Die„Annener Zeitung" erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Anzeigegebühr für die einspaltige Koloneizeile oder deren Raum 20 Pfg. — Reklamezeile 60 Pfg.— Bezugspreis monatlich 85 Pfg. Seschäftsstelle: Bahnhofstraße 23. Telephon=Nr. 334. Nr. 95— verbunden mit der„Auneuer Anzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. Organ des Amtes Annen u. Landkreises Hörde. Samstag, den 2. August 1919. finden bei der großen Auf lage der Annener Zeitung weite und billige Verbreitung.— Bei gerichtliche Beitreibung oder bei Konkursen kommt ader Fum uur* 44: Waafall. jever unnoncenrabart in Wegfal Für die Aufnahme der Anzeigen nen Plät vorgeschriebenen Plätzen überne leine Verantwortung. hunen wis Redaktion, Druck und Verlag von Fritz Küching, Annen. 35. Jahrgang Heutsche Kationalversammtung. Dritte Lesung der Neichsverfassung. Sitzung vom 30. Juli. In heutiger Nachmittagssitzung der Nationalversammlung wurden in ebenso raschem Tempo wie am Vormittag viele Artikel der deutschen Verfassung angenommen. Im Hinblick auf die Bestammungen des Friedensvertrages mußte bei dem Artikel, der von der Verteidigung desR eiches handelt, eine Aenderung vorgenommen werden. Es wurde hierzu ein Antrag Spahn angenommen, nach dem die Verteidigung des Reiches Reichssache ist und die Wehrverfassung des deutschen Volkes unter Berücksichtigung der besonderen landsmannschaftlichen Eigenarten durch ein Reichsgesetz geregelt wird. Ueber die militärischen Ehrengerichte, die nach dem Beschluß der zweiten Lesung aufgehoben werden, entwickelte sich eine längere Aussprache. Es lag hierzu ein deutschnationaler Antrag vor, der den alten Zustand wieder herstellen wollte. Der Antrag wurde abgelehnt, und die Bestimmungen nach dem Beschlusse der zweiten Lesung blieben aufrechterhalten. Lebhaft wurde über die Todesstrafe debattiert. Es wurden schließlich zwei Entschließungen angenommen, die die Regierung auffordern, bei der Reform des Strafrechts und Strafvollzugs diese Frage zu lösen. Eingehend beschäftigte man sich mit den unehelichen Kindern. Man hatte die Anträge wieder hervorgeholt, nach denen den unehelichen Kindern der Name des Vaters zustehen soll. Namentlich die sozialdemokratische Partei setzte sich dafür ein. Es blieb aber schließlich bei den Beschlüssen der zweiten Lesung. Morgen vormittag wird die Beratung fortgesetzt. Sitzung vom 31. Juli. Der Länderantrag angenommen. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung würde zunachstdem Antrag des Geschäftsordnungsausschusses entsprechend die Genehmigung zur Strafverfolgung des bayerischen Bauernbündlers Gandorfer wegen Hochverrats und Vergehens gegen das Vereinszollgesetz verweigert. Die Beratung des Verfassungsentwurfes wurde bei dem gestern zurückgestellten Artikel18(Länderfrage) fortgesetzt. Abg. Ulitzka(Ztr.) erörterte die durch den Kompromißantrag Loebe—Trimborn—Heile vorgeschlagene Fassung des Artikels und sprach die Hoffnung aus, daß mit dieser Fassung eine Grundlage gelungen ist, die in dieser schwierigen Frage allen berechtigten Wünschen entgegenkommt.. Im Verlauf der Debatte erklärten die Abgg. Graf Dohna(D. Vp.) u. Philipp(Deutschn.), daß ihre Parteien den Antrag und damit den Art. 18 ablehnen. Staatssekretär Hörsing sprach über die Verhältnisse in Oberschlesien. Es habe dort eine von der Schwerindustrie und dem Großgrundbesitz geschürte Bewegung gegeben, die darauf hinzielte, Oberschlesien nicht von Preußen, sondern vom Reiche loszureißen. Die Arbeiter und der Mittelstand aber seien an dieser Bewegung nicht beteiligt. Die oberschlesische Bevölkerung lehne in ihrer Mehrheit die ganze Bewegung ab. Preußischer Minister des Innern Heine erklärte, daß der neue Antrag die Lostrennungsbestrebungen noch mehr erleichtere, und beschäftigte sich des längeren mit den rheinisch=hessischen Bestrebungen, die er auf das allerschärfste verurteilte. sei verkehrt, anzunehmen, daß durch die Bildung einer rheinischen Republik ein Wall gegen Frankreich geschaffen würde. Das gehe schon daraus hervor, daß die Franzosen die Bewegung unterstützten. Besonders Herr Clemenceau habe sich für die Rheinische Republik ausgesprochen. Die preußische Regierung wolle den einzelnen Provinzen weitgehende Autonomie geben; sie habe den lebhaften Wunsch, daß dieselben Verwaltungsreformen auch in den anderen deutschen Bundesstaaten vorgenommen würden. Wenn man soweit sei, dann werde der Tag kommen, an dem das Reich erklären würde:„Diese Verwaltungsorgane sind Reichsorgane.“ Der Redner sei der letzte, der sich dann gegen diese Forderung des Reiches sträuben würde. Der Minister schloß mit den Worten: Nehmen Sie den Artikel 18 in der neuen Fassung an; er möge aber nur in Anwendung gebracht werden, wenn wirkliche Interessen des Reiches in Frage kommen. Nachdem dann noch Reichskommissar Dr. Preuß über die letzten Worte des Ministers seine Genugtuung ausgesprochen, wurde der Kompromißantrag zum Artikel 18 mit großer Mehrheit angenommen. Annahme fanden ferner ein Antrag Waldstein (Dem.), Dr. Beyerle(Ztr.) und Katzenstein(Soz.) auf Einführung eines Artikels 75 a, wonach durch den Volksentscheid ein Beschluß des Reichstags nur dann außer Kraft gesetzt werden kann, wenn sich die Mehrheit der Stimmberechtigten an der Abstimmung beteiligt, sowie ein Kompromißantrag Wald„stein(Dem.) und Genossen, wonach im Art. 76 beLstimmt wird, daß, wenn auf Volksbegehren durch Volksentscheid eine Verfassungsänderung beschlossen werden soll, dazu die Mehrheit der Stimmberechtigten erforderlich ist. Das Haus erledigte dann den dritten Abschnitt der Grundrechte„Religion und Religionsgesellschaften“, worauf es sich auf nachmittags 3 Uhr vertagte. Annahme des Schulkompromisses. Weimar, 31. Juli. Die Nationalversammlung setzte in der Nachmittagssitzung die Beratung des Abschnittes 4 der Verfassung: Bildung und Schule(Artikel 139—147) fort. Nach längerer Debatte wurde der Abschnitt 4 in der Fassung der Kompromißanträge angenommen, ebenso die Resolution Beuermann auf Entschädigung privater Schulen, die aufgelöst werden oder schwere wirtschaftliche Schädigungen erleiden. Annahme der Verfassung. Weimar, 31. Juli. Die Gesamtabstimmung über die Annahme der Verfassung erfolgte namentlich und ergab die Annahme der Verfassung mit 262 gegen 75 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. Dagegenst immten die Deutsch-Nationale Volkspartei, die Deutsche Volkspartei und die unabhängige sozialdemokratische Partei. Deutschland wird auferstehen! Nach der„Times“ hat der amerikanische Journalist Karl v. Wiegand mit Hindenburg eine Unterredung gehabt, die er im Neuyorker„Sun" veröffentlicht. Nach Hindenburg ist die Forderung der Alliierten, daß der Exkaiser und die deutschen Heerführer vor einen Ententegerichtshof gestellt werden sollen, wenn sie erfüllt würde, nicht nur eine Verletzung der Souveränität und fundamentaler Prinzipien, sondern sie würde auch das alte römische Verfahren wiederherstellen, wonach die patriotische Verteidigung eines Landes für diejenigen ein Verbrechen ist, die im Krieg geschlagen worden sind. Gesundheitlich fühle ich mich wohl, sagte Hindenburg, aber innerlich bin ich ein gebrochener Mann, wie es nach solchen Ergebnissen zu erwarten war. Ueber den Anteil Amerikas am Kriege sagte er: Was ihr Land tat, war ungeheuer. Es ist eine enorme Leistung, eine solche Armee aus dem Boden zu stampfen. Weiter sagte Hindenburg, daß nur Träumer glauben könnten, daß wir den letzten Krieg gesehen haben. Wird Deutschland sich wieder aufrichten? fragte Wiegand. Hindenburg antwortete: Das deutsche Volk wird wieder auferstehen, aber das werde ich nicht mehr erleben, doch mein Sohn, und hierbei wies er auf Hauptmann Hindenburg. Dort mein Sohn wird es mitmachen. Obschon er während des ganzen Krieges zu den Angriffstruppen gehört hat, hat Gott ihn mir erhalten, damit er sehen darf, wasmir versagt ist. Deutschland wird auferstehen, wiederhol te Hindenburg. Zwischen den germanischen Völkern einerseits und den slawischen Völkern anderseits hat das deutsche Volk eine Aufgabe zu erfüllen. Im Zeichen der Euthüllungen. Der Vatikan gegen Erzberger. Dem vatikanischen Korrespondenten der offiziellen französischen Telegraphen=Agentur„Havas“ wurde zu der Veröffentlichung der Dokumente durch Deutschland erklärt, daß der Sachverhalt ungenau dargestellt und falsch aausgelegt worden sei. Es handelte sich keineswegs um einen von England und Frankreich ausgehenden Friedensschritt bei der kurzen Abfassung der Mitteilung des englischen Gesandten an den Kardinal Gasparri, sondern. es handelte sich vielmehr um das Gegenteil. Die Mitteilung zählte die Gründe auf, die einen Frieden unmöglich machen, insbesondere jene, die Belgien betreffen. Der Heilige Stuhl übersandte eine Abschrift mit einem Begleitschreiben an den Nuntius. Diese beiden Dokumente werden veröffentlicht werden. Es wäre dies bereits wahrscheinlich geschehen, wenn nicht der„Osservatore Romano“, das offizielle Organ des Vatikans, infolge des Streiks der Typographen am Erscheinen verhindert wäre. Die Havas=Meldung wird durch ein Telegramm des römischen Korrespondenten der Londoner„Times" bestätigt, der vom Kardinalstaatssekretär empfangen wurde. Dieser sagte dem Korrespondenten ebenfalls, daß Erzbergers Erklärung nicht richtig war und daß der Heilige Stuhl wegen des Mißverständnisses der betreffenden Dokumente dieselben veröffentlichen werde. Rückkehr Pacellis nach München. Der päpstliche Nuntius Monsignore Dr. Pacelli, der seit Ausrufung der Räterepublik in der Schweiz weilte, wird Anfang August wieder nach München zurückkehren. Der Editore Monsignore Schioppa wird inzwischen aus Rom, wo er einstweilen zu: Besuch seiner erkrankten Mutter weilte, in München bereits wieder eingetroffen sein. Man führt die Rückkehr beider päpstlichen Diblomaten, einer Meldung aus München zufolge, auf die Enthüllungen von Weimar und die demnächst bevorstehenden Veröffentlichungen der Kürie zurück. * Eine neue Widerlegung Erzbergers Die„Rhein.=Westf. Ztg.“ schreibt: Minister Erzberger hat wiederholt behauptet, der Immediatbericht des Grafen Czernin an Kaiser Karl vom April 1917 sei durch die„Rhein.=Westf. Ztg.“ auf Veranlassung der Obersten Heeresleitung zuerst der Oeffentlichkeit bekannt gemacht worden. Diese Angabe ist unrichtig. In Wirklichkeit hat die„Rhein.=Westf. Ztg.“ am 16. April 1918 den Bericht erwähnt, als sein Gedankengang schon längst aus Erzbergerschen Quellen der. Oeffentlichkeit zugänglich gemacht war. Kühlmann über Eyzbergers Enthüllungen. Die badische Presse erfährt aus München: Der frühere Staatssekretär des Auswärtigen, Kühlmann, ist mit der Abfassung der Aufzeichnungen über seine Tätigkeit als Diplomat und Auslandsminister beschäftigt, die noch in diesem Jahre im Druck erscheinen. Die Darlegung Erzbergers und der anderen Minister über die Vorgänge 1917 verzeichnet Kühlmann als mindestens ungenau. Frankreich 1917 zu Friedensverhandlungen bereit. Erklärung Painleves. „Petit Journal“ meldet nach dem Achtuhrabendblatt aus Paris: Am Dienstag erklärte im Kammerausschuß der frühere Ministerpräsident Painleve, daß Frankreich 1916 und 1917 zu Friedensverhandlungen bereit gewesen wäre, wenn Deutschland sich zur Annahme der Forderungen der Alliierten bereit erklärt hätte. Das sei nach dem Stande der damaligen militärischen Lage ausgeschlossen gewesen, weder die belgische noch die elsaß=lothringische Frage wäre damals im Sinne Frankreichs zu lösen gewesen. Englands Kriegsziel 1917. „Manchester Guardian“ meldet, daß die liberale Unterhauspartei im Juni 1917 die Erklärung Lloyd Georges erhalten habe, die die Friedensbedingungen Englands bereits so umschrieb, wie sie jetzt durch den Waffenstillstand und den Friedensvertrag mit Deutschland erreicht worden sind. Der Premierminister hat auch damals erklärt, daß England einen anderen Frieden niemals annehmen würde. Das neue deutsche Ein Weißbuch über die Vorgeschichte des Waffenstillstandes ist am Donnerstag in Weimar durch die Regierung zur Ausgabe gelangt. Das Weißbuch enthält die Aktenstücke aus der Zeit vom 14. August bis 11. November 1918, soweit sie sich auf das Friedensangebot vom 3. Oktober und auf das Waffenstillstandsabkommen vom 11.November beziehen. Zur Lage. Wenn Deutschland nicht unterzeichnethätte. Von gut unterrichteter Seite erfährt der Korrespondent der„Voss. Ztg.“ in Rom, daß die Alliierten sich bereits grundsätzlich über die Maßnahmen geeinigt hatten, die für den Fall zu ergreifen waren, daß Deutschland den Friedensvertrag nicht unterzeichnen würde. Der erste Artikel des neuen Friedensvertrages, der Deutschland dann vorgelegt worden wäre, hätte folgendermaßen gelautet:„Das Deutsche Reich hat aufgehört zu bestehen.“ Die Alliierten hätten Deutschland dann in einzelne Staaten aufgeteilt, die sich ohne die Zustimmung der Entente nicht wieder von neuem hätten zusammenschließen dürfen. Die Versailler Kohlenkommission in Weimar. Die Versailler Kohlenkommission, bestehend aus Baron Leisner, dem Reichskohlenkommissar und Geheimrat Schmidt, weilte in den letzten Tagen in Weimar, um die französischen Kohlenforderungen mit de rRegierung zu besprechen. Zwischen den Teilnehmern der Besprechung herrschte Klarheit darüber, daß die Durchführung der Forderung Deutschland im Winter in eine sehr schwere Lage bringen werde.: Aber man war sich einig, daß die Forderungen so weit wie möglich erfüllt werden müssen, um Weiterungen zu vermeiden, und daß man deshalb selber energisch durchgreifen müsse. Die Kommission ist wieder nach Versailles zurückgereist. Wenn Deutschland keine Kohlen an die Entente liefert. Es ist nicht zu bezweifeln, daß unsere Gegner militärische Maßnahmen in Aussicht genommen haben, wenn die Kohlenstreiks in Deutschland andauern, aber es ist auch bei voller Arbeit nicht möglich, die gestellten Forderungen zu erfüllen. Schließlich können doch die Arbeitsmöglichkeiten nicht unbegrenzt im Bergbau ausgedehnt werden, und ebensowenig können wir auf Heizung verzichten. Auch hier wäre Gelegenheit zum Einspruch der EntenteArbeiter. Aber kein Wort wird laut. Unruhen in Straßburg. Nach Angaben von Flüchtlingen, die in den letzten Tagen aus Straßburg kamen, trugen die Streikunruhen in Straßburg einen sehr ernsten Charakter. In der Tat sind zwei französische Offiziere umgebracht worden. Beiden wurden die Hirnschale eingeschlagen. Einer Radfahrertruppe wurden alle Rädern von Arbeitern in die Ill geworfen. Auf dem Kleberplatz und am Bahnhof riefen die Streikenden:„Es lebe Preußen!“ und sangen die„Wacht am Rhein". Die Liste der Auszuliefernden. Basel, 1. August. Die„Information“ meldet aus Paris: Die Alliierten sind mit der Fertigstellung der Liste der auszuliefernden Personen beschäftigt. Die Namen der Auszuliefernden werden in einer Note der deutschen Regierung mitgeteilt, welche verpflichtet wird, diese öffentlich bekanntzugeben und aufzurufen. Es werde ein Monat Frist von dem Tage der Ueberreichung der Liste bis zu der zu erfolgenden Auslieferung gegeben. Die deutsche Regierung werde die Verantwortung für die Stellung der einzelnen auszuliefernden Personen zu tragen haben. Polen Sauverän der deutschen Ostmark. Freiherr von Lersner hat der Friedenskonferenz brieflich mitgeteilt, daß Deutschland den von den Alliierten vorgeschlagenen Uebergang der Souveränität Deutschlands auf Polen für die abzutretenden Gebiete angenommen habe. Polnische Greueltaten. Das Ukrainische Informationsbureau teilt mit: Die Gemeinde Czrecze, die als ukrainisch=patriotisch bekannt ist, ist von polnischen Legionären umzingelt und an allen Ecken angezündet worden. Die fluchtenden Kinder wurden von polnischen Soldaten aufgefangen und lebend in das Feuer geworfen. Abtrausport der deutschen Kriegsgefangenen, Eine Havas=Meldung lautet, daß der französische Ministerrat den allgemeinen Abtransport der deutschen Kriegsgefangenen auf die Woche nach der Inkraftsetzung des Friedensvertrages im französischen Parlament festgesetzt hat. Diese sollte zum 15. August durchgeführt sein. Rückreise der Königin von Schweden. Aus Karlsruhe wird gemeldet: Die Königin von Schweden ist vorgestern nachmittag von dem Schlosse Mainau, auf dem sie seit Ausbruch der Revolution mit ihrer Mutter, der Großherzogin Luise von Baden, weilte, mittelst Sonderzuges abgereist, um nach Schweden zurückzukehren. Sie wurde am Karlsruher Hauptbahnhof von dem Minister des Aeußern, Dietrich, empfangen und fuhr dann über Frankfurt a. M. weiter. Auf der hessischen Station Arheilgen hatte der Zug einen Aufenthalt, wobei der französische General Mangin, als Besatzungskommandant des Brückenkopfgebietes Mainz, mit seinem Stabe die Königin und ihr Gefolge begrüßte. Bevorstehende Aufhebung der Zuckerzwangsbewirtschaftung. Der„Lok.=Anz.“ meldet: Auf der Tagung der Zuckerindustriellen teilte ein Vertreter des Reichsernährungsministeriums mit, daß die Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung des Zuckers für den Herbst 1920 in Aussicht genommen sei. Einstellung des gesamten Luftpostverkehrs. Der gesamte Luftpostverkehr wurde wegen Mangels an Betriebsmaterial gestern mittag 1 Uhr eingestellt. Deutsches Reich. Der Arbeitsplan der deutschen Nationalversammlung hat wieder einmal eine Abänderung erfahren. Die Pause, deren Béginn mit Donnerstag vorgesehen war, wird dauern bis Donnerstag, 7. August. An diesem Tage werden die Verhandlungen mit der ersten Lesung der großen Steuervorlage wieder aufgenommen werden. Die Ausschüsse sollen bereits am Mittwoch zusammentreten. Man rechnet damit, daß die Sommertagung der Nationalversammlung etwa a m20. August zum Abschluß gebracht wird. — Der Kaiser und die Posenen Schloßkapelle. Wie die„Gazeta Gdanska“ meldet, hat der frühere deutsche Kaiser an den Erzbischof Dalbor in Posen geschrieben und ihm den Wunsch übermittelt, daß die evangelische Kapelle im Posener Residenzschloß nicht in eine katholische umgewandelt werden möchte, denn der Gedanke würde ihm, so soll es in dem Briefe heißen, unerträglich sein, daß in dieser Kapelle, in die er seine ganze Seele hineingelegt und in der er den Sieg Deutschlands erfleht hätte, katholische Messen gelesen würden. Der Erzbischof Dalbor soll beabsichtigen den Brief des früheren Kaisers zu veröffentlichen. — Weiteres. Sinken der deutschen Valuta. Die Reichsmark ist gestern in Basel von 28 auf 25 Prozent gesunken. Das Ende der Stellung ist noch nicht abzusehen. Allgemein sie als eine Folge der Ankündigung der Abstempelung der deutschen Banknoten angesehen.— (Für 100 Franken zahlten wir vor dem Kriege un gefähr 80 M, vor 14 Tagen mußten wir 260, vorgestern 288 und gestern 293 geben.) Ausland. Oesterreich. für 7tägige Fristverlängerung Oesterreich. Auf das Ersuchen des Staatskanzlers Renner die zur Erstattung der gesamten Antwort auf die Friedensvorschläge der Entente erteilte Frist zu verlängern, wurde von der Friedenskonferenz ein Aufschub von 7 Tagen bewilligt. Die Frist läuft somit am 6. August, 1 Uhr mittags ab. Amerika. Die Demobilmachung in Amerika. Wie der amerikanische Kriegsminister mitgeteilt hat, wird die amerikanische Armee bis zum 20.September vollkommen demobilisiert werden. Furchtbare Hitzwelle in Nordamerika. Laut Allgemeen Handelsblad“ meldet„Diily Telegraph“ aus Neuyork daß die östlichen Staaten von Nordamerika von einer furchtbaren Hitzwelle heimgesucht werden, die bis zu 100 Grad Fahrenheit im Schatten steigt. Lokales. § Annen, 2. August.(Zur Rückkehr der Kriegsgefangenen.) Das Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz bittet uns um Veröffentlichung folgender Mitteilung: Naturgemäß werden nach oft jahrelanger harter Trennung die Angehörigen von Kriegsgefangenen den Wunsch haben, diese bereits in den Durchgangslagern willkommen zu heißen. Im Interesse des einzelnen wie der Allgemeinheit ist es dringend erforderlich, von einer derartigen Begrüßung in den Durchgangslagern abzusehen. Die Kriegsgefangenen werden sich nur wenige Tage in den Durchgangslager aufhalten, so daß ein rechtzeitiges Eintreffen der Verwandten kaum möglich sein dürfte, da in den meisten Fällen der Kriegsgefangene sich schon aulf der Fahrt nach dem Heimatsort befinden wird. Die Tage im Durchgangslager werden vollauf damit ausgefüllt, eine ordnungsmäßige Entlassung der Kriegsgefangenen durchzuführen. Auch im Interesse der Allgemeinheit muß an die Einsicht des Volkes appelliert werden, da zur Verhinderung der Einschleppung ansteckender Krankheiten für die eimgekehrten eine kurze Absonderung erforderlich — Ueberall trifft man in diesen Tagen Vorbeitungen zu einem würdigen Empfang unserer iegsgefangenen. Am hiesigen Bahnhof Nord sind brenpforten errichtet worden. § Annen, 2. August.(Zu dem angekündigten Umtausch des deutschen Papiergeldes) zur Abwehr von Vermögenshinterziehungen durch Verstecken ist zu bemerken, daß dabei ebenso große Schwierigkeiten sich ergeben werden, wie bei einer Abstempelung der Wertpapiere, von welcher schon früher Rede war. 30 Milliarden Banknoten sind im Umlauf, und ein erheblicher Teil davon ist schon im Besitz von Ausländern. Wir haben kein Mittel, diese zum Umtausch zu zwingen, ebenso wenig, wie wir den Ausländern, die in Deutschland industrielle und kaufmännische Bertiebe errichten, besondere Kriegslasten auferlegen können. § Annen, 2. August.(Verband kaufmännizer Grubenbeamten.) Wir erhalten nachstehende uschrift: Zur Besprechung des neuen mit dem Zepenverband abgeschlossenen Tarifvertrages hatte er Verband kaufmännischer Grubenbeamten, Essen, e Mitglieder mehrerer Bezirksvereine zu Massenrsammlungen jeweils nach Oberhausen, Essen, Pochuemn, Gelfenkirchen und Vortmund eine Die Herosttewigim Von Franz Hentschel. Nachdruck verboten. (17. Fortsetzung.) „Sie müssen weiter hören! Zu meinem größten Erstaunen erklärt mir gestern Herr Bear, daß er mich für den Mann halte, welcher das vollenden würde, was er begonnen, und könnte ich in den Besitz des Gutes kommen, doch— unter einer Bedingung.—“ „Und diese ist?" „Der Gutsherr muß durch seinen Verehrer, HHerrn Lilienhof, oder sonst jemand erfahren haben — man muß doch klatschen— daß zwischen uns ein Liebesverhältnis besteht. Er liebt Sie! Um Sie frei zu machen, sich vor mir zu sich ern, übergibt er mir das Gut, doch mit der Bedingung, daß ich dus frühere Gutsfräulein heirate. „Das nenne ich die Handlung eines echten amerikanischen Querkopfes", versetzte Frau Elsbeck. „Er muß sehr reich sein!“ fügte sie nachdenkend hinzu.„Sie haben ja' gesagt?“ fragte sie weiter. „Opfer um Opfer!" erwiderte Gilling pathetisch. „Sie haben mit größter Hingebung Ihr Vermögen mit mir geteilt; es geht zu Ende. Jetzt ist es meine Pflicht, an Sie zu denken, und Ihnen das größte Opfer zu bringen, es ist— Ihnen entsagen. Doch Sie werden reich, der Gutsherr ist ein stattlicher liebenswürdiger Mann. Sie werden die Welt sehen und alle Annehmlichkeiten genießen Darf ich zögern, anders zu handeln?“ „Hm!— Sie sind ein warmer Fürsprecher! Wie ist das Fräulein? Ich habe sie noch nicht gesehen. „Ein echtes Dorfgänzchen. Hier in stiller Einsamkeit aufgewachsen. „Und die wollen Sie zur Frau nehmen?“ „Soll ich Ihnen nochmals sagen, liebe Konstanze, daß ich kein Opfer scheue, Sie glücklich zu „Das klingt alles wunderschön!“ entgegnete diese etwas gereizt, faßte sich jedoch und fugte hinzu: „Gut! Da Sie mir so leicht entsagen, werde ich mich zu trösten wissen. Schließlich dürfte ich gewinnen, denn die Amerikaner sind liebenswürdiger und galanter gegen ihre Frauen, wie die Herren uropäer. Doch zur Hauptsache! Ehe ich den Trausein nicht in den Handen habe, durfen Sie an eine sichts zu fürchten! Würde Wutsherr dieses großartige Anerbieten machen, wenn es nicht seine Absicht wäre Sie zu besitzen? berufen. Es wurde folgende Entschließung angenommen: „Die versammelten Bezirksvereine des V. k. G. sehen in dem neu abgeschlossenen Tarifvertrage vom 22. Juli 1919 zwar nicht eine restlose Erfüllung ihrer wirtschaftlichen Forderungen, billigen aber nach Entgegennahme des Berichtes über den Verlauf der Verhandlungen durch die Kommissionsmitglieder das Verhalten der Verbandsleitung und sprechen ihr nach wie vor volles Vertrauen aus. Sie erklären sich, in der Erwartung, daß der Tarifvertrag von Seiten der Zechenbesitzer eine loyale Auslegung erfährt, bereit, an der Gesundung der arg daniederliegenden Kohlenwirtschaft regsten Anteil zu nehmen, fordern aber auf der anderen Seite von der Verbandsleitung tatkräftiges Vorgehen gegen den Zechenverband, falls die Zechenbesitzer bezuglich der Auslegung wiederum ungerecht verfahren sollten.“ § Annen, 2. Aug.(Ausflug des S. G..) Morgen nachmittag unternimmt der Sauerl. Gebirgsverein(Abtl. Annen) den schon früher geplanten Ausflug nach Wittich-Kruckel. Abmarsch pünktlich 2 einhalb Uhr vom Vereinslokale Senft. Der Ausflug findet auch bei schlechtem Wetter statt.(S. Inserat in der vor. Nr. (An den Pranger mit den Steuerflüchtigen.) In einer Eingabe an die Nationalversammlung wird der Vorschlag gemacht, alle Deutschen, die zum Zwecke der Steuerhinterziehung ins Ausland geflüchtet sind, oder zu diesem Zwecke ihre Aufnahme in fremde Staatenverbände nachgesucht haben, öffentlich namentlich bekannt zu machen. —(Aufbesserung der Militär=Rentenempfänger.) Die Reichsregierung hat 300 Millionen Mark ausgeworfen, um den Invalidenpensions= und Rentenempfängern und den Hinterbliebenen eine Teuerungszulage von 40 Prozent ihrer laufenden Bezüge gewähren zu können. —(Ein gutes Hasenjahr?) Im Gegensatz zu den letztvergangenen Jahren scheint es, als ob die kommende Hasenjagd eine ungewöhnlich gute zu werden verspricht. Auffallend viele Junghasen machen sich in vielen Teilen der Mark in diesem Sommer in Feld und Wald bemerkbar. § Annen, 2. August.(Briefe nach dem Ausland) dürfen jetzt wieder verschlossen sein. Gewöhnliche Briefe und Postkarten sind auf Gefahr des Absenders nach allen Ländern nußer Rußland, Balkanstaaten und asiatischer Türkei zugelassen. Briefsendungen nach Elsaß=Lothringen müssen wie Auslandsbriefe frankiert werden. Sonstige Bestimmungen für Elsaß=Lothringen wie bisher. § Annen, 2. August.(Der Streik der Angestellten ist nach erfolgter Einigung mit dem Arbeitgeberverband beendet worden. § Annen, 2. August.(Warenumsatzsteuer.) Zur Beseitigung von Zweifeln machen wir darauf aufmerksam, daß nach§ 15 Abs. 4 des Umsatz=Steuer=Gesetzes Bücher und Geschäftspapiere, soweit sie sich auf die steuerpflichtigen Leistungen beziehen, 5 Jahre lang, vom Schluß des Kalenderjahres ab, in dem die Steuer zu zahlen ist, aufzubewahren sind. Zu den Geschäftspapieren sind auch die Facturen zu zählen. —(Der Verein für Bewegungsspiele) hält lt. Inserat in vor. Nr. heute. abend im Vereinslokal eine Versammlung ab. —(Die Vereinigung Kriegsbeschädigter) ladet auf vormittag 10 Uhr zu einer Versammlung ein. Siehe Inserat in vor. Nr. § Rüdinghausen, 2. Aug.(WirtschaftsUebernahme.) Die Wirtschafts=Besitzung des Herrn Karl Wiegold ging durch Kauf in den Besitz des Herrn Victor Böker aus Buer über. § Rüdinghausen, 2. Aug.(Ihre silberne Hochzeit) begehen am morgigen Tage die Eheleute Heinrich Hagenkötter von hier. Möge dem Silberpaar dereinst auch der goldene Kranz beschieden sein. Marten, 1. August.(Tödlich verunglückte) auf Schacht 1 der Zeche„Germänia“ der Bergmann Michael Marziewski von hier. Er wurde von hereintsiürzenden Steinen getrassen und gefatet. Ist es denkbar, daß jemand einem Fremden ein prächtiges Gut übergibt?— Hat er mich nicht mehr zu fürchten, wird er sich Ihnen nähern, ein freundliches Wort, ein zärtlicher Blick— er liegt zu Ihren Füßen. „Ihre Botschaft ist zu Ende! Adien! „Sie verlassen mich so kalt?“ „Verlangen Sie einen rührenden Abschied!— Adieu!“ Sie wandte sich um und ging. Lächelnd sah ihr der junge Mann nach und verließ gleichfalls seinen Platz.„„ 49m F Fräulein Tiga stand, nachbem beibe gegangen, noch eine zeitlang unbeweglich da. Was hatte sie hören müssen! Der Gutsherr sollte betrogen werden. Ohne sie zu fragen, hatte man über ihre Person verfügt. Mit welchem Rechte? War sie dem Gutsherr zu großem Danke verpflichtet, aber einen Mann nehmen, den sie verachtete, der die Braut verließ, den Freund betrog, das konnte, das durfte er nicht verlangen. Der Sommer neigte sich zu Ende, schon waren die Feldarbeiten beendet, die Bauern sahen nach dem Wetter und sprachen von dem Feste. Man wandte sich an den Prediger, dessen Amt es ja war, den fremden Mann, den neuen Gutsherrn, von der alten Sitte, das„Fest der Herbstkönigin" zu seiern, in Kenntnis zu setzen und an seine Verpflichtungen zu erinnern.““ „Mein bester Freund!“ sagte deshalb der Prediger zum Gutsbesitzer,„schon haben die Bauern einen Tag bestimmt. Wir werden das Fest der Herbstkönigin doch auch in diesem Jahre feiern? Das letzte fiel sehr kläglich aus, denn die Gemeinde mußten aus ihren Mitteln die Unkosten bestreiten!“ „Ei, gewiß!“ erwiderte der Gutsherr.„Wir werden das Versäumte nachholen. So bald ich den Tag weiß, werde ich alle Vorkehrungen zum Feste treffen. „Ich werde diesmal einen schweren Stand mit den Bauern haben,“ meinte der Prediger. „„beko? r 1e „Es wird Ihnen doch wunschenswell sein, Frau Elsbeck als Herbstkönigin zu sehen; die Bauern werden sich dagegen sträuben. „Bester Pastor! Wie kommen Sie zu dieser Idee? Frau Elsbeck ist uns eine Fremde. Wir werden unserer alten Sitte treu bleiben und ich hoffe, man wird Fräulein Olga wählen.“ „Dann bin ich von einer großen Last befreit! Fräulein Olga wird sehr erfreut sein, wenn ich ihr 1 Marten, 1. August.(Ein schwerer Straßenbahnunfall) ereignete sich gestern Abend gegen einhalb 10 Uhr in der Bismarckstraße. An der Kurve entgleisten Motor= und Anhängewagen und kippten um. Die Direktion ließ bereits durch einen Vertreter den Tatbestand aaufnehmen, ebenso die Staatsanwaltschaft, da eine größere Anzahl Personen verletzt ist, darunter 2 tödlich. Die Straßenbahnkatastrophe in Marten stellt sich nach Berichten von Augenzeugen als bedeutend schwerer heraus, als aus der von der Straßenbahnverwaltung zugegangenen Notiz hervorging. Es werden dazu noch folgende Einzelheiten gemeldet: Das Unglück ereignete sich auf der Linie 13 der Dortmunder Kreisstraßenbahn in Marten. Als Opfer werden gezählt 2 Tote und 20 Verletzte, darunter mehrere Schwerverletzte. Kein Fahrgast ist mit heiler Haut davongekommen. Die steilen Kurven, die vor Marten zu durchfahren sind, stellen an den Führer der Motorwagen die größten Anforderungen. Der für das Unglück verantwortliche Wagenführer soll diese Strecke erst seit drei Tagen gefahren und in dieser Woche seine Führerprüfung gemacht haben. Nach seinen Angaben hat er in der Dunkelheit die Kurve nicht sehen können und ist mit vollem Strom die abschüssige Bahn der Bismarckstraße von der Bahnbrücke bis zur Kaiserlinde hinabgefahren; er hat, statt die Handbremse fest anzuziehen, den Strom aufgedreht. Die in voller Fahrt dahin sausenden Wagen flogen nun aus dem Gleise und kippten um. Die Fahrgaste wurden in voller Wucht an die Ostseite der Wagen geschleudert. Die Scheiben klirrten, flogen in tausend Stücke und verletzten die Insassen schwer, noch ehe die Wagen ganz umkippten. Das Unglück wikkelte sich in ein paar Sekunden ab. Keiner der Mitfahrenden konnte in der Dunkelheit an ein Abspringen denken. Entsetzliche Hilfe=und Schmerzensrufe wurden laut und weckten die Anwohner der Straße aus dem Schlafe. Die erste Hilfeleistung wurde von heimkehrenden Bergleuten der Zeche„Germania“ geleistet. Die Opfer waren in den Wagen eingepfercht und schwer zugerichtet. Man schaffte sie in das Krankenhaus Kirchlinde. Die Toten und Verletztenliste weist folgende Namen auf: Tot: Ewald Richter, Station Kley; Wilhelm Neuhaus, Marten. Verwundet: Eduard Jordan, Dortmund, Köcner Hellweg; Fritz Piepenbreier, Marten; Johann Mackowiak, Lütgendortmund; Frau Anna Meier Marten(Arm abgenommen); Frau Anna Walzak, Marten; Schülerin Luise Walzak, Marten(Arm abgenommen); Frau Elfriede König, Herne; Frau Franziska Isecke, Marten; Fräulein Johanna Körber, Marten(Arm abgenommen), die Männer Borbeck und Schulte. Eine ganze Anzahl von Verletzten sind nach Anlegung eines Notverbandes entlassen worden. Provinzielle Nachrichten. Witten, 1. August.(Stadtverordnetenversammlung.) Die gestrige Sitzung war gut besetzt. Die Tagesordnung wies 10 Punkte auf. Zu Anfang der Sitzung wies der Vorsitzende darauf hin, daß drei Dringlichkeitsanträge eingegangen seien. Den heimkehrenden Kriegsgefangenen sollen Ehrenzulagen bewilligt werden. Bei Besetzung der städtischen Beamtenstellen soll nach einem Antrage nicht allein das Dienstalter, sondern vor allem die Tüchtigkeit maßgebend sein. Ein Antrag der„Wirtschaftlichen Vereinigung Kriegsbeschädigter“ auf Bewilligung einer einmaligen Teuerungszulage wurde dem Magistrat überwiesen. Der Magistrat wird dann eine Vorlage an das Kollegium gelangen lassen. Lebhafte Aussprache entstand bei der Angelegenheit„Herausgabe eines Einwohnerbuches.“ Mit Einwohnerbuch ist nämlich das Adreßbuch gemeint, wie denn die Stadt Witten sämtliche Fremdwörter mit Ausnahme von„Protokoll“ aus ihrer Geschäftsordnung ausgemerzt hat. Bisher war das Einwohnerbuch von einem Stadtsekretär aufgestellt worden und zwar auf eigene Kosten. Da schon 1917 die Stadt einen Zuschuß von 1600 Mark geleistet hat, soll der Zuschuß bei einem Verkaufsdiese Nachricht bringe, um so mehr, da sie, aus bekannten Gründen im vergangenen Jahre nicht gewählt wurde. „Ich muß Ihnen gestehen, mein lieber Pastor, daß auch ich diesen Tag herbeiwünsche. Viele ernste Jahre sind vergangen, seitdem ich diesem Feste beigewohnt. Der Tag war entscheidend für mein ganzes Leben. Was wird er mir diesmal bringen?— Die Freude, anderé froh und heiter zu sehen und den Schmerz, zu fühlen, daß ich meine Jugendjahre verträumt, vereinsamt verbracht und alle meine Hoffnungen zu Grabe getragen sind!“ „Der Tag=des Festes war erschienen, doch heut war alles glänzender wie sonst. Die Dorfstraße, wo sich der Zug bewegte, war mit weißem Sande bestreut, eine Kette vön Guirlanden führte bis zur Kirche und jedes Haus war mit einem Kranze und Blumen geschmückt. Statt der vier Spielleute war heute der Stadtmusikus mit allen seinen Leuten bestellt und machte die Musik schon auf die Menge einen machtigen Eindruck. Auch die Kirche war festlich geschmückt, und große Wachskerzen erhellten die sonst dunklen Räume. In dem Chorstuhl des Gutsherrn hatte heute die Herbstkönigin den Ehrenplatz. Sie saß allein. Mit jeder Minute erwartete sie das Erscheinen des Gutsherrn, an seiner Seite Frau Elsbeck. Doch vergebens. Der Gutsherr stand am Ende der Kirche, an eine Säule gelehnt und blickte ernst auf die versammelte Menge. Auch Frau Elsbeck erschien nicht. Der Prediger hat viel von dem Feste gesprochen, und in dem Wahne, daß es der Wunsch des Gutsherrn sei, der schönen Frau die Versicherung gegeben, daß sie zur Herbstkönigin gewählt und als diese ganz besonders glänzen wurde. Da ihr diese Ehre nicht wurde, fühlte sie sich beleidigt. Einige Tage vor dem Feste erklärte sie dem Gutsherrn, daß sie einen Besuch bei einer Freundin in M. machen müsse, welche an dem Festtage ihren Geburtstag feiere. Zu ihrem Erstaunen machte der Gutsherr nicht den geringsten Einwand, und so war Frau Elsbeck schon einen Tag vorher nach der Stadt gefahren. Herr Gilling war gleichfalls nicht, beim heutigen Feste anwesend. Der junge Mann war viel zu eitel und ehrsüchtig, um nicht die Gelegenheit zu benutzen, einige freie Tage in der Stadt mit seinen Freunden zu verbringen und diese schon im voraus von der günstigen Wendung seines Geschickes in Kenntnis zu setzen. Nachdem der Choral beendet. begann der Prediger die Festrede. In begeisterter Weise pries er die Gnade des Herrn, welcher der Gemeinde eine reiche, preis von nur 5 Mark 2500 bis 3000 Mark betragen. Man war aber sehr dafür, daß die Drucklegung in Witten selbst erfolge. Weiter genehmigte das Kollegium den An- und Verkauf einiger kleinerer Grundstücke.. Die Beratung der neuen Geschäftsordnung zog' sich naturgemäß sehr in die Länge. Ob nun eine Geschäftsordnung, aus welcher alle Fremdwörter entfernt sind, wirklich deswegen eine gute und praktische genannt werden kann, wird ja die Zukunft lehren. Schließlich wurde die Geschäftsordnung angenommen. Dortmund, 2. August.(575000 Mark geraubt.) Gestern mittag kurz vor 12 Uhr wurden Beamte der Zeche Hansa, die 575000 Mark Löhnungsgelder von der Reichsbank geholt hatten und sich in einem Kutschwagen auf der Rückfahrt befanden, an der Unterführung Ecke Franzius-Bruchstraße, Nähe Huckarde, von mehreren jungen Burschen überfallen. Die Insassen, sowie der Kutscher wurden mit Revolver bedroht und ihnen Pfeffer in die Augen geworfen. Daraufhin wurden die im Kutschwagen befindlichen Lederkoffer mit 575,000 Mark zu 100-, 50-, 20- und =Markscheinen geraubt. Die Täter sind mit einem bereitgehaltenen Auto durch die Bruchstraße, Richtung Dorstfeld, geflüchtet. Dortmund, 2. August.(Die größte Sehenswürdigkeit Westfalens), der Vergnügungspark Fredenbaum übt mit all seinen Freuden und Ueberraschungen eine ganz gewaltige Anziehungskraft auf die Bewohner unserer Stadt und der ganzen Umgebung aus. Kein Wunder, bietet doch der Fredenbaum des Guten und Schönen in solch reichem Maße, daß jedermann voll und ganz auf seine Kosten kommt. In den Anlagen konzertiert am morgigen Sonntag das verstärkte Orchester Plato, in der Bierhalle„Oberbayern" die fidelen Obersteyrer. Ferner laden die anderen mannigfaltigen Unternehmungen, wie Gebirgsbahn, Wassersport, Rodelbahn usw. zu Unterhaltung und Zerstreuung ein. Besonderen Beifall findet die Riesen= Leucht- Fontäne die bei allen Zuschauern stets die größte Bewunderung auslöst.(Siehe Inserat.) Dortmund, 1. August.(Die Zahlung für die„Aufruhrschäden) ist von der Süddeutschen Transportversicherungsgesellschaft, Frankfurt a. M. bereits ohne Anstand vorgenommen worden, obwohl einzelne Schäden einen recht beträchtlichen Umfang aufweisen. Der Firma Jos. Fischer wurden 153887 Mk. und der Firma Otto Klischan u. Co. 11903 Mk. ausgezahlt. Schüren, 1. August.(50 Hühner gestohlen.) In der Nacht vom 27. zum 28. v. Mts. wurden dem Landwirt M. P. von hier aus einem verschlossenen Stall mittelst Einbruchs 50 Hühner entwendet. Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. Hamm, 1. August.(Unglaubliche Einzelheiten über die Plünderungen in Hamm) wurden in der letzten Stadtverordnetensitzung zur Sprache gebracht. Stadtverordneter Becker führte aus, daß sich in den Lippewiesen, durch die ein vielbegangener Weg führt, junge Mädchen und alte Frauen nicht gescheut hätten, sich am hellen Tage bis aufs Hemd auszuziehen und sich mit den geplünderten Sachen neu einzukleiden. Die alten Kleider hätten sie einfach in die Lippe geworfen. Dasselbe Schauspiel der Schamlosigkeit habe sich in einer Toreinfahrt an der Bahnhofstraße geboten, wo zahlreiche Frauen trotz des starken Verkehrs auf der Straße sich ungenierta uszogen und neu einkleideten. Man müsse, so führte der Redner aus, die Zier der Frauen gesehen haben, wie sie mit funkelnden Augen und hochrotem Kopf ihre Lasten schleppten und bald darunter zusammenbrachen. Ein lebhaftes„Hört! Hört!“ weckte der Redner, als er erzählte, daß der Polizeikommissar Deußen, als ihm ein junger Bengel ein Achselstück abriß, auch noch die andere Schulter hingehalten habe, so daß der Junge auch noch das zweite Achfestück abriß. Der Stadtverordnete Oberlandesgerichtsrat Freimuth(Soz.) erwähnte, daß ein Mitschüler seinen Sohn im Gymnasium gegesegnete Ernte gegeben, dann aber sprach er mit vieler Wärme von dem neuen Gutsherrn, welcher weit her übers Meer gekommen, mit so vieler Liebe und größter Aufopferung für das Wohl aller gesorgt und geschafft hätte.„Keiner von uns“, schloß er,„versäume deshalb, sich unserem neuen Gutsherrn mit ganzer Liebe und Treue anzuschließen, jeder füge sich willig seinen Anordnungen, die alle nur dahin gerichtet sind, das Wohl der Gemeinde zu fördern. Den Schluß machte der allen bekannte und oft gesungene Hymnus. Durch die Mitwirkung sämtlicher Musiker war er heute von besonderer Wirkung. Nach Beendigung des Gesanges verließ man die Kirche; der Zug ordnete sich wieder, und unter fröhlicher Musik nahm die Menge ihren Weg nach dem Tanzplatz. Die Bauern schauten erstaunt umher. Ringsumher war alles mit Guirlanden, Kränzen und Blumen geschmückt, bunten Fähnlein und farbigen Ballons. Ganz besonders fiel das prächtige Zelt auf, welches mit Draperien verziert war, und wo die Speisen und Getränke verabreicht wurden. Heute sah man statt des üblichen Schwarzbrotes schönes, weißes Gebäck und Leckerbissen der verschiedensten Art. Zu beiden Seiten des Zeltes standen große Fässer, aus welchen den Bauern gutes Bier verabreicht wurde. Auf dem Tische stand eine mächtige Bowle, worin sich ein liebliches Getränk befand, welches für die Frauen und Kinder bestimmt war. Und. alle diese Gaben wurden mit geschäftiger Hand und freundlichem Blick von der Herbstkönigin und ihren beiden Gehilfinnen jedem gereicht. Aber die Krone des Festes war auch sie, die Herbstkönigin. Sie trug ein weißes Kleid, reich mit lichtblauen Schleifen besetzt, eine breite blaue Schärpe umschloß ihre Taille und das Haar schmückte ein Kranz von Herbstrosen. Der liebliche Blick und das freudestrahlende Auge machten die jugendliche Gestalt noch schöner. Sie glich bei ihrer Veschäftigung einer Fee, welche erschienen war, um allen Gutes zu spenden. Es war Abend geworden, doch der Tanzplatz war fast tageshell. Große Flammen und farbige Ballons erleuchteten alles rings umher, das ganze Dorf war versammelt, überall sah man fröhliche Gesichter und die Menge wogte hunt durcheinander. fragt habe:„Ha bei Alsberg geh (Soz.) führte al Plünderungen b ihm gesagt, daß wesen seien. Sta daß der Polizeii hen zu allererst heit gebracht un „Retten Sie me Oberbürgermeist Bericht, werfen Polizeiinspektor Höbel, 1. Tode gekommen. rige Söhnchen d Radbod, Kaiser und die Mutter Kind an einem schaffen gemacht. ins Haus kam, unten in dem W Hagen, 1. dem Hagener Bfinierte Diebstäl puppt. Es sind a beteiligt, die 30 verschwinden lie buben untereina lös der Ware u schlagnahmt wor Haspe, 1 frage) gibt viel anlassung. 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Voile, Moussel dunkele (Fortsetzung folgt.) .75 Geerne Mark betradie Drucklegenehmigte einiger kleineuen Geehr in die aus welcher ich deswegen kann, wird irde die Ge00 Mark geUhr wurden 00 Mark sbank geholt uf der RückEcke Franziehreren junsassen, sowie roht und iheworfen. befindlichen 50-, 20= und sind mit eiBruchstraße, ßte Sehensgspark Freund Ueberehungskraft der ganzen och der Freolch reichem uf seine Koirt am morr Vlato, in Obersteyrer. igen Untervort, Rodeleuung ein. leucht- Fongrößte Bezahlung für süddeutschen ikfurt a. M. den, obwohl zen Umfang den 153 887 11903 Mk. gestohlen.) wurden dem erschlossenen wendet. Die eden. Einzelheiten den in der Sprache geaus, daß vielbegangealte Frauen ge bis aufs eplünderten eider hätten selbe Schauner Toreins0 zahlreiche der Straße deten. 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Stadtverordneter Isenrath behauptete, daß der Polizeiinspektor Röbke während der Unruhen zu allererst seine Sparkassenbücher in Sicherheit gebracht und einem Beamten zugerufen habe: „Retten Sie mein Vermögen.“ Isenrath rief dem Oberbürgermeister zu:„Nehmen Sie den amtlichen Bericht, werfen Sie ihn in den Papierkorb u. den Polizeiinspektor hinterher!“ Höbel, 1. August.(Auf tragische Weise zu Tode gekommen) ist dieser Tage das anderthalbjährige Söhnchen der Familie Sünkel in der Kolonie Radbod, Kaiserstraße. Während der Vater schlief und die Mutter im Garten arbeitete, hatte sich das Kind an einem mit Wasser gefüllten Eimer zu schaffen gemacht. Als die Mutter nach einer Weile ins Haus kam, stand das Kind mit dem Kopf nach unten in dem Wasser. Das Kind war ertrunken. Hagen, 1. August.(Die Mehlschiebungen) auf dem Hagener Bahnhof haben sich nunmehr als raffinierte Diebstähle einer organisierten Bunde entpuppt. Es sind acht Personen, auchEisenbahnbeamte, beteiligt, die 3000 Zentner Weizen in 10 Waggons verschwinden ließen. Uebrigens haben sich die Spitzbuben untereinander betrogen, indem man den Erlös der Ware unterschlug, weil diese angeblich beschlagnahmt worden. Haspe, 1. August.(Die Eingemeindungsfrage) gibt vielfach zu erregten Erörterungen Veranlassung. Der Haus= und Gründbesitzerverein, der Rabatt= und Handelsschutzverein und die deutschnationale Partei haben sich entschieden gegen die Eingemeindung ausgesprochen; die Presse bemüht sich in objektiver Weise alle Meinungen zu Worte kommen zu lassen, ist aber anscheinend selbst gegen die Eingemeindung. Allseitig wird betont, daß man eine derartige städtische Lebensfrage nicht durch eine Zufallsmajorität weniger Stimmen im Stadtverordneten=Kollegium entscheiden könne. Haspe, 1. August.(Gefangenen- Etappe.) Bahnhof Haspe=Heubing ist die erste Abnahmestation der Gefangenen für die Gruppe Rhein. Es sind umfassende Vorkehrungen seitens der Ortsgruppe zum Schutze deutscher Kriegs= und Zivilgefangener für den würdigen Empfang der 100 000 Gefangenen getroffen, die hier zum ersten Mal wieder deutschen Boden betreten. Dem Empfangsausschuß gehören 250 Herren und 100 Damen an, die in 5 Gruppen je eine Woche lang den Dienst versehen. Da erst 3 Stunden vor Einlauf eines Transportes die Meldung erfolgt, werden die Empfangsmitglieder durch Böllerschüsse benachrichtigt, die Gefangenen werden in der geschmückten Empfangshalle verpflegt, mit Ansprachen begrüßt und mit Liebesgaben versehen; Musik ist zur Stelle. Die Ausgaben werden sich u. a. belaufen für Bier auf 45 000 Jfl. Zigarren 60,000 afl, Zigaretten 35 000 FK Musik 16000 ek.„ie 616 Siegen, 1. August.(Mißglücktes Attentat.) Im Garten des Oberbürgermeisters Delius wurde nachts von bisher nicht ermittelten Attentätern ein Sprengkörper zur Explosion gebracht. Durch den Luftdruck wurden eine Anzahl Fensterscheiben zertrümmert. Weiterer Sachschaden wurde nicht angerichtet. g..y(Ki, Barh) n am bont Olfen, 31. Juli.(Ein Raub) ist am hellen Tage nachmittags beim Landwirt König in Sülsen verübt worden. Eine allein im Hause weilende alte Frau wurde von den Tätern— 2 Männern— bedroht und ans Bett festgebunden. Die Räuber stahlen etwa 400 cl Bargeld und eine goldene Damenuhr. Koblenz, 1. August.(Eine wackere Tat) vollbrachte ein amerikanischer Soldat namens Lupo, der die kleine Greta Fischer, die als Waise bei der Familie Peter Reising untergebracht ist, vom Tode des Ertrinkens im Rhein rettete. Das Kind spielte mit mehreren anderen am Rheinufer in den Anlagen und fiel hierbei ins Wasser. Der Soldat, der in der Nähe spazieren ging und das Schreien hörte, lief rasch der Stelle zu, warf seinen Oberrock ab, schwamm dem Mädchen nach und brachte es ans Land. Dann rief er einen Kraftwagen heran, der es heimbrachte. Er wollte sich unauffällig entfernen, doch konnte ein Offizier seinen Namen feststellen. □ 58 Ne- a öderdergfk W Sschedsteabgaste große, blühende Kohlen= und Eisenindustrie wird bei der bevorstehenden Abstimmung des Volkes das Schicksal gefällt werden. Deutschland dürfte bei einer ungünstigen Volksabstimmung ca. ein Viertel seiner gesamten Steinkohlenförderung verlieren, ebenso die größte Zinkindustrie Europas, wenn nicht der ganzen Welt. Ganz abgesehen von bedeutenden Schamotte=Holz der chemischen Kalk=, Spiritus=, Zucker= und Tertil=Industrie. Unsere Karte gibt einen Ueberblick von Schlesien und dem vorläufig in Betracht kommenden Volksabstimmungsgebiet. Wiederaufnahme des Postverkehrs mit Frankreich. Jaris, 1. August. Die Postverbindung mit Deutschland wird für Handelsbriefe, Kataloge und Warenproben wieder aufgenommen, während Privatkorrespondenzen nur auf Postkarten zulässig sind. Rücktritt des österreichischen Gesandten. Wien, 1. August. Der österreichische Gesandte in Berlin hat sein offizielles Rücktrittsgesuch eingereicht. Die Streikbewegung in England und Frankreich. saag, 1. August. Aus London wird gemeldet: Aus vielen Gegenden Englands kömmen Nachrichten über neu ausgebrochene Streiks. Es wird behauptet, daß gegenwärtig im ganzen über 70 mehr oder weniger große Ausstände im Gange sind. In mehreren Orten streiken mehrere Kommunalangestellte. Es wird behauptet, daß sich entlassene Soldaten und Makrosen an den Streiks beteiligen und eine führende Rolle spielen. Bern, 1. August. Der Hafenarbeiterstreik in Le Havre hat sich sehr verschlimmert. Infolge Aussperrung sind 3500 Arbeiter im Hafen untätig und es finden keine Löschungen statt. Die Bergung der versenkten deutschen Schiffe. London, 1. Aug. Im Unterhause teilte Long mit, daß von den in Scapa Flow versenkten ehemaligen deutschen Kriegsschiffen„Baden" u. die leichNeueste Nachrichten. ten Kreuzer„Emden“,„Frankfurt“ u.„Nürnberg“ her Oaltkrieg gekaftet hat. und 15 Zerstörer geborgen wurden. Die Arbeiten Was der Weltkrieg genoster hal. zur Bergung von drei weiteren Zerstörern seien im Haag, 1. August. Das„Echo de Paris“ mel- Fortschreiten. Weitere Maßnahmen wegen der übridet, daß der französische Finanzminister Klotz in der gen Schiffe seien noch nicht getroffen. Friedenskommission der Kammer erklärt hat, daß Graße Schsebungen mit Zucker. die Kosten des Krieges 1005 Milliarden für alle Große Schiebungen Kriegführenden betragen. Davon fallen 700 Milli= Hamburg, 2. August. Hier wurden große arden auf die Alliierten und 305 Milliarden auf Schiebungen mit Zucker aufgedeckt. Die Inhaber die Zentralmächte. der Firma Gebrüder Schönigh u. Frehse, Zur Volksabstimmung in Oberschlesien. Nach dem Wortlaut des Friedensvertrages zu Versailles, hat nunmehr der Große Rat in Paris eine Kommission aufgestellt, die Oberschlesien in der Zeit verwalten soll, wenn die Behöcden und deutschen Truppen es verlassen haben und die seiner endgültigen Zuteilung an Deutschland oder Polen voraus geht. Die Kommission soll über die Freiheit der Volksabstimmung wachen. Sie erhält Vertreter der vier großen Mächte und wird durch eine interalliierte Kommission unterstützt. Ueber eine! Aus aller Furchtbares Eisenbahn=Unglück an der Strecke Moskau=Kiew. 1100 Reisende verbrannt. Der„Petit Parisien“ meldet aus Helsingfors, daß zwischen Moskau und Kiew ein Eisenbahnzug in Brand geriet. Sämtliche Reisende, über 1100 an der Zahl, kamen in den Flammen um. Die Katastrophe ist von Banditen durch Aufreißen der Gleise verursacht worden. Zahlreiche Explosionen im zerstörten Gebiet von Frankreich. In den zerstörten Gebieten Frankreichs mehren sich die Unglücksfälle, die durch Explosionen scharfer Munition entstehen. So flog in La Bassee wiederum durch Explosion ein Munitionsdepot in die Luft, wobei acht Personen getötet und viele verwundet wurden. Glücklicherweise waren die deutschen Kriegsgefangenen in das Gefangenenlager zur Heimbeförderung abtransportiert worden, so daß diesmal deutsche Staatsangehörige nicht zu Schaden kamen. 23 deutsche Gefangene in Bordeaur umgekommen. In Magstadt(Württemberg) traf bei der Familie eines in Frankreich lebenden Gefangenen die Nachricht ein, daß der Gefreite Beuttler mit noch 22 anderen Kameraden ihren Tod in Bordeaur beim Schleppen von Granaten gefunden haben. Geschäft eingeleitet hatten, wurden verhaftet. Sie hatten unter anderen den Polizeiwachtmeister Mühlhaus mit 50000 Mark bestochen und mehreren Zoll= und Schleusenbeamten vierzig Sack Zucker als Schweigelohn angeboten. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Hindenburg als Führer der Deutschnationalen. Berlin, 2. August. Generalfeldmarschall Hindenburg wird sich nach Mitteilung des preußischen Abgeordneten Klingemann, nachdem er ins bürgerliche Leben zurückgetreten ist, der deutschnationalen Volkspartei anschließen und in ihr eine führende Rolle übernehmen. Die ersten deutschen Kriegsgefangenen eingetrossen. Berlin, 2. August. Nach dem Lokalanzeiger sind die ersten deutschen Kriegsgefangenen aus französischen Lagern, 198 Mann, darunter 8 Offiziere, im Lazarettzug von Konstanz kommend, in Kassel eingetroffen. Aufgehobenes Zölibat der katholischen Priester. Berlin, 2. August. Nach einer Drahtmeldung der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" aus Prag soll die tschecho=slowakische Regierung damit einverstanden sein, daß die katholischen Priester sich künftig verheiraten und sie gegen Maßregelung deswegen zu schützen, bereit sein. Im ganzen beabsichtigten zur Zeit 300 Priester sich zu verheiraten. Kirchliche Nachrichten. Sonntag vorm. 8 Uhr Frühgottesdienst: Pastor Müller. 9 einhalb Uhr Hauptgottesdienst: Paston Brasse. 11 Uhr: Kindergottesdienst. 12 Uhr: Kirchentaufen. Mittwoch abend 8 Uhr Bibel=Betstunde: Pastor Brasse. Anordnung der für Speisefette. Auf Grund des§ 6 Ziffer 1 der Verordnung über Speisefette vom 20. Juli 1916(Reichs=Gesetzbl. S. 755) wird folgendes bestimmt: Die auf den Kopf der Bevölkerung entfallende Verbrauchsmenge an Speisefetten beträgt bis auf weiteres für 1 Woche höchstens auf den Kopf des Fettselbstversorgers 100 Gr. und auf den Kopf des Versorgungsberechtigten gleichfalls 100 Gramm. An die Versorgungsberechtigten dürfen auch in den Ueberschußgebieten nicht mehr als 50 Gramm in Butter ausgegeben werden. Die vorstehend festgesetzten auf den Kopf entfallendenVerbrauchsmengen sind Höchstmengen. Ihre Zuteilung ist wie bisher von dem Umfange der zur Verfügung stehenden Mengen an Speisefetten und der eigenen Erfassung abhängig, so daß ein Anspruch auf die Lieferung bestimmter Kopfmengen nicht besteht. Außerdem wird auf den Kopf der Bevölkerung einschließlich der Selbstversorger eine Speisefettmenge von 50 Gr. ausgegeben. Diese Zuweisung tritt an die Stelle der bisher nur dem Versorgungsberechtigten gewährten Sonderzuteilung an Auslandsspeisefetten. Diese Anordnung tritt mit dem 1. August 1919 in Kraft. Die Anordnung vom 15. Dezember 1917 1 a 4902=17 wird aufgehoben. Selbstverständliche Voraussetzung dieser Anordnung ist, daß in der Herstellung von Speisefetten keine unerwarteten Störungen eintreten. Berlin W.., den 15. Juli 1919. Reichsstelle für Speisefette. In Vertretung: Havessen. Dresdher Bankzweigetenr.. rtei Fernsprecher: Nr. 169 u. 170. — Bismarekstrasse 15.— Postscheckkonto: Köln Nr. 26481. 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Juli 1919. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. Aug. nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause, Bergstr. 3, aus statt. Die Trauerfeier ½ Stunde vorher im Hause. 0 Gelegenheitskauf! Posten Stoff-Abschnitte zur Anfertigung von Leibchen, Unterröckchen, Erstlingswäsche, Tücher etc. Zum Aussuchen Stück 80 Pfg. käuflich erworben und mit dem heutigen Tage übernommen habe. Auf meine Gartenanlagen mache ich empfehlend aufmerksam. Es wird mein Bestreben sein, meine werten Gäste auf das beste zu bedienen. Hochachtungsvoll! Viotor Böker. Rüdinghausen, 1. August 1919. BLANK, Witten am Markt. von alleinst. Dame mieten gesucht. Offerten unter W. 3. an die Geschäftsstelle. Suche für meinen besseren Haushalt von 4 Personen, bei hohem Lohn, ein braves sauberes Zweitmädchen für alle Hausarbeit. Gefl. Angebote mit Zeugnissen an Frau Carl Dreyer, Adler=Drogerie, Witten=Ruhr, Johannisstraße 6. Preußische Klassen- Lotterie Kauflose zur 2. Klasse 14(240) Lotterie vorrätig Hommer, Pr..=Einnehmer, Witten. Fernruf 473. aufpassen! Ich habe eine Wette abgeschlossen und zahle jedem, der mich in der Zeit vom 1. 8. 1919 12 Uhr mittags bis 1. 11. 1919 12 Uhr mittags eine Zigarre oder Zigarette rauchen steht, 100 Mark. A. Weis, Rüdinghausen. Am Donnerstag, den 31. Juli starb nach kurzem schweren Leiden unsere liebe gute Schwester, Schwägerin und Tante, meine innigstgeliebte Braut Zilrieus-Scmonkermann im Alter von beinahe 24 Jahren. Dieses zeigen tief betrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme: Eebensmitteladgabe der Gemeinde Annen ap Sonntag, den 3. August findet in meinem Saale Grosser Bull statt. in der Woche vom 3. bis 9. August 1919 Anfang 4 Uhr. Wwe. Storck, Borbach. 3. 4. 5. 6. 7. Die trauernden Geschwister. Emil Weilert als Bräutigam. Annen, den r. August 1919. findet 3 Uhr Sonntag, den 3. vom Elternhause, Die Beerdigung August nachmittags ägerstrasse 24, aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten, so diene diese als solche. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 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Preis pro Pfd. 66 Pfg. Griesmehl pro Kopf der Bevölkerung 50 Gramm. Preis pro Pfund 48 Pfg. Kartoffelsuppe in beliebiger Menge zum Preise von.— M. pro Pfund. Rheinische Suppen in allen Geschäften Preis für 1 Würfel= 250 Gr 48 Pfg Für Schwer=Kriegsbeschädigte in dem Geschäft Steffen, Wittenerstr. auf Nährmittelmarke No. 23= ½ Pfund Haferflocken. Preis pro Pfund 90 Pfg. Zwieback a. für Kinder bis zu 2 Jahren gegen Abgabe von 2 amtlicherseits abgestempelten Brotmarken 400 Gramm, b. für Kranke gegen Abgabe von 1 amtlicherseits abgestempelten Brotmarke 200 Gramm, in den Bäckereien und Conditoreien: Horstmann, Küper, Löwer, Scharloh, Schlimbach, Schwark, Schwarze. Preis für 400 Gramm 1,25 Mk. „„ 200„ 0,63„ Die Abstempelung der Brotmarken geschieht im Amtshause, Zimmer 9, vor mittags von—11 Uhr, unter Vorlag der Lebensmittelkarte. Für Kranke(bei Gefahr für Leben unt Gesundheit) in dem Geschäft Steffen Wittenerstr: Grünkernmehl, Haferflocken, Keks, Cholokade, Zwieback, Süßspeise. Amtlicherseits erteilte Bezugscheine sind vorzulegen. Kartoffeln für Militärurlauber und Haus. haltungen, die ihren Bedarf jede Woche holen, werden am Mittwoch, den 6. August 1919 vormittags—10 Uhr abgegeben. Näheres an der Zahlstelle. (Amtshaus, Zimmer 10.) Preis pro Pfd. 20 Pfa. Die Abgabe der Waren erfolgt ab Dienstag, den 5. August er. an Hand der neuen Kundenliste. Die Geschäftsleute nehmen die Waren am Montag, den 4. August er. in Empfang. Annen, den 2. August 1919. Der Arbeiterrat: Der Amtmann: Burscheidt. t. V. Grünewald. Beigeordneter. * Morgen, Sonntag, 3. Aug. findet in meinem Saale,(Engelb. Pröpper) Bismarckstr. 48 Grosser Ban statt. Anfang 4 Uhr. Anfang 4 Uhr. Eintritt: Damen Mk..50. Herren Mk..70. Hierzu ladet freundlichst ein Der Veranstalter Emil Wigmann. DORTMUND Strassenbahn-Linie 3 und 9. Täglich geöffnet. Sonntag. den 3. Aug. von 3 Uhr ab Pipper-Konzert Gebirgsbahn, Wassersport, Rodelbahn, Das verrückte Haus, Stufenbahn, Teufelstad, Flieger, Tanzpalast, OriginalKölner-Hänneschen-Theater, Bierhalle „Ober-Bayern“(tägl. Tiroler-Konzerte) Scheibenstand, Strandkaffee, Irrgarten, u. S. W. Riesen- Leucht- Fontäue Eintritt: Erwachsene Pfg. 30, Kinder 20 Pfg. Voß Konzertgarten, Witten. Sonntag, abend 8 Uhr Großes Konzert des gesamten Stadt=Orchesters. Bei ungünstigem Wetter findet das Konzert im Saale statt. 14. Schreibers Privat-Tanz-institut 15. Wittenerstrasse 47 Gegründet 1872. Täglich geöffnet. Ungeniert, auch für ältere Personen. Auf Wunsch in—5 Stunden ballfähig. Garantiert für sicheres Erlernen. Besondere Zirkel für Vorgeschrittene zur Erlernung Moderne Tänze: Boston einschl. der neuest. Varianten, Fox-Trott, Jasz, Maxixe, Tango, Tango-Boston, Rag, Two-Step One-Step. Neuer Canzkursus Hôtel, Deutsches Haus(A. La .##, beginnt in nurzte. Anmeldungen für Kursus oder Privatstunden zu jeder Tageszeit. Mehrere geübte Mrusehtnentermer finden dauernde Beschäftigung bei Steiner& Comp., Dortmund, Evingerstraße 50. In der Frei des Budapester tionäre regiere treten. Die Re den Vertretern sozialistischen R nisterpräsidente nister des Inne Josef Haubrich, Agostor. Die Proklamation, Aufrechterhaltu Einleitung von trachte. Der Rücktri kein freiwilligen Hauptstadt hat nicht die direkte pflogenen Verhe Räteregierung, den militärische handlungen hal gierung Bela Entente abgeleh äußersten prokle fast vor die Th. mänen Waffenst ten Armee jedock ten mehr. Die Die erste wich ist es, den Vorm bringen, da gro pest einrücken. insofern die gröf von der gestürzt Beschlagnahmer Werte an Gold, angehäuft haben dem Titel Krieg den können. De ein Uebergangsr Erklärt Kriegsminist 4. Korps(Buda, ordnet. Wer die nen Befehlen nic erschossen. Die setzt. Die dienstfr und der Roten! nen einzurücken. Ungarn unt Im Auftrag Präsident des B rats Weltner in sofort zu den Ve Verhandlungen: allem wird die I behandelt. 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