Nr. 65. Witten, Dienstag, den 17 März. 1896. Erscheint wöchentlich sechs Mal. Anzeigen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. Fernsprech=Nr. 46(Amt Witten). Ferger sUr Witten und Aigegent Abonnementspreis(tel. der Beilage „Märkisches Heim"): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pf. bei Bestellung durch die Boten#. Bei Abnahme auf der Post 2 Mark ausschl. Bestellgeld. Deutscher Reichstag. 59. Sitzung vom 13. März Das Haus tritt in die zweite Beratung des Kolonial=Etats ein. Die Budget=Kommission beantragt hierzu die nachfolgende Resolution: Der Reichstag wolle beschließen: 1) den Reichskanzler zu ersuchen, alsbald und möglichst noch in dieser Session eine Gesetzesvorlage zu machen, welche die strafrechtliche Verfolgung des Mißbrauchs der Amtsgewalt in den Schutzgebieten außer Zweifel stellt. 2) Die verbündeten Regierungen um einen Gesetzentwurf zu ersuchen, betreffend die Regelung der Militärdienstpflicht in den Schutzgebieten. 3) Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, bei dieser Regelung der Wehrpflicht die dort thätigen Missionare während ihrer in einer deutschen Missionsanstalt erfolgenden Vorbereitung auf den Missionsdienst in den Schutzgebieten, sowie für die Dauer ihrer dortigen Thätigkeit von der aktiven Dienstpflicht und den militärischen Uebungen zu befreien. Referent der Budget=Kommission, Abg. Prinz Arenberg, legt dar, welche Differenzen in Kamerun zwischen Schutz= und Polizeitruppen sich bei den Verhandlungen in der Kommission ergeben haben, und welche Kostenunterschiede zwischen den Schutztruppen in Togo einerseits und Kamerun und Ostafrika andeterseits. Der Hauptunterschied liege an dem System, dem Schutztruppengesetze, und hier müsse deshalb eine anderweite gesetzliche Regelung eintreten. Die Kommission habe sich ferner mit dem Fall Wehlan und dem gegen diesen Beamten gefällten Urteil befaßt. Wehlan habe Verdachtsstrafen verhängt und Hinrichtungen in geradezu grausamer Weise vollziehen lassen. Er sei deshalb nur zu 500 Mark und zur Versetzung in eine gleichartige Stellung verurteilt worden. Diese milde Strafe, und daß eine härtere Strafe überhaupt, resp. ein Vorgehen wegen Verbrechen im Amt nicht habe erfolgen können, das habe allgemein noch vielmehr Aufsehen erregt, als die Veraehen selber. Deshalb beantrage die Kommission die erste Resolution. Abg. Schall(kons.) will nochmals seine sittliche Entrüstung über den Fall Wehlan aussprechen. Wie sei es möglich, daß ein hoher Kolonialbeamter sich solcher Unmenschlichkeiten gegen unsere schwarzen Mitbrüder habe zu Schulden kommen lassen können. Noch ein anderer Fall habe die Gemüter erregt, der Fall Peters. Wenn auch nur ein Teil des ihm Nachgesagten richtig sei, daß er sich nach muhamedanischer Sitte habe trauen lassen, so rechtfertige das doch die höchste sittliche Entrüstung! Redner bittet die Kolonialverwaltung künftig noch mehr, als bisher, vorsichtig in der Wahl ihrer Beamten zu sein. Die Verwaltung habe viel zu lange solche Dinge mit angesehen. Auch dem Handel mit Branntwein nach Afrika möge dieselbe energischer entgegenireten. Seien doch in Kamerun, mit einer Bevölkerung von 100 000 Köpfen in einem Jahre für 5 Millionen Mark Branntwein eingeführt. Dieser Branntweinhandel zivilisierter Nationen stehe auf einer Stufe mit dem längst verurteilten Menschenhandel. Fragen müsse er ferner die Regierung, ob die Nachricht zutreffend sei von einer Anstellung dreier muhamedanischer Lehrer in einer Schule in Ostafrika. Direktor im Auswältigen Amt Dr. Kayser: In bezug auf die Würdigung des Missionswerkes in Afrika steht die Reichsregierung ganz und gar auf dem Standpunkt des Vorredners. Ich leugne nicht, daß in den letzten Jahren in Afrika zwei bedenkliche Fälle mit Beamten vorgekommen sind. Der Fall Leist ist erledigt. Der Fall Wehlan schwebt noch. Das Auswärtige Amt hat alles gethan, um Wehlan nicht nur disziplinarisch, sondern auch strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Aber Staatsanwalt und Justizminister haben es auch nach nochmaliger Erwäzung für unmöglich gehalten, mit einer Anklage vorzugehen. Redner faßt nochmals die formalen Gründe hierfür zusammen. Die Kommission hat nun deshalb eine gesetzliche Regelung vorgeschlagen. Einer solchen bedarf es aber nicht, es genügt eine kaiserliche Verordnung. Und um den Wünschen des Reichstages entgegen zu kommen, ist deshalb auch bereits die Verfügung vom 25. Februar ergangen, daß im Ermittelungsverfahren 2c. nur die in Freinde. 43] Roman von Robert Kohlrausch. „Du hast gut reden, Du warst nicht dabei. Ich aber habe meine Freude dran. Er wurde so blaß und so grob, daß ich deutlich sah, er hatte eine Bärenangst. Er weiß es ja nicht, wie ungefährlich ich ihm bin,— habe ja niemals solch ein Schießgewehr in der Hand gehabt. Wenn ich auch auf ihn ziele, ich treffe höchstens eine Schwalbe, die hoch oben um irgend einen Kirchturm fliegt. Er aber hat vielleicht eine geübtere Hand, und wenn er mich ins Jenseits befördert, so nimmt er mir nur eine Mühe ab, die ich über kurz oder lang doch mir selbst hätte machen müssen. Ein schmerzlicher Ton war zuletzt in seine Worte gekommen, und er strich, ohne aufzublicken, langsam mit der Hand über den roten Plüsch der Tischdecke. Boysen war aufgestanden, als von Eva die Rede gewesen,— er ging wortlos im Zimmer auf und nieder. Da er noch immer schwieg, begann der andere von neuem. „Ja, was ich noch sagen wollte. Darin hat der Herr Klütz den richtigen Instinkt, daß für andere bei Saffi nichts mehr zu holen ist. Ich weiß das jetzt auch. Du hast das Unheil angerichtet, amico mio, ohne daß Du etwas dafür kannst, ich mache Dir keinen Vorwurf. Es giebt solche Sonntagskinder, denen die Liebe in vollen Opferschalen von allen Seiten zugetragen wird. Sie stehen da und riechen das süße Räucherwerk noch nicht einmal. Solch ein Sonntagskind bist Du, und mit göttlichem Gleichmut siehst Du zu, wie Herzen um Dich brechen— und Menschen um Dich sterben. Es ist doch nicht anders, und jetzt komme auch ich noch her und vermehre die Schar der Opfertiere und will mir einen glänzenden Abgang dadurch verschaffen, daß Du einmal von mir sagen mußt: Er ist für mich gestorben“. Boysen blieb vor ihm stehen und schüttelte mit wehmütigem Lächeln den Kopf. Das war nun seit gestern der zweite schon, der für ihn sterben wollte. War er wirklich so reich an Liebe? Dankbar empfand er, daß er es war. Sassi, der Freund und Eva,— denn auch sie gehörte ihm, das fühlte er; und schon die leise Hoffnung auf ihren Besitz beglückte ihn mehr, als die offen ihm dargebrachte Leidenschaft Saffi's. Es fuhr ihm durch den Sinn, wie wenig doch der Mensch eine Liebe empfindet, die er nicht erwidert. Er hört von ihr, er sieht sie sich offenbaren, aber alle Hingebung, alles Ringen, aller Kampf 8 Deutschland erlaubten prozessualischen Mittel Anwendung finden und Verdachtstrafen nicht verhängt werden dürfen. Ich glaube ferner, wir werden noch im Laufe dieses Sommers eine ausgiebige Regelung des Gerichtsverfahrens in den Kolonien nachfolgen lassen können. Leist und Wehlan waren übrigens schon vorher im Auswärtigen Amt beschäftigt, und man konnte sich von ihnen dergleichen nicht versehen. In das Herz hinein können wir natürlich niemandem schauen. Herr Dr. Passarge, von dessen Vorwürfen der Redner sprach, steht in gar keinen amtlichen Beziehungen zu uns. Ich habe demselben auch gar kein Hehl daraus gemacht, daß die betr. Bemerkungen in seinem Buche unangemessen waren. Von einer angeblichen Unterstützung des Muhamedanismus unsererseits kann gar keine Rede sein. Wären wir so verblendet, so würden wir uns selber schaden, denn der Muhamedanismus ist unser Feind. Was die betr. muhamedanischen Lehrer angeht, so haben wir die betr. Fragen dem Kolonialrat vorgelegt und der hat die Etatsposition nach Anhörung zweier Missionare, die sich ebenso darüber äußerten, wie Herr Schall, gestrichen. Mit der Eindämmung der Branntweinpest haben wir schon gute Erfolge erzielt. Ehe wir nach Kamerun und Togo kamen, war der Branntweinhandel noch viel schwungvoller, als heute. Redner verbreitet sich hierüber ausführlich und stellt fest, daß der Spirituosen=Export von Hamburg nach Kamerun von zirka 7½ Millionen Mark im Jahre 1890 auf 4¾ Millionen im Jahre 1894 gefollen sei. Und in diesem Betrage stecke auch der Wert an Fässern, Gläsern, der nicht unbedeutend sei, weil die Neger sehr auf die Außenseite sehen. Immerhin müssen wir uns gegenwärtig halten, daß die Zeit der Träumereien vorüber sei, und wir nicht kosmopolitischen Idealen nachjagen dürsten, falls wir nicht wollten, daß uns andere Nationen das Brot nehmen. Abg. Barth(freis.) warnt vor übergroßem Eifer in der Kolonialpolitik. Das Schicksal der Iraliener in ihrer Kolonie Eritrea sollte uns abschrecken. Auch muß in der Verwaltung unserer Kolonien die Schneidigkeit der Beamten aufhören, man darf dorthin nicht zu junge, unerfahrene Beamten schicken, wie jetzt auch wieder nach Kamerun. Direktor Kayser bestreitet, daß der mit dieser Bemerkung gemeinte Herr von Kramsta, Nachfolger des Herrn von Stetten, unerfahren sei, und bemeikt dann noch infolge einer Anregung des Vorredners, es werde in Kamerun die Errichtung eines Sanatoriums erwogen. Abg. Bebel(Soz.): Je länger wir die Kolonien haben, desto ungünstigere Erfahrungen machen wir mit ihnen, deno schlechter rentieren sie, destomehr werden sie für uns zum Schmerzenskind. Die Kolonialpolitik ist überall mit Thränen und Blut geschrieben. Auch Ehre haben wir von unseren Kolonien nicht, die für uns nur ein Faß ohne Boden sind. Was unsere dortigen Beamten betrifft, so müßten wir uns vor aller Welt schämen, wenn sie alle wären wie Leist und Wehlan. Schämen müssen wir uns freilich jetzt schon. Redner erklärt dann, er müsse einen bestimmten Fall hier vorbringen, noch ehe Witu englisch wurde. Es handle sich um den bekannten Streit dortiger Ansiedler, Töppen, Kürgel und anderer mit dem Sultan von Witu. Leutnant von Carnap, jetzt in Togo, habe neuerdings über diesen Streit Angaben gemacht, die den bisherigen ganz widersprechen. Ich frage nun: Hat unsere Regierung auf Grund dieser Angaben Untersuchungen angestellt? Unbegreiflich finde ich es ferner, daß Dr. Peters, der zum Landeshauptmann von Tanganika designiert ist, dies Amt hinterher nicht angetreten hat, heute 6000 Mark Pension erhält und seine freie Zeit für Flotten=Agitationen benützt. Wie hat man überhaupt einen solchen Mann zu einem solchen Posten berufen können? Hat doch Peters auf seiner Expedition für die Aufsuchung Emin Pascha's die Galla's beauftragt, Derserteure seiner eigenen Expedition niederzuschießen. Ist das christlich und menschlich! Im Gebiete der Mazakka hat Peters alle Dörfer niedergebrannt, die Leute von den Bäumen heruntergeschossen, ohne sich mit ihnen im Kriege zu befinden, noch dazu von hinten, wie die Spatzen von einem Baume. Das alles schreibt Peters selbst in seinem Buche. Da hört doch alles auf. Ermattete Leute, die lange in seinem Dienste gestanden, bewegen ihn nicht so sehr, wie ein freundliches Lächeln oder ein versagter Blick do, wo er liebt. Er egte dem Freunde die Hände auf die Schultern und sah ihm in die Augen.„Du meinst es gut, und ich bin Dir dankbar“, sagte er.„Aber dieser Unsinn darf nicht zur That werden. Dazu ist Dein Leben zu aut und mir zu lieb, als daß Du es solchem Halbverrückten vor die Füße werfen dürftest. Sieh zu, daß die Sache beigelegt wird; wenn er feige ist, wie Du meinst, wird es sich machen lassen, ohne daß Du Dir etwas vergiebst. Und wenn es sein muß, werde ich selbst ihn züchtigen für Beleidigungen, die mich angehen. Müßte ich heute nicht fort, so wäre die Sache rasch erledigt. Aber ich war schon entschlossen zur Fahrt, und der Brief heute Morgen von meiner Mutter, in dem sie von erneuter Krankheit spricht, treibt mich erst recht dazu. Sie schreibt nicht„Komm“, aber ich fühle, daß sie sich nach mir sehnt. In einer Stunde also geht es fort, Du aber schreib’ mir morgen gleich, wie die Sache steht. Ich weiß nicht, wie bald ich zurückkommen kann. Leg' die Geschichte bei und gieb mir Nachricht". „Letzteres soll geschehen, ersteres werde ich noch erwägen in meinem hochherzizen Gemüte. Und auch Du schreib' mir bald, von Dir und wie es Deiner Mutter geht. Diese ewigen Herzgeschichten sind doch ungemütlich“. „Mehr als das,— leider Gottes! Und nun will ich mich rüsten zur Fahrt“. Die Vorbereitungen zur Reise waren rasch getroffen, denn Boysen rechnete auf kurze Abwesenheit. Beim Einpacken siel ihm auch der Zeitel wieder in die Hand, den er am ersten Abend nach seiner Ankunft im Koffer gefunden. Nachdenklich betrachtete er ihn einen Augenblick und las noch einmal die seltsamen Worte:„Nun ist er doch nicht gegangen. Gott sei ihm gnädig!“ Dann steckte er das Papierstück zu sich, während der Inhalt der Worte, die er nicht zu deuten wußte, in seinem Geiste sich mit dem vermischte, was er am Abend zuvor gehört. Der Diener öffnete ihm den Schlag, als er in den Wagen stieg, und Boysen ließ ihm ein überreichliches Trinkgeld in die Hand gleiten, ohne sie dabei zu berühren. Es war ihm, als könne er sich loskaufen von der Schmach, daß er die Bedienung dieses Menschen hatte annehmen müssen, der ihn haßte, und den er verachtete. Es war seltsam warm geworden über Nacht; der lockere flockige Schnee des vergangenen Abends war der Vorbote des Regens gewesen, der nun in schweren, großen Tropfen niederfiel und das Weiß der Schneedecke in ein mattes, schmutziges Grau verwandelte. Ein trauriges Bild war hat Peters unterwegs im Stiche gelassen und dem Tode durch Raubtiere preisgegeben. Das ist nun ein Vertreter des Christentums.(Graf Arnim lacht.) Ja, da Sie dazu noch lachen können, so zeigen Sie nur, daß es in Deutschland Leute giebt, die ebenso denken, wie Dr. Peters. (Beifall links.) Vizepräsident Schmidt: Es ist auf der linken Seite des Hauses der Ruf„Frechheit“ gefallen. Ich weiß nicht, von wem, muß aber diesen Ruf ausdrücklich, als der Würde des Hauses nicht entsprechend, rügen! Abg. Bebel(fortfahrend): Auf dem Zuge nach dem Kilimandscharo ließ Peters ein eingeborenes Mädchen, das er mit seinen Zärtlichkeiten verfolgte, hängen, ebenso den Geliebten des Mädchens, einen Eingeberenen. Leutnant von Bronsart, der zuerst den Auftrag zum Hängen erhielt, verweigerte freilich die Ausführung, aber ein Lazarettgehilfe fand sich bereit. Der Bischof Tucker von Moschi lehnte deshalb später den Verkehr mit Peters, als mit einem Mörder ab. Und solch einen Menschen stellt unsere Kolonial= verwaltung an. Meine Zeugen für dies alles sind: Oskar Baumann, Leutnant Stuhlmann, der Bischof, Missionare, Leutnant Bronsart von Schellendorf und viele andere.(Die Redner mit Namen nennt) Dabei hat die Ermordung des Mädchens noch weitere schwere Folgen gehabt, denn ihr Bruder floh zu den Dschaaga's und bei diesen herrscht Blutrache. Es entstand der Krieg, in welchem die Offiziere von Bülow und Wolffram fielen. Was nun die Fälle Leist und Wehlan angeht, so ist allein schon das milde Urteil gegen Letzteren eine Schmach für Deutschland. Wie urteilt auch die Generalsynode über die schrecklichen sittlichen Zustände in den Kolonien, die der Reichsregierung freilich schon bekannt sein mußten. Redner geht dann noch näher auf den Fall Wehlan ein, an dem Urteil Kritik übend. Mein Verstand ist nicht fähig zu begreifen, daß man bei uns solche Elenden nicht soll fassen können. Wem fällt da nicht das Wort des Justizministers ein: Wenn zwei dasselbe thuen, ist es doch nicht dasselbe! Wenn unsere Kolonisation solche Früchte zeitigt, dann wollen wir lieber erst im eigenen Lande zivilisieren. Direktor Dr. Kayser: Das Strafgesetzbuch gilt für alle Europäer in den Kolonien, aber die Pfandweiber sind doch keine legale Einrichtung, so daß gegen Leist aus thatsächlichen Gründen nicht eingeschritten werden konnte. Wie das Auswärtige Amt über den Fall Wehlan denkt, ist ja doch bekannt. Das Urteil der Generalsynode hat sich auf die Kolonien überhaupt bezogen, nicht auf unsere Beamten. Im Falle Witu hat das Reich für die Hinterbliebenen der Ermordeten eine ausreichende Entschädigung durchgesetzt. Was Dr. Peters betrifft, so schicke ich voraus: Wenn man die Aftitareisenden länger kennn, so begreift man auch die Thaten der alten Entdecker. Diese Leute leben Jahre lang in der Wildnis und geraten dadurch zu ihren Landsleuten in gewissen Gegensatz. Auch Pizarro, Amerigo Vespucci, Cortez sollen brutale Grausamkeiten verübt haben. Wer hat da Recht? Drüben beurteilt man die Dinge anders, als bei uns, wo man sich nur auf's Kritisieren legt. Von Einem freilich hat Fürst Bismarck unter dem Beifall der ganzen Nation hier ausgesprochen, er sei ohne Schuld aus dem dunklen Erdteil zurückgekehrt. Das war Wißmann.(Großer Beifall.) Dr. Peters Fall am Kilimandschars ist untersucht, sein Verhalten aber nicht als schuldhaft befunden. Das Mädchen ist wegen wiederholten Fluchtversuchs hingerichtet.(Rufe links: Unerhört, Schandthaten!) Wir beklagen diese Thatsachen durchaus (Ruf: Sühnen Sie diesen Skandal doch!) Ja, wenn man das Interesse der Disziplin bedenkt, das subjektive Verschulden ist nicht nachgewiesen.(Große Unruhe links.) Ja, wenn uns Peters sagt, das mußte im Interesse der Disziplin geschehen, so können wir doch nicht das Gegenteil nachweisen. Seine Schuld ist jedenfalls nicht erwiesen. Redner verliest noch einen Erlaß des Reichskanzlers, in welchem den pflichttreuen Beamten Schutz zugesagt wird, sie aber ermahnt werden, sich allen Mißbrauchs der Amtsgewalt zu enthalten. Abg. Lieber(Ctr.) spricht seine Freude über diesen Erlaß aus, findet aber den Fall Peters sehr ernst. Peters sei nicht mit Cortez und Pizarro zu vergleichen, deshalb sei auch keine Kolonialpolitik begonnen, um deutsche Pizarro's zu züchten. Wenn Peters das Mädchen hängen ließ, zu dem er in intimen Beziehungen gestanden, so ist das die schimpflichste Gemeinheit.(Ruf: An den Galgen!) Solche Männer machen uns vor aller Welt verächtlich, so darf es nicht weiter gehen. Die Weiterberatung wird sodann vertagt. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. 42. Sitzung vom 13. März. Am Ministertische: Eisenbahnminister Thielen, Finanzminister Dr. Miquel und Kommissarien. Auf der Tagesordnung stehen die in zweiter Lesung noch unerledigten Reste des Etats. Der an die Kommission zurückgewiesene Einnahmetitel des Bau=Etats: Baupolizeigebühren 300000 Mark wird von dieser zur Genehmigung empfohlen, und zwar indem dabei die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Gebührentarife dem Landtage vorgelegt und Bauprojekte für einfache ländliche Gebäude einer technischen Vorvrüfung vor Erteilung der Baukonzession nicht unterworfen werden. Das Haus beschließt debattelos nach diesem Antrage. Es folgt die zweite Lesung des Nachtragsetats.(Einstellung einer vensionsfähigen Zulage von 4000 Mark für einen zweiten Direktor der Staatsarchive.) Die Budgetkommission beantragt Ablehnung des Nachtragsetats. Von den Abgg. Bockelberg u. Gen.(kons.) liegt ein Antrag vor, wonach der zweite Direktor auf die Zahl der Geheimen Staatsarchivare angerechnet, diese also von 7 auf 6 vermindert werden soll, wodurch sich eine über die im Nachtragseiat geforderte Summe um 4000 Mark hinausgehende Ausgabe ergiebt. Nach kurzer Debatte wird der Antrag Bockelberg angenommen. Es folgt der der Budgetkommission überwiesene Antrag Richter(freis. Vv.) um statistische Angaben über Arbeitszeit und Wohlfahrtseinrichtungen für Eisenbahnbeamte, Diätarien und Arbeiter. Kommission beantragt: in Erwägung, daß die Regierung sich bereit erklärt hat, über Ruhetage, Löhne und tägliche Arbeitszeit künftig Auskunft zu geben, ebenso über Wohlfahrtseinrichtungen, und da die Mitteilungen über die Urlaubsverhältnisse wegen der Schwierigkeit der Ermittelungen nicht erforderlich erscheinen, den Antrag Richter für erledigt zu erklären. Das Haus beschließt debattelos nach diesem Antrage. Der Antrag v. Strombeck(Centr.) wegen Anrechnung der Dienstzeit an Privatschulen bei der Dienstzeitberechnung der Volksschullehrer wird, dem Antrage der Budgetkommission gemäß, ab gelehnt. Das Etatsgesetz und die allgemeinen Bemerkungen werden debattelos bewilligt. Damit ist die zweite Etatsberatung beendet. Hierauf folgte die Veriesung der Interpellation Ring (kons.), welche an die Regierung die Anfrage richtet: Welche Maßregeln gedenkt die Regierung zu ergreifen, um weitere Viehseucheneinschleppungen zu verhindern. Finanzminister Miquel erklärt, daß der Landwirtschaftsminister sich nach Verständigung mit dem Staatsministerium zur Beantwortung bereit erklärt hatte; er habe aber wohl die rasche Erledigung der Etatsreste nicht vorausgesehen. Das Haus vertagt sich darauf bis 1 Uhr. Nachdem um 1 Uhr die Sitzung wieder ausgenommen und der Landwirtschaftsminister erschienen, erklätt Letzterer, er sei bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Abg. Ring(kons.) begründet seine Interpellation in längerer Rede. Er führt aus, die Regierung scheine über den Umfang der Vieheinfuhr nicht genügend unterrichtet zu sein. Redner geht dann auf den Notstand der Landwirtschaft ein; zahlreiche alte Bauernfamilien zehrten von ihrem Kapital; unter diesen Umständen sei es nötig, die letzte Einnahmequelle der Landwirtschaft, die Viehzucht, zu es, das sich dem Fahrenden bot und das nur noch einförmiger, noch melancholischer ward mit seinen weiten, toten, durch Nebel und Regen halb verborgenen Flächen, als der Zug die Stadt verlassen hatte und das freie Feld durchbrauste. Die Fahrt war lang und der Abend kam früh. Aber auch der Schein der Lampe im Coupé verscheuchte die trüben, grübelnden Gedanken nicht, die Boysens Seele beschäftigten und wie eine Ahnung sich auf ihn legten, als fahre er dem Unheil entgegen. Erst so spät langte er in der Vaterstadt an, daß er nicht hoffen durste, die Mutter noch wach zu finden, der er sein rasch beschlossenes Kommen nicht gemeldet hatte. So ging er ins Hotel, in ein altmodisch behagliches Haus, das er als Knabe angestaunt hatte wie einen Palast. Aber als er die Abendmahlzeit hastig verzehrt, trieb es ihn doch, noch einmal die Straßen zu durchwandern und das Elternhaus wenigstens mit seinen Blicken zu grüßen. Wie einsam erschienen ihm heute die schmalen Gassen der alten Stadt, wie tiaurig tönte die Stimme des Windes in ihnen, wie trübe und melancholisch war der Willkommen, den ihm die Heimat bot! Und indem er hindurchschritt durch Wind und Regen, umspannte mit wachsender Beklemmung das Gefühl seine Brust, das auf der Herfahrt schon ihn beängstigt, das Gefühl von der Nähe eines Unheils, eines Schreckens, einer furchtbaren Entdeckung, die auf ihn warteten hier an der Stätte seiner Jugend. Da war das Elternhaus, von den hohen Gartenhecken eingeschlossen, die nur jetzt im Winter die Blicke nicht hemmten. Dort war die Stadtmauer, die entlaubte Linde, der alte Wartturm, die sich in schwarzen verschwimmenden Umrissen am düsteren Himmel abzeichneten. Dunkel wie sie stand auch das Haus der Mutter; kein Lichtschein drang hervor,— es war gut, daß der Heimkehrende keinen Versuch gemacht hatte, sie zu stören. Mächtiger aber, als je zuvor, empfand er die Einsamkeit, die Weltabgeschiedenheit des entlegenen Besitzes. Kein Ton drang hierher, als das Fallen des Regens, als das Rauschen der Bäume auf dem Stadtwall. Dort hinten war ja der Mord geschehen! Der Gedanke tauchte plötzlich in ihm auf, und ein Schauder ergriff ihn. Aber es war weniger die Erinnerung an das Vergangene, was ihn erbangen ließ, als der Gedanke daran, wie schutzlos die Mutter hier draußen war; und in diesem Schauder, der ihn überfiel, schien die Heimat sich für ihn zu verwandeln: was ihm stiller Frieden geschienen die langen Jahre hindurch, gewann in diesem Augenblick eine finstere, drohende, verderbliche Gestalt. Der Gang hatte ihn nicht freier gemacht in seinem Gemüt; ermüdet, durchnäßt, verstimmt ging er in das Hotel zurück. Und wüste Bilder verfolgten ihn im Schlaf, selbst Eva, die mit sanftem Lächeln vor ihn hingetreten war, verlor ihr Ansehen und verwandelte sich in eine grinsende Fratze. Der Tag begann nicht freundlicher, als der vorige geschieden war. Der Regen hatte den Schnee aus den Straßen fast entfernt, aber nun sah alles noch schwärzer, finsterer und hoffnungsloser aus. Und auch jetzt konnte Boysen den alten, frohen Mut nicht wiederfinden, als er in der Morgenfrühe denselben Weg ging, wie am Abend zuvor. Die Gartenthür öffnete sich auf seinen Druck.—„Ich will doch Mutter sagen, daß sie immer verschlossen gehalten wird", dachte er, als er hindurchschritt,— der vertraute, blecherne, langnachhaltende Ton der Glocke an der Hausthür begrüßte ihn. Und nun kam die Gestalt der alten Dienerin, die ihm schon alt erschienen war, als er noch ganz klein gewesen, aus der dämmrigen Küche zur Linken hervor, und ihre erste Ueberraschung verwandelte sich bald in Freude. Aber es war ihm doch, als sei sie weniger laut und lebhaft, als sonst, und wie er nun ohne weiteres hinaufgehen wollte in das Wohnzimmer zur Mutter, da trat sie ihm in den Weg und sagte:„Ich will doch lieber erst einmal Bescheid sagen. Frau Leutnant sind nicht wohl gewesen die Tage her und sind noch nicht wieder so ganz auf dem Posten.“ Eilig stieg sie die Treppe hinauf, er aber stand auf dem Flur des Elternhauses wie ein Fremder. Seltsam, wie ihm die Heimat verwandelt war nach so kurzer Abwesenheit, wie alles ihm eng und klein erschien! Aber doch so vertraut und lieb, und als nun von oben die Stimme der Mutter ertönte,— wohl ein wenig matter und schwächer als sonst, aber mit dem Ton unendlicher Liebe darin,— als er diese Stimme, diese von Güte so ganz erfüllte Stimme fragen hötte:„Wo ist denn mein Junge, warum kommt er nicht herauf?“— da flog er die Treppe hinan und schloß die Frau in die Arme, die wartend dort oben stand. „Mein Junge, mein lieber, lieber Junge!“ Weiter wußte sie nichts zu sagen, während sie an seiner Seite nun hineinschritt in das alte Wohnzimmer, das ihn so traulich begrüßte mit seinem Geist und Duft der Reinlichkeit. Da stand ja auch der Frühstückstisch, wie sonst, und die treue Rieke kam schon herbei und stellte die Tasse vor ihn hin, die seinen Namen trug. Für einen Augenblick war es ihm, als sei er gar nicht fort gewesen, als sei die große Stadt mit ihren bunten Gestalten nur ein verwehtes, versunkenes Traumbild. Aber der Blick auf die Mutter zeigte ihm, daß doch eine Trennung gewesen, eine Zeit, in der sie gelitten hatte. sichern. Nach Redners Schätzung kostet der Landwirtschaft die Seuche monatlich fünf Millionen; rechne man dazu die Einfuhr vom Auslande, so könne man den Betrag von 317 Millionen jährlich rechnen, der der heimischen Landwirthschaft bei zweckmäßigen Sperr Einrichtungen erhalten werden könnte.(Sehr richtig! Hört! Hört!) Der Viehschmuggel an der russischen und österreichischen Grenze fördern im höchsten Maße die Seuchengefahr; die russische Gänseeinfuhr verbreitete bei uns die Geflügelcholera. Eine zehntägige Quarantäne sei ungenügend; es müsse mindestens eine solche von vier Wochen gefordert werden. Minister Frhr. v. Hammerstein verliest zunächst eine im Einverständnis mit dem Staatsministerium festgestellte längere Erklärung, in welcher die Dauer Quarantäne(10 Tage gewöhnlich, 4 Wochen bei bestehendem Seuchenverdacht) festgestellt ist. Gegen die Seucheneinschleppungen an der russischen Grenze seien strengste Maßregeln getroffen, der Schmuggel werde möglichst unterdrückt, auch die Fleischeinfuhr sei verboten und die Einfuhr von Schlachtvieh sei nur insoweit zugelassen, als dies zur sofortigen Abschlachtung in den Schlachthäusern an der Grenze bestimmt sei. Auch gegen die Vertreitung der Geflügelcholera durch die Gänsetransporte seien strenge Vorkehrungen getrofsen; aber ganz verbieten ließen sich die Transporte nicht. Der Minister versichert schließlich, daß die Veterinärpolizei stets und streng ihrer Bestimmung gemäß gehandhabt werde. Auf Artrag des Abg. Graf Limburg=Stirum(k.) findet eine Besprechung der Interpellation statt. Abg. Grothe(natlib.) hält eine Verschärfung der Quarantänevorschriften nicht für nötig. Abg. Graf Hoensbroech(Zentr.) empfiehlt strenge Kontrollmaßregeln auch gegen die heimischen Viehhändler, die zu 90 pCt. Juden seien. Regierungskommiss. Geh. Rat Beyer giebt eine Uebersicht über die Verseuchung in einzelnen Gegenden. In den Quarantäneanstalten sei die Verseuchungsgefahr nicht groß Abg. Moor(natlib.) hält eine Quarantäneverlängerung für entbehrlich, während Abg. Frhr. v. Loé(Zentr.) längere Quarantäne für dänisches Vieh verlangt. Abg. Damink(kons.) wünscht strengere Instruktion für die Grenzausseher, um den Viehschmuggel zu unterdrücken. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr: Dritte Etatsberatung. Reich. Berlin, 13. März. * Berliner Nachrichten. Unser Kaiser machte am Freitag Vormittag mit der Kaiserin den gewohnten Spaziergang im Tiergarten. Auf dem Rückwege konferierte Se. Majestät im Auswärtigen Amt mit dem Staatssekretär v. Marschall, empfing, nach dem kgl. Schlosse zurückgekehrt, den deutschen Botschafter in Wien Grafen Eulenburg und begab sich später zur Vorführung technischer Versuche nach dem Kasernement des Garde=Pionier=Bataillons. Abends wohnte der Monarch dem Hubertusdiner beim Fürsten Pleß bei.— Die zahlreichen Beweise herzlicher Zuneigung, die Kaiser Wilhelm dem König Humvert und der italienischen Nation in trautigen Tagen gegeben hat, betrachtet, schreibt die„Opinione“, Italien als eine neue Bekräftigung der allzemein anerkannten Wahrheit, daß ein politisches Bündnis ein internationaler Vertrag ist, der nicht nur den Interessen der Staaten, sondern auch den Empfindungen der Völker entspricht.— Zur silbernen Hochzeitsfeier des Fürsten zu Wied am 18. Juli sagten ihr Erscheinen zu außer dem Kaiser der König und die Königin von Rumänien und der Großherzog von Luxemburg. Wahrscheinlich nimmt auch das badische Großherzogspaar an der Feier teil.— Der österreichische Minister des Auswärtigen Graf Goluchowski hat Berlin am Freitag Nachmittag wieder verlassen und sich über Dresden nach Wien zurückbegeben.— Die Zeitungsmeldung von einem angeblich beabsichtigten Besuche des Kaisers in Rom entbehrt, nach der„Frankf. Ztg.“, der Begründung.— Bei dem Diner, das der Reichskanzler zu Ehren Goluchowski's gab, nahmen der Reichskanzler und ihm gegenüber Goluchowski in der Mitte der Tafel Platz, rechts und links vom Reichskanzler der französische und der italienische Botschafter, rechts und links von Goluchowski Szögyeny und der spanische Botschafter, daran schlessen sich die anderen eingeladenen Persönlichkeiten. Fürst Hohenlohe trug das Band des Stephansorden, Goluchowski die eiserne Krone. Während der Tafel trank Hohenlohe Goluchowski zu und unterhielt sich mit ihm nach der Tafel längere Zeit, später mit den anwesenden Botschaftern. Die Unterhaltung war eine äußerst angeregte. Die glänzende Versammlung blieb bis zu vorgerückter Stunde im Hause des Reichskanzlers. + Der Leiter der auswärtigen Politik von Oesterreich=Ungarn, Minister Graf Goluchowski, hat Berlin wieder verlassen. Er kann mit den Ehren, welche ihm in der Hauptstadt des deutschen Reiches erwiesen worden sind, zufrieden sein. Daher liegt es auch den Wiener Zeitungen nahe, der Begegnung eine Bedeutung zuzumessen, die ihr augenscheinlich auch nicht entfernt zu kommt. Nicht zufrieden damit, die Beständigkeit des Dreibundes konstatiert zu sehen, will man Oesterreich Ungarn auch als ehrlichen Makler zwischen dem deutschei: Reiche Und wenn jetzt auch die Röte der Freude auf ihrem Gesichte lag, wenn sie mit gewohnter Raschheit die Schalten der Krankheit von sich zu weisen wußte, er sah es doch an feinen Schmerzenslinien in ihren Zügen, daß sie kränker gewesen, als sie es ihm geschrieben. Mochte sie jetzt auch -pen:„Ach, Thorheit, du kennst ja mein dummes Herz, damit kann ich eine alle Frau werden. Dent' an den Spruch von den gebrochenen Töpfen, die am längsten halten,“— er schwor sich doch im stillen, mit doppelter Liebe für sie zu sorgen, zugleich sich gelobend, daß das mächtige neue Gefühl, das in sein Leben getreten war, nur einen noch besseren, treueren Sohn aus ihm machen solle. Nun saßen sie zusammen am Kaffeetisch, während der Regen ans Fenster schlug, und der Mutter erste Frage war: „Warum bist Tu gekommen?“ Er reichte ihr die Hand über den Tisch hin über und sagte:„Um nach Tir zu sehen, Mutterchen, daß Du mir keine dummen Streiche machst mit Deinem Herzen. War es sehr schlimm?“ Sie lächelte ihr altes, schnell bereites Lächeln.„An solche kleine Kalamitäten muß man nicht mehr denken, wenn sie vorüber sind. Es giebt wichtigeres im Leben, und nicht allen Gedanken kann man so ohne weiteres die Thür weisen.“ „Nun, so wollen wir nicht mehr davon sprechen, aber Dich um so besser pflegen. Darfst Du nicht Wein, guten, schweren Wein trinken? Marsala, Malaga, Portwein,— Du hast nur zu befehlen. Ich bin ja ein reicher Mann, seit ich mein Bild verkauft habe.“ Und nun begannen sie zu plaudern, von seinem Erfolg, seinen Aussichten, von Mr. Seaisfield, den Frau Boysen jetzt schon zu lieben erklärte, weil er ihres lieben Jungen Talent so rasch ertannt und so schön belohnt hatte. Wenn aber aus den Stunden bangen Zweifels noch der Schat#en eines Mißtrauens gegen die Putter in Beysens Herzen geblieben war, so entfloh er jetzt. Er brauchte nur in ihr mildes, heiteres Antlitz zu sehen, das unter der weißen Morgenhaube und dem früh erbleichten Haar so liebevoll und wahrhaftig hervorschaute, ei brauchte nur zu hören, wie unbefangen sie den Namen des Mannes aussprach, den er in finsteren Gedanken— verbrecherisch erschienen sie ihm jetzt, da er ihr gegenüber saß,— mit ihr in so nahe, schuldvolle Beziehung gebracht, um ihr alles wieder und wieder im stillen tausendmal abzubitten. Das Frühstück war beendet, und Frau Boysen wollte sich erhehen, um des Sohnes Zimmer selbst zu ordnen, da legte er ihr die Hand auf den Arm und sagte:„Bleib' und Großbritannien hinstellen. Davon kann aber in der That gar keine Rede sein! Warum sollen sich der deutsche Reichs kanzler und der österreichische Minister des Auswärtigen nicht über diese Frage unterhalten haben? Aber eines Mittlers zwischen Deutschland und England braucht es wahrlich nicht. Nachdem uns England so gekommen ist, wie im Transvaalstreit, wo die gröbsten Unrechtmäßigkeiten in Recht verdreht werden sollten, muß England auch der erste sein, welcher uns wieder Konzessionen macht. Jedes Dazwischentreten dritter ist da von Uebel. Auch an der Donau wird man nicht vergessen, daß aus London einst gerufen wurde: Hände weg!, als die Vertreter der österreichischen Politik sich im Orient umsahen. Traurig ist's, zu sagen, aber Wahrheit ist es, daß die Politik mit England nichts ist, als ein Geschäft. Dabei kommt es nicht auf Freundschaften an, sondern auf ein Bieten und Geben. Aus dem Reichstage. Die Budgetkommission steht am Ende ihrer Arbeiten, und da läßt sich das Ergebnis der Abstriche und die endgiltige Gestalt des Etats für 1896/97 bereits feststellen. Das Defizit ist durch Ersparnisse in Höhe von 2 Millionen auf etwa 10½ Millionen ermäßigt. Die Kommission nahm einen Antrag Lieber(C.) an zu Gunsten der Schuldentilgung im Reiche.— Die Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch nahm heute die§§ 607 und 608, betr. den Dienstvertrag, unverändert an.— Wie wir hören, haben die ausschlaggebenden Parteien schon vor der heute Abend stattfindenden Sitzung der Kommission über das Zuckersteuergesetz ein Kompromiß dahin vereinbart, daß die Ausfuhrp#ämien auf 3 Mark, die Verbrauchs steuer auf 21 Mark festgesetzt werden und es bei dem Beschluß auf Ablehnung der Betriebssteuer und Erhöhung des Kontingents auf 17 Millionen Doppelcentner sein Bewenden haben soll. * Preßstimmen. Der„Vorwärts“ erklärt, eine Zuschrift erhalten zu haben, wonach das Statistische Amt für die Ausfüllung der Karten, welche der Berufszählung dienen, 80 Pfg. für das Hundert zahle, von den Leuten jedoch, welchen das Arbeitsmaterial übergeben sei, vielfach Hilfskräfte herangezogen würden, welche von jenen„Arbeitgebern“ nur 30 bis 40 Pfg. für das Hundert erhielten. Der Reichsanzeiger wird mit Bezug hierauf zu der Erklärung ermächtigt, daß es bis zum 3. März d. J. den Hilfsarbeitern im Stat Bureau überhaupt verboten war, andere Personen, als ihre Familienansehörigen bei den ihnen übertragenen Arbeiten zu beschäftigen. Seitdem ist dies vorübergehend gestattet; doch ist den Hilfsarbeitern aufgegeben worden, in solchen Fällen zu melden, wie viel fremde Hilfskräfte sie beschäftigen, und welche Entschädigung sie diesen gezahlt haben. Sollte trotzdem ein Fall von der im„Vorwärts“ erwähnten Art vorgekommen sein, so hätte das einfachste und sicherste Mittel zur Abhilfe in der Beschweide bei dem Statistischen Bureau gelegen. — Im Lippeschen Landtage ist die Erbsolgefrage eingehend besprochen worden. Sämmtliche Redner sprachen sich gegen die Regentschaft des Fürsten Adolph von Schaumburg und für die Thronfolge des Grafen Ernst zur LippeBiesterfeld aus. Von Deutsch=Ostafrika. Die Errichtung einer Landeshauptmannschaft am Tanganyka steht nahe bevor, als Ort der Niederlassung dürfte Udjidji ausersehen sein, obwohl die letzten Nachrichten, welche von dort kommen, nicht sehr günstig lauten. Der Sie tritt immer weiter zurück, und die Stadt macht den Eindruck des Verfalls. Von zweit usend Gebäuden liegt die Häifte in Ruinen. Die Verhältnisse, welche infolge der Niederlagen der Arabe im Kongostaat sich so verschlechtert haben, werden sich unter einer geordneten deutschen Verwaltung sicher wieder bessern, obwohl es mit dem Sklavenhandel vorbei ist. Ausland. Italien. Unverhofft kommt oft, und so mag es auch in dem italienisch=abessynischen Kriege eintreten. Während in Italien noch lange Berickte darüber verbreitet werden, wie viele Soldaten nach Afrika abgehen sollen, und wie viel Geld der Feldzug kosten wird, heißt es mit einem Male, die Nachsendung weiterer Truppen sei eingestellt, weil mit König Menelik aussichtsvolle Friedensverhandlungen schwebten. In der That hat der König von Abessynien keine Lust, einen regelrechten Krieg gegen die Italiener auszufechten und hat ihnen deshalb außerordentlich weitgehendes Entgegenkommen bezüglich der Friedensbedingugen bewiesen. Die Italiener sollen im Wesentlichen Alle= behalten, was sie bisher hatten und damit mögen sie natürlich zufrieden sein. Die Annäherungen von Hausen Sudan Verwisaen gegen Kassala werden von den Italienern nicht besonders ernst genommen, vielleicht hat auch dieser gemeinsame Feind den abessynischen König am meisten zum Friedensschluß bewogen.— Dem„Mattino“ zufolge griffen gestern 3000 Derwische ein italienisches Corps an und schlugen dasselbe in die Flucht.— Gerüchtweise verlauet, der Kriegsminister arbeite gegenwärtig einen Plan aus, nach welchem für Abessynien ein Freiwilligenkorps organisielt werden soll.„Fanfulla“, glaubt, die Regierung würde in kürzester Zeit 60000 Freiwillige für die Verteidigung der Kolonie finden. — Das Expeditionskorps soll sich in der denkbar traurigsten Lage befinden. Die Regierung hat den Berichterstattern streng verboten, Nachrichten über die Lage zu senden. Die Telegramme werden zurückgehalten oder konnoch einen Augenblick bei mir, Mutter; es ist so gemütlich, und wir haben so lange nicht hier zusammengesessen. Auch möchte ich Dich noch um allerlei fragen, aber ich möchte nicht, daß Du Dich aufregst.“ Sie lachte und schüttelte den Kopf.„Was solltest Du wohl zu fragen haben, mein lieber Junge, was mich aufregen könnte? Es geht mir jetzt wieder ganz gut, und man muß den gebrechlichen Körper nicht Herr über sich werden lassen. Also frag' nur, ich will schon antworten.“ Er sann einen Augenblick nach, dann begann er, den Büick auf den rötlichen Schein des Ofenfeuers gerichtet:„Es handelt sich um eine alte Geschichte, Mutter, von der ich zufällig ein paar Stücke gehört habe, für die mir aber der Zusammenbang fehlt. Sie ist hier passiert, und Du erinnerst Dich ihrer vielleicht noch. Einige Menschen, die ich kennen gelernt habe, scheinen mir hinein verwickelt, und daher interessiere ich mich dafür. Ich selbst habe noch eine dunkle Erinnerung davon aus meiner Kinderzeit. Es handelt sich um eine Mordthat, die hier verübt worden ist.“ Warum sah er nicht empor und blickte auf seiner Mutter Gesicht? Warum verwandie er den Blick nicht von dem warmen Glanz des Feuers, in dem Gestalten vor ihm aufzutauchen und wieder zu verschwinden schienen? Warum nieb sein Herz ihn nicht mit dem Instinkt der Liebe, zu schweigen, zu schonen, zu vergessen? Er sah die pötzliche Blässe nicht auf dem geliebten Antlitz, er bemerkte nicht, wie die welk gewordene Hand sich zum Herzen hob, als wolle sie es zum Schweigen bringen. Er sprach weiter, ohre aufzublicken, und seine Worte klangen ruhig, gleichmäßig durch das stille, kleine Gemach. „Ein Frauenzimmer ist umgebracht worden, draußen am Wall,— ich weiß noch, wie ich hinausgelausen bin, die Leiche zu sehen. Kannst Du Dich ihres Namens noch erinnern?“ Jetzt sah er sie an und schrak zurück vor dem ver wandelten Gesicht. Die letzten Spuren von Jugendlichkeit waren daraus entschwunden, es war das farvlose durchfurchte Antlitz einer alten Frau, das mit angstvollen Biicken zu ihm herüberstarrte„Muster!“ schrie er auf.„Was ist Dir, was habe ich gethan? Ich hätte schweigen sollen,— mein Gott, wodurch habe ich Dich so erschreck:?“ Sie antwortete nicht gleich. Die eine Hand hielt sie noch immer auf das Herz gedrückt, mit der anderen hatte sie die Tischplatte krampshaft umspannt. Sie ran nach Atem zueist vergeblich; dann kamen ganz leise die Worte: „Es ist nichts, frag' weiter. Ich will Dir sazen, was ich weiß" fikciert. Aus diesem Grunde haben sich die meisten Korrespondenten wieder nach Italien eingeschifft.— Der Kriegsminister Ricotti will, der„Perseveranza“ zufolge, die 192 Batterien zu 6 Geschützen in 148 Batterien zu 8 Geschützen umwandeln. Ferner soll der Kriegsminister beabsichtigen, die 24 Kavallerie=Regimenter von 4 auf 3 Schwadronen herabzusetzen und schließlich die vierten Kompagnien bei sämtlichen 324 Infanterie=Bataillonen eingehen zu lassen. Nur im Kriegsfall sollen die vierten Kompagnien gebildet werden. Die dadurch entstehende Verminderung der Offiziere soll einer Etatersparnis von 3 Millionen gleichkommen. Rom, 14. März. Menelik stellt außer der Auf. gebung von Utscheli noch folgende Friedensbedingungen: Ueberlassung der Bay von Zula mit dem Hafen von Abessynien, Abtretung Kassalas und zollfreier Verkehr zwischen Massauah und Abessynien.— Der König erläßt heute eine allgemeine Amnestie; die politische Amnestie umfaßt 120 Personen, darunter die Führer des sizilianischen Aufstandes. Rom, 13. März. Dem Vernehmen nach hat der Ministerrat zur Beruhigung der Gemüter beschlossen, allen von den Kriegsgerichten anläßlich der Aufstände in Sicilien und Massa Carara Verurteilten Amnestie zu gewähren; ausgenommen sind, nur die wegen Tötung von Menschen Verurteilten. Die Amnestie erstreckt sich auf 120 Personen, unter denen sich die Deputierten Defelice, Barbato und Boseo befinden. Frankreich. In Nizza fand die Begegnung zwischen dem Kaiser von Oesterreich und der Königin von England statt.— Präsident Faure erhielt das Großkreuz des Stephanordens. Hd. Paris, 14. März. Im Lebaudyprozeß hält der Staatsanwalt die Anklage gegen 7 der Angeschuldigten aufrecht. Spanien. General Weyler ist mit dem bisherigen Verlauf seiner Operationen auf Kuba sehr zufrieden; Weyler hofft sein Hauptquartier baldigst in Santa Clara aufschlagen zu können.— Die Löwesche Gewehrfabrik in Berlin erhielt den Auftrag, außer den 60 000 in Bestellung gegebenen Gewehren alle irgendwie noch verfügbaren weiteren Gewehre an Spanien zu liefern. Orient. Der Sultan kommt aus den Sorgen nicht heraus. Noch nicht einmal ist in Armenien die Ruhe total wiederhergestellt, so kommen aus Kreia Allaimnachrichten, daß dort die Mordthaten und demgemäß die Erregung unter den Eingeborenen immer mehr um sich greift. Wer die Schuldigen sind, wird freilich schwer festzustellen sein, da jede Partei bestreitet, die Thaten begangen zu haben, aber das schwache türkische Regiment zieht eben solche Verbrechen groß, da die Urheber wissen, daß ihnen selten oder nie eine Strafe ernächst. und Rheinland. Witten, 16 März Probepredigt. In dem gestrigen Hauptgottesdienst in der Gedächtniskirche hielt Herr Hülfsprediger Schulte=Umberg aus Holzhausen eine Probepredigt im Anschluß an das Schriftwort Joh. 19, 17:„Und er trug sein Kreuz.“— Es scheint, als ob damit die Probepredigten beendigt sein sollten, da für nächsten Sonntag keine Probepredigt mehr angekündigt worden ist. O Konfirmation. Nächsten Sonntag Nachmittag wird in der alten Kirche die Prüfung der diesjährigen Oster=Konfirmandinnen und am darauffolgenden Palmsonntag in dem Hauptgottesdienst die Konfirmation derselben durch Herrn Pastor Leesemann erfolgen. Am Palmsonntag Nachmittag dagegen wird die Prüfung der Konfirmanden und am zweiten Ostertage die Konfirmation derselben durch Herrn Superintendenten König erfolgen. P. Die Delegiertenversammlung der ehemaligen 56er fand cestern Nachmittag im Restaurant zum Breitenstein von G. Funke statt. Dieselbe wurde 4½ Uhr vom Kameraden Herrn Krempel eröffnet. Derselbe begrüßte die zahlreich erschienenen Kameraden, dankte für das freundliche Erscheinen, was ein gutes Zeichen für die Sache der 56er sei, und brachte ein begeistert ausgenommenes Hoch auf den obersten Kriegsherrn, Kaiser Wilhelm II. aus. Es waren Delegierte aus Bochum, Hohenlimburg, Hagen, Barmen, Elberfeld, Heven, Buchholz, Durchholz, Volmarstein, Grundschöttel, Silschede, Herbede, Annen, Barot, Bommern, Wengern, Esborn, Bommerholz, Crone, Vormholz und Witten vertreten. Diese großartige Versammlung ließ alle ein gutes Gelingen des Verbandsfestes am 7. Juni, welches in den neuen, großartigen Räumen des Hotels Voß stattfinden wird, erwarten. Die 56er Kavelle aus Wesel hat nunmehr fest die Musik für den Verbandstag übernommen. Als Ebrengäste sollen eineesaden werden: die Herren Generalmajor v. Mombart, Düsseldorf, OberstLeutnant Bierbrauer von Biennstein, Bochum, Major Gaupp, Witten und Feldwebel Meike, Witten. Das Programm zur Festesfeier wurde folgenderweise festgesetzt: Nachmittags 3 Uhr: Vorappell, 4 Uhr: eigentlicher Appell (Konzert, Toaste 2c) 10 Uhr: Festball. Nach Erledigung der Tagesordnung blieben die alten Kameraden noch in froher Stimmung zusammen. Manch' alte Kriegserinnerung wurde aufgesrischt, und frohe Soldatenweisen ertönten in der Versammlung, die gegen ½7 Uhr von Herrn Krempel geschlossen wurde. „Ich Dich noch weiter quälen? Nein, gewiß nicht. Komm', sei nicht böse, daß ich so unvorsichtig war. Wir wollen die alte Geschichte ruhen lassen, was geht sie mich an?“ Sie schüttelte langsam den Kopf, die Augen fest auf den Sohn gerichtet, und ihre Stimme klang feierlich, als sie entgegnete:„Sie ruht nicht, und wenn wir es zehnmal wollen. Ich hätte mit Dir darüber gesprochen, aber ich habe den Mut nicht dazu gehabt.“ „So lassen wir es auch heute. Ein andermal, Mutter, wenn Du wieder gesunder bist. Ich frage nicht mehr, ich will nicht, daß Du Dir schadest.“ „Ich würde mir schaden, wenn ich heute sch wiege, nachdem wir einmal so viel gesprochen haben. Zunächst will ich Dir antworten auf die Frage, die Du gethan hast,— ja, ich kenne den Namen.“ Er sah, wie sie mit sich kämpfte, ihn auszusprechen und nur um sie zu schonen, um ihr weitere Qual zu ersparen, kam er ihr jetzt zu Hilfe.„Hieß sie Valeska?“ „Valeska Mara.“ Ein tiefes, angstvolles Schweigen legte sich auf das Gemach; das Feuer schien lauter im Ofen zu knistern, und die Regentropfen schienen heftiger an die Fenster zu klopfen. Boysen bemühte sich, den Bann zu brechen. Er versuchte, in leichterem Tone zu reden, und streichelte mit sanften Fingern der Mutter Hand.„Komm', Mutterchen", sagie er,„nun ist es genug. Iy weiß, was ich wissen wollte, wir können jetzt von erfreulicheren Dingen reden.“ „Nein, Richard. Du hast gefragt, nun bin ich an der Reihe mit Fragen. Und Du wirst mir antworten, wenn Du mich lieb hast,— ja, ja, gewiß, ich weiß. Ich hätte das nicht sagen sollen, mein lieber Junge.“ Er hatte leidenschaftlich ihre Hand ergriffen und sie geküßt; sie aber strich ihm jetzt über das Haar, als wolle sie ihn um Verzeihung bitten für den unbedacht ausgesprochenen Zweifel an seiner Liebe. „Daß Du mich lieb hast, daran habe ich nie gezweifelt und werde es niemals thun. Darum wollen wir auch kein Geheimnis mehr vor einander haben, von heute ab nicht mehr. „So frag' nur, Mutter.“ „Du hast von Personen gesprochen, die mit jener Frau in Verbindung gestanden haben, wie Du glaubst. Wer sind sie?“ „Ein Mädchen zunächst, ein schönes, junges Geschöpf von zwanzig Jahren vielleicht. Sie ist Chansonnetten= X Restaurant Peters. Heute findet die Abschiedsvorstellung der rhein.=westf. Varieté-Truppe„Orpheus“ statt, auf welche wir nochmals aufmerksam machen. X Zither=Konzert. Im Lokale des Herrn Aug. Schumacher wird am nächsten Sonntag die Gesellschaft „Zitherkranz“ ein Konzert geben. Wir hatten schon öfter Gelegenheit, einem Zitherkonzert beizuwohnen und müssen gestehen, daß diese eigenartige Musik uns stets sehr gut gefallen hat. Daß das geplante Konzert wieder recht gut und gediegen werden wird, dafür bürgt schon der Name des Leiters dieses Konzerts. Herr Bockau ist ein Meister auf der Zither und sein Ruf als Zither Künstler ist weit über die Grenzen unserer Stadt bekannt, was allein schon genügt, dem Konzerte ein sehr zahlreiches Publikum zu sichern. X Bockbierfest. Das vom deutschen Sängerkreis gestern im Borgmann'schen Saale abgehaltene Bockbierfest war sehr gut besucht und wurde dem edlen Naß tüchtig zugesprochen. Da die Gesangvereine„Sängerhain" und „Kameradschaftl. Sängerbund“ ihre Kräfte auch zur Verfügung gestellt hatten und außerdem für humoristische Aufführungen, Konzert und Tanz gesorgt war, so verlief das Fest für alle Beteiligten aufs schönste. X Verhaftet. Die Dienstmagd F. W. von hier, welche in Velbert in Diensten stand, hatte bei ihrem Dienstantiitt ihrer Heirschaft mehrere wertvolle Sachen entwendet, weswegen sie gestern verhaftet wurde. X Hühnerdiebstahl. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden der Witwe C. V, Breitestraße 61, die Hühner vom Stalle gestohlen. Man hatte den Tieren die Köpfe abgerissen und weggeworfen. Da in letzter Zeit im Stadtgebiet vielfach Hühnerdiebstähle in gleicher Weise ausgeführt wurden, so dürfte sich wohl die Thäterschaft auf ein und dieselbe Person lenken. Es wäre wohl zu wünschen, daß durch irgendwelche Anhaltspunkte der Dieb ermittelt würde. n— Verein für Orts= und Heimatskunde in der Grafschaft Mark. Letztveiflossenen Sonnabend, den 7. März a. er. fand im Hotel zum Adler hierselbst die 1. Sitzung der„industriellen Abteilung" des genannten Vereins unter dem Vorsitz des Herrn Fr Soeding statt. Von auswärtigen Herren waren u. a. erschienen als Vertreter des Bochumer Vereins Herr Oberingenieur O. Liß und mehrere Betriebsführer benachbarter Zechen. Mehrere der spez. eingeladenen Herren entschuldigten ihr Nichterscheinen an diesem Abende. Nach dem hochinteressanten und nach jeder Beziehung hin ausgezeichneten Voltrage des Herrn Bergassessors Stockfleth„Eisen und Stahl in ihrer kulturgeschichtlichen Entwickelung und Bedeutung“, auf den wir in einigen Tagen ausführlich zurückkommen werden, sprach Herr Lehrer Born über:„Die Notwendigkeit und Berechtigung eines Gewerbe=Museums für die Grafschaft Mark und die Ziele und Bestrebungen der industriellen Abteilung innerhalb des Vereins für Orts= und Heimatskunde in der Grafschaft Mark.“ Er führte u. a. folgendes aus:„Die„Begründung gewerblicher Museen entspricht den Allerhöchsten Intentionen Sr. Majestät Kaiser Wilhelms 1I.„Die Kunst sei," nach Kaiser Friedrichs Worten, „nicht für einige Auserkorene da, sondern um das Volk nach jeder Richtung hin zu bilden. Darum seien Einrichtungen zu treffen, daß diese Schätze dem ganzen Volke erschlossen werden.“ Kunstgewerbliche Sammlungen sind die best n Lehrer des Volkes. Kunftgewerbe=Museen sollen in erster Linie dem heimischen Kunstgewerbe Vorbilder darbieten und zeigen, wie die verschiedenen Gewerbe sich allmählich entwickelt haben; sie sollen ferner den heimischen, nationalen Kunstbesitz vor Verschleppung in ferne, fremde Gegenden bewahren. Kunstsinn und Kunstvermögen bethätigen sich nicht nur in der Baukunst, Malerei und Bildhauerei, sondern ebensosehr in den bescheidenen Werken der Kleinkunst, welche Haus und Herd schmücken. Auch diese Dinge maynen den denkenden jungen Arbeiter und Gewerbetreibenden:„Verderbe es nicht, es ist ein Segen darin!" Auch die jetzige Bewegung, welche die Sammlungen und Gewerbemuseen hervorruft, hat eine tiefgehende Berechtigung: jetzt hat man in Museen die Gegenstände zu betrachten, welche früher an geweihter Stelle sich befanden, und sie wollen dem Handwerker immer wieder die Ehre seines Berufs und das Höchsterreichbare in demselben zum Bewußtsein bringen. Gute Vorbilder und gute Schulung sind das Wichtigste, was von Staats und Gemeinde wegen für das Gewerbe geschehen kann. Vornehmlich nach dem letzten großen Kriege hat sich auch in kunstgewerblicher Beziehung ein Aufschwung vollzogen, gefördert von Allerhöchster Stelle und begünstigt durch die Verireibung deutscher Kunsthandwerker aus Paris 1870. Die politische Erstarkung Deutschlands aber wurde die nährende Quelle für diese Bestrebungen.— Es giebt nur wenige Gegenden Deutschlands, die sich der alten Grafschaft Mark in ihrer Beseutung für die Montan= und Metall, spez. für die Eisenindustrie an die Seite stellen können. Die Märkische Industrie ist nicht nur uralt und bedeutend seit Jahrhunderten, sie marschiert gegenwärtig mit an der Spitze und fordert die Bewunderung der Welt heraus. Die Rucksicht auf die aus allen Gegenden Deutschlands, ja aus dem Auslande zuflutende Bevölkerung erfordert, wenn sich diese Fremdlinge dem einheimischen Geschlechte assimilieren sollen, u. a. auch die Errichtung eines hier heimatsberechtigten Gewerbemuseums! auch über die Schulzeit hinaus muß noch mehr als bisher geschehen für die Entwickelung des Geistes sängerin in einem Konzertlokal und muß, wie mir scheint, große Aehnlichkeit mit dieser Valeska Mara haben. Hatte. sie eine Tochter?“ „Sie hatte ein Kind, ein Mädchen. Sie selbst war Sängerin,— bei einer Operettengesellschaft, die damals hier auftrat.“ „Hieß ihre Tochter Saffi?“ „Sophie war sie getauft. Für die Oeffentlichkeit ward wohl der Name geändert. Mit wem steht sie dort in Ver: bindung?“ „Sie lebt bei einer Familie,— es sind Mann und Frau und Sohn,— die sich Gloystedt nennt, aber ich glaube, daß auch dieser Name falsch ist. Ich habe noch einen underen gehört— erinnerst Du Dich einer Familie Jaritz, die hier gelebt hat?“ „Sie lebte hier, und jenes Kind war in ihrem Hause.“ „Dann ist meine Vermutung richtig! Saffi muß diesen Pseudo Gloystedt Vater nennen, aber sie behauptet zu wissen, daß er es nicht ist.“ „Sie hat recht. Jaritz ist nicht ihr Vater.“ „Wer aber ist es denn?“ Sie gab ihm keine Antwort, und schweigend starrte er vor sich hin. Dann aber lebte die alte Vermutung, der alte Verdacht gegen Sealsfield wieder auf in seiner Seele, und da die Mutter noch immer stumm und bleich ihm gegenüber saß, begann er zu erzählen. „Noch einen anderen Mann muß ich, so schmerzlich es mir ist— ich kann es Dir heute noch nicht sagen, weshalb — in diese Geschichte verwickelt glauben. Er hatte Saffi bisher noch nicht gekannt, neulich aber bei dem Künstlerfest sah er sie plötzlich vor sich, und da— er ist ein kranker, nervöser Mensch— da sank er mit einem Schrei bewußtlos nieder. Ich aber hatte das Wort verstanden, das er gerusen, es hieß Valeska. Und darum meine ich, daß Saffi mit ihrer Mutter große Aehnlichkeit haben muß, und daß er sie gekannt hat.“ Durch den Körper der blassen Frau ging ein Zittern und sie schloß die Augen für einen Moment, aber sie unter, brach ihn nicht, und er fuhr fort: „Und sieh, weil ich das glaube, weil ich seinen Schrecken, sein Entsetzen gesehen habe bei der Etinnerung an die Tote, da meine ich, daß er ihr sehr, sehr nahe gestanden hat, ja, in diesem Augenblick, da ich Dir alles auseinandersetzen muß, denke ich, daß er Saffis Vater ist.“ (Fortsetzung folgt.) und zur Beseitigung seiner Entbehrungen,— auch die Volksseele und der Geist des heranwachsenden Handweikers und Arbeitens muß genährt werden, und das kann bei unseren heutigen Zeitläuften, wo der Glaube an die Heiligkeit der Religion leider zu wanken und zu kranken Leginnt, wo Ehrfurcht vor Autorität und die Pietät immer mehr schwinden, sicher auch geschehen durch das zu weckende Verständnis für die Kunst, durch liebendes Hineinversenken in künstlerisches Schaffen und künstlerische Gestalt. Geistig wollen unsere Zeit und unser Geschlecht alles verstanden haben, vor dem sie Ehrfurcht empfinden können.— Nichts ist so bildungsfähig als das Auge, aber ihm muß Gelegenbeit gebeten werden, sich zu bilden an dem, was schön ist. Die Kunst mackt die Herzen mar:: und lebendig und zeugungsfähig. Der wahre Wert aller Arbeit liegt im denkenden Arbeiten, und nur soiche Arbeit adelt; alles rein Mechanische, würdigt den Menschen zur Maschine herab. — Das Unllitätsprinziv hat gewiß eine große Berechtigung für das gewerbliche Leben und für den Handwerker es darf aber nicht allein maßgebend und bestimmend werden. —„Schwer nur tingt sich empor das Talent, dem schon an der Wiege Armut sperret den Weg“, und darum nutzen die herrlichen Sammlungen in den großen Hauptstädten unseres Landes dem hier heimischen Arbeiter nur wenig. Solche Sammlungen wirken am segensreichsten an dem Orte, wo sie ihre Heimatsberechtigung halen, am heiligen Herde unserer Väter und Urälterväter. Der Staat ist es sich und seinen Büraern schuldig, überall da ein solches(Gewerbe=) Museum zu gründen, oder doch dessen Gründung zu begünstigen und zu sördern, wo es am rechten Platze ist und denen nützen kann, für die es in erster Linie da sein soll. Der rechte Ort für ein„Märkisches Museum“ kann nur die Mark sei. Die westsälische Mark hat ein Recht auf ein solches Museum, und es ist dasselbe für sie ein unabweisbares Bedürfnis. Es sind dies nicht alle Gesichtspunkte, welche erörtert wurden, aber es würde zu weit führen, hier noch näher auf den Vortrag einzugehen. Schließlich verbreitete sich der Vortragende noch übe: die Aufgaben und Ziele der„industriellen Abteilung“, der Willens kraft Wege schaffen werde, und:„dem redlichen Streben läßt Gott es gelingen!“ Nach weiterer Erörterung der Argelegenheit aus der Mitte der Versammlung wurde die Vorstandswahl einstimmig gethätigt und zwar mit folgendem Ergebnis: Herr Bergrat Funcke in Witten 1. Vorsitzender. Herr Fabrikbesitzer G. Brinkmann jun. in Witen 2 Vorsitzender, Herr Werkstätten=Vorsteher Fr. Maix in Witten Schriftführer, Herr General=Dire ktor Fr. Baare in Bochum, Herr Ober=Ingenieur O. Liß in Bochum, Herr Fabrikbesitzer Fr. Soeking in Witten, Herr Fabrikbesitzer Theod. Müllensiefen in Witten, Herr Fr. Kirchhoff in Iserlohn, Beisitzer. Der Vorstand wird sich durch Zuwahl aus allen größeren Otten der Mark verstärken. Zu fröhlichem Gedeihen ein fröhliches: Glückauf! X Restaurant zur Glocke. Am Samstag fand im schönen Restaurant zur Gloce ein„Einweihungsessen“ statt, an dem sich über 60 Bürger beteiligten. Küche und Keler des Wirts wurden allgemein gelobt und die Festlichkeit nahm einen guten Verlauf. * Ein neuer westfälischer Regierungs=Bezirk. Unter dieser Uebersahrift bringt die„Rheinisch=Westfalische Zeitung“ folgende Zeilen:„Schon des ötteren ist in den Zeitungen die Verlegung des Regierungs=Bezirks in das Industrie Gebiet angeregt oder Neuschaffung eines Regierungs=Bezirkes eingehend begründet. Die Stadt Arnskerg hat sich alle Mühe gegeben, die Ausführung zu verhindern. Nach anserer Ansicht kommt hier jedoch nicht das Interesse einer einzelnen Stadt in Betracht, sondern das des ganzen Regierungs=Bezirkes in seiner weiten Ausdehnung und das Interesse seiner Bewohner. Wir sprechen uns auf Grund Jahre langer Erfahrung nicht für eine Verlegung der Regierung aus, wohl aber für eine Teilung derselben und zwar aus folgenden Gründen: 1. Die Lage der Stadt Arrsberg ist eine höchst ungünstige für den so ausgedehrten Bezirk: 2 die Eisenbahn=Verbindung dahin ist die denkbar unbequemste: die Parteien, die zu den Terminen in den Vormitagsstunden geladen sind, müssen sich, um rechtzeitig zu erscheinen, schon Tags vorher in Arnsberg einfinden; es entstehen ihnen daher doppelie Kosten und Zeitverlun: 3. nach der vorletzten Volkszählung vom 14 Januar 1895 hat der Regierungsbeuirk Arnsbers 1,499.786 Selen, nach der Zählung von 1890 1,341741, Seelen, mitgin in 5 Jahren eine Zunahme von 157,045 Seelen. Dieser fortgesetzten steigenden Bevölkerung gegerüber hat die Arbeit auf der Regierung sitz verdreifacht! Beweis dafür ist, daß Vorlagen Wochen, Monate und noch länger auf ihre Erledigung warten müssen; 4. die eingelegten Berufungen gegen die veranlagte Einkommenstuer finden eist nach Jahresfrist ihre Erledigung und müssen die Beteiligten die Steuerbeträge vorschießen, wodurch ihnen namhafte Zinsverluste entstehen; 5. der Streik des Jahres 1889 hat aufs klarste bewiesen, daß zu Arnsberg die königliche Regierung völlig im Dunkeln über die Verhältnisse im Industrie Bezirk lebte; hätte dieselbe ihren Sitz mitten im Industrie Bezirk gehabt, so wäre sie gleich von vornherein von Allem unterrichtet gewesen und konnte durch sofortiges energisches Eingreifen die Bewegung im Keime ersticken.— Das fortgesetzte Hetzen der Sozialdemokraten, das unausgesetzte Wühlen unter den jüngeren Elementen, die ihr Bergaut unbeachtet in den Tiefen der Beigwerke abhalten, verlangen auch in Zukunft eine tägliche, sorgsame Beobachtung. Gemeinden und Kreise sind geteilt, warum sollte nickt auch eine Teilung eines Regierungs Bezirkes aus notwendig gewordenen Zweckmäßigkeitsgründen möglich sein? + Heven, 16. März. Zur Gemeinderatswahl. Protest gegen die Gemeinderatswahl wird uns von anderer Seite noch folgendes mitgeteilt: Es hat nur ein Termin in der Sache stattgefunden und sind Zeugen bis her nickt vernommen. Auf Antrag des Klägers wird in die Beweisaufr ahme eingetreten, wozu vier Zeugen geladen sind. Dortmund, 12. März. Nettes Früchtchen. Vor vier Jahren ging ein biesiner Bürger mit seinem 16 Jahre alten Sohne zur Osterkirmeß. Während des Kirmeßtrubels wurde dem Vater die goldene Uhr mit coldener Keite von der Tasche gestohlen. Bei der Polizei wurde damals Anzeige erstaltet, jedoch erzielten die polizei. lichen Nacksorschungen nur ein negatives Resultat. Gestera kam nunmehr Licht in die Angelegenheit. Die Uhr nebst Keite wurde gestenn rämlich in einer husigen PfandleibZum anstalt zum Versatz angeboten und zwar von dem eigenen Sohne des Bürgers, dessen damaligem Begleiter. Der betreffende Pfandleiher, dem der junge Mann verdächtig erschien, ließ ihn der Polizei vorführen, woselbst der jugendliche Verbrecher eingestand, daß er vor vier Jahren die Uhr nebst Kene seinem eigenen Vater auf der Osterkirmeß von der Tasche gestohlen hade. Die Uhr und Kette hat er bisher versteckt gehalten und sich jetzt nach dieser langen Zeit sicher geglaubt. So etwas ist wohl noch nicht dagewesen. * Dortmund, 12. März. Recktsanwalt Schmitz in Castrop wurde wegen Unterschlagung in acht Fällen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Siegen, 10. März. Eine Fachschule für die Eisenindustrie soll demnächst hier auf Veranlassung der biesigen Handelskammer und des Berg= und hüttenmännischen Vereins errichtet werden, um der Kleineisen Industrie tüchtige Arbeitskräfte zuzuführen. Von dem Minister für Handel und Gewerbe ist eine jährliche Beihilfe von 33000 Mark für das Unternehmen in Aussicht gestell und für die Beschaffung der Lehrmittel eine einmalige Beihilfe von 60,000 Mark. Die noch übrig bleibenden Kosten im Betrage von 12000 M. müssen jährlich von der Stadt, dem Kreise und der Provinz aufgebiacht werden; die Provinz hat 7000 Mark bereits übernommen. * Münster, 13. März. In der heutigen Ziehung der Lambertus= Lotterie fielen 10000 Mark auf Nr. 84 440, 1000 Mark auf Nr 9428. Ohligs, 12. März. Wirtschafts=Konzessionen Der Wegfall des Ortsstatuis beir. die Konzessionierung von Wirischaften hat zu einem lebhaften„Aufschwunge“ der Wirtschaftsbetriebe geführt, d. h. was die Zahl angeht. Ewa 50 Eingaben wegen neuer Wittschaftskonzessionierung liegen vor. Wieviel werden davon wohl nach Jahresfrist noch bestehen? fragt dazu das„Sol. Kr.=Int.=Bl.“ * Mettmann, 12. März. Elektrische Bahn Vohwinkel=Düsseldorf. Im Hotel Löwe fand unter Vorsitz des Herrn Bürzermeisters Koennecke eine Beratung über ven Bu einer elektrischen Bahn von Vohwinkel nach Düsseldorf über Hahnenfurth, Wülfrath, Mettmann, Hubbelrath, Gerresheim statt. Man war einntimmig für die geplante Strecke. * Düsseldorf, 12. März. Zwanzig Jahre sind heute vergangen seit dem Tage, daß der furchtbare Orkan so entsetzliche Verwüstungen in unserer Stadt anrichtete. Es war an einem Sonntag Abend gegen 5 Uhr, als das Wetter losbrach. Gewaltig brauste die Windsbraut durch die Straßen der Stadt, hob Fenster aus, deckte die Dächer ab, riß Schilder und Weiterfahnen herab und hob die Wellen des in Hochflut stehenden Rheines zu Turmhöhe empor. Die Schiffbrücke riß mitten durch und trieb stromabwärts. Im Hofgarten wütete der Sturm auf das grausamste, am andern Morgen sah er aus wie ein Leichenfeld der herrlichsten Bäume. Düsseldorf, 13. März. Die nordwestliche Gruppe des Vereins deutscher Eisen= und Stahlindustrieller hielt heute hierselbst unter dem Vorsitz des Generaldirektors Servaes Ruhrort eine Sitzung ab, in der über Verwendung deutschen Schiffbaubedaufs verhandelt und eine Eingabe gegen den Gesetzentwurf betreffend den Handel mit künstlichen Düngemitteln, wodurch die Herstellung von Thomasmehl in empfindlichster Weise beiroffen werde, beschlossen wurde. Viersen, 12. März. Lohnerhöhung. Infolge des andauernden Arbeitermangels, der seit Anfang dieses Winters hier herrscht und hervorgerufen wird durch den flotten Geschäftsgang der industriellen Etablissements in M.=Gladbach, welcher die Arbeiter von hier fortzieht, hat sich die Viersener Aktiengesellschaft für Spinnerei und Weberei veranlaßt gesehzen, die Löhne sämtlicher Arbeiter zu erhöhen, #*#* Oberhausen, 13. März. Die Flaue im Ruhrkohlenrevier nimmt noch immer kein Ende. Heute muß die ganze Belegschaft der Zeche„Konkordia“ feiern. Noch schlimmer ist die benachbarte Zeche„Alstaden“ daran, denn dieselbe hat auf heute und morgen Feierschichten eingelegt. Meiderich, 13. März. Daß ein 9jähriger Knabe schon raffinierte Kirchendiebstähle ausführt, dürfte wohl noch nie vorgekommen sein; dieser Fall ist von hier zu berichten. Der Sohn eines hiesigen Schlossermei ers hatte bemerkt, daß sich im Opferkasten der katholischen Kirche Gelder befanden; er sann nach, wie er dieser habhaft werden konnte. In den Schlüsseln seines Vaters suchte er so lange herum, bis er den richtigen hatte, welcher auf das Schloß des Opferkastens paßte. Die Gelegenheiten benutzend, wo niemand in der Kirche war, stahl er zu wiederholten Malen die Beträge aus dem Opferkasten und verwandte das Geld für seinen Bedarf, indem er sich Naschartikel kaufte. Letzteres fiel auf und man ging der Sache auf den Grund, wobei sich herausstellte, daß man es mit einem kleinen, aber raffinierten Dieb zu ihun hatte. Prügel könnten hier viel nutzen. * Köln, 12 März. Eisel=Schnellzug.— Versicherungsanstalt gegen Arbeitslosigkeit. Zur Einrichtung des vielgenannten Schnellzuges auf der Eifelbahn ist heute die endgültige Genehmigung des Eisenbahnministers eingetoffen.— Unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters wurde ein stadtkölnischer Versicherungsverein gegen Arbeitelosigkeit im Winter gegrundet. * Vonn, 11. März. Einen entsetzlichen Tod fand der Sohn des Herrn Kaiser aus dem benachbarten Mehlem. Der junge Mann fiel in der Krautfabrik in einen K ssel mit siedendem Wasser. Fürchterlich verbrüht, aber noh lebend, brachte man iyn in eine hiesige Krankenanstalt, wo er nach 1½ tägigem, qualvellem Leiden verschied. dem (Nachdruck verboten.) 1 W i t t e n, 1 2. M ä r z. S c h ö f f e n g e r i c h t A l s Schöffen funz ierten die Herren Kaufmann Georg Langelittig und Bauunternehmer Hermann Königer von hier. 1. Der Knecht Josef B. von hier wird wegen öffentlicher Beleidigung des Polizeisergeanten Stör in eine Gefängnisstrafe von 1 Woche genommen. Dem Beleidigten wird auch die Publikationsbefugnis in einer hiesigen Zeitung zuerkan t.— 2. Der Bergmann Hermann V. kam am 1. Janna; in die Wornung des Arb=iters Lucwia D. um demselben zum„neuen Jahre“ zu gratulieren. Als D. nun völlig betrunken in der Stube lag und keine Antwort gab, gab V. demselben einige Ohrfeigen. Hierfür wurde auf eine Geldstrafe von 30 Mk. oder 10 Tage Gefängnis erkannt.— 3. Am 9. November v. J. wurde der Steinhauer M. von Stockum in der Nähe der Reichshalle von 3 unbekunnten Personen überfallen und jämmerlich verhauen. Während von den Thätern 2 fortliefen, gelung es der Polizei, den Fabrikarbeiter Jos. C. von Lungendreer zu erwischen. C. leugnet und will die beiden andern Personen nicht kennen. Der Angeklagte wird aber für überführt erachter und mit 2 Monate Gefängnis bestraft.— 4. Der Bergmann Karl K hat am 5 Januar seinen zukünftigen Schwiegervater, den Dreher Wilh. H., mit einem Stocke zwei Schläge versetzt. Unter Annahme mildernder Umstände wurde auf eine Geldstrafe von 50 Mark oder 14 Tage Gefängnis erkannt.— 5. Der Knecht Franz M. kam am 22. Dezember v. J. mit dem Arbeiter Leopold N. an der Gerichtsschule in Wortwechsel. Ohne jede Veranlassung schlug nun der Angeklagte mit dem eisernen Wippstock den N. am Kopfe. Da der Angeklagte wegen Körperverletzung schon mit schweren Strafen vorbestraft ist, so wurde unter sofortiger Verhaftung auf 6 Monate Gefängnis erkannt. — 6. Der Fabrikarbeiter Wilhelm P. und dessen Ehefrau wurden von der Anschuldizung des Hausfriedenbruches freigesprochen.— 7. Der aus dem Zuchthause in Werden vorgeführte Arbeiter Wilh. W wird unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Hausfriedensbruchs und Bedrohung in eine Zusatzstrafe von 4 Monaten Zuchtbaus genommen. — 8. Der Bergarbeiter Wilh. W. hatte sich wegen Bedrohung und der Bergmann Jos. V. wegen Mißhandlung zu verantworten. W. erhielt 6 Wochen Gesängnis und V. 5 Mark oder 1 Tag Gefängnis zuerkannt.— 9. Wegen Bettelns, erhält der Arbeiter Ludwig B. 14 Tage Haft zuerkannt. Der Bocholter Spinnerei=Einsturz vor der Strafkammer. Münster, 12. März. In der heutigen Verhandlung wurde durch die Vernehmung des Beionarbeiters Thomas noch festgestellt, wen die Schuld an der Errichtung und der Vergrößerung der Kalkgruben im Keller des eingestürnen Fabrikgebäudes trifft. Als Hülskamp die Mauerarbeiten ausführte, ließ er im Keller des Fabrikgebäudes eine Kalkgrube verstellen, die in der Nahe des Fundaments der Säule Nr. 4 belegen war. Dieselbe war aber noch so weit von dem Fudamente entfernt, daß eine Möttelmühle bequem zwischen Grube und Säule stehen konnte. Nachdem die Beionarbeiter von Diß so weit waren, für die Herstellung der Decken auch Kalk benutzen zu müssen, nahmen sie die vorhandene Grube, die ihnen von Sommers angewiesen wurde, in Benutzung. Da sie dem Meister Günther nicht ausreichend erschien, ließ er sie durch den Arbeiter Thomas vergrößern, und zwar nach der Sete hin, wo das Fundament der Säule lag, das hierdurch fast ganz freigelegt wurde. Thomas legte auch an der andern Seite des Fundamenis eine zweite Kalkgrube an, die er durch eine über das Fundament gelegte Rinne miteinander verband. So war das Säulenfundament von zwei Seiten völlig bloßgelegt. Daß dieser Umstand seine Festigkeit erheblich zu beeinträchtigen geeignet war, ist nicht zu bestreiten. Die Gutachter haben sich über diesen Punkt, den die Angeklagten für sich ungemein günstig deuten, noch nicht geäußert. Wann der Prozeß zu Ende gehen wird, läßt sich noch nicht übersehen. Leipzig, 13. März. Das Reichsgericht verwarf heute die Reoision des Dr. Förster, Redakteur der Ethetischen Cultur in Beilin, gegen das Urteil des Lundgerichts I zu Berlin, durch das Förster wegen Majestätsbeleidigung zu 3 Monaten Festung verurteilt worden war. Handel und Verkehr. — Das rheinisch=westfälische Kohlensyndikat wird laut einer Meldung der Frankf. Ztr, demnächst in dem vom belgischen und englischen Mitbewverb stark umstrittenen Absatzgebiet einen mäßigen Preisnachlaß eintreten lassen. Die Zustimmung der bereiligten Zechen sei bereits gesichert. Vermischte Berlin. Gegen Hammerstein ist die Untersuchung so weit gediehen, daß die Ansetzung des Termins zur Hauptverhandlung unmittelbar bevorsteht. Dem Vernehmen nach lautet die Anklage auf Unterschlagung, Betrug und einfache Urkundenfälschung. Da das Moment der schweren Urkundenfalschung hiernach weggefallen ist, so ist die Strafsache auch der Zuständigkeit des Schwurgerichts entzogen und wird vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung kommen. Der Termin zur Hauptverhandlung wird voraussichtlich im ersten Drittel des Monats Apris, wahrscheinlich am 8 April, anberaumt werden. Den Vorsitz in der Sirafkammer wird Landgerichtsdirektor Rieck führen, die Anklage durch Oberstaatsanwalt Drescher vertreten sein. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Ractzel I. Berlin, 13. März. Die heutige Nummer des Anarchistenorgans, der Sozialist ist wenen Majestatsbeleidigung konfisziert worden.— Ein allgemeiner Ausstand der Schuhmacher behufs Erreichung der neunstundigen Arbeitszeit steht bevor. Leivzig, 12 März Eine Versammlung von 2500 Buchdruckern genehmigte das Uebereinkommen mit den Prinzipalen. Ein Ausstand gilt als endgiltig ausgeschlossen. — Ein neues Geschütz. Seit einigen Tagen weilt der Besitzer der Gewehr= und Muntionsfobriken ven Dieyse aus Sömmerda in Berlin, um dem Kriegsministerium eine neue Waffe zu präsentieren. Es ist dies eine Pistolen=Mitrailleuse, welche der italienische Hauptmann Nurolla konstruiert hat. Herr v. Dreyse, der im vergangenen Jahre auf seiner italienischen Reise mit dem Erfinder in Verbindung getreten war, hat kont aktlich die Alleinfabrikation dieser Waffe für das In= und Ausland übernommen. Näheres über die neue Erfindung ist noch nicht bekannt genorden. — Kein Kommißbrotzwang. Denjenigen Mannschaften des preußischen Gardeloups, welche nach Befund des Arztes zu schwache Verdauungsorgane haben. um das schwere Kommißbrot ohne Schädigung ihrer Gesundheit genießen zu können, wird seit neuerer Zeit an Stelle des Brotes Geld verabreicht, um sich leichteres, ihrem Magen mehr zusagendes Brot kaufen zu können. * Eine Niederlage des Pariser Rothschild. Baron Alfons Rothichild war seit langen Jahren Schatz= meister der französischen Gesellschaft der Landwirte, einer vornehmen Verbindung, die etwa 10.000 Mittel= und Großgrundbesitzer umfaßt. Gezen seine Wiederwahl entspann sich eine lebhafte antisemitische Agitation und bei den letzten Vorstandswahlen ist Rothschild nun durchgefallen. Ec erhielt nur 1949 Stimmen, sein Gegner dagegen 2782. Die Pariser Antisemiten feierten diesen Sieg mit Straßenkundgebungen. Baku, 11. März. Durch eine in den Petroleumquellen des Besitzers Melikowentstandene Feuersbrunst wurden acht Quellen sowie zwei Fabrikanlagen zerstört. Zwei Arbeiter sind verbrannt und fünf schwer verletzt. Berlin, 14. März. Die englische Textilarbeiter= Gewerkschaft hat beschlossen, den streikenden Textilarbeitern in Cottbus 4000 M. zu sendeg.— Der Streik der Zimmere. hat bis jetzt 13020 M. gekostet. Ein Wiederaufleben desselben soll bevorstehen, da die Zimmermeister für die Sommermonate auf der Forderung einer zehnstündigen Arbeitszeit bestehen(jetzt neun Stunden). Auch ein Wiederaufleben des Confeciionsarbeiterstreiks hat der Delegirte Wusthik für die Wintersaison angekündigt: es soll dann der Forderung der Betriebswerkstätten größere Beachtung geschenkt werden. Paris, 14. März. Am Montag tritt hier die internationale Eisenbahnkonferenz zusammen. Sämtliche Regierungen, die das Berner Abkommen unterzeichnet haben, werden auf der Konferenz vertreten sein. Wien, 14. März. Nach der Polit. Korr fanden in Albanien nur unbedeutende Zwistigkeiten bei Eloassan statt. Der sonstige Zustand sei normal. London, 14. März. In einem Artikel der Times heißt es, die egyptischen Interessen und die englische Politik machen das Vorrücken auf Dongola zu einer dringenden Angelegenheit, da der Stoß, den das Ansehen der europäischen Mächte durch die Niederlage der Italiener erlitten habe, durch einen Friedenschluß mit Menelik nicht neutralisiert werden könne. Die Jahre der englischen Verwaltung hätten Aegypten eine machtvolle Armee gegeben, und für Aegypten sei jetzt die Zeit gekommen, den Sudan wiederzugewinneg. Petersburg, 14. März. Entgegen den bisherigen Behauptungen verlautet aus maßgebenden Kreisen, die Frage, ob Fürst Ferdinand persönlich nach Moskau zur Krönung kommen würde, sei keinesfalls bereits entschieden. Athen, 14. März. Zwei Grlechen sind in SelinoKasteli auf Kreia ermordet worden. Die Festnahme der Thäter ist unmöglich, da die Gendarmen wegen rückständiger Löhnung den Dienst verweigerg. Auch die Zivilbeamten drohen aus demselben Grunde den Dienst zu verweigern. Kairo, 14. März. Der Vormarsch der ägyptischen Truppen aus Dongola steht unmitielbar bevor. Ein Bataillon des englischen Regiments Connaught Rangers erhielt den Befehl, nach Wadyhalfa zu marschiren. Ein Negerbataillen der ägyptischen Armee geht sofort nach Wadyhalfa ab. Asmara, 14. März. General Baldissera telegraphierte nach Rom, er bedürfe an Verstärkungen nur der drei Bataillone und der drei Batterieen, die soeben abreisten. Das Overations=Korvs befinde sich in gutem Zustande. Peking, 13. März. Die Nachricht, es bestehe ein geheimer Vertrag zwischen China und Rußland, wird beVeh Personenstand. Annen. Getauft. Wilhelm Heinrich Franz, S. v. Hüttenbeamter Heinrich Köster, U.=Rüdingstr.— Albertine Ida Hedwig, T. v. Bergmann Hermann Bültmann, Gr. Borbach.— Ewald, S. v Bergmann August Sommer. Wartenberg.— Elise, T. v. Holzarbeiter Friedrich Kersting, Wartenberg. —. Elise, T. d. unverehelichten Anna Rudeck, Gederbach. Langendreer. Getauft: Wilhelm Alfred, S. v. Bergmann Wilhelm Stede, Bahnhof.— Alma Emilie, T. v. Beramann Diedrich Bergmann. Ch.— Carl Friedrich Rudolf, S. p. StationsAssistent M. Neumann, Df.— Friedrich Heinlich Wilbelm, S. v. Landwirt F. Lindemann, Df.— Amalie, T. v. Coaksarbeiter Heinrich Husemann, Byf.— Friedrich, S. v. Schmied Gustav Wilhelm Thieman, Bhf.— Joh. Friedr. Call, S. v. Fabrikarbeiter Ludwig Gontrom, ds.— Wilh. Adolf, S. v. Bgm. Adolf Salomon, Höhe.— Auguste Emma, T. v. Bergmann Wilhelm Biller, Holz.— Anna Catharina Bertha, T. v. Bergmann Withelm Schmidt. Df. — Johanna Clara, T. v. Fabrikarbeiter Christian Mitze, Hz.— Luise Johanna, T. v. Schlosser Heinr. Ulm, Crone. — Anna Martha Elisabeth, T. v. Fabrikarbeiter Wilhelm Distelkamp, Byf.— August Carl, S. v. Bergmann Carl Brackmann, Hz.— Hellmuth August Hermann, S. v. Anstreichermstr. August Sieber., Df. Getraut: Bom. Heinrich Wilh. Rusche, Df. und Julie Kesten, Hi. v. Bgm. Otto Ludwig, Ch.— Heinr. W. B. Theiz, 5 M., Crone.— Wilbelm Hermann Ablgeier, 2 J. 9. M., Crone.— Auzun Müller, 1 J. 2 M., Briefkasten. Gust. Neuroth, hier. Das Kapselrätsel ist richtig gergien.—=elrätel ist richtig Hüttenarbeiter, Schlosser, Eisen####e, arbeiter 2c. beschmutzen bei der Arbeit ihre Kleider— das teuerste Material des Arbeitsmannes— am meisten, und muß deshalb jede sparsame Frau ein Waschmittel kaufen, das die Wäsche schont, und doch gut reinigt. Wenn sie„Luhn's Wasch=Extrakt“ D. R P. 82424 kauft, halten die Arbeitskleider doppelt so lange; dies kann sie durch einen Versuch bald herausNe in allen Formaten und Einbänden; von dem billigsten Schulgesangbuch zu 1 Mk. an bis zu den feinsten Luxus=Einbänden zu Mk. 12.— empflehlr die A. 18 S 40 neben der Bredbeschule. Bekanntmachung. Die Lieferung der# conto der Armen=Verwaltung an die Armen zu verabfolgenden Schwarzbrote soll für das bevorstehende 1. Quartal 1896/97 mindestfordernd vergeben werden. Reflektanten werden ersucht, ihre Angebote unter Angabe des Preises für das 10pfündige Schwarzbeot in verschlossenem Couvert mit der Aufschrift„Brotlieferung" bis zum 22. ds. Mts. bei der unterzeichneten Stelle einzureichen. Witten, den 14. März 1896. Städt. Armen=Deputation: Ballauff. Zwangsversteigerung Am Dienstag, den 17. ds. Mts., Vormittags 10 Uhr werde ich zu Bommern, Versammlung in der Witthschaft Hillebrandt daselbst 1 Nähmaschine, 1 Spiegel, 1 Warduhr und 1 Bild öffentlich meistbietend gegen Baar versteigern. Witten, den 16. März 1896. Hering, Gerichtsvollzieher k. A. Zwei Wohnund Geschaftshauser, für jedes Geschäft geeignet, in der Nähe der Westfälischen Stahlwerke sind per 1. Mai zu vermiethen event. zu verkaufen. C. W. Schmidt, Architekt und Baugeschäft, Bärendorf b. Bochum, Schulstr. 54. Stadtveroroneien=Versaumtung. Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag, den 19. März 1896, Nachm. 5 Uhr, im Rathhaussaale. Tages=Ordnung: I. Oeffentliche Sitzung. 1. Bericht über die Verwaltung und den Stand der GemeindeAngelegenheiten. 2. Feststellung des Hauptetats.0 g 3. Festsetzung der Kanalbeiträge pro 1896 97. Ref. Spennemann 4. Nachbewilligung von M. 42000 zur Herstellung eines Kühlhauses auf dem Schlachthofe. Ref. Weber. 5. Definitive Anstellung des Carl Rensinghof als SparlassenGehülfe. Ref. Klutmann....„.. J7. Baramts, 6. Definitive Anstellung des Heinr. Reißaus ais Bauumir= Asistent. Ref. Derselbe.„Maufuchtinie Für Lie Beraht7. Festsetzung einer neuen Baufluchtlinte für die Beigstraße. Ref. Marr.„„.... 6, Parhinhumsstraßs emisth 8. Desgl. einer Baufluchtume für die Veromdungsstraße zwischen Haupt= und Kirchhofstraße. Ref. Stichternath. II. Geheime Sitzung. Zwei Gegenstände. Der Stadtverordneten=Vorsitzende: Erdmann. K LHUTSPTaGUl. Mit dem heutigen Tage bringe ich unter obigem Namen ein natürliches, kohlensaures Mineralwasser(hochseines Tafelwasser) von sehr angenehmem Geschmack in den Handel. Dieses Wasser ist frei von Bakterien und Zersetzungsprodukten, ist ein reines Naturprodukt und wegen seines Gehalts an gebundener Kohlensäure, kohlensäuren Salzen und Lithion sehr wirksam gegen Hals=, Magen=, Darm= und Nieren=, bezw. Harnleiden. Das kühl und liegendsaufzubewahrende Wasser bleibt nach Jahren noch frisch und schmackhaft. Empfehle gleichzeitig: Weickardshofer Stahlbrunnen. Die Weickardshofer Stahlquelle ist die bedeutendste Eisenquelle Europas und nimmt in Bezug auf den Gehalt an Eisenoxydul im Bäder=Almanach (4. Ausgabe) folgende Stelle ein: Weickardshofer Quelle 0,0888 Eisenoxydul in 1000 Theilen Bildungs=Verein zu Witten. Mittwoch, den 18. März Abends 8 Uhr, im großen Saale des Herrn Fr. Borgmann: Pheater-Vörstellung der Gesellschaft des Herrn Director Jos. Herrmann. Der Talisman. Dramatisches Märchen in 4 Aufzügen mit theilweiser Benutzung eines ealten Fabelstoffes von Ludw. Fulda. Eintrittsgeld à Peison für Mitglieder Mk. 0.30, für Nicht. mitglieder Mk. 1.— Der Vorstand. Geschäfts-Anzeige. Hierdurch zur heutigen Tage Das Weickardshofer Stahlwasser ist anzuwenden bei Nieren= Blasen= und Steinleiden(Harntreibend), bei Magen= und Darmkatarrhen, bei Störungen der Blutmischung, als Blutarmut, Bleichsucht 2c. Broschüren über den kurgemäßen Gebrauch des Wassers, verfaßt von Sanitätsrat Dr. Schneider=Fulda, sind bei mir zu haben. Hochachtungsvoll Fr. Prese, Kohrcheustr. Toilelte-Cream in den Apotheken Darte Pieltriag und Drogerien. In Douenano gon ot f. in Taten Lgon sto Pl Unüber: troffen als Schönheitsmittel und zur Hautpflege. Polizei=Verordnung. Unter Bezugnahme auf die Allerhöchste Kabinetts=Ordre vom 15. April 1825 und auf Grund des§ 11 des Gesetzes über die PolizeiVerwaltung vom 11. März 1850 verordnen wir für den Bereich unseres Verwaltungsbezirks was folgt:„ Wv. Een ee § 1. Bodenluken in landwirtschaftlich benutzten Gevauden mussen hinfort mit einer mindestens 6 cm hohen, nicht abnehmbaren Holzleiste umgeben sein, deren äußere, dem Bodenraume zugekehrte Kante sich rechtwinklich vom Bodenbelage abhebt. § 2. Außerdem müssen Bodenluken fortan mit nachstehender Schutzvorrichtung versehen sein: 1. entweder mit einer in Rollen unter der Luke laufenden Schieberkappe, welche, abgesehen von der Zeit, wo die Luke bei der Arbeit benutzt werden muß, stets geschlossen zu halten ist, oder 2. mit dem sogenannten Viergespann. Das Viergespann besteht aus 4 in Balken eingezapften, mindestens 10 cm starken und mindestens 85 cm hohen durdh drei Reihen Querlatten verbundenen Eckpfosten. Die Eckpfosten des Viergespanns dürfen überhaupt nicht, die Querlatten nur mährend des Aufbringens ron Getreide, Feldfrüchten oder Lasten auf den Boden, ausgehoben werden und muß das Wiedereinlegen der Querlatten sofort nach beendigtem Gebrauch erfolgen. § 3. Abweichungen bezuglich der Konstruktion der Einsriedigung (No. 2 in§ 2) darf der Landrath in begründeten Fällen ausnahms weise gestaten...... P.sher„.I.: Ham M,)iaz; Rarand § 4. Die jetzt vorhandenen, den bieyer genenden Polizei=Veroid nungen entsprechenden Sicherungs=Vonichtungen können, solange sie einer Erneuerung nicht bedürfen, statt der durch§ 2 vorgeschriebenen beibehalten werden...„.. B. rar Auuna uarest 4..5. § 5. Die durch gegenwärtige Polizei-Veroronung vorgeschliebenen Sicherheits=Vorrichtungen sind— abgesehen von den Fällen des§ 4 — bis 1. Oktober 1887 auszuführen. § 6. Für die Einrichtung und Erhaltung derselben ist der Eigenthümer, Nießbraucher und Pächter verantwortlich. § 7. Zuwiderhandlungen werden, sofern nicht nach§ 5### No. 12 des Reichsstrafgesetzbuchs eine höhere Strafe angebracht erscheint mit der durch die Allerhöchste Kabinetts=Ordre vom 15. April 1825 angedrohten Geldstrafe von 15 Mk., event. mit verhältnißmäßiger Haft geahndet.“ Ainsbera, den 7. Auril 1887.„ Königliche Regierung, Abtheitung des Innern. gez. Keßler. Vorstehende Polizei=Verordnung wird hiermit in Erinnerung gebracht. Bommers, den 6. März 1896. Die Polizei=Behörde. Frielinghaus. SCCAULN Fast alle Berufszweige leiden an Ueberfüllung, nur die Stellungen als landwirthschaftl. Rechnungsbeamte, machen hiervon eine Ausnahme und sind solche stets vakant. Jungen Leuten ohne Vermögen bietet sich hier noch eine rentable Carrière. Ausbildung dauert 3—5 Monate, erste Stellung wird gleich nach Absolvirung des Cursus kostenfrei nachgewiesen. Ausführlicher Prospect und Programm gegen 20 Pfg. durch das Centra blatt Stektin, Kronprinzenstraße 16. 99 30 2. 2 gefl. 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Wir haben deshalb den Straßenund Baufluchtlinierplan gemäß der Bestimmung im§8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875(G.=S. S. 561) förmlich festgestellt und bemerken, daß der Plan vom 19. dieses Monats ab 3 Tage lang im Stadtbauamte Zimmer No. 17 des Rathhauses zu Jedermanns Einsicht offen liegt. Witten, den 13. März 1896 Der Magistrat: Dr. Haarmann. Knochenmehl, Rauo Brirachlungs=Ergenstandt, als: Kronleuchter, Schaufenster=Arme, Lyren 2c. Patent Dr. Auer u. nur 5 Mk. nur 10 Mk. elektrische Glühlampen (Vertr. v. Gebr. Pintsch, für die Provinz Westfalen), Gasöfen, Kochherde für Gasfeuerung,#### Badeöfen u. Wannen, Gasbügeleinrichtungen 2c. empfiehlt Gustav Reunert, Ruhrstrasse 46. Pernofferiert billigst Gewerbeschule, Poststraße 20. S. Rosenberg, Wiesenstraße 14. N cice S Die Spattasse des Aimtes Annen nimmt Einlagen in jeder Höhe, auch per Posteinzahlung entgegen und verzinst solche mit 33½ Prozent. 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