— SrerTerro=Uoenistsdeere Organ der werktätigen Bevölkerung für den Stadtkreis Witten Bezugspreise: Die„Wittener Volkswacht" erscheint täglich vormittags mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet freibleibend monatlich 2.40 Wk. (im voraus zahlbar) Einzelnummer 10 Pfennig Mitteilungsblatt der freien Gewerkschaften der Arbeiter=Sport= und Kulturvereine Geschäftsstelle: Witten, Johannisstraße 37, Fernsprecher 3627 Anzeigenpreise: 1 mm Höhe 1 spaltig 7 Pf. auswärts 8 Pf., Arbeits= und Wohnungsmarkt und private Familienanzeigen 4 Pf., Reklameteil 40 Pf. Bei Wiederholung Rabatt, der bei gerichtlicher Beitreibung in Wegfall kommt. Annahmeschluß für Inserate nachmittags 3 Uhr Nr. 250 Witten. Montag, den 15. Oktober 1930 I. Johrgong — Bis Rungerhendehs gegentAbencese. Rusrund Wian dle Arbensrasennirse de Moskau, 11. Oktober.(Amtlich). Starker Mangel an Arbeitskräften in einer Reihe von Zweigen der Volkswirtschaft veranlaßtte das Arbeitskommissariat, die Versicherungskassen anzuweisen, allerorts die Auszahlung von Erwerbslosenunterstützung einzustellen. Der Sozialversicherungsetat wird Unterstützungen von Erwerbslosen nicht mehr vorsehen. Die in der Sowjetunion zugelassenen amerikanischen Berichterstatter teilen dazu mit, daß dieser Beschluß wegen der Finanznot erfolgte. Die örtlichen Behörden werden außerdem angewiesen, die auf den Arbeitsnachweisen gemeldeten Erwerbslosen sofort in den Produktionsprozeß einzureihen und sie dahin zu schicken, wo Mangel an Arbeitskräften besteht. So sorgfältig der amtliche Moskauer Wortlaut des sensationellen Beschlusses, die Erwerbslosenunterstützung einzustellen, auch abgefaßt sein mag, gerade er gibt deutlich zu erkennen, daß es sich um eine Maßnahme gegen die Erwerblosen handelt, entstanden aus der Finanznot der Sowjetunion. Nur in einigen Industriezweigen ist Nachfrage nach Arbeitskräften vorhanden— die Erwerbslosenunterstützung wird aber allerorts abgeschafft: auf diese Art will man die vorhandenen Arbeitslosen mit Gewalt in die Industriezweige wie das Donezgebiet hineintreiben, aus denen sie wegen der ungeheuerlichen Arbeitsbedingungen in Massen davonlaufen. Die deutsche Kommunistenpresse wird den Moskauer Beschluß als Beweis dafür feiern, daß es keine Erwerbslosen in der Sowjetunion mehr gibt— aber dies wagt nicht einmal die Moskauer Verlautbarung zu behaupten, die nur von einem Arbeitermangel in einigen Industriezweigen spricht. Wenn wirklich keine Arbeitslosen mehr vorhanden wären, dann brauchte man die Arbeitslosenunterstützung gar nicht aufzuheben, dann brauchte der Sowjetstaat sowieso keine Mittel für die Arbeitslosen aufzuwenden. Der Beschluß des Volkskommissariats ist umgekehrt deshalb gefaßt worden, weil die Erwerbslosenunterstützung die Fähigkeit der Sowjetkassen übersteigt und weil es keine andere Möglichkeit gibt, die Erwerblosen in die Betriebe mit höllischen Arbeitsbedingungen zu bringen, als die Peitsche des Hungers! Ari Ma Tobe Beschimpfung des Genassen Löbe durch die Nationalsozialisten Berlin, 12. Okt.(Eig. Drahtbericht.) Der Völkische Beobachter bringt zur bevorstehenden Wahl des Reichstagspräsidiums eine amtliche Erklärung der nationalsozialistischen Partei, die in dem Ruf ausklingt:„Fort mit Löbe!“ Es heißt darin, nur im November=Deutschland sei es möglich, daß ein Mann, der das gemeingefährlichste aller Verbrechen, die Sabotage der Landesverteidigung begangen habe und eigentlich ins Zuchthaus gehöre, Präsident des Reichstages sein könne. Wo und wodurch Löbe das angeblich Zuchthaus würdige Verbrechen begangen haben soll, wird nicht weiter gesagt. Auch der Inhalt seiner Rede, die Löbe im Jahre 1927 auf einem Friedenskongreß gehalten haben soll, wird nur ungenau wiedergegeben und das Wichtigste wird dabei verschwiegen. Löbe hat nämlich damals ein Gesetz verlangt, nach dem diejenigen, die zum Kriege gehetzt haben, als erste in den Schützengraben müßten. Seitdem sind die Herren Frick, Cube, Goebbels und andere Prominente des dritten Reiches, die während des letzten Weltkrieges so täpfer in der Heimat gefochten haben, auf ihn schrecklich böse. Das Rätselraten um den Nobelpreis Wieder hat das alljährliche Rätselraten, wer Nobelpreisträger werden wird, begonnen. Für den literarischen Preis werden jetzt in Stockholm an erster Stelle der amerikanische Romanschriftsteller Theodor Dreiser und der Isländer Gunnar Gunnarsson, daneben noch eine Däne, zwei Franzosen und ein Holländer genannt. Wer von ihner wird den Nobelpreis erhalten, wer verdient ihr am ehesten? Die Entscheidung des Komitees dürfte diesmal nicht leicht fallen. Unsere Bilder zeigen Dreiser und Gunnarsson. Von=Keise zu Arise Neue Schuierigkeiten in der Regierung Beüning- Wird Schiele zurücktreten?- Neue Intrigen gegen Curtius- Seeckt und Schacht als Diktatoren genannt Berlin, 12. Okt.(Eig. Drahtber.) In politischen Kreisen wollen die Gerüchte nicht verstummen, die von großen Schwierigkeiten innerhalb des Kabinetts Brüning sprechen. Seine Basis, so schmal sie auch ist, droht auseinanderzubrechen, da der rechte Flügel unter den gegenwärtigen Umständen eine Schwächung seines Einflusses befürchtet. Am schwierigsten ist die Stellung des Reichsernährungsministers Schiele, der sich außerstande sieht, den sich überschlagenden Radikalismus seiner Landbündler irgendwie zu befriedigen. Herr Schiele hat sich schon genötigt gesehen, den Vorsitz im Landbund, den er seit Beginn seiner Ministerzeit nur noch formal inne hatte, niederzulegen. Jetzt beschäftigt man sich lebhaft mit der Frage, ob diesem Schritt ein weiterer folgen wird und ob Schiele überhaupt noch als Mitglied der Regierung Brüning vor dem Reichstag erscheinen wird. Auch Herrn Curtius wird andauernd das Leben schwer gemacht. Kaum hat er in seiner eigenen Partei sich einigermaßen durchgesetzt, so werden ihm neue Schwierigkeiten bereitet durch die Fraktion Deutsches Landvolk, die einen Antrag eingebracht hat, welcher die Reichsregierung veranlassen soll, die Reparationslasten für untragbar zu erklären und die sofortige Aufrüstung Deutschlands zu verlangen. der Volkspartei selbst sollen angeblich mehrere Mitglieder damit gedroht haben, bei der Abstimmung über die Mißtrauensanträge gegen das Kabinett Brüning sich der Stimme zu enthalten. Der Vollständigkeit halber seien noch Gerüchte wiedergegeben, die in einigen Berliner Montagsblättern auftauchen, wonach eine Diktatur, bestehend aus einem Direktorium, geplant sein soll, in dem der General von Seeckt und der frühere Reichsbankpräsident Schacht die Hauptrolle spielen würden. So sehr diese Gerüchte den Stempel der Phantasie tragen, sind sie doch kennzeichnend für die vollkommen verworrene politische Situation, in der der neue Reichstag zusammentritt. Chlertragliche zastder Gehleniden Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen steigt weiter Berlin, 11. Oktober. Im Gegensatz zu den rückläufigen Unterstütztenzahlen der Arbeitslosenversicherung hat die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen im Monat September eine neue bedeutende Vermehrung erfahren. Nach der Erhebung des Die Feuersbrunst in Rannover In der Lumpenfabrik von Balsen, in der Strangriede zu Hannover, brach nachts ein Feuer aus, das nicht nur die ganze Fabrik erfaßte, sondern auch auf einen Teil der Eisenfabrik von Trus übergriff. In kurzer Zeit hatte das Feuer eine Ausdehnung von 500 Meter Länge und 400 Meter Tiefe angenommen. Fünf Gebäude bildeten ein einziges Flammenmeer, das, von dem Sturm angefacht, auch die benachbarten Häuserblocks gefährdete. Erst ein starker Regen vermochte die Gewalt des Brandes zu brechen. Unser Bild zeigt eins der bis auf die Umsotungstuolleen niedergebrannten Deutschen Städtetages wurden in den Städten über 25 000 Einwohner mit einer Gesamtbevölkerung von 25 Millionen am 30. September 479000 Wohlfahrtserwerbslose(ohne Familien= mitglieder als Zuschlagsempfänger) gezählt. Von diesen werden 53000 als Fürsorgearbeiter beschäftigt. Gegenüber dem Ergebnis des Vormonats(445.000) ist für die genannten Städte eine neue Belastung der gemeindlichen Wohlfahrtspflege um weitere 7,6 v. H., gegenüber dem 31. Dezember 1929 aber eine Verdoppelung der zu betreuenden Erwerbslosen eingetreten. Außerdem erhielten in den Städten über 25000 Einwohner am 30. September 52.000 Empfänger von Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge laufende Zusatzunterstützungen. Der Ueberbrückungskredit noch nicht abgeschlossen Berlin, 12. Oktober.(Eig. Meldung.) Wie wir erfahren, eilen die Blättermeldungen über den endgültigen Abschluß der sogenannten Ueberbrückungsanleihe für Deutschland den Tatsachen voraus. Inwiefern die Informationen der Zeitungen über die Bedingungen des Kredits den Tatsachen entsprechen, kann daher im Augenblick noch nicht gesagt werden. Eine Mitteilung von zuständiger Seite über die Angelegenheit ist jür Montag zu ewarten. Auf richtigem Wege Die Groß-Dortmunder Funktionäre billigen die Reichspolitik der Sozialdemokratilchen Partei In Dortmund nahmen Sonntag morgen über 200 Funktionäre der Sozialdemokratischen Partei Groß=Dortmunds Stellung zur politischen Lage. Der neugewählte Reichstagsabgeordnete, Redakteur Hentler, besprach eingehend die volitische Situation und wies auf die Gefahren hin, die dem deutschen Volke drohen. Er zeigte, wovon die sozialdemokratische Reichstagsfraktion in ihrer übergroßen Mehrheit sich leiten ließ bei der Entschließung zur politischen Lage. In der gegenwärtigen Situation gab es für die sozialdemokratische Fraktion gar keine andere Möglichkeit, als die Ablehnung eines Mißtrauensvotums gegen die Regierung Brüning. Die Sozialdemokratie kann nicht ihre Hand dazu bieten, daß die erste Tat des neugewählten Reichstages der Sturz der Regierung Brüning und damit die Herbeiführung der politischen Krise ist, neben der bereits bestehenden Wirtschaftskrise. Tolerierung der Regierung Brüning bedeutet für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion aber nicht die Duldung und Anerkennung ihrer Arbeit, sondern die sozialdemokratische Fraktion toleriert die Regierung, um schneller Stellung nehmen zu können zu den Maßnahmen dieser Regierung und zu ihrer Politik und um schneller diese Politik ändern und beeinflussen zu können zugunsten der arbeitenden Bevölkerung. Nach einer längeren Diskussion, in der sich alle Redner auf den Boden der Entschließung der Reichstagsfraktion stellten, wurde diese Entschließung einstimmig gut geheißen. Bei der besonders veranstalteten Gegenprobe zeigte sich, daß auch nicht ein einziger Funktionär gegen die Politik der Reichstagsfraktion war, wie sie in dieser Entschließung niedergelegt worden ist. Von dem Willen zur Einheit der Partei beseelt, gab die Funktionärkonferenz ihrem Wollen Ausdruck, mit allen Mitteln den Kampf zu führen gegen den Faschismus und für die Demokratie. Die deutsche Währung unerschütterlich? Die Uereinigung von Oberbeamten im über die deutsche Währung Berlin, 11. Oktober.(Drahtmeldung.) Die heute in Oberwiesenthal abgehaltene Hauptversammlung der Vereinigung von Oberbeamten im Bankgewerbe gibt folgende programmatische Erklärung ab: Vom Publikum werden wir häufig gefragt, ob irgendwelche Befürchtungen hinsichtlich der Stabilität unserer Währung berechtigt sind. Wir erklären auf Grund unserer Sachkenntnis, daß nach unserer festen fachmännischen Ueberzeugung die deutsche Währung unerschütterlich fundiert ist. Unter der vorhandenen Krise leidet die Wirtschaft und wir mit ihr. Diese Krise der Wirtschaft ist jedoch keine solche der Währung. Gäden Kkurzr ate nemnistergekatter Karlsruhe, 11. Oktober. Das Staatsministerium hat auf einstimmigen Antrag seiner vier Mitglieder beschlossen, mit Wirkung vom 1. November d. J. ab bis zur anderweitigen gesetzlichen Regelung der bisherigen Besoldungsbezüge einstweilen das Grundgehalt, das den Ministern während ihrer aktiven Ministertätigkeit zusteht, und die Bezüge des Staatsrates jeweils um 20 Prozent zu kürzen. Kaniionssnraitgen Das Zentrum gegen duflösung des Landtages Berlin, 12. Oktober.(Eig. Drahtber.) Mehrere bürgerliche Parteien haben heute Fraktionssitzungen abgehalten. Die deutschnati onale Reichstagsfraktion nahm eine Vertrauenskundgebung für Hugenberg an und beschloß, gegen das Kabinett Brüning ein eigenes Mißtrauensvotum einzubringen. Ferner wurde beschlossen, die im Reichstag nicht mehr zur Abstimmung gekommenen Amnestieanträge wieder einzubringen..., 9.6.. Die Bayerische Volkspartei hielt ebenfalls eine Fraktionssitzung ab, in der der bisherige Vorsitzende Prälat Leicht wiedergewählt wurde.. Eine wichtige Sitzung hielt auch vie Zentrumsfraktion des preußischen Landtages ab. Sie erklärte sich einmütig gegen die Anträge auf Auflösung des Landtages. Der Arbeitsplan des neuen Reichstages ist mittlerweile so festgesetzt worden, daß nach der Wahl des Präsidiums und nach Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung am Freitag oder Sonnabend die Abstimmung über die eingebrachten Mißtrauensanträge sowie die Anträge auf Aufhebung der Notverordnungen erfolgen dürften. Die Kommunisten planen Theater Kommunistische Demonstrationen in der ersten Reichstagssitzung Berlin, 11. Oktober.(Drahtmeldung.) Die Kommunisten haben den Plan aufgegeben, bei der Eröffnungssitzung des neuen Reichstags am Montag die Rotfrontuniform anzulegen. Sie wollen aber, wie das Nachrichtenbüro des B2Z. erfährt, gleich nach Eröffnung der Sitzung durch den Alterspräsidenten diesem demonstrativ vier Anträge überreichen und deren sofortige Beratung verlangen. An der Spitze steht ein Mißtrauensantrag gegen das Kabinett Brüning, dann folgt ein kommunistischer Antrag auf sofortige Einstellung der Young=Zahlungen, ein dritter Antrag verlangt die Aufhebung der Notverordnung des Kabinetts Brüning. Schließlich wird auch die Aufhebung des Verbots des Rotfrontkämpferbundes und der antifaschistischen Jugendorganisation beantragt. Rein amerikanisches Ausfuhrverbot Resendahkalbehr im Berliner Lustgarten Der Reichstagspräsident Paul Löbe spricht gegen Diktatur und Faschismus, für Demokratie und Arbeiterrecht Berlin, 12. Okt.(Eig. Drahtber.) Der Berliner Lustgarten sah heute eine sozialdemokratische Demonstration gegen den Faschismus, die alle Kundgebungen dieser Art bei weitem übertraf. Die Sozialdemokratische Partei veranstaltet nicht, wie das die Kommunisten tun, bei jedem geringfügigen Anlaß und zu jedem möglichen Zeitpunkt Aufmärsche und lärmende Umzüge, sie mobilisiert ihre Anhänger nur bei wichtigen Gelegenheiten und wenn es gilt, dem Gegner die Macht der Arbeiterklasse handgreiflich vor Augen zu führen. Eben deshalb finden die sozialdemokratischen Veranstaltungen weit größere Beachtung als der ewige Radau der Kommunisten, den niemand mehr ernst nimmt. Eine der wirksamsten Veranstaltungen, die je im Berliner Lustgarten abgehalten wurden, war aber der heutige sozialdemokratische Aufmarsch. Schon lange vor der festgesetzten Zeit wälzten sich ungeheure Menschenmassen aus allen Richtungen zu dem großen Platz, der schon eine halbe Stunde vorher so überfüllt war, daß ein großer Teil der Demonstranten in den Anmarschstraßen stehen bleiben mußte. Zahlreiche Reichsbannerleute nahmen in Uniform an der Veranstaltung teil. Die Ansprache hielt Genosse Paul Löbe dessen Worte durch Lautsprecher über den riesigen Platz verbreitet wurden. Löbe führte aus, daß die Sozialdemokratische Partei, gestützt auf ihr Millionenheer, allen kommenden Kämpfen gerüstet entgegensehe. Den nationalsozialistischen Putschisten würde man die richtige Antwort zur richtigen Zeit geven. Wenn Hitler Köpfe in den Sand rollen lassen wolle, so müsse man an die bereits ermordeten Erzberger, Rathenau und an die zahlreichen anderen Märtyrer denken, die auf Grund einer solchen Hetze fielen. Die Sozialdemokratie ist fest entschlossen, den Nationalsozialisten nicht nur ihren eisernen Willen entgegen zu setzen, sondern, wenn es notwendig ist und nicht anders geht, auch die eiserne Faust. Deutschland will und kann es sich nicht leisten, wirtschaftlich und kulturell von einer Garde gesinnungsloser Schreier vernichtet zu werden. Seit dem 14. September sind große wirtschaftliche Schäden in Deutschland entstanden, da der nationalsozialistische Wahlsieg eine wirtschaftliche Panik hervorgerufen hat. Die Sozialdemokratie hat schon vielfach schwere Zeiten überwunden. Sie hat das Sozialistengesetz überstanden, sie hat die Aera Bismarcks überdauert, sie hat ihre Führer in Kerker und Verbannung gesehen und ist doch groß und stark geworden. Ebenso wie sie den Kapp=Putsch niederwarf, ebenso wie sie im Jahre 1923 die Putschgelüste vereitelte, so wird sie alle kommenden Umsturzversuche überwinden. Tosender Beifall zeigte, daß die riesige Menge die Worte Löbes beherzigte. Unter Absingung der Internationale fand die imposante Kundgebung ihren Abschluß. Einige nationalsozialistische Provokationsversuche wurden durch das Reichsbanner und die Polizei im Keime erstickt. Von den rechtsradikalen Ruhestörern wurden insgesamt 28 der Polizei übergeben. Die Zihmi And Der Reichssianzminister plani Tabaksteuler und Tabakzolt tfallen de wan der Uusicht ist daß die 2 Berlin, 11. Okt.(Drahtmeldung.) Im Sanierungsprogramm der Reichsregierung ist bekanntlich vorgesehen, daß aus einer stärkeren Belastung des Tabaks ein Mehrbetrag von 167 Millionen herausgeholt werden soll. Wie wir erfahren, ist der Gesetzentwurf hierfür noch nicht fertig. Es läßt sich aber bereits erkennen, in welcher Form der Reichsfinanzminister seine Pläne durchzuführen gedenkt. Dabei ist die Zigarette von vornherein von einer weiteren Belastung ausgeschlossen, weil sie bereits sehr stark herangezogen ist. Die Erhöhung wird in erster Linie die Zigarre, ferner aber auch den Pfeifentabak treffen. Die Banderolensteuer wird, allerdings nur geringfügig, erhöht. Dagegen ist mit einer stärkeren Zollheraufsetzung zu rechnen, die gleichzeitig den Zweck verfolgt, den heimischen Tabakbau zu schützen. Bisher leistet das Reich aus dem Tabakzoll Stützungszuschüsse für die Verwendung deutschen Tabaks. Der hierfür angesetzte Betrag von fünf Millionen wird im neuen Haushalt fortfauen, da man der unstant ist, daß die Zollerhöhung genügend Schutz bieten wird. Es soll aber auch verhindert werden, daß auf Grund der Zollerhöhung eine Ueberproduktion an deutschem Tabak eintritt, die die Tabakbauern in Not bringen könnte. Die seit Jahren herrschende Notlage der Winzer liefern in dieser Beziehung genügend Erfahrungen. Es ist deshalb eine gewisse Beschränkung der Abbaufläche geplant. Im ganzen wird der Betrag, der aus der Mehrbelastung des Tabaks erzielt wird, auf 235 Millionen geschätzt. Er ist im Regierungsprogramm zunächst nur mit 167 Millionen angegeben worden, weil man während der Anlaufzeit mit einem gewissen Minderertrag rechnet, der sich z. B. aus dem Uebergang des Verbrauchers auf billigere Sorten ergeben dürfte. Der Gesetzentwurf wird ebenso wie die anderen Vorlagen sobald wie möglich dem Kabinett vorgelegt und dann dem Reichsrat zugeleitet werden. End Geineem Ann= Sterenhac Natürtich Wieder ein Kauskatsszlattelisener Farter Berlin, 12. Okt.(Eig. Drahtbericht.) Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Holtz ist auf Drängen seiner Freunde zurückgetreten. Dieser famose Herr Holtz, seines Zeichens Religionslehrer in Charlottenburg, war als Spitzenkandidat für die Nazis im Wahlkreise Potsdam I gewählt worden. Wenige Tage vor der Wahl hatte ihm das Provinzial=Schulkollegium vom Amte suspensiert, weil ein Strafverfahren wegen Erregung öffentlichen Aergernisses gegen ihn eingeleitet worden war. Bisher gab Holtz exhibitionistische Vorstellungen nur auf dem Balkon seiner Charlottenburger Wohnung. Nun sollte er sich offenbar auch noch im Reichstage produzieren. Das scheint aber die Parteileitung der Nazis verhindert zu haben. Man fragt sich nur warum. An dem hinausgeworfenen Pastor Münchmeier, der wegen der bekannten Verfehlungen an einer weiblichen Patientin aus dem Amte hinaus geworfen ist, hat doch die Notionalsozialistische Partei bisher keinen Anstoß genommen. Die Zämke Zaschhmenbersen Otto Braun über die Aufgaben der Sozialdemokraten in der gegenwärtigen politischen Lage für Nellumgas WTB. Washington, 10. Oktober. Präsident Hoover teilte heute mit, daß die amerikanische Regierung die Ausfuhr von Heliumgas nicht verhindere. In den letzten zwei Jahren sei jedes Gesuch um die Ausfuhr von Heliumgas bewilligt worden. In der Sonntagsausgabe des„Vorwärts“ äußert sich der preußische Ministerpräsident Dr. Otto Braun zu der gegenwärtigen politischen Lage wie folgt: „Die augenblickliche Lage ist verworren und sehr ernst. Millionen deutscher Volksgenossen haben, geblendet durch eine Aktivität, hinter der nichts als Hemmungslosigkeit und Hinwegsetzen über jede Vernunft steckt, ihre Stimmen einer Partei gegeben, die für eine ernsthafte verantwortliche Politik überhaupt nicht in Frage kommt... Die deutsche Sozialdemokratie hat heute, nachdem die für den demokratischen Gedanken reifen Kreise des deutschen Bürgertums anders als zur Zeit der Paulskirche mehr und mehr zusammengeschmolzen sind, die historische Aufgabe von gewaltiger Größe, aber auch von opferfordernder lastender Schwere, mit Einsatz aller Kräfte die deutsche Republik vor dem Absturz in faschistische Diktaturzustände zu schützen und inmitten eines in Gährung befindlichen Europa als festesten Stützpunkt aller sozialen Demokratie aus. zubauen. Um zu diesem Endzwecke zu kommen, müssen wir heute und morgen die Zähne zusammenbeißen, müssen in voller Erkenntnis der aus dem Mitbestimmungsrecht stammenden Mitverantwortung auch den Mut haben. ein: mal eine Politik zu treiben, die nicht populär ist und nicht so verlockend wie die Wunschpolitik der MaulW 0 419 helden. Eine Politik, die dafür aber allein die Aufrechterhaltung verfassungsmäßiger Zustände und unserer schwer genug errungenen und für den Aufstieg der Arbeiterklasse unentbehrlichen Demokratie gewährleistet!... Wir zwingen die Situation, wir meistern alle Schwierigkeiten, wir trotzen den Unheilstiftern von rechts und links, und wir retten den deutschen Volksstaat vor den Feinden, die ihm an die Gurgel springen und mit ihm zugleich auch die Freiheit und die sozialen Errungenschaften der deutschen Arbeiterklasse abwürgen wollen, wenn wir unser kühles und klares Urteilsvermögen uns bewahren und zu einer Politik auch der Unpopularität, dafür aber der Verantwortlichkeit bereit sind.“ Wir können an unsere Menschen diese Anforderung stellen, weil die deutsche Sozialdemokratie nicht Träger einer nackten Interessenpolitik ist oder populären Augenblicksstimmungen dient, sondern weil sie eine Weltanschauungspartei ist, die den Blick aufs große Ganze, auf Menschheitsfragen und in die Zukunft richtet. Wir wissen, daß Krisen wie die jetzige wohl zeitweilig uns zum Abwarten zwingen können, daß sie aber den Aufstieg derer nicht hindern können, die gelernt haben, historisch zu denken und nicht Augenblickspolitik, sondern Politik auf lange Sicht zu machen!“ Drittes Blatt Montag, den 13. Oktober 1930 * * Wesidchisdie Bhndschn Das Wohnwirtschaftsprogramm der Keichsregierung Der Großmogul und der Kleinisgut Reichskanzler Brüning hat Herrn Hitler empfangen. Dazu die Herren Frick und Goering. Herr Goering hat wahrscheinlich dabei keinerlei politische Rolle gespielt, er ist nur als Adjutant Hitlers mitgenommen worden, dem er so blind ergeben ist, daß er unter seinen Freunden den Spitznamen „der Janitschare“ führt. Kenner der Verhältnisse in der Nationalsozialistischen Partei schließen aus den Personalangaben über den Besuch bei Brüning, daß sehr bald ein heftiger Konflikt zwischen Herrn Hitler und Herrn Goebbels ausbrechen werde. Herr Goebbels hat vor einiger Zeit öffentlich ankündigen lassen, daß er die Führung der Reichstagsfvaktion übernehmen werde— Hitler hat jedoch vorgezogen, seinem ernsthaftesten Konkurrenten diese Position nicht auszuliefern und hat an seiner Stelle Herrn Frick ernannt. Bei der hohen Selbsteinschätzung und bei dem Temperament des Herrn Goebbel steht zu erwarten, daß er diesen Prestigeverlust nicht ohne weiteres hinnehmen wird. Der ehrgeizige Konflikt zwischen ihm und Hitler ist schon älteren Datums. Noch zu einer Zeit, als Goebbel mit Gregor Straßer als Gauleiter der Nationalsozialistischen Partei in Elberfeld saß, sah er voll Verachtung auf Herrn Hitler herab. Der Wahlspruch von Goebbels war:„In Elberfeld ist der Kopf der nationalsozialistischen Bewegung, in München nur ihr A.. Herr Gobbels denkt heute noch so, nur daß er nicht mehr Elberfeld sagt, sondern Berlin. Im übrigen bemüht er sich, Hitler in allem zu kopieren: im Größenwahn, im Auftreten, in der Feigheit und vor allem auch in der Lebensführung und im Geldverbrauch. Die Wissenden aus den Kreisen der Natiowalsozialisten sehen ihre Führer ganz anders, als sie den Mitläufern von ferne erscheinen. Sie sehen sie im Hemd, sogar im Nachthemd. Für die Mitläufer ist Hitler der große Mann, der Führer, der mit Christus verglichen werden muß, für die intimen Kenner der Verhältnisse aber führt er den Namen: der Großmogul. Herr Goebbels kopiert ihn auch in diesem Punkte, nur hat er ihn noch nicht ganz erreicht. Herr Hitler hat immer noch Vorsprung vor ihm, namentlich im Umfang seines privaten Geldbedarfes. Weswegen Herr Goebbels bei den Kennern den Namen:„der Kleinmogul“ führt. Der Großmogul ist obenauf, Herr Brüning hat ihn empfangen, aber den Kleinmogul läßt der Neid nicht schlafen. Im übrigen aber: Großmogul und Kleinmogul — sind das nicht reizende Namen für jene Männer, die angeblich das deutsche Volk aus der Not herausführen wollen? Die Not der westfälischen Landkreisvereinigung Lübbecke, 11. Oktober. In einer Versammlung der westfälischen Landkreisvereinigung, die sämtliche westfälischen Landkreise mit einer Gesamteinwohnerzahl von 2424174 vertritt, wurde eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Die geltenden Bestimmungen über die Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge führen zu einer steigenden Zahl der Wohlfahrtsarbeitslosen und einer ungeheuren Belastung der Gemeinden und der Landkreise als Bezirksfürsorgeverbände. Die sich daraus ergebende finanzielle Not ist für die Gemeinden und Bezirks=Fürsorgeverbände völlig untragbar geworden. Obwohl bei kreisangehörigen Gemeinden die hohen Wohlfahrtslasten zu 70 Prozent durch die Landkreise zu tragen sind, ist irgendeine finanzielle Entlastung der Landkreise bisher nicht erfolgt. Diese müssen zu einer unerträglichen Erhöhung der Kreisrealsteuer=Zuschläge oder zu einem Zusammenbruch der Kreisfinanzen führen. Die Vereinigung verlangt Abhilfemaßnahmen, u. a. sofortige beruflich und zeitlich unbeschränkte Ausdehnung der Krisenfürsorge mit nachträglicher Aufnahme derjenigen jetzigen Wohlfahrtsenwerbslosen, auf welche die neuen Voraussetzungen der Krisenfürsorge zutreffen. Sonderdotationen für alle durch die Fürsorgelasten für Wohlfahrtserwerbslose besonders betroffenen Bezirksfürsorgeverbände, ferner Beteiligeng der Kreise an den durch die Reichsnotverordnung neu erschlossenen Einnahmequellen und Aenderung der Erstattungsquote der Bezirksfürsorgeverbände gegenüber den Gemeinden. Schwere Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten Köln, 11. Oktober. Die Polizei teilt mit: In der vergangenen Nacht(vom 9. zum 10. Oktober) kam es auf dem Berlich zu einem Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Im Verlauf der sich entspinnenden Schlägerei wurden von beiden Seiten Schüsse abgegeben. Ein einschreitender Schutzpolizeibeamter wurde tätlich angegriffen und von einem Nationalsozialisten beschossen. Der Beamte machte von seinem Gummiknüppel Gebrauch und schlug den Schützen zu Boden. Als er den zu Boden Geschlagenen festnehmen wollte, wurde er von mehreren Nationalsozialisten daran gehindert, die ihren Genossen dann in das nationalsozialistische Verkehrslokal in der Helenenstraße brachten. Nur mit Hilfe des inzwischen eingetroffenen Ueberfallkommandos war es möglich, den Nationalsozialisten festzunehmen und zum Polizeipräsidium zu bringen. Ob es bei der Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten Verletzte gegeben hat, steht noch nicht fest. Mederne Verbrecherbekämpfung Essens Alarmvorrichtung. Essen, 11. Oktober. Eine Besichtigung, zu der das Essener Polizeipräsidium kürzlich geladen hatte, gab den Vertretern der Presse Gelegenheit, die modernen Polizeirufanlagen in Essen in Augenschein zu nehmen. Nach dem Vorbild der Feuermelder sind in der letzten Zeit am Viehofer=, Klara= Republik= und Limbecker Platz sowie am Steeler Tor und Wasserturm sogenannte, nur den Polizeibeamten zugängige Straßenmelder eingerichtet worden. Ein einfacher Handgriff genügt zur Herbeirufung des Ueberfallkommandos. Je eine Polizeirufzentrale besteht im Rathaus und in der Polizeiunterkunft Lürhmannstraße. Nach dem Vorbild von Paris und Berlin können sich außerdem Firmen und Privatpersonen zum Schutz gegen Anschläge auf Gut und Leben an diese Polizeirufanlage anschließen lassen. Rund 250 Geschäfte, Juweliere usw. haben in Essen von dieser Einrichtung bereits Gebrauch gemacht. Der Verbrecherbekämpfung dienen weiter zahlreiche Raumschutzsicherungen in Form verborgener Fenster=, Tür=, Fußboden= und Tresorkontokte in Banken, Warenhäusern usw., die ebenfalls selbsttätig und lautlos die Polizei alanmieren. Schweres Postautounglück Zwei Tote, sieben Schwerverletzte. Gummersbach, 10. Oktober. Bei Bad Waldbröhl ereignete sich gestern abend gegen 6,13 Uhr ein schweres Postautounglück, das zwei Tote und sieben Schwerverletzte forderte. Der Anhänger des Postautos, in dem sich der Frauenverein Marienberghausen befand, der von einem Ausflug an die Sieg heimkehrte, geriet auf der durch Laub besonders glatten Teerstraße bei Oberbröhl ins Schleudern, prallte gegen einen Baum und stürzte um. Zwei sassinnen, eine Frau Gosse Mutter von elf Kindern, und eine Frau Rodder, beide aus Elsenroth, waren sofort tot. Sieben andere Frauen wurden schwer verletzt. Den als zuverlässig bekannten Chauffeur, der so vorsichtig fuhr, daß er von dem Unfall zunächst nichts merkte, soll keinerlei Schuld treffen. Großes Schadenfeuer Die gesamte Ernte vernichtet.— 75000 M. Brandschaden. Hameln, 10. Oktober. Gestern abend brach gegen 7 Uhr auf dem Hof des Landwirts Julius Bertram in Altenhagen Feuer aus, das in kurzer Zeit die Scheune mit der gesamten Ernte, den geräumigen Schafstall und das Arbeiterwohnhaus in Asche legte. Der Schaden beläuft sich auf etwa 75000 Mark, ist jedoch zum größten Teil durch Versicherung gedeckt. Ueber die Entstehungsursache des Feuers konnte noch nichts festgestellt werden. Der Bund deutscher Mietervereine e. V., Sitz Dresden, hat an die Regierungen, die Parlamente, politischen Parteien und andere Körperschaften eine Druckschrift versendet als Antwort der Mieterschaft auf das Programm der Reichsregierung. In dieser Schrift beschäftigt sich der Bund mit der von der Reichsregierung angestrebten„Neuregelung der Wohnungswirtschaft". Er schreibt dazu folgendes:„.#..##., „Bisher standen aus den Mitteln der Hauszinssteuer jährlich 850 Millionen Mark zur Verfügung. Nunmehr will die Reichsregierung nur noch die knappe Hälfte, nämlich 400 Mill. Mark, zur Förderung des Wohnungsbaues bereitstellen. Während von den 850 Millionen Mark jährlich mehr als 300 000 Wohnungen gebaut werden konnten, können nunmehr nur noch 165 000 Kleinwohnungen finanziert werden. Auf die einzelne Wohnung entfällt nur noch ein Baudarlehen von rund 2400 Mark. Da die Baukosten für eine Kleinwohnung in bescheidenen Ausführungen aber 8000 Mark betragen, fehlt für jede Wohnung ein Kapital von rund 5600 Mark, das auf dem freien Geldmarkt durch Aufnahme von Anleihen oder Hypotheken beschafft werden müßte. Darüber hinaus sollen aus dem freien Kapitalmarkt noch 50000 Wohnungen finanziert werden. Die Nettokosten für erststellige Hypotheken betragen noch immer 9½ bis 10 Prozent. Geld mit solchen Zinssätzen ist für den Wohnungsbau nicht zu gebrauchen, weil die sich daraus ergebenden Mieten für den allergrößten Teil der Wohnungsuchenden unerschwinglich sind. Auch Zinszuschüsse und Mietbeihilfen können hier nicht helfen und bürden der Allgemeinheit nur untragbare Lasten auf.. B.sstag eingreifen und Hier nüssen Reichsrat und Reichstug#mgrteen#### das Wohnwirtschaftsprogramm der Reichsregierung so verbessern, daß der Schaden, der durch die Absichten der Reichsregierung herbeigeführt wird, noch rechtzeitig verhindert wird.“ Minden, 11. Oktober. Ulmensterben in Minden. Etwa 300 Ulmen fallen hier der Axt zum Opfer, da sie von einer Krankheit befallen sind, die ihr Absterben zur Folge hat. Den Erreger der Krankheit hat man zwar gefunden, doch ein Mittel zu seiner wirksamen Bekämpfung noch nicht. In kurzer Zeit wird also der Viehmarktsplatz, der Königswall, Martinikirchhof usw., außerdem verschiedene private Grundstücke ohne diesen Baumschmuck dastehen. Dortmund, 10. Oktober. Lehrling von einer Lokomotive überfahren und getötet. Hier wollte ein 14 Jahre alter Malerlehrling in der Kaiserstraße eine Zugmaschine mit zwei Anhängern auf seinem Fahrrad überholen. In der Höhe der Zugmaschine stürzte er mit seinem Rade. Er wurde von der Lokomotive erfaßt, überfahren und auf der Stelle getötet. Quakenbrück, 11. Oktober. In eine Häckselmaschine geraten. Im benachbarten Varnborn wurde ein siebenjähriges Mädchen das Opfer eines gräßlichen Unglücksfalles. Das Mädchen war in einem unbewachten Augenblick einer Häckselmaschine zu nahe gekommen und wurde von der Triebstange erfaßt und mehrere Male herumgeschleudert. Die Unglückliche, die furchtbar verstümmelt wurde, war sofort tot. von B Tat Alsberg& Blank Witten Hamm, 10. Oktober. Unfall des D=Zuges Berlin— Elberfeld— Köln. Der D=Zug 6 Berlin— Hamm— Elberfeld— Köln mußte Freitag morgen 4.15 Uhr in Bönen auf der Strecke Hamm— Unna wegen Maschinendefekts zum Halten gebracht, Perden,„Heigl Zurücksetzen des Zuges entgleisten zwei am Schluß kaufende Packwagen eingeschlossen waren. Personen wurden nicht verletzt. tung. Diese große Verspätung wurde verursacht durch die Blockierung der Personenwagen, die vorn von der zuerst nicht bewegbaren Zuglokomotive und hinten von den entgleisten Packwagen eingeschossen waren. Personen wurden nicht verletzt. Duisburg, 10. Oktober. Beisetzung der Mutter des Reichsaußenministers. Gestern nachmitag fand in Duisburg die Beisetzung der im Alter von 74 Jahren verstorbenen Frau Adele Curtius, der Mutter des Reichsaußenministers Dr. Curtius. statt. In der Villa der Familie Curtius an der Düsseldorfer Straße fand eine schlichte Trauerfeier statt. Die Beisetzung, der die Kinder der Verstorbenen, darunter Reichsminister Dr. Curtius, beiwohnten und an der Vertreter der Reichsregierung, der Stadtverwaltung und der Behörden teilnahmen, fand auf dem alten Friedhof statt, wo die Familie Curtius eine Erbgruft besitzt. Oberhausen, 11. Oktober. Tragischer Tod eines Kindes. In einem unbewachten Augenblick ergriff ein 1½jähriges Kind einer hiesigen Familie eine mit kochend heißem Kaffee gefüllte Tasse und trank daraus. Es erlitt so schwere innere Verletzungen, daß der Tod bald darauf eintrat.„ 9648 16 Sstah. Gladveck, 11. Oktober. Verbrechen oder Freitod? Vor etwa zwei Wochen entfernte sich aus ihrer Wohnung in der Schlägelstraße die 20 Jahre alte Ehefrau Anna St. Die Ehefrau wurde Donnerstag nachmittag als Leiche in dem Teich des Hauses Beek in Zweckel aufgefunden. Da der Kopf der Leiche eine eigenartige Farbe aufwies, nahm die Kriminalpolizei sofort Ermittelungen auf in der Richtung, ob es sich um ein Verbrechen oder Wassereurgenfacher ins Munsterlatte Eine Herbst=Tagesfahrt des Vereins für Orts= und Heimatkunde Witten Von Ernst Kloppenburg. I. Wassenburgen? Wer kennt Wasserburgen? Wenn man von Burgen spricht, denkt man an die Burgen des Rheins, der Mosel, der Saale. Von Wasserburgen hört man selten und man kennt sie kaum. Suchen wir sie also da auf, wo sie zahlreich sind: am Niederrhein und in Westfalen. Zahlreich sind sie dort über das Land verstreut und waren einst wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkte des Landes. Früh müssen wir fahren. Durch Witten und Bochum hindurch und weiter nach Norden geht die Fahrt. Feuchter Nebel liegt noch zwischen den schmutzigroten Siedlungsbauten der Industriestädte Bochum, Wanne=Eickel. Der Nebel löst sich allmählich in leise dahinrieselnden Regen auf. Braunrot liegen die Flächen verblühter Heide zu beiden Seiten, darüber schimmert das Blaugrün junger Kiefern und manchmal streckt sich in der Ferne ein Wacholderstrauch. Durch diese Ausläufer der Hardt geht die Fahrt in die weiten saftiggrünen Wiesen des Münsterlandes hinein. Keine Industriebauten unterbrechen die Landschaft mehr, nur Bauernhöfe in leuchtendem Ziegelstein. Dorsten liegt schon hinter uns und der Blick geht weit in das Land hinein über Wiesen und Weiden vorbei an Baumgruppen und Gehöften. Da tauchen links aus dem tiefliegenden Nebel eine Anzahl Türme heraus und einer davon ist seltsam geformt: es ist der„König der westfälischen Türme“, der Turm der Wasserburg Raesfeld. Breit hingelagert dann eine Gruppe von Bauten. Durch eine Allee hindurch fahren wir darauf zu und plötzlich, als die Häuser der„Freiheit“ hinter uns liegen, eine Wendung der Straße, und ein eindrucksvolles Bild seltenster Schönheit liegt vor uns. Breit und fest hingelagert liegt die Vorburg mit der Einfahrt und der Zugbrücke. Einfach und geschlossen im Eindruck trägt das Gebäude nur einen Schmuck und der hinterläßt den stärksten Eindruck: die Kreuzfenster mit ihren weißrot gestrichenen Läden. Links ein viereckiger mächtiger Turm, dessen Wucht durch die kleinen Kötterhäuser gesteigert wird. Die Galerie und eine Turmhaube geben dem schweren Bau einen leichteren Abschluß. Eine Gräfte trennt die Unter= oder besser Vorburg von der„Freiheit". Wir schreiten hinüber durch die Einfahrt auf einen Wirtschaftshof. Die Herrenburg, nochmals durch Wassergraben abgetrennt, liegt nun offen in ihrer Ruhe und Majestät da. Von den ehemals drei hochdachigen vornehmen Flügeln stehen noch zwei und dazu der seltsame Turm, der sich nach oben dreimal verjüngt und in einer Barockzwiebel endigt. Michael von Gent, der Schöpfer dieses Schlosses, gab ihm diese eigenwillige Form. Jahrzehnte hat dieser Schloßbau unbewohnt gestanden und man merkt es dem eine Flügel an. Der Mittelbau und der Turm sind infolge unendlicher Fürsorge des Besitzers, des Grafen von Landsberg, ausgebessert. Dr Glasmeier, unser Führer, erzählt uns die Geschichte des Schlosses: von den Grasen von Berge den Herren von Gemen und denen von Velen und wie das Schloß 1606 von Alexander I. neu gebaut und von seinem Sohne glücklich vollendet wird. Wir hören vom westfälischen Wallenstein“, Alexander II., dem Generalfeldmarschall, der in der Zeit des 30jährigen Krieges ungeheure Reichtümer sammelt und damit Herrschaft um Herrschaft ankauft und mit Beharrlichkeit nach einer landesherrlichen Stellung trachtet, er, dessen Vorfahren einmal Ministeriale, das heißt Landadel, waren. Er führt das Leben eines Grandseigneurs, empfängt hochfürstlichen Besuch und wechselt Briefe mit den bedeutendsten Männern seiner Zeit. Als Emporkömmling sucht er seine Zugehörigkeit zum hohen Adel durch Heirat zu legitimieren. Zehn Jahre beschäftigt er Steinmetzen, Bildhauer, Maler und Baumeister, um Raesfeld zum fürstlichen Mittelpunkt der ausgedehnten Herrschaft zu machen. Weite Anlagen mit Lusthäusern, Tiergarten und Wasserbünsten dehnen sich außerhalb der Gräfte aus. 80000 Reichstaler kostete der Bau. Eine tolle Summe damals. Wie Wallenstein hält er seinen eigenen Seni, denn er glaubt an die schicksalverkündenden Sterne. Wir steigen hinauf in seine ehemals astronomischen Zwecken dienende Kammer im Turm der Unterburg und gehen hinaus auf die Galerie und lassen unsern Blick schweifen über die Giebel des Schlosses an der seltsamen und schönen Schloßkapelle vorbei über die Dächer der Freiheit in die weite münsterländische Ebene. Wir hören noch weiter von dem ungeratenen Sohn. der das Erbe zerflattern läßt und dem Reichtum und der Kraft des Geschlechts von Raesfeld ein jähes Ende bereitet. Ein Beispiel für den plötzlichen Aufstieg und Sturz eines Emporkömmlings. Der Bau wird ausgebessert. Er soll zu einem kulturellen Mittelpunkt ausgebaut werden. Künstler, Gelehrte, Volkswirtschaftler, Politiker und Gesandte Deutschlands und fremder Länder sollen hier in Ruhe Umgang pflegen und das wahre Gesicht des deutschen Volkes mit seiner Tradition und gesunden Lebenskraft kennenlernen. Ein schönes und ideales Ziel. Ideal ist auch die Lage; denn der Westen ist das Herz Deutschlands, nicht Berlin. Wir nehmen Abschied von diesem Bau, von dem Professor Klapheck in einem Aussatz sagt, daß er„dasteht in der Ebene als ein Monument, als ein Rufzeichen einer starken und gewaltsamen Epoche; selbstbewußt, wie kein anderer Profanbau der westfälischen Ebene, alles überragend, was dieses Land jemals vorher oder nachher geschaffen hat.“ Auf baumflankirter Landstraße geht es auf Borken zu. Nach kurzer Fahrt liegen rechts in der Nähe der Straße die Trümmer der alten Dynastenburg Döring. Von mehteren konzentrischen Wasserringen umgeben liegt der baumbestandene früher aufgeworfene Hügel da. Wenig hat die Zeit von dieser alten Burg übrig gelassen und deshalb fahren wir 1 wegen der knappen Zeit daran vorüber.(Schluß folgt.) Die= Eunter=Wierdern Geht? Der bürgerliche Nachwuchs am Schelbewegt Der überraschende Wahlerfolg der Nationalsozialisten hält noch immer die politisch interessierten Geister im Bann. Ist es schon, geschichtlich betrachtet, ein Novum, daß eine Partei im Laufe von 2 Jahren sich von einem Dutzend Mandaten zu einer Zahl von über 100 erweitert hat, so ist aber die jetzt allgemein geäußerte weitere Frage:„Was soll jetzt werden? ein Zeichen dafur, daß niemand, auch die Nazis selbst, nicht sich darüber im Klaren sind, welchen Weg unsere Politik und in Verbindung damit unsere Wirtschaft in der kommenden Zeit gehen soll und wird. Kuneezuit Während die bürgerlichen porititer vom Durchschwittsformat, und leider sind diese sowohl in der Zahl, wie auch im Einfluß in diesen Parteien noch maßgebend, am liebsten ausrufen möchten:„Ichhabe es nicht gewollt, aber der Herr wird schon weiter helfen“, müssen wir mit klarem Blick auch bezüglich der Entstehungsmöglichkeit dieser politischen Misere eine klare gesellschaftswissenschaftliche Synthese ziehen. Wir können es auch nicht damit genug sein lassen, daß das Urteil der verantwortungsbewußten Oeffentlichkeit im In= und Auslande bezüglich der gesellschaftspolitischen Reife der Nationalsozialisten geradezu verheerend lautet. Nur wenn wir den Ursachenherd solcher Dinge gründlich durchleuchten, können wir an eine Bekämpfung der Erscheinungsfermen gehen...., 1.4. Hach.#.ur, Stimmamautma 4. Es steht zunächst einmal fent, daß der Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten nicht nur„Abfall“ von den bürgerlichen Mittelparteien bedeutet. Viel beachtlicher dürfte die Tatsache sein, daß gerade die sich aus diesen Schichten rekrutierenden Intellektuellen in geradezu auffallender Einmütigkeit diesmal für die Nazis entschieden haben. Leute, von denen wir bewußtes politisches Handeln erwarten dürften. Dieser Schicht dürfen wir nicht nur die freien Berufe, sondern auch die in der Wirtschaft als leitende Angestellte tätigen Privatangestellten zurechnen. Ich darf als bekannt voraussetzen, daß auch unsere Industrie bei der Anstellung leitender Personen, sowohl im Betriebe als auch auf den Verwaltungsbureaus, noch in außerordentlichem Maße den Akademiker bevorzugt. Da mir bekannt ist, daß sich diese Angestellten, auch die hiesiger größerer Industriebetriebe, geschlossen für die Nazis nicht nur interessierten, sondern auch lebhaft für sie warben, können wir schon mit einigem Recht annehmen, daß auch deren Standesverbindungen, die ja im wesentlichen ihr gesellschaftspolitisches Niveau bestimmen, diese Politik gutgeheißen haben. Wir kommen deshalb nicht um die Frage herum:„Was hat gerade die sog. Intellektuellen bestimmt, diesmal für eine „Arbeiter=Partei“ zu stimmen, mit der sie bisher auch nur die leiseste Berührung zu vermeiden suchten?" Bei dieser Betrachtung drängt sich uns dann ohne weiteres die Frage auf, was sie überhaupt von Politik verstehen, und wie sie sich den Gang der Dinge in Zukunft denken. Der politische Spießergeist des deutschen Bürgertums hat bisher alle Vorurteile und gesellschaftlichen Banalitäten getreulich bis heute bewahrt. Er betrachtete es immer als besonderes Reservat,„nur nicht politisch sein wollen“. Daß er die früher allgemein übliche Herausbildung zum engstirnigen Monarchismus nicht für politisch hielt, war für ihn selbstverständlich. Als mit diesem Spuk 1918 aufgeräumt wurde, blieb für ihn an Stelle des Monarchismus der aus der gleichen Ideologie geborene falsche Nationalismus übrig, dem daraushin alle Spießerherzen„zuströmten“. Der klare politische Verstand ist aber im Lause von Jahrzehnten, insbesondere auf unseren höheren Schulen, die ja den politischen Nachwuchs unseres Bürgertums bisher zu erziehen und zu hegen hatten, schwer vernachlässigt worden, denn sonst könnte man es nicht verstehen, daß die so auf ihre besondere „akademische Freiheit“ pochenden jungen Leute, früher einem aufgeblasenen Komödianten mit allen Fasern ihres Herzens(ohne jedes eigene Urteil) restlos ergeben waren, während sie heute einem ebenso bedeutungslosen politischen Poseur rettungslos in die Arme fallen. Haben diese Kreise jemals den Versuch gemacht, den Wiederspruch, der allein schon in dem Namen„Nationalsozialistische Arbeiter=Partei“, liegt, zu ergründen, oder sind sie dazu nicht vorgebildet genug? Haben sie einmal versucht, sich darüber klar zu werden, was davon zu halten ist, wenn ein aufgeblähter, von irgendwo hergekommener Phrasendrescher, dem auch jede tatsächliche staatspolitische Fähigkeit und Schulung fehlt, ihnen mit einem Male verspricht, den Staatskarren„aus dem Dreck“ zu ziehen, woran bisher sogar anerkannte Kräfte gescheitert sind? Wie denkt man sich diese Arbeit? Was würde etwa ein Techniker sagen, wenn ihn jemand bei der Lösung einer schwierigen Frage mit einer verletzenden Handbewegung beiseite schöbe, um dieses einem bekannten, redebegabten, aber fachlich nicht vorgebildeten Hanswurst zu übertragen? Erscheint es nicht im ersten Augenblick gleich als Widersinn, wenn eine„Arbeiterpartei“ von überwiegend obgetakelten Militärs„geführt“ wird, von Leuten, die ihr ganzes Leben lang nichts anderes getan, als immer fleißig jeder werteschaffenden Arbeit aus dem Wege gegangen sind? Sonn=Wharrurerun Das Hakenkreuz, dieses einfache und doch so eigentümlich gestaltete Zeichen, haben sich ausgerechnet die hitlerianischen Prätorianergarden des Kapitals zum Symbol erwählt. Strohblond= bis zigeunerschwarzgelockte Heldenjünglinge beschmieren Häuser und Wände, schneiden es in Rinden der Bäume. Arische Jungmädchen mit Bubikopf und Orerchenzopf tragen es mit Pathos auf schwellenden Germanenbusen. Ursprung und Bedeutung des Hakenkreuzes ist ihnen fremd. Sie entwürdigen ein fast allen Völkern der Erde gemeinsames Sinnbild des Glückes. Sie stempeln es zum Zeichen und sichtbaren Ausdruck geistiger Beschränktheit und verworrenen reaktionären politischen Ideals. So sehr sich auch ein Herr Dr. Karl Jäger in seinem Werke„Geschichte des Hakenkreuzes" abquält, es arischen Ursprungs zu stempeln, es ist und bleibt trotz alledem ein semitisch=astronomisches Himmelszeichen, ein internationales Sinnbild des Glücks. Von den Semiten und ihren Nachahmern, den Griechen und Nömern, wurden die Schriftzeichen gleichzeitig als Fiffern benutzt. Aleph Beth, Gimel, so beginnt das semitische Alphabet. Rinder, Zelte(Haus) und Kamele waren im Anfang der Kultur die Hauptbedürfnisse der Familie und der Gradmesser des Wohlstandes derselben. Dargestellt wurde Gimel(Kamel) in der Schrift durch Kopf und Hals.] Der erste Buchstahe galt ein, der zweite zwei; zusammen 7,drei. Das Hakenkreuz besteht aus vier Eimel(Kamel)# und bedeutet zwölf die Zahl der Himmelszeichen in der Sonnenbahn. Das heilige semitische Gammakreuz erwählen sich antiDumm= und Wirrköpfe zum Symbol ihrer höchst überund für ein freies Volk untragbaren Bewegung. Sie chrer selbst und wissen es nicht. Ob sie damit Engilligkeit, Choraktereigenschaften alter Romels, els Srund= und Wesensart erischen Fimmels, kundWie stellt man sich eine Wirtschaft ohne das„jüdische Geld“ vor, wenn man nicht den Kapitalismus restlos enteignen will? Und dieses will man nicht, sonst würden mit einem Male nicht nur alle Kommisköpfe aus der Bewegung verschwinden, sondern auch die ganze Parteiherrlichkeit würde in kurzer Zeit aus Mangel an Blut(jüdisches Geld) verdorren. Aus der folgerichtigen Beantwortung auch nur einer dieser Fragen, die wir von jedem wirklich Gebildeten eigentlich verlangen dürften, würden sich so viele politische Folgerungen für den denkenden Menschen ergeben, daß er diese ganze Bewegung in der ersten Viertelstunde sofort als fanatischen Spuk ohne jeden ernsten gesellschaftlichen Hintergrund klar erkennen würde. In unserem bürgerlich=intellektuellen Nachwuchs spukt immer noch die vor dem Kriege jedem deutschen Spießer in Fleisch und Blut gewordene Idee, daß die ganze Welt auf uns angewiesen sei. Auch der wilhelminische Geist, der allen glaubte, wir könnten die ganze Welt mit Säbelgerassel und aufgeblasenen, unartigen politischen Reden auf die Dauer ungestraft provozieren, ist noch längst nicht ausgestorben. Als geradezu abschreckende Hinterlassenschaft dieser Gedankengänge des gebildeten Bürgertums haben wir heute noch eine Justiz, die uns deswegen die ganze Welt nicht nachmachen kann, weil sie es bisher, trotz 12 Jahre langer republikanischer Verfassung immer noch fertig gebracht hat, das Recht im Geiste des Monarchismus auszulegen..14. Luuimmiam Sr.s Es liegt deshalb nur zu nahe, auch denjenigen Kreisen bürgerlicher Akademiker, die zwar in der Wirtschaft tätig sind, aber der gleichen Schule wie jene entstammen, mit dem gleichen Mißtrauen zu begegnen, wenn diese an die„Regelung“ von wirtschafts= bzw. staatspolitischen Fragen herangehen. Und wirklich, auch sie haben dieses Mißtrauen bisher vollständig gerechtfertigt. Ein überwiegend großer Teil von ihnen bildet sich auch heute noch immer ein Deutschland, und sie im Mittelpunkte, seien der Angelpunkt der Welt, und dieses in einer Zeit, wo auch ihnen die drohende gesellschaftliche Deklassierung das Wasser bis zum Halse steigen läßt. Sie sehen eben noch nicht die mit Riesenschritten voraneilende strukturelle Aenderung unseres gesamten gesellschaftlichen Seins, sondern betrachten immer noch die ganze staats= und gesellschaftspolitische Misere als das Werk unfähiger oder schlechter Menschen. Wenn sie nun auch schon den Zusammenhang der Geschehnisse nicht erkennen oder begreifen, so könnten wir aber doch wohl mit Fug und Recht erwarten, daß sie für eine entscheidende Wendung der Dinge wenigstens Menschen von überragendem Format ausgesucht hätten. Aber auch dieses haben sie in ihrer traurigen Ahnungslosigkeit ganz übersehen. Es gähnt uns von dieser Seite eben ein Abgrund einer entsetzlichen geistigen Leere entgegen, einer Leere, die sich bei dem immer noch dort vorhandenen Klassendünkel nur gesellschaftlich dest ruktiv auswirken kann. Ein solcher Geist“ kann auch nur immer wieder alten, längst vermorschten Wir hätten andererseits aber ein gutes Recht darauf, gerade von der sog. Intelligenz zu erwarten, daß sie aus ihrer Erkenntnis heraus, sich verpflichtet fühlte, zu versuchen, neuzeitliche Gedanken zu realisieren.„ Die Tragik unserer Wirtschaftsgeschichte, in Verbindung mit unserer Reichspolitik, beweist auch hier wieder, daß dem arbeitenden Volke nicht nur alle Lasten der Gesellschaft aufgebürdet werden, sondern daß das Volk auch, von einem höheren Kulturideal getragen, jeden gesellschaftlichen Gestaltungswillen gegen die bürgerliche„Intelligenz“ durchsetzen muß. Wir wissen, daß es auch für einen sonst intelligenten Menschen schwer sein kann sich in dem gegenwärtigen Durcheinander zurecht zu finden. Aber bei den meisten Menschen, die durch unsere höhere Schule gegangen sind, müssen wir große Denkfehler beobachten, die oft jede selbständige Note vermissen Hier hat eben die höhere Schule, besonders in der Vergangenheit, durch systematisches Ignorieren aller Ideen, die nicht mit dem bürgerlich=kapitalistischen Gedanken konform gingen, ihre vollständige Unfähigkeit in der Heranbildung wirklich selle ständiger Menschen bewiesen. Wenn es heute hier und da auch schon anders ist, so erfahren wir jedoch alle Tage immer wieder aufs neue, daß die„Bildner“ unserer Jugend, im wilhelminischen Sinne, immer noch nicht ausgestorben sind. Es ist deshalb ein beschämendes Zeichen für unsere höheren Lehranstalten, daß sie es nicht verstanden haben, ihren bildungsbeflissenen Schülern neben der Beherrschung der Stoffrage in Einzelwissenschaften auch dasjenige Maß von gesellschaftspolitischem Verstand zu vermitteln, das für diese unbedingt erforderlich ist, wenn sie nach erfolgter Reifeprüfung mit ihrem ganzen„Wissen“ nicht„in der Luft schweben“ wollen, wie es diese letzte Wahl zweifellos geradezu eklatant aufgezeigt hat. Wir verlangen von den ehemaligen Absolventen höherer Lehranstalten nicht, daß sie, als Abkömmlinge eines„früher einmal bestandenen“ Mittelstandes sich in kürzester politisch so orientieren sollen, daß sie erkennen, daß auch ihr Platz in Zukunft nur an der Seite der Arbeiterschaft sein kann. Wir können aber von ihnen erwarten, daß, wenn sie sich politisch überhaupt betätigen, sie mit gutem Recht eine von politischer Folgerichtigkeit getragene Handlung vollziehen. Es wäre nicht zu verstehen, wenn unser akademischer Nachwuchs auch in Zukunft soviel falsche Achtung vor der„Sünde wider das Blut“(nach Dinter) mit ins Leben schleppen sollte, um nebenher zu glauben, das wichtigste Gut jedes Gebildeten, den freien und kritischen Geist umso mehr mißhandeln zu können. Wenn dieses das ausschließliche Bildungsideal der bürgerlichen abademischen Tugend bleiben sollte, müßte Oswald Spengler, ein Gesinnungsgenosse Hitlers, unbedingt Recht behalten, wenn er den baldigen„Untergang des Abendlandes“ voraussagt. A. S. Vom Bahrungeieraterinn hum Heungrian Das Moratorium, das als eine Art Notventil zu Gunsten Deutschlands in das geltende Reparationssystem eingebaut wurde, kann— darüber bestehen vielfach Mißverständnisse— nicht ohne weiteres mit einem allgemeinen Zahlungsaufschub, wie er im privaten Wirtschaftsverkehr zu finden ist, verglichen werden. Was zunächst seinen Umfang betrifft: nicht für die gesamte jährliche Reparationsleistung kommt, nach den Bestimmungen des Youngplans und des Haager Abkommens, ein Aufschub in Frage. Die Jahresrate zerfällt unter diesem Gesichtswinkel vielmehr in zwei Teile. Der kleinere, der sich auf 612 Millionen Mark zuzüglich des Zins= und Tilgungsdienstes der Dawesanleihe beläuft, ist unbedingt zu leisten. Für den größeren hingegen kann ein befristeter Uebertragungs= und Aufbringungsaufschub erlangt werden. Um diese Regelung an einem praktischen Beispiel zu erläutern: von der gesamten Reparationsleistung in der Zeitspanne vom 1. April 1930 bis zum 31. März 1931 sind 700 Millionen ungeschützt, während rund 1096 Millionen Mark unter die Moratoriumklausel fallen würden. Was besagt diese Klausel? Sehen wir von dem Sonderabkommen mit den Vereinigten Staaten ab und folgen wir lediglich den Bestimmungen des Youngplans, so ist zunächst eine Unterscheidung von grundsätzlicher Bedeutung zu treffen: bringung und Uebertragung sind zwei verschiedene Seiten des gesamten Zahlungsvorgangs. Aufbringung bedeutet: die Reparationssummen werden mit Hilfe von Steuern oder auf Wege über die Einnahmen der Reichsbahn aus der deutschen Volkswirtschaft entnommen. Natürlich in Reichsmark, wie es im inländischen Zahlungsverkehr üblich ist. Da wir diese Beträge nun ans Ausland zahlen müssen, ist es notwendig, sie in ausländischer Währung zu übertragen, also in Devisen umzuwandeln. Ein Uebertragungsaufschub ist also in erster Reihe vom währungspolitischen Standpunkt zu beurteilen; er soll im Notfall einen zu starten Devisenabzug unterbinden. Erst der Aufbringungsaufschub bedeutet eine Entlastung der gesamten Volkswirtschaft, der gesamten Erwerbsstände also, die letzten Endes die Reparationsbeträge aus ihren Einkünften bezahlen müssen. len, kann angeschte der Wrychigteer ergründen. Es könnte Jungen und Mädels die ihnen fehlenden Haupttugenden der Jugend, Elternliebe, Nüchternheit, Lernbegierde und Zähigkeit, Internationalität des Halenkreuges, die allen Völkern eigene Gemeinsambeit dieses Sinnbildes dokumentiert seine Verbreitung. Die Hindus kennen die„Spastika“ Roms findet es sich auf Schlußsteinen oft bis zur Unkenntlichkeit künstlevisch entwickelt. Heilig ist den Japanern und Chinesen die„Manii“, das buddhistische Sinnbild des Gluas. Tempel und Gefäße, Schriftstücke schmückt das„arische“ Hakenkreuz. Aus den Trümmern Trojas(Forscher Schliemann) und Mykenae, der Inselkultur Kretas und Maltas, im heiligen Götterlande„Punt“ der Aegypter leuchtet es glückbringend auf. Die dumpfen Katakomben Roms, der Boden Ungarne, Halliene, Britanniens birgt es in Schutt und Moder liegender Fruhru#oul! Sogar in Ostafrika fanden es deutsche Forscher an den Hauseingängen arabischer Wohnstätten als Abwehrzeichen. Das „Julrad der Germanen“ ist und war allen Kulturen und Völkern der Erde, bis auf wenige, eigen. Namhafte Wissenschaftler haben trotz jahrelanger Forschung den wahren Sinn des Hakenkreuzes noch nicht ergründet. Politische und wirtschaftliche, soziale Machtfragen werden unabhängig von Farben und spielerischen Symbolen ausgesochten. Daran ändert auch das Hakenkreuz als heutiges Zeichen des Tiefstandes der Erziehung und Kultur des Hitlervolkes und seines landfremden Führers nichts. Gemeinsame Not und Knechtung weckt gemeinsame Energien, der in die Tat umgesetzte Wille ds Proletariats bleibt letzten Endes Sieger. Ueber die Inkrafttretung des Uebertragungs= und Aufbringungsaufschubs ist im Youngplan folgendes vorgesehen: Wenn die Umwandlung der deutschen Reparationszahlungen in ausländische Währung Schwierigkeiten für Wirtschaft und Währung verursacht, kann Deutschland mit dreimonatlicher Voranzeige die Uebertragung des geschützten Teils der Annuität für höchstens zwei Jahre ganz oder teilweise aufschieben. Die aufkommenden Reparationsbeträge würden dann lediglich in deutscher Währung auf das Konto der Bank für internationalen Zahlungsausgleich bei der Reichsbank eingezahlt werden. Erst nach einem Jahre kann auch ein Aufschub der inneren Aufbringung erfolgen, und zwar nur für einen Teil der bereits dem Transferschutz unterworfenen Summe. Fünf Vierteljahre würde es also praktisch brauchen, ehe eine Entlastung der Volkswirtschaft tatsächlich einträte. Mit der Erklärung Deutschlands, die Uebertragung des geschützten Teils der Annuität ganz oder teilweise aufzuschieben, tritt dann der im Yeungplan vorgesehene Sonderausschuß bei der Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich in Aktion; in ihn ist auch Deutschland vertreten. Er prüft die entstandene Sachlage und erstattet der Internationalen Bank und den beteiligten Regierungen Bericht. Somit erwüchse aus dem Initiativschritt Deutschlands, sofern er einmal notwendig werden sollte, zweifellos ein weltpolitisch und weltwirtschaftlich höchst wichtiger Akt, der in seinen Auswirkungen von tiefeinschneidender Bedeutung werden könnte. Literatur Rückblick und Ausblick. Mit dem Septemberheft schließt der 6. Jahrgang der„Urania“. Aus dem Inhaltsverzeichnis läßt sich ersehen, wie reich der Inhalt war, der kaum ein Gebiet der Natur= und Gesellschaftswissenschaft unberücksichtigt gelassen hat. Ueberall macht sich die entschiedene Richtung für Aufklärung und Fortschritt geltend. Das letzte Heft führt uns u. a. auf einer Paddelbootfahrt auf Saale und Elbe. A. Lowitsch beschäftigt sich mit neuen technischen Errungenschaften. Zahlreiche Notizen berichten von Neuentdeckungen. Von der Kleidung von Millionen Menschen der Baumwolle, wird die Entstehung und Aufzucht gezeigt. Thomas Heck weist auf die Bedeutung des sozialen Wanderns in der ganzen Welt hin. Alfred Käseberg behandelt die soziale Bedeutung von Gymnastik, Tanz, Spiel und Sport. Das Lied„Neues Licht und neues Leben“ beschließt das Heft, das wie immer reich illustriert ist. Der Beginn des neuen Jahrgangs sollte jeden nach Wissen Strebenden veranlassen, sich über die großen Zusammenhänge in der Natur und Gesellschaft zu informieren und ein Abonnement dieser für die Arbeiterschaft unendlich wichtigen Zeitschrift eingehen. Probehefte und Prospekte stellt der Verlag jederzeit auf Wunsch gern kostenlos zur Verfügung. Der Anfang eines Künstlerlebens. Der Worpsweder Maler Uphoff, eine der interessantesten Persönlichkeiten in der Galerie zeitgenössischer Künstler, hat sich nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in der Literatur betätigt. Sein erster bisher unveröffentlichter Roman erscheint jetzt im Verlag der Büchergilde Gutenberg, Berlin:„Anfang eines Lebens" in Leinen Preis 3 Mk. Dieses Werk hat selbstbiographischen Charakter. Es ist ein Entwicklungsroman. Aber der Autor arbeitet nicht nach dem üblichen Schema, er macht sich nicht zum „Helden“, sondern benutzt den Entwicklungsgang der führenden Romangestalt in der Hauptsache nur dazu, zeitliche und menschliche Zustände zu schildern. Es ist eine Selbstbiographie voll Ironie, die nicht vor der eigenen Figur halt macht. Eine köstliche Lebensweisheit steht wie ein Lächeln zwischen den Zeilen, aber man spürt es, daß sie bitter erkämpft wurde. Uphoff gerät manchmal in einen etwas altertümelnden Stil, aber gerade dadurch wird das spießbürgerliche Milien stark fühlbar und damit der Widerstand, den der junge werdende Künstler zu überwinden hat. Man liest sich sehr schnell in diese beschauliche Schreibweise hinein, wird an Jean Paul erinnert und folgt der Entwicklung mit menschlichem Interesse. Das Werk ist reich an vielen Schönheiten, besonders das Kapitel vom Tod der Mutter bleibt unvergeßlich. Nicht minder köstlich ist es, wenn das Temperament Uphoffs losbricht und die zimperliche Zierlichkeit der kleinbürgerlichen guten Stube dabei in Scherben zerschlägt. Die Büchergilde Gutenberg hat gut getan, Uphoff das Wort zu geben, und es ist zu erwarten, daß der Autor nicht bei dieser ersten Veröffentlichung stehen bleibt. Er mordete einen Unschuldigen und versuchte sich herauszulügen Perktennörder Reintes uls Man. Dem Buch von E. I. Gumbel„Verräter verfallen der Feme“ entnehmen wir folgende auf die Akten gestützte Darstellung: Auf den Gütern Stecklin, Rosenfelde und Liebenow im Kreise Greifenhagen kommandierte im Juli 1920 als besonderer Vertrauensmann Roßbachs der 22jährige Leutnant Edmund Heines, der gegen die bayerische Räterepublik, im Baltikum und im Kapp=Putsch gekämpft hatte. In der Arbeitsgemeinschaft Stecklin befand sich seit 14 Tagen der zwanzigjährige landwirtschaftliche Arbeiter Willi Schmidt. An einem nicht mehr festzustellenden Tag des Juli 1920 erschien der Vertrauensmann der Steckliner Gruppe, Unteroffizier Max Krüger, auf dem Gute Rosenfeld und meldete dem Heines, Schmidt wolle die Arbeit niederlegen. Man erzählte sich von ihm im Dorf, er wolle(!) einen Transport von Reichswehrwaffen, der offiziell an das Reiterregiment in Schwedt bestimmt war, tatsächlich aber zu den Roßbachern nach Rosenfelde ging, an die Schutzpolizei verraten(die preußische staatliche Schutzpolizei! Red. d.„V.“). Dieses vage Gerücht, das nur 6 Stunden umlief, war die Grundlage für ein„Todesurteil“. Schmidt hatte sich zu einer Familie Walter im Dorf Stecklin begeben. Heines, zusammen mit Max Bandemer, Johann Vogt und Karl Ottow, suchten ihn auf. Sie stellten sich als Kriminalbeamte vor und fanden ihn auf dem Heuboden schon schlafend. Aengstlich fragte Schmidt, was man von ihm wolle.„Du sellst nur verhört werden.“ Zunächst transportierte man ihn nach dem Gute Stecklin. Der Unteroffizier Ottow schlug ihn dort mit einem Gummiknüppel über den Kopf, so daß Schmidt blutüberströmt zusammenbrach. Auf sein Flehen gab man ihm Wasser, seine Wunden zu reinigen, und Leinen, um sie zu verbinden. Auf einem Feldwagen wurde er nach Rosenfelde transportiert. Dort meldete Heines dem Ortsvorsteher und Administrator Ernst Bergfeld, Schmidt sei da. Dieser gab darauf den Schlüssel zur Spatenkammer heraus. Angeblich glaubte er, verborgene Waffen sollten umgebettet werden. Doch wurde, nach Vogt, im Zimmer über die Erschießung verhandelt. In dunkler Nacht ging der Trupp zum Walde. Man begann ein Loch zu graben, denn Schmidt sollte hier schon erledigt werden. Da der Boden zu hart und das Dorf zu nahe war, ging man weiter zum Gut Liebenow. Dort wurden die Roßbach=Unteroffiziere Kurt Bär und Ewald Fräbel mitgenommen. Schmidt schrie wiederholt:„Ich soll erschossen werden!“ Fräbel beruhigte ihn:„Du wirst nur abgeliefert.“ Zu Fuß ging es weiter in den Kehrberger Forst hinein. Während des Marsches befahl Heines dem Bär, den Schmidt zu erschießen. Als dieser sich weigerte, preßte Heines dem Schmidt die Pistole ins Gesicht und drückte zweimal los. Schmidt fiel hintenüber. Darauf gab auch Ottow zwei Schüsse auf ihn ab. Da Schmidt noch um Hilfe schrie, drückten alle Beteiligten sein Gesicht in den Waldboden. Ottow schlug ihm einen eisenbeschlagenen Gummiknüppel etwa zehnmal auf den Schädel und trat ihm auf den Rücken, Fräbel trat auf den Hinterkopf. Die Leiche wurde in ein Loch gelegt, das Bär inzwischen gegraben hatte. Wenige Tage nach dem Morde meldete Heines telephonisch seinem Führer Roßbach, daß er einem erhaltenen Befehl seines vorgesetzten Kreisleiters, Leutnant a. D. Walter Schulz, gemäß den Schmidt, der Waffen habe verraten wollen(!), verhaftet habe. Auf dem Wege durch den dunklen Kehrberger Forst habe der Arrestant Anstalt gemacht, zu fliehen. Daraushin habe er, Heines, ihn niederschießen müssen. Roßbach genügte diese Meldung. Da die Leiche nur schlecht eingegraben war und sich das Gerücht von der Ermordung verbreitet hatte, wurde in einer Versammlung der Roßbach=Leiter und=Vertrauensleute in Pyritz Auftrag gegeben, die Leiche umzubetten. Dies geschah unter Leitung von Heines. Der Mord wurde erst nach Jahren entdeckt: ein Mitwisser, der Arbeiter Bathke, versuchte, Bergfeld zu erpressen. Dieser fühlte sich so sicher, daß er Bathke anzeigte, worauf dieser alles der Polizei meldete. Sämtliche Beteiligten, auch Heines, der inzwischen in München Jurisprudenz studierte und in der nationalsozialistischen Bewegung eine Rolle gespielt hatte, konnten verhaftet werden. Vom 16. April bis 5. Mai 1928 wurde vor dem Schwurgericht in Stettin unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hirschberg(OberstaatsLebenszähigkeit der Bazillen Bei einer kürzlich in der dänischen Stadt Aarhus ausgebrochenen Paratyphusepidemie hatte man wieder einmal Gelegenheit, die Lebenszähigkeit und dadurch besonders große Gefährlichkeit von Bazillen für die Volksgesundheit beobachten zu können. Als Ursache dieser Epidemie erwies sich, wie das staatliche Seruminstitut in Kopenhagen mitteilte, Fleisch, das als fertiges Füllsel mit Zutaten verkauft und zu Frikadellen verarbeitet worden war. Dabei konnte bei den vorgenommenen Untersuchungen die interessante und wertvolle Feststellung gemacht werden, daß selbst 10 Minuten langes Braten nicht ausreichte, um die in den Frikadellen enthaltenen Voralppechaiilien abpelblen. Aand Oder Katze! Viele Leute haben heute Hunde. Wer ein' Hund hat, ist nie ganz allein. Außerdem kann man dadurch im Grunde Gegen Diebe meistens sicher sein. Hunde halten wäre gar nicht teuer, Denn sie fressen, was man übrig läßt. Aber Hunde kosten heute Steuer, Und dagegen hilft mal kein Protest. Außerdem ist's in der Stadt verboten. Daß ein Hund noch ohne Maulkorb läuft, Weil er sonst vielleicht am Markt die Schoten Frißt und gar noch frische Eier säuft. Demnach zügelt man dem Hund die Beine Und verbietet ihm so die Natur. Ausgang hat ein Hund nur an der Leine, Daß er Achtung hab' vor der Kultur. Viele Leute halten lieber Katzen. Eine Katze kostet gar kein Geld. Auch zu ihnen kann man schmeichelnd schwatzen, Ohne daß man laut wird angebellt. Katzen haben Ausgang wann sie wollen, Und sie wollen meistens in der Nacht, Stehen noch nicht unter den Kontrollen, Die man über freie Liebe macht. Viele Leute sind sich noch nicht schlüssig. Ob nun Katze oder Hund bequem. Im Effekt sind beide überflüssig Und im Stadtbild ständig ein Problem. Kurt Reiss. anwalt Saß) wegen Mordes verhandelt. Die Aussagen der Angeklagten über die Vorgänge im Wald gingen auseinander. Heines erklärte, Schmidt habe fliehen wollen, wovon in der Voruntersuchung nie die Rede gewesen war. Die Spaten seien nur zum Umbetten von Waffen mitgenommen worden. Jugendein Nachweis für den angeblich beabsichtigten„Verrat" des Schmidt konnte nicht geführt werden. Heines wollte dies von dem Roßbacher Just exfahren haben, einem„Spezialisten für Verrätersachen", der später selbst unter geheimnisvollen Umständen umkam. Bär will nur aus Angst mitgemacht haben. Denn bei den Roßbachern sei immer vom„Spazierenfahren" die Rede gewesen. Fräbel war geständig. Leutnant Schulz, als Zeuge vernommen, will die Angelegenheit nicht gekannt, Bergfeld nur von der späteren Umbettung gewußt haben. Staatsanwaltschaftsrat Frantzky beantragte wegen Mord gegen Ottow und Heines die Todesstrafe, wegen Beihilfe zum Mord gegen Fräbel und Bergfeld je 4 Jahre Zuchthaus, gegen Krüger, Vär, Bandemer und Vogt 3 Jahre Zuchthaus. Gegen die Hintermänner Frhr. von Bodungen und Roßbach könne wegen Verjährung nichts mehr unternommen werden. Das Gericht kam zum Schluß, nicht der Schimmer eines Beweises für Schmidts„Schuld“ sei erbracht worden. Es nahm an, daß Heines ursprünglich mit Vorbedacht und Ueberlegung handelte, weil er die Spaten mitgenommen hatte. Während des Grabens in Rosenfelde habe er die Absicht zum Mord aber aufgegeben und Schmidt dann nur im Affekt umgebracht. So wurde nur wegen Totschlags Heines zu 15 Jahren Zuchthaus, Ottow zu 4 Jahren Zuchthaus, Frähel wegen Beihilfe zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt; Bär, Vogt, Bandemer, Krüger und Bergfeld wurden freigesprochen, die letzten vier, weil sie nicht an dieser Tat, sondern nur an den straflosen Vorbereitungshandlungen zu einer anderen, nicht ausgeführten Tat teilgenommen hätten. Oberstaatsanwalt und Verteidigung legten Revision ein. Der dritte Strafsenat des Reichsgerichts hob auch dieses milde Urteil am 6. Dezember 1928 auf, weil gegen einen der Geschworenen zur Zeit des Prozesses ein Verfahren wegen Betruges geschwebt hatte. So gelangte das Verfahren wieder an das Schwurgericht zurück. Die Verhandlung unter dem Landgerichtsdirektor Hoffmann fand vom 25. Februar bis 13. März 1929 statt Krüger war unterdessen wegen eines gemeinen Totschlags, begangen an einer alten Frau, zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Bergfeld starb während des Prozesses. Der Oberstaatsanwalt Saß unterstellte als wahr, daß Heines keine Bedenken gehabt hat, dem Geheimbefehl Roßbachs Folge zu leisten, wonach die Geheimhaltung mit allen Mitteln zu erstreben war. Die Konsequenz einer Anklage gegen den„Zeugen“ Roßbach aber hat er nicht gezogen. Er beantragte gegen Heines wegen Mordes die Todesstrafe, gegen Ottow wegen Beihilfe hierzu 4 Jahre Zuchthaus, gegen Fräbel, Bär, Vogt und Krüger wegen des gleichen Verbrechens je 3 Jahre Zuchthaus. Jedoch solle nur gegen Heines Haftbefehl erlassen werden. Das Gericht nahm wieder Mordplan und Totschlagsdelikt an, setzte die Strafen herab und verurteilte Heines zu 5 Jahren Gefängnis, Ottow zu 2½ Jahren, Fräbel und Bär zu 6 Monaten Gefängnis wegen Beihilfe. Krüger Bandemer und Vogt wurden freigesprochen. Heines hat kaum 1½ Jahre im Gefängnis gesessen. Die Verteidiger legten zum zweitenmal Revision beim Reichsgericht ein. Auf Beschluß des Strafsenats beim Oberlandesgericht Stettin wurde Heines am 14. Mai 1929 gegen eine Kaution von 5000 M. aus der Haft entlassen. Soweit die aktenmäßige Darstellung. Heines hat einen vollkommen unschuldigen Menschen, der in dem„Verdacht" stand, er walle ein Waffenlager der zuständigen Behörde verraten, kaltblütig abgeschlachtet und dann gelogen, der Ermordete sei„auf der Flucht erschossen worden“. Heute ist Heines Reichstagsabgeordneter! Nachdruck verboten.(64. Fortsetzung.) Und nun sah Kaspar Dreis auf einmal, daß es Vorfrühling war, schon ein schöner, wärmlicher Tag, obgleich der Februar noch zwei Tage bis zu seinem Ende hatte. Am Chausseerand sproßte junges Gras und roch lieblich, ein paar verfrühte Bienen summten, und man hörte das erste Amsellied. Wie Frühlingshoffnung lag es über der Natur, und auch der junge Winzer spürte plötzlich, daß er noch jung genug war, um den Kampf ums Dasein weiter aufzunehmen, daß er noch nicht so verbraucht war, wie der soviel Aeltere neben ihm. Wenn die Maria seine Frau wurde, würde er es schon fertig bringen, daß sie nicht zu hungern brauchte. Aber das Kind, das Kind?! Nun, das auch nicht. Was kann so ein Würmchen dafür, daß sein Vater sich nicht mehr um es bekümmert! Das Kind brauchte es nachmals gar nie zu wissen, daß er nicht sein Vater war. Es konnte aufwachsen wie die eigenen Dreiskinder auch. Leise fing der junge Winzer an vor sich hin zu pfeifen; er wußte nicht, daß er pfiff. seine Gedanken gingen andere Wege als den, der vor ihm lag. Es war ihm dann ein unsanftes Wecken, als er den Bremm jetzt sagen hörte:„Da steht der Zug schon!“ Sie kamen gerade noch zurecht, der Zugführer wartete noch ein bißchen. Es stiegen nicht viele ein, es war von hier noch ziemlich weitab, die Bahn kostete Geld, und das hatte man nicht. Bremm hatte auch das unter anderem vorgeschoben, als er nicht mit wollte, aber der Dreis hatte gesagt:„Et is ganz egal, wer et bezahlt, Ihr oder ich. Tut mir die Lieb, fahrt diesmal mit mir!" Wer sonst von Porten und Munden aus zur Versammlung wollte, der hatte schon in erster Morgenfrühe abmarschieren müssen, wenn er zum Mittag am Platz sein wollte. Sie sahen noch niemand Bekanntes. Gemächlich fuhr der Zug, vorsichtig, es schwankte oft mächtig, vom Hochwasser her waren manche Stellen noch schwer zu passieren, seit kurzem war die überschwemmt gewesene Strecke erst wieder frei und gefahrlos. Immer dicht neben der Mosel der fuhr der Zug, er hielt an jeder kleinen Station. Der Stationen waren viele, und an allen standen jetzt Menschen, die mit wollten. Und was alles den Weg zu Fuß machte! Aus dem Fenster blickend, sahen sie auf der Chaussee, die neben der Bahn entlang läuft, wie einen sich krümmenden endlosen Wurm die Scharen unten an den Weinbergen vorbei sich winden. Es waren auch manche auf Rädern dabei, die hatten alle hinten noch einen aufhucken. Zell, Briedel, Pünderich, Burg, Enkirch, Traben=Trabach, Wolf, Cröv, Loesenich, Erden, Uerzig, Rachtig, Zeltingen, Graach. Je näher sie Bernkastel kamen, desto mehr Menschen. Bittgänger, Wallfahrer, Prozessionen? Die singen und beten, aber die hier sind stumm. Immer zwei und zwei gehen sie, ohne ein Lied, ohne miteinander zu sprechen, sie gehen mit gesenkten Köpfen still und traurig — ein Totengeleit, ein nicht endender Trauerzug. Allen voran weht eine Fahne. Der Tag ist jetzt plötzlich trüb und grau, vom Fluß weht es kühl, die Fahne flattert im Winde. Und an ihr ein Trauerflor. Die Winzerfahne, die schwarze Winzerfahne!.„Die Weinbauern müssen trauern.“ Die Vorfahren haben die schwarze Fahne einstens gesehen, sie sind ihr gefolgt, von denen, die heute hinter ihr herziehen, sah sie noch keiner. Aber sie ist noch immer da, sie hat nur so lange versteckt ruhen dürfen, jetzt aber ist sie hervorgeholt, ein Zeichen der Zeit, eine Flagge, in höchster Not gehißt, eine Fahne, die aufruft in lebter Verzweiftlung....,.. Minaer mar Wätsch „Laßt uns aussteigen!“ Der junge Winzer war plötzlich zur traurigen Wahrheit des Tages ernüchtert— fort alle Träume— es erzitterte etwas in ihm bei dem Anblick.„Wir wollen auch hinterher gehen!“ Sie schlossen sich an. Hinter ihnen blieb Graach zurück, vor wenig Jahren noch ein belebter Weinplatz, jetzt so verödet, so leblos, als wüchse hier nicht das„Himmelreich“. Vor ihnen schlorrte einer, den Rücken gebeugt, er kam kaum mehr voran. Kaspar erkannte ihn: Es war der Alte, den er letzthin nach der Versammlung gesprochen hatte. Der erschien ihm heute noch älter—„Fünfundsiebenzig, viel böse Zeit, so bös wie jetzt war noch keine“— ob der heute noch sagen würde:„Gott sei gedankt, nu wird et ja besser?!“ Heute war der Greis nicht mehr allein, er mußte sich führen lassen. „Seht mal den", flüsterte Kaspar Simon Bremm zu und winkte mit den Augen auf den vor ihnen.„Selbst der macht sich auf, mit einem Fuß lchon im Grab!“ Bremm nickte stumm, sein Gesicht war sehr finster. Es war etwas zum Fürchten in seiner Miene.— Nun waren sie am„Gestade“. Die Uferstraße war von Menschen ganz schwarz. Und über die Brücke von Cues, am Heiligen vorbei, kam es auch schwarz— Menschen, Menschen, Menschen, die Winzer von Machern und Wehlen, von Lieser und Noviand, von Monzel und Kesten zogen vorüber. Alle kamen, alle, einmütig, wie sie einst in den Krieg gezogen waren, auch heute einmütig: aber heute waren sie trauriger. Und es lag wie Trauer auch in der Luft, sie war schwer, es atmete sich beklommen. Unter der Landshut, der mächtigen Ruine, die über dem alten Bernkastel thront, war eine Strecke im obersten Weinberg abgerutscht, das stimmte heute auch traurig. War denn der Himmel selbst nicht mehr für seine Weinberge? Warum hatte er die köstliche Lage hier nicht verschont?! Für vier Uhr nachmittags war die Versammlung angesetzt, noch war es nicht so weit, die Abgeordneten waren noch gar nicht da, keiner von den Rednern zur Stelle— was sollte man so lange nun machen? Man stand wartend umher in kleinen und größeren Gruppen, ging planlos zum Marktplatz hin und kam wieder zurück, man hatte ja kein Geld, in den Läden etwas zu kaufen, nicht einmal ein paar Groschen, um in eine Wirtschaft zu gehen. Immer wieder fand man sich beim Denkmal für die Gefallenen ein, das auf dem Platz vorm Landratsamt steht, und zwischen der jetzt noch nicht begrünten Baumreihe durch, von wo man frei und weit hinausblicken kann auf die Mosel. Und von hier sah man auch aufs Finanzamt. Aha, da stand es ja, ganz nah, der verhaßte Bau, der sich, fast rund wie ein Turm, wie eine Zwingburg, dem Landratsamt schrägüber an der Ecke vorschiebt. Das sollte der Teufel holen, dieses Raubritterschloß, dieses verfluchte Nest, in dem soviel Unheil ausgebrütet wurde! Sie kannten es alle, dieses leidige Finanzamt, zu dem sie so oft schon gelaufen waren, um Aufschub zu erbitten, und das doch ihre paar letzten Groschen verschluckt hatte. Ach, man konnte leider weiter nichts tun, als das verwünschen. Heute hatte man die Muße dazu, man stand und starrte es an, vorwurfsvoll, böse, mehr als böse: erbittert. Daß doch von der Landshut da oben der ganze Berg abrutschte und es verschüttete! Wenn die Mosel es beim Hochwasser so überschwemmt hätte, daß all die Akten, die Schuld„ die Steuerzeitet, al dus versuche Geschreibse, den Guh hinuntergeschwemmt worden wäre auf Nimmerwiedersehen, welch am Glück.(Fortsetzung folge) Theatte= Mastk= Kunst Stadttheater Bochum Charpentier:„Louise“. Für den Franzosen ist Paris Frankreich und Frankreich Paris; anders wäre es nicht möglich, ein Werk wie„Louise“ so lange dem Theaterbedürfnis eines Volkes zu erhalten. Würde es in Deutschland jemand unternehmen, Berlin in dieser Weise apotheotisch zu verklären— vorausgesetzt, daß das möglich ist—, das Werk würde in kurzer Zeit wieder verschwunden sein, ganz einfach aus dem Grunde, weil Berlin nicht der Inbegriff von Deutschland ist, sondern Deutschland mehr ist als Berlin. Infolge dieser Einstellung des Deutschen zu seiner Reichshauptstadt, wird er dem Sinn dieses Werkes ziemlich gleichgültig gegenüberstehen. Das mag eine berechtigte Angelegenheit der Franzosen sein, deren ganze Inkarnation Paris darstellt. Dazu kommt weiter die Alltäglichkeit des Stoffes. an dem die zauberische Anziehungskraft von Paris gezeigt werden soll. Gerade das Milieu des Arbeiterstandes im weitesten Sinne gibt tägliche Gelegenheit zur Beobachtung des Kampfes zwischen der Sehnsucht nach dem Flitterglanz weltstädtischen Lebens und dem Bewußtsein von dessen Gefahr. Nur bleibt dieser Kampf in Wirklichkeit gar nicht auf diesen Kreis beschränkt. er geht durch alle Schichten. Daß Charpentier ihn in diesem Falle an das Milieu des Arbeiters bindet, ein Fehler. So ausgezeichnet der Schriftsteller die Handlungssteigerung dem Schlusse zu durchzuführen versteht, bleibt doch im Anfang der Weg lange Zeit zu eben. Im ersten und zweiten Bilde kommt sie nicht vom Fleck. Diese Erkenntnis wird bestärkt durch die Musik. Charpentier schwelgt förmlich im symphonischen Klang, gerade in diesen beiden Bildern; das Ohr macht dem Auge so starke Konkurrenz, daß letzteres beinahe zum Bankerott getrieben wird. Die Größe des Musikalischen übersteigt das Literarische zu weit. Erst vom dritten Bilde ab wird durch die Belebung der Szene dieser Gegensatz aufgehoben und damit das natürliche Interesse geweckt. Dieses Werk hätte Gelegenheit, es durch Striche zur Kurzoper zu verbessern. Dann würden die musikalischen Wiederholungen vermieden, die wertvollen Stellen in wirksame Verbindung gerückt und Auge und Ohr in gleicher Weise befriedigt werden. Siebolds Inszenierung wahrte den realistischen Impressionsstil der Zeit vor 30 Jahren. Mit beinahe ängstlicher Bekümmertheit wurde jedes räumliche und kostümliche Attribut gesetzt. Nur hatte man bei der Petroleum=Tischlampe den Zilinder noch vergessen. Aber gerade diese Milieutreue verlieh der Handlung das einzig mögliche Bild. Die Besetzung aller Rollen mit Solokräften erhöhte die Gesamtwirkung der Aufführung. In den Massenszenen herrschte Ordnung und übersichtliche Bewegung. Die Chöre befriedigten. Besondere Anerkennung verdient die technisch ausgezeichnete Einrichtung der Bühne nach den Entwürfen Schröders durch Presher. Für die Vertreter der drei Hauptrollen gab es ein Schwelgen in äußerst dankbaren Sinastimmen. Lydia Maschek lag die Rolle der Luise. Ihr Spiel wurde von Belebung getragen, auch die Stimme befriedigte, abnesehen von einigen flachen Tönen der Höhe. Mit wahrem Vergnügen nahm sich JankHoffmann der Partie des Julian an, der er eine stimmschöne Wiedergabe sicherte. Vorzüglich gab sich auch Tödte als Vater. Stimme und Spiel erreichten zum Schluß bewundernswerte Ausdruckskraft. Großen Anteil an dem Erfolg der Aufführung hatte Wilh. Grümmer als Leiter derselben. Mit besonderer Betonung ging er den Klangbildern der Partitur nach die er leuchtend herausstellte. Der Besuch ließ zu wünschen übrig, aber für die gite Aufführung wurde viel Beifall gespendet. Wo. * „Der Mann, den sein Gewissen trieb“, von M. Rostand, ist heute für die Vormiete A vorgesehen. Die Aufführung dauert von 20.15 bis gegen 22 Uhr. Eine abermalige Wiederholung des„Neidhardt von Gneisenau“ steht für morgen in Aussicht. Zu beiden Veranstaltungen sind noch Karten im freien Verkauf zu Preisen von 75 Pf. bis 4,50 Mk. erhältlich. Die erste diesjährige Abonnementsvorstellung des Roten Ringes bringt am Mittwoch Kalmans„Csardasfürstin“. Seit gestern ist dazu der Vorverkauf im Gange. Die Erstaufführung von Richard Wagners„Lohengrin“, der in neuer Inszenierung und Ausstattung gegeben wird, ist für Samstag, den 18. Oktober, vorgesehen. Die Premiere wird im Rahmen der Vormiete C vor sich gehen. Operettentheater Bochum Heute und morgen geht im Operetten=Theater auf vielfachen Wunsch nochmals die Meistereoperette Franz Lehars „Das Land des Lächelns“ in Szene. Karten zu billigen Preisen erhältlich in den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Theaterkasse von 11 bis 1 Uhr vormittags und ab 5 Uhr nachmittags. Konzert Erstes Volks=Symphonie=Konzert des Städtischen Orchesters Bochum Die Reihe der Volks=Symphonie=Konzerte darf, nach dem rsten zu urteilen, hoffnungsfroh erwartet stück des Programms stellte nach Auswahl und Aufführung inen Volltreffer dar. Die Zusammenstellung darf als durchius glücklich bezeichnet werden, und jedes wurde von Professor Reichwein und dem Orchester mit besonderer Aufmerkamkeit und Anteilnahme bedacht. Freilich kommt hinzu, daß der Klang des Orchesters im Saale des Schützenhofes. besser zur Geltung kommt, als im Theater. Es war eine unzetrübte Freude, diesem Konzerte zuhören zu können. Mit Beethovens Symphonie Nr. 4 begann, das Konzert. Es ist bekannt, wie nahe Prof. Reichwein der Kunst Beethovens steht, und doppelt zu begrüßergist,es, daß er durch wiederholte Aufführung der Werke des Meisters diese zum Volksgut machte. Gerade die vierte Symphonie aber kommt dem musikalischen Empfinden des Volkes besonders entgegen. Sie ist melodisch wie ein Lied, gradlinig im Aufbau, abwechselungsreich in der Instrumentation, heiter und sonnig in der Stimmung, reich an Finessen. Dem Wert des Werkes entsprach die Wiedergabe. Diese blieb in allen Sätzen edel im ron, klat im Aufbau, sauber im Rhythmus und erlebnisbetont in der ganzen Diktion. Beethoven folgte ein Konzert für Flöte und Orchester von Vernhard Molique, das in seinen Sätzen in prachtvoller Knappheit wahrhaftig viel Musikalität verbirgt. Eine schöne Kantilene, gebunden an ein und äußerst eingängiges Thema beherrscht den ersten Satz. Hüpfend gibt sich das Rondo in seiner figurierten Themabehandlung. Das Konzert ist eine dankbare Aufgabe für jeden guten Flötisten. Friedrich Hecker spielte es meisterhaft. Schönen Ton, natürliche Phrasierung beseelte Melodie gab er dem ersten Satz; rythmische Exaktheit und saubere Behandlung der Figuration zeichneten den zweiten Satz gus,##mm Wunder, daß der Solist durch reichen Beifall ausgezeichnet wurde. Die Begleitung des Orchesters blieb in der Anpassung dezent. Otto Nicolais Ouvertüre zu„Die lustigen Weiber von Windsor“ folgte in einer Wiedergabe von ganz seltener Anschaulichkeit und Illustrationskraft. Reichwein war hier wirklich der universale Beherrscher des Stoffes. Wundervoll geriet dem Orchester die Einstimmung, herrlich das Elfenspiel und der Rüpeltanz, aus allen Instrumentengruppen klang gleichmäßig wertvoll die Schönheit dieser einzigartigen OuverVv. End u 4 Johann Strauß machte den Schluß mit seinem Walzer „Rosen aus dem Süden“. Auch hier wieder ein musikalisches Erlebnis von packender Wirkung, dank der wundervollen Wiedergabe durch das Orchester. Für den begeisterten Beifall dankte Reichwein durch eine Wiederholung des Schlußteiles. Genußreiche Morgenstunden waren vorbei. Wp. „Handbuch der deutschen volksbühnenbewegung“ Die Volksbühnen=Verlags= und Vertriebs=G. m. H. H. nimmt die Zehnjahrseier des Verbandes der deutschen Vo#### bühnenvereine zum Anlaß, um in einer stattlichen Buchausgabe der Oeffentlichkeit einen umfassenden Rechenschaftsbericht der Volksbühnenarbeit vorzulegen.(440 Seiten. Ganzleinen. Mark. Volksbühnen=Verlags= und Vertriebs=G. m. b. H., Berlin 1930.) Die Bedeutung der Volksbühnenbewegung als wirtschaftliches Fundament des Theaters überhaupt und zugleich als notwendiges Instrument kultureller Massenbeeinflussung, ist wiederholt in gelegentlichen Aufsätzen allseitig anerkannt worden. Noch niemals wurde aber der Versuch unternommen, einen Gesamtüberblick zu vermitteln, wie er in dem vorliegenden neuen, lexikonähnlichen Handbuch angestrebt wird. In einem grundsätzlichen ersten Teil erörtert der Verfasser Albert Brodbeck, Generalsekretär des Volksbühnenverbandes zunächst die umfassenden Ziele der Bewegung, ihre erfolgreiche Bemühung um die Neuformung des Theaters in diesen Krisenzeiten aus dem Gesichtspunkt der Gemeinwirtschaft und der Planwirtschaft. Die Vorbetrachtung mündet in das letzte und entscheidende Ziel der Kunstvermittlung durch die Volksbühnen: Erfüllung einer echten sozialen Mission, kulturelle Befreiung der Massen, ihre vollgültige Eingliederung in die Gesellschaft und damit die Erhöhung des Selbstbewußtseins eben jener Massen. Das Kunsterlebnis also wird weder als Luxus noch als Vergnügen, sondern als gesellschaftbildend und darum sozial begrifsen. Der zweite Teil des Buches ist den vielfachen organisatorischen Verzweigungen gewidmet, durch die der Volksbühnenverband die Umsetzung seiner Ideen in die Wirklichkeit erstrebt. Der Aufbau und die Gliederung des Verbandes wird eingehend geschildert. Dann wendet sich die Darstellung dem Tätigkeitskreis der vom Verband unterhaltenen Wanderbühnen zu. Hier werden die positiven Leistungen der fünf verbandseigenen Wandertheater in der überzeugendsten Weise aus der Praxis belegt. Originalreisepläne, Originaletats, Gegenüberstellung von Spielplänen geben ein anschauliches, sachlich objektives Bild von der wirtschaftlich mühseligen, aber künstlerisch überaus erfolgreichen Arbeit draußen im Lande in den theaterlosen Städten. Staatlich unterstützte Betriebe sollen Musterbetriebe sein! Die reisenden Volksbühnen erfüllen diese berechtigte Forderung in jeder Beziehung. Wenn der Volksbühnenverband nur diese eine Aufgabe der Theaterpflege in der Kleinstadt erfüllte, die ja eigentlich Staatspflicht ist, wäre seine Daseinsnotwendigkeit bereits begründet. In einem weiteren Kapitel wird das Verhältnis zu der Jugend und zu den Problemen ihrer künstlerischen Erziehung VEICR, TESCR,TEAUF!, DIE ZWERSL untersucht. Moderne Erkenntnis und Pädagogik werden hier für die Heranführung der Jugend in die künstleris nisse der Berufsbühne nutzbar gemacht. Für das praktische Ergebnis dieser Bemühungen zeugt die Tätigkeit der verschi denen Jugendbühnen im Reiche. Mit deutlicher Abgrenzung gegen allen Dilettantismus ist aber auch der aktive künstlerische Gestaltungswille der Jggend, der in., Sgrechr 4p, ert zer he chören und im neuen Laienspiel nach Ausbruck vingt, in den Aufgabenkreis der Volksbühnenarbeit eingeordnet. Dieser Te des Buches ist unter entscheidender Mitarbeit von Dr. Brunk Den Fllm ignoriert die Vollsbihne nicht elz. Ssigen kurrenten. Soweit er als Spielfilm künstlerische Wirkungen erreicht, soll er den Volksbühnenmitgliedern zugänglich gemacht werden. Eine ganze Reihe von Volksbühnen bieten bereits regelmäßige Filmveranstaltungen, andere beschränken sich zuanspruchsvolleres Filmpublikum zu erziehen. Die einer durchgreifenden kulturellen Beeinflussung der kapitalistischen Filmproduktion wird in 20 Seiten des Buches mit aller auf die verschiedenen des Volksbühnenverlages und seines stöndig wachgungn. nenvertriebes folgt in 17 Abschnitten eine nach Lunve####ilen geordnete erschöpfende Uebersicht über den augenh. Stand der Volksbühnenbewegung. Es werden gewissermaßen die mehr als 300 Standorte und ihre jeweilige Machtposition als Einzelteile der großen kulturellen Armee von 500000 Menschen, die sich zum Volksbühnenverband bekennen, veranschaulicht. Natürlich erfährt das Zentrum der Bewegung, die Berliner Volksbühne, eine besonders eingehende Betrachtung. Auch die Volksbühnenversuche im Ausland finden gebührende Erwähnung. Berufsstatistiken, Satzungen, zusammenfassende Ergebnisse der Volksbühnentagungen. ein Schlagwortregister vervollständigen endlich das Hozoper- Her,zate; ilständig. Wer kulturpolitisch oder künstlerisch inter; essiert ist, wird auf Brodbecks Handbuch als Nachschlagewerk und Ratgeber nicht mehr verzichten können Das Ziel des Buches, einen Gesamteindruck der deutschen Volksbühnenbewegung zu vermitteln, ist in vollem Umfangegergeicga## Musikausübung durch Reichsbeamte In den für alle Reichsverwaltungen gleichmäßig geltenden Ausführungsanweisungen zu den Richtlinien über die Musikausübung durch Reichsbeamte ist nach Beamtenbund=Korresponvenz in bezug auf die Beze# l##### an Wohltätigkeitskonzerten folgende, auch nau der Aenderung der Richtlinien vom November 1929 in Kraft be„D5 die Leteisigung an Wohtäktgestszkanzsteg.e2 T. e. kassen oder zu ähnlichen Zwecken entgeltliche Musikeinen Unterschied ung furstische Versönlichteit beißt oder nicht. De Arbelter und alle Angestellten müssen die AirbeiterDresse lezer Rick, Flock, Flaum, die Zwerge, Amtsvorsteher Krause trieb es nun zum Berge. stand auch vor dem Hause. Geizhals Flunsch, aus Dankbarkeit, Ach, der Abschied ward ihm schwer, war beim Packen hilfsbereit. denn er liebt“ die Kleinen sehr. Wünschte Glück und Segen auf den fernern Wegen. Drückte gar den lieben Plick an sein Herz inen Ausenblick. Das war’m Flunsch zu lange, grift die Wagenstange und hat dann zu guter Letzt lanssem aich in Trab geseizt. Humor und Satire Wahre Geschichte. Eine sehr angesehene Tageszeitung veröffentlicht auf einer ihrer Seiten Beiträge von gelegentlichen Mitarbeitern aus ihrem Leserkreise, die sich zu irgendeiner Frage von Interesse Kommt da neulich ein Professor Durchreise in die Redaktion, bringt eigenhändig ein Manuskript— natürlich handgeschrieben— zur Prüfung. Als er den papierüberschwemmten Schreibtisch sieht, wird ihm etwas er bittet eindringlich, seine kostbare Arbeit so aufzuheben, daß sie nicht unter Minderwertiges oder am Ende gar in Verlust geraten könne. Der sehr beschäftigte junge Redakteur bemüht sich, ihn zu beruhigen:„Nein, Herr Professor, gerade für Beiträge dieser Art haben wir eigene Mappen mit bestimmten Aufschriften! Irrtümer und Verwechselungen sind ganz ausgeschlossen.“ Das Manuskript wird vor den Augen des Besuchers in eine offene Mappe gelegt; der Professor verabschiedet sich danbbar und geht.„„„„.. 4:: Mich In der Tür fäut ihm noch etwas Wichtiges ein. Er kehrt um, die Mappe liegt jetzt geschlossen da. Mit der Ausschrift:„Quatsch aus der Provinz.“(„Simplizissimus“.) Das chvistliche Hospiz in Basel wird nicht nur streng vegetarisch, sondern auch alkoholfrei geführt. In den Zimmern und Korridoren ist in zahlreichen Gedichten und Sprüchen auf diese Grundsätze des Hauses hingewiesen. Uelber der Eingangstür zum Speisesaal findet sich auf einer Holztafel, in die Wand eingelassen, folgender Imperativ: Keinen Tropfen Wasser trinkt das Huhn, Ohne einen Blick zum Himmel auf zu tun; Keinen Tropfen Wasser trinkt die Gans, Ohne zu wackeln mit dem Schwanz.— Was sie bewußtlos tun, Das tue Du bewußt, Damit Du Dich vor ihnen Nicht schämen mußt!(„Simplizissimus“.) * Freundinnen. „Die Lola hat jetzt genau solche Haartracht wie ihr Bräutigam.“ „Ich weiß. Solchen Schnurrbart auch!“ Von dieser Medizin geben Sie Ihrem Mann alle vier Stunden einen Eßlöffel voll.— Ich werde sie ihm alle Stunde geben. So knauserig wird die Kasse nicht sein, daß wir an der Mediein sparen müssen, * Arbeitersportter Beim Waldlauf Starke Jeilnahme aller Sparten Am gestrigen Sonntag waren im gesamten westdeutschen Kreisgebiet der Arbeitersportler die Mitglieder zum Herbstwaldlauf aufgerufen. Das Wetter war gerade nicht sehr günstig. Trotzdem aber ist überall eine zufriedenstellende Teilnehmerzahl zu verzeichnen gewesen. Gegenüber den früheren Veranstaltungen ist ein gewaltiger Fortschritt zu sehen. Auch im Bochumer Bezirk ist diese Entwicklung festzustellen. Fast alle Vereine hatten zum Waldlauf aufgerufen. Es war denn auch eine Massenbeteiligung zu erwarten, und diese Erwartung wurde auch nicht enttäuscht. Das Zillertal, mit seinem gerade nicht großen Waldbestand, hat wohl noch nie eine so große Anzahl leibesübungstreibender Menschen unter dem welkenden und herbstlich rauschenden Laubdach aufgenommen. Schwimmer und Schwimmerinnen, Turner und Turnerinnen, Sportler und Fußballspieler, alle waren dem Rufe der Bezirksleitung gefolgt, um sich an diesem Lauf zu beteiligen. Ja sogar die Kleinsten des Arbeiter=Turn= und Sportbundes, Schüler und Schülerinnen, waren gekommen, um in frischer Waldluft mit ihren Altersgenossen für die Volksgesundheit zu wirken und zu werben. Es war eine Freude zu sehen, wie eine große Masse Arbeitersportler mit Lust und Liebe sich in den Dienst für die Volksgesundheit stellt. Das bunte Bild der noch lange in Erinnerung bleiben. Der Waldlauf im westdeutschen Kreisgebiet Stunden der Freude und genußreichen Erlebens bei den Herbstwaldläufen. Am gestrigen Sonntag fanden im westdeutschen Kreisgebiet des Arbeiter=Turn= und Sportbundes die aller Sparten in den einzelnen Bezirken statt. Dem regenreichen Samstag folgte ein prächtiger Herbstsonntag, der allen Teilnehmern an den Gemeinschafts=Hönster Art vermittelte. jagden ein genußreiches Erleben schonste, Art vernttelte. Durchweg war gute Beteiligung zu verzeichnen, woran alle Sparten regen Anteil hatten. Herrliche Stunden der Freude gab es im Lauf durch Wald und Flur und dürften alle Teilnehmer an den diesjährigen Herbstwaldläufen in Exinnerung an die genußreichen Stunden auch in Zukunft dem werberuf in den lockenden Wald gern folgen. Rodlbeitieb. Auf den Fußballfeldern herrschte nach dem Herbstwaldlauf, der morgens im Zillertal stattfand, wieder Hochbetrieb. Langsam neigt sich die Serie dem Ende zu. Um so interessanter und schärfer werden die Kämpfe. Zwei der wichtigsten Kämpfe stiegen in Werne und WinzBaak. Im ersten Spiel mußten die Wittener in Werne mit einer katastrophalen Niederlage von 7:3 die Segel streichen. Besser erging es schon den Ruhrleuten in Winz, wo man sich nach aufregendem Kampf die Punkte teilte. Ein noch sehr wichtiges Treffen sollte in Altenbochum stattfinden. Langendreer erschien jedoch nicht. 01 veranstaltete vor zahlreichen Zuschauern ein Trainingsspiel, das die A.=Mannschaft mit 3:2 über die B.=Mannschaft siegreich sah. * In der Gruppe B triumphierte Bochum 29 über Altenbochum 93 mit dem knappsten aller Resultate 1:0. Einigkeit Werne gab Harpen 08 mit 2:1 das Nachsehen. Die Herner mußten mit 4:0 den Grummern Sieg und Punkte überlassen. Vorwärts Werne= Grünweiß Witten 7:3(1:1) Auf dem Sportplatz hinter Ewald standen sich die beiden Tabellenersten in scharfem Kampf gegenüber. Nachdem das Lampenfieber bei beiden Mannschaften überwunden war, wurde ein technisch hochstehendes Spiel gezeigt. In der ersten Halbzeit war der Sieger noch sehr fraglich. Vorwärts ließ sich das hohe Spiel der Grünweißen aufdrängen, wodurch sie nicht so recht in Form kamen. Nachdem die Werner schon 4 Ecken verschossen hatten, drängte Witten überraschend, und schon sitzt das Tor 1:0 für Witten. Vorwärts arbeitet wie eine Maschine, und bald ist der Ausgleich da. Mit 1:1 gehts in die Halbzeit. Gleich nach Wiederbeginn legt Vorwärts mächtig los und kann seine Vorlagen bald mit 3 Toren krönen, worunter ein Elfmeter war. Doch die Grünweißen geben auch bei dem Stand von 4:1 die Partie noch nicht verloren. Sie brachen durch und schon zappelt das Leder im Vorwärtsgehäuse 4:2. Jetzt wird das Spiel reichlich scharf, bis der Schiedsrichter dieses korrekt unterbindet. Witten läßt gegen Schluß der Spielzeit zeitweise nach. Ein Elfmeter für Witten wird verschossen, doch dann bei einem Durchbruch erzielen sie wieder ein schönes Tor 4:3. Jetzt folgen in regelmäßigem Abstand noch weiter 3 Tore für die Vorwärtsleute, damit ihren Sieg sicherstellend und die Führung in ihrer Gruppe weiter befestigend. Das Eckenverhältnis war 7:2 für Vorwärts. Weitere Spiele im Bochumer Berirk Winz=Baak— Union Bergen 0:0. Nach einem interessanten Kampfe trennten sich hier zwei völligch gleichwertige Gegner unentschieden. Auf dieses Spiel hatte sich das Interesse der Fußballer besonders gerichtet, weil in Anbetracht des Tabellenstandes und der ausgeglichenen Spielstärke mit einem guten Sport zu rechnen war. Herne=Baukau— Querenburg 5:3. Die Herner hatten sich die Querenburger verpflichtet, die jedoch nicht viel zu bestellen hatten. Mit obigem Resultat mußten sie sich geschlagen bekennen.„„... 2. einem ag. Hinief Herne=Baukau— Tus Wanne 2:2. Zu einem Abendspiel standen sich am Samstag obige Vereine gegenüber. Bis zum Wechsel stand das Spiel 2:1 für Herne. In der 2. Halbzeit holt Wanne auf. Und bei diesem Resultat bleibt es bis zum Schlußpfiff. Einigkeit Werne— Harpen 2:1. Einigkeit hat Anstoß. Schon nach 15 Minuten Spieldauer tritt Harpen das 1. Tor. Ein in der 21. Minute verhängter Elfmeter wird von Harvens Torwart in glänzender Manier gehalten. Kurz vor Halbzeit gleicht Einigkeit durch flachen Schuß aus. Nach dem Wechsel sieht man Werne in Front. Nach 10 Minuten Svieldauer heißt es 2:1 für Einigkeit. So bleibt es bis zum Schluß nach verteiltem Feldspiel.„„„ 96em24 Grumme— Herne 07, 4:1(3: 0). Die Herner vermochten sich bei ihren Nachbarn nicht durchzusetzen. Bis zur Halbzeit schon lag Grumme mit 3:0 in Führung. Erst nach dem Wechsel taucht Herne auf. kann aber nicht verhindern, daß Grumme noch das 4. Tor tritt, ohne auch nur den Ehrentreffer zu erzielen. : Altenbochum 93— Bochum 29 6: 1. Für Bochum 29 stand hier viel auf dem Spiele, galt es doch den Tabellenstand zu verbessern. In der ersten Halbzeit fiel das einzige Tor des Tages. Trotz gewaltioer Anstrengung der Altenbochumer wissen die Bochumer ihren Vorsprung zu halten und als glücklicher Sieger verlassen sie den Platz. Herne 07 15— Blumenfeld 2:3. Die Blumenfelder zeigvon sich in der ersten Halbzeit stark überlegen und drückten ihren Vorteil mit 3 Toren aus. Nach Seitenwechsel kommt Herne mächtig in Schwung und de, Herztey, Frorergu. indern. Als Vorsprung der Blumenfelder durch 2 U.r: zmi, verdienter Sieger kann Blumenfeld wieder zwei wertvolle Punkte buchen.„. amannschaften Reservemannschaften. Winz=Baak— Union Bergen 3:3. Herne 07— Blumenfeld 1:2. Herne Baukau— Querenburg 3:0. Alte Herren Baukau— Tus Wanne 4:4. Aus dem Gelsenkirchener Bexirk Werbefest der Svortfreunde Wanne=West Das Stiftungsfest der Sportfreunde Wanne=West, verbunden mit einer Werbeagitation, hatte vollen Erfolg. An und für sich waren die Hand= wie auch die Fußballspiele sehr stark besucht und es trugen auch sämtliche Vereine Spiele vor die sich wirklich im Rahmen der Bewegung zeigen konnten. Ebenso zeigte der folgende Kommers so richtig die Einheit der wahren Sportbewegung. Sportfreunde Wanne=West— Eintracht Recklinghausen Reserve 1:2. Das Spiel, welches wir in der Vorschau als ei# sichere Beute der Sportfreunde festgelegt hatten nahm nicht das Ende, welches wir prophezeit haben. Die Besucher wurden ob der fairen Spielweise. die wir besonders vermerken müssen, keineswegs enttäuscht. Der angesetzte Schiedsrichter, Genosse Steinke, hatte das Spiel voll und ganz in der Hand, mit Ausnahme von einigen kleinen Fehlern, die aber nicht von Bedeu: tung waren. Sofort nach Anwurf gehen die Eintracht vor. Ein blendender Torwurf und der Ball sitzt im Gehäuse. Nach Wiederanwurf versucht Sportfreund aufzuholen, doch der Ball wird wiederum eine Beute der Recklinghäuser. Spo freunde wird das zuviel, sie versuchen durchzukommen, doch alles vergebens. Kurz vor der Pause kann Svortfreunde das Ehrentor werfen. Die zweite Spielhälfte verlief torlos. Fußballspiele. Gladbeck=Zweckel Jugend— Sportfreunde Wanne=West Jugend 0:1. Zwei Mannschaften zeigten hier ein Spielchen, das einem wirklich Spaß machtg.... 2.4. g. Ransiachen 3 Sportfreuende Wanne=West 3.— Vorwarks Gelsenrirchen 3. 2:2. Beide Mannschaften waren etwas zusammengewürfelt, doch wurde ein flottes und schönes Spiel vorgeführt, und es kamen auch hier die Zuschauer voll und ganz auf Waren die Torwärter auch tonangebend, so war der Torwart der Sportfreunde von Wanne=West über Erwarten sehr gur und verhinderte größere Erfolge... 4. galssenfiechen 2. Sportfreunde Manne=West 2.— Vorwärts Gerytig g. 0:0. Beide Mannschaften waren gewillt, sich in nichts nachzustehen und trennten sich nach spannendem Spiel mit unentSportfreunde Manne=West 15— Eladbeck=Zweckel 15 2:2. Auch den Snortfreunden von Wanne=West war es nicht vergönnt, den Vorwärtsern eine Niederlage aufzubrummen. Beide Mannschaften waren in ihrer alten Aufstellung. Sofort nach Anpfiff entstehen brenzliche Momente vor dem Tore der Sportfreunde, doch es wird geklärt. In der 4. Minute führt Vorwärts mit 1:0. Sportfreunde versucht aufzuholen, doch vergebens. In der 20. Minute fällt das zweite Tor für Vorwärts. In der 37. Minute kann Vorwärts durch Elfer das dritte Tor holen. Die zweite Spielhälfte steht auch wiederum im Zeichen der Vorwärtser. Ein Tor kann noch geholt werden, dann ist 1ß. Eickel Turnerinnen— Wanne Turnerinnen 3:0. Unser Kreismeister zeigte auch hier wiederum, daß er keinen Gegner zu fürchten hat. Wanne wurde mit 3:0 abgehängt. Bis zur Pause stand das Treffen noch 2:0. Dann konnte in der zweiten Svielhälfte noch ein Tor geholt werden. Wanne— Eickel 1:1(0:1). Das, was wir in der Vorschau bemerkten, ist auch eingetreten: Ein ziemlich gleichwertiHladbeck=Zweckel— Sladbeck=Brauck 5:2(2:1). Gladbeck=Zweckel Turnerinnen— Rasensport Dorsten Turnerinnen 0:0. Aus dem Fußballager Der Bezirksmeister fertigte Herten mit 2:0 ab. GladbeckZweckel bereitete den Sportfreunden von Bottrop Abfuhr 8:0. Holsterhausen wurde von den Tabellenletzten Hervest=Dorsten mit 4:2 abgefertigt, während es Recklinghausen=Suderwich verstand, den Esselern ein Paroli zu bieten mit 1:1. Grünweiß Eickel vermochte den Freien Turnern aus Eickel nichts anhaben. 5:1 war das Resultat. Gesellschaftsspiele. Eintracht mußte sich wiederum den Freiheitlern von Gelsenkirchen beugen 5:0. Rapen war es auf eignen Platz ebenso nicht vergönnt, sich gegen Buer=Resse durchzusetzen, 5:2 lautete hier das Resultat. Sportfreunde, Wanne=West mußte sich anstrengen, um gegen Vorwärts besrehen zu können, 0:4. Röhlinghausen fertigte Herten mit 2:0 ab. Ein wirklich auf guter Stufe stehendes Spiel, führten beide Mannschaften vor. Bis zur Pause konnte Röhlinghausen 2 Tore holen., der Pause war es keiner Seite vergönnt, sich durchzusetzen. Schiedsrichter gut. Die zwei Mannschaften trennten sich mit 6:2 für Röhlinghausen.„. Peengrschaft Eihel.. Grünweiß Eickel— Freie Turnerschaft Eicel 1:5. Grünweiß mit Ersatz Eickel komplett. Bis zur Pause stellten die das Resultat auf 2:1 für die Freien Tggeg„ In der zweiten Spielhälfte ein tolles Hin und Her. Die. Froig Turner sind glücklicher und können noch 2 Tore in rurzen Abständen holen. Die 2. Mannschaften trennten sich mit 5:1 für Grünweiß. Hier war das Resultot guengße gaztg mit g. Gladbeck=Zweckel verstand es Sportfreunoe Volkkop mir 8: 9 abzuhängen. Die Verlegenheit der Gladbecker war nach der Pause noch stärker als vorher. Sportfreunde wurde vollends eingeschnürt. Gladbeck=Zweckel stellt hiermit den zukünftigen Gruppenmeister der Gladbecker Gruppe. Sportfreunde Holsterhausen mußte sich von dem letzten Hervest=Dorsten mit 4:2 schlagen lassen. Konnte sich auch Sportfreunde bis zur Pause halten, so war es in der zweiten Halbzeit um dieselben geschehen. Recklinghausen=Suderwich— Titania Essel 1:1(0: 1). Sonderbare Resultate bringt uns die Vestische Gruppe. Recklinghausen konnte sich gegen Essel halten. Gesellschaftsspiele. * F r e i h e i t G e l s e n k i r c h e n k o n n t e a u c h i n d e m z w e i t e n T r e f f e n Eintracht Gelsenkirchen mit 5:0 überfahren. Dem Spielverlauf nach sollte den Eintrachtlern etwas zu gönnen gewesen Schwarzweiß Rapen— Buer=Resse 2 Gladbeck=Zweckel 15— Buer=Scholven (1: 3). 3: 0. Ergebnisse aus dem westdeutschen Kreisgebiet Gesci die scäice siche Keines ch Dortmunder Bezirk: Aplerbeck gegen Borussia Hagen 9:0; Berghosen gegen Freiheitehagen 3:1. gand S.2. Mäl. Kölner Bezirk: Borusia Köln gegen#tggf af 7.s. heim gegen Godesberg 2:2. Köln=Nord gegen Koln 93 1:3; Poll gegen Lindental 4:1; Flittard 0:1; Braunsfeld gege Köttingen 5:3; Roisdorf gegen Riehl 4:3; Brück, gegen Wesseling 3:0; Berg.=Gladbeck gegen Schlebusch 7:0; Hoyengegen Köln=Süd 4:2; Dellbrück gegen Niehl 96 2: 3. Vereinsmitteilungen sen sämtliche Vorstandsmitglieder erscheinen. sen famtriche Vorstandrin.gkrer 16Peklen. Aus dem Betrieb der Arbeiter Jurn- und Sportschufe 9 Die Bundesschule des Arbeiter=Turn= und Sportbundes in Leipzig unterhält neben den ordentlichen Lehrgängen Versuchsklassen, die durchaus nicht aus ausgesuchten Leuten zusammengestellt sind. Zur Teilnahme in den Versuchsklassen werden keine besonderen Bedingungen auferlegt. Das würde dem Sinn der Klassen widersprechen. Die Teilnehmer sind ordentliche Mitglieder aus den Arbeiter=Turn= und Sportvereinen Leipzigs und seiner Umgebung. Versuchsklassen bestehen für die bedeutendsten Arten der Leibesübungen, wie Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Fußball und Handball und okmmen einmal wöchentlich abends in der Bundesschule zusammen. Das Arbeitsgebiet der Versuchsklassen erstreckt sich auf das Erproben praktischer Lehr= und Uebungsmethoden und Systeme. Daneben geht einher die persönliche, körperliche und geistige Schulung und Bildung des Teilnehmers, mit dem Ziel, ihn zu befähigen als Uebungsleiter, oder Uebungsvorbild in seinem Verein tätig zu sein. Nur wer sich verpflichtet, das Gelernte in seinem Verein weiterzuverbreiten durch entsprechende Mitarbeit, kann Mitglied der Versuchsklasse sein. Entsprechende Kontroll= maßnahmen sind eingeführt. — — — Unn Aen AAphllerbunderglonae Vorrundenspielen Selten haben die Vorrundenspiele um den Pokal des Deutschen Fußballbundes einen so spannenden Verlauf genommen, wie am Sonntag. In allen Treffen wurde der Sieger erst in der Verlängerung ermittelt. Westdeutschland schlug in Dortmund die Berliner Mannschaft in der 115. Minute mit 4: 3, nachdem sie zur regulären Spielzeit 3:3 und zur Halbzeit 1:1 gespielt hatten. Mit dem gleichen Ergebnis triumphierte Südostdeutschland in Königsberg über den Baltenverband. Auch hier lautete nach 90 Minuten der Stand 3:3, während zur Halbzeit die südostdeutschen Vertreter 1:0 in Führung waren. Mitteldeutschland glückte es in Chemnitz nur knapp über den Pokalverteidiger Norddeutschland mit 5:4 fiegreich zu bleiben. Die Norddeutschen lagen bis zur Pause noch groß 3:2 in Front, doch nach Ablauf der zweiten Spielhälfte wurde beim Stande von 4:4 die Verlängerung notwendig. Für die Zwischenrunde, die zu Beginn des nächsten Jahres ausgespielt wird, sind daher Westdeutschland, Mitteldeutschland und Südostdeutschland, sowie der bei der Vorrunde spielfreie Süddeutsche teilnahmeberechtigt. Meter langen Runde des über insgesamt 100 Kilometer führenden Rennens ersolgte eine Punkwertung. Sieger. blieh, der Stsliener Piemontesi mit 37 Punkten in der ausgezeinrz von 2,30,40. Eine große Ueberraschung bedeutete der zweite Platz des Westfalen Stübecke, der mit 25 Punkten Weltmeister Binda, der nur 13 Punkte erzielt hatte, auf den dritten Platz verweisen konnte. Boxring 27 Dortmund unterliegt gegen Nolizei Bockum Ser West schlägt Berlin nach Verlängerung 4:3— Ein glücklicher, aber verdienter Sieg- Schwacke Zeistungen Verstoßes gegen die AmatGuter Besuch.— Keine besonderen Leistungen.— 9:7 Punkte. Im Dortmunder Börsensaal hatte am Freitag abend die Kampfstaffel von Boxring 27 die Amateurboxer des Bochumer Polizeisportvereins zu Gast. Die Gäste enttäuschten nicht und kamen zu einem verdienten Sieg von 9:7 Punkten. Allerdings konnten die gebotenen Leistungen nicht ganz zufriedenstellen, so enttäuschten vor allem die Kämpfe in den unteren Gewichtsklassen. Der Besuch war gut, so daß der Veranstalter auf seine Kosten gekommen sein dürfte. Zum Bundespokal=Vorrundenspiel zwischen Westdeutschland und Brandenburg am Sonntag in der Dortmunder Kampfbahn „Rote Erde“ hatte sich nicht die erwartete Zuschauermenge eingefunden, denn man zählte nur gut 6000 Personen. Auch das Spiel konnte nicht restlos zufriedenstellen, denn die Leistungen erreichten nur selten Niveau. Westdeutschland kam zu einem glücklichen, aber verdienten Sieg von 4:3, der jedoch erst in der Verlängerung errungen wurde. Beide Mannschaften traten nicht in der vorgesehenen AufBuchloh(VfB. Speldorf), Trautwein(Fortuna Düsseldorf), Bünger(VfL. Benrath), Schröder(PfR. Köln), Münzenberg(Alemannia Aachen), Hotze(VfL. Benrath), Albrecht, Reißgen, Hochgesang(alle Fortung Düsseldorf) Euler (Kölner BC.), Straßburger(SpV. Duisburg). Berlin: Streblow(Ost), Windolf(Viktoria), Krause (Wacker), Normann(Viktoria), Schulz(Viktoria), Winkler (Viktoria), Ritter(Preußen), Schulz(Preußen), Sienholz W. (Viktoria), Brink(Preußen), Raue(Bewag). In der 11. Minute war Westdeutschlands Angriff von Erfolg. Münzenberg ließ einen Weitschuß los, den Streblow nur abwehren konnte und Euler war zur Stelle, um einzuschießen. Dann folgten wieder ein paar gute Chancen für die deutschen, doch immer wieder konnte die Gefahr abgewandt werden. Buchloh zeigte sich dann mehrfach als Meister seines Faches. Ein wunderschöner Vorstoß des besten westdeutschen Stürmers Albrecht brachte nichts ein. Streblor mal bedenkliche Schwächen bei der Abwehr und hatte viel Glück. Nachdem Reißgen ein fast sicheres Tor durch Zaudern ausgelassen hatte, kam Berlin zwei Minuten vor der Pause zum gleich. Der Halblinke Brink war der Torschütze, der aus Die zweite Halbzeit sah Wesdeutschland sofort wieder vor des Gegners Tor, doch Euler, Albrecht(durch zweifelhaftes Abseits!) und Hochgesang lassen kurz hintereinander günstige Gelegenheiten vorübergehen. In der neunten Minute fiel dann der zweite Treffer für den Westen. Albrecht gab den Ball gut vor, doch Hochgesang und Euler verpaßten, aber Straßburger stand günstig und köpfte ein. Die Westdeutschen blieben im Angriff, erzielten einige Ecken und in der 12. Minute sogar ein drittes Tor. Ein Schuß von Reißgen wurde Hochgesang fand in täuschender Manier das Netz und Streblow war wiederum geschlagen. Die Berliner hatten bange Minuten zu überstehen, doch nach ungefähr einer Viertelstunde Spielzeit machten sie sich frei und in der 19. Minute hatte der Halbrechte Schulz ein Tor aufgeholt. Ritter gab den Ball gut vor, Sienholz verlängerte zu Schulz, der ungedeckt leicht einsenden konnte. Dieser Treffer ermunterte die Brandenburger sichtlich. De Kampf ging hin und her, wobei beide Torhüter viel einzugreifen hatten. Nachdem ein prachtvoller Flachschuß Albrechts gehalten worden war, machte Berlin einen energischen Gegenangriff, der nach einem Gedränge durch Raue zum ausgleichenden Treffer führte. Eine Verlängerung rückte damit in bedrohliche Nähe und wurde denn auch zur Tatsache. In der ersten Spielzei bleibt der Kampf unentschieden, so daß wiederum mit 333 die Seiten gewechselt werden. Westdeutschland erzielte zunächst einige Ecken, die aber nichts einbrachten. Aber die 9. brachte das Verhängnis für Berlin. Münzenberg legte den Ball auf freien Raum vor, Euler stand ungedeckt und sandte entschlossen unhaltbar ein. Damit war der Kampf entschieden, denn in den noch zu spielenden sechs Vinuzgr, grgab, stch. Berlin keine Gelegenheit, noch einmal den Greichstund zu erWestdeutschland bot meist das reifere und technisch bessere Spiel, dem die Berliner nur mit voller Energie begegnen konnten. wegen Vorzugen geveut ver umueurbeftimmungeg jegr gücheh bezirk für weitere Spiele gesperrt wurde, wird sich### auch die Spruchkammer des Westdeutschen Spiel=Verbandes mit gelegenheit befassen müssen und Sülz 07 dürfte damit das gleiche Schicksal wie Schalle und M.=Gladbach treffen. rutsborkämpfe Auch die westdeutschen Kandballer siegreich West schlägt Süd in Trier 3:0(1:0) Die repräsentative Freundschaftsbegegnung zwischen den Handballern von Süd= und Westdeutschland kam nun nach mehrfachen Verlegungen am Sonntag im Trierer Stadion zu. Burchichrng Die westdeutsche Mannschaft hatte keinen Versager. Besonders gut arbeitete der Sturm, in dem der Aachener Vossenkaul die beste Rolle spielte und auch für die Tore in erster Linie verantwortlich zeichnet. In der Läuferreihe war Witte unstreitig der bessere, während die Hintermannschaft sich ihrer Aufgabe bestens entledigte. Der Süden dagegen hatte nur einen überragenden Spieler und zwar den Schwanheimer Hüter Bender. Ihm verdanken sie in erster Linie das knappe Resultat. wurden am Freitag in Deutschland an drei Orten durchgeführt. Im Berliner Ständigen Ring debutierte Dübbers als Leichtgewichtler und schlug Ulrich(Hamburg) klar nach Punkten. Seine erste Niederlage in Deutschland bezog der Belgier Lemajeur durch den versprechenden Hannoveraner Schiller.— In Mainz errang Exmeister Hein Domgörgen gegen Geeraerts (Belgien) nur einen verdienten Punktsieg und der Europameister der Amateure im Weltergewicht, Besselmann, schlug den Belgier Iloy schon in der ersten Runde k. o.; ein guter Anfang für den neugebackenen Professional. In Hannover konnte man mit dem Schiedsgericht nicht ganz zufrieden sein, das gerade in den beiden Hauptkämpfen versagte. Der Lokalmatador Trollmann hatte gegen Hölzl(Hamm) einen knappen Punktsieg verdient, erhielt aber nur Unentschieden. Auch der Sieg von Heise(Hannover) über den Elberfelder Hinz nach Punkten entsprach nicht dem Kampfverlauf. Kohensuburg=Rundstrecken: Rennen 1930 Als letztes großes motorsportliches Ereignis wurde am Sonntag durch den Gau V(Westfalen=Lippe) im A. D. A. C. das traditionelle Hohensyburg=Rennen auf der fünfmal zu durchfahrenden 15 Km. langen Strecke zur Durchführung gebracht. Etwa 100000 Zuschauer umsäumten die Rennstrecke. Für die Schwierigkeit des Weges spricht die Tatsache, daß von 31 gestarteten Lizenzfahrern nur 13 das Ziel erreichten. Auch bei den Ausweisfahrern bewältigten von 61 Startenden nur 35 den vorgeschriebenen Weg. Die beste Zeit des Tages bei den Sportwagen erzielte Lewer=Dresden auf Bugati mit Kompressort mit 44,06 und einem Durchschnitt von 100,6 Std. Km., während bei den Motorradfahrern der Düsseldorfer Kürten auf Tornax mit Beiwagen mit 45,15 und einem Stundenmittel von 98 Km. der erfolgreichste Fahrer war. Stübecke vor Weltmeilter Binda Auf einer Rundstrecke in den Straßen von Mailand wurde am Sonntag unter starker deutscher Beteiligung das italenische Kriterium der Asse zum Austrag gebracht. Nach jeder 1400 Subille bleibt Europameilter Im Herausforderungskampf um die Europameisterschaft im Leichtgewicht standen sich am Samstag abend in Lüttich der Titelverteidiger Sybille(Belgien) und der französische Herausforderer Vuillamy gegenüber. Nach einem überaus interessanten Gefecht, das über die volle Distanz ging, konnte der Europameister Sybille einen klaren Punktsieg davontragen und somit seine Meisterwürde siegreich verteidigen. v. Porath disqualitiziert Ein Zwischenfall, wie er in der Geschichte des Boxsportes Ein Zwischenfall, wie er in der Geschicht nicht oft vorkommt, ereignete sich am Freitag in Chicago im Boxkampf zwischen dem Norweger Otto v. Porath und dem Amerikaner Snyder. Der schon von Beginn an stark überlegene Norweger überhörte wohl in seinem Kampfeseifer den Gongschlag der ersten Runde und schlug weiter auf seinen Gegner ein, bis dieser zusammenbrach. Der Ringrichter mußte daraufhin den überraschten v. Porath disqualifizieren und Snyder zum Sieger erklären. bestdeutsche Fußéalliste Sonderklasse Ruhe-Bezick Schalke 04— Schalke 96 3•0. MBV. Linden— Essen 99 4:1. Alemannia Dortmund— Germania Bochum ausgefallen. HorstEmscher— Sportfreunde Essen 0:2. Union Gelsentirchen— Gelsenkirchen 07 3•2. Tus. Bochum— Essen— Tus. Werne 5:2. Germania Herne Sportfreunde Dortmund 7•0(6:0). Castrop 02— Rot=Weiß Et Scaatenl Soukunp Geieneum=Wägeiter Eine ausverkaufte Westsalenkalle- Wagener gibt nach mörderischem Rampl in der 10. Runde auf Essen 1:2(0:1). Arminia Marten— Alemannia Dortmund 2:2. Wetfalen=Bepieg;: ,. Luur a. 8 Bielefeld— Unna 08 6:2. Paberdoln 08— SuS. Ahlen 3:1(1:1). Westfalia Ahlen— Bielefeld 06/07 0:2. Union Herford— Spög. Hamm 4.2. Bf8. Osnabric, ng., Kirterig Recklinghausen 1:2. SpVg. Herten— Preußen Munster 2#0. Union Recklinghausen— Borussia Rheine 1:2. Münster 08 Westfalia Herne 4:6. Südwestfalen=Bezirk: Hagen 05— Hüsten 09 3:5. Germania Mudersbach— SC. Lichtenplatz 0:3. Jahn Werdohl— Hagen 11 2:3. Sportfreunde Siegen— Gevelsberg 08 2:3. Rhein=Bezirk: Tura Bonn— Vingst 05 2:2. SpV. Rheydt— SC. M.= Gladbach 3:2. Grün=Weiß Viersen— Sülz 07 1:0. Rhenania Köln— Viktoria Rheydt 311. SV. Mülheim— BfR. Köln 1: Borussia M.=Gladbach— SpVg. Waldhausen 211. Odenkirchen 05/07— SC. Düren 03 2:0. Schalke entwickelte sich gegen Köln=Sülz. Nachdem der bestbezahlteste Spieler, der Wiener Ferdl Swatosch, von der Sp. Vag. Sülg 07 mäßig gering. Nach der ersten überfüllten Radsaisoneröffnung nun auch am ersten Boxkampftag eine volle Westfalenhalle. Die Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten. Der Hauptkampf um Deutschlands Schwergewichtsmeisterschaft nahm einen äußerst dramutischer Verlauf. So etwas hat die Halle in den Jahren ihres Bestehens kaum erlebt. Der Unterlegene Rudi Wagener besten Kämpfe seiner Laufbahn. Er gab auf, weil sich sein linkes Auge total geschlossen hatte. Zum Meisterschaftskampf um die Schwergewichtsmeisterschaft bringt Schönrath=Krefeld, der Titelhalter, 1781 Pfd. und Rudi Wagener=Duisburg 183,2 Pfd. in den Ring. Der Kampf geht über 12 Runden. Als Chefsekundant sieht man in Schönraths Ecke den Neger Larry Gains. Atemlose Stille als sich die Handschuhe kreuzen. Wagener scheint ruhiger als sonst. Ein erbittertes Ringen hebt an. Die 3. Runde bringt heftigen Schlagwechsel und dramatische Situationen. Wagener landet die Rechte gut, während Schönraty grobschlächtiger drauflos stürmt. Schönraths rechter Augenbogen ist klaffend aufgeschlagen. Wagener ist an der Nase verletzt. Sein Gegner landet durchweg härter. Bis zur 5. Runde ist der Kampf noch offen. Wagener erhält eine Verwarnung wegen Haltens. Kurz darauf ereilt Schönrath dasselbe Schicksal, weil er den Gegner in den Schwitzkasten nimmt. Erbitterte Schlagwechsel und Konterstöße folgen. Auch Wageners linkes Auge hat sich überm Wangenbogen geöffnet. Dann ereignet sich eine Boxdramatik, wie sie die Halle noch nicht gesehen hat. Ein Wassereimer fliegt. Die Halle tobt. Ein Schlachten ist's. Auf einen Kopftreffer hin muß der Krefelder bis 9 zu Boden. Kurz darauf landet Schönrath einen Magentreffer, der 9 auf die Bretter zwingt. Weiter geht die Schlacht. Bei Rundenschluß wanken beide zu ihren Ecken. Gleich sind sie dann wieder aneinander. Wagener liefert einen der größten Kämpfe seiner Laufbahn. In der 10. Runde gibt dann Wagener urplötzlich den Kampf auf, weil er auf dem linken Auge nichts mehr sehen kann. Der Beifall für Schönrath ist verhältnisIm Einleitungstreffen stoßen der deutsche Meister im Bantamgewicht Psitzner(109,3 Pfd.) und der Belgier Fiéoez aufeinander. Fiéoez besticht durch exakte Arbeit mit langen Geraden und liegt dauernd am Gegner. In der 3. Runde landet Psitzner jedoch mit guten rechts=linken Kopftreffern. Im Wahlkampf vermag der Deutsche kaum etwas anzubringen, dagegen hat er auf die Distanz geringen Vorteile. Das Punktegericht kündet nach 6 Runden ein gerechtes Unentschieden. Von Beifall begrüßt klettern Neusel=Bochum(169,1 Pfd.) und Schemann=Dortmund(187,1 Pfd.) durch die Seile. In der 1. Runde versagt der Dortmunder in jeder Hinsicht. Freistehend, ohne jede boxerische Kunst, fängt er sich eine Unmasse Treffer. Das verkörperte„Ungeschick" im Ring. Schemann weiß mit seinem Gegner überhaupt nichts anzufangen. In der 5. Runde ist er so zerschlagen, daß lebhafter Protest im Publikum laut wird. Auf die Rufe„Abbrechen“ wirft Schemanns Sekundant das Tuch in den Ring. Sieger Neusel durch Aufgabe. Eder=Dortmund(130,2 Pfd.) trifft alsdann auf Barbotteux=Frankreich(132,2 Pfd.). Zwei ausgesprochene Fighter im Ring. Barbotteux ist Wiesers Besieger von Paris. Flink mit heftigen Schlagwechseln arbeitet Eder zunächst ein klares Punktplus heraus. Der Franzose erhält zwei Verwarnungen wegen Abklemmens; dennoch ist er der schönste Kampf des Abends. Schlagwechsel folgt auf Schlagwechsel, bei denen Eder durchweg besser abschneidet. In der letzten 8. Runde wartet Eder geradezu mit Glanzleistungen auf, ohne jedoch dem Franzosen, der stark einstecken kann, ernstlich in Gefahr des K. o zu bringen. Verdienter hoher Punktsieger bleibt Eder. Zum Schlußkampf trat der deutsche Mittelgewichtsmeister Erich Tobeck=Breslau(144,2) gegen den Italiener Orlandi Leopardi(149,2) an. Tobeck ging von Beginn auf k. o. aus, schlug aber zu ungenau, zumal Leopardi sehr gut deckte. Tobeck sammelte aber in allen Runden Punkte und wurde damit verdienter Sieger. 0 9 Zweites Blatt Montag, den 13. Oktober 1930 Siaet Willen Die Stadt muß„sparen“ In den letzten Tagen erhielten die Vorstände der Wohlfahrtsorganisationen, der Kultur= und Jugendverbände usw. vom Magistrat die Mitteilung, daß die ihnen anläßlich der Beratung des Haushaltsplanes vom Stadtverordnetenkollegium bewilligten Zuschüsse und Subventionen bis auf weiteres nicht zur Auszahlung gelangen werden. Begründet wird diese Maßnahme mit dem Darniederliegen der Wirtschaft und dem Mangel an städtischen Mitteln. Es muß also„gespart“ werden. Selbstverständlich wieder an falscher Stelle. Denn durch das Einstellen der Zahlung von Subventionen an die genannten gemeinnützigen Vereinigungen werden diese in ihrer Tätigkeit lahmgelegt. Den Nachteil haben nicht nur die Kreise, in deren Interesse die gemeinnützige Tätigkeit enthaltet wird, sondern auch das Volksganze. Man bedenke nur, welch unübersehbare Folgen beispielsweise die Einschränkung oder gar die gänzliche Einstellung der Hauspflege durch die Karitasverbände, besonders durch die Arbeiterwohlfahrt, nach sich ziehen kann. Gerade deshalb, weil die Not einen noch nie vorher gekannten großen Umfang angenommen hat, ist die Tätigkeit dieser Organisationen unentbehrlich und müßte mit allen Mitteln und unter allen Umständen gefördert und unterstützt werden. Die Stadt ist aber gegenteiliger Ansicht und „spart“. Es gehört keine besondere Verwaltungskunst dazu, bureaukratisch zu erklären, daß die Mittel erschöpft sind und deshallb keine Zahlungen mehr geleistet werden können. Das ist Verwaltungsarbeit subalterner Beamten, die ohne jeden schöpferischen Geist einfach das ihnen übertragene Pensum mechanisch aufarbeiten— und dann am Federhalter kauen, bis ihnen wieder ein neues Pensum übertragen wird. Wir sind der Ansicht, daß die Bevölkerung berechtigt ist, zu verlangen, daß auch alle Glieder der Verwaltung verpflichtet sind, ihren Gehirnkasten ein wenig zu strapazieren, nachzudenken— nicht nur mit dem Gehirn, sondern auch mit dem Herzen. Wir wetten Hundert gegen Eins, daß die relativ wenigen Mittel, für die Weiterzahlung der bereits bewilligten Zuschüsse an die oben erwähnten gemeinnützigen Organisationen an anderer Stelle mit Leichtigkeit„eingespart“ werden könnten. Es muß uns wundern, daß man in dieser Notzeit den Mut aufbringt, einen so großen Teil der Bevölkerung einfach der Verzweiflung zu überlassen, indem man erklärt, es gibt nichts mehr, es ist nichts mehr da! Eine solche Art der„Verwaltung“ ist zwar bequem, aber gleichzeitig lieblos und beweist eine erschreckende Gedankenarmut. Man könnte allerdings nun einwenden, daß das Kritisieren über diese Verwaltungsmaßnahme leicht sei, aber schwieriger wäre es, einen gangbaren Weg zu zeigen, wie man es besser machen könnte. Nun, wir wollen auch einen solchen „gangbaren Weg“ andeuten. Im Haushaltsplan ist für „Unterstützungen“, ein Betrag von 10000 Mark eingesetzt. Aus diesem Fonds haben in diesem Jahre verschiedene Beamte Beträge bis zu 300 Mark erhalten! Wir sind nicht geschmacklos genug, diesen Beamten ihre„hohen Gehälter" zum Vorwurf zu machen, wir sind aber aufrichtig genug zu sagen, daß kein einziger dieser Beamten für eine Unterstützung bedürftig war. Es wäre auch sonderbar, wenn Leute, die sich seit Jahren in gesicherter Stellung befinden und ein Einkommen beziehen, das weit über dem Durchschnitt des größten Teils ihrer Mitbürger liegt, in unverschuldete Not geraten würden, so daß sie unterstützt werden müßten. Und wenn wir feststellen, daß sich unter diesen Beamten noch Leute befinden, die außer ihrem Gehalt noch besondere Zulagen beziehen, dann kann schon ganz und gar nicht von einer Not die Rede sein, die einer Unterstützung bedarf. Die Herren erhielten auch die Unterstützungen nicht deshalb, weil bei ihnen ein besonderer Notstand zu beheben war, sondern für Ferienreisen! Wir wollen die Gedanken, die uns beim Niederschreiben dieser Tatsache aufsteigen, nicht weiter ausspinnen, sondern schlicht und einfach die Frage stellen, ob in einer solch furchtbaren Krisenzeit die Gewährung von Mitteln an städtische Beamte für Ferienreisen nicht helle Empörung hervorrufen muß! Dabei wollen wir gar nicht feststellen, in welchen persönlichen Verhältnissen sich die betreffenden Herren befinden, die zum Nehmen stets eine offene Hand haben. O ja, es gibt schon noch Mittel und Wege, um der Not zu begegnen, es gibt schon noch Stellen, wo Ueberflüssiges zurückgestellt und eingespart werden könnte, um mehr Bewegungsfreiheit für soziales Wirken in der Verwaltung zu erlangen. Der Zweck der Verwaltung einer Stadt ist doch am Ende nicht bloß der, Schriftstücke zu erledigen oder deren Erledigung, wenn sie besondere Kopfschmerzen macht, durch„Liegenlassen“ heranreifen zu lassen, auch nicht bloß Rechnungen aufzustellen und zu prüsen, sondern mit Herz und Hirn alles zu tun, was den ideellen, materiellen und kulturellen Bedürfnissen der Mitbürger förderlich ist. Wir hoffen und wünschen, daß die Stadtverordneten in dieser Beziehung einmal ein ernstes und gewichtiges Wort sprechen werden. Sie müssen zum Ausdruck bringen, daß wir von der Stadtverwaltung weniger die mechanische„Erledigung der Geschäfte“, sondern mehr Denkarbeit verlangen. Bei einigem Nachdenken werden auch die„Maßgebenden“ in der Stadtverwaltung zu dem Resultat kommen müssen, daß bei solchen sozialen und kulturellen Ausgaben, wie es die ohnehin geringen Ausgaben für die Karitas= und Kulturorganisationen sind, nichts eingespart werden kann und auch nichts eingespart werden darf! Auch ein Beitrag zur Arbeitszeitfrage. Die„Deutsche Musikerzeitung", das Organ des Deutschen Musikerverbandes, erörterte in ihrer Nummer vom 4. Oktober an leitender Stelle das Kapitel Doppelverdiener— Doppelberufler in sehr sachgemäßer Weise.„Die Arbeitszeitfrage“, so heißt es in dem Artikel,„hat gerade durch die Rationalisierung jetzt eine ganz besondere Bedeutung erlangt. Weder Unternehmertum noch Regierungen werden auf die Dauer einem Eingehen auf die Forderungen der Gewerkschaften ausweichen können. Damit wird aber eine andere Frage aufgerollt, der man bisher fast allgemein nur wenig Beachtung schenkte, oder besser vielleicht, der man gern aus dem Wege ging, weil es gar zu sehr nach heißem Eisen roch. Es muß aber einmal offen ausgesprochen werden: Was nützt eine Verkürzung der Arbeitszeit wenn es # gelassen wird, daß der Arbeitnehmer die durch Verkürzung seiner Arbeitszeit erlangte Freizeit dazu benutzt, um anderweitig noch einmal ein volles Arbeitspensum zu erledigen? Es hieße doch den Zweck und Sinn des erstrebten Zieles in das senteil verkehren, wenn eine derartige Handhabung rechtlich gebilligt würde. Ist es jedem Unternehmer gestattet, eine Arbeitskraft zu verwenden, die anderweitig bereits im Rahmen der geforderten gesetzlichen Vorschriften oder zu treffender Vereinbarungen voll in Anspruch genommen ist, dann müßte dies unbedingt zu einer noch weiteren Verschärfung der Arbeitslosigkeit, aber auch zu stärtster Ausbeutung menschlicher Arbeitskräfte führen. Es darf aber auch dem Arbeitnehmer selbst nicht gestattet sein, sich in fremden Diensten doppelt zu betätigen. Der Egoismus, der keine Rücksicht auf den eigenen Körper und die eigene Gesundheit kennt, ist nicht mit Mahnungen und Vorhaltungen auszurotten. Müssen schon Strafbestimmungen zur Innehaltung festgesetzter Höchstarbeitszeiten getroffen werden— und das ist nun einmal notwendig—, dann wäre es ganz bestimmt nicht angebracht, den gegen solche Bestimmungen ohne Not verstoßenden Arbeitnehmer freizulassen. Der hier offen ausgesprochene Grundgedanke entspringt einer gesunden Auffassung, die sich auch mit den Gedurchaus vereinbaren Bettstelle aus 40] Bettstellem Fußstarkem Rohr, mit au)““ brett u gut Patentsolidem Federboden,### matratze, 90X190 90X190 cm..... 1 cm, sehr billig.. Alsberg& Blank Witten am Markt 1168 Uebertragbare Krankheiten. Im Stadtbezirk Witten sind nachstehende Erkrankungen übertragbarer Krankheiten in der Zeit vom 30. August bis 3. Oktober amtlich festgestellt worden. Die eingeklammerten Zahlen geben die entsprechenden Zahlen vom 2. bis 29. August 1930 an: Lungen= und Kehlkopftuberkulose 3(4), Scharlach 14(4), Diphtherie 8(12), Ruhr 2(1), Genickstarre 1(1), Kindbettfieber 1(2), Paratyphus 2(3). Gestorben sind in dem entsprechenden Zeitraum an: Lungenund Kehlkopftuberkulose 1(2), Diphtherie 1(0), Genickstarre 1(0), Kindbettfieber 2(1). Bildungsverein Witten. Zum Vortragsprogramm über das Bild der Gegenwart teilt der Bildungsverein noch mit, daß für die Darlegung der Einzelteile des Gegenwartsbildes berufene Fachleute gewonnen wurden. Dem Kampf des deutschen Volkes um seine Volksgenossen im Grenzland, jenem erbittertsten Teil aus dem europäischen Streit um das Selbstbestimmungsrecht der Völker, gilt ein Lichtbildervortrag von Fräulein Zillessen(Bautzen) über„Schlesien". Waldemar Gurrian der in Petersburg geborene, von den Russen wegen seiner Deutschfreundlichkeit vertriebene Philosoph, wird in seinem Vortrag„Das moderne Rußland“ den Einfluß slavischen Denkens und Fühlens in Europa dartun. In die moderne Dichtung führt zunächst ein Dichter ein: Herbert Eulenberg der noch vor kurzer Zeit begeistert von Witten und seiner Freilichtbühne schrieb. Eulenberg liest aus eigenen Dichtungen, die in der Gesamterscheinung der modernen Literatur einen beachtlichen Rang einnehmen.„Der Mensch im Drama des letzten Jahrzehnts“ ist das Thema eines Vortrages, in dem Dr. Konrad Maria Krug die dichterische Gestaltung zeitgebundener Lebensgestaltungsform aus reichen Rezitationen sprechen lassen wird. Neuzeitlicher Lyrik und Balladik dient ein Rezitationsabend von Frau R. Kloppenburg, die als meisterliche Sprecherin weithin bekannt ist. Mehrere Abende sind dem musikalischen Schaffen der Neuzeit gewidmet. Zunächst spricht Dr. Zeller(Dortmund) über„Richard Strauß". Dr. Zeller wird am Schaffen von Richard Strauß den Entwicklungsgang der modernen Oper erläutern. Es ist bekannt, daß Dr. Zeller ein markanter Interpret seiner Theorien am Flügel ist. Frau Dr. Heinemann(Wetter) macht ihre Gesangskunst zum Zeugen moderner Liedkomposition und im März wird dann mit Robert Ruthenfranz(Witten), ein junger, einheimischer Komponist, vom Schaffen der jungen Musikergeneration Zeugnis geben. Mit der Welt der darstellenden Kunst der Gegenwart sollen ausgewählte Filme, Theatervorstellungen einer guten Bühne und ein Abend von Gerhards Marionettentheater vertraut machen. Diese zielbewußt angelegte Führung in das Weltbild der Gegenwart, bei der auch der leichten Muse ein billiger Raum zugestanden ist, wird allen Mitgliedern des Bildungsvereins Gelegenheit geben, sich über das Ringen unserer Tage zu unterrichten. Stadtteil Bommern Aus dem Gesundheitsamt. Die Sprechstunde der Säuglings= und Kleinkinderfürsorge in Bommern findet am Dienstag, dem 10. Oktober 1930, nachmittags von 4 bis 5 Uhr, bei Herrn Dr. Meyer, Elberfelder Straße, statt. Staôtteil Annen Tödlicher Unglücksfall. Auf der Zeche Borussia“ in Oespel stürzte beim Schichtwechsel der Bergmann Otto Brensel, wohnhaft Annener Berg 13, so unglücklich in einen Stapel(Aufbruch), daß er sich so schwere innerliche Verletzungen zuzog, an denen er kurz nach der Einlieferung ins Bergmannsheil in Bochum verstarb. Der Verstorbene hinterläßt Frau und zwei unversorgte Kinder. Das Ende der früheren Zeche„Bergmann" und„Vorbachtal“ abermals besiegelt. Verschiedentlich haben vor stark einem Jahre mehrere schweizerische Firmen versucht, die frühere Zeche „Bergmann“ und auch die Nebenanlage„Vorbachta!“ wieder in Betrieb zu bringen und hatten bereits über 60 Arbeiter bei einer sehr guten Lieferquote beschäftigt. Plötzlich gerieten die Firmen, wie es in diesem Betriebe schon sehr häufig der Fall war, in Zahlungsschwierigkeiten und die beschäftigten Arbeiter und Angestellten hatten wieder das Nachsehen. Auf Anordnung des Wittener Amtsgerichts werden Mitte dieser Woche die gesamten Maschinenanlagen und alle übrigen Anlagen öffentlich versteigert. Die Verbandsleitungen haben für die geschädigten Arbeiter ihre Lohnforderungen geltend gemacht. Hoffentlich mit Erfolg. Herestnere. In London beispielsweise gilt er als Landplage, der Nebel, als verhaßte Wetterunbill, die den Verkehr hemmt und die Sicherheit des Passanten beeinträchtigt. Das macht, man hat ihn dort, sozusagen, alle Tage und er ist eine ständige Einrichtung. Hierzulande ist er schon erheblich seltener, wenigstens der dichte Nebel, jener, unter dessen Regie man„die Hand vor den Augen nicht sieht“, und er wird deshalb weniger unter dem Gesichtswinkel des Verkehrshemmnisses als unter dem einer eigenartigen Naturerscheinung betrachtet. Es ist auch schon eine phantastische Sache um einen echten, rechten, mit dem Messer zu durchschneidenden Nebel. Das Gefühl der Verbundenheit mit der Umwelt ist gelöst. Ueber die Menschen, die vor kurzem noch einer den anderen sahen, ist ein undurchdringlicher Schleier gebreitet. Jeder einzelne ist eine Insel geworden, ringsum isoliert, abgeschlossen gegen jede andere Insel. Die Straße, eben noch ein einheitlicher Begriff, hat ihren Sinn verloren. Sie ist in ihre Bestandteile aufgelöst, in ihre Atome zersplittert. Hin und wieder huschen Gespenster an uns vorüber: einen Augenblick lang ist eine phantastische Menschensilhouette zu erkennen, aber rasch, allzu rasch, sinkt sie wie ein unendliches Meer. im Nebel, aus dem sie aufstieg. wieder unter. Grotesk nehmen sich die Lüster der Straße aus. Die sonst mühelos den Raum zerschneidenden. weithin strahlenden Signale, sind zu Funzeln zusammengeschrumpft. die einen lächerlichen vergeblichen Kampf gegen die Uebermacht der Finsternis führen. Geheimnißreich irrlichtern die Lampen der Straßenbahnen.— Es gib: kein Schön und Häßlich im Nebel, kein Elegant und Dürftig. Aller Welt hängt er sein dunkelgraues Wolkenkleid über. Wetterbericht Das über Mitteleuropa liegende Hochdruckgebiet bietet dem vom Atlantik her vordringenden Tief kräftigen Widerstand. Ein Teiltief hat sich über Südfrankreich entwickelt. Es wird die Witterung in Nordwestdeutschland wieder verschlechterte und zunächst Trübung und Nebel, strichweise auch schon Niederschläge bringen. Heute früh war es in Deutschland meist heiter, vielfach 3 bis 11 Grad. Der Kahle Asten meldet frischen Südwestwind, bedeckten Himmel und 4 Grad. Aussichten bis Montag: Wechselnde Bewölkung, vielfach trübe und neblig, Neigung zu leichten Regenfällen, besonders in Südwestfalen, Temperaturen etwas ansteigend. Bochum Blutiger Streit Ein Musiker schießt auf einen Athleten Auf der Friedenstraße im Griesenbruchviertel gerieten in der Nacht von Freitag auf Samstag, kurz nach Schluß der Polizeistunde, ein Musiker und ein Athlet aus Bochum miteinander in Streit. Im Verlaufe der Auseinandersetzung, die ihren Anfang in einer Wirtschaft genommen hatte, grif der Musiker zur Waffe und brachte seinem Gegner einen Pistolenschuß bei, wodurch derselbe erheblich verletzt wurde. Der Athlet hat einen Schuß in den Oberschenkel erhalten und mußte dem Krankenhause zugeführt werden. Lebensgefahr besteht nicht. Der Täter, dessen Waffe man später auf dem Hose eines Nachbarhauses fand, wurde festgenommen. Leiche auf dem Bahnkörper Vom Zuge überfahren und getötet. Auf dem Bahnkörper der Eisenbahnlinie Bochum—Witten wurde in den Morgenstunden des Samstag ein Arbeiter aus Langendreer tot aufgefunden. Der Tote war von einem Zuge überfahren worden. Ob Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, muß noch festgestellt werden. Arbeiter=Wohlfahrt Arbeiterwohlfahrt, Ortsgruppe Heven. Am Dienstag, dem 14. Oktober, findet die Zusammenkunft der Frauen nach der Nähstunde beim Wirt Rolka statt. Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold, Ortsgruppe Annen. Am Mittwoch, dem 15. Oktober, 20 Uhr: Pflichtabend bei Wösthoff. Briefkasten der Redaktion. August M. Ob wir die Arbeit zum Abdruck bringen können, ist fraglich. Wir müßten sie jedenfalls vorher lesen. Es steht Ihnen frei, sie einzusenden. Heinr. Kr. Bezug nehmen auf Erlaß des Reichsfinanzministers vom 27. 12. 26 unter III E 10050. Ermäßigung für Nachtdienstzulagen nur, wenn die Arbeitszeit über 12 Uhr nachts hinausgeht. Rosa Vl. Die Krankenkasse wird Ihnen bereitwilligst jede Auskunft geben. Erkundigen Sie sich dort. X. Y. 3. Wir sind im Tageskampf so abgehärtet, daß uns Bekenntnisse faschistischer Lausbuben nicht in Gemütserregung versetzen können. Nur immer kommen lassen! Sie haben ja nicht einmal den Mut, Ihre Schmiererei zu unterschreiben! Jugendgenosse Paul K. Vielleicht ist es Dir möglich, in die Geschäftsstelle Johannisstraße Nr. 37(10 bis 12 Uhr) zu kommen. Wieder eine Wette! Es handelt sich immer um die Temperatur im Schatten nach Celsius gemessen. Verantwortlich für Politik, Feuilleton. Lokales. Provinz und Sport: Wilhelm Kalweit; für Gewerkschaftliches Soziales und Genossenschaftliches: Philipp Sommerlad: für den Inseratenteil: Karl Simon. sämtlich in Bochum. Druck und Verlag:&E Graf& Co., Bochum. Hermannshöhe 7. Jede kluge Hausfrau bevorzugt die Geschäfte, die • Westfalia-Rabattmarken 0 ausgeben. Beim Einkauf von 1.- Mark gibt es un Füni„Westialla-Marken“ Der ihrtllerett.,? Pertrnter Ansteckende Krankheiten im Kuhrgebiet Sechs Fälle an Kinderlähmung in Bochum Ueber den Stand der ansteckenden Krankheiten im kohlengebiet in der Zeit vom 31. August bis 27. September 1930(4 Wochen) wird mitgeteilt:„rt Die Zahl der gemeldeten Fälle an Unterleiosryphus hat 70 mit 4 Todesfällen betragen, während im Vormonat nur 20 Erkrankungen mit 3 Todesfällen gemeldet wurden. Von den Erkrankungen entfallen allein 36 auf Dortmund Duisburg=Hamborn und Recklinghausen=Land mit je 9; Dortmund II mit 4; Mülheim=Ruhr mit 3 Erkrankungen. Die Todesfälle treffen mit je 2 auf Dortmund I und sen=Land. An Paratyphus erkrankten im Ruhrkohlengebiet 35 Personen, wovon 11 auf Dortmund I, 6 auf den Ennepe=Ruhrkreis. 5 auf Mülheim=Ruhr treffen. Außer den oben erwähnten Paratyphuserkrankungen sind aus dem kreise Wanne=Eickel 76 Erkrankungen an Fleischvergiftung gemeldet worden. Mit Wahrscheinlichkeit sind die Erkrankungen auf den Genuß von Wurst und gehacktem Fleisch zurückzuführen, das von einem Metzgergesellen, der Bazillenträger war, verarbeitet worden ist.„„ g64 7#ur di, Die Zahl der Erkrankungen an Kuhr yar in der dies maligen Berichtszeit 34 ohn=, Todesfälle, bstug Eien sind9 Erkrankungen, Duisburg=Hamborn 6, aus Gelseneirt Buer 5, aus Bochum=Stadt und Dortmund I je 4 Erkrankune om; 6i, Erkrankungen und 4 Todesfällen an Scharlach im Vormonat stehen diesmal 741 Erkrankungen mit 6 TodesGoscgs Keschie cecans l sceicechneh. Vormonat st etwas gestiegen. Während wir im Monat Augast Vbeonal sd Erkagtungen mit Grighef ler. 3gf Ce. eiesiete Dir: Von den Todeslen ereigeten sich 14 in Bochum, 8 in Gelsenkirchen, je 5 in Essen, Duisburg=Hamborn An Genickstarre kamen 6 Erkrankungen und 3 Todesfälle zur amtlichen Meldung. Die Erkrankungen vesteilegg ich mit 2 auf Duisburg=Hamborn und mit je 1 auf Warken.„ Witten, Essen und Recklinghausen=Stadt. Je 1 Todesfau ist in Witten, Wattenscheid und Castrop=Rauxel gemeldet. Die in dieser Verichtepett entzaller mit g alg Poghu m. se Prasf sKealoehasen Siadt und Vortnags s. Gelsenkirchen=Buer; im ganzen starben 5 Frauen, An, Kindsieber nach Fehlgebur, Frkranrten, u4. 64 Dortmund I und 3 in Dortmund II) und starben 1.### Tuberkulose: Den 315 Erkrankungen und 1#8 Toseit auls Erkantungen mit 190 Todessilen gezeritsergegen. kungr und 2 Toveshlg gfaeferg n### lethargica) ist 1 Erkrankung und 1 Todesfall aus dem Kreis Wattenscheid zur amtlichen Kenntnis gelangt. in licheren Allzemeinerscheinungen rechtzeitig ärstliche, Hüfe Anspruch zu nehmen. Auf der anderen Seite müssen wir in Erkenntnis der möglichen Gefahren, die der Schnupfen in sich birgt, bestrebt sein, sein Auftreten zu verhüten und auch seiner vielmehr schon in der warmen Jahreszeit einsetzen, muß. Sehr wichtig ist vor allem in diesem Zusammenhang zweckmäßige, der Außentemperatur angepaßte Kleidung. Man achte vor allem auf die Vermeidung nasser Füße und sorge für warme, trockene Strümpfe und feste Schuhe mit heilen Sohlen. Wer trotzdem einen Schnupfen bekommen hat, der huste und niese anderen nicht rücksichtslos ins Gesicht. Ganz besonders groß ist diese Gefahr der Ansteckun= in menschenüberfüllten Räumen, insbesondere in Eisenbahn, Straßenbahn und Omnöbrs,„Auch dem Taschentuch gehört zurzeit der Schnupfenfgiler„hesondere Aufmerksamkeit. Durch häufiges, umständliches Enrfalren eine vielfach gebrauchten Taschentuches werden gleichfalls, zumal wenn der entleerte Schleim schon eingetrocngzenan rgg hazer keime in die Luft geschleudert. Sehr empfehlenswer##i# daher die Verwendung von Papiertaschentüchern, die nach mehrmaliger Benutzung fortgeworfen resp. verbrannt werden. Durch zweckmäßiges hygienisches Verhalten kann der eigene Schnupfen meist verhütet, mindestens aber seine Weiterverbreitung, weitgehend verhindert und damit stark eingeschränkt werven die Gefahr der Zeit, da„alles niest“. ••* Ein junges Mädchen wegen einer unbedachten Reußerung dicht am Zuchthaus votbei Bochum, 13. Oktober. Nicht nur Liebe macht blind, viel mehr noch der Haß, und der Haß gegen eine Kollegin hat die jugendlichen Geschwister Hedwig und Maria K. auf die Anklagebank des Bochumer Schwurgerichts gebracht. Da saßen sie nun am Freitag, die beiden jungen Menschenkinder, die in einer Schwuxgerichtsper: handlung im Januar d I. gegen eine Kollegin als Hauptbelastungszeuginnen aufgetreten waren. Sie haben ihr damals, besonders die Hedwig K., eine Zuchthausstrafe gegönnt. att“, so duberte Hieze geuger Schwestern über ikre gehässige Bemerkung. Trotzdem seit, der Aeußerung kaum 10 Minuten vergangen waren bestritter beide, jemals diese Worte ggpracher, z. hoben. Wieviel auf genommen wurden. ihre Schuld ein. Fünf Mochen saten die esoe,„agt zuerg Hedwoig K. ihre Ausager, Sie eit seinen Grund dafür angeben marum se damals unter Eid any Piven v.u gesetanet hat.„prum), die äitere der Schwestern, bleibt auch heute dabei, diese Aeußerung nicht gehört zu haben. Dann wird in die Beweisaufnahme eingetreten. Zeugen marschieren auf, die jene verhängnisvollen Worte gehört haben, aber nicht mit Bestimmtheit angeben können, ob sie von der Hedwig oder von der Maria gesprochen sind. Der Voxsitzende des Schwurgerichts im Januar wird über das Prororou vernommen. Immer klarer stellt sich heraus: jene gehässige Bemerkung ist gemacht worden. Das Schicksal der Angeklagten scheint besiegelt. Nicht aufzuklären ist jedoch, Maria die Aeußerung ihrer Schwester gehört hat. Sicherlich besteht die größte Wahrscheinlichkeit hierfür, ooch infolge der teilweise widersprechenden Zeugenaussagen ist der Beweis nicht Verschiedentlich kommt es zu heftigen Tuseinandersetzungen zwischen dem Vorsitzenden und dem Verteidiger der Angeklag: ten. Es geht manchmal etwas lebhaft zu, doch schließlich ist auch die Beweisaufnahme geschlossen und der Staatsanwalt hat das Wort. Ein Jahr drei Monate Zuchthaus gegen Maria K. und ein Jahr Zuchthaus gegen ihre Schwester Hedwig. Außerdem je drei Jahre Ehrverlust. Der Verteidiger bittet um sprechung der Maria und Verurteilung der Hedwig wegen fahrFast eine Stunde dauert die Veratung, in der über das Schicksal der beiden Angeklaaten entschieden wird. Eine Stunde lang schweben beide in banger Erwartung des Kommenden. Das allein schon ist eine furchtbare Strafe. Dann kehrt das Gericht zurück Während Maria K. sprachen wird verurteilt das Gericht isge,„prestez, Herrig wegen fahrlässigen Falscheides zu einer Gesangnesstruf Anerkennung verdient die öberaus Verbandlungsführung durch den Vorsitzenden, Landgerichtst Vieler. Er bemüht sich nicht nur, alle Belostungs=, sondern auch alle Entlostungsmomente klarzustelleg., Aus der, Begz dung des Urteils ist besonders hervorzuneben, sitzende betonte: Die Zuchthausstrafe ist eine so imnwere Strafe, daß das Gericht sie nur dann in diesem Falle verhängen. nalte wenn 100 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen Peugnigtelen unterbleihen.— Nach der Verkündung des Urteils fiel die Angeklagte H. in Ohnmacht. Nues niest Der Sieg Hitlers und Chälmanns wirkt sich aus! taß bekommen sie h etwas Belangloses, ja Unvermeidliches hinzunehmen. Ist der Vom ärztlichen Standpunkt aus gesehen, stellt der Schuupz sen einen durch bakterielle Einflüsse hervorgernseggn, Ho. der Ralenschleimhaut dor.„gleitzte ier auf bie gase beschränt. und Ohr Krankheitsleine in das letztere verschleppt, urd, eine n de esechlie celeice eche ione 3 Bochum, 13. Oktober. Partei Hiter bot einen Höffnunge auf eine, Besserung geben ebte, vo, votiy geichstag ine Versin eingesagen, den rechten Arm in Hakentreuthaltung nach dem Oooedegsgruß die gommunisten boden Ziese, beiden Parteien Deutschland ales Wahlversprechen, dieser bewen Putienen in Deutschl it einem Souge beyer saden.., Wochen sird verslosen eider September, und was hat sich 12 InnerMa ae cehehsee De einndut Eine Nazi=Romödie am Dortmunder Gericht Verhandlungen gegen Reichstagsabgeordnete sind immer von den guten Wilen des betressenden Reichstagsahgeordne. Die Zwischenzeit von der Reichstagsauflösung bis zum Zusamneuen Reichstages bot den verschiedenen Gerichten nun endlich die seit langem erwünschte Gelegepheit, den nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Jusef Wagner aus Bochum zu verhondztgendweischer bedeutender Perbrschteiten uus Versamilungsredner der RSDAt, oder als Fällen wurde W. von vegstzierenzu., Vauptger hondtung. Iu Dortmund stand am 10. Urover er, 2g.“, Minse sein. So wurde die Verhandlung auf 12 15 Uhr verschoven. Aans sech en olt, esceiheite che. boten vu Fiugbläter, die sich in der üblichen Tonart mit Sond gerig 9#rlaß des Dortmunder Polizipräsidenten vom 4. Oktober beschäftigten. Die Staatsanwaltschaft sah sich veranlaßt, das Ueberfallkommando zu einzuischreiten broucht,„Ja Wagner gug am 1215 ühr nicht euwottschof, Arsihr,„##t werdasf soll. min ronzeilich vorgeführt Werden son. einen Stog oetommen, nie haben gezhagt stegletz fremder Währung angelegt, beshalb stellten tagelang fremde Noten das beliebteste Handelsobjekt an deutplötzliche Entziehung finanziellen Vertrauens ist gleichbedeutend mit einer Gefährdung der deutsch Währung, so daß sich die Reichsbank zu der sofortigen Gegenmaßnahme gezwungen gesehen hat, ein ganzgs, Fhpifrel, ihner Es zuzustopfen. Gleichzeitig setzte die Reichsbark den Diskontsatz um 1 Prozent, Iv., Huch Aussandeg eine Art VerVery v oe biächer gusgeblieben, denn 34 Stunden nach: Diskonterhöhung hat die Reichsbank erneut 52 Millionen kosigkeit. Der Entzug großer Kredite trifft unsere schaft, da für das fortgegangene Geld neues nicht zur St ist. Der Produktionsapparat wird weiter ein geschränkt. Manches Unternehmen, das sich mit Hilfe von Krediten bisher noch über Wasser hielt, muß die Tore schließen und die Arbeiter und Angestellten entlassen. Die Vorboten des„Dritten Reichs". sind damit nicht alle aufgezählt. Geht die Entwicklung so weiter wird das vorhandene Vertrauen, etwa durch überstürzende Beschlüisse des neuen Reichstags, Breziezge ge. u. e i. neuen Inflation. Die poltischen Hyänen umkreisen bereits das verschüchterte Volk. Es denkt an seine in den letzten Jahren sauer zusammengebrachten Spargroschen auf den Sparkassen und steht im Begriffe dorthin zu tag in dicken Schlagzeilen das Gerücht von einer Die Arbeitslosen schreien nach Arbeit und Protl.“ Tausenden sind auch in Bochum in diesen Tagen die Augen schon aufgegangen, sie beginnen darüber nachzudenken, was sie a0d konmunstichen Stmnzeiscte.e 8 der Se eh e; vertrauend auf deren staatspolitisches VerantworKommunist sitzt! Das deutsche Volk muß sich darüber klar sein, daß es schwerer Opfer in der nächsten Zeit bedarf, um das Allerschlimmste von uns fern zu halten. Hitler und Thälmann haben am 14. September gesiegt, und dieser Sieg kommt dem Volke teuer zu stehen. Die Auwirkungen sino schon jetzt deutlich erkennbar. 1 Der Pietanarbeiter-Sehleur, ArGelem Die Berliner Metallbetriebe zum Streik bereit— Die durch Schiedsspruch verkündete Lohnkürzung geht weit über das Beamtennotopfer hinaus Berlin, 12. Oktober.(Eig. Drahtber.) Die Funktionäre der Berliner Metallarbeiter haben heute in einer überfüllten Versammlung den ungeheuerlichen Schiedsspruch, der die Löhne um 8 Prozent abbauen will, einstimmig abgelehnt. Es wurde beschlossen, daß morgen in den Betrieben eine Urabstimmung der Arbeiterschaft über den Schiedsspruch stattfinden soll. An der Ablehnung auch durch die Betriebsbelegschaften kann schon jetzt kein Zweifel sein. Der Vorsitzende des Metallarbeiterverbandes Urich erklärte in der heutigen Versammlung unter starkem Beifall, daß die Berliner Metallbetriebe schon vom heutigen Tage an zum Streik bereit seien. In seinem Referat hob Urich besonders hervor, daß die Vertreter der MetallIndustrie es ausdrücklich abgelehnt hätten, im Falle einer Lohnsenkung Garantien für einen gleichzeitigen Abbau der Preise zu geben. Der Schiedsspruch habe unter Einwirkung der Regierung von Anfang an festgestanden. Die den Metallarbeitern zugemutete Lohnsenkung gehe weit über das Maß der Opfer hinaus, die der Beamtenschaft zugemutet würden. Die Berliner Metallarbeiterschaft wird den ihr aufgezwungenen Kampf diszipliniert unter gewerkschaftlicher Leitung durchfechten. Einzelne Sabotageversuche der Kommunisten, die schon in der heutigen Sitzung eine sofortige Streikverkündung provozieren wollten, wurden von der Mehrheit der Arbeiterschaft abgelehnt. Genden Nent Aasennenas Ana Gerseheitonts Ein großes Kreistreffen des Reichsbanners Schuarz-Rot-Hold in Kerne Zuullige Kunagerung auf dem Katkausplatz * Herne, 13. Okt.(Eig. Drahtmeldung.) Das republikanische Herne hatte gestern einen großen Tag. Dort, wo die Symbole der modernen Industrie dem Stadtbild das Gepräge geben, veranstaltete das Reichsbanner am gestrigen Sonntag ein eindrucksvolles Kreistreffen, das etwa 1500 Kameraden im gleichen Schritt und Tritt kraftvoll und selbstbewußt vereinte. Schon in den frühen Morgenstunden waren die benachbarten Schutzsport=Abteilungen gekommen, um auf den Herner Sportplätzen in friedlichen Wettkämpfen den Körper zu stählen, damit er den eventuellen Strapazen zum Schutze der Republik trotzen kann. Die Handballer von Gelsenkirchen kämpften gegen die Herner in zwei Mannschaften, wobei die Gelsenkirchener nicht gut abschnitten. Gegen Mittag kamen dann aus allen Richtungen die einzelnen Kameradschaften zu Fuß und per Auto mit ihren Fahnen und klingendem Spiel zum Altmarkt gezogen, der bald ein prächtiges Bild unerschütterlicher Liebe und Treue zur Republik darbot. Zur angesetzten Zeit setzten sich die Reichsbannertruppen in Marsch. Vom besten Wetter begünstigt ging es durch die Hauptstraßen der Stadt, von den Bewohnern und Straßenpassanten freundlich begrüßt, zum Rathausplatz, der nach dem mustergültigen Aufmarsch die Kraft der republikanischen Schutztruppe verkörperte. Nach einer kurzen Begrüßung des Kreisleiters Witkowski sprach hier zunächst vor mehr als 5000 Personen der Kamerad Jakob Triem, der auf dem Stahlhelm=Aufmarsch in Koblenz war und betonte, daß hier nicht solche„Ehrengäste“(Hohenzollernsprossen und Schwerindustrielle) zu begrüßen sind wie dort. Angesichts der politiHochwassergefahr vorüber Wenns nicht von neuem regnet. Koblenz, 11. Oktober. Von der oberen Saar und der Mosel wird ein weiteres Fallen des Hochwassers gemeldet. Der Rhein steigt noch langsam, doch scheint die größte Gefahr beseitigt zu sein, wenn nicht neues Regenwetter eintritt. Heute morgen 8 Uhr betrug der Pegelstand bei Kehl 4,25 Meter gegen gestern 3,56 Meter, bei Frankfurt 3,05 Meter gegen gestern 2,78 * M e t e r, b e i K o b l e n z 6, 1 1 M e t e r g e g e n g e s t e r n 5, 8 3 M e t e r. B e i Köln steigt der Rhein stündlich noch um einen halben Zentimeter. Der Wasserstand der Mosel und der Saar ist merklich zurückgegangen; bei Trier zeigte der Pegel 5,12 Meter gegen gestern 5,96 Meter, bei Saarbrücken 4,56 Meter, gestern 5,78 Meter, bei Kreuznach 4,10 Meter. schen und wirtschaftlichen Situation müsse das Reichsbanner die Sturmriemen enger schnallen, damit aus den kommenden Kämpfen ein freies sozialistisches Deutschland übrig bleibt. Nach ihm fand der Kamerad Dr. Neuhaus=Mülheim temperamentvolle Worte an die Massen. Der Kern seiner Ausführungen war von der Sorge um das Wohl der Allgemeinheit getragen. Nicht Herren und Knechte, sondern das Wohlergehen jedes deutschen Staatsbürgers sei das Ziel des Reichsbanners. Beide Redner ernteten begeisterten Beifall. Anschließend formierte sich der imposante Aufmarsch wieder und löste sich dann am Altmarkt auf. Schach dem Faschismus und Bolschewismus und Frei Heil ertönte es dann von allen Seiten der abschiednehmenden und bleibenden Reichsbannerkameraden. Ein gemütliches Beisammensein im Volkshaussaal schloß das glänzende Kreistreffen des Reichsbanners ab. Damit hat das Reichsbanner des Kreises Bochum, die Schutztruppe der Republik im Herzen des Industriegebietes, in Herne einen Aufmarsch gezeigt, der nachhaltigen Eindruck bei Freund und Feind ausgelöst hat. Drei Filcher ertrunken Auf der Ostsee beim Seebad Prerow(Pommern) ertranken drei Fischer, deren Boote in schwerem Sturm kenterten. Die Leichen der Ertrunkenen konnten geborgen werden. Deutschseindliche Ausschreitungen in Posen, 12. Oktober. In den Mittagsstunden kam es heute hier zu Zusammenrottungen nationalistischer Elemente, die geführt von Studenten der Posener Akademie durch die Hauptstraßen der Stadt zogen und nacheinander die Zeitungsstände, an denen sie vorbeikamen, überfielen, um die dort ausliegenden deutschen Zeitungen fortzunehmen und zu zerreißen. Die Demonstranten begaben sich dann zur evangelischen Vereinsbuchhandlung, wo die Schaufensterscheiben eingeworfen und Bücher und Zeitungen aus der Auslage auf die Straße geworfen wurden. Weiter wurden die Schaufenster des Posener Tageblattes und die Schaufenster einer deutschen Automobilfirma zerschlagen. Als die Demonstranten darauf zum deutschen Generalkonsulat vordringen wollten, griff die Polizei ein. Die Studenten formierten alsbald einen neuen Demonstrationszug, der unter taktmäßigen Rufen„Fort mit den Deutschen!" nochmals durch die Straßen marschierte. Nach einem weiteren Eingreifen der Polizei wurde die Ruhe wieder hergestellt. Neuer Frotesr der Keriensregierung gegen Mäuen Berlin, 11. Okt.(Drahtmeldung.) Die Reichsregierung hat, nachdem das gemeldete Protesttelegramm an den General= sekretär des Völkerbundes wegen des Verhaltens der litauischen Regierung in der Memelangelegenheit in der Frage der Umbildung überholt worden ist, ein Ergänzungstelegramm an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet, in dem von dieser erfolgten Umbildung Kenntnis gegeben wird. In dem Ergänzungstelegramm wird jedoch darauf hingewiesen, daß die litauische Regierung ihre Verpflichtungen sowohl hinsichtlich der Aufhebung der Pressezensur als auch hinsichtlich des Zusammentretens des Direktoriums nicht eingehalten hat, da das umgegebildete Direktorium nicht wie vorgesehen vor der Wahl, sondern erst heute, also am Tage nach der Wahl, zusammentritt. Er will nicht erschossen werden Wieder einer, der die Rückkehr nach Verweigert Riga, 11. Oktober. Blättermeldungen zufolge ist der Leiter der Abteilung für den Ankauf von Landmaschinen und Vieh der sowjetrussischen Handelsvertretung in Riga Asaroff dem Befehl, unverzüglich nach Moskau zurückzukehren, nicht nachgekommen. Asaroff hatte bereits die Reise angetreten, stieg aber nach einstündiger Fahrt in einer livländischen Landstation aus, um mit dem Auto nach Riga zurückzukehren. Er ist seitdem verschwunden. Es verlautet, daß Asaroff, obwohl Kommunist, fürchtete, das Schicksal seines Kollegen Michejeff zu erleiden, der der gleichen Moskauer Weisung Folge leistete und darauf erschossen wurde. STemttss Nemu.. Augsburg, 10. Oktober.— Die seltsamste Art Freundschaft zu bekunden, hat in der letzten Nacht einer Liebesgeschichte ihr trauriges Ende bereitet. Aus eitel Liebe und Freundschaft zu seinem Kameraden, dem 27jährigen Fabrikarbeiter Pankratz Färber, hat es der Hilfsarbeiter Josef Seeger auf sich genommen, seinen Freund von der lästig gewordenen Geliebten zu befreien und— ermordete sie. Färber unterhielt seit mehreren Monaten Liebesbeziehungen zur 20 Jahre alten, derzeit stellungslosen Hausangestellten Therese Käser. Das Verhältnis blieb nicht ohne Folgen und Färber wollte das Mädchen abschütteln. Da die Käser nicht ohne weiteres von ihm lassen wollte, griff Seeger ein und unter dem Vorwand, dem Mädchen ein billiges Nachtquartier zu verschaffen, lockte er sie außerhalb der Stadt hinaus. Das Mädchen folgte dem vermeindlichen Freund und als sie auf der Lokalbrücke, die über den Bach führt, angelangt waren, gab Seeger auf das Mädchen drei Schüsse aus einem Revolver ab. Um seiner Sache sicher zu sein, warf er das zusammengebrochene Mädchen noch in den Bach. Der Nachtwächter der in der Nähe befindlichen Fabrik und ein Turbinenmeister hatten die Schüsse vernommen und konnten noch im rechten Augenblick die Schwerverletzte aus dem Wasser ziehen. Als die Polizei erschien, konnte die tödlich Getroffene gerade noch den Namen des Täters und den ihres Geliebten angeben. Um einen Raubmord vorzutäuschen, hatte Seeger seinem Opfer das Handtäschchen mit 5 Mark Inhalt entrissen. Färber sowie Seeger konnten verhaftet werden. KIAAAA 25)„(Fortsetzung) Das Gesicht dieser Frau überzog sich auf Sekunden mit einem flüchtigen Rot. „Das war— nein, darüber möchte ich schweigen. Der Mensch ist Ihnen auch sicher völlig unbekannt.“ Till ließ seinen Blick noch eine kurze Zeit lang auf ihrem Antlitz ruhen, als lese er das, was ihm der Mund verschwieg, aus den Mienen und sagte dann: „Wie Sie wollen! Es wäre mir natürlich auch in diesem Punkte Offenheit wertvoll gewesen. Aber ich kann Sie nicht zwingen!" Es trat eine kleine, peinliche Pause ein, welche nur durch das Schlagen der Uhr ausgefüllt wurde. „Die Besuchszeit ist eigentlich vorüber, gnädige Frau“, sagte Till.„Aber ich habe leider noch einige Feststellungen nötig, die mir von Bedeutung sind.“ „Bitte, meine Herren. Sie sind von vornherein aller konventionellen Bindungen enthoben.“ „Ich danke! Aus Ihren Ausführungen geht klar hervor, daß zwischen den beiden Brüdern als trennendes Moment das Geld tend: e „Wenigstens als äußere Scheidewand, ja!“ „Sind Sie über die Vermögenslage Ihres Gatten wüenter“. Geteum.- Geuen Bch „Nicht im mindesten, ich habe auch rein Interesse daran. Benjamin Graeve zu den Reichsten der Stadt zählte, pfiffen ja die Spatzen vom Dache.“ „Wem fällt sein Vermögen zu?“ „Da keine Kinder da sind— mir! Ob ich es jetzt noch annehme, hängt von der Genesung und Freisprechung Philipps ab.“ „Welcher Zusammenhang besteht mit diesem Umstand?“ „Ich würde ihm das Vermögen zur Verfügung stellen, damit er seine Pläne verwirklichen kann!" „So, das würden Sie? Wußte Philipp von dieser Absicht?“ „Mit dieser Klarheit habe ich sie ihm gegenüber wohl nie ausgesprochen. Aber er kannte meine Stellung zu seinen Zukunftsträumen und wußte mit Bestimmtheit, daß ich ihm das Vermögen übergeben würde. Einmal, weil damit voraussichtlich ein segensreiches Werk ins Leben gerufen werden könnte, und zum anderen bitte ich Sie, nicht zu vergessen, daß mir diese Reichtümer aus der Hand Benjamin Graeves zufallen würden.“ Sie machte eine Bewegung, als müsse sie sich etwas Widerliches von den Händen wischen. „Ich liebe Reinlichkeit zwischen Gesinnung und Handlung“, setzte sie erklärend hinzu. „Haben Sie diesen Gedankengang einmal einem anderen Menschen gegenüber geäußert, Frau Kommerzienrat?“ „Nein, er blieb in mir verschlossen, wenn ich je an die Möglichkeit dachte!“ „Somit wäre also— Sie gestatten mir die Redewendung!— Philipp Graeve der einzige, der am Ableben Ihres Gatten Interesse gehabt hätte!“ „Wenn er von niedriger Gesinnung wäre, müßte ich auf diese Frage unbedingt mit ja antworten.“ „Ihr Gatte spekulierte auch in transatlantischen Werten, nicht wahr?“ „Ich glaube. Wie schon gesagt, habe ich mich um seine Geschäfte nie gekümmert, nur ab und zu aus seinen Gesprächen mit Geschäftsfreunden einiges herausgehört.“ „Kennen Sie seinen Bankier, der diese Geschäfte leitete und abschloß?“ „Herrn Jeremias Imhofer? Ich kenne ihn gut, denn er verkehrte oft im Hause.“ Till sah auf seine Stiefelspitzen, als müsse er in seinem Gehirn einige Verbindungssäden aneinanderknüpfen. „Ich hätte noch gern etwas über den Verlauf des Abends, der dem Morde an Ihrem Gatten vorausging, gehört, Frau Kommerzienrat“, bat Till nach einigen Augenblicken des Nachdenkens.„Ihr Gatte war an jenem Abend fortgewesen, wenn ich nicht irre, mit dem Wagen, nicht wahr?“ „Ja, wenn ich mich recht entsinne, war er in Bockendorf gewesen, um mit dem Fabrikdirektor etwas zu besprechen. Ich kann das aber nicht mit Bestimmtheit sagen, da mein Mann mir nie mitteilte, was er vorhatte.“ „Um welche Zeit kehrte er zurück?“ „Ich hörte den Wagen gegen 10 Uhr vor dem Hause anfahren.“ „Kehrte Ihr Gatte allein zurück?“ „Ja, das heißt mit Bernhardt, dem Chauffeur.“ „Entsinnen Sie sich noch des Wetters jener Nacht?“ „Sehr gut. Es war eine sehr stürmische, regnerische Nacht!“ „Ganz recht. Vielleicht haben Sie die Güte, mir im Zusammenhange zu berichten, wie jener Abend in Ihrem Hause verlief.“ „Mein Mann kehrte heim und wies Bernhardt an, den Wagen stehenzulassen, da er die Absicht habe, nach dem Abendessen noch einmal fortzufahren, vermutlich zu einer Sitzung. Kurz, nachdem er hier eintrat, sprach Philipp mit seinem Anliegen vor. Es kam zu der vorhin geschilderten Szene, nach welcher Philipp sehr erbost das Zimmer verließ. Mein Mann machte mir heftige Vorwürfe, daß ich diesen Illusionisten in seinem Vorhaben unterstützte. Ich erwiderte ihm nicht darauf, denn er war in jähzorniger, reizbarer Stimmung, aß Abendbrot und ging dann ohne Gruß aus dem Hause. Wenige Minuten später hörte ich den Wagen davonfahren.“ „Philipp Graeve hatte Ihr Haus vor dem Bruder verlassen?“ „Eigentlich nicht das Haus, sondern nur die Wohnung, denn der Zugang zu seinem Werkschuppen erfolgt durch einen Seitengang unseres Hauses.“ „Können Sie sich nicht mit Bestimmtheit entsinnen, ob Ihr Schwager ein Werkzeug in der Hand hielt, als er Sie verließ?“ fragte Till. „Sie denken an jenen Hammer?“ fragte Frau Graeve.„Werkzeug hatte er immer bei sich, da er fast Tag und Nacht arbeitete. Das heißt, er trug es nicht in den Händen, sondern legte es in den Taschen seines Arbeitskittels ab, in denen es immer von Stahl klimperte. Dieses Geräusch verriet uns sein Kommen meist schon vor dem Eintritte. Ob er an jenem Abend den Hammer bei sich trug? Ich habe mir seine Erscheinung nachträglich schon oft in die Erinnerung zurückgerufen und kann mit Bestimmtheit aussagen, daß an dem verhängnisvollen Abend ein Holzstiel aus der Seitentasche seines Kittels herausragte. Dieser Umstand hat sich mir deshalb so eingeprägt, weil er mit diesem Stiele an der Gardine hängen blieb und sie beinahe zerrissen hätte. Ob es aber der Hammergriff gewesen oder der Stiel irgend eines anderen Werkzeuges, vermag ich nicht anzugeben.“ (Fortsetzung folgt.) Nochkeppel, Witten Heute frisch! unsere bekannte Qualität. 4½ 1 Pfund nur 1.38 und# Mk. Herm. Hochkeppel 17 Sonder-Angebot zu bedeutend herabgeseizten Preisen Plüschsokas, Ledersotas u. Chalselongues uur bar auf Kredlt bei pünktlicher Zahlung 10% ur eigene Werkstattarbeit in bester Ausführung, keine Fabriksware. Ferner auf Teppiche, Läufer. Dlvan-Decken, 40% Matratzen, Auflagen und Schoner Ledersofas. von S8.- an Plüschsofas von 85.-4an Shalselongues von 45.-4an 1696 Polsterel A. Thlel Sochum. 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Die unangenehme Ueberraschung, 21. Der unfreiwillige Spazierritt. 22. Euxen, der Honigschlecker,. 23. Die kluge Ratte.