Nr. 220. 0 — Deitter Jahrgang. Erschrink Uglich, mit Nuonahun der Soun= und Urtertage. Abennsnantoprete nbs den Graklebstlagen„Sonntagsfreude“.„Neterglooten“ und„Sterns und Blumon“ durch die Voten zugestellt nur 50 Hig. pro Monak, durch dis Pos beyogen nur 1.80 2lk. pro Buastal. „** Montag, 26. September 1393. Preis für die 1spaltige Pekitreils 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen euchprochenden Rabatt. Größere Anzeigen können nur bis spktostene Abende 5 Uhr angsnommen werden, ganz dringende Inserate bis Morgens 8 Uhr. Geschüftostells: Witten, Paupkstraße 70. VeT Verautwertlich für den 9. Orlugewaeld. BdebenAuschlof 186. Centrums-Organ fün das Ruhrthal. Bdlepraum=Ubrcher Volkszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringeweld, Wittb.. S Conservative und Centrum. Der conservativen Presse behagt es nicht, daß die Centrumspartei so wenig Neigung verräth, bei den Landtagswablen für die Conservativen ein zutreten. Wenn sie uns ihre Herzensmeinung offen baren wollte, würde sie wohl selbst zugestehen müssen, daß man von uns so etwas auch nicht gut verlangen kann. Die Conservativen haben mit den Freiconservativen im Abgeordnetenhause bekanntlich nahezu die Mehrheit. Würde es ihnen einfallen, das Centrum oder irgend eine andere Partei zu unterstützen, wenn diese der Mehrheit so nahe wäre? Die Herrschaft einer einzigen Partei ist unter allen Umständen bedenklich, weil der Mißbrauch zu nahe liegt. In unserm Falle wäre eine conservative Abgeordnetenhaus= Mehrheit um so gefährlicher, als schon des Herrenhaus von den conservativen ostelbischen Junkern mit ihren vielfach verdrehten und antiquirten Anschauungen und ihrer rücksichtslosen Eigensucht beherrscht wird. Eine conservative Mehrheit zu Stande bringen helfen, hieße, die Gesetzgebung auf fünf Jahre einer kleinen Klique preisgeben und alle Parteien und Erwerbskreise der sattsam erprobten Willkür eines Häufleins ostelbischer Großgrundbesitzer und Landräthe ausliefern. Daß dazu kein einigermaßer anständiger Politiker seine Hand bieten kann, versteht sich doch von selbst. Oder haben etwa die Conservativen durch die That bewiesen, daß das Land unter ihrer Alleinherrschaft gut fahren würde? Haben sie Thaten vorzuzeigen, die sie insbesondere berechtigen, auf die Unterstützung des Centrums Anspruch zu erheben? Der Assessoren=Paragraph, die Vereinsgesetznovelle, die„WahlrechtsReform“, reden eine deutliche Sprache. Können und wollen die Conservativen die Zusicherung geben, daß sie auf die Inanspruchnahme der Richterstellen für die„Söhne der besten Familien“ verzichten, daß sie die Vereins= und Versammlungsfreiheit nicht einschränken, daß sie eine gerechte Wahlrechtsreform erhrlich durchführen wollen? Ihr Wahlaufruf ist noch nicht erschienen. Wir wissen aber im Voraus, daß er diese Zusicherungen nicht geben wird. Und wenn er dennoch so etwas verspräche, so würde es kein Mensch glauben, denn sie streben notorisch das Gegentheil an. Eine Partei, die, wie das Centrum, in allen diesen Dingen grundsätzlich anders steht, als sie, kann doch nicht den Conservativen zur Mehrheit verhelfen wollen. Da sie nur zu gut wissen, welch' schlechten Eindruck ihr wüster Kampf um ihre materiellen Sonderinteressen macht, so schwenken sie um so kräftiger die christliche Fahne. Ein„christliches Volksschulgesetz“ brütet ihre„ideale Forderung“. Von Zeit zu Zeit wird diese recht laut erhoben, ganz besonders laut aber dann, wenn es gilt, eine gerechte Vertheilung der Volksschullasten abzuwehren und den Gutsinhabern ihre Privilegien in dieser Beziehung zu erhalten. Dann heißt es immer: die Regelung der Schulunterhaltungspflicht ist nur in einem allgemeinen Volksschulgesetze möglich, und darum verlangen sie dies, wohl wissend, daß es einstweilen damit keine Gefahr hat und sie sich noch eine Weile an den ihnen zukommenden Schullasten vorbeidrücken können. Die Freisinnige Volkspartei redet in ihrem Wahlaufruf von der Schulfrage nicht und die„Freis. Ztg.“ hat recht deutlich ausgesprochen, daß dies aus Rücksicht auf die Centrumspartei geschehen. Darob großer Lärm in der conservativen Presse, die uns auf diese tückische Hinterhaltigkeit der Freisinnigen nicht dringend genug aufmerksam machen zu können glaubt.„Wie ist es möglich“, ruft die„Kreuzztg.“ aus,„daß ein so plump durchsichtiges Mittel gegenüber einer, wegen ihrer Klugheit so berühmten Partei, wie das Centrum, seinen Zweck erreicht?“ Nun, wir wollen es ihr sagen: es erreicht seinen Zweck ganz und gar nicht. Wir sind keinen Augenblick darüber im Zweifel gewesen, was wir von den Freisinnigen in der Schulfrage zu erwarten haben. Es kommt aber auch gar nicht darauf an, und selbst wenn die Freisinnigen 30 oder 50 statt 1 1 Mann stark würden auf Kosten der Rechten, dann wäre es„auch noch so“. Wichtiger ist: was haben wir von den Conservativen in der Schulfrage zu erwarten? Der„Reichsbote“ hat jüngst— was wir auch nie bezweifelt hatten— offen erklärt, die Mehrheit der Conservativen sei entschlossen gewesen, in dem Zedlitzschen Schulgesetze die Bestimmungen über die Rechte der katholischen Kirche gegenüber der Schule abzulehnen. Was wollen sie also mit ihrem Greulichmachen vor den Freisinnigen? Von ihnen haben wir ja gleichfalls kein annehmbares christliches Schulgesetz zu erwarten. Sollten sie indeß ihre Ansichten geändert haben, nun, so hindert sie ja nichts, mit dem Centrum ein christliches Schulgesetz zu machen, wenn es bei den Wahlen auch aus wichtigen Gründen auf die Verhütung einer conservativen Mehrheit hinwirken muß. Daß sie sich durch ihre Haltung in kirchenpolitischen Fragen die Liebe und Dankbarkeit des Centrums verdient hätten, werden sie selbst nicht behaupten wollen. Seine Beschwerden haben sie unbeachtet gelassen oder abgewiesen, seine Anträge z. B. die auf paritätische Behandlung katholischer und protestantischer Geistlicher hartnäckig verworfen. Blos wegen ihrer papierenen„Grundsätze“ können wir doch die Conservativen nicht stärken, von sachliche und taktische Gründe dringend dagegen sprechen und für alles, was wir gemeinsam mit den Conservativen anstreben, nicht das Mindeste verloren ist, wenn sie nicht die Mehrheit gewinnen. 5 Politische Zur Geschichte des Socialistengesetzes gibt Abgeordneter Dr. Arendt in der„Tägl. Rundschau“ eine Darstellung, die sich gegen die Behauptung richtet, Fürst Bismarck sei für die Nichtverlängerung des Socialistengesetzes verantwortlich. Verantwortlich sei vielmehr der conservative Abgeordnete v. HeldorffBedra. Dieser habe auf Straßenkampf, zum mindesten auf ganz radicale Reichstagswahlen speculirt, vielleicht auch mit dem Herannahen des„neuen Curses" gerechnet, das bei der Abstimmung über das Socialistengesetz am 25. Januar 1890 den Eingeweihten kein Geheimniß mehr gewesen sei. Er habe den Kladderadatsch beschleunigen wollen, um so schnell oder so kräftig wie möglich anzugreifen. Vor der entscheidenden Abstimmung habe er sich nach Friedrichsruh begeben und sei dann vor die Fraction getreten mit der Erklärung, Fürst Bismarck wünsche die Ablehnung der Vorlage, wenn die Ausweisungsbefugniß falle. Fürst Bismarck habe später aber die Sache anders dargestellt. Darnach habe Herr v. Heldorff gesagt, daß die Conservativen nur dann fur ie Vorlage stimmen wollten, wenn die Regierung erklue, daß sie sie auch ohne Ausweisungsbefugniß annehme. Bismarck habe erwidert, die Regierung müsse ihre Vorlage bis zuletzt vertreten; lägen dann Reichstagsbeschlüsse vor, so nehme man dazu Stellung. Nach Bismarcks Behauptung wäre es ein Mißverständniß des Herrn v. Heldorff, daß er den Fall des Gesetzes gewünscht habe. Aber selbst wenn er die Ablehnung gewünscht hätte, so wäre er doch nicht für die Nichtverlängerung oder die Nichtersetzung durch gemeinrechtliche Bestimmungen verantwortlich, sondern der neue Kurs. Der neue Reichstag hätte sehr wohl noch vor Ablauf des Gesetzes mit einem neuen beschäftigt werden und nöthigenfalls mit Erfolg aufgelöst werden können. Das aber habe Caprivi nicht gewollt.— Wie verfehlt die Speculation auf den Kladderadatsch und Straßenkampf war, hat inzwischen eine achtjährige Erfahrung gezeigt. Den Socialdemokraten wird es angenehm sein, bestätigt zu sehen, was sie immer behaupten, daß man sie nämlich gern zum Aufstande treiben möchte, um sie alsdann niederzukartätschen. In China ist es zu einer bedeutsamen Umwälzung in der Regierung gekommen. Die Kaiserin=Mutter Tsu=Ssi hat dem Kaiser Tsaitien die Zügel der Regierung, wie bereits gemeldet, aus der Hand genommen. Die KaiserinMutter, die jetzt im Alter von 64 Jahren steht, war früher Jahre hindurch Regentin Chinas. Sie war die Gemahlin des Kaisers Ichu(Hienfeng genannt), von 1861 bis 1881 war sie Kaiserin=Mitregentin, von dort bis zum 4. März 1889 alleinige Regentin, seitdem Exregentin. Der gegenwärtige Kaiser ist ihr Adoptivsohn. Der Regierungswechsel ist eine Folge der Reaction und bedeutet den Sieg der altchinesischen Partei gegen die jüngst gemeldeten Reformbestrebungen des Kaisers. Der Schanghaier Correspondent der„Times“ sagt mit Bezug auf die letzten Ediete des Kaisers von China bereits, die fremden feindlichen Aufrufe und der Aufstand in der Provinz Szekschwan seien Anzeichen dafür, welcher Form des Widerstandes die fortschrittlichen Maßnahmen des Kaisers wahrscheinlich begegnen werden. Die Befürchtung hat sich rasch erfüllt. Diese " O l e e r e t e m a r e n h a u p t s ä c h l i c h d e m jungsten Laiserlichen Tecrete waren haapesachlich Einfluß des Reformators von Canton, Kangyumei, auf den Kaiser zuzuschreiben; Kangyumei hat jetzt den Befehl erhalten, Peking zu verlassen. Damit dürfte die Reaction in China wieder freies Spiel haben. Ueber ein neues Abkommen zwischen Ruß. land und China veröffentlicht der Londoner „Globe“ ein Telegramm aus Hongkong, das von demselben Correspondenten stammt, der zuerst den Inhalt der sog. Cassini=Convention im„Globe“ mittheilte. Das Telegramm besagt, daß der chinesische Gesandte in Petersburg, Hsü, auf Grund einer geheimen Abmachung, die am 27. März in Peking unterzeichnet wurde, in Petersburg ein Abkommen abgeschlossen hat, wodurch Port Arthur und Talienwan an Rußland abgetreten werden, wobei bestimmt ist, daß nur russische und chinesische Kriegsschiffe das Recht haben, in Port Arthur einzulaufen. Rußland erhält die alleinige Benutzung des inneren Hafens von Talienwan und die alleinige militärische wie civile Verwaltung der abgetretenen Gebiete. Ein Streifen Landes nördlich von Talienwan wird als Puffer betrachtet. Chinesischen Soldaten ist es nicht erlaubt, russisches Gebiet bei Port Arthur und Talienwan zu betreten. Alle Befestigungen, Leuchtthürme und Seezeichen werden russisch, damit Rußland in den Stand gesetzt wird, die Interessen beider Länder zu vertheidigen. Rußland kauft alle Regierungsgebäude in Port Arthur. Der Ausbau der russisch=chinesischen Eisenbahnen muß beschleunigt werden und das Capitak dazu darf nur von Rußland geborgt werden. Streitigkeiten über diese Abmachungen sind auf Grund des russischen Textes derselben zu schlichten. Der volle Text der Abmachung zählt 530 Worte. Der Gesandte Hsü kehrte am 10. September nach China zurück. Berlin, 23. Sept. * Zur landesgesetzlichen Ausführung des bürgerlichen Gesetzbuches bedarf es einer Revision der für die Anlegung von Mündelgeldern in § 39 der Vormundschaftsordnung gegebenen Vorschriften. Bei der Bedeutung der in Betracht kommenden Fragen für den Grundbesitz ist es erwünscht, den landwirthschaftlichen Vertretungen Gelegenheit zur Prüfung der hierüber vorläufig in Aussicht genommenen Bestimmungen zu bieten. Der Landwirthschaftsminister hat daher die Landwirth= schaftskammern, landwirthschaftlicken Provinzialvereine und landschaftlichen Creditinstitute mittels Rundschreibens ersucht, Aeußerungen zur Sache binnen sechs Wochen ihm vorzulegen. Die dem Rundschreiben beigefügten Bestimmungen werden heute im Reichsanzeiger veröffentlicht. * Die Nationalliberalen warnen in ihrem Wahlaufruf eindringlich vor einer conservativen Mehrheit. Damit stimmt es vortrefflich, wenn sie, wie die„Deutsche Tagesztg." berechnet, bereits fünf Landraths=Candidaturen unterstützen. 8 Der„Frkft. Ztg.“ wird aus Zanzibar unterm 27. August berichtet: Das angebliche Uebereinkommen zwischen dem deutschen Reich und Großbritannien hinsichtlich der Delagoabai, wovon die Kunde auch hierher gedrungen ist, erregt alle Gemüther in Ostafrika, obgleich man noch hier von dem Inhalt des getroffenen Abkommens nichts weiß. Ob Deutschland betreffs der Delagoabai Großbritannien thatsächlich freie Hand lassen wird, steht dahin. Nur eins scheint festzustehen und das ist, daß die 1890 an Großbritannien überlassene Oberhoheit über die Insel Zanzibar gleichfolls einen Theil der getroffenen Uebereinkunft bildet und voraussichtlich neu geregelt werden wird. Thatsache ist nämlich, daß die Engländer sei“ etlichen Monaten alle von ihnen auf Zanzibar begonnenen Straßen= und Leuchtthurmbauten unvollendet gelassen, gewissermaßen deren Beendigung aufgegeben haben, als wenn sie ein Interesse an der Fertigstellung dieser Unternehmungen nicht mehr besitzen. Man schließt bier aus diesen Vorkommnissen, daß die gegenwärtige britische Herrschaft über die den deutschen Besitzungen in Ostafrika vorgelagerte Insel wieder aufgegeben werden wird, und daß Zanzibar eines der Objecte bildet, welche aus Ausgleich für die Seitens Deutschlands hinsichtlich der Delagoabai in Zukunft zu beobachtende Politik in Betracht kommen. In den hiesigen kaufmännischen Kreisen wird die Möglichkeit, daß Deutschland zukünftig auf Zanzibar wieder die Oberherrschaft ausübt, mit Genugthuung begrüßt. Im Uebrigen wird der letzte Sultan von Zanzibar, Seyid Ali Bin Said, der zur Zeit auf deutsch=ostafrikanischem Territorium lebt, wohin er sich nach der Beschießung Die Insel- Aixe. Roman von E. Heinrichs. „O, Herr Pfarrer,“ fuhr Siegfried fort,„wie schrecklich wai mir der Gedanke, ganz allein in diesem Kampfe zu stehen, verlassen von der eigenen Mutter, die alle Liebe ihrem jüngsten Sohne zugewandt hat.“..— „Ich fühle es mit Ihnen, mein lieber, junger Freund“, erwiderte der Geistliche theilnehmend,„nur möchte ich Ihre Frau Mutter nicht so ohne Weiteres verurtheilen. Sie sagten doch, daß das Geschäft seit hundert Jahren im Besitz Ihrer Familie sich befindet.“ „Einer meiner Vorfahren in directer Linie hat die Firma begründet, ein Siegfried hat stets an der Spitze des Geschäfts gestanden. Mit meinem Stiefvater ist die erste Bresche in die Firma gelegt, obwohl sie selbstverständlich in alter Weise fortgeführt wird. Ich bin der letzte Siegfried.“ „Sehen Sie, das habe ich mir gedacht,“ rief der Pfarrer lebhaft,„und finde das Verlangen Ihrer Frau Mutter, das sich vielleicht auf ein Hausgesetz gründet, somit ganz erklärich. Als letzter Träger des Namens sind Sie ja geradezu erpflichtet, für die Erhaltung der alten Firma einzutreten. „Ach, Herr Pfarrer, nun machen Sie mir das Herz auch noch schwer“, seufzte der junge Mann.„Sie müssen doch wissen, daß ein verfehlter Beruf den Meuschen in seinem innersten Kern vernichtet, ihn gleichsam geistig tödtet. Ich will ohne Bedauern auf das große väterliche Erbe verzichten, will mir an einem verhältnißmäßig geringen Bruchtheil desselben genügen lassen, wenn ich damit meine Freiheit erkaufen kann, da ich leider gar keine kaufmännische Veranlagung Theilnehmend, mit einer Art väterlicher Liebe, blickte ihn der Geistliche an. Haben Sie in dieser Weise schon mit Ihren Eltern geredet, Herr Siegfried?“ fragte er nach einer Weile. 5„L. gewiß, in jeder Tonart des Herzens und meiner eiligsten Empfindungen, mit dem ganzen Aufgebot einer Willenskraft, die in der Ueberzeugung, für mein Ledensglück zu kämpfen, ihren festen Halt gefunden!— Es war alles vergeblich, die Firma Siegfried ist der Moloch, dem ich geopfert werden soll.“ „Es wird sicherlich der Wille Ihres seligen Vaters gewesen sein,“ bemerkte der Pfarrer.„Vielleicht hat die Mutter es dem Sterbenden geloben müssen.“ „Nein, daran glaube ich nicht“, versetzte der junge Mann, „auch hätte meine Mutter sich zu Gunsten ihres jüngsten Sohnes über solche Skrupel leicht hinweggesetzt, wie ich schon vorhin bemerkte, da dieser ja nach dem Willen des Vaters das Geschäft übernehmen sollte, meine Weigerung also sehr gelegen kam. Die eigentliche Herrschaft im Hause führt im Grunde mein Stiefbruder." „So scheint es in der That,“ stimmte der geistliche Herr nachdenklich bei,„wie alt ist dieser und wie stellen Sie sich zu ihm?“ „Er ist zwölf Jahre alt. Als er geboren wurde, freute ich mich auf das Brüderchen,— ich war damals sechs Jahre alt und kann mich meines Vaters kaum erinnern, obwohl sich meine Mutter nach Ablauf des Trauerjahres wieder verheirathete. Nun, ich sollte früh genug einsehen, daß dieses Brüderchen mir keine Freude, sondern nur Leid bringen sollte. Das verzogene Bürschlein— Max heißt er— wurde mein Quälgeist, mein Feind, dessen heimtückische Streiche mir aufgeladen wurden. Ich hasse ihn, weil er die ganze Liebe meiner Mutter besitzt, und Gott weiß, wozu dieser Haß mich getrieben hätte, wenn nicht ein Schulfreund, der Sohn unseres Hausarztes, und besonders dieser letztere, mir treu zur Seite gestanden und meinen Blick auf höhere Lebensziele gelenkt hätten. Sie retteten mein besseres Selbst, meine Seele.“ „Und hat dieser wackere Freud, ich meine den Arzt, sich nicht jetzt für Sie bei den Eltern verwendet?“ fragte der „Gewiß, doch konnte er nichts ausrichten, obwohl mein Stiefvater, vom eigenen Interesse geleitet, seine Bitte gern unterstützt hätte. Dem Söhnchen werden Privatlehrer aller Art gehalten, damit er befähigt wird, als Avantageur in irgend ein Eliteregiment einzutreten, wo er das reiche Erbe, das mein Vater mir hinterlassen, in noblen Passionen ver„Wachen Sie darüber, Herr Siegfried!“ rief der Pfarrer, ihm erregt die Hand auf die Schulter legend,„sorgen Sie selbst als rechtmäßiger Erde Ihres seligen Vaters dafür, daß solches nicht geschebe.“... 4— dum Säpi. m. „Ah, neigen Sie sich auch vor dem Rottig Weammon, Herr Pfarrer?“ erwiderte der junge Mann finster lächelnd. „Ist der Götze der Welt auch schon in die friedliche Einsamkeit dieses Erdenwinkels eingedrungen?“ Der alte Geistliche schüttelte den Kopf. „Für mich und meine kleine Gemeinde ist das Geld nur das nothwendige Tauschmittel zur Erhaltung des Lebens und zur Erlangung solcher Dinge, die unsere Einsamkeit mit einem Schimmer der Freude erhellen. Dazu zähle ich vor allen Dingen die guten Bücher, etwas Schmuck für die Frauen und ihre Häuslichkeit, um den Sinn für das Schöne und für die Behaglichkeit zu wecken, ohne die Einfachheit ihrer Sitten zu gefährden. Sie aber, mein lieber, junger Freund, dürfen den Reichthum, das große Erbe, das Ihnen rechtmäßig zukommt, nicht verächtlich von sich werfen, weil das Gold eine Großmacht für die Welt, der Sie angehören, bedeutet. Allerdings kann es auch zum Fluche werden, doch nur in der Hand des Schlechten, der sich von Gott abgewendet hat, ebenso aber auch in der Hand des Schwachen und Leichtsinnigen. Zu Ihnen, Herr Siegfried, habe ich das felsenfeste Vertrauen, daß in Ihrem Besitz der Reichthum ein Segensquell werde für die Armen und Elenden auf Erden, die darben an geistiger und leiblicher Speise.“ „Auch als Arzt kann ich ein Wohlthäter der leidenden und hiflosen Menschheit werden,“ rief Siegfried darauf „„ a E K „Gewitz, es ist ein schoner, über auch ein sehr verantwortungsvoller Beruf für denjenigen, der ihn in seiner ganzen Bedeutung erfaßt. Möge Gott Ihnen den rechten Weg in diesem Zwiespalt zeigen, mein junger Freund, damit Sie nicht in die Irre gerathen. Wie viele gute und begabte Menschen müssen ihr Hoffen und Wünschen auf dem Altar der Pflicht opfern, es erreichen nicht viele das vorgesteckte Ziel. Wohl dem, der sich aus den Trümmern seines Erdenglücks die innere Ruhe, den Frieden mit Gott rettet.— Doch wir sind von unserem eigentlichen Thema abgewichen," setzte der Pfarrer nach kurzem Schweigen lächelnd hinzu,„es betraf das von Ihnen gefundene Kind, Herr Siegfried!“ „Ganz recht, und die Bitte, es auf meinen Namen zu taufen, Herr Pfarrer!“ „Sie bestehen wirklich darauf?“ „Ja, ganz entschieden, da mir der Wunsch jener unglücklichen Mutter Gesetz is.“— gem: „Ich will Ihr Gefühl nicht tadeln, junger Herr, versetzte der Pfarrer,„aber ich finde doch, daß Sie den seltsamen Wunsch zu gewissenhaft ausführen wollen. Ob Sie als Minderjähriger das Recht dazu besitzen, kann ich nicht beurtheilen, glaube es aber nicht und fühle mich deshalb im Widerstreit mit meiner Pflicht. Sehen Sie mich nicht so zürnend an, Herr Siegfried, ich bin ein alter Mann, habe nun bereits nahe an dreißig Jahre auf diesem Eilande gelebt und gewirkt, meine Pflicht gegen Gott und die mir anvertraute Gemeinde nach besten Kräften erfüllt und sollte nun in den letzten Lebenstagen mich einer Verletzung derselben schuldig machen?—Das werden Sie nicht von mir verlangen. Da Sie aber den Namen Thomsen nicht geeignet für das Kind halten, so lassen Sie uns einen Ausweg suchen. Wie wäre es, wenn es meinen Namen erhielte. Eva Helbach würde so äbel nicht klingen, wie? Außerdem besäße ich dann so zu sagen ein verbrieftes Recht, die Pflege und Erziehung des Kindes in meine besondere Obhut oder Ueberwachung zu nehmen. Nun, was meinen Sie zu diesem Vorschlage, Herr Dieser schien nicht recht damit einverstanden zu sein, ein Gefühl, das man Eifersucht nennen könnte, durchzog seine Brust, aber sogleich auch schämte er sich desselben und suchte s zu unterdrücken.„.. p.6t,— K.=61. 15 „Sie haben recht, Herr Pfarrer, versehzte er hästig,„ich darf nichts Unbilliges von Ihnen verlangen und muß für Ihr selbstloses Anerbieten im Namen meines kleinen Findlings von Herzen dankbar sein. Aber mein Recht darauf lasse ich mir nicht nehmen, in erster Reihe habe ich darüber ziu betimmen.“... Gam Silskrich. „Das ist selbstverständlich, Herr Siegfrico,— Ihre väterlichen Rechte werde ich nun und nimmermehr antasten. Behalten Sie den Brief und das Kreuz—“ „Nein, Herr Pfarrer“, unterbrach der junge Mann ihn lebhaft,„ich fürchte, daß es bei mir nicht sicher genug aufgehoben ist. Nehmen Sie diese für das arme Kind vielleicht unschätzbaren Dinge in Verwahrung, das Geld will ich einem sicheren Bankhause übergeben, während Sie von mir eine Summe erhalten, von der Sie Thomsen nach und nach ein onständiges Kostgeld zahlen wollen. Sind Sie damit einverstanden, Herr Pfarrer““„(u... 124, „Gewiß, ich werde dafur fbegen, buß ales nuch Ihlen Wünschen geschieht, Herr Siegfried!“ „Ich danke Ihnen, treuer hochwürdiger Herr!— Wollen Sie unser Kindlein— denn es gehört uns doch nun gemeinschaftlich— noch heute tanfen?“ W 2 M. „Warten wir damit bis zum morgigen Somtug, oa diese heilige Handlung nothwendig in der Kirche, inmitten der Gemeinde stattfinden muß. Ich hab: als Seelsorger die Verpflichtung, die Geschichte des Findlings mitzutheilen und den Grund darzuthun, weshalb ich das Kind auf meinen Namen taufe. Meine Insulaner haben ein stark ausgeprägtes Gefühl für Recht und Sitte und es wird meines ganzen Ausehens und ihres festen Vertrauens zu mir bedürfen, um über die Klippe hinwegzukommen, einem Findling meinen ehrlichen Namen zu geben. Aber es wird gelingen mit dem Brief der unglücklichen Mutter und dem Worte Christi:„Was ihr einem dieser Geringsten thut, das habt ihr mir gethau!“ Und der Pfarrer hatte recht poophezeit, die Taufe wurde zu einer erhebenden Feier rührender Menschenliebe. (Fortsetzung folgt.) 2 Zanzibars durch die Engländer an Bord eines deutschen Schiffes gerettet hatte, von den deutschen Behörden Ostasrikas allgemein als Hoheit behandelt, sodaß seine Wiedereinsetzung keineswegs ausgeschlossen erscheint. Ueber alle diese Vorgänge dürften die nächsten Monate endgültigen Aufschluß bringen. * Mitte August kam die Nachricht von dem Tode des Königs Malietoa von Samoa zu uns. Seitdem ist nur noch gemeldet worden, vaß vie Consuln der drei Vertragsmächte in der Form eines Consularhofs, wie es daselbst von jeher üblich ist, die Ausübung der Regierung in die Hand genommen haben. Dem Anscheine nach dürfte es noch ziemlich lange dauern, bis darin eine Aenderung eintritt und wieder ein regelrechter Herrscher in Apia eingesetzt wird. Nach den Bestimmungen der Berliner Samoa=Acte von 1889 soll der Nachfolger Malietoas ordnungsmäßig nach den Gesetzen und Gewohnheiten Samoas gewählt werden. Noch niemals hat aber eine solche Königswahl auf der Inselgruppe stattgefunden und es ist wohl nicht ganz unbedenklich, die unruhige und in sich selbst uneinige Bevölkerung zu einer solchen Wahl zu veranlassen. Schwierig wird es schon werden, überhaupt festzustellen, welches eigentlich die betreffenden Gesetze und Gewoynheiten Samoas sind. Die Vertragsmächte werden sowohl diese Vorbereitungen, wie die Wahlen selbst genau überwachen müssen. Selbstverständlich werden diese Umstände und Verhältnisse einen guten Untergrund für allerhand Wühlereien bilden, auf die man sich gefaßt machen muß. Vielleicht steht es damit in Verbindung, daß neuerdings ein drittes Kriegsschiff nach der Südsee beordert worden ist.— Das New=Yorker Journal„Sun“ meldet, es seien zwischen Deutschland und England wegen Samoa Frictionen entstanden. Die Deutschen auf Samoa wollten Mataofa zurückbringen, um ihn zum Könige zu machen. * Saarbrücken, 22. Sept. Im Wahlkreise Saarbrücken=Ottweiler=St. Wendel soll das Cartell der nationalliberalen und der freiconservativen Partei für die nächsten Landtagswahlen wieder erneuert werden. In einer Versammlung in Saarbrücken wurden die Satzungen des Wahlvereins Saarbrücken angenommen. Derselbe bezweckt, alle Wähler des Kreises Saarbrücken zu sammeln, welche bereit sind, gegen das Centrum und die Socialdemokraten einzutreten. Als Candidaten wurden die Herren Vopelius=Sulzbach und Landrichter Dr. Röchling=Haunover aufgestellt. 80 * Inowrazlaw, 23. Sept. Das hiesige Schöffengericht verurtheilte den Tischlermeister Stanislaus Gutsch zu 150 Mk. Geldstrafe oder einem Monat Haft, weil er seinen Namen in „Gucz“ polonisirt hatte. Die Verurtheilung erfolgte auf Grund einer Cabinetsordre vom 15. April 1822, nach welcher Niemand berechtigt ist, seinen Namen eigenmächtig zu ändern. O Haag, 23. Sept. Seit einigen Tagen hat die holländische Polizei einen großen Eifer in der Ueberwachung der Anarchisten und verdächtiger Fremden entwickelt. Gestern Nachmittag wurden zwei Anarchisten verhaftet, einige Stunden später nahm die Polizei drei französische Vagabunden fest, welche ebenfalls als Anarchisten angesehen werden. Sie wurden zum Polizei=Commissariat geführt protest gegen die betreffenden Preßorgane beim Marineminister vorstellig geworden, doch sei es dem Minister gelungen einen derartigen, den bestehenden Vorschriften zuwiderlaufenden Schritt zu verhindern.— Seit einigen Tagen sind in Spanien unerlaubte, anscheinend in Paris gedruckte Blätter im Umlauf, welche heftige Angriffe gegen eine hochgestellte Persönlichlichkeit, gegen die Regierung und alle monarchistische Parteien enthalten. Es ist der Polizei, trotz ihrer Recherchen noch nicht gelungen, die Verfasser dieser Flugblätter, keren Sprache übrigens mehr von Republikanern als von Socialisten auszugehen scheint, zu entdecken.— Der Ministerath beschäftigte sich in seiner gestrigen Abendsitzung ausschließlich mit der Frage der für das Ministerium der Colonien erforderlichen Geldmittel. Ueber die Entscheidungen wird Stillschweigen beobachtet. * Madrid, 22. Sept. In dem heute Nachmittag stattgehabten Ministerrathe hielt der Ministerpräsident Sagasta eine Rede über die innere Politik, über die Verhandlungen der Räumungscommission für Cuba und Portorico sowie über die Vorbereitungen für die Friedenscommission in Paris. Kanea, 22. Sept. Nach Mittheilung von amtlicher Seite befragte der Oberst Chermside, um das gute Einvernehmen aufrecht zu erhalten, die Admirale, welcher Gerichtshof die Aufrührer von Kandia aburtheilen solle; das Gericht in Smyrna solle jedoch ausgeschlossen sein. Der Rath der Admiräle verhandelt eifrig über die zweckmäßigsten Maßregelg zur sofortigen Beruhigung der Insel und vie enoguitige Regelung der Lage des Landes. In der Nähe von Rerokurn wurde heute Vormittag ein Christ gerödtet. * Constantinopel, 22. Sept. Aus militärischen Kreisen verlautet, der Sultan habe seine Bereitwilligkeit zur Zurückziehung der türkischen Truppen von Creta kundgegeben. * Buenos Aires, 23. Sept. Der Senat genehmigte die Mobilisirung von 50 000 Mann und erhöhte von heute ab die Zollabaaben auf 10 Procent des Werthes der betreffenden Artikel, ausgenommen solche Artikel, die bisher bis 5 Procent bezahlten; diese sollen das Doppelte zahlen. Dreyfus-Angelegenheit. Die Angelegenheit des Obersten Picquart hat eine recht zugespitzte Wendung genommen. Die Militärbehörde hat ihren Willen, ihn in ihre Gewalt zu bekommen, trotz des Widerspruches des Minister iums durchgesetzt. Oberst Piequart ist, wie mitgetheilt, aus dem Gefängniß de la Santé nach dem Militärgefängniß Cherche Midi gebracht worden. Die Untersuchung wegen des Rohrpostbriefes war bereits von Cavaignac gleichzeitig mit derjenigen wegen der Fälschung des Oberstlieutenants Henry eingeleitet. General Zurlinden hat nun, nachdem er als Kriegsminister vergeblich die Untersuchung gegen Picquart beantragt hatte, als Militärgouverneur kraft seiner amtlichen Befugnisse die Verfolgung Picquarts angeordnet. In Folge dessen ist es zu einem vielleicht folgenschweren Conflict zwischen dem Cabinet Brisson und dem Generalstab gekommen.„Aurore“ entwickelt in einer Sonderausgabe, wie Faure, Zurlinden und der Generalstab von Chanoine und von einer großen Menschenmenge begleitet, die Einletung des Strafverfat sich auf Seite der Verhafteten stellte. Man schließt haben Es eraibt 318 daraus, daß sich unter der Menge Anarchisten befanden, deren Zweck es war, die Anarchisten der Polizei zu entreißen. * Wien, 23. Sept. Der Reichsrath wird am Montag durch eine kaiserliche Botschaft, die Graf Thun verlesen wird, eröffnet werden. Entgegen anderweitigen Meldungen wird von unterrichteter Seite versichert, daß der Rücktritt des Handelsministers Bärnreither erst dann erfolgen wird, wenn jede Aussicht auf parlamentarische Erledigung des Ausgleichs mit Ungarn ausgeschlossen erscheint. * London, 22. Sept. Heute Abend oder spätestens morgen werden Nachrichten vom Sirdar Kitchener aus Faschoda erwartet. Ein hochgestellter Beamter des hiesigen Kriegsministeriums sagte einem Vertreter der Presse, man erwarte, Kitchener werde die Expedition Marchand in seinen Dampfbooten nach Omdurman mitbringen und von da nach Kairo senden. &* London, 23. Sept. Die melden aus Peking vom 21. wird, haben. Ep ergit sich hieraus, daß ein merklicher Gegensatz gegen Brisson besteht. Letzterer ist entschlossen, die Pläne der Militärpartei aufs Thatkräftigste zu vereitel n. Die Untersuchung gegen Piequart wie man versichert, zwei Monate dauern. lange bleibt Picquart verhaftet. Sollte der Cassationshof Picquarts Aussagen bedürfen, so wird er unter Bewachung zum Justizpalast befördert. Die Picquart feindlichen Organe wollen in den nächsten Tagen eine Enthüllung bringen, die geeignet sein soll, Picquart die Sympathie der Menge zu entziehen. des Verurtheilten ein Pack Papiere fand und zu sich nahm. Diese Papiere sind unter Siegel verwahrt mit der Vorschrift, das Packet nicht vor dem Tode des Doctors......r zu öffneu. Die„Fravce Militaire“ fragt an, ob nicht die Zeit der Oeffnung gekommen sei, da die Papiere vielleicht den Schlüssel des Falles Dreyfus enthielten. Der„Matin" theilt Aeußerungen einer Person mit, die den Dossier Dreyfus durchgesehen haben will. Die Gerichtsacten enthielten thotsächlich nur das Bordereau. Der Geheime Dossier enthielte nur zusammenhanglose Notizen, die auch der naivste Untersuchungsrichter nicht ernst nehmen würde, werthlose Papiere, Billets mit phantastischen Namen gezeichnet und mit Geschichten, wobei man stehend einschlafe; Gesandtschaftsberichte existirten in dem Dossier nicht und eine Gefährdung der auswärtigen Beziehungen sei nicht zu befürchten; denn wenn man diesen Wust publicirte, so platze die Welt vor Lachen. * London, 6. Sept. Ein Mitarbeiter der „Daily News“ sprach Esterhazy auf dem Charing= Croß=Bahnhof, wo er gerade nach Paris abreisen wollte. Esterhazy hatte sein Aeußer es so verändert, daß er kaum zu erkennen war. Unter Anderem sagte er:„Ich schrieb Cavaignac einen langen Brief, ihn über die einschlagenden Punkte unterrichtend. Er weigerte sich aber, mich zu sehen. Mein Ruin war beschlossen. General Pellieux mußte wissen, daß Henrys Document eine Fälschung war. Ich sagte ihm vor dem Assisengericht, daß man nicht auf solcher Grundlage eine Anklage aufbauen könne. Er begnüge sich aber mit der bloßen Aehnlichkeit der Schrift. Wie ich dem Minister schrieb, gibt es Offieiere, die entweder aus Unwissenheit oder aus schierer Widerspänstigkeit die Wahrheit vor ihm verbergen. Ich erbot mich in einem zweiten Brief zum klaren Beweise für diese Behauptung, aber Cavaignac weigerte sich abermals, mich zu hören. Nur drei Personen wußten die Wahrheit, Oberst Sandherr, Henry und ich. Die beiden ersten sind todt, ich allein besitze nun das Geheimniß. Im Gefängniß wurde ich schändlich behandelt, ebenso Madame Pays. Der Untersuchungsrichter Bertulus sagte einmal zu ihr:„Sie müssen sich sehr ungemüthlich im Gefängniß fühlen, aber es hängt von ihnen ab, ob Sie es heute Abend verlassen. Erzählen Sie mir nur, was Sie von den Generalen wissen.“— Esterhazy erklärte ferner, er habe auch an Martin, den Commissionär des Delegations=Judiciärs, geschrieben, der ihn auf Antrag seines Vetters vorlud; er habe diesem erklärt, daß er sich weigere, zu erscheinen, weil der Antrag seines Vetters nur ein Vorwand sei, um ihn zu verhaften.„Ich will noch nicht", fuhr Esterhazy fort,„den Weg einschlagen, der meinem Lande schädlich sein könnte; noch will ich ein Vorurtheil gegen meine früheren Vorgesetzten erregen. Meine Absicht ist, ein Buch zu veröffentlichen, das auf diese unglückliche Dreyfus=Geschichte volles Licht werfen wird. Im Uebrigen: Warum wurde ich entlassen, obwohl die von Cavaignac eingesetzte Untersuchungs=Commission erklärte, daß keine Gründe vor handen seien, mich zu stürzen? Cavaignac beging seinen Fehler damit, als er mich verfolgte, da er zugleich seinen Verwandten Paty de Clam damit traf. General Billot hatte mir eine schöne Pension angeboten, doch ich schlug sie ab. Ich weiß noch nicht", schloß Esterhazy,„ob ich Dokumente und Papiere, die ich besitze, benutzen werde, alles wird vom Laufe der Ereignisse abhängen.“ „Daily News“ d. M.: die KaiserinWittwe ist äußerst ungehalten über Rußlands Passivität gegenüber der Degradation Li=Hung=Tschangs und das Verhalten Macdonalds. Sie hatte seit dem Sturze Li=Hung=Tschangs lange Besprechungen mit Pawloff.— Wie die„Times“ aus Peking von gestern melden, verkündet ein Dekret, der Kaiser und alle hohen Beamten würden der Kaiserin=Wittwe heute durch Kniefall huldigen. Die Regierung beobachte mit wachsender Sorge das Ausbreiten der antidynastischen Bewegung nach Norden. Der Aufstand ergiff bereits Hunan. * Rom, 22. Sept. Die„Opinione" erklärt die Nachricht eines auswärtigen Blattes für durchaus unbegründet, daß gelegentlich der Anwesenheit des deutschen Kaisers in Venedig die italienischen Minister ihm über internationale Maßnahmen gegen die Anarchisten conferiren würden.— Der „Italie“ zufolge beschlossen die Mächte zu einer internationalen Conferenz im October zusammenzutreten, worin Maßnahmen für den gemeinsamen Schutz, sowie zur Verhinderung nicht nur von Attentaten, sondern auch der anarchistischen Propaganda in den Kasernen und Werkstätten getroffen werden sollen.— Nachdem das italienische Rundschreiben, welches die Wiederherstellung des Zusammenwirkens sämmtlicher Mächte in der cretischen Frage bezweckte, bei jenen Mächten, die sich von Creta zurückgezogen haben, auf Ablehnung gestoßen, eine gemeinsame Action also unmöglich geworden, ist es sehr wahrscheinlich, daß sich nunmehr auch Italien von der eretischen Affäre zurückziehen werde. O Madrid, 23. Sept. Der spanische Gesandte in Petersburg der sich zur Zeit in Madrid Oberst Piequart ist, wie seine Freunde erzählen, fest entschlossen, nunmehr jede Rücksicht follen zu lassen, insbesondere will er die Vorladung jenes Geheimagenten verlangen, welcher die aus den Papierkörben der deutschen Botschaft stammenden Papierstücke überbrachte, unter denen sich auch der von Oberst v. Schwartzkoppen an Major Esterhazy adressirte, aber nicht abgesandte Rohrpostbrief befand. Oberst Piequart erklärte gestern einem Journalisten:„Ich war lange genug Sklave des Amtsgeheimnisses, jetzt werde ich sprechen. Die ganze Wahrheit wird bekannt werden, wenn ich nicht vorher umgebracht werde.“— Dem „Matin" zufolge erfuhren der Justizminister Sarrien und Ministerpräsident Brisson erst durch den Generalprocureur, daß der Gouverneur General Zurlinden die Untersuchung gegen Piequart eingeleitet habe. Mehrere Blätter bemerken, daß die Ernennung Zurlindens zum Militärgouverneur noch nicht formell vollzogen war, als dieser das Strafverfahren gegen Picquart anordnete. Piequart wird im strengsten Gewahrsam gehalten, seinem Vertheidiger Labori wurde erklärt, daß er Piequart vor Monatsfrist nicht werde sehen können. Sämmtliche an Picquart gerichtete Briefe würden zurückgehalten. Millerand erklärt in der„Laterne" Brisson müsse die Absetzung Zurlindens verlangen oder selbst zurücktreten. Der eigentliche Grund der Vertagung des Processes gegen Piequart soll nicht in der Revision des Dreyfus=Processes, nicht in der Untersuchung gegen Picquart, sondern ganz wo anders zu suchen sein. Es heißt, daß die Anklageschrift, die noch vor der Entdeckung der Fälschung Henrys verfaßt wurde, für den Letzteren nichts als Lob und Anerkennung enthalte. Heury wird in der Anklageschrift als der„musterhafteste Officier“, als„die verkörperte Ehrenhaftigkeit und Loyalität“ bezeichnet. Es ist begreiflich, daß der Staatsanwalt es vorzog, eine solche Anklageschrift nicht zu verlesen. Da aber der Vertheidiger Labori eine Abschrift davon besitzt, wird das Publikum gleichwohl erfahren, welche gelegenbeten über das Kundschreiben des Grasen Füscher und Selbstanörder Heury hatte. Muraview eine Conferenz gehabt.— Wegen der Angriffe einiger Blätter gegen die obersten Chefs der Marine macht sich unter den Marineofficieren eine gewisse Unzufriedenheit bemerkbar. Diegelden sind, wie verlautet, mit einem Collectiv= Die„Frauce Militaire“ erzählt eine sonderbare Geschichte, hinter der vielleicht ein neuer Coup steckt. Sie nennt sie das Geheimniß des Dreyfus. Dreyfus nach der Teufelsinsel abreiste, behandelte ihn der Marinsarzt......“, der im Kleide Hociales. * Kattowitz, 23. Sept. Sämmtliche ausständischen Arbeiter auf der Hugo=Zinkhütte haben die Arbeit zu den alten Lohnsätzen wieder aufgenommen. Locales und Provinzielles. * Witten, 26. Sept. StadtverordnetenVerhandlungen vom 22. September. Für die nothwendige Badekur eines städtischen Beamten wurde der dritte Theil der entstehenden Kosten bewilligt.— Annahme fand ein Antrag auf Verbesserung der Ventilation im Rathhaussaole.— Mitgetheilt wurde ein Magistratsbeschluß vom 26. August, laut dem die Verlegung der 100 mm Wasserrohrleitung in der unteren Ruhrstraße aus Zweckmäßigkeitsgründen bis zur Umpflasterung des betreffenden Straßentheils hinausgeschoben worden sei.— Der Herr Regierungspräsident fordert für die städtischerseits bei der Landesbank zu machende Anleihe einen jährlichen Tilgungssotz von 2 Proc. statt 1½ Procent, wie die Stadtverwaltung beschlossen hatte. Es ergibt dieses für das zunächst aufzunehmende Anleihecapital einen jährlichen Betrag von 10,000 Mark. Der Magistrat hatte nothgedrungen seine Zustimmung dazu gegeben und geschah dieses auch Seitens der StadtverordnetenVersammlung.— Abgelehnt wurde ein Magistratsbeschluß, dahin lautend, die Wiesen= und Rosenstraße belegene Besitzung der Wittwe Otterbach behufs Regulirung der Wiesenstraße städtischerseits anzukaufen und zwar für den Preis von 27,000 Mk. Die ablehnende Haltung wurde damit begründet, daß der Preis ein zu hoher sei und die Stadt bei einer eventuellen Expropriirung besser fahre.— Neben und hinter der städtischen Gasanstalt ist Seitens der Königl. Eisenbahn=Direction die Anlage eines neuen Güterbahnhofes geplant. Die gepflogenen Verhandlungen mit der Stadt und anderen Betheiligten sind soweit gediehen, daß die Stadtverordneten=Versammlung ihre Zustimmung zu der Ausführung des Planes geben konnte. Die Stadt erhält für die ungefähr 1 Hectar 24 Ar 50 Quadrat= meter große Grundfläche einen Kaufpreis von 355 Mark für das Ar und für die aufstehenden Gebäulichkeiten einen solchen von 30,000 Mark.— In die gemischte Commission zue Berathung der Anlage größerer Geldbestände der Stadthauptkasse wurden die Herren Klutmann, Schumann und Seidel gewählt.— In der Wilhelmstraße bis zur Hauptstraße soll eine 150 Meter lange 100 mm Wasserrohrleitung angelegt werden. Die Kosten im Betrage von 950 M. wurden bewilligt.— Die Wasserrohrleitung in der Krummestraße muß nothwendig um 200 Meter verlängert werden. Gegen die Anlage, die einen Kostenaufwand von 1300 Mark erfocdern wird, fand sich nichts einzuwenden.— Acceptirt wurde ein Magistratsbeschluß, laut dem in der Blücherstraße, zwischen Ruhr= und Schulstraße ein Straßencanal angelegt werden soll. Die Interessenten, Herren Oeconom A. Krumme und Lehrer Böckmann, werden zu den 2500 Mark betragenden Kosten 1300 Mark zuschießen; den verbleibenden Theil trägt die Stadt.— Beschlossen wurde die Ausführung der Straßenregulirung des Theiles der Pferbachstraße, der zwischen der Eisenbahn=Unterführung und der Ardeystraße belegen ist.— Der Abtretung einer Grundfläche von 21 Quadratmetern hinter der Dunkmann'schen Besitzung, an der Pferdebachstraße belegen, an Herrn Dunkmann, wurde zugestimmt. Letzterer zahlt für die Quadratruthe 172 Mark.— Eine Verlängerung der Wasserrohrleitung in der Kesselstraße bis zum Neubau des Herrn Köninger wurde genehmigt. Die Kosten betragen 130 Mark.— Genehmigung fand sodann folgendes Ortsstatat: Auf Grund der Bestimmungen in den§§ 11 und 12 der Städteordnung für die Provinz Westfalen vom 19. März 1856 werden hierdurch für die Stadtgemeinde Witten nachstehende Festsetzungen getroffen: § 1. Bei einer Einwohnerzahl bis zu 40,000 Seelen soll die Stadtverordneten=Versamwlung aus 30 Mitgliedern bestehen. § 2. Steigt die Einwohnerzahl über 40,000 Seelen, so soll bis auf Weiteres die Stadtverordneten=Versammlung aus 36 Mitgliedern bestehen. Die Wahl der neu hinzutretenden 6 Mitglieder hat gleichzeitig mit der nächsten regelmäßigen Ergänzungswahl zu erfolgen. § 3. Mas gebend für die Ermittelung der Einwohner= zehl ist das Ergebniß der vorhergegangenen allgemeinen Volkszählung. § 4. Dieses Ortsstatut tritt am 1. Januar 1899 in Kraft. Witten, den. Der Magistrat. Niedergeschlagen wurden 124,20 Mk. Gemeindesteuerrückstände und zwar wegen Bedürftigkeit der betreffenden Censiten. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden vertagt. *— Der Aufsichtsrath des hiesigen GußstahlWerkes faßte den Beschluß, der demnächst stattfindenden Hauptversammlung die Vertheilung einer Divüdende von 16 Procent in Vorschlag zu bringen, gegen 10 Procent im Vorjahre. +— Bon einem recht bedauerlichen Unfalle wurde gestern Nachmittag der hiesige Stellmacher Schlüter, wohnhaft in der Breitestraße, betroffen, Als dieser nämlich die Reparatur an einem beschädigten Wagen vornahm, schlug plötzlich die Achse um und traf mit solcher Macht seine linke Hand, daß er an derselben an zwei Fingern ein Glied einbüßte. Der Verunglückte mußte sich sofort in die Behandlung eines Arztes begeben. +— Einem dringenden Bedürfniß abzuhelfen ist man gegenwärtig auf der hiesigen Königlichen Werkstatt beschäftigt. Dort erwies sich nämlich die Badeaustalt als unzureichend für die vielen Menschen, welche zu baden begehrten. Es wurde daher allgemein der Wunsch nach Vergrößerung laut. Um diesem nun nachzukommen, begann man mit dem Ausbau der Badeanstalt, welcher in nicht allzu langer Zeit vollendet sein wird. *— Auch in diesem Jahre ist wieder Seitens des des Kriegsminister iums in umfassendem Maßstabe der Versuch gemacht worben, in den einzelnen Provinzen unentgeltliche Arbeitsnachweise für entlassene Reservisten einzurichten, um insbesondere eine Ablenkung der Arbeiter vom platten Lande nach der Stadt thunlichst zu verhindern. Die landwirthschaftlichen Kreis= und Bezirksvereine wurden aufgefordert, sich für diese Einrichtung zu interessiren und ihr nach Kräften Vorschub zu leisten. Ihre Mitwirkung ist so gedacht, daß sie die Stellenangebote für ländliche Arbeit in ihrem Bezirk sammeln und den Arbeitsnach weis stellen sowie den an jedem Garnisonsort einzurichtenden Auslegestellen in Listenform übermitteln. Die Truppentheile sollen zu gegebener Zeit beim Appell wiederholt darauf hingewiesen werden, daß und wo solche Listen ausliegen. Es wird abzuwarten sein, ob diese Bemühungen diesmal erfolgreicher sein werden als in den Vorjahren, wo diese Einrichtung nur wenig in Anspruch genommen worden ist, wenigstens Seitens der Reservisten. *— Der„blaue“ Montag hat schon wiederholt die Gerichte beschäftigt und da dürfte denn ein Urtbeil des Iserlohner Gewerbegerichts nicht ohne Interesse sein. Ein Arbeiter der„blau“ gemacht hatte, wurde am folgenden Tage vom Arbeit geber entlassen, worauf derselbe Klage auf Zahlung des rückständigen Lohnes machte. Der Arbeitgeber machte dahingegen die ihm nach§ 125 b der Gewerbeordnung gestattete Entschädigungsforderung auf Zahlung des ortsüblichen Tagelohnes für die Danuer einer Woche geltend. Das Gewerbegericht hielt jedoch die Entschädigungsforderung des Arbeitgebers nur für den Montag, an welchem der Arbeiter unbefugt von der Arbeit fortgeblieben, für gerechtfertigt, im übrigen aber seien die geltend gemachten späteren Ersatzforderungen als unbegründet zu verwerfen, weil der Arbeitgeber auf die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses seitens des hierzu bereiten Arbeiters durch dessen allerdings gerechtfertigte Entlassung verzichtet und deshalb einen Schaden durch die auf Grund seiner eigenen Anordnungen erfolgte Einstellung der Arbeit nicht erlitten habe. Im übrigen wurde bei Verkündigung der Entscheidung von dem Vorsitzenden das Recht des Arbeit gebers anerkannt, einen Arbeiter, der an einem Montage„blau“ gemacht habe, sofort ohne Kündigung zu entlassen. *— Eine bedeutsame Vorschrift tritt am 1. Januar 1900 für die Firmenschilder aller Geschäftsleute im Reiche in Kraft. Von da ab sind Gewerbetreibende, die einen offenen Laden haben, also auch Apotheker, Bäcker u. s. w., oder eine Gastwirthschaft betreiben, bei Geldstrafe bis zu 150 Mk. verpflichtet, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen— der bloße Anfangsbuchstabe oder die Abkürzung des Vornamens genügt nicht— in deutlich lesbarer Schrift anzubringen, damit das Publikum über die Person des Geschäftsinhabers nicht im unklaren gelassen werde. Diejenigen, die in der nächsten Zeit eine Veränderung an der Außenseite ihres Ladens oder ihrer Wirthschaft vornehmen wollen, werden gut thun, diese Vorschrift schon jetzt zu beachten, damit sie bis zum 1. Januar nicht noch einmal eine mit Kosten verbundene Aenderung vorzunehmen gezwungen sind. *— Ein Extrablatt des„Amtsblattes" theilt die Namen der Commissare für die Landtagswahlen mit. Für die Kreise BochumLand, Bochum=Stadt, Gelsenkirchen=Land, Gelsenkirchen=Stadt, Hattingen, Dortmund=Land, Dortmund=Stadt und Hörde. Wahlort Dortmund, ist Oberbürgermeister Schmieding:zu Dortmund ernannt und als Heyden=Ryn * Annen, 23 Burschen zeigten Steinbruch in der Dieselben verkau für einen Tag Lo wurde ihnen zuge wie es ganz in## Laute Drohungen ihr Quartier zurü eine Italiener erg umgeschliffene F einem Revolve beiden Gesellen in kipper Köster, der Der Steinbruchbe Zufall der Gefa Heldenthaten verdi packen ihrer Sach Heute wurden die fängniß nach Witl * Annen, 24 Hagen wurde gest Frachtwagen üb gingen die Räder hebliche Verletzung lenker, der durch verschuldet haben * Hörde, 22. mannshütte“, kam stein auf schrecklich Transportwagen( eisernen Röhren, s# ein Rohr hinab Unglücklichen zu war unverheirathe wurde dem Hütten glücksfall ist um Vater des Unglück durch Verbrühen &am Langendi Gemeinderat Gemeinderathssitzu: Feuerwehr anläßl 1500 Mark für Ur Ferner haben Dar meinde 1600 Mar Ein Betrag von 1 der ebenfalls zun verwandt werdens# * Werne, 7 Uhr verstarb anfalles Herr H Derselbe weilte g fühlte er ein Unwo Herr Hepff war thätig; die ersten Waldeck und kam 11 Jahre gewirkt Todestages hat er der Schule gehalter * Bochum, 2 entlassenen Mannso merksam gemacht: nach ihrer Entlassu dem Hauptmeldeam feldwebel ihres um legung ihres Mi Meldung ist auch lassene an dem Or Truppentheil in Ge und Aufenthaltswec Contollstelle mün! Sie haben dienstli öffentlichen Aufford unbedingt Folge zu licher Gesuche und schaften des Beurlat geschriebenen Dienst Hauptmeldeamt) ein dienstlichen Verkehr Feldwebel, Bezirkso militärischen Discip *— In der Näl ist ein Knecht des seinen. Fuhrwerk ge *— An der hi beginnt das Winter Der Termin für die zweite Klasse der 2 October beginnt, lä X— Von ein kommenden Trans; tralgefangniß entsp ein Gefangener ur wird er sich der F gehabt haben, da des Publikums auf ##n In der gestt wurde verhandelt: gege Witten, der sich verantworten hatte. A Fuhrwerk in schneller Kirchstraße, wo sich 1 befand. Das Kind kan dem Rade zu Boden ge letzung, was dem Angel Wegen Urkundenfälschur und Unterschlagung v# von hier, seit dem 7. 2 Monaten Gefängniß ver in Abrechnung gebracht Fuhrknecht Hermann S der Urkundenfälschung wofür er 5 Monate in strafbaren Eigennutzes wurde der Bergmann 2 bei Recklinghausen zu 3 Gefängniß verurtheilt. Bergmann Gottlieb S. schuldig, was ihm zusätz fängnißstrafe weitere 5 mehrfach vorbestrafte T frau Franziska geb. K., geb. R., sämmtlich von Ersterer wegen Diebstak letzung und Widerstends frau wegen vorsätzlich Widerstands gegen die Hehlerei. Im Juni un Georg M. eine Partie eihe Partie altes Eisen ent von 120 M. repräsentirte, die es an den Kaufman Polizei=Sergeant Panne in Erfahrung, daß O. stohlene Gut an die Se om A. Krumme den 2500 Mark hießen; den ver.— Beschlossen nregulirung des schen der Eisenystraße belegen idfläche von 21 #'schen Besitzung, n Herrn Dunkr zohlt für die ie Verlängerung straße bis zum genehmigt. Die ehmigung fand en§§ 11 und 12 len vom 19. März inde Witten nachzu 40,000 Seelen 18 30 Mitgliedern 40.000 Seelen, so =Versammlung aus neu hinzutretenden asten regeimühigen g der Einwohner= genen allgemeinen Januar 1899 in Der Magistrat. Mk. Gemeindeedürftigkeit der n Punkte der igen Gußstahldemnächst stattriheilung einer t i n V o r s c h l a g orjahre. rlichen Unfalle ge Stellmacher raße, betroffen, einem beschälich die Achse se linke Hand, : ein Glied einsofort in die uß abzuhelfen sen Königlichen ich nämlich die für die vielen k. Es wurde größerung laut. 1 man mit dem scht allzu langer der Seitens des fassendem Maßden einzelnen schweise für ichten, um insvom platten rhindern. Die vereine wurden zu interessiren en. Ihre MitStellenangebote nmeln und den n Garnisonsort m übermitteln. eit beim Appell daß und wo varten sein, ob r sein werden ung nur wenig gstens Seitens schon wiederirfte denn ein s nicht ohne blau“ gemacht rbeit geber entung des rückitgeber machte ewerbeordnung Zahlung des : einer Woche edoch die EntS nur für ziter unbefugt schtfertigt, im hten späteren rwerfen, weil Irbeitsverhälts durch dessen chtet und desseiner eigenen rbeit nicht erkündigung der as Recht des der an einem ine Kündigung ft tritt am nschilder he in Kraft. einen offenen cker u. s. w., zi Geldstrafe zmiliennamen Vornamen— bkürzung des lich lesbarer kum über die unklaren genächsten Zeit ihres Ladens llen, werden zu beachten, noch einmal vorzunehmen ittes" theilt die Landise Bochumud, Gelsenland, Dort#rtmund, ist Dortmund ernannt und als Stellvertreter Landrath Frhr. v. d. Heyden=Rynsch zu Dortmund. * Annen, 23. Sept. Als rohe und heimtückische Burschen zeigten sich zwei in dem Kerstingschen Steinbruch in der Borbach arbeitende Italiener. Dieselben verlangten unberechtigter Weise plötzlich für einen Tag Lohn und die Quittungskarte. Letztere wurde ihnen zugestellt, während die Lohnzahlung, wie es gonz in der Ordnung war, verweigert wurde. Laute Drohangen ausstoßend, kehrten sie eilig in ihr Quartier zurück und bewaffneten sich dort. Der eine Italiener ergriff eine, zu einem dreieckigen Dolch umgeschliffene Feile, während der andere mit einem Revolver hantirte. Der erste, der den beiden Gesellen in die Finger fiel, war der Steinkipper Köster, der gestochen und geschlagen wurde. Der Steinbruchbesitzer Kersting entging nur durch Zufall der Gefahr des Erschießens. Nach diesen Heldenthaten verdufteten sie eiligst. Mit dem Einpacken ihrer Sachen beschäftigt, wurden sie verhaftet. Heute wurden die Beiden, laut„Trem.“, ins Gefängniß nach Witten gebracht. * Annen, 24. Sept. Der Laufbursche W. v. Hagen wurde gestern von einem schwer beladenen Frachtwagen überfahren. Dem Aermsten gingen die Räder über das rechte Bein, so daß erhebliche Verletzungen die Folge waren. Der Rosselenker, der durch zu schnelles Fahren das Unglück verschuldet haben soll, wurde sofort festgenommen. * Hörde, 22. Sept. Im Puddelwerk der„Hermannshütte“, kam der Arbeiter Gustav Schervenstein auf schreckliche Weise ums Leben. Ein kleiner Transportwagen(sog. Hunt), beladen mit schweren eisernen Röhren, sollte verladen werden, hierbei rollte ein Rohr hinab und zerschmetterte den Kopf des Unglücklichen zu einer unförmlichen Masse. Sch. war unverheirathet und 27 Jahre alt. Die Leiche wurde dem Hüttenhospitale überwiesen. Dieser Unglücksfall ist um so trauriger, als vor Jahren der Vater des Unglücklichen auf dem Hörder Eisenwerk durch Verbrühen in heißem Wasser zu Tode kam. &am Langendreer, 23. Sept. Der hiesige Gemeinderath bewilligte in der gestrigen Gemeinderathssitzung für die hiesige Freiwillige Feuerwehr anläßlich ihres 25jährigen Bestehens 1500 Mark für Unterstützung bedürftiger Mitglieder. Ferner haben Damen und Jungfrauen hiesiger Gemeinde 1600 Mark gestiftet für ein Vereinsbanner. Ein Betrag von 1000 Mark blieb hiervon übrig, der ebenfalls zum Besten bedürftiger Mitglieder verwandt werden soll. * Werne, 23. Sept. Gestern Abend gegen 7 Uhr verstarb hierselbst in Folge eines Schlaganfalles Herr Hauptlehrer Ferdinand Hepff. Derselbe weilte gerade im Nachbarhause, plötzlich fühlte er ein Unwohlsein und verschied bald darauf. Herr Hepff war bereits 24 Jahre als Lehrer thätig; die ersten Jahre wirkte er im Fürstenthum Waldeck und kam dann noch hier, wo er bereits 11 Jahre gewirkt hat. Nach am Morgen seines Todestages hat er den gewöhnlichen Unterricht in der Schule gehalten. * Bochum, 24. Sept. Die zur Reserve entlassenen Mannschaften werden auf folgendes aufmerksam gemacht: Sie haben sich spätestens 14 Tage nach ihrer Entlassung aus dem activen Dienst bei dem Hauptmeldeamt bezw. Meldeamt oder Bezirksfeldwebel ihres nunmehrigen Wohnortes unter Vorlegung ihres Militärpasses anzumelden. Diese Meldung ist auch dann erforderlich, wenn der Entlassene an dem Orte bleibt, in dem sein bisheriger Truppentheil in Garnison steht. Jeder Wohnungsund Aufenthaltswechsel ist bei der obenbezeichneten Controllstelle mündlich oder schriftlich anzuzeigen. Sie haben dienstlichen Befehlen der Controllstelle, öffentlichen Aufforderungen und Gestellungsbefehlen unbedingt Folge zu leisten. Bei Anbringung dienstlicher Gesuche und Beschwerden sind die Mannschaften des Beurlaubtenstandes verpflichtet, den vorgeschriebenen Dienstweg(Bezirksfeldwebel, Meldeamt, Hauptmeldeamt) einzuhalten. Ebenso sind sie im dienstlichen Verkehr mit ihren Vorgesetzten(BezirksFeldwebel, Bezirksofficier, Bezirks=Commandeut) der militärischen Disciplin unterworfen. *— In der Nähe von Henrichenburg, am Canal, ist ein Knecht des Herrn Karsch hierselbst von seinen. Fuhrwerk gestürzt, sodaß er sofort todt blieb. *— An der hiesigen Königlichen Bergschule beginnt das Wintersemester am Montag, 26. Sept. Der Termin für die Meldung zur[Prüfung auf die zweite Klasse der Bergschule, deren Cursus Mitte October beginnt, läuft mit dem 1. October ab. X— Von einem anscheinend von Auswärts kommenden Transport von Gefangenen zum Centralgefangniß entsprang gestern Abend um 7 Uhr ein Gefangener und nahm Reißaus. Jedenfalls wird er sich der Freiheit nicht lange zu erfreuen gehabt haben, da eine lebhafte Jogd von Seiten des Publikums auf den Ausreißer erfolgte. ##n In der gestrigen Sitzung der Strafkammer wurde verhandelt: gegen den Metzgerlehrling Paul Sch. von Witten, der sich wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten hatte. Am 27. Juni er. fuhr er mit seinem Fuhrwerk in schneller Gangart durch die Johannis= und Kirchstraße, wo sich das 5jährige Kind des Reisenden Sch. befand. Das Kind kam dem Fuhrwerk zu nahe, wurde von dem Rade zu Boden geschleift und erlitt eine unerh bliche Verletzung, was dem Angeklagt'n 10 M. Geldbuße einbrachte.— Wegen Urkundenfälschung in Idial=Concuirenz mit Betruges und Unterschlagung wurde der Zeitungs=Reporter Wilhelm S. von hier, seit dem 7. August er. in Untersuchungshaft, zu 3 Monaten Gefängniß veruitheilt, worauf die Untersuchungshaft in Abrechnung gebracht wurde.— Der mehrfach vorbestrafte Fuhrknecht Hermann Sch. von Wattenscheid hatte sich der Urkundenfälschung und des Betruges schuldig gemacht, wofür er 5 Monate ins Gefängniß wandern muß.— Wegen strafbaren Eigennutzes im Sinne des§ 289 des Str.=G.=B. wurde der Bergmann Wilhelm Kr. von Laugen bochum bei Recklinghausen zu 30 M. Geldbuße event. je 5 M. 1 Tag Gefängniß verurtheilt.— Am 20. Arril cr. machte sich der Bergmann Gottlieb S. von Bruch des Hausfriedensbruchs schuldig, was ihm zusätzlich zu der noch zu verbüßenden Gefängnißstrafe weitere 5 Tage Gefängniß einbrachte.— Der mehrfach vorbestrafte Tageköhner Franz O. und dessen Ehefrau Franziska geb. K., sowie die Wittwe Peter Sch. Louise geb. R., sämmtlich von Wattenscheid, waren angeklagt, Ersterer wegen Diebstahls, vorsätz icher gefährlicher Körperverletzung und Widerstends gegen die Staatsgewalt, dessen Ehefrau wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt und die Letztere wegen Hehlerei. Im Juni und Juli d. J. hatte O. dem Anstreicher Georg M. eine Partie Bleirohre und von der Zeche Holland eihe Partie altes Eisen entwendet. Das Bleirohr, welches einen Werth von 120 M. repräsentirte, hatte er für 2M. an die Wwe. Sch.verkauft, die es an den Kaufmann Isaac B. hier wieder verkaufte. Der Polizei=Sergeant Pannasch stellte Recherchen an und brachte in Erfahrung, daß O. der Dieb war und daß er das gestohlene Gut an die Sch. verkauft, die es Morgens in aller Frühe nach bier geschafft unb an B. verkauft hatte. Als sich der Beamte dann in die Wohnung des O. begab, um dessen Verhaftung vorzunehmen, stürzte dieser sich auf den Beamten und schlug ihn mit einem Stocheisen auf den Kopf, daß er fast besinnungslos zurücktaumelte. Als der Beamte seinen Säbel zog und den O. über den Kovf schlug, sprang die Ehefrau O. hinzn und schlug ihn mit dem Stocheisen über den Kovf, so daß der Beamte jämmerlich zugerichtet und in Folge der erlittenen Perletzungen 14 Tage völlig und 14 Tage theilweise dienstunfäbig war. Nachdem nunmehr beide verhaftet werden sollten, leisteten sie heftigen Widerstand. O. wurde zu 2 Jahren Zuchthaus, 2 Jahren Ehrverluß und Stellung unter Polizeiaufsicht, dessen Ehefrau zu 4 Monaten und die Sch. zu einer Woche Gefängniß verurtheilt.— Mittelst eines Schlagringes und einer Pfeife hatte am 13. Juli cr., der Bergmann Christian H. von Herne, z. Z. hier in Untersuchungshaft, den Bergmann Wildelm L. bearbeitet, daß dieser in Folge der erlittenen Verletzungen 5 Tage arbeitsunfähig war, was ihm wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperv rletzung und verbotswidrigen Tragens eines Schlagringes 6 Monate Gefängniß und 30 Mark Geldbuße einbrachte.— Am Nachmittage des 9. August er. stahl der Bergmann Mathias L. von Hillen bei Recklinghausen aus dem Keller des Gerichtsvollziehe s Brusis 6 Flaschen Wein und in der Nacht zum 10. August 5 Flaschen Wein, wodurch er sich eines schweren und eines einfachen Diebstahls schuldig machte. Für dieses Vergnügen muß Angeklagter 8 Monate und 1 Tag ins Gefängniß wandern.— Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde der Fuhrkuecht Franz Sch. von hier, z. Z. in Untersuchungshaft, wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt.— Der mehrfach vorbestrafte Arbeiter Heinrich L. von Dortmund, z. Z. hier in Untersuchungshaft hatte hier im Umherziehen Taschenuhren verkauft, einen Genickfänger bei sich geführt und dem Schlosser S. die Legitimationspopiere entwendet. Angeslagter wurde wegen Diebstahls, Vergehens und Uebertretung zu 3 Monaten Befängniß 14 Tagen Haft und 30 Mark Geldbuße verurtheilt. * Grumme, 23. Sept. Ein Bursche von 17 Jahren hatte sich einen Revolver gekauft und probirte nun die Schußwaffe. Hierbei ging ein Schuß los und traf einen achtjährigen Knaben, dessen Tod sofort eintrat. Wiemelhausen, 23. Sept. Auf Zeche „Dannenbaum III“(Friederika) wurde am Donnerstag zwei Vergleuten das Lohnbuch gestohlen und der Lohn darauf erhoben. Mit welcher Frechheit der Dieb zu Werke gegangen ist, beweist der Umstand, daß er auf die Frage des bei der Auszahlung anwesenden Steigers P., er sei doch nicht Derjenige, dem das Buch geköre, antwortete, er hole das Geld in dessen Namen. Von dem Diebe fehlt bis jetzt jede Spur. Den Schaden wird die Verwaltung zu tragen haben. * Schalke, 23. Sept. In der hiesigen ka. 13,000 Katholiken zählenden Geneinde hat sich seit Jahren das Bedürfniß nach einem„Katholischen Gesellen=Verein“, herausgestellt, und wiederholt ist der Anfang zur Gründung eines solchen gemacht worden, aber noch nicht zur Vollendung gelangt. Neuerdings wurde die Sache nochmals in die Hände genommen und erfreulicher Weise sind die Arbeiten soweit gediehen, daß noch im Laufe der nächsten Woche eine Versammlung behufs wichtiger Besprechungen abgehalten werden kann. Bis jetzt haben sich schon viele Gesellen und Handwerksmeister in die Liste eingezeichnet. Der Tag der Versammlung wird noch näher bekannt gemacht werden. * Recklinghausen, 22. Sept. Am Montag ist in der Nähe von Gladbeck ein Schwindler aufgetaucht, welcher sich als Gerichtsbeamter ausgob und einer Bergmannsfrau in Abwesenheit ihres Mannes einen mit Adresse und Siegel versehenen Brief präsentirte, welcher eine Anweisung über 2000 Mark, zahlbar am 6. October cr., enthalte, von einem in Amerika lebenden Verwandten herrühre und gegen 5 Mk. 20 Pfg. Kosten aus zuhändigen sei. Die Anweisung stellte eine auf ein ungestempeltes Wechselformular geschriebene plumpe Fälschung dar. Der Gauner, dem es gelang, in diesem Falle den Betrag von 5,20 Mk. zu erschwindeln, wird wie folgt beschrieben: Schlanke Figur, mittelgroß, etwa 30 Jahre alt, kleinen blonden Schnurrbart, kurzgeschorenes blondes Haar; bekleidet mit braunem guten Anzug und Gerichtsuniformmütze. Er führte eine blaue Mappe bei sich. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß der Schwindler auch in unserer Gegend sein unsauberes Handwerk betreiben wird, so sei hiermit vor ihm gewarnt.— Die Diebe, welche vor einiger Zeit in der Gegend von Wanne verschiedene Pferde gestohlen und dieselben in Recklinghausen und Umgegend zu wahren Spottpreisen verkauft haben, sind jetzt festgenommen worden. * Paderborn, 23. Sept. Die Typhus= epidemie nimmt bedenklich zu, es sind 100 Fälle constatirt. Zumeist nimmt die Krankheit einen ziemlich milden Verlauf, jedoch sind auch schon mehrere Todesfälle vorgekommen. Das Militär ist am Sonntag, ohne in der Stadt Halt zu machen, in das Sennelager eingezogen, wo auch das bisher in der neuen Infanteriekaserne einquartierte Lehrbataillon weilt. Ueber die Ursache der Epidemie hat am Freitag eine Regierungs=Commission aus Minden unter dem Vorsitze des Geh. Sanitätsraths Dr. Rapmund eine Untersuchung angestellt, dem Vernehmen nach ist am wahrscheinlichsten das Leitungswasser der Pader Träger der Seuche. * Essen, 22. Sept. Meuterei im hiesigen Gerichtsgefängniß, womit sich in letzter Zeit die hiesige Strafkammer wohl mehr als andere Landgerichte zu beschäftigen hatte, bildete heute wiederum den Gegenstand einer Anklage. Es hatten sich dieserhalb zu verantworten der vielfach, zuletzt vom hiesigen Schwurgerichte wegen Falschmünzerei mit 8 Jahren Zuchthaus bestrafte Agent Wilhelm Spikerbohm aus Bottrop, der mehrfach bestrafte Bergmann Heinrich Stadtkowitz aus Schalke, die Schneider Nicolaus Reukel und Heinrich Kürschner aus Dortmund. Die vier Angeklagten versuchten in der Nacht vom 4. zum 5. Juli aus dem hiesigen Gerichtsgefängniß auszubrechen, indem sie von der eisernen Bettstelle des Stadtkowitz einige Fußbretter zusammenbanden und damit versuchten, die Traillen an den Fenstern zu durchbrechen. Die ersten beiden Angeklagten waren thätig, während die anderen den Aufpasser spielten. Der Versuch mißlang jedoch. Stadtkowitz hat außerdem den Gefangenen Mertes bedroht. Das Urtheil lautete gegen Spikerbohm und Stadtkowitz auf je neun Monate, gegen Reukel und Kürschner auf je sieben Monate Gefängniß. * Barmen, 23. Sept. Der Mörder Büchling ist thatsächlich noch Algier entkommen. Er hat von dort an den Untersuchungsrichter einen Brief geschrieben, in welchem er sich der That schuldig bekennt, jedoch bestreitet, mit Ueberlegung gehandelt zu haben. Büchling kündigt in einem Briefe an einen seiner Verwandten an, er werde in die Fremdenlegion eintreten. * Düren, 23. Sept. In der heute stattgehabten Sitzung des Wahl=Comitees für den Landtags-Wahlkreis Düren=Jülich wurde der Rittergutsbesitzer v. Grand=Ry zu Bonn einstimmig als Candidat für den Landtag wieder ausgerpfen. An Stelle des Gutsbesitzers Claessen, Haus Isencroidt, welcher wegen seines hohen Alters ein Mandat nicht mehr annehmen konnte, wurde Gutsbesitzer Stupp (Ameln) aufgestellt. : Aus den Provinzen, 23. Sept. Wie in einer Reihe anderer Orte ist auch in Rotthausen vor längerer Zeit ein Miethverein ins Leben getreten. Er hat in den Kreisen, für welche er gegründet wurde, lebhaften Anklang und zahlreiche Mitglieder gefunden.— Im Bahnhof Mengede entgleisten 4 Wagen eines Güterzuges. Dieselben mit Kalk, Eisentheilen 2c. beladen, schoben sich kreuz und quer durcheinander. Das Unglück ist noch gut abgelaufen, vom Personal ist Niemand verletzt worden. Der Materialschaden beläuft sich auf etwa 1000 M.— Der Alterspräsident des Provinciallandtags, Justizrath Geck in Hagen, ist im Alter von 78 Jahren gestorben.— Herr OberPostdirector Pankow ist in Münster nach langem Leiden gestorben.— Dem Mitgliede der Eisenbahndirection Essen, Oberbaurath Meißner, wurde der Rothe Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife verliehen.— In Crefeld brannte Nachts die Heß'sche Appretur=Anstalt nieder. Der Schaden ist groß.— Der Heizer des Frühzuges SolingenElberfeld wurde kurz vor der Einfahrt in die Station Haan von einer Signalstange am Kopfe getroffen, sodaß er bewußtlos und anscheinend schwer verletzt von der Maschine hinabstürzte.— Die Stadtverordnetenversammlung in Solingen beschloß, die Genehmigung zur Ausgabe von Stadtobligationen im Gesammtbetrage von 3 475 000 M. nachzusuchen. Die Mittel sollen größten Theils verwandt werden zur Deckung der Kosten für die Anlage einer Thalsperre im Sengbachthale.— Auf dem Adalbertsteinweg in Aachen wurde ein Reservist des 40. Regiments von einem Kleinbahnwagen überfahren und getödtet.— In Cassel stürzte plötzlich das Haus des Metzgermeisters Stracke unter lautem, weithin vernehmbarem Krach ein und zwar lag der vor einigen Jahrzehnten errichtete sog. Anbau mit allen seinen drei Stockwerken völlig in Trümmer. Eine Mietherin, Frau Körber, lag noch zu Bett und wurde sammt ihrem Bett und allen Möbeln unter den Trümmern begraben, kam aber wie durch ein Wunder mit dem Leben davon. Die Feuerwehr befreite sie nach mehrstündiger Arbeit aus ihrem lebenden Grabe. Vermischtes. * Memel, 23. Sept. Dem„Memeler Dampfboot“ zu Folge sind während der Sturmfluth in der Montag=Nacht an der russischen Küste zwischen Polangen und Libau gegen 120 Fischer ertrunken. * Gelegentlich der Thronbesteigung der Königin Wilhelmina wurden besonders verdienstvollen Häupt lingen im niederländischen ostindischen Archivel folgende Auszeichnungen verliehen: 2 goldene Spazierstockknöpfe mit dem niederländischen Wappen, 8 orangefarbige Sonnenschirme mit Wimpeln 1. Klasse, 8 weiße Sonnenschirme mit Wimpeln 2. Klasse und 30 blaue Sonnenschirme mit Wimpeln 3. Klasse. Billig! Neueste Nachrichten und Telegramme. * Berlin, 23. Sept. Die deutsche evangelische Gemeinde in Jerusalem wird dem Kaiser bei seinem Besuche in der heiligen Stadt eine Bibel widmen. Sie ist in der württembergischen Bibelanstalt in Stuttgart fertiggestellt worden und das erste Exemplar einer ganz neuen von der Bibelanstalt veranstalteten Ausgabe. Ihr Format ist 23: 32 Centimeter. Sie bekommt einen geschnitzten Oliven= und Cedernholzdeckel nach einem Entwurfe des Oberbauraths v. Goltz, der jetzt in Jerusalem ist.— Zum festlichen Empfang des Kaisers sind auf Befehl des Sultans auch in Beirut und Damaskus besondere Festausschüsse gebildet worden, die schon jetzt in voller Thätigkeit sind. In Damaskus wird der Kaiser im Palais des Gouverneurs wohnen. * Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist gestern von Alt=Aussee abgereist und hat sich zu kurzem Aufenthalt nach Baden=Baden begeben, von wo er Ende nächster Woche voraussichtlich wieder in Berlin eintreffen wird. * Ein parlamentorischer Berichterstatter will erfahren haben, ein höherer Beamter im Reichspostamt sei durch Staatssecretär v. Podbielski beauftragt worden, die Grundzüge einer Personalreform der Post auszuarbeiten. * Stettin, 23. Sept. Das Kaiserpaar ist Mittags 12 Uhr zur Eröffnung des neuen Hafens hier eingetroffen. An der Feier nahmen Theil die Minister Brefeld, Bosse, Thielen und von der Recke. Die Stadt und die Schiffe waren festlich geschmückt. Nachmittags 2 Uhr reisten der Kaiser und die Kaiserin nach Rominten ab. * Posen, 23. Sept. Auf das Telegramm des Erzbischofs v. Stablewski an den Kaiser von Oesterreich, worin der Erzbischof dem Kaiser Anzeige von dem Requiem machte, das er für die verstorbene Kaiserin celebrirte, sandte der Kaiser unverzüglich an den Erzbischof folgendes Telegramm: „Herzlich gerührt, danke ich für das Opfer der hl. Messe, welche in christlicher Liebe dem Seelenheil der theuersten Todten und meinem Trost geweiht worden ist.“— Das„Vaterland“ und die„Reichswehr“ melden aus Laibach: Die Parteileitung und die Abgeordneten der slovenisch=katholischen Partei haben einstimmig den Austritt aus der Regierungsmajorität und die Politik der freien Hand beschlossen, sowie die Fortsetzung des Kampfes um die nationale Gleichberechtigung und Stellungnahme gegen den Ausgleich. Der weitere Bestand des slovenisch=christlichen Verbandes, vor allem der weitere Bestand der alten Majorität der Abgeordneten, erscheint durch diese Beschlüsse ernstlich in Frage gestellt. * Bern, 23. Sept. Der Bundesrath beschloß, 23 Anarchisten auszuweisen. * Wien, 23. Sept. Aus Canes wird gemeldet, daß Admiral Noel gestern in Suda angekommen ist. In einer Sitzung der Admirale schlug Noel vor, die Missethäter von Candia durch ein englisches Militör=Gericht aburtheilen zu lassen. Der Vorschlag wurde angenommen. * Agram, 23. Sept. Die Gendarmerie verhaftete in Pesawrina einen Auarchisten. Man fand bei demselben einen scharfgeschliffenen Dolch, einen geladenen Revolver, 250 scharfe Patronen und in das Rockfutter eingenäht zahlreiche Photographien hochgestellter Persönlichkeiten Oesterreichs. Der Verhaftete ist ca. 25 Jahre alt, ein Deutscher (aus Westfalen) und äußerst intelligent. Er soll am 16. d. M. in Zürich eine Geldanweisung aus Paris über 100 Francs in Empfang genommen haben und soll am 17. in Genf gewesen sein. * Paris, 22. Sept. Der„Temps“ erörtert den Ernst der jetzigen Situation und fordert die Regierung auf, neue Fehler zu vermeiden und die einzige Maßregel durchzusetzen, die noch Rettung verspreche. Nachdem gestern das Civilgericht das Verfahren gegen Piequart ausgesetzt, unter Hinweis auf die Einleitung der Revision des Dreyfusprocesses, dürfe dem Militärgericht nicht zugestanden werden, dem Kassationshof vorzugreifen durch eine überstürzte Verhandlung gegen den nämlichen Piequart. Alle diese der Dreyfus=Angelegenheit untergeordneten Processe müßten ruhen, bis der jetzt allein souveräne Kassationshof gesprochen habe.— Brissons Vorschlag, dem General Zurlinden eine Rüge zu ertheilen, weil er schon einen Tag vor seiner Amtsernennung eine Amtshandlung, die Uebersendung der Piequartacten an den General= procurator, vorgenommen habe, wird im nächsten Ministerrathe verhandelt werden. Es wird als eine Thatsache von großer Wichtigkeit betrachtet, ob Zurlinden wirklich eine Rüge ertheilt wird und ob er, falls dies geschieht, seinen Gouverneurposten behält.— Zola wird, wie mit Bestimmtheit verlautet, Anfang nächsten Monats nach hier zurückkehren.— Die auswärts verbreiteten Gerüchte über Straßenexcesse sind vollkommen unbegründet; es herrscht vollständige Ruhe und ist nicht die geringste Störung vorgekommen. * London, 23. Sept. Das„Reutersche Bureau“ vernimmt, in Finanz= und Bankierkreisen der City hege man keine Befürchtungen bezüglich der argentinisch=chilenischen Streitfrage. Es werde vielmehr die Ueberzeugung ausgesprochen, die Angelegenheit werde eine baldige befriedigende Lösung finden. * Madrid, 23. Sept. Vega de Armijo erklärte auf Befragen, die Cortes würden vor demn Schluß des Jahres zusammentreten, um über den Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten zu berathen. * New=York, 23. Sept. Der„New=Yor Herald“ meldet aus Rio de Janeiro: Am Dienstag brachen in Sao Paola Unruhen aus, indem Anarchisten die dort ansässigen Italiener hindern wollten, ein Nationalfest zu feiern. Die Polizisten feuerten und mehrere Anarchisten wurden verwundet. Die Stimmung gegen die Italiener ist sehr erbittert. Die Polizei bewacht das italienische Consulat. * New=York, 23. Sept. Auf dem Gebiete der Kohlengruben bei Brownsville in Pennsylvanien fand eine Explosion schlagender Wetter statt, wodurch 50 Arbeiter verschüttet wurden, von denen bisher zwei todt herausgeschafft sind. * Santiago de Chile, 23. Sept. Der chilenische Minister des Auswärtigen und der Gesandte Argentiniens unterzeichneten gestern hier ein Uebereinkommen, wodurch beide Länder die zwischen den Sachverständigen strittigen Punkte betreffend die Grenzlinie vom 25., 52. und 45. Breitegrad bis zum südlichsten Theile der Grenze dem Schiedsspruch der Königin von England unterwerfen. Die Verhandlungen dauern zwischen den beiden Regierungen bezüglich der Grenze nördlich des genannten Breitegrades fort; die Schwierigkeiten sind noch nicht behoben, da Chile auch diesen Theil der Grenzlinie dem Schiedsgerichte unterwerfen will, während Argentinien dies ablehnt. 5 Paris, 24. Sept.(Telegramm.) Picquart wurde gestern nicht verhört. Labori erschien zweimal im Gefängniß, um Picquart zu sehen. Man antwortete ihm jedoch, Picquart sei im engeren Gewahrsam und die Erlaubniß, ihn zu sehen, würde erst ertheilt, wenn die Versetzung in den Anklagezustand angeordnet sei. Paris, 24. Sept.(Telegramm) In ministeriellen Kreisen glauht man, die Commission sei für die Revision. Es verlautet, Brisson sei gegen die Einberufung der Kammer, da er glaubt, die Revisionsfrage sei nur Sache der Regierung. ( Paris, 24. Sept.(Telegramm.) Admiral Reveiller richtete an den früheren Colonialminister und dem jetzigen Deputirten Guilysse, der sich gegen die Einberufung der Kammern anläßlich der Revisionsfrage ausgesprochen hatte, ein Zustimmungsschreiben, worin er erklärt, jetzt, wo ein Theil der Presse an die Gewaltthätigkeit und an einen Staatsstreich appellirte, sei der Cassationshof allein berufen, Frankreich aus den unglückseligen Wirrsalen herauszuführen. Es sei ausschließlich Sache des Cassations= hofes, über die Revision Beschluß zu fassen. * Rom, 24. Sept.(Telegramm.) Die„Agencia Stefani“ erklärt die Meldung des„Daily Telegraph“, Italien hätte die Absicht gezeigt, in der Angelegenheit betreffend Creta in den Hintergrund zu treten, für völlig falsch. England, Rußland, Frankreich und Italien seien in völligem Einvernehmen über die Art des Vorgehens gegen die Türkei auf Creta. C London, 24. Sept.(Telegramm.) Die „Pall Mall Gezette“ schreibt, der britische Consul in Schanghai habe die Nachricht übermittelt, daß der Kaiser von China ermordet sei. Das Auswärtige Amt bezeichnet die Nachricht nicht als officiell, sondern lediglich als Wiedergabe des Straßengerüchtes. New=York, 24. Sept.(Telegromm.) Bei der schon gemeldeten Explosion in der Kohlengrube von„Browusville" wurden 54 Bergleute verschüttet, von denen 27 durch einen anderen Schacht entkamen. Fast alle sind verletzt, 8 Leichen sind geborgen, für die übrigen 19 scheint keine Rettung vorhanden zu sein. Die Explosion soll durch Bergleuten verursacht sein, die offene Lampen gebrauchten. 0 mmm Bekanntmachung. Durch Gemeindebeschluß vom 10. Juni/14. Juli d. J. und unter Zustimmung der Polizeiverwaltung ist für den zwischen Wullenstraße und Gemeindegrenze belegenen Theil der Krummestraße auf Grund der Bestimmung im§ 1 des Gesetzes vom 2. Juli 1875(G.=S. S. 561) ein Straßen= und Baufluchtlinienplan festgesetzt worden. Indem wir Vorstehendes zur öffentlichen Kenntniß bringen, bemerken wir, daß der Fluchtlinienplan gemäß der Vorschrift im§ 7 a. a. O. vom 30. d. ab vier Wochen lang im Stadtbauamte(Zimmer Nr. 17 des Rathhauses) zu jedermanns Einsicht offen gelegt wird. Etwaige Einwendungen gegen den Plan können binnen per vorbezeichneten präklusivischen Frist bei uns angebracht werden. Witten, den 22. Septbr. 1898. Der Magistrat: Dr. Haarmann. Ssehme ur etachung. Hieourch bringen wir in Erinnerung, daß gemäß§ 3 der MarktOrdnung für die Stadt Witten vom 2. Januar und 21. Juni 1888 die Wochenmärkte in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März um 8 Uhr morgens beginnen und 1 Uhr nachmittags endigen. Witten, 21. September 1898. Die Polizei=Verwaltung Dr. Haacmann. Beranntmachung der Wittener PfandleihAnstalt Wwe. Joh. Wilh. Wolff. Der Verkauf der in dem Monat Juli 1897 unter Nr. 69533 bis 71124 versetzten und noch nicht eingelösten Pfänder findet am Donnerstag den 29. Septemb. er., morgens 9½ Uhr anfangend, im Hemsoth'schen(Claasen) Saal statt. Zur Versteigerung kommen: Große Posten Herren= und Hangeslede ueberzieher, untel, Betten, Leinwand, Bettüberzüge, Siamosen, Kleiderstoffe, Buxkin, Hemden, Unterjacken, Harmonikas, Gabeln, Messer, Löffel, Spiegel, Bügeleisen, Regenschirme, Regulateure, Taschen=,Wandu. Weckuhren, goldene Ringe, Kreuze, Medaillons, Ohrringe, Halsketten, Silbersachen, 2 Nähmaschinen, 1 Kommode, Kinderwagen 2c. 2c. Die beim Verkauf erzielten Ueberschüsse können die betr. Verpfändes egen Rückgabe des Pfandscheines 14 Tagen in meinem Gelokale, darnach bei der Stadtisse erheben. Nach Jahresfrist verleselben der Armenkasse. in großartiger Ausführung, liefert in kürzester Frist die Buchdruckerei H. Bringewald vorm. Herm. Schumacher. Mehrere gutgehende chaften in der Stadt, wie auf dem Lande, mit oder ohne Inventar und Land, sowie ein für jede Branche geeignetes Haus, in einer mittl. Stadt Westfalens habe preiswerth zu verkaufen. Näh. bei Aug. Rüther, Menne i. W. Mehrere Erd=Arbeiter finden dauernde Beschäftigung im Steinbruch von W. Klosterkötter, Bommern. Nach Schluß der Redaktion eingegangene geübttheilungen. * Witten, 26. Sept. Der hiesige Kathol. GesellenVerein feierte gestern sein 35jähriges Stiftungsfest im kath. Gesellenhause. Der große Saal desselben war zu diesem Zwecke hübsch decorirt worden. Die Theilnahme an der Feier war eine so große, daß der geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Die angekündigte Festrede hielt Herr Caplan Stuhlmann aus Dortmund. In ca. 1stündigen Ausführungen sprach der hochw. Herr über die Fundamental=Grundsätze, den Zweck und die Ziele der kathol. Gesellenvereine. Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die Aufführung des Handwerkerstückes sowie alle übrigen Theater=Aufführungen wurden ausnahmslos zur größten Zufriedenheit gegeben und waren deshalb auch die Beifallsspenden nach jeder Aufführung die reichsten. Ausnahmsweise sehr gu gesiel der Solo=Vortrag„Andreas Hofers Tod.“ zur Verschönerung des ganzen trug wesentlich die GesangAbtheilung des festgebenden Vereins bei, die durch ihre hübschen Lieder=Vorträge sehr erfreute. Mit den Leistungen des hiesigen Orchestervereins, welcher die Musik stellte, hatte man allen Grund, zufrieden zu sein und wurden die einzelnen MusikPiecen denn auch sehr beifällig aufgenommen. Die ganze Feier nahm den würdevollsten und gemüthlichsten Verlauf und reiht sich das 35. Stiftungsfest den früheren Festen würdig an. Gott segne das ehrbare Handwerk! *— Wie gestern von der Kanzel bekannt gemacht wurde, beginnt die Schulmesse im Monat Oktober(Rosenkranz= Monat) an allen Tagen um 7 Uhr. 8— Die Schulamtsbewerberin Fräulein Magdalena von Elm von hier ist von der Kgl. Regierung zu Düsseldorf vom 1. Oktober ab zur Lehrerin an der kath. Volksschule zu Willich bei Crefeld provisorisch ernannt worden. 0— Die elektrische Bahn nach Bommern zu ist bis zur Ruhrbrücke ungefähr fertig gestellt. In dieser Woche sollen jenseits der Brücke die Arbeiten in Angriff genommen werden. Bekanntlich wird die Chaussee nach Bommern von der Eisenbahn durchschnitten.. Die Gesellschaft muß nun, um über diese Bahn die Geleise der elektrischen Bahn legen zu können, von der Eisenbahn=Verwaltung die Erlaubniß dazu haben. Diese soll bis jetzt noch nicht ertheilt sein. □— Der hiefige Verein für Canarienzucht und Vogelschutz„Canaria“ veranstaltet auch in diesem Jahre wieder eine Ausstellung von Canarien, Exoten und VogelzuchtUtensilien. Dieselbe wird mit Prämiirung und Gratis=Vertheilung von Canarien=Hähnen und Vogelbauern verbunden sein. Die Ausstellung findet am 3., 4., 5. u. 6. December in den Räumen des Gasthofs„Zu den 3 Kaisern"(Joh. Siepmann) Johannisstraße, statt. 8— Verhaftet wurde am Samstag Nachmittag ein Mensch, welcher einem Anderen einen, auf eine Uhr lautenden Pfandschein entwendet hatte und dann den Versuch machte, die Uhr in der Hahn'schen Pfandleihanstalt einzulösen. Somen Scham Schsfel mit Johannisstrasse 16. Einem geehrten Publikum von Witten und Umgegend bringe meine Schnell-Sohlerei und Reparatur-Werkstätte in empfehlende Erinnerung. Preis-Liste: Herren=Sohlen 1,70 Mk. Damen=Sohlen 1,20„ Knaben=Sohlen v. 1,20 M. an. Mädchen=Sohlen v. 1,00 M. an. Herren=Absätze Damen=Absätze Knaben=Absätze Mädchen=Absätze Kinder=Absätze Alle vorkommenden Arbeiten werden gut und elegant auf Wunsch binnen 30—50 Minuten ausgeführt, kleinere Reparaturen werden sofort gemacht. Die Hauptsache ist aber die, daß nur gutes Kernleder bester Gerbung zur Verwendung kommt. Mit bester Empfehlung Hochachtungsvoll! E. Weerth. N. B. Anfertigung sämmtlicher Schuhe u. Stiefel nach Maaß werden gut u. dauerhaft binnen 2 Taen hergestellt. F. Hiepent, Hauptstrasse 21. Solinger Stahlwaaren. Empfeble in großer Auswahl: Tafelmesser u. Gabel Dessertmesser, Tranchir=Besteck in Ebenholz=, Hirschhorn=Elfenbein. Schaalen, Taschenmesser, sowie alle andern Sorten von Messer u. Scheeren mit u. ohne Etui, Thee= und Eß=Löffel, Kaffeemühlen. Das Schleifen der Rasirmesser und Scheeren wird prompt und billig ausgeführt. Geockäfto-C)Bücker als: Saupsbücher, Aschost-Soginr %äücker, Cournale, Strassen uow. in dauerkaften Cinbänden und vorzüglichen Napier-Cualitäten etets vorrättig. 9Cack Dorockrift beotellte Geockäftsbucher werden ochnellstene Qeuchkandf. C. Oöringewatd SComptotr. 79. vom Odontern““, Sngrac. Stets reichhaltiges Lager in: Amerikanischer, slavonischer und oberländer Eiche, ferner Buchen, Kiefern Fichten, Pitschpine, eichen und tannen Kantholz, ausgeschnittene eichene und buchene Treppenstufen, Bord, Rahmen, Latten, Schutzdecken, Hobelielen, Stabbretter, Fußleisten, Stuhlleisten, Kalkleisten, Thrüriegel 2c. Ausführung von: Canalisirungen in Thon= und Cementrohre, Trottoiranlagen in Asphalt, Cementbeton, Thon=, Sandstein= u. Cementplatten, Pflasterungen, Flurund Küchenbeläge in Mosaik= u. Thonplatten, Marmor=Mosaik=Terrazzo, Wand=Bekleidungen in Porzellan=Platten. Fertige Thüren, Rollläden, Roll=Jalousien, Bauholz nach Liste werde in kürzester Frist geliefer:. Marmor=Waschtischaufsätze und Nachttischplatten. Vertreter der westdeutschen Verkaufsstelle für Verblendsteine in Köln. Mäurer& Wirtz Seifen-Extract mit dem Pferd garantirt ganz hervorragend für Wäsche u. Hausputz, d. schonend arbeitet gründlich, angenehm riechend, und sparsam. Vor den überschwenglichen Aupreisungen sonstiger Waschmittel als „ebensogut“ oder sogar„noch besser“ wird dringend gewarnt. Die allein. Fabrikanten: Mänrer& Wirtz, Stolberg(Rhld.). Zu sofort werden 4 bis 5 Erdarbeiter zum Setzen von 80 Holzmasten einschl. Löcher hacken gesuch:. Zentral=Verkaufsstelle Deutscher Maschinenfabriken, G. m. b. Barmen, Baubureau Linden a. d. R. Tüchtige Erdarbeiter gegen hohen Lohn und bei dauernder Beschäftigung für die Kanalisation in Wattenscheid sofort gesucht. Hermann Müller, Bochum. Tafelbutter, Wastgeflügel, Bienenhonig etc. liefert per 10 Pfd. Colli fre. Nachnahme bei Vorhienein 3% Sconto. Ia. Naturbutter Mk. 5,75 „ Kuh= und Schaf=Käse von Mk. 2,75—4. „ Bienenhonig Mk. 4,25 „ Rind= u. Kalbfleisch, 4.— 60 Stück große Eier„ 3.— 4 Stck. große fette Hühner„ 5.— 5 Stck. große fette Hähne, 5.— 1 große Gaus gemästet„ 5.— 3 große Enten, gemästet„ 5.— Alles frisch geschlachtet. Ferner liefere pr. Eilgut, Fracht und Zoll frei ab jede Station unter gar. leb. Ankunft 25 Stück ff. Legehühner und 1 Hahn Mk. 25, oder 30 Stück fette Hähne Mk. 25, oder 12 Stück fette Enten Mk. 20, oder 6 Stück fette Gäuse Mk. 22, oder 2 Paar Puter für Mk. 25. Himbeersaft à 30 Pfg., detto geschmorrt à 60 Pfg. pr. 1 Liter. gegen Vorhienein mit 3% Sconto oder 25% Angabe u. rest. Nachnahme.: F. Hecht, Solotwina bei Nadwörna. SchutzMarke. Bei vorkommenden Sterbefällen empfehle einem geehrten Publikum von Witten und Umgegend mein reichhaltiges Lager in Särgen jeder Größe. Die weltbekannte Nähmaschinen=Großfirma M. Jacobsohn, Berlin, Linienstr. 126, a. d. Gr. Friedrichstr., bewährt durch langjähr. Lieferungen an Mitglieder von Forst=, Bahn=, Post=, Militär=, Krieger=, Lehrer= u. Beamtenvereinen, vers. d. neueste Familien=Nähmaschine„Krone“ für Schneiderei und Hausarbeit und gewerbliche Zwecke, starker Bauart, mit allen Apparaten, mit Fußbetrieb u. Verschlußkasten für Mk. 50. Dieselbe Maschire Ausstattung II Mk. 45. Vierwöchentl. Probezeit. 5jähr. Garantie. Wasch= u. Rollmaschinen, sowie schwere Maschinen für Schuhmacher und Herrenschneider zu billigsten Preisen. Viele 1000e in Deutschland gelieferte Maschinen können fast überall besichtigt werden. Kataloge u. Anerkennungen kostenlos franco. Maschinen, die in der Probezeit nicht gut arbeiten, nehme auf meine Kosten zurück. Die bekannten Marken Krone sowie Militaria=Herren= u. Damen=Fahrräder von Mk. 140 an. Obige Adresse genau ausschreiben! Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Gleichfalls sind sämmtliche Leichenbedarfsartikel, wie Hemden, Strümpfe, Mützen, Schuhe, Handschuhe 2c. stets am Lager. Jeder nicht vorräthige Sarg wird innerhalb zwei Stunden auf meiner eigenen Schreinerei angefertigt. Zur würdigen Ausschmückung des Sterbezimmers gebe zudem meinen hübschen neuen Kerzen=Kandelaber(Leuchter)“ leihweise zum billigen Preise ab. Achtungsvoll Deutsche Hausfrauen! Die in ihrem Kaupf um's DaseinTschwerringenden armen nüringer Handweber bitten um Arbeit! Schöner stolzer Schnurrbart. Bernh. Voss vorm. F. Nüthen, Witten, Ardeystrasse 31. Kartoffeln=Verkauf. Di für Herrn den 27. September, sittags 4½ Uhr, dr. Frahne in dem Humpoth. Ein urdentlicher Bäcker=Geselle auf sofort gesucht. Aug. Mühlhaus, hattingen. Ein Zimmermann oder Schreiner gtugt. Zoche Friedlicher Nachbar, Linden i. 29. die Zierde eines jeden Herrn Kuhlmann’s berühmtes Bart-Pasta wirkt in kurzer Zeit. Garantiert unschädlich. à Dose 8 Mark, per Nachnahme oder vorh. Einsendung. Briefmarken nehme in Zahlung. Carl Kuhlmann, Düsseldorf, spezialist für Haar- u. Bartpflege. Pähnen Reinecke, Hannover. ittener Corsett-u. Dieselben bieten an: Tischtücher, Servietten, Taschentücher, Hand= u. Küchentücher, Scheuertücher, Rein= u. Halb=Leinen, Bettzeuge, Bettköpers und Drells, Halbwollene Kleiderstoffe, Altthüringische= und Spruchdecken, Kyffhäuserdecken usw. Do- Fertige Wäsche! Sämmtliche Waaren sind gute Handfabrikate. Viele tausend Anerkennungsschreiben liegen vor. Muster und Preisverzeichnisse stehen auf Wunsch portofrei zu Diensten und wolle man sich dieserhalb wenden an den Vorsitzender C. F. Grübel, Landtagsabgeordneter. Bandagen-Fabrik Alienmenn. R. Lüdecke, Poststrasse 4. 20 Liter Weißwein im Faß von# 10 M an, 20 Flaschen= mit Glas=. 12„ Liter Rot Jalousien und Rollläden liefert in bestbewährter Konstruktion mit langjähr. Garantie billigst die Düsseldorfer Jalousie-Fabrik. 20 Eiler chwein im Faß.. 12 20 Flaschen: mit Glas=. 14 versendet unter Garantie für reine Traubenweine. Kein Risico, wenn nicht gefällt, nehme zurück. Referenzen erbeten oder Nachnahmeversand, Johannes Ohlig, Weinproducent, Winkel i. Rh eingau. Vertreter gesucht. Kechnungs Zurmatart empfiehlt billigst die Buchdruckerei von H. Oringewald. Witten a. d. Ruhr, Hauptstr. 68, Holz- und Baumaterialien-Handlung, Steinbruchbetrien endétall. Thonrohre, Steingut= u. Porzellan=Trichter, schott. Nohre, guß. Krümmer und Geschränke, Dachpappe, Nägel, Portl. Cement, Gyps, Gypsdielen, Schwemmsteine, Mosaik= u. Thonplatten, Porzellan=Wandplatten, Treppen, stufen Tröe Schleif= S“ Carbolineum Cement=Kamin=Rohr stufen, Troge, Schleif= u. Spülsteine, Carbenmum, Cement=Kamin=KohreNr. 221. Erschrtut 15ch Abommunntaprrte un glochen und pro Monat, dur #versite#. 4— Stranssrluu für ia 9. Brln##me o Politisa Am Samstag fei tags= und Landtag Ernst Lieber mit in Camberg das Fest Vor wenigen Tagen i tarier aus Nordame wath zurückgekehrt. jetzt dem gefeierten nischem Boden ein bereitet. Die ihm nicht blos seiner Per trumsfraction, Dr. Lieber von ihre seit dem 16. Novemb des Regierungsbezirks kreis) im preußischen für den 3. Wahlkreis baden(Braubach) im Porlamentarier ist ge zu Camberg unweit maligen Herzogthum Hessen=Nassau. Sein in nassauischen Dier kenntnißreicher und g die katholische Kirch Verdienste erworben Privatunterricht im war, besuchte er von in Aschaffenburg und Hadamar bei Limbur 1861 studirte er al burg, München, Bon Jurisprudenz und Ste in Heidelberg zum war da bis Mai 14 Heidelberg und Mü Studien thätig. Das glieder zählen, die I namentlich so umfasse e in. Parlament, sonder lichen Vorträgen, Städten seit Anfang gerufen sind, zahlreic Dr. Lieber 1870 Mil netenhauses und 187 Reichstages geworde 24. September 1873 Katholiken Berlins hochgeschätzten Geh. Berlin. 25 Jahre Tage verflossen. D ein Hermann von August Reichensperge Alst— sie alle ruh Kräfte sind an ihre S vorragendsten ist der 5 Fest der silberen Hochz nicht vorüber gehen Führer des Centrun ehrung und Anerkei innigsten Wunsche, de möge zum Segen der des deutschen Vaterle Der juristische K linden ausgeführt noch vor dem eigentl proceßrevisio c Die Roman Die kleine Gemein edlen That und schten n Findling ols Gemeingut Walter Siegfried, der n fungirte, in eine solche 2 später Mühe hatte, ihn nöthigt sah, ihm eine se Anrechts auf das von Namen Eva Helbach fül Am nächsten Morger von seinem Stiefvater, schwer erkrankt sei und konnte er erst nach zwei von der ihm liebgeworde seinem Findling, den hoben wußte, Abschied u die nächste Zukunft des Thomsen ihn und sein Büchsenschuß weit drauß den man nach amtlicher von dem harrenden Pas die ganze Bevölkerung d an der Spitze, stand am den alle liebgewonnen,e noch lange schaute der C geblieben war, dem Dar schießende Möve am Hof Walter Siegfried Verhältnisse auf der ein Vaterhaus zurückgekehrt Mutter lag bereits im aus der sie nicht wieder die anfangs nicht für g sie so schnell dahingeraff Weshalb hatte de dem Anblick des Sohne richtigt? „Weil ich Dich nie