Dienstag, 24. Mai 1893. Nr. 116. Dritter Jahrgang. Erscheint täglich, mit Ruonahun der Sonn= und Abonnementepreis nebst den Grakisbeilagen„Sonntagsfreude",„Neieralocken“ und„Sterne und Blumen“ durch die Boten zugestellt nur 50 Hfg. pro Monat, durch die Posl bezogen nur 1.20 Mk. pro Quartal. Preis für die 1spaltige Pekitreile 10 Pfg. Bei größeren Auftrügen entlprochender Rabalt. Größere Anzeigen können nur dis spätestens Abende 5 Uhr nommen werden, ganz dringende Inserate bis Morgens 8 Uhr. Geschäftostelle: Witten, Hauptstraße 70. Verantwortlich für den Bringewald, Witten. Telephon=Auschluß 130. Centrums-Organ für das Ruhrthal. Kelegramm=brche: Volkszeitung, Witten. Druck und Verlag von H. Bringewald, Wittk. + Der Landtag war zu seiner letzten Tagung in der eben abgelaufenen Legislaturperiode am 11. Januar d. Irs. zusammengetreten. Während der verflossenen Session hielt das Abgeordnetenhaus 83, das Herrenhaus 18 Sitzungen ab. Um den Etat rechtzeitig fertig zu stellen, wurden im Abgeordnetenhause vier Abendsitzungen abgehalten. Die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses leitete zum ersten Male als Präsident Herr v. Kröcher, nachdem der bisherige Präsident v. Köller, welcher nahezu 20 Jahre die Leitung der Verhandlungen in Händen gehabt, mit Rücksicht auf sein hohes Alter eine Wiederwahl abgelehnt hatte. Die Thätigkeit des Landtages hatte in der vergangenen Session ein positiveres Resultat, als es in den Vorjahren der Fall war. Von den eingebrachten Gesetzentwürfen kam keiner zum Fall. Die bedeutendsten Gesetzentwürfe waren das Pfarrerbesoldungsgesetz, das Comptabilitätsgesetz und das Gesetz betr. Aufhebung der Beamtencaution. An dem Zustandekommen dieser Gesetze hat das Centrum hervorragenden Antheil. Was zunächst das Pfarrerbesoldungsgesetz anlangt, so ging schon seit Jahren das Bestreben des Centrums dahin, der Nothlage, in der sich unsere Geistlichkeit befand, durch eine gesetzliche Regelung des Diensteinkommens der Geistlichen ein Ende zu setzen. Wenn von den Freiconservativen in der letzten Session eine Interpellation detr. Neuregelung des Diensteinkommens der Geistlichen eingebracht wurde, so konnte ihr gegenüber mit Recht vom Centrum geltend gemacht werden, daß die Anregung zu einer Besserstellung der Geistlichkeit von der Centrumsfraction und den Conservativen ausgegangen ist. Leider sind bei dieser Materie nicht alle Wünsche des Centrums erfüllt worden. So ist namentlich in Folge des Widerstandes der Regierung die Forderung unerfüllt geblieben, daß außer den Pfarrern auch anderen Geistlichen, den Hülfsgeistlichen, den Domgeistlichen u. s. w. die Vortheile des Gesetzes zugewendet würden. Aber hier hieß es, wie so oft: practische Politik treiben! Nicht das Dargebotene zurückweisen, weil das Geforderte nicht dargeboten wurde! Was heute nicht ist, kann morgen werden. Die Vorlegung eines Comptabilitäts= gesetzes war die Erfüllung einer längst und wiederholt gestellten Forderung des Centrums. Namentlich hat es sich der verdiente Centrumsabgeordnete Dr. Bachem, der leider wegen Krankheit den Verhandlungen über dieses Gesetz nicht beiwohnen konnte, angelegen sein lassen, der Einbringung dieses Gesetzes das Wort zu reden. Bei dem Gesetz über die Aufhebung der Beamtencautionen hat sich, wie immer, die Fürsorge des Centrums für die Beamten, namentlich die unteren, bethätigt. Die Bemühung des Centrums, die Gerichtsvollzieher in das Gesetz mit einzuschließen und für die Hypothekenverwalter eine Verkürzung der Rückgabefrist herbeizuführen, war bedauerlicherweise erfolglos. Für das dem Landtoge in der verflossenen Session vorgelegte Ausiedelungsgesetz konnte sich das Centrum nicht erwärmen, da das Gesetz als ein Ausnahmegesetz gegen die Polen zu betrachten ist, und es das Centrum stets abgelehnt hat, an dem Zustandekommen von Ausnahmegesetzen mitzuwirken. Zugleich war für das Centrum maßgebend, daß mit der Neudotirung des Ansiedelungsfonds um 100 Millionen Mark neben der Germanisirung eine Protestanisirung bezweckt ist. Dagegen stimmte die Centrumsfraction mit Freude der Erhöhung des Grundeapitals der Centralgenossenschaftskasse zu, weil, wie vom Centrum bei der Berathung dieses Gesetzes betont wurde, dasselbe den ausgesprochenen Zweck hat, der bedrängten Landwirthschaft zu helfen, das Handwerk financiell zu kräftigen und den kleinen Gewerbetreibenden zu stützen. Den Mittelstand zu stützen und zu erhalten ist ja von jeher das Programm des Centrums gewesen. Eine recht objective Stellung nahm das Centrum gegenüber dem Auerbengesetz für Westfalen und einige rheinische Bezirke ein. Die Auffassung des Centrums ging mit vollem Recht dahin, daß ein derartiges Gesetz für solche Provinzen, in denen die Sitte den Boden für das Gesetz geschaffen, segensreich sei, weil es den freien Bauernstand erhalte und kräftige, daß aber Provinzen, die jene Voraussetzung nicht aufweisen, ein solches Gesetz nicht aufoctroyrt werden dürfe. Wenn gegenüber der Obstruetion der Nationalliberalen das Gesetz dennoch zu Stande kam, so ist das der besonderen Rührigkeit des Centrums zu danken und namentlich sind es die Abgg: Herold und Fritzen=Rees, welche sich um das Gesetz besondere Verdienste erworben haben. Außer den genannten Gesetzentwürfen gelangten zur Verabschiedung die 18x Arous, das Arbeiterwohnungsgesetz, die Sekundärbahn vorlage und das Wassereatastrophengesetz. Von den eingebrachten Interpellationen seien erwähnt: die Interpellation Szmula(Ctr.) betreffend Arbeitermangel in den östlichen Provinzen, und Brandenburg(Ctr.) betreffend den Piesberger Streik. Bei der letzteren Interpellation wurde in beredter Weise vom Centrum dem Verhalten der Arbeiter Anerkennung zu Theil, eindringend der Erhaltung der katholischen Feiertage das Wort geredet und die Regierung nachdrücklich ersucht, dahin zu wirken, daß die Bergwerkverwaltung sich den berechtigten Forderungen der Arbeiter gegenüber nicht schroff ablehnend verhalte. Leider haben die Petitionen in der verflossenen Session wiederum nur eine beschränkte Berücksichtigung gefunden. Vom Centrum wurde wiederholt gefordert, man möge die Petitionen nun endlich erledigen, indessen blieb der bei weitem größte Theil derselben unerledigt. Insbesondere waren es die Abgeordneten Dr. Freiherr v. Heereman und Schmidt=Warburg, welche fü. die Erledigung der Petitionen, namentlich der unteren Eisenbahnbeamter, warm eintraten. Das Abgeordnetenhaus hat in dieser Session zum letzten Male in seinem alten Heim getagt. Mit der neuen Session wird es den Neubau an der Prinz Albrechtstraße beziehen. Die alten Räume des Abgeordnetenhauses werden vom Herrenhause benutzt werden, bis dessen Neubau auf der Leipziger Straße vollendet ist. Wie schon erwähnt, wird das neueste Heft der „Nuova Antologia“ einen Artikel des Abgeordneten Riecio über den Cardinal Kopp bringen. Der Artikel druckt zwei Briefe des jetzigen Kaisers aus dem Jahre 1887 an den Cardinal Hohenlohe ab, worin der damalige Prinz Wilhelm die katholischen Prälaten aufzählt, die er schätzen gelernt habe. Schließlich erklärt Riccio, die letzte Reise des Cardinals Kopp nach Rom habe nur den Schutz der deutschen Missionen in China zum Zweck gehabt. Der Inhalt der Briefe besagt nach einem dem„Berliner Tagebl.“ übermittelten Auszuge: Unter dem 12. Januar 1887 schreibt der Prinz, daß er Gelegenheit gehabt habe, mehrere der besten und klügsten Männer der Curie kennen zu lernen, sich mit ihnen auszusprechen und Freundschaft anzuknüpfen. Es heißt nun wörtlich: Da ist vor Allem Kopp! Welch' einfache, kluge, naiv deutsche Natur! Ich wünsche von Herzen, dieser Mann möge uns lange erhalten bleiben und viele Nachfolger finden. Das Gleiche gilt von Doctor Thiel aus Ostpreußen, dann vom Bischof von Metz, der obschon er französisch spricht, sagte:„Je suis et resterai un evéque allemand.“ Da ist ferner der Propst Scheuffgen von Trier, ein frischer, energischer junger Mann. Er sprach mit mir ganz offen und ohne Rückhalt, und wir haben uns vortrefflich verstanden. Das Alles sind Männer, die ihre Zeit erkennen und einen weiten Horizont haben. Mögen sie bald einen großen Einfluß auf den Geist ihrer Pflegebefohlenen gewinnen, aber das Centrum! das Centrum! Wenn der Papst nicht die Tunika aufbebt und die Hemdärmel zurückstreift, wenn er nicht dem Centrum zu Leibe geht, so— Im zweiten Briefe, datirt vom 1. April 1887, schreibt der Prinz: Galimberti hat hier(in Berlin) mir und Allen ausnehmend gefallen, und auch was er sagte, hat guten Eindruck gemacht. Ich bin unendlich froh, daß dieser unselige Cnlturkampf zu Ende ist. Letzthin sind mehrere hervorragende Katholiken wie Kopp und Andere mehrmals zu mir gekommen und haben mich mit einem rückhaltlosen Vertrauen beehrt, das mir wohl that. Mehrmals hatte ich auch das Glück, mich zum Dolmetscher ihrer Wünsche zu machen und ihnen einen Gefallen zu thun, so daß es also auch meinen bescheidenen Kräften vergönnt war, an diesem Friedenswerke mitzuwirken. Das bereitete mir aufrichtig Freude, und ich bin glücklich. Grüße Galimberti und lege dem Papste meine Huldigung zu Füßen. Dein ergebener Neffe Wilhelm, Prinz von Preußen. Der letzte Berathungstag des preußischen Abgeordnetenhauses hat dem Centrum Gelegenheit gegeben, von Neuem zu zeigen, daß es unzweifelhaft und thatkräftig für die Interessen der Arbeiterschaft eintritt, wo diese von der Unternehmerschaft in unberechtigter Weise bedroht werden. Denn an diesem letzten Tage kam die Interpellation zur Besprechung, die der Abg. Brandenburg vom Centrum wegen der Arbeiter bewegung am Piesberge bei Osnabrück eingebracht hatte. Diese Arbeiterbewegung an sich ist bekannt genug. Sie ist in den Blättern aller Parteirichtungen ausführlich besprochen worden. Nur die socialdemokratische Presse hat kein Verständniß und auch kein Interesse bekundet für katholische Arbeiter, bie um die Einhaltung ihrer besonderen katholischen Feiertage kämpfen. Die nationalliberalen und die freiconservativen Blätter wüthen aber förmlich gegen das Centrum und gegen dessen Eintreten für die Arbeiter am Piesberge und häufen ganze Berge auf von Unwahrheiten und Entstellungen der wirklichen Thatsachen. Tazu gehört vor allen Dingen die Unterstellung, daß die Cupläue gemeinsame Sache mit den Arbeitern gemacht hätten gegen den Bischof und daß— um mit einem Berliner nationalliberalen Blatte zu reden— der„von den Caplänen terrorisirte Bischof vor diesen den Rückzug angetreten hätte...“ Nun, gerade heraus gesagt: ärgerer Blödsinn ist wohl noch nie geschrieben worden. Wie froh würden alle die Neider und Gegner der katholischen Kirche und katholischen Wesens sein, wenn bei den Protestanten auch nur ein ganz kleines Theilchen vorhanden wäre von der Geschlossenheit der Katholiken und von der freudigen Ergebenheit, die die Katholiken für ihre Kirchenhäupter fühlen und stets von Neuem durch die That zu erkennen geben! Ganz ausnahmsweise kann das Centrum von diesem einen Tage im Abgeordnetenhause sagen: der Tag war gut! Bezüglich Ostasiens ist neuerdings zufolge der Rede Chamberlains England in den Vordergrund der Erörterungen gerückt. Die japanische Presse spricht die Meinung aus, die Zeit sei gekommen für ein Bündniß mit England. Die zwei leitenden Blätter schweigen bis jetzt allerdiags über diesen Gegenstand, und bei Eröffnung des japanischen Landtages wurde in der Thronrede von dem bevorstehenden Inkrafttreten der neuen Verträge gesprochen und an die Un erthanen die Aufforderung gerichtet, an deren Ausführung mitzuarbeiten. Dagegen meldet eine englische Preßstimme Japan sei bereit, sich England zu einer bestimmten activen Politik anzuschließen, die darauf berechnet sei, eine Controle über tie Regierung in Peking auszuüben, die Einführung von Reformen in der chinesischen Verwaltung zu veranlassen, Rußland zurückzudrängen und China vor der Anarchie oder der vollständigen Aufsaugung zu schützen, ferner dreihunderttausend Mann Truppen auf dem Festlande zu stationiren und außer: dem mit einer Flotte Beistand zu leisten. Rußland pflegt inzwischen weitere Vorsorge. Wie Odessaer Blätter melden, sind an Bord des deutschen Dampfers „Scandia“ 1826 Untermilitärs und 66 Officiere des neuformirten 11. und 12. ostsibirischen Schützenbataillons nach dem fernen Osten abgegangen. Gleichzeitig mit der„Scandia“ ging dorthin der Dampfer der freiwilligen Flotte„Wladimi:“ ab mit 30 Officieren, 487 Recruten, 11 älteren Soldaten, 65 Kriegsmatrosen und 130 Reservisten speciell für Wladiwostok. Die„Scandia“ hatte 70,000 Pud, der„Wladimir" 360,000 Pud Güter an Bord. Dem„Kronstadtskij Westuik“ zufolge gehen ferner am 21. Mai 124 Kriegsmatrosen nach Port Arthur und 42 Matrosen unter Führung eines Lieutenants nach Wladiwostok und für das Stille Meer=Geschwader ab. In Taschkent beim Stabe des turkestanischen Militärbezirks sind Lehrcurse für die hindostanische Sprache eröffnet worden, an denen 14 Officiere Theil nehmen. Mittlerweile hat nach englischer Meldung letzten Dienstag die Räumung von Weihatwei begonnen. Dieselbe dürste derselben Quelle zufolge gegen den 23. d. M. beendet sein. Politische Nachrichten. Berlin, 22. Mai. * Eine Anzahl Landwehrleute des 13. Iufanterie=Regiments war zu einer Uebung am 11. nächsten Monats einberufen worden. Die Gestellungsbefehle sind nunmehr, wie der„Germ.“ gemeldet wird, zurückgefordert, weil die Landwehrübung mit Rücksicht auf die am 16. Juni stattfindende Reichstagswahl auf den Herbst verschoben ist. Die Anordnung scheint nun allgemein durchgeführt zu sein. * Das Staatsministerium hat beschlossen, den von dem Domkapitel in Fulda zum Capitularvikar gewählten Domkapitular Engel zur Ausübung der ihm als Kapitularvikar zustehenden bischöflichen Rechte und Verrichtungen zuzulassen. c Im Kampf ums Criminal=Romau von E. Heinrichs. 22 „Sie hätten mich früher dorthin bestellen sollen, Herr Rechtsanwalt!“ bemerkte der Detectiv.„Selbst der muthigste Mann erliegt dem tückischen Hinterhalt. Erlauben Sie mir bei dem Fräulein v. Wellhofen um den Brief anzufragen?“ „Dazu muß ich Ihnen einen schriftlichen Auftrag geben. Gott gebe, daß ich ihn dort zurückgelassen habe.“ „Im Galten können Sie ihn nicht verloren haben, dann hätte ich ihn finden müssen,“ meinte Lassen,„ich war im Garten und patrouillirte noch am Frühmorgen das Terrain ach allen Seiten und in jedem Winkel ab.“ „Glauben Sie, daß es wirklich der Bruder des Verstorbenen ist?“ fragte Helbring nachdenklich. „Freilich glaub' ich, daß es die Canaille ist, ein netter Bursche, für den der Bruder sein Lebensglück opferte. Ich bin nicht rachsüchtig, Herr Rechtsanwalt, wünsche aber von Herzen, daß er nur noch so lange lebt, um uns den anderen Galgenvogel in's Netz zu treiben.— Meine Aufgabe ist also die, den Notar Jakobs an der Vollstreckung seines HenkerAmtes zu hindern, bis Sie wieder mobil sind. „Ganz recht.“ „Ferner die beiden bedrohten Damen in meine heimliche Obhut zu nehmen und dem räthselhaften Schützen nachzusoüren: „Sie sind ein famoser Detectio,“ sagte Helbring,„ich sehe, daß ich den Rechten für die schwierige Aufgabe gesunden habe. Kennt der Notar Sie in Ihrer Eigenschaft?“ „Schwerlich, da ich hier als Privatmann lebe, und mich als pensionirter Gerichtsschreiber, der ich in der That bin, angemeldet habe. Meine Criminal=Leidenschaft und augenscheinliche Begabung dafür veranlaßten mich, in den Dienst der Geheimpolizei zu treten. Sollte ich in dieser Sache einige Reisen unternehmen müssen, dann werde ich einen geeigneten Stellvertreter für die Bewachung des Wellhofen'schen Hauses beschaffen. Nun aber will ich mich empfehlen, Herr Rechtsanwalt, und Ihnen gute Besserung wünschen.“ „Ich danke Ihnen!“ Vergessen Sie nur die von mir ausgestellte Anweisung nicht, Herr Lassen, und bitte, führt Ihr Weg Sie beim Dr. Kersten vorüber? Ich fühle mich recht schlecht. Halt, ich schreibe noch einige Zeilen an Fräulein v. Wellhofen.“ „Ich sende Ihnen sofort die nöthige Bedienung, Herr v. Helbring,“ sprach der Detectiv, die Papiere an sich nehmend, „und werde selbstverständlich Dr. Kersten benachrichtigen.“ Seinen Hut ergreifend, verließ er rasch das Zimmer. 9. Kapitel. Am Krankenlager der fiebernden Majorin saß Erika, niedergedrückt von Sorge und Gram. Gewaltsam suchte sie den schwindenden Muth aufrecht zu erhalten, doch vermochte sie es nicht mehr, seitdem der einzige Freund, der ihr in dieser Noth und Verlassenheit wirksam hatte Beistand leisten können, kampfunfähig geworden war. Sie kannte keine Feigheit, aber hier sah sie sich von einem Geheimniß bedroht, das ihr ganzes Denken und Thun beherrschte. Weshalb diese seltsame Mahnung von Helbring, den Notar Jakobs, der doch ihres Vaters Sachwalter gewesen war und sein ganzes Vertrauen besessen hatte, nicht zu empfangen, sich durch den Diener verleugnen zu lassen? Sie fürchtete allerdings, daß jenes blutig verlaufene Attentat am Felsenkreuz von dem unseligen Briefschreiber, der sich für den Bruder des verstorbenen Majors ausgegeben, geplaut und ausgeführt worden sei,— aber weshalb hatte er sich den ihm unbekannten Rechtsanwalt ausersehen, und was hatte der Notar damit zu schaffen?— Die Aermste, hätte sie gewußt, welche schwarze Gewitterwolke dieses friedliche Dach auf's Neue bedrohte! Die Pflegerin, die der alte Hausarzt ohne Weiteres in's Haus gesandt hatte, als die Majorin erkrankte, trat geräuschlos ein und flüsterte ihr zu, daß ein Herr sie zu sprechen winer. Erika erhov sich und begab sich in's Woonzimmer, wo der Detectiv Lassen ihrer harrte. „Um Verzeihung, gnädiges Fräulein, mein Name ist Lassen, der Herr Rechtsanwalt v. Helbring sendet mich, Ihnen dieses Papier einzuhändigen.“ „Erika nahm den offenen Zettel entgegen, der nur die wenigen Zeilen enthielt: „Fräulein v. Wellhofen! Bitte ergebenst, den von mir vermißten, doch hoffentlich in Ihrem Besitz verbliebenen Brief an den Ueberbringer dieser Zeilen, der mein volles Vertrauen besitzt, und dem auch Sie, meine Gnädige, unbedingt vertrauen können, aushändigen zu wollen. Rechtsanwalt v. Helbring.„ P E. „Sie haben doch hoffentlich den Brief, guabiges Fruulein?“ fragte Lassen, als die junge Dame ihn nachdenklich anblickte. „Ja, der Brief ist in meinem Besitz geblieben,“ erwiderte sie nach kurzem Zögern.„Ich hielt ihn geflissentlich zurück, weil ich befürchtete, daß es auf einen Raub abgesehen war, daß Herr v. Helbring nämlich den Brief in der Tasche behalten und man ihm denselben abnehmen könnte.“ „Als wichtigstes Beweisstück, gewiß, gnädiges Fräulein, Sie combinirten darin sehr richtig, zumal ich annehme, daß Sie den Herrn Rechtsanwalt von dem gefährlichen Rendezvous mit dem Briefschreiber abriethen.“ „Gewiß habe ich das gethan, und auch zur eindringlichen Warnung noch meine Bitte durch die Erzählung des vor sechs Jahren stattgefundenen Attentats am Felsenkreu; unterstützt.“ „Ich bin so lange noch nicht hier, hörte aber davon,“ sagte Lassen,„es wurde damals ein reicher Engländer, der sich zeitweilig hier aufhielt, ebenfalls durch einen Brief dort hinausgelockt und dann aus dem Hinterhalt erschossen. Der Mörder ist nicht entdeckt worden. „Nein,“ erwiderte Erika, die jetzt zu ahnen schien, wer ihr Besuch eigentlich war. Sie ließ sich in einen Sessel nieder und lud den Detectiv mit einer Handbewegung ein, ebenfalls Platz zu nehmen. „Wenn ich recht gehört habe, so war der Engländer in der Begleitung seines Neffen und Erben hier anwesend.— nahm Lassen, der sich auf einen Stuhl niedergelassen hatte, wieder das Wort,„dieser soll während der That verreist gewesen sein.“ „Ja, man soll über seinen Aufenthalt Nachforschungen angestellt, er aber sein Allbi bewiesen haben.“ „Das ließ sich vorher sagen, die Polizei hätte sich diese Mühe sporen können.“— Lassen zuckte bei diesen Worten leicht die Achseln.„Um Verzeihung, gnädiges Fräulein,“ serzte er dann rasch binzu,„Sie scheinen so ziemlich darüber orten#irt zu sein, darf ich mir einige Fragen erlauben?“ „Recht gern,“ sagte Erika, die sich bereits für diesen schlichten Mann, dem Helbring sein volles Vertrauen schenkte, zu interessiren begann„Ich will Ihnen von vornherein mittheilen, daß ich eine Frühaufsteherin bin, Morgen=Spaziergänge leidenschaftlich liebe und an jenem verhängnißvollen Frühmorgen dem unglücklichen Engländer, der ahnungslos seinem Tod entgegenging, begegnete, auch eine Viertelstunde später den Schuß hörte. Ich denke, daß dies mein Interesse daran hinlänglich erklärt.“ „Gewiß, gnädiges Fräulein,“ erwiderte Lassen,„begegnete Ihnen an jenem Frühmorgen Niemand anders als der Engländer?“ „Nein,“ sprach Erika nach kurzem Nachsinnen,„erst später einige Arbeiter und— richtig— auch der Notar Jakobs, der mich nicht zu erkennen schien, va er sehr eilig und ohne Gruß in die Stadt hineinschritt.“ „In welcher Jahreszeit geschah dieses erste Attentat?“ sragte der Oeteelo. „Im Frühling, es mochte Anfang Mai sein, ein heiterer schöner Morgen. Als ich heim ging, schlugs von den Thürmen sechs. S6 15. Lassen zögerte noch eine Welle, dann fragte er:„Ist kein einzier Verdächtiger verhaftet worden?— Eine Bauernfrau sell doch ein derartiges Subject in der Nähe des Thatortes geschen haben?“ „Freilich, man hat sicherlich auch auf jeven vunkelblauen Mantel,— einen solchen soll das Subject nämlich getragen haben—, scharf vigilirt, verhaftet aber ist Niemand geworden.“ „Na, wenn der Herr Notar damals einen blauen Mantel getragen hätte, als Sie gnädiges Fräulein ihm, wie Sie bemerkten, frühmorgens begegneten, nun, dann hätten Sie ihn zweifellos denunziren müssen. Aber er trägt ja stets einen alten grauen Havelock, den er sich wohl beim Trödler kauft.“ Der Detectiv hatte diese Worte leichthin mit einem ironischen Humor gesprochen, als ob er sich nichts dabei gedacht, und doch machten sie einen sichtlich erschreckten Eindruck auf die junge Dame. Erblassend, mit weit geöffneten Augen sah sie ihn an und ihre Lippen bewegten sich lautlos.— Die Warnung Helbrings vor dem Notar schien ihr mit diesen hingeworfenen Worten des seltsamen Besuchs urplötzlich in unheimlicher Verbindung zu stehen. Ihre Gedanken flogen blitzschnell in die Vergangenheit zurück. Sie war seit ihrem zwölften Lebensjahre als Waise zu ihren Verwandten gekommen, die die Elternpflichten übernommen und diese im vollen Umfange erfüllt hatten; als Fräulein v. Wellhofen liebte und verehrte man sie überall. Vor sechs Jahren, als das erste Attentat am Felsenkreuz geschehen, war sie vierzehn Jahre alt gewesen, der räthselhafte Mord hatte einen unauslöschlichen Eindruck auf ihr junges Gemüth hervorgebracht, und in diesem Augenblick erinnerte sie sich mit unheimlicher Deutlichkeit jenes schrecklichen Tages, als am Nachmittag der Notar Jakobs in seinem dunkelblauen Havelock in den Garten trat, um mit dem versterbenen Major darüber zu reden. Sie sah ihn vor sich, wie er die Hände zusammenschlug uad über die Ruchlosigkeit der Menschen zeterte. (Fortsetzung folgt.) * Auf Vorschlag des Bundesraths hat der Kaiser den Reichsgerichtsrath Freiherrn v. Bülow an Stelle des verstorbenen Dr. Kayser zum Cenatspräsidenten beim Reichsgericht ernannt. * Die Kaiserin Friedrich ist heute Abend 8½ Uhr in Berlin eingetroffen und am Bahnhof vom Kaiserpaar, dem Kronprinzen und, dem Prinzen Eitel Friedrich empfangen worden. * Heute Morgen um 10 Uhr fand vor dem Kaiser und der Kaiserin die Confirmationsprüfung des Kronprinzen und des Prinzen Eitel Friedrich statt. Morgen erfolgt in der Friedenskirche zu Potsdam die„Einsegnung" des Kronprinzen und des Prinzen Eitel Friedrich. Am Montag Vormittag 9 Uhr wird im Kaiser WilhelmsPalais zu Berlin für die Königliche Familie, insonderheit für die beiden confirmirten Prinzen, durch Generalsuperintendent D. Dryander die Feier des heiligen Abendmahles erfolgen. * Prinz Adalbert, der dritte Sohn unseres Kaiserpaares, welcher bekanntlich zum Eintritt in die Marine bestimmt ist, wird vor seiner Einschiffung auf der„Charlotte“ an einer mehrwöchigen Uebungsfahrt des Schulschiffes„Sophie" theilnehren. * Daß das Altkatholikengesetz noch in Kraft ist, darüber belehrt uns Stück 20 S. 282 des Amtsblattes der königlichen Regierung zu Arnsberg. Es wird da bekannt gemacht:„Der katholische Bischof Weber zu Bonn hat dem bisherigen Pfarrverweser Joseph Moog zu Baden=Baden die erledigte katholische. Pfarrstelle zu Dortmund definitiv verliehen.“ Es handelt sich natürlich um den altkatholischen Bischof Weber und den altkatholischen Geistlichen Moog; die„erledigte Pfarrstelle“ ist diejenige für die wenigen Dortmunder Altkatholiken, welche noch immer die aus milden Gaben meist armer katholischer Bergleute erbaute Krimkapelle„zum Mitgebrauche“ inne haben. = Mit dem Wahlaufrufe des Centrums beschäftigt sich auch die„Nordd. Allg. Ztg.“ in einer Artikelserie über die Reichstagswahlen, die bisher nirgends Beachtung gefunden hat und zweifellos eigene Arbeit der Redaction ist. Etwas besonderes sagt das Blatt über den Centrumsaufruf nicht; man hat das alles schon anderswo gelesen. Befremden könnte es höchstens, daß das officiöse Blatt gerade die unfreundlichsten Aeußerungen über das Centrum zusammenträgt. Eine Auseinandersetzung mit dieser privaten Leistung halten wir für überflüssig. Für die Wahlagitation der Beamten, insbesondere der Landräthe, legt die„Deutsche Tagesztg.“ ein warmes Wort ein. Wenn man ihnen die Betheiligung am Wahlkampfe verbieten wollte, so degradire man sie zu Staatsbürgern zweiter Klasse. Selbstverständlich müßten sie überall mit dem größten Tacte vorgehen. Vorsichtig fügt das Blatt hinzu, für den Bund der Landwirthe sei es gleichgültig, ob die Beamten sich an den„Wahlvorbereitungen“ betheiligten oder nicht; er sei nicht auf ihre Unterstützung angewiesen und mache keinen Anspruch karauf. Was würde es aber wohl sagen, wenn die Beamten gegen den Bund agitirten? Findet es doch die Veröffentlichung der Mittheilung „bedenklich", daß Fürst Hohenlohe an den Prinzen Schönaich=Carolath einen Brief geschrieben hat, worin er den Wunsch ausspricht, der Prinz möge sich wieder wählen lassen. * Wie das Reichstags=Wahlrecht bedroht ist, zeigt eine neue Auslassung des Bismarck'schen Leibblattes, der„Hamburger Nachrichten“, welche schreiben:„Was die Sache selbst(Reichstags=Wahlrecht) betrifft, so kann unserer Ansicht nach für die Zukunft nur die Beseitigung der geheimen Stimmabgabe, die Hinaufsetzung des Alters für Ausübung des activen Wuhlrechts auf das 39.(jetzt 25.) Lebensjahr und die Vorschrift in Betracht kommen, daß Niemand an einem Orte wahlberechtigt ist, an dem er nicht 2 bis 3 Jahre seinen Wohnsitz hat. Diese Abänderungen dürften genügen, um alle Mißstände zu beseitigen, die mit dem jetzigen Wahlrecht verkgüpft sind.“— Was nützen demgegenüber Behauptungen, daß Niemand daran denke, das Wahlrecht anzutasten? *„Fürst wünscht Sabor!“ Bekanntlich hat die„Kreuzzeitung" sich sehr darüber ereifert, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe in einem Privatbriefe erklärt haben soll, es werde ihm erwünscht sein, daß der(halbliberale) Prinz zu SchöngichCarolath im nächsten Reichstage wieder erscheine, und hat gemeint, durch eine solche„Wahlbeeinflussung“ werde ein eventuelles Mandat ungültig werden. Ein etwas drastischeres Gegenstück hat sich bereits 1884 bei der Reichstagswahl abgespielt. Damals standen sich Sonnemann(Südd. Vp.) und Sabor(Soc.=Dem.) gegenüber, die Nationalliberalen aber wie das bekannte Thier zwischen zwei Heubündeln. In ihrer Verlegenheit wandten sie sich an den Reichskanzler und fragten, wen sie wählen sollten. Aus Fürst Bismarck's Cabinet brachte der Draht sofort die lakonische Antwort:„Fürstwünscht Sabor!“ Der Fürst hat ihn auch erhalten, und selbst die „Frankf. Ztg." hat nicht über unzulässige Wahlbeeinflussung Klage geführt; ob die„Kreuzzeitung", wissen wir nicht. ( Das erst am 18. Januar 1898 abgeschlossene „Conservative Handbuch“, bearbeitet von Angehörigen beider conservativen Parteien, sagt auf Seite 396 ausbrücklich, daß„das bestehende Wahlrecht der con servativen Auffassung nicht entspricht. Es zählt dann die angeblichen Schäden auf, die nach der conservativen Auffassung dem jetzigen Wahlrecht anhaften sollen und meint schließlich,„man müßte abwarten, bis nie aus ihm entspringenden Uebelstände die Ueberzeugung von seiner Unhaltbarkeit schließlich auch Gemeingut werden lassen". So wörtlich! Gemeingut wird diese Ueberzeugung von der Unhaltbarkeit des Wahlrechtes aber dann sein, wenn der Reichstag eine Cartellmehrheit aufweist; dann wird eine Aenderung sicher sofort eintreten. Das„Conservative Handbuch“ sagt es zu deutlich. Da heißt's für die Wähler aufpassen, daß kein Cartellreichstag zu Stande kommt. * Aus der Pfalz, 21. Mai. Am letzten Sonntag hielt die pfälzische Abtheilung des evangelischen Bundes in Annweiler ihre dies jährige Hauptversammlung ab. Die Festpredigt hielt der Mannheimer Pfarrer Simon, welcher sich über die„Friedens=Mission“ des evangelischen Bundes verbreitete. Wie diese„Friedens=Mission“ aufzufassen ist, zeigte sich bei der Hauptversammlung, die auf den Gottesdienst folgte. Dort fiel nömlich nach einer Mittheilung der„Köln. Vztg.“ der Hauptheld des Tages, der Zweibrücker Professor Stichter, in der Thümmel'schen Manier über die Ultramontanen her. Zunächst wies er die Verdächtigung zurück, daß der Bund ein„Hetzbund“ sei. Nach dieser Ouverture ging es über den Ultramyntanismus los.„Den wahren Friedensstörer müsse jeder unbefangene Deutsche in dem Ultramontanismus suchen; der schlimmste Feind des evangelischen Christenthun.s sei der Ultramontanismus.“ Allerdings hat der gute Mann vergessen, Beweise für seine Behauptungen beizubringen. Zudem sind wir der Ansicht, auch in der Pfalz hätte der evangelische Bund vor seiner eigenen Thüre genügend zu fegen. So macht die Socialdemokratie in den protestantischen Gegenden der Pfalz reißend Fortschritte. Aber auf den Ultramontanismus schimpfen geht leichter, als die Schäden im eigenen Lager ausbessern. * Leipzig, 21. Mai. Ein Proceß wegen Landesverraths auf Grund des§ 3 des Gesetzes, betreffend den Verrath militärischer Geheimnisse, wurde gestern vor dem Reichsgericht gegen den Schriftsteller Gustav Minster verhandelt. Es sind 8 Zeugen und Major Geyer vom preußischen Kriegsministerium als Sachverständiger geladen. Der Angeklagte bestreitet seine Schuld. Derselbe erzählt, er sei nach seiner Flucht aus dem Gefängniß zu Landau mit einer Empfehlung an Ro hefort nach Paris gegangen. Dort habe ihn ein Mann Namens Elt aufgefordert, ihm geheime militärische Nachrichten aus Deutschland zu besorgen und zu diesem Zwecke nach Straßburg und Metz zu gehen. Er sei scheinbar auf diesen Vorschlag eingegangen und habe Intendanturbeamte in Metz zu gewinnen gesucht, ihm militärische Fahrtverzeichnisse und Mobilisirungspläne zu geben. Die Beamten hätten ihm auch Versprechungen gemacht, diese aber nicht gehalten. Er würde, wenn er die Dinge erhalten, dieselben gefälscht und die Fälschungen an Alt gesandt haben, in Folge der Fälschungen wären die gesandten Verzeichnisse dann ungefährlich gewesen. Das Urtheil lautete auf 5 Jahre und 1 Monat Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. Zur Wahlbewegung. * Witten, 24. Mai. Wir machen unsere Gesinnungsgenossen darauf aufmerksam, daß vom 18. bis 25. dieses Monats einschließlich die Liste der Wähler zum Reichstage in jeder Geweinde zu Jedermanns Einsicht offen liegt. Wer nicht in der Wählerliste steht oder wessen Name dort unrichtig angegeben ist, wird am 16. Juni nicht mitwählen können, wenn er nicht noch rechtzeitig reksamirt. Man möge also genau zusehen und seine etwaigen Einwendunger bezüglich der Vollständigkeit oder Richtigkeit der Liste sofort oder doch wenigstens bis zum 25. ds. Mts. zu Protokoll geben. Wahlberechtigt ist jeder in der betr. Gemeinde lebende Deutsche, welcher 1. 25 Jahre alt, 2. im Genuß der bürgerlichen Ehrenrechte ist 3. keine Armenunterstützung bezieht. Die Berechtigung der Wahl hängt also nicht von einem gewissen Steuersatze ab, ebenso ist selbstständige Haushaltung oder der Betrieb eines Geschäftes nicht erforderlich. Ferner bedarf es nicht wie bei der Landtags= oder Stadtverordnetenwahl einer mindestens sechsmonatlichen Anwesenheit in der betreffenden Gemeinde. Nur die oben angegebenen drei Punkte sind erforderlich, um zur Theilnahme an der Reichstagswahl befugt zu sein. * Der Werth einer guten Parteiorganisation wird im„Vorwärts“ folgendermaßen veranschaulicht:„Wir unterschätzen gewiß nicht den Werth einer gedankenreichen, zündenden, begeisternden Rede. Allein ein gut vertheiltes, das heißt allen Wählern zugänglich gemachtes Flugblatt ist besser als die beste Rede, die günstigsten Falles nur von einem vergleichsweise kleinen Theile der Wähler gehört werden kann. Das sagt Jedem der gesunde Menschenverstand. Die Vertheilung der Flugblätter ist aber Sache der Organisation. Und wenn der österreichische Feldmarschall vom Krieg sagte: was wir brauchen ist erstens Geld, und zweitens Geld, und drittens Geld, so sagen wir vom Wahlkampf: Was wir brauchen ist erstens Organisation, und zweitens Organisation, und drittens Organisation. Geld ist natürlich auch von Nöthen. Doch wenn wir die Organisation haben, dann haben wir auch Geld. Also nicht auf„bekannte“ oder gar „berühmte Redner“ gebaut, sondern auf die eigene Kraft! Selbst ist der Mann! Und Orgonisation, Organisation und nochmals Organisation!—“ Diese Ausführungen sind vollständig zutreffend; wir können sie nur unseren Parteigenossen dringend zur Beachtung empfehlen. Eine gute Organisation ist schon die halbe Wahl. * Bochum, 23. Mai. Das„Rheinisch=Westf. Tagebl.“ ärgert sich darüber, daß wir auf die politische Thätigkeit der angeblich unpolitischen evangelischen Arbeitervereine hingewiesen und sie als nationalliberale Wahlvereine bezeichnet haben und gibt dann der staunenden Welt folgendes Erzeugniß seiner politischen Kinderstube zum Besten: „Die katholische Kirche will auch kein politischer Verein sein. Damit reimt sich aber auch nicht die Thatsache, daß die katholische Kirche diejenigen Candidaten acceptirt und unterstützt, die ihr vom Centrum vorgeschlagen werden. Nach der Logik der„Westf. Volksztg.“ wäre die katholische Kirche in Deutschland nichts weiter als ein ultramontaner Wahlverein.“ Im vorigen Sommer haben wir wiederholt dergeschätzten Collegin nachweisen müssen, daß ihr die Wissenschaft der Logik ein Buch mit sieben Siegeln sei. Daß das auch heute noch der Fall ist, braucht das„Rh.=Westf. Tagebl.“ nicht immer von neuem zu erweisen; alle Welt weiß ja längst: Was Hänschen nicht lernt, lernt Haus nimmermehr. Im Weiteren meint das Blatt, wir empfänden Schmerzen „über das einige Zusammengehen der evangelischen Arbeiter mit der nationalliberalen Partei“ und schließt dann: „Sollten die Leibschmerzen, die der„Westfälischen Volkszeitung“ od dieser Thatsuche erwachsen sind, anhalten, so empfehlen wir ihr dringend die fleißige und energische Anwendung von Lourdes=Wasser.“ In der ersten nationalliberalen Wahlversammlung erklärte der Vorsitzende der hiesigen nationalliberalen Partei, Herr Rechtsanwalt Hünnebeck, die nationalliberale Partei sei entschlossen, den Wahlkampf anständig zu führen. Aus Vorstehendem ersieht Herr Hünnebeck, daß es dem„Rh.=Westf. Tagebl.“ ganz unmöglich ist, anständig zu sein. Es kann eben Niemand aus seiner Haut fahren. * Solingen, 22. Mai. Hier wird ein Wahlflugblatt der Sozialdemokratie vertheilt, welches die Candidatur des der Parteileitung nicht genehmen„Genossen“ Schumacher aufstellt und ausdrücklich erklärt, daß dies mit Genehmigung Schumachers geschehe. Dazu bemerkt der Berliner „Vorwärts":„Sollte sich die Angabe als richtig erweisen, so könnte Schumacher selbstverständlich nicht als Parteicandidat gelten und er käme in eine ähnliche Stellung wie 1881 Rittinghausen. Parteicandidat für den Kreis Solingen ist Genosse Scheidemann.“ Hält ein Theil der hiesigen„Genossen“ an der Candidatur Schumachers fest, so sind im Wahlkreise Solingen zwei„Genossen" vorhanden, die einander befehden werden. Das kann dann wohl heiter werden! Die vielgerühmte socialistische Einigkeit ginge dabei wieder einmal in die Brüche. * Neuß, 21. Mai. In der VertrauensmännerVersammlung der Centrumspartei wird als Candidat für die kommende Reichstagswahl einstimmig Herr Amtsgerichtsrath Rath zu Grevenbroich, ein auch den landwirthschaftlichen Kreisen sehr nahe stehender Mann, dabei ein rüstiger, erfahrener Arbeiter, und ein in der Vergangenheit vollbewährter Centrumsmann, aufgestellt. * Cöln, 19. Mai. Heute wurde in öffentlicher Wählerversammlung der Centrumspartei der seitberige Vertreter der Stadt Cöln im Reichstage, Herr Rechtsanwalt Dr. Karl Trimborn, Vorsitzender de' Provinzialwahlcomitees der Centrumspartei, einstimmig ols Candidat der Centrumspartei für den Stadtkreis Cöln proclamirt. * F r a n k f u r t a. M., 2 1. M a i. D i e h i e s i g e Centrumspartei will zu der Reichstagswahl einen Zählcandidaten aufstellen; nach langen Verhandlungen ist die Wahl auf Herrn Oberlandesgerichtsrath Roeren gefallen. + Fulda, 21. Mai. Eine von mehr als 200 Centrums=Wählern besuchte Vertrauensmänner=Versammlung des Wahlkreises Fulda=GersfeldSchlüchtern stellte heute, nachdem der bisherige Abg. Müller=Fulda die Gründe, weshalb er nicht wieder in diesem Wahlkreise candidire, dargelegt hatte, auf die Empfehlung des Herrn Müller und des Landtagsabgeordneten Kircher einstimmig den Landtagsabgeordneten Herold als Candidaten für die bevorstehende Reichstagswahl auf. Herr Herold entwickelte sein Programm des Centrums und wurde mit großer Begeisterung begrüßt. Die Wahl desselben ist sicher. * Berlin, 21. Mai. Die Berliner Polen hielten am 17. d. eine große Wähler=Versammlung ab, um sich hinsichtlich ihrer Stellungnahme bei den bevorstehenden Reichstagswahlen schlüssig zu werden. Der Abg. Szczaniecki rieth den Berliner Polen, zunächst für die Centrumscandidaten zu stimmen. Ein anderer Berliner Polenführer rieth gleich im ersten Wahlgange für die Freisinnigen zu stimmen. Die anwesenden polnisch=socialistischen Agitatoren forderten die Versammelten auf, für die socialistischen Candidaten zu stimmen. Als der Vorsitzende zur Abstimmung schreiten wollte, lärmten die Socialisten derartig, daß die Versammlung ergebnißlos geschlossen werden mußte. * Hamm, 21. Mai. Hier fand, wie schon kurz berichtet, eine Ausschuß=Sitzung des„Unter=Verbandes Westfalen" des Innungs=Verbandes„Germania“ statt, die von etwa 50 Herren besucht war. Der erste Vorstzende, Herr H. Döhmann=Bochum, eröffnete die Sitzung. Herr Bürgermeister Matthaei begrüßte die Anwesenden auch Seitens der städtispen Behörden. Nunmehr wurde in die Tagesordnung eingetreten. Der Hauptberathungsgegenstand betraf die Frage: ob freie oder Zwangsinnungen zu einpfehlen seien. Der Herr Vorsitzende ging in gedrängter, aber gleichwohl erschöpfender Weise auf die Frage ein, indem er bei seinen Ausführungen zunächst auf die Gesetzgebung von 1869 hinwies, die große Nachtheile für das Handwerk gebracht habe und berei s wenige Jahre später zu der Erkenntniß geführt hätte, daß de Sache so nicht weiter gehen könne. Die Gewerbefreiheit habe die Zügellosigkeit mit sich gebracht,— Zügellosigkeit herrsche unter den Meistern wie unter den Gesellen. Ohne die Gewerbefreiheit würde es der Socialdemo= kratie niemals gelungen sein, so tiefe Wurzeln zu schlagen. Die Dreitheilung: Meister, Geselle, Leyrling müsse wieder zur Geltung kommen, die früher bestandenen guten Verhältnisse müßten wieder zurückerobert werden. Dies sei aber nur durch festes Zusammenhalten zu erreichen. Das Gesetz vom 26. Juli r. J. habe nun die verschiedenen Richtungen empfohlen, die das Handwerk beben sollen, und die Versammlung werde nun heute darüber schlüssig werden, ob sie zur Bildung von freien oder Zwangsinnungen schreiten soll. Der Herr Vorsitzende entrollte ein Bile beider Innungsarten, die Licht= und Schattenseiten beider Innungen erläuternd und gegen einander abwägend. Das Resultat dieser Wägung gipfelte darin, daß die Zwangsinnung unbedingt vor der freien Innung zu empfehlen sei. Herr Bürgermeister Matthaei führt aus, er fasse die Sache so auf, es sei sicher, daß der zusammengeschlossene Handwerkerstand auf dem Boden der obligatorischen Innung stehe, also den Wunsch hege, die obligatorischen Innungen möchten wieder eingeführt werden. Es werde deshalb die Neigung vorhanden sein, die freien Innungen, wo solche beständen, in Zwangsinnungen zu ändern. Die Frage werde aber nicht so ohne Weiteres entschieden werden können. Sie würden die örtlichen Verhältnisse in den Innungsbezirken daraufhin genau zu studiren und sich zu fragen haben, ob der Antrag auf Bildung einer Zwangsinnung Aussicht auf Annahme habe. Die Frage, ob freie, ob Zwangsinnung, werde sich also nur von Ort zu Ort entscheiden lassen. Die Handwerker müßten nach dieser Richtung hin mit ihren der Innung nicht angehörenden Genossen der Stadtgemeinde Fühlung nehmen und versuchen, diese für die Innungssache zu interessiren, und erst dann, wenn die Mehrheit gesonnen sei, mit der Bildung von Zwangsinnungen vorgeben. Auf die Bestimmungen des Gesetzes müßte Rücksicht genommen werden. Hier in Hamm würde die Umwandlung keinen Schwierigkeiten begegnen, weil hier die meisten Bäcker der Innung angehören.(Sehr richtig.) Der Herr Vorsitzende bemerkt, nachdem der Vertreter von Oeynhausen für ein ruhiges, den Erfolg verbürgendes Vorgehen gesprochen hatte, in der Zwangsinnung lasse sich die Dreitheilung (Meister, Gesellen, Lehrling) am besten erreichen, während dies in der freien Innung nicht möglich sei, der Zwangsinnung gereichen die Bestimmungen des§ 100 e und f(Lehrlingshaltung) zum Vortheil, der freien Innung ginge dies verloren; die Zwangsinnung nehme Theil an der Wahl der Handwerkerkammern, auch könne sie selbst die Prüfungs=Commission wählen, während bei den freien Innungen die Regierung die Prüfungs=Commission bestimme. Die Zwangsinnung ergebe auch die Wahl im Gesellen=Ausschusse und die Beitragsbestimmungen, wonach dem besser Situirten ein größerer Theil der Lasten zufällt, als dem geringer Situirten. Nach weiterer kurzer Debatte gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: „Die bentige Ausschußsitzung erklärt sich grundsätzlich für die Bildung von Zwangsinnungen, da nur in einer festen Organisation die Zukunft des Handwerks gesichert erscheint. Es ist den Einzel=Innungen aber zu empfehlen, den Antrag auf Schaffung einer Zwangs=Junung zu stellen, wenn gesichert ist, daß die Mehrheit sich dafür erksären wird.“ Weiter empfiehlt der Herr Vorsitzende, man möge in allen Orten, wo noch keine Innungen beständen, die Vereinigung der Bäcker anstreben; dadurch werde schon viel gewonnen. Darauf erfolgte die Festsetzung der Tagesordnung für den am 22. und 23. Juni in Münster stattfindenden 18. Verbandstag dessen Berathungen am 23. Juni, Vormittags 11 Uhr, im Saale des Zoologischen Gartens ihren Anfang nehmen. Die Tagesordnung umfaßt u. a. den Geschäfts= und Rechenschaftsbericht für 1897, Wahl der Rechnungsprüfer, Antrag: Ob Zwangsinnungen oder freie Innungen zu empfehlen seien, Bericht der Rechnungsprüfer, Vorlage des Haushaltungsplans, Weximalarbeitstag, Sonntagsruhe und Ladenschluß, Wahl des geschäftsführenden Vorstandes, Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag, Sterbekasse des Verbandes usw. Bis zum 15. Juni sind dem Vorsitzenden die Namen der Abgeordneten bekannt zu geben. Das auf die Tagesordnung gesetzte Thema„Maximalarbeitstag“ gibt dem Herrn Vorsitzenden Veranlassung, an einigen drastischen Vorkommnissen zu zeigen, daß die Verhältnisse dringend der Abhülfe bedürfen. Jetzt sei ja kein Meister davor sicher, daß ihn ein Geselle, den er entlassen, nachträglich wegen Ueberschreitung des Maximalarbeitstages auf die Anklagebank bringe. Solche Bestimmungen würden von den Socialdemokraten gern benutzt, da diese mit der Organisation natürlich nicht einverstanden seien. Man müsse die Gesellenvereine mehr als bisher unterstützen. Man müsse Stellung zu den Leuten nehmen. Deshalb sei auch im Gesetz vorgesehen, daß die Gesellen=Ausschüsse an den Ausschuß=Sitzungen der Innung theilzunehmen haben. Nachdem noch einige weitere, die Allgemeinheit weniger interessirende Fragen besprochen, wurde die Sitzung geschlossen. * Beuthen(O.=S.), 21. Mai. Gestern brach ein Ausstand auf der Aufschlußgrube der Grafen Heuckel=Donnersmarck aus. Sämmtliche Schlepper fordern Lohnerhöhung. Ein neues Gruben-Anglück. 3 Dortmund, 22. Mai. In vergangener Nacht ist die bei Kirchlinde belegene Zeche„Zollern“ durch ein furchtbares Unglück heimgesucht worden. Kurz nach 2 Uhr Nachts stiegen dichte Rauchwolken aus dem Hauptförderschacht empor. Sofort stiegen einige über Tage arbeitende hinab, mußten aber bald wieder zu Tage fahren, da der furchtbare Qualm ein Vordringen nicht zuließ. Nichtsdestoweniger versuchte die inzwischen alarmirte Feuerwehr, die zum großen Theile aus Bergleuten besteht, in die Tiefe hinabzudringen, um nach der Ursache des Ereignisses zu forschen. Es wurde festgestellt, daß wenige Meter vom Schacht in einer Maschinenkammer ein Feuer ausgebrochen war, das sich bereits den Strecken mitgetheilt hatte und große Ausdehnung anzunehmen drohte. Inzwischen hatten die Bergleute, die in einer Stärke von 217 zur Nachtschicht angefahren waren, Kenutniß von der ihnen drohenden Gefahr bekommen, sie versuchten nach Möglichkeit den Schacht zu erreichen, um ausfahren zu können. Dem größten Theile der Belegschaft ist dieses auch gelungen, aber auf der Unglückssohle, wo etwa 40 bis 45 Bergleute beschäftigt sind, haben sie den Ausweg durch die brennenden Strecken nicht mehr gefunden, sie sind alle elendig zu Tode gekommen. Zwar versuchten einige von der Rettungsmannschaft zu den abgeschlossenen Kameraden zu dringen, indessen ihr Bestreben war vergebens, einer von den Braven hat seinen Opfermuth mit dem Tode büßen müssen. Um den Brand einigermaßen zu bekämpfen, versuchte man sofort Wasserleitungsrohre einzubauen, welche Arbeit aber auch nicht schnell von statten gehen konnte, da der fortgesetzt aufsteigende Brandschwaden dieses verhindert:. Im Laufe des Tages, als das Unglück bekannt wurde, sam melten sich vor den Thoren des abgeschlossenen Zechenplatzes die vielen Angehörigen der in der Grube befindlichen Bergleute. Herzzerre ißende Scenen spielten sich ab. Kurz nach Mittag hotte man erst den ersten Verunglückten geborgen, um 3½ Uhr förderte man wieder 3 Todte zu Tage, alle waren bis zur Unkenntlichkeit verbrangt. Die Rettungsarbeiten nahmen wihrend der ganzen Nacht ihren Fortgang. Bis gegen 8 Uhr Abends hatte man 10 Todte zu Tage gefördert. Sämmtliche in der Grube befindlichen Pferde sind erstickt. Die Liste der nach der Markencontrole als vermißt angegebenen Bergleute, worunter sich sechs Brüder(Biermann, Sichelschmidt und Wüllner) befinden, lautet wie folgt: Fahrhauer Anton Grote, Castrop; Bergleute Wilhelm Suntrop, Marten; Heinrich Kortmann, Kirchlinde; Anton Lütder, Kirchlinde; Wilhelm Biermann, Kirchlinde; Heinrich Biermann, Kirchlinde: Anton Storck, Kirchlinde; Wilhelm Laufer, Kirchlinde: Gustav Gieseler, Oespel; Heinr. Schröder, Frohlinde; Wilbelm Schulte, Kirchlinde; Hermann Castrop, Frohlinde; Anton Hagenkamp, Marten; August Heinrichs Kirchlinde: Heinrich Wüllner, Kirchlinde; Heinrich Kattenbräuker, Westrich; Franz Wüllner, Kirchlinde; Carl Kessebohm, Lütgendortmund; Wilh. Leineweber, Westrich; Friedr. Köhlborn, Lütgendortmund; Michael Berant, Kirchlinde; Matthias Weber; Ludwig Pohlke, Kirchlinde; Heinr. Köllner, Kirchlinde: Friedrich Sichelschmidt, Kirchlinde: Richard Sichelschmidt, Kirchlinde; Wilhelm Klotz, Lütgendortmund; Carl Schulte, Kirchlinde; Heinrich Vieseler, Marten; Anton Billmann, Rahm; Anton Krampe, Huckarde; Franz Rast, Frohlinde: Joseph Mutzbach; Carl Brinkmann; Johann Gritzian, Lütgendortmund; Jacob Wellmann, Marten; August Brune, Marten; Carl Lill, Kirchlinde; Michael Maczeniak=Kirchlinde; Albert Jendrazhk, Marten; Friedrich Hahn, Westrich; Herm. Jansen: Wilhelm Biermann, Kirchlinde; Wielhelm Ditzel, Kirchlinde; Wilhelm Kobuß. Schon in aller Frühe war der Revierbeamte, Herr Bergrath Scharf, auf der Ungläcksstätte, um sich des Näheren zu erkundigen. Locales und Provinzielles. * Witten, 24. Mai. Wie alljöhrlich, so findet auch in diesem Jahr: an den drei Pfingstfeiertagen in unserer Pfarrkirche die Feier des 40stündigen Gebetes statt. Die hl. Messen beginnen an allen drei Tagen Morgens um 6 Uhr. Die letzte Andachtsstunde ist an den beiden ersten Pfiagsttagen von 6—7 Uhr. Am dritten Pfingsttage von 7—8 Uhr ist dann Schlußandacht und Te Deum mit Segen. *— Gegenwärtig haben wir, nachdem vor einigen Tagen noch Herr Caplan Jansen sein Amt hier angetreten hat, 5 Seelsorger. Es wird dieses aber nicht lange dauern; denn nach Pfingsten wird Herr Caplan Hovestadt unsere Gemeinde, wo er eine so lange Zeit überaus segensreich gewirkt, verlassen, um im benachbarten Annen seine seelsorgerische Thätigkeit als Pfarrer zu beginnen. Wir sind überzeugt, daß die Katholiken Wittens dem hochw. Herrn diese Beförderung von Herzen gönnen, wiewohl sie seinen Abschied von hier auf's tiefste bedauern werden. X— Der B vergangenen Sonn ab. Nach dem S teten Jahresbericht flossenen Jahre. 18 M., sodaß ein Ue wurde. Von diese tragend angelegt. ertheilt. Sodann Irs. in Altena Westfälischen Krieg Vertreter des VerFahnenweihe des wird der Veteran ein am 26. 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Wir Wittens dem herzen gönnen, auf's tiefste X— Der Veteranen=Verein hielt am vergangenen Sonntag einen General=Appell ab. Nach dem Seitens der Kassenrevisoren erstatteten Jahresbericht betrugen die Einnahmen im verflossenen Jahre. 1830,31 M., die Ausgaben 769,23 M., sodaß ein Ueberschuß von 1061.08 M. erzielt wurde. Von dieser Summe sind 807,77 M. zinstragend angelegt. Dem Kasstrer wurde Entlastung ertheilt. Sodann wurden für den am 11. Juni d. Irs. in Altena stattfindenden Delegirtentag des Westfälischen Kriegerverbandes zwei Delegirte als Vertreter des Vereins bestimmt. An dem Feste der Fahnenweihe des hiesigen Pionier=Vereins wird der Veteranen=Verein sich betheiligen. Ueber ein am 26. Juni in den hübschen Anlagen des Vereinslocals zu feierndes Sommerfest soll der Vorstand Berathungen pflegen. Die am Sonntag Nachmittag im Lokale des Wirths Kaase im Oberdorf stattgefundene Versammlung des Knappschaftsvereins„Glückauf" war etwa von 40 Personen besucht. Nachdem den erkrankten Mitgliedern Unterstötzungen bewilligt waren, wurde das neue Knappschaftsstatut und dessen nachtheiligen Folgen besprochen. Der Einberufer Herr Heinrich Lohmann, ermahnte die Mitglieder zum Schluß, bei der in nächster Zeit stattfindenden Wahl eines Knappschaftsältesten einen Mann zu wählen, der auch für das Wohl der Arbeiter sorg:. 2— Einen großen Schaden hatte der Brauereibesitzer Wilh. Dönhof. Sein vor einen Eiswagen gespanntes Pferd wurde plötzlich vom Schlage getroffen und krepirte auf der Stelle. Das Pferd soll einen Werth von 1200 bis 1500 Mark repräsentiren. *— In der Nacht von Sonitag auf Montag spielte sich in der Schlachthofstraße eine wüste Schlägerei ab. Als nun einer der Kampfhähne, der anscheinend genug mitbekommen hatte, in ein Haus an derselben Straße flüchtete, bombardirten die angetrunkenen Menschen das Haus derartig, daß im zweiten Stockwerke mehrere Feuster zertrümmert wurden und in Folge des Bombardements mehrere Kinder, deren Schlafzimmer sich in demselben Stockwerke befand, in Lebensgefahr schwebten. Hoffentlich werden die Thäter erkannt und zur Rechenschaft gezogen werden. 2— Zu heftigen Auseinandersetzungen kam es gestern Abend zwischen einem Schuhmachermeister und einem Gesellen. Der Geselle, welcher sich einen tüchtigen Rausch angetrunken hatte, verletzte den Meister mit einer Pfeife so erheblich, daß er aus mehreren Wunden blutete. Die in zwischen requirirte Prlizei nahm den Thäter fest und stellte somit die Ruhe wieder ber. *— Gefunden wurden folgende Gegenstände: eine Taschenuhr, ein Gesangbuch, ein Dachdeckerhammer, eine Handtasche, ein Schirm und eine Weste. Abzuholen auf dem Polizeibureau. 2 Annen, 23. Mai. Die hiesigen Katholiken sind tiefbetrübt, daß sie ihren geliebten Seelenhirten, Herrn Pfarrer Schulte, verloren haben. Der hochw. Herr wird bekanntlich in den Ordensstand eintreten. Der für unsere Gemeinde neuernannte Pfarrer Herr Hovestadt wird, wie es heißt, nach den Pfingstfeiertagen sein neues Amt antreten. § Bochum, 23. Mai. Die gestrige Wähler: versamm lung der Centrumspartei im ersten Stadtbezirke, welche im Kortländer'schen Saale stattfand, war ziemlich gut besucht. Der Obmann der Vertrauensmänner, Herr Kaufmann Imberg, eröffnete und leitete in trefflicher Weise die Versammlung. Von verschiedenen Rednern wurden die Ziele, G undsätze und Bestrebungen der Centrumspartei dargelegt und die Wähler ermahnt, Mann für Mann dem Centrumscandidaten am 16. Juni die Stimme zu geben. Jeder Anwesende müsse Agirator werden, damit ein gutes Resultat erzielt werde. 2— Am Christi=Himmelfahrtstage machten Mitglieder des Sauerländischen Gebirgsvereins einen Ausflug in das Ruhrthal. Der Weg führte zunächst zur Pumpstation des Bochumer Wasserwerkes. Die Einrichtungen der Pumpstation wurden von dem Leiter den Touristen in der zuvorkommendsten Weise gezeigt und erklärt. Darauf ging der Weg weiter an der Ruhr entlang nach Hattingen, von wo aus die Rückreise angetreten wurde. Innerhalb des Vereines ist der Vorschlag gemacht worden, die Touren für den ganzen Sommer schon vorher festzulegen. 2— Gestern Abend entstand auf eine bisher unaufgeklärte Weise im Hause des Landwirths Backwinkel in Bärendorf ein Brand, dem der Dachstuhl und die Scheune zum Opfer fielen. Die Feuerwehr der Köhler'schen Westfälischen Stahlwerke war alsbald zur Stelle, und so wurde dem verheerenden Elemente Einhalt geboten. nle 9.— Der am Dienstag in die Collecte von L. Traß hier gefallene 3. Hauptgewinn der Stettiner Pferde=Lotterie besteht aus, einem prachtvollen Landauer mit zwei hochedlen Pferden im Werthe von 5000 Mark. Der glückliche Gewinner ist ein auf den Westfälischen Stahlwerken beschäftigter junger Mann. 88— Das Conceri des Berliner Philharmonischen Orchesters muß wegen eingetretener unabweisbarer Umstände einen Tag früher gelegt werden und findet demnach bereits am Dienstag, den 24. Mai, Abends 7½ Uhr auf dem Schützenhofe hier selbst statt. Die vorzügliche Schulung dieses Orchesters, das aus Künstlern zusammengesetzt ist und unter der Leitung eines vollendeten Künstlers steht, ist noch von den früheren Concerten her bei vielen unserer Mitbürger in guter Erinnerung geblieben. Auch diesmal wird dasselbe sein bestes Können einsetzen. Ueber die neuesten Lei stungen dieses Orchesters schreibt die„Voss. Ztg.“: „In ihren Ausführungen haben Herr Nikisch und das philharmonische Orchester noch glänzender als im Vorjahre sich bewährt. In das Programm sind neue hervorragende Tonwerke aufgenommen worden, die mit einer seltenen geistigen Frische in vollendeter Klangschönheit gespielt wurden.“ Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch diesmal die„Philharmoniker", die nach Bülows Tode in dem Herrn Nikisch einen so gediegenen Dirigenten gefunden haben, ihre Anziehungskraft bewähren werden. 44— Das mechanische Theater von H. Pottharst wird demnächst hier wieder eintreffen. Das Theater hat von früher her einen guten Ruf, den es seinen gediegenen und decenten Vorstellungen verdankt. + Hordel, 23. Mai. Die Eheleute Carl Schremmer und Rosina Schremmer geb. Schubert feiern om 28. Mai den seltenen Tag der goldenen Hochzeit. Möge dem Jubelpaare noch ein langes Leben beschieben sein! G Wattenscheid, 23. Moi. Die Versammlung des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter war nur mäßig besucht. Sie wurde gegen 5 Uhr von Herrn Ruhrmann eröffnet. Dieser gab bekannt, daß der Röhrig'sche Saal zu dieser Versammlung nicht zu haben sei. Sodann verbreitete er sich über Orgonisation und Knappschaftsältesten=Wahlen. Dos Vorstandsmitglied Wiedeler führte aus, der Gewerkverein stehe ebenso wie das Kohlensyndicat auf gesetzlichem und gleichberechtigtem Boden, und bedauerte in längerer Ausführung. daß man von gewisser Seite den Vertretern des Gewerkvereins ihr Streben äußerst schwer mache, wovon nur die Socialdemokratie Nutzen habe. Solches Gebahren sei im Interesse des allgemeinen Wohles unseres Vaterlandes zu verurtheilen. Herr Ruhrmann verbreitete sich dann noch über Pensionskassenwesen und schloß die Versammlung gegen 6½ Uhr. Es ließen sich eine ganze Reihe neuer Mitglieder aufnehmen. 2— Das gestrige Concert im Fichtner'schen Garten war sehr gut besucht. Der hiesige OrchesterVerein, unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Oehler, der sich eines guten Rufes erfreut, spielte seine herrlichen Weisen. Herr Fichtner ist immer bemüht, für geringes Entree den Bürgern etwas Gutes zu bieten. Es ist der Besuch der Anlagen für unsere an Naturschönheiten so arme Gegend ein wahrer Genuß. 5—. Bei dem schweren Gewitter am Freitag schlug der Blitz an der evang. Kirche in die Leitung eines electrischen Wagens, so daß die Zinkumhüllung schmolz. Die Flamme schlug manneshoch emvor, und ließ erst nach, als man den Bügel von der Leitung zog. Zum Glück ist sonst kein Unfall dabei zu verzeichnen. 9— Dem Gutspächter H. Bußmann auf Lyren wurde gestern Nacht ein vier Monate altes Schwein im Stalle abgeschlachtet und gestohlen; die Diebe hatten aus vieren das beste ausgesucht. * Münster, 20. Mai. Die Ministerien des Cultus, der Justiz und des Janern ertheilten die grundsätzliche Genehmigung zur Errichtung eines katholischen Krankenhauses in Metelen. Die frühere Ablehnung führte bekanntlich zur Verhandlung des Falles im Abgeordnetenhause. * Lüdenscheid, 19. Mai. Eine Vergiftung durch die sogenannte Kettenblume oder Gänsedistel hat sich in dem benachbarten Dorfe Wettringhof ereignet. Das dreijährige Söhnchen eines dortigen Landwirths hatte eine derartige Blüthe gegesten, wonach es sofort unter allen Erscheinungen einer schweren Vergiftung erkrankte. Nur dem schnellen Eingreifen des Arztes, der ein Gegengift verordnete, ist es zu danken, daß das Kind, obwohl es noch schwer krank darniederliegt, auscheinend mit dem Leben davonkommen wird. Bemerkt sei noch, Laß nur die Blüthe schädlich ist, während die Blätter einen Salat liefern, der ohne jeden Schaden viel gegessen wird. Verhandlungen der Stadtverordneten. ∆ Bochum, 21. Mai. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten war der Magistrat vertreten durch die Herren Oberbürgermeister Hahn, Bürgerweister Graff, Stadtrath Schmidt, Stadtrath Bluth und Stadtrath Held. Von den Stadtverordneten fehlten mit Entschuldigung die Herren Matthieu, Schweling, Stegemann, Peters, Paas, Becker, Frielinghaus und außerdem noch einige Herren ohne Entschuldigung. Im Rathhaussaale selbst hatte eine Umwälzung stattgefunden, indem außer dem Herrn Vorsitzenden keiner auf seinem Platze geblieben war. Der Magistrat war von der rechten Seite des Stadtverordnetenvorstehers auf die Linkgerückt und die Herren Stadtveroreneten waren in Hufeisenform an grün gedeckten Tischen auf Rohrstühlen placirt worden. Die bisherigen, übrigens gar nicht unbequemen Schulbänke, waren in den Zuhörerraum verpackt worden und versperrten dort der Presse Bochums den Weg, insbesondere aber verhinderten sie das Hinabsehen in den Saal. Das Fischnetz war, wahrscheinlich weil man noch nichts damit gefangen hatte, verschwunden und auch in den Zuhörerraum gewandert. Die Draperien der Nordwestwand waren ebenfolls verschwunden, so daß einem wieder die nackte Kalkwand entgegenstarrte und die schlechte Akustik wieder grell hervortrot. Unter solchen Umständen fand eine recht lange Verhandlung statt, so daß wohl Alle erleichtert aufathmeten, als ein Antrag auf Schluß der Sitzung und Vertagung der beiden letzten Punkt= angenommen wurde. Vor der Tagesordnung wurde vom StadtverordnetenVorsteher ein Schreiben zur Verlesung gebracht, in welchem Beschwerde geführt wurde über das Fehlen einer ständigen Feuerwehr und über die mangelhafte Ausrüstung der bestehenden freiwilligen Feuerwehr. Der Herr Stadtverordnete Dieckhoff bemerkte nach dem Verlesen des Schreibens, zur Beruhigung der Bürger könne er sagen, daß die freiwillige Feuerwehr noch auf derselben Höhe stehe, wie unter dem früheren Chef, von dem Jeder die Meinung gehabt habe, und der auch wirklich eine Größe auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens gewesen sei. Herr Stadtverordneter Rump fragt an, warum die Feuerwehr bei solch ausbrechenden Bränden nicht sofort eine gänzliche E stickung des Feuers vornehme, da man namentlich bei dem letzten Brande am Pferdemarkt einige Zeit nach Abzug der Feuerwehr wieder eine Fortsetzung des Brandes hätte wahrnehmen können. Herr Stadtverordneter Dieckhoff bemerkt dazu, daß wohl häufig in den Trümmern noch Funken vorhanden wären, welche sich wieder ansaugten, die aber leicht mit einigen Eimern Wasser von den Leuten erstickt werden könnten, aber es schien als ob einige Leute daran besonderes Vergnügen hätten, die Feuerwehr wieder anrücken zu lassen. Das Schreiben wurde dem Mogistrat zur Kenntnißnahme überwiesen. Dann trat man in die Tagesordnung ein. 1. Der Bericht über die Revision der Beleuchtungs= und Wasserwerkskasse wurde durch Kenntnißnahme erledigt. 2. Zur Anlegung eines Entwässerungs=Canals in dem südlichen Theil der Trankgasse bemerkte der Referent, Herr Stadtverordneter Römer, daß dieser Canal hauptsächlich durch die Scharpenseel'sche Bierbrauerei nothwendig geworden sei. Bei einer ersten Anfrage der Brauerei habe man die ganzen Kosten, 1400 M., der Brauerei auferlegen wollen, was natürlich zurückgewiesen worden sei; später habe man sich dahin geeinigt, daß die Brauerei 1000 M. und die Stadt 400 M. der Kosten übernehmen soll. In diesem Sinne mache der Magistrat die Vorlage. Dieselbe wurde angenommen. 8. Ausrüstung des neuen Oberrealschulgebäudes. Der Referent, Herr Stadtverordneter Römer, verlas zunächst die Aeußerung des Stadtbeuamts zu dieser Vorlage. Nach diesen Aeußerungen wird für die ganze Ausrüstung 40,000 M. gefordert. Seiner Zeit sei vom Stadtverordnetencollegium beschlossen worden, über die Ausrüstung besonderen Beschluß zu fassen. Daher ersuche das Stadtbauamt jetzt das Stadtverordnetencollegium, die Summe zu bewilligen. Die genaue Innehaltung des Kostenanschlags könne nicht garantirt werden. Es seien bezüglich der electrischen Anlagen schon jetzt einige Abweichungen von der ersten Vorlage getroffen. Es wären nämlich für Wasser, Gas 2c. vorgesehen 10,000 M.; nach den neuesten Erwägungen aber würden für Anlegung der Wasserleitung 4400 M., für Gasleitung 1800 M., für electrische Einrichtungen 4500 M. und für unvorhergesehene Fülle 1300 M. nothwendig sein. Statt der 10,000 M. würden also 12000 M., demnach 2000 M. mehr zu bewilligen sein. Ferner würden 3000 M. für das chemisch=ucturhistorische Zimmer gefordert, 800 M. für eine in der Giebelwand des Gebäudes anzubringende Uhr. Die Kosten des Canals würden statt 4000 M. 5000 M. erfordern, also 1000 M. mehr. Der Magistrat schlage nun vor, die geforderten 3000 M. für das chemischnaturhistorische Zimmer abzusetzen und die verbleibenden 3800 M. Mehrforderung zu genehmigen. In diesem Sinne wird die Vorlage angenommen. Der Referent bemerkt noch, daß die ganzen Kosten sich auf 521,000 M. belaufen würden. 4. Ausschmückung und Ausstattung des Rathhaussaales. Dieser Punkt rief eine sehr ausgedehnte Discussion hervor. Wir kommen derauf später noch zurück, weil die Vorlage an die Finanz= resp. Decorationscommission zurückgewiesen wurde Bei der Discussion wurden drei Punkte, um welche sich alles drehte, ausgeschieden. nämlich die Anschaffung eines entsprechenden Fensters, die Anordnung der Sitzplätze für die Stadtverordneten und die Bemalung der Nordwestwand. Man beschäftigte sich mit allen drei Punkten eine sehr lange Zeit. Die Bemalung der Nordwestwand soll 18.000 M. kosten. Für Bewilligung dieses Kostenpunktes sprach sich zunächst der Herr Stadtverordnete Löbker aus. Die Anordnung der Sitze, wie sie provisorisch(in Hufeisenform) vorgenommen war. gefiel ihm nicht, weil sie zu weitläufig und der eine den anderen nicht verstehen könne. Bezüglich des Fensters müßte man Rücksprache mit dem Maler des Bildes(resp. der Bilder) nehmen. Er schlüge vor, daß man an der Nordwestwand das mittlere Feld durch Holzvertäfelung mit einem Schalldeckel über dem Sitze des Präsidenten und über dem Rednerpulte, und die beiden Seitenfelder durch Oelgemälde wie„Verleihung der Stadtrechte“ 2c. ausfülle. Herr Stodtverordneter Hackert bemerkt dazu. er habe sich schon früher gegen Bewilligung solch bedeutender Ausgaben für den Luxus erklärt, er sei auch heute gegen die Genehmigung einer solchen Summe von 45.000 M. Er meine. es lägen dringendere Ausgaben in der Stadt vor, wozu das Geld besser verwandt werden könne. 18.000 M. für die Ausschmückung einer Wand auszugeben, welche möglicher Weise nach kurzer Zett schon wieder abgebrochen werden könnte— denn er halte eine Ausdehnung des Rathhauses nach der Seite hin eher für möglich als nach einer anderen Seite hin—, das wäre nicht richtig gehandelt, da wäre es besser, man hielte das Geld vorläufig im Sack und verwende es zur Verbesserung der Straßen. Von verschiedener Seite wurde dann auf die schlechte Akustik des Saales hingewiesen und daß man diese Fehler erst beseitigen müßte, ehe man soviel Geld auf die Ausschmückung verwende. Nachdem dann noch mehrmals vom Magistrat und dem Herrn Stadtverordneten Löbker empfohlen wurde, wenigstens die augenblickliche gute Zeit zu benutzen und die 18,000 M. für die Ausschmückung der Nordwestwand zu bewilligen, wurde vom Stadtverordneten Herrn Löchtermann darauf hingewiesen, daß der Magistrat den Saal viel mehr als Repräsentationssaal und nicht als Stadtverordnetensaal betrachte. Derselbe stellte den Antrag, die Vorlage an die Finanzcom= mission zurückzuverweisen; diese sollte die Decorations=Commission nochmals zusammentreten und eine Vorlage über eine einfache, billige Decorirung der Wand, welche bis jetzt noch nicht gemacht sei, ausarbeiten lassen. Dieser Antrag wurde mit 14 von 26 vorhandenen Stimmen angenommen. 5. Erhöhung des stäotischen Zuschusses für die Kaufmännische Fortbildungsschule. Nach dem Referate d's Herrn Stadtverordneten Müller hatte die Kaufmännische Schule die Erhöhung des Staatszuschusses von 1000 M. auf 2140 M.(den diesjährigen Fehlbetrag) beantragt. Es war derselben von der königlichen Regierung hierauf die Aussicht eröffnet, daß sie den Zuschuß auf 1570 M. erhöhen würde, wenn die Stadt ebenfalls den Zuschuß von 1000 M. auf 1570 M. erhöhe. Die Handelskammer, so meinte der Referent, würde nun wahrscheinlich die Hälfte der Mehrkosten(285 M.) decken, sodaß für die Stadt nur eine Erhöhung von 1000 M. auf 1285 M. übrig bliebe. Diese Erhöhung wurde bewilligt. Hier anschließend wurde eine dringliche Vorlage eingebracht, betieffend Erhöhung des Zuschusses für die weibl. Fortbildungsschule von 800 auf 1000 Mk. Die Dringlichkeit der Vorlage wie die Nothwendigkeit der Erhöhung wurden anerkannt und die 200 Mk. mehr bewilligt. 6. Ministerialerlaß, betreffend die Vertheilung des Communolsteuer=Bedarfs der Stadt Bochum für das Rechnungsjahr 1898.99. Der Referent zu diesem Punkte, Herr Stadtverordneter Römer, verliest zunächst das Schreiben des Magistrats an die Regierung zur Begründung der Steuervertheilung und dann den„Ministerialerlaß. Derselbe spricht sich sehr mißbilligend darüber aus, daß man in der Festsetzung der Communalsteuer bis an die äußerste Grenze gegangen sei. Es sei auch nicht statthaft, 2/3 der Kosten der Straßenreinigung durch die Communalsteuer zu decken. Zweckmäßig wäre es gewesen, die Genehmigung zur Erhebung von 150 pCt. zu versagen, wenn der Minister dennoch zustimme, so geschehe solches nur in Anbetracht der vorgeschrittenen Zeit und der vielen Verluste, welche der Stadt dedurch entstehen würden ei der fluctuirenden Bevölkerung. In einem weiteren Schreiben bemerkt der Regierungspräsident dann noch, eine gleichartige Vertheilung des Steuerbedarfs künftig nicht mehr zuzulassen. Stadtverordneter Müller weist hin, auf die großen Realund sonstigen Steuern und bittet den Magistrat, bei der nächstjährigen Berichterstattung mehr auf die außergewöhnlichen Zustände in unserer Stadt hinzuweisen. Oberbürgermeister Hahn bemerkt, daß er mit dem Stadtverordneten Mülle: einer Meinung sei über den Ministerial= erlaß. Derselbe sei wohl anfechtbar, aber der Minister sei die letzte Instanz. Versage derselbe die Genehmigung, dann säße man mit den Steuern fest. Er müsse aber noch auf etwas Anderes hinweisen. In dem Erlaß würde dem Magistrate bewußtes Widerstreben gegen den Geist des Communalabgabengesetzes vorgeworfen; das Stadtverordnetencollegium mache dem Magistrate den entgegenge etzten Vorwurf,— beide ließen ihn kalt—, aber er sehe dadurch, daß er auf dem richtigen Mittelwege sei. Er bitte das Collegium um seine kräft ge Unterstützung, wodurch dem Magistrate wettere Schwierigkeiten nach oben erspart würden. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden vertagt. Zum spanisch-amerikanischen Kriege. * Bremen, 21. Mai. Das nach Manil a bestimmte Geestemünder Schiff„Ebenezer“ ist laut einer Devesche von gestern in Hongkong eingelaufen, nachdem es durch das amerikanische Blockadegeschwader vor Manila zurückgewiesen wor den war. * Madrid, 21. Mai. Hier geht mit großer Entschiedenheit ein Gerücht, das, wenn es der Wahrheit entspricht, von weitestgehender Bebeutung wäre. Maximo Gomez und Calixto Garcia sollen nämlich entschlossen sein, sich zu unterwerfen. Namentlich Letzterer sei bereit und warte nur auf die Entscheidung Gomez'. Die Verhandlungen würden in Paris zwischen den Botschafter Leony Castillo und dem Dr. Betances gepflogen und trügen einen offiziösen Charakter. Deshalb hätte sich Leony Castillo auch geweigert, seinen Posten in Paris zu verlassen. * Madrid, 21. Mai. Eine Depesche Blancos besagt: Amerikanische Schiffe hißten, um die Garnison Guantanamos zu täuschen, die spanische Flagge, als sie vor dem Hafen erschienen; der Feind wurde in dessen sofort erkannt.— Die Insurgentenbanden in den Provinzen Havannah und Matanzas wurde geschlagen. — Die Nachrichten über den Aufenthaltsort der spanischen Flotte sind widersprechend. Die Regierung beobachtet Reserve.— Die Madrider Börse war heute wesentlich besser.— Die beiden amerikanischen„World“= Correspondenten sollen, einer neueren Meldung zufolge, nicht als Kriegsgefangene, sondern als Feinde mit den Waffen in der Hand von den spanischen Gerichten abgeurtheilt und wahrscheinlich zum Tode verurtheilt werden.— Admiral Camara wird nach einer Unterredung mit dem Marineminister nach Cadix abreisen, woselbst er den Oberbefehl über das Reservegeschwader übernehmen wird. Dasselbe wird mit versiegelten Ordres abgehen. * * Washington, 21. Mai. Admiral Sampson erhielt strikten Befehl, das Einlaufen der spanischen Flotte in den Hafen von Havannah um jeden Preis zu verhindern. An Admiral Schley ergingen wichtige Weisungen. Man erwartet noch heute einen Zusammenstoß zwischen beiden Flotten. * Havannah, 21. Mai. Mehrere amerikanische Schiffe zeigten sich vor der Bai, hielten sich aber in großer Entfernung. Neueste Nachrichten und Telegramme. * Berlin, 22. Mai. Der„Reichsanz.“ veröffentlichte eine an den Reichskanzler gerichtete kaiserliche Cabinets= ordre vom 20. d. Mts., worin der Kaiser nach Abschluß des bürgetlichen Gesetzgebungswerkes dem Staatssecretär des Reichsjustizamtes und allen Beamten dieser Behörde,„welche in hingebender, angestrengter Arbeit an dieser großen gesetzgeberischen Arbeit mitgewirkt haben“, Dank und Anerkennung ausspricht und dem Staatssecretär Nieber= ding den Rothen Adlerorden erster Klass: mit Eichenlaub verleiht. m# Die Minister Dr. v. Miquel, Dr. Bosse, v. d. Recke und Graf von Posadowsky haben am Freitag eine „deutschenationale Vergnügungsreise nach Posen gemacht, wo mit„maßgebenden Persönlichkeiten“ über Maßregeln und Einrichtung zur Stärkung des Deutschihums verhandelten und einige Baulichkeiten und Bauplätze besichtigten. Abends „stärkten“ sie sich selbst durch ein Diner beim Oberpräsidenten, woran aber Herr v. Miquel wegen eines Halsübels nicht Theil nehmen konnte. Nachdem sie am Samstag noch einige Gebäude besichtigt hatten, reisten sie wieder nach Berlin a. Herr v. Miquel mußte jedoch wegen seiner Erkrankung zurückbleiben. Aus den Kreisen deutschen Bevölkerung waren zahlreiche Deputationen bei den Ministern angemeldet. Die „Berl. Pol. Nachr." bemerkten aber im voraus, es werde wohl nicht möglich sein, sie sämmtlich zu empfangen. Auch möge man nicht zu weitgehende Erwartungen an die Ministerreise knüpfen, um keine Enttäuschungen zu erfahren. Es sei nur au.f die Erfüllung solcher Wünsche zu rechnen, die sich in den Grenzen des Erreichbaren hielten. Die Hakatisten müssen wohl sehr unbescheidene Wünsche geäußert haben, daß ihnen officiös abgewinkt wird. * Potsdam, 22. Mai. Heute Mittag fand in der Friedenskirche die Einsegnung des Kronprinzen Wilhelm und des Prinzen Eitel Friedrich statt im Beisein des Kaisers, der Kaiserin und der Kaiserin Friedrich sowie der Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses und fürstlicher Häuser. Nach der Rede des Generalsuperintendenten Dr. Dryander und einem Vortrage des Domchors verlasen die beiden Prinzen jeder sein selbstverfaßtes Glaubensbekenntniß; zuerst der Kronprinz anschließend an den Bibelspruch:„Thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll.“ Er faßte sein Gelübde dahin zusammen, er wolle sich als lebendiges Glied der evangelischen Kirche erweisen und der Erste sein, der seinem Könige und seinem Vaterlande bis zum letzten Blutstropfen zu dienen entschlossen sei. Dann sprach Prinz Eitel Friedrich, welcher den Spruch gewählt hatte:„Gieb mir, mein Sohn, dein Herz und laß meinen Augen deine Wege wohlgefallen.“ Beide Prinzen sprachen mit weithin vernehmlicher Stimme. Es folgte nun der eigentliche Einsegnungsact. Gemeindegesang, Gebet, Segen und Gesang des Domchors beschlossen die erhebende Feier. Die Prinzen reichten dem Generalsuperintendenten die Hand und wurden von den Majestäten unter Küssen beglückwünscht. * Posen, 23. Mai.(Telegramm.) Das Befinden Dr. v. Miquels hat sich so weit gebessert, daß die Abreise Nachmittags ½3 Uhr erfolgen konnte. * Wien, 21. Mai. Wie die„Politische Correspondenz“ meldet, hat der Kaiser dem Kronprinzen des Deutschen Reiches das Großkreuz des Stephansordens verliehen. Botschafter v. Szögyeny ist beauftragt, die Insignien des Ordens und im Zusammenhange damit ein Handschreiben des Kaisers Franz Joseph an den Kaiser Wilhelm persönlich zu überreichen. * London, 21. Mai. Gladstones Leiche wurde nach ihrer Einbalsamirung heute eingesargt und der Sarg in seinem Bibliothekzimmer, das er„Friedenstempel" zu nennen pflegte, aufgestellt, wo er bis zur Ueberführung nach London bleibt. Wegen der zu treffenden großartigen Vorbereitungen kann die Beisetzungsseier in der Westminsterabtei erst in zwei oder drei Wochen stattfinden. Die Familie Gladstone empfing gestern Beileidsdrahtungen von der Kaiserin Friedrich, dem Czaren, dem König von Belgien, dem dänischen Königspaare, verschiedenen anderen Monarchen, den australischen Premiers, der italienischen Kammer und anderen auslänoischen Körperschaften. * Madrid, 23. Mai.(Telegramm.) Die hiesigen politischen Kreise und die Blätter drücken ihren Unwillen darüber aus, daß die amerikanischen Kriegschiffe vor Guantanamo die spanische Flagge gehißt hätten. Madrid, 23. Mai.(Telegramm.) General Blanko telegraphirte, amerikanische Schiffe hätten in der Nacht vom 19. dse. auf die Besatzung der Bucht von Neuevitas geschossen. Ferner meldet General Blanko, es hätten mehrere Zusammenstöße mit den Aufständischen stattgefunden. de Madrid, 23. Mai.(Telegramm.) Eine amtliche Devesche aus Havannah meldet, zwei amerikanische Kanonenboote hätten versucht vor Isabella und Sagu zu forciren, aber die Truppen seien gezwungen worden, sich zurückzuziehen. + Madrid, 23. Mai.(Telegramm) In amtlichen Kreisen wird versichert, die spanische Reaierung habe beschlossen, Hilfskreuzer nach den Vereinigten Staaten zu senden, um alle an den Küsten der Unionstaaten mündenden Kabel, selbst die trausatlantischen, zu durchschneiden für den Fall, daß das cubanische Kabel von den Amerikanern abgeschnitten würde. 1 Gibraltar, 23. Mai.(Telegramm.) Wie verlautet, wird das in Cadix liegende spanische Geschwader sich nach den cubanischen Gewässern zurückbegeben. H Calentta, 23. Mai.(Telegramm.) Gestern brachen Unruhen in der Vorstadt Bhondamigur aus, die zwei Stunden dauerten. Die Aufrührer, an der Zahl 2000, mißhandelten viele Personen. Eine große Versammlung eingeborener Lastträger und anderer Eingeborenen. die für heute einberufen war, ist verboten worden. Ein Aufruhr schien bevorzustehen, er wurde aber durch die aus Europäern und Eingeborenen bestehende Polizei auseinander getrieben. * Peking, 21. Mai. Die Chinesen besetzen Weibalwei am Montag nach der Abfahrt der Japaner. Die Engländer landen am Dienstag. Die chinesische und die britische Flagge werden dann gemeinsam gehißt, bis die Engländer die Baulichkeiten, das Arsenal und die Forts übernommen haben; alsdann wird die britische Flagge allein über der Festung gehißt. Gegenwärtig befinden sich drei britische Kriegsschiffe in Weihaiwei. + New=York, 23. Mai.(Telegramm.) Einem Telegramm zufolge ist am 18. Mai eine aus 400 Cubanern bestehende Expedition mit großen Quontitäten Munition und 75 Mauleseln auf dem Dampfer„Florida“ nach Cuba in See gegangen. Ein in Port au Prince eingetroffener holländischer Dampfer berichtet, das spanische Geschwader habe in Port au Prince 300 Tonnen schlechte Kohlen und 100 Tonnen Lebensmittel eingenommen. Das Geschwader habe wenig oder gar keine Kohlen und auch nur wenig Proviant. Markt- und * Berliner Coursderir vom 21. Mai. Reichsanleihe 3 1/2% 3% Preuß. Consols 3 1/% S6. Berg.=Mark. Bank Dortm. Bankverein Consolidation Dannenbaum * Neug. 21. Mai. 103.10 96.50 103,00 97,10 164,00 129,80 285,00 124.25 Dortmunder Brauerei Dortm. Bergbauverein Essener Creditbank Reichsbank Bochumer Gußstahl Westfäl. Stahlwerke Gelsenkirchener Bergin. Harpener Fruchtpreise. 144.40 160,75 224.40 217,25 188,30 189.60 Weizen, kleiner do. 1. S., engl. do. 2. S., engl. Roggen, 1. Sorte " 2. Sorte Hafer, 1. Sorte " 2. Sorte (Alles 100 Ko.) 20. 21. 25,6025.60 25,0025,00 24.5024,50 18,0018.00 17.5017.50 18,00 18.00 17.00 17.00 Raps 1. S. 100 Ko. * Aveel 1. S.„„ " 2. G.„„ Kartoffeln 30„ Maschinenstr. 500„ Flegeldrusch„„ Kleien 30„ 29. * 18.— 20.— 5.50 21. 18.— 20.— 5.50 *) Mk. 2,60—3.20. deu Mk. 2.70—3.70 die 50 Ko. Rübsl in Posten von 100 Str...„,.... Mnk 54.50 Rübsl jaßweise, 100 Ko. ohne Fad...“." 86.— RaUhPIIge B beginnt der Umbau unserer Lokalitäten. Wir wollen und Wir müssen bis dahin Platz schaffen. Nur Neuheiten! Es gelangen zum Verrauf: Ds 1 400 Damenkragen und Capes, Jackets, kurze Kragen, um unbedingt zu räumen, zum Theil 360% unter Preis. Hochelegante Staubmäntel von 6,25 Mk. anfangend. Ferner gelangen zum Verkauf: Eine große Parthie Herren=Anzüge, elegante chice Piècen, nicht vom Maaß zu unterscheiden, von 7,50 Mark anfangend. Eine große Parthie Herren=Hosen, Knaben=Anzüge, einzelne Joppen, Westen ze., nur um schnell zu räumen, zu abnorm billigen Preisen. Kleiderstoffe ganz bedeutend unter Preis, Meter von 15 Pfg. an. 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Hierbei machen wit darauf aufmerksam, daß bei der großen Zahl der alljährlich eingehenden Anträge nur die dringendsten Gesuche Berücksichtigung finden können. Witten, den 20. Mai 1898. Städtische Armen=Deputation: Rohrmann. wrardneten=Versammtung. Oeffentliche Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 26. Mai er., nachmittags 5 Uhr, im Rathhaussaale. Tages=Ordnung: 1. Befreiung von der Kautionspflicht eines Beamten. Ref. Nachrodt. 2. Bewilligung einer Entschädigung zur Herstellung des Bürgersteigs vor dem Hause Nr. 61 im Tiefenweg. Ref. Himmrich. 3. Bewilligung einer Badeunterstützung an einen Lehrer der kathol. Volksschule. Ref. Rademacher. 2. Genehmigung der Anlage einer Wasserrohrleitung seitens der Gemeinde Annen. Ref. Rüpinz. s,#e Wcse. 5. Festsetzung der Baufluchtlinie der Schulstraße. Ref. Weber. 6. Festsetzung der Baufluchtlinie für einen Theil der Krummestr. Ref. Derselbe. 7. Aufstellung von Straßenlaternen. Ref. Erner. 8. Enteignung zweier Grundstücke zur Offenlegung der Blücherstraße. 9. Bewilligung einer einmaligen Unterstützung für das Erholungshaus zu Vellinghausen. Ref. Brabänder. 10. Statsüberschreitungen. Ref. Bitter. 11. Niederschlagung eines Steuerrückstandes. Ref. Derselbe. 12. Kenntnißnahme von dem Protokoll, aufgenommen bei Gelegenheit einer außerordentlichen Revision der Stadtkasse. Ref. Seidel. 13. Uebernahme der Garantie zur dauernden Unterhaltung des im Stadtbezirk Witten belegenen Theils der Wetter=Witten'schen Siraße. Ref. 14. Bewilligung der Kosten zur Herstellung einer Gasrohrleitung nach dem Wasserwerk im Sundern. Ref. Buchholz. 15. Mehrbewilligung von 3000 Mk. zur Neupflasterung der Bahnhofstr. Ref. Klutmann... Der Stadtverordneten=Vorsitzende: Erdmann. Junge und ältere Leute auch solche ohne Vorkenntnisse, werden schnell und billig unter Garantie des Erfelges zu tüchtigen Bureaubeamten, Rechnungsführern, Buchgaltern, Korrespondenten, Kassirern 2c. ausgebildet, Nach der Probearbeit wird ein Zeugniß ertheitt. Schönschreiben nach der besten Methode. Neue? u. Abendcurse beginnen am Dienstag den 24. und Donnerstag den 26. Mai. Damen werden auf Wunsch allein unterrichtet. Anmeldungen zum Unterricht nehme ich täglich entgegen. Becker’s Unterriens-institut, Bahnhof= u. Breddestraßen=Ecke 48, I. Etage, im Restaurant Dörmann. am Markt. Som Otchterna, Witten a. d. Ruhr, Hauptstr. 6S, Hokz- und Baumaterialen-Handung, engros. Steinbruchbetrieb endétall. 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Marmor=Waschtischaufsätze und Nachttischplatten. Vertreter der westdeutschen Verkaufsstelle für Verblendsteine in Köln. Civilstand der Stadt Witten vom 15. bis 21. Mai 1898. Geburten: Aug. Heinr. Friedr. Wilh., S. v. Bgm. Wilh. Böcker, Ardeystr. Anna Adele, T. v. Maurer Heinr. Schmidt, Brückstr. Emma, T. v. Feilenhauer Friedr Ulm, Johannisweg. Ida Maria, T. v. Fabr. Lorenz Ochs, Aue. Ein unehelicher Knabe. Pferdebachstr. Tugenie Maria, T. v. Polizei=Sergeant Ludwig Wahl, Winkelstr. Magdalene! Wilhelmine Henriette, T. v. Kaufm. Joh. Peter Haarhaus, Ruhrstraße. Conrad Ernst Heinr., S. v. Bergarb. Abraham Heinr. Hartmann, Krummestraße. Jakob Johann Ludwig, S. v. Maurer Johann Ludw. Mankel, Bahnhofstr. Joseph, S. v. Maurer Joh. Maring, Crengeldanzstr. Carl Jakob, S. v. Schneider Adam Rabe, Tieferweg. Wilh. Friedr. Johann, S. v. Hülfsarb. Wilh. Rosendahl, Wiesenstr. Aug. Wilh. Walther, S. v. Sattler Friedr. Kreutzkamp, Crengeldanzstr. Heinr. Wilh. Christian, S. v. Schmied Johann Schäfer, Ardeystr. August Werner, S. v. Feilenhauer Eduard Aug. Kühnholz, Ardeystr. Sophie Margarethe, T. v. Schlosser Martin Philipp Rumpf, Tieferweg. Mar'a Anna T. v. Fabr. Jakob Kaniezki, Roserrstr. Gust. Arthur, S. v. Fabr. August Heinrich Kortenbach, Rüdinghauserstr. Ein uneheliches Mäschen, Röhrchenstraße. Aufgebote: Maurer Joh. George Gustav Thöne und Marie Wilbelmin: Dorothea Schmidt geb. Theiß, beide Kirchhofstr. Schlosser Friedr. Wilh. Beckmann, Ardeystr. und Bertha Hertling, Schlachthofstr. Heirathen: Bgm. Aug. Meyer und Marie Sophie Siebert geb. Siegmeier, beide Gartenstr. Schreiner Joseph Dierkes und Johanna Schäfers, beide Sandstr. Kaufm. Wilh. Ludwig Carl Friedr. Unckenbold, Duisburg und Eleonore Daams, Poststr. Buchhalter Louis Groß und Barbara Hommer, beide Wiesenstr. Postschaffner Julius Groepper Wilhelmine Henriette Marie Varlemann, beide Kirchhofstr. Schuhmacher Friedr. Ernst Schneider und Hulda Schöneborn, beide Ruhrstr. Steindrucker Friedr. Wilh. Bell, und Ida Karthaus, beide Tieferweg. Schreiner Bernh. Anton van der Linde, Schwanenmarkt und Anna Caroline Adams, Oberstr. Bgm. Joh. Schmidt. Hauptstr. und Emma Neuhaus, Brückstr. Sattler Bernh. Braungart, Steinstr. und Caroline Friedrike Wilhelmine Lütteke, Winkelstr. Glasmacher Diedr. Friemann, Crengeldanzstr. und Anna Bertha Schäfer, Crone. Bgm. Wilhelm Franz Peter Busch und Hedwig Clara Reising, beide Vorbeck. Bahnarbeiter Carl Christian Martin Hartmann und Anna Maria Stein, beide Röhrchenstr. Sterbefälle: Knecht Hermann Hehs, 25 J. Diakonissenhaus. Heinrich, S. v. Bgm. Hermann Lösfier, 9. J. Diakonisseuhaus. Erdabr. Carl Hering, 49 J. Diakonissenhaus. Oskar, S. v. Bam Wilhelm Möller, 1 J. Diakonissenhaus. Ehefrau des Heizers Philipp Schneider, Auguste Wilhelmine Louise geb. Spöhr, 55 J. Ardeystr. Gustav. S. v. Bgm Auaust Möller, 12 J. Diakonissenhaus. Knecht Jacob Klepper, 57 J. Marien=Hospital. Geschäftsführer Wilhelm Tillmann Benke, 37 J. Fischerthal. Ein unehelicher Knabe Diakonissenhaus. Friedrich S. v. Bgm. Friedrich Reppel, 1 J. Münzstr. Wittwe Franziska Banmann geb. Lange, 52 J. Diakonissenhaus. Berginv. Gottlieb Friedrich Höner, 62 J. Wullenstr. Martha Minna Johanna, T. v. Fabr. Heinrich welker, 8 Mon. Auestr. Todtgeborener Knabe der Ehefrau Schmied mann Otto Springmeier, Röhrchenstr. Todtgeborener Knabe der rau Schrifsetzer Alb. Feroinand Herm. Schlesster, Breitestr. Gesang-Verein Deuisch Sängertreis, Die Mitgtieder des obengenannten Vereins lade ich hiermit zu einer wichtigen Besprechung auf Freitag den 27. d. Mts., abends 8 Uhr, ergebenst ein. Der Vereinswirth. Rlmmenkd präparirt für Nähmaschinen und Fahrräder von H. Möbius& Sohn. Knochenölfabrik, Haunover. Zu haben in allen besseren Handlungen. Liebe macht bekanntlich bind, aber die Liebe zu Tengelmann's Plautagenkaffee macht den Menschen sehend. Eine Tasse beim Morgenfrühstück stärkt die Nerven, regt den Geist an und wirkt wohlthuend auf das Befinden des ganzen Tages. 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