1— Freitag, 12. August 1893. Erscheint täglich, mit Auenahun der Sonn- und Astertage. Abonnsmentoprete mbl den Graftabrilagen„Sonntagsfreude“,„Neterglochken“ und„Sterns und Blunten“ durch dis Boten zugestellt nur 50 Hig. pro Monat, durch dis Dos bezogen nur 1.80 Dlk. pro Buartal. „"„ Nr. 182. Dritter Jahrgang. Preis für die 1spaltige Pelitreile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen entlprechenden Rabalt. Größere Anzeigen können nur bis spätestene Abendo 5 Uhr nommen werden, ganz dringende Inserate bis Morgens 8 Uhr. Geschäftostelle: Witten, Haupkstraß 70. K Verantwortlich für den 6. Jrlasewald. Beich Telephon=Auschluß 130. Centrums-Organ für das Ruhrthal. Telegramm=Adresse: Vellszeitung, Witten. Druck und Verlag von d. Bringeweld, Wittk. estellungen miere Zetung verden unserer Geschäftsstelle und von den Boten jederzeit entgegengenommen. o Politische Tagesübersicht. Zur Wiederbesetzung des Culmer Bisthums wird gemeldet, daß von der Candidatenliste so viele Namen gestrichen worden seien, daß von der Wahl eines Bischofs in absehbarer Zeit keine Rede sein könne, die Regierung solle eine neue Candidatenliste eingefordert haben.— Der„Gaz. Tor.“ wird aus Pelplin berichtet, daß bezüglich der Besetzung des Bischofsstuhls Seitens der Regierung, unter Umgehung des Domcapitels, Verhandlungen mit dem Papste auf directem Wege eingeleitet sein sollen. Der Wunsch der Regierung sei, den Domherrn Tetzlaff aus Posen auf den Bischofsstuhl zu setzen. Diese Praxis der Regierung hat ihre sehr schweren Bedenken. Das Wahlrecht des Domcapitels ist an sich schon in recht bescheidenen Grenzen gehalten; wenn es nun in Folge der Maßnahmen der Regierung noch in zahlreichen Fällen überhaupt nicht zur Geltung kommt, so bleibt schließlich nichts davon übrig, als eine Art Decorationsstück, über welches der Minister im Interesse der Staatsomnipotenz und des Staatskirchenthums nach Belieben schalten kann. Ein glänzendes Beispiel der Festigkeit hat das Freiburger Capitel gegeben, hoffentlich findet es bei den preußischen Capiteln allgemeine Nachahmung. Die preußische Regierung steht sicher nicht in dem Rufe, von ihren Rechten sich etwas nehmen zu lassen; in der Beziehung fasse man ihr gegenüber sie als Muster auf und halte an den kirchlichen Befugnissen unbedingt fest! Das Entlassungsgesuch des Fürsten Bismarck knüpfte bekanntlich an die Absicht des Kaisers au, die Cabinetsordre von 1852 aufzuheben, die nur dem Ministerpräsidenten das Recht des unmittelbaren Vortrages bei dem Könige zuerkennt, den Vortrag des einzelnen Ministers aber von der Zustimmung des gesammten Ministeriums und des Präsidenten abhängig macht. Fürst Bismorck weigerte sich, in die Aufhebung jener Cabinetsordre zu willigen, da er, wenn jeder einzelne Minister ohne Befragen des Präsidenten dem Könige Vortrag halten könne, vicht mehr die Verantwortlichkeit für den Gang der Politik übernehmen könne. Wie die Angelegenheit ins Rollen kam, darüber giebt der „Reichsbote“, der ja zu Hofkreisen Beziehungen hat, folgende nicht unglaubliche Mittheilung: „Uns erzählte ein inzwischen verstorbener hervorragender Abgeordneter, in Folge der häufigen und langen Abwesenheit des Fürsten Bismarck von Berlin habe sich der Kaiser hier ganz vereinsamt gefühlt, zumal auch kein Minister zu ihm gekommen sei, um ilm Vorträge zu halten. So habe er denn einmal zu einem Minister gesagt:„Was ist denn das, ich sehe und höre ja nichts mehr von meinen Ministern, haben sie mir denn gar nichts vorzutragen?" Darauf habe der Minister bemerkt, daß die einzelnen Minister zu solchen Immediatvorträgen nicht berechtigt seien, sie hätten ihre Vorträge immer nur dem Ministerpräsidenten zu machen, und dessen Sache seien dann die Vorträge bei dem Herrscher. Darouf habe der König gesagt:„Das ist aber doch ein unhaltbarer Zustand, ich bin dadurch ja doch vollständig bei Seite gestellt; einer kann doch nur König sein, und ich bin einmal dazu berufen, also muß ich es auch sein und regieren.“ Fürst Bismarck ging, aber merkwürdiger Weise wurde die Cabinetsordre, deren Festhalten den Anlaß zu seinem Sturze gab, nicht aufgehoben, sie ist heute noch formell in Geltung, ob auch materiell, ist freilich eine andere Frage, die man schwerlich bejahen kann; wir möchten wenigstens nicht glauben, daß die heutigen Minister, insbesondere Herr v. Miquel, jedesmal erst die besondere Zustimmung des Fürsten Hohenlohe einholen, ehe sie dem Kaiser Bericht über eine Frage ihres Ressorts erstatten. Fürst Hohenlohe wird allerdings auch schwerlich ein derartiges Verlangen stellen und überhaupt wohl kein Ministerpräsident mehr eine so überigächtige Stellung erlangen wie Fürst Bismarck, am wenigsten unter Kaiser Wilhelm II. Wie erinnerlich, wurde bald nach den Wahlen dem Kriegerverein in Halle von der Polizeibehörde aufgegeben, den Subdirector Lange aus dem Verein zu entfernen, weil er mit socialdemokratischen Reichstagsabgeordneten verkehrt habe. Der Verein beschloß jedoch, diesem Ansuchen nicht stattzugeben. Ueber die weitere Entwickelung dieses Falles meldet die„Scaleztg.“: Die Folge davon war, daß der Vorstand sein Amt niederlegte und Olerpolizeiinspektor Hauptmann d. L. Wehdemann mit vier weiteren Ehrenmitgliedern und zehn Mitgliedern aus dem Verein ausschieden. Es fand nun am vergangenen Sonnabend eine außerordentliche Generalversammlung der „Germania“ statt, deren Ergebniß den Beweis dafür liefert, daß der Verein in seiner großen Mehrheit nichts weniger als einzulenken beabsichtigt. Es wurde nämlich nach bewegten Debatten Subbirector Lange, der schon früher das Amt des Vorsitzenden bekleidet hatte, mit 51 gegen 10 Stimmen zum Vorsitzenden wiedergewählt. Dieses Stimmenverhältniß ergibt, daß die starke Minorität, die in der vorigen Versammlung für Langes Ausschluß war, inzwischen erheblich zusammengeschmolzen ist. Die nächste Folge wird nun der Ausschluß der „Germania“ aus dem Bezirksverband sein. Auf dem darüber nach Berlin zu erstattenden Bericht müssen der weitere Ausschluß aus dem Kriegerbund und die Entziehung der Fahne sowie die Anordnung polizeilicher Ueberwachung der Vereinsversammlungen folgen. Wenn die„Saalezig.“ hierzu meint, daß die Entwickelung dieses Falles beweise, wie in den Kriegervereinen eine social demokratische Unterströmung stark zu wirken anfange, so scheint das nicht ganz zutreffend zu sein. Unseres Erachtens hat der Hallesche Kriegerverein nur zeigen wollen, daß er mit Politik nichts zu thun haben will, unbekümmert um die Consequenzen, die für ihn die Zurückweisung des Versuches, von außen Politik in seine Kreise zu tragen, haben mußte. In Breslau hat, wie bereits mitgetheilt, die socialdemokratische Partei den Beschluß gefaßt, sich diesmal an den Landtagswahlen zu betheiligen. Der Beschluß wurde einstimmig angenommen und geht dahin, nicht etwa die Wähler aufzufordern, für die Wahlmänner der radicalen Parteien zu stimmen, sondern eigene Wahlmänner aufzustellen. Die Bemerkungen, die der „Vorwärts“ an diese Meldung knüpft, lassen erkennen, daß wir es in Breslau nicht etwa mit einem vereinzelt bleibenden Vorkommniß zu thun haben. Vielmehr scheint die Parteileitung entschlossen zu sein, an ihrem Theil nichts fehlen zu lassen, um, wo irgend sich Aussichten für ein selbstständiges Vorgehen der Socialdemokratie bei den Landtagswahlen darbieten, auf die bisher den „Genossen“, anempfohlene Wahlenthaltung zu verzichten. Wenn das Centralorgan schreibt, daß eine große Partei, wie die socialdemokratische, in einer hochpolitischen Frage, wie es die Landtagswahlen sind, gegenüber Freund und Feind unzweideutig erkennen lassen müsse, wie sie sich zur Sache stelle, so liegt in dieser Erklärung, wenn sie auf eine active Betheiligung der Socialdemokratie an den Wahlen abzielt, eine gewisse Inconsequenz in Bezug auf die Haltung, die die Socialdemokratie bisher zur Frage der Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen eingenommen hat. Aber Jeder= mann weiß, daß gerade in Wahlfragen Theorie und Praxis sich nicht immer gedeckt haben in der socialdemokratischen Partei. Man braucht sich nur daran zu erinnern, wie geringschätzig 1868 Herr Liebknecht über das Porlamenteln urtheilte und wie anders er heute über parlamentarische Arbeit und Ehren denkt. In Breslau gedenkt übrigens die socialdemokratische Partei nicht nur in der dritten, sondern auch in der zweiten Abtheilung eigene Wahlmänner aufzustellen und hofft auch, sie„in den rein proletarischen Bezirken“ durchbringen zu können. Politische Nachrichten. Berlin, 10. Aug. * Nicht ohne Interesse ist die Antwort des Kaisers vom 20. März 1890 auf das Entlassungsgesuch des Fürsten Bismarck vom 18. März 1890. Wir drucken sie nachstehend ab: „Mein lieber Fürst! Mit tiefer Bewegung habe ich aus Ihrem Gesuche vom 18. d. Mts. ersehen, daß Sie entschlossen sind, von den Aemtern zurückzutreten, welche Sie seit langen Jahren mit unvergleichlichem Erfolge geführt haben. Ich hatte gehofft, dem Gedanken, mich von Ihnen zu treunen, bei unseren Lebreiten nicht näher treten zu müssen. Wenn ich gleichwohl im vollen Bewußtsen der folgenschweren Tragweite Ihres Rücktritts jetzt genöthigt bin, mich mit diesem Gedanken vertraut zu machen, so thue ich dies zwar betrübten Herzens, aber in der festen Zuversicht, daß die Gewährung Ihres Gesuchs dazu bettragen werde, Ihr für das Vater.and unersetzliches Leben und Ihre Kräfte so lange wie möglich zu schonen und zu erhalten.— Die von Ihnen für Ihren Entschluß angeführten Gründe überzeugen mich, daß weitere Versuche, Sie zur Zurücknahme Ihres Antrages zu bestimmen, keine Aussicht auf Erfolg haben. Ich entspreche daher Ihrem Wunsche, indem ich Ihnen hierneben den erbetenen Abschied aus Ihren Aemtern als Reichskanzler, Präsident meines Staatsministerium und Minister der Auswärtigen Angelegenheiten in Gnaden und in der Zuversicht ertheile, daß Ihr Rath und Ihre Thatkraft, Ihre Treue und Hingebung auch in Zukunft mir und dem Vaterlande nicht fehlen werden.— Ich habe es als eine der gnädigsten Fügungen in meinem Leben betrachtet, daß ich Sie bei meinem Regierungsantritt als meinen ersten Berather zur Seite hatte. Was Sie für Preußen und Deutschland gewirkt und erreicht haben, was Sie meinem Hause, meinen Vorfahren und mir gewesen sind, wird mir und dem deutschen Volke in dankbater, unvergänglicher Erinnerung bleiben. Aber auch im Auslande wird Ihrer weisen und thatkräftigen Friedenspolitik, die ich auch künftig aus voller Ueberzeugung zur Richtschnur meines Handelns zu machen enschlossen bin, allezeit mit ruhmvoller Anerkennung gedacht welden. Ihre Verdienste vollwerthig zu belohnen, steht nicht in meiner Macht. Ich muß mir daran genügen lassen, Sie meines und des Vaterlandes unauslöschlichen Dankes zu versichern. Als ein Zeichen dieses Dankes verleibe ich Ihnen die Würde eines Herzogs von Lauenburg. Auch werde ich Ihnen min lebensgroßes Bildniß zugehen lassen.— Gott segne Sie, mein lieber Fürst, und schenke Ihnen noch viele Jahre eines ungetrübten und durch das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht verklärten Alters.— In diesen Gesinnungen bleibe ich Ihr Ihnen auch in Zukunft treu verbundener, dankbarer Kaiser und König.“ Man wird das Actenstück nur nach allen Seiten hin würdigen können, wenn man sich vergegenwärtigt, auf welche Vorgeschichte es zurückblickt und welchen Wortlaut das Entlassungsgesuch hatte. Die Wahl des Frhru. v. Wangenheim zum ersten Vorsitzenden des Bundes der Landwirthe wird in der liberalen Presse meist als ein vollständiger Sieg der extremen und auf die Bildung einer eigenen Partei hinarbeitenden Richtung ausgegeben. Man erinnert an allerlei schriftstellerische Leistungen des Gewählten, die sehr radical klingen und den Conservativen keine Freundlichkeiten sagen. So hat er in einem Aufruf, den er bald nach dem Pronunciamento des Herrn Ruprecht Rausem veröffentlichte, die gegenwärtigen Parteiverhältnisse als„überlebt" und unfähig, die Lebensinteressen der Landwirth= schaft zu wahren, verurtheikt. Von den„Fractionen und Fractiönchen“ erwarte er nichts;„wir brauchen in den Parlamenten eine große Wirthschaftspartei, deren Mitglieder Verständniß für die wirthschaftlichen Fragen und Entschlossenheit zu ihrer Lösung haben. Sehr schlecht kommen auch die Cor servati ven bei ihm weg. Das wird ihm indeß vergeben. Die Conservativen haben ihn in Pyritz=Saalzig als Reichstagscandidaten aufgestellt und die„Kreuzztg.“ meint, er habe zwar in der ersten Zeit einen scharfen Ton angeschlagen, inzwischen aber Ruhe und Sachlichkeit in ernster Arbeit gewonnen. Offenbar ist man auf conservativer Seite äußerst froh, daß statt des Frhrn. v. Wangenheim, der doch zu den Conservativen zählt, nicht einer von der Richtung des Directors Dr. Hahn gewählt worden ist. Man hofft, daß er wie Herr v. Plötz bemüht sein werde, ein gutes Verhältniß zwischen dem Bunde und den Conservativen zu pflegen; kurz man hat einige Angst gehabt und ist nun doppelt froh, daß die Wahl so gut abgelaufen ist. Um dieses Ergebniß zu erzielen, waren freilich auch alle conservativen Mannen zu der Ausschußversammlung erschienen. Außer dem Grafen Mirbach fehlten, der„Deutschen Tagesztg.“ zufolge, nur zwei altconservative Grafen und Freiherren. Da erscheint denn die Wahl und Ablehnung des Dr. Rösicke, dem die„Kreuzztg.“ heute noch ein paar freundliche Worte spendet, erst recht als abgekartete Formalität. Die„Kreuzztg.“ ist über die Wahl so froh gestimmt, daß sie sogar die Grobheit, mit der die„Deutsche Tagesztg.“ den„Hundstagsvorschlag“ ihres Schlesiers behandelt hat, mit Nachsicht hinnimmt. Der Vorschlag hat aber zweifellos mehr Freunde, als das Bundesorgan zugestehen will. Die„Kreuzztg." theilt mit, ihr seien schon früher aus den verschiedensten Provinzen Zuschriften mit ähnlichen Vorschlägen zugegangen; sogar ein führendes Mitglied des Bundes habe eine Theilung für Osten und Westen angeregt. An eine Gewinnung des Centrums für den Bund, den der Schlesier von der Decentralisation erwartet, glaubt die„Kreuzzeitung“ aber nicht. *„Wir haben gerade genug Katholiken“. Crispi erzählt von Bismarck im „Neapler Mattino“ eine bezeichnende Aeußerung. Er hätte Oesterreich Provinzen nehmen können. „Nein, so weit gehe ich nicht", habe er zu Crispi in Gastein mit Bezug auf die Alpenländer gesagt, „wir haben gerade genug Katholiken und werden uns hüten, ihre Zahl zu erhöhen.“ * Der Verband der deutschen Post= und Telegraphen=Assistenten hat am Sonntag in Berlin seinen 8. Verbandstag abgehalten. Von den in Deutschland überhaupt existirenden 41 Bezirksvereinen mit rund 14500 Mitgliedern sind 38 Bezirksvereine 13800 Mitgliedern vertreten. Diese starke Vertretung ist wohl darauf zurückzuführen, daß die Behörde anscheinend dem Verbande in neuerer Zeit weniger schroff gegenüber steht als in früheren Jahren; wenigstens wurde in der nicht öffentlichen Sitzung des Verbandsausschusses constatirt, daß den Urlaubsgesuchen zum Verbandstage bereitwilligst entsprochen ist. Nachdem dem Verbandsgeschäftsführer Entlastung für das verflossene Geschäftsjahr ertheilt war, wurde in die Berathung des Antrages auf Umwandlung des Verbandswaarenhauses in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung ein18 Die Goldsucher. Von A. Henty. „Wir haben keinen bestimmten Zweck vor uns,“ sagte Hugo.„Ich bin ein Deutscher und mein Zweck ist mehr, das Leben hier im Westen kennen zu lernen, als Geld zu machen. Ich möchte gern etwas vom Goldgräberleben in Neu=Merico schen. „Abenteuer gibt es mehr als genug. Der Doctor und ich sind einige Jahre dabei gewesen, drunten in Arizona. Wir haben keinen Pfeunig verdient, aber wir haben unsere Scalpe behalten und das kann man auch als ein Glück ansehen.“ „Man sagte mir,“ fuhr Hugo fort,„El Paso sei ein Centralpunkt. Ich dachte hier eine Genossenschaft von Goldgräbern zu finden, denen ich mich anschließen könnte.“ „Jetzt ists zu gefährlich wegen der Indianer. Zu anderen Zeiten hätten Sie solche Gelegenheiten leicht finden können,“ erwiderte der Doctor.„Fragen Sie nur den ersten besten Menschen, dem Sie begegnen, einen Mexicaner, oder einen Weißen, er wird Ihnen sicher sagen, er wisse eine Mine und wolle Sie dahin führen, wenn Sie eine Expedition ausrüsten wollen. Ja, wir kennen auch eine Mine, wenigstens glauben wir das, und das ist so viel als einer sagen kann. Aber wir glauben, daß es für jetzt besser ist, in El Paso zu verbleiben. Wir haben während der letzten sechs Monate auch eine Mine im Gilathal bearbeitet, aber die Mexicaner, die wir angenommen hatten, wollen nicht mehr bleiben und so haben wir es aufgegeben und sind hierhei gekommen. Wir suchen Jemand. der unsere Mine kaufen will, aber ich glaube nicht, daß wir fünf Dollar dafür bekommen. Die Mexicaner haben keine Idee von hartei Arbeit.“ „Ihr Gesicht gefällt mir, junger Mann,“ sagte der Doctor nachdenklich.„Es kommt mir auch bekannt vor, obgleich ich nicht sagen kann, warum. Wenn ich Sie ansehe, halte ich für entschieden ehrlich.“ „Das hoffe ich,“ sagte Hugo lachend. „Darauf können Sie Ihre Stiefel wetten,“ sagte Bill Royce. „Und für Ihren Kameraden können Sie einstehen?“ „Ja, sicherlich,“ sagte Hugo mit Wärme.„Wir haben Kuammen gearbeitet und er ist mit mir gekommen, nicht well war, Geld zu machen, sondern well wir einander „Nun, Sim.“ sagte der kleine Mann,„mir scheint, diese Zwei wären gute Genossen für unser Unternehmen.“ „Du weitzt, Doctor, ich überlasse solche Sachen Dir. Ich bin aber auch Deiner Meinung und ich glaube, wir könnten ihnen wohl die Sache vorlegen. Aber hier sind zu viel Leute, um darüber zu sprechen. Sehen Sie,“ sagte er zu Hugo, „wenn Sie Lust haben, eine gemeinsame Expedition mit uns zu machen und sich nicht vor den Rothhäuten fürchten, so treffen Sie uns morgen drei Meilen außerhalb der Stadt, an der Straße nach Süden, dann werden wir offen sprechen.“ „Das würde mir sehr gefallen,“ erwiderte Hugo.„Nicht wahr, Royce?“ „Mir auch, wenn Sie für eine Expedition geneigt sind, so nehmen Sie mich mit.“ „Gute Nacht,“ sagte Sim Howlett und erhob sich.„Wir haben lange genug beisammen gesessen. Diese Mexicaner werden fragen:„Was können diese Fremden mit den Goldgräbern so lange zu reden haben?“ Und wenn so ein Mexicauer anfängt, sich zu wundern, so fängt er auch an, zu spioniren und deshalb müssen wir gehen. Morgen früh drei Meilen vor der Stadt an der Straße nach Süden. Eine halbe Meile binter einem Dorf werden Sie ein Steinkreuz an der Straße sehen, dort biegt ein Weg ab, dem folgen Sie und dann werden Sie uns finden.“ „Was meinst Du, Noyce!“ fragte Hugo, als sie allein waren. „Nichts,“ erwiderte dieser.„Die meisten Goldgräber haben irgend etwas zu erzählen. Aber sie scheinen mir ehrlich zu sein.“ Am andern Morgen frühstückten sie um sieben Uhr und um halb neun Uhr sattelten sie ihre Pferde und ritten davon. An dem angegebenen Platz fanden sie ihre Bekannten. Als die Goldgräber sie kommen sahen, führten sie sie nach einem kleinen mexicanischen Häuschen abseits von der Straße. „Der Mexicaner, der hier wohnt, ist oft bei uns oben in den Bergen gewesen und fuhr vor einer Viertelstunde nach der Stadt, als er hörte, daß wir uns hier treffen werden. Setzen Sie sich hier nieder, dann können wir ruhig sprechen. Vor einem Jahre, als Sim und ich in einer Schlucht in den Bergen arbeiteten, hörten wir einen Hülferuf von fern. Wir gingen ihm nach und fanden einen Mann, der ganz erschöpft und verhungert war. Er hatte mehrere Schußwunden und wir sahen sogleich, daß seine Reise bald zu Ende sein werde. Wir trugen ihn an unser Feuer, brachten ihn zur Besinnung und thaten, was wir konnten, drei Wochen lang, dann starb er. Er sagte, er habe mit fünf Anderen einen Zug in die Berge gemacht, um nach Gold zu suchen. Einer von ihnen habe von einem Indianer, dem er einmel einen Dienst erwiesen hatte, von einer Stelle gehört, wo das Bett eines Stromes voll Gold sein sollte. Sie fan den die Stelle, aber am nächsten Morgen wurden sie von den Apachen angegriffen, die ihnen wahrscheinlich die ganze Zeit über gefolgt waren. Zwei von ihnen blieben todt, die Anderen erreichten ihre Pferde und entflohen. Drei von ihnen wu den später niedergeschossen, aber dieser Mann war sehr gut beritten und entkam, obgleich die Indianer ihm drei Tage lang nachjagten. Er hatte den Weg verloren, sein Pferd fiel, aber er schleppte sich noch weiter, bis er den Rauch unseres Feuers sah und um Hülfe rief. Ehe er starb, sagte er uns, wie die Stelle zu finden sei. Er versicherte, das Gold sei unzweifelhoft vorhanden, er habe drei oder vier nußgroße Stücke davon in der Tasche gehabt, jedes davon zwei oder drei Pfund schwer, er habe noch viel größere gehabt, aber er habe sie weggeworfen, um sein Pferd zu erleichtern. Es ist eine lange Reise, es kann einen Monat dauern, bis wir dahin kommen, denn wir können nicht geradeaus wegen der Indianer. Wir wollten es schon lange versuchen, aber zwei Mann sind doch zu wenig dafür. Sim und ich würden nicht mit Jedem gehen, aber wir haben beide eine Vorliebe für Sie gefaßt und so machen wir Ihnen folgenden Vorschlag: Wir haben zwei Pferre und können auch zwei Packpferde kaufen, aber weiter reichen unsere Mittel nicht. #i haben zwei sehr gute Pferde, dazu brauchen Sie noch ein Packpferd, und Sie werden die Ausrüstung besorgen müssen, wir wollen sagen, zwei Säcke Mehl, zwei Speckseiten, zehn Pfund Thee und einige Liter Branntwein, dann Zucker und noch Verschiedenes, wir brauchen auch ein kleines Zelt. Wollen Sie also unter diesen Bedingungen sich mit uns verbinden, dann ist es gut; dort ist Gold genug für uns Alle. Aber wohlgemerkt, es ist kein Kinderspiel, die Reise ist schrecklich und dabei ist sichere Aussicht, kann ich Ihnen sagen, daß wir uns mit den Rothhäuten in die Haare kommen werden. Vielleicht finden wir auch die Stelle nicht, wir haben sehr genaue Anweisungen, aber es ist nicht so leicht, in diesen Beigen eine bestimmte Stehe zu finden. Doch das Gold ist da, wenn wir hinkommen und wieder zurück, so hat Jeder von uns eine Pferdelast Gold, gehts nicht gut, so lassen wir unsere Knochen dort. Was sagen Sie dazu?“ Hugo sah nach Royce. „Ich denke, wir können mitthun,“ sagte der Letztere,„und ihr werdet sehen, Kameraden, daß wir unser Theil auf uns nehmen, was auch kommen mag.“ „Also abgemacht,“ sagte der Doctor.„Nun die Vorbereitungen! Sie dürfen die Sachen nicht hier kaufen, denn würden wir miteinander aufbrechen, so würde man uns sicher nachfolgen. Die Leute würden sogleich errathen, daß wir etwas Gutes in Aussicht haben. Wir dürfen alse nicht wieder beisammen gesehen werden, wir werden unsere Packpferde beladen und davonreiten, als ob wir für unsere Rechnung etwas unternehmen wollten. Dann schlagen wir zwanzig Meilen von hier ein Lager auf und bleiben dort eine Woche. Wenn wir fort sind, können Sie Ihre Ausrüstung besorgen und uns dann nachkommen. Sim und ich haben darüber gesprochen, ob es vernünftig wäre, Jose, das ist der Besitzer dieses Hauses, mit zunehmen. Er hat vier Pferde und wir brauchen dann keine Packpferde zu kaufen, außerdem haben wir dann noch eine Büchse mehr, wenn die Indianer kommen sollten. „Ich glaube, Sim,“ sagte Hugo,„es wird gut sein, wenn wir Jose mitnehmen. Nun, das würde also, wie Sie sagen, dreihundert Dollars kosten. Und was kostet die Ausrüstung?“ „Dreihundert höchstens, wir haben Alles zusammengerechnet, wir haben nur Geräthe und Munition zu kaufen, dann noch einige Schaufeln, Waschwannen und dergleichen. Dreihundert Dollars reichen aus zu einer guten Ausrüstung. Reicht Ihr Geld so weit?“ „Kaum, ich glaube es fehlen uns noch zwanzig Dollars zu sechshundert.“ „Das ist viel,“ sogte der Doctor,„wenn Sie vierhundert zuschteßen, so kann ich mit Sim auch zweihundert geben, und das ist genug, wenn wir keine Packpferde zu kaufen haben! Ich werde heute Abend mit Jose sprechen, und wenn er einwilligt, wird er zu Ihnen kommen und Ihnen ein Document zur Unterzeichnung überbringen, worin gesagt ist, wenn er in sechs Monaten nicht zurückkomme, so seien diese dreihundert Dollars, die wir als Bürgschaft stellen, seinen Kindern zuzusprechen, dann wird er mit Ihnen zu einem Priester gehen und das Papier und Gelo diesem übergeben. Darauf können Sie ihm ein Packpferd geben, er wird dafür sorgen, und wenn Sie uns dann hundert Dollars geben wollen, übernehmen wir es, die Ausrüstung zu besorgen. Wenn Alles geschehen ist, werden wir Ihnen sagen lassen, an welchem Tage und wo Sie uns treffen sollen. Sie sehen, wir verlangen volles Vertrauen.“ „Ganz gut,“ erwiderte Hugo,„wir vertrauen Ihnen unser Leben an, warum also nicht unsere Dollars?“ „Richtig,“ sagte Sim Howlett.„Nun haben wir Alles besprochen. Es ist am besten, Sie reiten jetzt zur Stadt zurück und kümmern sich nicht weiter um die Sache. In einigen Tagen oder vielleicht in einer Woche werden Sie von uns Nachricht erhalten.“ (Fortsetzung folgt.) getreten. Es wurde nach eingehender Erörterung beschlossen, daß die zu gründende Genossenschaft eine freiwillige sein solle. Zum Beitritt hat etwa die Hälfte aller Verbandsmitglieder sich sofort bereit erklärt. Sodann wurde über die Wirksamkeit des Verbandes im verflossenen Jahr und über den Mitgliederbestand berichtet. Der Verband hat im letzten Jahre einen Zuwachs von 3055 Mitgliedern erfahren. Auch Postverwalter sind jetzt dem Verbande beigetreten. Ebenso wurden Berichte über das Waarenhaus und die Verbandstageszeitung erstattet. * Aus Anlaß der Kasernenepidemien, die in letzter Zeit häufig aufgetreten sind, hat der Kriegsminister einen Erlaß veröffentlicht, wonach die Ernährung der Mannschaften beim Auftreten von Epidemien ganz besonders sorgfältig zu überwachen ist. Beim Aufenthalt der Truppen in Gegenden, in denen der Genuß des örtlichen Trinkwassers in ungekochtem oder unverbessertem Zustande gesundheitsgefährlich ist, bei benen ärztlicherseits (vorbeugend oder zu Heilzwecken) an Stelle oder zur Verbesserung des Trinkwassers die Verabfolgung von Theeaufgüssen oder von bestimmten Zusätzen zu jenen für erforderlich erachtet wird, darf zu deren Beschaffenheit ein Zuschuß von 2 Pfg. für den Kopf und Tag neben dem niedrigen Beköstigungsgeld durch das Generalcommando nach Anhörung des Sanitätsamts für Rechnung des Natural=Verpflegungsfonds bewilligt werden. Ist Gefahr im Verzug, so kann das Truppencommando auf militärärztliche Bescheinigung der Nothwendigkeit die Gewährung von Theeaufgüssen 2c., unter nachträglicher Beantragung des vorerwähnten Zuschusses beim Generalcommando, selbstständig anordnen. * Paris, 9. Aug. Der Untersuchungsrichter Bertulus ist durch die Entscheidung des Appellgerichts keineswegs eingeschüchtert. Er erklärte im Justizpalast offen, Dreysus sei unschuldig; Esterhazy sei der Hauptschuldige und du Paty de Clam sein Mitschuldiger. Falls der Cassationshof den Beschluß des Appellgerichts bestätigt, wird Bertulus seine Stelle niederlegen. * London, 10. Aug. Unterhaus. Curzon erklärt, Macdonald telegraphirte am 18. Februar: Der deutsche Gesandte in Peking beanstandete die Zweigbahn nach Tschangkiang aus dem Grunde, daß keine Eisenbahn in Schantung ohne ein Abkommen mit Deutschland gebaut werden könne. Lei habe sofort Namens Englands in Peking protestirt, ebenso bei Deutschland durch Lascelles. Staatssecretär Bülow richtete ein Memorandum an England, der Bericht an England aus Peking, der dahingehe, daß Deutschland durch einen Gesondten in Peking gegen das chinesische Project einer Eisenbahn nach Tschingkiang in Schantung protestire und der Protest auf der Annahme beruhe, daß in der obengenannten Provinz keine Eisenbahn ohne Deutschlands Erlaubniß gebaut werden könne, entspricht nicht den Thatsachen, ebenso sei die Nachricht unbegründet, daß der deutsche Gesandte in Peking mit ernsten Folgen drohte, falls seine Ansprüche nicht berücksichtigt würden. Die Namens Deutschlands aufgestellte Forderung ging dahin, daß falls China fremde Hülfe wünsche oder erheische, es in erster Linie der deutschen Industrie und dem deutschen Handel Beschäftigung bieten solle. Deutschland beanspruchte, seinen Grundsätzen getreu, nie ausu schließliche Privilegien und versuchte nicht, andere Nationen von der freien Concurrenz in Schantung auszuschließen. Provand fragt an, ob in der Versammlung der fremden Consuln in Tschifu zwecks Arrangirung und Ausdehnung der Niederlassung daselbst, der deutsche Consul hiergegen protestirte, weil dies eine Verletzung der deutschen Rechte in sich schließe. Curzon erwiderte, er habe hierüber keine Informationen. ) Programm des dritten Charitas. zu Wiesbaden. Wie bereits gemeldet, findet vom 29. bis 31. August d. I. der dritte Charitastag zu Wiesbaden statt. Eine glückliche Fügung hat es gewollt, daß zwei mit dem Bisthum Limburg engverknüpfte I Gedenktage aus der Geschichte der Charitas mit der Zeit der Versammlung zusammenfallen. Gerade vor dreißig Jahren, am 30. August 1868, wurde auf der Katholikenversammlung zu Bamberg der St. Raphaelsverein gegründet, dessen Centrale in Limburg sich befindet; und vor fünfzig Jahren, am 15. August 1848, waren die ersten Schwestern der armen Dienstmägde Christi in ihr neues bescheidenes Klösterlein zu Dernbach eingezogen. Beider Ereignisse soll durch berufene Redner gebührend gedacht werden, aber wie das Programm beweist, soll auch den neu herantretenden practischen Fragen auf dem Gebiete der Nächstenliebe eingehende Aufmerksamkeit # geschenkt werden. Der Verlauf der Versammlungen ist folgender: Montag, 29. August, Nachmittags 5 Uhr: Generalversammlung des Diöcesan=Charitas=Verbandes des Bisthums Limburg in dem Saale des Kathol. Lesevereins(Casino), Luisenstraße, neben der Bonisatiuskirche. Von Abends 8 Uhr an: Daselbst zwangloser Empfang der Gäste. Dienstag, 30. August, Vormittags 8 Uhr: Feierliches Hochamt in der Bonisatiuskirche. Vormittags 9 Uhr: Generalversammlung des Charitas## verbandes für das katholische Deutschland“. 1. Rede des Vorsitzenden Dr. Werthmann über:„Die Ziele des Charitasverbandes.“ 2. Kassenbericht des V Kassirers Banquier Dr. Krebs von Freiburg i. B. 3. Wahl von 20 Mitgliedern des Verbandsausschusses. 4. Rede des hochwördigen Herrn Rector 4 Kinn von Arenberg bei Ehrenbreitstein:„Soll der atp, Suie Aundeu uun un. bilden?“ I. Verathung der Anträge. Nachmittags 4 Uhl: Erste Charitasversammlung“. 1. Rede des „ Herrn Reichs= und Landtags=Abgeordneten u P. P. Caheusly von Limburg a. d. L. zur Feier des 30jährigen Stiftungsfestes des St. Raphaelsvereins:„Dreißigjährige Thätigkeit des Raphaelsvereins für überseeische Auswanderer und seine Fürsorge für die italienischen Arbeiter in Deutschland.“ 2. Referat des Herrn Dr. med. Möser, pract. Karlsruhe:„Was haben die Katholiken in der Mäßigkeitsbewegung zu thun?“ mit Discussion. 3. Wahl des Mätzigkeitsausschusses. Abends 8½ Uhr: abendunterhaltung“ unter gefälliger Mitwirkung katholischer Vereine Wiesbadens mit Chören, lebenden Bildern 2c. Mittwoch, 31. August, Vormittags 9½ Uhr: Zweite Charitasversammlung. 1. Referat des hochw. Herrn Director Müller von Marienhausen über: „Die Ausdehnung der Zwangserziehung und die Erziehung der verwahrlosten Jugend, im allgemeinen. 2. Reserat des hochw. Herrn Pfarrer Rieg in Rammigen über:„Die Versammlungen der württemberger Rettungshaus=Vorstände seit 1871.“ 8. Besprechung der Thesen zu 1 und 2. Nachmittags 4 Uhr: Dritte allgemeine Charitosversammlung“. 1. Rede des hochw. Herrn Domkapitular Hilvisch von Limburg a. d. L.:„Zum goldenen Jubiläum der Genossenschat der armen Dienstmägde Christi zu Dernbach (Nassau).“ 2. Rede des Herrn Landesrath M. Brand'ts von Düsseldorf:„Fürsorge für die verwahrloste Jugend.(Resumé der vormittäglichen Beratbung.) 3. Rede des hochw. P. Benno Auracher O. Cap. von Burghausen(Bayern): Katholicismus und Charitas.“ Bemerkungen: 1. Sämmtliche mit*(Stein) bezeichneten Versammlungen finden im obern Saal des Kath. Gesellenvereinshauses(Dotzheimerstraße) statt.. 2. Vorherige Anfragen wegen Wohnungen und Anmeldungen sind zu richten an Herrn Kaufmann Georg Schardt in Wiesbaden, Große Burgstraße 19. Der Vorstand des Charitasverbandes: Dr. Herm. Jos. Schmitz, Weihbischof von Köln, Ehrenpräsident. Dr. Werthmann Vorsitzender. Oberamtsrichter Armbruster Stellvertreter des Vorsitzenden. Bankier Dr. E. Krebs, Kassierer. Prälat Dr. Heiner, Professor Dr. Keppler, Dr. med. Gassert, Superior Carl Mayer, Beisitzer. * Das„bedrohte Evangelium an der Westgrenze“. Auch die bischöfliche Behörde zu Metz hat, wie die„Trierer Landesztg.“ nun erfährt, den Vorsitzenden des Wolfer Waisenheims, Pfarrer Berenbruch, über die verletzenden Aeußerungen in dem Jahresbericht für 1897 zur Rede gestellt. Das Antwort= schreiben des Pfarrers Berenbruch auf die bestimmt gestellten Fragen über den von ihm angeführten Fall aus Lothringen ergibt ebenso, wie das schon veröffentlichte Schreiben an das Generalvicariat zu Trier, die Haltlosigkeit der verletzenden Auslassungen des Jahresberichts. Auf die Vorhaltung des bischöflichen Generalvicariats in Metz hat sich der Prediger Berenbruch herbeigelassen, ohne Nennung von Namen und Wohnort den„Fall“ der armen katholischen Mutter aus Lothringen, die ihre Zuflucht zum Pfarrer Berenbruch nehmen mußte, weil sie für ihr Kind in keiner katholischen Anstalt ein unentgeltliches Plätzchen finden konnte", und welcher, so sehr es ihm leid that, der sonst hilfbereite Mann, nicht helfen konnte, weil das Kind nach dem Gesetz der römischen Kirche gehörte",„aktenmäßig“ mitzutheilen. Die arme katholische Mutter ist darnach eine gefallene Person, die, um sich verheirathen zu können, ihr uneheliches Kind unterzubringen sucht. Thatsächlich hat sie bei einer einzigen Anstalt ihrer Heimath angefragt, und, wie sie vorgibt, für das Kind Aufnahme, so wie sie es verlangte, nicht finden können. In Lothringen gibt es eine ganze Anzahl von Waisen= und Kinderpflegeanstalten, es gibt sogar in Metz ein Waisenhaus, das auch uneheliche Kinder, die nicht in Lothringen geboren sind, aufnimmt und aufgenommen hat. Ob die Frau, deren Aussagen man nicht controlliren kann, da ihr Name nicht genannt wird, dort oder sonstwo noch argefragt hat, erfährt man nicht.— Doch das ist ja auch nicht nothwendig; es genügt die Aussage einer solchen Person vollauf, um den katholischen Ans. alten eins anzuhängen und„Roms“ Praxis zu illustriren, um die evangelischen Herzen mit Haß und Angst zu erfüllen und der Anstalt„immer größere Aufmerksamkeit und Unterstützung" zu verschaffen. Dabei kommt es auf die Wahrheit gar nicht so genau an. Dieselbe Person, die sich angeblich um eine unentgeltliche Aufnahme ihres Kindes in eine katholische Anstalt umsonst bemüht hat, verpflichtet sich, wie man aus der„Verhandlung“ erfährt, 150 Mk. für jedes Pflegejahr zu zahlen, falls das Kind sollte zurückgenommen werden, und ist so gut„katholisch“. daß sie selbst den liebevollen Ermahnungen des evangelischen Pfarrers, ihr Kind doch katholisch erziehen zu lassen, nicht folgte. Der vorliegende Fall und die daran sich knüpfende Verhandlung zwischen dem Metzer General=Vicariat und dem Pfarrer Berenbruch zeigt noch viel deutlicher als die schon mitgetheilte Verhaudlung zwischen der Trierer Behörde und dem genannten Pfarrer, was von gehässigen Auslassungen und unbewiesenen allgemeinen, tief verletzenden Angriffen der evangelischen Bundesbrüder auf ihre katholische Umgebung zu halten ist. In keinem Bericht einer katholischen Anstalt wird man derartiges finden. Und wenn ein katholischer höherer Beamter seine Unterschrift zu einem die evangelische Kirche oder ihre Diener in ähnlicher Weise verunglimpfenden Bericht hergäbe, es würde wohl nicht ohne sehr unangenehme Folgen für ihn bleiben. Sociales. * Cardiff, 9. Aug. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß eine baldige Beilegung des Ausstandes der KohlenArbeiter zu erwarten ist. Die Directoren und Arbeiter von der Tredegar Coal and Iron Company und gleicher Weise die in Rhymney haben Verhandlungen zum Zwecke einer unabhängigen Regelung auf der Grundlage eines Minimallohnes eingeleitet. Man glaubt, ihr Beispiel werde sehr großen Einfluß ausüben. * London, 9. Aug. Marschall Blanco erließ in Havannah eine Proclamation, in der er erklärt, der Krieg sei zu Ende, Havannah solle den Cubanern gegeben werden. Amerika habe aber allen Denjenigen, die nach Spanien zurückzukehren wünschten, freien Rücktransport zugesichert. Blanco sichert schließlich allen politischen Gefangenen auf Cuba Amnestie zu; bereits ist eine größere Anzahl von Gefangenen in Freiheit gesetzt worden. = London, 10. Aug. Die„Times“ melden aus Cavite: Die Transportschiffe„Indiana", „Ohio",„Valencia",„Morgancity“ und„City of Para“ sind angekommen. Die Ausschiffung der Truppen ist durch heftiges Unwetter behindert. Man erwartet einen baldigen Angriff auf Manila. * New=York, 9. Aug. Nach einer über Hongkong eingegangenen Meldung aus Manile vom 6. August machten am 31. Juli 3000 Spanier auf das amerikanische Lager vor Manila einen erbitterten Angriff, wurden jedoch unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Die Aufständischen verhielten sich neutral.„The Journal“ meldet ebenfalls, daß die Spanier am genannten Tage vor Manila zum Angriff übergegangen seien und fügt hinzu, sie hätten dabei 200 Todte und 300 Verwundete gehabt. Die Amerikaner hätten 9 Todte und 44 Verwundele verloren. * New=York, 10. Aug. Wie aus Coamo auf Portorico von gestern gemeldet wird, nahm General Wilson am Vormittag den genannten Ort. Die Verluste der Amerikaner betrugen 7 Verwundete, während die Spanier 12 Todte hatten, darunter den Major Yellescar und 2 Hauptleute. 35 Spanier wurden verwundet. Die Amerikaner machten 180 Gefangene. Die Stadt wurde durch eine vom 16. Regiment gemachte Flankenbewegung genommen, die der spanischen Insanterie den Rückzug abschnitt. Das Artilleriefeuer begann um 7 Uhr Morgens, dauerte 45 Minuten und zerstörte ein Blockhaus. 50 Mann spanischer Cavallerie entkamen. * Washington, 10. Aug. In der Friedensfrage ist ein Einvernehmen erzielt. Ein Protocoll, enthaltend die Friedensbedingungen, wurde abgefaßt. * Washington, 10. Aug. Wie verlautet, besteht die Antwortnote der spanischen Regierung aus etwa 1200 Worten und ist in fünf Abschnitte eingetheilt. Dieseiben sollen sich auf Cuba, Portoriko, die Badronen, die Besetzung Manilas und die Einsetzung einer Commission beziehen, die cubanische Schuld aber unerwähnt lassen. Die Note erkläre sich principiell damit einverstanden, daß die spanische Oberhoheit über Cuba aufhöre, werfe jedoch die Frage der künftigen Verwaltung der Insel auf, wobei sie in bestimmter Weise ausführe, die Vereinigten Staa en sollten die Insel unter Berücksichtigung des Umfanges der spanischen Interessen verwalten. Der Zeitpunkt der Räumung der Insel werde als einer der Detailpunkte hingestellt, dren Regelung der Commission zu überlossen sei. Die letztere werde aus je fünf Mitgliedern beider Staaten bestehen und wahrscheinlich in Paris tagen. * Washington, 10. Aug. Der französische Botschafter Cambon theilte jetzt der spanischen Regierung das Ergebniß seiner Bemühungen mit, wobei er den Wunsch aussprach, daß Amerika noch bezüglich der für den endgiltigen Friedensschluß nöthigen Einzelheiten von Spanien eine Antwort erhalte. Nach der Conferenz Mac Kinley's und Cambon's fand ein Cabinetsrath statt. Aus der langen Dauer jener Conferenz schließt man, daß die spanische Antwort in einigen Beziehungen unbefriedigend war. Der Secretär des Kriegsdepartements Alger erklärte einem Berichterstatter, die ganze Frage werde noch weiteren Erwägungen unterzogen. Locases und Provinzielles. * Witten, 12. Aug. Ein Einbruchdiebstahl wurde in der Nacht zum Donnerstag bei dem Uhrmacher Krägeloh an der Johannesstraße verübt. Die Einbrecher hatten mittels Scheeren (abgebrochene Scheerenstücke fand man am Thatorte vor) die Rollladen an den Schaufenstern in die Höhe gearbeitet und dann eine Scheibe eingebrückt. Durch die kleine Oeffnung, welche die Spiszbuben gemacht, hatten Letztere dann(zweifellos mit einem Haken) die verschiedensten Werthgegenstände, als: 24 Taschenuhren, eine größere Anzahl Uhrketten u. s. w. herausgeholt. Die gestohlenen Sachen sollen einen Werth von 400—500 Mark repräsentiren. Den Dieben glaubt man auf der Spur zu sein. 2— Der Cärilien=Kirchenchot macht am nächsten Sonntag einen Ausflug nach Hohensyburg. *— Seitens des Vorstandes des hiesigen WirtheVereins wurde dem Fräulein Lilli Zengerling als ehrende Auszeichnung ein Diplom für treu geleistete Dienste überreicht.(Fräulein Z. ist drei Jahre ununterbrochen bei Herrn Bahnhofs=Restaurateur W. Brackmann thätig.) Es entspricht dieses den Sötzungen des Deutschen Gastwirthe=Verbandes. *— Im Hotel„Zum Adler“(A. Rheker) findet heute Abend 8 Uhr das 3. AbonnementsConcert der Merkert'schen Capelle statt. Bei diesem wirkt der 12jährige Piston=Virtnose Hugo Spengler, der überall das größte Aufsehen erregt, wieder mit. Hoffentlich ist die Witterung dem Concerte jetzt günstiger, als es bei dem 2. Abonnementsconcert der Fall war. *— Im Circus Blumenfeld wurde gestern Abend wieder eine Vorstellung gegeben und zwar mit demselben Erfolge, wie am Abend vorher. Heute Abend findet eine große Abschieds=Vorstellung statt. Siehe Inserat. *— Eine bemerkenswerthe Entscheidung hat das Reichsgericht getroffen. Ein Lehrer befahl einem Fortbildungsschüler während des Unterrichts, die Bank zu verlassen. Der Schüler widersetzte sich der Aufforderung des Lehrers. Dies zeigte der Lehrer dem Strafrichter an und der Schüler wurde zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Auf eingelegte Berufung kam die Sache vor das Reichsgericht und dies entschied wie folgt: Der Lehrer, der in der Fortbildungsschule das Aufsichtsrecht ausübt, ist als Beamter anzusehen, der zur Vollstreckung der Anordnungen der Obrigkeit berufen ist. Demgemäß ist der einem solchen Lehrer bei Ausübung dieses Rechts geleistete Widerstand als Widerstand gegen die Staatsgewalt nach§ 136 des Strafgesetzbuches zu bestrafen. In dem vorliegenden Falle war daher die vorschriftsmäßig eingelegte Berufung des Fortbildungsschülers zu verwerfen und die vom Gericht zudictirte Gefängnißstrafe aufrecht zu erhalten. *— Wie die„Kuxen=Ztg.“ erfälrt, ist Seitens der Rheinisch=Bestfälischen Montan=Industrie die Errichtung einer Bergacademie im Ruhrbezirk bei der preußischen Staatsregierung in Anregung gebracht worden. Gerade im Ruhrbezirk sind alle Bedingungen gegeben, um eine den erhöhten Anforderungen entsprechende Ausbildung der Bergbaubeflissenen zu erleichtern. Die preußische Staatsregierung soll dem Plane viel Sympathie entgegenbringen, die Ausführung desselben indeß von der Aufhebung einer bestehenden Bergacademie abhängig machen, ein Entschluß, dem naturgemäß Schwierigkeiten entgegenstehen. *— Aus den Ruhrbezirk berichtet die„KuxenZeitung":„Wie in Bergarbeiterkreisen verlautet, beabsichtigen die beiden Bergarbeiter=Verbände des Ruhrbezirks in Folge der stattgefundenen Erhöhung der Kohlenpreise ihre früheren, aber unberücksichtigt gebliebenen Anträge auf eine generelle Lohnerhöhung im nächsten Frübjahr zu erneuern und dies mal mit allem Nachdruck zu vertreten. * Bei der Ziehung der Metzer Geldlotterie, die vom 6. bis 9. August in Metz stattfand, fielen der erste, dritte und vierte Hauptgewinn in die Collecte von Gustav Pfordte in Essen und zwar: Nr. 56,256 50,000 Mark wurde nach Köln verkauft, Nr. 105,703 10,000 Mark fiel einem Arbeiter zu, der das Loos im Essener Geschäft genannter Firma kaufte, während Nr. 53,935 5000 Mark im Gelsenkirchener Geschäft an einen Bergmann verkauft wurde. *— Der norddeutsche Lloyd beabsichtigt, seinen Bedarf an Kohlen demnächst ganz aus Westfalen zu beziehen, wenn der Bezug sich ohne Schwierigkeiten(namentlich ohne Umladung) über den Dortmund=Ems=Canal bewerkstelligen läßt. In dieser Beziehung sollen nun in nächster Zeit Versuche gemacht werden. *— Die eheliche Gütergemeinschaft haben ausgeschlossen die Braut= beziehungsweise Eheleute: Kaufmann Eduard Keil aus Borek und Martha Itzig aus Murowana Goslin, die in Langendreer ihren Wohnsitz nehmen wollen; Wirth Jacob Gasthaus und Hendrina Vogel, beide zu Hamme; Brennmeister Caspar Wiemann und Maria Becker, verwittwete Brennmeister Franz Wiemann, in Hamme; Brauer Johann Georg Schneckenburger in Ueckendorf und Gritje Voß zu Dortmund; Bergmann Martin Wischniewski und Amalie geb. Berg in Gerthe. * Dortmund, 10. Aug. Wegen Beleidigung hatte sich heute der frühere Polizeisergeant, jetzige Registrator Heinr. Droege in Annen vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte, früher Polizeisergeant in Herford, hatte im Februar d. Irs. an den Regierungspräsidenten in Minden ein Schreiben gerichtet, in welchem mehrere Beleidigungen gegen den Polizeiinspector Hohmut in Herford enthalten waren. Dieserhalb unter Anklage gestellt, suchte Droege den Beweis der Wahrheit zu führen, wobei er den Schutz des§ 196(Wahrnehmung berechtigter Interessen) für sich geltend machte. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte Droege mit seinen Behauptungen übertrieben habe, weshalb er wegen Verbreitung nicht erweislich wahrer Thatsachen bezw. wegen Beleidigung des Polizeiinspectors Hohmut zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt wurde. Nach Verkündigung des Urtheils wurde der Angeklagte sehr erregt und rief in den Saal hinein: Der Polizeiinspectoi soll einen Strick nehmen und sich aufhängen. Wegen Ungebühr vor Gericht wurde er in Folge dessen zu 2 Tagen Haft verurtheilt. Er wiederholte die Worte hierauf und fügte hinzu: Etwas Besseres ist er nicht werth. Der Angeklagte wurde nunmehr zu 3 Tagen Haft verurtheilt und sofort abgeführt. &a Langendreer, 9. Aug. Das neue Stationsgebäude für den Sammelbahnhof soll, wie geplant ist, nach der Dorfseite der Strecke Langendreer=Dortmund gebaut werden. Eine Unterführung soll den Verkehr nach Werne vermitteln. Während der Güterverkehr ausschließlich auf dem alten Bahnhofe stattfinden soll, erhält der neue Bahnhof hauptsächlich Personenzugverkehr.— Das schon seit einigen Jahren angestrebte Eisenbahnproject von Langendreer nach Castrop, das auch für unsere Gemeinde nicht wenig Verkehr und Nutzen brächte, ist wieder in den Vordergrund gerückt, und es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß man mit der Anlage des neuen Bahnhofes auch den Ausbau der Strecke in Angriff nimmt. Ferner soll die Strecke Langendreer=Laer=Weitmar, die bisher nur dem Güterverkehr dient, dem Personenverkehr durch Anlegung eines Zweiggeleises erschlossen werden. + Bochum, 11. Aug. Herr Neopresbyter Caspor Pieper, Sohn des Herrn Oberpostsecre= tärs Pieper hierselbst, feierte gestern Morgen in der St. Josephskirche seine Primiz. Um 8½ Uhr wurde der junge Priester von der Wohnung des Herrn Pfarrers Schilp in feierlicher Prozession abgeholt. Die Kirchengemeinde nahm an der hehren Feier regen Antheil. Herr Vicar Klein hielt die Festpredigt. Der Kirchenchor„Symphonie“ brachte eine Messe schön zum Vortrag. Möge es dem jungen Priester, den auch wir an dieser Stelle beglückwünschen, vergönnt sein, segensreich im Weinberge des Herrn zu wirken. Das hiesige Volksbureau ist in der Lage, die nachstehende wichtige Entscheidung in einer Unfollsache zu verössentlichen. Der bei der BochumGelsenkirchener electrischen Straßenbahn beschäftigte Streckenwärter B. in Hamme erlitt am 5. Juni 1897 beim Uebergange am Bahnhof Gußstahlfabrik in Folge Zusammenstoßes eines Straßbahnwagens mit einem Eisenbahnzuge eine erhebliche Verletzung, die die völlige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatte. Die Straßenbahnberufsgenossenschaft lehnte die Zahlung einer Rente ab, weil B. keinen„Betriebsunfall“ erlitten. Gestützt auf eine früher ergangene Entscheidung des Reichs= Versicherungs=Amtes fertigte das Volksburean Berufung an und beantragte die Zuerkennung der Rente. Das Schiedsgericht in Cöln hat dann auch die Straßenbahn=Berufsgenossenschaft zur Zahlung der Rente verurt heilt, auch dem B. die Vertretungskosten zuerkannt. Nach den Urtheilsgründen, und wie auch nicht bestritten wurde, stand dem Kläger das Recht zu, nach Beendigung des Dienstes den Motorwagen der Straßenbahn zur Rückkehr nach Hause unentgeltlich zu benutzen. Dieses Vorzugsrecht war durch sein Dienstverhältniß zur Bahnverwaltung begründet, es stellte einen Theil seines Arbeitslohnes dar und setzte ihn in seinen Rechten und Pflichten gegenüber der Bahn außerhalb des Kreises gewöhnlicher Fahr gäste. Wenn auch der Kläger während dieser Fahrten einen Dienst nicht zu verrichten halte, so unterstand er doch den Anordnungen der Bahnverwaltung und konnte nicht die gleichen Rechte und die gleiche Behandlung, wie andere Fahrgäste für seine Person in Anspruch nehmen. Im Bedarfsfalle war er jedenfalls wie jede andere, unmittelbar im Betriebsdienste beschäftigte Person zur Wahrung der B anderen Fahrgäst Kläger gewährte des Betriebes, d Gute kam, die i Betriebes" hielt, Kläger war der werkstelligte, ein stätte, in dem sie hauptsächlich nügte, mehr als als ein freier Pe legung der Fahr der Arbeit gleich vielmehr erst mit zur Benutzung diesem Zeitpur niß und seine waltung. * Herne, 1 schließt der Unter Schulen unserer zum 15. Septem * Ueckendor zur Nachtzeit D hierselbst ein. welcher sich 50 Stations=Assistent nahm. Nachdem und das Geld zuri entlassen. Strafe O Allendol Ort ist am Son Unglücke bet der sich bei einen erhob, hat der ier Minuten ein ugefügt. Drei H sind vollständig a och stehen. 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Die dem Kläger gewährte freie Fahrt war eine Einrichtung des Betriebes, die zwar hauptsächlich ihm selbst zu Gute kam, die ihn aber gleichzeitig im„Banne des Betriebes" hielt, in dem er beschäftigt war. Für den Kläger war der Wagen, mit dem er die Fahrt bewerkstelligte, ein Zubehör seiner Betriebsstätte, in dem er sich während der Fahrt, obgleich sie hauptsächlich seinen persönlichen Bedürfnissen genügte, mehr als ein Arbeiter des Betriebes denn als ein freier Passagier fühlen mußte. Die Zurücklegung der Fahrt kann daher vicht den Wegen von der Arbeit gleich geachtet werden, dieser Weg begann vielmehr erst mit dem Verlassen des dem Kläger zur Benutzung gestellten Wagens, und erst mit diesem Zeitpunkte endigte sein Dienstverhältviß und seine Dienstbereitschaft zur Bahn= Verwaltung. Herne, 11. Aug. Mit dem heutigen Tage schließt der Unterricht in den Volks= und gehobenen Schulen unserer Stadt. Die Ferien währen bis zum 15. September einschließlich. Ueckendorf, 8. Aug. Am Samstag brachen zur Nachtzeit Diebe in die Bahnhofsrestauration hierselbst ein. Sie hatten bereits die Kasse, in welcher sich 50 Mark befanden, geleert, ois der Stations=Assistent H. die Räuber bemerkte und festnahm. Nachdew er die Personalien festgestellt hatte und das Geld zurückgegeben war, wurden die Gauner zntlassen. Strafantrag ist gestellt worden. O Allendorf(Kr. Arnsberg), 9. Aug. Unser Ort ist am Sonntag Nachmittag von einem großen Unglücke betroffen. Ein fürchterlicher Orkan, der sich bei einem schweren Gewitter um 5½ Uhr rhob, hat der hiesigen Gemeinde binnen drei bis ier Minuten einen unberechenbaren Schaden zugefügt. Drei Häuser, die armen Leuten zugehören, ssind vollständig abgedeckt, so daß nur die Mauern soch stehen. Von andern Häusern sind die Pfannen uund Schiefersteine ganz abgerissen, kein Dach im rie ist ohne Schaden geblieben. Der häufige Regen dringt in die Häuser zu ihrem noch größeren Schaden hinein. Den Leuten ist es schwer möglich, das zur Dichtstellung der Dächer nothwendige Material rasch zu beschaffen, da eine Eisenbahn nicht da ist. Ebenso sind fast alle Obstbäume, die einen reichen Ertrag versprachen, dicke Linden, Kastanienbäume, die Zierbäume vor den Häusern und die vor dem Orte stehenden hundertjährigen Eichen der Wuth des Sturmes zum Opfer gefallen. Der nahe am Orte stehende Wald mit seinen schlanken Kiefern und Tannen ist seines Schmuckes vollständig beraubt. Auch der schöne neue Kreuzweg ist zu Schaden gekommen. Die Kraft des Orkanes ist also furchtbar gewesen. Da die arg betroffenen Leute meistens arm sind, so hilde Gabe angebracht, um die dringend pird. * Steele, 10. Aug. Auf Grund der am 15. und 16. März d. I. stattgefundenen Revision der iesigen Rectoratschule durch Provincial=Schulath Dr. Buschmann in Coblenz und Geh. Regieungsrath Prof. Dr. Rovenhagen hat der Untersichtsminister durch Erlaß vom 2. Juli d. I. den Ausbau derselben in ein berechtigtes Progymasium mit nicht allgemein verbindlichem Griechisch pwie dessen Ersatz durch Englisch verfügt. Demnach pird unsere Anstalt eine Doppelanstalt, deren Schüler nach beendeter Untersekunda zum Uebergang die Obersekunda eines Gymnasiums oder RealBymnasiums berechtigt sind. In den drei unteren lassen stimmen beide Anstalten vollständig überein ind werden gemeinsam unterrichtet. Beim Uebersang von Quarta nach Untertertia tritt eine Scheisung ein, und die Schüler müssen wählen, ob sie ine gymnasiale Ausbildung mit Latein, Griechisch ind Französisch oder eine realgymnasiale Ausbildung ##it Latein, Französisch und Englisch erstreben wollen. s ist selbstverständlich, daß beide Abtheilungen nach Arfolgreichem Besuche der Untersekunda die Berechtizung für den einjährigen Heeresdienst erlangen. An der Anstalt, welche jetzt schon die Klassen Sexta bis Untersekunda einschließlich umfaßt, wirken außer in Director Dr. Genniges, der mit Beginn des Vintersemesters eintritt, 9 Lehrer. Von den 137 schülern sind 104 katholischer, 32 evangelischer, israelirischer Confession. Die erste AbiturientenFrüfung findet gegen Ende des Schuljahres statt. Düsseldorf, 10. Aug. Der Verein deutscher sisenhüttenleute und der wirthschaftliche Verein für kheinland-Westsalen beschlossen, für das Jahr 1902 Düsseldorf eine große Industrie=Gewerbeusstellung zu veranstalten. * Crefeld, 8. Aug. Für die Besucher der 5. General=Versammlung der Katholiken eutschlands ist ein Geleit= und Gedenksuch erschienen, das als willkommene Gabe freudig egrüßt werden wird. In vornehmer Ausstattung halten, behandelt das Büchlein in knapper und doch schöpfender Form die Geschichte Crefelds, die Entsickelung seiner Seidenindustrie und Paramentik, sosie die Geschichte und großartige Entwickelung der tholischen Gemeinde Crefelds. Den Sehenswürdigsiten ist ein besonderes Capitel gewidmet, das durch orzügliche, zahlreiche Abbildungen eine schätzenserthe Bereicherung erhalten hat. Ein Plan der btadt, sowie der Festhalle und des Festplatzes ersöglicht eine schnelle Orientirung. Selbstverständfehlen auch nicht die für jeden Fremden nothsendigen allgemeinen Anweisungen, als Droschkendrif, Dienstmännertarif usw. Ein von der Crefelder Pirthe=Vereinigung zusammengestelltes Hotel= und kestaurations=Verzeichniß gibt dem Führer die ünschenswerthe Vollständigkeit. Erefeld, 10. Aug. Wie aus dem Programm r 45. General=Versammlung deutscher atholiken ersichtlich, ist für Mittwoch, den 24. ugust, eine gemeinsame Wallfahrt zu dem großen nadenorte der„Trösterin der Betrübten“ in ebelger geplant. Schon seit mehreren Jahren lachte sich bei den Generalversammlungen das Bestfniß geltend, mitten unter den Verhandlungen me Ruhepause eintreten zu lassen. Wer geEssenhaft allen Verhindlungen beiwohnt und neben in öffentlichen und geschlossenen Versammlungen die bs diach Psitzungen fleißig besucht, weiß recht gut, Tage beständiger, ernster Geistesarbeit gesind, die unbedingt eine Ruhepause erfordern. z. B. wurde Mittwochs auf dem schönen Bodensee eine Rundfahrt veranstaltet, welche den ganzen Nachmittag bis zum späten Abend dauerte. Auch Wallfahrten zu einem benachbarten Gnadenorte pflegte man zugleich als geistige Erholung während dieser Tage zu veranstalten. Mit Freuden erinnert man sich noch der Generalversammlung in Amberg im Jahre 1884, wo gemeinsom früh Morgens, Windthorst an der Spitze, betend zum Maria=Hilfberge gezogen wurde, um dann geistig und leiblich gestärkt am Nachmittage wieder der ernsten Arbeit obzuliegen. So entschloß sich denn auch das Localcomitee in Crefeld, eine Wallfahrt nach Kevelaer mit dem Katholikentage zu verbinden. Ist doch Kevelger in ganz Deutschland weitaus der berühmteste und besuchteste MutterGottesort und von Crefeld mit der Bahn in einer Stunde zu erreichen. Gewiß wird es manchem Besucher der Generalversammlung, zumal wenn er von weiter Ferne kommt, eine große Freude sein, gemeinsam mit andern Gesinnungsgenossen Kevelaer zu besuchen und dort zu beten. Es soll dem Vorwurf entgegen getreten werden, als wenn allmöhlich unsere Katholikenversammlungen in Vergnügungsfeste ausarteten. Eine solche Wallfahrt, wo Adel und Bürgerstand, Geistliche und Laien, Arm und Reich, vereint vor dem Enadenbilde der allerseligsten Jungfrau knien, wird ganz besonders geeignet sein, zu zeigen, wie wir Katholiken unsere Aufgabe ernst erfassen und nicht säumen, auf unsere Bemühungen Gottes Segen herabzuflehen. Wenn einzelne Gemeinden nach Kevelaer ziehen, so empfehlen sie gleichsam ihre Privatanliegen der mächtigen Fürsprache der Himmelskönigin; aber in diesen Tagen sollen wir als die Vertreter des ganzen katholischen Deutschland zu ihren Füßen knieen, um sie anzurufen, um ihren Schutz und ihre Fürbitte zu erflehen für die langersehnte Freiheit unserer hl. Kirche und ihrer Orden in unserm lieben Vaterlande. Die Wallfahrtskarte kostet 2 M., 1,60 M. das Billet 3. Classe, 40 Pf. Zuschlag für die mannigfachen Unkosten. Jeder Theilnehmer erhält bei der Abfahrt des Zuges gratis ein künstlerisch ausgestattetes Wallfahrtsprogramm, in welchem die Ordnung und die zu sin genden Lieder verzeichnet sind. Es soll zugleich für spätere Zeiten eine liebe Erinnerung an Kevelaer sein. Die Betheiligung von Frauen ist ausgeschlossen. Bis Montag, den 22. August, Abends, müssen die Wallfahrtskarten gelöst sein, da der kgl. Eisenbahndirection zeitig gemeldet werden muß, wie viele Waggons erforderlich sein werden; es dürfte sich darum empfehlen, bei Bestellung der Mitgliedkarten die Wallfahrtskarten mit zu erheben. * Cöln, 9. Aus. In Folge des gewaltigen Unwetters sind fast die gesammten Fernsprechverbindungen zerrissen. Seit Sonntag stockt der Telep onversehr zwischen Köln, Berlin, Frankfurt, Nürnberg, München und dem Saargebiet vollständig. des gleichen ist der telegraphische Verkehr auf weite Strecken unterbrochen. Hunderte von Arbeitern sind mit der Wiederberstellung der Leitungen beschäftigt. * Cöln, 10. Aug. Ueber die Ausschreitung eines Schutzmannes bringt der„Cölner Stadtanzeiger“ eine Darstellung, die ihm, wie er schreibt, von einem angesehenen, ihm persönlich als besonnen und durchaus glaubwürdig bekannten Bürger zugeht. Dieser Gewährsmann sah, wie am 1. August Abends auf dem Weidenbach, an der Caserne, ein Schutzmann einen anständig gekleideten Mann mit der rechten Hand am linken Arm festhielt. Der so Geführte trug in der rechten Hand einen großen, in Papier verpackten Gegenstand, so daß jede Widerstandsleistung vollständig ausgeschlossen war. Als die Beiden am Schilderhause der Caserne am Weidenbach angekommen waren, sagte der Verhaftete zu dem Schutzmann:„Weshalb haben Sie mich denn eigentlich verhaftet? Lassen Sie mich doch los, ich gehe ja so mit, Sie haben mich nicht zu malträtiren; ich bin auch Soldat gewesen, so gut wie Sie. Ich bemerke Ihnen noch, daß ich wit dem Zuge um 12 Uhr und so und so viel Minuten abreisen muß.“ Hierauf faßte, so heißt es in dem Bericht, der Schutzmann seinen Gefangenen mit aller Kraft im Genick und trieb ihn auf diese Weise eine Strecke weiter, auch schlug er ihn ab und zu gegen die Casernenmaner. Kurz vor dem Eingang zur Friedrichstraße. wo das Abfallrohr vom Dache zur Straße führt, ist eine vorgebaute Ecke. In diese drückte der Schutzmann seinen Arrestanten mit dem Gesicht gegen die Wand und versetzte ihm einige Fußtritte. Unter solchen fortgesetzten Mißhandlungen wurde der Arrestant zum Commissariat in der Friedrichstraße gebracht. Der Gewährsmann berichtet dann weiter: Ohne ein Wort zu sagen habe ich die Sache angesehen und ging den beiden auf 8 bis 10 Schritte nach. Als ich an dem Hause des Commissariats ankam, lagen beide in der im Hausflur befindlichen Treppe, der Schutzmann oben auf und schlug auf den Mann los. Ueber diese ohne bemerkbare Veranlassung erfolgte Mißhandlung empört, ging ich zum Bureau, nannte meinen Namen und erklärte: „Ich trete als Zeuge ein wegen der Mißhandlung.“ Es waren wenigstens vier Beamte anwesend, wovon mir einer zurief:„Ah, Herr L., machen Sie, daß Sie hinauskommen!“ Diese meine Aussage bin ich bereit zu beschwören. Auch haben außer mir noch Andere den Mißhandlungen zugesehen.“ Der Gewährsmann hat von dem Vorgange dem Polizeipräsidium Anzeige erstattet und sich zum Zeugnisse erboten. Die Untersuchung gegen den beschuldigten Schutzmann ist von Seiten der ihm vorgesetzten Behörde schon eingeleitet worden. * Bonn, 9. Aug. Gestern Morgen erschien in einer Villa zu Endenich, deren Herrschaft momen an nicht anwesend war, ein feingekleideter Mann, welcher vorgab, er sei Geheimpoltzist und müsse eine Haussuchung vornehmen, was auch von dem nichts atnenden Dienstwädchen zugelassen wurde. Mit dem Bemerken, er käme am Abend noch mal wieder, entferute er sich. Im Laufe des Tages hatten die Dienstmädchen, welchen die Sache doch etwas verdächtig vorkam, dieses dem Endenicher Gendarm Reimen mitgerheilt, welcher der Fremden, als dieser sich Abents einstellte, verhaitete. Es handelt sich um eine gefährliche Persönlichkeit. Der Festgenommene ist der Metzger Kreuzmann ars Holzweiler, der erst kürzlich ans dem Zuchthause entlassen wurde. * Coblenz, 8. Aug. Welche Ausdehnung unser Kirschenmarkt hat, beweisen folgende amtlich ermittelte Zahlen. In der Zeit vom 11. Juni bis 28. Juli er, wurden hierselbst angefahren 23,700 Körbe von durchschnittlich 30 Klg. Gewicht, insgesammt 711,000 Klg. Kirschen. Der Preis stellte sich durchschnittlich für 50 Klg. auf 11 bis 25 M. Der Gesammtwerth der Zufuhr erreichte die Höhe von 219,500 M., das ist das Höchste, was bisher sich aus dem Kirschenmarkte ergab, obwohl wir schon weit bessere Ernten hatten. * Aus den Provinzen, 10. Aug. In Dortmund stürzte ein 3 Jahre altes Töchterchen der Familie Janßen aus einem Feuster des 3. Stockes auf die Straße. Das arme Kind, welches furchtbare Kopfverletzungen davongetragen hatte. wurde todt aufgehoben.— In Hörde wurde der Knecht Gatte, Vein 19jähriger Jüngling, am Sonntag, als er eine Festlichkeit besuchte, durch einen wuchtigen Schlag so schwer verletzt, daß er an den Folgen bereits gestorben ist.— Der Personenzug 10 Uhr 19 Min. von Wetter nach Dortmund überfuhr ein 3jähriges Kind, das sich auf den Schienen verirrt hatte. Der Zug wurde zum Stehen gebracht und das schwer verletzte Kind aus seiner schrecklichen Lage befreit.— In der Dechenhöhle fand man am Sonntag in einem Damentaschentuche eingewickelt die Summe von 250 Mark. Der ehrliche Finder übergab den Betrag der Höhlen=Verwaltung.— Nachdem sich vor einigen Tagen vereinzelte Fälle von Typhuserkrankungen in Hagen gezeigt haben, scheint diese Krankheit sich jetzt weiter verbreiten zu wollen. Mehrere Typhuskranke sind bereits im St. Josephs=Hospital unteraebracht und schon wieder werden neue Fälle gemeldet.— Ein erst sechszehn Jahre alter, auswärts in Dienst stehender Bursche von Soest brachte sich am Son tag=Abend mit einem geliehenen Revolver einen Schuß in die Brust bei und starb nach einigen Stunden, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Was den Knaben zu der schrecklichen That veranlaßt hat, ist gänzlich unbekannt.— Einen empfindlichen Schaden hat der Viehhändler St. in Schwerte dadurch erlitten, daß ihm bei einem Viehtransport nach Bieleseld sechs Kühe durch Entzünden des Strobes im Wagen verbrannt sind. Einige Kühe waren bereits verendet, während die anderen in Bielefeld abgeschlachtet werden mußten.— Schwer vom Schicksal heimgesucht wurde die Familie des Arbeiters N. in Sendenhorst. Vor sechs Wochen wurde die Tochter ermordet und gestern stürzte der Vater von der Dreschmaschine und brach das Genick. Die schwergetroffene Frau mit ihren zahlreichen Kindern findet allgemeine Theilnahme.— In der Werse bei Münster ertrank beim Kahnen der Stuckateur Lamann, Vater von drei Kindern. L. hatte vorher mit einem Collegen, der vergeblich versuchte, dem Ertrinkenden vom Kahn aus zu helfen, dem Schnaps zugesprochen.— Eine wüste Schlägerei hat in Düssern bei Duisburg stattgefunden, wobei die nichtbetheiligten Fabrikarbeiter Otto und Winstermann schrecklich zugerichtet worden sind. An deren Aufkommen wird gezweifelt. Mehrere Verhaftungen sind vorgenommen. Der oder die Thäter sind noch nicht erkannt.— Beim Vrande des von mehreren Familien bewohnten Wohnhauses in Flachsberg bei Gräfrath ist eine ältere Frau, die noch etwas retten wollte, in den Flammen umgekommen. Als das Feuer gelöscht war, fand man ihre Ueberreste als verkohlte Masse unter den Trümmern.— Die Polizei verhaftete eine Mutter und ihren Sohn aus Berlin, die in Aachen in Köln und in Hannover falsche Thalerstücke ausgegeben haben. In ihrem Besitz fand sich noch für wehr als 3000 M. an falschen Münzen.— Ein Nachspiel zur letzten Reichstagswahl fand vor dem Schöffengericht in Braubach statt. Gegen fünf Personen wurde theils wegen Hausfriedensbruchs, Steinwerfen, schwerer Körververletzung, öffentlicher Beleidigung, groben Unfugs 2c. verhandelt. Die Angeklagten, welche diese Delicte am Tage der Reichstagswahl verübten, erhielten Gesängnißstrafen von 4 Tagen bis zu 2 Monaten 10 Tagen, außerdem noch Haftstrafen von 2 bis 4 Tagen.— In Hersfeld bei Fulda gerieth gestern ein Stallgebäude, in dem Kinder unvorsichtiger Weise mit Streichhölzern spielter, in Brand. Ein dreijähriges Mädchen verbrannte, sein fünfjähriges Brüderchen erlitt schwere Brandwunden. Vermischtes. * Leipzig, 7. Aug. Am Leipziger Nordfriedhofe wurden nicht weniger als 22 Wagenladungen menschlicher Gebeine ausgegraben, die zweifillos die Ueberreste französischer und preußischer Krieger sind, welche bei Blüchers Versuch, die nördliche Vorstadt von Leipzig zu nehmen, dort ihren Tod und ein gemeinschaftliches Grab gefunden haben. Der Zufall hat gewollt, daß man bei den Ausschachtungen auch eine Anzahl sog. eratischer Blöcke auffand. Dieselben sollen zu einem einfachen Denkmal für die draven Krieger verwendet werden, deren Gebeine wieder in einem gemeinsamen Massengrab bestattet worden sind. * Paris, 9. Aug. Der Schiedsrichter Dillon aus New=York, welcher bei dem Schiffsunglück der „Bourgogne“ seine Frau und Tochter verloren, hat gemeinsam mit einem Einwohner von Kansas= City Namens Perry, dem die ganze Familie ertrank, beschlossen, einen Dampfer auf eigene Kosten auszurüsten, welcher die Leichen der Verunglückten aufsuchen soll. Nach den Berichten der Ueberlebenden der Katastrophe, wie der Capitäne, deren Schiffe die Umgebung von Sable=Island befahren, schwimmen zur Zeit die Leichen in großer Anzahl an der Wasser=Oberfläche herum, da die meisten mit Rettungs=Gürteln und Schwimm=Westen versehen waren. * Ein merkwürdiger Fund ist in Antwerpen gemacht worden. Das Denkmal Coquilhat, das diesen in Afrika dem Klima erlegenen Offizier und Forscher verewigt, ist von einem Wasserbecken umgeben und schmückt den Parc de la Pépiniere. Dieses Wasserbecken wird jetzt einer gründlichen Reinigung unterzogen. Dabei fanden Arbeiter im Wasser Platten, die zur Herstellung deutscher Bauknoten von 5, 10, 20 und 50 Mark dienten. Sie sind vortrefflich ausgeführt. Die Platten sind sofort beschlagnahmt und von der Polizei der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Man glaubt, daß deutsche Fälscher, denen man auf der Spur ist, diese sie gefährdenden Platten in das Wasser geworfen haben. * Ein unheimliches Zeugniß erbielt vor bundert Jahren, am 1. September 1798, der Scharfrichter von Tecklenburg Jobst Stolle, ausgestellt. Es lautet nach den„L. N. N.“:„Daß der Scharfeichter Jobst Stolle zu Tecklenburg, Bruder der Scharfrichterin Maria Jungmann, den für einige Zeit hier zu Hallenberg inhaftirt gewesenen Heinrich Scheuering wohl und zu meinem besonderen Vergnügen enthauptet, und auch zu meines Bruders, des Syndici Zeiten einen daselbst inhaftirten Dieb über die Maßen wohl gehenkt hat, also daß man in dergleichen Fällen wohl und ergötzlich von ihm bedient wird, solches bedient wird, solches bescheinigt hiermit nach Gebühr Joseph Heerde, Gaugraf zu Meeste im Amt Wollbach.“ * Verunglückte Ansrede.„Marie, auf dem Clavier liegt der Staub von mindestens sechs Wochen!“—„Aber, gnädige Frau, das ist doch die Schuld meiner Vorgän gerin! Ich bin ja erst seit drei Wochen hier!" * Kasernenhofblüche. Unterofficier:„Einjähriger, Sie scheinen auch blos studirt zu haben, damit Ihre Dummheit mehr auffällt!“ Neueste Nachrichten und Telegramme. C Berlin, 10. Ang. Laut„Berliner Correspondenz“ setzte das Directorium der Preußischen Central=Genossenschaftskasse den Zinsfuß in der laufenden Rechnung vom 1. October 1898 auf 4 pCt. für Vorschüsse und 3 pCt. für Einlagen fest. Die Maßregel wird eingehend und ausführlich mit den gänzlich veränderten Verhältnissen auf dem Geldmarkte begründet. G Zum Lippeschen Zwischenfall wird vom Detmolder Staarsministerium der§ 5 der Militär= convention zwischen Lippe und Preußen vom 26. Juni 1867 nebst§ 7 des am selben Tage vereinbarten Protocolls veröffentlicht. In diesem§ 7 heißzt es, der Fürst habe auch das Recht,„über die aufzustellenden Ehrenposten und die den Mitgliedern der fürstlichen Familie einzuräumenden Ehrenrechte Bestimmun; zu treffen". Die„Berl. Neuesten Nachr.“ machen über darauf aufmerksam, daß die an Stelle der Convention von 1867 getretene neue Convention vom 14. November 1873 in ihrem Schlußprotocoll die Bestimmung über die den Mitgliedern der fürstlichen Familie einzuräumenden Ehrenrechte nicht mehr enthält, während sie in dem Schlußprotocoll zu der Convention mit Schaumburg L'ppe enthalten ist. Dem Fürsten von Lippe=Detmold werden nur die Ehrenrechte eines commandirenden Generals zugestanden. Man lat aber doch die in der Convention nicht bestätigten Ehrenrechte auch nach 1873 bestehen lassen und zwar bis zum Juni dieses Jahres. Selöst die„Berl. N. N.“ geben zu, daß die Form, in der jetzt die Ehrenrechte außer Kraft gesetzt worden sind, nicht erfreulich ist. Warum eigentlich bei der Convention von 1873 die beiden Lippe verschieden behandelt wurden und Detmold eine Schmälerung seiner Befugnisse erhielt, ist nicht klargestellt. 8p; Für die Präsidentenwahl des Reichstages sollte der„Staatsbürger=Zeitung" zufolge eine Abmachung besteben derzufolge das Centrum den Präsidenten stellt, die Conservativen die erste, die Nationalliberalen die zweite Vicepräsidentenstelle besetzen. Die erforderliche Stimmenzahl bierfür sei gesi bert. s Gegen den Vorschlag des Schlesiers auf Decentrali= sation des Bundes der Landwirthe erhebt in der „Kreuzztg.“ ein Herr Badicke Widerspruch. Man dürfe den Bund nicht schwächen durch Theilung. Das Centrum, das der Schlesier für die ländlichen Interessen gewinnen wolle, treibe doch nicht Politik wie ein bockbeiniger Knabe und müsse nicht, weil der Bund es sei, der Reformvorschläge mache, don vornberein Gegner sein. Die katholischen Wäbler müßten sorgen, daß es agrarischer werde. Gerade das Centrum zeige, daß ein großer Mittelpunkt alle Parteischattirungen um sich vereinigen könne. * Der hiesige chinesische Gesandte übermittelte dem Auswärtigen Amte den Wortlaut eines ihm telegraphisch zugegangenen Erlasses des Kaisers von China, worin nach Hervorhebung der unvergänglichen Verdienste des Fürsten Bismarck tiefes Bedauern über sein Ableben ausgedrückt wird. * Nach einer Meldung der„Voss. Ztg.“ aus Fiume wird daselbst Fürst Herbert Bismarck nächste Woche mit Familie eintreffen und in der Villa des Grafen Hoyos längeren Aufenthalt nehmen. * Durch Vermittelung des auswärtigen Amtes sind nunmehr auch die obersten Vertreter der evangel. Kirche in den Niederlanden, Dänemark u. s. w. eingeladen worden, der Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem am 31. October beizuwohnen. Auch nach Nordamerika sollen Einladungen ergangen sein. &a; Hannover, 11. Aug.(Telegramm.) Durch ein herabstürzendes Dachgesims wurden drei Arbeiterfrauen schwer verletzt, eine getödtet. * Paris, 10. Aug. Eine Depesche des„Temps“ aus Madrid meldet, der päpstliche Nuntius habe gestern in einer längeren Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Sagasta zu Gunsten der Orden auf den Philippinen gesprochen. Sagasta habe erwidert, er könne keine Verpflichtung übernehmen; das Loos der religiösen Verbindungen werde von dem Ergebniß der Unterhandlungen abhängen.— Das Appellationsgericht beschäftigte sich heute mit der Berufung, welche gegen das im Verleumdungsprocesse der Schreibsachverständigen gegen Zola am 9. Juli vom Polizeigericht gefällte Urtheil eingelegt worden war. Zola war nicht vertreten. Das Gericht erhöhte die Strafe auf einen Monat Gefängniß, 2000 Francs Geldstrafe und 10000 Francs Schadenersatz an jeden der drei Schreibsach= verständigen. * Rom, 10. Aug. Infolge der Hitze in den letzten Tagen ist der Papst leicht unwohl und setzte auf den Rath Lapponis auf einige Tage die Audienzen aus. Der„Osservatore Romano“, welcher diese Nachricht bestätigt, fügt hinzu, Lapponi habe ihm auf Befragen erklärt, es sei durchaus nichts vorhanden, was Besorgniß erregen könne. * Washington, 11. Aug.(Telegramm.) Staatssecretär Day gab Folgendes bekannt: Wir haben ein Abkommen geschlossen über das die Friedensbedingungen enthaltende Protocoll, worunter die Räumung Cubas und Portorikos mit einbegriffen ist. Wir glauben, daß das Protocoll zur begrenzten Ausführung kommen wird. In unterrichteten Kreisen verlautet, die Friedensbedingungen seien die, die in der Note Me Kinleys gefordert wurden. Man glaubt, daß nur noch einige Formalitäten vor Unterzeichnung des Protocolls zu erledigen sind. Im Anschluß daran wird aus Washington gemeldet: Die Unterzeichnung des Protocolls erfolgt heute noch nicht. Der Verzug sei nur deshalb erforderlich, damit das Document in so bestimmter Form abgefaßt werden könne, daß jede Möglichkeit eines Mißverständnisses ausgeschlossen sei, und Zeit gewonnen würde, damit Cambon von Spanien zur Unterzeichnung des Documents ermächtigt würde. Markt- und Börsen-Nachrichten. * e erliner Couvsbericht vom 10. Aug. Reichsanleihe 3 1% „ 3% Preuß. Consols 3 1/2% 3 Berg.=Märk. Bank Dortm. Bankverein Consolidation Dannenbaum * Neuß, 10. Aug. 9. 102,40 95,20 102.40 95,60 162.25 132,00 287.50 112,00 Fruchtpreise. 10. Raps 1. 2. 8. Aveel 1. S. " 2. S. Kartosseln Dortmunder Brauerei Dortm. Bergbauverein Essener Creditbank Reichsbank Bochumer Gußstahl Westfäl. Stahlwerke Gelsenkirchener Bergw. Harpener 100 89 50 Weizen, kleiner do. 1. S., engl. vo, 2. S., engl. Roggen, 1. Sorte " 2. Sorte Hafer, 1. Sorte " 2. Gorte (Alles 100 Ko.) den Mk. 200—.300 die 50 Lo. Rübsl in Posten von 100 Ctr. 977. Rubdl faßweise, 100 Ko. ohne Faß......„ 13,0013.00 12.002. 15.00150 14,00 14,60 9. 143.70 163.20 224.75 218.50 192,30 18040 10. 22,50 —20, 21.— 19.— Maschinenstr. 500 Flegeldrusch Kleien 50 20 20.— 22.— — 4,00 52.— 1510 44 Son. Otölterkaut, Witten a. d. Ruhr, Hauptstr. 68, Holz- und Baumaterialien-Handlung, engros. Steinbruchbetrieb endétall. Stets reichhaltiges Lager in: Amerikanischer, slavonischer und oberländer Eiche, ferner Buchen, Kiefern, Fichten, Pitschpine, eichen und tannen Kantholz, ausgeschnittene eichene und buchene Treppenstufen, Bord, Rahmen, Latten, Schutzdecken, Hobeldielen, Stabdretter, Fußleisten, Stuhlleisten, Kalkleisten, Thürriegel 2c. Thonrohre, Steingut= u. Porzellan=Trichter, schott. Rohre, guß. Krümmer und Geschränke, Dachpappe, Nägel, Portl. Cement, Gyps, Gypsdielen Schwemmsteine, Mosaik= u. Thonplatten, Porzellan=Wandplatten, Treppen, stufen, Tröge, Schleif= u. 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Die Brautleute Former August Stubach zu Witten und die Dienstmagd Mathilde Krah zu Linden bei Hattingen haben für die von ihneneinzugehende Ehe laut gerichtlicher Verhandlung vom 26. Juli 1898 jede Art der ehelichen Gütergemeinschaft ausgeschlossen. Witten, den 2. August 1898. Kgl. Amtsgericht, Abth. III. Flelschverkauf. Samstag den 13. do. Mts. findet auf hiesigem Schlachthofe von nachmittags 2 Uhr ab der Verkauf vonminderwerthem Rind= und Schweinefleisch statt. Witten, den 12. August 1893. Die SchlachthofVerwaltung. Eine kleine sehr gute Wirthee in schaft mit g. Bäcker. in Industrie. stadt ist zu 42000 Mk. mit 8000 Mr. unzahlung durch mich zu kaufen. Nebenmiethe 500 Mark. R. Krauey, Dortmund, 1. Kampstraße 32. ff. Süßrahm=Butter per Pfd. 105 Pfg. Neue Holländische Vollheringe per Dutend 52 Pfg. W. Petersmann, Bleternen 16. Directe und vortheilhafteste Bezugsquelle. Man verlange Catalog No. 194. Privatunterricht. 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Die Baum=Anpflanzung um den Turnplatz wird der Schonung empfohlen. Der Gesammt=Ausschuß für das Harkortbergfest. Eircus E. Brumenreia-Wire. Witten. Heute, Freitag den 12. d. M., abends 8 Uhr: Unwiderruflich letzte grosse Haupt- u. Abschieds-Vorstellung ittener Corsett-u. Bandagen-Fabrik mit großartigem Programm. Außer den großartigsten Künstlern kommen an siebzig dressirte Pferde vor. Wir legeneinen ganz besonderen Werth darauf, diese SchlußVorstellung großartig zu geüalten, damit wir immer gerne in Witten aufgenommen werden. U. A.: Ein jeder Circusbesucher hat das Recht, zu dieser großen Schluß=Vorstellung ein Kind bis zu 10 Jahren frei einzuführen. Für den regen Bezug, welcher uns in Witten zutheil wurde, sagen wir unsern herzlichsten und ergebensten Dank, verbunden mit der Bitte, unsere Firma bis zur Wiederkehr in guter Erinnerung behalten zu wollen. Hochachtend und ergebenst Gebr. Blumenfeld, Circus E. Blumenfeld Wwe. R. Lüdecke, Poststrasse 4. a. 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