Die„Annener Zeitung“ erscheint jeden Diens##g, Donnerstag und Samstag. Anzeigegebühr für die einspaltige 1mm hohe und 36 mm brette Zeile für Platzanzeigen im Verbreitungsbezirk 40,— M, auswärts 50 K. Reklamezeile 1 mm hoch u. 76 mm breit 140 K. Sezugspreis monatlich 2200 c.(Durch die Post bezogen vierteljährlich 6600.— Bahnhofstr. 23. Telephon 334. verbunden mit der Annener„Volkszeitung“ Anzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. Oegan des Amtes Annen u. Landkreises Hörde, sowie der Gemeinden Stockum=Düren. Nr. 42. Ein neuer Plau zur Lösung der Reparationsfrage. Louch=urs Pläue. Nachrichten aus London zufolge soll es bei dem Besuch Loucheurs bei Lloyd George zu Erörterungen in der Ruhrfrage gekommen sein, die ein beträchtliches Interesse erregen würden. Wie weiter verlautet, soll Loucheur bei dieser Gelegenheit einen neuen Plan zur Lösung der Reparationsfrage entwickelt haben, worüber der diplomatische Vertreter des„Daily Telegraph" zu berichten weiß, daß die von Deutschland zu zahlende Summe auf 50 Milliarden Goldmark festgesetzt würde, welche Summe durch starke Bürgschafden der deutschen Industrie garantiert werden müßte. Ferner sollten die deutschen Figanzen unter genaue Kontrolle genommen werden und ein längerer Zahlungsaufschub gewährt werden. Das neubesetzte Gebiet sollte schnell geräumt werden, falls die Zahlungen regelmäßig erfolgen und die Rheinprovinz sollte in einen deutschen Bundesstaat umgewandelt werden, in dem der Völkerbund die Oberaussicht über die Entmilitarisierung ausübt. Der diplomatische Berichterstatter des„Daily Telegraph“ schreibt zu dem Plane, die augenblickliche kritische Lage im Ruhrgebiet brächte die ernsteren Elemente der politischen Meinung in allen Ländern, insbesondere in England und Frankreich, zu der Einsicht, daß eine baldige Lösung für das doppelte Problem der Reparationen und der Sicherheit gefunden werden müsse, wenn eine europäische Krise vermieden werden soll. Die Bewegung zu Gunsten einer praktischen Lösung gewinne in amtlichen und nichtamtlichen französischen Kreisen an Boden. Führende französische Staatsmänner und Militärs hätten das englische Interesse an der künftigen Sicherheit Frankreichs begrüßt. Französische Staatsmänner hätten infolgedessen die in Betracht kommenden Fragen von einem weiteren, einem kaufmännischeren Standpunkt betrachtet als bisher. Der Berichterstatter gibt die in manchen französischen einflußreichen Kreisen, „selbst einigen der höchsten“, herrschende Auffassung wie folgt wieder: Reparationen: Die Gesamtentschädigung soll jetzt auf eine verhältnismäßig bescheidene Summe herabgesetzt und der Hauptteil der Reparationszahlungen und Lieferungen zum Wiederausbau der verwüsteten Gebiete verwandt werden. Frankreichs ermäßigte Mindestforderung für diesen Zweck betrage 26 Milliarden Goldmark. Andererseits werde vorgeschlagen, daß die Schulden der Ententemächte an die Vereinigten Staaten auf Deutschland übertragen werden sollen. Dadurch könne die Forderung Großbritanniens an seine. Alliierten in Höhe der britischen Schulden an die Vereinigten Staaten befriedigt werden. Dem Berichterstatter des„Daily Telegraph" zufolge würde die gesamte Reparationsforderung auf Grund dieses Planes etwa 50 Milliarden betragen. Die deutschen Industriellen müßSamstag, den 7. April 1923. Enserats finden bei der großen Auflage „Annener Zeitung“ weite u. billige Verbre — Bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Neukursen kommt jeder Annoncenrabatt in Wegsan Für die Aufnahme der Anzeigen an geschviebenen Pläpzen übernehmen wir Verantortuung Redaktion, Druck und Verlag von Fritz Küching, Annen. 39. Jahrgang. des eintreten statt zuzulassen, daß die Zukunft dieser Enklave durch politische Abstimmung nach Verlauf von 15 Jahren bestimmt werde. Der Berichterstatter erklärt zum Schluß, daß die Einzelheiten eines solchen Planes eine ausgiebigere Prüfung erfordern, daß jedoch seine Grundsätze vielleicht zu einer ernstlichen und wohlwollenden Erwägung in England berechtigen. auch England gegenüber die Entschädigungsfrage nommen hat. Weitere Nachprüfungen der bisher mit dem Vorwand der Sicherheit in einen Topf festgestellten Tatsachensind genau so vor den Augeworfen und man spricht ganz offen davon, daßgen der ganzen zivilisierten Welt erfolgt, wie ihre man aus Gründen der Sicherbeit überhaupt nicht Mitteilung an Sie ergangen ist. Wir sind fest Die Berliner Auffassung über den Plan. Die„Kölnische Zeitung" nimmt bereits Stellung zu den Plänen Loucheurs, deren offiziöser Berlinev Mitarbeiter schreibt nämlich dazu: Denjenigen Politikern, die mit Aufmerksamkeit die französische Taktik verfolgt haben, ist mit den Ausführungen des„Daily Telegraph" nicht viel neues gesagt, aber es ist notwendig, vor aller Welt hinzuweisen, daß unter dem schillernden Gewand sich die nur äußerlich etwas friedlich aussehende Politik Loucheurs verbirgt. Wenn Deutschland sich bereit finden sollte, in diesem Augenblick sich auf Verhandlungen mit Frankreich einzulassen, was wäre dann zu erwarten? Was die Festsetzung unserer Leistungen anlangt, so ist die Lage ziemlich klar. Frankreich würde zunächst verlangen, daß ihm die bekannten 26 Milliarden bezahlt würden, die die 52 Prozent der ihm zustehenden Leistungen darstellen. Des weiteren würde Deutschland Frankreich gegenüber zum mindesten in der Höhe verpflichtet bleiben, in der Frankreich Amerika und England gegenüber verschuldet ist, dagegen Frankreich, wenn die jetzt genannten Schulden nicht einzutreiben sein sollten, Deutschland ersatzpflichtig macht, oder sich auf die deutsche Nichtzahlung berufen könnte. Außerdem müßte sich Deutschland zur Duldung einer umfangreichen Finanzkontrolle verpflichten u. der Schaffung eines Monopols, um die Entschädigungsleistungen und den Zinsendienst für etwa aufzunehmende Anleihen sicherzustellen. Mit der finanziellen Souveränität Deutschlands wäre es dann vorbei. Was jedoch die Ruhrfrage anlangt so würde in diesem Augenblick Frankreich als Gegenleistung für die zu übernehmende finanzielle Verpflichtung die viel berufene und berüchtigte, staffelweise Räumung des Ruhrgebietes zugestehen. Es würde dabei fordern, daß wir nicht nur unseren passiven Widerstand einstellten, sondern daß wir sogar alle amtlichen und nicht amtlichen Faktoren in dem besetzten Gebiete beseitigen müßten, um mit den Besatzungsmächten nach deren Wunsch zusammenzuarbeiten. Nach der heute noch in französischen Regierungskreisen herrschenden Gesinnungsart müßten wir die Rechtmäßigkeit der Ruhrbesetzung als ein Austauschobjekt zugestehen, wogegen Frankreich Ansprüche durchsetzen könnte, die über die im Versailler Vertrage enthaltenen Rechte hinausgehen würden und die in ihrer mildesten Form so gestaltet wären, wie sie Loucheur einmal bereits geschildert hat und wie sie der Daily Telegraph wiedergibt. Für welchen Zeitpunkt nun die erste Staffel der Räumung zugestanden würde, ist an sich schon zweifelhaft. Jedenfalls kann aber angenommen werden, daß Frankreich eine gute Leistung, also man aus Gründen der Sichechen überhaupt nicht räumen wolle. Wenn Herr Loucheur und der Daily Telegraph von einer Entmilitarisierung des Rheinlandes sprechen, so können wir darauf hinweisen, daß wegen der Bestimmungen des Versailler Vertrages und dev darin festgelegten neutralen Zone die denkbar stärksten Tatsachen einer Entmilitamsierung schon längst geführt sind. Diese Vorkehrungen haben leider die deutsche Sicherheit in einer geradezu unerträglichen Weise gefährdet und Deutschland jeden Schutzes gegen feindliche Einfälle beraubt. Man könnte bei dem Geschrei um die Sicherheit Frankreichs meinen, als ob wir in französisches Gebiet eingefallen wären. Man könnte demgegenüber die Frage aufwerfen, ob sich nicht etwa auch Frankreich bequemen sollte, Elsaß=Lothringen zu entmilitarisieren, um längs der gesamten deutschen Grenze eine neutrale Zone festzulegen, die in der Breite dem jetzt noch besetzten Gebiet plus der 50Kilometerzone entspricht. Geradezu ungeheuerlich ist es, wenn im Daily Telegraph ausgeführt wird, daß auf der Rechtsgrundlage des Ruhreinfalls in die deutsche Souveränität in einer Weise eingegriffen werden könnte, mit der durch ausländische Vereinbarung das jetzige Rheinland zu einem Bundesstaat gemacht werden sollte. Loucheur sucht auf diesem Wege vor allem die wirtschaftliche Beute für die französische Industrie zu sichern, während Poincaré die ungefähr gleichzeitige wirtschaftliche und politische Annexion erstrebt. Wenn der Berichterstatter des Daily Telegraph meint, daß die Einzelheiten des von ihm offenbar auf französische Einflüsterungen vorgetragenen Planes in England zu einer ernstlichen und sympathischen Erwägung berechtigen, so kann ihm von Deutschland nur erwidert werden, daß keine deutsche Regierung, die ihrer Autorität, ihres Bestandes, ja auch nuv ihres Lebens in Deutschland sicher sein sollte, derartige Vorschläge ernst nehmen dürfte und könnte. * * Loucheur unterbreitet Vonar Law seinen neuen Plau. Im Anschluß an seine Zusammenkunft mit Lloyd George hatte Loucheur eine Unterredung mit Bonar Law in Torquay, wo der Premierminister die Einzelheiten eines neuen Reparationsplanes mitteilte, der von den gemäßigten Elementen Frankreichs unterstützt wird, und der umfaßt:.) Die Herabsetzung der Gesamtsumme der Wiederherstellungen,.) die Ausgabe einer internationalen Anleihe und.) eine internationale Garantie der Verträge. davon überzeugt, daß sie restlos vor der Prüfung bestehen. Demgegenüber haben Sie den von mir mitgeteilten Sachverhalt als irrtümlich und absichtlich entstellt— denatures volontairement— bezeichnet und die Verantwortung für die Vorfälle auf die Leitung des Kruppschen Werkes und die Repräsentanten des Kapitalismus abgewälzt. Gleichzeitig haben Sie auf mein Ersuchen, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen, geantwwortet, daß das bereits durch die Verhaftung der Krupp=Direktoren geschehen sei. Ich habe geglaubt, hoffen zu können, daß die Vorfälle am Ostersamstag von Ihnen objektiv festgestellt u. gewürdigt, würden. Wenn dies von Ihnen nicht geschieht, so hätte die Essener Bevölkerung, hätte die Arbeiterschaft und Leitung der Firma Krupp doch wenigstens erwarten können, daß Sie auf den Protest der Stadt, der voll Ernst u. Trauer die Vorgänge darstellte, nicht mit Ausführungen geantwortet, die gegenüber der Bürgerschaft als ein Schlag ins Gesicht und wie Hohn wirken müssen. Seien Sie überzeugt, daß Ihr Schreiben in der Bürgerschaft, die angesichts der fürchterlichen Opfer der französischen Kugeln von dem Gefühl des Schmerzes tief erregt ist, gleichzeitig Gefühle schärfster Entrüstung hervorrufen wird. Eine Geblärung der Firma Krupp. Von einer französischen Propagandastelle ist die Behauptung verbreitet worden, die Firma Krupp habe nach Auflösung der Essener Schutzpolizei eine Anzahl von Schupobeamten in ihren Dienst genommen, Hierzu erklärt die Firma Krupp nachdrücklich, daß auf keinem ihrer Werke weder vor noch nach der Auflösung der Schupo irgend ein Schupobeamter, sei es als Angestellter, sei es als Arbeiter, eingestellt worden ist. Die Beerdigung der Opfer. Die Opfer der blutigen Ereignisse, deren Zahl sich inzwischen-auf 13 erhöht hat, werden vermutlich erst Anfang nächster Woche beigesetzt werven. Die Bestattung soll in einem gemeinsamen Grabe auf dem während des Krieges angelegten Essener Ehrenfriedhofe erfolgen. Am Tage der Beerdigung wird in den Kruppschen Werken die Arbeit ruhen. Der französische Befehlshaber hat den Soldaten verboten, sich während der Stunden der Beisetzung auf den Sraßen Essens zu zeigen, soweit sie sich nicht im Dienste dort aufzuhalten haben. Im letzteren Falle sollen sie beim Herannahen des Trauerzuges; Seitenstraßen aufsuchen. ten wesentliche Garantien geben, während Berlin vermutlich selbst die Notwendigkeit weitgehendoster internatio= würde. Da wir aber, wenn man von naler Ueberwachung der Finanzen Deutschlands bereits zugegeben habe. Deutschland würde natürlich ein wesentliches Moratorium erhalten. Sicherheit. Es würde eine stufenweise, jedoch rasche militärische Räumung des Ruhrgebietes und anderer in der letzZeit auf dem rechten Rheinufer bef waigen im übrigen sehr zweifelhaften Anleihemöglichkeiten absieht, zur Zeit nicht zahlen können, würde also auch zunächst von dem Beginn der Räumung noch nicht die Rede sein. Nach einer endgültigen Aufgabe unseres passiven Widerstandes und den Aussichten auf eine so unsichere Verne würde keinerlei Sonderregime er. Ausfahregimne, u Volabschntrung, Ein= und Süiede voltich woirtscefäch und#pubtitlgarnichts zu giben. Müre unser pasiven Wi., wulde pollisch, Wierschäftich und aoministrativ einen intregalen Teil des Reiches bilden, sie würde jedoch unter der Aufsicht des Völ kerbundes entmilitarisiert werden. Außerdem würde das deutsche Reich noch einen Nichtangriffspakt mit den übrigen Mächten abschließen. derstand einmal aufgehoben, so könnte er kaum wieder in der alten Form organisiert werden. Wir hatten dann keine Waffe mehr in der Hand und wären lediglich auf den guten Willen Frankreichs, seine Versprechungen zu halten, angewiesen. Aus bitterstev Erfahrung wissen wir, was kerbundssatung Sroundgfaßung. Was das Saargebiet betreffe, so würde das natürlichste Verfahren sein, es dem geplanten westrheinischen Staate innerhalb des deutschen Reiches zu assimilieren, zugleich jedoch Franspeichs Recht auf die dort erzeugten bestehen zu lassen. Es werde jedoch für die sofortige Schaffung eines autonomen Saarstaates unter Aufsicht des Völkerbunbesondere, wenn sie sich auf territoriale Fragen beziehen, wert sind. Die seinerzeit unter demVorwande militärischer Sanktionen besetzten drei Städte Düsseldorf, Duisburg u. Ruhrort sind ohne jeden Rechtstitel weiter besetzt geblieben. Zu den Räumungsfristen des Rheinlandes hat Millerand, der Präsident der französischen Republik, erklärt, daß lauten begonnen Hütteg umd Zur Lage Briefwechsel zwischen General Jac= quemot und dem Bürgermeister von Essen. Jsequemot an die Stadt. Herr Bürgermeister! In Beantwortung Ihres Briefes vom 2. April beehre ich mich, Ihnen davon Kenntnis zu geben, daß die angestellten Untersuchungen den Beweis erbracht haben, daß Ihre Auskünfte irrig waren oder daß die Tatsachen mit Willen entstellt worden sind. Die ganze Verantwortung fällt auf die Direktoren der Kruppschen Fabrik. Die Strafmaßnahmen, die Sie forderten, sind also schon im Gange, da ja eine gewisse Anzahl dieser Direktoren verhaftet wurde. Ich widersetze mich daher der öffentlichen Bestattung der am 31. März gefallenen Arbeiter nicht unter der Bedingung, daß die Ordnung nicht gestört wird, sondern bin der Meinung, daß dieser Zwischenfall nicht durch die Arbeiter selbst, sondern durch die Vertreter des Kapitalismus, welche sie gegen die französischen Soldaten aufgehetzt haben, verursacht sind. Sie werden für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung persönlich verantwortlich gemacht. Sie wollen mir vorher den Weg des Leichenbegängnisses bekannt geben. gez.: General Jacquemot. Die Antwort des Bürgermeisters an General Jacquemot lautet: An Herrn General Jacquemot! Was am Ostersamstag des Jahres 1923 in Essen geschehen ist und wen die Schuld dafür trifft, das liegt bereits in unzweiselhafter Karheit vor den Augen der gesamten Welt. Die Vorgänge sind auf das genaueste und das gewissenhafteste festgestellt worden, in erster Linie von den Betriebsräten der Firma Krupp. Das Ergebnis der Unteruchung ist wie Sie wissen, daß die Reichsregierung Anlaß zu diplomatise Besetzung von Banken. a. Die Franzosen werden immer unangenehmer. In Sochum haben sie am Freitag Nachmittag sämtliche Großbanken besetzt. Nachdem sie am Dienstag in der Kommerz= und Privat=Bank 20 Millionen Mark Eisenbahngelder beschlagnahmt hatten, erschjenen sie gestern mittag mit einem großen Aufgebot wiederum in der Bank, um nach dem Rest des für die Gehaltszahlungen der Eisenbahnbeamten in Bochum gestifteten Geldes zu suchen. Sie fanden in der Kommerz= und PrivatBank aber nichts mehr vor. Die Direktoren Baecker und Werners wurden verhaftet, ebenso der Kassierer der Bank. Die Franzosen beschlagnahmten dann in der Reichsbank etwa 250 Millionen Mark. Der Betrag der bei den Banken beschlagnahmten Summe beläuft sich auf 508 Millionen Mark. Besetzung von Bahr höfen u. Werdstätten Am 4. April,.20 Uhr, besetzten die Franzosen den Bahnhof Kray=Nord in Stärke von vier Panzerwagen, 6 Maschinengewehren und ungefähr 260 Soldaten. Der Block Frillendovt ist ebenfalls besetzt, und dort auf der Strecke Essen=Nord-Kray=Nord je eine Schienenlänge herausgenommen worden. Dadurch ist das Gleis unfahrbar gemächt. Ungefähr 15 Mann französischer Eisenbahner arbeiten im Bahnhof mit Brechstangen an den Anlagen bezw. Weichen. Im Bahnhof stehen ungefähr 16 Waggons Kohlen, ein Waggon mit Holz und 12 beladene Güterwagen. Ebenfalls stehen auf der Strecke KrayNord=Essen(Hauptbhf.), die dort von den Deutschen ausgestellten leeren Güterwagen. Ein Inspektor mußte der Besatzung Zimmer abgeben. Da er sich wetgerte, für die Franzosen Dienst zu tun, wurde ihm mit der sofortigen Räumung seiner Dienstwohnung unter Hinterlassung sämtlicher Möbel in einigen Tagen gedroht. Dem Obergütervorsteher sowie 7 anderen Beamten. die Dienstwohnungen inne haben, wurde die gleiche Mitteilung von den Franzosen zugestellt. Das Personal wurde nach der Besetzung gefragt, AAMAAAAA Sichte an jeden Deutschen. Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, an deines Volbes Auferstehn. Laß diesen Glauben dir nicht rauben trotz allem, allem, was geschehn. dr Und handeln sollst du so, als hinge von dir und deinem Tun allein Das Schicksal ab der deutschen Dinge, Und die Verantwortung wär“ dein. weigerte, wurde es aus dem Bahnhof verwiesen. Wie aus Krefeld gemeldet wird, ist die Eisenbahn=Hauptwerkstätte KrefeldOppum von den Belgiern und Franzosen besetzt worden. Der Betrieb ruht vollständig. Man ließ die Arbeiter nicht zu den Werkstätten, sondern fragte sie nur, ob sie bereit seien, unter der„Regie" der Franzosen weiterzuarbeiten, was einmütig abgelehnt wurde. Dann schlug man Plakate an, die zur Wiederaufnahme der Arbeit auffordern und im Weigerungsfalle mit der Ausweisung drohen. Da mit der Besetzung schon seit einiger Zeit gerechnet wurde, waren die Bücher und alle Aufzeichnungen nicht mehr zur Stelle. Zusammenstoß mit Franzosen in Hagen. Hagen, 5. April. Vorgestern nachmittag gegen 6 Uhr fuhr ein von vier Franzosen besetzter Lastkraftwagen, der von Herdecke kam, die Körnerstraße in Hagen in Richtung Haspe hinunter. Vor dem Hauptbahnhof wurde der Wagen von einer großen Menschenmenge angehalten und die Frangosen zum Aussteigen gezwungen. Die Franzosen schlugen mit dem Kolben um sich. Die Polizei schritt ein und nahm die Franzosen in Schutzhaft. Ein großes Polizeiaufgebot sorgte für die sofortige Räumung des Bahnhofsvorplatzes. Gegen 7 Uhr nachmittags wurden die Franzosen, deren Lastkraftwagen nicht mehr fahrbar war, mit einem Lastkraftwagen der Schutzpolizei in das besetzte Gebiet befördert. An der Zollstation in Herdecke schossen vorgestern französische Soldaten auf vier Arbeiter, die auf dem Wege von Herdecke nach Hagen begriffen waren und die Zollgreng# bereits passiert hatten. Sie verhafteten drei von ihnen auf unbesetztem Gebiet. Verletzt wurde niemand. In Frohlinde wurde ein französischer Posten durch einen Kinnschuß verletzt. Ueber den Täter ist nichts bekannt. Der französische Kommandant hat Sanktionen angedroht. Neue Verhaftungen. In Buer wurden von den Franzosen verschiedene Personen, die in deutschvölkischem Sinne kätig sind, verhaftet. Der Stadtverordnete Zurhausen wurde auf dem Rathaus und kurz darauf der Bergmann Teurer auf offener Straße festgenommen. Ebenfalls verhaftet wurde die Büroangestellte Erna Gantz. Den Verhaftungen folgten umfangreiche Haussuchungen in den Wohnungen der Verhafteten. Als Ursache der Verhaftungen wurden politische Umtriebe angegeben. Während Erna Gantz auf die Versicherung hin, daß sie keinen Fluchtversuch unternehmen werde, wieder entlassen wurde, sind die verhafteten Männer in Haft behalten worden. i Die Familie des zu 1 Jahr Gesängnis verurteilten Oberpostdirektors Grieg in Offenburg ist gestern antgeniesen worden. Die Zahl der Ausweisungen aus dem altbesetzten Gebiet hat in den letzten Tagen in ungewöhnlichem Maße zugenommen. Mit Einschluß der Familienmitglieder hat die Zahl der Ausgewiesenen am 28. März 1923 bereits 2700 überschritten. Unter den neu Ausgewiesenen befinden sich wiederum 30 Zollbeamte, 10 Eisenbahnbeamte und eine auffallend große Zahl von nicht beamteten Personen. Bürgermeister in Dunkelhaft. Wie der Stadtverwaltung von Bottrop offiziell bekannt geworden ist, befindet sich der Oberbürgermeister Dr. Baur im Gefängnis in Zweibrücken, desgleichen auch der Oberbürgermeister Laue aus Witten. Nach den ihr zugegangenen Mitteilungen werden die Bürgermeister dort in halbdunkler Zelle wie Gefängnisinsassen, die eine schwere Strafe zu verbüßen haben, behandelt. Bürgermeister Dr. Mihm war auch im Gefängnis in Zweibrücken untergebracht; ob er sich heute dort noch befindet, entzieht sich der Kenntnis der Stadtverwaltung. Verurteilungen. Essen 5. April. Das französische Kriegsgericht in Werden verurteilte den Ingenieur Franke, der einen Telephonapparat aus dem Zimmer des Eisenbahndirektionspräsidenten entfernte, nachdem dieses von den Franzosen mit Beschlag belegt worden war, zu zwei Jahren Gefängnis und 5 Millionen Mark, den Hilfsdezernenten von Speicher, der die Anweisung dazu gegeben hatte, in Abwesenheit zu fünf Jahren Gefängnis und 10 Millionen im Geldstrafe. Vom französischen Polizeigericht in Werden wurden wegen Zuwiderhandlung gegen den Ausweisungsbefehl die Kriminalbeamten Hasselberg, Grün, Engelken, Mitzker, sämtlich aus Soest, Beyer, Lamprecht, Bartkowski, Mühlich, Wehmeyr; sämtlich aus Bielefeld, Krause und Hansen aus Iserlohn, Hiller aus Münster und Janusch aus Soest zu je acht Monaten Gefängnis und 300 000 Mark Geldstrafe, Franke aus Münster, Malmann aus Essen, Kolbow aus Bielefeld zu 10 Monaten Gefängnis und 10000 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Hinrichtung des Prälaten Bulkiewitsch. Zurückweisung des englischen und polnischen Einspruchs. Allen Einsprüchen, namentlich Englands und Polens, zum Trotz hat die Moskauer Regierung, wie gemeldet, das Todesurteil an dem Prälaten Butkiewitsch vollstrecken lassen. Die Hinrichtung erfolgte bereits am 31. März durch Erschießen. Die Sowjetregierung hatte vorher die Einsprüche Englands und Polens in sehr schroff gehaltenen Noten zurückgewiesen. An das Foreign Office richtete Tschitscherin eine Note, in der er erklärte, daß die Intervention der britischen Regierung wegen der zum Tode verurteilten katholischen Priester eine Scheinheiligkeit darstelle. England, das die Hinrichtung politischer Gefangener in Irland, Indien und Aegypten zugelassen hatte, dürfe der russischen Regierung solche Hinrichtunigen nicht zum Vorwurf machen. Der Vertreter in Moskau hat der russischen Regierung diese Note zurückgegeben. Er erklärte, die Note in ihrer gegenwärtigen Form nicht annehmen zu können, da in ihr die Aufrichtigkeit des englischen Protestes in Zweifel gezogen wird. Der Sowjetvertreter in Warschau, Obolenski, ist beauftragt worden, der polnischen Regierung eine Note zu überreichen, worin die polnische Intervention zugunsten der verurteilten katholischen Geistlichen als ein von Drohungen und von Beleidigungen Sowjetrußlands begleiteter Eingriff in die russische Rechtsprechung zurückgewiesen und als unfreundlicher und aggressiver Akt gegen Rußland bezeichnet wird. Die Sowjetregierung weise mit Entrüstung die polnische Anmaßung zurück, in Rußland die Rolle eines Protektors der russischen Staatsbürger polnischer Nationalität spielen zu wollen, während etwa 10 Millionen Die Tannmüller Vroni. Hochlands-Roman von Fritz Daum. (Nachdruck verboten.) Ihre Aufgabe war gelöst, sie konnte wieder heimgehen. Froh und leichten Herzens eilte sie zu Tal. Möglicherweise wurde ihre Abwesenheit weiter nicht beachtet, wenn sie nicht allzu lange blieb.— Am Jochkreuz angekommen, kniete sie zu kurzer Andacht nieden. Plötzlich schreckte sie auf, Schritte schallten durch die Stille, Stimmen wurden laut, zugleich näherte sich ein zitternder Lichtschein. Eine große Furcht überfiel beklemmend das Herz des jungen Weibes.— Wer mochte in solch dunkler Nacht hierherkommen?— Ein Blick auf die Herankommenden sagte ihr, daß sie nichts zu fürchten habe. Es war ein alter Holzknecht mit seiner Tochter, die zum Kreuze wallten, „weil halt mei Mutterl soviel schwach und krank is“, meinte das Mädel und der Alte fügte hinzu: „Da haben wir halt ein Verspruch tan, hierher zu gehen und zu beten, leicht haben die lieben Heiligen ein Einsehen. Unter Tags muß ich arbeiten, da geht's halt nit. Am Abend bet sich's auch gut, so sein mir gangen,'s Meidi und i. Hast auch bet heroben, Hirschenwirtin?“ „Fretlich hab ich bet, ich wart noch so lang, bis Ihr mitgeht. Will gern ein paar Rosenkränz mitbeten für Euer armes Mutterl!“ Die Beiden dankten herzlich und nach volleneter Andacht stiegen alle prei zu Tal. Während es Abstiegs fuhr Vroni einmal erschreckt zusamnen, der matte Schall eines Schusses drang an hr Ohr.— Gottlob, er kam von der andern Seie. Franzl aber befand sich geborgen jenseits des serges. Heißes Dankgefühl durchströmte sie und o nahm sie, einem lebendigen Drange folgend, hre Begleiter mit in den Hirschen und gab ihnen loch etwas zur Kräftigung der Kranken mit, was hr ein recht inniges„Vergelts Gott“ eintrug. Vroni fand in dieser Nacht wenig Schlaf. Eise bleierne Mattigkeit lag ihr in den Gliedern. Nüde erhob sie sich von ihrem Lager und ging en Tagesgeschäften nach. Konrad fehte, doch war dies weiter nicht besemdlich. Gegen 10 Uhr kam plötzlich ein Bauer auf den Hirschen" zugerannt und trat mit allen Anzeisen eines Schreckensboten in die Schenkstube. Als er Vroni am Büffett gewahrte, fing er an zu stammeln und zu stottern. „Du sollst nit erschrecken, Hirschenwirtin!" „Warum nit, Regelesbauer?— Sag halt, was es gibt. Is es denn gar so was Arges“. „Freilich,— freilich!“ „Is daheim in der Tannmühl leicht ein Unglück passiert?“ „Na, na,— da is nix passiert.— Aber,— tu bloß nit erschrecken.— Dein Mann,— sie haben ihn gefunden!" „Gefunden—?— Wo—?— Tot—?“ Der Bauer nickte.— Vroni fühlte, wie es ihr eiskalt den Rücken herauf kroch.— Dann mit einem Mal fing sie an zu zittern und ihre Fassung drohte sie zu verlassen. Mit Gewalt drängte sie alle auf sie einstürmenden Gefühle zurück und forderte den Boten auf, zu erzählen. Umständlich begann der Mann. „Heut in der Fruah, da sein mir, mein Hansl, der Knecht, und i, naufg'stiegen in die Trettachwänd. Dort han i ein Stückl Wald, von meiner Mutter selig her, weißt, wie mir so durch die Reutachklamm kommen,'s war grad ein Binkerl hell, da seh'n mir, daß's Glander an einev Stell durchbrochen is, die Stangen hängen noch halbert in'Tiefen. Mir bleiben halt ein wengerl stehen und mein Hansl, der Bub, hat ein ganz sakrish’schau,— lugt abi. Auf amol tut er an Schrei und ruft: Vater, schau doch, da drunt liegt Einer!— Richtig, wie i zuschau, seh i, wie ein Mann an ein'm Felsblock liegt. Kene fünf Gäng unterm Steig. Halbert hangt er in den kramligen Aest von einer Zirbelkiefer. Wir hatten Seile mit. Der Hansl isalleweil vollev Kurasch, laßt sich die Strecken weit nunter und will'n anseilen. Kaum is er drunten, da ruft er: Vater,'s ist der Hirschenkonrad,— und soviel vollev But is er! —'erst haben wir Dein'n Mann aufizogen, dann mein Buben. Grausich zum Anschauen war’s, kannst's mir glauben. Aber vom Fallen is es nit kammen— das Blut,— o nein,— na, na, aber, jetzt erschreck nit, Wirtin,— ein Schußwunden hat er in sein'm Rücken, eine ganz schwere,— die ganze Joppen is verbrannt und zersetzt. Reiß Dich halt'sammen, denk, unser Herrgtt hat's so wollen.— Wird schon sein Straf kriegen, der Mörder, der's tan hat. Is neamed andersch gewesen wie der Jager,— die san alleweil derbei mit'm Schießen!“ Vroni lauschte dem Bericht mit einer wie Ukrainer und Weißruthenen in der Polnischen Republik allev Minderheitsrechte beraubt seien. Ausland. England. Neue schwere Urruhen in Aberdeen. Reuter meldet: In Aberdeen kam es Mittwoch zu neuen Unruhen. Die streikenden Lastträger suchten die Lastträger, die von den deutschen Fischdampfern Fische abholen u. zum Markt schaffen wollten, daran zu hindern. Als die Träger unter dem Schutze der Polizei den Markt erreichen wollten, wurden sie von mehreren Tausend Ausständigen, die von ihren Frauen begleitet waren, mit einem Hagel von Kohlenstücken empfangen. Die Polizei machte einen Angriff mit Knütteln, während sie von den Fenstern der Nachbarhäuser mit Wurfgeschossen überschüttet wurde. Schließlich wurde die Menge zerstreut. Ein Polizist und ein Ausständiger wurden schwer verwundet. Beschlagnahme eines englischen dampfers. Dev britische Fischdampfer„James Johnson“ wurde bei den Sem=Inseln von einem russischen Kanonenboot mit Beschlag belegt und nach Murmansk geschleppt. Es verlautet, daß der britische Vertreter in Moskau deswegen bei der russischen Regierung Vorstellungen erheben werde. Nußzland. Leutas eigenes Todesurteil. Nachdem das Befinden Lenins sich weiter verschlechtert hat, bringt der„Newyork Herald“ eine bemerkenswerte Mitteilung aus Moskau. Danach soll der Diktator, der über so viele Menschenleben früher die Entscheidung gefällt hat, auch bezüglich seiner selbst die Entscheidung treffen, ob seinem Leben ein gewaltsames Ende bereitet werden soll oder nicht. Sobald es sich herausstellt, daß eine Besserung ausgeschlossen, dagegen ein hilfloses Dahinvegetieren wahrscheinlich ist, soll Lenin befragt werden, ob er eine genügend große Dosis Gift zu bekommen wünscht, durch die sein Leiden augenblicklich beendet werden würde. Ein bloßer Wink des gelähmten Patienten bedeutet dann Leben oder Tod. Tokales. § Annen, 7. April.(Ermäßigung der Stickstoffdüngerpreise.) Um den Landwirten, die sich noch nicht mit Stickstoffdünger versorgt haben, die Möglichkeit zu geben, solchen noch für die Frühjahrsbestellung billig zu erwerben, hat sich das Stickstoff=Syndikat entschlossen, Stickstoffdünger ohne Rücksicht auf die Gestehungskosten vorübergehend zu erheblich gesenkten Preisen zu verkaufen, und zwar für das Kilogramm Stickstoff in schwefelsaurem Ammoniak, salzsaurem Ammoniak und Kaliammonsalpeter 6000 Mk., Natronsalpeter 7250 Mark, Kalkstickstoff 5400 Mark. Das Stickstoff=Syndikat hält sich an diese Preise gebunden, falls Bestellung, Abruf und Bezahlung bis zum 17. April 1923 einschließlich erfolgt sind. —(Zum Schutze dev Hypothekengläubiger.) Der Schutzverband der Hypothekengläubiger hat unter Bezugnahme auf den Antrag des Reichstagsabgeordneten Dr. Düringer einen erweiterten Antrag zum Schutze der Hypothekengläubiger an den Reichstag gerichtet. Es wird verlangt, daß die Wirkungen des Gesetzes auch auf solche Hypotheken oder Grundschulden ausgedehnt werden, die vor dem 1. Januar 1923 eingetragen worden sind, nur daß als Termin, bis zu welchem Hypotheken nur mit Zustimmung des Gläubigers zurückgezahlt werden dürfen. der 31. Dezember 1927 Gleichgültigkeit anmutenden Starrheit. Bleich, mit weitgeöffneten Augen ins Leere blickend, stand sie da. Sie gewahrte weder das laute Eindringen der neugierigen Dorfleute, noch hörte sie das erregte Lamentieren derselben. Jeder Herzschlag flüsterte ihr zu:„Er ist tot!— Was nun?“ Der Regelebauev begann wieder:„Willst nit ein Kammer herrichten, Wirtin. Gleich kommens und bringen den Konrad". Das weckte sie aus ihrer Lethargie. Sich gewaltsam fassend, schritt sie stumm durch die lebhaft schwatzende Menge und ordnete das Nötige an. Lautes Stimmengewirr veranlaßte sie, an die Haustüre zu treten. Soeben setzten die Träger ihre rasch hergestellte Bahre mit der traurigen Last an den Türstufen ab. Zitternd stand Vroni in der Tür und sah auf den Toten hernieder, der zum letzten Aufenthalt in das Haus seinen Väter gebracht wurde. Sie fühlte, wie aller Augen auf ihr ruhten. Man erwartete in dörflerischer Sensationsgiev irgend einen wilden Gefühlsausbruch. Zwei Männer hoben den Erschossenen auf, um ihn hineinzutragen. Dabei verschob sich das Tuch, womit man sein Gesicht bedeckt hatte, Vroni sah in die wildverzerrten Züge des so jäh Verstorbenen. Ein furchterregendes Grauen überkam sie, — die Augen mit der Hand verschließend, taumelte sie zurück, während ein trockenes Schluchzen ihren Körper erschütterte. Mehrere Weiber sprangen herzu, um sie zu stützen, weil man glaubte, sie würde zu Boden sinken. Doch sie raffte sich auf und wies den Trägern den Weg zur Kammer.— Der Gemeindevorsteher drängte sich heran und redete auf sie ein, es müsse alles so bleiben wie es sei, bis die Kommission käme. Die Menge folgte der Bahre und sprach wild durcheinander. Fast ausschließlich hörte man grimmige Verwünschungen auf den Jäger. Es waren aber gewiß solche darunter, die sich freuten, daß ihre heimlichen Pirschgänge ohne ein solches Ergebnis abgelaufen waren. Nichtsdestoweniger rasten sie mit der Volkswut auf die vermaledeiten Grünröcke. Der Haß des Volkes gegen die Hüter des Gesetzes in der Bergeinsamkeit kam so recht deutlich zum Kuadruck. 948 Allerdings von der Ruhmredigteit am Biertisch bis zur Ausführung war noch ein recht weiter, weiter Weg. Während die Männer im Schenkzimmer entrüstet diskutierten, standen die Weifestgesetzt wird. Das Gesetz soll auch auf die gekündigten Hypotheken Anwendung finden, sofern nicht Löschungsbewilligung ohne Vorbehalt erteilt ist. —(Geldgrenzen im Gewerbe= und Kaufmannsgerichtsgesetz.) Die Zuständigkeitsgrenze im Gewerbe= und im Kaufmannsgerichtsgesetz ist auf 8 400000 Mark, die Berufungsgrenze auf 500 000 Mark, und der Höchstbetrag der Gerichtskosten auf 12 000 Mark festgesetzt worden. Das Gesetz ist am 26. März ds. Is. in Kraft getreten. § Annen, 7. April.(Eilgüterverkehr.) Die Westfl. Straßenbahn teilt folgendes mit: Wir haben die Absicht, infolge der zur Zeit auf der Reichseisenbahn bestehenden Verkehrsschwierigkeiten einen Eil-Güterverkehr einzurichten. Es sollen hierfür geschlossene Güterwagen verwendet werden. Für diese Beförderung käme nicht nur unser eigenes Straßenbahnnetz in Frage, sondern es ist beabsichtigt, die benachbarten Straßenbahnen des besetzten Gebietes, soweit sie ebenfalls wie wir Schmalspur haben, mitzubenutzen. Ausgenömmen hiervon sind die Städte Dortmund und Duisburg, da dieselben Normalspur besitzen. —(Preuß. Süddeutsche Klassen=Lotterie.) wird auch an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die Erneuerung der Lose zur 4. Klasse 21. (247.) Lotterie bis zum Dienstag, den 10. d. Mts. abends 6 Uhr geschehen sein muß. Landkreis Hörde, 7. April.(Stiftungen.) Von der Firma Jonas Aplerbeck wurden für das Kinderheim„Jugendglück" in Binz 200 000 Mark, von dem Arbeitergesangverein „Brüderbund“ Auf dem Schnee für den gleichen Zweck 16,000 Mark, gespendet. Der Theaterverein„Frohe Stunde“ in Wandhoven stiftete für das Kinderheim Schwerte 5025 Mark. Den Gebern herzlichsten Dank. Hombruch, 6. April.(Ein schwerer Einbruchsdiebstahl) wurde vorgestern Nacht in dem Konfektionsgeschäft der Geschwister Neugarten, Bahnhofstraße, ausgeführt. Es wurden etwa 30 Herren=Sommermäntel(Covercoats), zehn Herrenanzüge und einige Gummimäntel im Gesamtwerte von etwa 10 Millionen Mark gestohlen. Die bestohlene Firma setzt hohe Belohnung für Wiederherbeischaffung der gestohlenen Waren aus. Hörde, 6. April.(Blutige Östern.) Der Zimmermann Wilkemeier von hier wurde wegen gefährlicher Körpeiverletzung festgenommen. W. hat seinem eigenen Sohn nach voraufgegangenem Familienstreit mit einem feststehenden Messer eine lebensgefährliche Verletzung in den Unterleib beigebracht. Der Täter wurde dem hiesigen Amtsgericht zugeführt.— Ferner wurden festgenommen die Gebrüder B. von hier wegen gefährlicher Körperverletzung bezw. verbotenen Waffentragens. Lünen=Süd, 6. April.(Einen grauenvollen Find) machten spielende Kinden in der Wörthstraße. In dem Wasserabfluß eines Grabens fanden sie den Kopf eines neugeborenen Kindes. Der Rumpf war nicht aufzufinden. Die hiesige Polizei hat sich der Sache angenommen. Hagen, 6. April.(Zum schlimmen Verhängnis) wurde einem 10 jährigen Knaben die an seine Mutter gestellte Bitte, ihm doch für die Benutzung der auf dem Refflingschen Grundstück in Atenhagen aufgestellten Schiffsschaukel 20 A zu schenken. Nach Empfang des Geldes bestieg er die Treppe zu der noch nicht stillgesetzten Schiffsschaukel, wobei er von dieser so wuchtig getroffen wurde, daß ihm der Unterkiefer zerschmettert und die Gesichtshaut teilweise abgerissen wurden. Schwerverletzt mußte der Kleine in das St. Josephsbospital gebracht ber und Kinder im Hof des Hirschen, um mit nicht geringerem Eifer als die Männer den Fall zu erörtern, wobei die abenteuerlichsten Dinge kolportiert wurden.— In ihrer Stube lag Vroni auf den Knien und rang in qualvollem Kampf den Haß in ihrem Herzen nieder. Ihr ganzes Sein und Denken befand sich in hellem Aufruhr, sie wollte beten, konnte aber nicht, zu viel war urplötzlich auf sie eingestürmt.— Immer wieder sah sie das wilde Totengesicht vor sich. 8 4 Da lag der Mann, der iyr so unendiich viel Leid im Leben gebracht,— als Opfer seiner zügellosen Leidenschaft.— Gerichtet von der Hand des Höchsten. Gerichtet:— Mussen wir nicht alle vor ihn treten und sein Urteil auf uns nehmen?— O, wer könnte da in falschev Selbstgerechtigkeit aufstehen und von sich sagen: Ich war ohne Tadel! Solche Gedanken führten Vroni auf den Weg des Vergebens....8 Wer gre 28 Die Wucht des Ereignisses wur surter— und so ging sie denn hinüber zu dem Toten.— Dev da ruhte, erschien ihr nur noch als ein armer, gefallener Mensch, sie machte ihren Frieden mit ihm vov Gott. Demütig kniete sie hin und betete für das Seelenheil des Getöteten. So fand sie der Pfarrer, der gekommen war, um zu trösten, und mit Freude wahrnahm, daß dies starke Herz den rechten Weg gefunden hatte. (Fortsetzung folgt.) Spielplan des Vorlmunder Stadtiheater. Sonntag, 8. April, 11einhalb bis 1 Uhr. 6. Morgenfeier. Geheimrat Dr. Max MartersteigMünchen„Strindberg und das Drama:— genfeier. Geheimrat Dr. Max Mar, Bemichen„Strinöberg und das Drama —6 Uhr. Geschlossene Vorstellung. 7einhalb bis 10 Uhr. Zum letzten Male:„Tosca". Musikdrama in 3 Akten von V. Sarau, L. Illica und G. Giacosa, Deutsch von Max Kalbeck, Musik von Giacomo Puccini. Montag, 9. April. 6einhalb bis 11 Uhr. Geschl. Vorstellung.„„ Dienstag, 10. April. keinhalo bis 1oeinhalb Uhr. Zum letzten Male.„Der Troubadour“. Hierauf:„Tanzbilder“ 2. Entworfen und einstudiert von der Ballettmeisterin Erna Abendroth, getanzt vom gesamten Ballettpersonal. Mittwoch, 11. April. 7einhalb bis 10einviertel Uhr.„Hänsel und Gretel“. * Gelsenki diebin) ist die Herrschaft in und die Osterta fuhr. Am zwe ren Verwandte Kriminalpolize ihrem Gepäck Millionen## Wieden! bungsfeier sein Friseur Konra zu der Verlob den, das frühe begen 12 Uhr worin die Ver sich auf dem Kopf. Dülken, tungserscheinu# milie bestehenk reits gestorben einwandfreie? Au Neustad Neustadt—Sto Fabrikanten g anderen Wag Steinhaufen 1 baum. Das A Von den sechs drei, und zwa sowie die Frtötet, eine an Revolver Rom, 5. Botschafters er gestern vi mit einem Hu aus einem kle arm getroffen in acht Tage Nachforschung — Der haftet. 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Am zweiten Ostertage begab sie sich zu ihren Verwandten, wo die inzwischen verständigte Kriminalpolizei sie ermittelte und festnahm. In ihrem Gepäck fand die Polizei noch über zehn Millionen i# vor und beschlagnahmte das Geld. Wiedenbrück, 6. April.(Auf der Verlobungsfeier seiner früheren Braut erschossen.) Der Friseur Konrad W. von hier war am 1. Ostertag zu der Verlobungsfeier eines Fräulein B. geladen, das früher seine Braut gewesen war. Nachts gegen 12 Uhr entfernte sich W. aus dem Zimmer, worin die Verlobung gefeiert wurde und tötete sich auf dem Hausflur durch zwei Schüsse in den Kopf. MoraitDülken, 6. April.(Unter schweren Vergifkungserscheinungen) erkrankte Hiegzgiegzgnge be milie bestehend aus 7 Köpfen. Ein Kino rt bereits gestorben. Die Erkrankung sou auf nicht einwandfreie Milch zurückzuführen sein. aller Welt. Schweres Auto=Unglück. Neustadt i. Sa., 5. April. Auf der Straße Neustadt—Stolpen fuhr ein einem Heidenauer Fabrikanten gehöriges Automobil, als er einen anderen Wagen überholen wollte, über einen Steinhaufen und prallte gegen einen Straßenbaum. Das Automobil wurde völlig zertrümmert. Von den sechs Insassen des Kraftwagens wurden drei, und zwar zwei Geschäftsleute aus sowie die Frau des Automobilbesitzers sofort getötet, eine andere Frau schwer verletzt. Nevolverattentat auf den Sohn des deutsches Botschafters in Nom. Rom, 5. April. Der Sohn des deutschen Botschafters Freiherrn von Neurath wurde, als er gestern vormittag im Garten der Botschaft mit einem Hunde spazieren ging, von einer Kugel aus einem kleinkalibrigen Revolger in den Unterarm getroffen. Nach ärztlicher aussage dürfte er in acht Tagen geheilt sein. Die Porizei stellt Nachforschungn nach dem Schuldigen an. * — Der„Provinz=Schrecken" ver haftet. Einer der gefährlichsten Einbrecher, der nur Landsitze und Schlösser in der Provinz heimsuchte, ist in Berlin bei seiner Geliebten in der Cuvrystraße nach langen Beobachtungen durch die Kriminalpolizei verhaftet worden. Es handelt sich um den ehemaligen Artisten Karl Petersen, der in Verbrecherkreisen„Provinz=Schrecken“ genannt wurde. Bei ihm fand man wertvolles Silberzeug aus den zahllosen Beutezügen. Unter anderem wurde kostbares Familiensilber, das in dev Gegend von Grünberg in Schlesien gestohlen worden war, bei ihm vorgefunden. Außerdem hat er Stempel und Bücher in verschiedenen Bibliotheken in Neustrelitz gestohlen. Bei Gülzow war er mit seiner Bande bei einem Einbruch ertappt worden. Einer seiner Helfershelfer wurde auf der Flucht erschossen. — Dev Muttermord in der Klopp stockstraße in Berlin. Der Raubmord an der Frau Papke, die in ihrer Wohnung in der Klopstockstraße 52 zu Charlottenburg einem Verbrechen ihrer jugendlichen Stiefsöhne zum Opfer gefallen ist, harrt noch der Aufklärung. Von den Mördern ist noch keine Spur entdeckt worden. Der Polizeipräsident hat auf ihre Ermittlung eine Belohnung von 20000 K ausgesetzt. — Flucht eines zum Tode Verurteilten. Aus dem Gerichtsgefängnis in Torgau ist in der Nacht zum ersten Feiertag dev 36 Jahre alte Arbeiter und Händler Wilhelm Otte aus Luckenwalde entwichen, der im Oktober vorigen Jahres vom Torgauer Schwurgericht wegen Mordes und Brandstiftung zum Tode und sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Man vermutet, daß er sich nach Berlin gewandt habe; die Kriminalpolizei fahndet hier auf ihn. — Vier Kinder voneiner Granate zerrissen. Eine folgenschwere Explosion ereignete sich am Ostermontag abend auf dem Lindenthaler Exerzierplatze in Leipzig. Kinder fanden eine Eierhandgranate, die von Uebungen der Reichswehr liegen geblieben war. Sie spielten mit der Wurfwaffe. Plötzlich explodierte die Granate und tötete den zehnjährigen Schüler Flöter. Drei andere Knaben erlitten schwere Verletzungen im Gesicht und an den Armen. Feuerwehr schaffte sie in das Krankenhaus. Ihr Zustand ist hoffnungslos. — Schiffszusammenstöße auf der Elbe. Drei Schiffszusammenstöße fanden auf der Elbe statt. Der norwegische Dampfer„Condor“ stieß mit dem von England kommenden, mit Kohle beladenen Dampfer„Leon Minister" zusammen, wobei beide Schiffe schwer beschädigt wurden. Der zweite Zusammenstoß ereignete sich zwischen dem von Hamburg nach Triest abgegangenen deutschen Dampfer„Artushoff. und bengungch Bordeaux abgegangenen „Adolf Deppe“, wobei der deutsche Dampfer so erheblichen Schaden erlitt, daß er seine ausreise aufgeben mußte und durch Schlepper nach Hamburg zurückgebracht werden mußte. Ein dritter Zusammenstoß fand unterhalb von Cuxhaven statt zwischen dem von Hamburg nach London abgegangenen Dampfer„Trave“ und einem zurzeit noch unbekannten Dampfer; über die Beschädtgung dieser beiden Schiffe ist bisher noch nichts bekannt. Der größte Dieselmotor der Welt mit 2300 PS, wird augenblicklich im Kriegshafen von Kiel im Dienste der Friedensarbeit hergestellt. Verschiedenes. Das Stadtbild Berlins befindet sich zur Zeit in einem großen Umwandlungsprozeß, der demjenigen, der die Reichshauptstadt seit dem Kri zum erstenmal wiedersieht, sofort ins Auge fallen muß. Nicht, daß die Vorstädte die langen Beine der Riesenspinne, besonders weiterwüchsen. Denn, wenn auch Berlin infolge großzügiger EinverleiEs ist eine echte Friedensarbeit, die auf diesem Bild dargestellt wird. Die Arbeiten stellen den größten Dieselmotor der Welt dar, der 2300 Pferdestärken hat, und der auf Reparationsrechnung nach England verschickt werden soll. Er wird zurzeit im Kriegshafen in Kiel im Dienste der bungen die an Ausmaß des Bo###s größte Stadt der Welt ist, so kann sich Berlin doch diesen Luxus nicht wie früher gestatten. Aber man ist jetzt daran, alte Häuser im Zentrum durch Aufsetzen neuer Stockwerke in die Höhe wachsen zu lassen. Vor allem planen große Bankinstitute die Errichtung von Turmhäusern, die bis zu 15 Stockwerken aufstreben und wie dicke Streichhölzer aus dem Häusergewirr emporragen. Freilich mit den Wolkenkratzern Neuyorks können die Berliner Häusertürme keinen Vergleich aushalten. Die Metropole der neuen Welt liegt mit ihrem Kern auf der Halbinsel Manhattan, die von drei Seiten durch Meeresarme begrenzt ist, im Osten und Süden vom East River, im Westen vom Hudson River. Der zunehmende Raumbedarf der Geschäftsstadt wies unter diesen Umständen ganz von selbst den Weg in die Höhe, der in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zuerst von einem Zeitungshaus, dem World Building, beschritten wurde. Längst ist dieser erste Wolkenkratzer durch ungleich mächtigere und höhere Bauten in den Schatten gestellt worden; gegenwärtig ist das Woolworth= Building mit 56 Stockwerken das höchste Haus der Welt. Der Errichtung so gigantischer Bauwerke kommt der Untergrund der ManhattanHalbinsel zustatten, die einen riesigen Fels darstellt und infolgedessen einen absolut sicheren Baugrund bietet. Ob es in Berlin möglich ist, Wolkenkratzer von so ungeheurer Höhe zu errichten, erscheint zweifelhaft, da Berlin auf Alluvialboden steht, der schon wenige Metev unterhalb des Straßenniveaus aus weichem Sand gebildet wird. Dieser reicht so tief hinab, daß die Schaffung eines festen Untergrundes für die Fundamente riesige technische Schwierigkeiten und noch riesigere Kosten bedingt. An manchen Stellen ist der Untergrund von Berlin, und zwar gerade im Herzen der Stadt, sogav sumpfig, und schon vielfach war es notwendig, größere Geschäfts- und Industriehäuser auf Pfahlrosten zu fundamentieren. Der politische Nitt Zu Bismarcks Geburtstag(1. Aprfil) frischt die„Gartenlaube“ einige weniger bekannte Anekdoten aus dem Leben des Altreichskanzlers auf, von denen die eine hier wiedergegeben sei: Noch im Jahre 1889 hat der damals 74 jährige Reichskanzler auf dem Bahnhof in Friedrichsruh durch ein schneidiges Reiterstückchen überrascht. Eine Gesandtschaft des Sultans von Sansibar, welche er in Friedrichsruh empfangen hatte, war im Begriff, wieder abzureisen.„Kaum hatten die Gesandten", erzählt, ein dagewesener Diplomat,„im Coupe ihre Plätze eingenommen, und während sie vom Fenster aus noch einige Worte mit uns wechselten, erschien plötzlich der Fürst hoch zu Roß auf einem mächtigen Braunen, nahm in kurzen Galopp die Stufen zum Perron hinauf und ritt an den Zug heran, um den fremdländischen Gästen nochmals durch das Fenster die Hand zu schütteln. Dann wandte er das Pferd kurz herum, sprengte über den Bahnsteig und die Stufen zur Straße herunter und verschwand in der Richtung auf den Wald, während die Araber ihm in grenzenlosem Erstaunen nachschauten. Als ich abends dem Fürsten sagte, mir wäre es unheimlich gewesen, wie er auf dem glatten Pflaster des Bahnhofs hochgaloppierte, erwiderte er mir lachend:„Das habe ich mit Absicht getan, damit die Leute draußen meinen Feinden erzählen, daß ich noch ganz rüstig bin.“— Es war also sozusagen ein„politischer" Ritt. „Mehr nach liabs, Mojestät!“ König Gustav von Schweden, der ein leidenschaftlicher Tennisspieler ist, hält sich zurzeit in Cannes auf. Bei einem Tennismatch, das er mit der Weltmeisterin Susanne Lenglen zusammen gegen ein englisches Paar spielte, placierte der König seine Bälle zu weit nach rechts. Seine Mitspielerin wagte ihm zunächst keine Ratschläge zu geben. Schließlich siegte aber doch der Spieleifer über die Hochachtung, und sie rief dem König zu: „Mehr nach links, Majestät!“ Ganz trocken erwiKKOGT Friedensarbeit hergestellt. Auch er wird dazu beitragen, die Bewunderung und Anerkennung deutscher Industrie und Intelligenz zu erhöhen u. zu befestigen: ein Riesnwerk der Technik, hergestellt nach Jahren schweren Kampfes und großer Not. Das ist deutsche Kraft und deutscher Fleiß. derte König Gustav:„Dasselbe sagt mir Branting auch immer.“(Branting ist der bekannte schwedische Sozialistenführer.) Nacheichung der Maß= und Wiegegeräte. Die Nacheichung der Maß= und Wiegegeräte findet in diesem Jahre in folgenden Lokalen statt: 1. Bei dem Wirt Adolf Möller, hier, Wittenerstraße Nr. 59 am 20., 21., 23., 24., 25., 26., 27., 28. und 30. April 1923; 2. Bei dem Wirt Wilhelm Finke, hier, Rüdinhausen No. 88 für die Gemeindeteile Rüdinghausen, Brunebeck und Schnee am., 11., 12. Mai 1923. Zuv Einlieferung der Maß= und Wiegegeräte an den Eichtagen sind verpflichtet die Gewerbetreibenden, die Landwirte, sobald sie beim Absatz ihrer landwirtschaftlichen Produkte die Ergebnisse von Maß= und Wiegegeräten einer Preisbestimmung zu Grunde legen, die Konsumvereine, auch wenn sie nur an Mitglieder Waren absetzen, und schließlich die Großhandlungen und Fabrikbetriebe, wenn Maß- und Wiegegeräte entweder zur Preisoder Arbeitslohnberechnung Verwendung finden. Nicht nachgeeichte Maß= und Wiegegeräte, die nach den hiesigen Eichtagen im Gewerbebetriebe pp. vorgefunden werden, unterliegen dev Einziehung. Außerdem tritt Bestrafung ein. Die Gebühren sind an den Eichtagen im Eichlokale an den anwesenden Polizeibeamten gegen Quittung zu entrichten. 4 Annen, den 28. März 192.. Die Polizeiverwaltung: Boeitcher. Neueste Nachrichten. Neue Besetzung. Elberfeld, 7. April. Im bergischen Lande sind Ründroth und Gimborn im Laufe des vorgestrigen Tages von Kavallerie besetzt worden. Die Beerdigungsfeier der Kruppschen Opfer. Essen, 7. April. Man beabsichtigt, die bei dem Zwischenfall in den Kruppschen Werken am Karsamstag getöteten Personen am nächsten Dienstag in einem gemeinsamen Grab beizusetzen. Eine internationale Aerztekommission soll die Leichen vorher noch untersuchen. Am Begräbnistage werden die Kruppschen Werke stillliegen. Krupp beim Reich=präsisenten. Berlin, 7. April. Der Reichspräsident empfing vorgestern abend Herrn Krupp von Bohlen=Halbach und gestern vormittag den Betriebsrat der Kruppschen Werke zu einer Besprechung über die Essener Vorgänge und die dadurch geschaffene Lage. Der Peozeß gegen die Kruppdirektoren Essen, 7. April. Nach sicheren Mitteilungen findet der Prozeß gegen die Kruppschen Direktoren heute, Samstag, vor dem Kriegsgericht in Bredeney statt. Der Betriebsrat ist bisher von der Besatzungsbehörde zur Voruntersuchung nicht herangezogen worden. Dreizehn Selbstmorde an einem Tage. Im Laufe des gestrigen Tages sind in Berlin 13 Selbstmorde und Selbstmordversuche begangen worden. Besonders auffallend ist die Tatsache, daß sich unter diesen Selbstmordkandidaten nicht weniger als neun meist junge Frauen und Mädchen befinden. Das Motiv ist fast in allen Fällen wrschatliche Rologe. Hurbetsaaterfaglag. Dem Althändler Heinrich Rittscher aus Annen ist durch Beschluß des Kreisausschussen Hörde vom 12. 3. 1923 Nr. 3 719 wegen Unzuverlässigkeit der Handel mit Metall pp.(Trödelhandel) untersagt. Annen, den 28. März 192.. Die Polizeiverwaltung: Boettcher. Am 3. April nachmittags in dev Wilhelmschule sind einem Rentenempfänger Mk. 100000 zu viel gezahlt worden. Derjenige, der diesen Mehrbetrag erhalten hat, wird ersucht, denselben beim hiesigen Postamt abzugeben, da sonst der zahlende Beamte den Betrag ersetzen muß. Kirchliche Rachrichten. Sonntag vorm. 8 Uhr Frühgottesdienst Pfr. Brasse. Leinhalb Uhr Gottesdienst Pfr. Müller. 11 Uhr Kindergottesdienst. 12 Uhr Taufen. Dienstag abend 8 Uhr Gebetsstunde im Vereinshause Pfr. Müller. Dienstag abend 6 Uhr Bibelstunde i. Bebbelsdorf b. Frau Schrder Pfr. Brasse. Suppengrünes. Bis Anfang Mai wirden die Suppenkräuter immer seltener und teurer. Da tritt nun als treue Freundin der Hausfrau Maggi's Würze auf. Mit wenigen Tropfen gibt sie der Fleischbrühe, allen schwachen Suppen und faden Soßen einen frischen, herzhaften Geschmack. Man verlange aber ausdrücklich echte Maggi's Würze. Nicht Cord allein soll man beim Einkauf fordern, sondern um den Reifen zu erhalten, der durch seine Geschmeidigkeit dauerhaft ist und Betriebsstoff spart, fordere man Genauurslachung. Zur Hebung der Milchversorgung steht eine kleine Menge Kleie für Kleintierhalter zur Verfügung. Es sollen pro Schaf bezw. Ziege 80 PfdKleie zum Preise von 12800.— Mark verabfolgt werden. Die Ausgabe soll am 10. und 11. April er, vormittags von—12 Uhr im Gemeindelager Unt. Rüdinghauserstraße erfolgen. Bezugsscheine können am 9. und 10. 4. cr. inn Amtshause— Zimmer 9— während der Dienststunden in Empfang genommen werden. Diejenigen Kleintierhalter, welche bei dieser Verteilung nicht berücksichtigt werden können. sollen bei der nächsten Zuteilung in erster Linie berücksichtigt werden. 1 Annen, den 4. April 1923. Der Amtmanns Boeticher. AMAMAMAMAM MAMAMAMAMAMAMAng Jeden Sonntag s Restauraut Sandkübler, Sommern. I Aisan iseeini n iniaian endiiiim Keine Salbenschmierkurt Bei Krätze, Hautjucken etc. verwendet man nur noch Wirkung totsicher in ca. 24 Stunden. Nur zu haben in der Germa ia Drogerie Olto Blumberg. Calé Vons Witten, Rubretr. Täglich nachm. u. abende Konster-Konzerts Sonatag vorm. Frauen Ahpien. Betartsartikel nur Kranken=, Gesundbeits- u. Sebönbeitspklege. Aostenlose Auskanft an Verkauf Mochentags—2 Uhr. Sonntags—12 Uhr. Brief. Auskanft gegen Rädposte. Drospeht gpatlis. sin! 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