mit der Sonn= und Feiertage. Erscheint täglich mit Ausnahme.: Sonn= und, Feiexiag Anzelgegebühr für die einspaltige 1 mm hohe u. 36 mm breite Zeile für Platzanzeigen im Verbreitungsbezirk 8 Pf., auswärtige, amtliche u. finanzielle 10 Pf. Reklamezeile 1 mm hoch und 76 mm breit 30 Pfg. Bezugspreis wöchentlich 55 Pfg.(Durch die Post bezogen monatlich.50 Mk.) Geschäftsstelle: Stockumerstraße 23.— Teieson No. 3134. Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Küching. emeeemmmmne nonmmonommmgige verbunden mit der„Annener Volk szeitung“ Inserate finden bei der großen Auflage der„Annener Zeitung“ weite und billige Verbreitung.— Bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Koner Annonceurabatt in Wegfall. vorgeschriebenen e Verbreitung. kursen kommt jeder Anzeiaenblatt für Witten-Annen! Für die Aufnahne der Anzeigen, an Anzeigenvian im Witten-An..., gl4gen Abernehnen bir teine Gewähr. Rotationsdruck und Verlag von Fritz Küching, Witten=Annen. ssenseneensoeeereemmmemmammmmmmmee und die Stadtteile Stockum und Düren. uoseenemeemmmm Nr. 280. Samstag, den 28. Rovember 1931. 67. Jahrgang. Nichsit dol dem Fiaft usbonnon ds F. 0. J. neuer Berlin, 27. November. Auf der Hauptausschußsitzung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie sprach am Freitag der nieue Vorsitzende des Reichsverbandes Dr. Krupp von Bohlen und Halbach in einer eingehenden, alle wirtschaftspolitischen Fragen ausführlich behandelnden Rede. „Die Tragödie“, so führte er u. a. aus,„die seit 17 Jahren über die Welt hereingebrochen ist, hat nichts mit einem Versagen des Wirtschaftssystems als solchem zu tun. Mit einem Ende der Notzeit kann gerechnet werden, wenn durch ein Zusammenwirken aller an der Weltvirtschaft maßgebend beteiligten Länder Umkehr geschafft wird. Hierin sehe ich die Kardinalaufgabe internationalen Zusammenwirkens. Wir stehen heute vor allem vor dem unerbittlichen Zwang, die Erzeugung von der Kostenseite her zu entlasten. Sie alle wissen, daß eine wirtschaftliche Gesundung nicht möglich ist ohne eine organische Senkung der Kreditkosten, ohne eine Befreiung des deutschen Geldmarktes vom Druck der öffentlichen wie privaten schwebenden Schulden und ohne eine endgültige Beseitigung aller Reste der Zwangswirtschaft. In einer Notzeit wie der jetzigen ist jeder übertriebene Aufwand nicht nur sachlich, sondern auch moralisch unverantwortlich. Wir müssen nach innen, aber auch nach außen den Anschein vermeiden, als wenn das deutsche Volk sich nicht selbst klar darüber sei, wie notwendig es ist, an allen Ecken und Enden bis auf die Pfennige zu sparen. Wir dürfen nicht zögern, auch in der Frage der Reichsreform die Schritte zu unternehmen, die von dem Zwang zu einer sparsamen, übersichtlichen und einheitlichen Verwaltung diktiert sind.“ Der Reichsverband, so erklärte er weiter, werde sich nach wie vor jederzeit von der Ueberzeugung leiten lassen, daß das Schicksal der deutschen Landwirtschaft von höchster nationaler Bedeutung sei. Gleiches gelte auch für den Teil der Industrie. der unter den Begriff der mittleren und Kleinindustrie falle. Der Reichsverband sei der Auffassung, daß ebenso wie dem Kulturbolschewismus auch der Gottlosenpropaganda nicht entschieden genug entgegengetreten werden könne. Was die Reparationsfrage betreffe, so habe die Entwicklung dieses Jahres mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß die Revarationen nicht nur für Deutschland eine unhaltbare Belastung darstellten, sondern daß sie auch, weltwirtschaftlich gesehen, ein Wahnsinn seien. Es werde eines sehr viel umfassenden Schrittes bedürfen, um endlich in der Welt und damit auch für Deutschland einen Zustand wiederherzustellen, der die freie Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte ermögliche. Ein großer Teil der Welt sei heute schon der Ueberzeugung, daß für das Elend. das über Europa wie über die ganze Welt hereingebrochen sei, vor allem auch der auf der Kriegsschuldlüge aufgehaute Versailler Vertrag verantwortlich zu machen sei. Solange es ein deutsches Volk gebe, werde sein nationales Bewußtsein sich gegen den Inhalt dieses Vertrages zur Wehr setzen. Es sei für den Reichsverband selbstverständlich, daß er in der Front derer stehe, die in dem Versailler Vertrag keine endgültige Regelung sähen. die Jahrzehnte und Geschlechter überdauern könne. Im Interesse der euroväischen Völkergemeinschaft müsse eine Lösung gefunden werden, die dem Gedanken der fruchtbaren Zusammenarbeit der Völker einen neuen Auftrieb gebe. Im Anschluß an Dr. Krupp, sprach der preußische Handelsminister Schreiber über„Staat und Wirtschaft in der Krise“. „Zwei Probleme“, so führte er aus,„sind zur Zeit gestellt. 1. Die Gesamtlohnsumme auf mehr Menschen zu verteilen, und 2. das Heer der Arbeitslosen wieder zu produktiver Arbeit zu bringen. Die Löhne müssen durch generelle Methoden der tatsächlichen Entwicklung unserer Gesamtverhältnisse angepaßt werden durch Heranziehung der für die Arbeitslosen jetzt unproduktiv aufgewendeten Mittel, und durch eine Verkürzung der Arbeitszeit, die die Senkung der Gestehungskosten nicht gefährdet, müssen mehr Arbeitsplätze geschaffen werden.— Gleichzeitig müssen die Kosten für die Lebenshaltung gesenkt werden“ durch Lockerung nicht nur privater Preisbindungen, sondern vor allem auch solcher bei den amtlich bestimmten Preisen(Miete, Verkehrs= und Versorgungstarife). Die Frage, ob der Zins außerhalb des natürlichen Weges gesenkt werden kann, ist mit großer Vorsicht zu behandeln. Schuldherabsetzung und Inflation sind abzulehnen. Die normale Entwicklung des Zinsproblems wäre, durch Verbilligung unserer gesamten Produktion den Kreditbedarf zu verringern und hierdurch und durch die Herstellung von Vertrauen in die politische Zukunft das Weichen der Zinssätze zu ermöglichen. Notwendig für die Gesundung der Wirtschaft ist, daß revolutionäre Störungen. einerlei ob sie mit Internationalen oder nationalen Mäntelchen auftreten, entschlossen bekämpft werden.“ Geheimrat Kastl erklärte u.., daß das bisherige wirtschaftspolitische Gesetzgebungswerk noch den großen Leitgedanken vermissen lasse. Die Industrie müsse die bestimmte Erwartung aussprechen, daß die Reichsregierung nunmehr schnell die Maßnahmen treffe, die die wirtschaftliche Maßnahme erfordere. In seinem Schlußwort wies Dr. Krupp darauf hin, nur wenn die Reichsregierung ganz schnell mutige Entschlüsse fasse, könne die wankend gewordene Stimmung wieder aufgerichtet werden. Es sei dabei nicht entscheidend, daß jede einzelne Maßnahme der strengsten Wirtschafts= und Finanzkritik standhalte. * Zurück zum Ehrbaren Kaufmann! Münster, 27. November. In der Vorstands= und Hauptausschuß=Sitzung des Langnam=Vereins ging der Vorsitzende, Generaldirektor Dr. Springorum, näher auf die Auswüchse ein, die in letzter Zeit bei der Leitung einiger größerer Wirtschaftsgebilde sichtbar geworden sind. Dr. Springorum nannte es ein billiges Vergnügen, diese„sogenannten Skandale ohne weiteres dem privaten Untnernehmertum als solches anzuhängen.“ Es wäre ein leichtes, auf die wahrlich nicht geringen Korruptionserscheinungen in der staatlichen oder kommunalen Wirtschaftsführung hinzuweisen. So aber kämen wir nicht weiter und kämen wir vor allem nicht zu der intakten Wirtschaftsmoral. Wir verlangen vielmehr mit allem Nachdruck, so sagte Dr. Springorum, daß mit aller Schärfe des Gesetzes gegen diejenigen vorgegangen wird, die das Bild des Ehrbaren Kaufmannes besudeln und ihre Unternehmeraufgabe lediglich in ihrer persönlichen privaten Bereicherung, für die ihnen jedes Mittel recht war, erblickt haben. Wo ein echter Unternehmer=Wagemut zu Schwierigkeiten geführt hat, ist kein Raum für Verunglimpfungen. Wo hingegen statt dieses schöpferischen Wagemuts ein schmutziges Spekulantentum sich breitmacht, kann nach unserer Auffassung im Interesse der Wirtschaft und des Unternehmertums nicht scharf genug durchgegriffen werden. Lübecker Prozeß. Scharfe Zusammenstöße. Lübeck, 27. November. Im Calmette=Prozeß kam es heute bei der Vernehmung von Prof. Dr. Lange zu Zwischenfällen, wie man sie bisher in einem Prozeß noch nicht erlebt hat. Ueberraschend stellt Rechtsanwalt Dr. Darboven, der Verteidiger der Schwester Anna Schütze die Frage, ob Prof. Lange mit der Ueberzeugung nach Lübeck gekommen ist, daß das Unglück nur im Laboratorium zu suchen wäre. Darboven betont, die Schwester Anna habe die Fragen durch Lange unangenehm empfunden. Er habe sich ihr gegenüber staatsanwaltschaftlicher als der Staatsanwalt benommen. Als Rechtsanwalt Dr. Wittern erklärt, das lasse vielleicht auf ds schlechte Gewissen der Schwester schließen, erwidert Schwester Anna Schütze sofort sehr erregt:„Mein Gewissen ist rein, und ich hoffe, daß Dr. Witterns Gewissen ebenso rein ist. Ich habe die Fragen durch Prof. Lange unangenehm empfunden, weil er meinen Chef. Prof. Dr. Deycke, wie einen dummen Jungen behandelt hat.“ Diese EA. ens lohhafte Erragung im Ernarung tuft eine lehhafte Erregung im Saal Zwischenrufe der Nebenkläger hervor. Prof. Deycke erklärt schließlich selbst dazu, er habe lediglich den Eindruck gehabt, daß Prof. Lange mit einer subjektiven Einstellung zu ihm gekommen sei. Nach nochmaligem sehr scharfen Vorstoß Dr. Witterns, der seinen Vorwurf gegen die Schwester nicht zurücknimmt, wird die Verhandlung auf Montag vertagt. Silarek-Prozeß. Berlin, 28. November. Im Sklarek=Prozeß teilte der Vorsitzende mit, daß sich das Gericht entschlossen habe, den Generaldirektor Schüning am 4. Dezember nochmals zu vernehmen. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte 46jährige Prokurist Sommermeier wurde dann als Zeuge vernommen. Sommermeier, der Prokurist der Berliner AnschaffungsGesellschaft war, ist vor fünf Tagen verhaftet worden, weil ihm vorgeworfen wird, in den Jahren 1927 bis 1929 Gelder der BAG. veruntreut zu haben. Prokurist Sommermeier wird eingehend nach den Geschäften der BAch. mit den Sklareks befragt, hauptsächlich darüber, wie es möglich war, daß die BAG. an die Sklareks Zahlungen leistete für Lieferungen, die die Sklareks angeblich an die Städtische Kleiderverwertung=Gesellschaft geleistet hatten, die aber in Wirklichkeit nicht erfolgt waren. Der Zeuge erklärt, daß er selbstverständlich nicht habe wissen können, ob die Lieserung auch tatsächlich erfolgt seien. Prechtscher Landtag Berlin, 27. Novbr. Die Freitagsitzung des Preußischen Landtages steht im Zeichen umfangreicher Abstimmungen. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangen die Kommunisten sofortige Beratung ihrer Anträge auf Aufhebung des Verbotes des Rot=Front=Kämpferbundes und aller Beeinträchtigungen der Presse= und Redefreiheit sowie wegen angeblicher Mißstände in der Erziehungsanstalt Templin. Die Beratung scheiterte am Widerspruch der Sozialdemokraten, der von den Kommunisten mit Lärm quittiert wird. Der Landtag nimmt hierauf die Wahl seines Präsidenten vor, für die von der sozialdemokratischen als stärksten Fraktion des Hauses der Abg. Wittmaack vorgeschlagen ist. Abg. Schwenk(Komm.) schlägt seinen Fraktionsfreund Casper vor. Die Wahl erfolgt durch Zettelabgabe, was längere Zeit in Anspruch nimmt. Die Auszählung ergibt die Wahl des Abg. Wittmaack=Magdeburg(Soz.) mit 250 Stimmen. Der kommunistische Kandidat Casper erhält 33 Stimmen. 66 Zettel sind unbeschrieben. Eine Reihe von Stimmen ist zersplittert. Heiterkeit löst die Mitteilung des Vizepräsidenten aus, daß auch der Abg. Leinert(Soz.) eine Stimme erhalten habe. Abg. Wittmaack nimmt die Wahl an. Er begibt sich sofort auf den Platz des Präsidenten und dankt in einer kurzen Ansprache dem Hause für seine Wahl. Dabei gibt er unter Bravo=Rufen der Regierungsparteien das Versprechen ab, sein Amt in vollster Unvarteilichkeit ausüben zu wollen, und erkennt die besondere Verpflichtung des Präsidenten an, auch die Rechte der Minderheit wahrzunehmen. Die Immunität des Abg. Ladendorff(W..) wird entsprechend dem Antrag des Geschäftsordnungsausschusses aufgehoben. Annahme findet der Antrag des Hauptausschusses, die Hilfsmaßnahmen für die Unwettergeschädigten nach einem vom Ausschuß festgesetzten, der Oeffentlichkeit bereits bekannten Programm beschleunigt durchzuführen. Ein Antrag des Abg. Bork(Duatl.), die auf der Tagesordnung stehenden Abstimmungen über die neue Geschäftsordnung abzusetzen und die weitere Erledigung der Angelegenheit dem im Frühjahr neu zu wählenden Landtag zu übertragen, da die bei den Abstimmungen zu erwartende Obstruktion der Kommunisten— es wird angenommen, daß die Kommunisten zu jedem der 139 Paragraphen und zu den Aenderungsanträgen namentliche Abstimmungen verlangen werden— die Verabschiedung der neuen Geschäftsordnung für absehbare Zeit doch verhindern werde, wird gegen die Stimmen der Rechtsparteien und der Kommunisten abgelehnt. In namentlicher Abstimmung lehnte das Haus den deutschnationalen Mißtrauensantrag gegen Kultusminister Grimme mit 219 Stimmen der Regierungsparteien gegen 173 Stimmen der Opposition ab. Der Antrag des Hauptausschusses, der das Staatsministerium ersucht, keine Aenderung der Hochschulgebühren vorzunehmen, ohne dem Landtag vorher Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben, wird angenommen, desgleichen ein weiterer Ausschußantrag, etwa beabsichtigte Sparpläne auf dem Gebiete des Hochschulwesens vor Erlaß dem Landtag vorzulegen. Die Feststellungen des Untersuchungsausschusses über die Finanzgeschäfte der Preußenkasse in den Fällen scher Verlagsverein Düsseldorf und Landbund sowie des weiteren Untersuchungsausschusses über Beamtenbeeinflussungen beim Volksbegehren gegen den Youngplan werden bestätigt. Hierauf sollten die Abstimmungen über die neue Geschäftsordnung stattfinden. Da die Kommunisten zu erkennen gegeben hatten, daß sie zu sämtlichen 139 Paragraphen namentliche Abstimmung verlangen würden, wird vom Zentrum beantragt, im voraus über die Vorschrift der neuen Geschäftsordnung abzustimmen und sie sofort in Kraft zu setzen, wonach jeder Antrag in namentlicher Abstimmung von mindestens 30 anwesenden Abgeordneten unterzeichnet werden muß. Die namentliche Abstimmung über den Zentrumsantrag ergab, da nur 208 Stimmkarten von den Regierungsparteien abgegeben wurden— die Oppositionspar= teien übten durch Nichtbeteiligung an der Abstimmung Obstruktion— die Beschlußunfähigkeit des Hauses. Vizepräsident Dr. von Kries beraumt die nächste Sitzung des Landtages auf den 15. Dezember an, da eine weitere Sitzung am Freitag angesichts der Obstruktionsabsichten der Kommunisten keine Aussicht auf Erledigung der Geschäftsordnung geboten hätte. Die Mitteilung des Präsidenten wurde bei den Oppositionsparteien mit stürmischen Zustimmungskundgebungen aufgenommen. Der neue Präsident des Preußischen Landtags. Wittmaack wurde 1878 geboren. Nach dreijähriger Handwehrslehre und achtjähriger Gehilfenzeit war er— nach vorübergehender Tätigkeit an der„Volkszeitung" in Rostock— von 1905 bis 1920 Redakteur der„Volksstimme“ in Magdeburg. Von 1910 bis 1920 war er Stadtverordneter und später Fraktionsvorsitzender, 1920 wurde er in den Provinziallandtag der Provinz Sachsen gewählt, wo er den Posten des Vizepräsidenten innehatte. Seit Mai 1918 war er Vorsitzender der SPD. in Magdeburg und hatte dann in der Revolutionszeit den Vorsitz des Arbeiter= und Soldatenrats in Magdeburg inne. Nach Ausbruch des Kapp=Putsches wurde er 1920 Regierungskommissar für den Reg.=Bez. Magdeburg und ist seit 1920 besoldeter Stadtrat in Magdeburg. Reichstagsabgeordneter Prälat Dr. Schreiber auf der Abrüstungstagung in Paris. Paris, 27. November. Prälat Professor Dr. Schreiben wies in einer Rede auf der hier stattfindenden Abrüstungstagung auf den die Welt heute erfüllenden Pesstmismus hin, der in dem durch das Wettrüsten veranlaßten und gesteigerten Mißtrauen einen seiner Hauptgründe habe. Alles, was für die Sicherung des Friedens und Stärkung des Vertrauens erreicht worden sei, drohe verlorenzugehen, wenn nicht schleunigst den lauernden Göttern des Krieges ein entscheidender Teil ihrer Waffen genommen werde. Wenn der Völkerbund in das allgemeine Mißtrauen und die Weltstimmung des Pesstmismus einbezogen werde, so hauptsächlich deswegen, weil seine Bemühungen um die Abrüstung bisher ohne praktische Ergebnisse geblieben seien. Obwohl Briand bei Eintritt Deutschlands in den Völkerbund vor fün Jahren ausgerufen habe:„Weg mit den Kanonen. weg mit den Gewehren!“ sei die Zahl der Kriegs= und Mordwerkzeuge jeder Art nur immer gestiegen. Am sinnfälligsten sei dies bei der Luftrüstung. Die Abrüstungskonferenz des nächsten Jahres müsse dem Rüstungsstillstand eine einschneidende Rüstungsminderung folgen lassen Es könne hinsichtlich der Abrüstungsfrage nicht länger Staaten zweierlei Rechts geben. Der Grundgedanke des Völkerbundes, der ein Bund freier und gleichberechtigter Völker sei. stehe dem entgegen.„Das Gefühl.“ so schloß Prälat Schreiber,„daß wir wieder auf festem Boden stehen, die„Sicherheit“, können wir nur erreichen, wenn wir die Abrüstung. die allgemeine und gleiche Abrüstung aller Völker schnell und durchgreifend verwirklichen.“ * Muttersprache ist deutsch!“ Paris, 27. November. An der Straßburger Universttät wurden gestern Flugschriften in deutscher Sprache verteilt, in denen dagegen protestiert wird, daß die deutsche Sprache an den elsässischen Schulen nur ais Fremdsprache behandelt wird. Die Studenten werden aufgefordert, die Geschichte des Elsaß zu studieren und zu erkennen, daß ihre Muttersprache deutsch sei. Insbesondere wird auf die Kämpfe hingewiesen, die die belgischen Flamen durchführen, um das Recht ihrer lange unterdrückten Muttersprache wieder zu erlangen. Auch der Elsässer dürfte seine Sprache nicht wechseln wie ein Hemd. Die elsässischen Studenten werden aufgefordert, alles Welsche abzulegen und Deutsch zu sprechen. Neue Unruhen in Tienssin. Schanghai, 27. Novbr. In Tientsin kam es am Donnerstag zu schweren Unruhen, die im chinesischen Stadtteil von entlaufenen chinesischen Soldaten hervorgerufen wurden. Von der japanischen Konzession aus wurde das Feuer auf die Aufständischen eröffnet. Erst nachdem 30 Granaten abgeschossen worden waren und der chinefische Stadtteil mit Maschinengewehrfeuer belegt wurde, konnten die Chinesen zerstreut werden. Auch die Truppen der italienischen Konzession, die durch die Aufständischen bedroht waren, sollen sich an dem Kampf beteiligt haben. Ueber die Verluste ist noch nichts bekannt. Der japanische Konsul in Tientsin hat seine Regierung dringend um Truppenverstärkungen ersucht. Die Abschiebung von 6000 Zivilpersonen wird vorbereitet. Hsinminsu von den Japanern besetzt. Schanghai, 27. Novbr. „Daily Herald Fmeldet, daß japanische Truppen in Hsinminfu an der Peking—Mutden=Eisenbahn eingerückt sind, die chinesische Polizei entwaffnet und den Präfekten festgenommen haben. Die Japaner behaupten, daß in Hsinminsu ein chinesisches Unternehmen zur Unterstützung des Marschalls Tschangihueliang aufgedeckt worden sei. Zahltage für den Bezirk der Zahlstellen Witten und Dortmund-Hörde im Jahre 1931. Zahlbezirk Zahllokal Monat Beginn für Witwen undffür Invaliden u. Waisen Reicscentner Annen Annen II Rüdinghausen Stockum Ende Eichlinghofen Barop 1 Barop II Hombruch Hombruch II Kuchhörde 1 Kirchhörde II Woesthoff. Witten=Annen Lindemann, Witten=Annen(Ardey) Krüger, Witten=Annen(Ortsteil Rädinghausen) Engel, Witten=Stockum Becker, Ende Wagner, Dortmund=Eichlinghofen Nicolai, Dortmund=Barop Grasekamp, Dortmund=Barop Meiners, Dortmund=Hombruch Meiners, Dortmund=Hombruch Wittich, Dortmund=Kirchhörde Timpeltey, Dortmund= Kuchhörde 4. Dezember 4. 1. 2. 7. 3. 4. 1. 2. 5. 5. 3 Uhr 8 8 8 3 3 3 8 2¾ 3 2 2 8½ Uhr 3½ 3½„ 3½„ 3½„ 3½„ 3½„ 3½„ 3¼" 3¾„ 2½„ 2½„ Lokales § Witten=Annen, 28. Novbr. Dies und das... Heute ist der Jahrestag der Roburitexplosion, und wenn der Tag heute sich seinem Ende zuneigt und im stillen Frieden des Abends die Seele sinnend in die Vergangenheit taucht, dann werden die Gedanken, so sehr auch die Ereignisse in unserer nervösen Zeit sich drängen, für einige Augenblicke bei einem Ereignis weilen, das sich hier vor 25 Jahren zutrug. Wenn auch im Laufe der Jahre sich der Schleier des Vergessens vor die Bilder jener Nacht gesenkt hat, so werden doch schmerzliche Erinnerungen wach bei all denen, die Zeugen jener furchtbaren Katastrophe waren. Ueber zwanzig Jahre stand die Roburitfabrik auf der Grenze von Witten und Annen, wo sie einst gegen den Wunsch und Willen der beiden Orte angelegt wurde. Sie war die einzige Sprengstoffabrik der Gegend und mag wohl von Anfang an mit ein wenig mißtrauischen Augen angesehen worden sein. Jedenfalls gab es nirgendwo einen Zweifel, als am 28. November 1906, abends um 8¼ Uhr die erste Explosion ihr Donnerrollen in das Land schickte, daß dies nur die Roburitfabrik sein könnte. Ein Durcheinander von Feuerwehr= leuten, Polizisten und hilfsbereiten Zivilisten wogte bald darauf durch die Straßen, um Ordnung zu schaffen und Neugierige auszusperren. Man befürchtete eine zweite Explosion, da man noch von großen Lagerbeständen an Roburit in dem bedrohten Gelände wußte. Der Leiter der Fabrik eilte von Witten herbei und es liegt eine tiefe Tragik darin, daß gerade diese tatbereiten, hilfefrohen Männer, unter ihnen auch mutige und entschlossene Feuerwehrleute durch die schließlich doch nicht mehr erwartete zweite Explosion zu Tode gekommen sind. Diese zweite Explosion, die stärker als die erste war, trat gegen 9½ Uhr ein. Sie brachte eine undurchdringliche Finsternis und einen Hagel von Steinen, Eisenteilen und anderem, das in der Luft herumwirbelte und verwundete und tötete, was es traf. Das Feld rings umher war erfüllt vom Schreien und Stöhnen Verletzter und entsetzte Menschen in zerrissenen Kleidern flohen eilends von der Stätte des Grauens. Krankenhäuser und Verbandstellen bekamen zu tun, 40 Tote und über hundert Schwerverletzte waren zu verzeichnen. Die gewaltige Erschütterung hatte die Fensterscheiben in Annen und Witten zertrümmert, in der Umgegend bis Dortmund und Hagen hat die Erde gebebt und sind Spiegelscheiben der Läden zersprungen. Annen, sonst nur bekannt durch die Erzeugnisse seiner Industrie, bekam plötzlich eine traurige Berühmtheit. Sammlungen und Hilfsaktionen wurden in die Wege geleitet. Die Ursache der Explosion aber wurde nie restlos geklärt, denn von denen, die dabei waren, lebte keiner mehr. Allgemein hat man später Selbstentzündung des Roburits angenommen. Dankbar wollen wir heute noch der Vorsehung sein, daß damals größeres Unglück verhütet wurde, und wir wollen ein Vierteljahrhundert nach jenem Tage auch der Opfer gedenken, die das Unglück gefordert hat. Ihren uneigennützigen Mut und ihr tatkräftiges Einschreiten haben viele beherzte Männer vor 25 Jahren mit dem Tode bezahlen müssen. Doch nicht nur dem Rückschauen gelten die stillen Stunden dieser Tage, und das ist der Segen der Zeit, daß sie fortschreitend immer Neues hervorbringt und über den Trümmerfeldern neues Leben entstehen läßt: Morgen ist der erste Adventsonntag, und es gilt wohl achtzugeben auf den Ton der Glocken, ob in ihnen nicht schon die süße Abnung des kommenden Christfestes schwingt. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. aus den Schaufenstern lächelt es uns schon an und in einzelnen Häusern hängt liebe, altgewohnte Sitte den Adventskranz auf und den Adventsstern, dessen Lichter eine Verheißung des kommenden Festes sein sollen.„Ach, Weihnachten!“, so sagt mancher,„wer mag in dieser Zeit daran denken.“ Nur die Kinder singen ihre Lieder und plandern vom Christkindchen und seinem lieben Märchenzauher. Wir sollten von ihnen lernen und wieder an Wunder glauben. denn wo unser Verstand zu Ende ist, wo unsere Kraft versagt, da bleibt uns doch nur ein Fühlenlassen übrig. Der Aufruf zur Winterbilfe hat schon viel Gutes erreicht und in manchem Haus ist der Glaube an die Menschheit neu erwacht. Das Weihnachtsfest bietet allen Hilfsbereiten einen erneuten Anlaß, ihre Schränke nachzusehen. Bahnsachen, Kindersachen, die zu klein werden, ohne daß Nachmuchs da ist. alles an wärmender Kleidung. mas nicht mehr gebraucht wird, Betten und Möbel, die die Bodenecken füllen, alles kann helfen. die Not des bedürftigen Nächsten zu lindern. Und bitte, vergeßt die Sviellachen nicht, denen eure Kinder entwachsen sind, sie bringen Frende in die Herzen anderer Kinder. die dem Christkindchen entgegenbarren. Kinderhand ist rasch gefüllt und Freude geben heißt Freude empfangen. Morgen ist der erste Adventsonntag und will, soll es bald tun, denn: es naht das Fest der Liebe, denn es naht die Weihnachtszeit. Auf Wiederhören am nächsten Samstag. Hans Sperling. * Sonntagsworte. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe!“ Das ist die Botschaft dieses Sonntags, der Gottesruf des heiligen Advent.— Es gibt wohl niemanden, dem nicht in seinem Herzensleben etwas sehlte. Und wenn einer es nicht glaubte, so fehlte ihm vielleicht am meisten. So mannigsaltig wie die Menschenherzen sind die Stimmen der Sehnsucht, die in ihnen reden. Daß es endlich Licht in meinen Fragen und Zweifeln würde, und ich glauben könnte, wie ich glauben sollte; daß ich Herr würde dessen, was in mir hin und her treibt, wie des Meeres unstete Wellen, und Friede einzöge; daß ich siegte über das, was mich gesangengenommen, und ich frei würde; daß ich Kraft hütte für die Aufgaben, die mich niederdrücken wollen und ich sie in dieser unruhvollen Zeit mit neuem Mut angriffe; daß ich mich endlich geduldig finden könnte in mein Kreuz und Leid, und es über meines Lebens Dunkel Licht würde wie einst über Bethlehems Fluren. Wie auch immer es im Herzen aussehen mag, und was auch immer sehlt, es sehlt in allem eins, der lebendige Herr. Er, der im Advent sich uns von neuem verheißt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an!“— Es gibt Arme, die zu stolz sind, zu bitten, die erwarten, daß der Helser von selbst in die Türe trete, und die unglücklich und verbittert ihren Weg gehen, wenn es nicht geschieht. Solch törichten Armen gleichen wir nur zu oft. Wir empfinden unseren Mangel, wir klagen und klagen uns vielleicht an, wir möchten, daß der Herr vom Himmel neu zu uns käme, aber wir tun, als ob es von selbst geschehen müßte. Von selbst geschieht es nicht! Adventszeit ist Rüstzeit. Aus der Unruhe unserer Tage müssen wir mit verdoppeltem Ernst in die Stille des Gebets: Komm, o mein Heiland Jesus Christ, meines Herzens Tür dir offen ist! Er klopft an, du aber mußt ihm auftun! In die Kammer deines Herzens will er kommen, die er noch nicht bewohnt, als Sieger für den Kampf, den du kämpfst, als Ueberwinder für die Sünde, mit der du nicht fertig wirst, als Führer für den Weg. den du zu gehen hast. als Helfer für die Sorge, die auf dir lastet.„Siehe, ich komme bald!“— Das ist die Adventskunde. Hoffend und sehnend wollen wir im Glauben nach ihm ausschauen und hoch und weit machen die Türen unseres Herzens:„Ja, komm Herr Jesu!“ Dann wird unser Advent uns gesegnet sein. Warum? Warum hat November nicht Schnee gebracht? Man hat uns ja so genug weisgemacht. Warum hing nicht silbern schon Rauhreif am Zweig? In Silber schwimmt so schon das Deutsche Reich. Warum weiß uns heute kein Mensch einen Rat? Weil Deutschland schon so zuviel Räte hat. Warum kaum ein Auftrag für Industrie? Man trug selbst zu dick auf, wer weiß, wie noch nie. Warum ist für Kohlen der Absatz so schlapp? Man verkohlte sich selbst, aber nicht zu knapp. Warum Steuereingang so wenig betrug? Ich denk, der Betrug war groß genug. Warum schleppt ins Ausland man schwer Kapital? Dem Vaterland zu erleichtern die Qual. Warum liest man täglich: er unterschlug? Das liegt nur daran, daß er falsch übertrug. Warum war in Annen der Gaspreis so hoch? Wir kochten zu viel, zu hell war’n wir ooch. Warum tragen Stutenkerls Mutzen im Mund? Sie pfeifen auf alle Warums zur Stund. Warum danach fragen? das bringt ja nur Leid; Geschmaust werden wir doch. Das liegt an der Zeit. Semper ldem. * Fürsocgeamtes für den Monat Dezember 1931. 1. Für den Ortsteil Annen bei der Sparkassenzweigstelle Witten=Annen an Kleinrentner am Dienstag, 1. Dezember 1931, vorm. von 10—12 Uhr, an Kriegsbeschädigte, Kriegerhinterbliebene und Sozialrentner am Dienstag, 15. Dezember 1931, vorm. von —11 Uhr, an Empfänger von Halbmonatsspenden am Dienstag, 1. Dezember 1931, vorm. von 10—12 Uhr und Dienstag. 15. Dezember 1931, vormittags von—11 Uhr. 2. Für das gesamte Stadtgebiet(außer dem Ortsteil Annen) bei der Stadthauptkasse an Kleinrentner am Dienstag, 1. Dezember 1931, vormittags von 11—12 Uhr, an Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene am Dienstag, 15. Dezember 1931 nachm. von—5 Uhr, an Sozialrentner am Mittwoch, 16. Dezember 1931, vormittags von 10—12 Uhr, an Empfänger von Halbmonatsspenden am Dienstag, 1. Dezember 1931. und Dienstag, 15. Dezember 1931, vormittags von 11—12 Uhr. Die Klein= und Sozialrentner des Ortsteils Stockum erhalten ihre Unterstützung durch die Post zugestellt. Die angegebenen Zahlungstermine sind genau innezuhalten. * § Annen, 28. Novör.(Die Auseinandersetzungen in der vorgestrigen Stadtverordnetensitzung) werden überall lebhaft besprochen. Den Anstoß dazu gaben in der Hauptsache die Vorwürfe der Stadtv. Frl. Amelong gegen die Stadtverwaltung, die als unberechtigt zurückgewiesen wurden. Unserem gestrigen ausführlichen Bericht über den Verlauf der Sitzung haben wir die Aeußerungen des Herrn Stadtrat Zimmermann nachzutragen; er führte etwa folgendes aus: Ich sage, daß von Rechtsbeugung(betr. Fall Amelong D..) meines Erachtens nicht die Rede sein kann. Wenn Rechtsbeugung vorläge, dann hätte man sich einfach nach Arnsberg wenden müssen. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß in den Tagen der Notverordnungen gesetzliche Bestimmungene und Ausführungsbestimmungen erlassen worden sind, soviel, daß ein Einzelner sie nicht immer im Kopf haben kann... Es ist das Bemühen des Magistrats gewesen, die Leistungen der Stadt Witten sicherzustellen. Hätten wir nicht mit starker Energie damals zurückgehalten, dann würde er heute noch schlechter ergehen. So wurden für die Verwaltung der Stadt 600000 Mark eingespart, die Gesamtersparnisse werden 700000 Mark ausmachen. Bedenken Sie, daß die Gesamtfürsorge 5 Millionen Mark beträgt gegenüber einem Etat von 10,4 Millionen. Die Fürsorgeausgaben sind 4mal so hoch wie die Gesamtbesoldung der städtischen Beamten. Aus diesem Verhältnis werden Sie ersehen, was zu leisten ist. —(Städtekampf Dortmund Witten im Stadtbad.) Der Schwimm=Club 1884 Witten ladet zu einer Schwimmveranstaltung im Stadtbad Witten Sonntag, 29. November, 15.30 Uhr, ein. Das vielseitige Programm haben wir bereits veröffentlicht. Wir verweisen auf die heutige Anzeige. —(Der Vereinigte Landwehr= und Krieger=Verein) hält heute abend 8 Uhr im Vereinsheim Radtke seine Monatsversammlung ab. Allseitiges Erscheinen der Kameraden ist erforderlich. Wir verweisen auf die Anzeige in der Donnerstag=Ausgabe. —(Beim Fundamt in Witten) ist ein Schäferhund als zugelausen gemeldet. Näheres auf Zimmer 86 des Rathauses. —(Schulausang in Preuhzen allgemein.30 Uhr.) Auf das Ersuchen der Stadt Berlin, den Unterricht während des Winters erst um 8,30 Uhr beginnen zu lassen, hat das Provinzialschulkollegium dem preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vorgeschlagen, für ganz Preußen den Schulanfang vom 1. Dezember an für 8,30 Uhr festzusetzen. Der Minister hat eine entsprechende Verfügung erlassen. Schulen, die um 8,30 Uhr beginnen, sollen in der Zeit vom 1. Dezember 1931 bis Ende Februar 1932 wieder Kurzstunden von je 45 Minuten abhalten. § Annen, 28. Novbr.(Zur großen Armee abgerufen) wurde heute der Veteran Ludwig Eickelkamp im hohen Alter von 85 Jahren. Den Krieg 1870/71 hat er beim 5. Ulanen=Regiment mitgemacht. Herr Eickelkamp war ein echter Sohn der roten Erde von der Fußsohle bis zum Scheitel, eine schollenverbundene Gestalt; er hat in seinem Leben, das über acht Jahrzehnte zählt, kaum eine Krankheit gekannt, bis zunehmende Altersschwäche nach kurzem Leiden den Tod herbeiführte. Alle, die Herrn Eickelkamp gekannt haben, schätzten ihn wegen seiner Biederkeit und Urwüchsigkeit. Möge er sanft ruhen! Witten, 28. November.(Verkehrsunfälle.) Bei einem Sturz, den ein Radfahrer am 26. d. Mts. auf der hiesigen Crengeldanz= Ecke Sandstraße erlitt, kam er mit seinem Fahrrade dicht an einen Straßenbahnwagen zu liegen. Zum Glück hat er keine Verletzung davongetragen. Am 25. 11., gegen 12 Uhr, wurde an der Ecke Bahnhof= und Nordstraße eine Dame von einer Radfahrerin angefahren. Ein Radfahrer, der dieselbe Stelle passierte, kam ebenfalls zu Fall. Die Radfahrerin trug leichte Verletzungen am linken Unterschenkel davon. Kruckel, 28. November.(Bahnhofswirtschaft Kruckel.) Die Reichsbahndirektion Essen übertrug am Freitag, den 27. 11. 1931, endgültig die Führung der Bahnhofswirtschaft Kruckel dem Herrn Emil Malyga, Sohn der verstorbenen Eheleute Wilhelm Malyga, die fast 14 Jahre lang die Bahnhofswirtschaft versehen haben. Eichlinghofen, 28. November.(Raubüberfall.) Der 17jährigen Emilie L. ist auf der Straße eine Handtasche mit 66 Mark entrissen worden. Honzeidericht. Auf der Straße angegriffen. Am 26. Novbr., gegen 22 Uhr, wurde ein Bergmann an der Neu=, Ecke Eckstraße in Herne, ohne besonderen Grund von mehreren ihm unbekannten Personen angegriffen, geschlagen und dabei am Kopfe, am Hals und an einem Finger verletzt. Schaufensterscheibe zertrümmert. Am 26. November, gegen 23,40 Uhr, wurden von bisher unbekannten Tätern am Hause von der Heytstraße 9 in Herne zwei Schaufensterscheiben eingeschlagen. Wer kennt den Täter? Am 26. Novbr., gegen 17,30 Uhr, wurde eine Frau auf dem Verbindungsweg zwischen Holthausener= und Schachtstraße in Castrop von einem unbekannt gebliebenen Manne in unsittlicher Weise belästigt. Als sich andere Passanten näherten, flüchtete der Täter auf seinem Fahrrade in Richtung Börnig. Mit der Autokurbel verletzt. Am 26. Novbr., gegen 1,10 Uhr, wurde ein Arbeiter von einem Kraftwagenführer aus Dort mund=Derne im Verlauf eines Streites mit der Andrehkurbel eines Autos geschlagen und dabei am Kopfe erheblich verletzt. Er mußte einem Arzt zugeführt werden, konnte aber nach Anlegen eines Notverbandes seine Wohnung aufsuchen. Gegen den Täter ist Anzeige erstattet worden. Modernste Damenschuhe in 12 verschiedenen Modellen Allein-Verkauf für Witten Klobery& Biahk witten Eichlinghosen, 28. November.(In Glasscherben gestürzt.) Auf dem Fahrdamm der Stockumerstraße hatten einige Schulbuben Flaschen zerschlagen. Der Radfahrer Kleinschmidt geriet in die Scherben und kam mit seinem Rade zu Fall, wobei er sich am rechten Knie eine Schnittverletzung zuzog. Eichlinghosen, 28. November.(Pferd scheute.) Auf der Wittener Straße scheute das Pferd eines Landwirtes vor einer Dampfwalze. Der Wagen geriet in den Graben und kippte um. Der Führer blieb unverletzt. Provinz=Nachrichten Dortmund, 27. November.(Haussuchungen bei den früheren VEW.=Direktoren.) In den hiesigen Wohnungen der früheren Generaldirektoren der BEW., Dr. Fischer und Dr. Krone sowie in der Berliner Wohnung Dr. Krones wurden heute auf Anordnung des Untersuchungsrichters polizeiliche Haussuchungen vorgenommen. Ebenso wurden in Anwesenheit von Bücherrevisoren bei den Banken, mit denen die Generaldirektoren in Verbindung gestanden haben, Nachforschungen angestellt. Hagen, 27. November.(Die Postbeamten helfen.) Die Hagener Beamten, Angestellten und Arbeiter der betriebe haben mit selbstaufgebrachten Mitteln eine Kinderspeisung organisiert. Vom 1. Dezember d. J. ab erhalten täglich 55 notleidende Kinder ein warmes Mittagessen im evgl. Gemeindehaus in der Hochstraße. Hagen, 27. November.(Untersuchungsausschuß in der Straßenbahnangelegenheit.) Entsprechend einem Beschluß der Stadtverordneten hat sich unter dem Vorsitz des Stadtv. Dr. David ein Untersuchungsausschuß zur Prüfung der Vorgänge bei der Hagener Straßenbahn gebildet. Für die Herbeischaffung des Materials wird um Unterstützung der Industrie= und Handelskammer, des Handwerksamtes, des Gewerbeamtes, der Gewerkschaften und anderer Stellen gebeten. Bochum, 27. November(Politische Zusammenstöße.) Im Stadtteil Langendreer kam es in der Nacht zum Donnerstag zu mehreren politischen Zusammenstößen. So wurde auf dem Kalsersteg ein Nationalsozialist von einer großen Anzahl Personen, angeblich Kommunisten, angefallen und mißhandelt. Er trug einige gefährliche Verletzungen davon. Einige Stunden später wurde ein Kommunist im Uhlenwinkel von etwa 14 bis 16 Nationalsozialisten überfallen und mißhandelt. Auch hier waren die Verletzungen nicht ernstlich. Da in den späten Abendstunden die Meldung bei der Polizei einlief, daß die Nationalsozialisten Parteigenossen aus Witten zu ihrer Unterstützung herbeigerufen hätten, die sich im Lokal Brücher aufhielten, wurde eine Durchsuchung des Lokals und der Gäste vorgenommen, um evtl. Ausschreitungen zu verhüten. Düsseldorf, 27. November.(Kunstmaler Wilhelm Degode gestorben.) Donnerstag starb im Alter von beinah. 70 Jahren in Kaiserswerth der Kunstmaler Wilhelm Degode. Degode war Mitglied des Künstlervereins„Malkasten" und gebürtiger Oldenburger. Düsseldorf, 27. November.(Nach 15 Jahren die Sprache wiedergewonnen.) Ueberraschend und zu seiner größten Freude erhielt hier ein Kriegsinvalide seine Sprache wieder, die er im Kriege durch eine Verschüttung verloren hatte. Im Kreise seiner Familie ereiferte sich der Mann über irgend ein Thema derart, daß er plötzlich wieder in den Besitz seiner Sprache gelangte, die er seit 15 Jahren verloren hatte. Köln, 27. November.(Zwei Tote auf den Schienen.) Der Reichsbahnobersekretär Sennheim, Leiter der Güterabfertigung in Düren, ist gestern morgen um 10 Uhr auf dem Bahnhof Düren von einer Rangierabteilung erfaßt und tödlich verletzt worden.— Gegen 9 Uhr gestern morgen wurde in der Nähe des Bahnhofs Stolberg auf dem Gleise Aachen—Köln die Leiche eines etwa 30 Jahre alten Mannes gefunden, dem der Kopf vom Rumpfe getrennt war. Die Personalien des Toten sind noch nicht bekannt. Wahrscheinlich liegt Freitod vor. Trier, 27. November.(Unterschlagungen eines Rendanten.) Bei einer Revision im Winzerkasino in Lieser an der Mosel durch den Rheinisch=Trierischen Genossenschaftsverband Raiffeisen wurde festgestellt, daß eine Reihe von zurückgezahlten Beträgen nicht verbucht, sondern von dem Rendanten der Kasse unterschlagen worden sind. Man schätzt die unterschlagene Summe auf 5000 bis 10000 Mark. Wetterbericht der Metterwarte Essen. Auf der Rückseite des kräftigen Tiefdrucksystems westlich von Irland ist rasch kalte Luft ehemals polaren Ursprungs in das europäische Festland gelangt. Demzufo'ge ist die Warmluft, die gestern über den Pyrenäen und Frankreich lag und die Energie des Irlandwirbels weiter kräftigte, vom Erdboden abgehoben worden. Der Wirhel befindet sich heute westlich von Schottland und ist in Auffüllung begriffen. Die Temperaturen über Westeurop#i sind auf 6 bis 8 Grad zurückgegangen. Allgemein wir) starke, sehr wechselhafte Bewölkung und vielfach Regenschauer gemeldet. Der Witterungscharakter####eibt somit über Westdeutschland bei lebhaften, böigen, sudwestlichen Winden noch immer sehr unbeständig. Das rssische Hochdruckgebiet verstärkt sich unter dem Einfluß zuströmender arktischer Kaltluftmassen erneut und bietet den vom Ozean her gegen das Festland vordringenden Störungen nach wie vor ein kräftiges Hindernis. Sie werden unte: Auffüllung an seiner Westseite nach dem Nordmeer abwandern. Vorhersage für Sonnabend: Lebhafte böige Winde um Südwest. Wechselnde, meist stärkere Bewölkung mit einzelnen Regenschauern. Zeitweise Ausheiterung. Für die Jahreszeit mild. Bei heiterer Nacht Tiefsttemperaturen nahe um Null Grad. Wahrscheinliche Weiterentwicklung: Nach kurzer Beruhigung wieder Bewölkungszunahme und aufkommende Riederschiggtneigung. Zweites Blatt zu Nr. 280. Samstag, den 28. November 1931. Fleischverkauf am dritten Weihnachtsfeiertag? Berlin, 27. November. Auf Anregung des Fleischergewerbes beschäftigen sich die zuständigen Stellen zurzeit mit der Frage, ob in diesem Jahre der dritte Weihnachtsfeiertag in einigen Morgenstunden für den Fleischverkauf freigegeben werden soll. Die Tatsache, daß der dritte Feiertag diesmal auf einen Sonntag fällt, bedeutet für die Verbraucherschaft insofern eine Härte, daß an drei Tagen keine Einkäufe, vor allem von frischen Lebensmitteln gemacht werden können. Preußen hat sich bereits zustimmend zu der Anregung geäußert. Es ist möglich, daß die Angelegenheit auch im Reichsrat noch behandelt wird. In Preußen glaubt man, daß eine entsprechende Bestimmung ohne Inanspruchnahme des Reichsrats einfach auf dem Wege der Verordnung erlassen werden könnte. Vor einer neuen Nolverordnung. Vollstreckungsschutz für die westdeutsche Landwirtschaft. Wie verlautet, wird innerhalb der Reichsregierung die Absicht erwogen, durch eine neue Notverordnung den Vollstreckungsschutz auch für die westdeutsche Landwirtschaft einzuführen. Damit werden eine Reihe von Bestimmungen der Osthilfe=Notverordnung auch für den Westen Anwendung finden. Die Landwirtschaftskammer für die Provinz Schleswig=Holstein hat eine Erklärung abgegeben, wonach die Einführung des Vollstreckungsschutzes auch für die Gebiete in Schleswig=Holstein notwendig sei. Die Landwirtschaftskammer hat den zuständigen Regierungsstellen eingehende Vorschläge unterbreitet, die die grundsätzliche Zustimmung der Provinzialbehörden gefunden haben. 12 000 Siedlungen im Jahre 1931. Wie mitgeteilt wird, kann man damit rechnen, daß In diesem Jahre die Zahl der angesetzten Siedler einen Rekord bedeuten wird. Diese Zahl wird auf rd. 12 000 geschätzt. Nach den neuen Richtlinien, die der Aufbau= und Primitivsiedlung dienen, soll im nächsten Jahr mindestens die gleiche Anzahl von Siedlern angesetzt werden. Falls sich die Finanzierungsmöglichkeit verbessert, wird mit einer noch größeren Zahl von anzusetzenden Siedlerstellen gerechnet. Dr. Drst: HGrils lichlig, kils grunorrt“. Der Konflikt in Ostasien. Ernste Lage in Tientsin. W2B. Tokio, 27. November.(Reuter.) Nach einer beim Kriegsministerium eingetroffenen amtlichen Meldung ist es gestern abend in Tientsin wieder zu Unruhen gekommen. Die Chinesen haben plötzlich Gewehr=, Maschinengewehr= und Artilleriefeuer auf die japanische Kon#ession eröffnet. Die Japaner antworteten erst, als eine Aufforderung, das Feuer einzustellen, unbeachtet geblieben war. Die Lage in Tientsin ist so ernst, daß das Kabinett heute früh eine außerordentliche Sitzung abgehalten hat, um über die Forderung der Militärbehörden auf Verstärkung der japanischen Garnison in Tientsin zu beraten. Auch sämtliche Gummischuh-Reparaturen Jetzt in eigener Werkstatt: OOSS Eine Erklärung des Vertassers des Manifestes. Darmstadt, 27. Novbr. Von der Gaupressestelle der NSDAP. wird eine läugere Erkläruug verbreitet, wonach Dr. Werner Best, der als Verfasser des Manifestes gilt, am Donnerstag nachmittag auf der Gauleitung in Darmstadt folgende formulierte Erklärung abgab: „Ich bin der Verfasser eines Entwurfs, von dem Einzelheiten in dem von dem preußen Innenminister der Presse übergebenen„Material teilsrichtig, teils geändert wiedergegeben sind. Als um den 1. August ds. Is. allgemein ein kommunistischer Aufstand erwartet wurde, und von den Dienststellen der NSDAP. leine Weisungen für diesen Fall gegeben wurden, entschloß ich mich, ohne Auftrag und ohne Fühlungnahme mit den Amtsverwaltern der Partei zur Ausarbeitung non Richtlinien. Wenn die legalen Vertreter des Staates durch den bewußten Hochverrat der KPD. beseitigt worden wären, hätte nach meiner Auffassung die nationale Bewegung, an ihrer Spitze die NSDAP., die Pflicht gehabt, mit den von ihr zusammengerafften Kräften(deshalb auch die Erwähnung von„Landeswehren“ neben den SA. der NSDAP.!) aus eigenem Recht die Ernährung und den Schutz der Bevölterung sicherzustellen. Den Entwurf meiner Richtlinien übergab ich einigen Mitarbeitern, darunter dem jetzigen Denunzianten Schäfer=Offenbach, zur Rückäußerung über die rechtlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten meiner Vorschläge. In diesem Stadium blieb die Bearbeitung der Angelegenheit auf sich beruhen, da die politische Entwicklung seit dem 1. August ds. Is. ihre weitere Erörterung überflüssig machte. Keine Dienststelle der NSD2P., besonders auch weder der damalige Gauleiter Gemeinder, noch die Reichsleitung, haben von meinem Entiurf mittelbar oder unmittelbar Kenntnis erhalten. Die Richtlinien sind auch nicht in einer„geheimen Sitzung auf dem Vorheimer Hof beschlossen worden". Ich habe vielmehr gelegentlich eines Zusammentreffens auf diesem Hof, das an sich anderen Zwecken galt, den von mir allein hergestellten Entwurf einigen(nicht allen) der Anwesenden zur Kennnisnahme und Aeußerung übergeben. Der jetzige Denunziant Schüfer=Offenbach hat als der damalige Leiter des Gau=Wirtschaftsbeirats der NSD= AP., Gau Hessen, meinen Entwurf mit mir öfters durchgesprochen, ohne den bedingten und deshalb durchaus legalen Charakter der von mir angeregten Erörterungen zu bezweifeln. Wenn Schäfer jetzt eine andere Darstellung der Vorgänge gibt, so will er sich durch die bewußt eingestellte Denunziation dafür einsetzen, daß ich im Auftrage des Gauleiters Lenz, M. d.., die Ermittlungen durchführte, die kurz vor der Landtagswahl ergaben, daß Schäfer durch Verschweigen seiner Bestrafung wegen Wechselfälschung usw. und durch falsche Angaben über seine Laufbahn und seine berufliche Stellung seine Kandidatur für den hessischen Landtag bei der RSDAP. erschwindelt hat. Wenn ich noch darauf hinweise, daß Schäfer vor seiner im Frühjahr dieses Jahres erfolgten Verurteilung durch psychiatrische Gutachten als schwerer Psychopath und als stark vermindert zurechnungsfähig festgestellt wurde, so dürfte die Oeffentlichkeiet nunmehr in der Lage sein, sich über die Bedeutung des von dem preußischen Innenminister veröffentlichten Materials ein abschließendes Urteil zu bilden.“ * Einzelheiten aus dem Dokument. In dem aufgefundenen Aufruft heißt es: Die unerhörte Gefahr erfordere auserordentliche Maßnahmen, um zunächst das nackte Leben des Volkes zu retten.„Erste Aufgabe ist Herstellung der öffentlichen Sicherheit und die Organisation der Volksernährung. Nur schärfste Disziplin der Bevölkerung und rücksichtsloses Durchgreisen der bewaffneten Macht lassen die Lösung dieser Aufgaben als möglich erscheinen. Als Oberbefehlshaber der ... gebe ich deshalb folgenden Befehl an die gesamte Bevölkerung des Landes bekannt: Jeder Anordnung der..., gleich, von welchem Dienstgrade erteilt, ist sofort Folge zu leisten. Widerstand wird grundsätzlich mit dem Tode bestraft. Jede Schußwasse ist binnen 24 Stunden an die... abzuliesern. Jeder im Dienst öffentlicher Behörden stehende Beamte, Angestellte und Arbeiter hat sofort seinen Dienst wieder aufzunehmen. Widerstund und Sabotage wird mit dem Tode bestraft. An die Stelle der obersten Staatsbehörden tritt die Führung der... vertreten durch mich. Die von der Führung der... erlassenen Notverordnungen haben für jedermann Gesetzeskraft. Verstöße werden in besonders schweren Fällen mit dem Tode bestraft. In den Richtlinien für eine Notverordnung zur Sicherung der Ernährung der Bevölkerung wird in den wiedergegebenen Entwürsen bestimmt, daß alle Lebensmittel ohne Entgelt abzuliefern sind.„Jeder Erzeuger und Händler hat unverzüglich eine genaue Aufstellung aller in seinem Eigentum oder Besitz befindlichen Lebensmittel der zuständigen Bürgermeisterei einzureichen. Jeder Verkauf und jede tauschweise Veräußerung von Lebensmitteln ist verboten. Als Strafe für jede Vereitelung der Feststellung und Ablieferung wird unter anderem Einziehung des gesamten Vermögens vorgesehen. Weiter wird vorgesehen, daß eine Feststellung aller zu Ernährenden durch Anmeldung erfolgt. Die Durchführung der Volksernährung soll durch Kollektivspeisung, Zuteilung von Lebensmitteln auf Karten, und zwar ohne Bezahlung erfolgen. Die Bürgermeistereien werden angewiesen, eine Aufstellung der Lebenesmittel und der zu Ernährenden einzureichen und die Kollektiv= speisung einzurichten. In den Richtlinien für eine Notverordnung zur Sicherung des gegenwärtigen Eigentumsstandes wird vorgesehen, daß die Führung der... über alle vorhandenen Vorräte an verbrauchbaren, lebensnotwendigen Gegenständen, d. h. praktisch über den gesamten Ertrag des Volksvermögens und damit des Vermögens jedes einzelnen Volksgenossen verfügen darf. Bis zu anderweitiger Regelung soll es kein Privateigentum mehr geben. Dafür soll der gegenwärtige Vermögensstand durch Sicherung des Eigentums und Feststellung der berechtigten Ansprüche sichergestellt werden. Hierfür werden eine Reihe von Zwangsmaßnahmen vorgesehen, u. a. folgende: Untersagung von Zwangsvollstreckungen, Zinsenzahlungen, Mietzahlungen sowie eine amtliche Feststellung von Verbindlichkeiten u. Forderungen. In den Richtlinien für die Schaffung eigener Verwaltungseinrichtungen wird vorgesehen, die Einrichtung von Feldgerichten zur Aburteilung von Verstößen gegen den Befehl an die Bevölkerung und gegen die Notverordnungen sowie die Einrichtung einer Verwaltungsabteilung, die für die vorhandenen Behörden die Ministerien ersetzt und Entlassungen und Ernennungen von Beamten vorzunehmen hat. In den Richtlinien für eine Notverordnung über die nationale Arbeitsdienpflicht wird vorgesehen, daß jeder Deutsche(Nichtjude) männlichen und weiblichen Geschlechts vom 16. Lebensjahr zur Dienstleistung nach Anordnungen der Behörden verpflichtet ist. Der Anspruch auf Ernährung ist von der Erfüllung der Dienstpflicht bezw. von der Bereitschaft zu ihr nach den Entwürfen abhängig zu machen. Beutsches Reich Die Erhöhung der Umsatzsteuer. Die Korrespondenz Hofrichter meldet: Praktisch steht heute schon fest, daß die Erhöhung der Umsatzsteuer durch die Notverordnung kommt. Die offene Frage ist nur, o5 eine Erhöhung auf 1½ oder auf 2 Prozent vom Kabinett beschlossen werden wird. Von einer Umänderung des Umsatzsteuergesetzes im Sinne des österreichischen Umsatzsteuersystems, der sogenannten„Phasen=Pauschalierung“„wird man im Interesse einer schnellen Fertigstellung der neuen Vorlage Abstand nehmen. Fleischverbilligung und Brotpreisfrage. Nach Mitteilungen von sozialdemokratischer Seite hat die Reichsregierung in der Besprechung mit den sozialdemokratischen Fraktionsführern zugesagt, daß für Erwerbslose eine Fleischverbilligung um 30 Pfg. eintreten solle und daß auch in der Brotpreisfrage Maznahmen geplant seien, um den Brotpreis wieder zu senken. Von zuständiger Seite wird jetzt bestätigt, daß der Reichsernährungsminister dem Reichskabinett eine Vorlage zur Fleischverbilligung unterbreitet hat, die zurzeit Gegenstand der Kabinettsberatungen ist. Zur Brotpreisfrage habe der Reichsernährungsminister den Vertretern der Sozialdemokraten gegenüber betont, daß Maßnahmen in Aussicht genommen seien, die im Rahmen der jetzigen Preissenkungsaktion verwirklicht werden sollen. Es haudelt sich um die Aufhebung des Nachtbackverbots und um Einwirkungen auf dem Roggenmarkt. Zahlungsfrist für Aufwertungshypotheken. Die Verordnung des Reichspräsidenten über die Zahlungsfrist in Aufwertungssachen gibt den Schuldnern aufgewerteter Hypotheken die Möglichkeit, den Antrag auf Bewilligung einer Zahlungsfrist auch dann zu stellen, wenn ein früher gestellter Zahlungsfristantrag zurückgewiesen oder zurückgenommen ist. Die Nachholung und Erneuerung des Zahlungsfristantrags muß aber bis zum Ablauf des 30. November d. Is. erfolgen. Thüringen verbietet Umzüge und GeländeUebungen. Das thüringische Kabinett hat einer Verordnung zu gestimmt, die Umzüge unter freiem Himmel und Heländeübungen in der Zeit zwischen 5 Uhr nachmitlags und 7 Uhr früh verbietet. Dieses Verbot wird mit Wirkung vom 1. Dezember erlassen werden. Die Regierung verfolgt damit die Absicht, nicht den Eindruck zu erwecken, als sollten die am 29. November stattfindenden Wahlen zu den thüringischen Kreislandwirtschaftskammern durch die Maßnahme irgendwie behindert werden. Wegen unbefugten Waffenbesitzes verhaftet. Wie die Thüringische Polizeidirektion mitteilt, sind in Geschwenda Anhänger der Kommunistischen Partei nach Waffen durchsucht worden. Die Polizei beschlagnahmte eine Anzahl von Stockflinten, Revolver, liebungshandgranaten sowie eine größere Menge verbotener Schriften. Zwei Kommunisten wurden festgenonmen und dem Amtsgericht in Arnstadt zugeführt. echee 7 A auseinandergehen. Roman von J. Schneider=Foerstl. 23.)(Nachdruck verboten.) Er mußte sich erst entsinnen, als ihm eines Wintertages eine Dame gemeldet wurde, auf deren Karte er: „Raja Bosanyi“ las? Raja Bosanyi? Er ging ihr die Hälfte des Zimmers entgegen, sah unter schwarzen Schleiern ein schmales, durchgeistigtes Gesicht, das in dem seinen suchte, als ob es ein ganz anderes sei, als das, das in ihrer Erinnerung lebte. „Komme ich dir ungelegen, Bela? Ich ertrug es nicht mehr.“ Sie taumelte in den Stuhl, den er ihr zuschob und faltete die Hände in den Schoß.„Mater Dolorosa!“ so durchfuhr es ihn. Irgendwo hatte er einmal dieses Bild gesehen. Genau so, wie dieses junge Weib hier vor ihm saß, haftete es in seinem Gedächtnis.......girich dein Paias“ „Kann ich dir irgendwie behilflich sein, Rasa! fragte er.„Du siehst, ich bin nur noch ein halber Mensch, aber ich habe Verbindungen.“ Er hielt inne und sah auf den gesenkten Kopf, um den die Lichter des Abends spielten.„Vielleicht hast du Vertrauen zu mir.“ Sie suchte nach Atem.„Ich komme nicht darüber Hinweg.“. Szengeryi mußte sich erst besinnen, was sie meinte. Er wußte, daß sie Horvath geliebt hatte. Trotzdem fand er kein Wort des Trostes. Er war ganz ausgesogen vom eigenen Leid. „Vom Gericht wurde mir sein Testament zugeschickt,“ erzählte sie tonlos.„Das Kind ist Erbe.“ „Das Kind?“ Szengeryi ging durch Labyrinthe. „Ich weiß nicht, welches Kind du meinst?“ Das seine.,..... pugt. A e Er schüttelte den Kopf.„Ich wußte gar nicht, oaß er geheiratet hat. Es muß während meiner Abwesenheit geschehen sein. Wer ist seine Witwe? Szengeryi schlug sich an die Schläfen, schloß die Lider und ließ das Rot der scheidenden Sonne darauf brennen. Flammenbündel schossen über ihn hinweg. Dann wurde alles zu weißem, tanzendem Nebel, der ihn nach einer Stütze greifen hieß. „Wer hat euch getraut?“ „Niemand, Bela.“ Das Mädchen klammerte die Hände ineinander und sah in die Ferne.„Vater verwehrte mir seinen Segen und fliehen wollte ich nicht! Heute würde ich es tun— alles würde ich tun, was er von mir verlangt. Aber die Toten haben keine Wünsche mehr.“ Szengeryis Gesicht war vollkommen weiß. „Wenn es dich tröstet, Raja, daß ich dieselbe Qual erleide wie du—“ Ihre Rechte hob sich abwehrend.„Ich wollte keinen Trost, wie ich auch kein Vergessen möchte. Das Erinnern ist das einzige, das mir keiner nehmen kann. Ich möchte dich nur um die Adresse eines Anwalts bitten, um Guidos letzten Willen auszuführen. Er hat bestimmt, daß der Knabe seinen Namen trägt. Von den Zinsen des Geldes soll sein Unterhalt bestritten werden und später seine Erziehung. Bis zum zwölften Lebensjahre darf er bei mir bleiben.“ „Und dein Vater?“ Szengeryi hielt den Kopf zurückgelehnt und horchte auf das Knistern der Scheite, die im Kamin verkohlten. „Er weiß jetzt alles. Bis heute hat er die Ruhe des Toten mit keinem häßlichen Wort gestört.“ „Wir bereuen es immer erst, wenn es zu spät ist.“ Raja unterdrückte mit Gewalt das Weinen, das ihr in der Kehle saß. Er bat sie, sein Gast zu sein, solange sie in Wien zu weilen gedenke, klingelte nach Aga, die Török ihm überlassen hatte, damit er doch wenigstens einen mitfühlenden Menschen um sich wußte und drückte die Hände vor das Gesicht, als die Türe hinter Aga ins Schloß gefallen war. „Heute nacht, lieber Schatz, wenn die Sterne am Himmel steh'n, dann muß ich fort...“ Die Fenster mußten für einen Spalt offen gestanden haben, denn das Lied klang eben von der Straße herauf, wo eine Jugendgruppe vorüberzog. Szengeryi sprang hinzu und stieß sie in die Riegel, daß die Scheiben klirrten. „Morgen früh, lieber Schatz.. Aga fand, als sie eine Viertelstunde später wieder eintrat, ihren jungen Professor mit über den Schreibtisch geworfenen Armen, auf denen die schmalen Schultern zuckten. „Warum schreit man nach einem Menschen erst, wenn er nicht mehr erreichbar war? Von den Toten kommt keiner wieder.“ * Lord Calderon kniff die Visitenkarte, die ihm der Diener reichte, an den entgegengesetzten Ecken ein und hob die verkrümmte Schulter. Kenne ich: nicht!“ Das glattrasierte Gesicht neigte sich tiefer zu ihm herab.„Eure Lordschaft sollten sich den Mann ansehen und die Geige auch.“ „Du meinst also, daß es sich lohnt?“ „Ohne allen Zweifel, Mylord!“ „Hat er saubere Wäsche am Leib?“ „Sie ist ohne jeden Flecken.“ „Keine Schlagschatten unter den Fingernägeln?“ „Seine Hände sind sehr gepflegt.“ „Dann bring mich also hinüber!“ Der Diener trat hinter den gummigeräderten Fahrstuhl und schob ihn mit behutsamer Sorgfalt in das Empfangszimmer nebenan. Schweres Getäfel gab der Decke und den Wänden eine ernste Linie, die genau so streng gezeichnet war, wie die schmalen Lippen, die in dem pergamentenen Greisengesichte standen. „Mister Horvath, Mylord!“ Das Dienergesicht verschwand. Irgendwo krachte ein Stück der schweren Möbel. Der Fuß, der von der Türe her über den kostbaren Perser kam, riß keinen Laut in die Stille. „Guido Horvath, Lord.“ In dem farblosen Gesicht erwachten zwei Augen von graublauem Ton und falkenartiger Schärfe. „Gibt es nicht einen Geiger gleichen Namens?“ „Ich bin es selbst.“ „Und der andere, der in Sorrent den Tod fand?“ „Ist einer Person mit mir.“ Calderon schüttelte den Kopf und zeigte nach einem Stuhl.„Es spricht sich besser," beharrte er, als Horvath nur die linke Hand auf den Wulst der Lehne stützte.„Ich habe kein Recht zu fragen, weshalb Sie für die Mitwelt tot zu sein wünschen. Ich achte jeden Willen. Kann ich die Geige sehen, die Sie mir zum Kauf anboten?“ Horvath ging zu einem Tisch, der in der Nähe der Türe stand, nahm dort einen polierten Kasten auf und trug ihn zu dem Greis herüber. „Ah! John hat nicht zu viel gesagt. Man muß sie gesehen haben!“ Die brüchigen Finger strichen über das dunkelgeflammte Holz und ließen die Saiten leise anschlagen. In den dunkelblauen Augen erwachte das Begehren. Lord Calderon war ein Junggeselle und ein Sonderling und zwar einer von jenen, die mit zäher Verbissenheit Stücke bestimmter Gattungen von Dingen erwarben, ohne nach der Höhe des Preises zu fragen und sie dann in einen Heiligenschrein verschlossen, um anbetend davorzustehen und immer wieder neue Gesellschaft der bereits vorhandenen zuzuführen. Mit jedem Gegenstand, den er erwarb, wuchs sein Verlangen nach mehr. Es gab auf Schloß Port=Rush Zimmer, deren Wände aus chinesischem Porzellan bestanden und in deren Vitrinen chinesische Tassen, Vasen, Teller, Statuen, Schüsseln und Schalen sich häuften. Andere Räume wiederum waren mit alten Möbeln gefüllt, so daß man, wenn man von einem Zimmer in das andere trat, gewissermaßen den Fuß von einem Jahrhundert ins andere setzte. Calderons größte Sammlerleidenschaft aber waren die Geigen, sowohl solche, die Altertumswert be saßen, als auch jene, die nur deshalb eine Kost barkeit darstellten, weil die Hände eines Künstlers von Ruf sie zum Tönen gebracht hatten. Die Geige, die er jetzt behutsam aus dem blauen Samt des Kastens nahm und mit den Augen streichelte, wies beide Vorzüge zugleich auf: Ein Altertumsstück und dem Geiger Horvath gehörend, dessen Ruhm die ganze Welt erfüllte. „Ich kaufe sie!" Lord Calderon sah nur noch das Instrument und so entging ihm das Aufatmen des Künstlers.„Was verlangen Sie dafür, Mister Horvath?“ „Um Geldeswert ist sie mir nicht feil.“ „Wie dann?“ Calderons Gesicht riß sich von dem geflammten Holz los und hob sich zu dem schönen Männergesicht mit einem mädchenhaft weichen Mund empor. Seine Finger preßten sich fest um den Hals der Geige, als könnte deren Besitzer sie ihm unversehens aus den Händen winden und das Weite suchen.„Wie dann?“ fragte er ein zweitesmal. * 1 ** Die Finanzverhältnisse der Stadt Witten. Die Gehälter der Privalwirtschaft. Berlin, 27. November. In der Donnerstag=Sitzung des Haushaltsausschusses des Reichstags, in der Anträge über Beamtengehaltskürzungen zur Beratung standen, teilte im Verlauf der Aussprache über diese Anträge ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums auf Anfrage mit, es sei ihm nicht bekannt(!!), ob und welche Pläne die Reichsregierung hinsichtlich einer neuen Gehaltskürzung habe. Von den Christlich=Sozialen wurde beantragt, gegebenenfalls durch Notverordnung zu bestimmen, daß von Körperschaften des öffentlichen Rechts nicht höhere Gehälter als die der Reichsminister ausbezahlt werden dürfen. Nebenbezüge und Zuwendung jeglicher Art sollen 15 v. H. der Gehälter nicht überschreiten. Umgehungen seien unter Strafe zu stellen. Bei der Abstimmung wurde ein Antrag angenommen, der eine Aenderung der Notverordnung vom 6. Oktober in folgendem Sinne verlangt: Die Herabsetzung der Gehälter bei Einkommen über 12—20000 Mark mindestens 20 v.., bis 150 000 Mark 35 v.., bis 200 000 Mark 4 v.., bis 250000 Mark 45 v. H. und für noch höhere Einkommen 50 v. H. des über 12000 Mark hinausgehenden Betrages. Eine Herabsetzung unter 12000 Mark soll jedoch nicht erfolgen. Der erwähnte Antrag der Christlich=Sozialen wurde gleichfalls angenommen. Abgelehnt wurde ein von den im Ausschuß zur Zeit nicht vertretenen nationalsozialistischen Führern gingebrachter Antrag, Gehälter der leitenden Angestellten in der Privatwirtschaft nicht auf Kosten der Belegschaft bzw. der Allgemeinheit auf der heutigen Höhe zu halten, sondern den Gehältern der Beamten bis zu einem gewissen Grade anzupassen.— Am Freitag wird der Ausschuß Mitteilung der Regierung über die Winterhilfsmaßnahmen entgegennehmen. Appell an die Frauen. Beginn der Pariser Abrüstungskundgebung. Paris, 27. November. Der internationale Kongreß für die moralische Vorbereitung der Abrüstung, an dem 600 Delegierte aus 17 Ländern teilnahmen, wurde mit einer Sitzung eröffnet, die der Frage galt: Warum abrüsten? In dieser Richtung richtete die deutsche Delegierte Frau Dr. Lüders einen eindringlichen Appell an die Frauen der ganzen Welt, mitzuwirken bei der Besestigung des Vertrauens zum Frieden und des Glaubens an den Frieden, ohne die eine Wiederholung der Weltkatastrophen nicht verhindert werden kann. Ausgehend von der klassischen Formulierung des Verzichts auf den Krieg in der Präambel des Kellogg=Paktes, erinnerte Frau Lüders daran, daß mit diesem formellen Verzicht nur ein erster Schritt getan sei, der jedoch ohne die Niederlegung der Waffen den Frieden nicht verbürgen könne. Das wird solange unmöglich sein, als nach Hoovers Wort die öffentliche Ordnung der Völker auf der Furcht und nicht auf dem guten Willen aufgebaut ist. Verständnis und Achtung, freiwilliger Verzicht nicht nur auf das„Recht des Stärkeren“, sondern auch auf den moralischen Zwang, den man auf ein Volk ausgeübt hat, sind unerläßliche Voraussetzungen einer friedlichen und vertrauensvollen Gemeinschaft der Völker. Die Frauen müssen ihre Stimme in allen Staaten erheben, um den Staatsmännern, die noch unentschlossen zweifeln, und den Volksvertretungen, die noch ängstliche Berechnungen anstellen, verstehen zu geben, daß ohne Vertrauen kein Frieden bestehen kann. Ungarn vor dem Moratorium. London, 26. November.„Daily Telegraph“ meldet aus Budapest, die Finanzlage Ungarns sei so ernst, daß anzunehmen sei, daß Ungarn seinen Finanzverpflichtungen nicht mehr nachkommen könne und in naher Zukunft ein Moratorium erklären müsse. Die Bankiers in der City seien davon nicht vollständig überrascht, da vor einer Woche die ungarische Regierung die Inhaber der fällig werdenden Schatzwechsel, von denen ein Betrag von 1¾ Millionen Pfund in London gehalten würde, um Prolongation für drei Monate auf 6prozentiger Basis ersucht habe. S Gräßliches Doppelunglück. Zwei Motorräder gegeneinandergerammt, dann zusammen überfahren.— Tragödie um ein Pferd. Dolberg, 27. November. Gestern abend gegen 12 Uhr ereignete sich auf der Provinzial=Chaussee Dolberg—Beckum ein Unglücksfall. Als der Gutsbesitzer Alois Schulze Tenkhoff gegen 11.30 Uhr mit seinem Sohne nach Hause fahren wollte, war sein angespanntes Pferd vor der Wirtschaft Füchtemann verschwunden. Der Motorradfahrer Heinrich Stoffer aus Dolberg nahm die Verfolgung in der Richtung Beckum auf. Als Stoffer nach längerer Zeit nicht zurückkehrte, machte sich der Motorradfahrer und Bauunternehmer Gerhard Steinhoff aus Dolberg auf die Suche in der gleichen Richtung. Stoffer war in der Richtung Dolberg zurückgekehrt. In der Nähe des Hembergs prallten Stoffer und Steinhoff zusammen und blieben aus der Chaussee besinnungsios liegen. Der Wirt Clemens Füchtemann hatte auf der Chaussee ein Personenauto angehalten und fuhr auf die Suche nach den beiden Motorradfahrern. Um gleichsam die Tragik des Unglücks voll zu machen, wurden die beiden Motorradfahrer von dem Personenauto überfahren und erlitten schwere Verletzungen. Die Schwerverletzten wurden zum Krankenhaus Beckum übergeführt. Wer Schuld an dem Unglück trägt, kann z. Zt. noch nicht festgestellt werden. Unsere neue Abteilung Spielwaren ist eröffnet. Neue Spielwaren zu neuen Preisen! Aleberg& biann Wilten I. Bekanntlich war es in diesem Jahre den städtischen Körperschaften Wittens wie auch aller anderen Städte des rhein.=westf. Industriebezirks nicht möglich, einen ausgeglichenen Haushaltsplan zu verabschieden. Der von den städtischen Körperschaften beschlossene Haushaltsplan wies vielmehr einen ungedeckten Fehlbetrag von 1 941 955 RM. auf. Inzwischen haben durch gesetzliche Bestimmungen und Notverordnungen, ferner durch die allgemein sinkende Tendenz aller Einnahmen und die gleichzeitig steigende Tendenz der wichtigsten Ausgabepositionen innerhalb des Haushaltsplanes erhebliche Verschiebungen stattgefunden. Diese bestehen, wie eine Nachprüfung aller Einnahme= und Ausgabepositionen des Haushaltsplanes nach dem Stande vom 1. 11. 1931 seitens der städtischen Finanzverwaltung ergeben hat, im wesentlichen aus folgenden Veränderungen: I. Mehrausgaben und Mindereinnahmen. 1. Die städtischen Licht= und Wasserwerke werden infolge der sich ständig verschlechternden Wirtschaftslage den im Haushaltsplan vorgesehenen Ueberschuß nicht in vollem Umfange an die Stadthauptkasse abliefern können; man rechnet vielmehr mit einem Mindergewinn von etwa 150000 RM. 2. Bei fast sämtlichen Steuereinnahmen sind wesentliche Mindereinnahmen zu erwarten, insbesondere bei den Reichseinkommen= und Körperschaftssteuerüberweisungen. Diese waren mit 990000 RM. und 125000 RM. nach den damaligen Berechnungsunterlagen angesetzt worden; nach den neuesten Mitteilungen der Aufsichtsbehörde ist hier mit einem Ausfall von insgesamt 403000 RM. zu rechnen. Auch die sonstigen Steuern, wie der für allgemeine Zwecke bestimmte Hauszinssteueranteil, die Grunderwerbssteuer, die Wertzuwachssteuer, die Vergnügungssteuer usw. werden weitere fühlbare Ausfälle aufweisen. 3. An Ergänzungszuschüssen des Staates zu den Kosten der Volksschulen waren entsprechend den Ergebnissen früherer Jahre 78 500 RM. in den Haushaltsplan eingesetzt worden; es steht heute fest, daß mit einer Zahlung nicht zu rechnen ist. Desgleichen wird der für die höherer Stadtschule in Witten=Annen vorgesehene Ergänzungszuschuß von 10000 RM. voraussichtlich nicht eingehen. Totschlagsprozeß gegen die Dortmunder Nationalsozialisten. Hagen, 27. November. Im Prozeß Lampe und Genossen wurde mit der Vernehmung der Zeugen fortgefahren. Die aus Dortmund am Tage der Schießerei nach Hagen gekommenen SA.=Leute bekunden übereinstimmend, daß der Demonstrationszug der Nationalsozialisten am Spätmittag auf dem ganzen Wege vom Neumarkt bis zur Stadthalle immer wieder bedroht und belästigt wurde. Auch Tätlichkeiten sind vielfach vorgekommen. namentlich die Zeugen Reichstagsabgeordneter Better und SA=Führer Schepmann aus Hattingen gaben ausführliche Schilderungen dieser Anrempeleien. Durchweg alle Zeugen können nicht mit Bestimmtheit angeben, o5 einer der Angeklagten sich an dem Zug beteiligt hat oder abends in der Versammlung in der Stadthalle gewesen ist. Bezüglich der Schießerei in der Mittelstraße selbst erklären sie ebenfalls übereinstimmend, daß die Truppe der Nationalsozialisten von einer Volksmasse dicht gedrängt hinter dem Trupp hergegangen sei. Nach verschiedenen Zurufen aus der Volksmenge habe die Schießerei begonnen. Die Vernehmung des Schießsachverständigen Professor Dr. Brüning=Berlin ergibt, daß aus den Waffen der Angeklagten Nockemann und Holland nicht geschossen worden ist, ebenso aus einem russischen Trommelrevolver, der von der Anklage mit Hinrich im Zusammenhang gebracht worden ist. Nur aus der Pistole Lampes sei geschossen worden. Aus Hülsen bzw. Geschossen, die am Tatort gefunden wurden, ist zu schließen, daß zwei Personen aus 0,8=Pistolen geschossen haben, die eine mindestens sechsmal, die andere mindestens einmal. Ferner muß aus einer Waffe des Kalibers 7,65 geschossen worden sein. Diese letzten drei Waffen liegen jedoch nicht vor. Medizinalassessor Dr. Schulte sagt in seinem Gutachten über den Obduktionsbefund der bei der Schießerei Getöteten bzw. an ihren Verletzungen Gestorbenen: Emil Wagner hatte zwei Schüsse erhalten; Robert Ernst und Julius Lücke je einen. 4. Das Schwergewicht der Mehrausgaben liegt beim städtischen Fürsorgeamt. Die Ausgaben der wirtschaftlichen Fürsorge waren im Haushaltsplan veranschlagt mit 3307480 RM. Nach neuerer Berechnung werden aber nötig sein 4144 200 RM. Es entsteht also eine Mehrausgabe von rd. 835000 RM. Der Grund hierfür ist das über alles Erwarten starke Ansteigen der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen. Die untenstehende Uebersicht macht das deutlich. 5. Krisenfürsorge. Das gesetzliche Fünftel an den Kosten der Krisenfürsorge war im Haushaltsplan veranschlagt mit 280000 RM. Auch hier hätte der Ansatz nicht gereicht, weil die Zahl der Krisenunterstütznugsempfänger ständig weiter anstieg. Inzwischen ist aber noch eine wesentliche Aenderung dadurch eingetreten, daß die Reichsanstalt der Unterstützungsdauer in der Arbeitslesenversicherung um 4 bzw. 6 Wochen verkürzte. Die Dauer der Krisenfürsorge ist entsprechend verlängert worden. Bei dieser Sachlage müssen wir damit rechnen, daß der Anteil der Stadt 350000 RM. betragen wird, also 70000 RM. mehr als veranschlagt waren. Zu 4 und 5: Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge und in der Krisenfürsorge und voraussichtliche Weiterentwicklung bis zum Schluß des Rechnungsjahres: Am Tage der Eingemeindung betrug die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen 341, die Hahl der Krisenunterstützten 103. Die erste hat sich also etwa um das 14fache, die letztere um das 25fache erhöht. Weitere Ausführungen folgen in der nächsten Ausgabe. Geständnis des Försters Blinzlers. Stettin, 27. November. Die Frau des Gutsbesitzers von Henning ist, wie s. Zt. gemeldet wurde, am Totensonntag unter räteselhaften Umständen durch eine Selbstschußvorrichtung ums Leben gekommen. Die Stettiner Mordkommission, die an der Untersuchung dieses Falles arbeitet, gibt nun bekannt, daß der festgenommene Förster gestanden hat, das zur Tat benutzte Gewehr zwischen den beiden Bäumen, wo man die Vorrichtung fand, eingebaut zu haben. Sein Geständnis erfolgte, nachdem man bei ihm und in der Wohnung seiner Freundin außerordentlich belastendes Material, darunter auch einen Teil des Zwirnknäuels, gesunden hatte, der für die Selbstschußvorrichtung benutzt wurde. Die Mordkommission hat sich heute mit der Staatsanwaltschaft Greifswald in Verbindung gesetzt, um weitere Maßnahmen in die Wege zu leiten. * Operation unter Wieder Haftbesehl gegen Katzenellenbogen. Berlin, 27. November. Auf die weitere Beschwerde der Staatsanwaltschaft hat der Dritte Strafsenat des Kammergerichts beschlossen, daß der Generaldirektor der Schultheiß=Patzenhofer Brauerei, Katzenellenbogen, nicht gegen Sicherheitsleistung von 100000 Mark von der Untersuchungshaft verschont wird, sondern daß es bei dem ursprünglichen Haftbefehl des Untersuchungsrichters vom 16. November verbleibt. Die Vollstreckung des Hastbefehls kommt vorläufig niicht in Frage, da Katzenellenbogen in der Charité unter Polizeiaufsicht liegt und am Montag operiert werden wird. Ein westfälisches Dorf wandert. Ost=Kolonisation mit westsälischen Erwerbslosen=Familien. Der Großteil der Bewohner der Gemeinde Dahlhausen bei Beverungen i. 28. beabsichtigt, geschlossen auszuwandern und sich in einer anderen Gegend Deutschlands anzusiedeln. Hierzu werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Die Gemeinde Dahlhausen, die an der Eisenbahnstrecke Scherfede—Holzminden liegt und insgesamt 1700 Einwohner zählt, ist eine der ältesten Siedlungen in diesem Teile Westsalens. Ausnahmslos leben alle Einwohner von der Korbmacherei, die sie als Heimindustrie betreiben. Die Wirtschaftskrise hat es nun dahin gebracht, daß die Korbmacherei vollständig zum Erliegen gekommen ist. Seit Monaten ist nicht ein einziger Auftrag erteilt worden, so daß heute rund 95 Prozent der Bevölkerung auf Erwerbslosenunterstützung angewiesen sind. Die Not des kleinen Fleckchens wird immer unerträglicher, so daß sich bis jetzt etwa 50 Familien von insgesamt 300 entschlossen haben, gemeinsam auszuwandern und zu versuchen, in einem anderen Teile Deutschlands eine neue Heimat zu finden. Es sind Verhandlungen mit verschiedenen Siedlungsgesellschaften, darunter der Westfälischen Heimstättengesellschaft, aufgenommen worden, um geeignetes Siedlungsland zu beschaffen. Es ist daran gedacht, für jede Familie ein Wohnhaus und etwa 40 Morgen Land bereitzustellen. Die Verhandlungen sind jedoch bisher zu keinem positiven Ergebnis gelangt. Die Pläne werden gesördert durch die Reichssiedlerberatungsstelle Berlin. Es ist geplant, im Osten zur Siedlung geeignetes Gelände bereitzustellen. Es wird hier zum ersten Male das Experiment gemacht, eine landschaftlich geschlossene Gemeinschaft aus dem Westen im Osten seßhaft zu machen. also regelrechte Kolonisation zu betreiben. Aehnlich kiegen die Verhältnisse übrigens in der Gemeinde Lüchtringen, deren Bewohner einen Stamm von Ziegler= und Maurer=Spezialarbeitern bilden. Seit über zwei Jahren haben sie jedoch keine Arbeit mehr gefunden. Auch hier sind Verhandlungen zu einer Umsiedlung im Bange. Zeitgemäße Betrachtungen. (Nachdruck verboten.) Zum Häbent. Mag auch manche bange Klage Rings im Lande widerhallen, In das Dunkel dieser Tage Ist ein Strahl des Lichts gefallen Allen, die im Dunklen schreiten, Will er wieder Freude bringen Und aus unbegrenzten Weiten Tönt es her wie Glockenklingen.— Liegt so vieles auch darnieder Von des Unheils Macht getroffen, Der Adventstern leuchtet wieder, Daß wir glauben, lieben, hoffen Und er mahnt uns schon beizeiten, Daß wir auch in trüben Tagen Sammeln uns und vorbereiten Statt in Kleinmut zu verzagen.— Vieles ist zu überwinden, Gar zu trübe ist's auf Erden, Und die Hoffnung ist im Schwinden, Daß die Zeiten besser werden. Treu' und Glauben sind erschüttert In dem wirren Weltgetriebe Und die Menschen sind verbittert Und der Haß verdrängt die Liebe.— Muß es sein, daß sich die Leute * Gegenseitig tödlich hassen? Gilt nicht mehr der Grundsatz heute: Leben und auch leben lassen? Doch der Haß vergällt das Leben Und kann leider wenig nützen, Darum soll man friedlich leben Und sich gegenseitig stützen.— Daß es wieder vorwärts ginge Ist gewiß der Wunsch von allen, Doch noch gibt es viele Dinge, Die uns leider nicht gefallen; Was man hört ist wenig Gutes, Wos man sieht oft unerfreulich Und doch heißt es frohen Mutes Weiter streben und getreulich!— Auch in diesen trüben Zeiten Regen sich noch edle Triebe, Und nun gilt's sich vorbereiten Auf das Fest der Nächstenliebe. Möge Liebe wieder walten Und getreue Helfer finden, Daß wir jetzt zusammen halten, Um die Not zu überwinden. Und mag auch so manche Klage Rings im Lande widerhallen, In das Dunkel dieser Tage Ist ein Strahl des Lichts gefallen. Freude wird der Welt gegeben, Und der Mensch wird hilfsbereiter, Er verschönt sich selbst das Leben, Wenn er Wohltat übt. Ernst Heiter. Welnkachts Verlesung Verlangen Sie unsere Gratis-Lose Alsberg& Blank WiRteR . Denken Sie immer daran! Wo es gilt, Fett, Schmutz, Ankrustungen und sonstigen Schmier zu vertreiben, können Sie gar nichts besseres tun, als nach dem bewährten iMi zu greisen. Was es auch abzuwaschen und zu säubern gibt, das vielseitige iMi wird in jedem Falle seinen Mann stehen. Der Schmutz verfliegt, alles Fett weicht wie Butter an der Sonne. Und im Ubrigen: „Sauberkeit ist's halbe Leden.“ Die Doppelhochzeit der exotischen Fürstenkinder in Rizza. Nach der Trauung der Söhne des reichsten indischen Fürsten, des Rizam von Haidarabad mit den Töchtern des letzten türkischen Kalisen Abdul Medjid. Von links nach rechts: Prinz Azam Jah und seine Braut Prinzessin Durai Chevar. Sitzend: Abdul Medjid, der letzte türkische Kalis. Rechts: Prinzessin Rilufer Hanim Sultang und ihr Gatte Prinz Muzam Jah. Selten hat die Rivierastadt Nizza, der Luxus nicht ungewohnt ist, eine solche Prunkentfaltung gesehen wie bei der Hochzeit der jungene Prinzen von Haidarabad mit den Töchtern des letzten Kalisen der Türkei, Abdul Medfid. Die jungen indischen Prinzen gelten als die reichsten Erben der Welt. Der rätselhafte Tod der Frau von Die SweumAmint! am 28. Novembei 1906.— 25 jähriger Sedenktag. Von Wilhelm Wüstenseld, Witten. 35 Jahre waren nach dem Kriege 1870/71 durch das rheinisch=westfälische Industriegebiet gegangen. Jahre, in denen in heißer nie rastender Arbeit Technik und Industrie von einem Friedenssieg der Arbeit zum anderen geschritten waren, Errungenschaft auf Errungenschaft und Erfindung auf Erfindung brachen neuem Schaffen Bahn. Ueberall blühendes Industrieleben! Rechts und links der Ruhr erstand Zeche auf Zeche mit tiefer Wurzel sich in die Erde verankernd und hohem Förderturm in die von Arbeitsqualm und dem Schweiß hunderttausender schafsender Menschen getränkte Luft ragend. Menschen, Maschinen und Roburit brachen schwarze Kohle aus dem finsteren Leib der Erde und förderten sie zu Tage. Bis an den Rand des Haarstranges reichten die Zechen an der Ruhr. Die letzten und großen Zechen stunden in Annen und Witten, Hamburg und Franziska. Bei der Ortschaft Annen wurde ein Sprengstofflager eingerichtet, aus dem die Zechen des Industriegebietes mit Roburit zum Sprengen der Kohle versorgt wurden, sowie die Steinbrüche, die sich mit dem gefährlichen Sprengmittel in turmhohe Ruhrsandsteinselsen fraßen. Es war an einem klaren Novemberabend des 28. November 1906, als eine ungeheure Detonation das ganze Ruhrgebiet erschütterte. Steilauf schoß in Annen eine blutigrote steingetränkte Feuersäule zum Himmel. Wirre Schreie hilfloser, angstverzerrter Menschen zerreißen die Luft. Was war geschehen? Etwas bisher für unmöglich Gehaltenes, die große Roburit=Fabrik in Annen war mit gewaltigem Knall in die Luft geflogen und in Brand geraten. Aufgeregt und planlos liefen Tausende von Menschen im Umkreis von mehreren Kilometern fragend umher. Bis in Entfernungen von Kilometern waren Fensterscheiben von dem gewaltigen Luftdruck zerplatzt. In Annen und Witten war keine Scheibe mehr ganz. Da sprang wie ein Lauffeuer das Gerücht unter die Leute: Die Roburit=Fabrik in Annen ist explodiert. Kaum war die Ursache bekannt, so färbten sich die Zugangsstraßen nach Annen schwarz von Massen neugieriger Menschen, die zur Unglücksstelle eilten, um den furchtbaren Schreckensort zu sehen. Dicht vor der Ortschaft kamen den Neugierigen eine Anzahl Menschen entgegen, dürftig gekleidet, nur mit wenig Habseligkeiten beladen, die den Schreckensort fluchtartig verließen. Aus Nachbarorten eilte Polizei im Laufschritt und Feuerwehr mit Spritzen, Leitern und Rettungswerkzeugen zur Rettung der bedrohten Menschenleben und zu Hilfs= und Aufräumungsarbeiten herbei. Der Direktor des Werkes der Roburit=Fabrik, Dr. Kunz, der zur Zeit der Detonation im Theatér weilte, eilte sofort an den Ort des Unglücks. Ueber eine Stunde war vergangen, im weiteren Umkreis der Brandstätte hatte Polizei und Feuerwehr die Menschenmenge fortgedrängt, um weiteres Unheil zu verhüten, lagerten doch in einem brennenden Vorratsraum noch 300 Kisten Roburit. Dr. Kunz versuchte die aufgeregte Menge zu beruhigen und sagte, es sei nichts mehr zu befürchten. Gerade wollte er selbst in ein noch unversehrt gebliebenes Gebäude gehen als mit einem ohrenzerreißenden, furchtbaren Schlag der große Lagerraum mit den vielen Kisten Roburit in die Luft flog. Keine Fensterscheibe, kein Haus blieb in den nächsten Ortschaften unversehrt. Der Leiter der Fabrik, mehrere Arbeiter und Feuerwehrleute wurden unter den Trümmern begraben, von Steinen erschlagen; und viele, viele Menschen wurden verletzt, von dem Luftdruck gegen Mauern und Bäume gedrückt, von Steinen getroffen, stürzten sie zu Boden. Den in den vordersten Reihen Stehenden wurden buchstäblich die Kleider vom Leibe gerissen. Verheerend war die Wirkung der Explosion. Auf dem Bruch und der Ardeystraße wimmelte es nur so von wehklagenden Menschen. Mancher hatte das Gehör verloren und mancher auch den Verstand. Bis auf den Westenhellweg in Dortmund waren große Schaufenster zersplittert. Aus Göttingen wurde gemeldet:„Die Explosionskatastrophe in Annen wurde von dem Göttinger Seismographen als scharfes Erdbeben registriert. Es waren vier Erderschütterungen mit je 15 Sek. Dauer aufgezeichnet". Diese Tatsache beleuchtet am besten die furchtbare Gewalt der Explosion. Am Ort der Unglücksstelle errichteten hilfsbereite Menschen notdürftige Lazarette. Die Wittener Kranken= und Leichenhäuser mußten weit ihre Türen öffnen, um Verletzte und Tote aufzunehmen. Bald waren die Krankenhäuser überfüllt, sodaß die weniger Schwerverletzten zur Not in anderen Häusern untergebracht werden mußten. Die gesamte Aerzteschaft und auch solche aus Nachbarorten eilten herbei, um den verletzten Menschen Hilfe zu bringen. Nach den amtlichen Feststellungen wurden 41 Personen getötet und etwa 100 ganz erheblich verletzt. Die Leichtverletzten zählten in die Hunderte. Wohnungen in der Nähe der Fabrik mußten geräumt werden, zumal einige vollständig demoliert waren. Aus Annen schrieb man seiner Zeit:„Unser Ort bildet ein ganz trauriges Chaos“ Groß war die Aufregung und das Entsetzen, da noch weitere Explosionen erwartet wurden, die aber glücklicherweise ausblieben. Die Annener Zeitung schrieb am nächsten Tage über die Explosion:„Schon zweimal ist die Fabrik während ihres Bestehens vom Feuer heimgesucht worden, jedoch ohne daß eine Explosion erfolgte. Diesmal sollte es jedoch anders kommen. Nur wenige Minuten waren vergangen, als mit einer furchtbaren Detonation— es war, wie wenn Millionen Raketen zum Himmel stiegen — ein Magazin in die Luft flog und durch den Luftdruck sämtliche Fensterscheiben zertrümmerte. Beängstigt eilten die Bewohner auf die Straße, viele waren durch Glassplitter mehr oder weniger verletzt. Trotzdem schreckte die Wittener Feuerwehr nicht vor der furchtbaren Erschütterung zurück, sondern eilte zur Brandstätt=, viele Neugierige ihr folgend. An ein Löschen der gewaltigen Feuersbrunst war gar nicht zu denken. Da, kurz nach 9 Uhr, erfolgte eine zweite, noch weit gewaltigere Detonation. Wenn bei der ersten Detonation zum größten Teil nur Fenster beschädigt wurden, so war die Wirkung der zweiten weit verheerender. In der ganzen Umgegend ist auch nicht ein Haus, das nicht am Dach, an den Wänden oder Fenstern beschädigt ist. Schrecklich hatte die Explosion die in der Nähe der Fabrik stehenden Menschen zugerichtet. Während viele Menschen weit über Leichen, Bewußtlose und Verstümmelte hinweggeweht wurden und nur geringe Verletzungen erlitten, sah man wieder andere, denen die Kleidungsstücke in Fetzen vom Leibe hingen. Und dazu der Jammer. Ein schrecklicher, herzzerreißender Anblick!“ In der ganzen Welt erregte diese Explosions=Katastrophe großes Aufsehen. Viele Reporter eilten nach Annen, um Erkundigungen einzuziehen. Selbst der Kaiser schickte seinen Adjutanten zur Information und zur Uebermittlung einer größeren Spende für die vom Unglück Betroffenen. Der Erfinder des Roburits, Chemiker Dr. phil. Karl Roth, der bei der Einrichtung der Roburit=Fabrik die Leitung hatte und zur Zeit der Explosion in Frankfurt a. M. wohnte, schrieb am 2. Dezember 1906 der Frankfurter Zeitung eine Rechtfertigung für seine Schuldlosigkeit an dem Unglück, die gleichzeitig mit dazu beitragen sollte, die Ursache, die man bisher nicht gefunden hatte, (und die auch bis heute noch nicht einwandfrei festgestellt wurde), zu ergründen. Dr. Roth schrieb:„Nächst der tiefsten Teilnahme mit den beklagenswerten Opfern der Wittener Katastrophe und nächst dem Drang, den Inhalt werktätiger Menschenliebe an den noch vom Tode Bedrohten zu erschöpfen, rührt im Augenblick keine andere Frage so an unser Inneres, wie die nach der Ursache der verhängnisvollen Explosion. Dieser von der Wirkung zum veranlassenden Grund fortschreitende Verlauf des Empfindens und nach Erklärung suchenden Denkens, schon an sich der menschlichen Natur eingeboren, steigert sich natürlich mit den persönlichen Beziehungen, die den einzelnen mit dem substantiellen Erreger des Unglücks in Verbindung bringen. Dieser Träger des Unheils bei dem vernichtenden Ereignis aber ist der Sprengstoff Roburit, als dessen Erfinder ich wohl legitimiert bin, Betrachtungen über die mutmaßliche Veranlassung zur Explosion anzustellen.“ Er machte dann Ausführungen über den Werdegang des Roburits. Durch die Tatsache, daß früher durch Schießpulver und Dynamit im Bergbaubetriebe viele Menschenopfer gefordert waren, habe er im Jahre 1884 in Berlin, wo er als Sachverständiger der Chemie vereidigt worden sei, sich mit Versuchen befaßt, dem gefährlichen Verhalten der genannten Sprengmittel wirksam zu begegnen. Daraus habe sich nach dornenvoller Untersuchung als Ergebnis der Sprengstoff Rohnrit ergeben, der nur durch einen Detonator oder einen anderen brisanten Sprengstoff zu explosivem Zerfall gebracht werden konnte. Er schilderte und bewies dann weiter die Ungefährlichkeit des Roburizs, wie z. B. ein Blitz in ein Sprengstofflager eingeschingen sei, ohne Roburit zu entzünden.„Eine Roburit=Patrone könnte dem Fall eines Kruppschen Dampfhammers ausgesetzt werden, ohne daß sie darauf reagierte.“ „Nun wohl, mit den Worten schioß er seine Ausführungen,„inmitten des furchtbaren Ereignisses, dessen tieferschütterter und trauernder Zeuge ich sein muß, bleibt mir der eine Trost: Die Schuid meiner aus Mühen, Sorgen und Gefahren herzusgegebenen Erfindung war es nicht, daß Tod und Verderben unter meine unglücklichen Nebenmenschen getragen wurde“. Soweit sich die Untersuchungen nach der Ursache des Unglücks richteten, so wurde doch nie festgestellt, medurch die Explosion erfolgte. War das Roburit doch durch Feuer explosiv? Wurde ein Attentai verübt? Eine Antwort konnte man nicht geben. Groß war das Unglück, das viele, viele Menschen getroffen hatte, so groß mußte (Nachdruck verboten.) Ein Stern, der durch das Dunkel bricht Mit zauberhaftem, gold'nem Licht, Der leuchtend strahlt am Firmament: Das ist Advent! Ein Klang, so traut und wundersam, Der aus des Himmels Fernen kam, Ein Klang, den jede Seele kennt: Das ist Advent! Ein Traum von glückdurchsonnter Zeit, Voll Märchenglanz und Seligkeit, Worin kein Wünschen sehnend brennt: Das ist Advent! Ein Wunder, das zur Erde steigt Und uns die nahe Weihnacht zeigt, Das jede Zunge jubelnd nennt: Das ist Advent! Arno Jehring. * Advenk. Zum ersten Adventsonntag. (Nachdruck verboten.) Der erste Adventsonntag! An dem grünen Kranz im Zimmer brennt eine einzige Kerze und gibt seltsamgoldigen Schimmer in die Herzen Der vielzackige Stern, von innen erleuchtet, schwebt vom Getäfel der Kirche herab, leuchtet rein und klar und erweckt kindliche Träume und kindliches Empfinden. Ist denn die Zeit danach, das ganze Leben mit dem wild gesteigerten Tempo, den aufgewühlten Gefühlen, daß wir uns kindlichen Träumen hingeben? Schreit nicht dicht neben uns die bitterste Not um Hilse? Ist nicht die Arbeitslosigkeit, demoralisierend und zu Verzweiflungstaten treibend, durch alle Schichten der Bevölkerung gedrungen? Woher da Freude und Genießen? Erst recht wollen wir Advent feiern. Im Grundgedanken unserer Feste liegt so viel Tröstliches, Verheißungsvolles, daß, wollen wir uns recht hinein versenken, aller Kummer zusammenschrumpft und wir wieder kindliche Freude empfinden können. Zündet die erste Adventskerze an wie eine Hoffnungsfackel, die zu besseren Zeiten führen soll. Die frühe Dämmerung sinkt hernieder. Im Gewühl der Straße, mitten im Herzen der Großstadt, strahlt plötzlich an hoher, stattlicher Tanne ein Meer von Licht. Junge Menschenkinder stehen darum her um stimmen die lieben, alten Weihnachtsgesänge an, und dicht gedrängt harren die Vorübergehenden und horchen und lauschen Es ist ja Advent geworden auch im Treiben und Hasten, im Schachern und Rechnen des städtischen Lebens. Und die Herzen öffnen sich der Mildtätigkeit und spenden für die notleidende Jugend. Unsere Kinder freilich gehen unbeschwert durch die auch vie Hilse von Spenden und Sammlungen sein, um den Schmerz der Betroffenen zu stillen und den ungeheuren Schaden in etwa zu beheben. In der Geschichte der rheinisch=westfälischen Industrie wird der Tag des 28. November 1906 trotz dazwischen liegendem Weltkrieg und Revolution unauslöschlich und unvergessen bleiben. * Als die furchtbare Katastrophe in der Welt bekannt wurde, eilten sehr schnell viele Berichterstatter in unsere Ortschaft. U. a. kam auch ein Sonderberichterstatter der Frankfurter Zeitung, der über das Unglück in der Frankfurter Zeitung am 4. Dezember 1906(die Stadt Frankfurt war besonders an der Katastrophe interessiert, weil dort der Erfinder des Roburit Dr. Roth seinen Wohnsitz hatte D..) wie folgt berichtete: Das Unglück von Annen. Heute früh, in der klaren Dezembersonne, zeigte Annen ein erstaunlich viel freundlicheres Aussehen, als in der verzerrten Erregung und bei dem häßlichen Wetter der voraufgegangenen beiden Schreckenstage. Das große„Wetterschießen“ war vorüber, Regen und Sturm ausgetobt. Der Himmel und die Gesichter entwolken sich. Auf dem Markt haben zwei tapfere Hökerinnen ihren Gemüseplatz ausgebreitet, und auch ein Metzger hat sein Zelt aufgeschlagen. Freilich ist das Ganze immer noch ein recht armseliger Wochenmarkt.(Ist er früher immer gewesen, auch vor der Explosion. D..) Aber man bekommt doch wieder Nahrungsmittel, und der Mangel an frischem Fleisch und Brot ist behoben. Der Verkehr wächst stündlich und wird am morgigen Sonntag ungeheuerlich werden. Handwerker treffen truppenweise mit der Bahn ein, Werkzeug im Bündel, Glaser, Dachdecker, Schreiner, Bauarbeiter. Sie melden beim Bauamt, werden bezirksweise für die reichliche Arbeitsgelegenheit eingeteilt und sind guter Dinge. Ich begab mich morgenes nach Witten. Im Kontor der Roburitfabrik sprach ich, da Direktor Franke noch keine Besuche annehmen kann— seine Schulterblatt= und Rippenbrüche sind schwer, wenn auch nicht lebensgefähr: lich—, ein Mitglied des Aufsichtsrats, Richter=Hamburg. Er bestätigte auf meine Frage, daß die Bücher beschlagnahmt sind, d. h. daß ein Revisor sie prüft. Mit Entschiedenheit stellt er in Abrede, daß konzessionswidrige Fabrikationszweige von der Roburitfabrik betrieben worden seien. Die Vorsicht Frankes und auch des getöteten Chemikers Dr. Kunz sei so groß gewesen, daß derartige verbotene Handlungen ausgeschlossen erscheinen. Dr. Kunz habe ja selber nach der ersten Explosion erklärt, es bestehe keine Gefahr weiter, und daß er ein gutes Gewissen hatte, zeige der Umstand, daß er dabei blieb und sein Zutrauen dann mit dem Tode bezahlen mußte.(Von anderer Seite wird entgegnet, daß Dr. Kunz vielleicht grade durch seine unerschrockene Haltung eine umso schnellere, furchtlose Bekämpfung des Brandes habe bewirken wollen, weil er sonst weitere Explosionen befürchtete.) Chemische Versuche im Laboratorium mögen vorgekommen sein, aber nicht in rerbotenem Grade, sondern nur in der Art, wie in allen solchen chemischen Werkstätten üblich. Dynamitfabrikation verbotener Art habe die Roburitfabrik sicherlich nicht betrieben; dagegen würde schon der Dynamit=Trust eingeschritten sein, der ja an der Roburitfabrik beteiligt sei und sich doch nicht selber Konkurrenz machen werde. Seltsam aber erscheine, daß dem Chemiker Dr. Schmidt ein angeblich in der Nähe der Fabrik gesundenes Paket mit 5 Dynamitpatronen von einem Arbeiter oder Zuschauer eingehändigt worden sei. Bei den Patronen lagen zwei Zündschnüre, und diese waren schon mit Sprenglapseln versehen, und zwar waren die Sprengkapseln mit den Zähnen auf die Zündschnur geklemmt. Dieser letzte Umstand widerspreche der Annahme, daß vielleicht wie es ja sonst im Industrierevier möglich wäre, ein rechtmäßiger Besitzer das Paket verloren habe. Denn im Bergwerkbetrieb werden die Sprengkapseln auf den Zündschnüren nicht mit dem Gebiß, sondern mit einer eigenen Zange befestigt. Auf meine Frage, ob nicht der Verlauf des Unglücks, das mit dem Brande begann und eine Stunde später mit den Explosionen seinen Fortgang nahm, gegen einen verbrecherischen Anschlag und für eine normale Aufeinanderfolge von Brand und Explosion spreche, erwiderte der genannte Gewährsmann, man wolle gewiß keine Anschuldigung erheben, aber falls wirklich ein Verbrechen vorläge, wäre es ja auch nicht unmöglich, daß der Verbrecher den Brand gelegt habe, um damit das Verbrechen zu markieren. Nach dem Besuch im Kontor— ein Polizist macht an der Tür die Honneurs— machte ich die Gegenprobe auf diese Auskünfte von interessierter Seite und zog amtliche Erkundigungen bei der Wittener Stadtverwaltung ein. Oberbürgermeister Dr. Haarmann war mit dem Empfang des kaiserlichen Adjutanten v. Scholl beschäftigt, der heute nochmals in Witten und Annen Infermationen für den Kaiser sammelte. Immerhin wurde mir von zuständiger Stelle erklärt, daß die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei, und daß namentlich für ein Verbrechen keinerlei Beweise vorliegen. Vielleicht finden sich nähere Aufschlüsse, sobald die Trümmer endgültig abgelöscht und aufgeräumt sein werden, was hoffentlich im Straßen, schauen und staunen. Tannenzweige, bunte Sternc überall, und sabelhufter Reichium an Spielwaren und Lechkereien, daß vom Schauen schon das kleine Gemüt eine rechte Vorfreude erlebt. Wie soll es denn dann am Weihnachtsabend werden, wenn ein Teil dieser Wonne in die eigene Stube einkehrt? Erster Adventsonntag! Dein verheißungsvoller Schimmer hat es uns angetan! In all die Zimmer und Stübchen fällt der Schein deines Sternes. Da ist eine alte Frau— ganz allein haust sie, die Kinder fort, weit fort. der Mann gestorben. Sie hat sich einen Kranz in das Stübchen gehängt und das erste Licht daran entzündet: sie seiert die Tage bis Weibnachten im Gedenken an 10 die schönen Stunden ihres Lebens, die sich an die Weihnachtszeit knüpfen. Und dort, die junge Frau, die mit ihrer Hände Arbeit Mann und Kinder ernähren muß, da der natürliche Ernährer feiert, sie tröstet sich und die Ihren mit der Freudigkeit, die sie den lieben alten Gebräuchen der glücklichen Kinderzeit entnimmt. Und dort. der junge, ach, so verbitterte Mann! Haß wurde ihm eingeimpft, und mit Haß schaut er das Leben und seine Mitmenschen an. Aber auch in sein Herz fällt ein warmer Strahl weihnachtlicher Liebe; auch er zündet die einsame Kerze an, und es wird licht in seiner Seele! Wollten doch die Menschen bedenken, daß nicht Geld und Gut glücklich macht. Wohl ist die Not ein schlimmer Gast; doch rechte Liebe weiß auch sie zu bannen. Und das lehrt uns der Adventsstern. Laßt die Kerzen der Liebe erstrahlen und denkt nicht nur eigenfüchtig an euch selbst und eure Not. Wie nach der dunkelsten, hoffnungsLaufe des heutigen Tages geschehen kann. Aus den beschlagnahmten Büchern werde sich ergeben, ob die Roburitfabrik Stoffe bezogen hat, die nicht für die ihr konzessionierte Roburitfabrikation nötig sind. Die bis auf weiteres nächstliegende Annahme müsse die natürliche sein, daß der Brand irgendwie durch Unvorsichtigkeit entstand, etwa am Heizkessel oder sonstwie, und daß dann das Roburit, das ja nach der Behauptung der Sachverständigen sonst ohne Explosion abbrennt, dies. mal durch den Umstand explodierte, daß irgend ein vielleicht an sich zu unbedenklichen Experimenten vorhandenes Sprengmittel durch den Brand zum Bersten kam und nun auch das Roburit mitriß. Man müsse also die unbefangene amtliche Untersuchung abwarten, ohne vorher nach irgendwelcher Richtung anzuklagen oder abzuurteilen. Bei der Gelegenheit erkundigte ich mich bei dem städtischen Finanz=Dezernenten, Beigeordneten PfeifserWitten, nach den Hilfsmaßnahmen der Gemeinde. Er teilte mit, daß die Stadt Witten nicht nur Mk. 20 000.— gestern sofort bereitgestellt hat, sondern auch erbötig ist, im Notfall die doppelte und dreifache Summe herzugeben. Sie hofft freilich auch auf die Beihilfe anderer Städte und Finanzkräfte, ebenso wie Witten stets bei auswärtigen Notständen Hilfe gespendet hat. Die Roburitfabrik hat 20000 Mark für die Opfer der Katastrophe gezeichnet, der Dynamit=Trust 25,000 Mark, soviel wie der Kaiser, das Wittener Gußstahlwerk 5000 Mark, die Essener Kreditanstalt 5000 Mark. Aber was bedeuten alle solche Summen gegenüber den Millionenverlusten? Die private Wohltätigkeit muß in großem Zuge beistehen. Denn der Fiskus ist nicht haftbar, die Stadt Witten als Konzessionserteilerin nach§ 60 der Gewerbeordnung ebenfalls nicht, die Versicherungsgesellschaften scheiden für diesen Explosionsfall aus der Haftpflicht, die Roburitfabrik, G. m. b.., hat nur Mark 300 000.— Kapital, das zum Teil in der zerstörten Fabrikanlage steckte; von ihrem auf Mk. 60000.— geschätzten Vermögen hat sie Mk. 20000.— hergegeben; die 40000,— Mark, die sie vielleicht noch besitzen mag, spielen keine Rolle im Verhältnis zu dem Riesenschaden. Bei dieser Sachlage wird die Bevölkerung umsomehr zu der Ansicht kommen, daß vom schwerreichen Kartell der Pulver= und Sprengstoff=Fabriken weit tiefer in den Säckel gegriffen werden muß, als das bis jetzt geschehen ist. Se gefährliche und einträgliche Unternehmungen haben nach dem hier allgemein verbreiteten Gefühl die moratische Pflicht, bei Katastrophen dann auch zu leisten, was irgend sich durch Geld gutmachen läßt. Unglück und Gefahr sind überstanden, nun muß noch ihr schlimmstes Gefolge, die Not überstanden werden.“ * Auf den Gedächtnisgottesdienst, der heute abend um 8 Uhr in der evang. Kirche stattfindet, wird nochmals hingewiesen. Herr Pastor Brasse wird die Ansprache halten. Die ganze Gemeinde ist herzlichst eingeladen. Schweres Gasunglück. Zwei Frauen im Badezimmer tot aufgesunden. CastropRauxel, 27. Novbr. Im Hause Grüner Weg 14 im Stadtteil Obercastrop ereignete sich in der Nacht zum Freitag ein schweres Gasunglück, bei dem zwei Frauen den Tod sanden. Gegen 0,30 Uhr fand der nach Hause zurückkehrende Sohn seine Mutter, die 43 Jahre alte Witwe Elisabeth Tenges, sowie seine Verwandte, die 32 Jahre alte Ehefrau Elisabeth Reinhartz aus Herne=Holthausen, im Badezimmer tot auf. T. benachrichtigte sofort die Kriminalpolizei, die noch im Laufe der Nacht die Untersuchung einleitete. Wie die Feststellungen ergaben, sind die beiden Frauen einem Unglücksfall zum Opfer gefallen. Sie wurden durch aus dem Badeosen ausströmendes Gas getötet. Die Witwe T. erhielt am Nachmittag den Besuch der Ehefrau R. Vor dem Zubettgehen wollte diese noch ein Bad nehmen. Während Frau Reinhartz badete, hielt sich Frau T. vermutlich in einem anderen Zimmer auf. Der Wohnungsinhaberin fiel es dann auf, daß die Badende nicht zurückkehrte. Sie ging ins Badezimmer und sand dort ihre Verwandte in der Badewanne liegend tot auf. Hier wurde sie ebenfalls durch Einatmen der giftigen Gase getötet. Das Unglück entstand durch Ausströmen von Gas aus dem Badeosen. Der Osen ist vermutlich desekt geworden, ohne daß Frau R. beim Baden etwas davon merkte. Durch das in kurzer Zeit tödlich wirkende Kohlenoxydgas wurden dann auch Frau T. getötet. Die Leichen der beiden Frauen wurden beschlagnahmt. ärmsten Zeit in der Natur die Sonne doch siegreich emporsteigt, so wollen auch wir die Kerzen einer neuen Hoffnung entzünden. Durch Nacht zum Licht! Regina Berthold. — * 1 Baptistengemeinde Witten=Annen Erlenschule, Holzkampstraße. Sonntagvormittag, 10,30 Uhr Sonntagsschule. Dienstag 8 Uhr Bibelstunde. * Neu=Apostolische Gemeinde Witten=Annen. Annen: Holzkampstraße, Erlenschute(Zeichensaal). In Witten: Sonntag vormittag.30 Uhr; nachm. Uhr. Mittwoch abend 8 Uhr. Provinz=Nachrichten Menglinghausen, 27. November.(Beim Auswechseln eines Wagenrades) fiel dem Ackerknecht Hermann R. die Achse mit der Wagenlast auf den Fuß. R. erlitt schwere Quetschverletzungen und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Arnsberg, 27. Novemher.(Zum Mord an dem Privatförster Stock.) Zum Mord an dem Privatförster Stock in Frenkhausen(Amt Freienohl) werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Förster hatte sich mit seinem Jagdhund ins Revier begeben. Als gegen Mittag der Hund allein nach Hause zurückkehrte, benachrichtigte seine Frau sofort die Polizei, die mit dem Hund ins Revier ging und bald den Erschossenen auffand. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei, die sich sofort zum Tatort begab, kann nur Mord in Frage kommen. Es wird angenommen, daß die Tat von Wilderern verübt worden ist. Häussuchungen bei den als Wilderer im Bezirk bekannten Personen ergaben noch keine Anhaltspunkte dafür, ob der Mörder in diesen Kreisen zu suchen ist. Kleinere Munitionsbestände wurden von der Kriminalpolizei sichergestellt. Essen, 28. November.(Zwei Schülerinnen überfahren.) Die 8 Jahre alte Schülerin Maria Kuhn und die neunjährige Grete Klassen, die sich auf dem Wege zur Schule befanden und auf dem Bürgersteig gingen, wurden von einem Personenkraftwagen, der auf den Bürgersteig geriet, überfahren. Während die Klassen mit leichteren Kopfverletzungen davonkam, trug die Kuhn schwere Kopfwerletzungen davon. Außerdem wurde dem Kinde der linke Arme abgefahren. Es wurde dem Krankenhaus zugeführt, wo es hoffnungslos daniederliegt. Wuppertal, 27. November.(90000 Mark Geldstrafe für Arbeitslose.) Das Wuppertaler Schöffengericht verurteilte drei Arbeitslose aus Elberfeld zu Geldstrafen von je 30000 Mark und je zwei Monaten Gefängnis, weil sie belgische Zigaretten geschmuggelt hatten. Die Angeklagten waren mit einem Auto in die Eifel gefahren und hatten von dort 30000 belgische Zigaretten mitgebracht. Auf der Straße zwischen Hilden und Haan erlitt das Auto eine Panne und schlug um. Dabei flogen die Zigaretten auf die Straße. Bremke, 27. November.(500 Weihnachtsbäume gestohlen.) In einer der letzten Nächte wurden in den Wäldern des Besitzers Koch über 500 Weihnachtsbäume von unbekannten Tätern abgesägt und mit einem Wagen abgefahren. Oerlinghausen, 26. Novbr.(Riesiger Brandschaden.) Wie nachträglich noch gemeldet wird, fielen dem Feuer in der Möbelfabrik Müller nicht weniger als tausend Schlafzimmereinrichtungen zum Opfer. Auch die Maschinen und das Fabrikgebäude wurden restlos vernichtet. Wie verlautet, soll die Fabrik so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden. Duisburg, 28. November.(Sie konnten die Miete nicht bezahlen.— Allgemeiner Bau= und Sparverein Groß=Duisburg in Konkurs.) Der Allgemeine Spar= und Bauverein Groß=Duisburg e. G. m. b.., dessen Mitglieder sich in der Hauptsache aus Arbeitern und Angestellten zusammensetzt, ist in Konkurs geraten. Der Verein besitzt 20 Häuser mit 105 Wohnungen. Der Zusammenbruch ist darauf zurückzuführen, daß die Mitglieder nicht mehr in der Lage waren, die Mieten zu bezahlen, da sie auf den jetzt stillgelegten Werken in Meiderich und Ruhrort beschäftigt waren. Die Abwanderung in kleinere billigere Wohnungen führte dazu, daß bald zahlreiche Wohnungen des Bauvereins leer standen. Düsseldorf, 27. Novbr.(Warenhausdiebinnen gefaßt.) Im Warenhaus Tietz wurden beim Diebstahl 3 Frauen abgefaßt und festgenommen. Die Ermittlungen ergaben, daß die Festgenommenen in letzter Zeit wiederholt gleichartige Diebstähle ausgeführt haben. Koblenz, 27. Novbr.(Neue Mosel=Brücke.) Der Kreditausschuß der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten in Berlin hat beschlossen, für den Bau der neuen Koblenzer Moselbrücke ein Darlehen von 562 500 RM. zu bewilligen. Dadurch ist die endgültige Finanzierung des Bauwerkes, das auf 5,2 Millionen veranschlagt worden ist, sichergestellt. Man rechnet damit, daß mit den Arbeiten schon in den ersten Tagen des Januars begonnen werden wird. Trier, 27. November.(Gerissener Leitungsdraht tötet einen Passanten.) Als am Donnerstag abend der 23= jährige Franz Clüsserath und der 14 Jahre alte Lehnert im benachbarten Moselort Piesport über die Straße gingen, riß ein Draht des elektrischen Leitungsnetzes und fiel auf die beiden herab. Clüsserath wurde sofort getötet, Lehnert erlitt lebensgefährliche Verletzungen. 148 Falle von Amtsverbrechen eines Obergerichtsvollziehers. Der Obergerichtsvollzieher Karl Rottmann aus Lünen, ein Mann von 49 Jahren, der sich seit 14. Juli 1931 in Untersuchungshaft befindet, hatte sich vor dem Dortmunder erweiterten Schöffengericht wegen Amtsvergehens in zusammen 148 Fällen zu verantworten. Die Anklage warf ihm vor, zu Olpe in den Jahren 1924 bis 1929 und zu Lünen in den Jahren 1930 und 1931 als Beamter, der zur Aufnahme öffentlicher Urkunden befugt ist, innerhalb seiner Zuständigkeit rechtliche Tatsachen von Erheblichkeit vorsätzlich falsch beurkundet zu haben, öffentliche Register und Bücher falsch geführt und ihm anvertraute oder zugängliche Urkunden vorsätzlich vernichtet, beiseite geschafft oder verfälscht zu haben, in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen. In seiner früheren Amtstätigkeit in Olpe(Westfalen) waren über seine Amtsführung schon so zahlreiche Beschwerden erfolgt, daß er im Disziplinarwege vom Oberlandesgericht Hamm am 30. 11. 29 strafweise nach Lünen versetzt wurde, bei einer Gehaltskürzung um monatlich 40 Mark auf die Dauer eines Jahres. Er ist seit 1. 4. 1921 als Beamter planmäßig angestellt und war vor seiner Tätigkeit bei der Justiz etatsmäßiger Feldwebel gewesen. Seine wirtschaftlichen Verhältnisse waren in Unordnung geraten, der Alkohol, dem er oft und reichlich zusprach, hatte ihn auf die abschüssige Bahn gebracht. Schließlich konnten die Verspätungen in der Ablieferung von Geldern, die Unordnung in den Vollstreckungsangelegenheiten usw. nicht mehr mit bloßer Nachlässigkeit erklärt werden. Der Verdacht, daß er die Gelder absichtlich zurückbehalte, um sie für sich zu verwenden, erwies sich als begründet. Am 2. 4. 1931 wurde beim Landgerichtspräsidenten Anzeige wegen Verbrechens im Amte erstattet. Nach weiteren Verfehlungen untersagte der Landgerichtspräsident am 21. 4. 31 vorläufig die weitere Ausübung des Dienstes durch R. und leitete gegen ihn das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung ein. Dies Disziplinarverfahren ruht einstweilen bis zur Erledigung des Strafverfahrens. Von den 148 Fällen werden nur etwa 30 verhandelt, weil ohnehin fortgesetzte Handlung angenommen werden muß. Es sind 30 Zeugen zu vernehmen. Aus aller Welt Strafantrag gegen Gevering. Berlin, 26. Novbr. Der nationalsozialistische preußische Landtagsabgeordnete Kube hat beim Oberstaatsanwalt 1 Berlin Strafantrag gegen den preußischen Innenminister Severing„wegen Gefangenenbefreiung und Störung einer Amtshandlung der Berliner Polizei“ gestellt. Er begründet diesen Antrag mit den Vorgängen nach dem Vortrag des Ministers am 24. November. Eine unglückliche Mutter. Berlin, 27. November. Das Schwurgericht III hat Frau Kläre Fabian wegen versuchten Totschlages an ihrem 10jährigen Sohn Horst zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Da der Angeklagten die Untersuchungshaft angerechnet und für die Reststrafe Bewährungsfrist zugebilligt wurde, hob das Gericht auch den Haftbefehl auf. Als Milderungsgründe sah das Gericht die Tatsache an, daß die Angeklagte über ihre unglückliche Ehe und über die Trennung von ihrem Sohne so erregt gewesen sei, daß sie sich und dem Kind ein Schlafmittel einflößte, um aus dem Leben zu scheiden. Der Hehler der Juwelendiebe. Berlin, 27. November. Mitte November wurde ein hiesiger Juwelier bestohlen. Er hatte in seinem Auto einen Koffer, in dem sich für 50000 Mark Kostbarkeiten befanden. Er ließ das Auto auf einer Geschäftsfahrt auf der Straße stehen. Als er zurückkehrte, war der Koffer gestohlen. Jetzt sind zwei Hehler ermittelt worden, die einen Teil der Diebesbeute für 300 Mark gekauft hatten. Die Sachen wurden in ihrer Wohnung beschlagnahmt und die Hehler wurden bestraft. Güterzugunfall.— Zwei Tote. Dresden, 26. Novbr. Heute mittag kurz vor 1 Uhr ist zwischen Oberschaar und Oberdittmannsdorf der Nahgüterzug 1102 mit Lokomotive und vier Güterwagen entgleist und umgestürzt. Die Strecke ist auf 6 Stunden gesperrt. Die Ursache des Unfalles ist noch nicht ermittelt. Der Lokomotivführer und ein Lokomotivheizer sind tot; ein Schaffner ist verletzt. Bankdirektor seit einigen Tagen vermißt. WTB. Magdeburg, 27. November. Seit einigen Tagen wird hier der Abteilungsdirektor bei der Deutschen Bank und Discontogesellschaft, Dr. Wehmann, vermißt. Der Grund des Verschwindens ist noch nicht bekannt. Nach einer Erklärung der Bank sollen geschäftliche Unregelmäßigkeiten nicht die Ursache sein. Könis Alsons reist nach München. Paris, 26. Novbr. Der ehemalige König von Spanien, Alfons, hat heute Fontaineblau verlassen, um sich zu einem dreitägigen Aufenthalt nach München zu begeben. Amerikanische Kunstbegeisterung. London, 27. November. Der englische Künstler John hat heute für die erstaunliche Summe von 165.000 RM. den Auftrag erhalten, die Porträtgruppe eines amerikanischen Politikers und seiner Familie zu malen. Der Name des Auftraggebers wird nicht genannt. Die Presse bezeichnet dies als den höchsten Preis, der jemals einem lebenden Künstler geboten worden ist. Mussolini verbietet Ueberstunden. Rom, 27. November. Mussolini hat die Ministerien und die Verwaltungen der Provinzen, der Gemeinden, der halbstaatlichen oder der einer Regierungskontrolle unterworfenen Gesellschaften angewiesen, von nun an bis auf Widerruf ihrem Personal Ueberstunden, Sonntagsund Feiertagsarbeit zu untersagen, um die Arbeitslosigkeit zu lindern. Französischer 200=Millionen=Kredit für Polen? Warschau, 26. November. Wie in gut unterrichteten politischen Kreisen gerüchtweise verlautet, hat Außenminister Zaleskt während seines Aufenthaltes in Paris offenbar nicht ohne tatkräftige Unterstützung des französischen Finanzministers Flandin einen Anleihevertrag abgeschlossen. Die Anleihe in Höhe von 200 Millionen Franken(rund 70 Millionen Zloty) soll demnächst in Form eines Bankkredits von der Bank von Frankreich an die Bank Polski überwiesen werden. Dieser Bankkredit soll, wie es heißt, u. a. auch den Zweck haben, der Bank Polski die Rediskontierung von Sowjetwechseln in Polen zu ermöglichen. Die Anleihe wird von polnischen Wirtschaftskreisen als Unterstützung für die sowjetrussischpolnischen Lieferungsverhandlungen, die augenblicklich in Gang zu sein scheinen, begrüßt. Gerichtliches Nachspiel eines Schulstreiks. Essen, 26. November. Bilder größten sozialen Elends wurden in einer Verhandlung gegen etwa 50 Angeklagte vor dem Einzelrichter aufgerollt. Die Angeklagten hatten gegen ein polizeiliches Strafmandat wegen Schulversäumnis ihrer Kinder Einspruch erhoben und begehrten richterliche Entscheidung. Zur Verhandlung stand der Schulstreik an Essener Schulen im Juli und September dieses Jahres, der zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Schulunterrichts führte. Insgesamt wurden etwa 900 Eltern mit Strafmandaten bedacht. Erschütternd waren die Aussagen eines Schulleiters. Nach seinen eidlichen Bekundungen kommt eine große Anzahl Schulkinder ehne Frühstück zur Schule, so daß sie dem Unterricht nicht folgen könnten. Häufig erbrächen die Kinder, aber es zeigten sich keine Speisereste. Bei Regenwetter nähmen die Schulversäumnisse erschreckenden Umfang an. Der Grund liege darin, daß viele Kinder kein Schuhzeug besäßen und mangelhaft bekleidet wären. Von 165 Kindern seiner Schule könnten nur fünf an der Schulspeisung teilnehmen. Die Verhandlung jedes einzelnen Falles bestätigte im großen und ganzen die Aussage dieses Lehrers. Entsprechenden Vorstellungen des Elternbeirats bei der Stadtverwaltung mußte ein Erfolg, ob ohl der Schuldezernent die Berichtigung der Wünsche der Eltern anerkannte, versagt bleiben, weil es an den nötigen Mitteln fehlt. Das Gericht kam in allen Fällen, in denen die Eltern die Schulversäumnis auf große wirtschaftliche Not zurückführten, zu einer Freisprechung bzw. stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. Nur in einigen Fällen, in denen die Angeklagten offen zugaben, ihre Kinder aus Protest gegen die Not nicht zur Schule geschickt zu haben, wurden Geldstrafen bis zu 100 Mark verhängt. Richter und Staatsanwalt erklärten übereinstimmend, dafür zu sorgen, daß diese Strafen im Gnadenwege erlassen würden. Zum Kampf im Schutzverband der deutschen Schriftsteller. " Jakob Schaffner, der Vorsitzende des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller, gegen den die Ortsgruppe Berlin einen Mitztrauensantrag durchsetzte. Innerhalb des Schutzverbaudes haben sich rechts= und linkspolitische Oppositionsgruppen gebildet, die einander so scharf bekämpfen, daß ein Zerfall dieser Berufsorganisation droht. Sport. Märkischer Turngau, 3. Bezirk der D. T. Tus Rüdinghausen 1— WV. Sprockhövel 1. Rüdinghausen konnte im letzten Pflichtspiel die Polizei überlegen schlagen, es dürfte daher auf eigenem Platz in Rüdinghausen nicht schwer fallen, Sprockhövel zu bezwingen, die auf einem großen Platz mehr leisten ale auf einem kleinen Platz. Schiedsrichter: Knoop, TV Bommern. Anwurf 15 Uhr. Tus Grundschöttel 2 Eintracht Annen 1. Hier handelt es sich um das interessanteste Treffen in der Bezirksklasse. Auf eigenem Platze werden die etwas schwächeren Turnerspieler aus Grundschöttel unbedingt auf einen Sieg kämpfen, der ihnen jedoch, wenn überhaupt, nicht leicht fallen wird. Eintracht Annen hat in der Vorspielrunde viel Pech gehabt, indem ihm vier wertvolle Punkte trotz Kampfgewinne abgesprochen werden mußten. Die Mannschaft bietet jedoch die Gewähr dafür, daß sie trotzdem die Spitze erreichen wird. Schiedsrichter: Bönning, Schwimmverein Wengern. Anwur' 13,50 Uhr. Gesellschaftsspiele: Jahn Anen 1— Tgd. Wetter 2. Anwurf 14,45 Uhr. Diese vorstehenden Spiele finden am kommenden Sonntag statt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Kirche Annen. Heute(Samstag) abend 8 Uhr Gedächtnisgottesdienst zum 25. Jahrestage der Roburitkatastrophe unter Mitwirkung des Gemischten Chores, Pfr. Brasse.— Sonntag morgen.30 Uhr Gottesdienst Pfr. Bartelworth; 11 Uhr Kindergottesdienst; 12.15 Uhr Taufen. 10 Uhr Gottesdienst im Borbachheim mit anschließendem Kindergottesdienst, Pfr. Müller. Sonntag abend 8 Uhr Lichtbildervortrag im Vereinshause. Thema:„Der Ansturm der Gottlosen gegen Familie und Kirche"(veranstaltet von der evgl. Schulgemeinde.— Montag abend 8 Uhr Versammlung des Jungmädchenvereins und Gesangstunde des Frauenchors.— Dienstag abend 8 Uhr Uebungsstunde des Kirchenchors.— Mittwoch abend 8 Uhr Gesangstunde des Gemischten Chors und Bibelbesprechstunde in der Jungmännerabteilung.— Donnerstag nachmittag 3 Uhr Versammlung der Frauenhülfe.— Bezir! Borbach: Donnerstag abend 8 Uhr Jungmännerabteilung. Donnerstag abend.30 Uhr Jungmädchenverein. Evangelische Kirche Rüdinghausen. Sonntag vorm. 10 Uhr Gottesdienst, 11.15 Uhr Katechisation der Konfirmanden und Katechumenen. Am Montag um.30 Uhr Versammlung des Jungmännervereins im Vereinshaus. Am Dienstag um 4 Uhr Frauenchor im Vereinshaus Rüdinghausen. Mittwoch Kirchenchor.— Donnerstag Versammlung des Frauenvereins Schnee um 5 Uhr bei Reidt.— Freitag abend um 8 Uhr Versammlung des Jungmädchenvereins in Pfarrhaus. Evangelische Kirche Stockum. Sonntag vorm. 10 Uhr Gottesdienst, Pastor Harney. 11.15 Uhr Kindergottesdienst; 12.15 Uhr Taufen; 20 Uhr Christliche Gemeinschaft.— Mittwoch 20 Uhr: Posannenchorübung.— Donnerstag 16 Uhr Frauenverein. Die Vorbereitung des Kindergottesdienstes fällt aus.— Freitag 20 Uhr: Jungmädchenverein.— Samstag 20,30 Uhr Jünglingsverein. ** 0 Uee 0 Das geht blitzschnell! Angebrannte, angetrocknete Speiserests, Fett und Schmutz beseitigt(D ohne jede Mühe. Silberhell strahlt Aluminium! 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Es sei kindisch, zu behaupten, Deutschland habe seine Mark zu seinem Vergnügen entwertet. Der französische Ministerpräsident habe es unterlassen, gewisse Finanzund Wirtschaftsprobleme, namentlich die, die sich aus der Entwertung des Pfund=Sterlings ergeben, zu regeln. Hiernach wurde die Sitzung kurz nach 7 Uhr unterbrochen und eine Nachtsitzung auf.30 Uhr abends angesetzt. Als erster Redner in der Nachtsitzung hielt Franklin=Bouillon wieder eine seiner leidenschaftlichen Brandreden gegen Deutschland. Er warf Briand vor, daß er diesem Lande Milliarden geliehen habe, obwohl in Deutschland die Revanche vorbereitet werde. Brüning sei nur ein Schatten und hänge von Hitter ab. Zu Laoal sagte er: Ich habe Sie gekannt, wie Sie als Sozialdemokrat im Kriege über den Kopf der Regierung hinweg verhandeln wollten und uns geraten haben, zum Kongreß der Internationale nach Stockholm zu gehen. Ueber Wiggin sagt er: Das ist der Mann, der Deutschland gezwungen hat, Kredite anzunehmen. Schließlich sagt Franklin=Bouillon, man könne Deutschland nicht retten. Deutschland müsse sich selber retten. Er fragt: Wozu sollen wir die deutschen Finanzen retten, wenn morgen Brüning verschwindet und Hitler kommt. Wir haben auch England fünf Milliarden gegeben und haben das Pfund nicht gerettet. Das Hoover=Moratorium sei Frankreich von der Wallstreet diktiert— der Ministerpräsident fordert den Redner auf, sich zu mäßigen, er schädige die Interessen Frankreichs—, Laval gehöre zu den Desaitisten, die sich im Kriege für die Entsendung der sozialistischen Delegation nach Stockholm einsetzten. Deutschland müsse zuerst Zahlungswillen bekunden, aufhören zu lügen und seine Bilanz zu sälschen, es müsse sein Budget in Ordnung bringen und Sicherheit geben, daß nicht Frankreichs Hilfe zu guter Letzt noch in die Hände einer Hitlerregierung käme. Die Sozialisten rufen dem Gegner einige Schmeicheleien entgegen, die ihn zu wilden Entgegnungen veranlassen. Minutenlang ist der Lärm so groß, daß kein Wort zu verstehen ist. Einige Deputierte ahmen Tierstimmen nach, offenbar um sich verständlicher zu machen. Nach kurzer Rede des Abgeordneten Fabry, der militärische Niederhaltung Deutschlands fordert, und nach einer Pause beginnt die interessanteste Szene, der Angriff des Sozialisten Blum gegen die Regierung. Blum bringt die Regierung in äußerste Verlegenheit durch seine präzisen Fragen, deren wichtigster Teil leider Javag-Prozeß. Frankfurt a.., 28. November. Im Favag=Prozeß werden weiterhin komplizierte Einzelfälle, die zu langen und schwierigen Erörterungen über Buchungsfragen Anlaß geben, verhandelt; beschaldigt ist Sauerbrey der Untreue. Das alte Bild. Im Vordergrund stand ein Fall, in dem Sauerbrey als Prokurist der Favag sich selbst in seiner Eigenschaft als Besitzer der Norden Verwaltungs GmbH. über die von ihm als Bankdirektor geleitete Südwestdeutsche Bank (letztere war nach Sauerbrey nur Zwischenstelle) einen gar nicht oder nur höchst mangelhaft(durch noch nicht einmal gedruckte Aktien der Lämmerspieler Metallwarenfabrik) gedeckten Kredit von 20000 Dollars gewährte. Eine dabei von Sauerbrey geleistete Unterschrift erkennt der Angeklagte zwar an, behauptet aber, den Inhalt des Briefes nie gelesen zu haben; es sei das eine von den 300 bis 400 Unterschriften pro Tag gewesen, die er auszuführen gehabt habe, und die, soweit man es ihm als wichtig vorlegte, rein manuell von ihm geleistet worden seien. Ein Dokument sei so über das andere gelegt worden, daß nur der Platz für die Unterschrift frei lag. Während der Unterschriftsleistung habe er mündlich über andere Dinge weiter verhandelt; wegen des Inhalts der Schriftstücke habe er sich eben auf seine Beamten verlassen. Die Sache mit den 20000 Dollars datiert vom Juni 1929, also aus der Zeit unmittelbar vor dem Zusammenbruch, in welcher die moralische Devastierung im Favag=Konzern ihren Höhepunkt erreicht hatte. Daß er als Prokurist der Favag über 20000 Dollars für sich selbst disponiert habe, sei gar nichts Besonderes gewesen, ser wie auch Becker hätten über Millionen disponieren können. Es sei eine reine Legende, wenn jetzt gesagt würde, bei allen Geschäften über 20000 Mark hinaus, hätten bei der Favag zwei Vorstandsmitglieder ihre Zustimmung geben müssen. Daß er gegen die Absichten Beckers in dieser Sache gehandelt hat, gibt Sauerbrey zu, aber„er, Becker, habe manchmal sixe Ideen gehabt, er, Sauerbrey, hätte Becker später schon wieder herumzekriegt!" Becker hatte nämlich verboten, im Zusammenhang mit der Lämmerspieler Metallwavenfabrik irgendwelche Geldgeschäfte aus der Südwestbank zu machen. Sauerbrey verteidigte in dem Falle des 20000Dollar=Besitzes seine Position sehr energisch und lebhaft. verwahrte sich gegen die Ansicht, daß er an Becker eine Erpressang habe verüben wollen; er konnte aber schließlich doch nicht über das höchst komplizierte Geldgeschäft keinen hinreichenden Aufschluß geben. Als ein Sachverständiger in die Verhandlung mit positiver Fragestellung gegenüber Sauerbrey eingriff, kam es 10 einem eigentümlichen Zwischenfall. Der unbeantwortet bleibt. Er weist der Regierung Punkt für Punkt nach, daß sie mit zwei verschiedenen Maßstäben mißt, je nachdem sich es um Frankreich oder Deutschland bei finanzieller Sanierung handele. Wichtig ist seine ins einzelne gehende schlagfertige Auseinandersetzung mit dem ebenfalls nicht ungeschickten Finanzminister Flandin. Nach Blum ist nämlich die günstige Wirkung des HooverMemorandums durch das französische Feilscheu zunichte gemacht worden. Flandin erwidert darauf, Dr. Schacht hätte durch seinen Feldzug in Amerika den deutschen Kredit untergraben. Das Hoover=Memorandum sei das volle Eingeständnis der deutschen Zahlungsunfähigkeit gewesen. Seit Verkündung des Hoover=Memorandums habe die Welt das Vertrauen zu Deutschland verloren und die Kredite abberufen. Blum verweist darauf, daß die Börse zunächst auf das Hoover=Moratorium mit größtem Optimismus reagierte. Aehnlich wird Laoal in die Enge getrieben mit seiner These von den kurzfristigen Privatschulden und Reparationen. Laval erklärt: Der Brief der deutschen Regierung ist ein einseitiger Willensakt Deutschlands. Das Stillhalteabkommen muß zwischen den deutschen Schuldnern und den Gläubigern abgeschlossen werden. Die Regierungen geht es nichts an. wenigstens Frankreich wird sich weigern, darüber mit Deutschland zu verhandeln. Blum erwidert: Dann ist unsere These verloren. Wir werden zu spät kommen. Laval antwortet: Ich habe nicht gesagt, daß die Regierungskonferenz oder die Sachverständigen sich nicht mit den kurzfristigen Schulden befassen dürfen, insbesondere mit der Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit. Mit den Worten:„Ich bin befriedigt“, hat sich Laval von Blum gefangen nehmen lassen. Ironisch schließt Blum: Wir werden gegen die Regierung stimmen, oft rettet man auf diese Weise die Regierung. Auf die Frage, was nun Frankreich zu tun gedenke, wenn Deutschland nicht zahle oder nicht zahlen könne, ob die Regierung die Ruhr od. Mainz besetzen oder das Saargebiet behalten wolle, bleibt Laval die Antwort schuldig. Mit Herriot, der dann kommt, verliert die Debatte an Niveau. Er ergeht sich in Gemeinplätzen, protestiert gegen die Prosperitätsphrase, die unter Tardieu umging, jammert über die schlechte französische und die gute deutsche Zahlungsbilanz und fordert in der Abrüstung eine internationale Armee. In der Abstimmung wird der sozialistische Mißtrauensantrag mit 325 gegen 240 Stimmen, der radikale Mißtrauensantrag mit 310 gegen 265 Stimmen abgelehnt. Der Vertrauensantrag der Regierungskoalition wird mit 325 gegen 150 Stimmen angenommen. Um 3 Uhr nachts strömen die Deputierten und ihr weiblicher Anhang. der auf den Tribünen der Debatte gefolgt war, wie das Publikum nach einer Theatervorstellung in die Privatwagen und Taxi, die die Kämpfer heimbringen. Die Debatte hinterläßt den Eindruck, daß die Deputierten mehr mit Innenpolitik und Wahltaktik beschäftigt sind, als mit Außenpolitik. Verteidiger Sauerbreys erinnerte den Sachverständigen an ein angebliches„gentlemen agreement“ zwischen Sachverständigen, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, wonach der betreffende Sachverständige, gegen den ursprünglich ein Ablehnungsantrag von einem Verteidiger Mädies vorgelegen habe, in seiner Anteilnahme am Prozeß sich auf rein buchmäßige Fragen beschränken solle. Gegen diese Abmachung habe der Sachverständige mit seiner Fragestellung an Sauerbrey verstoßen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Abmachungen bezögen sich auf ganz andere Dinge als auf den Fall Sauerbrey. * Im Favag=Prozeß wurde zum ersten Mal der Angeklagte Fuchs vernommen. In dem Falle, der heute zur Sprache kam, wird Fuchs in Gemeinschaft mit Sauerbrey der Vorwurf der handelsrechtlichen Untreue gemacht. Es stellte sich bei seiner Vernehmung heraus, daß er von den Pflichten und Rechten eines Vorstandsmitgliedes einer Aktiengesellschaft keine Ahnung hatte. Bezeichnend war die Erklärung seines Verteidigers, Fuchs sei Vorstandsmitglied geworden und wüßte selbst nicht wie. Sauerbrey bezeichnete die Entnahme der 5000 Mark, die mit Einverständnis von Becker und Dumcke erfolgt war, als eine Weihnachtsgratifikation. Aus aller Welt Selbstgestellung des Wahnsinnigen. CRB. Berlin, 27. November. Auf dem 130. Polizeirevier stellte sich heute nachmittag gegen 5 Uhr der frühere Bankbeamte Lehnert ohne Kopfbedeckung und ohne Mantel und verlangte seine sofortige Festnahme. Aus seinen Reden war zunächst nicht klug zu werden. Als er aber ein blutiges Schlachtmesser mit abgebrochener Spitze aus der Brusttasche seines Jacketts zog, wußten die Beamten, daß sie Lehnert vor sich hatten. Eine Vernehmung mit ihm durchzuführen ist unmöglich. Der Geisteskranke erzählt, daß er zwei Frauen niedergestochen habe. Sein Magen sei hypnotisiert, er habe furchtbare Kopfschmerzen usw. Lehnert wird noch heute einem Gerichtsarzt zugeführt werden. Zusammenstößze in London. 20 Verletzte. London, 27. Novbr. An drei verschiedenen Stellen der Stadt kam es heute zu Zusammenstößen, als die Polizei, entsprechend einem kürzlich vom Polizeipräsidium ergangenen Befehl, Redner, die Arbeitslose vor den Arbeitsämtern aufhetzten, am Weiterreden verhindern wollten. Die Menge bewarf die Polizei mit Flaschen und Steinen. Die Beamten zogen die Knüppel und zerstreuten die Menge zusammen mit berittener Polizei. 20 Personen, darunter mehrere Polizisten wurden verletzt und mehrere Personen verhaftet. Das Reichsjustizministerium über die Vorfälle in Hessen. Berlin, 27. November. Das Reichsjustizministerium äußert sich heute in einer längeren Erklärung über die Vorfälle in Hessen. Die Art des Verfahrens habe in der Presse eine Reihe von Mißverständnissen hervorgerufen, die zu Angriffen gegen die beteiligten Stellen geführt hätte. In dem Interview des Oberstaatsanwalts seien Dinge herausgelesen worden, die man nicht habe herauslesen dürfen. Vor allem müsse betont werden, daß es sich entgegen der vielfach verbreiteten Auffassung nicht um abschließende Stellungnahme des Oberreichsanwalts gehandelt habe. Der Reichsjustizminister habe den Oberreichsanwalt um einen Bericht über die Angelegenheit gebeten, der inzwischen eingegangen sei. Danach habe der Oberreichsanwalt in seinem Interview rein theoretisch gesprochen. Er habe u. a. zum Ausdruck gebracht, daß das Schriftstück allein wohl kaum einen genügenden Beweis dafür werde erbringen können, daß der Verfasser und die Beteiligten eine gewaltsame Beseitigung der Staatsgewalt herbeiführen wollten. Aus der Präambel gehe schon hervor, daß er selbst gar nicht die Beseitigung der Staatsgewalt beabsichtigt habe. Der Oberreichsanwalt habe alsdann hinzugefügt, daß unter Umständen die Untersuchungen über die Art der Abfassung des Dokuments und der späteren Uebergabe an die Beteiligten durchaus Dinge ergeben könnten, die diese Lücke des Nachweises schließen könnten und daß sich dann herausstellen würde, ob die Präambel eine andere Auslegung erfahren könne. Das festzustellen müsse die weitere Untersuchung ergeben. Das sei, so wird vom Reichsjustizministerium anschließend erklärt, der Sinn der Erklärung gewesen, die der Oberreichsanwalt abgegeben habe. Von einer abschließenden Stellungnahme könne demnach nicht die Rede sein. Die in einem Berliner Blatt aufgestellte Behauptung, daß die Behandlung des Verfahrens auf ausdrückliche Anweisung des Reichsjustizministeriums zurückzuführen sei, wird an zuständiger Stelle als völlig unzutreffend bezeichnet. Der Oberreichsanwalt habe den Reichsjustizminister vorgestern lediglich davon unterrichtet, daß bereits am nächsten Tage eine eingehende Vernehmung in der Sache erfolgen werde. Oberreichsanwalt Werner hat übrigens auch dem hefstschen Innenminister ein Schreiben übersandt, in dem der genaue Sachverhalt dargestellt wird. In diesem Schreiben bezeichnet der Obereichsanwalt vor allem die ihm unterschobene Aeußerung als unrichtig, daß ein mysteriöser Weg dazu geführt habe, daß Dr. Schäfer sich statt an die hessischen Stellen nach Frankfurt am Main gewendet habe. Der Interviewer habe gefragt, wie es komme, daß sich Preußen mit der Sache befasse und nicht Hessen. Er, der Oberreichsanwalt, habe darauf erwidert, daß Dr. Schäfer von irgendeiner Stelle— er wisse nicht welcher — an die Frankfurter Behörden verwiesen worden sei. Tatsächlich sei der betreffende Berater eine Privatperson gewesen, nämlich ein Redakteur einer großen Frankfurter Zeitung. Das habe Schäfer bei seiner Vernehmung in Leipzig schon bestätigt. In dem ganzen Interview sei irgendein versteckter Vorwurf weder gegen den hessischen Innenminister noch gegen die Frankfurter Polizei oder eine andere Stelle enthalten. * Schäfer mit 15 Monalen Gefängnis vorbestraft. Weimar, 27. November. Zu der Erklärung der Gaupressestelle der NSDAP. Darmstadt über die Person Dr. Schäfer wird auf Befragen von der Justizpressestelle Weimar mitgeteilt, daß es sich nach Rückfragen bei der zuständigen Stelle in Darmstadt um den am 24. 9. 1896 in Frankfurt a. M. geborenen Dr. Karl Schäfer handeln könne. Schäfer sei vom Schöffengericht Weimar am 5. 2. 1931 wegen Wechselfälschungen zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Auf die Strafe seien ihm sechs Monate Untersuchungshaft angerechnet worden. Für die restlichen neun Monate habe er Bewährungsfrist erhalten. Auch die Angaben der Darmstädter Stelle über die geistige Minderwertigkeit Schäfers sollen sich mit den in Weimar bei der Untersuchung Schäfers gemachten Tatsachen decken. Er sei der psychiatrischen Klinik in Jena zur Beobachtung überwiesen worden, da er zu seinem Schutz den§ 51 in Anspruch genommen hätte. Das Gutachten habe dahin gelautet, daß der Schutz, des§ 51 nicht in Frage kommen könne, daß aber verminderte Zurechnungsfähigkeit bei Schäfer festzustellen sei. Schäfer verleidigt Berlin, 27. November. Dr. Schäfer, der das Boxheimer Schriftstück den Behörden übergeben hat, veröffentlicht in der„Vossischen Zeitung“ eine sehr ausführliche Erklärung, in der er gegenüher den„persönlichen Beschimpfungen“ und der Verfemung, denen er nun ausgesetzt sei, die Gründe seiner Handlungsweise auseinandersetzt. Gegenüber den versönlichen Vorwürfen fordert er lediglich, daß die Bank genannt werden soll, die von ihm Wechsel ankaufte und sie nicht prüfte, ferner, daß die Ankäufer der Wechsel genannt werden sollen. Keine Bank in der ganzen Welt, so behauptet er, habe gegen ihn jemals einen Strafantrag wegen Wechselfälschung gestellt. Er bestreitet auch, falsche Angaben über seine Personalien gemacht zu haben. Zu einem Landtagsmandat habe er sich niemals gedrängt. Die schon Ende 1930 mündlich entwickelten wirtschaftlichen Pläne Bests habe er in einem Schreiben vom 30. Juli 1931 an die Gauleitung als wirtschaftliches Verbrechen bezeichnet. Die Spannung zwischen ihm und Best wuchs ständig. Als Hauptanlaß bezeichnet er eine geheime Besprechung am Tage seines Austritts aus der Partei, in der u. a. Prinz August Wilhelm von Preußen den Reichspräsidenten als einen Verräter an seinem Vater bezeichnet habe. Es liege ihm vollkommen fern, Hitler Kenntnis von diesen Dingen zu unterstellen. Aber es gebe schon viele kleine Hitler in Deutschland, die eine ungeheure Gefahr bedeuteten. An Hitler unmittelbar habe er sich nicht wenden können, da Befehl vorhanden sei, daß man dies nur über die Gauleitung tun könne. Best gebzu, daß Piychopathen und stark vermindert Zurechnungsfähige als besonders erfolgreich in der RSDAP. gelten könnten. Mit dieser Logik schlage die NSDAP. ihren Anhängern selbst ins Gesicht.„Soll irgendein Vorbestrafter zusehen, wie systematisch das Volk mit Phrasen vernebelt wird?“ Snnerbreh gewührt sich sklost 80000 Krevil. die über Millionen„disponieren“. hessische Vorstellungen beim Reichskanzler. Von der Pressestelle der hessischen Regierung wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: „Die durch die Telegraphen=Union verbreitete Erklärung des Oberreichsanwalts hat am Freitag zu einem Schritt der hessischen Staatsregierung beim Reichskanzler geführt. Im Auftrage der hessischen Staatsregierung, insbesondere des hessischen Innenministeriums, ist am Freitagnachmittag der hessische Gesandte beim Reichsjustizministerium und Reichskanzler vorstellig geworden wegen der Behandlung, die die Hochverratsangelegenheit des hessischen nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten und Amtsanwalts Werner Best in formeller wie sachlicher Hinsicht durch den Oberreichsanwalt in der Presse erfahren hat. Man darf annehmen, daß dabei auch auf die Stellungnahme des Oberreichsanwalts bei den entscheidenden Besprechungen im preußischen Ministerium des Innern zu der Haussuchungsaktion hingewiesen wurde. Reiches Winterhilfe. Dietrich und Schiele im Haushaltsausschuß. Berlin, 28. November. Im Haushaltsausschuß des Reichstages sprach u. a. auch Reichsfinanzminister Dietrich über die Winterhilfe wobei er erklärt, die Regierung sei bereit, eine Verbilligung der für die Ernährung notwendigen Produkte zu ermöglichen und teilte mit, daß sich einige Reviere bereit erklärt haben, Lohlen umsonst zur Verfügung zu stellen, andere lieferten sie zu verbilligten Preisen. Das Reich sei bereit, noch 12 Millionen Mark bereitzustellen, um die freiwillige Aktion der Kohlensyndikate zu verstärken. So werde es möglich sein, die zwei Millionen Tonnen die von den verschiedenen Revieren angeboten würden, noch einmal um 6 Mark pro Tonne zu verbilligen. In der Brotpreisfrage sei eine Verbilligungsaktion im Gange, ebenso bei den Kartosseln. Die Lage der viehproduzierenden Landwirtschaft sei katastrophal geworden. Die Reichsregierung sei bereit, für die Verbilligung des Fleisches 15 Millionen RM. aufzuwenden, damit die Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung mit billigem Fleisch für die Dauer von drei Monaten sichergestellt sei. Reichsernährungsminister Schiele wies darauf hin, daß zur Verbilligung der Kartoffeln im Interesse der Minderbemittelten und Erwerbslosen in Berlin bereits Abmachungen zwischen dem Groß= und Kleinhandel getroffen worden seien. Die Minderbemittelten erhielten bei den Kleinhändlern Kartoffeln zu einem um 85 bis 90 Pfennig je Zentner verbilligten Satz. Beim Brotpreis sei, vom Beispiel Berlins ausgehend, in fast allen Großstädten eine Preissenkung für die Erwerbslosen eingetreten. Neueste Nachrichten Groener spricht im Rundsunk. Berlin, 27. November. Reichsminister Dr. Groener spricht am Sonntag, 29. November, nachmittags 6,30 Uhr im Rundfunk über das Thema„vom Glauben an Deutschland". Die Ansprache wird auf alle deutschen Sender übertragen. Nachverhandlungen für den Ruhrbergbau. Berlin, 27. Novbr. Die vorgesehenen Nachverhandlungen für den Ruhrbergbau beginnen am Sonnabend vormittag um 10,30 Uhr im Reichsarbeitsministerium. Immunität Ladendorfis aufgehoben. Berlin, 27. Novbr. Die Immunität des Abgeordneten Ladendorff(W..) wurde im Landtag entsprechend dem Antrag des Geschäftsordnungsausschusses aufgehoben. Die„Behala“ beurlaut Schüning. Berlin, 28. November. Der Aufsichtsrat der Berliner Hafen= und Lagerhaus.=G. hat beschlossen, den Generaldirektor Schüning bis zur völligen Klärung der in Sklarek=Prozeß gegen ihn erhobenen Vorwürfe von der Führung der Geschäfte zu entbinden. Verhinderte Zwangsversteigerung. Lauenburg(Elbe), 27. Novbr. Zu einer bei den Hofbesitzern Schulz und Haak in Juliusburg wegen rückständiger Steuern angesetzten Zwangsversteigerung waren etwa 300 Landleute unter Mitführung einer schwarzen Fahne erschienen. Trotz mehrfacher Aufforderung wurde aber kein einziges Gebot abgegeben. Dagegen sang die Menge nationalsozialistische Kampflieder. Die Versteigerung mußte ohne Ergebnis abgebrochen werden. Kassenbote um 6000 Mark beraubt. Harburg=Wilhelmsburg, 27. November. Ein Kassenbote der Oelwerke Schindler wurde heute nachmittag von Passanten auf der Straße verletzt aufgefunden. Der Bote war in der wenig begangenen Straße überfallen, mit einer Eisenstange niedergeschlagen und seiner Aktentasche mit rund 6000 Mark Lohngeldern beraubt worden Die Täter sind noch nicht ermittelt. 2 französische Militärflieger in Marokko von Eingehorenen getötet. WTB. Paris, 28. November. Aus Kasablanka wird gemeldet, daß ein französisches Militärflugzeug mit einem Leutnant und einem Unteroffizier an Bord in der nichtunterworfenen Zone in der Atlasgegend notlanden mußte. Die beiden Flieger wurden von den Eingeborenen trotz verzweifelten Widerstandes niedergemacht. Feuer auf einem irischen Kanaldampfer. WTB. Lancaster, 28. November. Im Hasen von Heysham ist an Bord des irischen Kanaldampfers„Duke=asLancaster“ 2 Stunden vor seiner Ausfahrt aus noch unbekannter Ursache Großfeuer ausgebrochen. Das Schis ist bereits leck und neigt schon nach einer Seite. Die Passagiere haben mit ihren Sachen das Schiff verlassen und werden auf einem anderen Dampfer befördert. Neue Flugleistung. Der Südatlantik ohne Zwischenlandung überquert. Der australische Flieger Hinklee, der am 25. Novem. der nachts von Port Natal in Brasilien abgeslogen war. ist in St. Louis(Französisch=Westafrika) eingetrossen. Er hat damit als erster Flieger den füdlichen Atlautik ohne Zwischenlandung in dieser Richtung überflogen. Gaduig Liohelkump im Alter von 85 Jahren. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. witten-Annen, Castrop-Rauxel 1, Essen, Bochum und Witten, den 28. November 1931. Die Beerdigung findet am Dienstag. 1. Dezember nachm. 3½ Uhr vom Sterbehause, Erlenweg 34, aus statt. Trauerfeier ¼ Stunde vorher. statt. 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Da dieser Teimin der letzte Zahlungstermin in diesem Jahre ist, sind die rückständigen Beittäge für 1931 zu entrichten. Mitglieder, welche ihren Verpflichtungen in diesem Zahlungstermin nicht nach jekommen sind, werden gestrichen und haben kein Anrecht mehr an die Kasse. Der Vorstand. Gemäß§ 8 des Gesetzes über die vorläufige Regelung der Gemeindewahlen ist vom Magistrat festgestellt worden, daß als Ersatzmann für den Lehrer Bruno Heitzwebel der im Wahlvorschlag Nr. 2(S. P..) aufgeführte Bergmann August Schmölter, Witten, Am Borghol: Nr. 13 in die Stadtverordneten=Versammlung eintritt Gegen das Ergebnis dieser Feststellung kann binnen 2 Wochen nach Bekanntmachung bei uns Einspiuch erhoben werden. Witten, den 27. November 1931. Der Magistrat. 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