Die„Annener Zeitung" erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Anz Kolonel nzeigegebühr für die einspaltige elzeile oder deren Raum 20 Pfg. Rtellamezeile 60 Pfg.— Bezugspreis monatlich 85 Pfg. Geschäftsstelle: Bahnhofstraße 23. Telephon=Nr. 334. verbunden mit der„Annener Auzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. Amtes Annen u. Landkreises Inserate Anden det dei großen Auf lage der Annener Zeitung weite un billige Verbreitung.— Bei gerichtliche Beitreibung oder bei Konkursen komm jeder Annoncenrabatt in Wegfall. Für die Aufnahme der Anzeigen— vorgeschriebenen Plätzen übernehmen wi leine Verantwortung. Redaktion, Druck und Verlag von Fritz Küching, Annen. Nr. 66 Samstag, den 24. Mai 1919. 35. Preußische Landesversammtung. Sitzung vom 22. Mai. Die Sitzung wird vom Vizepräsidenten Dr. Frenzel um 12 einhalb Uhr eröffnet. Die Wahl des Abg. Stössel(Soz.) wird für gültig erklärt. Es folgt die erste Beratung des Nachtragsetats zur Errichtung eines Ministeriums für Volkswohlfahrt. Abg. Frau Hanna(Soz.): Meine Partei stimmt dem Nachtragsetat zu. Wir brauchen eine Organisation, die zur Wiedererstarkung unserer Volkskraft in körperlicher und sittlicher Beziehung führt. Trotz aller Sparsamkeit, der wir uns befleißigen müssen, wird es doch notwendig sein, für die Volkswohlfahrt größere Mittel aufzuwenden als bisher, insbesondere zur Verhütung von Volksseuchen, zur Bekämpfung der Tuberkulose und der Geschlechtskrankheiten und für Wohnungswesen und Fürsorgeerziehung. Minister Stegerwald: Die Vorlage entspricht dem Bedürfnis, die Lücken, die der Krieg in unser Volk gerissen hat, nach Möglichkeit im Laufe der Zeit zu schließen. Es muß daher alles geschehen, um die Sterblichkeit der Jugend zu vermeiden, die gesundheits= und erwerbsschädlichen Einwirkungen von den Erwachsenen fern zu halten. Die soziale Hygiene bedarf des gründlichen Ausbaues.] In den Städten ist zurzeit eine großzügige Wohnungsreform noch nicht möglich, dafür muß aber auf dem Lande eine umfassende Siedelungsreform einsetzen. Den von der Vorrednerin entwickelten Grundsätzen stimme ich vollkommen bei. Die Jugendfürsorge muß gesetzlich geregelt werden. Wenn ich selbst die baldige Einbringung eines solchen Entwurfes noch nicht verspreche, so geschieht es deshalb nicht, weil noch die Aussicht auf eine reichsgesetzliche Lösung der Frage besteht. Bei genügendem Zugehörigkeitsgefühl und Verständnis für die Pflichten der Nächstenliebe kann man auch in einem verarmten Lande Wohlfahrtspolitik treiben. Verlieren wir in diesen schweren Schicksalsstunden nicht den Glauben an uns selbst.(Beifall.) Abg. Dr. Faßbender(.): Wir haben volles Vertrauen zu dem Minister, daß die zu leistenden Wohlfahrtsarbeiten unter seiner Leitung. eine gedeihliche Entwickelung nehmen. Insbesondere wird es notwendig sein, die Wohlfahrtspflege auf das platte Land auszudehnen. Auch im Wege des Fortbildungswesens können Wohlfahrtsbestrebungen gefördert werden. Hier wird sich also eine gemeinsame Arbeit des neuen Ministeriums mit dem Unterrichtsministerium ergeben. Abg. Frau Döhnhoff(.): Wir hoffen, daß das neue Ministerium auf vielen Wohlfahrtsgebieten schöpferisch oder anregend wirken wird. Die Wohlfahrtspflege ist ein selbständiges wichtiges Gebiet im öffentlichen Leben und bedarf daher einer eigenen Zentrale. Die Säuglingsfürsorge bedarf in erster Linie der Verbesserung. In vielen Zweigen seiner Arbeit wird der Minister gut tun, Frauen als sachverständige Beiräte hinzuzuziehen. Das Haus vertagt sich auf Freitag mittag 12 Uhr. Tgesordnung: Anfragen, Fortsetzung der heutigen Beratung. Abg. Dr. Negenborn(.-Natl.): Ich bitte den Minister in weitesten Kreisen aufklärend dahin zu wirken, daß gute Wohlfahrtspflege nicht möglich ist, wenn die Friedensbedingungen der Entente angenommen werden. Abg. Langer=Oberhausen(D. Vpt.): Auch wir begrüßen freudig die Einbringung der Vorlage. Gute Mitarbeiter aus den Gebieten der Volkswohlfahrtspflege wird der Minister in großer Zahl unter den Krankenkassenbeamten befinden. Abg. Adolf Hoffmann(.=.): Ich halte es für bedenklich, die Jugendpflege gerade dem Zentrum anzuvertrauen. Sie haben ja das Land an den Rand des Abgrundes geführt, vor dem wir es bewahren wollten. Wenn irgendwo, sd könnte auf dem Gebiete der Volksgesundheit gezeigt werden, was durch die Sozialisierung erreicht werden kann. Es wäre eine Torheit, wenn sich die Arbeiter noch einmal in das Joch der Kapitalisten, spannen ließen. In den sogenannten Fürsorgeerziehungsanstalten wird die Jugend erst zum Verbrechertum vorbereitet. Die Gleichberechtigung der Frau muß voll durchgeführt werden. Heute kann die Frau Abgeordnete werden, sie kann sogar Präsidentin des Reiches werden, aber Stadträtin kann sie nicht werden. In den Ministerien sitzen zumeist noch immer die alten Herren. Es sollte endlich ein Großreinemachen stattfinden. Zur Hebung der Bevölkerungszahl könnte man durch Aufhebung des Zölibats der katholischen Priester beitragen.(Heiterkeit im Zentrum.) Das Zölibat ist eine Brutalität gegen die menschliche Natur. Geben Sie vor allem den Frauen die Garantie, daß ihre Kinder nicht wieder Kanonenfutter werden. Ernsthafte Gesundheits=, Wohnungs- und Jugendpflege ist nicht möglich, solange die kapitalistische Gesellschaft fortbesteht. Wohlfahrt und Ausbeutung sind Gegensätze wie Feuer und Wasser. Die Prostitution ist eine Pestheule an dem durch und durch verseuchten Körper des kapitalistischen Staates. Das Lichtspiel sollte kommunalisiert werden. Die Spielwut ist eine Krankheitserscheinung des Krieges. Sie wurde von der Front mitgebracht und ist nicht durch die Revolution entstanden. Zur Lage. Fristverlängerung bis 29. Mai. * Clemenceaus Antwort. Dem Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegation in Versailles, Reichsminister Grafen Brockdorff=Rantzau, ist fogende weitere Note Clemenceaus zugegangen: Paris, den 21. Mai 1019. Herr Präsident! Ich habe die Ehre, Ihnen den Empfang Ihres Briefes vom 20. Mai zu bestätigen Sie hatten die Güte, mich darauf hinzuweisen, die Fragen, über welche die deutsche Delegation Bemerkungen vorzulegen wünsche, seien so verwickelt, daß die Denkschriften der deutschen Delegation in der Ihnen am 7. d. M. gewährten 15 tägigen Frist nicht fertig sein könnten. Sie jordern infolgedessen eine Verlängerung dieser Frist. In Erwiderung hierauf habe ich die Ehre, Euerer Exzellenz mitzuteilen, daß die alliierten und assoziierten Regierungen einverstanden sind, die Frist bis Donnerstag, den 29. ds. Mts., zu verlängern. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. gez. Clemenceau. Das ist wenigstens etwas, ein Entgegenkommen, das schon der Beachtung wert ist und dem hoffentlich bald ein weiteres, sagen wir gegenüber den schroffen Bedingungen— ein menschliches, folgen wird. Chauvinistische Hetzblätter berichteten bereits von einem angeblichen Ultimatum, das der deutschen Delegation am Mittwoch überreicht werden sollte. Wie es heißt, ist der Vorschlag des französischen Politikers, der eine rein formale und ganz kurze Abrechnung mit Deutschland verlangt, im Viererrat nicht durchgedrungen. Wilson und Lloyd George sollen erklärt haben, daß es unmöglich sei, Deutschland innerhalb so kurzer Frist vor die Alternative zu stellen, ohne vorherige Aussprache, die Unterschrift unter den Friedensvertrag zu leisten. Wilson habe von vornherein die Auffassung vertreten, daß die Deutschland gewährte 14 tägige Frist nur dazu bestimmt sei, der deutschen Regierung Gelegenheit zu geben, ihre praktischen Gegenvorschläge zum Friedensvertrag bei den alliierten Regierungen einzureichen. Die deutschen Friedensdelegierten, Reichsminister des Aeußeren Graf Brockdorff=Rantzau, Reichsjustizminister Dr. Landsberg= Reichspostminister Giesberts, Präsident und Oberbürgermeister Leinert, Professor Dr. Schücking und Dr. Melchior, begaben sich Donnerstag abend nach Spaa, um dortselbst mit den Mitgliedern der Reichsregierung die demnächst in der Friedensfrage abzugebende Erklärung zu besprechen und deren endgültige Fassung zu beschließen. Voraussichtlicher Gang der weiteren Verhandlungen. Die Pariser Blätter bringen zum Notenwechsel zwischen Brockdorff=Rantzau und Clemenceau über die Fristverlängerung einen vom französischen Außenministerium veranlaßten Kommentar. Danach werde der Rat der Vier ungefähr acht Tage Zeit brauchen, um den deutschen Gegenvorschlag, der am 29. Mai einlaufen wird, zu prüfen. Sodann würde den Deutschen eine Frist von zwei bis drei Tagen zur Annahme oder Ablehnung der letzten Entscheidung gestellt werden. Davon, daß der Rat der Vier etwa von dem einen oder anderen Einwand der Deutschen überzeugt werben und dann in direkte Beratungen mit den Deutschen eintreten könnte, ist nicht einmal andeutungsweise die Rede. Es wird übrigens in diesem Kommentar versichert, daß die Stimmung in [„Deutschland umgeschlagen habe, und daß die Sozialisten sowohl wie Wirtschafts= und Finanzkreife jetzt auf dieUnterschrift dringen. Nur Scheidemann und Noske hätten sich allzu sehr verrannt und würden vielleicht nicht mehr zurückkönnen. Der amtlich veranlaßte Kommentar schließt mit der Betechnung, daß zwischen dem 10. und 15. Juni die Unterzeichnung des Friedens zu erwarten wäre. Es sollte einen nicht wundern wenn Wilson in seinem bekannten Aberglauben Freitag, den 13. Juni als das passendsteDatum für diesen völkerbeglückenden Frieden ins Auge gefaßt hätte! Scheidemann nach Spaa. Der Ministerpräsident Scheidemann hat=sich, wie verlauset, Donnerstag mit den Reichsministern Erzberger und dem Vorsitzenden der Geschäftsstelle für die Friedensverhandlungen, Grafen Bernstorff, nach Spaa begeben. Auch die deutsche Delegation in Versailles wird sich in Spaa einfinden. Der Zweck der Reise ist die endgültige Redaktion der deutschen Gegenvorschläge für die Entente. Wie die erste Zusammenkunft vor einigen Tagen, so ist auch diese dadurch notwendig geworden, daß der Verkehr zwischen Berlin und Versailles technischen Schwierigkeiten unterliegt. Andererseits wird die Reichsregierung dem deutschen Volke so schnell wie möglich Klarheit über die deutschen Gegenvorschläge und über die Friedensmöglichkeiten geben. Auch der Reichskolonialminister Dr. Bell nimmt an der Reise teil. Graf Brockdorff über die Frage der Unterzeichnung. Reichsminister des Aeußern, Graf BrockdorffRantzau gewährte dem Vertreter des Nachrichtenbüros des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Versailles eine Unterredung, in deren Verlauf der Führer unserer Friedensdelegation auf die Frage, wie die augenbickliche Lage sei, ungefähr folgendes antwortete: „Wie Sie wissen, ist unsere Delegation in engster Fühlung mit der Reichsregierung in Berlin damit schäftigt, die unendlich verwickelten Bestimmungen des Vertrages auf ihre Tragweite hin zu prüfen und festzustellen, ob wir in der Lage sein werden, den Bestimmungen zu entsprechen, die uns der Vertrag auferlegt. Diese Prüfung ist natürlich nur im Einvernehmen mit den maßgebenden Vertretern der Wirtschaft und der Finanz möglich. Denn das möchte ich betonen: In diesem Augenblick handelt es sich noch nicht darum, zeichnen oder zeichnen wir nicht, sondern darum, sich darüber klar zu werden, ob ein ehrlicher Mann das, was die Entente verlangt, unterschreiben kann oder nicht; denn wenn er unterschreibt, dann muß er auch innerlich davon überzeugt sein, daß das deutsche Volk, so schwer es ihm auch werden mag, in zeitlich begrenzter Frist die Bedingungen zu erfüllen imstande ist, auf die die Unterzeichner es festlegen.“ ; Zwei scharfe Noten. Im Augenblick der Abreise des Grafen Brockdorff wurden heute abend einhalb 10 Uhr von der Entente zwei Noten überreicht, die eine bezieht sich auf den Völkerbund, die andere gibt eine Antwort auf die erste Wirtschaftsnote Deutschlands. Der Inhalt beider Noten ist dem Korrespondenten der „Vossischen Zeitung“ nicht bekannt, da sie Graf Brockdorff beide nach Spaa mitgenommen hat. Es heißt nur, daß sie im Ton schärfer und herausfordernder sein sollen als alles, was wir schon von der Entente erfahren haben. Clemenceaus Antwort in der Gefangenenfrage. Die Antwort Clemenceaus auf unsere Note über die Gefangenen lehnt in hochfahrendem Tone alle deutschen Gegenvorschläge ab, die auf die Besserung des Loses unserer Kriegsgefangenen gerichtet sind. Sie tut dies mit der Begründung, daß in Deutschand die Gefangenen weit schlechter behandelt würden, so daß die Forderung der Gegenseitigkeit bei der Gefangenenauslieferung abgewiesen werden müsse. Der Schlußsatz der Erwiderung Clemence= aus verdreht die Frage vollständig. In der deutschen Note waren ausdrücklich Vorberatungen vorgeschlagen, damit für den Fall der Unterzeichnung der Abtransport der deutschen Gefangenen keine Verzögerung erleide. Die Bemerkungen des französischen Ministerpräsidenten, daß man erst dann daran denken könne, Kommissionen zu bilden, wenn wir den Willen zur Unterzeichnung bekundet hätten, sind demnach als eine glatte Erpressung zu bezeichnen. Die Entrüstung über den Ton und Inhalt der Antwortnote ist innerhalb der deutschen Delegation allgemein. Franzosen zur Besetzung des Ruhrreviers. Nach Aeußerungen französischer Offiziere der Besatzung von Ludwigshafen hat die oberste militärische Heeresleitung bereits bestimmte Verfügungen für den Fall getroffen, daß Deutschland den Friedensvertrag nicht unterzeichnet. Danach werde das linke Rheinufer und das gesamte Ruhrgebiet von den Franzosen, die deutsche Ost= und Nordseeküste von den Engländern und ganz Schlesien von den Polen besetzt werden. Verordnungen haben nämlich den Charakter sog nannter„Rahmengesetze", d. h. sie geben nur grun legende Bestimmungen und ermächtigen im Uebr gen die Landeszentrabehörde, bezw. den Regierung präsidenten, für seinen Bezirk oder einzelne Krei desselben besondere, den örtlichen Verhältnissen en sprechende Anordnungen zu treffen. Für den Landkreis Hörde kommt als wichtig Bestimmung die Verordnung des Regierungspr sidenten vom 10. Januar 1919 in Frage, welch gestützt auf§ 6 der Mieterschutzverordnung, 5 stimmt, a) daß die Vermieter von Wohnräumene Mietsverhältnis rechtswirksam nur mit vorherig Zustimmung des Einigungsamtes kündigen könne insbesondere, wenn die Kündigung zum Zwecke d Mietssteigerung erfolgt, b) daß ein ohne Kündigung ablaufendes Miet verhältnis als auf unbestimmte Zeit verlänge gilt, wenn der Vermieter- nicht vorher die Zustin mung des Einigungsamtes zu dem Ablauf erwir hat. Eine vom Vermieter von Wohnräumen ausg sprochene Kündigung ist also rechtsunwirksar wenn nicht das Mietseinigungsamt ihm vorher d Zustimmung erteilt hat. Unter den Hausbesitzern herrscht vielfach d Meinung, wenn der Mieter die Kündigung ohr Einwnd entgegengenommen habe, so sei sie ohr Weiteres rechtsgültig. Dies ist keineswegs der Fal Die Kündigung bedarf in jedem Falle der Zustin mung des Mietseinigungsamtes. Gibt allerding der Mieter die Erklärung ab:„Ich bin mit de Lösung des Mietsverhältnisses zum verlangte Zeitpunkt einverstanden“, so ist dies natürlich fi. ihn bindend. Bei einer derartigen Erklärung i aber seitens des Vermieters besondere Vorsicht g boten, weil der Mieter fast immer dabei den Vor behalt macht:„Wenn ich eine andere Wohnung he be!“ Aus einer solchen Erklärung kann der Haus besitzer selbstverständlich später keine Rechte herle ten. Es muß also jeder Vermieter, der eine Künd gung beabsichtigt, die vorherige Zustimmung de Einigungsamtes erwirken.— Eine weitere Frage, die der Klärung bedarf, i die der Mietssteigerung. Eine Erhöhung de Mietszinses stellt bekanntlich eine Aenderung de geschlossenen(schriftlichen oder mündlichen) Miets vertrages dar kann also nur mit beiderseitiger Einverständnis vorgenommen werden. Weigert sie nun der Mieter, in eine Erhöhung des Mietszinse einzuwilligen, so beibt dem Hausbesitzer nur da eine Zwangsmittel: die Kündigung, welche er je doch ohne Zustimmung des Mietseinigungsamte nicht aussprechen kann. Er müßte also in diesen Falle die Zustimmung zur Kündigung des betr Mieters beim Mietseinigungsamt beantragen mi der Begründung, daß der Mieter sich weigere, ei nen angemessenen Mietsaufschag zu zahlen. Zweck mäßig für den Vermieter ist es,nicht erst am Kün digungstage, sondern schon geraume Zeit vorhe mit demMieter wegen der beabsichtigten Steigerun zu verhandeln, um im Weigerungsfalle noch recht zeitig eine Entscheidung des Einigungsamtes her beiführen zu können. Bestimmte Mietspreise sind— wie vielfach irri, angenommen wird— gesetzlich nicht festgelegt Die Mi ts inigungsämter entscheiden in jedem Fall. nach billigem Ermessen. § Annen, 24. Mai 1919. Die Mieterschnybestimmungen im Landkreise Hörde. (Von E. Hofmann, Schriftführer des Mietseinigungsamtes Hörde.) Die überaus große Wohnungsnot ist eine der vielen Kriegsfolgen, die zum Erlaß tief ins Wirtschaftsleben einschneidender Bestimmungen geführt haben. Um eine Vermehrung der Zahl der Wohnungslosen zu vermeiden, war es nicht zu umgehen, das Verfügungsrecht des Vermieters ganz erheblich einzuschranken. Das ist geschehen durch die Verordnung über geeignete Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel und die Verordnung zum Schutze der Mieter, beide vom 23. September 1918. Ueber die Wirkungen dieser Verordnungen auf das Mietrecht herrscht leider sowohl bei den Hausbesitzern wie bei den Mietern großellnklarheit. Die Bestimmungen über, den Mieterschutz sind nicht in jedem Kreise gleich. Die obenerwähnten )-(Annen, 24. Mai.(Gemeinderatssitzung. In der am 20. d. Mts. stattgehabten ersten öffent lichen Gemeinderatssitzung wurden als Kreistags abgeordnete gewählt die Herren: Wilhelm Küch August Schlischo, Albert Grünewald und Edwir Stöckmann. Auf Anregung des Vorsitzenden wurddem Durchgangslager Meschede zu Gunsten heim. kehrender Kriegegefangenen eine einmalige Beihülse von 200 A bewilligt. Eine längere Beratung ergab sich bei Punkt 3. Bewilligung eines Kredits bei der Sparkasse zur Gewährung von Baukostenzuschüssen. Der Vorsitzende wies auf den bestehenden Wohnungsmangel hin und hielt die Schaffung von Abhülfe für dringend notwendig Zur Beseitigung der ersten Wohnungsnot wurde der Umbau verschiedener geeigneter Scheunen zu Wohnungen und deren Anmietung beziehungsweise Untervermietung durch die Gemeinde für notwendig erachtet. Des Weiteren wurde die Frage der Förderung des Kleinwohnungswesens durch die Gemeinde angeschnitten. Der als Referent hinzugezogene Amtsbaumeister Hose verbreitete sich zunächst über den Umbau geeigneterGebäude zu Wohnungen und ging dann näher auf die Förderung des Kleinwohnungswesens ein. Als für Siedlungszwecke besonders geeignet bezeichnete der Referent den Grundbsitz des Gutsbesitzers Düren an der hiesigen Provinzial= undWaldstraße in Größe von ca. 35 Morgen. Kanalanlagen für Entwässerung der anzulegenden Straßen werden durch die natürliche Entwässerung entbehrlich. Die Straßenzüge sind dem Gelände anzupassen. Bruchsteinmaterial für die Bauten kann unmittelbar neben dem Baugelände gewonnen werden. Je nach Wahl der Ansiedler ist von Fall zu Fall die Errichtung von Häusern mit je 2, 8 und 4 Zimmerwohnungen in Aussicht genommen. Zu jeder Besitzung sollen 76 bis 80 Qua— satruten Grund und Boden gehören. Ein Kleinrk und Teichanlage ist vorgesehen. Wasserleitung d elektrisches Licht werden angelegt. Außerdem etet sich die Möglichkeit, auf dem Grundstück eiIn Pflegehausbau zu errichten. Baulustige Andler haben das Grundstück von der Gemeinde erwerben oder sich mit einem Zuschuß zu den mukosten zu beteiligen. Nach fast einstündiger sprechung der Angelegenheit beschloß Vertretung stimmig, bei der Sprkasse Annen zur Linderung Wohnungsnot und Förderung des Kleinwohingswesens eine Anleihe im Betrage von zunächst 90000 A aufzunehmen und diesen Betrag von all zu Fall zur Gewährung von Baukostenzuschüs## s o w i e z u m E r w e r b d e s v o n d e m A m t s b a u m e i s t e r #ose in Vorschlag gebrachten Siedelungsgelände afzunehmen. Falls mit dem Grundstückseigenmer Düren bezüglich des Kaufpreises eine güthe Einigung nicht zu erzielen ist, soll bei dem Errn Bezirkswohnungskommissar die Enteignung Grundstücks nachgesucht werden. Bei dieser belegenheit brachte der Vorsitzende noch ein Prokt der Kriegsbeschädigten bezüglich der Anlage er Villen=Kolonie auf dem Dürenschen Grundsick an der Ecke Salingerstr.=Kälberweg zur zenntnis der Vertretung. Gegen dies Projekt wurIn allerseits Bedenken geltend gemacht, insbesonre war man der Ansicht, daß das kulturfähige sund in dieser Gegend im Interesse der Volksverwegung als Ackerland erhalten bleiben müsse. Absehen von der Verbilligung der Baukosten überupt, hielt man aus gesundheitlichen Rücksichten us Land an der Provinzial- und Waldstraße für siedelungszwecke der Kriegsbeschädigten ganz beinders geeignet. Die Kriegsbeschädigten sollen auf as Projekt der Gemeinde aufmerksam gemacht irden. Auf Antrag der Hausbesitzer wird der Anluß der Mittel- und Südstraße sowie der Eggeng an die gemeindeseitige Müllabfuhr unter Uernahme eines jährlichen Kostenzuschusses von 84 beschlossen. Gegen die Benutzung des Turnsaales der katholischen Schule durch den Verein„Freie irnerschaft“ fand sich nichts zu erinnern. In der ran nachfolgenden geheimen Sitzung wurde Herr meindevorsteher Schlischo und dessen Stellverster Herr Küch in das Amt eingeführt u. mittelst tandschlag an Eidesstatt verpflichtet. Versamm ig genehmigte den Verkauf der Sparkassenbezungen in Werne, Friedrichstraße 36=38. Zum arkassenbuchhalter wurde der Unterzahlmeister mittger in Detmold gewählt. § Annen, 24. Mai.(Zur bevorstehenden ermögensabgabe.) Im Saale des Gewerbevereins Dortmund hielt Herr Dr. Gottschalk dort Donnerstag einen Vortrag über die kommenIn Steuern und Vermögensabgaben. Was die itztere Steuer betrifft, so muß sie nur von Einzelersonen, nicht auch von Gesellschaften nachgewiesen serden. Es fallen darunter Deutsche und Ausläner, die ihren dauernden Wohnsitz in Deutschland aben, außerdem diejenigen Deutschen, die nach em 31. Dezember 1913 Deutschland verlassen haen. Eine Ehefrau ist von dem Ehemann anzuihren, es sei denn, daß sie getrennt leben. Für inderjährige Kinder ist das Vermögen für jedes #esonders aufzustellen. Nach dem ersten Entwurf es Vermögensverzeichnisses war die Grenze 0000 A, doch ist man zur Einsicht gekommen, daß #an sich an keine Grenze halten kann. So hat Bern eine Grenze von 10000 Ml festgesetzt. Redner im dann auf die Grund-, Kapital= und Betriebs. mmögen zu sprechen. Geschäftsgrundstücke gehözu dem Betriebsvermögen. Als Wert gilt der seine Wert. Als Gestehungskosten sind die tigen vor dem 31. Dezember 1913 gültig. Die irtung nach dem Ertrag ist nicht mehr vorgeseten. Bei dem Grundbesitz im Auslande wird die festsetzung des Wertes auf Schwierigkeiten stoßen. #s ist vorgesehen, stets die Gestehungskosten zurunde zu legen, auch dann, wenn der Erwerb vor em 31 Dezember 1913 erfolgte. Unter Betriebsinnahmen fallen auch die der offenen HandelsgeAschaften und Kommanditgesellschaften. Gültig nd maßgebend ist der letzte Bilanzabschluß. Abugsfähig sind Abschreibungen, Rückstellungen, ufführungen der Läger, Reparaturen an Machinen und Betriebsmaterial, Aufwendungen für Piedereinstellung von Kriegsteilnehmern. Steuerflichtig sind die Reserven. Für Wertpapiere wird im allgemeinen der Kurstettel zu Grunde gelegt werden. Ferner sind abAugsfähig die laufenden Ausgaben, die aus den innahmen nicht bestritten werden können für die hächsten drei Monate, Renten, sofern sie einklagbar ind. Die freiwilligen Zuwendungen nicht. Wohl ber Pensionen, sofern sie einklagbar sind. Bei Zupendungen, wie Gutsüberlassung, Ausstattung ohse gegenseitige Vergütung erfolgt kein gesetzlicher Inspruch auf Besteuerung, aber eine Aussteuer luß in der Vermögenssteuer angeführt werden. n# persönlichen Geschenke scheiden ebenfalls aus. die Maßnahmen gegen die Steuerflucht häben eine besentliche Verschärfung erfahren in dem Entwurf. Bei Abwanderung sind 20 Prozent des gesamten inkommens einschließlich Anschaffungen zu hinteregen in Gold oder mündelsicheren Papieren. Es ein Nachweis der Behörde vorzulegen. Vermösen unter 30000 A sind frei, ferner höhere, wenn Abwanderung im Staatsinteresse erfolgt. Zur erhütung der Kapitalabwanderung nach dem uslande sieht die Verordnung vor, daß der Verr mit Wertpapieren nur durch die Hand der treffenden Bank erfolgen darf, und diese nur dieder, wenn der Kunde dem Steueramte den Umder Geschäfte angezeigt hat. Zur Verhütung r verschleierten Konten ist die Bank gehalten, eine notariell oder sonst amtlich beglaubigte Interschrift. von dem Kontoinhaber vorlegen zu issen. Es sind strenge Strafen vorgesehen und t das Gesetz rückwirkende Kraft. Der Herr Redner behandelte im weiteren noch as Zuwachs-, Kapital= und Ertragssteuergesetz u. erner die Ergänzungs=, Betriebs= und Umsatzuer, auf welche Themata wir in einer der nächsten immern des Näheren eingehen werden. Zur Aufstellung der Vermögensverzeichnisse teibt der„Berl. Lok.=Anz.“ u..: Das Formular abgeholt, ausgefüllt werden, und zwar späteens am 31. Mai, und abgegeben werden, sobald das Besitzsteueramt verlangt. Dieses hat noch ir nicht das Licht der Welt erblickt, sondern ist anderes bis zu dieser Stunde, als die alte zeuerveranlagungskommission. Ein Jammer ist daß die Ausnahmen des Gesetzes noch nicht festen und daß die Milderung der Härten später im tionswege beim Bundesrat erstritten werden Kenner des Geschäftsganges rechnen hierhei kang sich dichts Der gegenwärtige Sitz der Nationalversammlung Die Berliner Universität. in deren neuen Aula die Nationalversammlung am 12 Mai zusamwentiat. Die deutschen Volisvertreter werden hier nur vorübergehend Gastrecht genießen, weil die gewaltigen außerpolitischen Ereignisse der Friedensverhandlungen ihren schnellen Zusammentritt erfordern. 1— * mit vier Jahren Laufzeit für die Einnahmen. Inzwischen wird der Vermögensanteil angefordert. Was das für alte, kranke Personen, für kinderreiche Familien, für notleidende Betriebe bedeutet, braucht hier nicht erörtert zu werden, Die kleinen fleißigen Sparer wird der Fiskus schon zu finden wissen; er wird bei ihnen die Schraube gehörig ansetzen. Die mit allen Hunden gehetzten Schieber, die sich durch diesen Krieg, der Deutschland verelendet hat, bereicherren, haben längst ihren Reud in Sicherheit gebracht. Syweit wir unterrichtet sind, liegen allein der Berliner Steuerverwaltung 100000 Anzeigen und mehr über die Abwanderung des Kapitals in das Ausland vor. Die Schweiz erstickt im deutschen Gelde; die Banken wissen dort tatsächlich nicht mehr, wohin sie damit sollen. Für alle diese Ausfälle wird der kleine Mann letzten Endes haftbar sein. * Annen, 24. Mai.(Einen herrlichen Anblick) bietet gegenwärtig der gestirnte Abendhimmel. Im Westen prangt ein wahrer Sternenreigen in einem Glanze, wie er sich nur nach langen Jahren wiederholt. Am weitesten rechts steht der Planet Venus, bekannt als Abend- und Morgenstern. Er eilt in raschem Laufe scheinbar auf den links von ihm stehenden Riesenplaneten Jupiter zu. Am 25. d. Mts. stehen beide Gestirne in kürzestem Abstande von etwa 4 Mondbreiten übereinander und verraten sich hiermit deutlich als Wandelsterne, als Brüder unserer Erde. Ueber ihnen glänzen in eherner Ruhe die beiden Dioskure Castor und Pollux, bekannt unter dem Namen Zwillinge. In etwas größerem Abstande von beiden leuchtet der ringgeschmückte Planet Saturn am Anfang des großen Löwen in bleifarbigem Lichte, der im September 1921 mit Jupiter ein leuchtendes Doppelgestirn bilden wird. Zwischen Jupiter und Saturn stehtals 4 Wandelstern der nur im Feldstecher sichtbare sonnenfernste Planet Neptun. —(Die Maifröste) sind in diesem Jahre, anscheinend im ganzen lieben deutschen Vaterlande außerst milde aufgetreten. Die Nächte vom 11.— 14. Mai waren entgegen allen Befürchtungen nicht kälter als pl. 9 Grad Celsius, während an den sonnigen Tagen sogarbis 30 Grad Wärme festgestellt wurden. Ganz ausgeblieben sind die Eisheiligen indes doch nicht. Sie haben uns nachts vom 17.— 20. Mai aber nur wenig mehr als 1 Grad Frost gebracht, den unsere meisten Gewächse wohl ohne Schaden überstanden haben. Die Heidelbeerblüte soll dagegen erfroren sein. Allerdings ist die ganze Nachtfrostgefahr noch nicht beseitigt, da um den 25. Mai herum noch ähnliche Kälterückfälle erwartet werdenstdie sich sogar als kalte Regen bis zum 22. Juni fortsetzen können. Die milden Maitage ohne jeden Rückschlag sind volkswirtschaftlich von allergrößter Bedeutung. Wir sind vor Millionenverlusten bewahrt geblieben. § Annen, 24. Mai.(Die neue Reichswehr.) Die uns laut Friedensvertrag von der Entente zugebilligten 100000 Mann Freiwilligen=Truppen bedeuten eine ungeheure Schmach für das deutsche Volk, wenn man bedenkt, daß ein solches verhältnismäßig kleines Truppen=Kontingent nicht einmal in der Lage sein kann, auch im Entferntesten nicht das Reich gegen innere und äußere Feindseligkeiten zu schützen. Mit Recht hat daher die deutsche Reichsregierung Verwahrung gegen eine solche Beschneidung unseres Rechts auf Selbstverteidigung auf der Friedenskonferenz eingelegt. Es steht zu hoffen, daß man unserem Wunsche, ein ausreichendes Reichsheer von der Entente bewilligt zu bekommen, willfahren wird. Es werden daher nach wie vor Anwerbungen Freiwilliger für die noch in der Bildung begriffene Reichswehr entgegengenommen. Die hiesige Werbenebenstelle für das ReichswehrTruppen=Kommando 1(Abteilung Lüttwitz) GardeKavallerie=Schützen=Korps befindet sich: Dortmund, Mönchengang 7 am Brüderweg. Meldungen Freiwilliger werden dort täglich entgegengegenommen. —(Theater in Annen.) Welchen Drangsalierüngen, welchem Jammer und Elend unerfahrene Mädchen ausgesetzt sind, die in die Hände des Mädchenhändlers fallen, das zeigt recht deutlich das gleichnamige Drama, das einen großen erzieherischen und aufklärenden Wert hat und Sanntag abend im Sagle des Herrn Helle aufgeführt wird. Nachmittags findet eine Kinder= und Familienvorstellung statt. Zur Aufführung gelangt„Der Rattenfänger von Hameln.(Siehe Inserat.) —(Ein Automobil=Karussell) ist auf der Wittenerstraße(Platz Hagenkötter) aufgestellt. Siehe Inserat. 6 Annen, 24. Mai.(Das Ende des Reiseausweises.) Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin teilte auf Beschwerden aus interessierten Kreisen über die Handhabung des Umganges mit den Reiseausweisen mit, es werde, wenn nicht besendere Umstände eintreten, mit der Aufhebung des Reiseerlaubnisscheinzwanges vor Eintritt der Hauptreisezeit gerechnet werden können. —(Ihre silberne Hochzeit) begehen morgen die Eheleute Franz Viermann und Frau Auguste geb. Frie, wohnhaft Königstraße 24 Möge es dem Jubelpaar vergönnt sein, dereinst auch das Fest der goldenen Hochzeit zu feiern. X Annen, 24. Mat.(Einbrecher auf frischer Tat abgefaßt) Das Pafmannsche Lazer hatte in den letzten Nächten wiederholt unerlaubten Besuch gehabt. In der vergangenen Nacht wurde von dem angestellten Wächter der ugendliche wiederholt vorbestrafte Heinrich Volz vom Schnee, der sich fälschlich Koch nannte, beim Stehlen von Mehl abgefaßt und der Polizei übergeben. Volz, ein früherer Fürsorgezögling, wurde dem Amtsgericht Witten zugeführt. —(Diebstahl) Einer hiefigen Ladeninhaberin wurde ein auf einem Behälter liegendes Portemonnate mit einer goldenen Uhr und einem Fünfzig=Martschein gestohlen. —(Landwehr= und Kriegerverein.) Die Monatsversammlung fällt aus. 6 Annen, 24 Mai.(Aus Schwermut in den Tod.) Ein sehr harter Schicksalsschlag hat die Familie Tippel von hier betroffen. Ihr letzter Sohn kehrte im vorigen Jahr aus dem Felde zurück, aber nicht mehr als der unerschrockene starke Mann, als der er zwei Jahre alle Strapazen des Krieges ertragen hatte. Die furchtbaren Erlebnisse waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen, sondern hatten seine Nerven so stark erschüttert, daß er in schwer krankem Zustande zurückkehrte. Ein ganzes Jahr hat er gehofft, Genesung zu finden Alle Mittel und alle Versuche waren jedoch vergeblich. Immer wieder stellten sich die heftigen Anfälle ein, so daß er schließlich allen Lebensmut verlor und am vorletzten Freitag in einem un glückseligen Augenblick in die Ruhr sprang und ertrank. Seine Leiche wurde vorgestern an der Wetterstraße gefunden. So ist dieser Lebensmüde auch ein Opfer des Krieges geworden. Ehre seinem Andenken! —(Die Zahlung der Militärrenten) und Hinterbliebenenbezüge sowie der Unfall= und Invalidencenten erfolgt fortan nicht mehr auf dem Pestamte, sondern im Gasthof La Bonte (früher Wiebelitz), Bahnhofstraße. Nächste Zahlung der Militärrenten: Mittwoch, den 28. Mai —12 Uhr Vormittags und—6 nachmittags. Nächste Zahlung der Unfall= und Invalidenrenten Montag, den 2. Juni—12 Vormittags und—8 nachmittags. Stockum, 24. Mai.(Ausflug.)„Friede und. Freude“ schreibt von hier: Die Wanderkommission des evangelischen Arbeitervereins, bestehend aus dem Vorsitzenden, Herrn Fördermaschinist Reckert, Bergmann Beneken und Kaufmann Wahl, hat für evangelische Männer und Jünglinge, die sich anschließen wollen, zunächst auf Sonntag, den 25 Mai, einen Ausflug nach Vormholz und Umgégend angesetzt. Es wird gebeten, Wegzehrung mitzubringen. Der Aufbruch findet Punkt 1 Uhr vom Amte statt. — Sodann ist vorgesehen, daß diejenigen Männer und Jünglinge, welche sich bis zum 10. Juni bei der Kommission anmelden, zum 21. und 22. Juni am Märkischen Jugendtag in Altena teilnehmen können. Näheres wird darüber noch bekannt gemacht. Das Nachtquartier kostet in Altena für ein Bett 50 Pfg., für Strohlager weniger.— Endlich hat sich die Kommission auch mit einem Vorschlage zur Pfingstfreude befaßt und ist zu dem Beschlusse gekommen, den Familien zu empfehlen, daß sie am zweiten Pfingsttage nachmittags unabhängig von einander ihren Spaziergang nach dem Hohenstein machen und sich zwischen einhalb 5 und einhalb 6 Uhr an einem noch näher zu bestimmenden Sammelpunkt treffen, von dem dann jede Familie zu beliebiger Zeit wieder aufbrechen kann.— Es gilt mehr denn je, Naturerquickung zu suchen und Heimatfreude zu pflegen, und das wollen wir tun in christlich=deutschem Sinn. Neues aus aller Welt. — Verhaftung des Spandauer Millionendiebes. In Wien ist, wie von dort gemeldet wird, am Dienstag der Spandauer Millionendieb verhaftet, worden. In einem Wiener Gasthaus siel das überaus kostspielige Auftreten eines Ehepaares Lienau auf. Bei der Zimmerdurchsuchung stieß man auf 2½ Millionen rumänische Okkupations=Lei. Die beiden Personen wurden festgenommen. Der Ehemann stellte sich als der neunundzwanzigjährige Kaufmann Fritz Karl Fröschel heraus, seine angebliche Frau war seine Geliebte, Johanna Lienau. Der Verhaftete ist mit dem flüchtigen Offizierburschen Fritz Karl Fröschel identisch, hinter dem wegen dringenden Verdachtes, den Spandauer Millionendiebstahl ausgeführt zu haben, ein Steckbrief erlassen wurde.— Das Berliner Polizeipräsidium hat sich telegraphisch an das Wiener Landespolizeiamt gewandt, um Auskunft über die Verhaftung zu erhalten. — Vier Kinder verbrannt. In der Kolonie Johannendorf im Kreise Pleß(O..) brach in der Nacht im Hause der Witwe Lieberda Feuer aus. Die vier Kinder der Witwe im Alter. von 13 bis 19 Jahren verbrannten. Der Vater der Kinder ist im Felde gefallen. AAls Ursache des Brandes wird ein Racheakt vermutet. Noch immer Schneefall im Riesengebirge. Im Riesengebirge ist neuer Winter eingetreten. Es hat am Sonntag den ganzen Tag über auch im Tale kräftig geschneit. Am Vormittag herrschten drei Grad Kälte. Die Höhe des Neuschnees auf dem Kamm beträgt etwa 8 bis 10 Ztmtr., so daß die Schlitten wieder in Tätigkeit treten können. Dachstein- Maschine für Handbetrieb arbeitet rasch, sparsam und zuverlässig — Furchtbare Geuberkatastrophe. Aus Mährisch Ostrau wird gemeldet, daß in dem dortigen Schacht der Wittkowitzer Gesellschaft bei einem Explosionsunglück etwa 110 Arbeiter getötet worden sind Vielo Arbeiter find noch verschüttet, und man zweifelt, ob es gelingen wird, sie noch lebend zu befreien Es verlautet, daß die Katastrophe auf bolschewistische Umtriebe zurück zuführen sei. Sour Neueste Nachrichten. Der Landesverrat an der Pfalz. Die Landauer Hochverräter im Franzosensold. Die 4 Führer der 21 Landauer Herren, die am Samstag die selbständige Repudlik Pfalz auszurufen versuchten und von den deutschen Gerichtsbehörden verhaftet und auf Veranlassung der französischen Bedörden wieder freigelassen wurden, sind der Nahrungsmittelchemiker Dr. Haas, der Holzhändler Schenk, der Architelt Müller und der Teppichhändler Hofer, sämtlich aus Landau. Es ist der Beweis erbracht, daß die französischen Behörden hinter dem Putschversuch stehen, was daraus hervorgeht, daß sie die Verhaftung der deutschen Beamten vornahm und auch den Bürgermeister von Landau festnahmen. Das Belastungsmaterial, das den französischen Behörden wieder ausgeliefert werden mußte, gibt die Ansprache bekannt, die der Chemiker Haas an die Beamten der pfälzischen Regierung zu halten beabsichtigte in dem Augenblick, wo die plälzisehen Republik ausgerufen werden sollte. Sie lautet: „Meine Herren! Im Namen des pfälzischen Volkes habe ich heute die Pfalz als selbständige neutrale Republik erklärt. Herr von Winterstein, der sich dem Willen des Volkes entgegensetzte, ist seiner Stelle als Regierungspräsident enthoben und verläßt heute die Pfalz. Ich habe heute die vorläufige Wahrnehmung der Geschäfte eines Präsidenten übernommen. An Sie, meine Herren, richte ich die Frage, ob Ste in dem neugegründeten Staat ihr Amt betbehalten wollen und sich der schwierigen Aufgabe der Neuorganisation der Regierung unterziehen wollen. Die Pfalz als neutrale selbständige Republik ist bereits von der französischen Besatzungsbehörde und dem General Gerard anerkannt und wird als solche unterstützt und beschützt werden. Die Art der Regierung und der Verwaltung des Landes wird vorläufig nicht geändert werden. Alle Beamte, die sich auf den Standpunkt der neuen Regierung stellen wollen, sollen im Amte bleiben. Für Beamte, die nicht loyal der neuen Regierung gegenüberstehen und derselben entgegenstreben, wird kein Platz mehr im Lande sein. Ich bitte die Herren, ihre Erklärung darüber abzugeben.“ In der Pfalz ist die ganze Bevölkerung empört über die Verräter. Man weiß, was man von der französischen Behörde zu erwarten hat. Zum Einmarsch bereit. Amsterdam, 23. Mat. Das„Reutersche Büro“ meldet aus Köln, es sei kein Geheimnis, daß die Truppen der Alltierten an allen Stellen zum sofortigen Vormarsch bereit ständen. Vor dem Rücktritt Clemeneeaus? Wie man auf der französischen Botschaft erfährt, soll die Demission Clemenceaus unmittelbar bevorstehen. Briand werde sein Nachfolger sein. Grund der Demission bilden Differenzen mit Wilson und Lloyd George. Letzterer wünscht, um die wachsende Mißstimmung der englischen Arbeiterschaft zu dämpfen, daß gewisse Teilkonzessionen an Deutschland gemacht werden, die Clemenceau jedoch nicht zugeben will. Die Nachricht von der Demissien wird streng geheim gehalten. Die französische Presse darf davon nichts veröffentlichen. Ultimatum der Entente an Polen. Wie ein Vertreter der„Frankf. Zeitung" aus guter Quelle erfährt, haben die Polen von der Entente eine Art Ultimatum erhalten, den Krieg im Osten sofort einzustellen Doppelmord im Eisenbahnzuge. Beim Einlaufen des Personenzuges 282 von Dortmund um 12,42 Uhr nachts auf dem Essener Hauptbahnhof wurde von Eisenbahnbeamten in einem Abteil des letzten Wagens die Leiche einer erschossenen männlichen Person und in einem anderen Abteil ein durch eine Schußwunde schwer verletztes Mädchen gefunden. Letzteres starb bald darauf. Es handelt sich bei den Ermordeten um den Chauffeur Heinr. Eisenbach, das Mädchen heißt Maria Neumann. Bei ihr wurde eine Lohndüte von der Firma Krupp vorgefunden. Die Tat muß auf der Strecke Wattenscheid-Kray ausgeführt worden sein. Der Täter ist bei der Einfahrt Kray Süd aus dem fahrenden Zuge gesprungen und über den Bahnhof in der Richtung nach Wattenscheid geflüchtet. Ueber seine Person ist noch nichts bekannt. Kirchliche Nachrichten. Sonntag(Rogate) vorm. 9 einhalb Uhr: Gottesdienst. Pastor Müller. 11 Uhr: Kindergottesdienst. 12 Uhr: Kirchentaufen. Donnerstag(Himmelfahrtsfest) vorm. 9 einhalb Uhr: Festgottesdienst. Pastor Müller.(Feier des h. Abendmahls. Beichte um 8 einhalb Uhr). — Statt jeder besonderen Anzeige. Heute morgen 4½ Uhr verschied nach kurzem schweren Leiden mein innigstgeliebter, guter Mann, treusorgender Vater seines einzigen Kindes, Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Onkel und Vetter Hert FaurStender im Alter von 29 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Aenne Stendel geb. Herbst. Annen, 23. Mai 1910. Die Beerdigung findet Montag, den 26. Mai nachm. 4 Uhr vom Sterbehause Annen, Wilhelmstr. 6, aus statt. 3„ k 4 Emma van Dieken K 2 k 3 Heinrich Demtroder Verlobte. k Annen, den 2g. Mai 1919. s K 7 7C 7C 7C 7 7K 7C K 7C 7C TS 78 06 70• Bahnhoisvirtschaft Aunen-Saa# Täglich geöffnet. Ta. Stade-Bier# fI. Liköre# I Zigarren und Zigaretten u. s w. empfichlt A. Lönne. 7K 7K 7C 7K NK TK07X TS K 7 7C 7 TC 7 7CE „Restaurant Branscheid“. Wittenerstraße 59. Gemütlicher Aufenthalt. Musikalische Unterhaltung (elektr. Klavier.) f. Dortmunder„Union=Bier“. Stnli a s Bad Königsborn bei Unna. Ballksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer teuren Entschlafenen sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie für die trostreichen Worte am Grabe unsern berzlichsten Dank. Das Badehaus istäglich mit Ansnahme der Sonn=u Feiertage vormittags von 7 bis 12 Uhr, nachmittags von 2 bis 7 Uhr geöffnet. Es wird gebeten, die Badewäsche mitzubringen, da solche nicht ausgegeben werden kann.= Die Badeverwaltung. Simmmg Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben Tochter und guten Schwester sagen wir allen, besonders Herrn Paster Müller für seine trostreichen Worte am Grab., sowie den„Angestellten, den Arbeitern und Arbeiterinnen der Firma Gottfried Stinshoff-Witten, und für die zahlreichen Kranzspenden unsern aufrichtigen Dank. * Fauilie Karl Teschner. Restaurant zum„Erlenhof“, Annen, Wittenerstraße. Von Mittwoch, 21. Mai bis Montag, 26. Mai Neu! Eine große Sehenswürdigkeit! Neu! Die kleine Künstlerin das einzige dastehende Wunderkind! Hat keine Arme und nur ein Bein! Spielt Vall und Diebolo, schreibt, näht, stickt, schneidet mit der Scheere, fädelt die Ridel ein und fertigt die schörsten Rosen und Blumen aus Papier an usw. macht überhaupt alles wie ein normales Kind, welches alle seine Glieder besitzt. Trotzdem sie keine Arme und nur ein Bein besitzt, ist sie doch mit ihrem Schicksal zufrieden. Es ladet höflichst ein, Wilh. Ripp. Seima a 90 „Ardeyer Hof“ Sonntag, den 25. Mai —10 Uhr findet in meinem Lokale grosser Ball katt. Eintritt a Person 09 Pfg. Streichmusik. Es ladet#reundl. ein Geerg Niebtar. Milchkarten. Die Milchkarten für den Monat Jun 1919 gelangen in folgender Reihenfolge zur Ausgabe: Amtshaus Zimmer 1 Zimmer 2 Montag, den 26. Mai er. vormittags—2 Uhr Nr.—900] Nr. 1687—2500 Dienstag, den 27. Mäi er. vormittags von—2 Uhr Nr. 901—1686 Nr. 2501—3600 Die vorstehende Neihenfolge muß genau innegehalten werden. Lebensmittelkarten u. Altersnachweise sowie die amtlichen Sonderzuweisungsbenachrichtigungen sind vorzulegen. Während der Ausgabe der Karten bleiben die Geschäfts zimmer Nr. 1, 2 und 11 für den gewöhnlichen Dienstakehr geschlossen. Wer die Karten in den vorstehend angegebenen Terminen nicht in Smpfang nimmt, kann dieselben erst am 10. Juni 1919 auf Zimmer No. 1 erhalten. Ausnahmen werden nur in besonders dringlichen Fällen gemacht. den 24. Mai 1919. Der Arbeiter= und Der Amtmann: Saldatenrat. Boeticher. I..: Schlischo. Gestern nachmittag 12½ Uhr verschied nach langer Krankheit sanft und gettergeben mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Onkel und Neffe, der Invalide Ragast Breiner im Alter von 70 Jahren, 5 Monaten. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Annen-Gederbach, Witten, Langendreer, Wengern, Frohlinde, engl. Gefangenschaft und Ende, den 24. Mai 1919. Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Mai nachmittags 3½ Uhr vom Sterbehause, Gederbach Nr. 37, aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine besöndere Nachricht erhalten, so diene diese als solche. Am 16 d Mts. verschied unser letzter innigstgeliebter Sohn, Bruder, Onkel, Schwager, Neffe, mein innigstgeliebter Bräutigam als ein Opfer des Kriegen nachdem ihm sein Bruder vor vier Jahren vorangehangen ist, AEVISE im 23. Lebensjahr. In tiefer Trauer: " Familie Tippel und da Ziemann als Braut. Annen, der 24. Mai 1919. Die Beerdigung findet Sonntag, den 25. Mai, von der Leichenhalle des evang. Krankenhauses in Witten, nachmittags ½4 Uhr statt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten, so diene diese als solche. EinfuhrInsatzkarten. Mit der Ausgabe der Milchkarten am Montag, den 26. Mai und Dieustag, den 27. Mai er. ist gleichzeitig in derselben Reihenfolge die Ausgabe der Zusatzkarten zum Bezuge der ausländischen Lebeusmittel(Speck, Fett und Mehl) verbunden. Die Selbstversorger sind zur Empfangnahme der Marken nicht berechtigt. Annen, den 23. Mai 1919. Der Arbeiterrat: Schlischo. Der Amtmann: Boettcher. Sekaurtmachuig. Sonntag, den 1. Juni 1919 darf in den Verkaufsläden ein Geschäftsbetrieb von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends stattfinden. Annen, den 24. Mai 1919. Der Arbeiter- und Soldatenrat: Grünewald. Der Amtmann: Boettcher Mergenmädchen gesucht. Noonstraße 25. -Zinmer-Kohnung in Annen oder Umgegend gesucht. Offerten unter 3001 an die Zeitung erbeten. mit Garten und Obsthof sofort zu kaufen gesucht. Gefl. Offerten unter K. 50 an die Gesch. erbeten. Platten werden entwickelt und Postkarten angesertigt zu billigen Preisen. Haus Pichl, Wulenerstr. 5a. Rauchtabak und Kautabak 1 R 146 Heute morgen 11½ Uhr verschied nach 17jährigem schweren Leiden meine innigstgeliebte Frau, die treusorgende Mutter meines einzigen Töchterchens, meine gute Tochter, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Prad Karr Heirmann Olga geb. Mussog im Alter von 41 Jahren, 3 Monaten. Um stille Teilnahme bittet: Namene der trauernden Hinterbliebenen: Karl Herrmann nebst Kind Olga. Annen, den 23. Mai 1919. Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3½ Uhr von Sterbehause, Karlstraße 15, aus statt. Dar von Versehen keine besondere Nachricht schalton, so diene diese ais soiche. Wilh. Eickelkamp Annen, Wullenerstr. Telephon Nr. 344. 1 Sport= u. ein Kinderwager: 1 Knaben= und 1 Damenstrohhut. Sommerblusen zu verkaufen. Kirchstr. 12. Eine Putzfrau für Büroräume gesucht. Maschinenfabrik Westermans, Akt Ges. Büder Kragen, Vorhenten und Marschetten alle Formen und iten wieder in großer wahl ua geiosen Gebr Rosenbaum. Bahnhosstraße 91. 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Ministerpräsident Scheidemann von einem Zimmer der Reichskanzlei aus eine Ansprache von großer politischer Bedeutung. Der Ministerpräsident äußerte sich über die Art, in der die deutschen Gegenvorschläge gehalten sind. Diese Rede gewann dadurch an Bedeutung, weil sie nähere Mitteilungen über die Gegenvorschläge brachte, bevor die Veröffentlichung des deutschen Gesamtvorschlags geschehen ist, die selbstverständlich erst nach Ueberreichung der Vorschläge an die Friedenskonferenz in Versailles erfolgen kann. Gleichzeitig mit der Kundgebung der Mehrheitssozialisten veranstalteten die Unabhängigen eine Demonstration im Lustgarten, die ebenfalls überaus große Massen anlockte „Frieden um jeden Preis“. Die Entschließung der Unabhängigen angenommen In der Vollsitzung des großen Berliner Arbeiterrates wurde gestern nach wüsten Lärmszenen die Entschließung der Unabhängigen angenommen, die einen unbedingten Frieden um jeden Preis fordert, ferner wurde der Antrag der Kommunisten angenommen, der den Zenkralrat ersucht, möglichst bald einen neuen Rätekongreß einzuberufen. — Neichs=Stenerprojekte. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß der neue Reichsfinanzminister sich mit der Absicht trägt, den Schiffer'schen Entwurf einer Kapital=Rentensteuer, gegen den mannigfache Bedenken geltend gemacht wurden, zurückzustellen oder ganz zurückzuziehen. Gleichzeitig soll die Absicht bestehen, eine umfassende einheitliche Reichseinkommensteuer einzuführen, die die kleinen wie auch die großen Einkommen erfassen soll. Ausland. Frankreich. Das Frauenwahlrecht in Frankreich. Das Büro„Europa Preß“ meldet: Die französische Kammer nahm einen Gesetzentwurf an, durch den die Frauen das aktive und passive Wahlrecht erhalten. Italien. Der Papst für Milderung der Friedensbedingungen. Der Nuntius in München erhielt die offizielle Mitteilung, daß der Papst im Sinne der Milderung der Friedensbedingungen tätig ist. Provinzielle Nachrichten. (Diebstähle.) In Kirchhörde, 23. Mai. ländlich Kirchhörde wurde an drei Stellen eingebrochen. Beim Wirt Steinfort stahl man mehrere Paar Schuhe, einige Regenmäntel und, sonstige Bekleidungsstücke. Beim Wirt Sträter hießen die Diebe 15 Tischdecken mitgehen und einer Witwe Jung stahl man die Kaninchen aus dem Stall. Herdecke, 23. Mai.(Für 15000 Ml Lebensmittel und Leder) wurden vor einigen Nächten in dem nahen Bahnhof Vorhalle gestohlen. Gestern ist es der Hagener Kriminalpolizei gelungen, sechs Personen, darunter einen Angestellten der Eisenbahn festzunehmen. Der größteTeil der gestohlenen Gegenstände konnte beschlagnahmt werden. Bochum, 23. Mai.(Zum Grubenbrand auf „Fröhliche Morgensonne"). Von den im Krankenhause Wattenscheid an Gasvergiftung schwer darniederliegenden Rettungsmannschaften von der Zeche„Fröhliche Morgensonne“, sind der Steiger Vedder und der Fahrhauer Paas gestorben, so daß der Brand bisher vier Tote gefordert hat. Die Leiche des vermißten Wetterführers Löffler ist nunmehr gefunden worden. Der Brand konnte bisher noch nicht gelöscht werden. Hattingen, 23. Mai.(Bürgermeisterkrise.) Hier ist eine Bürgermeisterkrise ausgebrochen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte eine Revision der Beamten- und Angestelltengehälter vorgenommen. Auf Antrag der Unabhängigen wurde jedoch das Gehalt des Bürgermeisters von der Aufbesserung ausgeschlossen. Da auch gleichzeitig ein Antrag auf Aufhebung der Magistratsverfassung angenommen worden war, sah der Bürgermeister darin einen persönlichen Vorstoß gegen sich und stellte sein Amt zur Verfügung mit der Bedingung, daß ihm seine dienstlichen Bezüge bis zum Ablauf seiner Wahlzeit fortgezahlt und alsdann das gesetzliche Ruhegehalt gezahlt werden soll. Essen, 23. Mai.(Die Millionenschiebungen Gusdorf.) In einer Sitzung des städtischen Lebensmittelausschusses gab der Beigeordnete Rath den Vertretern der Presse Aufklärung über die Verfehlungen des Großhändlers Gusdorf, dessen Schiebungen bis 1916 zurückreichen. Buchfälschungen seien von Gusdorf deshalb gemacht worden, um „notwendige“ Höchstpreisüberschreitungen dem Staatsanwalt gegenüber zu verschleiern. Das sei dem damaligen städt. Vertreter, Husen, bekannt gewesen. Die großen Gewinne des Gusdorf seien auf die hohe Provision zurückzuführen, die ihm von der Reichsgemüsestelle bewilligt wurde. Es sei auch wahrscheinlich, daß Gusdorf nebenher unerlaubte Geschäfte betrieben und auch sonst versucht habe, auf Umwegen Gewinne zu erzielen. Die Verdachtsmomente hätten sich derart verstärkt, daß die endgültige Verhaftung des Beschuldigten erfolgen mußte. Die Schiebungen hätten auf die Finanzkraft der Stadt Essen keinerlei Einfluß. Hamborn, 23. Mat.(Ein furchtbarer Raubmord) ist in Bislich bei Wesel von drei achtzehnjährigen Burschen aus Hamborn, namens Giesen, Zimnik und Kornitzky verübt worden. Auf einer Hamsterfahrt trafen die drei eine Frau Eick, deren Mann zum Holzholen in den Wald gegangen war, allein in ihrer Wohnung an Während Kornitzky draußen Schmiere stand, überfielen Zimnik und Giesen die Frau, töteten sie durch zahlreiche Messerstiche in die Brust, raubten dann Speck und Geld und suchten mit ihrem Raube das Weite. Der draußen stehende Kornitzky, der offenbar übersehen hatte, daß seine Spießgesellen bereits das Haus verlassen hatten, wurde nach Entdeckung der Untat festgenommen und verriet seine Genossen, die mit ihm nach Wesel ins Gefängnis gebracht wurden. Elberfeld, 23. Mai.(Handel mit Tausendmarkscheinen.) Wegen Handels mit Tausendmarkscheinen ist gegen eine Anzahl junger Leute aus Elberfeld und Umgegend eine Untersuchung eingeleitet worden. Eine größere Summe Geldes konnte beschlagnahmt werden. Paderborn 23 Mai.(Raubmörder.) Auf! dem Anwesen des Gutsbesitzrs Beindelmeier in der alten. Senne bei Neuhaus fuhr gestern im Auto eine bewaffnete achtköpfige Bande in Soldatenunisorm vor, erbrachen die Wohnung und raubten Geld und Wertsachen. Der allein anwesende Sohn des Gutsbesitzers wurde dabei von einem der Räuber durch einen Schuß in den Kopf ermordet. Als die Nachbarn herbeieilten, waren diese Bestien in Menschengestalt bereits mit ihrer Beute auf und davon. Bisher konnte man ihrer noch nicht habhaft werden. Wesel, 23. Mai.(Ein heiterer Zwischenfall) ereignete sich kürzlich in einem holländischen Grenzstädtchen. Ein alter Mann, der einen dicken Baumstamm durch den Ort fuhr, war auf dem Bock seines Gefährtes eingeschlafen. Zwei Jungen, die sich nach Bubenart hinten an den Wage hängten, bemerkten plötzlich, wie sich bei jeder größeren Erschütterung des Gefährtes aus dem anscheinend hohlen Baumstamm sauber verpackte Schokoladentäfelchen lösten. Im Nu war die Holzfuhre von einer großen Kinderschar umschwärmt, die sich zum Vergnügen der Vorübergehenden an dem schlaraffigen Inhalt des Baumes gütlich taten, bis ein gestrenger Polizeimann der Freude ein Ende bereitete und dem durch einige Rippenstöße unsanft aus seinen Träumen Gerissenen mit allemNachdruck versicherte, daß seine süße Schmugglerladung mit Beschlag belegt sei. Köln 23. Mai.(Ein englisches Konsortium) beabsichtigt, das Hotel„Ewige Lampe“ das jetzt von den Engländern belegt ist, käuflich zu erwerben. Die Verhandlungen mit den Inhabern, den Gebrüdern Urban, sind bereits im Gange, aber noch nicht zum Abschluß gebracht. Die Hotelinhaber verlangen eine hohe Summe. Man spricht von 2 einhalb Millionen bis 4 Millionen Mark, die sie in Gold gezahlt wünschen. Es sollen ferner Verhandlungen schweben wegen des Verkaufs des Hotels„Belgischer Hof“ bekannt unter dem Namen„Bierstall.“ Bonn, 23. Mai.(Ein jugendlicher Erfinder) unserer Stadt hat sein Glück gemacht. Schon im Jahre 1914 hatte der damals 18 jährige eine Erfindung gemacht, die das Sinken von Schiffen verhindern soll. Die Erfindung, die inzwischen patentiert worden ist, besteht nach einer Patenturkunde aus zwei Elektromotoren, die nach einer besonderen Konstruktion mit Turbinen ausgestattet sind, die seitwärts über Bord geführt werden. Fährt nun ein Schiff auf einen Felsen auf, so treten die Turbinen in Tätigkeit und heben es vom Felsen selbsttätig weg. Die Erfindung des jungen Bonners hat in Schiffahrtskreisen großes Aufsehen erregt. Von verschiedenen Reedereien wurden namhafte Summen für sie geboten, so von einer dänischen Firma, die zwei Millionen Kronen dafür bezahlen will. Empfehle täglich prima Steisch= und Wurstwuren Rossschlachterei Thooder Rasche, Johannisstr. 16. Witten Teleson 787. Schlachtpferde werden zu höchsten Tagespreisen angekauft. Fr#ar bucc Aauenwerzen. Von M. Eitner. 25) ur 57 3— wo?“ gab seine Frau lächelnd „Irgendwo an einem ihrer Lieblingslckhe Park. Sie muß ja heute überall Stundee Da vergißt sie Zeit und „Ich werde sie suchen," erklärte Falkenberg,„da doch meine Wirtschafterin für die heutige Frühstückstafel ihre besten Künste angewendet hat, wie sie mir vor einer halben Stunde versicherte. .„.Ex wußte ganz genau, wo er Christa um biese Zeit zu suchen hatte, kannte ihren Lieblingsplätz an der von Tannen und Fichten umgebenen Felsengrotte. Oft genug hatte er sie dort von weitem beobachtet, ohne daß sie es abnte. 8 Auf der von Douglas=Tannen umgebenen Bank saß Christa in hellblauem Morgenkleid, ##s mit weichen Falten ihre schöne Gestalt umdie Zweige der Tannen hindurch stahl sich ein Sonnenstrahl und legte sich vergoldend über Christas blondes Haar. Die Hände im Schoß gefaltet, mit traumversunkenem Blick, saß sie da und sprang auf, als Falkenberg sich nahte. „Ihr Vater ist gekommen, Fräulein Christa, und— ja, ich glaube, das zweite Frühstück wartet auf uns.— Was wird aus Neudorf werden, frage ich wieder,“ fügte er hinzu, wenn keine geschickte Frauenhand mehr in der Stille so vieles fördert? Ich fürchte, meine Leute werden mich nach diesen Wochen gar nicht mehr als voll ansehen. Christa lächelte und entgegnete:„Aber von Falkenberg, das konnten Sie doch alles ändern im Augenblick. Vater hat schon vor Jahren gesagt, er wünschte, daß Sie Neudorf eine Schloßherrin geben möchten. Wir wünschen das alle für Sie, wissen wohl aber eigentlich nicht, was wir tun. Vielleicht würden wir eifersüchtig sein, wenn in dem Verhältnis zwischen Ihnen und uns etwas geändert würde, der Gesichte ie sch; während heiße Röte amon#t überflog,„wie häßlich von mir, so Eewus zu sagen!“. Röte ihrer Wangen unter dem Blick, den Falkenberg jetzt auf sie heftete. bllcte er sger ihr denn? und wie wunderlich „Es gibt eine Einzige auf der Welt,“ sagte ich zur Herrin eisentümlicher Betonung,„die nehmen Neudorf an meine Seite nicht esterfüchtig zu sein; die drauchten Sie In ihren Augen lag ein Ausdruck banger Frage, ein Ausbruck, der kund gibt, daß man sich vor etwas fürchtet. .. Da war es vorüber mit Falkenbergs durch Jahre und Jahre ausgeübter Selbstbeherrschung. . I n s e i n e n A u g e n f l a m m t e e s a u f. E r f a ß t e beide Hände des jungen Mädchens und stieß nur hervor:„Christa!" in diesem Ausruf lag alles, was in ihm lebte: seine Liebe, sein Zagen, sein Hoffen. Er legte in rascher Bewegung den Arm um sie, zog sie an sich heran, beugte sich zu nicht Shrstg eise:„Wissen Sie es Richt, Christa,— weißt du es nicht,“ fuhr er einzige diht for“;„daß es für mich nur eine eingegr glot, die mein Herz ausfüllt? Weißt du denn nicht, daß du es bist, die ich liebe, seit Jahren und Jahren?" Dann gab er sie plötzlich frei, als erschrecke er über das, was er getan und gesagt hatte. „Vergeben Sie und vergessen Sie,“ bat er. Ueher Christas Züge hatte sich im ersten Augenun ein Ausdruck des Erschreckens gelegt. Dann war ein wunderbares Leuchten über sie hingezogen. worden war, wurde ihr klar, was sie ihm ge„Vergeben Sie und vergessen Sie, was ein Wbrähter Mann, der Ihr Vater sein könnte, Ihnen eben sagte," begann Falkenberg von geuen seine innere Erregung gewaltsam untermit der Hand über die Stirn. Pas. soll ich vergeben?“ fragte sie dann, „was son ich vergessen?“ Gehen gewandt. nicht gehen, nicht gehen!“ rief sie wil nichts nergetab; nichts zu vergeben, ich Küstern: geen. Ist es wahr?“ füate sie ###rrno hinzu,„daß Sie... Bernhard!“ rief wirtklich wahr das vie belnd, gist das wahr grluch Wühr, Laß du mich liebst?“ Da legte er wieder den Arm um sie, zog sie wieder an sich heran und sagte:„Christa, seit langen Jahren bist du für mich das Licht auf meinem Wege, das Licht, das mich hat vergessen mocher Rch babe.. Jugend durchkämpfen Magte. Ich hart dich als Kind gesehen, habe #u##rblühen sehen, und lieber, immer lieber unrecht Fir dagoden ader ich bielt es für ein sagen, schwieg weiter und weiter, als ich sah oder doch zu sehen glaubte, wie die Liebe an dein Herz klopfte. Und ich hätte dich auf die Arme nehmen und forttragen mögen, als ich wieder sah, wie das, was ich in Entstehen geglaubt hatte, zerfloß, und als #a vorstellte, was du dabei leiden mußtest. Ein Strahzt faßt ube beite aus ihren Augen heraus. leise aber bastg fort. 23ch ber an meinem Geburtstag nicht eine bittere Enttäuschung empfand. Jetzt weiß ich, weshalb ich so ruhig blieb: ich hatte ja dich. Ohne dich hätte ich mir ja mein Leben gar nicht ausdenken können, aber ch ich bin doch nicht gut genug für dich. Gagr und mit der Hand über ihr blondes wicht Seit Jahren warfk?icht gut genug für nich! Gen Fahlen wurst ou der Sonnenschein meines Lebens. Willst du, Frühlingsblume, selen 3, wirklich, wirklich dem Herbst zuge„Ach!“ jubelte Christa auf,„ich will nichts. nichts anderes, als dir angehören. „Christa,“ erwiderte Falkenberg,„du gibst mir ein Glück, das mir fast zu groß erscheint. Was wird,“ fügte er hinzu, ohne sie aus den Armen zu lassen,„dein Vater, mein lieber, alter sagen? Was wird deine Mutter sagen, daß. ich, der alternde Mann, nach ihrem Kleinod „„Sie werden mich niemand lieber geben ais vir. Laß mich jetzt gehen, daß ich ihnen hosfen kann spreche, das ich nochkaum Eltern das leseste Zögern zeigt, so verzesent:“: Dann mußt du vergeben und jah ier lüßte ihre Hände, und sie ging. Er „„## nach und als sie bei der Biegung eines Pultweges ankam, wandte sie sich um und winkte ihm mit der Hand einen Gruß zu. meschhat tenberg setzte sich auf die Bank, auf rrichtt Christa wie träumend gesessen hatte. Er drückte beide Hände gegen die Stirn und fragte sich, öb er nicht unrecht getan hatte, dem, was in ihm lebte, Raum zu lassen. Doch nein! Selbst wenn sein Freund und dessen Frau sich nicht einverstanden erklärten, wenn sie ihm ihre Foczer gichtzasz Lebensgefährtin geben wollen, ####e. doch nie, nie das wundersame Leuchten in Christas Augen vergessen, das ihm gewaltige Liebe, nicht unerwidert bileb. Jutzren ergeissen hatt, die Veransg. rat sest, nach schnellem ##e Eltern, die beide mit Lesen beschäftigt walen, blickten auf, und Frau von Bredow ist dir geschehen, Christa? Man könnte geradezu meinen, du hättest ein großes, graßer„Glück auf einem der Parkwege ge„Falkenberg suchte dich.“ fügte der Landrat hinzu.„Hat er dich nicht getroffen?“ uich auf diag etrossen, entgegnete Christa, ihre Mutte, saß. Er hat wich getr. u den G Sees faß.„Er hal mich gelroffen, und Bater! Miag Glück ist mir begegnet. g ich um##ter 1 er— erliebt mich, und— fu, i0 uin seine Braut.“ Fortsetzung folgt. Verschiedenes. Die verbotene Mühle. eslseld wurde inden letzten Tagen eine Mühle Besitzer heimlich Korn gemahlen solgendes Klageliehzu d Stelber In einem kühlen Grunde, Da ging ein Mühlenrad, Der Müller ist verschwunden, Der dort gewohnet hat. Der Herr Gendarm ihn störte Und ließ ihm keine Ruh', Bis endlich die Behörde Ihm schloß die Bude zu.... Er hat die Nacht gemahlen, Wenn alles schlafen sollt' Er ließ sich's gut bezahlen! — Das Glück war ihm nicht hold. Seh' ich das Mühlrad stehen, So packt mich wilder Zorn. Wohin soll ich nun gehen Mit dem versteckten Korn? Ein drolliges Etikettegeschichtchen. Eine der drolligsten Geschichten der Hofetikette spielte sich, wie dem„Berl. Lok.=Anz. geschrieben wird, vor etwa zehn Jahren am Berliner Kaiserhofe gelegentlich der Einsegnung der Prinzessin Viktoria Luise ab. Damals waren alle in Berlin anwesenden diplomatischen Vertreter des Auslandes zum Frühstück ins Schloß geladen, und als sie das Schloß verließen, wurde auf Weisung des Kaisers bei der Abfahrt jedes einzelnen die Natine seines Landes gespielt. Als der englische Botschafter seine Equipage bestiegen hatte und diese eben das Schloß verlassen will, fiel die Musik mit der englischen Nationalhymne ein, die, so lautete die Bestimmung so lange gespielt werden sollte, als der Wagen des Botschafters in Sicht blieb. Kaum vernimmt dieser die Klänge, so läßt er den Wagen halten, verläßt ihn und stellt sich neben, den Wagen, denn es ist englische Hofetikette, bicse Aationalhymne stehend, mit entblößtem Haupte bis zu Ende anzuhören. Als die Nationalhymne beendigt ist, besteigt der Botschafter den Wagen und läßt weiterfahren, muß aber sogleich von neuem die Fahrt unterbrechen, da die Musik die Hymne wieder begonnen hat, um die Abfahrt des wiederum zu begleiten. Erst am Schlusse der Hymne besteigt der Botschafter den Wagen, aber nur für kurze Zeit, denn wieder erneuert sich das Spiel, und fünfmal wird der Botschafter gezwungen, seine Nationalhymne anzuhören, und dies würde vielleicht noch weiter sich fortgesetzt haben, wenn nicht inzwischen die dadurch in ihrer Abfahrt behinderten anderen Botschafter ungeduldig geworden wären und den Anlaß gegeben hätten, daß die Mustk über ihren Irrtum aufgeklärt worden wäre.