr. Müller eine symptomatische Behandlung beobachtete, das heißt eine allgemeine Behandlung, die sich stets nach den einzelnen Symptomen richtet, will Dr. Pöch eine specifische Therapie anwenden. Er hat an sich eine Impfung mit Pestserum vorgenommen und fragte Dr. Müller, ob er zu einer Seruminjection seine Einwilligung gebe. Dr. Müller lehnte dies ab. Bei der Wärterin Pecha verzichtete Dr. Pöch mit Rücksicht auf das vorgeschrittene Stadium der Erkrankung auf die Anwendung der Serumtherapie. Selbstverständlich ist zur Impfung immer die Einwilligung des Patienten erforderlich. Im Laufe des Samstags Nachmittags wurde das Befinden des Dr. Müller etwas besser, am späten Abend aber trat plötzlich eine Verschlimmerung ein, die zu dem tödtlichen Ende führte. Dr. Franz Hermann Müller, der Sohn eines Wiener Universitäts-Bibliotheksbeamten, war am 25. October 1866 geboren, er promovirte 1889 in Graz, war in München an der Klinik von Prof. Ziemssen Aspirant, später Assistent und seit drei Jahren in Wien Assistent Nothnagels und Docent für innere Medicin. Seine Specialcurse waren gut besucht. Als die Academie aus der Treitl'schen Stiftung die Pest=Expedition entsandte, betraute sie Müller mit deren Leitung. Im Februar 1897 trat er mit den Bacteriologen Albrecht und Ghon, sowie mit dem Hülfsarzt Dr. Rudolf Pöch die dreimonatige Expedition nach Bombay an. In Indien beobachtete er über Tausend Pestfälle und obducirte Hunderte von Leichen unter den schlimmsten Verhältnissen eigenhändig, ohne Schaden zu nehmen. Am Samstag Nachmittag erfolgten zwei Neuerkrankungen, die der zweiten Wärterin und des Spitaldieners Albert Noe. Ueber die Behandlung der an der Pest Erkrankten dürften folgende Mittheilungen von Interesse sein. Die Behandlung der erkrankten Wärterin ist eine symptomatische. Zwar existirt ein französisches Pestserum, das jedoch, da es nicht hinlänglich erprobt ist, nicht angewendet wird. Die Patientin erhält reichlich Wein und Thee mit Cognac. Außerdem werden desinficirende Inhalationen angewendet. In Folge der constant hohen Temperatur werden ihr Eisbeutel in der Herzgegend aufgelegt. Die Bedauernswerthe wird von fortwährender Athemnoth gequält, sie liegt apathisch in Fieber=Agonie auf ihrem Krankenbett. Der Verkehr der beiden Pflegeschwestern, welche die Wartung der Kranken übernommen haben, mit der Sptialleitung findet auf telephonischem Wege statt. Außerdem erstatten die Schwestern schriftliche Berichte, in denen sie, ebenso wie der behandelnde Arzt, ihre Meldungen mit großen Buchstaben aufschreiben und sie an die Fenster der Baracke kleben, wo sie von außen abgelesen und an das Sanitätsdepartement der Statthalterei gebracht werden. Das Isolirgebände ist ein viereckiger Bau und besitzt vier Abtheilungen für je eine zu beobachtende Person. Jede Abtheilung ist dutch ein Thor von außen zugäng ch. Unter sich haben die vier Abtheilungen keine Kommunikation. Jede Abtheilung enthält das Krankenzimmer, den Badcraum und das Gemach für die Wärterin. Für den Kranken ist jeder Verkehr mit der Außenwelt und dem Spitalspersonal abgeschlossen. Den zwei Mädchen, die Barisch pflegten, wurde je eine Wärterin, eine Nonne, beigegeben. Die Speisen werden dem Arzt und den Kranken von einer Nonne gebracht. Diese kommt mit den Eßschalen und pocht ans Fenster. Darauf hat sie sich vom Gebäude zu entfernen. Die andere Nonne, die den Dienst im Isolirraume versieht, öffnet nun das Fenster und stellt die Gefäße zur Aufnahme der Speisen auf das äußerste Fensterbrett. Hat sie hierauf das Fenster wieder geschlossen, so kommt die erste Nonne zurück, leert die Speisen in die lingestellten Schalen und entfernt sich. Die als Rärterinnen fungirenden Nonnen müssen täglich wiederholt desinfizirende Bäder nehmen. Das Isolirgebäude ist auf Anordnung des Directors Klimesch mit einem darum gezogenen Seile abgeschlossen. Auch wird Niemandem das Verweilen in der Nähe des Gebäudes gestattet. Herr Dr. Ghon, der Leiter der bakteriologischen Abtheilung des pathologischen Instituts des Professors Weichselbaum, dem der verstorbene Barisch zur Dienstleistung zugetheilt war, äußert sich über dessen Erkrankung folgendermaßen: Von der Forschungsreise nach Indien habe er einige Culturen mitgebracht, um bier seine Studien fortzusetzen. Zu diesem Zwecke sei von der Regierung ein eigenes Zimmer eingerichtet worden, ausgerüstet mit allen jenen sanitären und prophylaktischen Vorkehrungen, die in einem solchen Falle erforderlich sind. Im Mai des vorigen Jahres wurde mit den Versuchen begonnen, und obwohl zu jener Zeit die gefährlichsten und intensivsten Arbeiten vorgenommen wurden, sei kein einziger Unfall vorgekommen, so vortrefflich hatten sich die Sicherheitsmaßregeln bewährt. Die Regierung habe sogar von auswärts Sanitäts= und Bezirksärzte in da: hiesige pathologische Institut beordert, damit diese über das Wesen der Seuche unterrichtet werden und niemals sei an diesen Personen selber oder in deren Umgebung irgend eine verkächtige Erscheinung aufgetreten. Auch der Diener Barisch sei während der ganzen Zeit unversehrt geblieben. Gerade in jüngster Zeit sei sehr wenig gearbeitet worden. Die letzte Demonstration wurde am 4. d. gemacht, auch befand sich nur ein Versuchsthier im Laboratorium. Da sei es nun ganz wahrscheinlich, daß der Diener nicht mehr jene genauen und strengen Verhaltungsmaßregeln beobachtet habe, wie sonst immer. Es sei beispielsweise möglich, daß ihm ein Haar des Thieres in den Mund gekommen und er es verschluckte. Denn nur durch Berührung könne die Krankheit übertragen 00001.577 91 617 766 85 164 82 837 129284 516 181014 208 14 47. 344 46 300l Go. 776 90 Si. 9 8 58 92 747 872 110180 350 421 1 300) 6 38 50 80 118440 519 120079 198 304 489 644 856 85 917(1000) 121074 154 307 14 52 98 542 689(300) 777(300) 950 72 122009 201 3 40 366 468 99 817 76(300) 123171 200 406 25 541 601 4 911 124064 70.122 201 337 439 506 747 888 125116 98 245 82 384 436 606 59 703(300) 31 842 126033 315 97 464 533 87 88 684 52. 127048 190 233 53 60(30000), 577 500) 842 996 128076 169 245 429 52 42 658 726(500) 916 94 130032 157 269 92 490 807 974 91 131 52 69 734 965 95 132205 6 355 623 24 765 869 921 47 51 133040 89 106 68 211 22(3000, 420 57 511 661 72(500) 874 972 134001 63 202 70 307 415 587(3000]50 65 88 949[300) 135019 120 37 383(500) 823 952 136104 78 279 358 455 516 90 691 737 83 [300) 816 31 137004 7(3000) 86 167 343 672 854(3000) 138332 650 735 536, 804 22 820 24 130216 53(3000) 89(500) 534 60 140012 13 58 832 518 635 715 39 69[500) 75 928 141080 169 244 338 71 651 991 142035 62 94 371 485 505(300) 606 395 9½43099 143066 119 376 617 85 806 144108 78 87(300 204 11000 462 145033 162 95 576(3000) 638 710(300) 843 932 146137[300) 62 222 83 306 12 18 40 147374 439 636 62(1000) 994 148172 243 844 149036(300) 42(3000) 64 112 223 97 314 433 761 100910 354 411 96 532 33 724 816 84 989 151206 328 418 40 594, 22,839 995 152020 167 343 754 153457 684 734 88 154002 162 220 520 55 621 41 155197 268 342 68 609 894 156068 71 87 142 71 317 474 505 41 68 722[500) 60 800 906 157013 71 86 148(1000) 294 313(1000) 37 497 656 867 158076 865 86 3 84,338 91 483 676 159064 127 77 83 257 446 67(300) 194 272 84 94 355 436 51 515 19 13001694 809 88 920 161102 282 300 429 77 78 584 796 895 162027 78(500] 207 38 164084 158 494 561 76 81 855 59%88 520 500) 764 70 840 923 334 461 624 850 58 928 44 166099 116 338 61 575 919 26 44909 629 769 841 986 89 168036 59 233 45 331 575 703 1302 8 86 50& S st 520 450 51 639 764 823 918 68 172128 201 68 444 861 907 22 99 173085 93 154 259 319 538(300) 66 174026 168 72 331 433 563 635 821 23 86 902 175175(1000) 76 656 67 745 804 13000) 83%ch 86 8 0 300 212(3000) 389 464 531 601 10 726/300 611 41 91 981 179260 79 49 629 854 O." 167 13000 70 397 589 5s 1000 66 18000, 96 619 811 992 182046 Jas 4o 4280 4183010 325 492(1000) 664 832 35 998 184254 494 5z 520 699(35 58 993 185039 50 278 85 3363 6 3. e eeh cb a d. id 1866h s 14 480033 44 118 24 500, 37 1500.90 307 15 93 486 585 859 N 191013 239 844 19324o ob 321 61 940(300) 193408 500) 49 764 97 804 998 194000 4 82 144 74 238 76 449 69 618 22 195093 321 41 711 18 72 196138 260(300) 412 521 604 20 48,743 889(1000 959 197031 74 162 81 251 300 510 32 87 617 191 80 N 5 2465 K 406 29 500 892 922 500 29 109076 86 167 B 484 60%88 8 P00 84 F8 340 787 1500 202070 00 80 55e so Prso ahosh ah 94 vut oen Bbi 94 358 517 283 901 H SS 492 505 26 49 810 dc accld. 91. 808016 15 859 92 99 932 1000) 79. Puwuwd abv 431 612 706 50 210025 158 265 356 81 407 649 754 63 211247 371 481 624 81 781 828 54 71 73 903 212036 88 94(500) 118 326 458 504 618.724 90 218163(500) 75 85 246(500 64 410 b7 995 214181 86 279 82 306 14 489 504 8 74(300) 946 BB03 1r 86 1 9 24 82 333 714 865 903 36 219265 220235(500) 50 309 90 486 546(300) 736 Vis 821121 41(500) 358 60 513 31 56 641 769 833 66 928 222013 16: 44,69, 427.(3000) 655(3000) 826 84 223098 195 208 78 41 791 831 l500) 49 224028 83(3000) 120 72 89 218 339 50 495 u S0 T ii a UI 925 60 225082 244[300) 65 302 44 493 In der Vormittagslifte vom 21. Oktober lies o in in der Vormittagsliste vom 22 d. lies 188456 (96727 stau 196787. 188456 843 16 500 306 800 227 76 580 600 4 706 98 816 192379 Katt 102279, un #e(töcch und gwolte.“ 3. Ziehung der 4. Klasse 199. Kgl. Preuß. Lotterie. (Vom 21. Oktober bis 12. November 1898.) Nur die Gewinne über 220 Mk. sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt.(Gyus Gewähr.) 24. Oktober 1898, nachmittags. 15 96(800] 104 273 325 90 533 636 857 83 982 1008 201 344 3000) 48 487 745 59 816 909 18 2307 68 94 641 782 853 3109 300) 413 538 635 67 786 4125 49 213 374 460 963 5277 97 511 3000) 32 625 727 32(1000) 974(300) 83 6064 293(1000) 362(500) 505 52 724 7042 146 50 250 57 93 580 752 860 8082 140 366 580 603 811 44 333 9090 94 225 34 536 756(1000) 933 93 10022(300) 75 89 550 840 978 11031 285 364 568 636 969 12001 56 386 94(3000) 496 536 654(3000) 701 13015 176 282 464 730 14024(1000) 132 33 251(300) 310 426 87 528 83 664 768 74 82(300) 989 90(500) 15003 366 581 96 695 711 801 47 16007 103(3000) 271 576 84 707 32(3000) 379 1500) 17108 50 316(30000) 80 95 96 558 18323 33 425 1000) 26 51 57 574 665 19175 304 30 647[300) 847 95 930 71 77 20188(3001357 437 560(1000) 65 660 942 91 21043 45 138 73 478 587 645 738 869 995 22048 121 59 255 89 325[300)551 94 610 704 954 23312 422 555 771 823 88 906 24036 156(300) 95(3000) 293 530 76 636 81 91 98 956 25164 222 358 80 459 829 26025 458 27095(300) 176 95 490 515 647(300) 854 28202 4 62 95 565(3000] 86 89 713 39 807(500) 97 919 29068 95 586 726 78 30061 250 62 313 504 768 925[500) 31445 96 710(300) 70 74 938 32316 63 446 47 644 97 710 825(300] 33158 460 90 893 990 34198 234 384 91 506 13 47 57 718 21 67 919 35060 88 188 97 244 328(500) 402 713 36133 37 230 86 501 601 5 770 88 861 927 57[3000) 71 90 37160 86 341 565 661 826 29 935(500) 38001 124 221 22 422 537 664(300) 858 30023 116 67 455 630 814 79 40208 410 510 35 52 951 72 41148 54 228 34(3000) 385 408 83 1500) 620 94 965 42008 125 429 51 83 660 81 706 21 22 831 930 25(3000) 43016 147 212 76 368 78 504 79 861 44083 443 603 919 33(300) 34 45121(300) 269 81 726 836 54 46005 36 67 111 570 76 86 88 817 32 955 59 47020 24 46 208 359(300) 587 654 702 5(300) 9 32 41 48 843 48061 223 304 567 705 806 42 77 300) 946 49012 232 79 89 339 641 65 859(500) 64 911 43 50092 224 31 423 503 65 727 827 84 910 51180 374 52165 75 439(3000) 730 56 53022 265 70 335(500) 539 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87(500) 225037 88(300) 605 Im Gewinnrade verblieben: 1 Gewinn zu 500000 Mk., 2 zu 200000 Mk., 2 zu 150000 Mk., 2 zu 100000 Mk., 2 zu 75000 Mk., 2 50000 Mk., 1 zu 40000 Mk., 7 zu 30000 Mk., 20 zu 15000 Mk., 44 zu 10000 Mk., 84 zu 5000 Mk., 1201 zu 3000 Mk., 1333 zu 1000 Mk, 1544 zu 500 Mi. werden, eine ble gänzlich ausgesch Studien in Indi sehen davo:, daß alle schädlichen K rung, daß die ba reiche der Menst gefahrt rohend si# Eine Gefahr seie bei der geringster kann, ebenso wie dem Secirmesser So Dr. Ghoi dieners Franz B die üble Gew hatte. Oft und ihm nahegelegt, Berühren von L sich dadurch leid Der auf so tra Mann konntes und die Vermuth Zähnen am Fin vielleicht nicht die mit einem E werden, in Berül Krankheitskeim Spitaldieners ka meldet: Franz Cigarettenra Rauchen strengste weder Aerzte no# stark im Verda Experimentirsaal trat und sich dor lich konnte er Rauchens hingeb richten. Dabei 1 gewesen sein und es sich leicht erei stete Hantiren sichtig gemacht h liche Stelle, wo nahm er die Cige war inficirt. * Wien, 2 Dr. Müller ware Dr. Poech unde ihm eingeschlosser getreten war, hi Leichnam in ein getränkt war, un Holzsarg, der m gefüllt und desse Der Sarg wurd carbolisirtes Leint ihn in einen M Dr. Müllers Lei auf dem Centrals traten die Verwe das Grab heran. lassenen Wunsch, zu werden, wurde meinen Kra Theil der Recon: schaffen für die schäftigten Arbeit hauses dürfen d die Secundärärzt Ausgang. Sämn mußten ihre A niederlegen um zu stehen. Im strengsten Absperi Die zur geri Leichen werden Instituts gebracht ziehen; dann erst Diener die Thür Innere des Instit können auf die g Antworten erfolg Untersuchung in Versbuldens anb anwalt Ritter v. Substituten Baro geordnet, im Einv behörden. Die po saung unter ft Staatsanwälte u Erhebungen betre tomisch=pathologise lichkeit der dort# ob Seitens des handlung des ve der Pflege der Vorsichtsmaßregel wurden im path gerichtliche Obduc natürlich gerichtli bei denen auch de geführte Spitalsd gerichtlicher Obdu Der hervorrag schreibt in der es wohl, daß in ich halte sie ber nicht für begründe nicht so flüchtig, scheint. Diese Se wie etwa Blatter: den Kranken und Personen gerathen in unmittelbarer Wenn man diese meiner Gefahr gessen, daß man der Krankheit nich Vorsicht smaßregel als solhen erkai Sorgfalt angewen ein sogenannter„ vorigen Woche zu vorstellen, daß gebotene Bo weiß, in welch des Laboratorium er seine Tabaksp Mund steckte. 2 Universitäts=Jnsti in der Pest Eringen von Inrkrankten Wärsar existirt ein da es nicht hindet wird. Die Thee mit Cogse Inhalationen it hohen Temder Herzgegend vird von fortgt apathisch in stt. Der Verbe die Wartung it der Sptialge statt. Außerche Berichte, in Inde Arzt, ihre ufschreiben und sen, wo sie von tätsdepartement viereckiger Bau se zu beobachtende ein Thor von die vier Abtheibtheilung enthält und das Gemach ist jeder Verkehr spersonal abgeBarisch pflegten, beigegeben. Die ranken von einer n Eßschalen und ich vom Gebäude e den Dienst im Fenster und stellt auf das äußerste enster wieder gezurück, leert die ind entfernt sich. Nonnen müssen nehmen. Das des Directors ile abgeschlossen. n in der Nähe hon, der Leiter s pathologischen , dem der verzugetheilt war, olgendermaßen: habe er einige Studien fortzur Regierung ein ausgerüstet mit en Vorkehrungen, sind. Im Mai rsuchen begonnen, chsten und intensei kein einziger hatten sich die Regierung habe Bezirksärzte in dert, damit diese stet werden und ; o d e r i n d e r e n scheinung aufgech sei während en. Gerade in t worden. Die ). gemacht, auch n Laboratorium. daß der Diener sen Verhaltungsimmer. Es sei aar des Thieres rschluckte. Denn ikheit übertragen 4 95 610 26 80 766 90 901 24·79 S 121236 39 521 181, 704 810 24 992 145 203(3000 320 s 125179 234 382 6024 89 127 47.52 100 921 22 127003 128082 124 75 359 314 486 642 13001 76 31058 223 377 495 815.961, 13.3053 167 209.42. 459 555 84 736 55(300) 816 1000) 54 648 87 811 539 49 55 13000) 600 209 67 354 470 655 80 123 239 334 406 465 66, 74, 75 561 45 211 472 574 775 12 863967 148204 7257 84537 829 968 4.60 65 205 89 488 705 55 153047 69 66 401 17 50(3001 1300 69 82 760 63 79 157001 89 265 641 159182 818956 01811. 161233 40 5 72 503 670 90 95 91 907 164131 43 35 514(1000) 38 39 01 44/300) 924(300) 08 60 933 16800076 929 7289 169023 71020 203(3000) 70 2(500) 552 879 99 (300) 69. 326(3000 69 938/1000) 55 91 5 289 406 58 526 88 179174 81 322 28 181065(300) 90 106 1500 98 182002 183019 226 80 400 60 185121(15000 86229[300) 40 300 34 615 37 72 709 25 53 581 189111 31 0000] 23 94 950 95 78 925 81 192240 3000171. 167 246 413 195084 206(1000 .176 212 37 45 309 134 39 56,623 11000 641 729 36 845 952 76 90 583 758 808 (3000] 202330 62 79 278 449 55 580 05 8 69 404, 17.41 6080 108 18 70 250 64 207064 68 114 97. 208155 246 75 11(500) 46 51 85 95 96 826 77 1500) 958 925. 56(300) 84 89 13 564 15001 703 859 802 13001 25(300 10001 523 72 602 79 6 637 82 721 930 81 285 503 712 11000 1016 70.79 215 433 4 59 734(5000) 869 86 224206 49 634 5 n zu 500000 Mk., 2 zu 2 zu 75000 Mk., 2 zu zu 15000 Mk., 44 zu 1333 zu 1000 ml, werden, eine bloße Verbreitung durch die Lust ist gänzlich ausgeschlossen; gerade dieses sei durch die Studien in Indien überzeugend nachgewiesen, abgesehen davo;, daß die Luit desinfizirt wurde, wodurch alle schädlichen Keime vernichtet wurden. Die Forderung, daß die bactersologischen Institute aus dem Bereiche der Menschen entfernt werden sollen, weil sie gefahrt rohend sind, sei einfach nawissenschaftlich. Eine Gefahr seien sie nur für den Forscher, der ihnen bei der geringsten Unaufmerksamkeit zum Opfer fallen kann, ebenso wie der Anatom durch ein Versehen mit dem Secirmesser sich tödtlich vergisten kann. So Dr. Ghon.“ Von einem Collegen des Spitaldieners Franz Barisch wird mitgetheilt, daß dieser die üble Gewohnheit des Nagelbeißens hatte. Oft und oft wurde er davor gewarnt und ihm nahegelegt, daß er bei seiner Beschäftigung, beim Berühren von Leichen oder inficirten Instrumenten, sich dadurch leicht eine Vergiftung zuziehen könne. Der auf so tragische Weise ums Leben gekommene Mann konnte sich dies jedoch nicht abgewöhnen, und die Vermuthung liegt nahe, daß er sich mit den Zähnen am Finger eine kleine, mit freiem Auge vielleicht nicht sichtbare Rißwunde beigebracht hat, die mit einem Gefäße, in dem Pestbacillen gezüchtet werden, in Berührung kam und daß der todtbringende Krankheitskeim auf diese Weise in den Körper des Spitaldieners kam. Von underer Seite wird gemeldet: Franz Barisch war ein leidenschaftlicher Cigarettenraucher. Im Pestzimmer ist das Rauchen strengstens verboten und es rauchen dort weder Aerzte noch Diener. Man hatte Barisch aber stark im Verdacht, daß er, wenn er allein im Experimentirsaal war, das Verbot hie und da übertrat und sich doch eine Cigarette anzündete. Natürlich konnte er sich nicht ganz dem Genusse des Rauchens hingeben und mußte seine Arbeiten verrichten. Dabei mochte ihm die Cigarette hinderlich gewesen sein und er legte sie bei Seite. Nun kann es sich leicht ereignet haben, daß Barisch, den das stete Hantiren mit den Bacillen vielleicht unvorsichtig gemacht hatte, die Cigarette an eine gefährliche Stelle, wo sich Pestgift befand, legte. Dann nahm er die Cigarette wieder in den Mund und— war inficirt. * Wien, 24. Oet. Bei dem Tode des Dr. Müller waren der behandelnde Arzt, sein Freund Dr. Poech und eine Nonne anwesend, die sich mit ihm eingeschlossen hatten. Nachdem der Tod eingetreten war, hüllten Poech und die Nonne den Leichnam in ein Leintuch, das mit Sublimatlösung getränkt war, und legten ihn in einen bereitgestellten Holzsarg, der mit carbolisirten Hobelspänen ausgefüllt und dessen Fugen verpicht worden waren. Der Sarg wurde verschraubt und in ein zweites carbolisirtes Leintuch genickelt. Hierauf stellte man ihn in einen Metallsarg. Dieser wurde verlöthet. Dr. Müllers Leiche wurde heute früh um 5 Uhr auf dem Centralfriedhof bestattet. Wie angeordnet, traten die Verwandten und der Geistliche nicht an das Grab heran. Dem von Müller schriftlich hinterlassenen Wunsch, auf einem Scheiterhaufen verbrannt zu werden, wurde nicht stattgegeben. Im Allgemeinen Krankenhuuse wird der größte Theil der Reconvalescenten entlassen, um Raum zu schaffen für die mit den Desinfectionsarbeiten beschäftigten Arbeiter. Die Wärterinnen des Krankenhauses dürfen das Spital nicht mehr verlassen, die Secundärärzte haben nur einen beschänkten Ausgang. Sämmtliche Aspiranten und Hospitanten mußten ihre Adressen bei der Spitalsdirection niederlegen um gegebenenfalls sofort zur Verfügung zu stehen. Im pathologischen Institut sind die strengsten Absperrungsmaßregeln getroffen worden. Die zur gerichtlichen Obduction bestimmten Leichen werden nur bis zum Thore des Instituts gebracht, worauf sich die Diener zurückziehen; dann erst öffnen die im Institut internirten Diener die Thür und schaffen die Leiche in das Innere des Instituts. An die daselbst Internirten können auf die gleiche Weise Briese gerichtet werden; Antworten erfolgen natürlich nicht.— Was die Unter suchung in Betreff eines etwaigen sträfbaren Versbuldens anbelangt, so hat der Erste Staatsanwalt Ritter v. Kleeborn mit dem StaatsanwaltsSubstituten Baron Klingspor die Erhebungen angeordnet, im Einvernehmen mit den ebersten Sanitätsbehörden. Die polizeilichen Organe führen die Untersaung unter fortwährender Controle der beiden Staatsanwälte und der Sanitötsbehörden. Die Erhebungen betreffen zunächst die Ordnung im anatomisch=pathologischen Institut, also die Verantwortlichkeit der dort beschäftigten Aerzte, sowie die Frage, ob Seitens des unglücklichen Dr. Müller bei Behandlung des verstorbenen Barisch und später bei der Pflege der beiden Wärterinnen alle nöthigen Vorsichtsmaßregeln beobachtet wurden. Bis gestern wurden im pathologisch=anatomischen Institut noch gerichtliche Obductionen vorgenommen, bei welchen natürlich gerichtliche Beamte anwesend waren, und bei denen auch der seitdem in's Epidemiespital übergeführte Spitalsdiener Noe mithalf. Die Vornahme gerichtlicher Obductionen wurde nunmehr sistirt. Der hervorragende Bacteriologe Professor Paltau schreibt in der„Neuen freien Presse“:„Ich verstehe es wohl, daß in Wien eine Beunruhigung entstanden, ich halte sie ber vom wissenschaftlichen Standpunkte nicht für begründet. Das Kontagium der Pest ist nicht so flüchtig, wie man allgemein anzunehmen scheint. Diese Seuche verbreitet sich nicht so leicht, wie etwa Blattern. Das Pestkontagium haftet an den Kranken und seinen Ausscheidungen. Nur jene Personen gerathen in Gefahr, die sich längere Zeit in unmittelbarer Nähe der Pestkranken aufhalten. Wenn man diese gehörig isolirt, so ist von allgemeiner Gefahr keine Rede. Man darf nicht vergessen, daß man bei dem Diener Barisch die Natur der Krankheit nicht sofort erkannte und deshalb jene Vorsicht smaßregeln nicht traf, welche jetzt bei den als solhen erkannten Pestfällen mit peinlichster Sorgfalt angewendet werden. Barisch war überdies ein sogenannter„Quartalssäufer". Er war in der vorigen Woche zweimal betrunken. Man kann sich vorstellen, daß er in dieser Verfassung die gebotene Vorsicht außer Acht ließ. Wer weiß, in welcher Weise er die Reinigung des Laboratoriums vornahm? Weiß Gott, wohin er seine Tabakspfeife legte und sie dann in den Mund steckte. Dazu kommt noch eines: Unsere Universitäts-Institute sind nicht gehörig dokirt. Wir haben keinen Palast der Wissenschaft wie jenen, in welchem Koch in Berlin arbeitet. Bei uns wird an allen Ecken und Enden gespart! Derselbe Barisch, der mit den so wichtigen Arbeiten im Pestzimmer betraut war, mußte auch die Leichenwache halten und bei solchem nächtlichen Dienste hat er sich auch den Todeskeim geholt.“ * Graz, 22. Oet. Von Dr. Müller ist ein vom Donnerstag datirter Brief an seine Eltern hier angelangt, in welchem er seinen Zustand als nicht bedenklich erklärt und sagt, daß es eine Feigheit wäre, wenn sich ein Arzt in einem so wichtigen Augenblicke von der Ausübung seines Berufes zurückziehen würde. Der Brief ist erst heute hier eingetroffen, weil er in Wien einer zwölfstündigen Desinfieierung unterzogen wurde. Der Vater Dr. Müllers schildert die Unerschrockenheit, die sein Sohn in Ostindien an den Tag gelegt hat, in lebhaften Farben. Mehr als 300 Pestkranke hat der junge Arzt dort untersucht, berührt und sich über sie gebeugt, ohne daß er inficirt worden wäre. * Budapest, 23. Oet. Der hauptstädtische Magistrat traf mit Rücksicht auf die Wiener Pestfälle verschiedene prophylaktische Maßnahmen. Insbesondere wurde eine Beobachtung der Reisenden angeordnet. Locases und Provinzielles. * Witten, 26. Oet. Behufs Gründung einer Cur= und Arzueicasse für die Familienange: börigen fanden am. Sonntag in Witten und Annen für die Belegschaften der Zechen„Franziska",„Walfisch",„Hamburg" und„Ringektaube“ Versammlungen statt. Während die Wittener Versammlung nur für die Belegschaften anberaumt war, war die Versammlung in Annen als eine öffentliche Bergarbeiterversammlung angekündigt. Die Wittener Versammlung sprach sich für die Gründung einer Casse uns. Gegner waren diejenigen, welche im Begriffe stehen, Invalide zu werden. Ganz anders verlief die Versammlung in Annen. Der Grundzug der ganzen Reden ging dabin, daß, wenn die Werkebesitzer ein Herz für den Arbeiter hätten, diese schon längst könnten gesorgt haben, daß die Gewährung von freier Cur und Arznei mit auf die Knappschaftskasse hätte übernommen werden können. Nun ein flotter Geschäftsgang wäre, wollten die Grubenbesitzer durch Gewährung von Zuschüssen oder freier Cur die Arbeiter an ihre Zeche fesseln; den Arbeitern könne in dieser Beziehung nur geholfen nerden, wenn Knappschaftsälteste gewählt würden, die dafür eintreten. In den grundlegenden Gedanken, die das provisorische Comitee entworfen hatte, waren für den Arbeiter 50 Pf. monatlich vorgesehen, während gewünscht wurde, daß die Gewerkschaft ein Drittel der sämmtlichen Ausgaben decke. Da es ja nun noch gar nicht feststand, wie sich die Gewerkschaft hierzu verhielt, und die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß dieselbe die ganzen Curkosten, welche etwa 11,000 M. betragen würden, deckte, wenn die Arbeiter alsdann die Arznei selbst bezahlten und demgemäß auch keinen Beitrag entrichteten, so wird sich die Gewerkschaft jetzt noch wohl besinnen, den Arbeitern Wohlthaten zu erweisen, die sie nicht wünscen. Als bemerkenswerth mag hierbei noch hervorgehoben werden, daß gerade solche Leute, die sonst immer betonen, daß Rechte und Pflichten gleichmäßig vertheilt werden müßten, nun verlangen, daß unverheirathete Arbeiter, die doch gar keine Rechte an die Casse hatten, nun Pflichten durch Zahlung von Beiträgen erfüllen sollten. Wenn nun auch nach dem Verlaufe der Annener Versammlung sobald nicht wieder an die Gründung einer obigen Casse zu denken ist, so möge es den Mitgliedern des provisocischen Comitees zum Troste gereichen, daß sie zwar das Gute gewollt, aber die Mehrheit ihrer Kameraden, aufgestachelt durch einige Heißsporne, dieses Mittel nicht ergriffen haben, um für ihre Familienangehörigen zu sorgen. — Im Gasthof„Zur Stadt Witten“ (W. Kückenhöner) sand vorgestern Abend eine Versammlug der Freien=Bäcker=Innung statt, die ziemlich gut besucht war. Die Versammlung wurde von Herrn Brabänder gelettet. In der Hauptsace handelte es sich um die schriftliche Abgabe der Bettrittserklärung unter Aussicht der Aufsichtsbekörde. Sämmtliche Anwesenben sollen in dieser Weise ihren Beitritt erklärt haben. 2—. Am Bahnöbergange auf der Bahnhof= bezw. Herbederstraße sank gestern Vormittag in Folge des Regenwetters ein schwerer Frachtwagen mit den Vorderrädern bis an die Achse in die Ecde. Es bedu fte einer großen Anstrengung, um den Wage: mittels Winden wieder zu heben und flott zu machen. Eine Verkehrsstörung wurde vermieden. (9— Malheur hatte gestern Vormittag der Mila verkäufer des Oeconomen Buschmann aus Heven. Auf der Wideystraße wurde sein Pferd schen und rannte am Wilhelmsplatz um die Ecke nach der Breitestraße zr. Bei der rasenden Schnelligkeit stieß der Wagen an und fiel um. Von fast sämmtlichen Milchkannen hatte sich beim Umkippen der Deckel gelöst und floß die Milch in Strömen auf die Straße. Der unglückliche Milchmann soll hierbei einen Verlust von co. 200 Litern des edlen Nasses dabei erlitten haben. Im Uebrigen ging Alles gut. *— Die königl. Regierung in Arnsberg hat bestimmt, daß an dem Tage der Landtagswahlen der Unterricht derjenigen Lehrer, welche am Orte wahlberechtigt sind und ihr Wahlrecht ausüben, ausfällt, alle übrigen Lehrer aber und die Lehrerinnen den regelmäßigen Unterricht zu ertheilen hoben. *— Die eheliche Gütergemeinschaft haben ausgeschlossen die Braut= beziehungsweise Eheleute: Bahnarbeiter Ludwig Stork von Günnigfeld und Henriette Kettemer von Wattenscheid; Fuhrmann Heinrich Lüchtemeyer zu Herne und Clara Knebel zu Wanne; Kaufmann Gottfried August Vogelsang und Paula Gummert in Bochum; Kaufmann Wilhelm Sahls in Borbeck und Wittwe Wirth und Bäcker Carl Hill, Helene geb. Feuerstein, in Eppendorf; Bergmann Eduard Bolinski und Hedwig Kienapfel, beide zu Höntrop; Schn idermeister Frz. Ries zu Bochum und Josephine Bruns zu Langendreer; Schlosser Peter Büscher und Margarethe geb. Reimer in Bochum; Conditor Hubert Scheuver, z. Z. in Cartenberg, später in Bochum und Wilhelmine Lillotte in Menden; Maurer Wilhelm Matschiske und Friederike geb. Schneider in Bochum; Schneidermeister Adam Gregorius und Anna geb. Cornelius in Wattenscheid. S Heven, 25. Oct. Der Tuenverein „Treubund“ wählte das Local des Heren W. Bühne zu seinem Vereinslocale. Es sollen dort jetzt regelmäßig die Uebungen stattfinden. * Annen, 25. Oet. In der letzten, unter dem Vorsitze des 1. Beigeordneten Herrn Rudolf König stattgehabten Gemeinderathssitzung wurde u. A. Folgendes beschlossen: Den beiden katholischen Lehrerinnen, Fräulein Köster und Fräulein Monscheid wurde die ihnen von dem 1. November 1896 bis 31. März 1897 vorenthaltene Miethsentschädigung nachträglich bewilligt.— An Stelle des von hier verziehenden Schiedsmannes Herrn August Hemke wählte die Versammlung den Obersteiger Herrn Schreiber zum Schiedsmann für den Bezirk südlich der Berg.=Märk. Eisenbahn für 3 Jahre.— Der Schulplatz an der Roonstraße soll durch einen von hiesigen Meistern zu liefernden Röhrenzaun von 2 Meter Höhe eingefriedigt werden.— Ferner wurde die Versammlung in Kenntniß gesetzt von einem Dankschreiben des Vorstandes vom Vaterländischen Frauenverein für den Kreis Hörde anläßlich der mit Beginn des Wintersemesters hierselbst eröffneten Koch= und Haushaltungsschule. § Dortmund, 22. Oet. Vor dem hiesigen Schwurgericht stand gestern der Bergmann Elstermeier wegen Verbrechens gegen das Dynamitgesetz und Diebstahls im wiederholten Rückfalle. Der Angeklagte ist ein vielmals, auch mit Zuchthaus vorbestraftes Subject. Er stammt aus der Gegend von Mengede, wo in diesem Jahre bereits zwei glücklicher Weise vereitelte DynamitAttentate auf Personenzüge versucht wurden. Im April d. Irs. arbeitete Elstermeier auf der Zeche „Adolf von Hansemann“, wo er sich vier Dynamitpatronen, zwölf Zündschnüre und mehrere Sprengkapseln zu verschaffen wußte. Diese packte er in eine Kiste und schob sie seinem Schwager, mit dem er gerade nicht auf bestem Fuße lebte, durch ein Fenster in den Keller. Hier wurde die gefährliche Ladung später gefunden. Aus der Verhandlung ergab sich, daß Elstermeier ein Mensch ist, der zu jeder Gewaltthat fähig ist; verschiedentlich drohte er die Wohnungen derjenigen Leute, mit deuen er Streit bekommen, mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Da die Geschworenen die Frage des Diebstahls und diejenige des qualificirten Dynamitverbrechens bejahten, wurde der Angeklagte unter Einrechnung der Strafe in Duisburg zu einer Gesammtstrafe von 8 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt; auch wurde die Stellung unter Polizeiaufsicht ausgesprochen. &a Langendreer, 23. Oct. Am Freitag Abend wurde zu Langendreerdorf eine Ehefrau von einem unbekannten Manne angefallen, der sie zu würgen versuchte. Auf den Hülferuf der bedrängten Frau eilten Nachbaren herbei, die die Verfolgung des flüchtig gewordenen Lüstlings aufnahmen. Leider entkam er in der Dunkelheit. Heute Nacht wurde der 18jährige Wagennotierer August Kneist aus Langendreerholz im Südbahnhof von einer Rangier= maschine überfahren. Das rechte Bein wurde im Schenkel vom Rumpfe getrennt. Der tödtlich Verletzte wurde in's Diakonissenhaus nach Witten transportirt.— Ein bedauernswerther Unfall ereignete sich heute Morgen auf der Kaiserstraße. Die Familie Peter Rüland wollte zur Frühmesse fahren. In der scharfen Straßenbiegung bei Oberwesermann zerbrach das Vorderrad des Wagens, worauf sänmtliche Insassen auf die Straße flogen. Leider erlitt die Tochter der Familie, die Ehefrau von Laak, durch Aufschlagen mit der Stirn an einen harten Gegenstand, so schwere Verletzungen, daß sie in ärztliche Behandlung gegeben werden mußte. Der Kutscher erlitt ebenfalls Verletzungen. Die übrigen Wageninsassen kamen mit dem Schrecken davon. * Westenfeld, 23. Oct. Vandalen haben hier in der Nacht zum 21. October gehaust, indem sie an der Chaussee 11 Bäume böswillig beschädigten. Auf die Ermittelung der Thäter ist nach einer Bekanntmachung des Herrn Amtmann Emisch Seitens des Amtes Wattenscheid eine Belohnung von 50 Mark ausgesetzt. * Recklinghausen, 25. Oet. Als Vertreter der Stadt Recklinghausen hatte Bürgermeister Rensing dem Mutterhause der Franziskanerinnen in Münster in einem Briefe den Dank ausgesprochen für die liebevolle Pflege der Pockenkranken. In einem Antwortschreiben weisen dieselben den Dank in uneigennütziger Weise zurück und bedanken sich ihrerseits für die den Schwestern in ihrer Arbeit hierselbst geschaffenen Erleichterungen, mit dem Wunsche, daß die Stadt in Zukunft von derartigen Seuchen bewahrt bleiben möge. Der Magistrat hat nun beschlossen, dem Mutterhause, wenngleich dieses eine Entschädigung abgelehnt hat, für die Mühewaltung der Schwestern 500 M. zu überweisen. Dieser Beschluß fand in der letzten Stadtverordnetensitzung, worin dem Collegium von dem stattgefundenen diesbezüglichen Briefwechsel Kenntniß gegeben wurde, einstimmige Annahme. * Essen, 24. Oct. In Anwesenheit des Gouver neurs von Berlin Grafen v. Wedel, als Vertreter des Kaisers, des Regierungspräsidenten in Düsseldorf, v. Iheinbaben, sowie der Spitzen der Staats= und städtischen Behörden fand hier gestern Mittag die feierliche Enthüllung des Kaiser WilhelmDenkmals statt. Nach einleitenden Gesängen hielt Oberbürgermeister Zweigert eine Ansprache an die Festversammlung, worauf die Uebernahme des Denkmals durch den Redner erfolgte. Unter Glockengeläute fiel sodann die Hülle. Nach dem gemeinschaftlichen Gesange des Liedes„Deutschland, Deutschland über Alles“ schloß ein vom Grafen v. Wedel ausgebrachtes Hoch auf den Kaiser die Feier. * Neuß, 24. Oet. Der Kreistag wählte mit 15 Stimmen Frhrn. von der Leyen(Protestant) zum Landrath. Landrath v. Breuning(Düren) erhielt elf Stimmen. * Aus den Provinzen, 24. Oet. In Waldstedde bei Hamm begab sich der Oekonom Sennemann gesund und munter mit zwei guten Freunden auf die Jagd. Als es Abend wurde und derselbe noch nicht heimgekehrt war, ging man auf die Suche und fand schließlich den rüstigen Mann in einem Runkelrübenfelde todt liegen. Die Untersuchung wird ergeben, ob ein Unglücksfall oder ein Verbrechen vorliegt. — Ein seltener Fund wurde im Rauenschen Steinbruch bei Broich gemacht, nämlich ein in festem Felsgestein eingeschlossener Eichenstamm, dessen Alter von Kennern auf über 2000 Jahre geschätzt wird. Bis jetzt wurden ca. 8 Meter des Stammes, der im Durchschnitt ca. 50 Centimeter mißt, bloßgelegt.— In Mülheim a. d. R. macht die Typhusevidemie bedauerliche Fortschritte. In den Krankenhäusern liegen 24 Typhuskrarke. Vorige Woche erlagen drei Personen dieser Krank.elt.— Das taubstumme Jettchen Möllmann in Barmen wandte sich in einem Immediatgesuch an den Kaisser mit der Bitte, ihr eine Nähmaschine zu bewilligen, da ihre alte Nähmaschine, auf der sie bisher ihren Unterhalt erworben habe, verschlissen und sie nicht in der Lage sei, eine neue anzuschaffer. Dieser Tage traf nun bei der Bittstellerin die freudige Nachricht ein, daß der Kaiser ihr Gesuch bewilligt habe.— Einen gräßlichen Tod erlitt in Köln ein verheiratheter, bei einem Mörtelwerk beschäftigter Arbeiter dadurch, daß er beim Kalklöschen in Folge eines Fehltrittes in den mit kochendem Kalk gefühlten Löschbehälter fiel. Unter den entsetzlichsten Schmerzen hauchte er sein Leben aus.— Beim Pferderennen in Köln am Sonntag stürzte der UlanenLieutenant Freiherr von Dungern und trug eine schwere Gehirnerschütterung und Lungenquetschung davon.— Der Arbeiter Portka in Ehrenfeld wollte Verwandte besuchen. Im 4. Stockwerk angelangt, beugte er sich durch ein offenstehendes Podestfenster, bekam das Uebergewicht, stürzte hinunter und starb nach kurzer Zeit.— Bei einem Brande in einer Fahrradhandlung zu Rbeydt wurden 81 Fahrräder im Werthe von 20000 Mark ganz oder theilweise zerstört.— In Liessem bei Godesberg reinigten Dienstmädchen ein Zimmer, in dem sich ein geladenes Gewehr befand. Aus Scherz richtete ein Mädchen, nicht wissend, daß die Flinte geladen, diese auf seine Collegin; der Schuß krachte und mit von der Schrotladung theilweise zerschmettertem Kopfe sank die Getroffene todt zu Boden.— In Duisdorf bei Bonn entstand unter Maurern beim Schnapsgelage Streit, wobei einer der Betheiligten erschlegen wurde. Neueste Nachrichten und Telegramme. * Osnabrück, 24. Oet. Die Leiche des Bischofs von Osnabrück, Dr. Höting, ist heute Abend aus Venedig hier eingetroffen und von einer großen Procession mit überaus zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung empfangen worden. Die Leiche wird im bischöflichen Palais aufgebahrt; die Beisetzung im Dome findet am Mittwoch früh statt. * Berlin, 24. Oet. Der Correspondent der „Neuen Freien Presse“ in Constantinopel theilt mit, daß bei dem Besuch Kaiser Wilhelms in der deutschen Schule das Gespräch auch auf die Dreyfus=Affäre kam, wobei ein Vertreter der deutschen Colonie bemerkte, drei Viertel des französischen Officiercorps seien von der Unschuld Dreyfus' überzeugt, während nur die Officiere des französischen Generalstabes auf seiner Schuld beharrten. Kaiser Wilhelm nickte dazu zustimmend und fügte bei:„Das Sonderbarste an der ganzen Affaire ist, daß diese Kunden glauben, ich hätte wirklich Briefe an Dreysus geschrieben, und daß Minister Hanotaux diese Briefe für 27 000 Frcs. gekauft hat.“ * Der Colonialrath trat heute Vormittag 10 Uhr unter dem Vorsitze v. Buchka's zur ersten Togung der neuen dreijährigen Sitzungs=Veriode zusammen. Die Berathungen dauern vom 24. bis 26. October. * Wie die„Kreuz=Ztg.“ hört, besteht bei der Regierung die ausgesprochene Absicht, der patriotischen Anregung der deutschen Colonialgesellschaft, die Ende Mai d. I. in Danzig die Summe von 25,000 M. als Zuschuß für ein Forschungsunternehmen nach dem nördlichen Kamerun ausgeworfen hat, zu folgen und demnächst eine größere Expedition nach dem Tschadsee zu entsenden. * Wie das„B. T.“ erfahren haben will, finden im December im Reichsgesundheitsamte commissarische Berathungen wegen einer Revision des Weingesetzes von 1892 statt. 0 Berlin, 25. Oct.(Telegramm.) Der„LocalAnzeiger“ meldet aus Rostock: In Retzor landete glücklich ein französischer Luftballon mit zwei Insassen, die in Paris aufgestiegen waren, um Rußland zu erreichen. Die Luftschiffer landeten, weil der Ballon defect geworden war. * Wien, 24. Oct. Graf Murawjew reist morgen Abend zum Czaren nach Livadia. O Wien, 25. Oct.(Telegramm.) Das Befinden der Wärterin Pecha hat gestern Abend 9 Uhr eine Verschlimmerung erfahren. Der Zustand der übrigen Internirten ist befriedigend. = Wien, 25. Oct.(Telegramm.) Die Wiener Aerzte haben beschlossen, eine Action zur Errichtung eines Denkmals für Dr. Müller im Arkabenhofe der neuen Universität einzuleiten. + Wien, 25. Oct.(Telegramm). Die Wärterin Götten, welche sich mit leichten Fiebererscheinungen unwohl meldete, ist vorsichtshalber aus dem allgemeinen Krankenhause nach dem Franzosenspitale übergeführt worden. Auf diesen Sachverhalt ist das gestern Abend eirkulierende Gerücht von einer weiteren Pesterkrankung zurückzuführen.— Dr. Alexander Marmarek, Chef am Institut Posteur in Paris, traf heute hier, wie die„Neue Freie Presse“ meldet, mit zwei Liter Pestserum ein, das nach Angabe des franz. Arztes Yersin erzeugt wurde. Dr. Marmorek begab sich sofort ins Infectionsspital. In Folge des Gerüchtes, daß aus dem bakteriologischen Institut zwei mit Pestbacillen iaficirte Ratten entkommen seien, wurden die Canäle des 9. Bezirks einer gründlichen Desinfection unterzogen. * Pest, 24. Oct. Im Abgeordnetenhause setzte die Opposition die Obstruction fort. * Paris, 24. Oet. Die anti=semitische Liga ließ einen Aufruf anschlagen, in welchen die Juden beschuldigt werden, die nationale Vertbeidigung gefährdet, die wirthschaftliche Krisis verursacht und den Bürgerkrieg angezettelt zu haben. Der Aufruf sordert die Bevölkerung auf, am Dienstag auf dem Concordienplatz eine große anti=semitische Demonstration zu veranstalten.— Für morgen werden strenge Maßregeln ergriffen, um der angekündigten Kundgebung vor dem Palais Bourdon zu begegnen. Auf den öffentlichen Wegen werden keine Ansammlungen gedulbet, jede Zusammenrottung wird sofort auseinandergetrieben, und wer aufrührerische Rufe ausstößt, soll sofort verhaftet werden. & London, 25. Oct.(Telegramm.) Wie das Reuter Bureau meldet, sollen von der Admiralität Korfu, Portsmouth, Chatam und Devons=Fort Befehle ergangen sein, wonach in jedem dieser Häfen 6 neue schnelle Torpedojäger bereit gehalten werden sollen. 0 Alexandrien, 25. Oct.(Telegramm.) Ein in Baden und Frankreich wohlbekannter Anarchist wurde am 23. d. Mts. am Bord des Schiffer„Papageni“ verhaftet. Das Schiff kam von Malta und war nach Macedonien bestimmt. Der Verhaftete war von Italien nach Malta gereist und schrieb sich dort für die Fahrt nach Alexandrien ein. Er beabsichtigte Palästina zu besuchen. Die Polizei sowie das brittische und italienische Consulat erwarteten ihn bereits in Alexandrien. Sie verhafteten ihn, ehe er aus Land ging. Simla, 29. Oct.(Telegramm.) In der Stadt Vombay kamen in der letzten Woche 116 Todesfälle an der Pest vor, gegen 200 in der Vorwoche. In den übrigen Districten der Provinz Bombay starben 4700 Personen, gegen 4300 in der Vorwoche. 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