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Geschüftostelle: Witten, Hauptstraße 79. Ueretverbich fe de gaue H. Bringewald, Witten. Beiehen=Anschloß 190. Die Wahlergebnisse sind nunmehr aus allen Wahlkreisen bekannt. Das Centrum würde mit seinen Hospitanten 108 Mitglieder zählen. Von den Elsässern haben wir ihm keinen zugezählt, wiewohl das vom officiösen Telegraphen, sowie von verschiedenen Zeitungen bei mehreren geschehen ist. Im Uebrigen hat fast jedes Blatt seine eigene Statistik. Die Unterschiede sind jedoch von keinem großen Belang. An den Zahlen des Centrums ist jedenfalls nicht zu rütteln. Auf die einzelnen Provinzen und Bundesstaaten vertheilen sich die Abgeordneten folgendermaßen: Ostpreußen hat 17 Wahlkreise. In Brandenburg mit 26 Wahlkreisen wurden gewählt: Conservative 10(10), Reichsparteiler 2 (2), Freisinnige Volkspartei 3(3), Freisinnige Vereinigung 2(1), Antisemiten 1(1), Socialdemokraten 7(8), Wilde 1(1). Darin wurden, verglichen mit dem bisherigen Besitzstande, gewählt Conservative 12 (12), Centrum 2(1), Freisinnige Volkspartei 1(2), Polen 0(1), Socialdemokraten 1(1), Litthauer 1(0). Das Centrum gewann hier Allenstein=Rössel von den Polen. In Westpreußen mit 13 Wahlkreisen wurden gewählt: Conservative 2(3), Reichsparteiler 5(2), Polen 3(7), Nationalliberale 2(0), Freisinnige Vereinigung 1(1). In Pommern mit 14 Wahlkreisen wurden gewählt: Conservative 11(9), Freisinnige Vereinigung 3(2), Socialdemokraten 0(1), Reichsparteiler 0(1), Antisemiten 0(1). In Posen mit 15 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 1(0), Polen 11(12), Reichsparteiler 2 (2), Freisinnige Vereinigung 1(0), Conservative 0 (1). Das Centrum gewann hier Fraustadt=Lissa von den Polen. In Schlesien mit 35 Wahlkreisen wurden gewählt: Conservative 7(6), Centrum 14(13), Reichsparteiler 2(2), Freisinnige Volkspartei 8(8), Freisinnige Vereinigung 1(2), Socialdemokraten 3 (4). Das Centrum gewann Reichenbach=Neurode von den Socialdemokraten. In Sachsen mit 20 Wahlkreisen wurden gewählt: Conservative 3(3), Centrum 1(1), Reichsparteiler 3(5), Nationalliberale 3(5), Freisinnige Volkspartei 4(3), Freisinnige Vereinigung 1(0), Socialdemokraten 4(2), Wildconservative(Graf Bismarck) 1(1). In Schleswig=Holstein mit 10 Wahlkreisen wurden gewählt: Reichsparteiler 2(1), Nationalliberale 2(2), Freisinnige Volkspartei 1(0), Freisinnige Vereinigung 1(2), Socialdemokraten 2 une Flutisemiten 1(0), Däne 1(1), ConservoIn Hannover mit 19 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 1(1), Deutsch=Hannoveraner 9 (7), Nationalliberale 6(6), Socialdemokraten 1(1), Bauernbündler 2(1), Conservative 0(1). In Westfalen mit 17 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 9(10), Conservative 1(1), Nationalliberale 4(3), Freisinnige Volkspartei 2(2), Christlich=Sociale 1(0), Socialdemokraten 0(1). Das Centrum verlor Bochum an die Nationalliberalen. In Hessen=Nassau mit 14 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 4(2), Nationalliberale 2.(2), Freisinnige Volkspartei 1(1), Antisemiten 4 (5), Reichsparteiler 1(2), Socialdemokraten 2(2), c Im Kampf ums Criminal=Roman von E. Heinrichs. .„Auch ist noch ein unberechenbares Stück Arbeit zu bewaltigen,“ fuhr Lassen fort,„der Ausgang also nicht so völlig sicher zu bestimmen.“ „Sie haben aber auch zu viele Eisen im Feuer, lieber Freund!“ bemerkte Helbring achselzuckend. Sapengenuge um die Füchse dingfest zu machen,“ erernst,„ohne die Ueberführung der anderen Verbrechen sind wir selbst mit diesem Testament in der Hand vie Geprellten.“ Er hatte bei diesen Worten das Document aus der Brusttasche genommen und es Helbring hingereicht. „Nehmen Sie es jetzt in Bewahrung, Herr Rechtsanwalt!“ er seierlich hinzu,„so lange Sie noch krank darniederlagen, mußte ich darüber nachen, jetzt aber werden Sie der beste Hüter desselben sein.“ „Ich danke Ihnen im Namen des Betheiligten, des Todten und seiner Hinterbliebenen," erwiderte Helbring, das für die kranke Wittwe des Majors so wichtige Document entgegennehmend. „Ja, Herr Lassen,“ sprach Erika, ihm die Hand reichend, verlauben Sie, daß auch ich Ihnen meinen Dank ausspreche, wie der Ausgang Ihrer genialen Leistungen und bereits errungenen Erfolge auch sein möge. Wo ein solcher geheimer Siten einstagtr wie ich ofen gestehe einen instiaktiven Widerhat, sich nur bei Ihnen auf die Entlarvung schändlicher Berbrecher und somit auf die allgemeine Sicher heit, auf das Wohl der Menschheit erstreckt, da preise ich den selben als einen segensreichen Beruf, der in jeder Weise Dank, Anerkennung und Förderung verdient.“ „Bitte, gnädiges Fräulein, Sie überschätzen mich, wehrte Bere erlegen ab, Jes gewährt mir nur Vergnügen, einen Gei- lacher zu entlarven, ja, ich bekenne offen, daß dieser Beruf die einzige Leidenschaft meines Lebens ist.“ G## Wie würden Sie es aber mit einem Verbrechen, aus Leichrsinn oder Noth herbeigeführt, halten?“ fragte Helbring, „könnten Sie auch hier die volle Consequenz des Gesetzes walten lassen?“ .„Sie führen mich auf's Eis, Herr Rechtsanwalt!“ versetzte Lassen ruhig,„nun wohl, ich würde auch in einem solchen Falle,— und ich habe derer in der That schon gehabt— meine Pflicht thun und das Verbrechen zu enthüllen suchen, aber, und das bitte ich festzudalten, den Verbrecher Centrums-Organ für das Ruhrthal. Conservative 0(1), Christlich=Sociale 0(1). Centrum gewann Höchst=Usingen von den demokraten und Diez=Limburg von den Nationalliberalen. der Rheinprovinz nebst Hohenzollern mit Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 28(27), Nationalliberale 4(4), Freisinnige Volkspartei 2(1), Reichspartei 1(2), Socialdemokraten 1(2). Das Centrum gewann Essen von der Reichspartei. Ii Bayern mit 48 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 30(30), Conservative 1(1), Nationalliberale 5(8), Socialdemokraten 5(3), Bauernbündler(dies 2 in der Pfalz gewählten mitgerechnet 6(4), Süddeutsche Volksparteiler 1(1), Freisinnige Volkspartei 0 (1). Das Centrum verlor Deggendorf an den Bauernbund und gewann Kelheim von ihm zurück. Im Königreich Sachsen mit 23 Wahlkreisen wurden gewählt: Conservative 5(4), Nationalliberale 4(2), Antisemiten 3(5), Socialdemokraten 11(9), Freisinnige Volkspartei 0(2), Reichsparteiler 0(1). In Württemberg mit 17 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 4(4), Nationalliberale 3(1), Süddeutsche Volkspartei 7(11), Conservative 2(6), Social demokraten 1(0). In Basen mi 14 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 7(7) Nationalliberale 3(5), Socialdemo= kraten 300), Bauernbündler 1(0), Conservative 0 (1), Freisinnige Volkspartei 0(1). In Hessen mit 9 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 1(1), Nationalliberale 3(3), Freisinnige Volkspartei 1(1), Antisemiten 2(3), Socialdemo= kraten 2(1). In Mecklenburg=Schwerin mit 6 Wahlkreisen wurden gewählt: Conservative 3(5), National= liberale 1(0), Socialdemokraten 1(0), Freisinnige Vereinigung 1(1). In den übrigen kleinen Staaten mit zu sammen 29 Wahlkreisen wurden gewählt: Centrum 1(1), Conservative 1(2), Nationlliberale 4(8), Freisinnige Volkspartei 7(3), Socialdemokraten 12(8), Freisinnige Vereinigung 1(4), Antisemiten 1(1) Wilde 2(2). In Elsaß=Lothringen mit 15 Wahlkreisen wurden gewählt: Elsässer 11(9), Reichsparteiler 1 (1), Socialdemokraten 1(2), Wilde 2(1). Telegramm=Adresse: Volkszeitung. Witten. Politische Nachrichten. Berlin, 29. Juni. * Die Prophetengabe des Abgeordneten Bebel hat sich bis jetzt sehr schlecht bewährt. Der„große Kladderadatsch“, den er für das Jahr 1898 angekündigt hat, ist ausgeblieben, und auch seine Prophezeiungen über den Zusammenbruch des Centrums unter dem Ansturm der Socialdemokrate haben sich bei den Wahlen wiederum als eitel Fabuliren und Rahulisterei erwiesen. Nach Aufhebung des Socialistengesetzes(1890) sagte Bebel: Jetzt, wo wir wieder gleiches Recht für uns haben, wollen wir denzenigen, die mit besonderem Stolz und Hochmuth darauf gepocht haben, daß die Socialdemokratie ihnen nichts anhaben könne, beweisen, wie sehr sie sich geirrt haben, ich meine die ultramontane Partei. Dem Thurm des Centrums, der so zweifelhaft feststehen soll, daß keine Macht der Erde ihn wankend machen oder gar stürzen soll können, hat die Socialdemokratie bereits bei den letzren Wahlen einige ganz gehörige Stöße versetzt. Und ich meine, wir sollten jetzt in der kommenden Periode erst recht zeigen, daß wir diesem Thurm nicht nur Stöße geben können, sondern daß wir auch das Untergrabungsgeschäft, dessen man uns so gerne bezichtigt, und das wir in den letzten zwölf Jahren so vortrefflich gelernt haben, gründlich in Anwendung zu bringen verstehen. davon scheiden, weil es meinem Rechtsgefühl keine Genugthuung geben könnte, ihn für's ganze Leben elend zu machen. Das Schlimmste in solchen heiklen Fällen, wo der Mensch mit dem Beamten in Conflict geräth, ist dann noch immer die Dankbarkeit des geschonten Wildes, die sich in alter leichtsinniger Art nicht selten in bedenklichster Weise durch Briefe bekundet.“ „So sind sie doch beeidigter Beamte, Herr Lassen?“ fragte Helbring nachdenklich. „Nein, ich habe mich nur dem hiesigen Polizeidirector durch Handschlag verpflichtet, ihm meine Dienste bei vorkommenden wichtigen Fällen zur Verfügung zu stellen, aber die Bedingung strenger Geheimhaltung daran geknüpft, was für ein ersprießliches Wirken meinerseits ganz unverläßlich war Außer dem Herrn Polizeidirector kennt Niemand,— Sie natürlich jetzt ausgenommen, meine Herrschaften— meinen Beruf, da selbst sämmtliche Polizeibeamte in Unkenntniß darüber sind. Mag sein, da ich zuweilen ihrer Hülfe benöthig gewesen bin, daß sie eine Ahnung haben, weil sie mich geradezu respectvoll grüßen.“ „Unzweifelhaft,“ meinte Helbring lächelnd,„ein Genie wie das Ihre läßt sich nun einmal nicht untern Scheffel stellen. Nun also, Sie meinen in acht Tagen beweiskräftig zu sein, Herr Lassen, ich fürchte aber, daß Ihr Notar nach der Anweisung von vorhin heute oder morgen schon zuschlagen wird, was Sie doch am Ende nicht hindern können.“ „Vielleicht doch. Herr Rechtsanwalt! Und wenn nicht, so meine ich, daß Sie Protest einlegen „Ganz recht, doch fürchten Sie selber den mit allen Hunden gehetzten Fuchs, Freund Lassen! Nun, bis dahin werde ich ganz mobil sein, um dem Fuchse den Gnadenstoß zu geben.“ „Das gebe Gott,“ sagte Lassen, sich erhebend.„Die Hauptsache ist, daß er keinen Wind davon bekommt, sonst bleibt er Sieger wie sein altdeutscher Vetter Reinecke Fuchs, wenn er wie dieser den Strick am Halse fühlt.“ „Der Gedanke, einem solchen unheimlichen Manne allwöchentlich eine Art von Gastfreundschaft, ja, unbedingtes Vertrauen geschenkt zu haben, wie es abseiten meines verstorbenen Vaters geschehen, ist wahrhaft fuichtbar,“ bemerkte Erika, einen Schauder unterdrückend.„Wollte Gott, daß ich ihm nie wieder unter diesem Dache begegnen dürfte.“ „Soviel an mir liegt, werde ich es zu verhindern suchen, gnädiges Fräulein!“ sagte Lassen, sich mit einer tiefen Vei beugung verabschiedend, während Helbring ihm freundschaftlich die Hand drückte. Aber schon im Jahre 1893 beklagte derselbe Bebel in Cöln es bitterlich, daß die Arbeiterschaft Rheinlands und Westfalens nicht recht für die Socialdemokratie zu haben sei, trotz der„Intelligenz und der vorgeschrittenenköconomischen Entwickelung dieser Provinzen. Den Grund fand er im Ultramontanismus. überwuchernde Macht des Ultramontanismus gewesen, die das bewirkte. Es war die außerordentlich geschäichte Llgitation, die nach dem Ausbruche des Culturfampfes # führer des Ultramontanismus, besonders di: Geist. Nchleis, die jungen Capläne, entfalteten, die der Social demokratie den Wind aus den Segeln nahm. Aber das Prophezeien hat er darum nicht lassen können. Wiederum prophezeite er in deriselben Jahre: bes Tentsrug. die Macht Stunde in da Zusammenbruch begriffen ist, und die #.# ve.„.5a, wo wir dafür zu sorgen haben, daß die ###nte in unsere Hände fällt. Herr Bebel ist in der Thot ein schlechter Prophet. Die Socialdemokratie hat dem Centrumsthurm nicht nur nichts anhaben können, vielmehr hat das Centrum der Socialdemokratie zwei Wahlkreise, Reichenbach=Neurode und Höchst=Usingen, abgenommen. ## Eine unrühmliche Ausnahme" bilden nach der Auffassung des„Vorwärts“ die vier rheinischen Großstädte Cöln, Düsseldorf, Crefeld und Aachen, wozu als fünfte noch Essen kommt. Dem Centralorgan der Socialdemokratie wird nämlich aus dem Rheinlande geschrieben: ###lluter den 23 deutschen Großstädten, die nach der Jahlung vom 2. December 1895 mehr als 100,000 Einwohner haben, machen die vier rheinischen Großstädte Cöln, Düsselzarr, Aachen und Eefeld eine unrühmliche Ausnahme. ihnen int vur Gentlum die stärkste, wir erst die zweitSanr Ccezer....(Iin sind wir mit unserer Stimmenzahl ihermiegt, zwar schon ziemlich auf den Leib gerückt, doch überwugt er uns immer noch um ein Viertel. Mit den drei anderen Großstädten steht es weniger günstig: in Düsseldorf hebg, oi zwei Dittel der, Zahl. der gegnerischen Stimmen, #was weniger als die Hälfte und in Nachen knapp ein Drittel. Und wenn man Essen dazu nimmt, das nach der letzten Zählung ja auch Großstadt geworden ist, so hat man diekeit der Behölserung rbein volitischen Rückstän. Egteil der Lrbonlklung ehrintscher Großstädte: das um überragt mit seinen Stimmen dort die Socialdemo= sechsfach und die Partei Krupp fünffach. Was für den„Vorwärts“ eine„unrühmliche", ist für uns und für alle nichtsocialdemokratischen Deutschen eine rühmliche Ausnahme, welche die jünf rheinischen Großstädte mit überwiegend kat holischer Bevölkerung aufweisen. Ueber das„erschrecklichste" Beispiel der politischen Rückständigkeit der Bevölkerung rheinischer Großstädte“ wird man nicht nur am Rhein, sondern überall herzlich lachen. Wir verzeichnen diese Auslassung des„Vorwärts" als ein großes Lob für die rheinische Centrumspartei. ( Ueber die Erfolge des Bundes der Landwirthe prahlt die„Deutsche Tagesztg.“ munter weiter. Besonders stolz ist sie, daß einige Bundesangestellte gewählt worden sind; dann aber meint sie doch, es komme nicht auf die Zahl der Mandate an, die die„reinen Bundescandidaten“ errungen hätten, sondern darauf, daß die Vertreter der übrigen teien sich zu den Anschauungen des Bundes bekannt hätten. Wer sich durch die Großsprechereien imvonicen lassen will, mag es thun. Die Wahrheit aber ist, daß der Bund Fiasco gemacht hat. Wir haben schon früher gesagt, daß der Bund dann von einem Erfolge reden könne, wenn die von ihm unterstützten Candidaten zumeist glatt durchs Ziel gegangen wären. Statt dessen haben ber sämmtliche Parteien, die sich der Gunst des Bundes erfreuten: Conservat ive, Reichsparteiler, Antisemiten, Nationalliberale einen mehr oder Druck und Verlag von h. Bringewald, Witte. min er erheblichen Verlust an Mandaten aufzuweisen. und so etwas nennt man dann einen„Erfolg". Den Parteien wäre es vielleicht besser ergangen, wenn sie sich durch den Bund nicht hätten einschüchtern lassen, sondern wie das Centrum ruhig ihre Wege gegangen wären. Uebrigens reclamirt die„Krenzzeitung" den „reinen Bundescaldidaten“ Hilgendorf, den die„D. Tagesztg. unter den Ihrigen aufgeführt hatte, energisch für die conservative Partei, da er der Fraction schon fünf Jahre angehört hat. Die Herren v. Leipziger und Lochner(Forchheim), mit denen die„D. Tagesztg. als gewählten Bundesfnuctionären renommirt hatte, sind gar nicht gewählt worden. * Ein starkes Stück von Wahlbeeinflussung erzählt die„Bresl. Ztg. aus dem Kreise Waldenburg. Dort hat ein Eisenbahnstationsvorsteher im angeblichen Au trage seiner Behörde die ihm unterstellten Beamten um sich versammelt und ihnen etwa Fol gendes eröffnet:„Meine Herren! Die Wahl steht bevor. Ich bin königlicher Beamter— Sie auch. Ich will Sie in Ihrer Stimmabgabe durchaus nicht beeinflussen. Nur ein Exempel will ich Ihnen erzählen.“— Und nun erzählte der Herr Stationdvorsteher eine Geschichte von einem Beamten, der in der Trunkenheit verrathen hatte, daß er nicht conservativ gewählt habe. Das sei natürlich in seine Personalien gekommen, und der Mann sei Jahre lang beim Avancement übergangen worden.„So, das war die Geschichte, die ich Ihnen erzählen wollte,“— schloß der Statiensvorsteher—„und nun gehen Sie und wählen Sie nach Ihrer Neigung.“ München, 29. Juni. Bei den letzten bayerischen Stichwahlen wurden gewählt: München I. Schwarz (natlib.) gewählt gegen den bisherigen Abgeordneten Birk(sol.=dem.). Schwarz erhielt rund 11 300 Birk 9700 Stimmen. Regensburg. v. Lama(Centrum) gewählt. Würzburg. Lurtz(Centrum) mit 2471 Stimmen Mehrheit gewählt. Immen stadt. Schmidt (Centrum) gewählt. Schweinfurt. Holzapfel (Centrum) gewählt. 19 5Der Notar ist nicht mehr zu sehen,“ knurrte Jürgens, un asen durch den Vorgarten schrit, und ihm freundlich mich, halten Sie ihn nur wie heute von Ihrer Ihrer Herschaf.: Freund!— Er is der schlimmste Feind Jürgens nickte langsam und schloß dann hinter Lassen die Pforte wieder ab, den Schlüssel fürsorglich in die Tasche „Darin wird er Recht haben.“ murmelte er,„ich hab' ihm nie was Gutes zugetraut.“ 16. Capitel. kleine Bureaudiener Mäuser hatte sich richtig noch am selben Aveno in dem Wirthshaus„Zur Traube“ eingeSecht und wahe Oolzmeier just nicht überfreundlich, aber boch uuch nict unhöflich empfangen, weil sich der Wrth zur rechten Zeit Lassen's Mahnung erinnerte. „Herrgott, wenn dieser Kobold wirklich das Unglück meines Sohnes verschuldet hätte,“ dachte er, ihm ein Glas Bier einzapfend,„ich könnte ihn mit meinen Händen erwürgen, und wenn ich darüber auf's Schaffot kommen sollte." Ja, diese Hände zitterten merklich, als er das Verlangte vor Mäuser hinstellte, aber dieser, der sich soeoen behaglich eine Cigarre anzündete, merkte es nicht. ui.Bei, übergab seinem Kellner die Bedienung und in rache ansetbsstube, um sich zu Lassen zu begeben, der ein techt unständiges Zimmer im ersten Stock bewohnte. nicht Tsgat do. sagte er beinahe athemlos,„na, ich hätts nicht gegiaubt, daß ich das fertig gebracht und dem Schuft Bier anstatt Prügel bieten könnte. Aber das sag' ich Ihnen, Herr Lassen, lange halte ich das nicht aus, wenn er öfters kommt, steh ich für nichts ein.“ ..„Sachte, sachte, mein lieber Herr Holzmeier," beschwicheigie ihn Lassen,„Sie dürfen mir die Geschichte nicht verderben, sonst lasse ich die Hände davon. Wenn der Bursche nicht sicher gemacht wird, und Sie ihn aus Ihrem Hause verscheuchen, können wir nichts beginnen. Nur hier unter diesem Dache kann ich ihn packen, darum ruhig Blut, lieber Herr! Es steht für Ihren Sohn, also auch für Sie, Großes auf dem Spiele. Ich muß mir erst das Vertrauen des kleinen Burschen erwerben, dazu muß ich aber freie Hand und bei #den stricte Befolgung meiner Anordnungen fordern. Wenn ich darauf nicht sicher rechnen kann—“ win Jdez is Herr Lassen; fiel der Wirth kleiglaut ein,„ich anrkommt: i, was Sie verlangen, wenn's mir auch schper Zur Bochumer Reichstagsstichwatzl hußert sich auch in mehreren Artikeln die„Tremonia“. Da sowohl deren Redacteur wie Verleger den bekannten Aufruf des Wahlvorstandes der Centrumspartei zu Gunsten des nationalliberalen Candidaten mit unterschrieben haben, so ist es begreiflich, daß die„Tremonia“ für das Vorgehen des Parteivorstandes eintritt und ihm möglichst gute Seiten abzugewinnen sucht. Ein solches Beginnen kann nach Lage der Sache freilich keinen Erfolg haben und so läuft denn der Versuch, das Dortmunder Vorgehen zu rechtfertigen oder gar zu begründen, auf klägliche Entschuldigungsversuche hinaus. Mögen die Leser selbst urtheilen. Die„Tremonia“ führt in einer längeren Darlegung aus: „Als die schwerwiegende Frage, was die Centrumspartei in Dortmund thun solle, an uns berantrat, da fragten wir uns sehr wohl, wie wird ein noch so vorsichtiges Verhalten gegenüber den Nationalliberalen und ein scharfes Auftreten gegen die Socialdemokraten auf unsere Wählerschaft und insbesondere auf Bochum, Duisburg und Hamm=Soest wirken. Da ergab sich nun Folgendes. In Bochum, Duisburg=Mülheim und Hamm=Soest war nach alter Erfahrung vorauszusehen, daß man mit dem turor protestanticus die evangelische Mehrheit zu bearbeiten suchen werde. Im Wahlkreise Bochum=Gelsenkirchen kam noch das ungünstige Moment für uns hinzu, daß die dortige Centrumspartei und ihr verdienter, tapferer Candidat, Herr Fuchs, vor der Hauptwahl fast alle Kraft zunächst gegen die Socialdemokraten verwendet hatten, weil man befürchtete, daß der Socialdemokrat Lehmann mit dem Nationalliberalen Franken in die Stichwahl „Gut, Sie brauchen ja nicht überfreundlich gegen Mäuser zu sein. Herr Holzmeier, nur höflich wie gegen Ihre anderen säste.„Ich werde jetzt Hut und Stock nehmen, mich aus dem Hause stehten und dann wie von einem Spaziergange zurückkehrend, in die Wirthsstube eintreten. Gehen Sie nur einstweilen wieder zu Ihren Gästen.“ „Der Wirth nickte und verschwand, während Lassen rasch nach. Hut und Stock griff, um sein Manöver glücklich auszuAls er in die Wirthsstube trat, begrüßte er den Bureaudiener sehr freundlich, setzte sich zu ihm und ließ Bier kommen, wozu er ihn höflich einlud. Mäuser fühlte sich hochgeehrt, blieb aber ziemlich beda er Bier nicht gut vertrug, weshalb Lassen ihm ein Glas Grog kommen ließ, das den kleinen aufgeblähten Gesellen in die rechte Stimmung versetzte. Als der ziemlich große Raum sich mit Gästen aller Art, Kleinbürgern, Fuhrleuten, Arbeitern 2c. zu füllen begann, erhob sich Lassen, bezahlte die Zeche für sich und Mäuser, dem er mit einem freundlichen„Auf Wiedersehen!" die Hand reichte und ging auf seine Stube. Mauser empfahl grinsend zunickte. .„Dieser schaute ihm finster nach, schüttelte den Kopf und düchle, raß der Gerichtsschreiber in dieser Weise nichts Großes erreichen könne,— einen solchen Hallunken auch noch zu spendiren, fehlte noch, für so dumm hätte er den Herrn Lassen doch nicht gehalten. Am Ence war die ganze Geschichte Aufschneiderei,— na, ir, der Wirth, verlor ja nichts dabei. Holzmeier war trotz alledem in einer unglücklichen Stimgesrene, Khatte die Schuldlosigkeit seines Sohnes . Er konnte sich des halb auch nicht enthalten, den Gerichtsschreider am nächsten Morgen höhnisch zu fragen, ob er glaube, daß Mäuser ihm aus Dankbarkeit für den spendirten Grog seine Schuld bekennen werde. eubtten Lassen lächelte. sich jert auch, indem er dem Wirth „Kein Baum fällt auf den ersten Hieb, mein bester Herr eine Geschente, erhöhen die du uu die Schulter legene, Konne Eeschenr., erhoyen die Freundschaft und spendirter Grag wrägt eherfalte gag die Freundschaft und spendirter Grog krügl evenfaus seine guten Früchte. Wenn Sie mir Vertrauen schenken können, mindestens doch auf die nächsten acht Tage, dann können wir auf kein Resultat rechnen, und ich muß die Sache aufgeben. Ihr Sohn freilich—“ (Fortsetzung folgt.) kommen würde. Das ist eine offenkundige Thatsache. Man fragte sich im Centrumslager sofort, ob es gelingen würde, nach den vorhergegangenen scharfen Attaquen gegen die SocialDemokraten, letztere nun in acht Tagen für das Centrum günstig zu stimmen. Sofort nach der Hauptwahl zeigten die einflußreichsten Führer der Socialdemokraten im Wahlkreise Bochum=Gelsenkirchen, daß ihre Wuth gegen das Centrum viel größer war, als gegen die Nationalliberalen. Der Hauptführer der Socialdemokraten in Witten, König, gab die Parole Wahlenthaltung aus, noch bevor die Centrumsparole in Dortmund bekannt wurde, und in seinen Reden richtete er sich vornehmlich gegen das Centrum. Nun kam hinzu, daß die Wittener Socialdemokraten und deren Anhang, die das socialdemokratische Hauptheer im Wahlkreise Bochum bilden, durch den wild=liberalen Redacteur Hoppstädter in Witten in bedenklichster Weise umwerben wurden, daß endlich die protestantischen Socialdemokreten— und sie bilden die überwiegende Mehrbeit— durch ein Flugblatt der„Evangelischen Pfarrer“. des Wahlkreises Bockum=Gelsenkirchen zärtlich umarmt wurden. Geleugnet soll indeß nicht werden, daß auch die am Donnerstag(also am Tage vor der Stichwahl) ausgegebene Parole der Dortmunder Centiumspartei hier oder da schädlich mitgewirkt haben kann: aber daß nun bei der ungünstigen Constellation der verschiedenen Verhältnisse das Centrum in Dortmund seinen Parteifreunden in Bochum alles verdorben haben soll, ist eine Uebertreibrng. Daß unsere Freunde in Bochum in diesem Moment nach ihren furchtbaren Anstrengungen erregt sind und in der Suche nach Gründen ihren Groll auf Dortmund abladen, verstehen wir; aber daß andere Centrumsblätter, wie die„Kölnische Volkszeitung“, ohne Kenntniß der Einzelheiten nun noch Oel ins Feuer gießen, ist uns unverständlich. Schließlich wollen wir den Bochumer Centrumsleuten die Versicherung geben, daß hochangesehene Führer der Centrumsfraction der Leitung der Centrumspartei in Dortmund gege über den Wunsch aussprachen, noch viel wveiter zu gehen und direct eine Parole für den Nationa'iberalen auszugeben. Das Ast in Dortmund abgelehnt worden gerade mit Rücksicht auf Bochum und Dutsburg; es ist nur„wohlwollende Prüfung jedes einzelnen Wählers der Lentrumspartei, ob er für den Candidaten der National= „liberalen stimmen kann", als Parole ausgegeben, nachdem der Cand idat der Nationalliberalen bezüglich des Jesuitengesetzes, der Socialreform und des Reichstagswahlrechtes die bündigsten Versprechungen schriftlich abgegeben hatte. „Aehnlich wie in Bochum lag die Sache in DuisburgMülheim, wo übrigens die Socialdemokraten bis zum letzten Augenblick die Parole für den Centrumscandidaten aufrecht gehalten haben. Wenn Herr Peter Molz mit einer kleinen Minderheit unterlag, so sind lediglich die confessionellen Verhetzungen in dem überwiegend protestantischen Wahlkreise und das Verhalten der 4½ Tausend Antisemiten Schuld, welch letztere wie ein Mann zu den Natio alliberalen abschwenkten. Auch die Socialdemokraten haben zweifellos hier und dort nicht Stand gehalten in Folge der confessionellen Verhetzung des Wahlkreises. „Und in Hamm= Soest steht statistisch auf Grund der Einzelresultate aus jedem Wahlorte fest, daß die Bauernbündler und Freisinnigen, letztere unter Führung des Justizrathes Windtborst, wie ein Mann zu den Nationalliberalen abgeschwenkt sind, und daß die Socialdemokraten, welche, soweit sie wählten, dort fast ausnahmslos für Roeren gestimmt haben, den Sieg der Nationalliberalen nicht haben verhindern können. Man frage doch bei der„Hamm=Soester Volksztg.“ an, ob es nicht so ist und vergleiche dann die Wahlresultate aus den einzelnen Orten. Die Wahlparole in Dortmund hat Hamm=Soest und Duisburg=Mülheim absolut nichts geschadet; nur in Bochum=Gelsenkirchen etwas, aber nicht derart, daß dadurch Herr Fuchs gefallen ist.“ Schließlich führt die„Tremonia für die belauptete Berechtigung der Dortmunder Parole noch eine Reihe localer Gründe an.„Die Nationalliberalen in Dortmund haben sich schriftlich verpflichten müssen, für das Centrum dieselbe Wahlparole auszugeben, wenn dieses das nächste Mal mt den Social= demokraten in die Stichwahl kommt. Zweitens sind dem Centrum 16 Stadtverordneten=Mandate gesichert, und es hat den Anspruch, zu einem Drittel in allen Commissionen und Curatorien vertreten zu sein. Es sind dadurch für die Stadt Dortmund bessere communale Verhältnisse angebahnt und das Beispiel Dortmunds dürkte auf die benachbarten Orte aller Voraussicht nach gut einwirken. Man wird uns zustimmen müssen, wenn wir sagen, daß diese Ausführungen keine Rechtfertigung sind, sondern nur Beschönigungs- und Beschwichtigungsversuche. Auch die„Köln. Vztg.“ ist dieser Ansicht, indem sie zu den Darlegungen der„Trem. schreibt: „Ueberzeugt hat uns die Darlegung der„Trem.“ nicht; wir sind vielmehr nach wie vor der Meinung, daß in Dortmund ein partei=politischer Fehler begangen worden ist. Mit der„Tremonia“ verurtheilen wir es natürlich,„wenn einzelne Leute aus dem Bochumer Wahlkreise nun über uns herfallen, in beschimpfenden Zuschreiben an die Führer des Centrums in Dortmund und selbst an die katholische Geistlichkeit ihrem Aerger über die schmerzliche Niederlage Luft machen.“ Das sollte man unterlassen; es wird damit nichts gebessert. Im Hinblick auf die in der Centrumspartei des Wahlkreises Bochum herrschende Erregung verzichten wir auch darauf, Zuschriften zum Abdruck zu bringen, welche sich bitter über das Verhalten der Parteileitung in Dortmund beklagen und die schlimmen Folgen desselben darlegen. Anderseits sollte aber auch die Parteileitung in Dortmund nicht den Versuch machen, in Abrede zu stellen, daß die Dortmunder Parole für den Mißerfolg der Parteig nossen in Bochum sehr erheb lich war und die„Tremonia“ nicht schreiben: „Jeder Centrums=Wahlvorstand hätte, dessen sind wir sicher, in gleicher Lage genau so gehandelt wie wir in Dort mund. In fünf Jahren wird man uns schon Recht geben, daß wir das Richtige getroffen haben. Bis dahin wollen wir aber auf der ganzen Linie mobilisiren und organisiren, um dann in allen Wahlkreisen des Kohlenreviers auch den National=Liberalen mit vereinten Kräften den längst verdienten Laufpaß zu geben.“ Wir sind der Ansicht, daß der in Dortmund gewählte Weg am wenigsten zu diesem Ziele führt. Soweit aber auf die Haltung der Dortmunder Parteileitung von auswärts eingewirkt worden ist, legt der unerwünschte Ausgang der Wahlen im rheinisch=westfälischen Industriebezirk den dringenden Wunsch nahe, daß für die nächsten Wahlen eine das Gesammt=Interesse der Partei wahrende Central stelle geschaffen werde— sie besteht noch nicht— an welche die Parteigenossen in schwierigen Fällen sich zu wenden haben.“ Und die„Essener Volkszeitung“ schreibt Folgendes: Die„Tremonia“ sucht den„partei=politischen Fehler“ der Dortmunder Centrumspartei zu entschuldigen resp. ableugnen. Es ist wohl vergebliche Arbeit. Es ist gut, daß hier in Essen die Centrumspartei im ersten Wahlgange gesiegt hat, sonst hätte das unglückselige Verhalten der Dortmunder Centrumspartei auch in Essen noch nachtheilig wirken können. Um den Nationalliberalen— den erbittertsten Feinden des Katholicismus— ein Mandet in die Hände zu spielen, hätte man somit vier Centrumsmandate aufs Spiel gesetzt resp. preisg geben. Und warum? Um„für die Stadt Dortmund besseir communale Verhältnisse anzubahnen". Das ist eine verfehlte Kirchthurmspolitik. Und werden die Dortmunder Katbollken nicht noch traurige Erfahrungen machen in Betriff der ihnen gegebenen Versprechens? Ferner wird behauptet, daß es bei einer späteren Wahl sicher zu einer Stichwahl zwischen Centrum und einem Socialdemokraten kommen wird! Um nun tei der nächsten Wahl die Stimmen der Nationallib ralen für das Centrum zu gewinnen, habe man jetzt für deNationalliberalen gestimmt. Jetzt schon einen Wechsel auf die Gesinnung der Nationalliberalen ausstellen, klingt fast wie Hohn. Bei Sonnenuntergang weiß man oft schon nickt m hr, was von dem bei Tagesanbruch gegebenen Worte dr Nationalliberalen zu halten ist. Wie oft kommt es vor, daß die Nationalliberalen noch zwischen der zweiten und dritten Lesung„umfallen"? Daß bei einer späteren eventuellen Stichwahl zwischen Centrum und einem Social= demokraten die durch ihren Fanatismus berüchtigten Dortmunder Nationalliberalen für einen Katholiken eintreten werden, das glaube, wer will; wir glauben es nicht.“ Die„Tremonia“ meint in ihrem obigen Artikel, das Verhalten in Dortmund habe in HammSoest nicht ungünstig gewirkt und beruft sich dabei auf das Zeugniß der„Hamm=Soester Volkszeitung.“ Diese aber schrieb ausdrücklich: „Auch hat der Beschluß der Dortmunder Centrumspartei unser Wahlresultat ungünstia beeinflußt, desgleichen die Wahlen in Bochum und Duisburg, so daß man nicht fehl geht in der Annahme, die Dortmunder Centrumspartei hat den Nationalliberalen vier Mandate verschafft.“ Auch sonst finden wir in den Artikeln der „Tremonia“ manches Unerklärliche. So sagt sie, am Mittwoch, 22. Juni, Nachmittags 4 Uhr, habe eine Versammlung des gesammten Wahlvorstandes und der Vertrauensmänner des gesammten Wahlkreises Dortmund=Hörde stattgefunden, die von 24 0 Vertrauensmännern besucht gewesen sei und mit allen gegen eine Stimme den Compromißbesckluß gefaßt habe. Und am Abende heißt es weiter, habe eine besondere Vertrauensmännerversammlung für die Stadt Dortmund stattgefunden, an der 250 Personen theilnahmen, die gegen etwa 20 Stimmen dem Compromiß zugestimnt hätten. Nun trägt aber der parteiofficielle Aufruf des„Vorstandes und der Vertrauensmänner der Centrumspartei des Wahlkreises Dortmund= Hörde“ nur ganze 90 Unterschriften, davon 55 aus Dortmund und 35 aus den übrigen Ortschaften. Das erscheint doch einigermaßen unerklärlich. Weiter druckt die„Tremonia“ das bekannte Flugblatt ab, in dem der Vorsitzende des hiesigen socialdemokratischen Wahlcomitees die Parteiparole auf Wahlenthaltung ausgibt, „die ohne und vor Bekanntwerden des Aufrufes der Centrumspartei erlassen wurde" und fügt hinzu: „Ais wir diese Parole in Dortmund lasen und ferner lasen, wie die socialdemokratischen Führer in Witten indirect ihre Anhänger aufforderten, eher für den Nationalliberalen, als für den Centrumsmann zu stimmen, da haben wir uns gesagt: es ist die höchste Zeit, daß diese Leute dafür in Dortmund einen Denkzettel für die Zukunft erhalten.“ Die Versammlungen in Witten, in denen der dortige Führer der Socialisten sprach, haben stattgefunden am Mittwoch, 22. und Donnerstag, 23. Juni, Abends, und das vorerwähnte Flugblatt gelangte hier zur Ausgabe am Donnerstag, 23. Juni, Abends gegen 11 Uhr. Wie nun diese Versammlungen und das Flugblatt eingewirkt haben sollen auf einen Beschluß, der schon am Mittwoch, 22. Juni, Nachmittags 4 Uhr, also geraume Zeit vorher, gefaßt wurde, erscheint ebenfalls unerklärlich. Endlich schreibt die„Trem.“, nachdem sie die unsern Lesern bekannte Stellungnahme der„Niederrheinischen Volkszeitung“ mitgetheilt hat: „Auch die„Germania“ in Berlin, das Hauptorgan der Centrumspartei, bringt in ihrer heutigen Ausgabe einen längeren Leitartikel, der ohne jegliche redactionelle Nehenbemerkungen die Stellung der Centrumspartei in Dortmund eingehend rechtfertigt.“ Warum theilt die„Trem.“ nicht mit, daß dieser „längere Leitartikel der„Germania“ nichts anders ist, als der oben abgedruckte Rechtfertigungsartikel der„Tremonia“, der am Sonntag der„Germ.“ von der„Tremonia“ mit der Bitte um Abdruck zugesandt wurde? Warum theilt die„Tremonia“ auch nicht mit, daß die„Germ. schrieb: „Das Eintreten der Centrumspartei in Dortmund für den nationalliberalen Candidaten hat, wie uns telegraphisch berichtet wird, die Niederlage der Centrumscandidaten in Bochum und in Duisburg=Mülheim=Ruhrort zur Folge gehabt. Unter den Socialdemokraten herrschte eine solche Erbitterung darüber, daß sie nun zahlreich gegen den Centrumscandidaten und für den Nationalliberalen ihre Stimme abgaben. Die Nationalliberalen haben also allen Grund, mit dem Dortmunder Centrumswahlcomitee zufrieden zu sein, sie haben dadurch nicht weniger als drei Mandate erhalten.“ Daß die„Trem.“ diese, zur wesentlichen Beurtheilung der Sachlage sehr wesentlichen Umstände nicht mittheilt, erscheint uns auch einigermaßen unerklärlich. Wir könnten noch mehrere solche Punkte hier zur Sprache bringen, verzichten aber darauf. Wenn die„Trem. in dem verfehlten Beschluß zu retten suht, was zu retten ist, so nehmen wir ihr das natürlich nicht übel; wenn sie aber mit der „Niederrh. Volksztg. als einziges Centrumsorgan die Vertheidigung unternmmt, so sollte sie dabei vorsichtiger verfahren, anstatt gegen uns und die anderen ihr nicht zustimmenden Centrumsblätter Angriffe zu richten, die uns die einem Centrumsblatt gegenüber doppelt unangenehme Pflicht der Abwehr auferlegten. Zum Abschluß des vorliegenden Materials sei noch mitgetheilt, daß die„Trem. ein Schreiben des Herrn Caplan Ulrich in Duisburg, des Geschäftsführers der dortigen Centrumspartei, zum Abdruck bringt, in dem dieser seine Ueberzeugung dahin ausspricht, daß die Niederlage des Centrums im Wahlkreise Duisburg nicht durch das Verhalten der Centrumspartei in Dortmund herbeigeführt worden sei. Andererseits wird aber in einer längeren Betrachtung der „Köln. Volksztg.“ nochmals festgestellt:„Daß der Seitensprung der socialistischen Wähler gegenüber der officiellen Parteiparole in den übrigen Bezirken zum Theil auf das Vorgehen der Parteileitung des Centrums in Dortmund zurückzuführen ist, kann ernstlich nicht bestritten werden.“ * Nachklänge zur ReichstagsStichwahl im Wahlkreise BochumGelsenkirchen-Hattingen. Witten, 1. Juli. Die„Witt. Zta.“ sucht in einem langen Elaborat den Nachweis zu führen, daß thr Redacteur, der bekannte Herr Hoppstädter, bei der Wahlbewegung eine confessionelle Hetze nicht betrieben habe. Wir müssen demgegenüber denn doch bemerken, daß alle Vertuschungsversuche an dieser Thatsache nichts zu ändern vermögen. Herr H. hatte es sich zur Aufgabe gemacht, im Stichwahlkampfe die deutsche Centrumspartei bezw. den Candidaten derselben, Herrn Fuchs, zu bekämpfen. Wenn er in seinen„Wahlreden" nun in die Ferne schweifte, um dort(in Italien, Spanien u. s. w.) nach verrosteten Waffen gegen den hiesigen politischen Gegner zu suchen, so beweist dieses, daß er in der Nähe keine Waffen gegen die verhaßte Centrumspartei finden konnte. Durch das Wettern gegen die ausländischen Katholiken und das Auslichtzerren der angeblich unter diesen herrschenden Corruption mußten die hiesigen Glaubensgenossen des Redacteurs der „Witt. Ztg. naturgemäß verhetzt werden. In einer Volksversammlung, darin wird uns jeder einsichtsvolle Mensch Recht geben, mußten die Arsführungen desselben verhetzend wirken. Weil Herr Hoppstädter sich überhaupt vornehmlich mit confessionellen, statt mit politischen und wirthschaftlichen Fragen befaßte scheint die Annahme absolut berechtigt, daß auch er gleich den evangelischen Pfarrern das evangelische Bewußtsein wecken und zum Kampfe gegen Rom alarmiren wollte. Diesen Eindruck wird jeder politisch reife Zuhörer seiner„Wahlreden" gewonnen haben. Geradezu albern ist die Behauptung der„Witt. Zta.“, das Centrum sei eine confessionelle Partei und habe deshalb keine Existenzberechtigung. Ferner die bloße Existenz der Centrumspartei sei eine Provokation der Protestanten. Man kann wirklich(vorausgesetzt, daß die diesbzgl. Auslassungen wirklich ernst gemeint sind) die Kurzsichtigkeit dieser Leute nicht begreifen. Man sollte statt dessen sich lieber bemühen, auf protestantischer Seite eine Partei mit denselben Grundsätzen und Principien zu schaffen, wie das Centrum sie vertritt. Dieses läge jedenfalls Hundert mal mehr im Interesse des deutschen Volkes, als alle Nörgeleien und Eifersüchteleien. Ueberaus komisch muß es nach alledem wirken, wenn Herr Hoppstädter nun glauben zu machen sucht, er wisse sich vollständig frei von confessionellem Hasse; er habe ein ganz anderes Ziel im nämlich, die Organisation aller freigesinnten Arbeiter ohne Unterschied der Confession. Wenn der Redacteur der„Witt. Zeitung" allen Ernstes glauben sollte, daß ihm dieses trotz seines confessionell verhetzenden Auftretens in der jüngsten Zeit, dennoch möglich sein würde, dann thut er uns wirklich leid! Nein, Herr Hortstädter! Organisationen, die solches fertig bringen wollen, müssen aus ganz anderem Holze geschnitzt sein! Durch das blind: wüthige Eintreten und hervorragende Wirken für eine Partei, die eine erklärte Feindin jeder freien Arbeiter=Organisation ist, hat Herr H. sich für die Zukunft jede Möglichkeit abgeschnitten, eine Organisation freigesinnter Arbeiter aller Confessionen anzubahnen. Wenn er es dennoch für möglich hält, dann mag er einmal den Versuch damit machen. Zweifellos würden dann gerade die Leute, denen er durch sein Einireten für Herrn Franken einen Dienst erwiesen, ihn eines guten Tages den„rothen“ Hoppstädter nennen. Solches mußten wenigstens bis duto noch alle Organisatoren(auch die monarchisch und christlich Gesinnten) erfahren. Ueber die Maßen kühn ist schließlich die Behauptung, die 46,000 Wähler, welche dem Candidaten der nationalliberalen Partei ihre Stimme gaben, seien ausnahmslos freigesinnte Männer. Man muß nur die, wie immer, so auch wieder bei der Wahl am 24. Juni, Seitens der Nationalliberalen ausgeübten schändlichen, aller Freiheit Hohn sprechenden seandalösen Wahl=Beeinflussungen, wie sie von allen Seiten gemeldet werden, in Betracht ziehen, dann wird man die Hinfälligkeit dieser dreisten Behauptung ohne Weiteres einsehen. Wenn das mehrfach erwähnte Blatt ferner meint, auch viele Tausend Katholiken gehörten zu diesen 46,000 freigesinnten! Wählern, so hat es damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Diese Tausende von Katholiken haben aber nicht etwa aus Ueberzeugung für Franken gestimmt, sondern in Folge der vielfach geübten Wahl=Tyrannei, aus purer Furcht. Dasselbe läßt sich auch von wer weiß wie vielen ihrer Collegen(evangelischen Arbeitern) sagen. Und für eine Portei, die in der angedeuteten Weise ihren Sinn für die„Freiheit“ und das„freie Wahlrecht“ 2c. documentirt, zieht Herr Hoppstädter von Dorf zu Torf, um ihr durch confessionelle Verhetzungen der Wähler 2c. zum Siege zu verhelfen. Nachher glaubt er denn noch, alle freigesinnten Arbeiter ohne Unterschied der Confession! zur Wahrung ihrer!! Interessen organisiren zu können! Wirklich naiv! Locales und Provinzielles. * Witten, 1. Juli. Am nächsten Sonntag und Montag findet hier, wie bereits wiederholt mitgetheilt, das 14. Gauturnen des Märkischen Turngaues, verbunden mit der 50jährigen Jubelfeier der hiesigen„Tarngemeinde“ statt. Die Rüstung Seitens der Letzteren, sowie der ganzen Bürgerschaft sind in vollem Gange, um den etwa 2000 auswärtigen, aus allen Himmels richtungen herbeiströmenden Jängern Jahn's den festlichsten und gastfreundlichsten Empfang zu bereiten. Hoffentlich bescheert der Himmel uns für die seltenen Festtoge günstiges Wetter. Die FestOrdnung für die großartige Feier veröffentlichten wir bereits gestern im Inseratentheil. Morgen werden wir sie nochmals zur Kenntniß unserer Leser bringen. 9— Gegenwärtig hat man Gelegenheit, die prachtvollen Preise bewundern zu können, welche für den am 10. Juli stattfindenden, vom Gesangverein „Liederkranz"= Crone arrangirten großen Gesangwettstreit gestiftet sind. Die Preise sind im Schaufenster des Juweliers Herrn Bausberg, Bahnhofstraße hierselbst, ausgestellt. *— Einen Unfall erlitt ein Maurer, welcher von einem Neubau an der Winkelstraße aus beträchtlicher Höhe zur Erde stürzte und in Folge dessen schwere Verletzungen davontrug. — Flüchtig ist seit einigen Tagen der früher bei dem Metzger Weinberg in Diensten gewesene Metzgergeselle Moritz Wolf Genannter kassierte in voriger Woche bei dem Wirth Klein hierselbst den Betrag von 23,16 Mark ein und verschwand hiermit auf Nimmerwiedersehen. Dasselbe Mannöver machte er bei dem Berginvaliden Geran in Langendreerholz. W. wird sich wohl nicht mehr lange der goldenen Freiheit erfreuen. *— Verhaftet wurde im hiesigen evangelischen Vereinshause der von der Königl. Staatsanwaltschaft Münster steckbrieflich verfolgte Abeiter S. Derselbe, welcher unter falschem Namen reiste, wird sich wegen Diebstahls zu verantworten haben. *— Eingelocht und dem Gerichtsgefängniß Hagen zugeführt wurde der von der Staatsanwaltschaft Hagen wegen Betrugs verfolgte Agent Johann W. von hier * Bommern, 30. Juni. Unter dem Schweinebestande des Bergmanns Rocholl und des Berg— manns Moritz Schmidt zu Bommern, Haus Nr. 194 und 199 ist die Schweineseuche ausgebrochen. Die betreffenden Gehöfte sind für den Verkehr mit Schweinen bis auf Weiteres gesperrt. &a Pärendorf, 28. Juni. Als am Montag Mittag das Gefähr des Bauern D. aus Hamme eine hier neugemachte Straße passirte, stürzte das Pferd und zerbrach so unglücklich ein Vorderbein, daß die Knochen förmlich aus dem Fell heraustraten. Als sich das Pferd aufrichten wollte, fiel es wieder zu Boden. Der Thierarzt erklärte das Pferd für verloren, worauf es noch auf der Straße geschlachtet wurde. § Herne, 30. Juni. Der Schulte=Langfort'sche Hof, in Horsthausen nächst dem Canal gelegen, soll dem Vernehmen nach verkauft sein. Bereits im Vorjahre hatte ein Berliner Consortium Verhandlungen zwecks Erwerbung gepflogen, um ein industrielles Unternehmen dort zu begründen. = Horsthausen bei Herne, 30. Juni. Eine große Freude wurde unserem Orte durch die Anwesenheit des hochw. Herrn Weihbischofs Dr. Gockel am 27. dss. Mts. zu Theil. Der Oberhirt, von Castrop kommend, wurde unweit der Nothkirche von dem hochw. Herrn Caplan Vogel begrüßt und dann in feierlicher Prozession, an der Engelchen, Schulkinder, ein Verein und die katholischen Eingesessenen Theil nahmen, durch die mit Maien und Ehrenbogen reich geschmückte Straße zur Kirche geführt, woselbst nach stattgehabtem kirchlichen Ceremoniell der hochw. Bischof eine herzliche Ansprache an die Gemeindemitglieder richtete. Nachdem eine Katechisirung der Schulkinder stattgefunden hatte, sang die Gemeinde den Ambrosianischen Lobgesang. Nach einstündigem Aufenthalt fuhr der Oberhirt nach Castrop zurück. Am Nachmittag hatte derselbe der Filialkirche in Börnig=Sodingen einen Besuch abgestattet, woselbst sich die Empfangsfeierlichkeiten ebenfalls herzlichst gestalteten. § Eickel, 28. Juni. Aus der letzten Gemeinderathssitzung ist noch Folgendes mitzutheilen: Da für die Gemeindejagd keine 100 Mk. Jahrespacht zu erzielen ist, so soll sie auf weitere drei Jahre ruhen.— Die Kanonierstraße von der Kaiser= bis zur Schillstraße und die Letztere sollen im nächsten Rechnungsjahre ausgebaut werden.— An dem Wilhelmsplatze sollen im kommenden Herbste Bäume und zwar Platanen gepflanzt werden.— Dem Entwurfe einer Besoldungsordnung für die Beamten der Gemeinde Eickel wurde zugestimmt. + Wattenscheid, 30. Juni. Wegen des zu schnellen, übrigens polizeilich verbotenen, Fahrens um Straßenecken sind schon oft Unglücksfälle entstanden. Ein auswärtiger Eisfahrer, der gestern Morgen im schnellen Trabe in die Rosenstraße einbog, wurde von der Polizei notirt und in Strafe genommen. 6— Wahleuriosum. In der Urne des Wahllocais im Hotel Diekmann fand sich ein Zettel mit der Aufschrift:„Ich wähle Franken und Frau, sonst werde ich abgelegt von das Morgensonne.“ 1— Das gestrige Garten=Covcert in den Fichtner'schen Anlagen war gut besucht. Die Leistungen der Vonifatius=Bergkapelle waren ausgezeichnet. *— Der Vaterländische Frauenverein, dessen Mitgliederzahl in unserer Stadt in diesem Jahre erfreulicher Weise noch gestiegen und nunmehr die Zahl 1000 überschritten hat, wird auch in diesem Jahre, wie bereits im verflossenen, schwächliche und kranke Kinder bedürftiger Eltern zur Kräftigung in die so wirksamen Soolbäder schicken. Aus Wattenscheid werden 10 Kinder nach Rothenfelde gesandt und ungefähr die doppelte Anzahl wird im Soolbad Centrum eine Badecur durchmachen können. Sodann hat der Vaterländische Frauenverein 2 hiesige Frauen, Wittwe Gertrud Buschmann, Südfeldmark 2 und Frau Bergmann Schaefer, Vorstadtstraße 21, als Krankenpflegerinen angenommen und stehen dieselben in allen Nothfällen zur Verfügung. Die entstehenden Kosten trägt bei Unbemittelten der Vaterländische Frauenverein; diejenigen, welche die Hülfe dieser Pflegerinnen in Anspruch nehmen wollen, mögen sich direct an dieselben wenden, die dann selbstverständlich jeden einzelnen Fall dem Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins unterbreiten werden. Hoffentlich wird diese neue Einrichtung zum Segen für viele Noth= leidende und Bedürftige. * Gelsenkirchen, 26. Juni. Die katholischkaufmännischen Vereinigungen Rheinlands und Westfalens hatten sich am heutigen Tage zu einem Conveniat in unserer Stadt vereinigt. Den Berathungen ging ein feierlicher Gottesdienst in der schön geschmückten Waisenhauscapelle voraus. Gegen 11½ Uhr wurde die Versammlung seitens des Vorortes Essen eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Herr Bickhoff=Dortmund gewählt. Vertreten waren 23 Vereine mit 135 Stimmen. us den Verhandlungen sei hier nur das Allerwichtigste hervorgehohen. Die ersten Anträge betrafen die Stellenvermittlung. Der Antrag des Kölner Vereins, der 21. Congreß wolle beschließen, die Stellenvermittelung für Verbandsmitglieder ist kostenfrei, jedoch werden von dem Bewerber nach Erhalt einer Stelle 5 M. zur Deckung der Kosten erhoben, wurde angenommen. Einige andere Anträge, welche eine Aenderung des Statuts betrafen, wurden der zur Revision und Umänderung der Statuten eingesetzten Commission überwiesen. Aus den gesaßten Resolutionen sei hervorgehoben:„Kath. Firmen am Orte sind als außerordentliche Mitglie der für den Verein zu gewinnen; dieselben zahlen 6 M. Jahresbeitrag und erhalten das Verbands organ, die„Merkuria“, gratis; ferner soll die„Mer kuria“, den am Platze bestehenden größeren Gasthöfen zugestellt werden.— Herr Föhrling=Hannover berichtet über den Entwurf eines Statuts, betr. die Pensionskasse innerhalb des Verbandes. Als Vorort wurde Essen wiedergewählt. Das nächste Con veniat findet in Barmen statt. Am Mittag vereinte ein Festessen die Delegirten im„Deutscheo Hofe“, worauf die Verhandlungen im Vereinslocale der„Hansa“(Hotel Elberfeld) fortgesetzt wurden Nachdem ein Gartenconcert, das auf das Schönste verlief, die Theilnehmer erfreut hatte, begann geges 8 Uhr eine große Festversammlung im Germania saale in Verbindung mit dem 5. Stiftungsfeste der „Hansa“. Mit dieser herrlich verlaufenen Feiel fand das Fest einen schönen Abschluß. * Sendenhorft, 27. Juni. Gestern Nachmittos wurde hier die Leiche der Dienstmagd eines hiesigen Kolons in einem Graben, höchstens 10 Minuten von der Stadt, to gestellt, daß d felde erdrosselt wurde. Ein reits festgenon lich den schred * Mariabesuchte dieser ciensern, gewö Arbeiter=( sich nach eing über das bish Maria=Veen einigen Brüder Csowie wenigen suchte, bildeter wüstes Moor ##sind 800 Mor tragen sowohl auch ein ganz Landwirthschaf der Umgegend Mivister besicht die Felder u sprach darauf #aus. Er hofft hier zu einem sondern auch, durch das Be #des noch todt “ w e r d e n. D i e s e erfüllen. Eine gonnen, mehr „ und der Haide * Essen, 2 Berliner D=Zug wird darüber gie 10 Min. von gegangene Na Durchfahren de das Geleise schwellen. 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Es wurde bald festgestellt, daß dieselbe in einem daran sloßenden Kornfelde erdrosselt resp. gewaltsam ums Leben gebracht wurde. Ein der That sehr Verdächtiger wurde bereits festgenommen. Die Untersuchung wird hoffentlich den schrecklichen Mord klarstellen. * Maria=Veen, 28. Juni. Minister Hammerstein besuchte dieser Tage die von den Reformirten Cisterciensern, gewöhnlich Trappisten genannt, geleitete Arbeiter=Colonie Maria=Veen und sprach sich nach eingehender Besichtigung sehr anerkennend über das bisher in Boden=Cultur Geleistete aus. Maria=Veen besteht etwa 9 Jahre. Als es mit einigen Brüdern und Patres des genannten Ordens, sowie wenigen Colonisten die ersten Anfänge versuchte, bildeten ausschließlich sandige Heide und wüstes Moor seine traurige Umgebung— heute sind 800 Morgen nicht blos urbar gemacht, sondern tragen sowohl guten Roggen und Kartoffeln, als auch ein ganz leidliches Heu. Die hier geführte Landwirthschaft gilt bei den hervorragenden Oeconomen der Umgegend als Musterwirthschaft. Der Herr Mivister besichtigte die Wirthschaftsräume, das Vieh, die Felder und Wiesen sehr eingehend und sprach darauf unumwunden seine volle Anerkennung aus. Er hoffte, daß nicht blos mancher Colonist hier zu einem arbeitsamen Leben zurückgewonnen, sondern auch, daß die Angesessenen der Umgegend durch das Beispiel Maria=Veens zur Cultivirung des noch todt liegenden Bodens möchten gewonnen werden. Diese Hoffnung beginnt bereits sich zu erfüllen. Eine ganze Reihe von Bauern hat begonnen, mehr oder weniger Morgen des Moores und der Haide in Wiesen oder Feld umzuwandeln. * Essen, 28. Juni. Heute Nacht wurde auf den Berliner D=Zug ein Attentat verübt. Amtlich wird darüber gemeldet: Der gestern Abend um 11 Uhr 10 Min. von Essen=Hauptbahnhof nach Berlin abgegangene Nachtschnellzug D 5 stieß beim Durchfahren des Güterbahnhofes Essen auf 3 über das Geleise gelegte eiserne Bahn schwellen. Durch den Zusammenstoß wurden die Bahnräumer der Locomotive abgebrochen und die Schwellen über 100 m weit fortgeschleudert. Sonstige Beschädigungen an der Locomotive und dem Geleise sind nicht eingetreten. Nach den Thätern wird eifrigst geforscht und hat die Eisenbahnverwaltung auf deren Ergreifung eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt. * Barmen, 29. Juni. Von Gichtleidenden wird vielfach ein Mittel des Apothekers Dr. Mylius, Leipzig,„Liquor colchici compositus“ angewendet. Daß dieses Mittel ein starkes Gift enthält und daher nur in geringen Mengen eingenommen werden darf, hat sich vor einigen Jahren bereits bei einem Restaurateur Nehl in Elberfeld gezeigt, der nach dem Genuß einer zu starken Dosis unter Vergiftungserscheinungen starb. Der 25jährige Gemüsehändler Kuse aus Unterbarmen, dessen Vater das Mittel gebraucht, hielt es für ziemlich ungefährlich und trank eine Dosis, um sich von der Wirkung zu überzeugen. Bald stellten sich jedoch bei ihm Vergiftungserscheinungen ein, ärztliche Kunst vermochte nichts auszurichten. Kuse starb nach nur wenigen Stunden. Der Fall mahnt wieder einmal zur Vorsicht.— Die Trauung eines„schwarzen“ Bräutigams mit einer„weißen“ Braut fand dieser Tage auf dem hiesigen Standesamte statt. Es waren dies, laut der„Barmer Ztg.“, der aus St. Petersburg im Staate Virginia(Vereinigte Staaten) gebürtige Neger George Washington, der zuletzt als Kellner in der„Olymphia“ conditionirt hat, und die Näherin Minna Rehe aus der Bartholomäusstraße hierselbst. : Aus den Provinzen, 27. Juni. In Flötz Dickebank bei Bruch(im Pseiler) gerieth der Bergmann Mroskowiack unter niedergehende Gesteinsmassen. Er war auf der Stelle todt.— Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich vor der Strafkammer in Dortmund der Maurer van Ueven(Holländer) zu verontworten. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Das Urtheil lautete auf 3 Monate 1 Woche Gefängniß.— Ueberfahren wurde unweit Bahnhof Löhne der: 18jährige Rottenarbeiter Imort von einem Schnellzuge. Dem Unglücklichen wurden beide Beine und ein Arm vom Rumpfe abgetrennt; auch wurde ihm das Gesicht breit gequescht. Nach Aussage der Mitarbeiter wollte Imort über das Gleise gehen, um sich sein Taschentuch zu holen. Der Bedauernswerthe war der einzige Ernährer seiner Mutter.— Vom Dache eines Neubaues stürzte in Bielefeld ein etwa 30 Jahre alter Dachdeckergeselle aus Sandfort bei Osnabrück aufs Straßenpflaster. Der Tod trat sofort ein.— In Elberfeld stürzte die Ehefrau des Schuhmachermeisters Otto Naumann, 81 Jahre alt, in Folge eines Fehltrittes die vor dem Hause befindliche Treppe hinab und blieb auf der Stelle todt.— Bei einem Streite zwischen Backsteinmachern in Erbenheim bei Wiesbaden ist ein polnischer Arbeiter erstochen worden. * Arbeiterfürsorge. Die Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen bringt einen Aussatz des königlichen Eisenbahndirectors de Terra in Guben über die Frage der Arbeiterfürsorge, dessen allgemeinem, das Verhalten gegenüber den Arbeitern behandelnden Theile wir Folgendes entnehmey: „Die wachsende Einsicht, daß es im Interesse der Verwaltung, des Dienstes unerläßlich ist, auch den rein menschlichen Beziehungen der Vorgesetzten zu den untergebenen Beamten und Arbeitern eine unfassendere Berücksichtigung und Pflegezuzuwenden, als sie ihnen bisher zu Theil geworden ist, hat bei den preußischen Staatsbahnen, wohl hauptsächlich in Folge einer überaus dankenswerthen Anregung der leitenden Stelle, neuerdings verschiedentlich zu sehr erfreulichen Versuchen geführt, bei den Beamten und Arbeitern durch außerdienstliche(gesellige) Vereinigungen, namentlich aus Anlaß vaterländischer Gedenktage, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, des gemeinsamen Schaffens an einem großen Ganzen, des gemeinsamen Strebens nach großen Zielen zu wecken und zu kräftigen. Auch an dieser Stelle ist mehrfach über derartige Versuche und ihren äußerst befriedigenden Verlauf berichtet worden. Hoffentlich wird dieser Erfolg bewirken, daß auf dem unter so günstigen Anzeichen betretenen Wege rüstig weiter geschritten wird. Wie sich mit geringen Mitteln sehr Befriedigendes erreichen läßt und die damit verbundene Mühe sich reichlich lohnt, ist aus dem nachahmenswerthen Vorgehen der Werkstätten=Inspectionen in Posen und Guben ersichtlich.“ Es handelt sich um Unterhaltungsabende Winter und gemeinsame Ausflüge im Sommer: Kosten für die Theilnehmer seien sehr gering; im die so größer sei der Genuß, welchen die Leute daran fänden. „Die ihnen bisher ungewohnte Erscheinung, daß ihre Vorgesetzten bis hinauf zum Inspectionsvorstand an ihren Vergnügungen Theil nehmen, übrigens ohne in die Leitung anders als berathend und helfend einzugreifen, hat die Unterhaltung nicht im geringsten störend beeinflußt. Zusammenfassend bleibt noch zu bemerken: das sicherste Mittel, die berechtigten Bestrebungen der Arbeiter in materieller wie in ideeller Beziehung in die richtigen Bahnen zu lenken und daria zu erhalten, ist und bleibt, ihnen volles Vertrauen zu der Einsicht und dem Wohlwollen ihrer Vorgesetzten einzuflößen. Bei dem im Allgemeinen vortrefflichen Geist, der unsere Beamten= und Arbeiterschaften beseelt, ist dies bei einigem guten Willen auf Seiten der Vorgesetzten leichter, als Viele glauben mögen, die es noch nicht versucht haben. Die besonders häufig in Norddeutschland anzutreffende, schon viel beklagte Unnahbarkeit der Vorgesetzten in und außer dem Dienst muß schwinden. Jeder Vorgesetzte muß sich daran gewöhnen, in seinem Untergebenen, auch dem einfachsten Arbeiter, sofern er seine Schuldigkeit thut, nicht blos das brauchbare Werkzeug, sondern auch den pflichttreuen Mitarbeiter und Menschen zu schätzen. Er darf deshalb im Verkehr mit ihm namentlich auch nicht die Höflichkeitsformen außer Acht lassen, die im gewöhnlichen Leben üblich sind. Grade das ist ein leider allzu oft vernachlässigtes Gebot nicht allein des natürlichen Taktes, sontern auch der einfachen Klugheit. Die meisten, die den ehrerbietigen Gruß eines untergebenen Beamten oder Arbeiters kaum beachten oder höchstens mit einem nachlässigen Kopfnicken erwidern, sind sich wohl kaum bewußt wie tief die sich darin ausdrückende, wenn auch nur scheinbere Mißachtung von den Betroffenen oft empfunden wird. Es fehlt ihnen das Verständniß dafür, welch' hohen Werth der Untergebene gerade solchen an sich geringfügigen Aeußerlichkeiten beilegt, weil er daraus, meist nicht mit Unrecht, tiefere Schlüsse zieht.“ Diese schönen Worte des kgl. Eisenbahndirectors de Terra verdienen weiteste Verbreitung und Beachtung. Ihre Beherzigung können wir nicht genug empfehlen, weil sie zur Bekämpfung der Socialdemokratie ein Mittel bieten, das nicht zu unterschätzen ist. Einen besonderen Hinweis verdient gerade die Forderung des Herrn de Terra, daß jeder Vorgesetzte sich daran gewöhnen müsse in seinem Untergebenen, auch dem einfachsten Arbeiter, sofern er seine Schuldigkeit thut, nicht blos das brauchbare Werkzeug, sondern auch den pflichttreuen Mitarbeiter und Menschen zu schätzen, und deshalb im Verkehr mit demselben auch nicht die Höflichkeitsformen außer Acht lassen dürfe, die im gewöhnlichen Leben üblich sind. Es wird schon Mancher empfunden haben, wie bitter es ist, sich trotz treuer Pflichterfüllung von einem Vorgesetzten— sei es aus Selbstüberschätzung desselben, sei es aus irgend einem andern außerhalb des Pflichtenkreises liegenden Grunde— en bagatelle behandelt zu sehen, und anderseits hat gewiß schon Mancher erfahren, sehr Höflichkeit und freundliches Begegnen Arbeiter gegegüber geeignet ist, diesen zu heben dem Vorgesetzten menschlich näher zu bringen, anhänglich zu machen und schließlich auch Arbeitslust zu vermehren. wie dem und ihn seine * Perugia, 28. Juni. Kurz nach Mitternacht erfolgte ein heftiges Erdbeben, wodurch in Rieti Häuser schwer beschädigt wurden. Die Bevölkerung floh erschreckt ins Freie. Mehrere Personen erlitten Verletzungen. * Rieti, 28. Juni. Das Erdbeben der letzten Nacht war ein zweimaliges; der zweite Erdstoß, gegen 1 Uhr Morgens, dauerte neun Secunden und richtete an Gebäuden schweren Schaden an, besonders wurde die Carabinierikaserne unbewohnbar. Ein Carabinier wurde leicht verletzt. Die gesammte Bevölkerung ist ins Freie geflüchtet. In Castelfranco, einer zu Rieti gehörigen Landgemeinde, wurde ein achtjähriges Mädchen getödtet, eine andere jugendliche Person schwer verletzt. Der Erdstoß wurde anch in Velletri bei Rom verspürt. Mailand, 28. Juni. Die heftigen Regengüsse dauern in ganz Oberitalien fort. Die Weizenernte ist an vielen Orten schwer geschädigt. Erneute Wolkenbrüche haben in der Provinz Treviso auf weite Strecken die gesammte Ernte zerstört. Schwer geschädigt sind die Provinzen Verona, Brescia, Como und Varese. Die Eisenbahnen Colico=Chiavenna und Sondrio=Morbegno sind unterbrochen. In Como überschwemmt der See die am Platz Covour gelegenen Hotels. Regenwetter und Kälte dauern fort. * Aquila, 28. Juni. In der letzten Nacht merkte man im ganzen Thale von Antrodoco bis Cittaducale ein starkes Erdbeben, durch welches mehrere Gebäude beschädigt wurden. Die schwersten Schäden sind in Santarufina entstanden. Dort sind fünf Personen getödtet und sieben verwundet. In Capovello erlitten sieben Personen Verletzungen. Die Häuser der Ortschaft sind unbewohnbar geworden. * Von einem verderblichen Bilitzschlag wird aus Joachimsthal in Böhmen gemeldet: Mittwoch Abend 9 Uhr schlug der Blitz in das Haus Nr. 477 Joachimsthal=Pfaffenberg ein, wodurch von vier im ersten Stockwerke befindlichen Personen(Urahne, Großmutter, Mutter und Kind) die ersten drei lebensgefährlich, das Haupt der Familie, der Maurer Josef Schindler, leicht verletzt wurden. Nach dem surchtbaren Schlage flüchtete sich die Urahne, das kleine Kind in der Schürze tragend, in ihrem Schrecken in ein Nachbarhaus und wurde erst nach einer Weile dort gewahr, daß sie blute und der Blitz ihr von einem Fuße zwei Zehen abgerissen hatte. Sie wurde nach Karlsbad überführt, wo ihr der amputirt werden soll. Großmutter und Mutter wurden durch den Strahl lebensgefährlich verletzt und liegen, über und über mit Brandwunden bedeckt, bewußtlos danieder. In den Räumen, in welchen der Blitz wüthete, sieht es trostlos aus. Das Sopha, auf dem die zwei bewußtlos Daniederliegensaßen, zeigt ein faustgroßes Loch, durch das der Blitz hindurchgeschlagen hat. Rettung des eigenen Kindes verunglückt. Als am Samstag Vormittag der Personenzug, der von Graz um 7 Uhr Morgens abgeht, die Station Gloggnitz verlassen hatte und nächst Stuppach den Kilometerstein 73 passirte, bemerkte der Locomotioführer plötzlich vor sich einen kleinen Knaben, der auf dem Geleise spielte. Sofort ließ er die Dampfpfeife ertönen, gab Gegendampf und zog die Vaktumbremse an. Im nächsten Moment erschien der dort postirte Bahnwärter Eduard Kohl, der Vater des Kindes, und schleuderte es zur Seite. Das Kind war gerettet. Kohl hingegen, der vor Schreck nicht mehr m Stande war, das Geleise zu verlassen, wurde von der noch nicht zum Stillstand gebrackten Maschine erfaßt und entsetzlich zugerichtet. Im nächsten Moment stand dann der Zug stille. Die Passagiere stürzten zu den Coupeefenstern, um zu sehen, was es gebe. Einige Frauen wurden ohnmächtig, als sie den verunglückten Bahnbediensteten liegen sahen und erfuhren, daß dieser Mann sein ind gerettet und sein Leben dabei in die Schanze geschlagen habe. Ein glücklicherweise im Zuge befindlicher Arzt leistete dem Verunglückten die erste Hülfe, und Kohl wurde sodann mit demselben Zug in hoffnungslosen Zustande nach Wiener=Neustadt in das Spital transvortirt. * Schulbildung in den europäischen Staaten. Interessant ist eine Zusammenstellung der nach Erhebungen bei den Mannschaften der Armee gemachten Feststellungen bezüglich der Schulbildung bei diesen. Danach steht Schweden obenan, denn dort waren nur 0,11 pCt. der Mannschaften ohne Schuibildung, es folgen dann Deutschland mit 0.15 pCt, Dänemark mit 0,54 pCt., Schneiz mit 3,0 pCt., Niederlande mit 5,4 pCt., Frankreich mit 5,5 vCt., Belgien 13,5 rCt., Oesterreich mit 23,8 pCt., Ungarn mit 28,1 pCt.. Griechenland mit 30,0 pCt., Italien mit 38,9 pCt., Rußland mit 70,8 pCt. und Rumänien mit 89,0 pCt. Bemerkenswerth ist auch die stete Zunahme der Schulbildung in Deutschland. So betrug die Zahl der Mannschaften ohne Schulbildung im Jahre 1875/76—2,37 pCt., 1886/87—0,72 pCt., 1890/91—0,54 pCt., 1893/94—0 24 pCt., 1895/96 —0,15 pCt. * Ein Schauspiel seltener Art soll in diesem Sommer den Engländern geboten werden. Der bekannte Techniker M. Brock, für den die Feuerwerkskunst kein Geheimniß mehr hat, machte unlängst den Directoren des Kristallpalastes in London unter anderem den Vorschlag, den Besuchern das großartige Schauspiel der brennenden spanischen Flotte in den Gewässern von Manila vor Augen zu führen. Um eine Idee von dem Plan zu geben, der inmitten eines der größten Bassins, die um den Palast liegen, zur Ausführung kommen soll, theilt die„Italie“ mit, daß das Gitterwerk und Holzgerüst für dieses ungeheure Feuerwerk 250 Meter lang und 23 Meter hoch sein wird. Mit Einschluß der übrigen Stücke, die zur Ergänzung des Schauspiels einer Seeschlacht nöthig sind, werden 50,000 Quadratfuß Gitterwerk aus Holz und Draht gezimmert. Dieses Meisterwerk der Pyrotechnik soll jeden Sonntag wiederholt werden. Auf diese Weise werden jedesmal 16 Kilometer Zündschnur, 1100 Kilogramm verschiedene Stücke und ungefähr 900,000 Römerkerzen, Raketen, Frösche, Leuchtkugeln und Schwärmer abgebrannt werden, ganz abgesehen vom bengalischen Feuer, das in vierzigerlei Färbungen leuchten soll. Zur Rechten der spanischen Flotte wird man die neun Schifse des amerikanischen Geschwaders mit der„Olympia“ an der Spitze erblicken, zur Linken die Festungswerke von Monila und alle spanischen Schiffe mit Einschluß der„Castella“ und des„Don Antonio de Ulloa“. Die ganze spanische Flotte wird innerhalb 22 Sekunden in Rauch aufgegangen sein. 150 Mann werden benöthigt, um den Brand zu entfachen und das Geschwader in den Grund zu bohren, und dieses eigenartige Schauspiel wird jedesmal nicht weniger als 15,000 Francs kosten, aber die Direction des Kristallpalastes rechnet auch auf 2 bis 3 Millionen Einnahme. * Ein Wink. Zimmerherr:„Wissen Sie, Frau Müller, inn bewundere immer, wie Sie mit allen Arbeiten so schnell fertig werden!“— Vermietherin(geschmeichelt):„Wirklich?“— Zimmerherr:„Ja, besonders Morgens mit dem Kaffeemahlen!" * Eine andere Sache. Mann(entrüstet):„Wie kann man den ganzen Morgen so schmutzig und ungekämmt umherlaufen, sieh mal Deine Nachbarin an!“— Frau:„Ja, das glaub' ich.... die steht auch zwei Stunden früher auf, wie ich!“ * Freundliche Einladung. Chemieprofessor(zu seinen Hörern):„Wenn es das Unglück will, können wir bei diesem Experiment mit dem ganzen Laboratorium in die Luft fliegen.— Wollen die Herren nähertreten, daß Ihnen nichts entgehe.“ * Ein Strohhalm. Baron:„.. Wir dürfen nicht so sehr auf die Bürgerlichen herabsehen, gnädige Gräfin. Du lieber Himmel, wenn wir manchen Stammbau# verfolgen— so z. B. war mein Urgroßvater mütterlicherseits ein Steinklopfer.“— Gräfin:„Doch wohl Evelsteinkloofer?“ * Studentenulk. Polizei=Commissar:„Was wünschen Sie?“— Student:„Ach sehen Sie, Herr Commissar, da ist ein Räthsel im Wochenblatt, wo ich nicht darauf kommen kann, und da möchte ich schön bitten, das Räthsel mal polizeilich aufzulösen.“ * Falsch aufgefaßt. Nachbar: Trösten Sie sich, Steinhuberin, übe. den Verlust Ihres Gatten. Wenn er Sie auch verlassen hat, so ist doch noch immer Einer da, der Sie beschützen wirh——. Wittwe: I woaß ja, da Michelstätter hat mir's ja längst versproch'n, daß er mi nimmt. * Grob. Gast:„Herr Wirth, da schwimmt schon wieder ein Haar in der Suppe herum.“— Wirth:„So, nun wegen Ihnen werd' ich mir noch keine Köchin mit einer Glatze anschaffen.“ * Richtig verstanden. Lieutenant: Um Ihren Besitz. gnädige Frau, würde ich alle Schätze der Welt gern hingeben. — Junge Wittwe: Soviel ist das kleine Häuschen aber garnicht werth. Zum spanisch-amerikanischen * Paris, 28. Juni. Nach Meldungen aus Madrid verleugnet die spanische Regierung die von ihr thatsächlich bereits eingeleiteten Friedens verhandlungen nur deshalb, um keinen Sturm im Lande hervorzurufen. Alle maßgebenden spanischen Persönlichkeiten sind für den Frieden.— Die Regierung glaubt nicht, daß ein amerikanisches Geschwader nach Spanien kommen wird; trotzdem hat sie Maßnahmen für diesen Fall getroffen, Schisse sind zu diesem Zweck bereit, und 26000 Mann sind zu den Fahnen einberufen worden; dieselben werden auf die Haupthäfen am Atlantischen Ocean und am Mittelländischen Meer vertheilt werden. * Washington, 28. Juni, Nachmitta s. Admiral Sicsbee, Commandant des„Saint Paul“, berichtet, er sei am 22. Juni Nachmittags auf offener See in der Nähe von San I an von einem nicht geschützten spanischen Kreuzer und dem„Terror" angegriffen. Letzterer sei auf den„Sai t Paul“ zugedampft, der ihn erwartete, und habe dann auf iln geseuert. Der „Terror“ wurde drei al getroffen und ein Officier, sowie zwei Leute der Manschaft getöttet und wehrere verwundet. Der„Terror" wurde darauf unter Schwierigkeiten zurückge zogen und mter dem Schutze der Geschütze der Forts nach San Juan geschleppt. Später sind ein Kreuzer und ein K nonenboot aus dem Hafen ausgelaufen; sie sind aber innerhalb des Sch tzbereichs der Forts geblieben. Neueste Nachrichten und Telegramme. * Berlin 29. Juni. Die„Germania“ schreibt, es liege die Combination nahe, daß das Centrum den Abg. Graf Ballestrem als ersten Reichstagspräsidenten präsentiren werde; Alterspräsident ist der Centrumsabgeordnete Dieden. * Bei der heutigen amtlichen Feststellung de: Stichwahlergebnisse in Berlin durch den Wahlcommissar, Stadtrath Salberg, gab dieser hinsichtlich des II. Wahlkreises, wo bekanntlich die Socialdemokraten gegen eine Mehrheit von nur 15 Stimmen unterlegen sind, eine Erklärung zu Protocoll, die nicht ohne Einfluß auf die Bemühungen der Socialdemokraten sein wird, den Freisinnigen den Sieg doch noch streitig zu machen. Der Wahlcommissar hat nämlich zu Protocoll gegeben, daß von den 268 als ungiltig erklärten Stimmzetteln 12 für Fischer abgegebene Stimmen als giltig zu erklären sein dürften. Damit geht die Mehrheit für Kreitling von 15 Stimmen auf drei Stimmen zurück. Festgestellt jedoch ist ferner angeblich, daß vier Minderjährige und ein Mann, der Armenunter tützung erhält, gewählt haben. Wem diese fünf unberechtigten Stimmen zugefallen sind. läßt sich nun zwar nicht ermitteln, zweifellos wird sich aber die Wahlprüfungs=Commission des Reichstags noch mit dieser Wahl zu beschäftigen haben. * Wasserburg, 29. Juni. Der Bauernbündler Lanzinger wurde mit ungefähr 800 Stimmen Mehrheit gegen den bisherigen Vertreter Harl(Centr.) gewählt. * Wien, 28. Juni. Durch Verordnung des Gesammtministeriums vom heutigen Tage sind für 33 politische Bezirke Galiziens Ausnahmeverfügungen getroffen. * Pest, 28. Juni. Beide Häuser des Reichstages sind heute durch königliche Verordnung bis zum 5. September vertagt. * Lemberg, 28. Juni. Der Ministerpräsident verfügte in seiner Eigenschaft als Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Justizminister die Verhängung des Standrechtes über die politischen Bezirke Limanowa und Neusandee für die Verbrechen des Mordes, Raubes, der Brandlegung und der öffentlichen Gewaltthätigkeit im Sinne des§ 85 des Strafgesetzes. * Paris 29. Juni. Präsident Faure unterzeichnete heute Vormittag das Dekret betreffend die Ernennung der Mitglieder des Cabinets Brisson. Das Cabinet wird Steuerreform, Biedung von Altersversorgungskassen, Gesetze zur Unterstützung der Solldarität der Arbeiter, die sofortige Budgetberat hung und die Dehatte über Finanzreformen verlangen. Das Cabinet wird vorläufig mit Zurückhaltung beurtheilt. Einzelne Blätter neunen es ein radikales Ministerium ohne radikale Politik.— Die Bureaux der Kammer haben heute die Zollcommission cewählt; dieselbe ist in schutzzöllnerischem Sinne zusammengesetzt und der Wiedereinführung der Getreidezölle am 1. Juli günstig gesinnt. * Chiasso, 28. Juni. Aus der Provinz Avellino wird der Ausbruch schwere Unruhen gemeldet. In Gesualdo stürmte die wüthende Meuge das Steueramt und verbrannte mehrere Wachhäuser. Militär schritt ein und stellte die Ordnung wieder her. 28 Ruhestörer wurden verhaftet. Die Provinz Ferrara, wo die Weizenernte begonnen hat, wird von Cavalleriecolonnen durchzogen. + Paris, 30. Juni.(Telegramm.) In dem gestern Nachmittag abgehaltenen Ministerrath wurde über eine heute dem Parlament zu verlesende Erklärung Beschluß gesaßt und sodann die DreyfusAngelegenheit besprochen. Cavagnac bestand darauf, daß eine etwaige diesbezügliche Interpellation sofort im Parlament discutirt werden müßte; die Mehrheit sprach sich im entgegengesetzten Sinne aus. Schließlich wurde beschlossen, die Frage heute in dem unter dem Vorsitz Faures stattfindenden Ministerrathe noch einmal zu verhandeln. + Washington, 30. Juni.(Telegramm.) Eine Depesche Chesters besagt, er hoffe sich San Jago zu bemächtigen, die Ankunft der Verstärkung will er nicht abwarten. 8000 Mann Verstärkung für die Spanier mit vielem Train= und Schlachtvieh seien unterwegs, wären jedoch noch 54 Meilen von San Jago entfernt. Hier nimmt man als sicher an, daß Chester eine entscheidende Schlacht ausführen werde, ehe die spanische Verstärkung ankommt. Markt- und Börsen-Nachrichten. Berliner vonReichsanleihe 31/% Preuß. Consols 3 * Berg.=Märk. Bank Dortm. Bankverein Consolidation Dannenbaum * Neug, 28. Juni. Weizen, kleiner do. 1. S., engl. do. 2. S., engl. Roggen, 1. Sorte " 2. Sorte Hafer, 1. Sorte " 2. Sorte (Alles 100 Ko.) *) Mk. 2,60 3.30. Heu Mk. 2.70. Rübdl in Posten von 1000 Ctr. Rübol saßweise, 100 Ko. ohne Faß * ger: vom 28. Juni. 102,70 Dortmunder Brauerei 95.75 Dortm. Bergbauverein 102,60 Essener Creditbank 96.40 Reichsbank 164.90 Bochumer Gußstahl 131.°01 Westfäl. Stahlwerke 286.000 Gelsenkirchener Bergw. 112 25 Harpener Fruchtpreise. 28 Raps 1. S. 100K0.—.—— " 2. S. Abeel 1. 6.„— „" 2. S. Kartosfeln 30„)*) Maschinenstr. 500„ 20.—s20.— Flegeldrusch„„ 22.—s22.— Kleien 30„ 4.60 4,60 21.00 21.00 20.40/20,40 19,9019,90 15.00 15,00 14.50 14.50 15.00 15,00 14.00/14,00 14300 160.00 227,50 225.90 189,10 184.30 23 70 die 30 Ko. Mf. 52.— „ 63.50 Emil Tengelmann, Aktienbesitz verschiedener Kaffee-Plantagen. Neue verbesserte Mischungen Plantagen-Kaffee zu 60 Ptg., 75 Pfg., 85 Ptg., 90 Pfg., Mk. 1.—, Mk. 1,20, Nk. 1,40, Mk. 1,60, Mk. 1.80. Perl-Kaffee 90 Pfg., Mk. 1.—, Mk. 1.40, Mk. 1.50. Direkter Import von der besten Plantage Guatemalas. Verkaufsstelle: Witten, Bahnhofstr. Nr. 28. Aufer diesjähriger Brüderschaft der Wittener Sierbekasse Mue Vorkauf beginnt mit dem heutigen Tage. Rheinwein. 20 Liter Weißwein im Faß von F## 10 Ml an, 20 Flaschen= mit Glas=. 12„„ 20 Liter Rothwein im Faß.. 12„* 20 Flaschen= mit Glas=. 14„* versendet unter Garantie für reine Traubenweine. Kein Risico, wenn nicht gefällt, nehme zurück. 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Buchdrucker Ernst Aug. Kreutler, Bismarckstraße. Antonie Josephine Brigitta, T. v. Oberpostassistent Gerhard Carl de Poel, Herbederstr. Heinrich Carl Gustav, S. v. Schneider Heinrich Gustav Carl Leonhardt, Wiesenstr. Emma Else, T. v. Bgm. Friedr. Kaffsack, Ardeystr. Walther, S. v. Fabr. Gottlieb Rambowsko, Oststr. Carl, S. v. Steinhauer Carl Arndt, Röhrchenstr. Carl Wilh. S. v. Schlosser Georg Wilh. Robert Graf, Kirchstr. Martha Maria, T. v. Bergtagelöhner August Wollgien, Kohlensiepen. Joh. Bernhard, S. v. Bgm. Joh. Bernhard Weste, Königsholz. Die Einlösung der bisher noch nicht erfolgten Auflagezettel für ds. Jahr, von allen 4 Abtheilungen incl. Wittwen, kann im Zahlungstermin der 1. Abtheilung: Sonntag den 3. Juli eurr., nachmittags 4 Uhr, geschehen. Andernfalls verfallen die betreffenden Mitglieder den Folgen des§ 27 Absatz 2 des Statuts, wodurch sie alle Rechte an den Verein verlieren. Wir machen daher hierauf besonders aufmerksam. Der Vorstand. ermsfhh Erf Abonnemenidgret Blumen" durch Restaurant Zu den Hohenzollern. Verantwortlich Sonntag den 3. Juli H. Brin Anfang 4 Uhr. Entree 50 Pf. Damen frei. Hierzu ladet freundlichst ein W. Schwenke. Weizenmehl per Pfund 15 Pfg. Süßrahmbutter per Pfund 105 Pfg. Plockwurst per Pfund 90 und 100 Pfg. W. Petersmann, Tieferweg 78. Hôtel Bellevue, Bommern. Am Sonntag den 3. Juli findet bei mir Verlobungs-Karten, 3% liefert schnellstens und zu billigsten Preisen die Buchdruckerei von H. Bringewald, vorm. H. Schumacher. Somen-Schan-Schstel Grosses Garten-Concert mit Aufgebote: Bgm. Herm. Rusche, Hauptstr. und Marie Elisabeth Herrmann geb. Wettleufer, Wartenberg. Vicefeldwebel Clemens Wilh. Arnold Pisbach, Jülich und Maria Mathilde Kamm, Brüderstr. Glasbläser Diedr. Heinr. genannt Ferdinand Knüpp, Langendreer und Emma Deisenroth geb. Ernst, Ardeystr. Milchhändler Friedr. Wilh. Meisenkothen, Rath und Anna Henriette Schmidt, Steinstr. Factor Friedrich Wilh. 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