werke entralen en. nen. gefl. KenntnißMts. ab Pfd., per Ltr. litten. Sett-u. Fabrik strasse 4. Trauringe Preisen aldwaarenehendlung, 14. Nr. 234. Dritter Jahrgang. Erscheint tüglich, mit Ausnahme der Vonn- und Teiertage. Abonnementspreis nebst den Gratio-Beilagen„Sonntagsfreude" und „Sterne und Blumen“ durch die Boten zugestellt nur 50(hfg. pro Monat. durch die Poll bezogen nur 1,20 Mli. pro Quarkal. TPer Mittwoch, 12 October 1593. Preis für die 1spaltige Pekitzeile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabakt. Größere Anzeigen können nur bis spätestens Abendo 5 Uhr angenommen werden, ganz dringende Inserate bis Morgens 8 Uhr. Geschäftsstelle: Witten, Hauptstraße 79. Verantwortlich für den ganzen Inhalt: H. Bringewald, Witten. Centrums-Yrgan für das Kuhrthal. Telegramm=Adresse: Volkszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringewald, Witten. auf unsere Zeitung werden steuungen in unserer Geschäftsstelle und von den Boten jederzeit entgegengenommen. o Politische Tagesübersicht. Die Frage, ob Schutzzoll oder Freibandel, beschäftigte zuletzt den socialdemokratischen Parteitag. Auch hier standen sich zwei Richtungen gegenüber, die von den Eenossen Schippel und Kautsky geführt wurden. Kautsky hatte eine lange Resolution mehr freihändlerischen Charakters eingebracht, Schippel die seine vorsichtiger gefaßt. Ersterer hält die deutsche Industrie für soweit erstarkt, daß sie des Zollschutzes entbehren kann, Letzterer erkennt diese Behauptung nicht ohne Weiteres für richtig an und will darum die Fraction in keiner Weise binden. Die Ausführungen der beiden Hauptredner waren sehr interessant; tiefer gegründet und logischer gedacht waren jedenfalls diejenigen Schippels. Es war aber von vornherrin ausgemacht worden, eine Verständigung zu suchen und wieder war es Bebel, der vermittelnd einsprang. Er schlug vor, die Resolution Kautsky's in der Fassung anzunehmen, daß auscesprochen wird, die deutsche Industrie könne im Allgemeinen des Zollschutzes entbehren. Das läßt der Fraction im Besondern die Freiheit, sich die Entscheidung für alle Fälle freizuhalten. Und genau das wollte Schippel herbeiführen, weshalb er denn auch seine eigene Resolution zu Gunsten der Kautsky'schen zurückzog. Wenn mehrere Redner— darunter auch Bebel— betonten, die Debatte sei nothwendig, um eine Klärung der Ansichten berbeizuführen und eine Art Formel für die Partei zu finden, so hat der Verlauf der Diskussion dem nicht ganz entsprochen. Eine Klärung der Anschauungen ist allerdings erzielt worden, indem beide Ansichten ausreichend zum Worte kamen. Die Fassung der Resolution ist aber eine solche, daß sie— tzotz entschiedener Hinneigung zum freihändlerischen Standpunkt— durch die Bebel'sche Einschaltung die Fraktion zu nichts verpflichtet. Daß aber überhaupt ein Referat wie dasjenige Schippel's erstattet werden konnte, ist abermals ein sehr bemerkenswerthes Zeichen. Die Faschodafrage scheint zur Aufrollung der egyptischen Frage zu führen. Nach einer Meldung der„V. Z.“ aus London erfährt der Londoner Mitarbeiter des„Western Daily Mercury“, die fran zösische Regierung habe sich erbot, Faschoda zu räumen, wenn Englaud Unterhandlungen über die ganze egyptische Frage anknüpfen wolle. Salisbury erwäge dieses Anerbieten ernstlich, indeß nicht in dem von Frankreich gewünschten Sinne. Salisbury erwäge vielmehr, ob nicht die Zeit erschienen sei, die Stellung Großbritanniens in Egypten zu regeln. Wenn er einwillige, mit Frankreich über die britische Besetzung Egyptens zu verhandeln, so werde es mit der Absicht geschehen, die europäischen Mächte zu bewegen, die britische Schutzherrschaft in Egypten anzuerkennen, und zu ermitteln, ob die französischen „Vorurtheile“ dagegen nicht durch hochwichtige Zugeständnisse an der Mittelmeerküste versöhnt werden könnten.— Der Plan wäre im britischen Interesse gar nicht so übel ersonnen, zumal die„hochwichtigen Zugeständnisse“ an der Mittelmeerküste England kaum viel kosten könnten. Mag übrigens ein solcher Plan existiren oder nicht,— ein Anschneiden der egyptischen Frage wird bei der Regelung der FaschodaAngelegenheit so wie so kaum zu vermeiden sein. Wie gemeldet, haben deutsche, engtische und russische Marinetruppen die Gebäude der Gesandtschaften Deutschlands, Englands und Rußlands in Peking besetzt und man kann daher wohl jetzt Leben und Eigenthum der Fremden als gesichert annehmen. Daß nicht auch französische, österreichisch=ungarische oder italienische Truppen in Peking eingezogen sind, ist offenbar nur dem Umstande zuzuschreiben, daß sich zur Zeit keine Kriegsschiffe der betreffenden Staaten im Golf von Petschili sich befinden. Es ist in China nichts Ungewöhnliches, daß Fremde auf den öffentlichen Straßen mit Steinen und Schmutz beworfen werden und gerade den Engländern wirft man vor, daß sie solche Ausschreitungen meist zu geduldi hingenommen haben. Man wird sich erinnern, da Ende vorigen Jahres deutsche Officiere in Wutschang gegenüber Hankau in der angegebenen Art angegriffen wurden, allein der Vieekönig beeilte sich, volle Genugthuung zu geben, weil er wußte, daß man auf deutscher Seite selbst vor den äußersten Maßregeln nicht zurückschrecken werde. Es hat sich also in Peking nur eine alte Geschichte wiederholt. Auch daß die dortigen Gesandtschaften Marinetruppen verlangen, ist nichts Neues. Vor drei Jahren, als in Folge der Siege der Japaner in China große Mißstimmung gegen die Fremden herrschte und der Schrei„Yang Kwei tse"(ausländischer Teufel) häufig gehört wurde, ließen die britische, die französische und die russische Gesandtschaft je 50 Marinesoldaten von den Kriegsschiffen bei Taku nach Peking zum Schutze der Gesandtschaftsgebäude kommen. Die britische Gesandtschaft sandte sogar die Frauen und Kinder fort, allein es kam zu keinen Ruhestörungen. Solche sind daher wohl auch jetzt nicht zu befürchten, zumal der Gouverneur von Tientsin, Yung Lu, nach Peking berufen worden ist, um die Ruhe in der chinesischen Hauptstadt aufrechtzuerhalten. Yung Lu versteht sich nämlich darauf ganz besonders, wie er vor einigen Jahren bewiesen hat. In der Residenz der MandschuDynastie sind, wie Dr. Dudgeon, ein genauer Kenner der Verhältnisse in Peking, behauptet, die Mandschus sehr stark, während das chinesische Element schwach ist. Die Mandschus, die Nachkommen der Erorberer des Landes, sind die herrschende militärische Kaste, die Chinesen besitzen keine Waffen. Die Mandschus müssen zum Palaste stehen, die Dynastie und den Thron schützen. Sie wissen sehr wohl, daß es unklug und gefährlich wäre, zu gestatten, daß Ausländer bedroht und thätlich angegriffen würden, da die Letzteren dadurch nur eine Handhabe erhalten würden, gegen die Dynastie und ihre eigene Herrschaft einzuschreiten. Nichts würde ihren eigenen Interessen verhängnißvoller sein, als daß sich der Haß gegen die Ausländer in Gewaltthat und Mord offenborte. Tagegen kommt nur ein Umstand in Betracht. Die Mandschu=Soldaten sind sehr schlecht bezahlt und es herrscht deshalb beständige Unzufriedenheit unter ihnen. Allein auch diese Soldaten scheinen sich bei dem Einzuge der fremden Truppen ganz manierlich benommen zu haben und so darf man wohl annehmen, daß letztere bald wieder werden abziehen können. Berlin, 10. Oct. * Der kgl. preußische Gesandte beim päpstlichen Stuhle, Wirkl. Geh. Rath v. Bülow, der sich zur Zeit auf Urlaub in Deutschland befindet, wird voraussichtlich nicht auf seinen Posten zurügkehren. * Am Sonntag fand im Stadtschlosse in Potsdam in Anwesenheit des Kaisers und der Kaiserin die Nagelung und Weihe der Fahne des dritten Seebataillons statt. * München, 9. Oet. Wie die„Allgemeine Zeitung“ mittheilt, führen die Memoiren des Fürsten Bismarck den Titel„Gedanken und Erinnerungen". Die Anregung zu dem Werke ging von der Cotta'schen Buchhandlung aus, die schon im Januar 1889 an den Fürsten Bismarck die Frage richten ließ, ob er Aufzeichnungen besitze. Fürst Bismarck ließ erwidern, daß er keine Aufzeichnungen habe und, solange er im Amte sei, auch keine machen könne. Nach dem Rücktritt des Fürsten widerholte Namens des Cotta'schen Verlages Adolf Kröner die Anfrage und wurde im Juli 1890 in Friedrichsruh empfangen. Damals kam ein Abkommen zu Stande, durch das der Cotta'schen Buchhandlung der Verlag übertragen wurde. Den Titel Gedanken und Erinnerungen“ gab Fürst Bismarck dem Werke nach längerem Schwanken, nachdem die Bezeichnungen„Memoiren" und„Denkwürdigkeiten“ verworfen waren. Fürst Vismarck diktirte meist in den Vormittagsstunden freisprechend Lothar Bucher das Werk. Geneue Daten, die momentan fehlten, hatte Bucher beizuschaffen bezw. nachzutragen. Für die Herstellung des ersten Bandes waren schon die Wintermonate 1890/91 sehr ergiebig; nach Buchers Tode war Dr. Chrysander dem Fürsten bei dem Niederschreiben des Werkes behilflich. Hugo Jakobi und Horst Kohl machten sich durch theilweise Richtigstellung des Textes der eingestreuten Schriftstücke und der Daten um das Werk verdient. Professor Horst Kohl wird die Herausgabe des des Werkes besorgen, wobei an dem Manuskript der Schrift selbst nichts geändert und nichts gestrichen ist. Von dem Werk werden im November ds. Is. zwei Bände zur Ausgabe gelangen. Die„Allgemeine Zeitung", die in Kürze die Ueberschriften der 33 Capitel angiebt, schließt:„Wer dabei sensationelle Enthüllungen zu erhalten hofft, wird enttäuscht werden; wohl glänzen mitunter helle Lichter des Humors oder, wo es sich um die Gegner handelt, der Satire aus den Darstellungen hervor. In der Hauptsache aber sind es ernste Gedanken und Erinnerungen, welche der gewaltige Schöpfer der deutschen Einigkeit noch bei seinem Scheiden seinem Volke als letztes Vermächtniß hinterläßt. * Petersburg, 10. Oct. Gegenüber anderweitigen Darstellungen veröffentlicht die„Now. Wremja“ nachstehende autoritative Mittheilung über die letzten Vorgänge in Peking: Es entstanden dort währenb des letzten Mondfestes Unruhen, wobei die Chinesen gleichzeitig mehrere Ueberfälle auf Ausländer ausführten, denen gegenüber sich die chinesischen Bebörden vollständig gleichgültig verhielten. Dieser Umstand veranlaßte die europäischen Vertreter in China, darunter den russischen Geschäftsträger in Peking, von den Commandanten ihrer Geschwader im Stillen Ocean die Herbeischaffung von Landungstruppen zu verlangen. Diesen Aufforderungen wurde sofort entsprochen, wobei Admiral Dubassow das Kanonenboot„Gremjastchij“ mit 30 berittenen Kosaken an Bord nach Taku sandte. Da später aus Peking beruhigende Nachrichten eintrafen,aus denen zu ersehen war, daß die chinesische Regierung Maßnahmen zur Herstellung der Ordnung getroffen, so ist Grund vorhanden, anzunehmen, daß die eingetroffenen europätschen Landungstruppen baldigst wieder zurückberufen werden. * Canea, 9. Oct. Da für den Fall, daß die türkischen Truppen die Räumung Cretas nicht binnen vier Wochen bewerkstelligen sollten, nach einem hier umlausenden Gerücht von den vier Mächten eine everktuelle Beschießung einzel ner Städte Cretas in Aussicht genommen ist, reisen auf Wunsch der Admirale die Familie der Consuln ab. Auch andere fremde Unterthanen verlassen aus diesem Grunde die InselEin rusfisches Kriegsschiff erbot sich, das Consular. corps an Bord zu nehmen. Zu den Landtagswahlen * Die Cölner Centrumspartei leitete die Agitation für die bevorstehenden Landtags wahlen am Sonntag Vormittag durch eine öffentliche Wähler=Versam mlung im großen Saale der Bürger=Gesellschaft ein. Der Vorsitzende, Stadtverordneter Dr. Cardauns, gab einleitend der Freude der Versammlung Ausdruck, die beiden bisherigen Landtagsabgeordneten für Cöln, die Herren Kaufmann Ed. Fuchs und Rechtsanwalt Carl Trimborn, in ihrer Mitte zu sehen, insbesondere, daß ersterer von dem schweren Unfalle, der ihn ereilt, wieder hergestellt sei. Herr Abg. Dr. Carl Bachem berichtete, daß das Wahlcomitee die Wiederaufstellung der Candidaturen der bisherigen Abgeordneten empfehle, und stellte diesen Vorschlag zur Discussion. Herr Ed. Fuchs wies in einem Rückblicke auf seine und der Centrumsfraction Thätigkeit während der abgelaufenen Legislaturperiode, insbesondere auf seine Bemühungen hinsichtlich einer Verbesserung des Dreiklassenwahlsystems nach der Richtung hin, daß die plutokratische Zuspitzung desselben durch die Steuerreform wenigstens in etwa ausgeglichen werde. Leider sind diese Bestrebungen durch die Haltung der Conservativen im Herrenhause vereitelt worden. Mit der Ausgestaltung des Wahlrechtes hängt aber unsere ganze communale Entwickelung zusammen, und darin liegt die große Bedeutung der diesjährigen Landtagswahlen. Die Wahlrechtsreform ist für uns geradezu eine Lebensfrage geworden. Der Versuch einer Einschränkung des Vereins= und Versammlungsrechtes ist nur mit ein paar Stimmen abgewehrt worden, weshalb wir allen Anlaß haben, die Opposition zu stärken, damit nicht auch hier auf Umwegen durch den Landtag erreicht wird, was man im Reichstage nicht durchsetzen kann. In der nächsten Session wird voraussichtlich auch die Frage der Besteuerung der Waarenhäuser wieder zur Berathung kommen. Es handelt sich darum, ob der großcapitalistischen Bewegung Einhalt gethan werden soll oder nicht. In der Erhaltung des Mittelstandes liegt die Lösung der socialen Frage und von ihr hängt auch die politische Freiheit des Volkes ab. Und was die religiösen Fragen betrifft, so muß der Culturkampf, der im Abgeordnetenhause geboren wurde, dort auch begraben werden, und hinsichtlich der Schulfrage verlangen wir klipp und klar, daß die Verhältnisse wiederhergestellt werden, wie sie vor 1870 waren.(Lebhafter Beifall.) Herr Rechtsanwalt Carl Trimborn kündigt an, daß er in einer der nächsten Versammlungen auch über die Thätigkeit der Centrumsfraction in der verflossenen Legislaturperiode Bericht erstatten werde. Unter allgemeiner Zustimmung wurden nunmehr die beiden bisherigen Abgeordneten Ed. Fuchs und Carl Trimc. Die Insel-Aixe. Roman von E. Heinrichs. 17 „O. das wäre seine Pflicht" bemerkte der Notar,„er wird kein solcher Dummkopf gewesen sein, aber ich fürchte, daß er kein Dublikat davon besitzt und Herr Zurmühlen eist damit zum Vorschein kommt, wenn ihm das Erbe des Stiefsohnes streitig gemacht wird. Na, Herr Brinken, warten wir ab.“ Hatte Klein=Eva bereits den Tod ihres Freundes und Beschützers erfahren?“— Dieser Gedanke peinigte Leo und verschärfte seinen Schmerz und seine Trauer. Er deschloß deshalb, der InstitutsVorsteherin sogleich das traurige Ereigniß brieflich mitzutheilen, Eva jedoch den Tod des Herrn Siegfried noch zu verheimlichen, ein Wunsch, den er im Hinblick auf ihre Gesundheit für nothwendig hielt. Der junge Mann konnte die quälende Empfindung nicht ertragen, daß der Todte dort in der fernen fremden Zone ohne ein Zeichen der Liebe und des treuen Gedenkens sein einsames Grab gefunden hatte und daß das Verbrechen nicht gesühnt worden war. Es drängte ihn deshalb fast unwiderstehlich, den Stiefvater des Ermordeten zur Rede zu stellen und von ihm die würdige Beisetzung des Todten zu fordern. Als der Vater ihn bei Tisch erst wiedersah, fragte er ihn sogleich nach dem Resultat seines Besuches bei Zurmühlen. „Ich war nicht dort, der Notar rieth davon ab“, versetzte Leo, ihm seine Unterredung mit jenem mittheilend. „Aber es drängt mich doch zu dem Besuch", setzte er hinzu,„weil ich es dem gelievten Todten gegenüber für meine Freundespflicht halte, sein Recht auf ein Grab neben den Eltern in der Siegfried'schen Familiengruft zu wahren. Und ich denke, was geschehen soll, muß bald geschen, so lange die Ueberführung noch zu ermöglichen sein wird, da man an irgend welche Erhaltungsmittel der Leiche schwerlich gedacht hat.“ „Nein, das ist nicht vorauszusehen", bemerkte Doktor Brinken nachdenklich,„folglich wird eine Ueberführung aus jenem Tropenlande ganz undenkbar, Dein Besuch bei Zurmühlen also auch überflüssig sein. Was nun den Todtenschein anbetrifft, so muß der Stiefvater, wenn er das Erbe beansprucht, bald damit herauskommen; ich denke, dann wärs mit dem Testament auch zeitig genug. Freilich ist unser Erbschafts=Gesetz ziemlich dehnbar, und möglich wäre es immerhin, daß Herr Zurmühlen, wenn er nur eine ausreichende Erbschaftssteuer zahlt und einige Zuwendungen an gemeinnützige Anstalten macht, von unserer Behörde nicht weiter behelligt wird, sondern ruhig im Besitze bleibt.“ „Das wäre aber geradezu unerhört“ rief Leo empört, „nein, Vater, das kann nicht sein, und wäre es so, dann werden wir den Todtenschein herbeischaffen, da Zeugen genug vorhanden sind.“ „Ich habe ja nur von einer Möglichkeit gesprochen, mein Sohn“, beruhigte ihn der alte Arzt,„rathe aber ebenfalls, die Sache abzuwarten und Herrn Theophil nicht damit zu belästigen.“ Leo versprach es und schrieb einen ausführlichen Brief an seinen Freund Ashton in London. Die versprochene Depesche von letzterem enthielt eine große Enttäuschung. Capitän Shanning vom„rothen Stern“ lag an den Folgen eines Unfalles, den er auf einer kurzen Eisenbahnreise durch das Eutgleisen des Zuges erlitten, im Hospital und war nicht zu sprechen, da die Aerzte das Schlimmfte befürchteten. „Was nun?“ fragte Leo, seinem Vater das Telegramm reichend. Der Arzt las, gab es ihm zurück und meinte, daß der Notar das letzte Wort dabei sprechen müsse. „Ich würde auch mal mit Justizrath Kleemann arüber reden", bemerkte er schließlich.„Der Alte hat in solchen knifflichen Dingen mehr Routine als Dr. Hütter. Na, zum Glück hat Euer Findling ja noch das kleine Erbe ihrer Mutter, wovon ihre Erziehung vollendet werden und sie sich für irgend einen Lebenslauf, meinetwegen als Gouvernaute, ausbilden sann.: „Das wäre allerdings das Letzte, wofür ich die arme Kleine bestimmen würde,“ erwiderte Leo etwas gereizt.„Nein, Vater, mit meiner Bewilligung wird sie das Brod einer Erzieherin niemals essen. Walter hat mir, falls ihm ein Unfall zustoßen sollte, seine Rechte übertragen, die ich als ernste Pflichten, als ein heiliges Vermächtniß auffasse." „Ja, ja, es ist schon gut, mein Junge“, beruhigte ihn der alte Arzt,„ich will hoffen, und wünschen, daß Dir dieses Vermächtniß nicht dereinst eine schwere Last oder eine Quelle bitterer Schmerzen werde.“ Leo runzelte die Stirn, zuckte die Achseln und kehrte in sein Zimmer zurück, um sich umzukleiden, während der Vater sorgenvoll den grauen Kopf schüttelte und, ein Buch ergreifend, vor sich hin murmelte:„Ihre Schönheit kann sein Verderben werden, er ist nicht umsonst Künstler. Armer Junge, Gatt. Du brächten min üchem tent eine Tochter ius Haus.“ Der Notar meinte ebenfalls, die Sache abzuwarten und den Fuchs mit seinen Erbansprüchen, wozu ja nothwendig der Todtenschein gehörte, aus seinem Bau zu treiben. „Er hat die Todes=Anzeige seines Stiefsohns in aller Form und in vielen Zeitungen veröffentlicht, folglich muß er auch diese Gewißheit erlangt haben. Warten wir's also ab, da neben unserem Testament unbedingt der Todtenschein liegen müßte.“ M 4. Ganz dasselbe, was sein Vater gesagt hatte! Leo ging von Hütter zum Justizrath Kleemaun, den er glücklich daheim antraf..„„ 6 „Haben Sie zehn winuten für mich ubrig, Herr Justizrath Der alte Notar warf einen Blick auf seine Uhr und sagte kurz:„Zwanzig— mehr aber nicht. Setzen Sie sich, lieber Brinken, wir sind ganz ungestört.“ Er ließ sich in seinen Drehstuhl nieder und nickte dem ihm gegenübersitzenden Leo zu. „So nun legen Sie los!“ Der jungeKünstler begann sofort von seinem todten Freunde, von dem Findling auf der Insel und von dem zu dessen Gunsten errichteten Testamente zu erzählen. Als er geendet, nickte der Justizräth nachdenklich vor „Also ein Pflegekind hatte sich der weltfremde Junge auch schon aufgeladen“, sprach er langsam wie in Gedanken. „Weshalb ließ er es nicht den Insulanern, die es, wenn ich recht gehört, nach dem Willen der Mutter als ihr Eigenthum eondp eug sg heis frelich in Ihrem Briefe,; erwiderte 240, „wenn diese geheimnißvolle Mutter jedoch ihr Kind jetzt selber sehen könnte, so würde sie diesen Gedanken wohl weit von sich weisen. Die kleine Eva sieht inmitten der Fischer wie eine verzauberte Märchen=Prinzessin aus, und auch der Pfarrer, der sie mit Bewilligung der Gemeinde auf seinen Namen getauft und sie bis zu ihrem zehnten Lebensjahre unterrichtet hat, sah die Nothwendigkeit einer besseren Erziehung für den bun Gunsten dieses Kindes erichtete der funge Siegfried vor seiner Weltreise also ein Testament?“ „Ja, und zwar auf meinen Wunsch. „Gut, es war am Ende auch seine Pflicht,“ bemerkte der Justizrath.„Ist alles gesetzlich gemacht worden?“ „Gewiß, durch den Notar Hütter, ich selber habe es als Zeuge mit unterschrieben. Walter hatte mir schon vorher die Vormundschaft des Kindes notariell übertragen.“ „Wer ist Testamentsvollstrecker?“ „Mein Vater, er weiß nichts davon, es wird ihm unangenehm genug sein. Vorerst habe ich die ganze Geschichte natürlich dem Notar Hütter übergeben.“ „Ganz recht, Ihr Vater gibt ihm die Vollmacht, er kann ihm volles Vertrauen schenken. Was aber habe ich damit zu schaffen, lieber Brinken?“ „Es fehlt uns der Todtenschein meines ermordeten Freundes, Herr Justizrath,“ versetzte Leo. „Nun, der wird doch zu beschaffen sein, Herr Zurmühlen wird ihn haben. Soust wenden Sie sich an den Capitän des Schiffes, mit dem Siegfried die Reise gemacht hatte.“ „Ist bereits geschehen, lesen Sie dieses Telegramm.“ Der Justizrath las es und gab es ihm kopfschüttelnd zurück. „Dann muß Zurmühlen, der die Todesnachricht seines Stiefsohnes veröffeutlicht hat, den Schein besitzen und ihn dem Gerichte vorlegen,“ sagte er langsam. „Wenn er sich nun dessen weigert oder vorgibt, ihn nicht erhalten zu haben?“ fragte Leo. Der Justizrath sah ihn überrascht an. „Ist das Ihr eigener Gedanke, Herr Brinken?“ „Nein, Hütter und auch mein Vater befürchten diesen Schachzug des schlauen Bankiers. Mein Vater rieth mir deshalb, mich in diesem Dilemma an Sie zu wenden, Herr Justizrath! Sie hätten in solchen kuifflichen Dingen mehr Erfahrung.“ Der alte Jurist: zog die weißen buschigen Augenbrauen hoch und betrachtete sein Gegenüber mit einem verwunderten Blick. „Na ja,“ versetzte er dann halb ärgerlich, halb belustigt, „das sieht Ihrem Vater ähnlich, als ob ich mich überhaupt auf kniffliche Dinge einließe. Ich halte auf saubere Hände, mein Bester, und hüte mich, etwas anzugreifen, das Herr Zurmühlen beansprucht. Natürlich wird er nicht so dumm sein, Ihnen den Todtenschein auf einem Präsentirteller darzubieten, das hieße ja, sich seiber aufs ärgste zu schädigen, und das wird selbst vor Gericht nicht verlangt. So lange dieser Schein nicht erbracht werden kann, ist Herr Zurmühlen der Erbe, bezw. Verwalter des Siegfried'schen Vermögens. Warten Sie also, bis der Capitän wieder hergestellt ist.“ „Und wenn er mittlerweile stirbt?“ fragte Leo unruhig. „Dann wenden Sie sich an die englisch=indische Behörde, nöthigenfalls an den betreffenden Minister, es ist der einzig richtige Weg. Wenn der junge Siegfried wirklich dort herum bei Madras ermordet worden ist und ein Todtenschein darüber bereits ausgestellt sein sollte, dann werden Sie den zweiten, natürlich mit Geldopfer, zweifellos erhalten. Ich würde überhaupt zu diesem letztern Wege von vornherein rathen“(Fortsetzung folgt.) 1 born wieder als Candidaten für die Landtagswahlen proclamirt. Die Versammlung schloß mit einem Hoch auf die Centrumsfraction und die beiden Cölner Landtagscandidaten. * In einer Versammlung von Vertrauensmännern des Wahlkreises Mayen=Cochem wurde beschlossen, Herrn Landtagsabg. Krings als Candidaten wieder aufzustellen und als Candidaten für das zweite erledigte Mandat Herrn Dr. med. Rügenberg=Bonn in Vorschlag zu bringen. Herr Landtagsabgeordneter a. D. MenkenKöln hat nämlich mit Rücksicht auf sein hohes Alter(86 Jahre) die weitere Annahme eines Mandates abgelehnt. Er gehört seit 1873 dem Landtage an und hat während dieser Zeit stets den Wahlkreis Mayen=Cochem vertreten. * Nachdem Herr Oberpfarrer Dr. Pauli (Montjoie) in Folge andauernder Kränklichkeit endgültig auf eine Wiederwahl verzichtet hatte, wurden in einer Versammlung der Vertrauensmänner des Kreises Schleiden einstimmig als Candidaten des Wahlkreises Schleiden=Malmedy-Moatjoie für die bevorstehende Landtagswahl aufgestellt:„Prinz Franz v. Arenberg(Berlin) und Herr Hugo im Zehnhoff. Rechtsanwalt bei dem Oberlandesgericht zu Cöln. * Das Wahlcomitee der Centrumspartei im Wahlkreise Neuwied=Altenkirchen stellte als Candidaten die Herren Dr. Kirchartz in Unkel und Pastor Bruders in Köln=Bickendborf auf.„ * Im Wahlkreise Wittlich=Bernluste. wird Herr Dieden in Uerzig, dessen Gesundheit nunmehr wieder hergestellt ist, gewählt werden. Herr Dieden wäre dann auch Alterspräsident des neuen Abgeordnetenhauses. * Eine Versammlung der Centrumspartei in Fulda stellte einstimmig den früheren Gym nasialdirector und Ehrenbürger von Fulda, Dr. Ed. Goebel, als Candidat für die Wahl zum Abgeordnetenhouse auf. * Für den Wahlkreis Meppen ist der seitherige Landtagsabgeordnete v. Hagen=Hannover wiederum als Centrumscandidat aufgestellt. * Das Centrumstellte für FrankensteinMünsterberg die bisherigen Vertreter des Wahlkreises Langer und Schornsteinfegermeister Metzner auf.— Für den Wahlkreis KonitzTuchel=Schlochau ist als Candidat der Centrumspartei der Pfarrer Gehrt zu Lichenau einstimmig als Candidat aufgestellt worden. * Die drei Centrumscandidaten für den Wahlkreis Glatz=Habelschwerdt=Neurode sind die Herren Justizrath Dr. Porsch=Breslau, Amtsvorsteher Hartmann=Rabitsch und Haupt lehrer Geisler=Volpersdorf. Von etwaigen Gegencandidaturen verlautet bis jetzt nichts. * In einer Sitzung des Wahlcomitees der Kreise Beuthen=Zabrze=Kattowitz=Tarno= witz wurden als Candidaten für das Abgeordneten haus einstimmig nominirt die Herren Franz Graf Ballestrem und Amtsgerichtsrath Letocha. Socialdemokratischer Parteitag. * Stuttgart, 8. Oct. Der Parteitag erhielt heute eine Begrüßungsdepesche der italienischen Genossen und berieth den Beschlußantrag Bebel=Liebknecht über die Unruhen in Italien und in Ungarn. Liebknecht begründet die Entrüstungserklärung: Der Parteitag verachtet gebührend eine solche Sorte arbeiterfeindlicher Bestrebungen, die den Genfer Mord gegen die Socialisten ausnützen. Die Mailänder Metzeleien und Orgien der Militärjustiz sind himmelschreiend und in der Geschichte ohne Vorgang. Alle politischen Parteien haben politischen Mord gepredigt und geübt, und erst die von Fürsten verübten! Welchen Procentsatz stellt Adel und Bürgerthum! Auf dem Boden der Socialdemokratie reift nicht der Gedanke an politischen Mord, weil wir wissen, daß nicht Menschen, sondern die Verhältnisse die Bewegung geschaffer, daß, wenn Bismarck getödtet worden wäre, irgend ein Hinz oder Kunz dasselbe gemacht hätte. Die heilige Allianz internationalen Socialdemokratie wird die heilige Allianz der Reactionäre zerschmettern. Die Versammlung stimmt einmüthig zu. Bebel spricht über den Antrag zum Abrüstungsmanifest: Man hat gestern die Resolutionen bekritelt, aber einen Vortheil haben sie doch, daß unsere und die gegnerische Presse einen zusammengefaßten Bericht über unsere Verhandlung damit erhält. Eine Rede über den An trag halte ich nicht, weil ich eine Reihe von Gesichtspunkten vertreten würde, die nicht allseitig in der Partei gebilligt würden. Dann käme eine Debatte, die ich aus bestimmten Gründen nicht wünsche. Etwas Gelegeneres als das CzarenManifest konnte der Socialdemokratie nicht kommen. W wollen sie reichlichst ausnutzen. Aus der Sache wird nichts werden, aber die Regierungen dürfen einen Widerspruch nicht wagen und müssen wenigstens scheinbar darauf eingehen. Das Manifest hat in weitesten Kreisen Europas die Meinung, daß es nicht ginge ohne Rüstungen, erschüttert. Der Antrag wird einstimmig angenommen.. E—hähung d.a Gehalls Es folgt der Antrag Meisters auf Erhohung dis Sehalts von Parteibeamten(Cassirer und ein Secretär). Er wird in namentlicher Abstimmung mit 160 gegen 60 angenommen. Der nächste Parteitag wird in Haunover abgehalten. Die Partesleitung bleibt unverän ert: Bebel und Singer Vorsitzende, Auer und Pfannkuch Secretäre, Gerisch Cassirer. Bei Schluß der Arbeit beglückwünscht der Schweizer Grenlich im Namen der Ausländer die deutsche Social= demokratie zu diesem Parteitag. Nachdem Singer als Vorsitzender den Stuttgarter Genossen für den freundlichen Empfang gedankt, den Commissionsmitgliedern zu ihrer Arbeit seine Anerkennung ausgesprochen, warf er einen Rückblick auf die Verhandlungen und kam zu dem Schluß, daß die Hoffnungen der Gegner, die Partei werde sich zerspalten oder zu einer bürgerlichen Pertei sich mausern, zu nichten geworden sei. Nach einem Hoch auf die internationale Socialdemokratie und dem Gesang der Arbeitermarsaillaise wurde darauf der Parteitag geschlossen. am Locales und Zur Dreysus-Angelegenheit. * Paris, 9. Oct. Der Senator Trarieux richtete an den Ministerpräsidenten Brisson ein Schreiben, in welchem er ihn auffordert, dem engeren Gewahrsam, in welchem sich Picquart befinde und den er, Trarieux, für gesetzwidrig halte, ein Ende zu machen. Sollte diese Haft nicht aufgehoben werden, dann werde Trarieux beim Zusammentritt der Kammern die Angelegenheit im Senat zur Sprache bringen. Practisch-socialer Cursus es Volksvereins für das katholische Deutschland. I. G Straßburg, 9. Oet. Die Entstehung der practisch=socialen Curse, auch unter dem Namen„wandernde Volksuniversität“ bekannt, reicht bis zu den Anfängen der socialpolitischen Bewegung in Deutschland zurück. Schon vor 20 Jahren hat der hochselige Bischof Ketteler es als dringendes Bedürfniß der Zeit bezeichnet, daß Veranstaltungen getroffen würden zur Förderung des Studiums der socialen Frage, vornehmlich unter dem Clerus. In diesem Sinne stellte er im September 1869 auf der Bischofsconferenz zu Fulda den Antrag, es möge in Zukunft bei der Ausbildung der Geistlichkeit insbesondere die Arbeiterfrage in der Philosophie wie in der Pastoral nicht mehr übergangen werden. Er empfahl überdies Reisestipendien für Geistliche zum Studium der Arbeiterverhältnisse, der bestehenden Hilfsanstalten rc. Während im Culturkampf die Lehrsäle der Priesterseminare verödeten, wuchs im Lande der Socialismus heran. Nach den ersten practischen Reformversuchen auf dem Gebiet der socialen Gesetzgebung trat der katholische Volksverein ins Leben, um jene Idee in anderer Weise und in erweitertem Rahmen zu verwirklichen. Der erste Versuch in M.=Gladbach vom 20. bis 30. September 1892 hat die Probe aufs beste bestanden. Er setzte mit 13 Vortragenden und ea. 600 Hörern ein. Allein keineswegs der Clerus allein bildete diese Hörerschaft, sondern siewar, wie der Bericht (Stimmen a. d. Volksverein f. d. kath. Deutschland“ Heft 2, S. 105) besagt,„gemischt nach Alter und Beruf, wie sie in gleicher Weise seit den Tagen der mittelalterlichen Universitäten selten wohl ein Lehrer zu seinen Füßen gesehen. Keiner dieser Wissensdurstigen war durch Zwang hergetrieben, vielfach hatten sie sich nur mit Mühe von ihren Berufsgeschäften losgerissen, nicht wenige mußten das Opfer einer weiten Reise tragen. Neben dem jungen Studenten saß der schon ergrauende Mann, der Domherr unter den Caplänen, der Graf zusammen mit dem Arbeiter. Oftmals stieg der Professor von seinem Lehrstuhl herab, um seinen Platz mit jenem zu vertauschen, der eben als Schüler auf ihn gehört hatte.“ Den gleichen Charakter haben die bisherigen 7 Curse beibehalten. Es wird auf ihnen die Geschichte und Theorie der socialen Frage in besonderen Vorträgen, in denen auch die Grundsätze des Socialismus beurtheilt werden, eröriert. Allein der Nachdruck liegt auf der Beleuchtung der practischen Aufgaben und der Befähigung zu practischer Mitarbeit. An die Vorträge schließen sich freie Disenssionen, um desto sicherer deren fruchtbare Anwendung auf das Leben zu fördern. * Witten, 12. Oct. Die„Freie BäckerInnung" für Witten und Umgegend hat auf morgen Nachmittag 5 Uhr im Locale des Herrn Fr. Schwefer eine außerordentliche Generalversammlung anberaumt. U. A. sollen bei dieser Gelegenheit Berathungen über die Satzungen auf Grund des neuen Innungsgesetzes gepflogen werden. 8—. Wie verlautet, hat die Eisenbahn=Direction jetzt die Genehmigung zur Anlage der eleetrischen Bahn, über die Geleise der Ruhrtha#####n (Strecke nach Bommern) ertheilt. Der Vollendung der gent. Strecke stände demnach nichts mehr im Viel bewundert wurde gestern Abend die prachtvolle Decoration in dem neueröffneten großartigen Geschäftshause des Kaufmanns Herrn G. Becker, Hauptstraße 5, hierselbst. Die E# schäftslocalitäten sind im wodernsten Style, vollständig der Neuzeit entsprechend, eingerichtet. *— Nachdem am Montag bereits eine größere Zahl der zum Militär einberufenen jungen Leute nach den Garnisonen an der westlichen Grenze ab gedampft waren, folgten gestern viele angehende Vaterlandsvertheidiger nach. Natürlich waren sie, die jetzt des Kaisers Rock zu tragen berufen in der fröhlichsten Stimmung. Daran vermochte auch das natürliche Herzeleid der Mütter und übrigen Anverwandten, über den Abschied, nicht viel zu ändern. Alt wird diese rosige Stimmung allerdings wohl nicht werden; denn wenn die neuen Soldaten erst einmal am Ziele sind dann— nun, die„gedienten Leuter wissen 8 ho. 4n44—. pi. +— Ein interessantes Schauf le! hatte man gestern zu beobachten Gelegenheit. Während es nämlich sozusagen in Strömen regnete, fuhr der städtische Sprengwagen durch die Straßen, jedenfalls um dem Gotte Pluvius zu helfen, daß ja kein Stäubchen zurückbleibe. Es machte dies einen gar zu komischen Eindruck und erinnerte sehr an die berühmten„Beckumer Anschläge". Wenn man in den Sommermonaten doch auch so splendid mit dem Wasser sein wollte. 9— Arbaffs Théätre mysterieux gibt im Hotel Voß vier Vorstellungen. Die Zeitungen jener Städte, in welchen Herr Arbaff bereits Vorstellungen gab, wissen nur lobenswerthes über die wirklich künstlerischen Leistungen des genannten Theaters zu sagen. Die erste Vorstellung findet morgen Abend statt. Näheres siehe im Inseratentheil. — Gestohlen wurden einem Anwohner der Bellerslohstraße zwei Taschenuhren, die in einem Zimmer an der Wand hingen. Man glaubt, daß ein Bettler, der dort sein„Geschäft" betrieb, die en Gef un den wurden folgende Gegenstäade; eine Heugabel, ein Schließkorb mit Kleidungsstücken und eine Broche. Abzuholen auf dem PolizeiBureau.„ *— Dieser Tage ging in Bvun ein Schwinoler in Ordenskleidung in der Stadt umher mit der Behauptung, er habe den Auftrag, den Peterspfennig einzusammeln. Man möge ihn schnell abfertigen, da er auf den Zug müsse, um auch in anderen Städten seiner Aufgabe noch nachzukommen. Derselbe scheint ein erkleckliches Sümmchen zusammengebracht zu haben. Da auch anderswo in Anbetracht der allenthalben erlassenen Aufrufe für den Peterspfennig ähnliche Schwindeleien versucht werden dürften, ist Vorsicht am Platze. *— Daß man auch beim Spielen des Guten zu viel thun kann, zeigt folgender Vorfall in Schwerte. Auf dem dortigen Schulhofe hatten sich verschiedene Mädchen mit dem sogen. Seilchenspringen die Zeit vertrieben. Plötzlich stürzte eines der Kinder in Folge des unmäßigen Springens zu Boden und fiel in Krämpfe und konnte sich erst nach längerer Zeit wieder erwoes. *— Hinsichtlich der Bewerdung von Militäranwärtern und Anstellung im Reichspostdienst hat das Reichspostamt jetzt folgende neue Bestimmung erlassen:„Die Oberpostdirectionen haben bei Meldungen solcher Militäranwärter aus entfernt gelegenen Bezirken, die bereits bei anderen Oberpostdirectionen vorgemerkt sind, die Vermögens verhältnisse besonders eingehend zu prüfen und die jenigen Bewerber von der Aufnahme in die Anwärterliste auszuschließen, hinsichtlich deren in Anbetracht ihrer gesammten wirthschaftlichen Lage, der Größe ihrer Familie, der Theuerungsverhältnisse des Bezirks u. s. w. die begründete Befürchtung aufkommen muß, daß sie bei einer Einberufung in Noth gerathen würden. Die Bewerber aus entlegenen Bezirken, deren Vormerkung unbedenklich ist, sind darauf aufmerksam zu machen, daß sie nach erfolgter Anstellung auf Versetzung in andere Bezirke um so weniger zu rechnen hätten, als dadurch die für nur einen Bezirk vorgemerkten Anwärter geschädigt werden könnten.“ Die am 1. Januar 1900 in Kraft tretende Novelle zur Civilproceß= bezw. Concurs ordnung sieht eine Neuerung vor, wonach die Amtsgerichte künftig eine Art schwarze Liste, deren Einsichtnahme Jedermann gestattet ist, über gewisse creditunwürdige Elemente zu führen haben. Einzutragen in diese Liste sind einerseits alle die jenigen Personer# welche in Folge vergeblicher Pfändung den Offenbarungs eid entweder geleistet, oder dessen Leistung grundlos verweigert haben, und anberseits alle die, bezüglich deren seitens des Amtsgerichts ein Antrag auf Eöffnung des Concursverfahrens mangels einer den Kosten des Verfahrens ent sprechenden Concursmasse abgewiesen worden ist. Die Namen der Eingetragenen dürfen erst dann, wenn sie 5 Jahre lang in dieser wirksamen Weise öffentlich an den Pranger gestellt waren, wieder aus der Liste entfernt, d. h. unkennt lich gemacht werden. Bekanntlich hat sich auch der Verband der Vereine Creditreform lebhaft mit diesem Gegenstande befaßt und unter anderem am 8. October 1891 an den Reichstag eine diesbezügliche Petition gerichtet, deren Erfolg durch die vorerwähnte Neuerung besten bestätigt wird * Bommern, 10. Oct. Auf der Zeche „Bommerbänker Tiefbau" kam der Berg= mann Heinrich Rabe in Folge Absturzes zu Tode. * Annen, 11. Oct. Zerstörungswüthige Burschen brachen in einer der letzten Nächte an der Provinzialstraße eine Anzahl der dort stehenden Bäumchen vollständig ab. Eine exemplarische Strafe wäre für eine solche Rohheit ganz gewiß am Platze. &am Langendreer, 8. Oct. Gestern Abend fand im Hotel Kaulhausen eine Sitzung des Vor standes der hiesigen katholischen Kirchengemeinde und der katholischen Gemeinde=Vertretung statt. Es handelte sich um Berathung über den Bau eines unserer Gemeinde würdigen Gotteshauses. Herr Regierungsbaurath Moritz aus Köln hatte zu diesem Zwecke einen practischen kunstvollen Plan entworfen. Er ist im gothischen Stil gehalten. Die Kirche soll aus Bruchsteinen aufgeführt werden, mit einem Thurme von 68 Meter Höhe. Die ganze Breite wird 17 Meter betragen, gegen eine Länge von 56 Meter. Der ganze Flächencaum des Baues, 688 Quadratmeter, wird annähernd 2000 Personen fassen. In diesem soll das Mittelschiff 8 Meter, jedes Seitenschiff 4½ Meter breit werden. Die Kosten zur Ausführung des Baues sind auf 124,325 Mark veranschlagt, die Ausführung soll im Submissionswege vergeben werden. Nachdem Seitens der bischöflichen Behörde die Genehmigung eingelaufen ist, wird im kommenden Frühjahr die Grundsteinlegung erfolgen. Zur Förderung und Ueberwachung des Baues ist eine Commission gewählt worden, die aus folgenden Herren besteht: Pfarrer Schiermeyer als Vorsitzen der, aus dem Kirchenvorstand Hoffknecht und Apo theker Detering. aus der Gemeindevertretung Doctor Linders und Stuckateur Schröder. Die Kirche wird auf dem unserer katholischen Kirchengemeinde gehörenden Grundstücke hinter der jetzigen Nothkirche in nächster Nähe des neugeplanten Hauptbahnhofes erbaut werden und wird eine Zierde unserer Gemeinde werden. Der vorgelegte Plau wurde stimmig genehmigt und die Bausumme bewilligt. )( Bochum, 11. Oct. In den größeren Orten des Ruhrkohlenreviers waren in Bochum, Dortmund, Essen und Oberhausen auf Sonntag Massenversammlungen der Bergleute einberufen, deren Tagesordnung übereinstimmend lautete: 1. Gehören die organisirten. Arbeiter ins Zuchthaus. 2. Massenunglücke. 3. Lohnfrage. Die Versammlung in Bochum tagte im großen Schützenhossaale und war von 2½= bis 3000 Bergleuten besucht. Vorsitzende waren PokornyBochum und Schröder=Dortmund. Zuerst Limberts=Dortmund über das Zuchthausgesetz. Redner sucht nachzuweisen, daß in den Anschauungen des Kaises in socialpolitischer Hinsicht eine Aenderung eingetreten sei, die auf Rathgeber wie Stumm u. A. zurückzuführen sei, denen Fühlung mit den Arbeitern und Verständniß für ihre Lage fehle. Gegenüber dem Schrei der Unternehmer und ihrer Vertretungen mit dem bergbaulichen Verein an der Spitze nach verschärfenden Strafbestimmungen sei es Pflicht der Regierung, an dem Ausbau des Coalitionsrechtes der Arbeiter zu helfen. Wer den Arbeiter nicht orbeiten lassen wolle, solle ins Zuchthaus; dann gehörten auch jene hinein, die arbeitslose aber zur Arbeit geneigte Arbeiter auf die Straße verwiesen, statt sie wieder anzunehmen. Eine Beschränkung der oder gar Beseitigung der Freiheit der Arbeiter führe in letzter Linie zu wahnwitzigem Beginnen seitens letzterer. Die Ausführungen des Redners kamen in folgender Resolution zum Ausdruck, die einstimmige Annahme fand:„Die scheußliche That des Mörders Luccheni wird von deutschen Großindustriellen frivol ausgenutzt, um die Regierungen geneigt zu machen, für eine gänzliche Abschaffung der Arbeiterfreiheiten, deren kümmerliche Bestandtheile den Unternehmern schon längst ein Dorn im Auge ist. Sollten die Regierungen in irgend einer Weise auf die Wünsche der Unternehmer bezüglich Beschränkungen oder Abschaffung des Vereinsrechts für die Arbeiter eingehen, dann würde gerade dieses eine Quelle ständiger socialer Gefahr sein. Die unterdrückte Volksclasse würde in ihrer verzweifelten Empörung sich den wahnsinnigen Theorien der„Propaganda der That“ leicht zuwenden. Jede Beschränkung der Arbeiterfreiheit läuft auf eine Züchtung der verzweifeltsten Anarchisten hinaus. Wir fordern von den gesetzgebenden Körperschaften volle Vereinsfreiheit, Fallen der Fesseln, die uns heute an der Erfüllung unserer das Gemeinwohl fördernden Bestrebungen hindern; nicht Unterdrückung, sondern Reformen.“ Langhorst=Wanne sprach über die Lohnfrage. Die Unternehmerorgane hätten offen zugestanden, daß die Lage des Kohlenmarktes gegenwärtig eine ausgezeichnete sei. Die Erhöhung der Bergarbeiterlöhne sei ein Spottgeld gegenüber den Steigerungen der Kohlenpreise. Der Durchschnitts=Tagelohn sei von 3,29 M. auf nur 3,57 M. gestiegen. Bei einer allgemeinen Lohnerhöhung von 10 pCt. bleibe den Zechen noch ein hinreichender Gewinn. Eine weitere Forderung der Bergleute bliebe die Einsetzung von ArbeiterAusschüssen. Die Forderungen des Redners wurden in nachstehender Resolution, der die Versammlung zustimmte, zusammengefaßt:„1. Lohnerhöhung von 10 pCt. ist allen Arbeiterklassen zu gewähren. 2. Zur Regelung der sich bei den Gedingeabmachungen herausstellenden Ungleichheiten in der Behandlung der Arbeiter Seitens der Beamten, sowie zur schnellen und befriedigenden Beilegung der aus dem Grubenbetriebe, der Verwaltung der Unterstützungskasse, der Straffysteme, der Lohnauszahlung und dem Sanitätswesen(Waschkauen, Verbandsstuben 2c.) zwischen Belegschaft und Betriebsleitung sich ergebenden Differenzen sind Arbeiterausschüsse auf allen Gruben zu berufen. Die Ausschußmitglieder gehen aus freien, von der Belegschaft gethätigten Wahlen hervor. Je nachdem sich die Werksbesitzer gegenüber unsern gewiß nicht unbescheidenen Wünschen stellen, hat der Vorstand des Bergarbeiterverbandes weitere Schrite zum Besten der Bergarbeiterschaft zu thun. Der dritte Redner Pokorny=Bochum sprach„über Unfälle im Bergbau. Er behauptete, daß eine Untersuchung der Ursachen der verschiedensten Massenunglücke auf„General Blumenthal",„Zollern",„Gustav",„Carolinenglück“ 2c. ergeben habe bezw. ergeben werde, daß es mit der Beobachtung der bergpolizeilichen Vorschriften und der Sicherheitsvorrichtungen vielfach schlecht bestellt gewesen sei. Speciell wiederholt Redner die Behauptung der„Deutschen Berg= und Hüttenarbeiterztg., daß im Schacht von„General Blumenthal" die Kaps, die den fallenden Förderkorb aufzufangen hätten, nicht etwa aus bestem Stahlguß, sondern aus Holz bestanden hätten. Er zeigte einen Holzsplitter, der angeblich von einem solchen Kaps herrührte und rief unter Beifall und Heiterkeit der Versommlung: Das nennt man die Errungenschaften der modernen Technik! In den Jahren von 1885 bis 1896 habe der Bergbau in Deutschland 9780 Todte gefordert. In einer Resolution wurde die alte Forderung wiederholt: Anstellung von praktischen Bergleuten als Hilfsinspeetoren, Wahl derselben durch die Belegschaften und Besoldung durch den Staat. Jede Verzögerung dieser Reform mache die Verzögerer mitverantwortlich für die Verunglückungen.— Die kürzlich aus dem Zuch haus entlassenen, in Essen wegen Meineids Verurtheilten, wurden unter Beifall begrüßt. Das Schlußwort sprach Schröder=Dortmund. Die Veranstaltung der Versammlung ging von dem sogen, alten Bergarbeiterverband aus. Die Versammlung verlief im Allgemeinen ruhig, eine besonders gereizte Stimmung ließ sich nicht erkennen. 8— Nach Beendigung der Schützen hofversammlung vom Sonntag kam es zu einer kleinen Reiberei zwischen einem Polizeibeamten und einigen Theilnehmern der Versammlung. Einer der Letzteren sollte außerhalb des Locals noch gesungen haben. Mangels einer Legitimation wollte ihn der Poli zeibeamte mit zur Wache führen. Indeß konnte diese Frage schon Sau.„gelöst“ werden. Die umstehenden Kamem raden aal„gelöst“ werden. Die umstehe. bestritten, daß der Verhaftete gesungen habe. Es sammelte sich bald eine dichte Menge um die streitenden Theile, aber es kam nicht einmal zu einer bedrohlichen Haltung, nach einigen Minuten ging alles ruhig auseinander. X Mehreren städtischen Beamten war bei ihrer Entlassung die Pension Seitens des Magistrats verweigert. Auf erhobene Klage ist vom Bochumer Landgericht den Klägern die Pension zuerkannt. Das Oberlandesgericht zu Hamm hat am Samstag das Urtheil — Die große amerikanische Menagerie Ehlbeck gibt augenblicklich auf dem Molkteplatze ihre Vorstellungen. Der Besuch dieser Menagerie ist wirklich zu empfehlen. Sie enthält in der That seltene Exenplare verschiedenartiger Raubthiere aus der heißen Zone. Und was erst die Dressur und Vorführung der Thiere betrifft, so muß man sich wundern, wie man solche Thiere derartig abrichten kann. Der Elephant„Nelly, vorgeführt von der Thierbändigerin Miß Flora, unterhält das Publicum durch die verschiedenartigsten Kunststücke. Auch eine Illustration zum Gedichte Freiligraths„der Löwenritt" wird vorgeführt. In der Manege befinden sich ein Dromedar. Sobald der Bändiger den Zwinger betreten hat, stürzt aus dem Nebenkäfig ein Löwe heraus, das Dromedar stößt ein ängstliches Gebrüll aus. Auf Commando läßt sich das Dromedar nieder, worauf der Löwe mit einem gewaltigen Satz au den Rücken des Dromedars springt. Nun beginnt unter lautem Gebrüll die wilde Jagd. Diese Prozedur wird zweimal ausgeführt. Die Vorführung der ausgewachsenen Prachtlöwen steht einzig in ihrer da. Um die Dressur dieser Thierkönige beurtheilen zu können, muß man gesehen haben wie die wilden Bestien ihrem jugendlichen Herrn gehorchen. Alle vorgeführten Leistungen fanden den verdienten Beifall. Wir können allen unseren Lesern einen Besuch der Menagerie nur empfehlen; wir sind gewiß: Keiner wird unbefriedigt von dannen ziehen. 8— Der Zwischenhändler S. in einer benachbarten Ortschaft hatte von einer auswärtigen Brauerei „Süßbier" bezogen und dieses an einen Bochumer Flaschenbierhändler ohne Weiteres als bier“ verkauft. Als eine Probe dieses Gebräues im städtischen Laboratorium chemisch untersucht stellte es sich heraus, daß es mit 0,01 Procent Saccharin versetzt worden, aber kein Malzbier war. Vor dem Schöffengerichte erklärte der Angeklagte S., nicht gewußt zu haben, daß das Bier saccharinhaltig gewesen sei; die Umnennung aber mußte er zugeben. Es fand deshalv die Verurtheilung desselben zu einer Geldstrafe von bior ader seher Karten Andrung des Pableauns gestern Morgen vor dem Schwurgericht die Verhandlung gegen den am 20. November 1864 in Herne geborenen und dort wohnhaften Wirth Johann Lauf, z. Z. hier in suchungshaft. Die Anklage legt ihm zur Last 1. am 16. Februar d. J. sein Gebäude, vorsätzlic d. J. das Vermög zu schädigen versu Wirthschaftsgebäu Gesammtwertb vo während darauf An Steuern und 800 M. Aus der bezieht er allein Wiethschafts=Uten sichert. Das Wirt Fäckwerk mit Sti Im Herbst v. I. ein geringfügiger sionen annahm un licher Weise alsbe herbeizuführen. umgefallen sein u gewesen sein. Ar zehnjährige Anna klagten, in der Ho giebel des Hausel lief sie in die Gäste anwesend erwiderte:„Mach und blieb ruhig da soh auch die und rief ebenfa brennt," erhielt mir brennt es n feld vorbeikam Letzterer sagte z1 denn her“, wora wobei dem Zeug Haus selbst ang haben, daß am Tische und Brett Haus ist völlig Aufstellung der Sachen als vorh sächlich nicht vi des Herrn Vorst einfach:„Nein“ er habe an jener sei früher mal a Die Zeugenausse ein, so daß sich 1¼ Uhr wurde Nachmittag 4 U Tage in Anspru# laden, von denet s Eickel, Sodalität ihr diesjähri Theater. 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Das Wirthschaftsgebäude ist sehr alt und besteht aus Fäckwerk mit Strohdach, während der Saal neu angebaut ist. Im Herbst v. J. entstand in dem alten Wirthschaftsgebäude ein geringfügiger Lampenbrand, der keine gefährlichen Dimensionen annahm und daher unbeachtet blieb, sich aber in ähnlicher Weise alsbald wiederhofte, ohne einen wei eren Schaden herbeizuführen. Es sollen beide Male nur Petroleumlampen umgefallen sein und einmal die Decke unerheblich angebrannt gewesen sein. Am Abende des 16. Februar stand die echtzehnjährige Anna von Hagen, eine Nachbarin des Angeklagten, in der Hausthür und bemerkte, daß durch die Brettergiebel des Hauses des Angeklagten Feuer ausbrach. Sofort lief sie in die Wirthsstube, wo außer Lauf noch zwei Gäste anwesend waren und rief:„Lauf! es brennt“. Er erwiderte:„Mach, daß du fort kömmst, du bist ja verrückt" und blieb ruhig in der Wirthschaft Kaum war diese fort, da soh auch die Dienstwagd, Ernestine Weigang das Feuer. und rief ebenfalls durch die Wirthshausthür:„Lauf! es brennt,“ erhielt aber dieselbe Antwort mit dem Zusatze:„Bei mir brennt es nicht.“ Als der Metzgermeister Johann Hege feld vorbeikam und das Feuer bemerkte, stand Lauf draußen. Letzterer sagte zu Hegefeld:„Nun Strömer, wo kömmst du denn her" worauf dieser erwiderte, das Haus breune oben“ wobei dem Zeugen der Gedanke kam, Angeklagter könne das Haus selbst angesteckt haben. Auch wollen Zeugen gesehen haben, daß am folgenden Tage noch Sachen, als Stühle, Tische und Bretter 2c. ins Feuer geworfen worden sind. Das Haus ist völlig niedergebrannt. Sodann soll Angeklagter bei Aufstellung der Schaden=Liquidation am 22. Februar cr. Sachen als vorhanden gewesen bezeichnet haben, die aber thatsächlich nicht vorhanden gewesen sein sollen. Auf die Frage des Herrn Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne, erklärt er einfach:„Nein" und behauptet, er sei betrunken gewesen; er habe an jenem Abend etwa acht Glas Bier getrunken und sei früher mal auf den Kopf geschlagen, seitdem sei er leidend. Die Zeugenaussagen stimmen in allen Punkten nicht überein, so daß sich ein klares Bild bis jetzt nicht schaffen läßt. 1¼ Uhr wurde die Verhandlung geschlossen und bis heute Nachmittag 4 Uhr vertagt. Zu dieser Verhandlung, die zwei Tage in Anspruch nehmen wird, waren etwa 60 Zeugen geladen, von denen bei Schluß erst 13 vernommen waren. s Eickel, 10. Oct. Die hiesige Jünglings= Sodalität feierte gestern im Keilmann'schen Saale ihr diesjähriges Stiftungsfest durch Concert und Theater. Die Festrede hielt Herr Pastor Schneider, der über den Zweck und die Bedeutung der Sodalitäten sprach. Die feste Grundlage eines jeden Vereins und besonders eines kirchlichen Vereins ist und bleibt die Religion. Wenn diese nicht hochgehalten wird, dann trägt der Verein seinen Ruin schon in sich selbst. Gerade die kirchlichen Vereine sollen an erster Stelle zeigen, daß der erste und letzte Zweck die Pflege einer wahren Religibsität ist; hierbei kommt bei der Jünglings=Sodalität noch besonders die innige Liebe zur Patronin des Vereins, zur Mutter Gottes. Die Verehrung der Gottesmutter muß das besondere Kennzeichen eines guten Sodalen sein. Ein Sodale ohne echte Religiösität, ohne Mutter Gottes=Verehrung, gleicht einer Nuß ohne Kern; er ist nur ein Scheinsodale. Das bekannte Weihegebet, das er der Mutter Gottes zu Ehren häufig beten soll, soll ihn jedes Mal mit erneuter Liebe und neuem Vertrauen zu seiner Patronin und mächtigen Fürsprecherin erfüllen.— Außerdem wirkt die Sodalität auch in materieller Weise noch nützlich für die Sodalen. Vielerorts sind sogenannte Sparkassen für die Mitglieder eingeführt, wo Jeder erspartes Geld zinslich anlegen kann. Hierdurch soll die Jugend zu einer guten Eigenschaft, zur Sparsamkeit, angeeifert werden, wodurch der Verschwendungs= und Vergnügungssucht gesteuert wird, die in unserer Zeit so manchen Menschen arm und zu einem verderbenbringenden Mitgliede der menschlichen Gesellschaft macht. Außerdem bietet die Sodalität ihren Mitgliedern auch manche nützliche Belehrung und fröhliche Unterhaltung. Nur nach diesen Gesichtspunkten aufgefaßt ist die Sodalität das, was die Kirche verlangt. Kein Sodale darf daher in dieser schönen kirchlichen Vereinigung alles das suchen, was ihm viele weltlichen Vereine versprechen. Der gute Samen, der in der Sodalität durch genaue Durchführung der vorgeschriebenen Statuten gesäet wird, trägt im späteren Leben mit Gottes Segen reichliche und gute Früchte.— Im 2. Theile der Feier wurden neben musikalischen auch mehrere theatralische Stücke vorgetragen; unter anderm: Kaspar Larifari als Bildhauer, Studentenstreiche und Puffke vor Gericht.— Möge die Sodalität auch weiterhin wirken zur Ehre Gottes und zum Wohle der katholischen Jünglinge! = Wanne, 9. Oct. Die Bahnhofs=Verhältnisse in Wanne erfahren in einem hiesigen Localblatte eine Kritik, die leider nur zu berechtigt ist; denn auf diesem großen Bahnhofe müßte manches anders sein, wie es ist. Daß hier Neuerungen geschaffen werden müssen, dafür wollen auch wir als Beispiel heute eine Angelegenheit beleuchten, die anscheinend von gewisser Stelle als sehr nebensächlich erachtet wird und doch von allgemeiner Bedeutung ist. Wir meinen die Abortanlage. So wie sie augenblicklich besteht, mag sie vor 20 Jahren zweckentsprechend gewesen sein, heute ist sie es jedenfalls nicht mehr. Man sehe sich diesen kleinen Dunstkäfig mal genauer an. Ohne mit der einen oder anderen aufgehenden Thür in Collision zu gerathen, kann sich kaum ein Mensch darin aufhalten. Treffen mehrere Züge gleichzeitig ein, was im Laufe des Tages häusiger vorkommt, so spielen sich vor diesem engen Gelaß, das vor aller Blicken unverdeckt am Bahnsteig liegt, geradezu widerliche Scenen ab. Insbesondere ist dies bei dem ungemein lebhaften Sonntagsverkehr der Fall. Es ist merkwürdig, daß man für solche unhaltbare Zustände gar kein Auge hat. Kann denn unser hochlöblicher Stationsvorstand, dem doch unmöglich solche Dinge verborgen bleiben können, nicht die so dringend erwünschte Abhülfe in die Wege leiten? Für unsern Bahnhof, der dem Staate gewaltige Summen einbringt, sollten zum wenigsten die Gelder für unumgänglich nothwendige Anlagen flüssig werden. * Wattenscheid, 11. Oet. Der Telegraphen= Assistent M. von der hiesigen Berg.=Märk. Station wurde gestern Nachmittag wegen Vergehens gegen § 176,3 Str.=G.=B. verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt, das die Untersuchungshaft über ihn verhängte. Der Mann ist verheirathet. 0— Am Samstag wurde in Gelsenkirchen der Händler H. B. durch Herrn Gensdarm Knodde von hier verhaftet. Er wurde von der Bochumer Staatsanwaltschaft wegen einer zu verbüßenden Gefängnißstrafe von sechs Wochen bereits seit einem Jahre gesucht. Seit dieser Zeit schon betrieb der Inhaftirte in Gelsenkirchen ein Specereigeschäft unter dem Namen seines Bruders. (— Der alte Schm., der schon wiederholt wegen sinnloser Trunkenheit eingesperrt werden mußte, verübte gestern Abend in der Rosenstraße Scandal. Eine volle Literflasche besten„Plaßzmänner“, die er bei sich trug, wurde dabei auf das Straßenpflastec geschleudert. (— In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde die Filiale des Herrn R. Borchard an der Hochstroße von Dieben heimgesucht. Diese haben recht wählerisch ihre Schuhe nach Nummern ausgesucht. Da sie nur eine Kerze zur Beleuchtung hatten, so haben sie versehentlich von zwei Paor feinen Damenschuhen die beiden linken mitgenommen. Die Herren Diebe werden freundlichst gebeten, wenigstens einen umzutauschen. Die Spuren der Talgkerze, die abgetröpfelt ist, führten auch zum Schweinestall, jedoch ist hier nichts weggenommen worden. * Ueckendorf, 9. Oct. Dem Thiergartenbesitzer Depke war ein größerer Affe entwichen. Nachdem derselbe, seinen Weg über das Hausdac nehmend, auf der Straße angelangt war, stürzte sich das tückische Thier auf die dreijährige A. Rübels, riß ihr das reckte Ohr ab und ein großes Stück aus der Wange. Blutüberströmt stürzte das arme Kind zusammen und mußte in ärztliche Behandlung gegeben werden. Gelsenkirchen, 10. Oct. Vor dem hiesigen Schöffengerichte besann am Samstag ein Nachspiel zu den letzten Reichstagswahlen, worüber die„Gels. Zto.“ berichtet: Als der Wahlkampf auf der ganzen Linie heftig tobte, erschien ein angeblich von„katholischen Arbeitern“ der Firma Hermann Franken versaßtes, in der Druckerei des Bochrmer„Tageblattes“ gedrucktes Flugblatt, in dem die Redaction der„Gelsenkirdener Zeitung" durch unwahre Behauptungen herausgefordert wurde. Man warf ihr vor, sie habe von einem entlassenen Arbeiter der Firma Franken Mittheilungen über den nationalliberalen Candidaten für 2 Mark gekauft und dem Arbeiter noch weitere Honoraie in Aussicht gestellt. Dies, sowie die in dem Flugblatt enthaltene Verhimmelung des liberalen Candidaren Herrn Franken, veranlaßte die„Gelserk. Zta.“ zu einer scharfen Abwehr und einer Beleudtung Franken'scher Arbeiterfreundlichkeit und Nächstenliebe. u. A. wurbe behauptet, au der Franken'schen Jobrik hätten Arbeiter schon zwei Tage lang auf ihren Lohn warten müssen, und ein Arbeiter, der sich etwas erregt ausgesprochen, sei sofort entlassen worden, obwohl er schon Jahre lang in derselben Fabrik gearbeitet hatte. Eine weitere Mittheilung ging dahin, Herr Franken habe einem Forstmann in der Eifel eine Stelle versprochen und den Mann, als derselbe nach Schalke gekommen war, mit 50 Pfe. abgespeist. Mitleidige Leute, denen der Forstmann sein Schicksal erzählte, hätten eine Sammlung veranstaltet damit der Mann weniastens wieder heimreisen konnte. Durch diese beiden Mittheilungen, fühlte sich Herm. Franken beleidigt, und er strengte des lalb gegen den verantwortlichen Redacteur der Zeitung, Knarpe, die Klage an. Nachdem ein Vergleichsvorschlag im Interesse der vollen Aufklärung der Sache ebgelelnt worden war, plaidirte der Vertheidiger des Angektacten, Herr Rechtsanwalt Glandorff, dafür, dem Redacteur Knappe den Schutz des § 193(Wahrnelmung berech igter Interessen) zu zubülligen und, da der Artikel Beleidigungen in der Form nicht enthalte, den Angeklagten sofort freizusprechen. Das Schöffengericht ging indessen nicht darauf ein, sontern beschloß, die Verhandlung vertagen, um dem angeklagten Redacteur GeGelegenheit geboten, die Luhnsalmiakterpentinkernseifenwaschextraktumhüllungslobgesänge gebühren musikalisch begleiten zu dürfen. : Aus den Provinzen, 10. Oet. Herr Gymnasialdirector Schmelzer, früher in Hamm, von 1873 bis 1876 und von 1888 bis 1893 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, ist während einer Eisenbahnfahrt im Coupee am Herzschlage gestorben.— In Iserlohn brannte die Pavierfabrik der Gebrüder Ehhinghaus total nieder. Die umfangreichen Gebäude sind zum größten Theil zerstört; der Schaden ist sehr beträchtlich.— Ein Revolverschuß wurde auf den Nachmittags 3.22 Uhr von Gronau abfahrenden Personenzug abgefeuert. Die Kugel schlug in ein Coupee zweiter Classe und pfiff dicht an dem Kopfe eines Passagiers vorbei. Von dem Thäter hat man keine Spur.— Einen sehr lobenswerthen Beschluß faßte in seiner Generalversammlung der Alte Kriegerverein in Duisburg, nämlich den, von der Feier eines Winierfestes wegen der damit verbundenen Kosten abzusehen und mit demso ersparten Gelde bedürftige Mitglieder zu unterstützen. Es sollen nur einige gemütbliche Abende veranstaltet werden.— In Elberfeld wurden in den letzten Tagen polizeilicherseits in sechs größeren Geschäften Proben von aus Holland eingeführter sogenannter reiner Naturbutter entnommen und dem Stadtchemiker Dr. Heck mann zur Prüfung übergeben. Die Untersuchung hat nun ergeben, daß sämmtliche Proben mit anderen Fetten vermischt waren, und zwar im Umfange von 15 bis 25 pCt. Sämmtliche Butter wurde beschlagnahmt; die Untersuchung ist eingeleitet.— Am Bahnhofe in Wesel gerieth ein Bahnarbeiter aus Büderich so unglücklich zwischen die Puffer zweier Waggons, daß ihm der Brustkasten eingedrückt und er nur mehr als Leiche hervorgezogen werden konnte. In Grieth bei Calcar kam ein älterer Mann so unglücklich zu Fall, daß ihm das Messer, welches er in der Hand hatte, in die Brust drang und er bald darauf todt hinsank.— Als Opfer einer Rabenmutter wird das am Freitag beerdigte neunjährige Töchterchen des Bergarbeiters F. in Asberg bei Mörs bezeichnet. Wie durch Zeugenaussagen der Nachbarn und der anderen Geschwister festgestellt ist, wurden die Kinder von ihrer Stiefmutter in schlimmster Weise gezüchtigt. Ganz besonders hatte das nun verstorbene Mädchen unter den Mißhandlungen der Stiefmutter zu leiden. Die Frau ist verhaftet worden.— In tiefe Trauer wurde eine Familie in Horrem versetzt, deren zwei Jahre altes Töchterchen man Morgens todt im Bette vorfand. Der Arzt constatirte, daß der Tod in Folge Erstickung eingetreten war. Das Zimmer, in dem die Kleine lag, war mit Gasen gefüllt, welche dem Ofen, dessen Klappe zugedreht war, entströmmt sind.— In Bad Nauheim ist der Oberbürgermeister von Bromberg, Braesicke, Mitglied des Herrenhauses, gestorben. zu des Wahrheitsbelegenheit zur Erbringung weises zu geben. S Essen, 10 Oct. Am Sonntag Abend fand im großen Saale der katholischen Eesellschaft„Erholung“ die Eröffnung des Vereins für kaufmännische Gehülfinnen statt. Die Versammlung war sehr stark besucht und viele junge Damen, vor allem die Gehülfinnen aus besseren Geschäften, hatten sich eingefunden. Herr Rector Knott, der Vorsitzende des neuen Vereins, eröffnete die Versammlung und ent wickelte die Geschichte, sowie die Prircipien der neuen Pflanze der christlichen Charitas. Man wolle den jungen Damen, die durch die Sonntagsrube, sowie durch die Lockerung des Familienanschlusses, eines Schutzes mehr deun je bedürsen, ein Heim bieten, wo sie ausgebildet würden in den Berufsfächern ihres Standes, denen aber auch gesellige Unterhaltung, dozu in Zuiunft Kost und Logis. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Herren und Damen der besseren Ständen, sowic einer Anzahl kaufmännischer Gehülfinnen. Für den Eröffnungsabend hatte das Quartett der Gesellschaft„Erholung“ seine Kräfte in den Dienst der anten Sache gestellt, deren Besangesgaben, sowie die Vorträge des Frl. Biermann großen Applaus ernteten. Mitten in die Versammlung hinein trat dann der hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Schmitz von Cöln, stürmisch begrüß", und hielt einen ceistvollen Vortrag über den Zweck und das Ziel der Vereine für kotholische Ladnerinnen. Er berichtete über die Vereine derselben Art in Cöln und Aachen und entwarf ein Programm für die katb. Frauen der böheren tände, wie sie in ganz hervorragender Weise arbeiten könnten an den großen socialen und charitativen Aufgaben unierer Zeit. Der Vorsitzende dankte für die herrlichen Worte, worauf der hochwürdigste Herr der Versammlung seinen bischöfl. Segen gab. Herr Fabrikant Wiese aus Werden forderte zu recht zahlreichem Eintritt in den neuen Verein auf. Ein reizendes Singspiel„des Dombaulööschen“ brachte Humor in die Gesellschaft und nach'em Herr Rechtsanwalt Bul allen Gästen seinen Dank ausgesprochen hatte, schloß die schöne Eröffnungsfeier. Hoffentlich finden die gegründeten Vereine für die Damen des Kaufmannsstendes Nachahmung in allen größeren Städten, wodurch ganz sicher eine Lücke ausgefüllt nerden wird in unserm wirthschaftlichen Leben, sich leider schon so fühlbar cemacht hat.... g 1gmeseng * Kückeswagen, 10. Oet. Die Vereinsmelelt hat eine neue Blüthe gezeitigt. In einer hiesigen Zeitung werden durch Anzeige alle Interessenten zwecks Gründung eines Luhnssalmiakter= pentinkern seifen waschextraktumhüllungssammelvereins zu einer Versammlung eingeladen. Wenn der Verein zu Stande kommt, wäre es zu wünschen, daß ihm für die Sammlung der Umhüllungen das unter Anderem als Preis ausgesetzte Clavier zufiele. Ihm wöre * Berlin, 9. Oct. Die in Folge eines von der italienischen Regierung gestellten Auslieferungsantrages hier verhaftete Prinzessin Trubetzkoi hat sicht in der vergangenen Nacht im Polizei=Gefängniß mittelst ihrer Rockschnur erhängt. Die Seibstmörderin wird der Fälschung einer öffentlichen Urkunde bezichtigt. Sie wurde von dem Untersuchungsrichter in Venedig verfolgt. * Berlin, 10. Oct. Im königlichen Schloß ist ein recht frecher Einbruch in der Nacht zum Freitag versucht worden. Dort befindet sich neben dem Portal I und in nächster Nähe des Bureaus des Oberhofmarschallamts ein Raum, in welchem sich tagsüber die Hoffouriere und Lakaien aufhalten. In diesem Zimmer steht ein starker Tisch, in dessen verschlossenem Kasten von den Hoffourieren zeitweise Geld zur Auszahlung von Liquidationen 2c. aufbewahrt wird. Auf dieses nun hatte es der Dieb abgesehen und sich aus einem anderen Zimmer erst den passenden Schlüssel zu der Hoffourierstube besorgt und war dann an die Oeffnung des Kastens gegangen, welche er zuerst mit einem Lineal und dann mit einer Papierscheere versucht haben muß. Als dies ihm nicht glückte, hat sich der Einbrecher dabei gewacht, mit einem Messer den Tischkasten von unten aufzuschneiden. Hierbei muß wohl dem anscheinend stark betrunkenen Menschen so unwohl geworden sein, daß er mit Hinterlassung deutlicher Spuren hiervon seinen Plan aufgab und das Freie suchte. liken des Orients inbegriffen sei, von einer fremden weltlichen Macht, wie der Papst es darstellt, keine Einmischung dulden will. Es handelt sich also nicht um einen kirchen=politischen Act, sondern um einen rein politischen Act auf dem Gebiete der internationalen Diplomatie, der keine eulturkämpferischen Hintergedanken hat, sondern nur eine zwischen Frankreich und Deutschland schwebende Streitfrage betrifft. Obwohl man hier zur Zeit verschnupft ist über den Widerspruch, worin die Ansprache nit den jüngsten hierher gerichteten Erklärungen des Vaticans steht, so ist doch, wie gesagt, von einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen keine Rede. Der Nachfolger v. Bütloms i“ bereits designirt, man zweifelt nicht, daß der Papst die Genehm=Erklärung für ihn aussprechen wird, sobald er von hier präsentirt wird. Uebrigens dürfte die Abberufung mit den Wünschen des hochbetagten Herrn v Bülow zusammentreffen.“— Dieser Berliner Meldung fügz die„Köln. Vztg.“ hinzu, daß sie mit ihren eigenen Informationen nicht übereinstimme. Danach wäre die Abberufung Bülows schon längere Zeit beshlossen gewesen. * Der Vicepräsident des Staatsministeriums, Finanzminister Dr. von Miquel, stattete heute Vormittag dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe einen Besuch ab und hatte mit ihm eine ängere Conferenz.„ * In Königsberg ist, wie die„Ostdeutsche Presse“ schreibt, angeblich die Thatsache sehr aufgefallen, daß der Kaiser während seines Aufenthaltes in Rominten nicht den Oberpräsidenten Grafen Wilhelm Bismarck zu sich entboten hat, daß dagegen Graf Dönhoff=Friedrichstein seine Aufwartung daselbst machen konnte. * Paris, 10. Oct. Die Genossenschaft der Bahnbediensteten hielt gestern eine Versammlung ab, deren Beschlüsse geheim gehalten werden. Die Centralstreikcommission gibt vor, die Bahnbediensteten beabsichtigten, sich dem Ausstande anzuschließen, doch gilt dies für unwahrscheinlich. Auch die Eisenbahnarbeiter dürften dem Streik fernbleiben; die Omnibusbediensteten sollen sich gleichfalls weigern, in den Streik einzutreten. Die Vertheilung der Geldunterstützungen rief unter den verschiedenen Gruppen der Ausständigen Unzufriedenheit hervor, da behauptet wurde, daß einzelne Arbeiterkategorien begünstigt würden. Man glaubt, die Unzufriedenheit dürfte eine Spaltung herbeiführen und einen Vorwand zur Wiederaufnahme der Arbeit bieten.— Ein Gelbbuch über die Frage des oberen Nils wird sogleich beim Zusammentritt der Kammern vertheilt werden. * Sassari, 10. Oct. Durch Gewitterregen sind die Felder und Häuser in den Ortschaften Ittiri, Bonorva, Bosa, Borore, Nuraminis und andere Punkte der Insel Sardinien unter Wasser gesetzt. Eine Anzahl Personen wurde durch Blitzschläge getbotet.„ * Constantinopel, 10. Oet. Der Sultan beauftragte gestern den Minister des Außern, Tewsik Pascha, persönlich bei den Botschaftern der vier Mächte um eine Milderung ihrer Forderung wegen Cretas zu ersuchen und insbesondere zu fragen, ob nicht einige türkische Bataillone auf Creia verbleiben könnten. Tewsik Pascha verließ jedoch Therapia um 10½ Uhr Abends unverrichteter Dinge, nachdem ihm die Botschafter geantwortet hatten, daß es ihnen unmöglich sei, weder eine Aenderung des Ultimatums noch einen Aufschub von dessen Forderungen ihrern Regierungen vorzuschlagen. Die für die Antwort der Pforte gestellte Frist läuft am Mittwoch ab; man nimmt an, daß diese günstig ausfallen werde. * Tanger, 10. Oct. Die marokkanische Regierung zahlte der italienischen Gesandtschaft 150,000 und der portugiesischen Gesandtschaft 200,000 Frcs. Entschädigung für an der Rifküste vorgekommene Seeräubereien. dann Neueste Nachrichten und Telegramme. * Berlin, 10. Oct. In Folge des Ablebens der Frau Prinzessin Albrecht wird das Kaiserpaar die Orientreise statt am Mittwoch früh bereits am Dienstag Abend antreten, und sich zunächst nach Kamenz begeben, um dort am Mittwoch Vormittag der Trauerfeier für die verewigte Prinzessin beizuwohnen. Von dort wird die Weiterreise über den Semmering nach Venedig angetreten, wo die Ankunft, wie vorher bestimmt war, am 13. October, Mittags 12 Uhr 45 Min., erfolgt. Nach einem Besuche bei dem Könige und der Königin von Italien im königlichen Palais in Venedig schiffen die Mojestäten sich im Laufe des Nachmittags an Bord S. M. S.„Hohenzollern“ zur Reise nach Konstantinopel ein. * Zur Abberufung des Herrn v. Bülow wird der„Köln. Vztg.“ gemeldet:„Von dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit dem Papste kann keine Rede sein; nur wird der bisherige Gesandte v. Bülow auf den dortigen Posten nicht zurückkehren. Der Wechsel ist als eine Folge der jüngsten Ansprache des Papstes an die französischen Pilger zu betrachten, worin wiederum vom traditionellen Protectorat Frankreichs die Rede ist, wenn auch in der abgeschwächten Form des Patronats. Obwohl man hier überzeugt ist, daß der Papst mit der Wiederholung eines solchen Ausspruches nichts Feindseliges gegen das Deutsche Reich beabsichtige, so soll doch durch die Abberufung eines dem Papste so genehmen preußischen Gesandten, wie v. Bülow es war, ein deutlicher Wink nach Rom, insbesondere für den Cardinal=Staatssecretär Rampolla gegeben werden, daß das Deutsche Reich in seine Souveränitäts=Rechte, in die der Schutz der deutschen Kathoà Berlin, 11. Oct.(Telegramm.) Auf die Landtagsvorlage betreffend Rhein=Elbecanal kann bestimmt gerechnet werden. Bezüglich der Theilstrecke Dortmund=Rhein darf die Emscherthallinie als ganz bestimmt angesehen werden. Die Verhandlungen der Betheiligten versprechen ein durchaus befriedigendes Ergebniß. Andererseits ist nicht sicher, wenn auch nicht ausgeschlossen, daß die Vorlage betreffend den Großschifffahrtsweg BeclinStettin schon in der nächsten Session vorliegt. + Bern, 11. Oct.(Telegramm.) Der Bundesrath wies auf den Bericht des Bundesanwaltes hin, neuerdings 6 Anarchisten italienischer Herkunft aus. X Paris, 11. Oct.(Telegramm.) In den Bureaux des Munizipal= und Provinzialrathes dem Streikcomitee versprochen, den Wünsche der Ausständischen zu entsprechen und bei Aufstellung von Ausstellungs= und Eisenbahnbauten dieselben Zugeständnisse zu verlangen, wie sie solche für die städtischen Arbeiter verlangten. 2 Jaffa, 11. Oct.(Telegramm.) Das deutsche Stationsschiff„Loreley“ ist von Konstantinopel angekommen. An Bord befinden sich der Oberstallmeister des Deutschen Kaisers, Graf Wedel, der dienstthuende General Scholl und der Oberstallmeister des Sultans. Sie beabsichtigen, die Straße nach Jerusalem einer Prüfung zu unterziehen. 8 New=York, 11. Oct.(Telegramm.) Das gelbe Fieber greift im Staate Mississippi immer writer um sich; man befürchtet, daß der ganze Staat inficirt werde, wenn nicht bald kühles Wetter eintritt. Markische Vereinsdruckerei A.:6. Bochum. — A a Bekanntmachung. Im Laufe dieses Monats wird in Gemäßheit der Bestimmungen im § 126 des Reichs=Gesetzes vom 22. Juni 1889 durch einen Beamten der Invaliditäts= und Alters=Versicherungs=Anstalt Westfalen eine Revision bez. der Befolgung der Vorschriften des Gesetzes vorgenommen werden. Nach Absetz 2§ 126 a. a. O. sind die Arbeitgeber verpflichtet, über die Zahl de von ihnen beschäftigten Personen und über die Dauer der Beschäftigung den Organen der Versicherungs=Anstalt, sowie den mit der Kontrolle beauftragten Behörden oder Beamten auf Verlangen Auskunft zu ertheilen und denselben diejenigen Geschäftsbücher oder Listen, aus welchen jene Thatsachen hervorgehen, zur Einsicht während der Betriebszeit an Ort und Stelle vorzulegen. Ebenso sind die Versicherten zur Ertheilung von Auskunft über Ort und Dauer ihrer Beschäftigung verpflichtet. Die Arbeitgeber und die Versicherten sind ferner verbunden, den bezeichneten Organen, Behörden und Beamten auf Erfordern die Quittungskarten behufs Ausübung der Controlle und Herbeiführung der etwa erforderlichen Berichtigungen gegen Bescheinigung anszuhändigen. Sie können hierzu durch Geldstrafen bis zum Betrage von je dreihundert Mark angehalten werden. Zur Erleichterung der Controlle wird den Betheiligten empfohlen, die Quittungskarten auf der Arbeitsstelle bereit zu halten. Witten, den 6. Oktober 1898. Der Bürgermeister: I. V.: Rohrmann. Zwungs Tersteigerung. Donnerstag den 13. Oktober er. werde ich: 1. um 9½ Uhr vormittags am Pfandlokale beim Wirth Peters am Markt hierselst: 1 Kochherd nebst Zubehör, 1 Anrichte, 2 Tische, 1 vollständiges Bett nebst Zubehör, 4 Stühle, 1 Kleiderschrank, 2 Wasserbänke, 1 Wanduhr, 1 Weckuhr, 1 Parthie Porzellan= u. Küchengeräthe, 1 Kommode 2c.; 2. um 11 Uhr vormittags an der Behausung der Wwe. Fr. von der Höh in der Borbeck bei Witten: 3 Sofas mit buntem Plüschüberzug, 5 Tische mit Decken, 1 Skattisch, 2 Pultschränke, 1 Konsole, 1 Kleiderschrank, 1 großer Mantelstock mit Gardinen, 3 Garderobenständer, 27 Kisten Zigarren, 1 vollständige Theke mit Biereinrichtung, 1 Eisschrank, 1 Musik=Automat, 1 Mantelofen mit Rohr, 2 Regulators, 1 Konsole mit Spiegel, 1 Notenständer in Nußbaum, 1 Bauerntischchen, 1 Spiegel, 6 Wirthstische, 4 Klappstühle, 3 lange Bänke, 1 Pult, ein Majolikaheerd mit vollständigem Zubehör, 1 Aquarium mit Goldfischen und Zubehör 2c. öffentlich meistbietend gegen bar versteigern. Die Verkäufe finden bestimmt statt. Witten, den 11. Oktober 1898. Röthe. Gerichtsvollzieher. Pfandleih-Anstalt Fr. Hähne, Witten. Der Verkauf der in den Monaten April, Mai und Juni 1897 unter Nr. 50 680 bis 53 541 verpfändeten und noch nicht eingelösten Pfänder findet am den 13. Okt. 1898, morgens 9½ Uhr anfangend, in Hemsoth's Saal statt. Die Pfänder bestehen aus: Gold= und Silbersachen, Herren= und Damenuhren, Regulateuren, Wand= und Weckuhren, mehrere Violinen, Zithern und Harmonikas, Leinwand, Betten, Kleidungsstücken, einer Parthie Ueberziehern, Mänteln, Joppen, Hosen und Frauenkleidern, mehreren Nähmaschinen, Bolzeneisen, Wasser= und Waschkessel, Möbeln, Kleider= und Küchenschränken, Bettstellen, Tischen, Stühlen, Commoden, Anrichten, Kinderwagen, Spiegeln, Bildern, Büchern, Körben, Anstreicher=Lack, 1 Parthie billiger Regenmäntel, welche umgeändert werden können, 1 Parthie billiger Wanduhren, Haussegen. Bis zum Verkaufstage können die Pfänder noch eingelöst oder gegen Zahlung der entstandenen Zinsen verlängert werden. Die bei dem Verkauf etwa erzielten Ueberschüsse können von den betreffenden Verpfändern binnen 14 Tagen in meinem Geschäftslokale oder darnach bei der hiesigen Stadtkasse gegen Rückgabe der Pfandscheine in Empfang genommen werden. Die nach Jahresfrist nicht erhobenen Geträge verfallen der Armenkasse. Witten, den 27. September 1898. Fr. Hahne, Hauptstraße 55. UimerrameVerfreber bei der Wirthe= und Händlerkundschaft eingeführt von leistungsfähiger Cigarrenfabrik gegen hohe Provisiion urd monatliche Abrechnung gesucht. Franco Offert. unter X. P. 1567 an die Geschäftst. d. Ztg, erbeten. Wir suchen mehrere solide Ein noch gut erhaltener Lager Kinderwagen und eine Arbeiter. Schiebkarre stehen billig zu verkaufen. Rosiny. Zu erfahr. i. d. Geschäftst. d. Z. Mühlen=Actien=Gesellschaft. 3 bis 4 gute Facadenputzer für Accordarbeit sofort gesucht. J. Gerlach, Gelsenkirchen, Victociastraße 8. ein Bäcker=Geselle gesucht. #d. Wollenweber, Langendreer, Kronenburg. Einige Maurer und Erdarbeiter erhalten dauernde Winterarbeit. Tieferweg 65. Bchenr Achge Anstreicher=Gehülfen sofort gesucht. Ernst Klare, Langendreer, Oberstraße 110. Suche auf gleich ein ordentliches zuverlässiges Dienstmädchen. Frau B. Dünnebacke. 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