Samstag, 16. Juli 1898. 2. Blatt. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Abonnementspreis nebst den Gratisbeilagen„Sonntagsfreude" und„Sterne und Blumen" durch die Boten zugestellt nur 50 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen nur 1,20 pro Quartal. G— Nr. 159. Dritter Preis für die 1spaltige Petitzeile 10 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Größere Anzeigen können nur bis spätestens abends 5 Uhr angenommen werden, ganz dringende Inserate bis morgens 8 Uhr. Geschäftsstelle: Witten, Hauptstraße 79. ARRT Verantwortlich für den ganzen Inhalt: Telephon=Auschluß 1300. H. Bringewald, Witten. Centrums-Organ für das Ruhrthal. Telegramm=Adresse: Volkszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringewald, Witten. NURZEI mit Auchotkauf Emnzugshamber stelle ich mein ganzes Lager in Taschenuhren, Gold= u. Silberwaaren, Regulateur=, Wand= u. Weckuhren, Alfenide= u. 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Es mögen jetzt etwa 35 Jahre sein, da ging der katholische Pfarrer Koblylowitsch von Oratow, einer kleinen Gemeinde in der Nähe der großen russischen Stadt Kiew, spät abends rasch zum Hause hinaus; den Mantel hatte er um sich geschlagen und außerdem durch Kopfbedeckung und Kragen sein Gesicht fast unkenntlich gemacht. „Hochwürden gehen noch aus,“ bemerkte die alte Haushälterin„wohin wohl?— damit ich Auskunft geben kann, wenn jemand fragen sollte.“ „Ich komme bald zurück,“ erwiderte der noch ziemlich junge Geistliche etwas aufgeregt und unruhig; „du brauchst niemand wissen zu lassen, daß ich fortgegangen bin.“ Damit wandte er sich zur Thüre. „Hochwürden, ich wollte noch bemerken, daß Ihr Gewehr nicht an seinem Platze ist— ich finde es nirgends!“— rief die ängstliche Frau dem Pfarrer nach. „Ach was, das Gewehr— das wird sich schon finden,“ sagte er hastig, und damit verschwand er in dem Dunkel der Nacht. Die Haushälterin wandte sich einem hinteren Stüblein zu; hier lag das Mütterchen des Pfarrers im Bette, gebrechlich und alt.„Ach, wie bang ist mir," seufzte diese,„ich meine, es müsse etwas Besonderes über mich kommen.“ „Und Hochwürden waren so sonderbar heute, ich kann es nicht begreifen,“ fügte die Haushälterin bei; „es muß ein besonderer Gang sein, den er zu machen hat.“ „Es wird wohl wiederum eine arme Selle sein, inmitten der russischen Schismatiker, der er insgeheim beistehen muß," tröstete die Mutter;„du weißt ja, wie schrecklich die russischen Beamten uns Katholiken verfolgen; wir wollen, wenn du mit deinen Arbeiten fertig bist, den schmerzhaften Rosenkranz für meinen Sohn beten.“ Der Pfarrer schritt unterdessen weiter und weiter dem Walde zu. Dort harrte ein Fuhwerk an verborgener Stelle. Rasch stieg er ein, und fort ging's durch die Nacht. In der Nähe einer ansehnlichen Ortschaft wurde nach zweistündiger Fahrt Halt gemacht; der Pfarrer stieg aus und wandte sich einem großen Hause zu. Hier sehen wir eine rührende Scene. Im hellbeleuchteten Zimmer, dessen Fenster aber sorgfältig verhängt und verschlossen sind, findet die Taufe eines Kindes statt. Der Vater und die Geschwister des Neugeborenen knieen ringsum in Andacht, leise und rasch vollzieht der Priester die hl. Handlung. Dann spendet er der Wöchnerin die Aussegnung und wendet sich zum Gehen.„Tausendfaches Vergelt's Gott! Hochwürden," flüsterte der Mann— offenbar ein höherer russischer Beamter— dem Scheidenden zu;„Sie haben uns einen unschätzbaren Dienst geleistei „Wenn man mich nur nicht gewahr wird," erwiderte der Priester. „Es geschieht nicht. Mein Iwan ist verschwiegen, und die Nacht ist dunkel. Aber Sie, Hochwürden, flehe ich an: verrathen Sie mich nicht, Sie wissen, ich käme um Amt und Brot und würde fürchterlich gestraft, wenn die Regierung erfahren würde, daß ich katholisch bin. Ich ditte, schweigen Sie und denken Sie an meine sechs Kinder!“ „Ich brauche es Ihnen nicht erst zu versprechen.“ erwiderte der Geistliche,„es versteht sich ja von selbst, daß ich schweige, schweige unter allen Umständen; darauf gebe ich Ihnen mein priesterliches Wort.“ Eine Viertelstunde später sauste das Fuhrwerk wieder dahin durch die Nacht. Dem Priester ist's eigen ums Herz. Warum mahnt's ihn immer so souderbar ängstlich zum Beten? Warum sagt's ihm immer wieder:„Bete, damit du überwinden kannst"? Warum sieht er immer wieder den Heiland so blutig vor sich unter der Kreuzeslast und hört ihn sagen:„Wenn du mein Jünger sein willst, so verleugne dich bis zur Kreuzesarmut und Verlassenheit, gieb alles dahin für mich: ich will dann dein überaus großer Lohn sein.“ Warum so? Und fester umfaßt der Pfarrer seinen Rosenkranz und betet. Am Waldsaum hält der S##litten wieder; er fteigt aus, Iwan grüßt und kehrt um, der Pfarrer schreitet verstohlen dem Dorfe zu und betritt unbemerkt sein Haus. Aber da kommt ihm schon die Haushälterin entgegen, die Augen voll Thränen, und ruft: „O, Herr Pfarrer, wie lange wartet man schon auf Sie! Man hat den Oekonomen Pietrow erschossen gefunden—“ „Meinen Vetter?“ rief der Psarrer erschrocken aus. Ja, den Mann Ihrer Nichte," bestätigte die Haushälterin;„er ist ermordet worden. Man wollte es Ihnen anzeigen, der Hilfsorganist ist wohl ein halbdutzend Mal dagewesen samt einigen Begleitern, und ich habe ihnen feierlich versichern müssen, das der Herr Pfarrer nicht anwesend sei.“ „Hat Pietrow noch eine Zeit lang gelebt?“ „Nein, er war tot, als man ihn fand.“ „In Gottes Namen! Nun laß mich allein.“ Damit schritt der Pfarrer die Treppe hinauf. Es war ein Uhr nachts. Wenige Minuten nachher schlief er fest. Als er wieder erwachte— es war kaum eine Stunde nachher—, stand ein russischer Polizeibeamter samt ein paar Kosaken vor dem Lager des Geistlichen. „Sie sind verhaftet.“ sagte der erstere,„stehen Sie sofort auf.“ Sofort zum Untersuchungsrichter gebracht, erhielt der entsetzte Geistliche die Kunde, er sei wegen Verdachts des Mordes an dem unglücklichen Bauern verhaftet. Das Doppelgewehr des Geistlichen war, noch vom Pulverdampf geschwärzt, in der Sakristei gefunden worden, die tödliche Kagel war aus dem Gewehr gekommen, der Pfarrer hatte dies selbst nicht leugnen können. Wie ist das Gewehr in die Kirche gekommen? — Wie kam es aus ihrem Zimmer?— Wer hat es weggenommen?— Wer abgeschossen?— Auf all diese Fragen hatte der Pfarrer nur die Antwort: Ich weiß es nicht. Aber diese Antwort gilt eben bei Gericht nicht viel. Ob der Herr Pfarrer einen Verdacht auf jemand habe, der den Bauern getötet haben könnte, wurde weiter gefragt. Der Pfarrer fragte entgegen:„Wer hat den Verdacht auf mich gelenkt? Wer hat das Gewehr gefunden und die Sache angezeigt? Er bekam keine Antwort darauf und fügte nun an:„Da ich einen Unschuldigen auch nicht in die geringste Verlegenheit bringen möchte, so will ich den Gedanken verschweigen, der mir eben aufgestiegen ist,— es wäre zu gräßlich.“ Der Beamte erhob sich jetzt und fragte laut und bestimmt:„Herr Pfarrer, gestehen Sie, Sie haben den Bauern Pietrow erschossen? Der Pfarrer erhob sich ruhig und masestätisch, blickte den Beamten offen und gerade an und sprach: „Gott weiß, ich habe eine solche That nicht begangen, ich weiß nichts davon; ich bin unschuldig.“ „Hatten Sie aber mit dem ermordeten Manne Ihrer Nichte früher Wortwechsel und Streit?“ fragte der Beamte weiter. „Ich war gegen die Heirath, weil ich wußte, daß meine Nichte mit diesem Manne nicht glücklich werde, und das hat sich bewahrheitet. Die beiden lebten höchst unglücklich. Ich habe ihm, aber auch meiner Nichte ihre Schuld vorbehalten, um sie zu bessern.“ „Sie leugnen also, den Pietrow getötet haben!“ „Ich habe ihn richt getötet.“ „Wohlan— wo waren Sie zu der Zeit, da der Mord vorsiel?“ Der Pfarrer erblaßte. In dieser Zeit hatte er die heimliche Taufe vorgenommen.„Ich— ich war darüber kann ich keine Auskunft geben," sprach er endlich. „Waren Sie zu Hause?“ „Nein.“ „Ist jemand mit Ihnen gegangen?“ „Nein.“ „Pflegen sie um diese Zeit auszugehen?“ „Nein— nur wenn die“ Amtspflicht mich ruft.“ „Letzteres war aber nicht der Fall— ich frage noch einmal: wo waren Sie zur Zeit des Mordes? Weisen sie mit Zeugen nach, daß Sie irgendwo anders waren als an der Stelle der That, dann sind Sie frei.“ Der Pfarrer schwieg.„Ich bin trotz alledem nicht schuldig,“ sprach er,„wenn Gott es zuläßt, so bin ich bereit, auch unschuldig zu leid.n.“ „Sie sind der Mörder!“, rief der Beamte,„Sie und kein anderer!— führt den Gefangenen ab.“ Einige Tage später öffnete sich die Thür des Verhafteten, und es trat der Hilfsorganist und Staatsschullehrer aus dem Orte des Geistlichen. Verwundert blickte der Geistliche auf. Warum kam dieser Mann zu ihm? Der russische Oberbeamte hatte dem Pfarrer zuleide denselben in Oratow angestellt, um ersteren möglichst zu plagen, und das hatte auch der Hilfsorganist gethan. Auf alle erdenkliche Art hetzte er gegen den treuen Geistlichen und suchte ihn bei der russischen Regierung anzuschwärzen. Nun aber kam er ganz gebeugt herein und warf sich weinend zu den Füßen des Pfarrers nieder.„Hochwürden.“ rief er, die Hände ringend,„o helfen Sie mir Ruhe finden— hören Sie meine Beichte an.“— Eine halbe Stunde— dreiviertel Stunde dauerte es, bis der Kerker sich öffnete. Bleich und verstört trat der Organist her ius und ging rasch von dannen. Draußen vor dem Gefängniß aber schaute er nochmals mit triumphierend höhnischem Blicke hinauf zu dem vergitterten Fenster und murmelte:„Jetzt ist ihm der Mund geschlossen— nun bin ich sicher.“ Der Pfarrer aber kniete in seiner Zelle. Er hatte sein Angesicht in den Händen begraben und betete und stöhnte abwechselnd. „Nicht mein Wille, sondern der deine,“ murmelte er,„gieb Gnade Herr, zu dem, was du befiehlst, unb leg mir auf, was du willst.“—Sechs Wochen später fand die Verhandlung statt. Der Pfarrer weigerte sich, zu sagen, wo er während der verhängnisvollen Zeit gewesen, und ebenso, ob er niemand in Verdacht hätte. Er beteuerte einzig eine Unschuld; aber umsonst. Alles sprach ja für seine Schuld; das Gericht erkannte nach kurzer Berathung den Pfarrer Kobylowisch von Oratow als schuldig des Mordes und verurtheilte ihn zu lebenslänglicher schwerer Zwangsarbeit in den sibirischen Bergwerken. „Gottes Wille geschehe,“ war das letzte Wort des Geistlichen,„nach dem Elend und Jammer dieser Erde kommt bald die Seligkeit, welche den Lohn und die Rechtfertigung mir bringen wird. Bis dahin harre ich mit Gottes Hilfe aus in Schmach und Pein.“ Nicht lange dauerte es, nachdem er ins Gefängnis zurückgebracht war, da trat der Dekan herein, befahl dem Pfarrer, sich zu erheben, und las ihm den Erlaß seines Bischofs Borowsky aus Zytowierz vor, in welchem dieser über den des Mordes überwiesenen Priester die große Exkommunikation aussprach und ihn aus den Geistlichenstande degradiert:. „Ich küsse die Hand meines Bischofs,“ sprach der Ausgestoßene, mühsam nach Fassung ringend— „er weiß nicht— er weiß nicht, Gott wird mich—“ Der Arme brach zusammen und stürzte ohnmächtig auf den Boden.— Daß sein Müttelchen gestorben war, vernahm er mit Ruhe:„Jetzt weiß sie schon, daß und warum ich unschuldig bin!“ Einige Wochen später trat ein Zug Sträflinge, zwei und zwei zusammengeschlossen, zu Fuß den Weg nach Sibirien an. Es mochten ihrer 100 sein Unter ihnen war der einstige Pfarrer von Oratow. Noch einmal von der letzten Höhe schaut er zurück zu seinem Dorfe; ein Sioß mit dem Lanzenschaft von seiten eines Kosaken trieb ihn weiter. Zwanzig Jahre sind dahin. Im Pfarrdorfe Oratow waltet längst ein anderer Pfarrer. Der Organist war noch im Orte, aber er schlich krank und unstät umher. Seine Frau, die Nichte des verurtheilten Pfarres und Wittwe des ermordeten Pietrow, die er bald nach dessen Tot geheiratet hatte, kniete oft stundenlang in der Kirche betend und weinend. Und drüben in der benachbarten Stadt, im Hause jenes Beamten, dessen Töchterlein der längst vor allen vergessene Pfarrer Kobylowitsch in stiller Nach getauft hatte, ging's unheimlich zu. Aus einen verschlossenen Zimmer erkönten oft Klagelaute un furchtbare Weherufe, dazwischen hörte man ein wahn sinniges Weib von einer Taufe, dem katholischer Geistlichen, dem orthodoxen Papste erzählen in abge brochenen Sätzen. „Die arme, arme Mama,“ seufzte dann ein blasse, unschuldige Jungfrau im blühendsten Alter— der einstige Täufling; und sie fügte an:„Nicht wahr Papa, wenn vollends Johanna größer ist, dann dar ich ins Kloster? Ich will dem lieben Gott mein Leben schenken, daß die Mama wieder gesund und Du wiede froh wirst.“ Und der greise Beamte hatte traurig ja gesagt Ach, er wußte ja zu gut, daß er durch sein feige Schweigen den Pfarrer ins Unglück gebracht un daß seine Frau darob den Verstand verloren hatte. Es war spät am Abend, da stand der neu Pfarrer von Oratow am Sterbebette des Organiste und Staatslehrers. nachdem er ihn mit den hei Sterbesakramenten versehen hatte. Er öffnete di Thür und lud die schon harrenden Gemeindeälteste, und Beamten ein, herzutreten und zu vernehmer was der Sterbende ihnen sage. Und der bekannt nun alles: daß er den Bauern Pietrow erschosser , u m d e s s e n W i t t w e h e i r a t h e n z u k ö n n e n, d a ß e r d e Verdacht auf den Pfarrer gelenkt, und endlich, da er dem Pfarrer den Mord gebeichtet habe.—„Iwußte, daß der Geistliche lieber als Verbrecher stirb als das Beichtsiegel verletzt,“ fügte er bei:„ie habe mich nicht getäuscht, Gott sei mir gnädig. Bald darauf starb er. Sofort wurde das Urtheil gegen den Märtyraufgehoben und dessen Freilassung verfügt. Als na Wochen das Schreiben nach Sibirien kam, da zuck der dortige Oberbeamte die Achseln:„Zu spät sprach er, der Mann ist seit vier Jahren tot, gesto ben in den Bergwerken. Schade— er war so st und hat immer gebetet.“ Der Himmel war um einen Märtyrer reiche die Kirche um ein glorreiches Zeugniß zu Ehren d heiligen und segensreichen Bußsakramentes. Die erzählte Begebenheit sammt den angegeben Namen ist, soviel ermittelt werden konnte, vollstänt der Wahrheit nach wiedergegeben. Gottes heilige Kirche ist groß in ihren Berenne 8 814 * 4 A M 14 WN M W 455 44 e Politische Wochenrundschau. Kaum haben sich in Deutschland die Erörbrungen über die Ergebnisse der Reichstagswahl etwas gemindert, da beginnt schon hier und da in Preußen die Discussion über die künftigen Landlagswahlen. Der Termin für diese ist noch vicht bestimmt; wahrscheinlich wird er in das Ende des October oder den Anfang des November fallen. Ob der neue Landtag uns, wie man annehmen müßte, die Erfüllung der Zusage des Reichskanzlers betr. das Vereinswesen bringen wird, ist noch nicht ausgemacht; wenigstens hält es die„Post“, die ja edeimn ueir Beitchuner bet. untd 10h. r sicher. Das Thema von einer conservativen ehrheit hat eine neue Variation erhalten. An Stelle der Nationalliberalen im Sinne des Herrn Zedlitz sollten nach dem Centralorgan der Socialdemokraten die Freisinnigen ersehen sein, gegen eine Mandatsvergütung auf Kosten der Polen die conservative Mehrheit zu sichern. Die Meldung tru von vornherein den Charakter der Erfindung an sie und als solche ist sie auch von dem Führer der freikunigen Volkspartei, dem Abg. Richter, gekennzeichnet worden. Das hindert aber die Freiconservativen nicht, gleichwohl noch ihre Hoffnung auf die Freifinnigen zu setzen. Aus den Nachklärungen zur Reichstagswahl verdient hervorgehoben zu werden, daß dem Bunde der Landwirthe von den Conservativen eine Abfertigung zu Theil geworden ist. Es wird ihm vorgerechnet, daß er bei den Wahlen sehr wenig erreicht habe, daß er lnsbesondere die Antisemiten nicht habe schützen, den Conservativen nicht zu bedeutsamen Erfolgen habe verhelfen können und daß er beim Centrum, das sich ihm gegenüber striet ablehnend verhalten habe, gar nichts erreicht habe. Es wird dem Bund daher gerathen, von dem Bestreben abzulassen, Partei spielen zu wollen und sich schön den Conservativen anzuschließen. Der Bund leugnet, daß er eine selbstkändige Partei habe sein wollen, obwohl dies mänziglich bekannt ist. Der Mißerfolg der Wahlen zwingt eben den Bund gegenwärtig zu einer vorsichtigen Haltung. Nachdem die Thomasmehlaffäre in den Hintergrund getreten ist, hatte der Bund in einer neuen Angelegenheit sich zu rechtfertigen. Bezüglich des Verkaufs von Kainit war ihm eine ähnliche Geschäftspraxis wie beim Verkauf von Thowasmehl von der„Freis. Zig.“ vorgeworsen worden. Daß die Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der Reichstagswahlen die Stimmen nach einer Aenderung des Reichstagswahlrechts mehren würden, war vorauszusehen; die Sache ist nachgerade widerwärtig geworden. Auch die zu erwartenden Reichslagsvorl agen beschäftigen die Presse. Insbesondere verzeichnet man genau, was von Forderungen für das Militär verlautet. Zu den bereits bekannten Verlautbarungen ist eine neue hinzugekommen, daß nämlich brei Telegraphen= Bataillone errichtet werden sollen. Heftigen Angriffen war das Centrum sowie das katholische Volk überhaupt ausgesetzt wegen der künftigen Vermählung des Bruders der Kaiserin mit einer katholischen Prinzessin, weil die katholische Kirche bei einer einzugehenden Mischehe für die katholische Tranung die Erfüllung gewisser Bedingungen sordert. Ein großer Apparat wurde in Bewegung gesetzt, um die katholische Kirche der Intoleranz und des Fanatismus zu zeihen. Der Beschluß des Oberverwaltungsgerichts in dem Proceß des Vereins Berliner Getreideund Produktenhändler gegen den Polizeipräsidenten von Berlin vom 7. Juli d. I. ist nun bekannt gegeben. Danach ist die Sache vertagt worden, um beiden Parteien das in der Verhandlung vom 2. Juli d. I. von dem Ministerialcommissar beigebrachte neue Material für die Auslegung des§ 1 des Reichsbörsengesetzes, sowie ferner dem Verklagten die von dem Vertreter des Klägers überreichten Schriftstücke, welche durch die von dew letzteren veranstaltete Enquete entstanden sind, zugänglich zu machen. Da dürften bis zu einer endgiltigen Entscheidung noch einige Monate vergehen. In Oesterreich ist die Obmännerkonferenz der vereinigten deutschen Parteien der Linken in der verkossenen Woche endlich zusammengetreten, um sich mit der Frage zu befassen, ob man sich mit dem Grasen Thun in unverbindliche Verhandlungen betr. die Sprachenfrage einlassen solle. An mehreren Tagen wurden Sitzungen abgehalten. Das Resultat der Berathung war, daß die Einladung der Regierung zu den Verhandlungen über die Grundzüge ihres Sprachengesetzes einstimmig abgelehnt wurde. Die Ablehnung wurde damit begründet, daß eine unbefangene Prüfung der Sprachenvorschläge der Regierung ergebe, daß diese nicht nur keine Verbesserung des jetzigen Zustandes in Böhmen und Mähren seien, sondern geradezu eine Verschlechterung herbeiführen würden. Damit betrachten die Klubobmänner ihre Aufgabe bis auf weiteres erledigt. Was wird Graf Thun nun beginnen? Wird er den Forderungen der Deutschen nachgeben oder steht der Staatsstreich in Aussicht. Daß die Tschechen noch nachgeben würden, darf jetzt als für alle Fälle ausgeschlossen betrachtet werden. Am Sonntag hielten Anhänger Schönerers in Eger eine Versammlung ab zur Erinnerung an den vorjährigen Egerer Volkstag. In einer Resolution wurde allen Deutschen das Festhalten an ihrem vorjährigen Schwur in Eger aus Herz gelegt. In Frankreich hat das Cabinet Brisson Stellung zu der Dreysus=Angelegenheit genommen. Wie diese ausfallen würde, darüber konnte man sich von Anfang an nicht täuschen, denn Cavaignac verdankt sein Portefeuille ja vorwiegend seiner Dreyfus' seindlichen Haltung. Cavaignac verlas mehrere Schriftstücke, deren Echtheit von anderer Seite stark angezweifelt wird, um die Schuld des Dreysus darzuthun, und erklärte, daß es nicht zu einer Revision des Urtheils kommen werde. Der Vertheidiger Dreyfus' hat nun an den Justizminister Sarrien ein Schreiben gerichtet, in dem er bezeugt, daß von den von Cavaignac in der Kammer verlesenen Schrif stücken weder ihm noch Dreyfus Mittheilung gemacht worden sei. Das wird aber alles nichts nützen, die Sache soll nun einmal todt gemacht werden. Eine gerichtliche Verfolgung ist gegen Oberst Piequart beschlossen worden. Derselbe soll das Amtsgeheimniß verletzt haben, weil er die Beweiskraft der von Cavaignac verlesenen Schriftstücke bezweifelt hat. Wenn eine Verletzung des Amtsgeheimnisses stattgefunden hat, so hat sie Cavaignac mit der Verlesung selbst begangen. Eine neue Wendung ist hinsichtlich der Person Esterhazys eingetreten. Derselbe ist mit seiner Geliebten Madame Pays verhaftet worden. Die Verhaftung soll auf Grund einer Prüfung verschiedener Schriftstücke beschlossen worden sein, die, wie man annimmt, von Esterhazy dictirt und von seiner Geliebten geschrieben sein sollen. Nach einer andern Version ist Wechselfälschung die Ursache der Verhaftung. In dem Verleumdungsprozeß der Schreibsachverständigen gegen Zola wurde Letzterer vom Zuchtpolizeigericht zu 2000 Francs Geldstrafe und 15 Tagen Gefängniß unter Anwendung des Gesetzes über den Strafaufschub verurtheilt. Zu der sensationellen Dreyfus=Geschichte hat sich eine neue Sensation erregende Angelegen heit hinzugesellt, die von der Ehrenhaftigkeit des früheren Ministers Turrel zeugt. Dieser hatte, um bei den Wahlen seinen Gegencandidaten, einen ehemaligen Major, zu compromittiren, einem Blatte die Militäracten desselben mitgetheilt; als die Sache Staub aufwirbelte, schwor er„bei dem Haupte seiner Mutter und bei seiner Ehre“, daß das unwahr sei. Hinterdrein mußte er seine niedrige Handlung eingestehen. Die Wahl wurde natürlich cassirt. In Italien hat das neue Cabinet Pelloux ein Vertrauens votum der Kammer erhalten für die Politik, die es zu treiben gedenkt. Ein großer Theil des Volkes steht sicher nicht hinter diesem Votum, namentlich die Katholiken. Von dem spanisch=amerikanischen Kriegsschauplatz ist zu berichten, daß wiederholt ein Bombardement auf Santiago stattgefunden hat, aber ohne Erfolg. An sensationellen Gerüchten über das Bombardement fehlt es nicht; insessen lassen sich dieselben auf ihre Richtigkeit hin nicht controliren. Die Deutschen, welche in Santiago weilten, sind in Sicherheit gebracht. Es scheinen Friedensvermittelungen im Gange zu sein. Es wäre wünschenswerth, wenn dieselben zum Ziele führten. Denn einmal würde unnützes Blutvergießen verhütet und auf der andern Seite würde Spanien jetzt besser abschließen, als wenn dasselbe es noch auf neue Katastrophen ankommen ließe. Im Ministerrath soll denn auch die Stimmung für den Frieden zunehmen. Camara kehrt nach Spanien zurück. * Katholische Heilanstalten für Vor einigen Monaten bildete sich ein Comitee von Herren in Essen und Umgegend zur Errichtung einer Heilaustalt für AlkoholKranke. In den nächsten Tagen soll ein Grundstück in schöner Lage im Landkreise zu diesem Zwecke angekauft werden. Für die Leitung der Anstalt ist eine katholische Ordeus=Genossenschaft in Aussicht genommen. Zur Bedürfniß=Frage solcher katholischen Heilanstalten für Alkohol=Patienten lassen sich eine Reihe Gründe aufführen, deren wichtigste folgende sein dürften. Nach§ 6 des neuen bürgerlichen Gesetzbuches können Trunksüchtige entmündigt werden. Da das Gesetz in kurzer Zeit in Kraft tritt, so können katholische Alkoholisten nicht in eine Anstalt einzutreten veranlaßt werden, da gegenüber ca. 15 evangelischen Heilanstalten noch keine katholische existirt. Wenn auch noch nicht gesetzlich die Zulässigkeit ausgesprochen ist, die auf Grund dieser Bestimmung entmündigten Trinker in eine geeignete Anstalt zu bringen, so wird doch auf dem Boden dieser gesetzlichen Bestimmung mancher Alkoholist durch moralische Einwirkung zu einem Heilversuche in einer Anstalt sich bewegen lassen. Die Eröffnung der evangelischen Anstalt Kurhaus Siloah in Lintorf im Jahre 1879 wurde seiner Zeit von Geheimrath Professor Dr. Pelman in Bonn in der„Deutschen Medic. Wochenschrift“ freudig als ein Ereigniß begrüßt, das werth sei, die Aufmertsamkeit weiterer Kreise und besonders die der Herren Aerzte auf sich zu ziehen, da man nun endlich einen Ort habe, wohin man Trinker aus gebildeten Familien schicken könne, um ihre Besserung zu versuchen. Das Bedürfniß für Rettungs=Anstalten, schreibt derselbe Geheimrath auf eine Anfrage bezüglich Einrichtung einer katholischen Heilanstalt am 30. Juni d. Irs., liegt so offen auf der Hand, daß es für Jeden, der üverhaupt sehen will, einer Begründung sicherlich nicht bedarf. Zahlen stehen mir nicht zu Gebote, d. h. nicht für Essen und die katholische Bevölkerung, daß aber dort viel getrunken wird, viel mehr als gut und erlaubt, das steht ohne Weiteres fest. Auch die geistliche Leitung bedarf wohl keiner Befürwortung. Den fehlenden Halt soll dem Trinker die Religion geben und die Leiter der Anstalt müssen mit dem Beispiel der Enthaltsamkeit vorangehen und das werden die Brüder doch thun.“ Das Bedürfniß einer katholischen Heilan stalt wird besonders von den Leitern der evangelischen Anstalten Lintorf, Bielefeld anerkannt; auf die katholischen Patienten, welche sie aufzunehmen in der Lage sind, bedauern sie, nicht die entsprechende Rücksicht nehmen zu können; viele Anfragen müssen sie zurückweisen. In derselben Lage sind katholische Geistliche, welche Anfragen nach katholischen Trinkerheilanstalten immer wieder verneinen müssen. Es existirt erst eine katholische Heilanstalt in der deutschen Schweiz; dieselbe besteht seit zwei Jahren, hat gute Resultate(im Durchschnitt 30 Procent Geheilte), ist jedoch für die deutschen Katholiken zu weit und würde auch keinen Platz bieten. Wie die Bedürfnißfrage auch in Oesterreich anerkannt ist, zeigt der diesjährige Beschluß des niederösterreichischen Landtages zur Errichtung einer solchen Anstalt in Korneuburg. Der dortige Landesausschuß beauftragte vor ein paar Jahren den Dr. A. Tilkowski zu einem Besuche der Trinkerheilanstalten Deutschlands und der Schweiz. Ihre Leistungen sind beschrieben in den Jahrbüchern Psychiatrie, Bd. 12, G. 1. und 2. In allen deptschen und einer Schweizer evang. Anstalt fand er die geistliche Oberleitung. Hinsichtlich der Religion als Heilmittel der Trunksucht äußert sich der englische Arzt Dr. Norman Kerr:„Ganz abgesehen von geistlichen Rücksichten ist zur erfolgreichen Behandlung der rein menschlich betrachteten Krankheit der Trunksucht die Religion ein wichtiges Moment. Hat die Trunksucht eine physische Seite, so hat sie auch eine sittliche und ich kenne— nur vom ärztlichen Standpunkt redend— in der ganzen Pharmakopbe kein tonisches Mittel, das nur entfernt mit dem wahren Glauben an einen lebendigen Gott verglichen werden könnte, um die Furcht zu lindern, den Zweifel zu heben und die Entschlüsse zu kräftigen bei dem furchtsamen, zweifelnden und im Willen so geschwächten Trinker.“ Wie das Bedürfniß nach einer katholischen Anstalt allgemein in Deutschland von den betreffenden Kreisen wird, zeigt der vor 2 Jahren erlassene Aufruf des Centralcomitees zur Errichtung von katholischen Trinker=Heilanstalten, die Resolutionen der Katholiken= Versammlung, sowie die Verhandlungen des CharitasTages, die Besprehungen auf den Delegirtentagen der Arbeitervereine und Sodalitäten. Insbesondere beachtens werth sind die Stimmen der deutschen Kirchenfürsten zu Gunsten des Unternehmens, sowie des schweizer Epistopates. So schreibt der Weihbischof von Köln, Dr. Schmitz:„Ich begrüße das Unternehmen von ganzem Herzen. Es werden katholische Triaker=Asyle zu Stätten geistiger Auferstehung unserer Brüder. Die Folgen der Trunksucht machen sich in Zerrüttung des Familienlebens und im socialen Elend des gesellschaftlichen und wirthschaftlichen Lebens unserer Bevllkerung vielfach in erschreckender Weise geltend.“ Und der Bischof von Hildesheim: „Die beabsichtigte Gründung katholischer TrinkerHeilanstalten begrüße ich mit inniger Freude.... Daß solche Anstalten in unseren Tagen besonders nothwendig sind, und daß das beklagenswerthe Elend Trunksüchtiger in der Regel nur durch solche Anstalten gehoben wird, bestätigt die tägliche Erfahrung.“ Der Bischof von St. Gallen nennt die Gründung von solchen Heilanstalten ein eminent christliches, patriotisches und zeitgemäßes Liebeswerk, wodurch viele Familien vor Verarmung und Ausartung bewahrt, viele unsterbliche Seelen gerettet und einer der schlimmsten Uebel der Zeit mit Erfolg entgegengewirkt wird. Vermischtes. * Cuxhaven, 13. Juli. Bescheidenheit ist eine Zier. So dachte jedenfalls auch ein Fremder, der kürzlich Abends den Laden eines Schlächtermeisters in Cuxhaven betrat und an den Meister die Frage richtete:„Haben Sie gute Wurst und was für welche?" Diensteifrig antwortete der Meister:„Sie können vorzügliche Mett, Blut= und Leberwurst erhalten.“„Könnte ich die Wurst mal probiren?“ fragte der Fremde lächelnd.„Recht gern,“ antwortete der Verkäufer erfreut, in der Hoffnung, dem anständig gekleideten Fragesteller recht viel von seiner Waare zu verkaufen. Behaglich verzehrte dieser die nicht zu knapp geschnittenen Scheiben der verschiedenen Wurstsorten und sagte dann mit befriedigter Miene:„Sie haben nicht zu viel gesagt, die Wurst ist vorzüglich. Guten Abend!“ Verblüfft rief der Meister:„Ja, wollen Sie denn keine Wurst mitnehmen?“„Nein, ich danke schön, ich bin unn satt!“ * Seit der Nordpolballonfahrt Andrees und seiner Begleiter Strindberg und Fränkel war am 12. Juli gerade ein Jahr verflossen. Bis zur Stunde liegt auch nicht ein einziges sicheres Zeichen vor, das einen Anhalt dafür geben könnte, welche Richtung Andrees Polarballon„Adler“ eingeschlagen hat, wo die Expedition gelaudet ist oder welchem Schicksal selbst sie entging. Zwar hat es an einer ganzen Meuge Gerüchte nicht gefehlt, wonach der Ballon bald hier, bald dort gesehen sein sollte, aber bei der Art der Expedition ist nicht zu verwundern, daß sie im Laufe des einen Jahres so viel von sich reden gemacht hat. Die Luftballonreise mußte sich innerhalb einiger Wochen abspielen, sie hat höchstwahrscheinlich noch vor Ablauf des Monats, in dem sie begann, ihr Ende gefunden, aber im Gegensatz zu anderen Polarexpeditionen, die ihren Weg wählen konnten, war Andree dem Winde preisgegeben, wenn er auch mit Hülfe seiner Schlepptaue und seiner Segeleinrichtung im Stande gewesen sein mag, eine Ablenkung von der Windbahn zu erzielen. Nun beginnt die Zeit, in der wir mit einiger Wahrscheinlichkeit Nachrichten von Andree entgegensehen können, wenn er noch am Leben ist. Andree selbst hielt es nicht für glaublich, daß vor dem Spätsommer 1898 zuverlässige Nachrichten über die Expedition eintreffen könnten. Aus dem Ausbleiben von Mittheilungen bis jetzt muß man schließen, immer vorausgesetzt, daß Andree mit seinen Gefährten noch unter den Lebenden weilt, daß die Landung oder die Ueberwinterung der Andree'schen Expedition in einem entfernten Rolergebiet erfolgt sein muß, da es andernfolls der Expedition schon im vorigen Jahre hätte möglich sein müssen, in Verbindung mit der bewohnten Welt zu kommen. * Militärische Bosheit.„Warum sieht der Einjährige Dichterling Reimmeier eigentlich immer so bedrückt aus?“ „Dem hat sein Hauptmann in der Front einen Redacteur und einen Korbmacher zu Nebenmännern gegeben."— Kleines Feuilleton. * Eine Sicherheits=Schiffswand. Der Untergang der„Bourgogne“ mit allen seinen schrecklichen Einzelheiten lenkt wieder einmal die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Anstrengungen, denen sich die Schiffsbaukunst und die Behörden von Jahr zu Jahr in erhöhtem Maße unterziehen, um derartige Katastrophen, soweit es in Menschenkräften steht, zu verhüten oder wenigstens in ihren entsetzlichen Wirkungen abzuschwächen. Die Einführung der wasserdichten Querschotten bedeutet auf biesem Wege ohne Zweifel einen guten Schritt vorwärts, aber alle Katastrophen der letzten Jahre zeigen doch, daß das Mittel nur zu oft das Unheil nicht abwenden oder auch nur aufhalten kann. Nach dem Untergang der„Elbe“ wurde in nautischen Kreisen die Frage angeregt, ob man nicht zu der alten Form des überhängenden Vorderstevens zurückkehren solle, den man bei einem Zusammenstoße für weniger gefährlich hielt als den heute üblichen fast senkrecht stehenden Vordersteven. Der deutsche nautische Vereinstag kam jedoch nach gründlicher Prütung zu der Ansicht, daß mit der Rückkehr zum uten nichts gewonnen sei, und verneinte daher die Frage. Einen ganz neuen Weg schlägt jetzt Herr A. C. Darmer aus Stralsund mit der Erfindung einer Sicherheitsschiffswand ein, die bereits die Anerkennung des kaiserlichen Patentamtes gefunden hat. Herr Darmer legt ganz auf die Schiffswand selbst. inen, daß sie bei einem Stoß elastischen Widerstand bietet, der spiammen! den Schwerpunkt Er will sie so oder Druck einen die Wirkung des Zu.——goßes wesentlich abschwächt. Wenn trotzdem ein Theil der Schiffswand zerstört werden sollte, so kann sich doch immer nur ein bestimmter Theil der Schiffswand mit Wasser füllen, und das Schiff wird durch comprimirte Luft, die die Schwimmfähigkeit wesentlich erhöht, über Wasser gehalten. Mit Rücksicht darauf, daß die Patentverhältnisse noch nicht überall geregelt sind, können wir Näheres über die Erfindung noch nicht mittheilen. Es wird aber schon in der nächsten Zeit ein praktischer Versuch gemacht werden. Durch Vermittelung einer Bankgesellschaft hat der Erfinder mit einer Schiffswerft ein Abkommen getroffen, daß diese zunächst ein Probeschiff baut. Die Neuerung kann leicht auch für solche Schiffe untzbar gemacht werden, die sich schon im Gebrauch befinden. ** Mannseripte für Zeitungen. Der Redacteur eines englischen Blattes, der sich ohne Zweifel, wie alle seine Collegen, häufig mit schlechten Manuscripten abquälen muß, hat in einem Aufluge von„Galgenhumor“ seinen Correspondenten folgende satyrische Rathschläge wiederholt, die schon einmal vor Jahren durch die Presse liefen: So lange Sie zum Schreiben etwas Anderes als Feder und Tinte gebrauchen können, hüten Sie sich, dieselben zu verwenden. Die Schrift könnte leicht zu deutlich sein und würde dann die Aufmerksamkeit des Redacteurs und des Setzers nicht genügend fesseln. Sind Sie aber durch den Zufall bemüht, mit Tinte und Feder zu schreiben, so hüten Sie sich wenigstens, bei dem Wenden des Papiers Löschpapier zu benutzen; dies ist schon längst aus der Mode. Wenn Sie einen Klecks machen, mögen sie sich Ihrer Zunge bedienen, um ihn zu entsernen. Derart wird es Ihnen auch gelingen, denselben auf einen größeren Raum und in gleichmäßiger Weise auszubreiten. Ein intelligenter Setzer fühlt sich nie mehr geschmeichelt, als wenn es gilt, einige zwanzig Wörter, die durch dieses Verfahren unleserlich gemacht wurden, zu entziffern. Wir selbst sahen deren mehrere eine halbe Stunde damit zubringen, solch' eine Stelle zu lesen; während dieser Zeit fluchten sie wie die Matrosen, was bei ihnen darauf deutet, daß sie höchst guter Laune sind. Wenden Sie nie Interpunktionen an; uns ist es sehr angenehm, wenn wir errathen müssen, was Sie eigentlich sagen wollten. Große Anfangsbuchstaben zu gebrauchen, ist ebenfalls überflüssig, so könnten wir wenigstens die Interpunktionen nach eigenem Gutdünken anwenden. Es ist vollkommen unnbthig, sich eine leserliche Handschrift anzueignen, dieselbe verräth immer eine plebejische Abstammung und berechtigt überdies zu der Annahme, daß Sie in einer öffentlichen Schule Ihre Ausbildung erhalten haben. Eine schlechte Schrift deutet auf Genie bin. Viele Schriftsteller machen sich überhaupt auf diese Weise bemerkbar. Schließen Sie daher bei dem Schreiben die Augen und schreiben Sie so unleserlich wie möglich. Auf Eigennamen ist nicht besonders zu achten, denn jeder Setzer kennt den Vor= und Zunamen eines jeden Mannes, Weibes und Kindes auf der gerzen Welt, und wenn wir nur den Anfangsbuchlaben eines Ramens errathen zu können glauben, so genügt dies vollkommen; wohl ist es wahr, daß wir jüngst Samuel Marisgon statt Lemuel Messenger gedruckt haben, doch wird dadurch gewiß kein gebildeter Leser irregeführt worden sein. Also nochmals, achten Sie nicht auf Eigennamen. Sehr vortheilhaft ist es, beide Seiten des Papiers zu beschreiben und wenn sie vollgeschrieben sind und man einige Hundert Zeilen beifügen muß, empfiehlt es sich, über die Quere zu schreiben, denn noch ein Blatt deshalb zu opfern, wäre wahrlich des Guten zu viel gethan. Wir sind im siebenten Himmel, wenn wir solch' ein Mannscript in Händen haben; am liebsten wäre es uns, wenn wir auch den Schreiber in einem stillen Winkel unter unseren Händen hätten. Wie wäre die Nache süß! Das braune Packpapier ist zum Schreiben besonders verwendbar; wenn Sie aber eben keins haben, so kann man auf der Straße wohl im Vorbeigehen von einem Plakate das nöthige Papier abreißen. Falls man sich eines solchen Papieres bedient, ist es rathsam, auf jene Seite zu schreiben, welche bekleistert ist. Wenn ein Artikel beendet ist, so trage man ihn, ehe er der Redaction zugesandt wird, einige Tage in der Tasche mit sich herum. Wurde der Artikel mit Bleistift geschrieben, so sind die Vortheile dieses Systems unschätzbar. Suchen Sie ein oder das andere Blatt zu verliecen; die Zusammenfügung loser, nicht nummerirter Blätter macht uns stets besondere Freude. ** Ein amüsantes Abenteuer. Ein braver Friedensrichter in der Nähe von Atlantie Highland (New=Jersey) figurirte jüngst in einem sidelen Processe, in welchem er zugleich Richter und Partei war. Der Herr Richter, ein eifriger Radfahrer, machte dieser Tage seine übliche Spazierfahrt hoch zu Rad, als er sich plötzlich einem Wege gegenübersah, auf welchen „gebuddelt“ wurde. Um rascher vorwärts zu kommen. fuhr er auf den Bürgersteig hinauf und— war im nächsten Augenblick festgenommen; denn das„Befahren des Bürgersteigs“ ist auch in Amerika verboten. Auf Grund eines gesetzlich festgelegten Privilegs verlangte der Richter, sofort dem Friedensrichter des nächsten Bezirks vorgeführt zu werden, und da er selbst dieser Richter war, mußte er zunächst seine eigene genaue Adresse angeben. Der Polizist, der ihn aufgegriffen hatte, führte ihn mit Ernst und Würde„vor Gericht", wo der Richter mit nicht geringerem Ernst die Verhandlung eröffnete. Der Polizist brachte seine Klage vor, und nachdem ihn der Richter als Richter angehört hatte, gab er als angeklagter Radfahrer freiwillig seine Schuld zu und hielt darauf eine donnernde Philippika gegen die überhandnehmenden Gesetzesübertretungen der Radfahrer, die er demnächst mit Gefängniß werde bestrafen müssen. Diesmal beließ er es noch bei einer Geldstrafe und verurtheilte sich feierlich zu einem Dollar Strafe und zu den Kosten, die sich auf 2 Dollars 75 Cents beliefen. Dann nahm er sein Portemonnaie aus der Tasche und bezahlte die 3 Dollar 75 Cents. Von dieser Summe gehört 1 Dollar der Gemeindecasse, 80 Cents erhält der Polizist für die erfolgreiche Festnahme, und der Res von 1 Dollar 95 Cents bildet das Honorar dei Friedensrichters. Nachdem der Richter das Geld in dieser Weise getheilt hatte, steckte er die ihm zukom ginden 195 Cents wieder in die Tasche und ging mit der zufriedenen Miene eines Staatsbürgers, der seine Pflicht gethan, von dannen. #were Summen und der Sohn kohrte alb ein jugindUcher Greis, übermüde, übersättigt zurück. Als dieser Zustand einige Wochen dauerte und nichts den junge: Monn aus seiner Betäubung zu wecken vermochte, trurde der Vater unruhig; er ließ den Hausarzt kommen, der Oscar den Puls fühlte und ihm eine Medicin verschrieb, die dieser nicht einnehmen wollte; übrigens war alles, Herz, Lungen, Leber usw. in bester Ordnung. Der Vater schalt den Arzt heimlich einen Esel, der nichts davon verstand und schlug vor, einen Prosessor kommen zu lassen. „Gieb Dir keine Mühe, Papa!“ sagte Obear,„ich werde ihn nicht empfangen.“ „Aber was fehlt Dir denn nur?“ fragte der alte Herr verdrießlich. „Nichts, gar nichts! Laß mich nur machen! Ich will meine Ruße haben. „Aber wie lange dauert diese Ruhe unn schon? Du kannst doch Dein ganzes, junges Leben nicht so verträumen!“ „Wenn es mir aber unn so gofällt!“ Der Vater wußte nicht mehr, was er sagen sollte, und ging kopfschüttelnd seiner Wege. Er war schwer enttäuscht; alles hatte er für diesen Sohn geopfert, ihm alle Wege geebnet, jeden Stein daraus entfernt, und unn lag er da, als wenn er mit dem Leben abgeschlossen hätte. „Der Junge wird mir sterben, wenn es noch länger so dauert!“ jammerte er:„Fräulein Müller!" redete er diese plötzlich an,„wie wäre es, wenn Sie Herrn Oscar eine Flasche Champagner brächten?“ „Ich, van Deurne?“ „Ja, Sie! Nöthigen Sie ihn, ein Glas zu trinken, vielleicht folgt er Ihnen!“ Das Mädchen gehorchte schweigend und brachte das Gewünschte in den Salon, wo der junge Mann seiner Gewohnheit nach im Divan schlummerte. „Herr van Deurne“, sagte sie,„Sie würden Ihrem Herrn Vater ein Vergnügen bereiten, wenn Sie dieses Glas leeren wollten!“ Und sie kredenzte ihm den schäumenden Wein. Er öffnete schläfrig die Augen. „Soll das für mich sein?“ war seine Frage. „Ja, Ihr Herr Vater wünscht, daß Sie es trinken.“ „Sie sind sehr gütig, mein Fräulein!" Und er leerte das Glas. „Das thut mir wohl“, sagte er,„weshalb lachen Sie?“ fügte er hinzu, ihr Lächeln bemerkend. „Ich muß lachen, wenn ich Sie so da liegen sehe.“ „Weshalb? Komme ich Ihnen denn so lächerlich vor?“ „Ich weiß es nicht, vielleicht sind Sie noch mehr zu bedauern.“ Z1 bedauern, und weshalb denn?“ „Ih habe schon manches Unglück in der Welt gesehen, aber Sie kommen mir am unglücklichsten vor Den anderen ist leicht zu helsen, aber Ihnen kaum. es sei denn—“ „Nun, was donn?“ „Ja, wenn ich Ihr Arzt wäre, so wüßte ich Sie schon zu curiren.“ „Dann mürten Sie doch erst wissen, was mir sohlt?“ „Das weiß ich läugst!“ „Aber Sie kennen mich ja kaum!“ „Tiotzzem weiß ich schon, woran es Ihnen fehlt.“ „Und das wäle?“ „An Pflichten!“ Er richtete sich halb auf und starrte sie jetzt mit großen Augen an. „Pflichten... ten— sagen Sie?“ „Ja, Herr von Deurne, die kennen Sie nicht und haben Sie vielleicht nie gekannt, und deshalb bedauere sch Sie.“ „Es freut mich, daß ich Ihr Mitleid errege.“ (Fortsetzung folgt.) Macht der Sauftmuth. ####en Bosco, der hochverdiente Volksmann und ünder der Salesianer=Congregation, ging eiuls Arends in der Nähe von Turin, als es schon dunII war, durch ein einsames Wäldchen. Da kam raschen Shrittes ein bewaffneter Mann auf ihn zu und beorie„Börse oder Leben".„Eine Börse?“ entgegnete Don Bosco,„ich besitze keine; das Leben? Das steht in Gottes Händen allein.“ Macht nicht so viel UmRände, dir mitt der Börse oder ich schlage zu!“— In diesem Augenblicke erkannte der heiligmäßige Priester in diesem Manne einen der Häftlinge, den er vor Zeiten im Turiner Gefangenhause im Katechismus unterrichtet hatte.„Was, Tonio, Du bist es?“ rief er,„Du hältst aber recht schlecht Deine Versprechungen. Ich hatte volles Vertrauen auf Dich, und nun siehe da!“ Da erkannte Tonio nun auch seinen ehemaligen Lehrer, er ließ den Kopf hängen und entgegnete:„Ehrwürdiger Vater, wenn ich Euch früher erkannt hätte, so hätte ich Euch in Frieden ziehen lassen.“„Damit ist es nicht genug, mein Kind: Deine Lebensweise muß eine andere werden. Du erschöpfst Gottes Langmuth, und wenn Du Dich nicht sehr beeilst Buße zu thun, wirst Du vielleicht in der Todesstunde keine Reue mehr erwecken können.“„Ja, ehrwürdiger Vater, ich werde meine Lebensweise ändern, ich verspreche es.“„Du mußt beichten", versetzte Bosco.„Ich will es thun.“ „Wann denn?"„Bald.“„Thue es auf der Stelle“, entgegnete der Geistliche weiter,„es ist am besten.“ Don Bosco setzte sich auf einen Stein, umschlang mit dem Arm den Hals des Reuigen und hörte das Bekenntniß seiner Sünden. Nach der hl. Beicht küßte er ihn, gab ihm eine Muttergottesmedaille und schenkte ihm das wenige Geld, das er in der Tasche hatte. Der bekehrte Dieb und Räuber begleitete ihn bis zu den Stadtthoren und wurde später ein ordentlicher katholischer Christ. Eine gute Antwort. einem Zuchthause war ein jugendlicher Verbrecher, welcher krank darniederlag. Seine alte, gottesfürchtige Mutter besuchte ihn und redete ihm so ernst und gewaltig in's Gewissen, daß auch die anderen kranken Sträflinge davon tief ergriffen wurden. Nach dem Weggange der Frau wagte längere Zeit Niemand zu reden. Endlich unterbrach einer die unheimliche Stille.„Ach was“, sagte er,„sie ist ein altes Weib aus dem vorigen Jahrhundert und gehört noch zu den Dummen, die noch an die Bibel glauben. Wir wollen uns von ihr nichts vorschwatzen lassen; dazu sind wir viel zu aufgeklärt.“—„Mag sein", erwiderte ein anderer, dem die Worte der Frau schwer auf's Herz gefallen waren,„mag sein, daß sie zu den„Dummen“ gehört, aber das haben diese„Dummen" vor uns „Aufgeklärten" voraus, daß sie nicht in's Zuchthaus kommen.“ Kinder-Erziehung in unserer Zeit. SWlie man heutzutage Kinder erzieht, konnte eine Dame, die noch nach der guten alten Sitte erzogen worden war, bei einem Gärtner in der Nähe von St., der es besser verstand, Blumen als Kinder zu ziehen, mit staunenden Augen sehen. Während die Dame sich die Blumen besah und auswählte, stürzten plötzlich Kinder in die Wohnung— die Schule war nämlich zu Ende—, ohne die Eltern und die Dame zu grüßen, warfen ihre Schulsachen in eine Zimmerecke, fielen über das Brod her und eilten so wild und unanständig, wie sie gekommen, wieder davon. Die Dame, ganz entsetzt über das Benehmen der Kinder, konnte sich der Frage nicht enthalten:„Nicht wahr, das sind fremde Kinder?" Der Gärtner erwiderte: „Nein, es sind meine Kinder, ich erziehe sie amerikanisch.“ Die Dame hat nun dem Vater freilich nicht gerade gratulirt zu der gut amerikanischen Erziehung seiner Kinder. Solch' amerikanisch erzogene Kinder gibt's nun leider in Europa sehr viele, Dank ihrer amerikanischen Erzieher und der Erziehungsgrundsätze unserer Zeit. Gesell' Dich einem Bessern zu, Daß mit ihm Detne besten Kräfte ringen; Wer selbst nicht weiter in als Du, Der kann Dich auch nicht weiter bringen. ** „Freunde in der Noth“ will nicht viel heißen: Hilfreich möchte sich mancher erweisen. Aber die neidlos ein Glück dir gönnen, Die darfst du wahrlich Freunde nennen. Bilderräthsel. Reis, Kisten, Neid, Schatz, Korallen, Sieg, Moldau, Wasser, Gaul, Säen, Zeit. Von jedem der vorstehenden Wörter ist die Hälfte der Buchstaben zu streichen, so daß die stehenbleibenden im Zusammenhang ein bekanntes Sprichwort ergeben. Charade. Beim Meiden und beim Scheiden Fühlt man die ersten Beiden, Wenn Gram das Herz umspinnt. Willst du dich sorglich kleiden, So nimm die letzten Beiden, Nicht trag' sie nach dem Wind. Du siehst im Sonnenglauze Hingaukeln oft das Ganze, Des Sommers leichtes Kind. (Die Auflösungen folgen in nächster Nummer.) Lösungen aus voriger Nummer: Des Bilderräthsels: Schelm Amor; des Kapselräthsel: Wer keine Sorgen hat, macht sich welche. Lösung der Rechenaufgabe: Der Händler kaufte: 68 Stück zu 25 Pfg.— 17,— Mark 105 Stück für zusammen: 36.— Mark. Justige Ecke. Verfehltes Mittel. Huberbauer(der seinen neuen Knecht, welcher fast die ganze Schüssel für sich in Anspruch nimmt, vom Essen abbringen will):„Geh', Sepp, trink' doch amal!“— Sepp(nachdem er getrunken):„Vergelt's Gott, Bauer, für Euren g'scheiten Einfall! Jetzt zwing' i“ noch amal so viel!“ Aus der guten alten Zeit.(Der Pantoffelheld.) (Bei einer militärischen Nachtübung tritt der Gemeine Schmuttermayer vor seinen Feldwebel mit der Bitte, austreten und heimgehen zu dürfen.) Feldwebel:„Was fällt denn Ihnen ein! Jetzt geht ja erst die Nachtübung los!“— Schmuttermayer:„Das wär' ja alles recht— aber ich darf nie länger ausbleiben als bis 9 Uhr!“ ** Geschäftsgeheimniß.„Sagen Sie mir doch, was für ein Unterschied ist denn zwischen der ersten und der zweiten Qualität Ihres Thee's?“ Kommis: „Das will ich Ihnen schon sogsn— aber ganz unter uns! Bei der ersten Sorte ist der gute mit dem schlechten gemischt, bei der zweiten der schlechte mit dem guten!“ Gemischte Gefühle.„Wie haben Sie denn den Abend vor der Hochzeit Ihrer Tochter verlebt, den letzten Abend, den Ihre Tochter im Elternhause zubrachte?“ „Nun, mein Mann hat Weine geprobt, und ich und meine Tochter, wir haben Probe geweint.“ * FF OßSSaET TASTSEES SEETE Bägarg“NET TÖ=Gg-]an S SügEgs, a Bgs-nsßg 80berge# S 30 8.5 S55ggDT: 885•5T5E. S#SnSSESSS, BESTSEE Taü335RTSSTSSTSSE Nr. 29. Fonntag, den 12. Juli O„ Unterhaltungsblatt für das christliche Volk. Verantwortlich: Chefredacteur A. Cappallo in Bochum.— Druck und Verlag der Actiengesellschaft„Märkische Vereinsdruckerei“ in Bochum. St. Potamiana. e e Zum Tod Potamianen, Das bitt're Loos der Jungfrau Den Heiden bis zu Thräuen. Ach, daß die edle Blume So früh verwelken soll! War nicht von ihrem Ruhme Alexandrien voll? Die Heldin hat in Gottes Kraft Den ärgsten Feind bezwungen, Im Kampf um ihre Jungfrauschaft Den schönsten Sieg errungen. Die Blum' ist nun verblichen, Wie mankt das kranke Lamm, Mit Ruthen wund gestrichen, Zerfleischt vom Eisenkamm! Ihr folgt viel Volk mit Hohn und Scherz, Der Krieger treibt's zu Paaren: Ach, dieser Pöbel hat kein Herz, Zum Hades mög' er fahren! Sie spricht: Sei guten Muthes, Ich geh’ in's Paradies Und lohne, was mir Gutes Dein edles Herz erwies. Ein Feuer lodert vor dem Thor, Ein Kessel schwebt darüber, Ein schwarzer Brodem qualmt empor, Der Pechbrei siedet über. Die Martyrin wird mählig Ius heiße Bad getaucht, Und alles staunt: wie selig Sie ihren Geist verhaucht! Was thut Basilides? Er sagt Lebwohl den Kameraden: Lebt wohl, ich bin als Christ verklagt Und vor Gericht geladen! Der tapfere Bekenner Eilt in des Kerkers Haft Und findet heil'ge Männer Aus Christi Bruderschaft. Basilides, auch du ein Ehrist? Er trocknet eine Thräue Und lächelt: Liebe Brüder, wißt, Daß Sankt Potamiäne Mir armen blinden Heiden Erschien am dritten Tag Nach ihrem heil'gen Leiden, Als ich im Schlafe lag. Sie grüßte lächelnd, setzte mir Auf's Haupt die schönste Krone Und sprach: Bald ruft dich Gott von hier Zu seinem Himmelsthrone! Bald schritt der Neubekehrte Der todesmuth'gen Schaar Voran und bot dem Schwerte Den Nacken freudig dar. O Betrachtung für den 7. Sonntag nach Pfingsten. des hl. Panlus an die Römer 6 19—23. redet nach wenschlicher Weise um der Schwachheit eures Fleisches willen. Deun gleichwie ihr eure Glieder in den Dienst der Unreinigkeit und Gottlosigkeit hingabet zur Gottlosigkeit, so gebet unn eure Glieder dem Dienste der Gerechtigkeit hin zur Heiligung. Denn als ihr Knechte der Sünde waret, seid ihr frei von der Gerechtigkeit gewesen. Welche Frucht hattet ihr aber damals von den Dingen, deren ihr euch nun schämet? Denn das Ende davon ist der Tod. Nun aber befreit von der Sünde. Diener Gottes geworden, habt ihr zu eurer Frucht die Heiligung, und als Ende das ewige Leben. Deun der Sold der Sünde ist der Tod; die Gnade Gottes aber ist ewiges Leben in Christo Jesn, unserm Herrn. ur ewigen Glückseligkeit hat uns Gott der Vater 9 erschaffen, zur ewigen Glückseligkeit hat uns Gott der Sohn erlöst, zur ewigen Glückseligkeit hat uns Gott der hl. Geist geheiligt.„Zu meiner Ehre“, spricht Gott beim Propheten Isaias,„habe ich den Meuschen erschaffen". Bei Strach lesen wir:„Gott gab den Menschen Verstand, Sprache, Augen, Ohren und Erkenntniß und zeigte ihnen Beides, Gutes und Böses, und er sprach: Hütet euch vor allem Bösen“. Um nun unserm hohen Berufe zu entsprechen, sollen wir Gott unserm Schöpfer unser ganzes Herz weihen, und es sollen nicht nur unsere Gedanken und Begierden auf Gott zielen, sondern wir sollen nach der Mahnung des hl. Apostels Paulus auch alle Glieder unseres Leibes dazu verwenden, die Ehre Gottes und unser Heil zu befördern. Höret sein Wort:„Gleichwie ihr eure Glieder in den Dienst der Unreinigkeit und Gottlosigkeit hingabet zur Gottlosigkeit, so gebet nun eure Glieder dem Dienste der Gerechtigkeit hin zur Heiligung. Denn als ihr Knechte der Sünde waret, seid ihr wohl frei von dem Dienste der Gerechtigkeit gewesen. Also zur„Heiligung“ sind unsere Glieder bestimmt; diese Heiligung ist bereits durch die Tause und Firmung an unserer Seele erfolgt und durch die Seele auch auf unsern Leib übergegangen. Als von Gott erschaffene, von Geit erlöste und durch die hl. Sacramente geheiligte Menschen haben wir hinsichtlich unseres Leibes die strenge Verpflichtung, denselben nie zu etwas Sündhaftem zu gebrauchen. Wir sollen als Christen nie etwas Unehrbares ansehen, dagegen oft die Geschöpfe am Himmel und auf Erden betrachten und daran die Allmacht, die Weisheit und Güte Gottes bewundern und Gott dafür danken. Wir sollen als Christen unsere Ohren stets dem Guten öffnen, wir sollen unsere Hände und Füße, kurz alle Glieder des Leibes nur dem Dienste Gottes widinen. Wie unglücklich macht sich ein Mensch, der sich dem fündhaften Leben, der Befriedigung der Sinnlichkeiten ergibt. Nach den Worten Pauli wird ein solcher ein„Knecht der Sünde;“ der Hang zum Bösen wird täglich größer, die Gnade Gottes, die uns wider die Sänden stärken soll, täglich kleiner; darum fällt ein Mensch, der einen sündhaften Lebenswandel führt, aus einer Sünde in die andere. Macht er auch die besten Vorsätze, er wird wieder sündigen, wenn er von seiner bösen Natur oder von bösen Menschen gereizt wird. Lehrt dies nicht sattsam die tägliche Erfahrung? Ist es nicht z. B. höchst selten, daß sich ein Trunkenbold bessert? Ist es nicht ebenfalls höchst selten, daß sich ein Unkeuscher oder ein Geizhals, oder ein Betrüger, oder ein Flucher, oder ein träger Christ bessert? So wenig sich ein Mohr weiß waschen läßt, so wenig bessern sich auch dergleichen Sünder. Deswegen meine Brüder und Schwesterat hütet euch vor der Sünde! Ihr setzet ench sonst der Gefahr aus, immer tiefer zu fallen etn gar unverbesserlich zu werden. Und welchen Nutzen habet ihr von den fündhaften Dingen! Du treibst mein Freund allerlei unkeusche Dinge mit Gedanken, Begierden, Reden, Liedern und Handlungen? Mußi du dich nicht als vernünftiger Meusch schämen? Und was hast du jetzt davon? Nicht wahr, Alles ist ver über wie ein Rauch? Nichts ist übrig geblieben ald der nagende Gewissenswurm und die strafende Rache Gottes. Was hast du von deiner Unmäßigkeit im Essen und Trinken, dem nächtlichen Schwärmen, Tanzen? Nicht wahr, alles ist verschwunden wie der Reif vor der Sonne, und nichts ist übrig geblieben, als die Strafen Gottes. Welchen Nutzen hast du von den Ungerechtigkeiten, die du begingest, um dich zu bereichern und vor der Welt groß zu erscheinen? Sprich mein Christ, was hast du jetzt davon? Mußt du dich nicht schämen und alles bis auf den letzten Heller gut machen, wenn du vor Gott erscheinen willst. Zudem frage ich dich: Bleibt nicht alles in der Welt? Kannst du auch nur einen Pfennig beim Tode in die Ewigken mitnehmen? Siehe, so läßt die Sünde nichts anderes zurück, als den nagenden Wurm des Gewissens und die zeitlichen und ewigen Strafen Gottes. Denn, so sagt der Völkerlehrer,„das Ende davon(d. k. von den bösen, schändlichen Dingen) ist der Tod“, nämlich, der Tod der Seele, auf den die ewige Verdammniß folgt. Wie glücklich für Zeit und Ewigkeit macht sich hingegen jener Mensch, der einen frommen, christlichen Wandel führt? Er lebt ruhig und stirdt ruhig, er lebt in Ehren und stirbt in Ehren, er lebt glückselig und stirbt glückselig.„Süß ist der Tod des Gerechten im Angesichte des Herrn“, sagt der Psalmist und im Buche der Weisheit heißt es:„Die Seelen der Gerechten sind unter Oettes Schutz, auch im Tode wird sie keine Qual berühren.“ Freuet euch deswegen, liebe Leser, daß ihr durch die A. Taufe befreit seid von der Sünde. Bewahret die Taufgnade, dienet als Kinder Gottes fleißig und eifrig Gott. Denn wie das Ende der Sünde der ewige Tod ist, so ist das Ende des Dienstes Gottes das ewige Leben.„Run aber, da ihr befreit von der Sünde Diener Gottes geworden seid, habt ihr zu eurem Gewinne die Heiligung, und am Ende das ewige Leben. Denn die Sünde zahlt mit dem Tode, die Guade Gottes aber mit dem ewigen Leben.“ Der heilige Alerius, Bekenner. G 417.) uf dem aventinischen Hügel zu Rom stand einst der Palast des Patriziers und Senators Euphemian. Er hatte große Reichthümer, 500 Dienstleute und nur einen einzigen Sohn, den er innigst liebte. Die ganze Familie war äußerst fromm und sehr wohlthätig gegen die Armen; wurden doch täglich drei Tische für dieselben bereitet. Dem Wunsche seiner Eltern gemäß sollte sich Alexins mit einer tugendhaften Jungfrau vermählen. Aber auf eine göttliche Stimme in seinem Innern horchend, verließ der hl. Jüngling in der Nacht seines Vermählungstages seine jungfräuliche Braut und entfloh nach Edessa in Syrien, wo er siebenzehn Jahre als Bettler in freiwilliger Armuth und Allen unbekannt ein sehr heiliges Leben führte, bis durch ein Muttergottesbild seine Heiligkeit den Bewohnern von Edessa kund gethan wurde. Allextucz, das Lob der Meuschen fliehend, #ifste u0 noch Tarsus ein in Eleikien, um bei der Kirche des hl. Paulus ein verborgenes Leson zu führen. Gott fügte es aber, daß ein gewaltiger Sturm das Schiff an die Küste Italiens trieb. Er kam nach Rom, wo er seinen Vater, der ihn nicht erkannte und so lange um ihn getrauert hatte, um ein Plätzche# in seinem Hause bat. Der gastfreundliche Euphemian wollte ihm ein anständiges Zimmer anweisen, allein Alexius bestand darauf, in einem Winkel des Hauses unter einer Stiege seine Einsiedelei aufschlagen zu dürfen. Zier lebte er abermaks siebenzehn Jahre unerkannt, von der Dienerschaft verachtet und verfolgt, geduldig wie ein Engel, ein mehr himmlisches als irdisches Leben. Kurz vor seinem Tode hörte man in der St. Peters=Kirche eine Stimme, welche rief:„Der, welcher für das Wohl der Stadt betet, ist im Hause des Euphemianus; diesen soll man ehren.“ Zugleich fingen alle Glocken der Stadt von selbst zu läuten an. Da Uof ganz Rom dem aventinischen Hügel zu, selbst Papst Innocenz I. und Kaiser Honorius kamen, um den Heiligen zu verehren. Dieser aber war bereits in die ewige Herrlichkeit eingegangen. Welch' schmerzliche und zugleich überaus freudige Ueberraschung mag es für Euphemian gewesen sein, aus der Schrift, die man in der Hand des Verschiedenen fand, und in welcher Alexius seine Abstammung und seine Lebensgeschichte offenbarte, in dem unbekannten Bettler seinen so lange beweinten Sohn zu erkennen! Kirchliches. S Elsaß=Lothrinzische Pilgerfahrt nach Leurdes im Monat August. Es wird nunmehr anter der Direction des Unterzeichneten und der Mitwirkung zweier anderer Geistlichen des bischöflichen Gymnasiums zu Straßburg alljährlich ein Pilgerzug nach Lourdes veranstaltet werden. Den Katholiken des Rheinlandes und Westfalens wird durch Anschluß an die größtentheils sowohl der deutschen als der französischen Sprache mächtigen Elsaß=Lothringer hiermit eine günstige Gelegenheit geboten, den weltbekannten Wallfahrtsort zu besuchen. Die diesjährige Pilgerfahrt findet vom 9. bis 18. August statt. Die Fahrpreise betragen von Straßburg ab: 3. Klasse 54 Mk., 2. Klasse 84 Mk. Die Fahrt geht per Extrazug von Straßburg aus über Avricourt, Nancy, Paris(10 Stunden Aufenthalt), Brive(Wallfahrt des hl. Antonius von Padua, 7 Stunden Aufenthalt) nach Lourdes(4 Tage Aufenthalt, vom 12. bis 15. August), und zurück über Toulouie, Gette(Meerhafen), Lyon(U. I. Frau von Teurniera), Belfort nach Mülhausen. In letzterer Stadt löst sich der Extrazug auf, und jeder Pilger muß von hier ab ein gemöhnliches Billet zur Heimfahrt lösen. Eventuelle Anmeldungen möge man möglichst bald an din Unterzzichneten richten; jeder Pilger wird um amans und deutliche Angabe seiner Adreise gebeten. Wer mit Bekannten in demselben Eisenbahn=Coupee zu fahren wünscht, hat es bei der Anmeldung anzugeben, da behufs Aufrechterhaltung der Ordnung jedem Pilger die Nummer des ihm auf der Fahrt zubestimmten Coupees auf der Pilgerkarte vermerkt wird. Abzeichen, Programme, Pilgerbücher und Pilgerkarten werden einige Tage vor der Abfahrt nach erfolgter Einsendung des Fahrgeldes den angemeldeten Pilgern zugeschickt. Anmeldungen werden bis zum 25. Juli entgegengenommen von Dr. Cron, seistlicher Oberlehrer an St. Stephan, Straßburg i./ E. * Der Capuziner=Orben zählt nach der zum 1. Januar dieses Jahres aufgenommenen Statistkk in der ganzen Welt 531 Convente, 107 Hospize und 58 Noviziatshäufer mit 3876 Priestern, 1938 Clerikern (Professoren und Novizen) und 2971 Laienbrüdern (Professoren und Novizen); außerdem noch 36 seraphisch Collegien mit 843 Alumnen. Der ganze Orden ist in 53 Provinzen eingetheilt, von denen die römische die größte und die russische(mit Ausschluß von Polen) die kleinste ist. Letztere zählt nur 17 Religiosen, die über ganz Rußland zerstreut sind. Der von Capuzinern geleitete dritte Orden zählt 673,083 Mitglieder in 2765 Congregationen. Neben diesem besteht noch der von den braunen und der von den schwarzen Franziskanern geleitete dritte Orden. * Jun Redemptoristen=Kloster St. Josef in Trier * sinden im August und September d. J. Studenten3 # 2 6 2 5 —= * 80: Erereition(für Obersecundaner, Primaner und Academiker) statt, uns zwar der erste Cursus vom 11. bis 15. August, der zweite Cursus vom 11. die 15. September. Kost und Logis wird unentgeltlich genühet. Die kathol. Lünglingsvereinigungen Pescioche Du jüngste Reichstagswahl hat von Neuem den 2—) Beweis gelirfeit, daß die kathol. Bevölkerung der Ausbreitung des Socialismus weniger zugänglich ist, als die protestantische. Ein großer Theil des Verdienstes ist unstreitig den katholischen Vereinen, namentlich den Arbeiter= und Gesellen=Vereinen zuzuschreiben. Unter dem Gesichtspunkte der Bekämpfung der Socialdemokratie gewinnen neben den erwähnten auch die Vereine für die jüngeren Jahrgänge, die katholischen Jugendvereinigungen Deutschlands, eine erhöhte Bedeutung und erfordern die ernsteste Fürsorge. Gehen doch aus ihnen zum großen Theile die Mitglieder der Arbeiter= und Gesellenvereine wie aus einer Vorbereitungsschule hervor. Aber auch abgesehen von ihrem Werthe gegenüber dem Socialismus sollten die kathol. Jünglingsvereine noch weit mehr wie bisher die Aufmerksamkeit der dazu berechtigten und verpflichteten Kreise auf sich lenken. Nach dem unlängst durch den Volksverein für das katholische Deutschland verbreiteten„Verzeichniß der kath. Jugendvereinigungen Deutschlands“— dessen Vollständigkeit und Richtigkeit wir annehmen— gibt es zur Zeit in ganz Deutschland 447 derartige, für die männliche Jugend bestimmte Vereine. Davon entfallen auf Preußen 347, auf Bayern 37, auf Württemberg 1, auf Baden 22, auf das Reichsland Elsaß=Lothringen 40. Im Einzelnen ergeben sich folgende Zahlen: „ Straßburg 35 Die Gründe, weßwegen in einzelnen Diöcesen die Jugendvereine noch nicht weit allgemeiner eingeführt worden sind, entziehen sich unserer Kenntniß. Es steht bestimmt zu erwarten, daß in nicht zu ferner Zeit überall von zuständiger Stelle die Auregung zur Gründung gegeben werden wird, und man nicht länger zögern wird, die schulentlassene, arg gefährdete Jugend nach Möglichkeit in gutgeleiteten Vereinen zu sammeln. Nachdem wiederholt der hl. Vater und eine Reihe einsichtsvoller Bischöfe den Jugendvereinigungen ihre Sympathieen erklärt haben, sollte man nicht warten, um„zu retten, was zu retten ist.“ Es gibt kaum einen größeren Ort unseres Vaterlandes mit vorwiegend katholischer Bevölkerung, an welchem nicht ein Jünglingsverein in irgend einer Form am Platze wäre. Ueberall gilt es, das bestehende Gute zu festigen und die Jugend für die wechselvollen Verhältnisse des späteren Lebens vorzubereiten. Die wenigsten Jünglinge bleiben am Orte, die meisten kommen irgendwie, oft sehr bald mit dem Weltgetriebe in Berührung und müssen also dafür eingeschult sein. Der leider vielfach im Schwinden begriffene Einfluß der Kirche auf die Schule und die einseitige Ausbildung des Fortbildungsschulwesens mit Ausschluß der Religien sollte nicht rasten und ruhen lassen, bis man allenthalben Jünglingsvereine in's Leben gerufen hat. Ist man auch in jüngster Zeit bestrebt, die Schäden der Einwirkung des Fabrikwesens auf die Familie zu paralisiren, so bleibt nach wie vor noch unendlich viel zu thun. Afrika-Nerein deutscher (Schluß.) Deutsches Misstenshaus. St. Vonisatius zu Hünfeld bei Fulda, Sitz des Provineials P. Simon Scharsch, der zugleich Superior in, deutsches Scholastieat(Priester=Seminar). Gegen Juli 1897 war ein Theil des Neubaues so weit fertiggestellt, daß der linke Flügel bezogen werden konnte. Im August fand die Uebersiedelung des größten Theiles der deutschen Alumnen statt. Am Weißen Sonntag nahm Erzbischof Komp in unserer provisorischen Kapelle die erste große Ordination vor, an der etwa 50 Alumnen Theil nahmen. Neun Diakone erhielten die h. Priesterweihe. Dadurch ist die Zahl der Priester im Hause auf 21 gestiegen. Apostolisches Vieariat Neu=Pommern (Bismarck=Archipel). (Missionshaus in Hiltrup bei Münster in Westfalen.) Von den vierzig Missionaren sind ein Bruder und eine Schwester der Mission durch den Tod entrissen, dagegen sind im Herbst vier Priester und zwei Brüder nach Neu=Pommern abgereist; Gesammtzahl der Missionare 44, auf acht Stationen vertheilt: 1. Vuna(Kininigunan), bischöfliche Residenz und Central=Station, wo die Kathedrale mit zwei Thürmen zur Vollendung gekommen ist; in der Nähe befindet sich: 2. Takubar. 3. Malagunan in der Blauche=Bai zählt über 2000 Katholiken; eine neue Kirche ist dort eine dringende Nothwendigkeit. 4. Vlavolo, in der Talili=Bai, zählt über 1600 Katholiken. Mehr im Innern der GazelleHalbinsel befindet sich: 5. Villa=Maria und 6. Vungtoro mit ungefähr 900 Katholiken. An der Baining= Küste wurden zwei Stationen eröffnet, nähmlich 7, Vunamarita und 8. Ramandu mit 200 bis 300 Katholiken. Außer diesen Stationen haben die Einwohner 16 Kirchen oder Gebetshäuser errichtet im wesleyanischen District als Zeichen ihres Verlangens, katholische Missionare zu bekommen. Die Gesammtzahl der Katholiken geht über 5000. Die Mission unterhält a. drei Waisenhäuser, worin 204 Kinder unentgeltlich erzogen werden; d. sieben Elementarschulen, 427 Kinder; c. ein Pensionat für Mestizen mit 9 Schülern; d. eine Katechetenschule mit verschiedenen Jünglingen in der Ausbildung. Die Mission verzeichnete 2202 österliche Communion und 1012 Firmungen. 60 Kinder wurden aus der Sklaverei befreit und in den Waisenhäusern untergebracht. Ueber 600 Katechumenen werden zur h. Taufe vorbereitet. Drei neue Wohnhäuser und drei Schulen wurden gebaut, und ein Fahrweg von 7 Kilometer vollendet. Die eröffnung von neuen Stationen wird vorbereitet. In diesem Jahre vollzog sich auch die Gründung der Deutschen Provinz in der Genossenschaft, das neue Missionshaus in Hiltrup wurde bezogen. Außer den Missionaren, weiche auf Neu=Pommern thätig sind, zählt die deutsche Provinz 14 Priester, 50 Scholastiker(Theologen und Philosophen), ungefähr 30 Brüder und 75 Zöglinge in den verschiedenen Gymnasialklassen. Ungefähr 120 befinden sich in Hiltrup, die übrigen im Missionshause zu Salzburg. Kaiser: Wilhelm=Land(Neu=Guines). (Steyler Missionare.) Der apostolische Präfect P. Limbrok berichtet: Drei Priester und drei Brüder landeten wir am 13. August 1896 in Friedrich=Wilhelms=Hafen. In Berlinhafen gründeten wir unsere erste Niederlassung. Unter mancherlei Krankheiten und Entbehrungen gelang es uns, zu Weihnachten wenigstens einen Theil so weit fertig zu stellen, daß wir zur Noth einziehen konnten. Die Wilden standen ein Mal in großer Anzahl schußbereit vor uns; kurze Zeit nachher kamen sie, von andern Europäern unvorsichtiger Weise aufgereizt bis nahe zu unserer Station und beschossen uns vor unserm eigenen Hause. Gleich von Anfang an suchten wir die Herzen der Eingeborenen zu gewinnen, indem wir ihre Wunden verbanden und unentgeltlich Arznei verabreichten. Allmälig wurden dieselben zutraulicher. Bald kamen sie oft von weitem her, um Hülfe und Belehrung zu empfangen. Auch ist bereits seit einem Jahre auf unserer ersten Station St. Joseph eine Schule errichtet, wo die Kinder der benachbarten Dörfer auf kanakisch (Sprache der Eingeborenen) in der Religion und im Lesen und Schreiben unterrichtet werden. Die Erwachsenen zahmen recht fleißig das Beispiel der Kinder „ S. Sa S „AbgynasPFf%-E-SEt E SHOSSSOGUGSBEES 333 ubs. Allerdings ist es moistens noch kange Zeit bindurch eine harte Arbeit, den freien Natursohn etwas an Regel und Ordnung zu gewöhnen. Die Knaben ##n der Insel sind recht geloeckt und aufmerksam. Männer kommen auch außer der Zeit des Untorrichtes schon viel häufiger herbei, um in unserm Garten und in der kleinen Pflanzung Hand mit anzulegen. Ferner haben sie verschiedene Wege durch den Busch geschlagen, welche alle vier Dörfer der Insel mit einander und mit unserer Station verbinden. An den Festen Allerheiligen und h. Dreikönige wurden je drei Schüler getauft, zu Ostern waren noch mehr in Aussicht genommen. Es scheint rathsam, mit der Taufe der Erwachsenen noch zurück zu halten. Mit den Graubärten wird es bis zur Bekehrung seine guten Schwierigkeiten haben, weil sie allzu sehr in ihrem Aberglauben erstarrt zu sein scheinen. Eine kanakische Bibel ist in Steyl gedruckt, außerdem sind verschiedene Gebete in die Tamara=Sprache übersetzt. Am 28. März 1897 kamen ein Priester und ein Bruder in Berlinhafen an. Deshalb konnten wir daran denken, eine zweite Station zu gründen. Am 22. Juli fuhren wir zur Lemingküste hinüber, wo wir von den Eingeborenen auf's freundlichste empfangen und bereitwilligst unterstützt wurden. Die neue Station, Regina Angelorum genannt, liegt nur etwa 1½ Stunden von St. Joseph auf Tamara entfernt. Trotzdem haben die dortigen vier Dörfer schon wieder eine ganz verschiedene Sprache. Diese Zerklüftung der Sprachen und Dialekte macht uns ungeheure Schwierigkeiten. P. Vormann, welcher dort seine Stellung erhielt, hat sich so weit eingelebt, daß er mit dem Unterrichte der Eingeborenen beginnen konnte. ** Im Anschluß an diesen Bericht beschloß der Central= Vorstand, 70,000 Mark an die sieben in den deutschen Schutzgebieten thätigen Missions=Gesellschaften, für die Missionen in Deutsch=Ostafrika, Togo, Kamerun, Deutsch=Südwest=Afrika, Bismarck=Archipel und NeuGuinea zu vertheilen. 3) Genesen. Erzählung aus dem Arbeiterleben. Von Melati von Java, deutsch von L. v. Heemstede. (Nachdruck verboten.) ch wollte, daß der Herr seine Feste für sich behielte“, murrte Einer,„wir haben nur Verdruß davon.“ (5„Ja, und was hat mon an der dummen, dünnen Chekolade! Ich habe mir den süßlichen Geschmack später in der„Grünen Kanne“ fortgespült.“ „Na, meine Alte hat mich mit dem Pantoffel erwartet“, lachte ein Anderer,„heute wird es den ganzen Tag schlecht Wetter sein! Ich habe ein gutes Weib, aber wenn ich mir einen zu viel auf die Lampe gegossen habe, dann ist nicht mit ihr auszukommen.“ „Na, es wird schon anders werden“, meinte ein Dritter,„wenn der junge Herr einmal aus Ruder kommt; der meint, er sei aus ganz anderem Teig geknetet als unser einer!“ „Der junge Herr, bah! Der wird sich wohl hüten, hier zu bleiben. Der wird im Haag oder in Amsterdam ein großes Haus machen und reiten und fahren und es sich wohl sein lassen.“ „Alles von unserem Schweiß und Blut!“ sagte eine hohle Stimme, die dem alten Dorus gehörte,„aber es kommt ein Tag der Rache, und der Grünschnabel wird nicht immer von dem prassen, was wir so sauer verdienen.“ Noch nie hatte Dorus so willige Ohren gefunden, wie an diesem Tage, da eine allgemeine Unzufriedenheit zu herrschen schien. Unter allen, die am Feste theilgenommen hatten, war nur eine, der man es nicht ansehen konnte, daß sie bis spät in die Nacht hinein alles überwacht und besorgt hatte; zur gewohnten Stunde war sie schon an ihrer gewohnten Arbeit. Es war Fräulein Cäcilie Müller, die Gouvernaute und Haushälterin, die eigentliche Seele des van Deurne'schen Hauses. Sie ging schon früh aus; das Wetter war nicht so schön wie gestern, ein seiner Staubregen schlug ihr entgegen. Sie achtete dessen nicht, mit Schirm und Regenmantel bewaffnet, schlug sie den Weg zum Dorf ein, in dessen Mitte sich das einfache Kirchlein befand. Cheilie trat ein, und neben den paar Andächtigen, die sich dort befanden, niederknieend, wohnte sie der hl. Messe bei. Als sie die Kirche verließ, wurde sie von allen freundlich gegrüßt; eine Frau redete sie an und klagte ihre Noth; Cäcilia versprach, sich ihrer erinnern zu wollen; ein paar Kinder gaben ihr die Hand. Sie hatte für jedes ein freundliches Wort. Dann eilte sie zur Villa zurück, wo alles erst zu erwachen begann; die Knechte und Mägde verrichteten gähnend ihre Arbeit und blickten mit einer Art Geringschätzung auf das Fräulein, die schon in der Kirche gewesen war. Cäcilie achtete nicht darauf, sie ging sogleich an die Arbeit, um alles für das Frühstück herzurichten. Sie that es flink und geschickt, wie alles, was sie unternahm; nichts war ihr zu viel, für alle Bewohner der Villa war sie unentbehrlich. Es war fast zehn Uhr, ehe ein Mitglied der Familie erschien; zuerst die Mädchen Anna und Elise mit verschlafenen Mienen und verwirrten Haaren, dann der Herr des Hauses selbst, unzufrieden und mürrisch. Nichts war ihm recht, der Thee zu dünn, die Eier zu hart, und als die Kinder ihn fragten, ob sie heute nicht zu lernen brauchten, fertigte er sie unwirsch ab. „Na, der Oscar versteht das Faulenzen besser“, murrte Elise,„der darf Jahre lang herumbummeln, und wir sollen nicht mal einen Tag frei haben!“ „Schweige, Du freche Pute!“ zürnte der Vater, „Fräulein Müller, die Mägde mögen das Frühstück abräumen, gehen Sie mit den Kindern ins Studierzimmer. Ich will, daß mit dem Lernen einmal gründlich begonnen wird.“ „Sehr wohl, Herr van Deurne!“ In diesem Augenblick ließ sich die Schelle der Frau des Hauses vernehmen. Das Fräulein mußte ihr das Frühstück an's Bett bringen, denn die Gnädige befand sich nicht wohl.“ Die Mädchen kicherten und flüsterten untereinander: „Wie die Alten sungen, so piepsen die Jungen; die Mama ist so faul wie ein Dachs.“ Fräulein Müller überhörte die unpassende Bemerkung und machte das Frühstück für Frau van Deurne fertig. „Wollt ihr eure geographischen Aufgaben nachsehen, wir sind bei Spanien und Marocco stehen geblieben.“ „Was haben die Mädchen mit Spanien und Marocco zu schaffen?“ brummte der Vater,„sie müssen erst wissen, wie es in ihrem eigenen Lande aussieht.“ „Wir haben die Niederlande schon durchgenommen“, entgegnete Fräulein Müller ruhig und entfernte sich. Sie hatte an diesem Tag eine schwere Aufgabe; die jungen Damen waren unlenksam und ihre Freundin, die bei den van Deurnes zu Gaste war, saß unter dem Fenster des Schulzimmers, laut singend und pfetsend. „Fräulein Kreuer“, sagte Cäcilie zum Fenster tretend, „wollen Sie nicht so gut sein, sich ein anderes Plätzchen zu wählen? Hier stören Sie uns!“ „Das ist mir einerlei“, klang die schnippische Ratwort herauf,„ich lasse mich durch Sie nicht stören!“ Ohne etwas zu erwidern, schloß die Gouvernaute das Fenster und nun begannen die jungen Mädchen über die Hitze zu klagen, aber Fräulein Cäcilie kümmerte sich nicht darum; in ihrer gewohnten, ruhigen Weise fuhr sie fort, den Unterricht zu ertheilen und nöthigte ihre Schülerinnen, allmählich etwas mehr acht zu geben. Der junge Held des Festes ließ sich nicht sohen; er hatte anfangs den Schlaf nicht finden können, am frühen Morgen hatte er sich an das offene Fenster gestellt, um sich ein wenig zu erfrischen. Er sah die Gouvernante ausgehen und wieder zurückkehren und wunderte sich, wo sie gewesen sein mochte. „Sie ging zuletzt zur Ruhe, das weiß ich bestimmt“, dachte er,„und war zuerst wieder auf.“ Die Familie van Deurne war katholisch, aber mehr dem Namen nach als in der That; seit Jahren kam der alte Herr seinen Pflichten nicht nach. Seine Frau ging zur Kirche, wenn sie gerade Lust hatte; die Kinder wurden von der Gouvernante mitgenommen. Oscar hatte sich schon lange auf einen„höheren Standpunkt“ gestellt, oder vielmehr er kümmerte sich gar nicht um die Religion, sie war ihm wie alles übrige gleichgültig. Er stand am Fenster, als sie fortging, und es wunderte ihn sehr, daß er neugierig war, zu wissen, wann sie zurückkehrte. Es dauerte ziemlich lange, er war kalt geworden, und da er nun seinen Willen hatte, war er befriedigt und legte sich wieder in's Bett. Am Nachmittag saß er mit seinem Vater unter der Veranda; er schaukelte sich in einem großen Sessel mit halbgeschlossenen Augen, während er eine Cigarre, die nicht mehr brannte, zwischen den Fingern hielt. „Bist Du krank, Oscar?“ erkundigte sich der Vater. „Ich! Rein, nicht daß ich wüßte.“ „Aber Du bist so schläfrig, so theilnahmlos, nichte scheint Dir Vergnügen zu machen. Gestern war es ein wenig besser, aber heute bist Du wieder wie gebrachen. „Ja, das ist das rechte Wort. Es ist mir wirklich so zu Mutbe, als wenn dadrinnen eine Feder zersprungen wäre; ich bin vollkommen gleichgültig gegen alles: „Na, es wird schon besser werden, Du kannst Dir ja die Zeit nehmen und ruhen, so lange Du willst.“ Der Sohn gab sich nicht einmal die Mühe, darauf pe antworten. Gerade trat Fräulein Müller ein, jedem der Herren eine Tasse Kaffee servirend. „Wer ist das Mädchen?“ fragte Oscar, als sie sich entfernt hatte. „Die Gouvernante.“ „Das weiß ich wohl, aber wo ist sie her?“ „Es ist die Tochter unseres früheren Maschinenmeisters, der vor einigen Jahren verunglückt#st. Ich habe mich der Familie des wackeren Manaes angenommen; sie hat glänzend ihr Examen bestanden und jetzt ist sie hier unentbehrlich. Sie macht sich sehr verdient, nichts ist ihr zu viel und mit den beiden Mädchen, die gerade so dumm sind wie ihre Mutter, weiß sie sehr gut fertig zu werden.“ Oscar erwiderte nichts auf diese unseine Bemerkung. „Sie ist wohl sehr fromm“, fuhr der alte Herr fort,„jeden Morgen geht sie zur Kirche, aber ich habe keine Lust daran, im Gegentheil. Ich meine aber, man muß jedem seine Freihett lassen. Das sage ich meinen Arbeitern auch immer. Wenn sie nur in der Fabrik ihre Pflicht thun, dann mögen sie draußen treiben, was sie wollen. Der Pfarrer und der Prediger mögen sehen, wie sie mit ihren Leuten auskommen, jeder hat seine eigene Schule; so ist jeder religiöse Zwist vermieden. Ueberall spricht man von Socialismus, von Arbeitseinstellungen und Unzufriedenheit, hier bemerks ich nichts daten. „Glückliche Zustände!“ gshute Oscar,„und bist Du Willens, Dein ganzes Leben in diesem Reste zu verbringen?“ „Ja, ich habe hier die Billa gebaut, und ich muß alles überwachen, aber die Geschäfte sind so geordnet“, dabei warf er einen liebevollen Blick auf seinen Sohn, „daß bei meinem Tode die Frau und die Mägde versorgt sind, während Du ein fürstliches Einkommen hast, ohne daß Du Dich um irgend etwas zu kümmern brauchst. Du kannst Dich niederlassen wo Du willst, und Deine Dividenden werden Dir regelmäßig beteist. HHerriicht“. „Ich hoffe, daß es noch lange so bauern wird“, sagte der Vater nach einer Weile, ichdem er vergebens auf eine ähnliche Bemerkung von Seiten seines Sohnes oswartet hatte. „Natürlich!“ war glles, was dieser zu sogen mußte. IV. Mit dem jungen van Deurns war wirklich nichts anzufangen; er lag immer in seinem Zimmer oder unter der Veranda, ohne irgend etwas auszuführen, in tödtlicher Langeweile, in vollkommener Gleichgültigkeit, und nichts war im Stande, ihn daraus empor zu heben. Er hatte vieles gesehen, genossen und gehört, obschon er noch keine fünfundzwanzig Jahre zählt, und schon ermüdete und verdroß ihn alles; jeder seiner Wünsche war von Jugend an erfüllt worden, spielend hatte er alles gelernt, was er wissen wollte. Sein Vater vergötterte ihn und kam jeder seiner thörichten Launen nach. Seine Mutter, eine feingebildete Frau aus guter, aber verarmter Familie hatte er früh verloren; seine Stiefmutter, die frühere Haushälterin seines Vaters, sah in ihm gewissermaßen noch immer den jungen Herrn, dem sie sich, wenn auch widerwillig, unterordnen mußte. Seine Stiefgeschwister bestanden kaum für ihn. Er war ein verzogenes Kind in der vollen Bedeutung des Wortes, und das war jammerschade, denn Oscar hatte von Natur eine gute Anlage. Niemand dachte aber daran, dieses Gute zu entwickeln, auf Villa Susanna führte man ein viel zu oberflächliches Leben, um an die höheren Bedürfnisse von Geist und Seele zu denken. Van Deurne wollte vor allen Dingen, daß sein Sohn ein rechter Herr würde, und dies war ihm nur zu sehr gelungen; Oscar hatte all' die schlechten Gewohnheiten junger, eingebildeter Herrchen angenommen, aber der Vater war blind dafür; endlich sollte der Knabe die Welt dereisen. Die Reisen kosteten ie