uoe Die„Annener Zeitung“ erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.i gaenkuns. Arzeigegebühr für die einspaltige 1 mm hohe und 36 mm breite Zeile für Platz= verbunden mit der„Annener Volkszeitung“ anzeigen im Verbreitungsbezirk 8 Pf., auswärtige, amtliche u. finanzielle 10 Pf.] Anzeigenblatt für Annen und die benachbarten Ortschaften. Bezugspreis wöchentlich 30 Pfg.(Durch die Post bezogen monatlich.0 Ml.):; Orßan des Amtes Annen u. Landkreises Mörde, Für die Aufnahme der Anzeigen an vorgesch: Geschaftstelle: Bahnhostraße 23.— Telephon Ro. 334(Amt Witten.) se sowie der Gemeinden Stockum=Düren. f6. 35555 gata nehmen wir keine Gewähr. ssschen i Inserate sinden bei der großen Auflage der„Annener Zeitung“ weite und billige Verbreitung.— Bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Kon“ k u r s e n k o m m t j e d e r A n n o n c e n r a b a t t i n W e g f a l l. Für die Redaktion verantwortlich: Feitz Küching, Annen. nninnennnnnennendeun eemenimnninrnnnen e riebenen Nr 33. esen, Spte der Semeinven Orviunmz- Surten.#####1 porattonsdruck und Verlag von Fritz Rüching, Annen. Maunsenunrumumnuennmmururuneuneuuneeneneeeeeenenenenemninusionzuschusununeneeii eeereere t e e Donnerstag, den 18. Härz 1926. Die vertagte Völkerbundskrise. In Hornberg war einmal ein großes Schützenfest. Als aber nach Beendigung des Schießens die Preise verteilt werden sollten, da stellte sich heraus, daß dies nicht möglich war, weil kein einziger Schütze die Scheibe getroffen hatte und es sich auch nicht feststellen ließ, wie weit jeder vorbeigeschossen hatte. Auch in Genf waren jetzt solche Meisterschützen beisammen, und so geht die Genfer Tagung ebenso aus, wie das Hornberger Schießen. Am Dienstag abend traten noch einmal die Preisrichter— sprich: Völkerbundsrat— zusammen, aber sie konnten auch wieder nur feststellen, daß es bei diesem Schießen keinen Sieger gab, und so soll im Herbst ein neues Preisschießen stattfinden. Sieger hat es in Genf nicht gegeben. Zwar hat Brasilien es fertig gebracht, die Genfer Tagung zu sprengen, aber sein Ziel, den ständigen Ratssitz, hat es nicht erreicht. Aber wenn es auch keine Sieger gegeben hat, so kann man doch vielleicht von Besiegten sprechen. So hat vor allem der Völkerbund als solcher eine schwere Niederlage erlitten. Als Besiegte sind aber auch Briand und Chamberlain anzusehen. Sie glaubten bisher, das Weltorchestrion, Völkerbund genannt, zu meistern, und mußten nun erkennen, daß dieses von ihnen so klug ersonnene Instrument nur Mißtöne hervorbringt, wenn auch nur ein kleines Teilchen nicht mitmachen will. Sie haben ihre Macht erheblich überschätzt, als sie uns glauben machten, daß sie in der Lage wären, im Völkerbund das durchzusetzen, was sie uns in Locarno versprochen haben. Vielleicht werden es Briand und Chamberlain auch in ihren eigenen Ländern sehr bald spüren, daß sie mit einer großen Einbuße an Ansehen aus Genf zurückkehren. In Paris wird schon die Aussprache über die Regierungserklärung, mit der Briand am heutigen Donnerstag sein ausgebessertes Kabinett der Kammer vorstellen will, Gelegenheit zur Kritik an dem Genfer Fiasko geben. Schwieriger aber noch erscheint die Stellung Chamber= lains, der in der englischen Presse einem wahren Trommelfeuer schärfster Kritik ausgesetzt ist. Wenn man bereits seine Stellung als schwer erschüttert erklärt, so mag das allerdings über das Ziel hinausschießen. Schon aus Prestigegründen wird ihn die regierende konservative Partei zu halten suchen, wenn auch die Unzufriedenheit mit seiner Haltung in Genf bis weit in die Reihen der eigenen Partei hinein reicht. Auf welchen Ton die Kritik an Chamberlain eingestellt ist, davon nur eine Probe. Der„Manchester Guardian“ schreibt in einemLeitartikel u..:„Daß Austen Chamberlain seinen eigenen Ruf ruiniere, sci seine Sache. Daß er aber sich mit all diesen niedrigen Intrigen verbinde, das ginge über das hinaus, was ihm das Unterhaus zu tun erlaubt habe.“ Und noch ein Besiegter ist zu nennen: der schwedische Außenminister Unden. Das empfindet man vor allem in Schweden selbst. Die Kritik, die in der schwedischen Presse an Unden geübt wird, ist fast noch schärfer als die englische Kritik an Chamberlain. So stellt„Dagligt Allehanda“ fest, daß Undens Nerven den Anstrengungen in Genf nicht gewachsen waren. Er sei krank gewesen und habe an psychischer Depression gelitten. Es werde lange dauern, bis Schweden wieder eine politische Rolle spielen könne. Durch alle Kritik wird natürlich an dem Geschehenen nichts mehr geändert. Viel wichtiger ist auch die Frage, wie die Sache nun weitergehen soll. Mit der Vertagung ist es nicht getan. Die Schwierigkeiten werden im Herbst nicht geringer, sondern größer sein. Konnten bisher Spanien Brasilien vielleicht noch die leise Hoffnung hegen, daß sie im Herbst doch noch das Ziel ihrer Sehasucht, den ständigen Ratssitz, erreichen würden, so ist es damit jetzt aus. Eine—Ratserweiterung kommt jetzt auch für den Herbst nicht mehr in Frage, denn dazu müßte erst Deutschland in den Völkerbund hinein. Ein Mitel gäbe es allerdings, um im Herbst zum Ziel zu gelangen: ein Mittel, das allerdings auch vom deutschen Standpunkt als äußerst bedenklich abgelehnt werden muß: eine Aenderung der Völkerbundssatzung dahin, daß das Einstimmigkeitsprinzip im Rat abgeschafft wird. Dann könnte zwar Deutschland seinen Ratssitz bekommen, aber dieser Sitz wäre vollkommen wertlos. * Die gestern und heute bei uns eingegangenen Meldungen lassen wir der Reihe nach hier folgen. Ein demonstrativer Ausflug. Reichskanzler Dr. Luther und Dr. Stresemann unternahmen am Dienstag nachmittag einen Ausflug nach Montreux, von dem sie erst in der Nacht zurückkehrten. In Genf hatte sich deshalb das Gerücht gebildet, daß sie in Montreux eine Entscheidung in den Geufer schwebenden Fragen abwarten wollen und, falls die Entscheidung negativ ausfalle, nicht mehr nach Gens zurückkehren würden. In Wahrheit hatten sie ihren Ausflug nur so lange ausgedehnt, da sie in Genf doch nichts zu versäumen hatten. Es fanden wiederum nur fruchtlose Erörterungen hinter verschlossenen Türen statt. Eine stürmische Geheimsitzung. In diesen Geheimsitzungen scheint es übrigens recht lebhaft herzugehen, beinahe so temperamentvoll, wie im Prager Parlament. Der„Matin“ weiß wenigstens recht Erbauliches von der Wirkung des jüngst wieder von Mello Franco angekündigten Veto Brasiliens zu berichten. Die Erklärung des brasilianischen Delegierten habe wie eine Bombe gewirkt. Quinones de Leon sei nicht so weit gegangen, wie sein brasilianischer Kollege, er habe nur erklärt, daß Spanien noch immer beabsichtige, aus dem Völkerbunde auszutreten, weil es so schlecht behandelt worden sei. Die Ratsmitglieder, die das schwierige Kompromiß ausgearbeitet hätten, hätten ihre Wut nicht verbergen können. Vandervelde habe Mello Franco entgegengehalten, er treibe Mißbrauch mit seinen Rechten. Er begehe ein Verbrechen gegen den Weltfrieden.„Ihre Haltung“, so habe Vandervelde gerufen,„zerstört die Verträge von Locarno und führt den Ruin des Völkerbundes herbei.“ Mello Franco habe ironisch geantwortet, es sei seltsam, daß Europa den Brasilianern die Methode zur Aufrechterhaltung des Friedens lehren wolle. Briand u. Chamberlain hätten eingegriffen, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Ein neues Zwischenspiel. Auch Rumänien will in den Rat. Am Dienstag morgen trat eine neue Ueberraschung ein. Rumänien, von dem bisher überhaupt noch nicht gesprochen worden war, trat plötzlich mit dem Anspruch hervor, daß ihm als Vertreter der Kleinen Entente für den Herbst ein nichtständiger Ratssitz garantiert werde. DieRatsmitglieder sollten sich deshalb schriftlich verpflichten, im Herbst einen neuen nichtständigen Sitz zu schaffen, oder einer der Inhaber der nichtständigen Sitze sollte die Verpflichtung übernehmen, sich vor der nächsten Vollversammlung zurückzuziehen. Deutscherseits ist eine derartige Verpflichtung kategorisch abgelehnt worden. Dienstag vormittag hat Herr von Schubert den französischen Delegierten Loucheur aufgesucht und ihn davon in Kenntnis gesetzt, daß eine Bindung gegenüber der Kleinen Entente on deutscher Seite abgelehnt werden müsse. * Luther und Stresemann mit Chamberlain und Briand einig. Genf, 17. März. Gestern nachmittag fand zwischen Luther, Stresemann, Chamberlain u. Briand eine nochmalige Besprechung statt. Beim Verlassen des Hotels Metropole erklärt Briand, daß sich Schwierigkeiten in den Verhandlungen mit der deutschen Delegation nicht mehr ergeben hätten. Er deutete aber an, daß die Schwierigkeiten im Rat, d. h. das Veto Brasiliens noch nicht überwunden seien. Deutschlands Aufnahme soll vertagt werden. Genf, 16. März. Die Ratsmitglieder haben heute abend in einer geheimen Sitzung mit 7 gegen 3 Stimmen beschlossen, bei der Vollversammlung den Antrag auf Vertagung des deutschen Aufnahmegesuches bis zum September zu stellen. Die drei Mitglieder, die sich gegen diesen Antrag aussprachen sind Belgien, Japan und Schweden. Peinliches Aufsehen in Paris. Paris, 16 März. Die Vertagung der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund hat in Paris ungeheuer peinliches Aufsehen erregt. Dieser negative Ausgang der Genfer Beratungen wird ohne Zweifel als schwerer Mißerfolg gegen Briand ausgebeutet werden. * Ein Protest des deutschen Ostbundes. Der Deutsche Ostbund hat an den Reichslanzler in Genf nachstehendes Telegramm gerichtet: „In schwerer Sorge auf Grund hier eingetroffener Nachrichten bitten wir, keinerleiBindung für ständigen Sitz Polens im Völkerbundsrat einzugehen, sofern Sie und Reichsaußenminister Stresemann Wert auf vertrauensvolle Mitarbeit des Deutschen Ostbundes legen, der die ostmärkisch eingestellten Deutschen aller Parteien umfaßt, darunter mehr als 900 000 von Haus und Hof Vertriebene.“ * Die englische Arbeiterpartei dankt Schweden. Am Montag ist ein von 23 Parlamentsmitgliedern der englischen„Labour Party“ unterzeichnetes Telegramm an den Premierminister von Schweden gesandt worden, in dem sie ihm für die Europa und dem Völkerbund geleisteten Dienste danken und ihn dringend bitten, nicht von dem Sitz im Völkerbundsrat zurückzutreten. Der Beschluß der Vollversammlung über die Vertagung. Der entscheidenden Vollsitzung des Völkerbundes am Mittwoch ging eine halbstündige Ratssitzung vorher, die offenbar nur der Feststellung diente, daß seit Dienstag abend keine Aenderung der Lage eingetreten war. Unter ungeheurer Spannung begann dann um 10 Uhr 25 Minuten die Sitzung der Vollversammlung, die eingeleitet wurde durch eine Erklärung Mello Francos. Er begründete darin nochmals die Ansprüche Brasiliens auf einen ständigen Ratssitz und erklärte zum Schluß, daß die Instruktionen seiner Regierung an ihn unwiderruflich und unverändert geblieben seien. Im einzelnen führte Mello Franco zur Begründung des brasilianischen Standpunktes aus, daß Brasilien niemals die Absicht gehabt habe, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu verhindern. Aber Brasilien habe sich dagegen gewendet, daß der Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund und der Abschluß der Locarno=Verträge zu einer unüberlegten Rekonstruktion des Bölkerbundes benutzt werden sollte. Da dies zuletzt mit Tricks und auf Umwegen versucht wurde, sei seiner Regierung nichts übrig geblieben, als durch den Einspruch gegen den deutschen Ratssitz die Entwicklung aufzuhalten, da andere Mittel, die versuchten Tricks zu verhindern, ihm, Mello Franco, nicht mehr zu Gebote ständen. Er und seine Regierung ständen auf dem Standpunkt, daß Locarno ein großes Werk sei, daß es aber dem Völkerbund untergeordnet werden müsse und in den Völkerbund auf solche Weise eingeordnet, daß der Völkerbund nicht Schaden erleide. Er bedauere aus tiefstem Herzen, daß durch diesen nötigen Entschluß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund verhindert werde. Er wisse am besten, welch ungeheurer Fortschritt für den Völkerbund durch den Eintritt dieses großen Landes erzielt worden wäre. Aber es sei besser, daß Deutschland erst später in einen ungeschädigten Völkerbund einziehe, bis die Probleme, die hier aufgeworfen sind, mit Ruhe und Reifheit geklärt worden seien. Chamberlains Antrag auf Vertagung. Kurz vor 11 Uhr betrat Chamberlain die Rednertribüne, um den Antrag auf Vertagung zu begründen. Mit vor Erregung stockender Stimme führte er unter anderem aus: Alle Schwierigkeiten sind in vollster Freundschaft erledigt und beseitigt worden. Wir waren alle sehr glücklich in der Sicherheit, daß wir nunmehr den Eintritt des großen Landes in den Völkerbund hier empfehlen könnten. Da hat eine neue Gewaltdrohung, eine neue Anwendung von Gewalt, die unerträglich ist mit dem Bölkerbundsgedanken, unser ganzes Werk zerstört. Ich wünsche im Namen Englands und der englischen Delegation der schwedischen und der tschechischen Delegation für ihr uneigennütziges und edles Verhalten Dank zu sagen. Auch an dem Verhalten der deutschen Delegier. ten könne nicht die leiseste Kritik geübt werden. Sie haben sich würdig, klug und vernünftig verhalten und waren von dem gleichen Willen zur Einigung beseelt, wie alle anderen Mächte. Chamberlain schloß mit den Worten: „Wir müssen die Einigung, die wir hier gesunden haben und jetzt nicht verwirklichen können, in nächster Zukunft verwirklichen. Es darf nur eine Unterbrechung für den Augenblick sein. Wir können die Mitarbeit des großen deutschen Pelkes im Völkerbund einsach nicht entbehren.“ * Eine Rede Briands.: In ähnlichem Sinne wie Chamberlain sprach auch Briand. Er stellte fest, daß sich die Schwierigkeiten, die anfangs zwischen Frankreich und Deutschland bestanden, von Tag zu Tag gemindert hätten. Durch die Opfer der Herren Unden und Benesch schien dann eine Lösung gefunden zu sein. Leider war sie ein Irrtum.„Heute stehen wir,— so fuhr Briand fort— vor der Unmöglichkeit, wie Ihnen bekannt, Deutschland in den Völkerbund aufzunehmen. Aber ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben. Das Friedens= und Verständigungswerk ist nicht zerstört. Ich bin aus tiefstem Her52. Jahrgang. zen überzeugt, daß wir aus dieser delikaten Situation ohne Nachteil für unser gemeinsames Friedenswerk hervorgehen werden. Nicht darf uns ein Geist der Katastrophe beherrschen. Man hat mich einen unverbesserlichen Optimisten genannt. Sogar in dieser schwierigen Situation, in der wir uns jetzt befinden, glaube ich nicht, daß der Völkerbund ernstlich Schaden leiden wird. Zu Hohes hat er bisher geleistet, um durch vorübergehende Schwierigkeiten zu überwinden. Die deutsche Delegation hat sich das große Verdienst erworben, indem sie am gestrigen Tage die Initiative ergriffen hat, um das Locarnoabkommen vor dem Scheitern zu retten.“ Einsetzung einer Studienkommission. Hierauf sprach der Vorsitzende desVölkerbundsrates, Graf Ishii, der eine Resolution einbrachte, die entsprechend dem deutschen Vorschlage die Einsetzung einer Studienkommission zur Prüfung der Frage der Erweiterung des Rates vorsieht. Diese Kommission soll alle Fragen, die die Erweiterung des Rates betreffen, bis zum September klären. Ein Schwächeanfall Undens. Nach Graf Ishii ergriff der schwedische Außenminister Unden das Wort, mußte sich aber wegen eines Schwächeanfalles setzen. Seine Rede wurde von einem Sekretär nach einem Manuskript verlesen. Hierauf verlas der Vertreter Paraquays eine Erklärung der südamerikanischen Staaten, die am Dienstag Mello Franco mitgeteilt worden. war. Der Vertreter Paraquays erklärte, leider wäre dieser Schritt ohne Erfolg geblieben. Brasilien hätte durch seine Haltung die Verhandlungen nicht erleichtert, wie von südamerikanischer Seite gehofft worden wäre. Als weiterer Redner sprach der Schweizer Bundespräsident Motta, der besonders herzliche und tiefempfundene Worte des Bedauerns für die Ereignisse der letzten Tage fand. Darauf gab der Vertreter Hollands, der Pariser Gesandte Laudon, seiner Befürchtung darüber Ausdruck, daß der Geist der Verständigung nicht gesiegt hätte. Ein nochmaliges Scheitern eines deutschen Aufnahmeantrages im September würde ein nicht wiedergutzumachendes Unglück bedeuten. Die Vertagung beschlossen. Nach Beendigung der Aussprache nahm die Vollversammlung den Antrag auf Vertagung der Aufnahme Deutschlands sowie den Antrag des Grafen Ishii auf Einsetzung einer Studienkommission zur Prüfung der Erweiterung des Rates an. Die Vertagungsentschließung hat folgenden Wortlaut: „Die Vollversammlung bedauert es tief, daß der Zweck, zu dem sie einberusen ist, die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zu erschließen, nicht erfüllt werden konnte, und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sich im September der Eintritt Deutschlands verwirklichen lasse.“ * Die deutsche Delegation hat noch Mittwoch abend Genf verlassen. Auch Briand ist noch am Mittwoch nach Paris zurückgekehrt. Er wird heute nachmittag in der Kammer die Regierungserklärung abgeben. * Im Zeichen von Locarno. Ungeheuerliche Verleumdung Deutschlands. Einige Pariser und Brüsseler Zeitungen haben die Nachricht verbreitet, daß die deutsche Regierung in den Monaten Mai bis Juni 1919 100 Milliarden(!) Mark falsche Banknoten hergestellt habe, um sie an das Ausland gegen Devisen zu verkaufen, was auch zum Teil geschehen sei. Wie wir erfahren, handelt es sich bei dieserMeldung um eine so hahnebüchene Tatarnachricht, daß sich jede Diskussion darüber erübrigt. Die Acbeiszel=Konserenz. Um die Interpretation des Washingtoner Abkommens. Die am Montag in London eröffnete Internationale Arbeitszeit=Konferenz wurde durch eine Begrüßungsrede des englischen Ministerpräsidenten Baldwin eingeleitet. Als zweiter ergriff der britische Arbeitsminister Steel=Maitland zu einer programmatischen Erklärung das Wort. Er führte u. a. aus: Das Washingtoner Abkommen habe bei näherer Prüfung sehr ernste Schwierigkeiten der Interpretion gezeigt. Die eigenartige Situation ergab sich, daß England als Befürworter des Washingtoner Abkommens, als ein Land, das mit Bezug auf sein Arbeitsrecht keinem anderen Lande nachstehe, das Abkommen nicht ratifizieren konnte. Auch andere Regierungen, mit denen sich die britische Regierung deswegen in Verbindung gesetzt habe, seien auf die gleichen Schwierigkeiten gesto: ßen. Deshalb sei es zur Konferenz von London ite. Ror zekommen, um endlich dem Interpretionsstreit ein Ende zu bereiten. Darauf hielt der deutsche Arbeitsminister Dr. Brauns eine Rede, in der er sich eingehend mit der Frage der Einführung des allgemeinen Achtstundentages befaßte und vor allem die Schwierigkeiten schilderte, die einer universellen Regelung entgegenstehen. Akut sei diese Frage vor allem im Bergbau und in der eisenverarbeitenden Industrie. Nach ihm sprach der neue französische Arbeitsminister Durafour, dessen Ausführungen sich in denselben Bahnen bewegten, wie die des deutschen Vertreters. Die Konferenz wird voraussichtlich bis Donnerstag dauern. Deutsches Reich. Keine Ausweisung polnischer Optanten. Gegenüber vereinzelt zutage tretenden Unklarheiten, die auch in der polnischen Presse einen Niederschlag gefunden haben, stellt der Amtliche Preußische Pressedienst fest, daß eine Ausweisung polnischer Optanten, abgesehen von Fällen persönlicher Lästigkeit, solange nicht in Frage kommt, als auch Polen die deutschen Optanten im Lande läßt. Kein Disziplinarverfahren gegen Scheidemann. Auf eine kleine Anfrage eines völkischen Landtagsabgeordneten, in der Auskunft darüber verlangt wurde, ob gegen Scheidemann wegen seiner Aussage im Magdeburger Rothardt=Prozeß ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei, hat der preußische Innenminister Severing folgende Antwort, erteilt:„Ein Anlaß zur Einleitung eines Disziptinarverfahrens gegen den Oberbürgermeister Scheidemann wegen angeblich falscher Angaben im Magdeburger Rothardt=Prozeß hat nicht bestanden. Die Beamten der Staatsanwaltschaft, die an verHauptverhandlung gegen den Schriftleiter Rothardt teilgenommen haben, haben nach der gesamten Sachlage die Ueberzeugung gewonnen, daß„die der Aussage des Oberbürgermeisters Scheldemann widersprechenden Angaben des Zeugen Affeldt nicht zutreffen. Die Staatsanwaltschaft hat demgemäß auch zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Zeugen Oberbürgermeister Scheidemann von Amtswegen keine Veranlassung gefunden und auf Anzeige von Privatpersonen anhängig gewordene Verfahren eingestellt. — Dr. Geßler über die Gefahr der Parteien. Reichswehrminister Dr. Geßler hielt in Bremen in einer demokratischen Versammlung eine längere Rede über die politische Lage, in der er sich auch mit der Kritik an dem demokratisch=parlamentarischen System beschäftigte. U. a. führte er hierzu aus:„Gewisse Konstruktionsfehler lägen in der Verfassung vor. Die Parteien seien eine ungeheure Gefahr für die Stabilität unserer Verhältnisse. Ein System, bei dem die Minister auf tägliche Kündigung stünden, könne die gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht meistern. Es müsse unsere Aufgabe sein, zu verhindern, daß alle halbe Jahre eine Ministerkrise ausbreche.“ —. Lettow Vorbeck über den Kampf in Oftafrika. Auf Einladung der deutschvölkischen Freiheitsbewegung hielt General von Lettow Vorbeck in Hamburg im großen Saal bei Sagebiel einen Vortrag über den deutschen Heldenkampf in Ostafrika. Er schilderte besonders die zahlenmäßige Uebermacht der Feinde. Mit dem Zusammenbruch der Heimat sei auch das Ziel des Kampfes gegenstandslos geworden. Dieser Kampf habe gezeigt, daß im deutschen Heere moralische Kräfte gewirkt hätten, die geignet waren, eine materielle Schatten der Vergangenheit Kriminalroman von M. B. Hohenhofen. Sie sollen vor den Staatsanwalt geführt werden.“ Doktor Erwin Fröhlich folgte; er ging neben dem Wärter, ohne eine Frage zu stellen. Er war in diesen Tagen bald von dem Staatsanwalt, dann wieder von dem Ermittlungsrichter und dem Kommissar verhört worden, ohne daß er dabei mehr gesagt hätte, als er bei seinem ersten Verhör erklärt hatte. Seine Mutter sollte nicht wissen, was ihm bekannt war. Erwin hatte ein paar Tage vor dem Leichenfund einen Brief eines angeblichen Bob Hobspeath erhalten, der ihn um eine Unterredung ersuchte. Die Begegnung war erfolgt; dabei hatte Doktor Erwin Fröhlich sofort erkannt, wie tief dieser Bob Hobspeath gesunken war, der sich zuletzt als Max Fröhlich, Erwins Vater bezeichnete und als solcher— lediglich Geld forderte. Seine Mutter sollte nicht wissen, wie tief dieser Mann gefallen war. Deshalb hatte er das Geld zugesichert. Und dann sah er zwei Tage darauf seinen Vater als einen Toten. Dann hatte Erwin durch seine Mutter die Wahrheit über seines Vaters Schicksal erfahren, er wußte, daß er durch jenes Matthias Robusers Schuld auf eine abschüssige Bahn getrieben worden war. Er ahnte, daß zwischen seinem Vater und Rabuser eine Abrechnung erfolgt sein müsse, deren Ende die Tat war, deren er schließlich durch Zufälligkeiten selbst angeklagt wurde. Trotzdem schwieg er. Seine Schuld würde nach seiner Annahme nie bewiesen werden können. Dann mochte Matthias Rabuser fliehen, denn Anne sollte nie den Fluch tragen müssen, daß ihr Vater als Mörder angeklagt würde; und seine Mutter sollte auch nichts von dem Ende des Mannes wissen, der so tief hatte sinken können. Doktor Erwin Fröhlin war in das Amtszimmer des Staatsanwalts Larisch geführt worden; dort war auch Kommissar Kurz zugegen. „Wollen Sie sich also noch immer nicht entschließen, darüber Angaben zu machen, wer dieser Bob Hobspeath war?“ „Nein!“ „Auch darüber nicht, warum Sie dessen Briefe erhaben!“ „Nein!“ „Würden Sie sich dazu bereit erklärt haben, so so lange verhafte Ueberlegenheit in hohem Maße auszugleichen. Deutschland sollte sich auch heute auf diese Kräfte besinnen. Ausland. Frankreich. Zusammentritt des französischen Parlaments. Wie jetzt feststeht, wird das französische Parlament in jedem Fall am Donnerstag zusammentreten. Für den Fall, daß Briand trotz aller Bemühungen am Donnerstag nicht anwesend sein kann, wird lediglich eine formale Sitzung stattfinden. Wie der„Petit Parisien“ mitteilt, hat Briand sich durch einen Spezialkurier die nötigen Unterlagen aus Paris kommen lassen, besonders die neuen Pläne des Finanzministers, um noch während seines Aufenthaltes in Genf den Text seiner Regierungserklärung vorzubereiten. Am Donnerstag morgen soll ein Kabinettsrat stattfinden, nach dessen Genehmigung die Regierungserklärung zur Verlesung kommen könnte. Belgien. Sturz des belgischen Franken. An der Londoner Börse erfolgte am Montag ein ganz unerwarteter Sturz des belgischen Franken. In Brüssel herrscht darüber große Erregung. Der Ministerrat hielt eine langandauernde Sitzung ab. In politischen Kreisen spricht man von einem voraussichtlichen Rücktritt des Finanzministers, der aber keinen Rücktritt des Kabinetts zur Folge haben werde. Deutscher Reichstag. Sitzung vom 17. März. Kunst= und Bildungsfragen. r Reichstag setzte heute die Einzelberatung des Haushalts des Reichsinnenministeriums fort. Zunächst unterhielt man sich über Kunstfragen. Dabei empfiehlt Abg. Mumm(Dnat.) die Ausschußentschließung, die Maßnahmen zur Linderung der Notlage der deutschen Künstlerschaft fordert. Es folgen die Abschnitte, die das Schul= und Bildungswesen, den Sport und die Leibesübungen betreffen. In der Aussprache werden wieder zahllose Wünsche vorgebracht. Insbesondere wird von verschiedenen Rednern die Frage der Privatschulen und die Not der Junglehrer besprochen. Nachdem dann noch weitere Wünsche bezüglich Vorlegung des Reichsschulgesetzes und Förderung der Leibesübungen vorgebracht worden waren, wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt. Morgen soll auch über die Mißtrauensanträge abgestimmt werden. Preußischer Landtag. Sitzung vom 17. März. Die Hauszinssteuer. Der preußische Landtag nahm heute seine Vollsitzungen wieder auf. Ein kommunistischer Dringlichkeitsantrag, der die Freilassung der bei den Zusammenstößen wegen des Volksbegehrens Verhafteten fordert, scheitert an dem von sozialdemokratischer Seite erhobenen Widerspruch. Das Haus überweist dann ohne Debatte einen Gesetzentwurf an den Verfassungsausschuß, der die neue, 27. preußische Stimme im Reichsrat, die auf Grund der letzten Volkszählung für Preußen bestimmt wurde, durch das Staatsministerium führen lassen will. Auch die dritte Beratung der Zwischenlösung zur Hauszinssteuer spielt sich debattelos ab; die entscheidenden Abstimmungen erfolgen amFfreitag. Doktor Erwin Fröhlich schwieg. „Ich werde nunmehr Ihre Freilassung sofort veranlassen, da sich der Mörder des angeblichen Bob Hobspeath, über dessen wirkliche Person wahrscheinlich Sie allein Aufschluß geben können, gefunden hat.“ „Sein Mörder? Wer war es?“ Mit größter Erregung hatte er gefragt, und er glaubte, er werde jetzt des Matthias Rabusers Namen hören. „Der Täter hat seine Schuld in einer zornigen Aufwallung zugestanden. Anscheinend war der Ermordete Mitglied einer Gesellschaft, die falsche englische Bankscheine verbreitete. Jedenfalls war Bob Hobspeath Mitwissender gewesen.“ Das wußte Doktor Erwin Fröhlich bereits aus den Briefen, die er verbrannt hatte. „Weiter!“ „Nathan Sichel, der diese Scheine herstellte, ein Fälscher von ungewöhnlicher Energie, hat ihn erschlagen. Er hat die Tat selbst zugestanden, als er noch einen Anderen getötet hatte, in dem er einen Verräter vermutete. „Nathan Sichel?“ „Ja, ein ausführliches Geständnis über die Einzelheiten der Tat steht noch zu erwarten, da er verhaftet ist. Ich übergebe dem Schutzmann nunmehr einen sofortigen Freilassungsbefehl.“ Als Erwin dann entlassen wurde, übergab ihm der Verwalter des Untersuchungsgefängnisses noch einen Brief: „Hier! Der Brief gehört Ihnen!“ Das aber war Anne Rabusers Brief. Doktor Erwin Fröhlich hatte die Schriftzüge sofort erkannt, und auf der Straße, vor der Türe des Gefängnisses, durchflog er die Zeilen. Der Brief zitterte in seiner Hand, kaum hatte er den Inhalt überflogen, da war ein rascher Entschluß über ihn gekommen. Den ersten Kraftwagen, der ihm begegnete, rief er heran und ließ sich sofort zur Villa Rabuser fahren. An dem eisernen Tor zog er hastig die Glocke. Der Diener führte ihn in die Villa. „Bringen Sie mich sofort zu Fräulein Rabuser! Sofort! Sie ist doch noch hier?“ „Gewiß! Aber ich weiß nicht——“ „Fragen Sie nicht lange! Auf meine Verantwortung geschieht es!“ Da zog der Diener die Schultern hoch u. brachte ihn vor eine Türe. Doktor Erwin Fröhlich trat nach einem Klopfen, das mit leiser Stimme beantwortet wurde, sofort ebn. ören Sie nicht so lang Pekhafttt gewesen.] Da sah er Anne Rabuser. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Gebäude=Entschuldungssteuer=Gesetzes. Der Hauptausschuß hat bekanntlich beschlossen, das Gesetz wieder„Hauszinssteuer=Gesetz" zu nennen und hat eine Reihe von Maßnahmen zu Gunsten der Minderbemittelten vorgesehen. Der Steuersatz beträgt 40 Prozent der Friedensmiete; die Vorlage wurde vom Ausschuß bis zum 31. März 1928 befristet. Abg. Hecken(Dnatl.) fordert in der Debatte den Abbau der Hauszinssteuer. Der Redner erklärt weiter die Einbeziehung der Landwirtschaft für untragbar und fordert eine erhebliche Erleichterung für Eigenheime. Abg. Kölges(Ztr.) bezieht sich auf eine frühere Erklärung seiner Fraktion, in der die Vorlage als unsozial bezeichnet wurde und der Wunsch nach der Möglichkeit ihrer baldigen Aufhebung zum Ausdruck kam. Die Ablehnung der Steuer im jetzigen Augenblick würde aber einer völligen Lahmlegung des äußerst wichtigen Wohnungsbaues gleichkommen. Bezüglich der Frage der Einbeziehung der Landwirtschaft sei die Zentrumsfraktion geteilter Meinung. Abg. Stolt(Komm.) lehnt die Vorlage für seine Fraktion aus grundsätzlichen Erwägungen ab. Abg. Hoff(Dem.) stimmt dem Gesetz zu, das letzten Endes auf den Finanzminister v. Schlieben zurückgehe. Die große Mehrzahl seiner Fraktion sei für die Einbeziehung der Landwirtschaft unter Schonung der kleinen Betriebe. Die Weiterberatung wird unterbrochen und die Abstimmungen zur dritten Beratung der Zwischenlösung der Hauszinssteuer vorgenommen. Die Zwischenlösung wurde dann gegen Deutschnationale, Deutsche Volkspartei und Kommunisten angenommen. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 11 Uhr. Tokales. § Annen, 18. März. Der Abschluß der Besichtigungsreise über die Eingemeindung. Die vor einigen Tagen abgeschlossene Besichtigungsreise in den östlichen Eingemeindungsbezirken ist zurückzuführen auf die von der Regierung vorbereitete Verwaltungsreform, die u. a. eine Verminderung der Zahl der preußischen Landkreise auf etwa 50 vorsieht. Zunächst kommen als Kreise, die aufgeteilt werden sollen, die Landkreise Hörde und Dortmund in Frage. Hörde besonders deswegen, weil infolge der Erwerbslosigkeit und der fast völligen Stilllegung der industriellen Betriebe und der daraus folgenden Notlage sich in sämtlichen Aemtern Schulden und soziale Lasten in solchem Umfange angehäuft haben, daß eine Aenderung des Zustandes unbedingt notwendig ist. Den Ausweg sieht man in dem Weg der Umgemeindungen. Bei den Besprechungen kam zunächst die Rede auf eine Eingemeindungsmöglichkeit des Kreises und der Stadt Hörde nach Dortmund. Hörde wurde als eingemeindungsreif bezeichnet. Die Wünsche Dortmunds gehen dahin, im Norden ein zusammenhängendes Gebiet für industrielle Zwecke und im Süden ein ausreichend großes Siedlungsgelände zu erhalten. Im Norden ist Dortmund genötigt, auf eine Zusammenlegung von Industrie= und Arbeiterwohnungen und auf die Möglichkeit der Schaffung rationeller Verkehrswege für die Industrie zu sehen. Im Süden möchte Dortmund über die Stadt Hörde hinaus bis an die Ruhr gehen, um dort Siedlungsgelände für etwa 100 000 Einwohner, die jetzt im geschlossenen Stadtgebiet wohnen, zu erhalten. Nach den in den Besprechungen „Anne!“ Sie aber kniete vor einem Bett, in dem Matthias Rabuser als ein Toter aufgebahrt war. Anne Rabuser sprang auf u. preßte ihre beiden Hände gegen das heftig pochende Herz, als könnte sie dieses so zum Schweigen bringen. „Du— du kommst?“ „Ich mußte es doch! Dein Brief hat mich hervorgerufen. Was du dort schriebst, es konnte doch nicht dein Ernst sein.“ „Doch! Du hättest nicht kommen dürfen!"“ „Warum?" „Mein Vater!“ „Tot?“ „Wie ist er denn gestorben?“ „Er wurde ermordet, von einem ermordet, der ihn für einen Verräter hielt und deshalb tötete.“ Nun erst ahnte Doktor Erwin Fröhlich den Zusammenhang der Ereignisse; so war jener Andere, der nach den Worten des Staatsanwalts Larisch von Nathan Sichel noch getötet worden war, Matthias Rabuser. „Aber warum schriebst du den Brief?“ „Mein Vater! Er— trug eine Schuld, eine schwere Schuld. Sein Geld und sein Reichtum waren ehrloser Besitz. Ich ahnte das nicht. „Hat er diese Schuld nicht schwer genug gebüßt?“ fragte er nun. „Ja! Vielleicht schwerer, als er es verdiente. „Dann haben wir kein Recht mehr, den Toten anzuklagen!“ „Erwin! Könntest du es vergessen?“ „Du Törin! Durftest du zweifeln? Sollen die Kinder die Schuld der Eltern büßen? Nein! Ich weiß, daß du rein bist von jeder Schuld!“ „Erwin! Die Hoffnung! Ich konnte nicht mehr daran glauben. Ich erlitt ja so Schlimmes!“ „Du Aermste!“ Da stand er ganz dicht bei ihr und zog ihre Gestalt an seine Brust, und seine Hand glitt kosend über ihr Haar. „Ich verstehe es, glaub es mir.“ „Und nun habe ich keinen Vater mehr!“ „Tröste dich! Ich bin bei dir! Ich werde dich dafür zu einer Mutter führen, die dich gern und mit offenen Armen aufnimmt.“ Tränen hingen an den langen Wimpern ihrer schwarzen Augen. „Glaubst du?“ „An meine Mutter! Jal Sie ist ja die Güte selbst.“ „Dann— dann könnte also doch noch eine zutage getretenen Meinungen scheint es jedoch, daß Dortmund sich zunächst mit einer Südgrenze, die sich ungefähr durch die Straße über den Höchsten charakterisiert, zufrieden geben muß. Dortmund vertrat den Standpunkt, daß es in der Lage sein müsse, eine große Siedlung in der Nähe von Hohensyburg anzulegen, für die billige und schnelle Verkehrsmöglichkeiten mit Dortmund geschaffen werden müßten. Mit der Angliederung bestimmter Teile des Landkreises Dortmund und Hörde an Dortmund würden beide Kreise nicht mehr lebensfähig sein und die Kreisreste dem Landkreise Hamm bezw. der Stadt Witten zugeteilt werden. Dortmund würde, falls die Eeingemeindung in diesem Umfange zustande käme, etwa eine halbe Million Einwohner bekommen. Die Wünsche der Stadt Hagen liegen ähnlich, wie die der Stadt Dortmund. Was mit den Landkreisen Hagen und Schwelm geschehen wird, scheint noch nicht ganz klar zu sein. Die Regierung will diesmal jedenfalls die Durchführung der Eingemeindungen schneller betreiben als bisher, weil sonst die Gefahr entsteht, daß die Gemeinden gegeneinander ausgespielt werden. Die Eingemeindungen sollen diesmal schon innerhalb dreier Monate zum Gesetz erhoben werden und die dann noch notwendigen Umgemeindungen möglichst noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. Die Eingemeindungen um Witten und Hagen. Die informatorischen Besprechungen zwischen den Kommissaren der preußischen Staatsregierung und den interessierten Stellen über die Umgestaltung des Landkreises des südlichen Teiles des westfälischen Industriegebietes nahmen am Donnerstag voriger Woche ihren Fortgang. Vormittags wurde der Kreis Hörde, und zwar die Gemeinden Barop, Kirchhörde, Wellinghofen, Westhofen, Holden, Wandhofen, Syburg, Aplerbeck, Berghofen besichtigt. Die Vertreter der Gemeinden hatten Gelegenheit, ihre Auffassung zu den schwebenden Fragen zum Ausdruck zu bringen. Nach Besichtigung der Gemeinde Annen, deren Vertreter sich trotz der kritischen Finanzverhältnisse ihrer von der Wirtschaftsnot besonders schwer betroffenen Gemeinde, dem von Oberbürgermeister Laue=Witten begehrten Anschluß nach Witten widersetzten, ging die Reise nach dem Landkreise Hagen, und zwar nach Böhle, wo die hauptsächlich auf das Amt Böhle gerichteten Anschlußwünsche der Stadt Hagen von Oberbürgermeister Cuno in Hagen vorgetragen wurden. Die für Bommern an der Ruhr beabsichtigte Besprechung wurde in letzter Stunde abgesagt, da sich die Verhandlungen längere Zeit als vorgesehen hinzogen. Von Böhle aus ging die Reise nach Witten an der Ruhr, wo im Stadtverordnetensaale des neuen Rathauses gegen 7 Uhr abends in die Besprechung der Verhältnisse um Witten eingetreten wurde. Oberbürgermeister Laue in Witten unterbreitete in eingehenden Ausführungen die Vorschläge seiner Stadt. Am Freitag ging die Besichtigungsreise durch den Landkreis Bochum zunächst nach Langendreer, Werne weiter nach Lütgendortmund, von dort nach Hattingen, wo Besprechungen mit Vertretern der einzelnen Gemeinden stattfanden und eine der wichtigsten Fragen des Landkreisproblems im westfälischen Industriebezirk, und zwar die von Landrat Friedrich vorgeschlagene Zusammenstellung der Landkreise Hattingen und Bochum behandelt wurde. Zu den Eingemeindungsverhandlungen schreibt die Wittener Volksztg.: Nachdem vor kurzem in den Ministerien und den parlamentarischen Körverschaften Preußens die Eingemeindungsfragen bezüglich Bochum, Königssteele, Wanne usw. behandelt worden sind, werden jetzt in Berlin weitergehende Besprechungen gepflogen, an denen auch Witten in ganz hervorragender Weise beteiligt Hoffnung aufblühen.— Für mich— für uns?“ „Gewiß!“ und er küßte ihre bleiche Stirn. Folgender Tatbestand hat sich aus den Worten des sterbenden MatthiasRabuser noch ergeben: Bob Hobspeath wollte Geld von ihm; deshalb war dieser in sein Arbeitszimmer eingedrungen. Um dessen Verlangen nach Geld zu befriedigen, ging Rabuser aus seinem Zimmer fort; als er dann nach kaum fünf Minuten dorthin zurückkam, war das Zimmer leer und der Besucher fort. Was vorgefallen war, wußte Rabuser nicht. Den Mord selbst hatte Nathan Sichel mit einem unüberlegten Wort zugestanden. Aber wie er die Tat ausführte, das blieb sein Geheimnis. Als er aus der Zelle vorgeführt werden sollte, da war Nathan Sichel eine Leiche. Er hatte sich mit seiner Hose erhängt. So ließ sich nur vermuten, daß jener Tote auch von Nathan Sichel Geld gefordert haben mochte, der aber den unbequemen Mahner zum Schweigen brachte. Frank Burnes war die Flucht aus dem Fenster gelungen; aber schon nach kurzer Zeit erhielt der Kommissar aus dem Ausland die Nachricht, daß er bei der Ausgabe falscher Bankscheine verhaftet und zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden sei. Frau Marie Fröhlich nahm Anne Rabuser wie ihr Kind auf. Der große Gkaube dieser alten Frau hatte sich erfüllt. Erwin hatte sie wohl erzählt, wie sie den Toten auf dem Bild erkannt und doch geschwiegen hatte. Aber sonst erfuhr niemand, wer Bob Hobspeath war, auch Anne nicht, die davon nie etwas ahnte, daß ihr Vater eben dieser Frau, in der sie die beste Mutter gefunden, ein so tiefes Leid zugefügt hatte. Niemand wußte auch, warum das ganze Vermögen des Matthias Rabuser zum Besten der Armen der Stadt als Geschenk angeboten wurde. Anne wollte von diesem Reichtum nichts besitzen, ebensowenig Doktor Erwin Fröhlich. Rabusers Grab aber pflegten sie beide. Und Frau Mavie Fröhlich ließ sich auch einigemale nach dem Grab fahren, in dem der angebliche Bob Hobspeath von der Irrfahrt seines Lebens ausruhte. Und wenn sie dort blühende Blumen fand, dann huschte ein Leuchten über ihr Gesicht, denn sie wußte, wer sie gespendet und daß der Sohn seinem Vater vergeben hatte. Froher kam sie dann wieder in das Heim zurück, in dem das Glück bei Doktor Erwin Fröhlich mit dessen junger Frau eingezogen war. — Ende.— * ist. Es mag zugegeben werden, daß die augenblickliche schlimme Lage, unter der ganz besonders der Südrand des westfälischen Industriegebietes leidet, für Eingemeindungsverhandlungen eine denkbar schlechte Zeit bieten. Aber man darf bei Eingemeindungen nicht lediglich an das Heute denken, sondern muß dabei viel mehr die Entwicklung der Zukunft im Auge haben; für die Zukunft Wittens ist es aber von entscheidender Bedeutung, daß es nicht so zwischen die beiden wachsenden Großstädte Bochum und Dortmund gerät, daß es in der Weiterentwicklung gehemmt wird. Deswegen ist auch unsere Stadtverwaltung bei den maßgebenden Stellen in Berlin bemüht gewesen, daß Witten bei den großen Umgemeindungsfragen, die noch im Laufe dieses Sommers erledigt werden sollen, in angemessener Weise berücksichtigt wird. Soweit bis jetzt bekannt ist, ist damit zu rechnen, daß die Gemeinden Annen aus dem Kreise Hörde und Bommern aus dem Kreise Hagen=Land zum Stadtkreise Witten kommen. Ob das Amt Langendreer ebenfalls mit Witten vereinigt wird, ist zurzeit noch nicht spruchreif, zumal in Langendreer ziemliche Widerstände zu überwinden sind, die an die Vereinigung mit Werne denken. Wenn aber die Vereinigung Laugendreers mit Witten nicht in Frage kommen sollte, dann müßten zum allermindesten die unmittelbar an Witten angrenzenden Teile Langendreers, Crengeldanz, Papenholz usw., zu unserem Stadtkreise geschlagen werden. Es wird auch die Bildung eines Landkreises Witten mit Witten als Sitz des Landrates erwogen; diesem Landkreise würden dann die Aemter und Gemeinden zugeteilt werden, die für die Eingemeindungen in die Großstadtgebiete der Umgegend „ n i c h t i n F r a g e k o m m e n. U e b e r d i e A u s d e h n u n g dieses Landkreises Witten kann zurzeit noch nichts mitgeteilt werden, da die Vorverhandlungen über die Umgemeindungsfragen noch nicht abgeschlossen sind und durch vorzeitige Bekanntgabe vielleicht manche aussichtsreichen Möglichkeiten vereitelt werden können. * § Annen, 18. März.(Frühlingsansang.) Am 21. März beginnt der Frühling, ist der Winter, dem mit so vielen bangen Sorgen entgegengesehen wurde, zu Ende. Wenn die Erwerbslosigkeit nicht gewesen wäre, hätten wir mit dem Winter nur zufrieden sein können; hatten wir doch bereits schöne Tage mit 15 bis 20 Grad Wärme. Zu wünschen ist jetzt nur, daß die Arbeitsgelegenheit wieder zunimmt, und daß wir einmal wieder einen richtigen Frühling bekommen, denn den haben wir seit verschiedenen Jahren nicht mehr gehabt. Vor einem alben Dutzend Jahre war sogar an einem, Himnelfahrtstage ein mehrstündiger Schneefall zu verzeichnen. Feuchtigkeit gabs zur Genüge, wir können mithin schöne warme Frühlingswochen sehr wohl gebrauchen, wenn sie auch nicht so heiß zu sein brauchen, wie 1906, wo die Leute schon im April in Hemdsärmeln spazieren gingen. —(Umherziehende Zigenner) treten seit einiger Zeit wieder in Westfalen auf und bieten Gegenstände aller Art, insbesondere Spitzen, zum Kaufe an. Die Weiber bedienen sich bei ihrem Handel eines kleinen Totenkopfes und versuchen, Frauen zur Hergabe kleiner oder größerer Geldbeträge zu veranlassen. Vielfach ist dieses ihnen auch gelungen. So ist eine Frau in der Umgegend von Dortmund um nicht weniger denn 300 Mark geprellt worden. —(Einlegung schnellfahrender Personenzüge mit 4. Klasse.) Das städtische Verkehrs= u. Presseamt Dortmund teilt mit, daß in der Zeit vom 1. Juli bis 15. September d. Is. ein neues beschleunigtes Personenzugpaar zwischen Dortmund und München in folgender Zeitlage verkehrt: Zug 696 Dortmund=Hbf. ab 1,06 Uhr nachm., Köln=Hbf. ab 4,10 Uhr, Frankfurt a. M. ab 9,30 Uhr abends, München an am folgenden Morgen um 7,10 Uhr. Zug 695 München ab 10,45 Uhr abends, Frankfurt a. M. ab am nächsten Morgen um 8,30 Uhr, Köln=Hbf. ab 1,42 Uhr, Dortmund Hbf. an 4,34 Uhr nachmittags. —(Bahnhof Löttringhausen.) Das städtische Verkehrs= und Presscamt Dortmund teilt mit: Am 10. Oktober vor. Is. gaben wir durch die Presse bekannt, daß die Bemühungen des Westfälischen Verkehrsverbandes dazu geführt haben, daß die Reichsbahndirektion Essen den vor Jahren zu einer Beamtenwohnung ausgebauten Wartesaal 1. und 2. Klasse des Bahnhofs Löttringhausen wieder seiner ursprünglichen Zweckbestimmung zuführen wird. Nunmehr teilt uns das Reichsbahnbetriebsamt 3 Dortmund mit, daß die Instandsetzungsarbeiten soweit gediehen sind, daß der frühere Warteraum 1. und 2. Klasse voraussichtlich Ostern für den öffentlichen Verkehr wieder freigegeben wird. —(Für den Fuhrverkehr freigegeben.) Die s. Zt. wegen Neupflasterung gesperrte Provinzialstraße zwischen Barop und Eichlinghofen ist vom 16. März ab wieder für den Fuhrverkehr freigegeben. § Annen, 18. März.(Unser heimischer Klavierkünstler Erwin Körver) hat unlängst in München ein Konzert veranstaltet und einen glänzenden künstlerischen Erfolg erzielt. In den Münch. Neuest.Nachr. vom 14. März lesen wir: Eine ungewöhnliche Begabung ist dem noch sehr jungen Pianisten Erwin Körver zuzusprechen. Wie er sein Programm(Mozart, Beethoven, Brahms, Reger, Petyrek) physisch und psychisch durchhielt, war erstaunlich genug. Pianistisch fällt an seinem Spiel die fein durchgebildete, klare, flüssige und aufgelockerte Technik auf, worauf sich der Spieler schon heute durchaus verlassen kann. Nicht weniger überraschend als die technische Leistung war die Sicherheit und Bestimmtheit der musikalischen Gestaltung, die ein seines Verstehen und ein inneres Ohr bekundete. Die zum erstenmal gehörten Bariationen in=dur(mit wirksam aufgerichteter Fuge) von Felix Petyrek fesselten durch ihre sehr ische Konzeption, durch den Schwung der Rhythmik und Melodik(Schrekerische Züge tauchen da und dort wie leichte Lichter auf) und einen ausgezeichneten, klangvollen Klaviersatz. * Annen, 18. März.(Bannerweihe der Juzendgruppe der D. V..) Sonnabend, d. 20. Moltanged enkt die Jugendgruppe der Deutschen Verlspartei ihr Banner durch eine schlichte Feier im Saale des Westfälischen Hofes zu weihen. Der Leiter des Jugendamtes des WahlkreisesWestfalenSüd, Herr Bardet=Dortmund wird die Weiherede halten. Das Orchester des Deutschen Jugendbundes, Dortmund wird bei der Feier mitwirken. Seit Wochen bereitet die hiesige Jugendgruppe die Feier vor und gibt sich der frohen Hoffnung hin, daß die Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe der D. V. P. und Freunde der Volkspartei mit Familie gern an dieser Veranstaltung teilnehmen. Die Feier beginnt pünktlich 8 Uhr; der Eintritt ist frei. Keiner darf fehlen.(Siehe Anzeige in der heutigen Nummer d. Ztg.). s Auf dem Schnee, 18. März.(Bestandene Prüfung.) Frl. Emmi Hagenkötter bestand am 15. März in Hagen ihre Schneiderinnen=Gesellenprüfung mit„sehr gut“. Provinzielle Nachrichten. Wetter, 17. März.(Tödlicher Unfall beim Holzfällen.) Ein junger Mann aus der Freiheit, der hier in den Wäldern mit Aufladen von Bäumen beschäftigt war, wurde durch einen Baumstamm schwer verletzt. Der Verunglückte konnte sich noch nach Hause schleppen, er ist kurz darauf an den inneren Verletzungen im Krankenhause verschieden. Dortmund, 17. März.(Unverantwortlicher Leichtsinn oder verbrecherische Handlung in der Grube.) Auf der Zeche Minister Stein wurde von einem am Leseband beschäftigten Jungen ein in graues Papier verpacktes Päckchen gesunden. Es stellte sich heraus, daß das Päckchen 10 scharfe Messing=Sprengkapseln enthielt. Diese Sprengkapseln stammen nicht von der Zeche Minister Stein, da diese nur Kupfersprengkapseln verwendet. Sie müssen also von einer anderen Zeche durch einen Bergmann eingeschleppt worden sein. Es ist ein Glück, daß die Aufmerksamkeit des Lesejungen ein schreckliches Unglück verhütet hat. Die Sprengkapseln, die bekanntlich mit Knallquecksilber gefüllt sind, können sich schon durch Stoßen und Schlagen entzünden. Es ist als ein Wunder zu betrachten, daß diese Sprengkapseln nicht schon unter Tage durch irgendeinen Zufall zur Explosion gekommen sind und ein größeres Unglück verursacht haben. Außerdem aber hätten die Kapseln, wenn sie unter die versandfertige Kohle geraten wären, bei dem Abnehmer die furchtbarste Explosion in der Feuerung hervorrufen können.— Hoffentlich gelingt es der Bergpolizei den Besitzer der Sprengkapseln, der sie in die Grube gebracht hat, festzustellen. Ob Leichtsinn oder verbrecherische Absicht vorliegt, kann natürlich noch nicht gesagt werden. Hörde, 17. März.(Die Stillegung der Zeche „Glückaufsegen“ hinausgeschoben.) Die gestern vor dem Demobilmachungskommissar stattgefundenen Stillegungsverhandlungen der Zeche„Glückaufsegen“ mußten vertagt werden, da die Verwaltung das ihren Stillegungsantrag begründende Material nicht beibringen konnte. Die Stillegung dieser Zeche mit ihrer 1500 Mann starken Belegschaft ist damit wenigstens bis auf weiteres hinausgeschoben. Wellinghosen, 17. März.(Eingemeindung.) Das Gespenst der Eingemeindung droht uns wieder. Seit vielen Jahren waren Hörde und Dortmund bemüht, Teile des Amtes Wellinghofen einzugemeinden, aber immer vergebens, hoffentlich auch jetzt. Dortmund streckt seine Arme jetzt bis zur Ruhr, bescheiden kann man diese Forderung nicht nennen. Was würde uns eine Eingemeindung bringen? Keiner kann es wissen; aber eins wissen wir: daß wir das fünfte Rad am Wagen werden müssen, wie es die Notschreie in der Tagespresse aus Rahm, Deusen usw. deutlich beweisen. März.(Von einem Autobus tödlich überfahren) wurde die 40 Jahre alte Ehefrau Hindrichs von hier. Sie bog plötzlich um die Ecke und konnte sich nicht mehr früh genug vor dem schnellfahrenden Auto retten. Der Tod trat auf der Stelle ein. Düsseldorf, 17. März.(Zusammenstoß zwischen Schupo und Kommunisten in Düsseldorf.) Dem„Vorwärts“ zufolge kam es bei einer Demonstration der Kommunisten für das Volksbegehren zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Schutzpolizei, wobei es auf beiden Seiten zahlreiche Verletzte gab. Erst nachdem die Polizei größere Verstärkungen erhalten hatte, gelang die Säuberung der Straßen. Völn, 17. März.(Dreister Raubüberfall.) In der Nacht zum Sonntag hielt ein Mann auf der Landstraße den letzten leer von Ahrweiler kommenden Kraftomnibus an, wie es schien, um mitzufahren. Als der Wagen hielt, warf der Mann den Schaffner aus dem Kraftomnibus und zog die Klinge, so daß der Omnibus weiterfuhr. Der Schaffner wurde schwer verletzt von den Spießgesellen des Täters niedergeschlagen und seiner Geldtasche beraubt. Der Wagenführer bemerkte das ihlen des Schaffners erst auf der nächsten Haltestelle. Die Täter entkamen. Köln, 17. März.(Der Wiener Männergesangverein in Köln.) Der Wiener Männergesangverein, der im Wiener Kunstleben eine führende Stellung einnimmt und den musikalischen und künstlerischen Ruf Wiens in alle Welt hinausträgt, wird auf seiner Deutschlandreise auch Köln vom bis 13. Juni in seiner Stärke von etwa 300 Mann besuchen. Aus dem Gerichtssaal. Ein Jahr Gefängnis wegen versuchten Totschlags. Annen, 17. März. Vor einigen Tagen stand der albeiter P. aus der Mittelstraße wegen vervor dem Bochumer großen Schöffengericht unter Anklage. P. hatte von JahRecstist der ledigen Tochter der Ww. Aschemeyer, Gederbach 10, beim Hantieren mit einer Armee„eine schwere Schußwunde an der linken Eine im Sande verlaufene Ziebssgeschichte solle nach der Anklage die Ursache und schäese. D Beschuldigte B. bestritt das uns schügte immer nur Unglücksfall vor. Der Staatsanwalt ließ das aber nicht gelten und beantragte wegen versuchten Totschlags drei Monate Gefängnis. Das Gericht ging über diesen Antrag weit hinaus und es gab ein Jahr Gefängnis. Bee ausgeführt, daß beim Gericht über die Absicht des versuchten Totschlags gar kein Zweifel bestanden habe. Sie wollte bald heiraten, daher sorgte eine Kindergärtnerin auf eine etwas eigenartige Weise für die Wäscheausstattung. Bei einer Familie in Hamm i. W. angestellt, hatte Decken, Schürzen, Mundtücher, Blusen, Gardinen, Unterwäsche, Strümpfe, Schuhe usw. im Gesamtwert von etwa 1000 Mark zusammengestohlen. Selbst für Kinderzeug hatte sie bereits gesorgt. Die Bestohlene hat die Gegenstände oder deren Wert zurück erhalten, weshalb die Ungetreue mit der gelinden Strafe von 150 Mark davonkam. Ein Gatten= und Vatermord gesühnt. Berlin, 17. März. Das Schwurgericht Bartenstein verurteilte die Arbeiterfrau Pauline Löffler und ihren Sohn wegen Ermordung des Gatten, bezw. Vaters, zum Tode. Die Tochter erhielt wegen Beihilfe 10 Jahre Gefängnis. Wegen Fahnenflucht und Verrat militärischer Geheimnisse verurteilte das Schöffengericht in Elberfeld einen Reichswehrsoldaten zu 5 Jahren und 6 Monaten Gefängnis, Dienstentlassung und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Mann war nach vierjähriger Dienstzeit flüchtig geworden und hatte sich mit den Engländern in Köln in Verbindung gesetzt, denen er geheim zu haltende dienstliche Dinge, die ihm während seiner Tätigkeit im Reichswehrministerium bekannt geworden waren, verraten hat. 29 Jahre Zuchthaus für Brandstiftungen. Zu einem außerordentlichen kriminalistischen Ereignis wurde die Schwurgerichtsperiode in Fleusburg, Provinz Schleswig=Holstein, in der vergangenen Woche. 9 Anklagen waren insgesamt erhoben, 7 von ihnen lauteten auf Brandstiftung, die untereinander in keinem Zusammenhang standen. Alle wegen Brandstiftung erhobenen Anklagen führten zur Verurteilung. Insgesamt wurden 29 Jahre Zuchthaus verhängt. Die Brandstiftungs=Schwurgerichtsperiode der letzten Woche des Monats Februar 1926 in Flensburg ist ein Ereignis, wie es in der Kriminalgeschichte Deutschlands wohl noch nicht vorgekommen sein dürfte. Aus aller Welt. Berufung im Bothmer=Prozeß. Berlin, 17. März. Erster Staatsanwalt Gerlach hat unmittelbar nach der Verkündung des Urteils, das bekanntlich auf 2 Monate, 2 Wochen Gesängnis lautete, Berufung bei der Großen Strafkammer eingelegt. Auch Rechtsanwalt Bahn erklärte, daß die Gräfin die Entscheidung der Strafkammer anrufen wolle. Ein schwerer Unglücksfall wird aus Laske bei Hoyzerswerda(Schlesien) gemeldet. Ein Arbeitsbursche von 18 Jahren war mit dem Einölen der Maschinen des Werks, in dem er tätig war, beschäftigt. Dabei wurde sein Jackett von den Zähnen eines Rades erfaßt, er selbst zwischen die Räder gezogen und auf furchtbare Weise getötet. Die arg zugerichtete Leiche konnte erst nach Zertrümmerung eines Rades freigelegt werden. Hoteibrand. Nach einer Meldung des Newyork Herald sind in Shreveport(Lousiana) einem Hotelbrande mehrere Personen zum Opfer gefallen. Fünf Leichen sind bereits geborgen worden. Landestrauer für die Opfer des Eisenbahnunglücks in Costa Rica. San Rosé(Costa Rica), 16. März. Aus Anlaß des großen Eisenbahnunglücks ist eine dreitägige Landestrauer angeordnet worden. Der Präsident der Republik hat eine nationale Sammlung zur Unterstützung der Hinterbliebenen der Opfer eingeleitet. 50 Personen ertrunken. Guayaquil, 16. März. Wie gemeldet wird, sind in der Provinz Oro infolge Hochwassers des Jubones, das durch einen Wolkenbruch entstand, mehrere Dörfer überschwemmt worden. Biele Einwohner wurden in ihren Häusern von den Wassermassen überrascht. 50 Personen sind ertrunken. Der Sachschaden wird auf 2 Millionen Dollar geschätzt. Alsberg zum Fall Hau. Der juristische Berater Karl Haus, der mit ihm zusammen das Wiederaufnahmeverfahren betrieben hat, äußert sich zum Fall Hau wie folgt:„Nach meiner persönlichen Kenntnis halte ich die Meldung, daß Hau Selbstmord verübt hat, für außerordentlich wahrscheinlich. Schon als er das Zuchthaus verließ, äußerte er:„Mir gefällt es in der Welt nicht mehr!" Das einzige, was ihm noch Kraft zum Leben gab, war der Wunsch, rehabilitiert zu werden. In erster Linie wollte er das seiner Tochter wegen, die sich zu seinem größten Schmerz von ihm abgewendet hatte. Ich konnte ihn jedoch nicht darüber im Zweifel lassen, daß das Wiederaufnahmeverfahren nicht viel Aussicht auf Erfolg haben werde, da schon zur Einleitung die Kenntnis neuer Tatsachen notwendig gewesen wäre, die nicht bestanden. In erster Linie wollten wir durch namhafte ärztliche Sachverständige nachweisen lassen, daß er den Schuß nicht abgegeben haben könne. Aber es war auch noch etwas anderes, was ihn vor dem Wiederaufnahmeverfahren zurückschrecken ließ: Nur zwei Leute konnten den Schuß abgegeben haben: er oder— seine Schwägerin Olga olitor. Und er schreckte davor zurück, Olga Molitor des Mordes zu bezichtigen. Außerdem seiner Entlassung aus dem Zuchthause ausdrücklich versprechen müssen, nichts gegen Olga zu unternehmen. Dann kam der neue Steckbrief, der ihn außerordentlich erschütterte und beunruhigte. Schon vorher hatte er mir gegenüber die Absicht geäußert, nach Rom zu gehen. Er fuhr dann dorthin und ließ, obgleich er vorher mit aller Energie dasWiederaufnahmeverfahren betrieben hatte, nichts mehr von sich hören. äußerst bedauerlicher Unfall ereignete sich auf einer Werst in Stettin. Ein Elektriker war auf einer Helling damit beschäftigt, die ausgesprungenen Rollen des Stromabnehmers für den Kran wieder einzusetzen. Dabei erhielt er plötzlich einen elektrischen Schlag, der seinen soförtigen Tod herheiführte. Ferdinand Freiligrath. Zum 18. März 1926.— Fünfzig Jahre nach seinem Tode. Mit Ferdinand Freiligrath, der vor einem halben Jahrhundert, am 18. März 1876, die Augen für immer schloß, war ein wahrer und echter Dichter dahingegangen, ein Dichter von glühender Phantasie. Am 18. Juni 1810 als Sohn eines Lehrers in Detmold geboren, wurde er gegen seinen Willen für den Kaufmannsstand ausersehen und ausgebildet. In diesem Berufe war er in Soest (Westfalen) und Amsterdam tätig. Durch den Erfolg seiner 1838 gesammelt erschienenen Gedichte ermutigt, entsagte er dem kaufmännischen Berufe jedoch und lebte fortan seinen dichterischen Neigungen. Gern hatte er daher auch ein ihm von König Se Wilhelm IV von Preußen ausgesetztes Juhresgehalt angenommen. Von den revolutionären Bewegungen der vierziger Jahre des vorjgen Jahrhunderts ergriffen, verzichtete er jedoch auf die königliche Pension, dichtete Brandlieder gegen die Tyrannei und für den Umsturz und führte fortab ein unstetes Leben. Steckbrieflich verfolgt, wandte er sich nach der Schweiz, aus der er indes ausgewiesen wurde. Schließlich fand er in England eine bleibende Statt. Das Sturmjahr 1848 führte den Dichter wieder nach Deutschland zurück, doch mußte er 1851 aufs neue flüchten. Wieder ging er nach England, wo er als Kaufmann und Schriftsteller in harter Arbeit seinen Lebensunterhalt sich erwarb. Nach und nach wandte der Dichter sich indes immer mehr von der Politik ab, kehrte nach der Amnestie 1868 nach Deutschland zurück und nahm seinen ständigen Wohnsitz in Cannstatt bei, Stuttgart, wo er bis zu seinem Tode in beschaulicher Ruhe lebte. Im Jahre 1870 trat er begeistert für ein geeintes Deutschland ein. Von seinen Gedichten, denen er seinen Ruhm verdankt, zeichnen sich„Löwenritt" und„Der Blumen Rache" durch eine glänzende, bilderreiche Sprache aus, wenn er sich hier auch vielfach zu Reimkünsteleien verirrte. Geradezu erquickend auf den Leser wirken seine Lieder„Die Auswanderer“, „Die Tanne" und„Die Bilderbibel“ Wahre Kleinode seiner Poesie aber sind:„Ruhe der Geliebten“(So laß mich sitzen ohne Ende) und„Der Liebe Dauer“(O lieb', so lang du lieben kannst). Im Jahre 1870 dichtete Freiligrath, begeistert von den deutschen Erfolgen, seine vaterländischen Gedichte(„Die Trompete von Vionville“,„Hurra, Germania"), die zu den besten patriotischen Liedern überhaupt gerechnet werden müssen. * Geflügelte Worte aus Freiligraths Werken. „Mit dem Volke soll der Dichter gehen, Also les' ich meinen Schiller heut!“ so lautete 1844 das„Glaubensbekenntnis“ Freiligraths, während er 1841 noch gesungen hatte: „Der Dichter steht auf einer höhern Warte Als auf den Zinnen der Partei.“ Das Wort„Trotz alledem und alledem“ soll der Dichte schon als Jüngling oft zitiert haben.„Geflügelt“ wurde es nach Büchmann erst als Titel und Gedankengang eines seiner revolutionären Gedichte aus dem Jahre 1849. Büchmann teilt auch mit, daß er es als Wahlspruch in seinem Siegel getragen habe. Das oft zitierte Wort„Der Blumen Rache“ stammt ebenfalls von Freiligrath. Am bekanntesten dürften aber die Worte aus seinem Gedicht „Die Auswanderer" sein: „Ich kann den Blick nicht von euch wenden, Ich muß euch anschauen immerdar!“ Dortunander Zum Schlachtviehmarkt am 15. März waren aufgetrieben: 646 Stück Großvieh 776 Kälber, 97 Schafe, 2304 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund Lebendgewicht: 1. Rinder: A. Ochsen: a. 52—54, b. 48—51, c. 42—47, d. 35—41;.. Bullen: a. 52—54, b. 47—51, c. 35—46; C. Färsen und Kühe: a. 52—54, b. 48—51, c. 40—47, d. 23 bis 39, e. 15—27; 2. Kälber: a.—, b. 78 bis 82, c. 70—77, d. 55—69, e. 30—54. d. Weidemastschafe: a. 48—50, b. 25—47; 4. Schweine: a. 82—83, b. 81—82, c. 78—80, d. 76—77, e, 73—75. Marktverlauf: langsam. In den Preisen sind enthalten die Unkosten an Fracht, Viehhofgebühren, Umsatzsteuer und Händlergewinn. W Turnerisches. Hannoversche Musterturnschule. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß morgen Freitag, abends 7 Uhr in der Westfalenhalle in Dortmund die unter der turnerischen Leitung des Turnlehrers Loges geführte Hannoversche Musterturnschule auftritt. Ein Besuch dieser Veranstaltung ist zu empfehlen. losend, linderns, erfrischend Schtrar-Fhcutel-künen. Freitag, den 19. bis einschl. Montag. d. 22. bringen wir den prachtvollen deutschen Film Gruß mir das vlonde Kind am Ahem Großfilm aus Deutschlands heiteren und ernsten Tagen 1923 Pal u. Patachon im Prater Toller Humor in 6 Akten. Anlangtäslich 5 Uhr, Sonntag 3 Uhr. sweckmäsig nun die große Gustsahl ist. Relzende eigene Modelle nach entzückenden Wiener und Dariser Neuhelten finden Sie bei uns Sebra Sonnabend, 20. März 8 Uhr abends im Saale des Herrn van Pluer Chonthöner Vortrag 65 des Herrn Rich. Büchter, Dortmund Leiter der Masdasnan=Vereinigung. „Heilung aller Krankheiten durch bewußten Atem— reine Ernährung und Entspannungsübungen.(Vortrag und praktische Uebungen.) Unkostenbeltrag M..50.— Erwerbsiose zahlen die Hällte. Freunde des Fortschrittes und der naturgemäßen Ernährung sind freundlichst eingeladen. Lvang. Tereinshaus Annen. Sonntag, den 21. März nachm. 6 Uhr POATAAE über das „Gelneindebestimmungsrecht“. Jedermann herzlich willkommen. Eintritt frei. Tüchtiger Totel für unsere Kupferschmiede zur Anfertigung von Hochofen-Formen gesucht. Liegerlunder Rupferwerke G. m. b. H. Weidenau-Sieg. S. G. V. Abteilung Annen. Sonntag, den 21. d. Mts. Halbtagswanderung Abfahrt Annen-N. 1“ bis Witten. Von dort Wanderung nach Bommern, Trienendorf, Wengermühle, Esborn usw. Der Vorstand. Auf dem Wege von Steinstraße bis Wullen Portemonnate mit Inhalt u. Schuldschein verloren. Gegen gute Belohnung abzugeben in der Geschäftsstelle d. Ztg. mmmmmmmmmmmm s= Sonnabend, d. 20. März, s abends 8 Uhr, SS im Saale des Westfälischen Hofes(K. Radtke)# Bannerwene der Jugendgruppe der Deutschen S S5 Velkspartel Annen unter Mitwirkung des 2 = Orchesters des Deutschen Jugendbundes Dortmund. SS. Die Mitglieder der Annener Ortsgruppes S E der D. V.., der Frauengruppe, der Jugend== gruppe, sowie Freunde der D. V.., durch MitS glieder eingeführt, werden mit Familie zu dieser = Feier hiermit herzlich eingeladen. Der Vorstand der Jugendgruppe 2 der D. V. P. Annen. Piliimmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm mit höherer Schulbildung mindestens Obersekundareife zu Ostern gesucht. Nur schriftl. Bewerbungen an: Annener Gussstahlwerk,(Abt-Ges.) Annen. CARNAOE tut wohl, lindert Schmerzen. 8 Man verwendet Carmol(Karmelitergeist) bei Erkältungs-Krankheiten: Rheuma, Hexenschuß, Genick, treuz-, Kopf-, Zahnschmerzen, einfachem Husten und Schnupfen. Flasche Carmol lst eine billige Nausapotheke. 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