Die„Annener Zeitung“ erscheint jeder Dienstag Donnerstag und Hamstag. Anzeigegebühr ur 1o onelzeile oder deren t Ainspattg Raun 20#e. Reklamezeile 80 Ofg= Kezugspreis monatlich 85 Gie 1 es. rrers. sutschen Pfarrern ein friedlicher rößeren Anstalt, o daß Genüsse den Seltenheiten war es ein Erßes Stück Wurst meine Frau, mir lockendes Wurstschien mein Konend ich sie durchnarig auf das im menschlichen und dabei sagte: schmecken!" Das ach wenigen Mieiner Zähne vermir? Ueberall vickseine Wurst rühstück.“ Der nd hinzu:„Alle nauf und hinunickbelegtesWurstWürsten herkomvon Würsten zust, unterschlagen ild ich mich auf ter mir heimlich, ser!" Leute, die trachteten mich lten sie sagen: e vereinten sich ich heimlich genächsten Woche se Versammlung dieses Schwein, , d a ß i c h n a c h t s Beute abholen außer einigen die Burschen alNorgen fand ich es Fenstergitter; aufen Scherben; her den Vorsatz, ibieten. llionen killionen Pfund killionen Mark) llt. Dieser in Vorgang hängt englischen Ining des erwähnDie großen Eisaght Ltd. Lin8000 Arbeitern bei wurd: der fach durch Scheck Geschäftsstelle: Baonhofstraße 23 Telephon=Nr. 324 erdunden uu der„Auneuer Volkszeitung“. rigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. Organ des Amtes Annen u. Landkreises Börde. Inserate finden bei der großen Auflage der Annener Zeitung weite und billige Verbreitung.— Bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkursen kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall. Für die Aufnahme der Anzeigen ab vorgeschriebenen Plätzen übernehmen wir leine Verantwortung. Redaktion, Druck und Verlag von Fritz Küching, Annen. Nr 117 Dienstag, den 23. Sepiember 1919. 35. Jahrgung Habsburgs Schals Der Aktennachweis von Deutschlands Unschuld. Ein Wiener Rotbuch, das geeignet ist, in der ganzen Welt das größte Aufsehen zu erregen, wird soeben veröffentlicht. Es weist nach: Nicht Deutschland hat den Krieg gewollt, sondern die führenden tschechischen und ungarischen Machthaber in Wien. Deutschland ist vom Grafen Berchtold, der als Vertreter Ungarns im Ministerrat saß, und keine deutsche Politik trieb, hinters Licht geführt worden.! 6 * Die österreichischen Akten erweisen, daß die ganze Krisis ihren Ausgang nahm von dem ge spannten Verhältnis Ungarns zu umänien. Das Ziel der Diplomaten war, dieses Verhältnis zu klären. Es drohte ein rumänisch=serbisches Bündnis und die daraus drohende Gefahr sollte beseitigt werden durch die Gewinnung Bulgariens. Der Mord in Sarajewo kam diesen Politikern gelegen, denn das Berliner Interesse ging dahin, sich mit Rumänien gut zu stellen, und Berlin war gegen das Vorgehen gegen Rumänien schwerlich zu gewinnen gewesen.. Daher stellten jetzt die österreich schen Staatsmänner den serbischen Konflikt in den Vordergrund und än derten in diesem Sinne eine bereits für die Berliner Regierung abgefaßte Denkschrift über die österreichischen Balkanpläne. Graf Berchtold ordnete diese Aenderung an mit der Begründung,„um Berlin nicht kopfscheu zu machen“. Dies Rotbuch weist dann nach, daß der Krieg gegen Serbien= nicht im Potsdamer Kronrat beschlossen wurde, sondren in dem zwei Tage später am 7. Juli stattgefundenen gemeinsamen [Ministerrat in Wien, dem von deutschen Staatsmännern nur der Ministerpräsident Graf Stürghk beiwohnte. Man beschloß dort die Austragung des Konfliktes mit Serbien, und zwar dadurch, daß so schwerwiegende Forderungen erhoben wurden, daß ein militärisches Eingreifen unvermeidlich wurde. In diesem Ministerrat sprach sich am schärfsten der slawische Vertreter, Finanzminister Bilinski aus, indem er erklärte: „Mit Serbien kann man nur mit Gewalt sprechen.“ Der alte Kaiser Franz Joseph hat übrigens von der ueberweisung des Ultimatums an Serbien erst erfahren, als es schon zwei Tage überreicht war, und er hat seine Zustimmung zu der Formulierung erst am 16. August gegeben, als man schon mitten im Kriege war. Auch Deutschland hat wie Italien den österreichischen Schritt ersterfahren, alser schon längst beschlossen war und nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Der Verfasser des Ultimatums war der damalige Referent in serbiichen Angelegenheiten, der Gesandte Musull, selbst ein Kroate. Der wichtigste Teil der Enthüllungen betrifft den englischen Vermittlungsversuch Es wird festgestellt, daß Deutschand alles Mögliche getan hat, um Oesterreich klar zu machen, daß der Weltkrieg drohe, wenn es nicht eingehe auf den englischen Vorschlag einer Entscheidung des serbischen Konfliktes durch eine Konferenz, in der England und Frankreich, Deutschland und Italien vertreten waren. Es wurde Oesterreich weiter klar gemacht, daß die Bedingungen des Vorschlages: Einstellung der russischen Mobilmachung und Besetzung serbischer Brückenköpfe durch Oesterreich für Oesterreich sehr ehrenvoll waren. Graf Berchtold und seine tschechischen und ungarischen Genossen wollten den Krieg, lund sie— antworteten Deutschland gar nicht. Sie zögerten die Stellungnahme zu dem Vermittlungsvorschlag so lange hin, bis England zu der Ueberzeugung kam: Deutschland übe seinen Einfluß in Oesterreich nicht aus, es wolle den Krieg. Die Folge war das sofortige Eingreifen Englands in den Krieg. Aus diesen Mitteilungen ergibt sich deutlich die Tatsache, daß die Habsburgische Politik es verstanden hat, in den kritischen Julitagen die Initiative in verhngnisvoller Weise an sich zu reißen, zu vermeintlichem eigenen Nutzen, aber zum schließlichen Verderben des deutschen Volkes. Pressestimmen. Der„Vorwärts" urteilt, das Buch erbringe den dokumentarischen Beweis, daß der Krieg vom österreichischen Kabinett und seinem Führer, dem Grafen Berchtold, absichtlich herbeigeführt ist. Das„Berl. Tagebl.“ schreibt, die Veröffentlichung genüge für die Erkenntnis, daß der Anteil der Schuld Oesterreichs größer sei, als man bisher angenommen habe. Die„Deutsche Allgem. Zeitung“ schreibt, man sei versucht, für eine„Rache von Sadowa“ zu reden, welche die Leiter der Habsburger Politik nahmen, als sie Deutschland in den Krieg trieben. Der„Lokalanzeiger“ meint, es werde durch die Veröffentlichung gezeigt, daß die deutsche Politik vollständig von den österreichischen Ministern ins Schlepptau genommen war. Die„Kreuzeitzung“ sagt: Die Versuche, die kaiserliche Regierung als kriegshetzend hinzustellen, fielen durch diese Enthüllungen vollständig zusammen. Die„Tägliche Rundschau“ hält die politischen Wirkungen der Veröffentlichung für unabsehbar. Graf Berchtold, der österreichisch=ungarische Minister des Aeußern bei Beginn des Weltkrieges. Dr. Gooß erbringt in zahlreichen Fällen den Beweis, daß nicht Deutschland, wie die Entente stets behauptet hat, die kriegtreibende Kraft gewesen ist, sondern Oesterreich-Ungarn und in Oesterreich=Ungarn vornehmlich Graf Berchtold. Die Universität den Lehrern geöffpet. Die Durchführungsbestimmungen. Durch einen Erlaß des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sind die Schranken gefallen, die bislang den Volksschullehrern und =Lehrerinnen den Zugang zum akademischen Studium versperrten. Allen Lehrern und Lehrerinnen, die nach beständener Seminar=Abschlußprüfung eine mindestens zweijährige Tätigkeit im Schuldienst nachweisen können, stehen die gleichberechtigten und immatrikulierten Studenten zu einem Studium der Pädagogik und Philosophie offen, das nach frühestens sechs Semestern durch ein Examen in diesen Fächern beschlossen werden kann. Ebenso können solche Lehrpersonen ohne weitere Ergänzungsprüfung zu, einem Examen in den Staatswissenschaften zugelassen werden, sobald, wie geplant, in diesem Lehrfach bei der Oberlehrerprufung die Lehrbefähigung erworben wetden kann. Ferner sind zur Ablegung des Staatsexamens für das höhere Lehramt und zur Doktorprüfung alle Lehrer und Lehrerinnen zugelassen, die außer dem Zeugnis über die Seminarentlassungsprüfung noch ein besonderes Ergänzungsexamen in einem oder zwei Hauptfächern, deren Beherrschung für das gewählte Studium notwendig erscheint, nachweisen können. Die Vorbereitung zu solchen Ergänzungsprüfungen kann durch die Teilnahme an Lehrgängen, welche die Universitäten oder Provinzialschulkollegien einrichten sollen, erleichtert werden, Außerdem wird solchen Seminarabiturienten, welche auf eine Tätigkeit im Lehrberuf an Volksoder höheren Schulen verzichten wollen, durch Ablegung einer Ergänzungsprüfung die Möglicheit zu jedem anderen Hochschul- oder Universitätsstudium gegeben. Diese Ergänzungsprüfung umfaßt, falls zu dem erwähnten Studium das Reifezeugnis eines Gymnasiums erstrebt wird, die Fächer: Latein und Griechisch, falls Realgymnasialbildung in Frage kommt, Latein, Mathematik und diejenige neuere Sprache, die im Seminar=Abgangseramen nicht geprüft wurde— und falls Oberrealschulreife erreicht werden soll, eine im Seminar=Abgangsexamen nicht geprüfte neuere Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften. . Die Kheinlandfrage. Entschließung der rheinischen Zentrumspartei. Der Parteitag der Rheinischen Zentrumspartei nahm eine Entschließung an, in der über die Behandlung der Rheinlandfrage Leitsätze aufgestellt werden, nach denen die Verwirklichung der rheinischen Selbständigkeitswünsche im Rahmen des Deutschen Reiches und im Zusammenhang mit der territorialen Umgestaltung des Reichs unter dem Gesichtspunkt des gesamtdeutschen Interesses und auf dem durch die Reichsverfassung vorgesehenen Wege geschehen soll. Es sollen gleichberechtigte und möglichst gleichwertige Länder mit weitgehender Selbstverwaltung geschaffen werden. Im Falle, daß das aussichtslos ist, können die Bestrebungen der Bildung neuer Bundesstaaten nach Art. 18 der Reichsverfassung wieder aufgenommen werden. Die deutsche Reichsverfassung wird rückhaltlos anerkannt. Der Parteitag erwartet jedoch, daß die Reichsregierung und die Volksvertretung die in Art. 167 vorgesehene zweijährige Sperrfrist nicht aufrechterhalten werden, falls die nationalen Notwendigkeiten und die rheinischen Lebensinteressen in Zukunft ihre sofortige Beseitigung ersordern sollten. Für die Zwischenzeit wird eine weitgehende Autonomie gefordert. Wer die Loslösung vom Reiche anstrebt, schädigt die Interessen der rheinischen Bevölkerung und stellt sich außerhalb der Zentrumspartei. D Reichsregierung wird aufgefordert, den inneren Umbau des Reiches in vorgedachtem Sinne so rasch wie möglich vorzunehmen. „„* Vaterländische Kundgebung in Saarbrücken. Wie gemeldet wird, fand in Saarbrücken am Sonnabend eine Massenbergarbeiterversammlung statt, die sich zu einer riesigen, eindrucksvollen Kundgebung für das Deutschtum gestaltete. Ueber 30 000 Bergleute veranstalttten im Anschluß an die Versammlung einen Umzug mit Musik durch die Straßen der Stadt und sangen dabei vaterländische Lieder. Französischerseits wagte man nicht, der patriotischen Kundgebung ein Ende zu machen. Preußische Landesversammtung. Sitzung vom 19. September.) Am Ministertisch Stegerwald, Oeser. Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 12.20 Uhr. Angenommen wurde eine Reihe von Uranträgen zum Haushalt des Ministeriums des Innern, u. a. Versetzung der Gendarmen unter die mittleren Beamten und Entschädigung der durch die Unruhen Geschädigten, Erteilung von Auskunft über den Umfang parteipolitischer Werbearbeit auf Staatsund Reichskosten, Verh tung der Jugendverwüstung durch unsittliche Schriften und Lchtbilder. Bekämpfung der öffentlichen Glücksspiele und der Spielklubs. Regelung des Gemeinderechts, gesetzliche Regelung des gemeindlichen Verhältnisses zwischen Berlin und den Vororten und Neugestaltung des Hebammenwesens. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfes über die Erhebung von Zuschlägen des Güter= und Tierverkehrs der preußisch=hessischen Bahnen. Der Entwurf ermächtigt die Regierung, zu den jetzigen Frachtsätzen einen Zuschlag von je 50 von Hundert zu erheben. Die Zuschläge treten zwei Jahre nach Friedensschluß mit der letzten europäischen Großmacht außer Kraft. Die zweite Beratung des Staatshaushalts wurde beim Ministerium Volkswohlfahrt fortgesetzt. Abg. Dr. Bronisch(Deutschnat.): Am wichtigsten für die Volkswohlfahrt ist ein gesundes Familienleben und gesunde Schulpolitik. Abg. Dr. Weyl(Unabh.): Eine verknöcherte Geheimratswirtschaft können wir nicht brauchen, am wenigsten in der Volkswohlfahrt. Die konfessionellen Organisationen haben verteufelt wenig erErsprießliches geleistet. Unterstaatssekretär Scheidt: Die Wohnungsnot ist erklärlich, denn trotz des Bevölkerungsrückganges hat die Zahl der Haushaltungen zugenommen. Eine wirksame Abhilfe ist nur durch Neubauten möglich, und für ihre Errichtung mangelt es wieder an Ziegeleien und nicht nur etwa an Kohlen zu ihrer Belieferung, aber auch an Geld. Die Errichtung der Wohnungen würde' jährlich mindestens 7 einhalb Milliarden kosten. Für die Wohnungsbedürfnisse der Bergarbeiter werden wir in erster Linie sorgen müssen, dann für die Zuziehenden aus den besetzten Gebieten und an dritter Stelle für Landarbeiter. Im übrigen werden wir zunächst die schon vorhandenen Wohnräume nach Kräften ausnutzen müssen. Dienstag. 12 Uhr: Fortsetzung. Vorher: Anfragen, nachher Bauverwatung. Zür Lage. Die Ueberreichung der deutschen Antwort. Die deutsche Antwortnote über Artikel§ 61 Absatz 2 ist in Versailles überreicht worden Sie erklärt die Bereitwilligkeit zur Unterzeichnung des Zusatzprotokolls und zur Annahme der Ententeauslegung des Art. 80 über die Auslieferung von Deutschen an die Entente. Die Note verteidigt die Aufnahme der angegriffenen Artikel in die Verfassung und weist die Unterstellung der Ententenote daß Deutschland durch die Verfassungsbestimmungen bewußt gegen den Friedensvertrag gehandelt habe, mit aller Schärfe zurück. Dann erklärt die Note zum Schluß: Die deutsche Regierung kann auch den ironischen, den internationalen Gepflogenheiten nicht entsprechenden Ton, mit dem die Note der alliierten und assoziierten Regierungen feierliche Erklärungen der deutschen Regierung behandeln zu dürfen glaubt, nicht stillschweigend hinnehmen. Die Tatsache, daß Deutschland den Krieg verloren hat, gibt seinen Gegnern nicht das Recht, sich einer Sprache zu bedienen, die den Zweck haben soll, Deutschland vor aller Welt zu verletzen. Die deutsche Regierung wird den alliierten und assoziierten Regierungen auf diesem Wege nicht folgen. Die Herbeiführung eines wirklichen Friedenszustandes kann aber durch dieses Vorgehen der alliierten und assoziierten Mächté nur erschwert werden. Der Kaiser soll ausgeliefert werden. Die Zeitung„Libre Belgique“ meldet, daß der Gesandte der Niederlande in Paris davon in Kenntnis gesetzt worden sei, daß Holland binnen 14 Tagen eine Aufforderung zur Auslieferung Kaisen Wilhelms erhalten wird. Wenn die Hohenzollern wieder kommen. Wilson sagte in einer Rede in Okland, daß, wenn Deutschland die Autokratie wieder herstelle u. die Hohenzollern wieder auf den Thron stiegen, Deutschland für immer aus dem Völkerbunde und ihrer Gesellschaft entfernt werden müsse. Auslieferung von 67 Deutschen. Wie der Brüsseler„Soir“ meldet, wird die belgische Regierung die Auslieferung von 67 Deutschen fordern, von denen nachzuweisen ist, daß sie Todesurteile über Belgier ausgesprochen haben. Während der Besetzungszeit seien, behauptet das Blatt, 6000 Belgier erschossen worden. Dorten wieder in Köln. Dr. Dorten ist seit einigen Tagen wieder in Köln aufgetaucht. Die britische Behörde hat den Ausweisungsbefehl wieder aufgehoben und der Polizei mitgeteilt, daß Dr. Dorten der Aufenthalt im britisch besetzten Gebiet in Permanenz gestattet sei. Direkte Dampferlinie HamburgNiederländisch=Indien. Eine direkte Dampferlinie Hamburg—Nieder= ländisch-Indien ist heute mit dem holländischen Dampfer„Lombok“ eröffnet worden, der von Hamburg nach Soraboya(Java) abgegangen ist. Freie Ein= und Ausfuhr von Lebensmitteln aus dem besetzten Gebiet. Der Präsident der interalliierten Kommission des rheinischen besetzten Gebietes macht bekannt, daß jetzt die Ein, und Ausfuhr von Lebensmitteln von der einen nach der anderen Zone freigegeben ist.— Weitere Verstärkungen der Engläuder im besetzten Gebiet. Die Londoner Morning Post meldet: Es ist beschlossen worden, neben der im Rheinlande als Garnison befindlichen Brigade noch eine britische Division dort zu belassen. Schließung der Bremer Atlaswerke. Infolge wiederholter Demonstratiönen der Arbeiter der Atlas=Werke in Bremen, die Mitbestimmungsrecht bei der Ernennung von Angestellten forderten und schon Freitag Ausschreitungen vorgenommen hatten, sah sich der Vorstand gestern gezwungen, den Betrieb zu schießen, da ein ersprießliches Zusammenarbeiten nicht mehr möglich war. Die Beamten und Büroangestellten setzen ihre Tätigkeit fort. Ein Ultimatum an den„Helden“ von Fiume. Lugano, 23. Sept. Ueber Ancona wird aus Fiume gemeldet: In Aufrufen, die aus Flugzeugen über Fiume abgeworfen wurden, ist'Annunzio aufgefordert worden, zum regulären Heere zurückzukehren. Es ist ihm ein Ultimatum von 48 Stunden geicht. Reich. Deutsch=französisches Kohlenabkommen. Wie aus Essen mitgeteilt wird, ist mit den Franzosen ein vorläufiges Abkommen auf Lieferung von 500000 Tonnen Ruhrkohle getroffen worden. Das Kohlensyndikat liefert die Kohlen auf dem Wasserwege ab Rotterdam, wo die Umladung auf Seeschiffe erfolgt. Zu Grunde gelegt ist den Lieferungen der Auslandspreis des Kohlensyndikats. Die Lieferungen haben bereits begonnen. * — Das Ende des Herrenhause.s. Die Verwaltung des Herrenhauses wird von der preußischen Landesversammlung übernommen werden. Damit wird der Etat des Herrenhauses überflüssig. Der Beamtenkörper des Herrenhauses wird nach Möglichkeit von anderen Behörden übernommen. — Die Einberufung der Nationalversammlung. Präsident Fehrenbach hat die Nationalversammlung zum 30. September nach Berlin einberufen. Lokales. § Annen, 23. Septbr.(Herbstanfang.) Heute, am 23. September nimmt der Herbst seinen Anfang, das Jahr wird alt. Der scheidende Sommer hat es an allerei Launen nicht fehlen lassen, aber er hat dem Landmann und dem Städter doch sein Recht gegeben; und er ist jetzt mit einem so strablenden und lachenden Antlitz von uns geschieden, daß wir wohl hätten ausrufen mögen:„O weile doch, du bist so schön!“ Das trockene Laub beginnt zahlreicher von den Bäumen zu rascheln: aber das macht in diesem Jahre weniger der Herbst, als die Sonnenglut der letzten Wochen. Viele Blätter sind dürr geworden und lassen sich in der Hand zerdrücken. Die Hitze ist nun gewichen, wir müssen nach dem starken Barometerfall auch wieder mit veränderlicher Witterung rechnen. Mag der Herbst dem scheidenden Sommer entsprechen und mag vor allem die Ernte in ihm ohne Störung zum völligen Abschluß kommen. Die Herbstbearbeitung des Bodens stockt vielfach infolge der großen Trokkenheit, die die Erdoberfläche steinhart gemacht hatte. An einen Herbst des„Fette=Schweineschlachtens" und„Wurstmachens“, und der Gänsebraten auf allen Tischen ist freilich nicht zu denken. Aber vielleicht wird alles noch besser, als wir heute denken, auch mit der Kohlenversorgung. Die Natur ist gnädig und mild; sie hat das ihrige getan. An uns Menschen ist es nun, das Unserige zu tun, dann wird aus der kommenden Jahreszeit statt eines Herbstes der Sorge ein Herbst der Ruhe werden, in dem wir uns auch in der Erinnerung an die Friedenszeit wieder bescheidene Freuden gönnen können. Eine unserer schwersten Sorgen wird uns ja nun mit der Heimkehr unserer Kriegsgefangenen hoffentlich bald vom Herzen fallen. § Annen, 23. Septbr.(Glockenweihe.) Sonntag vormittag fanden nach dem Gottesdienst die neuen Glocken unserer evang. Kirche, die auf dem Kirchplatz, mit Feldblumen und Kränzen reich geschmückt, vor dem Haupteingang aufgestellt waren, ihre feierliche Weihe. Herr Pastor Brasse hielt eine erhebende Weiherede; in ernster schwerer Zeit sei der Guß der Glocken für unsere Gemeinde vollzogen, reine lautere: Gedanken hätten sie erstehen lassen. Ihr Klang solle dazu beitragen, uns im Glauben an Gott wieder aufzurichten, damit die innere Einheit und die unvergängliche Kraft unseres Volkes wiedergewonnen werden. Der unglückliche Ausgang des Krieges habe uns in die Tiefe geführt trotz aller Siege, die Gott uns erringen ließ, deren Ruhm aber bestehen bleibe bis in die fernsten Zeiten. Mit der Hoffnung solle man der dunklen Zukunft entgegenschreiten, daß die Glocken auch zu einer Zeit wieder ertönen werden, da unser Vaterland sich erneut zum Licht und zur Höhe emporgerungen habe und leuchtender Sonnenschein wieder unserem Volke beschieden sei. In eindrucksvoller Weise wußte Herr Pastor Brasse die Bedeutung der deutlich sichtbaren Glockensprüche auszulegen, die da lauten:„Eine feste Burg ist unser Gott“,„Ehre sei Gott in der Höhe" u.„Gott war mit uns, ihm sei die Ehre". Mit dem Gebet: „Vater unser“, schloß die würdige schlichte Feier. Es wurde noch eine photographische Aufnahme gee macht, um im Bilde den denkwürdigen Augenblick der Glockenweihe festzuhalten. —(Der S. G..) unternahm am Sonntag nachmittag bei guter Beteiligung einen Ausflug nach dem Dornev. Gegen 4 Uhr langte man dort beim Wiet Goldberg an, ein schönes Gasthaus mit geräumigem und hübsch dekorierten Saal in herrlicher Lage inmitten des Dorney=Waldes. Den meisten Teilnehmern des Ausflugs war diese Gegend unbekannt. Im Laufe der Jahre ist der früher stattliche Waldbestand des Dorney infolge umfangreicher Abholzungen seiner Schönheiten zu einem wesentlichen Teil beraubt worden. Er war vor langen Jahren häufig das Ziel von Geognosten, also Leuten, die ihre Wissenschaft von den Erd= und Gesteinsarten hier in vortrefflicher Weise bereichern konnten. Man fand nämlich an einzelnen Stellen Steine ganz seltener Art, die von Kennern mit großem Interesse zu geologischen Studien verwandt wurden.— Im Saale des Herrn Goldberg trank man gemeinsam Kaffee, und nach einem kurzen Spaziergang begann der gemütliche Teil. Es wurde fleißig getanzt im Verein mit der besonders tanzkundigen Jugend von Stockum, die sich nach und nach einfand und die willkommene Gelegenheit beim Schopf nahm. Gegen 10 Uhr abends wurde in guter Stimmung der Heimweg angetreten. :: Annen, 23. Sept.(Berichtigung zu„Die neuen Postgebühren“ in Nr 115 vom 18 9) 1 Bei Wertsendungen beträgt die Versicherungsgebühr für je 1000 cl— 40 Pfg.(nicht 20 Pf.) 2. für Briefe mit Zustellungsurkunde beträgt die Zustellungsgebühr 40 Pfg., hierzu tritt noch die Gebühr für den Brief(15, 20 oder 30 Pfg.) und für die Rücksendung der vollzogenen Urkunde(15 oder 20 Pfg.) 8 Die Fernsprech=Pauschgebühr beträgt in Netzen von 201—500 Teinehmern 280 Mk(nicht 250 Mk.): ein Ferngespräch bis 25 Km. kostet 40 Pfg. für je 3 Minuten(nicht 30 Pfg.) § Annen 23. Sept.(Wo bleibt die Butter?) Die„Rhein= und Ruhrzeitung“ schreibt aus Duisburg: Im Hafen wird augenblicklich ein Schiff Butter ausgeladen. Das Schiff kam von Uerdingen, wo es fünf Wochen gelegen hatte. Die Folge davon war, daß die Butter in der Hitze der letzten Wochen vollständig verdarb. Für die menschliche Ernährung ist sie unbrauchbar, sie mußte daher zur Seifenfabrik gebracht werden.— Und die Bevölkerung muß schmachten. § Annen, 23. Septbr.(Weiteres Steigen der Mark=Valuta.) Das erfreuliche Ansteigen des Markwertes an den neutralen Börsen hält an. In 4 Tagen hat sich der Stand der Mark soweit gebessert, daß am Samstag für 100 Gulden 989 Mark gezahlt werden mußten gegen 1150 Mark am Dienstag, § Annen, 23. Sept.(Amerikanischer Speck.) Von der Pressestelle des Reichskommissariats wird uns mitgeteilt: Die vierte Ausschüttung der amerikanischen Schweinefleischprodukte, das sind die Mengen für die 13., 14., 15. und 16. Woche, ist bestimmt in Aussicht gestellt. Die Bevölkerung Westfalens würde dadurch wieder allgemein beliefert werden können. Von Reichswegen ist man zudem ununterbrochen bemüht, mehr Speckmengen zu beschaffen und es besteht Aussicht, daß das gelingen wird.— Die Bevölkerung: wird freudig davon Kenntnis nehmen, daß die Specklieferung in der nächsten Zeit keine Unterbrechung erleiden soll § Annen, 28. Septbr.(Die Entfernung der Kaiserbilder., Der preußische Kultusminister Haenisch hat verfügt, daß bei notwendig werdenden Neudrucken der Lesebücher Bilder des früheren Kaisers und seiner Familie auszuschalten sind. Auch sind alle Lesestücke zu entfernen, die sich in anekdotischer Weise mit der bisherigen Kaiserfamilie beschäftigen. Geschichtlich bedeutungsvolle Bilder u. Erzählungen werden von dieser Maßnahme nicht berührt. —(Reiche Zwetschenernte.) In. Unmengen geradezu werden Zwetschen heuer in der Pfalz, vor allem im Bliestal geerntet. Das Angebot übersteigt bereits weit die Nachfrage, sodaß der Preis auf 20 Pfg. herunterging und ein weiterer Sprung nach unten bevorsteht. —(Die Vereinigung Kriegsbeschädigter) hält morgen abend im Saale des Herrn Helle eine öffentliche Versammlung ab.(Siehe Inserat.) § Rüdinghausen, 23. Septbr.(Auf der Tagesordnung der heutigen Gemeinderatssitzung) stehen folgende Punkte: 1. Neuwahl der Mitglieder aller Gemeindekommissionen gemäß Gesetz vom 18. Juli 1919. 2. Desgl. des Gemeindevorstehers und Stellvertreters. 3. Beschlußfassung über Einführung des ungeteilten Unterrichts an den Volksschulen. 4. Beschaffung einer Spritze für die Feuerwehr Schnee. meister, leicht verletzt 11 Bahn= und Postbedienstete. Reisende sind nicht zu Schaden gekommen. Der Materiulschaden ist bedeutend. „ Nebeim, 22. Septhr.(Wer hat nun Recht?) In der„Neheimer Zeitung“ hat eine Jungfrau angekündigt, daß sie die Verlobung mit einem bestimmten jungen Manne aufgehoben habe. Darauf erwidert dieser prompt, er müsse annehmen, daß dem Einsender der betreffenden Annonce infolge der Hitze der letzten Tage das Gehirn eingetrocknet sei: er empfehle ihm zur Auffrischung seiner fünf Sinne eine— Mostrichimpfung. Da eine Verlobung mit der jungen Dame niemals stattgefunden habe, könne auch von einer Aufhebung dieser Verlobung keine Rede sein.— Womit er zweifellos Recht hat. Wermelskirchen, 22. Sept.(Schweres Unglück beim Uebungsschießen.) Als die hiesigen englischen Besatzungstruppen Donnerstag nachmittag ein Uebungsschießen mit Minen vornahmen, explodierte eine Mine beim Verlassen des Rohres, drei englische Soldaten waren sofort tot, 12 andere wurden schwer verletzt, von denen bis Freitag mittag 4 ihren Verletzungen erlegen sind. Köln, 22. Sept.(Große Verschiebungen von Brotgetreide) der diesjährigen Ernte finden zurzeit aus dem Rheinland ins Ausland statt. Die rheinischen Bauern erzielen durch den Schmuggel die doppelten der vom Deutschen Reich gezahlten Höchstpreise. Die holländischen Aufkäufer sind willige Abnehmer und erzielen durch den Wiederverkauf an die holländische Regierung bedeutende Gewinne. Die Zollbehörden der Kreise sind zu schärfstem Wachsienst angehalten worden. Aus dem Gerichtssaal. Zur Hinrichtung der Mänchener Geiselmörder. Zur Vollstreckung des Todesurteils gegen die Geiselmörder werden noch folgende Einzelheiten berichtet: Die sechs zum Tode Verurteilten wurden im Strafgefängnis Stadelheim in ganz besonders scharf bewachten Zellen untergebracht, wie überhaupt das ganze Gefängnis von Militär umzingelt wurde. Gegen jeglichen Angriff von außen war das Gefängnis durch Artillerie-Bestückung, Maschinengewehre, Minenwerfer, Blinker und Scheinwerfer gesichert. Die Einlieferung der Gefagnenen vollzog sich ohne Zwischenfall. Ein weiterer Geiselmörder verhaftet. Die Gendarmerie in Salzburg verhaftete in Oberndorf den aus München flüchtig gegangenen Rotgardisten Rudolf Greiner, der wegen Beteiligung am Geiselmord von der Polizei gesucht wurde. Er wurde nach Laufen gebracht und dort in Haft gesetzt. Der Mordprozeß gegen Graf Areo. Die Verhandlung in München gegen den Grafen Arco wegen Mordes an dem ehemaligen Ministerpräsidenten Eisner wird im Laufe des Oktober stattfinden, da nach ärztlichem Gutachten Arco bis dahin verhandlungsfähig sein dürfte. geheizten Backofen, um durch die Hitze die Schmei zen zu vertreiben. In diesen Tagen machte er wieder, kam aber nicht wieder heraus. — 26 Gebäude eingeäschert. Zoppnow, Kreis Deutsch=Krone, wurden durch Großfeuer 26 Gebäude eingeäschert. Mehrere Per sonen sind in den Flammen umgekommen. ## Zwei Kinder verbrannt. ZwTochter des Bahnmeisters Wegner in Samotschin spielten in dem Häuschen der Viehwage, währen Knaben das vor der Tür verstreute Stroh anzün deten. Rasch wurde der Brand gelöscht, doch die beiden Mädchen waren bereits erstickt und verkohln Neueste Nachrichten. Der neue Geiselmord=Prozeß. Septbr. Die Staatsanwalt schaft des Münchener Volksgerichts hat bereits wegen des zweiten Geiselmordprozesses das Verfahre eingeleitet. Hierzu stehen bereits sechs Angeklagts die als Zeugen in dem ersten Prozeß vernommen wordn sind, zur Verfügung. Ein weiterer Mittä ter, ein gewisser Greiner, ist gestern in der Näh von Rosenheim festgenommen worden. Dazu gesell sich der russische Student Krylenko. 200 Millionen Fehlbetrag der Schweizet Bahnen. Bern, 23 Septbr. Nach der Baseler Natio nalzeitung wird der Fehlbetrag der Schweizerische Bundesbahnen für Ende dieses Jahres auf 20 Mill. Franken geschätzt. 120000 Gefangene auf dem Heimwege, Düsseldorf, 23. Septbr. In den nächste Tagen sollen 120000 Mann aus englischer un französischer Gefangenschaft über Düsseldorf nag Hause geleitet werden. Die gefährliche alte Flagge. Berlin, 23. Septbr. Unliebsame Vorkomm nisse in der letzten Zeit gaben dem Reichswehr minister Veranlassung, den Truppenteilen da Vorantragen schwarz=weiß=roter Fahnen bein Marsch dukch ihre Garuisonen usw. zu verbieten. Unterzeichnung der Aufhebung des Artikels 61. Versailles, 22. September. Freiherr von Lersner unterzeichnete nachmittags 4 Uhr im Tra anon-Palasthotel in geschlossener Sitzung das mit den alliierten und assoziierten Regierungen ver einbarte Protokoll betreffs Artikel 61 der Reich verfassung. Seitens der Alliierten unterzeichnete für Frankreich Botschafter Jules Cambon, Eng land Sir Vyre Crowe, Amerika Unterstaatssekre tär Polk, Italien Minister Scialoja, Japan Bo## staster Ratist. Spielplan des Dortmunder Stadt-Theaters. Aus aller Welt. Provinzielle Nachrichten. Hörde, 22.Septbr.(Tödlicher Unfall.) Der Kohlenhauer Wilhelm Meißner aus Lücklemberg geriet auf der Zeche„Glückaufsegen“ unter Steinfall und wurde sofort getötet. Gelsenkirchen, 22. Septbr.(Gesunkenes Schiff.) Das von Meppen kommende, auf der Fahrt nach Karlsruhe befindliche Schiff„Amalie“ ist mit einer Ladung Torf im Gelsenkirchener Hafen gegenüber der Hafenschenke unweit Buer=Erle gesunken. Taucher sollen das Schiff abdichten und es soll dann versucht werden, Schiff und Ladung zu heben. Remscheid, 23. Septbr.(Ruhr.) In Remscheid, besonders im Stadtteil Hasten, nehmen die Erkrankungen an Ruhr einen bedrohlichen Umfang an. In die städtischen Krankenanstalten sind bereits 30 Ruhrkranke eingeliefert worden. Haltern, 21. September.(Zugunglück.) Gestern Vormittag 2,18 Uhr ist auf dem Bahnhof Haltern der=Zug Cöln=Altona bei der Durchfahrt auf eine Rangier=Abteilung gefahren. Der Heizer der Abteilung und ein im Postwagen befindlicher Postsekretär wurden getötet. Eine weitere verkohlte Leiche, vermutlich die eines Postbeamten, ist noch nicht erkannt schwer verletzt wurde der Rangier20 MinionenVoltars. Roman von E. v. Reizenhofen. .)„—(Nachdruck verboten. Ihr Spott tat ihm weh. Daß Mary nicht zugegen war, empfand er jetzt fast als Wohltat, obgleich er kurz vorher bedauert hatte, daß das schöne junge Mädchen taktvoll genug sie beide allein gelassen hatte. „Würden Sie dem Toten auch dann nicht verzeihen, wenn ich den Ring in Ihre Hände legen würde?“ „Sie werden das niemals können,“ rief sie lebhaft, mit fast triumphierendem Blick. werde mir alle Mühe geben, mein Weg führt nach dem Orient, denn der englische Antiquitätenhändler meinte, es wäre wohl möglich, daß der Ring mit anderen Waren nach dem Orient gekommen sei. Nichts will ich unversucht lassen. Und wenn es mir möglich ist, den Ring wieder zu finden, werden Sie dann William Withers letzten Wunsch erfüllen?“ Er sah sie forschend an, aber ihr Gesichtsausdruck blieb hart. „Ich verzeihe nie!“ kam es kalt von ihren Lippen.—„Ebenso wenig als Sie jemals den Ring finden werden!“ „Ich werde ihn finden“, rief er aufgebracht. „Nun dann Glück auf den Weg“,“ sagte sie spöttisch. Sie reichte ihm die Hand zum Abschied und rief Mary herbei. Das junge Mädchen schien Georgs raschen Abschied zu bedauern, sie reichte ihm mit betrübtem Blick ihre Rechte. „Ich werde wohl schon morgen das schöne Berlin verlassen“, sagte Georg. „Und wohin reisen Sie?“ fragte Mary traurig. „Vorerst nach Aegypten, dann nach Konstantinopel. Sollte dort mein Forschen resultatlos sein, so führt mich mein Weg bis nach Indien. Ganz England, Frankreich und Deutschland habe ich bisher vergebens bereist.“ Mary verstand seine Rede nicht. „Reisen Sie glücklich,“ sagte sie leise. „Wenn so schone Lippen es mir würschen, wird meine Reise sicher eine glückliche sein“, sagt r, nicht Frau von Silberbergs ärgerlichen Blick beachtend. „Ich komme wieder“, fügte er noch hinzu.„In längstens anderthalb Jahren, denn so lange Frist ist mir noch gegeben. Leben Sie wohl, meine Damen, ich hoffe auf ein glückliches Wiedersehen!“ Er verbeugte sich und ging, nicht ohne noch einmal einen Blick mit Mary ausgetauscht zu haben. Mary eilte ans Fenster, sie sah ihn in seinen Wagen steigen u. erwiderte nochmals seinen Gruß. Da erfaßte sie Frau v. Silberberg am Arm. „Was fällt Dir ein“, rief sie,„was kümmert Dich dieser Fremde?“ Mary sah sie erstaunt an. „Er ist doch kein Fremder, Mama“, sagte sie, „wie käme er sonst zu Deinem Bilde!“ „Das werde ich erzählen, Du bist kein Backfisch mehr, um nicht zu wissen, daß man gewöhnlich nicht den Mann seiner ersten Liebe heiratet. Also höre!“ Und sie erzählte die Geschichte ihrer Jugendliebe. Mit innigem Interesse horchte Mary zu. „Du wirst ihm doch verzeihen“, rief sie, als ihre Mutter geendet hatte. „Nein, nie!“ klang es hart von Frau Alicens Lippen. Mary schüttelte den Kopf. „Er ist tot“, sagte sie weich,„einem Toten trägt man nichts nach!“ „Du weißt nicht, was ich litt, als ich hörte, daß William meinen. Ring verpfändet hatte“, bemerkte ihre Mutter.„Ich kann ihm das auch im Sterben einst nicht verzeihen. Nächte habe ich durchgeweint deswegen, auf den Knien bin ich verzweifelt gelegen und habe um den Tod gebetet. Und zuletzt wurde mein Herz hart und kalt, der Tod kam nicht, aber mein Herz starb. Und niemand war mir mehr lieb im Leben. Deinen Vater nahm ich, weil ich fort wollte aus England. Es war eine unglückliche Ehe!“ Frau v. Silberberg barg das Gesicht in den Eisenbahnunglück. Mainz, 22. Septbr. Auf Bahnhof Osthofen stießen Samstag früh vier Wagen, die sich von einem Güterzug losgerissen hatten„auf abfallender Strecke mit rasender Schnelligkeit auf einen nach Worms fahrenden Personenzug auf. Der letzte Wagen des Personenzuges wurde zertrümmert und geriet in Brand. Zwei Reisende wurden getötet, eine größere Anzahl kam mit Verletzungen davon. Der Sachschaden ist erheblich. Neuer Höhenweltrekord. Dessau, 22. Septbr. Ein verstangungsloses Junkerflugzeug stellte einen neuen Höhenweltrekord auf. Es erreichte mit 8 Personen die Höhe von 6750 Metern. Bei seinem Flug, dem als Sachverständiger Gutachter der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfragen, Diplom=Ingenieur Gsell beiwohnte, war das Metallflugzeug ausgerüstet mit einem 185 PS. Höhenmotor. — Ein Mord in Oberschlesien. Bei Myslowitz wurde ein gewisser Palka aus Dzietzkowitz ermordet aufgefunden. Er hatte eine größere Summe Geldes bei sich gehabt. — Der Tod im Backofen. Der Schmied von Seigendorf in Bayern, der schon längene Zeit Händen. Mary schwieg. Sie wußte, daß ihr die Mutter immer kalt und selbstsüchtig gegenüber gestanden hatte, daß sie zu ihres Vaters Lebzeiten sich fast gar nicht um sie gekümmert hatte, sie immer nur den Dienstboten überließ. Das war also der Grund, daß sie so kalt und lieblos war. Frau Alice hob den Kopf. „Ich warne Dich, Mary“, sagte sie;„so viel ich bemerkte, gefällt Dir der junge Mann!“ „Das wäre doch kein Unrecht“, erwiderte Mary. „Wenn er nicht Williams Neffe wäre“, sagte Frau v. Silberberg rasch,„denn er ist reich, aber in diesem Falle werde ich nie meine Einwilligung dazu geben!“ Mary verließ schweigend das Zimmer, in ihrem Stübchen aber ließ sie ihren Tränen freien Lauf über ihrer Mutter Hartherzigkeit, die ihre Liebe schon im Keime zu ersticken drohte. So weit ging der Haß ihrer Mutter, daß sie solch eine glänzende Heirat der Tochter verhindert hätte, um weiter in verborgener Armut zu leben.— Als Mary am Abend das Haus verließ, wurde ihr plötzlich ein Briefchen in die Hand gesteckt; als sie aufblickte, sah sie zu ihrem größten Erstaunen Georgs arabischen Diener vor sich, der sich vor ihr devot verbeugte.— Mary öffnete, in das Haustor tretend, den Brief und las: Intendant: Dr. Johannes Maurach. Donnerstag, 25. Septbr.—10 einviertel Uhr Opernpreise 1.„Die Zauberflöte". Oper vor W. A. Mozart. Vorverkauf Sonntag. Freitag, 26. Septbr.—10 Uhr. Schauspielpreise Neuheit. Zum 2. Male.„Das weite Land“ Tragikomödie in 5 Akten von Arthur Schnitzlei Vorverkauf Dienstag. Sonnabend, 27. Septbr.—10 Uhr. Opernpreise Außer Vormiete.„Hannerl., Dreimäderlhaut 2. Teil). Singspiel. Musik von Fr. Schubert Vorverkauf Mittwoch. Bericht betr. Vortrag im evange Arbeiterverein in der Donnerstag=Nr. Sehr geehrtes Fräulein! Da es unmöglich ist, Sie noch einmal vor meiner Abreise zu sehen, erlaube ich mir, Sie zu bitten, wenn Ihr edles Herz irgendwie Teilnahme an meinem weiteren Geschick nimmt, jeden Monat ein Briefchen poste restante entgegenzunehmen, das Ihnen, sehr geehrtes Fräulein, einiges über den Verlauf meiner Reise mitteilen soll. In Hochachtung Georg Smit.“ Marys Herz klopfte laut. Sie nickte nur bejahend, als sie der arabische Diener fragend ansah. Und dieser eilte davon. Sekanntmachung. Amtsbezirk Kirchhörde. Ausgabe von Lebensmitteln für die Woche vom 21 Sept. bis 27. Septbr. 1919. Margarine inl. pro Person 100 gr. Mk..2 per Pfd. Haferflocken(los.) pro Pers. 125 gr. Mi. 0,62 per Pfd. Haferflocken i. Paketen Mk. 0,90 pet Pfd. Nudeln pro Person 75 gr. Mk. 0,70 per PfdKunsthonig pro Person 100 gr. Mark 0,80 per Pfd in Paketen. Hombruch, den 19. Septbr. 1919. Der Amtman: Müller Und Frau Alicce ahnte nicht, was die Wangen ihrer sonst blassen Tochter plötzlich rosig färbte, alsie ihr bei der Lampe gegenübersaß und sich über eine Stickerei beugte, die für ein Geschäft in der nächsten Tagen geliefert werden sollte. Emsig zog Mary Faden um Faden durch den Seidenstoff, aber ihre Gedanken weilten ferne, bei ihm, dem sie s# rasch ihr Herz geschenkt hatte. 1“ 5. Kapitel. Zu stolz! Als Mary zwei Tage später ihre Freundin Erik## aufsuchte, fand sie das reiche, verwöhnte Mädchen in Tränen auf ihrem Ruhebett liegend. „Erika, was ist Dir“, rief sie erschrocken, sie wan es nicht gewöhnt, Erika weinen zu sehen, man gewährte ihr ja jeden Wunsch. Erika warf ihre Arme um Marys Hals und schrie verzweifelnd aufschluchzend: „Ach, Mary, alles ist zu Ende——— alles! Und in abgerissenen Sätzen fügte sie hinzu:„Papa ist ruiniert! Verfehlte Spekulationen—— an der Börse!—— Alles verloren,——— wir sind Bettler!" „Gott im Himmel!“ entfuhr es den Lippen Marys und ein namenloses Mitleid mit der verzärtelten Freundin faßte ihre Seele. Was sollte aus dem stolzen Mädchen werden? Würde sie es ertragen, künftighin sich all den Luxus versagen zu müssen, der sie bisher umgab, ausgeschlossen zu sein aus all den Gesellschaftskreisen, in denen sie bisher eine glänzende Rolle gespielt hatte? Die Welt würde über den Konkurs des Industriellen Möller hinweggehen wie über alle anderen ähnlichen Fälle. Versunken und vergessen! Wer fühlte mit der unglücklichen Familie? Würde einer der zahlreichen Verehrer Erikas jetzt noch ihre Hand begehren? Wohl kein einziger! (Fortsetzung folgt.) * □ STATT KARTEN. Ein gesunder Junge angeommen. Oberlehrer Peltz u. Frau ###dele geb. Hemke Hattingen, den 16. Septbr. 1919 Eingetrossen: Reichsware Prima Cöpernessel Meter 5,00 Mk. Albert Schreiber, Annen. Für die uns bei dem Heimgange unseres teuren Enschlatenen erwiesene Liebe und Teilnahme sprechen wir unsern tiefempfundenen Dank aus. Hamens aller Hinterbliebenen: Richard Abé. Annen, den 22. Septbr. 1919. Meine Wohnung nebst Beruf befindet sich noch in Dortmund. F. G. Thomä, Mozartstr. 16 Clgarren, bigarottan empfiehlt zu günstigen Preisen. Engl Zigaretten pro Mille 285 Mk. verzollt und versteuert. Teeen Levi, Witten Handels.Erlaubnis mit Tabakwaren. Vereinigung Kriegsbeschädioter Westfalens, Ortsgruppe Annen und Umgegend. Morgen, Mittwocb abend 7 ubr findet die bereits angekündigte öffentliche Sereummtung im Saale des Herrn Otto Helle statt. M Witten, Ruhrstraße. Muunmmmmmmmmimmm Trotz des großen Erfolges können wir Kul den Schiehen der Pacific-Bahn den atemraubenden Wild=West=Film in 5 Akten und die herzrührende Familientragödie Arme Maria nach dem Drama„Maria Magdalena“ von Hebbel in 5 Akten nur noch heute zeigen. Die dient Sterben aufien Erich Kaiser=Titz Gesellschaftsdrama in 4 Akten. Kräftige Anbentermnen gesucht. Märkische Glashütten. verkaufe morgen, Mittwoch Vormittag in der Wirtschaft Westfl. Hof, Otto Helle einen Waggon Einmachkarbisse a Zentner Mark 10,00. A. Baumjohann. Zuckerkarten! Die Ausgabe der vom 1. Oktober er. ab gültigen Zuckerkarten findet in nachstehender Reihenfolge statt: Amtshaus Zimmer 1 Zimmer 2 Donnerstag, den 25. September er. vormittags—10 Uhr. Nr.—400,] Nr. 1687- 2050 vormittags von 10 bis nachm. 1 Uhr Nr. 401—827.] Nr. 2051—2420 Freitag, den 26. September er. vormittags von—10 Uhr Nr. 828—1250.] Nr. 2421—3000 vormittags von 10 bis nachm. 1 Uhr Nr. 1251—1686| Nr. 3001—3600. Die Lebensmittelkarte ist als Ausweis bei der Anforderung der Zuckerkarten vorzulegen und etwaige in den Haushaltungen vorgekommenen Veränderungen wie Sterbefall, Fortzug oder dergleichen sind in den Ausgabeterminen zu melden. Während der Ausgabe der Zuckerkarten bleiben die Geschäftszimmer 1, 2, 9 und 11 für den gewöhnlichen Dienstverkehr geschlossen. Diejenigen Haushaltungen, welche die Karten in den Ausgabeterminen nicht in Empfang nehmen, haben eist vom 2. Oktober 1919 ab Anspruch auf Aushändigung der vom 16. Oktober er. ab gültigen Zuckerkarten. Annen, den 2J. Septbr. 1919. Der Arbeiterrat: Burscheidt Der Amtmann Boettcher. Wasserkreme? Rein! denn sie färbt bei Regen ab. Verwenden Sie und Ihre Kleider werden auch darn nicht schwarz, wenn das Leder naß wrd. Reinster Oelwachslederputz! Eingetroffen: Prima Handtuchdrell 84 cm. breit (Reichsware) Meter 4,75 Mk. Albert Schreiber, Annen. Bin nebst meiner Tochter Emmi (meine 1. Assistentin) von der Reise zurück! A. Reinecke, Witten, Bismarckstr. 22. Jahn=Praxis. Fernspr. 1395. Für Jediermann und beder Gercäht unentbeblich ist der neue Post- u. Gebührentarif in übersichtlicher Ausführung als Wandtafel. Zum Preise von 30 Pfg. zu haben bei Fritz Küching, Buchhandlung, Wurst. Am Mittwoch, d. 24. Septbr. er. wird in der Metzgerei Julius Kichuth hier. Wittenerstr auf Lebensmittelkarten= Nr. 2190—2499 pro Haushalt ½ Pfund Fleischwürst abgegeben. Der Preis für ein Pfund beträgt 4,10 M. Die Verkaufszeit ist von—12 Uhr und nachm.—4 Uhr Annen; den 23. Septbr. 1919. Der Arbeiterrat: Burscheid t. Der Amtmann: Boettcher Große Versteigerung. Am Donnerstag, den 25. Septbr. 1919 Vormittags 100 Uhr versteigere ich in Witten Poststr 6. Wirtschaft Stöckei) gegen bare Zahlung, fol ende Gegenstände. 1. 1 Sofa, 1 Sessel, 2 Kleiderschränke, 3 Tische, 1 Kommode, 1 Ofen, 1 Nachtkonsole, 1 Rohrsessel. 1 groß Spiegel, Ausstellungsschrank, Hängelampe, 1 Stehlampe. 3 roße Bilder sowie, Haus. u. Küchengeräte: 2. Ferner 11 Uhr! groß. Wirtschaftsorch est rion mit Einwurf und 3 eine Partie Cigaretten. Die Sachen zu 1 und 2 sind gebraucht, jedoch gut erhalten, zu 8 sind neu. Der Verkauf findet bestimmt statt. Besichtigung 1 Stunde vorher. G. Heyermann, Immobilien u. Versteigerer Witten, Poststr. 24. S. G. C. Die Zusammenkunft am Freitag den 26 9. kann, weil Lokal anderweitig vergeben ist, nicht stattfinden. Nächste Zusammenkunft wird bekannt gegeben. Der Vorstand. hautsucken besond. in der Bettwärme zu lästig. Kratzen reizend (rote Punkte, kl. wässrige Bläsch.) heilt völlig Apoth. Schaux'Hautausscblagsalb. 2 Töpfe(zu einer Kur unbedingt erfordl.) M..— Glänz. 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Statt besor derer AnzeigeGott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 9½ Uhr unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter und Tante Wilwe Aeihelmine-Rohelmann geb. Sasse zu sich in ein besseres Jenseits abzurufen. Sie starb nach kurzem Kranksein infolge Altersschwäche, wohlvorbereitet durch einen echt christlichen Lebenswandel und durch den Empfang der hl. Sterbesakramente, im fast vollendeten 80. Lebensjahr. Die Seele der teuren Verstorbenen wird der christlichen Fürbitte empfohlen. Annen, Ilagen, Barop, Münster, Hamm u. Allen, den 21. Septbr. 1919. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. 9. nachmittags 3½ Uhr vom Sterbehause, Oststrasse 9, aus slatt. Das feierliche Seelenamt ist am Donnerstag 7¼ Uhir in der Pfarrkirche zu Annen. Reichsware! gute elsässische und westsälische Ware, Meter.7„7,9 ,6.90) 5,75, 4,90 Mark. " Meine Hemdentuch stark= und seinfädige Qualitäten Meier 8, 5,7,50, 6,95 6,0, 5,90 5. 50 Mark. 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