— „Annener Zeitung“ erscheint jeden Diensbag, Donnerstag und Samstag. Anzeigegebühr für die einspaltige 1mm hohe und 36 mm bste Zeie Zün Mlahanzeigen im Verbredungsbezirk 40,— M, auswärts 50 K. Reklamezeile 1 mm hoch u. 76 mm breit 140 #ugspreis monatlich 2200 c.(Durch die Pett beggen vierteifähriich 4600.—∆ verbunden mit der Annener Anzeigeslalt fur Annen und die benachbärten 14 Ortschaften. Organ des Amtes Annen u. Landkreises Hörde, sowie der Gemeinden Stockum=Düren. Inserats finden bei der großen Auflage— „Annenev Zeitung“ weite u. billige Verbreitung — Bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Ko#kursen kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfan. Für die Aufnahme der Anzeigen an geschviebenen Plätzen übernehmen wir Wian Verantwortung. Redaktion, Druck und Verlag von Frid Küching, Annen. 39. Jahrgang. Wachsende Erkenmats. Es macht sich... Wir gewinnen Schritt für Schritt die öffentliche Meinung im Ausland. Langsam aber sicher wenden sich die anständigen, vernünftigen Kreise aller Länder der deutschen Sache zu. Amerika verlangt sein Geld von Frankreich— der Franken rutscht sachte: Krisenluft um die Banque de France. Was will es da bedeuten, wenn die Franzosen an der Ruhr die großen Bahnhöfe „stürmen" und nach sofortiger Fliegeraufklärung ein paar Kohlenzüge„erobern“, die dann im Teiumph gen Düsseldorf dirigiert werden, um dann auf irgend einem Rangiergleis zu stranden. Es muß da wohl nicht mit rechten Dingen zugehen; der Abtransport nach Frankreich will und will nicht in Gang kommen.... Und es pressiert doch. In der Kammer brüten böse Menschen über„kleine Anfragen“. Und man kann doch nicht antworten—— weil man nichts vorzuweisen hat. Inzwischen will man durch die Abschnürung das Zwingwerk an der Ruhr vollenden..., und das geht nicht, es geht einfach nicht; und wenn man alle Handelskammern des Einbruchsgebietes verwüsten würde, wenn man noch ein paav hundert Beamte und Wirtschaftler ausweisen würde, nur ein Gedanke beseelt die Herzen zwischen Duisburg und Dortmund, nur ein Gedanke: Wir wollen frei sein.— *** Nuhrdebatte in der Pariser Kammer. Eine Ktürmische Nachtsitzung. In der französischen Kammer gab es noch vor dem Osterfest eine stürmische Nachtsitzung, ehe das Parlament bis zum 8. Mai in die Ferien ging. Der erwartete sozialistisch=kommunistische Vorstoß wurde in der Nachtsitzung bei Erörterung des Budgetprovisoriums durch den sozialistischen Abgeordneten Lebas eröffnet. Er erklärte, die sozialistische Partei vertrete natürlich den Standpunkt, daß Frankreich ein Anrecht auf Bezahlung seiner Reparationsforderung habe. Es handle sich hier darum, zu wissen, ob eine Gewaltpolitik, wie die Besetzung dev Ruhr, Frankreich zu einem Guthaben verhelfen werde. Lebas führte u. a. aus: „Die Reparationsfrage trägt den Keim eines Krieges in sich. Die Proletarier Frankreichs, Englands und Deutschlands erkannten die französischen Ansprüche auf Reparationen an. Aber was die Methode betrifft, unterscheiden wir uns von der Mehrheit der Franzosen, die an die Wirkung militärischer Gewalt glaubt.(Widerspruch rechts.) Als dev jetzige Finanzminister Berichterstatter über das Wiederaufbaubudget war, erklärte er, die französischen Industriellen hätten zu oft Furcht vor der Konkurrenz der deutschen Lieferanten gehabt.“ Er, Lebas, wolle jetzt beweisen, daß die Ruhrbesetzung noch viel weniger einbrachte als die Politik der letzten Jahre, die indessen unzulänglich war.„Seit der Ruhrbesetzung wurde das Wirtschaftsleben der Welt gestört. Dev Preis aller Rohmaterialien, einschließlich der Kohlen und Koks, sowie der notwendigen Lebensmittel erfuhr eine starke Hausse. Auch das Baumaterial stieg stark im Preise. Der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete ist dadurch bedroht.“ Der Abgeordnete wird wiederholt von der Rechten unterbrochen. Er wirft deshalb seinen Widersachern vor, daß sie nicht ihre wahren Gedanken ausdrücken, die nach seiner Ansicht darin gipfelten, bis nach Berlin zu marschieren. Es kommt wiederum zu lärmenden Unterbrechungen, als Lebas erklärt, daß seine Freunde immer noch auf ein internationales Abkommen hofften, um die Konflikte zu lösen. Seine politischen Gegner seien wie die Bolschewisten, die glauben, alles durch militärische Geswalt lösen zu können, und die schließlich doch einsehen müßten, daß sie sich getäuscht hätten. Es sei zu befürchten, daß eine zu lange Besetzung Deutschlands das Nationalgefühl des deutschen Proletariats verschärfen werde. Derartige Symptome erkenne man ein wenig überall.„Selbst Klara Zetkin protestierte auf der Tribüne des Reichstages gegen die Ruhrbesetzung. Frankreich, das mit den Alliierten Oesterreich zerstückele, sei jetzt verpflichtet, ihm zu Hilfe zu kommen, damit es existieren könne. Befürchten Sie nicht, daß Sie eines Tages gezwungen sein werden, für Deutshland das Gleiche zu tun?“(Widerspruch rechts und in der Mitte.) Er und seine Freunde wollten Frankreich und der geheiligten Sache des Nach der Rede Lebas wurde ein Antrag auf Schluß der Generaldebatte mit 382 gegen 162 Stimmen angenommen. Darauf richtete herrist feigende wo man Frankreich verkennt, daß wir aufgehört hätten, im Ruhrgebiet wirtschaftliche Ziele zu verfolgen und daß wir nunmehr politische Zwecke zu erreichen suchen, ja, daß , wir selbst auf Annexion abzielen.“ .:„Ich fordere die Regierung auf, zu erklären, daß Frankreich mit Gerechtigkeit jeden Vorschlag prüfen wird, den Deutschland Frankreich oder der Gesamtheit der Alliierten machen wird.“ In seiner Antwort wiederholte Poincaré seine vor dem Finanzausschuß abgegebene Erklärung, wonach die Regierung keinerlei Versuche zu einer offiziösen oder indirekten Verhandlung annehmen, sondern darauf warten werde, daß die deutsche Regierung Frankreich oder der Gesamtheit der Alliierten präzise und ernsthafte Vorschläge überbringen werde. Weiter verwahrte sich Poincaré in seiner gewohnten, aber doch nicht sehr überzeugenden Weise dagegen, daß Frankreich annexionistische Pläne oder Hintergedanken habe. Wörtlich erklärte Poincaré: „Wir haben keineswegs die Absicht, uns eine einzige Parzelle deutschen Bodens anzueignen. Aber wir wollen uns nicht mehr durch ein neues Manöver täuschen lassen. Deshalb werden wir die Pfänder nur gegen Realitäten aufgeben. Wir werden uns aus dem Ruhrgebiet nur in dem Maße und im Verhältnis der erlangten Zahlungen zurückziehen, und diese müssen sich der Gesamtheit der Schäden anpassen. Deutschland hat keine äußere Schuld. Deutschland ist im Augenblick weniger bekastet als Frankreich, es hat wegen des Marksturzes kaum noch eine innere Schuld, deshalb glaube ich, daß es gerecht und notwendig ist, daß das gesamte Uebel repariert werde." Dev sozialistische Abgeordnete Blum verlangt hierauf vom Ministerpräsidenten, daß er seine Gedanken etwas präziser ausdrücke.„Es genügt nicht, zu erklären, daß Frankreich keinerlei Annexionsgedanken habe. Das wissen wir. Was man Frankreich vorwirft, ist, daß es auf die Zerstückelung der deutschen Einheit abzielt. Man muß die Artikel einer gewissen Presse desavouieren, die einmal von der Neutralisierung des linken Rheinufers und dann wieder von der Schaffung eines Pufferstaates spricht. Man muß erklären, daß wir nur im Ruhrgebiet stehen, um die Reparationszahlungen dort zu erlangen.= In der ganzen Welt habe Frankreich die öffentliche Meinung gegen sich. Die Welt könne an die Gründe für die Ruhrbesetzung nicht glauben, solange die Gründe so absurd seien wie jetzt.(Stürmischer Beifall bei der Partei des Redners.— Rufe bei der Rechten: „Was brauchen wir uns darum zu bekümmern. Die Deutschen sollen zahlen!“) Dev Redner hält in dem anhaltenden Lärm in seiner Rede an. Man ruft ihm„Schluß“=rufe zu. Der Kammerpräsident erklärte den Unmut des Hauses für berechtigt, worauf der Redner die Tribüne verläßt und sich anschickt, den Soal zu verlassen. Auf Einlenken des Kammerpräsidenten beendet Blum seine Ausführungen mit der Erklärung, er wünsche, daß eine internationale Inter vention die notwendige Lösung herbeiführen mög. Die Budgetzwölftel wurden schließlich mit 465 gegen 66 Stimmen angenommen. französische Politik. Das Hauptmotiv seien keineswegs gewöhnliche Sicherheiten oder Wiederherstellungen, sondern Sicherheiten einen ganz neuen Art. Einige der gestrigen Erklärungen Poincarés seien dem Vertvag von Versailles vollkommen fremd und stellten England vor ein neues Problem. Frankreich wolle jetzt der einzige Schiedsrichter darüber sein, was Deutschland zahlen solle. Dies alles führe in ein gefährliches Gebiet der Politik. Die Regierung müßte die Dominions rechtzeitig zu Rate ziehen, um mit ihren Erklärungen von seiten des britischen Reiches innerhalb der nächsten Woche bereit zu sein. Asquith lenkte die Aufmerksamkeit des Hauses auf die bedeutsame Rede des deutschen Reichsministers des Aeußeren von Rosenberg, aus der ev Teile vorlas. Er fragte, ob die dort ausgedrückten Ansichten der britischen Regierung vorgelegt worden seien. Sei die brit. Regierung im Besitz dieser Ansichten gewesen und habe sie Schritte unternommen, um sich mit den anderen Mächten zu verständigen, oder überlasse sie es immer noch der Haltung eines ohnmächtigen, wohlwollenden Beiseitestehens? Der Arbeiterführer Ramsay Macdonald erklärte, daß die interparlamentarischen Besprechungen mit französischen, belgischen und italienischen Sozialisten eine Reihe von Mißverständnissen zerstreut hätten, und betonte, daß die Abwehr der deutschen Bergarbeiter im Ruhrgebiet durchaus spontaner Natur sei, ohne daß die Regierung, wie ja Frankreich immer behaupte, den Kampf organisiert habe. Loucheur und Lloyd George. Das Echo de Paris schreibt tadelnd, daß der ehemalige Minister Loucheur sich nach London begeben habe, um dort seine Ansichten über die Lösung der Wiederherstellungsfrage im Sinne seiner Rede von Grenobke zur Geltung zu bringen. Wenn das den Tatsachen entspricht, dann hat man es mit einer gesonderten Aktion zu tun, der man die größte Aufmerksamkeit schenken muß. Wir haben schon jüngst darauf hingewiesen, daß sich Lloyd George und Loucheur begegnen werden. Zeichnung auf die Dollarschatzanweisungen geäußert, sondern der französische Einspruch erfolgte mitten während des Zeichnungsgeschäftes. Wurden so seinerzeit die Zeichner zweifellos während der Zeichnung beunruhigt, so erfolgte andererseits die offizielle, durchaus nicht mit den vorangegangenen französischen Drohungen übereinstimmende Erklärung der Reparationskommission erst nach der Zeichnung, so daß diese Aeußerung keinen beruhigenden Einfluß mehr auf die Zeichnung ausüben konnte. Wenn auch, wie das befriedigende Resultat der Zeichnung gezeigt hat, die Mehrzahl der Zeichnungswilligen sich schließlich nicht hat einschüchtern lassen, so ist doch verständlich, wenn das ganze Vorgehen als ein planmäßiger, mit ausgeklügelten Mitteln unternommener Versuch gekennzeichnet wird, der deutschen Wirtschaft oder der deutschen Finanzen bei den Rekonstruktionsplänen Schwierigkeiten zu bereiten. ubr .:„Man dchauptet in der ganzen Welt, Unterhaus. Im englischen Unterhaus hat die mit großer Spannung erwartete Aussprache über die Ruhrfrage stattgefunden. Sie ist interessantev durch ihren Verlauf, als durch ihr Ergebnis, das sich in die Worte fassen läßt, durch die der an Stelle des erkrankten Premierministers Bonar Law, sprechende Schatzkanzler Baldwin erklärte: Ichsehe in diesem Augenblick nichts, was uns veranlassen sollte, von dem bisher eingeschlagenen Pfad abzugehen. Baldwin hält die Zeit für eine Intervention noch nicht für gekommen. Er glaubt aber, daß dev Augenblick eintreten werde, in dem Englands Dienste für seine Alliierten wie für Deutschland von unschätzbarem Werte sein werden. Dann werde man auch eine Regelung der Schulden und der Reparationen versuchen, ohne die wir keine dauernde Besserung des internationalen Handels sehen können. Ueber Zukunfteandeutungen ohne realen Kern ist also die englische Regierung noch nicht hinaus Das vorwärtstreibende Moment brachten oie Redner des Hauses in die Debatte, von denen besonderg der frühere Sekretär Lloyd Georges, Sir Edward Origg, durch seine Erstlingsrede bedeutenden Eindruck machte. Er kennzeichnete die Das Windei der Reporationskommission. Eine„theoretische" Rechtsverwahrung. Die Aktion der Reparationskommission gegen die deutsche Goldanleihe ist nicht über eine lendenlahme Rechtsverwahrung hinausgekommen. Die von der Reparationskommission der Kriegslastenkommission überreichte Note hat folgenden Wortlaut: „Anläßlich der außerordentlichen Einnahmen, die das Reich sich durch die eben erfolgte Ausgabe einer Goldanleihe verschafft hat, erinnert die Reparationskommission die deutsche Regierung an die Bestimmungen des Artikels 248 des Versailler Vertrages. Da die deutsche Regierung geglaubt hat, um eine Ausnahme von diesem Artikel nicht nachsuchen zu müssen, sieht sich die Reparationskommission genötigt, sich— auch gegenüber den Anleihezeichnern— ihre Vorrechte auf alle Mittel vorzubehalten, die vom Reich zur Deckung des Zinsendienstes und zur Zurückzahlung der Anleihe bestimmt werden könnten, besonders wenn diese außerordentliche Einnahme nicht zur Begleichung der Rparationsjahresraten verwendet wird.“ Die Note ist unterzeichnet von Barthou und Bradbury. Da besondere Einnahmequellen für den Anleihedienst nicht in Anspruch genommen worden sind, ist die Rechtsverwahrung der Reparationskommission rein theoretisch. Wenn es allein nach Frankreichs Willen gegangen wäre, so wäre sie lvermutlich etwas anders ausgefallen. So aber war dieses Osterei der Reparationskommission nur ein Windei. *** Frankreichs mißglückte Sabetage der Mit der Auflegung dev Dollarschatzanweisunhat bekanntlich die deutsche Regierung den Zweck verfolgt, die freien ausländischen Zahlungsmittel der Wirtschaft für die Stützung des Markkurses heranzuziehen. Sie glaubte hierbei weniger auf irgend einen Widerspruch seitens, der Entente zu stoßen, als das Vorgehen in Uebereinstimmung mit den von der Reparationskommission geäußerten Wünschen stand, Deutschland möge selbst die Besserung seiner Währung in Angriff nehmen. Umso mehr mußte er#wverruschen, daß von französischev Seite versucht Anleiheaktion zu stören. Die zösischen Regierung gegen die Anleihe wurden aber, obwohl die Reparationskommission rechtzet: tig von den Absichten der deutschen Begierung unterrichtet war, nicht ewa vor Beginn der Zur Lage. Derverwüstete Bahnhof Oberhausen. Polizeiamtlich wird uns folgende Schilderung der Zustände auf dem Bahnhof und seinen Nebenanlagen zugesandt: Am 16. März wurde der Hauptbahnhof Oberhausen einschließlich Güterbahnhof und Betricbs=Reparatur=Werkstatt geräumt und der deutschen Verwaltung zur Verfügung gestellt. Der Wartesaal 3. und 4. Klasse war als Unterkunft benutzt worden. Die vorhandenen Vorräte des Schankwirtes an Waren und Getränken sind restlos verbraucht bezw. beseitigt. In der Fahrkartenausgabe bedecken herausgerissene Fahrkarten, Bücher, Akten u. sonstige Schreibutensilien den Fußboden in einer Höhe von 20—. 25 cm. Die Schränke sind sämtlich eingeschlagen, Telegraphenapparate zertrümmert, die 7 Fahrkartendruckmaschinen unbrauchbar gemacht. Im Telegraphenraum sind die 18 Morseapparate kurz und klein geschlagen. Die Telegraphenzentrale wurde eingeschlagen und die Drähte zerrissen. Eine Inbetriebnahme der Telegraphenanlage ist in absehbarer Zeit nicht möglich. Der hinter der Telegraphenanlage liegende Schaltraum für die gesamte Lichtanlage des Bahnhofs ist demoliert. Das Amtszimmer des Oberbahnhofsvorstehers sowie das sogenannte Fürstenzimmer sind kaum wiederzuerkennen. Die Schränke sind erbrochen, der Inhalt derselben bildet auf dem Erdboden einen wüsten Haufen. In den 4 Amtszimmern der 1. Etage sind die Türen der Schränke eingeschlagen, die eisernen Oefen liegen in einzelnen Teilen am Boden. Tische sind umgeworfen und die herausgerissenen Akten, Bücher und Schreibmaterialien bedecken den Boden. Telegraphenapparate sind mit einem Hammer fast bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert. In der Betrieb=Lokomotiv=Reparaturwerkstatt übertreffen die Verwüstungen diejenigen im Hauptgebäude wohl noch. Die Treibriemen sind in kurze Stücke zerschnitten, die kostbaren Ersatzteile und Materialien zerschlagen und durcheinandergeworfen. Die Schränke der Arbeiter wurden eingeschlagen und der Inhalt auf dem Boden zerstreut. In den Betriebsräumen der Ingenieure und Werkmeistev ist kein Stück ganz geblieben. Tische, Schreibtische und Stühle sind umgeworfen und zerschlagen, Fensterscheiben zertrümmert. Im Vorratsraum für Oele und Fette wurden die Hähne geöffnet, so daß der Inhalt sich auf den Erdboden ergoß. 54 Lokomotiven sind nach Angabe des Betriebsleiters von den sen abgeschleppt worden. Nur 2 blieben stehen, die nicht fahrbar waren. Der Schaden allein in der Reparaturwerkstatt beläuft sich auf Milliarden. Sämtliche Güterwagen(etwa 250—300) sind erbrochen, die Kisten gewaltsam geöffnet und, soweit der Inhalt sich irgendwie verwerten ließ, beraubt. Der Inhalt der anderen Kisten wurde verstreut und verwüstet. Zentnerweise lagen an einer Stelle Bonbons, Malzkassee, zerbrochenes Porzellangeschirr und anderes mehr. Umzugsgut ist zertrümmert und auf die Schienen geworfen. „* * Ein Gelaß Begouttes. General Degoutte hat folgenden Erlaß an die deutschen Eisenbahnangestellten gerichtet:„Mit Bezug auf die Verordnung der Hohen Kommission vom 4. März 1923, in der eine staatliche Verwaltung für die Eisenbahnen im besetzten Gebiet geschaffen wurde und mit Bezug auf die Anweisungen dieser Verwaltung vom 20. März 1923, in der alle Angestellten und Arbeiter der Eisenbahnen des besetzten Gebietes aufgefordert werden, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, eröffnet Oberkommandterende der vereinigten„Arn tolgendes: „Die Angestellten und Arbeiter der Eiser bahpen beig, Ibg-Arbeit sgfert wieder aud Alle, die sich an nicht halten, werden unverzüglich entlassen und können von der Hohen Kommission aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen werden.“ Erster Eingrisf bei Krupp. Am Samstag Morgen haben die Franzosen die Kruppschen Werke in Essen besetzt. Als die Franzosen versuchten, die große Autogarage der Jitma Krupp an der mitten durch das Werk führenden Altendorfer Straße zu besetzen und die dort befindlichen Kraftwagen zu beschlagnahmen, wurden die Sirenen in Tätigkeit gesetzt. Von allen Seiten strsmten die Arbeiter aus den Kruppschen Betrieben herbei, die Autogarage wurde von ihnen in dichter Menge umstellt. Die bisherigen Versuche der Franzäsen wurden bis gegen Mittag verhindert. Auch die großen Garagen der großen Automobilfirmen wurden von den Franzosen besetzt. Wolffs Telegraphenbüro meldet dazu noch folgendes: Samstag früh wurde dieKraftwagenhalle an der Kruppschen Gußstahlfabrik von Franzosen besetzt. Die anwesenden Arbeiter wurden vertrieben, worauf die Sirenen ertönten. Die Kraftwagenhalle 3, in die die Franzosen ebenfalls eingedrungen waren, wurde von, ihnen bald wieder geräumt. Infolge des Sirenensignals hatten sich die Werksangehörigen vor der Kraftwagenhalle versammelt und umstanden in dichten Mengen die französische Abteilung, die aus einem Offizier und 10 Mann bestand. Die Franzosen machten ein Maschinengewehr schußbereit, verhielten sich aber zunächst abwartend. Als sie sich bei ihrem Abzuge durch die immer größer werdende Menge bedroht glaubten, eröffneten sie mit dem Maschinengewehr das Feuer. Einige tote und mehrere schwerverletzte Fabrikarbeiter blieben auf dem Platze. Darauf zogen die Franzosen ab. Ein von den Franzosen beschlagnahmtes Personenauto wurde von der erregten Menge zerschlagen, die Insassen wurden verletzt. Ob es sich bei den Insassen um Belgier oder Franzosen handelt, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Erregung unter dev Arbeiterschaft ist groß. * ** Das französische Blutbad. 11 Tete, 32 Essen, 31. März. Das Blutbad, das die Franzosen heute vormittag unter den Kruppschen Arbeitern angerichtet haben, ist weit furchtbarer als zuerst angenommen wurde. Bis 6 Uhr abends waren 11 Dhte festgestellt. 32 Verwundete wurden außerdem noch in die Kruppschen Krankenanstalten eingeliefert, von denen drei mit dem Tode bingen. Die Tannmüller Proni. Hochlands-Roman von Fritz Daum. (Nachdruck verboben.) Ab— richtig— der Tritt eines steigenden Menschen ward hörbar,— das konnte nur der Jäger sein— ihr Todfeind. 13 Natzl sah den Kumpan an; dieser knirschte mit den Zähnen. Der Tirolev blickt mit gemachter Aengstlichkeit zu Konrad hin und flüsterte: stad, bei alli Teufeln— oder mir san verloren!“ Konrad stieß ein leises Lachen aus:„Ehnder er!“, und erfaßte seine Büchse. „Jessas, sei'scheit,— halt Dich still,— er uns sieht, nachher schnappt'!“ „Hast Angst!“— Nachher reiß aus!“ „I nit für mich aber um Dich is mir's. Du bist halt für so was nit'schaffen, da'hört ein ganzer Kerl dazu" Natz erreichte seine Absicht voulommen.— Der Haß des Konrads gegen den Jäger flammte zu heller Lohe auf:„Halts Mäul— laß mich machen! Leise kroch er bis zu einem moosbewachsenen Felsblock hin und spähte über dessen Rand in Dort— war das nicht ein Mensch?— tig, es war der Jäger,— deutlich sah er das mate Blinken des Büchsenlaufes. Leise zog er die eigene Wasse heraus. Weiter und weiter schob sich das Rohr dem Feinde entgegen. Seine Hände gitterten, aber nicht vor Furcht,— o nein,— vor Wut. Ja, in diesem Augenblick haßte er sein eigenes Weib und es bereitete ihm eine triumphierende Freude, wenn er daran dachte, wie sie bei der Nachricht von dem Tode des Liebsten erschrecken würde. In diesem Augenblick kam Natz heran und verbarg sich in seiner Nähe. Der Jäger, der sich eine Weile verhalten hatte, stieg näher. „Paß auf—“, flüsterte Natzh dem Konrad zu. Dieser faßte sein Ziel— mitten auf die Brust des Feindes, der schräg auf ihn zustieg.— Eine wilde Freude bemächtigte sich des Wildschützen,— er kostete förmlich den Triumph aus, daß sein Gegner ihm so ruhig vor die Büchse lief. Er stellte sich vor, wie nun nach dem Schuß der Betroffene abstürzen mußte, um irgendwo liegen gu bleiben.— Aber hiev überfiel es ihn plötzlich wie feige Angst, würde man nicht den Mörder suchen,— Wie und wo sollte er sich verbergen? Teufel— das hätte er eher bedenken müssen. Vorwärts— jetzt den Finger krumm.— Nein! — Doch!— Sinnlos vor Furcht snd Zorn über sich selbst, knallte Konrad los, seine Gedanken verfluchend.— Er wollte doch nichts als den Tod de Gegners„ Donnerartig haute der Schuß vulch die Nach! — nicht wie einer— wie tausende krachte er in Ronrads Ohren. Oder— waren es wirklich mehrere Schüsse! Konrad riß sich bis dicht an den Felsen und svierte hinab. Nichts sah er als den Hut des Jägers, der in Sprüngen zu Tal rollte und gleich darauf im Dämmern verschwunden war. Von dem Jäger nichts!—" sase Da packte ihn eine Faust und riß ihn zurück: „#ist leicht verruckt!“ zischte Natz. Wie betäubt folgte Konrad dem Alten, der sich durch die Büsche drückte, ohne ein GeDie Schrechenstat. Wie ergänzend zu den blutigen Vorfällen in Essen gemeldet wird, erklärte das französische Kommando, das die Kruppsche Automobilhalle besetzt hatte, daß es auf eine Kommission warte, die für sie weitere Maßnahmen bestimmen solle. Als diese Kommission gegen 2 Uhr eintraf, hatte sich bereits eine derartige Anzahl Arbeiter versammelt, daß sie es vorzog, sofort weiterzufahren, ohne sich mit dem französischen Kommando in Verbindung gesetzt zu haben. Ein Vorschlag des Arbeiterrates der Kruppschen Werke, der die Ordnung aufrecht zu erhalten suchte, daß die Franzosen das Werk verlassen sollten und daß er ihnen für den Fall des Abzuges Gewähr leiste, sie sicher durch die Menschenmenge hindurchzubringen, lehnte der Führer des Kommandos mit der Begründung ab, daß er erst die Antwort der Kommission abwarten müsse, die aber, wie erwähnt, ohne Kenntnis des Kommandos schon weiter gefahven war. Gegen leinviertel Uhr drangen die Franzosen plötzlich gegen die Menge vor und schossen, obwohl die Versammelten die Straße freigaben, rechts und links in die Massen hinein. Daraus erklärt es sich, daß fast sämtliche Tote Schüsse aufwiesen, die von hinten eingedrungen waren. Nachmittags 4 Uhr rückte eine neue französische Abteilung in Stärke einer Kompagnie mit zwei Panzerautos an und nahm den Brandinspektor Igne in der neben dev Autohalle befindlichen Feuerwache fest. Protst der Werksleitung. Anläßlich der Vorgänge, die sich Samstag vormittag auf dem Kruppschen Werk ereignet haben, richtete das Direktorium an den Divisionskommandeur in Essen folgendes Schreiben: „Heute morgen drang ein bewaffnetes französisches Kommando in unsere mitten in der Fabrik gelegene Kraftwagenhalle ein. Gemäß einer zwischen dev Werksleitung und dem Betriebsausschuß der Arbeiter= und Beamtenschaft getroffenen Vereinbarung wurde das Zeichen des Sirenenrufs für die Arbeitseinstellung des betreffenden Werkteiles gegeben. Größere Arbeitermassen versammelten sich darauf vor dem Eingang der von dem Kommando besetzten Halle, um gegen den militärischen Eingriff zu demonstrieren. Mitglieder des Betriebsausschusses traten mit. dem Kommando in Verbindung und boten sich an, dafür zu sorgen, daß das Kommando ohne Zwischenfälle die Halle verlassen könne. Das Anerbieten wurde abgelehnt. Nach einiger Zeit eröffnete das Kommando ein Feuer auf die wehrlose Menge: Eine noch nicht festgestellte Zahl von Arbeitern wurde getötet oder schwer verwundet. Die Verantwortung für dieses unmenschliche Blutvergießen, dem unsere braven, friedliebenden Arbeiter zum Opfer gefallen sind, trifft ausschließlich die Urheber des widerrechtlichen räusch zu machen. Nach je fünf Schritten hielt er an und lauschte, die Büchse schußbereit in der Hand. Nichts regte sich. Weiter— auf Schleichpfaden zur Höhe.— In einer Felshöhle verbrachten sie einige Stunden, dann ging es zurück zur Pecherhütte. Konrad war dem Alten willenlos gefolgt. Ueber seine Empfindungen konnte er sich keine Rechenschaft en.. wirllich erschossens Jo Hatte er den Jäger wilkich erschossen.— War er ein Mürder!— Er wußte es nicht genau. seein Todesschrei— nichts!— Verdammt,— nun war er in den Händen des grauen Schurken dort. Wenn er den Herl auch niederschoß? Nein— ein Menschenleben war grad genug,— wenn es auch bloß der Jäger wav,— sein Todfeind! Es schüttelte ihn doch. Daß so gar keine rechte Freude über das Gelingen der Tat in ihm aufkam? Und der alte Lump dort schwieg auch, war doch sonst mit dem Maul vornedran!— Wenn er nur wüßte, ob der Jäger wirklich starr und stumm dort unten lag?— Gesehen hatte er freisich nichts— nur den Hut.— Sonderbar, er hatte doch nicht auf den Kopf gezielt,— freilich— wohin sein Schuß gegangen, konnte er beim besten Willen nicht sagen. Aber— noch einmal tät er's, wenn er dem verfluchten Jägerfranzel wieder begegnen sollte, gewiß noch einmal!— Sie erreichten die Hütte.— Konrad warf sich aufs Lager.— Natz trat vor ihn und musterte ihn mit spöttischen Blicken. Da frug er:„Was gaffst mich so an?“ „Weil Du der größte Depp unter dev Sonne bist, Hirschenkonrad!“ „Meinst leicht, i hätt'n nit troffen?“ Da schlug Natz ein Lacher auf:„Troffen—? Na!— Der Herr Jagev spaziert heil ummanand und wart bloß, bis er amal zu Schuß kommt.— Der trifft besser, Konradl, verlaß Dich drauf!“ Mit einem Fluch ballte Konrad die Fäuste. „Lach nit,— Loder, verdammter— ausg'schoben is nit aufg’hoben“. Mit diesen Worten erhob er sich und schritt aus der Hütte, er konnte den Anblick dieses Lumpen nicht mehr ertragen. Auf Schleichwegen suchte er nach Dietreut zu gelangen.— ** * Einem solch gewissenhaften Jäger, wie der Franzl einer war, blieb es nicht lange verborgen, daß Wildschützen in sein sorglich gehütetes Revier eingebrochen waren. Unermüdlich streifte er umher.— Bis jetzt vergeblich,— denn sein Revier war zu ausgedehnt. Dennoch hoffte er einmal mit den Dieben zusammenzutreffen, die allerdings keine Neulinge sein konnten, wie ihre Vorscht heintes auch an diesem Abend war er in der Hoffnung auf ein Zusammentreffen ausgezogen und — plötzlich zuckte der rote Feuerschein eines Schufses vor ihm aufl Instinktiv warf er sich zur Seite, dadurch rettete er sein Leben, denn nur ganz wenig nach dem ersten zuckte der zweite Schuß auf und riß ihm den Filz vom Kopf. Franzl legte sich auf den Boden und suchte Deckung hinter dem abgebrochenen Stumpf einer Zirbelkiefer, wo ev sich regungslos verhielt und zur Höhe lugte. Da— war es Täuschung— glaubte er, auf einen Augenblick ein bleiches, bärtiges Antlitz zwischen den Latschen zu erkennen. Wie eine Vision Eingriffes in unser Werk. Wir legen schärfste Verwahrung ein. Friedrich Krupp, Aktiengesellschaft, Das Direktorium". Zum Zeichen der Trauer und des Protestes ist das gesamte Gußstahlwerk geschlossen. Der Protest der Reichsregierung. Die deutschen Behörden sind, wie das Wolffsche Telegraphenbüro meldet, zurzeit damit beschäftigt, die Einzelheit der tragischen Vorgänge in Essen festzustellen. Beiletd der deutschen Regierung. Essen, 2. April. Beim Direktorium und dem Betriebsrat der Firma Krupp sind vom Reichspräsidenten vom Reichskanzler, vom preußischen Ministerpräsidenten Brauns und vom preußischen Minister des Innern Severing anläßlich des Vorfalles auf den Kruppschen Werken in herzlichen Worten gehaltene Beileidstelegramme eingegangen. Auch Herrn Kvupp von Bohlen und an das Direktorium der Friedrich Krupp.=G. haben der Reichspräsident Ebert und der Reichskanzler Cuno Beileids=Telegramme gesandt. Des Reichskanzlers Telegramm schließt: Es drängt mich, den Angehörigen der Gefallenen und den Verwundeten das tiefste Mitgefühl der Reichsregierung auszusprechen. Sie können versichert sein, daß dieses schwere Opfer für die gemeinsame Sache aller Volksgenossen unvergessen bleiben und nicht vergeblich sein wird. Verhaftung von Krupp=Direktoren. Essen, 2. April. Am Sonntag früh wurden die Direktoren der Kruppwerke Brun, Hartwig., Oesterle und Ritter verhaftet. Zwei weitere, die gleichfalls verhaftet werden sollten, waren nicht anwesend. Aus Anlaß dieser Verhaftungen hat die Stadtverwaltung ein Protestschreiben an den General Jacquemot gerichtet, in dem es heißt: Die Stadtverwaltung und die gesamte Bürgerschaft erheben gegen die Verhafung von drei Direktoren und eines Abteilungsdirektors schärfsten Protest. Da dem Vernehmen nach noch weitere Mitglieder des Direktoriums verhaftet werden sollen, wird darauf aufmerksam gemacht, daß durch die Verhaftung der technischen und kaufmännischen Leiter der Firma Krupp die Fortführung des weitverzweigten und außerordentlich komplizierten Unternehmens unmöglich wird. Ohne diese Leitung könne das Werk nur einige Tage laufen. Das Aufhören des Betriebes würde zur Folge haben, daß in Essen über 50000 Arbeiter außer Tätigkeit gesetzt würden. Es wird auf die großen Gefahren hingewiesen, die dadurch entstehen können und die Verantwortung für die entstehenden Pustände abgelehnt. durchzuckte es ihn— der Hirschenkonrad—— Hörbar knirschten die Zähne des Jägers aufeinander, als er dieses Mannes gedachte. Ein wildes Verlangen stand in ihm auf, hinauf zu eilen und den Kerl niederzuschießen. Doch die gewohnte Vorsicht gewann die Oberhand u. Franzl hielt ruhig aus. Lange harrte er, ehe er sich in katzenartigen, unhörbaren Bewegungen weiterschlich. So sorgfältig er aber auch umherspähte, nirgends konnte er eine Spur der Meuchelmörder entdecken. Mißmutig ging er endlich heim,— Wut im Herzen,— ob des mißglückten Ganges. Nicht einen Augenblick dachte er an die Gefahr, in der sein Leben geschwebt hatte. Er beschloß, von nun an seinen Eifer noch zu verdoppeln, denn eine Stimme sagte ihm, daß der Hirschenwirt unbedingt seine alte Passion wieder ausgenommen haben müsse. Diesen Menschen haßte er mit der ganzen Tiefe des Empfindens eines leidenschaftlichen Bergjägers,— aus zwiefachen Gründen. Unermüdlich war er von da ab auf den Beinen, um die Halunken zu erwischen,— doch stets ohne Erfolg.— Einige Wochen später, an einem frostklären Spätherbsttage, schritt der Jägerfranzel in Begleitung eins Gendarmen dem Hirschen zu. Vroni trat ihnen im Flur entgegen. Dem Jägev bebte das Herz, als er die so heiß Geliebte vor sich sah,— auch Vroni suchte vergebens ihrer Stimme Festigkeit zu geben, als sie nach dem Begehr der Beiden fragte. „Wiv sein in amtlicher Eigenschaft da. Wo is der Wirt? entgegnete kurz der Gendarm. Konrad wurde herbeigeholt und stellte sich, mit spöttischem Blick die Gesetzesleute musternd, vor sie hin. 521—11 „Was wollts?“ „Zuerst nehmt die Pfeisen aus'm Maul, wenn Ihr mit der Obrigkeit zu tun habt, Konrad Seiler!“ „Wußt nit, daß die Obrigkeit'n Rauch nit vertuggt“ Der Gendarm achtete nicht weiter auf die Frechheit, sondern fuhr fort: „Wie dev Jäger Franz Gröttberger berichtet, seid Ihr der Wilddieberei dringend verdächtig und habt Auskunft zu geben, wo Ihr diese Nacht zugebracht habt!. „Wo so i’wesen sein,— daheim!“ „Könnt Ihv das durch einwandfreies Zeugnis beweisen?“ „Beweisen?— Jessas, soll i mir epper gar jemand mitnehmen, wann i in d' Kauchen einikriech, daß er nacha beschwör'n kann, wie i geschlosen han?“ „Frau Wirtin, kann Sie bezeugen, daß Ihr Mann diese Nacht im Hause zugebracht hat?“ Alles blickte auf Vroni, die mit ruhiger Miene antwortete: „Das kann ich nit wissen“. „So———. aber———!“ „Der Wirt hat seine Kammer im Austrag drüben!“ Die wenigen Worte brachten auf die verschiedenen Personen eine ungleiche Wirkung hervor. Die Hausgenossen lächelten. Konrad preßte mit finsterer Miene die Lippen zusammen. Der Gendarm brummte etwas, um über die Sache wegzukommen und Franzl allein bewahrte seine äudere Ruhe. Erschietzung eines Jovollden. Recklinghausen 2. April. Dev 22 jährige Invalide Nieruh wurde erschossen, nachdem er# in einer Wirtschaft mit Franzosen in einen Wortwechsel gekommen war. Die beiden Zeugen, die sich in seiner Begleitung befanden, sind von den Franzosen verhaftet worden. *** Neue Berhastungen u. Ausweisungen Verhaftungen in der Bochumer Kaufmannschaft. Die Franzosen nahmen am Mittwoch eine Reihe von Verhaftungen aus der Bochumer Kaufmannschaft vor. So wurden von ihnes festgenommen Großkaufmann Heinrich Barenberg, Großkaufmann M. Lutz, Gustav Werringloer(Marmorwerke). Geschäftsführer Blum vom Schuhhaus Gebr. Brinkmann und Geh. Kommerzienrat Korte. Letzterer wurde jedoch bald wieder entlassen, die anderen Herren wurden nach Weitmar gebracht. Die Festnahme hängt jedenfalls mit der entschiedenen Weigerung der Bochumer Kaufmannschaft zusammen, an Besatzungs angehörige zu verkaufen, worauf auch die Geschäfts- und Straßensperre innerhalb der Stadt zurückzuführen ist. Handelskammersyndikus Dr. Jakobshagen und Kaufmann Walter Velten befinden sich außerhalb Bochums, sonst wären auch sie verhaftet worden; von ihren Wohnungen mußten die Franzosen unverrichteter Sache umkehren. Verhaftet wurden ferner Oberpostkassenrendant Begemann aus Düsseldorf am 21. März, am nächsten Tage wieder frigelassen; Postdirektor Siebert aus Duisburg am 12. März, weil er keine Auskunft über Ruhrhilfemarken gab, er wurde am nächsten Tage wieder freigelassen; Oberpostinspektor Köder aus Bad Ems am 26. März, Grund unbekannt; Postmeister Schiermann aus Weißenau (Kreis Mainz) am 25. März, angeblich wegen Benutzung französischer Leitungen zum Verkehr mit Worms; Oberpostschäffner Hillers aus Düsseldorf am 21. März wegen Sabotage, er wurde nach kurzer Zeit freigelassen. Ausgewiesen wurden am 24. März die Familien des Präsidentn Steinhoff und des Oberpostdirektors Hamacher aus Aachen, ferner die Postgehilfen Halbert aus Essen am 13. März u. nach Verbüßung der verhängten Strafen der Postinspektor Johannes, Obertelegraphensekretär Weißmann und der Posthelfer Lucassen aus Duisburg. Der Oberfinanzrat Hegemann in Hattingen wurde verhaftet. Der Bürgermeister Keller in Hattingen wurde ausgewiesen. Nach einer Havasmeldung aus Koblenz hat die Interalliierte Rheinlandkommission vom 22. bis 26. März insgesamt 487 neue Beamtenausweisungen verfügt. „Sonst wißt Ihr niemand, der uns sagen kann, ob Ihr wirklich zu Hause wart?“ Konrad zuckte schweigend die Achseln. Der Gendarm fuhr darauf energisch fort: „Auf Verfügung des Amtes ist eine genaue Haussuchung im„Hirschen" vorzunehmen, was wir jetzt ausführen werden. Ihr alle begebt Euch in das Wirtszimmer, welches keiner verlassen darf. Die Wirtin begleitet uns“ Vornd erbleichte, ein zorniger, verachtender Blick traf Konrad, der sich in großen Schimpfreden erging, wofür er von dem Gendarm barsch zuv Ruhe verwiesen wurde. Die Haussuchung förderte eigentlich nichts Verdächtiges zu Tage, nur ein paar Beinlinge und eine Gamslederne, beide mit Blutspuren u. reichlich viel Wildhaaren deuteten auf Konrads heimliche Tätigkeit hin, ohne jedoch einen vollständigen Beweis zu bilden. Der Gendarm ging in die Wirtsstube, um die Hausleute herauszulassen, während Franzl sofort den Hirschen verließ. Für ihn war es mit schmerzlichen Gefühlen verbunden, in solchen Angelegenheiten mit Vroni zusammen zu kommen. Er empfand, wie unglücklich das Leben des jungen Weibes verlief und ward sich zugleich seiner eigenen Unfähigkeit bewußt, etwas zu helfen. Dies tat dem schlichten Naturmenschen so unsagbar weh, daß er ordentlich rauh und barsch wurde. Da ward oben heftig ein Fenster aufgerissen u. Konrad rief höhnend:„’hüt Gott, Herr Forstner,— bis auf ein anderes Mal! Leicht finden's da statt ein paar Gamslederne an richtigen Gamsbock!“ Langsam wandte sich Franzl um, der Spott traf ihn nicht. Aber dennoch rief er zurück:„Hirschenkonrad,— wir rechnen schon noch ab,— daß Du's weißt, meine Kugel sitzt genauer wie die Deinige droben am Jochkogel!— Das merk Dir!" Konrad erblaßte und stieß mit einem Fluch das Fenster zu. Er beschloß, der Sache bald ein Ende zu machen. Am Abend schlich er unter Anwendung größter Vorsicht zur Pecherhütte, wo der alte Tiroler noch immer hauste. Mißmutig ließ er sich auf einem Holzblock nieder, den er durch Umhertasten fand, denn Licht durften sie keines anzünden, das hätte sie sofort verraten. „Verflucht!— Es muß ein End haben, so oder so. Mein Weib ist rabiat worden, i kann nimmer lang bleiben, wenn's nit anders wird. Muß halt ein bissel brav werden! So lang Du aber da heroben hockst, geht's doch nit!“ „Meinst, i wollt im Winter meine Knochen hier erfrieren“, höhnte Natz.„Schau, daß Du ein Platzerl im Hirschen für mich ausfindig machst,— ein bischen eine Arbeit wird's schon geben. Wie Du's schaffst, is Dein Sach“. „I glaub, Dir hat die Kälten schon auf's Hirn ’schlagen. I soll ihm ein warm's Platzerl ausmachen, wo i selber nit weiß, ob meines Bleibens noch lang is im Hirschen! Das Best' is schon, wenn abstreichst, alter Loder!“ „Hi, hil Konradle, mich wirst nit los, i bleib sein— im Hirschen is so viel gut. Stell Dich nur recht mit der schönen Hirschenwirtin, leicht läßt's Dich auch nachhev in ihr Kammerl, bei die kalten Zeiten!“ „Sei'scheit, alter Narr!— Wenn i Dich los werd’ will, nachhev kost's mich bloß ein paar Wört“l, dann hast ein Platzerl, ein warm's dazu, — im roten Häusl, weißt!“ 1 Kriegsgerichtliche Urteile. Vom französischen Kriegsgericht in Castrop wurden verurteilt Telegraphendirektov Kieselbach zu 1 Jahr Gefängnis und einer Million#### Geldstrafe, die Postbeamten Helmert zu 4 Monaten Gefängnis und 2 Millionen Mark Geldstrafe. Greve zu 45 Tagen Gefängnis und 1 Geldstrafe und Schessing zu 6 Monaten Gefängnis und 5 Millionen#m Geldstrafe. Verurteilt wurden neuerdings Postvorsteher Spannaus aus Dortmund=Dorstfeld zu 1 Jahr und 2 Monaten Gefängnis und 1 Million Mark Geldstrafe, weil er es abgelehnt hat, an Ang rige der Besatzung, Briefngrkeg zu verkaufen, und d weigerte, ueden, Milion Geldstrafe, weil er einen auf„Kaufmann" ausgestellten Paß bei sich führte. Handlungsgehilfe Klare aus 2 Monaten Gefängnis, weil er deutsche Flugbli ter im Besitz hatte; Eisenbahnsekretär Hentrich aus Essen zu 1 Monat Gefängnis und 1 Million Geldstrafe und Eisenbahnoberinspektor T aus Dortmund zu 3 Monaten Gefängnis und 1 Million Geldstrafe, weil in ihren weisen als Berufsbezeichnungg„Kaufmann Das französische Kriegsgericht in Mainz verurteilte eine Anzahl deutscher Eisenbahner wegen angeblicher Geldauszahlung an Kollegen zu Freiheitsstrafen von—3 Monaten. Von der Eisenbahndirektion wurde Oberbaurat Winkelhaus andgewteichs. Die Oranzsalierung im Die Franzosen haben das Verwaltungsgebäude der.=G. Mannesmann in Düsseldorf zum größten Teil beschlagnahmt. Die Inneneinrichtung des Rathauses von Herne haben sie vollständig ruiniert. Das gesunkene Kohlenschiff,### den Rhein=Herne=Kanal bishev versperrt hatte, ist jetz von den französischen Truppen wieder gehoben worden, so daß der Kanal wiever frei ist. Auf den von den Franzosen im Bezirk Recklinghausen besetzten Zechen sind die Belegschaften in denAusstand getreten.„„ Aus dem Dortmunder Vorort Brechten wiro eine neue Meuterei französischer Truppen gemeldet. Dort verweigerten französische Alpenjäger den Gehorsam. Die Truppen wurden abtransportiert. dem Wege Sonntagabend wurde in Essen auf I, der die Lührmannstiftung mit dem Muhloacha verbindet, ein 15einhalb jähriges Mädchen von zwei Franzosen vergewaltigt. Das junge Mädchen wurde am Halse gewürgt u. man drohte ihr, sie zu töten, falls sie schreien würde. Beide wurden später von einer französischen Streife festgenommen. Das Mädchen wurde in die Kaserne gebracht, wo sie sofort vernommen wurde. Sie wurde inzwischen wiederholt vernommen und mußte ihre Aussagen eidlich bekräftigen. Wie ihr mitgeteilt wurde, werden dieTäter vor ein Kriegsgericht gestellt werden. das Castroper Militärpolizeigefängnis wurden eingeliefert: Direktor A. Uhl aus Abraham Darries aus Hamm, Heinrich Bökmann aus Hamm, beides Ueberwachungsbeamte der Eisenbahn, Ingenieur Niesemann aus Dortmund, Ingenieur Paul Kudzera Dortmund, Fabrikdirekto, Prausn (Orenstein u. Koppel) aus Vorlmund,(ostmeister Julius Grove aus Sodingen, Stud. jur. Anton Köchling aus Essen, Lokomotivführer Paul Johann aus Langendreer, Betriebsassistent Karl D. Ameln aus Langendpeer. Rücktritt der oldenburgischen Regierung. In der letzten Landtagssitzung wurde dev Antrag der oldenburgischen Regierung, die Landtagswahlen um ½ Jahr hinauszuschieben, mit 28 gegen 11 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen abgelehnt. Ministerpräsident Tantzen gab dann die Erklärung ab, daß die Regierung die Verantwortung dafür nicht übernehmen könne, jetzt Landtagswahlen auszuschreiben, weil sie dann sofort in Deutschland als Störenfried angesehen werden würde. Die Regierung werde also die Wahlen nicht ausschreiben und erklärt ihren Rücktritt. — Volksbegehren zugunsten der christlichen Schule. In der Österwoche, vom 3. bis 6. April, wird der evangelische Reichselternbund in Braunschweig eine wichtige Tagung abhalten mit dem Ziele eines Volksbegehrens für Erhaltung der christlichen Schule. Der evangelische Elternbund zählt über zwei Millionen Mitglieder. — Ein deutsch=italienischer Zwischenfall ist durch die Berliner Kommunisten veranlaßt worden. Kommunistische Sprengkolonnen überfielen eine im Künstlerhaus in der Bellevuestraße tagende Versammlung in Berlin lebenden Italiener. Dabei wurden zwei Italiener, die Kaufleute Zeni und Genilli, erheblich verletzt. Der Leiter der Versammlung, Corrado Gustova, ein seit Jahren in Berlin lebender, mit einen Deutschen verheirateter Kaufmann, der im militärschen Range eines Hauptmanns steht, erstattete am Freitag, in Begleitung der mit verbundenen Köpfen erschienenen beiden Verletzten, dem italienischen Botschafter Bericht. Die Abteilung 1a des Berliner Polizeipräsidiums hat die nötigen Erhebungen und die Nachforschungen nach den unerkannt enkommenen Kütermn eingeeket. Ausland. Beutsches Cunos Dank an Bayern. Reichskanzler Dr. Cuno richtete an den bayerischen Ministerppäsidenten Dr. von Knilling aus Berlin folgendes Schreiben: Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Zu den schweren Geschäften des Reiches hierher zurückgekehrt, empfinde ich zurückschauend nochmals die Bedeutung dieser Tage in hellem Lichte. Von der Staatsregierung, der Volksvertretung, wie aus weitesten Kreisen der Bevölkerung u. der öffentlichen Meinung trat mir so lebendig der Wille zum treuesten Zusammenstehen in der Not unseres Reiches, wie das Vertrauen zu den Absichten der Reichsregierung entgegen, daß ich mich im Innern gestärkt fühle, den unsagbar schweren Weg weiter zu gehen. Von ganzem Herzen danke ich Euer Exzellenz persönlich, wie auch den Vertretern Ihres Landes für diese Kundgebung, die ich mir in dankbarem Andenken bewahren werde, und ich bitte Sie diesen Dank den beteiligten Herren der Regierung, des Landtages, des Stadtrates und ganz besonders auch der Presse freundlich zu übermitteln. Das Bewußtsein unserer inneren festen Zusammengehörigkeit und Geschlossenheit wird es mir erleichtern, meiner bei der Amtsübernahme schon bekundeten Absicht treu zu bleiben, allzeit auch für die Wahrung der Rechte und Interessen dev Länder, insbesondere Bayerns in verständigem Ausgleich mit den## langen des Reiches nach Kräften einzutreten. Cuno an die Pfälzer. Der Reichskanzlev sandte den Pfälzern einen Ostergruß, in dem es heißt: Wir alle haben nichts sehnlichen gewunsg, als dies Osterfest nach schweren Wintersorgen friedlich und frei zu feiern. Derselbe Wunsch lebt in allen Ländern. Es ist gegen unseren Willen anders gekommen. Wir stehen in sHwegeg,, Wir schulden dieses dem Recht der Voll#, er# Zukunft unserer Kinder, dem Lande, das uns geboren. Dabei sind wir alle am Rhein und an der Ruhr, aber auch im südlichen Deutschland von dem festen Willen beseelt, in Frieden und Freiheit aufzubauen, was der Krieg zerstörte. An den Sieg des Rechtes und des Lebens glauben wir mit der ganzen Kraft warmen christtichen Osterglaubens. Die Pfalz, in 1000 jähriger Geschichte oft zerstört, immer wieder zur Blüte erstanden, ist uns für diesen Glauben Beweis, Vorbild und Bollwerk, zu dessen treuer Wahrheit wir uns die Hände reichen. Frankreich. Eine neue Sommerzeit in Frankreich. Die Regierung bereitet die Einführung einer neuen Sommerzeit vor, die nicht nur als Sommerzeit, sondern dauernd in Kraft bleiben soll. An Stelle dev jetzigen Mittagsstunde, die nach dem Meridian v. Greenwich gezählt wird, soll in ganz Frankreich die Straßburger Zeit eingeführt werden, die einen Vorsprung von genau 30 Minuten gegenüber der Zeit von Greenwich aufweist. Durch diese Lösung soll dem Konflikt, den die Frage der Sommerzeit heraufbeschworen hat, ein Ende bereitet werden. England. Vonar Law vor dem Rückteitt? Eine Londoner Agentur meldet der schweizerischen Presse die verschiedensten Gerüchte über die bevorstehende Demission Bonar Laws. Der Ministerpräsident, der bereits im Ministerium Lloyd George aus Gesundheitsrücksichten vom Posten des Führers der Kammer zurücktreten mußte, soll durch die ungeheure Arbeit seines jetzigen Amtes sich sehr ermüdet fühlen, auch mit den bisherigen Erfolgen seiner Politik, die von verschiedenen Seiten sehr scharf bekämpft wird, nicht mehr zufrieden sein. Bonar Law soll an einer sich immer mehr bemerkbar machenden Herzkrankheit leiden. In parlamentarischen Kreisen bezeichnet man sogar bereits als mutmaßlichen Nachfolger Bonar Laws den jetzigen Schatzkanzler Baldwin. Sommerweiter in England. Ueber ganz England gehen zurzeit kleine Hitzwellen. Am vorigen Dienstag erreichte in London die Temperatur im Schatten 68 Grad Fahrenheit. Nur einmal in den 62 Jahren, für die Berichte vorliegen, wurde eine so hohe Temperatur um diese Jahreszeit überschritten. Lokales. § Annen, 3. April. Der April. Der April ist der Hauptarbeitsmonat für den Garten. Aber nach dem Volksmunde macht's der April, wie er's will, nämlich das Wettev. Daher gilt es für den Gartenfreund, die Hände fleißig zu regen und die guten, von Sonnenschein ausgezeichneten Tage auszunutzen, damit die befruchtenden Frühlingsregen der Aussaat das erforderliche Gedeihen bringen können. Man wird immr gut tun, sich ein kleines Pflanzenbeet anzulegen, um auf ihm die Gemüsepflanzen für den ganzen Sommer heranzuziehen. Man wählt dazu ein sonniges Plätzchen mit lockerem Erdboden und sät möglichst dünn; Kohlrabi, Kopfsalat, Rosenkohl, Wirsing, Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl. Im Mistbeet gezogene Gemüsepflanzen können Ende des Monats ohne Schaden ausgepflanzt werden. An Ort und Stelle werden gesät: Erbsen, Radieschen, Karotten, Mairüben, Mairettich; auch können Kartoffeln und Steckzwiebeln gelegt werden. Hat jemand ein Mistbeet, so ist zu raten, jetzt Gurken in kleine Töpfe auszusäen, welche dann Ende Mai ins Freie gepflanzt werden. In derselben Weise kann man Sommerblattpflanzen, wie Mais, Solanum und Tabak, hieranziehen. Sommerblumen für Fensterkästen sät man in Töpfe oder Samenschalen und stellt sie ans Fenster. Mit dem Umtopfen dev nicht blühenden Zimmergewächse wird fortgefahren. Im Ziergarten werden die Rosen angebunden und die Blumenbeete vorbereitet. Darauf werden sie gereinigt und die Rasenkanten gerade abgestochen. Sind Frühlingsblüher auf den Blumenbeeten abgeblüht, so werden sie herausgenommen, die mehrjährigen Zwiebelgewächse werden sofort auf ein besonderes Reservebeet gepflanzt, die Beete werden frisch gedüngt und mit Sommerblumen bepflanzt. Im Zimmergarten kann man jetzt an die Bildung von Stecklingen denken. Im Obstgarten kann noch pfropft werden. Bei trockenem Wetter sind alle Obstbäume und Sträucher reichlich zu begießen. Die Erdbeerpflanzen verlangen ebenfalls viel Wasser. An Weinreben und Pfirsichbäumen werden die überflüssigen Triebe entfernt. § Annen, 3. April.(Nach dem Feste.) Das Osterfest liegt nun hinter uns und wir nehmen, neu gestärkt, unsere liebgewohnte alltägliche Beschäftigung wieder auf. Das Wetter war in diesem Jahre dem Osterfeste über Erwarten hold; ein angenehmes frisches Frühlingslüfterl und heiterer Sonnenschein herrschken an beiden Festtagen und die Straßen waren belebt von zahlreichen Spaziergängern, die sich ergingen in der schönen Gottesnatur. Nur die Stimmung war, das merkte man den ernsten Gesichtern an, unter dem Drucke der Besatzung eine keineswegs gehobene, doch trösten wir uns in dieser Hinsicht damit, daß unser Herrgott keine Bäume in den Himmel wachsen läßt und wir über diese Klippen auch noch einmal wieder hinwegkommen.— Die Festgottesdienste in den Kirchen, die noch verschönt wurden durch die Einlagen der Kirchenchöre, waren an beiden Tagen gut besucht; von dem Turme der katholischen Kirche erklang in der Frühe des ersten Ostertages zum ersten Male das feierliche Geläute der neuen Glocken. * Annen, 3. April.(Klavierabend Erwin Körver.) Dev in musikkundigen Kreisen als tüchtiger Pianist bekannte und geschätzte Herr Erwin Körver von hier, früherer Schüler von Gerard Bunk und seit eineinhalb Jahren an der Akademie der Tonkunst in München, wird am Sonnabend den 7. ds. Mts. in der Aula des städtischen Lyceums in Witten einen Klavierabend veranstalten. Zum Vortrag gelangen Compositionen von Beethoven, Chopin und Brahms. Näheres in der Donnerstag=Nr. diesen Ztg. Annen, 3. April.(Von der Witterung.) Der Monat Januar brachte 21, der Februav 27 u. der März 42 Prozent Sonnenschein. Wir befinden uns also auf dem aufsteigenden Ast der Besonnung. Im vorigen Jahre wars umgekehrt, da hatte der Februar schon eine Höchstleistung von 50 Prozent gespendet, die im März auf 34 sank. Die durchschnittliche Wärme nahm im Monat März in so starker Weise zu, daß sie um den 27. die mittlere Wärme des Mai erreichte, was am 28. ein schweres 4 stündiges Wärmegewitter zur Folge hatte, bei dem 435 Blitze und 519 Donner gezählt wurden.„Gewitter im Märzen gehen dem Bauer zu Herzen. Der wolkenbruchartige Regen lieferte den zehnten Teil des ganzen Jahresbedarfs etwa 77 Millimeter und rief große Ueberflutungen hervor. Dieser schwere Wettersturz hält an. Wohl steht das Wetterglas auf„Schön Weiter“, 764 Millimeter; aber das Hoch des Luftdrucks liegt an seiner ungünstigsten Stelle nämlich südlich der Ruhr. Bei west= und nordwestlichen Winden dringen kalte Luftmassen in unser durchwärmtes Gebiet. Sonne und Mond schimmern rötlichgelb, welche Färbung durch Beobachtung mit dem Fernrohr als durch große Schneewolken in etwa 1500 Metern Höhe hervorgerufen erkannt wurde. Außerdem hat nach langev Ruhe am 29. eine große Explosion auf der Sonne stattgefunden, in deren Strahlungsbereich der Erdball am Nachmittag des 1. Ostertages eintrat, so daß für den Wiedereintritt frühlingsmäßiger Witterung vorläufig nur geringe Aussichten bestehen. Die von Nordosten herbeiströmenden kalten Luftmassen rauben der Sonne die wärmende Kraft. Daher sind wohl weiterhin noch sonnige Tage, aber auch noch recht kühle Nächte zu erwarten. Heute Nacht sank das Thermometer bis auf 4,5 Grad Kälte. § Annen, 3. Aprik.(Die Güterabfertigung Annen=Nord) teilt uns folgendes mit: Nach neueren Feststellungen lassen einzelne französische Kontrollposten Originalverpackungsmaterial für Lebensmittel aus dem besetzten in das unbesetzte Gebiet ohne Formalität und ohne Erhebung einer Ausfuhrabgabe durch. Es werden daher oben genannte Güter zur Beförderung angenommen. ohne Rücksicht auf die Uebergänge. Die Frachtbriefe müssen einen Vermerk tragen, daß das Material gebraucht u. zur Wiederverwendung für den Lebensmitteltransport bestimmt ist. Andere Leergüter werden nicht angenommen. —(Psychopathenfürsorge.) Wir verweisen auf die im Anzeigenteil bekannt gegebenen Sprechstunden für psychopathisch veranlagte Kinder. Unter Psychopathen versteht man geistig anormale Personen, deren Gemütszustand sie sowohl im Kindesalter, als besonders im späteren Leben in große gesundheitliche und sittliche Gefahr bringen kann. Die psychopathische Anlage eines Kindes äußert sich darin, daß das Kind in seinen Gefühlsäußerungen und Willensäußerungen erhebliche Abweichungen von einem seelisch gesunden Menschen zeigt. Sie äußert sich besonders darin, daß die Stimmung des Kindes auffallend häufig wechselt, von großer Fröhlichkeit plötzlich, ohne erkennbare Ursache, in Traurigkeit umschlägt; daß das Kind eigenartige Triebe hat, z. B. Wandertrieb; auch darin, daß es sich von anderen Kindern abschließt und zur Einsamkeit neigt, daß es sich gleichgültig zeigt gegen Dinge, die anderen Kindern Freude machen, daß es in seinem Gefühlsleben teilnahmslos ist, daß es anderseits auffallende und sinnwidrige Liebhabereien zeigt, daß es mitunter an Angstzuständen leidet. Auch fallen psychopathische Kinder sehr oft dadurch auf, daß sie zuckende Bewegungen mit den Gesichtsmuskeln oder mit den Händen machen. Alle Eltern, die an ihren Kindern den einen, oder den anderen Zug der geschilderten pfychopathischen Zeichen bemerken, oder denen im Wesen ihres Kindes etwas fremdartiges, unnatürliches auffällt, sollen ihr Kind der Psychopathenfürsorge zuführen. Aus solchen krankhaft veranlagten Kindern können durch geeignete Einwirkung brauchbare Menschen gemacht werden, während im entgegengesetzten Falle solche Kinder in späteren Zeiten sich selbst zur Qual werden u. in ihrer Umgebung oft großes Unheik anrichten Wuen.* Besonders leicht fuyrt die psychopathsisihe anlage einen Manschen vor den Strafrichter. Deshalb sollen über psychopathisch veranlagte Kinder fortlausende Fragebogen geführt werden, die im späteren Lebensalter bei etwaigen Konflikten mit dem Strafgesetz, eine wertvolle Unterlage für die Beurteilung etwa begangener Straftaten für den Richter und den Gerichtsarzt bilden sollen Provinzielle Dortmund, 2. April.(Schülerselbstmord.) Der Untertertianer Heinich Hagedorn erschoß sich in den Abortanlagen der Oberrealschule zu Dortmund, nachdem er zum zweitenmal nicht nach Obertertia versetzt worden war, aus Furcht von Strafe, die ihm von seinen Eltern bei Nichtversetzung angedroht worden war. Buer, 2. April.(Trauerfeier für die Ermordeten in Buer.) Am Freitag fand eine Trauerfeier statt. Am Vormittag wurde während des Gottesdienstes in allen Kirchen der Toten gedacht. Mittags versammelten sich dann kleinere Abordnungen der Behörden, der Gewerkschaften, der Parteien, der Großbetriebe usw. auf dem Friedhof, auf dem die drei Toten begraben liegen. Außerdem hatten sich die Verwandten am Grabe eingefunden, darunter die drei jungen Witwen, derem Schmerz erschütternd auf die Trauerfeier wirkte. Stadtrat Dr. Kreuz hielt in Vertretung des ausgewiesenen Oberbürgermeisters eine kurze, aben eindrucksvolle Gedächtnisrede, worauf die Abordnungen eine Fülle von prächtigen Kränzen niederlegten. Ostevfeld, 29. März.(76 Personen wegem Eisenbahn=Diebstähle verhaftet) wurden hier in der Zeit vom 15. Februar bis 20. März. Darunter befinden sich nicht nur gewerbsmäßige Hehlev Diebe, Einbrecher usw., sondern auch Geschäftsleute, Wirte, Kleinhändler, Klein= und Großhandwerker u. a. mehr. An gestohlenem Gut sind vom dev Polizei bis jetzt für etwa 600 Millionen Mark beschlagnahmt worden, außerdem an barem Gelde, Devisen usw. mehrere Millionen Mark. Unter den gestohlenen und beschlagnahmten Sachen befinden sich u. a. 40 Perserteppiche, 4 mal 3, fernev unendliche Mengen am Stoffen, Fahrrädern, Getreide, insbesondere Hafer, Mehl; ferner sonst. Bedarfsartikel, Nähmaschinen. Autoschläuche und Schreibmaschinen. Aus einer Kartoffelmiete wurden von der Kriminalpolizei 18 Ballen Stoffe herausgeholt, bei einem Wirt in Oberhausen beschlagnahmte man 36 Sack Hafer ub dne grbe Rlenge 9eh. Aus dem Gerichtssaal. Zuchthausstrafe für Mannheim, 30. März. Wegen umfangreicher Fleisch= und Butterschiebungen wurden von der Mannheimer Strafkammer zu je einem Jahr Zuchthaus und 2 Millionen Mark Geldstrafe Händler verurteilt. Ihre Helfershelfer kamen mit Gefängnisstrafe davon. Wegen umfangreichen Schleichhandels und wucherischer Schiebereien wurden von der Mannheimer Strafkammer zwei Holländer zu je einem Jahre Zuchthaus und 2 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. Ihre Helsershelfer kamen mit Gefängnisstrafen davon. Fllaszig Beäue! Die Berliner Kriminalpobizei hat jetzt einem Mann verhaftet, der unter der Maske eines Arztes des Virchowkrankenhauses den Heiratsschwimdel betvieb und nach den bisherigen Ermittelungen nicht weniger als 50 Frauen betrogen und bestohlen hat. Er erließ unter dem Namen Weber und MenzelHeiratsinserate, nach denen er die Bekanntschaft einer Witwe mit einem Kinde oder auch ein junges Mädchen zur Frau suchte. Er viele Angebote. Er besuchte seine Bekanntsu##en und wußte es so einzurichten, daß er den letzten Straßenbahnwagen versäumte und wohl oder übel die Nacht in der Wohnung bleiben mußte. Anstatt aber zu schlafen, spionierte er in den Wohnungen umher und fand auch jedesmal Schmuckund Wertsachen. Bei seiner Vernehmung im Polizespräsidium stellte es sich heraus, daß er Friseur Wilhelm Wohlfahrt ist, der sich ohne feste Wohnung in Berlin aushielt. In seinen Taschem fand man noch Dutzande von Briefen heiratslustiger Damen. Auf dem Schlesischen Bahnhof hatte er einen Reisekorb in Verwahrung stehen, in dem sich der größte Teil der von ihm gestohlenen Sachen, goldene Ringe, Uhren, Ketten usw. befand. Bisher konnte festgestellt werden, daß er etwa 50. Frauen betrogen hat. Man nimmt aber an, es noch weit mehr sind. Ier Ggankernkrst) Sängingsnahrung 9 beseir iher sininerterbante Enibbt boste bipenmiteh Pochofatheasarfrrg.. Sprechstunden für psychopathisch veranlagte Kinder, bezw. für deren Eltern, de unentgeltlich jeden Montag nachmittag um 4 Uhr für den Stadtkreis und jeden Donnerstag nachmittag um 4 Uhr für den Landkreis in meinen Diensträumen im Kreishaus statt.„ Hörde, den 3. März 1923. Der Kreisarzt des Stadt= und Landkreises Hörde: gez.: Dr. Polten, Medizinalrat. Dollar Frühnotierung! 20960 Visitenkerten * Hefert In keinster Ausführung die Buchdracherei Fellz Küching, Annen. Papierabfälle dn In. eante Bücher, Zeitungen, Kartons u. Pappabfälle lauft jedes Quautum zu hohen Preisen Jucbtracherei Hdell Breche, Inaen. S. Waschstene aussergewöhnlich preiswert. Meter Müeter Zgoo“ oscoimit. imit., Ia. Qualität einfarbig, doppeltbreit gemustert, doggeitbreit Meter doppeltbreit, bedruckt und gestreift Voll-Volle Appalbrät, nein u. Ardg Voll-Voile grareczelemodterste Bezaer,jsgeßoe, 12800“ Mousseline Mousseline Frotte Froffe Frorte gammt, doppeltreit, Ih. 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