Nr. 246 Witten, Samslag, den 19. Oktober. 1895. E Elememistis dund in urlae Erscheint wöchentlich sechs Mal. Anzeigen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. Fernsprech=Nr. 46(Amt Witten). Generat=Anzeiger für Witten und Amgegend. Abonnementspreis(mel. der Beilage „Märkisches Heim"): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pf. bei Bestellung durch die BotenBei Abnahme auf der Post 2 Mark ausschl. Bestellgeld. * Zum 18. Oktober. Auf dem Blut= und Ehrenfeld von Wörth wird heute das Denkmal enthüllt werden, das die deutsche Nation dem Kaiser Friedrich gesetzt hat. Es ist zur Feier keiner der vielen Jahrestage, an denen der Kriegsheld sein siegreiches Schwert geschwungen, es ist sein Geburtstag gewählt zum Zeugnis, daß die Erinnerung an Kaiser Friedrich, obwohl sein Bildnis sich auf einem Schlachtfeld erhebt, nicht durch kriegerische Ruhmesthaten ausgefüllt ist, sondern die deutschen Herzen auch dem Fürsten und Menschen gehört haben. Der Zauber, der von seiner erlauchten Persönlichkeit ausging, stellt den Fürsten in der Geschichte der Einigung Deutschlands ebenbürtig neben den Feldherrn, der Weißenburg, Wörth und Sedan schlug. Er hatte ein Band um Süd und Nord geschlungen noch ehe die vordem getrennten Bruderstämme unter seiner Führung kämpften und siegten. Und nachdem kostbares Blut den Bund gekittet, durfte keiner sich rühmen, seiner Befestigung glücklicher gedient zu haben, als der im Norden und Süden gleich geliebte und bewunderte„Kronprinz“. So ist dem herrlichen Fürsten, wenngleich das Schicksal ihm verwehrte, als Regent seinen Namen tiefer in die Tafel der Geschichte zu graben, auch als ein Mann des Friedens einer der Schöpfer des Reichs geworden, dessen Grundstein er als Befehlshaber im Kriege legen half. Mit unbegrenzter Liebe hat das deutsche Volk an seinem strahlenden Helden gehangen, hat es sein Schmerzenslager umstanden, als der Edle, groß im Dulden wie im Streiten, einem allzufrühen leidenvollen Ende entgegenging. Diese Liebe ist dem Tiefbeweinten über's Grab hinaus verblieben und wird verbleiben wie die Erinnerung an seine Kriegsthaten. Sie wird sich lebendig zeigen in dem unerschütterlichen Festhalten dessen, was Kaiser Friedrich mitgeschaffen. Sein Bildnis erhebt sich auf wiedererobertem deutschen Boden. Wenn es dereinst gelten sollte, sie und mit ihr alles das zu verteidigen, was mit ihrer Wiedergewinnung verbunden war, dann wird die elsässische Erde doppelt gesichert sein, weil ihr das Bild des hehren Kaisers anvertraut ist und den deutschen Streitern das Gelöbnis in Erinnerung bringt, das der Dichter am Todestage Wilhelms I. für sein Volk gethan hat: mit unsern Leibern decken wir Dein Grab, Dein Reich und Deinen Erben.— Und so falle denn in Gegenwart der Majestäten die Hülle des Denkmals! Die umgebenden Truppen präsentieren, die Kanonen donnern, der hehre Feldherr wird sichtbar, hoch zu Roß über das Feld sprengend, seine Truppen zum Siege führend. Wotl stiehlt sich eine Thräne der Wehmut in des Kaisers, in der Kaiserin Auge und vor allem auch derer, die unter Kaiser Friedrich kämpften und siegten, aber dann erfüllt Jauchzen die Brust über die lichte Gestalt, die, wie noch einmal ins Leben gerufen, vor ihnen steht. Und im Geist hören sie noch einmal das Jauchzen und Hurra der Truppen, das den Feldherrn überall empfing, als er nach gewonnener Schlacht über die blutige Wahlstatt ritt, ihnen dankend für ihre Tapferkeit und Ausdauer. Das preußische, das deutsche Volk in seiner Gesamtheit aber hört nicht auf zu trauern um seinen„Liebling", um den edlen Fürsten, der da war: ein Held im Frieden, ein Held des Krieges, ein Held im Leiden und im Sterben! * Der Breslauer sozialdemokratische Parteitag ist zu Ende gegangen und man fragt sich, welche Bedeutung derselbe für unser politisches Leben gehabt hat. Solche Parteitage spiegeln die Entwickelung der Partei in der jedesmal abgelaufenen Periode wieder. Wenn man nun daraufhin den Breslauer Parteitag ansieht, so wird man finden, daß der Zank der Führer untereinander und das Bekunden des Schwindens ihrer Autorität einen sehr breiten Raum in der sozialdemokratischen Entwickelung einnehmen. Wenn früher Bebel und Liebknecht ihre Anschauungen von den der Parteientwickelung vorgeschriebenen Bahnen darlegten, so wagte niemand zu widersprechen. Mit Herrn v. Vollmar fing der Widerspruch gegen ihre Autorität an, und dieser hat gar schnell und gründlich Schule gemacht. Es wagen jetzt schon die jüngsten Führer den Veteranen der Partei Dinge ins Gesicht zu sagen, die in anderen Parteien die Niederlegung der Parteileitung zur Folge haben würden. Früher aber blieb die Opposition gegen Bebel und Liebknecht in der Minderheit. In Breslau wurde es ganz evident, daß die Mehrheit der„Genossen“ nicht mehr auf der Seite dieser beiden Führer steht. Sie werden natürlich der Menge gegenüber zu Kreuze kriechen, damit aber ist die Thatsache nicht aus der Welt geschafft, daß die Menge in gegebenen Fällen der Leitung der Führer nicht gehorcht. Das sollten sich diejenigen Politiker merken, welche jede von der Sozialdemokratie drohende Gefahr damit leugnen, daß sie die Mäßigung der Führer zu betonen belieben. Es ist aber auf dem Breslauer Parteitage noch etwas anderes klar geworden. Die freisinnigen Parteien hatten sich vollständig in der Vorstellung verrannt, daß die Sozialdemokratie eine bürgerliche demokratische Partei werden und schließlich nur Forderungen aufstellen würde, die sich auch innerhalb der Grenzen der heutigen Staats=, Wirtschafts= und Gesellschaftsordnung erfüllen ließen. Der Gang der Dinge schien ihnen manchmal Recht zu geben, obwohl der Charakter der Sozialdemokratie für Leute, die etwas tiefer sehen, niemals zweifelhaft sein konnte. Auch die Beratungen über das Agrarprogramm der Sozialdemokratie schien den freisinnigen Anschauungen Recht zu geben. In diesem Programm waren thatsächlich Forderungen enthalten, die auch von anderen Parteien erhoben sind und die zum Teil sogar auf die Erhaltung des Privatbesitzes an Grund und Boden abzielten. Obwohl für unbefangene Politiker klar war, daß dieses Programm lediglich zum Zwecke des Bauernfanges aufgestellt war und daß, selbst wenn es von der sozialdemokratischen Partei acceptiert worden wäre, es an deren Charakter nicht das mindeste geändert hätte, war es doch den Verfechtern der anderen Anschauung möglich, zur Begründung der letzteren auf die Forderungen dieses Programms zu verweisen. Nun hat in Breslau die große Mehrheit der Delegierten das Programm verworfen. Damit ist von Neuem und ganz offenkundig der revolutionäre Charakter der Sozialdemokratie betont. Sie will auch nicht nach Außen den Anschein erwecken, als ob sie geneigt wäre, den kleinen bäuerlichen und bürgerlichen Existenzen zu helfen. Sie will die letzteren vernichten, um auf dem Grabe derselben ihre Ideen verwirklichen zu können. Das mögen sich diese kleinen bäuerlichen und bürgerlichen Existenzen gesagt sein lassen, es mögen aber auch diejenigen Politiker beachten, welche den Umsturzcharakter der Sozialdemokratie bisher haben leugnen wollen. Die Sozialdemokratie ist revolutionär und wird es bleiben. Das ist die eindringlichste Lehre, welche der Verlauf des Breslauer Parteitages gebracht hat. ∆ Mit jener doktrinären Hartnäckigkeit, welche auch durch die eindringlichste Lehre der Thatsachen nicht zur bessern Einsicht gebracht werden kann, hält die freisinnige Presse an der Vorstellung fest, die Sozialdemokratie treibe ihrer inneren Auflösung entgegen und den Regierungen wie der bürgerlichen Gesellschaft falle keine andere Aufgabe zu, als diesen Zersetzungsprozeß nicht durch ein Eingreifen von außen zu stören. Seit Jahren wird von den Warten der freisinnigen Partei nach Anzeichen dieser inneren Zersetzung der Sozialdemokratie ausgespäht, und mit einem nur durch den Mangel an thatsächlichen Entdeckungen erklärlichen blinden Eifer werden von ihr Vorgänge innerhalb der sozialdemokratischen Partei zu solchen Anzeichen ausgedeutet, welche bei näherem Zusehen auf alles eher, denn auf den Zerfall und die Auflösung der Umsturzpartei schließen lassen. Daß man die Reden und Beschlüsse auf dem Breslauer Parteitag in den Kreisen, welche die Sozialdemokratie als„Kunstprodukt“ der Politik des Fürsten Bismarck beurteilen, in die er Richtung verDer Lüge Saat. 19 Roman von E. von Wald=Zedtwitz. „Aber ich bitte Sie, Herr von Sternfeld!“ „Ich habe bereits erklärt, daß in meiner Aeußerung nichts Beleidigendes für den Marchese liegen sollte, daß ich sie selbst aber nicht zurückziehen könne, weil sie meiner tiefsten Ueberzeugung entsprungen ist. Ferner habe ich auf mein Ehrenwort versichert, daß mir ein unglücklicher Zufall, nicht Absicht, die Taube so fallen ließ, daß sie seine Stiefel und Beinkleider mit Blut bespritzte. Wenn der Herr damit nicht zufrieden ist, so kann ich nichts ändern.“ „Aber ich bitte Sie, Herr Major, ein Ausweg muß gefunden werden!“ Ein eigentümlicher Zug ängstlicher Spannung lag auf Axels Gesicht, der Lutze nicht entging, ebenso wenig wie seine Erregung, welche in Anbetracht ihrer immerhin kurzen Bekanntschaft nicht nur aus der Besorgnis für das persönliche Wohl von Sternfelds entspringen konnte. Jenes kluge, das geistige Uebergewicht kennzeichnende Lächeln umspielte Sternfelds Mund. „Ich bin Ihnen für Ihren Eifer, diese Angelegenheit auf friedlichem Wege zu lösen, sehr verbunden. Da ich aber fürchte, daß sich doch kein günstiges Resultat erzielen läßt, so werden Sie es begreiflich finden, daß ich meine Privat=Angelegenheiten vorher zu ordnen bemüht gewesen bin.“ Dabei weidete er sich einen Augenblick an dem verwirrten Gesicht Dönstruts, der bald den Blick auf die Erde heftete, bald planlos ins Weite starrte und ein über das andere Mal ein kurzes„Natürlich, natürlich“ hervorstieß. „Geleiten Sie mich nach Hause, ich möchte Sie um den Freundschaftsdienst bitten, dort Briefe und Papiere, welche ich Ihnen eben bringen wollte, in Empfang zu nehmen.“ Dönstrut nickte stumm mit dem Kopfe. Sie schritten weiter. Axel hastig, als ginge er einer peinlichen Erwaitung entgegen, über welche er, da er doch keinen Ausweg mehr sah, so schnell als möglich eine Entscheidung haben wollte; von Sternfeld dagegen mit dem Gefühle, wie es wohl eine höhere Fügurg gewollt habe, daß er vor dem Zweikampfe Adda nicht mehr sehe. Würde er, hätte er ihr heute gegenüber gestanden, Herr seiner Gefühle geblieben sein? Fiel er, was hatte dann die vorher erfolgte Aussprache für einen Zweck? Könnte sie nicht ein Hindernis für ein zukünftiges Glück werden, welches Adda beschieden war? Lutze fühlie sich wahrhaft erleichtert, daß eine Erklärung und somit ein Verschweigen der wahren Sachlage nicht erfolgt war. Hätte er mit dem quclenden Bewußtsein, eine Lüge auf dem Gewissen zu haben, aus dieser Welt scheiden sollen?— Nein, es war besser so. Und war der Ausfall für ihn ein glücklicher?— Rosig stieg die Zukunft für ihn auf, er, der so gern lebte, der stets mitten im Leben gestanden hatte, fühlte jetzt erst, wie kostbar es war. „Da sind wir bei meiner Wohnung angelangt. Bitte, gehen Sie voran, Herr Dönstrut, Sie kennen ja den Weg.“ Axel stieg die Treppe hinauf; bei jeder Stufe wurden seine Bewegungen langsamer oben angelangt, mußte er nach Atem ringen. „Prachtvolles Treppenhaus.“ „Sehr schön,“ lächelte von Sternfeld spöttisch. Axel kam ihm wie ein Verurteilter vor, welcher den letzten Gang thut und er empfand ein grausames Vergnügen daran, nach dem Schlüssel erst umständlich in seiner Tasche zu suchen, und so langsam als möglich die Thür zu öffnen. „Bitte, Platz zu nehmen.“ „Danke.“ „Eine Zigarre gefällig?“ „Danke!" „Danke ja, oder danke nein?“ „Ja, ja. Diese Ruhe, wo es sich um so unendlich Wichtiges handelte, war ja um rein aus der Haut zu fahren. Nun erst das langwierige, zierliche Abschneiden und Anstecken dieses Krautes, die Bemerkungen Sternselds über dessen Güte—— schrecklich— unglaublich.— Endlich. Der Major entnahm einer ledernen Brieftasche verschiedene Briefschaften. „Dieses Schreiben ist an meinen Truppenteil gerichtet, es enthält den genauen Hergang der Veranlassung des Duells. Sie wollen die Güte haben, den Ausgang desselben hinzuwulligen:. Axel bejahte, ohne dabei, so sehr ihn auch seine eigenen Angelegenheiten beschäftigten, seine Bewunderung über die Kaltblütigkeit dieses Mannes unterdrücken zu können. „Aber ich bitte Sie, liebster Herr Dönstrut, wenn man, wie ich, in drei Feldzügen ein und dreißig mal im Feuer stand,“ warf der Major ein, um dann mit derselben pflichtmäßigen Ruhe fortzufahren:„Diese Briefe, kurze Abschiedsworte an Verwandte und Bekannie enthaltend, befördern Sie wohl gütigst? Diesen hier, an eine liebe Tante, die Gräfin Zennow, deren Erbe ich werden sollte, und welche ich darin bitte, meine Schulden zu regeln, lassen Sie vielleicht rekommandiert abgehen!“ „Gewiß, gewiß,“ warf Dönstrut zerstreut ein. Seine Ungeduld steigerte sich aufs Höchste, denn es war doch nicht zu denken, daß Herr von Sternfeld die zwischen ihnen schwebende Geldfrage mit Stillschweigen übergehen sollte.— Da— Axel erbleichte. Der Major leate den bewußten Schuldschein und die einen so hohen Wert darstellenden Visitenkarten auf den Tisch. „Nun zu unserer Angelegenheit——“ Herr von Sternfeld brach kurz ab, zerriß vor den Augen des vor Staunen außer Fassung geratenen Axel, Papier und Karten in kleine Stückchen, trat auf den Balkon und gab dieselben den Winden preis. „Aber wenn der Ausgang—“ „Ist er ein glücklicher, so widerstrebt es mir erst recht, als Ihr Gläubiger dazustehen. Die Art der Bezahlung, welche Sie durch Ihre Zeilen durchblicken ließen, erregt jetzt, wo ich mich wiedergefunden habe, ich gestehe, daß ich mich eine zeitlang selbst verloren hatte, meine ganze Empörung. Ein anderer Weg, mich als ihren Gläubiger zu befriedigen, blieb Ihnen freilich nicht übrig. Selbst wenn ich eine Klage gegen Sie anstrengen wollte, so würde mir das doch nicht zu meinem Gelde verhelfen, denn Ihre Besitzung ist über und über verschuldet.— Lassen Sie mich gefälligst aussprechen. Am Vorabende eines so wichtigen Ereignisses muß Offenheit herrschen, ich will nicht mit einer Lüge von hinnen gehen. Ich kannte Sie, Ihre Verhältnisse, die Marotte Ihrer Fräulein Schwester aus Mitteilungen eines Bekannten, eines Landsmannes von Ihnen, schon ehe wir im Klub zusammen spielten.— Die Erscheinung, das Vermögen Ihrer Schwester lockten mich, die Lust, dieses Mädchen kennen zu lernen, stieg in mir auf und so benutzte ich denn die mir durch Sie gebotene Gelegenheit, mich ihr zu nähern. Sie, Herr Dönstrut, arbeiteten mir dabei so kunstgerecht in die Hand, daß ich wenig mehr zu thun hatte, als mich von den Wogen der Ereignisse treiben zu lassen. Ich sah Adda, liebte sie, empfand mein und— seien Sie mir nicht böse— Ihr Benehmen mit Verachtung, der ganze Handel ekelte mich an und so bin ich glücklich, wenigstens das Objekt, was Sie zu demselben veranlaßte, mir womöglich Ihre Schwester in die Arme zu führen, aus der Welt geschafft zu haben. Wir sind Beide schuldig, mein lieber Freund, es giebt eben schwache Stunden im Leben jedes Mannes, auch des Besten— und zu den Besten zählen wiw Beide doch wohl noch lange nicht. Zwei Schuldige pflegen nicht vor einander zu erröten und so werde ich vergessen, daß ich Ihnen ein Vermögen schenkte, dessen Beschaffung Sie von dem geraden Pfade ablenkte, und vergessen Sie dafür, daß ich Ihnen dabei auf halbem Wege begegnete. Eines aber versprechen Sie mir—“ „Alles— Alles!“ „Ob ich lebe oder sterbe, geben Sie mir Ihr heiliges Ehrenwort, Adda nie zu verraten, wie sehr ich mich herabwürdigen konnte.“ Die Stimme des Majors zitterte.„Ich möchte, daß sie ein ungetrübtes Bild von mir im Herzen bewahrt.“ Axel siel Lutze um den Hals.„Mein heiliges Ehrenwort, zehn— hundertmal!" „Einmal genügt mir. Und jetzt kein Wort mehr davon. Diese Sache ist begraben und vergessen!" „Vergessen und begraben!" „Nun, lieber Dönstrut, lassen Sie mich, bitte, allein, morgen früh um fünf Uhr werden Sie mich bereit finden.“ Axel brach in Thränen aus.„Mensch, ich muß Dich küssen!“ Sie küßten sich herzlich, dann schwankte Dönstrut zur Thür hinaus. „Mir ist es, als hätte ich aufrichtigen Herzens die Beichte abgelegt und wäre nun durch das heilige Abendmahl von meinen Sünden freigesprochen worden.“ Er ging langsam im Zimmer auf und nieder, Gefühle, die so lange regungslos in seiner Brust geschlummert hatten, erwachten wieder.— Er gedachte der fernen Kindheit, wie ihm die Mutter die Hände zum Gebete faltete, des Tages, wie sein jüngstes Schwesterchen starb und wie er sich damals nicht hatte denken können, daß alle Menschen sterben müßten. Nun war's vielleicht mit ihm selbst so weit.— Morgen, morgen schon. Und jetzt gerade, wo das Leben einen neuen Reiz für ihn bekommen hatte und zwar einen solchen, der sich von allen anderen, welche es bis jetzt erfüllt hatten, so wesentlich unterschied. Es war der edelste, der reinste— es war der der heiligen Minne, welcher ihn mit all' seiner Kraft ersaßte, der mit seinen Silberfäden, zart wie Spinneweben und dennoch unzerreißbar wie Eisenketten sein umwoben hatte. Ja, Lutze von Sternfeld liebte. Der Schmetterling, der bis jetzt tändelnd von Blume zu Blume flog, dem sich so mancher Kelch erschloß, daß ihn zuweilen der Ueberfluß an Genuß übermannte, ihm das ganze Geschlecht der Frauen in einem falschen, trügerischen Lichte erschien, er blickte jetzt zu einer dieses Geschlechtes, wie zu einem Hei ligen auf. (Fortsetzung folgt.) werten würde, war vorauszusehen. Die Organe beider freisinnigen Richtungen sind einig darüber, daß in Breslau sich die„Keime zu einer Spaltung“ der sozialdemokratischen Partei gezeigt haben,„die man nicht durch äußere Eingriffe ersticken" dürfe. Das fortschrittliche laisser aller ist nun schon so verschiedentlich ad absurdum geführt worden, daß es sich nicht verlohnen würde, seiner Anwendung auf die Sozialdemokratie entgegen zu treten, wenn es nicht gerade hier gälte, einer durch Unterschätzung wachsenden Gefahr entgegenzutreten: der Gefahr einer Bestärkung der bürgerlichen Parteien in ihrem Hange zur Unthätigkeit gegenüber der Sozialdemokratie. Erfahrungs= und sachliche Gründe der schweiwiegendsten Art sprechen entschieden gegen die Annahme, von Breslau werde der Anfang der Auflösung der Sozialdemokratie datieren. Wer die Entwickelung der Sozialdemokratie in Deutschland verfolgt hat, wird keinen Augenblick darüber im Zweifel sein dürfen, daß die Partei den Zwiespalt, welcher durch die Agrarfrage bedingt ist, ebenso überwinden wird, wenn nicht schon überwunden hat, nie sie frühere Meinungsverschiedenheiten überdauett hat. Vor 25 Jahren, als Bracke nach Hamburg schrieb, Liebknecht und Bebel„ruinierten die Partei“ durch ihr„unpatriotisches Verhalten“, konnte man vielleicht einigermaßen mit Recht die Erwartung hegen, der gesunde Sinn der deutschen Arbeiterschaft werde der sozialdemokratischen Propaganda ein Ziel setzen; aber seitdem hat das Gift des Sozialismus weit um sich gefressen und die Sozial demokratie hat Erfolge für sich zu verzeichnen gehabt, die durch ihre Zahlengröße imponieren und deshalb eine werbende Kraft besitzen. An persönlichen Streitigkeiten, an äußerlichen Gegensätzen hat es in der Sozialdemokratie niemals gefehlt. Diese Gegensätze sind in Breslau auch nicht zum ersten Male zu scharfem Ausdruck gekommen, aber sie sind niemals so weit gediehen, daß sie die Partei einer Spaltung genähert hätten. Die glatte Beseitigung der„Jungen“, deren Opposition doch keineswegs ausschließlich auf persönlichen Motiven beruhte, sondern von Strömungen innerhalb der Partei getragen war, hat gezeigt, wie energisch man auf sozialdemokratischer Seite etwaige Gegensätze zu überwinden weiß. Auch dort sah der Freisinn den„Kern zur Spaltung" gegeben. Die Sozialdemokratie ist über jene Differenzen mit Leichtigkeit„zur Tagesordnung" übergegangen. Diese„Tagesordnung“ aber ist der gemeinsame Kampf gegen die bestehende Staats= und Gesellschaftsordnung. Vergesse man doch nicht, daß es sich bei dem vielbesprochenen Agrarprogramm im grunde genommen nur um die Frage der Agitationsmethode gehandelt hat. Bebel hat in Breslau ebensowenig seine revolutionäre Gesinnung verleugnet, als Kautsky die Notwendigkeit eines oppottunistischen Vorgehens in der Landagitationsfrage prinziviell bestritten hat. Nur das Programm, der für alle Sozialdemokraten festgelegte allgemeine Standpunkt, sollte nach Ansicht der Schippel, Kautsky und Genossen nicht irritiert werden, und um das zu erreichen, hat die Resolution Kautsky den kommunistischen, sozialrevolutionären Charakter der Partei nachdrücklich in Erinnerung gebracht. Wie wenig der Bestand der Partei durch die persönlichen Meinungsverschiedenheiten der Führer berührt wird, beweist der Umstand, daß auch nicht das geringste darüber verlautet, Bebel gedenke das ihm vom Parteitag übertragene Amt eines Vorsitzenden wegen der ihm bereiteten Niederlage abzulehnen. Auf freisinniger Seite führt man auch als„Keim der Zersetzung“ den Widerspruch an, in welchen sozialdemokratische Landtagsabgeordnete und Gemeinderäte mit ihrer bisherigen Haltung durch den Breslauer Beschluß versetzt würden. Man stützt sich dabei auf das Zeugnis Dr. Quarck's, der in Breslau Herrn Singer zurief, die Annahme der Resolution Kautsky werde ihm die Ausübung seines Berliner Stadtverordneten=Mandats unmöglich machen. Singer hätte mit Grund die Antwort erteilen können, es sei ihm unerfindlich, wie das sozialdemokratische Programm, das ihm bisher nicht an seiner Thätigkeit im Berliner Rathause beirrt habe, nunmehr, weil es in Breslau noch einmal bekräftigt würde, ihn genieren sollte. Um die Thätigkeit der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten steht es nicht anders. Ueber solche Zwirnsfäden stolpern die Sozialdemokraten nicht. Es wird gut sein, sich nach dieser Richtung keinen Illusionen hinzugeben. Berlin, 16. Oktober. * Berliner Nachrichten. Der Kaiser besuchte von Novéant Corny aus die Schlachtfelder vom 16. August. Später beritt er die Schlachtfelder des linken Flügels der deutschen Truppen vom 18. August. Kurz nach 12 Uhr kam er mit dem Graf Häseler zu Wagen durch Gravelotte. Der Wagen wurde von einer Eskadron der ersten hannoverschen Dragoner Nr. 9 eskortiert. Beim Eintreffen des Kaisers wurden Böllerschüsse gelöst, während die Glocken läuteten. Die zahlreich anwesende Menschenmenge und die zum Empfange aufgestellte Schuljugend begrüßten ihn mit lebhaften Hurrarufen. Er fuhr zunächst nach dem Aussichtsturm, kehrte dann nach Metz zurück und begab sich zum Kaiser Wilhelm=Gedenkstein. Die Kaiserin wurde in Amanweiler, wo die Schuljugend aufgestellt war, vom Bezirkspräsidenten und dem Kreisdirektor empfangen. Von Amanweiler begab sie sich über Saulny nach Metz; alle Ortschaften auf der Fahrt waren festlich beflagat. Hier empfing die Kaiserin im Bezirkspräsidium den Vorstand Kleine Mitteilungen. — Koche mit Gas. Einer Plauderei der„Nat.=Ztg.“ entnehmen wir Nachstehendes: Als der kategorische Ruf: „Koche mit Gas!“ vor etwa drei Jahren erging, hat der Urheber desselben wohl selbst nicht gehofft, daß er eine so allgemeine und sich von Tag zu Tag steigernde Beachtung finden würde. Allerdings war die Propaganda für den Gaskocher eine durchaus praktische. Es wurde darauf verzichtet, die Hausfrauen durch Beschreibungen zu gewinnen. Man nahm sie in die Hand und führte in interessanten Vorträgen mit Kochdemonstrationen aus, worin die Vorzüge des neuen Systems beständen. Gegen die Vortrefflichkeit des Systems ließ sich natürlich nichts einwenden. Trotzdem würde der Siegeszug des Gaskochers nicht so bedeutend gewesen sein, wenn neben allen anderen Gründen nicht auch die Kostenersparnis für das„Koche mit Gas“ gesprochen hätte. Wir sind mit dem Gaßkocher allerdings dem Amerikaner, der seine Vortrefflichkeit sehr schnell erkannt hatte, um mindestens ein Jahrzent nachgehumpelt. Und wer weiß, wieviel länger es noch gedauert hätte, wenn das elektrische Licht nicht den Antrieb dazu gegeben hätte, für den durch die Verwendung des elektrischen Lichts bedeutend verminderten Konsum des Gases ein neues Absatzgebiet zu entdecken. Erst dieser Zwang führte die Gasgesellschaften dazu, Anstrengungen zu machen, sich die Hausfrauen zu gewinnen. Es ist ihnen das in so überraschender Weise gelungen, daß heute der Gaskocher zu dem Hausgerät gehört, welches keine Hausfrau, die ihn kennen gelernt hat, wieder missen möchte. Nicht allein die größere Billigkeit ist für seine Beliebtheit maßgebend, sondern die bei dem Kochherd ausgeschlossene Möglichkeit, jede einzelne Flamme des Gaskochers selbständig zu regulieren, also jede beliebige Zahl von Kochtöpfen über beliebig große oder kleine Flammen aufzustellen. Die Zeit, welche man zum Kochen braucht, wird verkürzt, das„Anheizen“ fällt fort, das„Verbrennen“ der Speisen, wenn die Kochende abgerufen wird, ist unmöglich, die große Hitze in der Küche während der Sommermonate wird vermieden, während im Winter durch eine besondere Flamme genügende Wärme erzeugt werden kann, und das Einrußen der Kochtöpfe mit seiner ganzen Gefolgschaft von Schmutz beim„Aufwasch“ fällt fort. Die Arbeit in der Küche vermindert sich außerordemlich und die Möglichkeit, vorübergehend oder dauernd mit weniger Dienstpersonal auszukommen, ist jetzt viel größer. Eines nur ist verwunderlich: daß der Preis der Gaßkoch=Einrichtungen, von dem Kocher selbst bis zu den Töpfen, noch ein so hoher ist. Will man dem Gaskocher des vaterländischen Frauenvereins und besuchte dann mehrere Anstalten. Der Kaiser, der gegen 1 Uhr ankam, speiste mit dem Offizierkorps des Königsinsanterieregiments Nr. 145 zu Mittag. Das Wetter ist windig und regnerisch. — Statthalter Fürst Hohenlohe=Langenburg hat sich von Straßburg zum Kaiser begeben.— Bürgermeister Back erläßt an die Bürgerschaft von Straßburg einen Aufruf, in welchem er die Ankunft des Kaiserpaares mitteilt und die Bürgerschaft auffordert, die Häuser festlich zu schmücken.— Reichskanzler Fürst Hohen: lohe hat sich am Mittwoch Abend nach Straßburg begeben zur Teilnahme an der Enthüllung des Kaiser Friedrich=Denkmals in Wörth. Als Vertreter der bayrischen Armee begeben sich nach Straßburg bezw. Wörth der Kriegsminister, der kommandierende General v. Parseval und der Chef des Generalstabes v. Giehrl.— Der Ausschuß des Bundesrats für Justizwesen hielt Mittwoch eine Sitzung. Am heutigen Donnerstag versammelt sich das Plenum wieder.— Ein preußischer Ministerrat hat am Mittwoch unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe stattgefunden.— Ein Antrag über die Börsenreform soll in der schon angekündigten Sitzung der wirtschaftlichen Vereinigung des Reichstags festgestellt werden.— Heute Vormittag 9 Uhr hat Fürst Lobanow die Rückreise nach Petersburg angetreten. Der russische Botschafter Graf v. d. Osten=Sacken und das gesamte Botschaftspersonal gaben ihm das Geleite zum Bahnhof. + Der Fall Boetticher will nicht zur Ruhe kommen, er scheint durch Ausstreuungen und Vermutungen aller Art ins Endlose verzettelt werden zu sollen. Man kann es heute schon von besonnenen Männern hören, daß Herr v. Boetticher der fortgesetzten Sticheleien müde werden und sein Portefeuille vielleicht in nicht gar so langer Zeit dem Kaiser zur Verfügung stellen wird. Als Neustes verlautet jetzt, daß die Schuld des Schwiegervaters des Herrn v. Boetticher annähernd eine Million betragen habe. Die volle Ehrenhaftigkeit des Herrn v. Boetticher ist nicht nur im Reichsanzeiger, sondern auch sonst durch gewichtige Stimmen erwiesen worden. Die Wertschätzung, deren sich Herr v. Boetticher seitens des Kaisers erfreut, sowie das freundschaftliche Verhältnis, in dem er zu seinen Kollegen im Ministerium steht, seine reiche praktische Erfahrung und Gewandtheit, alle das sind Momente, die ihn zum Bleiben veranlassen müßten. Hoffen wir, daß die Maulwurfsarbeit der versteckten Beschimpfungen, die den verdienten Minister noch immer verfolgt, nicht zum Ziele gelangt. — Ueber die Hammersteinbriefe wird dem Wolffschen Bureau zufolge mitgeteilt, daß in der That 1242 Briefe und Aktenstücke in 14 Mappen aufbewahrt sind. Sie tragen Aufschriften wie„Privat=Korrespondenzen", „Kartell“,„Umsturz“,„Kultus",„Bielefelder Wahl“,„Kreisund Provinzial=Synoden",„Tabaksteuer" u. s. w. Eine Mappe trägt den Titel„Duell Eugen Richter" und birgt eine Reihe von Briefen aus der Feder mehrerer sehr bekannter politischer Persönlichkeiten, während eine Mappe „Antrag Hammerstein" über 100 Briefe meist höherer evangelischer Geistlichen enthält. Namhafte Juristen sind bezüglich der Art der Veröffentlichung zu Rate gezogen worden. Es wurde allseits anerkannt, daß eine Bekanntgabe in Broschürenform aus gesetzlichen Gründen vorläufig unterbleiben müsse. Man zweifelt sogar, ob es überhaupt möglich sein wird, diese„freien“ Auslassungen unter dem Schutze der Redefreiheit im Parlament wörtlich wiederzugeben. + Die neuen Bestimmungen über die Militärdienstzeit scheinen, wie die„Post“ schreibt, bei den dienstpflichtigen jungen Lehrern bis jetzt nicht allzuviel Anerkennung zu finden, da die meisten von ihnen, vor die Wahl gestellt, einjährig zu dienen oder nicht, die bisher übliche abgekürzte Dienstzeit von 10 Wochen vorgezogen haben. Im Wesentlichen ist es der Kostenpunkt, der die Lehrer außer Stand setzt, die einjährige freiwillige Dienstzeit zu wählen. Andererseits ist aber auch der Staat nicht in der Lage, die Kosten der Dienstzeit als Einjährig=Freiwillige für Letztere zu übernehmen. Deshalb wird eine befriedigende Lösung der Frage durch die Lehrerschaft selbst herbeigeführt werden müssen, etwa durch Gründung einer Kasse, aus der die jungen Leute während ihres Dienstjahres die erforderliche Unterstützung erhalten, um als Einjährig=Freiwillige zu dienen. Wie verlautet, ist der Gedanke, eine solche Kasse zu gründen, in Lehrerkreisen auch bereits angeregt worden. Da aber bis zur gesetzlichen Einführung der einjährigen Dienstzeit für alle Lehrer nur noch 5 Jahre Zeit sind, so sollte man sich damit denn doch etwas beeilen. — Die Konvertierungsfrage, die für das Volk allerdings von der allergrößten Bedeutung ist, wird noch immer lebhaft erörtert. Die Erklärungen des Reichskanzlers Fürsten zu Hohenlohe, einer Konvertierung ständen gar zu wichtige Bedenken entgegen, haben vielfach zu der Annahme geführt, daß eine Zinsherabsetzung unserer Staatspapiere in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sei. Dem gegenüber muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die letzte Entscheidung in dieser Angelegenheit in den Händen des Finanzministers Herrn Miquel ruht, und daß dieser, wie er jetzt wiederholt zur Kenntnis giebt, entschlossen ist, die Umwandlung vorzunehmen, wenn sie die Lage dei Gebthandet erfoderich macht. in jede Familie, auch in die des Arbeiters, Eingang verschaffen, in der er sich am segensreichsten erweisen wird, so sorge man für seine Verbilligung. „Preußische Disziplin.“ Wie sehr unsern alten Soldaten die Disziplin„in Fleisch und Blut" übergegangen, dürfte folgender verbürgter Vorfall beweisen, den die Kriegerzeitung„Parole“ soeben berichtet. Gelegentlich des von den Stadtvätern Berlins einem Teile der Veteranen am Sedantage gegebenen Festessens bemerkte ein höherer Offizier einen ihm bekannt vorkommenden Veteran mit prächtigem grauen Vollbart und wandte sich an einen, in seiner Nähe plazierten, ehemaligen Unteroffizier seiner Kompanie mit der Frage:„Ist das nicht der Gefreite N.?" Der angeredete Unteroffizier hatte denselben in seiner Korporalschaft gehabt und sich stets über sein bei jeder gegebenen Gelegenheit mit ganz besonderer Verve hervorgepoltertes„Zu Befehl, Herr Unteroffizier“ amüsiert. Doch 25 Jahre verändern den Menschen oft allzusehr, und unser Unteroffizier war seiner Sache durchaus nicht sicher, aber es gab ein Mittel, die Identität des alten Veteranen mit seinem ehemaligen Gefreiten festzustellen. Er erhob sich und rief mit Nachahmung seines dereinstigen Kommandotones, den Veteranen fixierend, über die Tafel hinweg:„Gefreiter N.!“—„Zu Befehl, Herr Unteroffizier!“ kam es zurück von dem in strammer Haltung dastehenden Träger des langen Vollbartes. — Allgemeine Heiterkeit an der Tafelrunde folgte diesem charakteristischen Intermezzo und dem Gefreiten N., der die Probe auf die preußische Disziplin so meisterhaft bestanden, trug die kleine Szene ein allseitiges Bravo ein. Berlin, 16. Okt. Das Justizministerium hat dem Berliner Frauenverein gestattet, vier seiner Damen in das Frauengefängnis in der Barnimstraße zu entsenden, um sich der dort untergebrachten jugendlichen Häftlinge schon während der Strafhaft fürsorglich anzunehmen und den Rücktritt in die gesittete menschliche Gesellschaft vorzubereiten. Der Justizminister wendet dieser Sache das lebhafteste Interesse zu. In Hamburg wurde zum Besten bedürftiger Veteranen von 1870—71 ein Volksfestspiel von Ludwig Schaper betitelt„Vor 25 Jahren" durch Dilettanten zur Aufführung gebracht. Nach den Berichten der Hamburger Blätter fand das Stück bei einem zahlreich versammelten Publikum die freundlichste Aufnahme. Ueberall, wo man wohlthätige, insbesondere für Kriegervereins=Zwecke Geldmittel aufbringen will, dürfte sich die Aufführung des patriolischen Festspieles empfehlen. Näheres teilt die Redaktion der „Hamburger Vereins=Nachrichten“ mit. — Die„Hamb. Nachr.“ kommen noch einmal auf die angeblichen Beziehungen des Frhrn. v. Hammerstein zum Fürsten Bismarck zurück und betonen, daß es eine Erfindung unwissender Leute ist, wenn behauptet wird, Fürst Bismarck habe Herrn v. Hammerstein Unterkunft bei der„Kreuz=Ztg.“ verschafft. Jedermann, der die Preßentwickelung verfolgt habe, wisse, daß zwischen der„KreuzZtg.“ und dem Fürsten Bismarck in der Zeit, die dem Eintritt des Frhrn. v. Hammerstein in die Redaktion des Blattes vorherging, keine Beziehungen vorhanden waren. In Herrn v. Hammerstein war immer ein politischer Gegner und persönlicher Feind des ersten Reichskanzlers zu erblicken.... — Der Vorstand der deutschen scoionialgesenschaft hält am 30. November in Düsseldorf seine Herbst=Hauptversammlung ab.— Unter den Vorlagen, welche dem Kolonialrat zugehen werden, dürfte sich auch eine solche über das Auswanderungswesen befinden. Wie bekannt, hat der Kolonialrat schon im Vorjahre dazu Beschlüsse gefaßt, als dem Reichstage ein Entwurf über die Auswanderungsfrage zugegangen war. Diese gingen in der Hauptsache dahin, daß die Auswanderung nach unseren Schutzgebieten nicht mit derjenigen nach fremden Ländern gleich behandelt werden sollte.— Vom Kongo wird berichtet, daß die Zahl der aufrührerischen Neger auf tausend geschätzt wird. Dieselben veranstalteten eine förmliche Jagd auf die belgischen Offiziere Peltzer, Shaw, Bolen, Lassaux und Cassart. Die drei ersteren wurden zu Tode gemartert und furchtbar verstümmelt, Cassart blieb drei Tage nahrungslos im Dickicht verborgen. Die Lage ist gefährlich, da man den Verrat der übrigen Negersoldaten befürchtet.„„,. g4 T41e# tat bi. — Zur Angelegenheil Kotze=Schräder tein die Rath. Zig. unterm 15. Okt. aus Rathenow mit, daß im dortigen Offizierkasino in letzter Zeit vielfach Sitzungen stattfanden, die am Sonntag u. Montag den ganzen Tag über bis zum Abend dauerten. An der Montagssitzung nahm Herr v. Schrader aus Berlin teil, übernachtete hier, und am 15. Okt. begannen wahrscheinlich die Verhandlungen aufs neue, wenigstens begab sich wiederum der größte Teil der Offiziere und Herr v. Schrader nach dem Kasino. Herr v. Kotze war diesmal nicht anwesend. Herr v. Schrader reiste am 15. Okt. wieder ab, wie behauptet wird, in nicht gerade rosiger Stimmung. Die Zeitung glaubt, daß er zum letzten Male dort gewesen sei. — Ueber die Verwendung von Sparkassenüberschüssen, soweit sie nicht den Sparern direkt zufallen, hat der schlesische Regierungspräsident v. Bitter eine Verordnung erlassen, der wahrscheinlich durch das Staatsministerium allgemeine Verbreitung gegeben werden wird. Die Ueberschüsse sollen danach besonders für die ärmere Bevölkerung verwendet werden und zur Errichtung von Volksbadeanstalten, Volksbibliotheken, Verbesserung der Wohnungsverhältnisse 2c. benutzt werden. Hd. Leipzig, 16. Okt. Gestern tagte hierselbst im Pantheon eine von über 2000 Personen besuchte Versammlung, in welcher Abg. Liebknecht über das sächsische Landtagsrecht sprach. Redner hatte etwa 20 Minuten gesprochen, als ihm das Wort entzogen wurde. Dasselbe passierte auch mehreren anderen Rednern. Ausland. Oesterreich. Den Demonstrationen während des Kaiserbesuches in Agram legt man eine politische Bedeutung nicht bei. Der konfessionelle Gegensatz zwischen den katholischen Kroaten und den orthodoxen Serben ist beinahe so groß wie der nationale und bricht bei jeder Gelegenheit von neuem los. Einig waren die Kroaten und Serben in Agram nur, wo es galt, dem Kaiser ihre Huldigungen darzubringen. In dieser Hinsicht konstatieren alle Berichte, daß der Empfang des Kaisers überall, wo er sich zeigte, ein glänzender war. Italien. Wie zuverlässig verlautet, sollen in der am 17. November zusammentretenden Kammer keine neuen Finanzvorlagen eingebracht werden. Die Regierung will das Gleichgewicht des Budgets bereits durch Ersparnisse festgestellt haben. Frankreich. Das Blatt„Petite republique francaise“ will erfahren haben, Kaiser Wilhelm habe sich durch den deutschen Generalstab ausführlich Bericht erstatten lassen über die Expedition von Madagaskar.— Mehrere Blätter teilten mit, die Unterredung des Fürsten Lobanow mit dem Pariser Korrespondenten der Times sei von Lobanow abgeleugnet worden. Nunmehr stellen jedoch die offiziösen Blätter fest, daß der Bericht der Times durchaus der Wahrheit entspreche. Der Bericht war vor seinem Abgang nach London dem Fürsten Lobanow und dem Minister Hanotaux vorgelegt worden. Spanien. Eine schlimme Niederlage der Spanier auf Cuba wird aus Santiago gemeldet. Der schon so oft tot gesagte Insurgentenführer Maceo schlug die Spanier nach fünfstündigem heftigen Kampfe bie Licsares, an dem Berge von Magota, vollständig. Spanischerseits wurden 5 Offiziere getötet, 10 verwundet und 380 Soldaten teils getötet, teils verwundet. Orient. Aus einigen türkischen Orten, besonders Trapezunt, liegen noch immer beunruhigende Nachrichten ver. Die Folge davon ist, daß einmal Rußland mehrere Regimenter an die türkische Grenze entsandt und große Ankäufe in Pulver und Munition vorgenommen hat. Andererseits befürchtet man aber auch in Rom Konflikte; der neue italienische Botschafter in Konstantinopel wurde deshalb von der Regierung angewiesen, schnellstens seinen Posten zu erreichen.— Nach den neuesten Telegrammen soll sich die Pforte bereit erklärt, die erforderlichen Reformen nun wirklich in der That einzuführen. Die Nachricht ist aber schon so oft gegeben worden, daß man sie nicht eher glaubt, als bis es heißt, die Reformen sind eingeführt. Und damit scheint es leider noch immer gute Weile zu haben. Es ist weiter auch davon gesprochen worden, daß sich neuerdings neben den drei Mächten Frankreich, England und Rußland auch die übrigen europäischen Großmächte mit der Pforte in Verbindung gesetzt hätten. Diese Annahme soll jedoch nicht den Thatsachen entsprechen. Endlich sei aufs neue bemerkt, daß die Türkei wohl weiß, daß sie an Rußland einen Rückhalt besitzt und daß die armenische Frage in letzter Linie eine russisch=englische Frage ist.— Der Hauptpunkt der von den Mächten vorgeschlagenen Reformen ist die Ernennung christlicher Gouverneure für die türkischen Provinzen, wo die christliche Bevölkerung überwiegt. Wenn die Antwort der Pforte nicht alsbald erfolgt, wird den Vorschlägen ein Ultimatum der Mächte folgen.— Am 9. Oktober fand eine Christenmetzelei in einem an der Anatolischen Eisenbahn gelegenen Orte statt, wobei 50 Armenier getötet, viele verwundet wurden. Auch in Stambul sollen neue blutige Ausschreitungen gegen die Armenier erfolgt sein. Westfalen und Rheinland. Witten, 18. Oktober ! S t u r z a u s d e m F e n s t e r. E i n s c h w e r e s U n g l ü c k ist über die Familie des Fabrikarbeiters D. in der Feldstraße hereingebrochen. Während die Mutter gestern Vormittag im Garten mit dem Aufhängen der Wäsche beschäftigt war, wagten sich das 5jährige Töchterchen und das dri“ se Göhnchen an das Fenster und stürzten beide aus rittetz Socknserk. Zuerst fiel das Mädchen herunter erlitt eine lebensgefährliche Gehirnerschütterung; der e folgte unmittelbar nach und stürzte auf sein Schwein. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß er mit eren Verletzungen davonkam. Wie wir erfahren, ist zustand des Töchterchens sehr besorgniserregend. — Auf nach Rheker(Adler, Ruhrstr. 20) diesen jabend, abends 8 Uhr! In Kolonial Politik haben wir ein Wort mitzusprechen! Der Verein für Orts= und inde verläßt hier einmal sein engbegrenztes Gebiet, das einen nicht allzugroßen praktischen Nutzen verspricht. Unsere Freunde sind zur Stelle. § Humoristische Charaktervorstellung. Wir machen auch an dieser Stelle auf die im Hotel zum Adler (August Rheker) heute Abend stattfindende Humoristische Charaktervorstellung aufmerksam. Wir verweisen auf das Inserat in der heutigen Nummer. X Versammlung. Bekanntlich hat die Königl. Regierung eine die Verbesserung der Vierdruckvorrichtungen betreffende Verfügung erlassen, die schon mit dem 1. Januar 1896 in Kraft tritt. Da die vorgeschriebenen Aenderungen in sehr vielen Wirtschaftsbetrieben durch die Oertlichkeit bezw. Lage der Rohrleitungen nur mit großem Kostenaufwande möglich, stellenweise die Aenderungen überhaupt unmöglich sein sollen, so laden einige Vorstände von Wirtevereinen hiesiger Gegend die sämtlichen Wirtevereigsvorstände des Regierungsbezirks Arnsbergs zu einer Versammlung auf den 23. Okt. d. J. bei Herrn=L. Trepper in Hagen ein, um die Angelegenheit näher zu besprechen und sich in einer besonderen Eingabe an die Königl. Regierung zu wenden, um die einzelnen Paragraphen nach Möglichkeit den Wünschen entsprechend abzuändern.— Wenn durch entsprechende wunschgemäße Abänderungen von Paragraphen doch dem Zwecke der Verordnung genügt wird, wird die Königl. Regierung gewiß gern Entgegenkommen zeigen. * Zur Beachtung. Wiederholt sei darauf hinge wiesen, daß nach Ablauf dieses Jahres gemäß§ 104 des Invaliden= und Alters=Versicherungs=Gesetzes alle diejenigen Quittungskarten ungültig werden, welche im Jahre 1892 ausgestellt sind und bis zum Schlusse dieses Jahres noch nicht zum Umtausch eingereicht worden sind. Indem wir auf diese Bestimmung aufmerksan michen, können wir nur raten, den Umtausch der Karten srechtzeitig zu bewirken, da bei Unterlassung unter Umständen das Anrecht auf Gewährung einer Rente verloren geht. Bei den Versicherungsanstalten liegen sehr viele Karten von 1891 vor, die nicht aufgerechnet worden sind und daher ihre Gültigkeit verloren haben. be. Aussichten dor Landmesser. Nach der jetzt in Preußei vorhandenen Anzahl von Beamten und Gewerbetie benden, die die Landmesserprüfung abgelegt haben, in Verbindung mit der jetzigen Zahl der Studierenden der Geodäsie an der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin und an der landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf ist nicht daran zu zweifeln, daß binnen wenigen Jahren die Zahl der dann vorhandenen Landmesser über den Bedarf für die verschiedenen Zweige der Staatsverwaltung, für den Kommunaldienst und für den Gewerbebetrieb nicht unerheblich hinausgehen wird. Bei der hielnach zu besorgenden Ueberfüllung werden junge Männer schon vor der Ergreifung des Landmesserberufes damit zu rechnen haben, daß bei unveränderter Fortdauer des jegigen Zuzuges viele von ihnen ein gesichertes Unterkommen und einen Broterwerb darin nicht finden können. Der= Finanz= minister hat die Bezirksregierungen veranlaßt, bei geeigneten Gelegenheiten, namentlich durch die Beamten der Katasterverwaltung auf an sie ergehende Anfragen keinen Zweifel darüber bestehen zu lassen, daß junge Männer bei der gegenwärtigen Lage der Verhältnisse ein rasches Fortkommen im Landmesserberufe voraussichtlich nicht zu erwarten haben, daß keinenfalls aber die während der letzten Jahre vorhanden gewesenen günstigen Aussichten auf baldige Erlangung eines gesicherten Unterkommens über das Jahr 1897 hinaus in gleicher Weise fortbestehen weiden.„ I.„ 4 Stei &a; Wannen, 17. Okt.[Berletzung ourch Steinz, werfen. Mehrere Knaben, die ihren Väter essen auf den Zechenplatz der Zeche Hilene trägen llien, gerieten miteinander in Streit und warsen sich mie Steinen. Ein halber Ziegelstein flog dem kleinen F. so=hestig an den Kopf, daß dicht über der Auge eine lange klaffende Wunde entstand, die vom Arzte zugenäht werden mußte. * Langendreer, 15. Okt. Perschiedenes. Dem Förster des Rittergutes Langende#er gelang es, den Einbrecher Reineke zu erwischen. Das schlaue,#ichslein hatte sich ködern lassen und war in die Falle geganzen. *, schon Knochen vo Füchs sen.— Mehrfach sind hier in einer Sandgruve schon Knochen vorsintflutlicher Tiere aufgefunden worden. In diesen Tagen förderte der Besitzer in einer Tiefe von 50 Fuß einen Knochen mit einem Zahn von außergewöhnlicher Größe zu Tage. * Bochum, 15. Okt Unglücksfall; Messer und Revolver. Ein schreckliches Unglück ercignete sich auf der benachbarten Zeche„Amalie“. Ein Bergmann war im Begriffe, den Förderkorb zu befestigen, als dieser plötzlich empornlieg. Hierbei geriet der Arbeiter unglücklicherweise mit einem Beine zwischen Korb und Schachizimmerung, so daß dem Bedauernswerten das Bein vollständig zermalmt wurde; auch erhielt er schwere Verletzungen am Kopfe. In Bergmannsheil transvortiert, verschied der Unglückliche gleich nach seiner Ankunft daselbst.— In der vergangenen Nacht wurde auf der Wilhelmstraße ein junger Brauer, der in den nächsten Tagen Soldat werden sollte, aus geringfügigem Anlaß durch mehrere Stiche in die Brust lebensgefährlich verletzt. Die Thäter, Vater und Sohn, wurden heute Morgen verhastet und dem Gerichtsgefängnis überliefert. In Bärendorf kam es gelegentlich eines Festes zu wüsten Ausschreitungen, mehrere Musiker, die sich auf dem Heimwege befanden, wurden überfallen und durch Revolverschüsse verletzt. Die Polizei nahm 9 Verhaftungen vor. * Dortmund, 16. Okt.„Es liegt ein fremder Kerl im Bett". Mit diesem Schreckensrufe fuhr in vergangener Nacht die Frau eines Kaufmanns aus ihrem Bette in die Höhe. Der Ehemann sprang nunmehr gleichfalls auf, entdeckte einen fremden Menschen angekleidet in dem Bette seiner Frau, auf den er mit einem Porreisen mächtig einschlug, währenddessen die Frau Licht anzündete. Dem Eindringling gelang es jedoch zu entkommen, ehe die Hausbewohner herbeigeeilt waren. Während man anfänglich einen Einsteigediebstahl annahm, gestaltete sich im Laufe des folgenden Tages die Sache als ganz harmlos. Der„fremde Kerl“ war nämlich der Knecht des Kaufmanns gewesen. Derselbe hatte am Abend einen Rekrutenabschied mitgefeiert und wollte in seinem wüsten Kopf durch das Haus seinen Weg zum Pferdestall nehmen. Hierbei verirrte er sich und geriet in das offene Schlafzimmer der in Rede stehenden Familie. Der Knecht dürfte längere Zeit an die Nacht zu denken haben, da er von seinem Herrn, in dessen Zimmer er geraten war, wie man im Volksmunde sagt„ordentlich vermöbelt“ worden ist und längere Zeit arbeitsunfähig sein dürfte. Warstein, 15. Okt. Zwischen Belecke und hier entgleiste gestern abend ein Personenzug. Der Lokomotiv= führer und der Heizer reiteten sich durch einen Sprung von der Maschine, einige Passagiere erlitten kleinere Verletzungen. Münster, 15. Okt In Anwesenheit der Spitzen der Behörden wurde heute an der hiesigen Akademie das neue Studienjahr mit der feierlichen Einführung des neuen Rektors Prof. Dr. Ketteler eröffnet. Dem von dem scheidenden Rektor Geheimrat Prof. Dr. Niehnes erstatteten Bericht über das verflossene Jahr entnehmen wir, daß die Akademie im Wintersemester 409, im Sommersemester 437 Studierende zählte. Von letzteren kamen 295 auf die theologische und 142 auf die philosophische Fakultät; von den Philosophen studierten 77 Philologie und Geschichte, 36 Mathematik und Physik und 29 Pharmacie. Die übliche Antrittsrede des neuen Rektors behandelte die Geschichte der Optik. Erwähnt sei noch, daß der Kaiser der Akademie sein Bild geschenkt hat.„„„ 455 5 Barmen, 16. Okt. Widerliche Szenen gao es gestern abend in unserer Stadt bei Gelegenheit der Gestellung von über 900 Rekruten, die sich um 7 Uhr auf dem Zeughaushofe zu versammeln hatten, um gegen Uhr nachts mittels Extrazuges in ihre Garnison befördert werden. Ganze Trupps zogen schon lange vor 7 Uhr geleitet wurden, bildete zu singend als die und lärmend durch die Rekruten zum Bahnhofe das Publikum in der Fischerthalerstraße eine feststehende Mauer, es kam zu so argem Lärm, daß sich die Polizei genötigt sah, mit der blanken Waffe einzuhauen. Ob Verletzungen erfolgt sind, konnten wir noch nicht feststellen. * Elberfeld, 15. Okt. Eine gut besuchte Versammlung des Nationalliberalen Vereins beschloß heute Abend, den Stadtverordneten Heinrich v. Knapp in Barmen als Kandidaten für die bevorstehende Landtagsersatzwahl an Stelle des verstorbenen Vertreters des Wahlkreises Elberfeld=Barmen, Geh. Sanitätsrats Dr. Graf, aufzustellen, nachdem Herr v. Knapp eine kurze Darlegung seines Programms auf nationalliberaler Grundlage gegeben hatte. Wie der Vorsitzende Konsul W. Döring mitteilte, ist die Unterstützung der Barmer Parteifreunde und der befreundeten freikonservativen Partei zu dieser Kandidatur bereits gesichert. Düsseldorf, 16. Okt. Im Interesse des Sortimentsbuchhandels hat die Handelskammer zu Düsseldorf beim Minister für Handel und Gewerbe beantragt, daß der Vertrieb von Werken, deren Verlag mit staatlicher Unterstützung vergeben wird, nur den Sortimentsbuchhändlern zuerteilt werde. * Düsseldorf, 16. Oktober. Die demokratische Bürgerzeitung wurde wegen eines Artikels„Offenes Wort an den Kaiser“ heute beschlagnahmt. Rheydt, 12. Okt. Entsprechende Belohnung. Der Kellner im Restaurant„Kaiserhof“ hierselbst hatte gestern das Glück, eine Portefeuille mit 300 Mark zu finden. Der Eigentümer, ein Reisender, gab, als ihm der Finder das Geld zustellte, seiner Freude dadurch Ausdruck, daß er ihm— zehn Pfennige schenkte. Bocholt, 16. Okt. Der Einsturz in dem noch im Rohbau begriffenen Spinnereigebäude der Firma Franz Beckmann u. Cie bildet noch immer hier und in weiter Umgebung das Tagesgespräch. Das zur Hälfte eingestürzte Spinnereigebäude der Firma Franz Beckmann u. Cie. liegt in nächster Nähe der von Wesel in Bocholt einmündenden Bahnlinie am Ende des bebauten Teiles von Bocholt. Da es für die Untersuchung der Ursache des Einsturzes von Wichtigkeit ist, die Fundamentierung der Stellen, auf denen die nachgebenden schweren eisernen Pfeiler ruhten, genau festzustellen, so kann der ungeheure, wirre Haufen von eisernen Pfeilern, Trägern und Betonböden nur langsam aufgeräumt werden. Unter den Trümmern sind noch zehn Vermißte begraben, deren Leichen bei der Wucht und der Masse von Eisen, Betonbelag und Steinen, unter denen sie verschüttet wurden, wohl nur stückweise zu Tage gefördert werden dürften. Bis zum letzten Freitag waren 13 Tote herausgeschafft, und im Krankenhause liegen zur Zeit noch fünf Verletzte. An der Leichenfeier von neun der Getöteten am letzten Sonntag beteiligten sich alle Kreise der Bevölkerung, und die Geistlichkeit beider Konfessionen gab in der Kirche und auf dem Friedhof der allgemeinen Trauer in ergreifenden Worten Ausdruck. Die hiesigen Vereine haben beschlossen, aus Anlaß der Katastrophe die nahen Kirmestage ohne Sang und Klang vorübergehen zu lassen und auf jede Belustigung an den Kirmestagen zu verzichten. Ueber die mittelbaren und unmittelbaren Ursachen des Einsturzes gehen die Vermutungen und Ansichten weit auseinander; die Feststellung und Entscheidung in dieser Frage kommt nur dem Richter zu. In Untersuchungshaft befinden sich der Teilhaber der Firma Franz Beckmann, der Bau=Unternehmer Hülskamp und ein englischer Ingenieur. Köln, 15. Okt. Geldfund. Am Samstag fanden Arbeiter der Eisenbahn=Werkstätte in Köln=Nippes die Summe von 16 650 M. in Coupons in einem WagenAbteil dritter Klasse. Hoffentlich findet die Ehrlichkeit der Leute, die sich in der Uebergabe der Wertpapiere an ihren Vorgesetzten bethätigte, entsprechende Anerkennung und gebührende Belohnung. * Bonn, 16. Okt. Heute Nachmittag fiel ein Matrose von einem Anhängeschiff des Bootes Rhenus in den Rhein und ertrank. * Breyell, 15. Okt. Der jüngst verstorbene Kommerzienrat Niedieck in Lobberich hat unserer Gemeinde 40000 Mk. zum Bau eines Krankenhauses vermacht. Der Erblasser hat an die Schenkung die Bedingung geknüpft, daß das Haus in längstens 3 Jahren fertiggestellt sein und unter weltlicher Leitung stehen soll. erteljahrs=Marktberichte. (Juli, August, September 1895.) Sonder=Abdruck aus der Zeitschrift„Stahl und Eisen“ 1895, Nr. 20. Rheinland=Westfalen. Düsseldorf, 10. Okt. Die in der allgemeinen Lage eingetretene Besserung, die wir in unserem vorigen Vierteljahrs Marktbericht feststellen konnten, nahm in den Monaten Juli bis September stetig zu, so daß es den Werken kaum möglich war, der Nachfrage zu genügen. Aber seit Jahren war die Physiognomie des Marktes zu Anfang und zu Ende einer Berichtsperiode nicht so grundverschieden, wie im verflossenen Vierteljahr. Als wir nämlich im Juli eine bessere Stimmung feststellten, mußten wir zugleich darauf aufmerksam machen, daß eine Preissteigerung im allgemeinen nicht eingetreten sei. Es herrschte eben damals trotz der etwas besser gewordenen Beschäftigung die Befürchtung, daß die niedtigen Preise noch länger anhalten würden. Aber diese Befürchtung ist nicht zur Thatsache geworden, vielmehr trat schon gegen Mitte des Vierteljahres und namentlich gegen Ende desselben ein allgemeines Steigen der Preise ein und zwar sowohl für Fertigfabrikate wie auch für Halberzeugnisse, wobei freilich nicht übersehen werden darf, daß ein sofortiger Nutzen aus diesem Steigen den wenigsten Produzenten erwachsen ist, da bei Eintritt der Besserung große Abschlüsse zu den niedrigeren Preisen bereits bestanden. Dem Zuge der Zeit folgend haben in verschiedenen Zweigen des Eisengewerbes die Beteiligten sich zu gemeinsamer Preisstellung zusammengefunden; wie weit diese zeitweiligen Zusammenkünfte zu gefestigten Verbänden führen, bleibt abzuwarten. Die Lage des Kohlenmarktes zeigte in den Monaten Juli und August gegen das vorangegangene zweite Vierteljohr wenig Veränderung. Wenn auch die für die Industrie bestimmten Kohlensorten im ganzen gut gefragt waren und der Absatz in denselben eher eine Zunahme als eine Abnahme zeigte, so war dagegen der Versand in Hausbrandkohlen entsprechend der Jahreszeit noch immer schleppend und unbefriedigend, so daß die vom Syndikat beschlossene Einschränkung sich als notwendig erwies und durchgeführt werden mußte. Infolge dieser Einschränkung wurden bei der stets fortschreitenden Leistungsfähigkeit in der Förderung auf den meisten Zechen häufiger Feierschichten erforderlich. Die Lage besserte sich im Laufe des Monats September, der Absatz wurde lebhafter und wäre sehr wahrscheinlich eine volle Beschäftigung ohne Feierschichten möglich geworden, wenn nicht ein ungewöhnlich starker Wagenmangel eingetreten wäre, welcher zeitweise so einschneidend wurde, daß einzelne Zechen gänzlich ohne Wagenzusuhr blieben und trotz genügender Aufträge gezwungen waren, die Förderung einzustellen und ihre Arbeiter feiern zu lassen. Auch den Hüttenwerken war dieser Wagenmangel schädlich, da dieselben stellenweise bezüglich der Kohlen von der Hand in den Mund zu leben gezwungen waren. Sind auch inzwischen seitens der Kgl. Staatseisenbahnverwaltung durch zeitweilige Aufhebung Sonntagsruhe usw. Mittel ergriffen worden, um dem stimumsten Wagenmangel abzuhelfen, so haben dieselben nicht vermocht, gänzliche Abhilfe zu schaffen. Es kacht sich jetzt, daß die Neubeschaffungen dem Bedarf nicht vorangeeilt sind, sondern ihm erst folgen, was zumal bei Verkehrseinrichtungen stets von unangenehmen Folgen begleitet sein muß. Für Koks zeigte sich entsprechend der besseren Beschätigung in der Eisenindustrie lebhaftere Nachfrage und warv vaher die bisherige Einschränkung der Erzeugung von 20 pCt. monatlich für die nächsten Monate wesentlich herabgemindert werden können. Auf dem Erzmarkt war der Absatz im Siegerlande im Juli und August noch schleppend, dagegen besserte sich die gesamte Marktlage im September, so daß der Beschluß der 20 prozentigen Einschränkung der Förderung aufgehoben werden konnte. Die Verlängerung der Verkaufsstelle scheint allem Anschein nach gesichert zu sein. Die Lage des Roheisenmarktes hat sich im Laufe des Monats September wesentlich verändert. Die Nachfrage war eine so lebhafte, daß die Hüttenwerke nicht in der Lage waren, das verlangte Quantum zu liefern. Diese Nachfrage erstreckte sich auf alle Sorten. Die Erzeugung von Gießerei= und Hämatit=Roheisen stieg im vergangenen Vierteljahr von Monat zu Monat ziemlich stark, noch stärker aber der Versand, so daß die Vorräte erheblich zurückgegangen sind. Die gethätigten Lieferungsabschlüsse waren sehr umfangreich; die noch nicht erledigten Veikaufsmengen zeigen eine höhere Ziffer, als es seit mehr als Jahresfrist der Fall gewesen ist. Die Verbandspreise wurden am 12. September cr. um 2 Mk. für die Tonne erhöht. Im Siegerlande trat zum erstenmal seit langer Zeit Amerika als Käufer für Spiegeleisen auf, und wurden größere Posten nach dort verkauft. Weitere Anfragen von dort liegen noch vor. Die rheinisch=westfälischen Hütten haben ihre Verkaufsstellen(für Gießereiroheisen, für Thomasreheisen und für Qualitätspuddel= und Stahleisen) bis Ende 1896 verlängert; im Siegerlande verhandelt man noch über die Verlängerung. Der Stabeisenmarkt hatte zwar zu Anfang Juli bereits eine nicht unwesentliche Zunahme der vorliegenden Arbeitsmenge zu verzeichnen; dennoch dauerte es bis weit in den August hinein, ehe die Walzwerke es wagen mochten, eine recht zaghafte, geringe Preiserhöhung zu verabreden. Der Erfolg hat gezeigt, daß die Nachfrage das Angebot in der That bereits weit stärker überwog, als allgemein angenommen worden war. Am Schlusse des Vierteljahres war die Beschäftigung der Werke bereits erheblich lebhafter geworden, und die Preise sind zum mindesten dem untersten Stande entrückt. Auf dem Drahtmarkte ist es eist gegen Ende des Vierteljahres besser geworden. Eine wesentliche Rolle scheint dabei der Umstand zu spielen, daß Nordamerika, welches in Anbetracht der raschen Zunahme seiner eigenen Hervorbringung kaum noch als dauernder Abnehmer betrachtet worden ist, auf ein mnal und in nicht unbeträchtlichem Maße als Käufer auftrat. Die Marktlage ist zur Zeit eine befriedigende, und haben sich demgemäß die Preise sowohl für Walidraht wie für gezogenen Draht, Stifte usw. mäßig aufgebessert. Da für den Grobblechmarkt der Schiffbau außerhalb des Zollgebietes der Haupikonsument ist, so war eine Besserung in der Geschäftslage für die inländischen Werke weniger fühlbar. Inzwischen wurde eine Vereinigung der Werke zu dem Zwecke angestrebt, den anhaltend niedtigen Preisstand endlich zu überwinden. Die Verhandlungen darüber sind noch im Gange. Für Feinbleche herrschte fortgesetzt lebhafte Nachfrage. Die Preise wurden erhöht und von den Abnehmern bewilligt. Das Geschäft in Eisenbahnmaterial mußte sich nach wie vor in der Hauptsache auf diejenigen Aufträge beschränken, welche den Werken von den preußischen Eisenbahnverwaltungen in Oberbaumaterialien zur Ausführung übertragen wurden. Leider war der Bedarf nur ein getinger. Von einer Aufbesserung der Preise kann schon deshalb keine Rede sein, weil die ausländische Konkurrenz mit ihren Preisen auf das Inland drückte, aus welchem Grunde auch der Wettbewerb auf dem Weltmarkte für die einheimischen Werke noch wenig lohnend ist. Die Eisengießereien waren während der letzten drei Monate durchweg viel besser beschäftigt, als vorher. Ebenso haben die Maschinenfabriken einen starken Zuwachs an Austrägen großer Bergwerks= und Hüttenbetriebsmaschinen zu verzeichnen und bessere Preise dafür erzielt. Die Nachfrage war am Ende des Vierteljahrs noch sehr rege. dem sochum, 17. Okt. Die gegenwärtige Schwurgerichtstagung wird sich noch bis über die nächste Woche hinaus erstrecken. Außer den bereits mitgeteilten sind u. A. noch folgende Strafsachen vorgemerkt: für Dienstag, den 22. Oktober gegen den Händler Anion Klaes aus Langendreer wegen Verbrechens wider§§ 210 und 209 Str.=G.=B. Vert.: R.=A. Heitmann.— Freitag, den 25. Oktober gegen die Ehefrau des Berginvaliden Karl Büttner aus Heven wegen Meineids. Vert.: R.=A. Dr. Marckhoff.— Samstag, den 26. Oktober kommt die Totschlags=Affäre des Bergmanns Niedergethmann aus Witten gelegentlich der Wittener Kirmes zur Verhandlung. Angeklagt sind: 1. Former Wilhelm Huberg aus Witten, 2. Kesselschmied Heinrich Heller aus Witten, 3. Fabrikarbeiter Gustav Köhler aus Witten, 4. Fabrikarbeiter Heinrich Fritz aus Langendreer, 5. Schuhmachergeselle Emil Holzbrink aus Witten, 6. Kesselschmied Fr. Kortenbach aus Witten, 7. Fabrikarbeiter Karl Koritzky aus Witten, 8. Fabrikarbeiter Hugo Deichmüller aus Witten, 9. Bergmann Karl Fritz aus Langendreer, und zwar ad 1—2 wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todeserfolg, ad 3—9 wegen Vergehens gegen§ 227 Str.=G. B. Verleidiger sind die Rechtsanwälte Thier, Hahne, Heitmann und Dickamp. Münster, 16. Okt. Vom Schwurgericht ist der Landmann Terwellen wegen Mordes, den er am Sedantage zu Laer an der Dienstmagd Schuite verübt hatte, zum Tode verurteilt worden. Köln, 16. Okt. Der Mülheimer Krawall vor dem Schwurgericht. Seitens der Verleidigung der im Mülheimer Krawallprozeß Angeklagten werden fortgesetzt neue Zeugen vorgeschlogen; auch der Besitzer der neuen Dampfschiffahrts=Aktien Gesellschaft, Herr Mülleneisen, soll heute Aussagen über den Grund der Ercesse und das Verhalten der Polizeimannschaften machen. Die Verteidiger legen das Hauptgewicht darauf, aus dem Kreuzverhör der bisher zur Vernehmung gelangten Zeugen(über 100 Personen haben bereits ihre Aussagen gemacht) festzustellen, ob nicht die Polizei durch iyr schroffes, stellenweise rücksichtsloses Vorgehen die Wut der Menge noch mehr entfacht und ob nicht der Unzufriedenheit eines Teiles der Bürgerschaft mit den Anordnungen der Verwaltung gleichfalls die Schuld an dem Umfang der Excesse zuzuschreiben sei. Auf die Frage des Verteidigers Bulich, ob nicht die Werftkommission, der der Beigeordnete Aldenbrück(der Direktor des alten Schiffahrts=Unternehmens) und der Bürgermeister Steinkopf angehörten, dem neuen Unternehmen stets Schwierigkeiten gemacht habe, antwortet der Landrat von Niesewand, der Bürgermeister Steinkopf habe infolge einer Beschwerde des Herrn Mülleneisen sein Amt als Aufsichtsrat niedergelegt. Ein Zeuge deponiert, daß damals schon, als die Konzessionserteilung der neuen Gesellschaft auffallend verzögert wurde, ein großer Teil der Bürgerschaft unwillig wurde. Das im Januar beispielsweise seitens der neuen Gesellschaft eingereichte Gesuch um Anlage einer Landungsbrücke wurde erst im März zur Beratung gestellt. Es ist zweiselhaft, ob der Prozeß bereits in vier Tagen wird zu Ende gehen.— In der heutigen Abendsitzung des Schwurgerichtes machten mehrere als Zeugen geladene Mülheimer Kaufleute, sowie der Besitzer des neuen Schiffahrtsunternehmens Herr Mülleneisen wegen des Augustkrawalles über das Vorgehen der Polizei, sowie die Verwaltung stark kompromittierende Aussagen. Mülleneisen sowie seine Kassierer versicherten, der Mülheimer Polizeikommissar habe bereits am Mittag des ersten Tages gedroht, der Werftplatz werde abends gewaltsam gesäubert werden. Er habe den Auftrag, scharf vorzugehen. Als sich abends 5000 Personen wegen der stattzufindenden Illumination angesammelt hatten, sei die Polizei in rücksichtslosester Weise vorgegangen und habe die Frauen mit blanker Waffe geschlagen. Ein an seiner Hausthüre befindlicher Mann sei von zwei Polizisten zu Boden geschlagen worden, sodaß er fortgetragen werden mußte. Die Aussagen erregen berechtigtes Aufsehen. Die Zeugen versichern, der Krawall hätte keine derartige Ausdehnung angenommen, wenn die Polizei vorsichtiger vorgegangen wäre. * Köln, 17. Okt. Heute wurde um 5¼ Uhr die Beweisaufnahme geschlossen. Der Staatsanwalt ersucht zu fragen, ob auch Frauen und Kinder Steine zum Werfen herbeigetragen hätten. Zeuge Beigeordneter Geller sagt, daß ein ähnliches Gerücht verbreitet gewesen sei. Er persönlich habe die Leute gewarnt, das Werft nicht zu überschreiten, wahrscheinlich auch die Familie Herzig.— Um 6 Uhr beginnt nach einer Pause die Formulierung der Fragestellung. Die Hauptfragen werden gestellt, wie in dem Anklagebeschluß angegeben. Bei denjenigen Angeklagten, welche das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, wird im Falle der Bejahung der Hauptfrage die Hilfsfrage gestell:: Hat der Angeklagte bei Vollführung der That die Einsicht der Strafbarkeit seiner Handlungen gehabt? Bei sämtlichen Angeklagten wird im Falle der Verneinung der Hauptschuldfrage die Nebenfrage nach gefährlicher Körperverletzung bezw. Beschädigung von Gegenständen, die zum öffentlichen Nutzen und zur Verschönerung von öffentlichen Wegen und Plätzen dienen, gestellt. — Sämtliche Verteidiger beantragen mildernde Umstände, einige bei Verneinung der Hauptfrage die Hilfsfrage wegen groben Unfugs, außerdem die Hilfsfrage wegen versuchter Sachbeschädigung.— Die Plaidoyers beginnen morgen. Erfurt, 16. Okt. Wie der Allg. Anz. meldet, wurde in dem heute hier verhandelten Beleidigungsprozeß des sozialdemokratischen Redakteurs Hülle gegen den ersten Staatsanwalt am hiesigen Landgericht, Lorenz, der letztere der Beleidigung schuldig befunden und zu 50 M. Geldbuße verurteilt. Dem Beleidigten wurde die Befugnis der Veröffentlichung zugesprochen.(Staatsanwalt Lorenz hatte Hülle in einer Verhandlung einen berufsmäßigen Ehrabschneider genannt, worauf letzterer die Privatbeleidigungsklage anstrengte. Der Gerichtshof hob in der Urteilsbegründung hervor, daß dem Staatsanwalt nicht das Recht zustände, in seinem Plaidoyer den Angeklagten zu beleidigen. Wohin soll es führen, wenn der Angeklagte den Angriffen des Staatsanwalts rechtlos gegenüberstände?) Hd. Leipzig, 16. Okt. Die Voruntersuchung in Sachen des Spionagenprozesses ruht vorläufig noch in den Händen des hiesigen Landgerichtsdirektors Bartsch. Die Meldung, daß der kürzlich nach Leipzig transportierte Buchhalter Appelbaum aus Essen vor dem Reichsanwalt vorgeführt sei, beruht auf Irrtum. Der Reichsanwalt hat mit der Sache noch gar nichts zu thun. Denn der erste Strafsenat des Reichsgerichts, welcher darüber bestimmt, ob die Sache das Reichsgericht überhaupt beschäftigen wird, hat noch keinen Beschluß darüber gefaßt. Dies wird erst geschehen, nachdem die Akten vom Untersuchungsrichter beim Reichsgericht eingeliefert worden sind.— Die Angelegenheit des Fuchsmühler Aufruhrs ist jetzt beim Reichsgericht zur Revision eingereicht und wird demnächst vor dem eisten Strafsenat verhandelt werden. Industrie, Handel und Verkehr. Witten, 17. Okt. Marktbericht. Weizen 14,00, Roggen 12,00, Gerste 10,50, Hafer 12,00, Kartoffeln 5,00 Mk. Alles per 100 Kilo. Butter ½/3 Kilo 1,10 Mark. Dortmund, 17. Ottbr. Marktbericht. Besuch: gut. Tendenz: ruhig. Umsätze: gering. Die Geschäftsurlust hielt auch heute noch an und der Verbrauch versorgt sich nur für kurze Zeit. Weizen(inl.) 14,00 bis 14,50(fremd.) 14,50 bis 16,50, Roggen(inländ.) 12,— bis 12,25,(fremder) 12,75 bis 13,50, Hafer(inländ.)—.— bis—.—,(fremder) 13.— bis 13,75; Futtergerste 10,60 bis 10,75; Mais 11,50 bis 13,00, Weizenvorschuß 19,50 bis 20,50; Roggenvorschuß 18,00 bis 18,50; Weizenkleie 7,00 bis—.—; Rüböl incl. Faß 48 50 bis 49,— Mark. Alles per 100 Kilogr. frachtparität Dortmund exclusive Sack bei Abnahme von Doppelladungen. * Märtische Maschinenbau=Anstalt in Wetter an der Ruhr. Wie der Geschäftsbericht für 1894/95 ausführt, ist das befriedigende Ergebnis der guten Beschäftigung zu verdanken, da es gegenüber den fortdauernden Preisunterbietungen sehr schwierig ist, einigermaßen lohnende Preise zu erzielen. Die Fortentwickelung des Geschäfts erforderte entsprechende Erweiterungen der Betriebsanlagen(Monturhalle und Gießerei.) Im neuen Jahr entwickelt sich das Geschäft in erfreulich gleichmäßiger Weise fort, wobei die Erweiterungsbauten bereits gute Dienste leisten dursten. Wiederum hat die Gesellschaft einen größern Bestand an Aufträgen mit herübergenommen. Verrechnet wurden 2585 Tonnen(im Vorjahr 2576 Tonnen) Maschinen. Mit Rücksicht auf die noch laufende Bürgschaft für abgelieferte Maschinen und die voraussichtlich stärkere Steigerung der Rohstoffpreise erscheine ein stärkerer Gewinnvortrag wiederum angezeigt. Aus dem 272941 Mark(im Vorjahr 253307 Mark) betragenden Rohgewinn sind 62512 Mark(62445 Mark) Abschreibungen bestritten worden. Es macht das 2 Prozent von Gebäuden, nur 5 Prozent von Maschinen und 75 Prozent von Modellen aus. Aus dem einschließlich 26095 Mark(2339 Mark) Vortrag betragenden Reingewinn von 236524 Mark (193201 Mark) sollen entfallen zur Rücklage 21042 Mark (9543 Mark), an Gewinnanteilen des Aussichtsrats 10 521 Mark(9543 Mark), 20000 Mark(28020 Mark) zur Sonderrücklage, 150000 Mark gleich 7½ Prozent(120000 Mark gleich 6 Prozent) Dividende, 34960 Mark(26095 Mark) an Vortrag. Durch die Zuweisung zur Sonderrücklage erfahren die Tilgungen thatsächlich eine erhebliche Verstärkung. Die Mittel der Gesellschaft sind sehr reichlich. Kunst und — Die internationale Erdmessungs=Konferenz, die bekanntlich in Berlin getagt hat, ist am Sonnabend geschlossen worden. Die Konferenz hat ihre Aufgaben in acht Plenar= und mehreren Kommissionssitzungen erledigt. Der von der permanenten Kommission für die Erneuerung der Konvention vorbereitete Entwurf ist nach Annahme mehrerer Amendements zum Beschluß erhoben worden. Die wissenschaftliche Deputation für das Medizinalwesen hat Mittwoch in Berlin ihre diesjährige Sitzung eröffnet. Die Mitglieder waren zahlreich erschienen, auch Vertreter der Aerztekammern waren anwesend. Der Leiter der Medizinalabteilung v. Bartsch führt den Vorsitz und leitete die Verhandlungen ein. Den Gegenstand der Beratung bildet die Wohnungshygiene. Der Kuliusminister hat diese Frage durch Sachverständige untersuchen lassen. Das Ergebnis dieser Prüfung liegt der Deputation vor. Sie wird darüber zu befinden haben, inwieweit und auf welche Weise sich die Grundsätze der Wohnungshygiene auf gesundheitspolizeilichem Wege in die Praxis umsetzen lassen. * Aus aller Welt. Der ehemalige Kanzler Leist soll nach Chicago abgereist sein, um sich dort als Rechtsanwalt niederzulassen.— Ziemlich starke Erdstöße sind in Kapstadt(Südafrika) und in der weiteren Umgebung verspürt worden. Schaden ist indessen nicht angerichtet.— Eine neue Naphta=Fontaine begann in Baku(Rußland) zu springen.— Ueber ein Attentat wird aus Carmaux in Frankreich berichtet: Ein Individuum gab auf den Direktor der Glasfabrik Ressegnier einen Revolverschuß ab. Ressegnier wurde von der Kugel leicht gestreift. Der Attentäter entkam. Bekanntlich sind in Carmaux nach Beendigung des großen Streiks hunderte von Arbeitern nicht mehr zur Arbeit angenommen worden. Ein Mordanfall ist in New=Orleans gegen den Anwalt Cowcoran verübt worden, der die italienischen Mafiamitglieder, die an dem Polizeidirektor Hennessey die vom Geheimbunde verfügte„Exekution" vollstreckt hatten, vor Gericht zog. Er war schnell gefaßt und erschoß mit seinem Revolver einen Angreifer. Er selbst hat 6 Wunden empfangen; man hofft ihn zu retten. Der Ueberlebende der Attentäter ist verhaftet. Beide gehören der Masia an. — Auf hoher See durch Feuer zerstört ist das amerikanische Schiff„Parthia“, von Liverpool nach Franzisco unterwegs. Ein Teil der Mannschaft ist in Valparaiso gelandet. Der Kapitän, ein Offizier und 19 Mann werden vermißt.— Ein sonderbares Brautpaar hat im Standesamt Mogilno sein Aufgebot bestellt. Der Bräutigam ist 27, die Braut 73 Jahre alt. Berlin, 16. Okt. Heute früh um 7½ Uhr wurde auf dem Hofe des Strafgefängnisses Plötzensee der Schlächtergeselle Otto Müller durch den Scharfrichter Reindel aus Magdeburg ent hauptet. Müller hatte die Ehefrau des Juweliers Mevers in Charlottenburg ermordet, die Wohnung ausgeplündert und versuchte dann noch den hinzukommenden Ehemann Mevers zu erschlagen. Durch Allerhöchste Kabinettsordre ist bestimmt worden, der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen. Es wurde demgemäß das Todesurteil, auf welches das Schwurgericht erkannt hatte, vollstreckt. IId. Mannheim, 16. Okt. Der Kassierer Richard Maier bei der deutschen Union=Bank ist nach Unterschlagung von 150000 Mark flüchtig geworden. Wie weiter gemeldet wire, glaubt der Staatsanwalt dem Defraudanten auf der Spur zu sein. Einen Teil des von Maier unterschlagenen Geldes hofft man zurückzuerlangen, da er am 8. d. Mts. bei der rheinischen Kreditbank hierselbst ein geschlossenes Devot auf den Namen seines Kindes, das noch minderjährig ist, hinterlegt hat. Straßburg i. Els., 15. Okt. Die Industrie= und Gewerbeausstellung wurde heute Nachmittag 4 Uhr in Anwesenheit des Statthalters, Fürsten zu HohenloheLangenburg, der Unterstaatssekretäre v. Puttkamer und v. Schraut und zahlreicher anderer hervorragender Persönlichkeiten, geschlossen. Stadtverordneter Bergmann erklätte im Namen des Ausstellungskomitees, daß der Erfolg der Ausstellung, auch in finanzieller Hinsicht, ein befriedigender sei. Der Statthalter, der Protektor der Ausstellung, wies auf den großen Wert hin, den die Ausstellung als Friedenswerk gezeigt habe. Ferner habe die Ausstellung bewiesen, daß die elsaß=lothringische Industrie auf der Höhe stehe. Der Statthalter schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Hd. Reichenberg, 15. Okt. Hier ist ein Setzerstreik ausgebrochen, sodaß die Zeitungen nur in beschränktem Umfange erscheinen können. Hd. Agram, 16. Okt. Nachdem der Krawall wegen des Aufbissens der serbischen Fahne während des ganzen gestrigen Nachmittages angedauert und die Gendarmerie mit blanker Waffe die streitende Menge vertrieben hatte, trat gegen Abend Ruhe ein. Kaum hatten indes die Gendarmen den Platz verlassen, als der Kampf zwischen Serben und Kroaten aufs Neue entbrannte und mehrere Stunden andauerte. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Schwerverwundete. Erst als die Gendarmerie erneut einschritt, konnte dem Kampfe ein Ende gemacht werden. Nevers, 16. Okt. In dem Dorfe Bonhy platzte der Kessel einer Dreschmaschine, wodurch sieben Personen getötet und eine verwundet wurden. Hd. New=York, 16. Okt. Der weltberühmte Elektrotechniker Franklin Povp wurde gestern durch einen 3000 Volten starken Strom getötet, als er eine von ihm selbst erfundene Maschine in Betrieb setzen wollte. New=York, 14. Okt. In Pittsburah stürzte ein Wagen der elektrischen Straßenbahn, dessen Leitung der Führen verloren hatte, über einen Damm. Drei Personen wurden getötet, neun schwer verletzt, tt Bei den vielen Gefahren, welchen besonders die Berufs=Seeleute ausgesetzt sind, werden dieselben mit Freuden von einer Einrichtung Gebrauch machen, welche eingeführt ist, um die zahlreichen Hinterbliebenen der„Oofer des Mecres" vor Not und Elend zu bewahren. Die Kölnische Unfall=Versicherungs=Aktien=Gesellschaft übernimmt Einzel= und Kollektiv Versicherungen von Schiffsbemannungen der Kriegs= und Handelsmarine gegen mäßige Prämien und unter für die Versicherten günstigsten Bedingungen. Die Versicherung erstreckt sich sowohl auf die Reise= als auch auf die Berufsthätigkeit der Seeleute im Hafen und auf dem Lande. Sie ist so recht geeignet, ein freundliches Verhältnis zwischen dem Schiffsheirn und seinen Angestellten herbeizuführen und enem eine tüchtige Bemannung zu sichern. Da die versicherten Seeleute nunmehr wissen, daß ihre Familien versorgt werden, wenn deren Ernährer verunglücken sollten, so wird zweifellos diese Versicherungsart ihren vollsten Beifall finden. Letzte Nachrichten. Berlin, 17. Okt. Wie die Nationalzeitung hört, ist über die Wiedereinbringung des Entwurfs zur Abänderung der Gerichtsverfassung und Strafprozeßordnung im Reichstage noch kein B schluß gefaßt worden.— Das Tageblatt meldet aus Brüssel, eine sensationelle Mordthat versetzt Brüssel in Aufregung. Ein entlassener Arbeiter ermordete den Direktor der städtischen Wasserwerke Bocque auf offener Straße. Der Mörder, ein Anarchist Namens Sermon, wurde verhaftet. Hd. Agram, 17. Okt. Die kroatische Studentenschaft wurde auf Besehl des Kaisers von der Teilnahme an der Verabschiedung bei der Abreise des Kaisers auf dem Bahnhofe wegen Verbrennung der ungarischen Fahne ausgeschlossen. Der um Rücknahme des Befehls bittende Universitätsrektor von Banffy sowie Hedervary murden nicht empfangen. Der Rektor beschwor die Studenten, eine Genugthuung zu geben. Die Seudenten erklarten die Verbrennung der Fahne nur als einen Protest gegen die Mißhandlung ihrer Kollegen, der Brüder Frank, durch ungarische Staatsbeamte. Yokohama, 16 Okt. Einer Meldung aus Söul zufolge wurde die Leiche der Königin von Korea aufgefunden. Die Mörder sollen japanische Soschi sein. Der nach Korea entsandte japanische Minister Komura wurde angewiesen, die Mörder zu bestrafen, falls es Japaner sind. Personenstand. Annen. Getauft: Wilhelm Heinrich Friedrich, S. v. Bergm. Schlosser Heinrich Elleckmann, Herdeckerstraße.— Helene Alma, T. v. Bam. Wilhelm Althoff, Stockumerstr.— Friedrich Wilhelm, S. v. Oberbauarbeiter Wilh. Köster, Gederbach.— Elfriede Luise, T. v. Bgm. Wilh. Buschmann, Egge. Getraut: Bam. Diedr. Wagner und Amalie Wilhelmine Elfriede Schulte, beide Annen. Langendreer. Getauft: Friedrich Wilhelm, S. v. Heinr. Beckmann, Ch.— Heinrich Friedrich August, S. v. Heizer Heinr. Pötter, Bhf.— Anna Clara, T. v. Tagarb. Leovold Rudnick, Df.— Carl Paul, S. v. Bam. Michael Gerhardt, Df. — Wilhelm, S. v. Bam. Wilhelm Einhaus, Ch. Getraut: Bgm. Hermann Julius Lindemann u. Witwe da Krüger geb. Gosse, Hz.— Glasbläser Johann Anton keinhold Dreyer u. Auguste Crone, Holz. Beerdigt: Witwe Friederike Diekmann geb. Weber 61 J. 7 M. 8 T. Hz.— Ludwig Otto Crone 18 T. Df.— Leidzüchter Heinr. Kämper 77 J. 2 M. Crone.— Wilhelmine Bolk 6 J. 10 M. Df.— Ehefrau Bgm. Carl Pötsch 38 J. 2 M. Bhf. Die beliebten feinen## Qualnaun Buntzgebrannter Java-Kaffee als beste und reellste Marke bekannt. à Mk. 2.— 1.90, 1.80, 1.70 per Pfd. empfehlen Pricke& Co. Gricchische Weine! Für schwache Personen, besonders Frauen zur Stärkung empfehle ich Mayrodaphné Nr. 1 Fl. M. 2.50 Liter M. 3.— Mavrodaphné Nr. 2 Fl. M. 1.75 Liter M. 2.— Samos supérieur Fl. M. 1.—, Liter M. 1.25 T. Holkkemann, Inhaber F. Cron, Bahnhofstr. 56. Mein Rasir= und HaarschneideGeschaft befindet sich nicht mehr Hauptstraße 5, sondern Ardey= und Pferdebachstr.=Ecke. Rasiren 5 Pfg. Haarschneiden für Kinder 10 Pfo.„u. GFriach. Haarschneiden für Erwuchsene 15 Auch an Samstagen, Sonn= u. Fietzlichen Feiertagen findet kein zunterschied statt. 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Sonntag Morgen 9½ Uhr: Pastor Prietsch.(Coll für die Kinderheilanstalt zu Sassendorf.) 11 Uhr: Kindergottesdienst 3 Uhr: Jungfrauen=Verein am Bahnhof. 5 Uhr: Pastor Landgrebe. 8 Uhr: Jünglings=Verein. 8 Uhr: Bibelbesprechstunde am Bahnhof Dienstag 7½ Uhr: Bibelstunde in der Kleinkinderschule Holz. 8 Uhr Gottesdienst an der Crone in der Kleinkinderschule. 8 Uhr: Bibelstunde auf der Calienhardt. Mittwoch Nachm. 3 Uhr: Frauenverein am Bahnhof. 8½ Uhr bei Pastor Landgrebe. Freitag 7½ Uhr: Vorbereitung f. d. Kindergottesdienst Pastor Landgrebe. Uemmingen. Sonntag Morgens 9½ Uhr: Beichte, Pastor Möller. 10 Uhr: Pastor Ovethoff. Coll. für den Provinzial Herbergsverband. Mittwoch Bibelstunde in Querenburg. Witten. Sonntag 9 Uhr: Pastor Birkenhoff. 10½ Uhr: Synodalvikar Delius. Coll. für den Provinzial=Herbergsverband 11½ Uhr: Kindergottesdienst Superintendent König. Nachmittags 3 Uhr: Bibelstunde im Vereinshause. 5 Uhr: Pastor Leesemann. 6 Uhr: Versammlung des Vereins junger Mäochen im Küstereisaale Sup. König. 6 Uhr: Jugendverein Jugendabtheilung des Männer= und Jünglingsvereins) im oberen Vereinshaussaale, Pastor Birkenhoff. 8 Uhr: Männer= und Jünglings=Verein, ebendaselbst, Pasto: Birkenhoff. Montag Abend 8¼ Uhr: Missions=Männer=Verein im Küstereisaale, Pastor Birkenhoff. Freitag Abend 8 Uhr: Vorbereitung der Helfer u. Helferinnen Superintendent König. Diakonissenhaus. Sonntag 10 Uhr: Pastor Graeber. Herbede. Sonntag, 20. Oktober, ½10 Uhr: Pastor van Hoefen, Beichte. 10 Uhr: Pastor Kracht, Konfirmation, heil. Abendmahl.„„„ 18 9, 9 u. Scim Heven. Sonntag, den 20. Oktover, Vorm. 10 Uhr Gottesbienst in der Schule zu Heven, Pastor Baxmeier. Altkatholische Gemeinde in Witten. In der Christuskirche Sonntag 10 Uhr: Gottesdienst. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß vom Monate November ab durch einen Beamten des Vorstandes der Invaliditäts= und Alters=Versicherungs=Anstalt Westfalen in Gemäßheit der Bestimmungen im§ 126 des Reichsgesetzes vom 22. Huni 1889, betreffend die Invaliditäts= und Alters=Versicherung über die Befolgung der Vorschriften des bezeichneten Gesetzes eine Revision vorgenommen werden wird. Im Absatz 2 des§ 126 a. a. O. heißt es: „Die Arbeitgeber sind verpflichtet, über die Zahl der von ihnen beschäftigten Personen und über die Dauer der Be schäftigung den Organen der Versicherungsanstalt, sowie den mit der Kontrolle beauftragten Behörden oder Beamten auf Verlangen Auskunft zu ertheilen und denselben diejenigen Geschästsbücher oder Listen, aus welchen jene Thatsachen hervorgehen, zur Einsicht während der Betriebszeit an Ort und Stelle vorzulegen. Ebenso sind die Versicherten zur Ertheilung von Auskunft über Ort und Dauer ihrer Beschäftigung verpflichtet. Die Arbeitgeber und die Versicherten sind ferner verbunden, den bezeichneten Organen, Behörden und Beamten auf Erfordern die Quittungskarten behufs Ausübung der Kontrolle und Herbeiführung der etwa erforderlichen Berichtigungen gegen Bescheinigung auszuhändigen. Sie können hierzu von der unteren Verwaltungsbehörde durch Geldstrafen bis zum Betrage von je dreihundert Mark angehalten werden.“ Zwecks Erleichterung der Kontrelle empfehle ich den Betheiligten. die Quittungskarten auf der Arbeitsstelle bereit zu halten. Witten, den 16. Oktober 1895. Der Bürgermeister: Dr. Haarmann. mit zehnjähriger Garantie. Hermann Mühler, Düsseldorf, Schützenstraße 49. Für Kinder jeden Alters ist mein alter Medicinal-Tokayer der beste Wein zur Stärkung. Vorräthig in Flaschen à 7/ 5/ ¼ 7/8 Liter M.3.— 1.65 0.90 0.50 T. Holkermann, Inhaber J. Cron, Bahnhofstr. 56. Getragene Militärmützen für Bergleute empfiehlt Fr. Hahne, Pfandleihanstalt, Hauptstraße 55. 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Vortrag des Herrn Berg=Assessors Stockfleth:„Das deutschostafrikanische Schutzgebiet in seiner colonial=politischen Bedeutung.“ 2. Kleinere Mittheilungen des Vorsitzenden und des MuseumsVerwalters. Auch Nichtmitglieder des Vereins sind hiermit bestens eingeladen und herzlich willkommen. Der Vorsitzende: Dr. Hof. 432 In der Armee mit grösstem Erfolge erprobt und eingeführt. Wer an Fussschweiss leidet, verlange Verkaufe und repariere 2 ale Arten zu den billigsten Tagespreisen unte Garantie. z. B.: Reinigen 2 Mk. feder 150, Glas 0.30, Schlüssel 5 Pfg. 2c. Giersiepen, Uhrmacher und Optiker, Loststr. 24. Witten. Poststr. 24. Die Sparkasse des Amtes Annen nimmt Einlagen in jeder Höhe, auch per Posteinzahlung entgegen und verzinst solche mit 35½ Prozent. Kleinere Einlagen werden sofort, größere je nach dem Stande der Kasse jederzeit zurückgezahlt. Die Sparkassen=Verwaltung. Pergamentpapier zu haben bei B. Koelzold& Co., Buch= u. Pavierhandlung. 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Preis 75 Pfennig. Eine Geschichzte des Kriages von 1870/71 will sett heder mur Hand foben, fhaflich fud oher nur dickleidige, teure Bücher, deren Anschaffung viel Geld, deren Studium viel Zeu kop#cl. Verlagshandlung Moritz Schauenburg in kahr(Baden) von Wilhelm fasser der Ledensbilder berühmter deutscher Männer(Ioltke, Bismarck, Wilhelm I., L####, Gneisenan, Scharnhorst usw. à 75 Ofg.), eine kurze Kriegsgeschichte schreiben lassen, die jetzt in einem hübschen Bändchen vortiegt. Das Buch umfaßt 148 Seiten, giebt zuerst einen kurzen Abriß der europäischen Staatengeschichte seit den Freiheitskriegen und leitet dann hinüber zu den Ereignissen von Ems, aus denen die Verwirklichung des deutschen Einheitsgedankens erstehen sollte. Hier setzt der Verfasser mit und entrellt in verständlicher, vor allem aber flarer und üdersichlicher Wess das blzschnel wachseind. Büd oom Kriegstheater. Der Leser folgt einer so flott geschriebenen, kurzgehaltenen Schilderung leichter als einer mit vielen Einzelheiten überladenen, und der Gewinn isl darum großrr, weil er hier ohne Mähe und ohne vieles Nachblättern en.„ Aberblick über den ganzen, 9 fohlen. ist selbst den einen so ein Bildnis ichblättern einen Überblick über den ganzen Verlauf des Rrieges erhält. Aus er Besitzern größerer Werke die Anschaffung dieses kleinen Kriegsbuches nur anzuraten. Dasselde ühen, festen Umschlag gehängt, daß es gar nicht gebunden zu werden braucht. Dem Buche sind beigegede us Koiser Wilhelms 1 in Bumdruck und mekrere Karten. Es lei hiermit angelsgentücht ampfeue 6 65 65 3 — 63 — ae abb eund % ger. Vt erise selbst bei groistem Fussschweisse. Reseheseeche G SR 5 Kr (1— Alleinverkauf für Witten bei Aug. Japs Bahnhofstr. 20. " Garantirt reines Fabrikat. Aug. Luhn& Ce. Barmen-R. frsrmus orsotiömt mermerger NB. 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Krischan in't Conceit.] Seidels 7. Das menschliche Herz Burlesken. III. Theil. 8. Die Schlacht von Vionville. Von W. Bork. 9. Das Lachen. Charakt.=Darstellg. 10. Ein kleiner Roman. Humoreske. 11. Der Schnupfen. Charakt.=Darst. 12. Gute Nacht! Charakter=Darstellg. Billets à 50 Pfg. und Familien= Billets zu 3 Personen 1 Mk. im Vorverkauf im Hotel Adler. Kassenpreis à Person 60 Pfg. Unseren lieben Eltern Friedrich Hellinger u. Frau Julie geb. Schemberg zu ihrer am Sonntag, den 20. Oktbr. stattfindenden silbernen Hochzeit unseren herzlichsten Gluckwunsch! Gewidmet von ihren dankbaren Kindern. Herbede. Diejenigen, welche sich für einen Junggesellen=Verein interessiren, werden zu einer Trsprechung auf Sonntag, den 20. Oktbr. Nachm. 5 Uhr zum Wirt H. Fränken freundlichst eingeladen. Mehrere Jateressenten. Hebener Haus=u GrundbesitzerVerein. Sonntag, den 20. d. Mts., Nachm. 5 Uhr, Versammlung beim Wirth Friedr. Kuhlhoff. Wegen Wichtigkeit der Tagesordnung wird dringend um zahlreiches Erscheinen gebeten. Der Vorstand. „ in allen Qualitäten, Formaten u. Stärken vorräthig bei B. Koctzold& Co. Buch= u. Papierhandlung, Pfandleih=Anstalt in Witten von Wwe. Joh. Wilh. Wolff, Nord= und Breddestraße=Ecke, auswärtigen Pabikum zur gefl. Benutzung unter Zusicherung reeller Bedienung. NB. Jeder der Gegenstände verpfändet, muß sich über seine Person durch Legitimationspapiere ausweisen. Zu Ehren unseres Tanzlehrers Herrn F. Rosendahl findet am Sonntag, den 20. October, im Saale der Frau Wwe. Benke im Fischerthal ein Abschieds=Ball statt, wozu freundlichst einladen Mehrere Tanzschüler. Diejenigen jungen Mädchen, welche den Sonntag Abend in geselliger Unterhaltung und christlicher Gemeinschaft zubringen wollen, werden zur Theilnahme am Verein junger Mädchen im Küstereisaale, jeden Sonntag Nachmittag 6 Uhr, freundlichst eingeladen. Auch bitten wir die Herren Geschäftsinhaber, bei ihnen angestellte junge Mädchen auf den Verein aufmerksam machen zu wollen und richten die gleiche Bitte an die betreffenden Eltern unserer Gemeinde. Auf den 1. Febr. eine schöne Wohnung von 3 Zimmern in 2. Etage zu vermiethen. Heinr. Stodt in Crone. Stellung Ervenz, I.1. Landwirte. Prosp. 10 Pf. Staatl. conc. landw. Lehranstalt Stettin, König Albertstr. 5 II. Ein ordentl. tüchtiges Dienstmädchen zum 1. November gesucht. Frau B. Dünnebacke. Ein kräftiges Mädchen auf sofort gesucht. Näheres in der Exped. d. Ztg. Verlag von B. Koetzold& Co. in Witten. Druck von H. Risel& Co. in Hagen. Redigirt unter Verantwortlichkest von V. Koetzold in Witten.