Kolgrn ere jedermann zu tzl. Gebühren e nur denk Waren und rto# chen, die erlegt werden ven hoie Gnlehung inne-Eickel denburgstr. 304 De Kolpimgotr. üngang auch kolpingstraße inet 8½ bis 12½ Uhr on 2½ bis 7 Uhr der Versteiges zurückgeblie. se Sachen, wie rüge, Paletots, sikinstrumente werden, billig verkauft. Tel. 40000 WRTENER Bezugspreise: Die„Wittener Volkswacht“ erscheint täglich vormittags mit Ausnahme der Sonn= und Feierlage und kostet freibleidend monutl. 2.15 RM.(im voraus zahlbar) Einzelnummer kostet 10 Pfennig. Anzeigenpreise: mm Höhe 1 spaltig 7 Pfg., auswärts 8 Pfg., Arbeits= und Wohnungsmarkt und private Familienanzeigen 3 Pfg., Reklameteil 40 Pfg. Bei Wiederholung wird Rabatt gewährt, der bei gerichtlicher Beitreibung in Wegfall kommt. Annahmeschluß für Inserate nachmittags um 4 Uhr 4. Jahrgang ORGAN DER WERKTKTIGEN BEVSLKERUNG FUR“ Mittallungeblett der troien Geuerkschatten und der Arbs#ch Geschäftastelle: Witten, Johannisstraße 87, Fernspre# 3627 f#r den Anzeiganteil: Heinz Walther, Bochum. Druck und Verlag: E. Graf& Co., Bochum PKREIS WITTEN - und KalturJerelne Nr. 268 Montag, den 14. Rovember 9ch hprozentig 2.70 Mark er Klaxen Münster. er# Nordhäuser holder Steinhäger einbrand I Weind-Verschnitt Rum köre usw. Janzik aum. Gußistahlstr. 12 Strätling hum— Hellweg 54 i, sich heim Gen. jelden. Fahrpreis: ihrt: 13.30 Uhr.— Sonntag, den 13. gs, suchen wir noch ire 2. Mannschaft. seten unter Bochum ortverein Bochumden 12. November, okmle Bäcker eine statt. Da, wichtige rdnung stehen, ist nen und Genossen, Besonders ist die pendorf. Samstag s Eppendorf und 13.30 und 15 Uhr. umenfeldstraße..— mselben Platz das den Bezirksmeister Turner und Handber svielen wir in zir fahren ab VolksAnmeldungen haben den Genossen Geru erfolgen bie zum instag, den 8. Nov. itzung mit KassenAbteilungsfunktionär Dienstag, dem 15. hresgeneralversammse=Eickel. Die Mokommenden SonnVereinsmitglieder egelmäßig an den lsenkirchen und an zeteiligen! t. Turner und Handdem 13. November, schaft in Welper um aft., Abfahrt vom 75 Pfennig. Anrstag im Klubahend Am Dienstag, dem r, ist unsere JahresAlles muß errnharpen.„Samatag. 20 Uhr: Monatsver07 Herne, Abteilung en Sonntag, den 13. Mannschaften gegen Mannschaft 13.30 Uhr, Alle Spieler müssen vor dem Spiel im 07 Herne, Abt. Soeinige Spiele für und Sonntage auf nach auswärts.„Anan Adolf Schlüter, gstraße 37. Fernruf #rwärts“, Kornharpen. reuung der erwerbsfolgende Betreuungs), den 11. November, n Saale des Vereinsrpen: Vortrag: Olymser). Dienstag, den 19 Uhr: Lustiges tsche Gedichte, Freier, um 19 Uhr: Reden=Abend. Die ergend des Vereins wird ngsabenden herzlichst gebeten, sich rege Razl-Ratastrepile MEeipzis In einer Woche 41500 Stimmen verloren 30 Prozent Verlust in der Amtshauptmannschaft Leipzig bei den Gemeindewahlen vom 13. November gegenüber den Reichstagswahlen am 6. November Leipzig, 13. November.(Eigener Drahtbericht.) An Stelle der bisherigen Rechtsmehrheit ist eine Linksmehrheit getreten. Von insgesamt 75 Mandaten erhielten: Die Sozialdemokraten 24, die Kommunisten 17, die Nazis 18. Die gesamten bürgerlichen Mittelparteien, die untereinander Listenverbindung beantragt hatten, erhielten 16 Mandate. Die Nazis haben seit der letzten Reichstagswahl, bei der sie bereits 14.000 Stimmen verloren, weitere 27 500 Stimmen eingebüßt. Allerdings ist die Wahlbeteiligung im allgemeinen geringer. Sie ist von 88,4 Prozent bei der Reichstagswahl auf 78,6 Prozent zurückgegangen. Auch die Sozialdemokraten haben gegenüber der Reichstagswahl 16 000 Stimmen eingebüßt. Die KPD. verlor 4000 Stimmen gegenüber der Reichstagswahl. In der gesamten Amtshauptmannschaft Leipzig ist in ungefähr der Hälfte der Gemeinden eine Linksmehrheit zu verzeichnen. Die Nationalsozialisten büßten bei den Gemeinde- gegenüber den Reichstagswahlen in der gesamken Amtshauptmannschaft ungefähr 30 Prozent ein. In Chemnitz ergibt sich nach vorläufigen Berechnungen eine Linksmehrheik. Besonders stark sind die Stimmen der Mittelstandsparteien zusammengeschrumpft. Nur Hugenberg bei Papen Ein neuer Streich der Barone * Der Versuch, die„nationale Konzentration“ auf dem Wege über Besprechungen mit den Parteiführern zu beleben, scheint gescheitert, noch ehe die Verhandlungen begonnen haben. Nur Hugenberg ist Sonntag abend bei Papen gewesen, und obwohl in einer Meldung des offiziösen ContiBüros gesagt wird, daß noch weitere Parteiführer=Besuche solgen, ist durchaus ungewiß, ob sich aus diesen Verhandlungen irgend etwas ergibt. Die Papen=Barone konnten keinen Zweifel über die Erfolglosigkeit eines Vorgehens hegen, das den Parteien nur die Wahl ließ, sich entweder ihrem Willen bedingungslos zu unterwerfen oder die vollständige Unmöglichkeit einer Verständigung zwischen dem Parlament und der gegenwärtigen Regierung offenkundig zu machen. Und da Herr von Papen um die Aussichtslosigkeit seines Beginnens wissen mußte, tritt man ihm mit der Behauptung, er habe nur eine Kulisse für seine weiteren Handlungen schaffen wollen, sicher nicht zu nahe. Wahrscheinlich betrachtet er es noch als einen besonderen Glücksumstand, daß Hitler die Aufforderung zu einer Unterredung überhaupt ablehnt. Das schafft ihm, ganz gleichgültig, ob die anderen Geladenen erscheinen oder nicht, und ganz gleichgültig, wie sie sich äußern werden, willkommene Gelegenheit, die Schuld an dem Scheitern seiner angeblich so guten Absichten der größten von den in seinen Augen nationalen Parteien zuzuschieben. Was aber soll dann weiter werden? Hier setzen die Gerüchte ein. Da heißt es, der Reichstag solle noch vor seinem Zusammentreten aufgelöst werden. Zweimal haben sich die Wähler mit überwältigender Mehrheit gegen den Papenkurs und die Papen=Barone entschieden. Sie würden es ein drittes Mal ebenfalls tun, und alle in der letzten Zeit angestellten und in Zukunft vielleicht zu wiederholenden Bemühungen, einen Gegensatz zwischen dem Volk und den Parteien zu konstruieren, würden an diesem Ergebnis nichts ändern können. Die nochmalige Auflösung kann deshalb nur den Sinn haben, das Regiment der Papen=Barone gegen den Willen der überwiegenden Volksmehrheit weiterzuführen, den Volkswillen weiter zu mißachten und nach den Wünschen einer kleinen Clique weiterzuwursteln. Alles das ist nur möglich, wenn sich die Papen=Barone entgegen dem klaren Wortlaut der Verfassung wieder über das Parlament hinwegsetzen, wenn sie versuchen, Reichsreform und Verfassungsreform unter Berufung auf das staatliche Notstandsrecht, d. h. ein Recht, dessen Existenz nur von den reaktionärsten Staatsrechtslehrern anerkannt wird, durch Verordnung zu oktropieren. Es gibt Leute— und sie gehören nicht zu den leichtsinnigen Schwätzern— die Papen solche staatsstreichlerischen Absichten allen Ernstes nachsagen und ihre Verwirklichung schon für die nächsten Tage ankündigen. Sie trauen einem Mann wie Herrn von Papen, in Anbetracht seiner Unbekümmertheit, mit der er diese Welt sieht, alles zu. Allein die Tatsache, daß Gerüchte der gekennzeichneten Art im Umlauf sind, ruft die schwersten Beunruhigungen und Erschütterungen hervor, und alle, denen es um das deutsche Volk zu tun ist, müssen von den Papen=Baronen endlich ein klares Wort verlangen, mit dem sie von den ihnen zugeschobenen Plänen nicht nur mit Redensarten, sondern klar und eindeutig abrücken. Außerdem ist es dringende Pflicht, den Reichspräsidenten auf die Gefahren der Stunde hinzuweisen. Sie wäre in erster Linie von den Ministerpräsidenten der Länder zu übernehmen, denn von allem anderen abgesehen, steht ein Gut, dessen Bedrohung Herr von Hindenburg nicht zulassen kann, auf dem Spiel: die Einheit des Reiches. Zwar hat es der Reichspräsident bisher nicht einmal für notwendig gehalten, seine Barone nach dem Urteil des Staatsgerichtshofs zu einer an sich selbstverständlichen Anstandspflicht gegenüber der preußischen Staatsregierung anzuhalten und sie zu veranlassen, daß mindestens der Vorwurf der Pflichtverletzung auf die gleiche Art zurückgenommen wird, wie er von Herrn von Papen ins Land hinausgegröhlt wurde. Auch in anderen Fällen hat der oberste Vertreter des Volkes neuerdings ein Verhalten an den Tag gelegt, als ob es in der deutschen Geschichte weder einen 31. Juli noch einen 6. November mit ihren vernichtenden Volksurteilen gegen die Papen=Barone gegeben hätte. Aber schließlich hat auch der Reichspräsident den Willen des Volkes und den seiner verfassungsmäßigen Instanzen zu respektieren und dafür zu sorgen, daß Experimente unterbleiben, die unser Land in tieses Unglück stürzen müssen. Ist er dennoch damit einverstanden, was gegenwärtig als Absicht der Papen=Barone überall zu lesen steht? Im Interesse Deutschlands ist eine schnelle und unzweideutige Antwort notwendig! Die Papen=Barone stützen ihre Macht und ihr Recht auf die Bajonette der Reichswehr. Aber es gibt noch Kräfte, gegen die auf die Dauer auch die Bajonette eines Heeres von 100000 Mann versagen müssen. Die Papen=Barone sind sich darüber nicht im Unklaren. Trotzdem scheint es starke Kräfte unter ihnen zu geben, die es bis zum letzten treiben wollen. Wir warnen sie hundert und tausend Mal um Deutschlands willen. Den Anfang ihres Weges mögen sie kennen. Sein Ende wird bestimmt durch die Kräfte, die trotz aller Not auch heute noch in unserem Volke leben und die sich in seinen Organisationen und großen Parteien widerspiegeln. Neue Nliederlage der Barone vor den Vereinigten Ausschüssen des Reichsrats In den Vereinigten Ausschüssen des Reichsrats hat sich die Papen=Regierung am Sonnabend eine neue Niederlage geholt. Der Chef der Barons=Regierung glänzte zwar auch hier wie überall, wo er Gefahr laufen könnte, ohne ein fertiges Manuskript„reden“ zu müssen, wieder durch Abwesenheit. Stait seiner mußte der Reichsinnenminister die Niederlage einstecken. Sie offenbarte sich darin, daß die Landesvertreter, die das Wort nahmen, sich eindeutig dem Standpunkt der preußischen Staatsregierung anschlossen und schließlich eine Entschließung angenommen wurde, in der zum Ausdruck kommt, daß die mit der Verfassung nicht in Einklang zu bringende„Gleichgewichtsveränderung“ in dem Verhältnis zwischen Reich und Ländern schnellstens behoben werden muß. Ollo Braun führte im Verlauf der Sitzung u. a. aus, daß Vorbesprechungen der Reichsregierung mit den größeren Ländern stattgefunden hätten, zu denen Preußen„und die übrigen kleinen Länder" nicht zugezogen worden seien, so daß diese auf die wenig ergiebigen Mitteilungen des Reichsinnenministers über die beabsichtigten Reformen angewiesen seien. Daraus ergebe sich aber, daß noch immer keine konkreten Entwürfe vorlägen, nicht einmal im Schoße der Reichsregierung. Das Problem der Reichsreform sei nicht neu. Es sei namentlich auf der Länderkonferenz bis in id sie gehören alle Einzelheiten erörtert worden. Er hoffe, daß die Arbeiten dem Kabinett im wesentlichen auf dieser Grundlage fortgesetzt würden. Zweifellos bestehe nach der Reichsverfassung ein unzweckmäßiger Dualismus zwischen Reich—Preußen. Preußen habe sich in den letzten zehn Jahren mit Erfolg bemüht, durch entgegenkommende Haltung gegenüber dem Reiche diesen Dualismus möglichst wenig fühlbar zu machen. Artikel 48 sei kein geeigneter Weg, um die Mängel zu beseitigen. Nachdem der Staatsgerichtshof entschieden habe, sei es das einfachste Gebot der Loyalität, wenn nicht der Rechtsgedanke vor die Hunde gehen solle, daß die preußischen Minister wieder in ihr Amt eingesetzt würden. Das sei bisher nicht geschehen. Das müsse der erste Schritt sein; dann werde es auch möglich sein, sich über die Zusammenarbeit zu verständigen. Die preußischen Minister klebten nicht an ihren Aemtern: sie seien sofort zurückgetreten, aber er könne nach der Verfassung als Ministerpräsident sein Amt nicht niederlegen, solange der Landtag noch keinen Nachfolger gewählt habe. Nach der bisherigen Behandlung durch die Reichsregierung könne er trotz des Leipziger Urteils noch nicht einmal über einen Bleistift selbst verfügen. Zu den übrigen Plänen der Reichsregierung auf Verfassungsreform müsse man sich als Politiker doch fragen, ob eine Aussicht für eine verfassungsändernde Mehrheit für solche Reformen vorhanden sei. Wie denke die Regierung denn ihre Reformen durchzuführen, wenn das nicht der Fall sei. Darüber etwas zu wissen, liege durchaus im Interesse der Länder und insbesondere Rinter Ner Kupnatislseiter. Keste Großindustrielle Geldgeber machen Krack= Monatsgekälter von 10000 Mack Zu den kapitalistischen Presseorganen die fortgesetzt gegen die Arbeiterorganisationen hetzen, und unter dem Deckmantel einer sittlichen Entrüstung jede Schwäche der Arbeiterbewegung gewaltig aufbauschen und kritisieren, gehören vor allem die Deutsche Bergwerks=Zeitung, die Werkszeitungen sowie die Tageszeitung„Der Mittag“. Sämtliche Zeitungen dieser Art erscheinen im Industrieverlag, einem Düsseldorfer Unternehmen. Ueber die internen Vorgänge bei diesem Verlag brachte eine Essener Zeitung, die„Tribüne“ vom 6. November folgende aufsehenerregende und bisher unwidersprochene Meldung: „Wie allen subventionierten Zeitungsbetrieben geht es auch dem Industrieverlag seit geraumer Zeit schlecht. Sein Aktienkapital, das von einem industriellen Konsortium mit Vögler, Thyssen, Springorum, Brandi und den Haniels gezeichnet ist, war erst im Jahre 1928 auf 6 Millionen erhöht worden. Dabei wurden aber zunächst nur zwei Millionen angezahlt. Als dann die Krise einsetzte, forderte die Verlagsleitung restlose zahlung. Dagegen wandten sich einige Industrielle, weil sie mit Recht auch den Verlust der neu zu zahlenden Summe befürchteten. Ein angestrengter Prozeß wurde durch Einigung aus der Welt geschafft und die Haniels zahlten doch.“ Nach diesen Mitteilungen wird in dem erwähnten Organ dann über eine Generalversammlung des Industrieverlages berichtet, die in Essen stattgefunden habe und einer Zusammenlegung des Kapitals von 6 auf 2,3 Millionen zustimmen mußte. Infolge dieses Kapitalverlustes sei es zu sehr erregten Auseinandersetzungen gekommen. In dem Bericht heißt es darüber wörtlich: „Recht böse Worte mußte sich Herr Droste, der Leiter des Industrieverlages, sagen lassen. Jahrelang galt dieser Herr als einer der versiertesten deutschen Verlagsleiter. Aber die Krise, die so manchen Namen bleichen ließ, hat auch Herrn Drostes Ruhm mächtig zerzaust. Man erfährt, daß Herr Droste sich selber ein Gehalt von über 10.000 Mark pro Monat ausgezahlt hat und daß auch die Spitzengehälter der zahlreichen Abteilungsleiter und Chefredakteure außerordentlich hoch waren. Herr Droste hat persönlich in den letzten Jahren ganz nach dem Muster seiner schwerindustriellen Freunde gelebt. Er ließ sich von seiner Frau scheißen und überließ ihr großzügig seine Villa in Oberkassel, dann aber ihre Freundin und baute sich für den stattlichen Preis von 300000 Mark eine Villa in Lohhausen mit 16 Simmer“. 4562 I 11 Diese Mitteilungen über die Zustanve im kapitalistischen Pressewesen sind äußerst lehrreich und interessant. Sie stehen in einem schreienden Gegensatz zu der moralisierenden und kleinbürgerlichen Schreibweise, wie sie in den Werkszeitungen und auch in der Bergwerks=Zeitung zu finden ist. Man denre nur an die zahllosen Hetzartikel, die anonyme Soldschreiber a la Spitama fortgesetzt gegen die Gewerkschaften fabrizieren, wo sie versuchen, mit den blödesten Argumenten die Finanzwirtschaft der Gewerkschaften anzugreifen. Für diese antigewerkschaftliche Stimmungsmache lassen sich aber diese Herrschaften, wie aus vorstehendem Bericht hervorgeht, horrende Beträge zahlen. Leider gibt es immer noch Arbeiter, die auf diese Sumpfblüten hereinfallen, die anstatt die Zeitungen der gewerkschaftlichen und sozialistischen Bewegung zu studieren, ihr Wissen aus den vom Großkapital geschaffenen Zeitungen beziehen. im Interesse der Ruhe und Ordnung. Wenn nicht weiter wilde Gerüchte kursieren sollten, wenn die Oeffentlichkeit nicht noch verwirrter werden solle, als sie jetzt schon sei, dann müsse man hierüber Klarheit verlangen und rechtzeitig die Reichsregierung warnen. Im Anschluß an Braun, dessen Rede einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ, wandte sich der bayerische Ministerpräsident Held ebenfalls gegen die Papen=Barone. Auch er warnte vor Verfassungsexperimenten und forderte die Papen=Regierung auf, dem Konflikt mit Preußen schnellstens in loyaler Weise ein Ende zu machen. Der badische Staatspräsident Schmitt, der ebenfalls in die Debatte eingriff, fragte den Reichsinnenminister, was an den neuesten Gerüchten über Verfassungsexperimente der Reichsregierung sei. Freiherr von Gayl erwiderte in ein und derselben Rede, daß es sich dabei um handele und etwas später— ihm sei von derartigen Plänen nichts bekannt. Und Herr von Papen? Die Sitzung der Vereinigten Ausschüsse des Reichsrats hinterließ den Eindruck, daß die Papen=Barone bei irgendwelchen Verfassungsexperimenten auch in den Ländern scharfe Gegner haben werden. Die Konferenz der lüddeutichen Minilterprälidenten Am Freitagabend fand in der Reichskanzlei in Gegenwart des Herrn von Papen, des Reichsinnenministers und des Reichsjustizministers eine Konferenz mit den Ministerpräsidenten der süddeutschen Länder statt. Die sächsische Regierung war ebenfalls durch den sächsischen Ministerpräsidenten vertreten. Die Besprechung galt einem Meinungsaustausch über die allgemeine politische Lage. In ihrem Mittelpunkt stand ein Entschließungsentwurf, den die Ministerpräsidenten auf Grund ihrer Würzburger Vorkonferenz für die Sitzung des Verfassungsausschusses des Reichsrats fertiggestellt hatten. Die anderen Länder, die an der Würzburger Konferenz nicht teilgenommen hatten, haben sich dem Inhalt der Entschließung grundsätzlich angeschlossen. Im übrigen wurden in der gestrigen Besprechung auch die Politik der Regierung gegen Preußen, ihre Absichten hinsichtlich der Reichsreform und andere aktuelle Fragen besprochen. Die Verhandlungen dauerten bis gegen 10 Uhr abends. Wie es heißt, wurden Beschlüsse nicht gefaßt. Gewerkschaften und Nation Leiparts Rede in Brolchürenform Die Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkshastsbundes berösenticht voe Organzsatlonspreis 30 Bennig, Broschüre(Preis 40 Pfennig), Organisations,##.#0 Pfennig, die Rede, die der Bundesvorsitzende Leipart vor kurzem in der Bundesschule des ADGB. in Bernau über„Die Kulturaufgehalten hat. Die Rede hat seiner Zeit in der Oeffentlichkeit ein starkes Echo ausgelöst, weil manche Leute in ihr eine Schwenkung der Gewerkschaften zum Nationalismus entdecken wollen. In Wirklichkeit hat Leipart in Bernau nur die Stellung des freiorganisierten Arbeiters zur Nation beleuchtet und dabei von neuem darauf aufmerksam gemacht, daß sich auch die freien Gewerkschaften der nationalen Grundlagen der Kultur sehr wohl bewußt sind und, stets bewußt waren. Eine Tatsache, die in Deutschland leider#ung an führenden Stellen in Vergessenheit geriet. „Wir haben“, so betont Leipart in seiner Bernauer Rede, „für unser Volk Opfer gebracht. Wir haben es im Kriege getan, dafür leben so manche mannhafte Worte von Legien. Wit taten es im Kampf gegen den Separatismus im Westen und in der Zeit des passiven Widerstandes im Ruhrkampf. Wir haben alles unterstützt, was unser Volk frei und wirtschaftlich wieder gesund machen sollte. Wir wehren uns aber dagegen, daß der nationale Gedanke mit dem aristokratisch=kapitalistischen System gleichgestellt wird. Die überkommene Ordnung ist am Ende. Sie ist nicht imstande, unsere Forderungen nach einem menschenwürdigen Dasein der Arbeiterschaft zu verwirklichen. Wir brauchen freie Entfaltung unserer Kräfte auf dem Boden der Demokratie.—— Der Landtag einberuten Noch keine Ichwarz-braunen Koalitionsverhandlungen Landtagspräsident Kerrl hat den Preußischen Landtag nunmehr zu Donnerstag, den 24. November, einberufen. Die Tagesordnung wird später bekanntgegeben. Bis jetzt ist, wie verlautet, noch kein Schritt unternommen worden, um die schwarzbraunen Koalitionsverhandlungen wieder in Gang zu bringen. Allem Anschein nach wollen die Nationalsozialisten zunächst eine Klärung der politischen Lage im Reich abwarten. Hindenburg steht vor Papen Er antwortet auf Brauns Beschwerde:„Der Beamtenschub widerspricht nicht dem Leipziger Urteil“ Als dieser Tage in der sozialdemokratischen Presse die ersten Nachrichten über den von den Papen=Kommissaren in Preußen geplanten Beamtenschub auftauchten, hat Ministerpräsident Braun sofort ein Schreiben an den Reichspräs denten gerichtet, in dem er gegen die inzwischen durchgeführten Maßnahmen scharf protestierte. Der Reichspräsident hat auf diesen, vom 7. November datierten Brief geantwortet, daß der Beamtenschub dem Leipziger Urteil nicht widerspreche. Ot Braun führte in seinem Beschwerdebrief u. a. aus: „Bereits in der Unterredung vom 29. vorigen Monats habe ich die Bitte geäußert, der Herr Reichskommissar für Preußen möge von weiteren personellen Veränderungen im preußischen Beamtenkörper solange absehen, bis eine hierüber mit der preußischen Landesregierung herbeigeführt worden ist. Die seit dem 20. Juli vorgenommenen umfangreichen personellen Veränderungen haben die Verwaltung in ihren Grundlagen erschüttert. Es handelt sich bei den davon betroffenen Beamten verschiedentlich gerade um besonders wertvolle und tüchtige Kräfte der Preußischen Verwaltung, um Beamte, die mehr als ei Vierteljahrhundert, teilweise noch länger, dem Beamtenkörper Preußens oder des Reichs angehört, ihren Mann gestanden, sich in jeder Hinsicht aufs vorzüglichste bewährt hahen und durch ihre wertvolle Mitarbeit dazu beigetragen huben, die schweren Erschütterungen nach 1918 im Ruhrkampf und in Inflationszeit zu überwinden. Der Grund für diese Maßnahmen liegt bei dem größten Teil ganz offensichtlich in der politischen Einstellung oder in der konfessionellen ZugehörigAls besondere Kränkung mußten es unter diesen Umständen die Beamten empfinden, daß in den Schreiben des Reichske missars, in denen ihnen ihre Versetzung in den einstweiliger Ruhestand mitgeteilt wurde, entgegen allen sonstigen Gepflogenheiten nicht ein Wort des Dankes und der Anerkennung für ihre langjährige Tätigkeit enthalten war. Die Herren Reichskommissare haben es weiter zum mindesten geduldet, daß die ihnen nahestehenden Zeitungen stets von einer „Säuberung des Beamtenkörpers in Preußen“ sprechen durften. Noch bei der schon erwähnten Unterredung vom 29. vorigen Monats hat der Herr Reichskommissar für sämtliche Maßnahmen seien lediglich„aus sachlichen Gründen“ getroffen worden. Im Interesse der preußischen Beamtenschaf im Interesse eines gedeihlichen Zusammenarbeitens zwischen der Preußischen Landesregierung und dem Reichskommissariat richte ich daher namens des gesamten Preußischen Staatsministeriums an Sie die dringende Bitte, die angekündigten weiteren Maßnahmen zu verhindern....“... Es hat nichts genützt. Hindenburg hat sich vor die Papen=Barone gestellt! Professor Dr. Ludwig Hoffmann, der ehemalige langjährige Baustadtrat von Berlin, ist Freitag abend im Alter von 80 Jahren gestorben. Hoffmann, ein gebürtiger Darm städter, hat die bauliche Entwicklung Berlins staxk beeinshutzt. Viele Schulen, Asyle und Verwaltungsgebäude sinr sein Werk. Für die Stadt hat Hoffmann große Bebauungspläne entworfen. Riiegsr Pei Una Krbene Nagung, des Reichsbundes in Ronigsberg, Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, der älteste und größte Bund der Kriegsopfer, hat in Königsberg, wo er in diesen Tagen seine 21. Reichskonferenz abhielt, in gemeinsamer Front mit der Arbeiterschaft scharf und klar Kampfstellung gegen die Papenregierung bezogen. Kriegsopfer und Arbeiter sind heute mehr denn je gezwungen, gemeinsam zu marschieren— nicht nur, weil die große Masse der Kriegsopfer aus Arbeitern besteht, sondern weil die Lebensinteressen der Kriegsopfer von dem gleichen Feind bedroht sind wie die der Arbeiter. Kriegsinvaliden, urbeitsinvaliden, Arbeitslose und Nocharbeitende— alle haben einen Feind: den Papenbaron, der über Hitlers Rücken in die Macht Die Baronie fürchtet die immer mehr sich festigende Volksfront gegen den neuen Kurs. Daher ihr Versuch, vor allem die Kriegsopfer durch das Angebot politischer Vorrechte zu ködern. In Königsberg ist jedoch das von der Papenbaronie den Kriegsopfern als„Geschenk“ angebotene Zusatzstimmrecht scharf abgelehnt worden. Der Bundesvorsitzende Pfänder erklärte, daß die im Reichsbund vereinigten Kriegsopfer die von der Reichsregierung angekündigte Verfassungsreform für überflüssig und für die fortschrittliche Entwicklung der deutschen Sozialpolitik sowie der Kriegsopferversorgung gefährlich halten. Der Reichsbund stehe seit seiner Gründung im Jahre 1917 auf dem Boden der gung aller Staatsbürger. Die Kriegsopfer wollten keine Vorrechte, sondern gleiches Kriegsopfer hätten von dem Zusatzstimmrecht auch nicht den geringsten Nutzen, wenn die Reichsregierung mit Hilfe einer Verfassungsreform ihren bisher bereits gesteuerten antisozialen Kurs auf viele Jahre hinaus festlege und die soziale tung der breiten Volksmassen wiederherstelle. Die Kriegsopfer wünschten nichts dringlicher als die Rückkehr zu geordneten verfassungsmäßigen parlamentarischen Verhältnissen; denn sie hätten bei der Wahrung ihrer sozialpolitischen Interessen mit der bisher zu Unrecht oft geschmähten Parlamentsdemokratie die besten Erfahrungen geAn der Verteidigung der Sozialpolitik, d. h. an dem Kampf um einen sozialen Kurs, haben die Kriegsopfer genau so wie die Arbeiter das denkbar größte Interesse. Der Reichsbund stellte daher in den Mittelpunkt seiner Königsberger Beratungen einen Vortrag des Nationalökonomen Professor Dr. Paul Hermberg von der Universität Jena über das Thema: Wirtschaftskrise und Sozialpolitik. In der Krise— so lautete im wesentlichen der Gedankengang Hermbergs— verweigert die Wirtschaft der Gesellschaft die Mittel zur Erfüllung ihrer sozialpolitischen Pflichten, und aus Sorge um den Fortbestand des erschütterten Wirtschaftsapparats trauen sich die Organe des Staates nicht, auf dem notwendigen Schutz des Menschen zu bestehen. Die Sozialpolitik wird in der Krise zur unzureichenden Armenhilfe. Die Betrachtung des Erwerbslosen=Haushalts zeigt mit aller Deutlichkeit, daß die Sozialpolitik ihre Aufgabe in der Wirtschaftskrise nicht erfüllt. Gegen die Gesellschaftsordnung ist der schwere Vorwurf zu erheben, daß der Staat praktisch nicht in der Lage ist, die durch die Krise notwendig gewordene Korrektur in der Verteilung der Verbrauchseinkommen durchzuführenWenn sich aber einerseits die öffentliche Hand in der Krise nicht stark genug erweist, um die Forderungen der Sozialpolitik durchführen zu können, und wenn andererseits Wirtschaftskrisen als notwendige Begleiterscheinungen der kapitalistischen Tauschwirtschaft hingenommen werden müssen, so muß Sozialpolitik über bloße Korrekturen hinaus einer anderen Wirtschaftsordnung zustreben, in der durch planvolle Leitung der Wirtschaft Krisen vermieden werden und die öffentliche Hand stark genug ist, eine Verteilung durchzuführen, die von den Menschen als gerecht anerkannt werden kann. Gewiß bedarf gesunde Sozialpolitik einer gesunden Volkswirtschaft. Aber die Gesundung der Volkswirtschaft erfordert, daß bewußte Leitung an die Stelle des Mechanismus tritt, der seine Unzulänglichkeit in dieser Krise auch einem blinden Auge offenbarte. Wenn sich Kräfte regen, bewußte Planwirtschaft an die Stelle mechanischer kapitalistischer Tauschwirtschaft zu setzen, so müssen alle Kräfte mobilisiert werden, aber nicht um das alte System zu retten, sondern um das neue bauen zu helfen. Die Not der Kriegsopfer wurde von dem zweiten Bundesvorsitzenden Noa durch Vergleich der Leistungen des Jahres 1927 mit denen des Jahres 1932 beleuchtet. In der Frage der Rentenversorgung machte Noa auf die Zerstörung des Rechtsanspruchs in der Versorgung aufmerksam, wodurch die Kriegsopfer ähnlich wie die Arbeitslosen schwer geschädigt wurden. Die Rentenversorgung sei durch eine Kette von Notverordnungen in ihren Grundsätzen bedenklich erschüttert. Die vom Reichstag geschaffenen Kann=Ansprüche hätten Leistungen und Personenkreis vergrößert, die von der Ministerialbürokratie geschaffenen Kann= Ansprüche hätten beides vermindert. Diese Unterscheidung in der Wirksamkeit des Parlaments gegenüber unkontrollierbarer Kräfte in der Notverordnungsgesetzgebung zeige deutlich, daß zum Wirken der Organisation die Wiederherstellung der Demokratie dringend notwendig sei. Auch in der großen, weltbewegenden Frage der Völkerverständigung, die durch den Kampf um die Abrüstung von neuem in den Vordergrund der internationalen Debatten gerückt wurde, ist die Kampffront der Kriegsopfer und Arbeiter auf der Tagung des Reichsbundes gestärkt worden. Der Vertreter des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold verkündete unter lebhaftem Beifall den Beitritt des Reichsbanners zur weit über 4 Millionen Mitglieder zählenden Kriegsopfer=Internationale „amae“. * Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten veranstaltet auch in diesem Jahr am Totensonntag wieder eine Feier zum Gedenken der im Weltkrieg gefallenen oder an den Folgen ihrer Verwundungen später gestorbenen Kameraden. Die Feier findet im Plenarsaal des Reichstages statt. Sie wird von der Funkstunde Berlin und der Mehrzahl der deutschen Sender sowie der Ravag aus Wien übertragen. Papen er Beamtener Urteil“ resse die ersten en in Preußen kinisterpräsident eichspräsien durchgeführräsident hat auf wortet, daß der erspreche. Otto 8: n Monats habe ir für Preußen im preußischen Verständigung herbeigeführt menen umfangPreußische erschüttert. ten verschiedenttige Kräfte der ehr als ein änger, dem Bert, ihren Mann e bewährt haben ragen haben, die mpf und in der diese Maßnahch in der polisellen Zugehörigiesen Umständen des Reichskomen einstweiligen stigen Gepflogenid der Anerhalten war. Die m mindesten gei stets von einer sprechen durften. vom 29. vorigen Preußen erklärt, hlichen Gründen“ en Beamtenschaft, beitens zwischen keichskommissariat eußischen Staatsdie angekündigten sich vor die e langjährige ind im Alter irtiger Darmark beeinflußt. nd sein Werk. ne entworfen. Waten 2 dene Korrektur durchzuführenin der Krise * Sozialpolitik irtschaftskrisen tischen TauschSozialpolitik r anderen durch plani werden und ng durchzufüht werden kann. den Volkswirterfordert, daß ismus tritt, einem blinden ußte PlanwirtLauschwirtschaft rt werden, n, sondern von dem zweiten der Leistungen des beleuchtet. 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Die Beratung in Angelegenheiten der Arbeitslosen= und Krisenunterstützung wird in der Weise eingeschränkt, daß die dem Metallarbeiter=Verband angehörigen Erwerbslosen von diesem selbst beraten werden. Die Angehörigen anderer Organisationen können am Dienstag und Freitag, wie oben angegeben, zur Beratung in der Geschäftsstelle, Johannisstraße, erscheinen. Unorganisierte können leider nicht mehr beraten werden. Durch die Beratungsstunden ist in zwei Jahren so vielen Menschen zu ihrem Rechte verholfen worden, daß sich diese Beratung als ein wahrer Segen für die Armen erwiesen hat. Es geht aber auf die Dauer nicht mehr weiter, daß jeder, der sich bisher weder um Gewerkschaft oder Partei gekümmert hat, deren Einrichtungen als eine selbstverständliche Sache für sich in Anspruch nimmt und nach erhaltener Hilfe sich weiter um nichts kümmert. Die Einrichtungen der Arbeiterschaft sind mit großen moralischen und materiellen Opfern zustande gekommen und daher in erster Linie für diejenigen bestimmt. die auch dafür Opfer gebracht haben. „Freie Volksbühne“ Witten=Heven 20. Totensonntag, den 20. November, veranstaltet obiger Verein im Saale August Sohn(fr. Wieshoff), Heven, einen Volksbildungsabend.— Zur Aufführung gelangt:„Beim Kreuz'l im Tannengrund", Volksstück in 4 Akten.— Besonders wirkungsvoll tritt bei diesem Spiel die Kostümierung und die sehr gute Dekoration hervor. Der Verein als einzige Ortsgruppe der Sozialistischen Laienspiel=Organisation in Groß=Witten hat in den letzten Jahren durch seine schönen Aufführungen guten Anklang bei allen Besuchern gefunden. Jeder Genosse und Genossin müßte unsere Kultur= und Laienspielbewegung fördern helfen.— Besuche deshalb jeder diesen Abend. Eintrittspreis 0,35 RM. Erwerbslose 0,30 RM. Stuhlreihen— kein Ausschank. Kasseneröffnung 19 Uhr. Anfang 20 Uhr. Die Abräumung der Steinhalde der früheren Zeche Hamburg in Annen hat begonnen. Das heißt, nicht durch die Besitzerin, die„Rhein. Stahlwerke“, sondern durch Kohlenbuddeler, die immer noch vergeblich auf Kohlenscheine seitens des Wohlfahrtsamtes oder Arbeitsamtes warten, arbeiten den Berg systematisch um, um noch einige Kohlenreste, die seit 30 bis 40 Jahren dort ruhen, auszubaggern. Wie lange wird es dauern und der„Kohlenberg“ muß wegen Lebensgefahr polizeilich geschlossen werden und die„Winterfreude“ der Aermsten ist wieder dahin. 607 Kurze Nachrichten. Von einer Wiese, die in Hohe des Hauses Ardeystraße 167 an die Ardeystraße grenzt, wurde am 11. November, gegen 10½ Uhr ein Damenfahrrad, Marke„Torpedo“ gestohlen.— Wegen Ladendiebstahls festgenommen wurde ein 14 Jahre alter noch schulpflichtiger Junge, der in einem Kaufhaus auf der Bahnhofstraße einen Halsschal und ein Paar Handschuhe entwendet hatte.— In der Nacht zum 11. Nov. wurde von noch unbekannten Tätern der Stall eines Bergmanns in Witten=Annen, Annener Berg, erbrochen und daraus 9 Kaninchen im Werte von 40 RM. gestohlen. Es handelt sich um sechs sogenannte gemischte, einen belgisch=grauen Riesen, ein silbergraues und ein Hasenkaninchen. Ein wackerer Kommunist. Zu unserem am 9. November erschienenen Bericht unter obiger Ueberschrift teilt uns der Kommunist Otto Göddemeier mit, daß die ihm in den Mund gelegte Aeußerung nicht von ihm stamme. Es müsse eine Verwechselung mit seinem Bruder Albert Göddemeier vorliegen, der Nationalsozialist ist. Otto Göddemeier hat sich wohl als Zeuge gemeldet und hat ausgesagt, daß eine Menge Leute in der Siedlung auf die Nazis gelauert hätten, hätte aber weder das Reichsbanner noch die Kommunisten genannt. Dies habe sein Bruder getan. Der Vollständigkeit wegen bringen wir dies unseren Lesern zur Kenntnis, wobei wir noch immer die Frage offen lassen müssen, welcher zwingende Grund für Otto Göddemeier vorgelegen hat, sich im Gerichtssaal als freiwilliger Zeuge für den angeklagten Nazi bereitzuhalten. Rop=Voachum Wie sie hetzen und lügen! Stark im Schwindeln, aber schwach im Denken Die„Rote Erde“ berichtet in ihrer Samstagnummer, daß die Bochumer Stadtverwaltung nunmehr auch die Stempel=Neben. stelle in Gerthe geschlossen habe. Damit seien 5000 Erwerbslose aus den Vororten Gerthe, Bergen, Hiltrop u. Harpen gezwungen, den Weg zum Arbeitsamt in der Trankgasse in der Stadtmitte zu machen. Das geschehe, weil die Stadt einige Beamte einsparen wolle. Zum Schluß heißt es in dem Artikel:„Bekanntlich ist der Vorsteher des Arbeitsamtes, Herr Thöne, ein„Sozial“=Demokrat!“ Wahrscheinlich zur Betonung des letzteren war lediglich der Artikel geschrieben worden; auf die Lage der Krisenopfer kommt es den Nazis, wie ihre Politik in der Vergangenheit zur Genüge beweist, weniger an. Wäre es nach dem Willen der Nationalsozialisten im Reichstag gegangen, dann bekäme kein einziger Erwerbsloser einen Pfennig Unterstützung, denn die Pg.'s haben gemeinsam mit den Kommunisten das von der Sozialdemokratie geforderte Gesetz über die Arbeitslosenversicherung abgelehnt! Die Erwerbslosen brauchten dann auch keine Wege zur Stempelstelle zu machen. Der Artikel zeigt aber auch, daß die Nazis über Dinge schreiben, von denen sie rein gar nichts verstehen. Hätten sie sich auch nur ein klein wenig Mühe gemacht und nachgedacht, dann müßten sie wissen, daß Stadtverwaltung und Arbeitsamt zwei ganz verschiedene Behörden sind. Sie werfen hier aber wieder einmal alles wie Kraut und Rüben durcheinander, eben weil ihnen jede sachliche Kenntnis der Dinge abgeht. Doch das nebenbei. Das wesentlichste an dem Geschreibe### die Hetze und die Verlogenheit der Nazipresse. Wir haben, da uns der Fall besonders interessierte, Nachfrage bei den Erwerbslosen gehalten und folgendes festgestellt: Es ist unwahr, daß die Stempel=Nebenstelle in Gerthe geschlossen worden ist. Es ist ferner unwahr daß 5000 Erwerbslose aus den genannten Vororten nach der Trankgasse zum Stempeln müssen. Wahr ist dagegen, daß die Stempel=Nebenstelle in Gerthe nach wie vor bestehen bleibt und daß dort gestempelt und Erwerbslosenunterstützung ausgezahlt wird. Das gilt sowohl für die staatlich unterstützten Erwerbslosen, als wie für die Wohlfahrtserwerbslosen. Die Erwerbslosen müssen alle vier Wochen einmal nach Bochum kommen, um die gesetzlich vorgeschriebene Vermittlung zu melden. Dagegen kann wahrscheinlich auch das Arbeitsamt nichts machen. Wahr ist auch, daß nicht 5000 Erwerbslose in Frage kommen, sondern höchstens 1000. Den Nazis scheint diese Zahl viel zu niedrig zu sein, sonst würden sie nicht solche falschen Angaben machen. Von den Behauptungen der„Roten Erde ist also soviel wahr, daß sie sämtlich aus den Fingern gesoge sind! Und sowas redet von„sozialem Empfinden“ und schimpft über die Sozialdemokratie! Das kommunistische„Ruhr=Echo“ bringt über vorstehende Angelegenheit einen fast gleichlautenden Artikel. Es gewinnt den Anschein, daß der Artikel in der kommunistischen und nationalsozialistischen Presse aus ein und derselben Feder stammt. Zu verwundern wäre das bei der bolschewistischen Geistesverwandtschaft beider Reptilien nicht! Weiteres Anlteigen der Wohlfahrtserwerbslolen in Bochum Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen in der Stadt Bochum hat auch in der zweiten Hälfte des Monats Oktober eine weitere Steigerung erfahren. Während am 15. Oktober 23916 Hauptunterstützungsempfänger vorhanden waren, wurden am 31. Oktober 24327 Hauptunterstützungsempfänger gezählt. Das ist ein Mehr von 411 in zwei Wochen. Dazu kommen noch 13328 Ehegatten und 18597 Kinder, so daß die Gesamtzahl der zu Betreuenden Ende Oktober 56 252 betrug. Vom 28. November 1932 ab sollen die vom Reich betreuten Erwerbslosen in der Krisenfürsorge verbleiben, wodurch der Zugang zu den Wohlfahrtsämtern für die Wintermonate hoffentlich nachlassen wird. Schwerer Verkehrsunfall Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf dem Castroper Hellweg, Ecke Bövinghauser Hellweg, in Bochum dadurch, daß ein Lastkraftwagen mit einem Motorrad zusammenstieß. Der Führer des letzteren erlitt einen Unterschenkel= und Armbruch. Er wurde mit Hilfe eines Krankenwagens in das Bergmannsheil gebracht. Lebensgefahr besteht nicht. Das Motorrad wurde stark und der: Lastkraftwagen leicht beschädigt. Aufgeklärter Einbruchsdiebltahl Spitzbuben besuchen einen Polizeibeamten.— 116 Bäume abgeholzt. Der vor einigen Tagen gemeldete Einbruch in die Wohnung eines Hauses in der Bleichstraße in Bochum, bei welchem die Täter mit besonderer Frechheit vorgingen und sich der heimkehrenden Wohnungsinhaberin als Kriminalbeamte vorstellten, hat seine Aufklärung gefunden. Kurze Zeit nach Ausführung des Diebstahls wurden die Täter von der Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen. Sie wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen. Ein Teil der gestohlenen Gegenstände wurde bei den Festgenommenen vorfunden und konnte der Geschädigten zurückgegeben werden.— Diebe brachen in die Wohnung eines Polizeibeamten in BochumLangendreer ein und entwendeten einen Geldbetrag von 40 RM., eine braune Saffianlederzigarrentasche und einen Siegel ring, 585 gestempelt.— Zur Anzeige gelangten mehrere Personen aus Bochum=Linden=Dahlhausen, die aus den Waldungen der Firma Dr. C. Otto unberechtigterweise etwa 116 Bäume abholzten. Die vorgenommenen Durchsuchungen brachten das entwendete Holz zutage, welches der Firma wieder ausgehändigt wurde. Arbeiter-Esperanto-Bund„Antauen“ Unseren Genossinnen und Genossen zur Kenntnis, daß unsere Gruppenabende in Zukunft im„Ebertsaal“ des Volksblattgebäudes stattfinden, und zwar: Mittwochs, abends 8 Uhr für Anfänger; Samstags, abends 8 Uhr für Fortgeschrittene. Besucht diese Abende pünktlich und regelmäßig. Ueber die Ruhrstauseen spricht Montag abend 8½ Uhr in einem Vortrage mit Lichtbildern im Saale des Hauses „Schlegelbräu“, Alleestraße, der Geschäftsführer kes., bandes, Herr Dr. Ing. Mahr(Essen). Veran,agum„ Deutsche Gesellschaft für Bauwesen, Bezirksverein Ecchum. Ler Eintritt ist frei. Kerne Mata Hari Die Schauburg bringt in dieser Woche„Mata Hari“, den Tonfilm von einer Frau, die den Krieg im Dunkeln führte, als Spionin 1917 in Paris erschossen wurde. Woher sie kam? Man weiß das nicht. Kokotte aus Not, Leidenschaft und— Begabung. Der deutsche Kronprinz nahm sie vor dem Kriege mit ins schlesische Manöver. Traugott von Jagow, der in Berlin als Polizeipräsident Neugierige warnte, verbrachte die Nacht vor Kriegsausbruch mit ihr, der schönen Nackttänzerin aus dem Wintergarten. Im Kriege tanzt sie in Paris. Tanzi, liebt und spioniert. H 21 ist ihre Nummer, die den Franzosen bekannt ist. Wer sich hinter diesem Zeichen verbirgt, weiß man nicht. Generalstabsoffiziere, viele Flieger, Minister— man spricht von Poincaré— verkehren bei ihr. Schließlich verrät sie Stützpunkte der deutschen U-Boote an der Küste von Marokko den Franzosen. Dazwischen lernt sie ernsthaft lieben, pflegt den durch Verwundung erblindeten russischen Rittmeister Rosanoff, dreiviertel Jahre. Wieder einmal in Spanien, geht ihr das Geld aus. Sie wendet sich an den deutschen Vertreter. Der unkt nach Amsterdam, daß H 21 in Paris 15000 Peseten auszuzahlen sind. Der Eiffelturm fängt den Funkspruch auf. Tapsigkeit oder Schachzug, die kostspielige Spionin loszuwerden? Die Franzosen können jetzt feststellen, wer H 21 ist. Mata Hari endet am Pfahl unter den französischen Kugeln. Das ist ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem Abenteurerleben einer Meisterin der Liebe. Im Film wird der Ausschnitt noch kleiner gezeigt. Die Gestalt der Mata Hari wird idealisiert, mit der Geschichte nimmt man es nicht ganz ernst. Aber Greta Garbo spielt! Menschlich riesengroß, als das unabwendbare Schicksal über sie hereinbricht, als die Steine, mit denen sie im Schachspiel setzte, zu zermalmen beginnen. Gut gesehen natürlich auch die Liebe, die aus dem anfänglichen Spiel wächst. Den Rosanoff gibt Ramon Novarro als russischer Parzival, gläubig, vertrauend und heiß liebend. Lionel Barrymore, Lewis Stone, C. Henry Gordon u. a. haben ebenfalls starke Arbeit in diesem Film.—„Madame hat Ausgang“ ist herrliche Limonade für Backfische und Portokassenjünglinge. Sie dürfen in Illusionen schwelgen bis ins Wolkenkuckucksheim, denn mit dem rauhen Alltagsleben hat diese Sache sehr wenig Verbindung. Liane Haid, Hilde Hildebrandt, Hans Brausewetter und Ernst Dumcke holen durch ihr glänzendes Spiel alles auf, was der Inhalt zu wünschen übrig läßt. Somit kommt auch der Humor in dieser Tonfilmwoche zur Geltung. Mint= und Dropsautomaten sind verboten. Der vor einigen Tagen in den hiesigen Tageszeitungen erschienene Artikel, wonach sämtliche Mintdropsautomaten bis zum 1. Dezember 1932 noch in den Wirtschaften verbleiben dürfen, trifft für den Präsidialbezirk Bochum nicht zu. Sämtliche Automaten, ob mit Dropsund Markenausgabe oder Geldspielautomaten, werden nach wie vor hier als Glücksspielautomaten angesehen und sind und bleiben verboten. Kinderrückkehr. Die zur Zeit im Städtischen Erholungsheim in Westherbede zur Kur weilenden Kinder kehren Dienstag. den 15. November 1932, zurück. Sie treffen um 9.25 Uhr in BochumDahlhausen, um 10.15 Uhr in Bochum=Hauptbahnhof und um 10.27 Uhr in Bochum=Langendreer ein. Mieterverein Groß=Bochum, Ortsgruppe Ehrenfeld. Am Mittwoch fand im Lokale Biedermeier, Westfalenplatz, eine gut besuchte Mitgliederversammlung statt. Bevor der Referent Hotten(Bochum) auf seinen Vortrag einging, kam er zunächst auf die Geschehnisse innerhalb des Vereins, die sich im Laufe der letzten Wochen zugetragen hatten, zu sprechen und teilte unter Beweis mit, daß die gegen verschiedene Vorstandsmitglieder erhobenen unberechtigten Vorwürfe restlos aufgeklärt worden seien. Er behandelte dann in längeren Ausführungen die augenblickliche mieterpolitische Lage. In den Ortsgruppenvorstand wurden gewählt die Herren: Hotten, Ewers, Pastelewitz, Lyding und Frau Frischkorn. Es wurde weiter beschlossen, im nächsten Monat eine größere Aufklärungsversammlung einzuberufen. Vervollständigung des Bochumer Fernsprechwesens. Im alten Postamt Werne ist man seit Juli dieses Jahres an der Errichtung eines Fernsprech=Unteramtes Bochum=Ost beschäftigt. Die Arbeiten werden Anfang Dezember fertig sein, so daß das neue Unteramt noch im Laufe dieses Jahres in Betrieb kommen kann, damit wird dann endlich die seit der Eingemeindung immer wieder gewünschte Vereinheitlichung im Telephonwesen herbeigeführt. Waren doch die Teilnehmer von Langendreer und Werne, je nach der Lage ihrer Besitzung, den Telephonämtern in Witten, Lütgendortmund, Castrop und selbst Herne angeschlossen. Sie gelangen nach der Betriebseröffnung des neuen Unteramtes in das Teilnehmernetz der Stadt Bochum. Bochumer Stadttheater. Für Montag ist eine Wiederholung von Bruno Franks Schauspiel„Der General und das Gold“ vorgesehen, die der Volksbühne, Serie 1 ihre Plätze reserviert. Frei verkäufliche Karten zum Preise von 0,50 RM. bis 3.50 Reichsmark stehen noch zur Verfügung.— Dienstag gelangt das von Viktor Ahlers vorbereitete Drama von Karl Dankworth„Kanzler in Not“ zur Erstaufführung.(Tageskarten 0,.50 RM. bis 3,50 RM.) In den Hauptpartien sind beschäftigt: Gerhard Meinecke(Der Kanzler), Johanna Koch=Bauer(Johanna von Bismarck), Willi Mayenknecht(Der Kaiser), Gerhard Geisler(Herbert von Bismarck), Kurt Bartz(Graf Schuwalow), Hans Grell(Professor Schwenninger), Adolf Schneider(Lothar Bucher), Harry Buckwitz(von Lucanus, Chef des Zivilkabinetts), Willi Schröder(Korrespondent einer auswärtigen Zeitung). Konzert des Kinderchores Bochum-Linden in Herne Am Sonntag, dem 26. November, findet nachmittags um 6 Uhr, im großen Saale des Volkshauses ein Konzert des Bochum=Lindener Kinderchores statt. Einhundertundzwanzig Kinder, unter der Leitung von Karl=Heinz Rupprecht, Bochum und unter Mitwirkung einer dreißig Kinder starken Musikgruppe werden mit einem Programm aufwarten, das bei allen bisherigen Konzerten in unserem engeren Bezirk sowohl als auch bei der Konzertreise durch Holland größte Beachtung und Anerkennung der Freunde und Kenner von Gesang und Musik gefunden hat. Der Eintrittspreis für das Konzert, welches auch für Herne ein besonderes musikalisches Ereignis sein wird, beträgt 20 Pfa, für Schüler 10 Pfg. Theater=Verein„Hand in Hand“. Wir machen schon jetzt darauf aufmerksam, daß die Wiederholung des großen Bühnenwerkes:„Der Leidensweg einer Mutter", Tragödie in 6 Akten, am Totensonntag, dem 20. November, im Ledigenheim, Düngelstraße, stattfindet. Das bereits bei der ersten Aufführung mit großem Beifall ausgenommene Werk wird auch dieses Mal seine Wirkung nicht verfehlen, zumal die einzelnen Rollen wieder in den Händen bewährter Spieler liegen. Angefahren wurde hier auf der Bahnhofstraße ein Bäckerwagen von einem Motorradfahrer, wobei der Führer des Rades und die Soziusfahrerin erheblich verletzt wurden, so daß sie dem Krankenhaus überführt werden mußten. Heute„Der Zarewitsch". Diese herrliche Operette von Lehar wird am heutigen Montag, abends 8 Uhr, im Strickmannschen Saal von der Dr.=Friedmann=Bühne ausgeführt. Als Gast wurde der Kammersänger Hans Horsten verpflichtet. PNP PITFN IIIAPPD ARBENTER JOSERD Annen. Heute(Montag), den 14. November, kommen wir im Jugendheim zusammen. Wir halten unsere Monatsversammlung ab. Erscheint pünktlich! Rüdinghausen. Heute(Montag) kommen wir um 19 Uhr zu einem Diskussionsabend in der evangelischen Schule zusammen. Rüdinghausen. Jungsalken. Heute(Montag) kommen wir um 16 Uhr in der evangelischen Schule zusammen. Reichsbanner I Ortsgruppe Witten. Montag 19 Uhr: Führerbesprechung: 20 Uhr: Sämtliche Formationen bei Röthemeier.— Dienstag 20 Uhr: Spielleute.— Mittwoch 20 Uhr: Jungbanner.— Freitag 20 Uhr: Pflichtabend. Gewerkschaftliche Zentralverband der Angestellten(Jugendgruppe) Witten=Ruhr. Am Montag, dem 14. November, haben wir um 20 Uhr im Jugen heim einen Lichtbildervortrag über Wilhelm Busch. Zwischendurch Schallplatten. Erscheint vollzählig und pünktlich. 30A., Witten, Jugendgruppe. Heute abend im Jugendheim: Bunter Abend. Kommt bitte alle und jeid pünktlich! Molkerei Kraus umgezogen nach * Ist bei Ihnen gepfändet Sind Sie verklagt Befinden Sie sich in Zahlungsschwierigkeiten Es hilft: Rat und Tat Witten Winkelstraße 2 Stunde 30 Pfennig Schutrumpl Witten Augustastraße 29 Tierngkuntiges SSesteiten des Arbeiter=Gesanqvereins„Freundschalt' Bockum- Volkschor Bockum 1. Das Festkonzert. Der„Volkschor Bochum“ beging die Feier seines vierzigjährigen Bestehens in einer Form, die der gegenwärtigen Zeit und seiner künstlerischen Aufgabe entsprechen. Er gab ein wertvolles Festkonzert, gedachte in einfach würdiger Weise seiner Jubilare und gönnte sich danach kurze Zeit der vergnüglichen Unterhaltung. Das Festkonzert nahm seine Stoffe ausschließlich aus dem Gegenwartsschaffen solcher Kompositionen, die ihren Kompositionen Texte zugrunde gelegt hatten, die inhaltlich dem Empfinden der gedrückten Volksseele Ausdruck verliehen, und die demgemäß auch ihre Vertonung danach eingestellt hatten. Es waren weder Jubelhymnen noch Freudensänge, die zu Gehör gebracht wurden, aber künstlerische Kündungen tiefen Gehaltes. Aus dem ersten Teile interessierten ganz besonders die fünf einstimmigen Lieder mit Klavierbegleitung von Armin Knab. Wir freuen uns, daß der Volkschor die schwierige Aufgabe übernommen hat, diese wegweisenden Chöre zu proben. Zurück zu den einfachsten Motiven führt Knab, man glaubt die alten Psalmen zu hören und aus ihnen heraus der ganzen Naivität reiner Menschlichkeit zu begegnen. Die Darbietung der einstimmigen Chöre setzt fehlerfreie Deklamation und sehr seines Gehör voraus, damit wirklich einstimmig gesungen und doch nicht detoniert wird. Mit Genugtuung können wir feststellen, daß der Chor im ganzen tonlich gut eingestellt war und deklamatorisch=musikalisch phrasierte. Weiter auf diesem Wege, er kommt auch der Vielstimmigkeit zugute, die wieder in den drei Chören von Lendvai auf hoher künstlerischer Stufe zum Ausdruck kam. Gerade die musikalische Auswertung dieser Chöre wurde mit besonderer Hingabe erreicht, Dirigent und Chor setzten sich auf gleicher Linie ein. Den zweiten Teil des Programms füllte die Uraufführung einer von dem Dortmunder Komponisten Hubert Eckartz geschriebenen„Ballade vom Betrieb“ aus. Der Text von Albert Auerbach läßt in Form des Dialogs zwischen Arbeiter(Chor) und Arbeitgeber(Solist) die ganze Profitgier der kapitalistischen Seele sich auftun, die auch nicht davor zurückschreckt, mit dem Tode zu paktieren und alles zu vernichten, wenn die Arbeiterschaft sich gegen ihre Unterdrücker auflehnt. Gedanklich ist dieser Stoff gut behandelt, über die Form läßt sich streiten. Immerhin aber hat es der Komponist verstanden, die formale Textfassung musikalisch vom Inhalte der Dichtung aus so zu behandeln, daß diese im künstlerischen Bilde zurücktritt. Hermann Esser hatte sich für das Studium des Werkes mit ganzer Kraft eingesetzt, und aus der tadellosen Wiedergabe ließ sich der künstlerische Wert desselben erfassen. Der Komponist tritt mit der Gesamtanlage des Werkes nicht aus dem Rahmen des Kantatenstiles heraus, bestimmt aber die motivische Fassung der Chor= und Solosätze aus dem gedrückten und mit Spannung geladenen Lebensgefühl des Proletariers. Aus ihm erklären sich die motivisch bestimmten kurzen Themen, aus ihm die pausenreichen Linien des Chores, aus ihm die verminderten Akkorde in ihrer mannigfaltigen harmonischen und gebrochenen Verwendung. Die Chorsätze sind durchweg klangund wirkungsvoll und die Solopartien entbehren nicht der musikalischen Tiefe in ihrer auf einfache Form gebrachten Klarheit. Der Klaviersatz, so musikalisch gebunden er in seiner mehr charakterisierenden Form sich gibt, ist doch zu farblos, um alle dem reichen Drängen Ausdruck zu verleihen. Vielleicht entschließt sich der Komponist zur Instrumentation. Der Volkschor hatte das Werk studiert, als ob es sich um eine a=cappellaAufführung handelte. Alle Stimmen gaben sorgfältig im einzelnen und im klangvollen Chor ihr Bestes, so daß eine künstlerisch wertvolle Gesamtleistung erzielt wurde. Die Solopartie sang der Solinger Baritonist Franz Hahnenfurth. Der Sänger hielt auf vornehme gesangliche Kultur, auch bei großer Stimmgabe, er gab deklamatorisch sorgfältig behandelten Ausdruck und wußte nicht nur diese Solopartie im ganzen künstlerisch zu gestalten, sondern auch die drei Gretschaninow=Lieder im ersten. Teile des Programms ihrer Stimmung gemäß stimmlich zu behandeln. Am Klavier waltete Dr. Gaston Deimek(Essen) seines Amtes. In den von ihm gespielten Solosätzen zeigte er in Anschlagskultur und sinnvoller Deutung den seinsinnigen Pianisten und in der Begleitung der Ballade verstand er an seinem Teile zum Erfolg des Werkes beizutragen. 2. Die Ehrung der Jubilare. In unmittelbarem Anschluß an das Festkonzert trat der Vorsitzende des Volkschores, Sangesbruder Schumann, vor das den ganzen Schützenhossaal in dichten Reihen füllende Publikum und gab die Namen der Jubilare bekannt. Es waren die Sangesbrüder Brandt(34 Jahre Mitglied), Brauns, Thöne, Hahne(30), Egeling(29), Sommerlad, Mischak(28). Nach einem Chorlied des Volkschors hielt der zweite Vorsitzende des Gaues Westliches Westfalen des DAS., Sangesbruder Röttgen, die Festrede, in der er nach einem geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung der Arbeitersängerbewegung ganz besonders auf bedeutungsvolle Daten des Werdens des„Volkschors Bochum“ hinwies, die Grüße und Wünsche des Arbeitersängerbundes und des Gaues übermittelte und auch die besten Wünsche des Regierungspräsidenten König überbrachte. Er gedachte ehrend der früheren Dirigenten des Chors und aller Mitglieder, die dem Chore ihre Kräfte liehen, und sprach die Wünsche aus, daß viele sich noch berufen fühlen möchten, den Arbeitergesang aktiv zu unterstützen. Mit einem Hoch auf den Deutschen Arbeiter=Sängerbund und den Volkschor Bochum, in das die große Versammlung begeistert einstimmte, schloß der Redner seine anregenden Ausführungen. Nun nahmen die Jubilare vor dem Chore Aufstellung und empfingen aus der Hand des Vorsitzenden die silberne Bundesnadel, wofür der Jubilar Thöne im Namen der anderen den Dank aussprach. Zum Abschluß des Festaktes sangen als Gäste die Chorgemeinschaft Gerthe=Bergen, der Arbeitergesangverein„Wach auf“ Grumme, der Volkschor Bochum=Süd und die Chorgemeinschaft Bochum=Ost dem Jubiläumsverein mit bestem Erfolg begeistert ihre Lieder. Die Darbietungen der übrigen Chöre sprachen so stark an, daß sie sich sämtlich zu einer Zugabe verpflichten mußten, auch der Volkschor Bochum, der als Abschluß den„WachAuf"=Chor sang. Der Beifall steigerte sich zum Schluß zu einer Jubelstimmung. Für die Teilnehmer wurde die vierzigste Jubelfeier des Volkschors Bochum zu einem künstlerischen Erlebnis, das noch lange in ihnen nachklingen wird. Wp. Fünf Nationalsozialisten die Mörder des Bergreferendars Lodde Ein SA.-Sturmführer verhaftet Dortmund, den 13. November. Die Arbeiten der Mordkommission zur Aufklärung des gemeinen Ueberfalles auf den Bergreferendar Bernhard Lodde in der Nacht zum letzten Donnerstag, haben nunmehr zu einer nahezu völligen Klärung geführt. Auch die Einzelheiten des Herganges der Tat sind inzwischen bekannt geworden. Wie bereits berichtet wurde, ist der Bergreferendar Bernh. Lodde, der mit vier seiner Kollegen von der Kaiserstraße durch den Ostenhellweg zur Stadtmitte ging, immer 50 bis 100 Meter vorweg gelaufen. Ab und zu blieb er dann in einer Hausnische oder an einer Straßenecke stehen und versuchte die herannahenden Kameraden zu erschrecken. So ist Lodde auch vom Ostenhellweg in die Mariengasse gelaufen. Er sah dann durch den Ostenhellweg vier bis fünf Personen kommen und hat dann offenbar in der Annahme, daß es sich um seine Kameraden handelt, diesen Personen Scherzworte zugerufen. Es waren aber nicht seine Kollegen, sondern fünf Nationalsozialisten. Auf Grund dieser Scherzworte liefen von diesen fünf Nationalsozialisten zwei, und zwar die beiden ehemaligen SA.= Männer Hubert Pastwa und Rudolf Werdecker, zu Lodde. Auf Lodde wurde sofort eingeschlagen. Von Werdecker, der als guter Boxer bekannt ist, wurde Lodde niedergebort, während Pastwa seine Pistole zog und den tödlichen Schuß auf Lodde abgab. Sofort nach der Tat liefen beide wieder zu ihren SA.=Kameraden, die vor dem Juweliergeschäft Tewes stehen geblieben waren, zurück und ergriffen dann gemeinsam die Flucht durch die Kuckelke, Brüderweg, Stiftsstraße. Die Fahndung nach den beiden Haupttätern, Pastwa und Werdecker, wurde bereits am Freitagabend durch Rundfunk und am Sonntagmorgen durch die Zeitungen bekanntgegeben. Inzwischen sind auch die anderen drei Beteiligten der Polizei bekanntgeworden. Einer von diesen dreien, der SA.=Sturmführer Fritz Geismar, der in Dortmund=Körne, Amt Zehnthof 146 in der Ziegelei Weber wohnt, konnte Sonntag morgen von den Beamten der Mordkommission festgenommen werden. Bei der Durchsuchung wurden zwei Uebungshandgranaten vorgefunden und beschlagnahmt. Eine Handgranate trägt die eingebrannten Zeichen O. G. D. I. Bei seiner Vernehmung gab der SA.=Führer Geismar seine Beteiligung offen zu. Seine Aussagen stimmen auch im wesentlichen mit dem bisherigen Ermittelungsergebnis der Mordkommission überein. Er wurde in Haft behalten. Bezirkstagung der Strafanstaltsbeamten von Rheinland und Westfalen Bochum, 13. November. Der„Bund der Strafanstaltsbeamten und Beamtinnen“, Bezirk Rheinland=Westfalen, hielt am Sonntag nachmittag in der „Bürgergesellschaft“ in Bochum seine Herbsttagung ab. Ortsgruppenvorsitzender Oestreich begrüßte und leitete die Versammlung. Für den Allgemeinen Deutschen Beamtenbund entbot Vorsitzender Born den Gästen den Willkommensgruß. Als Vertreter des Präsidenten des Strafvollzugsbezirks Hamm, Dr. Thiel, überbrachte Oberstrafanstaltsdirektor Anderson, Bochum, die Grüße und Wünsche fü einen erfolgreichen Verlauf der Tagung. Die bisherigen Beiratsmitglieder und Vertreter wurden für 1933 wiedergewählt. Im Mittelpunkt der Tagung stand das Referat des Bundesvorsitzenden Hornig, Berlin: „Beamtenpolitik in der Krise.“ In der Beamtenschaft machte sich heute eine gewisse Lauheit den Gewerkschaften gegenüber bemerkbar. Immer wieder aber müsse man den Beamten die Rechtlosigkeit der deutschen Beamtenschaft in der Zeit vor dem Weltkriege vor Augen halten. Der Redner führte die Erfolge der Beamtengewerkschaftspolitik in der Nachkriegszeit ar. Der Bund der Strafanstaltsbeamten werde nach wie vor für die Erhaltung der Beamtenrechte mit allen Kräften kämpfen. Von gewerkschaftsfeindlicher Seite werde behauptet, die Gewerkschaft habe in Berufsfragen keinen Einfluß. Das Gegenteil aber sei wahr, und gerade der Bund der Strafanstaltsbeamten habe in der Frage des Strafvollzuges ein wichtiges Wort mitreden dürfen. Man setze sich für einen Strafvollzug ein, der eines Kulturvolkes würdig sei. Vor dem Kriege habe man im Strafvollzuge Beamte mit starken Muskeln und einem großen Mundwerk benötigt. Die heutigen Strafvollzugsbeamten seien Menschen mit Geist und Herz. Mit einer Verweichlichung habe das nichts zu tun. Der deutsche Strasvollzugsbeamte habe für seine Arbeit weit über die Grenzen des Landes hinaus Anerkennung gefunden, und zwar zum ersten Male auf dem Internationalen Juristenkongreß 1930 in Präg, auf dem Irland und Belgien den deutschen Strafvollzug als nachahmenswert hinstellten. Der Bund lehne nach wie vor eine Betätigung nach parteipolitischer Seite ab. Parteipolitische Neutralität müsse gewahrt bleiben, da andernfalls im Strafvollzuge unerträgliche Zustände einreißen, würden. Die von nationalsozialistischer Seite betriebene Hetze gegen den Bund sei ergebnislos verpufft und auch in Zukunft werde der Bund, der für die Republik und die Demokratie eintrete, allen Stürmen trotzen. Weiter schnitt der Vortragende Fragen der Personalpolitik des Reiches an. Das Bestreben des„Bundes der Zivilversorgungsberechtigten“, nur Versorgungsberechtigte der Beamtenlaufbahn zuzuführen, müsse man ablehnen. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Bitte an die Mitglieder, dem Bunde auch in Zukunft die bisher erwiesene Treue zu bewahren. Nach einer ergiebigen Aussprache wurden eine Reihe Anträge von Ortsgruppen beraten. Der nächste Bezirkstag soll in Bielefeld abgehalten werden. Zeugen in der Mordlache Röper gelucht Gelsenkirchen=Erle, 12. November. Die Ermittelungen in der Raubsache Röper sind auch weiterhin mit großem Eifer durch die Mordkommission fortgesetzt worden. Bisher ist es nicht gelungen, die Täter zu ermitteln. Das Publikum wird deshalb nochmals dringend gebeten, die Kriminalpolizei bei dieser schwierigen Arbeit mit möglichst zahlreichen Angaben zu unterstützen. Erneut wird darauf hingewiesen, daß auch die scheinbar unwichtigsten Beobachtungen für die Mordkommission von größter Bedeutung sein können. Mitteilungen nimmt jede Polizeidienststelle oder die Mordkommission im Polizeidienstgebäude in Gelsenkirchen=Erle, Bismarckstraße 187, auch zur Nachtzeit, entgegen. Verschwiegenheit wird zugesichert. Kunstleben in Westtalen Stadttheater Bochum Kalman: Gräfin Mariza Die Operette zieht, nicht allein weil leichtes Genre unterhält und von Spannungen befreit, sondern auch weil schmeichelnde Melodien und geschmeidige Rhythmen geliebt werden. Für die frische musikalische Wiedergabe der Gräfin Mariza setzte sich Rudolf Bachmann mit bestem Erfolge ein. Er weiß das Orchester mit leichter Hand zu führen und auch der Bühne einen spritzigen Zug zuzuführen. Siebold hatte seine Inszenierung nur in der Hauptsache auf die Solokräfte eingestellt, denn Chor und Statisterie bewegten sich zeitweilig wie ortsfremd. Die Bühnenbilder Presbers gefielen, wenn auch der Rokokosaal das Auge zunächst etwas verwirrte. Die Tänze Junks klappten. Franzi von Dobay gab schmissig die Gräfin Mariza. Ihre schöne Stimme, ganz besonders in der Höhe von warmem Glanz, hob die temperamentvolle Darstellung. Sehr gut gab sich Hanns van Loewen als Tassilo. Die Stimme des Sängers hat an Fülle gewonnen und strebt deklamatorisch zu pointierten Akzenten, die der Darstellung, die vornehm und glatt sich gibt, zugute kommt. Elisabeth Kluge, deren Stimme nie enttäuscht, war ein liebliches Schwesterlein Lisa. Nießens Zsupan war spielerisch wieder Paraderolle des Abends. Rudolf Hohberg sprach und sang besser als er spielte. Das ewige Beinknicken wird langweilig. Walter Junk versah seine Sprechrolle auch spielerilch mit Schneid. Löffler gab den„literaturkundigen“ Kammerdiener mit gutem Humor und Marianne Horkenbach war die liebe Tante. Das Haus war sehr gut besetzt und verlangte oft Wiederholungen in offener Szene. Wp. Operngaltlpiel in der Schauburg Buer Lortzing: Zar und Zimmermann In der Schauburg in Buer brachte die Friedmann=Bachenheimer=Bühne am Donnerstagabend Lortzings komische Oper „Zar und Zimmermann“ heraus. Das Gastspiel bekam durch die fast ausschließliche Besetzung aller Solorollen mit wertvollen Kräften der Essener Oper ein qualifiziertes Gesicht. Die Ankündigung, daß es sich nahezu um ein Gastspiel der Essener Oper handele, hatte genügt, etwa 1400 Opernfreunde im Schauburg=Theatersaale zu versammeln. Die Orchesterleitung hatte Dr. M. Friedmann. Es schien anfangs nicht ganz einfach zu sein, den richtigen Kontakt zwischen Orchester und Bühne zu finden. Na, immerhin, noch einigen Versuchsminuten klappte es, und die Oper konnte dann als ein harmonisch=einheitliches Gefüge ablaufen. Lothar Lessig, der wertvollste der acht Gäste, sang den Zaren: großer Bühnenroutinier mit wundervoll warmer Stimme. Leo de Leuwe interpretierte etwas zappelig den Zimmergesellen Peter. Drollig der Bürgermeister Paul Hacklands, schelmisch und keck die Marie von Adelheid Hilz. W. Müller, E. Seidel und A. Jäger mimten das Gesandtenkleeblatt. die sechs tragenden Männerstimmen fügten sich zusammen in einer üppigen Fülle von Wohllaut und Tiefklang. Musikalisch den stärksten Erfolg holte sich Lothar Lessig. Vier Ballettkräfte der Essener Oper boten im dritten Akt einen prächtigen holländischen Grotesktanz. Der Gesamteindruck des Abends läßt kleinere Mängel vergessen machen.—.— Am 10. ds. Mts., vormittags verschied nach einem schweren Unfall in seinem Berufe und nach einer 2jährigen, überaus glücklichen Ehe mein innigst geliebter Mani, mein guter Sohn, unser lieber Bruder, Schwager, Onkel. Neffe und Vetter im Alter von 41 Jahren. Die traucrnden Kinterbliebenen. Witten, den 11. November 1932. Die Beerdigung flndet am Montag, dem 14. November 1932, nachmittags 16.30 Uhr, vom Iause Crengeldanzstraße 81 aus statt.— Trauerandacht eine halbe Stunde vorher. Belleidsbesuche dankend verbeten. vom 12 November 1932 BRUSPSATSEMPT Culng=Eindenkorst kars geschaft! Lntscheidungen sind gesallen- Barops schwarzer Jag Im Endscheidungskampf um die Bezirksmeisterschaft standen sich die Dortmunder Favoriten Barop und Eving am Externberg vor ungefähr 2000 Zuschauer gegenüber. Barop hatte seinen schwarzen Tag und verlor hoch 7:0. Einige Meisterschaftsspiele, die noch auszutragen waren, brachten auch Ueberraschungen. Lütgendortmund unterlag Arminia Ickern 2:3. Mit demselben Ergebnis verlor Huckarde gegen Kemminghausen. In der südwestlichen Gruppe überrascht der 4:1=Sieg Essel über Datteln. Eving-Lindenhorlt gegen Barop 96 7: 0. Wer hätte das gedacht? Beide Mannschaften beginnen mit sehr lebhaften Angriffen, als bei einem Vorstoß der Evinger die Baroper Verteidigung sich einen Schnitzer erlaubt, heißt die Partie 1•0. Kaum hatte sich der Beifall der Zuschauer gelegt und innerhalb von zwei Minuten fällt das zweite Tor(Selbsttor). Hierdurch werden die Baroper ausgemuntert. Evings Hüten hat Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Abermals verfällt der Baroper Hüter in seinen alten Fehler. Da er sein Tor verläßt, ist das dritte Tor fällig. Barop kommt nur zu einigen erfolglosen Ecken. Halbzeit. In der zweiten Halbzeit spielen die Evinger mit Wind im Rücken. Nachdem die gegnerische Verteidigung umspielt ist, heißt es bald durch den Halblinken 4:0. Barops Kampfgeist ist aber noch nicht gebrochen. Der Angriff ergibt sich in Ueberkombination, so daß Erfolge ausbleiben. Eving zieht abermals nach vorn, überraschend kommt der fünfte Treffer. Halbrechts erhöht die Torzahl auf 6:0. Ein erneuter Vorstoß der Evinger wird bald durch den siebten Treffer belohnt. Alle Kraftanstrengungen der Baroper werden unterbunden, doch flattern ihre Angriffe zum Schluß noch einmal auf, aber immer rechtzeitig greift Evings Abwehr ein. Selbst das verdiente Ehrentor blieb aus. Die Baroper waren nicht so schlecht, wie das Resultat es vermuten läßt. Lütgendortmund 95— Arminia Ickern 2:3: Durch diesen Sieg kommen die Ickerner auf den dritten Platz der Tabelle. In spielerischer Hinsicht waren sich die Mannschaften ziemlich gleichwertig. Die Gäste sind glücklicher und entführen Sieg und Punkte. Huckarde— Kemminghausen 2:3: Die Huckarder ließen es wiederum an sportlichem Anstand fehlen. Niederlagen müssen auch in vornehmer Manier entgegengenommen werden. Die Platzelf hatte einige Ersatzleute in ihren Reihen. Datteln— Essel 1:4: Nach diesem Sieg muß man annehmen, daß Essel wieder in aufsteigender Form ist. Freiheit Ickern— Wacker Habinghorst 1:2: Beide Mannschaften zeigten ein Spiel, wie man es lange nicht mehr gesehen hat. Durch Elfmeter geht der Platzverein in Führung, welche sie bis kurz vor Schluß halten können. Erst im Endspurt können sie den Ausgleich und Sieg sicherstellen. Um die Meisterschaft der 3. Klasse Dortmund 26— Rasensportverein Hörde 5:2: Das mit Spannung erwartete Treffen endete mit einem klaren Sieg der Dortmunder. Wenn auch zugegeben werden soll, daß die Hörder sehr gutes Können verrieten, waren sie dem technisch hohen Spiel der Dortmunder nicht gewachsen. Außerdem ließ der Sturm den Torschuß vermissen. Die Dortmunder haben gegen Wenn trotz verschiedener gleichwertiger Veranstaltungen am Sonntag das Hauptschwimmfest der Bochumer Arbeiter=Wassersportler einen guten Besuch aufweisen konnte, so ist dies nicht zuletzt ein Zeichen dafür, wie untrennbar der Arbeitersport mit dem Gedanken der sozialistischen Arbeiterbewegung verbunden ist. Die Freien Schwimmer Bochum werben. Der Festakt in der städtischen Badeanstalt, der die Vertreter des Arbeiter=Schwimmsportes der Städte Bochum, Essen und Gladbeck zu einem heißen Wettstreit zusammenführte, war ohne Zweifel eine gutgelungene Veranstaltung. In 3½stündigen, oft spannenden Kämpfen zeigten die Wasserratten, daß der freie Schwimmsport trotz aller reaktionären Versuche die erste Stelle in der Volkserziehung und Ertüchtigung einnimmt. Der Vorsitzende der Bochumer Schwimmer, Genosse Plewa, begrüßte die Gäste und auch die Vertreter der Stadtverwaltung. Mit einem Prolog und dem nachfolgenden Kopfsprung in das Wasser eröffnete die Genossin Koschitzki die Veranstaltung. Dann folgten die Kämpfe. 50= und 100=Meter=Wettschwimmer der Jugend, der Männer und Frauen wechselten in unaufhörlicher Folge mit den verschiedensten Stafetten und Wasserballspielen ab. Das Publikum kargte nicht mit dem Beifall, wenn in der entscheidenden Sekunde die Hand der Sieger sich aus dem Wasser erhob. Von Anfang an lag Bochum in den Punktezahlen in Führung. Auch die gute Technik der Gäste, insbesondere bei den Springvorführungen, vermochte daran nichts zu ändern. Die Kunstreigen der Frauen verdienten unzweifelhaft Lob, und die verschiedenen Rettungsvorführungen waren den starken Wind schwer zu kämpfen. Sie kommen kaum über die Mitte des Feldes hinaus. Hörde ist drückend überlegen, kann aber erst aus einem Gedränge vor Dortmunds Tor zum Führungstreffer kommen. Halbzeit. Hatte Hörde die erste Halbzeit für sich, so änderte sich in der zweiten Hälfte das Bild zugunsten der Dortmunder. Schon gleich nach Wiederanstoß hängt der Ausgleichstreffer in den Maschen. Zur größten Ueberraschung fällt schon nach zwei Minuten durch Selbstverschulden der Hörder das zweite Tor. Nach einer Vorlage von links kann der Hörder Rechtsaußen den Gleichstand herstellen. Das Tor der Hörder gerät von einer Gefahr in die andere. Zu allem Unglück wird auch noch ein Elfer verschuldet, der den Dortmundern abermals die Führung bringt. Kurz darauf prallt ein scharfer Schuß der Dortmunder am Pfosten ab, der Ball rollt ins Tor und die Partie steht 4:2. Nachdem die Dortmunder nochmals einen Elfmeter zugesprochen bekommen, der zum fünften Tor verwandelt wird, scheint ihr Sieg festzustehen. Hörde rafft sich zum Schluß nochmals auf, kommt aber zu keinem Erfolg. Gesellschaftsspiele Kirchhörde blieb mit 1:0 über Roland Dortmund siegreich. Mit 1:0 ging es in die Halbzeit. Nach dem Wechsel spielen die Dortmunder mit Wind, können aber trotzdem nichts zählbares anbringen. Mit einem 1:2=Sieg trennte sich Ickern von seinem Gastgeber Castrop. Hier brachte die größere Erfahrung des Gastes einen knappen Sieg zustande. Das Treffen Meckinghoven gegen Deusen endete mit einem 2:3=Sieg. Erst im Endspurt konnte Deusen durch ein drittes Tor den Sieg sicherstellen. Derne 27 schickte die Unionisten aus Wickede mit einer 3:0=Packung nach Hause. Bis zur Halbzeit stand das Spiel 2:0. Kurz vor Schluß war Derne noch einmal siegreich. Dortmund=West gewann Hansa Dortmund gegenüber mit einem 4:0=Sieg. Will Hansa zur ersten Diesen Ausgang hatten die wenigsten erwartet. Nun macht sich noch ein drittes Spiel nötig. In der Runde der zweiten Mannschaften schaffte es Wanne 09 2.— AWV. Gladbeck 2. verdient mit 3:1. Der Kampf um die zweite Stelle der dritten Gruppe entschied Hassel knapp mit 3:2. Bei den Freundschaftstreffen siegten die getipten Favoriten. Heßler— Hervest-Dorsten 1:1(1:0) Zahlreiche Zuschauer erlebten einen wunderbaren und stets spannenden Kampf. In den ersten 20 Minuten beherrschte Dorsten das Feld, dennoch kann Heßler nach schönem Zuspiel durch den Mittelstürmer in Führung gehen. Bis zur Halbzeit ändert sich trotz schärfster Anstrengungen von beiden Seiten nichts. Danach setzt der Kampf gleich lebhaft und flott ein. Günstige Chancen werden auf beiden Seiten verschossen. Endlich gelingt es dem Linksaußen Dorsten, aus dem Gedränge heraus den Ausgleich zu treten. Jetzt wird der Kampf noch spannender. Das Siegestor hängt dauernd in der Luft, aber der Schlußpfiff trennt von größtem Interesse. In einer Pause unterhielt Kamerad Schöttler die Zuschauer in lustigen Gesprächen und seine oft recht bissigen und verzwickten Satiren und eine verzwickelte Angelegenheit brachte die Zuhörer zu brausendem Gelächter. Bochum siegte mit 61 Punkten vor Gladbeck mit 48 und Essen mit 38 Punkten. Die Resultate: Kraulschwimmen: Frauen 50 Meter: 1. Vollenbruch(Gladbeck) 39.6 Sek., 2. Ostholt(Bochum) 42 Sek., 3. Busch(Gladbeck) 44 Sek. Männliche Jugend 100 Meter: 1. Basener(Essen) 1.11 Min., 2. Neujokat(Bochum) 1.15 Min., 3. Schmerbauch(Bochum) 1.15 Min. Männer 100 Meter: 1. Kruska(Gladbeck) 1.08.5 Min., 2. Bentsch(Bochum) 1.10.4 Min., 3. Schirmacher(Gladbeck) 1.11.5 Min. Sprünge: 1. Rommel (Essen) 243/8 Punkte, 2. Nitzgorski(Bochum) 24½ Punkte, 3. Fahrenholz(Gladbeck) 19½ Punkte. Frauensprünge: 1. Ostholt(Bochum) 23½ Punkte. Lagenstafette 3 mal 50 Meter: 1. Bochum 2.09.2 Min., 2. Gladbeck 2.30 Min. Männliche Jugend 4 mal 50 Meter: 1. Essen 2.27.4 Min., 2. Bochum 2.28 Min., 3. Gladbeck 2.40 Min. Männer 4 mal 100 Meter: 1. Gladbeck 5.19.9 Min., 2. Bochum 5.25 Min. 3. Essen distanziert. Rückenschwimmen: Frauen 50 Meter: 1. Pitrick(Bochum) 43.4 Sek., 2. Ellerholt(Essen) 46 Sek., 3. Jäger(Bochum) 46.6 Sek. 100 Meter Männer: 1. Bentsch(Bochum) 1.16 Min., 2. Fronzeck(Bochum) 1.20 Min. Kraulstafette 4 mal 50 Meter, männliche Jugend: 1. Essen 2.17.5 Min., 2. Gladbeck 2.35.2 Min., Brustschwimmen 50 Meter Frauen: 1. Pitrick(Bochum) 45.4 Sek., 2. Busch(Gladbeck) 46.4 Sek. 3. Adler(Gladbeck) 51.4 Sek. Gemischte Kraulstafette 6 mal 50 Meter: 1. Bochum 3.46.1 Min., 2. Gladbeck 3.46.2 Min., 3. Essen 4.18 Min. Wasserballspiele: Jugend Gladbeck— Bochum 2:4. Männer Gladbeck — Bochum 5:1. Gladbeck— Bochum kombiniert— Essen 2:5. Klasse aufsteigen, muß bedeutend mehr gezeigt werden. Marten blieb mit 4:1 über Kirchlinde siegreich. Die Gäste waren dem Tempo des Platzvereins Marten nicht gewachsen und mußten geschlagen die Heimreise antreten. Langendreer 08 zeigte sich dem Platzverein Habinghorst gegenüber von der besten Seite und trotzte ihm ein 2:2=Unentschieden ab. Mit einem knappen 211=Sieg trennte sich Annen von seinem Gastgeber Brünninghausen. Bövinghausen— Harpen 08 2:0. Der Gast leistete wohl hartnäckigen Widerstand, mußte sich aber der größeren Durchschlagskraft der Bövinghauser beugen. Brackel lieferte seinen erstklassigen Gästen aus Scharnhorst ein ebenbürtiges Spiel. Das Endresultat lautet 3:4. Selm war seinen Gästen(Westfalia Dortmund) gegenüber nicht auf gewohnter Höhe. Erst nach dem Wechsel holten die Dortmunder auf und schossen zwei Tore. Mit einer 4:0=Niederlage schickte Fortuna Dorstfeld Martens 2. Abteilung nach Hause. 4:3 verlief das Tressen zwischen Lünen Rotweiß und LünenSüd. Die beiden Lokalgegner zeigten ein sehr flottes Spiel, welches reich an spannenden Momenten war. Aplerbeck verlor gegenüber dem Platzverein Sölde 4:1. Die Gäste erschienen nicht in bester Verfassung und mußten diese Niederlage hinnehmen. Menglinghausen schlug Rüdinghausen 5•0. In der ersten Hälfte leisteten die Gäste noch erheblichen Widerstand, während in der zweiten Halbzeit der Gastgeber mühelos noch 4 Tore schießen konnte. Mit einem 3:3=Unent= schieden trennte sich der Platzverein Dortmund=Nord von Evings 2. Abteilung. Barops 2. Abteilung trotzte dem Platzverein Eichlinghofen einen 0:3=Sieg ab. Die Baroper waren während des ganzen Spieles leicht tonangebend. Weitere Resultate: Eving— Barop 4•0, Huckarde— Kemminghausen 0:4, Datteln— Essel 0:5, Freiheit Ickern— Habing= horst 1:2, Selm— Westfalia 2:2, Bövinghausen— Gerthe 2:6, Kirchhörde— Roland 1:1, Dortmund=West— Hansa 3:0, Habinghorst— Langendreer 1:2, Brackel— Scharnhorst 4:4, Recklinghausen— Deusen 1:2, Brünninghausen—. Annen 1:3, Dorstfeld— Marten 5:0. Jugend: Ickern— Wacker Habing= horst 1:2, Selm— Westfalia Herne 5:1. unentschieden. Eine Verlängerung war wegen der Dunkelheit nicht möglich. Holsterhausen— Hassel 2:3(2:2): Recht knapp ist für Hassel das Resultat. War bis zur Halbzeit Hassel der Tonangebende, so änderte sich das Bild in der zweiten Hälfte. Holsterhausen holte schnell zwei Tore auf, mußte sich aber von den Hasselern kurz vor Schluß den Siegestreffer gefallen lassen. Hassel muß jetzt Mittwoch das Ausscheidungsspiel gegen Bottrop bestreiten. AWV. Gladbeck 2.— Wanne 09 2. 1:3(1:15: Der Sieg Wannes war verdient. Ihren besseren technischen Leistungen waren die schlecht und zerfahren spielenden Gladbecker nicht gewachsen. Außerdem verschossen sie einen Elfmeterball beim Stande von 2:1. Wanne führt somit in der Runde der Ersten bei den zweiten Mannschaften. Freundschaftskämpfe Ueckendorf=Neustadt— Kolonia Recklinghausen 1:2(0:0): Die bessere Spielerfahrung Kolonias drückte sich merkbar in der zweiten Hälfte aus. Ueckendorf legte sich zwar mächtig ins Zeug, mußte aber der besseren Technik Kolonias glatt unterliegen. Ueckendorf 2.— Rotthausen 2. 1:1. AWV. Gladbeck— Buer=Erle 4:2(1:1): In der ersten Hälfte zeigten beide Mannschaften wunderschöne Leistungen und waren sich stets ebenbürtig. Im weiteren Verlauf kommt Gladbeck gut auf und kann in wenigen Minuten auf 311 erhöhen. Kurz vor Schluß ist Herne nach schönem Zuspiel noch einmal erfolgreich. Scholven— Marl 2:0(1:0): Marl bestritt nach längerer Ruhepause wieder sein erstes Spiel, und konnte auf fremdem Gelände trotz der Niederlage gut bestehen. Ein sicherer Ehrentreffer wurde als Elfmeterball verschickt. Wanne 09— Röhlinghausen 1:2(1:1): Zwar trat der Altmeister in geschwächter Aufstellung an, konnte aber auch eine Absuhr schlecht verhindern. Röhlinghausen zeigte gute Leistungen und wird in den Endspielen noch etwas mitsprechen. Aus dem Lager der Handballer Der Spielbetrieb war mehr als mäßig. In der Sonderklasse wurde das einzige Punktespiel Bottrop=Boy— Wanne von Boy bei starker Ueberlegenheit hoch mit 9:1 gewonnen. Wanne war in keiner Weise dem Altnteister gewachsen. Boys Reserve folgte dem Beispiel der ersten Mannschaft und fertigte Horst jedenfalls bei deutlicher Ueberlegenheit mit 9:1 ab. Die spielstarken Boyer Mädels mußten sich überraschend von Wanne mit 2:0 geschlagen bekennen. Für Wannes Turnerinen ein schöner Erfolg. Das Schülerinnenspiel Boy— Altenessen sah die kleinen, aber fixen Mädels Boys stark überlegen. Der hohe 8:0=Sieg war wirklich verdient, dagegen drehten die Schüler Altenessens den Spieß um und legten Boy mit 7:1 herein. Der Spitzenführer der A=Klasse, Buer 25. konnte seinem Gastgeber, Turner Recklinghausen, in einem flotten und schönen Kampf ein 3:3 abtrotzen. Die Turner zeigten ein schwaches Spiel und kamen nicht recht an ihre Leistungen heran. Buer 25 2. muß es lernen, den Anordnungen des Schiedsrichters zu folgen. Kleinigkeiten dürfen nicht zu abbrüchen führen. Seiwmmmtert in Wachum Meistersucke im Oestischen Land Reßler=Recvest=Dorsten auch im zweiten Treslen unentschieden * Icharse Randsallendkämpfe im Dortmunder Bezick Fr. Ichwimmer endgültig Geuppenmeister Rusen Favorit in der Gruppe Süd der 2. Klasse Es gab im Dortmunder Bezirk, wie es auch erwartet war, scharfe Handball=Endkämpfe, die nun auch zum Teil endgültige Klärung brachten, zumindestens in der 1. Klasse den Gruppenmeister in der Gruppe Ost ermitteln ließen. Nun da die beiden Gegner für das Endspiel, das am 4. Dezember stattfinden soll,, ermittelt sind, werden die Vorbereitungen für dieses bedeutsame Ereignis in Angriff genommen werden können. Wie schon im Vorbericht gesagt, hatten es die Schwimmer recht schwer, ihre Position zu halten und auch im letzten Spiel konnte nur allergrößte Anstrengung das Ersehnte bringen. Brambauer verlor 6:1 Doch nicht so hoch, wie das Ergebnis vermuten läßt, war der Spielunterschied. Vielmehr war es Brambauer, das gleich zu Beginn den Schwimmer=Torhüter überrumpelte und zum ersten Tor einwarf. Lediglich als Brambauer später beim Aufholen der Schwimmer zeitweise mutlos spielten, ließ es so hoch verlieren. In der Halb zeit stand es noch 1:2. Die augenblickliche Spielform der Schwimmer ist gut. So wie hier in der 1. Klasse, so fielen auch in der 2. Klasse zwei Entscheidungen von Bedeutung Kemminghausen rettete durch das 6:2 über die Dortmunder 1. Abteilung die zwei notwendigen Punkte, um mit Bövinghausen gleichzukommen. Wodurch nunmehr ein nochmaliges Spiel dieser beiden Mannschaften um die Gruppenmeisterschaft erforderlich wird. Die 1. Abteilung zeigte sich in diesem Spiel bedeutend stärker wie vordem. Außerordentlich wichtig ist in der anderen Gruppe der 5:1=Sieg Husens über Berghofen, da damit lich den Serienspielen brachte man großes Interesse entgegen. Man kann von ihnen berichten, daß sich der BFL. Voerde nur recht knapp an der Stange hielt, dagegen Jahn Milspe wie auch Hagen 96 es wieder sicher gegen ihre Widersacher schafften. In den Privatspielen überrascht die unverdiente Niederlage des ASV. Westig gegen Dortmund=Hombruch, dagegen kamen die übrigen Ergebnisse ziemlich erwartet. Nur zwei Serienspiele standen im Handballager an. Beide Ergebnisse kamen in ihrer Höhe ziemlich unerwartet. Im Privatspiel Jahn Milspe gegen Wetter 1912 wartete Wetter mit guten Leistungen auf. Am Buß= und Bettag ist man bei den Fußballern wieder recht rege. Der Favorit Milspe bestreitet sein letztes Serienspiel und dessen Rivale, BFL. Voerde, sein vorletztes. Gewinnt Milspe am Mittwoch in Silschede, dann hat es sich für die Gruppenmeisterschaft etabliert, zumindest sich aber an weitaus sicherer Stelle placiert, da Voerde noch am 20. November gegen Hohenlimburg starten muß. Meisterschaftsspiele VFL. Voerde— Sportfreunde Silschede 1:0(1:0). Im Gegensatz zum regulären Serienspiel ging es diesmal ziemlich hart her. Während die Gäste ihre stärkste Vertretung zur Stelle hatten, bemerkte man bei Voerde das Fehlen zweier Besten. Schon beim Wechsel sollte die hartumstrittene Partie mit dem knappesten aller Ergebnisse entschieden sein. Das Resultat wird dem Spielverlauf nicht ganz gerecht, da die Silscheder ihren Leistungen nach ein Unentschieden verdient hatten. Voerde 2. gegen Silschede 2. 2:1. Voerde Jugend— Eiche Berghausen Jugend 3:0. Hagen 96— Jahn Hohenlimburg 9:2(3:1). Trotzdem die Hagener mit drei Ersatzleuten spielten, waren die Leistungen der Mannschaft bedeutend besser wie an den vorhergehenden erstere ihren stärksten Gegner abermals besiegten und damit auch wohl als Gruppenmeister angesehen werden können. Das Spiel selbst hinterließ bis kurz vor Schluß den besten Eindruck. Es wäre zu wünschen, daß zu solchen Spielen, wo es auch mal um die„Wurst“ geht, nicht vergessen wird, warum wir sonst noch spielen. Husen war auch jetzt wieder besser und verstand nach 3:1=Führung in der ersten Hälfte, auch in der zweiten Hälfte noch zwei Tore zu werfen. Aplerbeck hat sich durch den 5:2=Sieg über Wickede endgültig die vierte Stelle in der Tabelle gesichert. Von Wickede ist zu sagen, daß es späterhin nochmal ein ganz achtbarer Gegner werden kann, doch muß Wert darauf gelegt werden, mehr mit den Händen als mit dem Munde zu spielen. Was niemand erwartet hätte Dortmund 4. Abteilung verliert im Gesellschaftsspiel in Lünen=Süd 8:5! Nach all den großen Reden hätte man tatsächlich etwas anderes von der 4. Abteilung erwartet. Da hilft nun kein Ausreden. Zuviel Mannschaftsumstellungen schaden der einheitlichen Spielweise. Es läßt sich nun eben nicht alles übers Knie brechen. Mehr üben als reden scheint hier das richtige Rezept zu sein, soll am 4. Dezember nicht eine große Gelegenheit verpaßt werden. Anders dagegen verstand es die 2. Mannschaft; sie warf die Vorschau über den Hausen und gewann 3:2, während die Jugend 8:1 siegte. Lünen 1b spielte gegen Mengede 1b 3:2 und Dortmund 1. Abt. 2.— Kemminghausen 2. 3:2. Nachzutragen ist noch, daß die 2. Mannschaft von Fr. Schwimmer Dortmund über Brambauer 13:1 im Meisterschaftsspiel gewann. Zum Schluß sei nochmal an pünktliche Resultatmeldung erinnert. Verschiedene Vereine fehlten ganz. 5. Handballbezirk Montag 19 Uhr: Geschäftsstunde. Ausgabe der Fragebogen und Ansetzung der Ausscheidungsspiele. Sonntagen. Durch die Umstellung im Sturm herrschte ein frischer Zug und große Lebendigkeit. Hohenlimburg hatte diese hohe Niederlage wohl kaum verdient, besonders nicht nach den Leistungen der ersten Hälfte. Hagen 96 zweite— Hohenlimburg zweite 12:1. Freier Sportverein Vogelsang— Jahn Milspe 2:8(2:2). Die großen Erwartungen, die man in Vogelsang gehegt hatte, erschienen uns ja von vornherein recht fragwürdig, da die Vogelsanger Mannschaft in diesem Jahre gar nicht in den Vordergrund getreten ist. Wenn auch das Halbzeitergebnis günstig für den Platzverein spricht, reichte derselbe nach der Pause nicht mehr an die Leistungen des Gegners heran. Privatspiele Vorwärts Oestrich— Dellwig 4:3(1:2). Diese Begegnung hat nicht den allerbesten Eindruck hinterlassen, zumal der Platzverein selbst eine harte Note in das Spiel trug. Die Gäste aus dem Sauerland waren in erster Halbzeit leicht im Vorteil, wofür die 2:1=Führung beim Wechsel spricht. Nach demselben Kalter Ostwind weht über die Spielfelder. Im Handball gewinnt Welper 1893 gegen Langendreer 08 8:3 Eingestanden, dieses Resultat bildet auch für uns eine Ueberraschung. Für so schwach hielten wir Langendreer nicht, daß sie mit einem solchen Ergebnis besiegt und schon am ersten Sonntag aus dem Rennen geworfen wurden, denn nach dieser Niederlage sind die Hoffnungen der Anhänger restlos zu Grabe getragen worden. Dreihundert Zuschauer hatten sich trotz des kamen die Dellwiger durch das harte Spiel des Platzvereins nicht mehr recht zur Entfaltung und waren kurz vor Schluß mit 4:3 die Besiegten. Oestrich zweite— Dellwig zweite 0•3. Jahn Eiserfeld— Jahn Weidenau 8:3(5:1). Der Siegener Meister stellt mit jedem Sonntag seine beständige Spielweise immer mehr in den Vordergrund. Am Sonntag mußte Weidenau wiederum dran glauben. An die einheitlichen Leistungen des Meisters kam Weidenau keinen Moment heran. Eisereld zweite— Weidenau zweite 611. ASV. Westig— Dortmund=Hombruch 1:3(0:2). Ein besonders gutes Zeugnis stellt diese Niederlage dem augenblicklichen Favoriten im Lennetal nicht aus. Es soll natürlich die gute Klasse der Dortmunder durch dieses Urteil nicht angezweiselt werden. Es war eben so, daß die Westiger zwar genau so viel vom Spiel hatten, aber vor dem Tore das Schießen vergaßen. Westig zweite— Hombruch zweite 6:0. Gevelsberg=Lichtenplatz— Haßlinghausen 7:2(4:1). Ein einschlägiger Sieg der Gevelsberger, die auch am Sonntag wieder in großer Form waren und die Gäste kaum zur Entwicklung kommen ließen. In beiden Hälften dominierte der Platzverein und konnte wiederum durch seine technischen Leistungen sehr gut gefallen. Lichtenplatz zweite— Haßlinghausen zweite 4•0. Wuppertaler Fußballsport Im Wuppertaler Bezirk war am Sonntag der Auftakt zu den Bezirksmeisterschaftsspielen. Barmen 1911, als Vertreter der zweiten Klasse, stand dem Meister der dritten Klasse, Eintracht Barmen, gegenüber. Die 1911er wurden wider Erwarten mit 2:1 recht unglücklich geschlagen. Nach dem Spielverlauf der zweiten Halbzeit hatte 1911 bestimmt einen Sieg verdient. VfB. Sonnborn heimste einen weiteren Sieg gegen Wuppertaler Sportklub mit 3:1 ein und hält damit weiterhin die Spitze der ersten Klasse. Einige Privatspiele: ElberfeldWest— Barmen=Loh 4:1. Freie Turnerschaft Elberfeld gegen Grün=Weiß Barmen 9:0. Leimbach— 1896 2:2. Rotter Spielvereinigung— Eiche Elberfeld 1:1. Schwelm=Ost erzielte die höchste Quote des Tages gegen Langerfeld mit 14:1 Toren. Der Sportklub Obersprockhövel wartete vergebens auf Eiche Elberfeld. Geringer Betrieb bei den Handballern Hagen 1896— Freiheit Hagen 10:2(6:1). Besser wie erwartet schnitt 1896 gegen seinen Ortsgegner ab. Mit 6:1 stand der Sieg eigentlich schon bei der Pause fest. Hervorragenden Anteil an diesem Sieg hatte die gesamte Hintermannschaft mit Einschluß des Torwarts. Sportfreunde Haspe— Jahn Hohenlimburg 2:11(1:2). Es gibt Mannschaften, denen Vorschußlorbeeren scheinbar nicht gut bekommen; so auch den Haspern. Ein vollständig mattes Spiel nach der Pause. Zwar ging Haspe mit 1:0 in Führung, aber dann war es schon gleich mit der Kunst vorbei. Privatspiele Jahn Milspe— Wetter 1912 7:5(4:3). Die Wetteraner gaben in Milspe eine vorzügliche Figur ab. Die gesamte Mannschaft hat entgegen früherer Zeit wieder eine ansehnliche Spielstärke erlangt. Milspe hingegen reichte nicht an seine sonstigen Leistungen heran, hatte aber auch in erster Halbzeit vielfach Pech mit seinen Würfen. Milspe zweite— Wetter zweite 9:8. Wuppertaler Handballsport: Tus Uellendahl— Freie Turnerschaft Elberfeld 6:2. Haßlinghausen— Wuppertaler Sportklub 3:4. Blau=Weiß Velbert— Freie Turnerschaft Mettmann 3:4. ASV. Barmen— ASV. Remscheid 3:10. Eiche Elberfeld— Eiche Berghausen 3:8. eisigen Ostwindes eingefunden. Diese Unentwegten sahen ein Spiel, in dem Welper stark in Front lag und Langendreer selten so zerfahren spielte als gerade hier. Welper ist schon 3:0 in Führung, als Langendreer den ersten Gegentreffer anbringt. Doch steht das Resultat vor der Pause schon 4:1. Nach der Pause holt Welper einen Vorsprung von 7:1 heraus, bis sich Langendreer besinnt und zwei Tore entgegensetzt. Und zum Schluß steht das Ergebnis auf 8:3. Damit hat Welper gute Aussichten in dem Spiel gegen Herne. Im Fußball Aus der Guete kach Grappenmerstern Gemischter Spielbetries in Südwestialen Südwestfalens Spielbetrieb war ziemlich vielseitig. NamentBochum ermittelt seine Reister Freundschaltsspiele Bilden das Rahmenprogeamm Wiedernsrung Auen in 1. Mezten Ein abgebrochenes endspiel und ein Unentschieden Der Sonntag brachte im 10. Bezirk keine Entscheidung. Das Spiel Billmerich gegen Massen wurde vom Schiedsrichter abgebrochen, wodurch eine Wiederholung erforderlich ist. Der Altmeister Bockum=Hövel konnte gegen Massen nur ein Unentschieden herausholen. Durch diese Spielresultate ist die Meisterfrage im 10. Bezirk noch offen. Die Freundschaftsspiele verliefen fast vorschaugemäß. Meisterschaftsspiele Das Spiel Billmerich— Holzwickede wurde vom Schiedsrichter nach 36 Minuten abgebrochen, beim Stande von 1•0 für Holzwickede. Die Hintermannschaft von Billmerich war für die Holzwickeder Stürmer ein kaum zu nehmendes Bollwerk. Da aber der Holzwickeder Sturm in Hochform war, wurde dieses Hintertrio einmal überwunden. Der Altmeister Bockum=Hövel mußte, trotzdem er bis kurz vor Schluß in Führung gelegen hatte, sich ein Unentschieden von Massen gefallen lassen. Die Gegner trennten sich beim Stande von 2:2. Die zweite Mannschaft von Massen gewinn knapp mit 1:0. Freundschaftsspiele Union Wickede trat in Rünthe nicht an. Es ist daraus vielleicht zu verstehen, weil Rünthe am 5. 11. in Wickede auch nicht angetreten ist. Herringen mußte sich entgegen aller Voraussage in Wiescherhöfen mit einem 1:1=Unentschieden zufrieden geben. Die zweite von Wiescherhöfen konnte die gleiche von Herringen mit 2:0 nach Hause schicken. Da HammStadt mit Ersatz antreten mußte, wurde sie mit dem Resultat von 4:1 von den Kreisstädtern geschlagen. Die zweite Rannschaft von Hamm=Stadt verlor 4:0. Blauweiß Ahlen gegen Ostwennemar sicher mit 2:0. An diesem Sieg haven der Mittelläuser und der rechte Verteidiger den Hauptanteil. Ostwennemar setzte diesen guten Eifer entgegen. — Oespel ließ Bergkamen vergebens warten. Dies ist bereits zum wiederholten Male geschehen. Der Bezirksausschuß wird sich jetzt mit der Sache zu beschäftigen haben. Oberraden mußte sich auf eigenem Platze eine Niederlage von 2:0 von Kamen gefallen lassen. Im Spiel der zweiten siegte Kamen 4•0. Königsborn fertigte den Klassenhöheren Heeren mit 4:2 ab. Im Spiel der zweiten behielt Heeren mit 4•0 die Oberhand. Das Samstags=Spiel Blauweiß Ahlen — Beckum endete mit dem Resultat von 3:2 für Ahlen.— Da eine Spielerbörse vorläufig nicht stattfindet, können Spielabschluß des Montags in den Geschäftsstunden im Volkshaus in Hamm getätigt werden. Der Bezirksausschuß. Handball Die Handballspiele im 10. Bezirk wurden fast alle dem Typ gerecht. Eine Ueberraschung bringt die Niederlage des Gruppenmeisters Massen in Rünthe. Massen mußte sich eine Niederlage von 5:4 gefallen lassen. Der Sieg für Rünthe wäre vielleicht noch höher ausgefallen, wenn der Mittelläufer von Rünthe in etwa seine frühere Form erreicht hätte. Im Spiel der zweiten stellte mit 7:3 Massen den Sieger. Heeßen weilte im 5. Bezirk bei Lünen. Daß Heeßen auch ohne Wurfkanone gegen gute Gegner bestehen kann, zeigt das Spiel, das sie in Lünen mit 6:6 austrugen. Die zweite Mannschaft gewann überlegen mit 7•0. Die Schüler von Heeßen mußten sich gegen Werries eine 5:3=Niederlage gefallen lassen. Werne siegte gegen die nur mit 9 Mann spielenden Kaiserauer mit 6:2. Die Schutzsportler aus Herringen standen Oberröding= hausen gegenüber. Die Herringer zeigten durch Neueinstellung eine stärkere Einheit und konnten das Spiel mit 7:1 gewinnen. Oberrödinghausen wehrte sich tapfer, kam aber für einen Sieg nie in Frage. Es war ein gutes Werbespiel. wurde das Spiel Stockum— Bergen ein Opfer einer Autopanne, die Bergen überraschte und die die Unionisten erst um 4 Uhr zum Kampfplatz brachte. Eine Mahnung für den Bezirksausschuß sollte dieses Spiel sein, in Zukunft keine Spiele auf so entlegene Plätze zu legen. Das zweite Rundenspiel der Fußballer sah die Paarung Altenbochum 01 gegen Bochum-West vor. Mit Wind spielt Altenbochum und übernimmt nach 20 Minuten Spieldauer die Führung. Doch 10 Minuten später erfolgt durch einen Elfmeterball der Ausgleich. Nach der Pause scheitern aber alle Angriffe der Wester an der guten Verteidigung der Altenbochumer. Doch auch der Sturm der Altenbochumer schoß noch zwei Tore und holte sich so den Sieg. Schwarz=Gelb Gerthe— Kornharpen 3:2. Zwei gleichwertige Gegner. Der Gast geht zuerst in Führung, doch gleicht der Platzverein durch eine schöne Kombination aus. Dann ist wieder Kornharpen in Führung und wieder erfolgt der Ausgleich und der Siegestreffer. Laerfeld— Welper 3:.2 Die junge Laerfelder Mannschaft konnte die starken Welperaner mit einem knappen Sieg nach Hause schicken. Bommern— Durchholz 5•0. Stockum— Bommern 3:1. Damit die Kasseneinnahme in Bommern nicht ganz ins Wasser fiel, spielte Stockum gegen Bommern ein Freundschaftsspiel. Hier siegte Stockum klar mit 3:1. Bonsfeld— Wattenscheid 4:3. Auch hier ein Spiel zweier Gleichwertiger, das nur mit einem knappen Sieg des Platzvereins beendet wurde. Waldesrand Linden— Blauweiß Eppend orf 111. Weitmark— Wiemelhausen 2:1. Herne 07 — Grumme 0:0. An der Bergstraße gab es einen scharfen und gleichwertigen Kampf, wobei keine Mannschaft Sieger wurde. Sportklub Linden— Sparta 2•0. Wochentagsspiele: Altenbochum 01— Kornharpen 1:4. Freitag spielte Sodingen gegen Laerfeld und siegte knapp mit 3:0. Blauweiß Eppendorf— Weitmarmark 3•4. Untere Mannschaften. 2. Schwarzgelb— 2. Kornharpen 3:3. 2. Laerfeld— Welper 2:3. Jugend Stockum— Jugend Dortmund=West 2:2. Schüler Stockum— Schüler Dortmund=West 1:0. 2. Bonsfeld— 2. Wattenscheid 1:2. Alte Herren Bonsfeld— Alte Herren Wattenscheid 2:2. 2. Eppendorf— Waldesrand 1:1. 2. Weitmarmark— Wiemelhausen 5:1. 2. Herne 07— 2. Grumme 1:4. 2. Sportklub Linden— Sparta 2:1. Dortmunder Mittwochslußbalt Terienkämpfe bei den Achleten VfB. Habinghorst hat Marten zu Gast. Trotzdem Marten sich in letzter Zeit gut herausgemacht hat, dürften sie sich doch kaum gegen die starken Habinghorster behaupten können. In der südwestlichen Gruppe hat Castrop Datteln verpflichtet. Trotzdem beide Gegner sich ebenbürtig sind, geben wir hier Castrop doch die größere Chance,— Wacker Habinghorst fährt nach Recklinghausen. Der Gastgeber Recklinghausen 06 hat sich bisher als der stärkere Gegner erwiesen und es wird sich für die Gäste kaum eine Niederlage vermeiden lassen. Freiheit Ickern hat Gäste aus Meckinghoven. Spielerisch und taktisch sollte der Gast seinem Gegner etwas voraushaben, doch steht der Sieg offen. * Gesellschaftstreffen In der Begegnung Barop 96 gegen Deusen erblicken die Sachverständigen eine Kraftprobe der Gruppe 1 und 2. Lütgendortmund 95 verfügt über eine beträchtliche Spiel= stärke. Dieses sollte dem Gast aus Bochum=Laer zu denken geben und seine Spielweise von vornherein auf Sieg einstellen. — Im Treffen Dortmund 26 gegen Menglinghausen glauben wir nicht, daß die Gäste, die zwar über eine annehmbare Spielweise verfügen, sich gegen die mächtig aufkommenden Dortmunder durchsetzen können. Ein sehr flottes Spiel mit spannenden Momenten dürften Eichlinghofen und Annen liefern. Die bessere Sturmreihe sollte den Sieg entscheiden. Derne 27 wird in Hörde kämpfen. Die Hörder vergaßen um die Klassenmeisterschaft das Tor zu treten. Die Gäste dagegen spielen einen flotten Ball. Berghofen stellt sich der kampferprobten Mannschaft Dortmund=West, um die im Hinspiel erlittene hohe Niederlage wett zu machen. Der Sieg dürfte aber den Westlichen sicher sein. Eine interessante Angelegenheit wird das Treffen Kemminghausen gegen Eving 2. Abtg. werden. Die Gastgeber zeigen flottes Draufgängertum und sollten Evings Mannen wieder zu viel kombinieren, ist deren Niederlage unvermeidbar. Westfalias Elf versteht zu kämpfen und sollte im Kampf gegen Fortuna Keller siegen. Zwischen Scharnhorst und Schüren wird es heiß hergehen. Schüren steigt auf. Der Ausgang dieser Begegnung wird zeigen, wie sich die Mannschaft in der ersten Klasse bewähren wird. Wenn Brackel 19 sich Barop 2. Abteilung zu Gast lädt, muß die Elf auf der Hut sein, wenn eine Niederlage vermieden werden soll. Die Gäste befinden sich Zunächst ein Wort an die Vereine: Bedauerlicherweise werden die Meldungen über Veranstaltungen nicht so korrekt erledigt, wie das im Rundschreiben der Bezirksleitung den Vereinen aufgegeben war. Für die Berichterstattung ist es unbedingt notwendig, daß die Richtlinien der Bezirksleitung beachtet werden, sonst ist sie nicht ordentlich durchzuführen. Von den Kämpfen des Sonntags fehlt uns zum Beispiel jede Uebersicht. Es gelang lediglich, das Resultat von Marten(gegen Siegfried Hörde) hereinzuholen, und dabei wurde auch(verspätet) das Ergebnis des Boxkampfes Marten— Dortmund 04 bekannt.— Martens Ringermannschaft hatte am Samstag abend einen glücklichen Tag. Sie legte Siegfried Hörde großartig herein. Mit 18:10 mußte Hörde geschlagen heimziehen. Zu bemerken ist freilich, daß Siegfried mit Ersatz startete. Trotzdem muß gesagt werden, daß Hördes Mannschaft, die nach dem ersten und gutbestandenen Start gegen Dorstfeld zu großen Hoffnungen Anlaß gab, seitdem sich wenig durchsetzte und enttäuschte. Zwar sind noch nicht alle Aussichten auf einen guten Platz verloren, aber dann heißt es, sich zusammennehmen.— Im Kampf um den Titel konnten auch Martens Boxer einen schönen Sieg über Attilas Boxer buchen. Damit haben sie erneut gezeigt, welch achtbarer Gegner sie sind. Bei der Martener Sportgemeinde scheinen sie sich bereits große Sympathie erobert zu haben, denn ihre Veranstaltungen zeigen ein volles Haus. Marten— Siegfried Hörde. Fliegengewicht: Klein in guter Form und haben überzeugende Siege hinter sich. Ein Treffen Lünen=Süd gegen Brambauer beanspruchte seit je ein besonderes Interesse. Augenblicklich stellt Lünen die bessere Elf. Die wieder stark im Vordergrund stehenden Kirchhörder werden gegen Holzwickede vor einer schweren Aufgabe stehen. Wie sie sich dieser entledigen, sollte von der Angriffsstaffel abhängen. Auch Titania Essel hat sich vor eine schwere Aufgabe gestellt, wenn sie Colonia Recklinghausen=S. zu Gast lädt. Die Gäste aus dem 13 Bezirk befinden sich in bester Form und Titania sollte die beste Garnitur auf den Platz bringen. Asseln mißt sich mit Massen, wobei letztere die bessere Elf stellen. Sie stehen (Marten) siegt nach 9 und 3 Minuten über Meyer(Hörde). — Bantamgewicht: Wendemuth(Marten) und Scharse(Hörde) ringen in beiden Gängen unentschieden.— Federgewicht: Meermann(Marten) besiegt Schmidt (Hörde) nach 9 und 4 Minuten.— Leichtgewicht: Sendzik(Marten) und Rost(Hörde) trennen sich zweimal nach 10 Minuten unentschieden.— Mittelgewicht: Günther (Marten) triumphiert nach 1 und 4 Minuten über Neumann (Hörde).— Halbschwergewicht: Sieweke(Hörde) teilt sich mit dem Martener die Punkte.— Schwergewicht: Preuß(Marten) unterliegt gegen Plambeck(Hörde) nach 2 und 4 Minuten. Resultat der Vorrunde und Rückrunde je 9:5, Gesamtresultat 18:10 für Marten. Boxkampf Herkules Marten— Attila 04 Dortmund: Paviergewicht: Ferlemann(Marten) siegt über Diestelhof(Attila) klar nach Punkten.— Fliegengewicht: Windgasse(Marten) und Becker(Attila) boxen unentschieden.— Bantamgewicht: Bergmann!(Marten) und Butt(Attila) kämpfen ebenfalls unentschieden.— Federgewicht: Bergmann II(Marten) erzielte gegen Pasling(Attila) in der zweiten Runde einen K. o.=Sieg.— Leichtgewicht: Rozoll(Marten) und Diestelhof! (Attila) irennen sich unentschieden.— Weltergewicht: Nolle(Marten) zwingt in der zweiten Runde Bieling (Attila) zur Aufgabe.— Mittelgewicht: Krumnacker (Marten) bringt seinen Gegner Kranefeld(Attila) ebenfalls zur Aufgabe des Kampfes.— Halbschwergewicht: Kaufmann(Marten) unterliegt gegen Berger(Attila) nach Punkten. Es war der schönste Kampf des Abends. Gesamtresultat 11:5 für Marten.— Ein Schülerkampf(dis 60 Pfund): Der Martener Beck II verliert gegen Wenzel (Attila) nach Punkten. im Endkampf um die Bezirksmeisterschaft und dürften auch dieses Spiel gewinnen. Weitere Handballspiele im Bochumer Bezirk brachten folgende Ergebnisse: Hattingen— Herne 3:9. Beim Großkampftag in Witten siegte Witten gegen Rüdinghausen mit 14:6. Untere Mannschaften: 2. Witten— 2. Rüdinghausen 12:3. Schüler Witten— Schüler Wetter 10:3. 2. Schüler Witten— 3. Schüler Witten 0:2. 2. Mannschaft Hattingen — 2. Herne 3:9. Jugend Herne— Jugend Hattingen 3:4. 1. Bochum=Hammer— 1. Horsthausen 6:3. Sportbetrieb im bürgerlichen Lager: Beutschrand schraut Ften Der Länderborkampf der Amateuce in dee Doctmunder Westsalenkalte 10000 Tusckauer Radrennen in Münlter In der Halle Münsterland wurden volkstümliche Amateurradrennen durchgeführt, die von 2000 Zuschauern sehr gut besucht waren. Es gab ein Fliegermalfahren mit zahlreichen Vorläufen, dann ein Mannschaftsfahren, wobei erst die auswärtigen Fahrer, dann die Einheimischen jeweils 100 Runden fuhren, worauf dann die jeweils vier besten den 300=Runden=Endkampf bestritten. Fliegermalfahren: 1. Nörmann(Münster), 2. Walter(Leipzig) ¾4 Lg., 3. Grothuis(Münster), 4. Mühr(Dortmund). Mannschaftsfahren über 100 Runden für Auswärtige: 1. Clausmeyer=Sogurna(Dortmund) 30 Punkte, 21,05 Minuten; 2. Thiel=Schäfer(Dortmund) 13 P.; 3. Walter=Bröcking(Leipzig=Dortmund) 6 P.; 4. Kretschmer=Schmidt(Dortmund) 5 P. 300-Runden=Mannschaftsfahren: 1. Wenning=Niermann 26 P., 1:04:46; 2. Grotegut=Tertilden 14 P.; 3. Walter=Bröcking 12 P.; 4. Clausmeyer=Sagurna 11 P.; 5. Grothuis=Alberti 5 P.; eine Runde zurück: 6. Thiel=Schäfer 14 P.; 7. Kretschmer=Schmidt 11 P.; 8. Hermannsen=Pöpping aufgegeben. Die für den nächsten Samstag in Münster vorgesehenen Berufsfahrerrennen sind um acht Tage auf den 26. November verlegt worden. Pokallpiele in 3 Bezirken Ruhrbezirk: Tus. Bochum— Henrichshütte 3:0. Germania Bochum— LFC. Laer 5:1. Preußen Steele— MBV. Linden 1:1. STV. Werne— SpVg. Welper 3:2. Germania Herne — Castrop 02 1:0. Westfalia Herne— Borussia Dortmund 2:0. Castrop 11— VfL. Hörde 4:3. Hörder SC.— TuBV. Mengede 3:1. Schwarz=Weiß Essen— Werden 1912 2:1. BV. Altenessen— Schwarz=Gelb Gladbeck 2:1. Essen=West 81— Preußen Essen 1:2. Horst=Emscher— VfB. Essen=Nord 1:7. VfL. Sportfr. Essen— Preußen Gladbeck 2:0. Essen 99— Rot=Weiß Essen 1:1. SV. Höntrop— Erle 08 1:3. CfR. Rotthausen— Union Gelsenkirchen 1:2. Gelsenkirchen 06— Gelsenkirchen 07. Südwestfalenbezirk: Neheim 08— Hüsten 09 1:3. Hagen 10— Milspe 11 1:2. Hagen 72— Wetter 10 3:2. SC. Lichtenplatz— Hagen 11 2:3. SpV. Olpe— VfB. Weidenau 1:0. Germania Mudersbach— SVg. Altenseelbach 10:2. Jugend Betzdorf— SC. Brachbach 2:4. Meistersch.=Sp. Sportfr. Siegen Jahn— Werdohl ausgef. Westfalenbezirk: SpVg. Herten— Union Recklinghausen 411. SuS. 13 Recklinghausen— SC. 08 Münster 1:3. Hammer SpVg.— Schwarz=Gelb Unna 2:3. Vikt. Recklinghausen — SuS. Hüls 1:0. Preußen Münster— VfL. Münster 2:2. VfL. Osnabrück— Schwarz=Weiß Osnabrück 4:2. SpVg. Bielefeld— SuS. Gütersloh 2:1. Union Herford— SuS. Herford 3:2. Westfalia Brackwede— Arminia Bielefeld 1:2. Rheine 09— Borussia Rheine 0:4. SpVg. Bockum=Hövel— SC. 08 Unna 3•4. BV. Heeren— Westfalia Ahlen 2:1. BV. Dellbrück— Teutonia Lippstadt 2:1. Meisterschaftsspiel: BfJ. 08 Paderborn— SuS. Ahlen 3:3. Schalke 04 liegt in Hannover Im norddeutschen Südbezirk stand am Sonntag der Freundschaftskampf Arminia Hannover— Schalke 04 im Mittelpunkt der fußballsportlichen Geschehnisse. Der westdeutsche Meister blieb mit 3:2(1:0) nur knapp erfolgreich, zeigte aber den über 10000 anwesenden Zuschauern in technischer und taktischer Hinsicht ein großes Spiel. Allerdings werden die Besucher, die Die Dortmunder Westfalenhalle stand am Sonntag mal wieder im Zeichen des Boxsports. Ein Amateurländerkampf Deutschland gegen Polen hatte über 10000 Zuschauer angelockt, die in sportlicher Beziehung nicht enttäuscht wurden. Deutschland trat mit seiner stärksten Mannschaft an und kam zu einem eindeutigen Siege. Von den acht ausgetragenen Kämpfen konnten die Polen nur einen gewinnen. Es war ein festlicher Rahmen, in den man diesen Länderkampf gestellt hatte. Zunächst wurden die beiden Staffeln stürmisch begrüßt. Dann spielte man die Landeshymnen ab und nach den Reden der Verbandsführer stiegen die spannenden Kämpfe. Der siegreichen deutschen Mannschaft wurde zum Schluß der Schmeling=Pokal überreicht, während die Gäste eine Stiftung des Dortmunder Oberbürgermeisters in Empfang nahmen. Den Reigen eröffneten die Fliegengewichtler Polus(Polen und Spannagel (Deutschland). Der Deutsche landet einige Haken, worauf Polus vorsichtiger wird. Spannagel beherrscht das Feld und treibt seinen Gegner drei Runden lang durch den Ring. Der Tore sehen wollen, etwas enttäuscht gewesen sein. Bei Schalke spielte Czepan Mittelläufer und tat sich hier besonders hervor. Seine vorzügliche Ballbehandlung und die genaue Abgabe der Bälle waren kaum zu überbieten. Der Sturm dagegen konnte nicht so befriedigen, er arbeitete viele Gelegenheiten heraus, die aber nicht ausgenutzt wurden. Immerhin ist der Sieg verdient. Tibulski, Rothardt und Kuzorra waren die Schalker Torschützen, während für Arminia Wolpers beide Tore schoß. Berliner Sechstagerennen Im Berliner Sportpalast rollt ein Sechstagerennen, das am Sonntagabend folgende Placierung aufwies: 1. BuschenhagenResiger 388 Punkte; 1 Runde zurück: 2. Tietz=Schön 637 Punkte; 3. Funda=Maidorn 437 Punkte; 4. Siegel=Thierbach 337 Punkte: 5. Buysse=Billiet 294 Punkte: 6. Rieger=Ehmer 208 Punkte; 7. Gebr. Nickel 162 Punkte; 2 Runden zurück: 8. Broccardo=Guimbretiere 324 Punkte; 3 Runden zurück: 9. van Kempen=Pijnenburg 197 Punkte; 10. Maczynski=Bresciani 107 Punkte; 11. Miethe=Becker 95 Punkte. Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen Die Frage der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Amateurringen ist noch nicht endgültig entschieden. Es wird nun doch voraussichtlich zu einem Titelkampf zwischen den beiden Schlußgegnern Hörde 04 und Heros Dortmund kommen. Ein Beschluß darüber wird am kommenden Mittwoch fallen. Beide Mannschaften lieferten sich am Sonnabend in Hörde einen Freundschaftskampf. Hörde war über die mit Ersatz für Meyer, Sperling und Bottner antretenden Dortmunder mit 13:4 Punkten erfolgreich. Punktsieg war gerecht. Im Bantamgewicht zeigte Ziglarski (Deutschland) gegen Forlanski(Polen) sein übergroßes Können. Der Pole kam erst gar nicht zur Besinnung und schon nach einer Minute und zehn Sekunden mußte er nach vorherigen Links=rechts=Schlägen auf einen rechten Haken zu Boden. Jubel durchbraust das Haus. Zigarski ist k. o.=Sieger und hat mit diesem Kampf seinen 19. Länderkampf und 220. Kampf überhaupt absolviert. Aeußerst dramatisch verlief auch das nächste Gesecht im Federgewicht zwischen Jakubowski(D.) und Sibinski(P.). Der Pole muß zunächst hart einstecken. In der zweiten Runde ist er wieder vollkommen„fit". Wie sehr auch Jakubowski später aus sich heraus geht, der Pole nahm alles hin, ohne die Bretter aufzusuchen. Des Deutschen Punktsieg war verdient und stand nie in Frage. Der Dortmunder Schmedes wußte im Leichtgewicht zunächst mit seinem Gegner Arski(P.) nicht viel anzufangen, da jener sich als ein eigenartiger Ringfuchs entpuppte. Der Pole hielt viel und rettete sich dadurch vor manch gefährlichen Situationen. Schmedes forciert das Tempo, zwingt den Gegner mehrfach zu Boden. Aber zu einem dramatischen Ende kommt es nicht, obgleich Schmedes haushoher Punktsieger wird. Der schwächste Mann in der deutschen Staffel war im Weltergewicht der Herner Stratmann, der gegen den Polen Garncarek nicht allzu viel zu bestellen hatte. In der zweiten Runde erwischte ihn der Pole in der Ecke, so daß der Herner bis 8 zu Boden muß. Und noch ein zweites Mal ist der Westfale benommen, doch diesmal rettet der Gong. Später haben des Deutschen Schläge an Wirkung verloren. Der Punktsieg des Polen war verdient. Im Mittelgewicht schlug Bernlöhr (Deutschland) den Polen Chmielewski. Zunächst läßt der Deutsche kommen, was kommt. Der Pole greift an. Doch dann geht auch Bernlöhr aus sich heraus. Der Pole ist flink und versteht sich allen Situationen anzupassen. Bernlöhr kämpft weiter, ohne sich besonders anzustrengen, da sein Punktsieg nicht in Frage stand. Im Halbschwergewicht lieferten sich Berger(D.) und Tomaszewski(P.) einen dramatischen Kampf. Der Deutsche wird zunächst zweimal erwischt. Dann ist Berger im Angriff und zwingt seinen Gegner bis 4 auf die Bretter. Gleich ist der Deutsche wieder hinterher und der Pole bleibt förmlich in den Seilen hängen, als das„Aus“ des Ringrichters ertönt. Berger wird mit Beifall überschüttet, da niemand mehr an den Sieg des Duisburgers geglaubt hatte. Im Schwergewichtskampf trug der Münsteraner Kohlhaas über den Polen Cielenski einen sicheren Punktsieg davon. Die boxerische Ueberlegenheit des Deutschen zeigte sich besonders in der zweiten Runde. Der Pole blutete zum Schluß aus einer Rasenverletzung sehr stark. Die anschließende S#egcrehrung nahm Reichssportwart Mandlar vor. Der Nauerunsz. Von Ernst Friedmann (Nachdruck verboten.) Der Gatte(trommelt ungeduldig mit beiden Fäusten an die halbgeöffnete Tür): Hallo! Was sind das für neue Einführungen? Am hellichten Tag die Sicherheitskette vorzulegen — hallo! Anna, wo stecken Sie denn? Minna! Minna! Na was ist denn?! Wer ist denn eigentlich zu Hause? Die Gattin(kommt, tief verstört, in ein Matinee gehüllt und lugt vorsichtig aus der Zimmertüre. Stockend): Du bist es?(Sie löst die Kette.) Der Gatte(eintretend): Ja, ich bin's! Warum hast du eigentlich die Kette— aber wie du aussiehst?! Die Gattin(lehnt sich, am ganzen Körper zitternd, an die Vorzimmerwand zurück und stammelt): Gott sei Dank, daß du da bist. Ich hab mich so geängstigt. Der Gatte: Warum hast du dich denn geängstigt?(Er klopft ihr die Wangen.) Armes Minchen. Du bist ja grün wie eine Gurke. Wo ist denn die Anna? (weinerlich): Das ist es ja eben! Gerade Die Gattin heute! Wo das Mädchen Ausgang hat. Der Gatte: An einem Wochentag hat sie Ausgang? Die Gattin: Ja, sie hat mich gebeten— ihr Bruder— Der Gatte(mißtrauisch): Duun! Die Sache gefällt mir nicht! Vor allem wird abgesperrt und der Schlüssel abgezogen. So! Und nun komm! Die Gattin(dunkelrot werdend): Wohin? Der Gatte: Von Zimmer zu Zimmer. Wehe dir—— Die Gattin(nach einer kurzen Pause): Das ist eine Gemeinheit von dir, mich so zu verdächtigen! Der Gatte: Keine Ausflüchte! Wenn sich die Sache in Wohlgefallen auflöst, werde ich dich um Verzeihung bitten. Dann magst du toben oder schmollen oder dich scheiden lassen. Ist mir gleich. Vorläufig habe ich noch alle Ursache—— Die Gattin: Du bist wahnsinnig! Der Gatte: Warum warst du eigentlich so aufgeregt? Ich war über dein Aussehen anfänglich nur erschrocken; machte mir aber weiter keine Gedanken, so lange ich noch glaubte, daß die Anna zu Hause ist. Und warum hattest du die Kette vorgelegt? Die Gattin(nach einer neuerlichen Pause): Ich sollte dir auf diese schamlosen Verdächtigungen gar nicht antworten, aber ich bin klüger als du. Also höre!(Sie sprudelt hervor): Ich lag auf dem Sofa und glaubte im Halbschlaf leichte Schritte in deinem Arbeitszimmer zu hören. Ich rief nach der Anna, erinnerte mich aber dann erst, daß ich allein in der Wohnung bin. Vor Schreck fast gelähmt, konnte ich mich nur mühselig erheben und suchte vorsichtig die ganze Wohnung ab; habe aber niemand gefunden. Jetzt erst legte ich die Kette vor. Noch immer ängstlich und nervös, legte ich mich wieder nieder und tunkte ein. Dein Getue an der Tür hat mich dann erst neuerlich zu Tode erschreckt. Der Gatte(hat ihr mit spöttischem Lächeln zugehört): Aber dann hast du doch nichts zu fürchten! Also komm nur, wir wollen den Einbrecher suchen. Die Gattin(keuchend): Du— wir sind geschiedene Leute — wenn du auf dem Unsinn beharrst. Der Gatte: Und ich— beharre! .(Die Tür der Küche wird langsam aufgeklingt und in ihrem Rahmen erscheint die Gestalt eines elegant gekleideten, hochgewachsenen Herrn. Die Gattin stößt einen Schrei aus.) Der Fremde: Es wäre indiskret, den ehelichen Konflikt länger anzuhören. Auch bin ich es der gnädigen Frau schuldig, sie durch ein offenes Bekenntnis von dem schweren Verdacht zu befreien, unter den sie geraten ist. Der Gatte(starrt ihn mit offenem Mund an): Wer sind Sie? Der Fremde: Das will ich Ihnen nicht verhehlen, wenn Sie mir eine kurze Unterredung unter vier Augen gestatten. Der Gatte(schreiend): Ein Schuft sind Sie auf alle Fälle! Was hätten Sie sonst in meiner Wohnung zu suchen? Der Fremde: Alarmieren Sie die Nachbarschaft nicht! Denken Sie daran, daß Sie sich in einer nicht weniger peinlichen Lage befinden als ich. Der Gatte: Also sprechen Sie! Der Fremde(öffnet die Türe zum Herrenzimmer): Bitte! Der Gatte(greift sich an den Kopf): Na, kommen Sie, Sie werden nichts zu lachen haben. Conja entscheidel ERZAHLUNG VON KARL ESCHER (Im Arbeitszimmer des Gatten.) Der Fremde(rückt einen Stuhl neben den Schreibtisch und nimmt in aller Seelenruhe Platz): Laufen Sie doch nicht wie ein Wahnsinniger auf und nieder. Dabei kommt nichts heraus. Setzen Sie sich bequem in Ihr Fauteuil. Ihre Aufregung hat gar keinen Sinn, sage ich Ihnen. Der Gatte(wirft sich pustend in den Armstuhl und stößt hervor): Kurz heraus! Sind Sie der Geliebte meiner Frau? Der Fremde: Das hängt von Ihnen ab. der Gatte:!„ 4. Mgsim Ma Der Fremde: Wenn Sie mich der Polizei übergeven, so bin ich es. Wenn Sie aber vernünftig sind, werde ich Ihnen erklären, daß ich nur in einer rein geschäftlichen Angelegenheit eingedrungen bin. Der Gatte(lacht kurz auf). Der Fremde(empört): Jawohl! In einer Geschäftsangelegenheit! Ich wollte mir nämlich die 30000 Schilling holen, die Sie in Ihrer Kasse verwahrt halten.; Der Gatte(zieht die Brauen hoch und neigr sich etwas vor); Woher wissen Sie..... 9.4 Der Fremde(abweisend): Das ist meine Sache! Geschäftsgeheimnis. Der Gatte: Sie wollten also einbrechen, Sie— Lump'! Der Fremde: Mäßigen Sie sich! Es war nur gentlemanlike von mir, mich Ihnen selbst zu stellen, um die Ehre Ihrer Gattin nicht beschmutzen zu lassen. Der Gatte(schreit): Und ich werde Sie von der Wache abführen lassen. Sie— Gentleman. Der Fremde: Ich müßte dann nur Ihre Frau Gemahlin bedauern, denn ich werde erklären, von der Dame des Hauses selbst eingelassen worden zu sein. Der Gatte(springt auf): Eine unverschämte Gemeinheitt Und ich werde dem entgegenhalten, daß Sie mir bereits ein Geständnis abgelegt haben. Man wird mir glauben! Der Fremde: Das werden Sie nicht tun. Es könnte sonst bei dieser Gelegenheit über die Einfuhrbewilligung gesprochen werden, die Herr Ministerialrat ausgestellt haben. Das gehört doch mit zu der Geschichte von den 30000 Schillingen! Oder ist es nicht so' Der Fremde(erhebt sich, verneigt sich stumm und verläßt das Zimmer). (Drei Stunden später.) Die Gattin(am Telefon): Mir liegt der kalte Schreck noch immer in den Knochen, Gigi. Mein Mann ist am Stammtisch. Dort wird er sich jetzt schon etwas beruhigt haben. Der Fremde(am andern Ende des Kabels). Hoffentlich beruhigst du dich auch bald, Maus. Wie gut es doch war, daß du mir die Geschichte von der Einfuhrbewilligung erzählt hast! Siarcker Flaubert wied Lreigesprochen- Wie man vor 75 Jahren um die „Moral“, kämplte Vor keine mMenschen hatte sich Doktor Friedrich Semmel, Kunsthistoriker, je so gefürchtet als vor Sonja Herweg, einem zwölfjährigen Mädchen. Er kannte die kleine Sonja gar nicht, hatte nur ein etwas verwackeltes Bild von ihr gesehen, das Sonjas Mutter ihm bei ihrer letzten Unterredung im Sanatorium Sonnenhügel gezeigt hatte. Sonjas Mutter hatte ihn übrigens auch photographiert, und dieses Bild war gleichsalls verwackelt. In die Hände dieser Dame kam nämlich regelmäßig ein leises Zittern, wenn sie Aufnahmen von Personen machen wollte, die ihrem Herzen nahestanden. Doktor Friedrich Semmel war ein großer Bilderkenner, sein Buch über den Kupferstecher Martin Ottengruber hatte in seinem engsten Fachkreise ein gewisses Aufsehen gemacht, denn nun war es klar, und Semmel hatte es bis aufs letzte nachgewiesen, daß der im Jahre des Heils 1494 in Frankfurt am Main nachgewiesene Künstler ein und dieselbe Person mit dem sogenannten Monogrammisten O. T. war, von dem es mehr als vierzig in Kupfer gestochene Darstellungen von Pferdegeschirren in verschiedenen Sammlungen festgestellt hatte. So gut er sich nun auch auf alte Kupfer verstand, Photographien sagten ihm wenig. Er hielt zwar— und mit vollem Recht— die Bildnisse der netten Frau Herweg für mißglückt, aber die tiefere Ursache für den unscharfen Zustand seines von ihr aufgenommenen Konterseits war ihm nicht aufgegangen. Leider; es wären ihm sonst allerhand quälende Zweisel, Bedenken und trübe Einfälle erspart geblieben, die ihn in den letzten beiden Wochen erschreckt oder doch beunruhigt hatten. Die Nach der Universitätszeit, nach mehrjährigen Reisen in Italien, Aegypten, Palästina und Kleinasien, veröffentlichte der fünfunddreißigjährige französische Schriftsteller Gustave Flaubert sein erstes Buch:„Madame Bovary". Der Roman erschien in sechs Lieferungen der„Revue de Paris“ vom 1. Oktober bis zum 15. Dezember 1856. Herr Pichat, Leiter der Zeitschrift eines regierungsfeindlichen Organs, das schon zweimal verwarnt worden war und deshalb sehr auf der Hut sein mußte, nahr Anstoß an dieser Szene: der Liebhaber steigt mit Frau Bovary in eine Droschke und läßt die Vorhänge herunter. Leider waren die Redakteure der„Revue de Paris" im Streichen offenbar nicht sehr geübt: sie strichen ein paar Worte zu spät, die ominöse Droschke trat noch auf— es war gerade noch soviel stehen geblieben, daß die durch die Anmerkung aufmerksam gewordenen Zensoren die Fährte aufnehmen konnten. Und die Fährte war gut. Da war viel zu schnuppern: Darstellung der Ehebrüche einer Provinzlerin in aktenmäßigen Details; mikroskopische Zerfaserung eines Seelen=Gewebes, in dem die religiöse Erziehung und der erotische Hunger die innigste Verbindung eingegangen sind; Protokollierung eines Provinz=Daseins in seiner ganzen Enge, seiner ganzen Komik, seiner ganzen Trostlosigkeit. Diese Fährte führte also direkt zur Anklage auf Unmoral und Irreligiosität. Der Herr Staatsanwalt Pinard las— und Flauberts Roman wurde gotteslästerlich.„Ich treffe in einem Roman nicht gern heilige Dinge an“— rief der Staatsanwalt, den die Schilderung einer letzten Oelung besonders chonerte. Unter anderem las Herr Pinard auch:„Dann ließ sie mit einer einzigen Bewegung alle ihre Kleider fallen“— und Roman wurde unsittlich. Der Staatsanwalt legte ein Unsittlichkeitsverzeichnis an— es wurde sehr lang.„Wer liest“, fragte emphatisch das Anklage=Pladoyer,„den Roman des Herrn Flaubert? Männer der Politik oder Wirtschaft? Nein. Er wird in die Hände von jungen Mädchen und Frauen fallen. Dann stand Herr Sénard auf, Anwalt Flauberts, und redete viele Stunden— und fälschte den Roman nicht weniger als der Staatsanwalt. Auch der Advokat Sénard erkannte den moralischen Maßstab an— und deutete die„Madame Bovary“ als moralisches Menetekel. Welch' Scheingefecht vor den Schranken! Der eine greift den Roman als unmoralisch, der andere verteidigt den Roman als moralisch: und er ist weder moralisch noch unmoralisch, sondern(wie Zola es ausdrückte)„die getreue Wiedergabe des Lebens". Allerdings rang der Verteidiger den Ankläger ausgezeichnet nieder: in dem er die aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze rehabilitierte durch vollständige Zitate. Aber er sagte nicht: Flaubert stellt dar, was ist. Er sagte nicht: Flauberts Roman ist nicht zu messen an irgendwelchen Idealen irgendeiner Gesellschaft, sondern nur an der Realität, die er malen wollte. Sein Werk ist gut, weil es wahr Sache war nämlich die, daß der Doktor Semmel sich zum ersten Male in seinem vierzigjährigen Leben mit einer Frau näher befaßt hatte, die nicht in Kupfer gestochen und auf vergilbtem Papier abgedruckt war, mit einer lebenden und, wie sich bald herausstellte, sehr lebensfrohen Frau namens Erika Herweg, eben der Herstellerin mangelhafter Photographien. Sie waren zur gleichen Zeit im Sanatorium Sonnenhügel angekommen und waren daher sogleich Tischnachbarn geworden. Mehr noch, sie wurden auch Kameraden auf gemeinsamen Spaziergängen. Nach drei Tagen kannte Frau Erika Herweg bereits die ganze Lebensgeschichte ihres Tisch= und Weggenossen, die einschließlich des Werkes über den entlarvten Monogrammisten O. T. allerdings nicht sehr ergebnisreich war, da Doktor Semmel als einsamer, ein bißchen verkrauterter Gelehrter, bis jetzt wenigstens, weiter keine besondere Erlebnisse gehabt hatte. Frau Herwegs Leben war immerhin ereignisreicher, obgleich es ziemlich gewöhnlich und ohne besondere Abenteuer verlaufen war. Ihren Mann hatte sie nach kaum zweijähriger Ehe bei einem Autounfall verloren. Seitdem lebte sie mit ihrem kleinen Töchterchen zusammen— nicht ganz so von der Welt abgeschlossen wie Doktor Semmel, aber doch ziemlich einsam. In sie verliebte sich Doktor Semmel— wie man so sagt— auf den ersten Blick, obgleich das nicht ganz stimmt, denn der erste Blick fiel auf Erika, als sie beide schon über eine Woche lang Bekanntschaft geschlossen hatten. Es war an einem strahlend hellen Herbstmorgen am Frühstückstisch... Da fiel der schicksalsschwere Blick auf Frau Herwegs Hände, die grade Honig auf ein halbes Brötchen strichen, glitt über den weißen linken Unterarm zu dem Aermel ihres buntgeblümten, hellgelben Seidenkleides, glitt hinauf bis zur Schulter, bis zu der gedrehten, mattgoldenen Kette um einen makellosen Hals, und weiter, immer höher zu dem zartgeröteten Frouen=Angesicht, umrahmt von lichten Haaren, die eine Klei i zu blond waren. ist; man muß verzichten, in diesem Roman eine moralische oder religiöse Stellungnahme zu sehen... Und der Gerichtshof sprach Flaubert frei— weil er Flaubert falsch sah. Das Urteil ist ganz gestimmt auf das moralische Pathos von Staatsanwalt und Advokat. Von den vielen„In Anbetracht daß", die das Urteil dem Freispruch vorausschickt, ist der weitaus größte Teil eine Aufzählung der Vergehen Flauberts: so daß man schon alle Hoffnung sinken läßt; bis den Angeklagten dann ein„In Anbetracht, daß Gustave Flaubert den guten Sitten und der religiösen Moral seine Ehrerbietung erweist“— aus der Patsche zieht. Dies Urteil ist aber noch mehr als ein falsch begründeter, erfreulicher Freispruch. Es ist denkwürdig als offizielle Verkündung einer Aesthetik— die auch heute noch ihr Unwesen treibt. Dies Urteil legt fest:„daß die Literatur wie jede Kunst, wenn sie ihre edle Sendung erfüllen will, das Leben in makelloser Reinheit wiedergeben muß". Dieser Kunst=Katechismus befiehlt:„Die Mission der Literatur sollte es sein, dem Geist zum Schmuck und zur Erholung zu dienen.“— Zu gleicher Zeit schreibt Flaubert in einem Brief: „Die Kunst verlangt weder Gefälligkeit noch Höflichkeit, nichts als Ehrlichkeit.“ Der Mann, welcher der Kunst„durch eine unerbittliche Methode die Präzision der Naturwissenschaften zu verleihen“ suchte, wurde freigesprochen: weil er lange und gewissenhaft an seinem Buch gearbeitet habe; weil die inkriminierten Stellen gering seien im Verhältnis zum Gesamt=Umfang des Werkes; weil er der herrschenden Moral seine Referenz erwiesen hatte... 6664 Weshalb Gustave Flaubert in Wahrheit vor Gericht stand, blieb während des ganzen Prozesses verborgen. Nur der Angeklagte wußte es:„Ich habe also gelernt: daß die soziale Heuchelei eine sehr ernste Sache ist.“ Inzwischen ist die„Madame Bovary“ literaturhistorisch katalogisiert worden: als der Auftakt des europäischen Naturalismus; als die Wendung von der Romantik Victor Hugos und von dem romantisierenden Realismus Balzacs zu Zola, dem unerbittlichen Darsteller der europäischen Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts.„Madame Bovary“ wird von Aestheten geschätzt und von Historikern geistes=geschichtlich einrangiert: das Prinzip, das in ihr lebt, wird heimlich und öffentlich angefeindet wie vor fünfzig Jahren. Das Prinzip heißt: Tatsachen nicht wegheucheln, sondern in der ganzen Schärfe ihrer Umrisse aufzeichnen; nicht angenehm, sondern richtig schreiben! Dr. L. M. Verantwortlich für die Redaktionen Gewerkschaftliches und Politik: Karl Böttcher Feuillelon. Alwin Reißmann Groß Dortmund. Lünen und CastropRausel: Heinrich Wenke Sport und unpolitische: Teil Willi Weinauge; sämtlich in Dortmund Bochum Philipp Sommerlad Bochum Witten: Ad Fuchs, Witten Herne und Wanne Eickel- Fritz Sauerwald. Herne. llamm: Walter Poller Hamm Hagen: Wilh Grobe. Hlagen Iserlohn: Aug. Böhmer. Iserlohn Gelsenkirchen Buer: Alfred Zingler Gelsenkirchen Vest Recklinghausen: Otto Wiese Recklinghausen Münsterland: Aus Freudenthal. Münster Siegen: G VIII. Sieger Bei diesem Schicksalsblick geriet Herrn Doktor Semmel ein Krümchen seines Frühstücksbrotes in die„falsche Kehle"; er bekam einen mächtigen Hustenanfall, Tränen verschleierten seine Augen, und trotz der höchst unangenehmen Lage fühlte er beglückt, wie Frau Erika mit ziemlich harten Schlägen seinen Rücken klopfte. Diese gütige Hilfe gab ihm den Rest!— Nach dem Frühstück— während Frau Erika im Schreibzimmer einen Brief an ihre Tochter Sonja schrieb, angefüllt mit guten Ermahnungen im Verhalten während des Schul=Unterrichtes— machte sich der Doktor Semmel auf, ging in die kleine weiße Stadt hinein, ging in das Geschäft der Herren Zehner und Sohn und ließ sich von dem höflichen und sachkundigen Sohn Zehner den schönsten und hellsten Sport=Anzug vorlegen, den es im Orte gab. Er kaufte ihn, zog ihn gleich an und war mit sich sehr zufrieden. Bis zu dieser Stunde hatte Doktor Semmel sich nicht sehr mit seiner äußeren Erscheinung beschäftigt; ihm war es auch gar nicht weiter aufgefallen, daß er der einzige Gast im Sanatorium Sonnenhügel war, der im schwarzen Gehrock und hellbrauner Hose in den Bergen herumkletterte, und er würde es wohl auch nie gemerkt haben, wenn ihn nicht Frau Erika gestern nachmittag darauf aufmerksam gemacht hätte, daß es schade um den guten Gesellschaftsanzug sei, und außerdem sei seine Kleidung doch unbequem. Doktor Semmel hatte überrascht widersprochen, und damit war dieses Gespräch — kaum begonnen— schon zu Ende. Aber heute morgen, gleich nach dem glücklichen Verlauf seines Hustenanfalls kam ihm dieses Gespräch plötzlich wieder in den Sinn, und zugleich blitzte in seinem Hirn der erfreuliche Gedanke auf, daß es Frau Erika nicht gleichgültig sei, wie er, der Doktor Semmel, aussah! Diese Erwägung zusammen mit dem Schicksalsblick verure sachten zuerst bei Herrn Doktor Semmel Herzklopfen, dann aber ließen sie den Entschluß in ihm reifen, sich bei den Herren Zehner und Sohn freundlich und sachgemäch neu einzukleiden! (Fortsetzung folgt.) Montag, den 14. Novemder 1932. Eine Pflegestätte für Säuglinge und Kleinkinder Zu den bedeutsamsten Aufgaben der Bevölkerungspolitik und der Sicherung der Volksgesundheit gehört die sorgfältige und zuverlässige Betreuung der Mutter und ihres Säuglings. Die Einrichtungen, denen diese Aufgabe in erster Linie gesetzt sind und in denen unsere Hebammen und Säuglingspflegerinnen für ihren wichtigen Beruf aus= und weitergebildet werden, sind die von den Provinzen verwalteten Landesfrauenkliniken, von denen in Westfalen zwei— in Paderborn und Bochum— vorhanden sind. Der unter hervorragender ärztlicher Leitung stehenden Landesfrauenklinik in Bochum ist ferner eine Säuglingsklinik angegliedert, in der nicht nur kranke Säuglinge, sondern, was bisher weniger bekannt ist, auch gesunde Säuglinge und Kinder bis zum Alter von 6 Jahren Aufnahme finden können. Die Benutzung dieses Säuglingsheimes für die Unterbringung gesunder Säuglinge ist den weitesten Bevölkerungskreisen dadurch erleichtert worden, daß die Provinzialverwaltung seit Beginn des Jahres eine beträchtliche Ermäßigung des Pflegesatzes für gesunde Kinder vorgenommen hat. Der tägliche Pflegesatz wurde von 3 RM. auf 2 RM. ermäßigt, worin die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, pflegerische Betreuung und ärztliche Ueberwachung des Kindes einbegriffen sind. Der Pflegesatz für kranke Kinder beträgt 2,50 RM., worin, was besonders hervorgehoben sei, ebenfalls die Kosten für die ärztliche Behandlung eingeschlossen sind. Auf diese Weise ist es den Eltern, die wegen Berufstätigkeit, Krankheit, Reisen oder aus sonstigen Gründen ihre gesunden oder kranken Säuglinge und Kleinkinder in sichere und gewissenhafte Obhut geben wollen oder müssen, ermöglicht, das Säuglingsheim der Landesfrauenklinik Bochum zu benutzen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen Kalthof(Sauerland), 12. November. Bei der letzten Wahl erhielten die Nazis wie in anderen Hochburgen auch in Kalthof eine Schlappe. Auch hier verloren sie eine ganze Anzahl ihrer Stimmen, so daß die hiesigen Hitleraner am Montag mit langen Gesichtern umherliefen. Dieses machte sich ein Spaßvogel zunutze, indem er an die dem Friseurgeschäft gegenüber liegende Scheunentür schrieb:„Achtung! Da ab 6. November die Gesichter der Nazis länger geworden sind, müssen dieselben für Rasieren das Doppelte zahlen.“ Die Arbeiterwohllahrt im Dienste der Viderpsege Eelokgreiche Kinderkuren im Kinderkeim Reege- Die Ergebnisse dec ersten Kurzeit Gelsenkirchen, 12. November. In diesen Tagen ist die diesjährige Kurzeit im Buerschen Kinderheim Heege zum Abschluß gebracht worden. Die Kurzeit dauerte von Anfang Mai bis Ende Oktober. Während eines längeren Teiles dieser Zeit stand das Heeger Kinderheim der Buerschen Arbeiterwohlfahrt zur Verfügung, und zwar in den Tagen vom 25. Juli bis 7. September, also sechs Wochen lang während der ganzen Dauer der großen Sommerferien. Nachdem nun die ganze Kursaison abgeschlossen ist, verlohnt es sich auch, einen besonderen Blick auf die Kurzeit der Arbeiterwohlfahrt zu werfen. Das Kinderheim Heege ist eigentlich eine gemeinsame Gründung von Stadt und Vaterländischem Frauenverein. Da aber die Stadt Gelsenkirchen mehr und mehr zur eigentlichen Betreuung des Kinderheims geworden ist, ist es in diesem Jahre auch zum ersten Male möglich gewesen, der Arbeiterwohlfahrt Zugang zum Kinderheim Heege zu verschaffen. Die diesjährige erste Arbeiterwohlfahrt=Kur wurde mit 69 Kindern durchgeführt. Die Kinder waren vom städtischen Gesundheitsamt den Schulleitern und den Arbeiterwohlfahrts=Pflegern als besonders kurbedürftig vorgeschlagen worden. Die ärztliche Aussicht über die Arbeiterwohlfahrt=Kur hatte der ständige ärztliche Leiter des Kinderheims Heege, Stadtkinderarzt Dr. Gatersleben, der die Kinder vor Beginn der Kur untersuchte, für sie je nach dem Gesundheitsbefund besondere Maßnahmen anordnete, sie auch während der Kurzeit nicht aus dem Auge ließ und sie zum Abschluß der Kurzeit nochmals einer gründlichen Untersuchung unterzog. Nach den Anordnungen des Arztes wurden im „Kurlager“ besondere Gruppen gebildet. Die Turngruppe umfaßte besonders die Rückenschwächlinge, eine andere Gruppe die„Katarrh=Kinder" usw. Die hauptsächlichsten Krankheitszustände, gegen die es anzukämpfen galt, waren vergrößerte Nackendrüsen. Rachenkatarrh, verengter Brustkorb, allgemeine Körper= und Muskelschwäche, Herzfehler, Folgezustände von englischer Krankheit usw. Allmorgendlich um 9 Uhr kamen die Kinder im Kurheim an, die aus Hassel und Recklinghausen per Wagen, die andern zu Fuß. Morgengymnastik, Frühstück, Sportund Turnspiele, Ruhepause vor dem Mittagessen, Mittagsmahl, Liegekur, Schwimmen und Planschen, Vesperbrot, am Nachmittag Spiele im Freien und um 6 Uhr Heimfahrt— das war das allgemeine Tagesprogramm. Die Verpflegung, die den Kindern gereicht wurde, war sehr ergiebig und nahrhaft. Und das war nötig, da der fortwährende Aufenthalt im Freien, das intensive Leben in der frischen Luft die Appetitlust der kleinen Patienten stark anregten. Duschen und kalte Abreibungen sorgten weiter dafür, daß die kleinen, oft verkümmerten Körper mit einem Male sich zu entwickeln begannen. Die ganze Arbeit wurde von den Helferinnen und Helfern der Arbeiterwohlfahrt ehrenamtlich erledigt. Für Haus und Küche waren 4—5 Helferinnen da, für die Kinderarbeit 3 Helferinnen und ein Helfer, der die schriftlichen und die sonstigen Büroarbeiten erledigte und zugleich als Samariter fungierte. Die Kur, die mit einer ärztlichen Untersuchung eröffnet worden war, wurde in gleicher Weise mit einer ärztlichen Untersuchung geschlossen. Und es zeigte sich dabei, daß die erzielten gesundheitlichen Resultate mehr als befriedigend waren. Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug mehr als drei Pfund. Der Arzt erteilte dem Gesundheitsbefund von 26 Kindern das Prädikat„Sehr gut", 32„Gut“ und 9„Mittel“; von diesen 9 Kindern waren 6 während der Kurzeit krank gewesen, so daß sie z. T. längere Zeit vom Heim fernbleiben mußten, so daß sie die Kur nicht voll ausnutzen konnten. Das ausgezeichnete Ergebnis der ärztlichen Untersuchung, die teilweise überragend starke psychische Entwicklung der Kinder während der Kurzeit und die allgemeine Freude der Eltern dürften der beste Beweis dafür sein, daß durch diese Kur die Arbeiterwohlfahrt Buer den Kindern nicht allein einige schöne Ferienwochen vermittelt, sondern sie auch in körperlicher und geistiger Hinsicht um ein gutes Stück weitergebracht hat. Ungelühnter Mord Der Täter geisteskrank. Bochum, 12. November. In den Nachmittagsstunden des 10. Juli 1932, einem Sonntag, spielte sich in Suderwich bei Recklinghausen eine grauenhafte Mordtat ab. Man fand in der elterlichen Wohnung, Sigambererstraße 18, die 14jährige Haustochter Franziska Thomasen ermordet vor. Sofort kam der 44jährige Berginvalide Stephan Gorzelanczyk, der in dem Hause ein Zimmer hatte, in den dringenden Verdacht der Täterschaft. Er leugnete jedoch hartnäckig, obwohl bei der Durchsuchung seines Zimmers in einem Koffer ein blutbeflecktes Brotmesser und ein blutiges Handtuch gefunden wurden und auch an seinen Händen selbst noch Blutflecken festgestellt werden konnten. Offenbar hatte zwischen dem Mörder und seinem Opfer ein verzweifelter Kampf stattgefunden. Gorzelanczyk wurde in das Untersuchungsgefängnis nach Bochum übergeführt. Da sich im Laufe der Untersuchung Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Täters eraben, wurde er einer Vrovinzial Heilanstilt zwecks Untersuchung auf seinen Geisteszustand übergeben. Das Gutachten der Irrenärzte, welches jetzt beim Landgericht Bochum eingelaufen ist, erklärt den Angeklagten für geisteskrank. Diese Geistesfrankheit habe auch schon zur Zeit der Tat bestanden. Auf Grund des Gutachtens hat der Untersuchungsrichter am Bochumer Landgericht Gorzelanczyk außer Verfolgung gesetzt und den Haftbefehl gegen ihn aufgehoben. Ein Motorrad fährt in eine Familiengruppe Holzwicksde, 11. November. Ein Opfer der Raserei wurde die hier wohnende Familie Nickel. Auf der Köln=Berliner Straße bewegte sich die Familie (Mann, Frau und Tochter), um einen Besuch zu machen. Ein Motorradfahrer fuhr in die Gruppe hinein und verletzte alle drei schwer. Der Motorradfahrer selbst kam ohne Schaden davon und fuhr, ohne sich um die Opfer zu kümmern, weiter. Die Nummer des Rades ist festgestellt. Ransteben M ieshjdten Robinlon loll nicht lterben Gastspiel des Bochumer Stadttheaters in Gelsenkirchen Nein, Robinson soll nicht sterben, und auch diese reine Heiterkeit, dieses fröhliche Lachen um kindliche Einfälle, soll nicht sterben. Und hoffentlich sterben uns auch die Onkel Daniels nicht aus, die solche Geschichten schreiben, voller Sehnsucht nach fernen, nie gesehenen Ländern und der Lust zum Fabulieren. und vor allen Dingen diese Jugend nicht, die den Robinson nachspielt und die den sicheren Instinkt für Güte und Gerechtigkeit hat. Ein heiteres Spiel für große und kleine Leute in acht Bildern ist, was uns Friedrich Forster da beschert hat, ein ganz entzückender Einfall. Freilich ist schwer zu sagen, ob der Dichter, der Regisseur Dr. Heinz Wildhagen oder die Darsteller den größeren Anteil an dem Erfolg haben. Vielleicht aber kam die große Wirkung gerade daher, daß alle drei Stellen Vorzügliches geleistet haben. Der Spielleiter zeigte uns Szenen voller Farbigkeit und Leben. Jede Geste, jede Bewegung schien künstlerisch auf ihre bildhafte Wirkung geprüft und das ganze Spiel rollte doch mit einer Einfachheit und Natürlichkeit ab, die förmlich mit suggestiver Kraft jeden Zuschauer ins Land der Kinder, auf seine Robinsoninsel zurückversetzte. Von den Darstellern war es vor allem Inge Thiesfeld als Geistchen, die mit ihrem ganzen entzückenden Persönchen, mit blauen Kulleraugen und blonden Zöpfchen, mit einem schlagfertigen Mäulchen und einem goldenen Herzen da im Mittelpunkt des Spiels stand. Um sie herum die Herde Jungens. Charly Brown alias Robinson(Hansjakob Gröblinghoff) und Jim Drinkwater(Willi Bittern) als Freitag und alle die anderen, denen das Jungenspielen sichtlich selbst Spaß machte. Sehr fein war der Onkel Daniel von Heinz Holthuvsen wie er immer aus der rauhen Wirklichkeitswelt ins Land seiner Träume hinüberglitt. Es würde zu weit führen, alle die anderen— jeder ein Typ für sich— zu erwähnen. Sie alle sind an dem Erfolg mit beteiligt. Anerkennen wollen wir noch, daß sich die acht Bilder in rascher Folge ab nickelten, was bei uns bekanntlich auch nicht leicht ist! Es wäre schade, wenn das Stück hier bei uns nicht noch einmal wiederholt würde, es könnte noch vielen Freude bringen. M. z. Mulik des 18. Jahrhunderts Erstes Konzert des Gelsenkirchener Kammerorchesters Es ist ein sehr löbliches Unterfangen des jungen Gelsenkirchener Kammerorchesters, seine Darbietungen und Programme planvoll gestalten zu wollen. Der wohlgelungene erste Abend im Saale des Hans=Sachs=Hauses brachte Musik aus der Zeit des Barock und des Rokoko. Es war ein leichtes, im Umfange dieses Begriffes eine schöne Reihe angenehminteressanter und auch wohl imposanter Musiken vorzuführen. Und wenn die Wiedergabe solcher, den Entwicklungsgang des deutschen Geistes trefflich illustrierender musikalischer Denkmäler so ausgezeichnet gelingt, wie es geschah. kann das Orchester seiner zahlreichen Freunde in Zukunft sicher sein. Den Eingang bildete das Große Konzert in D=Moll von Antonio Vivaldi(1680—1743). Man kann nicht anders sagen: In einem ganz überraschend präzisen und ausgeglichenen Zusammenspiel wurde das prächtige Stück geboten. Vor allem das Largo gelang in einer wundervoll empfindsamen Weise, und es ist nicht zum wenigsten das Verdienst Belkers und des Orchesters, daß das reife und hochbedeutende Werk dieses Meisters aus dem 18. Jahrhundert in Gelsenkirchen bekannt und manchem unvergeßlich sein wird. Dann Friedrich der Große mit seinem Flötenkonzert Nr. 3 in C=Dur. Ja, das ist nun echteste, leichte, tändelnde Musik des Rokoko. Man weiß: Friedrich der Große hat seiner Zeit in seinen eigenen Konzertschöpfungen die Flöte solo gespielt und vielleicht nicht schlechter, wie an diesem Konzertabend der Flötenmeister Rudolf Neukirchner. Man hat den Eindruck: Trotzdem der König ein Kriegsgenie war und sich auf wilde Schlachtenkonzerte besser verstand, hatten die freundlichen Musen in ihm doch einen hohen und geistvollen Beschützer. Man erlebte das Stück in seiner kapriziösen Anmut und sab dabei einem preußischen Monarchen in das Konzept seines Menschtums hinein. Und dann Johann Sebastian Bach mit einem seiner herrlichen Brandenburger Konzerte. Standen die Gaben des Abends an sich schon auf einer hohen Stufe musikalischer Interpretation, so gewährleistete eine Schöpfung unseres Altmeisters Bach von einer derartigen Ausgereiftheit von vornherein eine gespannte Empfänglichkeit und Erlebensfreude. Das Publikum zeigte sich dankbar wie selten. Außerordentlich gefiel, wie immer der Baritonist Ewald Kaldeweier. Seine männlich sichere, sonore Stimme weiß das vorzutragende Kunstwerk allezeit so zu gestalten, daß die Echtheit überzeugt und wohltut und erfreut. Ungefähr dasselbe läßt sich auch von der in Gelsenkirchen ja schon längst beliebten Geigenkünstlerin Steffi Koschate sagen. Das Gelsenkirchener Kammerorchester und sein Leiter Paul Belker kann mit dem Erfolg dieses Abends wirklich zufrieden sein und man kann nur wünschen, daß. trotz der miserablen Zeit. in Zukunft mehr Kunstfreunde sich zu solchen seltenen Genüssen einfinden. Minor. Theater der Stadt Münlter Die Walküre Musikdrama von Richard Wagner. Dies Werk gehört bekanntlich zur Trilogie„Der Ring des Nibelungen“, die aus den Musikdramen„Walküre",„Siegfried“ und„Götterdämmerung“ sowie dem Vorspiel„Das Rheingold“ besteht. Wagner entnahm den Stoff teils dem alten„Nibelungenlied", teils den Sagen der„Edda“ und formte den Stoff dann ziemlich willkürlich, anders als Friedrich Hebbel, der bekanntlich eine Dramen=Trilogie„Die Nibelungen“, schrieb und sich dabei eng an das Volksepos anschloß(„Der gehörnte Siegfried“,„Siegfrieds Tod“,„Kriemhilds Rache"). Wagner übernahm für seine Musikdramen auch Teile der alten Göttersagen und benutzte den alten germanischen Stabreim für den Text. Der Grundgedanke der Trilogie ist, daß Menschen und Götter an dem Fluche, der auf dem Besitz des Goldes beruht, zugrunde gehen. In der Walküre raubt Siegmund, der Sohn Wotans, dem Hunding sein Weib Sieglinde. Diese, die Siegmunds Schwester ist, wird dessen Weib. Siegmund fällt auf das Verlangen der Frigga, Wotans Weib, die die Schützerin der Ehe ist, im Kampfe mit Hunding, dem nun Wotan beisteht, aber auch ihn dann vernichtet. Die Walküre Brünhilde, Wotans Lieblingstochter, die Siegmund, trotz Verbotes Wotans, im Kampfe unterstützte und Sieglinde rettet:, versenkt Wotan in den Schlaf auf dem Brünhildenstein. Wagner, der Vorkämpfer des Musikdramas gegenüber der Oper, hat im weitesten Ausmaße seine Forderung, daß Text und Musik voneinander abhängig sein müssen, im Ring erfüllt, wo der Sprechgesang vorherrscht und Sprache und Musik sich im Ausdruck im weitest möglichen Ausmaße decken und ergänzen und zu einer Einheit werden. Ohne Wagner ist die neuere Entwicklung der Oper nicht zu denken.— Die Aufführung am Donnerstagabend vor vollbesetztem Hause erfreute durch harmonische Gesamtleistung und durchweg sehr gute Besetzung der einzelnen Rollen. Sowohl die musikalische Leitung durch Dr. Berend, wie auch die Inszenierung durch Dr. Walter Storz erfüllten fast restlos alle Wünsche, die man an eine hiesige Aufführung stellen kann. Hinzu kam, daß das Ensemble durchaus neben den Gästen bestehen konnte, trotzdem der stimmgewaltige Wotan des Gastes Kammersänger Wilhelm Rode eine prächtige Leistung war. Neben ihm konnte die Brünhilde der Dodie van Rhyn von Essen nicht immer bestehen, soweit die Krast ihres Organs und ihre, hier schon bekannte undeutliche Aussprache in Frage kommt. Sonst war sie ihrer Rolle jedoch gewachsen. Eine überraschend schöne Leistung bot die Altistin Margret Lindström als Frigga in jeder Hinsicht, denn die Härte ihrer Stimmgebung stört hier durchaus nicht. Sehr gut war Heinz Edeler als Siegmund, auch Hans Woldering war ein annehmbarer Hunding. Nicht vergessen sei auch Haidi Heitmann, die eine im Spiel und auch stimmlich recht überraschende Sieglinde war. Der verdiente Beifall wollte kein Ende nehmen.—e. Stadt und Konzertgelellichaft Hagen Erstes Chorkonzert Im Rahmen der Symphoniekonzerte brachte Musikdirektor Hans Herwig(Arnsberg) mit dem Städtischen Gesangverein in diesem ersten Chorkonzert Joseph Haydns Oratorium„Die Jahreszeiten“ heraus. Stilistisch traf Hans Herwig nicht immer den richtigen Ton. Besonders die beiden ersten Teile litten unter Ausweitungen. Zäsuren, Ritardandi, die kaum zu rechtfertigen sind. Gewiß gibt es bei Haydn eine ganze Reihe von Stellen, die stilistisch ins Romantische weisen, ja, schon Romantik sind. Aber solche Stellen sind in den„Jahreszeiten", dem Charakter des Werkes entsprechend, selten. Der Sonnenaufgang sei als Beisp'el des romantischen Elementes angeführt. Mit der in dieses Werk getragenen romantischen Stimmung ging Hand in Hand eine stellenweise Verschleppung der Tempi, so daß die Aufführung ziemlich in die Länge gezogen wurde. Das sei das Negative. Daneben gibt es eine Menge des Positiven: Hans Herwig ist ein ausgezeichneter Chorerzieher. Sauber und gefeilt erklingen die Chorsätze, die nicht gerade einfach zu singen sind. Geradezu virtuos kommen der Jagd=, Wein= und Gewitterchor, mit ausgeze'chneter Präzision und subtiler Schattierung. Groß und erhaben werden die chorischen Höhepunkte des Werkes aufgebaut, die pathetischen Chöre, die am Schluß des ersten und vierten Teiles stehen. Der Städtische Gesangverein singt seinen Part sehr sicher, mit seiner Gesangskultur, ausgeglichener Klangschönheit und Klangreinheit. Mit hellem, klangvollen Sopran. der in der Höhe schon ein wenig scharf zu werden beginnt, singt Else Suhrmann(Gelsenkirchen). Dem Tenor Ludwig Materns(Düsseldorf) möchte man gern einmal wieder begegnen. Er singt edel, mit ausgesprochen oratorischem Stil. Rudolf Haym(Wuppertal) setzt seinen Baß etwas verhalten, aber schön musikalischer Haltung ein. Die Rezitation begleitete stilvoll Ludwig Vetter(Hagen) am eigenen Cembalo. Das Orchester musizierte frisch und war an der erfolgreichen Durchführung der Aufführung nicht unbeteiligt. Den Ausführenden spendete das einigermaßen besetzte Haus viel Beifall.—6. 1— 1 4 S A — Uen BrehitHahreuren A Kurzer Arbeitskalender für November Gemüsegarten. Von der Herrlichkeit des Gemüsegarten sind nur Grün= und Rosenkohl geblieben. Sie bleiben auch im Freien. Alles andere wird in den Keller gebracht und in Sand eingeschlagen. Von besonderem Vorteil ist ein gut durchgelüfteter Keller. Dadurch wird die Ueberwinterung äußerst gefördert. Jetzt ist auch die Zeit, Kompost umzusetzen. Gerade in den Städten hat es sich eingebürgert, Straßenkehricht, der jetzt stark mit den Herbstblättern gemischt wird, für die Bodenbearbeitung heranzuziehen. Der Kehricht darf in frischem Zustand nicht benutzt werden. Es empfiehlt sich, ihn mit Kalk zu mischen und ihn unter einem Erdüberwurf liegenzulassen. Schon im nächsten Frühjahr ergibt sich aus diesem Material eine brauchbare Hilfe. Besser ist es jedoch, wenn die Masse länger, möglichst bis zu zwei Jahren und bis sie erdig geworden ist, lagert. Blumengarten. Wenn sich die Rosen(Hochstämme) entblättern, müssen sie niedergelegt werden. Als Schutz bekommt die Krone eine Ueberdeckung mit Fichtenoder mit Wacholderreisig. Jedoch kann auch das von den Bäumen gefallene Laub benutzt werden. Die Hülle bezweckt ja auch nicht in erster Linie einen Schutz gegen Kälte, sondern den Schutz gegen die Sonnenstrahlen. Die Ueberdecke wird mit stinkendem Teeröl versehen, um Mäuse fernzuhalten. Es sei in diesem Zusammenhang noch auf das Torfmull hingewiesen, das ein sehr gutes Deckmaterial abgibt. Obstgarten. In milden Lagen kann mit dem Schnitt des Zwergobstes begonnen werden. Bei jungen Bäumen empfiehlt sich jedoch, mit dem Schneiden bis zum Frühling zu warten, wo sich der Einsatz des Schnittes nach dem Blütenansatz richten kann. Da Reben nach dem Frühjahrsschnitt zu sehr bluten, müssen sie jetzt geschnitten werden. Für die Ueberwinterung ist es zweckmäßig, sie niederzubinden und mit Stroh und Fichtenreisig zu umhüllen. Leimringe müssen nachgesehen und neu bestrichen werden. Spalierbäume werden von den Spalieren gelöst. Aus Theorie und Praxis Obstgarten. Die Obsternte dürfte allenthalben vorüber sein. Nun aber nicht denken, der Baum hat seine Schuldigkeit getan, jetzt kann er unbeachtet bleiben bis zum Frühjahr. Schneiden und Auslichten. Wo es noch nicht geschehen, wird ausgelichtet und geschnitten. Beim Ausmehrere zusammenschließen und gemeinschaftlich eine Baumspritze bestellen. In Siedlervereinen ist es durchweg so, daß der Verein mehrere Spritzen anschafft und diese gegen entsprechende Leihgebühr den Mitgliedern zur Verfügung stellt. Die stabile Bauart und präzise Konstruktion lassen auch den ungeübtesten Arbeiter die Baumspritzen gefahrlos bedienen. Wer aber einmal Besitzer einer solchen Baumspritze ist, bei dem kommt es nicht darauf an, einmal mehr oder weniger zu spritzen, denn das Spritzmittel kostet ja nur Pfennige. Es wird erst teuer, wenn es ohne Wirkung bleibt und der Schädlingsbefall sich im nächsten Jahre unvermindert zeigt. Neupflanzungen. Solange das Wetter es noch zuläßt, können Neupflanzungen weiter ausgeführt werden. Lediglich Pfirsiche pflanzt man vorteilhafter Die Zweige a. b. 8 und d fellen ganz weg, die übrigen werden bei den Querstrichen geschnitten Sellerie und Kohlrabi werden ebenfalls reihenweise eingeschlagen, Knolle an Knolle, dazwischen immer wieder eine 10 bis 15 cm starke Erdschicht, die bis 5 cm über die Knolle reichen soll. Bei diesen Gemüsearten muß bei eintretendem starkem Frost noch mit Laub oder Stroh abgedeckt werden. Es ist also nicht notwendig, alles Gemüse in den Keller— wie Kraut und Rüben durcheinander— zu schaffen, lediglich soviel bringen wir dort unter, wie wir in den nächsten Tagen gebrauchen. Besonders möchte ich noch auf die Saatkartoffelauslese hinweisen. Jetzt schon soll die Saat ausgesucht werden und nicht erst im Frühjahr aus den noch vorhandenen Resten. Im Gegensatz zu den Speisekartoffeln, die man dunkel aufbewahrt, sollen die ausgelesenen Saatkartoffeln erst einige Tage am Licht stehen, Wie die Krone nach dem Schnitt aussicht Vielen Anregungen folgend, haben wir uns entschlossen, die kostenlose Obstsortenbestimmung für Abonnenten dieser Zeitung auszugestalten. Sehr oft kultivieren Kleingärtner Sorten, die sie nicht kennen. Das birgt die Gefahr einer falschen Behandlung in sich, besonders dann, wenn der Baum irgendwie erkrankt. Bei den bisher zur Sortenbestimmung eingesandten Früchten war es teilweise sehr schwierig, die Sorten genau zu bestimmen. Soll die Bestimmung einwandfrei erfolgen, dann muß in Zukunft folgendes beachtet werden: 1. Von jeder zu bestimmenden Sorte sind mindestens drei Früchte einzusenden. 2. Es sind möglichst solche Früchte auszuwählen, die an der Sonnenseite des Baumes hingen. 3. Nur Früchte mit unbeschädigtem Relch und Stiel übersenden. Die Zusendung muß portofrei an die Redaktion des„Sozialdemokratischen Pressedienst", Abteilung Kleingärtner-Obstsortenbestimmung erfolgen. Berlin SW 61, Belle-Alliance-Platz 8 lichten kann man nicht zu viel tun, um eine luftige, lockere Krone zu schaffen. Beim Schneiden sei man schon etwas vorsichtiger. Hier lieber ein Zuwenig als ein Zuviel. Düngung. Um im nächsten Jahre eine gesunde Entwicklung des Baumes und der Früchte zu sichern, wird kräftig gedüngt mit Thamasmehl und Kainit. Von diesen Düngerarten, gemischt im Verhältnis 1 zu 2, kann ein mittlerer Baum 3 bis 4 kg erhalten. Das gleiche Quantum wird außerdem noch an Kalk gegeben. Ist der Dünger ausgestreut, dann werden die Baumscheiben umgegraben und grobschollig liegen gelassen. Schädlingsbekämpfung. Letzter Termin zum Anlegen der Leimringe gegen den Frostspanner! Ist das Laub abgefallen, kann auch gleich mit der Winterspritzung begonnen werden. Wenn wir bedenken, daß fast 50 Proz. des Obstes den Schädlingen zum Opfer fallen, wird uns die Notwendigkeit einer sorgfältigen Spritzung bewußt. Natürlich reichen für größere Obstbäume unzulängliche Baumspritzen nicht aus. Gerade darin soll man besonders auf gutes, einwandfreies Werkzeug bedacht sein. Wir bekommen heute schon für wenig Geld tadellose Baumspritzen, mit denen zu arbeiten eine Freude ist. Sind die Anschaffungskosten für den einzelnen Baumbesitzer zu hoch, so werden sich vorteilhaft im Frühjahr. Der Rückschnitt der frischgepflanzten Bäume kann auch bis zum Frühjahr zurückgestellt werden. Gemüsegärten. Noch einmal säubern wir die Spinatund Rapünzchenbeete. Einräumen der verschiedenen Gemüsearten. Die Wurzelgemüse kommen zuerst daran, mit Ausnahme der Sellerie. Petersilie, reihenweise in eine Kiste eingeschlagen, liefert den ganzen Winter Schnittgrün. Karotten, rote Rüben, Kohlrüben und Pastinak werden in eine Grube im Garten geschüttet, die gegen Zutritt von Niederschlägen gesichert ist. Wird genügend Laub über die Einschlagsgruben gestreut, hat man den ganzen Winter die Möglichkeit, an das Gemüse heranzukommen. Für Rot= und Weißkohl schachten wir einen Graben in Beetweite einen Spatenstich tief aus und reihen da Kopf an Kopf, wie es die Abbildung zeigt. Der Strunk wird angeschnitten, die Schnittfläche kommt nach oben. Sind im Boden viel Schnecken oder Würmer, wird erst etwas Aetzkalk auf die Grabensohle gestreut. Ist der Kohl so, Kopf an Kopf, eingeschichtet, wird Erde darüber geworfen bis zu einer Höhe von 10 cm. Tritt starker Frost ein, wird die Erdmenge erhöht. So überwintert der Kohl bis ins zeitige Frühjahr. Wirsing wird nicht glatt abgeschnitten, sondern schräge, so daß eine Strunkspitze entsteht, mit der der Wirsingkopf in den Boden gesteckt wird, weil Wirsing nicht mit Erde gegen Frost bedeckt wird, damit sie sich wieder grün färben und auf diese Weise besser überwintern. Daß nur unbeschädigte Kartoffeln gesund überwintern, ist selbstverständlich. Auch das Gemüselanderhält eine Düngung von Thomasmehl und Einschlag von Rot- und Weißkohl sondern nur mit Laub oder Stroh. Steckt man den Kohl nicht ein, würde er sehr bald welken und seine Haltbarkeit verlieren. Blumenkohl und Wirsing. die noch nicht ganz entwickelt sind, werden eingeschlagen, wie es die Abbildung zeigt, also aufrecht, leicht nebeneinander mit den Wurzeln. Diese werden bis zu Beginn der Blätter mit Erde bedeckt, in einer Stärke von 15 bis 20 cm. So entwickelt sich der Kohl noch vorzüglich weiter. Rosenkohl kann im allgemeinen im Freien stehen bleiben, ist aber ein guter Anziehungskörper für die Kaninchen. Deshalb wird man auch ihn in den Einschlag bringen müssen, was ebenso geschieht wie heim Blumenkohl.„. Wie Blumen-, Rosenkohl und Wirsing eingeschlagen wird Kainit, Kalk nicht vergessen, pro 100 gm derselben Mischung wie bei den Obstbäumen 5 bis 6 kg. Dann wird das Land— frei von allen Gemüseresten— grobschollig umgegraben. Ziergarten Stauden= und Strauchrabatten durchgraben und mit Laub abdecken. Koniferen nochmal wässern, damit sie nicht ballentrocken in den Winter kommen. Rasen zum letzten Male schneiden und stark durchharken, damit möglichst alles Moos entfernt wird. Niedere Rosen anhäufeln mit Erde oder Laub, Schling= und Hochstammrosen werden erst umgelegt, wenn Frost eintritt. Briefkasten (An dieser Stelle beantworten wir. kostenlos alle Fragen aus unserem Leserkreis üder den Gartenbau.) A. h. hohenstein: Die eingesandten Früchte bestehen aus folgenden Sorten: 1. Schöner von Boskoop, 2. Boikenapfel, 3. Parkers Pepping, 4. Rheinischer Bohnapfel, der vermutlich aber auf altem oder unterernährtem Baume trägt, da normalerweise die Früchte bis dreimal so groß sind, 5. Siegne Tillisch, 6. Gute Luise, 7. Siedenichter Mostbirne, 8. Hofratsbirne, 9. Esperens Bergamotte, 10. Blumenbachs Butterbirne. Der Krankheitsbefall ist Fusicladium, das Sie durch öfteres Spritzen mit Karbolineum Mainz und starker Kalkung des Bodens bekämpfen können. Siehe unter Theorie und Praxis. A. T. Lübeck: 1. Die letzten Jahre sind meine Spätkartoffeln immer sehr schorfig, woran liegt das? Nehme jedes Jahr neue Saat. Kalkarm ist mein Boden nicht, aber sehr eisenhaltig. Ich verwende Pferdedung und Fäkalien, RN.8. 8 Antwort: Wenn das Saatgut nicht schon von dem Schorfpilz befallen war, dann rate ich Ihnen für das kommende Jahr zur folgenden Düngung: Stalldung gar keinen verwenden, während des Winters pro 100 gm 3 kg Thomasmehl und 4 kg Kainit. 14 Tage vor dem Kartoffellegen geben Sie dem Boden auf die gleiche Fläche 5 kg Kalimagnesia(in jeder Düngerhandlung zu haben). Ist aber das Saatgut schon befallen, dann ist ein Uebergießen der Saat vor dem Auslegen mit einer 2prozentigen Uspulunlösung zu empfehlen. 2. Habe einen Spalierapfelbaum, den ich durch Fruchtringe erst zum Tragen gebracht habe. Diese Früchte werden nach der Ernte innen fleckig (braune Flecken); kann ich das ändern? Antwort: Das Stippigwerden des Fruchtfleisches liegt nicht am Fruchtring. Es gibt Sorten, die eine Lagerung nach der Ernte nicht vertragen und auf Lager deshalb in wenigen Tagen stippig werden. Manche Sorten bekommen diese Schäden auch schon auf dem Baum, wenn sie nicht vor der eigentlichen Reife gepflückt werden. Genaue Auskunft kann Ihnen nur gegeben werden, wenn Sie die Sorte nennen oder einige Früchte einsenden können. 3. Ich bekomme nie recht schöne große Sellerieknollen. Betreibe Wechselbau im Garten. Wenn ich Sellerie mehrere Jahre auf derselben Stelle pflanze, werden sie größer, aber selten über ½ bis ¾ Pfd. Was mache ich, um größere Sellerie zu erzeugen? An Jauche hat es nicht gelegen. Antwort: Vermutlich kaufen Sie Saatgut oder die Pflanzen. An beiden kann es liegen, denn einwandfreies Saatgut ist immer die erste Bedingung für gute Ernte. Geben Sie im kommenden Jahre reichlich Kalk und Kali, während des Winters Thomasmehl auf den Schnee. Mit Jauche seien Sie recht sparsam, zumal, wenn sich erst die Knollen entwickeln. Im Herbst lange genug im Lande stehen lassen, da die Entwicklung der Knollen oft erst im Herbst erfolgt. G. H. Obervellmar: Einer meiner Spalierbäume, welchen ich nebst anderen vier Obstsorten zugleich und zwar 1922 pflanzte, trug anfangs seinem Wachstum entsprechend sehr gut. Seit etwa 3 bis 4 Jahren entwickelt sich derselbe aber in anormaler Weise an Wachstum, ohne jedoch selten mehr als ein Dutzend Aepfel zu tragen. Der Apfel selbst ist ein ungewöhnlich großer, geriefter, im Geschmack säuerlich(Art Glasapfel). Der Name desselben ist mir leider nicht bekannt. Gründlicher Herbstschnitt hat nichts zu ändern vermocht. Was ist wohl die Ursache? Zwei andere Bäume an demselben Spalier oder unmittelbar an diesem angrenzend lassen an Ertrag nichts zu wünschen übrig. Stamm und Aeste des fraglichen Baumes haben denselben Inhalt wie alle anderen vier Bäume zusammen. Bitte um gefl. Rat. Antwort: Diese Erscheinung kann zurückzuführen sein auf eine falsche(Wildlings=) Unterlage, aber auch auf Ueberdüngung mit Stalldung oder Jauche. In beiden Fällen treibt das Spalier, sobald es genügend eingewurzelt ist, nur Holz, etwaige Blütenknospen werden abgestoßen. Mit dem vorgenommenen gründlichen Herbstschnitt haben Sie die Sache nicht verbessert, sondern nur das Gegenteil erreicht. Je stärker ein Baum treibt, um so weniger soll er geschnitten werden, da er sonst immer wieder zu neuem Austrieb angeregt wird. Vermeiden Sie in Zukunft jede Jauche= oder Stallmistdüngung. Geben Sie nur reichlich Kalk, Thomasmehl und Kali. Außerdem legen Sie um die Aeste im Frühjahr Fruchtringe, auf die ich aber zu gegebener Zeit in:„Aus Theorie und Praxis“ zurückkomme. Oder Sie stechen um den Stamm(50 cm von diesem entfernt) die Wurzeln ab. Der Baum wird dadurch am starken Trieb verhindert und zum Blütenansatz gezwungen. O. K. Riesa: Ich beabsichtige, guten, zeitigen Wein anzupflanzen, habe deshalb ein Spalier von 5 m Länge und 2 m Höhe gemacht. Was kann ich tun, um Erfolg zu haben? In welcher Größe und Tiefe muß die Pflanzengrube sein? Ist es notwendig, die Grube schon jetzt im Herbst zu machen, wenn die Pflanzung erst im Frühjahr erfolgt? Wie muß die Erd= und Düngermischung sein, ferner, wisviel Reben kommen auf 5 m Spalierbreite in Frage? Wie muß nach der Anpflanzung der erste Schnitt erfolgen? Was kommen für Weinsorten(frühe) in Frage? Mein Spalier bildet einen stumpfen Winkel südwestlich. Antwort: 1. Die Pflanzengrube wird vorteilhaft schon jetzt ausgeworfen, damit der Frost noch auf die Erde einwirken kann. Machen Sie am Spalier entlang einen Graben, ½ m tief und ebenso breit, der den Winter über offen bleibt. Erdmischung: ein Drittel Kalkmergel, ein Drittel Kompost oder verrotteten Dung und ein Drittel Gartenerde. Während des ersten Jahres gießen Sie öfter mit Nitrophoska. Nötig sind vier bis fünf Pflanzen. An Sorten empfehle ich: Früher blauer Burgunder, Früher Leipziger und Weißer Gutedel. Der Schnitt erfolgt nach der Pflanzung auf zwei Augen, die dann während des ersten Jahres austreiben, also zwei Ruten bilden. Im kommenden Jahre werden diese beiden Ruten wieder je auf zwei Augen zurückgeschnitten, so daß sich im dritten Jahre vier Ruten entwickeln. Ist der Wein bis dahin stark genug, können im vierten Jahre zwei dieser Ruten auf Tragreben(sechs bis acht Augen) geschnitten werden, die anderen beiden wieder auf zwei Augen (Zapfen) zurück. So wiederholt sich der Schnitt immer wieder, wobei soviel Tragreben bleiben sollen, als der Stock zu ernähren vermag. 2. Ferner habe ich drei Hochstämme angepflanzt. Ist es zweckmäßig— die Meinungen sind hierüber sehr verschieden—, daß dieselben noch zurückgeschnitten werden(Apfel, Birne und Pflaume) und auf welche Länge? Antwort: Da wir nicht wissen, wie der Winter wird, rate ich Ihnen zu einem Rückschnitt im zeitigen Frühjahr vor Knospenaustrieb. Ohne Rücksicht, ob Kern= oder Steinobst. Daß Kernobst erst ein Jahr nach der Pflanzung geschnitten werden soll, ist ein überwundener Standpunkt. Allgemein werden die Triebe um ein Drittel eingekürzt, doch mögen Sie genaueres aus der Abbildung P Kmlanige um Eothringerr Aktionäre, die auf Dividenden warten Laßt euch den Blick nicht trüben Ungeheuer schwer ist es heute für den schaffenden Menschen, sich durchs Leben zu schlagen; mehr noch für die vielen, denen der Zerfall des kapitalistischen Wirtschaftssystems Lohn und Brot genommen hat. Die einen verdienen trotz Hergabe ihrer ganzen Arbeitskraft nur so viel, daß es gerade für den täglichen Bedarf des Daseins reicht, die andern aber würden ohne die von den so oft geschmähten Sozialisten geschaffene ErwerbslosenUnterstützungen glatt verhungern. Es ist nun erklärlich, daß eine solche Atmosphäre des Elendes und der Massennot mit der Zeit größte Erbitterung auslösen muß bei jedem, der sich noch einen Sinn für Gerechtigkeit und soziale Lebensanschauung bewahrt hat. Nicht begreiflich erscheint es indessen, daß sich diese Erbitterung heute sehr oft gegen uns Sozialisten wendet, da wir weder die Krise mit ihren verheerenden Folgen für die werktätigen Massen verschuldet haben, noch im Gegenteil jemals etwas versäumten, diese Entwicklung der Dinge nach besten Kräften aufzuhalten. So erklärte während einer Unterhaltung am Wahltage ein alter Invalide, der Knappschaftsrente bezieht:„Gewiß haben wir Arbeiter niemals eine bessere Zeit gehabt, als unter der Regierung der Sozialdemokraten, aber die Sozialdemokraten sind an diesem Elend schuld und deswegen wähle ich KPD.“ Diese Meinung ist typisch. Als einzige Erklärung für solch ein sonderbares Verhalten könnte man noch gelten lassen, daß die von„nationalen“ Kreisen künstlich emporgezüchtete Psychose von der„Schuld des Marxismus“ allgemein und der Sozialdemokratie im besonderen so manchen der unter den gegenwärtigen katastrophalen Zuständen Leidenden die Fähigkeit des klaren Denkens geraubt hat. Wäre dies nicht der Fall, wie könnte sich dieser Invalide, wie könnten sich Menschen, die als Hand= und Kopfarbeiter von kapitalistischen Unternehmern ausgebeutet werden, wie könnten sich Arbeitslose, die jahrzehntelang oft ihre Arbeitskraft gegen einen Hungerlohn gegeben, um schließlich im Alter brutal vor die Tür gesetzt zu werden, wie könnten sich alle diese Menschen gegen unsere Partei, gegen unsere Gewerkschaften und gegen unsere Presse wenden? Sie wissen doch alle genau, wem unser Kampf gilt, für wen wir in die Schranken treten. Unser Feind ist das Kapital und sein politischer Anhang, unser Freund ist die werktätige Masse, das schaffende Volk! Das wurde schon unzählige Male bewiesen, und das abzuleugnen, dürfte auch den Feinden der verhaßten Sozialdemokratie nicht gelingen. Und warum, Genossen? Weil die sozialen Erfolge der Sozialdemokratie für sich sprechen, weil sie Zeugnis dafür ablegen, wo der Arbeiter und Angestellte vertreten wurde, wo etwas für sie Wertvolles geschaffen wurde in dem Bestreben, ihre wirtschaftliche und soziale Lage zu heben. Es wirft ein grelles Schlaglicht auf die Gedankenwelt des Menschen, der da zugibt,„gute Zeiten unter der Sozialdemokratie gehabt zu haben, aber dennoch sind deren Führer an allem Elend schuld". Aber auch ein grelles Schlaglicht auf die geistige und moralische Einstellung unserer Gegner, wenn sie immer wieder die Sozialdemokratie für ihre Arbeit schmähen und verächtlich zu machen suchen. Erst Besseres, Nützlicheres für das werktätige Volk bringen und dann kritisieren! Das aber dürfte den politischen Hetzaposteln bei den Kozis und Nazis immerhin einige Mühe machen. Die Kommunalwahlen in Sachsen Dresden, 14. November. Die Stadtverordnetenwahlen in der Stadt Dresden hatten folgendes Ergebnis: Nat.=Soz. 104 107 (Reichstagswahl 6. 11. 1932: 134 333), SPD. 103883(121 035), KPD. 59730(64 568), Zentrum 5643(7231), Deutschn. 20 396 (36 185), Deutsche Volksp. 16 455(22522), Staatsp. 7749(8079), Volksdienst 4433(4308), Volksrechtp. 922(—), Hausbesitzer 11 900(Stadtverordneten=Wahlen 1929: 16.022), Handwerker und Gewerbe 6947(1929: 31 636), Ueberparteiliche Rechte 1661, Handel und Gewerbe 2858. Chemnitz, 14. November. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Chemnitz erhielten an Stimmen: SPD. 56.630(Reichstagswahl am 6. November 59227), KPD. 47574(47·695), Chemnitzer Mittelstand(früher Wirtschaftspartei) 10010(3101), D.=Natl. 11 554(13347), D. Vpt. 3091(3626), NSDAP. 69538(79 766), Staatsp. und Zentrum 3728(3612). Schwere Verluste der Rechtsparteien in Lübeck Lübeck, 13. November.(Eigener Drahtbericht.) Von den Bürgerschaftswahlen liegt bisher nur ein unvollständiges Ergebnis vor. Es erhielten: Sozialdemokraten 30 300(Reichstagswahl 6. November 32.000), Bürgerblock 4893, Kommunisten 9900(9900), Nazis 27200(31 600), Staatspartei 1270(1004), Zentrum 748(964), Hausbesitzer 4105, Rentnerbund 133, Deutschnationale 3600(5780). Die Volkspartei ist mit im Bürgerblock, hatte keine Liste aufgestellt. Die Wahlbeteiligung beträgt etwa 85 Prozent gegenüber 89 Prozent bei der Reichstagswahl. Die Mandatsverteilung steht noch nicht fest, da noch ein Bezirk aus. steht. Wie Papen mit Beamten umspringt Was die Beamten in Zukunft von den ZufallsMachthabern in Preußen=Deutschland zu erwarten haben, beweist d#is Art und Weise, wie am Freitag höhere republikanische Beamte der preußischen Ministerien in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden sind. Die„autoritäre Staatsführung“ fand es nicht einmal der Mühe wert, die Entlassenen vorher persönlich zu benachrichtigen. Nachmittags gingen sie ahnungslos aus ihrem Dienst und abends erfuhren sie durch den Rundsunk, daß sie in den Ruhestand versetzt seien. Wer nicht am Radio saß, dem konnte es passieren, daß ihm am nächsten Morgen die Zeitung oder gar die Milchfrau die Nachricht von seiner Amtsenthebung als Neuigkeit überbrachte. So wurden 68 höhere Beamte der Ministerien behandelt, unter denen sich anerkannte und hochgeachtete Wissenschaftler befinden und teilweise Staatsdiener, die sich seit 25 Jahren und länger hervorragende Verdienste für Staat und Volk erworben haben. Jede Hausfrau würde sich schämen, in solcher Weise ihre Hausangestellte zu behandeln, wie es sich die höchsten Beamten von den Herren Papen und Bracht gefallen lassen mußten. Das eröffnet gleichzeitig einen Blick in die soziale Gesinnung der neuen Machthaber und zeigt, welcher Art nach ihrer Meinung die Beamtenpolitik sein muß. In den letzten Tagen ging durch die bürgerliche Presse eine Meldung, wonach sich die Förderung der Kohlenzechen des Lothringer Konzerns, mithin auch das materielle Ergebnis, in den letzten beiden Monaten angeblich sehr erheblich gebessert habe, daß die geplante Kapitalzusammenlegung im Verhältnis 10:1 nicht mehr notwendig sei. Diese Nachricht ist offensichtlich von Verwaltungskreisen des Konzerns inspiriert, um der Oeffentlichkeit damit eine Beruhigungspille wegen der bestehenden Sanierungsschwierigkeiten zu verabfolgen. Noch vor kurzem hat, wie wir bereits berichteten, wegen der Sanierungsfrage eine Aufsichtsratssitzung unter Beteiligung der interessierten Gläubigerbanken stattgefunden, die aber völlig ergebnislos verlief. Zwischen den hier in Frage kommenden zehn Banken bestehen wegen der vorzunehmenden Sanierung noch tiefe Meinungsverschiedenheiten, die weniger den Umfang der Kapitalzusammenlegung betreffen, sondern in erster Linie in der Konsolidierung der ungeheuren Schuldenlast des Konzerns liegen. Damals hieß es bereits, daß zwar die Lothringer=Zechen in letzter Zeit, der Allgemeintendenz im Kohlenbergbau folgend, mit etwas besseren Ergebnissen arbeiteten; aber dieser Mehrverdienst wird ohne weiteres durch den hohen Zinsballast des Unternehmens aufgezehrt. Es ist also geradezu absurd, wenn nach Lage der Dinge beim Lothringer=Konzern sich die interessierten Kreise über günstigere Aussichten bezüglich der Kapitalzusammenlegung unterhalten. Mit einer derartigen„Bilanzkorrektur“ allein kann der Lothringer=Konzern nicht mehr gerettet werden; das dürfte selbst dem größten Optimisten einleuchtend sein. Der Schwerpunkt der Sanierung liegt in der Regelung des bis heute noch offen gebliebenen Schuldenproblems, dessen Lösung über Nazi-Freislers Offensive gegen die Belaltungszeugen in Altona Hamburg, 12. Nov.(Eig. Drahtber.) In dem großen Prozeß gegen die schleswig=holsteinischen Bombenattentäter vor dem Altonaer Sondergericht unternahm der nationalsozialistische Verteidiger Freisler am Sonnabend eine große Offensive, um die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die die Angeklagten durch ihre Aussagen auf das schwerste belastet, zu beeinträchtigen. Den Zeugen Reichsfeldwebel a. D. Baum, der der Staatsanwaltschaft die Namen der SS.=Leute genannt hatte, die das Attentat in Glüsing verübten, bezeichnete er als einen unglaubwürdigen Menschen, der seine Aussagen nur gemach habe, um sich die ausgesetzte Belohnung zu verdienen. Gegen diese Behauptungen der Verteidigung stehen die Aussagen des am Tage vorher eidlich vernommenen Kriminalsekretärs Woinke aus Flensburg, der die Vernehmung Baums durchgeführt hat und dem Gericht erklärte, daß er selbst den Zeugen Baum erst nach der Erstattung der Anzeige auf den ihm zustehenden Anteil an der ausgesetzten Belohnung aufmerksam gemacht habe. Der eigentliche Grund der Angaben Baums wäre aber die verlogene Berichterstattung der nationalsozialistischen Zeugen gewesen, die die Bombenattentate als das Werk linksgerichteter Kreise bezeichnet hätten. Darüber hinaus sei aber auch der Zeuge über die nationalsozialistische Bewegung, der er früher angehörte, außerordentlich enttäuscht gewesen, so daß er keinen Grund mehr gehabt hätte, das, was er von den Bombenattentaten wußte, zu verschweigen. Dem Referendar Ehlers, der im Auftrage der Staatsanwaltschaft Altona die Vernehmung einiger Angeklagten vorgenommen hatte, warf die Verteidigung vor, daß er sich das Vertrauen der Angeklagten zu erschleichen versucht hätte, indem er sich als Mitglied der Nationalsozialistischen Partei ausgegeben hätte. Der Zeuge Ehlers bestreitet diese Behauptungen entschieden und weist die Verdächtigungen über nicht einwandfreie Vernehmung entschieden zurück. Eine zweite Frage der Verteidigung an den Zeugen, ob er mit SS.=Leuten gemeinsam gezecht habe, ließ der Vorsitzende des Sondergerichts nicht zu. Den dritten Hauptbelastungszeugen, den ehemaligen SS.= Mann Thomsen, der am Freitag sensationelle Bekundungen über die Mißstände in der nationalsozialistischen Bewegung und über die Vorgänge während der Wahlnacht in Altona gemacht hatte, bezeichnet die Verteidigung ebenfalls als nichtglaubwürdig, ohne aber besondere Beweise für diese Behauptung beibringen zu können. Der Zeuge Thomsen selbst bleibt bei einer Gegenüberstellung mit einem seiner ehemaligen Kameraden bei seiner Aussage. Die Verhandlung wird am Montag weitergeführt. Jagdscheine für Nazi-Bestien gegen die Republikaner Die Strafkammer des Frankfurter Landgerichtes verurteilte am Freitag den Nazimann Riester wegen Raushandel zu fünf Monaten Gefängnis. Wie dieser„Raufhandel“ aussah, zeigte die zweitägige Verhandlung. Der 47jährige Schlosser Franz Braun, Führer der Eisernen Front Frankfurt=Bockenheim, wurde im Mai d. I. von 5 Nazis von seinem Fahrrad heruntergeschlagen und durch die 21jährige SA.=Bestie Riester mit einer Zaunlatte am Kopf schwe: verletzt. Ein Schädelknochen wurde zertrümmert, Knochensplitter mußten aus dem Gehirn entfernt werden. Noch heute, nach einem halben Jahre, leidet Braun an Reizepilepsie, kann, wie der Gerichtspsychiater vortrug, außer Ja und Nein und einigen Worten nicht mehr reden. Er kann nicht mehr schreiben und verlor die Buchstabierfähigkeit. Er kann sich nur durch Gesten verständlich machen und ist vollkommen erwerbsunfähig. In der Verhandlung gab der feige Rohling zu, den Sozialdemokraten Braun mit einer Zaunlatte auf den Kopf geschlagen zu haben, es sei aber„in Notwehr“ geschehen. Da er die Latte aus 70 Meter Entfernung geholt und den Verletzten verfolgt hatte, war diese Ausrede ohne weiteres widerlegt. Der Staatsanwalt wies darauf hin, daß der Angeklagte mit heiterer Gleichgültigkeit der Verhandlung gefolgt sei und beantragte drei Jahre Gefängnis und sofortigen Haftbesehl. Der Angeklagte begann nun zu weinen, beruhigte sich jedoch bald, als das Gericht ihn lediglich wegen Raufhandels zu 5 Monaten Gefängnis verurteilte. Lächelnd verließ der SA.=Mann, von seinen Parteifreunden beglückwünscht, den Gerichtssaal. Dieses Urteil angesichts einer solchen Tat ist geradezu ein billiger Jagdschein für Nazibestien gegen Republikaner. den privatwirtschaftlichen Mechanismus kaum denkbar ist. Wie trübe aber tatsächlich die finanziellen Verhältnisse beim Lothringer=Konzern liegen, geht schon daraus hervor, daß man bisher noch nicht die Generalversammlung der Eisen= und Hütt'en=A.=G., Bochum, zwecks Genehmigung des Abschlusses für 1931 einberufen hat. Den privaten Aktionären dieser Gesellschaft stehen nämlich statutengemäß jährlich 7 Prozent Dividenden zu, für deren Zahlung die BergbauA.=G. Lothringen s. Zt. in großzügiger Weise die Garantie übernommen hat. Diese Dividende wird regelmäßig am Tage der Generalversammlung der Eisen= und Hütten=A.=G. fällig. Die Bergbau=A.=G. Lothringen hat auch stets den Aktionären der Eisen= und Hütten=A.=G. die ihnen vertragsmäßig zustehenden Dividenden prompt gezahlt, trotzdem das Unternehmen bisher nur mit hohen Geschäftsverlusten gearbeitet hat. In diesem Jahre haben aber die Aktionäre bis heute vergeblich auf die Einberufung der Generalversammlung gewartet, da Lothringen offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, seinen Dividenden=Garantieverpflichtungen nachkommen zu können. Wie verlautet, hat sich bereits eine Schutzgemeinschaft der Eisen= und Hütten=Aktionäre gebildet, um die Einberufung der Generalversammlung mit gesetzlichen Mitteln zu erzwingen. Es wäre wirklich an der Zeit, daß der Staat bei dem Lothringer Konzern endlich eingreifen und mit eisernem Besen hier Ordnung schaffen würde. Die Stillegung der zu diesem Konzern gehörenden Zeche Präsident beweist doch mit aller Deutlichkeit, welche volkswirtschaftlichen Schäden allein durch verzögerte Sanierungsmaßnahmen hervorgerufen werden. Rundtunkdiktatur! Die Richtlinien der Regierung Papen für die Gestaltung der Rundfunkprogramme sind jetzt veröffentlicht worden. Danach soll der deutsche Rundfunk künftig seine Aufgabe vor allem in der Pflege der nationalen und christlichen Gesinnung sehen. Nach den bisherigen Erfahrungen bedeutet das für die Praxis nur eine schriftliche Festlegung dessen, was unter dem Reichsrundfunkkommissar Scholz im Rundsunk bereits Uebung geworden ist. Die neue Kompetenzverteilung im Rundfunk zwischen Reich und Ländern dürfte zu heftigen Reibungen führen. Die Verhandlungen für die Neuordnung der Kompetenzverteilung haben zwar manchen Abstrich den diktatorischen Machtansprüchen des Reichskommissars Scholz gebracht. Das Ganze bleibt jedoch noch reichlich unbefriedigend. Nach den neuen Vereinbarungen wird das Reich nicht mehr das Recht zur Ernennung der Staatskommissare haben, sondern die Länder ernennen die Kommissare im Einvernehmen mit dem Reich. Die Ernennung der leitenden Persönlichkeiten bei den einzelnen Sendern geschieht durch die Gesellschafterversammlung nach vorheriger Stellungnahme des Reichskommissars, wobei zu beachten ist, daß die Reichsrundfunkgesellschaft bei jedem Sender mit 51 Prozent beteiligt ist. In den künstlerischen und politischen Programmangelegenheiten haben Reich und Länder ein wechselseitiges Vetorecht. In Zweifelsfällen muß die umstrittene Darbietung unterbleiben. Krisenfürsorge.„Der Reichsanzeiger“ veröffentlicht einen Erlaß des Reichsarbeitsministers, durch den angeoidnet wird, daß in der Zeit vom 28 November 1932 bis 31. März 1933 die Krisenfürsorge nicht dadurch ausgeschlossen werden darf, daß der Arbeitslose während dieses Zeitraumes die höchste Bezugsdauer der Krisenfürsorge erreicht. Bei dem Manteltarifstreit in der Schuhindustrie, der durch das Scheitern der Ende Oktober stattgefundenen Verhandlungen der Parteien verschärft wurde und zu dessen Beilegung das Reichsarbeitsministerium nunmehr einen Sonderschlichter berufen hat, liegt der Hauptkonfliktspunkt in der Forderung der Arbeitgeber auf vollkommene Ausschaltung der Betriebsräte, insbesondere bei Festsetzung der Leistungslöhne, wie auch bei Aufstellung der Akkordsätze. Die Gewerkschaften haben den Arbeitgebern mit aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, daß für sie eine Ausschaltung der Betriebsräte unter keinen Umständen in Frage kommen kann und daß sie auch einen Schiedsspruch, wenn er die Wünsche der Unternehmer erfüllten sollte, unter allen Umständen ablehnen. In der Metallindustrie des Lahngaues und Oberhessen ist den gesamten Belegschaften der führenden Werke zum 15. November gekündigt worden. Der Schlichter hatte einen Schiedsspruch gefällt, der einen Ecklohn von 60 Pfennig in der Stunde vorsieht und einen erheblichen Lohnabbau darstellt. Der Spruch wurde von den Arbeitern abgelehnt. Die Nachverhandlungen blieben ergebnislos. Betroffen werden von dem Konflikt etwa 5000 Metallarbeiter. 19 Tote, 17 Verletzte Folgenichwerer Einiturz eines Mietshaules Warschau, 14. Nov. Am Sonntag morgen ereignete sich in einem Warschauer Vorort=Viertel eine fürchterliche Einsturzkatastrophe. In der Krochmalnastraße stürzte ein Mietshaus, das zahlreiche Wohnungen hatte, ein. Das Unglück hatte seine Ursache darin, daß in einem neben dem Haus gelegenen Lagerkeller einer Großbrauerei sich starke Gärgase entwickelt hatten, die, da sie keinen Ausweg fanden, eine Hausmauer sprengten. Die übrigen Teile des Wohnhauses stürzten sofort nach. Die Bewohner wurden schlafend in die Tiefe gerissen. 19 Tote und 17 Verletzte sind aus den Trümmern bereits geborgen, doch ist anzunehmen, daß die Zahl der Opfer wesentlich größer ist. Der Flugraketentag in Berlin-Tempelhof Berlin, 13. November.(Eigene Meldung.) Die erste öffentliche Vorführung der Flugrakete von Ingenieur Tilling(Osnabrück) fand heute nachmittag auf dem Tempelhofer Flughafen statt. Die erste Rakete stieg mit unglaublicher Schnelligkeit etwa 800 Meter empor, dann öffneten sich die Tragflächen und in sicherem Gleitflug landete die Rakete in der Nähe des Startplatzes. Beim zweiten Start wurde die Rakete durch den böigen Wind in etwa 200 Meter Höhe abgetrieben. Die Tragflächen entfalteten sich nicht und der Raketenkörper prallte mit ziemlicher Heftigkeit auf den Boden auf. Ein dritter Start wurde daraufhin von der Polizei aus Sicherheitsgründen untersagt— Die Unweiterkatastrophe auf Kuba Camaguay, 13. November. Nach den letzten Mitteilungen, die Reisende mit dem Zuge aus Santa Cruz del Sur machten, sind bisher 260 Leichen entgraben worden. Viele Hunderte sollen noch in den Aesten der Bäume und unter den Trümmern der Stadt liegen. Nur wenige hundert Personen sind der Katastrophe entgangen. Die meisten Einwohner der Stadt hatten nicht Zeit gefunden, die Flucht zu ergreifen, und gewahrten die Gefahr erst durch den Donner der Woge, die 70 Schiffe im Hafen zertrümmerte. Die Bevölkerung flüchtete in Panik in leere Güterwagen auf dem Bahnhof, die von dem Wasser umgeworfen wurden, so daß ihre Insassen hilflos ertranken. Die Aerzte arbeiten seit Mittwoch fieberhaft die Nächte hindurch im Scheine von Kerzen. Andauernd treffen weitere Flüchtlinge ein, die furchtbare Einzelheiten von der Katastrophe berichten. Auch die Cayman=Inseln sind, wie ein Flugzeug berichtet, von dem Wirbelsturm heimgesucht worden. Der britische Dampfer Balboa“ (1389 Tonnen) wurde vernichtet; doch konnte die Mannschaft gerettet werden. Flieger Raab im Gefängnis Krefeld, 13. November.(Eig. Meldung.) Im Prozeß gegen den Flieger Antonius Raab, der seit fünf Tagen hier verhandelt wird, wurde heute abend nach 2½ stündiger Beratung das Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde wegen Unterschlagung und Untreue in je einem Fall und wegen Betruges in zwei Fällen zu einer Gesamtstrafe von zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Da Fluchtverdacht besteht, wurde gegen Raab Haftbefehl erlassen und sofort im Gerichtssaal vollstreckt. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Gefängnis und soforige Verhaftung beantragt, während der Verteidiger auf Freispruch plädierte. Raab beteuerte bis zum Schluß seine Unschuld. Haftbefehl gegen Reichstagsabgeordneten Veller Wuppertal, 13. November. Der Untersuchungsrichter des Landgerichtes Wuppertal hat gegen den am Freitag morgen in Altena festgenommenen nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Veller Haftbefehl wegen Mordversuchs in zwei Fällen und wegen Vergehens gegen die Terrornotverordnung, die für Gewalttätigkeiten mit Waffen gegen Personen Zuchthausstrafen bis zu zehn Jahren vorsieht, erlassen. Es ist damit zu rechnen, daß die Verhandlung in Kürze stattfindet. Fünf Tage Plädoyer Rechtsanwalt Professor Alsberg beendete am Sonnabend im Berliner Mitgift=Prozeß Caro—Petschek sein fünftägiges Plädoyer zugunsten des Angeklagten Geheimrat Caro. Alsberg bat, den Angeklagten freizusprechen. Das Gericht habe nicht nur festsustellen, daß Caro keine Urkunde gefälscht habe— tüge der Sachverständigenbeweis—, es habe auch die Hinterfründe des Prozesses zu enthüllen. Es bestünde kein Zweifel saran, daß die Familie Petschek den Angeklagten Geheimrat Laro wissentlich falsch beschuldigt hätte und daß Ignaz P## bei seiner eidlichen Vernehmung in Aussig wissentlich falscheZeugnis abgelegt habe, als er den Empfang der Mitgift in Höhe von 400000 Mark bestritt. Ignaz Petschek habe die Mitgift empfangen und die Quittung darüber unterschrieben. Rätlel um Rolemarie Bahnbeamte fanden am Sonnabendvormittag auf der Berliner Vorortstrecke Stettiner Bahnhof=Gesundbrunnen ein sechsjähriges Mädchen schwer verletzt und bewußtlos auf. Im Krankenhaus erreichte das Kind für kurze Zeit das Bewußtsein, und gab an, daß es Rosemarie Boddin heiße und 6 Jahre alt sei. Die Mordinspektion der Berliner Kriminalpolizei stellte fest, daß das kleine Mädchen, das von seinen Eltern seit Freitag vermißt wurde, die 147. Gemeindeschule besucht, in der unbekannte Täter in der Nacht zum Sonnabend einen Einbruch verübt haben. Die Einbrecher waren in das Amtszimmer des Rektors gelangt, indem sie die Füllung der verschlossenen Tür aussägten. Die herausgeschnittenen Bretter lagen neben dem Kind auf den Gleisen. Es konnte weiter ermittelt werden, daß das Kind im Laufe der Nacht zwischen den beiden Schienen lag. Gegen 6 Uhr morgens fuhr über die Sechsjährige ein Güterzug hinweg, ohne es aber zu verletzen. Ein im Krankenhaus festgestellter Schädelbruch rührt davon her, daß die Kleine von den Einbrechern, gleichzeitig mit den Resten der füllung, von der Grenzstraßen=Brücke aus auf das Eisenbahngelände geworfen worden ist. Schleifspuren stützen diese Annahme.— Vermutlich ist an dem Kind ein SittlichkeitsverDie Braut aus Verlehen erlchollen Alfter(Vorgebirge), 13. November. Freitag abend hat sich in dem benachbarten Gielsdorf ein tragischer Unfall zugetragen. Die 20jährige Margarete Kirvel war in der Wohnung ihrer Schwägerin mit ihrem Bräutigam zusammengetroffen. Sie setzten sich an einen Tisch und streiften in ihrer Unterhaltung die Ereignisse des Tages. Plötzlich griff der junge Mann in seine Tasche und zeigte der Braut einen Revolver. Das Mädchen bat, den gefährlichen Gegenstand aus den Händen zu lassen, er aber prahlte mit dem Schießeisen und ließ es von einer Hand in die andere fallen. Dabei ging ein Schuß los, der die Braut in die linke Brustseite traf. Ein Arzt konnte nur den Tod feststellen. Der Schütze, der völlig zusammengebrochen und zur Zeit noch nicht vernehmungsfähig ist, wurde in Haft genommen. Nach den Aussagen von Ortseingesessenen soll das Verhältnis der beiden das denkbar beste gewesen sein, so daß angenommen werden muß, daß hier ein unglücklicher mitgewirkt Die neue sozialdemokratische Reichstagstraktion Auf den Listen der Sozialdemokratie wurden in den Reichstag gewählt in den Wahlkreisen: Ostpreußen 3(bisher 3), Otto Braun, Larssen, Lufft; Berlin 5(5), Crispien, Aufhäuser, Frau Bohm=Schuch, Potsdam u 4(9), Künsiler, Dr. Löwenstein, Heinig, Frau Potsdam 1 5(5), Wissell, Dr. Breitscheid, Frau Juchacz, urt a. d. O. 3(4), Wels, Heitmann, Reißner; Pommern 3(3), Schumann, Passehl, Georg Schmidt; Breslau 4(4), Löbe, Wendemuth, Frau Ansorge, Liegnitz 3(3), Buchwitz, Richard Meier, Frau semg, Magdeburg 5(5), Höltermann, Ferl, Reuter, Seeger, Merseburg 3(3), Dr. Hertz, Peters, Vergholz; Thüringen 4(5), Frölich, Dietrich, Frau Wurm, Petric Schleswig=Holstein 4(4), Luise Schroeder, Eggerstedt, Weser=Ems 3(9), Faust, Tempel, Osthannover 2(3), Peine, Nowack; Südhannover 6(6), Partzsch, Grotewohl, Frau Zammert, Karsten, Raloff, Schiller; Westfalen=Nord 3(4), Severing, Schreck, Janscheck; Westfalen=Süd 4(4),=Husemann, Brandes, Henßler, Hessen=Nassau 5(5), Scheidemann, Metz, Becker, Schnabrich, Witte; Köln=Aachen 2(3), Sollmann, Böckler; Koblenz=Trier 1(1), Kirschmann; Düsseldorf=Ost 2(2), Dr. Hilferding, Frau Agnes; Düsseldorf=West 1(2), Gerlach; Oberbayern=Schwaben 3(3), Dr. Högner, Felder, Unterleitner; Niederbayern 1(1), Frau Pfülf; Franken 5(5), Vogel, Dill, Puchta, Soldmann, Schneppenhorst; Pfalz 1(), Wagner;„! Abem 8 Dresden 5(6), Frau Sender, Arzt, Dovorlt, Fleißner, Leipzig 5(4), Lipinski, Saupe, Graf, Frau Starrmann, Chemnitz=Zwickau 4(4), Uhlig, Graupe, Kuhnt, Hartsch; Württemberg 3(4), Roßmann, Dr. Schumacher, Ulrich; Baden 2(3), Remmele, Roth; Hessen=Darmstadt 3(4), Dr. Mierendorff, Ritzel, Bcher:„ Hamburg 3(4), Dr. Staudinger, Biedermann, Dayrendorf; Mecklenburg 2(3), Dr. Leber, Moltmann. Auf der Reichsliste sind 8 Abgeordnete gewählt, und zwar: Landsberg, Dittmann, Graßmann, Stampfer, Dr. Marum, Scheffel, Tarnow, Völker. Von den Gewählten gehörten dem Reichstag bisher gar nicht— oder doch nicht dem letzten Reichstag— an die Abgeordneten Lufft, Lübbe, Schiller, Felder, Gellert, Ulrich, Dr. Staudinger, Dahrendarf. Lufft, Schiller, Gellert und Ulrich gehörten aber bereits früheren Reichstagen an. Von den Abgeordneten des letzten Reichstages gehören dem neuen Reichstage nicht mehr an: Jäckel, Hugo Heimann, Wendt, Wegner, Dr. Brill, Frau Schreiber, Rohloff, Finke, Kappertz, Thabor, Simon, Schirmer, Keil, Hildenbrand, St. Meier, Steffan, Frau Reitze, Bergmann, Schulz und Seppel. Des Frenetolt. Was gibt es sleues in der Wissenschalt: Im Kopenhagener Pinsen=Institut, der berühmten Forschungsstätte für die Heilwirkung von Strahlen aller Art, erprobte man die sogenannten Grenzstrahlen, nach ihrem Entdecker auch Bucky=Strahlen genannt, an etwa 700 Kranken, um über ihren zuweilen angezweifelten Heilwert ein möglichst sicheres Urteil zu gewinnen. Grenzstrahlen sind„weiche" Rönzgenstrahlen; sie haben eine größere Wellenlänge als alle im Heilwesen sonst benutzten Lichtstrahlen. Ihre wichtige Besonderheit ist, daß sie nur auf die oberflächlichen Hautschichten wirken und um so weniger tief dringen, in je geringerer Dosis sie angewandt werden. Die schwächste Darreichung wirkt nur auf die Oberhaut, eine bedeutungsvolle, kaum einer anderen Strahlenart eigentümliche Eigenschaft. Erhöht man die Dosis, so dringen die Strahlen zu tieferen Hautschichten. Auf diese Weise kann der Arzt zielen, welche Hautschicht er behandeln will. Ausschlag, Schuppenflechte, Lupus und andere Hauterkrankungen wurzeln in verschiedenen, durch richtig abgestimmte Grenzstrahlen=Behandlung zu erreichenden Hautschichten. * Wenn auch nur verhältnismäßig wenige Menschen sich heute den Genuß von Forellen leisten können, so hat der Lebendversand dieses Edelfisches doch eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung. Was die Preußische Lehr= und Versuchsanstalt für Forellenzucht in Albaum(Westfalen) hierüber feststellte, ist um so beachtlicher, als die Grundsätze der Lebendbeförderung, die für Forellen gelten, auch auf andere Fische übertragen werden können. Um die Fische lebend von einem Ort an den anderen zu schaffen, führte man den Wasserbehältern, die mit ihrer schwimmenden Last in die Eisenbahnwagen gestellt wurden, Sauerstoff zu, ein zweckmäßiges, aber ziemlich kostspieliges Verfahren. Neuerdings ging man dazu über, im Wasser dadurch Sauerstoff zu erzeugen, daß man dem element der Fische Wasserstoffsuperoxyd zusetzte, von dem sich Sauerstoff abspaltete. Hierbei ist darauf zu achten, daß der Wasserstoffsuperoxyd=Zusatz nur gering ist, weil er den sonst schädlich wird. Da die Praxis zu keinem einhelligen Urteil über das Verfahren gelangte, wurde eben jene Versuchsanstalt veranlaßt, die Angelegenheit wissenschaftlich zu erforschen. Als Ergebnis wurde festgestellt: Auf kurze Strecken lassen die Forellen sich zweifellos lebend befördern, wenn das Transportwasser mit Wasserstoffsuperoxyd angereichert ist. Nur muß verhütet werden, daß zuviel Sauerstoff sich entwickelt und daß etwa große Schwankungen in dem Sauerstoffgehalt auftreten. Wenn die Milch den Kindern einmal nicht schmeckt, erklärt manche Mutter:„Das liegt daran, daß die Kühe jetzt nicht mehr im Stall gefüttert werden, sondern auf die Weide gehen.“ Ein solcher Uebergang findet naturgemäß im Frühjahr statt. Welchen Einfluß auf die Milchbeschaffenheit hat er? In der Preußischen Versuchs= und Forschungsanstalt für Tierzucht in Tschechnitz(Schlesien) wurden 35 Kühe unter Ausschaltung aller erdenklichen Fehlerquellen einige Zeit zuerst im Stall und dann auf der Weide gefüttert und die hierbei auftretenden wechselnden Milchleistungen sorgfältig untersucht. Man maß und analysierte die Milch im April, als die Tiere noch Stallfutter fraßen, und dann von Anfang Mai bis Juni, als sie sich von Weidefutter nährten. Alle Kühe lieferten weniger Milch, sobald sie aus dem Stall ins Freie kamen. Bei einem Tier betrug der Rückgang des Milchertrages volle 59 Prozent der Anfangsleistung. Zugleich wurde die Milch aber, wenigstens für einige Zeit, erheblich fettreicher. Jedenfalls schwankte der Milchertrag in der Uebergangszeit erheblich. Die Untersuchungsstelle schlägt vor, während der letzten Wochen der Stallfütterung eine„Uebergangsfütterung“ einzulegen, während der das Tier sich auf das zu erwartende Grünfutter vorbereitet. Da der Nährstoffgehalt der Weidenahrung wechselt, ist übrigens auch bei ihrer Anwendung einige Ungleichheit der Milcherzeugung nicht zu vermeiden. * Der Flieger wird unfähig, seine Glieder zu bewegen, sobald er in jene Höhe kommt, in der das Barometer 300 mm Quecksilber anzeigt. Schon vorher fällt das Arbeiten ihm immer schwerer, je höher er steigt. Was ist die Ursache? Fehlt dem fliegenden Menschen der Sauerstoff, dessen Menge mit der Höhe abnimmt, oder ist der verringerte Luftdruck dem auf einen tieferen Luftdruck eingestellten Organismus unzuträglich? Im Physiologischen Institut der Universität Cambridge suchte man die Frage zu klären, indem man die Versuchsperson in eine„pneumatische Kammer“, das ist einen Raum brachte, dessen Luftdruck nach Belieben gesenkt oder erhöht werden kann. Beeinträchtigt der verringerte Luftdruck die Arbeitsfähigkeit, so muß diese auch dann geschädigt werden, wenn die Versuchsperson zwar einem genügenden Sauerstoffverbrauch überlassen, aber einem übermäßig dünnen Gasdruck ausgesetzt ist. Die Versuchskammer wurde mit Sauerstoff von 240 und 170 mm Quecksilberdruck angefüllt. Da es reiner Sauerstoff war, konnte der Mensch bequem darin atmen. Nur war der Gasdruck weit unter dem, der den emporsteigenden Menschen arbeitsunfähig macht. Wie erging es der Versuchsperson? Sie atmete und arbeitete ohne Behinderung— ein Beweis, daß nur der Sauerstoffmangel den Menschen in größerer Höhe ohnmächtig macht. S. Jch. Enoch Arden in der Pußta Szeged. Auf einem kleinen Gehöft hat sich unlängst eine Tragödie abgespielt, die an das Schicksal Enoch Ardens erinnert. Vor einigen Wochen war ein ziemlich zerlumpter Mann mit sichtlichen Leidensspuren im Gesicht auf dem Bauernhof erschienen und hatte inständig den Besitzer gebeten, ihn als Knecht anzustellen. Zur größten Zufriedenheit arbeitete der Fremde, der keine Papiere bei sich hatte, auch von morgens bis abends, wobei allerdings seine Schweigsamkeit auffiel, bis man ihn eines morgens erhängt auffand. Bei der Nachforschung nach den Personalien des Mannes stellte sich nun plötzlich heraus, daß der Selbstmörder der erste Mann der Hofbesitzersfrau war. Aus bisher noch unbekannten Gründen war er erst vor kurzer Zeit aus Rußland, wohin ihn das Frontsoldatenschicksal verschlagen hatte, in die Heimat zurückgekehrt. Inzwischen waren seine Eltern gestorben, und seine Frau hatte, da er für tot und seine Ehe für ungültig erklärt worden war, sich zum zweiten Male verheiratet. Um wenigstens seiner früheren Frau nahe zu sein, hatte er sich als Knecht verdungen und schließlich, um ihr Glück nicht durch die Preisgabe seines Geheimnisses zu stören, seinem inhaltlosen Leben ein Ende gemacht. Nonnenrevolte in einem rumänischen Kloster Bukarest. Das weltabgeschiedene Kloster Agapia in der Provinz Moldau ist unlängst der Schauplatz von Scenen gewesen, wie sie in der Geschichte der Klöster wohl einzig dastehen. Die Klosterkirche wie die Häuschen im Viereck darum, in denen 400 Nonen wohnen, waren im Laufe der Zeit schon so baufällig geworden, daß wiederholt Geldsammlungen veranstaltet werden mußten, um die notwendigen Restaurationsarbeiten durchzuführen. Als eines Tages nun Gelder ausblieben, reiste die Oberin des Klosters kurz entschlossen zum Metropoliten, um dort vorstellig zu werden, kehrte jedoch mit der niederschmetternden Nachricht zurück, daß man an höherer Stelle beschlossen habe, wohl noch die Kirche instandzusetzen, aber die Unterkunftsräume der Nonnen abzureißen. Diese Botschaft löste unter den Frauen eine ungeheure Erregung aus, da man annahm, daß die Oberin an diesem Beschluß die Hauptschuld trage, und man entschloß sich in seltener Einmütigkeit, dem Befehl zu trotzen. Die jüngste der Nonnen wurde zur Führerin des Kampfes gewählt. Noch in derselben Nacht wurde die Oberin ihres Amtes enthoben und aus dem Kloster gejagt. Da die Nonnen sich weigern, sowohl das Kloster zu verlassen als auch sich in ein anderes versetzen zu lassen, blieb dem Metropoliten nichts weiter übrig, als eine Untersuchungskommission zu den Rebellinnen zu entsenden, die bis zur Entscheidung der Frage allerdings in strengster Klausur in ihren Zellen bleiben