Organ der werktätigen Bevölkerung für den Stadtkreis Witten Bezugspreise. Die„Wittener Volkswacht" erscheint täglich vormittags mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet freibleibend monatlich 2.40 Mk. (im voraus zahlbar) Einzelnummer 10 Pfeunig Mitteilungsblatt der freien Gewerkschaften der Arbeiter=Sport= und Kulturvereine Geschäftsstelle: Witten, Johannisstraße 37, Fernsprecher 3627 Anzeigenpreise: 1 mm Höhe 1 spaltig 7 Pf. auswärts 8 Pf., Arbeits= und Wohnungsmarkt und private Familienanzeigen 4 Pf., Reklameteil 40 Pf. Bei Wiederholung Rabau, der bei gerichtlicher Beitreibung in Wegfall kommt. Annahmeschluß für Inserate nachmittags 3 Uhr Nr. 150. Witten, Dienstag, den 8. Juli 1930. 2. Jahrgang 1 Das Steuerprogramm der Reichsregierung Eisiges Schweigen der Regierungsparteien im Reichstag— Die Vorlage dem Steuerausschuß überwiesen Der erste Akt der Erledigung der Deckungsvorlage der Reichsregierung ist am Montag zu Ende gegangen. Nach einer Einführungsrede des neuen Finanzministers Dietrich und nach kritischen Reden der Sozialdemokraten, der Deutschnationalen und der Kommunisten sind die Vorlagen an den Steuerausschuß überwiesen worden, dessen Beratung bereits am Dienstag beginnt. Die Regierungsparteien haben sich nicht an der Debatte beteiligt. Mehr als an der Unterstützung der Regierung lag und liegt ihnen an der Vertuschung der inneren Meinungsverschiedenheiten, die nach wie vor über die Deckungsvorlage in ihren Kreisen bestehen. Wohin die Regierung Brüning steuert, das hat der Reichsfinanzminister Dietrich ziemlich deutlich am Schlusse seiner Rede dargelegt. Er wies mit besonderer Eindringlichkeit darauf hin, daß es sich nicht nur um die Verabschiedung der Steuergesetze handelt. Mit diesen Vorlagen stehe und falle die Reform der Arbeitslosenversicherung, die Aenderung der Krankenversicherung und die Versorgung der Kriegsteilnehmer. Es entfalle aber auch, wenn die Deckungsvorlagen nicht angenommen werden, die Grundlage für das Ostprogramm und schließlich seien die jetzt vorzunehmenden Steuererhöhungen auch die Voraussetzungen für die für den Herbst angekündigten finanzpolitischen Reformen. Jedes dieser Argumente ist zugeschnitten auf die Deutschnationalen und auf die widerstrebenden Elemente innerhalb der Regierungsparteien. Sie sollen dadurch in die Lage versetzt werden, die Vorschläge der Regierung als kleineres Uebel und als die unvermeidliche Voraussetzung für die Erfüllung ihrer Absichten hinzunehmen. Reichsfinanzminister Dietrich als gerissener Taktiker hat allerdings auch Gedankengänge in seine Rede eingeflochten, die von einem Mitglied der Regierung Brüning angenehm enttäuschen mußten. So wies er in einer geschickten Polemik dem Hansabund nach, daß seine Vorschläge auf sofortige Einsparung von 800 Millionen, blutiger Dilletantismus seien, daß dadurch 700 Millionen an sozialen Ausgaben nur auf andere Schultern verschoben werden und so allein eine wirkliche Ersparnis von 100 Millionen bleibt. Allerdings hat sich Herr Dietrich die Begründung des Regierungsvorschlages, eine Ersparnis von nur 100 Millionen vorzunehmen und zwar durch die Regierung unter Ausschaltung des Reichstages, außerordentlich leicht gemacht. Kein Wort davon, daß eine solche Ermächtigung ein schwerer Eingriff in das Haushaltsrechts des Reichstages, eine Schwächung des Verantwortungsgefühls im Parlament und eine Verfälschung seines Willens bedeutet. Kein Wort auch darüber, an welchen Stellen diese 100 Millionen eingespart werden sollen. Wahrscheinlich ist diese Heimlichtuerei aber gar nicht einmal das Ergebnis wohlüberlegter Taktik, sondern die Unfähigkeit der Regierung, mit den hinter ihr stehenden Parteien und Interessentengruppen handelseinig zu werden. Auch was Herr Dietrich als Verdienst beanspruchte, ist nur Schwäche, obwohl er zugeben muß, daß der Fehlbetrag im Reichshaushalt wesentlich größer ist als die Regierung ihn angibt, will er ihn nur teilweise decken. Das aber ist der entscheidende Fehler seiner Politik. Der Redner der Sozialdemokratie, Abgeordneter Hertz wies deshalb darauf hin, daß eine Wirtschaftsgesundung nicht möglich ist, wenn nicht die Finanzgesundung vorausgegangen ist. Nur sie kann das Vertrauen des In= und Auslandes herstellen, das die wichtigste Voraussetzung für die Wiederbelebung der Wirtschaft ist.“ Die Abhängigkeit der Bürgerblockregierung von denjenigen Elementen, die immer nur ihr persönliches Interesse sehen und nicht daran gehen, im Interesse der Gesamtheit Opfer zu bringen, verhindert, daß ganze Arbeit geleistet wird. Zwar hat der Reichskanzler Brüning kürzlich gesagt:„Alles was in einem entscheidenden Augenblick versäumt wird, muß später mit erheblich größeren Lasten nachgeholt werden.“ Aber diese Erkenntnis ist schon wieder vergessen. Aus Furcht vor einer Anspannung der Steuerlasten der leistungsfähigen Kreise, aus Abneigung gegen die sozialpolitischen Einrichtungen der öffentlichen Körperschaften wird wiederum nur halbe Arbeit getan, die von Hunderttausenden mit Fortdauer ihrer Arbeitslosigkeit und von der ganzen deutschen Wirtschaft mit Verschleppung der Krise bezahlt werden muß. Koalitionsbereit! Eine Erklärung der lächlilchen Sozialdemokratie Dresden, 7. Juli.(Eig. Drahtbericht.) Die Landesinstanzen der Sozialdemokratischen Partei Sachsens und die sozialdemokratische Landtagsfraktion faßten am Montag folgenden Beschluß: Die Sozialdemokratie ist nach wie vor bereit, auf der Grundlage ihres im März aufgestellten Programms, die Regierung unter ihrer Führung zu übernehmen und mit den anderen Parteien zu verhandeln, die bereit sind, an der Durchführung dieses Programms mitzuwirken. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion wird als Ministerpräsidenten den Reichstagsabgeordneten Lipinski vorschlagen. Die am Montag stattgefundenen interfraktionellen Besprechungen der sächsischen Rechtsparteien über die Regierungsbildung wurden nach einer knappen Stunde ohne positives Ergebnis abgebrochen. Die Beratungen sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Die Nationalsozialisten forderten u. a. die Herabsetzung der Ministergehälter auf die Hälfte. Diese aus agitatorischen Gründen erhobene Forderung stieß bei den übrigen Vertretern der bürgerlichen Parteien auf Widerstand. " Aunellumonats uht Jeleruche Crötjnung, durch foukaun Stockholm, 7. Juli.(Eig. Drahtber.) Am Montag wurde der Internationale Gewerkschaftskongreß im Stockholmer Konzerthaus eröffnet. 240 Delegierte aus Deutschland, Belgien, Kanada, Dänemark, Estland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Lettland, Luxemburg, Holland, Oesterreich, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei und Ungarn nahmen an der Eröffnungssitzung teil. Joukaux eröffnete im Namen des Vorstandes des IGB. anstelle des erkrankten Präsidenten Citrine den Kongreß. Er gab einen kurzen Ueberblick über die Arbeit des IGB. seit der Wiederaufrichtung des Bundes im Jahre 1919 in Amsterdam, sowie eine Zusammenfassung der auf dem Stockholmer Kongreß zur Verhandlung stehenden Probleme. Er bedauerte, daß Leipart, der Führer der deutschen freien Gewerkschaften noch immer gesundheitlich nicht auf der Höhe sei und infolgedessen nicht nach Stockholm habe kommen können und widmete dann dem verstorbenen Gewerkschaftsführer einen Nachruf. Die Bedeutung des IGB. für die zwischenstaatliche Entwicklung im letzten Jahrzehnt wurde von Jouhaux eingehend geschildert. Die Gewerkschaften, so führte er aus, bekennen freimütig, daß nicht alle Ziele, die sie sich seinerzeit in Amsterdam und später in London gesteckt haben, erreicht worden sind. Der Kampf in dem verflossenen, noch unter dem Zeichen der Kriegsempfindungen stehenden Jahrzehnt ist schwer und wechselvoll gewesen. Es muß jedoch als unverkennbarer Erfolg der internationalen Gewerkschaftsbewegung angesehen werden, daß sie nicht nur ihre Position gegen die Angriffe der Reaktion zu verteidigen verstanden hat, sondern auch ihre eigene Zukunft sichern konnte. Auf die Liquidation des Krieges, die heute noch keineswegs zu Ende geführt ist, wie auf die Organisation des Friedens kann der IGB. mit Genugtuung zurückblicken. Mitarbeit an der Regelung der Reparationsfrage, Förderung der Tätigkeit des internationalen Arbeitsamtes in Geuf und damit verbunden Mitwirkungen an den Bemühungen um Rüftungsbeschränkung sind einige der Arbeitspunkte, um die sich der IGB. nicht ohne Erfolg bemüht hat. Entscheidend für die Weiterentwicklung ist jetzt die Frage der wirtschaftlichen, internationalen Organisation, mit der sich die Arbeiterschaft und Gewerkschaftsvertretung auseinandersetzen müssen. Die Arbeiterschaft nimmt eine Reihe der wichtigsten hierzu gehörenden Probleme in Angriff, wie allgemeir; wirtschaftliche Richtlinien, ein sozialpolitisches Programm und eine Aktion zur Herbeiführung eines wirklichen und dauerhaften Friedens. Der internati##ilen Gewerkschaftsbewegung dürfen keine starren und dauernden Regeln aufgezwungen werden. Die internationale Aktion, zu der die Welt immermehr drängt, müsse vielmehr die Verschiedenheiten der Tradition, der Methoden und der jeweiligen Lage berücksichtigen, um zu einer harmonisch gemeinsamen Arbeit zu gelangen. Im Anschluß an die Eröffnungsrede Jouhaux egrüßte der Vorsitzende der schwedischen Landesorganisation Johann= son im Namen der schwedischen Arbeiterschaft die Delegierten und Gäste des Kongresses. Die eigentlichen Verhandlungen finden am Dienstag statt. Pan-Europa Die deutsche Antwort an Briand Reichsaußenminister Curtius will nach der„Vossischen Zeitung“ in diesen Tagen im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags die Grundzüge der deutschen Antwortnote auf das Briand=Memorandum mitteilen und sich aus der Debatte darüber orientieren, wie weit er bei den Parteien Zustimmung findet. Dazu bemerkt das Blatt: Es ist selbstverständlich, und ergibt sich schon aus den Vorbesprechungen zwischen Paris und Berlin vor der Veröffentlichung des Memorandums sowie aus der letzten Rede, die Stresemann in Genf gehalten hat, daß die deutsche Regierung dem Gedanken eines wirtschaftlichen Paneuropa zuneigt, aber man sieht in der Wilhelmstraße eine engere Verbundenheit der wirtschaftlichen und politischen Zukunftsfragen Europas als Briand. Schon daraus ergibt sich die Schwierigkeit einer völligen Uebereinstimmung mit jenen Thesen. Briand sieht auch nur das Europa, das im Völkerbund vertreten ist. Aber wenn man von einem wirtschaftlichen Paneuropa spricht, dann kann man mit einer Bevölkerung von nahezu 140 Millionen Menschen nicht völlig ausschalten. Wenn wir recht unterrichtet sind, wird die deutsche Antwort auch einen Hinweis auf die Vereinigten Staaten enthalten, die dem Völkerbund nicht angehören, aber nicht außer Betracht bleiben können, wenn von einer wirtschaftlichen Neugestaltung Europas die Rede ist. Italiens Antwort an Briand ist so ausgefallen, wie das nach den Mitteilungen der letzten Tage zu erwarten war. Es müsse die absolute Souveränität und die politische Unabhängigkeit aller Staaten gewährleistet werden, die an Pan=Europa beteiligt werden sollen. Auch die Türkei und Rußland seien zur Teilnahme einzuladen, weil nur die Vereinigung aller größten Staaten Europas die Durchführung der Grundsätze der europäischen Solidarität sichern können. Eine Sicherheit Europas sei ohne Abrüstung unmöglich, daher sei es ein Fehler Briands, die Sicherheitsfrage in den Vordergrund zu stellen. Das wesentlichste sei die Abrüstung, die in Briands Memorandum weder ausdrücklich noch beiläufig aufgestellt sei. Die italienische Argumentation zeigt nur zu deutlich, wie sehr die kritischen Ausführungen nötig waren, die wir kürzlich in einem Leitartikel veröffentlichten Die PRanndebatte AirKeieintag Der Reichsfinanzminister begründet seine Deckungsvorlagen antwortet ihm — Abg. Hertz(Soz.) Berlin, 7. Juli.(Eig. Drahtbericht.) In der Montagssitzung des Reichstages wurde das deutsch=rumänische Handelsprovisorium nach kurzer Debatte in zweiter und dritter Beratung gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Zur Beratung kommt dann die neue Deckungsvorlage der Regierung(Reichshilfe, einmaliger Einkommensteuerzuschlag, Ledigensteuer, Aenderung der Tabaksteuer, Ergänzungsetat). Die Beratung wird verbunden mit der zweiten Beratung des Haushalts des Reichsfinanzministeriums. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich beginnt seine Ausführungen mit einem Dank an seinen Vorgänger Dr. Moldenhauer. Nach einem kurzen Ueberblick über die Entwicklung der Reichsfinanzen in der letzten Zeit weist er auf den ungedeckten Fehlbetrag des Haushalts hin, der, wie der Minister bereits im Reichsrat im einzelnen dargelegt hat, 485 Millionen RM. beträgt. Was die von der Regierung beabsichtigte Einsparung von 100 Millionen an den Haushaltsausgaben angehe, so werde es unter den Ressorts noch einen harten Kampf geben. Er habe aber die tatsächliche Einsparung dieser 100 Millionen zur Voraussetzung seines Verbleibens im Amte gemacht. Nicht zugeben könne er, daß im gegenwärtigen Moment weitere sofort wirkende Ersparnismöglichkeiten beständen. Auch nach der Annahme der Deckungsvorlagen der Regierung wäre es verwegen, zu sagen, daß wir damit über dem Berge wären. Jeder, der die Konjunkturempfindlichkeit des Haushalts kennt, werde sich hüten, bindende Versprechungen für die Zukunft zu machen, besonders in einem Augenblick, wie dem gegenwärtigen, in dem die Wirtschaftslage der ganzen Welt ungewöhnlich gestört und verworren sei. Was den bei der Reichsbahn zu erwartenden Fehlbetrag angehe, so sei nicht nur ein erheblicher Vortrag bei der Reichsbahn und außerdem starke Reserven vorhanden, sondern das Reich sei auch seinerseits in der Lage, in einem bescheidenen Umfange zu helfen, ohne selbst seine Finanzen damit zu belasten. Die Lage der Gemeinden sei jedoch als durchaus schlecht anzusehen. Die Hauptursache der finanziellen Notlage der Gemeinden, die Arbeitslosigkeit bilde auch eine stete Gefahr für die Finanzen des Reiches. Die Reichsregierung sehe diese Gefahr in aller Schärfe. Mit den vorgesehenen Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung werde man nur auskommen, wenn das Arbeitsbeschaffungsprogramm durchgeführt werde. Man könne sagen, das die Aussichten, für etwa eine Milliarde im Laufe des nächsten halben Jahres Arbeit in Gang zu bringen hunderttausenden von Menschen Lohn und Brot schaffen würden. Nur 6 wenn das gelinge, könne die im Haushalt aufgemachte Rechnung über die Kosten der Arbeitslosigkeit verantwortet werden. Bei der Vergebung der Arbeiten müsse besonders sorgfältig darauf geachtet werden, daß sie nicht die Preise erhöhen. Eine weitere Gefahr für die Reichsfinanzen liege in den zu niedrig eingeschätzten Einnahmeausfällen, doch werde es sich hier nicht um Summen handeln, die den Haushalt in Unordnung zu bringen in der Lage seien. Bei der Neuregelung der öffentlichen Finanzen komme der Ordnung der Gemeindefinanzen die größte Bedeutung zu. Es werde nicht möglich sein, diese Ordnung etwa in der Form herbeizuführen, daß das Reich neue Mittel aufbringt, und sie den Gemeinden zuwendet. Es komme vielmehr darauf an, sie selbst für die Verausgabung und für die Bewilligung der Steuern verantwortlich zu machen. Im Vordergrunde ständen da der Verwaltungskostenbeitrag oder Bürgersteuer, die Gemeindegetränkesteuer und die Frage der Besteuerung der öffentlichen Betriebe. Der Minister bittet das Haus, das ihm vorliegende Gesetz über die Besteuerung der Betriebe der öffentlichen Hand noch vor der Sommerpause zu verabschieden. Im übrigen seien Gesetzentwürfe, die neue Einnahmequellen für die Gemeinden schaffen, bereits vorbereitet end könnten jederzeit dem Reichstag vorgelegt werden. Zurzeit sei ihre Vorlegung deshalb nicht erfolgt, weil angesichts der mit der Verabschiedung der vorliegenden Gesetzentwürfe verbundenen Schwierigkeiten eine Verabschiedung weiterer Vorlagen nicht gerade erleichtert werde. Der Minister befaßt sich dann mit dem Umbau des Steuerwesens des Reiches und erklärt, daß hier die Senkung der Realsteuern und der Einkommensteuer das erste Ziel sein müsse, wobei er wiederum die Realsteuerfrage für die vordringlichste halte. Der Minister wendet sich dann dem Haushalt für 1931 zu, dessen Vorarbeiten in wenigen Wochen beginnen würden. Bei der Aufstellung dieses Haushaltes werde selbstverständlich wieder die Frage von entscheidender Bedeutung sein, ob man die wirtschaftliche Entwicklung als noch weiter absteigend ansehen muß oder nicht. Auf die Dauer könne das Volk neben den enormen inneren und äußeren Kriegslasten nicht noch anderthalb Milliarden oder mehr für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ohne Gegenleistung tragen. Vor einem billigen Optimimus müsse man sich bei der Beurteilung des kommenden Haushaltsjahres also von vornherein freihalten. Der Minister bezeichnete die Ausführungen des Berichterstatters im Reichsrat, Ministerialdirektor Dr. Brecht, als durchaus zutreffend, in denen für 1931 ein Minussaldo von 270 bis 300 Millionen errechnet wurde. Natürlich hänge auch hier wieder alles von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Wenn man sich auch vor einem billigen Optimimus hüten müsse, so brauche man doch nicht so pessimistisch zu sein, wie es vieler Orte üblich sei. Zum Schluß weist der Minister auf die Bedeutung der Verabschiedung der vorliegenden Gesetzentwürfe hin. Mit diesen Vorlagen stehe und falle nicht nur die Reform der Arbeitslosenversicherung, sondern auch die Beitragserhöhung. Wenn diese beiden Dinge nicht erledigt würden, so sehe er keinen Weg, die hierdurch zu erwartenden Mittel in Höhe von rund 300 Millionen aufzubringen, die die Arbeitslosenversicherung erfordere. Aber auch die ebenso bedeutsamere Reform der Krankenversicherung und das Gesetz, welches die Bewilligung weiterer Kriegsinvalidenrenten im wesentlichen aufheben soll, könne dann schwerlich eine parlamentarische Erledigung finden. Es würden auch die Grundlagen für das Ostprogramm entfallen. Die Vorlagen dürften nicht vom Gesichtspunkt einzelner Interessentengruppen betrachtet werden, es stehe wahrhaftig mehr auf dem Spiele als die Bewilligung der angeforderten Steuern, die auch die Voraussetzung dafür seien, daß die für den Herbst abgekündigten Reformen vorbereitet und durchgeführt werden können. Eine Pumpwirtschaft, die den gegenwärtig dürftigen Geldmarkt ausnützen würde, werde er nicht mitmachen. Der Redner der Sozialdemokratie Abg. Hertz(Soz.): Ich bin mit dem Minister weitgehend einverstanden. Aber im Hauptpunkt, was nun geschehen soll, habe ich abweichende Ansichten. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat seit 1½ Jahren alle Kräfte an die Sanierung der Arbeitslosenversicherung gesetzt und war bereit, zu diesem Zweck große Lasten auch derjenigen Volksschichten zu verantworten, die von der Arbeitslosigkeit nicht betroffen sind. Trotz diesem unseren Willen ist die Entscheidung über eine weitere Beitragserhöhung dauernd verzögert worden, bis im Frühjahr die Regierung an dieser Aufgabe gescheitert ist. Wir Sozialdemokraten haben immer die Sanierung der Finanzen als Voraussetzung für die Gesundung der Wirtschaft angesehen, und sind sogar bereit gewesen, diejenigen Lasten, die von anderen tragfähigeren Schultern getragen werden können, bis zum gewissen Grade auf die Massen des Volkes zu legen. Die Arbeitsbeschaffungspläne der Reichsregierung sind durchaus richtig, reichen aber nicht aus, eine Wendung in der Wirtschaft zu erzielen. Zur Beseitigung der Wirtschaftsstörungen kommen wir nur auf dem Wege über gesunde Finanzen. Auf dem entgegengesetzten Wege hat man sich von diesem Ziele immer weiter entfernt. Ich fürchte, daß die Gesundung durch die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahme nicht erreicht wird. Der Finanzminister scheint sich von dem früheren Optimismus fern zu halten, aber es genügt nicht, den Fehlbetrag in seinem vollen Umfang zu erkennen, sondern man muß auch den entschlossenen Willen haben, ihn in vollem Maße zu decken, und nur dann sind auch tiefgreifende Maßnahmen zu rechtfertigen. Gewiß ist der Haushalt 1930 durch die Vorbelastung mit 480 Millionen Mark Schuldentilgung außerordentlich angespannt. Aber diesen besonderen Aufwendungen stehen wenigstens noch Einnahmen gegenüber. Man sollte aber den ungeheuren Ernst unserer Wirtschaftslage nicht leicht nehmen.„5274341t Las Aiems cum Gur ehafig Die Konjunkturempfindlichkeit des offentlichen Haushalts zeigt sich an den Einnahmen noch mehr als an den Ausgaben. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Wirtschaftsjahr bedeutet für die Reichsfinanzen eine Differenz von etwa 200 Millionen Mark. Die Vertagung einer entscheidenden Lösung auf spätere Zeit macht die Opfer nur noch schwerer. Selbstverständlich ist bei unserer Finanzlage äußerste Sparsamkeit auch neben der Erschließung neuer Steuerquellen nötig. Aber das Ausmaß sofort wirksamer Einsparungen ist begrenzt und könnte nur erweitert werden, wenn rücksichtslos an den unentbehrlichsten sozialen Verpflichtungen gestrichen. würde. Wenn nun in acht Monaten des Rechnungsjahres 1930 insgesamt 100 Millionen Mark eingespart werden sollen, so entspricht das etwa 130 Millionen Mark Streichungen am jetzt vorliegenden Haushalt. Wir halten Ersparnisse im Gesamtbetrag von 200 Mill. Mark für möglich und notwendig, jedoch nur auf dem Wege einer Ermächtigung der Reichsregierung. Wir lehnen eine solche Ermächtigung, die eine Ausschaltung des Parlaments bedeuten würde, ab und halten unbedingt an dem Etatrecht des Reichstages fest. Wenn der Finanzminister sich auch entschieden gegen jede Streichung an den sozialpolitischen Ausgaben verwahrt hat, so begrüßen wir das. Wir haben jedoch nicht das gleiche Zutrauen zu der Gesamtregierung. Die Ereignisse im April haben unser Mißtrauen riesengroß werden lassen. Weitere Ersparnisse erscheinen uns zunächst bei der Reichswehr möglich. Seit dem Haushalt 1925 sind die Ausgaben für Reichsheer und Marine von 633 auf 790 Millionen jährlich gestiegen, also um 160 Millionen, das sind 25 Prozent. Die Tatsache in Verbindung mit einer Reihe Einzelerscheinungen hat weit über die Sozialdemokratie und über die Arbeiterklasse hinaus die Erkenntnis geweckt, daß man bei der Notwendigkeit zu sparen, an den Militär=Ausgaben nicht vorbeigehen darf, sondern bei ihnen beginnen muß. Die neue Wehrmacht hat nach ihrem 10= oder 11jährigen Bestand bereits einen Pensionsetat von 72 Millionen im Jahre, darin sind fast 15 Millionen für einmalige und 25 Millionen für laufende Versorgungsgebührnisse, sowie 20 Millionen für Ruhegehälter enthalten. Es wachsen also beträchtliche Lasten aus dieser neuen Wehrmacht dem Reichsetat zu. Von den 1320 Militärpersonen, die seit 1927 Ruhegehalt bekommen, sind 171 Obersten, 148 Oberstleutnants, 213 Hauptmänner, 223 Oberleutnants, 115 Deckoffiziere, 108 Feldwebel. Obwohl das Verhältnis der Mannschaften zu den Offizieren in der Reichswehr etwa 7:1 beträgt, ist es bei den Pensionen fast umgekehrt. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Beratung des Haushaltes des Auswärtigen Amtes hat gezeigt, daß dort Anforderungen gemacht werden, die das verarmte Deutschland nicht tragen kann und die der Reichstag, wenn sie im einzelnen vorher vorgelegt würden, gewiß auch nicht billigen würde. Schließlich sollte sich die Reichsregierung. auch die Subventionen an die Länder aus dem§ 35 des Finanzausgleichgesetzes und aus der Sonderabfindung für die Biersteuer ansehen, bei der übrigens der Staatsgerichtshof, auf Grund dessen Entscheidungen diese Zahlungen erfolgen, die betreffenden Reichsgesetze für ungültig erklärt hat. Der Widerstand gegen die Pensionskürzung könnte überwunden werden, wenn an große Bevölkerungskreise der Ruf zur Opferwilligkeit erlassen werden könnte. Aber über die Haltung der Parteien bin ich tief enttäuscht, denn von allen wurden Redner bestimmt, die an dieser Frage persönlich materiell interessiert sind. Die Sozialdemokratie macht von der Haltung zu dieser Vorlage ihre Stellung zu allen Deckungsvorlagen abhängig. Wenn man die Biersteuererhöhung in dem Maße vorgenommen hätte, wie sie zuerst geplant war, so wäre die Verbraucherbelastung nicht höher als jetzt geworden. Jetzt haben wir aber gegen eine isolierte Biersteuererhöhung schwerste Bedenken, weil eine neue Verbraucherbelastung dabei herauskommen dürfte. Der Gedanke des Bierhandelsmonopols ist als Hilfswasse erwägenswert, um den Kleinhandel zu verhindern, alle Lasten auf die Verbraucherschaft abzuwälzen und um den Steuereingang zu sichern. Es wären aber noch eine ganze Reihe anderer Steuererhöhungen möglich. Eine vorzeitige Inkraftsetzung der Bestimmungen des geplanten Ausgabensenkungsgesetzes, die Erhöhung der Verzugszinsen für Steuerrückstände sind in Erwägung zu ziehen. Die Steuerrückltände sind in diesem Jahre um mehr als 100 Millionen Mark hoyer als im Vorjahre. Zum Teil ist das sicher durch die Wirtschaftskrise bewirkt. Aber die Steuerbeamten selbst wissen ganz genau, daß eine zu milde Behandlung der zu säumigen Steuerzahler Platz gegriffen hat.(Sehr richtig bei den Soz.) Auch die Erbschaftssteuer ist gegenwärtig so niedrig, daß sie von der großen Masse des Volkes als sozial ungerecht angesehen wird. Die allgemeine Erhöhung der Einkommensteuer aller Einnahmen, die früher allein von der Sozialdemokratie gefordert wurde, muß jetzt auch von den Regierungsparteien angewandt werden. Aber die jetzige Regelung ist eine stark unsoziale Halbheit. Die Heranziehung aller, nicht nur einzelner leistungsfähiger Kreise, wird selbst von bürgerlicher Seite als der einzig gangbare Weg zur Finanzierung bezeichnet. Die Gefahr der Kapitalflucht, die vom Arbeitsminister gegen eine Erhöhung der Einkommensteuer ins Feld geführt wird, wird von den breitesten Volksmassen nicht als eine solche Gefahr anerkannt. An der Kapitalbildung sind keineswegs nur die oberen, sondern auch die mittleren und untersten Schichten stark beteiligt. Die Einkommensteuer ist überhaupt unsere gerechteste Steuer. Durch ihre Vernachlässigung wird Deutland zu einer ausgesprochenen Steuer=Oase der Welt. Die Erhöhung der Einkommeniteuer um 5 Proz. bedeutet eine Anerkennung unserer Argumente. Diese Anerkennung ist aber die reaktionärste Halbheit, weil unser Vorschlag einen 10 prozentigen Aufschlag auf die Einkommensteuer bei höheren Einkommen einzuführen, nicht durchgeführt wurde, was deutlich die Absicht der Regierungsparteien verrät, die Besitzenden zu schonen. Durch diese Halbheit wird außerdem unser Steuersystem außerordentlich kompliziert, obgleich der Finanzminister sich gegen alle unnötigen Steuerkomplikationen ausgesprochen hat. Die Ledigensteuer könnte nämlich bei einer höheren Belastung der großen Einkommen wegfallen. Sie ist eine Steuer, die überhaupt nicht in unser Steuersystem hineinpaßt. Der Gesetzentwurf zur Ledigensteuer ist so schwach begründet, wie noch selten überhaupt ein deutscher Gesetzentwurf. Die Reichshilfe der Beamten enthält einen berechtigten Kern, weil man die vor Arbeitslosigkeit und Not im Alter geschützten Volksschichten gerechterweise höher besteuern kann. Die Beamtenorganisation hätte nie diesen starken Widerstand gegen die Reichshilfe entwickelt, wenn sie den Eindruck gehabt hätte, daß alle anderen Steuerquellen ausgeschöpft werden sollen. Mit der Schaffung einer Freigrenze und keines Freibetrages werden die höheren Einkommen der Beamten viel weniger belastet, als die unteren Einkommensstufen bei denen die zusätzliche Belastung bis zu 100% ansteigt. Eine besondere Ungerechtigkeit liegt darin, daß auch die Gruppe der Behördenangestellten zur Reichshilfe herangezogen wird, die nicht die Vorteile der Beamtenstellung genießen. Wir werden dafür sorgen, daß nur die Gruppen, die in den Besitz dieser Vorteile kommen, die Sondersteuerlast zu tragen haben. Der Minister hat für seine Vorschläge die Unterltützung des Parlaments verlangt. Diese Frage wäre leichter zu lösen, wenn man wüßte, ob auch die gesamte Regierung hinter diesen Vorschlägen steht. Die Regierung hat oft genug versprochen, die Führung zu übernehmen, hat aber ihr Versprechen nicht gehalten, sondern eine Politik der Trinkgelder betrieben.(Sehr wahr! bei den Soz.) Hinter eine solche Regierung können wir uns nicht stellen. Zudem soll die Arbeitslosenversicherung abgebaut werden. Die Zollpolitik soll auf Kosten der Massen und zum Schaden unserer handelspolitischen Beziehungen auf hohe Schutzzölle umgestellt werden. Aus der angekündigten Senkung der Preise kann nichts werden, wenn man keinen Druck auf die gebundenen Kartellpreise ausübt. Nichts soll zur Senkung der Kleinhandelspreise geschehen, wofür vor allem die Aufhebung der unmöglichen Sonderumsatzsteuer für Warenhäuser und Konsumvereine zu fordern wäre. Wenn die Finanzen saniert werden sollen und müssen, dann ist es das Gebot der Stunde, diese Vorsätze und Erkenntnisse ausgesprochen zu haben.(Lebhafter anhaltender Beifall bei den Sozialdemokraten.) Drittes Blatt. Sestbralsche Riundschau Der Präsidentenwechsel im VerbandsPrastblum Feierlicher Abschied und feierliche Einführung Am Samstagmittag 12 Uhr wurde der bisherige Verbandspräsident Happ, der zum Regienungspräsidenten von Breslau ernannt ist, im Verbandspräsidium verabschiedet und gleichzeitig der neue Verbandspräsident Dr. Hüesker in sein Amt eingeführt.„ahrt winister a. Kirtliet. Der preußische Wohlfahrtsminister Dr. Hirtsiefer war dazu persönlich erschienen. Der Minister hielt eine längere Ansprache, in der er seinem lebhaften Bedauern Ausdruck gab darüber, daß Herr Happ seinen Posten, den er über vier Jahre lang mit großem Erfolge verwaltet habe, verlasse. Er bedauere den Weggang des Herrn Happ auch persönlich, weil er in den verflossenen vier bzw. fünf Jahren mit Herrn Hopp in vollem gegenseitigem Verständnis zusammengearbeitet habe. Der Tätigkeit des Herrn Happ sei es zu verdanken, daß die Stellung des Verbandspräsidiums heute gesicherter und stärker sei als vorher, und daß ein durchaus vertrauensvolles Verhältnis zwischen der Behörde und der Bevölkerung bestehe. Dann führte der Minister den neuen Verbandspräsidenten in sein Amt ein und bat ihn, in die bewährten Fußtapfen seines Vorgängers einzutreten und in demselben Sinne tätig zu sein. Regierungspräsident Happ brachte in seiner Abschiedsrede zum Arisdruck, daß er sehr ungern aus Essen scheide. Aber im Interesse des Staatsganzen habe er dem Rufe nach Breslau Folge geleistet. Der neue Verbandspräsident Dr. Hüesker versprach, lebendige Verbindung zu suchen mit der Bevölkerung des ganzen Verbandsgebietes und im gleichen Sinne wie sein Vorgänger zu arbeiten. Er hoffe dadurch, den Forderungen und Interessen der Staatsaussichtsbehörde voll und ganz gerecht zu werden. Seine hiesige Tätigkeit solle keineswegs nur vorübergehend sein, sondern dauernd. Seine Beamtenlaufbahn in den letzten zehn Jahren habe ihn zu häufigem Ortswechsel geführt, nun wolle er sich dauernd den wichtigen Aufgaben im Ruhrgebiet widmen. An dem festlichen Akte nahmen sämtliche Beamten und Angestellten des Verbandspräsidiums teil. Ostpreußens Oberpräsident in Essen Im Rahmen einer von Tausenden besuchten Feier der ∆ zehnjährigen Wiederkehr des deutschen Abstimmungssieges in Ost= und Westpreußen hielt am Sonntagvormittag im festlich ausgestatteten Saalbau der amtierende Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, Dr. Siehr, eine längere Rede, in der er ein erschütterndes Bild von den politischen und wirtschaftlichen Nöten der deutschen Nordostseeprovinz entrollte, die nicht leben und nicht sterben kann. Wenn heute auch die Gefahr eines polnischen Handstreichs auf die isolierte Provinz nicht mehr so akut sei wie noch vor sechs, sieben Jahren, so sei die gegenwärtige polnische Absicht zugestandenermaßen doch ganz offensichtlich darauf gerichtet, durch ein geschickt inszeniertes System wirtschafts= und handelspolitischer Maßnahmen, die abgeschnürte Ostmark allmählich ganz in polnische Abhängigkeit zu bringen. Er gab ferner der Ueberzeugung Ausdruck, daß es + doch noch mit friedlichen Mitteln gelingen werde, den schwersten Fehler des Versailler Diktats, die unsinnige Grenzziehung im deutschen Osten, einer vernünftigen, für beide Teile erträglichen Revision zuzuführen. Bis dahin aber bitte er um das volle Verständnis und die tätige Unterstützung des deutschen Westens. Auch Oberbürgermeister Dr. Bracht ergriff das Wort zu einer kurzen Rede, in der er die tiefe Schicksalsverbundenheit zwischen Ost= und Westdeutschland betonte. Die von Musik= und Gesangsvorträgen durchwobene Feier brachte weiter eine Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Rheinisch=Westfälischen Hauptverbandes heimattreuer Ost= und Westpreußen: Oberingenieurs Scheunemann(Essen) und einen tiefangelegten Vortrag des Archivdirektors Dr. Wentzke(Düsdeutsche Schicksalsgemeinschaft in Ost und seldorf) über die deursche West.— vom Schlachtfeld der Arbeit Der Steiger Conrad Fieger aus Bardenberg bei Aachen stürzte Sonntag vormittag gegen 9.30 Uhr einen 30 Meter tiefen Aufbruch hinab. Seinen Verletzungen ist er kurz Zeit später erlegen. Er hinterläßt Frau und drei unmündige Kinber. Am 3. Juli stürzte ein auf einem Werk in DüsseldorfReisholz beschäftigter 19 jähriger Anstreicher bei der Ausführung von Anstreicherarbeiten, von der Leiter auf ein Dach und erlitt einen Schädelbruch, der den Tod sofort herbeiführte. * Zu dem Grubenunfall auf der Zeche„Wiesche“ ∆ bei Mülheim, bei dem zwei Bergleute zu Tode kamen, meldet ## das Oberbergamt Dortmund folgendes: Auf der Zeche Wiesche ** bei Mülheim=Ruhr sind am 3. Juli zwei Bergleute in einem Aufhaue tödlich verunglückt. In dem Aufhau war eine Störung eingefahren. An dieser ist unterhalb der Arbeitsstelle das Aufhau zu Bruch gegangen. Dadurch wurde den Leuten der Rückweg versperrt. Die vom unteren und auch vom oberen Ort sofort eingeleiteten Rettungsversuche führten nicht zum Erfolge, da weitere Gebirgsbewegungen eintraten. Durch Schlagwetter, die an der Störungskluft auftraten, sind die Hauer erstickt. Sie konnten nur noch tot geborgen werden. Straßenschlacht in Dortmund Am Freitagabend, kurz vor 10 Uhr, wollte ein Beamter einer berittenen Polizeistreife auf der Borsigstraße in Dortmund die Personalien eines Arbeiters feststellen, weil der Mann einem anderen Arbeiter den Anzug zerrissen hatte. Der Arbeiter weigerte sich, seine Personalien anzugeben. Als die Beamten den Mann daraufhin zum Polizeirevier bringen wollten, leistete er heftigen Widerstand. Er schlug und trat die Beamten. Inzwischen sammelte sich eine große Menschenmenge an. Von dem inzwischen verständigten Polizeirevier am Borsigplatz erschienen sechs Beamte, die mit Johlen von der Menge empfangen wurden. Außerdem wurden die Beamten aus der Menge heraus mit Steinen und Flaschen beworfen. Mittlerweile war die Menschenmenge auf 2000 Personen angewachsen, die die Beamten hart bedrängten. Dem gleichfalls alarmierten Ueberfallkommando gelang es schließlich, mit Hilfe des Polizeiknüppels die Beamten aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien. Ein Beamter. der besonders abgedrängt war, gab einen Schreckschuß ab. Der Bruder des Festgenommenen versuchte mit aller Gewalt, seinen Bruder den Beamten zu entreißen. Die beiden Brüder sowie ein Hauptbeteiligter konnten festgenommen werden. Durch die Stein= und Flaschenwürfe wurden drei Beamte verletzt. Ob auch durch die Anwendung des Polizeiknüppels Personen verletzt worden sind, konnte noch nicht festgestellt werden. Rosenschau im Essener Grugapark Eine Schau von besonderem Reiz ist die Schnittrosenschau im Kongreßraum der Gruga=Terrassen=Gaststätten. Während im Park die Rosen als Massenblüher auf großen Farbenbeeten gezeigt werden, führt die Rosenschau diese wundervollen Blumen einzeln vor Augen. Es werden die besten und dankbarsten Rosen für das Ruhrgebiet gezeigt. Besonders erwähnt werden muß die dekorative Aufmachung der Schau= die in einem Rahmen von grüngesteckten Wänden in feiner Farbenzusammenstellung gezeigt wird. Jedem Besucher des Grugaparks ist der Besuch dieser Sonderschau ssehr zu empfehlen. Ein Velberter Nazi=Redakteur Fricks Pressechef! Wie die demokratische„Morgenzeitung“ in Velbert erfährt, hat der thüringische Innenminister Dr. Frick den nationalsozialistischen Redakteur der„Velberter Zeitung", Likus. in das ministerielle Presseamt berufen. Die Zeitung bemerkt dazu, daß damit eine der Hauptstützen der Hitlerpartei aus dem Niederbergischen scheidet. Für die Oeffentlichkeit sei die Berufung besonders deswegen von Interesse, weil sowohl Likus als auch seine Zeitung bisher hartnäckig ihre Zugehörigkeit zur Nazipartei leugneten. So schrieb der nunmehrige Pressechef in Weimar am 17. März noch in seinem Blatt, daß er seit einer Reihe von Jahren keiner Partei mehr angehöre, daß er(wer lacht da) auf dem Boden der Reichsverfassung stehe und sich als öffentlicher Mandatsträger in seinem Beruf und als Staatsbürger nachweislich nur im Sinne der Reichsverfassung betätigt habe(wie er sie auffaßt). Absturz des Freiballons„Köln“ 1 Toter, 4 Verletzte. Der bei dem Freiballonwettbewerb am Samstagmorgen em Lindentor des Flughafens Köln=Butzweiler außer Wettbewerb aufgestiegene Freiballon„Köln“ mußte infolge einer aufsteigenden Gewitterfallböe hurz nach dem Start in KölnPoll eine Notlandung vornehmen. Der Druck von oben war so stark, daß Gefahr bestand, daß der Ballon auf das Dach eines Hauses getrieben wurde Trotzdem 10 Sack Ballast abgeworfen wurden, konnte der Ballonführer Geusgen(Köln) den Sturz nicht mehr verhindern. Bei dem Sturz wurden der Führer und die beiden Mitfahrer Nadel(Krefeld) und Schöster(Köln) leicht verletzt. Der vierte Mitfahrer, Justizrat Deussen(Krefeld) erlitt innere Verletzungen und einen Bruch der Schädelbasis. Er ist im Laufe des Vormittags seinen Verletzungen erlegen. Zwei weitere Ballone, die an dem Wettbewerb teilnahmen, sind bereits gelandet. Zwei Eisenbahnunfälle Zugunfall im Dortmunder Hauptbahnhof.— 21 Verletzte. Sonntag vormittag, gegen 8.25 Uhr, stieß eine einzelfahrende Lokomotive mit der eines einfahrenden Personenzuges(879) im Dortmunder Hauptbahnhof seitlich zusammen. Beide Maschinen wurden dadurch beschädigt. Eine Entgleisung des Personenzuges erfolgte nicht, doch haben sich 21 Personen als Verletzt gemeldet. Es handelte sich durchweg um leichtere Verletzungen. Die Untersuchungen über die Schuldfrage wurden sofort eingeleitet. Unfall des D=Zuges München—Dortmund. Samstag früh, gegen 9 Uhr, hat der D=Zug 363 München—Dortmund bei einem Uebergang nördlich des Bahnhofs Benrath den Anhänger eines Treckers überfahren. Dabei ist der hinter der Lokomotive laufende Postwagen mit allen Achsen entgleist. Beide Hauptgleise waren gesperrt. Es ist niemand verletzt. Die Züge wurden über Opladen umgeleitet. Die Sperrung war nach einigen Stunden beseitigt. Die Untersuchung ist im Gange. des Badens In der Nähe der Horchheimer Brücke in Koblenz ertrank ein 81 Jahre alter Schupobeamter beim Baden im Rhein. Trotzdem zwei junge Leute dem Ertrinkenden sofort zu Hilfe eilten, waren die Bergungsversuche ohne Erfolg.— Bei Andernach ertrank ein des Schwimmens unkundiger Metzgergeselle an einer gefährlichen Stelle im Rhein. Die sofort aufgenommenen Tauchungen hatten auch hier keinen Erfolg. Man nimmt an, daß der Ertrunkene in den Schlammassen stecken geblieben ist.— Bei Weiler ertrank ein 22 Jahre alter Arbeiter in einem Bergwerksweiher. Die Leiche des Arbeiters, der nicht schwimmen konnte, wurde kurz darauf geborgen. Die Ursache zu dem Unglück war ein Herzschlag. Ein furchtbares Autounglück. Am Freitagnachmittag ereignete sich in der Nähe der Sportplatzanlage auf der Xantener Straße in Rheinberg ein folgenschweres Verkehrsunglück. Ein aus der Richtung Tanten kommender Lieferwagen, der zum Duisburger Großmarkt fahren wollte, fuhr auf einen in derselben Richtung fahrenden Möbelwagen. Durch den Anprall fiel ein Mann vom Führersitz und brach das Genick, so daß der Tod bald darauf eintrat. Der vordere Wagen und der Motor wurden gänzlich zertrümmert. Die beiden Insassen des Lieferwagens erlitten durch die Wucht des Anpralls schwere Verletzungen an Kopf, Händen und Füßen. Einer der Verletzten mußte sofort dem Krankenhause zugeführt werden. Dienstag, den 8. Juli 1930. Von einem Irren erwürgt. Ein eigenartiger Vorfall ereignete sich in der Heil= und Pflegeanstalt Alzey. Dort war der 45jährige Arbeiter Valentin Backes, der vor einigen Jahren bei einem Dammrutsch verschüttet worden war, und nun um Erhöhung seiner Rente nachgesucht hatte, zur Untersuchung seines Kopfleidens untergebracht worden, und zwar aus Mangel an Unterkunft zusammen mit einem Geisteskranken. In einem Anfall hat der Geisteskranke den Arbeiter erwürgt. Den Freund im Lustbad erschossen. Im Barmer Luftbad ereignete sich am Freitag ein bedauerlicher Unglücksfall. Ein junger Mann hantierte im Kreise einiger jrunger Freunde mit einer Waffe. Plötzlich ging ein Schuß los. Einer der jungen Burschen wurde von der Kugel getroffen und so schwer verletzt, daß er auf dem Wege zum Krankenhaus starb. Sparmaßnahmen in der Gladbach=Rheydter Stadtverwaltung. Der Oberbürgermeister hat sich wiedemm an die städtischen Beamten in einer Verfügung gewandt, in der er um erneute Sparmaßnahmen in weitestmöglichem Umfange bittet. Vor allem ist aus dieser Verfügung zu erwähnen, daß für jede Ausgabe, die den Gesamtbetrag von 300 Mark übersteigt, schriftlich die Genehmigung des Oberbürgermeisters nachzusuchen ist. Die Sachbearbeiter werden persönlich dafür verantwortlich zemacht, daß die Etatsansätze eingehalten werden. Bei Ueberschreitungen, die jeweils dem Finanzausschuß zu unterbreiten sind, soll vor allem geprüft werden, ob nicht durch Ersparnisse bei anderen Etatspositionen eine Deckung ermöglicht werden kann. Das Landstreicherdrama in Kuik. Wie wir zu dem nächtlichen Landstreicherdrama in Kuik erfahren, hat die weitere Untersuchung ergeben, daß der Mord an dem 70 Jahre alten Berend Tap in abscheulicher Weise begangen worden ist. In der Morgenstunde hat man den Schlafenden mit einem eisernen Nagel niedergestochen und den Sterbenden dann auf der Schubkarre nach dem nahen Graben gebracht. Als er hier noch Lebenszeichen von sich gab, soll nach dem Geständnis van Dijks seine Gefährtin, die 45 jährige Polin Marcori, den Sterbenden mit einer Mistgabel vollends getötet haben. Die Leiche war derart zugerichtet, daß sie kaum noch erkennbar war. Die Polin leugnet übrigens noch immer, sich an der Tat beteiligt zu haben. Castrop=Rauxel Durch ein elektrisches Bügeleisen zu Tode gekommen. Der im Stadtteil Ickern wohnende jugendliche Arbeiter Julius Pelz kam beim Hantieren mit dem elektrischen Bügeleisen mit dem Strom in Berührung und wurde auf der Stelle getötet. Umsicht! vorsicht! Rücksicht! Kirschkerne, Bananen= und Apfelsinenschalen und sonstige Obstreste sind zweifellos in der Hand recht lästig. Die Bequemlichkeit, sich ihrer schnell zu entledigen, darf jedoch nicht ausarten in die Rücksichtslosigkeit, sie einfach auf die Straße zu werfen. In den meisten deutschen Städten, auch bei uns, gibt es auf den Straßen, in den Anlagen und auf den Plätzen schon Papierkörbe und Abfallkästen, in die man diese lästigen Ueberbleibsel werfen kann. Jeder verantwortungsbewußte Straßenbenutzer sollte darum so viel Selbstzucht aufbringen, Obstkerne, eschalen und dergleichen in einem Stück Papier oder einer Tüte so lange bei sich zu behalten, bis er sich ihrer ohne Gefährdung anderer Straßenpassanten entledigen kann. Erzieht vor allem eure Kinder zu dieser selbstverständlichen Pflicht des Anstandes! A Die wenigsten Menschen machen sich einen Begriff davon, wie erschreckend hoch die Unfälle des täglichen Lebens sind; sind doch nach der letzten statistischen Erfassung durch das Reichsversicherungsamt allein bei den berufsgenossenschaftlich versicherten Arbeitnehmern über 125.000 Unfälle durch Fall von Personen zustande gekommen, davon über 26000 durch Fall auf ebener Erde. Die Unfälle an sämtlichen Arbeitsmaschinen der gekamten Industrie sind geringer an Zahl als diese alltäglichen unfaue durch Hinfallen. Wer guten Büchern geemwoschaft hath erbuut sth eilte nelle Werl A Der neue Rahmentarifvertrag für die Metall-Angestellten in Rheinland-Westfalen Zum Teil wesentliche Verbesserungen gegenüber dem alten Zustand Der„Butab" teilt zu dem neuen Rahmentarifvertrag für die Angestellten in Rheinland und Westfalen mit: Der neue Rahmentarifvertrag kann erstmalig am 1. April 1932 zum 30. Juni 1932 aufgekündigt werden. Soweit der neue Rahmentarifvertrag von dem alten abweicht, handelt es sich um Verbesserungen, zum Teil um solche wesentlicher Art. 1. Seither erstreckte sich der Tarisvertrag nur auf die Eisenund Stahlindustrie, jetzt auch auf die Metallindustrie, also auch z. B. auf Zink= und Kupferhütten, Zink= und Kupferwalzwerke usw. 2. Der persönliche Geltungsbereich, abgestellt auf angestelltenversicherungspflichtige Arbeitnehmer, war eingeschränkt durch eine Bestimmung, die besagte, daß der Personenkreis, der unter diesen Tarisvertrag fallenden Angestellten durch den bekannten Berufskatalog zur Angestelltenversicherung vom 10. November 1922 keine Ausdehnung erfahren hat. Diese, auch in rechtlicher Hinsicht unhaltbare Bestimmung ist gefallen. 3. Eine weitere Bestimmung besagte, daß Angestellte, die vorübergehend zur Erledigung eines bestimmten Zwecks beschästigt werden, als Tagelöhner zu betrachten sind. Auch diese Bestimmung ist in Fortfall gekommen. 4. Gerade bei einem Leistungsvertrag ist es notwendig, daß jeder Angestellte weiß, in welche Gruppe er eingereiht ist. Die seitherige Bestimmung betreffend„Einstellung“ hat einen zweiten Absatz erhalten mit nachstehendem Wortlaut: „Die Einstellung erfolgt durch schriftliche Vereinbarung. Dabei ist anzugeben, in welche Tarifgruppe der Angestellte eingereiht wird.“ 5. Die Bestimmung über„Zeugnis“ hat nachstehende, für alle Angestellten sehr wertvolle Zusätze erhalten: „Bei Uebergang eines Betriebes in andere Hände, bei Wechsel des zuständigen unmittelbaren Vorgesetzten oder Versetzung in eine andere Abteilung oder in einen anderen Betrieb, ist für den Angestellten ein Zwischenzeugnis zu seinen Personalakten zu geben, dessen Einsichtnahme ihm auf Verlangen zu gestatten ist. Auf Wunsch des Angestellten muß in seinem Zeugnis die Tarifgruppenzugehörigkeit während der Dauer seiner Tätigkeit aufgeführt werden.“ 6. Zwischen den Parteien war der schwerste Kampf über eine andere Regelung der Arbeitszeit entbrannt. Seither war im Vertrag die 48stündige Arbeitszeit als Grundsatz lediglich für die Büroangestellten verankert. Sie konnten zu einer Mehrarbeit im Rahmen einer 5tstündigen Arbeitszeit, außerdem zu einer Ueberarbeit mit der 55. Wochenarbeitsstunde beginnend, herangezogen werden. Die Ueberarbeit und damit die Arbeitszeit als solche war nach oben hin lediglich durch die Bestimmungen der Arbeitszeitverordnung begrenzt. Im neuen Rahmentarifvertrag beträgt für alle Angestellten die wöchentliche Arbeitszeit 48 Stunden. Die Meister und Betriebsangestellten gehen mit der Schicht, d. h. sie haben die gesetzlich oder tariflich festgestetzte Arbeitszeit der Arbeiter ihrer Betriebsabteilung zu verfahren. Die Büroangestellten können künftig nur noch, wenn besondere Umstände Mehrarbeit bedingen, zu einer solchen bis zu höchstens 54 Stunden in der Woche herangezogen werden. Die seitherige tariflich zugelassene Ueberarbeit, beginnend mit der 55. Wochenarbeitsstunde, ist gefallen. Die Ueberarbeitsbezahlung hat für Betriebsangestellte einzusetzen mit der 48. Arbeitsstunde, auch im Rahmen einer 54stündigen Mehrarbeitszeit, die sich an die gesetzliche oder tariflich festgelegte Arbeitszeit ihrer Arbeiter anschließt. Die für die Büroangestellten festgesetzte Bezahlung von der 55. Wochenarbeitsstunde ab kommt künftig nur in Anwendung, wenn der Arbeitgeber von dem§ 3 der Arbeitszeitverordnung Gebrauch macht(an 30 Tagen je 2 Stunden). Die inzwischen in Kraft getretene Verbesserung stellt einen wesentlichen Fortschritt dar. Dabei darf nicht vergessen werden, daß sie zu einer Zeit durchgesetzt wurde, in der ArbeitNordwest mit seinem neuen Allheilmittel herausgekommen war: „Nur Einkommensverminderung und dadurch mögliche Ermäßigung der Eisenpreise kann uns retten.“ 7. Die seitherige Urlaubsbestimmung darf als eine der schlechtesten bezeichnet werden. Glaubte doch Arbeit=Nordwest, aus ihr folgern zu können, daß im ersten Tätigkeitsjahr der Angestellte nicht nur keinen Urlaub bekommt, sich einen solchen auch nicht verdient, sondern erst im zweiten Jahre für das zweite Jahr einen Rechtsanspruch auf Urlaub hat. Im Gegensatz hierzu sagt die neue Bestimmung, daß jeder Angestellte nach halbjähriger Tätigkeit bei der Firma erstmalig Anspruch auf Erholungsurlaub und auf Fortzahlung seines Gehaltes hat. Damit ist zugleich rechtlich verankert, daß der Urlaubsanspruch der Angestellten in zwei Teile zerfällt und zwar in einen Teil, die Gewährung der Freizeit, in einen zweiten Teil, die geldliche Abgeltung nicht in Form von Freizeit gewährten Urlaubs. Seither erhielten die Lehrlinge einen Urlaub von 6 Arbeitstagen. Von nun ab beträgt der Urlaub für Lehrlinge im ersten Lehrjahr 10 Arbeitstage, in den folgenden Lehrjahren je 8 Arbeitstage im Jahr. Ein Angestellter, der seinerseits das Dienstverhältnis aufkündigte, verwirkte damit seinen Rechtsanspruch auf Urlaub. Im Gegensatz dazu wurde der Urlaub gewährt, wenn die Kündigung durch die Werksleitung ausgesprochen war. Diese juristisch unhaltbare Bestimmung hat einer besonderen Platz machen müssen, die wie folgt lautet: „Der Angestellte hat, wenn ihm gekündigt wird, oder wenn er kündigt, vor seiner endgültigen Entlassung Anrecht auf den ihm zustehenden Urlaub.“ Bei fristloser Entlassung aus einem gesetzlichen Grunde entfiel seither der Anspruch auf Urlaub. Eine Abschwächung dieser Bestimmung konnte herbeigeführt werden dadurch, daß ein fristlos entlassener Angestellter einen Anspruch auf Urlaub hat, wenn die fristlose Entlassung eine Folge andauernder Krankheit ist. 8. In Krankheitsfällen dürfen die technischen Angestellten nicht schlechter gestellt werden als die kaufmännischen Angestellten, d. h. alle Angestellten haben im Krankheitsfalle mindesteus einen Rechtsanspruch auf Bezüge für die Dauer von sechs Wochen neben den Einnahmen aus einer Kranken= oder Unfallversicherung. Die seitherige Fassung, das Wort„soll“ enthaltend, war lediglich eine Empfehlung der Tarifkontrahenten an die Parteien der Einzelverträge. Sie ist nun zu einer zwingenden Bestimmung geworden, indem das Wort„soll“ dem Wort„dürfen" Platz machen mußte. Der bekannte Berliner Schriftsteller Dr. Alfred Schirokauer, Verfasser vieler Unterhaltungsromane und vieler FilmManuskripte, wird am 13. Juli 50 Jahre alt. 33)(Fortsetzung.) „Liebst du mich wirklich, Juscha?“ „Ich denke, du könntest das jetzt bereits wissen!" Er nahm sie in die Arme——— Weshalb doch auf jeden Rausch ein Erwachen folgen muß! Als Juscha Lehner wieder auf die Straße trat, kam sie sich irgendwie entwürdigt vor. War das die Liebe, von der sie als junges Mädchen geträumt hatte? Gab es wirklich nichts Höheres, als die körperliche Vereinigung? Sie fand darauf keine Antwort. Und würde das nun immer so bleiben: jeden zweiten Tag eine Stunde des Rausches in dem dumpfen Zimmer? Jeden zweiten Tag das starke Begehren des Mannes und ihr eigenes? Und wenn dieses Begehren gestillt ist, sagt man sich rasch guten Tag und geht wieder auseinander? Liegt darin der Sinn des Lebens? Und Juscha fand, während sie langsam in der Elektrischen nach Hause fuhr, daß das Leben eine nüchterne Angelegenheit ist.——— An einem der nächsten Tage ließ der alte Notar Jakobsohn Juscha rufen, um ihr einen Brief zu diktieren. Dr. Leo Jakobsohn befand sich im Zimmer seines Onkels. Als Juscha das Stenogramm ausgenommen hatte wieder gehen wollte, sagte der alte Notar lächelnd: „Der Winter scheint Ihnen stark zuzusetzen, Fräulein Lehner. Es kommt mir vor, als wären Ihre Wangen nicht mehr so frisch, und unter den Augen haben Sie Ringe— Sie gehen wohl'n bißchen viel tanzen?“ Juscha kam diese Frage überraschend: „Tanzen! Ich, Herr Notar! Ich weiß ja kaum, was das ist!“ „Was? Sie wollen ein Berliner Mädchen sein und wissen nicht, was Tanzen ist? Haben keine Ahnung von einem richtigen Schwof?“ „Es ist so, Herr Notar!“ „Dann leben Sie wohl sehr zurückgezogen, Fräulein Lehner? Sie wohnen bei Ihrer Mutter, wenn ich nicht irre?“ „Jawohl!“ „Und da vollzieht sich Ihr ganzes Leben: Sie gehen ins Büro, und dann gehn Sie wieder heim! Immer ins Büro und wieder heim. Hören Sie mal: Ich bin ein alter Mann, aber das möchte ich nicht aushalten. Das wär mir zu langweilig. Sie kommen also wirklich gar nirgends hin? Nicht zur Musike, in kein Theater, wie?" „Ich kann auch nicht sagen, Herr Notar, daß ich'n besonderes Verlangen danach habe. Wenn man die Dinge nicht kennt, dann sehnt man sich auch nicht nach ihnen.“ „Das ist eine Ansicht, mit der Sie ziemlich allein stehen dürften, Fräulein Lehner. Jedenfalls sollte man es nicht für möglich halten, daß es so etwas wie Sie in Berlin überhaupt noch gibt!“ Dr. Leo Jakobsohn hörte dem Gespräch interessiert zu. Er sah sich das Mädchen, das so erstaunliche Dinge sagte, genau an. Er hatte bisher nicht allzuviel mit ihr zu tun gehabt, aber trotzdem nicht übersehen, daß Juscha ein sehr schönes Mädchen war und sich von ihren Kolleginnen recht vorteilhaft unterschied. „Sie würden also nicht einmal ins Theater gehen wollen, wenn es sich sehr leicht machen ließe?“ „Das habe ich nicht gesagt, Herr Notar!“ „Ich frage nämlich nicht nur so ins Blaue hinein, wie Sie vielleicht glauben. Ich habe für morgen Abend eine Karte in die Oper unter den Linden übrig, zu„Hoffmanns Erzählungen“— Sie kennen die Oper wohl nicht, Fräulein Lehner!“ „Nein, ich kenne sie nicht.“ „Wollen Sie sich das Ding anhören?“ „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Herr Notar— natürlich möchte ich gerne, aber ich kann doch nicht...“ „Was können Sie nicht? Eine Opernkarte von mir annehmen? Hören Sie mal, das wär doch noch schöner! Ich glaube, ich bin alt genug, Ihnen eine kleine Aufmerksamkeit erweisen zu dürsen, ohne daß Sie deswegen gleich rot zu werden brauchen. Allerdings hat die Sache insofern einen Haken, als ich eigentlich zwei Karten habe und über eine bereits verfügte. 9. Das paritätische Einigungsamt, zuständig für Streitigkeiten von allgemeiner und grundsätzlicher Bedeutung über die Auslegung des Rahmentarifvertrages, ist zu Grabe getragen worden. Streitigkeiten dieser Art können künftig nur von den Arbeitsgerichten ausgetragen werden. Damit ist auch der Weg zu den Landesarbeitsgerichten und zum Reichsarbeitsgericht offen. Seinerzeit war der Rahmentarifvertrag nicht zuletzt deshalb gekündigt worden, um eine bessere Bezahlung von der 49. Wochenarbeitsstunde ab, und zwar in Höhe von 1/200 des Monatsgehaltes plus 25 Prozent durchzusetzen. Leider mußten wir diese Forderung fallen lassen, weil uns der Nachweis erbracht wurde, daß die seitherige Bezahlung der Mehr= und Ueberarbeit ein Bestandteil der angekündigten Einkommensregelung ist. Die Vernehmung Kürtens wira Mmer schuieriger Düsseldorf, 7. Juli.(Drahtmeldung.) Wie die Justizpressestelle mitteilt, soll sich die Vernehmung des Düsseldorfer Massenmörders schwieriger gestalten, als die Polizei zunächst angenommen hat. Bei den Versuchen, über die einzelnen Taten, über die Kürten ein Geständnis abgelegt hatte, eine nähere Aufklärung zu erlangen, verwickelte sich Kürten in derartige Widersprüche, daß sich weder die Polizei noch der Vernehmungsrichter in den Aussagen noch auskannte. Kürten wechselt ständig seine Geständnisse, einen Teil davon hat er bereits widerrufen, daher soll Kürten jetzt zunächst einer Beobachtung seines Geisteszustandes unterworfen werden. Die Untersuchung wird längere Zeit in Anspruch nehmen, wodurch das gegen Kürten eingeleitete Verfahren naturgemäß ins Stocken geraten muß. Die Sachlage ist zur Zeit derart verworren, daß mit einer Eröffnung des Hauptverfahrens für die nächsten Monate nicht gerechnet werden kann, da noch nicht einmal die Voruntersuchung abgeschlossen ist. Die Rückkehr des D 2000 Köln, 7. Juli. Das Junkersgroßflugzeug D 2000 ist heute vormittag zwischen 10 und 11 Uhr auf dem Kölner Flughafen Rutzweilerhof zum Rückflug nach Dessau aufgestiegen. An Bord befanden sich etwa 15 Passagiere. weitere. Todesopfer in Lübeck Lübeck, 7. Juli. Die Zahl der Todesopfer bei den mit dem Tuberkulosepräparat gefütterten Säuglingen hat sich, wie das Lübecker Gesundheitsamt bekanntgibt, vom Samstag bis Montag um drei weitere Todesfälle auf 53 erhöht. Krank sind 66, gebessert 73, gesund 59 Kinder. Julius Hart gestorben Berlin, 7. Juli.(Eig. Meldung.) Julius Hart, der aus dem Kreise um Gerhart Hauptmann und Arno Holtz bekannte Dichter und Kritiker, ist heute morgen kurz nach drei Uhr in seinem Zehlendorfer Heim an den Folgen einer Grippeerkrankung im Alter von 71 Jahren gestorben. Rochmals Buirer Eisenbahnprozeß Fischer legt Berufung ein Düren, 7. Juli. Der im Buirer Eisenbahnprozeß zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte Reichsbahnobersekretär Fischer hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Ein 100facher Lebensretter Amsterdam, 7. Juli. Der ehem. Führer des Rettungsbootes „Inder Heyde“, Arie Tuk, feierte seinen 80jähr. Geburtstag. Der brave Mann hat während seiner Tätigkeit 107 Personen, darunter 16 Deutschen, das Leben gerettet. Der 80jährige war Gegenstand großer Ehrungen. Würde es Ihnen unangenehm sein, wenn neben Ihnen Dr. Jakobsohn säße?" „Aber nein, Herr Notar—“ „Wenn Fräulein Lehner aber vielleicht mit ihrer Mutter gehen möchte— ich trete natürlich gerne zurück“, sagte Dr. Jalobsohn. „Nein, Herr Doktor— meine Mutter ist nicht aus dem Hause zu bringen und würde ganz gewiß nicht in die Oper gehen!“ Der alte Notar reichte ihr die Karte: 6 „Schön— dann ist die Sache also in Ordnung. Hoffentlich haben Sie recht viel Vergnügen!“ Juscha war etwas verwirrt, als sie an ihren Platz zurückging, um den eben diktierten Brief zu schreiben. Es war ja gewiß nichts Außerordentliches, daß ihr alter Chef ihr eine Aufmerksamkeit erwies. Aber es kam ihr sonderbar vor, daß sie stundenlang neben dem jungen Doktor sitzen, sich vermutlich auch mit ihm unterhalten sollte. Sie war eingesponnen in das Verhältnis zu Albert Dominique, konnte sich kaum eine rechte Vorstellung davon machen, wie es war, mit einem anderen Mann zusammenzutressen. Sie dachte lose daran: was würde Albert Dominique dazu sagen? Er wird es geschehen lassen müssen, dachte sie dann. Uebrigens —. es war ihm noch nicht ein einziges Mal eingefallen, sie zu fragen, ob sie nicht einmal gerne ins Theater gehen möchte. Sie stieß an diesem und am nächsten Tage mit vielen Gedanken auf Dr. Leo Jakobsohn. Und als sie am nächsten Nachmittag mit dem Kommerzienrat zusammen war, sagte sie kein Wort von dem bevorstehenden Opernbesuch. Zweites Kapitel. Juscha Lehner saß im Parkett der Oper. Sie war schon eine Viertelstunde vor Beginn gekommen und die erste in ihrer Reihe gewesen, die ihren Platz einnahm. Es war eine etwas unangenehme Angelegenheit, immer wieder aufstehen zu müssen, und außerdem fühlte sich Juscha in ihrem bescheidenen Fähnchen nicht sehr behaglich. Sie hatte ihr bestes angezogen, aber es sah ärmlich aus neben den Abendkleidern der Damen im Parkett und vor allem in den Logen. Sie fühlte sich sehr klein in dieser für ihre Begriffe großen Welt. „(Fortsetzung folgt.) Bandspstem, Hetzarbeit, geisttötende und mechanische Handgriffe Ad Arbeiter-BerPore Nichts gutes aus Detroit Die acht aufragenden Schlote des Fordschen Fabrikgeländes waren nicht nur die äußeren Wahrzeichen Detroits, die wir nach zweiwöchiger Fahrt von New York über Boston, Albany, Buffalo, Niagara Falls und Cleveland bei unserem Einzug von Süden her erblickten; sie verkörpern auch das in River Rouge bei Ford als„Final Assembly man“ und später in der„Motor Assembly“ beim Einpassen von Kurbelwellen in Motorgehäuse, die hier wiederum auf laufendem Band in regelmäßigen Abständen herankamen. Abermals machte ich die gleichen Erfahrungen in dieser geisttötenden, bis zum äußersten mechanisierten Arbeit. Einschleifarbeit, die früher einmal von gelernten Arbeitern mit viel Geschick bewerkstelligt wurde, war hier einem Automatismus anvertraut, der kein Denken, kein persönliches eigentliche Wesen dieser Stadt am nordwestlichen Ende des Erie= Schaffen mehr zuließ. Angenehm war die außergewöhnliche S## Daun Rutamaki“ ist Trumpf in Datrait. Dio Autoindustrie Sauborkoit Gees. Denn Automovil ist Trumpf in Detroit. Die Autoindustrie drückt dem ganzen Leben hier ihren Stempel auf. Mehr als in New York oder Chikago gerät auch der Lebenskreis der Detroiter ins Technisch=Einseitige hinüber, und wenn irgendwo so dürstet hier der Fremde nach mehr Musik, Kunst und wechselnder Lebendigkeit. Wer das Glück hat, trotz der großen, dauernden Arbeitslosigkeit eine Stelle zu erhalten, der muß sich zunächst eine Rede des Managers über den guten Willen der Arbeiterschaft in bezug auf die Unfallverhütung anhören und wird dann mit vielen anderen als billigste Kraft an das laufende Band gestellt. So hatte ich in die Vorderfront jeder herankommenden Karosserie sechs Mutterbolzen einzusetzen, die mein Kollege mit einem Handmotor festdrehte. Die Arbeitsteilung und Mechanisierung ist hier so weit vorgeschritten, daß ein Anlernen nicht nötig war. Die Verrichtung wird einem nur mal oberflächlich gezeigt. Das einzige, was nötig ist, liegt in der gehörigen Arbeitsgeschwindigkeit, und die gewöhnt man sich durch Uebung an. Dazu geben einem die sieben, neun oder zehn Stunden täglich genügend Gelegenheit: immer das Gleiche, von einer Car zur anderen, völlig entseelte Arbeit, die jede Freude am Werke verloren hat; mechanische Griffe, bei denen man nicht mehr denkt, sondern döst. Noch schlimmer ist am Bandsystem die dem Betriebsleiter gegebene Möglichkeit die Arbeitsgeschwindigkeit dadurch zu erhöhen, daß er die Karosserien allmählich immer schneller laufen läßt. Der Arbeiter merkt zunächst gar nichts davon und schreibt es seiner eigenen Langsamkeit zu, wenn er mit seiner Arbeit ins Hintertreffen kommt und nun versuchen muß, durch erhöhte Anstrengungen sich gegen den Strom heranzuarbeiten. Dieser„Speedup“, oft mit Herabsetzung der Lohnraten verbunden— der Arbeitgeber nennt das„efficiency education“(Erziehung zur Leistungstüchtigkeit)—. ist begreiflicherweise unter der Arbeiterschaft äußerst verhaßt. Die Furcht, arbeitslos zu werden und das Fehlen jeder Hilfe durch Gewerkschaften von denen Detroit frei wie keine andere amerikanische Stadt ist, nimmt jedoch alle Möglichkeiten, gegen solche Methoden anzugehen. Gelegenheit, mich mit den Arbeitskollegen zu unterhalten, hatte ich kaum. Der Lärm und die Hetze der Arbeit beschränkten alle Schreigespräche nur auf wenige Worte, die dann meist zur Arbeit gehören. Man kennt den Kollegen, mit dem man tagelang arbeitet, überhaupt nicht, weiß nicht seinen Namen, nichts darüber, woher er kommt und was er sonst treibt. Die kurze Eßpause reicht kaum dazu, schnell seine Mahlzeit herunterzuschlucken, und im übrigen ist man viel zu stumpfsinnig, um zu wirklichen Unterhaltungen zu kommen. Das heißt also, daß hier mehr als anderswo alle menschlichen Beziehungen ausgelöscht sind, daß der Arbeiter, als Nummer in diesen Riesenbetrieb eingegliedert, tatsächlich nur noch ein dienendes Teilchen an einem großen Mechanismus darstellt. der alle schaffende Freude tötet und Menschenwesen in seinen gehandhabten Takt zwingt, bei dem von einem natürlichen Rhythmus nicht mehr die Rede sein kann. Schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit wurde ich aus diesem Karosseriebetrieb entlassen und arbeitete in den folgenden Wochen Säuberreit. Weniger ist für die Aufbewahrung der Kleider der Arbeiter getan die mitten im Fabrikraum offen über Bügel hängen. Ebenso schlecht ist auch hier die Essenverteilung, die von wenigen Karren aus geübt wird und stets mit einem solchen Gedränge verbunden ist, daß der wesentliche Teil der ohnehin viel zu knappen Essenszeit mit Warten draufgeht. Die riesenhafte, eine kleine Stadt für sich darstellende Anlage in River Rouge macht jedoch technisch auch auf den kritischen Beurteiler Henry Fords einen starken Eindruck. Wie hier Bauten, Maschinen= und Menschenkraft den täglich einfließenden Rohmaterialstrom nach einem übersichtlichen Plan verarbeiten, wie hier morgens, nachmittags und um Mitternacht im Schichtwechsel Tausende von Arbeitern in einem großen Rennen und Strömen an die Arbeit gehen, in den Mechanismus eingeschluckt werden wie bald darauf die Straßen draußen öde daliegen und nur die Lichtfülle kalt=bläulicher Quecksilberlampen die Schütterungen des Bodens vom Stampfen der tausend Maschinen, der Lärm von Pressen und Schleifmaschinen vom Zwangstempo der Arbeit in den langen Hallen künden, wie dort die acht hageren Arme der Kraftstation sich in den Sternenhimmel aufrecken, beim Stahlwerk rotglühende Schlackenmassen in den Sammelwagen stürzen, während weißgeballte Dampfwolken wie in kraftbewußter Selbstbefreiung wohl das„Hohelied der Arbeit“ anstimmen lassen, wenn— nun, wenn er die Menschenseelen dahinter vergessen könnte. Wesentlich günstiger ist allerdings die Lage des Gelernten. Er hat bessere Löhne, bessere Behandlung und noch einige selbständige Leistung beim Schaffen. Der gelernte Mann, der sogenannte „white collar man“, hat ein recht deutliches Unterschiedsgefühl gegenüber den großen Massen der Ungelernten; er, der Aristokrat unter den Arbeitern, kann doch bei weitem freier atmen, wenn auch hier durch das in allen Abteilungen bei Ford eingerichtete Aufpasse.(Spy=) System manche Grenzen gesetzt sind. Irgendeine Sozialfürsorge gibt es bei Ford nicht. Die in früheren Jahren auf diesem Gebiet entwickelten Einrichtungen sind rücksichtslos abgeschafft worden, als mit der Produktion des„neuen Modells“ der verschärfte Konkurrenzkampf mit der General Motors Company einsetzte. Fords Prinzip ist es, den Arbeitern so„hohe Löhne" zu bezahlen, daß sie sich in jeder Notlage allein helfen können. Wie demgegenüber die Wirklichkeit aussieht, zeigten die Zustände in der zweiten Hälfte 1927, als Tausende von Fordarbeitern mit ihren Familien der städtischen Wohlfahrtspflege zur Last fielen, als ihnen Anzahlungen auf Wohnungen und Familienhäuser verlorengingen und ihnen auf Teilzahlungsplan erworbene Möbel mit den letzten Ersparnissen herausgeholt wurden. Sobald die Produktion um oder eingestellt wird, fliegen die Arbeiter erbarmungslos auf die Straße, und bald ist der letzte Notgroschen verzehrt, da es ja keinerlei Unterstützung gibt. So sieht es dort aus wo viele glauben, das „Paradies Amerika“ am reinsten verkörpert zu sehen. Karl Möller. Sportanrutt auren-Ersekutterung Je weitere Kreise der Sportbetrieb erfaßt, und je größer die Zahl der verhältnismäßig Ungeübten ist, desto häufiger ereignen sich naturgemäß schwere Sportunfälle. Namentlich bei waghalsigen Uebungen kommen häufig Unfälle vor, die ein äußeres Merkmal von Verletzungen nicht erkennen lassen. Erschütterungen der inneren Organe sind es in erster Linie, die äußerlich kein anderes Merkmal aufweisen als Ohnmacht und Blässe des Gesichts. Hinterher folgt häufig Erbrechen oder zum mindesten Brechreiz. Bei Erschütterung der Unterleibsorgane tritt als charakteristisches Zeichen meist ein ganz dünner, fadenartiger Puls auf. Die erste Forderung ist, wenn starke Blässe des Gesichts wahrgenommen wird den Verletzten flach auf den Rücken legen, vielleicht gar so, daß der Kopf tiefer liegt als der Rumpf, damit das Blut wieder ins Gehirn strömen kann. Alle beengenden Kleidungsstücke sind zu öffnen, damit die Atmung frei und unbehindert stattfinden kann. Die Herztätigkeit ist durch Frottieren der Herzgegend und andere Hautreize zu beleben. Auf jeden Fall muß man sich unbedingt davor hüten, einem Ohnmächtigen Flüssigkeiten in den Mund zu gießen. Die Flüssigkeit kommt dabei bestimmt in die„faishe Kehle", das heißt: in die Luftröhre, und selbst in dem günstigeren Falle, daß der Verunglückte nicht sofort erstickt, kommt es dadurch später zu einer Lungenentzündung(Schluckpneunomie), die zu den gefährlichsten Erkrankungen ihrer Art gehört. Jede nicht strikte, durch den Augenblick geforderte Manipulation an dem Kranken ist zu unterlassen und umgehend die Hilfe eines Arztes zu suchen, der die weitere Behandlung des Patienten in die Wege zu leiten hat. Ber Welkraunt der Kausttele Während wir Pflanzenfresser oft in ungeheuren Herden beisammen finden, treffen wir die Raubtiere fast stets vereinzelt an; ihr Wohnraum muß größer sein, weil sie sonst den Bestand an Beutetieren zu ihrem eigenen Schaden zu sehr lichten würden. Bei den meisten Fleischfressern haben daher die Einzeltiere oder Paare ihr bestimmtes Revier, aus dem sie jeden Artgenossen eifersüchtig hinausdrängen, so der Fuchs, der Maulwurf, der Adler, und selbst der Wasserstar und der kleine Eisvogel unserer Gewässer. Sogir in der Insektenwelt hat dieses Gesetz seine Gültigkeit, und daher finden wir beispielsweise den fleischfressenden Tausendfuß Lithobus unter den ihn schützenden Steinen nur in einzelnen Exemplaren, im Gegensatz zu seinem pflanzenfressenden Vetter Julus, der auf engem Raume in großen Mengen auftritt. Mörderin auf dem Kaiserthron Die erste regierende Kaiserin„von China, von der berichtet wird, war die Kaiserin Liu=tesche, die im Jahre 194 v. Chr. ihrem verstorbenen Gatten, dem Kaiser Kau=tsu folgte, indem sie die Regentschaft für ihren erst vierzehnjährigen Sohn ergriff. Als dieser Sohn im Jahre 188 starb, schob sie, um die Regentschaft zu, behalten, den Sohn einer anderen Mutter als ihren Enkel unter. Sie hatte die Grausamkeit, diese andere Mutter töten zu lassen, soll aber dann eine friedliche und gerechte Herrscherin gewesen sein.: soll aber dann eine friedliche und gerechte„Herrscherin" gewesen sein. Ausone Ucberse 70 sung aue dem Amerikanischen von Gertrud von Hollander. Gebrüder Enoch Verlag. Hamburg. „Dabei versteht sie das Komische daran ganz gut“, vertraute Magnolia beinahe besorgt Ravenal an.„Sie scheint es nur tatsächlich nicht zu mögen. Natürlich sollte ich mich eigentlich freuen, daß sie die ernsten Sachen vorzieht, aber es wäre mir lieber, wenn sie mit ihren zehn Jahren noch nicht so erwachsen wäre. Mit zwanzig Jahren wird sie mir wahrscheinlich einen Klaps geben und mich zu Beit bringen.“ Magnolia dagegen war sicher jung genug für zwei. Sie gehörte zu den Theaterbesuchern, die ihre Nachbarn bei der Hand packen, wenn es aufregend wird. Wenn Ravenal nicht mit war, so lernte Kim, ihrer Mutter in solchen bewegten Augenblicken beizuspringen. Die beiden gingen oft zusammen ins Theater. Ihr unregelmäßiger Lebensstil verbot solide Freundschaftsbeziehungen zu anderen Menschen ganz von selbst. Aber sie hatten immer das Theater, wo sie Anregung oder Vergessen fanden. Es gab lange Nachmittage auszufüllen und viele Abende, als Ravenal immer intensiver in das Nachtleben Chikagos verstrickt wurde. Und doch hatte sein Leben merkwürdigerweise eine fast peinliche Regelmäßigkeit. Nach seinem Kommen und Gehen hätte er ebensogut Kommis in einem ordentlichen Buchladen sein können. Wenn seine Geldverhältnisse auch ständig wechselten, so blieben seine Gewohnheiten doch stets dieselben. Er empfand tatsächlich diesen Wechsel viel weniger als Magnolia und Kim. Wo sie auch gerade wohnen mochten— in einer billigen Mietkaserne oder in einem kostspieligen Hotel— er brach jeden Morgen um dieselbe Stunde auf, schlenderte genau so gemächlich in die Stadt und kam reicher oder ärmer, jedoch äußerlich vollkommen derselbe, weit nach Mitternacht zurück. Wenn er abends nichts vorhatte, ging er mit Magnolia ins Theater. Dazu schienen sie merkwürdigerweise immer genug Geld zu haben. Meistens wohnten sie irgendwo im Norden, gleich auf der anderen Seite des Chikagoflusses, damals noch ein übelriechendes, tröges Gewösser, das Leinerlei Abzugskonäle hatte, um die uman: genehmen Gerüche zu beseitigen. Wenn Raenal in dürren Zeiten aus seiner schmierigen Pension oder seiner Mietkaserne herauskam, so war er genau so elegant und glatt wie damals in jüngeren Jahren, als er in Neu=Orleans auf der Werft gegen die Kiste lehnte und über das Mißgeschick eines zerrissenen Schuhes zu triumphieren vermochte. Er blieb einen Augenblick stehen, ganz so, wie er an jenem Frühlingsmorgen im Süden dagestanden hatte, und musterte kühlen Blickes seine Umgebung. Daß er auf der schmutzigen Treppe eines heruntergekommenen Miethauses stand und seine ganze Aussicht in einer unappetitlichen Straße bestand, schien ihn nicht im geringsten zu stören. Er hatte sich beim Aufstehen mit derselben Sorgfalt angekleidet, als hätte ihm ein Kammerdiener zur Verfügung gestanden. Er badete, rasierte sich und machte peinlich genaue Toilette. Magnolia hatte sehr bald eingesehen, daß solche liederlichen Morgengewänder, wie sie sie bei den Damen auf der Baumwollblüte als selbstverständlich hingenommen hatte, in Ravenals Augen ein Verbrechen bedeutet hätten. Die praktische und puritanische Unterkleidung, die Parthy für sie ausgesucht hatte, wurde sehr bald ausrangiert und durch Spitzen, Stickerei und Battist ersetzt. Sie zu waschen, war freilich ein Problem, wenn das Pharospiel sie in die Ohiostraße verbannte. Ravenal wurden diese unangenehmen Einzelheiten erspart. Lag seine unerfreuliche Behausung erst einmal hinter ihm, so war sein Tag so blank und vielversrpechend wie eine frischgeprägte Münze. Jeder Tag war ein neuer Anfang. Woher wußte man, ob man nicht heute die Bank sprengte! Ein Dollar konnte dazu genügen. Ravenal schleuderte die Straße hinab, an den Schiffsläden und =agenturen füdlich der Ontariostraße vorbei bis zu der Hängebrücke, die den schmierigen Fluß überquerte. Dort ging er noch etwas langsamer oder blieb auch ganz stehen, um die hier vor Anker liegenden Dampfschiffe zu betrachten. Manchmal war auch ein Segelboot darunter. Ein Dreimaster mit Getreide war gerade vom Norden her eingelaufen. Jetzt ging Ravenal hinüber in die Clark= und Lakestraße. Es roch angenehm nach frischgebranntem Kaffee. Das war das große Warenhaus von Reid u. Muroock, etwas weiter öftlich. Manchmal machte er den Umweg um einen ganzen Häuserblock, lediglich dieses köstlichen Geruches wegen. Vorm Hotel Sherman oder vorm Tremont ließ er sich die Schuhe putzen. „Guten Morgen, George.“ „Morgen, Herr Ravenal. Zeitung gefällig?“ „Ach so... n—n—nein. Nein. Hm!“ Seine sorgsam eingekeinen Asgig Eem erlaubten ihm nicht soiche Extraausgaben wie geteilten fünfzig Cent erlaubten ihm nicht solche Extraausgaben wie! Bei Ger für die——imessHerald“ oder die Eribüng, Außerden konnte mon## bei McDonald umsonst hineinsehen. Ein prächtiger Morgen. Der Seenebel hatte sich verzogen. Das war einer von den Vorteilen. wenn man prinzipiell niemals fnüh aufstand. In die Schiel=Bäckerei zum Frühstück. Morgen saß er wieder bei Boyle, heute würde sein Pech bestimmt aufhören. Er fühlte es, hatte es gleich heute morgen beim Aufwachen gespürt. „Morgen gibt's Schildkröten und Champagner, Nola. Ich fühle es in sämtlichen Knochen. Heute morgen beim Aufwachen juckte mich die Hand, und gestern abend traf ich zwischen Clark= und Randolphstraße einen Buckligen.“ „Warum darf ich dir denn heute morgen deinen Kaffee und deinen Toast nicht mal hier geben, Gay? Es dauert nur eine Minute. Und du kriegst bei mir einen viel besseren Kaffee als in der... hm, als in der Stadt.“ Ravenal betrachtete kritisch seine Krawatte in dem verrückten kleinen Schrankspiegel und fuhr in seinen gutsitzenden Rock.„Du weißt doch, ich esse nie in einem Zimmer, in dem ich geschlafen habe.“ Er ging am Gerichtsgebäude vorbei bis zur Ecke der Washingtonstraße. Dort standen in einem Glasbehälter Schnittblumen vor dem Blumenladen im Kellergeschoß. Man klopfte mit einem Geldstück gegen das Glas oder stieß den Stock aufs Pflaster, wenn der Rohrstock nicht gerade verschwunden war.„He, Joe!“ Joe kam die Holzstufen herauf. „Hier, Sir. Ich habe sie schon für Sie bereit gehalten. Eben frisch hereingekommen.“ Eine weiße Nelke. Ravenal roch an der Blume, knipste den Stengel ab und steckte sie ins Knopfloch. Von Kopf bis zu Fuß eine hübsche, männliche Erscheinung. Jung, stattlich, gut angezogen und ohne Eile. Joe, der griechische Blumenhändler, steckte seinen Vierteldollar in die Tasche und brütete über die Launen des Glücks. Unterwegs schaute Ravenal noch kurz bei ein paar Wettbureaus hinein und sah sich die verschiedenen Renntabellen an. Aber wenn er noch so wenig Geld hatte, so verschmähte er trotzdem die einfacheren Spielsalons, in denen nur Kommis und Arbeiter ihr Glück versuchten. So war zum Beispiel zwischen Jeff Hankins' Lokal und dem seines Bruders George ein gewaltiger Unterschied. Bei George und ähnlichen Unternehmen standen vor der Eingangstüre Ausrufer: „Bitte nach oben zum Spielsalon, meine Herren. Bitte nach oben! Kommen Sie herein und versuchen Sie ihr Glück! Mit zehn Cent können Sie Millionär werden." Dei weorge Hankins waren die Einsätze beim Pharo tatsächlich Auf Wunderschuhen=durchs schens Sauertane Zum Wochenende rund um den Wirberg Sonntagskarte bis Hohenlimburg oder Altena benutzen wir die Eisenbahn bis Altena. Auf Blatt 1(Hagen) und 9.3 Jerlohn) der Souerlandkarte 1:50.000 vom in Iserlohn läßt sich die vor uns liegende Strecke genau verfolgen. Altena(160 Meter) aus setzen wir uns links, bald über die Lennebrücke nochmals links und gleich hinter dem ersten Hause drüben ein drittel Mal links in Bewegung. Wir solgen dem weißen liegenden Kreuz der Hauptwanderstrecke 17 das Sauerländischen Gebirgsvereins zuerst durch das malerische Iserlohner Tor, dann aufwärts auf einem Fahrweg bis zum Hof Gehegde(300 Meter; 20 Minuten). Auch die nächsten 40 Minuten hält die Steigung an, unterbrochen jedoch von herrRück= und Fernblicken. 460 Meter hoch haben wir die Häuser von Hegenscheid erreicht. Ueber das 430 Meter hoch gelegene Gehöft Rüssenberg fällt nun unser Waldweg sehr stark bis zum Kirchdorf Evingsen(260 Meter; 35 Minuten). Während die Landstraße eine große Spitzkehre macht, um den starken Höhenunterschied des sich am Hang anlehnenden Dorfes zu überwinden, steigen wir auf einem Gäßchen zwischen den rleinen Häusern zur Kirche empor und gelangen in 35 Miaussichtsreichem Feld= und Waldweg, ständig das SET.=Ehrenmal genau, vor uns, zum Kirchdorf Dahle(360 Mierer). Das letzte Srucklein Wegs auf Hauptwanderstrecke 17 Tagungen und Rongresse Umgruppierung im Verband sozialistischer Abstinenten. Der Verband sozialistischer Abstinenten(VsA) hielt in den Tagen vom 21. bis 23. Juni in der Alkoholfreien Gaststätte zu Berlin(Marheinekeplatz 3=4) seine 5. Reichstagung ab. Im Verlauf der Statutenberatung wurde der Sitz des Hauptvorstandes durch einmütigen Beschluß von Hagen(Westf.) nach Ferlin verlegt. Zum 1. Vorsitzenden und zum Redakteur des Veroanosorgans„Der Wille“ sowie des Kinderblättchens„Der klare Quell“ wurde der bisherige Ausschuß=Vorsitzende Davidsohn, zum Geschäftsführer städtischer Fürsorger Lindig gewählt. Der Sitz des Verbands=Ausschusses wird von Berlin nach Hagen=Bochum verlegt. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wählte der Verbandstag den Genossen Riep(Hagen). Der Verbandstag beschäftigte sich u. a. mit den Mißständen bei der Verteilung der Reichs=, Länder= und Kommunal=Zuschüsse an die alkoholgegnerischen Organisationen. Am Verhal##ren der Deutschen Reichshauptstelle gegen den Alkoholismus und des Zentralverbandes zur Bekämpfung des Alkoholismus wurde in diesem Zusammenhange scharfe Kritik geübt. Der Vorstand des VsA. wurde beauftragt, eine über diese Mißstände aufklärende Schrift vorzubereiten und deren Veröffentlichung für den Herbst d. J. in Aussicht zu nehmen. Im Zusammenhang mit dem Verbandstag veranstaltete der g g#eine öffentliche Versammlung, in der städtischer Fürsorger nvig vas Thema„Unsere Stellung zur Fürsorgearbeit“ behandelte und Redakteur Davidsohn die Frage erörterte: „Was bringt uns das Gaststätten=Gesetz". Die sehr gut besuchte Versammlung nahm einstimmig folgende Entschließung an: „Der Reichsverband des Verbandes sozialistischer Abstinenten sieht im Gaststättengesetz vom 28. April 1930 nur eine Abschlagszahlung auf die Forderungen, die an die deutsche Gesetzgebung zum Schutze der Kinder, der Jugendlichen, der Frauen, des ganzen Volkes gegen die verheerenden persönlichen, sozia#2. volkswirtschaftlichen Folgen des Mtoholismus zu „„ Das Gastättengesetz hat so viel Kann=Vorschriften, es ist wurch so viele Ausnahmebestimmungen aller Art von vorrhezein dermaßen durchlöchert, daß von ihm nur sehr geeinge Wirkungen in den bei den Reichstagsdebatten im Ausschuß für Volrswirtschaft und im Plenum vorgesehenen Richtungen zu erwarten sind. Insbesondere die Regelung des Jugendschutzes(§ 16) läßt so gut wie alles zu wünschen übrig. doß sowohl die Verssientlichung der gd Sttnen auch, uu sFwoyt die Veroffentlichung der Konzessionsgesuche wie das Gemeinde=Bestimmungsrecht ins Gaststättengesetz nicht aufgebehäst sich gegen ginden— Pbigegen diese und andere schwere Unterlassungsfunden des Reichstags an vie öffentliche Meinung zu appelBerechtssaat Ein dunkles Kapttel als Folge der wirtschaftlichen Not. Eine Verhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Bochum hinter verschlossenen Türen beleuchtet milieuartig nach der dunklen Seite die Auswirkung der wirtschaftlichen Not auf ein allzu lebenslustiges Menschenwesen. Der Bergmann Franz K. aus Herten, der die Anklagebank einnimmt, ist von einem Vordergericht wegen Zuhälterei zu einem Jahre Gefängnis und zu drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Er bat das Gericht inständig, ihm doch die Strafe abzunehnen, da er sie nach seiner Ansicht zu Unrecht bekommen habe. Seit zwei Jahren ist er der Erwerbslosigkeit verfallen. Bei der von seiner Frau auf der Polizeiwache gemachten Anzeige hat sie ihn als Faulpelz hingestellt, der der Arbeit bewußt aus dem Wege gehe und sein Leben auf ihre Kosten fristen wolle. Diese Anzeige gegen ihren eigenen Mann will sie heute unter den Auswirkungen des Rachedurstes erlogen gemacht haben, da ihr Mann sie mit der ehelichen Scheidung bedroht. Die junge Frau stellte sich vor Gericht selbst als vergnügungssüchtig, lebenslustig und kleidereitel hin. Ein solches Leben sei aber von der kangen Arbeitslosenunterstützung nicht zu bestreiten. Sie habe daher, noch von anderen Frauen verlockt, den Weg zur Straße gefunden. Dieses ihr Treiben habe ihr Mann zwar nicht geduldet, jedoch könne er dagegen nichts machen, da er ein„Waschlappen“. sei und sie zu Hause das Regiment führe, weshalb sie auch alle seine Mahnungen und Drohungen in den Wind geschlagen habe. Daß ihr Mann von ihrem schimpflichen Gewerbe gelebt, müsse sie bestreiten. Weiter erzählt sie dem Gericht, daß ste sich einen Bundsunk angeschaftt habe, dazu einen Lautsprecher, den erfordert nochmal eine Steigung von 125 Metern in 20 Minuten. Dann aber stehen wir am Ziel des ersten Tages, dem gewaltigen Bruchsteinbau des Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Mitglieder des Sauerländischen Gebirgsvereins. Die Abendsonne vergoldet, den Blick rückwärts gewandt, die Bergzüge, über die wir soeben gezogen und weit darüber hinaus zahlreiche Lenneberge bis hin zum Ebbegebirge. Trunken von der Fülle solcher Naturschönheit, suchen wir Rast und Stärkung für den nächsten Tag. Haben wir beides gefunden, weihen wir den ersten Augenblick des nächsten Morgens einem stillen Gedenken in der stimmungsvollen Ehrenhalle. Dann eilen wir auf den nahen Kohlberg, wenn wir nicht schon am Abend vorher die Rundschau am Aussichtsturm genossen haben, um weiter die ersten 20 Minuten in nördlicher Richtung bis„Auf dem Giebel“ auf Hauptwanderstrecke 1 zu wandern. Bei der scharfen Wegbiegung verlassen wir jedoch den Hauptwanderweg 6, um in gleicher Richtung auf einem Ortsweg durch Tannen, Wacholdergebüsch und allerhand Kroppzeug dem Höhenzug zu folgen, der stets in ziemlich genau nördlicher Richtung seitwärts des Gehöfts Schwarzpaul zum Dorf Frönsberg(430 Meter; 85 Minuten) und über die Hemer=Berge auf dauernd aussichtsreichem Wege nach Westig hinabführt(320 Meter; ¾ Stde.). Rechter Hand können wir die Heinrichshöhe in Sundwig und das Felsenmeer besuchen, wenn wir beides noch nicht kennen sollten. Von Sundwig aus führt Hauptwanderstrecke 4 an Höhe 304 entlang nördlich der Eisenbahn über den Kallerbach nach Wermingsen, dann ganz durch die Bergstadt Iserlohn (250 Meter; 1½ Stunden, jedoch kann man von Westig oder Sundwig bis hier auch die Straßenbahn benutzen). Unterwegs grüßt uns vom Bömberg die neue schmuche Jugendhevberge. Am Westende der Stadt beginnt kurz vor dem Friedhof wieder das weiße Kreuz der Hauptwanderstrecke 4. In ½ Stunde leitet es uns zur Rauhen Hardt(310 Meter), berührt dann Papenholz und nach 25 Minuten Grürmannsheide(270 Meter), trifft nach weiteren 30 Minuten auf Hauptwanderweg 26, mit der es 10 Minuten bis Schälk zusammenläuft. Dort gehen wir auf 26 über und besteigen nach 10 Minuten den H'umpferturm (292 Meter), der uns eine liebliche Rundschau über das westliche Sauerland gewährt. Sind wir ½ Stunde bergab gestiegen, gehen wir kurz vor Bad Henkhausen links auf einem Ortsweg nach Elsey und Hohenlimburg über. Nach 35 Minuten erreichen wir jenseits der Lenne den Bahnhof Hohenlimburg. Vorher gewahrten wir auf der Höhe des Mühlenberges den prächtigen Hohenlimburger Jugendherbergsbau. Stadt und Schloß Hohenlimburg konnten Ende Juni ihre 700=Jahrfeier begehen. 700=00 aber wieder veräußert habe, als man ihr daraufhin die Unterstützung entzogen. Der Angeklagte behauptete, solange seine Frau im Besitz des Rundfunks gewesen, sei sie hübsch zu Hause geblieben und habe die Zerstreuung im Kreise der Familie gesucht. Die Beweisaufnahme durchleuchtete scharf die Lebensart der Frau und des Mannes. Dem Gerichte schienen die Feststellungen der Beweisaufnahme aber doch so schwerwiegend, daß es sich nicht dazu entschließen konnte, das Urteil aufzuheben. Die Berufung wurde verworfen und der Angeklagte trat seinen Weg ins Gefängnis zurück an. Seine Frau aber fuhr vom Gerichtsgebäude als Sozia auf einem schweren Motorrad durch die belebten Straßen nach Herten zurück. Es war wieder wal ein dunkles Kapitel aus dem Leben im Gerichtssaal enthüllt worden.Sneratur Die Juli=Nummer der„Westfälischen Heimat“ bringt einen sehr beachtlichen Aussatz über„Heimat und Rasse“ der sich gegen die Versuche hannoverscher Kreise wendet, mit Hilfe des Rassegedankens weites westfälisches Land zu der geplanten Bildung eines großen Niedersachsens hinzuzuschlagen und das Ruhrgebiet vassehygienisch versacken zu lassen. Für die Kommunalpolitiker der westfälischen Großstädte dürften die Darlegungen von W. Elbracht über„das Volkstum der Industrie= Großstadt“ wertvolle Anregungen und prattische Fingerzeige bieten. Der reich illustrierte Beitrag„Alte Fachwerkhäuser in Herdecke an der Ruhr im Spiegel einer Zeitbetrachtung“ enthält ebenfalls nützliche Hinweise sowohl für Erhaltung des Alten, als auch für neuzeitliches Bauen. Kunstfreunde und Handwerkskreise dürften in gleicher Weise sich an den Ausführungen über„alte westfälische Goldschmiedekunst“ erfreuen. Die Erzählung„Gerswits Burg. Novelle aus der Frühzeit des Essener Münsters“ von Juga Russel ist künstlerisch und stofflich gleich anregend und hochstehend. Der Bezug dieser ausgezeichneten Zeitschrift kann nur empfohlen werden. Alle Buchhandlungen und Postanstalten sowie der Heimatverlag, Dortmund, Königshof 23, nehmen Bestellungen entgegen. Der volkstümlichste Natgeber für Eheleute und solche die es werden wollen.„Vorbeugen, nicht abtreiben“ von Luise Otto erschien in der Verlagsbuchhandlung W. Pfannkuch u. Co., Magdeburg, bereits wieder in neuer Auflage. Das weitverbreitete Büchlein liegt munmehr im 136. bis 145. Tausend vor. Diese hohe Auflagenziffer bejaht von vornherein das brennende Interesse, das dem vorliegenden Thema entgegengebracht wird und beweist gleichzeitig, daß die Broschüre ihren Zweck im Sinne des Titels erfüllt. Stichwortartig wird hier in einführenden Absätzen das Unsinnige des§ 218, wie des§ 184 behandelt und in volkstümlichem Ton eine Darstellung der Methodik der wesentlichsten Vorbeugungsmittel gegeben. Die 72 Seiten starke Broschüre, die nur 80 Pf. kostet, kann nur immer wieder allen Müttern und jungen Leuten empfohlen werden. Dauerheilung der Zuckerkrankheit. Von Frau Dr. E. Külz. Preis 2 M. Bruno Wilkens Verlag in Hannover. Als Leiterin eines bekannten Sanatoriums für Zuckerkranke hat Verfasserin sicher viel Gelegenheit gehabt, reiche Erfahrungen und Kenntnisse zu sammeln, die in diesem leichtverständlichen Buch ihre Verwertung zum Besten der Zuckerkranken gefunden haben. Der Diabetiker kann sich durch diese Broschüre eingehend über sein Leiden orientieren, auch darüber, wie Besserung und Heilung erzielt werden kann. Die am Schluß angegebenen Rezepte für„Diabetikerspeisen und Getränke“ werden vielen Zuckerkranken willkommen sein. Vorbeugung und Heilung von Augenleiden. Von Geh. Medizinalrat Dr. Graf Wiser. Preis 2,50 M. Bruno Wilkens Verlag in Hannover. Wenn ein solch bekannter Augenarzt seine während der Praxis gesammelten Erfahrungen veröffentlicht, um die ständig zunehmenden Augenkrankheiten und Erblindungen zu bekämpfe, so ist dies nur zu begrüßen. Geht es doch um unsern kostbarsten Besitz, das Augenlicht. Der Verfasser schildert hier in verständlicher Weise, wie Augenleiden vorgebeugt und wie bei schon vorhandenen eine Besserung und Heilung erzielt werden kann. Auch über das jetzt so umstrittene Thema„Sehen ohne Brille“ äußert Graf Wiser seine Ansicht. aufers Inmzdandlus arfeir aur Suchlt Arbeiter=Wohlfahrt Arbeiter=Wohlfahrt Quereuburg. Zu dem geplanten Ausflug am Donnerstag, dem 10. Juli, treffen wir uns morgens 7.30 Uhr am Volkshaus. Abfahrt des Autos pünktlich 7.45 Uhr. Allseitige und pünktliche Beteiligung ist unbedingt erwünscht. Arbeiter=Wohlfahrt Witten. Donnerstag, 17 Uhr, im Lokale Schneider, Johannisstraße: Monatsversammlung. Wegen der Wichtigkeit muß alles erscheinen. Jugendveranstaltungen SAJ. Herne=Altenhöfen. Wir treffen uns nicht Dienstag, sondern Mittwoch abend 7.30 Uhr am Volkshaus zur Abendwanderung zum Giesenberg. In Zukunft findet unser Heimabend Mittwochs im Volkshaus statt SAJ. Herne=Sodingen. Mittwoch abend 7.30 Uhr findet in unserm Jugendheim eine Monatsversammlung statt. Erscheinen unbedingt erforderlich. Rote Falken Herne=Baukau. Heute treffen wir uns um 4 Uhr in der Schule. Von 4—6 Uhr werden wir das Lesen von Wanderkarten lernen. Von 6—8 Uhr werden Volkstänze gelernt. Seid pünktlich und erscheint zahlreich. Jungfalken Herne=Baukau. Heute kommen wir um 4 Uhr zusammen. Da wir Volkstänze für unsern Elternabend üben wollen, muß jeder erscheinen. Rote Falken Bochum=Altstadt und Ehrenfeld. Dienstag, den 8. Juli, haben wir unseren Bastelabend in der Schule an der Hermannshöhe. Erscheint alle pünktlich um 7 Uhr. SAJ. Stadtverband Groß=Witten. Achtung, Funktionärkursus! In unserer letzten Vorstandssitzung haben wir beschlossen, mehr denn je Gewicht auf Funktionärschulung zu legen. Es ist fast in jeder Ortsgruppe zu verzeichnen, daß die Mitglieder, die man bei Werbungen gewinnt, nur zum geringen Teil gefestigt werden. Es kommt vor, daß durch eine Gruppe innerhalb von ein paar Jahren hundert u. noch mehr Mitglieder gehen und am Jahresende doch der übliche Stand der Gruppe bleibt. In die Partei mündet auch immer nur ein geringer Prozentsatz ein. Das lag bisher immer an dem Mangel an Funktionären. Deshalb ist es nun unbedingte Pflicht, systematische Funktionärarbeit zu betreiben. Am Samstag, dem 12. Juli, findet nun unser erster Funktionärkursus im Stockumer Jugendheim statt. Thema:„Aufgabe eines Funktionärs in der Jugendbewegung“. Wir beginnen pünktlich um 20 Uhr. Um 18 Uhr werden die Hevener gegen die Stockumer ein Fußballspiel austragen. Treffpunkt 17.30 Uhr am Jugendheim Stockum. In der Zeit von 19 bis 20 Uhr wollen wir gemeinsam Volkstänze auf dem Platz am Jugendheim aufführen. Um 20 Uhr beginnt der Vortrag. Beteilige sich nun jede Ortsgruppe nach Kräften. Musikinstrumente müssen mitgebracht werden. Interessierte Parteigenossen aus dem Stadtgebiet sind zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen, damit sie sich von dem Wollen der Jugend überzeugen. SAI. Witten=Heven, Abt. Trommlerkorps. Freitag abend werden wir uns über die Fahrt nach Herne unterhalten. Die Fahrt ist frei. Kommt alle! Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde im Ruhrgau. Die für Donnerstag. den 10 Juli, angesetzte Vorstandssitzung muß Umstände halber auf Freitag, den 11. Juli, verlegt werden. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen der Vorstandsmitglieder ist dringend erforderlich.— Achtung für die Teilnehmer am Zeltlager in Namedy. Heute ist der letzte Termin für die Anmeldung. Wir machen darauf aufmerksam, daß nur solche am Zeltlager teilnehmen können, die sofort den Betrag von 20 Mark als Anzahlung auf unser Postscheckkonto überweisen. SAJ. Gerthe. Heute abend um 8 Uhr: Versammlung im Jugendheim. Jedes Mitglied muß pünktlich erscheinen. SAI. Weitmar 1. Dienstag, den 8. Juli, an der Schule Natorpstraße: Ballspielabend.— Mittwoch, den 9. Juli: Vorstandssitzung beim Genossen Paul Steinkamp.— Samstag, den 12., und Sonntag, den 13. Juli: Fahrt in die Heide. Alle Teilnehmer haben sich bis Freitag zu melden. Parteigenossen können auch an der Fahrt teilnehmen. Der Fahrpreis beträgt 1,80 M. Abfahrtzeit wird noch bekanntgegeben. SAI. Witten=Ruhr Heute abend 7 Uhr im Jugendheim: Monatsversammlung. Da wir nun mit einer zünftigen Werbeaktion an die Oeffentlichkeit treten wollen, vor allen Dingen auch hauptsächlich bei unseren Parteigenossen und Gewerkschaftskollegen, denn gerade denen müssen wir es begreiflich machen, wo ihre Kinder hingehören, in unseren Reihen oder in die der Kapitalisten. Deshalb sei ein jeder heute abend pünktlich zur Stelle und nehme sich für die Werbewoche genügendes Material mit auf den Weg.— Jeder, der ein Hans=Sachs=Buch oder das Schmökerspiel„Am Marterpfahl der Sioux“ im Besitze hat, muß es umgehend abliefern. Aus der Arbeiter=Sängerbewegung AGV. Volkschor Gerthe. Einladung an die passiven Mitglieder. Die Fahrt nach Durchholz. verbunden mit dem diesjährigen Ausflug, erfolgt am 13. Juli, morgens 6 Uhr. Abfahrt von Vereinslokal Fr. Schade. Die Fahrt kostet pro Person 1,50 Mark. Alle müssen pünktlich zur Stelle sein. Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold Ortsgruppe Bochum, 1. Kameradschaft Wiemelhausen=Ehrenfeld. Am Donnerstag, dem 10. Juli, abends 8 Uhr, findet im Lokale„Südpol“, Wiemelhauser Straße, eine wichtige Versammlung statt. Alles hat zu erscheinen. Referent zur Stelle. Bezirksgruppe Wattenscheid. Samstag, den 12. Juli, tritt die gesamte Bezirksgruppe um 6.30 Uhr auf dem Bebelplatz an. Es ist Pflicht eines jeden Kameraden, sich für Samstagabend frei zu machen Es gilt, unserem Bundesführer Otto Hörsing einen würdevollen Empfang zu bereiten. Republikaner können sich anschließen. Sür Samstagabend ist also die Parole eines jeden Kameraden und Republikaners: Auf nach Gelsenkirchen! Ortsgruppe Herne. Letzte Meldung zur Mainzfahrt am 19. und 20. Juli. Jeder Kamerad, der die Absicht hat, an der Befreiungsfeier in Mainz teilzunehmen, muß sich unbedingt am Donnerstagbend um 20 Uhr im Volkshaus in die Teilnehmerliste eintragen lassen. Die Eintragung nimmt Kamerad Paul Völkel vor. Es versäume daher keiner den Termin. Diejenigen Kameraden, die durch Arbeit verhindert sind, müssen ihre Teilnahme in der Wohnung des Kameraden Völkel angeben. Der Fahrpreis per Bahn ab Herne beträgt: Hinfahrt und Plakette 7.40 Mk., Rückfahrt 7,40 Mk. Hin= und Rückfahrt 14,80 Mk. leinschl. Dampferfahrt).— Betrifft Reichsbanneranzug. Ein Probeanzug liegt am kommenden Donnerstag in der Zusammenkunft den Kameraden zur Ansicht vor. Interessenten können sich welden.— Kundgebung am 12. Juli in Gelsenkirchen. Samstag, den 12. Juli, 16.45 Uhr: Treffpunkt am Bahnhof. Alle freien Kameraden haben zu erscheinen. Seid pünktlich und vollzählig. Republikaner von Herne, heraus aus dem Mumienschlaf! Soweit Einheitsanzug vorhanden, andernfalls blaue Mütze und Zivil.— Abt. Martinskapelle. Die Uebungsstunde findet Donnerstag, den 10. Juli, abends 7.30 Uhr, im Volkshaus statt. Vollzähliges und pünktliches Erscheinen der Spielleute wird erwartet. Es müssen Vorbereitungen zur diesjährigen Verfassungsfeier getroffen und deshalb feste geübt werden. Wie bereits bekannt sein dürfte, findet die Veranstaltung am Vortage, Sonntag, den 10. August, statt. Die Feier schließt mit einem Fackelzug der Republikaner von Herne=Sodingen ab. Zeigt Aktivität! Ortsgruppe Wanne=Eickel. Morgen, Mittwoch: Zusammenkunft aller Mainzfahrer bei Naroska. Der Fahrpreis beträgt ab Wanne hin und zurück 14.16 Mk. Am selben Abend muß das Geld abgeliefert werden. Die Gruppenführer werden ersucht, die Kameraden darauf aufmerksam zu machen, weil letzter Meldetag.— Trommlerkorps. Allen Kameraden zur Kenntnis, daß unsere Probe nicht Mittwoch, sondern Donnerstag stattfindet, und zwar mit Instrumenten. ** sche # Glunzender Aufinürschder Arbenersportier des Bochamer Sezirtem Herne „„#1 Witigt b## einen Soschen Perenstoltung. Sie hahen in visDas Bezirks=Turn= und Sportfest in Herne stand unter keinem günstigen Stern. Neben der wirtschaftlichen Not sind es die allzu vielen Veranstaltungen, der Letztzeit, die manchen abhalten, Sonntag für Sonntag auf den Sportplatz oder ins Stadion zu gehen. Die unheimliche Hitze, der Gewitterregen bis burz vor Beginn der Veranstaltung, taten ihr übriges, so daß nur insgesamt ungefähr 5000 Zuschauer die vielen Sportplätze umsäumten. Um es aber gleich vornherein zu sagen, das Gebotene hätte trotzdem besseren Besuch verdient! Auch am Samstag wurde ganz Hewvorragendes gezeigt, vor allem im Sommerbad, wo die Wassersportler den offiziellen Teil der Veranstaltung durch Werbeschwimmen, Rettungsvorführungen und Turmspringen eröffneten. Die Veranstaltungen am Samstag Schwimmen im Sommerbad. Den Auftakt zu dem Bezirkssportfest des Arbeiter=Turnund Sportbundes bildeten die schwimmsportlichen Veranstaltungen im Sommerbad. Es wollte verschiedenen Badegästen absolut nicht passen, daß sie um 6 Uhr die Schwimmbecken für die Arbeitersportler räumen sollten und auch manchem„Passiven“ gefiel diese Anweisung des Personals durchaus nicht. Es half aber alles nichts, die Arbeitersportbewegung setzte sich durch Nach der letzten Bekanntschaft mit dem Wettergott konnte man Bedenken haben. Diese wurden aber zerstreut, als die Schwimmer mit ihren Vorführungen begannen. Kein Zweig des Schwimmsports wurde vergessen, Frauen und Männer, Burschen und Mädels teilten in den zwei Stunden, in denen sich alles abwickeln mußte, die„Wogen“ des Sammerbades. Der Sieger oder die Siegerin wurden von den Zuschauern mit lebhaftem Beifall gefeiert, die Nachzügler mußten sich gefallen lassen, daß man sich über ihr„Zeitlupentempo“ lustig machte. Die Organisation war sehr gut, ohne Pause, in straffem Tempo folgten die einzelnen Programm=Nummern. Brustschwimmen, Lagenstafette und Rückenschwimmen nacheinander boten für den Beschauer außer der Spannung auch einen hohen ästhetischen Genuß. Großes Interesse fanden auch die Vorführungen der verschiedenen Arten des Rettungsschwimmens, der Befreiungsgriffe und der Wiederbelebungsversuche. Gerade dieser Zweig des Schwimmsports müßte noch viel mehr als bisher Gemeingut aller werden, damit die immer noch erschreckend hohe Zahl der Todesfälle durchErtrinken etwas vermindert würde. Ganz besonderen Beifall erhielten die Springer für ihre Darbietungen. Man sah schwierige Sprünge vom 10=Meter=Turm, die einfach vollendet waren. Es gibt wenig Sportarten, die vom Sportler eine solch große Gewalt über seinen Körper verlangen, wie gerade das Springen. Nachdem die Frauen noch einige FigurenReigen vorgeführt hatten, die mit großem Schwung und entsprechendem Beifall hingenommen wurden, begannen die Wasserballspiele, die bei der Zuschauermasse ebenso großes Interesse fanden.(Das Ergebnis, wie übrigens die gesamte technische Wertung bitte an anderer Stelle nachlesen.) Selbstverständlich zeigten die in der Heimat mit einem Hallenbad beglückten Mannschaften(Bochum, Gelsenkirchen) die besten Leistungen, aber auch die Herner haben im Wassersport in der burzen Zeit der Betätigungsmöglichkeit ganz hervorragendes Können bewiesen. Uebrigens ist hier auch eine Faltboot=Abteilung ins Leben gerufen, die heute schon 6 Boote ihr eigen nennt und bei der Herner Arbeiterschaft um weitere Beteiligung ersucht. Rasch leerte sich das Sommerbad, die Besucher strömten zum Volkshaus, wo schon am Eingang ein großer Willkommengruß auf die folgenden Ereignisse hinwies. Zu derselben Zeit, wo im Sommerbad die schwimmsportlichen Veranstaltungen geboten wurden, fanden auf dem Germania=Sportplatz ein Fußballspiel(Herne gegen Altenbochum 01) und ein Handballspiel(Herne gegen Essen=Schonebeck) statt. Auch hier säumte ein interessiertes Publikum die Plätze und quittierte die Leistungen durch lebhaften Beifall. Die Mannschaften lieferten sich Kämpfe, die an Qualität den bürgerlichen Sport weit überragten, ohne jedoch von Rekordsucht befallen zu sein. Der Begrüßungsabend im Volkshaus Mit etwas Verspätung begann sich im Volkshaus ein Programm abzuwickeln, dem als Vertreter der Stadt Beigrordneter Hölkeskamp und der staatlichen Polizei Regierungsrat Niewiesch und Major Weiberg mit großem Interesse folgten. Unter den Gästen waren auch der Vorsitzende des Arbeitsamts Herne, Genosse Hilge, und Fräulein Schlensow, als Kreisjugendpflegerin, zu beobachten. Nach Beginn der Veranstaltung ging es Schlag auf Schlag. Die leuchtend rot und schwarz=rot=gold drapierten und mit frischem Blattgrün geschmückte Bühne zeigte herrliche Bilder. Abwechselnd traten zunächst die Turner und Turnerinnenn auf, deren Darbietungen die Aufmerksamkeit des vollbesetzten Hauses hergestellt hatten. Das Turnen in der Vorkriegszeit bestand— so widersinnig es auch blingt— nicht aus Bewegungen. Die Turnstunde in der Schule bestand fast nur aus Stellungen und Haltungen. Freudeleer war der ganze Schulbetrieb. Die Freiübungen waren gekünstelte Gliederstellungen. Arme und Beine wurden ohne jede natürliche Bewegung straff geführt, wie an einer Schnur der Hampelmann. Die Turngerärte wurden durch Exerzier= und Haltungsübungen zu einer Marter des Kindes. Dieses gedankenlose Gruppenturnen hat endlich sein Ende gefunden. Die neue Schule arbeitet anders. Keine Vorschriften, keine Verfügungen, nur Richtlinien bestehen. Richtlinien, um zum Ziel zu gelangen. Das Ziel ist: Allseitige Ausbildung des jugendlichen Körpers durch Turnen, Spiel, Gymnastik und Sport zu frohem, gesundem Wachstum, zur gesunden Lebensführung, zum Verantwortungsbewußtsein gegen den eigenen Körper und den des Nächsten, zur Bewegungsanmut und zur Gewöhnung an regelmäßige Leibesübungen, auch außerhalb und nach der Schulzeit. Die Richtlinien nennen drei Hauptgruppen: Körperbildung, Leistungsturnen, Spiele. Sehr zahlreich und recht verschiedenartig sind die Uebungen. Die Körperbildung geschieht vorzugsweise durch Gymnastik. Zum Leistungsturnen gehören Uebungen im Laufen, Springen, Werfen, Bodenübungen und Uebungen an Geräten. Lauf=, Ball= und Wettspiele beschließen die dritte Hauptgruppe. Für Schülerinnen sind besondere Tanzformen aufgeführt. Hauptsache aller Tätigkeit beim Turnen, Sport und Spiel ist: Arbeit am Körper und praktische Gesundheitspflege. Nächstes Ziel: die Gewöhnung an eine gute Körperhaltung und an eine tiefe, ergiebige Atmung. Freude an der Bewegung— Spiel statt Drill—, das ist die Triebkraft des Turnens, der Gymnastik und des Sports der nteuen Schulg, Diese erfreuliche Feststellung zog sich wie ein roter ganz deutlich erkennbar durch die vielleicht etwas reichhaltigen Darbietungen. Wir freuen uns herzlich zu dieser gründlichen Neueinstellung! Direkt spielend bearbeitete die Bezirksriege auch das Pferd, den Barren und das Reck, wobei sie mit begeistertem Beifall begleitet wurde. Leider wurde während der Veranstaltung die Lichtleitung defekt, so daß eine unangenehme Störung in der Festfolge eintrat. Die Festrede hielt der Genosse Hilge, der die Teilnehmer im Auftrage des Bezirks recht herzlich begrüßte. In seinen weiteren Ausführungen wies er auf Zweck und Ziel der Arbeitersportbewegung im allgemeinen und dieses Fest im besonderen hin. Arbeitersport, so führte er aus, bedeutet körperliche Ertüchtigung des Arbeiters für seinen doppelten schweren Kampf. Einmal für den Beruf und zum zweiten Male für den großen Kampf der Arbeiterklasse um völlige politische und wirtschaftliche Freiheit. Diesem Ziel dient der Arbeitersport, der sich damit erfreulich unterscheidet von bürgerlicher Rekordsucht und Geschäftemacherei. Mut und Energie zu erproben im Dienste unserer großen Idee, getreu dem Grundsatz, daß nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist gedeiht, soll weiterhin die Losung des Arbeitersports sein. Mit dem Motto:„Dem Volke gilts, wenn wir zu spielen scheinen“, schloß Genosse Hilge seine begeistert aufgenommenen Ausführungen. Von den turnerischen Darbietungen verdienen die der Schüler besonders hervorgehoben zu werden, diese Knirpse waren immer mit Begeisterung bei der Sache. Man muß aber auch sagen, daß die Leitung hier, ebenfalls auch bei den Turnerinnen, ein äußerst befähigter Genosse in der Hand hat. Für gute Musik sorgte während der Vorführungen die Kapelle Zimmer. Der Festsonntag Der Sonntag gehörte wie immer den sportlichen Wettkämpfen. In aller Frühe schon begann das große Wecken und bald formierte sich ein stattlicher Zug zum Stadion am Kanal, wo sich ein frohes Leben entwickelte. Hier standen die Läuferinnen und Läufer, dort die Springer, an jenem Platz die Turner und so kämpften die einzelnen Sparten um den Sieg, während die interessierten Zuschauer ihre Leistungen bewunderten. Die Radfahrer trugen ein Radballspiel und Kunstreigen vor und fanden damit sehr viel Beachtung. Ferner wurde ein Fußballdreikampf ausgetragen. Die Kämpfe boten ein spannendes Bild, wie überhaupt viele Klassen hart um den„ersten" Platz kämpften. Zufrieden mit dem Gezeigten war an diesem Morgen jeder, der draußen war. Besondere Aufmerksamkeit gewann auch das Konzert am Rathausplatz. Eine dichte Menschenmenge umstand das Spielkorps, dessen Leistungen weit über das reichten, was wir in Herne sonst zu hören bekommen. Mit der Internationale marschierte die Kapelle ab, früehr als es die Zuhörer wünschten. Um dieselbe Zeit wurden 12 Fußballspiele und ebenso viele Handballspiele ausgetragen, die sämtliche verfügbaren Sportplätze der Stadt in Anspruch nahmen. Auch dieser Sport fand wie immer begeisterte Zuschauer. die ihrer Anerkennung über das Gebotene durch lebhaften Beifall Ausdruck gaben. Nach einer kurzen Mittagspause. während der sich die auswärtigen Sportler das Gulasch im Volkshaus munden ließen, trat man um 12 Uhr auf dem Altmarkt an zum Festzug, der sich über die Bahnhofstraße abermals zum Stadion bewegte. Die Arbeiterschaft darf stolz sein auf die kräftigen, sonnengebräunten Gestalten, die in Viererreihen durch die Menge der Spalierstehenden marschierten. Prächtige, von Gesundheit strotzende Menschen sah man, ob Turner, Paddler oder Spieler, ein gesunder, kräftiger Menschenschlag sind sie alle, die den Sport bei den freien Organisationen treiben. Voran die Radler auf ihren silberglänzenden Stahlrossen, gefolgt von einem leuchtend roten Fahnenwald, der von trotzigen Arbeiterfäusten fundamentiert war. Viel Aufmerksamkeit fanden auch die Paddler mit ihren geschulterten„Wappen“. Etwa 1500 Sportler mögen es gewesen sein. die hier schneidig nach dem flotten Marschrhythmen der Musik marschierten, allenthalben von den Spalierbildenden und aus den Fenstern freundlich begrüßt. Fröhliche Sport= und Kampflieder schallten in den Sommertag und fanden ihr Echo bei den Säumigen, die damit zum Eintritt in den Arbeiter=Turn= und Sportbund aufgefordert wurden. Zahlenmäßig hat das Herner Stadion einen so wuchtigen und imposanten Aufmarsch bisher noch nicht erlebt. Landtagsabgeordneter Rautenberg fand herzliche Begrüßungsworte und betonte, daß nicht Rekordfimmel, sondern planmäßige Körperpflege die Arbeitersportbewegung beseele. Er dankte dem Herner Sport= und Kulturkartell für die geleistete Vorarbeit, die dieses glänzende Gelingen erst ermöglicht habe. Mit dem Wunsche der besten Aufwärtsentwicklung schloß Genosse Rautenberg seine Ansprache mit einem kräftig aufgenommenen„Frei Heil!“ Schwarze, drohende Wolken ballten sich am Horizont und wirklich, kaum setzte sich der Aufmarsch zu den Freiübungen in Bewegung, als es anfing zu regnen. Zum Glück blieb es bei einem kleinen Versuch, so daß die Vorführung keine Unterbrechung erlitt. Mit den Freiübungen der Kinder führten sich die Arbeitersportler bei den Zuschauern sehr angenehm ein, vervollständigt durch die der Frauen und Männer. Das war ein Wogen und Biegen. ein Drehen und Wenden angeschmiegt an den Takt der Musik. das helle Freude bei Gebenden und Nehmenden auslöste. Dann folgte die Fortsetzung der leichtathletischen Kämpfe, sowie Fuß= und Handballspiele. Hiervon interessierte besonders das Fußballspiel der Bezirksmannschaft gegen die Stadtmannschaft Wanne. Auch in vielen anderen Sportarten war das Stadion die Stätte friedlichen Wettkampfes. Der grüne Rasen im Kontrast zu dem farbenfrohen Sportdreß bot ein so herrliches Bild, das im Malbasten kaum geschmackvoller zustande kommt. Eine zahlreiche Menschenmenge umlagerte auch den Nachmittag über den Sportplatz und verfolgte mit lebhaftem Interesse die einzelnen Leistungen. Den Abschluß bildete ein 1000=Meter=Laufen, das ganz enorme Anforderungen an die Ausdauer der Teilnehmer stellte. Dann war zum Bedauern der Besucher auch die letzte ProgrammNummer vorbei und man ging oder fuhr wieder in Gruppen oder einzeln zum Volkshaus. Die Cätigkeit der Samariter Eine Organisation darf im Bericht über das Bezirksfest nicht vergessen werden und das sind die Arbeitersamariter. Man macht sich gewöhnlich keine rechte Vorstellung von ihrer WINM Saionwachs PGLUmmhaden Tarigreit ozw. einer solchen Veranstaltung. Sie haben in vielen Fällen eingreifen müssen. Es handelte sich glücklicherweise meistens nur um Hautabschürfungen und um leichte Fälle von Prellungen, Muskelverletzungen und Rißwunden. Nur ein Fall war etwas schwerer, bei einem Krampfanfall mußte der städtische Krankenwagen angefordert werden. Die Arbeitersamariter haben ebefalls ihr redlich Teil zum guten Gelingen und zur reibungslosen Durchführung des Bezirksfestes beigetragen und dafür gebührt ihnen Dank. Abendveranstaltung und Ausklang Der Abend fand die Teilnehmer zum gemütlichen Teil im Volkshaus versammelt, wo die Radler für angenehme Unterhaltung sorgten, Musik und Tanz besorgten ein übriges. Die Zeit war inzwischen so weit vorgeschritten, daß die auswärtigen Gäste Abschied nehmen mußten. Frei Heil!. Frei Heil! klang es an allen Ecken und Enden und dann blieben die Herner unter h 4. Dieses Bezirksfest haben wir hinter uns. Was die Arbeitersportler sind und was sie wollen, haben sie deutlich bewiesen, ebenfalls ihr Können wurde unter Beweis gestellt. Ungeheure Kräfte sind in der Arbeitersportbewegung vorhanden und wirken für ein wahres Menschentum. Diese Kräfte ideell und materiell zu fördern und zu vervollkommnen, dazu hat dieses Fest eine Menge Energien in neue Schwingungen gebracht. Und so hat die Vranstaltung ihr Ziel vollständig erreicht und einen würdevollen und befriedigenden Verlauf genommen. Nicht ein Mißton hat diesen Massenaufmarsch getrübt. Frei Heil! zu neuem Schaffen und Erfolgen. Weitere Ergebnisse der Wettkämpfe und=spiele. 1. Sschlchicle eni. erche ic hlche. Langendreer. 2,10 Min.; 2. Bredenscheid=Stüter, 2,10,5 Min. 10X50=Meter=Stafette, Mädchen: 1. Welper, 1,16,9 Min.; 2. Herne. 1,75,5 Min.: 3. Bredenscheid=Stüter 1,18,3 Min, Vierkampf, Sportler über 18 Jahre: 1. Sindermann, Willi, Fr. Spp. Bochum, 274,63 Punkte; 2. Temme, Willi, Schwv. Gelsenkirchen, 267,63 Punkte; 3. Senft, Rudolf, Riemke, 242,88 Punkte. 100=Meter=Lauf: 1. Neumann. Paul. Fr. Schwv. Bochum, 11,4; 2. Sindermann. Wilh., Fr. Spp. Bochum, 11,6; 3. Borgschulze, Heinz, Fr. Spp. Bochum, 11,9. Dreikampf, Sportlerinnen 14 bis 16 Jahre: 1. Oholowitz, Ilse. Freie Schwimmer Bochum, 268,32; 2. Finger, Emmi, Riemke, 219,45; 3. Osthold, Hete, Freie Schwimmer Bochum, 218,32. Speerwersen, Sportler über 18 Jahre: 1. i-dermann, Willi, Fr. Spp. Bochum, 50 Meter: 2. Tomek,( 3, Altenbochum 01, 39¾ Meter; 3. Dordat, Hans, Altenbock, 01, 36½ Meter.„„„„„„ 2 Einzelkampf, Dreisprung, Sportler über 18 Jahre: 5fl. Prange, Willi, Niemke, 10.80 Meter: 2. Blazeizak, Hans. Wattenscheid, 10.30 Meter; 3. Plewa, Fritz, Riemke, 10.05 Meter. 3. Tomek. Gustav. Altenbockum 01, 10,05 Meter. Achtkampf, Oberstufe, Turnerinnen: 1. Daubertshäuser, Anita, Hattingen, 321,09 Punkte;? Klinek, Herta, Witten, 302,55 P.: 3. Nogalla, Marta, Fr. Spp. Bochum 282,26 P. Fünfkampf, Mittelstuse, Turnerinnen: 1. Berker, Erna, Hattingen, 267,91 Punkte; 2. Heimbruch Herta, Hattingen, 241,82 Punkte; 3. Möritz, Elfriede, Fr. Spo. Bochum, 236,36 Punkte. Dreikampf für Sportler, 16 bis 18 Jahre: 1. Dörr, Karl, Herne, 202,64 Punkte; 2. Löffler, Walter, Langendreer 199,06 Punkte; 3. Staschau, Walter, Langendreer, 191,19 Punkte. Stabhochsprung, über 18 Jahre: 1. Sindermann, Willi, Bochum, 2,72 Meter; 2. Lange, Grümerbaum 2,67 Meter; 3. Kausch, Langendreer, 2,57 Meter. 4X100=Meter=Stafette: 1. Fr. Spp. Bochum, 46,1; 2. Niemke, 49.9; 3. Gerthe, 50,6. Schwedenstafette: 1. Freie Sportvereinigung Bochum, 2,11,7: 2. Schwimmer Bochum, 2,21.2; 3. Herne=Baubau, 2,33,7. 800=Meter=Lauf: 1. Magdalinsbi, Fr. Spo. Bochum, 2.18 Min.: 2. Schreiber, Fr. Spo. Bochum, 2,21 Min.: 3. Weiß, Riemke, 2.24 Min.; 4. Erzfeld, Altenbochum, 2.24 Min., Brustweite zurück. 3000=Meter=Lauf: 1. Martinsen, Niemke, 9,15,7; 2. Weiß, Herne, 10,10,2. Arbeiter=Curn= und=Sportbund 12. Bezirk. Den Vereinen zur Kenntnis, daß am Sonntag, dem 20. Juli. morgens um 9 Uhr, in der Turnhalle der Alleeschule in Bochum eine Gerätelehrstunde stattfindet. Ich hoffe, daß sich die Genossen alle recht zahlreich einfinden werden, domit auch das Geräteturnen bei uns im 12. Bezirk wieder mehr Beachtung findet. Der technische Leiter: Bergwieser. * Aus dem Hagener Bezirk Fußball. Borussia Hagen— Einigkeit Herdecke 0:3(0:1). Vorwärts Gevelsberg— Froher Mut Barmen 4:1(1:0). Jahn Hohenlimburg— Frisch auf Nachrodt 3:0(3:0). Hengstey 25— Dortmund=Sölde 2:1(1:0). Eggenscheid.— Sportfreunde Altena 0:5(0:1). Elberfeld=West— 96 Altenhagen 7:3(2:2). Bavmen 96— Barmen 1911 4•3 Sportklub Obersprockhövel— Freiheit Marten 5:2. Der westdeutsche Meister weilte am Samstag in Dortmund bei der spielstarten Freiheit Marten. Der Meister zeigte sich von der besten Seite und siegte verdient 5:2. In Deusen verlor— wie schon berichtet— der Meister knapp 5:4. Weitere Spiele. Hengstey 2.— Dortmund=Sölde 2. 1:2. Gevelsberg Igd.— Einigleit Herdecke Jgd. 2•0. Handball. Freiheit Hagen—Hagen 96 5:4(2:0). Turnerinnen Gevelsberg— Turnerinnen Nachrodt 7:0. Wetter Igd.— Gevelsberg Igd. 2:6. Rast in Wetter. In Wetter sand am Sonntag der Reichsarbeitersporttag der einen guten Ersolg zu verzeichnen hatte. Verspätete Preissenkung in der Eisenindustrie Der Jahresbericht des Stahlwerkverbands spiegelt die verfehlte Absatzpolitik wider, die das Stahlkartell während der letzten Jahre betrieben hat. Die Erzeugung blieb gegenüber dem Hochkonjunkturjahr 1927 zurück; sie liegt aber wesentlich über dem Stand von 1928, in dem die Produktion allerdings durch die große Aussperrung in der rheinisch=westfälischen Eisenindustrie beeinträchtigt wurde. Dabei muß berücksichtigt werden, daß sich die Produktion in den letzten 3 Jahren auf hohem Stand bewegt hat. Ein Absinken der Produktion ist erst, in Uebereinstimmung mit dem Produktionsverlauf in anderen wichtigen Ländern, gegen Ende des Berichtsjahres festzustellen. Als sich die Absatzlage im Jahre 1929 komplizierte, hätte das Stahlkartell die Pflicht gehabt, den Absatz durch eine Preissenkung zu forcieren. Die jetzt mit Hilfe von Lohnabbau vorgenommene Preissenkung, die damit ausschließlich auf Kosten der Arbeiter geht, hätte schon 1929 in Kraft treten müssen. Das Stahlkartell hat aber die Preise unverändert gelassen. Dagegen suchte es im Export einen Ausgleich zu erreichen, wobei bekanntlich ganz bedeutende Preisopfer gebracht werden müssen. Das Monopol wurde also wieder einmal zu einer Hochhaltung der ungerechtfertigten Inlandseisenpreise ausgenutzt, um einen Export zu fördern, von dem betont wird, daß er weniger gewinnbringend ist. Die Ausfuhr von syndicierten Eisenerzeugnissen, die bereits im Jahre 1928 rund 570000 Tonnen mehr betragen hatte als 1927, erfuhr so eine weitere Zunahme um 236000 Tonnen. Infolge dieser Entwicklung stieg der Exportanteil am Gesamtversand von 30,96 Prozent auf 32,55 Prozent. Ueber die gegenwärtige Wirtschaftslage wird gesagt:„Die Aussichten waren bei Abschluß dieses Berichtes um so weniger erfreulich, als sich die rückläufige Tendenz am deutschen und Welteisenmarkt bisher fortgesetzt hat, was bei den Verbandserzeugnissen in einem weiteren Rückgang des Absatzes seinen Ausdruck fand. Ueberall herrscht starke Depression infolge der großen Enttäuschungen über die vergeblich erwartete Erleichterung in den Belastungsfaktoren der Wirtschaft.“ Wir stellen fest, daß zu den„vergeblich erwarteten Erleichterungen in den Belastungsfaktoren der Wirtschaft“ auch die Enttäuschung über die ungenügende Preissenkung des Stahlkartells gehört. Im übrigen wird im Geschäftsbericht betont, daß die am 1. Juni 1930 vorgenommenen Preissenkungen„über die Forderung des Reichsarbeitsministeriums hinausgehen.“ Das ist ja ein ganz merkwürdiges Geständnis. Vielleicht äußert sich der Reichsarbeitsminister gelegentlich zu dieser Feststellung. Afa zur Gehaltsfrage in Nordwest Der Afa=Bundesvorstand hat zur Gehaltssenkungsaktion der Unternehmer durch folgende Kundgebung Stellung genommen: Im Bereich der Nordwestlichen Gruppe der Eisen= und Stahlindustrie haben die Unternehmer am 30. Juni 1930 etwa 30000 Angestellte gekündigt, um volle Freiheit für einen Abbau der Gehälter zu gewinnen. Schon jetzt zeigt sich, daß dieses Beispiel in ganz Deutschland Schule macht, und zahlreiche Kündigungen von Tarifverträgen seitens der Unternehmer stehen unmittelbar bevor. Die Unternehmerpresse glaubt„neue Wege“ für die Gewerkschafts= und Sozialpolitik weisen zu können, indem sie offen über die Senkung der Leistungszulagen hinaus einen Abbau der Tariflöhne fordert. Dabei besteht die große Gefahr, daß die zunächst nur formelle Kündigung der Gehaltssätze zugleich dazu ausgenutzt wird, am Ende des Jahres Entlassungen in großem Stile vorzunehmen. Die freien Angestelltenverbände werden mit allen Mitteln jeden Einbruch in ihre Tarifverträge zu verhindern wissen. Sie verlangen vom Reichsarbeitsminister als dem berufenen Huter des kollektiven Arbeitsrechts, daß er das ihm anvertraute Schlichtungswesen nicht dazu mißbraucht, die Lasten der Krisis einseitig auf die Schultern der Arbeitnehmer abzuwälzen, sondern seiner Bestimmung entsprechend anwendet, um wenigstens das Realeinkommen der Angestellten zu halten und zu sichern. Die Reichsregierung hat zwar eine allgemeine Senkung der Produktionskosten versprochen, der Afabund stellt aber fest, daß der Gehaltsabbau bereits auf der ganzen Linie im Gange ist, während die Preissenkung nur zögernd und unzureichend folgt. Das Reichswirtschaftsministerium hat bisher der verhängnisvollen Entwicklung der Kartellpreise untätig zugesehen. Es hat nicht nur die früher von den freien Gewerkschaften bereits erhobene Forderung nach Ausbau der Kartellverordnung unbeachtet gelassen, sondern es hat nicht einmal von den Kontroll= und Einspruchsmöglichkeiten Gebrauch gemacht, die ihm schon die bisher geltende Gesetzgebung gestattet. Die freien Angestelltenverbände fordern von der Reichsregierung, daß alle mit öffentlichen Mitteln und Aufträgen unterstützten Unternehmen angehalten werden, mit der Preissenkung vorzugehen. Sie erwarten aktive Maßnahmen gegen die monoplistische Preiserhöhung, gegen Uebersteigerung der Handelsspanne, gegen alle Hemmnisse der Kapitalbeschaffung der öffentlichen Hand; vor allem forden sie baldige und energische Inangriffnahme der in Aussicht gestellten öffentlichen Arbeiten. Vor neuen Sozialkämpfen im Ruhrbergbau Dem offiziellen Organ des Deutschen Bergarbeiterverbandes, der„Bergbau=Industrie“, entnehmen wir folgende bemerkenswerten Ausführungen: „Die Hauptaufgabe jeder Gewerkschaft und auch unseres Verbandes besteht in erster Linie darin, die Lohn= und sonstigen Arbeitsbedingungen seiner ihm angeschlossenen Mitglieder zu verbessern. Sie sind für längere Zeit festgelegt in Tarifverträgen, die im Bergbau allerdings erst in den Nachkriegsjahren erstmalig abgeschlossen werden konnten. Bei Beurteilung der Verbandstätigkeit soll die Zeit nach dem Kriege bis zur Währungsstabilisierung ausgeschaltet werden. Es war eine anormale Zeit, in der auf Grund des Währungszerfalls eine Lohnerhöhung die andere jagte. Aber selbst wenn nur die Zeit nach dem 1. Januar 1924 berücksichtigt wird, muß festgestellt werden, daß in den weitaus meisten Bezirken zehn und mehr Lohnerhöhungen seit dieser Zeit nicht nur geführt, sondern auch erfolgreich abgeschlossen wurden. Leider wurde ein Teil der Lohnerhöhung regelmäßig durch die fortgesetzt steigende Teuerung aufgezehrt. Trotzdem war es möglich, den Reallohn der Vorkriegszeit nicht nur zu erreichen, sondern ihn teilweise sogar ganz erheblich zu überschreiten. Die im I. Vierteljahr 1930 gezahlten Durchschnittslöhne (Leistungslohn plus Soziallohn) der Gesamtbelegschaft zeigen im Vergleich zu denen des Jahres 1913, daß der Lohn im 1. Vierteljahr 1930 um 54,9 bis 103,2 Prozent höher war, als im Durchschnitt des Jahres 1913. Damit ist auch der Reallohn des Jahres 1913 überschritten, da der Lebenshaltungsinder im Durchschnitt des 1. Quartals 1930 um 48,8 Prozent höher war als vor dem Kriege. Man kann nach wie vor mit Recht der Ansicht sein, daß die Reichsindexziffer der Lebenshaltungskosten keinen zuverlässigen Maßstab darstellt. Trotzdem muß heute, da keine andere und bessere Vergleichsmöglichkeit vorhanden ist, immer wieder darauf zurückgegriffen werden. 8 Mit größter Wahrscheinlichkeit ist damit zu rechnen, vaß die geradezu wahnsinnige Wirtschaftspolitik der jetzigen Regierung die Lebenshaltungskosten der gesamten deutschen Arbeiterschaft in nächster Zeit erheblich belasten wird. Hinzu kommen die Versuche der Unternehmer, einen allgemeinen Lohnabbau durchzuprüfen. Aus diesem Grunde ist bestimmt mit neuen Lohnkämpfen zu rechnen. Auch im Bergbau wird es aus Anlaß des Ablaufs zahlreicher Lohntarise in diesem Jahre zu schweren Puster kenruer. uem Gerfhund Die Verkürzung der Schichtzeit wird für stets eine der wichtigsten Aufgaben bleiben. Auch zin dieser Frage sind größere Fortschritte erzielt worden. Augemein konnte die Schichtzeit unter Tage auf 8 werden. In der Vorkriegszeit betrug sie im Durchschnitt 8½ Stunden, in Oberschlesien sogar bis zu 9 Stunden je Besondere Vorteile haben die Arbeiter der UebertagebeLiebe von der Verbandsarbeit, konnte doch die allgemein auf 9 bis 10 Stunden verkürzt werden im Gegensatz zur Vorkriegszeit, wo sie fast durchweg 12 Stunden betrug. Es war sogar möglich, die Schichtzeit der Kokereiarbeiter und der mit der Förderung unmittelbar zusammenhängenden Arbeiter auf 8 Stunden zu verkürzen. Diese Kreise müßten aus diesem Grunde das allergrößte Interesse daran haben, den Verband zu stärken, da die Unternehmer nichts unversucht lassen, die Verhältnisse der Vorkriegszeit wieder einzuführen. Vorstehende Darstellung trifft für alle Reviere und Bergbauarten zu. Im Stein= und Braunkohlen=, im Erz= und Kalibergbau, überall ist eine Verkürzung der Arbeitszeit durch die rege Tätigkeit des Verbandes erzielt worden. Daß sie uns nicht genügt, braucht an dieser Stelle nicht besonders betont zu werden. Daß nicht mehr erzielt worden ist, ist nicht zuletzt Schuld derjenigen, die heute noch glauben, ohne einen starken Verband auskommen zu können. Tariffragen sind Machtfragen und können nur durch den einmütigen Willen der Gesamtbelegschaft im Sinne der Verbandsforderungen entschieden werden. Leider steht ein großer Teil der Bergarbeiter außerhalb der Gewerkschaften und stärkt hierdurch die Position der Unternehmer..,.„J. 5122 hem Garhans Es würde zu weit fuhren, auf aue durch den Verband erzielten tariflichen Verbesserungen im Rahmen einer kurzen Abhandlung einzugehen. Deshalb soll nur noch auf den im Tarif festgelegten und jedem Arbeiter garantierten Urlaub hingewiesen werden. Im Gegensatz zu den Bergarbeitern Englands, Frankreichs, Belgiens und Amerikas bekommt jeder deutsche Bergarbeiter bezahlten Erholungsurlaub, der pro Jahr zwischen drei und zwölf Tagen beträgt. Neuerdings war es möglich, auch für die Jugendlichen, die bis vor kurzem keinen Urlaub erhielten, drei bzw. vier Tage Urlaub herauszuholen. Die oben skizzierten Vorteile, die allerdings nur kurz gestreift werden konnten, sind nicht von selbst gekommen. Sie mußten in mühseligen Kämpfen den Unternehmern abgerungen werden. Dieselben Kämpfe wird es in Zukunft kosten, das Errungene zu halten. Wir werden dabei nicht stehen bleiben, sondern zur gegebenen Zeit erneut zum Angriff übergehen, zum Angriff, um die heute noch überlange Arbeitszeit abzubauen, die allzugeringen Löhne zu erhöhen und den Urlaub zu verlängern. Wir werden die Position der Unternehmer solange berennen, bis auch der Bergarbeiter sich ein menschenwürdiges Dasein erkämpft hat.“ Blech= und Metallwarenfabrik A.=G., Geisweid bei Siegen (Stumm=Konzern). Der Bericht weist einschließlich Vortrag einen Betriebsüberschuß von 90101 RM. aus. Nach Abzug der Abschreibungen von 18 452 RM., der Handlungsunkosten von 60 358 RM. und der Zinsen von 6612 RM. verbleibt ein Reingewinn von 2678 (2615) RM. Hiervon werden 2000(unv.) RM. der gesetzlichen Reserve zugeführt und 678 RM. auf neue Rechnung vorgeLtragen. Husemann über das Führertum in den Gewerkschaften Anläßlich des Abschlusses des ersten Funktionärkursus des Deutschen Bergarbeiterverbandes in der Bundesschule des ADGB., in der als Lehrer für Verbandsfragen und besondere Fach=Themen u. a. Husemann, Bittner, Vogt, Viktor, Meier, Schudy und Triem tätig waren, hielt Verbandsvorsitzender Husemann eine Ansprache über das Führertum in der Gewerkschaftsbewegung. Husemann führte aus: „Kameraden! Ihr geht jetzt wieder hinaus in die Betriebe und die örtlichen Organisationen unseres Verbandes mit dem Willen, dort Führer und Helfer zu sein. Ihr dürft nicht glauben, in diesem vierwöchigen Kursus alles erreicht zu haben, sondern es kommt auf eure künftige Weiterarbeit an. Hier konnten euch nur die Fingerzeige zu eurer Weiterbildung gegeben werden. Vergeßt es auch nicht, daß, wenn man Führer, sei es auch nur im kleinsten Betriebe oder in der kleinsten Zahlstelle, sein will, nicht nur geistige Fähigkeiten, sondern auch moralische Eigenschaften notwendig sind. Ihr müßt ganze Männer sein. Der Führer muß unbestechlich sein, er darf sich weder von einzelnen, noch von der Masse umschmeicheln Es ist viel besser, wenn einer mal als echter westfälischer Dickkopf bezeichnet wird, als daß man von einem sagen kann, daß er hin und her schwanke wie ein Rohr im Winde. Auch heute ist das noch wahr, was Jean Jaurés, der große französische sozialistische Führer, der zu Beginn des Krieges in Paris meuchlings erschossen wurde, 1913 in einer großen sozialistischen Arbeiter=Jugendversammlung in Paris gesagt hat. Er führte dort aus, daß in jedem Menschen ein Stück Führertum stecke. Die jungen Genossen sollten sich aber dessen eingedenk sein, daß ein Führer den Mut haben müsse, der Masse die Wahrheit zu sagen. Wenn ein Führer diesen Mut zur Wahrheit nicht habe, dann sei er eben kein Führer. Prägt euch diese Worte tief in euer Gedächtnis ein und handelt danach, denn wir brauchen in unserer vorwärtsstrebenden Zeit, die unserer Organisation immer neue Aufgaben stellt, ein Führertum, welches weiß, was es will und welches auch den Mut hat, einen zielbewußten Weg zu gehen. Der Führer muß deshalb nicht nur unbestechlich sein, sondern er muß eine feste Ueberzeugung haben und an das glauben, was er will und zu dem er die Mitglieder auffordert. Wir hören oft, daß wir nicht glauben, sondern wissen wollen. Wir brauchen beides. Das Wissen, damit wir den richtigen Weg erkennen, und die Ueberzeugung und den Glauben, damit wir die Kraft haben, um allen Schwierigkeiten zu trotzen. Ihr geht jetzt hinaus in die Betriebe und werdet neue Schwierigkeiten vorfinden, denn die Wirtschaftskrise ist in den vier Wochen noch schärfer geworden als vordem. Und wenn ihr erlebt, daß alle Mittel, die zur Behebung dieser Krise angewandt werden, sehr oft nicht die Erleichterung bringen, die wir brauchen und erhoffen, dann wird nur allzu leicht dem Kleinmut und der Hofsnungslosigkeit Spielraum gegeben. Dagegen müßt ihr anzukämpfen verstehen. Wir haben schon oft kritische Zeiten durchlebt, aber ein zielklarer und unbeugsamer Wille hat uns immer über die schwierigsten Verhältnisse hinweggebracht und muß uns auch über die gegenwärtige Ungunst hinwegbringen.“ Wie in Deutichland auch! Preisabbau, jedoch keine entsprechende Senkung der Lebenshaltungskosten in Dänemark. Die Erscheinung, daß dem Abbau der Preise der eingeführten Rohstoffe, der Produktionsunternehmungen und des Großhandels keine entsprechende Senkung der Lebenshaltungskosten folgt, ist in allen Ländern zu beobachten. Auch Dänemark gehört, wie aus den jüngsten statistischen Veröffentlichungen hervorgeht, zu diesen Ländern. Die Großhandelspreise stehen in Dänemark zurzeit nur um 32 Prozent über der Vorkriegshöhe, die Lebenshaltungskosten dagegen um 67 Proz. Im vergangenen Jahr betrug die Senkung der Großhandelspreise 10,8 Prozent, während die Lebenshaltungskosten nur um 4 Prozent niedriger geworden sind. Spargelder lchaften genollenichaftliche Produktionsanlagen Die allgemeine Verknappung auf den Kapitalmärkten um die Jahrhundertwende hatte die Konsumvereine dazu geführt, eigene Sparkassen zu errichten und so ihren Kapitalbedarf aus den Spareinlagen ihrer Mitglieder von sich aus zu bestreiten. Trotz eines überaus schnellen Anwachsens der Betriebsanlagen und des Warenumsatzes haben in der Vorkriegszeit Bankschulden und fremde Gelder nie eine Rolle gespielt, denn auch in der Bezahlung von Warenschulden aus Einkäufen waren die Konsumvereine prompte Zahler. Dieser Zustand, der sich in den ersten Jahren nach Ueberwindung der Inflation mit dem Aufkommen immerhin erheblicher Bankschulden auch bei den Konsumvereinen verändert zu haben schien, hat sich in den letzten Jahren wieder völlig in der alten Weise herausgebildet. Bei Anlagewerten von über 184 Millionen und einem Eigenkapital von etwa 97 Millionen Mark spielen die Bankschulden in Höhe von 1,4 Millionen keinerlei Rolle. Vielmehr wurde das schnelle Anwachsen der Anlagen— von 1926 bis 1928 von 100 auf 185 Millionen!— allein durch die Zunahme der Sparguthaben der Mitglieder ermöglicht. Neben den Spargeldern spielen für die Finanzierung und Aufbringung des flüssigen Betriebskapitals der Konsumvereine die Ueberschüsse, die in Form von Rückvergütungen an die Mitglieder zur Auszahlung gelangen, eine große Rolle. Die Ueberschüsse werden nämlich in der Regel erst mehrere Monate nach Abschluß des Geschäftsjahres ausgezahlt, zu einer Zeit also, wenn sich bereits aus den Verdiensten des neuen Geschäftsjahres neue Ueberschüsse angesammelt haben. So zeigen die Konsumvereine in ihrem erstaunlich schnellen Anwachsen anschaulich die Bedeutung der Kapitalbildung„von unten“, die für den Kapitalbildungsprozeß der Gegenwart eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Zweites Blatt Staet=Witten ist die Kraft und die Macht! Die vielen hunderte Menschen, die am Sonntag die Straßen Wittens umsäumten, um den Festzug der organisierten Arbeiterschaft an sich vorbeiziehen zu lassen, mußten nur zu der einen Erkenntnis kommen: Hier ist die Kraft, hier ist die Macht! Was ist dagegen die Affenkomödie der Nazis, was das hysterische Geschrei und Gegeifer der KPD.! Trotz der übergroßen Not, die würgend auf der Gesamtarbeiterschaft lastet, trotz der vielfachen Bedrohungen durch das Unternehmertum und seine Soldknechte stiegen fünf Tage nach dem Lohnraub in der nordwestlichen Gruppe tausende Proletarier in Witten auf die Straße, um für den freigewerkschaftlichen Gedanken zu demonstrieren, um ihren Willen zu bekunden, mit und durch die freien Gewerkschaften für die Bessergestaltung des Loses der Arbeitsmenschen zu kämpfen. Man halte sich nur vor Augen: Seit Wochen haben die Moskaujünger ihre infame Hetze gegen die freien Gewerkschaften, ihre Führer und Vertrauensmänner in einer Weise gesteigert, daß sie fast durch nichts mehr zu überbieten ist. Ein Meer von Lügen und Verleumdungen haben sie über die von ihnen zu„Sozialfaschisten“. Gestempelten ausgegossen und die Leidenschaft der paar in ihrer Verzweiflung ihnen Nachlausenden bis zum persönlichen Haß aufgestachelt. Noch am Abend vor dem Gewerkschaftsfest haben sie in einer„Kundgebung“ auf dem Markt das Gewerkschaftsfest lächerlich zu machen versucht und in sinnloser Wut die Absicht verraten, den Demonstrationszug der torganisierten Arbeiter am Sonntag zu stören. Es kam aber, wie gewöhnlich, anders. Die organisierte Arbeiterschaft hat in imposanter und würdiger Weise ihre Macht uund ihre Kraft die unversiegbar sind, neuerlich bewiesen— die unorganisierte KPD. hat aber wiederum ihre völlige Ohnmacht dokumentiert und zu den vielen Blamagen eine neue hinzugefügt. Auf dem Sportplatz der Siedlung Witten=Ost sammelten sich um 2 Uhr nachmittags die einzelnen Verbände mit ihren Fahnen und Emblemen. Es war ein buntbewegtes Bild, das der große, von Menschen übersäte Platz um diese Zeit bot. Kurz vor dem Abmarsch erschien unter Vorantritt einer Schalmeienkapelle eine Gruppe von vielleicht 100 Kommunisten, von denen gut die Hälfte Frauen und Kinder waren. Von dieser Gruppe, die wohl so ziemlich alles darstellte, was die KPD. in Witten zusammenzutrommeln imstande ist, gehörten noch keine fünf Mann einer freien Gewerkschaft an. Die ganze Gruppe hatte demnach auf einem Gewerkschaftsfest nichts zu suchen und es war sicher, daß sie bloß deshalb erschienen war, um ihre angekündigte Störungsabsicht zu verwirklichen. Bei der Absicht ist es, wie gesagt, geblieben. Als sich der Zug in Bewegung setzte und die KPD.=Gruppe mit ein paar hetzerischen Transparenten sich in die Mitte des Zuges einschieben wollte, wurde dieses von den freigewerkschaftlichen Ordnern verhindert. Einen Anschluß am Ende des Zuges verhinderte die Polizei, was die wildgewordenen KPD.= Spießer mit einem wütenden Indianergeheul quittierten. Die freien Gewerkschafter störten sich nicht daran. Den Zug eröffneten die Mitglieder des Arbeiter=Radfahrerbundes„Solidarität“ mit ihren geschmückten Rädern, ihnen folgten unter Vorantritt der Fliegnerschen Kapelle die Turner, Sportler, Schwimmer usw. in ihrer kleidsamen Sportkleidung, denen die Arbeiterjugend und die Roten Falken in blauen Kitteln und roten Krawatten sich anschlossen. Hierauf kam Verband auf Verband, die Metallarbeiter. die Bauarbeiter, die Bergarbeiter, die Glasarbeiter. die Eisenbahner, die Fabrikarbeiter und wie sie alle heißen mögen, jeder Verband unter Vorantritt eines Trommler= und Pfeiferkorps, mit Fahnen und Transparenten, melche die Forderungen und Ziele der freien Gewerkschaften in weithin sichtbarer Schrift enthielten. Viel bemerkt und sympathisch begrüßt wurde das stattliche Trommlerkorps der Roten Falken sowie das Trommlerkorps des Reichsbanners. Eine Gruppe des Festzuges stellte die hiesige Rechnuungsstelle der„Volksfürsorge“. Gewerkschaftlich=genossenschaftliche Versicherungs=A.=G. Hamburg mit einer stattlichen Zahl von Vertrauensmännern. Ein entsprechendes Transparent und viele Kinderfähnchen machten die Arbeiterschaft darauf aufmerksam, sich bei ihrer eigenen Versicherungsgesellschaft, die zugleich die größte in Deutschland ist, versichern zu lassen. Zur Verteilung gelangende Flugblätter unterstützten diese wirksame Werbung. Es mögen gut 2000 Personen gewesen sein, die in diesem imposanten Demonstrationszug marschierten. Es wären sicherlich weit mehr gewesen, wenn nicht Hunderte von Gewerkschaftskollegen es vorgezogen hätten, sich in den Straßen, die der Zug passierte, als„objektive Zuschauer“ aufzustellen. Diesen wenig Disziplin verratenden Kollegen muß von ihren Verbänden unbedingt begreiflich gemacht werden, daß sie bei solchen Anlässen in die Reihen des marschierenden Proletariats gehören. Auch der Umstand, daß am selben Sonntag das Bezirksfest des 12. Kreises des ArbeiterTurn= und Sportbundes in Herne stattfand, das sehr viele Sportler und ihre Angehörigen nach Herne abrief, wirkte beeinträchtigend. Daß auch die wirtschaftliche Not, der geringe Lohn der in Arbeit Stehenden und die noch geringere Unterstützung der Erwerbslosen, viele organisierte Arbeiter von der Teilnahme am Gewerkschaftsfest abhielt, bedarf erst keiner besonderen Erwähnung. Und trotzdem dieser überwältigende Aufmarsch, vor dessen Größe, Ernst und Würde auch der gehässigste Gegner der Arbeiterschaft verstummen mußte! Hier ist die Kraft und die Macht, die verachtungsvoll über das Gekläff der Gegner hinwegschreitet, die weiß was sie will, die unentwegt auf ihr Ziel lossteuert und im geeigneten Moment zu entschlossenem siegbringenden Handeln schreiten wird! Der Festzug bewegte sich durch die Ardeystraße, Hauptstraße, Bahnhofstraße, Poststraße, Wiesenstraße, Ruhrstraße, Hindenburgstraße zum Festlokal Röthemeier. Hier entwickelte sich bald ein lebhaftes Treiben. Im Garten ließ die Fliegnersche Kapelle unter persönlicher Leitung des Musikdirektors Hugo Fliegner ihre exakten Weisen ertönen. Im Saale begrüßte Gen. Otto Bremer im Auftrage des Ortsausschusses der freien Gewerkschaften die Anwesenden und dankte für die während des Demonstrationszuges bewiesene musterhafte Ordnung und Disziplin. Mit berechtigtem Stolz hob er hervor, daß die Zerstörer der Gewerkschaften von uns auch in Zukunft genau so achtlos beiseite geschoben werden, wie es heute geschehen ist! Der Volkschor Witten, unter Leitung seines bewährten Dirigenten Salger(Dortmund), brachte hierauf in gewohnter Vollendung ein Begrüßungslied zum Vortrag, Bienstag, den 8. Juli 1930. worauf Gen. Klever von der Bezirksstelle Essen des Deutschen Metallarbeiter=Verbandes das Wort zu einer kernigen Ansprache ergriff. Er führte u. a. aus, daß, wenn die Arbeiterschaft trotz der ernsten Sorgen, die auf ihr lasten, sich entschlossen habe, heute ein Gewerkschaftsfest zu veranstalten, so sei dies nicht mit den Festen der Gedankenlosen zu vergleichen. Unser Fest hat einen demonstrativen Charakter, hier marschiert der Vortrupp der Arbeiterschaft, der gewillt ist, zu kämpfen. Er wies auf das heutige Verhalten der KPD. hin, die den Unternehmern zu beweisen suche, daß die Arbeiterschaft nicht einig sei. An der Hand von Tatsachen zeigte er, daß die Behauptungen der KPD., die Gewerkschaften und die SPD. treten nicht für die Arbeiterschaft ein, blanker Unsinn sind. Indem er auf den Lohnraub in der Nordwestgruppe einging, hob er hervor, daß dieser mit Hilfe des Christlichen Metallarbeiter=Verband beim Stahlwerk Becker begonnen habe und mit der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches von Oeynhausen durch den christlichen Gewerkschaftler und gegenwärtigen Reichswirtschaftsminister Adam Stegerwald fortgesetzt wurde. So habe die Arbeiterschaft einen Abwehrkampf nach allen Seiten zu führen, der um so erfolgreicher bestanden werden wird, je mehr die noch Abseitsstehenden erkennen werden, daß der Erfolg nur durch eine geschlossene Arbeiterschaft zu erreichen ist. Diese Erkenntnis in die Masse zu tragen, sie auch unseren Frauen zu erschließen, ist mit ein Zweck der heutigen Veranstaltung. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die freien Gewerkschaften schloß Gen. Klever seine zündende Ansprache. Hierauf sang der Volkschor unter stürmischem Beifall die„Arbeitermarseillaise". Turnerische Vorführungen, Reigen der Radfahrer, Konzert und verschjedene Belustigungen wechselten nun in bunter Reihenfolge ab und hielten viele der Festteilnehmer noch lange beisammen. Die traurige wirtschaftliche Lage, in welcher die Arbeiterschaft sich gegenwärtig befindet, ist am besten auch aus der Tatsache zu ermessen, daß ein Teil der Festteilnehmer sich nach Beendigung des Demonstrationszuges entfernte, während andere nach der Festansprache sich nach Hause begaben. Diese braven Kämpfer haben es sich nicht nehmen lassen, mit in Reih und Glied zu marschieren, um ihre Ertschlossenheit zu dokumentieren, mit ihren Arbeitsbrüdern Schulter an Schulter zu kämpfen— auf die nachfolgenden Vergnügungen mußten sie leider verzichten. Erfreuliches bei der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahn Ein alter Fahrgast schreibt uns: Als häufiger Fahrgast möchte ich hiermit in aller Oeffentlichkeit auf einige Mißstände bei der Straßenbahn hinweisen. Ist es der Direktion der Straßenbahn bekannt, daß einzelne Kontrolleure ihre Haupttätigkeit darin erblicken, auf dem Straßenbahnwagen Politik zu betreiben? Häufig genug habe ich beobachtet, daß einige Kontrolleure, und von diesen einer ganz besonders, nicht nur allein mit Fahrgästen, sondern auch mit den Fahrern während der Fahrt politisieren! Da die Gefahren der Straße heute sehr groß sind, ist es mir unverständlich, daß diese Herren, anstatt die Fahrer darauf aufmerksam zu machen, versuchen, ihnen die gute Politik und Arbeiterfreundlichkeit rechtsradikaler Parteien beizubringen. Es steht doch in jedem Straßenbahnwagen, däß die Unterhaltung mit dem Wagenführer verboten ist! Gilt dieses nur für Fahrgäste? Gerade dieser eine Aufsichtsbeamte hat es notwendig, seine Gedanken zusammenzuhalten. Wie ernst er es aber mit seiner Tätigkeit nimmt, geht daraus hervor, daß man ruhig bei der Kontrolle alte Fahrscheine vorzeigen kann, wie ich es schon einige Male machte, diese aber von dem Beamten nicht beanstandet wurden. Wären alle Beamten und Angestellten der Straßenbahn so„gewissenhaft“, so könnte diese ihren Laden bald zumachen. Hoffentlich genügt dieser Hinweis um Abstellung. Die Fahrgäste sind nicht gewillt, durch Zusammenstöße, wie sie aus oben geschilderten Umständen herbeigeführt werden können, ihre Knochen zu Markte zu tragen, wie sie auch nicht gewillt sind. sich von Kontrolleuren der Straßenbahn rechtsradikale Politik oktroyieren zu lassen. Eine große Frauenversammlung findet am Mittwoch, dem 16. Juli, um 4 Uhr nachmittags im Röthemeierschen Saale statt. Als Rednerin erscheint die bekannte Genossin Frau Dr. Thorhorst aus Düsseldorf. Die Versammlung, die vom Stadtverband der SPD. einberufen ist, soll eine mächtige Kundgebung der Frauen für den Gedanken der Befreiung der Frau durch den Sozialismus werden. Es werden deshalb alle Genossinnen der Arbeiter=Wohlfahrt und der sozialdemokratischen Frauengruppen gebeten, eine rege Agitation für einen Massenbesuch dieser Versammlung zu entfalten. Sämtliche Genossen werden gebeten, ihre Frauen zum Besuch der Versammlung zu veranlassen. Die Listen für das Kaffeetrinken sind bis zum 12. Juli an Gen. Wilhelm Lutter, Witten=Annen, Bebelstraße 12, einzuschicken. Kaffeetassen sind mitzubringen. Schupokapelle und Berufsmusiker. Am Samstag fand im Garten des Städtischen Saalbaues ein Konzert der Schupokapelle des Polizeipräsidiums Bochum statt. Das Konzert ging unter der Bezeichnung„Wohltätigkeitskonzert“ In den Ankündigungen war nicht ersichtlich, wem die Wohltaten dieses Konzertes eigentlich zugute kommen sollen. In der Oeffentlichkeit ist dies bis heute noch nicht bekannt, wenngleich es für das Ansehen der Veranstalter vom Vorteil wäre, wenn bei einer solchen Firmierung klipp und klar gesagt würde, zu wessen Gunsten ein solches Wohltätigkeitskonzert veranstaltet wird. Geschieht das nicht, dann darf man sich nicht wundern, wenn leise Zweifel auftauchen. Davon abgesehen, müssen wir aber doch allen Ernstes die Frage aufwerfen, ob es richtig ist, bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Not, wo tausende Berufsmusiker auf der Straße liegen, eine Beamtenkapelle, deren Mitglieder noch überdies dem Dienst entzogen werden, öffentliche Konzerte veranstalten zu lassen, die in keinem wie immer gearteten Zusammenhang mit ihrem Dienste stehen. Den armen Berufsmusikern, die jetzt ein elendes Hungerdasein führen müssen, entsteht zu der Konkurrenz durch die Militärkapellen, jetzt auch noch die Konkurrenz durch die Schupokapellen. Gibt es denn hier keine Richtlinien des Innenministers? Wenn schon die Schupo unbedingt eine eigene Kapelle haben muß— die Notwendigkeit hierzu will uns nicht recht einleuchten— dann möge sie auch nur zu dienstlichen Zwecken Verwendung finden, aber nicht bei öffentlichen Veranstaltungen, selbst wenn diese unter der Firma„Wohltätigkeitskonzert“ vor sich gehen! Schwarzmeierscher Kinderchor aus Berlin. Zu dem heute abend um 8 Uhr im Städtischen Saalbau stattfindenden Konzert des Schwarzmeierschen Kinderchors erhalten Erwerbslose gegen Vorzeigung der Stempelkarte ermäßigte Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. Eine nationalsozialistische„Gewerkschaft". So etwas gibt es in Hamburg. Sie nennt sich„Gewerkschaft deutscher Hilfe“ Statuten sind soweit wie möglich denen wirklicher Gewerkschaften nachgebildet.„Vorgesehen“ sind Unterstützungen für Krankheit, Sterbefall, Streik, Maßreglung, Arbeitslosigkeit, Umzug und besondere Notfälle. Als Aufgabe wird unter Bezugnahme auf die Artikel 159 und 165 der Reichsverfassung die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Mitglieder bezeichnet. Mitglied können Männer und Frauen werden,„die in ehrlicher geistiger oder körperlicher Arbeit Werte schaffen". Klassenhaß und Klassenverhetzung sind verboten. Der Schutz„vaterländischer Gesinnung“ gegen Terror in den Betrieben wird besonders zugesichert. Fachgruppen(FGr.) und Ortsverwaltungen(OV.) sind völlig abhängig von der GL., der„Gewerkschaftsleitung". Vermögen soll„gewinnbringend angelegt werden, jedoch darf die Anlage der Gelder keineswegs so erfolgen, daß das internationale Kapital in irgendeiner Form Nutznießer ist". Die Verwaltungskosten der„Gewerkschaft“ dürfen nicht den Geldern entnommen werden, die zur Erfüllung der satzungsgemäßen Leistungen gegenüber den Mitgliedern erforderlich sind.(Das ist natürlich ebenso Bluff und Phantasie, wie die Ausschaltung des„internationalen“ Kapitals. Der Kapitalismus, auch der„nationalste", vor allem der geldbedürftige deutsche, ist eben überall international.) Wenn auch Fach= und Ortsgruppen, Hauptvorstand und Hauptversammlung(Generalversammlung oder„Gewerkschaftstag“, GT.) vorgesehen sind, so liegt die entscheidende Geschäftsfuhrung doch bei ein paar Leuten. Die Gewerkschaftsleitung soll aus drei Vorsitzenden, zwei Schriftführern, einem Schatzmeister, drei Beisitzern und drei Schriftleitern des Gewerkschaftsblattes bestehen. Aber nur der erste Vorsitzende ist berechtigt, die Gewerkschaft, die Leitung und die Mitglieder in allen die Gewerkschaft betreffenden Angelegenheiten den Gerichten, Behörden und dritten Personen gegenüber zu vertreten. Getreu dem nationalsozialistischen Grundsatz, daß nur„Herrenmenschen“ führen dürfen, ist denn diese„Führung“ auch gleich auf Lebenszeit bestellt, denn es heißt in den Statuten:„Um die GOH. vor Erschütterungen und Sprengungen zu bewahren, wird zum ersten Vorsitzenden Kamerad Artur Boes(Hamburg) und zum zweiten Vorsitzenden Kamerad Hermann Holtz(Berlin) auf Lebenszeit ernannt.“ Damit ist das Geschäft der Gründung im Sinne der Gründer erledigt. Ob die Gründung, deren„Farben" natürlich schwarz=weiß=rot und deren Wappen ein Ritter mit Schwert und Schild ist, die Sanktion Hitlers hat, konnten wir nicht feststellen. Auf jeden Fall ist die Gründung erfolgt, nun Neues Adreßbuch. Am Donnerstag, dem 10. Juli, liegt vom alphabetischen Namensverzeichnis der Einwohner und Firmen der den Buchstaben S umfassende Teil im Einwohneramt des Rathauses zu Witten, Zimmer 6/7, vormittags von 9—12.30 und nachmittags von 3—4 Uhr zur Einsichtnahme aus. Wem gehört das Fahrrad? In der Nähe der Wirtschaft Kesper an der Herbeder Straße wurde ein Herrenfahrrad, Marke„Herkules“ gefunden. Der Eigentümer kann sich bei der Kriminalpolizei, Markt 15, melden. Verkehrsunfall. Am Sonntag, dem 6. d. Mts., gegen 22.20 Uhr, fuhr auf der Hörder Straße ein Motorradfahrer einen Straßenpassanten von hinten an, wodurch dieser einen Bruch des linken Schienbeins davon trug und Aufnahme im Marienhospital fand. Der Motorradfahrer, der auch verletzt wurde, konnte sich in seine Wohnung begeben. Sachbeschädigung. Dem Schneidermeister A., Breitestraße, wurden in der Nacht zum Montag 3 Fensterscheiben an seiner Werkstatt zertrümmert. Trinkhalleneinbruch. In der Nacht zum Montag, den 7, Juli, wurde die an der Ecke der Herbeder= und Verbandsstraße befindliche Trinkhalle erbrochen und folgende Sachen daraus gestohlen: 100 Zigarren a 10 Pf., zwei Kisten zu 50 Stück a 15 Pf., 1 Kiste zu 50 Stück a 20 Pf.; 50 Rollen Pfefferminz; 5 Roggenbrote; 2 Kasten— 50 Flaschen— Bier; 2 Pakete Kautabak— 50 Rollen— Firma Grimm u. Triepel; 1 Büchse Bratheringe, 50 Rollen Drops; mehrere Tafeln Schokolade und eine blau=weiße Badehose mit den Buchstaben W. S gezeichnet. Zweckdienliche Angaben zu dem Diebstahl erbittet die Kriminalpolizei. Wetterbericht vom 7. Juli. Das Tiesdruckgebiet ist vom Nordmeer nach Skandinavien fortgeschritten, während sich von Frankreich her hoher Luftdruck ostwärts ausbreitet. In Deutschland war es heute früh meist bewölkt und besonders im Süden stellenweise regnerisch sowie im allgemeinen etwas kühler. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 14 und 22 Grad, Der Kahle Asten hatte leichten Nordostwind, bewölkten Himmel und 13 Grad. Aussichten bis Mittwoch: Wechselnde Bewölkung ohne erhebliche Regenfälle bei wieder ansteigenden Temperaturen. Entscheidungen des Bochumer Arbeitsgerichts Auch Freundschaft verpflichtet zur Zahlung des Arbeitslohnes Zwei ehemalige Freunde aus Bochum standen sich vor dem Arbeitsgericht als Parteien gegenüber. Der Kläger war ungefähr drei Wochen lang als Hilfsmonteur bei seinem beklagten ###unde beschäftigt. Der Beklagte hatte von einer Brauerei in Barmen die Ausfuhrung von elektrischen Leitungsanlagen in Auftrag bekommen. Da der Freund arbeitslos war, wurde er von dem Beklagten als Hilfsmonteur angestellt. Ein bestimmter Lohn ist nicht vereinbart worden, es war aber die Rede davon, daß der Kläger etwa 75 Pf. Stundenlohn für seine Arbeit bekommen sollte. Der Kläger führte vor Gericht an, daß er von seinem Freunde nur Taschengeld bekommen habe und daß er den Freund öfters um Auszahlung des Lohnes gebeten habe. Für die geleistete Arbeit verlangte der Kläger die Summe von 260 M. Der beklagte Freund hatte eine Gegenklage eingereicht, in der angeführt wurde, daß es sich bei der Arbeit des Freundes nur um einen Freundschaftsdienst gehandelt habe. Der Kläger habe einmal in Gegenwart eines dritten Freundes gesagt, daß er vollkommen zufrieden wäre, wenn sie alle drei einmal richtig ausgehen und dabei ordentlich„einen guten Schluck heben“ könnten. Die Situation vor Gericht entbehrte nicht einer gewissen Komik. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Kläger die ihm vom Beklagten aufgetragenen Arbeiten tatsächlich geleistet und auch seinen Lohn gefordert hatte. Für die angegebene Höhe der Klagesumme konnte der Kläger jedoch nicht den vollen Beweis erbringen. Da aber andererseits die geleistete Arbeit festeht, ist der Auftraggeber verpflichtet, seinen Arbeiter zu entlohnen. Der Gerichtsvorsitzende machte den Vorschlag, daß der Beklagte an den Kläger die Summe von 100 M. auszahlen sollte. Der Beklagte wollte jedoch auf keinen Fall gutwillig seinem ehemaligen Freunde etwas zahlen. Nunmehr wurde der Beklagte vom Gericht zu einer Zahlung von 100 M. an den Kläger verurteilt. Verantwortlich für Politik Feuilleton und Sport: Wilhelm Kalweit; für Lokales. Gewerkschaftliches Soziales. Genossenschaftliches und den Provinzteil: Josef Burgdorff: für den Inseratenteil: Karl Simon sämtlich in Bochum Duuck und Verlag: E. Graf& Co., Bochum, Hermannsböhe 3 Meischendehundtung? Nem. Menschenschinder Schikane gegen Untergebene als„Wissenschaft“.— Dressur zum Spitzeltum im Betrieb.—„Wissenschaftliche“ Methoden zum Hinauswurf von Angestellten und Arbeitern. Seamte im neuen Postbureau Wie Fische im Aquarium sind sie den Blicken preisgegeben; ganz offenbar verrinnt ihr Leben nur mehr fürs Publikum. Sie müssen... bis ins Alter... sie müssen...bis zum Höchstgericht... Hier knallt nie mehr ein Schalter vorm bleichen Käuferangesicht. Der Zauber ist gewichen. Der einst so mächtige Sekretär ist jetzt ein armes Viehchen. Und nur die Marke kostet etwas mehr. Juli Kein Monat reißt den Klassengegensatz von arm und reich so rücksichtslos auf, wie der Juli, der Monat der Hundstagshitze und der Reise=Hochsaison. Hier— der im„Schweiße seines Angesichts“ schuftende „kleine Mann“ auf seinem kümmerlichen Acker oder auf seiner Arbeitsstelle in der Stadt! Dort— ein nur dem Naturgenuß in den Bergen oder an der See frönendes Publikum. Greifen wir nur mal in einen Stoß illustrierter Zeitschriften, die sich ja im Augenblick fast nur mit der Reisesaison der„eleganten Welt“— wie sich so ein Journal selbst tituliert— beschäftigen. Zunächst braucht der Höhenmensch dieser Sorte ein vornehmes Reisegepäck, damit man in ihm schon von außen den„Kavalier“ und die„Dame“ erkennt. Was es da nicht alles gibt: a) Amerikanischer Schrankkoffer mit Metallbelag, eingearbeitetem Wäschebeutel und Schubfächern. b) Flacher Schiffskoffer aus Vulkanfiber mit Lederecken. c) Klub=Reisetasch aus hellem Schweinsleder mit Lederriemen. d) Coupékoffer besonders hoch, aus Autolack mit Rindlederbelag. Was tut die„elegante Dame“ in den Koffer hinein? „Die Reiseausstattung der eleganten Frau zeigt eine Reiserolle und Beutel aus leuchtend farbig gemusterter Seide, mit Elfenbeingarnitur ausgestattet. Zur Schönheitspflege dienen Puder, Schminke, Lippenstift, Spiegel und— ein Rasierapparat. Wichtig ist die Rollenwatte, da sie weit hygienischer ist als die Puderquaste. Verschiedene Flakons und Elfenbeinmanikürsachen in Schweinslederetuis.“ Ein anderes Blatt numeriert fein säuberlich, was die „Dame von Welt“ an Kostümen alles mitzunehmen hat: 1. Ein elegantes Abendkleid. 2. Sport= und Reiseensemble aus sandfarbigem Jersey mit Biesen. 3. Strickkleid aus weißer Wolle mit handgesticktem ärmellosem Jumper. 4. Sommerkleid aus weißer Agfa=Travisé=Seide mit rotem Gürtel und rotem Besatz. 5. Reisemantel aus gummierter Seide mit roter Filzkappe. 6. Sommerkleid aus glatter und getupfter Travisé=Seide mit Gürtelbluse. 7. Aermelloses Tenniskleid aus weißer Waschseide mit getupftem Schlips. 8. Gärtnerinnenschürze aus gestreiftem Kattun 9. Gartenkleid für die Sommerfrische aus gemustertem Wollmousseline mit weißem Batistsichü. 10. Wanderkleid mit karierten Breeches und Joppe aus Loden, offen und geschlossen zu tragen. 11. Reise= und Automantel im Raglanschnitt mit breitem Gürtel aus Kamelhaarstoff. 12. Reisekomplet aus kleinkariertem englischem Wollstoff. 13. Sportkostüm für den Kurort aus Bastseide mit Smoking= jacke. 14. Jumperkleid aus beigefarbiger Agfa=Travisé=Seide mit blauem Besatz und blauer Stickerei. 15. Tenniskleid aus weißer Travise=Seide. 16. Lido=Anzug mit Rockbeinkleid aus bastfarbiger AgfaTravisé=Seide mit aufgesetzten blauen und roten Tupfen. 17. Dreiteiliges Strandensemble aus rosa Chinakrepp mit gesticktem Mantel. 18. Dacht= und Bordkostüm aus weißem Flanell. 19. Strand= und Vordanzug aus blauem Wollkrep mit weißem Besatz. 20. Badeanzug aus Wolltrikot mit langer mit Schlange bestickter Kasack und gemustertem Frottécape. 21. Kinderbadeanzug mit blauem Höschen und weißem Oberteil 21 Stück ist also für derlei Leute das Minimum! Dabei finden sie es aber für ganz selbstverständlich, daß sich die dreihundert Proletenfamilien ihres zu Hause vom technischen oder kaufmännischen Direktor verwalteten Geschäfts mangels Kleingeld mit acht bis zehn Tagen„Laubenkolonie“ begnügen müssen! Ein unsozialer Monat, dieser Juli— man wird ihn eines Tages gewaltig„planieren“ müssen! Beihilfen zu Motorrädern für Kriegsbeschädigte Kriegsbeschädigten, die den ihnen zustehenden Selbstfahrer nicht benutzen können, dürfen Beihilfen zur Beschaffung motorbetriebener Krankenfahrzeuge gewährt werden. Für die Gewährung dieser Beihilfen sind, um eine möglichst gleichmäßige Behandlung der entsprechenden Anträge sicherzustellen, besondere Richtlinien aufgestellt worden, die der Reichstag gebilligt hat. Gemäß einem Erlaß des Reichsarbeitsministers können Anträge auf Gewährung von Beihilfen zur Beschaffung von Kraftwagen und Kleinautos für Kriegsbeschädigte nicht berücksichtigt werden, ebensowenig Anträge auf Beschaffung von Krafträdern mit Soziussitz und Beiwagen. Für eine etwaige Beihilfe kommen nur gewöhnlichen Selbstfahrern(Einsitzer) ähnelnde Krankenfahrzeuge mit Motorbetrieb in Betracht, bei denen der Motor von vornherein eingebaut ist. Zur Beschaffung dieser Fahrzeuge Was hier folgt, werden viele nicht für möglich halten. Namentlich diejenigen nicht, die den Begriff„Nationalisierung“ nur vom Hörensagen kennen. Wir selbst hätten trotz allem nicht für denkbar gehalten, daß ein deutscher Hochschulprofessor sich zu Ratschlägen hergibt, die er als„angewandte Psychologie" bezeichnet, die aber die betroffenen Angestellten und Arbeiter als tiefe Gemeinheit empfinden werden. Herr Professor Dr. W. Moede von der Technischen Hochschule in Berlin, Dozent auch an dee Handelshochschule in Berlin, gibt eine Zeitschrift„Industrielle Psychotechnik“ heraus. Im diesjährigen Aprilheft dieser Zeitschrift veröffentlicht Herr Professor Moede Anleitungen„Zur Methodik der Menschenbehandlung". Der gelehrte Mann nennt darin Beispiele, die„erfolgreich von der Betriebsleitung zur Entiernung oder Kaltstellung mißliebiger oder ungeeigneter Betriebsangehöriger benutzt werden“ sollen. Moedes Umgang mit Menschen gliedert sich in Kapitel. Die sehen wörtlich so aus: Ferien Die Ferten sind eine geeignete Zeit, um gegen einen mißliebigen Betriebsangehörigen bei seinen Kollegen, Vorgesetzten oder Untergebenen vorzugehen, teils um Material zu sammeln gegen ihn, teils um durch Stimmungsmache einen inneren Widerstand gegen seine Persönlichkeit zu züchten. Teilweise wird die Ferienzeit auch benutzt, um Umgruppierungen und Umstellungen vorzunehmen, so daß der aus den Ferien zurückkommende, gut erholte Betriebsangehörige sich vor eine völlig veränderte Sachlage gestellt sieht. Ferien sind zwar gesundhestsförderlich, mitunter freilich auch gefährlich. Anerfüllbare Aufgaben Die Leitung stellt unerfüllbare Aufgaben, die die Kräfte des Unterstellten übersteigen. Der Angestellte, durch die ehrenvolle Beauftragung angespornt, stellt gegebenenfalls bestimmte Termine in Aussicht, an denen er die Arbeit abgeben wird. Stellt es sich, wie erwartet, heraus, daß die Aufgabe in der gegebenen Zeit bei den zur Verfügung stehenden Mitteln unter Berücksichtigung der Veranlagung und Erfahrung des Bearbeiters in der angegebenen Zeit nicht ausführbar ist, so wird das Versagen des Angestellten objektiv belegbar und alle Folgerungen auf dieser objektiven Grundlage sind leicht zu ziehen. Abschaltung Dem Angestellten wird ein wichtiges Gebiet seiner Arbeit genommen unter dem Hinweis auf Ueberlastung sowie unter Hinweis darauf, daß seine wertvolle Arbeitskraft geschont und können Beihilfen gewährt werden, wenn sie von erwerbstätigen Beschädigten beantragt werden, die zur Erreichung ihrer Arbeitsstätte einen sehr weiten und beschwerlichen Weg zurückzulegen haben und beim Gebrauch des gewöhnlichen Selbstfahrers infolge Ueberanstrengung Gefahr laufen, zu erkranken und ihre Erwerbsquelle einzubüßen. Die Entscheidung über die Notwendigkeit der Beschaffung eines motorbetriebenen Fahrzeugs liegt bei dem Facharzt der zuständigen orthopädischen Versorgungsstellen. vorteile der Feriensonderzüge Die Reichsbahndirektion Essen nimmt zu den kürzlich in westdeutschen Zeitungen erschienenen Artikel„Benutzung von Feriensonderzügen“, wie folgt Stellung: Die Feriensonderzüge werden in der Mehrzahl nachts gefahren, damit auf der Zugendstation gute Frühanschlüsse zu den eigentlichen Reisezielen erreicht werden können; dies entspricht auch dem Interesse des Publikums, das auf diese Weise Geld für Uebernachten spart, was bei Tagesreisen meistens nicht möglich sein würde. Von den 40 für den Sommer 1930 vorgesehenen Feriensonderzügen der Reichsbahndirektion Essen fahren z. B. 10 am Tage und 30 über Nacht. Die Feriensonderzüge werden grundsätzlich über die Strecken, die die regelmäßigen Züge befahren, geleitet. Die Abweichungen vom normalen Weg sind Ausnahmen und zur reibungslosen und schnellen Durchführung der Sonderzüge nötig, was im Interesse des Reisenden selbst liegt. Selbst wenn ausnahmsweise ein Umweg gefahren wird, hat dies keinen Einfluß auf den Fahrpreis. Bei Benutzung von Feriensonderzügen wird vielfach auch das Umsteigen erspart. Ueberfüllte Abteile kommen in Feriensonderzügen niemals vor, weil jedes Abteil nur mit sieben Personen besetzt wird. Dazu kommt der Vorteil, daß Familien und Bekannte auf Wunsch nach Möglichkeit im gleichen Abteil untergebracht werden. Sehr wesentlich neben diesen Vorteilen, die die regelmäßigen Züge der Reisezeit nicht bieten können, ist die Ermäßigung des Fahrpreises. Der Feriensonderzugfahrpreis ist immer noch 10 Prozent billiger als die Reise in einem beschleunigt durchgeführten Personenzug. Der D=Zug=Zuschlag wird auf der Hinreise in jedem Falle gespart. Berücksichtigt man ferner noch, daß die Fahrpreisermäßigung in vielen Fällen auch über die eigentliche Sonderzugstrecke hinaus gewährt wird, die Benutzer der Züge nach Bremen und Hamburg dort Karten zu ermäßigten Preisen nach den Seebädern erhalten, für die Rückfahrt umfangreiche Wahlwege zur Verfügung stehen, die Rückfahrt öfter unterbrochen werden kann, die Feriensonderzugkarten auf der Rückfahrt zwischen Mainz und Köln auch zur Benutzung der Rheindampfschiffe berechtigen, so wird zugegeben werden müssen, daß die Reise im Feriensonderzug auch bei der jetzigen Ermäßigung von 10 Prozent erhebliche Vergünstigungen bietet. Die teuung von Speise= und Schlafwagen wäre schon technisch nicht durchführbar. Hierfür hat der Feriensonderzug einen Auszleich in den Erfrischungsaufenthalten, die auf größeren Bahnhöfen eingerichtet worden sind. Aus der Nachfrage nach Ferienzugsonderplätzen kann geschlossen werden, daß das Publikum die Vorteile der Feriensonderzüge richtig einschätzt. einem wertvolleren und wichtigeren, wenn auch etwas engerem Gebiet dem Betriebe nutzbringender zur Verfügung stehen müsse. Der eitle Angestellte fühlt sich durch diese Maßnahme gegebenenfalls geehrt, ohne die Minderung seiner Stellung, sowie deren Beeinträchtigung zu merken. Wird der Abschaltungsprozeß fortgesetzt, so sieht sich der Betriebsangehörige, der vielleicht leitender Direktor des Großunternehmens war, plötzlich zu einer erniedrigt und es pflegt sehr oft zu spät zu sein, wenn ihm die Augen aufgehen und er die Sachlage richtig erkennt. Versuchung Dem Vertreter der Auslandsfiliale, der verdächtig ist, wird eine Falle gestellt, die so maskiert ist, daß er gutgläubig hineingeht. Man bietet ihm Geschäfte an, die vertragswidrig sind, unter Verheißung eines erheblichen Nutzens. Dieses System der planmäßigen Versuchung wird verschieden beurteilt... Reizung Der Unterstellte wird durch Vorhaltungen gereizt. Er wird unvorsichtig, läßt sich gehen und vielleicht zu ungehörigen Aeußerungen gegen das Unternehmen oder gegen den Vorgesetzten hinreißen, die vielleicht als Beleidigungen wirken und seine fristlose Entlassung nach sich ziehen. Die gelegentliche und wiederholte Verärgerung bildet die Vorstufe für die endgültige Auseinandersetzung. Das Aeberlob Schließlich wird auch eine übermäßige Anerkennung ein Sicherheitsgefühl erzeugen können, so daß der Belobte leichtsinnig wird und zu fahrlässigen Handlungen neigt. * Herr Professor Moede, der gar nicht zu ahnen scheint, daß er einen Sadismus entwickelt, den man beispiellos nennen könnte, meint harmlos, diese Ratschläge könnten noch beliebig vermehrt werden. Wir danken. Uns genügen die vorstehenden Beispiele. Es hieße den Herrn Professor ungeheuer beleidigen, wenn man annehmen wollte, er hätte seine Beispiele und Ratschläge selbst erdacht. Es kann sich nicht um eine Theorie handeln, denn so verkommen kann kein deutscher Hochschullehrer sein, um solche Ungeheuerlichkeiten auszudenken. Also bleibt nur die eine Schlußfolgerung, daß diese Schikanen, diese Quälereien, diese Vernichtung von Existenzen in Handel und Industrie systematisch geübt wird. Sollte das wirklich nicht der Fall sein, so wäre es Pflicht der Unternehmerorganisationen, Herrn Professor Moede so kaltzustellen, daß er für immer eingefroren bleibt. Ein zweiter„Fall Nientimp“ Schwere Vorwürfe gegen seinen Schwager Syndikus Ostwald Um den Fall Nientimp war es schon still geworden, bis man eben erfuhr, daß Nientimp, trotz der Aufforderung des Zentrums, sein ihm von dieser Partei gegebenes Reichstagsmandat noch nicht niedergelegt hat. Somit rückte er wieder ins öffentliche Interesse, zugleich aber auch sein Schwager, der Zentrumsstadtverordnete und Syndikus des Bochumer Innungsausschusses, Bernhard Ostwald, dem auf dem Wege über die auswärtige Presse große Schiebungen vorgeworfen werden. Ueber Ostwald wurde in der letzten Zeit schon dies und jenes gemunkelt, doch hörte man nichts Beweiskräftiges. Jetzt sind die Schiebungen aufgedeckt worden. Im Jahre 1923, zur Zeit der Ruhrbesetzung, gab das Reich Wohlfahrtskredite heraus zur Unterstützung der Wirtschaft im besetzten Gebiet. Der Innungsausschuß Bochum stellte den Antrag, ebenfalls Zuwendungen von diesen Geldern zu erhalten, um der großen Not und dem Absatzmangel im Handwerk zur damaligen Zeit entgegentreten zu können. Mehrere hundert Millionen Mark, eine damals sehr erhebliche Summe, wurden auch dem Bochumer Handwerk bewilligt. Diese Beträge wurden zum Teil von Ostwald zu seinem persönlichen Vorteil verwandt. Die Bestätigung dieser Ostwald schwer belastenden Vorwürfe brachte eine protokollarische Vernehmung des Geschäftsführers Busch von der Bochumer Maler=Einkaufsgenossenschaft. In Bochumer Handwerkerkreisen ist man der Ansicht, daß es ausgeschlossen ist, daß Ostwald seine Schiebungen ohne Mitwisser vollzogen habe, und man richtet in diesem Zusammenhange schwere Angriffe gegen den Vorstand des Innungsausschusses, der seit Jahren„Ahnung“ davon gehabt hätte, genau wie im Falle Nientimp. Es zeigt sich hier ein recht übel duftender Korruptionsherd, für den die bürgerliche Gesellschaft mit ihrer Auffassung vom „Geschäftemachen“ die Voraussetzung ist. Ueberfall aus ein Mädchen Am 5. Juli wurde gegen 9.30 Uhr auf einem einsamen Feldwege(Hohlweg), der von Bochum=Langendreer nach KleinHerbede führt, ein Mädchen von einem noch unbekannten Radfahrer überfallen. Der Radjahrer flüchtete in der Richtung Heven=Witten. Beschreibung des Täters: Etwa 40 Jahre alt, 1,67—1,70 Meter groß, knochiges Gesicht, verschnittener Schnurrbart, breite, kräftige Gestalt. Trug graubraunen Lodenanzug mit Gürtel, graubraune Wadenstrümpfe und blaue Schirmmütze. Der Täter sprach hochdeutsch(keine hiesige Mundart), roch stark nach Tabak und schien dem Arbeiterstand anzugehören. Wer sah diesen Radfahrer? Und wer kennt ihn? Sachdienliche Mitteilungen nehmen die Kriminalinspektion I in Bochum und alle Polizei= und Landjägerdienststellen entgegen. Faschismus in Finnland? Die Colkskauserin Relsingors geschrosten Helsingsfors, 7. Juli.(Eig. Drahtber.) Die neue bürgerliche ausgesprochen reaktionäre Regierung hat sich in einer Kundgebung auf die Seite der Lappo=Leute gestellt. Diesen wurden bei der Regierungsbildung zwei Ministersitze angeboten. Sie lehnten es aber ab und forderten drei. Die Regierung hat von den Lappo=Leuten keine Zusage erhalten, alle weiteren"althandlungen einzustellen. Der neue Innenminister hat beide Volkshäuser in Helsingfors schließen lassen. Dies trifft die Gewerkschaften und andere Arbeiterverbände, besonders den Arbeitersportbund hart, da sich die Büroräume dieser Verbände in den geschlossenen Volkshäusern befinden und die Büroarbeiten auf unbestimmte Zeit lahmgelegt sind. Weiter ist die sofortige Verhaftung aller noch auf freiem Fuß befindlichen kommunistischen Reichstagsabgeordneten angeordnet. Die sozialdemokratische Parteileitung unterhält seit einigen Tagen einen freiwilligen Wachtdienst, um das Parteiorgan vor den Angrissen der Faschisten zu schützen. Der Aufmarsch der Lappo=Bewegung in Helsingfors, der am Sonntag begonnen und am Montag zu Ende geführt wurde, völlig ruhig verlaufen. Es beteiligten sich daran etwa 10.000 Personen. Die Regierungsmitglieder beteiligten sich an den Kundgebungen und zeigten damit ihre Solidarität mit den Faschisten. An der Montag=Sitzung des Reichstages hat die sozialdemokratische Fraktion zeitweise teilgenommen. Sie beabsichtigt jedoch, ihre weitere parlamentarische Mitarbeit von einer Erklärung der Regierung über die Gründe der Verhaftung der kommunistischen Reichstagsabgeordneten abhängig zu machen. Am 5. Juli jährte sich zum zehnten Male der Tag, an dem die deutschen Unterhändler in Spa mit den Vertretern der Entente über die wirtschaftlich=politischen Ausführungsbestimmungen des Versailler Vertrages verhandelten. Unser Bild zeigt eine der Vollsitzungen in der Villa De la Fraineuse. An der Stirnseite des Tisches Millerand, Foch und, an der Ecke, Loucheur. T41 Abg. Dr. Oberfehren(Dntl.) gibt eine Erklärung ab, in der die Katastrophe der Reichsfinanzen als der Beginn der Aufbringungskrise des Youngselbst von Herrn Hilferding anerkannten Notwendigkeit der unter sozialdemokratischem Einfluß geführten verhängnisvollen Wirtschafts= und Finanzpolitik der letzten Jahre. Für das Ziel, Wirtschaft und Finanzen zu sanieren, seien sicher auch die Beamten bereit und verpflichtet, Opfer zu bringen; es könne ihnen aber nicht zugemutet werden, sich einer Sondersteuer zu unterwerfen, um die Fortsetzung der bisherigen Mißwirtschaft zu ermöglichen. Die jetzigen Steuervorschläge seien kein geeigneter Anfang der Durchführung der Produktionskosten und Preise. Die Erhöhung der Einkommensteuer stehe im Gegensatz zu der selbst von Herrn Hilferding anerkannten Notwendigkeiten der Kapitalbildung. Angesichts der letzten Erfahrungen könnten auch die Erklärungen der Regierung keine Sicherheit dafür bieten, daß der vorübergehende Charakter der vorgeschlagenen Steuern gewahrt bleibe. Die Steuergesetze seien um so weniger gerechtfertigt, als der Katastrophe des Reichsdefizits mit anderen Mitteln begegnet werden könne. Insbesondere seien die Einsparungsmöglichkeiten im Etat erheblich größer. Vor der Aenderung bestehender Gesetze werde man dabei nicht zurückschrecken dürfen. Es müsse unter allen Umständen erstrebt werden, das diesmalige Defizit durch Senkung der Ausgaben zu beseitigen. Darüber hinaus sei eine Senkung der Realsteuern und der Einkommensteuer möglich, wenn man die von den Deutschnationalen vorgeschlagenen neuen Einnahmequellen schaffe. Hierzu gehöre der Gedanke eines Verwaltungskostenbeitrages und die Besteuerung der öffentlichen Betriebe. Voraussetzung für die Sanierung sei überhaupt eine grundsätzliche Aenderung der Tribut=, Handels=, Wirtschafts= und Finanzpolitik. Da die Regierungsvorschläge die notwendigen Garantien für diese grundsätzliche Umkehr nicht enthielten, sei die deutschnationale Fraktion nicht in der Lage, für diese Entwürfe die Mitverantwortung zu übernehmen. Abg. Dr. Neubauer(Komm.) betont, die Regierung plündere die Armen aus, um alles den Reichen zu geben. Da weitere Wortmeldungen nicht vorliegen, schließt Vizepräsident Esser die erste Beratung der Deckungsvorlagen. Die Vorlagen werden dem Steuerausschuß überwiesen. Das Haus vertagt sich auf Dienstag 3 Uhr: Haushalt des Reichsfinanzministeriums. Schluß gegen 7 Uhr. Frauenwerbewoche Bisher 8000 weibliche Mitglieder neu gewonnen Als vorläufiges Ergebnis der beiden vom 18. Mai bis zum 1. Juni in Deutschland veranstalteten sozialdemokratischen Frauenwerbewoche ist bisher die Gewinnung von rund 8000 neuen weiblichen Mitgliedern für die Sozialdemokratische Partei zu verzeichnen. Angesichts der traurigen Wirtschaftslage unserer Zeit, die die Entrichtung auch nur kleinster Mitgliederbeiträge als ein Opfer erscheinen läßt und in Anbetracht der erbitterten Angriffe von rechts und von der äußersten Linken, zeugt dieses erfreuliche Ergebnis um so eindringlicher von der starken Werbekraft der Sozialdemokratie. Landvolk-Demonstrationen Uom Regierungspräsidenten in Schleswig verboten Schleswig, 7. Juli.(Eig Drahtbericht.) Der Regierungspräsident von Schleswig=Holstein hat am Montag eine längere Mitteilung veröffentlicht, in der er sich mit den Versuchen des Landvolkes auseinandersetzt, ihre tote Bewegung durch neue Demonstrationen zu beleben. Der Regierungspräsident verteidigte, insbesondere das Verbot jener beabsichtigt gewesenen Landvolkdemonstration, die die feierliche Uebergabe der schwarzen Fahne durch Bürger der Stadt Neumünster vorsah. Die Veranstaltung der Demonstration sollte, wie der Regierungspräsident bemerkte, innerhalb der Richtung liegen, die dem Staat, seine Verfassung, seine Gesetze und Einrichtungen verneint, die verbrecherische Attentate duldet und verherrlicht. Es sei bezeichnend, daß die Landvolkbewegung sich aber stets auf die von ihr bekämpfte Verfassung berufe, wenn es ihren Zwecken diene. Die Regierung werde selbstverständlich Umzüge der landwirtschaftlichen Bewegung oder ihrer verantwortlichen Organisationen nichts in den Weg legen. Der Versuch der sogenannten Landvolkbewegung sich als Vertreter des Bauernbundes von Schleswig=Holstein aufzuspielen, sei aber schon deshalb verfehlt, weil die Haltung des weitaus überwiegenden Teiles der Bauern und landwirtschaftlichen Organisationen dem entgegen stehe. Ran an die Tutterkrippe! Wie Trick für seine Tarteifreunde sorgt Weimar, 7. Juli.(Eig. Drahtber.) Das thüringische Volksministerium hat den langjährigen Vertreter beim mitte“ utschen Rundfunk, Oberregierungsrat Dr. Stier zurückgezogen und durch den Redakteur des Weimarer nationalsozialistischen Parteiorgans Dr. Ziegler ersetzt. Gufschuung des„Dailg Rerald“ Eine nordenglische Ausgabe London, 7. Juli.(Eig. Drahtber.) Am Montag ist zum ersten Male eine nordenglische Ausgabe des„Daily Herald“ erschienen. In Manchester, im eigenen Betriebe hergestellt, wird diese nordenglische Ausgabe eine ebenso große Konkurrenz für die bürgerliche Presse sein, wie es die Londoner Ausgabe des englischen Arbeiterblattes ist. Macdonald hat der ersten, für die Geschichte der englischen Arbeiterbewegung bedeutsamen Nordausgabe einen Artikel mit auf den Weg gegeben, in dem er die Arbeiterpartei und die Arbeiterklasse aufruft, einig zu sein, weil nicht der äußere Feind, sondern nur der innere Zwiespalt die Labour=Party besiegen könne, Der Löndoner Moltenstalt Noouer für schnelke Uerabschiedung WTB. Washington, 7. Juli. Der Präsident Hoover eröffnete heute die Sondertagung des Bundessenats, die er zur Verabschiedung des Londoner Flottenpaktes einberufen hatte, mit einer Botschaft, in der er die sofortige Ratifizierung des Paktes für unbedingt wichtig erklärte. Bedeutsam sei allein die Frage, ob der Pakt den Vereinigten Staaten eine angemessene Landesverteidigung gewährleiste. Diese Frage bejahte der Präsident und fügte hinzu, bei Ablehnung des Vertrages sei ein Wettrüsten mit gewaltigen Kosten für die Steuerzahler und schwere Trübung der internationalen Beziehungen, ja vielleicht Krieg zu erwarten. Amerika dürfte nicht denken, daß es als reichste Nation der Welt alle anderen Mächte in seinen Rüstungen überflügeln könne. Andere Nationen würden jedes Opfer bringen, um einen derartigen Plan zu vereiteln. Die Lage Europas 1914 sei ein deutliches Beispiel, wie nutzlos und gefährlich das Wettrüsten sei. Die kurdischen Ganden an der türkischen Grenze Konstantinopel, 7. Juli.(Reuter.) An der türkisch=kurdischen Grenze bombardierten türkische Flugzeuge Gruppen von kurdischen Aufständischen, aber die zerklüftete Berggegend machte es schwierig, die Wirkung einer derartigen Aktion zu beurteilen. Die Zahl der Aufständischen, die von Dschelali= und Haydarranli=Stämmen angeführt werden, wird auf 10000 Mann geschätzt. Es haben sich ihnen mehrere Noma Jenstämme von jenseits der persischen Grenze angeschlossen. Sie erweisen sich, da sie erfahrene Reiter und Schützen sind, als ernste Gegner und sollen drei türkische Flugzeuge abgeschossen haben. Jürkische Note an Tersien London, 7. Juli.(Drahtmeldung.) Wie„Times“ aus Konstantinopel berichtet, hat die Türkei in einer energisch gehaltenen Note an die persische Regierung die unverzügliche Durchführung energischer Maßnahmen verlangt, um zu verhindern, daß weitere kurdische Banden die türkische Grenze überschreiten. Bekanntlich haben dieser Tage in der Gegend des Ararat außerordentlich erbitterte Kämpfe zwischen türkischem Militär und Kurden stattgefunden. Neue Rämpfe in Indien Zusammenstöße in Bombay, 7. Juli.(Drahtmeldung.) In Puna, 75 Meilen südöstlich von Bombay, kam es am Samstag zu schweren Ausschreitungen, als die Polizei einen Demonstrationszug auf dem Wege zum Verawda=Gefängnis, wo Gandhi in Gewahrsam gehalten wird, anhielt. Die Polizei wurde mit allerlei Gegenständen beworfen. Europäern gehörige Kraftwagen wurden angegriffen. Ein Offizier wurde dabei verwundet. Um 11 Uhr abends sammelte sich in den Straßen eine mehrtausendköpfige Menge. Es kam zu einem Zusammenstoß, bei dem zwei Polizeisergeanten und mehrere Polizisten verwundet wurden. 200 Demonstranten erreichten Gandhis Gefängnis, wurden aber von der Gefängniswache daran gehindert, sich dem Haupttore des Gefängnisses zu nähern. Die Mohammedaner gegen das Simon-Lutackten Die allindische mohammedanische Konferenz in Simla hat eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Der Bericht der Simon=Kommission als Ganzes ist unannehmbar für die Mohammedaner, da er die mohammedanischen Forderungen nicht erfüllt und in mancher Hinsicht rückständig und reaktionär ist. Die Saarverhandlungen dürften zunächst bis auf weiteres suspensiert werden, da die Franzosen noch immer darauf bestehen, daß Frankreich am Besitz der Saargruben beteiligt wird. Ueber die Gestaltung des endgültigen Reichswirtschaftsrats war in der zweiten Lesung im Reichstag keine volle Einigkeit erzielt worden. Zu diesem Zweck beschäftigten sich am Montag abend die Parteiführer der Regierungsparteien mit dieser Frage, wobei eine Annäherung zwischen den Demokraten und der Wirtschaftspartei zustande gekommen ist. Die Demokraten fordern, daß im endgültigen Reichswirtschaftsrat auch ein Vertreter der Banken Sitz und Stimme herhalten soll, während die Wirtschaftspartei auch einen Vertreter des Kleinhandels und der kaufmänn. Genossenschaftzentrale verlangte. Dadurch würde der Reichswirtschaftsrat um 3 Mitgl. vermehrt werden. Es bleibt jedoch bis zur dritten Lesung, die erst in der nächsten Woche stattfinden soll, abzuwarten wie sich die anderen Parteien zu dieser Forderung stellen werden. In der Revisionsverhandlung des Falles Jorns vor dem 2. Strafsenat des Reichsgerichts verkündete Senatspräsident Dr. Witt heute nachmittag nach dreistündiger Beratung folgendes Urteil: Die Revision des Angeklagten Bornstein wird verworfen. Auf die Revision des Nebenklägers Jorns wird das Urteil aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung an die Vorinstanz und zwar an das Landgericht III Berlin zurückverwiesen. Bornstein war, wie erinnerlich, vom Landgericht I Berlin zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil in einem Artikel, den Bornstein überarbeitet und in Druck gegeben hatte, gesagt worden war, daß es im Zusammenhang mit dem Fall Rosa Luxemburg=Liebknecht unbegreiflich sei, wie Reichsanwalt Jorns auf einen solchen Posten hätte kommen können, insbesondere da in bezug auf juristische Qualisikation und Begabung nur wenige deutsche Richter weniger geeignet wären als Jorns. Fünf Tote und 30 Verletzte bei den mexikanischen Kongreßwahlen. Bei den Kongreßwahlen in Mexiko, die im allgemeinen zugunsten der Regierungskandidaten ausfielen, kam es an mehreren Orten zu schweren Zusammenstößen. In MexikoStadt allein wurden fünf Personen getötet und 30 verletzt. Streik beim Klöcknerkonzern Berlin, 7. Juli.(Eigener Drahtbericht). Die Verhandlungen zwischen der Direktion der Mannstaedt=Werke, die dem Klöcknerkonzern angehören und außerhalb des Gebietes der Nordwestgruppe liegen und Vertretern der Gewerkschaften über Lohnabbau sind, dem Berliner Tageblatt zufolge, gescheitert. Die gesamte Belegschaft ist heute früh zum Zeichen des Protestes in den Ausstand getreten. Es handelt sich um 2.200 Axbeiter, denen sich 376 Angestellte augeschlossen haben. 0 Bochum Dienstag, 8. Juli, 20 bis geg. 22115 Uhr, Brauner Ring 12 u. Bühnenvolksbund Serie C: Pension Schöller Mittwoch, 9. Juli, 20 bis geg. 22.15 Uhr, Volksbühne Serie 1: Pension Schöller Donnerstag, 10. Juli, 16 bis 19 Uhr: 5. Schülervorstellung „Robert und Bertram“ Schluß der Spielzeit. In 3 Tagen 1088 Hichtraucher. Auskunft kostenlos Sanitas-Depot, Halle a. S 196 H. Habe mein Geschäft von Mühlenstraße 44 nach Malteserstr. 21 verlegt und bitte um geneigten Zuspruch. Bürgerlicher 2739 mittag- und Abräbtisch von 80 pfg. an. Fr. H. Jörling. Inserate haben stets ERO'g Wührt über die Westfällsche Landes-Bausparkasse Ovientliche Bausparkasse der went. vallschen Sparkassen unter Verwaltung der Landesbank der Provina Wosttalen Volle Sicherheit der Einlagen, verbindliche Wartezeiten, rechnungsmäßiger Haben- und Sollzinssalz 4%, gerechte zutellung, keine Benachteiligung der kleinen Sparer. Schutz des Oerlehnschuldners durch Lebensversicherung Aushunft durch alle öltenti. Sparkassen und die Vertrauensmänner: Herrn Th. Kleberg, Bochum, An der Kaiseraue 6. Herrn Bürgermeister Ibing, Bochum-Gerthe, Gerther Straße 50. Sehenliicher* Berafangs Abend In Bochum am 10. Juli, abends von 20,30 Uhr an im Restaurant Hasselkuss, Alleestraße. Instandsetzung der Erbgruften. Wagigrader und keihragrabrt Auf den Friedhöfen der Stadt Bochum befindet sich eine große Anzahl von Erbgruften, Wahlgräbern und Reihengräbern in ungepflegtem Zustande. Bevor die Entziehung des Nutzungsrechtes an diesen Erbgruften u. Wahlgräbern sowie die Einebnung der Reihengräber erfolgt, fordern wir die Hinterbliebenen auf Grund des§ 28 der Friedhofsordnung der Stadt Bochum auf, bis zum 20. Juli 1930 die Erbgruften, Wahlgräber und Reihengräber instandzusetzen und die beschädigten Denkmäler und Einfriedigungen wiederherzustellen. Reihengräber, die nach Ablauf dieser Frist nicht ordnungsgemäß instandgesetzt sind, werden eingeebnet. Die schadhaften Denkmäler werden gemäß§ 24 bezw. 26 der Friedhofsordnung beseitigt. Bochum, den 5. Juli 1930. 2793 Nutzen Sie diese sensationelle AO 5i Kaufgelegenheit noch einmal! 15 5= Plcshlschescrchenier Hachun Heute, Dienstag, 8. Juli 1930, abends 8 Uhr im Stadtpark Solisten: Konzertmeister Loos(Violine) Kammermusiker Fischer(Klarinette) 2794 Kammermusiker Schwieder(Posaune) Leitung: Konzertmeister Curt Hofmann. Eintrittspreis 50 Rpf. Zehnerheft 3.— RM. Bei ungünetiger Witterung ist die Veranstaltung im Parkhaussaal Der Magistrat. Resiauraht Louid Vitter, Eppendert Inh. Fr. 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Juli 1930. 2789 Mllebhändler-Vereine Bochum. Ausflugsfahrten mit Auto-Omnibussen — zur Hohensyburg und zum Hengstey-See jeden bölttwoch- und Soonabendnachmittag 1 Wagen zur Hohergghuug und! Wagen zum Hengstey-See; Abfahrt ab Bochum, Wilhelmsstr. 14.45(2.40) Uhr. jeden Sonntag-Nachmittag,I Wagen zum Hengstey-See: Abfahrt ab Bochum, Wilhelmstr. 14.00(2.00) Uhr. Bei beiden Pahrten beträgt der Fahrpreis für 1 Hin- u. Rückfahrt zus. für Erwachsene 3.00 RM: für Kinder bis zu 10 Jahren ohne Anspruch auf einen Sitzplatz 1.60 RM. Vorverkauf beim Verkehrsverein Bochum, Kortumstraße 48. Autobusbetrieb Mark. Die geschäftst. Verwaltung: Boch.-Beisenk. Straßenbahnen Bochum. 2742 Waschmaschinen, 2715 Wringer, Mangeln, Wassermotore und Waschöfen kaufen Sie billig und gut beim Fachmann Wilh. Hoischen Karienstr. Ruf 69564 Zahlangserleichterung. Rut 69564 Orößtes Spezlalgeschlft am Platze. Mit Wassermotor. Die Freude eder Haustrau. Für den Spar- und Bauverein Witten sind Klempner- u. 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