1— HRVEETOUNTUO — Die„Annener Seitung“ erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Anzeigegebühr für die einspaltige Relonelzeile oder deren Raum 10 Ofg. Gegaggprete kutl. Honntagsblats u.„Humoristische Blätter“ — monatlich 40 Pfg.— — Echephen=Nr. 894—. verbunden mit der„Annener Anzeigeblatt für Annen und die benachbarten 14 Ortschaften. Ktlitriches Htgalt.= Nr. 86. Inserate finden bei der großen Auflage der Annener Zeitung weite und billige Verbreitung.— Bei gerichtlicher Beitreikung oder bei Konkursen kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall. Für die Aufnahme der Anzeigen an vorgeschriebenen Plätzen übernehmen wir keine Verantwortung. — Celephon=Nr. 884.— Poincaree in Petersburg. Präsident Poincaree begab sich am Dienstag mittags von der Sommerresidenz Peterhof nach dem nahen Petersburg zur Besichtigung der Stadt. Er wurde bei seiner Ankunft von dem Oberbürgermeister und mehreren Stadträten begrüßt, die Salz und Brot auf einer Silberschüssel überreichten. Darauf begab sich Herr Poincaree zur Festungskathedrale, um am Sarge des Zaren Alexander III., des Mitbegründers der Allianz, einen Kranz niederzulegen. Später empfing er die Spitzen der französischen Kolonie, sowie eine Deputation französischer Bürger aus anderen Städten Rußlands. In den Prachträumen des Winterpalais wurde dem Präsidenten das diplomatische Korps vorgestellt. Später wohnte der Präsident der Grundsteinlegung einer Halle im französischen Hospttal bei. Abends nahm Herr Poincaree an einem Festmahl auf der französischen Botschaft teil, während sich die übrigen französischen Gäste und Offiziere zu einer festlichen Veranstaltung im prächtig geschmückten Rathaus vereinigten. Dabei wurde jedem Gaste ein emaillierter silberner Trinkbecher russischer Arbeit als Geschenk überreicht. Der gestrige Mittwoch war einer Parade im Sarskoje Selo gewidmet, abends fand Galavorstellung des Ballets im Theater von Krasnoje Selo statt. Die Abreise erfolgt über Kopenhagen, wo dem dänischen Hofe ein zweitägiger Besuch abgestattet wird. Der Ministerpräsident Diviani hatte eine einstündige Unterredung mit dem Minister des Auswärtigen Sasonow. Der Zar verlieh Herrn Diviani, der aus demokratischer Reputation einen Orden sich verbeten hatte, sein Bildnis. Die übrigen französischen Herren und der Botschafter Palaologue erhielten hohe Ordensauszeichnungen. Es überrascht, daß auch der Pariser Botschafter Rußlands, Herr v. Iswolsky, der große Deutschenhasser, in Petersburg weilt. Sasonow hatte eine längere Besprechung mit Iswolsky, der in Beglektung des Marineattachees Grafen Ignatiew in Petersburg weilt. Man spricht von bevorstehenden wichtigen Beratungen, an denen auch der Botschafter in Berlin Swerbejew teilnehmen wird. Trinksprüche bei der Galatafel. Dienstag abend fand im großen Peterhofer Palais Galatafel statt. Der Zar richtete folgenden Trinkspruch an den PräRdenten: „Herr Prasidens! Lassen Sie mich Ihnen zum Ausdruck bringen, wie glücklich ich bin, Sie hier willkommen zu heißen. Das Oberhaupt des befreundeten und verbündeten Staates ist immer sicher, in Rußland wärmste Aufnahme zu finden. Durch gegenseitige Sympathie der Völker und durch gemeinsame Interessen sind Frankreich und Rußland seit bald einem Vierteljahrhundert eng verbunden, um besser dasselbe Ziel zu verfolgen, das darin besteht, ihre Interessen zu wahren, indem sie mitarbeiten an der Erhaltung des Gleichgewichts und des Friedens in Europa. Ich zweifle nicht, daß unsere beiden Länder, getreu ihrem friedlichen Ideale und sich stützend auf ihr erprobles Bündnis, ebenso wie auf gemeinsame Freundschaften, auch fernerhin durch die Wohltaten des durch die Fülle ihrer Kräfte gesicherten Friedens genießen werden, indem sie die Bande, die sie einigen, immer fester knüpfen. In diesem sehr aufrichtigen Wunsche erhebe ich mein Glas auf Ihre Gesundheit, Herr Präsident, ebenso wie auf vie 20ohlfahrt und den Ruhm Frankreichs.“ Präsident Poincaree dankte für die herzliche Aufnahme und gab der Versicherung Ausdruck, daß das Bündnis, zu dem der erhabene Kaiser Alexander III. und Präsident Carnot die erste Initiative ergriffen hätten, seitdem beständig den Beweis seiner wohltätigen Wirksamkeit und seiner unerschütterlichen Festigkeit gegeben habe und weiterhin geben werde. Der Eindruck der Peterhofer Trinksprüche. Von halbamtlicher Berliner Stelle wird bemerkt: Auf konkrete Fragen der internationalen Politik gehen die Trinksprüche nucht ein. Absichtlich scheint man bestrebt gewesen zu sein, keine neuen politischen Momente in die öffentliche Diskussion der gegenwärtigen europäischen Lage zu tragen, was angesichts der jetzigen allgemeinen Spannung nur angenehm berühren kann. Die Zutückhaltung, die insbesondere die Worte des Zaren auszeichnet, kann nur geeignet sein, die allzu pessimistischen Auffassungen über bechshegende internationale Verwicklungen als ungerechtfertigt eri hasen. Donnerstag, den 23. Juli 1914. langen, daß die serbische Regierung gegen jene Organisationen und Jugendvereine, welche die Agitation an der österreichisch= ungarischen Grenze führen, mit der größten Entschiedenheit eingreist und solche Vereine nicht mehr duldet. Ferner dürfte die österreichisch= ungarische Regierung den Wunsch aussprechen, daß die Ueberwachung der Grenze besser eingerichtet wird. Es soll dafür gesorgt werden, daß die Ueberwachung von den beiderseitigen Organen, also auch unter Mithilfe der österreichisch=ungarischen Polizeiorgane, stattfindet. Der Schritt der österreichisch=ungarischen Regierung hat aber nicht bloß den Zweck, offenkundige Mißbräuche zu beseitigen, sondern die serbische Regierung auch zu einer Aenderung ihrer Politik in der Richtung eines dauernden Friedens zu bewegen. 30. Jahegang bewilligt.„Gegen die Zulassung Oesterreich und Serbien. Oesterreichs Forderungen. Die Fristnote an Serbien. iessomgtische wied setzt die von Oesterreich geplantel gemeldet:n gegen Seibien bekannt. Ge wied bolgendes Ugemeidet wied, wied.„Wie der Neuen Freien Prese aus Ischl gierung in Ges der Schritt der österreichisch=ungarischen ReDemarche wird in ihrer Horn woche ersolgen. Die im Inhalte jedoch ber srschisgen sein. Sie wird bestistet sein, und die Antwort Sraumen, der noch nicht seno; imethalbd einen bestimmten ZettUkaum überschreiten wird steht, vermutlich aber 48 Stunden #eum aberschreiten Woihe, verlangt werden. manden„Forderungen der österreichisch=ungarischen Regierung sein: Sosortige Einleitung der Untersuchung gegen die Ogane unter der Bürgerschast, daminide Statsbüger und einer wiatsichen und giündlich Vatersuchungen uu ergebnip Pragiemo werd scnzung der Untersuchungs—wise in Sildsens Alden. Ferner wird Oesterreich verPolitische Rundschau. (9 Der Kaiser auf der Nordlandreise. Bei andauernd herrlichem Wetter unternahm auch am Montag früh der Kaiser bei Balestrand einen mehrstündigen Landausflug. Mittags fand ein kriegsgeschichtlicher Vortrag des Generals Freiherrn v. Freyberg statt. Nachmittags brachte der Kurier von Berlin Oepeschen. Der Kaiser verblieb daher an Bord seiner Jacht. (9) Der deutsche Kronprinz als Aussteller auf der Deutschen Handwerksschau. Der deutsche Kronprinz will die im nächsten Jahre in Dresden stattfindende Deutsche Handwerksschau mit einigen von ihm herrührenden handwerksmäßigen Erzeugnissen beschicken. Es werden in der Hauptsache Drechsler= arbeiten sein. Auch werden die seinerzeit vom Kronprinzen hergestellten Manschettenknöpfefmit besonderer Schließvorrichtung nicht fehlen. ( Hertling über Bethmann. Ein außerordentlich gutes Zeugnis erhält der Reichskanzler von dem bayerischen Ministerpräsidenten ausgestellt. Die Bayerische Staatszeitung schreibt in ihrer Montagsrundschau: Reichskanzler Dr. v. Bethmann=Hollweg hat anläßlich des Tages, an dem er auf das vollendete fünfte Jahr seiner Amtsführung zurückblicken durfte, seitens der öffentlichen Meinung zahlreiche Kundgebungen der Sympathie und des Vertrauens erfahren. Die Entschiedenheit, mit der der fünfte Kanzler des Reiches den Ausbau der deutschen Wehrmacht betrieben und die Aufbringung der hierzu benötigten Mittel durchgesetzt hat, i mit Recht nicht weniger anerkennend gerühmt worden wie die Ruhe und Stetigkeit, mit der er die auswärtigen Geschicke Deutschlands lenkt. Das Vertrauen, das diese Politik des Kanzlers dem deutschen Volke einflößt, kommt in der kühlen und zurückhaltenden Art, mit der die Presse Deutschlands die Dinge am Balkan behandelt, unzweideutig zum Ausdruck. (9 Das Sitzenbleiben beim Kaiserhoch. Auch der sozialdemokratische Abgeordnete Beinstein wendet sich in den „Sozialistischen Monatsheften“ mit ziemlicher Schärfe gegen den Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, beim Kaiserhoch sitzen zu bleiben; er sieht in dem Beschluß das Zeichen einer verhängnisvollen Stimmungspolitik. Er bestätigt ferner, daß nur fünfzig Abgeordnete für den Beschluß gestimmt haben. Wenn alle Mitglieder der Fraktion an der Abstimmung teilgenommen hätten, so wären die Befürworter des Sitzenbleibens in der Minderheit gemosen. (9 Gegen den Nebenerwerb im Heere. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht einen Erlaß des Kriegsministers, in dem erneut den Unteroffizieren und Mannschaften der Armee dienstlich verboten wird, innerhalb ihrer eigenen oder einer fremden Truppe oder Behörde Zivilpersonen oder den Handwerksmeistern der Truppe und der militärischen Anstalten usw. zur Ausübung des Gewerbebetriebes Beihilfe zu leisten, insbesondere durch Vermittlung oder Erleichterung des Abschlusses von Kaufgeschäften, Versicherungsverträgen u. dergl. Den Unteroffizieren und Mannschaften wird befohlen, von jeder an sie ergehenden derartigen Aufforderung ihren Vorgesetzten Meldung zu machen. (• In Sachen der drei deutschen Handlungsgehilfen, die durch die englische Einwanderungsbehörde zurückgewiesen wurden, teilte das deutsche Auswärtige Amt auf eine bezügliche Eingabe mit: Die kaiserliche Botschaft in London ist ersucht worden, die Angelegenheit bei der britischen Regierung zur Sprache zu bringen. ( Vertreter Liberias in Berlin. Mehrere Vertreter der westafrikanischen Regerrepublik Liberia sind in Berlin eingetroffen und werden heute im Auswärtigen Amt vorsprechen. Der Zweck ihres Besuches ist das Studium mehrerer deutscher Organisationen, besonders der Einrichtung des deutschen Postwesens. Lokales. * Annen, 23. Juli.(Aus dem Gemeinderat.) In der letzten unter dem Vorsitze des Amtmanns Drees stattgehabten Gemeinderatssitzung wurde der seinerzeit beschlossene Ankauf des Wolffschen Grundstücks an der Wilhelmstraße rückgängig gemacht, dagegen wurde das an der Mollke= und Gartenstraße=Ecke belegene Rüping'sche Grundstück zum Preise von 70 Mk. pro Qudratrute für die Gemeinde käuflich erworben. Vertretung bewilligte für die Beschaffung von Bureaumöbeln für das Amtshaus 4600 Mk. Für den Amtshausneubau wurden 9781 Mk. Kosten nachbewilligt. Die Einweihung des Amtshauses soll in Form einer Festlichkeit, wozu Ehrengäste eingeladen werden sollen, erfolgen. Für die Befestigung des Bürgersteiges an der Ardey= und Mittelstraße wurde ein Drittel der Kosten mit 390 Mk. auf die Gemeindekasse übernommen. Dem Kreis Hörde wurde für die Anlage von Kleinpflaster in der Wittener Straße(von der Bergstraße bis zur Gasanstalt) ein gemeindeseitiger Kostenzuschuß bis zur Höhe von 1500 Mk. der wwurttemberg. Feuer=Versicherungs=Aktien=Gesellschaft in Stuttgart, b) der„Helvetia“ Schweizerischen Feuer=Versicherungsgesellschaft in St. Gallen, e) der Rheinisch=Schlesischen Versicherungsbank,.=G. Berlin bei der hiesigen Sparkasse fand Vertretung nichts zu erinnern. Den Erben Schade soll für die Verschlammung der Wiese hinter der Märkischen Glashütte im Wege gütlicher Einigung eine einmalige Entschädigung von höchstens 2000 Mk. gewährt werden. Eine Beschlußfassung über die anderweite Festsetzung der Ortszulagen für die Lehrpersonen wurde vertagt. Verschiedene Unterstützungsgesuche auswärtiger Anstalten usw. verfielen der Ablehnung. Mit der von der Westsälischen Straßenbahn, G. m. b.., geplanten anderweiten Linienführung durch die Annen= und Ardeystraße im Stadtbezirk Witten erklärte Vertretung sich einverstanden. Die Lehrpersonen der Mittelschule sollen an die Alterszulagekasse und Ruhegehaltskasse der Volksschullehrer ab 1. April 1914 angeschlossen werden. Für die Verlängerung der Wasserleitung von der Ardeystraße in eine von den Erben F. W. Eckardt neu projektierte Straße bewilligte Vertretung die erforderlichen Kosten. s Annen, 23. Juli.(Todesfall.) Gestern hat der älteste Einwohner von Annen, der Invalide Heinrich Schwenker, das Zeitliche gesegnet, er starb im Alter von 88 Jahren.— Der Verstorbene war bis in den letzten Tagen noch rüstig, er stand bei allen in gutem Ansehen, war sich immer seiner Pflicht bewußt und sorgte auch stets treu für seine Hippe, schnitt noch das Gras dafür in den Gräben an der Salingerstraße, während seine im gleichen Alter stehende Frau bei dem Landwirt Heinrich Prein an der Dreschmaschine half. Das ehrwürdige, biedere Paar, das schon vor einigen Jahren seine diamantene Hochzeit feierte, hätte im nächsten Jahre, was hier in Annen noch nicht dagewesen wäre, die eiserne Hochzeit begehen können. Das wäre so schön gewesen, aber es hat nicht sein sollen. § Annen, 22. Juli.(Ein seltenes Jubiläum) begeht heute die Frau Heinrich, nämlich das 25jährige Hebammen=Jubiläum. Alle Vertreterinnen des Freundes Adebar aus dem Kreise Hörde scharen sich heute um die Jubilarin, um ihr eine noch lange segensreiche Tätigkeit zu wünschen und auch wir gratulieren. X Annen, 23. Juli.(Bergmannslos.) Vorgestern kam der Bergmann A. Schaup aus der Borbach in der Grube der Zeche Bruchstraße durch einen Unglücksfall zu Tode. Der Verunglückte, welcher mit 2 Brüdern vor einem Ort arbeitete, wurde von einem sich aus dem Hangenden lösenden großen Stein erschlagen. Die Brüder konnten den Bedauernswerten leider nur als Leiche freimachen. Der Verunglückte hinterläßt Frau und 1 Kind. Die Familie des Verunglückten wurde am selben Tage noch von einem weiteren Schicksalsschlage betroffen, indem ein in Witten wohnender Schwager des Verunglückten. ebenfalls auf Zeche Bruchstraße beschäftigt, bei Ausübung seines Berufes lebensgefährlich verletzt wurde und dem Krankenhause zugeführt werden mußte. —(Einbruchsdiebstahl.) In der Sonntag nacht wurden mehreren Kostgängern in einem Logishause an der Unt.=Rüding= hauserstraße Anzüge, Taschenuhren und Geld gestohlen. § Annen, 23. Juli.(Für Markensammler.) Die kanadischen Postbehörden, die seit jeher eine Vorliebe dafür haben, Jubilken und Gedenktage durch die Ausgabe von besonderen Markenserien zu feiern, bescheren den Sammlern eine Reihe interessanter Novitäten. Es sind die Marken der Cartier=Serie, die jetzt zum 100. Geburtstag von Sir Georges Etienne Cartier, des Daters der kanadischen Conföderation, zur Ausgabe kommen werden.— Ende November des vergangenen Jahres erschien eine Verfügung, nach der die englischen Schutzgebiete NordRigeria und Süd=Rigerja verwaltungstechnisch zusammengelegt werden sollten, und zwar unter dem gemeinsamen Namen Rigeria. Bisher hatten die beiden Schutzgebiete besondere Marken. Die Verwaltungsreform hat zur Vorbereitung zwölf neuer gemeinsamer Marken geführt, die soeben zur Ausgabe gekommen sind. Auf ihnen erscheint nur noch der Name„Rigeria" und neben der Wertbezeichnung die Worte„Postage and Revenue". —(Vom Bismarck=Nationaldenkmal.) Das auf der Elisenhöhe bei Bingen erstehende Bismarck=Rationaldenkmal macht insofern Fortschritte, als die umfassenden Erdbewegungs=, Wegebau= und Bahnarbeiten(eine elektrische Feldbahn wird geschaffen) rüstig voranschreiten. Der große massive Aussichtstempel, der 1873 erbaut wurde und von dem aus man einen entzückenden Rundblick in das Rheintal hatte, wird gegenwärtig abgerissen. Mit den Arbeiten zur Fundamentierung, den Wegebauten usw. geht es schnell voran. Ein Steinbruch, der im Walde zur Beschaffung des nötigen Steinmaterials eröffnet wurde, liefert die nötigen Steinmassen. Annen, 23. Juli.(Wetteraussichten für den 24. und und 25. Juli.) Das atlantische Tief zieht über Westeuropa hinweg und verursacht vorübergehend stärkere Bewölkung. Abnahme der Temperatur sowie strichweise Regenfälle nebst böigen.= Winden. Später wird das nachdrängende westliche Hoch wieder eine Besserung der Witterung herbeiführen. § Rüdinghausen, 22. Juli.(Ein Opfer seines schweren Berufes) wurde gestern nachmittag der Bergmann Conrad Heine von hier auf der Zeche Hamburg, er geriet unter einen sich aus dem Hangenden loslösenden Stein und starb auf der Stelle. 8; Stockum, 22. Juli.(Unglücksfall.) Der Bergmann von hier erlitt gestern auf Zeche Oespel Schacht 1 dadurch einen tötlichen Unsall, daß er unter hereinbrechende Kohlenmasse geriet. Derselbe konnte erst nach 3stündiger anstrengender Arbeit nur als Leiche geborgen werden. K. hinterläßt Frau und drei Kinder Eichlinghofen, 22. Juli.(In tiese Trauer versetzt) wurde die Bergmannsfamilie Bahr. Ein hoffnungsvoller 22jähriger Sohn, der im ostasiatischen Geschwader dient, sand beim Baden insolge Herzschlages einen jähen Tod. Provinzielle Nachrichten. Dortmund, 22. Juli.(Auch ein Opfer der großen Hitze.) Gestern nachmittag erlitt das Pferd eines hiefigen Fuhrunternehmers auf der Ritterbrauerei infolge der großen Hitze einen Hitzschlag. Das wertvolle Tier verendete schon nach einer halben Stunde. Hattingen, 20. Juli.(75 Jahre Püstendrücker.) Vom 15. bis 90. Jahre war der jetzt 93 Jahre alte frühere Schuhmachermeister Grävingholt„Püstendrücker“, d. h.„Windmacher“ in der großen evangelischen Kirche. Der wichtige Posten, ohne dessen Inhaber auch der befähigste Organist nichts auszurichten vermag, ist jetzt nach Anlage eines elektrischen Orgelantriebes in Fortfall gekommen. Kettwig, 22. Juli.(Zwei Personen ertrunken.) Auf der Ruhr kippte gestern ein mit fünf Personen besetztes Ruderboot um. Zwei Personen ertranken, während die drei übrigen gerettet werden konnten. Barmen, 22. Juli.(Die Todesfahrt.) Auf einer Probefahrt schlug das Automobil des Bäckermeisters Salberg an einer scharsen Kurve der Chaussee nach Eynern um. Der Besitzer geriet unter den Kraftwagen und wurde auf der Stelle getötet. Düsseldorf, 22. Juli.(Von einem Schnellzuge erfaßt und überfahren) wurde in dem benachbarten Jammertal eine ältere Frau, als sie die Gleise überschreiten wollte. Die Frau wurde von den Rädern des Zuges vollständig zermalmt. Papenburg, 22. Juli.(Einen tragischen Tod) fand der Landwirt Walker von hier. Beim Heueinfahren flog ihm ein Insekt ins Auge und verursachte eine kleine Verletzung. Hierdurch wurde eine Blutvergistung verursacht, der W. nach kurzem, schwerem Leiden erlag. Haltern, 21. Juli.(Zwei Kinder ertrunken.) Im nahen Hünxe sind gestern die beiden Schüler Heinrich Weitner und Friedrich Schroeder beim Baden in der Lippe ertrunken. Trier, 21. Juli.(Dandalen in einer Kirche.) Die katholische Kirche zu Temmesjwurde in der Nacht zum Sonntag von Einbrechern heimgesucht. Sie erbrachen das Tabernakel, stahlen die wertvolle Monstranz und das Ciborium und streuten die Hostien auf den Boden. Die Täter sind unerkannt entkommen. .=Gladbach, 21. Juli.(Raubmörder verhaftet.) In Brüssel ist ein seit langem gesuchter Raubmörder von hier verhaftet worden. Es handelt sich um den Schriftsetzer Völker, der im Sommer vorigen Jahres gemeinsam mit dem Mezgergesellen Hahn die Haushälterin eines Kaplans ermordet und beraubt hatte. Hahn ist inzwischen vom hiesigen Schwurgericht zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden. Völker hielt sich unter dem Ramen Friedericus Schmidt auf. Er wurde dort schon vor einiger Zeit wegen eines Diebstahls verhaftet. Aber die Brüsseler Polizei kam erst jetzt auf die Vermutung, daß man in dem Verhafteten vielleicht den hiesigen Raubmörder zu suchen hätte. Ein von hier nach Brüssel entsandter Beamte hat denn auch festgestellt, daß es sich tatsächlich um Völker handelte. Der Prozeß gegen Frau Caillaux. Bittere Neue.—„Diese Revolver gehen von selbst los.“— Der deutsche Kaiser im Pariser Klatsch.— Was die Zeugen sagen. Es war die erste Ueberraschung im Caillaux=Prozeß, als die Angeklagte unter krampfhaftem Schluchzen ausrief:„Ich bereue es aufs tiesste, Calmette getötet zu haben! Ich bereue es mein Leben lang! Ich hätte alles andere dem Unglück vorgezogen, das ich angerichtet habe!“ Dieser Verzweiflungsschrei rückt uns die Angeklagte menschlich näher, gleichzeitig aber verschwindet die Pose der rächenden Frau, die in der Sorge um den geliebten Gatten seinen politischen Gegner mit der Revolverkugel aus dem Wege geschafft. Frau Caillaux will nichts mehr von dem stolzen Gebäude retten, das ihre allzu eifrigen Anhänger auf sandigem Grund errichteten, sie bangt jetzt nur für sich selbst und hastig kommen die Worte, die sie entlasten und entschuldigen sollen. Der logische Zusammenhang fehlt, wenn sie soeben ihrer Reue Ausdruck gibt und gleich darauf sagt:„Ich habe Calmette ja garnicht erschießen wollen, ich schoß nur auf den Fußboden,— ach, es ist schrecklich, diese Revolver gehen von selbst los.“ Und wenn sie dabei„Helas!“ stöhnt und die Arme gen Himmel wirft, so ist das eine Szene, die man dem französischen Theaterblut zugute halten muß, das überall durchbricht. Dann sprudeln die Sätze, die dartun sollen, mit welchen Mitteln man ihren Gatten, den Minister, zu stellen und zu fansen beabsichtigte. Politische Schlagworte spricht der kleine Mund der Frau mit den runden Dogelaugen aus, politische Programme und Ereignisse wirft sie durcheinander, daß die ernsthaften Politiker ein leises Lächeln nicht unterdrücken können. Selbst der Deutsche Kaiser muß herhalten! Hat man nicht in den Salons erzählt, der Deutsche Kaiser habe ihr zur Hochzeit mit Caillaux eine goldene Krone im Werte von 750000 Franks geschenkt?! Man wollte den Verhaßten als Deutschenfreund verlästern, der die Republik an den gefürchteteten Imperator jenseits der Dogesen verraten wollte,— Tatsache, der Minister sollte ja auch mit der Berliner Börse unter einer Decke stecken! 138 Artikel hat Calmette gegen Caillaux geschrieben! Ihr irrer Blick fliegt über die Gesichter der Geschworenen. Keine Wirkung? Mit unbeweglichen Mienen hört man ihr zu. Run kommt ste auf das intime Gebiet zu sprechen. Wie geschickt Calmette die Liebe Caillaux'„zur anderen", zur ersten Frau, in seinen politischen Briefen angebracht hat. Wollte er sie die rechtmäßige Gattin, gar treffen? Das war zu viel. Und hat Jo nicht selbst unter Toben und Fluchen gesagt:„Man muß diesem Calmette den Schädel einschlagen?“ Dann kam das Schlimmste: es hieß, Calmette wolle auch ihre, Frau Caillaux, Briefe veröffentlichen. Der Revolver knallte. Aber wiederum ist es typisch für die Reue und für die Angst der Frau:„Ich hätte doch vorgezogen, daß die Briese veröffentlicht worden wären, als daß—“ Sie beendet den Satz nicht und bricht in Schluchzen aus. Ueber den schwerwiegenden Punkt, ob das Verbrechen mit ihrem Gatten besprochen wurde, sagt sie einstweilen nichts. Das soll ja auch Aufgabe der Untersuchung sein, der ehemalige Finanzminister Frankreichs steht ja auf der Zeugenliste. Roch einige konsuse Bemerkungen über den halben Dämmerzustand, in dem sie sich besunden, als sie das Attentat ausführte, wobei für den Psychiater ein geradezu verblüffendes Wort fällt:„Wie erschrak ich, als mir im Vorzimmer der „Figaro"=Redaktion gemeldet wurde: Herr Calmette läßt bitten", — dann ist die Vernehmung der Frau Caillaux beendet. Höflich, sehr höflich tritt der Gerichtspräsident Albanel Frau Caillaux gegenüber.„Wollen Sie mir, Madame, gestatten, eine kleine Frage an Sie zu richten.“ Richt ganz mit Unrecht erklärt der„Figaro", dessen Direktor bekanntlich Calmette war, daß ein solcher Ton selbst in Frankreich, wo auch in den Gerichtssälen der Höflichkeit ihr Recht wird, nicht gehört ward. Die Polizeibeamten, die als erste Zeugen vernommen wurden, erklärten, ihnen sei von der Absicht des Verbrechens nichts bekannt gewesen. Es war behauptet worden, Frau Caillaux hätte sich beim Chef der Pariser Polizei über die möglichen Folgen ihres Schrittes erkundigt. Die nächsten Zeugen waren Redakteure und Angestellte des „Figaro“, die Zeugen von Calmettes Todeskampf waren. Die Vorgänge im Zimmer Calmettes sind bekannt. Die Angeklagte trat auf den Journalisten zu und feuerte sofort 5 Schüsse auf ihn ab. Den hereinstürzenden Redakteuren rief sie zu:„Da es keine Gerechtigkeit gibt in Frankreich, habe ich mir selbst Recht verschafft.“ Bis zu dem Augenblick, da Frau Caillaux das Zimmer betrat, war der Schriftsteller Paul Bourget bei Calmette gewesen; er hatte Talmette abgeraten, die Frau des Ministers zu empfangen, doch wollte Calmette nicht gegen die Gebote der Höflichkeit und Ritterlichkeit verstoßen. Der Hergang der Mordtat liegt also klar zu Tage, es läßt sich an ihm nichts verschieben. Auch die Angeklagte ist, wie man gesehen hat, geständig. Run können die Zwischenspiele vor sich gehen. Und sie wurden auch sogleich eröffnet: Caillaux, der„Gatte der Angeklagten, bat den Gerichtshof, ihn sofort zu vernehmen, obwohl er erst als 42. Zeuge in der Liste steht. Und dieser Bitte wurde stattgegeben. In der Dienstagsitzung, die am Nachmittag die Aussagen des früheren Finanzministers bringen sollte, war auch das weibliche Publikum stärker vertreten; die Geschworenen hatten für ihre Gattinnen Einlaßkarten erhalten. Ein grausiges Verbrechen ist am Montag in Berlin=Neukölln aufgedeckt worden. In einem Hofgarten des Hauses Wartestraße fand man die verschartte Leiche eines vierjährigen Mädchens auf. Das Kind war am Tage vorher von dem im gleichen Hause wohnenden 26 jährigen Hutmacher Paul Beständig in seine Wohnung gelockt, mißbraucht und erdrosselt worden. Er behauptet, das Verbrechen gemeinsam mit einem der Polizei noch unbekannten 33 jährigen Arbeiter Karl Werner ausgeführt zu haben. Als man den Täter verhastete, konnte er nur mit allergrößter Mühe vor der Wut der Menge geschützt werden. Mit Stöcken, Biergläsern und allen möglichen Gegenständen bewaffnet, drangen die Menschen in den Hof, um Rache an dem Wüstling zu nehmen. Trotzdem er in einem geschlossenen Auto nach dem Polizeipräsidium transportiert wurde, traf ihn doch beim Einsteigen mancher Hieb, so daß er mehreren Wunden blutete. Nach ansänglichem Leugnen hat er auch ein Geständnis abgelegt. Nach dem angeblichen Arbeiter Werner fahndet die Polizei.— Beständig, ein kleiner, nicht allzu kräftiger Mann, ist seit mehreren Jahren verheiratet und besitzt zeinen siebenjährigen Jungen; drei andere Kinder, die seiner Ehe entsprossen sind, sind bereits gestorben. Seit acht Tagen war seine Frau mit dem Knaben nach Graudenz zum Besuch von Dewandten gereist. Der scheußliche Lustmord des 27 jährigen Stellmachers Paul Beständig an einem 4 jährigen Mädchen hält den Berliner Stadtteil Neukölln noch ständig in Aufregung.„Dor dem Mordhause stehen Gruppen beisammen, die erregt den Fall besprechen. Der Mordbube hatte die Absicht, noch ein zweites Kind abzuschlachten und zu verscharren, wurde aber in den Vorbereitungen gestört. Seine Angabe, nicht er, sondern sein Freund Werner sei der eigentliche Täter, ist der alte Trick mit dem großen Unbekannten; der Werner war nicht aufzufinden. Ein Beweis für die unglaubliche Roheit des Lustmörders ist die Tatsache, daß er schon nach dem Morde sich aus einer Gastwirtschaft eine Freundin nach seiner Wohuung geholt, in der die Leiche der kleinen Margarete Napp=Sprenger in einem Sack versteckt lag, und sich mit ihr einen seucht=fröhlichen Abend gemacht hat. Er hat auch den Versuch gemacht, sich ein Alibi in der Weise zu verschaffen, daß er mehrere Bekannte nach der Tat gebeten hat, sie möchten, wenn sie später gefragt würden, sagen, daß er den ganzen Sonntag bis zu später Nachtstunde mit ihnen zusaumengewesen sei. Letzte Nachrichten und Telegramme. Ein Steiger im Bergwerk verschwunden. Essen, 23. Juli. Seit fünf Tagen wird ein Steiger der Zeche „Helene" vermißt. In den letzten Tagen haben etwa 1000 Personen die Grubenbaue abgesucht, jedoch keine Spur von dem Vermißten gesunden; man hat den Steiger einfahren, aber nicht aus der Grube herauskommen sehen. Ob ein Unfall, Selbstmord oder Verbrechen vorliegt, bedarf noch der Aufklärung. Die Verwaltung der Zeche hat demjenigen, der über den Verbleib des Steigers eine zutreffende Nachricht gibt, eine Belohnung von 1000 Mark zugesichert. Mit dem Brotmesser den Bauch aufgeschlitzt. Perleberg, 22. Juli. Eine surchtbare Bluttat hat sich im Dorfe Tüchen abgespielt. Dort. stürzte sich nach Feierabend in der Trunkenheit der Bäckergeselle Bernhard mit keinem langen Brotmesser auf den Arbeiter Brau und schlitzte diesem den Bauch auf. Der Bäckermeister Lütke, der seinem Arbeiter zu Hilfe eilte, wurde in gleicher Weise arg zugerichtet. Die beiden Verletzten wurden in hoffnungslosem Zustande in eine Privatklinik nach Wittenberge übergeführt. Der Täter ist heute morgen verhastet worden. Die österreichische Rote. London, 23. Juli. Die„Westminster Gazette“ schreibt: Die österreichisch=ungarische Rote an Serbien ist noch nicht überreicht. aber wir hören im voraus, daß sie keineswegs den Eharakter als Ultimatum haben wird. Trotzdem können wir sicher sein, daß sie ein ernstes Dokument mit sehr ernster Absicht sein wird und wir erwarten zuversichtlich, daß die serbische Regierung erkennen wird. daß Oesterreich=Ungarn unter allen Umständen genötigt wäre, etwas zu unternehmen und daß die serbische Regierung das Bestreben haben wird, in einer Frage von solcher Tragweite Genugtuung zu gewähren. Poinearee in Peterhof. Peterhof, 23. Juli. Zu Ehren des Präsidenten Poincaree fand gestern im großen Palais Frühstückstafel statt, an der eine große Anzahl geladener Gäste teilnahm. Der Kaiser trug das Band der Ehrenlegion, Poincaree das Band, des Andreasordens. Große Anwetterverheerungen. Sosia, 23. Juli. In den letzten Tagen gingen über verschiedene Gegenden Wolkenbrüche nieder und verursachten namentlich in Jambol, Lom, Rasgrad, Eski=Ozumaja große Ueberschwemmungen. Bisher sind mehr als 100 Leichen aus den Fluten gezogen worden; doch soll die Zahl der Opfer weit größer sein. Der Schaden ist beträchtlich und wird auf etwa 10 Millionen geschätzt. Zur Unterstützung der von der Katastrophe Betroffenen ist eine Hilfsaktion eingeleitet worden. Vierfacher Mord. Czenstochau, 22. Juli. Der Gerber Borengowokt ermordete sondern ein Potar Kusverkaufs unmmmmmmmckm weil wegen Geschäfts- Aufgabe Die enorm billigen Preise mmem erregen allgemeines Erstaunen. — 10 seine Frau, seine beiden Töchter und seinen Schwager. Er stellte sich dann kaltblütig der Polizei und gab an, die Tat aus Eisersucht begangen zu haben. Männer= und Jünglingsverein in der Samsstag=Nr, Bericht beir öffentliche Volksversammlung Witten desgleichen. 9. R. 8 Heute mittag., 12 Uhr starb nach langem, schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater, der Berginvalide im beinahe vollendeten 88. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Annen und Ründighausen, den 22. Juli 1914. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Samstag den 25. Juli, nachmittags 4¾ Uhr vom Trauerhause, Bahnhofstraße Nr. 45, aus„Statt. Sollte jemand aus Versehen keine Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. Ab 1. Januar befindet sich mein Uhren- u. Goldwarengeschäft Wittenerstr. 3 im Hause des Conditor Mann gegenüber dem Bahnhofseingang Annen-Nord, Io heute ab Verkaut sämtlicher Waren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Paul Schmidt, Uhrmacher und Optiker. Städtische Bade-Anstalt Witten, Eingang Ruhrstrasse 46 u. Gerichtsstrasse 15. Schwimm-, Wannen-, Brausebäder, Dampf-, Römisch-irische-, Elektr. Lichtbäder Dampfkasten=, Sool-, Fiebtennadel-, KoblensäureBäder, Massage. Preisliste mit Angabe der Badezeiten wird an der Kasse unentgeltlich verabfolgt. 673 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am Dienstag nachmittag 5 Uhr, durch Unglücksfall, plötzlich und unerwartet meinen innigstgeliebten Mann, unsern guten treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel, den Bergmann Conrad Heine im Alter von 52 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernde Gattin nebst Kindern. Rüdinghausen, Großholthausen, Annen, Ronsdorf(Rhld.), Saarburg(Lothr.), Witten, Schwelm, Essen, Stockum, Langengrer, den 23. Juli 1914. Die Berdigung üindet am Samstag, den 25. Juli, nachmitags 5 Uhr vom Trauerhause, Rüdinghausen Nr. 90 aus statt. Sollte Jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. Erangel. Hänner- u. Jünglings-Verein Rüdinghausen. Samstag, den 25. Juli versammeln sich um 4 Uhr im Vereinslokal die Mitglieder, um an der um 5 Uhr vom Trauerhause aus stattfindenden Beerdigung unseres lieben verstorbenen Vereinsmitgliedes Conrad Hleine teilzunehmen. Der Vorstand. Kotten, Geschäfte, Besitzungen etc. für eigene u. fremde Rechnungen. Gustav Heiermann, Witten Viktoriastraße 22.(1686 * 9. Kakatatul stets vorrätig bei Küching. de cher Wohnung 3 Zimmer, 1. Etage u. 1 Mansardenzimmer zum 1. November oder später zu vermieten. Wo, sagt die Geschäftsstelle. Männerges.-Verein „Wäldeslust“ — Rüdinghausen.— " Infolge Unglücksfalles starb am Dienstag nachmittag unser passives Mitglied Konrad tleine. Sein Andenken wird bei uns in Ehren bleiben. Die Beerdigung sindet am Samstag, den 25. Juli v. Rüdinghausen aus statt. Die Vereinsmitglieder versammeln sich 3½ Uhr im Vereinslokale. Der Vorstand. Tageton Raturell=Tapeten v. 10 J an Gold=Tapeten von 20 can in den schönsten und neuesten Rustern. Man verl. kostenfr. Musterbuch Nr. 278. Gedr. Tlegler känedur if M Neschbuums Salsen-Ausverkauf beginnt heute u. bietet riesige Vorteile. Restposten und Einzelpaare teils bis zur Hälfte der früheren Preise. Miam g #2. HerzStiefel % S Mm Gummmn *Rindbox-Schnürstiefel Braunes scht Zierleder-Schnürstiefel Nr. 27—30 31—35 27-30 31—35 .30.80 I.00.50 n mumnmunmummmmmmmmmm Ross-Chevrsauz-Schnürstietel(Lachkappo)# Rossloder-Schnür- u. Knopfstiefel-Pinu- Poden 25—26 27—30 31—35— 27—30 .0 31—35 .50 Imit. Damen-Chevreaux-Stiefel Derby- und Lackkappe .50 Kinder-Stiefel schwarz und braun.. 126(00(76 goo 225 g50 gis g00 725 ggl S .50.75.25 Am Anf alle andere Krühel gewähre ieh während des Ausverhauts einer Rabatt von 10 bis 25 Prozent. Ausgeschlossen sind Rindleder-Schuhe. B. Rosehssam, Bimaenyy Telefon-Ruf 963. Bismarekstrasse 8. Telefon-Ruf 963. Mnonnsndhesbachten — der gesamten Räumung Damen-Konfektion usgalestofindat me Während unseres Saison-Ausverkaufs, wollen wir„mit unserer Damen-Konfektion vollständig räumen: Wir verkaufen deshalb ohne Rücksicht auf den früheren Preis wie folgt: 1 Eehrere 100 welsse Valle- u. Stckerel-Blusen Stück.00, 200,.00 Mk und „Resal. Verkautspreis bis 15 Mk. lange Form, farb. Seidenkragen mit Stück Mk..50,.50, Popeline-Jacken Piesel ober. Sünel., Stck N. 680..5 „Mogal: Vorkautspreis bis 20 Mk. Lange Popeline-Mäntel aus den besten Stoffen angef. m. farb. SeidenKragen, ed. 4 jour-Krag.) Stück M..00,.00 Rogal Verhautspreis bie 30 Mk. Schwarze u. blaue Alpacca-Mäntel in allen Grössen auch für stärkere Damen Stück Mk. 9 00 und Regul. Verkaufspreis bis 30 Mk. Stück für Stück Mk. Nänge Pal Regul. Verkaufspreis bis 25 Mk. Girka Sos Kostümröcke Aus la engl. blauen und schwarzen Stoffen Stück Mk..00,.00,.00 und Regul. Verkaufspreis bis 30 Mk. Feiten weisse Kostümröcke garant. reine Wolle, Stück f. St. M..00,.00 Regal. Verkautspreis bis 20 Mk. 30. 900 100 100 Voile und Stickerei-Kleider Turnverein„Jahn“ Annen. Samotag abend 8½ Uhr Monats-Versammlung Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 803 Mittags von 12 bis 2 Uhr geschlossen. Annen. Sonntag, den 26. d. M. SeE Tug im Vereinslokal. Der Vorstand. Ardeyer Schweine-Vers.-Verein Lokal: Lindemann. Sonntag, den 26. Juli. d.., nachmittags 4 Uhr General-Versammlung Die Tages=Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Der Vorstand. Freiwillige Feuerwehr Annen. Se von in bin. Du. Persmm.„Absahrt per Omnibuo nach Im Interesse einer guten Bedienung bitten wir unsere werte Kundschaft auch die Vormittagsstunden zu ihren Einkäufen zu benutzen. Berghofen zum Verbaud sseste WAFenurenhaneReeenbaum, Witten. Graoße E am Sonntag, den 26. Juli, nachmittago 5 Uhr. Ehema: Diechriftliche Religion u. die Kirche in der Beleuchtung durch das Freidenkertum und im Lichte der Wahrheit. t. Referent: Pfr. Müller. .: Hauptlehrer Pleuger. Alle kirchlich gesinnten Männer und Frauen sind zn der Versammlung herzlich eingeladen. Das Preshtoterinm. 1 Zohnung, Ia von 2 schönen Ziumem sucht ges, Anderl. Ehepaar zum Otober. Offerten unter S. 10 an die Geschästsstelle. osbumdn empfieilt H. Cordes. Die Jagdnutzung in dem circa 4000 Morgen umfassenden gemeinschaftlichen Jagdbezirk der Gemeinde Annen soll vom 1. August 1914 ab auf die Dauer von 6 Jahren im Wege des öffentlichen Meistgebots neu verpachtet werden. Die Pachtbedingungen liegen vom 8. Juli er. ab 2 Wochen lang im Amtshause, Zimmer 3 öffentlich aus. Die Verpachtung der Jagd findet am Montag, den 27. Juli er. Vormittags 11 Uhr im Gasthof„Deutsches Haus“ (W. Wibelitz in Annen) statt. Pachtlustige werden hierzu eingeladen. Vorstehendes wird gemäß § 21 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 öffentlich bekannt gemacht. Annen, den 7. Juli 1914. Der Jagdvorsteher: Wollenweber. am Sonntag, den 26. Juli. 11 Uhr vormittags vom Wachtlokal Wiebelitz. Die Fahrt wird aus der Kasse bezahlt. * Der Oberbrandmeister. Meine zabnärztlicben Sprechstunden kinden nach wie vor regelmässig von .....— aahstmn acnh suster ver Uchetnsungt veniunz, us Achiuruse kat..“ 4 33 2½—-6½ Senn1# 33 S 58. S Neueste Nähmaschlne, Original, Schnellgang, Krone 18!“ S 58 LSEEE Famillengebrauch, Schnelderei, Kurventadenanzuß Zahnarzt Termeer, ######S L9%gg der Kronen-Nähmaschine! Kein Federfabenanzug. Näh- Bismarch— S# Sc g5 maschinen Globus, Bobbin, Ringschiff, Rundschiff, Webschiff, Bismarckstrasse a. * Stg Rück= und vorwärtsnäh, verriegelt zugleich jede Naht gm. ErdWitten. Sir“—.&m SEgz Rück= und vorwärtsnäh, verriegelt zugleich jede Naht am Ende. S 835 U. E 5S B Maschine stickt und stopftcgrpstirmal6 Inegheahm Berin R 24 ESE“.K#n Nähmaschinen= u. Fahrrad=Lioblilma FI. Jutousulll Linlenst. 128 3 55ga Nähmalchlnuw.n Peaite 3d, Fahren Lieserant scle die Mitgaleder den R S 83310 2585 S ##3. SS ### gsEsd Gd a STSES.D: #0 SE S355 533 851 8 Seit 50 JahlenVlestzank für dir Maglierer der Bost= u. Reichseisenbahn= Beamten=Vereine, LehrerMiltär=, Krieger=Vereine, versendet die bocharmige Nähmaschine Krone XII mit hygienischer Fuhrube für jede Art Schnelderet. 40, 45. 48, 50 Mark. 4wöchentliche Probezett. 5 Jahre Garantie, Jubiläums=Katalog, orgts, ##u- Leser dieser Zeitung gleiche Preise Eleg=versenkbare Mlaschinen sna2 444443 Stechenpfera; Seye s# die belle Lhlenmüch-Seite — für sorte, weibe Heut und blenI dendichönen Teint, Stück 80 Pig. Ferner mocht„Dads-Cream“ I rote und lpröde Heut weib und" lammetweich. Tube 30 Pig bei Otte Blumberg, Hermann Wilke, Emil Haarmann. 145000 me toium us un 145000 UrN. Posien lanse venbsäber anannleihen. Gried Dipirer u. Ge., Miegschare. Redaktion, Druck und Verlag von Fritz Küching, Annen, Hoss. UnterstützungsVerein Annen. Sonntag, den 26. Juli, mittags 2 Uhr Familien ausflung nach kondurd Kohl=Appelsiepen. Um recht zahlreiche Beteiligung auch von Seiten der passiven Mitglieder und deren Angehörigen bitet Der Vorstand. Zwangsversteigerung. Freitag, den 24. Juli mittags 12 Uhr versteigere ich in meinem Pfandlokale beim Wirt Prünte in Annen: 1 Pferd, 4 Stühle mit Rohrsitz, 1 Sofatisch, 2 Sofa, 1 Piano, 4 Stühle, Nußbaum-Buffet u. a. m. öffentlich meistbietend gegen Barzahlung. Witten, den 23. Juli 1914. Hüper, Gerichtsvollzieher Viktoriastraße 9. Landwohr- und KriegerVerein Apnen Die Juli= Monatsversammlung wird besonderer Umstände wegen auf Samstag, den 1. August verlegt. Der Vorstand. Zmtliche Bildes und Terte vorbeholten. Nachdruck verboten. Mizverständnis. Büste. Da könnte ich Dich als Model. Krerr h. gepsgzsch),„Hanike aön. escheut ein aumer valsteuen g.):=Danke er.: ih soll woht Range. Schuljunge: „Hast Du schon gehört, Gottlieb? Der Baron hat unsern Lehrer im Wald angeschossen; er hat ihn im Finstern für einen Keiler gehalten.“ —„Isterauch!“ 86 Über jeden Zweitel erhaten. Hausfrau: „Die Eier sind doch sämtlich frisch?“ Bäuerin: „Selbstverständlich; 12 Stück sind gestern gelegt worden, 12 heut, und das dritte Dutzend wollte ich eigentlich erst morgen mit in die Stadt bringen!" 8 Vorbereitung. Bauernbub (zum Krämer):„An Bogen Schreibpapier. an Kouvert „ und zehn Sopstbjedern; der Vvata will an Brief schreib'.“ Sin Draktikus. dwebel: Puchechant Aha, wohl... Eßcousine!" Feldwebel:„Aha, woy... sonst werdn f Dir nit dewillgtl. 1 fest sauf'n, Boshaft. Hausherr „Finden Sien daß meine Kin ihrer Mutter außerordentli folgsam sind?“ Bekannter: ja, Sie gehen ihr aber auch mit gut Beispiel voran! Kindermund. Der kleine Wi geht mit seine Vater an eine Feld vorbei, a welchem Pen brüder liegen: „Sieh'mal, Papdie erledigen je ihr Pensum.“ Immer das Der kehrte. Lehrer:„Schulze warum heißt das Scheidewasser auch Salpetersäure?“ Schulze:„Weil es in der Salpetersäure ist.“ Lehrer:„Nein, umgekehrt.“ Schulze:„Weil keine Salpetersäure'rin ist.": he Den perihr an b hargen.“ weißd wirklich beischich tebrocheme ie auffordern würde, mir hierüber eine zustellen, was würden Sie da tun?“ „Ich würde mich sehr wundern.“ „Wirklich, gnädige Fhane an der Seite #eer Tochter zu leben, müßte ein Vergnügen sein!“ Dame:„Das Vergnügen könnten Sie ja haben!“ In derschützenliate. Feldwebel: „Lehmann U, Kopf mehr in Deckung So dick ist das Brett davor doch nicht!“ Uruczichtes. Seit ihm der Reichtum so unerwartet in den Schoß gefallen war, tat er kaum noch einen Schritt zu Fuß; nur das Auto schien ihm stankesgemäß, Akrobaten. (Aus einem Konzertbericht.) Herr den Vortrag Schubertscher Lieder reiche Höhepunkt nach dem Liede„Der schlest welches Lied seiner tiefen Faßstimme Ein moderner Kuadé. Bis zu welchem Zeitpunkt reicht das „Dls zun Efndung des Bichelesle Groller erntete durrch lortertung. Armer Schwan! Olentonüüchente n. Setamamor? Se mirab mit Gnädige(zum im Lohengtin?“ — AAch— gehn die olh Gänsegeschichte! Böchetrwadencheinlüch. die erwarteten Soldaten gar„nicht Mine, der Kaiser hat's wohl verschlasen?“ Guter Rat. .„Frau(zu ihrem Manne, der eine Ballonfahrt mitSnachrufend):„Und wenn der Ballon platzen zuhalten.“ sann vergit nicht., Dich an der Gondel sest. Immer Jurist. Rechisenpeitsaa); dab Sie sich verlobt heben, Her noch ausgeschlossnst dter verkustg nr be Backfischchen im Mansver. Humoreske von Hugo Maro. Manöver! Das waren für das kleine herig Landstädtchen Wiesenthal die großen Ereignisse des Luichon Johres. Bekam man in dem weltabgeschiedenen Eiichen voch nur selten„zweierlei Tuch“ zu sehen, höchstens einzelne Urlauber zu den großen Feiertagen. Und nun Divisionsmanöver in nächster Nähe und starke Einquartierung von Truppen aller Waffengattungen. Schon wochenlang vor Ankunft der Soldaten bildeten die bevorslehenden militärischen Ereignisse das Hauptgesprächsthema von Alt und Jung. Daß ganz besonders d racettene die junge Mädchenwelt den Uniformträgern selbtverständlich. eutgegensahz Auch Edith Junghaus konnte den Tag der Ankunft der Marssöhne kaum erwarten. Gehörte sie doch zu den Glücklichen, deren # als Angehöriger der Wiesenthaler Honbratiorengesellschaft einen Leutnant in Quartier bekam. Edith konnte sich nicht besinnen, überhaupt schon einen„richtigen“ Leutnant gesehen zu haben; nur einiger Wiesenthaler Reserveoffiziere war sie in ihrem bisherigen jungen Leben ansichtig geworden. Als endlich der große Tag des Truppeneinmarsches gekommen war, wurden die Vaterlandsverteidiger von den Wiesenthalern aufgenommen wie Sieger, die aus blutiger Feldschlacht heimkehrten. Edith Junghaus aber war von„ihrem“ Leutnant recht enttäuscht. Wohl gefiel ihr der junge, stattliche Krieger ganz außerordentlich, und sie erglühte jedesmal, wenn er seinen Blick auf sie richtete. Doch dies kam selten vor. Der Herr Leutnant schien sie noch als halbes Kind zu betrachten; nur ein paar flüchtige, nichtssagende Worte hatte er an sie gerichtet. Empörend! Er nahm sie offenbar noch nicht für„voll“, dabei war sie doch schon 14 Jahre, 2 Monate und 21 Tage alt.— Nun, vielleicht brachte ihr Entschädigung für die erlittenen Enttäuschungen. Da fanden nämlich die übungen in nächster Nähe, des. Städchens stat, und Edith hatte die Erlaubnis seld zu fabrene Pasar:“ Veschwistern hinaus ins Manöver: nicht dobel ein au zonnte wegen geschäftlicher Abhaltung Nicht babei sein, und Mama blieb zu Haus, weil sie bei ihrer Nervosität das Schießen nicht vertragen konnte.— Gerade als die ersten Kanonenschüsse dumpf erdröhnten, Der kleine Raucher. unghaussche Equipage auf dem Kampfplatz an Edith spähte mit glänzenden Augen über das Schlachtfeld. Noch war freilich nicht viel zu sehen. Hin= und hergaloppierende Adjutanten und Meldereiter, rekognoszierende Kavalleriepatrouillen, Radfahrer, in weiter Ferne das Aufblitzen der Schüsse feindlicher Batterien. . Aber mit einem Male belebte sich das Manöverbild. aus dem Walde zur Rechten brach Infanterie hervor, im Laufschritt näherkommend. Schon konnte Ediths scharfes Auge an der Nummer auf den Achselklappen der Soldaten erkennen, daß es das Regiment„ihres" Leutnants war. Und plötzlich fühlte sie, wie ihr Herz schneller zu pochen begann— sie hatte „ihn" erkannt— dort am Flügel der lang ausgezogenen Schützenlinie. Doch was war das?— Plötzlich ein Signal— ein Kommando und die vorstürmenden Soldaten lagen in langer Reihe platt am Boden; direkt auf dem kalten, schmutzigen nassen Erdboden— es hatte in der Nacht heftig geregnet.— Schrecklich! Ediths mitfühlendes Herz krampfte sich zusammen. Doch schon im nächsten Augenblicke sprach sie lebhaft auf ihren Kutscher ein. Der sträubte sich eine Weile— aber schließlich leistete er ihrem energisch wiederholten Befehle doch Folge. Und so stand der Junghaussche Rosselenker plötzlich hinter dem in der Schützenlinie liegenden jungen Offizier: „Ach, bitte, Herr Leutnant— unser junges gnädiges Fräulein schickte Ihnen hier diesen Plaid— und der Herr Leutnant möchten sich doch darauf legen!“ Das Gelächter, das im nächsten Moment losbrach, sich rasch weiterpflanzend, übertönte sekundenlang das knatternde id drei Versonen bekamen roe Zöhige „Zuerst der Leutnant, der mit seinem„PlaidBackfisch“ von den Kameraden nicht wenig geneckt wurde; dann der Kutscher, als er, von allerlei spöttischen Zurufen der Soldaten verfolgt, abziehen mußte, und schließlich JungEdith, da ihr der Bescheid wurde, es sei in der deutschen Armee nicht üblich, daß sich die Leutnants in der Feuerlinie auf Plaids betteten. Ach, sie hatte es doch so gut gemeint!— Es sitzt der Dater Drachenpfuhl, Von Gicht gequält im Sorgenstuhl. „Derteufelt,“ brummt er vor sich hin, „Ist das ein Zwicken und ein Zieh'!“ Der alte Ritter. Jetzt ruft er ins Gemach den Sohn Und spricht im väterlichem Con: „Das Alter, Siegfried, spüre ich In allen Gliedern fürchterlich. Drum dünkt es billig mir und recht, Daß du das Drachenpfuhl=Geschlecht Don heute an repräsentierst Und dich mit den Erbstücken zierst. Da. Schwert iel enihanr ur, were.„And-Vater-Dieser Bunpen bier Bhr. Das Saswert son führen deine Hand,„Der Humpen? Der verbleibt noch mir; Und dir gehört auch dort mein Speer: Denn dieser Repräsentation Denn, ach, für mich ist er zu schwer.“— Bin ich gewachsen noch, mein Sohn!“ 1— Taunbüles. „Wie siehlt Du denn aus, Schorsch? Deine Nase ist ja furchtbar mitgenommen!“ „Wenn ich den Kerl nur gekriegt hätte! Es war einer von den Zirkusleuten.“ „Isterausgerückt?“ „Nee— aber erwar drinnen, und ich guckte durch die Leinwand.“ 144 Zu spät. Professor(nachdem er sich rasiert hat, nachdenklich):„Woran sollte mich doch dieser Knoten in der Serviette erinnern? Ach, ganz richtig... ich wollte mir den Bart stehen lassen!“ Böbilcke. Gast:„Aber Herr Wirt— das Beefsteak bleibt mir ja im hohlen Zahn stecken!“ „Hm— darf ich Ihnen vielleicht etwas— Watte dazu bringen?“ Poesie und Prosa. Dame:„Ach, lieben Sie auch Blumen, Herr Feistmann?“ Herr Feistmann: „Sehr, besonders Blumen= und RosenKohl.“ Unter Ebeleuten. Sie:„Ichhabemich sehr gut amüsiert, während ich verreist war.“ Hr:. Ich auch. 88 Die Hauptsache. Bankier:„Wie ist das Bild geworden?“ Photograph: „Vorzüglich; man erkennt gleich den Millionär.“ Boshaft. Herr(in der Wohnung eines als Renommist bekannten Afrikareisenden):„Löwenselle haben Sie wohl nicht?“ „Nee— habe leider keine Löwen schießen können.“ „Die Biester hatten wohl gerade Schonzeit?“ Lainbiüdung. Lehrer:„Nun, Karlchen, bilde einmal einen Satz, in dem das Wort„Optiker“ vorkommt!“ Karlchen(nachdem er sich eine zeitlang besonnen hat): „Ich will doch nachsehen, ob die Kerl wirklich das Schwein gestahlen haben. Wie man so spricht. „Jetzt geh' ich aufs Ganze!“ sagte der Dichterling und schrieb ein— Stück. Vertertilch. Wo ist der Schütze? Variante. Was ein Kußmäulchen werden will, spitzt sich beizeiten. Berechtigte Frage. Redakteur(zu einem modernen Ihrem Poem über den„Vampyr“ sind nich 67 Gedankenstriche und 217 Punkte: sind Sie in Ihrem Nebenamt Telegraphist?“ Dichterling):„In mst weniger als Verantwortlicher Redakteur: Dr. Karl Schaumburg, Berlin.— Druck in Gaunereche. Heut' schlossen sie den Bund der Ehe Und schwuren sich Treue für immer. Er, ein schwerer Junge, und sie, Ein leichtes Frauenzimmer. Verlag von Georg E. Nagel in Berlin=Schdneberg. 18 1— •7 5 Ittenler Nuchand. England. Die Misterleute beim Köntg.. Empfang im Buckingham-Palast. ###. eid er. 31. Juli., Der Sprecher des Unterhauses, der den Worsig in der Homerulekonferenz führt, traf eine Stunde vor Eröffnung der Konserenz im Buckinghampalast ein. Die vor dem Tor angesammelte Menschenmenge war so groß, daß er d Seitentür eintreten mußte. Darauf kamen Dillon, Bonar Law, Craig und Carson zusammen an. Sie wurden begeistert begrüßt. wurden vom König empfangen, der jedem von ihnen die Hand gab. Die Sitzungen der Konserenz sind ebenso privat wie die des Kabinetts. Rußland. Arbeiterkrawalle in Petersburg eer Gchchchd VBesucha. Die Ausständigen, deren Zahi Antionche Bieder, berwarsen die Polgel mit Sleinen und Wonnerstag, den 23. Juli 1914. ein recht großer: früher hielt man den„Ausschuß" unserer Beamten für den Kolonialdienst immer noch geeignet. Heute werden doch die Beamten, die dorthin geschickt werden, sehr sorgfältig gexrüft. Und das hat denn auch die für unsere koloniale Sache „Scherfreuliche Folge gezeitigt, daß das deutsche Volk das Mißtrauen gegen unser ganzes Koionialsystem abgelegt hat. Heute denkt wohl kein Mensch mehr daran— selbst die Sozialdemokraten nicht mehr, wenn sie es auch nicht eingestehen wollen— die Kolonien aufzugeben. Denn das Volk sieht doch, daß es dort, wenn auch manchmal langsam und nicht ohne Rückschläge, vorwärts geht. Und darum wird das deutsche Volk auch am heutigen Tage dankbar der Männer gedenken, die ihm vor dreißig Jahren die Wege nach den Tropen gewiesen haben und vor allem Gustav Nachtigals, der im fernen Kamerun seine Gesundheit für die deutsche Sache opferte. AAO Neues aus aller Welt. Eine bestialische Tat. Wie aus Kiew berichtet wird, haben acht Raubmörder in Belaja Zerkow im Hause des wohlhabenden jüdischen Kaufmanns Jankel Sack ein entsetzliches Blutbad angerichtet. Sie drangen bald nach Mitternacht in das Haus ein und erschossen den Jankel Sack, der aus dem Schlaf erwacht und ihnen entan verschiedenen Punkten der Stadt von einer etwa 2000 Köpfe Plast, Da von der Menge Steine gewosen und Revoberschässe Ermordeten aug den Ven vien die die Kclaente Fraur des angesener wurden, schoß auch die Polizei auf die Demonstranten schoslen sie guch; in gleicher Weie e und er“ und auf die offenen Fenster. Fenster. Amerika. Abreise Huertas. Huerta mit seiner Gattin und seinen zwei Töchtern und Blanquet mit Gattin und Tochter fuhren gestern nachmittag als ab. Dum oser honden sichde Rteuzers„Oreaden“ nach Kingston vo amtteleber de uu, wenige Personen ein, darunter etwa 2e ede der ftüheren Leibwache. Es kam zu keinerlei Kundgebungen. Augrist auf bis deutsche Gesandtschaft in Port=au=Prince. beunruhigende Meldungen kommen aus Haiti. Bei jce haben sich neue blutige Zwischenfälle ereignet. sind nach Port=au=Prince marschiert, und ein hef Sampl. ksk. sch um den Besitz der Stadt entwichelt. Während der Feinbfeuignenten wurde das Haus der deutschen Gesandtschaft anhervonagendsten Fahrer der Rebellen gefüschen und den Regierungstruppen. In Rewyork verlautet, daß die, Beteinigren Staaten in Anbetracht dieser besorgniserregenden # Tsgmisse intervenieren werden. Der kleine Kreuzer„Karlsruhe“ in am zu. v. M. in Port=au=Prince angekommen. demn Koloniales. Ein Meuschenalter Kamernn. Dreißig Jahre sind seit jenem 14. Juli 1884 verflossen, an eues S. ts eshc en die deutsche Flagge in Kamerun hißte. Funs Tuge bocher hatte Togo die erste schwarzweißrote Flagge gesehen. In dem Menschenalter deutscher Kolonialentwicklung, mit diesen Besitzergreifungen begann— im gleichen Jahre 1884 sugie weurschland auch im Südwesten des dunklen Erdteils Esten End#. i# mancherlei gesehlt worden, gerade auch in Kunterum. Artum braucht nur an die Ramen Wehlau und Leist iue Schaemgertiegen. in die trübste Zeit der Kolonialstandale „auch heute noch ist in den Kolonien nicht alles, wie es sein sollte. Und Kolonialskandale sind auch heute noch möglich. Aber der Unterschied gegen früher ist doch choffen sie auch; in gleicher Weise verfuhren die Räuber mit der Tochter Sacks und der 17jährigen Wärterin des jüngsten Kindes. Darauf töteten sie die 3 Söhne Sacks, die im Alter von 18, 10 und einem Jahre standen, rafften alles, was sie an Geld und Wertsachen finden konnten, zusammen und entflohen mit ihrem Raub. Augenzeuge dieser entsetzlichen Vorgänge war ein 13jähriger Knabe Schölem, der als Gehilfe in Sacks Diensten stand und dem es geglückt war, sich versteckt zu halten. Als er es wagen konnte, aus seinem Versteck hervorzukriechen und Hilfe herbeirief, gaben die beiden ältesten Söhne Sacks noch Lebenszeichen von sich; man brachte sie nach Kiew in ein Hospital, dort ist aber der älteste von ihnen bald darauf gestorben.„Die Verfolgung der Spur der Mörder führte zur Verhastung zweier Mitglieder der Bande auf der Bahnstation Fastow. Lustmord an einer 7jährigen. Ronneburg(Sachsen=Altenburg), 22. Juli. Gestern nachmittag gegen 1 Uhr wurde in Grobdorf in einem Haferfelde die 7jährige Tochter Erna des Gutsbesitzers Landmann ermordet aufgefunden. Das Mädchen hatte ihre im Krankenhause in Ronneburg befindliche Mutter besucht und ist auf dem Heimwrs-bart geisie. Feld geschleppt 30. Jahrgang brüche, durch Herunterspringen veranlaßt, erhalten. 4 konnten gleich wieder entlassen werden. Man ist damit beschäftigt, das Innere des Docks abzusuchen, hat aber bisher noch keinen weiieren Toten gesunden. Die Entstehungsursache des Feuers hat sich noch nicht ermitteln lassen. Man vermutet, daß sich entweder ein Schweißbrenner entzündet hat, oder daß sich bei dem schon vorbereiteten Stapellausschlitten für das Dock, der mit Talg geschmiert war, irgend etwas entzündet hat. Der Schaden, der an dem Dock angerichtet worden ist, ist ziemlich groß. Es ist jedoch geglückt, das Helgengerüst immer unter Wasser zu halten und zu retten. — Ein schweres Autounglück ereignete sich bei Hamburg. Ein Automobil fuhr infolge Versagens der Steuerung in voller Fahrt über den Rand der Chaussee einen Abhang hinunter. Der 54jährige Hotelbesitzer Lanzia aus Kiew, der den Wagen selbst lenkte, wurde gegen einen Baum geschleudert und erlitt einen schweren Schädelbruch. Der zweite Insasse, der Kaufmann Boleslav Gordon aus Kiew, trug schwere innere Verletzungen davon. Beide Verunglückte wurden besinnungslos dem städtischen Krankenhause zugeführt. Das Automobil ist vollkommen zertrümmert. — Im Harz vermißt. Seit Sonntag wird in Wernigerode am Harz die 15jährige Tochter des Geschäftsführers Padelt vermißt. Man vermutet, daß das Mädchen einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist oder sich in den Bergen verirrt hat. — Keine Seeschlangen— richtige Riesenschlangen! In Raab entstand eine große Panik, als die Beamten im Postwagen des Wiener Personenzuges plötzlich eine Riesenschlange sich auf den Tisch hinauswinden sahen. Die Schlange wurde mit Eisenstücken totgeschlagen und bei Wieselburg aus dem Zuge geworsen. Bald darauf kroch eine zweite 10 Meter lange Schlange aus einem Postpaket heraus und preßte das Bein des Briefträgers Remez so zusammen, daß er bewußtles zusammenbrach. Seine Amtsgenossen töteten auch das zweite Reptil und befreiten Nemes aus seiner gefährlichen Lage. 87 Von O. Struder. und vort gelötet worden. Reiches Vermächtnis. a# Baz, Oldeolde, 22. Juli. Der vor einigen Tagen vernorvene Privatier Friedrich Wollenweber hat einen großen Teil seines beträchtlichen Vermögens, etwa 100000 Mark, der Stadt Oldesloe zur Unterstützung bedürftiger älterer Leute vermacht. Die Zinsen des Kapitals sollen alljährlich in den Weihnachtstagen verteilt werden. * aus der Werst von Mag... dei Blohm und Bot. geden Aul uit#t Btohm u. Doß gerieten gestern nachmittag 8 hen. 4½ Uhr die hölzernen Unterstützungen des für Rechnung der Werst im Bau befindlichen Docks in Brand. Das Feuer in rasender Geschwindigkeit um sich, so daß leider nicht alle Arbeiter flüchten konnten. Bisher hat man nur einen Niezerjungen gefunden, der sich nicht mehr retten konnte. 11 Mann sind verletzt worden, anscheinend keiner lebensgefährlich. Sieben von ihnen wurden im Krankenhause behalten. Sie haben teilweise Brandwunden und teltwese knnere Veretzungen und BeinVerschiedenes. Eine romantische Tranung. Eine romantische Trauung wurde in London vollzogen. Der Bräutigam war Prinz Louis von Bourbon, ein Detter des Königs Alsons von Spanien, die Braut ein junges 23jähriges Mädchen aus London namens Beatrice Harrington. Prinz Louis hatte das Mädchen, das einer einfachen bürgerlichen Familie entstammt, schon im vorigen Jahre kennen und lieben gelernt. Nach der Trauung begab sich das junge Paar in die spanische Botschaft, um eine amtliche Bestätigung der Eheschließung zu erlangen. Der Botschafter weigerte sich, eine solche auszustellen. Der spanische Königshof soll über die heimliche Ehe aufs peinlichste berührt sein. „Es geht loo! Krieg! Die Mobilmachung ist da!“ So hieß es dieser Tage in dem kleinen Ansiedlerdorf Skarlin in Westpreußen. Tatsächlich waren der wehrfähigen Mannschaft Einberufungsbefehle zugestellt worden. Aber das kam so: Der Gemeindevorsteher von Skarlin hatte das nur im Kriegsfall zu öffnende Paket mit den Mobilmachungsbekanntmachungen irrtümlicherweise geöffnet und diese an allen Ecken und Enden des Dorfes anbringen lassen. Was zu den Fahnen mußte, machte sich marschfertig und manch rührende Abschiedsszene spielte sich ab, bis schließlich gegen Abend eine telegraphische Richtigstellung von zuständiger Stelle, die von dem Vorfall Kenntnis erhalten hatte, die Trauer in helle Freude verwandelte. Tranckoriefe liefert in sauberster Ausführung die Buchdrucherei Sritz Küching. (Nachdruck verboten.) zweifle nicht daran, daß dieses Ereignis nochmals eintreten wird,“ erwiderte Herr von Reichen bewegt, wobei er seine Tochter an sich zog und sie auf die Stirn küßte.„Es m sich je alles einmal aufklären und dann wird auch Herr Rodenwald, wenn er Dich wirklich gern gehabt hat und er Deiner 20. Kapliel. Lag Adlanch. d. Maltin ver biger, Hamn und bat hn Orei Tage später trat Martin vor seinen Herrn und bat in im einen Tag Armuug, vu er soeben einen Bries empfangen, hätte, der ihn zwänge, in einer dringenden ungelegenheit so bald wie möglich nach K. zu reisen. #.„Sie können ruhig gehen, erwiderte Herr von Reichen„und nog auf der Stelle reisefertig machen. In etrige Zeilen an einen Bekannten in der Stadt Ihnen den Brief mitgeben. Sie werden gewiß Zeit genug haben, um ihn im Vorbeigehen den Adressanten persönlich oder wenigstens seiner Hauswirtin überreichen zu können.“ In diesem Brief, der an Kurt von Lindendorf gerichtet war, sorderte der Baron den letzten auf, ihn doch gelegentlich wieder einmal zu besuchen und wenn möglich auch seine Schwester ringen. Sollte ihm hierzu indessen die Zeit fehlen, so bäte a ihn wenigstens um eine kurze Miteilung darüber, o Rodenwald seine Wohnung in K. wieder bezogen habe. Martin versprach, den Beief gewissenhaft zu besorgen, als * am Abend aber wieder zurückkehrte, zog er das Schreiben I der Tasche und legte es vor den Baron mit dem Bemerken, eng es unbestellbar gewesen sei. „Die Hauswirtin des Herrn von Lindendorf.“ so erzählte 5 leilte mir mit, daß vorgestern seine Schwester wieder eingezun sei und bald darauf hätten beide die Wohnung zusammen könnten und daher hätten sie sich wahrBucht un Den Oltnhigem u oeien geuht! Unter diesen Umständen aber könnte sie den für Herrn von Lindendorf bestimmten Brief nicht annehmen.“ „Das sind ja nette Geschichten,“ bemerkte der Baron, wobei er rasch einensbezeichnenden Blick mit seiner Tochter wechselte. 529. Ihnen die Frau vielleicht sonst noch etwas über Herrn von Linvenvorf mitgeteilt?“ a„Rein, Her Baron. Als ich gehört hatte, daß sie den Sile, nicht annehmen wolle, ging ich fort, denn ich hatte nichts weiter zu tun. Als ich dann über die Straße ging, traf ich den Herrn, der mich für Sie engagiert hat. Er erkannte mich sofort und kam auf mich zu und dann unterhielt er sich eine geraume Weile sehr leutselig mit mir. Solch einen seinen und noblen Herrn habe ich noch niemals kennen gelernt. Zuletzt griff er sogar in die Tasche und schenkte mir ein Zweimarkstück, damit ich ein Glas auf seine Gesundheit trinken könnte.“ „Der Herr unterhielt sich mit Ihnen?“ frug der Baron gespannt.„Darf man vielleicht wissen, worüber er mit Ihnen gesprochen hat?“ erkundigte sich hauptsächlich nach dem gnädigen Fräulein, wie es ihr ginge und ob sie auch recht gesund und glücklich sei.“ „Und sonst sagte der Herr nichts?“ „Rein, das war eigentlich alles. Aber er wiederholte die nämlchen Fragen verschiedene Male, wenn auch jedesmal in einer anderen Form und daher kam es, daß die Unterhaltung so lange dauerte.“ Ich danke Ihnen für Ihre Mitteilung, Martin, Sie können jetzt gehen.“ .„Jetzt hast Du es selbst gehört, Helene,“ fuhr nach der Entfernung Martins Herr von Reichen in freudigem Tone fort, „daß Herr Rodenwald noch immer an Dich denkt und das lebhafteste Interesse für Dich empfindet. Und wenn erst die Gelegenheit zu einer Ausspache sich gefunden haben wird, dann wird auch meine neuliche Prophezeihung sicher in Erfüllung gehen. Denn an die Geschichte von der Verheiratung Rodenwalds glaube ich in keiner Weise mehr, seitdem ich weiß, daß die beiden Geschwister heimlich durchgebrannt sind. Mathilde hatte den letzten verzweiselnden Versuch gemacht, sich und ihren Bruder aus ihrer pekuniären Rotlage zu erretten, indem sie den reichen Herrn heiratete, das ist für mich jetzt sonnenklar. Da diese asehen, die iar mitlungen ih, so hat sie sich eben gezwungen mein alter, ggucht en ergreisen. Es ist noch ein Glück, daß mrte uu;:; Neuer Freund diese Schande an seinen Kindern nicht noch erlebr hat. Das wäre für ihn zu entsetzlich gewesen.“ daß Mathilde und ihr Bruder noch immer beser sinken werden, nachdem sie einmal von dem geraden Wege avgewoichen sind. Aber da süll mir gerade ein, wie wir uns nunmehr gegenüber dem jungen Herrn Blum verhalten sollen, wenn dieser zu seinem nächsten Besuche bei uns eintrifft? Der Gedanke, diesen Mann, der bei dem ganzen unsauberen Spiele zweisellos die Hände dabei gehabt hat, freundlich zu empfangen, ist mir unerträglich.“ „Wir empfangen ihn überhaupt nicht mehr,“ versetzte Herr von Reichen in entschiedenem Tone.„Ein Mann, der zu solchen Lügen und Verleumdungen die Hand bieten kann, der wird nach meinem Willen niemals mein Schwiegersohn werden.„Sooft er von jetzt an kommt, lassen wir uns einsach verleugnen. „Wäre es nicht am Ende doch noch besser,“ meinte Helene nach kurzem Rachdenken,„wir ließen uns seinen Besuch noch ein einziges Mal gefallen und brächten hierbei die Rede auf alle jene nichtswürdigen Machinationen? Wenn wir es einigermaßen geschickt anfangen, dürste es uns am Ende gelingen, Herrn Blum derartig in Verlegenheit zu setzen, daß er sich schließlich gezwungen sieht, das eine oder andere einzuräumen.“ „Ja, das wollen wir tun. Und hoffentlich findet sich der viel versprechende junge Mann recht bald bei uns ein, damit wir ihn so bald wie möglich definitiv verabschieden können und dann endgültige Ruhe vor ihm haben.“ Dieser Wunsch des Herrn von Reichen sollte schnell in Erfüllung gehen. Bereits am Nachmittag des nächsten Tages fuhr nämlich Herr Eduard Blum in einem zweispännigen Wagen vor und zwar befand er sich diesmal in Gesellschaft seiner Eltern. Er war ebenso wie sein Dater ganz in schwarz gekleidet und auch seine Mutter trug ein schwarzes Kostüm aus prachtvoller Seide, ohne daß jedoch dieses kostbare Gewand im Stande gewesen wäre, ihr ein vornehmeres Aussehen zu verleihen. Die seierliche Kleidung der drei Personen ließ den Baron, der sie in seinem Salon in Gegenwart Helenens empfangen halte sofort darauf schließen, daß es sich um etwas ganz besonderer bei dem heutigen Besuche handeln müsse und die Richtigkeit dieser Vermutung wurde ihm auch schon sehr bald durch Herrn Blum senior bestätigt. Rachdem man sich nämlich einige Zeit über allerlei triviale gleichgültige Dinge unterhalten hatte, wandte sich der letztere einem Male an Helene und frug sie mit dem liebenswürdigsten Lächeln, das ihm zu Gebote stand, ob das gnädige Fräulein sich auf diesem einsamen Landsitze denn nicht langweile und ob sie kein Verlangen verspüre, nach einer größeren Stadt wie z. B. derjenigen, in der er mit seiner Frau und seinem Sohne wohne, zu ziehen. : Fontsetzung folgt. und mit 1 Saisehriae mmmmmmummmmmn Extra-Angebot! Fast unsere gesamte Extra-Angenor Gamen Fus-Kinder-Kontontien zu Einkauts- und Verlust-Preisen! Folgende Posten übersichtlich an Ständern sortiert, : Kostümröcke, Weiße und farbige Wasch-Blusen, Dpeton y Kinderkleider, Kindercapes etc. PostenPWn jedes Teil, Ausverkaufspreis r 0 Popelinesacken, farbige Paletotz, Backtschpaletos, OpeTAN, Jackenkleider, weisse Kleider, Kostümröcke u. s. w. Posion* jedes Teil, Ausverkaufspreis a Jackentleider, Prinzelkleider, weile Kleider Popeline. 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Gratisbeilage für unsere Abonnenten. Redaktion, Druck und Verlag der Kgl. Bayer. Hofbuchdruckerei von Gebrüder Reichel in Augsburg. Die Tiebesprobe. Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel. (9. Fortsetzung.)„—(Nachdruck verboten.) „Des host du gut gemacht, Franz!“ sagte der Bauer mit einem zufriedenen Kopfnicken zu dem noch bescheiden zur Seite stehenden Burschen.„Des Gesicht, was des „Schmulche gemacht hot, wie er gehört hot, daß aan Gaul achtzehnhunnert Mark koste soll! Grad als wär er aus alle Himmel gefalle Der Sprecher lachte wieder herzlich und fuhr dann Gaul steht schon wieder uff dem Fuß! E paar Dag noch muß er geschont wern— dann kann mer ihn widder einspanne!“ „So, so!“ sagte der Bauer und nickte wieder mit dem Kopfe.„Wie weit bist du dann mit dem Stroh drobe uff dem Hasebiegel komme? Werst du morje fertig mit dem Setze!“ „Des Stroh is soweit fertig gesetzt, Herr Schöller! Ich hab's uffgeschicht, wie ich's im blaue Ländche gesehn hab, in eme große Rechteck mit schiefem Dach drüber, daß es von weitem aussieht wiee Haus. Der Mathes Von der feierlichen Eröffnung der Erweiterungsbauten des Kaiser=Wilhelm=Kanals: Die„Hohenzollern“ mit dem Deutschen Kaiser an Vors durchschneidet das Band vor der neuen Schleuse. fort„Wie is es dann mit dem Scheck, Franz? Soll mer lieber doch nit emol nooch dem Tierarzt schicke?“ „Ich denk nit, daß es notwennig is, Herr Schöller! Die Umschläg aus Bleizucker, Alaun un Kamper(Kampfer), die ich ihm gemacht hab, tun scheins ihr Schuldigkeit! Der un der Schorsch hawe mir debei geholfe! Ich denk, es werd Ihne so recht sein! Wenn Sie sich's emol ansehn wolle?“ „Ei der Tausend— des ging jo schnell!“ meinte der Bauer,„dann kannst du jo heut mittag schon anfange, des Grummet in der Sternbach zu mähe?“ — 234— „Ich, hab heut Morsend schon demit angefange un ente heut mittag demit fertig zu wern!“ erwiderte Franz.—. erschien in der geöffneten, nach dem Hausflur führenden Ture die Gestalt einer Frau in mittleren Jahren, in der man unschwer die Herrin des Hauses erkannte. Dafur sprach sowohl die bessere Kleidung mit dem weißen, Saia dersgt Silberfäden durchzogenen glattgescheitelten weische sich nden Tüllhäubchen, wie auch die sille Würde, an bes## m ihrer ganzen Erscheinung ausprägte. Besonders wur es das regelmäßig geschnittene Gesicht mit den gutmütig blickenden Augen und dem freundlichen Zug mütterliches ge vas der Versönlichleit so etwas echt Hauslaltertiches Verlieh. Die Aermel ihres dunkelblauen Leinenkleides hatte Frau Philippine Schöller aufgekrempt, kräftigen Arme bis zum Ellenbogen ihr Gesicht war gerötet, als käme sie soeben vom Herdfeuer, und in der Tat mußte dies auch der Fall sein, denn mit den Worten:„Gleich werd's elf schlage,“ ergriff sie den Lederriemen, welcher von der an der Hauswand neben der Türe hefindlichen Glocke herabhing, und ließ das Zeichen #an gessen eine geraume Weile erklingen. Nur Gau Tinizen dauerte es, und es entstand lebhafte Linlegung aus dem vorher ziemlich stillen Hofraum. Türen wurden zugeschlagen; an dem in der Mitte des Hofes stehenven altertumlichen, mit einem Steinbild gekrönten Brunnen wächerzsih hdie von allen Seiten kommenden Knechte und ## Lanve, um sich sodann nach dem Vorderhause Eichentisch; wo in dem geräumigen Eßzimmer der lange Pchentisch schon gedeckt war. Dem an längstvergangene erinnernden Aussehen des Gutentaler Hofes entnoch in ditr1 krageben Uhergerlachter, echt patriarchalischer Weise. Da die mächtige Gestalt des Hausvaters an der Stirnseite des Tisches, während seine Frau und seine Tochter unmittelsie reisten sich in lang seiten Platz genommen hatten. gehen i tunger Zeile zur Rechten die Knechte vis.1 Czum Stalbuben, zur Linken das weibliche Gesinde Aüchenmagd fungserten Denlein, das als Beihise der Unverruckbar wurde in der Reihenfolge der Plätze van ümnen bealeiteten Dienstbeflisenen nach Alter und der von ihnen Legleuteten Stellung eingehalten. Es waren meistens abgearbeitete Gestalten— die Männer von wetterhartem Aussehen— die Frauen, mit Ausnahme zweier rotbackigen Jungmägde, mit derben, sonnengebräunten Gesichtern, alle über die Jugendblüte „maus, aber aus aller Mienen sprach Zufriedenheit, ein bargenfein=Tischgenossen schien die Behaglichkeit des GePergensens in seiner gegenwärtigen Lage zu empfinden. . Wie eine sich voll entfaltende Blüte von welkendem van zio hob sich die Tochter des Hauses, Dorchen Schöller, von den dicht neben ihr sitzenden bejahrten Mägden ab. Sie war allerdings eine Erscheinung, die vom ersten AugenEllae un einen jeden ihr Begegnenden fesseln konnte. Nicht nur ihr regelmäßiges, von dem Pfirsichflaum der Jugend überhauchtes Gesicht mit den dunklen Augen und dem wellenformig um die Stirne liegenden weichen Braunoch eg Blick eines jeden Verehrers weiblicher des ungen atsich dos, auch lag über der ganzen Erscheinung etwas Feiches, Sanstene gentümlich anmutender Reiz— unwilltürlich herterpkuu, an ein Reh Gemahnendes, was ndulturlich herzerwarmend wirkte und es schwer machte, das Auge von dem lieblichen Penschenkind abzuwenden. Vielleicht hatte der in ver nleihe der Knechte ziemlich während des von dem Haushern den Blick was in lange—: despzrochenen Tischgebetes tl. 25 zu. g- aus dem schönen Dorchen ruhen lassen, denn aus das Gebet zu Ende war und alle sich setzten, „Nädchen wie in leichter Befangenheit einen Moment lung nach ihm hinüber und senkte dann den Blick auf den Teller. Alle Schätze der Welt hätte Franz darum gegeben, wenn er gewußt hätte, welche Gedanken wohl gegenwärtig hinter der reinen Stirn der ihm schief gegenüber Sitzenden kreisten; es war das zweite Mal seit seinem Hiersein gewesen, daß der Blick des schönen Mädchens ihm mit eine anderen Ausdruck als dem kühler Gleichgültigkeit begegn tolen Jos heife=WPal, als er vor vier Wochen auf dem Gutel Se### rei vem Besitzer desselben, m Gegenwart bo Eessen Frau und Tochter, um Arbeit angesprochen hatt und Son korschend Gesicht gefloger und ihn fTtschend betrachtend, hatte sie sich jäh erröten abgewendet. Seitdem aber war sie ihm im täglich Verkehr mit der gelassenen Freundlichkeit begegnet, wi sie diese jedem Bewohner des Hauses entgegentrug Mädchen ein Zusammentreissen miede. Kannte sie ihn nicht mehr— sie, mit der er dod auf der Sindhofener Kirchweihe Reden gewechselt hatte licht hate Hofimewe te die sh ihm erwachen ließ wissen glaubte, daß uct mehr kennen, nachdem sie 90 viutr g##er nichts weiteres wie ein simplet Herzen nähertreten vicher doch niemals als Mann ihrem Ende doch recht, als ern. Outel Chrisktoph hatte am eine Verrücktheit sei— daß die hate, daß semn Vorhaben Besitzers des Gutentaler Hofes sich dafür bedanke, einem seines Heren. sein als die Tochter „einer Herrn. Franz seufzte innerlich. Wie kühler Mehltau gel s, bei diesen Vorstellungen auf die Blüten seines hanken, daßer immer wieder tröstete er sich mit dem Gewescher#### in der kurzen Zeit von vier Wochen, während u.„ nicht zu ende gefähet sern he noch nicht z.#. gefuhri„Ein konnte. Die rechte Gelegenheit hatte bis jetzt gefehlt, mit dem schönen Dorchen 1#—zu verkehren; er mußte eine solche suchen, anstat sich, wie er es seither getan, aus Furcht, aufdringlich zu Sohrnfe er benn u Sein Gedankengang wurde durch einige an sein Ohr S Worte unterbrochen, die ihn mit freudigem Schreuen durchzuckten. Wie er das während der Mahlzeit zu tun pflegte, gab der Hausvater auch heute Anweisungen für die im Laufe des Nachmittags auszuchrenden Feld= und Hausarbeiten und hatte eben gesagt: wilst im Feld, dann kannst deu witage bische mitschaffe helfe in der Sternboch gr uu de Franz und dem Matzes vorhin gesagt, daß er zumetzmache. Der Franz hot mir sange hoti“ er schon heut morjend dort angees Franz, als flöge über das anmutige SeichtzZtzichens ein leichtes Rot, als sie erwiderte:„Recht Heu geholtlel, i der Sternbach hab ich se aach beim wart Joe vin av Tuch zum Umhänge mit, Dorche!“ omend Bege u.... könnt leicht sein, daß es gege Eibend neige gibt! In meim linke Fuß hot mich's heut morjend widder gestoche, daß ich Feuer hätt kreische möge— des Metteri. schlimm Zeiche, do dnnert sich gewöhnlich gübis seder a. Regei-Fuch noochging, Rutter, dann ächelnd. erwiderte Dorchen schelmisch Nege herkamne.“ ganz gewiß nix. Wo soll denn der Rege heriamme!“ Es steht jo kaa Wölkche am Himmel!“ #. FTrau nit zu viel, Dorche!“ erwiderte da der Hausherr. ia vun wie ich draus gewesen bin, is mir's grad vorkomme, 7#ir e anner Luft— grad als wenn's zur Gewitternochs geigg tät, Po, hoffentlich hält sich des gut Wetter Nch e paar Dag, duß wir des Grummet trocke hereinkriege!" Plätzen, da die Mahheit * i z u E n d e w a r u n d v e r l i e ß e n m i t einem„Sege Mahlzeit!“ die Stube. Bauer sah ihnen nach und ließ seine Blicke wohlgefällig auf Franz ruhen, der als einer der letzten hinausAls die Türe sich geschlossen hatte, sagte er:„Mit dem Franz hawe wir emol en gute Fisch gefange! Des is en richtiger Knecht, wie er im Buch geschriebe steht! langsam will ich von dir weichen langsam will ich von dir weichen, langsam und mit zagem Schritt, will dir noch die hände reichen Und dir sagen, was ich litt... will dir noch ins Auge blicken, In den Bronnen tief und klar, muß von ordentliche Leit sein! Schaffe tut er for drei un waaß in allem Bescheid! Hätt'st nur höre solle, wie er vorhin mit'm Schmulche Goldbaumwege dem Gäulshannel umgesprunge is— 's warzum Schepplache! Den behalt ich uff dem Hof un zieh mir e richtig Hilf an ihm groß!“ „Mir kimmt's immer vor, als wär der Borsch viel zu gut for en gewöhnliche Knecht,“ meinte Frau Schöller, „als hätt der emol bessere Dag gesehn! Was der for e gut sauber Wäsch hot, was for gediegene Kleider un Schuhwerk— alles is so recht defftig(solid, gut) bei ihm, wie ich's noch an kaam von unsern Knecht gesehn hab!“ „Er is ebe grad so akkurat in seiner Sach wie bei der Arbeit!“ bestätigte der Bauer kopfnickend.„Un trotzdem, daß er in allem, was er anpackt, so genau un dippelich is wie kaan zwaater, geht ihm die Arbeit doch flink von der Hand!“ Und zu einem der den Ausblick auf den Hof gewährenden Fenster tretend, fuhr er fort:„Da siehst du! Kaum hot er den Löffel aus dem Maul, un er is schon am Anspanne! Dorche, wenn du mitfahre willst, dann mach dich fertig— ich sag dem Franz, daß er uff dich wart!“ Damit schritt der Sprecher nach der Türe, als an dieser schüchtern angepocht wurde und auf das„Herein“ der Hausfrau der Händler Samuel Goldbaum den Kopf hereinstreckte. „Wollt ich mich doch, eh ich geh, recht bedanke for die Uffwartung, un wollt ich de Herr Schöller noch emol froge, ob denn gar nix mehr wege dene zwaa Rappe mit ihm zu rede is?“ „Die zwaa Rappe wern ewe angespan“t, Schmulche!“ entgegnete der Hausherr lachend.„Wenn Sie se noch emol betrachte wolle, dann komme Sie mit hinaus! Aber fange Sie mir nur nit widder an, druff zu biete— sonst geb ich sie überhaupt nit her!“ „Nu, Herr Schöller— losse See vernünftig Wort mit sich rede!" begann der Händler wieder, indem er sich dem Bauern anschloß, der in den Flur getreten war und wieder nach dem Podest der Freitreppe ging.„Fordern un biete micht de Kaaf! Will ich Ihne grad sage, wie's is! Hab ich de:e Herrschaft in Frankfort gesagt: Die zwaa Rappe— hab ich gesagt— sinn schwerlich zu kriege unner fünfunzwanzighunnert Mark— awer dofor gibt sie der Mann— der Herr Schöller uff dem Gutentaler Hof— her! Werde Sie mei Wort doch nit stumpiern, Herr Schöller, un werde Sie noch e paar hunnert Emmcher austun! Sage wir emol——“ „Sparn Sie alle Müh, Schmulche, un mache Sie jetzt eEnd draus!“ unterbrach ihn der Bauer ungeduldig. „Dreitausend Mark koste die Gäul— und domit basta! Wenn die Herrschaft sie for den Preis nit nemme will, is es mir aach recht— ich hab Ihne jo schon gesagt, daß ich gar nit uff's Verkaafe versesse bin! Sehn Sie sich die Gäul doch nur an— dann müsse Sie doch selbst sage, daß es aam in der Seel leid tun muß, sie herzugebe!“ Herr Samuel Goldbaum warf einen prüfenden Blick auf das Gespann, das jetzt fertig angeschirrt vor dem Wagen stand. Es waren in der Tat ein paar prächtige Rosse, glänzend schwarz mit langen Mähnen und Schweifen. An ihrem ungeduldigen Stampfen sah man ihnen die Begierde an, ihre jugendliche Kraft auszutoben, so daß Franz, der vor ihnen stand, Mühe hatte, sie mit mahnenden Worten zu beruhigen. Die Tiere waren offenbar mit ihrem Pfleger sehr vertraut, denn mit gespitzten Ohren und freudigem Wiehern nahmen sie dessen Liebkosungen entgegen. Ein alter Knecht, der Mathes, stand bereits auf Einmal nur für dich mich schmücken, Blumen winden mir ins haar! Und dann sollst du voll Erbarmen Küssen mich, wie liebe küßt, Wenn ich auch in ceinen Armen An den Küssen sterben müßt! Sida Söich. dem Wagen, legte quer über die Leitern ein Brett, über das er eine Pferdedecke warf und half dann der Haustochter, die mittlerweile herangekommen war, beim Aufsteigen. Als diese den von Mathes bereiteten Sitz eingenommen hatte, ergriff Franz das Leitseil, schwang sich mit einem gewandten Satze auf das Vorderteil des Wagens und setzte mit einem leisen Zungenschlag das feurige Gespann in Bewegung. In tänzelndem Trabe strebten die herrlichen Tiere dem Ausgangstor zu und rasselnd verschwand das Gefährt in der hohen Wölbung. III. Der Wetterprophet, den Frau Schöller an ihrem linken, zu Gichtschmerzen neigenden Fuß besaß, mußte doch nicht so unzuverlässig sein, wie das schöne Dorchen heute nach dem Mittagessen scherzend behauptet hatte, denn gegen Abend war das seitherige satte Azurblau des Firmaments in ein fahles Grau übergegangen und am westlichen Himmelsrande türmten sich dunkle Wolkengebilde, deren lichtgraue Ausläufer das strahlende Tagesgestirn mehr und mehr verschleierten. Der Wind hatte sich gedreht und blies von Südwesten her, als wäre die Verschlußklappe eines riesigen Backofens geöffnet worden, um einen wahren Gluthauch über die sich nach Kühlung sehnende Erde auszuströmen, der die Tatkraft eines jeden Lebewesens erschlaffen ließ. Nur die schwirrenden Vier= und Sechsflügler— Bremsen, Schnaken, Stechmücken und andere Quälgeister verwandter Sippen— feierten in dieser tropischen Hitze wahre Orgien der Daseinsfreude und fielen Mensch und Tier unter fröhlichem Summen und Surren mit grimmigem Behagen an, so daß der alte Mathes sich unablässig bemühen mußte, mit einem abgerissenen, als Wedel dienenden Buchenzweige und starken Wolken eines entsetzlich riechenden Knasters, die seinem von Bartstoppeln umgebenen Munde entquollen, das lästige blutgierige Gesindel von den beiden Rappen zu scheuchen, die vor dem mit Grünfutter beladenen, zur Abfahrt bereiten Wagen standen. Eben hatte er wieder einem halben Dutzend der sich an den Weichen des Sattelpferdes festsaugenden Unholde mit einem geschickten Hiebe das Lebenslicht ausgeblasen und murmelte mit einem Lächeln grausamer Genugtuung vor sich hin:„Ihr Ooseviecher stecht nit mehr!“ als ein leises, aus weiter Ferne klingendes Rollen die Luft durchzitterte und unter dem plötzlich stärker einsetzenden Wehen des Windes sich leichte Staubwölkchen über dem durch das Tal laufenden Feldweg kräuselten. Kopfschüttelnd warf der Alte einen Blick nach dem Himmelszelt, und die dort sachte heranziehenden weißgrauen Wolkengebilde gewahrend, rief er den auf der Wiese mit dem Zusammenrechen des gemähten Grummets beschäftigten beiden jungen Leuten zu:„Macht, daß ihr fertig werd, Franz, sonst könnt ihr gewäsche wern! In Zeit von erer Stund is des Gewitter do un dreiverte! Stund gehn eich druff, bis ihr dehaam seid!“ „Fahr nur als e Weil fort, Mathes!“ rief der Bursche zurück, ohne in seiner Beschäftigung einzuhalten.„Wir setze nur des Grummet zusamme und komme in längstens erer halbe Stund nooch! Geb mir acht uff die Gäul! Wenn des Gewitter mich un des Fräulein uff dem Haamweg erwische sollt, dann stelle wir uns im Leonhardikapellche so lang unner, bis der Hauptschutt vorüber is! Sag des dehaam!“ Der alte Mathes faßte das Sattelpferd an dem Zügel und lenkte das Gespann nach dem Feldweg, auf dem das Gefährt in wenigen Minuten den Augen der Zurück* — 236— Das ermorbete österreichische Ehronfolgerpaar mit seinen drei Kindern. Von lints nuch retzte; Ferzogin Sophte von bleibenden an einer Wendung des Tales verschwunden war. Dorchen Schöller hatte#n indessen ihre Arbeit fortgesetzt und bereits einen großen Teildes gemähten Grummets zu Haufen geschichtet. Man sah ihrem geröteten Gesicht die Lust und Liebe an der Arbeit und den Eifer an, das sich vorgenommene isumzubewältigen. Den Vorschlag, den Franz ihr vorhin gemacht hatte, mit Rücksicht auf das sich anscheinend verändernde Wetter mit Mathes nach Hause zu fahren, hatte sie mit dem Hinweis darauf abgelehnt, daß die Haufen unbedingt vor dem Ausbruch eines etwaigen Unwetters geschichtet sein müßten, und daß der Bursche diese Arbeit unmöglich allein aus. führen könne. Das war ja ein triftiger Grund, der ihr Bleiben erklärte, und Dorchen versicherte sich selbst wiederholt, daß dies auch der einzige Grund „ sei, der sie zum Weiterarbeiten veranlasse, aber heimlich gewährte es ihr doch eine gewisse Befriedigung, daß ihr jetzt endlich Gelegenheit geboten wurde, mit dem seit vier Wochen eingestellten Knechte Franz einmal Worte unter vier Augen unauffällig wechseln zu können. War es die in jeder Evatochter schlummernde Neugierde, zu erfahren, warum der Bursche, mit dem sie sich auf der Sindhofener Kirchweihe so köstlich unterhalten und den sie seinem ganzen Auftreten nach für vermögend gehalten hatte, als Knecht gehen, mußte? Die Erinnerung an jene fröhlichen Stunden hatte nach der Festlichkeit stets ein wohliges Empfinden in ihr ausgelöst, das auch nicht ausgemerzt wurde, als sie erfahren mußte, daß der in so Andenken bei ihr Stehende sich in so bescheidenen LebensverVater hatte gewiß recht, als er heute mittag sagte, der Franz sei ein tüchtiger Bursche und stamme gewiß von ordentlichen Leuten, das sähe man schon an seiner unermüdlichen Schaffensfreude sowie an der musterhaft soliden Lebensführung, welcher er sich befleißigte. Und daß der Bursche Charakter besaßund auch wußte, was sich gehörte, davon war Dorchen überzeugt,dasging: schon aus der bescheidenen Zurückhaltung „ hervor, die er gegen sie, die Tochter des Herrn, beovachtete. Jeder andere hätte doch gewiß einmal ihr gegenüber auf die frühere Begegnung hingedeutet und vielleicht versucht, einen vertraulicheren Ton im Gespräche anzuschlagen; der aber schien jene Begegnung ganz vergessen zu wollen, weil er nie mit einem Worte daran rührte— nur manchmal glaubte Dorchen, wenn sich der Bursche unbeobachtet glaubte, aus seinen auf sie gerichteten Blicken etwas wie stille Verehrung und Bewunderung zu lesen, eine Wahrnehmung, die ihr, sie wußte selbst nicht warum, jedesmal das Herz höher schlagen machte. Ohne ein Wort miteinander zu wechseln, arbeiteten die beiden jungen Leute im Schweiße ihres Angesichts unermüdlich fort, bis der letzte Haufen geschichtet war. Seit dem Wegfahren des Wagens war etwa eine halbe Stunde vergangen und die Vorhersage des alten Mathes schien sich zu bewahrheiten. Immer drohender ballte karimillan, geb. 2o. Sepkemder ion; Fürstn Sopole, geb. 24. Juli 1oo. 1904; und sausende Windstöße fuhren sich das Gewölk * schon hin und wieder das Tal herauf, während der wie verlorenes Wagenrollen in der Ferne murrende Donner jetzt deutlicher und in kürzeren Zwischenräumen erdröhnte. Seine am Waldrande liegende Joppe aufnehmend, wendete sich jetzt Franz an das abseits stehende Mädchen und sagte:„Es is hoch Zeit, — 237— daß wir uns uff de Weg mache! * Des kimmt schneller, wie ich geglaabt hab! No, vielleicht packe wir es noch! Im schlimmste Fall müsse wir uns im Leonhardikapellche unnerstelle, wie ich's dem Mathes aach gesagt hab!“ Dorchen nickte als Antwort nur freundlich mit dem Kopfe und folgte dem rüstig voranschreitenden Burschen nach dem Feldweg, der am unteren Ende des Tales, an der Stelle, wo eine uralte, dem heiligen Leonhard geweihte Kapelle stand, in die Chaussee mündete. In scharfer Gangart schritten die beiden jungen Leute talabwärts, nur hier und da ihre Meinungen über das heranziehende Gewitter austauschend, aber bald mußten sie an dem immer mehr sich verfinsternden Firmament und an dem immer näher dröhnenden Donner erkennen, daß alles Hasten vergeblich war und daß sie unmöglich vor Ausbruch des Gewitters den Hof erreichen konnten. FrohmußCharlotte, die jetzige Herzogin von Sachsen=Meiningen. ten sie ja sein, wenn sie trocken bis zu der kleinen Kapelle gelangten. Denn der Weg zog sich; schon begannen die ersten Tropfen zu fallen und unheimlich sausend setztenscharfe Windstöße ein, die Kronender Waldbäume tief zur Seite neigend, als endlich das grau übermooste Ziegeldach des ersehnten Obdachs und die weiße, von Staubwolken überwirbelte Landstraße in Sicht kamen. Nur fünfzig Schritte noch hatten sie zurückzulegen, als es plötzlich in der Luft zu heulen und zu brausen begann und eine riesige Staubsäule sich mit unwiderstehlicher Wucht in das enge Seitental drängte, als hätte der Unhold Sturm nur darauf gewartet, im letzten Augenblick, ehe die vor ihm flüchtenden Menschlein die schützenden Mauern erreichten, seine Wut an ihnen auszulassen. In dem Sausen der Windsbraut und dem Krachen der von den Bäumen gerissenen Aeste verhallte der Schreckensruf des Mädchens, das taumelnd nach einem Halt suchte, um von dem rasenden Luftwirbel nicht zu Boden geworfen zu werden; aber Franz hatte den Ruf vernommen und mit dem rechten Arm die schlanke Gestalt umfassend, zog er sie trotz Sturmgebraus und schwerer Regentropfen mit sich fort, bis die Kapelle erreicht war und deren morsche Tür sich hinter ihnen zuschlug.(Fortsetzung folgt.) Vernharé III., der setzige Herzog von Sachsenellleiningen. — 238— Ein Künstlermärchen. Kindergeschichte von Masea =Vyne. (Nachdruck verdoten.) (Es war einmal in einer kleinen Stadt ein palastartiges, feingeschmücktes Haus, das, auf einer Anhöhe stehend, stolz und majestätisch auf die Häuser der Niederungen herabsah. Scho *##n von weitem konnte man erkennen, daß eine Künstlerhand das vornehme Gebäude errichtet haben Und es war, als ob das Haus auf der Höhe die Künstlerseele, die es in sich trug, von außen atmete. ###.lag einsam und ruhig da im Sonnenschein. Hinten schloß sich ein großer Park an mit Laubgängen, stillen, beschaulichen Schattenplätzen und einem kleinen, dunklen Fohrenwawb! In diesem dunklen Teil der Besitzung sah man manchmal einen bleichen, jungen Mann mit seiner Geige unter dem Arm traurig und schwermutvoll gehen, mit gesenktem Haupt. Oftmals blieb er stehen und entlockte dann seinem Instrumente die schönsten Klagelieder in weichen, wehmütigen Klängen, die in die ruhige, einsame Welt hineinwehten. Er fühlte sich allein, seit seine Mutter ihn verlassen. Sich und seine Kunst so ganz vereinsamt. Denn Mutter hatte stundenlang seinen Liedern gelauscht, wie sie ihm immer auch ihre zärtlichste Liebe gegeben hatte. Ein Muttersöhnchen, das alle Liebe in sich aufgenommen wie eine welkende Blume den Tau und den Sonnenschein. Die Mutter war vor einem Jahre begraben worden hinter dem Föhrenwald in der kalten, großen Gruft. Der Sommer war vergangen und kühle, herbstliche Luft durchzog die Gärten und Wälder. Angelo mochte den Herbst mit seiner schwermütigen Dämmerungsstimmung, seiner Trostlosigkeit nicht leiden. Wenn die Blumen und die Bäume sterben, dann tauchten Todesgedanken in seinem jungen Herzen auf und wurden groß und immer größer, bis sie seine Jugenö mit einem Sterbenshauch umwehten. Die Jugend seiner siebzehn Jahre; und mehr wie sonst sehnte er sich nach seiner Mutter oder nach jemand, der ihm Liebe und Freude entgegenbringen könnte. Liebe und Freude und frohes Glück, die er nicht mehr kannte. Denn Vater, der sich nie um ihn gekümmert hatte, immer seine Vergnügungen außer Hause suchte, hatte wieder geheiratet. Eine kalte, selbstsüchtige Frau, die nur mit Liebe an seinem Gelde hing. Angelo blieb sich ganz allein überlassen. „Die Kunst war ihm nicht mehr Inhalt, noch Freude, er sehllte sich weit fort von den Menschen hier auf Erden, von denen keiner ein liebes Wort für ihn hatte. war ihm, als ob er den richtigen Lebenspfad verloren hätte, als ob er verirrt wäre auf ödem Wege, der keinen Ausgang hatte. Als wäre er auf einer Straße, wo kein zweiter ging, so einsam, menschenverlassen. Langsam schritt er dem dunklen Walde zu, dem Grabe der Mutter, dort umarmte er den kalten Grabstein, als ob er sich an diesem erwärmen könnte. Der September wurde immer herbstlicher und unfreundlicher, das dürre Laub fiel klagend auf den Boden niedet. Angelo hörte man im Garten ein wunderbares Lied spielen, ein Lied der Sehnsucht von herzzerreißender Macht. Es schien, als ob er seine ganze gebleichte Lebenskraft in dieses wehmutsvolle Lied hineinlegen wollte, alle die erstickten Schreie, die zurückgepreßten Gefühle der Verzweiflung, die seine Seele geisterhaft durchbebt und durchzittert hatten, bis zur Erschütterung; wie mancher andere seine beste Lebenskraft in ein strahlendes Glück legt. Die letzten Töne klangen verträumt und versehnt durch die Abenddämmerung, wie ferne Glockenklänge. Angelo senkte den Bogen nieder, ließ die Geige auf den Rasen fallen und wollte sich ermüdet ins Gras legen. Da fiel sein Blick auf eine stark und süß duftende Narzisse, er pflückte sie und sog den betäubenden Duft ein, immer heftiger, immer leidenschaftlicher, und nahm den Duft wie ein berauschendes Gift. Plötzlich fiel er kraftlos und schwer nach rückwärts, bleich wie der Tod. Ein letzter Seufzer einer befreiten Menschenseele rang sich los. Die Sehnsucht nach Liebe hatte sein Herz gebrochen und der berauschende Duft einer Blume seinen zuckenden Lebenspuls. Er wurde nicht in der Gruft begraben wie andere Menschen! Mit Flügeln an den Schultern, im blendendweißen Engelskleide schwebte er ins Himmelreich, wie es die Götter wollten. Dort wurde er von sonnigen, lächelnden Engelskindern zu einem Altare geführt, worauf weiße Rosen und Lilien lagen. Angelo blieb glückberauscht und warmselig davor stehen. Da geleiteten ihn die kleinen Engelkinder die Stufen empor zum Gott der Liebe, der ihm die blassen Wangen küßte und ihn dann innig an sich zog. Angelo strahlte in einem bezauberten Wonnegefühle.„Ach, hier ist's schön, hier ist die Liebe!“ Der Gott der Liebe zog ihn dicht an sich heran, und wärmte ihn mit seinem glühendsten Du großer Gott“ flüsterte Angelo„wie Liebesstrahle.„Da gloger ven, staftelle ungett, gut und mächtig bist du!“ „Ja, Kind,“ sprach nun der Göttliche,„die Liebe muß gut und groß und allmächtig sein!“ „Allmächtig," tönte es zurück. „Guter Gott, wenn du allmächtig bist, erfülle mir einen Wunsch." „Gerne, Kind, für all die Leiden, die du unten erdulden mußtest.“ „Gib mir die Macht, allen Menschen, die sich nach Liebe sehnen, nach einer großen und guten Liebe, Lieder zu geben, die ihnen Liebe ersetzen. Denn die armen Menschenkinder ketten sich an Menschen und ihre Liebe verlieren sie dann, wenn diese früher sterben, als sie selbst. Gib mir ein Zaubermittel zu einem Glück, das sie zeitlebens selig macht, das nur mit ihnen selbst erst stirbt. Hilf mir dazu, gib mir die Kraft!“ Der Gott der Liebe blickte eine Weile stumm vor sich hin, dann küßte er den bleichen Knaben und sagte:„Deine Bitte sei erfüllt.“" Noch ehe Angelo danken konnte, befand er sich in einem himmelblauen Wolkenraum, in dem ihn die Genien der großen Musiker huldvoll grüßten. Um ihn klangen tiefe, volltönende Symphonien, süße, minnezarte Weisen, schlichte, herzbeglückende Lieder, perlende Läufe, gewaltige Lebensbilder, schwermütige Trauersänge und tausend weiche, zarte Liebeslieder. Er war tief und wonneselig berührt von all dem Zauber der Musik, sog jeden Ton in sich ein und ließ sein Herz dabei erklingen gleich einem Instrumente mit vielen, vielen Saiten. Dann küßte er all die großen und kleinen Genien und jeder Kuß war ihm ein Lied. Ein Lied der Liebe und der Freude! #.### wenn auf Erden ein Mensch in Sehnsucht und ohlse Liebe sebt, dann schwebt er auf weichen Sohlen vom Himmel hernieder, leise und segenspendend, und legt ihm ein Zauberlied in seine Seele. Und die Seele fängt an zu klingen und zu singen von Freude und Lust, von Liebe und Glück. Sie spinnt sich ein in tausend Lieder, in ihr inneres singendes Glück, wie in eine geheime Liebe. Jauchzend, himmelstürmend und wunderselig klingt es dann immer befreiter, bis die Seele Schwingen bekommt, und emporfliegt zur Sonne, zum Frühling, zum Glück! So küßt Angelo die leidvollen, liebesehnsüchtigen Menschenkinder, die er zu Künstlern macht. Gebankensglitter. Gewöhnlich weicht man einer Unbequemlichkeit aus, um in eine andere zu geraten. ∆ Die Eröf Vor kurzem fand Einweihung des Kanals, der strateg see mit der Nordsee, s# Kaiser Wilhelm an 2 durchschnitt das Band, Ufer gespannt war. 2 Viertelmilliarde Mark führung im wesentlich durch neue Durchstich Verbreiterung und Vi wurde von 67 auf 102 breite des Kanalprofils Querschnitt erhöhte sich dürfte unsere Leser di 26 Kilometer länger Nachdem wir sch folgerpaares, das info das Leben lassen mus das uns den Erzh Gemahlin im Mitleid wendet sich n lichste Gut der Kind Familienleben des Tl und Kinder, war die Das älteste derselben geb. 24. Juli 1901, d milian von Hohenber Ernst von Hohenberg Der unn Durch das tra Karl Franz Jo herzogs Franz Ferdi kommen vom 28. Jui Otto, am 1. Novem! vorauszusehen war, 2 ist am 17. August 188 Maria Josepha, Sch geboren. Seit seine Berufe und stand zu Nr. 39. Seit 21. Okt Zita, geb. am 9. Bourbon=Parma. 2 Otto, geb. 20. Nove Zum Die Beisetzung ningen fand am Son dem Friedhofe zu zufolge war die gan gehalten. Beim Le Prinzen Ernst und 8 Adalbert von Preuf schiedene andere Füll die Krieger= und den Prinzen Adalbe Kaisers, seines Vate Der Nachfolger hard III., der in Charlotte von Kaisers, vermählt ist. Offizier und gedieg versität Breslau ern zum Dr phil. hon. e. mit dem Range a deutscher Regimente Anläßlich des Rosegger ließ besonders große Be die von dem bekani worden ist. Sie ste einzige, das von ik Rückseite zeigt die A — mit der Umschrift — 239— Allerlei Zu unseren Bildern. Die Eröffnung der Erweiterungsbauten des Kaiser=Wilhelm=Kanals. Vor kurzem fand in Anwesenheit des Deutschen Kaisers die feierliche Einweihung des bedeutend erweiterten Kaiser=WilhelmKanals, der strategisch außerordentlich wichtigen Verbindung der Ostsee mit der Nordsee, statt. Als erstes Schiff fuhr die„Hohenzollern“ mit Kaiser Wilhelm an Bord in die neue Schleuse bei Holtenau ein und durchschnitt das Band, das vor dem Schleusentor vom einen zum andern Ufer gespannt war. Der 1907 begonnene Erweiterungsbau hat rund eine Viertelmilliarde Mark gekostet. Der erweiterte Kanal ist der alten Linienführung im wesentlichen treu geblieben. An drei Stellen sind die Kurven durch neue Durchstiche ersetzt worden. Die Hauptaufgabe lag in der Verbreiterung und Vertiefung des Kanalbettes. Die Wasserspiegelbreite wurde von 67 auf 102,5 Meter, die Wassertiefe von 9 auf 11, die Sohlenbreite des Kanalprofils von 22 auf 44 Meter gebracht. Der wasserführende Querschnitt erhöhte sich damit von 413 auf 825Quadratmeter. Interessieren dürfte unsere Leser die Tatsache, daß der Kaiser=Wilhelm=Kanal nahezu 26 Kilometer länger als der Panamakanal ist. Zu dem Attentat in Garajewo. Nachdem wir schon in der letzten Nummer die Porträts des Thronfolgerpaares, das infolge der Freveltat eines hirnverbrannten Verbrechers das Leben lassen mußte, brachten, lassen wir heute ein Bild nachfolgen, das uns den Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin im Kreise seiner Kinder zeigt. Das tiefste Mitleid wendet sich nun den armen Waisen zu, die ein Tag um das köstlichste Gut der Kinder, um ihre Eltern, gebracht hat, und gerade das Familienleben des Thronfolgers, der kein höheres Glück kannte als Frau und Kinder, war die reine Atmosphäre in der diese Kinder aufwuchsen. Das älteste derselben ist die Tochter, Fürstin Sophie von Hohenberg, geb. 24. Juli 1901, dann folgt der ältere der beiden Söhne, Fürst Maximilian von Hohenberg, geb. 29. September 1902, und hierauf der Fürst Ernst von Hohenberg, geb. 27. Mai 1904. Der nnnmehrige Thronfolger von Oesterreich und seine Gemahlin. Durch das traurige Ereignis von Sarajewo ist Erzherzog Karl Franz Joseph, der seit dem eidlichen Verzicht des Erzherzogs Franz Ferdinand auf die Sukzessionsfähigkeit für seine Nachkommen vom 28. Juni 1900 und dem Tode seines Vaters, des Erzherzogs Otto, am 1. November 1906 präsumtiver Thronerbe war, rascher, als vorauszusehen war, Thronfolger geworden. Erzherzog Karl Franz Joseph ist am 17. August 1887 als Sohn des Erzherzogs Otto und der Erzherzogin Maria Josepha, Schwester des Königs Friedrich August von Sachsen, geboren. Seit seiner Großjährigkeit widmete er sich dem militärischen Berufe und stand zuletzt als Oberstleutnant bei dem Infanterieregimente Nr. 39. Seit 21. Oktober 1911 ist er vermählt mit der Erzherzogin Zita, geb. am 9. Mai 1892 als Tochter des Herzogs Robert I. von Bourbon=Parma. Der Ehe sind zwei Kinder entsprossen, Franz Joseph Otto, geb. 20. November 1912, und Adelheid, geb. 3. Jan. 1914. Zum Thronwechsel in Sachsen=Meiningen. Die Beisetzung des Herzogs Georg II. von Sachsen=Meiningen fand am Sonntag den 28. Juni unter zahlreicher Beteiligung auf dem Friedhofe zu Meiningen statt. Den Bestimmungen des Verstorbenen zufolge war die ganze Beerdigungsfeier möglichst schlicht und prunklos gehalten. Beim Leichenzug folgten dem Sarge Herzog Bernhard, die Prinzen Ernst und Friedrich, ferner der Großherzog von Sachsen, Prinz Adalbert von Preußen, der Herzog von Sachsen=Altenburg und verschiedene andere Fürstlichkeiten. Auf dem Wege zum Friedhof bildeten die Krieger= und Militärvereine der Stadt Spalier. Unser Bild zeigt den Prinzen Adalbert von Preußen als den Vertreter des Deutschen Kaisers, seines Vaters, an dem offenen Grabe des Verewigten. Der Nachfolger auf dem meiningischen Thron ist Herzog Bern hard III., der im 63. Lebensjahr steht und mit Prinzessin Charlotte von Preußen, einer Schwester des Deutschen Kaisers, vermählt ist. Er ist ein gütiger und kluger Fürst, ein trefflicher Offizier und gediegener Kenner der griechischen Literatur. Die Universität Breslau ernannte ihn in Anerkennung seiner Gelehrtenarbeit zum Dr phil. hon. c. Als Offizier steht er im Range eines Generalobersten mit dem Range als Generalfeldmarschall und ist Chef verschiedener deutscher Regimenter. Eine Peter=Rosegger=Medaille. Anläßlich des 70. Geburtstags des bekannten Dichters Petet Rosegger ließ der Deutsche Schulverein, um den sich der Jubilar besonders große Verdienste erworben hat, eine Medaille prägen, die von dem bekannten Medailleur Ludwig Hujer in Wien geschaffen worden ist. Sie stellt auf der Vorderseite das Porträt Roseggers, das einzige, das von ihm nach dem Leben modelliert wurde, dar. Die Rückseite zeigt die Apotheose der Schutzarbeit der deutschen Schulvereine mit der Umschrift„Uns zu Schutz, niemand zu Trutz“. Rätselecke. Bilderrätsel. (Nachdruck verboten.) Rösselsprung. Scharade. Die kleine Silbe in der Mitte Ist nur ein winzig Teil der Zeit. Die erste aber und die dritte Sind's Gegenteil der Ewigkeit. Um auf das Ganze dich zu lenken— Es ist erbaut von Erz und Stein, Und soll ein bleibend Angedenken An große Geisteshelden sein. Homonym. Den Kindern fällt es oft sehr schwer, Den Eltern aber noch viel mehr Silbenrätsel. a ar alb bau ce cha ci di doh est gar be her i ker ki land le se lin mal me neh no 0 rau re ro rung rus sei sen ten tha we Aus vorstehenden 36 Silben sind 13 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben den Namen eines deutschen Komponisten und derer Endbuchstaben eines seiner Werke ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Held aus der Zeit Karls des Großen. 2. Griechische Stadt. 3. Griechische Halbinsel. 4. Raubtier. 5. Süd. italienische Stadt. 6. Bergkette im Juragebirge. 7. Vogel. 8. Stadt im Rheinland. 9. Erwerbszweig. 10. Zierde des Hauses. 11. Land, zunge. 12. Weiblicher Vorname. 13. Europäisches Volk. (Dachdruck verboten.) Spielecke. Slatantgebe. B(Mittelhand) gewinnt Großspiel mit Schneider auf folgende Karten: % A hat mehr Schellen als Grün und Rot; seine Karten haben 19 Augen. Dürfte A eine Karte gegen eine von gleichem Range einer anderen Farbe tauschen, so verlöre B sein Spiel mit Schneider.— Wie sind die Karten verteilt? Welche Karten müßten getauscht werden? Wie ist der Gang des Spiels? A. St. Auflösungen der Aufgaben in der letzten Nummer. Auflösung des Bilderrätsels: Die orientalische Frage. Auflösung des Anagramms: Auflösung des Vorträtseld: Kain, Krain. Loge. des Auggramms: ###r, Rebell. Auflösung Bell — 240— Deutlich. Humoristisches. Eie Sparsamer. „Ja, was ist denn das, da trinken Sie acht Nordhäuser, und nun haben Sie kein Geld?!“ „Na, gute Frau, wissen's, wenn i a Geld hätt', denken's denn, i wär' dann so a Lump und versaufet's so?“ Tante:„Wann sollst du denn wieder nach Hause kommen?" Neffe:„Wenn du zu Mittag gegessen hast, Tante!“ (Protest.) Sommerfrischler(zum Wirt):„Sie haben doch schon ein ganz nettes Geschäft, da könnten Sie doch auch eine Speisekarte schreiben!“— Wirt:„A Speisekart' a? Fallt mir net ein, hab' so schon schwere Arbeit genug!“ Ein guter Jund. Verferbtlder. Pikkolo, beim Bringen des Bieres, nachdem er vorher vergeblich die heruntergefallene Zigarre des Bauern gesucht hatte): „Na, Zigarre gefunden?“ ner(schm Ba „„unzelnd):„Natürli... sogar noch e bessere!“ (Zwingender Grund.).:„Ich bin nie imstande, über einen Schwiegermutterwitz zu lachen.—.:„Ach, wenn Sie wie ich eine Schwiegermutter hätten, die hunderttausend Mark Vermögen hat, dann würden Sie auch über jeden Witz lachen, den sie macht 8. (Gut gegeben.) Sie:„Ich bin eben eine vulkanische Natur; in mir glüht alles.“— Er:„Darum habe ich mir an dir auch so die Finger verbrannt.“ (Rache.) Fräulein(beim Juwelier): Also der Verlobungsring ist unecht... ah warte, Bursche, du wirst deiner Strafe nicht eutgehen... jetzt heirate ich dich!“ (Die Hauptsache.)„Ach, Mama, diese Ungewißheit, ob ich auf das Konservatorium komme oder nicht, foltert mich entsetzlich.“—„Beruhige dich nur, mein Sohn, in einer Woche entchpeihens si9.—.:: es ist mir auch wegen des— Haar#. GHaxrtnäckig.).:„Sie müssen doch viel Geld besitzen, wenn Eir, wie nh höre, so viel Vergnügungen mitmachen?"—.:„I bewahre, bin jeden Abend zu Hause.“—.:„Na, dann müssen Sie doch aber erst recht viel sparen!" 8. (Aufrichtig.) Mutter(zu ihrer Tochter):„Minna, daß du dich aber auch gar nicht ein bißchen für die Küche interessierst!“— Tochter:„Ach, was! Im schlimmsten Falle heirate ich halt einen Koch!“ (Kommt auch noch.) Landstreicher(als auf der Straße hinter ihm ein Gendarm kommt und vor ihm ein Schutzmann geht):„Jetzt sollt' nur noch so a Schutzmann'flogen kommen!" S. (Im Café.) Herr(der bemerkt, daß sein Nachbar, anstatt zu lesen, hinter der Zeitung seine Braut küßt): „Wenn die Herrschaften mit dem Küssen fertig sind, bitte ich höflichst um die Zeitung.“ S. (Moderne Kinder.)„Elschen, warum willst du denn das Gedicht nicht auswendig lernen, das dir der Lehrer aufgegeben hat?“—„Ach, Mama, das Auswendiglernen macht mich ganz nervös!“ (Ahnungsvoll.) Schwieger= vater(zu seinem Schwiegersohne in spo an einem sehr heißen Tage): „Ueber Ihre Schulden wollen wir lieber ein andermal sprechen!... heute ist's so schon heiß genug!“ S. (Schlau.) Vater:„Was hast du denn gemacht, Karlchen? Du hast ja den Brief an Großmutter in lauter großen Buchstaben geschrieben?"— Karlchen:„Na ja, Großmutter ist doch so sehr kurzsichtig!“ Karl, wo bist du? er schenkt mir wast