Samstag, 23. Juli 1898. 1. Blatt. Erscheint täglich mit Ausnahmelder Sonn= und Feiertage. Abonnementspreis nebst den Gratisbeilagen„Sonntagsfreude" und„Sterne und Blumen" durch die Boten zugestellt nur 50 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen nur 1,20 pro Quartal. o g. Beiz gepe, Wieg Teleppon=Anschluß 130. Nr. 165. Dritter Jahrgang. Preis für die Lspaltige Petitzeile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechen Rabatt. Größere Anzeigen können nur bis spätestens abends 5 Uhr angenomn werden, ganz dringende Inserate bis morgens 8 Uhr. Geschäftsstelle: Witten, Hauptstraße 79. Centrums-Organ für das Ruhrthal. Telegramm=Adresse: Volkszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringewald, Witten. N en haben einen Theil meines Waarenlagers vernichtet, und um mit den durch Wasser beschädigten Waaren schleunigst zu räumen, findet Sonnabend den 23. Juli in meinem Lokale eine 1E LELU CIGT statt und werden die Waaren zu jedem nur annehmbaren Gebot verkauft. OrRtsschdeing... 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Juli. + An die Meldung der„Volksztg.“, daß eine Aenderung des Wahlrechtes von Seiten des Centrums geplant sei, hatte so recht kein Blatt geglaubt, selbst die„Volksztg.“ nicht. Um so auffallender ist es, wenn heute die„Post“ in folgender gehässiger Weise schreibt:„Dem Dementi des rheinischen Centrumsblattes(gemeint ist die„Kölnische Volksztg.“) ist an sich zwar kein zu großer Werth beizulegen. Denn wenn— wofür ja Manches spricht(was denn?)— das Centrum schließlich zu einem solchen Handelsgeschäfte sich verstehen sollte, wäre es doch nur ein einfaches Gebot der Klugheit, sich jetzt so ablehnend wie möglich zu stellen, um s. Z. einen um so höheren Preis herauszuschlagen.“ Worum es dem Geheimrath, dem es nach einer conservativen Mehrheit mit Hülfe der Nationalliberalen gelüstet, bei dieser Verdächtigung zu thun ist, ergibt sich aus seiner weiteren Auslassung.„Vorerst aber wird das Centrum jedenfalls versuchen, seine Wünsche auf dem Gebiete der Kirche und Schule auf anderem Wege, als um den Preis einer Aenderung des Reichstagswahlrechtes, zu erreichen. Seine ausschlaggebende Stellung im Reichstage eröffnet ihm in dieser Hinsicht eine ganze Reihe von Chancen, und, wenn es gelänge, durch eine verkehrte Wahlund Parteitactik die Conservativen und das Centrum im Abgeordnetenhause wiederum zu einer näheren Verbindung zu bringen und so eine bis zu einem gewissen Grade geschlossene conservativ=elerieale Mehrheit herzustellen, so würden diese Aussichten auf Verwirklichung der ultramontanen Bestrebungen in Kirche und Schule sich sehr wesentlich verstärken. In der nächsten Zeit wird man daher mit planmäßigen Versuchen der Centrumsleute zu rechnen haben, ihre Machtstellung im Reichstage und die Stellung im Abgeordnetenhause zur Erlangung von Concessionen auf dem Kirchen= und Schulgebiete zu verwerthen. Zuerst wurde den Nationalliberalen mit den Communalwahlen Schrecken eingejagt, und jetzt zur Abwechselung mit Kirche und Schule,— und das Alles, weil die„Volksztg.“ eine alberne Notiz gebracht hat! * Zu der Gerichtsverhandlung über die Ver urtheilung der Wahlzettelvertheiler in Breslau geht der„Schles. Volksztg. aus ihrem Leserkreise ein Schreiben zu, dem wir Folgendes entnehmen: die Sache schon an sich selbst dazu angethan, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich zu lenken, so muß dies um so mehr der Fall sein, da der Zeitungsbericht zugleich mittheilt, daß alle Parteien, die Zettelvertheiler mit Pappdeckel=Plakaten vor den Wahllocalen angestellt hatten, angeklagt waren, nur die conservative Partei nicht. Das muß auffallend und befremdlich erscheinen, da selbige sich doch ganz derselben Uebertretung schuldig gemacht hat. Es ist bisher nichts zu lesen gewesen, daß auch gegen diese Partei ein gerichtliches Verfahren eingeleitet worden sei. Es ist dies zu bedauern, da dieser„Zufall“ leider geeignet ist, allerhand Vermuthungen Raum zu geben. Auch ist dem Publikum nicht zu verargen, wenn es neugierig ist, zu erfahren, wie es also gekommen ist, daß die conservative Partei allein von einer Anklage dieserhalb verschont geblieben ist, obgleich sie dieselbe Schuld zu fühnen hatte und obgleich nach dem Bericht der Betheiligten ein Beweisstück für ihre Schuld, nämlich ein Pappdeckelplakat mit dem Namen des conservativen Candidaten Felisch, das gleichfalls von den Polizeiorganen confiscirt worden war, als corpus delicti bei der Gerichtsverhandlung vorgelegen hat, wie dort ausdrücklich constatirt worden. — Die„Bresl. Morgenztg. fügt noch hinzu, daß das conservative Wahlbureau bei den Stichwahlen das einzige war, das sich an die inzwischen bekannt gewordene Ansicht der Polizei nicht kehrte. Alle Plakate der Stimmzettelvertheiler trugen bei den Stichwahlen den Namen des Druckers, nur die schwarzweißroth umränderten der Conservativen nicht. Und diesmal fand sich kein Schutzmann, kein Commissarius, der die Schwarzweißrothen coufiscirt hätte. Wie mag das zugegangen sein? * Gegenüber der Beschuldigung des badischen „Militärvereinsblattes“, daß„eine gewissenlose, jeden Ehrgefühls baare Gesellschaft“„mit der Auslieferung der badischen Residenzstadt an die Socialdemokratie schnöden Undank gegen den Großherzog an den Tag gelegt“ und daß„treulose undankbare Landeskinder durch ihr vaterlandsloses Verhalten 1 2 Die Goldsucher. Von A. Heuty. (Nachdruck verboten.) 1. Im Jahre 1851 befand sich am Cedar Gulch ein llühendes Goldsucher=Lager. Einige Goldgräber hatten reiche Adern gefunden und als dieses bekannt wurde, strömten von allen Seiten Goldsucher herbei. Manche von ihnen wurden enttäuscht, aber im allgemeinen erwies sich das Goldlager als ergiebig. Es war eine lebhafte, geschäftige Scene. Mehrere hundert Menschen waren eifrig an der Arbeit in der Schlucht, welche im Winter das Bett eines starken Stromes war, im Sommer aber nur einen kleinen Bach enthielt, der kaum Wasser genug zum Goldwaschen lieferte, Ueberall lagen Hausen von Steinen und Schutt, welche aus den Minen herauf befördert worden waren. Man sah Männer an den Winden arbeiten, während andere die heraufkommenden Eimer in die Goldwiegen oder schwingenden Tröge entleerten, und noch andere diese Wiegen mit Wasser gefüllt erhielten und hin und her schwangen, wobei der Schlamm an dem hinteren Ende ausfloß, der Goldstaub aber in dem Trog zu Boden sank. Neu Angekommene gingen umher und beobachteten mit gierigen Augen diese Arbeit. Jeder Fuß breit im ganzen Thal war schon besetzt und ein Claim, d. h. das Anrecht auf ein Grundstück zum Goldgraben konnte nur noch durch Kauf erlangt werden. Eines dieser Grundstücke wurde von drei Männern bearbeitet, welche schon seit zwei Jahren in Gesellschaft arbeiteten. Sie waren bekannt als„der deutsche Bill“.„Sim Howlett" und„der hinkende Frank“, welcher auch„Doctor“ genannt wurde. Sim Howlett schien der Leiter der Gesellschaft zu sein. Er war ein großer Mann von mächtiger Gestalt und schweigsamem Wesen. Er war nicht streitsüchtig, aber sein Aeußeres erweckte auch keine Lust, mit ihm Streit anzufangen. Selbst an diesem Ort, wo eruste Streitfälle beständig vorkamen und wo die Revolver so oft krachten, daß man wenig mehr darauf achtete. Der deutsche Bill, ein großer schlanker Mann, war allgemein beliebt, da er freigiebig und immer bereit war, jedem, der sich in Noth befand, zu helfen. Dabei war er ein tüchtiger Arbeiter und trotz seiner groben Kleidung Neß sein Wesen erkennen, daß er von gebildetem Stande war, wie noch manche andere unter den Gologräbern. Warum diese beiden Männer sich mit dem lahmen Frank verbündet hatten, erschten Manchem unerklärlich. Beide waren in ihren einen ewigen Schandfleck auf sich geladen haben“ bezeichnet der Führer der badischen Centrumspartei Abg. Wacker es als eine Ehrenpflicht der Leitung des Militärvereinsorgans, bestimmt und unzweidentig zu erklären,„ob die Centralleitung der Centrumspartei die Adresse sei, an die jene Vorwürfe gerichtet werden". Die „Köln. Volksztg.“ bemerkt dozu, daß eine Verweigerung einer Antwort in der Oeffentlichkeit noch ungünstiger beurtheilt werden dürfte, als die Bejahung der aufgeworfenen Frage. Es könne nur von heilsamen Folgen sein, daß an einer vielvermögenden Gegnerschaft endlich einmal ein Exempel statuirt würde. * D i e M e l d u n g v o n n e u e n M i l i t ä r v o r l a g e n wird in der Presse lebhaft besprochen. Wir wollen hier nur zwei Aeußerungen anführen und zwar deswegen, weil sie in Widerspruch mit einander stehen. Nach der„Nat.=Ztg.“ ist nämlich von den durch die Presse gehenden umfassenden Projecten in unterrichteten Kreisen nichts bekannt. Die freiconservative „Post“ aber, die gute Beziehungen unterhält, bezeichnet die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke für wahrscheinlich. Ferner bemerkt sie, daß eine Veränderung der Formation der Feldartillerie zu erwarten sei. Die Meldung von einer Vermehrung der Artillerie oder einer Neuformation der Infanterie hält sie dagegen für unzutreffend. * Der deutsche Consul in Jerusalem Dr. v. Tischendorf ist jetzt in Homburg v. d. H. eingetroffen. Der Zweck seiner Anwesenheit ist hauptsächlich der, mit dem Oberhofmarschall des Kaisers, Graf Eulenburg, der ebenfalls zur Zeit dort weilt, die Dispositionen zur Reise des Kaisers nach Jerusalem zu treffen. Aus diesem Anlaß fand am Montag im königlichen Schlosse in Homburg eine Besprechung statt, an der außer Dr. v. Tischendorf und dem Grafen Eulenburg auch Herr Cook von Coks Reisebureau, sowie dessen Director für Palästina, Herr B. Heilbern, Theil nahmen, da der Koiser, sobald er in Egypten sein eigenes Schiff verläßt, in Begleitung des Cook'schen Reisebureaus die Weiterreise fortsetzt. Ueber die Betheiligung der obersten evangelischen Kirchen behörden an der Reise nach Jerusalem verlautet jetzt folgende Version: Von Seite des preußischen Oberkirchenrathes ergeht an die obersten Leitungen der verschiedenen evangelischen Kirchen Einladung zur Betheiligung an der Feier. Alle Theilnehmer, darunter auch die Vorstände der Missionen, benutzen ab Triest ein Schiff des Stangen'schen Reisebureaus. Die Landung im hl. Lande erfolgt zu Jaffo. Die Theilnehmer werden in Jerusalem der Einweihungsfeier anwohnen, sonst aber unabhängig vom Reiseprogramm des Kaisers die hl. Stätten besuchen. Vom Kaiser selbst ist nur Einladung an die evangelischen Fürsten ergangen. § Paris, 21. Juli. Den Blättern zufolge hat Oberst Henry sich geweigert, dem Untersuchungsrichter Bertulus die Führungsliste Esterhazys mitzutheilen. Bertulus begab sich deshalb in das Kriegs inisterium, um die Herausgabe der Liste zu verlangen.— Der Advocat Tezenas richtete an Bertulus das Ersuchen um einstweilige Freilassung Esterhazys.— Der Gerichtsvollzieher begab sich gestern nach dem Landsitze Zolas in Medan bei Paris, um ihm das Urtheil des Versailler Schwurgerichs zuzu: stellen. Das Dienstpersonal weigerte sich indessen, das Schriftstück entgegenzunehmen. Es verlautet, die Gerichtsbehörde werde die Beschlau ahme des Mobiliars Zolas beantragen, um die Bezahlung der Geldbuse und der Gerichtskosten zu sichern. * Petersburg, 21. Juli. Das„Journal de St. Petersbuig begrüßt das Bulgarenpaar aufs herzlichste: den erleuchteten Fürsten, dessen höchstes Ziel das Gedeihen des Landes bildet, mit dem Rußland so eng vereint ist, die edle Fürstin, deren hohe Tugenden allgemein verehrt, und den jungen Prinzen Boris, dessen unter so denkwürdigen Umständen erfolgter liebertritt zur Orthodoxie ein neues Band zwischen Rußland und Bulgarien bil det. * Moskau, 20. Juli. Der Fürst und die Fürstin von Bulgarien sowie Prinz Boris trafen heute im kaiserlichen Sonderzuge hier ein. Auf dem Bahnhof waren Großfürst und Großfürstin Sergius sowie zahlreiche hohe Würdenträger zum Empfange anwesend. Nach feierlicher Begrüßung begab das Fürstenpaar sich in Begleitung des Großfürsten und der Gro fürstin nach dem Kreml; später fand im Palast des Generalgouverneurs Frühstückstafel statt. besten Jahren, während Frank wenigstens zehn Jahre älter war als sie, sein Haar war bereits ergraut, sein Gesicht hatte einen zarten, fast weiblichen Ausdruck und ließ eher auf einen Gelehrten, als auf einen Goldgräber schließen. Er war von schmächtiger Gestalt und erschien fast unfähig zu harter Arbeit. Beim Gehen hinkte es etwas infolge einer Schußwunde in der Hüfte. Und doch gab er Leute in der Ansiedelung, welche die drei an anderen Stellen gesehen hatten und erklärten, sie wollten lieber mit dem deutschen Bill oder mit dem großen Sim anbinden, als mit dem hinkenden Frank, und da einige dieser Leute als verwegene Burschen und geschickte Pistolenschützen bekannt waren, so genügten diese Aeußerungen, um dem Mann Achtung zu verschaffen, welchen man sonst mit Mitleid oder Geringschätzung angeseben hätte Von der harten Arbeit der Genossenschaft fiel Frank nur wenig zu. Er kochte, sah nach dem Hauswesen, besserte Kleider aus und kam zur Mine, um an der Wiege mitzuhelfen. Er wurde gewöhnlich als„Doctor“ angeredet, weil er immer bereit war, in Krankheitsfällen Hilfe zu leisten und manchen Goldgräber durch das Fieber gebracht hatte, welcher ohne seine Pflege wohl nicht am Leben geblieben wäre. „Ich verstehe nicht, was Du damit meinst, ich solle lieber mit dem kleinen hinkenden Keil nicht anbinden“, sagte ein großer Bursche, der kürzlich in das Lager gekommen war, zu seinem Genossen.„Ich fürchte keinen, aber wie in aller Welt kann dieser kleine Kerl gefährlich sein? Kann er schießen?“ „Das will ich meinen“, erwiderte der Andere.„Ich habe nie einen besseren Schützen gesehen.“ „Aber er sieht nicht darnach aus.“ „Nein, und er ist auch nicht streitsüchtig. Obgleich seine Kameraden ihm sogleich beistehen würden, ist er doch immer für Frieden und Ordnung, eine Art von Richter Lyuch. Ich habe gesehen, wie er ein Lager gereinigt hat. Wenn der Bursche es zu arg treibt mit Schimpfen und Schießen, dann kommt der hinkende Frank. Ich war einmal in einem Lager wo eine Bande von drei oder vier Strolchen ein Schrecken für alle anderen waren. Sie hatten schon sechs oder acht niedergeschossen und einer von ihnen, der Texas=Jack schoß ohne allen Grund einen jungen Menschen nieder, der eben ins Lager gekommen war. Damals war ich eden in der Schenke oder in dem„Salon“ wie sie das neunen, als fünf Minuten darauf der hinkende Frank herein kam. Texas=Jack stand lachend und lärmend am Schenktisch mit zwei oder drei seiner Genossen. Der kleine hinkende Frank war kaum wieder zurück, er hatte einen Kameraden von mir die Nacht vorher gepflegt und während wir so bei einander saßen, wundere ich mich über seinen zarten Gesichtsausbruck— jetzt aber waren Locases und * Witten, 23. Juli. Wie uns aus Cöln mitgetheilt wird, ist unser bisheriger Reichstagsabgeordnete Herr Kaufmann Eduard Fuchs am Mittwoch Nachmittag bei einer Fahrt mit dem Velociped zu Fall gekommen. Ein schwer beladenes Rollfuhrwerk fuhr ihm über den linken Arm, der gänzlich gebrochen ist; nur einem glücklichen Zufalle war es zu verdanken, daß das Rad nicht über den Kopf ging; es streifte den Kopf und verletzte nur unbedeutend die Stirne. Herr Fuchs wurde von Soldaten einer naheliegenden Caserne auf einer Tragbahre zum hiesigen Vincenzhospital gebracht. Eine Lebensgefahr ist glücklicher Weise nicht vorhanden. * Versammlung der Zone Westfalen des deutschen Gastwirtheverbandes. Laut Beschluß der am 4. Juli stattgehabten Zonenvorstandssitzung in Hagen findet die nächste Zonenversammlung an: Mittwoch, den 27. Juli, Nachmittags 2 Uhr. in Bielefeld(Remkes Theatersaal) statt. Mit Rücksicht dorauf, daß die Tagesordnung sehr wichtig und reichhaltig ist, mußte die Versammlung so früh angesetzt werden. Etwa noch zu stellende Anträge sind schleunigst an den Vorsitzenden Franz Dervenich in Hagen einzusenden. Die Tagesordnung selbst, sowie der von einem gerichtlich vereideten Bücherrevisor geprüfte Auszug der Sterbe= und Zonenkasse wird in der Versammlung vertheilt. *— Vor einigen Tagen berichteten wir, das Oberbergamt in Dortmund habe eine Polizeiverordnung erlassen, nach welcher vom 1. Januar 1899 ab die sämmtlichen mit Schlagwettern behafteten Gruben mit Berieselungsanlagen verseherr sein müßten. Wie von anderer Seite mitgetheilt wird, ist diese Nachricht nicht richtig, wenigstens in dieser Weise nicht. Das Oberbergamt habe allerdings im Einverständniß mit dem Minister den Entwurf einer solchen Berapolizeiverordnung ausgearbeitet und diesen Entwurf, wie es Vorschrift sei, den Bergbautreibenden zur Aeußerung vorgelegt. Dies sei in erster Linie der bergbauliche Verein und die KnappschaftsBerufsgenossenschaft. Diese hätten sich noch nicht schlüssig gemacht, würden aber gegen den sehr weitgehenden Entwurk Stellung nehmen. Hervorragende Bergtechniker seien der Ueberzeugun:, es würden bei der Einführung einer so umfangreichen Ber#eselung viel mehr Unglücksfälle durch Stein= und Kohlenfall entstehen, als bisher; wenn auch möglicher Weise eine Schlagwetterexplosion vermieden oder in ihren Folge: vermindert werde, so würde auf der anderen Seite diUnglücksziffer erheblich steigen. Durch Steinfall verunglückten viel mehr Bergleute als duch schlagende Wetter. Durch die Berieselung würde an und für sich brück iges Gestein noch brüchiger, und Gebirge, das Neigung zum Quellen hot, quelle in Folge der Verieseling erst recht. Wern für sämmtliche Bauabtleilungen wo Schlagwetter auftreten. Berieselungsrohre eingebaut werden müßten, so würde so manches Flötz, das unter den Verhältnissen noch als abhauwürdig gilt, nicht mehr gebaut werden können, da man die Rohrleitung in so enge Flöte kaum einführen könne. Die demnächstige Versammlung des bergbaulichen Vereins wirde wohl eine eingehende Besprechung des oberbergamtlichen Entwurfs bringen. 2— Ein trauriger Unglücksfall ereignete sich bei dem Befestigen der Drähte für die electrische Straßenbahn. Der Schlosser Gustav Bäcker von der Crone stand neben dem Montagewagen der electrischen Bahn. Auf Letzterem lagen zwei Leitern, die beim Bewegen des Wagens herunterfielen. B. wollte die Leitern festhalten, wobei er mit dem rechten Fuß unter ein Rad kam und sich eine schwere Qu tschung zuzog. Wir machen die Mitglieder des katholischen Bürgervereins auf den morgigen Ausflug aufmerksam. Das Ziel des Ausfluges ist nicht, wie Anfangs geplant, der„Sonnen schein“, sondern derselbe findet nach dem„Papenholz“ statt. Näheres finden unsere Leser im Inseratentheil der vorliegenden Nummer dieser Zeitung. *— Die Mitglieder des Gesangvereins„Kamerad= schaftlicher Sängerbund“ seien auf die heute Abend 8½ Uhr stattfindende Versammlung aufmerksam gemacht. *— Der wit Spannung entgegengesehene Ringkampf des Herrn Fr. Klink mit dem Athleten „Theo Cyklop“ im Orginaltheater Geschw. Melich blieb wieder unentschieden. Ueber 3 Stunden rangen die riesenstarken Männer mit Aufbietung aller Kraft, ohne daß es einem der Ringenden gelang, den seine Augen weit offen und seine Lippen fest geschlossen und er hatte so einen eigenthümlichen starren Blick. Ich griff mit der Hand in meine Rückentaschze nach meinem Revolver, denn ich wußte, daß jetzt etwas vorfallen werde. Mitten im Zimmer blieb er stehen und sagte mit lauter klarer Stimme: „Texas=Jack, Ihr seid ein Mörder und ein Schurke, wir haben zu lange mit Euch G.duld gehabt, wenn Ihr ein Mann seid, so zieht.“ Texas=Jock starrte ihn erstaunt an. „Seid Ihr toll, klein r Narr?“ „Zieht oder ich schieße Euch nieder, wie Ihr da steht“ sagte Frank. Und der Andere sah, daß es Ernst war. Frank hatte keine Waffe in der Hand, der Texauer trug seine Waffe im Aermel, aber so flink er auch damit war, Frank war eben so schnell und beide Revolver krachten im demselben Augenblick. Frank hatte eine Kugel in der Schulter, aber der Texaur war todt. Seine beiden Genossen zogen in Augenblick, aber Franks Revolver krachte zwei mal und da lagen drei Leichen auf einen Haufen. Dann steckte er den Nevolver wieder ein und sagte mit seiner gewöhnlichen ruhigen Stimme:„Wir müssen Frieden und Ordnung haben! Wollt Ihr nicht den andern sagen, es sei besser für sie, wenn sie abziehen?“ Und richtig, sie zogen ab. Der hinkende Frank sprach kein Wort mehr darüber, legte den Arm in eine Schlinge und eine halbe Stunde nachher sah ich ihn, wie er in aller Ruhe das Mittagessen kochte, während seine Kameraden ihm Vorwürfe ma nten, daß er ohne sie sich in Gefahr begeben habe.“ „Was sagte er darauf?“ fragte der Andere. „Ich hörte, wie er sagte:„Das wäre überflüssig gewesen. Wenn Ihr mitgekommen wäret, dann hätten sich die andern auch versammelt und es hätte ein richtiges Gefecht gegeben mit Todten und Verwundeten. Deshalb nahm ich es allein auf mich. Dann folgte noch ein anderer Fall, wo ein Mexikaner eine Frau ermordet hatte. Ich hörte nichts Näheres, aber es war ein empörender Fall. Die Frau hinterließ ein Kind, und ihr Mann, ein Deutscher, wurde darüder wahnsinnig. Am anderen Morgen war der hinkende Frank verschwunden, man wußte nur, daß er von einem Mann, der am Abend zuvor gekommen war, ein Pferd gekauft hatte und fortgeritten war. Seine beiden Kameraden suchten ihn überall, aber endlich sagten sie, sie seien sicher, er werde wieder erscheinen. Es dauerte zwei Monate, bis er wieder kam. Er brachte eine Uhr und einge Schmucksachen mit, welche der ermordeten Frau geraubt worden waren und es scheint, daß Mörder bis nach Neu=Maxiko verfolgt und dann erst erschossen hat. Der Mann, der mir das erzählte, sagte, Frank habe nie darüber gesprochen. Ich sage Ihnen, ich möchte lieber mit Sim Howlett und dem deutschen Bill zuGegner regelrecht zu werfen. Der Kampf mußte deshalb aufgegeben werden. * Die ehemaligen 82er von Witten und Umgegend sind auf morgen Nachmittag 6 Uhr in das Local des Herrn Jos. Wigge zu einer Besprechung wichtiger Angelegenheiten eingeladen. Es handelt sich jedenfalls um die Schaffung einer Vereinigung. *.— In den Anlagen des Restaurants zum Falkenkrug findet morgen großes Frei=Concert statt. (Näheres siehe Inserat.) 2—. Die hiesigen selbstständigen Barbiere und Friseure, die keiner Innung angehören, haben sich zu einer„Freien Vereinigung“ zusammengeschlossen. Zu der Zwecken der Vereinigung gehören die Anstrebung einheitlicher Preise und Unterstützung in Krankheitsfällen. Die Wahl der provisorischen Vorstandes wurde bereits vorgenommen und wurden folgende Herren gewählt: P. Bamberger 1. Vorsitzender, G. Kornberger 2. Vorsitzender, W. Bücker Schriftführer und Geldmacher-Crone Cassirer. 0— Schöffengerichts=Verhandlungen vom 21. Juli. Den Vorsitz führte Herr Amtsgerichtsrath Rehr, als Schöffen sungirten die Herren Conditor Leye von hier und Bäckermeister Stodt von Heven. Der aus dem Ce tralgesängniß zu Bochum vorgeführe Bergmann Gustav P. von Wartenberg hatte sich wegen Beleidigung, Bedrohung ud Sachbeschädigung zu verantworten. Mit Rücksicht auf die Vorstrufen erkannte der Gerichts hof auf 3 Monate Gefängniß.— Wegen Körperverletzung wurde dem Ziegelarbeiter Andreas M. aus Bommern eine Geängnißstrafe von 14 Tagen auferlegt.— Der Müllergeselle Moritz A. von Deusen bei Dortmund erhielt wegen Uebertretung des§ 361 des St.=G.=B 14 Tage Haft.— Der Dreher Louis P., der Schneidergeselle Alfred B. und der Schneider: geselle Alfred R., sämmtlich von hier, waren wegen Uebertretung der Verordnung betr. das Versammlungsund Vereinsrecht angeklagt P. erhielt 30 M. Geldstrafe vtl. 6 Tage Haft, die beiden Uebrigen 10 M. evtl. 2 Tage Haft.— Die gegen die Dienstmagd Anna A. von hier anstehende Sache wurde vertagt. Es soll noch ein Zeuge geladen werden.— Die Arheiterin Emma K. von hier wurde wegen Betiuges mit 14 Tagen Gefängniß bestraft.— Die Privatklage des Decorateurs Leopold St. zu Elberfeld gegen den Kaufmann Moritz L. von hier wurde vertagt. Es soll der Ausgang eines gegen den Peivatkläger gerichteten Strafverfahrens ab gewartet werden. 2— Aufgelesen wurde in der Nacht zum Freitag ein auswärtiger Metzgergeselle, der es sich in einem Möbelwagen des Schmiedemeisters D. an der Breitenstraße gemüthlich machte. Die Polizei verschaffte ihm ein besseres Unterkommen auf der Bredde. 9— Der von dem Amtsgericht Arnsberg wegen Betrugs steckbrieflich verfolgte Arbeiter Gleich wurde hierselbst verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt. & Annen, 23. Juli. Mit der Anlage der schon seit längerer Zeit geplanten Kochschule soll jetzt Ernst gemacht werden. Der Gemeinde erwachsen dadurch nur ganz geringe Kosten, da der Vaterländische Frauenverein für Errichtung und Unterhaltung der Schule Sorge trägt.— Mehreren hiesigen Metzgern wurde, weil sie wiederholt gegen den Schlachtzwang im Wittener Schlachthause verstoßen, das zu Hause geschlachtete Fleisch von der Polizei confiscirt. X Bochum, 22. Juli. Der Katholische Bergmannsverein veranstaltet, wie schon mitgetheilt, am nächsten Sonntag eine Wallfahrt noch Reviges. Der hierzu bestellte Sonderzug fährt am Sonntag Morgen um 7¼ Uhr von hier Berg.=Märk.(Bochum Süd) ab und wird gegen 6½ Uhr Abends wieder hier sein. Der Zug liegt demnach sehr günstig. Karten zu der Fahrt sind zum Preise von 1,30 M. beim Vereinswirth Herrn Uhlenbruch zu haben. Auch Diejenigen, welche nicht Mitglieder sind, können dort die betreffenden Karten erhalten. 97— In der Mittwochs=Sitzung der Strafkammer wurde zunächst verhandelt gegen den bereits drei Mal vorbe straften Beigmann August D. von Hofstede, der sich wegen schweren Diebstahls im wiederholten Rückfalle zu veram worten hutte. Angeklagter wurde für schuldig befunden und zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt, auch wurde wegen Fluck tverdachts seine sofortige Verhaftung beschlossen.— Ani 1. April er. ereignete sich auf Zeche„Dannenbaum“ ein betrübender Unglücksfall. Der Schießmeister Bernhard H. von Laer batte ein entgleistes Fördergestell wieder aufstellen lassen. Der Bremskorb ging herunter und der Schlepper Franz Krenz stürzte nach, wovurch dieser eine Quetschung des Unterschenkels erlitt, während sich H. einen Bruch des rechten Ober= und Unterschenkels zuzog. H. hatte die Verpflichtung, den Brems korb festzulegen, was jedoch nicht geschehen war. Er wurde daher wegen Uebertretung der Berg=Polizei=Verordnung und fahrlässiger Körperverletzung zu 30 M. Geldbuße verurtheilt. sammen aubinden, als mit diesem kleinen Doctor. Er ist auch ein Fried nsstifter und hat manchen Zank geschlichtet. In einem Lager haben wir ihn zum Richter gewählt uno wenn es Streit gab um Landstellen, oder Werkzeuge, oder sonst was, ging man zu ihm und kein Richter hätte den Fall besser entschieden. Die Streitenden aber mußten sich damit zu frieden geben, denn das ganze Lager stand hinter dem Richter, und außerdem war es nicht sehr zweckmäßig mit einem Richter zu zanken, der so sicher schießt, wie Frank.“ Die drei Genossen hatten ihr Tagewerk beendigt und setzten sich nieder, um Thee zu trinken und zu speisen. „Wir weiden bald weiter ziehen müssen“, sagte der Deutsche,„in einer Woche sind wir hier feitig. Es ist ine ganzen nicht schlecht ausgefallen. Jitzt aber fragt es sich, ob wir eine andere Stelle kaufen und hier weiter arbeiten oder weiter ziehen sollen.“ „Ich bin dafür, daß wir weiter ziehen“, sagte Howlett. „Ich muß Aufregung haben, hier aber ist ein Tag wie der andere. „Das kommt alles auf eins heraus“, sagte der Deutsche. Wie kommen nicht vorwärts, was wir verdienen, schlüpft uns immer durch die Finger. Mein Geld geht am Spieltisch verloren, und Deine Schwachheit für Champagner. Sim, macht ein großes Loch in dem Kapital, wenn Du einmal monatlich ausreißt. Und Frank giebt sein Geld für Suppen, Weine und Mediein für seine Patienten aus!“ „Was ist zu machen?“ fragte Frank entschuldigend,„man kann doch einen armen Teufel nicht Noth leiden lassen. Ader Ihr legt kein Geld zurück, weil Ihr wißt, daß Ihr noch lange Jahre genug verdienen könnt und weil Ihr selbst überzeugt seid, daß Ihr hunderttausend Dollar in sechs Monaten in den Wind blasen würdet, wenn Ihr sie hättet.“ Sim Howlett lachte lant.„Der Doctor hat Recht“, sagte der deutsche Bill. „Uebrigens, was das Spiel betrifft“, sagte Frank,„kann ich Dir sagen, dieser Symonds, der Bankhalter, gefällt mir nicht: „Er ist ein verdächtiger Mensch“, stimmte Sim Howlett bei,„aber er geht. Ich hörte gestern, wie er bestimmt sagte, er gehe Ende dieser Woche nach San Franzisko und wenn er nicht geht, so werde ich mit Bill ein Dutzend Kameraden zusammen rufen, um ihm zu sagen, es sei besser, er verschplade: (Fortsetzung folgt.) — Der Maschine am 5. 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I glück machte würfe über sich das so : g e l ä n d e r d e r das Leben der Selbster Sie suchte wurde unten Berie krietzungen * Ere 45. Genera Der Kampf mußte n Witten und Umttag 6 Uhr in das einer Besprechung aben. Es handelt einer Vereinigung. zurants zum Falkenei- Concert statt. digen Barbiere Innung angehören, nigung“ zusammener Vereinigung gePreise und Untere Wahl der provireits vorgenommen ewählt: P. Bamberger 2. VorsitzenGeldmacher-Crone Verhandlungen Herr Amtsgerichtsdie Herren Conditor Stodt von Heven. Bochum vorgeführe serg hatte sich wegen beschädigung zu verVorstrufen erkannte fängniß.— Wegen g#larb. iter Andreas trafe von 14 Tagen oritz A. von Deusen stretung des§ 361 Der Dreher Louis und der Schneider: hier, waren wegen das Versammlungsrhielt 30 M. Gelden Uebrigen 10 M. en die Dienstmagd iche wurde vertagt. serden.— Die Arde wegen Betruges — Die Privatklage Elberfeld gegen den de vertagt. Es soll satkläger gerichteten r Nacht zum Freie, der es sich in meisters D. an der Die Polizei vernen auf der Bredde. icht Arnsberg wegen beiter Gleich wurde sgericht zugeführt. r Anlage der schon hule soll jetzt Ernst erwachsen dadurch der Vaterländische Unterhaltung der hiesigen Metzgern den Schlachtzwang ßen, das zu Hause ei confiscirt. r Katholische staltet, wie schon eine Wallfahrt estellte Sonderzug 7¼ Uhr von hier und wird gegen " Der Zug liegt zu der Fahrt sind Vereinswirth Herrn Diejenigen, welche rt die betreffenden er Straf kammer reits drei Mal vorbe fstede, der sich wegen Rückfalle zu verant huldig befunden und , auch wurde wegen ig beschlossen.— Ani Dannenbaum“ ein beter Bernhard H. von vieder aufstellen lassen. Schlepper Franz Krenz ung des Unterschenkels es rechten Ober= und flichtung, den Brems den war. Er wurde lizei=Verordnung und Geldbuße verurtheilt. inen Doctor. Er ist hen Zank geschlichtet. Richter gewählt und der Werkzeuge, oder er hätte den Fall besser ißten sich damit zu nd hinter dem Richter, äßig mit einem Richter NI: gewerk beendigt und ind zu speisen. müssen“, sagte der feitig. Es ist ine aber fragt es sich, ob weiter arbeiten oder hea“, sagte Howlett. ist ein Tag wie der “ s a g t e d e r D e u t s c h e. erdienen, schlüpft uns iht am Spieltisch verpagner. Sim, macht Du einmal monatlich für Suppen, Weine entschuldigend,„man h leiden lassen. Aber bißt, daß Ihr noch weil Ihr selbst überar in sechs Monaten sie hättet.“ ctor hat Recht“, sagte sagte Frank,„kann nthalter, gefällt mir timmte Sim Howlett u. wie er bestimmt San Franzisko und I ein Dutzend Kame en, es sei besser, er ersegeng felgt.) — Der Maschinensteiger Caspar K. von Wiemelhausen hatte am 5. November v. Is. auf Zeche„Berneck“ beim Herunterlassen eines Korbes den„Achtungsruf“ unterlassen, wodurch der Maschinist Mathias Helbrichs 10 Meter in die Tiefe stürzte und sich eine Verletzung zuzog. K. erhielt 10 Mark Geldbuße.— Wegen Bedrobung mit der Begehung eines Verbrechens wider das Leben und Diebstahls wurde der Coaks= arbeiter Heinrich Sch. zu Werne zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt.— Gegen die Bergarbeiter Carl und Friedrich K. von Bruch wurde wegen vorsätzlicher gefährlicher Körververletzung gegen Ersteren aufß6 und gegen Letzteren auf 4 Monate Gefängnitz erkannt.— Freigesprochen wurde der Bergmann Heinrich Sp. von Höntrop von der Anschuldigung des Diebstahls.— Die Bergarbeiter Heinrich Pf. und Ernst P., beide von Grumme, hatten mehrere Bergarbeiter mißhandelt, was dem Ersteren 1 Jahr und 3 Monate und dem Letzteren 1 Jahr Gefängniß einbrachte.— Hinter verschlossenen Thüren wurde der Bergmann Franz I. von Hamme wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit zu 1 Jahre und 6 Monaten Gefängniß verurtheilt. — Herne, 22. Juli. Von dem Neubau des katholischen Gesellenhauses fiel in ganz unbedeutender Höh= ein Maurer herab und zog sich dabei innere Verletzungen zu, die den Tod des braven Mannes, der aus dem Eichsfelde stammt und schon viele Jahre während der Banzeit hier thätig war, zur Folge hatten.— Der am vorigen Sonntag an der Schädeldecke verletzte taubstumme Geselle Stüve liegt noch besinnungslos im katholischen Krankenhause. Leider sind die Thäter unerkannt entkommen. § Bankau, 22. Juli. Nicht strenge genug kann man auf das Treiben der Kinder achten. Das sollte sich hier vor einigen Tagen zeigen. Ein seit Ostern die Schule besuchender Knabe spielte muthwilligerweise mit Streichhölzern und warf ein brennendes Hölzchen fort, das sofort weiter zündete und an dem Hause eines Steigers Feuer hervorrief. Die Feuerwehr von der Zeche v. d. Heydt trat bald in Action, wodurch eine große Gefahr abgelenkt wurde. Wattenscheid, 22. Juli. Gestern Morgen blieben auf der electrischen Bahn BochumWattenscheid plötzlich sämmtliche Wagen stehen, weil kein Strom vorhanden war. Erst nach zehn Minuten konnte die Fahrt wieder beginnen. 4— In dem gestrigen Knappschaftstermin im Locale des Herrn Huppert wurden 169 Bergleute der Zechen„Holland“ und„Hannover“ eingeschrieben, ebenso mehrere Beamte in die Beamtenklasse. (— In Westenfeld steht im Garten des 4 Herrn Wittkämper ein Birnbaum zum zweiten Mal in voller Blüthe. (— In der gestrigen Sitzung des Schöffengerichts fungirten als Schöffen die Herren H. Derse von hier und H. Schroer von Günnigfeld. Folgende Urtheile wurden gefällt: Der Schweinehändler Ph. K. aus Altenessen wurde wegen Uebertretung einer Polizei=Verordnung zu 3 Mark oder 1 Tag Haft verurtheilt.— Wegen nicht rechtzeitiger Abmeldung erhielt der Friseur H. F., jetzt in Köln, 3 Mark Geldstrafe event. 1 Tag Haft.— Der Klempnermeister S. K. von hier, wurde, weil er nicht dafür gesorgt hatte, daß sein Lehrling R. rechtzeitig die Fortbildungsschule besuchen konnte, zu 3 Mark event. 1 Tag Haft verurtheilt.— Freigesprochen von der Beschuldigung der Unterschlagung wurde die Wittwe P. von hier wegen Mangels an Beweisen.— Mit 50 Mk. Geldstrafe oder 10 Tagen Gefängniß bestraft wurde der Bergmann C. B. von Eppendorf wegen Betruges.— Die Tagelöhner W. und F. wurden wegen ruhestörenden Lärmens zu je 6 Mark event. je 2 Tagen Gefängniß verurtheilt. — Durch Vergleich endete eine Privatklagesache der Ehefrau F. von hier gegen den Bergmann v. d. M. sen. und jun. Letztere tragen sämmtliche Kosten, nehmen die Beleidigung durch die Zeitung zurück und stellen der Frau F. eine Ehrenerklärung aus. * Münster, 20. Juli. Wie der„West. Merkur“ meldet, hat die theologische Facultät der hiesigen Academie den zum Bischof der Diöcese Limburg erwählten Abt Dominikus Willi zum Doctor theologiae honoris causa ernannt. Die hohen Verdienste des hochw. Herrn Doctoranden kenn; z e i c h n e t d a s D i p l o m, i n d e m e s i h n b e z e i c h n e t a l s einen Mann, der sich durch seine Kenntniß in religiösen und menschlichen Dingen auszeichnete, der in der hl. Ordensgesellschaft der Cistercienser die höchsten Amter in musterhafter Weise bekleidete, der sich in der Erziehung der Jugend zur Tugend und zu den Wissenschaften große Mühe gab, der das Marienstatter Kloster zu seinem alten Glanze zurückrief, der die Geschichte seines Ordens in ausgezeichneten wissenschaftlichen Werken beschrieben hat. * Essen, 20. Juli. In einer in Walheim bei Bottrop abgehaltenen Bergarbeiter=Versammlung sah sich Herr Brust, der Vorsitzende des christlichen Gewerk=Vereins veranlaßt, den Sonder=Bestrebungen der polnischen Bergarbeiter bei den Knappschaftsältesten wahlen entgegen zu treten. Herr Brust hatte den Polen versprochen, dafür zu sorgen, daß sie in Bottrop und Bruch, wo der Gewerk=Verein eine bedeutende Zahl polnischer Mitglieder besitzt, je ein Aeltesten=Mandat erhielten. Die Polen verlangen aber eine größere Zohl Mandate und wollen nunmehr eigenmächtig vorgehen. Die erwähnte Versammlung beschloß, hiergegen energisch sich zu wehren und an den vom Gewerk=Verein aufgestellten Candidaten festzuhalten. * Altendorf, 20. Juli. Das Polizeipräsidium in Cöln hat bekannt gegeben, daß es sich bei der Vergiftungsaffäre um eine Grünspanbezw. Bleivergiftung, also um Metallvergiftung handelt. Sie soll dadurch entstanden sein, duß die Löthungen der zum Kochen der betreffenden Speisen benutzten Gefäße durch Säure aufgelöst wurden. * D ü s s e l d o r f, 2 0. J u l i. D a s v i e r j ä h r i g e K i n d eines in der Citadellstraße wohnenden Schneidermeisters lief gestern Morgen seiner Mutter, als diese zum Markte ging, ohne deren Vorwissen nach, gerieth dabei unter eine Droschke und wurde zu Tode gefahren. In der ersten Aufregung über das Unglück machte der Vater des Kindes der Frau Vor; w ü r f e ü b e r i h r e U n a c h t s a m k e i t. D i e M u t t e r n a h m sich das so zu Herzen, daß sie über das Treppengeländer der zweiten Etage hinuntersprang, um sich das Leben zu nehmen. Im Falle scheint sich jedoch der Selbsterhaltungstrieb geltend gemacht zu haben. Sie suchte sich am Geländer anzuklammern und wurde unten von herbeigeeilten Neugierigen aufgetangen, so daß sie mit einigen weniger gefährlichen Teletzungen davonkam. * Crefeld, 21. Juli. Die Vorarbeiten zur 45. Generalversammlung der Katholiken Deuschlands schreiten Dank der eifrigen Thätigkeit der einzelnen Commissionen rüstig voran. Eine der schwierigsten und verontwortlichsten Commissionen ist wohl die, welcher die Sorge für die Kunstausstellung obliegt. Bekanntlich sind mit derartigen Ausstellungen bei früheren Katholikentagen Erfahrungen gemacht, die die Crefelder Ausstellungscommission zu äußerst vorsichtigem und wohlerwogenem Vorgehen veranlassen mußten. In dem Bestreben, anstalt sich ins Große auszudehnen und sich der Gefahr eines Mißerfolges auszusetzen, lieber in kleinerem Zirkel Abgeschlossenes und möglichst Vollkommenes zu bieten, sind denn auch dem Umfang der diesjährigen Ausstellung ziemlich enge Grenzen gesteckt. Wie schon früher mitgetheilt, wird sie sich auf die Vorführung von Werken lebender Künstler beschränken, soweit dieselben den linken Nieder= rhein des Regierungsbezirks Düsseldorf umfassen. Daneben sollen solche ältere Kunstwerke herangezogen werden— und zwar ohne jede Beschränkung nach Raum und Zeit— die einen vorbildlichen Charakter tragen. Selbstverständlich wird nur die christliche Kunst kirchlichen Charakters Berücksichtigung finden. Und daß innerhalb derselben die Paramentik einen breiten Raum einnehmen wird, darf für Crefeld als Stammsitz der deutschen ParamentenIndustrie als selbstverständlich gelten. Diese Entschließung der Commission wird auswärts vielfach Befrewden erregen, und Mancher wird die Frage aufwerfen, warum Düsseldorf, Cöln, Aachen, soweit die lebenden Künstler in Betracht kommen, ausgeschlossen bleiben sollen. Indessen wird man sich doch mit dem Gedanken der engeren Begrenzung versöhnen, wenn man erfährt, daß eine größere Ausstellung an den Schwierigkeiten einer Localfrage scheitern mußte. Es existiren dafür in Crefeld schlechterdings keine passende Räumlichkeiten. Es müßte ein Ausstellungsgebäude neu aufgerichtet werden, und da man Gegenstände der christlichen Kunst, deren Werth sich mehrfach auf viele Tausende beziffert, doch nur in einem massiven Gebäude unterbringen könnte, so würden Kosten entstehen, die der Gesammtabrechnung des Katholikentages ein emfindliches Verlust=Conto zuführen müßten. Als ein für den jetzt geplanten Umfang der Ausstellung aus. reichender Saal wurde die Cent alhalle an der Marktstraße gewählt, die sich auch für die wirkungsvolle Ausstellung der einzelnen Gegenstände vortrefflich eignet. Bereits jetzt sind die Anmeldungen der Künstler zur Ausstellung so zahlreich erfolgt, daß ein Zweifel an der Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit des Gebotenen nicht aufkommen kann. Die Jury ist bereits zusammengetreten. Zu ihr gehören Herren, die in Kunstangelegen iten als hervorragende Sachverständige anerkannt sind. Das Protektorat hat in liebenswürdigster Weise der hochw. Herr Weihbischof Dr. Schmitz von Cöln übernommen; auch die Herren Domcapitular Dr. Schnüttgen in Cöln und Dr. Bock in Aachen halten die Güte, die Chrenmitgliedschaft der Jury anzunehmen und derselben mit ihrer wissenschaftlichen Autorität sich zur Verfügung zu stellen. Demnächst verdient es dankbare Anerkennung, daß auch der Director des Kaiser=Wilhelm=Museums zu Crefeld, Herr Dr. Friedrich Deneken und der Conservator der königl. Gewebesammlung, Herr Paul Schulze, sich mit ihrer hervorragenden Fachkenntniß in den Dienst der Sache gestellt haben. So sind denn die denkbar besten Garantien geschaffen, daß die Ausstellung wirkliche Kunst bieten und daher von wirklicher kunstwissenschaftlicher und kunstpractischer Bedeutung werden wird. Die Ausstellung, für die der Eintrittspreis auf 50 Pfg. festgesetzt ist, soll bereits am 14. August eröffnet werden. Der Schluß erfolgt am 28. August. Ohne Zweifel wird die Ausstellung für die Besucher des Katholikentages einen der interessantesten Anziehungspunkte bilden. * H o l z h e i m, 2 0. J u l i. D e r h i e r a n d e r S t a t i o n wohnenden Bahnmeisterfamilie Sommer wurde am 12. ds. von einer in New=York wohnenden Verwandten brieflich mitgetheilt, daß ihr 15 Jahre altes Töchterchen Therese sich am 2. Juli auf der Bourgogne eingeschifft hatte, um in ihre Heimath zurückzukehren, nach welcher es ein unüverwindliches Heimweh hatte. Die Schreckensbotschaft der am 4. Juli verunglückten Vourgogne war dem Beiefe vorausgeeilt, und die Eltern und Geschwister lasen mit einer bangen Ahnung den Namen Sommer unter den deutschen Fahrgästen. Man kann sich ihren Schmerz denken, als der Brief diese Ahnung bestätigte. Therese Sommer war schon zum dritten Mal in Amerika bei ihrer kinderlosen Tante, die sie an Kindesstatt annehmen wollte, aber die Liebeund Anhänglichkeit zu ihren Eltern und Geschwistern zog ste immer wieder nach dem Elsaß zurück. Am verflossenen Palmsonntag wurde sie in New=York confirmirt. Ihre Heimath sollte sie mit so vielen andern nicht wiedersehen. * Aus den Provinzen, 21. Juli. Die Staatsanwaltschaft in Hagen hat das Verfahren gegen Mellage, bekannt aus dem Aachener Alexianer=Prozeß, wegen Beleidigung des Jierlohner Bürgermeisters eingestellt. Mellage hatte öffentlich erklärt und unter Beweis gestellt, daß der Bürgermeister die Stadt Iserlohn beim Bau einer neuen Gasfabrik um 100,000 M. übervortheilen wollte.— Der Minister hat der Westfälischen Landeseisenbahn=Gesellschaft die Genehmigung zum Bau der Eisenbahn Sennelazer=Wiedenbrück ertheilt Die speciellen Vorarbeiten, insbesondere der Grunderwerb, werden sofort in Angeiff genommen werden.— In der mechanischen Sckubfabrik G. Kleiner in Mülheim a. d. Ruhr brach Feuer aus; das Gebäute wurde vollständig eingeäschert. Von den Mascinen, bedeutenden Ledervorräthen und fertigen Waaren konnte nichts gerettet werden. Das Gebäude wurde erst vor wenigen Monaten errichtet.— In Duisburg ertränkte eine dem Trunke ergebene Frau im Dickelsbach ein 5 Monate altes Kind des Hauswirthes. Die Person wurde verhaftet.— Der Dachdecker A. Bückling in Barmen erschlug aus Eifersucht den Heizer Aug. Borgert, 29 Jahre alt, unverheirathet, mittelst eines Dachdeckerhammers. B. ist stüchtig.— In Remagen suchte ein junges Dienstmädchen das schwache Herdfeuer durch Zuguß von Petroleum zu beleben. Sofort stand es, von den zurückschlagenden Flammen erfaßt, lichterloh Lrennend da und erlitt so schioere Brandwunden, daß der Tod es von seinen Leiden erlöste.— Ein Händler aus Antwerpen wurde in M.=Gladbach verhaftet. Er steht im Verdachte, ein Mädchenhändler zu sein und deutsche Mädchen nach dem Auslande verkuppelt zu haben. Ein Personenzug fuhr zwischen Deutsch=Oth und Esch (Luxemburg) in eine Schafbeerde. Der Schäfer und 41 Schafe wurden gelödtet.— Bei St. Goarshausen entgleiste im Schnellzuge 51 Frankfurt=Cöln ein Pestwagen, ohne daß weitere Folgen entstanden wären. Der Schnellzug traf mit einer größeren Verspätung in Cöln ein. Vermischtes. * Havre, 21. Juli. Die Staatsanwaltschaft wird eine Untersuchung gegen die österreichischen Matrosen eröffnen, welche beschuldigt werden, mit Gewalt sich eines Vootes der„Boursoone“ bemächtigt und die anderen Schiffbrüchigen zurückgestoßen zu haben. Die betreffenden Matrosen werden am Sonntag mit der„Bretagne“ hier erwartet. * Ein Stückchen Eisenbahnassessorismus wird aus Mühlhausen in Thüringen gemeldet. Dort giebt die Eisenbahnverwaltung aus Anlaß des Turnfestes n Hamburg Sonderrückfahrkarten aus, die 22.10 Mark kosten, während eine gewöhnliche Rückahrkarte Mühlhausen= Homburg nur 21,60 Mark kostet. Das kommt daher, daß die Reisenden auf einen am 22. Juli von Coburg abzulassenden Sonderzug nach Hamburg verwiesen werden und daher über Gotha=Eisenach=Bebra=Cassel bis Göttingen eine Strecke von 231 Kilometer fahren müssen, statt auf dem directen Wege über Leinefeld=Eisenberg=Göttingen auf einer Strecke von nur 78 Kilometer zu erreichen. Daher die um 50 Pfennig theurere„Sonderrückfahrkarte zu ermäßigten Preisen“! * Eine Aufsehen erregende Verhaftung erfolgte laut Berliner Blättern vor einigen Tagen unter eigenthümlichen Umständen im Criminal=Gerichtsgebäude in Berlin. Der frühere Lieutenant Erich v. Krieasl eim wurde seit längerer Zeit von der Criminal=Polizei vergeblich gesucht, da er allen Nachstellungen geschickt zu entgehen wußte. Zufällig traf ihn ein Criminalbeamter im Gerichtsgebärde. Dieser griff zu einer List, um sich des Gesuchten, eines herkulisch gebauten Mannes, zu versichern.„Herr v. Kriegsheim. Sie sind in einer Sache als Zeuge geladen und nicht erschienen, ich habe den Auftrag, Sie dem betreffenden Richter vorzuführen.“ Der Argeredete erwiderte, daß er von einer Vorladung nichts wisse, worauf der Beamte erklärt;, er brauche ja nur dem Richter zu sagen, daß er keine Vorladung erhalten habe, damit sei die Sache dann erledigt. Herr v. Kriegsheim folgte dem Beamten, der ihn direct in das Bureau des Untersuchungsrichters fübrte. Kaum war hier der Name v. Kriegsheim genannt, als dem Träger desselben erklärt wur e, daß er verhaftet sei. Es liegt eine ganze Anzuhl Strafthaten gegen den Verhafteten vor, und dürfte sich ein Proceß vorbereiten, welcher hinsichtlich seines Umfanges alles in den letzten zehn Jahren Dagewesene in den Schatten stellen wird. Der Untersuchungsrichter, der die Sache bearbeitet, steht vor einer mühsamen Arbeit. bisher sind bereits gegen vier Centner Acten eingeliefert worden. Bei sämmtlichen Gründungen des jetzt im Zuchthause sitzenden Banquiers Heim. Friedmann spielt auch v. Kriegsheim eine Rolle, so z. B. bei der Rheinisch=Westfälischen Bank, der Neuen Gasglühlicht=Gesellschaft, der Accumulatoren= und Omnibus=Gesellschaft. Die kaufmännischen Beziehungen v. Kriegsheims reichen merkwürdiger Weise selbst in geachtete BankBureaus hinein. Die schwebende Untersuchung wird aber endlich eine Reihe von Schiebungen, welche in eingeweihten Kreisen schon längst Kopfschülteln erregt haben, der strafrechtlichen Beurt heilung unterbreiten. Die neueste Folie für den„Bauquier" Erich v. Kriegsheim bill e der Titel„Director der Internitionalen Disconto=Gesellschaft“, den er sich beilegte. Sein Bureau befand sich am Schiffbauerdamm, es war aber nur auf's Nothdürftigste mit einem Tische und einigen Stühlen ausgestattet. Es werden täglich Zeugen vernommen. * Ahnungsvoll.(Schauspieler von einer Schmiere, bestürzt zu seinem Direckor):„Herr Director, ich bin außer mir, soeben hat das Sohnchen unserer Naiven den Apfel, nach welchem ich heute Adend als„Tell“ hätte schießen sollen, bis auf den letzten Bissen aufgegessen!“ Director(gemüthlich): „Na ,lieber Brüllmann, machen Sie sich keine unnöthigen Sorgen. Bis Sie zur Schlußs ene kommen, haben wir bereits mehr Aepfel auf der Bühne, als wir brauchen können.“ * Zuckerwasser. Die kleine Mary schreit schrecklich, weil sie gebadet werden soll. Sie will absolut nicht ins Wasser. Da hat Mama einen Einfall, wie ihn nur Mamas haben: Sie nimmt ein großes Stück Zucker und wirft es vor den Augen des Kindes ins Wasser. Und auf der Stelle läßt sich die Kleine in die Badewanne setzen. Zum spanisch-amerikanischen Kriege. Die feindliche Spannung zwischen den Amerikanern und den eubanischen Insurgenten entstand nach Londoner Meldungen daher, weil General Shafter den Insurgenten nicht erlaubte, die Stadt Santiago zu plündern, andererseits den spanischen städtischen Behörden gestattete, im Amte zu bleiben. General Garcia lehnte es daher ab, dem Hissen der amerikanischen Flagge beizuwohnen. Auch existirt keinerlei Kameradschaft mehr zwischen den amerikanischen und den cubanischen Soldaten. Die Letzteren weigern sich, zu arbeiten oder zu fechlen und bestehlen die Amerikaner, obwohl sie von ihnen unterhalten werden. An den Lagerfeuern werden hunderte von Beispielen enbanischer Faulheit, Feigheit und Grausamkeit erzählt. Ein ernster Conflict zwischen den Amerikanern und Rebellen erscheint, namentlich nach der Beendigung des Krieges, unvermeidlich.— Ferner wird gemeldet, daß der britische Consul in Santiago erklärt habe, die Amerikauer würden gezwungen sein, eine große Armee auf Cuba zu unterhalten, bis die Cubaner die Fähigkeit zur Selbstregierung bewiesen hätten. Dies sei so allgemein anerkannt, daß Niemand mehr von einer eubanischen Unabhängigkeit spreche. 8 New=York, 20. Juli. Aus Santiago wird unterm 18. Juli gemeldet: Bei der Ankunft des„Rothen Kreuzdampfers“, der 1400 Tonnen Provision an Bord hatte, stürzte eine Menge hungeriger Leute auf die Lebens mittelkisten und erbrach sie. Die Kisten mußten durch Truppen geschützt werden. Beim darauffolgenden Beginn der Lebensmittelvertheilung erhielt jede mit einem Commissariatsschein versehene Person eine Ration von 1½ Pfund. Die spanischen Soldaten hatten große Mengen Rum, den sie gegen amerikanischen Zwieback und Conservenfleisch eintauschten. 25 Cubaner sind noch wegen politischer Vergehen im Gefängniß. * New=York, 21. Juli. Die Verhandlungen über den Transport der in Santiago gefangenen Spanier nach der Heimath sind jetzt zum Abschluß gelangt. Der Vertrag für die Beförderung ist der spanisch=transatlantischen Dampfer=Gesellschaft übertragen, die in New=York durch Ceballos& Co. vertreten ist. Der Vertrag bestimmt, daß die Gesellschaft binnen neun Tagen fünf Schiffe in Santiago bereit stellen muß, binnen 17 Tagen weitere zwei Schiffe und den Rest der zum Transport nöthigen Schiffe binnen drei Wochen. Die Gesellschaft übernimmt die Beförderung zum Preise von 20 Dollars für den gemeinen Soldaten und 55 Dollars für jeden Officier, wobei angenommen wird, daß 24,000 Mann und 1000 Officiere nach Spanien hinüberzuschaffen sind. Die den Vereinigten Staaten hierdurch erwachsenen Kosten werden 535,000 Dollars betragen. Zu bemerken ist, daß verschiedene Schiffe, die der spanischen Dampfer=Gesellschaft gehören, Hilfskreuzer sind, die von Amerikanern genommen wurden. * New=York, 21. Juli. Dem„New=York Herald“ wird aus Washington telegraphisch gemeldet: Die Amerikaner werden, was auch das etwaige Schicksal Cubas, der Philippinen, Ladronen und Karolinen sein möge, Portorico für sich behalten. Die Regierung ist bestimmt entschlossen, diese Insel zu einer starken Station für ihre Kriegsmarine zu machen, welche Westindien, das Karaibische Meer und den künftigen Panamacanal beherrscht. Me Kinley beabsichtigt, durch die Ausrüstung des Geschwaders Watsons nicht nur Spanien einzuschüchtern, sondern auch auf das übrige Europa durch die amerikanische Seemacht Eindruck zu machen. Man beabsichtigt im Uebrigen, die Madrider Regierung zu zwingen, alle Forderungen zu bewilligen, welche Amerika zu stellen für gut befinden wird.— Diese Mittheilung soll auf die Autorität einer amtlichen Persönlichkeit hin veröffentlicht worden sein, welche intime Beziehungen zu Me Kinley hat. * New=York, 21. Juli. Nahmittags. Das „Evening Journal“ veröffentlicht eine Depesche aus Santiago vom 20. Juli, wonach Garcia an Shafter geschrieben hätte, die Aufständischen würden nicht mehr mit den Amerikanern zusammenwirken, sondern unabhängig wie vor ihrer Ankunft handeln. Er werde infolge dessen sich mit seinen Truppen in die Berge zurückziehen. * Hongkong, 21. Juli. Der deutsche Dampfer „Wuotan“ ist von Cavite hier eingetroffen. Derselbe überbringt die Nachricht, daß am 16. und 17. Juli der Rest der amerikanischen Verstärkungen in Cavite angelangt sei. Die Amerikaner haben keine weiteren Bewegungen ausgeführt, da sie auf die Ankunft des Generals Merrit warten, welcher in zehn Tagen eintreffen soll. Die Aufständischen halten die Stadt noch eingeschlossen. Neueste Nachrichten und Telegramme. * Berlin, 21. Juli. Von der Nordlands. reise des Kaisers meldet ein Telegramm aus Digermulen: Gestern früh bestieg der Kaiser mit dem Gefolge den Digermuler Kollen. Das klare schöne Wetter gewährte den vollen Genuß der großartigen Rundsicht. Am Nachmittage nahm der Kaiser den Vortrag der Cabinette entgegen. Heute wird die Reise durch den Raffsund fortgesetzt. * In den hiesigen politischen Kreisen bezweifelt man, daß der Reichskanzler gelegentlich seines Aufenthaltes in München den wirklich Schuldigen in der Dreyfus=Angelegenheit genannt habe, wie Björnson in einem Briefe an Zola behauptet. Letzterer soll auf dem Wege zu Björnson nach Norwegen sein. * Gegenüber einem Londoner Privattelegramm hiesiger Blätter, die deutsche Regierung hätte dem Staatssecretär Day versichert, das Vorgehen der deutschen Officiere bei Manila sei unbefugt gewesen bezw. die deutsche Regierung lehne die Verantwortung für die Action des Admirals Diederichs ab und werde ihn zur Verantwortung ziehen, schreibt die„Nordd. Allg. Ztg.“:„Wir wüßten nicht, welchen Anlaß die deutsche Regierung zu solchen oder ähnlichen Erklärungen haben sollte. Von einer gegen die Vereinigten Staaten unfreundlichen Action des Admirals Diederichs oder einzelner Schiffe des deutschen Geschwaders in den philippinischen Gewässern ist hier amtlich bisher nichts bekannt. Desgleichen weiß man nichts von einer amerikanischen Initiative im Sinne einer Beschwerde, worauf die deutsche Regierung irgend etwas zu erklären gehabt hätte.“ * S t a a t s s e c r e t a i r v. P o d b i e l s k i i s t n a c h Berlin zurückgekehrt und übernahm wieder die Geschäfte des Reichspostamts. * Kiel, 21. Juli. Zola soll laut einer dung der„Nordostseeztg. heute Vormittag hier eingetroffen sein und beabsichtigen, mit dem deutschen Postdampfer über Korsör die Reise nach Norwegen fortzusetzen. Genf, 21. Juli. In Folge des Ausstandes der Bauarbeiter, der ernste Ruhestörungen herbeiführte, sind der socialistische italienische Arbeitssecretär Vergnanini und vier italienische Arbeiterführer ausgewiesen und Nachts über die Grenze gebracht worden. * Paris, 21. Juli. Im Ministerrathe machte der Marineminister Lockroy Mittheilungen über neue Pläne zur Reorganisation der Marineschule. Der Ministerrath stimmte der Vorlage zu.— Der Untersuchungsrichter Fabre verhörte heute Nachmittag Pellieux und Ravary. Picquart wird voraussichtlich morgen verhört werden. Bertulus hat heute außer Ester hazt, und Madame Pays auch Henry verhört. * London, 21. Juli. Der Prinz von Wales hatte eine gute Nacht, die Besserung in seinem Befinden macht gute Fortschritte. &a Glauchau, 22. Juli.(Telegramm.) Der Handarbeiter Bückner in Lehrte bei Leobschütz wurde von seinem Sohne ermordet. Der Thäter ist verhaftet. ( Athen, 22. Juli.(Telegramm.) Griechenland bestellte in Deutschland 83 Schnellfeuerkanonen. 30,000 Mausergewehre und 4,500,000 Patronen. * Madrid, 22. Juli.(Telegramm.) Die Regierung telegraphirte an General Augustin, um die Ermächtigung, die er bereits besaß, den Philippinern Reformen zu gewähren, zu erweitern. In demselben Sinne wurde an General Rios nach Ilo=Ilo gedrahlet. * Washington, 22. Juli.(Telegramm.) Eine halbamtliche Meldung besagt, Porto=Rico werde von den Vereinigten Staaten behalten werden, man hätte schon lange beschlossen, die Insel nicht wieder herauszugeben, wenn sie einmal in Besitz genommen sei. * New=York, 22. Juli.(Telegramm.) Sobald hier bekannt wurde, daß der Hafen von Santiago allen Handeleschiffen eröffnet sei, verließen drei mit Lebensmitteln beladene Dampfer den Hafen. In Folge der großen Noth, die seit den letzten Wochen unter der Bevölkerung und den Fremden in Santiago herrscht, hoffen die amerikanischen Händler mit Lebensmitteln gute Geschäfte zu machen. Markt- und Börsen * Verliner Hoursders vom 21. Juli. Reichsanleihe 3 1/% 3% Preuß. Consols 3 1% „„ 3% Berg.=Märk. Bank Dortm. Bankverein Consolidation Dannenbaum 102.40 94,90 102,30 95,70 163.75 130,80 11200 Dortmunder Brauerei Dortm. Bergbauverein Essener Creditbank Reichsbank Bochumer Gußstahl Westfäl. Stahlwerke Gelsenkirchener Bergw. Harpener 143.40 161,60 225.50 211.50 188.25 180,50 21. Juli. Fruchtpreise. 20. 21. Weizen, kleiner[21,00s21.00 do. 1. S., engl. 20,40 20,40 do. 2. S., engl. 19,9019,90 Roggen, 1. Sorte 15,0015,00 " 2. Sorte 14,50|14,50 Hafer, 1. Sorte 15.00/15,30 " 2. Sorte 14,00s14,30 (Alles 100 Ko.) Raps 1. S. " 2. S. Aveel 1. S. " 2. S. Kartoffeln 20. 121. 100 K0.—.— 50 Maschinenstr. 500 Flegeldrusch Kleien 50 9 5 20.—s20,— 22.—22.— 4.60 4.00 *) Mr. 0,00—0,00. Heu Mk. 2,50—3,50 die 50 Ko. Rübbl in Posten von 100 Ctr. Bkk. 52.50 Rübol saßweise, 100 Ko. ohne Faß......" 94.— Samste „„„„„„„ im Herren-Mode-Magazin Sucebar Sof, Miitten, 26 Bahnhofstraße 26. Nur so lange der Vorrath reicht! Fernsprecher Nr. 167. Jeder beeile sich mit seinem Einkauf! Großes schwarz=weiß, echtfarbig, Stück 88 Pfg. Bansdbend ier Siberhend Braunes „Glückauf“, Mannsgröße, Stück 83 Pfg. Große Mannshose D0 Neudruck, Stück 95 Pfg. Zwirn-Hose, große Mannsnummer, billig, billig, Stück 1,05 Mark. Ia. ManchesterHose, garantiert haltbar. Stück 2,50 Mi. Siberkittel Stück 45 Pfg. Leder-Hose, Mannsgröße, Stück 1,45 Mark. Blaue Kittel Stück 90 Pfg.— Keine Nesselwaare— prima Halbleinen!— Blaue Hosen Sück 90 Pfg. Knantistbare=Tinigkeit Zwangs=Versteigerung. Montag den 25. 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Herbede, den 15. Inli 1898. Der Ehren=Amtmann: Reesmann. Fleischverkauf. Samstag, den 23. d8. Mts. findet auf hiesigem Schlachthofe von nachmittags 2 Uhr ab Verkauf von minderwerthem Rind= und Schweinefleisch statt. Witten, den 22. Juli 1893. Die SchlachthofVerwaltung. Gras=Verkauf am Montag den 25. Juli er., achmittags 4 Uhr, für Herrn Aug. Lohmann hier, auf der„Neuen Weide“ in der Nähe der Herbeder Ruhrbrücke. Zusammenkunft beim Wirth Jul. Bergmann. Heven. Krieger. Werkführer, in der Grubenholzbranche bewandert, sowie tüchtige Grubenholz=Arbeiter gesucht. Schnepper& Jophording, Hamm in Westf. Butter! Hochseine Süßrahm per Pfd. 95 u. 105 Pfg. Tgurihe. dochf. Süßrahm pro Pfd. 65 Pfg. Tafel„„ 55„ Bod.: 45: ## Bei Entnahme von 5 Pfd. 5 Pfg. pro Pfdo. billiger. Prima Tafelschmalz per Pfund 45 und 50 Pfg. Kase! Hochf. Holländer p. Pfd. 50-80 Pf. Hochf. Tilfiter per Pfund 70 Pfg. Mettwurst prima, per Pfd. 70 Hochfeine Plock= u. Cervelatwurst per Pfd. 90, 110 u. 140 Pfg. 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