— — Orttentrtorttreenten Organ der werktätigen Bevölkerung für den Stadtkreis Witten Bezugspreise. Die„Wittener Volkswacht" erscheint täglich vormittags mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet freibleibend monatlich 2.40 Mk. (im voraus zahlbar) Sinzelnummer 10 Pfennig Mitteilungsblatt der freien Gewerkschaften der Arbeiter=Sport= und Kulturvereine Geschäftsstelle: Witten, Johannisstraße 37, Fernsprecher 3627 Anzeigenpreise: 1 mm Höhe 1 spaltig 7 Pf. auswärts 8 Pf., Arbeits= und Wohnungsmark: und private Familienanzeigen 4 Pf., Reklameteil 40 Pf. Bei Wiederholung Rabatt, der bei gerichtlicher Beitreibung in Wegfall kommt. Annahmeschluß für Inserate nachmittags 4 Uhr Nr. 155 Witten. Mittwoch, den 8. Oktober 1930 2. Jahrgang 1 Die Lerstorunig des Wioh Die Uberreste des Lustriesen Ueberführung der Opfer nach England Paris, 7. 10.(Drahtmeldung.) In Beauvais fand heute vormittag die Trauerfeier für die Opfer des Luftschiffunglücks statt. Daran schloß sich die Ueberführung der Leichen nach Boulogne. Die öffentlichen Gebäude hatten auf Anordnung der Regierung Halbstock gehißt. Auch die deutsche Botschaft in Paris hatte Halbmast geflaggt. Der Ueberführung der Leichen wohnten ein Vertreter des Präsidenten der Republik sowie Ministerpräsident Tardieu sowie der Luftfahrtminister bei. Der Marschall des englischen Luftfahrtswesens, Sir Salmond, war zu Ein wirres Durcheinander verbogener Eisenteile kennzeichnet die Stelle, an der das größte Luftschiff der Welt mit 58 Personen an Bord in Flammen aufging. der Feier in Begleitung des Unterstaatssekretärs im Luftfahrtministerium im Flugzeug in Beauvais eingetroffen. 32 Bomben= und Jagdflugzeuge des 34. Fliegerregiments in Le Bourget sind heute früh dort aufgestiegen, um in Beauvais den Opfern des Unglücks die letzte Ehre zu erweisen. Im Krankenhaus von Beauvais, wo die Verletzten untergebracht sind, befürchtet man das Ableben eines weiteren Verletzten mit Namen Church. Er hat im Gesicht und an den Händen schwere Wunden. Ehrung der Toten von Beauvais Paris, 7. Oktober.(Drahtmeldung.) Sämtliche Gerichtsverhandlungen wurden heute zum Zeichen der Trauer für die Opfer der Luftschiffkatastrophe unterbrochen. Aus Nür Zum Vien Ein Gelehrter stiehlt Kunstwerke Berlin, 7. Oktober. Vor einem halben Jahr wurden plötzlich in der preußischen Staatsbibliothek Diebstähle entdeckt, die unter eigenartigen Umständen erfolgt sein mußten. Man stellte nämlich fest, daß aus einer Reihe wertvoller kunstgeschichtlicher Werke mehrere Seiten fehlten. Diese Seiten enthielten Bilder und Tafeln orientalischer Kulturgeschichte. Sofort schöpfte man Verdacht gegen einen bekannten Wissenschaftler, der sich vornehmlich mit orientalischer Kunstforschung befaßte und fast der einzige Mensch war, der sich von der Staatsbibliothek diese bestohlenen Bücher entlieh. Nun wurde der Gelehrte überwacht und jedesmal, wenn er ein Werk ausborgte, zählte man genau die Seiten dieses Buches. So konnte man schließlich den noch jugendlichen, aber trotzdem sehr bekannten Wissenschaftler der Diebstähle überführen, die dieser auch sofort eingestand. Der erst 32 Jahre alte, in Fachkreisen außerordentlich geschätzte Gelehrte, übrigens ein Sohn eines ganz bedeutenden Orientalisten, ist als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter beim Kaiser Friedrich=Museum und dem Museum für Völkerkunde beschäftigt. Außerdem hat er sich mit verschiedenen größeren Veröffentlichungen über indische Buchmalereien und über indische Liebes nystik des Mittelalters einen großen Namen gemacht. Trotz her bedeutenden Arbeiten und vielen Veröffentlichungen hat dieser Wissenschaftler seit Monaten bitterste Not gelitten, da sein Arbeitsgebiet nur einen verhältnismäßig kleinen Kreis von Kunstfreunden interessierte. Da kam der Mann, der sich nicht mehr zu helfen wußte auf den Gedanken, aus den von der Staatsbibliothek entliehenen Werken Bilder und Tafeln zu entfernen, sie unter Glas zu setzen und dann an verschiedene Berliner Kunsthändler zu verkaufen. Diese übernahmen sie auch ohne weiteres, da ihnen der Verkäufer selbst als bedeutender Gelehrter bekannt war und glaubten, daß die Sachen aus seinem oder Vaters Besitz stammten. Insgesamt hat der Gelehrte 80 solcher Diebstähle eingestanden. Da aber sämtliche Blätter wieder beigeschafft wurden und die Staatsbibliothek keinerlei Schaden erleidet, auch kein Interesse an einer Strafverfolgung besitzt, da außerdem sich verschiedene Wissenschaftler von Weltruf sich für den jungen, unglücklichen Kollegen höheren Ortes eingesetzt haben, dürfte das Verfahren, das bereits die Staatsanwaltschaft beschäftigt, doch noch eingestellt werden. Man will einen Menschen, der durch Not in eine derartige Lage gekommen ist und der der Wissenschaft noch viele hervorragende Dienste zu leisten imstande ist, nicht für sein ganzes Leben unglücklich machen. Der Sieg in Finnland Ein Itolzer Sieg der Sozialdemokratie pelsingfors, 7. Okt.(Eig. Drahtbericht.) Das nunmehr vorliegende endgültige Gesamtergebnis der finnischen Reichstagswahlen sieht folgendermaßen aus: Sozialdemokraten 320 000(das vorige Mal 260 250), Kommunisten 10 200(128 164), Schwedenpartei 111 282(108 886), Agrarpartei 206 661(248762), Liberale 55 527(55 301), Reaktionäre 176 846(138000). Die sozialdemokratische Fraktion wird im neuen Reichstag 69 oder 70 Abgeordnete zählen gegen 59 im alten Reichstag. Ausko Das Ende der Staatspartei Die Deutsche Staatspartei in ihrer bisherigen Zusammensetzung ist nicht mehr. Ehe sie wirklich zustande kam, vor ihrer Gründung noch, hat sie ihr Ende gefunden. Darüber teilt die Deutsche Staatspartei mit:„In der Sitzung des Hauptaktionsausschusses der Deutschen Staatspartei am Dienstag wurde der Antrag, angesichts der hervorgetretenen Schwierigkeiten der Zusammenarbeit die verschiedenen politischen Gruppen und ihre organisatorische Selbständigkeit innerhalb der Staatspartei zunächst unberührt zu lassen, abgelehnt. Des weiteren wurde der Antrag, die Führung der Partei durch Ausschaltung bestimmter Persönlichkeiten zu ändern, abgelehnt. Hiernach erklärten Herr Mahraun und die übrigen Mitglieder der Volksnationalen Reichsvereinigung in dem Hauptaktionsausschuß ihren Austritt aus der Deutschen Staatspartei mit der Begründung, daß weltanschauliche Gegensätze ihnen das weitere Verbleiben in der Deutschen Staatspartei unmöglich machen.“ Die Abtrünnigen, Mahraun und Genossen, begründen ihre Fahnenflucht wie folgt:„Von Seiten des Herrn Minister Höpker=Aschoff ist mehrfach erklärt worden, daß er an der Staatspartei niemals mitgearbeitet haben würde, wenn er gewußt hätte, daß sich die Christlich=Sozialen daran beteiligen. Herr Staatssekretär Meyer hat erst am Dienstag noch erklärt, daß auch er sich nur unter der Bedingung beteilige, daß es eine Linkspartei, d. h. Partei der linken Mitte sein soll. Damit ist ein weltanschaulicher Gegensatz gegeben, denn die Gründer haben die Staatspartei als Partei der aktiven sozialen und nationalen Mitte gewollt. Eine Möglichkeit zur weiteren vertrauensvollen Zusammenarbeit sehen wir nur in dem Rücktritt der Männer dieser Ansicht von der Führung in Fraktion und Partei.“ Aus dem letzten Satz der vorstehenden Erklärung geht deutlich hervor, daß Mahraun und Genossen auch den Austritt der als Mitglieder der Volksnationalen Reichsvereinigung gewählten Abgeordneten der Deutschen Staatspartei aus der Fraktion dieser Partei erstreben. Unseres Erachtens nicht erst seit gestern und heute, sondern schon von dem Augenblick an, als die Staatspartei gegründet war und sich die Demokratische Partei zu einem Handelsgeschäft hergegeben hatte, auf das Mahraun und Genossen lediglich aus Partei=Egoismus eingegangen sind. Als Koch=Weser vor wenigen Wochen den„Staatsstreich“ gegen seine eigene Partei beging und sich mit Haut und Haaren ohne vorherige Verständigung mit den demokratischen Instanzen dem Jungdo verkaufte, stand der neue Bundesgenosse vor der Pleite. Mahrauns Kassen waren leer. Dazu wuchsen ihm die Schulden über den Kopf. In dieser hoffnungslosen Situation gingen Mahraun und Bornemann auf die Suche nach einem Bundesgenossen. Die Demokraten haben für Mahraun und Genossen ihre Pflicht und Schuldigkeit getan, haben für sie den Wahlkampf geführt, ihr Geld hergegeben, die Schulden gestrichen und was noch alles. Und nun laufen die Bundesgenossen von gestern davon. Wie sie sagen, wegen grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten. In Wirklichkeit hat ihnen das Gesicht der Demokraten von allem Anfang an nicht gefallen. Die Demokraten waren für die Volksnationale Reichsvereinigung immer nur Lückenbüßer. Jetzt, nachdem das Geschäft gemacht ist, zieht Mahraun ab. Er hat den Wahlkampf gut überstanden, hat eine politische Vertretung im Reichstag und spielt den Wortführer. Und die Demokraten? Sie sind ihr Geld los, besitzen im Reichstag nicht einmal mehr Fraktionsstärke und haben die Blamage obendrein. Angesichts dieses Vorfalls hat Herr Koch=Weser in Vorausahnung dessen, was ihm blühen würde, den Vorsitz in der Demokratischen Partei niedergelegt. Er soll beabsichtigen, schon in allernächster Zeit ein Werk über die Gründung und Geschichte der Staatspartei herauszubringen........ * Die Ortsgruppe Jena der Deutschen Demokratischen Partei hat— wie uns aus Weimar gemeldet wird— eine Entschließung angenommen, in der die Aufrechterhaltung der Deutschen Demokratischen Partei für unbedingt erforderlich erklärt wird. — — Die Katastrophe der D 1950 Die Ursache des Absturzes Berlin, 7. Okt.(Drahtmeldung.) An der bereits gemeldeten Untersuchung des Absturzes des Flugzeuges D 1930, die an der Unglücksstelle in der Dresdener Heide vorgenommen wurde, waren Vertreter der Lufthansa, der deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt und der Luftpolizei beteiligt. Der Bericht des Reichskommissars und des Reichsverkehrsministeriums steht Flugzeugführer Erich Pust, der mit seiner Maschine D. 1930 bei Dresden tödlich verunglückte. noch aus; es wird voraussichtlich morgen veröffentlicht werden. Die Untersuchungskommissionen haben nun heute in Berlin einen Gedankenaustausch gepflogen. Wie wir erfahren, sind sie übereinstimmend zu folgendem Ergebnis gekommen: Der Absturz des Flugzeuges ist keinesfalls auf technische Fehler hinsichtlich der Konstruktion, des Materials, der Werkstoffausführung usw. zurückzuführen. Nach den Zeugenaussagen und dem Bruchbefund muß man annehmen, daß der Pilot Pust mit Rücksicht auf die Platzverhältnisse in Dresden und das große Schwebevermögen seines Flugzeuges möglichst mit geringer Geschwindigkeit landen wollte. Während der Beschreibung der Kurve in der Luft, die an der Grenze der zulässigen Mindestgeschwindigkeit gelegen haben dürfte, und begünstigt durch die ungewöhnlich starken vertikalen und horizontalen Böen ist das Flugzeug wohl in eine ungewollte seitliche Drehbewegung geraten. Das Reichskabinett hinter Curtius BravOy Racdcnalr. Das Mißtrauensvotum der englischen Unabhängigen Arbeiterpartei mit überwältigender Mehrheit abgelehnt London, 7. Okt.(Eig. Drahtber.) Etwa 3000 Menschen hatten heute die Halle in Llandudno gefüllt, als der Führer der englischen Arbeiterpartei, Macdonald, und die Präsidentin des Kongresses, Lawrence, das Tagungslokal betraten. Kaum war der Führer der Arbeiterpartei gesichtet, als sich die Massen erhoben und ihn begeistert begrüßten. Mit tief bewegter Stimme bat Macdonald zunächst um die Erlaubnis, die Parteiversammlung in eine Nationalversammlung verwandeln zu dürfen, um der Trauer über die Luftschifftragödie Ausdruck geben zu können. Zu gleicher Zeit dankte der Ministerpräsident dem französischen Volke für die erhebende Art, wie es sich bei dieser schmerzlichen Gelegenheit an die Seite Englands gestellt habe. Macdonald gab dann in seinen weiteren Ausführungen Rechenschaft über die Tätigkeit der Arbeiterregierung. Nicht ich, so führte er aus, nicht meine Kollegen, nicht die Arbeiterregierung stehen heute auf der Anklagebank. Angeklagt ist das kapitalistische System, das Schiffbruch gelitten hat in England, in Europa, in Amerika, ein System, das zusammengebrochen ist, weil es zusammenbrechen mußte. Gewiß, wir haben unsere Pflichten nicht alle erfüllt. Wer aber hat je geglaubt, daß wir es in diesen 16 Monaten und unter diesen Umständen hätten mehr tun können. Es gibt nur ein Mittel zur Rettung und zur Erlösung der Menschheit. Das ist der Sozialismus. Ihn aber mathematisch zu berechnen, ist nicht möglich. Er ist eine Evolution und eine Pilgerwanderung von Station zu Station. Dennoch, haben wir etwa die Hände in den Schoß gelegt? War es nichts, was wir in der Außenpolitik geleistet haben? Sind 700 Mill. Pfund Sterling nichts, die wir in 16 Monaten für die Arbeitslosen ausgegeben und die wir von den Besitzenden genommen haben? Sind die Witwen=Pensionen nichts, das Bergwerksgesetz, die Erhöhung des schulpflichtigen Alters? Es ist gering im Vergleich zu der Not und dem Ansteigen der Arbeitslosigkeit, die jede heute angestellte Berechnung morgen bereits über den Haufen wirft. Aber wir haben die Hände am Pflug zu halten und die Arbeit fortzusetzen, innenpolitisch wie außenpolitisch, wenn der Welt der Frieden erhalten bleiben soll. Wir sind nicht nur aus außenpolitischen Gründen nach Genf gegangen, sondern auch aus den Gründen der Arbeitslosigkeit. Wir haben dem Wirtschaftskomitee unsere Pläne zur internationalen Bekämpfung der internationalen Arbeitslosigkeit vorgelegt. Das Ergebnis: Die andern haben unsere Vorschläge abgelehnt. Das kann uns aber nicht von der Ueberzeugung abbringen, daß den Arbeitslosen geholfen werden muß. Dazu brauchen wir Geld und Steuern von den Besitzenden. Sie hassen uns darum und klagen uns darum an. Wer schafft jedoch die Arbeitslosigkeit? Wer hat uns in den Krieg gestürzt? Wer hat die Revanche auf dem Gewissen? Jene, die das getan haben, besitzen nicht das Recht, uns zu schelten, die wir unermüdlich die Welt wieder in Ordnung zu bringen bemüht sind. Wir leben in einer Evolution, so groß und gewaltig, wie schon zu Beginn der Industriealisierung Europas. Wir können die Wunden der gegenwärtigen Generation nicht mit den Mitteln vergangener Zeiten heilen. Wir brauchen Organisationen, die Einigkeit der Partei und ihre Geschlossenheit. Sozialismus ist keine Angelegenheit der Farbe. Organisatorisch, faktisch und systematisch, Schritt für Schritt, Tat für Tat und Stunde für Stunde haben wir die Gesellschaft zu transformieren aus einer kapitalistischen zu einer sozialistischen. Der Führer der Unabhängigen Arbeiterpartei, Maxton, legte darauf in vornehmer Weise seine Ansichten klar. Er sieht die Schwierigkeiten und die Grenzen der Minderheitsregierung und der einzige Ausweg, den er erblicken kann, ist: Sozialistische Forderungen vor das Parlament zu tragen und im Falle der Ablehnung vor das Volk. Bei der Abstimmung wurde dann mit 1803000 gegen 334000 Stimmen der Mißtrauensantrag der Unabhängigen Arbeiterpartei abgelehnt. Im gleichen Verhältnis erkannte der Parteitag die Bemühungen und Anstrengungen der Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit an. Relteanus Rar Rachtsseerenmttschte Berlin, 7. Okt.(Drahtmeldung.) In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts fand die Aussprache über die Genfer Völkerbundstagung sowie über die im Reichstag einzunehmende Stellung in außenpolitischen Fragen statt. Das Reichskabinett stimmte einmütig den Ausführungen des Reichsaußenministers zu. Die Not der Landgemeinden Berlin, 7. Oktober. Im Laufe des heutigen Tages empfing der Reichskanzler in Gegenwart von Vertretern des Reichsfinanz= und Reichsarbeitsministeriums den engeren Vorstand des deutschen Landgemeindetages, den Präsidenten Dr. Gericke, den Bürgermeister Doetsch=Münstermaifeld, den Verwaltungsdirektor Schmid=Stuttgart und den Vizepräsidenten, Ministerialrat z. D. Schellen. Präsident Gericke schilderte die finanzielle Notlage der Landgemeinden und legte u. a. die Maßnahmen dar, die zur Unterstützung der Landgemeinden getroffen werden müßten. Im Anschluß hieran fand eine eingehende Aussprache über die Wünsche der Landgemeinden in Verbindung mit dem Wirtschafts= und Finanzplan der Reichsregierung statt. Worüber hat man sich geeinigt WTB. meldet: Vom 30. September bis 10. Oktober fanden im Reichsarbeitsministerium zu Berlin zwischen deutschen und niederländischen Regierungsvertretern Verhandlungen über Fragen des Arbeitsmarktes, der Arbeitslosenversicherung, der Krisenfürsorge, der öffentlichen Fürsorge und über andere damit zusammenhängende Probleme statt. Nach eingehender Aussprache wurde eine völlige Einigung zwischen den beiden Delegationen Ueber das Ergebnis der Einigung sagt die WXB=Meldung 866s. Deutsche Reichswehroßfiziere in Wäsningten Washington, 7. Okt.(Drahtmeldung.) General v. Blomberg und Oberst Kühlenthal, die hier zum Besuche der amerikanischen Armee eingetroffen sind, wurden von den militärischen Stellen herzlich ausgenommen. Der Chef des Generalstabs, General Summerall, gab gestern ein Frühstück, zu dem der gesamte hiesige Generalstab erschienen war. Montag und Dienstag abend gaben der Chef der Kriegsakademie, General Conner, und der deutsche Geschäftsträger Kip Empfänge zu Ehren der deutschen Besucher. Am Mittwoch treten die deutschen Offiziere ihre Rundreise zur Besichtigung der militärischen Einrichtungen des Landes an. Berlin, 7. Okt.(Eig. Drahtbericht.) Der Reichsminister Treviranus hat dem Vertreter eines amerikanischen Blattes ein Interview gewährt, dessen Inhalt so merkwürdig ist, daß man auf den ersten Blick kaum glauben könnte, ein deutscher Reichsminister könnte so wenig von den deutschen Gesetzen wissen, wie es Herr Treviranus bei dieser Gelegenheit dartut. Er sagt, die Reichsregierung beabsichtige, den Reichstag von Mitte November bis Mitte März in die Ferien zu schicken und während dieser Zeit ohne Parlament zu regieren. Nun kann aber im Gegensatz zur Kaiserzeit der Reichstag der deutschen Republik sich nur selbst vertagen. Die Regierung hat gar kein Recht dazu, ihre Vertagungsordre wäre unwirksam, sie kann lediglich den Reichstag auflösen. Das müßte eigentlich ein langjähriges Reichstagsmitglied und jetziger Reichsminister wissen. Weiter erzählt Treviranus, das Reichskabinett habe in der vergangenen Woche beschlossen, zur Minderung der Arbeitslosigkeit die Arbeitspflicht einzuführen und zwar für die öffentlichen Betriebe, nicht aber für private Unternehmungen. Selbstverständlich kann ein rechtsbürgerlicher Politiker nicht daran denken, den Fabrik= und Bergwerksherren einen Zwang zur Beschäftigung von Arbeitern aufzuerlegen. In den öffentlichen Betrieben sollen die Zwangsarbeiter 100 Mark Monatslohn erhalten, also ungefähr ebensoviel, wie die Arbeitslosenunterstützung beträgt. Das Merkwürdigste dabei ist, daß vor wenigen Tagen der Reichsarbeitsminister Stegerwald sich öffentlich entschieden gegen die Einführung einer Arbeitspflicht ausgesprochen und auch erklärt hat, das Kabinett stehe auf dem gleichen Standpunkt. Trunt i Secerteich Eine gute Corprobe für ale Sozaldemokratte Wien, 7. Okt.(Eig. Drahtbericht.) In Tirol will der christlich=soziale Bundesrat und Landesführer der Heimwehr Dr. Steidle zu den Nationalratswahlen als Listenführer der Heimwehr kandidieren. Er soll sogar die Absicht haben, aus der Christlich=Sozialen Partei auszutreten. Die christlich=soziale Nachrichtenstelle erklärt allerdings, daß von einem derartigen Beschluß nichts bekannt ist. Die nationale Studentenkompanie in Tirol, die ebenso wie der Bund Oberland und die Deutsche Turnerschaft kürzlich aus der Heimwehr ausgetreten ist, erläßt eine scharfe Kundgebung gegen die Heimwehrführung und gegen die beiden Heimwehrminister, in der es heißt, daß die beiden Minister durch die Zustimmung zu der Ernennung von Dr. Strafellasich das Mißtrauen der Heimwehr verscherzt hätten. Sie müßten deshalb aus einer Bewegung ausscheiden, die solche Führer an ihrer Spitze dulde. Der Wiener Heimatschutz hat am Dienstag ebenfalls beschlossen, ohne jede Bindung selbständig in den Wahlkampf zu ziehen. Desgleichen ist Starhembergs bekanntes Jägerregiment nahezu vollzählig aus der Heimwehr ausgetreten, weil es die Unterstützung eines klerikalen Kabinetts nicht billigen kann. Die Reaktion geht also in Oesterreich vollkommen zersplittert in den Wahlkampf. Um so einmütiger und geschlossener steht die Arbeiterschaft hinter der österreichischen Sozialdemokratie. Kennzeichnend hierfür ist auch das soeben bekannt gewordene Ergebnis des von der Sozialdemokratie eingeleiteten Volksbegehrens zugunsten der Arbeitslosen. Es wurden 1594035 Unterschriften gesammelt. Das sind 60000 Unterschriften mehr als bei der letzten Nationalratswahl im April 1927 für die Sozialdemokratie an Stimmen abgegeben worden sind. Das ist um so bedeutsamer, als die Unterschriften dieses Mal offen abgegeben wurden, während die Wahl zu dem Parlament geheim ist. Diese Männer regieren Oesterreich. Die erste Aufnahme des neuen österreichischen Kabinetts. Von links nach rechts stehend: Unterrichtsminister Prof. Dr. Szermack, Finanzminister Dr. Juch, Handelsminister Heindl, Innenminister Fürst Starhemberg und Landwirtschaftsminister Thaller. Sitzend von links nach rechts: Vizekanzler Schmitz, Bundeskanzler Vaugoin und Außenminister 3 Drittes Blatt Mittwoch, den 8. Oktober 1930 Wesldcnisce Behndschds Bergeversatz Immer mehr verschwinden jene Wahrzeichen des Bergbaus, die schwarzen Steinhalden, die gleich riesigen Sarkophagen oft das Landschaftsbild unserer engeren Heimat verunzieren. Sie treten als Bergeversatz den Weg ins Erdinnere wieder an, aus dem sie als Folge jener veralteten früheren Arbeitsmethoden einst hervorgeholt wurden. Der Bergmann, der mit der Arbeit des Versetzens in der Grube betraut ist, weiß, mit welcher Sorgfalt diese Arbeit ausgeführt werden muß; gilt es doch durch diese Maßnahme Leib und Leben seiner Kameraden zu schützen. Ist nämlich ein ausgekohltes Flöz gut mit Bergen versetzt, und zwar bis in unmittelbarer Nähe des Kohlenstoßes, so daß nur noch ein sogenannter Fahrschacht offen bleibt, dann ist die Gefahr des Einbruchs des Hangenden so gut wie behoben, wenn der Verhieb gleichfalls sachgemäß ausgeführt ist. Dies gilt besonders von dem Steinverschlag in stark einfallenden Streben, um das Auslaufen des Bergeversatzes, wobei schon mancher Knuppe ums Leben gekommen ist, zu verhüten. Jeder Bergmann weiß nun, wie es in Wirklichkeit mit dieser bergpolizeilichen Sicherheitsvorschrift aussieht. Sie können in den seltensten Fällen infolge des heute herrschenden Treibund Rationalisierungssystems eingehalten werden. Kohlen, Kohlen! Alles andere ist von geringerer Wichtigkeit. Geradezu jämmerlich sieht es an manchen Betriebspunkten aus, wo die Erneuerung gebrochener Verschlagstempel dringend erforderlich erscheint. Es setzt dann jedesmal ein kräftiges Donnerwetter, wenn der Bergrevierbeamte befährt und mehrere Felder von je sechsfüßigen Schalholzlängen offen findet, weil die Bergekipper mit dem Zustürzen der Strebe nicht beikommen können. Dies besorgen größere Einbrüche dann um so besser, wobei so manchen Kumpel sein Schicksal ereilt. Oft gehen, wie wohl jeder erfahrene Bergmann bestätigen kann, infolge mangelhaften Versetzens ganze Strecken zu Bruch. Schuld daran ist das heutige Treibsystem, ewiges Gedingedrücken, Einsetzung von zu wenig Bergeversetzern. Eine noch größere Gefahr stellt das Stürzen grober Versatzstoffe für den Kohlenhauer dar, da sie den Verhieb nebst Steinverschlag zerstören, zumindest ihn erheblich beschädigen. Von allen Seiten mehren sich die Klagen der den Gefahren ausgesetzten Bergleute, vornehmlich von denjenigen Zechen, die auf den Bezug fremder Versatzstoffe angewiesen sind. Ein Brecherwerk, das die groben Versatzstoffe vor dem Herunterschaffen in die Grube zerkleinert, könnte diesen Uebelstand vollauf beseitigen. Bisher haben erst wenige Zechen die Aufstellung eines solchen in Erwägung gezogen, bzw. eines angeschafft. Es wäre eine dankbare Aufgabe der Betriebsräte, die Notwendigkeit eines Brechers, wo es geboten erscheint, zu betreiben, denn alle die buntfarbigen Unfallverhütungsbilder, die in so vortrefflicher Weise die Gefahren in der Grube illustrieren, nützen nichts, wenn nicht oben beleuchtete Gefahren, die, wie wohl jeder Bergmann zugeben wird, die meisten Unfälle herbeiführen, beseitigt werden. D. Pädagsgischen Akademie Dortmund, 7. Oktober. In einem feierlichen Einweihungsakt wurde gestern der Neubau der Dortmunder Pädagogischen Akademie seiner Bestimmung übergeben. Der Bauleiter, Regierungsbaurat Fehmer, begrüßte die Erschienenen und wies darauf hin, daß diese erste preußische Pädagogische Akademie ein Studienobjekt für alle Bauleiter und Akademiedirektoren sei, denen die bei dieser ersten Lösung des Bauproblems gemachten Erfahrungen von großem Vorteil sein werden. Dank der Energie der beschäftigten Firmen sei der Neubau in 350 Werktagen vollendet worden. Der Bauleiter übergab sodann den Schlüssel des Neubaues Regierungspräsidenten König(Arnsberg), der Regierungsbaurat Fehmer für seine Mühe und Arbeit bei diesem Bau seinen Dank aussprach. Im Namen der anderen Regierungsbehörden sprach der Regierungspräsident Grüße und Glückwünsche aus. Akademiedirektor Prof. Dr. Körber übernahm den Schlüssel des Hauses und versprach, das Haus in getreuen Händen zu wahren. Er gab sodann einen Ueberblick über die Ziele und Aufgaben der Akademie, die eine Bildungszentrale, ja Ueberlandzentrale, auch für andere kulturelle Zwecke werden möge. Nachdem Oberbürgermeister Dr. Eichhoff noch gesprochen hatte, fand ein Rundgang durch das neue Gebäude statt, wobei die Gäste Gelegenheit hatten, sich die Vortrefflichkeit der Räume und Einrichtungen vor Augen zu führen. Abends versammelten sich die Studenten in dem alten: Heim, im ehemaligen Landratsamt, um von hier aus einen langen Fackelzug nach dem Neubau zu veranstalten. Schweres Betriebsunglück Drei Verletzte. Duisburg, 7. Oktober. Beim Abstich eines Hochofens auf dem Eisenwerk Kraft der Niederrheinischen Hütte flog plötzlich eine Platte heraus. Von der Stichflamme wurden drei Personen verletzt. Der Italiener da Pont trug lebensgefährliche Verletzungen danon. Die Kleider verbrannten ihm am Leibe und mit schweren Brandwunden mußte er dem Krankenhaus zugeführt werden. Ein Meister und ein Arbeiter kamen mit leichteren Verletzungen davon. in einer Wirtschaft Drei Personen niedergeschossen. Oberhausen, 7. Oktober. In der Nacht zum Montag wurde das Ueberfallkommando zur Wirtschaft Jenke im Stadtteil Sterkrade gerufen, wo sich eine folgenschwere Auseinandersetzung ereignet hatte. Die Polizei fand bei ihrem Eintreffen den 21 jährigen Sohn des Wirts, sowie den in Hamborn wohnhaften Heinrich Hörschemeier und den Kellner Wilhelm Kwiatkowski aus Sterkrade mit schweren Schußverletzungen vor. Der Sohn des Wirts hatte einen Brustschuß erlitten und verstarb, bevor ärztliche Hilfe zur Stelle sein konnte. Die beiden anderen Verletzten wurden sofort dem Krankenhause zugeführt, wo Hörschemeier ebenfalls durch einen Brustschuß lebensgefährlich verletzt darniederliegt. Dem Kellner Kwiatkowski wurde die Schlagader am Unterarm zerschossen, auch bei ihm soll Lebensgefahr bestehen.. J.Jgande Einzsheiten: a. Hierzu erfahren wir noch folgende Einzelheiren: In der Wirtschaft Jenke wurde ein öffentliches Tanzvergnügen abgehalten. Kurz vor Mitternacht erschienen zwei männliche Personen im Saale, die, entgegen dem Verbot des Wirtes, zusammen tanzten. Sie wurden von einem auf der Tanzfläche die Aufsicht führenden Verwandten des Wirts, nach erfolgloser Verwarnung, aus dem Saale gewiesen. Hierbei kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf von einem der beiden aus dem Saale Verwiesenen, mehrere Schüsse von der Straße her in den Saal gefeuert wurden, die die bereits erwähnten Verletzungen verursachten. Die Täter flüchteten, wurden jedoch noch in der Nacht als die Gebrüder Ernst und Wilhelm Barlem aus Wehofen festgenommen. Nach längerem Leugnen gestand Wilhelm Barlem, die Schüsse abgegeben zu haben. Opladen, 7. Oktober. Die Bürgersteuer soll gestaffelt werden. Infolge der dauernd anwachsenden Wohlsehrtslasten mußte sich der Finanzund Aeltestenausschuß in gemeinsamer Sitzung mit der Frage der Einführung der Burgersteuer beschäftigen. Es wurde schließlich die Einführung einer gestaffelten Bürgersteuer beschlossen. Folgende Steuersätze sollen behoben werden: bis 8000 M. Einkommen 6 M., von 8000 bis 25 000 M. 12 M.. von 25 000 bis 50000 M. 50 M. und über 50000 M. 100 M., sowie über 200 000 M. 500 M. 15 7 Büde LHxNS wenige Bürstenstriche— strahlender Hochglanz 1 Sitzung des Kreistages des Ennepe=Ruhrkreises in Schwelm Schwelm, 7. Oktober. Die von verschiedenen Fraktionen geforderte Sitzung des Ennepe=Ruhr=Kreises fand gestern unter einem derart starken Andrange von Zuhörern statt, daß viele keinen Platz finden konnten. Auf Antrag der SPD. wurde daher beschlossen, die Nachmittagssitzung im Saale des Gewerkschaftshauses Märkischer Hof abzuhalten. Am Tische des Vorsitzenden, Landrat und Landtagsabgeordneter Hansmann, haben auch Regierungspräsident König und Regierungsrat Fuchs, nent der Kommunal=Abteilung bei der Regierung in Arnsberg, Platz genommen. Angenommen wird gegen die Stimmen der SPD. und des Zentrums ein Antrag der Einkaufsgenossenschaft der Bäcker=Innung in Liquidation in Schwelm auf Niederschlagung einer Schuld in Höhe von 8000 Mark. tigen Auseinandersetzungen wurde ein Antrag des Amtes Milspe auf Bewilligung einer Kreisbeihilfe in Form eines unverzinslichen Darlehens in Höhe von 23.000 M. für den Schulbau in Rüppelberg angenommen. Bei der Beratung dieses Antrages wird vor allem die von der Regierung geforderte Achtzimmerwohnung für den Lehrer bemängelt, was keine Sparsamkeit, wie sie immer gepredigt würde, darstelle. Der Antrag wird zudem noch mit der Erweiterung, daß nicht 23000 Mark, sondern 34000 Mark angeliehen werden sollen, da die Kosten sich erhöht haben, angenommen. Der Punkt, Wahl einer Finanzkommission, führt zu einer längeren Debatte, weil die geschlossene Rechte, einschließlich Zentrum, mit dem Entwurf des Landrats nicht einverstanden ist. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde noch festgestellt, daß die Arbeitsmarktlage im Kreise sich katastrophal verschlechtert hat. In einigen Gemeinden stellt sich die Steigerung der Arheitglosenziffer gegenüber Ende 1929 auf 100 Prczent. Der Durbschnitt des Kreises beträgt 74,1 Arheitslose auf 1000 Ci hnern. Stadttheater Bochum Die für die Vormiete A heute abend angesetzte Aufführung von Thomas'„Mignon“ beginnt um 20 Uhr und dauert bis gegen 23 Uhr. Karten im freien Verkauf zu Preisen zwischen 1,50 und 7,— Mk. sind noch zu haben. Die abermallige Wiederholung des„Neidhardt von Gneisenau" am Donnerstag ist außer für die Vormiete C auch für den Bühnenvolksbund, Serie C. vorgesehen. Die für Freitag angekündigte Opernneuheit, Charpentiers„Louise", erforderte in ihrer Besetzung den überwiegend größeren Teil unseres OpernEnsembles Es würde zu weit führen, die meist episodenhaften, wenn auch wesentlichen Figuren und ihre Darsteller aufzuführen. Daher seien nur die Hauptpartien genannt, die von den Damen Kindling und Maschek, von den Herren Tödte und Jank=Hoffmann gesungen werden. Die Bochumer Erstaufführung des Werkes. das bei seinen Duisburger Aufführungen einem außerordentlichen Interesse begegnete, ist für die Vormiete D vorgesehen. Von den 700 Karten, die seit gestern im freien Verkauf zur Ausgabe gelangen, ist noch ein guter Teil vorrätig. Die Preise bewegen sich zwischen 1,50 und 7,— Mk. Heute beginnt der Vorverkauf zu der für Samstag angesetzten Wiederholung von Björnsons„Ueber die Kraft“, die für den Weißen Ring vorgesehen ist. Hingewiesen sei aber vor allem darauf, daß diese Wiederholung gleichzeitig auch als Wahlvorstellung für alle Ringe angesetzt ist, deren Mitgliedern beim Bezug ihrer Karten eine Ermäßigung von 25 Prozent in Anrechnung gebracht wird. Ueberdies sind noch genügend Plätze für alle Gruppen und Preislagen im freien Verkauf erhältlich. Die in Vorbereitung befindliche Neuheit des heiteren Repertoires, die für Sonntag in Aussicht genommen wurde, ist die„Füllfeder“, das jüngste Lustspiel von Ladislaus Feodor, der noch bei unserem Publikum in angenehmer Erinnerung sein wird durch seine Lustspiele„Arm wie eine Kirchenmaus" und„Wiegenlied". Die Inszenierung der„Füllfeder“ hat Viktor Ahlers inne. Die dekorative Einrichtung wird nach den Intentionen Ernst Presbers durch ihn selbst besorgt. Die Erstaufführung ist für den Blauen Ring angesetzt, außerdem aber auch für die Serie 2 der Volksbühne, der somit dieses Lustspiel an Stelle des ursprünglich angekündigten heiteren Werkes„Sturm im Wasserglas“ geboten wird. Operettentheater Bochum Das Operetten=Theater bringt heute, Mittwoch, abend um 8 Uhr zum ersten Male die Operette„Meine Schwester und ich“ it Musik des bekannten Komponisten Ralph, Benatzky. Die ber Ahsele, eschase eäichne b. Operette„Meine Schwester und ich“ hat er reiche Einfälle und entzückende Schlager gefunden. Hinzu kommt eine Handlung, die in sprühendem Witz ihresgleichen sucht. Jeder Besucher hat Gelegenheit. sich einmal ordentlich auszulachen. Die Einstudierung des Werkes hat Herr Oberspielleiter Adolf Wiesner übernommen, während die musikalische Leitung in den Händen von Kapellmeister Dr. Erich Schalscha liegt. In den Hauptrollen sind beschäftigt: Erna Wigger, Anneliese Kerting Ruth Grabner, Joachim Limon Heinz Virneburg, Adolf Wiesner, Carl Santori und Hans Gewecke. Eintrittskarten zu Preisen von 50 Pf. bis 3.50 Mk. erhältlich in den bekannten VorverWas geht beim Westdeutschen Rundfunk vor? Kündigung des gesamten Personals. Köln, 7. Oktober. Großes Erstaunen rief es beim Westdeutschen Rundfunk. hervor, als am 1. Oktober sämtlichen Angestellten, vom Intendanten bis herunter zum Laufburschen ein Kündigungsschreiben des ersten Vorsitzenden des Aufsichtsrats, des Generaldirektors, Baurats Tornim(Münster), zuging. Die Kündigung erfolgt zu einem Zeitpunkt, der mit den abgeschlossenen Verträgen nicht in Einklang zu bringen ist. Ein Teil der Verträge läuft selbsttätig am 1. April 1931 ab, während der andere Teil am 1. Januar 1931 zu Ende geht. Ein Grund für die Kündigung war nicht angegeben, man nimmt jedoch an, daß Kündigungsschreiben lediglich eine vorsorgliche Maßnahme darstellt, mit dem Zweck, unter Umständen eine Aenderung der Verträge herbeizuführen. Auch die Reichsrundsunk=Gesellschaft, die mit 51 Prozent Beteiligung maßgebenden Einfluß auf die Werag besitzt, hat auf Anfrage erklärt, nichts von den Kündigungen zu wissen. Oberhausen, 7. Oktober. Eir Posträuber auf frischer Tat ertappt. Beim Postamt 15 in Ol usen wurden seit längerer Zeit Wertbriefe und Pakete e. rachen und ihres Inhaltes beraubt, ohne daß es gelang den Räuber zu ermitteln. Durch einen Zufall gelang es Licht in die dunile Sache zu bringen Ein 21 jähriger Postaushelfer, der vier Jahre beim Postamt beschäftigt ist, wurde heute dabei ertappi, als er Wertbriefe öffnete. Er wurde sofort festgenommen und der Kriminalpolizei vorgeführt. Gleichzeitig fand in seiner elterlichen Wohnung eine Haussuchung statt, bei der u. a. Schmucksachen und für 4200 Mark Devisen, hauptsächlich Dollarnoten und holländische Gulden, die aus den erbrochenen Briefen und Wertpaketen stammen, vorgefunden. Die Mutter des Beschuldigten ist unter dem Verdacht der Begünstigung ebenfalls in Haft genommen worden. Die polizeiliche Untersuchung ist im Gange. Essen, 7. Oktober. Ruhestörer im Betsaal der jüdischen Gemeinde. Am Sonntag, gegen 7.10 Uhr, drangen fünf junge Burschen, nachdem sie die Nacht durchgezecht hatten, in den Betsaal der jüdischen Gemeinde, der sich in der Synagoge befindet. Hier störten sie durch ihr ungebührliches Benehmen und lärmendes Verhalten den Gottesdienst. Der Aufforderung des Kirchendieners, den Raum zu verlassen, folgten sie nicht. Der Gottesdienst mußte daraufhin unterbrochen werden. Als die Vorbeter und einige weitere Gemeindemitglieder auf die Eindringlinge einwirkten den Betsaal zu verlassen, wichen diese bis in den Vorraum unter Drohungen zurück. Nach Verlassen der Synagoge suchten die Täter Unterschlupf in einer in der Nähe liegenden Gastwirtschaft, um sich vor der Polizei zu verbergen. Sie wurden später von der Polizei aus ihrem Versteck herausgeholt und vorläufig festgenommen. Die Täter sind bereits dem Richter vorgeführt worden. Essen, 7. Oktober. Vor der Aufklärung des Essener Frauentodes. Der in Begleitung der in ihrer Wohnung tot aufgefundenen Prostituierten Ehefrau Mathilde Weber gesehene Mann wurde in der Person des 39 Jahre alten Beifahrers Franz Gabrilski aus Altenessen ermittelt, der sich verborgen hielt. Die Obduktion der Leiche ergab, daß die Weber offenbar mit einem Stock erheblich geschlagen worden ist. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums teilt zu der Angelegenheit mit, daß der der Tat verdächtige Belfahrer Gabrielsbi in Stolberg Aachen fes'genommen werden konnte. Er hat auscheinend versucht, nach Belgien zu entkommen. Ueber die Todesursachz konnte weiter noch nichts in Erfahrung gebracht werden. Erst die Vernehmung des Gabriel'ki wird Licht in das Dunkel des geheimnisvollen Frauentodes bringen. kaufsstellen und an der Theaterkasse von 11 bis 1 Uhr und ab 5 Uhr nachmittags. * Zur Bochumer Erstaufführung von Ralph Benatzkys „Meine Schwester und ich" im Operetten=Theater. Von Kapellmeister Dr. Erich Schalscha. Diese mit außergewöhnlichem Erfolge im Berliner Komödienhaus(Barnowsky=Bühne) urausgeführte musikalische Komödie von Ralph Benatzky beansprucht insofern ein besonderes Interesse, als mit diesem Werke bewußt der Versuch unternommen worden ist, der modernen Operetten=Literatur neue Bahnen und Ziele zu eröffnen. Da Musik und Inhalt dieses „musikalischen Spieles“, wie Benatzky sein Opus nennt, in ihrer Vereinigung einen vollkommen neuartigen Typus darstellen, bieten sie dem an der Entwicklung des zeitgenössischen Theaters Interessierten viele Möglichkeiten zu einer stilkritischen Betrachtung,.. Ansifef 8.a5 Aus uch. Es unterliegt wohl reinem Zweisel, oaß das moderne Theater(besonders seit der Wiedererweckung der„Dreigroschenoper“ von Brecht=Weill) mit immer stärker werdendem Nachdruck eine Annäherung und Durchdringung seiner Eattungen im Sinne eines„Urtheaters“ erstrebt. In welchem Maße Oper, Schauspiel und Operette dieser Tendenz praktisch bereits nachgekommen sind, das zu belegen, würde natürlich Rahmen und Zweck dieser Zeilen erheblich überschreiten. Die textliche Annäherung der Oper an die Operette(man denke nur an das Bündnis des Musikers Paul Hindemith mit dem ausgezeichneten Kabarettisten Marcellus Schiffer in„Neues vom Tage"), die Inszenierung der Meisteroperette„Die Fledermaus" durch Reinhardt als musikalisches„Lustspiel“, wie auch die immer häufiger in Erscheinung tretende Durchsetzung moderner Schauspiele mit Musik sind jedenfalls genügend Beispiele für diese Annäherungsbestrebungen. In diesem Zusamemnhang hineingeordnet erscheint mir Benatzkys Werk für die Entwicklung der modernen Operette von mannigfacher Bedeutung. Zunächst einmal dadurch, daß das frei von aller Schematik auf französischen Ursprung zurückgehende Libretto mit einem Schlage Menschen unserer Zeit auf die Bretter stellt, die unberührt von einem falschen Sentiment, durch ihre Tendenz zur Verbürgerlichung eine besonders sympathische Note erhalten. Dem„Leisen Chanson“ des kleinen Musikprofessors Fleuriot:„Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin" dürfte in seiner Innigkeit und schlichten Natürlichkeit wohl kaum ein Gegenstuck derartiger Originalität aus der Chanson=Literatur an die Seite zu stellen sein. Aus der Neuartigkeit des Librettos ergeben sich notwendigerweise die neuen Möglichkeiten der musikalischen Gestaltung. Das Kammerspiel der Bühne erfordert die Kammermusik des Orchesters. Bewunderungswürdig bleibt, wie einheitlich Benatzkys Musik erfühlt ist; ob sie sich schlagerhaft oder parodistisch gibt, ob sie tonmalerisch die Szene begleitet immer dem Geist der Komödie heraus. Auch hierin Zukunftweisende des Werkchens zu liegen. Ebensowenig wie man die Neuartigkeit der„Dreigroschenoper“ als Oper, Operette oder Schauspiel festlegen kann, wird man Benatzkys Werk stilistisch umreißen können. Ob Sketsch oder Lustspiel mit Musik, ob Operette, gleichviel: wir fragen nicht nach dem Namen dicses„Schwesterchens". aber wir freuen uns, daß sie gekommen ist. Mael Ar Eamter Wien, 6. Okt. Zweieinviertel Jahre ist es her, da wurde im Lainzer Tiergarten die schrecklich entstellte Leiche einer Unbekannten gefunden. Monate vergingen und die Polizei kannte weder der Namen der Toten, noch gar den Namen des Mörders. Es schien, als sollte der Lainzer Mord unter jene Kriminalaffären eingereiht werden, die niemals enträtselt wurden. Da lieferte der Zufall, zweifellos der beste Detektiv, das notwendige Beweismaterial zur Feststellung der Identität der Toten. Bei dem Wiener Zahnarzt Dr. Reisberg stand Hofrat Wildner der Wiener Polizeidirektion in Behandlung. Gesprächsweise deutet nun Dr. Reisberg einmal an, er glaube bei einer Patientin Zahnarbeiten, wie sie das Gebiß der Ermordeten aufwies, gemacht zu haben. Dr. Reisberg wurde Gelegenheit geboten, das Gebiß der Getöteten genau anzusehen, und er konnte mit Hilfe seines Ordinationsbuches feststellen, daß er diese Arbeit an einer Frau Katharina Schäfftner vorgenommen hatte. Diese Katharina Schäfftner hatte den Kaufmann Heinrich Andreas Fellner geheiratet. Andreas Fellner aber war der Wiener Polizei nicht unbekannt. Auf einer falschen Spur. Fellner wurde im Jahre 1921 vom Wiener Landesgericht wegen Veruntreuung zu drei Monaten Kerker und im Jahre 1922 vom Landesgericht Salzburg zu zweieinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt. Als der Name Fellner auftauchte, erinnerte man sich bei der Polizei, daß eine anonyme Anzeige, die den Namen Fellner enthielt, schon im Februar 1929 eingelaufen war. Die Salzburger Polizeidirektion hatte damals von einem Mann, der seinen Namen nicht nannte, ein Schreiben erhalten, in dem er behauptete, die Ermordete in Lainz sei niemand anderes als Katharina Fellner. Fellner wurde verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Die Polizei war noch immer nicht auf der richtigen Spur. Gustav Bauer verhaftet. Und doch brachte Fellner die Polizei auf die richtige Spur. Er nannte, als man ihn nach den Bekannten seiner Frau fragte, Gustav Bauer. Wichtige Verdachtsgründe sprachen gegen Bauer, so wurde er schließlich in Berlin verhaftet. Eine Hausdurchsuchung in der Wohnung Bauers lieferte den Beweis, daß Bauer noch am 16. Juli in Wien geweilt hatte. Aber es konnte erhoben werden, daß er erst am 19. Juli 1928, also zwei Tage nach dem Mord aus Wien abgereist war. Die Untersuchung gegen Bauer wurde nun von der Berliner Polizei und von dem Wiener Landesgericht geführt. Bauer leugnete, das Verbrechen begangen zu haben. Aber die fieberhaft geführte Untersuchung entlastete Bauer nicht, sondern verstärkte den Verdacht gegen ihn immer mehr. Ein teilweises Geständnis. Ende Juli 1929 gestand endlich Bauer in Berlin am 17. Juli 1928 mit der Käthe Fellner zusammen gewesen zu sein. Nach langwierigen Unterhandlungen zwischen den Wiener und Berliner Gerichtsbehörden wurde endlich Gustav Bauer am 9. Oktober 1929 an das Wiener Landesgericht ausgeliefert. Seither ist ein Jahr vergangen. Vor drei Monaten hat die Staatsanwaltschaft gegen Bauer die Anklage wegen Verbrechens des Raubmordes erhoben. Ein Prozeß von zwei Wochen. Der Prozeß begann Dienstag im großen Schwurgerichtssaal. Die Verhandlung wird vierzehn Tage dauern. Der Ansturm um Zuhörerkarten beim Landesgericht wächst von Tag zu Tag. Eh Awdeuig Vielzach vordestrau, qualte er a In welche Hände eine arme Schnitterin ihr uneheliches Kind gibt, um ungehindert ihrer Arbeit nachgehen zu können, erlebte man in einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin=Mitte. Man stelle sich vor: Ein Siebzigjähriger mit 25 Vorstrafen als Pflegevater eines dreijährigen Knaben! Ein Mann, der nicht bloß wegen Diebstahls im Rückfall und wegen Hehlerei, sondern wiederholt wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands, Sachbeschädigung und Nötigung vor den Gerichten gestanden hat! Ein gewalttätiger Säufer, der zwei Monate lang den Kleinen aus jedem noch so geringen Anlaß mißhandelte, mit dem Lederriemen seinen Kopf, mit einer Holzlatte seinen Rücken derart bearbeitete, daß das Körperchen zahllose blutunterlaufene Striemen aufwies. Wie war aber das Kind in die Hände dieses greisenhaften Peinigers gekommen? Eines Tages fuhr er aufs Land, um Blumen zu holen, lernte hier eine Schnitterin kennen, bat sie, ihm das Kind in Pflege zu geben, es würde es bei ihm gut haben, und sic gab es ihm auch wirklich hin, ohne danach zu fragen, wer er sei und was er mit dem Kind vorhabe. Er brauchte aber den Kleinen gewissermaßen als Attraktion beim Betteln. Die Mutter besuchte ihren Jungen, sah, wie es um ihn stand, sie weinte und wollte ihn wieder zu sich nehmen, ihr Bräutigam meinte aber, das Kind habe es gar nicht so schlecht bei dem Alten und so blieb der Junge da. Vor Gericht bestreitet der Alte, den Dreijährigen überhaupt nur mit dem Finger angerührt zu haben. Die blutunterlaufenen Striemen seien nichts anderes als Flechten.„Sagen Sie lieber die Wahrheit,“ ermahnte ihn der Richter,„sonst vertagen wir noch die Verhandlung und laden wegen der blutunterlaufenen Striemen die Polizeibeamtin. Da kann Ihnen Ihr Leugnen noch leid tun.“„Mir tut nischt leid“, meinte der Alte. Der eigene Sohn hatte ihn zur Anzeige gebracht. Vor Gericht verweigerte er zuerst die Aussage, besann sich aber dann und legte los. Der Vater sause, auch seine Frau— es ist die zweite, also nicht die Mutter des Zeugen— tränke womöglich noch mehr als der Vater. Ist sie aber stockbesoffen, so tut der Vater alles, was sie will. Und sie wollte, daß er das Kind schlage! Sie tat es auch selber.„Alles Lüge“, sagte der Alte. Der Staatsanwalt beantragte 5 Monate Gefängnis und stellte dem Gericht anheim, eine Bewährungsfrist zuzubilligen.„Was meinen Sie dazu?“ fragte der Vorsitzende,„der Staatsanwalt hat 5 Monate Gefängnis beantragt.“ Der Alte empört:„Für wat, Herr Vorsitzender? Weil ich dem Kleinen zu Fressen gegeben habe, deshalb soll ich auf 5 Monate ins Kittchen? Nee, meine Herren, das kann ich nicht mitmachen.“ Das Gericht verurteilte den Mann zu vier Monaten Gefängnis und lehnte eine Bewährungsfrist ab.„Danke schön“, meinte der Alte, nahm seine Frau am Arm und ging davon. Das Kind befindet sich augenblicklich im Waisenhaus. Das Elend der Schnitterinnen, die nicht wissen, wohin mit ihren unehelichen Kindern, fand aber in der Gerichtsverhandlung eine grauenhafte Illustration mehr. Der Oststaatenflug der 0 Berlin, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Die gestern vormittag um 10.45 Uhr nach 2½ stündigem Flug in Bukarest gelandete Junkers D 38 erregte das größte Interesse der gesamten Bevölkerung der rumänischen Hauptstadt. Am Nachmittag wurden zahlreiche Rundflüge ausgeführt, an denen u. a. die Königin, der Kronprinz Michael, der Kriegsminister, der deutsche Gesandte und andere diplomatische Vertreter teilnahmen. Der Weiterflug der Maschine ist für heute in Richtung Constanza nach Stambul vorgesehen. Der erste Schnee im Schwarzwald Freiburg, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Der stetige Temperaturrückgang der letzten Tage hat in den Höhen über 1000 Meter im Schwarzwalde zum ersten Male Temperaturen unter Null gebracht. Auf dem Feldberg hielt sich die Temperatur um den Nullpunkt herum. Die Niederschläge fielen erstmals als Schnee und schufen eine geschlossene Schneedecke von etwa 10 Zentimetern, die infolge der Verwehung an manchen Stellen stärker ist. Das stürmische Wetter der letzten Tage hält unverändert an. Auch heute morgen setzen sich die Schneefälle fort. Zwei Arbeiter in einem Steinbruch verschüttet Chemnitz, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Am Scharfenstein im Erzgebirge löste sich eine etwa 900 Zentner schwere Felswand und stürzte auf eine Baubude, in der zwei Arbeiter beschäftigt waren. Da Nachstürze von Felsmassen befürchtet werden, konnten die Leichen der Verunglückten noch nicht geborgen werden. Der Felssturz dürfte auf die Einwirkung von Witterungseinflüssen zurückzuführen sein. Wieder ein Schülerselbstmord Halberstadt, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Ein 16jähriger auswärtiger Schüler einer hiesigen Lehranstalt hat sich aus Furcht vor der väterlichen Strafe im Physiksaal der Schule mit Gas vergiftet. Der Vater des Knaben hatte vor kurzem von der Schule ein Schreiben erhalten, das über die schwachen Leistungen des Schülers Klage führte. Der Junge war hierauf von seinem Vater gezüchtigt worden und wagte es wahrscheinlich nicht, mit seinem schlechten Zeugnis nach Hause zu fahren. Raubüberfall auf die Frau des Bürgermeisters von Chicago, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Als Frau Thompson, die Gattin des Bürgermeisters von Chicago, gestern von einer Automobilfahrt nach Hause zurückkehrte, wurde sie von drei Männern, die den sie begleitenden Polizeichauffeur niederschlugen, aller Wertgegenstände beraubt, die sie bei sich trug. Darunter befanden sich ein Ring im Werte von 10 000 Dollar und andere wertvolle Schmuckstücke. Wieder ein Kinobrandunglück in Rußland Astrach aufführ mehrere davon. 17 Tote, 14 Verletzte. ng.) Bei einer FilmPersonen, darunter ... 14.„n schwere Brandwunden Csltigrutr aurdemEnahite Behn Jote, Lünf Vermipte De dendronn.. KIAAA A 21)(Fortsetzung.) „Du hast dich untadelig beherzt und eines ganzen Mannes würdig gezeigt, Heinrich“, sagte Till und drückte mir die Hand. „Warum führtest du mich vor jenes Haus in der Sternhauser Allee?“ fragte ich. „Es ist das Gebäude, in dessen Kellergrabe ich vor knapp 24 Stunden als Gefangener saß“, entgegnete er. „Welchen Beruf hat dieser Jeremias Imhofer?“ „Er ist Bankier, und zwar— wenigstens vermute ich das— der Bankier jenes ermordeten Benjamin Graeve!“ „Kennst du den Mann persönlich?“ „Noch nicht.“ Ich habe aber die Absicht, mich bald mit ihm bekannt zu machen.“ „Und welche Rolle fällt mir bei deinen weiteren Aktionen zu—? Denn da ich nun einmal ein Stück auf deinem Berufswege mit dir gegangen bin, möchte ich nicht auf halber Straße umkehren!“ „Ich danke dir. Aber vorläufig mußt du dich einige Stunden zur Ruhe legen. Es ist halb fünf Uhr. Bis gegen acht Uhr gönne ich mir auch eine Erholungspause, denn es wird im Verlause des heutigen Tages noch mancherlei mit tunlichster Schnelligkeit zu erledigen sein. Also lege dich jetzt ruhig nieder. Du weißt ja, wo in meinem Hause dein Lager bereitet ist.“ Frau Willing deckte den Tisch ab, zog die Jalousien auf und schaltete das Licht aus. Der junge Tag glänzte durch die „ch gehe dann zunächst einmal auf die Staatsanwaltschaft,“ Tell.„Tabei wird mir deine Begleitung nicht erforderlich ich als Ersatz den Gerichtsarzt Doktor Fennler in Anuch nehhmen kann, salls das nötig sein sollte. Nach meiner er erstotte ich dir dann Bericht, falls du bis dahin aus##cchahen pchen Collzeßz. Gute Nacht, lieber Freund!“ Guadalajara(Mexiko), 7. Okt.(Drahtmeldung.) Ein mit 20 Ausflüglern besetztes Boot kenterte während eines starken Sturmes auf dem Chapala=See. Zehn Personen erIch streckte mich wohlig in die Kissen und versank bald in einen Erschöpfungsschlaf, in dessen Träumen die Gestalten meiner nächtlichen Erlebnisse einen tollen Reigen um mich aufführten. 4. Kapitel. „Welche Zeit ist es eigentlich, Till?“ fragte ich, mich in den Kissen aufrichtend. Ich mußte eben erwacht sein, als der Freund bei mir eintrat. „Halb zehn Uhr, Heinrich“, gab er zur Antwort.„Hast du gut geschlafen?“ „Prächtig", erwiderte ich.„Es wurde auch höchste Zeit! Willst du an die Arbeit gehen?“ Er lachte. „Die habe ich längst begonnen. Ich komme eben von der Staatsanwaltschaft.“ „Was wollte man von dir?“ „Die Hauptsache war wohl, daß ich meinen Bericht über den Leichenfund zu Protokoll gab. Für die Herren am Gericht wenigstens, für die es feststeht, daß Philipp Graeve der Mörder ist.“ „Was? Das ist doch unmöglich! Wie sollte er in den Schleusenkanal hinabgekommen sein und über seinem Einstieg den schweren Deckel wieder geschlossen haben?“ „Dafür hat man sich dort zwei Erklärungen zurechtgelegt. Entweder er ist nachträglich durch das Fluttor in die Schleuse eingedrungen, oder er hat einen Helfer gehabt, der nach seinem Einstiege die Schleuse wieder zugedeckt hat. Beides Vermutungen, die einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht entbehren, wenn man annimmt, daß er ein Doppelverbrechen vortäuschen wollte, bei dem Philipp Graeve ebenso Opfer war wie sein Bruder Benjamin!" „Wie kommt der Staatsanwalt zu dieser Annahme?“ „Erstens fand sich bei ihm der Mechanikerhammer, der offenbar das Mordwerkzeug darstellt, darüber dürfte kaum noch ein Zweifel bestehen. Zweitens dieser Brief in der Tasche des Toten. Du entsinnst dich?“ „Ja. Er war an den Kriminalwachtmeister Bohrmann adressiert, nicht wahr?“ „Ganz recht. Ich habe ihn mir ausgebeten, um eine Kopie herzustellen, da sich die Zusammenhänge in meinem Gehirn tranken, fünf Personen kamen mit dem Leben davon, fünf werden vermißt. nicht so einfach zusammenfügen wollen, wie in dem des Herrn Staatsanwalts.“ „Welchen Inhalt hat das Schreiben?“ „Es weist auf die Lebensgefahr hin, die Benjamin Graeve von seinem Bruder Philipp gedroht haben soll. Begründet ist diese Befürchtung mit einem Haß des jüngeren Bruders auf den älteren und mit dem Hinweis auf epileptische Anfälle und Affekthandlungen Philipps. Zugleich bittet er, vor allem des Nachts Philipp Graeve überwachen zu lassen.“ „Der Brief wurde nicht abgeschickt!“ „Ehe das geschehen konnte, fiel Benjamin Graeve dem Morde zum Opfer.“ „Hat die Staatsanwaltschaft auch schon die tieferen Gründe für die Abneigung Philipps gegen seinen Bruder ermittelt?“ „Sie glaubt es wenigstens, Philipp Graeve hatte eine fixe Idee: er beschäftigte sich seit Jahren mit der Konstruktion einer Sonnen=Kraftmaschine.“ „Aha, daher die technischen Aufzeichnungen und Formeln in dem Taschenbuche des Unglücklichen, sowie seine Reden, die wir für Fieberträume hielten.“ Till nickte. „Die Erfindung setzte Geldmittel voraus, über die Philipp nicht in ausreichendem Maße verfügte. Möglich, daß es in diesem Punkte zwischen ihm und dem vermögenden Bruder mitunter zu schweren Zerwürfnissen kam.“ „Sind das Vermutungen?“ „Nicht ganz. Sie beruhen auf Aussagen der Witwe Benjamin Graeves, die sich das Gericht bei ihr einholte. Natürlich sind das, für mich wenigstens, noch lange keine Beweise!“ „Die Sache sieht aber sehr wahrscheinlich aus, Till“, wandte ich ein. „Nach unseren beiderseitigen Erlebnissen der vergangenen Nacht aber durchaus nicht mehr. Sie weisen entschieden darauf hin, daß in dieser Angelegenheit andere ihre Hände im Spiele haben!“ „Allerdings!“ mußte ich zugestehen. „Wir werden dann Frau Graeve einen Besuch machen. Ich vermute, daß dessen Ergebnis etwas anders ausfällt als der des obersten Vertreters der Anklage.“ Ich hatte mich inzwischen angekleidet und war dem Freunde ins Arbeitszimmer gefolgt. Während er die Kopie des Briefes mit Hilfe seines Apparates verfertigte, nahm ich einen Imbiß zu mir.(Fortsetzung folgt.) 0 S S Die Sterne sind nicht zu zählen Unendlichkeit des Weltalls ist die Was die Forscher sagen Mit bloßem Auge kann man, je nach dem Orte der Beobachtung und der Scharfsichtigkeit des beobachtenden Auges, 2000 bis 4000 Sterne zählen. So viele waren auch bereits in der fernrohrlosen Zeit bekannt, und es stellt der Gewissenhaftigkeit und dem Sehvermögen der Astronomen des Altertums ein ehrenvolles Zeugnis aus, daß schon der ptolomäische Sternenkatalog an 4000 Sterne enthält, darunter solche, die heute nur noch die wenigsten Menschen mit bloßem Auge erblicken können. Ein solcher Magier auf seinem Sternentum zu Alexandrien oder Susa muß eine wunderbare Konzentration des Geistes und eine unglaubliche Geschlossenheit seines Denkvermögens besessen haben. Es ist für mich eine der ehrwürdigsten Vorstellungen, wie der Astronom im Altertum ohne alle Hilfsmittel in seiner Einsamkeit fast den ganzen Bau und die Bewegungen im Kosmos richtig, oft mit fabelhafter Genauigkeit zu erkennen vermochte und daraus die richtigen Schlüsse zog. Man hat ganz recht gehabt, wenn man darauf aufmerksam machte, wie wenig Ursache man habe, von einer geistigen Höherentwicklung zu sprechen. Welche astronomischen Kenntnisse verraten sich doch im Bau der Cheopspyramide! Da ist es schon selbstverständlich, wenn in der Sonnenregion des ägyptischen Königs Amenhotep IV. die Vorstellung vom Weltgebäude eigentlich der modernen Lehre entspricht. Unsere Zeit ist jenen Alten nur in der Ausbreitung, nicht aber in der Vertiefung der Kenntnisse überlegen. Daher kommt es, daß wir nichts prinzipiell Neues erfahren haben, als der astrophotographische Kongreß zu Paris im Jahre 1887 beschloß, eine allgemeine photographische Himmelsaufnahme an 18 Observatorien mit gleichen Instrumenten zu beginnen. Nach diesem Arbeitsplan wurden 20 626 Platten von einer Stunde Exvositionsdauer angefertigt, auf denen alle Sterne bis zur 13. Größenklasse vorhanden sind. Mit freiem Auge erkennt man sie nur bis zur 6. Größenklasse. 30 Millionen Sterne wurden auf diese Weise am Firmament festgestellt, während selbst die besten Fernrohre nur mehrere hunderttausend wahrzunehmen gestalten. Natürlich ist auch das noch nicht der Umfang des gesamten Seins, dem die großen Denker aller Zeiten wie Demokrit, Swedenborg, aber auch Kant Unendlichkeit, also eine unzählige Menge Sterne zusprachen. Der französische Astronom Hermite ersann daher eine andere Methode, um noch tiefer in den Kosmos eindringen zu können. Auch er beobachtete das Kapteynsche Phänomen insofern, als die Zahl der Sterne von einer Größenklasse zur anderen nach einer stetigen Proportion wächst. Er maß nun den Gesamtbetrag des von jeder Klasse Sterne ausgesandten Lichtes. Wenn er mit der so erhaltenen Summe die wirkliche Intensität des Sternenlichts verglich, das jeder, der es einmal in einer schneelosen, sternenklaren Winternacht beobachtete überraschend hell gefunden haben wird, so kam er zu der Annahme, dieses Licht müsse von 60 Billionen Sonnen kammen.„, 94 1. Stgrms im, M. 1. Ueber die Anordnung vieser Sterne im Weltenraume machte man sich ebenfalls ein bestimmtes Bild nach dem Vorgang Engländers Newcomb, der auf folgende Tatsachen die Aufmerksamkeit lenkte: innerhalb eines Radius von 400 000 Erdbahnhalbmessern scheint es außer der Sonne nur noch eine Sonne(nämlich St. Centauri) zu geben. Wäre nun das Weltall gleichförmig, so müßte es in einer Kugel von doppeltem Radius den Kubus dieser Zahl, d. h. acht Fixsterne geben. Bei dreimal größerem Radius 27 usw. Tatsächlich stimmt die Beobachtung mit dieser Annahme überraschend gut überein, und so glaubt Newcomb, daß 500 solcher rongentrischer Kugeln alle wahrnehmbaren Sterne einrein statistische Sternzählungen ohne Hilfshypothesen versuchte, die Gesetzmäßigkeiten des Himmelsbaues festzulegen. Nach den„Sternaichungen“ d. h. genauen Auszählungen, die seit Wilhelm Herschel(18. Jahrhundert) auch andere Sternforscher vorgenommen haben, ließ sich für die ersten zehn Größenklassen unter Annahme gleicher Verteilung und Helligkeit das erste Gesetz feststellen. Die Anzahl der Sterne zwischen den Größenklassen 6 bis 9 nimmt langsamer zu als es der normalen Annahme entsprechen würde, ebenso die der Kategorie 1 bis 5. Dagegen nimmt die Zahl dieser Sterne gegen die Milchstraße stetig zu. Diese ist also keine optische Täuschung, wie jene glauben, die annehmen, daß unsere Erde in einer Art„Weltlinse" stecke, deren Rand wir erblicken, wenn wir in das Sternengewimmel der Milchstraße schauen. Nach Seeliger ist eine reale Anhäufung von Sternen in der Milchstraße vereinigt. Nur gilt das alles nicht für die 2. bis 5. Größenklasse, in der die Sterne gegen die Milchstraße zu an Zahl eher abnehmen. Seeliger meint also, daß die Sterne nicht ganz gleichförmig verteilt sind und schließt daraus: alle Sterne bilden zusammen ein einheitliches System, das aber endlich begrenzt ist, da sich Unendlichkeit nicht mit dem beobachteten Verteilungsgesetz decken würde. Dieses System nenn er den Fixsternenhimmel und meint, er habe die Gestalt eines Rotationsellipsoids, dessen Aequator die Milchstraße ist und etwa 25000 Lichtjahre umspannt, während die kürzeste Achse etwa halb so groß ist. Die hellen Sterne stehen darin gleichmäßig angeordnet. Dagegen sind die 12. bis 14. Größe namentlich in der Milchstraße dichtgedrängt, etwa zwanzigmal dichter als sonstwo. Der matte Schimmer der Milchstraße rührt von den schwächsten Alle Fixsterne sind wie unsere Sonne groß und hell. Alle Abweichungen gehen nicht über 50 Proz. nach der einen oder anderen Richtung hinaus. Nur einige Giganten sind etwa zehntausendmal deller als unsere Sonne. Die„Welt“ zeigt also eine gewisse Einförmigkeit. Das wichtigste an Seeligers Annahmen ist aber, daß er Nebelflecke und Sternhaufen nicht, wie Herschel und such Kant es wollen, für Weltinseln nach Art der Milchstraße hält, sondern sie in unser Fixsterninstem einordnet. Seine Hauptbeweise dafür sind, daß sie gleiche Radialgeschwindigkeiten und auch ein Spektrum besitzen, das dem kosmischen entspricht. Wie man sieht, widersprechen sich die Forschungen und Folgerungen in einigen Punkten. In anderen nicht weniger wichtigen jedoch stimmen sie überein. Hält man sich allein an das Gemeinsame, so wird man weniger von der Wirklichkeit abirren, als wenn man nur auf einen Meister schwört. R. Erance. im Bäume registrieren Lonnenfleckenperioden Astronomische Ereignisse im Oktober Eine hochinteressante Feststellung wurde, wie C. Archenhold „Weltall“ berichtet, an uralten Bäumen in Nordamerika gemacht. Es ist bekannt, daß man mit Hilfe der Jahresringe das Alter der Bäume bestimmen kann. Je breiter nun ein Jahresring ist, desto mehr ist der Baum in dem betreffenden Jahre durch verschiedene Umstände in seinem Wachstum begünstigt worden. Temperatur, Sonnenschein, Niederschlag und Grundwasserstand sind die hauptsächlichsten Bedingungen, die das Wachstum beeinflussen. Die Jahresringe stehen deshalb mit den klimatischen Verhältnissen der einzelnen Jahre in engstem Zusammenhange. Dadurch bekommt man bei den Untersuchungen alter Bäume auch ein Bild von den Klimaverhältnissen längst vergangener Zeiten„ Da die periodisch wiederkehrende Sonnenfleckenhäufigkeit sich durch verschiedene Erscheinungen, wie anormale Witterungslage und anderes, im Erdgeschehen widerspiegeln, so müssen sich diese Erscheinungen bei Methusalems der Pflanzenwelt, die im Laufe ihres langen Daseins doch häufig durch Sonnenfleckenverioden in ihrem Wachstum beeinflußt wurden, auch heute noch feststellen lassen. Tatsächlich hat die Analyse des Wachstums verschiedener Baumarten neben anderen Perioden auch deutlich eine elfjährige gezeigt, die mit der Sonnenfleckenperiode übereinstimmt. Die Schwankungen der Sonnenstrahlung infolge der Sonnenfleckentätigkeit sind hier in den Jahresringen der uralten Bäume registriert worden. Es gibt 3000 Jahre alte Mammutbäume, die die Wirkung der Sonnenfleckenperiode mit aller Deutlichkeit widerspiegeln. Im Monat Oktober erleben wir zwei astronomische Ereignisse, eine Sonnen= und eine Mondfinsternis, die wie immer für die Wissenschaftler und Sternfreunde der Erde von Bedeutung und Interesse sind. In der mitteleuropäischen Nacht vom Dienstag, dem 21., auf Mittwoch, den 22. Oktober, erfolgt eine Sonnenfinsternis, die demnach in unseren Gegenden nicht sichtbar sein wird. Im südlichen Teil des Pazifischen Ozeans ist die Finsternis total, während sie in Ostaustralien und an der Südspitze Südamerikas partiell ist. Eine größere wissenschaftliche Bedeutung wird diese Finsternis freilich kaum haben, da die Totalitätszone sehr ungünstig, nämlich gerade im Ozean liegt. Die am Dienstag, dem 7. Oktober, stattfindende Mondfinsternis, deren Sichtbarkeitsgebiete Asien, Australien. Indischer Ozean, Europa und Afrika sind, kann jedoch auch in Deutschland in ihrem ganzen Verlaufe verfolgt werden. Sie beginnt um 19.46 Uhr und endet um 20.27 Uhr. Die Verfinsterung durch den Erdschatten ist hier nur eine teilweise. Die Verdunkelung am Nordrande des Mondes beträgt zur Zeit der stärksten Beschattung um 20.06 Uhr etwa 3 Proz. Diese teilweise Verfinsterung ist also viel weniger auffällig als eine totale„Aufmerksame Beob. achter werden sie aber trotzdem bei klarem Himmel gut beobachten können. Aertiges Aiteltka Die europäische Presse hat ein großes amerikanisches Ereignis unbemerkt gelassen. Die Vereinigten Staaten haben nun endlich ihre ersten wirklichen, vatikanisch approbierten Heiligen— keine Scheinheiligen, und sogar gleich acht an der Zahl— erhalten! Einem tief empfundenen Bedürfnis wurde Rechnung getragen. Am 29. Juni dieses Jahres hat der Papst acht Jesuitenpatres, die vor etwa dreihundert Jahren den Indianern Nordamerikas die Tröstungen des Christentums überbrachten, während die anderen Abchlile, nwvevntr) hräßig gerteist in einer gelt, von eiwa 330 un, dag Wosl der, Widen bemüht waren, endgülig und vawider. Sichtodren Durggeef. gerschen Sterngeseißze nur teilrese Die amerikanischen Zeitungen benützen den Anlaß der Heilgab, mit denen der Münchener Astronom Seeliger um 1908 durch sprechung, um daran zu erinnern, daß kraft der persönlichen Fürbitte der Heiligen bereits zahlreiche Kranke und Bresthafte durch den Besuch der Gräber der Jesuitenpatres(die bei ihrem Tode erst sozusagen Heiligen=Kandidaten waren) vollkommen gesund geworden sind. Die Herren Dr. Eugen St. Jack, Dr. L. E. Fortier und Dr. Robert haben diese Tatsache— bitte sehr!— vor der zuständigen vatikanischen Behörde einwandfrei bezeugt. Auriesville(New York) und Midland(Ontario) heißen die Orte, denen solche wunderbaren Heilerfolge nachgerühmt werden. Schreckliche Aussichten für Konnersreuth. Lourdes und die anderen Gnadenkurorte Europas! Welcher Amerikaner wird in der Zeit tiefstgesunkener Börsenkurse noch die Kosten einer Europareise auf sich nehmen, wenn in seinem eigenen Vaterlande gleich zwei Wunderkurorte ihre Wirksamkeit mit päpstlicher Genehmigung eröffnet haben? Auch Zeileis wird nichts zu lachen haben. Und dabei bedenke man noch, daß amerikanische Heilige eine ganz andere Efficiency(Wunderwirkung) an den Tag legen als ihre. europäischen Kollegen! Leo Korten. Nachdruck verboten. (60. Fortsetzung.) So recht hörte kaum einer mehr zu, zu heftig erregten sich die Gemüter, zu lebhaft schlugen die Pulse, vergrämte, blasse Gesichter waren rot geworden und heiß. Ach ja, in Berlin, das wollte man dem Redner wohl glauben, da ging man umsonst von Tür zu Tür — anderes Städtchen, anderes Mädchen— in Berlin hieß das Mädchen anders, da hatte man ein anderes lieb' Kind; und auch eine andere Sorge. Aber die, die hier lebten im Mosel= und Rheinland, die die gleiche Liebe hatten und die gleiche Sorge, die hier mußten sich fest zusammenschließen. Dreimalhunderttausend Winzer im Mosel= und Rheinland— wenn die eins waren, wer konnte da wider sie sein?! Und nun litt es den Kaspar Dreis nicht länger, das hatte er ja immer gesagt: wir Winzer müssen zusammenhalten. Er schrie das plötzlich mit seiner kräftigsten Stimme, und ehe er sich's versah, hatten ihn zwei auf ihre Schultern gehoben, und er rief nun von da oben herab in die auf einmal ganz still gewordene Menschenmenge hinein— sie sahen es: das war einer von ihnen, ein Winzer! rief so stark, daß man es bis weithin hörte: „Winzer, Brüder in Mosel= und Rheinland, wir müssen zusammenhalten! Wir lieben unsere Heimat, unser schönes Heimatland über alles, aber wir lieben auch unser Vaterland, das ganze deutsche Vaterland, für das wir Winzer genau so geblutet haben wie alle anderen. Drum verlangen wir aber auch mit vollem Recht, und wir werden drauf bestehen, wir rücken vor in geschlossener Front.. 9— 90 „Ja, ja,“ schrie es aus der Menge. ..„daß wir behandelt werden wie Deutsche und nit beiseite geschoben werden. Wir wollen uns auch nit sagen lassen:„Der Weinbau hier hat keine Berechtigung mehr, und der Kleinbau erst recht nicht.“ Wir sind nun einmal Winzer hier, wir wollen das auch bleiben. Wir lieben unsere paar hundert Stöcke genau so wie der Bauer seine Kornfluren, wie der Fabrikherr leine Fabriken, wie der Kaufmann seine Waren. Wir verlangen gar keine Schätze, wir sind zufrieden mit Wenigem, aber damit wir das Wenige haben, was wir zum Leben gebrauchen, darum hört uns, ihr Brüder im weiten Deutschland! Wenn alle die, die Wein trinken, unseren Wein trinken, Moselwein, Rheinwein, Wein von deutschen Reben, dann brauchen wir nit zu hungern, dann wird es uns Winzern bald besser gehen.“ „Wenn wir nit vorher all lang krepiert sind,“ schrie einer dazwischen. Es war der Loesenich, der sich durchgedrängt hatte. Kaspar Dreis sah zornig auf ihn herunter und wiederholte dann noch stärker, noch überzeugter: „Es wird uns besser gehen. Wir müssen nur fest zusammenhalten. Dann wird die Sonne“— er wies mit einer weit ausholen. den Armbewegung zum Bergrücken hinauf, über dem die Sonne jetzt groß stand und schon wärmende Strahlen versandte—„auch immer stehenbleiben überm Moselland. Es lebe Mosel und Rhein! Es lebe unser Wein! Es lebe der Winzerstand!" Er hatte sich heiser geschrien, Schweiß perlte ihm von der Stirn, — es war doch schwer, so zu reden. Aber er hatte seine Sache gut gemacht, tosender Beifall bekundete es. „Bravo, bravo! Bravo, bravo!“ Tausende schrien; die ganz weit weg waren, die nichts gehört hatten, nicht hören konnten, schrien auch mit. Die Nächsten winkten ihm zu, nickten, lachten: so war’s gut gesprochen, und genau war es so, wie es jeder fühlte und auch wie es jeder erhoffte. Nur fest zusammengehalten, dann wurde bald alles gut! Es schüttelten sich viele die Hände, und man schüttelte sie auch dem Kaspar Dreis. Dann ging das Reden weiter, es traten noch mehrere Redner auf, aber keiner hatte mehr den gleichen Beifall. Zuletzt wurde eine Resolution vorgelesen, in der sämtliche Forderungen der Winzer klipp und klar niedergelegt waren. Einstimmig wurde sie angenommen. Und dann war's aus. Kaspar Dreis hatte nie gedacht, daß er reden könnte, er hatte es auch gar nicht gewollt, aber der Augenblick, die starke Erregung, die er verspürte beim Anblick der Tausende— Brüder in Not— hatten ihn fortgerissen. Auf den Schultern der Männer, die ihn hochhoben, war er ein anderer gewesen, wurde beredt, die Worte flossen ihm zu; als er jetzt wieder auf dem Boden stand, eingekeilt in eine sich langsam schiebende, pressende Menge, fühlte er sich ernüchtert. Er wurde plötzlich ganz traurig, der Zwischenruf des Loesenich fiel ihm ein:„Wenn wir bis dahin nit all krepiert sind“ — ja, wann, wann würde die Hilfe kommen? Schnelle Hilfe tat not! Und seine niedergeschlagene Stimmung hielt an, er war ernst und ttill. Er bekam viel Lob zu bören. I„Jung, dat hast du gut gemacht,“ sagte ein Winzer zu ihm, ein uralter Mann. Kaspar kannte ihn nicht. Die Stimme des Alten war schon zittrig, sie klang wie gebrochen, und zittrig waren auch seine Beine, aber er war doch zu der Versammlung gekommen. Müde und ärmlich saß er nun auf den Steinen, die den Weg zur Fähre einfassen. Als Kaspar an ihm vorbei kam, stand er auf. Er legte seine magere, durch die Gicht und das Alter verknotete Hand auf die Schulter des jungen Mannes:„Du sollst vielmals bedankt sein, mein Sohn, du hast uns allen aus der Seel' gesprochen. Dat, wat ich auch gesagt hätt', et nur nit sagen kann, dat hast du gesagt.“ Er schien sehr gerührt, seine stoppligen Wangen zuckten wie bei einem der weinen will.„Ich sein fünfundsiebenzig Jahr, viel böse Zeit hab' ich als mitgemacht, aber so böse Tag' wie jetzt haben mein' Alte und ich noch nie nit gesehn. Aber nu wird et ja besser, nu wird et ja besser, Gott sei gedankt!“ Und er setzte sich wieder beruhigt hin auf die nackten Steine, sein rotes Taschentuch unterbreitend, um seine ärmlichen Hosen, die mit ganz anderem Tuch geflickt waren, zu schonen. Kaspar hätte dem alten Mann gern ein paar Groschen gegeben, damit er ins Wirtshaus gehen konnte, sich da ausruhen; aber er traute sich nicht, Winzer sind keine Bettler, wenn sie auch arm sind. Ihn selber trieb es fort. Er hatte viele Bekannte hier, die erwarteten, daß er noch mit ihnen verweilen würde. Der angesehenste Mann aus Munden, der Sebastian Brandt, der den größten Weinbergsbesitz im Dorf hatte— überhaupt hier herum— und der sich jetzt, aus der Not der Zeit heraus, noch einen Handel mit Obst und Honig zugelegt hatte, denn er besaß gute Verbindungen nach den Städten, der hatte sein hübsche Tochter mitgebracht. Die machte dem jungen Dreis schöne Augen, und ihr Vater lud den ein, noch eine Tasse Kaffee mit ihnen zu trinken. Sebastian Brandt nahm es dem jungen Dreis ordentlich übel, daß der abschlug, und die hübsche Theres zog ein Mäulchen. Kaspar ließ sich mit der Fähre übersetzen; nun war er auf derselben Seite der Mosel, auf der Porten liegt. Sein Rad lief geschwind, wenn er gut zutrat, konnte er in einer halben Stunde schon bei den Bremms sein. Es verlangte ihn, Simon Bremm zu sprechen. Er fühlte sich freier, als es nun stiller um ihn wurde, und er allein war. Noch einmal sah er nach der anderen Seite und auf die große Wiese am Ufer zurück. Da standen noch vereinzelte Gruppen, und wie ein schwarzer Strich, der sich voranbewegt. zog eine lange, ununterbrochene lange Kette von Teilnehmern, die drüben ihre Dörfer hatten, längs der Mosel hin heimwärts. Man hatte die Teilnehmerzahl an die Zehntausend geschätzt. Soriehene folgt. Gewerkschaftsinternationale-Youngplanrevision Vor wichtigen Besprechungen in Köln In Kreisen der Gewerkschaftsinternationale hat die Forderung des Deutschen Bergarbeiterverbandes auf Aussetzung der Reparationszahlungen und auf unverzügliche Youngplan=Revision größtes Aufsehen erregt. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hat sich bisher nicht mit dem Schritt des Deutschen Bergarbeiterverbandes beschäftigt und von sich aus noch nicht die Initiative zu einem Vorgehen in der Reparationsfrage ergriffen. Man nimmt in Kreisen des Internationalen Gewerkschaftsbundes an, daß bei der Ende Oktober in Köln stattfindenden gemeinsamen Konferenz der Exekutivausschüsse sowohl der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale als auch der Sozialistischen Arbeiterinternationale, die sich mit der internationalen Arbeitslosigkeit beschäftigen wird, die Frage der Aufbringung resp. Auswirkungen der Reparationsleistungen als eine der Hauptursachen der Verschärfung der deutschen resp. europäischen Wirtschaftskrise im Vordergrund der Verhandlungen stehen wird. Die Schwierigkeiten einer YoungplanRevision werden hier keineswegs unterschätzt. Die Berechtigung der Forderung der deutschen Arbeiterschaft auf Milderung der Reparationslasten wird durchaus anerkannt. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, daß bereits seit einiger Zeit die führende niederländische Wirtschaftspresse, wie Algemeen Handelsblad, Nieuwe Rotterdamsche Courant, Maasbode u. a., die an dem Youngplan interessierten Gläubigerstaaten immer wieder auf die Notwendigkeit hinweisen, in ihrem eigenen Interesse und im allgemeinen Interesse der europäischen Wirtschaft die deutsche Reparationsleistungsfähigkeit einer gründlichen Nachprüfung zu unterziehen, und die Auswirkungen der Sachlieferungen auf die Lage der verschiedenen Industrien in den einzelnen Empfängerstaaten zu kontrollieren. Im übrigen hält man hier sowohl die psychologischen als auch die realen, also die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Youngplan=Revision für durchaus gegeben. Man verweist auf das vollkommene Fiasko der Begebung der ersten Tranche der Younganleihe, durch das an sich schon das Funktionieren des zum großen Teil auf den Young=Obligationen basierenden Reparationssystems gefährdet sei. Die außerordentliche Verschärfung der Wirtschaftsnot im Reich, die gefährlichste innen= und außenpolitische Auswirkungen zeitigen müsse, erhebe die unverzügliche Neubehandlung des Reparationsproblems zur dringendsten europäischen Tagesfrage. Die Lohnherabsetzungen in Nordwest Abänderung des Severingschen Schiedsspruches— Eine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung Das Landesarbeitsgericht hat sich in einem bemerkenswerten Urteil mit der Frage befaßt, ob die Kündigung in der Nordwest=Gruppe der Schwerindustrie lediglich auf Herabsetzung der Akkordverträge gerichtet gewesen sei, oder ob darin tatsächlich eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses an sich gelegen habe. Es handelt sich um die Klage eines Arbeiters einer Duisburger Metallhütte, der für nicht gewährten Urlaub eine Entschädigung von 50 Mk. verlangte. Der Kläger hat am 25. Juni 1930 gleichzeitig mit allen Arbeitnehmern der Beklagten, die im Arbeitsverhältnis standen, von dieser ein mit dem Datum des 24. Juni 1930 versehenes Schreiben folgenden Inhalts erhalten: „Gleichzeitig mit der dem Arbeiterrat gegenüber zum 30. Juni 1930 ausgesprochenen Kündigung der Akkord= und Prämienvereinbarungen kündigen wir Ihnen, zu dem augenblicklichen Zweck, eine Neuregelung der Akkord= und sonstigen übertariflichen Verdienste herbeizuführen, zum 30. Juni 1930. Die vom 1. Juli 1930 geltende Neuregelung wird baldmöglichst „bekanntgegeben.“ Am 1. Juli 1930 war fast die gesamte Belegschaft der Betlagten, darunter auch der Kläger, nicht zur Arbeit erschienen. Der Kläger hat ausgeführt, die Beklagte habe ihm nach dem Rahmentarifvertrag über die Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in der rheinisch=westfälischen Eisen= und Stahlindustrie vor seiner Entlassung, die mit der ihm zugegangenen Kündigung verknüpft gewesen sei, seinen ihm zustehenden Urlaub von fünf Tagen geben müssen. Da sie das nicht getan habe, seien die Urlaubstage ihm mit je 10 Mk. abzugelten. Die Beklagte hat um kostenpflichtige Abweisung der Klage gebeten. Sie hat ausgeführt, daß das Schreiben vom 24. Juni 1930 keine Kündigung des Arbeitsvertrages mit dem Ziele der Entlassung, sondern nach seinem Wortlaut nur eine solche des Akkordverhältnisses enthalte. Eine solche Kündigung gebe aber nach der angeführten Tarifbestimmung dem Kläger keinen Anspruch auf Urlaub während der Kündigungsfrist. Auch sei nach dem Rahmentarif der Anspruch des Klägers auf Urlaub durch den Streik vom 1. Juli, an dem der Kläger mit fast der gesamten Belegschaft teilgenommen habe, und der ohne Zustimmung der Betriebsleitungen der vertragschließenden Gewerkschaften ausgesprochen sei, verwirkt. Ferner habe der Streik der Beklagten auch das Recht zur fristlosen Entlassung des Klägers gegeben. Der Kläger erwiderte, daß er wegen drohender Mißhandlung am 1. Juli nicht zur Arbeit habe gehen können. Es seien auch tatsächlich Arbeitswillige von Streikenden mißhandelt worden. Er habe sich daher an einem Streik, der von Werksfremden beschlossen worden sei, nicht beteiligt. Die Beklagte hat diese Angaben bestritten. Das Arbeitsgericht hat die Klage, unter Anerkennung der von der Beklagten geltend gemachten Gründe, abgewiesen. Es hat den Streitwert auf 50 Mk. festgesetzt, jedoch die Berufung zugelassen. Der Kläger hat gegen dieses Urteil Berufung eingelegt und beantragt, unter Abänderung des Urteils der Klage stattzugeben. Er hat ausgeführt, durch das Schreiben vom 24. Juni 1930 sei ihm zum 30. Juni 1930 gekündigt worden. Daher sei mit diesem Tage das Arbeitsverhältnis bei der Beklagten erloschen gewesen. Sein Wegbleiben von der Arbeit am 1. Juli könne schon deshalb keine Beteiligung am Streik gewesen sein. Am 2. Juli sei er nur zum Werk gegangen, um seine Papiere zu holen. Es kam folgende Entscheidung zustande: Mit dem Inkrafttreten des Rahmentarifvertrages in der Nordwestgruppe vom 26. Mai 1930, also seit dem 1. Juli 1930, war die Klausel des Severingschen Schiedsspruches außer Kraft getreten, daß die Herabsetzung geltender Akkorde nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig sei. Es ist gerichtsbekannt, daß daraufhin die dem tarifvertragschließenden Arbeitgeberverband der Nordwestgruppe angehörenden großen Hütten= und Eisenwerke es unternahmen, die bis zum 30. Juni 1930 geltenden Akkorde und Prämien herabzusetzen. In Ausführung dieser Absicht hat auch die Beklagte nicht nur dem Arbeiterrat gegenüber die Akkorde und Prämienvereinbarungen gekündigt, sondern auch jedem Mitglied ihrer Belegschaft das im Tatbestand wiedergegebene Schreiben zugehen lassen. Die Beklagte will mit dem Schreiben lediglich nach der Vorschrift gehandelt haben: „Jede Aenderung von Akkorden ist zu vereinbaren. Mangels einer Einigung kann die Aenderung nur unter Einhaltung der Kündigungsfrist erfolgen.“ Es mag sein, daß hiemnach der Arbeitgeber berechtigt ist, falls es zu keiner Einigung über die Akkorde kommt, den bisherigen Akkord einseitig unter Einhaltung der Kündigungsfrist zu ändern. Diese einseitige Aenderung würde keine Kündigung des Arbeitsverhältnisses bedeuten, sondern nur die Ausübung eines dem Arbeitgeber eingeräumten Rechts auf einseitige Bestimmung der Akkordbedingungen unter Aenderung der bisher geltenden. Die Ausübung dieses Rechts würde den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses nicht berühren, sondern es dem Arbeitnehmer überlassen, noch unter Ausnutzung der Kündigungsfrist selbst zu kündigen, falls er mit den Arbeitsbedingungen nicht einverstanden sein sollte. Im vorliegenden Falle hat die Beklagte aber ausdrücklich erklärt, daß sie den Empfänger des Schreibens zum 30. Juni 1930 kündigel, Sie hat damit eine Kündigung im Sinne des§ 620 BGB. ausgesprochen, d. h. eine Willenserklärung abgegeben, die nach allgemeinem Sprachgebrauch auf Beendigung des bisherigen Arbeitsverhältnisses gerichtet war. Jedenfalls mußte der einfache Mann aus dem Schreiben entnehmen, daß ihm das Arbeitsverhältnis zum 30. Juni 1930 gekündigt werde, daß ihm aber gleichzeitig angeboten werde, unter einer neuen, ihm noch bekannt zu gebenden Akkordregelung weiter zu arbeiten. Der Arbeitgeber muß unter solchen Umständen auch mit in Kauf nehmen, daß die tarifvertraglich an die Kündigung geknüpften Folgen eintreten. Aus welcher Avsicht der Kläger in Wirklichkeit am 1. Juli ferngeblieben ist, war unerheblich; denn er hat am 2. Juli die Arbeit nicht wieder aufgenommen. Es fehlt daher an einem äußeren Vorgang, in welchem den Umständen nach eine Willenserklärung des Klägers zum Ausdruck gekommen sein könnte, die auf Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unter den neuen Bedingungen gerichtet sein könnte. Der Kläger hat demnach, da ihm bis 30. Juni der Urlaub nicht gewährt wurde, mit Ablauf dieses Tages den Anspruch auf Abgeltung der fünf Urlaubstage erworben. Wegen der Grundsätzlichkeit der Entscheidung wurde die Revision zugelassen. Saarländer Eilenpreile gelenkt In der letzten Zeit ist eine Besserung der Lage nicht eingetreten. Nachdem die Preise der nichtsyndizierten Erzeugnisse in Frankreich in keinem Verhältnis mehr zu den syndizierten Waren standen, haben die Verbände in der vergangenen Woche beschlossen, die Preise herabzusetzen. Es lag auf der Hand, daß bei einem Stabeisenpreis von 560 bis 570 Franks der Trägerpreis nicht auf 700 Franks gehalten werden konnte. Die Händler hatten sich inzwischen eine außergewöhnliche Zurückhaltung in der Eindeckung auferlegt, sodaß nach der nunmehr erfolgten Preisherabsetzung mit einer Belebung des Geschäftes in syndizierten Erzeugnissen zu rechnen ist, zumal der Herbstbedarf seine Deckung erwartet. Während Formeisen um 80 Franks auf 620 Franks herabgesetzt wurde, betragen die Ermäßigungen für Halbzeug 30 bis 45 Franks je Tonne. Die Ermäßigungen der Blechpreise belaufen sich auf 50 bis 150 Franks. Da die Saarpreise sich jeweils nach den französischen Marktverhältnissen richten, so werden also die saarländischen Preise einen entsprechenden Rückgang erfahren. Auch der französische Walzdrahtverband beschloß eine Ermäßigung seines bisherigen Preises von 850 bezw. 825 Franks je Tonne. Die Ermäßigung soll gestaffelt werden, und zwar bis zu 65 Franks je Tonne betragen. Der französische Roheisenverband hat hingegen von einer Preisermäßigung abgesehen, da die Preise im Zusammenhang mit einer Außenseiterbekämpfung bereits inoffiziell nicht unerheblich gesenkt werden mußten. Vom Bergbau Vom Rheinisch=Westfälischen Kohlensyndikat. Der Absatz an Ruhrkohle hat sich im vergangenen Monat wieder verschlechtert, nachdem im August eine ganz geringe Steigerung eingetreten war. Der für Rechnung des Syndikats erfolgte Versand stellte sich im September nach den vorläufigen Ergebnissen auf arbeitstäglich 210000 Tonnen gegen 216 000 Tonnen im August. Auf das unbestrittene Gebiet entfielen hiervon 102000 Tonnen (107000), auf das betrittene Gebiet 108000(109.000) Tonnen. Die Haldenbestände auf den Zechen(einschl. Koks und Briketts, in Kohle umgerechnet) haben weiter zugenommen. Sie sind von 7100000 Tonnen Ende August auf 7500000 Tonnen Ende September gestiegen. Die Zunahme entfällt ganz auf Koks, während die Bestände an Kohle und Briketts fast unverändert geblieben sind. Wirtichaftsdemokratie In den Aufsichtsrat der I. G. Farbenindustrie wurde als Angestelltenvertreter Georg Büttner=Frankfurt(GdA.) mit 58 Stimmen und als Arbeitervertreter Georg Sparrer=Leverkusen(freigewerkschaftliche Richtung) mit 158 Stimmen wiedergewählt. Der Kandidat des Deutschnationalen Handelsgehilfenverbandes erhielt 36 und der des Deutschen Werkmeisterverbandes 18, die Liste der kommunistischen Arbeiterkandidaten 33 und die der Christlichen Gewerkschaften 27 Stimmen. Zum Lohnstreit in der Berliner Metallindustrie. Die Unternehmen der Berliner Metallindustrie haben in den letzten fünf Jahren mit ständig wachsenden Prositraten gearbeitet, was zweifellos in erster Linie mit der Leistungssteigerung der Belegschaften infolge der Rationalisierung zusammenhängt. Die Produktion des gesamten deutschen Maschinenbaus ist von 1926 bis 1929 von 2,5 auf 4,2 Milliarden Mark gestiegen. Zugleich aber ist die Gesamtbelegschaft von 710000 auf 620000 Mann gesunken. Die Leistungssteigerung der Arbeiterschaft beläuft sich danach auf 115 Prozent. Hiermit hält die Lohnerhöhung der 1927/28 auch nicht im Entferntesten einen Vergleich aus. Ford legt den Grundstein in Köln. In Köln fand die feierliche Grundsteinlegung des neuen Werkes der Ford=Automobilgesellschaft statt, zu der der Automobilkönig selbst erschienen war. Ford, Herren seiner Direktion und der Kölner Oberbürgermeister taten die ersten 0 Jungsozialisten Bochum. Sämtliche Jungsozialisten treffen sich am Donnerstag, dem 9. Oktober, abends pünktlich 8 Uhr, an der bekannten Stelle. SPD., Arbeitsgemeinschaft Langendreer. Am Donnerstag, dem 9. Oktober, abends 7 Uhr, findet im Volkshaus eine sehr wichtige Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Heinr. König(Bochum):„Unsere Lehren aus dem Wahlbampf“. 2. Die diesjährige Revolutionsfeier. 3. Verschiedenes. Genossinnen und Genossen! Starke Unwetter ziehen am politischen Horizont herauf. zu denen wir uns vorbereiten müssen. Seid euch deshalb des Ernstes unserer Lage und damit der Wichtigkeit dieser Versammlung bewußt. Auch die SAJ. ist herzlich eingeladen.— Bochum=Nord. Sonntag, den 12. Oktober, abends 7 Uhr, findet im Lokal Speßhardt, Herner Straße 11, eine wichtige Mitgliederversammlung statt. Referent: Landtagsabgeordneter Genosse Rautenberg.— Hofstede=Riemke. Am Mittwoch, dem 8. Oktober, abends 7 Uhr, findet eine gemeinschaftliche Funktionärkonferenz der beiden Ortsvereine statt zwecks Aussprache über die diesjährige Revolutionsfeier. Sämtliche Funktionäre haben daran teilzunehmen.— SPD. Witten=Crengeldanz. Donnerstag, den 9. Oktober, nachmittags 5 Uhr, beim Genossen Wilh. Battefeld, Hörder Straße 21: Vorstandssitzung der Partei und der Arbeiterwohlfahrt. Jedes Vorstandsmitglied beider Gruppen muß unbedingt erscheinen.— SPD. Stadtverband Wanne=Eickel. Die vorgesehene außerordentliche Generalversammlung des Stadtverbandes der Sozialdemokratischen Partei findet am kommenden Sonntag des Nachmittags um 4 Uhr im Eildenhaus statt.— Soz. Frauenaruppe Eickel. Heute, Mittwoch. von 3—6 Uhr: Handarbeitsstunde im Holsterhaus. Jugendveranstaltungen SAJ. Linden und Lewacker. Am Mittwoch kommen wir um 7.30 Uhr in der Freien Schule zusammen.— SAJ. Dahlhausen. Mittwoch, abends 7.30 Uhr, im Jugendheim am Hedtberg: Vortrag des Genossen Hagemann über das Thema„Arbeietrjugend im Kampf gegen Alkohol und Nikotin". Das Erscheinen aller Genossinnen und Genossen wird erwartet.— Rote Falken Bochum=Weitmar 2. Donnerstag. nachmittags 6 Uhr: Liederstunde. Bringt Liederbücher mit.— Rote Falken Bochum=Werne. Mittwoch, den 8. Oktober, nachmittags 5 Uhr: Zusammenkunft in der Friedhofschule. Alle Burschen haben ihr Laubsäge=Werkzeug mitzubringen, da wir jetzt mit unserer Bastelarbeit anfangen. — Rote Falken Dahlhausen. Mittwoch kommen wir um 6 Uhr im Jugendheim am Hedtberg zusammen.— Jung=Falken Dahlhausen. Donnerstag kommen wir um 6 Uhr im Jugendheim am Hedtberg zusammen.— Rote Falken Wiemelhausen. Am Mittwoch, dem 8. Oktober, findet unsere Arbeitsstunde statt. Die Mädels bringen sich ihre Häkelnadeln mit, die Jungens ihre Laubsägen. Wir treffen uns alle um 5 Uhr bei Fr. Steuber, Wohlfahrtstraße 64.— SAJ. Röhlinghausen. Heute abend um 8 Uhr Vorstandssitzung im Volkshaus. Alle Funktionäre müssen erscheinen.— SAJ. Herne=Konstantin. Unser heutiger Heimabend fällt aus. Dafür gehen wir Sonntag zum Herner Jugendheim.— SAJ. Herne(Stadtverband). Die Musiker des Stadtverbandes kommen heute um 7.30 Uhr im Jugendheim, Wiescherstraße, zusammen.— SAJ. Herne=Horsthausen. Wir kommen heute abend 7.30 Uhr im Jugendheim zusammen und hören einen Vortrag:„Eine Stunde Jugendrecht".— SAJ. Altenhöfen. Wir kommen heute zu einem Tanzabend im Volkshaus zusammen.— Rote Falken Herne=Stadtmitte. Heute, Mittwoch, kommen wir ab 5.30 Uhr im Volkshaus zu einem „Bunten Abend“ zusammen. Leitung Milly Schwark. Jungfalken dürfen auch kommen!— Rote Falken Herne(Stadtverband). Wer von euch noch Aufnahmen von Linden=Dahlhausen haben will, kann sich dieselben im Photohaus Fiege(gegenüber der evang. Kirche) ansehen und bestellen. Ein Bild kostet 7 Pf., drei Stück 20 Pf. G Reichsbanner Kreis Bochum. Das Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold, Kreis Bochum, ruft für Sonntag, den 12. Oktober, nach Herne zu einer republikanischen Kundgebung auf dem Rathausplatz, verbunden mit einem Kreisaufmarsch, auf. Die Ortsgruppenleitungen, besonders aber die Kameradschaftsführer, müssen alles daransetzen, daß jeder Kamerad daran teilnimmt, ob in Uniform oder Zivil, ob es regnet oder stürmt. Dem Ernst der Zeit sich voll und ganz bewußt, sollte sich aber auch jeder Gewerkschaftskamerad und jeder Parteigenosse zur Pflicht machen, mit uns zu marschieren, um gegen jede Reaktion und Diktatur zu demonstrieren. Die Zeit ist gegenwärtig bitter ernst und die Aussicht so trübe und ungewiß wie noch nie. Deshalb kommt und unterstützt uns in unserem Kampfe gegen jede Putschgefahr mit allen Kräften. Denn der Kampf des Reichsbanners bedeutet zugleich einen Kampf der ganzen Arbeiterklasse. Die Ortsgruppen sammeln sich am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, am Volkshaus in Herne. Fahnen sind mitzubringen. Musikkapellen und Spielmannszüge erscheinen mit Instrumenten. Für Sonntag kann die Parole nur lauten: Alles auf nach Herne! Frei Heil! Wittkowski, Kreisführer. Ortsgruppe Witten, Abt. Schutzsport. Am vergangenen Sonntag weilte die erste Handballmannschaft als Gast in Soest, wo ein großes Schutzsportfest des Kreises Hamm=Soest=Unna stattfand. Unsere Schutzsportler konnten in Soest zwei schöne Erfolge buchen. Sie gewannen den großen Stafettenlauf„Rund um Soest“ gegen eine große Konkurrenz und erhielten den von der Ortsgruppe Soest gestifteten wertvollen Preis in Form einer großen, bronzenen Sportlerfigur. Der zweite Erfolg war der Sieg unserer Handballmannschaft gegen die Kreisauswahlmannschaft von Hamm, Soest, Unna, Werl, Südkamen und Bergkamen. Trotz des schlüpfrigen Bodens gelang es unserer Mannschaft, die sehr spielstarke Auswahlmannschaft in einem schönen und fairen Spiel mit 3:2 zu schlagen. Bis kurz vor Schluß führte Witten mit 3:1. Durch einen Strafwurf kam die Auswahlmannschaft zu ihrem zweiten Tor.— Freitag fällt unsere Schutzsportsitzung aus.— Sonntag fahren wir zum Werbeaufmarsch nach Herne.— Ortsgruppe Wanne=Eickel. Am Sonntag, dem 12. Oktober, findet ein Aufmarsch des Reichsbanners in Herne statt. An dieser Veranstaltung beteiligt sich auch der Kreis Gelsenkirchen. Die Ortsgruppe Wanne=Eickel tritt um 2.30 Uhr bei Naroska an. Die Gruppenführer haben die Kameraden zu dieser Veranstaltung persönlich zu bestellen. Restlose Beteiligung wird erwartet.— Ortsgruppe WanneEickel(Trommlerkorps). Unsere Proben finden in Zukunft Freitags statt.— Ortsgruppe Leithe, 4. Kameradschaft. Soantag. den 12. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Lokale Steinkamp: Außerordentliche Versammlung, an der der engere Bezirksvorstand teilnimmt. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Es ist Pflicht eines jeden Kameraden, an der Persammlung teilzunehmen. 1— 1 * 8 Scridi Orirrund Oprrr Arbeiter=Turn= und=Sportbuns Arbeiter=Turn= und Sportverein„Deutsche Eiche", e. V., Bochum=Stiepel. Am Mittwoch, dem 8. Oktober, abends 8 Uhr, findet eine Musikturnstunde der Jugendturnerinnen und=turner statt. Am Donerstag, dem 9. Oktober, von 5.30 bis 7 Uhr für Schülerinnen und Schüler, von 8 bis 10 Uhr für Turnerinnen. Die Turnstunden der Schülerinnen und Schüler finden jeden Donnerstag um die angegebene Zeit statt. Am Sonntag, dem 12. Oktober, morgens 8 Uhr, Abmarsch vom Vereinsheim Rumberg zum Bezirkswaldlauf nach Riemke. Alle Sparten müssen sich daran beteiligen, sonst ist Spiel= und Startverbot.— Der Arbeiter=Turn= und Sportverein„Deutsche Eiche", e. V., Bochum=Stiepel, veranstaltet am Sonntag, dem 26. Oktober, ein Schauturnen. Arbeiter=Turnverein Wattenscheid. Am Donnerstag findet unsere Turnstunde in der Westenfelder Turnhalle statt.— Die Handballspieler müssen unbedingt erscheinen, da eine wichtige Spielersitzung nach der Turnstunde stattfindet. ArBeitersportier Denkt an den Herbstwaldlauf des 12. am 12. Oklober in Bochum=Riemke! Fußball Weitmarmark gegen„Waldesrand“ Linden 0:7. Am vergangenen Sonntag standen sich obige Vereine im Pflichtspiel gegenüber.„Waldesrand“ hat Anstoß und bringt den Ball gleich nach vorn, kommt aber nicht zum Torschuß. In der 20. Minute erzielt„Waldesrand“ aus einem Gedränge den ersten Treffer, dem kurz vor Halbzeit der zweite folgt. Nach der Pause kommt Weitmar etwas auf, doch der Sturm kann das gegnerische Tor nicht finden. Durch einen Handelfmeter kommt „Waldesrand" zum 3. Erfolg.„Waldesrand“ hat jetzt das Spiel für sich. In gleichmäßigen Abständen folgen 4 weitere Tore, so daß das Resultat bei Spielschluß auf 7:0 für die Leute von„Waldesrand“ lautete. Sportklub„Union“ Bergen. Mittwochabend 7.30 Uhr: Spielersitzung. Alles muß erscheinen. Da Sonntag der Bezirkswaldlauf in Riemke stattfindet, muß die 1. und 2. Mannschaft und die Jugendmannschaft in Sportkleidung teilnehmen. Alles andere wird noch bekanntgegeben. Spielgesuch. Sportklub„Union“ Bergen sucht für Samstag ein Spiel für die 1. Jugendmannschaft nach Bergen. Anschrift: Karl Breitenbach, Bergen. Post Herne, Wischerstr. 115. Telephon: Mittwochabend 7.30 Uhr: 65719 Bochum. Wassi sportliche Großveranstaltung in Leipzig. Das Jubiläums=Schwimmfest des Arbeiter=Schwimmvereins Leipzig anläßlich seines 25jährigen Bestehens war eine bestens gelungene Veranstaltung mit zirka 1000 Zuschauern. ArbeiterWassersportler aus Berlin, Magdeburg, Dresden, Breslau und Wien waren am Start. Das Wasserballspiel Leipzig gegen Charlottenburg(Bundesmeister) gewann der Bundesmeister 9:4. Das interessanteste Wasserballspiel war zwischen Magdeburg und Leipzig=Ost. Leipzigs bessere Ballbehandlung gab trotz dem schärferen Schußvermögen und schnelleren Schwimmen der Magdeburger den Ausschlag zu einem 3:1=Sieg. Besondere Svannung löste das Hauptspringen aus, das von Rönnicke (Leipzia) mit 65½ Punkten vor Preuß(Leipzia) mit 59 und Güttl(Wien) mit 55¾ Punkten gewonnen wurde. In den schwimmsnortlichen Kämpfen ging es hart auf hart und mehrmals entschied nur der Vorsyrung von einem Handschlag über den Siea. Die wichtigsten Ergebnisse: 4=mal=100=Meter=Lagenstafette Mandeburg 5.15,8 Min., Leinzia 5.16.4 Min.; 8=mal=50Meter=Kraulschwimmen Breslau 4.15.2 Min., Leinzig 4.15.4 Min.; 100=Meter=Rückenschwimmen Frohn(Berlin) 1.16.6 Min Pöttia(Dresden) 1.18 Min.: 100=Meter=Brustschwimmen für Frauen Biegel(Leinzia) 1.41,4 Min., Hamann(Dresden) 1.42.4 Min.; 3=mal=100=Meter=Lagenstafette für Frauen Leipzig 3,17,8 Min. Um die Ringermeisterschaft des Arbeiter=Athletenbundes. In der Vor=Schlußrunde trafen sich in Stettin der vommersche Meister Stolzenhagen und der norddeutsche Meister Goljath“, Hambura. Aus den mit Syannung verfolgten Kämpfen ging Stolzenhagen mit 14½ zu 13½ Punkten hervor und wird gegen Friesenheim bei Ludwigshafen zum Endkampf um den Bundesmeistertitel antreten. Arbeiter=Wohlfahrt Arbeiter=Wohlfahrt Bochum V, Hofstede, Marmelshagen. Am Donnerstag. dem 9. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet die erste Handarbeitsstunde im Lokale Ernst Weusthoff in chum V Poststraße, statt. Es wird gebeten, daß sämtliche Frauen sich an der Handarbeitsstunde beteiligen. Arbeiterwohlfahrt Weitmar=Mark. Am Donnerstag, dem 9 Oktober, nachmittags 4 Uhr, beim Wirt Fernholz: Mitgliederversammlung. Tasse und Zubrot mitbringen. Alle Mitglieder wollen erscheinen, da Wichtiges besprochen werden soll. Der Vorstand der Ortsgruppe Stiepel wird hierdurch zu dieser Versammlung betreffs Aussprache über Abhaltung von Nähstunden eingeladen. Arbeiter=Wohlfahrt Wattenscheid. Am Mittwochnachmittag 4 Uhr Handarbeitsstunde bei Braukämper. Da mach der Handarbeitsstunde eine wichtige Besprechung stattfindet, werden die Bezirksführerinnen gebeten, zu erscheinen. Am Donnerstagnachmittag machen wir einen Ausflug nach Essen zur Gruga. Treffpunkt 1 Uhr am Bahnhof Wattenscheid. 15. Bezirk Der angesetzte Waldlauf brachte auch nicht soviel Anhänger auf, wie es sein sollte, ebenso fielen wiederum Meisterschaftsspiele dem Wettergott zum Opfer. Gehen wir kurz das Programm der Fußballer durch. Röhlinghausen wurde einwandfrei von Wanne mit 4:2 geschlagen. Beide Vereine stehen jetzt punktegleich. Sportfreunde Bottrop erfocht einen sensationellen Sieg über Sportfreunde Holsterhausen(0:2) und kann, wenn keine anderen Umstände eintreten, ebenso den zweiten Platz in der Tabellenführung bekommen, Holsterhausen die dritte Stelle. Vorwärts Marl konnte sich wieder mit Lorbeeren behängen. Essel wurde mit 3:2 abgehängt. Herten erfocht auf eigenem Platz einen knappen Sieg von 2:1 über die Freie Turnerschaft Eickel. Die Freie Turnerschaft Eickel konnte bis zur Pause führen, dann war dieselbe mit ihrem Latein zu Ende. Herten holte die Führung und das Siegestor. Gesellschaftsspiele. Vorwärts Gelsenkirchen revanchierte sich Heßler=Katernberg gegenüber mit 7:3 Gelsenkirchen=Heßler wurde von den Sportfreunden Wanne=West eine 8:0=Niederlage bereitet. Ein Samstag=Spiel Gelsenkirchen=Heßler gegen Sportfreunde Wanne=West(Reserve) endete mit 4:1. Der Bezirksmeister im vorletzten Punktekampf einwandfrei von Wanne mit 4:2 geschlagen. Viele Zuschauer umsäumten den Platz, als der Schiedsrichter, Genosse Schmidt, das Spiel anpfiff. Das runde Leder wogte auf und ab. Der Mittelläufer der Wanner versteht es, den Sturm dauernd nach vorn zu werfen. Ungefähr nach zehn Minuten Spieldauer kann Wanne in Führung gehen. Weiter geht das Spiel. Ein schneller Vorstoß der Wanner, und das zweite Tor ist fällig. Röhlinghausen spielt nur mit 10 Mann, da ein Spieler wegen einer alten Verletzung ausscheiden muß. Kurz vor der Pause stellt Wanne das Spiel auf 3:0. In der zweiten Svielhälfte scheint sich Wanne auf den Lorbeeren auszuruhen. Röhlinghausen macht sich das zunutze. Ein Elfer, den dieselben bekommen, wird verwandelt. Nicht lange dauert der Spaß und das Spiel steht 3:2 für Wanne. Wanne scheint sich jetzt zu besinnen. Der Mittelläufer ist wieder bei der Sache, ein schneller Vorstoß— und das Spiel steht 4:2 für Wanne. Das Spiel neigt sich dem Endspurt zu. Bange Minuten haben die Torkipper noch mitzunehmen. Doch wird alles geregelt. Eine halbe Minute vor Schluß muß der Mittelläufer der Röhlinghauser auf Geheiß des Schiedsrichters vom rechte Entscheidung. Dem Spielverlauf nach dürften wohl beide Mannschaften gleichwertig gewesen sein. Recht bemerkbar machte sich bei Röhlinghausen der zweite Mann, der schon kurz nach Spielbeginn vom Platz gehen mußte wegen einer alten Verletzung. Der Schiedsrichter leitete einwandfrei. Das Spiel der zweiten Mannschaft wurde wegen Dunkelheit abgebrochen. Hier hieß das Resultat 1:1. Gelsenkirchen=Heßler wurde von Svortfreunde Manne=West mit 8:0 überfahren. Sportfreunde Wanne=West kam, sah— und konnte die sich in schlechter Form befindlichen Heßleraner mit obigem Resultat überfahren. Für einen Sieg kamen dieselben keinen Moment in Frage. Spielgesuch. Freie Spielvereinigung Bertlich sucht für Sonntag, den 12. Oktober, ein Spiel für die 1., 2., Jugend= und Schülermannschaft. Eilangebote gehen an den Genossen Fritz Hinz. Bertlich. Post Westerholt, Möllmannweg, Telephonisch unter Amt Gelsenkirchen 31297. Auch werden laufend für jeden 2 und 4. Sonntag auf eigenem Platze und für den 1. und 3. Sonntag nach auswärts gewünscht. Adressenänderung. Tus Gladbeck=Zweckel. Karl Kiparski wohnt jetzt Gladbeck, Hegestraße 22. Achtung! 13. Fußballbezirk. Achtung! Den Vereinen des 13. Fußballbezirks, insbesondere der Wanner Gruppe, zur Klarstellung des Falles der Freien Turnund Sportgemeinde Wanne folgendes: Die Gerüchte, die in letzter Zeit über verschiedene Mitglieder des Vereins in Umlauf gesetzt wurden, entsprechen in keiner Weise der Wahrheit. Wir machen die Vereinsleitungen besonders darauf aufmerksam. auf ihre Mitglieder in dem Sinne zu wirken, daß sich dieselben in jeder Weise eines Kommentars dazu enthalten. Im übrigen warnen wir die Vereine nochmals und verweisen dieselben auf die Bundessatzungen.§ 12. Der Bezirksausschuß. J. A.: W. Schmidt, Fr. Chudziak. Aus der Arbeiter=Sängerbewegung Volks=Chor Bochum. Donnerstag, den 9. Oktober, abends von 7.30 Uhr ab: Probe des Frauenchors, ab 8.30 Uhr: gemeinsame Probe in der Aula an der Goethestraße. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht eines jeden aktiven Mitgliedes.— VolksChor Wattenscheid=Höntrop. Morgen, Donnerstag, den 9. Oktober proben wir wie folgt: Männer=Abteilung von 7—8 Uhr, Mädchen= und Frauen=Abteilung von 8—9 Uhr, Gemischter Chor von 9—10 Uhr abends. Seid bitte alle pünktlich!— Volks=Chor Wanne=Eickel. Am Freitag, dem 10. Oktober, findet unsere gemischte Chor=Probe im Lokale Meierwert, Ebertstraße, statt. Nach der Probe: Quartalsversammlung. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet.— Volks=Chor Herne. Heute, abends 8 Uhr: Frauenprobe, 9 Uhr: gemischte Probe. Sonntag, 13 Oktober, vormittags gon 11 bis 1 Uhr: Männerprabe. Arbeiter=Radfahrerverein, Ortsgruppe Bergen. Sonntag, den 19. September, nachmittags 4 Uhr: Generalversammlung, Ailes unbh rihehgen. Bücherschau Das neueste Instrument, Thorybometer heißt es, von dem uns die„Technik für Alle“, Monatsheft für Technik und (Verlag Dieck u. Co., Stuttgart; Preis im Vierteljahr, 3 reich illustrierte Hefte, dazu eine Buchbeilage, 2,25 M. geheftet, bzw. 2,90 M. gebunden, einzelne Hefte je 75 Pf.) in ihrem neuesten Oktoberheft berichtet, ist ein„Lärmzähler" zum Messen von Geräuschstärken. Nun, dazu besteht ja allmählich Anlaß genug. Vielleicht dient das neue Instrument unserer Zeit als helfende Charakteristik, denn wenn die Techniker alles gemessen, gewogen, gezählt und registriert haben, können sie etwas Richtiges damit anfangen. Da werden sie wohl auch mit dem Lärm fertig werden. Ein andere Aufsatz bringt einen gleichfalls wichtigen Fortschritt, den Ersatz schwerer Gußstücke durch geschweißte Blechzellen. Weitere Artikel behandeln das Schauschwimmverfahern als modernste Art der Erzausbereitung. Eine längere Abhandlung beschreibt das„Pilgern“, eine höchst interessante Methode zum Walzen nahtloser Rohre von beliebiger Länge und Dicke. Besonders reizvoll und zur Saison passend ist eine Schilderung der Weinbereitung. Weitere Themata sind: Stahlwerksgebläse — Verbesserungen am Outboard=Motor— Taucherarbeit im Schmutzwasserkanal— 36 Rohre auf einmal— Aluminium in Schaltanlagen— Die größte Einwellenturbuine der Welt u. a. In der Folge der Aufsatzreihe„Der Weg der Rohstoffe“ wird in diesem Hefte die Schmiede behandelt. Für das Erkennen der Branchen auf drei merkwürdig verwandt anmutenden Bildern winkt ein Geldpreis. Technische Lesefrüchte aus aller Welt, Bau einer genauen Sonnenuhr, Chemiewinkel, Ratschläge für den Kauf gebrauchter Kraftwagen, Fremdsprachenpraktikum und kalendarische Umschau beschließen das vielseitige und anregende Heft. werte man diem achtios fort. 800 dern lasse eie une Vernstehen Dus Sugeshardes Ritters Som Raltelsteinandersthit Textvrobe aus„Rubunku“. seltsame Abentouer aus dem Lande der Roten Erde von Leo Rinke Das sagebuch des Rubunku (Schluß.) Am folgenden Tage betrat ich als wohlhabender Bauer die Blutmühle. Der etwa 23jährige Müller war nicht wenig erstaunt über solchen seltenen Besuch und geriet noch mehr in Verwunderung, als ich nach kurzem Gespräch ihn fragte, ob er mir für gutes Geld die Mühle verkaufen wolle. Er nannte mir einen sehr hohen Preis auf den ich ohne zu handeln einging, aber ihm das Versprechen abnahm, sofort nach Bezahlung der Kaufsumme die Mühle zu verlassen. Bereitwilligst ging er auf meinen Vorschlag ein. Am nächsten Tage brachte ich ihm das Geld, während er zur selben Stunde die Mühle verließ. Das gerade war mir eben recht, daß die Mühle von allen Menschen wie ein Ort des Grauens gemieden wurde. Zu meiner noch größeren Freude entdeckte ich etwas Seltsames in der Mühle: Unter der Diele des Wohnzimmers befand sich ein schornsteinähnlicher Schacht. Ich kletterte die Leiter hinunter und kam so in das runde Felsengewölbe, in dessen Mitte ihr auch die Felsplatte mit der euch rätselhaften Inschrift gefunden habt. In dieser Felsenhöhle verbarg ich schon am nächsten Tage die Truhe mit dem Burgschatz. Niemand im benachbarten Stiepel bekümmerte sich um den neuen Besitzer der Blutmühle, und wenn ich dorthin einkaufen ging, hütete ich mich auch, mich als den neuen Blutmüller vorzustellen.7 14 mur Lonnt Ueberhaupt mied ich so viel ich nur ronnte die menschliche Gesellschaft, grübelte oft über mein ungerechtes Schicksal nach. erdachte blutige Rachepläne und verwarf sie wieder, sann auf neue, noch blutigere, und lebte nur noch dem Gedanken der Der Herbst war ins Land gekommen, hatte die Ruhrwälder in leuchtendes Gold getaucht. Waren die herbstroten Blätter, die dort von den Wipfeln der Eichen und Buchen herunterwirbelten, nicht wie Blutstropfen, die auf den Waldboden herniederrieselten?— Jürgen von Steenkuhl, du weißt, wie ichs meine! Im heurigen Herbst rieselt dein Blut!— Der Ritter Dietrich vom Kattenstein galt überall im Lande für tot, und da ich der Letzte meines Geschlechts, keine Erben itte und dazu noch ein Verfemter war, fielen meine Allodia, wozu auch die Burg gehörte, an die Kaiserliche Majestät. Am 9. Oktober Anno 1360 sollte Jürgen von Steenkuhl feierlichst mit meiner Burg und gutem Landbesitz belehnt werden, wie ichs von fahrenden Kölnischen Kaufleuten erfahren hatte. Als freier Bauer verkleidet, mit reichlichem Geld in der Tasche, ging ich am Morgen des 8. Oktobers gen Werden. Manchem Ritter begegnete ich unterwegs, den ich vom Turnierplatz her gut kannte, der, wie ich, das Lehnsfest auf Burg Kattenstein mitfeiern wollte. Gegen Abend erreichte ich Werden, und wie ich bald erfahren hatte, saß bereits Graf Engelbert von der Mark oben in der Reichsabtei zu Gaste. Fremde Ritter, adlige Dienstmannen waren schon angekommen, wollten geladen oder aus Neugierde, der feierlichen Belehnung des Ritters von Steenkuhl auf Kattenstein beiwohnen. In einem einfachen bäuerlichen Gasthofe aß ich Abendbrot, bat um Nachtherberge, blieb bis spät in die Nacht hinein im Gastzimmer sitzen, unterhielt mich mit einigen Bauern über den neuen Herrn von Kattenstein und hörte aus ihren Worten, daß es immer noch Leute in der Umgebung gab, die nicht an meinem Tod glauben wallten.„Glückauf, neuer Herr von Kattenstein!“ Beinave gezwungen stießen die Bauern mit mir an. Wenn sie hätten, mit wem sie zu Tische saßen!— Der Tag meiner lang ersehnten Rache war angebrochen. Flammendes Morgenrot rann wie verspritztes Blut über den Morgenhimmel. Hüte dich, Schurke vom Kattenstein! Am frühen Morgen schon verließ ich die gastliche Stadt. Vorsichtshalber vermied ich die belebten Fahrwege, da ich aber jeden Weg und Steg bis zum nahen Kattenstein hin kannte, war ich bald im tiefen Buchenwald verschwunden und ging, von keinem Menschen beobachtet, schnurstracks quer durch den Wald, auf die Burg zu. Warm und heimatlich fühlte ichs im Herzen sich regen, als ich den greisen, düster blickenden Burgturm über den schon kahlen Baumwipfeln in der Ferne erschaute. Da lag meine Burg und ich mußte sie doch wie ein gemeiner Dieb umMein erster Weg galt der vergrabenen Tür, die aus dem Geheimgang führte. Ich fand alles in Ordnung, auch die Schaufel, mit der ich die Tür damals zugeschüttet hatte. Der neue Herr vom Kattenstein verstand sich wohl aufs Festefeiern. Bis tief in die Nacht hinein klangen die Gläser, lärmte das neubestellte Burggefinde, das ein vom Trinken närrisch gewordener Gaukler weidlich zu ergötzen wußte. Ich hatte längst die Tür ausgegraben, war durch den Geheimgang in die Burg hineingeschlichen und hockte nun im senkrechten Schacht, in Höhe des Rittersaales. Wenn der Junker geahnt hätte, daß dort der rechteckige Pfeiler hohl war, nur einen solchen vortäuschen sollte, daß der totgeglaubte Ritter in diesem Das Trinkgelage war beendet. Die ritterlichen Gäste suchten ihre Gemächer in der Burg auf. Behutsam kroch ich bis ans Ende des Geheimschachtes, hob die Bodenplatte des Kamins und befand mich nun in der Eulenkammer, deren Tür ich gewaltsam erbrochen vorfand. Die Häscher des Freigrafen mußten mich also auch hier gesucht haben. Gottlob, das Geheimnis des Kamins ist nicht dabei entdeckt worden. In der Burg war es längst still geworden. Ich wußte nur zu gut, daß nach solch einer durchzechten Nacht der menschliche Schlaf um so tiefer ist. Geräuschlos schlich ich mich aus der Eulenkammer. Ich kannte ja jede Tür, jede Stufe und jedes Fenster in der Burg. Den wappengezierten Dolch stichbereit haltend, öffnete ich vorsichtig die Tür zum Junkers, der halbangekleidet in seinem Bette schlief Eine Flasche Notwein und der Becher auf seinem Tisch bewiesen mir, daß er noch kurz vor dem Schlafengehen allein gezecht hatte. O, er hatte auch vielen Grund zum Feiern!— Da lag der Herr vom Kattenstein, bezecht, wiegte sich in Verer, geberen Tetnen. Hagtag a Ich bin der Ritter vom natten##nn, Junker Jürgen von Ics late den Dach, Heite, hoch u. Pge, unz, Srnt verschied der Junker. Ich hatte gut getroffen, sah der halbe Mond ins Fenster. Den Doich stach ich in die Tischplatte, schlich aus dem Gemach und verließ wieder durch Schon am nächten Tage brachten fahrende Kausleute die Kunde vom Morde. Von diesen erfuhr ich auch, daß man erst gegen Mittag den Mord entdeckt habe, weil man den Ritter schlafend wähnte, daß auch der Dolch und der Geheimgang gefunden seien. Das Wappen auf dem Dolch hat ihnen den Hier oben in der Blutnühle fühlte ich mich sicher. Nur ols ich in der folgenden Zeit meine üblichen Einkäufe ins nahe Stiepel machen ging, war mirs, als würden die bisher freundlichen Krämer mir mit einer gewissen Schlauheit begegnen. Nun ich war eben der„Blutmüller vom Rauendahl". Hierin soh ich den Grund ihres Mißtreuens. Der ermordete Junker war auch hier das Tagesgespräch. Das Mißtrauen der Baue#n mir gegenüber stieg täglich, die Fragen, wovon ich eigentlich lebe und wer ich sei, wurden immer eindeutiger an mich gestellt. Von nun ab ging ich ruhrabwärts, ins benachvarte Städtchen Hattingen, Lebensmittel kaufen. Doch gerade mein Fernbleiben sollte das Mißtrauen zum offenen Verdacht machen. In Hattingen erzählte mir der Wirt„Zum Steenpott", daß Bauern vor einigen Tagen bei ihm eingekehrt wären, die sich lebhaft über den totgeglaubten Ritter vom Kattenstein unterhalten hätten. Der eine dieser Männer sei ein Kaufmann aus Steele gewesen, der gerade von Werden gekommen sei, wo er Tuche und Kleiderstoffe eingekauft habe. Ich bestellte noch ein Pöttken. Der Wirt wurde gesprächig. So erfuhr ich von ihm mehr, als er vielleicht mir hatte sagen wollen, daß man nämlich vorhabe, den neuen Blutmüller um des„Heiligen Römischen Reiches Friedens wegen“ zu inquirieren,n aber für mich den Strang bedeutet, denn untertr######### rechten Schulter und am linken Oberarm trug ich schleut vernarbte Stich= und Hiebwunden, an denen man mich sofort erkannt und ohne gerichtlichen Umstand am nächsten Baume geMit wenig frohem Herzen trat ich den Heimweg an. Sollte ich den Burgschatz nehmen und aus dem Lande gehen? hatte genug Geld, um frei leben zu können. Aber wie die Buchen dort im Ruhrtal verwelken, risse man sie mit den Wurzeln aus der Erde wäre auch mein Herz verdorrt, hätte ich nicht mehr auf westfälischer Heimaterde leben Da brach mein Schicksal unerbittlich über mich herein. Am frühen Morgen des kommenden Tages sah ich drei bewaffnete Männer mit dem Schultheißen von Stiepel auf die Mühle zukommen erkannte sofort ihre Absicht, verschwand augenblicklich in der Mühle, versperrte die Tür mit dem schweren Holzriegel, schlug die Fensterläden meines Schlafzimmers zu, öffnete die Falltür in der Diele und erwartete die Männer, die auch schon ungeduldig an die Haustür schlugen. Einlaß begehrten und mich frei heraus fragten, ob ich der Ritter Dietrich vom Katten„Der bin ich, so wahr ich lebe!“ gab ich kaltblütig von Meine Verfolger machten jetz in einiger Entfernung vom Hause stehen, denn ich konnte ihre Stimmen nicht mehr stehen. Da wurde es draußen still. Beratschlagten sie, wie ich am leichtesten zu ergreifen wäre? Wohl eine Viertelstunde lang stand ich im dunklen Zimmer, horchte gespannt nach außen. Da! Roch es vom Nebenzimmer her nicht nach nerbranntem Holz? Kein Zweifel! Sie hatten die alte, aus Holz gebaute Blutmühle an allen vier Ecken angezünget,„Von draußen ich höhnisch rufen:„Ritter vom Rauendum: Wir raren Euch gut! Besser gehenkt als verbrannt!“ Ich aber entzündete seelenruhig eine Lampe, packte die vorhandenen Lebensmittel in einen Sack, stieg in den Stacht und deckte ihn mit einer schweren Sandsteinplatte zu. Bald hörte ich über mir die Flammen prasseln und knistern. T###sparren knickten und nach kaum einer Stunde war die Mühle Vertohlte Balten, Breiter und Hausgerät verdeckten nun die bloß heiß gewordene Steinplatte. Bis in den späten Abend hinein hörte ich Kinder. Frauen und Männer johlen, die neugierig aus dem Dorfe Stievel herbeigelaufen waren; denn solch ein gruseliges Ereignis geschah nicht jeden Tag. Ich aber saß beim Lampenlicht unten in der Höhle auf einer Bank und ließ mir mein Abendbrot gut schmecken. Brans Nedlel Malermeister Rut 65294 3818 Bochum Wagnerplatz 12 Mbert Stadsdch 3853 Zentralheizungen Bochum Gelsenkirchen-Buer 3847 WOSTENBERS Bochum, Johanniterstraße 16-17 Fernsprecher Nr. 69110 Sanitäre Installation und Einrichtungen Reichhaltige Musterausstellung KLEMPNEREI· KUPFERSCHMIEDE Bochum-Riemker Ringofen-Ziegelei Piax Krause empfichlt Ihre aus bestem Lehm-Schieferton hergestellten Druch- u. drückfesten la Maschinen-Ziegelsteine 3044 Anfragen erbeten an: Hauptbüre! Ziegelel! P-unrs. ½ Bochum-Remke, Oortmund, Nordstraße 40 AAggsmann-Strase 61 Fernruf 39910 Amt Dortmund Fernruf 67089 Amt Bochum Arbeiter und Parteigenossen werbt für eure Zeitunn Gegen Mitternacht detterte ich auf der Leiter den Sch hinauf, hob ein wenig die Steinplatte. Draußen war eine stürmische Herbstnacht. Der Regen schlug mir ins Gesicht, löschte die letzten noch glimmenden Balken und Die Blutmühle war vollständig niedergebrannt. Obgleich ich jetzt aufrecht zwischen den Trümmern stand, brauchte ich doch nicht zu befürchten, von Menschen beobachtet zu werden. Niemand würde den Mut aufbvingen, sich um Mitteracht in der Nähe der Blutmühle sehen zu lassen. Als wäre vieser Ort ein Stück Hölle, so wurde er von nun ab von allen Leuten s8ch. eme Mir war das eben recht. Unbeheuigr verließ ich immer nur um Mitternacht meine wohnliche, wenn auch nicht gerade bequeme Felsenhöhle, lief zunächst in den nahen Wald, in dem ich mich sicher fühlen konnte Von hier aus ging ich als Bettler, Bauer oder Kaufmann verkleidet seelenruhig meinen Buchem, kaufte dort ein, aß und schlief auch manchmal im Gasthof. Erst bei Dunkelheit verließ ich dann wieder die Stadt, erwartete im Walde die Mitternacht, schlich wieder zur Blutmühle, deren Trümmer nicht weggeräumt wurden, weil man wahrscheinlich ein abschreckendes Exempel statuieren wollte. Oft blieb ich auch wochenlang meiner Höhle fern. Den Burgschatz wußte ich dort sicher. Ich hatte Geld in der Tasche, litt keine Not. Nur das ewige Sichverbergenmüssen vor den Menschen machte mich unglücklich. Ich liebte nicht mehr mein Leben; denn meine Rache war gestillt. Aber ich wollte ein erbärmlicher Hund von Henkershand sterben. So ging ich einsam und ruhelos. und eigentlich längst gestorben. den Menschen, die ohne Mitleid und ohne ein liebes Wort an mir vorübergingen. Und mehr denn je begann ich die Menschen zu hassen und haßte sie bis zum Tode. So verging Jahr um Jahr. Um nicht tagelang müßig in der Höhle herumsitzen zu müssen, begann ich, einen wagerechten Stollen in die Erde zu graben, den ich bei Gefahr als Notausgang benutzen wollte, denn er sollte im nahen Walde ans Tageslicht führen. Vielleicht seid auch ihr, die ihr meine Truhe gefunden habt, durch diesen Schacht in meine Felsenkammer gekommen. Im gleichen Jahre entdeckte ich die große Höhle mit dem unterirdischen Bach. Sicherer als in einer Burg fühlte ich mich in meiner unterirdischen Behausung. An sonnigen Tagen ließ ich den Schacht offenstehen, saß auf einem bequemen Sitz nahe der Erdoberfläche und freute mich der Sonne und der Lerchenlieder. Und selbst zu Späßen konnte ich mitunter aufgelegt sein. So hatte ich an einem Sommerabend schon in der Dämmerung mein Versteck verlassen, wollte eben den Schacht verschließen, als ich ein Bauernweib daherkommen sah. Starr wie ein aufrecht gestellter Toter und mit zum Himmel erhobenen Armen stellte ich mich zwischen die Trümmer der Blutmühle. Da sah mich die Frau, bekreuzigte sich, rief alle guten Geister an und war auch schon meinen Blicken entschwunden. Oben auf der Blutmühle gehe der böse Geist des verbrannten Ritters vom Kattenstein um, wird sie den abergläubischen Dorfbewohnern erzählt haben. Was kümmerte es mich! Je mehr man den Ort mied, um so wohlgeborgener war ich in meinem Versteck. Und wenn ich am hellichten Tage den Schacht verlassen hätte, würde mich jeder für einen spukenden Geist gehalten haben und davongelaufen sein. Auf meiner Burg saß seit Jahren schon ein neuer Ritter. Alljährlich ging ich zum Kattenstein, begrüßte ihn vom Walde aus. Der Geheimgang war längst zugeschüttet worden. Nun, da das Geheimnis der Eulenkammer entdeckt war, hatte diese für den Ritter keinen Wert mehr„ 16 Altersgrau, an einigen Stellen schon neu aufgemauert, schaute der Burgfried stumm grüßend zu mir herüber. Hielt er als einziger den Ritter Dietrich vom Kattenstein nicht für tot! Meine Lebensgeschichte ist damit geschrieben. Weil ich er aber, meiner wohlverdienten Totenruhe wegen, nicht haben will, daß man mein einsames Felsengrab hier unten finde, bitte ich den, der dieses Buch in Händen hält und leset, des toten Ritters Dietvich vom Kattenstein letzten Wunsch getreulich zu erfüllen. So geschrieben Anno 1362. Richard Schmidt, Bochum Freiligrathstraße 21 3816 Empfehle mich zur Ausführung sämtlicher Stuckarbeiten Tadellose saubere Ausführung bei billigster Berechnung Valelti Babe ss Bedachungsgeschäft BOCHUM Oskar-Hoffmann-Straße 103 Fernsprecher 61438 Josef Hoff Plattierungsgeschäft u. Baumaterial Spezialgeschäft für Fußböden und Wandbekleidungen aller Art Inhabereelbet Fachmann 3843 Telefon 66477 Joachimstr. 17 Max Bataille Z immermeister Bochum, Hunscheidtstr. 38 Fernruf Nr. 69788 3973 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten EWALD-KOTNER Maler- und Anstreichermeister Obernahme samtl. Malere Anstreicher-, Tapezierer- und Glaserarbeiten O Garantie für gute fachmännische Ausführung S Mäßige Praise 3841 Bochem, Sdolfslealen t l. Kemer: — Zweites Blatt Mittwoch, den 8. Oktober 1330 Ethet Die Notverordnung über die Krankeinaßsen Aus Aerztekreisen wird uns geschrieben: Mit auffallender Schnelligkeit nimmt die Reichsregierung amtlich zu den Auswirkungen der neuen Vorschriften über die Krankenversicherung Stellung, obgleich die Notverordnung bei dem größten Teil der Krankenkassen erst seit wenigen Wochen in Kraft getreten ist. Die amtlichen Darlegungen sollen wohl den Zweck verfolgen, den vielen Angriffen zu begegnen, die in der ganzen Presse, besonders aber in der sozialistischen, in schärfster Form durchgeführt wurden. Mit Bezug auf die schädigende Auswirkung der Erhebung einer Krankenscheingebühr und eines Arzneikostenzuschusses wurden von den sozialistischen Blättern mehrere Fälle namentlich angeführt, die Opfer der Notverordnungsbestimmungen geworden sein sollen. Daß solche Mitteilungen Unruhe in den Kreisen der Versicherten erregen müssen, ist klar und die Hinweisung der Regierung ist deshalb wesentlich, daß die zu erhebende Krankenscheingebühr keine Voraussetzung für die Gewährung der Krankenhilfe selbst bildet, sondern nur als Sonderbeitrag des Versicherten zu gelten hat, der ihn in dringlichen Fällen auch nachträglich begleichen darf.„ 6 Merkwürdig aber berührt es, wenn sich vie Regierung so kurze Zeit nach Inkrafttreten ihrer Notverordnung bereits in der Lage fühlt, auf ihre Erfolge hinzuweisen. Einen besonderen Erfolg erblickt sie in der Herabsetzung der Beiträge der Versicherten und berechnet dabei, daß jedes Prozent der Beitragssenkung für den Arbeitnehmer mit einem Grundlohn von 5.— RM. eine Ersparnis von 18.— RM., bei einem Grundlohn von 10.— RM. sogar eine Ersparnis von 36.— RM. im Jahr bedeutet. Jeder Versicherungsnehmer erfpare also im Jahr den Verdienst für zwei bis drei Arbeitstage. Diesem Vorteil für die Allgemeinheit gegenüber komme die Belastung durch den Krankenschein und den Arzneikostenanteil, selbst wenn der Versicherte zweimal im Jahr erkrankt, nicht in Betracht. Die Regierung kommt zu dem Schluß, daß die Notverordnung ohne jede Beeinträchtigung der Volksgesundheit und trotz Neueinführung wichtiger Leistungen, insbesondere der Familienhilfe als Pflichtleistung, eine Erhöhung des Reallohnes bringe. Sie überläßt es dem Leser, zu entscheiden, ob diese Vorteile sozial oder unsozial seien. Warum aber erwähnt sie nicht, daß die zu erwartende Ersparnis, die ausnahmslos von vielen Versicherungsnehmern willkommen geheißen wird, durch die Erhöhung der Beiträge fur die Arbeitslosenunterstützung dem Versicherten wieder abgenommen wird? Das Nichterwähnen dieser Tatsache ist zum mindesten eine grobe Irreführung der Oeffentlichkeit, für die die Auferlegung der Krankenscheingebühr und des Arzneikostenbeitrages eine grundsätzliche Abkehr von den Gedanken bedeutet, die bisher den Ausbau und Aufbau unserer Sozialversicherung bestimmt haben. In einer schlesischen Zeitung heißt es, daß Krankheit bisher nicht als Privatangelegenheit des Erkrankten gegolten habe, sondern als eine Gefährdung des Einzelnen, zu deren Abwehr alle zusammenstehen sollten. Die Krankenversicherung war bisher eine gemeinnützige Einrichtung, während fortan jedes Kassenmitglied an der Senkung der Kosten der Fürsorge für die Erkrankten wirtschaftlich interessiert werden soll und im Erkrankungsfalle selbst erhebliche wirtschaftliche Opfer bringen muß. wenn es dazu überhaupt in der Lage ist. Die Frage der amtlichen Regierungserklärung, ob die inzwischen eingetretene Herabsetzung der Beiträge unsozial sei, muß derjenige, der praktische Erfahrung auf dem Gebiet der Sozialversicherung besitzt, unbedingt bejahen; die Frage, wie die Notverordnung zur Krankenversicherung sich auf den Gesundheitszustand der Versicherungsnehmer und auf den des ganzen deutschen Volkes auswirken wird, kann jedenfalls nicht so rasch durch eine amtliche Erklärung, sondern erst durch die Erfahrungen der Zukunft endgültig einwandfrei beantwortet werden. Der Erfolg des Sühnetermins Die Tätigkeit der Schiedsmänner im Jahre 1929. Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht an Hand einer in Nr. 38 des„Justizministerialblattes“ veröffentlichten Uebersicht folgende Angaben über die Tätigkeit der Schiedsmänner im Jahre 1929:.. 6446. Im Bereich der 13 Oberlandesgerichtsoezikke betrug die Zahl der Schiedsmänner am Jahresschluß 15 878, an burgerlichen Rechtsstreitigkeiten betrug die Zahl der Sachen überhaupt 4337, die Zahl der Sachen, in denen beide Teile zur Sühneverhandlung erschienen, betrug 3843. Durch Vergleich wurden 2208 Sachen erledigt. An Strafsachen betrug die Zahl der Sachen, in denen beide Teile zur Sühneverhandlung erschienen, 172 106. In 77 468 Fällen hatte der Sühneversuch Erfolg. Mündelsicherheit der Hypothekenpfandbriefe? In den weitesten Kreisen weckt das Wort„mündelsicher“ mit Recht bitterste Enttäuschung. Auf der anderen Seite ist Tatsache, daß dies Wort„bursmäßig“ hoch gestiegen ist, daß vor allem die privaten Hypothekenbanken die Mündelgelder in ihren Arbeitskreis miteinbeziehen wollen. Es wird diese Frage der Zu= und Aberkennung der Reichsmündelsicherheit der privaten Hypothekenpfandbriefe bald im Mittelpunkt der parlamentarischen Kämpfe stehen. Da ist es sehr verdienstvoll, daß das neue Heft III des „Jahrbuchs der Bodenreform“ alle Fragen des Für und Wider eingehend erörtert in einem bedeutungsvollen Artikel von Professor v. Nell=Breuning, S. J.„Für und gegen die Mündelsicherheit der Hypothekenpfandbriefe“. Von Nell kommt zu dem Ergebnis, die Reichsmündelsicherheit ablehnen zu müssen aus nationalen Erwägungen und als im Interesse der Mündel selber gelegen. Vor allem verlangt die Interessensolidarität der Kleinsparer und Mittelstandskreise, aus denen doch vorwiegend die Mündelgelder kommen, diese Gelder so zu leiten, daß sie nicht durch die Anlagepolitik der privaten Hypothekenbanken, die eine großkapitalistische Tendenz zeigt, in den internationalen Kapitalstrom mit verflochten werden.— Dasselbe Jahrbuch enthält weitere wichtige Beiträge für jeden interessierten Boden= Siedlungs= und Wohnungspolitiker. Es bringt einen Artikel von Universitätsprofessor Rietschel „Die Wohnheimstätte in gesundheitlicher Bedeutung“ und den„Entwurf eines Gesetzes über eine staatliche Grundwert= und Zuwachssteuer“ in Danzig mit der Begründung von Regierungs= und Baurat Richard— Fragen, die bei der bevorstehenden Finanz= und Steuerreform weiteste Beachtung verdienen. SpD., Stadtverband Witten Sonntag, den 12. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im Saale Röthemeier: Sonderfunnung sämtlicher Filialen des Stadtverbandes. Die gegenwärtige politische Lage erheischt dringend eine klare und eindeutige Stellungnahme der sozialdemokratischen Parteimitglieder. In dieser Versammlung wird unsere Venossin Dr. Corhorst den Standpunkt der Arbeitermassen erläutern. Kein einziges sozialdemokratisches Parteimitglied darf bei dieser wichtigen Versammlung fehlen! Die Filialleiter sämtlicher Filialen werden ersucht, für einen vollzähligen Besuch Sorge zu tragen, was um so notwendiger ist, weil auch ein wichtiger Beschluß zu fassen ist. J. A.: Wilh. Lutter. Allkkarstaul=Srcferraßstane Die„Krasnaja Swesda“, das Blatt der Roten Armee, enthält in ihrer Ausgabe vom 14. August folgende Bekanntmachung: „Am 13. August fand, die regelmäßige Sitzung des Präsidiums des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion statt, wobei neben anderen Fragen auch die der Wehrpflicht erörtert wurde. Das Präsidium bestätigte das neue Gesetz über die Wehrpflicht. Nach diesem Gesetz wird in die Ableistung der Heeresdienstpflicht noch eine neue Form eingeführt, nämlich der millitärische Fabrikdienst, der in einer dauernden Dienstleistung in den Fabriken und Unternehmen besteht bei gleichzeitiger Heranziehung zum Militärdienst. Der Wehrpflichtige wird den Dienst dieser Art in Industrieunternehmen in zwei Jahren ableisten und bei der Verabschiedung kann er in die Listen des Unternehmens eingetragen werden, in welchem er seiner Dienstpflicht genügt hat. Auf diese Weise wird aus den Angehörigen der Roten Armee eine Kerntruppe von Instruktoren für die Bedürfnisse der Rüstungsindustrie hervorgehen. Ein weiteres unterscheidendes Merkmal des neuen Gesetzes vom alten bildet der Kurs der militärischen Vorbereitung für die Studenten. Die Studenten werden nunmehr ihrer militärischen Dienstpflicht während der Studienzeit in den Hochschulen und technischen Lehranstalten genügen. Ferner war in dem alten Gesetz für die Landwehrleute eine besondere Steuer vorgesehen. An die Stelle tritt jetzt anstatt einer Steuerzahlung die Ableistung öffentlicher Arbeiten. Abgesehen von diesen Veränderungen sind in der neuen Fassung des Gesetzes auch die Abschnitte über die Ableistung der Wehrpflicht für Hörer der Arbeiterfakultäten erweitert. Aufschub für die Wehrpflicht erhalten die Kollektivwirtschaftler zur Zeit der Feldarbeiten, die Traktorenführer usw. Sehr genau ist im neuen Gesetz die Frage der Lohnzahlung an die zur Ableistung ihrer Wehrpflicht ins Heer eintretenden Arbeiter, Landarbeiter, Angestellten usw. geregelt. Arbeiter und Angestellte, die freiwillig in die Rote Armee eintreten, werden auf Grund ihrer Anzeige beurlaubt. Der Arbeitgeber muß eine einmalige Zahlung in Höhe eines mittleren Zwölftagelohnes auszahlen. Den in die Kriegsschulen Eintretenden werden ihre Stellen offen gehalten. Die in die Kriegsschule Aufgenommenen werden vom Arbeitgeber beurlaubt bei gleichzeitiger Auszahlung eines einmaligen mittleren Monatsgehaltes. Aus dem Vorstehenden ist zu ersehen, daß Sowjetrußland nicht nur ein Militärstaat ersten Ranges ist, sondern daß auch hier die Forderung aller Reaktionäre, von den Nazis bis zur Wirtschaftspartei, bereits durchgeführt wird— nämlich die Arbeitsdienstpflicht in Form des„militärischen Fabriksdienstes". In Deutschland aber reißen die Moskaujünger ihr Maul nicht weit genug auf, zum Preise des„Vaterlandes aller Proletarier“. Auto in Brand geraten. Am Montag, gegen 3,40 Uhr nachmittags, geriet auf der Bahnhofstraße das aus Wuppertal stammende Personenauto 1Y 22575 plötzlich in Brand. Bis zum Eintreffen der sofort alarmierten Feuerwehr von Privatpersonen unternommene Löschversuche blieben erfolglos. Der Benzinvorrat hatte sich über den ganzen Wagen verbreitet so daß das Auto in Flammen gehüllt war. Die in wenigen Minuten erschienene Feuerwehr konnte auch nichts mehr retten und mußte sich auf das Auslöschen des Brandes beschränken. Personenschaden ist nicht entstanden, das Auto ist aber vollständig ausgebrannt. Das Gerippe mußte abgeschleppt werden. Die Entstehungsursache ist in einem Vergaserbrand zu suchen. Der Vorfall hatte eine ungeheure Menschenmenge angelockt. Frechheit, den Genossen Möhle zu dieser Versammlung einzuladen und bietet ihm eine halbe Stunde Redezeit an. Daß diese„Einladung“ unmöglich ernst genommen werden kann und nur darauf berechnet ist, als Lockmittel für die Faschistenversammlung zu dienen, geht schon daraus hervor, daß man einen Tag vor Stattfinden der Versammlung uns diesen Zettel zugestellt hat. Genosse Möhle steht im Arbeitsverhältnis und müßte schon viel früher eine Einladung erhalten, um sich entsprechend einrichten zu können. Das ist den Veranstaltern natürlich bekannt, aber sie wollen ja gar nicht, daß diese„Einladung“ ernst genommen wird. Vielleicht fürchteten die Hakenkreuz=Unternehmerknechte, daß man Zeit gewinnen würde, festzustellen, wer eigentlich„der frühere Sozialdemokrat Leibold“ ist. Abgesehen davon, wird es weder dem Genossen Möhle noch einem anderen„eingeladenen“ Sozialdemokraten einfallen, eine Versammlung zu besuchen, in der erfahrungsgemäß jeder Andersgesinnte nicht nur nicht zu Worte kommt, sondern nach echter Banditenart einfach niedergeschlagen wird. Das würde mit Sicherheit in dem Augenblick geschehen, wenn der schon oft erbrachte Nachweis erbracht würde, daß es in Deutschland keine andere Pest gibt wie die Hakenkreuz=Pest und daß die Sozialdemokratie die einzige ehrliche Bekämpferin dieser Pest ist und sie auch bis zur völligen Vernichtung weiter bekämpfen wird, damit Deutschland vor dem Untergang bewahrt bleibt. Genosse Möhle wird also den Herren Nazis etwas husten und ihrer Einlatung nicht Folge leisten, weil er sie verachtet. Alle ehrlichen und anständigen Menschen, und insbesondere die Arbeiterschaft, werden aufgefordert, dieser Versammlung fernzubleiben. Der Besuch einer Hakenkreuz=Versammlung kommt einer Unterstützung des vom Unternehmertum geförderten Faschismus gleich! Die berufliche Weiterbildung für Bauhandwerker Wer in seinem Berufe weiterkommen will, muß neben gründlicher handwerklicher Fertigkeit auch eine gute Fachschulbildung besitzen, die befähigt, nach gegebener Werkzeichnung selbständig zu arbeiten und die inneren Zusammenhänge im Arbeitsvorgang denkend zu erfassen. Diese Kenntnisse und Fertigkeit zu vermitteln ist Aufgabe der hiesigen Städtischen Gewerbeschule, die über den Rahmen der Berufsschule hinaus in ihren gut ausgebauten freiwilligen Fachklassen eine beachtenswerte berufliche Bildungsstätte geworden ist. Wie für andere Berufsgruppen ist insbesondere für das Baugewerbe ein Ausbildungslehrgang in fünf aufsteigenden Semestern geschaffen, nach dessen Durchschreiten vielen Behandwerkern der Weg zum weiteren Fortkommen geebnet wird. Der Unterricht verteilt sich auf zwei Abende in der Woche mit je 3 Stunden, wodurch jedem Handwerker die Beteiligung ermöglicht wird. Im einzelnen bietet der Lehrplan im 1. Semester: Deutsch, Mathematik und Baukonstruktion in Stein; im 2. Semester: Mathematik, Baukonstruktion in Holz; im 3. Semester: Mathematik, innerer Ausbau(Türen, Fenster, Treppen u. dergl.); im 4. Semester: Statik, Entwurf eines Einfamilienhauses; im 5. Semester: Festigkeitslehre, Entwurfszeichnung, Preisberechnung, Baukunde. Das Bauzeichnen wird besonders gepflegt und geht mit der Konstruktionslehre Hand in Hand, ebenfalls die Baustofflehre. Schüler, die den Ausbildungslehrgang mit Erfolg besuchen, haben gutes Fachwissen und die beste Vorbereitung für den Besuch und guten Abschluß der Baugewerksschule. Je nach Bedürfnis können Sonderklassen eingerichtet werden, zum Beispiel für Eisenbeton und Dachausmittlung(Schiftungen) und Treppenbau. Parallel mit diesem Lehrgang läuft ein lediglich für Poliere eingerichteter Sonderkursus mit 4= bzw. 5semestrigem Aufbau, in dem in rascher Folge ein sicherer theoretischer Unterbau geschaffen wird, der reiche praktische Erfahrung voraussetzt. Der Lehrplan hat zusammenfassendes Entwurfszeichnen, Mathematik, Statik und Festigkeitslehre sowie Baukunde und Preisberechnung in eingehender Weise. Die Ausbildung gibt den Polieren ein gründliches Fachkönnen und bereitet auf die Meisterprüfung vor. Wer neben seiner Werkarbeit sich der gründlichen Schulausbildung widmen will, muß Ausdauer besitzen und lernfreudig sein— aber ohne Fleiß kein Preis. Der Reklamemann auf Wanderschaft Unsere Feststellungen in unserem Blatte, daß der Reklamemann der KPD., Möbius, welcher in der kommunistischen Versammlung im Schützenhof eine kleine Extravorstellung gab, indem er ein angebliches Mitgliedsbuch der SPD. zerrissen haben soll und zur KPD. übertrat, weder in Groß=Bochum noch im Organisationsbereich des Buchdruckerverbandes, Bezirk Bochum, existiert, haben nun das„Ruhr=Echo“ veranlaßt, den Mann auf Wanderschaft zu schicken, wahrscheinlich, um ihn unseren Nachforschungen zu entziehen, das SPD.=Buch, welches nach dem ersten Bericht des Kommunistenblattes zerrissen wurde, befindet sich auf einmal wieder wohlbehalten im Besitze des„Ruhr=Echos". Der Schwindel wird immer offenbarer. Es ist anzunehmen, daß der Reklamemann der Kommunisten das gleiche Spiel schon des öfteren in kommunistischen Versammlungen aufgeführt hat. Mit dem Wattenscheider Manne gleichen Namens scheint er nicht einmal identisch zu sein, jedenfalls erscheint das nach den neuesten Behauptungen des„Ruhr=Echos“ nunmehr als zweifelhaft. Aber wie dem auch sein möge, fest steht, daß die Kommunistenpresse ähnliche Roßtäuschertricks schon oft aufs Tapet gebracht hat. Während des Wahlkampfes verbreitete die kommunistische Presse die Meldung. in Bublitz seien 60 SPD.=Mitglieder zur KPD. übergetreten. Wie die näheren Feststellungen ergaben, gibt es in Pommern einen Ort Bublitz, in dem seit langem eine sozialdemokratische Ortsgruppe mit 14 Mitgliedern existiert, die auch heute noch besteht und die bei den Wahlen tüchtig für die Partei gearbeitet hat. Die Meldung war also aus der Luft gegriffen. Und eine solch verlogene Gesellschaft findet den traurigen Mut, uns der Lüge zu zeihen. Pfui Teufel! * Heute Fraktionssitzung bei Aug. Felsch, Ardey= und Oberstraßen=Ecke. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten und Magistratsmitglieder werden gebeten, pünktlich und vollzählig um 7.30 Uhr abends zu Stadtteil Annen Die Brausebadeanstalt in der katholischen Wilhelmschule an der Hamburg=Straße ist nunmehr, nachdem dieselbe völlig renoviert ist, wieder für das Publikum zu jedermanns Benutzung freigegeben. Sie ist für Frauen jeden Freitag von 5 bis 8 Uhr und für Männer Samstags nachmittags von 2 bis abends 8 Uhr geöffnet. An den übrigen Wochentagen bleibt das Bad für die Schulen reserviert. Die Benutzungsgebühr beträgt für jede Person 20 Pf. Erwerbslose gegen Vorzeigen der Stempelkarte haben freie Benutzung. Die nächste Mütterberatungsstunde findet am Donnerstag, dem 9. Oktober, von 16.30—17.30 Uhr in der Verwaltungsnebenstelle, Zimmer 1, statt. Stadtteil Stockum Frecher Nazi=Schwindel. Gestern mittag erhielten wir einen gelben Zettel, in welchem eine öffentliche Volksversammlung der Nazis angekündigt wird, die heute in der Wirtschaft Engel, Hörder Straße, stattfindet. Die Tagesordnung lautet geschmackvoll:„Die rote Pest Deutschlands Untergang— das Hakenkreuz Deutschlands Rettung". Der Verfasser dieses für zelbe Unternehmerknechte bestimmten gelben Zettels hat die Mittel gegen Insektenstiche. Als rasch wirkendes, harmloses und preiswertes Mittel gegen Bienen= und andere Insektenstiche wird folgende Flüssigkeit empfohlen, die man sich am besten vom Apotheker herstellen läßt: Pulverisierte Aloe wird im Verhältnis von 20: 100 mit Aethylalkohol bei 60 Grad gemischt und das Gemisch nach 5 bis 6tägiger Einwirkung sorgfältig durchfiltriert. Die so gewonnene Flüssigkeit bildet bei sofortiger Anwendung nach dem Stich, indem man einen Tropfen leicht auf der Stichstelle verreibt, ein nahezu sicher wirkendes Mittel gegen die Beschwerden der Insektenstiche. Schmerz und Jucken hören sofort auf, und in fast keinem Falle tritt überhaupt eine Schwellung ein. kos. Verantwortlich für Politik, Feuilleton, Lokales, Provinz und Sport: Wilhelm Kalweit; für Gewerkschaftliches Sozialee und Genossenschaftliches: Philipp Sommerlad; für den Inseratenteil: Karl Simon, sämtlich in Bochum. Druck und Verlag: E. Grat& Co. Bochum, Hermannshöhe 7. Kein Eid in der Aufregung Ein Streitfall am Arbeitsgericht Ein Fuhrmann aus Witten, der nach dem Tarif für das Transportgewerbe entlohnt wurde, hatte dem Bochumer Arbeitsgericht eine Klage gegen seinen Arbeitgeber eingereicht, in der er die Bezahlung von Ueberstunden mit Ueberstundenzuschlägen forderte. Weiter führte der Kläger an, daß man ihn auch nach Ablauf der Kündigungsfrist noch beschäftigt hätte. Von Rechts wegen habe mit der Weiterbeschäftigung ein neues Arbeitsverhältnis begonnen. Sein Arbeitgeber habe ihn jedoch trotzdem entlassen. Die Klagesumme belief sich auf 72,25 Mark. Da der Kläger schon einen Betrag von 20 Mark auf dem Vergleichswege erhalten hatte, war das Gericht nur noch für die Restsumme zuständig. Der beklagte Fuhrunternehmer bestritt vor Gericht, daß der Kläger Ueberstunden geleistet habe. Ein Zeuge bekundete jedoch, daß er und auch der Kläger übergearbeitet hätten. Der Vorsitzende legte dem Beklagten nahe, sich mit dem Kläger zu vergleichen. Der Beklagte bestritt jedoch nach wie vor die Behauptungen der Zeugen und des Klägers. Als dem Beklagten der Eid darüber zugeschoben werden sollte, war er bereit, diesen zu leisten. Der Gerichtsvorsitzende nahm aber den Eid nicht ab. Er schickte zunächst die Parteien hinaus auf den Flur, damit sie Gelegenheit hatten, sich außergerichtlich zu vergleichen. Eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Bevor das Gericht die Streitfrage entscheiden sollte, wurde von dem Vorsitzenden ein Vergleichsvorschlag in Höhe von 26 Mark gemacht. Der Kläger wollte 35 Mark haben. Der Beklagte wollte nur 15 Mark geben. Wenn der Kläger auf seiner Mehrforderung bestehen würde, führte der Beklagte an, so wolle er doch lieber den Eid darüber ablegen, daß der Kläger die Ueberstunden nicht geleister habe. Der Gerichtsvorsitzende wollte auf keinen Fall zulassen, daß der Beklagte in seiner Aufregung den Eid ablegte. Der Termin sollte vertagt werden. Schließlich erklärte sich der Beklagte nach längerem und eindringlichem Zureden seinen Schwiegersohnes bereit, auf den von dem Gerichtsvorsitzenden gemachten Vergleichsvorschlag einzugehen und dem Kläger noch 26 Mark zu zahlen. Aue den Nachbursturten Bochum Mit der Straßenbahn von Bochum nach Buer in 65 Minuten Vor einigen Tagen hat die Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahn mit der Vestischen Kleinbahn den Gemeinschaftsverkehr Buer=Rathaus— Gelsenkirchen=Hbf. mit dem Anschluß nach Bochum=Hbf. ausgenommen. Nach der Fertigstellung der Umbauarbeiten an der neuen Unterführung beim Bahnhof Schalke=Nord wurden die Gleise der sonst getrennten Straßenbahnen durchgeführt. Das Fehlen einer direkten Straßenbahnverbindung von Gelsenkirchen nach Buer über Schalke wurde nach dem Eingehen der Autobuslinien schon seit Monaten als äußerst störend für den Geschäftsverkehr empfunden. Die einzige über Bismarck und Erle bestehende Straßenbahnverbindung der beiden Stadtzentren war wegen der vielen Haltestellen in der delten Stadtteilen sehr zeitvaubend. Eine Straßenbahnfahrt von Bochum nach Buer über Bismarck=Erle dauerte bisher etwa anderthalb Stunden und noch mehr. Eine Eisenbahnfahrt von Bochum nach Buer über Essen oder Recklinghausen kommt wegen der ungünstigen wenigen Anschlüsse und noch kängeren Fohrtdauer und höheren Fahrtkosten praktisch kaum in Frage. Nach der Aufnahme des Gemeinschaftsverkehrs der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahnen und der Vestischen Kleinbahnen kann man von Bochum nach Buer in etwa 65 bis 70 Minuten gelangen. Die Wagen der Linie 1 fahren von Bochum=Hbf. nach wie vor bis Schalke=Nord. Die Wagen der Linie 12 der Vestischen Kleinbahn fahren dagegen von Buer=Rathaus bis Gelsenkirchen=Hbf. durch. Von und nach Bochum werden Uebergangsfahrscheine ausgegeben. Die Fahrgäste nach Bochum oder nach Buer können entweder am Hauptbahnhof in Gelsenkirchen oder in Schalke=Nord umsteigen. Die Linie 12 der Vestischen Kleinbahn endet nicht am Rathaus in Buer, sondern sie führt über Recklinghausen— Polsum— Sinsen— Hüls bis Marl weiter. Der Zeitgewinn von Bochum bzw. Gelsenkirchen nach Buer wird auf der neuen Strecke durch den eigenen Bahnkörper der Straßenbahnlinie zwischen Schalke und Buer erzielt, der nur einige wenige Haltestellen aufweist. Festgenommener Betrüger Von der Kriminalpolizei wurde am 6. Oktober ein Betrüger festgenommen, der in den letzten Monaten von Haus zu Haus ging und Bestellungen auf Sparglühbirnen entgegen nahm. Er ließ sich 1.— RM. als Anzahlung geben und versprach, die bestellten Glühbirnen zum Preise von 3.— RM. zu liefern. In Wirklichkeit kam es ihm nur darauf an, die Anzahlung zu kassieren, denn er hatte weder Glühbirnen vorrätig, noch einen Lieferanten dafür. Das so erhaltene Geld verbrauchte er für sich. Nach den bei ihm beschlagnahmten Unterlagen hat er eine große Anzahl von Personen geschädigt. Tankstellenbrand. Die Tankstelle an der Essener und Kohlenstraßen=Ecke geriet am 6. Oktober, gegen 17 Uhr, in Brand. Die Feuerwehr mußte zur Bekämpfung des Brandes, der allem Anschein nach durch Blitzschlag entstanden ist, ausrücken. Personen wurden nicht verletzt. So du nach fremdem Gelde trachtest.... Der Vertreter M. von hier war wegen Unterschlagung zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten verurteilt worden. Diese Strafe erschien ihm jedoch zu hoch, weshalb er das Urteil durch Berufungseinlegung angriff. M war bei dem Generalagenten einer Elberfelder Margarinefabrik angestellt und hatte auch Inkassovollmacht. Bei einer Revision seitens der Elberfelder Firma zeigte es sich, daß die Abrechnungen des Angeklagten mehrfach Fehlbeträge aufwiesen, die sich auf insgesamt 735 Marr beliefen. Wie diese Fehlbeträge entstanden sind, erklärte der Angeklagte damit, daß er Geld verloren habe, es sei ihm auch etwas gestohlen worden, und daß er damals für mehrere Firmen gearbeitet habe und Gelder, die er von Kunden der Elberfelder Firma erhalten habe, für Kunden der and Firmen verbucht habe. Er bestritt entschieden die Absicht der Unterschlagung. Das Berufungsgericht hielt ihn für schuldig, jedoch gewährte es ihm, trotz seiner Vorstrafen, nochmals mildernde Umstände und setzte die Strafe auf drei Monate Gefängnis herab. Diebstähle. Einem Anwohner der Rottstraße wurde am 3. Oktober eine Handkarre ohne Kasten in der Kortumstraße entwendet Die Karre stand vor dem„Deutschen Nähmaschinenhaus“. gegenüber der Reichsbank.— Am 4. Oktober, gegen 8 Uhr, ist einem Anwohner des Südhellwegs ein Hund drahthaariger Foxterrier— abhanden gekommerz, Rerdschhet werden zwei junge Leute, die den Hund verschter####### sollen.— Sachdienliche Angaben, die auf Wunsch verrraulich behandelt werden, nehmen sämtliche Pobizeidienststellen entUim Ktruntegrescht....)..).9... Die verhandlung gegen die Linden=Dahlhauser Kaubmörder *„de: Vauvel soll mit dEssen, 8. Oktober. Der große Schwurgerichtssaal des Essener Landgerichts ist überfüllt, als Landgerichtsrat Wilhelmi um 9 Uhr die Verhandlung gegen den 22järhigen Schmied Wilh. Haarmann und seinen 26 Jahre alten Freund, den Bergmann Louis Vaupel, beide aus Linden=Dahlhausen, eröffnet. Der Prozeß gegen die Angeklagten, die sich wegen Raubmordes zu verantworten haben, war bereits einmal für Ende August angesetzt, dann jedoch am Tage vor der Verhandlung plötzlich vertagt worden, da die beiden jugendlichen Raubmörder unter Umständen mit einem Todesurteil rechnen müssen und Anspruch auf eine ärztliche Untersuchung hinsichtlich ihres Geisteszustandes hatten. Die Tat, die sich am ersten Pfingsttage dieses Jahres in Linden=Dahlhause eignete und deren Opfer der Bauarbeiter Tybuschet wurde, hat damals das größte Aufsehen erregt, da die beiden jugenolichen Verbrecher ihren Freund mit größter Bestialität umgebracht haben, um schließlich ganze funf Mark zu erbeuten. Fünf Mark für ein Meuschenleben, wahrlich, die Verrohung unserer Jugend hat Ausmaße angenommen, die einen mit Schaudern erfüllen müssen. Das Motiv der Tat war nicht etwa in der Not der Angeklagten, sondern in ihrer Vergnügungssucht zu der sie ohne weiteres den Freund opferten. Zum Besuch der Kirmes sollte das durch einen Mord erlangte Geld dienen. Welch furchtbarer Abgrund der menschlichen Seele! Gestern nun saßen die beiden jugendlichen Raubmörder auf der Anklagebank. Haarmann, klein und blickt dauernd zu Boden, während der große und„schlaßke Vaupel schüchtern seine Blicke in den Zuhörerraum schweisen läßt. Neben den Angeklagten, Söhnen achtbarer Eltern. beSchon bald stelt sich heraus, daß von der Einigteit, mie der die gewissenlosen Burschen den Mord ausgeführt haben, jetzt nichts mehr zu merken ist. Jeder sucht die Schuld auf den andern zu schieben, versucht, sich selbst als den darzustellen. Immer wieder muß der Vorsitzende auf Widersprüche zwischen den jetzigen Aussagen der Angeklagten und ihren Angaben vor dem Untersuchungsrichter bzw. der Kriminalpolizei hinweisen. Die Angeklagten scheinen zu es hier um ihren Kopf geht. Sie sind dementsprechend bemüht, die Tat in einem anderen Lichte erscheinen zu tassen, als sie in Wirklichkeit geschehen ist. Von Bedauern und Neue ist ihnen nicht viel anzumerken. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses wird zunächst Haarmann vernommen, der versucht, sich als etwas geistig beschränkt hinzustellen, da er als kleines Kind von einer Leiter gestürzt und auf den Kopf gefallen, später von einem Kraftwagen überfahren und auf einer Kirmes bei der Explosion einer Lampe verbrannt worden ist. Er bemüht sich, sich als einen Eigenbrödler hinzustellen, der häufig unter seiner Mißstimmung zu leiden hatte. Die Eltern Vaupels hätten seinen Verkehr mit ihrem Sohn Ueber die Ausführung der Tat selbst sagt Haarmann aus, daß er am ersten Pfingstfeiertage gegen 5.30 Uhr Vaupel in einer Wirtschaft aufgesucht habe. Später sei Tybuschek hinzugekommen und sie hätten mit ihm und einem gewissen Bergmann Gliedt mehrere Glas Bier getrunken. Während des Zusammenseins sei auch über den Verdienst Tybuscheks gesprochen worden. Im Gegensatz zu seinen früheren Aussagen behauptet Haarmann heute, daß nicht bereits in der Wirtschaft, sondern erst später in der Wohnung Vaupels während des Kaffeetrinkens beschlossen worden sei, Tybuschek zu erschlagen und zu berauben. Auch auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden bleibt der Angeklagte bei seiner jetzigen Darsetung G Die weiteren Vorgänge schildert Haarmann folgendermaßen: Während des Kaffeetrinkens habe Vaupel, der ihm — Haarmann— bereits auf der Toilette der Wirtschaft erzählt habe, daß Tybuschek immer reichlich Geld bei sich fuhre und sie heute, auch wenn es aufs Ganze ginge, unbedingt Geld haben müßten, plötzlich aufgeklärt, er müsse unbedingt in den Keller, um Brennholz zu hauen. Auf die Aufforderung Vaupels seien er u. Tybuschek mit in den Keller gegangen. Vaupel sei mit dem Eimer vorangegangen, während er hinter Tybuschek gewesen sei. und das Beil so getragen habe, daß dieser es nicht habe sehen können. Auf der Treppe sei der Gedanke wieder in ihm aufgetaucht, dem Ratschlage Vaupels, aufs Ganze zu gehen, zu folgen. In dem schmalen Gang des Kellers habe er Tybuschek in dem Augenblick, als dieser den Keller habe aufschließen wollen, mit dem stumpfen Ende des Beiles einen Schlag auf den Hinterkopf versetzt. Davon, daß er mehrmals zugeschlagen hat, will Haarmann, wie er weinend erklärt, nichts mehr wissen. Vorsitzenver: Baupel fon mit den Augen gezwindert Haarmann: Nein, er hat mich nicht auf die Gelegenheit aufmerksam gemacht. Der Angeklagte schildert dann weiter, wie er das Gesicht des Toten mit Tüchern, einer alten Hos usw. zugedeckt und dan ein leeres Faß auf den Toten gelegt habe. Er will sich nicht mehr erinnern können wie er dazu gekommen ist, mit dem Beil zuzuschlagen. Die Taschen des Toten habe er nicht nach Geld, sondern nach einem Taschentuch durchsucht, um sich das Blut abzuwischen. Nach der Tat seien beide plötzlich zur Vernunft gekommen. Ihre ursprüngliche Absicht, sofort zur Polizei zu gehen, hätten sie dann wieder geändert. Sie seien mit der Elektrischen nach Wattenscheid gefahren und hätten beabsichtigt, in die Fremdenlegion einzutreten. Nach dem Besuch von zwei bis drei Wirtschaften in Wattenscheid hätten sie sich dann der Polizei gestellt und ein Teilgestandnis avgelegt. In diesem Geständnis versuchten sie den Vorfall so darzustellen, als ob Tybuschek im Streit erschlagen worden sei. Der nunmehr vernommene Vaupel gibt zu, Haarmann im Gasthaus aufgefordert zu haben, mit ihm zur Toilette zu gehen. Er selbst hat mit Tybuschek als Kind viel verkehrt. Nach den Darstellungen Vaupels ist jedoch bereits in der Wirtschaft von dem Beile die Rede gewesen. Nachdem Gliedt, der zuerst in der Vaupelschen Wohnung mit Kaffee getrunken habe, nach Hause gegangen sei, habe er(Vaupel) das Beil geholt und man sei gemeinsam in den Keller gegangen.„Paupel erst etwas von der Tat gemerkt haben, als er Blut an seinen Händen spürte. Auf der Elektrischen will er dauernd darauf bestanden haben, sich der Polizei zu stellen, weil er befürchtet habe, daß Haarmann alle Schuld auf ihn schieben würde. Er will das Faß auf den Kopf Tybuscheks gerollt haben, um zu verhüten, daß Haarmann noch einmal schlagen sollte. Im Keller habe Haarmann zu ihm gesagt: Du, er lebt ja noch, gib ihm noch ein paar!“ Vaupel bleibt jedoch, trotz aller Vorhaltungen, dabei, dem Ermordeten lediglich den Mund zugehalten zu haben, als dieser mehrmals laut ausstöhnte. Er habe die Tat nicht gewollt und trage hieran keine Schuld, Es kommt nunmehr zu mehreren heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Angeklagten, da Haarmann über die Versuche seines Komplizen, sich reinzuwaschen, sichtlich empört ist. Interessant ist aus dem Protokoll, das der Vorsitzende nunmehr verliest, folgende Stelle: „Wir haben schon vor drei bis vier Wochen darüber gesprochen, daß wir uns auf irgendeine Weise Geld verschaffen müssen. Vaupel sagte, wir müssen Tybuschek mit in den Keller nehmen, und dann sollte Haarmann ihn erschlagen.“ Weiter ergibt sich aus dem Protokoll, daß beide gemeinsam die Taschen des Toten durchsucht, aber nichts gefunden haben. Haarmann sucht sich damit herauszureden, daß er die Protokolle in der größten Aufregung unterschrieben habe, weil ihm mildernde Umstände in Aussicht gestellt worden seien. Vaupel behauptet, damals alles unterschrieben zu haben, weil er nicht gewußt habe, was er tat. Es beginnt nunmehr die Zeugenvernehmung. Zuerst wird der Vater des Angeklagten Haarmann über den Unglücksfall seines damals sechsjährigen Sohnes verhört, der durch einen Kraftwagen überfahren wurde, Der Angabe des Vaters, daß sein Sohn seit dem Unfall häufig geistig abwesend gewesen sei, wird von dem Arzt, der damals den Verunglückten behandelte, widersprochen. Von einer Gezirnerschütterung infolge des Unfalls könne keine Rede sein. Der Bergmann Gliedt, der als letzter Tybuschek noch lebend gesehen hat, als er mit ihm und den beiden Mördern in der Vaupelschen Wohnung Kaffee trank, schildert den Ermordeten als einen ruhigen Menschen. Haarmann und Vaupel hätten durchaus keinen angetrunkenen Eindruck gemacht. Untersuchungsrichter Keppler macht Angaben über eingehende Vernehmung der Angeklagten, die damals tiefe Reue gezeigt hätten. Haarmann habe wiederholt gesagt:„Ich bin froh, daß ich die Sache von der Seele herunter habe“. Gumigauu Pu 1 Im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme werden noch verschiedene Zeugen, darunter der Vater des Angeklagten Vaupel und dessen Arbeitgeber, gehört. Alle stellen dem jungen Menschen ein gutes klären, wie die beiden Burschen zu diesem schweren Verbrechen gekommen sind. Nach 6 Uhr abends wurde die Verhandlung auf Mittwoch vormittag 9 Uhr vertagt. Es soll dann die Beweisaufnahme geschlossen und die Sachverständigen vernommen werden. Mit der Urteilsverkündung ist gegen Mittag zu rechnen. Kottsumderei e. G m. b. H. Bochum Am Sonntag, dem 5. Oktober, fand im Saal der Konsumgenossenschaft die Vierteljahreskonferenz des Genossenschaftsrates zur Vorbereitung der für Sonntag, den 12. Oktober, festgelegten Jahres=Vertreterversammlung statt. Der Geschäftsführer Hermann Meyer erstattere in einem Referat Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse und deren Einfluß auf die Konsumgenossenschaft. Ein großes Wirtschaftsgebilde wie der Konsumverein„Wohlfahrt“ bleibt selbstverständlich auch von wirtschaftlichen Vorgängen im Auslande nicht unberührt, so daß der Vortragende in seinem Referat auch hierauf eingehen mußte. Die trostlose Wirtschaftslage in aller Welt hat auch die internationale Genossenschaftsbewegung beeinflußt, jedoch ist festzustellen, daß überall, im Gegensatz zu der Privatwirtschaft, Fortschritte zu verzeichnen sind. Der Redner ging dann auf die Entwicklung der Genossenschaft ein und berichtete, daß ein Gesamtumsatz von 12835366,67 M. erzielt wurde eine Steigerung gegen das Vorjahr von rund 9 Prozent. Die steuerlichen Maßnahmen gegen die Konsumgenossenschaften werden sehr unangenehm empfunden, weil feststeht, daß der Privathandel nicht im entferntesten so zur Steuerzahlung herangezogen wird, wie die Konsumgenossenschaft. 2,1 Prozent des gesamten Umsatzes, im ganzen 247 330,70 Mark mußten für das abgelaufene Steuerfiskus abgeführt werden. Diese hohen Steuerlasten, neben den sozialen Leistungen der Genossenschaft aus dem Arbeitsvertrag müssen anerkannt werden. Von den über 700 Angestellten des Konsumvereins ist bis heute nicht ein einziger der Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen und auch die Löhne wurden nicht abgebaut. Trotz dieser Leistungen konnte der Redner nachweisen, daß die Preisgestaltung der Genossenschaft nicht nur nach den Urteilen ihrer Mitglieder, sondern auch nach dem Urteil der statistischen Aemter durchaus die Vorteile der genossenschaftlichen Organisation erkennen lassen. Für die Zukunft will die Genossenschaft auch die Versorgung der Mita der mi Testilweren Lurchtühren, und zwar##. hier sondere Veranstaltungen getroffen werden. Auch wird die Konsumgenossenschaft dem inneren Ausbau ihrer Verbreitungsbezirke weiterhin Beachtung schenken. Die Zahl der Verteilungsstellen hat sich von 105 auf 110 erhöht. Die im vorigen Jahr begonnenen Neubauten sind sämtlich fertiggestellt.— Dem Genossenschaftsrat lag die Bilanz des abgeschlossenen jahres vor, und wurde dieselbe nach Erläuterung durch den Geschäftsführer Meyer vom Genossenschaftsrat gutgeheißen. Ueber die Verteilung des„Konsumgenossenschaftrichen Volksblattes“ sprach der Sekretär Kirchhoff, welcher auch einige notwendig gewordene Statutenänderungen erläuterte. Den in seinen Ausführungen liegenden Anträgen der Verwaltung wurde durch die Konferenz stattgegeben. Der Genossenschaftsrat beschloß auch, der am Sonntag, dem 12. Oktober, tagenden Vertreterwahl die Wiederwahl der ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder, deren Amtsperiode abgelaufen ist, vorzuschlagen. Außerdem wurde ein Beschluß für eine notwendig gewordene Ersatzwahl zum Aufsichtsrat gefaßt. In der Aussprache wurde das Vertrauen zu der Verwaltung der Konsumgenossenschaft des öfteren zum Ausdruck gebracht und anerkannt, daß eine bemerkenswerte Leistung oarin liege, daß in dieser Krisenzeit die Genossenschaft immer, noch Fortschritte mache und sie nicht, wie in der Privarwirrschaft, eine Einschränkung des Betriebes durchführen mußte. Allseitig wurde auch anerkannt, daß bisher noch kein Angestellter der Rationalisierung zum Opfer gefallen sei. Wetterbericht Die Wetterlage zeigt heute keine wesentliche Aenderung. Die Tiefdruckrinne über der Nord= und Ostsee besteht fort. Unser Gebiet wird von Randstörungen berührt, die sehr veränderliches Wetter, teils burze Ausheiterung, teils stärkere Regenschauer bringen, bei starken, stürmischen Westwinden. Die Temperaturen lagen Dienstag morgen zwischen 8 und 11 Grad. Der Kahle Asten meldet starken Westsüdwestwind, Nebel und Aussichter bis Donnerstag: Keine wesentliche Fenderung, Regenfölle in Schauern, dazwischen für kurze 3“:: ung,###te westliche Winde. e1— BIOkrBlafiassenelehd Ihr Programm zur Verschärfung der Arbeitslosigkeit Die gewerbsmäßigen Parolenschuster sind bei Teddy Thälmann in Ungnade gefallen. Die von ihnen massenhaft fabrizierten Programme haben die deutsche Arbeiterschaft noch immer nicht davon überzeugen können, daß die Kommunistische Partei irgend einen gangbaren Weg zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise zeigen kann. Als letzten Ausweg sind die kommunistischen Propagandachefs auf den Gedanken gekommen, ein großes Schülerpreisausschreiben zur Erlangung eines zugkräftigen Wirtschafts= und Finanzprogramms zu veranstalten. Aus diesem Preisausschreiben ist der kleine Moritz mit dem unten abgedruckten Vorschlag als erster Sieger hervorgegangen. Der kleine Moritz hat sich bei seiner Lösung streng an die Richtlinien der kommunistischen Preisrichter gehalten, daß es bei dem Programm nicht auf die Durchführbarkeit der Forderungen, die Richtigkeit der angegebenen Zahlen und ähnliche Lappalien ankommt, sondern einzig und allein auf die agitatorische Wirkung. Das Programm des kleinen Moritz, das inzwischen mit allen Rechten, auch dem der Verfilmung und Vertonung, in den Besitz der Kommunistischen Partei übergegangen ist, geben wir nachfolgend wieder. Wir erlauben uns zugleich die richtigen Zahlen hinzuzufügen, was uns der kleine Moritz nicht verübeln Zahlen der Kommunisten richtige Zahlen Sofortige Einstellung der Zahlungen des Youngplanes 2000 Mill. Streichung der Ausgaben für die Reichswehr 750 Meill. Streichung der Bürgerkriegsausgaben für die Polizei 600 Sondersteuer auf Millionäre (20 Prozent) 1800 Mill. Besteuerung der Dividenden (20 Prozent) 320 Mill. Sondersteuer auf Aufsichtsratstantiemen (20 Prozent) 200 Mill. Sondersteuer auf die großen Einkommen über 50000 Mk. 20 Proz. 380 Mill. Streichung aller Subventionen 500 Mill. Einziehung aller hohen Gehälter der Beamten, Angestellten in öffentlichen Stellen(über 8000 Mk.) und der Riesenpensionen(über 6000 Mark) 200 Mill. Streichung der Ausgaben für die Kirche, Zensur, Teno, Schlichtungswesen 300 Mill. 1800 Mill. 750 Mill. 600 Mill. 1200 Mill. 200 Mill. 30 Mill. 250 Mill. 300 Mill. 100 Mill. 170 Mill. gen. Und warum? Sie wollen die Arbeitslosigkeit überhaupt nicht bekämpfen, sie wollen die Wirtschaftskrise nicht überwinden—, sie wollen Vermehrung der Arbeitslosigkeit und Verschärfung der Wirtschaftskeise. Deshalb sind die wahren Ziele ihres Programms: Einstellung der Youngzahlungen, damit ein neuer Ruhrkrieg, eine neue Inflation, eine neue gewaltige Steigerung der Massenarbeitslosigkeit heraufbeschworen wird. Streichung der Ausgaben für Heer und Polizei, damit die Republik wehrlos den Diktaturgelüsten Hitlers und Hugenbergs ausgeliefert wird, damit Soldaten und Polizeibeamte auf die Straße fliegen, und damit sich Kommunisten und Nazis ungehindert die Schädel einschlagen können. Streichung aller Gubventionen, damit die Arbeiter von Mansfeld, die von den Schichauwerken, von den Deutschen Werken und viele andere brotlos werden. Streichung der Ausgaben für das Schlichtungswesen, damit überhaupt keine Schranke für Lohnabbau und Lohndruck besteht. Stegerwald hat Wissell als Berliner Schlichter im Metallkonflikt ausgeschaltet, weil er ihm unbequem ist. Die Kommunisten wollen alle Schlichter beseitigen. So sieht das kommunistische„Programm für Brot und Freiheit“ in Wirklichkeit aus. Es ist ein Programm für die Verelendung der Massen, für gewaltige Verschärfung der Arbeitslosigkeit, für Verewigung der Wirtschaftskrise und für den Bürgerkrieg. Die Kommunisten wollen Bürgerkrieg und Massenelend, weil sie nur so ihr Ziel erreichen können. Auf den Trümmern der deutschen Arbeiterbewegung und der deutschen Wirtschaft soll das kommunistische dritte Reich, soll sich Sowjetdeutschland erheben. Deshalb Zerschlagung der Gewerkschaften, Zertrümmerung der Sozialdemokratie, Vernichtung der Genossenschaften— deshalb auch ihr Programm zur Verelendung der Arbeiterklasse und Auslieferung der Republik an den Faschismus. Rechanehr A chaunen Widersprechende Meldungen über Gelingen und Unterdrückung der Keuskution Neuyork, 7. Oktober.(Drahtmeldung.) Wie„Associated Preß“ aus Monte Video meldet, planen die Führer der Aufständischen in Brasilien, die Armee des Staates in Rio Grande do Sul zu teilen. Ein Teil soll gegen Sao Paolo entsandt werden, ein zweiter gegen Rio de Janeiro. Während der erste Insgesamt 7150 Mill. 5400 Mill. Man sieht: die Kommunisten haben wieder einmal etwas gemogelt und 1¾ Milliarden mehr in ihr Programm eingestellt, als sich bei richtiger Rechnung tatsächlich ergibt. Aber das ist im Grunde gleichgültig, denn das ganze Programm ist eine einzige große Lüge. Die Kommunisten glauben selbst nicht, daß sich die Reparationsgläubiger die Einstellung der Youngzahlungen einfach gefallen lassen werden. Sie wissen ganz genau, daß sie im Reichstag für ihre Forderungen keine Mehrheit haben. Nicht einmal die Nazis werden dafür stimmen, weil sie nicht die Henne abschlachten dürfen, die ihnen die goldenen Eier legt. Und was soll alles Schönes mit den 7 Milliarden gemacht werden? Einführung des Siebenstundentages bei vollem Lohnausgleich, Ausbau der Arbeitslosenunterstützung, Erhöhung der Leistungen der Wohlfahrtspflege, Erweiterung und Verbesserung der Kriegsopferversorgung, Senkung der Mieten und Steigerung des Wohnungsbaues, eine umfassende Hilfsaktion für den Mittelstand, Hilfe und Unterstützung für die Kleinbauern und für die Kleingewerbetreibenden. Freigebig werden Geschenke nach allen Seiten ausgeteilt. Dieses Programm kostet nicht 7 Milliarden, es kostet 15 Milliarden, wenn seine Forderungen nicht nur leere Phrasen sein sollen. Aber die Kommunisten haben selbst nur ihr Programm auf 5 Milliarden berechnet. Die fehlenden 10 Milliarden nehmen sie aus der Luft. Das„Programm für die Armen und Hungernden“ ist eine schamlose Irreführung der breiten Massen und eine blutige Verhöhnung des arbeitenden Volkes. Die Kommunisten speisen die Arbeitslosen mit falschen Zahlen ab. Sie überwinden die Wirtschaftskrise mit plumpen Fälschungen und leeren VersprechunAus Rio Branco wird gemeldet, daß sich die ganze Garnison der Stadt Jaguaro den Aufständischen angeschlossen habe. Laut„Associated Preß" teilte die brasilianische Regierung mit, daß die Revolution in den Staaten Para, Parana ohne Blutvergießen unterdrückt werde. Ein Teil der Marine sei nach den Südhäfen, ein anderer nach Pernambuco in See gegangen. Es sei gewiß, daß die ganze Flotte die Regierung unterstützte und daß Zehntausende der im Gebiet von Rio de Janeiro befindlichen Truppen treu zur Regierung hielten. In Rio de Janeiro sind die Lebensmittelpreise zum Teil um 300 Prozent gestiegen, da die Zufuhr aus dem Hinterland Minas Geraes abgeschnitten ist. Die Aufständischen erklären, daß nunmehr 10 Staaten zu ihnen übergegangen seien. Es steht zweifellos fest, daß sie zum mindesten in 5 Staaten die Oberhand haben. Politische Kreise in Washington sind der Ansicht, daß der Aufstand in Brasilien die ernsteste der revolutionären Erhebungen ist, die in den letzten Monaten in Südamerika stattgefunden haben. Einberufung der Reservisten bis zu 30 Jahren in Grasilien Rio de Janeiro, 6. Oktober.(Drahtmeldung.) Die Reservisten der 1. und 2. Klasse bis zu 30 Jahren sind durch Dekret einberufen worden. Teil Sao Paolo angreift, soll der andere, falls dies notwendig! ist, Verstärkungen aus anderen Staaten abwarten, ehe er zum Streikparote der(ewerkschaften in Buenos dires Angriff auf Rio de Janeiro schreitet. garmers ur. gv Radiotelegramme von der Front kündigen die Ankunft der Aufständischen an der Grenze des Staates Sao Paolo an. Aus Rivera eingetroffene Meldungen behaupten, daß ein Bataillon des 16. Infanterie=Regiments in Sao Paolo rebelliert habe. Teilt er das Schicksal seiner südamerikanischen Kollegen? Prestes, Präsident von Brasilien. Buenos Aires, 7. Oktober.(Drahtmeldung.) Trotz des Belagerungszustandes beabsichtigen mehrere Gewerkschaften, für morgen die Streikparole auszugeben. Die Polizei hat mehrere Gewerkschaftsführer verhaftet. A Guenden Kente Wiecker Lrgebniskose Ministerprasidentenwaht Dresden, 7. Okt.(Eig. Drahtbericht.) In der Dienstagssitzung des sächsischen Landtages wurde wieder einmal der vergebliche Versuch gemacht, einen Ministerpräsidenten zu wählen. Auf den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Lipinski entfielen 32 Stimmen der Sozialdemokraten, auf den gegenwärtigen Innenminister Richter 5, auf den Kommunisten Renner 13 Stimmen seiner Fraktion, auf den Kandidaten der Rechten Krug von Nidda 46 Stimmen. Da keiner der Kandidaten die in der sächsischen Verfassung vorgeschriebene absolute Mehrheit erzielte, ist die Wahl ergebnislos. Infolgedessen bleibt das zur Zeit amtierende geschäftsführende Beamtenkabinett, an dessen Spitze der Ministerpräsident Dr. Schiek steht, weiter im Amte. Im Anschluß an die Wahl stand ein Auflösungsantrag auf der Tagesordnung, der gleichzeitig von den Kommunisten und Nationalsozialisten gestellt war. Hierfür stimmten nur die Antragsteller und die Deutschnationalen. Der Antrag wurde mit 55 gegen 30 Stimmen bei 10 Enthaltungen abgelehnt. Dr. Curtius beim Reichspräsidenten. Der Reichspräsident empfing heute den Reichsminister des Auswärtigen Amts, Dr. Curtius, zum Vortrag über die Verhandlungen der Genfer Völkerbundskonferenz. Todenntene ind Kerenminignente Verrann. 32.. Das Urteik vom Verschwörungsprozeß Lahore, 7. Okt.(Drahtmeldung.) In dem seit Monaten verhandelten Verschwörungsprozeß wegen der Ermordung des stellvertretenden Polizeidirektors von Lahore im Jahre 1928 wurde heute das Urteil gesprochen. Von den Angeklagten wurden drei zum Tode, sieben zu lebenslänglicher Verschickung, einer zu sieben Jahren und einer zu fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt. Drei der Angeklagten wurden freigesprochen. Kält Litauen seine Verpfüichtungen ein? Deutsche Vorstellungen in Kouno Berlin, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Wie wir von unterrichteter Seite hören, hat Deutschland bei der litauischen Regierung wegen des Nichteinhaltens der Vereinbarungen über die unbeeinflußten Wahlvorbereitungen im Memelland Vorstellungen erhoben. Wenn die litauische Regierung auch den litauischen Wahlkreiskommissar Simonaitis durch den Deutschen Plümicke ersetzt hat, so ist sie ihrer Verpflichtung hinsichtlich der beiden Beisitzer, die auch Deutsche sein sollen, und der Durchführung der Versammlungs=, Rede= und Pressefreiheit noch nicht nachgekommen. In politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Litauen seine Verpflichtungen nicht nur gegenüber Deutschland, sondern auch gegenüber dem Völkerbund eingegangen ist. Man erwartet, daß auch der Völkerbund bei Litauen auf die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen dringen wird. für Griand Paris, 6. Okt.(Drahtmeldung.) Den Generalräten, die an Außenminister Briand Glückwunschadressen gerichtet haben, schließt sich auch der Generalrat des Departements Eure=et=Loire an. Der Generalrat fordert den Außenminister auf, in seinen Bemühungen um den Frieden fortzufahren trotz der Schwierigkeiten aller Art, die noch verstärkt würden durch die heftigen und beleidigenden Angriffe einer nationalistischen Presse, die sich immer noch einbilde, daß man durch eine Wiederholung des Ruhrabenteuers den Frieden Europas sichern könne, Ubgekehnter Schiedsspruch Halle, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Die Arbeitnehmer haben den kürzlich gefällten Schiedsspruch, nach dem das gekündigte Mehrarbeitsabkommen mit einigen Aenderungen für die Angestellten im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau in Kraft gesetzt werden sollte, abgelehnt. Die Arbeitgeber haben den Schiedsspruch angenommen und seine Verbindlichkeitserklärung beantragt. Die Angestelltenverbände begründen ihre ablehnende Haltung damit, daß einmal bei der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage eine übertarifliche Mehrarbeit nicht verantwortet werden könne, andererseits aber auch damit, daß die Angestellten ein Schlichtungsverfahren nicht für zulässig hielten. Der Zerstörer mit den Opfern des R 101 in Dover eingetroffen London, 7. Okt.(Drahtmeldung.) Der Zerstörer„Tempes“ ist mit den Ueberresten der Opfer von„R 101“ nach unruhiger Ueberfahrt um 9.33 Uhr abends in Dover angekommen. Die Opfer werden am 10. Oktober in dem historischen Westminstersaal aufgebahrt werden, der ein Teil des Parlamentsgebäudes ist. Gorkampf mit töclichem Ausgang Valencia, 6. Oktober. Der frühere spanische Halbschwergewichtsmeister Antonio Gabiola wurde in Valencia ein Opfer seines Berufs. Gabiola wurde von dem Philippinen Luis Logan k. o. geschlagen und erlitt dabei einen Bluterguß. Schon am folgenden Tage erlag Gabiolg seinen schweren Verletzungen. Große Posten gebl.Biber westfälische und süddeutsche Ware Meter 410. 50. US. 30 AS Alsbergap;B! Witten 117 Mittwoch, 8. Oktober, 20 bis geg. 23 Uhr: A. 3. Hignon Oper in 3 Akten von A. Thomas. Donnerstag, 9. Okt., 20 bis gegen 23.30 Uhr: C. 3 und Bühnenvolksbund Serie C.: Heidhardt von Gneisenau Inserate haben stets ERolg Mitten Zwangsversteigerung. Die Stadthauptkasse als Vollstreckungsbehörde läßt am 9. Oktober 1930, vorm 11,30 Uhr im Saale Johannisstraße 4 versteigern: 1 Flügel, 5 Klaviere, 5 Schreibmaschinen, 5Schreibtische, 10 Hofos. 2 Schräuke, 1 Bücherschraut. 2 Büfekts, 2 Spiegel, 3 Tische, 2 Verlitos. 6 Stühle, 1 Kredenz. 3 Grammophone, 1 Hobelbauk. 2 Schäferhunde, 1 Langwagen, 2 Registrierkassen, 1 Geldschrank, 1 Brinellpresse. Witten, den 7. Oktober 1930. 1144 Die Vollziehungsbeamten. 0 Srundheringe gebacken, z. Selbsteinlegen in Essig 12 Stück = VhrT, G. m. b. H. Bochum, Hellweg 19 1 Verumamächung. Wie im Vorjahre sollen auch in diesem Jahre die Sozialrentner-Unterstützungsempfänger mit Kartoffeln beliefert werden. Die Gutscheine können ab Montag, den 13. Oktober, auf Zimmer 5 des Rathauses in Empfang genommen werden. Geliefert wird ein Zentner pro Kopf gegen Einhaltung in Raten an der Unterstützung. Wattenscheid, den 7. Oktober 1930. 594 Bekanntmachung. Die Fischnutzung der Stadtgartenteiche soll auf 6 Jahre verpachtet werden. Interessenten, die in der Fischerei bewandert sind, wollen ihr Angebot bis zum 15. Oktober 1930 der Stadtverwaltung einreichen Die Bedingungen liegen auf dem Tiefbauamt, Verwaltungsgebäude Il. Zimmer Nr. 3 zur Einsicht offen. Wattenscheid, den 6. Oktober 1930. 595 Der Oberbürgermeister. Berumumachung. Ueber das Vermögen des Kaufmanns Heinrich Stüwe, Tapeten=, Bürsten= und Farbwarenhandlung in Bochum, Dorstener Straße Rr 81, wird heute den 6. Oktober 1930, vormittags 11 Uhr zur Abwendung des Konkurses das Vergleichsverfahren eröffnet. Als Vertrauensperson wird der Rechtsanwalt Dr. Hülsmann in Bochum bestellt Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag wird auf den 18. Oktober 1930, vormittags 11 Uhr vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer 45 anberaumt. Der Antrag aus Eröffnung des Vergleichsverfahrens nebst Anlagen und das Ergebnis der Ermittelungen liegt auf der Geschäftsstelle, Zimmer 46 zur Einsicht der Beteiligten auf. Bochum, den 6. Oktober 1930. 3959 Das Amtsgericht. Die Vereinsunechriften sind tolgende I. Vorsitzender: Klavierstimmer Winklei. Ruf 66368 Bochum, Humboldtstraße Kassierer und Rohrlager: Hamblock. Bochum, Rottstraße 12 Spark.-Konto 608. Schriftführer Friedrich Paga(Stuhltlechter), Bochum. Eisaßstr. 17 Es wird gebeten, nachstehende HandAufträgen zu 4 werker mit Agen 2u bedenken: Korb- und Stuhlflechter: A. Fucken, Altenbochum. Altenbochumer Straße 78, Teleion Nr. 2117. Konrad Obach. Altenbochum. Zeche Karoline 32a. Thubeauville Bochum, Roonstraße 75 Stuhltlechter: Karl Gottschelk, Bochum, Kronprinzenstr. 1. Paga, Bochum, Elsaßstr. 17. Frl. Schulte, Bochum. Meierstr. 3 Hamblock. Bochum. Rottstr. 12, Lischewskl. Bochum. Rottstr. 13. Frl. Deis. Von-der-Recke-Straße 100a. Bürstenmacher: Hoffmann Weltmar Hattinger Str 1988 Handarbeiterinnen: Pnl. Keller. Bochum. Bahnhofstraße 11 Frl. Koch, Bochum, Alleestraße:08a. Verkautsstelle: Rottstraße 20 Telefon 63513 Vertrieb von sämtlichen Blindenarbeiten Einkaufl ie Mober 3902 nur W. Limpinsel Bochum, Gußstahistr. 10, neben der Christuskirche Wenn Sie dort kauten, bleiben Sie vor Schaden und Aerger bewahrt! Grober Weise wenrewei 8 aum Beginn des 7. Jahrgange der„Urania (Kulturpolitische Monatshefte über Natur und Gesellschaft) am 1. Oktober. Jeder kann sich beteiligen Wertvolle Bar- u. Buchprämien werden den Werbern für die Gewinnung neuer Abonnenten gewährt Mehrere 1000 Mark sind als Prämien bereitgestellt. Der Wettbewerb wird am 31. Okt. abgeschlossen Dann erfolgt die Verteilung der Prämien. Peteiligen Cie eieh! Wir inlormieren Sie gern Seteisen Sie Steilt näher über die Bedingungen u. senden Ihnen sofort reichhaltiges Werbematerial. Probehefte u. Prospekte gratis! Buchhandlung„Volksblatt“ bechem, Nerdumelraße 48 Stellengesuche Verkäufe Ankäufe Vermietungen Mietsgesuche Verpachtungen Personalgesuche führen zum gewünschten Erfolg durch eine iine Anteig in der Kaufschaft werden 3958 und Seheren in der Schleiferei von Walter Grah Bochum Kortumstraße 21. Sie schützen sich vor Aerger, wenn Sie Ihren Fußboden mit streichen. 3714 teinhart über Nach illeisverkauf für Bochun: Farben- Bohlmann Bochum Kortumstraße 107 Teleion 69126. 41 ALSBERG& BLANK Witten PVAALTT Wer auf einen grünen Zweig kommen will, kann das in der heutigen Zeit nur durch Betellgung an der kommenden 36/262 Dreußisch-Süddeutschen Klassenlotterie Spielkapital: 114 Millionen RN. gegenüber 62.7 Millonen im lerzten Spielplan 17 600 Gewinnlose mehr! Ziehung 1. Klasse am 24. u. 25. Oktober Otsch Kraus Staatl. Lott rie Einnehmer Herne. Jahnhofstrabe 93 Fernrut 50933 Staatl Lotterie-Einnehmer Herne. Bahnho straße-6 Fernrut 50390 Landwirtschaftsschule Bochum der Landwirtschaftskammer für die Provinz Westtalen Beginn des neuen Schuljahres Dienstag, den 4. November 1930. Anmeldungen in der Geschättsstele: Mateserstraße 14(Gummertshot) Fernrut 681 12. 3893 Der Direktor: Plaßmann. Leintt Lenisches Schieger Pul? Hochkenpel 1 Waggen Esviertel Sun Hause eingetroften, anerkannt beste ganzkochende Salat-Kartoffein zum Einkellern. Odenwälder Blaue la. Industrie vom Sandbo en tretfen heute in bekannt guter Qualität wieder en.— Lieterung trei Haus Bei Selbstabholung vom Lager oder Waggon Preisermäßigung. PC.ri& Herm. Hochkeppel Witten, gegenuber der Post Das altbewährteste und natürlichste Blutreinigungsmittel ist gesetzlich geschützte Marke PpUgrarse. Seit lo jahren an rund 6 Millionen Verbraucher gegen Rheumatismus. Nervenleiden Artenienverkalkung. Hartleibigkeit usw. mit größtem Erfolg verabreicht. — Preis pro Paket Mark 1.— frei Haus.— Bei Aufträgen von 12 Paketen Mk. 0.80 „„" 25„„ 070 „„" 50„" 0.60 pro Paket Versand franko gegen Nachnahme, zuzüglich Nachnahmegebühr: Tausende von Dankschreiben vorhanden. Alleinige Fabrik gegr. 1914, Thüringer Teciabrik, Hermann A. Müller, Schmiedeleld 1. Thur. Kreis Schleusingen. Lassen Sie sich nichts anderes einreden. Tipografec ist das Beste. Tipografec wird mit natürlichem Sonnenlicht bestrahlt, was bedeutend wirksamer ist, als künstliche Höhensonne Vor wertloser Nachahmung wird gewarnt! Geschichten und Abenteuer aus dem Leben des unbekannten Musketiers Emil Schulz, genannt„Schlump“; von ihm selbst erzählt Kartoniert, anstatt 3.50 ..... jetzt nur 1.80 Buchhandlung„Volksblatt“ Bochum, Kortumstraße 42 K * —