Nr. 118 Diensiag, den 4. Oktober 1927. 53. Jahreane. Das Ueberreichung der Hiudenburgspende. Die ersten Auszahlungen an Notleidende. Die Festlichkeiten anläßlich von Hindenburgs 80. Geburtstag nahmen am Sonnabend mittag mit der Ueberreichung der Hindenburgspende ihren Anfang. Der Reichspräsident empfing aus diesem Anlaß die Vertreter der„Hindenburgspende", den Reichskanzler Dr. Marx, den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und den Ministerialrat Dr. Karstedt und nahm aus ihren Händen die Urkunde über die Stiftung und Ueberweisung der„Hindenburgspende“ an den Reichspräsidenten entgegen. Der Reichskanzler richtete hierbei an den Reichspräsidenten eine Ansprache, in der er an den bekannten Aufruf anknüpfte, den Reichsregierung und Länderregierungen am 21. Juni ds. Is. zur„Hindenburgspende" erlassen haben. Dann fuhr er sort: „Am Vorabend Ihres 80. Geburtstages beehrt sich die Reichsregierung. Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, das Verfügungsrecht über die bisher eingegangenen und die noch weiter zur„Hindenburg=Spende" eingehenden Beträge zu übertragen. Sie gibt dabei ihrer besonderen Freude darüber Ausdruck, daß es Dank der nahezu einmütigen Unterstützung des gesamten deutschen Volkes daheim und draußen gelungen ist, Ihnen, Herr Reichspräsident, entsprechend Ihrem Wunsche, die Möglichkeit zu geben, stärker als bisher in Ergänzung der amtlichen Fürsorge Not und Elend in den Kreisen der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu lindern.“ Reichsminister Dr. Brauns berichtete anschließend, daß, einem Wunsche des Reichspräsidenten entsprechend, bereits 1 500 in besonders dringender Notlage befindliche Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene vorschußweise aus Mitteln der„Hindenburg=Spende“ mit Beihilsen von je 200 Mark, also im Gesamtbetrage von 300 000 Mark bedacht worden sind. Der Reichspräsident erwiderte mit Worten herzlichen Dankes für die Männer, die die„Hindenburg=Spende" ins Leben gerufen und durchgeführt haben, und rersicherte alle, die durch ihre Gabe und Beteiligung das erfreuliche Ergebnis erzielt haben, seiner besonderen Dankbarkeit. Zum Schluß erbat der Reichspräsident von dem Reichskanzler und dem Reichsarbeitsminister Vorschläge über die Bildung und Zusammensetzung eines Beirats, mit dem zusammen er selbst über die Verwendung der Mittel der„Hindenburg=Spende“ im einzelnen Entscheidung treffen wolle, sobald die Sammlung abgeschlossen sein wird: er nehme an, daß dies Anfang November geschehen könne. * Geschenk der Reichsregierung Der Reichspräsident empfing ferner den Reichskanzler und den Reichsvizekanzler in Begleitung des Staatssekretärs in der Reichskanzlei, die ihm das Geschenk der Reichsregierung zu seinem 80. Geburtstage überreichten. Das im Auftrage der Reichsregierung von der Staatlichen Porzellan=Manusaktur in Berlin angefertigte Geburtstagsgeschenk besteht aus einer für 36 Personen bestimmten Neuherstellung des Tafelservices, das erstmals vor 160 Jahren von der Manufaktur für ihren Gründer, Friedrich den Großen, zu dessen persönlichem Gebrauch ausgeführt worden ist. Jedes der über 500 Stücke trägt in Verbindung mit dem Blauschuppenmuster ein anderes Blumenmotiv und echte Vergoldung. Die Rückseite eines jeden Stückes zeigt neben der alten Szeptermarke eine auf den 80. Geburtstag des Reichspräsidenten bezügliche Widmung. Der Reichspräsident sprach den Herren mit Worten des herzlichen Dankes seine Freude über die schöne Gabe aus und bat, seinen Dank auch den übrigen Herren der Reichsregierung sowie der Staatlichen Porzellanmanufaktur, der Herstellerin des prächtigen Kunstwerks, zu übermitteln. Das Geschenk der deutschen Wirtschaft. Im Laufe des Vormittags empfing der Reichsprästdent ferner ein aus führenden Männern der deutschen Wirtschaft bestehendes Komitee, das dem Reichspräsidenten als„Hindenburg=Dank“ des deutschen Volkes die Eigentumsurkunde über das Stammgut der Familie Hindenburg, Neudeck in Ostpreußen, übergab, welches dieses Komitee aus freiwilligen Beiträgen aller Gruppen der deutschen Wirtschaft erworben und nun dem Herrn Reichspräsidenten zum persönlichen Geschenk übertragen hat. Ferner empfing der Reichspräsident zur Entgegennahme persönlicher Glückwünsche den Vorstand des Deutschen Offiziers=Bundes, unter Führung des Generals der Infanterie a. D. von Hutier, die Bundesleitung des Stahlhelm unter Führung des Herrn Seldte, den von Dr. Löwenstein geführten Vorstand des Bundes Jüdischer Frontsoldaten sowie eine von Herrn Dr. Unger (Breslau) und Prof. Dr. Schmeidler(Breslau) geleitete Abordnung des Reichsverbandes akademischer Kriegsteilnehmer, die dem Reichspräsidenten als Ehrengabe eine Samwlung von Werken der im Kriege gefallenen leutschen Dichter überreichten. Weitere Hindenburg=Ehrungen. Ein Geschenk Brannschweigs. Auf Beschluß des braunschweigischen Staatsministeriums ist dem Bureau des Reichspräsidenten eine Fürstenberger Prunkvase als Geschenk des Landes Braunschweig für den Reichspräsidenten zu seinem 80. Geburtstage übersandt worden. Es handelt sich um ein Erzeugnis der Braunschweiger Industrie, das als Jubiläumserinnerung an das Gründungsjahr der Fabrik zu Fürstenberg bei Holzminden hergestellt ist. Eine Riesenmarzipantorte. Der Lübecker Senat ließ dem Reichspräsidenten zum 80. Geburtstag als Aufmerksamkeit der Hansestadt eine Riesentorte aus Lübecker Marzipan überreichen. Die von dem Lübecker Künstler Alfred Mahlau modellierte Torte zeigt die Lübecker Stadtsilhouette. Der ebenfalls von Mahlau entworfene Karton trägt die Widmung des Senats, die von einem Kranz von 80 Kerzen umrahmt ist. * Der Abichlußz der Hindenburgtage. Die Huldigung des Kyffhäuserbundes. Die Hindenburgfeier der Reichshauptstadt fand am Montag mit der Huldigung des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser, dem 2. Reichskriegertag, ihren Abschluß. Wieder waren viele Zehntausende im Stadion aufmarschiert, während die Tribünen von dichten schauerreihen gefüllt waren. Heroldsrufe verkündigten die Ankunft des Reichspräsidenten. Unter brausenden Hurrarufen der Menge entstieg Hindenburg dem Wagen und begab sich zur Ehrenloge. Während eine Jungmannschaftskapelle kräftige Weisen erschallen ließ, rückte die Fahnenkompagnie mit den Fahnen sämtlicher beteiligten Kriegervereine in das Stadion. 2500 Fahnen wehten über das Stadion, bewegten sich langsam vorwärts und nahmen dann in der Mitte des Stadions= in etwa 360 Gliedern Aufstellung. Ein farbenprächtiger Fahnenwald, reich an alten Bannern, von denen das älteste die Jahreszahl 1742 trug. Es folgte ein kurzer Prolog und dann marschierten die historischen Gruppen auf, immer wieder von Beifall begrüßt. Preußen stellte Deutschordensritter, Landsknechte, altmärkischen Landsturm aus der Schwedenzeit, friderizianische Grenadiere, Ulanen in der Uniform der Freiheitskrieger von 1813, Düppelstürmer und zum Schluß einen Sturmtrupp aus der Zett des Weltkrieges. Von den übrigen Ländern war Bayern durch Armeegruppen aus der Zeit um 1780 und 1682 vertreten, ferner durch Kürassiere und: Feldartillerie von 1870 und der Vorkriegszeit. Tirol zeigte die Uniformen der Innsbrucker Landwehr um 1800, Sachsen und Württemberg Abteilungen der Vorkriegszeit. Dann marschierte eine Fahnenkompagnie der Reichswehr mit den 36 Fahnen des alten Armeekorps auf. Reichspräsident von Hindenburg begrüßte die alten Feldzeichen und nahm dann einen Parademarsch der Reichswehr entgegen. Die Reichswehr präsentierte zu Ehren des alten und neuen Heeres, ehrte die Gefallenen, während sich die Fahnen der Kriegervereine neigten. Unter dem Gesang des Deutschlandliedes nahm die Feier ihren Abschluß, während Hindenburg sich in das Palais zurückbegab. Die Feier beim Reichskanzler am Sonntag abend bot dem Kanzler noch einmal Gelegenheit, der Verdienste Hindenburgs in einer Ansprache zu gedenken. U. a. führte er dabei aus: Immer mehr ist uns Reichspräsident von Hindenburg zum Symbol geworden, zum Symbol des deutschen Wiederaufstiegs, der nur in treuer Pflichterfüllung und harter täglicher Arbeit langsam Schritt für Schritt erkämpft werden kann. In dieser Arbeit geht er uns als Führer voran, und es würde in Vielem um unser Volk besser stehen, wenn seine immer wiederholten, dringenden Mahnungen zur Einigkeit, zum gegenseitigen mitfühlenden Verständnis ein freudigeres Echo gefunden hätten, als es teilweise der Fall war. Wir können nichts Besseres tun. als in seinem versöhnlichen, sich selbst vergessenden Geiste unsere Arbeit für unser Volk zu verrichten. Alle Faktoren unseres öffentlichen Lebens haben ihm heute in offizieller Form die Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung zum Ausdruck gebracht, die uns alle beseelen. Sie auch hier persönlich zu erneuern, war der Zweck, der uns vereint. Wir erflehen heute Gottes Segen und Gottes Gnade für unseren verehrten Herrn Reichspräsidenten und wünschen ihm, daß es ihm vergönnt sein möge, wie bisher das deutsche Volk vorwärts zu leiten und den Augenblick herbeizuführen, wo Deutschland politisch frei, wirtschaftlich gekräftigt ist, und wo es auf kulturellem und sozialem Gebiet wieder an derSpitze der Völker steht. Die Feiern im In- und Auslande. In sämtlichen deutschen Hauptstädten fanden am Sonntag ebenfalls Hindenburgfeiern statt, ja, es gab wohl keinen Ort im Deutschen Reiche, wo man nicht des Reichspräsidenten in einer Feier gedachte. Aber auch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus wurde Hindenburg gefeiert; überall, wo Deutsche in größerer Zahl beisammen wohnen, sand man sich zu einer Feier oder zu einem Kirchgang zusammen, in Oesterreich, in Ungarn, in Paris, in London, in Stockholm, in Amsterdam, in Washington, überall gedachten die deutschen Missionen und die deutschen Kolonien des Reichspräsidenten. In Washington hatte man mit Rücksicht auf den tragischen Tod des deutschen Botschafters von einer größeren Feier Abstand genommen und sich auf einen Kirchgang beschränkt. In Ostpreußen wurde naturgemäß des Befreiers Ostpreußens mit besonderer Liebe gedacht. Sportliche Veranstaltungen, Fackelzüge und festliche Illuminationen am Abend werden aus allen Orten gemeldet. Die Albertusuniversität in Königsberg hatte ihrem Ehrenbürger und vierfachen Ehrendoktor eine Glückwunschadresse gesandt, in der es heißt: Mehr als die übrigen Hochschulen des Deutschen Reiches ist die Albertina zum Dank verpflichtet dem großen Sieger bei Tannenberg, an den Masurischen Seen und in der Winterschlacht, dem sie ihre Erhaltung und die Freiheit der Heimat schuldet. Am Sonnabend veranstalteten die vaterländischen Verbände Königsbergs im Hause der Technik eine Hindenburgfeier, die eine große Beteiligung aufzuweisen hatte. Festreden hielten Freiherr von Gayl und Wehrkreispfarrer Müller. Unter stürmischer Zustimmung wurde die Absendung folgenden Telegramms beschlossen: Zur gemeinsamen Feier des 80. Geburtstages Ew. Exzellenz senden unterzeichnete Verbände treue Glückwünsche. Diese Glückwünsche und ihren unauslöschlichen Dank für die Taten Ew. Exzellenz können die Verbände nicht besser bestätigen, als durch eilige und rastlose Arbeit für den Wiederaufbau an der Freiheit und der Zukunft des Vaterlandes. Der zur Zeit in Königsberg tagende 8. Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei, Provinzialverband Ostpreußen, beging den Geburtstag des Reichspräsidenten im Großen Saale des Tiergartens. Die Festrede hielt Oberpräsident Siehr. Auch diese Versammlung sandte ein Huldigungstelegramm an Hindenburg. Turnerhuldigung an Hindenburg. Ein Glückwunschtelegramm der Deutschen Turnerschaft. Der Hauptausschuß der Deutschen Turnerschaft, der am 2. Oktober in Charlottenburg tagte, hielt vor Beginn der Beratungen eine Feierstunde ab, bei der der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft Direktor Dr. Berger die Bedeutung des Reichspräsidenten von Hindenburg würdigte und seines Eintretens für die Deutsche Turnerschaft gedachte. An den Reichspräsidenten wurde das solgende Glückwunschtelegramm gerichtet: „Mit Eiser sind die 12 400 Vereine der Deutschen Turnerschaft innerhalb und außerhalb der Reichsgrenzen der Anregung gefolgt, zur Feier Ihres 80. Geburtstages turnerische Wettkämpfe und Vorführungen als Hindenburgspiele zu veranstalten. Ueberall denkt man daran und prägt es der Jugend ein, was das deutsche Volk in schwerer Kriegszeit seinem Generalfeldmarscholl verdankte und was es jetzt seinem Reichspräsidenten verdankt, der in schlimmster Sturmzeit ohne Zucken das Steuer des Staatsschiffes ergriff, um es vor drohendem Untergang zu bewahren. Die Führer des Millionenverbandes sino am heutigen Tage zu ernsten Beratungen in Berlin versammelt. Sie eröffnen ihre Hauptausschußsitzung mit einer Feierstunde, in der sie in Ehrfurcht und Dankbarkeit Eurer Exellenz gedenken, Ihnen das Vertrauen und die herzlichsten Segenswünsche der ganzen Deutschen Turnerschaft aussprechen und die Hoffnung, daß Sie der Himmel noch lange in Gesundheit und Kraft an der Spitze des deutschen Volkes erhält.“ Die Telegrammflut. Schwere Tage hat die Reichspost hinter sich. Der Geburtstag Hindenburgs brachte eine Telegrammflut von nie dagewesener Stärke. Schon am Sonnabend abend zählte man 15.000 Telegramme. Der Sonntag brachte neue Tausende, und am Montag kamen noch die Nachzügler. Die Reichspost hatte für die Telegramme besondere Formulare drucken lassen. Unter den Gratulanten befanden sich die meisten politischen Parteien, zahlreiche wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Verbände, darunter das Reichsbanner, die deutschen Auslandsvertreter und zahllose andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Glückwunsch des Präsidenten Coolidge hat folgenden Wortlaut: Seiner Exellenz v. Hindenburg, Berlin. Aus Anlaß Ihres Geburtstages, der die Vollendung Ihres 80. Lebensjahres bedeutet, eines Lebens voll Tat und Erfolg, spreche ich Ihnen meine herzlichen Glückwünsche aus. Nur wenigen ist es so wie Ihnen gegeben, seinem Volke zu dienen und ein so bemerkenswertes Betspiel zu geben, wie Sie es durch Ihr unverbrüchliches Festhalten an der Verfassung getan haben. Mögen Ihnen noch viele Jahre beschieden sein, getragen von der Liebe und der Bewunderung des deutschen Volkes, dem das amerikanische Volk eine Botschaft aufrichtigster Freundschaft sendet. gez. Calvin Coolidge. Weitere Telegramme gingen u. a. ein vom österreichischen Bundespräsidenten, vom Reichsverweser von Ungarn, vom Papst, von den Königen von Schweden, Norwegen, Dänemark und Siam, von den Präsidenten von Finnland, Lettland, der Schweiz und Liberia, vom Genat der Freien Stadt Danzig und von Marschall Ehang Tso Lin. Zwischenfälle in Berlin. Bei den Festlichkeiten in Berlin ist es nicht ganz ohne Zwischenfälle abgegangen. Kommunisten versuchten an einigen Stellen Gegendemostrationen und entrissen vereinzelt gehenden Fahnenträgern die Fahnen, doch griff in den meisten Fällen die Polizei sofort erfolgreich ein. Zu einem größeren Zusammenstoß zwischen Kommunisten und der Polizei kam es vor den Pharussälen in der Müllerstraße. Die Polizei nahm eine Reihe von Verhaftungen vor. Dabei ereignete sich noch ein Unfall. Ein Lastanto mit 36 Sistierten stürzte auf dem Hofe des Polizeipräh sidiums um. Dabei wurden zwei Mitglieder des Roten Frontkämpferbundes schwer, zehn andere leicht verletzt * Die Hindenburg-Tage und dus Ausland. Die Pariser Begleitmusik: Eine KaisersGeburtstagsfeier, verbunden mit einer Sedaufeier. Die Pariser-Blätter bringen ausführliche Schilderungen von den Veranstaltungen anläßlich des 80. Geburtstags des Reichspräsidenten. Soweit die Korrespondenten dazu Stellung nehmen, sind ihre Auslassungen fast ohne Ausnahme unfreundlich. Man findet die Huldigungen übertrieben und bezeichnet die Feier als eine Kundgebung des Nationalismus oder wenigstens als Ausdruck der alten deutschen Neigung zur Heldenverehrung. Der„Petit Parisien“ schreibt z..: „Das war absolut eine Kaisers=Geburtstagsfeier, verbunden mit einer Sedanfeier. Es war eine ungeheure Parade, ein Appell allerkriegerischen Elemente. Hat denn Deutschland eine Niederlage erfahren und eine Revolntion durchgemacht, ahne etwas gelernt zu haben eit 19 Jahren?“ Die„Volonte" erklärt:„Man steht wirklich verblüfft vor diesen Kundgebungen. Gewiß hat Deutschland immer das Bedürfnis gehabt, seine großen Männer zu vergöttern. Gewiß versteht es unter Wiederaufstieg weniger die Oberherrschaft über Europa, als vielmehr die Befreiung seiner Gebiete. Es war also nicht nur eine militäe rische Kundgebung, sondern es war in erster Linie eine Kundgebung des nationalen Ehrgeizes. Trotzdem bleibt es aber wahr, daß der Enthusiasmus für einen Mann, der in der ganzen Welt das alte kaiserliche Deutschland symboli= die Verständigung der Menschen auf beiden Seiten des Rheines nicht erleichtert. Das Echo in London. Die Londoner Presse ist sich in der Beurteilung der Hindenburg=Feiern nicht einig. So sagt der Berliner Berichterstatter der„Morning Post“: Die Geburtstagsfeiet hat alle Mutmaßungen, die sich auf das Parteigezänk der letzten Monate gründeten, Lügen gestraft. Die allgemeinen Redensarten politischen Zankes gingen unter in dem eindrucksvollen Charakter des Ereignisses. Die nach Hunderttausenden zählende Menschenmenge war die bestgelaunte und unpolitischste, dic sich denken läßt. Aite und Junge, alle Parteien und Glaubensbekenntnisse vereinigten sich, ohne daß es einen Mißklang gab. Vereinigungen mit monarchistischen Sympatien bildeten in den Frontreihen zweifellos die Mehrzahl, aber wenn die Rerublikaner weniger organisiert waren, so waren sie doch nicht weniger begeistert. Der Berichterstatter sagt weiter: Das Geheimnis des natürlichen Vertrauens. der Achtung und Zuneigung, die Hindenburg genießt, liegt zweifellos in den hervorstechenden Zügen seines Charakters: Loyalität, Pflichtgefühl und Einfachheit. Der Grundton der Geburtstagsseier war Einigkeit, und der Verlauf zeigte, daß trotz des Zwistes, beispielsweise wegen der Flaggenfrage, alle Teile des deutschen Volkes tatsächlich einig sind in ihrer Zuneigting und Lichtung gegenüber dem Staatsoberhaupt. Der Berliner Vertreter des:Daily Telegraph' hatte dagegen den Eindruck, daß die Kundgebung von Militaristen und Monarchisten ausgebeutet wurde, die de eher zu einer Huldigung an den Führer der deutschen Armeen im Kriege, als an den Präsidenten der Republik gestalter hätten. Der Berliner Korrespondent des„Daily Chroniele" sagt: Hindenburgs 80. Geburtstag hat sich zu einem persönlichen Triumph für den betagten Präsidenten und, wenn auch vielleicht in geringerem Maße, für die junge Republik gestaltet. Der Berliner Berichterstatter der„Daily News“ sagt: Hindenburg hat die deutsche Republik konsolidiert. Seine Persönlichkeit hat über die Parteien triumphiert, denn republikanische Flaggen hingen in solcher Zahl aus den Fenstern in allen Teilen der Stadt, wie nie zuvor. Ma### wollte den Präsidenten ehren und nicht den Feldmar# schall. des Berrin, Tunrnn.,. Uns Des Caleewereins Ensen. s Annen, B. Oktober. Die Festtage des Verein. Landwehr= und Krieger=Vereins und des Garde=Vereins Annen aus Anlaß ihrer Fahnenweihe liegen hinter uns. Mit großer Befriedigung können die beiden Vereine auf den glanzvollen Verlauf der eindrucksvollen Feier zurückblicken, die am Samstag ihren Anfang nahm und gestern beendet wurde. Ein so festliches Bild, wie wir es Samstag und Sonntag sahen, haben wir in Annen seit langer Zeit nicht beobachten können. Die Straßen waren mit Girlanden und Ehrenbogen geschmückt und die Häuser hatten reichen Flaggenschmuck angelegt. Noch in den späten Nachmittagsstunden des Sonnabend waren die Hausbesitzer bei emsiger Tätigkeit. Wie sich da mit Hilfe von Tannengrün, Fahnen und Fähnchen schnell jedes Straßenbild belebte! Wie Farben, Licht und Schönheit das sonst so graue Bild änderten! Und überall herrschte eine begeisterungsfrohe Stimmung. Was die militärischen Vereine sind und was sie uns bleiben werden: das haben wir in diesen Tagen von neuem erkennen können, das braucht man heute nicht zu schildern, das wirkt und waltet als lebendige, schaffende Kraft im deutschen Volke, das wird sich in der Nation forterben, solange noch ein Funke von Vaterlandsliebe in der deutschen Brust glüht. Beginn der Feier. Von der Hamburger Halde krachten um 7 Uhr abends die Böller und kündeten den Beginn der Feier an. Die Aufstellung für den Fackelzug erfolgte am Radtkeschen Saal. Außerordentlich zahlreich waren die Mitglieder des Verein. Landwehrund Krieger=Vereins, des Garde=Vereins, der übrigen militärischen Vereine und der vaterländischen Verbände angetreten. Gegen 9 Uhr erreichten die Vereine unter Vorantritt der Fliegnerschen Kapelle, die schneidige Marschweisen spielte, den Marktplatz. Im ganzen Umkreis, in der Bismarckstraße, Wittenerstraße und Bahnhofstraße stiegen Raketen hoch. In den Fenstern brannten bunte Lichter, und das feuerwerk warf zuckende Schatten auf die Häuser. Die Musik und das Trommeln und Pfeifen hallte in vielfachem Echo in den Straßen wider. Still stand die große Versammlung auf dem Marktplatz. Nach einem von Herrn Klingenhagen jr. wirkungsvoll vorgetragenen Gedicht sang der Annener Männer= Gesang=Verein unter Leitung seines Dirigenten Herrn Dr. Köster das ergreifende Lied„Dem Andenken der gefallenen Kameraden" von Professor Wohlgemuth. Die getragenen Weisen stiegen zum nächtlichen Himmel empor. Herr Major Würkert hielt dann zu Ehren der gefallenen Kameraden folgende Ansprache: Kameraden! Wir stehen in dieser feierlichen Abendstunde am Vorabend eines Schalttages in der Geschichte der beiden militärischen Vereine, die morgen das Fest der Fahnenweihe begehen wollen— an einem Orte, der den gefallenen Kriegern aus unserer Gemeinde geweiht ist. Wir stehen an einem Orte, auf den man das biblische Wort anwenden kann:„Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, da du stehst, ist heilig.“ Wir Ueberlebenden aus dem letzten großen Kriege denken in dieser Stunde der Kameraden, die in Jugendfrische, im besten Mannesalter und selbst in vorgeschrittenem Alter hinauszogen in den Kampf und auf dem Felde der Ehre geblieben sind als ein Opfer, das aus unserem Volke heraus dem Vaterlande dargebracht wurde in dem Riesenkampfe um seine Existenz. An den uns heiligen Soldatengräbern pflanzen wir die Hoffnung auf, daß diese Gräber die kostbarste und edelste Saat bergen für Deutschlands zukünftige Größe und Freiheit. Ein Volk, das so viel kostbares Heldenblut für seine Ehre und seinen Bestand geopfert hat, konnte wohl fallen und sinken, doch versinken kann es nicht. Das ist unser unerschütterlicher Glaube in der dem Gedächtnis an unsere gefallenen Kameraden geweihten Stunde; im festen Glauben an den Endsieg sind unsere toten Helden von den Walküren hinüber gercagen nach Walhall. Uns aber, die wir hier zurückbleiben mußten, wolle Gott nicht nur den Willen, sondern auch die Kraft geben,„den gefallenen Kameraben wert und würdig unser Leben zu Ende zu leben“! Die Tat allein, Kameraden, beweist der Liebe Kraft! In diesem Ceiste grüßen wir Euch, liebe Kameraden, die Ihr die Heimat, die Ihr treu beschützt, nicht wiedersaht! In diesem Sinne lege ich den Kranz an dieser Gedächtnisstätte nieder. Das immer von neuem an die Herzen rührende Schauspiel eines Zapfenstreichs mit dem dumpf hallenden Trommelwirbel, dem trillernden Locken der Pfeifen rollt ab. Feierlich, während sich alle Häupter entblößen, erklingt das Niederländische Dankgebet. Die Feier am Denkmal war ein würdiger Auftakt zu den festlichen Veranstaltungen. Nach Auflösung des Zuges begann gegen 10 Uhr im schön geschmückten Saale des Westfälischen Hofes der eigentliche Festkommers. Kaum waren die Saaltüren geöffnet, als der Menschenstrom hereindrängte. In wenigen Minuten waren die langen Tischreihen besetzt. Nachdem die Fliegnersche Kapelle die Feier eröffnet hatte, hielt der Vorsitzende des Annener Garde=Vereins, Herr Lehrer Lange die Begrüßungsansprache und führte folgendes aus: Meine sehr verehrten Damen und Herren, *„ liebe Kameraden! Der dröhnende Donner der Böllerschüsse, die lodernden Flammen der Fackeln und die aufzüngelnden Raketen verkündeten unserm Orte Annen, daß ein großes Fest seinen Anfang genommen hat. Der Verein. Landwehrund Krieger=Verein und der Garde=Verein Annen begehen das schöne Fest der Fahnenweihe. Und im Namen dieser beiden festgebenden Vereine heiße ich Sie alle recht herzlich willkommen. Mein Gruß gilt zunächst den Damen, ohne die sich schlechthin ein schönes Fest feiern läßt. Aber auch den Männern, die unsern vaterländischen Vereinen nicht angehören, gilt mein Gruß. Ich begrüße fernerhin alle Mitglieder der militärischen Vereine und vaterländischen Verbände, die unserer Interessengemeinschaft Annen=Rüdinghausen angehören. Eine besondere Ehre ist es mir, den Kameraden Jul. Mummenhoff, Bochum, vom Vorstand des Verbandes Rhein.=Westfälischer Gardevereine in unserer Mitte begrüßen zu können. Echte Kameradschaft hat ihn getrieben, die Fahne unseres bescheidenen Garde=Vereins Annen zu weihen. Ein herzliches Willkommen den Sängern des Annener Männer= Gesang=Vereins und den Turnern und Turnerinnen des Turnvereins„Eintracht", die freundlicherweise ihr Können den beiden festgebenden Vereinen in uneigennütziger Weise zur Verfügung stellten. Ein hehrer Dreiklang durchwebt unser Fest: Der deutsche Gesang, die deutsche Turnerei und altes deutsches Soldatentum. Die einen wirken durch ihr Lied auf das Gemüt, die andern stählen den Körper unserer deutschen Jugend und wir Soldaten lassen die alten Traditionen in unserm Volke wach bleiben. Wir streben danach, daß die großen Tage aus der deutschen Geschichte nicht in das Reich der Vergessenheit geraten; denn ein Volk, welches seine großen Zeiten mit seinen großen Opfern vergißt, ist nicht mehr wert, auf der Erde zu leben.— Deutschland aber muß leben! Die parteiliche Zerrissenheit führt uns weit auseinander, und oftmals waren wir in den letzten Jahren hart an der Gefahr, daß Deutschland in seinen Grundfugen auseinanderbarst, zur Freude unserer Feinde und zu unserm eigenen Schaden. Das darf nun und nimmermehr sein. Wenn wir uns alle einig fühlen als Deutsche und wenn wir uns alle als Deutsche die Bruderhand reichen, wenn Parteihader und internationalistisches Streben gefallen sind, dann wird Deutschland leben. Dann wird es dastehen, wie ein stark umbrandeter Felsen, der aber nicht wankt noch weicht. Dazu sollen auch die beiden Fahnen, die mergen geweiht werden, beitragen. Sie tragen alte, achtbare Traditionszeichen, das E. K. und den Gardestern. Unter diesen Zeichen reichen sich in alter Kameradschaft viele deutsche Männer die Bruderhand. Und unter dem Zeichen des Eisernen Kreuzes und des Gardesterns heiße ich Sie alle nochmals recht herzlich willkommen. Und unserm Wunsche, daß Deutschland bald wieder einig dasteht, wie ein Felsen, der nicht wankt noch weicht, wollen wir Ausdruck verleihen in dem Rufe: Das deutsche Vaterland, es lebe hoch! Der Annener Männer=Gesang=Verein sang darauf„Das deutsche Lied“ von Kalliwoda und„Im Krug zum grünen Kranze“ von Zöllner. Beide Vorträge fanden reichen Beifall. Nach einer kurzen Pause ergriff Herr Major Würkert; das Wort und wies darauf hin, daß Vaterlandsliebe und Soldatentreue, diese beiden guten Eigenschaften, immer eine vorzügliche Pflegestätte in den militärischen Vereinen gefunden hätten. In den Krieger=Vereinen sei Raum für jeden, der voll und ganz auf vaterländischem Boden stehe, ohne Rücksicht auf sein politisches oder religiöses Bekenntnis. Das Bewußtsein der vaterländischen Ehre und das Gefühl der treuen Pflichterfüllung gegenüber dem Vaterlande, hätten in den militäcischen Vereinen starke Wurzel geschlagen und bildeten das Rückgrat für den Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Viele Kameraden, die sich in diesem Sinne betätigt und alle Zei: treu zur Fahne gestanden haben, erhielten dann im Auftrage des Preußischen Landeskriegerverbandes und des Kreiskriegerverbandes von Herrn Major Würkert Auszeichnungen. Es erhielten HindenburgBilder folgende Kameraden des Verein. Landwehru. Krieger=Vereins: Wilh. Albrecht, Andreas Duisberg, Fritz Flottmann, Joh. Franz, Christ. Gottschalk, Herm. Gräbner, Heinr. Marzi, Julius Marzi, Fritz Schaup, Fritz Petzel, Amandus Pfeffer, Fritz Römer, Gustav Sicher, Wilh. Schriewer, Heinrich Zacher, Jos. Osterholz, August Pautz; des GardeVereins: Fritz Kemna, Julius Schmidt, Franz Genster; Ehrenkreuze: V. L. und Kr.=.: Otto Klingenhagen, Richard Beste; Garde=Verein: Ernst Lange, Carl Zackschewski, Friedr. Ostermann. Großen Anklang fanden die turnerischen Vorführungen der Frauenabteilung des Turnvereins „Eintracht", während Herr Mummenhoff, der Vorsitzender des Verbandes rhein.=westf. Gardevereine ist, im Verlauf des Abends in humorvoller Weise das Hoch auf die deutschen Frauen ausbrachte, die in der schweren Kriegszeit niemals versagt haben.— Es folgte dann noch ein lustiges Theaterstück„Zu Befehl Herr Unteroffizier". Die Mitwirkenden brachten die komischen und humorvollen Situationen gut zur Geltung. Als die Mitternachtsstunde gekommen war, erhob sich Herr Major Würkert, um des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten Hindenburg zu gedenken und die Anwesenden aufzufordern, mit ihm in ein dreifaches Hoch auf Hindenburg einzustimmen, das von der großen Versammlung begeistert aufgenommen wurde. Gegen 1 Uhr war das Programm abgewickelt, und Herr Klingenhagen machte den löblichen Vorschlag, den Heimweg anzutreten, um für den Hauptfesttag gerüstet zu sein. Die Feier am Sonntag. In der Frühe des Sonntags war großes Wekken. Pünktlich marschierten am Vormittag die Kameraden vom Festlokal zur Talsperre, wo der mit der Weihe verbundene Feldgottesdienst stattfand. Die feierliche Handlung begann um 9,30 Uhr, nachdem die Herren des Vorstandes und des Festausschusses mit den Gästen und Ehrendamen vor dem Feldaltar sich um die zu weihenden Fahnen geschart hatten. Unterhalb des Feldaltars hatten die Mitglieder der Vereine und der vaterländischen Verbände Aufstellung genommen. Die Ansprache hielt Herr Pastor Brasse auf Grund des Bibelwortes Jes. 41 V 10. Er führte u. a. folgendes aus: Ihr seid nicht hierher gekommen um hohe Worte, nicht um eine Auseinandersetzung über Partei=Strömungen, nicht um Worte der Unbesonnenheit, die die Leidenschaften aufstacheln, nicht um ein weinerliches Klagelied über die Not der Zeit zu hören. Als Leute, die sich dessen bewußt sind, daß sie auf der Wacht stehen sollen für Einheit, Unabhängigkeit und Freiheit des deutschen Volkes, als Vereine, die die höchsten irdischen Ideale pflegen, geschart um Fahnen, die Wahrzeichen der Liebe und Anhänglichkeit an das Vaterland und Trutzstandarten gegen niedrige, undeutsche charakterlose Gesinnung sein sollen, kennt ihr die große Aufgabe, einer für den andern einzutreten und miteinander das Wohl des Volkes und der deutschen Brüder zu fördern. Eine Aufgabe, bei der es gilt, Eigenliebe und Selbstsucht beiseite zu setzen, bei der man sich nicht stützen darf auf jemandes Gebein, noch Stärke des Rosses, zu der uns vielmehr der ewige Gott, der Vater im Himmel ausrüsten muß. Und hierin ist uns ein Vorbild gegeben in dem Manne, der heute an seinem 80. Geburtstag von Millionen von Herzen umjubelt wird, der Mann, den Gottes Freundlichkeit zum getreuen Ekkehard des deutschen Volkes gesetzt hat, der Mann, der in der kurzen Zeit seiner Präsidentschaft in die leidenschaftliche Auseinandersetzung verschiedenster Meinungen eine Atmosphäre der Beruhigung hineingebracht hat. Warum ist er so bescheiden und demütig? Warum besitzt er die Fähigkeit, sich über allen Parteizwist zu erheben? Weil er eine in Gott gegründete deutsche Persönlichkeit ist. Euere Aufgabe in unserem Volk erfüllt ihr nur dann, wenn ihr heute und immerfort die Weisungen dieses unseres Gottes zu Herzen nehmt, die in dem Worte unseres Bibelwortes enthalten sind: Jes. 41, 10.„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit". Will Bangen und Zagen über euch kommen, soll der Ruf:„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir“, wollt ihr ins Wanken kommen und auf Irrwege geraten, der Ruf: „Weiche nicht, denn ich bin dein Gott“, fühlt ihr Müdigkeit und Unlust zu euerer Aufgabe, der Ruf:„Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit, euch immer wieder Freudigkeit und Kraft geben. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Wir Menschen sind in unserem natürlichen Wesen, losgelöst von Gott, Knechte der Furcht. Die Ungewißheit des Schicksals, die Unruhe unseres Gewissens, macht uns unsicher und läßt uns beständig bangen vor dem Kommenden. Ein Christ soll frei von solcher Furcht sein.„Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen.“ Es gibt aber auch eine Furcht, die einem ernsten Christen kommen kann. Es ist das Bangen der Besten und Edelsten im Volk, das bange Fragen, ob ihre Kraft zureicht, die ihnen gestellte Aufgabe zu leisten. Es ist das Zagen des Bildhauers, der vor seinem Kunstwerk steht, und bangt, zuzuschlagen, weil er weiß, daß er mit einem ungeschickten Schlage sein Werk zertrümmern könne. Paulus, ein Mann mit wetterhartem Charakter, hatte es doch nötig, immer wieder durch den Zuruf gestärkt zu werden: „Fürchte dich nicht", denn der Auftrag, den er hatte, war groß und ging über eines Menschen Kraft. Er brauchte beständig Aufmunterung von oben und wir alle, ob wir hoch stehen oder dienen als schlichte Bürger, wir wissen, daß wir einen Beruf haben in unserem Volk und unter unseren Volksgenossen. Da stehen wir auch oft verzagend vor der Aufgabe, die sich wie ein gewaltiger Berg vor uns auftürmt. Wir bangen und werden unruhig. Da will uns unser Gott ins Herz hineinrufen: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir“. Und dann der andere Ruf:„Weiche nicht, denn ich bin dein Gott". Es ist leichter, zu Gott zu kommen, als bei Gott zu bleiben. Darum brauchen wir den stärkenden Zuspruch von Gott: Weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Wenn uns die Auffassungen weiter Kreise in unseren Tagen, wenn uns die Vorhaltungen, wir hätten kein Verständnis für die neue Zeit, wenn uns die Friedens=Schalmeien, die das Lied von der allgemeinen Welt=Verbrüderung singen, ins Ohr klingen und unsere alt=bewährte Gesinnung umzubiegen drohen, dann brauchen wir dieses kräftigende:„Weiche nicht, denn ich bin dein Gott.“ Solange die Menschen nicht gleichmäßig vom Geist Jesu=Christi beherrscht werden, solange ist eine Welt=Brüderschaft unmöglich und die einzelnen Nationen behalten ihre Aufgabe, ihre Eigenart zu pflegen und durch dieselbe der Menschheit zu nützen. Wahrer Friede besteht nicht in weichlicher Nachgiebigkeit und Preisgabe echter Charaktereigenschaften, sondern Friede ist Kraft, gebändigte Kraft. Friede ist das tätige Selbstvertrauen eines in Gott gegründeten Herzens. Dann die letzte Weisung:„Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ Wir Menschen brauchen in unserem Innern Festigung. Nur so, wenn wir geschlossene Persönlichkeiten sind, werden andere uns Vertrauen entgegen bringen. Es gibt im Grunde nur zwei Arten von Menschen: solche, auf die man sich verlassen kann und solche, auf die man sich nicht verlassen kann. Höret den Ruf:„Ich stärke dich". Wer sich in gläubigem Gebet seinem Gott anschließt, der macht Erfahrung von beständiger innerlicher Stärkung. Aber Gebet ist nicht nur Gesinnung, Stimmung, Gebet ist Opfer. WieChristus sich in die Schlucht zwischen Gott und uns hineingeworfen hat, so strömt von ihm auch die Kraft aus, daß wir uns zur Rettung unserer Brüder und unseres Volkes gleichfalls in den Riß stellen können. Gott tritt uns zur Seite nach seiner Verheißung:„Ich helfe dir auch". Wagen wir es mit unserem Gott. Lassen wir in unseren Herzen lebendig werden das Feuer echten Glaubens, so gilt die letzte Zusage nicht nur dem Einzelnen, sondern auch dem wieder empor steigenden Volksleben.„Ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit". Wollt ihr euere hohe Aufgabe in der rechten Weise erfüllen, so laßt auf euch wirken heute und immerfort diese Gottesweisungen:„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich und helfe dir auch. Ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ Nach dem gottesdienstlichen Akt sang der Annener Männer=Gesang=Verein„Sanctus“ von Schubert. In kurzen, markigen Worten weihte dann Herr Mummenhoff die Fahne des Garde=Vereins. Er führte u. a. aus: Ihr Vorstand hat mir den ehrenvollen Auftrag erteilt, Ihre Fahne zu weihen und so spreche ich zu ihr in Ihrer aller Namen: Möge sie uns in Sturm und Sonnenschein als ein Zeichen glanzvoller Vergangenheit voranwehen. Möge sie als Sinnbild deutscher Wehrkraft Ihnen voranflattern und möge sie ein Sinnbild treuen Gedenkens bleiben an die zwei Millionen, die in dem furchtbaren Kampfe für das Vaterland sich opferten. Rausche auch unserer Jugend voran und senke ihr und unseren Nachfahren die urewige Geschichte ins Herz, daß ohne Zucht, Ordnung und ohne Schweiß kein Aufstieg erfolgen kann, nur Arbeit und die alte deutsche Treue können das Vaterland aus seiner Schmach und seiner Not erretten. Möge die neue Fahne als ein Panier der Zuversicht auf die baldige Wiederkehr glücklicherer Zeiten, auf das Wiederaufleben der alten deutschen Wehrkraft voranrauschen. Die Ehrenjungfrauen entrollten die Fahne und Herr Mummenhoff übergab sie dem Vorsitzenden des Garde=Vereins, Herrn Lehrer Lange zu treuen Händen. Die Weihe der Fahne des Verein. Landmehr= und Krieger=Vereins nahm Herr Lehrer Althoff, Schwerte vor. Herr Althoff hielt folgende Ansprache: Zur Jubelfeier, zur Fahnenweihe rufen die Fanfaren Dich, festlich froh gestimmte Kriegerschar! Soweit man die Geschichte der Völker zurückverfolgen mag, die Krieger sammelten sich zum Kampf und Streit wie auch im Frieden um Symbole. Uralt ist die Fahne als Symbol, insbesondere auch bei unserem deutschen Volke. Ihm galt der Waffendienst als Ehrendienst, und darum die Fahne als Ehrenzeichen. Dem Soldaten soll seine Fahne heilig sein. Er darf sie niemals verlassen. Da sind wir alten Soldaten im Bilde! Nun ersteht vor unserem inneren Auge die ganze Soldaten= und Kriegszeit von dem erhebenden Augenblick an, da die Hand zum Schwur auf der Fahne lag bis hin zu dem erschütternden Zeitpunkt, da uns der Arm herabgezwungen wurde vom letzten guten und gerechten Schlag. Die unverbrüchliche Wahrung der im Fahneneide gelobten Treue ist die erste Pflicht des Soldaten! Wir sind wieder im Bilde. Vor unserer Seele steht der erste Soldat des Landes, die erhabene Gestalt des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, des Reichspräsidenten, der das unvergeßliche Wort prägte:„Die Treue ist das Mark der Ehre“. Ein Sohn Preußens, wurzelecht in deutscher Art und in deutschem Wesen, mit allen Fasern des Seins verankert im Christentum, schlicht und einfach, aufrecht und fromm, wahr und treu, willensstark und zielbewußt, von vornehmer Ruhe in Wort und Tat, das verkörperte Pflichtbewußtsein, Soldat vom Scheitel bis zur Sohle, so steht unser Hindenburg vor uns. Ihm bringen wir auch in dieser Stunde huldigend unsere Glückwünsche zum 80. Geburtstage dar! Sie sind gepaart mit tiefer Dankbarkeit; er war unser Führer, der Grenzen Schutz, des Reiches Retter, Vater des Vaterlandes, und ist des Volkes treuer Ekkehard. Vor dem Nationaldenkmal bei Tannenberg, das seinen Schlachtruhm ewig predigen wird, hat er sich in Treue vor sein Volk und seine Helfer im Streit gestellt, das Lügengespinst von der Kriegsschuld der Deutschen zerissen und es vor aller Welt laut bezeugt, daß das deutsche Heer mit reinen Händen das Schwert geführt hat. Diese heißersehnte Ehrenrettung löste stürmischen Beifall aus; seine Mitkämpfer jauchzten ihm zu; in den Gräbern, die Deutschlands Stolz zur letzten Ruhe bergen, raunte es. Die Fahnen hoch— Hindenburg nach! Wir wollen in Wetter und Nacht zu unserem Volke stehen wie ein Soldat auf der Wacht. Unverbrüchliche Wahrung der im Fahneneide gelobten Treue ist die erste Pflicht des Soldaten! Wir gedenken unserer guten Kameraden, die im letzten großen Kriege in Treue den Fahnen folgten nach Flanderns Küste und bis an die Gestade des Euphrat und Wunder der Tapferkeit vollführten. Wenn einst die Glut des Hasses den Blick nicht mehr trüben wird, dann werden auch die Geschichtsschreiber unserer Feinde bewundernd von Kampf und Sieg des deutschen Volkes melden. Dann wird, undankbarer Vergessenheit entrissen, germanischer Heldengesang mit ehernem Klang über den Erdball brausen, und mehr als einst über Ilias und Nibelungenlied werden deutsche Knabenwangen glühen über die schier alles Menschenmaß übersteigenden Heldentaten ihrer Väter: ihre eiserne Pflichterfüllung in Ansturm und Abwehr unter den ungünstigsten Zeit= und Raumverhältnissen, trotz aller Unbilden der Witterung und der oft kargen Nahrung, ihre Spannkraft von Geist und Gemüt, die stets neue Verteidigungs= und Angriffsmöglichkeiten schuf und die zehrende Sehnsucht nach der Heimat, zu Weib und Kind, zu Eltern und Geschwistern überwinden half. Wir preisen ihr schlichtes, allem äußeren Gepränge abholde, aus der Tiefe des deutschen Gemütes emporquellende Heldentum, das keine wirtschaftlichen Vorteite heischte und in edlem, uneigennützigem Wetteifer sein Alles freudig setzte an die Rettung des geliebten Vaterlandes. Wir kannten nur ein Ziel, das Vaterland, das die Väter aufgebaut, mit Blut und Eisen zu retten! Die Fahnen hoch— diesen Helden nach im Daseinskampse des deutschen Volkes! Denn unsere Helden gaben ihr Leben vergeblich für den Sieg dahin! Wir blieben unbesiegt, und doch liegt des Feindes Hand unerbittlich hart auf uns.„Lug, List, scheußliche Verführungskünste und gleißnerische Versprechungen unserer Feinde wußten unsere Wehr= und Widerstandskraft zu vernichten. Und nun sieht sich das deutsche Volk an den Block eines Friedensvertrages geschmiedet. Machtminderung nach außen, und im Innern Zerrüttung, sittliche und wirtschaftliche Nöte, schrankenlose Selbstsucht und niedrige Genußsucht, so liegt das deutsche Volk am Boden seiner eigenen Heimat, deren Erträgnisse in Zins und Zinseszins freinden Nationen gehören sollen. Die Fahnen hoch— wir bauen neu das treue, deutsche Haus. Die Fahnen hoch! Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. Was uns einen kann, das ist der deutsche Gedanke! Wir müssen wieder ein Machtfaktor werden im Konzert der Völker und Nationen und ringen nach dem Platz an der Sonne, der uns kraft unserer Leistungen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete zukommt! Die Fahnen hoch! O Deutschland hoch in Ehren, hoch leuchte deines Ruhmes Glanz in Ost und West auf's neu! Wer ernstlich etwas will, dem gelingt's! Entfaltet das Tuch, lasset es wehen! Heilige Fahne ich weihe dich als Zeichen der Treue, Symbol der Einigkeit, Weckerin des Gewissens, dem Vaterlands immer und 7 überall das Beste zu opfern! Das deutsche Vatecland und sein verehrungswürdiger Präsident: Hurra! Wieder enthüllten die Ehrenjungfrauen die Fahne und Herr Althoff übergab sie Herrn Major Würkert ebenfalls zu treuen Händen. Es wursen dann noch Fahnennägel übergeben und zwar von Herrn Mummenhoff für den Garde=Verein im Auftrage des Verbandes rhein.=westfäl. GardeVereine, von Herrn Althoff für den Verein. Landwehr= und Krieger=Verein im Auftrage des Kreiskriegerverbandes Hörde, von der Arbeitsgemeinschaft der militärischen Vereine und Verbände Annen durch Herrn Karl Schmitz für beide Vereine und von Herrn Fabrikbesitzer Emil Eckardt, Herdecke für den Verein. Landwehr= und Krieger=Verein aus Anlaß seiner 50 jährigen Zugehörigkeit zu dem Verein. Bei gesenkten Fahnen gedachte Herr Major Würkert der gefallenen Kameraden. Während die Kapelle das Lied„Ich hatt' einen Kameraden“ anstimmte, wurden mehrere Böllerschüsse abgeben. Der feierliche Akt der Fahnenweihe bot auf dem von hohen Bäumen umgebenen Gelände der Talsperre ein prächtiges Bild. In geschlossenem Zuge marschierte man dann zurück zum Festlokal. Der Festzug am Nachmittag gestaltete sich zu einer glänzenden Kundgebung. In der Mittagsstunde hatte man die Kameraden der auswärtigen Vereine und vaterländischen Verbände empfangen, um sich einig zu fühlen und zu finden in dem Gedanken treuer Kameradschaft. Die umliegenden Straßenzüge, hauptsächlich die Wittener= und die Bahnhofstraße, waren gegen 2,30 Uhr von einer großen Menschenmenge belagert. Alles harrte in erwartungsvoller Spannung. Gegen 3 Uhr fanden sich an der Bahnhofstraße, Eingang Kirchstraße, die Vorstandsmitglieder des Verein. Landwehr= und Krieger=Vereins und des Garde=Vereins mit einigen auswärtigen Gästen und mehreren Veteranen ein, um die Parade abzunehmen. Da hört man von fern her die gedämpften Marschweisen der Fliegnerschen Kapelle. Der Festzug kommt... Die Kapelle schwenkt an der Kirchstraße ein und im Parademarsch marschieren die zahlreichen Kameraden die Bahnhofstraße herunter. Es war ein erhebender Augenblick, wie die vielen Kameraden und Jungmannen mit frischen Gesichtern und in strammer Haltung vorbei kamen, während die Musikkapelle den Marsch„Alte Kameraden“ spielte. An der Spitze des Festzuges sah man den Annener Reiterverein in Kavallerie=Uniformen, dann folgte der Verein. Landwehr= und Krieger=Verein, der Garde=Verein und zwischen diesen beiden Vereinen die Ehrendamen mit schwarzweiß=roten Schärpen und Gardisten in friderizianischer Uniform. Ferner sah man die übrigen militärischen Vereine von Annen, die auswärtigen Krieger=Vereine und die vaterländischen Verbände Stahlhelm und Jungdo. Ganz zum Schluß wurden mit Autos und Wagen die noch lebenden Veteranen von 1870=71 und die Kriegsbeschädigten gefahren. Nach der Parade und nach Beendigung des Festzuges wurde die Feier im Saale des Westfälischen Hofes fortgesetzt. Sowohl der Saal als auch das anschließende Festzelt waren, was vorauszusehen war, gänzlich überfüllt. Nach einigen Vorträgen der Fliegnerschen Kapelle, deren Leistungen zu loben sind, ergriff Herr Major Würkert das Wort zu seiner Begrüßungsansprache. Er führte, nachdem er alle Festteilnehmer, die von auswärts erschienenen militärischen Vereine begrüßt und den mitwirkenden Vereinen für ihre Unterstützung gedankt hatte, etwa folgendes aus: Ueber die Sucht der Deutschen, Feste zu feiern, wird mit Recht gespöttelt und gewitzelt. Aber, wenn wir uns heute hier zusammen finden, um im Rahmen einer würdigen Feier unsere Fahnenweihe im Kreise vaterländisch=gesinnter Männer und Frauen zu begehen, so liegt darin mehr als das Bedürfnis, mal wieder ein frohes Fest feiern. Die Fahne ist seit uralten Zeiten dem Krieger, dem Soldaten und damit auch dem Angehörigen eines Krieger=Vereins ein Symbol, ein Sinnbild, und zwar das heiligste! „Was ist ein Sinbild? Was der schöne Name meint: Ein Sinn mit einem Bild auf's innigste vereint; Ein tiefer Sinn, der in ein schönes Bild sich senkt, Ein schönes Bild, bei dem ein tiefer Sinn sich denkt. Schön sei das Bild und klar, tief sei der Sinn u. wahr, Und, mit einander eins, untrennbar sei das Paar.“ Diese schöne dichterische Deutung gilt auch für das soldatische Sinnbild, für die Fahne. Die Fahne ist uns ein heiliges Ehrenzeichen, auf das wir einst in jungen Jahren vor Gottes Angesicht die Hand legten und dem Vaterlande Treue schwuren bis zum letzten Atemzuge. Die Fahne war uns nicht nur ein Symbol während unserer militärischen Dienstzeit, sie blieb uns ein Symbol für unser ganzes Leben. Denn was den Soldaten ziert, ehrt auch den Bürger. Für Treue, Kameradschaft, Vaterlandsliebe, Tapferkeit vor dem Feinde, Pflichtbewußtsein, Mut in allen Lebenslagen, Gehorsam und Disziplin, für alles das ist uns die Fahne Symbol. So soll es bleiben! Die alten Fahnen sind zwar vom Zahn der Zeit zermorscht, aber der tiefe Sinn von der Eigenschaft einer Fahne ist geblieben und geht voll und ganz auf die neuen Fahnen über. Wir vergessen auch nicht, daß wir unter dem heiligen Zeichen der Fahne gekämpft haben für die Ehre und den Bestand unseres Vaterlandes, wir vergessen auch nun und nimmermehr, daß für unsere ruhmvollen Fahnen fast zwei Millionen unserer Kameraden auf dem Felde der Ehre geblieben sind und vor ihnen schon 100000 andere ihr Leben eingesetzt und hingegeben haben für unseres Vaterlandes Bestand, Ehre, Ruhm und Größe. Sie Alle hatten der Fahne Treue geschworen, der Fahne— dem Zeichen der Treue— im Ungewitter der Schlachten wie im Kämpfen und Ringen im Frieden. 1! Wer die Fahne verläßt, befleckt seine Ehre auf das Gröblichste mit schnödem Treubruch! Mag unsere seltsam verblendete Zeit die Treue für einen leeren Wahn, die Untreue für erlaubt und nützlich halten, mag eine nahe Vergangenheit sich in Verblendung und Irrsinn mit der Schmach befleckt haben, unsere an Ehren überreichen Fahnen mit Schmutz besudelt zu haben,— uns unsere Heiligen Ehrenzeichen aus dem Herzen zu reißen, dazu reicht kein Wahn aus. Im Gegenteil, je toller sich die Entweiher unserer Fahnen gebärden, um so enger scharen wir uns um sie. Wir ehemaligen Soldaten können solches Auf—den—Kopfstellen sittlicher Begriffe niemals gut heißen. Wir halten es mit unserem verehrten großen Führer, dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg, der gesagt hat:„Die Treue ist das Mark der Ehre,— ohne Ehre kein Vaterland.“ Wenn ich eingangs meiner Ausführungen gesagt habe, daß in der Feier unserer Fahnenweihe mehr liegt, als das Bedürfnis, ein frohes Fest zu begehen, so werden Sie diese Behauptung auf Grund meiner naturgemäß ja nur kurzen Deutung über das Symbol der Fahne wohl als berechtigt anerkennen. Und wenn wir nun diese Feier verbinden mit einer Feier des Geburtstages unseres Reichspräsidenten, so liegt auch darin mehr als das Bedürfnis, ein frohes Fest zu feiern. Es liegt darin in erster Linie der berechtigte Wunsch: sich um ein Symbol des nationalen Gedankens zu scharen, es liegt darin der Wunsch, zu bekennen, daß wir eine große, einheitliche Nation sind und als solche nach außen gewürdigt werden wollen. Auch aus diesem Wunsche heraus haben wir uns gerade heute zusammen gefunden. Wir wollen also kein Fest feiern im landläufigen Sinne, denn dazu haben wir wahrhaftig keinen Anlaß; wohl aber wollen wir uns stärken in dem Gedanken: daß das Reich das einzige ist, was uns aus dem Zusammenbruch— wenn auch geschmälert erhalten geblieben ist, daß die Schöpfung des Reichsgründers, des Fürsten Bismarck nicht vergebens gewesen ist und nicht nur über seinen Tod, sondern für noch in weiter Ferne kommende Geschlechter feststehen wird, wenn wir Führer haben wie den Generalfeldmarschall von Hindenburg. Hindenburg war des deutschen Volkes in Waffen Führer in großer Zeit, er war uns Vorbild in Treue und Hingebung und Pflichterfüllung und ist es uns heute, in seinem hohen Alter, wieder. Wir leben im Zeichen Hindenburgs, das bedeutet den Sieg des vaterländischen Gedankens, was uns mit freudiger Zuversicht für die Zukunft erfüllt. Wenn wir in allem und jedem, in unserem ganzen Tun und Lassen so treu, so aufopfernd, so pflichtbewußt sind, wie er, dann wird die Zukunft das Vertrauen, das wir in sie für unser deutsches Volk und Land setzen, nicht enttäuschen. Ich gebe dabei dem Wunsche Ausdruck, daß der Verlauf der heutigen Feier Ihnen erinnerungswert bleiben und einen Jeden von uns, jeden an seinem Teile, zur Betätigung in deutsch=vaterländischem Sinne anregen möge! Viele wenig machen ein Viel, Vereinte Kräfte führen zum Ziel! Nachdem Herr Major Würkert seine eindrucksvolle Rede beendet hatte, sprach Fräulein Liesel Koch mit vortrefflicher Betonung und klarer Stimme einen Prolog. Es folgten dann 2 Gesangvorträge des Annener Männer=Gesang=Vereins und zwar„Westfalenlied“ von Diederichs und„Wanderschaft“ von Zöllner. Den Sängern und dem Dirigenten Herrn Dr. Köster wurde lebhafter Beifall zuteil. Im Verlauf des Abends hielt der Vorsitzende des Garde=Vereins, Herr Lehrer Lange die Hindenburgrede. Er sagte einleitend, daß, wenn der Zeiten Rad ein Stück weiter gerollt ist, wenn wir alle nicht mehr zu den Lebenden rechnen, sondern dem Reich der Toten angehören, dann würde ein Name leben unter den Menschen— Hindenburg! Am politischen Himmel leuchteten heute so viele Namen bedeutender Männer auf wie Stresemann, Briand, Mussolini usw. Diese Sterne würden einmal im Nebel der Vergangenheit verblassen, nur ein Name aber würde wie ein strahlender Stern aus der Vergangenheit leuchten— Hindenburg! Und wenn einmal die Zeit, in der wir leben, aus dem Bereiche der Geschichte langsam in das Reich der Sage hinübergeglitten sei, dann bleibe eine Gestalt bestehen, reckenhaft, und groß— Hindenburg! Heute feierten wir den 80. Geburtstag des greisen Generalfeldmarschalls und des Reichspräsidenten Hindenburg. Herr Lange entwarf dann ein kurzes Lebensbild Hindenburgs unter besonderer Berücksichtigung seiner militärischen Laufbahn. Als bald Siebzigjähriger nahm er 1914 nochmals die Unannehmlichkeiten und Anstrengungen eines zuges auf sich. Dem an Pflicht gewöhnten alten Soldaten war das Opfern und Verzichten zur Selbstverständlichkeit geworden. Hinden„ ist der 1rg Steger von Tannenberg und wurde in schwerster Zeit der getreue deutsche Ekkehard. Und als Ende 1918 das Unglück hereinbrach, erlebte Hindenburg den Zusammenbruch in seiner ganzen Tragik. Einen Moltke haben wir damals gehabt, aber keinen Bismarck. Die Diplomaten am grünen Tisch versagten. Wer blieb bei uns, wer blieb bei den Soldaten? Hindenburg! Sein Feldheer hat er in vollster Ordnung zurückgebracht. Von Kassel aus leitete er den Rückzug, den das Ausland als eine große Waffentat bezeichnet hat. Die Wirrnisse und Hemmnisse in unserem Volksleben, die durch Parteihader und Parteizank entstanden sind, hat Hindenburg bitter empfunden. Als dann 1925 der Sessel des Reichspräsidentenstuhles durch Eberts vorzeitigen Tod leer wurde, lopfte man wieder an seine Tür und wählte ihn zum Reichspräsidenten. Trotz seines hohen Alters übernahm er noch diese schwere Bürde. Nur aus Liebe zu seinem Volke hat er das verantwortungsvolle Amt ausgeübt. Hindenburg gehört keiner Partei an, er steht über den Parteien und gehört dem ganzen Volke. Er kennt nur Pflicht und wahre, treue Vaterlandsliebe. Wenn heute überall die Fahnen wehen und ganz Deutschland dem greisen Feldherrn und Reichspräsidenten zujubelt, so ist das ein Beweis dafür, daß Hindenburg die Geschicke des deutschen Volkes in vorbildlicher Weise leitet. Von unserm kleinen bescheidenen Ort Annen aus wünschen wir ihm, daß er noch recht lange Jahre Führer sein möge und wünschen ihm, wenn er die Arbeit mal aus der Hand legt, vor allem einen gesegneten Lebensabend. Anschließend wurde das Deutschlandlied gesungen und ein dreimaliges, kräftiges Hurra auf Hindenburg ausgebracht. Das Festspiel„Unser Hindenburg“ von M. Reichert gelangte dann zur Aufführung. Die symbolischen Gestalten des Festspiels wurden in vortrefflicher Weise dargestellt. Fräulein Liesel Koch als Brunhilde packte ihre Aufgabe mit dem ganzen Temperament ihrer Jugend an und verstand es, ihrer Hauptrolle den Stempel eigenen individuellen Könnens aufzudrücken und eine Leistung zu zeigen, die wohl geeignet war, ein empfängliches Publikum mitzureißen. Fräulein Koch träumte sich ganz hinüber in das Land der reinen und schlackenlosen Freude, wo alles aufhört und alles verschwindet bis auf eines: bis auf die ganze Hingabe, das einzige und große, fast träumende Erleben dessen, was ein Dichter ersonnen und geschaffen hat. Es ist nicht schwer, sich von Reicherts Festspiel einspinnen und einweben zu lassen; wenn das Spiel vorbei ist, dann erwacht man aus einem Traumland, in dem man geweilt hat, wie ein Kind in seinem Märchenland, versonnen und versunken und losgelöst von allem, was der Werktag um uns aufbaut. Das Festspiel ist eine Verherrlichung unseres Hindenburg und seine Aufführung verdiente dank dem guten Zusammenspiel aller Mitwirkenden, besonders der Herren Gebrüder Klingenhagen, ehrlich den rauschenden Beifall der Festteilnehmer. Besondere Erwähnung verdienen auch die Stabübungen des Turnvereins„Eintracht“, vor allen Dingen das Barrenturnen. Es war für jeden Freund der Turnsache eine Augenweide, die schlanken, biegsamen Gestalten ihre Barrenübungen ausführen zu sehen.— Damen des Königin=LuisenBundes brachten einen von der Mittelschullehrerin Fräulein Prange eingeübten ostmärkischen Volkstanz in sehr einschmeichelnder Weise zur Aufführung. Zum Schluß wurde im Festzelt noch ausgiebig getanzt und erst in vorgerückter Stunde erreichte die glänzend verlaufene Feier ihr Ende. Gestern abend fand noch eine Nachfeier statt, die ebenfalls sehr gut besucht war. An die Festtage des Verein. Landwehr= und Krieger=Vereins und des Garde=Vereins wird man noch lange zurückdenken. Lokales X Annen, 4. Oktober.(Marktbericht vom 1. Okt.) Schlangengurken Stück 15 8, Kartoffeln 10 Pfd. 65 bis 70 8, junge Böhnchen Pfd. 40 g, Pflaumen Pfd. 25 8, Rotkohl Pfd. 12 F, Weißkohl Pfd. 10 8, Blumenkohl Stück 80 8, Birnen 25—30 Bananen Pfd. 60. S, Kohlrabi Stück 10 S, Wirsind Pfd. 12 J, Tomaten Pfd. 35 S, Wurzeln Pfd. 15 3, Zwiebeln Pfd. 15 8, Rettich Stück 10 J, Porree Stange—10 3, Suppengrün(Bündchen) 15 J, Zitronen(Stück) 15 8, Stielmus(Bündchen) 10 8, Kochäpfel Pfd. 35 J, Weinrtauben Pfd. 60 Pfg., Endiviensalat(Kopf) 15 8, Salat(Kopf) 10 Pfg., Stangenbohnen Pfd. 20 J, Tafeläpfel Pfd. 40 Pf., Griesbirnen Pfd. 20 3, Sellerieknollen(Stück) 25 8, Petersilie(Bündchen) 5 8, rote Beete Pfd. 15 J, Spinat Pfd. 25 J, Einmachbirnen Pfd. 25 Pfg., Rosenkohl Pfd. 45 Pfg., Wallnüsse Pfd. 60 J, Seemuscheln 10 Pfd. 90 8, Holländer Vollheringe 16 Stück 1,— K. Bücklinge Pfd. 55 —(Einen Unfall) erlitt am Samstag nachmittag beim Ausschmücken des Festsaales Radtke der Dekorateur Herr Müller. Er stürzte von einer hohen Leiter herunter und erlitt einige Verletzungen. Im Auftrage des Vorstandes des Verein. Landwehr= und Krieger=Vereins übermittelte Herr Major Würkert Herrn Müller, der ein eifriges Mitglied ist und infolge der Verletzungen an der Feier nicht teilnehmen konnte, die besten Wünsche für baldige Wiederherstellung. d. Stockum, 3. Oktober.(Erntedankfest.) Am vergangenen Sonntag fand in der hiesigen evangelischen Kirche eine Erntedankfest=Feier verbunden mit der 80. Geburtstagsfeier des Reichspräsidenten statt. Dazu waren sämtliche Vereine erschienen. Der Altar war mit geernteten Früchten festlich geschmückt. Nachdem die Gemeinde den Choral„Lobe den Herrn“ gesungen hatte, sang der Kirchenchor„Heilig, heilig ist der Herr.“ Daraufhin hielt Herr Pastor Harney seine Festpredigt, welcher er den Bibelspruch„Was der Mensch säet, das soll er ernten“ zu Grunde legte und hob außerdem in diesem Sinne die Verdienste des Feldmarschalls von Hindenburg um das deutsche Volk hervor. Zu gleicher Zeit fand auch in der kathol. Kirche eine ähnliche Feier statt. —(Hindenburgseier.) Sonntag nachmittag um 5 Uhr hatte der Kriegerverein die Mitglieder sämtlicher Vereine zu einer Feier des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten in die Räumlichkeiten der Wirtschaft Blanke eingeladen. Der Saal war überfüllt. Herr Major Donitsch Bochum hielt die Festrede. Bei der Feier wirkten noch Fräul. Fleischhut und der Männer=Gesang=Verein „Freundschaft“ mit.— Das Theaterstück„Einquartie= rung“ rief einen wahren Beifallssturm hervor. Nach einem Fackelzug beschloß ein gemütliches Tänzchen das Fest. d. Stockum, 4. Oktober.(Zahltermine.) Die Auszahlung für Kriegshinterbliebene, Wohlfahrtsempfänger, Sozial= und Kleinrentner findet am Freitag, 7. d. Mts., nachm. in der Zeit von—5 Uhr im oberen Stockwerk der hiesigen Meldestelle statt.— Anschließend daran findet die Auszahlung der Erwerbslosenunterstützungen und ein Steuerhebetermin statt. —(Mutterberatungsstunde.) Die nächste Mutterberatungsstunde findet am Donnerstag, 6. d. Mts., nachmittags um 3 Uhr in der evang. Schule statt; daran anschließend ist die Sprechstunde für Lungenkranke. Sport. Dortmunder Großflugtag. Schon früh am Tage wälzten sich ungeheure Menschenmassen zum Flugplatzgelände, sodaß die zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel dem Ansturm nicht gewachsen waren. Insgesamt rechnet man, daß etwa 25.000 bis 30000 Zuschauer trotz des verhältnismäßig schlechten Wetters den Dortmunder Flugplatz aufgesucht haben. Zu Beginn des offiziellen Flugtages ließ man vom Flugplatz aus mehrere tausend Brieftauben los. Dann erfolgte der Eröffnungsstart sämtlicher Flugzeuge zu einem Luftreigen. Den Angelflug nach Postsäcken, an dem nur 2 Vereinsflugzeuge teilnahmen, gewann das Flugzeug des Vereins für Luftfahrt Dortmund e. V. mit Paulus als Führer und Riege als Angler. Hieran schloß sich eine Vorführung der Leichtflugzeuge aus dem Rhön=Wettbewerb, an der Seelbach=Münster und Espenlaub(der Luftzigeuner) teilnahmen. Im Kunstflug konnte Fiseler, der bekannte Rückenflieger, der kürzlich den Rückenflug Köln—Bonn in 15 Minuten ausführte, gegen Katzenstein den Sieg erringen. Bei dem Zielabwurf=Wettbewerb für Flugzeugführer konnte ebenfalls Fieseler den Sieg für sich buchen. Harry Fink, der Held der Lüfte, versuchte während der Luftfahrt frei auf den Tragflächen gehend eine Belastungsprobe vorzunehmen, mußte jedoch wegen eines Motordefektes vorzeitig landen. Dann folgte das Hindenburgflugzeugrennen und das Ballonhüpfen, das aber wegen des Windes nicht zur Geltung kam. An dem Fallschirmabsprung=Wettbewerb beteiligten sich drei Flieger. Aeußerst interessant war der von Katzenstein vorgeführte Luftschleppzug. Damit war das offizielle Programm erledigt und nach einem Kunstfliegen der noch startbereiten Flugzeuge fand ein großes Feuerwerk statt, das Jung und Alt begeisterte. Bedauerlich ist, daß ein Flugzeug der Lufthansa beim Starten gegen den Wind auf das Vereinsflugzeug Konsul II des festgebenden Vereines auffuhr und den Rumpf zertrümmerte. Boxen. Schmeling schlägt Clement. Das Haupttreffen des gestrigen Tages in der Westsalenhalle brachte in gewisser Beziehung eine Enttäuschung, da Clement sich nur defensiv zeigte und auch wenig Härte bewies. Schmeling führte im Kampfe von Anfang an und jagte seinen Gegner durch den Ring. In der 5. Runde war Clement schon angeschlagen. In der nächsten Runde mußte er zunächst bis 7 zu Boden, bei einem zweiten Niederschlag warf sein Sekundant das Tuch in den Ring. In den Rahmenkämpfen blieb Gornik Punktsieger über Lyggekt. Tauwel zwang Mehling schon in der ersten Runde zur Aufgabe. Dr. Bach=Gühring und NetzherMohr kämpften unentschieden. Neueste Nachrichten Hindenburgs Dank. Berlin, 3. Oktober. Reichspräsident von Hindenburg läßt folgenden Erlaß bekanntgeben: „An das deutsche Volk! Aus dem ganzen Vaterlande, von Angehörigen aller Schichten des deutschen Volkes und von zahlreichen Deutschen jenseits unserer Grenzen, die sich mit der alten Heimat in diesen Tagen verbunden fühlten, sind mir zu meinem 80. Geburtstage viele tausend Glückwünsche und Zeichen treuer Gesinnung beschert worden. Meinem Geburtstagswunsche, durch Beschaffung neuer Mittel die große Dankesschuld abtragen zu helfen, die wir alle den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen gegenüber tragen, ist durch die aus allen Kreisen unseres Volkes und von den Deutschen im Auslande bereitwilligst gegebenen Beiträge zur Hindenburgspende in herzerfreuender Weise Rechnung getragen worden; der schöne Ertrag dieser Sammlung wird dazu helfen, manche Not unter den Opfern des Krieges zu lindern. Gern würde ich allen, die sich so in Wünschen und Gaben zusammenfanden, einzeln danken, aber die große Fülle dieser Geburtstagsgrüße macht es mir unmöglich. Mir bleibt daher nur übrig, allen, die am gestrigen Tage dem Gefühl der Verbundenheit mit mir und meinem Streben für das Vaterland so gütigen Ausdruck verliehen haben, auf diesem Wege meiner herzlichsten Dankbarkeit zu versichern und ihnen zu sagen, daß mich ihr Gedenken tiefgerührt und herzlich erfreut hat. Mit gleichem Empfinden habe ich die Begrüßung entgegengenommen, die mir gestern bei meiner Fahrt durch die Straßen Berlins von der Studentenschaft, den kameradschaftlichen Verbänden und den übrigen Organisationen und Vereinen sowie den vielen Tausenden meiner Mitbürger zuteil wurde. In besonderer Erinnerung werde ich die so eindrucksvolle Huldigung behalten, die mir die deutsche Jugend, der unsere Arbeit und unser Hoffen gilt, im Stadion in so herzlicher Weise darbrachte. Ihnen allen gilt mein inniger Dank! In diesen verschiedenen Kundgebungen sehe ich nicht nur die Ehrung meiner Person, sondern das gemeinsame Bekenntnis zum Vaterland, zur Gemeinschaft des deutschen Volkes, das trotz aller Not und Sorge des Tages hier freudigen Ausdruck fand. Das erfüllt mich mit besonderer Befriedigung und bestärkt in mir die Hoffnung, daß das Streben nach Einigkeit und Zusammenschluß den Kampf der Meinungen und den Widerstreit der Interessen in unserm Volke überwinden wird. Möge ein jeder, der gestern meiner in Worten und Grüßen gedacht hat, an seiner Stelle an diesem Werke der Einigung mitarbeiten und zur Erreichung dieses großen Zieles, in dem unsere Zukunft liegt, mithelfen! Berlin, den 3. Oktober 1927. gez. von Hindenburg, Reichspräsident.“ * Stresemann bei Hindenburg. Berlin, 3. Oktober. Das„Berliner Tageblatt“ meidet aus Bochum: Die Vereinigte Kaufmannschaft von Bochum hatte im Klagewege die Aufwertung des einmaligen Fernsprechbeitrages beantragt. Das Landgericht Bochum verwies die Anträge an das zuständige Landgericht in Dortmund, das dahin entschieden hat, daß die Reichspost den einmaligen Fernsprechbeitrag aufwerten muß. Dienstag früh Beginn des Amerikafluges des D 1 230. Nordeney, 3. Oktober. Heute abend 6,15 Uhr traf das dreimotorige Junkers=Wasserflugzeug D 1230 von Kiel kommend, in Nordeney ein unter Führung der Flieger Loose und Starke. Außerdem befand sich der Vertreter des Norddeutschen Lloyd, von Hünefeld, an Bord. Das Flugzeug startet morgen Dienstag früh um 4 Uhr zum Amerikafluge. Die letzten Wetterberichte von dem Aklantischen Ozean melden ein allgemeines Hoch. Der Flugplatz ist unter ständiger polizeilicher Bewachung. Die letzten Vorbereitungen sind beendet. Die Flugroute führt über die Azoren nach Newyork. Die Post muß aufwerten. Berlin, 3. Oktober. Der Reichspräsident empfing heute nachmittag den Reichsminister des Aeußeren Dr. Stresemann zu einem 1½ stündigen Vortrag über die letzte Tagung des Völkerbundes und die damit zusammenhängenden Fragen. Immer weiteres Umsichgreisen der spinalen ginderlähmung. Leipzig, 3. Oktober. Die spinale Kinderlähmung im Bezirk Leipzig greift trotz aller Abwehrmaßnahmen weiter um sich. Am Sonnabend ssind wieder zehn neue Fälle gemeldet worden. Die Zahl der Todesfälle hat sich im Stadtbezirk auf 19 erhöht. Dazu kommen noch einige Todesfälle in den Amtshauptmannschaften. Insgesamt zählte man 221 Erkrankungen, davon in der Stadt Leipzig 141. Shpems Anteungscs. Weipert, 3. Oktober. Zwischen Schmiedeberg und Lauxmühle versagte in einer Kurve die Bremse eines Lastautos, auf dem eine Fußballmannschaft vom Spiel heimkehrte. Der Wagen stürzte um und begrub die 12 Insassen unter sich, von denen zwei getbtet und acht schwer verletzt wurden. Das Wasser aus Ihrer Leitung ist— wie jedes Leitungswasser— hart. 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Wie verlautet, werden die Braucreien das Tarisamt anrufen und evtl. die in Betracht kommende Organisation auf Schadenersatz verklagen, weil die Brauereiarbeiter die vereinbarte achttägige Kündigungsfrist nicht innegehalten haben. In der Zwischenzeit wird sich auch die Schlichtungsstelle mit dem plötzlichen Streik befassen. Unter Glassplittern begraben. Ein eigenartiger Unfall ereignete sich auf dem oberen Bahnhof in Karlsbad. Infolge falscher Weichenstellung fuhr eine Rangierlokomotive auf einen Güterwagen, der mit etwa 10000 leeren Glasflaschen beladen war. Acht Personen wurden unter den Trümmern von mehreren Tausend Flaschen begraben und erlitten erhebliche Schnittwunden. Die Verletzungen von fünf Personen sind schwerer Natur. Schwere Unwetter über England. London, 1. Oktober. England ist erneut von einem heftigen Sturm heimgesucht worden, der teilweise von Gewittern und Wolkenbrüchen begleitet war. Aus allen Teilen des Landes werden neue Ueberschwemmungen gemeldet. Die Ernte, die vielfach schon durch Fäulnis schwer gelitten hatte, ist jetzt an vielen Stellen vollständig zugrunde gerichtet worden. Infolge der Ueberschwemmungen ist Geflügel zu vielen Tausenden eetrunken. Da zahlreiche Landstraßen überschwommt sind, haben verschiedene Autobuslinien eingestellt werden müssen. In der Nähe von Carlisle wurde der Eisenbahnverkehr durch einen Bergrutsch geringeren Umfangs, den der Regen verursacht hatte, unterbrochen. Der Sturm im Kanal verursachte Verspätungen der Dampfer. Zahlreiche Fahrzeuge waren gezwungen, in den Häfen Schutz zu suchen. In den Seebädern an der Südküste wurden die Strandanlagen von schweren Sturzwellen heimgesucht. 78 Tote in St. Louis. Das Kriegsrecht verhängt. Newyork, 1. Oktober. Wie amtlich gemeldet wird, beträgt die Zahl der Todesopfer der Wirbelsturmkatastrophe in St. Louis 78. Annähernd 700 Verwundete sind in den Hospitälern untergebracht. Tausende von Verletzten befinden sich in privater ärztlicher Behandlung. 5000 Wohnungen sind in der Stadt völlig zerstört worden. Der Tornado verwüstete eine Fläche von sechs Quadratmeilen. Der Schaden beträgt annähernd 100 Millionen Dollars. Am schwersten wurde das vornehmste Wohnviertel der Stadt heimgesucht. Im Katastrophengebiet ist das Kriegsrecht verhängt worden, jeder Plünderer wird standrechtlich erschossen. * — Der Vater erschlägt seinen siebenjährigen Sohn. Der Schlosser Kotkowski aus Meiderich erschlug seinen 7 Jahre alten Sohn Alfred in seiner Wohnung durch Hammerschläge auf den Kopf und erhängte sich dann selbst. Der Grund zur Tat ist noch unbekannt. — Könneckes Unfall in Bagdad. Als Könnecke auf seinem Ostasienslug Bagdad verlassen wollte, brachen, wie noch ergänzend mitgeteilt wird, bei seinem Absturz aus geringer Höhe Ruder und Sporn. Die nötigen Reparaturen werden mindestens vier Tage erfordern. Die deutschen Flieger hoffen, Bagdad am nächsten Dienstag verlassen zu können. Ktriener Hrilunig. — Dynamitpatronen auf der Straße. In einem Pariser Vorort fanden spielende Kinder auf der Straße 220 Dynamitpatronen französischer Herkunft. Man weiß noch nicht, ob es sich um von Anarchisten weggeworjene Sprengkörper handelt oder um Patronen, die für Steinbrüche bestimmt waren. — Deutsche Studenten als Gäste in England. Von der Universität Hamburg sind zwanzig Studenten und Lehrer in London eingetroffen, die in England das englische Erziehungswesen kennen lernen wollen. Zum Empfang hatte sich eine Abordnung der englischen Studentenschaft eingefunden, die die Reise organisiert hat. Provinz=Nachrichten r Dortmund, 3. Oktober.(Großes, aber berechtigtes Aufsehen) erregt z. Zt. eine PorträtAusstellung des Kunstmalers Ernst Linnenkamp im hiesigen Kunstfalon Utermann. Linnenkamp ist erst kürzlich von weiten Auslandsreisen zurückgekehrt, die ihm vor allem in Amerika große Erfolge brachten. Seine Hauptstärke sind Bildnisse mondäner Frauen, wie er dies durch seine Sammlung der„15 schönsten Frauen Amerikas" bewies. Aus der jetzigen Ausstellung tritt dies ebenfalls klar hervor. Die Linie in Haltung und Bewegung ist stets vornehm und elegant. Die Töne sind fein ineinander abgestuft und abgetönt und werden beherrscht von dem sorgfältig durchgearbeiteten und mit feinstem Kolorit durchmodellierten Kopf. Auch die Hände zeichnen sich durch Vergeistigung und oft wundervollen Linienrhythmus aus und sind ebenfalls außerordentlich plastisch. Seine Herrenporträts sind ebenfalls frisch und blutvoll. Markisch und interessant ist das Bild Hindenburgs, während der Künstler in das Porträt seines alten Vaters feinsinnige Poesie hineinzaubert. Die Kinderporträts ziehen durch ihre Lebensfreudigkeit und Lebensechtheit an. Hier herrscht buntes Kolorit, das aber nie aus dem Rahmen fällt.— Z. Zt. arbeitet Linnenkamp im Auftrage der„Newyork Times“ an einem Mappenwerk, das die markantesten Köpfe der aufbauenden Persönlichkeiten Westdeutschlands umfassen soll, und an einer Serie der„15 schönsten Frauen Europas“. Üornfranck, ist nicht nur ein wohlschmeckendes, sondern guch ein bekömmliches u. der Gesundheit durchaus zurrägliches Gehränk.- Wis sollfe es Gersteuing Seint sorgfällige Erstellung Verwendong bester p. geeignerer konsrorte sing mieder Bezjehung gewährlei#8# Dabei ist er sehr billig400 ggssen aus ½ Pfund für 30 Prg.-und„„„ 4 Neure Er will an dem Kriegsausbruch nicht schuld sein. Poincaré hatte sich übernommen, als er an einem Tage drei Reden hielt, ohne gegen Deutschland zu hetzen. Er hat deshalb gleich am folgenden Tage das Versäumte nachgeholt und durch eine in seiner Vaterstadt Barle=duc gehaltene neue Hetzrede sein inneres Gleichgegewicht wiederzuerlangen gesucht. Die Rede wurde bei Eröffnung des Generalrats des Maasdepartements gehalten, dessen Vorsitzender Poincaré bekanntlich ist. Einleitend verwahrte Poincaré die Lothringer gegen den Vorwurf des Chauvinismus. Gerade die Lothringer seien am allermeisten am Frieden interessiert.„Wir konnten keinen Schritt in unserem Landesteil tun— so fuhr Poincaré fort— ohne uns immer wieder zu sagen, daß unser armes Land, wenn der Krieg ausbräche, von der ersten Stunde an der blutige Schauplatz der Kämpfe sein würde. Wir hätten also töricht sein müssen, wären wir nicht die friedfertigsten und vorsichtigsten aller Franzosen gewesen. Aber diese harmlosen Spötteleien auf das militärische Genie zielten keineswegs auf eine Entwaffnung ab, deren Gefahren niemand besser als wir begriff. Wir wollten den Frieden, aber wir wollten auch unsere Sicherheit. Keiner von uns hat vor 1914 eine andere Politik befolgt. Keiner von uns würde den schmählichen Mut gehabt haben, den Krieg zu erklären oder ihn zu provozieren. Als er uns aufgezwungen wurde, haben wir aus vollem Herzen einen Sieg gewünscht, der nicht nur den Feind zurücktriebe, sondern auch Frankreich in seiner territorialen Integrität wiederherstellte und ihm mit der Wiedergutmachung seiner Schäden eine volle Sicherheit gewährleistete. Wir können jene Legende nicht ernst nehmen, die den 4. Oktober 1927. Weiter! man jetzt aufzutischen versucht, die von einer„höflichen Invasion“ spricht, die die Zivilbevölkerung geschont habe und heinahe harmlos gewesen sei. Zu viel Greise, zu viel Frauen wurden in den ersten Wochen des Krieges in unseren besetzten Gemeinden getötet; zu viel Häuser wurden in Brand gesteckt, als daß unsere Landsleute nicht die Pflicht hätten, zu protestieren, wenn sie offenkundig die Wahrheit leugnen hören. Die Lothringer wollen Vergessen üben, aber sie wollen nicht, daß die Lüge sich festsetzt. Seit Beendigung der Feindseligkeiten haben sie nur einen einzigen Gedanken gehabt: das durch vier Jahre lange Anstrengungen erschöpfte Frankreich wieder aufzurichten und das verwüstete Maas=Departement wieder aufzubauen. Sie haben sofort eingesehen, daß ein derartiges Unternehmen nur im Frieden, in Sicherheit und Eintracht gelingen könne. Sie haben sich also leidenschaftlich den Gedanken hingegeben, die sie stets verfochten und die die gleiche Bedeutung heute wie gestern haben.“ Poincaré wies dann darauf hin, daß man von ihm anscheinend eine große politische Rede erwartet habe. Er habe auch zunächst daran gedacht, sich jedoch nach einer kurzen Ueberlegung überzeugt, daß das Land gegenwärtig vielmehr Taten als Reden braucht. Es ist nur recht schade, daß er selbst so wenig nach seiner Ueberzeugung handelt. In zwei Tagen vier Reden, das sieht nicht gerade nach einer Eindämmung seiner Redewut aus. Auf den sachlichen Inhalt seiner neuesten Hetzrede einzugehen, hieße ihr allzuviel Ehre antun. Die Welt weiß zui. gut, welchen verhängnisvollen Anteil gerade der Kriegshetzer Poincaré am Ausbruch des Krieges hatte, als daß seine Unschuldsbeteuerungen Eindruck machen könnten. Dortmund, 2. Oktober.(Selbstmord durch Ertrinken.) Am Samstag gegen 13,30 Uhr ging ein 19 jähriges Mädchen aus Dortmund gegenüber dem Städtischen Bootshause etwa 50 Meter in der Richtung Dortmund entfernt, offenbar in selbstmörderischer Absicht in den Dortmund=Ems=Kanal. Es kam noch einmal an die Oberfläche, versank dann aber für dauernd. Die Leiche konnte am Samstag nachmittag noch nicht geborgen werden. Die Personalien der Toten sind bereits festgestellt. Die Mutter traf noch am Nachmittag im Bootshaus ein. Die Bergungsversuche wurden fortgesetzt. Ueber das Motiv der Tat ist noch nichts verlautbar. Krefeld, 2. Oktober.(Raubüberfall.) Zwei fahrer überfielen in einer Straße in Krefeld eine jüngere Angestellte und versuchten ihr eine Aktenmappe mit einem größeren Geldbetrag zu entreißen. Als sich die Ueberfallene zur Wehr setzte und um Hilfe schrie, flüchteten die Burschen. Ein Chauffeur verfolgte sie und stellte einen der Täter, der darauf dem Chauffeur einen lebensgefährlichen Bauchschuß beibrachte. Die Täter sind unerkannt entkommen. Münster, 3. Oktober.(Unschuldig zum verurteilt?) In der hiesigen Strafanstalt sitzt, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, der Landwirt Anton Lange jun. aus Lichtenau(Krs. Büren), der am 4. Juni 1921 nach viertägiger Verhandlung vom Schwurgericht in Paderborn zum Tode verurteilt wurde, weil auf Grund von Indizienbeweisen das Gericht zu der Ueberzeugung kam, daß Lange in der Nacht zum 27. Juni 1921 den Landwirt Hermann Lange, einen Bruder des Anton, ermordet habe. Die eingelegte Revision hatte keinen Erfolg. Die Frau des Ermordeten, die übrigens wegen sittlicher Vergehen mit dem Vater des Ermordeten und des Verurteilten, zu einer Gefängnisstrase verurteilt worden war, heiratete später einen Landwirt in Lippborg, brachte aber schon in ganz kurzer Zeit das ganze Besitztum vollständig herunter. Ueberhaupt hatte man den Eindruck, daß die Frau ein schweres Geheimnis mit sich herumtrage. Auf das entschiedene Betreiben des Rechtsanwalts BückerFlürenbrock in Münster wurde die Angelegenheit nun doch noch einmal gründlich untersucht und führte schließlich dahin, daß jetzt die Voruntersuchung gegen die Frau wegen Mordes eröffnet wurde. Am Samstag wurde die Frau in Hamburg, wohin sie sich jetzt zurückgezogen hatte, im Beisein des Untersuchungsrichters aus Paderborn verhaftet. Sie leugnete zwar die Tat, doch verwickelte sie sich in solche Widersprüche, die namentlich in krassem Gegensatze zu ihren Aussagen vor dem Schwurgericht stehen, daß aller Voraussicht nach in kurzer Zeit das Hauptverfahren wegen Gattenmordes gegen sie giütpet werden vicd. „ Pferdesport. Dortmund. Am 9. und 12. Oktober verabschiedet sich der Dortmunder Rennverein auf seiner schmucken Bahn in Wambei mit 2 sportlich hochstehenden Renntagen von seinem treuen Publikum. Man merkt's, daß es dem Ende zugeht, denn nicht weniger als 523 Unterschriften wurden für 15 Rennen abgegeben, wovon auf das Hauptereignis, das Zeppelin=Rennen— 5000 M— Ausgleich 1, 2400 Meter 32 Unterschriften entfallen. Im allgemeinen sind die Rennen für die bisher leer ausgegangenen Pferde ausgeschrieben, um den Besitzern die Treue ihrer Passion zu belohnen. So dürfte noch manches Pferd seinen Winterhafer verdienen. Diese Art Rennen entbehren auch ihres Reizes nicht, vielmehr dürften die starken Felder und die Ausgeglichenheit des Materials spannende Rennen gewährleisten. Die Rennen beginnen an beiden Tagen um 2 Uhr. 31. Und dennoch... Roman von Hans Reis. Nachdruck verboten. „Auf wie lange?“ fragte er ironisch.„Denn wenn Sie Kapitalistin sind, Maria, so ist das doch immer nur ein Uebergangsstadium. „Bitte, kein vorschnelles Urteil. Auch dafür wird gesorgt werden. Zuerst aber sollen Sie erfahren, woher ich das Geld habe. Es stammt von keinem Geringeren, als von Seiner Hochwohlgeboren, dem Herrn Grafen Demidow. Der Edle hat sich am fünften Dezember vorigen Jahres in die Gruft seiner Ahnen zurückgezogen und hat mir— wahrscheinlich aus nachträglich erwachter Dankbarkeit für dan eneh ehri damals gab— in seinem Testament ein Legat von 60 000 Rubeln vermacht.“ „Haben Sie das Geld denn schon?“ „Nein, mein mißtrauischer Herr. Aber— es kommt. Ihr Gesicht sah geradezu spitzbübisch aus bei den Worten.„Der Schein, der mich zum Empfang der Summe berechtigt, liegt bereits in meinem Schreibtisch, und der hiesige russische Konsul hat mir versichert, daß die Summe selbst in einigen Tagen in meinem Besitz sein wird. Darin soll sie nun aber auch bleiben und nicht wieder wie Spreu in alle vier Winde zerstieben.“ „Na, den Anfang dazu haben Sie ja schon gemacht mit der Unsumme Reugeld,“ sagte er gleichmütig.„Und die Hunderter, die Sie dem alten Kassierer Peters versprochen haben, werden doch wohl auch noch von der berühmten Erbschaft abgehen.“ „So... hat er geschwatzt?“ lachte sie amüsiert. „Das war eigentlich gegen die Verabredung. Ja, ich habe sie ihm versprochen und er bekommt sie auch. Der arme Kerl tat mir zu leid. Es ist ein Jammer mit ihm! Er muß mal eine ordentliche Kur gebrauchen. Vielleicht hilft ihm das wieder auf die Beine. Und ob ich die lumpigen Hunderter nun habe oder nicht, ist schließlich gleichgültig. Sie wissen ja, Gerd, ich kann das Geld nun mal nicht halten. Es ist wie ein Verhängnis. Um mich vor diesem Verhängnis zu bewahren und auch um höhere Zinsen zu erzielen, bin ich auf den schlauen Gbanken gekommen, mein Vermögen auf Leibrente zu geben. Apropos, wie alt sind Sie eigentlich, Gerhard?“ „Das wissen Sie doch. Einunddreißig Jahre.“ „Ach Gott, entsetzlich jung noch!“ Ein Seufzer hob ihre Brust.„Doch gleichviel, es ist beschlossene Sache. Das Geld wird nicht allein auf meinen, sondern auf unsere beiden Namen deponiert. Nach meinem Tode— ich kann ja sehr plötzlich sterben— kommen Sie dann in den Genuß der Zinsen.“ „Wie?! Was sagen Sie da?!" Er fuhr so heftig herum, daß sie unwillkürlich zurückwich.„Ich dulde das nicht! Hören Sie, Maria, ich verbiete Ihnen, Ihr Geld— was geht mich überhaupt Ihr Geld an— auf diese Weise anzulegen! Niemals werde ich meine Einwilligung dazu geben!“ Die Empörung machte seine sonst so wohllautende Stimme rauh. Was das nun wieder für eine verrückte Idee von ihr war! Sollte das vielleicht eine neue Schlinge sein, die sie ihm um den Hals legen wollte? Ach Gott, sie meinte es ja wohl gut. — Was konnte sie denn dafür, daß er diese ihm angebotene brutale Wohltat wie eine bittere Schmach empfand? „Ich würde dies Gnadengeschenk Ihres früheren Verehrers“, fuhr er etwas gemäßigter fort, „nicht einmal von Ihnen annehmen, wenn ich frei wäre. Und nun vollends jetzt! Was sollte denn meine Frau von dieser edlen Gemeinschaft denken?“ „Ihre Frau... Ach Gott, die“ Ein lauernder Blick traf ihn unter den halb gesenkten Lidern hervor.„Sie werden doch nicht ewig verheiratet bleiben wollen, Gerd?“ Jetzt aber schwoll die Zornesader mächtig an auf seiner Stirn.„Schweigen Sie!“ herrschte er ihr zu.„Sie wissen, ich kann solche albernen Scherze nicht vertragen. Dazu steht mir meine Frau zu hoch!“ Oh, wie er diese Frau liebte!.... Wie er für sie eintrat!— Seine Worte berührten sie, wie einen körperlichen Schmerz. Die wahnsinnige Erregung ließ sie vollständig die Herrschaft über sich vergessen. „Wer sagt Ihnen denn, daß ich scherze?“ zischte sie mit keuchondem Atem.„Nein, nein, Gerd, gehen Sie nicht!“ schrie sie dann außer sich.„Ich bitte Sie— nicht so— nicht im Zorn sollen Sie von mir gehen!“ Ihre Arme umklammerten ihn.„Ich will Ihnen ja auch den Willen tun. Alles, alles soll so sein, wie Sie es haben wollen— nur gehen Sie jetzt nicht— oder versprechen Sie mir wenigstens, daß Sie wiederkommen wollen— bald— morgen schon—“ Ihr Bitten war umsonst. Er ging. Und sie stand und sah ihm nach mit leeren Augen. Sie hatte das trostlose Gefühl, als sei dies ein Fortgehen für immer gewesen. Die Zügel, mit denen sie ihn bis jetzt noch gehalten hatte, entglitten langsam ihren Händen. Er entwandt sie ihr, weil er frei sein wollte. Aber sie gab ihn nicht her! Nein, nein!!— Sie konnte es nicht, denn sie lebte und atmete ja nur in dem Gedanken an ihn!— Der große Schmerz, den sie ihm zufügen wollte, der sollte ihn wiedergeben. Wenn er dann unglücklich war und allein, dann wollte sie zu ihm gehen und ihn trösten; denn dieser Schmerz durfte ihn nicht zu Boden werfen, er sollte ihn vielmehr adeln— ihn und seine Kunst. Ja— so war es gut, und so sollte es sein! Wie eine Seherin stand sie da, die Augen mit verzücktem Ausdruck in die Ferne gerichtet. Diese Vorstellung war förmlich zur fixen Idee bei ihr geworden. 18. Kapitel. Ruth stand im Abendmantel und Kopfschal im Korridor. Sie wartete auf Steffens. Um halb acht Uhr begann der Ball, und vor sieben schon hatte er kommen wollen. Die junge Frau wollte ihm selbst die Tür öffnen, damit die ebenso neugierige wie schwatzhafte Frau Müller nicht sofort alles haarklein ihrem Manne berichtete. Ah da... Sie hörte Schritte auf der Treppe. Viellicht schon Steffens... Leise öffnete sie die Korridortür und spähte hinaus. Er war es. „Ei, sieh da, schon fix und fertig“, lobte er vergnügt.„Das nenne ich aber pünktlich, meine gnädige Frau! Sind Sie auch warm genug angezogen? Und haben Sie auch nicht vergessen, Haustürschlüssel und Korridorschlüssel einzustecken?“ fragte er dann väterlich besorgt. „Nein, nein.“ Ich habe alles. Kommen Sie nur schnell, es ist Zeit, drängte sie. Unten im Wagen riß sie sich mit einer heftigen Bewegung den Mantel auf. „Ach, es ist eine unerträgliche Hitze! Das Herz klopft mir bis zum Halse herauf. Aber das macht das böse Gewissen. Ich habe ein ungemütliches Gefühl. Hätte ich es doch lieber nicht getan! Oder wäre ich erst glücklich wieder zu Hause und hätte meinem Mann alles gebeichtet. Doch das kommt davon, wenn man auf fremde Menschen hört. Sie sind an allem schuld, Herr Steffens!“ „Ja— aber gnädige Frau—.“. Sein frisches, junges Gesicht spiegelte höchste Erschrockenheit.„Das habe ich doch wahrlich nicht um Sie verdien! Ich gebe mir alle mögliche Mühe, um Ihnen ein Vergnügen zu verschaffen, und Sie machen mir noch Vorwürfe." „Ich bin in gar keiner Ballaune“, grollte sie ungnädig. Das tut mir leid. Wahrhaftig, gnädige Frau, das tut mir aufrichtig leid. Wenn Sie cs wünschen, gebe ich dem Kutscher sofort den Befehl, umzukehren, und wieder zurückzufahren. Wir können ja dann vielleicht eine Partie Sechsundsechzig spielen und so in aller Gemütsruhe Ihren Herrn Gemahl erwarten.“ „Ach, Torheit!: Ein verächtliches Achselzucken begleitete die Worte.„Jetzt, wo wir schon unterwegs sind und alles klipp und klar ist, können wir doch nicht mehr zurückbleiben. Und dann..... wir beide allein vier bis fünf Stunden zusammen Karten spielen— das wäre allerdings ein herrlicher Ersatz!“ sagte sie mehr aufrichtig als gerade höflich. Der Rest der Fahrt wurde in dumpfem Stillschweigen zurückgelegt. Vor dem glänzend erleuchteten Gesellschaftshause hob Steffens die junge Frau aus dem Wagen und versprach, sie vor der Tür der Damengarderobe zu erwarten. Als sie dann nich wenigen Minuten vor ihm stand, ein liebliches Lächeln auf den Lippen, entfuhr ihm unwillkürlich ein Laut der Bewunderung. Himmel, was war diese Frau schön! Sie war ihm ja zwar immer reizend erschienen auch in einfacher Toilette; aber jetzt— in diesem Kostüm, das eigens für sie geschaffen schien! Fast bereute er es, sie hierher gebracht zu haben. Sie mußte ja jedem auffallen! Das lang herabwallende weiße Tüllkleid ließ den herrlichen Nacken und die Arme frei. In dem aufgelösten, lockigen Haar, das wie gesponnenes Gold glänzte, trug sie einen Kranz roter Rosen. Und Rosen und andere Blumen schmückten auch ihr Gewand. Das Ganze war mit so vollendetem Geschmack und doch so scheinbar absichtslos arrangiert, daß sie wirklich wie das Mädchen aus der Fremde, wie eine Märchengestalt aus einer anderen Welt erschien. Er fand keine Worte. Er starrte sie immer nur stumm an, bis sie ihm mit abbittendem Lächeln die Hand entgegenhielt. „Seien Sie mir nicht böse, Herr Steffens, daß ich vorhin so unartig war. Es war nicht schlimm gemeint und galt, streng genommen, gar nicht einmal Ihnen; ich war ungehalten auf mich selbst und — egoistisch, wie wir Menschen sind,— ließ ich es Sie entgelten.“ Der junge Schauspieler führte ihre Hand ehrerbietig an die Lippen. (Fortsetzung folgt.) * in Aufmerksamkeit geboten, aber kein Grund zur Beunruhigung. Die Gesundheitsbehörden des Reiches und der Länder wenden in den letzten Jahren der spinalen Kinderlähmung ganz besondere Aufmerksamkeit zu. Die verschärste Beobachtung ist mit einer zissernmäßigen Steigerung der Krankheit verbunden gewesen. Daraus darf man nicht auf ihre besonders starke Zunahme schließen, sondern höchstens auf die schärfere Erfassung aller einschlägigen Fälle. Auch die Aerzte sind ja seitens der Gesundheitsbehörde durch Ausgaben von Erlassen u. Merkblättern immer wieder auf ihren Stand in Deutschland hingewiesen und über die Fortschritte der Bekämofungsformen nicht nur durch die medizinische Presse, sondern in fast allen Ländern auch von den Gesundheitsbehörden unmittelbar unterrichtet worden. Diese Bemerkung muß man jeder Betrachtung über die Spinale=Kinderlähmung in der Oeffentlichkeit vorausschicken, weil die Elternschaft gerade wegen dieser Krankheit sich außerordentlich beunruhigt zeigt und in vielen Fällen bei kleineren Mißbefindenszuständen der Kinder gleich die allerschlimmsten Gefahren wittert. Vorsicht ist allerdings immer besser als Nachsicht, und man muß die Eltern unbedingt darin bestärken, daß sie auch kleinere Anzeichen für eine bedenkliche Erkrankung ihrer Knaben u. Mädchen zum Anlaß einer ärztlichen Untersuchung nehmen, um so mehr als die spinale Kinderlähmung zu den Krankheiten gehört, die durch die wissenschaftliche Untersuchung nur erst wenig aufgeklärt sind. Man weiß von ihr im großen und ganzen nur, daß sie eine ansteckende Krankheit ist, die vom Rückenmark ausgeht und in erster Linie Kinder befällt. Man weiß ferner, daß der Ansteckungsstoff von anderen Menschen mitgeschleppt und übertragen wird. und daß die ersten Anzeichen auf die Erkrankung der Kinder durch Grippe schließen lassen könnten. Sie leiden dann an Magenverstimmungen, die mit Fieber verbunden sind und sehr häusig auch an Halsentzündungen. Diese Vorgänge müssen besonders in den Sommermonaten von Mai ab bis September in steigendem Grade als mögliche Warnungszeichen für eine spinale Kinderlähmung angesehen wecden. In diesem Zustande müssen die Kinder unbedingt Bettruhe erfahren, sehr warm gehalten und unter Mitwirkung des Arztes durch heiße Getränke zum Schwitzen gebracht werden. Lähmungsererscheinungen treten im Zusammenhang mit der Halsentzündung und dem Durchfall sehr rasch auf. Zumeist beklagen sich die Kinder über Steifheit in den Beinen. Ofr gelingt es, alle diese Krankeitserscheinungen durch sorgfältige Pflege zu beseitigen. Sehr oft bleiben die Lähmungserscheinungen aber noch lange lästig und werden dann durch Elektrobehandlung und Leibesübungen beseitigl. In sehr schweren Fällen kann es auch zu Operationen kommen; in den allerschwersten, rerhaltnismäßig doch noch recht häufigen Fällen führt die Krankheit aber zum Tode. Gerade die Zahl der Todesfälle im Verhältnis zu der Zahl der Erkrankungen hat ja die Gesundheitsbehörden und wissenschaftliche Institute zu besonderem Eifer in der Aufhellung der Unwissenheit über die spinale Kinderlähmung angespornt. Die Bemühungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß in Deutschland mindestens nicht mehr von einer rasch zunehmenden Ausdehnung der spinalen Kinderlähmung gesprochen werden kann. Man hat die Krankheit gewissermaßen gefangen genommen, wenn ihre Untersuchung auch noch nicht zu der Aufdeckung ihrer Verbrechensmethoden und zur Verurteilung durch sichere medizinische Gegenwirkung geführt hat. Das gilt ganz besonders von der Zahl der Todesfälle. Die Erkrankungsziffer war in den letzten Jahren starken Schwankungen unterworfen, die Ziffer der Todesfälle dagegen auffallend beständig geblieben, was zu der Hoffnung berechtigt, daß der Mensch Gewalt über die spinale Kinderlähmung bekommt. Die spinale Kinderlähmung gehört zu den Infektionskrankheiten, bei denen die Ziffer der Todesfälle in den letzten Jahren nur einmal über 100 hinausging; das war im Jahre 1924. Im übrigen ergibt sich aus der Statistik des Reichsgesundheitsamtes der auffallende Zustand, daß bedeutend mehr Knaben als Mädchen an der spinalen Kinderlähmung sterben. Die Anteilsziffern für Knaben und Mädchen waren in den letzten Jahren der abgeschlossenen Statistik: 55:32,42:44 und 56:32. In den deutschen Ländern haben sich Todesfälle an spinaler Kinderlähmung bisher ereignet in Preußen, Bayern, Sachsen, Baden, Hessen, Hamburg, Thüringen, Mecklenburg=Schwerin und Waldeck. Große Gebiete wie Würtemberg, Oldenburg, Braunschweig und Städte wie Bremen und Lübeck haben überhaupt noch keine Todesfälle an spinaler Kinderlähmung erlitten und die schon erwähnten. Länder nicht in diesem Jahre und nur ganz vereinzelt. Diese Tatsachen können die übermäßigen Besorgnisse der Eltern bei Ausbruch von örtlichen Krankheitsherden beruhigen, wenn sie ihre sorgende Wachsamkeit für ihre Kinder dadurch auch nicht einschläfern lassen dürfen. Lokales ###s“ s Annen, 4. Oktober. cc. Neueruingen in der Invalidenversicherung. Mit Wirkung vom 5. 9. 1927 ist der Wert der Sachbezüge der Versicherten(Kost und Wohnung) neu festgesetzt worden und zwar bei männlichen Personen ausschließlich Lehrlingen auf 1,80 RM.; bei weiblichen Personen und Lehrlingen auf 1,40 Demzufolge sind an Invalidenmarken zu verwenden: a. bei männlichen Versicherten: bei einem Barlohn neben voller Kost und Wohnung bis zu 5,40# wöchentlich bezw. 23,40 RM. monitlich Lohnklasse 3= 0,90 M; bis zu 11,40 K wöchentlich bezw. 49,40 RM. monatlich Lohnklasse 4 1,20 M; bis zu 17,40 wöchentlich bezw. 75,40 RM. monatlich Lohnklasse 5= 1,50 oll; bis zu 23,40 ist wöchentlich bezw. 101,40 RM. monatlich Lohnklasse 6= 1,80 Mk. b. bei weiblichen Versicherten: bei einem Barlohn neben voller Kost und Wohnung bis zu 2,20# wöchentlich bezw. 9,53 RM. monatlich Lohnklasse 2= 0,60 cs; bis zu 8,20 est wöchentlich bezw. 35,53 RM. monatl. Lohnklasse 3 = 0,90—; bis zu 14,20 ct wöchentlich bezw. 61,53 RM. monatlich Lohnklasse 4= 1,20 M; bis zu 20,20 et wöchentl. bezw. 87,53 RM. monatl. Lohnklasse 5= 1,50 ck; bis zu 26,20 cK wöchentlich bezw. 113,53 RM. monatl. Lohnklasse 6= 1,80 Mkt. Bei nicht voll beschäftigtem Hauspersonal(Halbtagsmädchen und anderen) ist der Wert der Sachbezüge mit 6/10 des Vollwertes einzusetzen. Die Landesversicherungsanstalten lassen durch ihre Kontrolleure und die Quittungskarten=Ausgabestellen die ordnungsmäßige Verwendung der Invalidenmarken auf das genaueste überwachen. Bei zu niedriger Beitragsleistung muß nicht nur der Differenzbetrag nachentrichtet werden, es kann auch der Arbeitgeber mit einer Geldstrafe belegt werden. Es liegt darum im eigenen Interesse eines jeden Arbeitgebers, für ausreichende und rechtzeitige Markenverwertung Sorge zu tragen. * § Annen, 4. Oktober.(Die Nachfrage nach wärmerer Herbstkleidung) hat sich in den letzten Tagen bereits recht bemerkbar gemacht, und ein nicht geringer Teil der Einnahmen zum Oktober=Ersten wird für diese notwendigen Neubeschaffungen verwendet werden müssen. Hierzu kommen vielfach noch die Ausgaben für die Winterkleidung der Kinder, so daß allein schon für den äußeren Menschen ein namhafter Umsatz in diesen Tagesbedürfnissen zu verzeichnen sein dürfte. Wer sich mit dem Einkauf hinzuhält, hat die bessere und größere Auswahl und hat auch die Gewähr für eine beschleunigte Anfertigung. Unsere heimischen Geschäfte sind auf den Bedarf ihrer Kundschaft eingestellt, können also in jeder Beziehung aufwarten. —(Laune der Natur.) Während die Natur allgemein das herbstliche Gewand angelegt hat und wir uns auch auf den Herbst eingestellt haben, scheint es doch im Oktober noch einmal Frühling werden zu wollen. Auf dem Redaktionstisch liegt eine Anzahl schneeweißer Birnenblüten, die in einem Garten in Rüdinghausen neben fast reifen Früchten zum Ausbruch gekommen sind. Die Natur läßt sich von niemand meistern, sie geht ihre eigenen oft merkwürdigen Wege. —(Wecken der Fernsprechteilnehmer.) Bei österreichischen Fernsprechämtern ist die Einrichtung getroffen, daß sich die Teilnehmer morgens von ihrem Amte wecken lassen können und daß ihnen auf Wunsch über sportliche Veranstaltungen, über die Wetterlage, über Sonderzüge, über Festvorstellungen und ähnliches Auskunft erteilt wird. Eine solche Auskunftsstelle besteht auch beim Fernsprechamt in Kopenhagen. Die Deutsche Reichspost befaßt sich mit derartigen Aufgaben nicht; sie hat die Auffassung, daß alle Kräfte und alle Geldmittel, die ihr zur Verfügung stehen, zur Vervollkommnung und Ausbreitung des Fernsprechdienstes selbst verwendet werden müssen und daß alles, was nicht unmittelbar diesem Zwecke dient, besser der privaten Initiative überlassen werden sollte. In den Morgenstunden, in denen das Wecken zu besorgen wäre, ist der Sprechverkehr der Teilnehmer schon ziemlich lebhaft. Würde eine Beamtin, was unvermeidlich wäre, beim Wecken eines Teilnehmers etwas länger aufgehalten, so müßte sie Anrufe der übrigen ihr zur Bedienung zugewiesenen Teilnehmer vernachlässigen. Das würde zu Unzuträglichkeiten führen. Um Auskünfte geben zu können, müßte sich das Amt die erforderlichen Unterlagen verschaffen, also Aufgaben etwa eines Nachrichtenbüros besorgen. Das wird viel besser wohl privaten Unternehmungen überlassen. Die Deutsche Reichspost hätte dann nur insofern mitzuwirken, daß sie die nötigen Sprechverbindungen herstellt, was ja ihre Aufgabe ist. Sollten Private in den Großstädten solche Einrichtungen ins Leben rufen wollen, so will die Deutsche Reichspost sie gern unterstützen. Marten, 3. Oktbr.(Schweres Motorradunglück. 2 Tote.) Ein furchtbares Motorradunglück ereignete sich Freitag abend gegen 23 Uhr auf der Strecke Dortmund=Marten, auf der Haydn=Rhynschstraße in der Nähe der Wirtschaft Dörstelmann. Zwei junge Leute, der Kaufmann Tiezer aus Oespel und der Wirtssohn Kleffmann aus Marten kamen mit einem Motorrad mit Beiwagen von Dortmund zurück. In Höhe der genannten Wirtschaft begegnete ihnen aus entgegengesetzter Richtung kommend ein Personenauto. Durch irgendwelche Umstände erfolgte ein Zusammenstoß, wobei die Insassen so schwer verletzt wurden, daß sie alsbald starben. Zu dem Unglücksfall selbst wird noch mitgeteilt, daß das Motorrad mit Beiwagen ziemlich die Mitte des Fahrdammes benutzte, als ihm der Personenwagen entgegenkam. Wahrscheinlich ist der Führer des Motorrades, der Kaufmann Tiezer, durch die Scheinwerfer des Personenwagens geblendet worden, so daß er nicht den nötigen Abstand im Vorbeifahren hielt. Der Befund des Personenwagens zeigt, daß der Zusammenstoß am hinteren Teil des Personenwagens passiert ist, d.., daß die beiden Fahrzeuge sich schon fast passiert hatten, und daß das Motorrad erst am Hinterrad des Personenwagens angestoßen bezw. angehakt ist. Nach den bis jetzt vorliegenden Aussagen trifft den Führer des Personenwagens keine Schuld an dem furchtbaren Unglück. *OEERRRG. KOCEANAPPGE TOURISTENSCMFE OER HANBURG-APERIRA UNIE Ein Touristenschiff der Hamburg=Amerika Linie Die Hamburg=Amerika Linie hat den 8500 BruttoRegister=Tonnen großen Vergnügungsdampfer„Neptunia" erworben und ihn unter dem bekannten Namen „Oceana“ in ihren Schiffspark eingereiht. Die„Oceana“ ist das erste Sonder=Touristenschiff, das die Hapag in der Nachkriegszeit wieder besitzt, und wird alljährlich von Januar bis Mai Mittelmeer= und Orientreisen und in den Sommermonaten Nordland= und Ostseefahrten ausführen. Gegenwärtig ist die„Oceana“ der einzige deutsche Dampfer, der lediglich zu Vergnügungs= und Erholungsfahrten verwendet wird. Berücksichtigt man, daß die Dampfer„Resolute" und„Reliance“ ebenfalls Vergnügungsreisen in weitestem Umfange— Weltreise, Westindienfahrten, Fjord= und Polarfahrten, Norwegen=Islandfahrt, Mittelmeerfahrten— ausführen, so wird ersichtlich, daß die Hamburg=Amerika Linie der von ihr in der Vorkriegszeit geschaffenen Seetouristik wieder größte Beachtung schenkt. Die„Oceana“ wird im Bau und Ausstattung vollauf den Anforderungen gerecht, die der verwöhnteste Seetourist von heute an ein Schiff stellen kann. Das Schiff führt nur eine und zwar Erste Klasse. In geräumigen ein= und zweibettigen Kabinen, Staats= und Luxuszimmern finden 300 Passagiere Platz. Die Kabinen haben alle freistehende Betten und fließendes Wasser. Neben zahlreichen allgemeinen und Privatbädern steht den Passagieren ein Schwimmbad und ein Lichtbad zur Verfügung. Die Gesellschaftsräume— Speisesaal, Gesellschaftshalle, Wintergarten, Tanzdiele, Damensalon, Rauchzimmer, Laube— sind gediegen ausgestattet und bieten bei vollbesetztem Schiff bequem allen Passagieren Platz. Bereits vor dem Kriege besaß die Hapag ein SonderTouristen=Schiff„Oceana“, das Tausenden von Touristen Erholung brachte und vielen noch in lebhafter Erinnerung sein wird. Indem die Hamburg=Amerika Linie den früher sehr populär gewesenen Namen Oceana auf ein Touristenschiff der Gegenwart überträgt, läßt sie eine alte Tradition wieder aufleben und man darf erwarten, daß die Sympathien, die die„Oceana“ der Vorkriegszeit in hohem Maße besaß, auf die jüngste„Oceana“ übergehen. Städtische Bühnen Dortmund. Stadttheater.“ Mittwoch, 5. Oktober. Vormiete B 4. Preise 2. Anfang 19,30 Uhr. Ende 21,30 Uhr.„Lady Windermeres Fächer". Das Drama eines guten Weibes. Von Oscar Wilde. Donnerstag, 6. Oktober. Vormiete C 4. Preise 1. Anfang 19,30 Uhr. Ende 22 Uhr.„Orpheus“. Freitag, 7. Oktober. Außer Vormiete. Preise 2. Anfang 20 Uhr. Ende 22 Uhr.„Lady Windermeres Fächer.(Zugleich Vorstellung der Theatergemeinde Serie.) Samstag, 8. Oktober. Außer Vormiete. Preise 2. Anfang 19,30 Uhr. Ende 22,30 Uhr. Zum ersten Male.„Neidhardt von Gneisenau". Ein Schauspiel von Wolfgang Goetz.(Zugleich Vorstellung der Theatergemeinde, Serie.) Sonntag, 9. Oktober. Nachm. 15 Uhr. Außer Vormiete. Preise 1.„Walküre". Erster Tag aus dem Bühnenfestspiel„Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner.(Theatersonderzug Bestwig—Arnsberg— Dortmund. Abends 20 Uhr. Außer Vormiete. Preise 2.„Lady Windermeres Fächer“. * Burgwalltheater. Mittwoch, 5. Oktober. Operettenpreise. Anfang 20 Uhr. Ende nach 23 Uhr.„Die Zirkusprinzessin". Operette in 3 Akten von Emmerich Kalman. Donnerstag, 6. Oktober. Preise 2. Anfang 20 Uhr. Ende 22,30 Uhr.„Der Garten Eden". Komödie in 4 Akten. Freitag, 7. Oktober. Preise 3. Anfang 20 Uhr. Ende 22,30 Uhr. 1. Tanzabend. Samstag, 8. Oktober. Preise 2. Anfang 20 Uhr. Ende 22,30 Uhr.„Der Postillon von Lonjumeau". Komische Oper in 2 Aufzügen von Adolph Karl Adam. Sonntag, 9. Oktober. Vorm. 11,30 Uhr. Volkstümliches Symphoniekonzert. Nachmittags. Anfang 15 Uhr. Preise 2.„Der Garten Eden“. Abends Anfang 20 Uhr. Ende nach 23 Uhr. Operettenpreise.„Die Zirkusprinzessin". Stadttheater Hagen i. 10. Wochenspielplan. Mittwoch, 5. Oktober. Anfang 20 Uhr. Ende ca. 22 Uhr. Reihe E 1.„Der Geizige". Lustspiel in 5 Akten von Moliere, in deutscher Uebertragung von Ludwig Fulda. Donnerstag, 6. Oktober. Anfang 19,30 Uhr. Ende ca. 22 Uhr. Außer Vormiete. Zu kleinen Preisen.„Die Durchgängerin". Lustspiel in 3 Aufzügen von Ludwig Fulda. Freitag, 7. Oktober. Anfang 18 Uhr. Ende ca. 23 Uhr. Vorstellung für den Bühnenvolksbund.„Die Meistersinger von Nürnberg“. Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagner. Samstag, 8. Oktober. Anfang 20 Uhr. Ende ca. 23 Uhr. Außer Vormiete.„Die Geisha“.(Operette). Eine japanische Teehausgeschichte. Sonntag, 9. Oktober. 11,15 Uhr. Ende ca. 1 Uhr. Frei für die Reihen A. C und E. Erste Morgenfeier.„Der Bär“ und„Der Heiratsantrag“. Zwei russische Grotesten von Anton Tschechow. Anfang 15 Uhr. Ende ca. 20 Uhr. Erste Fremdenvorstellung für die Strecke Altenhundem.„Die Meistersinger von Nürnberg“. Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagner. Ist Leitungswasser zum Waschen geeignet? Wenn die Hausfrau ratlos vor ihrem Waschkessel steht, weil die Lauge trotz des guten Waschmittels nicht schäumen will, dann wünscht sie sich wohl Großmutters Zeiten zurück, wo das Waschwasser aus dem dicken Regenfaß geschöpft wurde, das in seinem unergründlichen, altersgrauen Bauch das schöne weiche Regenwasser aufbewahrte. Das Problem, hartes Wasser— Leitungswasser ist fast immer hart— weich zu machen, hat schon seit längerer Zeit unsere Wissenschaftler beschäftigt. Die Hausfrau der Großstadt hat kein Regenfaß mehr zur Verfügung; sie ist auf Leitungswasser angewiesen. Das idealste Mittel, hartes Wasser weich zu machen, d h. seinen Kalkgehalt zu binden, stellt ohne Zweifel eine besondere Enthärtungsanlage dar, wie sie auch in der Industrie vielfach Verwendung findet. Allerdings ist eine solche Anlage für häusliche Verhältnisse zu kostspielig, was ihrer allgemeinen Einführung im Wege steht. Zum Glück gibt es aber auch noch andere Mittel, die sich zum Weichmachen des Wassers gut eignen, und da ist an erster Stelle die bekannte Henkel's Bleichsoda zu nennen, die die Hausfrau ja auch zum Einweichen der Wäsche gebraucht. Nur einige Handvoll Bleichsoda genügen, einen großen Kessel voll Wasser in wenigen Minuten zu enthärten. Man gibt zu diesem Zweck die Bleichsoda einige Minuten vor Bereitung der Lauge ins kalte Wasser und löst sie durch Umrühren auf. Die Bleichsoda hat die Fähigkeit, den übermäßig hohen Kalkgehalt, der die Härte des Wassers hervorruft, zu binden und niederzuschlagen. Der Vorteil des dadurch erzielten weichen Wassers liegt in ungleich besserer Auswertung des Waschmittels, erhöhter Schaumwirkung und wesentlich sparsamerem Waschen! Gib dem Kinde einen Groschen— und gehe selbst, so lautet ein Sprichwort. Der Vergeßlichkeit der Kinder kann man vorbeugen. Schickt man sie zum Kaufmann mit einem Zettel, auf dem zu lesen ist: 1 Dose Erdal Rotfrosch schwarz für 25 Pfg., so wird man sicher das. Gewünschte erhalten. Nochmaliges Selbstgehen, Umtausch, Aerger sind erspart. Die neuen Herber-Mantel Entzückende Modelle Größstädtische Auswahl BEATEN am Markt. WALLLLLLALALAALAZ PNotehheiter vorrätig bei # Fr. Ruching aueiinuig. Hamburser Fremdenblats * Des Welthafens Hamburg größtes Welthandelsblatt Bestellungen bei allen Postanstalten und beim Verlag Broschek& Co., Hamburg 36 Ausgabe A(12xwöchentl.)—Mark monatl. Ausgabe B(7X wöchentl.).50 Mark monatl. Berliner und Hamburser Kurssettel Tägliche Tiefdruck-Bilderbeilage Prebenummern kosten!o: —