Organ der werktätigen Bevölkerung für den Stadtkreis Witten Der Eonnnumps In Serhrau Die Bechen Lordern 10 Trozent Lo#mnabbau- Die Bergarbeiter: verbände Leinnen ab und Lordern 50 Pleunig Lokinerköhung aus den tartfeichen Achichtronn Die fürstliche Arbeiterpartei In einem Berliner Blatt lesen wir: „Daß die Nationalsozialistische Arbeiterpartei eine richtige Partei für Handarbeiter mit Schwielen an den Fäusien, kurz eine Partei der Proletarier ist, beweist sie schon allein durch die Tatsache, daß sie einen Automobilklub und ein Automobilkorps unterhält. Bekanntlich fahren bei uns, ganz wie im Heimatlande Fords, alle Arbeiter im eigenen Opel zur. Fabrik. Deshalb muß natürlich eine Arbeiterpartei, man begreift es vollkommen, einen eigenen Automobilklub haben. Das Dritte Reich weiß, was sich für Proleten gehört. Die Arbeiter in der NSDAP. heißen nicht August Wilhelm Piefke und nicht Karl Eduard Kulicke, sondern August Wilhelm von Preußen und Karl Eduard von Koburg=Gotha. Bochum, 25. Aug. Der Zechenverband teilt mit: „In den heute begonnenen Verhandlungen zwischen dem Zechenverband und den Bergarbeiterverbänden über den Lohnabbau, der eine Preisermäßigung der Ruhrkohle ermöglichen solle, forderte und begründete der Zechenverband eine zehnprozentige Lohnsenkung. Die Gewerkschaften lehnten die Forderung ab und glaubten demgegenüber eine Lohnerhöhung von 50 Pfg. auf den tariflichen Schichtlohn fordern zu können. Eine Einigung zwischen den Parteien war nicht zu erzielen. 4.45 Uhr eröffnete der Schlichter die vorgeschriebenen Einigungsverhandlungen. Mit Rücksicht darauf, daß beide Parteien noch weiteres statistisches Material vorbereiten wollen, wird der Schlichter zur Fortsetzung der Verhandlungen auf den 4. September vormittags einladen.“ * Hierzu wird uns von gewerkschaftlicher Seite folgendes erklärt: In den Verhandlungen zwischen dem Zechenverband und den tarifbeteiligten Bergarbeiterorganisationen versuchte der Zechenverband, die Kündigungen mit dem Hinweis auf die Wirtschaftskrise und die Notwendigkeit eines allgemeinen Preisabbaus zu begründen. Eine Senkung des Preisniveaus könne aber nur in Verbindung mit einer Herabsetzung der Produktionskosten erfolgen. Dazu verlangten sie einen Lohnabbau um so mehr, als der Kohlenabsatz in den letzten Monaten erheblich zurückgegangen sei. Da zur Zeit die Betriebe nur teilweise ausgenützt würden, die Förderungskosten aber gleich blieben, sei eine Senkung der Selbstkosten bisher noch nicht eingetreten. Aus diesen Gründen halte der Zechenverband einen zehnprozentigen Lohnabbau für erforderlich. Zum Schluß betonten die Unternehmer, daß im Falle einer Nichtberücksichtigung ihrer Forderungen ein weiterer Belegschaftsabbau unvermeidlich sei. In Erwiderung dieser allgemeinen Darlegungen betonten die Vertreter der Bergarbeiterverbände(als Vertreter des freigewerkschaftlichen Bergarbeiterverbandes waren A. Schmidt, B. Meier und Dr. Berger anwesend), daß ein Abbau der Kohlenpreise zur Behebung der Wirtschaftskrise nicht mit einer Lohnherabsetzung für die Bergarbeiter verbunden zu werden brauche. Gerade für die Ruhrkohle seien nachweislich große Handelsspannen vorhanden, die eine Senkung der Kohlenpreise ohne weiteres ermöglichen. Außerdem sei zwischen dem Erlös und den Selbstkosten eine Spanne von mehreren Reichsmark zu verzeichnen, wie ein Vergleich mit der Entwicklung der Kostenelemente(gestützt auf das Gutachten von Schmalenbach) ergibt. Diese Tatsache sei auf die seit Schmalenbach ziemlich gestiegenen und in der letzten Zeit durchgehaltenen Erlöse, den gesunkenen Lohnanteil, die geringeren Sozialbeiträge und die verringerten Materialkosten zurückzuführen. Außerdem zeigten die Geschäftsabschlüsse des letzten Jahres sehr gute Ergebnisse, so daß grundsätzlich eine Lohnsenkung für die Ruhrbergleute als nicht diskutabel erscheint. Die Bergarbeiter haben im Gegenteil ein Recht auf Lohnerhöhung, zumal sie durch die außergewöhnlich hohe Zahl von Feierschichten in große Not geraten sind. Bedenke man, daß auch der jetzt neu abzuschließende Lohntarif eine längere Laufzeit aufweisen würde, dann sei trotz der augenblicklich gedrückten Konjunltur eine Forderung nach Lohnerhöhung durchaus berechtigt. Infolgedessen forderten die Bergarbeitervertreter eine Erhöhung des Lohnes von 50 Pfg. je Mann und Schicht. In der nachfolgenden Auseinandersetzung wurde infolge weitgehender Meinungsverschiedenheiten keine Einigung zwischen den Parteien erzielt. Die Parteiverhandlungen wurden ergebnislos abgebrochen. Kurze Zeit später wurden die Schlichtungsverhandlungen unter dem Vorsitz des Schlichters von Westfalen, Regierungsrat Professor Dr. Brahn, eröffnet, zu denen schon vor Beginn der Parteiverhandlungen eingeladen worden war. Da sich in diesen Verhandlungen die Unternehmer nicht in der Lage sahen, die sowohl von den Bergarbeiterverbänden wie auch vom Schlichter geforderten stichhaltigen Belege vorzutragen, wurden sie schließlich abgebrochen und die Parteien zu erneuten Verhandlungen auf den 4. September eingeladen. Schon diese Namen bezeugen ihren rein proletarischen Ursprung. Jedes Kind in Deutschland weiß, daß diese Männer als Prinz und als Herzog am Schraubstock und Drehbank standen und als „ausgebeutete Lohnsklaven" im Dienste des jüdischen Kapitals fronen mußten, daß sie von ihrer Hände Arbeit schlecht und recht sich nährten. Und auch der Arbeiter Lietzmann und der Arbeiter von Epp führten jenes Jammerdaseins, das nun mal nach Gottes unerforschlichem Ratschluß eines richtigen Arbeiters Los hinieden ist. Wer wollte es daher diesen proletarischen Existenzen verdenken, daß sie, die ihr ganzes Leben so sauer gewerkelt haben, sich nach des Tages Last und Mühen in ihr ach so bescheidenes Autoklubheim begeben, als welches selbstverständlich in Potsdam liegt? Die marxistischen Arbeiter, die Sozis und die Moskowiter, gehen in die Destillen, wenn sie die Werkstatt verlassen, und versaufen ihren Wochenlohn in einem Dutzend Mollen. Sie wissen es eben nicht besser. Hingegen lenkt der Nazi=Arbeiter seine Schritte nach Feierabend in den Autoklub, wo er sich höchstens ein bescheidenes Gläschen Sekt gönnt. Man braucht bloß diese Gegenüberstellung, um zu wissen, auf welcher Seite der bessere Sozialismus liegt...„Auwi“ und „Ede“, die beiden Schwerarbeiter von Gottes Gnaden, empfingen neulich im Autoklub der Nationalsozialistischen Arbeiter= partei einen richtiggehenden Grafen. Es war zwar nur ein italienischer, aber das tat dem proletarischen Empfinden keinen Abbruch Der Senator Graf Gallenga, Präsident des Königlichen Automobilklubs in Rom, scheint sich im Kreise der Arbeiter sehr wohl gefühlt zu haben. Man trank Brüderschaft und daraus wurde ein Freundschaftsabkommen zwischen dem Nationalen Deutschen Automobilklub und dem Italienischen Touring=Klub. „Proletarier“, im Mercedes, Fiat oder Rolls-Royce, vereinigt euch!...“ Kieseliehwetlugs Erhöhung der Verbrauchssteuern und der Lohnsteuern? Je näher der Wahltermin heranrückt, um so stärker wird die Furcht der jetzigen Regierungsparteien, daß der Mangel irgend einer positiven Wahlparole ihre ohnehin ungünstige Lage noch weiter verschlechtern werde. Schon die kurze Zeit des jetzigen Wahlkampfes hat gelehrt, daß der von den Regierungsparteien geführte Kampf gegen die Sozialdemokratie nur mit einem Mißerfolg enden kann, auf keinen Fall aber positive Reformen zu ersetzen vermag. Aus diesen Erwägungen sind die Pläne entstanden, die seit einiger Zeit das Reichskabinett beschäftigen, der Vorschlag zur Wahlreform und angeblich auch ein großes Finanz= und Steuerprogramm. Irgendwelche Einzelheiten über diese Finanzreform werden sorgsam verschwiegen. Diese Geheimnistuerei ist verständlich, wahrscheinlich wissen die Urheber dieser Pläne selber noch nicht, welchen positiven Inhalt ihre Reform haben wird. Dieses Finanzprogramm soll ja nur wahlagitatorischen Zwecken dienen und man wird es so allgemein halten wie möglich. Wenn es den Wäblern der Regierungsparteien neue Hoffnungen auf Steuersenkung einflößt, so hat es sicherlich im Sinne seiner Urheber erfolgreich gewirkt. Es ist also gar nichts anderes, als ein neuer Täuschungsversuch, um die schlechten Wahlaussichten zu verbessern. Man braucht sich ja nur die tatsächliche Finanzlage des Reiches, der Länder und Gemeinden vorzustellen, um zu der Erkenntnis zu kommen, daß überall erhebliche Fehlbeträge gedeckt werden müssen. Trotzdem sich der Finanzminister Dietrich dieser Tage bemühte, die Finanzlage möglichst rosig zu schildern, hat er zugeben müssen, daß allein beim Reich ein Fehlbetrag durch Steuerausfall von 300 Millionen Mark zu erwarten ist. Bei den Ländern und Gemeinden entsteht durch Steuerausfall mindestens der gleiche Fehlbetrag. Dazu kommen die Fehlbeträge durch unvermeidliche Mehrausgaben. Beim Reich allein werden die noch immer wachsenden Ausgaben der Arbeitslosenunterstützung und der Krisenfürsorge einen neuen Bedarf von 250 bis 300 Millionen Mark verursachen. Wie hoch die Kosten für die wachsende Zahl von Wohlfahrtserwerbslosen bei den Gemeinden sein werden, läßt sich überhaupt noch nicht übersehen. Fest steht nur, daß hier die Hauptgefahrenquelle für die öffentlichen Finanzen liegt und daß hier Fehlbeträge von mehreren hundert Millionen Mark leicht entstehen können. Unter diesen Umständen wird man jedes Finanzprogramu#, das dem Ziel der Steuersenkung dient, als utopisch ansehen müssen. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, daß die gegenwärtig regierenden Männer aus reiner Verzweiflung über ihre ungünstigen parteipolitischen Aussichten ernsthaft noch im Laufe dieser Woche Maßnahmen erwägen, die sie selbst nicht für durchführbar halten können, deren Propaganda andererseits aber große Gefahren hervorrufen kann. Auch spielt sicherlich die Absicht eine große Rolle, Tatsachen zu schaffen, eine künftige Regierung zu binden und vor allem Pläne durchzusetzen, für die man unter normalen Verhältnissen auf keine Mehrheit rechnen kann. So ist z. B. nicht nur zum Zwecke der Senkung der Besitzsteuern an eine neue Verschärfung der Verbrauchssteuern gedacht, sondern man will auch die Lohnsteuer er Zweite ( 15 Für die Sezlaldeliohratle. Ein Aufruf des Gesamtverbandes der Arbeiter der Gemeindebetriebe und Verwaltungen zur Reichstagswahl höhen und die Lohnsteneverstattungen ganz beseitigen. Während früher einmal die Ermäßigung der Lohnsteuer beabsichtigt war, will man jetzt das Gegenteil tun und die auf diese Weise gewonnenen Beträge zur Senkung der Kapitalsteuern und der hohen Einkommensteuern verwenden. Dor tiefere Sinn dieser Pläne, über die bisher im Reichskabinett keine Einigkeit zu erzielen war, ist aber ein allgemein politischer. Man will nicht nur den Wählern der bürgerlichen Parteien schon jetzt die Belohnung für guten Wahlausfall in klingender Münze in Aussicht stellen, sondern schon jetzt für die Zeit nach den Wahlen eine Situation schaffen, bei der die Sozialdemokratie zwangsläufig ausgeschaltet ist. Der eifrigste Propagandist dieser Idee— na wer kann es schon anders sein als Herr Treviranus— er geht jeden Tag mit einer neuen Idee schwanger, um sich und seinen Ministerkollegen auch über die Wahl hinaus ein Amt zu sichern. Wannüngeste der Rechtsparteien Neben dem gemeinsamen Wahlaufruf, der noch immer in der Luft liegt, erlassen Konservative, Wirtschaftsparteiler und Deutsche Volkspartei jetzt gesonderte Maniseste an ihre Wähler. Der Aufruf der Deutschen Volkspartei treibt wieder einmal Mißbrauch mit dem Namen des Reichspräsidenten und schließt mit dem Satz: „Gegen alle staatszerstörenden Kräfte, mit Hindenburg für die Retung des Vaterlandes, für deutsche Freiheit und Kultur." Danach hat es also dem Reichspräsidenten nichts genutzt, daß er sich vor einiger Zeit verbeten hat, von den einzelnen Parteien als Werbeplakat mißbraucht zu werden. Zentrumsschwindel Das Gehalt von Brolat Ein Teil der westfälischen Zentrumspresse brachte dieser Tage eine Wahlnotiz, wonach der sozialdemokratische Direktor an den Berliner Verkehrsanstalten Fritz Brolat ein Riesengehalt von 72000 Mk. jährlich bezieht, während gleichzeitig die Löhne der Angestellten der Berliner Verkehrsgesellschaft verkürzt werden. Wir müssen feststellen, daß diese Notiz von Anfang bis zu Ende erlogen ist. Die Löhne bei der Berliner Verkehrsgesellschaft werden trotz der schwierigen Lage nicht abgebaut. Im Direktorium der Berliner Verkehrsgesellschaft sitzen zwei Sozialdemokraten, darunter auch Fritz Brolat. Wenn ein Lohnabbau in der Verkehrsgesellschaft vermieden wurde, so ist das das Verdienst eben dieser beiden sozialdemokratischen Direktoren. Diese beiden sozialdemokratischen Direktoren haben aber auch noch ein Weiteres getan. Sie haben dem Aufsichtsrat angeboten, unverzüglich ihre Gehälter zu kürzen. Der Aufsichtsrat wird sich schon in den nächsten Tagen mit diesem Angebot befassen und davon Gebrauch machen, trotzdem die den bürgerlichen Parteien angehörenden Direktoren bei der Berliner Verkehrsgesellschaft nichts von dieser Bereitwilligkeit bekundet haben. K Die erste Reichskonferenz des Gesamtverbandes der Arbeiter der Gemeindebetriebe und Verwaltungen, die hier tagt, erläßt zu der Wahl am 14. September folgenden Aufruf: „Am 14. September wird darüber entschieden, ob die politische Demokratie mit ihren Rechten für die arbeitenden Massen erhalten bleiben oder ob sie abgelöst werden soll durch eine falchiltilche Diktatur Die von der Reichsregierung unter Nichtachtung der Rechte der Volksvertretung erlassenen Notverordnungen zeigen deutlich, wohin der Weg führt: Zerschlagung der Sozialversicherung, Senkung der Löhne, Beseitigung jeder Einflußnahme der Arbeiterklasse auf die Wirtschaft. Schonung des Besitzes, Steuererleichterung für die kapitalistischen Kreise auf der einen Seite, Verbrauchs= und Kopfsteuer und rücksichtsloses Abwälzen aller Lasten auf die arbeitenden Schichten des Volkes auf der anderen Seite, das ist der Wille aller bürgerlichen Parteien. Die Leiche des Nordpolfahrers Andrée, der vor 33 Jahren mit einem Freiballon zum Fluge über den Nordpol nach Alaska aufstieg, ist jetzt im Eismeer aufgefunden worden. Am 14. September haben die Arbeitnehmer der Gemeindebetriebe und Verwaltungen sich zu entscheiden im Kampfe um die öffentliche Wirtichaft In der Bekämpfung der öffentlichen Wirtschaft sollen gleichzeitig die ersten Ansätze zur Wirtschaftsdemokratie beseitigt werden. Nicht nur politische, sondern auch höchste gewerkschaftliche Interessen stehen also in diesem Wahlkampf auf dem Spiel. Die Sozialdemokratische Partei ist die einzige Schützerin der Rechte des arbeitenden Volkes, sie ist die Partei, die offen für die Erhaltung und den Aufbau von Sozialversicherung und Sozialpolitik und entsprechend ihren demokratischen Grundsätzen für die Aufrechterhaltung und den Ausbau der öffentlichen Wirtschaft in Reich, Staat und Gemeinden eintritt. Nur durch eine Stärkung der Sozialdemokratischen Partei wird es möglich sein, die Pläne der Reaktion zunichte zu machen. Die tetsten Kanalaatentisten der Sozialdemokratie Berlin, 25. August.(Eig. Drahtbericht.) Die Kandidatenlisten der Sozialdemokratie liegen nunmehr auch in den bisher noch ausstehenden Wahlkreisen vor. Es kandidieren an der Spitze im Wahlkreis 7 Breslau: Paul Loebe, Wendemuth, Marie Ansorge, Ziegler. Wahlkreis 28 Dresden=Bautzen: Fleißner, Toni Sender, Alfred Dobbert und Wahlkreis 30 Chemnitz=Zwickau: Ströbel, Seydewitz, Kuhn, Graupe. tluck Ain Keichstagskanaiaat Berlin, 25. August.(Eig. Drahtbericht.) Im Wahlkreis Köln=Aachen steht hinter dem Spitzenkandidaten der KPD., dem bisherigen Reichstagsabgeordneten Stöcker, an zweiter Stelle der Kölner Stadtverordnete Sattler. Dieser Satiler stand vor einigen Wochen wegen Beleidigung vor dem Kölner Schöffengericht. Im Verlaufe der Verhandlung stellte sich heraus, daß Sattler wegen schweren Diebstahls und Betruges mehrfach zu insgesamt mehr als 1 Jahr Gefängnis verurteilt ist. Da mit Sattler der kommunistische Redakteur und Vorsitzende der Kölner Stadtverordnetenfraktion Stahl vor Gericht stand und bei der Verlesung der Vorstrafen seines Gesinnungsfreundes zugegen war, muß der Kommunistischen Partei in Köln das Sündenregister Sattlers bekannt sein. Trotzdem wurde Sattler Reichstagskandidat der KPD. Nummer in Tuntenkausen Nekd macht seinem Nerzen Lust München, 25. August.(Eig. Drahtbericht.) Alljährlich zum Sommerausgang hält der Bayerische patriotische Bauernverein, ein partikularistisches Ueberbleibsel aus dem vorigen Jahrhundert, in dem oberbayerischen Wallfahrtsort Tuntenhausen seine Generalversammlung ab, auf der nach altem Brauche Führer der katholischen klerikalen Partei in Bayern den streng gläubigen Bauern höhere Politik verschaffen. Am Sonntag sprach der über das 150 Millionen=Defizit seiner Regierung gestolperte Ministerpräsident Dr. Held. Er suchte sich seine ganze Wut über die erlittene Niederlage vom Herzen zu reden, so daß die Veranstaltung zu einem Agitationstheater der Bayerischen Volkspartei wurde. Er schimpfte vor allem auf die Parteien, die seine Regierung gestürzt haben und damit besonders auf die Sozialdemokratie, die er von allen politischen Gegnern am meisten haßt. Als Ziel seiner Partei zur Regierungsneublidung verkündigte er: Abwarten. Die Parteien der Opposition, die den Karren in den Dreck gefahren hätten, sollten erst versuchen, ihn ohne die Bayerische Volkspartei wieder herauszuziehen. Da aber auch Herrn Dr. Held sehr wohl bekannt ist, daß ein großer Teil seiner eigenen Partei an einer solchen negativen Einstellung wenig Gefallen hat, fügte er hinzu, daß die Layerische Volkspartei im übrigen den bayerischen Staat nicht im Stiche lassen werde. Es ist danach damit zu rechnen, daß die Bayerische Volkspartei in nicht zu ferner Zeit sich wieder aktiv um die Bestellung einer neuen Regierung kümmern wird. Dazu wird sie allerdings zunächst den 14. Septemher vorübergehen lassen Trüher Toc Ein Führer der rumänischen Soziakdemokratie an Nerzschlag gestorben Bukarest, 25. August.(Eig. Drahtbericht.) In der Nacht vom Sonntag wurde der bekannte Führer der rumänischen Sozialdemokratie Dr. Pistiner in einem Eisenbahnabteil der Strecke Bukarest=Chernowitz tot aufgefunden. Pistiner, der Chefredakteur des in deutscher Sprache in Chernowitz erscheinenden„Vorwärts“ war, ist einem Herzschlag zum Opfer gefallen. Er hat ein Alter von 49 Jahren erreicht. Der Sarg mit den sterblichen Ueberresten Pistiners wurde in Chernowitz aufgebahrt, wo Tausende und Abertausende von Arbeitern dem Führer die letzte Ehre erwiesen. Die Beisetzung erfolgte am Montag nachmittag um 4 Uhr. Die Bukarester Presse, die von dem Tode Pistiners erst am Montag nachmittag unterrichtet wurde, feiert den Toten als die markanteste Persönlichkeit der rumänischen Sich selber den Kohlenabsatz verdorben Von Dr. Berger, Bochum Der Kohlenabsatz ist zurückgegangen. Die Unternehmer haben diese Tatsache zum Anlaß genommen, Millionen von Feierschichten einzulegen und Zehntausende von Bergarbeiterentlassungen vorzunehmen. Auch die Kündigung des Lohntarifs haben sie damit begründet und eine willige Presse verbreitet mmer wieder die These; durch Lohnabbau zur Absatzbelebung. Man sucht es so hinzustellen, als ob die Bergarbeiterlöhne an der Abschwächung des Beschäftigungsgrades im Kohlenbergbau schuld seien. Wie wenig stichhaltig eine solche Behauptung ist, zeigt ein dieser Tage in der Bergwerkszeitung erschienener Kohlenmarktbericht. Es wird da ausgeführt, daß das Geschäft, das an sich wegen des schwachen Verbrauchs in dieser Jahreszeit nicht erfreulich st, darunter leidet,„daß man Preisänderungen erofft“. Diese Kehrseite des bisherigen Preisabbaugeflunkeres haben die Unternehmer sich auf ihr Konto zu schreiben. Immer davon reden, nie daran denken, so war die Einstellung der Unternehmer zur Frage des Preisabbaus. Den ernstlichen Willen dazu haben sie nie gehabt und besitzen ihn auch heute licht. Im Reichskohlenrat haben sie sich erst daran vorbeizudrücken versucht und als sie dann von den Arbeitervertretern gestellt wurden, wußten sie nichts weiter zu erwidern, als daß ie alle markttechnischen Gesichtspunkte bereits berücksichtigt hätten. Wie es um die Kunst dieser Markttechniker bestellt ist, das beweisen die verfahrenen Kohlenmarktverhältnisse. Das Preisabbaugerede sollte der Oeffentlichkeit Sand in die Augen treuen und hat die Kohlenverbraucher kaufscheu gemacht. Das ist das beklagenswerte Ergebnis dieser großen Unwahrhaftigkeit. Der erwähnte Kohlenmarktbericht der Bergwerkszeitung enthält noch eine weitere beachtliche Tatsache, wenn er folgendes ausführt:„Das Hausbrandgeschäft leidet natürlich noch unter inderen Hemmungen, wie beispielsweise geringe Kaufraft eines großen Teils des kaufenden Publikums, das nur schlecht zu bewegen ist, sich für längere Zeit einzudecken.“ Das Hausbrandgeschäft ist nicht unwesentlich; 1929 entfiel darauf über ein Fünftel des Inlandabsatzes des Rhein.=Westfälischen Kohlensyndikats. Im ersten Halbjahr 1930 ist der Hausbrandabsatz in Deutschland von 8,3 Mill. Tonnen auf 5,3 Mill. Tonnen zurückgegangen, was dem Reichskohlenkommissar Veranlassung gegeben hat, in einem Aufruf zur alsbaldigen Wintereindeckung zu mahnen. So auffallend es ist, daß eine beamtete Persönlichkeit gerade in dem Zeitpunkte, wo die Somwerrabatte fortfallen, zum vermehrten wenig zweckmäßig ist auch ein solches Beginnen. Der Kohlenkommissar hätte der Bevölkerung auch gleich sagen müssen, woher sie die Kaufkraft zur Wintereindeckung mit Brennstoffen nehmen sollen. Die Preishochhaltungspolitik des Unternehmertums unterstützt von den Zollmaßnahmen der Regierung Brüning hat einen in die Milliarden gehenden Kaufkraftausfall hervorgerufen, der weiten Teilen des Volkes, namentlich den Arbeitslosen, eine Bevorratung mit Winterkohlen einfach unmöglich macht. Wenn die Bergwerkszeitung das nun nachgrade einsieht, so müßte sie sich mit aller Entschiedenheit gegen die Lohnabbaubestrebungen der Zechenbesitzer einsetzen, die doch auf nichts anderes hinauslaufen, als auf eine weitere Schwächung der Kaufkraft, nicht nur der Bergarbeiter, sondern auch der von diesen abhängigen Wirtschaftskreise. Das eine wird jedenfalls dadurch klar, daß der beabsichtigte Lohnraub keine Absatzbelebung, sondern eine noch größere Absatzverschlechterung bringen wird. Wie wenig Wirklichkeit die sonstigen Lamentos der Bergwerkszeitung enthalten, läßt sich aus dem sehr bezeichnenden Satze schließen:„Immerhin darf bei der Beurteilung der Lage nicht außer Acht gelassen werden, daß das Jahr 1929/30 für die Kohlenwirtschaft sehr günstig gewesen ist.“ Dieser Tatbestand läßt sich ja auch gar nicht leugnen, und man kann der Bergwerkszeitung beistimmen, daß Vergleiche nicht mit diesem Rekordjahre sondern mit dem voraufgegangenen Jahre viel eher angebracht sind, weil man dabei feststellen wird, daß der Rückgang der Bezüge längst nicht das Ausmaß hat, womit die Oeffentlichkeit bisher immer gruselig gemacht hat. Man darf nicht vergessen, daß die Förderrekorde des letzten Jahres und das Anwachsen der Haldenbestände in einem sehr engen Zusammenhang mit der Syndikatserneuerung und der dabei erfolgten Neufestsetzung der Syndikatsquoten steht. Diese spekulativen Rekorde waren unmöglich durchzuhalten. Dazu kommt, daß die Ungewißheit über das Schicksal des Syndikats, wie die Kohlenhändlerzeitung neulich schrieb,„die Absatzlage des Ruhrkohlenmarktes bereits nachteilig zu beeinflussen begann“. Diese Ungewißheit ist aber lediglich auf die Schuld der Zechenbesitzer zurückzuführen, die sich über die Verteilung des Bärenfelles der Kohlenverbraucher von sich aus nicht einigen konnten. Ueberall sehen wir, wie die Bergbauunternehmer sich selber den Kohlenabsatz verdorben haben, während sie sich nunmehr anschicken, nicht etwa ihre eigenen Marktsünden wieder gutzumachen, sondern die dadurch ohnehin schon schwer geschädigten iter durch Lobnabbou dafür büßen zu Unser Kein gegenseiti und Tisch aus den tarier „Hieb= u morden si weise im Plan trei menden stacheln. Diese Wünschen des Prol schaft dur arbeit, di Massenste ihnen no auch gege tische Sti listiger 2 ausnutzen die wahr mit dem die ihn a Noch zahlten 2 Vertreter kampf. Ruhe un Zentrum zu den## Deutschna sich alle, schworen. Wir Gegner u tätige M Verzweif Profite, Republik Sozialde besiegbar den Mut Ruhe zu; Kampfes und unse Man Gegner 1 auf die Kein So Reichslüg zialdemo wie ihn standgeha worden. Schmeißf Fassung Den uns Neid stand mi auch ein doch geli reichen Eine 14. Sept ruhige, 1 und wirk Wen Werbung ist, so ma welche A Im Stad statt: In Ani ve P In Bor 11 In Ani v cl0 In Wit p no Stadt W An An 1i sel In A fe U In Sto 16 B In An 9 m In den, wa es Pflic Beamte Stimme er der Vete K 66 mer der Gemeindeen Wirtichaft aft sollen gleichzeitig beseitigt werden. se gewerkschaftWahlkampf auf dem irtei beitenden Volkes, sie ind den Aufbau von entsprechend ihren sterhaltung und den ich, Staat und Geokratischen Partei iktion zunichte zu itentisten ie ) D i e K a n d i d a t e n auch in den bisher kandidieren an der oebe, Wendemuth, esden=Bautzen: t und Wahlkreis 30 witz, Kuhn, Graupe. kkandidat t.) Im Wahlkreis aten der KPD., dem r, an zweiter Stelle er Satiler stand vor m Kölner Schöffenllte sich heraus, daß etruges mehrfach zu rurteilt ist. Da mit ind Vorsitzende der er Gericht stand und Gesinnungsfreundes Partei in Köln das tzdem wurde Sattler ihausen ien Lust st.) Alljährlich zum patriotische Bauernl aus dem vorigen illfahrtsort Tuntenauf der nach altem sartei in Bayern den rschaffen. 10 Millionen=Defizit ent Dr. Held. Er jene Niederlage vom ung zu einem Agiwurde. Er schimpfte erung gestürzt haben itie, die er von allen Ziel seiner Partei Abwarten. rren in den Dreck n ohne die Bayes. Da aber auch ß ein großer Teil negativen Einstelu, daß die Tayeischen Staat nicht damit zu rechnen, zu ferner Zeit sich neuen Regierung September vorüberozialdemokratie r1en. In der Nacht vom rumänischen Sozialhnabteil der Strecke er, der Chefredakteur erscheinenden„Vorfer gefallen. Er hat Sarg mit den sterbernowitz aufgebahrt, ern dem Führer die te am Montag nachdie von dem Tode rrichtet wurde, feiert eit der rumänischen Zweites Blatt Dienstag, den 26. August 1930 Staet Wltten Unsere Gegner toben- wir arbeiten! Kein Tag vergeht, ohne daß sich Nazis und Kommunisten gegenseitig mit Messern und Schlagringen bearbeiten. Stuhlund Tischbeine werden geschwungen, die Knochen splittern und aus den eingeschlagenen Schädeln strömt das Blut. Proletarier sind es, die auf diese Weise sich gegenseitig von der „Hieb= und Stichfestigkeit“ ihrer Ideen überzeugen wollen. Sie morden sich gegenseitig, während ihre hetzenden„Führer“ sich weise im Hintergrunde halten und immer erst dann auf den Plan treten, wenn die„Schlacht“ geschlagen ist, um die Erlahmenden und Erschöpften zu neuen verächtlichen Taten aufzustacheln. Diese Art des„politischen Kampfes“ entspricht ganz den Wünschen des Kapitals, die gegenwärtig auf eine Dezimierung des Proletariats hinauslaufen. Die Dezimierung der Arbeiterschaft durch Stillegung der Betriebe, Feierschichten und Kurzarbeit, durch Lebensmittelteuerung, Wohnungsnot, hohe Massensteuern, Verschlechterung der Sozialversicherung usw. ist ihnen noch nicht hinreichend genug. Das Proletariat soll sich auch gegenseitig noch aufreiben. Und so hat das Kapital politische Strauchritter in seinen Sold genommen, die in hinterlistiger Weise die Verzweiflung des indifferenten Arbeiters ausnutzen, ihn durch gleisnerische Redensarten davon abhalten, die wahren Ursachen seines Elends zu erkennen, ihn aufstacheln, mit dem Schlagring und dem Messer nach der Hand zu schlagen, die ihn aus seiner Notlage befreien will. Noch wie war das ganze Besitzbürgertum samt seinem bezahlten Troß sich so einig in der Bekämpfung der erfolgreichen Vertreterin der Arbeiterschaft als im gegenwärtigen Wahlkampf. Noch nie hat aber die Sozialdemokratie mit größerer Ruhe und Zuversicht diesem mörderischen Toben zugesehen. Vom Zentrum bis zu den Nazis, von der neuen„Staatspartei“ bis zu den Kommunisten und von dem zurückgebliebenen Häuflein Deutschnationaler bis zur sogenannten Wirtschaftspartei haben sich alle, aber auch alle, gegen die Sozialdemokratie verschworen. Wir Sozialdemokraten unterschätzen nicht die Schar unserer Gegner und nehmen den gegenwärtigen Kampf gegen die werktätige Masse gewiß nicht leicht. Wir wissen, daß es sich um einen Verzweiflungskampf des raffgierigen Kapitals, um noch höhere Profite, um einen Kampf gegen Gerechtigkeit, Demokratie und Republik handelt. Wir wissen aber auch, daß die Idee der Sozialdemokratie, die große Idee der Menschheitsbefreiung, unbesiegbar und unsterblich ist. Und das verleiht uns die Kraft, den Mut und die Zuversicht, dem Toben unserer Gegner mit Ruhe zuzusehen. In einer jahrzehntelangen harten Schule des Kampfes sind unsere Nerven gestählt, unsere Muskeln gestrafft und unser Blick geschärft. Manch mächtiger Gegner, gegen den sich unsere heutigen Gegner wie lächerliche Zwerge ausnehmen, hat sich im Sturm auf die sozialdemokratische Mauer seinen Schädel eingerannt. Kein Sozialistengesetz, kein Polizei= und Militärstaat, kein Reichslügenverband war imstande, trotz allen Mühens, der Sozialdemokratie Abbruch zu tun. In einem heroischen Kampf, wie ihn die Welt noch nie gesehen, hat die Sozialdemokratie standgehalten— und ist immer größer, stärker, mächtiger geworden. Wie sollte uns da das Gesumme der kapitalistischen Schmeißfliegen, das Gekläff kapitalistischer Kettenhunde aus der Fassung bringen?! Den Blick aufs Ziel gerichtet, gehen wir unseren Weg, den uns Neid, Haß, Herrschsucht, Profitgier und böswilliger Unverstand mit so manchem Hindernis verrammeln möchte. Wenn auch ein solcher Weg mühsam und ermüdend ist, so wird es doch gelingen, die Hindernisse zu beseitigen, das Ziel zu erreichen— den Sozialismus! Eine Etappe auf diesem Wege ist die Reichstagswahl am 14. September. Dem Toben unserer Gegner setzen wir unsere ruhige, unbeirrbare und zielklare Arbeit entgegen. Sie muß und wird uns auch in diesem Wahlkampf den Sieg bringen! Wenn auch das Hauptgewicht auf die Kleinarbeit, auf die Werbung von Haus zu Haus, von Mund zu Mund zu legen ist, so macht sich doch auch eine Reihe von Versammlungen nötig, welche Aufklärung in weitere Kreise zu tragen geeignet sind. Im Stadtverband Witten finden noch folgende Versammlungen statt: 30. August: In Annen, Lokal Wösthoff: Oeffentliche Wählerversammlung. Beginn 7 Uhr. Referent Genosse Pieper. In Bommern, Lokal Sandkühler: Wählerversammlung. Beginn 8 Uhr. 31. August: In Annen=Borbach, Lokal Borbachschlößchen: Wählerversammlung. Beginn 5 Uhr. Referent: Landtagsabgeordneter Genosse Otter. 1. September: In Witten, Lokal Röthemeier: Oeffentliche Wählerversammlung. Beginn 7,30 Uhr. Referentin: Genossin Dr. Torhorst. 6. September: Stadtverband Witten Marktplatz: Oeffentliche Wahlkundgebung. Beginn 7,30 Uhr abends. An Annen=Gederbach Lokal Neuhaus: Oeffentliche Wählerversammlung. Beginn 6 Uhr. Referent: Parteisekretär Genosse Müller. 7. September: In Annen=Rüdinghausen, Lokal Krüger: Oeffentliche Wählerversammlung. Beginn 6 Uhr. Referentin: Genossin Berta Schulz. 10. September: In Stockum, Lokal Blanke: Politische Kundgebung, verbunden mit der Vorführung einer politischen Renue. Beginn 5 Uhr. 13. September: In Annen, Marktplatz: Oeffentliche Wahlkundgebung. Beginn 7 Uhr. Referent: Genosse Husemann. In allen Versammlungen soll Aufklärung geschaffen werden, warum der Reichstag aufgelöst werden mußte und warum es Pflicht für alle werktätigen Menschen, Arbeiter, Angestellte, Beamten, Frauen und Jugendliche ist, am 14. September ihre Stimmen abzugeben für Liste 1, Sez aldemokratische Partei! Spo. Witten Montag, den 1. September, 7.30 Uhr abends, im Röthemeierschen Saale: Geffentliche Wählerversammiung Warum wählen wir Liste 1# Sozialdemokratische Parlei Referentin: Frau Dr. Corhorst Stadtrat von Düsseldorf. Zur Bestreitung der Unkosten wird ein Eintritt von 20 Pf. erhoben.— Erwerbslose zahlen die Hälfte. Schwerer Verkehrsunfall 1 Toter, 2 Schwerverletzte. Ein Motorradfahrer mit einer Soziusfahrerin fuhr am 24. August 1936, gegen 22,45 Uhr, auf der oberen Ardeystraße aus bisher nicht bekannter Ursache einen Passanten, der auf der rechten Straßenseite ging, von hinten an. Der Passant und die Mitfahrerin wurden schwer, der Motorradfahrer tödlich verletzt. Eine wichtige Zusammenkunft der Frauengruppen=Leiterinnen findet am Mittwoch, dem 27. August, um 5 Uhr nachmittags, in der Geschäftsstelle der Arbeiter=Wohlfahrt, Johannisstraße 37, statt. Jede Filiale ist verpflichtet, eine Genossin zu entsenden. Es wird größter Wert darauf gelegt, daß jede Filiale vertreten ist. Die Besprechung ist äußerst wichtig. Arbeiter=Wohlfahrt Witten. Diejenigen Genossinnen, die am Mittwoch, dem 27. August, an dem Ausflug der Bochumer Genossinnen teilnehmen wollen, treffen sich 9 Uhr am Marktplatz.— Donnerstag, den 28. August, machen wir einen Kinderausflug. Sämtliche Kinder unserer Parteigenossen und der Arbeiter=Wohlfahrt sind hierzu eingeladen. Treffpunkt 14 Uhr an der Bruchschule. 10 Pfennig mitbringen! Stadtteil Bommern Mit dem Fahrrad nach Amsterdam. Am 15., 16. und 17. August fand in Amsterdam das Bundestreffen des Internationalen Arbeiter=Mandolinenklubs statt. Lange hatten die hiesigen Genossen Beratungen abgehalten, denn sie hätten gar zu gerne an der Tagung teilgenommen. Doch schien die Sache aussichtslos, da fast alle erwerbslos waren. Man fand iedoch einen Ausweg: Weshalb sollte man es nicht mit dem Fahrrad versuchen? Gesagt, getan. Am Mittwoch, 13. August, morgens, fuhren zwei Genossen über Hattingen, Steele, Essen, wo sich noch zwei weitere Genossen anschlossen, in der Richtung Wesel die Landstraße entlang. In Rees am Rhein wurde in der Jugendherberge übernachtet. Dann ging es weiter über Emmerich bis zur Grenze. Hier fiel uns besonders die Höflichkeit der holländischen Beamten angenehm auf. Unsere Papiere waren in Ordnung, eine Karte für das Fahrrad wurde uns kostenlos ausgestellt. In Arnheim übernachteten wir wieder in der dortigen Jugendherberge, worauf wie am andern Morgen weiterfuhren. Ueber Hilfersum ging die Fahrt dem Ziele Amsterdam entgegen. Freitag abend 6 Uhr kamen wir in Amsterdam an. Die 290 Kilometer hatten wir ohne Panne zurückgelegt. Unsere deutschen Genossen, die mit der Bahn angekommen waren, empfingen uns nebst einigen holländischen Genossen und geleiteten uns zu den Quartieren, wo wir erst den Landstraßenstaub abschütteln konnten. Nach dem Essen war großer Kommers; es wurde Theater gespielt und gesungen. So ging der Abend angenehm vorüber. Samstag vormittag war gemeinschaftliche Probe. Nach dieser Probe ging es in die Stadt und zum Mittagessen. Nachmitatgs begrüßte uns der Bundesvorsitzende im großen Konzertsaal mit einer Ansprache. Wir konnten nicht alles verstehen, aber soviel hörte man aus der Rede, daß den Holländern die deutschen Genossen wie Verwandte ans Herz gewachsen seien. Daß wir diese Leidenszeit durchzumachen verurteilt seien, dafür hätten die holländischen Genossen Verständnis. und deshalb müßte das internationale Zusammenarbeiten unter der Arbeiterschaft noch besser werden. Die Ereignisse überstürzten sich in der heutigen Zeit, daher würde wohl von dieser Tagung wenig Notiz in der Welt genommen werden. Doch die 50 aus Deutschland herübergekommenen Genossen beweisen uns, daß wir ein Zweig sind an dem internationalen Stamm der Arbeiterbewegung. Großer Beifall wurde dem Redner am Schluß seiner Ansprache gespendet. Alsdann spielten 250 holländische Genossen einige Stücke, dann kamen die 50 deutschen Genossen an die Reihe. Als aber 350 Sänger und 250 Mandolinenspieler auftraten und Brüder, zur Sonne zur Freiheit“ vortrugen, da war in dem dichtbesetzten Saal wohl keiner, dem nistt das Herz vor Begeisterung höher schlug. Um 11 Uhr war die Abendfeier zu Ende.— Der Sonntag morgen war für eine Dampferfahrt auf dem Zuider See vorgesehen. Weit hinaus ging es zur Insel Marken und Volendam. Hier fand es der Genosse Reichmann(Düsseldrof) angebracht, den Gastgebern unsern Dank abzustatten. Nach fünfstündiger Fahrt landeten wir wieder in Amsterdam. Als nach dem Abendessen die meisten deutschen Genossen wieder der Heimat zufuhren, blieben wir noch den Montag über dort, um die Nordsee in Augenschein zu nehmen. Die Eindrücke alle wiederzugeben, ist nicht möglich. Erwähnt sei nur, daß die Saalfeier uns Deutschen sehr gut zum Vorbild dienen konnte. Kein Rauchen, kein Trinken, und eine Ruhe wie in einer Kirche. Das ist Dilziplin, das ist Bildung innerhalb der Arbeiterschaft!— Am Dienstig morgen nahmen wir Abschied von der gastlichen Stätte. Die Rückfahrt vollzog sich wie die Hinfahrt; alles klappte vorzüglich. Wahlkundgebung. Auf die am Samstag, dem 30. August, 8 Uhr abends, im Lokale Sandkühler, stattfindende öffentliche Wählerversammlung, in welcher der Genosse Lehrer Pieper sprechen wird, sei auch an dieser Stelle besonders hingewiesen. Für einen vollzähligen Besuch der Parteimitglieder, aber auch von Freunden und mit uns Sympathisierenden, ist Sorge zu tragen. Vorstandssitzung der SPD.=Filiale. Am Mittwoch, dem 27. August, findet um 8 Uhr abends beim Genossen Dellmann eine Vorstandssitzung der Filiale Bomern statt. Alles muß erscheinen! Ortsausschuß der Arbeiter=Wohlfahrt Bommern. Wir gehen mit den Kindern Mittwoch den 27. August, nach Wollmers. Abmarsch um 14,30 Uhr von der Lesehalle. Die Kinder müssen je 10 Pf. mitbringen. Stadtteil Annen Eine kommunistische„Kundgebung. Auch Annen stand am Samstag für eine Stunde im Zeichen einer Kundgebung, und zwar einer kommunistischen, zu der nur nicht die Massen erschienen waren. Aber das schadet ja auch weniger und wer es nicht gehört und gesehen hat, der kann es totsicher im„Ruhr=Echo“ lesen, daß es mindestens einige Tausend waren. Zu einer eigenen Versammlung unserer zehn KPD.=Leutchen langts nicht mehr ganz und darum benötigt der blutige Otto Zuzug von auswärts, um sich mit seinen wenigen Nachläufern nicht ganz zu blamieren. Ganze 94 Mann hatte man auf die Beine gebracht, die von Witten zum Marktplatz marschierten, um unter dem Sowjetbanner Kunde zu geben von der kommenden Weltrevolution, um dann aber auch gleich wieder so geräuschlos zu verschwinden, wie sie gekommen waren. Daß aber diese„revolutionären Geister", wie wir sie auch wieder am Samstag sahen, wirklich keine Weltrevolution machen, darüber bestand bei allen Zuschauern kein Zweifel. Sahen wir doch sehr viele alte Bekannte, die schon hinter alle Fahnen marschierten, die es in Deutschland überhaupt gibt, und die auch schon bei allen bürgerlichen Parteien bis hinein in die Heilsarmee zu Gaste waren. Aber dennoch gelten sie für die KPD. als„Klassenkämpfer"; aber frag nur nicht wie, lieber Leser! Und wenn dann auch ein Teil dieser„Klassenkämvfer“. am Wahltage selbst für einen anständigen Tagelohn Wahlarbeiten für die Rechtsparteien verrichtet, das schmälert den Klassenkampscharakter der KPD. durchaus nicht. Und so hielt dann neben einem ziemlich jungen und unbekannten Klassenkämpfer Freund Nowakowski auf dem Marktplatz eine mehr wehmutsvolle Rede an alle die, die nicht erschienen waren, denn immer noch waren die Massen ausgeblieben. Da bekanntlich Nowakowskis geistreiches Vermächtnis über den Stadtverordnetensitzungssaal nicht hinausreicht, wärmte er manche Lüge und Verleumdung über die ihm so verhaßte Sozialdemokratie wieder auf, die er anscheinend aus der ihm so beliebten bürgerlichen Sudelküche bezogen hatte. Daß die Sozialdemokratie einem pensionierten Boettcher für eine Badereise 1800 Mark bewilligte, ist für einen wissentlichen Schwindler Nowakowski genau so etwas Selbstverständliches, wie es selbstverständlich ist, daß die SPD. an allem heutigen Elend der Arbeiterklasse schuld ist. All das, was wir heute in Deutschland an Erwerbslosigkeit, an sozialem Elend vorfinden, ist in Rußland nicht möglich, eben weil da die Diktatur des Proletariats die Herrschaft hat. Und sogar ein Schandfleck für die deutsche Arbeiterschaft soll es nach diesem Schwätzer Nowakowski sein, daß noch so viele Millionen Handarbeiter der Sozialdemokratie am Wahltage noch immer ihre Stimme geben. Das werden diese Millionen Handarbeiter auch am 14. September trotz der Wehmutsklage eines Nowakowski tun. Eigentümlich berührte es alle, die neugierig das Häuflein der kommenden Weltrevolution am Samstag abend bemusterten, daß dieser KPD.=Mann mit keinem Wort der Kritik die verbrecherische Politik der Rechtsparteien geißelte. Er spielt sich wieder mal so richtig als Schildhalter dieser Parteien auf. Anscheinend wurde ihm eine solche Kritik durch die Essener Rottstraße nicht gestattet. Sein ganzes Geschwätz und die Wiedergabe alter abgedroschener Kamellen löste bei allen neugierigen Zuschauern ein mitleidiges Lächeln aus. Und enttäuscht zogen dann auch die Jünger Moskaus wieder nach Witten.— Die Annener Arbeiterschaft, die seit fast 40 Jahren in ihrer überwiegenden Mehrheit treu zur Sozialdemokratie steht, wird sich auch diesmal, trotz der großen wirtschaftlichen Notlage, in der sie sich befindet, von keinem Unkenruf, ob von rechts oder links, betören lassen. Sie läßt sich auch diesmal nicht auf ein Jenseits und auch nicht auf die Weltrevolution vertrösten. Selbst ist der Mann. der täglich bestrebt ist, noch in der Gegenwart das Staatsschiff mit sicherer Hand in den Hafen des Sozialismus zu steuern. Und weil die Sozialdemokratische Partei so hart von allen Gegnern der Arbeiterschaft bekämpft wird, ist sie mit ihrer Lehre auf dem richtigen Wege und die Arbeiterschaft wählt am 14. Sentember abermals geschlossen die Liste Nr. 1, die Sozialdemokratie! Frauengruppe Annen. Umstände halber findet der Kinderausflug am Mittwoch nicht statt. Wir treffen uns hienfür um 2 Uhr am Lokale Richter, Ardeystraße, und nehmen an dem Ausflug der Bochumer Genossinnen auf dem Hohenstein teil. Führerloses Auto saust die Straße herunter! Ein schweres Straßenunglück hätte am Sonntag nachmittag beinahe ein auswärtiger Lastkraftwagen hier in der Eckardt=Straße angerichtet. Der Wagen hatte von auswärts einen Verein zu einer in dem Wirtschaftslokal Eickmeier stattfindenden Vereinsfestlichkeit gebracht und der Führer hatte sich ebenfalls in das Lokal begeben und vorher den Motor ausgeschaltet. Plötzlich setzte sich der Wagen auf bis jetzt noch ungeklärte Weise in Bewegung und sauste die ziemlich abschüssige Eckardt= und Rathenau=Straße hinunter. Glücklicherweise fuhr der Wagen nach ungefähr 100 Meter gegen einen Hochspannungsmast und kam dadurch zum Halten. Der Mast wurde durchschlagen und mehrere Lichthausanschlüsse abgerissen. An dem Lastwagen wurde der Kühler eingdrückt. Von Festteilnehmern wurde der Wagen abgeschleppt. Bestrafte Beamte Beamte, welche eine Gefängnisstrafe von mehr al 1 Jahre erlitten haben, verlieren ihr Amt ohne Ein. ung eines Disziplinarverfahrens. Gegen einen Lehrer war ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden, nachdem er eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten wegen Sittlichkeitsverbrechens erhalten hatte. Die Vorinstanz hatte die Dienstentlassung des Lehrers ausgesprochen. Der Disziplinarhof gelangte aber unter Aufhebung dieser Entscheidung zur Einstellung des Disziplinarverfahrens, indem im wesentlichen geltend gemacht wurde, aus§ 7 des Disziplinargesetzes vom 21. Juli 1852 ergebe sich, daß der Lehrer infolge seiner Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe von mehr als einem Jahre seines Amtes verlustig gegangen sei; ein Disziplinarverfahren sei mithin nicht erforderlich gewesen. Wenn ein anderer hoher Gerichtshof einen anderen Standpunkt einnehme, so könne dem nicht beigetreten werden. Mit Recht werde ein Beamter, welcher wegen Sittlichkeitsverbrechens eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten erlitten habe, zur ferneren Bekleidung einer Beamtenstellung als völlig ungeeignet angesehen; eine solche Strafe habe den Verlust des Amtes im Hinblick auf§ 7 des Disziplinargesetzes vom 21. Juli 1851 ohne weiteres, das heißt ohne Einleitung des Disziplinarverfahrens, zur Folge. Eine dahingehende reichsrechtliche Bestimmung, daß ein Beamter sein Amt verliere, wenn das Disziplinargericht eine solche Entscheidung gefällt habe, gebe es nicht. Die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Lehrer sei nicht statthaft gewesen, nachdem er durch rechtskräftige Entscheidung eine Gefängnisstrafe von 18 Monaten erhalten hatte. (Aktenzeichen: D. 39. 29.) Verantwortlich für Politik, Feuilleton, Provinz und Sport: Wilhelm Kalweit; für Lokales, Gewerkschaftliches, Soziales und Genossenschaftliches: Philipp Sommerlad; Für den Inseratenteil: Karl Simon sämtlich in Bochum. Druck und Verlag: E. Graf& Co., Bochum, Hermannshöhe Rchtung! Wahlschwindler am Werk! Wahlschwindler, die in dieser Zeit wieder besonders stark auftreten, haben den Schwindel in die Welt gesetzt, an der Einführung der Krankenscheingebühr und Arzneigebühr trügen die Vorstände in den Krankenkassen die Schuld. Das„Nuhr Echo“ behauptete vor einigen Tagen, in der Bochumer Ortskrankenkasse sei die Einführung der Gebühr von den sozialdemokratischen Vorstandsmitgliedern mit beschlossen worden. Von anderer Seite wird die Lüge verbreitet, bei der Knappschaftskrankenkasse seien die Versicherungsvertreter für die Krankenscheingebühr verantwortlich. Es wäre das richtige, wenn man den Arbeitgebern(!) im Knappschaftsvorstand wieder die Dreifünftel=Mehrheit einräume. Wähler, merkt ihr was? Auf der einen Seite die Kommunisten, und auf der anderen Seite unternehmerfreundliche Elemente, die eine gemeinsame Schwindelfront gegen die Sozialdemokratie gebildet haben. Die Einführung der Krankenscheingebühr erfolgte, wie im„Volksblatt“ schon des öfteren dargelegt worden ist, auf Grund der Notverordnung des Bürgerblock=Kabinetts. Alles andere ist Wahlmache und purer Schwindel zu dem Zwecke, die Sozialdemokratie zu schädigen. Die Antwort darauf muß lauten: Nun erst recht! Am 14. September wird sozialdemokratisch, Liste 1, gewählt! „Rlutter, ich ersticke! „Wo nehmen wir die 50 Pfennige her?“ In Kamenz errkankten die beiden Kinder eines Arbeiters an Diphtherie. Die Eltern gingen nach der Krankenkasse, um einen Krankenschein zu holen. Sie kannten die Bestimmungen der neuen Notverordnung noch nicht. In Kamenz sind die Gebühren für die Krankenscheine bereits durchgeführt. Die Geldtasche des Ehepaares aber war vollständig leer.„Wo nehmen wir die 50 Pfennige her?“. Und ohne 50 Pfennig gab es keinen Krankenschein. Der Angestellte der Kasse war zu seinem Bedauern gezwungen, den Schein zu verweigern. In ihrer Not wandten sich die Eltern an das Wohlfahrtsamt. Das Wohlfahrtsamt lehnte die Zahlung der 50 Pfennige ab! Erst müßten die gemeindlichen Instanzen entscheiden. Zu Hause aber lagen zwei Kinder todkrank im Fieber der Diphtherie. „Mutter, ich ersticke!“. So keuchten atembeschwert die beiden Kinder.— Die Eltern sind zwar in der Krankenkasse. In Kamenz gibt es Aerzte genug. Die Wissenschaft hat ein Diphtherieserum geschaffen. Aber was nützen Krankenkassen, Aerzte und Serum, wenn im Haushalt des Arbeiters die 50 Pfennig fehlen! In höchster Not behandelt der Arzt die todkranken Kinder ohne Krankenschein. In diese Lage hat der christliche Zentrums=Arbeitsminister Stegerwald die deutsche Arbeiterschaft gebracht! Das sind die Segnungen der Notverordnung über die Krankenversicherung! Soll das so bleiben? Nein! Am 14. September habt ihr zu entscheiden! Wählt sozialdemokratisch: Liste 1! Dahlien im Garten Mein Nachbar hat Dahlien in seinem Garten. Tiefdunkle, fast schwarze Dahlienblüten schauen mich immer an, wenn ich an seinem Hause vorbeikomme. Ernst und schwer stehen sie da. Wie Wehmut über das notleidende Jetzt. Doch ist das Bild im ganzen nicht so schwermütig. Auch rote Dahlien leuchten aus der Rabatte. und sie sind wie das glaubende Leben. Wie die Freude. Sieghaft lachen sie aus allem Ernste der Umgebung heraus. Und dann sind auch noch goldene Dahlien darunter. Wie Sonnenfrühe; zum Teil tief golden wie das Abendlicht. Und sie geben dem ganzen Farbenbilde das Geschlossene, Abgerundete der Harmonie.# Mein Nachbar ist stolz auf die Farbenpracht. Es ist auch eine wahrhaft künstlerische Wirkung des Dahlienbeetes. Aber mein Nachbar merkt nicht, daß Schwarz=rot=gold diese herrliche Wirkung auf das Auge des schönheitsuchenden Menschen hat, Schwarz=rot=gold, das er im Banner ablehnt. Achtet einmal da draußen auf die Dahlienfarben, und reiht im Geiste, wenn der Zufall sie nicht bietet, das tiefe Dunkel zum blutigen Rot und zum sonnigen Gold! Gerade in den Farben, wie Meisterin Natur sie bietet, zeigt sich uns am wunderbarsten die künstlerische Harmonie von Schwarz=rot=gold. Walderhaltung in Bochum Die Stadt Bochum erhielt durch die Umgemeindungen in den letzten Jahren eine Reihe mehr oder weniger große Waldgebiete zugewiesen. Die Entwicklung der Industrie und ihr Riesenbedarf an Flächen hat größere Lücken in die noch vor wenigen Jahrzehnten im Industriegebiet vorhandenen Waldbestände gerissen. Vom Jahre 1885 bis zum Jahre 1913 sind von den 36000 Hektar betragenden Beständen des mittleren Industriegebiets etwa 5100 Hektar verschwunden. Das sind etwa 17 Prozent des Restbestandes von 31000 Hektar. Der innere Bezirk hat naturgemäß besonders stark gelitten. Im Stadtkreis Bochum sind in dieser Zeit die stände von 1500 Hektar auf 750 Hektar, also auf etwa die Hälfte zurückgegangen. Durch die vom Ruhrsiedlungsverband vor einigen Jahren ausgeworfenen Wiederaufforstungsprämien ist es gelungen, in den letzten fünf Jahren mehr als 5000 Morgen Wald mit hauptsächlich rauchharten Hölzern##,###ut striege biet wieder aufzuforsten. Die Stadt Bochum hat aus eignem Antriebe hauptsächlich in Stiepel größere Flächen aufforsten lassen. Mehr als bisher muß die Bevölkerung dazu erzogen werden, daß sie in dem Walde das Grün achtet. Es ist zweifellos den allseitigen Bemühungen, insbesondere auch der Presse und der Schulen zu verdanken, daß die sinnlose Verwüstung des Grünen im wesentlichen nachgelassen hat. In letzter Zeit ist auch die Frage des Vogelschutzes energischer in Angriff genommen worden. Wetterbericht. Das Hochdruckgebiet hat sich verstärkt, über Deutschland ausgebreitet und seinen Kern ostwärts verlagert. In Deutschland war es heute früh nur noch im Noroosten trübe und regnerisch, sonst trocken und meist heiter, im Süden etwas stärker bewölkt. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 13 und 16 Grad. Der Kahle Asten hatte schwachen Südwind, wolkiges Wetter und 10 Grad. Wetteraussichten bis Mittwoch: Meist trocken, vielfach heiter und tagsüber etwas wärmer, Die Krantenschelngee uhr vergebliche Bemühungen der Zentrumspresse- Was die amtlichen Stenogramme sagen- Das Bekenntnis Rdam Stegerwalds im Reichstage Bochum, 26. August. Die Zentrumspresse übt sich in dem krampfhaften Bemühen, der Oeffentlichkeit gegenüber den Nachweis zu führen, daß die vorgenommenen Verschlechterungen in der Krankenversicherung von Sozialdemokraten mit befürwortet seien. Immer wieder aber vergebens wird auf den Vorsitzenden des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen, Lehmann, verwiesen, der sich für eine Reform der Krankenversicherung ausgesprochen hätte. Das wird von Lehmann gar nicht bestritten. Seine Reformvorschläge gingen jedoch in einer ganz anderen Richtung, als wie sie jetzt durch die Verordnung der Regierung Brüning vorgenommen worden sind. Auf der Krankenkassentagung in Dresden hat Lehmann offen erklärt. und diese Erklärung konnte bisher nicht widerlegt werden, daß als der eigentliche Urheber der Krankenscheingebühr der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns vom Zentrum in Frage kommt. In der Zentrumspresse wird dagegen behauptet, im Reichsrat hätten sich die Vertreter Preußens für die Einführung einer Krankenscheingebühr von 1 M. ausgesprochen. Diese Behauptung findet ihre treffende Illustration durch die Tatsache, daß im Reichsrat auf Grund des Widerstandes der sozialdemokratischen Vertreter, Herr Stegerwald es nicht gewagt hat, in seiner Verordnung die ursprünglich vorgesehene 1 M. Krankenscheingebühr festzulegen.„ Vor uns liegt das Protokoll der Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags, in der über die vom Reichsarbeitsminister Stegerwald ausgearbeiteten Novelle zur Krankenversicherung beraten wurde. Wir geben aus diesem Protokoll einige Auszüge: Abg. Müller=Lichtenberg(Soz.): Man bringt die Krankenversicherung mit der Arbeitslosenversicherung in Verbindung. Das ist gefährlich. Die Ausführungen des Herrn Ministerialdirektors Dr Grieser haben außerordentlich befremdet. Etwaige Mißbräuche werden mit den geplanten Aenderungen nicht beseitigt. Wer die Krankenkasse mißbrauchen will, tut es trotzdem. Der ehrliche Arbeiter ist der Leidtragende, wenn die Regierungsvorlage Gesetz wird. Abg. Becker=Arnsberg(Zentrum) war mit der Tendenz des Entwurfs einverstanden. Asoziale Aerzte und asoziale Versicherte schädigen die ehrlichen Versicherten. Die Deutschnationalen brachten einen Antrag ein, der die Errichtung von Zahnkliniken, Genesungsheimen usw. unmöglich machen wollte. Ferner verlangten sie, daß den Krankenkassen die Selbstabgabe von Heilmitteln, Verbandstoffen, Brillen usw. verboten wurde. Bei der Dehatte über diese Anträge warfen die Abgeordneten Agena (D.=Natl.) und Pfeffer(D. Vpt.) die Frage auf, ob die Eigenbetriebe der Krankenkassen auch gewerbesteuerpflichtig seien! Nach umfangreicher Debatte wurden die Anträge der Deutschnationalen, aber auch die der Sozialdemokraten und Kommunisten, die den bisherigen Zustand erhalten wollten, nämlich, wonach jede Kasse Heime usw. errichten kann. abgelehnt und die Fassung der Regierungsvorlage, die eine Genehmigungspflicht durch das Reichsversicherungsamt vorsieht, mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien angenommen. Die Ziffer 6 der Regierungsvorlage soh vor, daß die Höchstgrenze von 10 Reichsmark auf 9 Reichsmark herabgesetzt werde. Die Sozialdemokraten hatten die Heraufsetzung auf 12 Reichsmark beantragt. Ministerialdirektor Dr. Grieser wandte sich gegen diesen Antrag. Es tauche die Frage auf. ob wir nicht schon bei einer Ueberspannung des Solidaritätsbegriffes angelangt seien. Abg. Litke(Soz.) führte zur Begründung des sozialdemokratischen Antrages aus, daß die jetzige Höchstlohnarenze nicht der Entwicklung der Löhne entspreche. Er vermisse auch eine Begründung für die geplante Herabsetzung auf 9 Reichsmark.— Der Ausschuß lehnte mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien den sozialdmemokratischen Antrag ab. Ebenso wurde die Regierungsvorlage abgelehnt, und die Höchstlohngrenze wie bisher auf 10 Reichsmark festgesetzt. Die Regierungsvorlage soh ferner vor. daß Krankengeld erst vom vierten Werktage der Arbeitsunfähigkeit an gezahlt wird. Abg. Leopold(D.=Rtl.) setzte sich für diese Bestimmung ein, da die Bezahlung der Feiertage die Arbeiter zu mißbräuchlicher Ausnutzung der Krankenkasse veranlasse. Abg. Litke(Soz) führte aus daß die Berliner KKrankenkassenstatistik beweise, daß die Behauptungen von der mißbräuchlichen Ausnutzung der Sonntagsbezahlung übertrieben seien. Die Regierungsvorlage wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Ebenso wurde gegen dieselben Parteien die Bestimmung angenommen, nach der die Versicherten einen Beitrag von 50 Pf. zu den Arzneikosten zu leisten haben. Ziffer 10 der Regierungsvorlage verlangt, daß für die Inanspruchnahme eines Arztes ein Krankenschein zu lösen ist, für den eine Gebühr von 1 Reichsmark zu zahlen ist. Der Reichsrat hatte die Gebühr auf 50 Pf. festgesetzt. Sozialdemokraten und Kommunisten beantragten, diese Bestimmung ganz zu streichen. Die Sozialdemokraten hatten außerdem einen Eventualantrag eingebracht, der Ausnahmen bei ansteckenden Krankheiten, bei Arbeitslosen, Rentenempfängern, Arbeitsunfähigen. Unfallverletzten sowie bei Schwangerschaftsbeschwerden und Entbindungen zulassen wollte. Alle diese Anträge wurden abgelehnt und beschlossen, die Krankenscheingebühr auf 50 Pf. festzusetzen! Weiter heißt es in dem Protokoll: Abg. Litke(Soz.) wandte sich gegen die geplante Neuregelung, wonach in Zukunft nur dann über 50 vom Hundert des Grundlohnes als Krankengeld gezahlt werden kann, wenn unterhaltungsberechtigte Familienangehörige vorhanden sind, oder die Arbeitsunfähigkeit länger als 6 Wochen dauert. Er betonte, das würde bedeuten, daß in Zukunft Hunderttausende von Kranken 6 Wochen lang nur die Regelleistungen erhielten. Ministerialdirektor Dr. Griser verteidigte die Vorlage. In der Abstimmung gelangte darauf die Regierungsvorlage mit geringfügigen Aenderungen zur Annahme. Nach Schluß der Beratung brachte der Abg. Leopold (D. Ntl.) eine Entschließung ein, die von der Regierung die Einführung der neuen Bestimmungen auch für die knappschaftliche Krankenversicherung verlangte. Abg. Auffhäuser (Soz.) beantragte, über diese Entschließung, die einen Tag, nachdem sich die Gräber über den Neuroder Bergwerksopfern geschlossen hätten, eingebracht sei, zur Tagesordnung überzugehen. Die Beratungen des Ausschusses über die Krankenkassennovelle waren damit abgeschlossen. Zu einer Verabschiedung im Plenum des Reichstags ist es infolge der Reichstagsauflösung nicht mehr gekommen. Aus Vorstehendem ist die Stellungnahme der Sozialdemo= kraten zu der Krankenversicherung klar ersichtlich. Hätte die Sozialdemokratie, wie die Zentrumspresse es darzustellen versucht, ein Interesse an einer Verschlechterung der Krankenversicherung gehabt, dann hätte Reichsarbeitsmnister Wissell der nahezu 2 Jahre lang das Reichsarbeitsministerium leitete, doch sicher eine diesbezügliche Gesetzesvorlage im Reichstag eingebracht. Er hat das nicht getan. Erst unter seinem Nachfolger Dr. Stegerwald wurde die Verschlechterung der Krankenversicherung in Angriff genommen und schließlich auf dem Verordnungswege durchgeführt. Bei der Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums in diesem Frühjahr hat sich denn auch Dr. Stegerwald ganz offen zu seinem Werk bekannt, indem er auf einen Angriff des Abg. Litke(Soz.) ausführte:„Der Herr Abgeordnete Litke hat gestern erklärt, die Reichsregierung habe bei der Reform der Krankenversicherung gleichsam die Denkschrift der deutschen Arbeitgeberverbände abgeschrieben, und Frau Arendsee hat vorhin ausgeführt, daß Herr Lehmann vom Hauptverband der deutschen Krankenkassen für die Regierung der Mitanreger einer Reform der Krankenversicherung gewesen sei. Ich kann erklären, daß beides nicht zutrifft. Das Reichsarbeitsministerium lebt auch nicht auf dem Mond, sondern hat seine eigene Meinung sowohl gegenüber den Arbeitgeberverbänden, wie gegenüber dem Vorsitzenden des Hauptverbandes der deutschen Krankenkassen.“ Genügt das, ihr Herren vom Zentrum? Wahlaussichten derngT. Von Ernst Heute geben wir dem Vorsitzenden der Thälmann, das Wort, damit er unsern Lesern die Wahlaussichten der KPD. darlegt. Er erscheine dazu am ehesten berufen. Damit kein Zweifel entsteht: Thälmanns Ausführungen sind authentisch. Sie erfolgten auf einer Hamburger Parteikonferenz der KPD. zur Bestürzung der dort Versammelten. Es ist das Verdienst des„Hamburger Echo“, dafür gesorgt zu haben, daß die Worte des KPD.=Vorsitzenden nicht der Oeffentlichkeit unterschlagen werden. Sie verdienen im Gegensatz zu der Auffassung der KPD.=Presse, die sie totschweigen oder ableugnen möchte, weiteste Verbreitung. Thälmann erklärte: „Wir träumen nicht von einem Sieg oder von einem guten Abschneiden des Reichstagswahlkampfes an und für sich. Wir geben uns auch nicht dem überall noch in unseren Reihen festen Glauben hin, daß die Wahl ein Sieg für uns sein wird. Wir können nur den Glauben haben, daß die Wahl ein moralischer Sieg, eine Stärkung des revolutionären Kampfeswillens sein kann. In aller Oeffentlichkeit, ohne beleidigen zu wollen, muß es hier vor der Elitetruppe der Partei bekannt werden: Wir sind trotz zehnjähriger Erfahrung in revolutionärer Beziehung im großen und ganzen geistig und auch sonst unfertig für einen eventuellen Wahlsieg. In unseren Reihen herrscht viel zu viel Zersplitterung, und die große Trägheit der einzelnen Glieder der Partei geben uns kein Recht zum Sieg in diesem Wahlkampf. In ehrlicher Selbstkritik muß es hier gesagt werden. Wir sind reifer denn je für die revolutionäre Tat(?), aber unreif für einen realen Wahlsieg. Genosse Stalin und andere führernde russische Genossen haben uns die großen Grundzüge, die Vorbedingung für ein geistiges Erbe, für ein Staatsführertum des Proletariats sind, aufgezeigt. So weit sind wir wirklich noch nicht. Wir kranken an der ideologischen Schwäche der Partei. Das muß unverblümt gesagt werden. Gewiß, die Theorie ist gut, nicht aber die praktische Ausführung. In einer ganzen Reihe von Ortsgruppen und Strahenzellen herrschen geradezu kotastrorhale Mitzstände. Thälmann. (Große Bewegung unter den Delegierten. Pfuirufe.„Hinaus mit solchen Querulanten.") Jawohl, das ist unser Gesicht, und schuldig daran sind wir alle. Und darum zeigt diese Wahl auch ein unglückliches Gesicht.“ Zum Schluß kam Thälmann noch einmal auf die Wahlaussichten der KPD. zu sprechen, wobei er darauf hinwies, daß die 3 Millionen Erwerbbslose und 2 Millionen Kurzarbeiter der Partei einen Wahlsieg verbürgen könnten, aber, so stellte er wörtlich fest:„Das müssen wir uns sagen, wir sind unfähig, auch nur 50 Prozent der Erwerbslosen zu gewinnen. Das Zentralkomitee ist vor den Kopf gestoßen über solche Unfähigkeit der Mitgliedschaft.“ * So sehen also nach Thälmann die Wahlaussichten der KPD. in Wirklichkeit aus. Man vergleiche hiermit die komischen Purzelbäume der Stalinorgane, die sich tagtäglich an Wahlerfolgen und„Siegesaussichten“ pflichtgemäß berauschen. Wählerlisten einsehen! Die Wählerverzeichnisse(Stimmkarteien oder Stimmlisten) für die Reichstagswahl werden vom 24. bis 31. August zur Einsicht ausliegen. Wo, wie lange und zu welchen Tagesstunden die Verzeichnisse ausliegen, gibt jede Gemeinde öffentlich bekannt. Da nur der Wähler seine Stimme abgeben darf, dessen Namen in dem Wählerverzeichnis steht, liegt es im Interesse eines jeden Wahlberechtigten, das Wählerverzeichnis einzusehen. Wer die Stimmkartei oder Stimmliste für unrichtig oder unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Auslegungsfrist bei der Gemeindebehörde schriftlich anzeigen oder zur Niederschrift geben. wird Liste 1 Drittes Blatt Dienstag, den 23. August 1930 — Wesisenesche Kandschau Staatswissenschaftlicher Lehrgang Kapital und Kapitalismus. Unter dem Vorsitz des Staatsministers a. D. Dr. h. c. Saemisch, findet in den Tagen vom 24. August bis 13. September, in Bad Pyrmont, der Herbstlehrgang 1930 der Deutschen Vereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung statt Der Lehrgang umfaßt Vorlesungen, Vorträge und Besichtigungen und untersteht der leitenden Idee„Kapital und Kapitalismus". Die Veranstaltung wurde am Sonntag, dem 24. d Mts., 19.30 Uhr, im Konzertsaal des Bades Pyrmont mit einer Ansprache des Vorsitzenden der Vereinigung, Staatsminister a. D. Dr. h. c. Saemisch, eröffnet. Nach den Begrüßungsansprachen hält Staatspräsident a. D. Professor Dr. Willy Hellpach(Heidelberg) einen Vortrag über das Thema „Der Stil des Lebens im Zeitalter des Kapitalismus“. Das Programm des Lehrganges gliedert sich in drei Teile. Der erste enthält Vorlesungen, die nur für die Teilnehmer bestimmt sind und in der Tagespresse keine Veröffentlichung finden. Zum Gegenstand haben sie: Das Kapital im Wirtschaftssystem des Kapitalismus, die Kapitalbildung. den Kapitalmarkt, die Kapitalverwendung, den Kapitalverschleiß und die Kapitalzerstörung und die Kapitalpolitik und Umbildung des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Im zweiten Teil der Vorträge, die der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden, kommt Dr. Hendrik de Man von der Universität Frankfurt am Main am Freitag, dem 29 August, 20.30 Uhr, zum Wort über„Kapitalismus und Sozialismus“. Am Freitag, dem 5. September, um dieselbe Zeit, spricht Reichsminister a. D. Dr. Rudolf Hilferding über:„Finanzkapital und weltpolitische Expansion“ und am Mittwoch, dem 10. September, um 20.30 Uhr, behandelt Generallandschaftsdirektor Dr. Walter von Hippel(Königsberg) das Thema:„Der Wirtschaftsaufbau des deutschen Ostens als Kapitalprobelm". Der dritte Teil des Programms sieht Besichtigungen in Hannover, Wietze, Hildesheim, Peine und Bielefeld vor. Diese sollen das Verständnis für die in den Vorlesungen behandelten wirtschaftlichen und sozialen Tatsachen und Probleme fördern und vertiefen, sowie den Teilnehmern einen Eindruck von den neuesten organisatorischen, technischen und sozialpolitischen Fortschritten in Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, führender Industriewerke und vorbildlicher landwirtschaftlicher Betriebe vermitteln. Das Verzeichnis der Teilnehmer, die sich vorzugsweise aus Justiz= und Verwaltungsbeamten derjenigen Länder=, Reichs= und Kommunalbehörden zusammensetzen, die der Vereinigung als korporative Mitglieder beigetreten sind, weist nicht weniger als 439 Namen auf. Im Rahmen der Veranstaltung sind natürlich auch gesellige Zusammenkünfte vorgesehen, so am Sonnabend, dem 30. August, und Freitag, dem 12. September, Der Cod auf der Arbeitsstätte Am Freitag früh, gegen 6 Uhr, ereignete sich in der Bäckerei H. in der Kaiserrstaße in Dortmund ein bedaueruswerter Unfall. Als der 15 Jahre alte Bäckerlehrling Spielmeyer versuchte, die Tür ds Backofens zu öffnen, erhielt er einen elektrischen Schlag und blieb mit erheblichen Brandverletzungen liegen. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte keine Hilfe mehr bringen, der Tod war bereitg eingetreten. Ueber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt. Auf der Anlage des Stickstoffwerks in Gelsenkirchen waren mehrere Anstreicher einer Bochumer Firma mit dem Abbau eines Gerüstes beschäftigt. Plötzlich stürzte der ledige Anstreicher Schwarz aus beträchtlicher Höhe ab und trug schwere Verletzungen davon. Er wurde sofort dem Bergmannsheil zugeführt, wo er wenige Stunden nach der Einlieferung verstarb. Beim Dreschen ereignete sich in Rudersdorf ein entsetzlicher Unglücksfall. Der 32 jährig, Sohn einer Mühlenbesitzerin war an der Dreschmaschine beschäftigt und wollte in einer Arbeitspause die Maschine ölen. Er ließ sich von einem beim Dreschen Beschäftigten die Oelkanne reichen und kroch unter die Maschine, deren Motor gerade abgestellt war. In diesem Augenblick machte die schwere Welle der Strohpresse, die nach dem Abstellen des Motors noch ausschwingt, unerwartet eine Schwingung nach unten und traf ihn ins Genick. Er brach zusammen und war auf der Stelle tot, Schiffszusammenstoß auf dem Rhein Vier Verletzte. Der Vergnügungsdampfer„Glück=Aauf“, der mit ungefähr 300 Ausflüglern von Duisburg=Ruhrort nach Rüdesheim fuhr, stieß Samstag abend bei Niederrheinbach mit einem Dieselmotorschleppschiff zusammen. Das Schleppschiff, dessen Ruder offenbar versagte, fuhr mit dem Bugspriet in den linken Radkasten des Vergnügungsdampfers hinein und rasierte die Küche, die sich in dem Radkasten befand, vollständig weg. Die vier in der Küche beschäftigten Personen wurden durch Splitter mehr oder weniger erheblich verletzt. Mehrere Passagiere erlitten einen Nervenschock. Einige wurden von Herzrampfen befallen. Aerztliche Hilfe war gleich zur Stelle. Unter der Leitung des Bürgermeisters und der Polizei wurde dann die Ausbootung der Passagiere vorgenommen, die glatt vonstatten ging. Die Passagiere setzten mit Schiff oder Bahn die Reise fort, soweit sie es nicht vorzogen, heimzufahren. Der Dampfer selbst, der kein Leck erlitten hatte und dessen Maschinen intakt zu sein scheinen, wurde ans Ufer gebracht. Die vier Verletzten wurden in das Binger Krankenhaus gebracht. Sie werden das Krankenhaus voraussichtlich in den nächsten Tagen wieder verlassen können. Bluttaten in Essen und Dortmund Am Samstagmorgen, 4 Uhr, wurde der Arbeiter Johann Schober Essen= Stoppenberg, Wasserstraße 32, infolge einer Auseinandersetzung, von dem ebenfalls dort wohnenden Invaliden August Schlicht durch einen Messerstich in die linke Halsseite derart verletzt, daß der Tod sofort eintrat. Schlicht wurde festgenommen. Zu einer blutigen Tragödie kam es am Samstag in der Leopoldstraße 23 in Dortmund. Seit längerem wohnt dort der Invalide Otto Kombrink mit seiner Ehefrau in der zweiten Etage, im Parterre wohnt die Familie Seegrefe. Beide A Familien verkehrten auch gegenseitig in den Wohnungen. Vor ### einigen Tagen hatte sich Frau Kombrink von Frau Seegrefe *## 60 Mark geliehen, die sie angeblich vor dem 1. Oktober nicht zurückzugeben brauchte. Dies hatte Seegrefe am Samstag erfahren und drängte seine Frau den ganzen Tag, das Geld wiederzuholen. Da das Geld nicht zurückgegeben wurde, ging Seegrefe in die Wohnung des K. um das Geld zu holen, hatte aber auch keinen Erfolg. Nachdem S. und K. eine Reihe von Anttor=Dom=Cart, Der die Schicksale Arbeitsloser In der„Frankfurter Zeitung" lesen wir die folgenden erschütternden Schilderungen: Früher einmal gab es für jeden Bedürftigen individuelle Hilfe. Man war bemüht, in jedem Falle Möglichkeiten zu schaffen, den Bedürftigen wieder selbständig zu machen, ihm Arbeit und damit für ihn und die Familie selbsterworbenes Brot zu geben. Heute gibt es das kaum mehr. Zuviel Menschen sind arbeitslos, zu wenig Arbeitsmöglichkeiten sind da und das Heer der Fürsorger und Fürsorgerinnen müßte um das vielfache vergrößert werden, um sich mit jedem Fall eingehender beschäftigen zu können. Dafür gelten heute„Richtsätze", nach denen die Unterstützung berechnet wird. Ihre Höhe richtet sich nach der Größe der Familie. Man hat dem Tarif der Arbeitenden den Tarif der Armen angegliedert. „Wie leben die Menschen unter dem Tarif der Armut?“ Mit dieser Frage ließ ich mich von einem Armenpfleger zu seinen Schützlingen führen. Mein Führer hat seinen Bezirk in der Altstadt. Da wo die Wohnungen meist klein und eng, wo kleine, schiefe Häuser mit dunklen Treppen und alten Aufgängen neben riesigen Mietskasernen stehen. Wir waren in einem Häuserblock, in dem über vierzig Familien wohnen. Fünf von ihnen zahlen Miete, die übrigen können nicht zahlen, weil sie arbeitslos sind. Viele der Mieter haben von ihrem engen Raum untervermietet. Fragt man nach dem Beruf der Untermieter, so heißt es fast regelmäßig:„Arbeitslos.“ Da kommt zur Sorge um das Notwendigste von Woche zu Woche die Angst hinzu, ob der Mieter zahlen wird. * 62 Mark monatlich Familie U. wohnt im ersten Stock einer Mietskaserne. Im Hauseingang steht eine lange Reihe von Abfalleimern. Das Haus hat keinen Hof und keinen anderen Abstellraum. Die Wohnung besteht aus vier Zimmern. Wir werden in das Wohnzimmer geführt, es ist einfach=kleinbürgerlich eingerichtet, ein Teil des Zimmers ist durch eine Holzwand abgetrennt. So hat man die Möglichkeit geschaffen, drei Zimmer untervermieten können. Schlafzimmer und Küche bewohnt die Familie. Sie besteht aus Herrn U., der 65 Jahre alt ist, seiner Frau, die 20 Jahre jünger ist, und einem vier Jahre alten Kinde. Früher hatte das Ehepaar ein kleines Haushaltstungswarengeschäft und konnte sich ordentlich ernähren. Als die Zeiten schlechter wurden, war das Geschäft nicht mehr zu halten. Der Ausverkauf brachte soviel ein, um die Schulden zu decken. Seitdem lebt die Familie von der Unterstützung des Wohlfahrtsamtes. Die drei vermieteten Zimmer bringen 90 Mk. ein. Die Unterstützung beträgt 70 Mk. An Miete zahlt man 98 Mk. Bleiben zum Leben 62,50 Mk. monatlich für drei Personen. Oder vielmehr dieser Betrag bliebe, wenn die Mieteinnahmen regelmäßig einliefen. Seit einiger Zeit jedoch steht ein Zimmer leer, so daß etwa 30 Mk. ausfallen. Bleiben also 32,50 Mk. monatlich. Der Mann berichtet ganz sachlich, daß von diesem Betrag 4,50 Mark an die Krankenkasse gezahlt werden, denn man will den Arzt nicht auf Kosten des Wohlfahrtsamtes in Anspruch nehmen. Die Kasse vergütet 80 Prozent von der bezahlten Rechnung. Die Rechnungen des Arztes, der nichts von den Verhältnissen wissen will, sind bezahlt; auch das noch von 32 Mark monatlich. Man lebt von Kaffee, Brot und Kartoffeln. Im Winter hat man den Küchenherd mit einem Brikett geheizt und die Familie hat sich darauf gesetzt, um sich etwas zu erwärmen. „Gestern, erzählt mir Herr U.,„haben wir Besuch bekommen; der hat uns ein Stück Fleisch und etwas Margarine mitgebracht. Jetzt können wir wieder ganz gut über den Sonntag leben. Der Salonwachs das altbekannte Wirtschaften besucht hatten, ging S. mit einem Beil bewaffnet zur Wohnung des K. Als K. nicht öffnete, schlug S. die Türöffnung mit dem Beil ein und brachte dann dem sich wehrenden K. eine nicht unerhebliche Wunde am Kopf bei. S. ging dann auf die Treppe hinaus, lief dann aber zur Wohnung des K. zurück und tötete diesen durch weitere zwei Kopfschläge. Der Täter wurde kurz nach der Tat festgenommen. Ein verregnetes Ferienlager. An der Grenze dreier Gemeinden, Holthausen— Hattingen— Welper wurde zu Ferienbeginn ein Ferienlager der Roten Hilfe aufgeschlagen, das sich hart an dem Sprockhöveler Bach auf der städtischen Bleiche in Hattingen befand. Es enthielt Schlafzelte, Küchen, Waschzelte und Lagerstätten. Ueber allem wehte die rote Flagge mit dem Sowjetstern. Die Kinder, die aus der näheren und weiteren Umgebung stammen, wurden von ihren Führern scharf gedrillt. Der anhaltende Regen führte zur Auflösung des Lagers. Eröffnung der Westfälischen Jagdausstellung in Münster. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste fand am Samstag im Schützenhof die Eröffnung der Großen Westfälischen Jagdausstellung statt. Die Ausstellung zeigt über 1500 Ausstellungsobjekte und vermittelt ein anschauliches Bild über den Wildreichtum der westfälischen Wälder und Forsten. Eisenbahnunglück— Ein Toter, zwei Verletzte. Im Bahnhof Barmen=Langerfeld fuhren am Samstagmorgen, kurz nach fünf Uhr, zwei mit Kohlen beladene Wagen einem nach Beyenburg ausfahrenden Güterzug in die Flanke. Die beiden ersten Wagen des Güterzuges fielen um. Dabei wurde der Schaffner Pfennig aus Barmen=Langerfeld getötet. Zwei weitere Schaffner wurden leicht verletzt. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. bei gen Zigenner als Lebensretter. * meretter. Auf der Provinzialstraße 5 Autos zusammen. Einer der Wah. rummert und geriet in Brasc. Die I Cochem stieven zwei Autos zusammen. Eir. wurde vollständig zertrümmert und gelet in Brasu. Die Insassen, zwei Damen, wurden von in der Nähe weilenden Zigeunern vom Verbrennungstode gerettet und dem Krankenhaus zugeführt. 16 Monate Zuchthaus für einen Sittlichkeitsverbrecher. Der aus Münk bei Mayen stammende Landwirt Johann Steffens stand am Freitag vor dem Erweiterten Schöffengericht in Koblenz wegen Sittlichkeitsverbrechens in mehreren Fällen und versuchten Sittlichkeitsverbrechen an seinen beiden Töchtern. Das Gericht erkannte auf eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und vier Monate. Der Angeklagte wurde sofort verhaftet. Aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt. Aus russischer Gefangenschaft ist in den letzten Tagen der aus Darmstadt gebürtige August Becker unverhofft nach Brensbach zurückgekehrt. Nach dem Friedensschluß mit Rußland wurde er von Bäcker hat uns das Brot geliehen, denn seit zwei Tagen ist kein Geld mehr im Hause. Ich hätte so gern eine Stelle. Wenn ich 25 Mark in der Woche verdienen könnte dann wäre uns ja geholfen. Aber es hilft ja nichts, man will niemand mehr haben. Es hilft nichts zu klagen, wir werden schon weiter leben.“ Die größte Sorge von Herrn U. ist, daß jemand etwas von seiner Not erfährt. Seinen Armenpfleger besucht er nur abends spät, um nicht gesehen zu werden. * verkauft Herr N. ist ledig. Er hatte eine kaufmännische Stelle, war jut bezahlt und hat den größten Teil seines Gehalts im Geschäft stehen lassen. Das Geschaft geriet in Konkurs. Das Geld war verloren. Herr R. hat versucht, eine neue Stelle zu bekommen. es ist ihm nicht gelungen. Er lebte einige Zeit vom Verkauf seiner Habseligkeiten. Als ihm nichts geblieben war als ein Anzug, ein Hemd, ein Paar Schuhe und ein Paar Strümpfe, ging er zum Armenpfleger. Jetzt bekommt er 60 Mk. monatlich Unterstützung. Um wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben, hat er sein Zimmer behalten und zahlt dafür 39 Mk. Miete. Mit 21 Mark im Monat lebt er. Davon bezahlt er Wäsche, kleinere Reparaturen und ernährt sich. 70 Pf. täglich dar“ er verbrauchen. Mehr Verbrauch bedeutet Hunger am Ende der Woche. 70 Pf. sollen für Bedürfnisse und für alle Mahlzeiten des Tages reichen, aber sie reichen eben nur dafür, den Menschen am Leben zu erhalten. Man sieht dem abgezehrten Mann den Hunger an. Die Hoffnung auf eine Wendung des Schicksals hält ihn aufrecht. * Man macht Anschaffungen Familie P.: ein 30jähriger Mann, die Frau und zwei 8 und 4 Jahre alte Kinder. Sie wohnen in einem sauberen Hinterhaus. Die Wohnung besteht aus Küche und zwei Zimmern. Sie ist hübsch eingerichtet und peinlich sauber. Die Wände sich frisch getünscht. Das hat der Mann selbst gemacht. Er ist Elektromonteur, seit fünf Jahren arbeitslos, und es ist ihm trotz verweifelten Suchens nicht gelungen, Arbeit zu finden. Nur Notstandsarbeit hat er vorübergehend verrichtet. Er hat sie als eine Erlösung vom dauernden Nichtstun empfunden. 120 Mk. beträgt die Unterstützung. Davon werden 30 Mk. Miete bezahlt. 20 Mk. muß man monatlich abzahlen für das Eichen=Schlafzimmer, das man schon vor der Zeit der Arbeitslosigkeit gekauft hat. Wäsche ist gerade so viel da, daß man einmal wechseln kann. Die Frau war früher Hausmädchen. Man sieht ihr an, daß sie zu wirtschaften versteht. Mit den 70 Mk., die zum Leben bleiben, richtet man sich ein. Zumal das größere Kind in der Schule, das kleinere im Kindergarten an der Schulkinderspeisung teilnehmen. Der Mann geht den ganzen Tag ins Freie. Er schwimmt, nimmt an schönen Tagen Sonnenbäder und wartet darauf, eine neue Stelle zu bekommen. Die Hoffnung ist gering geworden, nachdem er jetzt schon fünf Jahre wartet. * Was hier geschildert wird, sind Einzelschicksale. Millionen Arbeitslose führen dieses kümmerliche, zermarternde Dasein. Bis sie eines Tages von Sorge und Not ganz zerfressen sind und der Tod sie erlöst. Opfer einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die wert ist, daß sie zugrunde geht! Wer solche Schilderungen liest, sollte es nicht für möglich halten, daß es eine Regierung wagen kann, durch Abbau der Sozialversicherung das Los der armen Menschen noch erbärmlicher zu gestalten. Die Bürgerblock= vie Regierung hat es getan! Ihr muß darauf die entsprechende Antwort erteilt werden am 14. September durch Abgabe des sozialdemokratischen Stimmzettels. Liste 1! einer Bande nach Sibirien verschleppt, wo er 13 Jahre lang Zwangsarbeit leisten mußte. In letzter Zeit gelang es ihm, mit dem deutschen Konsulat in Verbindung zu kommen, das die nötigen Schritte für seine Heimreise unternahm. Ein Kinderwagen von der Kleinbahn erfaßt. In der Nähe der Morbergbahn in Rheinbrohl fuhr eine alte Frau ihr Enkelkino spazieren, während ein weiteres Enkelkind neben ihr einherging. Plötzlich entfernte sich das eine Kind von der Großmutter, die daraufhin den Kinderwagen stehen ließ und dem davonlaufenden Kinden nachlief. Der Kinderwagen kam plötzlich ins Rutschen, rollte die Böschung hinunter und fiel auf die Schienen der Kleinbahn Im gleichen Augenblick kam ein Kleinbahnzug an der Unfallstelle an. Das auf den Schienen liegende Kino wurde von der Maschine erfaßt. Ein Bein wurde dem kleinen Erdenbürger abgefahren. Einbruch in eine Bäckerei. In der Nacht zum 24. August 1930 wurden aus den Kellerräumen einer Bäckerei in der Karlstraße in Castrop=Rauxel durch Einbruch 2 Bettücher, 2 Bettbezüge, 3 Kopfkissen, 1 Oberhemd(blauweiß gestreift), 1 Kiste Margarine, Inhalt 8 Pfd., Fabrikat„Appenzeller u. Co., Neuß a. Rh., 2 Pappkarton mit Margarine, Fabrikat „Margarine=Verkaufsunion Bochum“, 30 Flaschen Dortmunder Aktienbier und eine Taubenkonstatieruhr, Marke„Jondes“, gestohlen. Der Gesamtschaden beträgt zirka 140 Mk. Wer kann über den Täter Angaben machen? Vermißt wird seit dem 11. August 1930 der Bergmann Willi Kowielski aus Castrop=Rauxel, Stadtteil Ickern. Nach Angaben von Nachbarn hat er sich am 11. August 1930 aus seiner Wohnung entfernt, um in den Waldungen von Ickern und Leveringhausen Beeren zu suchen. Er ist von diesem ge nicht zurückgekehrt. Ein ersichtlicher Grund zu seinem tzlichen Verschwinden konnte bisher nicht festgestellt werden. Alle angestellten Nachforschungen nach dem Verbleib des Vermißten sind bisher erfolglos geblieben. Im Zusammenhang mit dem Verschwinden des K. kursieren in den nördlichen Stadtteilen Castrop=Rauxels und darüber hinaus Gerüchte, nach denen K. von einem Forstbeamten in Leveringhausen im Leveringhauser Wald angeschossen und beseitigt worden sein soll. Diese Gerüchte haben sich als völlig haltlos evwiesen und beruhen auf einem zwischen dem betreffenden Forstbeamten und Bekannten des Vermißten stattgehabten Gesprach, das von letzteren mißverstanden wurde. Literatur Das erste große Nachkriegslexikon vollständig. Durch die gewaltigen geistigen und materiellen Veränderungen der letzten 15 Jahre sind alle Nachschlagewerke der Vorkriegszeit überholt. Der erste Verlag, der es nach der Stabilisierung wagte, ein großes, umfassendes Lexikon herauszubringen, war das Bibliographische Institut mit seiner Neuausgabe von„Meyers Lexikon“ in 12 Bänden. Das Werk, das in geradezu klassischer Klarheit das gesamte Wissen unserer Zeit zusammenfaßt, wird demnächst vollständig. Wie uns der Verlag mitteilt, erSheint, der letzte, Band(T Man n der letzte Band(Traunsee bis 3z) Mitte September. zun kann sich also dann mit einem Griff auch über den Weltkrieg, den Young=Plan usw. unterrichten. Der neue„Meyer“ ist damit das erste und wohl auf Jahre hinaus einzige, abgeschlossene, moderne große Nachschlagewerk. perss S Geweres Boollungruck üuf dem acuh Lieben junge Deute ertrunken Stettin, 25. Aug.(Drahtmeldung.) Ein gekentertes Boot der Jungmarine wurde heute früh von Fischern in der Nähe der Kaiserfahrt gefunden. An das Boot hatte sich der Jungmann Methke angeklammert. Er berichtete, daß er mit sieben Mann der Torgelower Jungmarine am Sonntag in einem Boot von Ueckermünde aus in das Haff gesegelt sei. Sie wurden von einer Gewitterboe überrascht. Das Boot kenterte und alle acht Personen fielen ins Wasser. Methke allein konnte sich an dem gekenterten Boot festklammern und trieb über zwölf Stunden im Wasser. Die übrigen Insassen, junge Leute im Alter von 15 bis 18 Jahren und der Führer des Seglers, Stegemann, sind ertrunken. Raubüberfall auf eine Sparkasse Bremen, 25. Aug.(Drahtmeldung.) In die städtische Sparkasse drangen heute nachmittag zwei Männer mit vorgehaltenen Revolvern ein und raubten etwa 23000 RM. in verschiedenen Geldsorten. Den Tätern, die mit einem Auto, das der Nummer nach in Hannover gestohlen worden ist, vorgefahren waren, gelang es, mit demselben Auto zu entkommen. Sie trugen grüne Brillen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Verkehrsunfall in Wannsee Zwei Tote Berlin, 25. Aug.(Drahtmeldung.) In Wannsee wurde in der vergangenen Nacht ein Lastkraftwagen von einem unbekannt gebliebenen Privatkraftwagen seitlich angefahren. Durch den Anprall wurden eine auf dem Lastkraftwagen mitfahrende Frau und ihr achtjährige Tochter vom Wagen geschleudert. Sie erlitten beide so schwere Verletzungen, daß sie bald nach der Einlieferung in das Krankenhaus verstarben. Zugentgleisung in Portugal Paris, 25. Aug.(Drahtmeldung.) Einer Agentur=Meldung aus Lissabon zufolge ist ein Personenzug gestern bei Lusa entgleist. 30 Reisende sind verletzt worden, darunter sechs sehr schwer. Panik auf einer Ausstellung Paris, 25. Aug.(Eig. Meldung.) In einem Dorfe bei Toul kam es gestern anläßlich einer landwirtschaftlichen Ausstellung zu einem folgenschweren Zwischenfall. Das scheugewordene Pferd eines Besuchers riß sich plötzlich vom Wagen los und raste in die dichte Menschenmenge. Erst nach langen Bemühungen konnte man das Tier bändigen. 15 Personen sind bei der allgemeinen Panik verletzt worden, davon drei sehr schwer. 28 Verletzte bei einer Vergnügungsfahrt Wolmirstedt, 25. Aug.(Drahtmeldung.) Am Sontag unternahm der Magdeburger Gesangverein auf zwei Lastkraftwagen einen Ausflug in die Letzlinger Heide. Abends auf der Rückfahrt geriet der eine Wagen beim Ueberholen eines anderen Autos auf der Chaussee zwischen Barleber und Elbeu ins Schleudern und stürzte um. Etwa 28 Personen wurden verletzt. Drei Schwerverletzte wurden nach dem Krankenhaus in Wolmirstedt gebracht, die übrigen in Magdeburger Krankenhäuser, wo acht schwerer Verletzte bleiben mußten, während die anderen nach ärztlicher Behandlung entlassen werden konnten. Wilhelm als Prinzessin Hermine, die Frau des Exkaisers, hält sich zurzeit in Sabor(Schlesien) auf. Zu dem Schützenfest, das hier vor einigen Tagen stattfand, lud die Schützengilde in treudeutscher Dankbarkeit Hermine und ihren Mann ein. Wilhelm beauftragte seinen ältesten Stiefsohn, drei Schüsse für ihn abzugeben, und siehe da: der junge Herr traf, im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten der Hohenzollern, tatsachlich ins Schwarze. Der Exkaiser ist also nunmehr höchst offiziell Schützenkönig von Sabor, obschon es der Treppenwitz der Weltgeschichte gewollt hat, daß S. M. selbst zu dieser Würde kommen ist, ohne daß er etwas dazu getan hat. Man sieht: Wilhelm bleibt nicht nur den Schützen von Sabor, er bleibt sich auch selber treu. Mordersuche Die Ozeanbezwinger Neuyork, 25. Aug.(Drahtmeldung.) Sämtliche Morgenblätter bringen ausführliche, sehr freundlich gehaltene rungen des Atlantikfluges von Gronaus. Da der fast nur schnurgerade Nordsüdflug von Ivigtut nach Halifax über Orte führte, die keine Verbindung mit der Außenwelt haben, waren eingehendere Meldungen nicht möglich. Aus den ersten Unterredungen mit den Ozeanfliegern in Queensport heben die Blätter die Bescheidenheit Gronaus und seiner Begleiter lich hervor. Trotz der Schwierigkeiten, die den Fliegern dichter Nebel bereitete, hätten sie Halifax erreichen können, wenn ihr Kartenmaterial besser gewesen wäre. Unter Berücksichtigung der Wetterlage hätten die Flieger jedoch eine Landung in Queensport für geratener gehalten. Sie hoffen, ihr nächstes Ziel, Neuyork, bald zu erreichen. Halifax, 25. Aug.(Drahtmeldung.) Der deutsche Atlantikflieger von Gronau startete in Queensport um 6.50 Uhr Ortszeit zum Weiterflug nach Halifax. Das Wetter in Queensport ist klar, in Halifax neblig. Gronau in Marie=Joseph gelandet Halifax, 25. Aug.(Drahtmeldung.) Der deutsche Atlantikflieger von Gronau ist in Marie=Joseph(Kreis Halifax) um 9.30 Uhr Ortszeit zur Erlangung eines Wetterberichts aus der Umgebung von Halifar gelandet. Gronau wurde von der Canadian=Preß telephonisch verständigt, daß über Halifax dichter Nebel herrsche; es bestehe allerdings Aussicht auf Besserung des Wetters. für 73794 Mark gesammelt. Koblenz, 25. August.(Eig. Drahtbericht.) An Spenden für die Hinterbliebenen des Koblenzer Brücken=Unglückes si her insgesamt 73794 Mark eingegangen. Von den 30 Toten waren 16 in Koblenz, 22 auswärts beheimatet. Die Hnterbliebenen sind 4 Ehefrauen, 15 Kinder unter 14 Jahren und 4 Ehepaare. Da die Beerdigungskosten der in Koblenz beheimateten Toten und die Ueberführung der auswärtigen Toten von der Stadt Koblenz getragen wurden, werden die eingegangenen Spenden völlig zu Gunsten der Hinterbliebenen und Geschädigten verteilt werden können. Zur Linderung der ersten Not wurden sofort 5100 Mark an die betreffenden Familien ausgezahlt. Sachschäden sind für etwa 600 bis 8000 Mark angemeldet worden. Die Ikarus-Tragödie im ewigen Eis Stockholm, 24. August.(Eig. Drahtbericht.) Die Berichte über die Auffindung der Andréschen Polarexpedition auf der„Weißen Insel" bei FranzJosess=Land haben in Schweden großes Aufsehen erregt. Die Blätter bringen in längeren Artikeln ausführliche Würdigungen des kühnen Versuchs Andrés, im Ballon den Nordpol zu überfliegen. Die schwedische Regierung hat sich telegraphisch an den schwedischen Konsul in Tromsö gewandt und einen amtlichen Bericht über die Funde angefordert. Es wird erwartet, daß die Leichen der Expeditionsteilnehmer und die Ueberbleibsel des Lagers Mitte September in Norwegen eintreffen werden. Voraussichtlich wird dem Transport ein schwedisches Panzerschiff entgegengeschickt werden, das die Ueberreste auf schwedischen Boden überführen soll, wo André und seinen Begleitern ein feierliches Begräbnis bereitet werden wird. Eine neue Affäre des Haas=Jägers von Magdeburg.— Wieder eine falsche Verdächtigung? Kriminalkommissar Tenholt, der im Mittelpunkt der Magdeburger Haas=Affäre stand, ist schon wieder der Gegenstand unliebsamer Erörterungen. Dieser Sherlock Holmes in Westentaschenformat, der einer Anwandlung von fast komischem Ehrgeiz in trautem Verein mit dem früheren Landgerichtsrat Kölling gar zu gern den ihm als Juden von vornherein verdächtigen Fabrikanten Haas als Mörder in die Hände der rächenJustiz geliefert hätte, scheint sich in Gelsenkirchen, wohin er versetzt wurde, noch nicht eines Besseren besonnen zu haben. Offenbar ist Tenholt auch am Orte seiner neuen Tätigkeit ein bißchen leichtfertig auf Mördersuche gegangen. Die Sache wurde ruchbar durch eine Klage Tenholts gegen einen Invaliden Daniel Dresch, gegen dessen Sohn Karl und gegen den früheren Polizeiwachtmeister Fritz Olschowy. Sache wird zurzeit verhandelt; ein umfangreicher Zeugenapparat ist aufgeboten. Am 21. Juli 1928 fand man im Rhein=Herne=Kanal die Leiche eines 26jährigen Ernst Dresch, Schußwunden wiesen auf einen Mord hin. Tenholt, der gemeinsam mit dem Polizeikommissar Weiß aus Buer den Fall behandelte, verhaftete den Vater und Bruder des Ermordeten. Zum Leidwesen Tenholts mußten aber die Beschuldigten, nachdem sie einige Monate lang in Untersuchungshaft gesessen hatten, wieder in Freiheit gesetzt werden. Es konnte ihnen nichts nachgewiesen werden. Das dicke und für Herrn Tenholt eventuell noch recht unangenehme Ende kommt nach. Mörder, die nur deshalb aus der Haft entlassen werden, weil man ihnen nichts nachweisen kann, pflegen im allgemeinen den Mund zu halten. Die beiden Dreschs taten das Gegenteil, und man kann daraus immerhin den Schluß ziehen, daß sie in der geheimnisvollen Mordsache ein ziemlich reines Gewissen zu haben scheinen. Mit Hilfe von Material, das der Polizeiwachtmeister Olschowy beschafft hatte, erhoben die zu Unrecht Beschuldigten in aller Oeffentlichkeit die schwersten Vorwürfe gegen Tenholt. Es heißt, daß Tenholt die ganze Untersuchung gegen Vater und Sohn nur auf Grund der Aussagen eines Geisteskranken durchgeführt habe; es heißt ferner, daß Tenholt Kassiber gefälscht und die Aussagen der Verhafteten im Protokoll tendenziös geändert habe. Endlich wird dem merkwürdigen Kriminalkommissar direkte Zeugenbeeinflussung vorgeworfen. Sollten die Vorwürfe der beiden Dresch zu Recht bestehen, so dürfte die Rolle des mißratenen Polizeicäsaren Tenholt wohl endgültig ausgespielt sein. Waffenfund in der Neuyorker Unterwelt Neuyork, 24. Aug.(Drahtmeldung.) Detektive, die im Automobil der Frau eines Neuyorker Bandenführers folgten, entdeckten in deren Wohnung in Brooklyn ein großes Waffenlager, das offenbar den Inhabern eines Neuyorker Spirituosengeschäftes bei der Verteidigung ihres Absatzgebietes gegen Einfälle des Chikagoer Verbrecherkönigs Capone dienen sollte. Das Lager enthielt mehrere Bombentypen, von denen eine stark genug war, um ein großes Gebäude zu zerstören. Ferner Handgranaten, Tränengas, Maschinengewehre, Revolver, mehrere Kisten Munition und eine große Anzahl Pistolen in Form von Füllfederhaltern. Mysteriöser Tod einer Schönheit Mrs. Southers, eine der schönsten Frauen des mondänen Seebades Deauville an der französischen Ozeanküste ist am Sonnabend tot in ihrem Bett aufgefunden worden. Am Abend vor ihrem Tode hat Mrs. Southers ihren 35. Geburtstag in voller Gesundheit im Kreise einer großen Gesellschaft gefeiert. Allerdings ging das Fest mit einem Unglücksfall zu Ende, denn einer der Gäste stürzte, als er die Villa verließ, die Treppe hin) unter und zog sich einen schweren Schädelbruch zu. Mrs. Southers erlitt nachts eine Nervenkrise, schlief aber dann nach Einnahme eines Beruhigungsmittels fest ein. Daß sie am anderen Morgen von ihrer Kammerjungfer tot aufgefunden wurde, ist fast ein medizinisches Rätsel. Roman von Frank Arnau 75)(Fortsetzung.) Der Untersuchungsrichter schien ein wenig betäubt von dem in Ihrer Klinik öfters zu solchen EinPven der Erg trößer sind, als der Laie glaubt. Ich würde allgemeinen viel gloßer sind, urs der Laie glaubt. Ich würde es im Interesse des Volkswohls für durchaus erfreulich ansehen, wenn solche Eingriffe auch außerhalb meiner Klinik immer dann gemacht würden, wenn sie notwendig sind. verständlich unter den nötigen medizinischen Voraussetzungen.“ „Das Gesetz ist nicht Ihrer Meinung, Herr Professor!“ „Sie würden also den§ 218 des Reichsstrafgesetzbuches, den Sie sehr gut kennen, ohne besondere Bedenlez gat gar#agt. „Ohne Bedenken! Ich frage nämlich, was#u. der Staat, was hat die menschliche Gesellschaft für ein Interesse daran, daß kranke Kinder zur Welt kommen? Was hat der Staat, was hat schenleben gefährdet werden, nur um kranke Kinder zur Welt bringen! Der Schutz des keimenden Lebens in der Gestalt, wie wir ihn heute haben, ist etwas Widersinniges. Nur setze ich als selbstverständlich voraus, daß nicht jedes Weib und jeder Kurpfuscher mit oder ohne Doktordiplom einen Eingriff vornehmen Dagegen müßte eben von Staats wegen die Errichtung einwandfreier amtlicher ärztlicher Beratungsstellen vorgenommen werden. Und wo von einem beamteten Dreiärztekonsilium festgestellt wird, daß das zu erwartende Kind nicht gesund sein kann, oder das Leben der Mutter gefährdet ist, da wäre die Unterbrechung der Schwangerschaft von Amts wegen vorzunehmen. Heute kann sich nur die soziale Oberschicht einigermaßen gegen die Gefahren schützen, die der§ 218 mit sich bringt. Das ist bedauerlich, Herr Landgerichtsrat.“ „Aber wir können es nicht ändern! Und ich persönlich bin Ihrer Beweisführung gegenüber doch etwas skeptisch, Herr Professor! Was glauben Sie wohl, wie sehr die Liederlichkeit noch um sich greifen würde,— besonders in den unteren Schichten,— wenn die Folgen gar so leicht zu beseitigen wären! Denn gerade bei den unteren Schichten würde es in den meisten Fällen leicht sein, nachzuweisen, daß die Mutter nicht gesund ist und das kommende Kind auch nicht gesund wird!“ „Und es wäre ein Riesenunglück, wenn ein Paar Hunderttausend skrofulöse und tuberkulöse Kinder, ein Paar Hunderttausend künftiger Arbeitsunfähiger nicht geboren würden, Herr Landgerichtsratf“...44. Jus 45. Der Untersuchungsrichter machte eine zurückweisende Bewegung mit dem Bleistift in seiner Rechten: „Hier verstehen wir uns nicht mehr, Herr Professor, und ich habe Sie ja auch nicht zu mir gebeten, damit Sie mir einen Vortrag über die Notwendigkeit der Geburtenbeschränkung in den unteren Volksklassen halten. Ueber Ihre Klinik haben Sie mir gesagt, was Sie zu sagen hatten,— wie ich annehme. Und was der Fall Dominique anlangt, so haben Sie die Güte, mir das Protokoll zur Einsicht und zur eventuellen Abschrift für die Akten zu übersenden.— g. „Ich bin gerne bereit, Ihnen mein ganzes urchiv zur Einsicht zu überlassen, wenn Sie es wünschen. Ich habe, wie ich schon betonte, nichts zu verbergen.“ „Um so besser für Sie, Herr Professor. Aber ich interessiere mich vorerst nur für den Fall Dominique!“ „Das Protokoll ist noch im Laufe des heutigen Tages bei Tadellose Verbeugung auf beiden Seiten; der Professor ging. Alter Fuchs,— dachte der Untersuchungsrichter,— wie schade, daß ich dir nicht an den Kragen kann! Wie viele Jahre Zuchthaus— wie viele Tausendmarkscheine— hast du dir so in den letzten Jahren eigentlich verdient? Der Professor aber hatte ein amüsiertes Lächeln um die Lippen, als er das Gerichtsbäude verließ. Haben wieder einmal den Versuch gemacht, die Herrschaften,— dachte er,— mir an den Wagen zu fahren; könnten jetzt bald wissen, daß das zwecklos ist. Wie gut, daß es eine Insel der Wissenschaft gibt, auf der die Paragraphenhengste nichts zu sagen haben! Siebentes Kapitel. Der Schwurgerichtssaal füllte sich allmählich. Aber der Fall Merten—Mühlmann war keine Sensation, die ein„besseres Publikum“ hätte besonders reizen können. Es waren in der Hauptsache die Gerichtssaalstudenten, die man bei jeder Verhandlung sehen konnte, und kleine Leute, die den Gerichtssaal als Wärmestube betrachteten, in der es nebenbei manchmal noch ganz amüsant war. Punkt halb neun wurde die Angeklagte Mühlmann in den Saal geführt und nahm auf der Anklagebank Platz. Sie hatte sich ganz schwarz zurechtgemacht,— als Witwe,— und trug eine etwas gekränkte, aber doch gottergebene Miene zur Schau. Gleich darauf erschienen Else Merten und Lutz Fink, beide vom Gerichtsdiener hereingeführt und auf die Anklagebank verwiesen. Else Merten und Lutz Fink hatten sich nicht mehr gesehen seit dem Tage der ersten Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter. Else verließ das kleine Gärtnerhaus in diesen Wochen kaum; ihr Vater schien sich mit den Ereignissen abgefunden zu haben; nur war er sehr wortkarg, und es vergingen oft Tage, bevor er auch nur ein Wort mit Else sprach. Er ging auch an den Abenden nicht mehr aus und mied den Alkohol. Else Merten und Lutz Fink wechselten auf dem Gang vor dem Verhandlungssaal nur einen kurzen Gruß; der Chauffeur tat beleidigt, weil Else ihn nicht mehr aufgesucht hatte. An dem Tisch unterhalb der Anklagebank erschienen nun drei junge Herren in schwarzer Robe: die Offizialverteidiger der Angeklagten. Else Merten und Lutz Fink waren vor ein Paar Tagen in die Kanzleien zweier Rechtsanwälte gerufen worden, wo diese jungen Juristen,— Praktikanten,— das Allernötigste mit ihnen besprachen. Der Verteidiger der Frau Mühlmann hatte seine Klientin im Untersuchungsgefängnis aufgesucht und fünf Minuten mit ihr gesprochen. Für das, was von Amts wegen zur Verteidigung der Angeklagten geschehen mußte, war das vollkommen hinreichend. Die drei jungen Juristen begrüßten sich gegenseitig, streiften ihre„Mandanten“ mit einem Seitenblick, der wohl so etwas wie eine Begrüßung darstellen konnte, und nahmen dann die Akten vor, um sich rasch noch in den Fall, der sie keineswegs interz#) essierte, zu vertiefen. Nun war der Saal gefüllt. Einige Männer, zumeist ältere Herren,— manche von ihnen im schwarzen Bratenrock,— sahen durchgehend recht wichtig aus und musterten die Angeklagten mit ziemlichem Interesse.(Fortsetzung folgt.) Das Weib als Kriegerin Kyros soll sich„sattsaufen Pladenen Rarläucen Die Leichenschau von Leipzig Englands blutige Marien Man ist gewöhnt, der Frau im Gegensatz zum Manne Herzensgüte und Sanftmut nachzusagen: kurz, alle Eigenschaften, die sich aus ihrem Mutterberuf ergeben. Aber nicht erst heute, sondern schon seit grauer Vorzeit sind Frauen oft ihrer eigentlichen Naturbestimmung entfremdet worden. Die Griechen haben den Mythos von den Amazonen bewahrt, einem kriegerischen Weibervolk, das vor Troja auftauchte und in blutiger Feldschlacht von den Belagerern besiegt werden mußte. Heinrich von Kleist hat den Blutdurst ihrer Königin Penthesilea aus erotischen Motiven abgeleitet: aus der Liebe zu dem Griechenfürsten Achill, und damit das Problem an der Wurzel erfaßt. Der Haß der Geschlechter klingt, wenn auch weit schwächer, in Schillers„Jungfrau von Orleans" durch. Man hat in neuerer Zeit von Amazonen in Afrika gehört, von den„Wilden Weibern von Dahomey". Das Weib als Kriegerin: der ganze Wahnwitz des Massenmordes spiegelt sich in dieser schauderhaften Unnatur. Die„Heldin“, die den Mann zum Kampf anspornt oder gar selber zur Waffe greift, findet man bei vielen Völkern. Die Frauen der Germanen verteidigten mit dem Schwert die Wagenburg, wenn ihre Männer geschlagen waren. Viel früher besangen die Juden, die nach ihrer geschichtlichen Ueberlieferung ein sehr kriegerisches Volk gewesen sind, ihre Heldinnen. Da ist Judith, die des nachts zu dem Belagerer ihrer Vaterstadt Bethulien ins Zelt kommt und, nachdem sie sich dem Holofernes hingegeben hat, dem Trunkenen den Kopf abschlägt. Und da ist ferner Jael, die, nach dem 4. Kapitel des Buches der Richter, den flüchtigen Feldherrn Sisera in ihre Hütte lockt, ihm zu trinken gibt und ihm dann, als er erschöpft eingeschlafen ist, einen Nagel durch die Schläfe treibt, „daß er in die Erde drang". Triumphierend zeigt sie den Ermordeten dem Führer der Israeliten, Barak. Beide, Indith und Jael, ermorden einen wehrlosen Feind im Schlafe. Von Tomyris, der Königin der Skythen, wird erzählt, sie habe dem Perserkönig Kyros das Haupt abschlagen lassen und dieses Haupt in einen Schlauch voll Blut getaucht,„damit er sich endlich einmal an Blut sattsaufen könne". Aehnlich Salome, die ihrem Stiefvater Herodes das Haupt Johannes des Täufers auf einer Schüssel präsentiert.„ins Mdm vun; wohe wiammen Di. Verbrecherin und„Heloin rucken ganz nahe zusammen. Die verderblichste Art grausamer Frauen aber sind jene Königinnen, die sich nicht mit einzelnen Mordtaten begnügt haben, sondern Hunderte und Tausende, ja Zehntausende von Menschenleben vernichteten. In langer Reihe ziehen sie an unserm geistigen Auge vorüber: angefangen von jener sagenhaften Semiramis, der Gründerin von Babylon, die zu einem Typus geworden ist, so daß im 18. Jahrhundert nach Katharina II. von Rußland, genannt die„Große“, von ihren Schmeichlern als die„nordische Semiramis“ gepriesen wurde. Ihre Untertanen haben sie nach ihrem Tode zu göttlichen Ehren erhoben und als Istar oder Astarte angebetet. Sie soll an der Spitze ihres Heeres die Mauern feindlicher Städte erstiegen und alles vor sich her niedergemacht haben. Aber sie hatte noch eine andere Spezialität: sie ließ die unzähligen Liebhaber, die sie genoß, am Morgen nach der Liebesnach umbringen. Diese merkwürdige Laune teilte sie mit„Isabeau de Bavière", die Schiller in der„Jungfrau von Orleans“ auftreten läßt. Isabella war die Tochter eines Herzogs von Bayern. Mit 14 Jahren wurde sie an den schwachsinnigen Karl VII. von Frankreich verheiratet, der schon 7 Jahre darauf in unheilbaren Wahnsinn verfiel. Seit 1392 regierte sie an seiner Stelle mit ihrem Liebhaber, dem Herzoa von Orleans bis zu dessen Ermordung und verbündete MUngre Von Oswald Boldt sich später mit den Landesfeinden, Johann von Burgund und Heinrich V. von England, gegen den eigenen Sohn. Sie muß ein wahres Scheusal gewesen sein. Nicht viel sympathischer, ja, in der Vernichtung von Menschenleben noch furchtbarer, war eine andere französische Königin, die Nichte des Papstes Clemens VII., die Italienerin Katherina von Medici. Während sie für ihren minderjährigen blöden Sohn Karl IX. die Regierung führte, plante sie gegen den Führer der Protestanten, Gaspard de Coligny, ein Mordattentat und als dieses mißglückte, ließ sie in der Nacht darauf, in der berüchtigten„Bartholomäusnacht" des Jahres 1572, 2000 Hugenotten in Paris und 30 000 in den französischen Provinzen niedermetzeln. Zeitgenossen berichten, wie Katharina an der Spitze ihrer Hofdamen durch die Gassen der Stadt spaziert sei und sich am Anblick der verstümmelten Leichen ergötzt habe. Dieser Vorfall, so unglaublich er klingt, ist nicht vereinzelt. Nach der Schlacht von Leipzig hat man Damen aus gutbürgerlichen Familien beobachtet, die ihre Sensationslust zwischen den Haufen von Toten und Verwundeten befriedigten. Frankreich hat seine gekrönten Megären immerhin aus dem Auslande bezogen— aus Bayern und Italien. England dagegen war in der Lage, den Bedarf im Inland zu decken. Zwei Marien sind besonders zu erwähnen: die„blutige Maria“ und Maria Stuart, deren Charakter von Schiller gründlich verzeichnet worden ist. Die eine ist mit 42, die andere mit 45 Jahren, und dazu noch auf dem Schafott gestorben. Die„blutige Maria war eine Schwester der„jungfräulichen“ Königin Elisaberh und hat sich vor lauter Begeisterung für die„alleinseligmachende Kirche“ mit Philipp II. von Spanien vermählt, der aber von dieser Auszeichnung herzlich wenig Gebrauch machte. Sie suchte ihre protestantischen Untertanen mit den bewährten Methoden der spanischen Inquisition von ewiger Verdammnis zu retten: 270 Engländer starben innerhalb von drei Jahren auf dem Scheiterhaufen. Das Volk von London, das sich gegen ihre gewaltsamen Bekehrungsversuche auflehnte, wurde niedergeschossen und niedergestochen. Maria Stuart, die mit ihrer Schönheit alle Männer betörte— selbst noch den Henker, der zweimal danebenhsb, ehe er ihr den Kopf vom Rumpf trennte— hat ihren ersten Gatten Darnley, weil er aus Eifersucht ihren Privatsekretär Rizzio umbringen ließ, durch ihren Liebhaber Bothwell erwürgen und sein Haus in die Luft sprengen lassen und den Mörder dann in doppelter Ausfertigung auf katholisch und evangelisch, geheiratet. Da ist eine kleine Blütenlese von gekrönten Bestien, die mit Ausnahme der Maria Stuart, der die Rivalität mit Elisabeth den Kopf kostete, alle straflos ausgegangen sind, in Zeiten, die mit der Todesstrafe äußerst freigebig waren. Ganz anders verfuhr man mit einem Weibe aus dem Votk. In Dijon in Frankreich sollte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein Mädchen, dem sein uneheliches Kind entführt worden war, ohne jeden Schuldbeweis wegen Kindsmords geköpft werden. Der Henker bat das Mädchen weinend um Vergebung und schlug mit dem Schwert daneben. Da ging seine Frau, die ihm als Gehilfin diente, erst mit einer Schere auf die Delinquentin los, dann versuchte sie ihr an den Stufen des Schafotts den Kopf zu zerschmettern. Da bemächtigte sich der Zuschauer sinnlose Wut. Mit Steinwürfen und Stockschlägen wurde das unmenschliche Weib gelyncht. So endete die erste Henkerin in Frankreich. Und heute melden sich in den Vereinigten Staaten Frauen für den Henkerberuf. Die Göttin Astarte stirbt nicht... Hermann Hieber. Das letzte Pferd galoppierte mit seinem Reiter aus der Manege. Der Direktor des Zirkus Casper verbeugte sich immer wieder vor dem beifallspendenden Publikum. Drei tiefe Gongschläge kündeten die Hauptattraktion des Abends an. Von sechs Schimmeln gezogen rollte in die Mitte der Manege ein großer Käfig, hinter dessen Gittern ein riesenhafter Orang Utang mit melancholischen Augen das Publikum anstarrte. In dem Programm war besonders hervorgehoben, daß das Tier vor zwei Jahren im Urwald gefangen und unter den größten Schwierigkeiten gezähmt worden war. Die Musik setzte aus und unter lautloser Stille betrat der Dompteur den Zwinger. Starr hefteten sich seine Augen auf die Bestie, und wie unter Zwang ging das Tier auf seinen Meister zu und reichte ihm die beharrte Tatze. Programmäßig wickelte sich der Dressurakt ab und als zum Schluß der Dompteur einen Ringkampf mit dem Orang Utang inszenierte, indem er das Tier ganz nach den zwischen Ringkämpfern üblichen Formen warf und mit beiden Schultern auf die Erde drückte, nahm der Beifall kein Ende. Ganz vorn, in einer der Logen, hatte Gerda mit ihrem Verlobten der Vorstellung beigewohnt. Als der Orang Utang hereingefahren wurde, waren die Augen des Tieres, in denen die große Einsamkeit des Urwalds lag, so schien es ihr, an ihr haften geblieben und hatten sie nicht mehr losgelassen. Wiederholt wollte sie ihren Verlobten bitten, mit ihr fortzugehen, aber sie konnte ihm doch nicht sagen, daß das wilde Tier im Käfig sie mit seinen Blicke verfolge. Aber, selbst wenn sie gewollt hätte, sie vermochte sich nicht von den Augen des menschenähnlichen Affen loszureißen. Als das Tier nach dem Dressurakt wieder herausgefahren wurde, durchrieselte es Gerda eiskalt vor dem höhnisch=triumphierenden Blick, den es ihr zuwarf..... mit k.inam mansck enähur a. Gerda fühlte, daß sie diesem Tier, mit seinem menschenahnuchen Aussehen, verfallen war, und daß der Augenblick nicht fern war, wo es sich seine Beute holen würde. Es gab kein Entrinnen mehr für sie. Das Grauen drohte über ihr zusammenzuschlagen. Am nächsten Nachmittag stand Gerda am Fenster ihres Zimmers und starrte in den regnerischen Novembertag. Langsam entzündeten sich die Laternen und die aus den Büros und Geschäften kommenden Angestellten hasteten vorüber.„„ Worauf wartete sie? Ein unerklärlicher Zwang ließ sie hinausstarren. Auf das Schreckliche warten, das kommen mußte. Die ersten Zeitungsverkäufer liefen die Straße entlang und schrien die Ueberschrift der Abenozeitung aus. Atemlos lauschte Gerda. Jetzt kam die Stimme auf der Straße näher, nun hörte sie dentich: 9.." 4941 Drang Plane Hei„Nachtausgabe! Tempol Achtuhravenbolalt! Drang utang beim Füttern entsprungen! Das Rufen des Verkäufers verscholl in der Ferne. Gerda wollte fliehen, unter Menschen, die sie schützen sollten. Aber wozu! Es würde doch zwecklos sein. Ueberdies trugen sie ihre Füße nicht., enseshat und um ein schrunchDas Zimmer war ganz in Dunrelheit uno nur ein schwacher Lichtschein der Straßenlaterne beleuchtete das geisterhaft bleiche Gesicht des Mädchens, die unentwegt am Fenster stand und auf ihr Schicksal wartete. Ein leises Tappen vor der Tür wurde hörbar— kam näher. Geräuschlos öffnete sich die Tür und eine Gestalt schlich durchs Zimmer. J4. Sm 8lie m2 unc. Gerda sah und hörte nichts. Iyr starrer Blck war noch immer auf die Straße gerichtet.„ 6. Als sie plötzlich von zwei Armen umschlungen wurde, kam kein Laut von ihren Lippen, nur ihre Hand fuhr unwillkürlich zum Perden....„ Hmm Eämen Leimr m. J. 8 Hans Berg hielt den leblosen Korper seiner Braut in den Armen. Von der Straße schallte das dumpfe Rufen der Zeitungs„Nachtausgabe! Tempo! Zweite Ausgabe! Entflohener Orang Utana im Tergarten erschossen!" Nachdruck verboten. (23. Fortsetzung.) Heute hatte Bremm keine Augen für den Frieden seiner Umtebung und für ihre Schönheit. Er bohrte in sich hinein. Alles var aufgereizt, Empfindungen angestachelt, die er bis jetzt noch nicht zehabt; oder sie hatten geschlafen. Er war unzufrieden und bitter. hatte man dafür von Jugend auf schwer gearbeitet, daß man jetzt, ein Mann in der Mitte der Vierzig, ein Mann mit Weib und mit vielen Kindern, sich sagen mußte: du hast umsonst gearbeitet. Denn umsonst hat der gearbeitet, der mit jedem Jahr, statt vorangekommen zu sein, zurückgegangen ist. Wenn der Krieg nicht gewesen wäre— ja, wenn! Der hatte alle geschädigt. Am meisten das besetzte Gebiet, und im besetzten Gebiet am meisten den Weinbauer. Ging es wohl noch einem Stand so, wie dem von Gefahren aller Art bedrohten Winzerstand, der von Gunst und Ungunst der Witte rung ebenso abhängig ist wie von dem Geschmack, der Zunge, das Publikum hat. Den Einundzwanziger, den köstlichen zwanziger, den wollten sie schon nicht mehr? Man verkaufte ihn deshalb nicht? O, saudumme Bande. Die Wut überkam Bremm. Mit schweren Tritten stampfte er in sein Haus und schlug krachend die Tür hinter sich zu. Er schob den Riegel vor: es brauchte keiner zu ihm mehr herein. Den Feiden sollte der Teufel holen, der hatte ihn in seinem Fuder zu sehr gekränkt. In stummem Zorn setzte er sich in die Stube, stützte den Ellbogen auf den Tisch und den schweren Kopf in die Hand...„ g. 8.6an4#, Scheu sahen die älteren Kinder nach ihm hin, sie geyorchren gern, als die Mutter der Pauline zuflüsterte:„Bring die Kleinen zu Bett, und dann geht selber auch schlafen, der Vater is ungut.“ Still setzte sich Anna in einer Ecke hin. Sie, hegbachtet: ihren Mann: sollte sie was zu ihm sagen? Sein Gesicht hutte viele Falten, sein Mund war fest eingekniffen, sie sah, wie stummzornig er war. Sollte sie sagen:„Warum biste so bös? Du machst dir et noch viel schwerer, wenn du so bös bist.“ Aber sie traute sich bicht us nur nicht ihn reizen! Ach. er wäre längst nicht so mißgestimmt, wenn er nicht auf sich selber so böse sein müßte. Er hatte nicht verkauft, so oft sie ihn auch darum gebeten hatte, nun möchte er sich ohrfeigen dafür. Der arme Mann! Es war ein Denkzettel, den er gekriegt hatte. Daß es wirkilch so sein könnte, ganz so, wie der Feiden gesagt hatte, das aber glaubte die Frau nicht. Was die immer alles reden, die billig kaufen wollen! Der Feiden würde schon wiederkommen. Nun die Bremm die erste Enttäuschung verwunden hatte, regte ihr Mut sich wieder, gehoben durch ihren Glauben: der Helfer erschien, wenn die Stunde dazu gekommen war. Nur nicht verzagen! Sie sagte sich das, und doch war sie heute nicht so tapfer wie sonst wohl. Auch sie saß in sich zusammengesunken, und als ihr der Schlaf kam, saß sie noch immer so, beide Ellbogen auf den Schoß gestützt und den müden Kopf mit geschlossenen Augen zwischen die Hände gelegt.— Die Stube ging nach der Straße hinaus. Es wurde allmählich still, so still, daß kein Laut von draußen die drinnen Insichversunkenen aufstörte. Langsam wandelte der Mond, die Schar seiner Lämmer war vollzählig, aber er zog sich, nachdem er erst eine Weile auf den Fluß geleuchtet und jede dämmernde Welle versilbert hatte, hinter den Berg jenseits der Mosel zurück. Da lugte er nun über die Kante, machte die Wand des Kirchleins schneeweiß und die kleinen Kreuze des Kirchhofs merkwürdig groß und bedeutend. Es wurde grau unten im Tal, die Sterne leuchteten nicht so stark, daß sie alles erhellt hätten. Frau Bremm ermunterte sich, sie stand auf und steckte die Hängelampe über'm Tisch an— vielleicht daß Bremm nun sagen würde:„Et is spät, wir wollen zu Bett gehn.“ Aber er rührte sich nicht. Da schlich auch sie wieder auf ihren Platz zurück und versank halb in Schlaf, halb in Träumen.—— Was war der Joseph doch für ein hübscher Knabe gewesen, fast so hübsch wie die Maria! Keines von den anderen Kindern kam den beiden gleich. Wie das heilige Kind im Schoß der Maria hatte er in der Wiege gelegen— merkwürdig schöne Augen hatte er, tiefblickend und so verständig— wer hätte denken können, daß er ihnen einmal soviel Kummer machen würde?! Aber zu ihr war er eigentlich doch lieb gewesen, wenn sie es heute bedachte, zu ihr immer sehr lieb. Und oft, wenn er dem Vater etwas nicht eingestehen wollte, hatte er sich hinter sie gesteckt. Ach, er war im Grunde ein guter Jung, nur leichtlebig und konnte sich mit dem Vater nicht recht verstehen! Aber er würde ja wiederkommen, sicherlich wiederkommen, und dann würde Bremm milder sein— ach, sie wußte ja, daß ihm neben all dem anderen auch der Joseph im Kopf berumging— und dann war wieder alles gut! Es überlief sie ein Schauer; der Schauer der auzu großen Müdigkeit, in der man friert. Oder war's ein Schauer von Bangen und Hoffnung zugleich? Sie senkte wieder den Kopf in die Hände. Dumpf schlug die alte Uhr, die schon Eltern und Großeltern die Stunde angesagt hatte, sie merkten es nicht. Sie merkten es auch nicht, daß draußen im sich verdunkelnden und später werdenden Abend einer stand und durchs Fensterchen in die vom Lampenlicht hellgewordene Stube hineinsab. Zwei dunkle Augen spähten, hafteten lange auf der zusammengesunkenen Gestalt der Frau und wanderten dann zu dem Mann am Tisch hin. Was für ein hartes, von Grimm zerwühltes Gesicht war das! Nein, mit dem Mann da war kein Auskommen! Wie eigensinnig er aussah, so böse! Der Spähende draußen schüttelte sich: die arme Frau, die hatte nichts zu lachen, und die Kinder in ihrem Haus, ach, die auch nichts, Und er, wenn er jetzt hineinging und sagte: Da bin ich— aber ich hab' keinen Groschen Geld, keinen einzigen Guldenzettel der rheinischen Republik mehr. Und wo ich anfrag, find' ich keine Arbeit, es is, als ob sie's einem anriechen, es wittern: vielleicht auch einer von denen! Wenn er nun, da er nicht mehr wußte wohin, wieder zu Hause ankam, was würde der Vater ihm dann tun—?! Nein, er traute sich nicht. Joseph Bremm stand lange vorm Fenster, er beobachtete Vater und Mutter. Beim alten Ohm hatte er zuerst angeklopft— vielleicht, daß er von dem erfahren konnte, wie die Stimmung zu Hause war— aber Jakob Bremm hatte nur einen flüchtigen Blick durchs Schiebfensterchen der Tür auf ihn geworfen und sogleich verdrossen gebrummt:„Macht, dat Ihr weiter kommt, ich geben nix.“ Er hatte nicht aufgemacht und auf kein Klopfen mehr gehört. Wie, sah er denn so aus, daß man ihn für einen Landstreicher halten konnte? Joseph sah mit einer gewissen Betroffenheit an sich herunter: weiß der Kuckuck, woher die Zerlumptheit kam? Am Ellbogen hing ein Fetzen herab, da hatte ihn der Hund gepackt, als er an einem Hof um etwas Essen angesprochen hatte — Hunger tut weh. Und die Hose hatte das Beest ihm auch zerrissen: bis ins Fleisch spürte er die scharfen Zähne. Nein in dem Aufzug konnte er sich wahrhaftig nicht zeigen, da hatte er von vornherein ausgespielt, der Vater hatte es ja immer prophezeit:„Du kommst noch in Lumpen.“ Oh, nur zu wahr gesprochen! Der hungrige junge Mensch seufzte tief. Er getraute sich nicht hinein, und doch stand und stand er. Wenn die Mutter doch einmal herauskäme! Aber die kam und kam nicht. Und wenn sie auch herausgekommen wäre, sie konnte ja nichts tun ohne den Vater. (Fortletzung 1 — Allerlei Frauenerlebnisse in fremden Ländern Ae C„ Ms L Esttita— Spanien— fürkei Vielueiberei in China Kürzlich wurde ein reicher Chinese zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sich für den ansehnlichen Preis von 3000 Dollar eine dritte Frau genommen hatte. Diese Nachricht wird manchem „chinesisch“ vorkommen. Von der Vielweiberei in China hat man eigentlich bisher wenig gehört. Aber schon zu des Konfuzius Zeiten war es einem Manne gestattet, mehrere Frauen zu nehmen. Als vornehmste Pflicht eines Mannes galt es nämlich, einen Erben zu hinterlassen. Gebar die Frau nur Töchter, so nahm sich ihr Mann eine zweite oder dritte Frau, um von seinen Kebsweibern einen Sohn zu bekommen. Schließlich artet diese Sitte in eine üble Angewohnheit aus, und die Zahl der Nebenfrauen wurde nur beschränkt durch das Einkommen des Mannes. Vor allem waren es die höheren Beamten, aber auch die Offiziere des chinesischen Heeres, die sich den Luxus mehrerer Frauen leisteten. Es war durchaus nicht ungewöhnlich, daß jemand, um seinen Vorgesetzten zu irgendeinem persönlichen Zweck zu beeinflussen, diesem ein hübsches junges Mädchen zum Geschenk machte. Manche reichen Chinesen schufen sich geradezu einen Harem, und der berüchtigte Räuberhauptmann Changschung=chang hatte nicht weniger als fünfzehn Kebsweiber! Der unheilvolle Einfluß dieser Unsitte äußerte sich in sozialen Mißständen aller Art. Mehrfach wurden höhere Beamte in peinliche Skandale verwickelt, und so wird von aufgeklärten chinesischen Frauen gegen das Kebsweibertum ein heftiger Kampf geführt. Einen Verbündeten haben die Frauen in dem General Han=fu=chu gefunden, der die Vielweiberei mit empfindlichen Freiheitsstrafen belegt. Spanisches Reiseerlebnis Ichfuhr von Murcia nach Granada. Ich warne hiernit jedermann, ein Gleiches zu tun. Vierzehn Stunden dauert die Fahrt. In einem Schneckentempo geht es vorwärts. Die Bänke sind hart. Alles klebt von Schmutz. Ich fuhr dritter Klasse. Denn das muß man tun, wenn man in einem fremden Lande reist. Außerdem ist erstet auch nicht viel besser, aber wesentlich teurer. Sehen Sie: ich bereue nicht, dritter Klasse gefahren zu sein. Von Murcia nach Granada. Eine Frau mit einem Kind saß im Abteil. Ich las„La Nacion“. Legte das Blatt dann neben mir auf die Bank.— Da fing das Kind zu schreien an. Die Frau sah mich liebenswürdig an, fragte„Erlauben Sie?" und nahm„La Nacion". Breitete sie, ohne meine Antwort abzuwarten, auf dem Fußboden aus. Knöpfte dem noch immer schreienden Kinde die Hose auf. Setzte es auf die Zeitung. Halten Sie sich die Nase zu, lieber Leser, wie ich es tat! Als es geschehen war, packte die Frau„La Nacion“ an den vier Enden graziös an, drehte die Ecken zusammen, so daß eine Art Papierbeutel entstand, und warf diesen wie eine Handgranate zum Fenster hinaus. Dann fing sie an, sich eine Apfelsine zu schälen, natürlich nicht, ohne mir davon anzubieten... Es wäre ungerecht, zu verschweigen, daß die Frau schön wie eine Madonna von Murillo war.... K. M. Die moderne Türkin Noch vor zehn Jahren hätte es in Konstantinopel eine Revolution entfesselt, wenn eine Frau es verlangt haben würde, öffentlich als Richterin aufzutreten. Seit einigen Tagen ist nun auch das vom türkischen Standpunkt aus Unerhörte eingetreten, und der Entwicklungsprozeß des muselmanischen Reiches vom Mittelalter zur Neuzeit hat damit einen gewissen Abschluß gefunden. Besonders innerhalb der letzten sieben Jahre hat die türkische Frau eine Kulturentwicklung durchgemacht, die in den übrigen Ländern fast ein halbes Jahrhundert beanspruchte. Noch im März des Jahres 1918 wurde an den Mauern von Konstantinopel ein heute grotesk anmutendes Polizeidekret angeschlagen, in dem den Frauen das Tragen kurzer Röcke verboten und das Umlegen dichter Schleier vor das Gesicht zu unbedingter Pflicht gemacht wurde. Man kann sich deshalb vorstellen, welches Maß von Entrüstung es hervorrief, als wenige Jahre nach Erlaß dieses Anstandsdekretes ein Muselmane mit einer jungen, unverschleierten Frau mit kurzen Haaren und kniefreiem Rock Arm in Arm am hellichten Tage durch Angora spazierte. Diese Türkin, der alle Welt mit offenem Munde nachstarrte, war Latife Hauum, eine Vorkämpferin der türkischen Frauenrechte, und der Mann, der sie unter den Arm gefaßt hatte, war ihr Verlobter, Mustapha Kemal, der spätere Präsident der türkischen Republik. Der Schreck der Mucker und Spießbürger wurde noch größer, als die Verlobten später in europäischer Kleidung zum Standesamt gingen und sich in aller Oeffentlichkeit ohne Einhaltung der muselmanischen Zeremonien trauen ließen, um so durch ein entscheidendes Ereignis jahrhundertalte Vorurteile umzustoßen. Es gab damals einen schönen Skandal. Man prophezeite den Untergang des Morgenlandes und rief Allah— sein Name sei gepriesen!— als Zeugen des Sittenverfalls an. Aber die Umwertung aller Werte im einstigen Lande der Sultane ließ sich eben nicht länger aufhalten. Die Entschleierung des Orients nahm unter Mustapha Kemals, des„Ghazis“, Initiative einen rapiden Verlauf. Er besuchte mit seiner Frau öffentlich Restaurants, Kaffeehäuser und Theater und erklärte dem Schleier Krieg bis zur Vernichtung. Im Jahre 1923 sagte der Präsident der türkischen Republik in seiner berühmten Rede in Ineboli:„Auf der Straße sieht man immer noch Frauen, die ihr Gesicht verschleiert tragen oder es mit einem Taschentuche verdecken, wenn ein Mann vorübergeht. Was sind das für Manieren? Es ist höchste Zeit, daß diese Unnatürlichkeiten aufhören und wir uns wie Angehörige zivilisierter Völker benehmen“. Einige Tage darauf fand die historisch gewordene Abendgesellschaft für das diplomatische Korps statt, aus der zum ersten Male in der Geschichte sich die kürkischen Frauen öffentlich unverschleiert zeigten. Diesem ersten, symbolischen Siege der Neuzeit über das Mittelalter folgten weitere Umwandlungen in den Sitten der Frau des Orients. Heute, sieben Jahre später, besitzt die moderne Türkin alle Rechte, wie ihre europäische Schwester. Seit einigen Wochen steht ihr auch das Wahlrecht zu. Die Ehegesetzgebung wurde von Grund auf reformiert. Früher konnte eine Frau von ihrem Manne durch seine einseitige Verfügung verstoßen werden und mußte zegen Erhalt einer Abfindungssumme zu ihren Verwandten zurückkehren. Der Frau andererseits stand das Recht der Scheidung nicht zu. Auch die Kinderheirat war erlaubt. Neunjährige Mädchen konnten mit alten Männern verheiratet werden. Die Einführung des Schweizerischen Bürgerlichen Geseßhuches in der Türkei im Jahre 1926 machte der Stellung der kürkischen Frau als Handelsobjekt ein Ende. Die Vielweiberei wurde abgeschafft, das Ehealter auf siebzehn Jahre heraufgesetzt und die Ehe auch mit Richt-Muselmanen gestattet. Alle Berufe stehen heute der Türkin offen. Im vorigen Jahre wurde der erste weibliche Rechtsanwalt, vor wenigen Tagen zum ersten Male in der türkischen Geschichte eine Richterin bei einem Gericht in Konstantinopel zugelassen. In allen staatlichen und städtischen Aemtern, in allen Geschäften findet man weibliche Angestellte. Viele junge Mädchen studieren an den Universitäten in der Heimat oder in Berlin, Wien, Heidelberg, Paris usw. Selbst eine Reihe türkischer Aerztinnen gibt es heute schon. Gewiß, auf dem Lande hält hier und da die Bevölkerung noch an den alten Sitten fest. Aber was will das bedeuten? Die großen Linien sind vorgezeichnet. und sie entscheiden. Innerhalb von sieben Jahren hat die türkische Frau die Gleichberechtigung mit dem Manne erreicht. Sie ist stolz darauf und wird sich ihre Rechte nicht mehr rauben lassen. Smutje, der Schiffskoch Jedes Segelschiff hat drei Pole, um die sich das Leben, das Wohl und Wehe an Bord dreht. Das sind der Alte—, das heißt: der Kapitän!—, dann der Steuermann, und der wichtigste Pol ist Smutje, der Koch. Ist Smutje guter Laune, dann lacht das ganze Schiff und die Matrosen singen und spielen Ziehharmonika in ihrer Freiwache vorn auf den Planken oder im Logis in der Back. Nur flöten tun sie nicht, denn dann kommt die Brise, der Sturm; denn abergläubisch ist der Seemann nun einmal. Aber wehe, wehe. wenn Smutje schlechter Laune ist! Dann kommen mittags angebrannte Klüten— scheelen Wind, wie der Seemann sagt— auf die Back. Dann knurrt der Alte an Deck herum, dann fluchen die Matrosen, und dann schweigen Gesang und Handharmonika. Und Smutje bekommt leicht schlechte Laune und Aerger, besonders, wenn draußen eine hohe See steht und die Wellen über Bord gehen. Mit hellen, steifen Segeln war die„Ingeborg“ von Kiel losgefahren, hatte Falster, Möen und Gotland hinter sich gelassen und lag nun hart am Wind und steuerte Oeland=Süd hart an. Smutje saß friedlich in der Kombüse und schälte Kartoffeln. Heute hatte der Alte Geburtstag; da sollte es ganz etwas Feines geben: Erbsen und Karotten; das ißt der Alte gern, denkt Smutse.„Olle nische Eck hier um Oeland=Süd. Hier habe ich schon manchen Tag gekreuzt in Schnee und Nebel. Diesmal scheint's ja gut zu gehen.“ Dann nimmt er seine Kartoffeln, setzt Wasser auf, schiebt das Feuer zurecht und schneidet den Speck. Da kommen auch schon die ersten Spritzer angeschlagen. Smutje läßt sich nicht stören macht die Tür im Luv zu und kocht lustig weiter. Zwei Stunden sind es noch bis Mittag. Das geht alles klar. Im Geiste hört er schon die Wache aussingen„An de Back, her de Back, klar de Back! Gibt Erbsen und Karotten.“ Nun stampft die„Ingeborg“ schon mehr. Der Wind wird stärker und der Kessel rutscht auf dem Herde hin und her. Halt! beinahe wäre er eben vom Feuer gefallen. Smutje hat die Aermel aufgekrempelt. Mit der einen Hand hält er den Topf mit Erbsen, mit der anderen den mit Kartoffeln. Der Wind drückt auf den Schornstein und der Rauch beißt Smutse in die Augen. Immer mehr Seen schlagen gegen die Tür. Smutje hält tapfer aus, tränenden Auges. Klapp— brrr— rutscht die Pfanne vom Herd, und das heiße Fett kommt Smutje über die Füße gelaufen und steht zentimeterhoch in seinen Holzschuhen. Da wird Smutje aber wild, reißt die Tür auf und läuft in Strümpfen zum Alten. So, nun solle er man Essen kochen; Smutje könne bei der See kein Essen klar bekommen. Der Alte hat Mühe ihn zu beruhigen. Er solle doch die Töpfe festbinden, und wenn das Essen etwas später fertig ist, dann wäre es auch nicht so schlimm. Er sei doch ein guter Koch und immer pünktlich gewesen. Smutie geht brummend wieder in die Kombüse. Gott sei Dank, die Kessel stehen noch auf dem Herd und sind nur etwas verschoben. Smutse kneift die Augen zu. flucht vor sich hin und versucht, den neuen Speck zu schneiden. Aber soweit kommt er nicht mehr. Er wird zur Seite geschleudert. Eine mächtige See kommt herangebraust, zwängt sich durch die Tür, drückt Smutse gegen die Wand, zischt gegen den Herd und rauscht auf der anderen Seite wieder hinaus mit dem ganzen Geburtstagsessen, mit Pfannen und Töpfen, Messern und Gabeln Tassen und Tellern. Smutje erhebt sich stöhnend; die Knochen tun ihm weh. Ein Glück, denkt er, daß ich nicht auch noch über Bord gespült bin! Verfluchten Kram nochmal mein schönes Geschirr, mein schönes Essen! Dann gab es fünf Tage lang nur steinhartes Brot und etwas Käse zum Mittagessen. Der Alte knurrte an Deck herum, der Steuermann fluchte auf die Matrosen und diese wieder auf den Steuermann, wenn er es nicht hörte. Nichts war dem Alten recht zu machen. Die Backschaft mußte tagelang Rost klopfen und noch einmal Rost klopfen. Das ganze Schiff knurrte; wie gesagt. Smutje hatte Aerger. Heino Küster. Töricht haschen wir auf Erden nach des Glückes Irrlichtschein: wer sich quält, beglückt zu werden, hat die Zeit nicht. es zu sein. Nikolaus Lenau. Hongkong schweigt Von Charles Cane „Sunyatsen ist tot.“ Seit gestern ist das rot unterstrichene Radiogramm am Hauptmast angeschlagen. Weiter keine Meldung als diese eine. Aber diese eine ist drohend und gefährlich; drohender und gefährlicher, als es alle vorhergehenden waren. Was wird geschehen? Diese Frage steht unausgesprochen in allen Gesichtern. Bis zum Horizont liegt der Indische Ozean reglos. Keine Dünung wirft blaue, sanfte Streifen. Der Himmel ist schwer von unförmigen Wolken und lastet auf uns wie die Luft in einer Badekabine; er hüllt uns in einen dichten, von warmem Wasser gesättigten Schleier. Einzelne Passagiere stelzen an Deck herum und bleiben irgendwie gebannt in der Nähe des weißen, flatternden Radiogramms, über das man in wenigen Minuten die neuen Meldungen aus China heften wird. Tag um Tag umreißen die Nachrichten die Entwicklung des Dramas genauer: es nimmt mehr und mehr Gestalt an und ist plötzlich entsetzliche Drohung geworden. Was wird Hongkong heute melden? Hongkong!— Da liegt die Insel auf der Karte, dunkel und deutlich. Ein Riegel vor dem Perlstrom, an dem sich Kantons graue Masse erstreckt, kaum Schußweiten von englischen Festungsgeschützen entfernt. Hongkong, der Schlüssel zum verschlossenen Reiche: China. Wenn Hongkong zum Rang eines bedeutungslosen Küstenhafens herabgedrückt wird, so heißt das eben, daß China die Waffe gefunden hat, Europas Herrschaft dem Zusammenbruch entgegenzutreiben. Unser Dampfer stampft weiter. Singapore liegt hinter uns und wir nähern uns Saigon. Irgendwo in weiter, unbestimmbaret Ferne liegt Hongkong, das immer noch hart schweigt. Letzt uneniwegte Passagiere warten noch an Deck auf Nachrichten, aber es kommen keine. Es ist so, als sei diese Stadt auf einem anderen Planeten. Man könnte meinen, die Angst um das Wissen müsse um so größer werden, je näher wir dem Ziele kommen. Keineswegs. Wie Betäubung liegt es über dem Dampfer. Von Stunde zu Stunde, während wir mit schweißperlendem Leib in den Saigonfluß einfahren und im dichten Dunst der Steilböschungen atmen, wird Hongkong wirklicher, ist nicht nur Name mehr, sondern ein Ort. Dort irgendwo im Meer; ein steinernes Requisit englischer Macht. Unsere Nervosität um diese Stadt wird mechanisch wie der Gang des Schiffes. So gehen wieder Stunden, aber Hongkong schweigt.— Vielleicht wird man in Saigon Nachricht finden; diese Hoffnung kröstet uns. Stille— vollkommene Stille— und die Sterne.— Dschunken fahren vorbei, ein wenig unterhalb von uns, im Strome treibend, gegen den wir fahren. Aber es ist still und lautlos. Es ist nichts Französisches Oreisausschreiben für Schullesebücher In Frankreich hatte kürzlich eine Vereinigung einen Preis ausgeschrieben für das beste Schullesebuch für Kinder. Es gingen sehr viele Bewerbungen ein, und es wurden) eine ganze Zahl von Preisen verteilt. Den ersten in Höhe von 5000 Franken erhielt Richard Avil, den zweiten von 3000 Franken Gaston Dumoulin, den dritten in Höhe von 2000 Franken eine Frau, Madame Marie Nabert. Die Schaffung möglichst mustergültiger Schullesebücher die auch der neuen Zeit Rechnung tragen, dürfte jedenfalls als eins der zweckmäßigsten und nachahmenswertesten Ziele von Preisausschreiben zu gelten haben. Er braucht sich nicht su opfern Nach einer alten englischen Sitte küßt der Pastor die Braut. Nelly erklärt:„Ich will nicht vom Pastor geküßt werden.“ Der Pastor teilt ihr daraufhin mit:„In diesem Fall ermäßigt sich die Traugebühr um fünf Schilling.“ Irdisches mehr in den zackigen Gebirgen um uns, in dem lautlosen Wasser, das nicht klatscht und nicht gurgelt, in diesem gestorbenen Strome, der in die Nacht hinauszieht wie ein Blinder. Wir sind seit Stunden im offenen Meere. Links gleitet Hainan vorüber, ein schwarzer, toter Streifen am Horizont. Irgendwo weit liegt der Felsen Hongkong und dahinter ein Land und ein Volk, das erwacht. Es kommt bei einem Volke nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf die Quantität an. Wir kennen nicht das Gesetz von der Verteilung der Genies, aber je kleiner ein Volk ist, um so weniger wird es von solchen schöpferischen Kräften zugeteilt bekommen. Doch ein Volk in Stagnation ist klein und arm, wie es China war. Jetzt aber erwacht es und die ungezählten Millionen werden schöpferisch. Vor Tagen wurde Sunyatsen ermordet. Was wird in China werden?„Generalstreik erklärt.“ England wird an seiner empfindlichsten Stelle getroffen. Am Abend ist endlich Hongkong erreicht. Wir fahren in die Reede ein. Langsam am Leuchtturm vorbei, der steil und hager an der Hafeneinfahrt steht. Auf dem Wasserspiegel zeichnen Linien von elektrischen Lampen in leuchtender Punktierung die Umrisse von Hafenkneipen. Darüber eine graue Masse Feld; am Fuße tiefschwarz, von kleinen, irisierenden Lichtpunkten überströmt. stuft er sich heller werdend in den Himmel und rundet seinen Gipfel in einen Doppelhöcker, um den leichter, weißblauer Nebel schwimmt. Man sieht von der Stadt nichts als eine unwirkliche Masse schattenhafter Häuser, die ineinander verkettet und verbohrt erscheinen. Schwache Lichtfetzen dazwischen, die den Pie hinaufklettern, um sich endlich in den Sternen zu verlieren. Matrosen tragen in schlingerndem Gange das Gepäck der Passagiere an Land. Kein Kuli, kein gelbes Gesicht— niemand ist am Quai. Hongkong streikt. Die Stadt ist wie tot. Man geht in die Hauptstraße. Das ganze Leben der Insel konzentriert sich für gewöhnlich hier. Heute liegt die Straße verlassen und schweigend da. Zwei englische Khakiuniformen mit Coltpistolen gehen stumm vorbei. Es ist drückend heiß geworden. Aus dem Asphalt der Straßen steigt starre Hitze auf und bleibt in der Luft hängen. An einigen Häusern flattern trübselige Plakatsetzen. Mühsam schlafe ich ein, höre in irgendwelcher Ferne Holz pantoffeln klappern, und im Halbschlaf sehe ich das schweigende Honakona mit zusammengebissenen Zähnen sterben, e Urbenersportier in geschie ssener rampfen entschlossen für den Wahlsieg der Sozialdemokratischen Partei! R. M. Obwohl uns noch 3 Wochen vom Wahltage am 14. September, dem Schicksalstage des deutschen Volbes trennen, hat der Wahlkampf doch schon in überaus heftiger Weise eingesetzt Schlammfluten der Lüge und Verleumdung werden losgelassen, um das Vertrauen zur Partei des schaffenden Volkes, zur Sozialdemokratie, zu schmälern. Allen voran die Nazis, die Kommunisten, diese ultraradikalen Brüder, die anscheinend einen Wettbewerb um die giftigste Berennung der Sozialdemokratie eingegangen sind. Doch wird ihnen das nichts nützen; im Gegenteil, mehr und mehr wird sich die Erkenntnis durchsetzen, daß mit Rekordschreien weder der Menschheit im allgemeinen noch den schaffenden Schichten insbesondere geholfen ist. Nicht umsonst richtet sich der Kampf aller Reaktionäre in erster Linie gegen die Sozialdemokratie, deren zielbewußtes und zähes Ringen um soziale Volksrechte ihnen allein gefährlich ist. Die Arbeitersportler wissen, daß sie in diesem scharfen Ringen nicht beiseite steben können, daß sie vielmehr als die junge, begeisterungsfähige Avantgarde der aufgeklärten Kopf= und Handarbeiter Schulter an Schulter mit ihren Arbeitsbrüdern und=Schwestern und darüber hinaus anspornend in vorderster be „Solidaritäts"=Motorfahrer müssen zum Gautreffen in Gummersbach und für den Wahlsieg der Liste 1 sorgen! Wieder findet eine Großveranstaltung des Arbeiter=Radund Kraftfahrerbundes„Solidarität“ statt. Und zwar steigt am 28. September das Gautreffen der Motorradfahrer in Gummersbach; verbunden mit dem Austragen der Gauwettbewerbe im Tempofahren über 5, 10 und 21 Kilometer. Der Ablauf des Treffens ist wie folgt vorgesehen: Bis 10 Uhr Eintreffen in Gummersbach; 10.15 Uhr Start zur Rundfahrt; anschließend Besprechung der Motorfahrer. Ab 14 Uhr Austragung der Wettbewerbe. Meldungen zur Teilnahme an den Wettbewerben müssen baldmöglichst unter näheren Angaben an Bernhard Wiegandt, Hakenberg bei Bergneustadt, gerichtet werden. Bei der bekannt aktiven Hingabe der„Solidaritäts“=Motorfahrer ist mit einem großen Besuch in Gummersbach zu rechnen. Bezirke, Ortsgruppen und Abteilungen sollten daher streben, die Teilnahme sämtlicher arbeitslosen Motorfahrer zu ermöglichen. Wo ein Wille, da ist ein Weg. Vor dem Gautreffen in Gummersbach gilt es noch eine andere große Schlacht zu schlagen. Am 14. September ist Wah a an dem auch die Fahrer der„Solidarität“ lebhaftesten Anteil nehmen. Und zwar nicht nur am Wahltage selbst, sondern auch in den Tagen und Wochen vorher gilt es, alle Kraft einzusetzen, um den Angriff der Sozialreaktion und ihrer direkten und indirekten Helfershelfer auf elementarste Volksrechte abzuwehren Nur die Sozialdemokratie allein ist die Sachwalterin der breiten Schichten des Volkes. Das erkennen auch die„Solidaritäts"=Motorfahrer und reihen sich deshalb ein in die Front der aktiven Wahlhelfer. Massen=Werbefahrten durch Stadt und Land sind in bester Weise geeignet zur Werbung für die Sozialdemokratie und die„Solidarität". Deshalb in allen Orten heran an die Wahlarbeit! Schmiedet den Wahlsieg der Liste 1! Westdeutscher Lehrkursus des 3=Tage=Lehrgang des Arbeiter=Wasser=Rettungs=Dienstes. Die Arbeitersportler haben sich aus dem ideellen Aufgabenkreis des Sportes insbesondere die soziale Seite zu eigen gemacht: Der Sportler soll in der Ideologie des Arbeitersports vor allem Helfer sein. Er muß und will auch seine sportlichen Kräfte und Fähigkeiten in die Dienste des Allgemeinwohls stellen. Einen nicht kleinen Teil der praktischen Auswirkungen dieser Ideologie bildet der Arbeiter=Wasser=Rettungsdienst, der schon viele Hunderte von Menschen dem Massentod entriß. Diese Angelegenheit bedeutet den Arbeitersportlern mehr als Rekord, Kampfziel und Sieg um jeden Preis, weil sie wichtigere Aufgaben stellt und gefahrenreich ist(fast immer unter Einsatz des eigenen Lebens geschieht). Darum wird auch seitens des Arbeitersports diesem Aufgabengebiet größte Beachtung geschenkt und die Ausbildung von Rettungsschwimmern mit besonderer Sorgfalt behandelt. Rettungsschwimmen ist ein schwieriges Gebiet. Die wenigsten Schwimmer sind ohne besondere Schulung Rettungsleute. Neben der Elementarforderung(guter Schwimmer zu sein) und neben der geistigen Eignung(Geistesgegenwart, schnelle Entschlußkraft, Mut) erfordert diese Sache eine umfangreiche Spezialtechnik, deren Erlernung und Beherrschung neben der schon erwähnten körperlichen Eignung reichlichen Training und großen Eifer verlangt. Wenn nun schon die Ausbildung des Elementar=Rettungsschwimmers hohe Anforderungen stellt, wieviel mehr gilt es erst, die Ausbildung von Lehrenden auf diesem Gebiet fruchtbar zu gestalten. Diese Aufgabe hatte sich ein Kursus des WWRD. von Rheinland=Westfalen gestellt, der vom 22. bis 24. August im Düsseldorfer Rheinstadion stattfand. Eingangs muß gleich evwähnt werden, daß die Zeit nicht ausreichte, um auch nur annähernd dem Umfang des Gebietes gerecht zu werden, obschon die Kursisten täglich von 6—18 Uhr in angestrengtester Tätigkeit gehalten wurden. Da die Praxis als Grundlage vorausgesetzt war, wurde mehr Zeit der theoretischen Bearbeitung des Gebietes zugewendet. Organisation des AWRD., Aufgabenkreis des Lehrers in der Behandlung der praktischen Dinge wie Selbstrettung, Befreiung, Transportieren und Wiederbelebung, anatomische Streifzüge. soweit sie die vorgenannten Gebiete berühren und zur„ersten Hilfe“ notwendig sind, wurden als Themen in vortragender Form gegeben, oder auch in gemeinsamer Tätigkeit(Frage=Antwort=Bericht) erarbeitet. Gerade die letztere Form darf als außerordentlich wohltuend bezeichnet werden, zumal der sonst passive Zuhörer zur Mitarbeit angeregt wurde. Daß die Praxis der technischen Fertigkeiten einen nicht so großen Raum einnahm, lag daran, daß sie als Grundbedingung zur Teilnahme am Kursus überhaupt galt. Was in der Technik des Rettungsschwimmens noch erarbeitet wurde, waren einzelne Neuheiten und Feinheiten, die vollendete Beherrschung der Technik zeigen mußte. Daneben wurde auch experimentiert, und weiter wurden die einzelnen Griffe und Mittel auf ihre Wirksamkeit erprobt. Insgesamt ist zu sagen, daß die Lehrer des Kursus in guter Vorbereitung ihrer Aufgabe viel Beachtenowertes boten. Front alle Kräfte einsetzen müssen, um den vergiftenden Angriffen der Reaktion auch auf freie und ungeschmälerte Sportausübung, einen unüberwindlichen eisernen Angriffsblock entgegen zu setzen Verzagend leise treten ist nichts für die junge Sportorganisation, nein, stürmend und mitreißend will sie eine neue, die sozialistische Welt bauen helfen Deshalb alle an Bord! Sportvolk voran! Keine Uebungsstunde bis zur Wahl darf ungenutzt gelassen werden Probt kurze Sprechchöre ein, die in der letzten Wahlwoche das Wollen und Streben der Freien und Roten, des in eiserner Einheit wirkenden glaubensstarken Arbeitersportler=Heeres hinausrufen und werbend einhämmern die sieghafte Kraft des Sozialismus: Arbeiter=Sportler in geschlossener Reih' kämpfen für Volksrecht, wahrhaft und frei, drum die Einheitsparole des 14. September sei: Alle Stimmen der Sozialdemokratischen Partei! Wahlt Liste 1! — Besonders herausgestellt sei noch die praktische Demonstration eines Dräger=Kauf=Gerätes durch die Düsseldorfer Feuerwehr im Bassin des Schwimmstadions. Nicht nur die Kursisten, sondern auch viel Publikum verfolgten mit brennender Aufmerksamkeit die Arbeiten und Ausführungen der" Taucher=Abteilung. Der 1. Kursus dieser Art fand an gleicher Stelle im Jahre 1927 statt, der aber eine andere Aufgabe zu bewältigen hatte. Damals galt es, hier im Westen eine Grundlage zu bauen. Die Ergebnisse dieses Lehrganges waren so befruchtend, daß heute der Arbeiter=Wasser=Rettungsdienst an 1. Stelle in Westdeutschlands steht. Ueberall an den Flüssen und Strömen Westdeutschlands stehen die Schwimmer des AWRD. zur Tat bereit. Von dem jetzigen Kursus ist zu hoffen, daß er befruchtend in Breite und Tiefe dringt, und den AWRD. ein großes Stück auf dem Wege zum ideellen Ziel weiterbringt: Jeder Schwimmer ein Retter.— Jeder Sportler ein Helfer! L. Wo Faschisten herrschen... In Thüringen weigert sich Dr. Frick einen Beschluß des Landtages durchzuführen, wonach dem Arbeitersportkartell ein Zuschuß zu zahlen ist. In Koburg haben die Nationalsozialisten aus dem städtischen Etat eine Beihilfe von 300 Mark für den Arbeiter=Samariterbund herausgestrichen. Das war dort ihr einziger Sparbeschluß. Gebt die Antwort am 14. September! Nieder mit den Faschisten, wählt Sozialisten, Liste 11 Aus dem Hagener Bezirk Fußball. Sportverein Bommern 1919 gegen Vorwärts Gevelsberg 3:2(2:0). Zum Samstag=Abendspiel trafen sich obige Mannschaften und es siegte der Platzverein wider Erwarten mit dem angegebenen Resultat. Das sehr flotte Spiel hinterließ bei den Zuschauern den besten Eindruck. Sonntag: Vorwärts Gevelsberg gegen Hengstey 5:2(3:2). VfL. Voerde gegen Bommern 1919 2:1(1:1). In Voerde sahen die Sportanhänger ein sehr flottes und jederzeit offenes Spiel. Der Gast geht nach 20 Minuten Spielzeit durch das erste Tor in Führung, dem kurz darauf von Voerde der Ausgleichstreffer folgt. Bis zur Pause stand die Partie 1:1. In den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel stellt dann aber der Platzverein den Sieg mit 2:1 sicher. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß auf beiden Seiten Torgelegenheiten verpaßt wurden. 44 BV. Witten gegen Einigteit Herdecke 6:1(3:1). Einen hohen Sieg meldet der BV. aus Witten. Schon in der ersten Spielhälfte konnte der Platzverein mit einem 3:1 in Führung gehen, dem dann nach der Pause noch 3 weitere Treffer von Seiten der Wittener folgten. Das Resultat besagt die vollkommene Ueberlegenheit der Wittener. Sportfreunde Altena gegen Arnsberg 5:3(4:2). Weitere Spiele: Gevelsberg 2. gegen Hengstey 2. 2:1 (1:1).— Gevelsberg Alte Herren gegen Hengstey Alte Herren 5:1.— Witten 2. gegen Herdecke 2. 2:1.— Altena 2. gegen Arnsberg 2. 1:2.— Gevelsberg Jugend gegen Borussia Hagen Jugend. letztere nicht angetreten.— BV. Witten Alte Herren gegen Herdecke Alte Herren: Herdecke nicht angetreten. Handball. 2. Bezirk. Freiheit Hagen gegen Eggenscheid 5:0(2:0). sahn Milspe gegen Haspetal 4•3 Mjzz, Freiheit Hagen Schüler gegen Egge####eio Schuter 0:2. Schwimmen Freie Schwimmer Herne. Am Dienstagabend, also heute, nach der Uebungsstunde, findet im Volkshaus(Kleiner Saal) eine Versammlung statt. Arbeiter=Turn= und=Sportbung Der Bundesvorstand des Arbeiter=Turn= und=Sportbundes nahm in seiner am 23. August stattgefundenen Sitzung Stellung zu der allgemeinen Lage und begrüßte die von den Leipziger Parteiinstanzen beschlossene Kandidatur des Bundesvorsitzenden Gellert für den kommenden Reichstag. Volle Befriedigung löste der Bericht über die Sitzung des BundesFrauenausschusses und über die fortschreitenden Arbeiten für das 2. Olympia 1931 in Wien aus. Mit Freuden wurde der allgemeine Bericht entgegengenommen, der einen gegenwärtigen Bestand von 7007 Vereinen aufweist. Das entspricht einem Zugang von 196 Vereinen in den ersten 8 Monaten dieses Jahres. Das ist ein Erfolg des aktiven Lebens innerhalb des Arbeiter=Turn= und SSportbundes, das sich auch in der Gestaltung der in diesem Jahre durchgeführten Kreisfeste, Aufmärschen und Auslandsspielen zeigte. Als für den Reichstagswahlkampf allgemein beachtsam wurde die geplante Kürzung des Fonds für Leibesübungen im Etat des Reichstages, die Politischerklärung der ZK. durch das Wehrministerium, sowie einige andere Erschwernisse für das Vereinsleben bezeichnet, An die Vereine des 12. Turnbezirks Zwei große Ereignisse liegen hinter uns: Das Bezirksfest des 12. Organisations=Bezirks, sowie das zweite westdeutsche Turn= und Sportfest. Beide Veranstaltungen waren Großfeste schönster Art, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden; und wir können wohl behaupten, daß auch der 12. Turnbezirk keine Mühe und Arbeit gescheut hat, um zu diesem guten Gelingen beizutragen. Nun aber heißt es für uns: Frisch an die Arbeit, um das Gelernte und Gesehene für unsere Bewegung auszunutzen. Genossinnen und Genossen! Wollen wir dieses und auch unser Programm für das Winter=Halbjahr durchführen, so ist es erforderlich, daß die Mittel hierzu bereitgestellt werden. Leider sehe ich mich gezwungen, an die Vereinsleitungen den Appell zu richten, die Bezirksbeiträge einzusenden. Bei einer Nachfrage bei dem Kassierer mußte ich feststellen, daß noch der größte Teil der Vereine die Beiträge für das 2. und 3. Quartal schuldet. Ferner sind noch einige Vereine mit dem 1. Quartal 1930 im Rückstand. So kann es unmöglich weiter gehen, sonst muß die Bezirksleitung ihre Arbeit einstellen. Ich wende mich nun an alle Bundesmitglieder und fordere euch auf, seht in euren Vereinen nach dem Rechten und sorgt dafür, daß die Mittel hereinkommen, die notwendig sind, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Wir erwarten, daß sämtliche Vereine bis zum 6. September d. Is. ihren Verpflichtungen nachkommen, andernfalls wird die Bezirksleitung eine Kontrolle auf Kosten der Vereine vornehmen. Zum Schlusse ersuche ich nochmals alle Vereinsleitungen. erspart uns und euch die Arbeit und sorgt dafür, daß bis zum 6. September alle Beiträge restlos eingegangen sind. I. A.: Otto Vogelsang, Bezirks=Spartenleiter. Parteiveranstaltungen Arbeitsgemeinschaft Langendreer. Am Donnerstag, dem 28. August, abends 7 Uhr, findet im Volkshaus eine sehr wichtige Funktionärsitzung statt. Die einheitliche Regelung der weiteren Wahlarbeiten macht diese Sitzung erforderlich. Wegen der Bedeutung dieser Angelegenheit ist das Erscheinen aller Funktionäre unbedingte Pflicht. Nur die gründliche Vorarbeit sichert den Erfolg am 14. September. SPD., Ortsverein Wanne. Mittwoch, den 27. August, abends 7 Uhr, im Lokale Brockmeier(früher Gröning): Ortsgruppenversammlung. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Genossen und Genossinnen und die Arbeiterjugend gebeten, restlos zu erscheinen. Arbeiter=Wohlfahrt Arbeiter=Wohlfahrt Bochum=Ehrenfeld. Dienstag, den 26. August, findet bei gutem Wetter ein Kinderausflug statt. Abmarsch 2,30 Uhr vom Westfalenplatz nach Eppendorf. Arbeiterwohlfahrt Weitmar=Nord. Am Mittwoch, dem 27. August, machen wir einen Kinderausflug zum Weitmarer Holz. Wir treffen uns um 1 Uhr an der Wirtschaft Mark. 10 Pf. und Tasse mitbringen. Die Kinder von Weitmar=Mitte schließen sich um 1.30 Uhr an der Wirtschaft Schröer an. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung der Genossinnen und Genossen und freien Gewerkschaften. Arbeiterwohlfahrt Heven. Mittwoch, den 27. August, treffen wir uns um 2 Uhr bei Rolka zum Kinderausflug nach Papenholz. Die Kinder müssen Tassen und 20 Pf. mitbringen. Abends geht es unter Vorantritt des Trommlerkorps nach Hause. Arbeiterwohlfahrt Wattenscheid. Heute, um 16 Uhr, findet im Lokale Sonnenschein eine große Veranstaltung statt. Als Rednerin erscheint Genossin Schulz. Unterhaltungen mit Kaffeetrinken sorgen für Abwechslung. Sorge ein jeder für einen starken Besuch dieser Veranstaltung. 0l00 Jugendveranstaltungen 8n0 Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten, Ortsgruppe Bochum. Dienstag, den 26. August, abends K 8 Uhr, in der Schule an der Trankgasse: Jugend=Mitzliederversammlung. Wir besprechen unsere Herbst= und Winterarbeit. Rote Falken Bochum=Griesenbruch. Heute nachmittag um 6 Uhr: Zusammenkunft in der Alleeschule.— Mittwoch Tagesfahrt. Treffpunkt morgens 9 Uhr an der Ecke Kohlen= und Essener Straße. SAI. Weitmar 1. Dienstag, den 26. August, abends 7.30 Uhr, politischer Abend im Heim am Westerberg.— Freitag, abends 7.30 Uhr: Jugend im Heim am Westerberg. Rote Falken Weitmar 1 und Stiepel. Mittwoch, den 27. August, vormittags 10 Uhr, treffen sich die Falken im Heim am Westerberg zu einer Fahrt. Die Leitung hat der Genosse Walter Specht. Erscheint alle pünktlich! Rote Falken Weitmar 2. Wir treffen uns heute nachmittag um 6 Uhr auf dem Schulhofe an der Alleestraße.— Morgen, Mittwoch, machen wir eine Tagesfahrt. Treffpunkt um 9 Uhr bei Holler. SAJ. Eppendorf. Dienstag, den 26. August, abends 7 Uhr, im Gemeindehaus: Versammlung. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller erforderlich. SAI. Eickel. Heute, Dienstag, den 26. Augar,###en wir uns um 4.30 Uhr am Holsterhaus. Wir gehen zum Osthafen zum Schwimmen. Seid pünktlich! SAJ. Herne=Stadtmitte. Heute abend haben wir einen bunten Abend unter der Leitung des Genossen Ils. Wir hoffen, daß alle Genossinnen und Genossen pünktlich und restlos erscheinen. SAJ. Herne=Altenhöfen. Unsere nächste Zusammenkunft findet Mittwoch, abends 7.30 Uhr, im Volkshaus statt. Reichsbanner Jungbanner, Achtung! Jungkameradschaft Severing. Mittwoch, 27. August, Versammlung im„Südpol“ Wiemelhauser Straße 46. Jeder Jungkamerad hat die Pflicht, Punkt 19,45 Uhr zu erscheinen. Ortsgruppe Witten, Zu dem durch Rundschreiben bekanntgemachten Aufmarsch am Sonntag, dem 31. August, treten die Kameraden um 1 Uhr am Neumarkt(Viehmarkt) an. Die Einzeichnungslisten müssen bis Mittwoch abend abgegeben sein. Die Fahrt erfolgt mit Lastkraftwagen. Es wird pünktlich um 1.30 Uhr abgefahren. Das Trommlerkorps muß vollzählig zur Stelle sein. Da es sich bei diesem Aufmarsch um eine äußerst wichtige Kundgebung handelt, wird erwartet, daß jeder Kamerad zur Stelle ist. Für die Kundgebung in Hagen können sich noch Teilnehmer bis Mittwoch abend in der Geschäftsstelle eintragen lassen. Ortsgruppe Annen. Sonntag, den 31. August, 18 Uhr, stehen alle Kameraden in Bundeskleidung bei Woesthoff zur Ausfahrt bereit. Trommlerkorps zur Stelle. Die in Arbeit stehenden Kameraden zahlen 1 Mk. Fahrgeld, Erwerbslose frei. Das Fahrgeld muß vor der Abfahrt beim Vorsitzenden abgegeben werden. Kameraden! Sorgt für starke Beteiligung! Ortsgruppe Wanne=Eickel, 3. Kameradschaft. Mittwoch, den 27. August, abends 7 Uhr: Sitzung der Gruppenführer mit Abrechnung. Ortsgruppe Herne. Heute, abends 6.15 Uhr, Abfahrt vom Volkshaus nach Recklinghausen zur Kundgebung. Auto zur Stelle.— Am Mittwoch, dem 27. August, hat die 1. und 2. Kameradschaft Ausmarsch nach Sodingen. Treffpunkt Volkshaus. Abmarsch 7 Uhr mit Die Rot der Kunrbergurbeiter Eine Enquete über die Haushaltsführung der Bergarbeiterfamilien Rückgängiger Fleilch-, Butter- und Milchkonlum= Gelteigerter Pferdetleilchverbrauch Schon bei einem guten Beschäftigungsgrade ist das auf Grund des gegenwärtigen Lohnstandes erzielbare Bergarbeitereinkommen mangelhaft. Das Statistische Reichsamt hat kürzlich eine Haushaltserhebung durchgeführt, die uns bewogen hat, eine nach den gleichen Methoden aufgebaute Untersuchung für die Bergarbeiterhaushalte durchzuführen. Wir haben auf diese Weise sehr wertvolle Einblicke in die Haushaltsführung der Bergarbeiterfamilien gewonnen und sind dadurch in den Stand gesetzt worden, Vergleiche mit dem Reichsdurchschnitt anzustellen. Dabei ergab sich zunächst einmal die überraschende Tatsache, daß selbst in dem Jahre der guten Beschäftigung 1929 das Einkommen der Bergarbeiterfamilien ohne eine einzige Feierschicht hinter dem vom Statisttschen Reichsamt ermittelten durchschnittlichen Arbeitereinkommen in Deutschland um 11.2 Prozent zurückbleibt. Die Auswirkungen dieses Mindereinkommens zeigen sich dann auch bei den Verbraucherzahlen mit einer erschreckenden Deutlichkeit. So ist beispielsweise der Frisch=Fleischverbrauch der Bergarbeiterfamilien durchweg niedriger als im Reichsdurchschnitt. Je Vollperson wurden im Reich im Monat 500 Gramm Rindfleisch verbraucht, in der Bergarbeiterfamilie nur 450 Gramm; an Schweinefleisch im Reich 700 Gramm, in der Bergarbeiterfamilie nur 500 Gramm; an Kalbfleisch im Reich 100 Gramm, in der Bergarbeiterfamilie nur 20 Gramm. Dafür aber ist der Pferdefleischverbrauch in der Bergarbeiterfamilie siebenmal größer als im Reichsdurchschnitt. Auch der Milchverbrauch der Bergarbeiter bleibt hinter dem Reichsdurchschnitt um 32,7 Prozent zurück. Geringer ist auch der Butterverbrauch der Bergarbeiterfamilien, dafür übersteigt der Margarineverbrauch den Reichsdurchschnitt um 46.7 Prozent. Die Bergarbeiterfamilie verbraucht mehr Roggen= und Schwarzbrot als die Arbeiterfamilie im Reichsdurchschnitt. Auf der andern Seite ist jedoch ihr Weißbrotverbrauch geringer; ebenso der Verbrauch an sonstigen Backwerk. Selbst der Zuckerverbrauch bleibt in den Bergarbeiterhaushalten um 29.6 Prozent gegenüber dem Reich zurück. Wie wenig die Weisheit Wilhelm Buschs:„Wer Sorgen hat, hat auch Likör", auf die Bergarbeiterfamilien zutrifft; weist der Verbrauch an alkoholischen Getränken aus, der im Reichsdurchschnitt mit 2.30 Mark im Monat, für die Bergarbeiterfamilien dagegen bloß mit 1.32 Mark, also 42.7 Prozent weniger, ausgewiesen wird. Was kann unter diesen Umständen noch an Kulturausgaben je Haushaltung übrig bleiben? Kärgliche Pfennige, viel weniger als im Reichsdurchschnitt. Man darf nicht schließen, daß der Bildungshunger, das Bildungs= und Erholungsbedürfnis der Bergarbeiter etwa geringer ist als der sonstigen Arbeiter, sondern daß ihnen die Mittel zur Befriedigung dieses Bedürfnisses einfach fehlen. Geradezu himmelschreiend ist es, daß die Bergarbeiterfamilien selbst in Zeiten guter Beschäftigung keinen Notgroschen zurücklegen konnten, sondern im Gegenteil noch Schulden gemacht haben. Die Verschuldung je Bergarbeiterhaushaltung im Jahr beträgt 56,40 Mark durchschnittlich, im Reich dagegen nur rund 30 Mark. Die Ersparnisse je Bergarbeiterhaushaltung haben wir gegenüber dem Reichsdurchschnitt von 42,65 Mark im Jahr mit 6,12 Mark im Jahr ermittelt. Diesen 6.12 Mark stehen aber 9,07 Mark Abhebungen von der Sparkasse gegenüber, so daß keinerlei Ersparniszuwachs, im Gegenteil noch eine Ersparnisverminderung eingetreten ist. Im Reich hingegen ist ein Sparzugang von 16.36 Mark je Haushaltung vorhanden. Diese Proben, deren wissenschaftliche Exaktheit verbürgt ist — wir werden die Ergebnisse unserer Bergarbeiterhaushaltserhebung in einer demnächst erschienenen Studie veröffentlichten— machen doch die Situation vollkommen klar. Im Bergarbeitereinkommen ist keinerlei Spielraum für Lohnverminderungen vorhanden. Im Gegenteil werden bei der Neuregelung des Lohntarifs diese nachweisbaren Verhältnisse ihre Berücksichtigung finden müssen, und zwar nicht nur aus sozialen Erwägungen, sondern aus eminent wirtschaftlichen Ueberlegungen. Die Leistungsfähigkeit und die Leistungswilligkeit der Bergarbeiter sind die Grundlagen der Bergbauproduktion. Diese Grundlagen sind heute schon gefährdet und bedürfen einer Kräftigung, wenn nicht eines Tages die durch das überhetzte Betriebstempo völlig ausgepumpte Arbeitskraft der Bergarbeiter so fühlbar versagen soll, daß darauf sich die allerschlimmsten sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen ergeben können. Wenn der Bergbauindustriearbeiterverband bereits Lohnforderungen in Aussicht gestellt habe, so ist das etwa kein kleinlicher Schachzug, um der Lohnabbauforderung der Unternehmer zu begegnen, sondern das Ergebnis einer sehr ernsten Ueberlegung, an der kein Zechenverband, kein Schlichter und kein Reichsarbeitsminister vorbeikommen darf. Uns ist Lohnpolitik kein Spiel mit Winkelzügen. Wir verteidigen damit den wichtigsten Wirtschaftswert unserer Nation, die deutsche Arbeitskraft, deren Schutz uns bei dieser Reichsregierung nicht gewährleistet erscheint. Großer Abbau bei den VEW. A.-G. Unverständliche Maßnahmen Die Belegschaft der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen ist in große Unruhe versetzt durch scharfe Abbaumaßnahmen. Von den Angestellten sollen rund 200= zirka ein Sechstel der Belegschaft entlassen werden. Auch bei den Arbeitern erfolgten in großem Umfang Kündigungen bezw. wurden Listen aufgestellt mit den Namen derer, die demnächst zur Kündigung vorgesehen sind. Neben diesen Abbaumaßnahmen ist auch eine Kürzung der Gehälter vorgesehen. Es soll die bisher übliche Auszahlung eines 13. Monatsgehaltes— Weihnachtsgratisikation — in Fortfall kommen. Darüber hinaus aber ist noch an die Kürzung von Gehältern gedacht. Was den letzteren Punkt betrifft, so wird man sich nicht generell ablehnend verhalten können. Es gibt sicherlich Fälle, wo die Streichung der Weihnachtsgratifikation nicht als großer Härtefall angesehen werden kann. Bei den unteren und mittleren Gehältern aber wird man— von der rechtlichen Lage ganz abgesehen— doch zu prüfen haben, ob die Gratifikation nicht bloß als andere Form des Gehaltes anzusehen ist. Was den Gehaltsabbau im allgemeinen betrifft, so sind wir bezüglich der oberen Gehälter durchaus überzeugt, daß eine Revision mit dem Ziele der Einsparung angebracht ist. Wobei wir noch hinzufügen möchten, daß besonders in der Elektrizitätswirtschaft für die Spitzengehälter dasselbe gilt wie für die Spitzenbelastungen der Werke: sie kommen recht teuer zu stehen. Sind aber die Spitzenbelastungen in gewissem Umfang unvermeidbar, die Höhe der Spitzengehälter kann leicht erniedrigt werden, wenn nur der gute Wille dazu vorhanden ist. Griffe man hier herzhaft zu, dann hätte man schon erhebliche Mittel, um unten beim Abbau soziale Härten tatsächlich vermeiden zu können. Ob auch oben wirklich abgebaut wird, und in welchem Ausmaß es geschieht, das würde die Oeffentlichkeit sicher interessieren— aber, das ist Geheimwissenschaft, in die bekanntlich selbst nicht mal den Aufsichtsratsmitgliedern ein Einblick gegeben wird. Wir behalten uns vor, auf die Frage des Gehalts=Abbaues noch zurückzukommen. Im Augenblick interessiert uns mehr der Personalabbau. Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß der Abbau in diesem großen Umfang als erster„Erfolg“ des 50prozentigen Eindringens des Privatkapitals in die Gesellschaft anzusehen ist. Personal= und Gehaltsabbau ist heute das Rezept der„Wirtschaft“, dem zweifellos nicht nur Spar=, sondern ganz erheblich machtpolitische Motive zu Grunde liegen. Wir wissen, daß die Bautätigkeit der VEW. verringert wird und damit leider Personal frei wird. Auch kommt in Frage, daß — als Folge der Umgemeindungen— bisher von den VEW. direkt verwaltete Ortsnetze in die Verwaltung der Stadt Bochum, die den Strom als Großabnehmer bezieht, übergehen, ohne daß Bochum auch entsprechend Personal übernehmen will. Wenn ein Personalabbau vorgenommen würde, der sich im Rahmen dieser betrieblichen Veränderungen hält, dann wäre anloeen. Bbs Banhbonnnen aher greifen weit über diesen Zusammenhang hinaus. Bei den Angestellten nach unserer Schätzung um mindestens das Doppelte. Wie ist dies möglich? Uns ist bekannt, daß vor noch nicht allzulanger Zeit der Generaldirektor Fischer großen Wert auf die Feststellung legte, daß die VEW. eine gut durchorganisierte und außerordentlich billig arbeitende Verwaltung haben. Er muß es doch wissen. Wir können auch nicht annehmen, daß seine Aenderung nicht von genügendem Verantwortungssinn getragen war. Deshalb berufen wir uns auf sie, um die sachliche Berechtigung der Kündigungen in dem großen Umfang anzuzweifeln. Wenn auch bei den einzelnen Stromabnehmern rückgängiger Stromverbrauch ist, die Verwaltungsarbei t wird doch dadurch nicht geringer. Dasselbe gilt für die Ueberwachung der Leitungen usw. Andererseits aber tritt ein Mehr an Arbeit ein, weil trotz der Krise doch Zugang an neuen Stromabnehmern und Vergrößerung des Leitungsnetzes erfolgt. Auffallend ist auch, daß die Kündigungen sich auf untere und mittlere Angestellte beschränken. Hier werden Personen gekündigt, die schon seid einer ganzen Reihe von Jahren im Werk beschäftigt sind;„oben“ aber sind noch bis vor geraumer Zeit Einstellungen erfolgt, die bleiben. Dabei muß festgestellt werden, daß da schon immer reichlich vorgesorgt war. Die jetzt liquidierte Handelsgesellschaft in Münster hatte z. B.„nur“ 2 Direktoren und 3 Prokuristen. Es könnte verlocken, das Geschäftsergebnis in gewisse Beziehung zu dieser verhältnismäßig großen Zahl leitender Personen zu bringen. Uns fehlen die genauen Unterlagen. Aber so viel wissen wir, das Kehrblatt eines solchen Vergleiches wäre interessant. Und stimmt es nicht, daß zwas in der neuen Gesellschaft die Zahl der Prokuristen und Handelsbevollmächtigten verringert wurden, daß man aber neben den offiziellen Handelsbevollmächtigten eine Reihe sozusagen inoffizieller Bevollmächtigten hat? Halten wir uns zunächst an die Feststellung des Generaldirektors Fischer, daß die Verwaltung des VEW. gut durchorganisiert ist und sparsam wirtschaftet. Dann fehlt die Erklärung für den großen Abbau um ca. ein Sechstel bei den Angestellten. Ist dieser große Abbau aber tatsächlich möglich, dann drängt sich die Auffassung auf, daß der Verwaltungsapparat der VEW. insgesamt ganz erheblich übersetzt gewesen sein muß, ohne daß bis vor kurzer Zeit die Generaldirektion davon Kenntnis und Uebersicht hatte. Ferner aber ist noch die Frage aufzuwerfen: Wie ist es mit der Behauptung, daß nur 140000 RM. für eine Arbeit von wenigen Stunden dem amtierenden Notar bei der letzten Umgestaltung der Gesellschaft an Gebühren bezahlt wurden? Wenn der Zwang zur Sparsamkeit so groß ist, daß rigoroser Personalabbau notwendig ist, dann meinen wir, hätte auf alle Fälle versucht werden müssen, die Notariatsgebühren ganz stark zu drücken. Ist dies geschehen? Es wird gemunkelt, mit der Summe von ca. 140000 RM. habe es seine Richtigkeit. Nur sei diesmal nicht Herr Wusk, Zentrumsstadtverordneter a. D., in Dortmund, der Glückliche gewesen, sondern ein Berliner Notar. Zum Schluß noch eine Frage bezüglich der ArbeiterKündigungen. Nach unserer Ueberzeugung könnte der eine oder andere Arbeiter, der durch das verringerte Bauprogramm arbeitslos wird, schnell wieder in Arbeit gebracht werden, indem für die sonntäglichen Wechselschichten etc. neue Arbeiter in den Betrieben eingestellt würden. Es ist nicht zu verantworten, daß bei der großen Arbeitslosigkeit durch die Sonntagsarbeit die wöchentliche Arbeitszeit über 48 Stunden hinauskommt. Technisch ließe sich diese Aenderung unschwer durchführen, zumal auch die Belegschaft damit einverstanden wäre. Ein Teil der bei den Bauarbeiten überflüssig werdenden Arbeiter könnte dadurch in Arbeit und Brot gehalten werden. Die VEW. sollten darauf Rücksicht nehmen. Sie haben materiell das größte Interesse, daß die Konsumkraft nicht unnötig geschwächt wird. Und trotz des privatkapitalistischen Eindringens sind sie als öffentliches Unternehmen anzusprechen, von dem erwartet werden kann, daß es nicht ohne Not die Zahl der Arbeitslosen vermehrt und damit auch die Wohlfahrtslasten seiner kommunalen Anteilhaber. Fr. 600—700 Millionen Mark Konkursverluste in den ersten sieben Monaten 1930 Zum erheblichen Teil die Folge versäumter Preissenkungen Das Institut für Konjunkturforschung stellt in einer Arbeit über Konkurse, Auflösungen von Aktiengesellschaften, landwirtschaftliche Zwangsversteigerungen usw. fest, daß sich bei der Kreditsicherheit, die den Wirtschaftsverlauf stark beeinflußt, allmählich eine Besserung anbahnt. Bis Mitte August 1930 sind 7641 Konkurse(im Vorjahr 6275) und 4826 Vergleichverfahren (im Vorjahr 3063) eröffnet worden. Der Rückgang, der seit den Frühjahrsmonaten zu beobachten ist, hat nach Auffassung des Konjunkturforschungsinstituts saisonmäßigen Charakter. Das Institut nimmt jedoch an, daß die konjunkturelle Zunahme der Zahlungseinstellungen zum Stillstand gekommen sei. In diesem Zusammenhang interessiert eine Berechnung des Konjunkturforschungsinstituts, wie groß die durch Zahlungseinstellungen entstandenen Verluste sind. Insgesamt werden Gesamtverbindlichkeiten für die Zeit vom Januar bis Juli 1930 in Höhe von 800 Millionen Mark angenommen gegenüber 580 Millionen Mark in derselben Zeit des Jahres 1929. Daraus dürften sich voraussichtlich für die Gläubiger Verluste von 495 Millionen Mark ergeben(im Vorjahr 370 Millionen Mark). Zu diesen 495 Millionen Mark kommen noch die Beträge aus Zahlungsstockungen, die außerhalb des gerichtlichen Vergleichs geregelt werden. Außerdem entstehen noch Verluste durch diejenigen Zahlungseinstellungen, bei denen es mangels hinreichender Masse nicht zur Eröffnung eines Konkurs kommen kann. Hier handelt es sich um etwa 3000 Fälle pro Jahr. Alles in allem wird man nicht fehlgehen, wenn man die Gesamtbeträge, die von den Gläubigern nachgelassen werden mußten, für die ersten 7 Monate des Jahres 1930 auf mindestens 600 bis 700 Millionen Mark veranschlagt. Es ist immerhin interessant, die Natur dieser Verluste zu untersuchen. Mit Recht stellt das Konjunkturforschungsinstitut fest, daß die steigenden Insolvenzverluste eine Folge der unterbliebenen Preissenkung find. Sie stellen einen anderen Weg dar, um die Bewältigung der Warenumsätze mit der gegebenen Kaufkraft zu gewährleisten. 200 Millionen Mark Reichspostaufträge Zum Teil noch größere Preislenkung möglich! Bei der Herausgabe der neuen Reichspostaufträge ist es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen der Reichspost und einzelnen Lieferfirmen gekommen, die ein recht interessantes Material für die ganze Preissenkungsaktion geben. Es handelt sich bei den Aufträgen um zusätzliche Bestellungen in Höhe von 200 Millionen Mark, wovon etwa 130 Millionen Mark auf die Elektroindustrie, 25 Millionen Mark auf den Maschinenbau und der Rest auf das Baugewerbe und laufende Anschaffungen entfallen. Diese Aufträge ermöglichen angeblich eine jährliche Beschäftigung von rund 125000 Arbeitslosen. Die Reichspost hat entsprechend den Beschlüssen der Reichsregierung darauf gedrungen, daß die Lieferfirmen einen Preisnachlaß gewähren. Sie konnte auch bei den meisten Firmen einen Abschlag erzielen, der zwischen 8 und 12 Prozent liegt. Die erzielte Preissenkung ist nicht in jedem Fall als ein besonderer Erfolg anzusprechen, weil bisher durch Kartell=Bindungen die Preise sehr stark übersetzt waren. Wir erinnern an die Kabelindustrie, wo eine Senkung um ca. 10 Prozent immer noch als eine unzulängliche Revision der überhohen Preise angesehen werden muß. Berliner Metallindultrielle beim Reichsarbeitsminilter Am Montag war im Reichsarbeitsministerium eine Besprechung mit Vertretern der Arbeitgeber der Berliner Metallindustrie, die eine Klarstellung darüber wünschten, ob mit dem Erlaß des Reichsarbeitsministers vom 30. Juli ds. Is. Berliner Firmen der Vorwurf unsozialen Verhaltens gemacht werden sollte. Der Minister verneinte diese Frage und erklärte, er habe den Beschaffungsressorts mitgeteilt, daß seitens des Reichsarbeitsministeriums der Vergebung von Aufträgen an Firmen der Berliner Metallindustrie nichts im Wege stehe. Keine Eilenzölle in England Die Düsseldorfer Handelskammer dementiert das Gerücht von der Einführung von Schutzzöllen in der englischen Eisenund Stablinduestrie. Für reuten. Gemeine Erpressung bei den Nationalsozialisten Berlin, 25. August.(Eigener Drahtbericht.) In Sonneberg, einer Fabrikstadt Thüringens, gelang es den Nazis im vergangenen Jahre einen katholischen Arbeiter namens Hans Mühr als Kandidaten zu den Stadtverordnetenwahlen zu ködern. Man brauchte unbedingt einen Arbeiter, setzte Mühr entsprechend zu und führte ihn schließlich auch als nationalsozialistischen Kandidaten heim. Mitglied der Partei wurde er erst, nachdem er schon eine ganze Weile nationalsozialistischer Stadtverordneter gewesen war. Zwei Monate später wurde Mühr in einem Brief ein Wechsel vorgelegt, den er ahnungslos unterschrieb, zumal man ihm erklärte, daß es sich nur um eine Formsache handle. Der Zweck dieser Formsache wurde ihm in einem Schreiben vom 30. April 1930 wie folgt bekanntgegeben: „Sehr geehrter Herr Mühr, hiermit wird Ihnen der Empfang eines von Ihnen unterzeichneten Blankowechsels bestätigt. Wir haben ihn zu treuen Händen empfangen. Sie erklären sich damit einverstanden, daß dieser Wechsel von der Ortsgruppe ausgestellt und gegeben werden kann in folgenden Fällen: 1. Wenn Sie aus der Partei austreten und nicht gleichzeitig ihr durch die Liste der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei erlangtes Stadtratsmandat niederlegen. 2. Wenn Sie einer Aufforderung der Partei, Ihr Stadtverordnetenmandat niederzulegen, nicht sofort Folge leisten. Diese Aufforderng würde Ihnen gegebenenfalls von der Gauleitung Thüringens oder von der Reichsregierung aus zugehen. Die Höhe der Wechselsumme bestimmt der Ortsgruppenfüherer. Sie sollen gegebenenfalls der Ortsgruppe den ihr durch Ihre Wahl entstandenen Aufwand ersetzen und sie gegen den Schaden dekken, der ihr bei Eintritt obiger Fälle entstand.“ Aus dem Absatz 2 dieses Briefes geht hervor, daß diese gemeine Erpressung keineswegs eine Erfindung der Sonneberger Hitlerianer ist, sondern mit Wissen der Reichsleitung erfolgte. Danach ist anzunehmen, daß jeder nationalsozialistische Mandatsträger sich vor oder nach der Wahl mit Haut und Haaren der jeweils zuständigen nationalsozialistischen Parteileitung ausliefern muß. Wohin dieser Zustand führen kann und wohin er in den meisten Fällen führen wird, zeigt der Fall Mühr ebenfalls. Als Mühr eines Tages gewisse Bedenken bekam und den Wechsel zurückverlangte, ohne daß dieser Forderung entsprochen worden wäre, trat er aus der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei aus. Jetzt folgte der ersten Erpressung die zweite in Form einer Aufforderung, sein Mandat niederzulegen. Als Mühr das ablehnte, wurde der Wechsel in Umlauf gesetzt und dürfte ihm demnächst zwecks Einlösung vorgelegt werden. Löst er ihn nicht ein, dann kann Mühr auf Grund des geltenden Wechselrechtes, in dem jedes Rechtsmittel ausgeschlossen ist, bis aufs Hemd gepfändet werden. Und dieses verbrecherische Spiel an einem Arbeiter leistet sich eine Organisation, die sich Arbeiterpartei nennt. Da kann man nur sagen: Pfui Teufel! Einheitsliste in Graunschweig gescheitert Berlin, 26. August.(Drahtmeldung.) Wie dem„Vorwärts“ aus Braunschweig gemeldet wird, ist die für die Landtagswahlen angekündigte bürgerliche Einheitsliste von der Staatspartei bis zu den Deutschnationalen im letzten Augenblick gescheitert. Es haben Listen eingereicht: die Staatspartei, die Volksrechtspartei, die Nationalsozialisten, die Sozialdemokraten, die Kommunisten. Ferner ist eine Liste„Nationale Mitte“ und eine„Einheitsliste“ eingereicht worden. An letzterer sind Deutschnationale, Christlich=Nationale Bauern, Stahlhelm und Zentrum offiizell beteiligt. Die Saarverhandlungen Einstweilen keine Wiederaufnahmen Berlin, 25. August.(Drahtmeldung.) Ein bayerisches Blatt meldet aus Berlin, daß die Besprechungen des Botschafters von Hoesch in Berlin mit der Saarfrage in Verbindung ständen. „Echo de Paris“ meldet, daß Briand dem Botschafter einen Vorschlag über die Wiederaufnahme der Saarverhandlungen unterbreitet habe. Am 20. September werde man wieder zusammenkommen. Der neue Vorschlag stelle ein für Deutschland annehmbares Kompromiß dar. Wie wir hierzu von unterrichteter Seite erfahren, ist diese Meldung unzutreffend. Es seien keinerlei Vorschläge Briands, die ein Kompromiß wegen der Wiederaufnahme der Saarverhandlungen enthielten, eingegangen. Woldemaras Terror in Litauen Kowno, 25. Aug.(Eig. Drahtbericht.) Durch die nunmehr abgeschlossene Voruntersuchung sind die beiden Attentäter, die den Mordanschlag auf den Direktor der litauise u Geheimpolizei verübt haben, in einer völlig durchorganisierten Verschwörung der Woldemaras=Anhänger entdeckt worden. Es steht jetzt fest, daß von Woldemaras und seinen Anhängern noch eine größere Anzahl weiterer Terrorakte geplant waren, die einen Sturz der jetzigen Regierung zum Ziele hatten, um Woldemaras zum Regierungsoberhaupt zu erheben. Die Regierung hat eine scharfe Verfolgung gegen den jetzt zwar aufgelösten, aber im geheimen bestehenden Faschistenbund „Der eiserne Wolf“ begonnen. In den letzten Tagen wurden zahlreiche Haussuchungen vorgenommen und 20 Personen verhaftet. Die Angeschuldigten werden vor das Militärgericht kommen. Auf die ihnen zur Last gelegten Vergehen steht die Todesstrafe. Was mit Woldemaras selbst gescheben wird, ist noch nicht sicher. Galnss zur Aen Rgertuc Kommmisten Arm in Arm mitt der Reaktion Die Regierung Brüning und die Bürgerblockparteien haben einen schweren Stand. Das Maß ihrer Lügen und Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie kennt keine Grenzen. Die Sozialdemokratie hat in diesem Wahlkampf sichtbar die günstigsten Chancen, weil sie die einzige Partei ist, die mit ihrem guten fozialpolitischen Programm vor die Wählermassen treten kann, die auch offen Rechenschaft ablegen kann über ihre Politik, während alle anderen Parteien in sich zerrissen und zersplittert sind, nach neuen Formeln und Formen, wie nach neuen Namen suchen. Zur rechten Zeit kommt dem bedrängten Bürgerblock wie immer Hilfe aus dem kommunistischen Lager. Wenn es gegen die Sozialdemokratie geht, da lügen die Kommunisten mit allen bürgerlichen Parteien durch dick und dünn. In seiner Ausgabe vom Samstag, den 23. August, aber liefert der „Westf. Kämpfer“ so deutlich den Beweis für die Handlangerdienste, die dem Bürgerblock im Kampf gegen die Sozialdemokratie von den Kommunisten geleistet werden, wie wir ihn deutlicher bisher noch nicht erlebt haben. Die Kommunisten wissen natürlich wie jeder andere, der sich halbwegs um die politischen Vorgänge kümmert, daß die Notverordnungen der Regierung Brüning die Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung. die Verschlechterung der Krankenversicherung und auch die Verschlechterung der Invalidenversicherung brachten, aber der„Westf. Kämpfer“ befreit die Regierung Brüning von aller Schuld. Er schiebt die Schuld daran dem Sozialdemokraten Wissell zu. In einem Artikel„Rund um Hamm“ weist er darauf hin, daß Wissell in einer SPD.= Kundgebung in Hamm redet und nun sordert er die Arbeiter auf, sich den Wissell anzusehen, der den Arbeitern die Erwerbslosenunterstützung gekürzt, der den Arbeitern den Krankenschein verteuert und der Schuld daran sei, daß selbst die Medizin teurer werde. Der Artikel klingt aus in die Aufforderung, in die Versammlung zu gehen und Wissell mit dem Stuhlbein die Liste 4 auf den Rücken zu malen. Gegen eine derartig niedrige Kampfesweise polemisiert man nicht mehr. Man begnügt sich damit, diese Schofelei niedriger zu hängen. Freude wird über diese Hilfe aus dem kommunistischen Lager bei den Bürgerblockparteien sein, die sich dafür dankbar erweisen, indem sie mit aller Macht gegen die Sozialdemolraten ankämpfen, die Kommunisten aber als Retter in der Not ungeschoren lassen. Die Arbeiterwähler werden den Kommunisten am 14. September die Quitrung für ihre unverschämte Nichtswürdigkeit geben und die Liste 1, die Liste der Sozialdemokratie wählen. Das Kaulselt Atsuaskr Warschau, 25. Aug.(Drahtmeldung.) Der Staatspräsident hat heute das Ernennungsdekret unterzeichnet, in dem Marschall Pilsudski zum Ministerpräsidenten und Kriegsminister ernannt wird. Gleichzeitig hat der Staatspräsident auf Antrag des Marschalls Pilsudski folgende Minister ernannt: Oberst Beck, Minister ohne Portefeuille, General Skladkowski, Innenminister, Zaleski, Außenminister, Car, Justizminister, Czerwinski, Kultus= und Unterrichtsminister, JantaPolczynski, Landwirtschaftsminister, Kwiatkowski, Industrie= und Handelsminister, Matakiewicz, Minister für öffentliche Arbeiten, Prystor, Arbeitsminister, Staniewicz, Minister für Agrarreform, Börner, Minister für Post und Telegraph. Zum Leiter des Finanzministeriums wurde Ignacy Matuszewski ernannt. Der kuralsche aufstann Jürkische Rote an Versien Konstantinopel, 25. August.(Drahtmeldung.) Die türkische Regierung hat eine neue Note an Persien gerichtet, in der militärische Zusammenarbeit der beiden Nationen gegenüber den kurdischen Aufständischen verlangt wird. Sie schlägt vor, daß Persien einen Gebietsstreifen beim Ararat abtreten und dafür einen Streifen türkisches Gebiet an der Südgrenze erhalten soll. Internationaler GenossensckaftsKeng" in eten Wien, 25. August.(Drahtmeldung.) Der 13. Internationale Genossenschaftskongreß wurde heute hier eröffnet. An dem Kongreß nehmen etwa 600 Delegierte aus allen europäischen Ländern, aus Sowjetrußland und aus einer Reihe von überseeischen Ländern teil. Staatskanzler a. D. Dr. Renner überbrachte die Grüße des Verbandes der deutsch=österreichischen Konsumvereine und der Groß=Einkaufsgesellschaft Oesterreichs. Präsident Tanner, der ehemalige finnische Ministerpräsident, verwies auf die Schöpfung der internationalen genossenschaftlichen Wirtschaft als Ziel der Bewegung. Der genossenschaftliche Zusammenschluß der Völker umfasse z. Z. 40 verschiedene Länder und die Anzahl der Mitbürger dieser neuen Demokratie betrage 55 Millionen Familien oder mehr als 200 Millionen Personen. Der Streik in Norafrantteien wird Paris, 25. 8.(Drahtmeld.) Nach dem„Intransigeant“ haben die Textil= und Metallarbeiter von Tourcoing und Roubaix in Generalstreikversammlungen die Fortsetzung des Ausstandes beschlossen. Sie erklärten die Vorschläge der Arbeitgeber für mehr scheinbare Konzessionen, aber keine tatsächlichen. Der Sekretär des Zentralstreikkomitees betonte einem Vertreter des Blattes gegenüber, daß der Streik bis zum äußersten durchgeführt würde. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter erhielten Streikprämien, die Nichtorganisierten würden von den sozialistischen Gemeindeverwaltungen unterstützt. Lille, 25. Aug. Die mit der Unterhaltung der Maschinen der Metallindustrie und in den Spinnereien beschäftigten Arbeiter haben in einer Tagesordnung die Fortsetzung des Streiks beschlossen, weil sie gegen das System der Bewährungszulage, das eine Einflußnahme der Arbeitgeber darstellt, protestieren. Gomben in Indien Unschlag gegen den Jolizeipräsidenten von Kalkutta London, 25. Aug.(Eig. Drahtber.) Während die englische Regierung versucht, mit Ghandi und der indischen Freiheitsbewegung eine Verständigung herbeizuführen, sind die englischen und die indischen Gegner dieser Bestrebungen eifrig am Werke. In London hetzt der konservative Führer Ehurchill gegen die Verständigung, und die indischen Nationalisten freuen sich in Bombay ob dieser Worte. Churchill und die in Indien wohnenden Europäer begnügen sich aber wenigstens mit tönenden Phrasen und Schimpfereien auf die Arbeiterregierung. In Kalkutta aber antwortet man mit Bomben. Indische Nationalisten haben am Montag drei Sprengkörper mitten in der Stadt gegen das Auto des Polizeipräsidenten geworfen. Dieser blieb unverletzt. Geistesgegenwärtig sprang er aus dem Wagen, zog den Revolver und schoß einen der Attentäter nieder, einen zweiten verfolgte er solange, bis die Polizei seiner habhaft werden konnte. Der Dritte ist durch die Splitter seiner eigenen Bombe getötet worden. Der Chauffeur des Polizeipräsidenten wurde verletzt. Auch sonst war der Montag in Indien ein schwarzer Tag. In Shahapur, wo Hunderte von Menschen die Forstgesetze verletzen wollten, kam es zu schweren Kämpfen mit der Polizei. Auf beiden Seiten gab es Verwundete. Ein Eingeborener wurde von der Polizei erschossen. Ebenso kommen von der Nordwestgrenze trübe Meldungen. In einem Grenzdorf sind britische Militärabteilungen mit mohammedanischen Eingeborenen ins Handgemenge gekommen, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gegeben hat. Der Aufskand in Teru Die Regierung zurückgetreten Paris, 25. August.(Drahtmeldung.) Nach Meldungen aus Peru haben sich die Aufständischen der Stadt Arequipa bemächtigt und die großen Warenhäuser geplündert. Nach anderen Meldungen soll der Präsident von Peru gestürzt sein und sich in die venczolanische Gesandtschaft geflüchtet haben. Nach einer Havas=Meldung hat sich die Aufstandsbewegung in Peru auf die östlich und nördlich gelegenen Gegenden ausgebreitet. Alle Militärschulen und weitere Regimenter sollen sich der Bewegung angeschlossen haben. Nach einer amtlichen Meldung aus Lima, die über Neuyork kommt, ist die peruanische Regierung zurückgetreten. Neuyork, 25. August.(Drahtmeldung.) Wie aus Lima gemeldet wird, erfolgte der Rücktritt des Staatspräsidenten Lequia auf Verlangen der neugebildeten Militärjunta, die das gestern von diesem gebildete neue Kabinett, das sofort vereidigt werden sollte, als unbefriedigend abgelehnt hatte. Wie es heißt, beabsichtigt die Junta die sofortige Auflösung des Kongresses, will aber die Verfassung aufrechterhalten. Der frühere preußische Justizminister Am Zehnhoff ist in Düsseldorf im Alter von 76 Jahren gestorben. Grubenunglück in Cst-Oberschlesien Kattowitz, 25. August.(Drahtmeldung.) Ein schweres Grubenunglück ereignete sich heute auf dem Hildebrandschacht bei Antonienhütte in der Nähe von Kattowitz, als plötzlich mehrere Pfeiler einstürzten. 14 Bergleute, die gerade dort beschäftigt waren, wurden durch die Gesteinsmassen abgeschnitten. Es wurden sofort Rettungskolonnen eingesetzt, die fünf Mann lebend zu Tage brachten. Von den anderen Verschütteten konnten inzwischen drei als Leichen geborgen werden, die sechs übrigen gelten als verloren, da auf ihnen gewaltige Gesteinsmassen lagern. Die Retungsarbeiten werden mit äußerster Anstrengung fortgesetzt. Strafgericht über Schalke 04 14 Spieler aus dem Weltdeutlchen Spielverband ausgelchlollen Wie wir in später Nachtstunde zu der Sitzung der Spruchkammer des Westdeutschen Spielverbandes, die am Montag in Duisburg über die Angelegenheit Schalke 04 zur letzten Entscheidung zusammentrat, erfahren, wurde in dieser der Ausschluß von 14 Mitgliedern des F. C. Schalke 04 aus dem Westdeutschen Spielverband beschlossen. Hiervon betroffen sind sowohl Spieler der ersten Mannschaft, als auch einzelne Vereinsmitglieder, hingegen bleibt der Verein als solcher nach wie vor Mitglied des Westdeutschen Spielverbandes. Näheres über die Personen, die von dem Ausschluß betroffen werden, waren noch nicht in Erfahrung zu bringen, da das Urteil in seinem Wortlaut erst Dienstag vormittag der Oekfentlichkeit bekanntgegeben werden soll Die Reichsbahn als Gegner des Hansa=Kanals Die deutsche Reichsbahn beklagt sich in letzter Zeit bitter über die Verringerung ihres Geschäftes durch die Konkurrenz der Ueberlandautotransporte, wobei sie sogar soweit geht, deren Einschränkung zu fordern. Aus gleichem Grunde ist sie natürlich auch ein ausgesprochener Gegner jedes Wasserstraßenbaus, und erklärt neue Kanäle für wenig zweckdienlich, während man überall sonst in der Welt Kanäle baut und ausbaut, wo es nur immer geht. So ist es denn auch kein Wunder, daß die Reichsbahn dem Projekt des Hansa=Kanals nicht günstig gesinnt ist. Dieser Kanal soll das rheinisch=westfälische Industriegebiet mit den Seehäfen Bremen, Hamburg und Lübeck verbinden und ist bereits ziemlich eingehend vorbearbeitet. Die Pläne gehen demnächst dem Reichsverkehrsministerium zur Nachprüfung zu. Hauptzweck des Kanals ist die Bekämpfung der in den Seehäfen erdrückenden englischen Kohle, die an den Küstenstreifen viel billiger und in besserer Qualität zu haben ist als die auf Bahnwagen angerollte deutsche Kohle. Es handelt sich also hier um eine Frachtkostenfrage. Obgleich man auf Grund aller bisherigen Erfahrung annimmt, daß Wasserfracht auf die Dauer für geringwertige Massengüter billiger ist, als Bahnfracht, will man doch nicht ohne weiteres die ungeheuren Kosten eines Kanalbaus auf sich nehmen und denkt, daß die Reichsbahn unter Umständen dem Kohlentransport mit entsprechender Ermäßigung der Frachtraten entgegenkommen könnte, worauf man auf den Bau des Kanals verzichten würde. Die Reichsbahn ist der Ansicht, daß sie die Transporte zu denselben Tarifen durchführen kann, wie sie der Kanal anbieten könnte, bestreitet aber— wohlbemerkt—, daß die Kanaltarife eine solche Wirtschaftlichkeit zulassen würden, daß man den Kapital= und Tilgungsdienst damit leisten könne. Selbst wenn dies der Fall wäre, müßte man den Bau des Kanals immer noch als eine Möglichkeit zur allgemeinen Belebung der Wirtschaft ansehen, Wie sich der Verkehr darauf in einem Jahrzehnt entwickelt, kann heute niemand voraussehen. An neuen Wasserwegen und Binnenhäfen wachsen Industrieanlagen wie die Pilze aus der Erde und die Wirtschaftsdepression von heute kann nicht ewig dauern. Man darf aber dabei nicht außer acht lassen, daß der Reichsbahn fast unglaubliche Lasten aufgebürdet worden sind. die sie bei weiterer Verschlechterung ihrer Lage nicht mehr tragen könnte. Bbrichtssaut Schwere Strafen für Falschmünzerei Vom Schöffengericht in Recklinghausen wurden wegen Falschmünzerei der Arbeiter Karl Klimaschewski aus Herten zu drei Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht, der Arbeiter Heinrich Kohr aus Heil bei Kamen zu einem Jahr Gefängnis und Stellung unter Polizeiaussicht und der Bäcker Andreas Schmiletaki aus Herten zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Sie stellten seit längerer Zeit in der Hauptsache falsche Zweimarkstücke in großem Umfange her und brachten sie in den Verkehr. Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Essen spielten sich zwei Falschmünzerprozesse ab, in denen schwere Zuchthausstrafen verhängt wurden. In dem einen Fall stand der Schlosser Otto Stanek in der Anklagebank, der in Essen falsche Zweimarkstücke hergestellt hatte, die er in Mülheim, Hamborn und Oberhausen in Verkehr brachte. Als er eines Tages an einer Trinkhalle in Hamborn ein Falschstück verausgaben wollte, fiel er auf. Er begab sich in ein Zigarrengeschäft, um dort ebenfalls Falschgeld auszugeben. Der Trinkhallenbesitzer war ihm gefolgt, hatte schleunigst die Kriminalpolizei verständigt, die den Falschmünzer in dem Zigarrengeschäft festnahm. Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft und erst um die Mitte Juni d. Is. aus der Strafanstalt entlassen worden. Das Gericht verurteilte ihn zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust.— In dem anderen Falle handelte es sich um den 54 Jahre alten Maurer Karl Reuß, der falsche 50=Pfennig=Stücke angefertigt hatte. Der Mann wartete mit einem Register von 15 Vorstrafen auf. Zuletzt verbüßte er eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren. Kaum wieder in Freiheit, nahm er sofort sein gefährliches Handwerk wieder auf. Als er eines Tages in Gelsenkirchen in einer Gastwirtschaft ein falsches Geldstück verausgaben wollte, wurde er von der Kriminalpolizei festgenommen. Das Gericht verurteilte diesen Angeklagten gemäß dem Antrage des Staatsanwalts zu 3 Jahren, 1 Monat Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Durch die Beamten für die Falschgeldstelle in Aachen wurde wieder ein Falschmünzer festgenommen. Es handelt sich um einen jungen Mann von Aachen, der nach hartnäckigem Leugnen zugab, falsche Dreimarkstücke verausgabt zu haben. Das Schicksal ereilte ihn in dem Augenblick, als er eines der Falschstücke in einem Aachener Geschäft in Zahlung geben wollte. Das Gerät zur Herstellung der Falschstücke wurde beschlagnahmt. Aus Not gestrauchelt Durch die Krankheit seiner Kinder und seiner Frau geriet der Postbeamte A. Sch., der 25 Jahre lang seinen Dienst gewissenhaft versehen hatte, in so große Not, daß zuletzt der Gerichtsvollzieher bei ihm einen Schrank pfänden wollte In seiner Bedrängnis wußte sich der Beamte nicht anders halfen, als eine Postanweisung zu fälschen und den Betrag für sich zu behalten. Um aber dieses Loch wieder zu stopfen, füllte er noch in drei anderen Fällen Postanweisungen und Nachnahmen mit der Unterschrift des Empfängers aus. Die Unredlichkeiten kamen dadurch ans Tageslicht, daß eine Frau, bei der Sch. einen Nachnahmebetrag einkassiert hatte, von ihrem Gläubiger nochmals gemahnt wurde. Die Frau begab sich zur Post, wo dann die Unterschlagung des Betrages festgestellt wurde. Da der Angeklagte das Geld bereits bezahlt hat, ist der Post kein Schaden entstanden. Der Vertreter der Anklage ließ daher auch mildernde Umstände gelten und beantragte gegen Sch. eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten. Das erweiterte Schöffengericht hielt für die fortgesetzte gewinnsüchtige Privatunkundenfälschung in Tateinheit mit Amtsunterschlagung 4 Monate Gefängnis für ausreichend. Ein gemeiner Raubüberfall In einer Wirtschaft am Moltkeplatz in Bochum bemerkten die Bergleute Ernst Brandfaß und Karl Sobig sowie der Monteur Neuhaus, daß der Arbeiter D. seine ganze Löhnung in der Tasche hatte. Dies ließ in den Burschen den Plan reifen, den D. zu berauben. Man begleitete ihn ein Stück des Weges. Auf der Hattinger Straße in der Nähe des Bergmannsheils fiel Brandfaß plötzlich über D. her, während Sobig ihm die Hände festhielt und dem Ueberfallenen 53 Mark aus der Tasche raubte. Neuhaus hielt sich in der Nähe des Tatortes auf, um gegebenenfalls einzugreifen. Das erweiterte Bochumer Schöffengericht, das sich am Montag mit diesem Raubüberfall zu beschäftigen hatte, konnte nur gegen Brandfaß und Sobig verhandeln, da Neuhaus nach Rußland geflüchtet ist. Im Gegensatz zum Staatsanwalt, der gegen die beiden Angeklagten je 1 Jahr und 6 Monate Zuchthaus sowie 3 Jahre Ehrverlust beantragte, ließ das Gericht noch einmal Milde walten und verurteilte Sobig zu 1 Jahr und 3 Monaten, Brandfaß zu 1 Jahr Gefängnis. Gegen den flüchtigen Neuhaus wurde ein Haftbefehl erlassen. Arbeiter und Angestellten mügsen die ArbeiterDresse lesen Wertvoller Altertumsfuns Entdeckung einer frühchristlichen Kirche unter dem Münster in Vonn. Dechant Hinsenkamp(Bonn) übermittelt unserem Bochumer Mitarbeiter auf Anfrage folgenden Bericht über das Ergebnis der Ausgrabungen in der Krypta des Bonner Münsters: Die Ausgrabungen des Bonner Provinzialmuseums in der Krypta des Münsters hatten zur Entdeckung einer frühchristlichen Kirche geführt, deren Fundamente aus mehr als 50 römischen Weihealtären bestanden, die hauptsächlich den aufanischen Matronen geweiht waren. Diese frühchristliche Kirche liegt diagonal unter der heutigen Krypta und war in ein spätrömisches Gräberfeld, in dem wohl Christen beigesetzt waren, hineingebaut worden. Bei den weiteren Untersuchungen an der Nordseite des Münsters fand sich nun über den frühchristlichen Resten auch das Fundament der Kapelle, die der Kölner Erzbischof Heinrich der Zweite von Virneburg(1304—1332) zu seinen Lebzeiten errichtet hatte, der sogenannten Barbarakapelle. Aus alten Nachrichten ist bekannnt, daß der Erzbischof auch dort begraben wurde. In der Mitte der Barbarakapelle wurde nun auch seine Gruft gefunden, ein sehr tiefes rechteckiges Einzelgrab, dessen Innenwände sorgfältig aus Tuffstein aufgemauert waren. Diese Gruft war ausgemalt auf rosarotem Grund, mit einer abgekürzten Darstellung des Jüngsten Gerichts. Auf der östlichen Schmalwand der Gruft der Crucifixus, auf der Westwand Christus als Weltrichter thronend, ihm zugewandt in der Mitte der Längsseiten je ein schwebender Engel, vermutlich in das Horn stoßend. Der Sarg des Erzbischofs, der 1771 erhoben wurde, hatte nicht auf dem Boden geruht, sondern schwebte ursprünglich auf 4 Kanteisen in halber Höhe. Die Malereien sind die Arbeit eines einfachen Malers, doch wird sich niemand der Stimmung entziehen können, die nicht nur vom Rosa der Wände, vom Ziegelrot des Fußbodens und den(schwarzen) schwarzlinien Figuren auf weißem Grund ausgeht, sondern auch von derselben Leichtigkeit, die wohl das ehemalige, über der Kapelle schwebende Rippengewölbe zusammenfügte. Städtische Gemäldegalerie Bochum Handzeichnungen alter Meister in der städtischen Gemäldegalerte. Die städtische Gemäldegalerie stellt in diesem Monat Handzeichnungen alter Meister aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert aus. Die Kunstakademie in Düsseldorf hat Zeichnungen der berühmtesten alten Meister, wie Rubens, Rembrandt, van Dyk, Guido Reni, Giacoma Bassano, Giovanni Battista Benaschi u. a. m. zur Verfügung gestellt. Sie alle tragen schon den Stempel jener Zeit, als man von der symbolischen Darstellung zur anschaulichen, sinnlichen Verkörperung überging. Sie deuten alle schon die Wendung an, die sich um die damalige Zeit allmählich vollzieht, als die Maler den Versuch machten, ihre Darstellungen realistisch, lebenswarm wiederzugeben und Seele in ihre Bilder zu legen. Damals studierten die Künstler eingehend die Natur, sie befaßten sich erstmalig ernsthaft mit dem Studium der Anatomie, drangen ein in die Lehre der Proportion und schafften sich so die Voraussetzungen für eine wirklichkeitsgetreue Wiedergabe des Darzustellenden. Davon geben die ausgestellten Zeichnungen und Skizzen beredtes Zeugnis und zeigen, wie die Maler begannen, die Notwendigkeit einer plastischen Darstellung der Formen zu spüren, das Nackte zu betonen, wie sie Gestalt und Bewegung kraftvoll im Bilde festhielten und sich auch auf die Darstellung von Persönlichkeiten konzentrierten. In diese Zeit fällt auch der erste Aufschwung der monumentalen Wand= und Kirchenmalerei. Man erkennt, daß diese Ausstellung in ihrem programmatischen Ton eine eindrucksvolle Einführung in das Verständnis einer Kunstzeit gibt. S. Raucherzähne. Die Spezialkonstruktion der Chlorodont=Zahnbürkte ermöglicht das Reinigen und Weißputzen der Zähne auch an den Seitenflächen. Nur echt in blau=weiß= grüner Originalpackung in allen Chlorodont=Verkaufsstellen. 1 K Nur solange vorrat! Ein Waggon Einmuch- und Ebbirhen Eßbirnen 1 Pfd. 10 Pfg. Speckbirnen........ 2 Pid. 25 Pfg. Zitronenbirnen 2 Pfd. 25. Pig. Grießbirnen 2 Pfd. 25 Pig. Tafelbirnen 2 Pfd. 25 Pig. Bergamotte 2 Pfd. 25 Pfg. Besuchen Sie unseren Erfrischungsraum! Wanne-Eickel MetZHG Tel. 41190 S grch Der neue Netzempfänger für Jedermann, 110/220 Volt, mit eingebautem vier1151 poligen Lautsprecher, Grammophon-Uebertragung und eingebauter Lichtantenne, Wellenbereich 200bis 2000 m, komplett mit Röhren,######## Anschlußfertig. nur R.-M. 89130 Elektro- und Funkhaus Reinh. Vogt Wanne-Eickel, Hindenburgstraße 262, Telefon 41226 Dr. med. Thalmann prakt. Arzt Bochum. 3310 Hattinger Straße 29 Im Priv. Haus i. Höhenlustk v. Laub= u. Tannwald finden alleinst. Leute beste Aufnh. Mäß. Preis. H. Müller Witzhelden Rhld. 5. Riäle 650 Mk., gebr., gut erhalten, zu verkaufen. Planchaus J. Hurks Bochum, 3312 Kaiser-Wilhelmstraße. 3273 sind billig zu haben A. Barenberg Bochum Lager Kreuzstr. 11 zu ieder Zeit. 2859 A. Schmidt Bochum. Drusenbergstraße 103. Ruf 68663 Kmamste Wattenscheld Dienstag bis Donnerstag 1. 503 9 Ind-KaufteEin Film aus dem russischen Emigrantenleben in 6 Akten schildert das erbitterte Ringen zweier Männer um eine Frau. Das Gesetz der schwarzen Berge 6 sensationelle Akte nach einer wahren Begebenheit mit Fred Döderlein, Gustav Diessl. Dina Dierks, Hertha von Walther. 3. go Sym, Anlta Dorle in teilalscher Ein kleiner Justizirrtum in 6 amüsanten Großakten. Witten. Der Plan über die Fluchtlinienänderung an der Ecke der Stein= und Schillerstraße am Grundstück Grah ist durch Magistratsbeschluß vom 12. 8. 30 förmlich festgestellt Der Fluchtlinienplan liegt gemäß§ 8 des Fluchtliniengesetzes vom 2. Juli 1875 zu jedermanns Einsicht im Zimmer 196 des Rathauses zu Witten vom 27. August 1930 ab 3 Tage offen. Witten, den 23. August 1930. 948 Der Magistrat. Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft„Reichsbund“ e. u. m. b.., Bochum Vermögen: Gllanz am 31. Dezember 1929 Schulden: Rel I. mauser 497 010.16 II. Neubauten 231 476.26 III. Bank- und Sparkassenguthaben 3 501.76 IV. Inventar 804.53 V. Konto-Korrent 218.19 VI. Darlehn a) 1569.55 b) 244847 c) 300.— 4 318.02 VII. Mietsrückstände....... 2677.56 19156 6 G Kur I. Geschansgutnaben 11 964.— II. Ges.-Rücklage..„ 432.— III. Kapitalabtindung 85 849,89 IV. Wechselschulden 6500.— V. Kautanwartschaft 4886.— VI. Hypotheken 557 215.90 VII. Konto-Korrent 57 05357 VIII. Sonstige Schulden a) 368.31 b) 11529.36 1189767 IX. Reingewinn 4 207.45 740 006.48 So1! Gewinn- und Verlustrechnung! Haben: Rlc. I. Verlustvortrag 1927 1928 II. Zinsen III. Unkosten1 207.15 27 60 83671 1076.80 11 532.08 IV. Bes. Rücklage 7690.22 V. Häuserbetriebskosten 209.18 VI. Reingewina 420745 0528 I. Mieten II. Sonstige Einnahmen Piä. 25 668.65 284.23 767 Vorschlag zur Vertellung des Roingewinns: RM. Gesetzliche Rücklage 2524,20 Hllfsrücklage 683.25 4 207.45 MitgliederbewegunBestand am 1. Januar 1929 137 mit 137 Anteilen Zugang in 1829...... 13 mit 13„ zusammen 150 mit 150„ Abgang in 1929.... Smit8„ Bestand am 31. 12. 1929 142 mit 142„ Die Geschäftsguthaben sämtlicher Mitglieder haben sich im Laufe des Geschäftsjahres um RM. 1 867.— vermehrt. Der Gesamtbetrag der Haftsummen beläuft sich auf RM. 28 400.— Prüfungsauschuß des Aufsichtsrats: Der Vorsland: Bock, Köster, Steinhoft. Gunia, Kaprolat, Gast. Bochum, den 24. Juni 1930. 3315 — Die gute 0 Schuhreparatur bei Jullus Thiemn, Herne, Steinuog 11 Menleer anfen-Behandlung NOLTE, Bochum, Herner Str. 21 mmmmmmmmmmmmmmmm Jute Mellerfoige -Ersatzteile Fabrikat Feldmann 3130 Nur Soze: Fahrzeug-Werke LUEG