wn OUNNNNvg TSTNTeeHerf Organ der werktätigen Bevölterung für den Stadttreis Witten„ Mittellungsblatt der freien Gewerkschaften, der Arbeiter-Sport- und-Kulturvereine Bezugsvreife: Ole„Wittener Volkswacht“ erscheint täglich vormittags mit Ausnahme der Sonntage und Feiertage und kostet freibleibend monatlich 3.40 wie (im voraus zahlbar). Einzelnummer 10 Pfennig. Geschäftsstelle: Witten, Johannisstraße 37 Fernsprecher 3627 Anzeigenpreise: 1 Millmeter Höde 1 spalng 7 Golopienng, auswärts s Goldp ennig, Arbeits= und Wohnungsmarkt und private Familienanzeigen 4 Goldpfennig, Reklamepreis 40 Goldpfennig Bei Wiederholung Rabau, der der gerichtlicher Betreibung in Wegfall kommt.— Annahmeschluß für Inscrate nachmittags 4 Uhr Nr. 71 Freitag, den 22. November 1929 1. Jahrgang Hie Hugenberg: Hie Westarp Zum deutschnationalen Reichsparteitag in Kassel Es wäre unsinnig, dem am 22. und 23. November in Kassel stattfindenden deutschnationalen Parteitag irgendwelche bestimmte Voraussage zu widmen. Trotzdem steht dieses schon heute unantastbar fest: die bisher größte deutschnationale Parteitagskatastrophe in Görlitz, wo bekanntlich die Hakenkreuzler nach wilden Radauszenen die Partei für immer verließen, verblaßt gegenüber der unheilvollen Situation, in welcher der Parteitag in Kassel zusammentritt. Ganz fraglos das ureigenste„Verdienst“ Hugenbergs, auf dessen Seite nur noch die ScherlJournalisten, die von ihm engagierte Offiziere in der Parteizentrale, und die beiden Lakaien Lindner und Rüffer fechten. Im übrigen Frondeure ringsum und inmitten der Führerschaft. Das gemeinsame Ziel aller deutschnationalen Frondeure ist der Sturz Hugenbergs, nach erst einjähriger Diktatur. Doch unter ihnen gibt es verschiedene Gruppen, von denen infolge rühriger Mitwirkung mancherlei Querverbindungen die mächtigste die Anhängerschaft Westarps ist, geleitet von dem bereits entschieden ausgesprochenen Wunsche, Westarp wieder an der Spitze der Partei zu sehen, um aus ihren Trümmern eine regierungswillige und für die Mittelparteien bündnisfähige konsecvative Partei zu retten! Diese auf Anhieb vielleicht seltsam anmutende Zielsetzung der deutschnationalen Rebellen ist völlig eindeutig von Gruppen ausgesprochen worden, deren Bedeutung im Hinblick auf die Parteikrise Zweifel überhaupt nicht zuläßt. ist hierbei natürlich nicht vorzüglich an die Grafen dohna und Finckenstein gedacht, die bekanntlich zwar auch gegen Hugenberg nebst Zuchthausbegehren revoltieren und dabei Wiederbelebung der konservativen Partei, sicher unter Zustimmung der noch immer mächtigen Adelsclique fordern, aber eben damit nichts unbedingt Neues bieten. Denn ihre Einstellung versteht sich in ihrem Milien von selbst und mußte irgendwann einmal naturnotwendig zum Ausdruck kommen. Dagegen gewinnt ganz ungewöhnliche Bedeutung das, was das Mitglied des Reichswirtschaftsrates, Landrat a. D. Dr. Gereke namens der Leitung der Christlichnationalen Bauern= und Landvolkpartei über ihre„Zwecke und Ziele“ in einem Vortrag vor der Presse mit programmatischer Betonung ausführte. Die „Kreuzzeitung"(Nr. 359 vom 14. November 1929) enthält über diesen Vortrag, der als Kundgebung zum deutschnationalen Parteitag in Kassel bewertet werden darf, ausführlichen Bericht, nach welchem eine scharfe Absage an die Adresse Hugenbergs unter Betonung seiner und seiner„überalterten Methoden“ Schuld an der Parteikrise erfolgte. Wenn Gereke ferner das„Primat der Landwirtschaft“— wahrscheinlich gegenüber der rüstungsindustriellen Bindung Hugenbergs— nachdrücklichst hervorhebt und ganz entschieden Loslösung vom„Nationalsozialismus mit seinen staatssozialistischen Ideen und eigentumszerstörenden, besitzfeindlichen, marxistischen Tendenzen“ fordert, so richtet sich das gleichfalls gegen Hugenberg, das heißt dessen Bündnis mit der Hitlergarde im Zuchthausbegehren. Die ganze Tragweite dieses Vorstoßes wird aber noch deutlicher charakterisiert durch die in demselben Atemzuge hervorgehobenen „Verdienste des Grafen Westarp“ und die Feststellung, daß für den„Neubau der alten aufgelösten Fronten“ nur noch„eine christlich=konservative Bewegung“ in Frage komme. Hier zeigen sich demgemäß sehr ernstzunehmende Kräfte, nämlich die seit Monaten von den Deutschnationalen abschwenkenden Bauern, gegen Hugenberg und für Westarp sowie seine Konservativen am Werke. Doch noch verhängnisvoller für die Deutschnationale Volkspartei ist fraglos, daß in demselben Augenblick— also gleichfalls just vor ihrem Krisenparteitage in Kassel— von einer Seite ein gleichartiger Vorstoß erfolgt, an welchen man in dieser Lage und in diesem Zusammenhange gegenwärtig kaum gedacht haben dürfte. Der Deutsch= nationale Handlungsgehilfen= Verband nämlich versendet durch Rundschreiben vom 12. November 1929, bestimmt für seine Mitarbeiter und führenden Verbindungsmänner vornehmlich innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei, einen Aufsatz Dr. Rudolf Fischers über„Die neue Rechte“. In diesem Aufsatze wird schlechthin alles verurteilt, was Hugenberg darstellt, getan hat und erstrebt. Seine Taktik. sein Zuchthausbegehren, seine Staats- und Koalitionspolitik, seine Einstellung gegenüber der Landwirtschaft werden unter besonderer Betonung so restlos verworfen, wie er selbst, den man nur noch als politisch toten Mann behandelt. Es ist, da der DHV. zu den christlichen Gewerkschaften gehört, zwar natürlich, aber in diesem Zusammenhange doch auch äußerst bemerkenswert, daß Dr. Fischer eindringlichst fordert, die Deutschnationale Volkspartei bündnisreif für das Zentrum, und zwar unverzüglich, zu machen, FAnumn dus=Sautgertel Die verhandlungen in Paris haben begonnen Einsetzung dreier Untercommissionen Deutschland will volle Souveränität Frankreich verzichtet auf die Volksabstimmung Festhalten an„gewissen letzten Positionen“ (Eigener Drahtbericht.) Paris, 21. November. Die deutsch=französischen Verhandlungen um die Rückgliederung des Saargebiets haben am Donnerstag im Quai d'Orsay begonnen. In der Eröffnungssitzung, die beinahe zwei Stunden dauerte, ergriff zunächst der Führer der französischen Delegation, der Minister der öffentlichen Arbeiten, Pernot, das Wort, um nach einigen Begrüßungssätzen den Wunsch der französischen Regierung zum Ausdruck zu bringen, daß in den späteren Verhandlungen ein Abkommen zur Fortsetzung der wirtschaftlichen Annäherung der beiden Länder getroffen werden könnte. Der deutsche Delegationsführer, der ehemalige Staatssekretär v. Simson, antwortete, daß die deutschen Unterhändler von dem gleichen Wunsch beseelt seien. Man kam schließlich überein, drei Unterkommissionen zu bilden, für die Bergwerke, die Handelsfragen und die juristischen Fragen. Die Unterkommissionen werden ihre Tätigkeit erst beginnen, wenn die beiden Delegationsführer ihnen ihre Arbeiten zugeteilt haben. Die Verhandlungen dürften sich außerordentlich langwierig gestalten. Für die Deutschen handelt es sich darum, die volle Souveränität über das Saargebiet wiederzuerlangen. In Frankreich dagegen scheint man, wenn man auch auf das Experiment einer Volksabstimmung im Jahre 1935 zu verzichten gewillt ist, sich „gewisse letzte Positionen“ im Saargebiet festhalten zu wollen. So spricht man u. a. von einer Gemeinsamkeit in der Verwaltung der Saargruben. Paris, 21. November. Wie verlautet, wird vor Montag oder Dienstag kommender Woche keine weitere Sitzung der deutschen und französischen Saarverhandlungsdelegationen stattfinden. da die Einsetzung der Unterausschüsse einige Tage in Anspruch nehmen wird. Vertrauensvotum für Tardien über die Saarfrage Paris, 21. November. Ministerpräsident Tardien stellte heute in der Kammer die Vertrauensfrage, um eine Vertagung der Diskussion der Interpellationen über das Saarproblem auf unbestimmte Zeit zu erreichen. Die Kammer stimmte ihm mit 337 gegen 244 Stimmen zu und faßte einen entsprechenden Beschluß. Der Vonbenrscheis tauf scheitern.? Der Parteiausschuß beschließt: Fernbleiben von der Abstimmung Terrorisierte durchstreichen das„ha“ wie das„Kein“ (Eigener Drahtbericht.) Berlin, 21. November. Der Parteiausschuß der SPD. faßte am Donnerstag zu dem Ergebnis des Volksbegehrens folgenden Beschluß: „Die Partei wird sich mit gesammelter Kraft für ein Scheitern des Volksentscheides und damit für eine Verstärkung der Niederlage der Rechtsaktion einsetzen. Für den am 22. Dezember 1929 stattfindenden Volksentscheid über den Gesetzentwurf zum Youngplan fordern der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Parteiausschuß deshalb zum Fernbleiben von der Abstimmung auf. Wahlberechtigte, die sich dem Terror der Reaktion, besonders in kleinen Orten, nicht entziehen können und gezwungen werden, zum Volksentscheid zu kommen, sollen ihre Stimmen ungültig machen, indem sie sowohl das„Ja“ wie das„Rein" durchstreichen.“ Außerdem behandelte der Parteiausschuß das Ergebwis der Provinziallandtagswahlen in seiner Wirkung auf die Zusammensetzung des preußischen Staatsrates und des Reichsrates. Verkaufssonntage vor Weihnachten und volksentscheio Berlin, 21. November. Der preußische Handelsminister hat, wie der Amtliche Preußische Pressedient mitteilt, die nachgeordneten Behörden davon verständigt, daß er gegen die Freigabe des 22. Dezembers des sogenannten Goldenen Sonntags, keine Bedenken habe. Die Verkaufszeit an diesem Sonntag soll jedoch nicht mohr als 6 Stunden betragen. Ferner sollen die Regierungspräsidenten entsprechend der Anregung des Reichsinnenministers prüfen, ob in Orten, in denen vor Weihnachten ein Geschäftsverkehr in Handelsgewerbe für weniger als drei Sonntage zugelassen ist, ein weiterer Sonntag freigegeben werden soll. Diese Freigabe wäre in jedem Falle davon abhängig zu machen, daß die Einzelhandelsverbände sich verpflichten, bei ihren Mitgliedern am Heiligen Abend einen Geschäftsschluß um 17 Uhr sicherzustellen. Der Zentralverband der Angestellten fordert 3-Uhr-Ladenschluß am 24. Dezember Berlin, 21. November. Der Zentralverband der Angestellten hat in einer Eingabe an den Reichstag die Einführung des 5=Uhr=Ladenschlusses am 24. Dezember durch Sondergesetz gefordert. Ein nicht erfüllter Wunsch Der preußische Minister des Innern sendet keine Kommissare zur Beratung über den deutschnationalen Antrag zum Friedensvertrag. Berlin, 21. November. Der preußische Minister des Innern teilt in einem Schreiben an den Präsidenten des Landtages mit, daß er sich an den Beratungen über den deutschnationalen Urantrag auf Annahme eines Gesetzentwirfes zur Durchführung der Artikel 177 und 178 des Friedensvertrages und des Reichsgesetzes vom 22. März 1921 durch Kommissare nicht vertreten lassen werde. Der deutschnationale Gesetzentwurf hat bekanntlich zum Ziel, ein Beschwerdeverfahren dagegen zu ermöglichen, daß Verbände auf Grund des Gesetzes über die Ausführung des Friedensvertrages aufgelöst werden. Zur Begründung seines Entschlusses führt der Minister aus, das Gesetz zur Durchführung des Friedensvertrages habe bemißt von der Einführung einer Rechtskontrolle gegenüber Auflösungsverfügungen der obersten Landesbehörden abgesehen. Der Reichstag habe ein Beschwerdeverfahren ausdrücklich abgelehnt, da es sich um ein Gesetz wesentlich politischen Inhaltes handele, bei dem es nicht angebracht sei, die Gerichte hineinzuziehen. Habe aber der Reichsgesetzgeber die Einführung einer solchen Rechtskontrolle abgelehnt, so könne der Landesgesetzgeber nicht für zuständig erachtet werden, eine solche Rechtskonkrolle nachträglich durch landesgesetzliche Vorschrift einzuführen. Das von den Antragstellern mit dem Gesetzentwurf angestrebte Ziel könne von dem preußischen Landtag nicht verfolgt werden. um den„katastrophalen Verbrauch der kon: servativen Kräfte“ aufzuhalten und endlich„christlich=konservative Kulturpolitik“ ohne Hugenberg zu ermöglichen. In diesem Sinne wird Auflehnung wiederholt und mit einem unzweideutigen Seitenblick auf den deutschnationalen Parteitag in Kassel durch den Schlußsatz gefordert:„Die Verantwortung liegt bei denen, welche schon allzu lange gezögert haben. Versäumen sie diese Stunde, so werden die Ereignisse über sie hinweggehen.“ Das klingt genau wie ein Sturmangriffsbefehl für die Lambach=Leute, die bekanntlich vorwiegend dem DHV. angehören. Hugenbergs Fahrt zum Parteitag in Kassel aber gleicht unter diesen Umständen sehr einem „Gang zum Eisenhammer". Neogilos. Beginn des deutschnationalen Reichsparteitages Kassel, 21. November. Der deutschnationale Reichsparteitag begann mit einer Sitzung des Parteivorstandes. Der von der Partei herausgegebene„Führer durch den Parteitag“ wird durch einen Begrüßungsartikel des Parteivorsitzenden Dr. Hugenberg eingeleitet, der darauf hinweist, daß der diesjährige Parteitag im Zeichen des Kampfes der Rechtsopposition„gegen die beabsichtigte Versklavung des Volkes durch den Youngplan" stehe. Hugenherg sagt u. a.:„Die Entwicklung wird umso schneller voranschreiten, je geschlossener die Opposition ist. Weiß die Mitte, daß ihr das Spiel mit wechselnden Mehrheiten nicht mehr möglch ist, daß die Rechte nicht mehr gelegentliche taktische Kilsestellung übt, und daß nur eine vollständige und dauernde Loslösung von der Gemeinschaft mit dem Marxismus eine Zusammenarbeit ermöglicht, so wird der Weg zu einer großen M F antimarxistischen Koalition frei sein. Sie wird umso eher kommen, je mehr die Deutschnationale Volkspartei ihre Nevven behält.“ Kassel, 21. November. Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei hielt heute nachmittag die angekündigte Sitzung ab, die bis in die späten Abendstunden dauerte. Einleitend berichtere per Parteiführer, Geheimrat Hugenberg, über die politische Gesamtlage und die Haltung, die die Partei in den einzelnen Fragen eingenommen hat. Im Mittelpunkt seines Berichts standen naturgemäß der Youngplan und das Volksbegehren. Daran schloß sich eine Aussprache. Sie führte zur Billigung der Richtlinien, die Geheimrat Hugenberg in seiner Rede gegeben hat. Der Sinn dieser Richtlinien ist, daß der bisherige Kurs weiter gesteuert werden soll. Es wird zum Ausdruck gebracht, daß die Deutschnationale Volkspartei keineswegs grundsätzlich Opposition zu machen beabsichtige, sondern jederzeit bereit ist, in eine„nicht marxistische Regierung“ einzutreten, und zwar gleichzeitig im Reich und in Preußen. Zunächst aber bestehe keine andere Möglichkeit, als die bisherige Oppositionspolitik fortzusntzen. Der Youngplan wird auch in diesen Richtlinen scharf abgelehnt. Die Veröffentlichung der Ausführungen Hugenbergs soll erfolgen, sobald die Parteivertretung, die morgen vormittag zusammentritt, sie gebilligt hat. Von maßgebender deutschnationaler Seite wird unterstrichen, daß in der Parteivorstandssitzung auch die Opposition zu Worte gekommen, aber die Annahme der Richtlinien schließlich einstimmig erfolgt sei. Festhalten am 8 4 Kassel, 21. November. Nach der Villigung der Thesen, die Geheimrat Hugenberg in seiner heutigen Rede aufgestellt hat, beschäftigte sich der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei noch in einer mehrstündigen, lebhaften Aussprache mit§ 4 des Freiheitsgesetzentwurfs. Wie verlautet, endete die Aussprache mit dem Vertrauensvotum für den Parteivorsitzenden, das mit starker Mehrheit angenommen wurde. Es wird versichert, daß von den nicht ganz 100 Mitgliedern des Parteivorstandes 85 anwesend waren, darunter auch eine Anzahl von denen, über die bekannt ist, daß sie einen anderen taktischen Standpunkt einnehmen, als die Parteiführung. Das Vertrauensvotum ist aufgebaut auf der Forderung Geheimrat Hugenbergs, daß das Freiheitsgesetz in seiner jetzigen Form ohne jeden Vorbehalt unterstützt werde, d. h. also, daß der Parteivorstand sich dafür entschieden hat, den§ 4 nicht fallen zu lassen. Er hat dazu die Erwartung zum Ausdruck gebracht, daß auch die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei für den§ 4 stimmen werde. Automatische Räumung durch England Scheinbar räumen auch die Franzosen (Eigener Drahtbericht.) Frankfurt a. Main, 21. November. Die Räumung des von den Engländern besetzten Gebietes, die am 15. Dezember vollendet sein soll, schreitet automatisch fort. Täglich verlassen kleinere englische Abteilungen die besetzten Städte. Es scheint aber auch, daß die Franzosen sich allmählich wieder in Bewegung setzen. So besteht u. a. die ursprünglich aus 4 Kompagnien zusammengesetzte Besatzung von Höchst nur noch aus einer Wachkompognie in Stärke von 65 Mann sowie aus der Ortsgendarmerie von ungefähr 15 Mann. Drei Kompagnien sind in den letzten Tagen abgezogen. Allerdings hat die französische Besatzungsbehörde von dieser Truppenverschiebung weder das Höchster Besatzungsamt noch eine andere Behörde benachrichtigt. Mobilmachungspläne der Heimwehr Geiseln nach Räubermanier (Eigener Drahtbericht.) Wien, 21. November. Die„Arbeiter=Zeitung“ veröffentlicht in ihrer Freitagausgabe geheime Richtlinien der Tiroler Heimwehren über eine Einschließung von Innsbruck durch den Gau Oberland. Die Richtlinien tragen den Vermerk: „Verschluß, geheim, in 6 Exemplaren“ und beginnen mit den Worten:„Die Wichtigkeit des Besitzes von Innsbruck erfordert die größtmögliche Machtentfaltung in und um Innsbruck“. Es folgen ausführliche Bestimmungen über die Sammelplätze für den Fall eines Aufgebotes und über die militärischen Forderungen. Darin heißt es u. a.:„Alle zu den Sammelplätzen abgehenden Formationen haben ihre entbehrlichen Maschinen gewehre mitzunehmen. In manchen Gemeinden wird es sich als sehr nützlich erweisen, vor dem Abmarsch nach Innsbruck eine Anzahl von Geiseln aus dem gegnerischen Lager auszuheben, um evtl. beabsichtigte Brandstiftungen und dergleichen zu verhindern. Jede ausrückende Abteilung hat Spaten, Brechstangen und einen schweren Schmiedehammer mitzunehmen. Ausführlich sind noch die Bestimmungen über die Straßenkämpfe. So sollen die Straßen durch Barrikaden mit Hindernissen, evtl. durch Schützengräben abgesperrt werden. Weiter heißt es u. a.:„Wenn Sprengstoffe vorhanden sind, sind sie entsprechend zu verwenden.“ Und Schober sieht diesem hochverrätischen Treiben ruhig zu. Reaktionäre Studentendemonstrationen in Prag (Eigener Drahtbericht.) Prag, 21. November. Am Donnerstag mittag veranstaltete die reaktionäre tschechische Studentenschaft in der Prager Innenstadt große Demonstrationen. Die Studenten zogen in großen Gruppen vor die Redaktionen sozialistischer und deutscher Blätter, wo sie Pfuirufe und Drohungen ausstießen. Als ein Polizeiaufgebot von 400 Mann die Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung durch Zureden nicht erreichte, wurde von dem Gummiknuppel Gebrauch gemacht. Einige Studenten wurden verletzt und mußten weggeschafft werden. Erst eine Stunde später konnten die Ansammlungen durch berittene Polizei endgültig zerstreut werden. Die reaktionäre Studentenschaft fordert die Einführung des numerus clausus für Ausländer und läßt erklären daß sie keine Mittel scheuen würde, um ihren Willen durchzusetzen. An den deutschen Hochschulen herrschte am Donnerstag vollkommene Ruhe. Zusammenstöße mit der Polizei in Warschau (Eigener Drahtbericht.) Warschau, 21. November. Anläßlich des 10. Jahrestages der Gründung der kommunitischen Jugendinternationale versuchten jugendliche Kommunisten in verschiedenen Stadtteilen Warschaus zu demonstrieren. Hierbei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, in deren Verlauf ein unbeteiligter Passant getotet wurde. Mehrere Demonstranten und zwei Polizeibeamte wurden verletzt. Das Keich gen,“ enn! 6 Millionen Mark für die hilflosen deutsch=russischen Bauern vor Moskau Kußland leistet Widerstand fort 1000 Bauern nach Deutschland zu befördern. Die in Deutschland eintreffenden Familien kommen zunächst in das Flüchtlinglager Hammerstein bei Schneidemühl, das bis zu 4000 Menschen beherbergen kann. Weitere Transporte sollen folgen. Zum Teil werden die Rückwanderer im deutschen Osten angesiedelt werden. Der Abgeordnete Daniel Stücklen (Angehöriger der SPD.) ist zum Reichskommissar für diese Angelegenheit ernannt worden. Wie der Moskauer Vertreter des WTB. erfährt, verweigern die sowjetrussischen Verwaltungsbehörden die Ausreisegenehmigung für die deutschstämmigen Kolonisten und überlassen die Entscheidung der Frage dem Rate der Volkskommissare. Welche Gründe für diese Entschließung, die vollständig unerwartet kommt, vorliegen, ist nicht bekannt. In Berliner politischen Kreisen erklärt man, es sei nicht wahrscheinlich, daß die russische Regierung die Ausreise der vor Moskau liegenden Deutsch=Russen aufzuhalten beabsichtigt. Die Visa für zunächst 1000 dieser Deutsch=Russen werden als erste Rate zur Zeit besorgt, die Visa für die anderen sollen folgen. Dem„Berliner Tageblatt" zufolge haben gestern nachmittag eingehende Beratungen im Auswärtigen Amt stattgefunden, deren erstes Ergebnis die Aufnahme direkter Verhandlungen Deutschlands mit der russischen Regierung über die Ausstellung der beantragten Visa für die deutsch=russischen Auswanderer ist. Der„Vorwärts“ meldet: Reichstagsabgeordneter Stücklen hat seine Tätigkeit als Reichskommissar für die DeutschrussenHilfe ausgenommen und wird zunächst die Auswanderer in Hamburg besuchen. In London ist Legationsrat Solheim eingetroffen, um mit der kangdischen Regierung über die Einreise. den Transport usw. der deutschen Rußlandbauern zu verhandeln. In der Affäre der deutsch=russischen Bauern, die hilflos vor Moskau liegen, hat jetzt endlich das Reich Hilfsmaßnahmen getroffen. Die Reichsregierung hat sechs Millionen Mark zur Hilfeleistung für die deutsch=russischen Bauern bewilligt, die aus dem Sowjet=Paradies auswandern wollen. Die deutsche Botschaft in Moskau ist beauftragt worden, soAufrechterhaltung der Diktatur in Portugal Paris, 21. November. Havas berichtet aus Lissabon, daß der Ministerrat beschlossen hat, das Regime der Diktatur unter Mitarbeit der politischen Parteien fortzusetzen, solange es notwendig ist, um folgendes Programm durchzuführen: Budgetausgleich, Währungsreform, wirtschaftliche Wiedererhebung Portugals und seiner Kolonien, politische und soziale Wiedererhebung des Landes durch Förderung der Stadtratsverwaltungen und durch Vorbereitung der Bedingungen, die die volle Unabhängigkeit der staatlichen Behörden garantieren sollen. Um Gründe zur Diktatur oder deren Verlängerung sind die Diktatoren nie verlegen. Diskontermäßigungen London, 21. November. Die Bank von England hat den Diskont von 6 auf ½ Prozent ermäßigt. Oslo, 21. November. Die Bank von Norwegen hat den Wechseldiskont von 6 auf 5½ Prozent herabgesetzt. Die neue badische Regierung Karlsruhe, 21. November. Der Landtag hat heute abend die Wahl der neuen Regierung vorgenommen. Mit den Stimmen der neuen Koalitionsparteien, Zentrum und Sozialdemokraten, wurden gewählt: der bisherige Präsident des Rechnungshofes Josef Wittemann(Ztr.) zum Minister des Innern, der bisherige Innenminister Dr. Nemmele(Soz.) zum Minister für Justiz, sowie zum Minister für Kultus und Unterricht der bisherige Finanzminister Dr. Josef Schmitt(Ztr.) wiederum zum Finanzminister und der von den Sozialdemokraten vorgeschlagene erste Vizepräsident des Landtages Emil Maier Staatsrat. Die Wahl des Staatspräsidenten siel auf den zum Finanzminister Remmele. Schmitt, die seines Stellvertreters auf Dr. Zentrumsverluste im Rheinland Die Machtstellung im Provinziallandtag verloren Die rheinische Zentrumspartei ist wegen des Ausfalles der Provinziallandtagswahlen im Rheinland sehr bekümmert. Sie hat im rheinischen Provinziallandtag nach den Neuwahlen statt bis her 72 nur noch 64 Sitze, während die Sozialdemokratie von 23 auf 25 Sitze heraufgerückt ist. Dieser Verlust des Zentrums von acht Sitzen hat zur Folge, daß es auch im Provinzialausschuß einen Sitz abgeben muß. Hier standen seinen sieben Sitzen bisher sieben Abgeordnete anderer Parteien gegenüber. Außerdem verfügte das Zentrum über die Stimme des Landeshauptmanns Horion. In dem neuen Provinzialausschuß werden sechs Vertretern des Zentrums acht Vertreter der übrigen Parteien gegenüberstehen, so daß das Zentrum seine Machtstellung verloren hat. Die Sozialdemokratie wird infolge ihres Erfolges künftig zwei statt bisher einen Vertreter aus dem Rheinland in den preußschen Staatsrat entsenden. Der Fall„DR3“ Berlin, 19. November. Die im Sold der Schwerindustrie bzw. der Reichsbahn stehende Berliner„Deutsche Allgemeine Zeitung" bestätigt am Montag, daß ihre Reklame teilweise von der Reichsbahn bezahlt wird. Das Blatt schreibt: .. Der Rest der Exemplare wird im Auftrag der Bestellerin(der Reichsbahn) an Hotels, Kurorte und ähnliche Adressen im In= und Ausland geliefert, wovon sich die Reichsbahngesellschaft infolge der überparteilichen Stellung des Blattes und der anerkannt vorzüglichen Qualität der technischen und Verkehrsbeilagen der„DA3.“ eine Werbung für sich oder für Deutschland verspricht.“ Diese Feststellung des„überparteilichen", von deutschnationalen und auf dem äußersten rechten Flügel der Volkspartei stehenden Redakteuren fertiggestellten Blattes ist ein Anlaß mehr, den neuesten„Fall„DAZ.“ nicht aus dem Auge zu verlieren. Verzichtet die Reichsbahnverwaltung nicht von sich aus darauf, für ein im Solde der Schwerindustrie stehendes— aber natürlich„überparteiliches“— Blatt weiterhin einen Teil der Werbungskosten zu tragen, dann muß ihr von zuständiger Stelle in der notwendigen Form klargemacht werden, wozu die öffentlichen Gelder da sind und wozu nicht. Was die Redaktion der„DA3.“ angeht, so sollte sie schließlich selbst einsehen, wie lächerlich sie sich mit ihrer angeblichen Ueberparteilichkeit macht. Man verzichte also endlich auf diese widerwärtige Redensart. Der Kläger wird verfolgt, nicht der Sünder Berlin, 21. November. Ein sehr eigenartiger Vorfall erregt in Berliner politischen Kreisen großes Aufsehen. Die republikanische Beschwerdestelle, die in ihrem Kampfe gegen reaktionäre Beamte seit Jahren eine sehr verdienstvolle Tätigkeit entfaltete, hatte auf Grund einer hier zugegangenen Mitteilung den zuständigen Stellen angezeigt, daß ein Regierungsobersekretär der preußischen Finanzdirektion während der Dienststunden schwere beschimpfende Bemerkungen über den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun und den preußischen Innenminister Grzesinski gemacht habe. Darauf wurde gegen den betreffenden Obersekretär das Disziplinarverfahren eingeleitet. Der Untersuchungsführer Dr. Beelitz wünschte von der republikanischen Beschwerdestelle den Namen der Person zu erfahren, die die Anzeige gemacht habe. Das wurde natürlich abgelehnt, um den Betreffenden nicht eventuellen Schikanen seiner Vorgesetzten auszuliefern. Daraufhin hat Dr. Beelitz eine Durchsuchung der Geschäftsräume der republikanischen Beschwerdestelle angeordnet und durch Kriminalpolizisten durchführen lassen. Aus dem ganzen Vorgehen des Untersuchungsführers geht die Absicht hervor, nicht etwa Beweismaterial gegen den republikfeindlichen Beamten zu finden, der nach der Anzeige die Beschimpfungen ausgestoßen hat, sondern vielmehr den Namen des Anzeigenden zu ermitteln, um gegen diesen vorgehen zu können. volksparteiliche Absage anden Stahlhelm Stahlhelm, Schutztruppe der Hugenbergschen Sozialreaktionäre Die Deutsche Volkspartei hat in ihrem parteiamtlichen Organ„Berliner Stimmen“(Nr. 45 von 10. November 1929) eine ungewöhnlich scharfe und unzweideutige Absage an die Adresse des Stahlhelms gerichtet, in welcher sie zunächst gegen den offenbar sehr gierigen Mandatshunger der Stahlhelmleute zu Felde zieht und feststellt, daß deren parteipolitische Tätigkeit unter keinen Umständen zu der Frechheit führen dürfe, Aufstellung ihrer Kandidaten nur„an vorderster Stelle“ zu fordern. Alsdann heißt es wörtlich: „Die in der Deutschen Volkspartei organisierten Frontsoldaten lehnen den Weg des Stahlhelms, der einer Partei dienstbar geworden ist, ab.“ : Daß diese„eine“ Partei die Hugenberg=Partei ist und der Stahlhelm sich mit ihr durch das gemeinsam erstrebte „dritte Reich“ und die in ihm zu verwirklichenden sozialreaktionären Forderungen innigst verbunden fühlt, ist hinreichend bekannt. Jeder etwaige Zweifel wird vollkommen erschlagen durch Kundgebungen der beiden Verbündeten, die hinsichtlich ihrer Ziele total übereinstimmen. So schreibt z. B. der Stahlhelm in einem Geheinzirkular an seine rheinisch=westfälischen Unterführer: „Denn eine nationale Revolution kann ja gar nicht in den nächsten Jahrzehnten unsere egoistisch=materiellen Interessen mehr befriedigen. Und der deutschnationale Landesführer und Kapp=Putschist Dr. Schiele(Naumburg) schreibt im„Deutschen Volksboten(Nr. 38 vom 21. September 1929), amtliches Organ des deutschnationalen Landesverbandes Berlin, daß„nach dem Vorbild des Staatswesens, das wir hatten“ durch das „dritte Reich“ die„revolutionäre Epoche zum Abschluß“ gebracht und in dieser nationalistischen„Epoche der Restauration“ sogleich einsetzen soll: „Deflation. Kontraktion, Beengung der Lebensräume und Arbeitsgelegenheiten, Erschwerung jeder Unternehmung bis hinunter zu jedem Familienhaushalt", also grausigstes Elend in jeder Hinsicht, vor allem Wohnungsund Arbeitsnot.—„Feine" Brüder sind Stahlhelm und Hugenberg; sie passen zusammen wie Pech und Schwefel. N. Die Affäre Lampel und Genossen Haftentlassung gegen 20000 Mark Kaution Neisse, 21. November. In Sachen Lampel und Genossen hat auf den Haftentlassungsantrag der Beschuldigten der Untersuchungsrichter in den daß die ungeschuldigten von der weiteren ont bleiben sollen, wenn sie insgevon 20 009 R M. hinterlegen. 1gsa Reisse entschieden, Untersuchungshaft versche samt eine Kaution — Bei den toten Habsburgern Die die Republit nicht mehr erlebten. Das sentitnenta. Ein Feuerwehrmann als Fassadenkletterer wegen einer Taube- Die Rehrseite der medaille Es ist eine erkleckliche Anzahl von Mitgliedern des erlauchten Hauses Habsburg, die die Republik nicht mehr erlebt haben. Der Führer durch die Kapuzinergruft zählt sie, die nach reiflicher Erwägung die anderen auf die Schlachtfelder, in die Massengräber schickten, weil ihnen selbst die Kapuzinergruft sicher war, auf: es liegen hier zwölf Kaiser, fünfzehn Kaiserinnen, zwei Herzen von Kaiserinnen, ein römischer König, eine römische Königin, eine gewöhnliche Königin, ein Herz einer Königin, vierundvierzig Erzherzoge, ein Kurprinz, zwei Großherzoginnen, zweiundfünfzig Erzherzoginnen, drei Herzoge, zwei Herzoginnen, eine Gräfin. Insgesamt erwarten, wie es in dem Führer durch die Kaisergruft heißt,„einhundertsiebenunddreißig Mitglieder des erlauchten Hauses Habsburg“ bei elektrischer Beleuchtung und ununterbrochenem Fremdenverkehr„den Tag der Auferstehung". Auf dem neuen Markt. Das Kapuzinerkirchlein, in dessen unterirdischen Hallen so viele gekrönte Häupter versammelt sind wie selten auf einem Fürstenkongreß, liegt nicht grade an der stillsten Stelle der Stadt Die Oper ist in der Nähe und die Kärntnerstraße und der Stephansplatz, und neben der Tramway kreischen die Autos, holpern die noch immer nicht ganz ausgestorbenen Fuhrwerke, machen die Monosdreiräder, die hin uind wieder kurz aufbellen, die Straße unsicher, unpassierbar für Minuten. Und gegenüber dem Kirchlein werden Bücher, Brautausstattungen, Tapeten, tote und lebende Hühner in den Auslagen angepriesen, und neben dem Eingang zu der Kaisergruft ist eine Pelzhandlung. An der garuen, schmucklosen Außenwand des Klosters aber ist eine Tragbahre angebracht, benützbar für jedermann, und Zeit und Ewigkeit sind miteinander verbunden durch die Reklametafel einer Maschinenschreib= und Stenographieschule. Dieser Platz war immer schon belebt, schon zur Zeit, da man den Grundstein zur Kaisergruft legte, und das war im Jahre 1619. Damals war er schon der„neue Markt“, der etwa drei Jahrhunderte früher angelegt werden mußte, weil Wiens ältester Marktplatz, der„hohe Markt“, zu klein geworden war. Mehl und Getreide wurden hauptsächlich hier gehandelt. Hier stand auch die alte Mehlgrube, ein Zweifrontenhaus, mit einem Durchgang in die Kärntnerstraße. Und aus der Mehlgrube wurde im 18. Jahrhundert ein Ballhaus, in dem der Adel Wiens im Angesicht der gekrönten Gespenster seine berühmten Ahnenbälle veranstaltete. Unter Särgen. An einem jener Tage, an denen die Geschäftswolt Neuyorks uneter dem Schrecken der großen Börsenpanik erzitterte, ist in den Mittagsstunden, an der Ecke der 15. Straße vor der St. Patrick=Kathedrale eine plötzliche Menschenansammlung zu verzeichnen. Die Autos kommen nicht weiter, die Trams und die Busse stauen sich auf und Tausende und Abertausende stehen da und gucken. Plötzlich rasseln vier moderne Feuerwehrleiterwagen heran, eine Kompagnie Feuerwehrleute springt herunter.... Was war geschehen? Eine junge Taube hatte sich in einer Höhe von 40 Metern mit den Flügeln in einer Schnur verfangen, die aus einer der Turmöffnungen der Kathedrale heraushing. Wegen dieser Taube war der Verkehr ins Stocken geraten und die Feuerwehr alarmiert worden. Die Leitern wurden in Position gebracht. Aber wie man sie auch stellte, es gelang nicht, bis zu der Höhe vorzudringen, in der die Taube ihren Verzweiflungskampf kämpfte. Da meldet sich ein besonders mutiger Feuerwehrmann, klettert die Leiter empor, seilt sich an und turnt als Fassadenkletterer an der Turmmauer empor. Erreicht die Taube und befreit sie von ihrer Fessel Langsam flattert das verängstigte und halbtote Tier zur Erde, wo es von dem Feuerwehrkapitän höchstpersönlich in Empfang genommen wird, während donnernder Beifall und heftiges Händeklatschen die Tat des mühsam auf die Leiter zurückkehrenden Feuerwehrmannes dankt. Langsam nimmt der Verkehr wieder die alltäglichen Formen an. Am nächsten Morgen liest Neuyork in den Zeitungen, daß die Taube im Tierhospital der Gesellschaft zur Vorbeugung von Grausamkeiten gegen Tiere den Umständen nach angemessen wohlauf ist und mit der baldigen Heilung der zerschundenen Flügel zu rechnen ist. Wie eine Ironie, die die Psyche des Amerikaners als Kehrseite der Medaille zeigt, mutet ein Fall von Lynchjustiz an. AusEastland(Texas) wird berichtet: Ein Verbrecher namens Marshal Ratcliffe, der wegen eines im Dezember 1927 verübten Ueberfalls auf eine Bank zum Tode verurteilt worden war. wurde dieser Tage abends aus dem Gefängnis entführt und gelyncht. Die Menge, die durch einen Fluchtversuch, bei dem Rateliffe einen Beamten schwer verletzt hatte, aufgebracht war, schleppte den Gefangenen nackt ins Geschäftsviertel und hängte ihn an einer Telegraphenstange auf. Der Strick riß und die Menge, die inzwischen auf 2000 Personen angewachsen war, wartete eine Vietelstunde, bis ein neuer Strick gebracht wurde, mit dem die Volksjustiz ausgeübt wurde., * Automatische Steuerung für Flugzeuge Wie der amtliche britische Funkdienst(London) meldet, habenTechniker der britischen Luftstreitkräfte nach langwierigen Versuchen ein Hilfsmittel für Flugzeuge konstruiert, dem große Bedeutung beigemessen wird. Es handelt sich um einen Mechanismus, der unabhängig vom Piloten das Flugzeug vermittels eines Gyroskops nicht nur in der Gleichgewichtslage, sondern auch auf dem Kurs hält. Der Apparat, der etwa 100 Pfund wiegt, kontrolliert durch Ventile die Seiten= und Quersteuer. Er muß natürlich von dem Flugzeugführer bedient werden. kann jedoch, wenn dieser anderweitig von Reparaturen oder dergleichen in Anspruch genommen wird, das Flugzeug auch bei ungünstigem Wetter auf längere Strecken selbständig steuern. Der Mechanismus hat sich bei Versuchsflügen glän, zend bewährt. * Ein verrückter Universitätsprosessor. Der große Disziplinarsenat für nichtrichterliche Beamte am Kammergericht Berlin kam in einem Verfahren gegen Professor von Möller, Dozenten für Rechtsgeschichte an der Berliner Universität zu dem Urteil, den Professor auf Grund des Paragraphen 51 des Strafgesetzbuches freizusprechen. Professor Möller ist einer jener Hochschullehrer, die das Katheder zu böswilligen und staatsfeindlichen Ausfällen gegen die Republik und ihre Beamten benutzt haben. Die Oeffentlichkeit hatte schon öfters Gelegenheit, sich über ihn zu beschweren. Es dauerte lange, bis gegen ihn ein Disziplinarverjahren eingeleitet wurde. Wenn der Senat ihn jetzt auf Grund des Paragraphen 51 freispricht, so heißt das daß der Senat keinen Zweifel darüber hat, einem geistig Minderwertigen gegenüberzustehen, mit dem zu rechten nicht möglich ist. Die Lehrtätigkeit des Professors von Möller hat damit ihr Ende erreicht. Ein kurzes Vorhaus, einige Stiegen an der rechten Seite, eine Zugglocke an einem verrosteten Draht und darüber ein elektrisches Licht. Oeffnet sich die braune Tür, so blickt man in einen langen, weißgetünchten Gang. Dann geht es ein Stockwerk hinunter, unter die Erde. Elektrisches Licht leuchtet dem Wanderer in das Reich der Schatten und Phantome von gestern. Die Gruft ist dreigeteilt. Der mittlere Raum, den man unmittelbar betritt, ist leer, der Raum zur Rechten von einem hohen Gitter abgesperrt. Ueber dem Gittertor prangt eine inhaltsschwere Inschrift: Vor Taschendieben wird gewarnt! Und nun ist man in dem Reiche der Särge angelangt und blickt nüchtern, neugierig herum, ohne den Hauch der Ewigkeit, der uns draußen über manchem Grabhügel wie ein Mantel oft umfängt und einhüllt, zu verspüren. Und die Vergänglichkeit alles Irdischen? Nun: es gibt Särge hier, die von der Unvergänglichkeit des irdischen Reichtums zu erzählen wissen. Das sind Kunstwerke aus Kupfer, Bronze und Zinn, einige, die ältesten, schon verwittert, aber immer noch ihr Geld wert. Und die Trauer? Wie ist es denn nur bei diesen Begräbnissen gewesen? Der Kaiser ist tot, es lebe der Kaiser, in das Zügenglöcklein für den Verstorbenen mischten sich schon— und wehe, wer sie überhört hätte!— die Freudenchöre für den neuen Herrscher. Kalte Zeremonie war ihr ganzes Leben, war ihr Sterben und ist auch ihre Gruft. Den Raum beherrschend, prunkvoll, pompös. alle Macht auf Erden und darüber hinaus verkörpernd, ist der Sarg Maria Theresias. Sie hat ihn schon bei ihren Lebzeiten bestellt, sechsundzwanzig Jahre vor ihrem Tode war er fertig. Auf einem etwa sechzig Zentimeter hohen Marmorsockel steht der Sarkophag, mehr als drei Meter lang, fast anderthalb Meter hoch, zwei Meter breit. Hier ruht sie mit ihrem Mann, Franz I. Der Deckel, der beider Statuen trägt, ist fünfundzwanzig Zentner schwer. Reliefs, Schlachtenbilder. Krönungen und Krönungszüge ringsherum. Neben diesem die Särgc ihrer Kinder. Eine Tochter fehlt: Maria Antoinette. Die behielt die Revolution in Frankreich. Zu Füßen dieses Riesensarkophags ein schmuckloser, glatter kupferner Totenschrein: Kaiser Josef. Die Kapuziner scheinen ihm die Enteignung ihres Klosters noch immer nicht verziehen zu haben. Denn während der Führer von vielen Kaisern und Königen, die viel weniger bekannt und populär sind als Josef II. Geschichten erzählt, bei den Särgen verweilt, an einem sogar ohne Rücksicht auf das internationale Publikum, das um ihn herum ist, niederkniet und alle Anwesenden auffordert, ein Vaterunser für sein Seelenheil zu beten, hat er für diesen Sarg nur eine hurze Bemerkung:„Und hier Kaiser Josef II., der Nachfolger Maria Theresias auf dem Throne.“ Da ruht Franz I., der letzte römische Kaiser. Um ihn herum seine vier Frauen und seine Kinder. Ein Augenblick der Einkehr, der Bewegung, wenn man den einfachen Sarg seiner Tochter Maria Luise, der Gattin Napoleons, sieht, die, wie sie selbst sagte, ihre Neigung der höheren Pflicht aufopferte. Und daneben der Sarg Napoleons II., des Herzogs von Reichstadt, für den Napoleon der Große sein Geschick aufopferte. Ein Strauß Blumen und eine Kranzschleife in den französischen Farben liegen auf dem Deckel. Die Franzosen haben ihn schon wiederholt für sich reklamiert, um ihn neben seinem Vater, der im Invalidendom in Paris von seinen Schlachten ausnht, zu bestatten. Franz Josef steht erhöht in der Mitte eines Raumes zwischen den beiden Tragödien: Elisabeth und Kronprinz Rudolf. Standesunterschiede. Der Tod macht alles gleich— o nein: es ist reinlich unterschieden, also selbstverständlich zwischen den Erzherzogen und den Herrschern, die regierten, aber auch zwischen den Linien: die reinen Habsburger, bis zu Karl VI., sind gesondert von den Habsburg=Lothringern. Und in dem älteren Teile der Gruft sind auch Mann und Weib getrennt. Der Kapuziner erklärt:„Links die Damen, rechts die Herren.“ Im ältesten Teil der Gruft— er stammt aus dem siebzehnten Jahrhundert— zieht ein ganz leichter Verwesungsgeruch durch den Raum. Trotz dem Balsam und aller Mumifizierung fordert die unerbittliche Zeit auch von gekrönten Leichen ihren Tribut. Der Verwesungsgeruch, der sich durch die Poren in den Körper einschleicht, hat die Schar, die mit dem Pater von Sarg zu Sarg zog, zum Schweigen gebracht. Es ist auf einmal unheimlich still geworden. Nur der Mönch leiert Namen und Daten henunter. In einer Ecke an einem Sarg knistert eine Kerze, flackert ein unruhiges Licht. Die Schritte eines Nachzüglers in einem anderen Raum tönen hohl von den Wänden. Auf den Zehenspitzen huscht eine Frau an der Kerze vorbei, ein verzerrter Schatten fliegt über die Särge hin. Hans Buigk. „Hier ist der Busseldorfer Korder“ Stürmische Straßenszene in Budapest Budapest, 21. November. Großes Aufsehen erregte gestern auf der Arena=Straße eine Frau, die in der Mitte des Fahrdamms laut zu schreien begann und rief:„Hier ist der Düsseldorfer Mörder! Er steckt in Frauenkleidern. Ergreift ihn!“ Dabei zeigte sie auf eine in der Nähe stehende Frau. Dem herbeigeeilten Polizeibeamten erzählte die aufgeregte Frau, sie sei von der betreffenden Person in deutscher Sprache angesprochen und gebeten worden, einen Spaziergang in das nahe Stadtwäldchen zu unternehmen. Die unbekannte Person hätte auch über Düsseldorf gesprochen. Der Polizeibeamte und die Menschenmenge, die sich sofort angesammelt hatte, nahmen die Verfolgung auf und holten die ihnen bezeichnete Frau auch bald ein. Der Polizist konnte nur mit großer Mühe verhindern, daß sie nicht auf der Stelle gelyncht wurde. Auf der Oberstadthauptmannschaft stellte sich dann heraus, daß es sich in Wirklichkeit um einen Mann, und zwar um einen geisteskranken Wiener Kaufmann handelte, dessen Gewohnheit es ist, Frauenkleider anzulegen und Frauen anzusprechen. Der Geisteskranke wurde der Obhut seiner Verwandten anvertraut. Brand einer Mühle Verhaftung des Müllers wegen Brandstiftung. Liegnitz, 21. November. Unter dem Verdacht, den Brand der Hammergutsmühle in Heiligensee(Kreis Bunzlau) selbst verschuldet zu haben, wurde der Verwalter der Mühle, der Müller Wandelt, festgenommen und dem Amtsgerichtsgefängstis Bunzlau zugeführt. Wandelt sollte am 20. d. M aus der Mühle, deren Verwaltung ihm entzogen worden war, zwangsweise entfernt werden. Der Besitzer der Mühle wohnt zur Zeit im Auslande. Noch völlig ungeklärt ist das Schicksal der Frau des Müllers Wandelt und der beiden Kinder im Alter von zwei und zehn Jahren, die seit dem Brande verschollen sind. Nach Angabe des Müllers will er kurz nach Ausbruch des Brandes erwacht sein und die beiden Kinder, mit Leitungsdraht erdrosselt, in einem Zimmer liegend gesehen haben. Ein Zeuge, der später noch bei den Löscharbeiten in die Wohnung eingedrungen ist, erklärt, er habe niemand in den Räumen bemerkt. Merkwürdig ist ferner, daß Zeugen, die kurz nach Ausbruch des Brandes die Räume absuchten, den Kleiderschrank vollständig ausgeräumt fanden. Die Mühle ist völlig niedergebrannt. Die Ablöschung der Brandstätte war erst heute beendet, so daß es bisher nicht möglich war, die Trümmer nach Spuren der vermißten Familienmitglieder zu durschuchen. Geistererscheinungen vor Gericht Berlin, 21. November. Zu einer sehr ernsthaften Erörterung über die Frage, ob es Geistererscheinungen gibt oder nicht, ist es vor dem Charlottenburger Amtsgericht dadurch gekommen, daß der Hauswirt des Hases Tauroggener Straße 42 in Charlottenburg gegen die Eheleute Regulsti Räumungsklage angestrengt hat, weil durch die angeblichen Geistererscheinungen in der Familie Regulski sein Haus in Verruf gekommen sei. Vor einiger Zeit starb der Onkel der 12jährgen Lucie Regulsbi und seitdem, so hieß es zuertt unter den Bewohnern, spukte der Geist des verstorbenen Onkels Hans in der Wohnung umher. Es flogen Gegenstände durch das Zimmer des Kindes, das seinen Onkel sehr geliebt hatte. Es wurde ein Klopfen an Wänden und Türen hörbar und Schiefertafeln, die niemand berührt hatte, waren mit den Anfangsbuchstaben des Verstorbenen beschrieben. Nachdem die Spukerscheinungen in der Oeffentlichkeit viel besprochen wurden, strengte der Wirt dann die Räumungsklage an. Zu Beginn der heutigen Verhandlung war das Kind nicht erschienen. Die burzen Vergleichsverhandlungen wurden bald abgebrochen. da der Hauswirt die Feststellung verlangte, daß niemals ein Spuk stattgefunden hätte. Da die Beklagten diese Forderung nicht erfüllen konnten, wurde in die Verhandlung eingetreten. Der Vertreter des Hauswirts, Rechtsanwalt Dr. Guttmann, führte aus: Durch Zeitungsveröffentlichungen würde der Wert des Hauses verringert, da die Umwohner des Hauses abergläubisch wären und ein Geisterhaus meiden. Die Spukerscheinungen der Beblagten seien auf raffinierte Machenschaften zuwäre wissenschaftlich festgestellt worden, daß es derartige Erscheinungen nicht gäbe. Die Familie Regulski, bei der schon Vorfahren mit„zweiten Gesichtern“ und Helseherei von sich reden gemacht hätten, habe alle diese Erscheinungen vorsätzlich herbeigeführt. Demgegenüber führten die Vertreter der Familie Reguljki, die Rechtsanwälte Tarnowsky und Dr. Thiem, aus, daß die Geistererscheinungen in mehreren Sitzungen als echt konstatiert worden wären. Die Aerztliche Gesellschaft für parapsychologische Forschung hätte wiederholt Kommissionen zu der kleinen Lucie geschickt und den sogenannten Spuk untersuchen lassen. Die Erscheinungen wären in wissenschaftlichen Aufsätzen beschrieben worden. Es stände demnach fest, daß ein okkulter Geist dort herrsche, so daß die beklagten Eheleute, denen jedes vorsätzliche Handeln fernläge, nicht dafür verantwortlich gemacht werden könnten. Der tägliche Bankkrach Zahlungseinstellung der Banz für Handel und Gewerbe in Lübeck. Lübeck, 21. November. Die Bank für Handel und Gewerbe, Lübeck,(Kapital 1 Million Mark) hat heute ihre Zahlungen eingestellt. Vom Aussichtsrat der Bank wird mitgeteilt: Seit einiger Zeit gingen für die Bank ungünstige Ge rüchte um, die veranlaßten, daß die Abhebungen in immer wachsendem Maße die Einzahlungen bei der Bank überstiegen. Dadurch trat Illiquidität in einem Maße ein, das die ordnungsgemäße Fortführung der Geschäfte ausschloß. Es ist zu erwarten, daß für die Gläubigerforderungen und für die Spareinlagen und Depositen keine Gefahr besteht. Der Aufsichtsrat ist in Verhandlungen mit den hiesigen Banken getreten und versucht, zu einem Abkommen zu gelangen, das die Wiederaufnahme der Zahlungen ermöglicht, Verufung im Mordprozeß Mohr Düsseldorf, 21. November. Die Staatsanwaltschaft hat gegen das freisprechende Urteil im Prozeß gegen den Zahnarzt Mohr und seine beiden Mitangeklagten, die aus formaljuristischen Gründen von der Anklage der Aussetzung der Hausangestellten Emmi Weikert freigesprochen wurden, Berufung eingelegt. Selbstmord eines Bankiers. Wiesbaden, 21. November. Der Bankier Bauer aus Frankfurt a. M., Inhaber des in Schwierigkeiten geratenen Bankhauses Rudolf Bauer in Frankfirt a. M., der gestern abend in einem hiesigen Hotel abgestiegen war, wurde heute früh in seinem Zimmer tot aufgefunden. Er hatte sich mit Veronal vergiftet. Preisverteilung im Wettbewerb des Buchhändler=Börsenvereins. Leipzig, 21. November. In dem vor einem Jahr vom Buchhändler=Börsenverein erlassenen Preisausschreiben„Kann die Volksschule ihre Schüler zum guten Buch erziehen?“ wurden folgende Preise verliehen: 1. Preis mit 2000 Mark Hauptlehrer Franz Hirtler(Freibug i. B.), den 2. Preis mit 1000 Mark Hans Braun(München), den ersten 3. Preis mit 500 Mark Rektor Hans Gieseler(Berlin), den zweiten 3. Preis mit 500 Mark Schuldirektor E. Becker(Burgstädt). Eisenbahnunfälle in Polen und England Warschau, 21. November. Bei der Station Konski in der Wojwodschaft Kielce stießen gestern zwei Güterzüge zusammen. Eine Lokomotive und zwei Wagen wurden zertrümmert. Ern Eisenbahnangestellter wurde getötet, zwei andere erlitten schwere Verletzungen. Die Untersuchung ergab, daß der eine Güterzug ein Haltesignal überfahren hatte und überdies 17 Minuten vor der richtigen Zeit in die Station eingefahren war. Bath, 20. November. Kurz vor der Einjahrt in den hiesigen Bahnhof entgleiste ein Güterzug. Drei Personen wurden getötet, zwei schwer verletzt. oh. Unterschied d. Stücke solangeVorrat Pfd. 98J l s Besonders billig! ¼ Pfund nur S0 4 Luttrock. 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Warum lesen Sie es nicht auch, das Buch, das Bresche schlug in eine Mauer ; v o n V o r u r t e i l e n: August beber Die Frau und der Seziansmas Wenn Sie das Werk noch nicht haben, bestellen Sie die neue Jubiläums-Ausgabe. Vorwort von Eduard Bernstein. 559 Seiten. Ganzl. 7.50 RM. Halbleder 10.— RM. Buchhandlung Volksblatt Bochum, Friedrichstraße 19. Spar und Bauverein Witten # v. b Freitag, den 22. November, nachmittags 6.30 Uhr Verlosung einer Dreisimmer-Wolnung im Geschäftszimmer. Bewerber haben Quittungsbücher vorzulegen. 338/4 Der Vorstand. W. Brodt. Wie gu u. schön können Sie es haben. wenn Sie nur verstehen alle lorteile die man Ihnen bietet auszunutzen. Wir geben Ihnen Ihre Kleidung auf Kredit und erleichtern Ihnen durch ganz bequeme Ratenzahlungen bei kleiner Anzahlung den Erwerb derselben. als Anzahlung für die gute Herren: Lhmen- und Kinder-Kleidung Gutschein! Ueberbringer deses erhält beim Einkaut von 30.- Hk. an ein praktisches Geschenk! Sum 333 & Co. 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Anmeldungen nehmen entgegen 38 Else Neuhoff Lini Kreuger Auf dem Schnee 14 Auf dem Schnee 14e Milihinssii Aakdlatur 2 abzugeben Minmmm Zweites Blatt Freitag, den 22. November 1929 Staet=Witten Bericht über die Arbeitsmarktlage in der Woche vom 13. bis 20. November 1929. Starke Verschlechterung der Arbeitsmarktlage.— 330 Unterstützungsempfänger mehr.— Zugänge hauptsächlich aus der Metallindustrie.— Zuwachs von 40 Bausacharbeitern. Das Arbeitsamt Witten berichtet: Wie zu erwarten war, verschlechterte sich in der Berichtswoche die Arbeitsmarktlage in sehr starkem Maße. Die Zahl der Unterstützungsempfänger nahm um 330 zu. In der Hauptfache kamen die Zugänge aus der Metallindustrie, bei der die Verschlechterung zudem noch nicht abgeschlossen ist. Die fortwährend rückgängige Beschäftigungslage in der Metallindustrie fällt umso schwerer ins Gewicht, als sie gerade in die Zeit beginnender saisonmäßiger Verschlechterung in den Außenberufen fällt. So wurden z. B. in der letzten Woche allein an Baufacharbeitern 40 Mann freigesetzt. Die Verschlechterung der Wirtschafts= und Arbeitsmarktlage ist offenbar nicht so sehr auf Konjunktureinflüsse zurückzuführen, sondern besonders auf die allgemein herrschende Unsicherheit der Auftragseingänge und die geringe Möglichkeit vieler Betriebe, auch nur für die nächste Zukunft zu kalkulieren. Die in sonstigen Jahren um diese Zeit spürbare Belebung infolge des Weihnachtsgeschäfts usw. sehlt fast völlig. Bildungsarbeit der freien Gewerkschaften in Witten Der Ortsausschuß des Allgemeinen Deutschen GewerkschaftsBundes Witten hat einen Vortrags=Kursus für die Bildungsarbeit 1929/30 eingerichtet, der heute um 19,30 Uhr im Lokale Röthemeier beginnt. Freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Angestellte haben Gelegenheit, durch Teilnahme an diesem Kursus ihren Gesichtskreis zu erweitern, die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu erkennen und das Arbeitsgerichtsgesetz sowie das Verfahren vor den Arbeitsgerichten kennen zu lernen. „Alle vorurteilslosen Beobachter stimmen darin überein, daß für die Erziehung der Arbeiter zu selbständigen Männern und freien, gleichwertigen Bürgern nichts so viel geleistet hat als ## Gewerkschaftsbewegung sagt Prof. Dr. H. verkner. Dieses Urteil des bekannten beleyrten findet wieder seine Bestätigung durch die Einrichtung der Vortragsabende der freien Gewerkschaften in Witten. Folgende Vorträge sind vorgesehen: Freitag, 22. November: Wandlungen des Kapitalismus und deren Auswirkungen für den Arbeiter. Referent: Dr. Seelbach (Düsseldorf). Freitag, 29. November: Die Lohnpolitik der Gewerkschaften. Referent Dr. Berger(Bochum). Freitag, 6. Dezember: Die volkswirtschaftliche Bedeutung gewerkschaftlicher Lohnpolitik Referent: Dr. Seelbach(Düsseldorf). Freitag, 13. Dezember: Kapitalbildung und Lohn. Referent: Redakteur Franz Vogt(Bochum). Freitag, 20. Dezember: Konsumkraft und Löhne. Referent: Redakteur Franz Vogt(Bochum). Freitag, 10. Januar, und Freitag, 17. Januar: Der Young= Plan(zwei Vorträge). Referent: Redakteur Zimmer(Bochum). Freitag, 24. Januar, Freitag, 31. Januar, Freitag, 7. Februar, Freitag, 14. Februar, Freitag, 21. Februar, und Freitag, 28. Februar: Einführung in das Arbeitsgerichtsgesetz; Das Arbeitsgerichtsgesetz; Das Verfahren vor den Arbeitsgerichten; Wichtige Entscheidungen des Reichsarbeitsgerichts und der Landesarbeitsgerichte. Referent für alle sechs Vorträge: E. Grüttner(Dortmund). Alle Vortragsabende finden im Lokale Röthemeier, 19,30 Uhr, statt und beginnen pünktlich. Die Teilnahme wird allen Mitgliedern der freien Gewerkschaften wärmstens empfohlen. Arbeitersportler von Heven. Der Vorstand der SportDie Tagesordnung wird für jedes Mitglied eine wichtige sein. Die Bundesmitgliedsbücher bzw. die Jugendausweise sind in dieser Versammlung mitzubringen. Es gilt, wichtige Beschlüsse zu fassen, deshalb darf keiner fehlen. Schnellverkehr. Am 24. November wird der Schnellverkehr zwischen Witen und den Orten Altena, Lüdenscheid, Plettenberg, Schalksmühle und Werdohl aufgenommen. Fernsprechverbindungen dahin künftig über Knotenamt Dortmund(9) verlangen. Stadtteil Bommern Staatsbürgerliche Lauheits Wie erwarten die meisten Volksgenossen, den Tag, an dem sie ihre Stimmen auch einmal zur Geltung bringen können. Und doch gibt es leider noch einen großen Teil, der sein Wahlrecht nicht ausübt. Auch bei uns haben 30 Prozent nicht gewahlt. Das ist sehr bedauerlich. Alle sollen sie mithelfen am Aufbau der Republik. Nur nicht mißmutig an die Seite gestellt. Wir können selbstverständlich noch mit dem Ausgang der Wahl zufrieden sein. Denn die Stimmen, die wir aufgebracht haben, hat keine andere Partei erreicht. Weit blieben alle hinter der Liste 2 zurück. Wenn man aber bedenkt, daß diese 30 Prozent Nichtwähler zum größten Teil aus dem arbeitenden Volk stammen, dann kann es eine mdoppelt leid tun. Denn diese kämen doch uns, der Sozialdemokratie unbedingt zu. wir trotzdem 45½ Prozent aller Stimmen erhalten haben so ist dies trotz Abgangs der für uns so wertvollen Bommerholzer ein großer Erfolg. Denn Bommerholz war derjenige Bezirk, aus dem wir die meisten Stimmen bezogen. Wäre Bommern zusammen geblieben, dann hätten wir unbedingt die absolute Mehrheit im Gemeindeparlament bekommen. Ungültige Stimmen. Wenn man am Wahlabend die Umschläge öffnet, die Stimmzettel sortiert und zählt, dann kann die wunderbarsten Feststellungen machen. Es uind das die den, einige hatten zwei oder noch mehr Kreuze in die Kreise gemacht. Andere waren von oben nach unten kreuz und quer durchstrichen. Mehrere Umschläge enthielten statt eines Zettels zwei verschiedene, also den roten und den weißen. Obwohl nur ein Umschlag und ein Zettel ausgegeben wurde und zwischen der ersten und zweiten Jelle erst der zweite Umschlag nebst Zettel verabfolgt wurde, hatten es doch einige fertiggebracht, beide Zettel in einen Umschlag zu tun. Auch Bemerkungen auf Zetteln waren vorhanden. Dies alles dürfte nicht vorkommen, die Stimmen sind verloren. der erfreuen, und die frische klare Luft zu genießen, sah man ganz Scharen aus dem inneren Stadtkern Wittens ankommen. Kein Wunder auch, war doch das Wetter so richtig frühlingsmäßig. Eine derartige milde Temperatur im November ist eine Seltenheit. Die Herren trugen den Paletot auf dem Arm, teilweise den Hut in der Hand. Die Damen spazierten im Jakett und leichtem Röckchen wie im Sommer einher. Die Sommerlokale hatten noch einmal Hochkonjunktur. Nach dem regnerischen Wahlsonntag war es tatsächlich ein Genuß, sich im Freien aufzuhalten. Man atmete noch einmal mit beiden Lungenflügeln recht tief. Weiß man doch, daß wir diesen Genuß nicht ofter mehr haben werden in diesem Jahre. Die Menschen, so weit man es beobachten konnte, waren auch viel mitteilsamer als sonst. Einer hatte dem andern etwas zu sagen. Nicht wie an den letzten rauhen nebligen Tagen, wo jeder den Rockkragen bis über die Ohren zog! Und ohne rechts oder links zu blicken, geradeaus stürmte. Nein, es ging den Menschen wie der Sonne, sie lachten. Und wer nicht aus vollem Halse heraus platzte, bei dem jubelte es im Innern. Daher wollen wir uns weil wir doch so manches entbehren müssen, noch eine Reihe solcher Tage wünschen. Aus dem Staôtteil Annen Allgemeiner Wahlrückblick. Die Wahlen sind auch hier im Stadtteil Annen=Rüding= hausen im allgemeinen sehr ruhig verlaufen. Zu Störungen kam es nicht. Nur die Nazis konnten in den Morgenstunden bei ihren Rundfahrten ihre gemeinen und beleidigenden Schmahrufe gegenüber Frauen und Mädchen nicht unterdrücken. Als auswärtige Wegelagerer glauben sie diesen„Bildungsgrad“ vorläufig noch in Erbpacht zu haben. Im allgemeinen scheint die Erziehung zur Vernunft sich in allen Parteien durchzuringen. Die Wahlbeteiligung war im früheren Gemeindebezirk Annen rund 10 Prozent weniger wie bei der Reichstagswahl Mai 1928. Rund 1170 Wähler erschienen weniger an die Wahlurne. Diese Wahlflauheit ist teilweise auf das regnerische Wetter, andererseits aber auch auf die persönliche und 335 SEE MA W K W F ou 8 SEEESE S M schmutzige Kampfesweise der KPD.=Leutchen Kluth und Junkermann zurückzuführen. Ihre Zielscheibe war diesmal der frühere Gemeindevorsteher Genosse Schlischo, dem sie in ihren Serienflugblättern aber auch alles andichteten, was sich in der Nachkriegszeit im Kommunalleben der früheren Gemeinde Annen abgespielt hat. Und mancher Arbeiter und Arbeiterfrau, die niemals der KPD. ihre Stimme geben werden, gerieten über die vielen Verdächtigungen der SPD.=Führer im Zweifel und blieben zu Hause, ohne auch sicherlich einmal daruber nachzudenken, daß sie durch ihr passives Verhalten nur ihren eigentlichen Gegnern, den Rechtspartenen, die Position stärkten.— Gegenüber Mai 1928 verlor die KPD. hier im Stadtteil Annen 132 und die SPD. 651 Stimmen. Dieser Verlust ist wohl zu 70 Prozent auf die Verhetzung der KPD. zurückzuführen. Die Wirtschaftspartei, die auch hier der SPD. den Garaus machen wollte, erzielte ihren ganzen geringen Stimmenzuwachs hauptsächlich auf Kosten der Demokraten, die 127 Stimmen verloren. Ihr Gewinn von 86 Stimmen stand gar nicht im Verhältnis ihrer bezahlten Agitation und Hetze. Aus den Kreisen der Hausbesitzer hatte sich gerade die neue Partei an Stimmen mehr versprochen. Die Nazis gewannen 241 Stimmen, vielfach auf die Verluste der Rechtsparteien, die rund 400 Stimmen einbüßten. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch die KPD. an die Nazis Stimmen abgab, da sich beide Parteien in ihren die guten Beziehungen zu den evangelischen Frauenvereinen Annen, Borbach=Rüdinghausen buchen. Die übrigen Arbeitersplitterparteien haben es wenigstens fertig gebracht, mit ihren wenigen Stimmen, die zersplittert waren, der SPD. das 19. Mandat zu vereiteln. Trotz des heftigen Wahlkampfes hat sich die SPD. in Annen sehr gut geschlagen, und sie hätte mit eine absolute Linksmehrheit nicht erzielt worden ist, so können Peit Fier Sehau bei A8 Im Schaufenster bei A&a B geht’s lustig her, Da stolziert ein jebendiger Teddybär, Und manch ein Vier, das Ihr nie erblickt, Hat uns der Zoo noch hergeschickt. Kleine und Große stehen begeistert dort Und rühren sich nicht vom Fenster fort, Und manch einer wird sich im stillen denken: „So’n Peiz laß ich mir zu Welhnachten schenken! (Reicht’s nicht zum Pelzmantel, zur Pelzgarnitur, So genügt auch schließlich ein Pelzkragen naar)“. 1380 AliserFrbiam Witten K in Zukunft die übrigen Parteien aber auch ohne die SPD. keine grundandernde Politik machen. Sie sind an die Mitarbeit der SPD.=Fraktion gebunden, wenn sie fruchtbringende Arbeiten leisten wollen. Die SPD. wird mit ihren 18 Mandaten in jeder Koalition die sie auf Grund der gegebenen Tatsachen eingehen wird, unbedingt die Führung behalten. Das wird sich auch später in allen Deputionen so auswirken.— Wenn nun die SPD.=Wähler aus dem Stadtteil Annen=Rüdinghausen im neuen Parlament allein mit 7 gewählten Vertretern verteten sind, so ist das ein erfreuliches Zeichen für die Annener Parteibewegung. Von keiner Partei ist die frühere Annener Gemeinde bei der Verteilung der Mandate zahlenmäßig so berücksichtigt worden, wie die SPD. es tat.— Der Waylkampf= ist vorüber, und jetzt heißt es, positive Mitarbeit und positives Schaffen. Es wird sich nun zeigen, ob alle die Vertreter, die selbst noch kein Kommunalgrogramm hatten und nur auf Grund ihre gemeldeten Versprechungen von den Wählern gewählt wurden, ob die ihre Versprechungen einlösen werden. Es wird mancher Gewerbetreibender als gewählter Vertreter nun Aug' in Auge Farbe bekennen müssen und das praktische Handeln im Parlament ist verantwortlicher als wie lose Agitation. Sie werden oftmals noch Steuern helfen beschließen, die sie selbst im Wahlkampf verneint haben.— An die neuen 4 Kommunisten von hier aus einen Appell zu richten, erübrigt sich wohl. Dieselben werden auch in Zukunft getreu ihrer alten eingedrillten Praxis, mit den Interessen der notleidenden Arbeiterschaft Schindluder treiben.— Die SPD.=Fraktion hat dagegen ein zielbewußtes Kommunalprogramm. Getreu ihrem Programm wird sie auch im neuen Parlament zielbewußte und aufbauenden Arbeiten, zum Wohle der gesamten Bürgerschaft leisten. Veranstaltungen der Arbeiterbewegung im Stadtteil Annen. Auf die am Samstag, dem 23. November, abends 7 Uhr, im Lokale Kuhn(früher Peyke, Jägerhaus) stattlndende außerordentliche Versammlung der Freien Schulgesellschaft Annen weisen wir nochmals hin. Der Leiter der Weltlichen Schule Witten, Genosse Rektor Junge, hält über gegenwärtige Schulfragen einen Vortrag. Außerdem sollen weitere wichtige Fragen, die sich in unserem Schulwesen durch die Eingemeindung ergeben haben, ihre Erledigung finden. Es ist Pflicht aller Mitglieder, daran teilzunehmen und gleichzeitig Freunde unserer Sache einzuführen.— Die Freigeistige Gemeinschaft Annen veranstaltet am Samstag, dem 30. November, im Lokale Wösthoff einen großen Unterhaltungsabend mit dem ein Kaffeekränzchen für die Frauen verbunden ist. Das auserwählte Programm wird sicherlich alle Teilnehmer zufriedenstellen. Wir werden auf dasselbe noch besonders zurückkommen. Vorverkaufskarten sind bei den Viertelkassierern zu haben. Freunde der freigeistigen Bewegung können eingeführt werden.— Der Arbeiter=Turnverein Freie Turnerschaft Annen veranstaltet am Sonntag, dem 1. Dezember, im Lokale Weber sein diesjähriges Herbst=Schauund Bühnenturnen, wozu der Verein jetzt schon einladet. Wer als Sportler daran teilnehmen will, sichere sich jetzt schon eine Eintrittskarte, da die seit Jahren bekannten Leistungen auf allen sportlichen Gebieten dem Verein ein überfülltee Haus sichern. Stadttheater Bochum. Heute findet wegen der komplizierten Vorbereitungen zu der Erstaufführung von Thomas Manns„Fiorenza“ keine Vorstellung statt. Wie bereits mitgeteilt, ist die Erstaufführung des Werkes für kommenden Dienstag, den 26. November, vorgesehen. Thomas Mann, dessen Name im Zusammenhang mit der Verleihung des Nobelpreises allenthalben genannt wird, hat zu der Premiere der„Fiorenza“ sein persönliches Erscheinen zugesagt. Außer den bereits gestern genannten Herrschaften sind in dem Werk beschäftigt: Demetrius Galbierz(Grifone), Willi Schröder(Francesco Romano), Emil Lohkamp(Ghino), Arnold Putz(Leone), Fritz Hofbauer(Mdobrandino), Harry Buckwitz(Andreuccio), Heinz Holthuysen (Guidantonio), Josef Hamblock(Ercole), Hans Rudolf(Simonetto), John Schmitt(Pandolfo), Heinz Wildhagen(Dioneo). Alle diese Figuren sind Künstler aus dem Kreise um Lorenzo von Medici. Ognibene. den Schüler des Sandro# Botticelli, spielt Willi Bittern; einen Pagen des Lorenzo Hansjakob Gröblinghoff. Die Besetzung von Puccinis dreiaktiger Oper„Madame Butterfly“, die morgen, Samstag, eine abermalige Wiederholung erlebt, ist die gleiche wie bei der letzten Aufführung, nur daß die Partie der Suzuki diesmak nicht von Marianne Horkenbach, sondern von Annie Kindling gesungen wird. Karten für den Abend sind noch zu haben. Es sei nochmals besonders auf die Totensonntagaufführung, die Hugo von Hofmannsthals Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes„Jedermann“ bringt, hingewiesen. Außer den Plätzen, die für diesen Abend dem Blauen Ring reserviert wurden, wurden 800 Karten für den freien Kassenverkauf zur Verfügung gestellt, von denen, da der Vorverkauf erst gestern begann, immer noch eine gute Auswahl vorhanden ist Der Vorverkauf der restlichen Karten für die zweite Schülervorstellung, die am Montag Carl Maria von Weders„Freischütz“ bringt, setzt heute ein. Es sind für diese Aufführung noch Einzelkarten zum Preise von 3.50 M. zu haben. Verantwortlich für Politik. Ferilleton und Svort N Kalweit; für Lokales. Gewerkschaftie So#lee nossenschaftliches und den Proninzteil ko für den Inseratenteil: Karl Simon, m in Pa'um Druck und Verlag: E. Graf& Co. Bochum Hermann=bohe 7. Gchiatn Orirrund Opser Arbeitersport als Erziehungsfaktor Die Arbeiter=Sportbewegung ist entstanden aus der Auflehnung gegen ökonomische und soziale Bedrückung. Im harten Ringen, nicht nur mit ökonomischen und staatlichen Gewalten, sondern auch gegenüber dem Trägheitsgesetz in der Masse, strebten wir vorwärts. Unsere Bewegung war in ihren Anfängen nicht nur eingestellt auf den Kampf gegen den Bedrücker Staat und gegen kapitalistische Mächte, sondern auch gegen die enge, manchmal sogar stumpfsinnige Auffassung in der Arbeiterschaft. Wir mußten uns ein Recht erwerben in der Oeffentlichkeit und in der eigenen Klasse. Unter schweren Mühen ist unser Arbeitersport groß und darum auch innerlich und äußerlich stark geworden. Das Gesetz, wonach Druch Gegendruck erzeugt, hat dazu beigetragen, daß die Arbeitersportbewegung gefestigt und so von schädlichen Einflüssen befreit wurde, die auf sie eingewirkt haben. Sehr viele Leute gibt es, die den Arbeitersport deshalb ablehnen, weil dieser nicht zu den Erziehungsfaktoren gehöre! Da diese Leute sich geschickt in einen Weisheitsmantel zu drapieren verstehen, werden sie ob ihrer Klugheit als Autoritäten angesehen. Tatsächlich haben sie nie praktische Körperkultur durch Leibesübungen getrieben, und sie konnten daher auch nicht deren Wirkung am eigenen Organismus feststellen. Voraussetzung für ein abschließendes Urteil über die Folgen sportlicher Betätigung ist aber neben allgemeiner Beobachtung die Nachprüfung an sich selbst. Bei aller Wertschätzung wissenschaftlicher Methoden bietet doch schleßlich die praktische Uebung die sicherste Gewähr für geläuterte Erkenntnis. Ganz besonders die erwerbstätigen Schichten sollten sich nicht durch lehrhafte Floskeln vor dem Sport gruselig machen lassen. Gerade weil bei ihnen Körper und Gemüt durch die Arbeits= und Lebensverhältnisse einseitig stark belastet werden, bedürfen sie der Auflehnung hiergegen durch natürliche Körperpflege. Die verschiedensten Arten des Sports dienen nicht nur dieser Auflehnung, sondern sie zwingen auch zu einer Selbstbeobachtung, die zu wirksamster Selbsthilfe führt. Damit tritt aber der Sport als Erziehungsfaktor deutlich in Ersechinung. Denn schließlich soll doch der Zweck aller Lehrhaftigkeit darauf hinauslaufen, jeden einzelnen zu einem bewußten Gliede der menschlichen Gesellschaft zu machen! Sicher wird jemand, der seinen Körper schützt und stählt und seinen Geist zu frischer Regsamkeit bringt, die beste Gewähr bieten für den sozialen Aufstieg. Diejenigen, die mit ihrer Bürde geduldig zur Mühle traben, werden nie das Maß von Selbstachtung erreichen, das nötig ist, um an der eigenen und der Menschwerdung aller mitzuwirken. Die Schaffenden, die zum Selbstschutz ihrer Leiber und Seelen kommen, werden auch die Kräfte erkennen und einsetzen lernen, die sie vom Druck der Herrschaft des Egoismus befreien. Daher suchen ja auch die bürgerlichen Sportverbände die Ausweitung der Körperpflege zu einer Menschheitskultur zu verhindern. Ihre tüchtigungs=Bestrebungen“ sind eingestellt auf rein mechanische oder gar militaristische Wirkungen. Nicht der Pflege solidarischer Kraft, sondern der Anstachelung des Ehrgeizes sind alle Maßnahmen gewidmet. Darum ist es von hoher Bedeutung, daß eine Arbeitersportbewegung sich selbständig herausgebildet hat. die durch die umfassendste Pflege der Körverkultur, dem Werden einer wirklichen Menschheitskultur dient. Freie Westdeutsche Der Sport vom Buß= und Bettag im 13. Bezirk. Freiheit Gelsenkirchen— Sportfreunde Wanne=West 5:1 (2:0). Vor etlichen hundert Zuschauern wickelte sich obiges Treffen ab, ein Zeichen, daß sich der Arbeitersport langsam aber sicher die gebührende Achtung auch hier in der Kohlenstadt erwirkt. Pünktlich zur angesetzten Zeit stellten sich beide Mannschaften dem Unparteiischen. Freiheit komplett, Sportfreunde mit Ersatz. Sofort nach Angriff entwickelt sich ein flottes Spiel. Hin und her wogt das Leder, doch konnte die Hintermannschaft in den spannendsten Momenten klären. Langsam aber sicher versteht es die Läuferreihe des Platzvereins, die Initiative zu ergreifen, der Sturm wird dauernd nach vorn geschickt. Die gegnerische Verteidigung hatte alle Hände voll zu tun, um ihr Gehäuse reinzuhalten; doch konnte sie es nicht verhindern, daß der Platzverein durch einen wuchtigen Vorstoß in Führung ging. Sportfreunde setzten Dampf auf, um gleichzuziehen, mußten sich aber noch das zweite Tor gefallen lassen. Pause. Nach der Pause dasselbe Bild: Sportfreunde versuchen alles, kamen auch zu ihrem Ehrentor, doch mußten sie sich noch 3 weitere Tore gefallen lassen. Beide Mannschaften hinterließen bei den Zuschauern den besten Eindruck und sollten zur weiteren Hebung des Arbeitersportes beigetragen haben. Dem Spielverlauf nach hätte ein anderes Resultat herauskommen müssen.— Die 2. Mannschaften trennten sich mit 4:1 für Sportfreunde WanneWest. Wanne=West siegte hier auf Grund der besseren Stürmerleistungen.— Auch die dritte Mannschaft der Sportfreunde konnte mit einem Siege aufwarten: 2:1, während die erstmalig spielende Schülermannschaft der Sportfreunde von den Freiheitlern eine knappe Niederlage entgegennehmen mußte. Turnerschaft Eickel— Herne 07 8:1(5:0). Die Freie Turnerschaft Eickel hatte Gäste aus dem 12. Bezirk, die technisch gut durchgebildete Elf von Herne 07. Auf dem Platze an der gichard=Wagner=Straße fand dieses Treffen statt. Eickel in einer ganz neuen Aufstellung, Herne in seiner altgewohnten Aufstellung. Sofort der Anstoß zeigte, daß sich die neue Aufstellung der Eickeler bestens bewährt. Der Sturm, unterstützt von der regsamen Läuferreihe, konnte bis zur Pause 5 das Heiligtum der Herner einsenden. Die einzelnen Vorstöße der Herner prallten an der sicheren Verteidigung, in der der linke Verteidiger besonders hervorragte, ab. Ebenso konnte auch der Torkipper aus der Jugendmannschaft, der heute erstmalig in der Stammannschaft spielte, gut gefallen. Nach der Pause konnten die Eickeler noch drei weitere Tore erzielen, während die Herner es nur zu ihrem Ehrentor bringen konnten. Die 2. Mannschaften trennten sich mit einem Gemis. 2:2. Gladbeck Zweckel— Sportfreunde Bottrop 3:2(2:0). Vorwärts Gelsenkirchen— Rasensport Wattenscheid 1:3 (1:1). Rasensport folgte einer Einladung der Vorwärtser und zeigte auch hier wiederum, daß mit ihnen zu rechnen ist. Wattenscheid setzte sich sofort nach Anstoß in des Platzvereins Spielhälfte fest und holte nach ein paar Minuten Spieldauer das erste Tor. Doch nicht lange dauerte die Freude, ein flotter Angriff des Platzvereins, und der Ausgleich war da. Bis zur Pause wurde zählbares nicht mehr erreicht. Nach der Pause nehmen die Gäste das Heft in die Hände. Wuchtige Vorstöße konnte die gute Verteidigung immer unterbinden, doch kann sie infolge der drückenden Ueberlegenheit des Sturmes nicht verhindern, daß er noch zwei Tore holt. Vorwärts versuchte, das Resultat zu ändern, aber es scheiterte an der guten Verteidigung der Wattenscheider. Alles in allem ein Spiel, in welchem Sieger und Besiegte gefallen konnten. Gelsenkirchen=Heßler— Königssteele 3:1(2:0). Bezirksmeisterspiel Hörde— Eving 2 4:2. Fortuna Dorstfeld— Wacker Dortmund 3:2. Scharnhorft— Habinghorft 0:6. Fortuna Dorstfeld— Barop 96•1:0. Roland Dortmund— Dortmund Nord 0:2. Menglinghausen— Brünninghausen 2:1. Asseln— Brackel 3:1. Deusen— Ickern 1:0. Selm— Datteln 2:0. Holzwickede— Roland Sälde 0:2. Tr. Annen— Spiel und Sportverein Hombruch 2:4. Unerwartet kommt dieses Resultat. Selbst in den Sportkreisen als Kenner der Mannschaften hatte man dieses Resultat nicht erwartet. Gleich nach Spielbeginn geht der Sturm der Annener gut vor und Linksaußen erzielt das erste Tor. Fünf Minuten später gleicht Hombruch aus. Gute Angriffe beiderseits zerschellen an der Abwehr. Noch vor der Pause kommt Annen bei einem Geplänkel zum zweiten Tor. 2:1 für Annen. In der zweiten Halbzeit wird Hombruch zusehends besser und der Ausgleich wird sichergestellt. Der Endspurt stand im Zeichen der Hombrucher, wobei diese die Führung und den Sieg sicherstellen können. Bövinghausen— Langendreer 08 1:0. Bochum 93— Tr. Oespel 1:3. Aplerbeck— Sportfreunde Unna 2:2. Hansa Dortmund— V. F.L. Kemminghausen 2:1. Falke Dortmund— Einigkeit Hörde 4:1. Reserve=Mannschaften. Roland— Dortmund Nord 3:3. Annen— Hombruch 6:0. Aplerbeck— Unna 6:0. Holzwickede— Sälde 0:1. Langendreer— Bövinghausen 0:1. Bochum 93— Oespel 0:3. Jugend. Roland— Dortmund Nord 2:1. Annen— Hombruch 1:0. Brackel— Schwimmer Dortmund 1:8. Eickel— Stadtmannschaft Recklinghausen 7:3. Um auch dem Handballsport innerhalb des Bezirks eine weitere Verbreitung zu geben, stellten die Vereine aus Recklinghausen eine kombinierte Mannschaft auf, die erstmalig gegen Eickel ihr Können unter Beweis stellen wollte, leider ohne Erfolg, denn Eickel hat endgültig die Misere überwunden. Bis zur Pause stellten die Eickeler das Resultat auf 3:0. Nach den Pause scheinen sich die Kombinierten gefunden zu haben. Beide Torhüter mußten um sich greifen. Resultat beim Schlußpfiff 7:3 für Eickel. Witten 1— Langendreer 1. Zum Freundschaftsspiel trafen sich beide Vereine im Wittener Stadion. Langendreer hatte Anstoß und bringt den Ball nach vorn, doch Witten fängt den Stoß auf, kann aber nicht verhindern, das Langendreer im Gedränge zum 1. Tor kommt. Nach Wiederanstoß setzt Witten gut an, und nach einigem Hin und Her bleibt der Erfolg nicht aus. Jetzt setzt Langendreer seine ganze körperliche Kraft aufs Spiel. der die Wittener nicht folgen können. Beim Schlußpfiff muß Witten sich 7:1 geschlagen bekennen. Die Jugend dagegen konnte das Spiel mit 9:3 für Witten beenden. Vereinsmitteilungen Schiedsrichtervereinigung. Sonntag, bei Wilde, Schiedsrichtervollversammlung. Es ist Pflicht eines jeden Schiedsrichters und Kursisten, punktlich zu erscheinen. Sämtliche Vereinstechniker sind zu dieser Versammlung eingeladen. Arbeiter=Sport=Vereinigung, Riemke. Zur Teilnahme an der heutigen Veranstaltung des Stadtverbandes für Jugendpflege treffen wir uns alle um 19 Uhr am Marktplatz. Gezeigt wird in der Aula der Goetheschule:„Das unbekannte Spanien“, Reisevortrag mit Lichtbildern. Nachzügler kommen direkt dorthin. Beginn 8 Uhr. Freie Sportvereinigung 07 Herne. Freitag, den 22. November, findet im Volkshaus unsere Spielersitzung statt. Da wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen, hat jeder Spieler pünktlich zu erscheinen. Anfang 8,30 Uhr.— Sonntag, den 24. November. steigt in Gerthe das Protestspiel Herne 07 gegen Riemke. Vor der 1. Mannschaft spielt Gerthe Igd. gegen Igd. Abfahrt der 1. Mannschaft 1,30 Uhr, der Jugendmannschaft 12,30 Uhr. Freie Sportvereinigung Gerthe— Herne 07 3:2. Zum letzten und interessantesten Spiel der Serie erfolgt 3,45 Uhr auf dem Platz an der Leoschule vom Schiedsrichter Genossen Rudowski der Angriff. Da ein spannendes Spiel zu erwarten war, befanden sich unter den Zuschauern auch zahlreiche Genossen aus Brudervereinen, um den Gang des Spieles zu verfolgen. Gleich zu Beginn flottes Tempo von beiden Seiten, bei dem beide Tore in Gefahr kommen. Die beiden Hüter verstehen jedoch ihr Heiligtum zu schützen. Gerthe kann den ersten Treffer setzen. Nach Wiederanwurf zeigt sich die Ueberlegenheit der Herner, wobei Gerthes Hintermannschaft harte Arbeit hat. Kurz vor Halbzeit gelingt Herne der Ausgleich. Auch nach dem Ausgleich hält die Ueberlegenheit der Herner an, konnten sie doch bald darauf das 2. Tor buchen. Dem Platzverein wird ein 13=Meter zugesprochen, der jedoch das Ziel verfehlt. Der für jeden Torwart gefährliche 13=Meter wurde wiederholt und verwandelt. Hernes Spielfreudigkeit läßt gwaltig nach, was den Gerthern das 3. Tor einbringt. Zum Schluß bekommt auch Herne einen 13=Meter zugesprochen, der jedoch von Gerthes Torwart gehalten wird. Freie Turnerschaft Spiel und Sport Bochum 5. Am Sonntag, 17 Uhr, im Lokale Wwe. Heinrich Bäcker, Poststraße 25, Monatsversammlung. Zwecks Aufstellung der Fußvaumann= schaften ist es notwendig, daß alle Spieler anwesend sind. Um 16 Uhr: Vorstandssitzung. Freie Sportvereinigung Witten, 1. Abt. Am Sonntag, dem 24. November, abends 20 Uhr, findet im Verkehrslokal der Freien Sportler, Wirt August Felsch, unsere Monatsversammlang statt. Da wichtige Angelegenheiten zur Tagesordnung stehen, ist das Erscheinen eines jeden Mitgliedes unbedingt erforderlich. Fußballabteilung der„Freien Turner“ Annen. Am Sonntag, dem 24. November, nachmittags 16 Uhr, im Vereinslokal, wichtige Monatsversammlung. Alle Sportgenossen müssen pünktlich erscheinen. Rußland in der deutschen kommunistischen Sportpresse. Das Zentralorgan„Sport und Spiel“ der deutschen kommunistischen Sportbewegung bringt in einem Artikel:„Sport und Klassenkampf“ ein Urteil über die russ schen Verhältnisse, das wir nachstehend wortgetreu wiedergeben: „Es ist nicht möglich in einem Artikel darzulegen, wie alles seinen Entwicklungsgang in Rußland geht. Aber jeder denkende Arbeiter begreift, daß die Außenpolitik Rußlands so wenig revolutionär sein kann wie die Innenpolitik. Die widersinnige Haltung in der Gewerkschaftsfrage beleuchtet schon ganz klar die Auswegslosigkeit. Rußland braucht Hilfe, um kapitalistische Geschäfte zu machen. Die Revolution ist versault durch Kompromisse mit dem Kapital. Die französische Kommune ist mit unbefleckter Fahne auf die Barrikaden gesunken— das ist der Unterschied.“ Ein Kommentar wird von unserer SPeite nicht hinzugefügt. Es würde das Urteil im kommunistischen Sportblatt nur abschwächen. T. L m ür den Unterbezirt uind veim Sekretariat in Bochum Verband der Ortsvereine Groß=Bochum Am Samstag, dem 23. November, nachmittags 5 Uhr, findet im Lokale Göbel, Bochum, Rott= und Roonstraßen=Ecke, eine Sitzung des geschäftsführenden Vorstandes statt, wozu die Mitglieder hierdurch eingeladen werden. Um 7 Uhr abends findet im gleichen Lokale eine Sitzung des Aktionsausschusses statt, wozu alle Mitglieder bzw. deren Stellvertreter hiermit eingeladen werden. Es wird um pünktliches und vollzähliges Erscheinen gebeten, da sehr wichtige Angelegenheiten besprochen werden müssen. Der Vorstand des Ortsverbandes Groß=Bochum. I. A.: Heinrich König. SPD. Stadtverband Wanne=Eickol. Die Funktionäre und Filialleitungen werden gebeten, mit den Vorverkaufskarten für die„Rote Nevue“ in der Geschäftsstelle der„Freien Presse“. abzurechnen. SPD. Filiale Ende. Sonntag, 16 Uhr, bei Demtröder, Auf dem Schnee: Filialversammlung. Sämtliche Genossen und Genossinnen müssen erscheinen. Arbes Ortsgruppe Heven. Samstag, den 23. November, abende 7 Uhr, im Lokale Rolka: Feierstunde der Arbeiterwohlfahrt mit Abendessen. Den Teilnehmern wird hierdurch bekanntgegeben, sich Teller und Besteck mitzubringen. Um pünktliche und rege Beteiligung wird gebeten. Jugendveranstaltungen SAJ. Groß=Bochum. Am Sonntagmorgen 10 Uhr findet in der Ufa(Tonhalle) die Kriegsgedenkfeier des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten statt. Wir bitten alle Gruppen dringend, an der Feier teilzunehmen, ebenfalls an der Feier der SAJ. Bochum=Gerthe, die um 18 Uhr im Saale Kalthoff in Gerthe beginnt. Eintritt beträgt 50 Pf. Freigewerkschaftliches Jugendkartell. Die Kartelldelegierten werden gebeten, ihre noch nicht abgerechneten Karten baldigst auf dem Arbeitersekretariat abzurechnen. SAJ. Bochum=Weitmar. Freitagabend 19,30 Uhr in der Friedrich=Wilhelm=Schule: Lustiger Abend. Helft alle mit, damit unsere Gruppe wieder aufblüht und eine Stätte geistiger und körperlicher Erholung wird. Wir sind eine junge Gruppe und bedürfen noch der Hilfe aller Parteigenossen. Darum schickt eure Kinder in die Arbeiterjugend. SAJ. Gerthe. Freitagabend 8 Uhr im Jugendheim der weltlichen Schule: Zusammenkunft. Die Sprechchöre von „Rote Erde“ müßt ihr alle mitbringen. Dann werden wir noch die Wintersonnenwendfeier besprechen. Jeder muß deshalb erscheinen. Rote Falken Gerthe. Freitagnachmittag 4 Uhr: Zusammenkunft der Roten Falken. Bringt den Sprechchor„Rote Erde“ mit. Wir müssen für Sonntag proben. Rote Falken Langendreer. Heute um 18.20 Uhr im Jugendheim: Zusammenkunft. Wer seinen Beitrag noch nicht bezahlt hat, muß die 10 Pf. mitbringen. Wir unterhalten uns auch darüber, wo Sonntag die Fahrt hingeht. Alle müssen in Falkenkluft erscheinen. SAJ. Stockum. Samstag, den 23. November, abends 19 Uhr, bei Engel: Probe. Es muß ein jeder pünktlich erscheinen. SAJ. Herne=Sodingen. Am Sonntag kommen wir abends um 7 Uhr im Jugendheim zu einem heiteren Abend zusammen. Zum Schluß besprechen wir unsere diesjährige Weihnachtsfeier. Erscheint alle recht pünktlich und bringt Freunde und Bekannte mit. SAJ. Herne Stadtmitte. Heute abend kommen wir um 7.30 Uhr im Jugendheim zusammen. Wir hören die erste Fortsetzung aus der Vortragsreihe„Entstehung und Entwicklung der Arbeiter=Jugendbewegung". Kommt recht zahlreich und pünktlich. Vergeßt nicht, das Geld für die Konzertkarten mitzubringen.— Sonntag kommen wir um 5 Uhr im Jugendheim zusammen. Es werden allerlei Spukgeschichten erzählt Jeder kann irgend eine sellbsterlebte oder gehörte gruselige Geschichte erzählen. Rote Falken Herne Stadtmitte. Heute nachmittag kommen wir wieder um 5 Uhr zu einem Bastelabend zusammen. Aus der Arbeiter=Sängerbewegung Volkschor Hattingen. Heute um 18,30 Uhr: Probe für die Frauen=Abteilung. Sonntagmorgen 10 Uhr: Probe für die Männer=Abteilung. Restloses Erscheinen ist Pflicht. Volkschor Herne. Heute abend 7,53 Uhr: Abfahrt nach Gelsenkirchen.— Sonntag, den 24. d. M., nachmittags 2.29 Uhr: Abfahrt. Die Männerprobe am kommenden Sonntag fällt aus. Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold Ortsgruppe Stockum. Sonntag, den 24. d. M., vormittags 11 Uhr: Vorstandssitzung im Vereinslokal Lohr. Ortsgruppe Gerthe, Abt. Schutzsport. Sonntagmorgen um 9 Uhr treffen sich sämtliche Handballspieler der 1. Mannschaft beim Wirt Schade. Wir fahren per Auto nach Horst=Emscher, um dort ein Freundschaftsspiel auszutragen. Der Fahrpreis beträgt 1.65 Mk. Abafhrt 9,15 Uhr. Samstag um 19 Uhr bei Schade: Vorstandssitzung, wozu auch sämtliche Mitglieder vom Blasorchester erscheinen müssen. Ortsgruppe Stiepel. Am Sonntag, dem 24. d. M., vormittags 11 Uhr, beim Kameraden Wegemann: Wich ige Versammlung. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Sämtliche Musibinstrumente sind mitzubringen. Bezirksgruppe Wattenschoid. Sonntag, den 24. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet im Lokale Braukämper. Vödestraße, eine erweiterte Vorstandssitzung statt, wozu sämtliche Vorstandsmitglieder sowie K.=, Z.= und G.=Führer eingeladen sind. Unbedingtes Erscheinen ist Pflicht. Ortsgruppe Wanne=Eickel. Sonntag, den 24. November, vormittags 10 Uhr. bei Naroska, Hindenburgstraße außerordentliche Vorstandssitzung, wozu alle Funktionäre erscheinen müssen. Aus der Touristenvorein„Dit Natursteunde" Ortsgruppe Wanne. Eickel. Sonntag, den 24. November: Wanderung nach Haus Weitmar und Welper. Treffen 7,30 Uhr am Eickeler Markt. Dienstag 7,30 Uhr: Heimabend im Jugendheim in der Stadthalle. 853 Freitag, den 22. November 1929 Drittes Blatt n Lrähtverhaue und Militärposten in Wien zur Vermeidung von Zusammenstoßen. Eine Gedenkmünze anläßlich des Rekordfluges der„Dc X.“ wurde von hauer Karl Goetz geschaffen. vom Schlachtfeld der Arbeit Ein Schildbürgerstreich in Katernberg mit dem die Umgemeindung aufgeräumt hat. Erst jetzt wird ein Zustand bekannt, der so recht bezeichnend ist für manche Verhältnisse vor der Eingemeindung. Bekanntlich ist die Gemeinde Katernberg, die zur Bürgermeisterei Stoppenberg gehörte, nach Essen eingemeindet worden. Auf der früheren Grenze zwischen der Stadt Essen und Katernberg liegt eine Straße, deren eine Seite nach Essen und die andere nach Katernberg gehörte. Die Straße hatte auch eine Kanalisation, die von der Stadl Essen angelegt worden ist. Aber nur die Häuser auf der Essener Seite waren an die Kanalisation angeschlossen. Den Anwohnern auf der Katernberger Seite war es durch die Bürgermeistereiverwaltung Stoppenberg strengstens untersagt, ihre Häuser an die Kanalisation anzuschließen! Wohl aber zahlten die Katernberger Bürger seit 20 Jahren Kanalisationsgebühren. Das einfachste wäre nun eigentlich gewesen, daß Katernberg bzw. die Bürgermeistereiverwaltung Stoppenberg mit der Stadt Essen eine herbeigeführt hätte, dahingehend, daß auch die Katernberger Anwohner der Straße ihre Häuser an die Kanalisation anschließen durften. Aber das gestattete natürlich der Lokalpatriotismus nicht. Und so mußten denn die Bewohner auf der einen Seite der Straße auf die Kanalisation verzichten, obgleich sie durch ihre Straße gelegt war. Die Büsseldorfer Lustmordseuche Eigenartige„Entdeckung“ eines Wiener Journalisten. Auf Anfrage bei dem Leiter der Düsseldorfer Mordkommission, Kriminalrat Momberg, erfahren wir zu der Meldung eines Wiener Journalisten über den sensationellen Fund eines Gummiknüppels und eines blutgetränkten Tuches in unmittelbarer Nähe der Stelle, an der die Leiche der Gertrud Albermann gefunden wurde, in einer Hütte, daß es sich hier um eine grobe Mystifikation— bewußt oder unbewußt, bleibe dahingestellt— handelt. Der Fund des österreichischen Journalisten an dieser Stelle, die von den gewiegtesten deutschen Kriminalisten wiederholt eingehend untersucht worden ist, bestand in Wirklichkeit aus einem etwa 30 Zentimeter langen rissigen Schlauchende und einem Tuch von ursprünglicher rotbrauner Favbe. Irgendein Zusammenhang mit der rätselhaften Düsseldorfer Mordangelgenheit wird von der Kriminalpolizei auf das entschiedenste verneint. Die Untersuchung, die in der bisherigen Weise fortgesetzt wird, hat keine neuen Ergebnisse gezeitigt. Der Strom der Mitteilungen aus dem Publikum— sachdienlicher und sachundienlicher— hält nach wie vor an. Drei verschüttete Vergleute gerettet Auf der Zeche„Osterfeld“, die zur Gute=Hoffnungshütte gehört, geriet das Gebirge in Bewegung, und auf der Rutschenstrecke im Nevier 15 brach auf einer Länge von 24 Meter das Hangende zusammen und schnitt 3 Bergleuten den Rückweg ab. Die Zeche setzte sofort eine größere Rettungsmannschaft ein, der es gelang, nach einigen Stunden einen großen Teil des Gebirges wegzuräumen. Am Dienstag morgen konnte man sich durch Klopf= und Rufzeichen mit den Abgeschlossenen verständigen: Dienstag abend war man bis auf 4 Meter an die Eingeschlossenen herangekommen. Mittwoch morgen 12,15 Uhr war es den Anstrengungen der Rettungsmannschaften vergönnt, die Verschütteten unverletzt zu bergen. Ein Knabe ohnmächtig auf der Chaussee aufgefunden. Außerhalb von Münster fand am Samstag abend ein Radfahrer am Straßengraben einen ohnmächtigen Knaben, den er in eine nahegelegene Wirtschaft bracht.e Wie der Junge bei der Kriminalpolizei angab, ist er von einem Manne aufgefordert worden, mit ihm nach Mecklenbeck zu gehen. Als der Junge an einer Abzweigung den Mann verlassen wollte, habe dieser den Jungen mit einem Stock geschlagen, worauf der Geschlagene bewußtlos auf die Straße gefallen sei und von den weiteren Vorgängen nichts mehr wisse. Der Knabe weist Verletzungen am Hinterkopf und an anderen Körperteilen auf. Die Polizei hat sofort die Ermittlungen grsgenammen. Wieder„Gefundbeterinnen" in Essen. In aller Erinnerung sind noch die Vorkommnisse in den Essener städtischen Krankenanstalten, wo Sonntag für Sonntag sogenannte„Gesundbeterinnen“ erschienen, um den Kranken„Heil und Segen zu bringen. Alle möglichen Vorkehrungen der Anstaltsleitung und schließlich der Polizei fruchteten nichts, immer wieder versuchten sie ihren vernarrten Ideen Ausdruck zu verleihen. Die Folge war eine exemplarische gerichtliche Bestrafung. Nun hatte man Ruhe vor ihnen— bis zum Buß= und Bettag! Dem Anschein nach hatte die Polizei von einem Wiederauftauchen dieser seltsamen Sekte Wind bekommen, jedenfalls waren drei Polizeibeamte zur Stelle, als nachmittags zwei der„Gesundbeterinnen“ ihre unterbrochene Tätigkeit wieder aufnehmen wollten. Sie wurden fürsorgli chin Empfang genommen und mit dem im Hof wartenden Ueberfallwagen abtransportiert. Ohne Aufhebens zu machen, ergaben sie sich in ihr Geschick. Auch sie werden sicherlich eine Bestrafung zu gewärtigen hoben. In Oberhausen stürzten beim Arbeitsamts=Neubau zwei an den Gerüsten beschäftigte Arbeiter ab und wurden schwer verletzt. Sie wurden beide dem Krankenhaus zugeführt. Lebensgefahr soll nicht bestehen. Auf der Hütte„Bulkan“ in Duisburg geriet ein 26 Jahre alter Brenner, Franz Weslowski, bei Reparaturakbeiten an einer Kokereilösch= und Verladevorrichtung mit dem Oberkörper unter ein schweres Kontergewicht. Der Bedauernswerte wurde auf der Stelle getötet. Seh'n Sie, das ist ein Geschäft! Der Essener Kriminalpolizei gelang es, einer Betrüger= und Hehlergesellschaft auf die Spur zu kommen, die eine Firma innerhalb weniger Monate um 6500 Mark schädigte Die Haupttäterin, Di# Manufakturwarenhändlerin Helene H., verstand es, eine## gestellte der betreffenden Firma zu veranlassen, ihr nur einen Bruchteil der gekauften Waren in Rechnung zu stellen, und zwar stets nur die weniger wertvollen. Alle übrigen Waren, die in der Regel einen Wert von etwa 200 Mark hatten, verschaffte sie sich unentgeltlich. Um die Machenschaften zu verschleiern, ließ die Angestellte die Originalbelege verschwinden und fälschte die Kaufbücher. Mit diesem Profit gab sich die geschäftstüchtige Händlerin, die ihre Einkäufe zweimal wöchentlich auf die geschilderte Weise tätigte, aber nicht zufrieden. Sie pflegte namlich bei erneutem Einkauf fast regelmäßig ei teures Stück veruntreuter Ware zurückzugeben und den Betrag von der neuen Rechnung in Abzug bringen zu lassen, wodurch sie erreichte, daß sie nicht nur die regelmäßig veruntreuten Waren unentgeltlich erhielt, sondern auch größtenteils die, über die Rechnung ausgestellt wurde. So kam es vor, daß sie für 3 Mark Waren im Werte von 250 bis 300 Mark erhielt. Mit den erbeuteten Waren trieb ihr Ehemann einen schwunghaften Hausierhandel und machte ein glänzendes Geschäft. Die Ermittlungen sind noch nicht zum Abschluß gelangt. In den letzten Tagen konnte festgestellt werden, daß noch eine andere Firma in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein großer Posten Ware konnte inzwischen beschlagnahmt werden. Der Wert der beschlagnahmten Waren beträgt etwa 10000 Mark. Ziehst mit dem Los du, meine Güte, voll Dech mal wirklich eine Niete— du warfst den Fünfziger nicht weg: du kennst sa unsern Wohlfahrtszweck! bersäume nicht ein so=Pfeunig=Los der Arbeiter=Wohlfahrts=Weihnachtslotterte zu nehmen! Große Gewinnchancen! Cose überall zu haben! Gewinne im Werte von 300 000 Mart! Dreister Erpressungsversuch. Bei einem Landwirt in Aplerbeck erschienen drei Männer, die sich als Dortmunder Kaufleute ausgaben, und verlangten die Herausgabe eines größeren Geldbetrages. Der Landwirt und dessen Frau leisteten der Aufforderung keine Folge, worauf die rabiaten Burschen in der Küche alles kurz und klein schlugen. Als man sich zur Wehr setzen wollte, brachten die Täter dem Dienstmädchen zahlreiche Verletzungen bei. Der Landwirt hatte sofort die Polizei benachrichtigt. Als die Polizeibeamten herannahten, fuhren die Erpresser in einem Kraftwagen, mit welchem sie vorgefahren waren, schleunigst davon. Sie konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Tödlicher Sturz in den Keller. In Dortmund wurde der Metzgermeister Hermann von der Heydt auf der Kellertreppe in seinem Hause mit schweren Kopfverletzungen tot aufgefunden. Wie die Feststellungen ergaben, wollte der Verunglückte anscheinend ohne Licht in den Keller und ist dabei wohl infolge eines Fehltrittes zu Tode gekommen. Wochsolbetrüger Schmalt stellt sich der Polizei. Der Wechselbetrüger Schmalt hat sich der Polizei in Duisburg freiwillig gestellt. In seinem Besitz befanden sich noch gefälschte Wechsel in einer Betragshöhe von etwa 50000 Mark. Die von dem Betrüger erschwindelte Gesamtsumme beläuft sich nach vorsichtiger Schätzung auf 300000 Mark, doch ist anzunehmen, daß dieser Betrag noch überholt wird. Unter den Gebefinden sich außer einer Bankfiliale eine Geschäftsleuten und Firmen. Selbst schädigten Reihe von von Geschaftsleuten und Firmen. Selcst der Schmalts, ein 48jahriger Geschäftsmann in Berge=Borbeck, ist von seinem Sohn um ungefähr 70000 Mark betrogen und vollständig ruiniert worden. Die Ermittlungen in dieser großen strugsaffäre sind noch nicht abgeschlossen. Ein Unglück am schrankenlosen Bahnübergang. An dem ungeschützten Bahnübergang nach Nordhorn bei Rheine erfaßte eine Lokomotive der Nordhorner Kreisbahn ein mit fünf Spielern von„Borussia" besetztes schleuderte es in einen sehr tiefen Graben. Wie durch Wunder wurde keiner der Insassen verletzt. Auch das Auto hatte nur Glasschaden zu verzeichnen. Streit und Nevolver. Auf dem Güterbahnhof Heinsberg gerieten beim Ausladen eines Eisenbahnwagens zwei junge Leute in Streit. Es kam zu einer Rauferei, bei ver der eine der Streitenden einen Nevolver zog. Es krachte unmittelbar danach ein Schuß, der dem Gegner ins Gesatz drang. Der Getroffene wurde sofort ins Heinsberger Krankenhaus gebracht, wo man die Kugel herausschneiden mußte. Eine Schmuggclaifäre größten Maßstabs kam in tägiger Verhandlung vor dem Clever erweiterten Schöffengericht zur Verhandlung. Im Jahre 1926 bildete sich im deutschholländischen Grenzgebiet am unteren Niedershein eine Bande, an der nicht weniger als 18 Personen hollg.9 deutscher Nationalität beteiligt waren. Sitz der Bande wuren augenscheinlich die Grenzorte Straelen, Kaldenkirchen und Venlo. Bis zur Aufdeckung im Jahre 1928 wurden große Schmuggelfahrten mit Kraftwagen unternommen. Eines Tages machte ein Kraftwagenführer Bongartz aus Holland einem deutschen Zollrat die Mitteilung, daß ein gewisser Tönnisser in Venlo der Leiter des Schmuggelunternehmens sei, das von der deutschen Zollbehörde schon längere Zeit verfolgt würde. Die Zollbehörde stellte fest, daß allein 17 bis 18 Fahrten mit Lastkraftwagen bei Walbeck stattgefunden hatten. Eine Reihe von Perionen sorgte dafür, daß die Wagen unbehekligt die Grenze passieren konnten. Meist fuhr eine Agentin Franziska Tittulaer aus Holland mit dem Rade voraus. die den Dienst der Beamten zu erkunden und dann Zeichen zu geben hatte, ob die Luft rein war. Schwere Verdachtsmomente ergaben sich deutscherseits auch gegen den Johann Bones und den Kaffeeröstereiinhaber Johann aus Kaldenkirchen. Diese beiden hatten sich nun vor dem Clever Schöffengericht zu verantworten. Bones soll meist den Wagenführern den Weg gezeigt, sich an den Fahrten beteiligt und auch durch Winken mit den Händen vor den Zollbeamten gewarnt haben. Nach Angabe von Zeugen hatte Bones am 22. Sevtember 1927, etwa 1400 Kilogramm Kaffee nach Hüls bringen lassen, was Bones bestvitt. Die Zollbehörde schätzt den von Bones eingeschmuggelten Kaffee auf rund 25 000 Klg. Roos war angeklagt, die Eingangsabgabe für 2800 Kilogramm Kaffee hinterzogen zu haben. Hierzu gab er an, daß er den Kaffee ordnungsmäßig von einer holländischen Firma bezogen habe. Das Gericht verurteilte Bones wegen fortgesetzten Bandenschmugaels und Beihilfe zur Zollhinterziehung zu 6 Monaten Gefängnis und 12000 M Geldstrafe bzw. zu 120 Tagen Gefängnis und zu einer Wertersatzstrafe von 24300 RM. Die Untersuchungshaft wurde mit drei Monaten angerechnet. Roos wurde auf Staatskosten freigesprochen. Schafft frohe kräftige Jugend! Gesunder, leistungsfähiger Nachwuchs tut Deutschland vor allem not. Die diesjährigen Wohlfahrtsbriefmarken der Deutschen Nothilfe stehen im Zeichen der Hilfe für die Jugend. Das Kleinkind und seine Mutter, die Schulentlassenen sollen vor allem berücksichtigt werden. Jeder kann mit wenigen Pfennigen, die der Aufschlag der Wohlfahrtsbriefmarken ausmacht, sich an dem großen Hilfswerk beteiligen. Die Deutsche Rothilfe ganze ter Schaffe frohe kräftige Jugend! Des Bch der urum Wbohlfschrpefferte der Rechtreg en mit eingebruckter Hlarfe für 12 A0 verfauft wirh Bildpostkarte mit der Schar frischer Kindergesichter wird sicherlich jeder gern verwenden. Jede Postkarte, jede Marke der Deutschen Nothilfe trägt dazu bei, so frohe kräftige Jugend zu schaffen, wie sie das Bild des Künstlers uns zeigt.— Marken und Postkarten sind bei den bekannten Stellen der äffentlichen und freien Wohlfahrtspflege zu haben, ebenso bei den Postanstalten. 4 Gaab=Sachnann Amtliches Ergebnis der Stadtverordnetenwahl Groß=Bochum Gültige Stimmen haben erhalten: Zentrum Sozialdemokratie Kommunisten Demokraten Deutsche Volkspartei Deutschnationale Volkspartei Evangelischer Volksdienst Linke Kommunisten Nationalsozialisten Polen Arbeits= und Unfallinvaliden Kriegs=, Wirtschafts= und Arbeitsopfer Wirtschaftliche Vereinigung 36 118 31 306 18 194 2134 14 426 6 746 11 200 612 9 389 1 353 1693 1 695 8 818 Wie wird die Mandatverteilung berechnet? a Hei, der Stadtverordnetenwahl erfolgt nach Festsiellung zeinen Wahsporschläge. Dies Ve Site auf die Die auf die einzelnan Matziggrichtlseurnaten vor sichtigen Stimmen werd. tsallenden güle Fenmmen werven nacheinander durch eins, zwei, drei, vier, kunf uww. geteilt. Von den sich so ergebenden Zahlen er9.8 der Reihe nach die Höchstzahlen je einen Sitz, bis die ver zu vergebenden Sitze erschöpft ist. Ueber die Zuteilung des letzten Sitzes entscheidet bei gleichen Höchstzahlen angeführt werden: Angenommen, zu wählen. Die Jahl der aban.: nd 16 Stadtverorduete trägt 2500 die sich so.: gevenen gülltigen Stimmen beStimmen. 1 Wahl7.% Run merd en au den 2 350, auf den 3. 280, auf e### werden die auf die einzelnen Wahlvorschläge zursauenden Stimmen der Reihe nach durch eins, zwei, drei, vier, fünf usw. geteilt. So ergibt sich folgendes Bild: Wahlvorschlag 1: 0 (2) . Zeriche Bunetlen . Im Bochumer Untersuchungsgesängnis sitzt ein Mann mit Abeister Vergangenheit, der Bergmann Herbert Franek gue Sleipitz in Oberschlesien, der unter dem falschen Ramen Hervert Flug als Führer einer weitverzweigten Räuber= und anzusehen ist, die längere Zeit, namentlich im Jahre 1927 im Industriebezirk, im Münsterland und Sauerkand sowie in der Rheingegend ihr Unwesen getrieben hat. Die Bande vermag, was unetschrockene und freche Ausführung von Raub= und Diebestaten anbelangt, den Vergleich mit den Gebrüdern Heidges auszuhalten. Ueber das Vorleben des ein gewisses Dunkel. Nach verschiedenen Raubtaten flüchtete er nach Polen, wo er an der russischen Srerse, am 28. März 1928 festgenommen wurde. In seinem befand sich ein gesälschter Paß auf den Namen Arthuc Novert Plancka, geboren zu Althsasch in Westfalen, und gad an, er habe aus Deutschland flüchten müssen, weil er in Ahlen in Westfalen einen Schupo=Polizeibeamten erschossen habe. Längere Zeit stand er mit seinen Helfershelfern in Verdacht, den Raubmord auf den Knappschaftsbeamten in Byfang an der Ruhr ausgeführt zu haben. Jedoch hat sich später herausgestellt, daß als Täter die Gebrüder Drioges in Frage kamen. Seine Mithelfer sind sein flüchtiger Bruder Georg Franek und die ebenfalls flüchtigen Arbeiter Max Teibner und Wilhelm Naica. Zur damaligen Zeit lebten diese Gesellen bei Verwondten in der Querstraße zu Herne=Sodingen. Von hier aus wurden nächtlicherweise mit Fahrrädern Streifzüge ins Münsterland, Sauerland und Rheinland unternommen, von denen sie nach verwegener Ausführung mit guter Beute heimkehrten. Ihre Spezialität waren und Kassenraube. Die Kriminalpolizei kennt sie als äußerst verschlogene, verstockte, gemeingefährliche Verbrecher. Zweifellos hat diese Bande manche Raubtot auf dem Gewissen, die bisher keine Aufklärung gefunden hat. Inzwischen ist der im hiesigen Untersuchungsgefängnis sitzende Herbert Franek zu Gleiwitz in Oberschlesien im Frühjahr dieses Jahres wegen versuchten Raubes und Totschlags zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Mit mehreren Gesellen versuchte er in der Nacht zum 3. Juni 1927, im Verwaltungsgebäude der oberschlesischen Kokswerke zu Hindenburg den Kassenschrank zu erbrechen. Hierbei wurden sie von dem Botenmeister gestört, den Herbert Franek niederknallte. Dieser war vorher im Frühjahr 1927 von Teibner und Naica besonders nach Herne=Sodingen eingeladen, um einen Raubüberfall zu leiten, bei dem 10000 Mark zu verdienen waren. Franek stellte sich denn auch eines Tages in Sodingen ein und hatte unter Mithilfe von Teibner und Naica am 5. März 1927 zu Sodingen den Raubüberfall auf die Ehefrau des Milchhändlers Theodor Klaas in deren Wohnung am hellen Tage ausgeführt, wegen dem sich Herbert Franek vor dem Schwurgericht Bochum zu verantworten hat. Franek und Raica sollen außerdem noch den am 2. März 1927 in der Baubude der Jeche„Constantin der Große“. Schacht 4=5, auf den Schachtmeister Möller ausgeführten versuchten Raubanfall, während dem sich dieser bei der Zahlung der Lohngelder besand, auf dem Gewissen haben. Die Tat wurde aber im letzten Augenblick vereitelt, so daß die Gesellen flüchten mußten. Auf der Verfolgung gaben sie mehrere Schüsse ab. Auf der Flucht verlor einer der Gesellen einen Rahmen aus seiner Schußwafse. Als Urheber dieser versuchten Raubtat kommt der flüchtige Max Teibner in Froge. Im Herds 1927 hauste Willi Naica im Peppinghauser Wald, da er von der Polizei gesucht wurde. In seiner Wohnung zu Sedingen hatten sie ein Geheimversteck für die bei den Raubtaten mitgeführten Wassen. Max Teibner ist nach Polen geflüchtet, dort son er von Polizei geschnappt, und ins polnische Militär gesteckt worden sein. Er ist aber bald desertiert. Auf ihren Streifzügen durch das Münsterland soll von ihnen auch in dem Jahre 1927 der Einbruch in die katholische Kirche zu Buldern und in das Schloß Buldern ausgeführt worden sein. Es steht fest, daß Flug alias Herbert Franek bei diesem Einbruch beteiligt gewesen ist. Bei dem Einbruch in das Schloß Buldern wurden sie gestört. Auf der Flucht wurden Raica und Teibner festgenommen. Es gelang ihnen aber später beiden auszubrechen. Die Bande steht auch im Verdacht, am Sonntag, dem 13. März 1927 in die Ortskrankenkasse zu Herne eingebrochen zu sein. Ferner wird ihnen ein Einbruchin ein Castroper Kino und ein solches in das Amt Sodingen zur Last gelegt. Herbert Franek steht außerdem im Verdacht, nach seiner Flucht aus dem Industrie= bezirk nach Polen dort auf offener Landstraße einen Kassenboten bei Poniofsky um 36 Zloty beraubt und diesen tödlich niedergeschossen zu hoben. Wie gesagt, scheint diese Bande noch manche der Raub= und schweren Einbruchstaten im Industriebezirk, die bi her noch keine Aufklärung gefunden haben, auf dem Gewissen zu haben, die jetzt aber, da man den Anführer Franek im Bochumer Untersuchungsgefängnis hat, bezüglich der Täterschaft in etwa aufgedeckt werden. Gegen die flüchtigen Mitglieder der Bande laufen bereits seit zwei Jahren Steckbriefe. (8) „ Die Zahlen in Klammern bezeichnen die Reihenfolge der Hiernach entfallen auf den Wahlvorschlag 1 der 1., 2., 3., 3. Sitz, während der Wahioorsclag 4 ler ausgest. den Man muß wissen, daß... Bedautsame hygienische Tagung in Münster(Westfalen). „ Wohl zu, seiner. Zeit hat die Erhaltung der Gesundheit und der Arventstraft für jeden von uns größere Bedeutung gehabt als in der Gegenwart. Berufener Hüter und Lehrer hochen Aufgrche i d 1“ ader auch er kann diese, seiner ch wich. Daau gebsr. Man muß wisf“: 2eu allem hygienisches Wissen. Husten und gir 9.en, vuß von kranken Menschen beim den und dasisen unzählige Krantheitskeime verstreut werrrans maches,vom gesunden Menschen eingeatmet, diesen krum machen. Bann wird man ganz von selbst daraus die Lehre ziehen und beim Husten und Niesen sich ein Taschentuch vor den Mund halten oder mindestens durch Abwenden des die ganze„Bazillenladung" dem sich forgfältig die Hände zu ohne alle Kosten für jedermamn leicht durchführbar sind, Ein elektrischer Hund, der auf Befehl, der ihm mittels Lichtstrahlen gegeben wird, belli, springt und beißt, ist in Amerika konstruiert worden. Einem solchen Zwecke dient auch eine große Kundgebung, die am 6. Dezember 1929 in Münster(Westfalen) in Gestalt einer„Fessitzung gemeinsam vom Preußischen LanVolksbelechrung veranstaltet wirz. und Preisgsches Wisen Hinauszutragen bis ins letzte Dor zum Wohle des Einzelnen und zum Wohle der Gesamtheit. Bochumer Stahlindustrie Die Abteilung Deutsche Edelstahlwerke in Bochum, Bochumer Stahlindustrie, wird zum 1. Dezember stillgelegt. Sämtliche Arbeiter und Angestellten kommen zur Entlassung. Wie wir erfahren, hat der Bochumer Verein(Vereinigte Stahlwerke) das ganze Werk gepachtet. Vom 1. bis 8. Dezember findet die Inventuraufnahme statt. Nach diesem Zeitpunkt soll versucht werden, einzelne Betriebe wieder neu anzukurbeln. Es wird damit gerechnet, daß von den Entlassenen 300 Mann zunächst wieder eingestellt werden können. Ob später weitere Einstellungen erfolgen, hängt ganz von der Entwicklung der wirtschaftlichen Lage ab. Eisenbahnunglück verhütet. Aufmerksamkeit eines Eisenbahnarbeiters verhindert Eisenbahnunfall.— Bruch eines Weichenherzstückes am Bochumer Hauptbahnhof. Am Vormittag des Buß= und Bettags, und zwar nach 7 Uhr, wurde von einem Lampendienstversehenden, älteren Eisenbahnatbeiter kurz vor der Einfahrt in den Bochumer Hauptbahnhof, bei der Hermannshöhe, auf dem Hauptgleis der Strecke Bochum—Dortmund in einer doppelten Kreuzungsweiche ein Herzstücks festgestellt. Der ganze linke Flügel des Herzstücks war zur Hälfte, und zwar in einer Länge von 2.50 Meter, abgebrochen und lag im Gleis auf den Schwellen. Das schwer beschädigte Doppelherzstück war, wie wie erfahren, erst am 10. November dieses Jahres nach Auswechslung der alten Weiche eingebaut worden. Der Bruch muß erst in den Morgenstunden des Buß= und Bettags entstanden sein. Die Ursache des Weichenschadens steht nicht fest. Sie resultiert zweisellos aus unkrontollierbaren Eigenschaften des Materials. Nur durch Zufall wurde durch die Aufmerksamkeit des Eisenbahnarbeiters ein Betriebsschaden entdeckt, der verhängnisvolle Folgen hätte nach sich ziehen können. Sofort nach Meldung des Weichenschadens erschien der Leiter des Betriebsamtes Bochum Hbf., tspektor Rübsam, an der Schadenstelle. Unter seiner Aussicht wurde das Herzstück in mehrstündiger Arbeit ausgewechselt. Eisenbahnarbeiter, der die Feststellungen des schweren Weichenschavens gemacht hatte, erhielt nach den Bestimmungen der Reichsbahn eine Belohnung. Schwerer Betriebsunfall Auf dem Hüttengelände des Bochumer Vereins ist zur Zeit die Unternehmerfirma Rohrleitungsbau Düsseldorf mit dem Legen von Rohrleitungen beschäftigt. Am Donnerstagvormitch hier ein schwerer Unglücksfall. Die Arbeiter uucht, der dern en Iugtaues einen Mauerpseiler deSre: urbeiter au=gesetzten Druck nicht ktandhielt und umsthizte. Drei aubetter, die in unmittelbarer Nähe des Pfeilers beschäfSenere eneden ggf den Mauermassen begroben. Einer Wsvon, der: eiter wiesemann, wurde so schwer verletzt, auf dem Transport zum Krankenhause starb. Ein zweiter Arbeiter, Patzmann, ist am Kopfe sehr schwer verletzt. Ein dritter Arbeiter erlitt weniger lebensgefährliche Verletzungen. Wie von der Polizei mitgeteilt wird, ist das Unglück beim Hochziehen eines 16 Meter langen Gasrohres durch einen Flaschenzug entstanden. Das Flaschenuzggerüst war an einem Mast Gebäude verankert. Infolge der Ueberlastung lösten sich Mauerteile ab und stürzten in die Tiefe. Im ganzen wurden 4 Arbeiter von den herabstürzenden Mauerteilen getroffen. Die Verletzungen des vierten Arbeiters sind aber zum Glück nur leichter Natur. Er konnte sich nach Anlegung eines Verbandes nach Hause begeben. Bei den im Krankenhause befindlichen Verletzten bestcht zur Zeit keine Lebensgefahr. Person Vermißt wird seit dem 25. Oktober d. J. das Lehrmädchen Anna Gutland, geboren am 27. Oktober 1913 in Bochum. zuletzt in Bochum, Herner Straße 426, wohnhaft. Beschreibung: 1,70 Meter groß, schlank, dunkelblonder, links gescheitelter Bubikopf, frisches Aussehen. hohe Stirn, graue Augen, gradlinige Nase, weiße, vollständige Zähne. Bekleidung. Blaue Baskenmütze, grauer Mantel, dundler Rock, helle Bluse, weiße Unterwäsche, helle Strümpfe, schwarze Halbschuhe. Die Vermißte wird vermutlich verborgen gehalten. Personen, die zueavienliche Angaben über den Aufenthalt der Vermißten in Pochum, Ablansse:#iminaldirektion Fenestraße 35, Zimmer 239, oder den örtlichen Polizeidienststeuen mitzuteilen. Gemeiner Die Polizei teilt mit: Am 18. bzw. 19. d. M. wurde auf os rieshe zn der Blumenstraße in Bochum eine Urne geurne war aus gehämmertem Kupfer, etwa 35 Zentimeter goch und trug die Inschrift„Heinrich Teuber“. gaben machend süslich der katerschaft weadienliche Ankönnen, werden gebeten, diese der KriminalInspektion 1 in Bochum, Uhlandstraße 35.=Zimmer 77. oder den örtlichen Polizeidienststellen mitzuteilen. Es handelt sich hier zweifellos um das Grabmal unseres verstorbenen Genossen Heinrich Teuber. Gemeine Bu5 wece Hoffentlich gelingt es, die Diebe ans. Adreßbuchbibliothek des Verkehrsvereins. Die Adreßbuchabteilung des Bochumer Verkehrsvereins ist erfreulicherweise von Jahr zu Jahr mehr ausgebaut worden. Das Bochumer Publikum bedient sich gern dieser Einrichtung und mancher Auskunftholende hat durch das Nachschlagen einer Adresse sich manchen zeitraubenden Briefwechsel mit Behörden ersparen können. Gegenwärtig umfaßt die Adreßbuchbibliothek des Bochumer Verkehrsvereins die Bände: Aachen, Ahrweiler, Allenstein, Altenburg, Aschaffenburg, Baden=Baden. Barmen, Bautzen, Berlin, Bielefeld, Bonn. Brandenburg, Braunschweig, Breslau, Buer, Düren. Camburg. Chemnitz, Coesfeld Kreis, Cottbus. Danzig, Darmstadt. Döbeln, Dortmund Land, Dortmund Stadt, Dresden, Düsseldorf, Duisburg. Elberfeld, Erfurt, Eschweiler, Essen, FrankfurtMain, Freiburg(Breisgau), Fürth, Gelsenkirchen, Gerthe, Godesberg, Görlitz Göttingen, Goslar. Greisswald, Gotha, Hagen, Halberstadt, Hamburg, Hamm, Hannover, Herne, Hildesheim, Ingolstadt, Iserlohn, Jena, Kaiserslautern. Kassel, Karlsruhe, Kettwig, Kiel. Kissingen, Köln, Krefeld, Landsberg Langendreer=Werne, Leipzig, Liegnitz, Linden=Dahlhausen, Lübeck, Lüdenscheid, Lüneburg. Ludwingshafen, Mannheim, Mainz. Magdeburg, Mülheim=Ruhr, München, M.=Gladbach, Münster i. W., Nürnberg, Neumünster, Neustadt, Oberhausen. Oeynhausen, Offerbach. Offenburg, Osnabrück, Paderborn, Pirmasens, Plauen. Potsdam, Recklinghausen, Regensburg, Remscheid, Rostock. Saarbrücken. Schweinfurth, Schwerin, Siegen i. W., Solingen Stadt. Solingen Land, Speyer, Steele=Kray, Steele=Königssteele=Ueberruhr, Stettin. Stralsund, Stuttpart, Suhl i. Th., Trier, Tübingen, Ulm. Wanne=Eickel. Wattenscheid, Weinheim, Wetzlar, Wiesbaden. Wilhelmshaven=Rüstringen. Wismar, Witten, Worms, Würzburg und Zwickau. Die Adreßbuchabteilung des Verkehrsvereins Bochum ist eine der reichhaltigsten in den Grofstädten des rheinisch=westfälischen Industriebezirks und sie wird in zahlreichen Fällen von der Bevölkerung der um Bochum liegenden Orte benutzt. Was fr ein eingeiragener Werem Welcher Unterschied in rechtlicher Beziehung besteht zwischen dem eingetragenen(rechtsfähigen) und dem nicht eingetragenen(nicht rechtsfahigen) Verein? Von Justizinspektor Ferdinand, Flensburg. Leichter Frost in Sicht Das festländische Hochdruckgebiet hat sich zwar weiter zurückeczogen und seinen Schwerpunkt nordostwärts nach Finnland und Nordwestrußland verlagert, gleichzeitig hat es sich aber verstärkt, so daß das trockene und vielfach heitere Wetter in Deutschland anhält. Bemerkenswert sind die starken Unterschiede in den heutigen Morgentemperaturen der deutschen Stationen, dort, wo südliche und südöstliche Winde wehen, sind die Temperaturen am Nordjuß der deutschen Mittel durch Föhnwirkung auffallend hoch. Der Kahle#sten hat heiteren Himmel bei schwachem Südwestwind und 6 Grad Wärme. Hier fällt zwar der Föhneinfluß weg, doch macht sich die Temperaturumkehr im Vergleich zur Niederung allgemein bemerkbar, denn der Brocken meldet 7 Grad, die Zugspitze 0 Grad. So haben Aachen, Essen und Dresden 6 bis 9 Grad. Wo dieser Einfluß fehlt, herrscht vielfach leichter bis mäßiger Frost(zum Beispiel Hannover 2. Bayern bis 4 Grad Kälte). Die südlichen Ausläufer des Nordmeertiefs werden uns auch zunächst noch nicht stärker beeinflussen.— Aussichten bis Samstag: Vorwiegend trocken, zeitweise etwas bewölkt, Tagestemperaturen wenig geändert, nachts stellenweise leichter Frost. Geschäftsführender Vorstand und Aktionsausschuß der SPD. Groß=Bochum. Auf die am Samstag, dem 23. November, stattfindende Sitzung(siehe Parteinachrichten) wird hiermit besonders hingewiesen. Verwaltungsakademie. Am 13. November hat an der Westfälischen Verwaltungsakademie, Abteilung Industriebezirk, Sitz Bochum, ein„Lehrgang für Gefängniskunde und Stxafvollzug“ begonnen.. Der Lehrgang dauert bis zum 21. Januar 1930 und ist der fünfte dieser Art. Sie sind alle auf Anregung und mit Unterstützung des Herrn Präsidenten des Strafvollzugsamtes in Hamm eingerichtet. Zu ihnen erscheint ständig die große Mehrheit aller Inspektionsbeamten des Bezirks des obengenannten Strafvollzugsamtes. Interessenten erholten nähere Auskunft durch die Hauptgeschäftzstelle der Westfälischen Verwaltungsakademie, Abteilung Inoustriebezirk. Sitz Bochum, Wittener Straße 61, Fernruf 67894. Einbuecher bei ihrer Arbeit gestört. In der Nacht zum Mittwoch wurden Einbrecher in Bochum=Laer auf dem Grundstück des Metzgermeisters L., Wittener Straße 56. von dem Wächter Nr. 15 der Bochumer Wach= und Schließgesellschaft m. b. H. überrascht und verscheucht. Der Wächter benachrichtigte die Bewohner des Hauses. Die Einbrecher mußten einen Teil der Diebesbeute im Stich lassen; das am Tatort vorgefundene Einbrecherwerkzeug wurde der Kriminalpolizei übergeben. Verkehrsunfälle. Am 20. d. M. wurden auf der Harpener Straße ein Motorradfahrer und zwei Fußgänger von eine Personenkraftwagen ,angesahren zugd beicht„othgrt, hr### Ecke Kortum= und Brückstraße sind zwei Motorrasfahrer zusammengestoßen. Es ist nur Sachschaden entstanden.— An der Ecke Allee= und Humboldtstraße sind drei Kraftwagen zusammengestoßen. Personen wurden nicht verletzt.— Die Schuldfrage ist in allen Fällen noch nicht geklärt. Stadtteil Auch Wohltätigkeit? Der Begriff Wohltätigkeit müßte vielen Menschen einmal richtig klar zeingstezge dem, 3, B. veranstaltet der Männergesangverein„El. gag.inhängz insam m dem Beamtengesangverein der Zeche„Toihringen und dem Schülerchor der Oberrealschule Gerthe am 10. Bezemher ein Wohltätiakeitskonzert. Der Reinertrag soll ausictigzerg### Kriegexehrenmalfondg, zugeführt werden. Es F.##e zu lächerlich, wie da Woyltätigkeit mißbraucht wiro. Do die Kriegsbeschädigten. Kriegerwitwen.=Waisen und einem Steinhaufen, ganz gleich, ob der Steinhaufen Menschen oder Tiere darstellt. Interesse haben? Wir möchten es sehr bezweifeln. Oder sollen die Kriegsopfer ihre Zähne in diese Steinhaufen schlagen, damit sie satt werden? Die riche Wohltätigkeiten veranstalten und unterstützen, sollen lieber dafür sorgen, daß die Kriegsopfer Beschäftigung erhalten. Viele Kriegerwaisen möchten gern etwas, lernen, sie erhalten aber keine Lehrstelle. Des Volkes Dank ist euch gewiß, wenn es auch ein Steinhaufen ist. Feierabendgemeinde. Am Montag, dem 18. November, fand im Borgmannschen Saalbau die 5. Veranstaltung statt. Es war ein Heimatabend, Karl Wagepjerz, gesteretegagen. Die eigenen Werken. Er brachte ernstge, und Fegtert.„e Die erschienenen Besucher nahmen die Vorträge beifäuig auf. nächste Veranstaltung— Puppenspielgbend.—(Ein Abend im Puppenkabaxett), findet am 2. und 5. Urzember statt. aus führendes Theater: puppentheater Ivo Puhonny, Baden89ten. Stadtteil Werne Konsumvenein„Wohthsoh;:.4, Haste P eihestrahe, eine de up; pdoet im Zogsumgereing„Wohtfahrr“ katt. Ein Verein, dessen Zweck nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist, wird rechtsfähig durch die Eintragung in das Vereinsregister. Ist der Zweck des Vereins dagegen ein wirtschaftlicher, kann der Verein nur durch staatliche Verleihung— Oberste Verwaltungsbehörde zuständig— Rechtsfähigkeit erlangen, in das Vereinsregister kann er nicht eingetragen werden.§§ 21, 22 B.G.B. Ob ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb— im Gegensatz zum idealen— vorliegt, ist von Fall zu Fall nach dem Inhalt der Satzung zu entscheiden. Bei der Auslegung ist nach einer höchstgerichtlichen Entscheidung davon auszugehen, daß der Zweck des Vereins auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist erst dann, wenn er als selbständiges Wirtschafts= und Rechtssubjekt im wirtschaftlichen Leben stehen, mit Dritten im eigenen Namen kontrahieren und sich selbst verpflichten soll. Es kommt darauf an, wie das gesteckte Ziel erreicht werden soll, ob durch einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb oder nicht. Wie ist nun der Unterschied— rechtlich— zwischen dem eingetragenen(also rechtsfähigen) und dem nicht eingetragenen (nicht rechtsfähigen) Verein? Auf den nicht rechtsfähigen Verein finden die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches über die Gesellschaft Anwendung. Die wichtigsten Merkmale sind folgende: Der nicht rechtsfähige Verein kann als solcher nicht klagen— er ist nicht aktiv legitimiert,— vielmehr müssen sämtliche Mitglieder als Kläger auftreten, wenn nicht etwa der Vorstand im Namen aller einzeln aufzuführenden Mitglieder auftreten will auf Grund eines Ausweises über seine Bevollmächtigung. Es kann aber der nicht rechtsfähige Verein nach§ 50 Z.P.O. verklagt und es kann das Konkursverfahren über ihn eröffnet werden K.O.— Dem nicht rechtsfähigen Verein als solchem kann weder eine Erbschaft noch ein Vermächtnis zugewendet werden. Grundbuch können Rechte des nicht eingetragenen Vereins nicht auf dessen Namen, sondern nur auf den Namen der Mitglieder eingetragen werden. Hierbei ist zu vermerken, daß ihnen das Recht nur als Mitglieder eines nicht rechtsfähigen Vereins zusteht.§ 48 G.O. Was nun die Haftung der Mitglieder Dritten gegenüber anlangt, so haftet beim eingetragenen Verein nur das Vereinsvermögen. Beim nicht rechtsfähigen Verein dagegen haften für die durch ein Rechtsgeschäft des Vorstandes bezründeten Verbindlichkeiten die Vereinsmitglieder persönlich als Dieser Unterschied ist allerdings in der RechtHesamtschuldner. Biese, unztschter ist allerdings in der sprechung etwas verwischt. Einmal kann die Haftung bei dem nicht rechtsfähigen Verein durch die Satzung auf die Anteile der Mitglieder am Vereinsvermögen beschränkt werden, und diese Haftungsbeschränkung muß jeder gegen sich gelten lassen, der bei Abschluß des Geschäfts von ihr Kenntnis hatte. Man ist in der Rechtsprechung vereinzelt sogar so weit gegangen, anzunehmen, daß die Mitglieder des nicht rechtsfähigen Vereins, ohne daß die Haftungsbeschränkung in der Satzung zum Ausdruck gekommen wäre, nur zu den Vereinsbeiträgen und nicht persönlich sich hätten verpflichten wollen, und daß der Dritte mit diesem Willen der Vereinsmitglieder zu rechnen und ihn gegen sich gelten zu lassen habe. Ob diese Auslegung indes richtig ist, darüber herrschen geteilte Meinungen, eine Vermutung zu Gunsten der Haftungsbeschränkung der Mitglieder bestehr jedenfalls nicht. Erwähnt sei noch, daß zur Eintragung des Vereins keine Verpflichtung besteht, und daß andererseits die Eintragung nur erfolgen soll, wenn mindestens 7 Mitglieder vorhanden sind. Die erste Eintragung des Vereins kostet— in Preußen— ca. 59 RM. Ist der Verein eingetragen, muß später jede Veränderung(z. B. der Satzung oder des Vorstandes) und die Wiederwahl des Vorstandes angemeldet und eingetragen werden. Hierdurch entstehen wieder Kosten(reichlich 20 bis 30 Reichsmark). Die Anmeldungen haben in öffentlich(d. h. gerichtlich oder notariell) beglaubigter Form zu erfolgen. Oft lassen sich begeisterte Vereinsanhänger, ohne daß ein vernünftiger Grund für die Eintragung ersichtlich wäre, von der Eintragung ihres Vereins nicht abhalten, und so finden sich in den Vereinsregistern Tanz=Clubs, Vereine der Freunde irgend einer bestimmten Vogelart usw. Auf jeden Fall empfiehlt es sich. vor der Eintragung zu überlegen, ob dem Verein auch wirklich ein seine Eintragung rechtfertigender Vorteil erwächst, denn ist der Verein einmal eingetragen, müssen die erwähnten weiteren Anmeldungen eotl. vom Gericht durch Verhängung von Ordnungsstrafen erzwungen werden. Staôtteil Langendreer Vorsicht beim Umgelzen mit Gas. Bei einem Z'garrenhändler an der Kaiserstraße entstand durch Undichtigkeit eines Gasherdes ein Brand, wobei Kleider im Werte von 45 Mark verbrannten. Wer Giftweizen streut, muß die umliegenden Hühnerhalter benachrichtigen. Am Westerberg wurden Hühner vergiftet, ohne daß die Nachbarn verständigt waren. Die Folge wird sein, daß die Hühner ersetzt werden müssen. Eine merkwürdige Rolle spielte der Gärtner des hiesigen Knappschaftskrankenhauses beim Funde von 50 Revolverpatronen in der Bömmerdelle. Diese lagen in einem ausbetonierten Behälter, mit einem Handschuh, einer Zange und einem Beutel mit Knickern. Der Deckel des Behälters war mit einem Totenkapf verziert. Der Gärtner meldete den Fund merkwürdiger Weise nicht an sondern zerstörte der Behälter obendrein. Pilzesuchende Kinder sanden den Behälter, der in dem eingefriedigten Teil des Buschesk liegt. Der Theaterabend der Abteilung 3 war ein voller Erfolg, denn der Saal war ausverkauft. Die Tarbietungen waren gut. Auch der Inhalt des aufgeführten Stückes war dem Leben entnommen. Einen der Darsteller hervorzuhoben, hieße die anderen zurücksetzen; jeder gab sein Bestes. Die ArbeiterTheatervereine sind zu einem wichtigen kulturellen Faltor der gesamten Arbeiterbewegung peworden, die weitgehendste Unterstützung verdienen. Wir weisen deshalb schon auf die am Totensonntag stattfindende Aufführung„Der Henker von Jütland“ der Abteilung 1 hin, welche ebenfalls im Lokale Grollmann stattfindet. Auch hierbei handelt es sich um ein ausgewähltes Stück historischen Inhalts, dessen Besuch sehr zu empfehlen ist. Aus dem Stadtteil Linden=Dahlhausen Graße Bücher=Ausstellung im Hedtbergheim. Die Buchhandlung„Volksblatt“ veranstaltet am lommenden Samstag und Sonntag im Saale des Naturfreundeheims am Hedtherg eine große Ausstellung von Büchern, Spielen, Marador=Laukästen und modernen Spielwaren aller Art Gezeigt werden eine große Anzahl laufender Matadormodelle. Die hiesige Bevölkerung laden wir zur zwangslosen Besichtigung dieser schönen Ausstellung freundlichst ein. Betriebsstörung. Auf der Zeche„Dahlhauser Tiefbau" mußten am Montag und Dienstag Teile der Belegschaft, Feiern. weil ein Luftkompressor defekt war. Durch Schichlemnegung konnten die Arbeiter die verlorenen Schichten wieder herausholen. Der Versammlung bei Lutz, in der Lehrer Kückenhöhner über das Thema„Warum wollen wir keiner Kirche angehören?“ sprach, war von etwa 200 Personen besucht. Der Redner erläuterte den Gegensatz zwischen Kirche und proletarischem Streben, und bezeichnete die Kirche als Gegnerin Fortschritts und besondere Feindin der modernen Arbeiterbewegung. Durch ihre Lehre vom blinden Gehorsam gegen die„von Gott eingesitzte“ Obrigkeit, durch ihre Predigten von Duldung und Ergebung im Leiden, bewirkte die Kirche eine Erziehung zum Knechtsgeist und zur Untertänigkeit. Die Kirche raube dem notlleidenden Proletarier das Vertrauen in die eigene Kraft und lähme dadurch seinen Willen zu Klassenkampf. Der Redner forderte Trennung der Kirche vom Staat, Weltlichkeit des Schulwesens, Ablehnung finanzieller paragraphen. Beseitigung aller gesetzlichen Vorrechte der Kirche. Vorbedingung zur Erfüllung dieser Forderungen sei die Freimachung Millionen Ausgebeuteter von den Fesseln der Kirche. Dem Vortrag folgte eine Diskussion Genosse Graumann forderte zur Werbung für den Freidenkertum und Feuerbestattung auf. Diese Organisation hat in Deutschland weit über 600000 Mitglieder und ist als wichtiger kultureller Faktor anzusehen. Neben der Pflege Freidenkertums gewährt sie ihren Mitgliedern die völlig kostenlose Feuerbestattung. Nähere Auskunft erteilen die bekannten Funktionäre. Weihnachtsausstellung. Es wird schon heute darauf hingewiesen, daß Samstag, den 23. November, nachmittags 5 Uhr, im Naturfreundeheim am Hedtberg die große Weihnachtsausstellung der Buchhandlung„Volksblatt, eröffnet wird. Es sollte niemand versäumen, diese Aussteuung zu besuchen, da eine gute Uebersicht über alle Gebiete der Literatur gegeben wird. Wer noch nicht weiß, was er seinen Kindern zu Weihnachten schenken will, möge sich besonders die Abteilung Moderne Spiele, Matadorbaukästen und Jugend= und Bilderbücher erichen. Stadtteil Stiepel Die Wohltätigkeitsveranstaltung der„Arbeiter=Wohlfahrt“ im Rumbergschen Saale erfreute sich trotz der schlechten Witterung eines überaus guten Besuches. Der Arbeiter=Theater= verein„Volksbühne“ stellte sich in uneigennütziger Weise zur Verfügung durch Aufführung des Stückes„Zwei Welten. Die große Aufmerksamkeit und der Beifall bekundeten, daß die Leistungen der Volksbühne befriedigten. Gute Kräfte schlummern in der Volksbühne, welche verdienen, unterstützt zu werden. Der Reinertrag der Veranstaltung wird restlos zur Unterstützung der örtlichen Bedürftigen Verwendung finden. Allen, welche zu dem schönen Verlauf des Abends beitrugen, sei herzlichst gedankt— Die Bekanntgabe des Wahlergebnisses durch den Genossen Rautenberg löste stürmischen Beifall aus, da die SPD. trotz übelster Bekampfung der Rechts=Linksbolschewisten mit überwältigender Mehrheit als Sieger hervorging, infolge der Vernunft der Wähler, welche keine Versprechungen, dafür aber positive Arbeit wollen. Alles Geschrei der Gegner blieb ohne Erfolg, die Vernichtungspläne der KPDisten sind von den Wählern richtig beantwortet. Sklarek hat nicht gezogen, wie es Thälmann wünschte. Das Ergebnis des 17. November: Die behauptet ihren Platz als einheitliche Partei, der Bürgerblock ist in alle Winde zerstoben, die KPD. wird kaum noch beachtet. Ob Letztere bald die Unsinnigkeit ihres, die Arbeiterschaft schädigenden Handelns einsieht? Jedoch, sie darf nicht, weil der Diktator in Rußland es nicht will, und so wird denn weiter Verrat an der Sache des Proletariats geübt. Doch wird der Tag kommen, an dem die Arbeitnehmerschaft, auch die. welche heute noch dem kommunistischen Sput folgen, zur Einkehr kommen und der einzigen Arbeiterpartei, der SPD., angehören werden. Die Bevölkerung hat bewiesen, daß sie mit der bürgerlichen Herrschaft gebrochen hat, sie hat versucht. einen Fehler aus 1924 wieder gut zu machen. Das vorliegende Wahlergebnis hätte der SPD., falls Gemeinderatswahlen gewesen wären, die absolute Mehrheit gebracht. Besser konnte die bürgerliche Mehrheit nicht gestraft werden. Für die Funktionäre der SPD. darf es kein Ruhen auf Lorbeeren geben, sie müssen weiter aufklären gegen unsere Gegner von rechts und links, bis unser Ziel erreicht ist. Der Kampf um den 17. November ist vorbei, wir rüsten für den kommenden Kampf! Theaterabend der Volksbühne. Am Sonntag, dem 24. November, geht im Saale des Herrn E. Rumberg, Hauptstraße, das romantische Volksstück„Der rote Wolf“ oder die Wilderer von Felseneck, in 5 Akten, über die Bretter. Die Mitwirkenden der Volksbühne haben wiederholt gezeigt, daß sie nur Gutes zu bieten bestrebt sind. Es ergeht an alle, welche ein wirklich gutes Theaterstück lieben, das Ersuchen, obiger Aufführung beizuwohnen. Ganz kurz aus dem Inhalt folgendes: In der schaurigen Wolfsschlucht haust eine wohlorganisierte Bande, deren Haupt der„rote Wolf“ ist; lauter verwegene Gesellen, die, wegen irgend eines Vergehens ins Gefängnis geworfen, bei ihrer Entlassung den Weg ins Leben nicht wieder gefunden haben. Auf dem Schlosse Felseneck sitzt der tyrannische, eisenharte Graf von Felseneck, der in seiner Herrschsucht Unrecht an Unrecht reiht und von seiner bildhübschen Gattin. die ihn nicht liebt, fortgesetzt hintergangen wird. Im Waldhof lebt still und bescheiden die Waldhofbäuerin mit ihrem Sohn Robert und ihrer gemütstiefen Pflegetochter Margarete. Mit elementarer Gewalt prallen die Schicksale dieser drei Menschengruppen aufeinander. Eine ganze Kette von Tragödien des menschlichen Lebens schließt sich vor den fiebernden Augen der Zuschauer. Eine Handlung, welche unmöglich auf diesem beschränkten Raum wiedergegeben werden kann, schlägt uns in Bann und läßt uns nicht mehr los, auch dann nicht, wenn der Vorhang bereits zum letzten Male gefallen ist. — Der Eintrittspreis bewegt sich im Rahmen des Möglichen. Die Volksbühne will Bahnbrecher für Volksbildung sein, die in unserem Ortsteil sehr im Argen liegt und durch das vergangene Gemeindeparlament vernachlässigt wurde. Die Tuberkulesenfürforge=Sprechstunden finden am Freitag, dem 22. November von 2.30 bis 5 Uhr im Dienstgebäude der Verwaltungsstelle Bochum=Stiepel, Kemnader Straße Nr. 63 (Hauptstraße), statt. Regen, Wind u. Schnee gegen eprace Gen Rommunistische Betriebsräte führen die Stoppuhr ein. Daß Kommunisten lügen, ist eine so alltägliche Sache, daß man sich nicht mehr darüber aufregt, aber manchmal geschieht das doch so plump und faustdick, daß man ihnen eine kleine pädagogische Lektion erteilen muß. Wird da in einem kleinen Blättchen, das sich„Der Hetzer“ Betriebszeitung von Hoesch, nennt, erzählt, daß der Betriebsratvorsitzende von Hoesch, Dünnebacke, einer Akkordverhandlung der Abteilung Steinfabrik ferngeblieben sei, trotzdem er vorher sein Erscheinen zugesagt hatte. Die Verhandlung habe sich dann zerschlagen und die Werksleitung habe die Arbeit mit der Stoppuhr„abstoppen“ lassen. Der wahre Hergang ist folgender: In der Steinfabrik arbeitet ein kommuntstischer, gewerkschaftlich unorganisierter Betriebsrat Wachholz. Dieser bat den Vorsitzenden Dünnebacke, an einer Akkordverhandlung für seine Abteilung teilzunehmen. Dünnebacke gehört zwar zu den„Reformisten“, die bekanntlich von morgens früh bis abends spät nichts anderes tun, als die Arbeiter verraten, aber trotzdem sagte er zu.(Wenn die„revolutionären“ Betriebsräte mal Gelegenheit haben, ihre Theorie in die Praxis umzusetzen, müssen sie regelmäßig die Hilfe der „Reformisten“ in Anspruch nehmen.) Nun konnte D. sein Versprechen nicht halten, weil er zur selben Zeit zu einer Gerichtsverhandlung geladen war. Das wurde dem kommunistischen Betriebsratsmitglied so schnell wie möglich mitgeteilt und ihm anheim gestellt, die Verhandlung vertagen zu lassen, wenn er nicht allein verhandeln wolle. Das geschah nicht; statt dessen wurde in der Verhandlung zwischen dem kommunistischen Betriebsratmitglied Wachholz und der Betriebsleitung vereinbart, daß die Arbeiter vier Wochen lang mit der Stoppuhr kontrolliert werEnnepe-Ruhrkreis Nachklänge Die Wahlen waren ein Erfolg für die SPD. Wieder ist eine Wahl getätigt, das Volk hat entschieden, welche politische Linie für die nächsten Jahre in den verschiedenen Parlamenten maßgebend ist. Trotz aller erlaubten und unerlaubten Kampfmittel ist es nicht gelungen, in den meisten Gemeinden des südlichen Randgebietes des Industriereviers den starken Einfluß der Sozialdemokratie zu schwächen. Der Wahltag bot in unserer Gemeinde ein äußerst buntes Bild. Die Hakenkreuzler machten sich mit ihrer berittenen ClownSchwadron wirklich lächerlich. Daß alle wahlberechtigt waren, die dem Volke„Heil" verkündeten, ist ausgeschlossen, denn ihre Kinderstimmen verrieten ihr Alter. Sehr gesteigerte Formen nahm das Wahlgeschäft gegen Mittag an, so daß in den Gemeinden Welper, Blankenstein, Herbede und Buchholz im Durchschnitt 85 Prozent aller Wähler ihre staatsbürgerliche Pflicht erfüllt haben. Die Kommunisten hatten es vergessen, sich Gegenlisten auszustellen, dadurch waren sie natürlich in ihrer Wahlarbeit ins Hintertreffen geraten. Verlegen meinte einer der Stalinleute, der Wahlleiter solle doch außer der Nummer den Namen des Wählers angeben, dies Ansinnen mußte natürlich abgelehnt werden, wollte man die Wahl nicht hinauszögern. den sollten. Das ist dann geschehen. Die Arbeiter sind jetzt natürlich erbost und können sich nicht genug über derartige „revolutionäre“ Methoden ihres Betriebsrats wundern. Dieser Tatbestand wurde in einer Arbeiterratssitzung festgestellt und selbst die kommunistischen Mitglieder des Arbeiterrats gaben die Richtigkeit zu. Gewerkschaftsfeindliche Reverse Vor Jahrzehnten versuchten die Arbeitgeber, die Gewerkschaften dadurch zu zerstören, daß sie mit ihren Arbeitern und Angestellten sogenannte gewerkschaftsfeindliche Reverse vereinbarten. Die Arbeitnehmer mußten sich danach als fristlos entlassen ansehen, wenn sie ihren Beitritt zu einer Gewerkschaft erklärten. Die Erfahrung hat gelehrt, daß dieses Mittel untauglich war. Je häufiger die Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer zur Unterschrift solcher Erklärungen zwangen, desto stärker wuchsen die Gewerkschaften. Die Reichsverfassung von Weimar hat diese Erklärung als rechtswidrig erklärt. Heute gibt es kaum eine Arbeitergruppe, die sich dieses unsittlichen und verfassungswidrigen Mittels bedient. Der Zentralverband der Angestellten hat aber gewerkschaftsfeindliche Reverse bei Rechtsanwalten in Halle, Hamburg und Dresden feststellen müssen. Sie nehmen den traurigen Ruhm für sich in Anspruch, jene vor Jahrzehnten übliche Methode der Gewerkschaftsbekämpfung heute wieder aufleben zu lassen. Daß diese Rolle der Gewerkschaftsbekämpfung heute Rechtsanwälte übernehmen, die sich ständig um die Zulassung zu den Arbeitsgerichten bemühen, ist für diesen Stand geradezu tragisch. Der Zentralverband der Angestellten hat wegen solcher gewerkschaftsfeindlichen Handlungen einiger Rechtsanwälte bei den Aufsichtsbehörden Beschwerde geführt, die bereits in einer Reihe von Fällen erfolgreich war. Der neue Gemeindevertreter Reinhardt in Welper ist ob der Verluste der KPD. so boshaft gewesen, daß er den ganzen Funktionärstab als nicht brauchbar im öffentlichen Lokal bezeichnete. Die Kommunisten verloren auch diesmal wieder 149 Stimmen, nur durch die Erhöhung der Sitze im Gemeindeparlament von 12 auf 16 war es ihnen möglich, den zweiten Sitz mit 3 Stimmen Vorsprung gegenüber der SPD. für sich zu buchen. Die Sowjetleute sind enttäuscht gewesen ob dieser Niederlage, hatte man doch mit 5 Sitzen gerechnet. Unsere Gemeindemutter, die jeder von Ansehen kennt(gehört hat sie noch keiner!) ist nun auch ausgeschifft, die KPD. ist in Welper in heller Auflösung begriffen. Gegenüber der letzten Gemeinderatswahl hat sie 100 Prozent ihrer Stimmen eingebüßt. Der Bürgerblock mußte ebenfalls sich mit einem Sitz weniger begnügen, die Nazis bekommen einen Vertreter auf Kosten der Bürgerlichen. Mehr als glänzend sind die Erfolge der SPD. Während sie gegenüber der letzten Gemeindevertreterwahl 555 Stimmen gewann, war sie imstande das Reichstagswahlergebnis von 1928 von 1169 auf 1409 Stimmen zu verbessern. Erstaunt haben die Gegner die Köpfe zusammengesteckt und sich gefragt,„woholt die SPD. ihre Stimmen weg?“ Damit ist erneut der Beweis geliefert, daß der Wähler mit der praktischen Arbeit in der Kommune einverstanden ist. Für die nächste Wahlperiode werden nicht wie bisher 4 Vertreter unserer Partei die Geschicke der Bevölkerung wahrnehmen, sondern es ziehen 7 Genossen in den Gemeinderat ein. Somit ist die Zusammensetzung des Gemeindeparlaments in Welper: 7 SPD., 2 KPD., 4 Zentrum, 2 Bürgerblock, 1 Nazi. Auch in Buchholz war es möglich, von 9 Vertietern 4 für unsere Partei zu erobern; wie sich die Dinge zur Vorsteherwahl entwickeln, bleibt abzuwarten, da die Bürgerlichen ebenfalls über 4 Sitze verfügen und das Zentrum zum ersten Male 1 Vertreter für sich gewann. Anders liegen die Dinge in Herbede. Eine sozialistische Mehrheit von 10:8 Abgeordneten wird für die Zukunft den Kurs weiter einhalten, der hier unter Führung des sozialistischen Gemeindevorstehers maßgebend war. So ist überall in den Gemeinden eine starke Fraktion der SPD. eingezogen. Nennen wir noch Holthausen, wo wir von 9 ebenfalls vier Vertreter bekommen haben. Die Amtsversammlung Blankenstein teilt ihre 16 Abgeordnete auf in 7 SPD., 1 KPD., 4 Zentrum, 3 Bürgerblock, 1 Nazi. Es ist auch hier die Möglichkeit vorhanden, bei etwas Taktik die Beschlüsse anders zu bestimmen, als bei der ehedem absoluten bürgerlichen Mehrheit. So ist der Großkampftag abgeschlossen worden mit einem erfreulichen Siege der Sozialdemokratie. Hattingen. Die große Weihnachtsausstellung der Buchhandlung„Volksblatt“ im Lokale Vieth, Sprockhöveler Straße ist eröffnet. Sie bietet dem Besucher einen guten Ueberblick über die verschiedensten Gebiete der Literatur, Bücher über Sozialismus, Politik, Volkswirtschaft, Naturwissenschaft, sowie Romane, Erzählungen und Reise= und Abenteuerbücher. Besondere Beachtung verdient auch die umfangreiche Abteilung von Jugendschriften und Bilderbüchern, sowie die modernen und schönen Spielwaren. Die zahlreichen laufenden Matador=Modelle finden besonderen Anklang und lenken das Auge des Beschauers auf die Matador=Baukästen, die eins der praktischsten Spielzeuge für Kinder sind. Da kein Eintritt erhoben wird, sollte niemand versäumen, zwanglos diese sehenswerte Ausstellung zu besuchen, die bis heute abend 8 Uhr geöffnet ist. 240 für die vorbildliche Schönheit, für die vorzügliche Qualität und ganz besondere Preiswürdigkeit unserer anerkannt erstklassigen Fertigkleidung geben ihnen die Urteile derer, die sie praktisch erprobt und als das IDEAL aller Fertigkleidung erkannt haben. Fragen Sie, wen Sie wollen: Jeder, der unsere Kleidung trägt, wird sie loben, denn er ist zufrieden und überzeugt, wirklich vom Guten das Beste gewählt zu haben. Warum wollen nicht auch Sie sparen und doch vorbildlich kleidet, sein?) Neue Rerbet-Mänkel „s waller=Valtiels Witton, Bahnhofstr. — S uis allterikalftffeits Svellten Die deutschrussischen Rückwanderer Es ist keineswegs das erstemal, daß aus russischen Gedieten deutsche Ansiedler zurückwandern. Schon in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erfolgte ein starker Rückstrom aus allen russischen Gebietsteilen. Auch damals war nicht die deutsche Heimat das Ziel, sondern, wie heute, das freie Amerika. und dort sind diese Auswanderer dem Deutschtum vollkommen verloren gegangen. Seit der lettischen Revolution im Jahre 1905 wurde dann von Rußland der Versuch unternommen, die Rückwanderer aus den Wolgakolonien in Kurland, Livland und Estland anzusiedeln. Die Absicht, hier eine großzügige deutsche Ansiedlung zu schaffen, wurde durch den Weltkrieg zerschlagen, soweit die Selbstherrlichkeit der baltischen Barone sie überhaupt hatte zustande kommen lassen. Das Schicksal der Deutschrussen ist mehr als wechselvoll gewesen: von Anfang an auf Täuschung durch die russische Zarenherrschaft begründet, in Unterdrückung fortschreitend und nach beispiellosem wirtschaftlichen Aufstieg und ungeminderter Treue gegenüber der deutschen Heimat schließlich dank der brutalen Bankerottpolitik der Sowjetregierung in Verzweiflung endend. Was mag nun aus denen werden, die jetzt nur noch in den Gebieten Kanadas ihre Rettung sehen? Der erste große Strom deutscher Einwanderet wurde von der Kaiserin Katharina II. nach Rußland gezogen. Diese aus deutschem Hause stammende Zarin hatte durch ihr Manifest im Jahre 1763 vornehmlich Auswanderer aus dem westlichen Deutschland angelockt, sich in dem Siedelungslande niederzulassen Nicht nur deutsche Bauern hatte sie haben wollen, sondern auch Aerzte, Rechtsanwälte, Offiziere, Fabrikanten, Gelehrte, Soldaten, kurz: Deutsche aller Berufe. Siedlungsland war ihnen in freigebigster Weise versprochen worden. Es wurde ihnen, wie auch später unter Alexander I., freie Religionsübung zugesichert— was für diese gläubigen Schichten die größte Lockung darstellte. Dazu kam das Versprechen auf Selbstverwaltung, freie Rechtsprechung, Steuerfreiheit, zinslose Darlehen zum Bau von Häusern, vollkommene Freiheit vom Militär= und Zivildienst für alle Zukunft. Was das für diese freiheitsdurstigen deutschen Menschen bedeutete, bedarf keiner besonderen Betonung. Es wurden ihnen also, ehe sie in Rußland einzogen, die weitestgehenden Vorrechte für sich selbst und ihre Nachkommen zugesichert. Die russischen Agenten taten das Ihre, um die Lockungen noch größer erscheinen zu lassen. Wie heute die Werber für die Fremdenlegion traten sie auf. Ueber Lübeck ging der Zug nach Kronstadt. Nach Petersburg ging der weitere Marsch. Aber nur ein ganz geringer Teil deutscher Handwerker wurde hier angesiedelt. Schon hier wurde der Glaube, daß die Siedler sich alle in bezug auf ihre weitere Tätigkeit frei entscheiden könnten, schwer enttäuscht: Man stellte sie einfach in den Dienst der Bodenkolonisation als Bauernkolonisten. An die südliche Wolga wurden sie gebracht, und hier ihrem weiteren Schicksal überlassen, gleichgültig, ob sie Bauern, Handwerker, Soldaten oder Gelehrte waren. Sie mußten Bauernkolonisten werden. Im furchtbarsten Kampfe gegen Klima, Entbehrungen und allerlei sonstige Widerwärtigkeiten haben sie sich dennoch durchgesetzt und ihre Kolonien zu Musterdörfern gemacht. In den Jahren 1788 bis 1790 ließen sich westpreußische Mendiese Ansiedler festgehalten und ein seltenes Beispiel von Heimattreue gegeben. Der Hauptstrom der deutschen Kolonisten, die Alexander I. durch ein 1804 erlassenes Manifest mit den gleichen Versprechungen wie seine Vorgängerin ins Wolgagebiet lockte, kam in den Jahren 1804 bis 1820 auf dem Wege über Oesterreich. Ungarn und Polen. In den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgte dann noch weiterer Nachschub. Der letzte Zug traf 1859 im Schwarzmeergebiet ein. Nicht weniger als 209 Kolonien mit 126 000 deutschen Kolonisten hat die russische Regierung hier angesiedelt. Schon der Wanderungsweg zeigt, daß diese Ansiedler sämtlich aus Süddeutschland stammten. Auch die Namen ihrer Kolonien— Durlach, Straßburg Karlsruhe, Mannheim, Darmstadt u. a.— lassen diese Herkunft erkennen. Denn da das Land nur ein=, höchstens zweimal in der Erbfolge geteilt werden durfte, zogen Nachkommen der Siedler nach Taurien, der Halbinsel Krim, Bessarabien und ins Dongebiet und gründeten hier in 20 Jahren nicht weniger als 111 neue deutsche Kolonien. Nach dem Jahre 1905 sehen wir Söhne dieser Deutschen aus dem Schwarzmeergebiet sich in Sibirien ansiedeln. Ein außerordentlich starker Wander= und Selbständigkeitstrieb zeigt sich hier, aber auch eine Arbeitskraft, die darin ihre besondere Bestätigung findet, daß bis zum Jahre 1914 die Zahl der deutschen Kolonien im Geviete des Schwarzen Meeres auf 1077 gewachsen ist. Alle waren musterhaft verwaltet. Nicht viel anders entwickelten sich die Deutschrussen in Wolhynien. Dorthin waren Deutsche vor etwa 100 Jahren ausgewandert. Ein weiterer großer Zug war ihnen zur Zeit des polnischen Aufstandes gefolgt, als die Deutschen in Polen mißliebig geworden waren. So erfolgreich war die deutsche Arbeit gegen den Urwald, daß bei Ausbruch des Weltkrieges nicht weniger als 250000 Hektar fruchtbarsten Landes in deutschen Händen waren. Aus der Ukraine wurden im Jahre 1915 auf Befehl der russischen Regierung alle deutschen Kolonisten nach Sibirien verschickt. Die Ukraine lag unmittelbar hinter der russischen Front, und die russische Regierung fürchtete von den Deutschrussen eine Gefährdung dieser Front. Als nach dem Sturze des Zaren die Genehmigung zur Rückwanderung gegeben wurde und Scharen sich in die alte ukrainische Heimat aufmachten, wurde der größte Teil von Hunger, Krankheit und Tod dahingerafft. Die Ueberlebenden, denen es gelang, in die Heimat zurückzukehren, fanden ihre alten Wohnstätten völlig verwahrlost vor, da sowohl Russen wie Ruthenen sie in unglaublichster Weise verwüstet hatten. Wenn es ihnen trotzdem gelang, den früheren Wohlstand wenigstens teilweise wiederherzustellen, so lag das mit daran, daß die Ukrainische Republik ihnen die alte kulturelle Freiheit zusicherte. Auch diese ist heute offenbar gänzlich zerstört worden. Schreckensherrschaft und Gewalttätigkeiten haben den neuen Wanderzug in Bewegung gesetzt. Wer weiß, wo und wie diese deutschen Menschen alle enden werden! Dr Karl Müller. Vottngerkus Jtrrogon. Der Dank des Taterlandes England war in diesen Tagen Zeuge einer eigenartigen Ehrung der anerkannt tapfersten seiner Soldaten des Weltkrieges. Der Prinz von Wales(der englische Thronfolger) hatte den Gedanken gehabt, alle Träger des Viktoria=Kreuzes(des britischen „Pour le mérite") zu einem Bankett nach London zu laden, und die Zeitungen waren wochenlang voll von Erinnerungen aus der Kriegszeit und von biographischen Notizen über die Träger dieser höchsten britischen Kriegsauszeichnung. Beim Bankett saß zur Rechten des britischen Thronerben ein Taxichauffeur, der sich als Sergeant das Viktoria=Kreuz erworben hatte. Der Prinz selbst hielt bei dieser Gelegenheit— zu seiner Ehre sei es gesagt— nicht eine säbelrasselnde, imperialistische, sondern eine beinahe pazifistische Rede. Auch seine Zuhörer schwelgten nicht in der Gloriole eines verwelkten Heldentums, sondern sie begleiteten den einen Satz des Prinzen von Wales mit demonstrativem Beifall, aus dem ein„Nie wieder Krieg!" unverkennbar herausklang. Die Zeitungen berichteten von dem königlichen Glanz, der dies Bankett in der Galerie des Oberhauses umgab: von den glücklichen Gesichtern der Geladenen, von der demokratischen Atmosphäre, die Generäle und Handarbeiter zu Tischnachbarschaft vereinte. Aber sie schwiegen taktvoll von den grauenhaften Hintergründen, die sich den Veranstaltern dieses Banketts eröffnet hatten, als man daran gegangen war, nach den rund 450 überlebenden Trägern der höchsten Kriegsehrung Großbritanniens zu suchen. Es zeigte sich, daß Dutzende aus Armut und Not ihr Viktoria=Kreuz verkauft hatten, um sich und den Ihren den Hunger für ein paar Wochen vom Leibe zu halten. Es zeigte sich, daß Dutzende noiten im Wolgagebiete ansiedeln. Auch ihre Dorfgemeinschaften kein einziges anständiges Kleidungsstück besaßen, daß Dutzenden erst durch Organisationen die Summen für die Reise nach London zusammengebettelt werden mußten. Dreißig, vierzig dieser Männer, die im Kriege ihrer Nation als Muster selbstlosen gelangten nach den ersten Mißerfolgen— verursacht durch wilde Tiere, räuberische Völkerstämme, schwere Krankheiten— zu Wohlstand. Sitten, Sprachen, Gebräuche, Glauben der Heimat haben Heldentums, als der Inbegriff alles dessen gewiesen wurden, was an Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit im Menschen schlummert, mußten ein paar Schillinge Almosen annehmen, weil sie nach dem Kriege vergessen waren. Am erschütterndsten jedoch ist vielleicht das Schicksal jenes Trägers des Viktoria=Kreuzes, dem freundliche Hilfe die Fahrt zum Bankett nach London ermöglicht hatte, und der bei seiner Ankunft gestehen mußte, daß er seit Jahren vergeblich von Arbeitsvermittlung zu Arbeitsvermittlung gewandert sei, unfähig, auch nur die geringste Beschäftigung zu finden. Dieser Bedauernswerte teilt sein Los mit Hunderttausenden von Kriegsteilnehmern in allen Ländern. Die rerkannten Senderöhren Eine Reihe amerikanischer und europäischer KurzwellenAmateure verfolgte seit einiger Zeit unter dem Rufzeichen PM3. die höchst interessanten Mitteilungen, die eine amerikanische Forschungsexpedition aus unbekannten Teilen der niederländischen Insel Vorneo mittels eines Kurzwellenapparates aussandte. Mit einem Male jedoch blieben aber die Nachrichten aus, und man befürchtete schon, daß die Teilnehmer verunglückt wären. Vierzehn Tage später jedoch meldete sich der Sender wieder. Wie aus den neuerlich verbreiteten Nachrichten hervorgeht, hatten Eingeborene nachts die Senderöhren gestohlen, weil sie ihnen eine besondere Heilkraft zuschrieben. Infolgedessen mußte der Expeditionsleiter nach einem unterwegs eingerichteten Stützpunkte zurückkehren, wo man einen Reservesender zurückgelassen hatte. Ohne diese Vorsichtsmaßregel hätte man erst viele Wochen später die Welt benachrichtigen können. 71] Roman von P. C. Wren Copyright by Th. Knau: Nacht Berlin W# Nun gut— ich hatte jedenfalls mein Bestes getan, um ihn und seine Trupe zu warnen!... Er konnte doch kaum meine Schüsse, die in seiner unmittelbarsten Nähe aufgeschlagen haben mußten, als zu seiner Begrüßung abgegebene Freudenschüsse angesehen haben? Rund um die Mauern ritt er und starrte zu den toten Verteidigern hinauf. Die Käppis warfen tiese Schatten auf die Gesichter der Verteidiger— es war von unten sicher nicht zu bemerken, daß sie waren. Was haten die Araber vor?... Warteten sie, bis ihm seine Truppe nachkam, um dann alle auf einmal in der Falle zu haben? Sollte ich ihn noch einmal warnen? Das hätte den Arabern oder den Franzosen leicht verraten können, wo ich mich befand.... Und während ich noch unschlüssig war, ob ich nicht doch noch durch einen Schuß warnen sollte, sah ich, daß es nicht mehr nötig war— die französische Entsatztruppe rückte langsam in Schwarmlinie und unter Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen vor. Einige Minuten später hörte ich den Trompeter vor dem Fort Signale blasen.... Ich konnte mir die Verwunderung des Offiziers denken, der vor den geschlossenen Toren vergeblich darauf wartete, daß sie sich öffneten, während die Toten ihn anstarrten und alles stillblieb. Von den Arabern war weit und breit nichts zu sehen, so daß ich zu der Ueberzeugung kam, sie wären von der heranrückenden Truppe verscheucht worden. Vielleicht aber hatte sie die scheinbare Unbezwinglichkeit des Forts schon nachts bei Mondaufgang zur Aufgabe der Belagerung bewogen.... Der Offizier, sein Unteroffizier, der Trompeter und ein vierter Mann standen ungefähr dreihundert Meter von mir entfernt in einer kleinen Gruppe unter der Mauer.... Es schien, daß sich der vierte Mann weigerte, das Fort zu erklettern. Es wurde gestikuliert, der Offizier zog seinen Revolver und richtete ihn auf den Mann, der seinen Kopf geschüttelt hatte, als der Offizier zur Mauer hinaufgedeutet hatte. Ou Trompater sprang vom Rüicken seings Kamels gegen eine vorspringende Röhre, an der er sich emporzog, um dann durch eine Schießscharte auf das Dach des Forts zu klettern. Ich erwartete, daß er gleich darauf das Tor von innen öffnen und die anderen einlassen würde. Er kam aber nicht wieder zum Vorschein. Und ungefähr nach einer Viertelstunde kletterte der Offizier selber auf die gleiche Art wie der Trompeter ins Fort. Wieder erwartete ich, das Tor würde gleich geöffnet werden, aber nichts dergleichen geschah. Es war still und blieb still. Die Minuten verstrichen unendlich langsam und die Mannschaft der Entsatztruppe stand still wie Statuen und starrte auf das geheimnisvolle Fort. Plötzlich hörte ich den Offizier den Trompeter rufen, die Mannschaft draußen rückte in Angriffsformation auf das Fort zu, eine andere Abteilung der Entsatztruppe kam auf Maultieren an— die Tore wurden von innen geöffnet und der Offizier kam allein heraus. Er erteilte einige Befehle und betrat das Fort in Begleitung seines Unteroffiziers. Sonst ging niemand mit. Einige Minuten später kam der Unteroffizier aus dem Fort heraus, rief einen Sergeanten und sagte ihm etwas, das sich augenscheinlich auf das Kampieren der Truppe in der Dase bezog. Mir wurde klar, daß ich mich davonmachen mußte, denn bald würden in einem großen Umkreise Feldwachen aufgestellt werden und Patrouillen die Gegend abstreifen. Ich kroch, vom Sandhügel gedeckt, weiter, an den Sandwellen entlang, bis ich vom Fort so weit entfernt war, daß ich nicht förchten mußte, entdeckt zu werden Und während ich unklar an das mir bevorstehende Schicksal dachte, rief in mir eine Stimme klagend und mahnend:„Michael ist tot.... Michael ist tot....“ Trotz der schrecklichen Hitze und meines unsagbar elenden Gemütszustandes fiel ich in Schlaf, aus dem ich erst gegen Abend erwachte. Ich bemerkte, daß die nächste Feldwache sich ungefähr einen Kilometer von mir entfernt befand. Um in der Wüste vorwärts zu kommen, brauchte ich unbedingt ein Kamel. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zur Oase zu schleichen und dort eins zu stehlen.... Ich war schon ziemlich nahe an der Dase, da bemerkte ich plötzlich, daß Flammen aus dem Fort schlugen. Eo brannte mächtig. Das Feuer mußte augenscheinlich an mehreren Orten gleichzeitig mit Hilfe von Petroleum und anderen leicht brennbaren Stoffen gelegt worden lein. 1. Was hatte dies zu bedeuten? Das war doch sicher nicht auf Befehl des Offiziers geschehen?... Vielleicht hatte es irgendein abergläubischer Legionär, der allein im Fort als Wache zurückgelassen war, in Brand gesteckt? Jedenfalls schien der Brand meinem Vorhaben günstig zu sein. Denn während die Mannschaft sich mit dem Löschen beschäftigen würde, könnte ich leicht in der Dase zu einem Kamel gelangen. Während ich auf das Fort starrte, gewahrte ich auf dem Dach eine Bewegung. Bald darauf sah ich, wie ein Mann dasselbe tat, was ich vor kurzem getan hatte. Ich sah, wie er auf die Brüstung kroch, sein Gewehr hinunterwarf und dann sich selbst in den Sand fallen ließ. Wer konnte es sein? War es der Legionär, der das Fort Zinderneuf in Brand gesteckt hatte? Ohne daß ich ihn kannte, war er meiner Sympathien sicher und ich wollte ihm auch helfen, so gut ich konnte. Ich mußte ihn vor der Feldwache warnen, die ich gesehen hatte. Ich ging auf ihn zu.... Einige Minuten später sah er mich und legte sein Gewehr auf mich an. Augenscheinlich beabsichtigte er nicht, sich lebend fangen zu lassen— was durchaus verständlich war, nachdem er soeben eines der ausgezeichneten Forts der Madame la République angezündet hatte.... Ich zog etwas heraus, was einmal ein Taschentuch gewesen war, legte mein Gewehr beiseite und winkte ihm. Als ich auf ihn zukroch, bemerkte ich, daß er eine Trompete trug. Mir sträubten sich die Haare— vor mir stand der Geist oder der Astralleib meines Bruders, der völlig normal, lebendig und natürlich schien. Es war mein Bruder— mein Bruder Digby— Michaels Zwillingsbruder!... „Hallo, John.“ sagte Digby, als ich ihn mit offenem Munde ungläubig anstarrte.„Ich habe mir gleich gedacht, daß du dich hier irgendwo in der Umgebung herumtreiben wirst. Schauen wir, daß wir von hier wegkommen. Das Klima hier ist uns nicht zuträglich.“ Trotz seines unbekümmerten Auftretens sah er blaß und todkrank aus, seine Hände zitterten, sein Gesicht wirkte wie eine gespenstische, schmerzverzerrte Maske. „Verwundet?“ fragte ich, als ich den Zustand demerkte, in dem er sich befand. — nicht gerade körperlich..., aber ich habe soeben Michael ein Wikingerbegräbnis bereitet,“ erwiderte er und biß sich in die Lippe. Apnes, axwer Diobnl(Fartsetzung Der Iluch Ailahs Leprakranke in Allittelasien Die Teehäuser in Mittelasien stehen offen für Arm und Reich. Und doch gibt es eine beträchtliche Anzahl Unglücklicher, die es nicht wagen dürfen, ihre Schwelle zu betreten. Gleich Hunden werden sie fortgewiesen, wenn sie, in Lumpen gehüllt, das Gesicht wie mit Pergament überzogen, entstellt von ekelerregenden Flecken, mit vor Erniederung bebender Stimme um Tee bitten. So sehr werden sie geduckt, daß sie kein Wort der Entgegnung finden. Vernichtet und taumelnd schleppen sie sich weiter. Der Aussatz ist in Usbekistan und Tadschistan eine alltägliche Erscheinung. Nur im Wants'ch=Gebiet, im Bergland Badachschan und im Flußgebiet des Pendsels gibt es keine Aussätzigen. Dem Aussätzigen leuchtet kein Licht der Hoffnung. Kein„Zauberer“ wagt es,„Allahs Fluch“ entgegenzutreten. Er wüßte auch gar kein Mittel dagegen, ebenso wenig wie bis vor kurzem noch die mit allen Errungenschaften ausgerüstete medizinische Wissenschaft Europas. Der Aussätzige, der in den Machan Kischlak, den Verbannungsort der Aussätzigen, gerät, ist so gut wie lebendig begraben. Von dort gibt es keine Rückkehr. In Buchara lag der gesunden Bevölkerung die Sorge für die Aussätzigen ob. An der Grenze des Machan Kischlak werden Nahrung und Kleidung niedergelegt. Man rennt davon, so rasch einen die Füße tragen, und erst dann dürfen die Unglücklichen sich das Gebrachte holen. Doch nicht nur Aussätzige wurden in den Machan Kischlak verwiesen. Syphilis und ähnliche Krankheiten wurden mit Aussatz verwechselt, und die damit Behafteten in die Machan Kischlaks eingesperrt. Zur Zeit der Emire war es ein Leichtes, unliebsam gewordene Personen als„aussätzig“ dort zu verbannen. Die Basmatschi zerstörten vielfach die Siedlungen Mittelasiens. Die Bewohner zerstreuten sich, und die Aussätzigen standen vor der Notwendigkeit, selbst für ihren Unterhalt sorgen zu müssen. Da entflohen viele dem Machan Kischlak und überfluteten das Land. Nicht selten handelten sie mit Süßigkeiten und Backwerk auf den Märkten der Städte! Die Zahl der Aussätzigen in Mittelasien festzustellen, ist bisher unmöglich. Die quellenmäßige Angabe von 12000 trifft lange nicht die Wahrheit. Gegenwärtig ist das Usbekistansche Institut für tropische Medizin damit beschäftigt, in Usbekistan an der mittelasiatischen Eisenbahnlinie das erste Lepraheim zu errichten. Die sich verborgen haltenden Aussätzigen werden von medizinischen Expeditionen aufgestöbert. Damit hat auch die Hoffnungslosigkeit der Machan Kischlaks ein Ende: den ausgestoßenen Parias soll Heilung zuteil werden. Mit den neuesten Errungenschaften der Wissenschaft und Technik soll das Leprainstitut in Usbekistan ausgerüstet werden. Der Verbreitung des Aussatzes in Mittelasien wird hier ohne Zweifel ein Damm errichtet. Der„Fluch Allahs" wird endlich der exakten Wissenschaft weichen müssen. Jabrikspeisung Vorschläge eines Gewerbearates Auf der Jahreshauptversammlung der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygiene wurde sehr eingehend das Thema der Fabrikspeisung erörtert. Besonders interessant war das Referat eines Facharztes, des Gewerbemedizinalrats Dr. Gerbis. Dr. Gerbis wies darauf hin, daß es wichtig sei, mittags dem Arbeiter eine warme Mahlzeit zu bieten. Doch kann sich der Nutzen für den Körper nur dann entfalten, wenn der Nahrungsaufnahme eine angemessene Ruhepause folgt. Deshalb muß die Mittagszeit für den Arbeiter, der die Mahlzeit in der Fabrik einnimmt, mindestens eine Stunde betragen. Muß der Arbeiter dagegen zur Einnahme der Mahlzeit einen größeren Weg zurücklegen, so braucht er auch eine längere Mittagspause. Die vielfach üblichen kurzen Mittagspausen bedeuten einen Raubbau an der Kraft. Gerade deshalb ist aber die Fabrikspeisung so wichtig, weil sie den begreiflichen Wunsch des Arbeiters nach einer kurzen Mittagspause noch am weitestgehenden befriedigen kann, ohne daß er die so wichtige warme Mahlzeit entbehren muß. Dr. Gerbis ging in seinen Forderungen nach Fabrikspeisung sogar noch weiter. Er betonte, daß bei den weiten Wegen, die die Arbeiter häufig bis zur Fabrik zurückzulegen haben, viele mit leerem Magen morgens zur Fabrik kommen. Deshalb hält er es in vielen Fällen für geboten, bereits in der Frühpause eine warme Suppe zu verabreichen. Die Speiseräume sollen freundlich, sauber und behaglich sein und dem Arbeiter nicht nur die Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme geben, sondern ihm wirklich eine Stunde der Entspannung bieten. Tirölfjährige Mlüller Die Oberin einer Entbindungsanstalt in der englischen Stadt Cardiff, die ausschließlich ledige Mütter aufnimmt, erklärte dieser Tage, daß sie innerhalb kurzer Zeit acht etwa zwölfjährigen Mädchen die Aufnahme wegen Platzmangels verweigern mußte. Alle diese Kinder, die aus nach England verzogenen indischen Familien stammen, befanden sich schon im letzten Stadium ihrer Schwangerschaft. Die frühreifen Mädchen wohnten sämtlich im Hafenviertel der Stadt, im dem sich alle Rassen mischen und die Wohnungsverhältnisse jeder Kultur spotten. Abergläubische Jurcht Dr. Herta Böning(Oldenburg) teilt von ihren Erfahrungen aus der Müttersprechstunde ein Erlebnis mit, das zeigt, wie tief noch albernster Aberglauben wurzelt. Eine Mutter kam verweint und tief unglücklich mit einem ganz gesunden Kinde in die Sprechstunde. Eine Nachbarin hatte ihr gesagt, das Kind würde kein Jahr alt werden, weil es die Augenzähne früher als die anderen Zähne bekommen hätte. Solche Kinder müften vor dem 12 Monat ihres ersten Lebensjahres sterben. Der Aerztin gelang es nur schwer, die ängstliche Mutter zu beruhigen. Die größte Blume Die auf der Insel Sumatra vorkommende Rafflesia Arnoldi ist die größte aller bekannten Blumen. Sie ist veilchenlau, hat einen Durchmesser von einem Meter und wiegt etwa 5 Pfund DiO Seitattypfetermt Als Merlinde Reimers mit der verärgerten Geste der an Bewunderung gewöhnten Frau den Chauffeur ablohnt, ist es drei Viertelstunden nach Beginn der Vorstellung. Der zweite Akt hat begonnen; fünf Auftritte sind versäumt Unschlüssig steht sie eine Minute am Portal und atmet die Erinnerung dieses Tages draußen vor der Stadt. Sie hatte sich verspätet. Fern verschwand das Licht ihres Zuges, der nächste ging erst Stunden später, gegen Mitternacht. Im Gasthof konnte man ein Mietauto bekommen. Der Chauffeur ist gerast. Was half es? Träumerei muß man mit Zeit bezahlen, und Zeit bedeutet Theaterbeginn! Die Schauspielerin Merlinde Reimers löst sich an der Kasse des Theaters, an dem sie fast allabendlich auftritt, eine Karte. Der Kassierer gibt ihr das Billett gleichgültig. So weit reicht nicht einmal mein Ruhm, denkt die Frau und lächelt ein wenig müde. Der Mann hier ist so fest in seine Pflichten eingeklemmt, daß er vom Theater nur Preise und Sitze kennt! Sie tritt in den Zuschauerraum voll atemlos gebannter Menschen und schlängelt sich an ihren Platz. In diesem Augenblick beginnt für die Schauspielerin Merlinde Reimers das große Erlebnis: gespien wird gerade der Auftritt, der das Höchste von der Schauspielerin fordert. Merlinde kennt jedes Wort, jede Geste, jedes Trippeln der Füße. Sie kennt jeden Augenaufschlag... und nun wird alles gespielt von einem kleinen Mädchen, das man aus Verzweiflung und Verwunderung schnell an den Platz der ohne Nachricht ausgebliebenen ersten Liebhaberin rückte, weil sie als einzige den Text kannte. Dieses halbe Kind beherrscht nicht nur die Rolle. ihre junge Stimme umschließt alle Modulationen des gespielten Gefühls, die Hände sind zauberhaft in der Ausdrucksfähigkeit, und die Augen— ferne Vergangenheit, zu neuem, übersteigertem Leben erweckt. Das Haus rast, als der Vorhang fällt. Ein wenig bleich sitzt die Schauspielerin Merlinde Reimers im Plüschsessel, erschüttert und durchwühlt. Fern, irgendwo, ist ein Sommertag in unverständlicher Laune versunken. Eine teilnehmende Stimme fragt:„Ist Ihnen nicht wohl, gnädige Frau?“ Merlinde grübelt über die Eigenheit im Tonfall seiner Worte nach. Da ist irgendetwas vom Schicksal Perschüttetes, das sie vertraus berührt und schmerzt... Wie von selbst entwickelt sich ein Gespräch über die neue Darstellerin, die den Zuschauer bezauberte. Und doch, so sagt er, ist er enttäuscht. Der Zufall habe ihn für zwei Tage in die Stadt geführt. Er wollte Merlinde Reimers sehen. Merlinde Reimers, das sagt er mit einer Betonung, als hänge sein Leben davon ab. Sie ist sehr abgespannt und läßt es geschehen, daß ihr jugendlicher Nachbar sich ihrer annimmt. Sie will das Portal verlassen, um in eine Taxe zu steigen. Der Herr hält vorsorglich ihren Arm... da erkennt der Theaterportier sie und sagt laut und erstaunt:„Guten Abend, Frau Reimers...“ Nun stellt sich ihr Begleiter vor. Merlinde Reimers hört jenen Namen, den sie selber einige Jahre lang getragen hat. Zwei Jahre war ihr Kind alt als sie das Haus verließ und wieder zur Bühne ging. Das ist jetzt fünfzehn Jahre her. Und das also ist ihr Sohn... Sie möchte etwas sagen, erklären. Die Erschütterung raubt ihr die Sprache Sie läßt sich willenlos in das Auto setzen. Aber als ihr Sohn mit einsteigen will, winkt sie ab. Sie muß jetzt allein sein „Morgen,“ sagt sie,„morgen nach der Vorstellung.“ Morgen, denkt sie, während der Wagen sich in Bewegung setzt, morgen muß es sich entscheiden, ob ich mir meinen Sohn wiedergewinnen kann. „Mein Kind... mein Sohn,“ sagt sie immer wieder leise und zärtlich vor sich hin, bis sie sich plötzlich dabei ertappt, daß ihre Gedanken ganz wo anders sind, bei der Rolle, die sie morgen spielen muß. Da lächelt sie ein wenig traurig und glücklich zugleich. Sie weiß, sie ist mit ihrer Seele an das Theater gekettet und kann von ihm nie loskommen. Wird ihr Sohn das verstehen? Sie muß ihn überzeugen, morgen, wenn sie auf der Bühne steht. Sie wird spielen wie nie zuvor. Es wird ein wunderbarer Abend werden, fur das Publikum, für sie... Merlinde ist nun ganz getröstet. Sie ist fest davon überzeugt: ihr Sohn wird sie lieben; er wird stolz auf seine Mutter sein. Rygiene in vergangener Zeit Ein unsauberes Rapitel Das Lebensalter der Menschen in den letzten Jahrhunderten ist im Durchschnitt um Jahrzehnte verlängert worden. Viele ineinandergreifende Faktoren haben zu diesem Ergebnis beigetragen. Besonders wichtig war die Erkenntnis, daß der Schmutz Erreger und Ueberträger von Krankheiten und Seuchen ist. Als im 14. Jahrhundert die Pest in Köln Tausende dahinraffte, schlug man die Juden tot oder verjagte sie, weil man ihnen die Schuld am Ausbruch dieser furchtbaren Seuche aufbürdete. Aber nicht die Juden trugen die Schuld an der Pest. Das Fehlen aller sanitaren Einrichtungen, vor allem der Kanalisation, die den Unrat von Mensch und Tier unschädlich macht, war die Ursache. Wie ahnungslos man früher den sanitären Maßnahmen gegenüberstand, die heute als selbstverständlich betrachtet werden. beweist die Tatsache, daß man noch vor etwa 150 Jahren selbst in den europäischen Großstädten Klosetts, die in Häusern eingebaut waren, kaum kannte, geschweige denn öffentliche Bedürfnisanstalten. Der Kot wurde in der Wohnung in Gefäße entleert, die man unbekümmert in die Gosse schüttete Draußen wurde die Notdurft in Winkeln verrichtet. Allerdings hat man bei Ausgrabungen in Pompeji und anderen römischen Städten festgestellt, daß die Römer, die ja auch eine große Anzahl öffentlicher Bäder gebaut haben, bereits Hausklosetts mit Wasserspülung kannten, die freilich nur in den Wohnungen der Vornehmsten angebracht waren Auch eine Art öffentlicher Bedürfnisanstalten— in Form aufgestellter Töpse— war vorhanden, die jedoch wohl hauptsächlich deshalb in den Straßen zur Benutzung standen, um den Urin zu sammeln, der, wenn er in Fäulnis übergegangen war, beim Waschen der Kleider die damals noch unbekannte Seife ersetzen mußte. Diese Urinsammlung war zugleich eine Finanzquelle für die römischen Machthaber, die das Abholen des Urins mit einer Steuer belegten. Die alten Römer hatten auch bereits eine gut eingebaute unterirdische Kanalisation, die freilich mit den Bürgerhäusern direkt nicht verbunden war. Immerhin trug die Kanalisation viel zur Reinhaltung von Straßen und Plätzen bei. Auch die Juden besaßen in ihrer Heimat zweifellos schon öffentliche Bedürfnisanstalten, wie aus einer Stelle im Talmud hervorgeht bei der genaue Vorschriften für die Benutzung der Anstalten gegeben werden, vor deren Betreten man den Gebetsriemen ablegen soll. Daß auch die alten Griechen schon Klosetts und öffentliche Bedürfnisanstalten kannten, läßt sich angesichts threr hohen Kultur nur vermuten. Heute wird man in den kleinen Orten Südeuropas vielfach vergeblich nach einem Abtritt suchen. Das Bedürfnis wird verrichtet, wo es gerade paßt. Noch während des Weltkrieges haben die deutschen Soldaten in manchen Gegenden ähnliche Zustände vorgefunden. So mußte einmal bei einer Einquartierung auf dem Gut einer polnischen Gräfin zunächst im Garten des Besitztums eine Latrine errichtet werden, weil im ganzen Gebäude kein Abort vorhanden war. Der Einbau eines Klosetts war vom Baumeister des schloßähnlichen Gebäudes nicht etwa vergessen worden. Aber ein Abtritt hatte eben als überflüssiger Luxus gegolten. Dieser Meinung waren auch die Bewohner der alten Ritterburgen, die die Fäkalien einfach von einem vorspringenden Erker der Burg in die Tiefe fallen ließen. Hier waren auch die Senkgruben überflüssig, die sonst gewöhnlich im Keller(!) angebracht waren. Aus der Zeit des mittelalterlichen Kaisers Friedrich l. wird berichtet, daß auf dem Schlosse zu Erfurt über hundert Fürsten, Reichsgrafen und Ritter in eine Kloake elend erstickten, als der Kaiser in dem Saale, der sich über der Senkgrube befand, einen Reichstag abhielt und dabei das Gebälk des Saales brach, so daß die ganze Gesellschaft in die seit Menschen gedenken nicht mehr geleerte Grube stürzte. Von der Reinlichkeit mittelalterlicher Städte bekommt man einen Begriff, wenn man liest, daß Pferde und Wagen im Kot stecke blieben und Kaiser Friedrich III. in der freien Reichsstadt Reut lingen, als er einmal auf der Straße stürzte, um ein Haar i. Kot erstickt wäre. Noch in der Mitte des 19 Jahrhunderts wurden in Wiena Ersatz für öffentliche Bedürfnisanstalten an den Straßenkreuzung Holzbutten aufgestellt, in die jedermann für 2 Kreuzer seine Notdi. verrichten konnte. Der Mann, der bei diesen Butten als Wächt postiert war, lieh den die Erleichterung Suchenden einen weit Mantel, in den diese sich einhüllten, wenn sie sich in der nächsten T nische auf die Butte setzten. Männer und Frauen bekamen noch: Jahre 1849 von der Polizei die Konzession zu dem einträglichen&a werbe des Buttenhaltens. Wenn das Geschäft an einer Straßene## nicht besonders florierte, so gingen die Buttenhalter mit ihren Butt „ins Volk“. indem sie die Passanten aufforderten, doch einmal„m auf die Seite zu gehen“. Noch unzählige Beispiele könnten angeführt werden, die beweisen daß man sich vor hundert und einigen Jahren über die Verrichtun der Notdurft keine besonderen Gedanken gemacht hat. Die Chron berichtet, daß die Bürger Wiens unter der Herrschaft Friedrichs II1 ihren Kot mit Vorliebe in den Burggraben des kaiserlichen Schlosse entleerten, um dem Kaiser— ihr Hinterteil zu zeigen Sie berichte auch, daß die Fäkalien in die Gosse, in den Dorfbach, in Wassergräben oder in den Fluß geschüttet wurden. Was für verheerende gesundheitliche Folgen diese Nachlässigkeit zeitigen mußte, hat man erst spät erkannt. Leider noch nicht allgemein. Wo aber diese Erkenntnis noch fehlt, wo Unsauberkeit die Gesundheit vieler Menschen gefährdet da greift heute in allen Kulturstaaten die öffentliche sanitäre Fürsorge energisch ein. Andreas Strovinski.