„Annener Zeitung" erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samslag. Anzeigegebühr für die einspaltige 1 mm hohe und 36 mm breite Zeile für Platzanzeigen im Verbreitungsbezirk 8 Pf., auswärtige, amtliche u. finanzielle 10 Pf. Reklamezeile 1 mm hoch und 76 mm breit 30 Pfg. Bezugspreis wöchentlich 30 Pfg.(Durch die Post bezogen monatlich 2,00 Mk.) Geschäftsstelle: Bahnhofstraße 23.— Telephon No. 334(Amt Witten.) Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Küching, Annen. verbunden mit der„Auncner Volkszeitung“ Anzeigenblatt für Annen und die benachbarten Ortschaften. Organ des Amtes Annen u. Landkreises Hörde, sowie der Gemeinden Stockum=Düren. nennaneeeeeoenseeeteesnsssestessenesennsemseaseeen Meeeeomeeseee Inserate finden bei der großen Auflage der„Annener Zeitung“ weite und billige Verbreitung.— Bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkursen kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall. Für die Aufnahme der Anzeigen an vorgeschriebenen Plätzen übernehmen wir keine Gewähr. Rotationsdruck und Verlag von Fritz Küching, Annen. assesesssersasnens Nr. 44. Vienstag, den Io. April HoLe. ussesseneesssssesbenensissseneseseneeensessnene Bmssensssenssnnssaanen 42. Jahrgang. Der Kampf um das Mittelmeer. Mussolini hat mit seinen Reden kein Glück. Berechnet sind sie ja zumeist nur auf seine faschistische Gefolgschaft, bei der er auch stets bei seinen Rodomontaden auf lebhaften Beifall rechnen kann. Worte, die ein auf verantwortlichem Posten stehender Staatsmann spricht, wirken aber weit hinaus über den engen Kreis seiner unmittelbaren Zuhörer. Ein Ministerpräsident spricht stets zum Fenster hinaus, auch wenn er es nicht will, und am eifrigsten lauschen häufig die Ohren, für die die Worte nicht berechnet sind. Bei Antritt seiner Fahrt nach Tripolis hat Mussolini an Bord des Panzers„Cavour“ eine Rede gehalten, die in dem Satz gipfelte, daß die Zukunft Italiens auf dem Wasser liege. Mussolini wollte dabei zwar niemand kopieren, wie er erklärte, aber jeder denkt dabei doch an das Wort, das einst Wilhelm II. gesprochen hat, wonach auch die deutsche Zukunft auf dem Wasser liegen sollte. Für Deutschland ist dieses Streben nach maritimer Machtentfaltung verhängnisvoll geworden, obwohl es dabei rein wirtschaftliche Interessen verfolgte. Es brachte uns in einen Gegensatz zu dem seebeherrschenden England, und um Deutschlands Zukunft zu vernichten, entfachte England den Weltkrieg. Mussolini hätte hieraus lernen können. Das Programm, das er mit seiner Rede entrollt hat, ist noch in viel höherem Maße geeignet, die Mißgunst und die Eifersucht anderer Staaten zu erregen. Deutschlands Streben ging nur nach dem großen Weltmeer, das allen gehört, auf dem alle gleichberechtigt mit einander wetteifern sollen. Die Zukunft Italiens soll nicht auf dem offenen Weltmeer, sondern in dem engbegrenzten Mittelmeer liegen. Das bedeutet eine offene Herausforderung der Mächte, die sich heute als die Beherrscher des Mittelmeeres fühlen. So wenigstens hat man in Paris die Rede aufgefaßt. Seitdem sich England mehr und mehr aus dem Mittelmeer zurückgezogen hat, glaubt Frankreich einen unbestrittenen Anspruch auf die Vorherrschaft im Mittelmeer zu haben. Es muß jetzt erfahren, daß Italien mit ihm in Wettbewerb tritt, denn die Rede Mussolinis kann nur so gedeutet werden, daß Italien die Vorherrschaft im Mittelmeer für sich selbst beansprucht. Das entspricht auch durchaus den Gedankengängen Mussolinis, der sich gern als der Erbe Julius Cäsars fühlt. Das römische Imperium soll wieder im Mittelmeer aufgerichtet werden. Das bedeutet nicht nur, daß Italien allen Abrüstungskonferenzen zum Trotz einen großzügigen Ausbau seiner Kriegsflotte plant, sondern daß es auch nach einer Ausdehnung seines Kolonialbesitzes am Mittelmeer strebt. Nicht ohne Absicht hat ja Mussolini seine Reise nach Tripolis unternommen. Er will damit in Italien das Interesse an Kolonien neu erwecken und auch nach außen hin will er zum Ausdruck bringen, welchen Wert Italien auf koloniale Betätigung legt. An sich ist dieses Streben Italiens durchaus verständlich. Durch seine Kämpfe um seine nationale Einigung hat es— ähnlich wie Deutschland— versäumt, sich rechtzeitig den Kolonialbesitz zu sichern, den es als Siedlungsgebiet für seinen Bevölkerungsüberschuß braucht. Andere sind ihm zuvorgekommen und haben ihm die besten Bissen weggeschnappt. Besonders das volksarme Frankreich, das sein Kolonialgebiet nicht für Siedlungszwecke braucht, sondern es in erster Linie dazu benutzt, sich das nötige Kanonenfutter für seine kontinentale Machtpolitik zu verschaffen, hat sich den wertvollsten Besitz Nordafrikas gesichert. Heute sind die begehrlichen Blicke Italiens auf Tunis und Algier gerichtet, das weiß man nirgends besser, als in Paris, auch wenn Mussolini zu klug ist, es offen auszusprechen. Darum mußte auch die Rede Mussolinis in Paris wie eine Bombe einschlagen. Man beginnt zu begreifen, daß sich zwischen Frankreich und Italien ein Wettbewerb um die Herrschaft im Mittelmeer entwickeln muß, wobei als Siegespreis der Besitz Nordafrikas winkt. Nicht Mussolini wird diesen Kampf ausfechten, es können noch Jahrzehnte vergehen, bis es zwischen den heute noch scheinbar befreundeten Nationen zum offenen Konflikt kommt. Man sieht erst das erste Wetterleuchten des fernen Gewitters. * Mussolini in Zwischen den Zeilen soll man lesen. Unter dem Donner von 19 Salutschüssen, Glokkenläuten und Sirenengeheul ist Mussolini in Tripolis eingetroffen, wo sich Tausende von Eingeborenen zu seiner Begrüßung am Hafen eingefunden hatten. Zu seinen Ehren wurde eine große Truppenschau abgehalten, die er hoch zu Roß abnahm. Er hielt dabei eine Ansprache, in der er ausführte: „Mein hoher Monarch, den Gott schützt und den ein Volk liekt, hat mich beauftragt, diesem Lande seine Grüße zu überbringen, das ewig italienisch bleiben wird. Er weiß, daß ihr die Gesetze achtet, und daher gewährt er euch seinen Schutz, heute, morgen und ewig. Ich habe die Ehre, als sein Vertreter diesem geliebten Lande die Wünsche zu überbringen, daß das Land und seine Bevölkerung ewig reich, blühend und glücklich sein möge. Meine Reise darf nicht als eine einfache Inspektionsreise angesehen werden. Sie ist eine Bestätigung der Macht des italienischen Volkes. Ein Ausdruck der Kraft, die von Rom ausgeht, und die von Rom Ehre und Triumph bis zu dieser Küste trägt. Das Geschick hat uns nach diesen afrikanischen Küsten geführt und nichts wird dieses Geschick oder gar den unbeugsamen Willen Italiens aufhalten.“ Zu den Faschisten gewandt, sagte Mussolini dann weiter: „Ihr vertretet hier Italien, das täglich blühender und mächtiger wird, und das von Rom seine Lichtstrahlen bis über die Küste Afrikas ausstreut. Ihr versteht mich mehr bei dem, was ich nicht sage, als bei dem, was ich sage. Nur in dieser Sprache ist es möglich, die Ziele des Faschismus zu erreichen. Friedensverhandlungen in Marokto. Eine„Befriedungskonferenz“ in Udjda. In Marokko soll es nun also doch zu Friedensverhandlungen kommen,— ob auch zum Frieden, bleibt abzuwarten. Etwa am 15. April soll in Udjda eine Konferenz zusammentreten, an der als Vertreter der Rifstämme Mohammed Azer Kano, der Außenminister Abd el Krims, und zwei Kadis teilnehmen werden. Vorher wird eine vorbereitende Konferenz in Paris stattfinden, an der General Simon, Konsot, der Leiter der Marokkoabteilung, und als spanischer Vertreter Lopez teilnehmen werden. Auf dieser Konferenz werden die Einzelheiten über den Waffenstillstand und die Friedensverhandlungen festgesetzt werden, über die zwischen Spanien und Frankreich im allgemeinen volle Einigkeit herrscht. Die Pariser Presse betont, daß die Verhandlungen in Udjda nicht als eigentliche Friedensverhandlungen, sondern nur als„Befriedungsverhandlungen“ anzlühen sind. Abd el Krim ist kein Souverän, und er soll es auch durch die Verhandlungen nicht werden. Wie man annimmt, soll nach Abschluß der Verhandlungen über einen Waffenstillstand die Frage des künftigen Regimes des Rifgebietes erörtert werden. Hierbei wird man sich vor allem an die Grundzüge, die bei der Konferenz in Madrid ausgearbeitet worden sind und die darauf hinauslaufen, dem Rifstaat eine Verwaltungsfreiheit zu geben, die die Autorität des Sultans über das Rif aufrecht erhält, und gleichzeitig wird man von Abd el Krim ernsthafte Garantien zur Wahrung des Friedens verlangen. Obwohl heute die Friedenssehnsucht in Paris fast noch stärker ist, als auf seiten Abd el Krims, nimmt die Pariser Presse den Mund noch recht voll. So erklärt das„Echo de Paris“, daß man möglicherweise die Abdankung Abd el Krims verlangen werde und über die Waffenstillstandsforderungen meint das Blatt, daß der französische und der spanische Generalstab in der Forderung einig seien, daß die Armeen durch den Waffenstillstand in die Lage gesetzt werden müssen, Stellungen einzunehmen, die es ihnen unter Umständen ermöglichten, den Feldzug unter vorteilhaften Bedingungen wieder aufzunehmen. Sobald dieser Punkt erreicht sei, werde man eine neutrale Zone abgrenzen und den Austausch der Gefangenen vornehmen. Wenn die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen sollten, werden die Franzosen und Spanier wohl noch einige Löcher zurückstecken müssen. Auf Waffenstillstandsbedingungen, wie man sie uns im November 1918 aufgezwungen hat, wird sich Abd el Krim kaum einlassen, und es sieht auch nicht danach aus, als ob er geneigt wäre, abzudanken. * in Marokko? Die spanischen Friedensbedingungen. Nach einer Meldung aus Tanger sind in Erwartung der Friedensverhandlungen die Feindseligkeiten im Rifkrieg auf allen Fronten eingestellt worden. Am Donnerstag soll angeblich der Austausch der Gefangenen in Udjda erfolgen. Die Friedensbedingungen sollen nach einer Meldung der„Westminster Gazette“ folgenden Inhalt haben: 1. Anerkennung der Oberhoheit des Sultans von Marokko durch Abd el Krim; 2. vollkommene Entwaffnung des Rifs; 3. Rifpolizei unter europäischer Leitung; 4. militärische Besetzung strategischer Punkte im Rifgebiet durch Frankreich und Spanien. 5. Eröffnung der fruchtbaren Täler östlich der Uergha. Offenbar handelt es sich hierbei um die spanischen Forderungen, die so gehalten sind, daß sie für Abd el Krim unannehmbar sind. Im spanischen Lager ist man der Ansicht, daß Abd el Krim erst eine Niederlage zugefügt werden müsse, ehe man sich in Verhandlungen mit ihm einlassen könne. In dieser Haltung werden die Spanier durch ihre strategisch günstige Lage bestärkt, wohingegen die Franzosen mit Rücksicht auf innerpolitische Gründe für eine möglichst baldige Beendigung des Krieges in Marokko sind. Die Vertreter Abd el Krims haben zu den Forderungen erklärt, daß die erste Bedingung erfüllbar, aber die völlige Entwaffnung der Stämme und auch die übrigen Friedensbedingungen nicht annehmbar seien. Deutsches Reich. Die Reise des Reichskanzlers. Zu der geplanten Reise des Reichskanzlers nach München erfahren die Berliner Blätter, daß der bayrische Ministerpräsident am Sonnabend der nächsten Wochen einen Empfangsabend in München für Künstler und Gelehrte geben wird, zu dem auch Dr. Luther eingeladen wird. Dr. Luther wird bei dieser Gelegenheit das Wort ergreifen. Gleichzeitig sollen Einladungen an Dr. Külz und Dr. Reinhold ergehen. Die Erwerbslosensätze. Die Frage der Staffelung der Sätze der Erwerbslosenunterstützung nach Lohnklassen statt nach Ortsklassen und die im Zusammenhang damit von den Gewerkschaften erhobenen Forderungen werden am heutigen Dienstag den Reichswirtschaftsrat beschäftigen. Dieser wird über diese Frage der Reichsregierung voraussichtlich ein Gutachten abgeben. Die Besprechungen zwischen den zuständigen Ressorts der Länder und der beteiligten Interessentengruppen (Gewerkschaften, Unternehmer und Kommunen), die nur informatorischen Charakter tragen, sind abgeschlossen, und es schwebt zurzeit ein Meinungsaustausch zwischen den Länderregierungen. Nachdem der Reichswirtschaftsrat Stellung genommen hat, dürfte man über die voraussichtliche Haltung des Reichsrats bereits klarer sehen. * — Kultusminister Dr. Becker 50 Jahre alt. Am 2. April beging der preußische Kultusminister Professor D. Dr. C. H. Becker die Feier seines fünfzigsten Geburtstages. Becker ist am 12. April 1876 in Amsterdam als Sohn eines dort ansässigen Baniers, als Enkel des Sprachforschers Karl Ferdinand Becker geboren. Er studierte in Berlin, Lausanne und Heidelberg orientalische Sprachwissenschaft und habilitierte sich nach längeren Studienreisen 1902 in Heidelberg. 1908 wurde er als Professor an das Kolonialinstitut in Hamburg, 1913 als ordentlicher Professor an die Universität Bonn berufen. 1916 übernahm er das Personalreferat in der Universitätsabteilung des Kultusministeriums und wurde 1919 Staatssekretär; 1921 war er im Kabinett Stegerwald Minister und im ersten Kabinett Braun von 1921 bis Anfang 1925 unter dem Minister Dr. Boelitz wiederum Staatssekretär. Seit der Umbildung der preußischen Regierung ist Becker Kultusminister. Der Dardanellen=Sieger Admiral MertenPascha f. Vizeadmiral Merten=Pascha ist in Berlin an den Folgen einer Operation gestorben. Als Kommandeur der Festungsartillerie in Lehe, Curhaven und Wilhelmshaven erwarb er sich schon im Frieden den Ruf eines ersten Küstenverteidigungsspezialisten. Im Weltkrieg wurde er der Türkei für den wichtigen Posten des Befehlshabers der Dardanellenbefestigungen zur Verfügung gestellt. Sein Verdienst ist es in erster Linie, daß die Durchbruchsversuche der britisch=französischen Flotte im Frühjahr 1915 scheiterten. Ausland. : Frankreich. Unterzeichnung des Handelsprovisoriums. Paris, 11. April. Gelegentlich des gestrigen Besuches des deutschen Botschafters von Hoesch beim Ministerpräsidenten Briand ist, wie amtlich mitgeteilt wird, das neue Handelsprovisorium zwischen Frankreich und Deutschland unterzeichnet worden. Italien. Mussolini in Tripolis. Paris, 11. April. Wie die Blätter aus Kairo melden, wird in einem Telegramm aus Tripolis angekündigt, daß außergewöhnliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden seien, um Mussolinis Sicherheit zu gewährleisten. Sämtliche Ausländer sind einer besonderen Kontrolle der örtlichen Behörden und faschistischen Organisationen unterstellt. Der Zeitpunkt der Ankunft Mussolinis wird vollkommen geheimgehalten. Tripolis, 11. April. Das Kriegsschiff„Cavour“ mit Ministerpräsident Mussolini an Bord ist heute vormittag 7 Uhr im Hafen vor Anker gegangen. Der König von England an Mussolini. König Georg von England hat am Freitag ein Glückwunschtelegramm an Mussolini gerichtet, in dem er bedauert, daß das Attentat von einem britischen Staatsangehörigen ausging. Miß Gibson geistesgestört. Der römische Berichterstatter des Manchester Guardian erfährt von zuverlässiger Seite, daß Mitz Gibson für geistesgestört erklärt und ausgewiesen wird. Nuntius Pacelli in Rom. Der päpstliche Nuntius in Berlin, Monsignore, Pacelli, ist in Rom eingetroffen. Er ist seit einigen Jahren nicht in Rom gewesen und wird etwa 14# Tage hier bleiben. Besondere politische Anlässe sin# mit dem Besuche nicht verbunden. Rußland. Russische Kungebungen gegen Polen. Wegen der Erschießung mehrerer Arbeiter in Warschau haben in verschiedenen großen Industriestädten Sowjetrußlands Demonstrationen gegen, Polen stattgefunden, in denen gegen die Gewaltpolitik der polnischen Regierung protestiert wird. In Kiew haben ebenfalls große antipolnische Kundgebungen stattgefunden, so daß das dortige polnische Konsulat bei den russischen Behörden Schutz erbitten mußte. Amerika. Revision des Dawesplanes frühestens nach 2 Jahren.) Für den Fall, daß sich herausstellt, daß Deutschlands Wirtschaft und Industrie nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen kann, können nach Mitteilung des amerikanischen Schatzamtes gewisse Aenderungen des Dawesplanes sich als notwendig erweisen. Nach Ansicht des Schatzamtes muß jedoch der Dawesplan noch zwei weitere Jahre arbeiten bevor eine Entscheidung darüber getroffen werden kann, ob Deutschland imstande ist, seinen Verpflicht tungen nachzukommen. Thyssen und General Degoutte. Eine Erinnerung an die Ruhrbesetzung. Anläßlich des Todes des bekannten Großindu) striellen August Thyssenwird an eine kleine Geschichte erinnert, die sich bei der Ruhrbesetzung im Heime Thyssens abspielte. Als General Degoutte ins Ruhrgebiet einmarschierte, ließ er sich in der geräumigen Villa Thyse sens einquartieren und bat Thyssen um eine Unterredung. Diese Unterredung war kurz, für Herrn Degoutte wenig erfreulich, für die kerndeutsche Art August Thyssens aber bezeichnend. Der französische General, der, ohne Widerstand zu finden, die deutschen Industriestädte besetzte, war in der allerbesten Laune und redete den alten Herrn etwa folgendermaßen an: „Die französische Nation hat noch immer die Großmut für eine ihrer vorzüglichsten Tugenden gehalten. Wenn ich Sie, mein Herr, daher eines Teils Ihrer Räume zu Besetzungszwecken berauben muß, so werden Sie es mir doch Dank wissen, daß ich einen General bei Ihnen einquartiert habe. Ich hoffe, daß wir in freundschaftlicher Weise miteinander verkehren werden.“ Aber der alte Thyssen sah den sremden Eindringling groß an und meinte dann mit beißender Schärfe im Ton:„Herr General, ich verfüge, wie Sie wissen, leider nicht über die Machtmittel, den Eintritt in mein Haus zu wehren. Aber Sie werden es mir hoffentlich als gutem Deutschen nicht verübeln, wenn ich ein Zusammensein mit französte, schen Offizieren nach Möglichkeit vermeide. Und so, darf ich mich wohl jetzt in die Zimmer zurückziehen, die Ihre Großmut mir noch übrig gelassen) hat.“ Sprach's, nickte kurz mit dem Kopfe, übersah geflissentlich die dargebotene Rechte des Gegners, drehte sich auf dem Absatz herum und ließ den verdutzten General stehen. Es gehörte in jener Zeit nicht wenig Mut dazu, so zu sprechen und zu handeln. Volksleben und Wirtschaft. Die Reichsgesundheitswoche. Der Reichsausschuß für Hygiene und Volksbelehrung in Berlin hatte aus Anlaß der bevorstehenden Reichsgesundheitswoche zu einem geselligen Beisammensein eingeladen. Im Namen der veranstaltenden Behörden und Organisationen begrüßte Geheimer Regierungsrat Dr. Hamel aus dem Reichsministerium des Innern die Erschienenen und wies auf die hohe Bedeutung der Reichsgesundheitswoche hin. Er stellte mit! Genugtuung fest, daß es gelungen sei, Aerzte, Lehrer, Geistliche, Theater, Kinos, Funkstunden und alle beteiligten Behörden dafür zu gewinnen, die Reichsgesundheitswoche mit allen Mitteln zu unterstützen, odaß mit Veranstaltungen auf Grund im Laufe der letzten Monaten gebildeter Ausschüsse in mehr als 000 Städten und Gemeinden Deutschlands gerechnet werden könne. Die Reichsgesundheitswoche selbst wird am Sonntag, den, 18. April, in ganz Deutschland beginnen. Tokales. 5 Annen, 13. April. Unsere Drosseln. Von den vielen Drosselarten, die wir kennen, sind nur eintge bei uns heimisch. Am bekanntesten davon ist die Schwarzdrossel oder Amsel, die noch zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland äußerst scheu und mißtrauisch war und nur in den Wäldern ihr Rest baute, wogegen sie heute gerade die Nähe menschlicher Wohnungen aufsucht. Sie nistet jetzt oft recht niedrig und sucht sich manchmal die eigenartigsten Oertlichkeiten aus. Der Gesang der Schwarzdrossel oder Amsel ist sehr ernst und feierlich und dauert vom März bis zum Juli. Wegen ihres Gesanges ist die Amsel bei den Menschen sehr beliebt, von Gartenbesitzern wird jedoch ihr Auftreten nicht mit ungemischten Gefühlen angesehen, denn sie ist sehr naschhaft und richtet in den Gartenanlagen manchen Schaden an. Eine andere Drossel ist die Misteldrossel oder der große Krammetsvogel, wohl die größte unter den heimischen Drosseln. Den Namen Misteldrossel oder der große Krammetsvogel, Namen Misteldrossel hat sie erhalten, weil sie gern Mistelbeeren frißt, doch labt sie sich auch an anderen Beeren, an Insekten und Regenwürmern. Ihr Nest legt sie meistens auf Eichen=, Buchen= und Tannenbäumen an. Wachholderdrossel, wegen ihres Lockrufes„Sschaschatschak Gurgur“ auch Schacker genannt, die früher nur in den nördlichen Gegenden Europas und Asiens nistete, ist schon seit längerer Zeit auch in unseren Breitengraden heimisch geworden. Es ist ein geselliger Vogel, von dem oft viele Nester auf einem Baum anzutreffen sind. Auch wenn sie auf Nahrung ausgehen, bleiben die Wachholderdrosseln zusammen, und ebenso wehren sie feindliche Angriffe auf die Brut gemeinschaftlich ab. Ein eigentlicher Singvogel ist jedoch die Wachholderdrossel nicht, es ist mehr eine gemütliche Unterhaltung als ein Gesang. Weit schöner ist der Gesang der Singdrossel oder, wie sie auch noch heißt, der Pfeif= und Sommerdrossel, der kleinsten unter den heimischen Vögeln dieser Art. Ihre Lust am Singen hört fast nie auf und auch an trüben, regnerischen Tagen, wenn der Gesang anderer Vögel verstummt ist, hält sie mit ihrem Singen und Jubilieren nicht an, trägt sie ihr Liedchen immer wieder vor. Die Wein= oder Rotdrossel, auch Heidedrossel genannt, die in früheren Zeiten auch in Deutschland nistete, zieht sich jetzt während der Sommermonate meistens auf den hohen Norden Europas und Asiens zurück. Dort haust sie in den Tundren oder in verkrüppelten Wäldern und kommt nur als Wintergast zu uns. Als solcher kommt sie aber jeden Herbst in großen Scharen und nährt sich bei uns hauptsächlich von den Beeren der Eberesche oder des Vogelbeerbaumes. * Fristverlängerung für Ruhrschädenameldung? " Vom Wirtschaftsausschuß für die besetzten Gebiete ist bei der Regierung beantragt worden, die Frist für die Anmeldung von Rhein= und Ruhrschäden bis zum 15. Juli 1926 zu verlängern. Voraussetzung dafür ist, daß 1. die Anträge unverschuldet verspätet gestellt sind, 2. die Anträge nicht bereits nach sachlicher Prüfung eine Ablehnung erfahren haben. Es steht zu erwarten, daß dem obigen Antrage des genannten Ausschusses von der Regierung stattgegeben wird. Es ist daher zu vermuten, daß sich demnächst bei der verbleibenden kurzen Frist die Anträge bei den zuständigen Behörden häufen werden. Die Kreise aus Industrie und Handel, die noch beabsich(tigen, derartige Schäden anzumelden, werden daher gut tun, beizeiten das notwendige Material zu sammeln, um die Antragstellung vorzubereiten. Wie weiter verlautet, sollen auch Bestimmungen in Vorbereitung sein, nach denen die durch die Regiebahn verursachten Schäden, soweit sie glaubhaft gemacht werden können, im Sonderverfahren erstattet werden. Die Tochter des Ministers. Roman von Ernst Georgy. 10)(Nachdruck verboten.) Mühsam unterdrückte Egon einen Fluch, der ihm über die Lippen wollte. Er sah noch, wie sie ihm den Rücken drehte und vor ihrem Koffer niederkniete, als ob er nicht mehr vorhanden wäre. Da verließ er sie voller Grimm. Erst als er auf der hinteren Plattform der elektrischen Straßenbahn dem Westen zufuhr und seine Beruhigungszigarre rauchte, kam ihm die Ueberlegung wieder. Er fing an, nachzudenken und sich Vorwürfe zu machen. Er hatte die Sache beim falschen Ende angepackt und die Schwester nur gereizt. Aber das war nun geschehen und nicht mehr zu ändern. Jetzt mußte man sie ihre Bahn ziehen lassen. Sie würde viel erleben, hart kämpfen u. schwer leiden, die arme Trude! Ihre Schönheit und Bildung waren eher ein Hemmnis auf ihrem Lebenswege. Andererseits— ihre zähe Liebe zu Georg Wiesener war vielleicht gerade jetzt ein Glück und würde sie vor Versuchungen bewahren. Je mehr Egon Meinhard grübelte, um so mehr hellte sich das Dunkel für ihn. Er legte sich für die ganze Familie einen förmlichen Feldzugsplan zurecht. In der nächsten Zukunft durften sie alle sich, was auch vorfallen sollte, gar nicht um Gertrud kümmern. Er und die Eltern hatten überhaupt gänzlich im Hintergrunde zu bleiben. Herbert und Susanne mußten zu Bindegliedern zwischen den Meinhards und Gerstrud werden. An sie mußte Trude sich wenden können, wenn es ihr einmal so schlecht erging, daß sie Hülfe suchen mußte. In diesem Sinne verabredete er alles mit der Mutter und Susanne, als er heimkam. Und auf seine Veranlassung schrieb das junge Mädchen an die Schwester folgende wohlerwogene Zeilen: Liebste Trude! Ich schreibe dir heimlich und in aller Eile. Mutter steht naturgemäß zu Vater, ihr sind die Hände gebunden. Herbert soll vor allem nichts Näheres erfahren. Ihm und allen Verwandten wird gesagt, daß du einen sehr guten Heiratsantrag abgelehnt hast und für längere Zeit zu einer Pensionsfreundin sst bist. Egon ist verbohrt.— Ich bleibe dir treu, möge. Auch ich verurteile das ist. Und Vater kennt keinen wauen#.chrzef sich aber Alugerweise aus, um wnissen wichtui muchoritt hervorzurufen.— Bitte, Tru§ Annen, 13. April.(Der Weg in die Schule) muß nun bald von vielen Tausenden von kleinen Mädels und Buben angetreten werden, die bisher im sicheren Schutz und in der treuen Obhut des Elternhauses ohne alle Sorgen und im fröhlichen kindlichen Spiele ihre Tage verlebten. Mit der großen Tüte im Arm und mit dem Ranzen auf dem Rücken ziehen sie ihre Straße dahin, ersartungsvoll und mit ein wenig Scheu der Dinge harrend, die da kommen sollen. Die Mädels recken die Nase keck in die Luft, sie wissen von der Mutter, daß nur schöne Dinge ihrer warten, aber die Buben trauen dem Frieden noch nicht so ganz und wollen den mütterlichen Schutz nicht entbehren. Der stolze Mannesmut soll erst noch nachkommen, und er kommt auch;, und wenn sie die ersten wohlgelungenen Buchstaben auf der Schiefertafel vorzeigen, glauben sie schon, die Welt erobert zu haben. Viel zu lernen und zu schaffen, und mit den Wochen und Monaten gelingt es auch. Schule und Elternhaus wachen über der jungen Generation, bis es dann heißt, auf eigenen Füßen stehen. § Annen, 13. April.(Trau, schau, wem?) Das herrliche Wetter an den Österfesttagen hatte uns in den Glauben gewiegt, wir würden ohne einen unliebsamen Kälterückfall durch den April hindurchspazieren können, aber es mußte doch mit den Launen der Unbeständigkeit gerechnet werden. Den Hausfrauen war es gewiß nicht sehr angenehm, nochmals das Kommando zum Ofenheizen zu geben, aber die kühlen Abende, Schnupfen und Husten nötigten dazu, ein gelindes Aprilfeuer zu entfachen. Besser bewahrt, als beklagt. Zum Glück läßt sich die Entwicklung des Frühlings nun nicht mehr aufhalten, und die dadurch veranlaßte frohe Stimmung wird dafür sorgen, daß das Ofen=Intermezzo nicht weiter tragisch genommen wird. —(Das Schnapsglas des Oberpräsidenten.) Nach dem Oberpräsidenten Gronowski ist neuerdings ein Schnapsglas benannt worden, das den Konsum von Branntwein in den westfälischen Wirtschaften regeln soll. Das„Gronowski=Glas“ wie es scherzhaft genannt wird, bezieht sich auf die Verordnung des Oberpräsidenten von Westfalen vom 31. Oktober 1922. In dieser Verordnung ist vorgeschrieben, daß der Kleinverkauf von Branntwein zum Genuß auf der Stelle, also in Wirtschaften, nur in Gläschen von 0,03 Litern Inhalt erfolgen darf. Es sollte mit dieser Bestimmung dem hier und da bemerkbaren Unfug vorgebeugt werden, Schnaps in großen Gläsern, sogar in Biertulpen auszuschenken, was auch vom Standpunkte der anständigen Wirte aus zu verwerfen ist. Im übrigen ist der Herr Oberpräsident durchaus nicht übelnehmerisch und gebraucht den Ausdruck„Gronowski=Glas“ in scherzhafter Weise selbst. —(Eröffnung des Provinziallandtages der Provinz Westfalen.) Der Provinziallandtag der Provinz Westfalen wird am Sonntag, den 25. April in Münster eröffnet werden. Die Eröffnung findet zur Erinnerung an das vor 100 Jahren erfolgte Zusammentreten des 1. Westfälischen Provinziallandtages im Festsaal des Schlosses statt, und zwar nachmittags 1 Uhr. —(Notstandsarbeiten.) An verschiedenen Stellen der Gemeinde werden Notstandsarbeiten ausgeführt, um eine Anzahl Erwerbsloser zu beschäftigen. Die obere Steinbachstraße von der Provinzialstraße bis zur Fabrik König ist erbreitert und teilweise bis zu sieben Meter aufgeschüttet, der untere Teil bis zur Herdeckerstraße harrt noch der Fortsetzung; in der am Freitag stattfindenden Gemeinderatssitzung kommt die endgültige Feststellung der neuen Fluchtlinie dieser Straße zur Beratung, man wird dann mit den anliegenden Besitzern zur Einigung kommen. Im Ortsteil Rüdinghausen wird die obere Rüdinghauserstraße geradegelegt und ausgebaut, an beiden Seiten ist eine Mauer aufgeführt. Die Straße macht jetzt einen sauberen Eindruck, auch haben die anliegenden Häuser sehr an Ansehen gewonnen. de, vergiß nicht, daß du in mir, wenn wir uns auch äußerlich nie besonders nahetraten, eine treue Schwester hast. Ich ängstige mich um dich und bitte dich von ganzem Herzen: gib mir zuweilen Nachricht, wie es dir geht und wo du steckst. Auf der nächsten Ausstellung unserer Kunstschule werden auch zwei von meinen Bildern:„Azaleen“ und die„Ecke am Neuen See“ mit ausgestellt. Ich bin sehr froh, daß die Preisrichter zum ersten Male auch meine Arbeiten würdig fanden. Sollten sie verkauft werden, mußt du die Hälfte der Einnahmen annehmen von Deiner treuen Suse.“ Frau Meinhard und Egon lasen den Brief durch. „Sehr vernünftig. Klingt ganz harmlos,“ lobte Egon,„nun weiß sie wenigstens, daß eine Person in der Familie zu ihr steht. Und woran uns am meisten liegt, wir haben eine Verbindung mit ihr, behalten sie im Auge und können, wenn es nottut, durch Susanne helfend einspringen. Ich werde deinen Brief selbst durch die Rohrpost an sie befördern. Dann empfängt sie ihn noch heute. Bei Trudes jetziger Verfassung ist es nicht ausgeschlossen, daß sie wieder die Wohnung wechselt, damit wir nicht ihre Adresse kennen.“ Die Mutter hatte die Hände gefaltet und blickte grübelnd in den Schoß.„Wir müssen Vater den Plan mitteilen, damit er richtig antwortet, wenn er gefragt wird!— Aber ich habe doch meine Bedenken!“ „Und die wären?“ „Es muß doch sehr balb auffallen, daß Gertrud uns keine Briefe schreibt und nicht einmal Kartengrüße sendet.“ Sie seufzte. Auch Egon tat einen schweren Atemzug:„Das habe ich mir auch schon gesagt, liebe Mutter. Aber wir können eben nichts weiter tun, als die Harmlosen spielen. Die Menschen sind nicht so dumm, wie wir meistens annehmen; aber die guterzogenen sind wenigstens feinfühliger, als wir meinen. Denkt ihr denn, unser Bekanntenkreis hat nicht längst in diesen fünf Wochen Lunte gerochen, wie es hier im Hause steht, und daß etwas„faul im Staate Dänemark" ist! Paßt auf, sehr bald wird keiner mehr eine Frage nach Gertrud tun. Nur seid klug und zieht euch nicht zurück wie Schuldige, die etwas zu verbergen haben.“ „Bravo, das predige ich Mutter immer," warf Susanne ein.„Egon hat ganz recht. In der allerletzten Zeit haben sich wirklich nur noch die Verwandten nach Trude erkundigt. Die Fernstehenden fragten nicht mehr nach ihr. Und Erna EllringhauEndlich wird auch die Weststraße von der Friedhosstraße bis zur Bahnhofstraße fertiggestellt. Durch Ankauf von Grundstücken ist man in der Lage, die Straße so zu erweitern, daß sie einem größeren Verkehr dienen kann. + Annen, 13. April.(Auch die christlichen Gewertschaften gegen die Abführung der Hauszinssteuer an den Kreis Hörde.) In seiner letzten Versammlung hat das Ortskartell der christlichen Gewerkschaften folgenden Protest an die Gemeinde=Vertretung gesandt: Das Ortskartell christlicher Gewerkschaften erhebt hiermit scharfen Protest gegen die wiederholte Abführung der Hauszinssteuer an den Kreis Hörde. Begründung: Da wir heute in einem republikanisch=demokratischen Staate leben, wo das Volk gleiche Rechten und Pflichten hat, so müssen wir leider feststellen, daß in unserer Gemeinde von Demokratie keine Rede sein kann. Denn es wäre doch Pflicht der Gemeinde=Vertretung dafür zu sorgen, daß Steuern u. Abgaben, die von der gesamten Bewohnerschaft aufgebracht werden, derselben auch wieder zugute kommen. Womit ist durch die bisherige Abführung der Hauszinssteuer an den Kreis Hörde der Allgemeinheit gedient worden? Wer hat das Kreiswohnhaus in Annen gebaut, welche politisch eingestellten Arbeiter waren daran beschäftigt, und wer wohnt in diesem Gebäude? Warum wurden bei dem Bau dieser Wohnungen nicht christlich organisierte Arbeiter hinzugezogen, warum bei Vergebung dieser Wohnungen nicht auch christliche Familien berücksichtigt? Warum hat man Zuschüsse aus der Hauszinssteuer hiesigen baulustigen Privatleuten abgelehnt? Nachdem hiermit bewiesen ist, daß durch die Abführung der Hauszinssteuer an den Kreis Hörde der Allgemeinheit bisher nicht gedient worden ist, fordern die christlichen Gewerkschaften von Annen, daß die Hauszinssteuer restlos der Gemeinde Annen verbleibt. —(Gemeinderatssitzung.) Die für Donnerstag, 15. April anberaumte Gemeinderatssitzung ist auf Freitag, 16. April, nachmittags 5 Uhr, verlegt worden. Die veröffentlichte Tagesordnung bleibt bestehen. § Annen, 13. April.(Schlechte Aussichten in der Beamtenlaufbahn.) Die Aussichten in der mittleren und höheren Beamtenlaufbahn sind zur wenig hoffnungsreich. Im Verwaltungsbereich der Reichsbahngesellschaft ist jeder Zugang gesperrt, und es müssen hier, wenigstens für die nächsten Monate, die Aussichten als sehr wenig günstig bezeichnet werden. Bei der Reichspost wird 1926 wieder eine beschränkte Zahl von Diplomingenieuren der Elektrotechnik für den höheren Dienst in der Telegraphentechnik angenommen werden. Ob eine Annahme anderer Anwärter für den höheren und mittleren Dienst erfolgen wird, läßt sich noch nicht übersehen. In der Reichsfinanzverwaltung ist die Annahme von Anwärtern für den gehobenen und mittleren Dienst bei der Steuerverwaltung noch gesperrt. Bei der Zollverwaltung ist anzunehmen, daß im laufenden Jahre wieder Einstellungen im beschränkten Umfange erfolgen werden. —(Gescheiterte Verhandlungen im Dachdeckergewerbe.) Die in Berlin stattgefundenen zentralen Verhandlungen für den von den Arbeitgebern gekündigten Reichstarif für das Dachdeckergewerbe sind an der Lohnfrage gescheitert. In der Arbeitszeit u. Ferienfrage war beinahe eine Einigung erfolgt. ser hat Tante Adele erzählt, sie habe aus sicherer Quelle erfahren, daß Fräulein Meinhard ganz plötzlich in ein Sanatorium gebracht werden mußte.“ „Klatsch und Tratsch um unseren Namen! Gerade das, was mir und Vater am allermeisten verhaßt ist.“ Wir wollen froh sein, wenn es dabei bleibt,“ murmelte Egon. Alle drei verstummten, denn im Gange wurde es lebhaft. Der Hausherr kam zu Tisch. „Die Herrschaften sind im Wohnzimmer Exzellenz,“ hörten sie das Mädchen draußen sagen, das ihn beim Ablegen half. Der Präsident begab sich in sein Arbeitszimmer, um die Aktenmappe in den Schreibtisch zu verwahren. Dann ging er nach dem Speisezimmer, wo ihm die Seinen bereits entgegentraten. * Fünftes Kapitel. Der Bruder war verschwunden. Gertrud mußte wohl oder übel ihren Vermietern noch verschiedene Fragen beantworten, die neugierig zu ihr in das Stübchen kam. „Also so'n vornehmen Offizier haben Sie zum Bruder,“ meinte sie, mit den Augen schnell den geöffneten Koffer durchforschend.„Ich kenne mir aus. Ich habe immer zu mein' Mann gesagt: Du, Hermann“, hab' ich gesagt,„unser neues Fräulein die is was ganz Feines, da kann mir keiner ein≈ für ein U machen.“ Und Hermann versteht doch auch was von sein' Gewerbe. Der sieht doch auch, daß all Ihre Sachen Schneiderarbeit sind!— Und was Ihre Koffer und Ihre Handtasche is, sowas sieht man doch auch nur bei hohe Herrschaften.“ „Soso— ja— ja,“ war die einsilbige Antwort der jungen, ohnehin überreizten Dame. „Ins ganze Haus zerbrechen se sich die Köpfe, warum Sie woll hier sind, Fräulein,“ fuhr Frau Flübbe fort.„Na nu wo der schöne Leutnant hier war, wer'n se schon sich die Münder fusselig reden. Aber wenn sie, und da sollten sie mich nur kommen.„Es kann sich doch, auch woll'ne feine Dame mit ihren Familienanhang verkrachen,“ werde ich ihnen sagen.„Und was meine Mieterin is, die is hochanständig, u. der schneidige Herr war man bloß ihr Bruder, von wegen andere Geschichten is nich. Das gibt's bei Flübbes nich! Er war nur'ne knappe halbe Stunde da und ich nebenan.“ Fertig.“ Gertrud faßte sich an den Kopf.„Sehr richtig,“ sagte sie schnell.„Aber bitte, liebe Frau Flübbe, § Annen, 13. April.(Protestversammlung gegen die Lustbarkeitsstener=Verordnung.) Gestern abend sand im Saale des Herrn Radtie eine vom hiesigen Wirteverein einberufene Protestversammlung gegen die Lustbarkeitouer=Verordnung der Gemeinde Annen statt. Der Vorsitzende des WirteVereins, Herr Georg Richter, äußerte sich eingehend zu den einzelnen Bestimmungen der Verordnung, deren Sätze mit Rünssicht auf die in unserer Gemeinde bestehende außergewöhnliche Retlage als viel zu hoch bezeichnet wurden. Dr bedauerte lebhaft, daß die Behörde es versäumt habe, mit den in Frage kommenden Stellen vor Festsetzung der Vergnügungssteuersätze in Verhandlungen zu treten. Nach sehr eingehender Aussprache wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen:„Die am 12. April 1926 stattgehabte Versammlung der Vorstäude der Annener Vereine und des Wirte=Vereins Anneu erhebt einstimmig Einspruch gegen die geplanten hohen Sätze der Vergnügungssteuer=Verordnung. Die Vereine erblicken darin eine vollständige Abwürgung der Vereinstätigkeit und des um seine Existenz schon ohnehin schwer kämpfenden Wirtestandes und erwarten von der Gemeindevertretung eine ganz erhebliche Herabsetzung der vorgesehenen Abgaben, soweit es Veranstaltungen örtlicher Vereine sind, um mindestens 50 Proz. Sollte dieser berechtigte Vorschlag nicht angenommen werden, so bitten die Vereinsvorstände, die Sache zu vertagen.“ Außerdem beschloß man eine Kommission zu wählen, die nach dem Vorschlag des Herrn Reermann in einer Eingabe an die einzelnen Fraktionen der Gemeinde=Vertretung genau formulierte AbänderungsVorschläge machen soll. —(Die Wirtschaftliche Interessengemeinschaft) hält morgen abend 8 Uhr im Westfl. Hof(Radtke) eine Versammlung ab. Näheres besagt das Inserat in der heutigen Nr. —(Entwicklung des kommunalen Kraftwagenomnibusverkehrs in Westfalen.) Während zu Beginn des Jahres 1925 der öffentliche Omnibusverkehr nur in geringem Umfange vorhanden war, hat dieser im verflossenen Jahre in der Provinz Westjalen einen bedeutsamen Aufschwung genommen. Das Ruhrgebiet selbst wie die Randgebiete und große Kreise der ländlichen Gegenden sind mit einem dichten Verkehrsnetz durchzogen, auf dem die schmucken und geräumigen Wagen der Kraftverkehrsgesellschaften und der Straßen= und Kleinbahnen regelmäßig fahren. Nach Mitteilung der Kraftverkehrs=.=G. Westfalen, der diese Betriebe angeschlossen sind, werden zur Zeit in Westfalen 55 Linien mit einer Gesamtlänge von 812 Kilomtr. Streckenlänge betrieben. Der gesamte Wagenpark beträgt 114 Omnibusse und 4 Anhänger. Monatlich werden rund 300 000 Kilometer gefahren, was eine Jahresleistung von 3,6 Millionen Kilometer ergibt. Erwünscht wäre es, wenn auch die Fahrpläne dieser Linien in den Kursbüchern veröffentlicht würden, damit das Publikum auch weiß, wie und wann es dieses neue, bequeme Verkehrsmittel, insbesondere zu Ausflügen, benutzen kann. —(Schwarzhörer im Rundfunk.) In der von Dezember 1925 bis Anfang März d. Is. sind im Oberpostdirektionsbezirk Dortmund wegen Vergehens gegen die Verordnung zum Schutze des Funkverkehrs 13 Personen als Schwarzhörer zu Geld oder Gefängnisstrafen von den Gerichten rechtskräftig verurteilt worden. Daneben ist auf Einziehung des beschlagnahmten Funkgeräts erkannt worden. § Rüdinghausen, 13. April.(Baumblüte.) Das schöne Wetter mit dem fruchtbaren Regen hat über Nacht alles in Blüte und in Grün gesetzt. Ein wunderbarer Anblick! Die Rüdinghauser Obsthöfe, groß und klein, haben ein ganz besonderes schönes Kleid angezogen. Auf die Schönheit der Blüte braucht man nicht hinzuweisen. Ein Spaziergang nach dem idyllisch gelegenen Dörfchen verlohnt sich jetzt, kein Wanderer wird ihn bereuen. Also hinaus in die Baumblüte! lassen Sie mich bloß all die Briefe fertig schreiben. Ich möchte sie mitnehmen, wenn ich zu Tisch gehe. „Mein Gott, so'ne Eile. Ich mach ja schonst, daß ich rauskomme,“ murrte die Wirtin und schlurrte beleidigt davon. Das Mädchen ließ sich kraftlos in einen Stuhl fallen und starte vor sich hin in die Luft. Gedanken kamen und gingen. Haß, Empörung, Zorn rangen mit weicheren Gefühlen. Der Besuch des Bruders hatte alles neu aufgewühlt. Unablässig rannen ihr die Tränen, ohne daß sie es merkte, über ide Wangen. Endlich wurde sie stiller, raffte sich auf und kniete neben ihrem Koffer nieder. Ihre Hände gruben in den Kleidern und Wäschestücken, die ihr Mutter und Schwester so wohlbedacht und sorgsam ausgewählt und gepackt hatten. Nichts Ueberflüssiges; aber alles Notwendige war im besten Zustande und reichhaltig vorhanden. Ein kleiner Lederkasten barg ihren hübschen, aber ziemlich wertlosen Jungmädchenschmuck. Ein größerer verschlossener Kasten, den sie glücklicherweise mitgesandt, enthielt ihre köstlichen Besitztümer. Mit einem an der Uhrkette befestigten Schlüsselchen öffnete Gertrud Meinhard den Behälter— und schluchzte auf. Da lagen sie, in Seidenpapier gehüllt, die Lichtbilder des Mannes, den sie liebte, so lange sie denken konnte. Liebte, obgleich sie seine Schwächen durchschaute und tadelte, seine Fehler mit Bangen erkannte und fürchtete. Sie wickelte die Schutzdecken ab und versenkte sich in den Anblick der teuren Züge, der berückenden lachenden Augen, des weichen Mundes, der, von einem starken braunen Schnurrbart beschattet, so gütig lächeln konnte und dabei zwei blendend weiße Zahnreihen freigab. Da war er als bildhäbscher Kadett, als flotter Kavallerist, als Rennreiter! In Uniform und vil, zu Pferde und zu Fuß! Und alle Bilder waren beschrieben mit Widmungen von zartester Liebe! — Sie alle stammten aus jenen glücklichen Tagen ihrer Jugendliebe. Er noch unversucht, noch im Besitz der Erbschaft, die ihm den nötigen Wechsel und die vielverheißende Zukunst sicherte.— Die beiden obersten Bilder zeigten schon die Beränderung. Auf dem einen sah sie den Infanterieoffizier, dessen Antlitz Spuren von Socgen in kleinen Linten verriet. Das andere stellte Wiesener in Tropenuntform dar und war in Togo ausgenommen. Unter dem Büde stand:„Wieder ad astra— dem einzigen Lebensglück und Lebensziel entgegen!“ (Fortsetzung folgt.) .Stockum, 13. April.(Zahltermin.) Die Aus(zahlung der Erwerbslosenunterstützung findet am Freitag, 16. d. Mts. vormittags in der Zeit von 9,30 bis 10,30 Uhr in der hiesigen Meldestelle statt.— Gleichzeitig findet daselbst auch ein Steuerhebetermin statt. —(Fahrpreisermäßigung.) Dem evgl. Pfarramt in Stockum ist von der Barmer Bergbahn.=G. mitgeteilt worden, daß das Gesuch um ermäßigte Zeitkartenpreise bei Benutzung der Autobuslinie Elberfeld=Dortmund Erfolg gehabt hat. Es werden vom 19. d. Mts. ab(nicht wie wir berichteten schon ab 12. d..) Wochen= u. Schülerkarten eingeführt. Eichlinghosen, 13. April.(Der Gesangverein „Harmonie") zu Eichlinghofen feiert am 25. Juli os. sein 50 jähriges Bestehen, verbunden mit einem Gesangwettstreit, zu dem sich schon 16 Vereine gemeldet haben. Es soll jedoch eine Sonderklasse gebildet werden und der Delegiertentag hierzu soll am 25. April stattfinden. Provinzielle Nachrichten. Hombruch, 12. April.(Einbruchs=Diebstähle.) In der vergangenen Nacht wurde in der Kolonial= warenhandlung Holbutko in Hombruch, Bahnhofstr. durch Zertrümmerung einer Scheibe eingebrochen. Den Dieben fielen eine Menge Waren in die Hände, womit sie unerkannt entkamen.— Ein weiterer Einbruch wurde in derselben Nacht bei dem Wirt Droste, Südl.=Hombruch verübt. Auch hier nahmen die Diebe Getränke und Waren mit. Von den Einbrechern fehlt bis jetzt noch jede Spur. Es ist anzunehmen, daß es sich in beiden Fällen um dieselben Diebe handelt. Löttringhausen, 12. April.(Der Haldenbrand der Zeche Gottessegen) ist in letzter Zeit ziemlich erheblich geworden und hat bereits die ganze aufgeschüttete Berghalde ergriffen. Die aufsteigenden Brandgase machen sich denn auch in der Umgegend unangenehm bemerkbar. Durch Zuführung von Wasser sucht man den Brand zu bekämpfen, was hoffentlich bald gelingen wird, da sonst die zahlreichen Ausflügler unsere Gemarkung mit ihren Wäldern meiden dürften. Hörde, 12. April.(Um die Stillegung der Zeche Glückaufsegen.) Die heutigen erneuten Verhandlungen betr. Stillegung der Zeche Glückaufsegen in Wellinghofen, bei denen die von der Verwaltung inzwischen vorgelegten Unterlagen geprüft wurden, führten wiederum zu keiner Entscheidung. Der Vertreter des Oberbergamtes und der Demobilmachungskommissar ersuchten die Verwaltung auf Grund neu formulierter Fragen um weitere ergänzende Aus(künfte und regten eine Hinausschiebung der zum 15. April beabsichtigten Stillegung an, deren Prüfung von den Werksvertretern zugesagt wurde. Die Aufrechterhaltung des Zechenbetriebes hat in den letzten Monaten außerordentliche Zuschüsse erfordert, die sich im Monats=Durchschnitt auf ca. 50000 Mark belaufen. Hörde, 12. April.(Ihren 85. Geburtstag) beging am Sonntag die vielen Hördern bekannte und allgemeiner Achtung und Beliebtheit sich erfreuende Witwe Maglett, die Mutter des vor einiger Zeit verstorbenen ehemaligen Militär=Kapellmeisters Fr. Maglett. Die Hochbetagte ist körperlich noch verhältnismäßig rüstig und geistig regsam. Möge ihe noch ein langer und sorgenfreier Lebensabend beschieden sein. Hörde, 12. April.(Die schon angekündigten Massenentlassungen) beim Stahltrust, von denen vor allem in ganz unverhältnismäßiger Weise gegenüber den anderen beteiligten Werken die Hörder Betriebe des Phönix betroffen werden, sollen nunmehr zur Ausführung kommen. Nachdem in den letzten Wochen bereits vereinzelte Kündigungen vorgenommen waren, ist dem Vernehmen nach in Kürze mit solchen größeren Umfanges zu rechnen, von denen sowohl Arbeiter wie Angestellte betroffen werden. Herdecke, 10. April.(Schließung des letzten westfälischen Seminars.) Das Herdecker Seminar hat als letztes seine Pforten geschlossen. Es wurde 1894 ins Leben gerufen u. von insgesamt 1102 Seminaristen besucht. Durch die Belegung des Schulgebäudes mit französischen Truppen entstand an Gebäude und Einrichtung ein Schaden von 62·000 Mark. Von Ostern ab wird in dem Anstaltsgebäude eine Deutsche Oberschule mit Aufbauform errichtet. In dieser Woche fand eine Abschiedsfeier der ehemaligen Schüler statt, die stark besucht war und einen würdigen Verlauf nahm. Herne, 12. April.(Anhaltende Feierschichten.) Die Herner Zechengruppe der Harpener Bergbau.=., zu der die Zechen von der Heydt, Julia, Recklinghausen 1 und Recklinghausen 2 gehören, muß wegen fortgesetzten Absatzmangels an Koks und Kohle bis auf weiteres jede Woche eine Feierschicht einlegen. Herne, 12. April.(In selbstmörderischer Absicht war in der Nacht eine Frauensperson in der Nähe des Wendehafens bei der Zeche„Friedrich der Große=4“ in den Dortmund=Ems=Kanal gesprungen. Die Betreffende fand den Tod. Gelsenkirchen, 12. April.(Großfeuer.) Ein gewaltiges Feuer wütet sei heute nachmittag 5 Uhr auf dem Fabrikgebäude der Herdfabrik Küppersbusch u. Söhne in Gelsenkirchen=Schalke, Gewerkenstraße. Das Feuer entstand, wie verlautet, im Dachstuhl des neuen Gebäudes. Große Materialien der verschiedensten Art, auch das Musterlager, sind den Flammen zum Opfer gefallen. Ueber der Stadt, namentlich über dem Stadtteil Schalke ziehen ununterbrochen dichte Rauchwolken. An den Löschungsarbeiten beteiligten sich die Städtische Berufsfeuerwehr, die Feuerwehr der Rhein=Elbe=Union und verschiedene freiwillige Feuerwehren. Ueber die Entstehungsursachen und die Höhe des angerichteten Schadens konnte noch nichts ermittelt werden, da das Feuer noch anhält und auch die Telephonleitungen mit der Firma Küppersbusch gestört sind. Kettwig, 12. April.(Die Volkstümlichkeit August Thyssens,) des nunmehr Heimgegangenen, zeigte sich vor allem auch im Zusammentreffen mit der Arbeiterbevölkerung. Er war wegen der Einfach heit seines Wesens sehr beliebt. In Kettwig kannte ihn jedermann. Bis vor einigen Wochen fuhr er noch täglich nach Mülheim mit der Bahn. In Broich erwartete er, auf der Bank zwischen Arbeitern sitzend, den Zug, freundlich sich mit den Leuten unterhaltend. Während des Ruhrkamzfes war ein Stück der Bahn mit 1 Lokomotive und 4 Viehwagen in Betrieb. Der Fremde dachte nicht, daß dieser einfache Mann, der auf dem Bahnhof stand und den Zug erwartete, der ihn nach Mülheim bringen sollte, der Hüttengewaltige August Thyssen war, oder der, der in Broich zwischen den Landfrauen auf der Bank des Bahnsteigs saß und ein Schwätzchen hielt. Der alte Herr kletterte mit großem Humor in den Wagen. Er schüttelte sich vor Lachen, als ein Arbeiter zum anderen sagte:„Steh mal auf, laß den August sitzen, der ist älter als du!“ Thyssen war Mitglied des Gemeinderates und des Kirchenvorstandes der Kapellengemeinde von Kettwig v. d. Br. Letzterer schenkte er einen im Walde gelegenen Friedhof, auf diesem ruht er aus unter mächtigen Buchen von seinem arbeitsreichen Leben. Essen, 12. April.(Doppelselbstmord. Heul vormittag gegen 7,15 Uhr wurde in einem Hause in der Hövelstraße in Essen=Altenessen ein Kraftwagenführer und seine Geliebte mit Schußwunden im Kopfe tot aufgefunden. Es liegt zweifellos Selbstmord vor. Das Motiv der Tat ist noch nicht bekannt. Die polizeiliche Untersuchung wurde eingeleitet. Essen, 12. April.(Indentifizierung der beiden Leichen.) Die beiden vor kurzem im Walde zu Bredeney aufgefundenen Leichen konnten jetzt indentifiziert werden; es handelt sich um den 20 Jahre alten Kaufmann Hans P. und die 22 jährige Näherin Auguste., beide aus Duisburg=Ruhrort. Iserlohn, 12. April.(Weil er zu Ostern einen neuen Anzug haben wollte) stattete in Iserlohn ein ehemaliger Fürsorgezögling einem Kaufmann in dessen Abwesenheit einen unliebsamen Besuch ab. Der Bursche, der mit den Oertlichkeiten völlig vertraut war, hatte sich auf dem Boden versteckt, bis die Hausbewohner ihren Österspaziergang angetreten hatten. Auf diese Weise vermochte der Eindringling völlig ungestört zu arbeiten, was er denn auch mit besonderer Gründlichkeit besorgt hat. Von oben bis unten neu gekleidet, konnte er nunmehr in aller Ruhe das Weite suchen, doch ist die Kriminal#####izei ihm bereits auf der Spur. Beckum, 12. April.(Vierlinge angekommen.) In Beckum wurden einer Familie 4 Kinder geboren; Mutter und Kinder befinden sich wohlauf. Bielefeld, 12. April.(Der älteste Bürger Bielefelds) beging unlängst seinen 95. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde dem alten Herrn von seiten der Stadt ein namhaftes Geldgeschenk übermittelt. Ein Stadtrat überbrachte ihm dieses zugleich mit den herzlichsten Glückwünschen und einer Blumenspende. Düsseldorf, 12. April.(Schwere Folgen einer Wohnungsexmission.) Gestern vormittag sollte eine widerrechtlich bezogene Wohnung zwangsweise geräumt werden. Dabei leistete der Wohnungsinhaber heftigen Widerstand und rückte mit Axt und Revolver gegen die Polizeibeamten an. Seine Frau begoß die Beamten mit kochendem Wasser. Nach mehrmaligem Schußwechsel wurde der rabiate Mieter durch einen Schuß so schwer verletzt, daß er bei der Einlieferung ins Krankenhaus starb. Erkelenz, 12. April.(Furchtbarer Tod beim Spiel.) Hier vergnügte sich ein Knabe damit, die Seile einer Schaukel, auf der er saß, zusammenzuschlingen, um so die Schaukel zum Kreisen zu bringen. Plötzlich riß eines der Seile und schlang sich dem Knaben so fest um den Hals, daß er sich trotz verzweifelter Gegenwehr nicht mehr allein befreien konnte und nach einiger Zeit erstickte. Aus dem Gerichtssaal. Bestrafter Unhold. Lüdenscheid, 11. April. Auf dem Wege nach Brockhausen überfiel ein 20 jähriger Fuhrmann in der Nacht zum 13. Februar ein 17 jähriges Mädchen, das von Lüdenscheid heimkehrte. Seine Absicht vermochte er nicht zu verwirklichen. Das Hagener Schöffengericht verurteilte den Unhold, der das Mädchen sogar mit dem Messer bedroht hatte, unter Versagung mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis. Die Zwangshypothek. Ein Landwirt aus Mücka in der Oberlausitz hatte mehrfach gewildert und wurde eines Tages mit einem mit Schlingen gefangenen Rehbock und einer Ricke angetroffen. Das Amtsgericht in Niesky hatte ihn wegen Jagdfrevels zu 320 Mark Geldstrafe und Tragung der Kosten verurteilt. Im weiteren wurde der Landwirt durch Zivilklage zum Wertersatz der beiden lebenden Rehe unter Eintragung einer Hypothek auf sein Grundstück über 350 Mark kostenpflichtig verurteilt. Verzinsen muß er die Hypothek mit den üblichen Bankzinsen. aller Welt. Das Reich um eine Million betrogen. Beamten der Zollstelle Hamburg=Freihafen ist es gelungen, umfangreichen Zuckersteuerhinterziehungen auf die Spur zu kommen, die bis vor kurzem von einem Hamburger Schwindelkonzern verübt worden sind. Es steht schon jetzt fest, daß das Reich um etwa 1 Million Mark geschädigt worden ist. In die Angelegenheit sind etwa 30 Kaufleute verwickelt. Selbstmord des„Adjutanten“ von Heinz=Orbis. Der frühere„Adjutant“ des Präsidenten der „Autonomen Pfalz“, Heinz Orbis, der Separatist Eugen Flicker, hat sich in Bischweiler im Elsaß, wohin er sich nach dem Zusammenbruch des Unternehmens begeben hatte, erschossen. Verschollen. Wien, 12. April. Fünf Touristen, zwei Damen und drei Herren, die eine Skitour nach Tirol unternommen hatten, und am Ostermontag nach Wien zurückkehren wollten, werden seit dem 2. April vermißt. Ein grauenhafter Raubmord. Drei Todesopfer. Marienbad, 11. April. In den frühesten Morgenstunden des heutigen Tages wurde in der Gemeinde Rockendorf bei Marienbad ein bestialischer Raubmord verübt, dem bisher drei Menschenleben zum Opfer fielen, zwei weitere Personen sind tödlich verletzt, ein Opfer dürfte mit dem Leben davonkommen. Der 40 jährige in Rockendorf wohnhafte Landwirt Rudolf Döllner hatte dieser Tage einen Ochsen verkauft und hierfür 4000 tschechische Kronen bekommen, die er in seinem Hause aufbewahrte. Von dieser Tatsache mußte der bisher noch nicht bekannte Täter Kenntnis erlangt haben. Er überfiel um 1 Uhr nachts die in ihrem Bett schlafende Familie, ermordete mit einer Axt zunächst einen zweijährigen Knaben, ein vierjähriges Mädchen und die 20 jährige Magd. Darauf fügte er dem Landwirt Döllner und einem siebenjährigen Kinde sehr schwere Verletzungen zu, die ihren Tod herbeiführen müssen. Die Ehefrau des Döllner erhielt ebenfalls schwere Axthiebe über den Kopf, man hofft jedoch, sie am Leben erhalten zu können. Dem dreizehnjährigen Sohne Kaspar war es gelungen, von dem Mörder unbemerkt, unter das Bett zu kriechen, von wo er, vor Schrecken gelähmt, dem blutigen Wüten des Möcders gegen seine Eltern und Geschwister zusah. Der Knabe bemerkte auch, wie der Mörder nach vollbrachter Bluttat Schubladen und Kästen durchwühlte, und, als er das Geld fand, dieses zählte und darauf das Haus verließ. Der Knabe alarmierte sofort das Dorf. Aus dem nahen Bad Königswarth wurde Gendarmerie mit Polizeihunden herbeigerufen, auch ein Arzt war bald zur Stelle. Einen Kilometer vom Tatort entfernt wurde im Walde die Axt gefunden, mit der die Tat verübt worden war. Dammbruch und Ueberschwemmungen in Bagdad. London, 12. April. Bagdader Nachrichten zufolge hat der Tigris nur 25 Meter vom Königspalast in Bagdad entfernt einen Damm durchbrochen und ist über seine Ufer getreten. Der Königspalast mußte geräumt werden, die Schloßinsassen wurden auf Booten gerettet. 60 Häuser am Ufer stürzten in den sich mit unheimlicher Schnelligkeit verbreitenden Fluten zusammen, wobei 35 Personen ertranken. Auch das Militärlager am Nordtor Bagdads wurde ein Opfer der Ueberschwemmung. Alle Hilfsmaßnahmen der Behörden blieben bisher ohne Erfolg, die Fluten dringen unaufhaltsam in die Straßen Bagdads ein. Aus dem 20. Stockwerk gestürzt. Newyork, 12 April. Liebeskummer hat den 25jähigen Sohn des amerikanischen Millionärs Hilton, des Präsidenten der Bank of Manhattan, in den Tod getrieben. Er stürzte sich, nachdem er sich zuvor elf Stiche mit einer Schere beigebracht hatte, aus dem 20. Stockwerk eines Wolkenkratzers auf die Straße. Explosionskatastrophe auf einem Tankschiff. Port Arthur(Texas), 12. April. Auf einem Tankschiff erfolgte, während es eine Fracht von 90000 Faß Petroleum einlud, eine Explosion. 20 Personen wurden getötet und 30 verletzt. * — Seinen Leichtsinn mit dem Tode bezahlt hat in Berlin ein Herr, der trotz aller Warnungen auf eine fahrende Straßenbahn aufzuspringen versuchte und dabei zu Fall kam. Er wurde vom Anhänger überfahren, wobei ihm beide Beine vom Rumpf abgetrennt wurden. Außerdem erlitt er schwere Rückenquetschungen, sodaß der Tod eintrat, bevor noch die herbeigerufene Feuerwehr den Verunglückten aus seiner Lage zu befreien vermochte. — Von einer Tänzerin entführt? Die Berliner Kriminalpolizei fahndet zur Zeit auf eine Tänzerin, die in Berlin einen 72 jährigen, reichen Bierbrauer, den sie in einem Tanzlokal kennen gelernt hatte, entführt haben soll. Der Mann soll einen Betrag von 500000 Mark mitgenommen haben. Irgendwelche Spur wurde von dem Paar bisher nicht gefunden. — Die geplünderte Speisekammer. Diebe drangen in einer der letzten Nächte in das Gasthaus zu Langenbrück in Ostpreußen ein. Durch das Kellerfenster gelangten die Verbrecher in die verschlossene Speisekammer und räumten dort ordentlich auf. Ein großer Posten eingewecktes Geflügel, Brot, Wein und anderes fiel den Einbrechern in die Hände. Unbemerkt sind sie dann entkommen. — Die Nordsee noch immer minenverseucht. Bei der Einfahrt in den Hafen von Folkestone(England) wurde vor einigen Tagen noch eine völlig intakte, aus dem Weltkriege stammende Seemine aufgefunden. Dabei wird amtlich jetzt zugegeben, daß der unlängst im Hafen von Grimsby in die Luft geflogene Fischdampfer auf eine noch nicht aufgefundene Mine aufgelaufen ist. — Hialmar Lundbohm f. In Schweden schloß vor wenigen Wochen der vielgenannte Großindustrielle Hjalmar Lundbohm seine Augen. Er galt in seinem Vaterlande als der„König von Lappland“. Durch die verschiedenen Bergwerksgesellschaften war er zu einem ungeheuer reichen Manne geworden. Zum Unterschied von vielen anderen Multimillionären waren seine Gedanken stets der kulturellen Erschließung des Landes gewidmet, in dem seine Gesellschaften arbeiteten. Der Heimgegangene hat in einer Weise kolonisiert, wie kaum ein anderer Privatmann. Seinen Arbeitern baute er Villenkolonien, die mit einem Komfort ausgestattet wurden, der in dem armen Lappland bis dahin als etwas Märchenhaftes erschien. Er baute auf eigene Kosten Schulen und zog Lehrkräfte heran. Auch der Wissenschaft hat er stets ein besonderes Interesse zugewendet und sie mit reichen Mitteln unterstützt. Inserate für die Annener Zeitung bitten wir an den Erscbeisungstagen bis spälestens 10 Uhr vormittags aufzugeben, grössere Mozeigen am Tage vorher. Die Geschäftsstelle. Neueste Nachrichren. Hindenburgs Einspruch gegen das Duellgesetz. Berlin, 13. April. Dem Reichstage ist jetzt die vom Reichspräsidenten und Reichswehrminister unterzeichnete Entschließungsurkunde über die Aussetzung der Verkündung des Gesetzes zur Vereinfachung des Militärstrafrechts(Duell=Frage) zugegangen. Sie hat folgenden Wortlaut:„Entschließung. Auf Grund des Verlangeas eines Drittels des Reichstages vom 18. März 1926 setze ich gemäß Art. 72 der Reichsverfassung die Verkündung des am 3. Februar 1926 vom Reichstag beschlossenen Gesetzes zur Vereinfachung des Militärstrafrechtes um zwei Monate aus. Berlin, den 27. März 1926.“ * Der bayerische Ministerpräsident in Berlin. Berlin, 13. April. Zur Teilnahme an der heutigen Sitzung des Wasserstraßenbeirats traf gestern der bayerische Ministerpräsident Held in Berlin ein. Gleichzeitig bringt er dem Kanzler die Einladung für den am nächsten Sonnabend in München geplanten Empfang. * Ministerbesuch in Koblenz. Koblenz, 13. April. Der preußische Minister des Innern, Severing, traf gestern vormittag hier ein. Am Nachmittag nahm er an einer Besprechung bei der Regierung über die wirtschaftliche Lage teil.— Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Marx, traf ebenfalls gestern hier ein, um an der Versammlung des Gewerkschaftsausschusses für die besetzten Gebiete teilzunehmen. Es handelt sich dabei um die Auflösung des bisherigen Ausschusses und Bildung eines neuen für die jetzt noch besetzten Gebiete. * Loucheur bei Stresemann. Genf, 12. April. Der französische Großindustrielle Loucheur, der sich gestern besuchsweise in Locarno aufhielt, hat dem gleichfalls zur Erholung in Locarno weilenden deutschen Außenminister Dr. Stresemann einen Besuch gemacht. Eingesanot. Zu der kürzlich in der Annener Zeitung verösfentlichten Notiz über Raub und Ueberfall erwidern wir folgendes: Die Gebr. B. stellen den Sachverhalt so dar, als ob sie ganz harmlos überfallen wären; dem ist aber nicht so. Nach einer Auseinandersetzung im Lokale G. forderte L. B. auf, mit nach draußen zu gehen, trotz Warnung des A.., diese Aufforderung sei eine Provakation und er solle derartiges lieber unterlassen. Alsdann begaben wir uns auf den Heimweg, und an der Stelle, wo sich unsere Wege trennten, besprachen wir kurz die Sache. Kurz darauf gesellten sich die Gebr. B. hinzu und man sah sofort, daß L. B. eine Schußwaffe in der Hand hatte. Auf die Frage: Was hast du vor? ging er einige Schritte zurück und gab einen Schuß ab, der zum Glück fehlging. Nun ist es selbstverständlich, daß Erregung Platz griff und es eine kleine Abreibung gab, an der auch E. B. teilnahm. Bei dieser Rauferei ist dann E. B. auf einen Bordstein geschlagen, die Böschung heruntergefallen und hat sich eine Verletzung zugezogen. Als nun ein Landjäger und Polizeibeamter hinzukamen, leugnete L. B. noch immer, geschossen zu haben, doch wurde er überführt, weil die Waffe auf dem Felde und noch 19 Kugeln bei L. B. gefunden wurden. Nun geschah etwas, was wohl überlegt war. Die Gebr. B. sagten, wir sind beraubt. E. B. korrigierte aber sogleich und erklärte, ich kann es ja auch verloren haben.(Ist das Raub?) Nachdem am Hause des E. B. Geld gefunden wurde, erklärte er es als sein Eigentum. Alsdann gingen die Gebr. B. B. und O. B. zusammen nach Hause. Am Hause des E. B. angelangt, in dem auch B. B. wohnt, wurde B. B. mit Stockschlägen traktiert. Wie kommt übrigens der L. B. in den Besitz eines Waffenscheines. Die gerichtliche Untersuchung wird schon genaue Aufklärung bringen und die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen. Mehrere Beteiligte. Hals 100 Pfund nur Hk. 10.55 Gerste„„„.65 Hafer„„„ 10.95 Gersiennen„„„„ 9920 Rüchard Steilen, im Mittenerstr. 75. Aus eigener Mühle empfehle täglich frisch gemahlen: Gerstenmehl Zentner Mk. 10.85 Luttermehl Ntr..75 Maisschrot Faferschrot Erbsmeyl Vellmetz! Sämereien— Saatkartoffel. Ferner Parben, Locke, Pinsel la. Pußbedenlackfarbe, Dose 1. 40-.80 Fit. WOhike. Ssport. Veerbeiger: Die Rannen des Dortmader Rennvereins am Mistwoch, 14. und Sonnteg, 18. April versprechen, ###e schon d# bisherigen Nachrenntage gezeigt haben, guten Sport und gut besetzte Felder. Vor allem sportlich werden die beiden Tage mit dem Frühjahrsp##s und dem 1600sten Rennen bisher noch gebotene Entscheidungen bringen. Im ersteren Rennen gelten als bestimmte Starter: Freischütz, Sorello, Mazeppa, Goldwert, Tantalus, Traben, Anitra 2, Steinadler, Teufelskerl und Heinrich geh’. Für das 1500ste Rennen, das erst am kommenden Sountag gelaufen wird, sind folgende Kanonen als Starter anzusehen: Hausfreund, Freigeist, Marcellus, Freiweg 2, Hans Günther, Cyrano, Cosimo, Ergfenkein und Scharfenberg. Eine derartig glänzeube Besetzung wird man selten wiederfinden. Die umrahmenden Ereignisse des Mittwoch sind gleichfalls, nach den vorliegenden Stallanmeldungen, gut besetzt und dürfte der Dortmunder Rennverein, wenn der Wettergott ein Einsehen hat, vor einem glänzenden Erfolg stehen. X Die Berliner Fußballspiele vom letzten Sonntag. Eine große Ueberraschung brachte am vorigen Sonntag Hertha=BSC., die Union=Potsdam 10:0 schlagen konnten. Tennis Borussia fertigte Vorwärts:0 ab und 1. =.=Reukölln besiegte Alemannia=Haselhorst:0. Weißensee 00 erzielte gegen Union=SCC. nur ein:1 und ist dadurch dem Abstieg verfallen.— In der=Abteilung bildet Meteors:=Sieg über Spandauer SC. die große Ueberraschung. Kickers bezwang Union=Oberschöneweide :3 und Tasmania brachte gegen Allemania 90 einen :=Sieg zustande.— Zwei mitteldeutsche Mannschaften spielten in Berlin. Halle 98 wurde vom Spandauer S8. 2m(:2) geschlagen, während Wacker=Halle gegen Norden=RW. ein:2(:1) erzielte. Ferner gewann Viktoria 80 mit:3 gegen BSV. 92. X Um die westdeutsche Meisterschaft. Das Haupttressen der Fußballer in Duisburg am letzten Sonntag gewann der Duisburger SV. mit:0 gegen Turu=Düsseldorf und wird nunmehr mit Schwarz=weiß=Essen um die Teilnahme zur deutschen Meisterschaft kämpfen. Altenessen sicherte sich gleichfalls die Teilnahme durch einen :2 Sieg über Arminia=Bielefeld und Sport=Kassel gewann gegen Sportfreunde=Siegen:1. Das letzte Spiel der Tabellenzweiten gewann Schwarz=weiß=Essen:0 gegen Kurhessen=Kassel. Rheydter SV. gegen Hagen 11. X Südostdeutscher Fußball. Viktoria=Forst schlug am Sonntag in Forst den VfB.=Gleiwitz mit:2, Breslau 08 gewann in Waldenburg gegen den SV.=Hirsch= berg glatt:2 und der SV.=Sagan siegte in Sagan über Kottbus 98 mit:1. Das Städtespiel Breslau=Brieg endete mit einem überlegenen Siege der Breslauer, die ihren Gegner mit:1 überfuhren. Dortmunder Zuchtviehmarkt. Auftrieb am 8. April: 920 Stück Großvieh, 159 Schweine, 141 Kälber, 1 Schaf und 1 Ziege. Der Handel war in guten Tieren lebhaft, sonst mittel. Kühe kosteten 200 bis 700 Mark, Rinder 150 bis 400 Mark. Sämtliches zum Markt aufgetriebene Großvieh ist gegen Maul= und Klauenseuche geimpft worden. Die geimpften Tiere sind mit Ohrenmarken versehen, die die Bezeichnung„Magerviehhof Dortmund“ und eine Nummer tragen. Es sind die Nummern 67144 bis 68 066 ausgegeben worden. Am Schweinemarkt war der Handel mittel. Es kosteten —8 Wochen alte Ferkel 20—42 Mark,—10 Wochen alte 42—60 Mark, 10—12 Wochen 60—75 Mk. Der nächste Markt findet am 14. April statt. Verschiedenes. Liebesbetenerung durch Spiritismus. Ein Richter weigert sich, die Ehescheidung auszusprechen. Eine eigenartige Angelegenheit wurde einem Richter in Milwaukee unterbreitet. Es handelt sich darum, ob eine Frau Ehebruch begeht, wenn sie durch Spiritismus den Geist ihres ersten Mannes zitiert und mit diesem spricht und flirtet. Joseph Czarsorawski, der zweite Gatte der Dame, fühlte sich dadurch zurückversetzt und strengte die Ehescheidungsklage an. Das amerikanische Gesetz fordert in einem solchen Falle die Absage an den Liebhaber, der vom Richter festgestellt werden soll. Czarsorawski gab als solchen den 1911 gestorbenen Mann an, dessen Geist seine Frau herbeigerufen habe, um ihn zu liebkosen. Vor Gericht gab Frau Czarsorawski zu, daß sie mit ihrem ersten Mann gesprochen habe, ohne ihn aber zu küssen. Der Richter erkannte daraufhin, daß das Gesetz hier nicht in Anwendung kommen könne, und weigerte sich, die Ehescheidung auszusprechen. Die Nache der Luumie.— Bereits zehn Todesopfer. Abergläubische Menschen, die von Ehrfurcht erfüllt sind für Tutankamen und den verhängnisvollen Einfluß, den er auf diejenigen ausübt, die ihn in seiner Grabesruhe gestört haben, können sich jetzt für ihre Meinung auf einen Gelehrten in der Person des Erzählers von„1000 und eine Nacht", Dr. Mardrüs, berufen. In einem in der Pariser Liberte veröffentlichten Interview weist Dr. Mardrüs hin auf den Tod von George Benedite, dem Leiter der ägyptischen Abteilung im Louvre, der kürzlich in Aegypten, gestorben ist. Seitdem die Grabkammer von Tutankamen geöffnet wurde, sind, so sagt der Gelehrte, 10 Personen das Kräfte dieses. Ueberzei ein Geheimmittel besessen haben, vor fremden Eingriffen zu schützen. Der Frühliug und die Hochzeiten. der Re ecclt ectercete Sonnabend vor Ostern fast gestürmt durch die t# lustigen Paare, die ohne Unterlaß einander fole jedem Bureau wurde durchweg alle zehn ten eine Trauung vollzogen, und zur Bewältigun mußte noch Hilfe aus anderen Verwaltungsbureat der Gemeinden herangezogen werden. Eine verhungerte Millionärin. Eine 74 Jahre alte, unverheiratete Person mtt Namen Clara Jones, die seit vielen Jahren in#nem elenden Arbeiterviertel von Manchester kei wurde dieserTage in ihrer armseligen Wohnung hungert aufgefunden. Ihr Körper war in Lump gehüllt. Die Polizei entdeckte an verschiedenen Stellen ihres Schlafgemaches, gut verborgen, etwa 700 Pfd. in Gold= und Silbermünzen und andere Werte in Papieren im Gesamtbetrage von 40000 Pfund Sterling gleich 800000 Mark in deutscher Währung. Humoristische Ecke. — Kindermund. Mutter:„Beim Husten, Hedi, hätt man die Hand vor den Mund!“— Hedi:„Aber bei mir Mama, fliegen ja keine Zähne heraus!“ — Die Unentbehrliche.„Na, wie macht sich denn deine neue Sekretärin?“ fragte der Seniorchef. „O, recht geschickt,“ sagte der jüngere,„sie hat bereits in meinem Bureau alles schon so weit durcheinander gebracht, daß ich ohne sie nicht mer fertig werden kann.“ SCHNLLERSCHENDE (ZUBEREITUNGSDAUER NUR-5 MINUTEN) in vorzüglicher Güte sind jetzt neben der seit vielen Jahren bekannten Qualität im Handel und kosten nicht mehr.— Dieses neue Produkt bedeutet eine Ersparnis an Zeit und Geld und ist dabei von unübertroffenem Geschmack. NUR IN PAKETEN ERHALTLICH. S# Zerschneiden Sie bitte eine CIGARETTE REEMTSMA SASUIA (5 Pfg.) und hauchen Sie recht warm auf den in die hohle Hand geschütteten Tabak. Dann wird sich der milde Duft entwickeln, der die Marke Sascha für Dauerraucher besonders geeignet macht. NOch ISrEP LLN! Mein TOTAL-AUSVERKAUF für Herren- u. 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