— Nr. 29 Donnerstge, den 10. Härz 1927. 43. Jahreune. Die Asprechungen inGenf. Die ostoberschlesische Schulfrage. Eine kurze Sitzung in Genf. Der Völkerbundsrat hielt am Dienstag vormitag eine Sitzung ab, die sich durch außerordentliche Kürze auszeichnete. Sie begann gegen 10,30 Uhr und schloß wenige Minuten nach 11 Uhr, wobei seben Punkte erledigt wurden. Das Hauptinteresse veanspruchte die ostoberschlesische Schulfrage. Ohne Aussprache wurde die Bildung eines Unterkomitees von drei Ratsmitgliedern, bestehend aus UrrutiaColumbien, van Troestewijk=Holland und ScialoiaItalien beschlossen, das noch im Laufe dieser Tagung über die beiden Punkte, nämlich Beschwerde des Deutschen Volksbunds und Petitionen von 7041 polnisch=sprechenden Oberschlesiern, deren Kinder der Besuch deutscher Schulen untersagt worden war, berichten soll. Man darf annehmen, daß die Schulfrage in einer der nächsten Sitzungen den Gegenstano öffentlicher Auseinandersetzungen bilden wird. Im übrigen wurde beschlossen, zum 24. August dieses Jahres eine Konferenz von etwa 40 Pressesachverständigen nach Genf einzuberufen. * Genf, 8. März. Der heutige sitzungsfreie Nachmittag wird zu Privatbesprechungen zwischen den Delegierten benutzt. U. a. sind Besuche des Reichsministers Dr. Stresemann bei Vandervelde, Briand und Chamberlain vorgesehen, wobei es sich um Fortsetzung der am Sonntag aufgenommenen umfassenden politischen Bespreckungen zwischen Dr. Stresemann und den Reichsaußenministern Englands und Frankreichs, ferner um die Fortsetzung einer gestern zwischen Staatssekretär v. Schubert und Vandervelde aufgenommenen Unterhaltung handelt. Eine deutsch=polnische Aussprache, für die gestern Anregungen gegeben wurden, steht zur Zeit noch nicht auf dem Programm. Genf, 8. März. Sowohl in dem Programm der Ratstagung wie in den politischen Besprechungen der führenden Staatsmänner nehmen die deutschpolnischen Fragen den ersten Platz ein. Diese Tatsache wird, wie der Sonderberichterstatter des VD3.= Bureaus erfährt, auch nicht verwischt dadurch, daß Chamberlain in einer Besprechung mit Pressevertretern den rumänisch=ungarischen Konflikt als den „einzig ernsten Punkt“ der Tagesordnung bezeichnet hat. Mit der heutigen Ankunft des deutschen Gesandten in Warschau, Ulrich Rauscher, der die des Leiters der Abteilung für die Fragen der Wanderarbeiter im preußischen Ministerium des Innern, Ministerialrat Rathenau, vorangegangen war, und mit der ersten Behandlung der oberschlesischen Schulfrage in der heutigen Ratssitzung ist der Auftakt für die Erörterung dieser Angelegenheiten gegeben. Seit gestern ist man bemüht, die deutschen und die polnischen Vertreter an einen separaten Verhandlungstisch zu bringen. Ob es zu einem sachlichen Ergebnis kommt, steht bei dem bisher beobachteten Widerstand Polens keineswegs fest. In der Angelegenheit des Handelsvertrages und des Niederlassungsrechtes, die beide nicht als politisch angesehen werden dürfen, würde eine Verständigung bei einsichtsvollem Verhalten Polens möglich sein. Dagegen ist in der Schulfrage ein reiner Rechtsfall zu entscheiden, dessen Regelung dem Rat auch dann obliegt, wenn die übrigen deutsch=polnischen Angelegenheiten aus dem Genfer Interessenkreis, dem diese offiziell nicht angehören, wieder auf das Gebiet direkter Verhandlungen getragen werden sollten. * über die Aufgaben der Ratstagung. Genf, 8. März. Chamberlain empfing heute nachmittag eine Anzahl Pressevertreter verschiedener Nationalität und gab ihnen eine Darlegung des britischen Standpunktes über die Aufgaben der gegenwärtigen Ratstagung. Darunter sei die rumänisch=ungarische Streitfrage die einzige ernste Frage. Chamberlain überging also die Deutschland interessierenden Probleme der Saar, Oberschlesien usw., als nach seiner Auffassung minder ernste, spielte er dann auf die Nebenbesprechungen an mit der Feststellung, es bestehe Neigung, bei jedem Zusammentreffen von Außenministern der Großmachte und anderer Politiker die Herbeiführung einer neuen oder einer entscheidenden Wendung der bestehenden Politik zu erwarten; soweit die britische Regierung in Betracht komme, sei eine solche Absicht keinesfalls gegeben.„Unser Ziel ist die Herbeiführung eines wirklichen Friedens. Der erste große Schritt in dieser Richtung ist in Locarno gemacht worden. Der Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund und sein warmherziger und freimütiger Empfang war der zweite. England hat niemals versucht, seine Interessen durch die Schaffung oder Nährung von Differenzen zwischen andern Nationen zu fördern.“ Am Schlusse seiner Darlegungen betonte Chamberkain, daß keine Aenderung der eng; l i s c h e n P o l i t i k i n A u s s i c h t g e n o m m e n s e i, u n d d a ß keine neuen Verpflichtungen eingegangen worden seien. Auf einige ihm gestellte Fragen erwiderte Chamberlain; gegenüber der nationalen Bestrebung Chinas werde eine liberale englische Politik verfolgt. Es werde anerkannt, daß die bestehenden Verträge der Erneuerung bedürften, sobald eine Gesamtregierung entstanden und das Ende des Bürgerkrieges gekommen sei. Es sei nicht vorgesehen, den Völkerbundsrat gegenwärtig mit den Angelegenheiten Chinas zu befassen. Bezüglich Rußlands unerstrich der Minister scharf seine jüngsten Kammerausführungen. Er lege Wert auf die Feststellung, daß man den nunmehr unternommenen Schritt in England getan haben würde, wenn man nicht mit Rücksicht auf die labilen Verhältnisse Europas und zur Vermeidung neuer Spannungen solange als möglich gewartet hätte. Die Absicht zur Bildung einer Front von Mächten gegen Rußland lehnte er für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ab. * Eine Erklärung der italienischen Delegation in Genf über die Angliederung Bessarabiens an Rumänien. Genf, 8. März. Die italienische Delegation verbreitct heute vormittag eine Erklärung- anläßlich der Ratifizierung des Vertrages vom 20. Oktoher 1920 über die Angliederung Bessarabiens an Rumänien, der seiner Zeit zwischen England, Frankreich, Italien und Japan einerseits und Rumänzen anderseits geschlossen worden war. In dieser Erklärung wird hervorgehoben, daß der nunmehr erfolgte Beschluß zur Ratifikation durch Italien solange hinausgeschoben worden sei, um den interessierten Mächten, Rußland und Rumänien, Gelegenheit zu einem gütlichen Interessenausgleich in dieser Frage zu geben, daß aber auch mit der vollzogenen Ratifikation von Italien in keiner Weise eine Unfreundlichkeit gegen das befreundete Rußland bezweckt wird. Der Ratifizierung sei keine über die Bedeutung des Vertrages hinausgehende Tragweite beizumessen. In hiesigen Kreisen wird diesem Schritte Italiens trotzdem eine gewisse Bedeutung in dem Sinne beigemessen, als er nicht nur die italienisch=rumänischen Beziehungen betont, sondern auch auf der Linie der jüngsten englischen Politik liegt, die ine Einheitsfront gegen Rußland schaffen will. ** Genfer Kleiniokeiten. Eine Erklärung Chamberlains. Die Mittwochsitzung des Völkerbundsrates war nur von kurzer Dauer, um den Ratsmitgliedern Zeit und Gelegenheit zur Fortsetzung der inoffiziellen Besprechungen zu geben. Auf der Tagesordnung standen nur einige nebensächliche Punkte. Zu Beginn der Sitzung verlas Chamberlain eine Erklärung, die besagt, daß Großbritannien und die bei der britischen Reichskonferenz in London vertretenen Dominions zu dem alten Brauch zurückzukehren wünschen, wonach Verträge zwischen en Staatsoberhäuptern und nicht den betreffenden Regierungen abgeschlossen werden sollen. Dann wurde beschlossen, die dritte Internationale Verkehrskonftrenz am 23. August in Genf stattfinden zu lassen. Zum Vorsitzenden dieser Konferenz wurde der kubanische Gesandte in Berlin bestimmt. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde ein Bericht Chamberlains über die unter amerikanischer Leitung stattgefundene Untersuchung über den Frauen und Kinderhandel entgegengenommen. Ein Deutscher Vorsitzender der Erdbebenkommission. In der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung wurde auf Vorschlag Scialojas beschlossen, den Vorsitz bei der für Juli nach Genf einberufenen Konferenz zur Gründung einer Internationalen Katastrophenhilfe einem Deutschen zu übertragen, dessen Benennung dem Ratspräsidenten Reichsminister Dr. Stresemann überlassen bleibt. Stresemanns Besprechungen. Polenkonflikt und Saarfrage. Der Mittwoch nachmittag war sitzungsfrei und ausschließlich politischen Verhandlungen gewidmet. Reichsaußenminister Dr. Stresemann hatte längere Besprechungen mit dem polnischen Außenminister Zaleski und Briand, der nun doch wahrscheinlich bis Freitag in Genf bleiben wird. Tags zuvor hatte Dr. Stresemann nacheinander den Besuch des belgischen Ministers des Aeußeren Vandervelde und des britischen Staatssekretärs für Acußeres, Chamberlain empfangen. Dieser verweilte anderthalb Stunden bei Dr. Stresemann. Gegenstand dieser Besprechungen dürften wohl in der Hauptsache die Saarfrage und die deutschpolnischen Beziehungen gewesen sein. Am Mittwoch abend fand im Hotel Metrovol, dem Sitz der deutschen Völkerbundsabordnung, das Essen statt, das Dr. Stresemann als Präsident der Tagung den Mitgliedern des Rates gibt. „** „Daily Telegraph“ zu den Geheimvertragsgerüchten. London, 9. März. Zu den Gerüchten über einen geheimen englisch=polnischen Pakt schreibt der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph": die törichten und schädlichen Gerüchte von einem geheimen englisch=polnischen Pakt gegen Sowjetrußland sind jetzt begraben. Ich bin ermächtigt, mit gleichem Nachdruck die nicht weniger törichten und schädlichen Gerüchte heute zu dementieren, daß Großbritannien nach einem gleichen englisch=deutschen Bündnis mit dem gleichen Ziel strebe. Abgesehen von der Weigerung Chamberlains, irgendein Land zu einem Angriff oder einer Herausforderung gegen Moskau zu ermutigen, wäre eine derartige, Aktion im Falle Deutschlands praktisch unmöglich angesichts des russisch=deutschen Vertrages vom vorigen FrühP— Neue Linksregierung in Schwerin. Wiederwahl des Kabinetts Schröder. Wie aus Schwerin berichtet wird, wurde im Mecklenburger Landtag der bisherige Ministerpräsie dent Schröder(Soz.) mit 25 Stimmen wiedergewählt gegen 24 Stimmen, die auf den früheren Ministerpräsidenten von Brandenstein entfielen. Für die Wahl Schröders stimmten die Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten, für die Wahl von Brandensteins die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, Deutschvölkische u. die Wirtschaftspartei. Weiter wurde der bisherige sozialdemokratische Finanzminister Asch in der Stichwahl mit 25 Stimmen wiedergewählt und sodann nach ergebnislos verlaufener Stichwahl der bisherige demokratische Kultusminister Möller durch das Los zum Minister bestimmt. Somit ist das bisherige sozialdemokratisch=demokratische Ministerium Schröder=Asch=Möller wiedergewählt. Auf der Tagesordnung der nächsten am 23. d. Mts. stattfindenden Landtagssitzung steht u. a. der Antrag der Kommunisten auf Auflösung des Landtags, sowie der Haushaltsplan. — Deutscher Reichstag Sitzung vom 9. März. Sozialpolitik im Reichstag. Wiederaufnahme der Etatsberatung. Nach achttägiger Arbeitspause hat der Reichstag heute die Durchberatung des Reichshaushaltsplanes für 1927 wieder ausgenommen. Vizepräsident Graef=Thüringen eröffnet die Sitzung mit herzlichen Worten des Glückwunsches für den Präsidenten Löbe, in dessen Gesundheitszustand eine entscheidende Wendung zum Besseren eingetreten sei. Er bittet um die Ermächtigung, dem Genesenden die Glückwünsche des ganzen Hauses übermitteln zu dürfen.(Beifall.) Die zweite Lesung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wird fortgesetzt. Abg. Lambach(Duatl.) hält das Arbeitsministerium mit seinen sozialen Aufgaben für so wichtig, daß es nicht abgebaut werden könne. Alle sozialpolitische Arbeit werde überschattet von der Erwerbslosigkeit. Man könne dem Problem nur zu Leibe gehen, wenn man sich vergegenwärttge, daß etwa ein Drittel unseres Volkes nur davon lebe, daß es die nötigen Nahrungsmittel vom Auslande pumpe, obwohl unser eigener Acker doch noch viel mehr Nahrung hergeben könnte. Gelinge es uns nicht, das Ziel der Nahrungsfreiheit aufzustellen, so würden wir uns weiter vergebens bemühen. Auch die Arbeitslosenversicherung sei nur dann überhaupt lebensfähig. Mit dem schematischen Achtstundentag würde man das Wirtschaftsleben vergewaltigen. Aber in den Großbanken könne man ohne Einbuße für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens mehr Angestellte beschäftigen. Der große Streik in England habe bewiesen, daß wir mit unserem Schlichtungswesen auf dem rechten Wege sind. Abg. Erkelenz(Dem.) führte eine Reihe von Einzelheiten über die Steigerung der Produktivität als Folge der Betriebsrationalisierung an. Da die Rationalisierung vorübergehend die Arbeitslosigkeit vermehre, müsse der Arbeiterschaft die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Maßnahme klar gemacht werden. Der gute Wille der Arbeiter sei bei der Modernisierung der Betriebe von großer Bedeutung und könne auf die Dauer nur hergestellt werden, wenn die Vorteile der Rationalisierung auch den Arbeitnehmern zugute kämen. In dieser Hinsicht seien von den rationalisierten Industrien die nötigen Maßnahmen noch nicht getroffen worden. In der Praxis sei eine nachhaltige Wirkung von der Silverbergschen Rede nichts zu spüren. Es sei nicht einmal gelungen, beim Arbeitszeit=Notgesetz zwischen Unternehmern und Arbeitern Besprechungen und Verständigungen herbeizuführen. Wenn hier nicht eine Umkehr erfolge, so werde Deutschland bald von schweren sozialen Kämpfen, Streiks und Aussperrungen erschüttert werden. Abg. Beier=Dresden(Wirtsch. Vgg.) führte aus: Für die mittleren und kleineren Wirtschaftskreise sei es eine Erleichterung gewesen, als das Zentrum erklärt habe, mit der Arbeitslosenversicherung solle der Schlußstein in die Sozialpolitik gesetzt werden. Denn diese Kreise hätten in ständiger Furcht vor einer Ueberspannung der Sozialpolitik gelebt. Abg. Schwarzer(Bayr. Vp.) tritt für eine Fortsetzung der Sozialpolitik ein und verlangt tatkräftige Unterstützung des Wohnungsbaues durch staatliche Mittel. Hierauf schließt die allgemeine Aussprache. Die Einzelberatung wird auf Donnerstag 2 Uhr vertagt. Die Gebühren der Schöffen. Von Justizobersekretär A. Micke in Essen. Die neuere Gesetzgebung hat dem Laienelement einen weit größeren Einfluß auf die Rechtsprechung eingeräumt, als das in früheren Jahren der Fall war. Sehr vielen Lesern wird deshalb eine kurze Abhandlung über die ihnen bei einer Zuziehung als Schöffe oder Geschworener zustehenden Gebühren willkommen sein. Als Entschädigung für den durch die Dienstleistung entstehenden Verdienstausfall erhalten die Schöffen und Geschworenen für jede angefangene Stunde der versäumten Arbeitszeit einen Betrag von 0,20 bis 1,50 Mk., und es werden an einem Tage höchstens 10 Stunden vergütet, sodaß die Entschädigung, die in jedem einzelnen Falle unter Berücksichtigung der regelmäßigen Erwerbstätigkeit festgesetzt wird, höchstens 15 Mark pro Tag betragen darf. An Reise kosten stehen den Schöffen und Geschworenen zu: 1. die baren Auslagen für die Straßenbahn, 2. der Fahrpreis 3. Klasse der Eisenbahn, 3. bei Wegestrecken, die nicht mit einem regelmäßigen Verkehrsmittel zurückgelegt werden können, 10 Pfg. für jeden angefangenen Kilometer des Hin= u. Rückweges. Die durch Benutzung eines Fuhrwerkes oder Automobiles entstehenden Unkosten können nur in ganz besonderen Ausnahmefällen erstattet werden. Während die am Sitze des Gerichts wohnenden Schöffen und Geschworenen neben Erstattung des Verdienstausfalles und der Reisekosten eine weitere Entschädigung nicht erhalten, kann den außerhalb des Gerichtssitzes wohnenden Personen auch noch eine Entschädigung für die Zehrkosten(Frühstück, Mittagessen usw.) gezahlt werden. Die Höhe dieser Aufwandsentschädigung richtet sich nach der Dauer der Reise und ferner danach, ob der Sitz des Gerichts sich an einem teueren oder nicht teueren Orte(im Sinne der Reisekostenbestimmungen der Staatsbeamten) befindet. Als teuere Orte kommen nur einige wenige Großstädte mit besonders teueren Lebensbedingungen in Betracht. Die volle Aufwandsentschädigung beträgt für teuere Orte 7 Mk., im übrigen 4,50 Mk. und wird nur gewährt bei einer Reisedauer von mehr als 8 Stunden mit anschließender auswärtiger Uebernachtung. Bei einer Reisedauer von mehr als acht Stunden ohne anschließendes auswärtiges Nachtquartier werden acht Zehntel des vollen Tagegeldes = 5,60 Mk., bezw..40 Mark, bei einer Reisedauer von mehr als—8 Stunden fünf Zehntel=.50 Mk., bezw. 2,25 Mark und bei mehr als—6 Stunden Reisedauer drei Zehntel= 2,10 bezw..50 Mk. vergütet. Dauert die Reise nur 3 oder weniger als 3 Stunden, so wird eine Aufwandsentschädigung nicht gewährt. Das Uebernachtungsgeld beträgt an teueren Orten 4,50 Mk. und an nicht teueren Orten 3,50 Mk. Wenn nun Gerichtsverhandlungen nicht am Sitze des Gerichts, sondern außerhalb abgehalten werden müssen und dazu Reisen des Gerichts an den Verhandlungsort nötig werden, so sind den Schöffen und Geschworenen neben der Entschädigung für Verdienstausfall auch die baren Auslagen für Reise, Verpflegung, Nachtquartier usw. in angemessenen Grenzen unter Anrechnung des Betrages, welchen sie infolge ihrer Abwesenheit vom Sitze des Gerichts ersparen, zu erstatten. Bei der Prüfung der Angemessenheit soll darauf Rücksicht genommen werden, daß die Schöffen und Geschworenen zum Richterkollegium gehören. Die Gebühren der Schöffen und Geschworenen werden nur auf Verlangen gewührt. Der Anspruch erlischt, wenn er nicht binnen drei Monaten geltend gemacht wird. Beschwerden gegen die Höhe der festgesetzten Gebühren sind zulässig und werden im Aufsichtswege en:bied. n. Lokoles 8 Annen, 10. März. Westdeutsche Sendebühne! „Das Grabmal des unbekannten Soldaten“. Am Mittwoch, 16. März 1927, abends 8 Uhr gastiert das Schauspielhaus Köln im Westdeutschen Rundfunk, um unter der Leitung von A. Godard, Paul Reynals Tragödie„Das Grabmal des unbekannten Soldaten“ zur Wiedergabe zu bringen. Das Werk, das an 400 Bühnen in diesem Winter zur Aufführung gekommen ist, hat überall erschütterndes Erlebnis zu vermitteln vermocht. Die Operngemeinschaft des Westdeutschen Rundsunks bereitet als nächste Werke die Operette„Der Bogelhändler“ von Zeller für den 20. 3. 27 und die Komische Oper„Der Wildschütz“ von Lortzing den 1. 4. 27 vor. Will Besper liest im Rundfunk! : Am Freitag, 18. März liest der in Barmen geborene Dichter Will Vesper in Elberfeld für die Sendegemeinschaft des Westdeutschen Rundfunks aus eigenen Werken. Damit kommt in den regelmäßigen Dichterstunden des Westdeutschen Rundfunks ein Lyriker von hohem Rang zu Worte. *** § Annen, 10. März.(Die Rangordnung in den Schulen abgeschafft.) Durch einen Erlaß des preuFischen Kultusministers wurde die Aufhebung der noch in vielen Schulen bestehenden Rangordnung verfügt, und zwar auch dort, wo sie nur für den innerdienstlichen Gebrauch noch bestand. Auch von einer Gruppenbildung der Schüler soll Abstand genommen werden. In der Verfügung wird unter anderem ausgeführt, daß die erzieherischen Grundsätze der Schulreform, die von ihr geforderte Wertung der Gesamtpersönlichkeit des Schülers, die jugendpsychologische Einstellung bei der Beurteilung von Entwicklungserscheinungen des jungen Menschen mit der mechanischen Wertberechnung einer Eangordnung nicht vereinbar seien. Die Anstalts„#irden aufgefordert, da, wo die Eltern noch gewoynheitsmäßig an der Rangordnung festhalten, diese über die Gründe, die zur Aufhebung der Einrichtzung geführt haben, in geeigneter Weise aufe —(Keine polizeilichen Einschränkungen am Volkstrauertag.) Anläßlich des vom Volksbund für Kriegsgräberfürsorge in diesem Jahre am Sonntag, 13. März. in Aussicht genommenen, dem Gedenken für die Opfer des Weltkrieges gewidmeten Volkslauertages sind, dem Preußischen Innenminister Anfragen zugegangen, ob für diesen Tag einschränkende behördliche Maßnahmen für Vergnügungen in Aussicht genommen seien. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, weist der Minister demgegenüber darauf hin, daß auch in diesem Jahre irgendwelche polizeiliche Einschränkungen nicht in Frage kommen, da dieser Tag kein besetzlich anerkannter Feiertag ist. § Annen, 10. März.(Die Bestellung des Bodeus.) Mindestens vier Wochen sollen in normalen Jahren nach Eintritt wärmeren Wetters noch vergehen, bevor mit der Arbeit auf den Feldern und in den Gärten begonnen wird. In diesem Jahre lassen die gesteigerte Temperatur und der blaue Himmel den Landmann und Gartenbesitzer nicht ruhen, schon jetzt an die Bearbeitung des Bodens zu denken, und hält die Wärme an, so wird sich auch bald die Versuchung einstellen, mit dem Säen und Pflanzen zu beginnen. Wer den rechten Boden und die geeigneten Kulturarten hat, mag mancherlei mit Aussicht auf Erfolg unternehmen, und dafür einen gut bezahlten Ertrag ernten, es kann infolge von Nachtfrost aber auch anders kommen. Es muß immer beachtet werden, daß milde Winter keinen günstigen und zeitigen Frühling garantieren. "—(Der Vereinigte Landwehr= und Kriegerverein) hielt am vergangenen Samstag im Lokale Radtke seine Monatsversammlung ab, die gut besucht war. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende, Herr Major Würkert, der seit der letzten Versammlung verstorbenen Kameraden, zu deren Ehrung sich die Anwesenden von ihren Plätzen erhoben. Es wurden 10 Kameraden als neue Mitglieder aufgenommen. Man beschloß, an dem Volkstrauertag mit den militärischen Vereinen und vaterländischen Verbänden durch Kirchgang und Kranzniederlegung am Denkmal teilzunehmen. Näheres besagt das heutige Inserat. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand die Aussprache wegen der Interessenlosigkeit gewisser Kameraden, die dauernd den Veranstaltungen grundsätzlich fernbleiben. Nachstehender Beschluß wurde der Versammlung vorgelegt und einstimmig angenommen: Wer seine Interessenlosigkeit an den Bestrebungen des Vereinigten Landwehr= und Kriegervereins dadurch beweist, daß er garnicht oder nur äußerst selten an den Versammlungen oder Beerdigungen teilnimmt, hat, sofern er nicht dauernd durch Alter, Gebrechlichkeit, Krankheit, auswärtigen Wohnsitz oder beruflich verhindert ist, das Recht verwirkt, im Falle seines Ablebens vom Verein mit militärischen Ehren zur Gruft geleitet zu werden; in solchem Falle hat der Vorstand auch zu bestimmen, ob die Beihülfe zu den Kosten der Beerdigung bzw. das Sterbegeld zu zahlen ist. in Westsalen.) Nach der amtlichen Statistik des Reichsarbeitsministeriums in Westfalen 48 875 Kriegsbeschädigte 1222 erbsfähige Kriegerwitwen, 14 976 erwerbsunfäKinderwitwen(mit Kindern), 2934 durch Krankheit erwerbsunfähige Kriegerwitwen, 69.027 Halbwaisen, 4672 Vollwaisen, 8408 Elternteile und 1848 Elternpaare. Dazu kommt noch ein geringfügiger Teil von Empfängern der Witwen= und Waisenbeihilfe. Insgesamt beträgt die Zahl der Hinterbliebenen der westfälischen Krieger aus dem Weltkriege 1914—18 103087 Personen. Unter den westfälischen Kriegsbeschädigten müssen besonders die 152 Kriegsblinden, 2304 Tuberkulöse, 3118 Geisteskrankheiten hervorgehoben werden. Ferner befinden sich darunter 2484 Beinamputierte und 1404 Armamputierte. Durch sonstiges Leiden(meist innere Krankheit) sind 37570 Beschädigte versorgungsberechtigt. 10. März.(In der Naturwissenschaftl. Vereinigung) hielt Herr Hans Schmidt am Sonntag einen Vortrag über„Die flüssige Luft und ihre Verwendung. Flüssige Luft ist eine wasserblaue, stets schäumende Flüssigkeit von dem spezisischen Gewicht von ungefähr 1. Sie wird heute nach dem Verfahren von Prof. Linde=München in großen Mengen, leider noch zu einem verhältnismäßig hohen Preise hergestellt. Das Verfahren zu ihrer Gewinnung ist ziemlich einfach, da es in der Hauptsache aus Pressung nebst Abkühlung und darauf folgender Entspannung besteht. Etwa 400 cbm Atmenluft liefern 1 Ltr. flüssiger Luft, deren hervorstehendste Eigenschaft ihre große Kälte darstellt. Bei 191 Grad unter Null siedet sie schon und läßt sich deshalb nur in besonderen Gefäßen, den Dewarschen Flaschen kurze Zeit aufbewahren. Man kann mit ihrer Hilfe eine große Zahl von interessanten, technisch gut verwertbaren Versuchen anstellen. Ein in flüssiger Luft hineingestelltes Gefäß mit Wasser läßt seinen Inhalt in wenigen Augenblicken gefrieren. Trinkbranntwein verwandelt sich in goldgelbe Bonbons. Alkohol erstarrt zu wasserhellen Kristallen. Gummi und Fleisch werden steinhart und können im Mörser gepulvert werden. Für die Ausführung des unsinnigen Planes, in nächster Zeit dem Monde mit Hilfe von Raketenapparaten einen Besuch abzustatten, darf man keine luftgefüllten Gummianzüge verwenden, da diese im kalten Weltenraum wie Glas splittern würden. Die tech, n i s c h e V e r w e n d u n g d e r f l ü s s i g e n L u f t s t e h t h e u t e noch im Anfang ihrer Möglichkeiten. Sie hilft aber doch schon beim mühelosen Zerschneiden dickster Metallbleche, sie versorgt den Bergsteiger, Flieger, die Rettungsmannen und liefert ein stets ungefährliches Sprengmittel. Kühlräume werden mühelos bedient. Unter der verständnisvollen Mithilfe des Herrn Thomas gelangen die zahlreichen, völlig gefahrlosen Versuche glänzend und ließen den Wunsch laut werden, die Vorführungen recht bald im größeren Kreise zu zeigen. Die junge naturwissenschaftliche Vereinigung darf mit dem Interesse weitester Kreise rechnen. * Annen, 10. März.(Schulfeier der evangel. Schulen Erlen, Hüllberg und Wullen.) Ende dieses Monats werden wiederum Hunderte von Knaben und Mädchen die Schule verlassen, in die sie vor 8 Jahren mit klopfenden und erwartungsvollen Herzen eintraten. Wie schnell ist die Zeit verronnen, wie bald sind die Jahre verrauscht! In wenig enTagen schließt sich für viele die liebgewonnene tägliche Schulstube; dann heißt es Abschied nehmen von des Lebens schönsten Tagen, der goldenen Jugendfrühlingszeit. Doch vor dem Abschied von der Schule wollen die zur Entlassung kommenden Knaben und Mädchen noch einmal die gesamte Elternschaft durch Chorgesang, Deklamation und Bühnenbild erfreuen. Eine frohe und doch ernste Feier soll Eltern, Lehrer und Schüler um einen Cyklus von Bühnenbildern aus dem menschlichen Leben„Von der Wiege bis zum Grabe“, umrahmt von Solo=, Chorgesang und Deklamation, vereinigen. Um allen Eltern den Besuch dieser stimmungsvollen Schulfeier zu ermöglichen, sind für die Aufführungen zwei aufeinanderfolgende Samstage, der 19. und 26. März, vorgesehen. Die Feier findet an beiden Tagen im Saale des Westfäl. Hofes(Radtke) abends 7 Uhr statt und dauert etwa zwei Stunden. Jeder Besucher erhält den auf der Vortragsfolge angegebenen, numerierten Platz. Die Vortragsfolge, die in den nächsten Tagen von den Schülern zum Kaufe angeboten wird, kostet 25 Pig. und berechtigt zum Besuch der Veranstaltung an dem auf ihr angegebenen Tage. Die Vortragsfolge wird in der Samstagnummer der Annener Ztg. bekannt gegeben. Alle Eltern der drei Schulbezirke, insbesondere auch die Eltern der für Ostern angemeldeten Lernanfänger werden schon heute zu dieser Feier herzlichst eingeladen. Es empfiehlt sich, daß Angehörige derselben Familie nicht den gleichen Samstag wählen. Schüler, die nicht mitwirken, haben keinen Zutritt. )( Annen, 10. März.(Fürsorgezögling.) Gestern nachmittag wurde an der Station Annen=Nord ein junger Bursche, der ohne Fahrkarte den Zug von Dortmund nach hier benutzt hatte, angehalten. Die Polizei stellte fest, daß es sich um einen aus der Anstalt entlaufenen Fürsorgezögling handelt. Der Bursche wurde der Anstalt wieder zugeführt. —(Vermißt.) Seit gestern morgen wird der Schlosser Heinrich Irle aus Rüdinghausen vermißt. Er ist auf dem Wege zur Arbeitsstelle— Maschinenfabrik Keßler Annen— verschwunden. Irle ist ein solider, fleißiger und ordentlicher junger Mann, so daß man für sein plötzliches Verschwinden keine Erklärung hat. Heute morgen trifft bei der hiesigen Polizeibehörde die telephonische Mitteilung ein, daß Irle in der Nähe von Oploden an einer Blockstation in völlig erschöpftem Zustande angekommen ist. Er soll, wie verlautet, hier gestecn morgen von Werbern für die französische Fremdenlegion abgefaßt und in einem Auto entführt worden sein. Unterwegs muß er entkommen sein. Die Behörde hat seine Rückkehr nach hier veranlaßt. Wir werden über die näheren Einzelheiten noch berichten. Kruckel, 10. März.(Eine begrüßenswerte Verschönerung) hat jetzt der Bahnhof Kruckel erfahren, die sich jedoch erst im kommenden Frühjahr voll auswirken wird. Die Zugänge zu dem leider zu tief am Fuße des Bahndammes gelegenen Bahnhofsgebäude und der vorgelagerte Rasenplatz haben eine hübsche Einfassung von Ligustersträuchern erhalten, desgleichen ist der Bahndamm mit zahlreichen Bäumchen und Sträuchern bepflanzt worden. Nach Fertigstellung der noch vorgesehenen Blumenbeete erhält der Kruckeler Bahnhof, dessen weiterer Ausbau(Unterführung zu den Bahnsteigen, Ueberdachung der Bahnsteige usw.) von der Reichsbahn vorläufig zurückgestellt ist, durch die Grünanlage eine freundlichere Umgebung, die bei der Bevölkerung viel Anklang findet. C. Wir beginnen Samstag mit dem Abdruck eines neuen Romans aus der Feder von Ludwig Blümcke, auf den wir die besondere Aufmerksamkeit aller Leser lenken möchten. Es handelt sich um das Werk: Die Freunde von Wendisch-Buchow. Pereniz=Nachrichten Jarres über Außenund Innenpolitik. Dortmund, 8. März. Der Hauptvorstand der Deutschen Volkspartei Westfalen=Süd veranstaltete heute eine Feier aus Anlaß des 60. Gründungstages der Nationalliberalen Partei. Die Festrede hielt Oberbürgermeister Dr. Jarres=Duisburg. Nach einem Rückblick auf die Parteigeschichte kam er auf die gegenwärtige außenpolitische Lage zu sprechen und führte hinsichtlich der Genfer Ta= gung aus, es liege kein Grund zum Optimismus vor. Allzuviel sei von der Tagung nicht zu erhoffen, solange ein Poincaré Gegenspieler sei. Auf das Gebiet der Innenpolitik überleitend, erklärte er, der Aufruf der Deutschen Volkspartei zur Zusammenarbeit mit der Rechten sei auf wenig fruchtbaren Boden gefallen. Es sei aber doch bei der letzten Regierungsbildung gelungen, die Deutschnationalen mit in die Regierung zu bekommen, unter Bedingungen, die ganz eindeutig seien. Bedauerlich sei es nur, daß Curtius die Regierungsbildung nicht zustande gebracht habe. An seinen staatsmännischen Qualitäten habe es gewiß nicht gelegen. Seine Partei stehe nicht auf dem Standpunkt, grundsätzlich eine Koalition mit der S. P. D. abzulehnen. Heute sei eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dieser Partei jedoch nicht zu erwarten, da ihr linker Flügel allzusehr mit Schlagworten von Internationalismus und Klassenkampf arbeite. Die mit der Deutschnationalen Volkspartei vereinbarten Bedingungen ermöglichten ein ruhiges Rebeneinanderarbeiten. Der Redner hofft, daß diese Zusammenarbeit mit den Deutschnationalen und auch mit dem Zentrum von Dauer sei im Interesse des Bürgertums und der Weiterentwicklung, ohne daß soziale Taten, die das Volk fordere, unterblieben. Na chder Begrüßungsansprache, die Otto Hembeck=Lüdenscheid hielt, wurde der Vorstand ermächtigt, ein Begrüßungstelegramm an Dr. Stresemann zu richten. Witten, 9. März.(Nicht getätigter Kauf.) Unsere Stadtväter haben sich wiederholt in geheimen Sitzungen mit dem Ankauf der Besitzung Ruhrstr. 117 beschäftigt, die unmittelbar an der Ruhr gelegen ist. Das Gelände ist ein Teil der Ruhrinsel, auf der sich gleichzeitig eine Anzahl Filter= und Kläranlagen des städtischen Wasserwerkes befinden. Vor etwa 30 Jahren befand sich daselbst auch das Licht= und Luftbad, was nachher auf den Helenenberg verlegt wurde, weil die Konzession auf der früheren Stätte nicht erneuert wurde mit dem Bemerken, daß dies aus sanitären Gründen nicht zulässig sei. Aber doch bestand die Absicht, das oben besagte Haus anzukaufen und als Wohnung des Oberbürgermeisters einzurichten. Man kann die Inkonsequenz nicht verstehen. Zum Glück ist der Kauf nicht zustandegekommen, weil der Kaufpreis von 75000 Mark(früher sogar 100000) doch als reichlich hoch bemessen erscheint. Wenn die Stadt das Grundstück unbedingt benötigt, so wird sie nach unserer Meinung beim Enteignungsverfahren bessere Geschäfte machen. Barop, 9. März.(Aus 15 Metern Höhe abgestürzt) ist auf der Kokerei der Zeche„Kaiser Friedrich“ der Schlosser Wilh. Kühn, Persebeckerheide. K. wurde schwer verletzt. Dortmund, 9. März.(Dr. Fabry), der Leiter der Abteilung für Hautkrankheiten der Städtischen Krankenanstalten, tritt demnächst von seinem Posten zurück. Wittbräucke, 9. März.(Das neue Tuberkulosenheim.) Die Stadt Dortmund beabsichtigt, auf dem von Frhrn. v. Romberg erworbenen Gelände in Wittbräucke ein Tuberkulosenheim zu erbauen. Mit dem Bau dürfte in Kürze begonnen werden. Hattingen, 9. März.(Schweres Explosionsunglück bei Hattingen.) In einer Fabrik in Winz bei Hattingen explodierte ein Schmelzofen aus bisher noch ungeklärter Ursache. Durch herumfliegende Eisenteile erlitten zwei Arbeiter schwere Verletzungen. Teile des Ofens wurden durch das Fabrikdach ins Freie geschleudert. Herdecke, 9. März.(Straßenbahn nach Witten.) Die Verwaltung der Westfälischen Straßenbahn plant für dieses Jahr den Ausbau ihres Straßenbahnnetzes in beträchtlichen Ausmaßen, sowie eine Vermehrung ihres Wagenparks. Es wird u. a. eine neue Linie von Witten nach Herdecke gebaut, die nach ihrer Fertigstellung die dort laufende Autobuslinie ablösen wird. Herdecke, 9. März.(Neubau der Krankenkasse.) Die zurzeit im Rathaus untergebrachten Räume der Ortskrankenkasse in Herdecke sind schon lange völlig unzureichend. Die Krankenkasse trug sich aus diesem Grund bereits seit längerer Zeit mit dem Plane, einen Krankenkassenneubau zu errichten. Die Verwaltung will aber versuchen, ob es nicht möglich ist, daß Sparkasse und Krankenkasse gemeinsam bauen und so erhebliche Baukosten gespart werden. Westhosen, 9. März.(Gestorben.) Im hohen Alter von 82 Jahren starb hier der weit über die Mauern unseres Städtchens bekannte und allseits sehr beliebte Landwirt Herr Friedrich Dahlbüdding. Er war eine echte und schlichte Westfalennatur. Gern erzählte er in plattdeutscher Mundart aus vergangenen Zeiten.„Ein Stück von Alt=Westhosen wird mit in zu Grabe getragen. Er ruhe sanft! Hamm, 9. März.(Seinen Verletzungen erlegen) ist der Oberingenieur Fritz Platz, der sich unter den Verunglückten der Grubenkatastrophe von Zeche de Wendel befand. Gelsenkirchen, 9. März.(Die Taufe des neuen Freiballons„Gelsenkirchen=Buer“ wird am 20. ds. Mts. auf dem freien Platz vor dem Rathause in Buer stattfinden. Die Weiherede wird Reichskanzler a. D. Dr. Luther halten. Der Taufakt selbst wird von Frau Oberbürgermeister von Wedelstaedt, Gelsenlirchen, mit flüssiger Luft vorgenommen Buer, 9. März.(Eisersuchtstragödie in Buer.) Der Bergmann Hochschulte aus Buer=Erle, Mittelstraße, der von seiner Frau getrennt lebt und gestern einen Sühnetermin in seiner Ehescheidungsangelegenheit hatte, traf seine Frau gestern nachmittag 6 Uhr in der Nähe des Eingangs des Schlosses Berge auf der Bochumer Straße und schnitt ihr mit einem Rasiermesser trotz heftigen Sträubens den Hals durch. Die Frau verblutete auf offener Straße, ehe Hilfe zur Stelle war und starb nach wenigen Minuten. Der Mörder stellte sich dann der Polizei mit den Worten: Ich habe meiner Frau vor zehn Minuten den Hals abgeschnitten. Der Täter wurde in Haft genommen. Eifersucht soll das Motiv zur Tat sein. Waltrop, 10. März.(Großes Schadenfeuer bei Waltrop.) Ein größerer Brand vernichtete gestern nachmittag gegen 1 Uhr das Anwesen des Gutsbesitzers Jos. Schlueter in Holthausen bei Waltrop. Das Feuer, das im Göpelhaus ausgebrochen war, verbreitete sich auch auf das Wohnhaus, das trotz energischer Bekämpfung durch die Waltroper Wehr, die Freiwillige Feuerwehr Elmenhorst, die Zechenfeuerwehr Waltrop und die Freiwillige Feuerwehr Datteln bis auf die Grundmauern niederbrannte. Der Schaden beträgt ungefähr 50000 Mark. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Essen, 9. März.(Generaldirektor Franz Wüstenhöfer.) Hier starb Generaldirektor Franz Wüstenhöfer im Alter von 68 Jahren. W. gehörte zu den Pionieren des Ruhrbergbaues und erfreute sich allgemeiner Hochschätzung. Der gute Ruf des Essener Bergwerksvereins König Wilhelm im Ruhrbergbau liegt nicht allein in der Materie— der besonders guten Kokskohle begründet, sondern er geht auf die vorzügliche Leitung durch Franz Wüstenhöfer zurück, der das Unternehmen erst zu der Bedeutung entwickelte, die ihm heute eingeräumt werden muß, beträgt doch die Beteiligung am Kohlensyndikat(ohne Minister Achenbach) 1 540000 Tonnen Kohlen, 465 367 Tonnen Koks und 70 200 Tonnen Briketts. Solingen, 10. März.(Schiedsspruch für die Solinger Metallindustrie.) Der staatliche Schlichtungsausschuß hat in der Solinger Metallindustrie einen Schiedsspruch gefällt, der wesentlich über den ersten nicht anerkannten Schiedsspruch hinausgeht. Unter Verschiebung der Altersgruppen werden die Löhne der Facharbeiter um 8,2 bis 12 Prozent, teilweise bis 20 Prozent erhöht. Die Löhne der Akkordarbeiter sollen um 5 Prozent erhöht werden, ebenso die übertariflich gezahlten Löhne. Lintfort, 9. März.(Der Reichspräsident von Hindenburg) hat bei dem elften Kinde eines Bergmanns Treber die Patenschaft übernommen. Köln, 9. März.(Ehrenvolle Ernennung.) Professor Dr. Graebner, Direktor des RautenstrauchGoest=Museums, ist in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Völkerkunde von der Gesellschaft der Freunde der Naturwissenschaften, Antropologie und Ethnologie in Moskau, zum Ehrenmitglied ernannt worden. ist Ihr Mann auch noch so spatsam so treut er sich doch, wenn Sie ihm einen zebänen Nucben oder eine feine Torte auftischen. Verraten Sie dann noch, daß Sie mit Dr. Oetker Backpabeer jDachin“ nach den bewährten Oether- Rezepten schön u. preiswert gebacken haben, so wird er noch zufriedener sein.— Des neu erochlenens ford Ulase. viele neue Auregungen zn Backversuchen. Außerdem lesen Sie mit dem Sie auf kl. Oaskocher: Lezse, Dr. Oetter; Rerepte P ana für 15 Fig, in den Gerchlften Dr. k. Oetker, Bleiofold Ladenverkaufspreise: Backpulv.„Backin“ 1 Stck. 10 Pfg. Puddingpulv. Vanille-Mandel 10 Pfg. Vanillin-Zucker 5 Pfg., Vantlle-Soßenpulver 8 Pfg., GalaSchokoladen-Puddingpulver 15 Pfg., Schokoladenspelse mit gehackten Mandeln 25 Pfg., Gustin 225 4 55 Pfg. Das Schäglice Heim und das elegante Schänmmmer ausgestellt in unseren neuen Ausstellungs-Räumen Bahnhofstrasse 24 (Ecke Bismarckstraße) Verkauf nur im Hauptgeschäft am Markt. Unter Leitung eine ersten Dekorationsmeisters fertigen wir in unseren Werkstätten geschmackvolle Dekorationen nach eigenen u. gegebenen Entwürten an. Kostenauschläge unverbindlich. BEANA wilten. am Markt. Aus dem Gerichtssaal Besenste Bentmalschlober. Witlen, 10. März. In der letzten Silvesternacht wurde auf dem Hohenstein das Ebert—Rathenau— Erzberger=Denkmal mit roter Farbe beschmiert. Die beiden Täter hatten sich vor einigen Tagen vor dem erwetterten Schöffengericht in Bochum zu verantworten und erhielten 2, bezw. 1 Monat Gefängnis. * Der Fürgensprozeß vor dem Abschluß. Die ärztlichen Gutachten. Im Jürgensprozeß erfolgte am Dienstag die Vernehmung der medizinischen Sachverständigen. Der Gefängnisarzt Dr. Hirsch hatte über beide Angeklagte ein ausführliches Gutachten erstattet. Er bezeichnet Jürgens zwar für etwas nervös, er stamme indes aus einer körperlich gesunden Familie und sei für seine Handlungen voll verantwortlichzu machen. Frau Jürgens dagegen besitze einen Hang zu leichtem Geldausgeben, sie sei eine große Optimistin und sei stark hysterisch veranlagt, doch habe sie auch ihre guten Seiten. So sei sie gutherzig, mitleidig usw. Ihre Verantwortlichkeit lei stark beeinflußt, und es müsse ihr unter Umständen der Schutz des Paragraphen 51 zugestanden verden. Damit wurde die Beweisaufnahme gehlossen. Am gestrigen Mittwoch begannen die Plaidoyers und bis Donnerstag abend hofft der Vorsitzende, den Prozeß zum Abschluß bringen zu können. * Der Strafantrag im Jürgensprozeß. 8½ Jahre Zuchthaus für Jürgens. Ein Jahr Gefängnis für seine Frau. Im Prozeß gegen das Ehepaar Jürgens ergriff der Oberstaatsanwalt Dr. Jordan das Wort und begründete seine Anträge in fast dreistündiger Rede. r beantragte gegen die Angeklagte Frau Jürgens wegen Meineids und Betrugs eine Gesamtstrafe von einem Jahr Gefängnis, die durch diellntersuchungshaft als verbüßt zu erachten ist. Er hatte bei diesem Strafmaß die medizinischen Gutachten in Betracht gezogen, nach denen die Angeklagte nur bedingt für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden könne. Gegen den Ehemann Jürgens beantragte der Oberstaatsanwalt zwei Jahre Zuchthaus wegen Meineids, und wegen Betrugs sowie falscher Anschuldigung und versuchten Betrugs gegenüber dem Oberreichsanwalt insgesamt noch 6 Monate Zuchthaus. Ein Jahr soll durch die Untersuchungsist für verbüßt gelten. Außerdem beantragte er, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Eidestfähigkeit zu erkennen. *** Warenhausangestellte als Diebe. Vor dem Schöffengericht in Altona hatten sich Angeklagte, in der Hauptsache Warenhausangestellte, wegen fortgesetzten Diebstahls und Hehlerei z uverantworten. Die Diebstähle waren vom Mai Dezember 1926 begangen worden. Es handelte sich dabei um Wäsche und Silberwaren im Werte von rund 20000 Mark. Das Gericht erkannte ge„esden dountongelogten unt behibenshrne von 2 Jahren 6 Monaten bezw. 1 Jahr 3 Mon. abrigen Strafen bewegen sich zwischen 1 und 7 Monaten Gefängnis. Fünf Angeklagten wurden verschiedenes Heirat mit dem Doppelgänger. Angetraut und doch nicht verheiratet.— Eine köstliche Komödie aus unseren Tagen. (Nachdruck verboten.) Das Leben spielt mit den Menschen wie die Macionettenspieler mit ihren Drahtpuppen. In Budapest lebte Herr von., ein reicher Fabrikbesitzer, in seliger Harmonie mit sich selbst, denn er war Junggeselle und hatte auch die Absicht, es zu bleiben. Umso überraschter mußte er sein, als eines Morgens der Bureauvorsteher in seinem Kabinett erschien und meldete: „Herr Direktor, Ihre Frau Gemahlin möchte Sie sprechen.“ Ver?“. „Ihre Frau Gemahlin!“ „Reden Sie keinen Unsinn, ich bin doch gar nicht verheiratet.“ „Das habe ich der Dame auch schon gesagt, aber sie hat nur gelacht.“ Herr v. P. dachte einen Augenblick nach, dann ließ er die seltsame Fremde zu sich bitten. Herein trat eine hochelegante, enzückend gewachsene und bildhübsche junge Frau, was Herr v. P. als kenntnisreicher Junggeselle sofort mit einem Blick feststellte. Diese Dame trat, ohne eine Miene zu verziehen, auf ihn zu und sagte: „Ich finde es wirklich unglaublich von dir, daß du mich stundenlang im Hotel warten läßt.“ Die Frau ist wahnsinnig, dachte er, hier hilft nur cohe Gewalt, und er klingelte, um sie durch sein Personal entfernen zu lassen, aber sie kam ihm zuvor, lief rasch aus der Tür, bestieg unten den wartenden Wagen, fuhr ins Hotel, ging auf ihr Zimmer eite erschoß sich— nicht ganz, Der Streischuß, lolete nicht das Leben, aber sie mußte auf einige Zeit us Lazarett. Dort beeilte man sich natürlich, den Herrn Gemahl umgehend zu verständigen und zu bitten, auf dem schnellsten Wege ans Krankenlager einer Frau zu eilen. Herr v. P. hing den Hörer an und dachte nicht dergleichen zu tun. Kauin war er jedoch in seiner Wohnung angekommen, als ihm der Diener einen Herrn meldete. Es war— sein Schwiegervater! Nun bekam es Herr v. P. doch mit der Wut und verbat sich ganz energisch diesen Unfug, mußte aber zu seinem Erstaunen in dem ihm vorgelegten Trauschein nachlesen, daß er vor einigen Tagen in Mailand mit einer ihm völlig Unbekannten die Ehe eingegangen war. Seine Augen wurde nimmer größer und er siel fast vom Stuhl, als der Alte auf seine Frage: „Erkennen Sie mich als Ihren Schwiegersohn wieder?“ mit dem Kopf nickte und sagte: „Ohne Frage, du bist es!“ „Wenn ich aber beweisen kann, daß ich Budapest seit Wochen nicht verlassen habe?“ Der Alte schüttelte nur den Kopf. Doch da jede Komödie mal ein Ende haben muß, dämmerte Herrn v. P. bald, daß nur sein Vetter ., der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, seine Rolle gespielt haben konnte. Und so klärte sich dann die Sache rasch auf. Der Vetter hatte das junge Mädchen samt ihrem Vater(oder soll man umgekehrt sagen?) in Venedig kennen gelernt und bald darauf geheiratet. Er gab sich als Fabrikbesitzer v. P. aus Budapest aus, und ward dem Schwiegervater von gemeinsamen Bekannten infolge der unbeschreiblichen Aehnlichkeit als solcher bestätigt. Weshalb der alte Herr keine Bedenken trug, ihm die Tochter samt Mitgift auszuhändigen. Das Paar begab sich auf Reisen und langte schon am dritten Tage in Budapest an. Hier wollte der Gatte nur rasch mal der Ordnung halber in die Fabrik fahren und gleich wieder zurück sein. Wer aber nicht wiederkam, sondern mit der Mitgift durchbrannte, war der Gemahl, der eigentlich keiner war. Als die junge Frau, ungeduldig geworden, selbst herausfuhr, fand sie ihren Mann, der nicht ihr Gatte war, vor, aber der konnte sie nicht anerkennen, da er ja seine Frau, die nicht seine Gattin war, nicht kannte. Deshalb ereignete sich oben geschilderter Auftritt. Auf Wunsch des alten Vaters erklärte sich Herr v. P. bereit, im Krantenhaus so lange die Rolle des Gatten zu spielen, bis die junge Frau wieder genesen sei. Hierbei verliebte er sich in sie, und als der gute Vetter aus Paris, wo er sein Geld verjubelt hatte, einen Erpresserbrief schrieb und mit einem Skandal drohte, ging er hin und erschoß sich auch — nicht ganz. Der Streifschuß kostete zwar nicht vas Leven, aber nun muß auch er das Bett hüten. Doch man darf nicht nur hoffen, man weiß sogar, daß die Ehe mit dem Vetter bald geschieden oder als ungültig erklärt wird, damit Herr v. P. endlich seine Frau, die gar nicht seine Frau ist, zum Altar führen kann. Cubert. * Wie Du mir, so ich Dir. Berlin, 26. Februar. wird geschrieben:„Wie sich ein ostpreußischer Landmann gegen die jetzt besonders im Schwang stehende Ueberflutung des platten Landes mit unbestellten Sendungen der Versandgeschäfte zu helfen wußte, zeigt folgender Brief: Fa. Otto W. M... in Erlangen. In der Annahme, daß Sie eine ebenso gute Verdafür haben, wie ich für die mir geschickten Bleistiftspitzer, sende ich Ihnen anbei drei Pfund ostpr. Grünkleesamen, je Pfund.25 Mark= 3,75 Mark. Da der Betrag meiner Rechnung mit dem Preis der mir gleichfalls unverlangt zugesandten Bleistiftanspitzer überein stimmt, bitte ich, mein Konto bei Ihnen auszugleichen. Sollten Sie mir in Zukunft wieder einmal unerwünscht Ware zusenden, bin ich gern bereit, ihnen dafür als Gegenleistung echt preußischen Naturdünger zu liefern. Ich gebe mich jedoch der angenehmen Hoffnung hin, daß unser Briefwechsel nun beendet ist. Böhm, Rittergutsbesitzer. Durch die politische Tagespresse wurde vor kurzem folgendes Geschichtchen bekanntgegeben: Eine Textilfirma sandte an Privatleute Taschentücher und legte„der Einfachheit halber“ gleich Rechnung und Zahlkarte' bei. Eine solche unerbetene Sendung bekam auch ein Arzt, der wohl gerade Verwendung für die Taschentücher, nicht aber für die der Sendung beigelegte Zahlkarte hatte. Immerhin wollte er sich nichts schenken lassen, und so empfingen die Fabrikanten einen Brief folgenden Inhalts: ##e. Ich bestätige dankend den Empfang der mir ubersandren Taschentücher, die ich allerdings nicht bei Ihnen bestellt hatte. In der Anlage gestatte ich mir, ein Rezept gegen Läuse zu überreichen, das Sie zwar ebenfalls nicht bei mir bestellt haben, von dem ich aber vorkommendenfalls Gebrauch zu machen bitte. Für die Erteilung des Rezepts liquidiere ich 5 RM. Da Ihre Rechnung über den gleichen Betrag lautet, sind unsere gegenseitigen Forderungen soweit ausgeglichen.“ Neueste Nachrichten Aufwertungsfragen im Reichstage. Berlin, 10. März. Gestern nachmittag traten, wie das Nachrichtenbüro des Vereins deutscher Zeitungsverleger hört, die Führer der Regierungsparteien im Reichstage zu einer Besprechung zusammen, die sich in der Hauptsache damit befaßfe, bis zu welcher Grenze die Aufwertungsbestimmungen— vor allem für die Altbesitzer— günstiger gestaltet werden können. Diese Verhandlungen befinden sich zunächst im allerersten Stadium. Es wird zunächst, wie das Nachrichtenbüro des V. D. Z. weiter hört, versucht, eine Verständigung zwischen den Regierungsparteien herbeizuführen, um dann mit der Regierung selbst einen Weg zur Erfüllung der dringendsten Wünsche zu finden. Julitagung des Bölkerbundsrates in Berlin. Paris, 10. März. Der Petit Parisien berichtet aus Genf, daß die Julitagung des Völkerbundes in Berlin stattfinden werde. Zu Ehren Deutschlands und um der Tagung ein größeres Relief zu geben, werde der englische Außenminister Chamberlain dabei den Vorsitz übernehmen. Neue Erdstöße in Japan. Tokio, 10. März. Unter der Bevölkerung der vom Erdbeben betroffenen Gebiete hat ein neues Beben eine ungeheure Panik ausgelöst. Man glaubt allgemein, daß das Erdinnere noch nicht zur Ruße gekommen ist und fürchtet noch weitere Stöße.— Nach einer vom Innenministerium veröffentlichten Meldung sind im Tangogebiet über 3500, Häuser eingestürzt und etwa die gleiche Zahl ist durch Feuer zerstört worden. Die Zahl der Obdachlosen wird auf mehr denn 70000 Menschen geschätzt, die gezwungen sind, bei bitterer Kälte im Schnee zu kampieren. ** * (Eigene Drahtnachrichten). Aus dem französischen Militärgesängnis entlassen. Landau, 10. März. Die Kölnische Volkszeitung meldet, daß die beiden jungen Leute, die von der französischen Gendarmerie wegen einer Schlägerei in der Nacht zum 21. Februar in einer Germersheimer Wirtschaft am 23. Februar verhaftet wurden, wieder entlassen worden sind. Das Schulschiff„Großherzogin Elisabeth“ in Bremerhaven eingelaufen. Bremen, 10. März. Das Schulschiff„Großherzogin Elisabeth" des deutschen Schulschiff=Vereins ist nach einer 37 tägigen Ueberfahrt von Pernambuko heute wohlbehalten in Bremerhaven angekommen. Diese schnelle Reise stellt der Schiffsleitung ein glänzendes Zeugnis aus. Der Chef der Heeresleitung in Hamburg. Hamburg, 10. März. Gestern nachmittag ist der „Chef der Heeresleitung, General Heye, zum Besuch des Senats hier eingetroffenGroßfeuer auf einem mecklenburgischen Gute. Berlin, 10. März. Wie aus Schwerin gemeldet wird, hat am Dienstag ein riesiges Großfeuer auf dem Gute Conoro bei Beldberg gewütet, das auf Brandstiftung zurückgeführt wird. Von 120 Stück Rindvieh wurden 70 mit großer Mühe gerettet. 50 Stück Jungvieh und 2 Fohlen kamen in den Flammen um. Ueber 12 Feuerwehren bemühten sich, des Brandes Herr zu werden, was ihnen jedoch infolge des starken Windes mißlang. Nach etwa eineinhalb Stunden waren eine große Scheune und das Viehhaus niedergebrannt. Der Schaden ist sehr groß. Außerdem wurden große Erntevorräte und viele landwirtschaftliche Maschinen vernichtet. 10 Millionen Mark Hochwasserschäden allein in 4 Kreisen der Provinz Sachsen. Halle, 10. März. Bei einer Besprechung zwischen dem Regierungspräsidenten Grützner und den Landräten der Kreise Liebenwerda, Torgau, Schweidnitz und Wittenberg über Reichsschutzfragen wurde festgestellt, daß in diesen 4 Kreisen allein 10 Millionen Mark Hochwasserschäden zu verzeichnen sind. Die italienischen Manöver an der südslawischen Grenze. Belgard, 10. März. Auf Fiume und im Gebiete des Quarnevo=Golf sollen neue italienische Truppen in Stärke einer Division zur Abhaltung von Mannövern eingetroffen sein. Sport. S Poihig undn ertem sowie aller Art Einzelmöbel. Küchen=Rezepte. Delikate Kartoffelsuppe auf schnellste Art. Ein Würfel Maggi's Kartoffelsuppe wird zerdrückt, in kaltem Wasser zu dünnem Brei angerührt und in stark 1/ Liter siedendes Wasser gegossen, ohne Salz oder Fleischbrühe zuzufügen. Nach dem Wiederaufkochen läßt man die Suppe bei kleinem Feuer 15—20 Minuten(ein größeres Quantum länger) kochen. Oder man röstet den zerdrückten Würfel in 15—20 gr Butter leicht an, gießt 3/4 Liter kaltes Wasser zu, läßt aufkochen, dann 10—15 Minuten weiterkochen und richtet die sehr feine Suppe, die auch das nötige Grünzeug bereits enthält, über gerösteten Brotwürfelchen an. 1 Würfel für 2 Teller Suppe. Stockfisch in Milch.(Einfache Fastenspeise). 6 Personen. 2 Stunden. Der gut gewässerte Stockfisch(ungefähr 1½ Kilo) wird langsam fast gargekocht. Zugleich werden—3 feingehackte Zwiebeln in 75 g Butter gar gedämpft, aber so, daß sie hell bleiben. Dann gießt man unter stetem Umrühren ½ Liter Milch dazu, würzt mit Salz und wenig geriebener Muskatnuß, zieht die Soße mit einem Eigelb ab, schmeckt ab, macht sie mit 10 Tropfen Magai's Würze vollmundig, legt den beinahe fertigen Stockfisch ein und läßt ihn auf heißer Herdstelle vollends gar ziehen. Fischhackbraten. Hierzu kann jede beliebige Art von Fischfleisch verwendet werden. Aus dem Fischstück löst man sorgfältig alle Gräten heraus und dreht das Fischstück durch die Fleischmaschine. man auf 1 Pfund Fischfleisch zwei in Milch, Fleischbrühe oder auch nur Wasser eingeweichte und wieder gut ausgedrückte Weißbrötchen, 1 Ei, eine geriebene Zwiebel, 1 Teelöffel gehalkte Petersilie, das nötige Salz, etwas Pfeffer und verrührt die Masse sehr gründlich. Nun formt man davon eine Rolle wie ein längliches Brot, wendet in geriebenem Weißbrot um, legt in die Bratpfanne, in der man Fett heiß gemacht hat, und brät den Hackbraten unter Begießen mit dem Fett 25—30 Minuten. Zur Soße gießt man während des Bratens etwas Fleischbrühe, die man aus 1 Maggi's vias Esläter saung goestellt hat, und gibt auch eitnige Eßlosser saute Sahne(Rahm), in die man etwas Mehl hineingequirlt hat, zu: Vor dem Anrichten schmeckt man nach Salz ab, legt den Hackbraten auf eine längliche Platte und reicht die Soße extra.— Weißbohnensalat.(Fastengericht). 6 Personen. 2 Stunden. 500 g beste, große weiße Bohnen werden verlesen, gut gewaschen, über Nacht in Wasser eingeweicht und in gleichem Wasser, dem man ein Sträußchen Suppengrün, eine Zwiebel und etwas Salg beigefügt hat, auf gelindem Feuer langsam weich gerocht. Dann werden sie durch ein Sieb gegossen und gleich, solange die Bohnen noch heiß sind, mit feinem Oel, mildem Essig, 10 Tropfen Maggis Würze, Salz und Pfeffer gemischt, gut damir burchgeschwenkt und in einer Schüssel angerichtet. Man kann entgrätete, in Streifen geschnittene und gewässerte Salzheringe dazu reichen. Am vergangenen Sonntag spielte Turnverein Crone Witten 2 gegen Deutsche Eiche Rüdinghausen 2. Mann schaft. Trotz der schlechten Platzverhältnisse konnte Rudinghausen mit:1 den Sieg für sich buchen.— Aus schließend spielte die 1. Mannschaft Rüdinghausen gegen Turnverein 09 Bommern 1. Mannschaft. Nach halbjähl riger Ruhepause und Fehlen des Torwarts sahen die übrigen 11, daß ein besseres Zusammenspiel und ein kräftiges Trainieren unbedingt erforderlich ist. Mit:1 füe Bommern mußten die Eicheleute den Platz verlassen. „Gut Heil!“ * Große Jagden in Dortmund. Der in Berlin erprobten Mannschaft Tonani—Lorenz gelang es beim Dortmunder Sechstage=Rennen in der Nacht zum Dienstag nach einem ungemein harten Kampf mit sechs Punkten Vorsprung vor Kroll—Miethe und Rielens—Thollembeck die Führung an sich zu reißen. Die ganze Wertung über hundert Runden wurde in einem wahren Höllentempo unterbrochen von zahlreichen kurzen Jagden und Ausreißversuchen, durchgefahren. In diesen Jagden zeigte sich sowohl Lorenz, als auch besonders der Italiener von einer so starken Seite, daß man nicht anstehen kann, diese Mannschaft in ihrer augenblicklichen Form als eine der besten internationalen SechstageMannschaften zu bezeichnen. Der neue Stand des Rennens ist: 1. Tonani—Lorenz 102, 2. Kroll—Miethe 96, 3. Rielens—Thollembeck 95, 4. Aerts—Duvivier 74, 5. Bruskie—Golle 30 Punkte; eine Runde zurück: 6. Buschenhagen—Frankenstein 104, 7. Hürtgen—Rausch 40 Punkte; zwei Runden zurück: 8. Cugnot—Rieger 172, 9. Faudet—Louet 135 Punkte. Stand des Rennens vom 10. März 3 Uhr nachts. Wird Rösemann Wageners Gegner? Das bedeutendste Ereignis in dem wieder glänzend ausgestatteten Programm des nächsten Boxkampftages der„Westfalenhalle“ am 12. ds. Mts. abends 7,30 Uhr, ist zweifellos die abermalige Begegnung der beiden Titelanwärter auf die Schwergewichtsmeisterschaft, Breitensträter—Rösemann. Der stark verbesserte Hannoveraner brachte schon beim ersten Treffen eine ziemliche Ueberraschung, konnte er doch mit dem erfahrenen und kampferprobten Gegner gleichauf enden; jedenfalls stand Breitensträters Ueberlegenheit damals nicht so klar zu Tage, daß man ihm den Sieg geben konnte. Und es erscheint sehr fraglich, ob es dem blonden Exmeister diesmal gelingen wird, den Sieg an sich zu reißen. Ernst Rösemann macht gewaltige Anstrengungen, sich in die bestmöglichste Form zu bringen; er will diesmal gewinnen. Der Hannoveraner bereitet sich in seiner Heimatstadt mit größter Sorgfalt vor; er hat dort neben so guten Professionals wie Exmeister Schmidt, Lagershausen, Grube usw. auch den erstklassigen Amateur=Schwergewichtler Bohla als Partner zur Verfügung. Das dauernde Arbeiten mit den leichteren Gegnern, die schnell im Schlag und auf den Beinen sind, hat auch auf Rösemann verbessernd gewirkt, er ist auch gezwungen, sich bei diesen Gegnern besser zu decken. Infolge des flotten Tempos ist Rösemann jetzt besonders gut bei Luft, sodaß ihm die längere Strecke bestimmt keine Schwierigkeiten machen wird. Dazu kommt, daß der Hannoveraner jünger, unverbraucht, schwerer, größer und vor allem bedeutend schlagstärker ist als Breitensträter und eß dieser bei dem weiter verbesserten Gegner diese Vorgaben ausgleichen kann, möchte man bezweifeln. Hans Breitensträter hat seit seinem letzten Hiersein eine Anzahl guter Gegner besiegen und zuletzt mit seinem Bezwinger Francis Charles ein„Unentschieden“ erzielen können. Es war ein gerechtes klares„Unentschieden", Breitensträter hatte die ersten 6 Runden durch gutes Distanzboxen an sich gebracht, dann versuchte der immer mehr in Nachteil kommende Franzose mit aller Macht eine Entscheidung herbeizuführen, griff mit wuchtigen Schlägen unten an, landete aber keinesfalls oft genug, um den Rückstand aufzuholen. Sicher haben die Kämpfe mit diesen Gegnern, die sämtlich über die Runden gingen, Breitensträters Form weiter gefördert, aber — Rösemann wird für ihn zu star k sein, er wird Mühe haben, überhaupt hereinzukommen. So betrachtet, sieht es für Breitensträter jedenfalls nicht sehr rosig aus, es ist absolut nicht ausgeschlossen, daß der Hannoveraner diesmal noch eine größere Ueberraschung bringt. * Der Kölner Reuner Paul Oszmella wird in der kommenden Saison wiederholt im Ausland starten. Bereits am 20. März ist Oszmella eine Ver pflichtung nach Paris eingegangen. Ende April gastler der Kölner in Mailand und im Mai in Zürich. Peisterwaren, Nerde, Kinderwagen u. fertige Betten erhalten Sie in tadelloser Ausführung zu billigen Pleisen bei günst igster Zahlungsweise. Preie Lieferung. SeDI. Schurf, Witten Steinstrasse 1. * :— Arbeitsgemeinschaftd. # Kriegervereine u. der### valerländ. Verbände v 14 14 in Annen 14 14 B Am Vochetradertazt, 13. März er., treten die der Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Vereine und Verbände vormittags 9 Uhr zum Gemeinschaftl. Kirchgang auf der U Rüdinghauserstraße an. Abnarsch vom Samm splatz vünkilich 9¼ Uhr Nach der Kirche Marsch zum Kriegerdenbmal auf dem Markt; daselbst: Gesang=Vortrag des Annener Mäner Gesang=Vereins. Arsprache, Kranzniederlegung. Anschli ßend Abmarsch über MolikeRoon= und Wittenerstraße zum Westfl. Hof(Radtke) und Auflösung des Zuges. Abmarsch von den einzelnen Vereinslokalen um 8% Uhr. Anzug: Mütze, Orden und Ehrenzeichen. Namens der Vorstände: Nürkert, Major d. L. a. * Deutschhat. Veinsparter! Ortsgruppe Annen-Rüdinghausen. S Am Samslag, den 12. Närz, 3 Uhr abds,## im evangel. Vereinshause E Vortrag sser de deuische Ostmark — S thlerzu laden wir die Mitelieder mit S ihren Angehörigen und alle GesinnungsS freunde ein. S Der Vorstand. AoDel zu herabgesetzten Dreisen in niedagewesener Billigkeit. Küchen Schleinmmer von 235 Mk. an 475 Uk. 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Von der Gewerkschaftsleitung wird hierzu noch erklärt, daß die Unterzeichnung der Erklärung der anderen Gewerkschaften seitens des D. G. B. aus rein sachlichen und nicht aus politischen Gründen unterblieben sei. Nachstehend bringen wir nun auch die Erklärung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Abdruck. „Der dem Reichstag vorgelegte Entwurf zur Abänderung der geltenden Arbeitszeitverordnung hat nur eine der von den Gewerkschaften erhobenen Forderungen zur Regelung der Arbeitszeit durch Beseiligung der sogenannten„freiwilligen“. M. arbeit berücksichtigt. Angesichts der groben Mißbäuche, die sich entgegen den Absichten des Gesetzgebers aus der Anwendung des Paragr. 11, Absatz 3 ergeben haben, ist die Beseitigung dieser durch die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse überholten Vorschrift nicht nur unbedingt erforderlich, sondern auch wirtschaftlich tragbar. Darüber hinaus sind weitere Aenderungen der gegenwärtigen Arbeitszeitverhältnisse erforderlich, deren Endziel bei der Verabschiedung des endgültigen Arbeitsschutzgesetzes die Gewährleistung des achtstündigen Normalarbeitstages sein muß. Schon für die Zwischenregelung muß verlangt werden, daß, wenn zwingende wirtschaftliche Verhältnisse die Leistung von Mehrarbeit unbedingt erfordern, sie grundsätzlich nur auf dem Wege tarifvertraglicher Vereinbarungen erfolgen darf. Eine Ueberschreitung der gesetzlichen Normalarbeitszeit darf für die Arbeitnehmer, die unter besonderen Gefahren für Leben und Gesundheit arbeiten, überhaupt nicht zulässig sein. Der Deutsche Gewerkschaftsbund erklärt, daß der vorliegende Entwurf eines Arbeitszeitnotgesetzes den berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer nicht entspricht u. hält eine Reihe von Verbesserungen für unbedingt geboten. Er wird sich mit allen Kräften für die Verwirklichung seiner berechtigten und wirtschaftlich vertretbaren Forderungen einsetzen.“ * Zu dieser Erklärung gibt Bernhard Otte im „Deutschen", dem bekannten Organ der christlichen Gewerkschaften, in einem längeren Aufsatz Erläuterungen. Nach einer Kritik einzelner Bestimmungen des Gesetzentwurfs heißt es darin: Jeder, der im praktischen Leben steht, weiß, daß bei der Verabschiedung von Gesetzen mit gegebenen Moglichkeiten und parlamentarischen Mehrheiten gerechnet werden muß. Auch ist unbestritten, daß der Gesetzgeber nicht alles regeln kann, sondern daß noch Gebiete, die der Regelung zwischen den beteiligten Faktoren, Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorbehalten sind, übrig bleiben und übrig bleiben müssen. Man soll sich aber keiner Täuschung darüber hingeben, daß, besonders in Verbindung mit der auf Grund von Zwangsverhältnissen zuungunsten der Arbeitnehmer in den letzten Jahren geschaffenen Lage der vorliegende Entwurf einmütigen Widerstand in der Arbeitnehmerschaft auslösen muß. Die christlich=nationale Arbeitnehmerbewegung darf für sich in Anspruch nehmen, in den schlimmsten Notzeiten weitgehendes Verständnis für unumgängliche Maßnahmen an den Tag gelegt zu haben. Man kann ihr, nachdem heute wieder normale Verhältnisse vorliegen und zudem die Rationalisierung und Höherspannung der Leistungen in den Betrieben ganz andere Voraussetzungen für eine durchgreifende Arbeitszeitregelung geschaffen haben, nicht zumuten, sich mit gesetzlichen Notmaßnahmen abzufinden, die durchaus unzulänglich sind. Sie darf mit Fug und Recht mehr Verständnis für solche sozialpolitische Notwendigkeiten der Gegenwart, die auch durchaus wirtschaftlich tragbar sind, erwarten. Die bürgerlichen Parteien mögen vor allen Dingen bedenken, daß bei einem Versagen aus Anlaß dieser gesetzlichen Arbeitszeitzwischenlösung nicht nur eine gewaltige Enttäuschung bei der christlichnationalen Arbeiterschaft eintreten wird, sondern auch Folgen heraufbeschworen werden, die nicht nur für die Parteien selbst schwerwiegend sind, sondern auch, vom staatspolitischen Standpunkt aus gesehen, das Gegenteil von dem bewirken müssen, was alle um das Gemeinwohl innerlich Besorgten ernsthaft anstreben sollten. * Stegerwald gegen das Arbeitszeitnotgesetz. In einer in Fulda abgehaltenen Zentrumsversammlung erklärte Abg. Stegerwald, daß der Gesetzentwurf zur Regelung der Arbeitszeit auch den christlichen Gewerkschaften nicht weit genug gehe. Ihre dem Reichstag angehörenden Mitglieder werden dem Gesetz in der gegenwärtigen Fassung nicht zustimmen. stattete er dem hessischen Finanzminister Henrich einen Besuch ab. Am Abend kehrte der Reichsfinanzminister nach Berlin zurück. Ein Gnadengesuch Klems. Der von einem französischen Kriegsgericht zum Tode verurteilte deutsche Fremdenlegionär Klems, der sich bekanntlich als Generalstabschef Abd el Krims hervorgetan hat, hat durch Vermittlung des deutschen Außenamtes ein Gnadengesuch eingereicht. — Bauernbund und Reichslandbund. Das geschäftsführende Präsidialmitglied des Deutschen Bauernbundes, Hackbarth, sowie zahlreiche führende Persönlichkeiten des Bauernbundes, insbesondere die Kreisvorsitzenden aus den Kerngebieten u. sämtliche Geschäftsführer wenden sich in einem Aufruf gegen den Versuch, den„Deutschen Bauernbund“ in den sozialdemokratisch eingestellten„Reichsverband landwirtschaftlicher Klein= und Mittelbetriebe“ hinüberzuleiten, und fordern zum Uebertritt in den Reichslandbund auf. — Eine Informationsreise des deutschen Botschafters in Washington. Einer Meldung aus Newyork zufolge hat Botschafter von Maltzan seine bereits seit längerer Zeit geplante Reise nach den wirtschaftlichen Zentren des Südens und Westens der Vereinigten Staaten gestern angetreten. Botschafter v. Maltzan wird dabei den zahlreichen an ihn ergangenen Einladungen zum Besuch von Handelskammern und deutsch=amerikanischen Vereinen entsprechen. Ausland Deutsches Reich Dr. Köhler in Darmstadt. Der Reichsminister der Finanzen, der am Montag in Darmstadt weilte, besuchte zunächst das dortige Landesfinanzamt und behandelte in einer mehrstündigen Besprechung mit dem Chefpräsidenten und seinen Referenten die schwebenden technischen Fragen im Bereiche der Finanzverwaltung. Dann Frankreich. Die französische Verteidigungsvorlage. Die französische Kammer beendete die Aussprache über den Gesetzentwurf zur„Allgemeinen Organisierung der Nation in Kriegszeiten". Der von der Kommission vorgelegte Text wurde bei der Gesamtabstimmung ohne wesentliche Abänderungen mit 500 gegen 31 Stimmen angenommen. Gegen die Vorlage stimmten also nur die Kommunisten. Eine längere Diskussion verursachte Artikel 15, der die Regierung ermächtigt, bereits zu Friedenszeiten probeweise eine Mobilmachung der Nation durchzuführen. Der Artikel wurde schließlich mit einem Zusatz Paul Boncours angenommen, wonach eine Teilmobilmachung ausgeschaltet sein soll. Italien. Intervention des Papstes. Wie aus Moskau gemeldet wird, beabsichtigt der Papst, Schritte zu unternehmen, um das Schicksal der gefangenen katholischen Geistlichen in der Sowjetunion zu erleichtern. Es sollen etwa 300 Geistliche katholischer Konfession in russischen GefängnisDas grosse Graden 47.) Roman von H. A. von Byern. (Nachdruck verboten.) „Terofal in der Oed, am 22. April 1903. Mein liebes, altes Tagébuch! Hab' ich dich so arg vernachlässigt in all' den letzten Monaten und hätte doch so viel zu berichten gehabt von den Reisen, von— meinem Glück!— Aber am wohlsten fühle ich mich doch hier in Terosal in der Oed... Hat mir eigentlich gar nicht gepaßt, daß der Vinzenz gleich einen Gast geladen hat— natürlich„Alterle“, seinen Herzensbruder— auf den läßt er nichts kommen. Diesmal gefällt mir der Freund schon besser, treu und zuverlässig— ja, das mag er wohl sein, aber auch verschlossen, man wird nicht klug aus ihm.“ * „Am 24. Abril. Und ihre Taten folgen ihnen nach...“ Vor ein paar Sekunden habe ich Nachricht bekommen von ihm... dem anderen... Eigentlich gar nichts, worüber ich hätt' erschrecken müssen, nur wenige Zeilen:„Gnädige Frau! Vielleicht interessiert es Sie, daß ein alter Freund— so darf ich mich doch heute noch nennen, nicht wahr?— in Ihre Nähe kommt. Auf mein wiederholtes Ansuchen hin bin ich vom 1. April ab in das ärarische Terofal versetzt worden, treffe am 25. ein und— hoffe auf recht gute Nachbarschaft falls Sie sich meiner überhaupt noch erinnern sollten. Mit ergebenstem Handkuß— Sandor von Mansar.“— Also doch!— Doch! Immer war mir's, als müßte die alte Schuld noch einmal Sühne fordern... Schuld?!— Sühne?! Nur nichts bereuen!“ „„„Am gleichen Tage. Gott sei Lob und Dank—„Alterle“ ist abgereist der Mensch war mir unheimlich. Ja, unheimlich, das ist das richtige Wort. Irgend etwas hat der gespannt gehabt...! Am Vormittag kam der Niki Pernegg, plauschte über dies und jenes— natürlich auch von der Pensionierung des alten Forstmeisters Lechpointner, und daß ein Landsmann von mir an seine Stelle kommen wird— hat aber den Namen nit gewußt... Ich werde weiter sehen ** rss *„Terofal in der Oed, am 23. Juni 1903. „Sind wir also wieder daheim. Was bin ich doch für ein Tschaperl gewesen, habe mir Gedanken gemacht um nichts und wieder nichts. Der Herr von Mansar rührt und regt sich nicht, seit ich seinen Brief unbeantwortet ließ, nicht einmal zu freundnachbarlichen Besuch war er bei uns.... desto besser.“ „Eine Woche danach. Wenn man nur etwas beruft...! Wie ich heut“ im Seckar birsch, hör' ich wie über mir Steine abBöorgnigsi..::„Guten Tag, Frau Tutonin. Grad' auf der Grenzschneid' steht der Oberförster von Mansar, keine hundert Meter entfernt, steigt langsam ab:„Nun sehen wir uns also doch noch einmal wieder— dacht' schon, Sie hätten mich vergessen...“ Mit aller Willenskraft reiß ich mich zusammen:„Guten Tag, Herr von Mansar, das liegt nur an Ihnen— Sie hätten ja bei uns Besuch machen können!“„Wirklich? Aber mir ist ein Zusammentreffen ohne Zeugen lieber und... seit vier Wochen bin ich hier droben an der Grenze, jeden Tag, habe gewartet..“—„Gewartet?"... „Auf dich!“„Herr von Mansar!!“ Alles Blut schießt mir zum Herzen:„Ich bitte... verlassen Sie mich... auf der Stelle!“ Er lächelte nur: „Ganz, wie Sie befehlen, Frau Baronin, ich werde also den schuldigen Antrittsbesuch nachholen und Ihrem Herrn Gemahl eine kleine Geschichte erzählen ... von einer jungen Dame, die aus dem kaiserlichköniglichen Leibgehege einen kapitalen Sechzehnender wilderte, die ihr Wort gab“ Hell auf habe ich gelacht:„Meinen Sie, daß Ihnen mein Mann solche Räubergeschichten glaubt?“— Wieder dieses infame niederträchtige Lächeln:„Vielleicht doch, ich habe einen Zeugen, meinen ehemaligen Kutscher, er ist mir hierher gefolgt und.... wollen Sie sich vielleicht mal dies Bildchen ansehen?“ Aus seiner Joppentasche holte er einen Umschlag, nimmt eine Photographie heraus:„Sie können es zum Andenken behalten— ich habe noch mehrere Abzüge....“ Rot und schwarz wird mir vor den Augen, mechanisch greife ich nach dem Lichtbild... Gott im Himmel, da stehe ich neben dem Hirsch, stehe auf der Janowiczwiese, jedes Kind würde die Kanzel wiedererkennen... Wann... wann haben Sie das aufgenommen?!“ frag ich atemlos.„Damals, in einem unbewachten Augenblick.“—„Und wissen Sie auch, daß es Ihnen die Uniform kosten kann?!"„Mir?“ Er lacht, daß die festen, weißen Zähne wie das Gebiß eines Raubtieres schimmern. „Mir?! Ja, glauben Sie denn, daß mein Leben noch Wert hat?!“... Es ist mir, als drehte sich alles um mich im Kreise,... nur jetzt die Besinnung behalten:„Herr von Mansar... was wollen Sie von mir?“—„Nichts... vorerst nichts.... das weitere findet sich wohl.. Habe die Ehre, Frau Baronin!“. Und ist weggegangen, hat mich stehen lassen, ist gegangen, ohne sich noch einmal umzuschauen...“ „Terofal in der Oed, am 20. Juli 1905. Vier Wochen lang hab' ich Ruh' gehabt. Dann kommt heut früh mit der Post ein Brief, der Vinzenz war Gott sei Dank nicht zugegen.. Poststempel fehlt, der alte Bote steckt ihn mir zu...„Ich soll gleich Antwort bringen!".. Wie Blei lag mir's in den Gliedern als ich den Umschlag aufreiße, bloß zwei Zeilen, flüchtig hingekritzelt:„Erwarte dich heute nacht um zwei Uhr im Terofaler Park an der Westmauer, dort wo die Steinbank steht. Habe Dir Wichtiges zu sagen. S. v..“ Der Unverschämte!! Aber dann kommt die kühle Ueberlegung.. könnt' ja sein, daß die Sache mit Geld aus der Welt zu schaffen ist... mein halbes Vermögen gäb ich hin, oder... am End' ist er gar versetzt worden.... Es ist gut, ich werde gehen.. „Einen Tag.später. In mir brennt die Scham... Es ist aus, alles ::.:„Dich will ich...“ Dich! Ich habe ein Recht auf vich!!“ Das waren seine Worte, und dann ein heißes, leidenschaftliches Gestammel:„Du... Du... ich vergehe vor Sehnsucht nach dir..“ —„Herr von Mansar!! Ich bin... verheiratet!!“ Er stiert mich an:„So mach' dich frei, oder — dein Mann weiß ja nichts, wird nichts entbehren.“ Mit aller Kraft stoße ich ihn zurück, jage den schmalen Kiesweg entlang, höre hinter mir seinen keuchenden Atem... Und stehe dann in meinem Zimmer, kann mich kaum noch auf den Füßen halten... Also das will er. das...Treubruch... lieber mein Leben!“ * „Am 10. Oktober 1903. Grundgütiger Gott im Himmel, kann denn eine Schuld so schwer gestraft werden?! Müssen auch Unschludige leiden?!— Noch zweimal habe ich den Sandor von Mansar wiedergesehen, habe mich aus dem Haus geschlichen wie eine Diebin, bin gegangen, weil... weil ich es nit ertragen könnt', wenn der Vinzenz die Wahrheit erführe, weil ich noch immer gehofft habe, der... der andere würde mich freigeben... umsonst! Eher hätt' ein Stein Erbarmen! Und beide Male hat mein Mann mich bei der Heimkehr überrascht... Lügen hab' ich müssen und— schweigen. Schweigen auch darüber, daß ich dem Herrn von Mansar eine Pistole vor die Brust gehalten habe, als er mich zwingen wollte... zwingen mit Gewalt.— Mit einem Fluch hat er mich freigegeben.„Das zahlst du mir— das und die alte Schuld— ich lasse dir die Wahl, wenn ich ihn treffe, ihn, der dich mir genommen hat, dann schieß' ich ihn nieder...“ Die Leute reden schon darüber, haben mich gesehen nachts, sagen, ich sei ein Werwolf... Nur einer kann helfen, einer, zu dem ich Vertrauen hab'... obwohl ich ihn fürchte ... das Telegramm ist befördert— jetzt gibt es kein „Zurück" mehr. Und das ist gut so... Bis zum 18. Oktober hat mir der Sandor von Mansar Frist gegeben.. eine Galgenfrist, aber doch ein Aufschub...“ „„Zwei Tage danach. Nun bin ich ruhiger... der Freund des Vinzenz ist da... natürlich, die beiden halten zusammen wie die Kletten, und— mein Hilferuf war ja dringlich genug! Es kommt alles zusammen. Wohl hundertmal hab' ich den Vinzenz gebeten, daß wir reisen wollen, hab' ein Märchen erfunden, ich müsse in Kis=Erdö nach dem Rechten sehen— vergeblich. Wie eine Krankheit ist das über meinen Mann gekommen. Keine ruhige Minute hat er mehr, ist ganze Tage, halbe Nächte draußen im Revier, des geheimnisvollen Wilderers halber und wegen dem„Bauernschreck". Soll ein zugewechselter Wolf sein oder ein Hund— was weiß ich. Aber den Wilddieb glaubte ich zu kennen... Und in mir ist eine zitternde Angst, ein grauendes Bangen... weun dem Vinzenz etwas geschieht, wenn... wenn der andere ihn aus dem Hinterhalt niederschießt, dann bin ich die Schuldige... bin eine Mörderin...“ * „Am 13. Oktober. Gott im Himmel, ich danke dir! Danke dir! Hat mich mein Vertrauen in den Freund meines Mannes doch nicht getrogen. Der Vinzenz will abreisen ... am 20., zwei Tage nach der Frist, die mir der Sandor von Mansar gegeben hat. Aber darum ist mir nit bang', werd' ihn schon hinhalten, und er ist sen festgehalten werden. Der Papst soll die Sowjetregierung um die Freilassung der katholischen Geistlichen ersucht haben. China. Gegen bolschewistische Agitatoren. Einer Meldung aus Peking zufolge ist ein Sowjet=Handelsschiff von Weißgardisten der Schantungtruppen beschlagnahmt worden, die Passagiere wurden gefangen genommen, darunter Frau Borodin, die Gattin des Ratgebers der kantonesischen Regierung, die nach Tukau übergeführt wurde. Tschantsolin gab den telegraphischen Befehl, alle Passagiere des beschlagnahmten russischen Dampfers mit Ausnahme von Frau Borodin hinzurichten. Dieser Befehl beziehe sich auf mehrere Russen und Chinesen. Es wird gemeldet, daß Frau Borodin und ihre Landsleute in Tsinanfu unter starker Bewachung eingetroffen sind. Die Sowjet=Mission in Peking forderte in einer Protestnote ihre sofortige Freilassung. Aus der Deutschenk Turnerschaft Die Teilnahme amerikanischer Turner am Deutschen Turnfest 1928 in Köln. In allen amerikanischen Turnvereinen wird bereits jetzt eifrig zu einer Massenteilnahme an dem Deutschen Turnfest gerüstet, das 1928 in Köln stattfinden wird. So hat der Newarker Turnverein auf Grund der Auregungen des Turners Rasack, der früher einem Turnverein in Deutschland angehörte und dem Newarker Turnverein viele wertvolle Anregungen geschenkt und ihm Wege zu einem glänzenden Aufstieg gewiesen hat, beschlossen, mit Rücksicht auf das Deutsche Turnfest wirksamere Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Turnvereine anzustreben und Zusammenturnen zu veranstalten. Auch soll auf Grund der Anregungen von Rasack eine Bezirksriege für das Deutsche Turnfest zusammengestellt werden. Es ist erfreulich, daß die werbende Kraft des Deutschen Turnfestes in den Turnvereinen Nordamerikas, deren Mitglieder sich zum großen Teil aus ehemaligen Mitgliedern der Deutschen Turnerschaft zusammensetzen, einen so erfreulichen Widerhall gefunden hat, daß Tausende sich rüsten, um beim Deutschen Turnfest zugegen zu sein. * Werbearbeit für deutsches Turnen in Südamerika. Die Ausreise des Turn= und Sportlehrers Herbert Strauß, der für die Deutsche Turnerschaft und den„Verein für das Deutschtum im Auslande“ in den deutschen Schulen und Vereinen aller Staaten Südamerikas für neuzeitliches Turnen werben soll, ist auf Anfang Mai festgesetzt. Die Reise wird eingehend vorbereitet und nach den verschiedensten Richtungen ausgewertet. Sie gliedert sich folgendermaßen: Juni bis August 1927, Brasilien und Uruguay; September bis Dezember 1927, Argentinien und Paraguay; Januar bis März 1928 Chile; April bis Juni 1928, Bolivien, Eruador dbis Mexiko. wieder der Betrogene.. grad wie damals!— Ganz ausgewechselt ist mein Mann, keine Spirituosen mehr Revier, rührt keinen Wein, keine Spirituosen mehr an...„I hab's dem„Alterle“ versprochen", hat er mir anvertraut:„Du, der hat mir aber scharf ins Gewissen geredet...“ Ist schon recht, wenn selbst meine Bitten nichts mehr helfen, muß halt gröb’re: Geschütz anfahren... Der„Bauernschreck" lebt immer noch und der geheimnisvolle Wilderer treibt nach wie vor sein Unwesen.— Heimlich hab' ich mit dem Jackl gesprochen: Tausend Gulden Belohnung, wenn er oder der Franzl den Lumpen abliefern, aber nit lebend... Tote können nichts mehr ausplaudern, und geht ja auch alles mit rechten Dingen zu; im Gebirg gilt nur ein Gesetz:„Der Geschwind're — der Gesünd're.“ Einmal muß es zu einem Zusammenstoß kommen, und dann... bin ich frei frei! Wenn nur der Vinzenz nit so arg mit den Nerven herunten wär'... na, das ist die geringste Sorge, sein„Alterle“ wird auch da die rechte Arznei zu finden wissen...“ * „Schloß Terofal in der Oed, am 18. Okt. 1903. Und nun hab' ich doch wieder einen Brief bekommen von Sandor von Mansar... Auf dem Fenstersims hat das Schreiben gelegen in der Früh', und draußen im Schnee sah man noch die Fußspuren ... Sind nur wenige Zeilen gewesen:„Erwarte Dich um elf Uhr an der Steinbank, muß Dich noch einmal sehen und sprechen oder...“ Das soll eine Drohung sein! Also nun grad nit, hat ja auch keinen Zweck, übermorgen reisen wir und... jetzt hab ich den Mut gefunden, in Kis=Erdö werde ich dem Vinzenz alles sagen, dann mag kommen, was da will, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrekken ohne Ende!“ „Am selbigen Abend. Die beiden Herren sind mit dem Jackl noch einmal ins Regier gegangen zum Ansitz auf den sagenhaften Bauernschreck. Wenn sie nur erst wieder daheim wären! Immer ist mir's, al, müßt' heute noch irgend etwas geschehen... Im Zimmer ists unerträglich warm, habe das Fenster geöffnet und lasse mir die heiße Stirn von der kalten, herben Schneeluft kühlen. Droben hebi die Turmuhr aus, ein Viertel nach elf... nun hat der Sandor von Mansar umsonst gewartet—“ Hier brach die Schrift ab, ein langer, schräger Strich quer über die ganze Seite, so als sei der Schreiberin die Feder ausgeglitten und darunter ein winziger roter Punkt— Blut. Regungslos saß ich und starrte in das Kaminfeuer. Graue Asche lag auf den matt glimmende## Scheiten, trübe flackerte die Lampe, zuckte noch ein mal und erlosch dann... Mit einer scheuen, fas. zärtlichen Bewegung strich ich über das weiche, kühle Leder des Einbandes hin... die Beichte einer Toten und... eine Rechtfertigung... Draußen auf dem Hofe knarrte ein Pumvenschwengel, leise ganz leise zirpten die Heimchen hin ter der Verschalung des Kamins... Ich blickte auf Gen Osten wurde es hell, opalisierendes Dämmerlicht säumte den Horizont, ging über in einen zart rese getönten Schein, und nun schossen funkelnde, flammende Strahlengarben empor, tauchten alles in ein Meer voll Licht und Glanz... Der neue Tag war erwacht.... — Ende.— * Die unrentable Reichspost. Nur 4 Prozent Ueberschuß. Im Haushaltsausschuß des Reichstags gab Reichspostminister Schätzel eine Uebersicht über die Verlehrs= und Wirtschaftslage der Deutschen Reichspost. Er stellte dabei fest, daß infolge der Wirtschaftskrise der Briefverkehr im Sommer 1926 abgenomwien habe, dann aber bis zum Dezember wieder gestiegen sei. Im Geldverkehr zeigten sich ähnliche Schwankungen. Der Postscheckverkehr habe zugenommen. Der Kraftwagenverkehr werde zurzeit mit rund 7000 Kraftfahrzeugen auf etwa 1500 Kraftfahrlinien betrieben. Der Luftverkehr habe um 105 vom Hundert zugenommen. Besondere Aufmerksamkeit werde die Reichspost dem Nachtflugverkehr zuwenden. Die Zahl der Fernsprechanschlüsse sei von 2,54 auf 2,64 Millionen im letzten gestiegen. Die Seekabelverbindung werde durch ein Kabel Schweden=Ostpreußen erweitert werden. Die Glückwunschtelegramme auf besonderen Formularen haben sich gut eingeführt. Im Durchschnitt werden monatlich 50000 befördert. Die Zahl der Rundsunkteilnehmer betrug am 1. Februar 1927 rund anderthalb Millionen, das sind rund 261 000 mehr als am 1. April 1926. Zurzeit werden in Deutschland von zehn Rundfunkgesellschaften im ganzen 22 Rundfunksender betrieben. Wegen Errichtung eines weiteren Senders im Rheinland schweben Verhandlungen. Ferner ist der Bau eines Rundfunksenders in der Pfalz bei Kaiserslautern in die Wege geleitet. Von den verschiedenen Bildfunksystemen scheint das deutsche System das bei weitem leistungsfähigste zu sein. Die bisherigen Versuche sind zufriedenstellend ausgefallen. In der Aussprache bezeichnete der deutschnationale Abgeordnete Quaatz die wirtschaftliche Lage der Post als außerordentlich traurig. Ihr Ueberschuß betrage nur vier Prozent gegen 25 Prozent bei der Reichsbahn. Der Minister konnte dieses unbefriedigende Ergebnis nur bestätigen. Die Ausgaben hätte die Post bis zur Grenze des Tragbaren abgedrosselt. Mit der bloßen Anleihepolitik lasse sich die Gesundung der Postfinanzen nicht durchführen. Im Ministerium selbst solle weiter abgebaut werden. Nach Annahme einer Reihe von Entschließungen wurde der Postetat und der der Reichsdruckerei genehmigt. Volisleben und Wirtschaft. Beginn der Leipziger Frühjahrsmesse. Ueber 100 000 Besucher am Eröffnungstag. Starker Zustrom aus dem Auslande.— 9300 Aussteller.— Lebhafte Nachfrage. Leipzig, 8. März. Die Leipziger Frühjahrsmesse hat a mSonntag unter günstigen Vorzeichen begonnen. In den Messehäusern setzte der Verkehr ehr lebhaft ein, und auch das Gelände der technischen Messe hatte zahlreichen Besuch. Die Zahl der geschäftlichen Messebesucher überschritt am ersten Messetag bereits 100000. Mehr als hundert Sonderzüge mit Messebesuchern; trafen auf dem Leipziger Hauptbahnhof ein, darunter acht aus dem Auslande. Namentlich der Zuzug aus Berlin dem Rheinland, den Hansestädten, aus Schlesien und Ostpreußen ist sehr lebhaft. Die Zahl der Besucher aus dem Ausland beträgt bisher 23.000, darunter sind 600 Aussteller. Die Gesamtzahl der Aussteller auf der Frühjahrsmesse beträgt 9300. Die Meffe steht im Zeichen einer Besserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Deswegen begegnet man auch überall einer zuversichtlichen optimistischen Stimmung. Bedarf an Waren ist in hohem Maße vorhanden. Da das Weibnachtsgeschäft gut war und die Inventurverkäufe günstigen Erfolg hatten, sind die Lager größtenteils geräumt, und die Leipziger Messe bietet Gelegenheit, die Warenbestände aufzufüllen und zu erneuern. Daher brachte auch schon der Sonntag den verschiedenen Branchen lebhafte Nachfrage, die vielfach bereits zum Abschluß von Geschäften führte. Angesichts der aufstrebenden Konjunktur will sich der Handel rechtzeitig zu den heute sehr günstigen Preisen eindecken. Durchweg zeigte die Preisgestaltung, daß die deutsche Ware auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähig ist. Die Diplomaten in Leipzig. Bei einem Frühstück, das das Messeamt den die Messe besuchenden ausländischen Divlomaten gab, begrüßte der Oberbürgermeister die Gäste im Namen der Stadt Leipzig. Er gab in seiner Rede seiner Genugtnung darüber Ausdruck, daß die diplomatischen Vertreter der Länder, aus denen Aussteller und Besucher zur Messe gekommen seien, in der Lage seien, sich nun selbst ein Bild darüber zu machen, was die Leipziger Messe für ihre Länder bedeute. Für die ausländischen Vertreter dankte der italienische Botschafter für die Einladung, der sie mit großem Interesse Folge geleistet hätten, weil die Bedeutung der Leipziaer Messe weltbekannt sei.— Der zweite Messetag brachte eine weitere kräftige Zunahme des Verkaufsgeschäfts in den verschie densten Brauchen. Neue Einkäuferscharen aus dem Inund Auslande, die am Montag ankamen, erwiesen sich als Faktor weiterer Belebung. Eine genaue Schätzung des Einkäuferbesuches ist noch nicht möglich. Die Zahl der ausländischen Messebesucher kommt jetzt bereits an 25.000 heran. Güterverkehr mit Frankreich und Belgien. Bisher war im Güterverkehr mit den belgischen, französischen und luxemburgischen Bahnen die Nachnahme auf höchstens 200 Mark beschränkt. Diese Beschränkung ist am 1. März aufgehoben worden und es ist jetzt Nachnahme in der Höhe des Wertes der Sendung zugelassen. Aus aller Welt Der Kraftwagen auf dem Bürgersteig. Greisswald, 9. März. Hier stieß ein Mietskraftwagen mit einem Motorrade zusammen, wobei das Auto auf den Bürgersteig geriet. Bei dem regex Verkehr kamen mehrere Vorübergehende zu üben. Ein Herr erlitt einen Beinbruch, vier andere Personen zogen sich schmerzhafte Verletzungen zu. Der Motorradfahrer trug erhebliche Kopfverletzungen davon. Am Grabe des Grasen Zeppelin. Stuttgart, 9. März. An der Ruhestätte des unvergeßlichen Zeppelin in Stuttgart hatte sich aus Anlaß seines zehnjährigen Todestages eine größere Anzahl Getreuer eingefunden. Die Stadtverwaltung, deren ehemaliger Ehrenbürger Zeppelin war, ließ einen Kranz, geschmückt mit den Farben der Stadt Stuttgart, niederlegen. Der Württembergische Luftfahrtverband hatte eine Abordnung entsandt, die ebenfalls einen Kranz niederlegte. Durch Abwerfen von Kranzspenden ehrten die Flieger aus Böblingen, die über dem Grabe Zeppelins kreisten, den großen Toten. Eine Majorssamilie als Zechpreller. Hirschberg, 8. März. In Schreiberhau wurde auf Veranlassung der Polizei in Flinsberg ein Major a. D. Eduard v. Müller aus Berlin, seine Frau und sein erwachsener Sohn verhaftet. Die Festgenommenen, die in das Hirschberger Gerichtsgefängnis eingeliefert wurden, haben in Flinsberg Zechprellereien verübt. Sie wurden von mehreren Staatsanwaltschaften, darunter von Berlin und Elberfeld wegen Betruges und Zechprellerei steckbrieflich verfolgt. Sie hielten sich in Flinsberg unter falschem Namen auf. Die Schrecken der Erdbebenkatastrophe in Japan. Tokio, 9. März. Die Gesamtzahl der Opfer des Erdbebens in der Provinz Tango wird auf über 1000 geschätzt. Aus Flugzeugbeobachtungen ergab sich, daß zwei Drittel der Stadt Mineyama durch Feuer zerstört worden sind. Das Erdbeben scheint ebenso stark gewesen zu sein, wie dasjenige vom Mai 1925. Zahlreiche kleinere Städte sind ganz oder teilweise zerstört. Berlin, 9. März. Wie die Abendblätter aus Tokio melden, ist allein in der Provinz Kioto bis jetzt eine Gesamtzahl von 1229 Todesopfern des Erdbebens festgestellt worden. Fünf Städte gelten als vollkommen vernichtet. Der Distrikt von Miniama ist am schwersten betroffen worden. Bisher wurden hier über 1000 Tote und nahezu 600 Verletzte gezählt. In der Stadt Iwataka sind 1890 Häuser zusammengestürzt und verbrannt. Furchtbare Flutwellen, die über die Küstenstädte hereinbrachen, vollendeten das Zerstörungswerk des Erdbebens, das noch furchtbarer erscheint, als das Erdbeben von 1925. In Osaka soll durch das Erdbeben ein Kino zusammengebrochen sein und 80 Personen unter den Trümmern begraben haben. Da zwischen Tokio und Südjapan durch das Erdbeben alle telephonischen und telegraphischen Verbindungen unterbrochen sind, kann man sich über den Umfang der Katastrophe noch kein genaues Bild machen. So liegen aus den Provinzen Tamba, Targo und Tagima noch keine Nachrichten vor. In Tokio selbst, das diesmal vom Erdbeben verschont blieb, wurde das Erdbeben nur wenig verspürt. Es genügte jedoch, daß sich in dem großen Hotel„Imperial“ unter den Hotelinsassen eine schwere Panik verbreitete und bei der ersten Erderschütterung alle auf die Straße stürzten. 2000 Tote. Tokio, 9. März. Die Zahl der bei dem Erdbeben ums Leben Gekommenen wird jetzt mit über 2000 angegeben 50000 Menschen sind obdachlos geworden. In Mineyama allein sind ungefähr 1000 Personen getötet und mehrere 1000 verletzt worden. Die Straßen sind buchstäblich mit Leichen übersät. Alle Städte des Tango=Distrikts sollen zerstört sein. Der Schaden in der Provinz Kyoto ist ebenfalls außerordentlich groß. Die Städte Ishikara, Ichiba und Lamada sind fast völlig zerstört. — Ueberfall auf einen Berliner Kraftwagenführer. In Berlin wurde ein Kraftdroschkenführer von einem Manne zu einer Fahrt nach Bernau gedungen. Auf der Landstraße zwischen Rüdnitz und Biesenthal feuerte der Fahrgast plötzlich fünf Schüsse auf den Wagenführer ab, die sämtlich fehlgingen, worauf der Fahrgast flüchtete. Der Autoführer fuhr nach Bernau und erstattete dort Anzeige. Die Ermittlungen der Poltzei wurden sofort aufgenommen. — Ungelegte Eier ohne Schale. In Bischofstein (Ostpreußen) machte ein als Hühnerzüchter bekannter Schlachthofverwalter bei einem seiner Legehühner die Beobachtung, daß ein Huhn, das sonst jeden Tag ein Ei hatte, innerhalb vierzehn Tagen nicht eins legte. Da auch die Freßlust bei dem Tiere nachließ, entschloß sich der Mann auf tierärztlichen Rat, das Huhn zu schlachten. Dabei stellte sich heraus, daß dieses in der Bauchhöhle sieben völlig normale Eier hatte, denen indes die Schale fehlte. Jedes der Eier hate ein Gewicht von 110 Gramm. — Beim Zahnziehen festgenommen. In letzter Zeit hatten Einbrecher es besonders auf ein Lombardhaus in der Lützowstraße in Berlin abgesehen. Dieses hatte im Laufe von nur zwei Monaten nick: weniger denn dreimal den Besuch ungebetener Gäste zu verzeichnen. Beim letzten Embruch hatten die Diebe für 40,000 Mark Pelze mitgehen heißen. Jetzt ist es der Kriminalpolizei gelungen, die Spitzbuben festzunehmen und die Beute wieder zur Stelle zu schaffen. Der eine der Einbrecher wurde verhaftet, als er gerade im Begriff stand, sich einen Zahn ziehen zu lassen. Er mußte vor beendeter Operation den Operationsstuhl verlassen und den Kriminalbeamten folgen. — Das Ende vom Liede. Der seit etwa zwei Wochen vermißte Sparkassen=Oberinspektor der Kreissparkasse„Danziger Niederung“ ist im Scheiertal bei Zoppot erschossen aufgefunden worden. EEs handelt sich um einen Selbstmord. Der Seibsts im 40 steht im Zusammenhang mit den bereits gemeldeten Unregelmäßigkeiten bei. der Städtischen Sparkasse in Danzig. — Lebendig verbrannt. In Kleinrühden(Hannover) wurde die Frau eines Schachtmeisters völlig verkohlt ausgesunden. Die an Rheumatismus leidende Frau muß in der Nacht dem Ofenfeuer zu nahe gekommen sein und ist dabei bei lebendigem Leibe verbrannt. —„Vater Rhein“ in Flammen. In dem„Gasthaus zum Vater Rhein“ in Rhens, das aus dem 12. Jahrhundert stammt, brach Feuer aus. Das Oekonomiegebäude mit den darüberliegenden beiden Wohnungen, der Tanzsaal und das Dach des Hauptgebäudes wurden von den Flammen erfaßt. Das Oekonomiegebäude und die beiden Wohnungen brannten vollständig nieder. Im Hauptgebäude ist das Dach mit dem historischen Giebel abgebrannt. — Der Fernschnellzug Hoek van Halland— Basel entgleist. Infolge Schienenbruchs entgleiste zwischen Troisdorf u. Friedrich=Wilhelmshütte(Rheinland) der Fern==Zug Hoek van Holland—Basel. Lokomotive und Packwagen sprangen aus dem Gleise und konnten erst 100 Meter weiter zum Hakten gebracht werden. Personen kamen nicht zu Schaden. Mit einer Reservemaschine konnte der Zug mit etwa 2 stündiger Verspätung seine Fahrt fortsetzen. An der Unfallstelle werden gegenwärtig Oberbauarbeiten ausgeführt, so daß der Zug nur mit 25 Klm. Stundengeschwindigkeit fuhr. Eine Untersuchung ist im Gange. 1 — Kein Angebot auf eine Schillerkocke. Im Dorotheum zu Wien fand kürzlich eine Versteigerung statt, bei der unter anderem auch eine Locke Schillers angeboten wurde. Obwohl von Fachleuten der Versteigerungswert auf 400 Schilling veranschlagt worden war und darauf im Einverständnis mit dem Besitzer zur Erzielung einer regen Beteiligung der Anschlagspreis auf 100 Schilling herabgesetzt war, erfolgte keinerlei Angebot, so daß die Schillerlocke unverkauft blieb. — Die„Emden“ in Sumatra eingetroffen. Der deutsche Kreuzer„Emden“ ist in Padang gelandet. Er wurde von der Bevölkerung und den Behörden herzlich empfangen. Die Offiziere und ein Teil der Mannschaften nahmen an einem von den Gemeindebehörden veranstalteten Festabend teil. verschiedenes dem Leben der Königin Luise. (Zum 10. März.) * Die Königin Luise liebte das freundliche Freienwalde und verweilte besonders gern unter den Buchen und Eichen dieses Badeortes. Als sie dort einstmals nach dem Essen mit besonderem Behagen Kaffee getrunken hatte, reichte sie die leere Tasse dem Diener zurück und sagte:„Man trinkt doch nirgends besser Kaffee, als in Freienwalde". Worauf der Diener bemerkte:„Ja, Eure Majestät, das macht eben das moralische Wasser.“ Alles lachte, und der alte Diener, der seit vielen Jahren redlich u. treu der Königin diente, stand verwirrt da. Die Königin Luise nahm mit freundlichem Lächeln das Wort:„Ich glaube, wir haben unseren guten Heinrich nicht verstanden. Mir will's scheinen, als ob er eine ernste Wahrheit gesagt hütte, denn wer mit Nutzen und Erfolg eine Brunnenkur gebrauchen will, der muß einfach und mäßig leben, so daß das mineralische Wasser zugleich ein moralisches werde. Also, lieber Heinrich, ich bitte um ein Glas mineralisch=moralisches Wasser.“ Einst kam der Königin Luise zu Ohren, daß ihre Söhne, die eine besondere Vorliebe für Obst hatten, die Aepfel, Birnen, Pfirsiche ufw. in größter Hast verzehrten. Sofort erteilte die Königin den Befehl, daß von nun an jedes für die Prinzen bestimmte Stück Obst in dreißig Papiere gehüllt werden solle. Noch im höchsten Alter erinnerte sich der alte Kaiser an diese Maßregel und sagte oft scherzend:„Mir wurde von Jugend auf nichts leicht gemacht, so kostete mich selbst der Genuß eines rotbakkigen Apfels ein großes Stück Arbeit.“ Dex tägliche Tischgenosse der königlichen Familie war der Herzensfreund des Königs, der Generalleutnant von Köckeritz. Schon längst hatte die Königin Luise bemerkt, daß Köckeritz nach beendeter Tafel, schneller als ihr lieb war, sich zu entfernen pflegte. Allen Fragen war der General ausgewichen und auch der König kannte den Grund nicht. Die Königin forschte nach der Ursache und erfuhr. daß es dem Alten Herrn eine liebe Gewohnheit war, gleich nach Tisch seine Pfeife zu rauchen, und als er des anderen Tages sich wieder wie bisher entfernen wollte, trat die Königin Luise, eine gestopfte Pfeise, den brennenden Wachsstock und den Fidibus in der Hand, zu ihm hin: „Nun, lieber Köckeritz, heute sollen Sie uns nicht entwischen, Sie müssen hier bei uns Ihre gewohnte Pfeife rauchen.“ „Das hast du, liebes Kind,“ sagte der König, „charmant gemacht." P. v. Z. Wo befindet sich die Alteste Uhr? Die Pfarrkirche zu Rye, in der englischen Grafschaft Sussex, darf sich rühmen, die älteste Uhr der Welt zu besitzen, die heute noch zu allgemeiner Zufriedenheit den Leuten des Kirchspiels die Zeit mit pünktlicher Genauigkeit anzeigt. Sie stammt aus dem Jahre 1515 und erfreut sich also eines recht beträchtlichen Alters. Das Uhrwerk ruht in einem Gerüst aus Gußeisen, die Zeiger sind aus Schmiedeeisen. Der Pendel ist ungefähr sechseinhalb Meter lang. Die Uhr muß täglich werden. zwretmaol aufgenagen mord des im=0. Lebensjahre stehenden Serowy Eine Universität für Regerinnen. Auf den gewöhnlichen Kollegs der Universttäten in den Vereinigten Staaten ist für die Negerin kein Platz, da dort ein Weißer nicht einmal in dem gleichen Hause wohnen oder in derselben Straßenbahn fahren will, die ein Reger benutzt. Mit Hilfe einer Sammlung wurde nun eine Universität für schwarze Hörerinnen in Albuquerque errichtet. Die Lehrer sind allerdings überwiegend Weiße. Die meisten bedeutenderen weißen Lehrer wiesen erst das Angebot, an dieser Universität zu lehren, mit Entrüstung ab und erklärten sich zur Uebernahme eines Lehrstuhls nur dann bereit, wenn kein schwarzer Lehrer eingestellt würde. Später ist indes eine Einigung zustande gekommen. In der Universität werden weibliche Aerzte und Rechtsberater ausgebildet. Weiter erhalten die Negerinnen Unterricht auf allen Gebi en der Kunst. Nehenher wird auch Sport getrieben, der aber bei den Negerinnen keine Gegenliebe findet. Vor der Aufnahme in die Universitä müssen die Negerinnen sich einer Prüfung unterziehen. Bei der Eröffnung hat sich herausgestellt, daß nur etwa drei Prezent aller aufnahmelustigen Nizerinnen den Ansprüchen, die an sie gestellt wurden, genügten. Dem Frühling entgegen! Wer kennt nicht den Zauber des Wortes„Frühling“, von dem alt und jung erfußt werden, sobold Frau Sonne beginnt, dem gestrengen Herrn Winter ihre Macht fühlen zu lassen. Inwillkürlich weitet sich das Herz, damit ihm ja nichts von der Wunderwirkung der großen Segenspenderin entgehe.— Aber merkwürdig: Kaum spürt man ahnend die Verschönerung der Natur, schon gefällt man sich nicht mehr. Es ist wahr, der überwinterte äußere Meusch bedeutet gleich eine Disharmonie zu den ersten Zauberakkorden der Frühlingssinfonie. Ja, was man im Winter unter dem Mantel noch verbergen konnte, das bringt die Sonne an den Tag und nimmt ihm dann ohne Gnade die weitere Existenzberechtigung. Farbenfreudigkeit wird die Parole der Damenkleidung im kommenden Frühjahr und Sommer sein. Zweifarbenkleider sind Modetrumpft Im Winter angedeutet, bekommen diese in der kommenden Saison einen besonderen Platz eingeräumt. Dunkelblau mit ceris oder neurot, das neue„dragonerblau“ mit den willkürlich geschuppten oder gemuschelten, lebhaftesten, fast aufdringlichen Zufarben, sportlich verarbeitet, oder trotz Wolle in Maderastickerei fast in halber Rockhöhe eine herrlich leuchtende Farbe durchblicken lassend— das alles flad Dinge, die schon einer Beratung mit einer erfahrenen Schneiderin wert sind und sie notwendig machen. Stelle man sich nur ins richtige Licht, gebe man seinem eigenen Ich in Bezug auf Farben und Formen den richtigen Typ! Ja Formen!— Verschwunden sind endlich die Hänger. Stilkleider erfteuen sich ganz besonderer Beliebtheit. Blusenkleider, in der Mitte hübsch abgebunden durch Gürtel, Bänder oder Schürzenteile, lassen ungezwungen und leicht die ebenmäßigen Linien der Trägerin deutlich hervortreten. Das elegant bestrumpfte und beschuhte Bein muß sich bei Sommerstoffen in ruscheliger Weite graziös bewegen, obgleich ihm ein enges, kurzes, nein, noch kürzeres Unterkleidchen wenig Gehfreiheit gewährt. Dieses Wippende, Leichte des Fassons, diese duftige Heiterkeit der heutigen Mode zeigt auch der Hut. Ein gezogenes Töpschen mit wippender Krempe, oder mittelgroße Formen, ein breitrandiger. Hut, oder dieHutgedichte aus Spitzen im Hochsommer geben als Ergänzung der Toilette etwas ungemein Reizvolles. Selbst die Umhüklung en entbehren jeder Strenge in Linienführung, und der Ausdruck Mantel ist viel zu ernst für seine Bestimmung. Meist ohne Aermel wird er eine angenehme Mitnahme für den Abend sein. Denn, offen gestanden, gibts ja eine amüsante Mode im Hochsommer: Kleider mit langen Aermeln und kleinem Stehbund. Also jedenfalls Ueberraschungen für den Nachmittag und Abend. Der Vormittag dagegen trägt einen anderen Modecharakter. Da sieht man im Frühjahr den groß karrierten Ragkan oder Kimonomantel aus hellfarbenen, melierten Stoffen mit geradem Schnitt, daneben die modernen Halbsportkleider, Jackenkleider mit Fledermausärmeln oder die stilgerechten Sportkleider, die im wesentlichen nicht von der Form des vorjährigen abweichen und nur durch„präzise Maßarbeit“ eine Eleganz ersten Ranges erreichen. Ueberaus schwierig sind die Complets, die eine Unsterblichkeit haben, nur unterscheiden sie sich von der früheren Art durch die Wahl der Farbenzusammenstellung, der keine Grenzen, oder höchstens die der Harmonie, gezogen sind. Eine neue Schöpfung sind sehr apart wirkende, lustig gemusterte Kleidchen mit entzückenden, genau auf„Figur“ gearbeiteten, fast gradlinigen Samtjaketts, denen nur eine Meisterhand die gewisse künstlerische Note zu geben vermag. Wir sehen: Die Bekleidungsrichtlinien der kommenden Saison sind auf Künstlerhände eingestellt, die bei der Maßschneiderei zu finden sind Mit künstlerisch vornehmem Geschmack, auf indinidueller Einstellung beruhend, verbunden mit vollendetster Ausführungstechnik, weiß diese der holden Weiblichkeit zum höchsten, sich selbst und ihre Umgebung begkückenden Zauber zu verhelfen. Alles in allem: Frau Mode, die launische, unberechenbare, hat sich diesmal auf die Maßschneiderei kapriziert. Zeitschriftenschau. Das neue Daheim (63. Jahrg. Nr. 23) ist soeben im Buchhandel erschienen und stellt sich wieder dar als eine Spitzenleistung auf dem Gebiet des deutschen Zeitschriftenwesens. Nehen Romanfortsetzung und Novelle beschäftigt sich eine Reihe von sachkundigen Abhandlungen mit den verschiedensten wechselvollen Fragen und Erscheinungen unserer lebhaften Zeit. A. Henkel schildert die turnerische Ausbildung der Frau in der Hochschule für Leibesübungen als ein Muster weiblicher Körverstählung. Dr..Neuburger führt den Leser hinter die Kulissen des modernen Theaters. In dem Aufsatz:„Der Karrieremacher am Staatssteuer“ zieht Dr. R. Rollenhagen Parallelen zur Geschichte unserer Tage aus der Wekt der Antike. Der Frau wird Neues für Küche und Haushaltsführung, zur zweckmäßen Lieschäftigung der Kinder und zu ihrer Erziehung mitgeteilt. Modisches, Gedichte, die umfassende Bildberichterstattung non den letzten Tagesereignissen, die große Kunstbeilage und der gesamte übrige künstlerische Bildschmuck mit allen Vorzügen moderner Wiedergabetechnit erweitern den Inhalt des reichen Heftes. # h a n d b u c h d e s g u t e n T o n e s u n d d e r s e i n e n S i t t e von K. v. Franken. 54. verbesserte Auflage(bisherige Auflage 280.000), 304 Seiten. Preis vornehm geb. Mk. .50. Max Hesses Verlag, Berlin W 15. Guter Ton und einwandfretes Benehmen sind gerade in unserer Zeit erstrebenswerter denn je. Von all den zahkreichen Büchern der gleichen Art ist uns keines bekannt, das so viele Vorzüge in sich vereinigt wie gerade dieses. Es ist geschmackvoll gebunden und äußerst billig. Nichts von blutleeren, seifen Förmlichkeiten, überall geht Verseinerung der äußeren Formen mit innerer Veredelung, stets Höflichkeit mit Herzlichkeit Hand in Hand Selbst der Ermachsene, gesellschaftlich Feingebildete wird vieles aus dem Buche lernen. Kein Alter, kein Stand, keine Lebenslage ist unberücksichtigt gelassen. Jedenfalls möchten wir das Buch als besseres Geschenk zn jeder Gelegenheit, besonders zu Ostern und Konsirmation wärmstens empfehlen. M. Die Anze anze!