wis Innener Zeitung erscheint jeden Obenstag, Donnerstag und Samstag. Anzeigegebühr für die einspaltige 1mm hohe und 36 mm breite Zeile für Platzanzeigen im Verbreitungsbezirk 40,— M, auswärts 50 K. Reklamezeile 1 mm hoch u. 76 mm breit 140 K. Bezugspreis monatlich 2200 c.(Durch die bezogen vierteidährlich 6600.— 4 verbunden mit der Annener„Volkszeitung“ Anzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. Organ des Amtes Annen u. Landkreises Horde, Inserats finden bei der großen Auflage 6— „Annener Zeitung“ weite u. billige Verbreitung — Bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Noubursen kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfas. Für die Aufnahme der Anzeigen an v geschviebenen Plätzen übernehmen wir Verandwortuung Prarzbsische Burstenen. Wie kommen die Franzosen dazu, sich einzubilden, es müsse alles nach ihrem Wunsch und Willen gehen? Sie legen nicht nur ihre Gewaltakte gegen Deutschland als Rechtshandlungen aus, sie drohen schon England, wenn es sich der litik gegen uns nicht anschieße. Das neueste Pariser Schlagwort ist, daß Frankreich stark genug sei, durchzusetzen, was seine Interessen verlangten. das heißt, Europa auf den Kopf zu stellen, wenn es dies für notwendig halte. Woher kommt diese Anmaßung? Weil es in Kriege am meisten geschädigt worden ist? Daher nicht, denn es ist anerkannt, daß es einen verhältnismäßigen Anspruch auf Schadloshaltung hat. Auch seine„Siege“ geben ihm kein Recht darauf, denn schließlich weiß die Pariser Regierung doch sehr wohl, daß auch diese„Siege“ nur Illusionen sind, daß sie nicht durch großartige französische Genialität, sondern durch den englischen Beistand und durch die schließlich den Ausschlag gebende amerikanische Uebermacht herbeigeführt wurden. Der erste Napoleon wiegte sich in der Illusion; daß er der Herr von Europa sei. Sein Neffe, Louis Napoleon, der spätere Gefangene von Sedan, ging nicht so weit, hielt sich aber doch für die entscheidende Persönlichkeit in unserem Erdteil, ohne deren Zustimmung nichts in demselben geändert werden dürfe. Poincaré hält sich mindestens für einen zweiten Louis, vielleicht nicht deshalb, weil er wirklich davon überzeugt ist, aber er muß es seinen Landsleuten einreden, um sich auf seinem Posten zu behaupten. Wer den Franzosen die Einbildung, sie seien das erste Volk der Erde, nicht zu verschaffen weiß, der hat bei ihnen verspielt, Die Illusivn von der„großen Nation“, diese gefährliche Pariser Tradition, verdankt Frankreich in Wahrheit der Torheit des übrigen Europa. Seitdem jeder größere und kleinere, ja selbst allerkleinste Fürst und Herr seinen Nachfolger zur Seine schicken zu müssen glaubt, um dort Lebensart und Diplomatie zu lernen, wurde der französische Hof mit Ehrfurcht und Bewunderung betrachtet, und auch die Deutschen haben darin etwas Erkleckliches geleistet. Was aus Paris kam, war tonangebend und blieb es, obwohl die Feindschaft Frankreichs gegen Deutschland offenbar war. Dieses Gefühl der Schwäche hat sich in hohem Maße bis heute erhalten, und ist für manchen Staat die Ursache seiner politischen Fehler gewesen. Amerika, England, Italien, die romanischen und orientalischen Völkerstämme kennen den französischen Geist recht gut, aber sie können sich von der Vorliebe dafür nicht frei machen, wenigstens nicht in dem Maße, wie es wünschenswert ist. Denn was zunächst dem Glanz von Paris galt, das erstreckte sich bald auf das ganze Land und seine Bewohner. So ist es kein Wunder, daß es Deutschland schwer gehabt hat, gegen diese bevorzugte Stellung Frankreichs anzukämpfen, und daß dieses in der allgemeinen Völkersympathie den wertvollsten Verbündeten gehabt hat, den es sich nur wünschen konnte. Was die Franzosen ihr Recht gegenüber dem Deutschen Reiche nennen, ist und bleibt also nichts als eine Einbildung, und die ganze Tradition von den Ansprüchen der„großen Nation“ ist nichts als Wübsche Wteriche. Das Flasko der Rubrbesatzung Neisebericht eines Pariser Abgeordneten. Der sozialistische Abgeordnete Uhry, der von einer Reise nach Mainz zurückgekehrt ist, schildert in der„Eve Nouvelle“ seine Erfahrungen. In Köln, wo er einen unfreiwilligen Aufenthalt nehmen mußte, hätten ihm Pionieroffiziere gesagt: Vor unserer Ankunft gingen aus dem Ruhrgebiet täglich 1500 Eisenbahnzüge nach allen Richtungen. Seit wir da sind, gelingt es uns kaum, zwei Züge abzulassen. Wenn wir alles instand bringen wollten, brauchen wir 150000 Waggons und außerordentlich zahlreiches Personal. haben aber weder das eine noch das andeve. Die Eisenbahnschwellen sind aus Eisen, nicht wie bei uns aus Holz, und erfordern eine ganz besondere sorgfältige Unterhaltung. Da wir niemanden haben, der das besorgen kann, müssen wir sehr langsam vorgehen, sonst würde es Unfälle über Unfälle geben, und man würde zudem von Sabotage reden. Seit der Ruhrbesetzung ist der Handel zwischen dem Rheinlande und den großen französischen Städten, der sich zu entwickeln begann, wie abzeschni ken. Die französische Handelskammer in Mainz war in voller Tätigkeit, französische Hoteliers hatten sich in Wiesbaden angekauft, aber jetzt ruht alles. Man kann weder Postpakete abschicken noch telegraphieren noch telephonieren. Die geschäftlichen Transaktionen sind gleich Null. Wenn man das Glück hat, in einen Zug zu steigen, der von französischen Eisenbahnern geführt wird, so kann man sicher sein, daß man unter sich, also unter französischen Soldaten und Offizieren, ist; denn kein Deutscher benutzt die von den Franzosen geführten Züge. Man weiß ferner, daß, wenn man 3 Uhr nachmittags von Mainz abreist, man erst am anderen Vormittag um 7 Uhr, wenn man Glück hat, in Paris ankommt. Die französischen Eisenbahner, die die Zulage von 15 Franken täglich anlockte, sich dazu herzugeben, ihre deutschen Kameraden zu ersetzen, sind enttäuscht. Sie hätten ihm, so schreibt Uhry, erklärt, die Nahrung sei schlecht. Man müsse auf Stroh schlafen. Die Familien, deren Mitnahmen man gestattete, wüßten nicht, wo sie unterkommen sollten. Man verbiete den Eisenbahnern auch den Zugang zu den Offiziersmessen. Noch mehr: Dem Ministerpräsidenten sei ein Bericht übermittelt worden, die freiwilligen Eisenbahnarbeiter würden vielleicht in einen Streik treten. Jetzt, lieber Leser, so sagt Uhry, bist du aufgeklärt. Niemals werden die französischen Industriellen Kohlen aus dem Ruhrgjebiete erhalten. Uhry erzählt weiter, ein Generalstabsoffizier habe ihm gesagt: Wenn die französische Regierung durch die Ruhrbesetzung politische Operationen vornehmen ließ, so geht das die Offiziere nichts an. Wir haben den Befehlen gehorcht. Wenn man uns aber hierher gerufen hat, um die Ingenieure zu schützen, eine wirtschaftliche Operation um Kraftwagen zu requirieren. Das Kommando erwartete eine Kommission von französischen Offizieren, die kurz vor 9 Uhr in die Kraftwagenhalle in der Altendorfer Straße kam. Kurz vorher hatten die Sirenen der Kruppschen Werke begonnen zu heulen. Als die Kommission dies hörte, fuhr sie sofort wieder ab. Der Offizier und die elf Mann blieben vor der Kraftwagenhalle. Von 9 Uhr ab gingen die Arbeiter aus den Kruppschen Werken heraus und sammelten sich in der Altendorfev Straße und in den umliegenden Straßen. Kurz vor 8 Uhr hatten zwei Arbeiter vom Arbeiterrat den Offizier und die elf Mann gebeten abzuziehen. Der Offizier lehnte di's ab mit der Erklärung, er habe Befehl, auf die Kommission zu warten. Um.30 Uhr, als sich bereits eine große Arbeitermenge angesammelt hatte, machten Mitglieder des Angestelltenrates den Versuch, den Offizier ebenfalls zum Abzug zu bewegen. Die Vertreter der Kruppschen Angestellten. erklärten dem Offizier, sie können ihn und seine elf Mann ungehindert auf rückwärts liegenden Wegen in seine Kaserne zurückbringen. Der Offizier lehnte dies ab, wobei er sich auf seinen Befehl berief. Um 10.30 Uhr machten dieselben Angestelltenvertreter noch einmal vergeblich den glei hen Versuch. Die Menge wurde nun immer größer. nieure zu schützen, eine wirtschaftliche Operation Toreingang in der Altendorfer Straße und durchzuführen, so müssen wir bestätigen, oaß oie= gegenüberliegenden Dächer waren von ser Versuch Fiasko gemacht hat. Kruppschen Arbeitern besetzt. Kurz nach 11 Das ist der wahre Grund, erklärt Uhry, wes= hörten die Sirenen auf zu heulen. E halb sich Poincaré jetzt so nervös zeigt und die Sozialisten verhindern will, von der Kammertribüne aus das Land aufzuklären. Osterkundgebung des Oberpräsidenten Die Preußischen Oberpräsidenten wandten sich mit einer besonderen Kundgebung zum Deutschen Volksopfer an die Bevölkerung ihrer Provinz. Die Kundgebüng des Westfälischen Oberpräsidenten Gronowski lautet: In der Provinz Westfalen sind zur Durchführung dev Sammlung für das deutsche Volksopfer, die hier als Ruhrhilfe bezeichnet wird, in den einzelnen Städten und Kreisen Sammlungsausschüsse gebildet worden, die gleichzeitig darüber wachen, daß keine Mißstände vorkommen. Die eingegangenen Spenden werden auf das Konto „Ruhrhilfe" bei der Landesbank der Provinz Westfalen zu Münster überwiesen und von dem Provinzialausschuß der Provinz Westfalen für die Ruhrhilfe den notleidenden Kreisen des besetzten Gebietes zugeführt. 6 In dem Provinzialausschuß sino außer den Regierungspräsidenten und den Spitzen der übrigen in Westfalen ansässigen Zentralbehörden der westfälische Städtetag, die Landkreisvereinigung, die Spitzenverbände der privaten Liebestätigkeit, sowie die Gewerkschaften, die Beamtenverbände und die Vereinigungen der Sozial= und Kleinrentner vertreten. Um die Gebefreudigkeit bei der Bevölkerung zu heben, ist der Aufruf der Reichs- und Preußischen Landesregierung überall verbreitet worden. Die Opfergesinnung der gesamten westfälischen Bevölkerung muß dankbar anerkannt werden, und doch bin ich überzeugt, daß noch große mehrmalige Opfer gebracht werden müssen, um die Lage der Bevölkerung des Rheinisch-Westsälischen Industriegebietes erträglich zu gestalten. Wie klein sind doch die materiellen Opfer derer, die einen Bruchteil ihres Einkommens oder Vermögens abgeben, im Vergleich zu jenen, die mit Weib und Kind, ohne Hab und Gut gewaltsam aus ihrem Eigentum, aus ihren Wohnungen vertrieben werden. Und die, die mit Kolbenschlägen und Gewehrkugeln ermordet worden sind, bringen für die deutsche Heimat Opfer, an die sich alle freundlichen Geber recht oft erinnern Rhein und Ruhr und Lippe tragen jetzt das Kreuz. Das übrige Deutschland soll opfern, damit die Kreuzträger stark bleiben. Gronowski, Oberpräsident der Der die den Uhr horuen die Eitenen auf zu Kunn. Es war dies das Zeichen für die Arbeiter, in die Werkstätten zurückzukehren. Die Vertreter der Arbeiter und Angestellten hatten das erreicht. Kurz nach elf Uhr fielen dann die ersten Maschinengewehrschüsse. Sie waren auf das dem Toreingang gegenüberliegende Dach gerichtet. Es gab gleich Verwundete und wahrscheinlich auch Tote. Die Menge stob auseinander. Nachdem die Menge geflohen war, kamen die Franzosen aus dem Toreingang heraus und schossen auf die fliehende Menge mit ihren Gewehren. Daraus erklärt es sich, daß die meisten Schußverletzungen von hinten erfolgt sind, was durch die leitenden Aerzte des Krankenhauses festgestellt worden ist. Nachdem die Menge geflohen war, zog der Offizier mit seinen elf Mann in der Richtung Limbecker Platz ab. Vorher hatte er immer wieder erklärt, er könne nicht abziehen, er müsse auf die Kommission warten. Er ist ungehindert abgezogen.„„.„„.. Gam36 2. Gegen 12 Uhr hat die Menge ein franzosisches Auto, in dem außer dem Chauffeur, der in Uniform war, zwei Zivilisten— ein französischer und ein belgischer Ingenieur— sich befanden, angehalten. Dev Chauffeur wurde stärker, die Ingenieure nur leichter verprügelt. Ungefähr um dieselbe Zeit wude ein französischer Kriminalbeamter in Zivil von der Menge bedroht. Arbeiter u. Angestellte haben dafür gesorgt, daß ihm nichts geschah. Der Beamte hat sich dafür bei den Deutschen bedankt. Die frarzösische Darst=llung lautet:„Während eines Besuchs in den Essener Kruppwerken wurde eine französische Abteilung von Arbeitern der Kruppwerke angegriffen. Man ließ heißen Dampf gegen die Franzosen ausströmen und bedrohte sie mit Revolvern. Die sischen Soldaten feuerten nach der üblichen Warnung zunächst in die Luft, sahen sich dann aber gezwungen, auf die Arbeiter zu schießen. Fünf oder sechs Deutsche wurden getötet und etwa 30 verwundet. Der zweite Zwischenfall ereignete sich während der Fahrt eines französischen Militärautomobils durch die Stadt Essen. Das Automobil wurde von der Menge angehalten; die Insassen, zwei französische Kontrolleure, wurden in die Fabrik geführt und mißhandelt. Der eine erlitt dabei Verletzungen, während es dem anderen möglich war, zu flüchten.“ Am Quai’Orsay wird erklärt, für den Zwischenfall in den Kruppwerken seien, soweit man im Augenblick urteilen könne, die Direktoren der Werke verantwortlich, während die Hauptschuld an dem zweiten Zwischenfall die Schupo treffe. Die französische Besatzungsbehörde, der die Vorgänge vom Sonnabend wegen ihrer Wirkung auf die Arbeiterschaft offensichtlich sehr peinlich sind, hat während der Ostertage versucht, in zahllosen durch französische Soldaten verbreiteten Nachrichten, sowie durch Flugblätter, die von französischen Fliegern abgeworfen wurden, alle Schuld der Kruppschen Werkleitung zuzuschieben. Es wird darin behauptet, daß die Kruppsche Leitung einen solchen Zusammenstoß gewollt und planmäßig vorberestet hätte. Die Direktoren hätten die Arbeiter auf die kleine französische Truppenabteilung gehetzt(!) hauptung kann jeder Kenner der Arbeitevverhältnisse im Industriegebiet nur lachen. Keine LeiElse Darstellung der Firma Kcupp. Von der Firma Krupp wird folgendes mitgeteilt: In dem Havasbericht über die Essener Vorgänge wird behauptet, das Kommando sei von der Menge mit Revolvern bedroht worden und unmittelbar, bevor die Soldaten schossen, angegriffen worden. Diese Behauptung steht mit den Tatsachen in Widerspruch. Wie alle Augenzeugen berichten, hat keiner der Anwesenden einen Revolver gehabt. Während des ganzen Auftrittes, der etwa 2 Stunden dauerte, hat die Menge trotz ihrer Erregung weder die Soldaten bedroht noch angegriffen. Im Gegenteil wurde dev Raum vor der besetzten Halle während der ganzen=Zeit von Führern der Arbeiter= und Angestelltenschaft frei gehalten. Dreimal wurde versucht, das Kommando unter Gewährung ihrer persönlichen Sicherheit zum Abzug zu bewegen. Wenn der vasvertreter weiter berichtet, die Soldaten seien mit heißen Dämpfen angegriffen worden, so ser festgestellt, daß es sich lediglich um Lokomotivendampf, der durch das Fenster der Halle hereinkam, handelte. Diese Dämpfe kamen von Lokomotiven, die sich auf einem unmittelbar hinter der Halle liegenden Geleise befanden. Der Bericht macht ferner das Kruppsche Direktorium für den Vorfall verantwortlich, weil sie durch den Sirenenruf die Arbeiter zum Verlassen der Werkstätten und zu de Ansammlungen veranlaßt hätte. Es muß aus diesem Anlaß erneut betont werden, daß für das ganze Einbruchsgebiet zwischen den Werksleitungen und der Arbeiterschaft die Vereinbarung getroffen worden ist, keinesfalls unter französischen Bajonetten zu arbeiten, und daß beim Eindringen von Soldaten sofort durch Sirenenruf das Zeichen zun Niederlegung der Arbeit gegeben wird. So ist auch in vorliegendem Falle das Sirenenzeichen in vollkommener Uebereinstimmung zwischen dem Direktorium und den Vertretern der Arbeiterschaft gegeben worden. Rein phantastisch ist die Behauptung des Havasberichtes, die Firma Krupp habe entlassene Schupobeamte in die Betriebe eingestellt, um vorkommenden Falls gegen die französische aufzutreten. Diese Unterstellung ist vollkommen aus dev Luft gegriffen. Zur Lage. Das Essener Blutbad. Der Bericht eines Augenzeugen. I Ueber die blutigen Vorfälle in Essen vom Oster=Sonnabend geben Augenzeugen folgende Die englische Presse über die Vorfälle Die blutigen Vorfälle in Essen werden von der gesamten englischen Presse viel beachtet und zum großen Teil an erster Stelle veröffentlicht. Die Blätter bringen neben einem Bericht ihrer eigenen Korrespondenten auch deutsche, sowie französische Darstellungen des Vorfalles. Während„Daily Chronicle“ in einem Leitartikel hervorhebt, daß die Tatsache, daß kein einziger französischer Soldat irgend eine Verletzung davongetragen habe, beweise, wie wenig Gewalt von deutschen Seite angewandt wurde und die Essener Vorgänge auf einen Nervenanfall der französischen Soldaten zurückführt, schreibt die liberale„Westminster Gazette“, die Deutschen müßten einsehen, daß offener Widerstand ihnen in keiner Weise nützen könne.—„Daily Herald" veröffentlicht allerdings unter seinen letzten Meldungen den Bericht des Sonderkorrespondenten des Blattes in Essen, worin dieser endgültig mitteilt, daß die Ereignisse in Essen auf eine Panik der französischen Soldaten zurückzuführen sind. Es hätten keinerlei Herausforderungen von Seiten irgend welcher Arbeiter stattgefunden. Selbst der Essener Vertreter des Reuterschen Büros meldet, daß die Arbeiter die Werkstätten ganz ruhig verlassen haben. In der Meldung heiht es nämlich: „Als die französischen Soldaten in dev Garage von Krupp erschienen, wurden die Sirenen Vörbar. Das ist die allgemein übliche deutsche Methode. um den Arbeitern bekannt zu geben, daß die Franzosen ein Unternehmen besetzen wollen. Die deutschen Arbeiter verließen in der friedlichsten Weise die Werkstätten. Die französischen Soldaten wurden ängstlich und regten sich auf. Sie befahlen der Menge, sich zu zerstreuen. Später wurden sie von Panik ergriffen und schissen mehrere Male. Von den deutschen Arbeitern wurden die meisten verwundet, während sie rasch davon zu laufen versuchten, um den französischen Geschossen zu entgehen.“ gegen die Verhaftung der Kruppschen Direhtoren. Wie bereits gemeldet, wurden am Sonn#### früh vier Direktoren der Kruppwerke, die Herren Brun, Hartwig, Oesterle und Ritlee von den Franzosen verhaftet. Dagegen hat die Essenev Handelskammer ein Protestschreiben an den General Jacquesmot gerichtet, in dem zs Das Essener Direktorium der Kruppwerke wie Ihnen bekannt, der leitende Kopf der ge und Abnehmer einer überaus großen Zahl mittlerer und kleiner selbständiger Betriebe. Die wirtschaftliche Verknüpfung der gegenseitigen Interessen ist so eng, daß mit dem zu befürchtenden Stillstand der Firma Krupp ein großer Teil des Erwerbslebens in Deutschland überzusammenbricht. Allein in den eigenen Werken der Firma würden über 100 000 Arbeiter mit ihren Familien brotlos. Dieser gewaltige Betrieb ist selbstverständlich nur aufrechtzuerhalten, wenn die Leitung unangetastet bleibt. 1184 Protest des Regierungspräsidenten Grützner. Regierungspräsident Grützner wandte sich mit einem scharfen Protestschreiben an den General Dewignes. Er behauptet, die Schuld an den blutigen Zwischenfällen treffe die französische Truppe. Grützner erbietet den gerichtlichen Beweis dafür. Am Schluß des Schreibens heißt es: Die französische Regierung hat durch Havas die Meldung verbreiten lassen, daß die Truppen durch die Gewalttaten der Ruhrarbeiter zu ihrem Vorgehen veranlaßt seien. Schon jetzt weise ich diese vom französischen Standpunkt aus wohlverständliche Fälschung des Geschehenen zurück. Unverständlich ist, daß die Direktoren der.=G. vormals Friedrich Krupp für die Ansammlungen der Arbeiter verantwortlich gemacht werden. Ich hoffe von Ihnen unter ausdrücklicher Betonung, daß durch die Effener Vorfälle das gesamte besetzte Gebiet, insbesondere das Ruhrgebiet, außexordentlich erregt ist, daß Sie unverzüglich Maßnahmen ergreifen, die wenigstens erkennen lassen, daß Sie sich nicht mit jener Affaire identifizieren. Zum Schluß seien Sie versichert, Herr General, daß ich diese Spraiche nicht spreche, weil ich im unbesetzten Gebiet weile. Ich erkläre mich ausdrücklich bereit, vor einem französischen Kriegsgericht mit meiner Person für das Gesagte einzustehen, sofern mir dieses in vollem Umfange, die Erbringung des Wahrheitsbeweises für meine Behauptungen zusichert. Wenn die französische Regierung die Wahrheit nicht zu fürchten braucht, dann wählen Sie diesen Weg. Bis jetzt 13 Tote. Die Zahl der Todesopfer hat sich auf 13 erhöht. Die Getöteten werden Ende der Woche in einem gemeinsamen Grabe auf dem Ehrenfriedhof bestattet werden. Die Kruppschen Werke werden auch an diesem Tage still liegen. Weitere Beileidskundgebungen. Kardinal Schulte sandte gestern dem Prälaten Euskirchen ein Beileidstelegramm, ebenso Übermittelte im Auftrage der chriftlich=nationalen Gewerkschaften deren Vorsitzender Stegerwald dem Betriebsrat und der Direktion der Fried. Krupp .=G. Beileidskundgebungen. Die Krupp=Direktoren vor Gericht? Neuer Pvoteststreik. Die vier Direktoren der Krupp=Werke, die am Ostersonntag verhaftet wurden, sollen Ende dieser Woche vor das Kriegsgericht in Werden getut werden. Der Betriebsrat hat heute einen neuen Protest veröffentlicht, in dem er sich gegen die Verhaftung der Direktoren wendet. Zum Zeichen des Protestes beschloß der Betriebsrat, den Gesamtbetrieb bei Krupp auf 24 Stunden stillzulegen. Der Proteststreik hat heutssvormittag 10 Uhr begonnen. 4 24 Kündiger Protessstrein bei Kropp. Der Kruppsche Arbeiter= und Angestelltenrat faßte folgende Entschließung: Noch einmal wendet die Kruppsche Arbeiterschaft an das Weltgewissen, um durch einen 24 stündigen Proteststreik ihren Abscheu gegen das Blutbad kundzugeben, das der französische Militarismus am Sonnabend unter der Kruppschen Arbeiterschaft angerichtet hat. In gleicher Weise protestieren wir gegen die Verhaftung einiger Leiter der Werke, die wir nur als Folge dieser Vorkommnisse ansehen, um die Schuld zu dem Blutbade von dem französischen Militarismus abzuwälzen. Die Teilnahme des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident hat aus Anlaß der Vorgänge in Essen an Herrn Krupp von Bohlen und den Betriebsrat der Kruppwerke in Essen folgendes Telegramm gerichtet: „Voll Entsetzen über die Meldung von dem ungeheuerlichen Blutbad, das französischer Militarismus unter friedlichen wehrlosen Arbeitern angerichtet hat, bitte ich Sie, den Hinterbliebenen der Opfer dieses Massenmordes und den vielen bei dieser ruchlosen Schandtat Verwundeten meine herzliche Teilnahme auszusprechen. Reichspräsident Ebert.“ Zeitungsverdote in Essen. Verboten sind die„Rheinisch=Westfälische Zeitung" und die„Essener Volkszeitung“ auf je acht Tage. Zeche Schlägel und Eisen heimgesucht Kohlensuche am Karfreitag. Auf der Zeche„Schlägel und Eisen" in Diesteln erschien am Karfreitag mittag während der Arbeitsruhe eine Kompagnie französischer Soldaten und besetzte den Zechenplatz und die Bahnanlagen. Die seit einiger Zeit dort stehenden 120 Waggons mit insgesamt 2250 Tonnen Kohlen wurden mit zwei Lokomotiven in Richtung Langenbochum fortgeschafft. Am Abend rückten die Franzosen wieder ab. Die Leitung der Unternehmung wurde durch ein Mitglied der früheren Kohlenkommission in Essen geführt, das mit den Verhältnissen auf der Schachtanlage wohl vertraut war. Wie in Langenbochum, so hatten sich die Franzosen auch hier eine Zeit gewählt, zu der die Belegschaft nicht arbeitete. Der Wert der erbeuteten Kohlen beträgt rund 310 Millionen A. Die Belegschaft fuhr wieder an. Weitere Besetzung von Zechen. Die an der militarisierten Nordstrecke belegenen Zechen„Bergmansglück“ in Buer,„König Ludwig" in Recklinghausen und„Waltrop“ in Waltrop sind von französischen Truppen besetzt. Auch die Hasenanlagen der Zeche„Prosper" sind besetzt. Weitere Zeitungsverbote. Die„Wettersche Zeitung“ wurde verboten. Der Redakteur wurde verhaftet. Die„Marler Volkszeitung“ wurde für 8 Tage verboten. Die„Bonner Zeitung“ ist auf drei Monate von der französischen Besatzungsbehörde verboten worden. Neue Verhaftungen. Geheimrat Zechlin vom Auswärtigen Amt in Berlin ist in Düsseldorf von den Franzosen verhaftet worden. Sobald nähere Einzelheiten vorliegen, wird deutscherseits Protest erhoben. Wie verlautet, ist auch der frühere Staatssekretär Landtagsabgeordneter Wallraff verhaftet worden. Wallraff war 1907 bis 1917 Oberbürgermeister in Köln und dann Staatssekretär bis zum Ausbruch der Revolution. General von Mudra ist von den Franzosen aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen worden. Bürgermeister Moenig in Montabouer wurde von den Franzosen ausgewiesen, weil er abgelehnt hatte, eine Zollschranke zu errichten und die zur Bewachung derselben beorderten Mannschaften unterzubringen. Er wurde auf offener Straße verhaftet und mit einem Auto über die Grenze gebracht Freilassung der Essener Geiseln. Efsen 4. April. Wie verlautet, sind nun die in Verbindung mit der Erschießung des französischen Soldaten verhafteten Essener Geiseln am Ostersonntagmorgen von den französischen Behörden entlassen worden. Todessturz aus Verzweiflung. Die Frau des Telegraphenbeamten Frosch in Wiesbaden, dev zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, stürzte sich aus Verzweiflung aus dem Fenster ihrer Wohnung und war sofort tot. Berutteilungen. Vier Jahre Gefängnis für Büvgermeister Niemeyer. Buer 4. April. Vom Militärpolizeigericht der 47. französischen Infanteriedivision wurden am Donnerstag verurteilt: Bürgermeister Niemeyer zu 4 Jahren Gefängnis und 2 Millionen Mark Geldstrafe, der Vorsitzende des Besatzungsamts Jörling zu einem Jahr Gefängnis und Regierungsrat und Leiter des Polizeiamtes Isenrath aus Buer zu zwei Jahren Gefängnis. Das Urteil gegen die Zechendirektoren. Vor dem belgischen Kriegsgericht in Aachen wurde gestern vormittag das Urteil gegen die Zechendirektoren verkündet. Es erhielten Direktor Honigmann von der Zeche Nordstern 2 Monate und eine Million Mark Geldstrafe, die Direktoren Treutler und Albrecht vom Eschweiler Bergwerksverein, dann die Direktoren Noot und Knepper von der Zeche Karl Friedrich je drei Monate Gefängnis und eine Million Mark Geldstrafe. Die Untersuchungshaft wird angerechnet. Ludwigshafen, 4. April. Amtsgerichtsdirektor Jung ist vom Kriegsgericht der Rheinarmee in Mainz zu 5 Monaten Gefängnis und 100000 Mark Geldstrafe, Gefängnisverwalter Orth zu zwei Monaten Gefängnis und 100000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. 10 Milliarden beschlagnahmt. Wiesbaden, 4. April. Von hier wird gemeldet, daß die Franzosen in Höchst 10 Milliarden Mark und 400000 französische Franken beschlagnahmt haben. Das Geld sollte von der Reichsbank an die Wiesbadener Filiale abgeliefert werden. Neues Eisenbahnunglück. Vier Franzosen getötet. Mannheim, 4. April. Samstag nacht fuhr ein Güterzug, mit Kohlen beladen, von Lauterburg nach Ludwigshafen. In Schifferstadt fuhr er auf ein falsches Gleis, überfuhr den Prellbock und stürzte mitzwei Maschinen, Tender und Packwagen die Böschung hinunter. Dev Material= schaden ist sehr bedeutend. Vier Franzosen wurden getötet, drei Franzosen und ein Deutscher verletzt. ** * Prälat Testa in Münster. Im Oberpräsidium in Münster fand am Ostersonntag eine Zusammenkunft des päpstlichen Delegaten Monsignore Testa mit dem Oberpräsidenten von Westfalen, Gronowski, u. dem Regierungspräsidenten von Düsseldorf, Grützner statt. Dev Gegenstand der Besprechung, die zwei Stunden währte, war eine eingehende Schilderung der Verhältnisse im Ruhrgebiet. Das Gespräch berührte auch die Frage, wie die Schwierigkeiten zu beseitigen seien, die zwischen Frankreich und Deutschland bestehen. Der Prälat Testa wird etwa 14 Tage in Essen bleiben, um sich, einer ausdrücklichen Weisung des Papstes folgend, hier eingehend bei allen möglichen amtlichen und außeramtlichen Stellen über die Verhältnisse zu unterrichten. Bemerkenswert ist, daß er bei seinem Besuch in Koblenz von Tirard und dem General Fournier, dem früheren französischen Kommandeur von Essen, derart in Anspruch genommen wurde, daß es ihm nicht möglich war, den Reichs= und Staatskommissar Fürsten von Hatfeld zu besuchen. Prälat Testa bei den Eisenbahnern. Essen 4. April. Der päpstliche Prälat Monsignore Testa hatte mit Vertretern der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner eine längere Unterredung, um sich über die Ruhrgebietsbesetzung und deren Auswirkung zu unterrichten. Die Gewerkschaftsvertreter konnten durch reichhaltiges Material dem päpstlichen Gesandten ein Bild geben über die Vorkommnisse im hiesigen Bezirk zurzeit der Besetzung. Besonders wurden die wirtschaftlichen und moralischen Schäden, welche immer mehr als Folge der Besetzung in Erscheinung treten, eingehend besprochen. Im Verlaufe der Unterredung wurde immer betont, daß alle religiösen, geistigen und moralischen Mächte der Welt wirksam sein möchten, um der Einsetzung eines gerechten Friedens den Weg zu ebnen. Schreiben des Generals Jacquemot an die Gewerkschaften. Essen, 5. April. Der kommandierende General Jacquemot hat gestern an die Gewerkschaften folgendes Schreiben gerichtet: „Mitteilung! Der kommandierende General widersetzt sich nicht der öffentlichen Bestattung der am 31. 3. gefallenen Arbeiter unter der Bedingung, daß die Ordnung nicht gestört wird, weil er der Ansicht ist, daß die Ereignisse nicht durch die Arbeiter verursacht sind, sondern durch die Vertreter des Kapitalismus, die die Arbeitev gegen die Soldaten aufgehetzt haben. Dentschel Protest in " der Krappussaitt. Der deutsche Geschäftsträger in Paris ist gestern beauftragt worden, der französischen Regierung wegen der Vorfälle in Essen eine Note zu überreichen, in der es u. a. heißt: Am 31. März hat ein in die Kruppwerke in Essen eingedrungenes französisches Kommando, ohne angegriffen oder auch nur bedroht zu sein, in eine Menge friedlich demonstrierender Arbeiter hineingeschossen und ein entsetzliches Blutbad angerichtet. 13 Arbeiter sind getötet mehr als 30 sind verwundet worden; die Verwundungen sind zum Teil so schwer, daß weitere Todesfälle zu befürchten sind.. Im einzelnen ist über den Verlauf der Ereignisse von den deutschen Behörden folgendes festgestellt worden: Am 31. März morgens gegen 7 Uhr besetzte eine französische Militärabteilung ohne vvorherige Ankündigung in den Kruppschen Werken die beiden Hallen der Last= und Personenkraftwagen. Während die Besetzung der Halle der Lastkraftwagen alsbald aufgehoben wurde, verblieb in dev in der Mitte der Fabrik gelegenen Halle der Personenkraftwagen ein Kommando von einem Offizier und elf Mann, das die Halle besetzt halten wollte, bis eine Kommission französischer Offiziere die brauchbaren Fahrzeuge ausgesucht und beschlagnahmt haben würde. Auf den Kruppwerken bestand ähnlich wie bei anderen Werken zwiDie Tannmüller Ironi. Hochlands-Roman von Fritz Daum. (Nachdruck verboten.) „— „Was sagst?— Wo willst mich unterbringen?“ „Wo Du hingehörst wegen Deine verfluchten Streich,— meinst nit auch, daß Du ein Freiquartier kriegest, wenn i verzähl, von wem die Kugel kommen is, die den Greanrock niederg’worfen hat in— Ammzell!“ Mit einem Zischen fuhr Natz im Dunkeln auf. („Da gehst halt fein mit mir, Brüderl;— denn Deine Schuld is es auch nit, daß der Jagerfranzl noch auf die Berg kraxeln kann" „Ha, ha, sell glaub i nit, denn i hab vorbei’schossen,— daß Du's weißt,— aber den Hut hast Du ihm abig'schossen, das is gewiß, sell könnt' i beschwör'!“ Natz schwieg,— eine lange Weile sogav. Konrad wurde die Stille unheimlich; er begann wieder zu sprechen:„Wozu streiten wir uns mit solchene Sachen umanand, is eh' doch bloß so ein Gered! Das sag i Dir. Natz, den Jager hab i Nach''schworen, wie er Haussuchung tan hat im Hirschen.— Der Lapp, der damische, will mich 'sehen haben, wie i heimg'schlichen bin. Bal in den treff, nachher is's gar— kannst Gift’rauf mehmen. Jetzt weiß i, daß er's auf mich abg'sehen hat!“ „Freilich“, meinte Natz bedächtig,„wenn Du auf Staatskösten eine Wohnung kriegst, nachher is ihm der Weg ins Hirschenwirtshaus offen!— So viel'scheit is er schon, der Herr Jager!“ „Des werd' i dem Gimpel schon versalzen!" Knirschend kamen die Worte aus Konrads Mund.— In dieser Nacht gingen sie nicht auf die Pirsch, sondern ratschlagten über die nächste Zukunft. Immer wieder kehrten ihre Gedanken zu dem Jagerfranzl zurück u. der schrecklichste Tod wurde ihm angedroht. 15. Kapitel. Es war eine traurige Zeit, welche Broni nun durchlebte. Eine stete Sorge und Bangigkeit hielt sie gefangen. Gott allein imochte wissen, wie das enden werde. Wie oft hatte sie sich schon vorgenommen, den Gatten aus dem Hause zu weisen, — nie kam es zur Ausführung. Sie fühlte, #5 ihr an Kraft hierzu fehle, zumal sie auch gar nicht sicher war, ob Konrad einer solchen Aufforderung ihrerseits folgen würde. Allerdings hatte er in der letzten Zeit sein Umherschweifen eingeschränkt, doch war eine merkbare Unrast über ihn gekommen, die ihn zu einer regelrechten Arbeit untauglich machte. Den Natz brachte er nicht mehr ins Haus, doch gewahrte Vroni an ihren Vorräten, daß Lebensmittel abhandel kamen, und sie wußte gar bald, wer sich daran vergriff und für wen sie bestimmt waren. Ak einem regnerischen Abend kurz vor dem Dunkelwerden, stand sie an einem Fenster der Oberstube und sah die Straße hinunter. Da erblickte sie einen Mann von gedrungener Gestalt, der sich vorsichtig dem Hirschen näherte. Jetzt gab er sich auf die andere Seite der Straße und trat unter einen dichten Holderbusch. Gleich darauf hörte sie ein eigenartiges Pfeifen. Ein Weilchen verhielt er sich ruhig, dann verließ er seinen Standort, sah sich sorgfältig um und schritt dann eilend über die Straße, dem kleinen Hofpförtchen des Hirschen zu. Anscheinend wurde die Person dort von jemand erwartet. Zornig ballte Vroni die Hände— sie hatte den Mann erkannt— es war Natz! Was wollte das verkommene Subjekt hier? Rasch schritt sie hinüber auf die andere Seite und gewahrte gerade noch, wie ihr Mann u. der alte Gauner in einen alten Schuppen neben dem Kuhstall schlüpften. Sofort beschloß sie, hinunter zu gehen und den Alten vom Hofe zu weisen. Drunten angelangt, änderte sie jedoch ihre Absicht und ging in den Kuhstall. Von hier aus führte eine kleine, viereckige Oeffnung in den erwähnten Schuppen, die nur ein verstaubtes Drahtgitter abschloß. Wenn sie sich am Ende des Kuhstalles, in der Nähe dev Oeffnung aufstellte, konnte sie jedes Wort hören, das drüben gesprochen wurde. Vorsichtig trat sie an das Gitter heran. Es war so hoch angebracht, daß sie nicht hindurchsehen konnte, aber doch die flüsternden Stimmen von drüben vernahm. Alles verstand sie ja nicht, doch der Sinn dessen, was der Natz dem Konr## so voll Eifers einredete, ward ihr bald klar. Ihr Herz krampfte sichzusamm en,— Entsetzen lähmte ihre Sinne, als sie den Beschluß der Beiden hörte, noch heute den Jägerfranzl zu erschießen. Natz hatte irgendwie in Erfahrung gebracht, daß der Jäger diese Nacht übers Joch wollte, da mußte er die Reutachklamm passieren,— vort sollte es geschehen,— das Grauenerregende! Vroni lauschte wie gelähmt. Ein gewaltiger Zorn, eine tötende Angst zerwühlten ihr Inneres! Die Gedanken jagten sich in ihrem Hirn! Einen Augenblick versagten ihre Nerven,— sie taumelte und mußte sich an der Wand halten, um nicht zu stürzen. O, die grundschlechten Menschen!— Plötzlich springt sie auf, rasende Angst überfällt sie,— im Nebenraum ist es ganz still geworden. Wie gehetzt stürzt sie zur Tür.— Niemand ist im Hof!— Wo sind sie? Schon fort? — Sie muß die unselige Tat verhüten! In schnellen Sprüngen eilt sie in den Anbau, wo Konrad seine Kammer hat, reißt die Tür auf — leer,— zu spät!— Er muß schon fort sein!— Vielleicht ist er noch im Gastzimmer! So rasch sie ihre Beine tragen, rennt sie dahin. Die ihr begegnende Magd fragt sie nach Konrad, die hat ihn nicht gesehen. Im Schenkzimmer, im Herrenstübel— nirgends eine Spur von dem Gesuchten. Die Magd schaut die Frau aus runden Augen verwundert an. Vroni aber springt hinauf in die Stube, holt ein dickes Umschlagtuch und steht wenige Minuten später an der Treppe. Einen Moment muß sie verschnaufen. Was will sie tun?— Nur ein Gedanke erfüllte ihre Seele:„Franz muß gerettet werden!"— Den beiden Meuchlern nachzugehen, ist zwecklos, da sie deren Standort nicht kennt. Aber Eile ist geboten, sie muß die Wegkreuzung vor dem Jäger erreichen, sonst läuft er in sein Verderben! Vroni ist ein Kind dev Berge, tapfer u. voll Mut. Nicht Wind noch Regen stören sie in ihrem Werk. Unaufhaltsam eilt sie trotz des hereinbrechenden Dunkels den Steig hinan. Nach Ablauf einer starken Viertelstunde hat sie die Kreuzung erreicht und nun steigt sie ruhiger bergwärts. Der Regen hat ganz aufgehört, es wird ein wenig lichter und sie erkennt den Pfad wieder deutlicher. Die tiefe Stille in der sie umgebenden Natur wirkt beruhigend auf ihre Nerven. Am steinernen Kreuz angelangt, schickt sie ein stilles Gebet zum Schützer aller Bedrängten emvor. Neugestärkt erreicht sie das kleine Almfeld, wo Franzls Hütte steht. Welch ein Freudengefühl durchzieht ihre Brust, als sie den hellen Lichtschein gewahrt, der durch die geöffnete Tür in die Nacht hinausdringt. Jetzt erblickt sie auch den Jäger, wie er emsig am Herde hantiert. Vroni preßte die Hände auf das ungestüm pochende Herz. Dort steht der Mann, um den sie in Todesängsten gebangt, wohl und gevorgen. „Du sollst nit sterben, Bub! Na, nit sterben. Der liebe Herrgott wird mir's verzeihen,— es kann ja kein Sünd’ sein,— ich mußt Dich behüten vor den Mördern, den elendigen Auf einmal fällt es ihr schwer auf die Seele, wie sie es dem Bedrohten beibringen soll. Aller Mut ist ihr ntfallen,— eine keusche Scham hält sie davon ab, in die Hütte zu treten und ihn aufzuklären.— Nein, sie kann es nicht! Aber retten muß sie ihn, wie soll sie ihn abhalten von dem Gang übers Joch und durch die Reutachklamm? Plötzlich hört sie das Blaffen eines Hundes in dev Hütte drüben. Sie muß rasch flüchten, sonst verraten die Hunde ihre Anwesenheit vor der Zeit. Wie gejagt eilt sie den Pfad hinunter und tritt hinter eine Gruppe Ahornbäume, von hier aus kann sie ganz gut den Eingang zu Franzls Hütte beobachten. Da bemerkt sie wie der Feuerschein trüber wird und auf einmal ganz erlöscht. Jetzt macht er das Feuer aus und wird bald kommen. Sie hört, wie Franzl die Türe verschließt u.— gleich darauf nähert sich des Jägers Dackelhund bellend ihrem Versteck. Franzl wettert:„Waldl, nixnutziges Vieh! Gehst gleich daher! Dort naus gehts“.— Der Hund bellt heftiger,— der Jäger wird böse, pfeift grell auf den Fingern und nun muß der getreue Waldk sich, wenn auch kläffend, fügen. Sein Herr empfängt ihn mit Schimpfen:„Malefizlump umeinand,— is so schon spät genug,— meinst der Herr Forstmeister wart umasonst, weil Du ein Tierl verspürt hast?— Da bist sein falsch'stimmt.— Jetzt heißt es pressieren, sonsten gibts ein Nasen, so groß wie die Trettachspitzen!“ Hastig schritt der Jäger von dannen, aber nicht nach dem Jochkogel hinunter, sondern in entgegengesetztev Richtung, den Jägerpfad hinan. Broni atmete erleichtert auf. Gottlob, er ging nicht in die Klamm, wo der Tod ihn erwartete. VTRTEN Schontatt. verleiht ein rosiges, Jugendtrisch. Antlitz u. ein zarter schöner Teint. Alles dies erzeugt die allein echte Steckenpferd-Seife die beste Lillenmiichseife v. Bergrunn& Co., Radebeul. Oberall au haben. schen der Wer der Arbeiterdaß im Falle Signal für besetzten Werk dem etwa um rates vergeblich verhandelt hat redung, und dem Direktori# Uhr als Signe benachbarten gezogen. 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Beamtenschaft die Verabredung, daß im Falle einer militärischen Besetzung ein Signal für die Arbeitseinstellung auf dem besetzten Werksteil gegeben werden sollte. Nachdem etwa um 8 Uhr zwei Mitglieder des Betriebsrates vergeblich mit dem Führer des Kommandos verhandelt hatten, wurde auf Grund jenev Verabredung, und zwar im Einvernehmen zwischen dem Direktorium und dem Betriebsrat gegen 9 Uhr als Signal für die Arbeitseinstellung in dem benachbarten Fabrikbezirk die Dampssirenen gezogen. Die Arbeiter dieses Bezirkes verließen darauf ihre Arbeitsstätte und versammelten sich in größerer Menge in der Umgebung der besetzten Halle, um gegen den militätschen Eingriff zu demonstrieren. Die Führer der Arbeiterschaft wiederholten ihren Versuch, das Kommando unter Gewährleistung seiner persönlichen Sicherheit zum Fortgehen zu bewegen. Obwohl der französische Offizier das Anerbieten ablehnte, blieb die Menge in voller Ruhe. Sie hat während der ganzen Zeit den Raum vor der besetzten Halle freigelassen. Auch wurden etwa um 10einhalb Uhr die Sirenensignale eingestellt. Kurz nach 11 Uhr ließ jedoch der französische Offizier ohne jede Herausforderung von seiten der Arbeiter und ohne jede Wanung plötzlich das Feuer eröffnen. Nach dem ersten Schuß lief die Menge auseinander, wurde aber auch auf der Flucht noch weiter beschossen. Sofort nach dem Vorfall hat die Havasagentur Meldungen zu verbreiten gesucht, wonach die Arbeiter das französische Kommando mit Revolvern bedroht, mit Steinen beworfen und mit heißen Dämpfen angegriffen hätten. Die Agentur fügt hinzu, das ganze Unglück sei von entlassenen Beamten der Schutzpolizei provoziert worden, die man zu diesem Zweck in die Betriebe eingestellt habe. Die vernommenen Augenzeugen bekunden übereinstimmend, daß keiner der Arbeitev einen Revolver hatte und daß sich die Menge trotz ihrer begreiflichen Erregung zu keine Tätlichkeit oder Drohung hat hinreißen lassen. Die Havasmeldung selbst muß zugeben, daß die Soldaten nicht die geringste Verletzung erlitten. Ihrer Mitteilung über einen angeblichen Angriff mit heißen Dämpfen liegt nichts anderes zu Grunde als die Tatsache, daß hinter der besetzten Halle eine Schmalspurlokomotive stand, deren Abdämpfe in das Fenster der Halle hineindrangen. Die Unterstellung, der Vorfall sei auf Veranlassung der Werksleitung von früheren Beamten der Schutzvolizei provoziert worden, ist zu plump, als daß sie einer Widerlegung bedarf. An dem Versuch, die Schuld an dem Vorfall dem Direktorium der Werke zuzuschieben, will sich anscheinend auch der französische Befehlshaber in Essen beteiligen. Er hat am Tage nach dem Vorfall drei Mitglieder des Direktoriums u. einen Abteilungsleiter verhaftet und in das Zuchthaus nach Werden abführen lassen. Dieses neue Unrecht, das schuldlose Männer der Freiheit und zugleich das größte Unternehmen des Ruhrgebietes der Führung beraubt, kann den wahren Sachverhalt nicht verschleiern. In Wahrheit ist von deutscher Seite nichts anderes geschehen, als daß die Arbeiterschaft auch in diesem Falle gegenüber einem rechtswidrigen Eingriff in ihre Produktionsstätten den Entschluß bekundet hat, nicht unter französischen Bajonetten zu arbeiten. Dieser Entschluß ist ebenso wie die ruhige Art, in der er bekundet wurde, den französisischen Truppen aus ihren früheren Erfahrungen im Ruhrgebiet genau bekannt, so daß er ihnen nicht den geringsten Anlaß zu ihrem Vorgehen bieten konnte. Die Verantwortung, für die unheilvolle Tat fällt nicht allein auf die Truppen, sondern auch auf die französische Regierung selbst. In zahllosen deutschen Protesten ist ihr das gewalttätige Vorgehen der Truppen im Ruhrgebiet immer wieder vor Augen geführt worden. Die Proteste sind unbeantwortet geblieben und es ist nichts davon bekannt geworden, daß sie zu einem Einschreiten gegen die Schuldigen Anlaß gegeben hätten. Die deutsche Regierung erhebt feierlich Protest gegen die Bluttat in Essen. Sie fordert für die Opfer und ihre Angehörigen volle Genugtuung und verlangt, daß die verhafteten Personen sofort in Freiheit gesetzt werden. Die Note ist zugleich auch den übrigen Hauptmächten des Versailler Vertrages zur Kenntnis gebracht worden. Deutsches Reich. Lieber Poinearee als Cuno! I Heiteres vom Parteitag der Unabhängigen. Die Besprechung des spärlichen Restes der Unabhängigen unter der Führung von Ledebour u. Theodor Liebknecht, die stolz untev der Firma eines Parteitages segelt, ging im Fahrwasser des vorangegangenen Tages weiter. Der eine Führer Theodor Liebknecht bekämpfte scharf den anderen Führev Ledebour. Man kann sich von der Geschlossenheit dieses Parteichens einen Begriff machen, wenn man erwähnt, daß eine Hamburger Vertreterin den Kampf gegen Cuno für notwendiger hielt als den Kampf gegen Poincaré, worauf Ledebour und der Berliner Rusch einwandten, was dieser radikale Flügel zum Kampf der französischen Sozialisten und Kommunisten gegen Poincaré sagen wolle. Die hysterische Dame aus Hamburg rief dazwischen, das sei Deutsch gedacht. Rusch fertigte sie ab mit der Erwiderung, daß er anders überhaupt nicht denken könne, was immerhin mit Genugtuung vermerkt sei. Als Ledebour und Rusch sich dagegen wandten, daß deutsche Arbeiter mit Maschinengewehren in die Gruben getrieben würden, riefen die Hamburger, daß so etwas die Franzosen nicht täten. Wir empfehlen ihnen, sich bei den französischen Deputierten Leon Blum u. Marcel Cachin zu erkundigen, die Herrn Poincaré etwas besser zu kennen scheinen. Ein Erlaß an die Neichswehr. Laut ,B..“ richtete General von Seeckt unker dem 23. März einen Erlaß an die Reichswehr, in dem es heißt: Von sogenannter nationalsozialistischer Seite werden zurzeit, wie ein Einzelfall zeigt, Versuche gemacht, Reichswehrangehörige für die politischen Ziele einer Partei zu gewinnen. Diese Bestrebungen gehen auf die Verleitung der Offiziere und Mannschaften zum Ungehorsam gegen die Befehle ihrer Vorgesetzten hin aus, und enthalten den verbrecherischen Versuch, die Disziplin unter ihnen zu erschüttern. In dem Erlaß wird dann weiter angeordnet, daß, sobald derartige Bestrebungen sichtbar werden, Seeckt persönlich Meldung darüber zu machen ist. Marten, 5. April.(Erschlagen.) Auf der Schachtanlage 2/3 der Zeche„Germania“ wurde der Bergmann Wilhelm Vogel von hier durch herabstürzende Steine getroffen und getötet. Provinzielle Nachrichten. — Um die Nachveranlagung zur Getreideumlage. Nach eingehenden Beratungen zwischen den Spitzenorganisationen der deutschen Landwirtschaft hat sich der Präsident des Deutschen Landwirtschaftsrates Dr. Brandes in einem persönlichen Schreiben an den Reichskanzler gewandt. Er erbittet möglichst beschleunigtes Eingreifen gegen die rechtlich unhaltbaren Zustände, die bei der Nachveranlagung zur Getreideumlage eingerissen sind. Wenn jeder einzelne Landwirt, und zwar auch derjenige, der seine Umlage bereits voll erfüllt hat, der Gefahr ausgesetzt ist, daß seine wirtschaftlichen Dispositionen durch die ihm drohende Nachumlage völlig illusorisch gemacht und über den Haufen geworfen werden können, so verhindere man damit ganz planmäßig jeden weiteren Bezug von Düngemitteln, insbesondere die Beschaffung des zur Aufbesserung der vielen schwach stehenden Saaten dringend erforderlichen Stickstoffdüngers, und zwar auch dann, wenn es gelingen sollte, den Stickstofspreis zu senken. Ausland. Gagland. Bonar Laws Kraubheit. Nach dem„Manchester Guardian“ hat sich der Krankheitszustand Bonar Laws so sehr verschlimmert, daß die Aerzte die Möglichkeit eines Rücktritts von der Regierung ins Auge fassen. Die Konservativen setzten ihre Begünstigung für die Ernennung des Schatzkanzler Baldwin zu seinem Nachfolger als Ministerpräsident fort. im Besteden Lenins. " Nach dem gestern ausgegebenen Krankheitsbericht hat sich im Befinden Lenins eine Komplika tion ergeben, da der linke Lungenflügel angegrifien ist. Sonst ist das Befinden Lenins befriedigend. Bulgarien. Verurteilung der bulgarischen Minister und Generale. Samstag nachmittag fällte der Staatsgerichtshof das Urteil in dem Prozeß gegen die Mitglieder des früheren Kabinetts Radoslawow. Die in Sliwen in Haft gehaltenen Minister Tontschew, Peschew., Dobri Petkow, General Naidenow, Dintschew, Chr. Iw. Popow, und Chr. G. Popow, Apostolow, Kosnitschki und der Generalissimus Schekow wurden zur Urteils verkündung nach Sofia gebracht. Gegen Rädoslawow, der Sofia unmittelbar nach der Niederlage Bulgariens im Jahre 1918 verlassen hatte, wurde in contumaciam erkannt. Der Staatsgerichtshof verurteilte Radoslawow, Tontschew, Peschew Chr. Iw. Popow, Dintschew und Petkow zur Haft auf Lebenszeit, General Naidenow zu 15 Jahren Haft, den Generalissimus Schekow und die Minister Apostolow, Kosnitschki u. Chr. G. Popow zu 10 Jahren und den General Bojadjew zu 5 Jahren Haft. Außerdem wurde gegen sämtliche Verurteilte aufVerlust der bürgerichen Ehrenrechte auf Lebenszeit erkannt und ihnen solidarische Haftung für die Kriegsschäden auferlegt, die sich auf 32 Milliarden 700 Millionen Lewa belaufen. Tokales. § Annen, 5. April.(Sicherung der Ernährungslage im Ruhrgebiet.) Der Reichslandbund, der von Zeit zu Zeit besondere Vertrauensleute in das Ruhrgebiet entsendet, um sich von der Verteilung der gespendeten Nahrungsmittel zu überzeugen, hat von den zuständigen Stellen die Erklärung erhalten, daß die Ernährungslage im Ruhrgebiet als gut bezeichnet werden könne. Auch in der Milchversorgung sei eine erhebliche Besserung festzustellen. So erhält Essen jetzt 30.000 Liter täglich, während es vor drei Wochen nur 17·000 Liter bekommen hat. Der verständnisvollen Zusammenarbeit der dortigen Behörden und Wohlfahrtseinrichtungen, der Landwirtschaft u. Verbraucherschaft wird es auch weiterhin gelingen, dafür zu sorgen, daß an der Ernährungsfrage der Wille zum erfolgreichen Ringen für deutsches Recht nicht leidet. —(650 Millionen Mark für das Ruhrgebiet aus Schweden.) Das schwedische Rote Kreuz teilt mit, daß es seit Beginn der Ruhraktion mit Hilfe von Sammlungen und durch Zeitungen sowie Berufsverbände bisher 130000 schwedischer Kronen(650 Millionen Mark) der notleidenden Bevölkerung im Ruhrgebiet zur Verfügung stellen konnte. —(Die Reichsindexziffer für Lebenshaltung im März.) Nach Feststellung des statistischen Reichsamts stieg die Reichsindexziffer für Lebenshaltung(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) im Durchschnitt des März um 8 Prozent, nämlich von Februar 2643(1913/14 = 1) auf im März 2854. —(Die Teuerungszuschüsse für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene) gelangen am Freitag, 6. ds. Mts. vormittags von—12 Uhr auf der hiesigen Gemeindekasse zur Auszahlung. Es erscheint dvingend geboten, an diesem festgesetzten Tage zu erscheinen, da außer dem Termin grundsätzlich keine Zahlungen mehr stattfinden. —(2. Kammerkonzert.) Vorverkaufskarten für das am 15. April in der Aula der Mittelschule stattfindende 2. Kammerkonzert sind zu haben in den Buchhandlungen Krampen und Küching. Dortmund, 4. April.(Die Telephonleitungen der Zeche„Scharnhorst") nach der Zeche Gneisenau“ und dem Dortmunder Telegraphenamt wurden, nach einer Meldung der„Köln. Volkszeitung, von den Franzosen abgeschnitten und für ihre Zwecke verwandt. Die deutschen Leitungsaufseher, die die Störung beseitigen wollten, wurden von einem Offizier festgenommen u. nach der Ankündigung, daß sie, wenn sie noch einmal die Gestände und Anlagen betreten würden, erschossen werden würden, wieder entlassen. Die Zeche„Scharnhorst“ ist von jedem Telephonverkehr abgeschnitten, also der Möglichkeit beraubt, für ihre Beamten und Arbeiter bei einem Grubenunglück Hilfe schnell herbeizuführen. In Scharnhorst werden vom 2. April ab Postpakete mit Genußmitteln wie Tabak, Spirituosen usw., sowie mit Petroleum nicht mehr in das besetzte Gebiet hereingelassen. Brücherhof, 4. April.(Einleichtsinniger Junge) ist der Arbeiter H.., sein Mithelfer ist der Arbeiter W. K. aus Hacheney. B. bestiehlt seinen Vater, wo er kann, so hat er ihm nach und nach für 300000 Mark Kleidungsstücke usw. gestohlen, die er verkauft und zum Teil verschenkt hat. Den Erlös hat er verjubelt. Anzeige ist erstattet. Verschiedene Familien werden sich wegen Hehlerei zu verantworten haben. Die Erstgenannten sind Burschen von 16 u. 17 Jahren. Neben der Bestrafung ist Fürsorgeerziehung am Platze. Gelsenkirchen 4. April.(Ungetreuer Angestellter.— Sieben Millionen Mark Lohngelder unterschlagen.) Der bei der Gewerkschaft „Orange in Gelsenkirchen angestellt gewesene Handlungsgehilfe Max Kirchgeorg, gebürtig aus Nürnberg, hat es auf raffinierte Weise verstanden, vom August vor. Is. bis Ende März fast 7 Millionen Mark Gelder, die zumeist für Löhnungen bestimmt waren, zu unterschlagen. Der junge Mann hat das Geld zum größten Teil in leichtsinniger Weise mit Altersgenossen und Genossinnen verpraßt, wobei sehr große Zechen gemacht wurden. Der hoffnungsvolle Jüngling, der 22 Jahre alt ist, wurde festgenommen und in das hiesige Gerichtsgesängnis eingeliefert. Gelsenkirchen, 4. April.(Die Feuerwehr bestohlen.) Diebe haben aus einem Geräteschuppen der Feuerwehr die Messingverschraubungen von 24 Schlauchenden abgeschnitten und mitgenommen. Der Schaden beträgt etwa 2 Millionen Mark. Bei der Bestrafung dieser Spitzbuben wird hoffentlich das Gericht die Gemeingefährlichkeit der Tat gehörig berücksichtigen. Dülmen, 4. April.(Ein diebischer Studienrat.) Hier erregt die Verhaftung des Studienrats Dr. Giese vom städt. Gymnasium großes Aufsehen. Giese soll 4 Meter Kupferdraht in hohem Werte entwendet, ferner seinen Schülern aus den Kleidern, die sie während der Turnstunde abgelegt hatten, die Taschenuhren gestohlen haben. Lippstadt 4. April.(Ein fliehender Einbrecher vom Zuge getötet.) Ein aufregender Vorfall ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof. Mit dem Zuge von Soest her trafen hier drei Burschen ein, die in den letzten Tagen in Lippstadt und Benninghausen verschiedene Einbruchsdiebstähle ausgeführt hatten. Sie mußten wohl auf der Fahrt Lunte gerochen haben, daß man ihnen auf der Spur sei. Jedenfalls sprang der eine von ihnen auf dem Lippstädter Bahnhöfe spornstreichs aus dem Zuge und geriet dabei unter einen aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Zug. Er wurde sofort getötet. Die beiden Spießgesellen konnten verhaftet werden. Mülheim 4. April.(Leichenfund in Mülheim.) In Mülheim(Ruhr) wurde aus dem Schleusenkanal die Leiche eines belgischen Soldaten gezogen, dessen Regimentszugehörigkeit nicht festgestellt werden konnte. Man vermutet, daß die Leiche vor einiger Zeit mit dem Hochwasser aus der Richtung Werden=Kettwig angeschwemmt worden ist, da in Mülheim keine Belgier liegen. Die Besatzungsbehörde schaffte die Leiche in, die Kaserne und entzog den deutschen Behörden dadurch die Möglichkeit der Feststellung. Duisburg, 4. April.(Ein eigenartiger Unglücksfall) ereignete sich hier. Die Ehefrau des Lehrers Kaufmann war beim Putzen der oberen Scheiben in der Wohnungstür beschäftigt, als plötzlich die Leiter ausrutschte. Die Frau stürzte in eine der unteren Scheiben, wodurch Halsschlagader und Kehlkopf durchschnitten wurden. Der Lehrer fand, als er aus der Schule kam, seine svon beit ber. die einen Kopfschuß hatte. Der Tote sei alsder Student Bauer, geboren am 21. März 1901 in Wismar, der seinerzeit wegen Begünstigung der Rathena'=Mörder ausgeschrieben war, festgestellt worden. Er sei außerdem personengleich mit dem Bauer, der das Attentat auf Scheidemann im Januar d. J. ausführen wollte. Die Münchener Post meint, daß es sich nicht um einen Selbstmord, sondern um ein politisches Verbrechen handele.“ Aus aller Welt. Ein Mord im Geunewald Die Berliner Mordchronik ist wieder um einen Fall reicher. Im Grunewald fanden Spaziergänger am Dachsberg in der Nähe eines Gebüsches in knieender Stellung die Leiche eines jungen Mannes. Man alarmierte sofort die Polizei, und eine Stunde später traf der Mordbereitschaftsdienst ein, um den Befund aufzunehmen. Der Gerichtsarzt stellte fest, daß der Unbe kannte zwei Schußverletzungen am Kopfe und erklärte, daß nach Lage der Dinge ein Selbstmord ausgeschlossen erscheine. Trotz eifrigen Absuchens der ganzen Umgebung wurde auch keinerlei Waffe gefunden. Dem Unbekannten fehlten sämtliche Ausweispapiere, doch war er noch im Besitze größerer Geldmittel, so daß ein Raubmord nicht angenommen wird. Der Tote ist wahrscheinlich der griechische Student der Medizin Dimitrew Papadenetries aus Corinth. Auf die Ermittlung des Täters ist vom Polizeipräsidium eine Belohnung von 100000 ik ausgesetzt worden. Ein gebeimetsveller Mord. Wie die„Münchener Post“ meldet, wurde am 29. März bei Freising eine Leiche angeschwemmt, Eezbischof Zeplieh zu * begnadigt. Das Präsidium des Allrussischen Exekutivkomitees beschloß, das gegen den Erzbischof Zepliak. ergangene Urteil in zehnjährige Freiheitsstrafe mit strenger Einzelhaft umzuwandeln. Das Gesuch um Begnadigung des Priesters Butkewitsch hatte keine Folge. In dem Beschluß heißt es, die Handlungen von Zepliak seiem bewußt gegen die Interessen der Arbeiterklasse gerichtet gewesen und unter Ausnutzung der gesetzlich verbürgten Glaubensfreiheit begangen worden. Es werde jedoch berücksichtigt, daß Zepliak der Vertreter eines Glaubensbekenntnisses sei, welches. vom Zarismus unterdrückt worden sei. Infolgedessen könnte die Vollstreckung der über ihn vom Gericht verhängten Strafe von den katholischem Bürgern Rußlands als besonders gegen einen Priester ihres Glaubens ergangen bewertet werden. Butkewitsch habe auf religiöser Grundlage offensichtlich eine gegenrevolutionäre Tätigkeit entfaltet und Verbindungen mit einer der Republik feindlich gesinnten fremden bürgerlichen Regierung unterhalten. — Ein Muttermord. Ein grauenhaftes Verbrechen wurde am Sonnabend in der Klopstockstraße in Berlin verübt. Dort wurde die Frau des Packers Papke von ihren 16 u. 18 Jahre alten Stiefsöhnen ermordet und beraubt. WieHauseinwohner bekunden, ist es in dev Papkeschen Familie schon sehr häufig zu Streitigkeiten zwischen den Eltern und den beiden Söhnen gekommen. Vorgestern vormittag hatte der Manm der Ermordeten mit seinem jüngsten Sohne das Haus verlassen, und Frau Papke befand sich mit den beiden älteren Söhnen allein in der Wohnung. Diese Gelegenheit benutzten die beiden Burschen, um über ihre Mutter herzufallen und sie zu erwürgen. Dann wühlten sie sämtliche Behältnisse durch und verschwanden unter Mitnahme einiger Wertsachen.— Selbst gerichtet! Der Mörder des am arfreitag früh im Grunewald erschossen aufgefundenen Griechen Papademetrios, der 26 jährige Dionysius Georgatus aus Athen, hat vorgestern nach einer polizeilichen Vernehmung im seiner Pension in Charlottenburg Selbstmord verübt, indem er sich aus dem Fenster stürzte. — Schwerer Autounfall bei Berlin. Bei Hoppegarten trug sich am ersten Feiertag ein schwerer Automobilunfall zu. Beim Ausweichen vor einer Passantin überschlug sich den Kraftwagen, wobek der Chauffeur sofort getötet, die anderen Insassen, darunter ein Mitinhaben der Kunsthandlung Paul Cassirer, schwer verletzt wurden. Die Passantin, ein Dienstmädchen aus Hoppegarten, wurde gleichfalls getötet. — Ein schauriger Fund wurde im Durlach bei Karlsruhe gemacht. Dort wurde die Leiche einer etwa 27 Jahre alten Kriegerwitwe in einen Sack eingepackt in ihrer Wohnung aufgefunden. Als Mörder wurde ihr Geliebter, eim Fabrikarbeiter, verhaftet, der die Tat eingestandem hat. Auch soll er zugegeben haben, daß er an einem zweiten Morde zusammen mit einem anderen beteiligt gewesen war, dev in Berlin=Wilmersdorß ausgeführt wurde. — Tödlicher Unfall eines japanilschen Prinzen, Dienstag nachmittag ist auß der Straße Paris—Cherbourg, bei Perriers-laChampagne, ein Automobil mit dem Bruder des Mikado, Fürsten Kita, der Fürstin Kita, dem Prinzen Kasaka und einev Gesellschaftsdame, gegen einen Baum gefahren. Fürst Kita und der Chauffeur wurden getötet, die Fürstin, der Prinz und die Gesellschaftsdame wurden schwev verletzt. Neueste Nachrichten. Der Reichskanzler. Berlin, 5. April. Der Reichskanzler ist von seiner Krankeit wieder hergestellt und hat heute. die Regierungsgeschäfte in vollem Umsang wieder ausgenommen. Verlegung des Doxtmunder Bergreviers. Dortmund 5. April. Das Bergrevier Dortmund hat seinen Amtssitz nach Unna verlegt. Einbruch in die Gruft des Minister“ v. Stein. Linz, 5. April. In der Zeit zwischen dem 7 und 14. März ist ein Einbruch in die Gruft Ministers v. Stein verübt worden. Die Gruft liegt in Frücht im Kreise St. Goarshausen. Die Särge der Eltern, der Gattin und der Tochter den Ministers wurden geöffnet. Die Oeffnung des Sarges des Ministers ist den Dieben nicht gelungen. Fünf Messinggriffe wurden gestohlen. Der Oberstaatsanwalt hat eine Belohnung von üben 100 000 Mark auf, die Ermittelung dev Täter ausgesetzt. Hinrichtung eines der verurteilten Geistlichen. Warschau, 5. April. Die Poln. Tel.=Agentur meldet ausMoskau: Der von den Bolschewistem zum Tode verurteilte Prälat Budkewitsch wurde am 31. März durch Erschießen hingerichtet. Die Witwe Barbara Resinski geb. Fischer in Annen deren Söhne Franz finski und Johann Refinski sowie die Ehefrau Johann Refinski führen nach Genehmigung dr den Justizminister an Stelle des Fam namens Refinski den Familiennamen Fi Amtsgericht Ihre Vermählung zeigen an: Wili Tellmann Grete Tellmann geb. Ellenberger Annen i.., den 5. April 1923. W R= Aula des Lyceums in Witten. Samstag, d. 7. Aprli abds. 8 Uhr Klavier-Abend Erwin Körver. Werke von Beethoven, Chopin, Brahms. . Aalnmnunmanmaumauniiing " Von der Reise zurück. ss: Habe meine Sprechstunden wieder Ez aufgenommen. Dienstag abend 7 Uhr verschied nach längerer Krankheit unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante W. Lampmann, Arthlerie-Verein Annon. staatl. gepr. Dentist Märkischestr. 1. Virsasalung Karten Mk. 1200 in der Buchhandlung Pritz Küching, Annen. 5. Wlf. Maria geh Kasselmann im 65. Lebersjahre. Um stille Teilnahme bitten: Ss em Sonntag, den 8. nachm. 6 Uhr bei Seuft Der Vorstand. Die trauernden Hinterbliebenen. Statt jedker besonderen Auzeige. Gestern abend 10¾ Uhr verschied nach langem schweren Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante Annen, den 4. Arril 1923. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 4½ Uhr vom Sterbehause, Mittelstrasse 42, aus statt. geb. Roßbach im Alter von 76 Jahren. Um stille Teilnahme bitten: Die frauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Garbrecht. Familie Friedrich Ritz. in nur denkbar bester Ausfährung liefert prompt zu günstigen Preisen# Burgbard Klmpel, Bebel- u. Rathenaustr. Ecke. ka 1n. fällt aus. Der Vorvand. Misterschatz verein annen. MILCH Eeügigeg Perweiss g hrlug. ##C- Arvwsen AZucke, Aougr, 18 Sonmeder •N wume Annen. Wellinghofen, Soest, den 3. April 1923. Die Beerdigung findet statt am Freitag nachminsag 4½ Uhr vom Sterbehause, Roonstasse 25, aus. Trauerfeier ½ Stunde vorher. or. 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