1895. No. 90. Witten, Donnerstag, den 18. April. O„ Erscheint wöchentlich sechs Mal. Anzeigen werden die 7 gespaltene Petitzeile mit 10 Pf. berechnet. Fernsprech=Nr. 46(Amt Witten). Generat=Anzeiger für Witten und Umgegent. Abonnementspreis(inel. der Beilage „Märkisches Heim"): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pf. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post 2 Mark ausschl. Bestellgeld. + Im Zukunftsstaat. „Was unsere Arbeiter vom Zukunftsstaate zu erwarten haben," das weist für jedermann verständlich in einer kleinen Broschüre der bekannte konservative Parlamentarier W. Schwarze nach.“) Das empfehlenswerte, nach Preis und Umfang zur weitesten Verbreitung sich eignende Heft ist in der Form eines Zwiegespräches gehalten, das ein sozialdemokratischer Fabrikarbeiter und ein christlich gesinnter Handwerker mit einander führen, wobei sie von neuen Vorfällen im Reichstage— vom Sitzenbleiben Liebknechts beim Kaiserhoch— ausgehen. Die Anschauungen der Sozialdemokraten kommen in dem Gespräch durchaus nicht zu kurz; im Gegenteil, es wird eine ganze Anzahl von Aussprüchen aus dem Munde sozialistischer Parteiführer angeführt, in der Rede und Gegenrede erläutert, vom Musje„Neumann" verteidigt und verfochten und vom Meister„Altmann“ widerlegt und durch zwingende Schlußfolgerungen als unsinnig und trügerisch erwiesen wird. Hier ein Beispiel: Neumann:„Hast du denn die Entwicklung des Zukunftsstaates von Bebel dir angesehen?“ Altmann:„Ganz gewiß! Wer wird denn nun später die Leitung und die Verwaltung, das Beamtentum, wählen?“ N.:„Natürlich das Volk.“ A.:„Und wenn die Verwaltung, die Leitung wechseln soll, aber nicht will, was dann?“ N.:„Dann wird sie abgesetzt.“ A.:„Und wer soll sie absetzen?“ N.:„Natürlich das Volk.“ A.:„Und wenn die Hälfte des Volkes es will, daß sie bleiben soll, und die andere will nicht, was dann?“ N.:„Für diesen Fall muß Bestimmung getroffen werden, wie es werden soll.“ A.:„Und wenn dann die eine Hälfte sich dieser Bestimmung nicht fügt?“ N.:„Dann muß sie gezwungen werden.“ A.:„Und wer, mein Lieber, soll sie zwingen?“ N.:„Natürlich die andere Hälfte.“ A.:„Und wenn diese die schwächere ist oder nicht zwingen kann?“ N.:„Dann bleiben eben die alten Beamten im Amt, oder es gibt Revolution.“ A.:„Du siehst also, es ist genau wie heute; die Leute, welche das Szepter haben, welche an der Staatskrippe besonders gut sitzen, werden ihre Macht mit allen Mitteln zu behalten suchen, und das Volk, das herrschen soll, wird beherrscht.“ Dann wird an einer kurzen Skizze der französischen Revolution von 1789 nachgewiesen, wie das Recht des Stärkeren, den Willen des Selbstsüchtigen keine Macht der Erde abschaffen könne. Schon jetzt stehen die Jungen und die Anarchisten hinter den alten Sozialdemokraten. 1789 wurde die radikale Partei zuerst von den„Girondisten“ an die Seite gedrängt, diese wieder durch den„Berg“, mit Danton an der Spitze, diese endlich durch den berüchtigten Wohlfahrtsausschuß mit Robespierre und Marat. Kein Mensch kann sagen, ob nicht dieselbe blutige Fortentwickelung, wie damals, auch jetzt an die Stelle der versprochenen friedlichen Glückseligkeit treten wird, ob denn nicht die Führer, *)„Was unsere Arbeiter vom Zukunftsstaate zu erwarten haben!“ Von W. Schwarze, Amtsgerichtsrat, Berlin, J. J. Heine's Verlag. Preis 30 Pf. wenn sie von den Anarchisten zu Tode geschleift werden, mit dem Zauberlehrling werden sagen müssen:„Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los,“ ob man dann nicht auch, wie 1789, wo man glaubte, ohne Gott leben zu können, wieder nach der Religion, die man beseitigte, als dem Zaubermeister, wird rufen müssen. Lehrreich ist der Nachweis, daß, wenn man, wie die Sozialisten wollen, alles Privateigentum zusammenwürfe, auf jeden Deutschen höchstens 1100 Mark Kapital, 4 Morgen Grundbesitz und ungefähr 55 Mk. jährliche Einnahme aus Industrie und Handel kommen würde, also soviel, wie sich jeder Arbeiter in seinem Leben, wenn er nur ein bischen sparsam ist und nicht vom Unglück verfolgt wird, selbst verdienen kann. Weiter der Nachweis, daß die Zahl „Drohnen“ im sozialistischen Zukunftsstaate nicht kleiner sein wird, wie heute, sondern viel größer. Die staatlichen Großbetriebe werden von Beamten geleitet sein, die an die Stelle des Zwischenhandels tretenden Verteilungs=, Lagerungs=, Verkehrs= und Versand=Behörden werden eine große Zahl von Beamten erfordern, und für alle diese Beamten, für Lehrer, Aerzte u. s. w. werden die übrigen Arbeiter mitarbeiten müssen. Jetzt will der Unternehmer, der Fabrikant verdienen. Sind die Rohstoffpreise hoch, ist die Konkurrenz aus dem Auslande sehr groß, dann ist der Fabrikant gezwungen, die Löhne herabzusetzen, wenn er noch verdienen will. Im Zukunftsstaate wird der Arbeitslohn um so mehr beschnitten, je größer die Arbeitsleistung für die Beamten— man kann sie Arbeitssteuerleistung nennen— ist, je seltener und teurer die Lebens= und Bedürfsmittel sind. Man drehe die Sache, wie man will, sie bleibt also dieselbe. Auch die vielberufene„Ausbeutung der Arbeiter“ wird zahlenmäßig beleuchtet an dem Beispiel von Friedrich Krupp in Essen, der bekanntlich als gewöhnlicher Schlosser in einem bescheidenen Häuschen angefangen hat, während die Firma heute über 30000 Arbeiter mit einem Durchschnittseinkommen von 1000 Mark beschäftigt. Das sind 30 Mill. Mark jährlich, was die Arbeiter verdienen. Nach der Marxschen Theorie von der Ausbeutung des Arbeitsmehrwerts durch das Kapital müßte Krupp demnach 20—30 Mill. jährlich für sich einnehmen; in Wahrheit sind es aber nur 3 Mill., also just 10 v. H. des gezahlten Arbeitslohnes. Gegen den Schluß des Gespräches sagt Meister Altmann: Wir haben jetzt Gutes und Böses, Kluges und Dummes, Glück und Unglück, Reichtum und Armut, Glauben und Unglauben. Ihr wollt alles auf einen Begriff bringen. Zwang, überall Zwang, Arbeitszwang, Vergnügungszwang, Aerztezwang, Anstaltszwang, Beerdigungszwang, und trotzdem nach den Versprechungen euerer Führer überall die höchste Freiheit, Harmonie, und Glückseligkeit. Gerade so wie heute würde die größte Unzufriedenheit, die größte Klage u. s. w. entstehen. Wie, wenn die Arbeitenden sagen, wir wollen unsern vollen Arbeitsverdienst, der ist uns versprochen. Wir wollen nicht mehr für die Kinder und Krüppel, die Alten, die Beamten arbeiten? Jetzt arbeitet der Vater mit Freuden für seine Kinder, der Sohn, die Tochter für die Eltern, aber die Rücksicht auf die Verwandtschaft, die hört doch bei euch auf, da geht alles aus dem Staatsbeutel. Wie heute Kapitalisten, Fabrikanten, Beamtentum und Militär als Ausbeuter der Arbeiter hingestellt werden, so treten an deren Stelle im Arbeitsbienenstaat die Drohnen; die Revolution würde kommen bei der ersten großen Mißernte, weil dann die Gewalthaber schon Mittel und Wege finden werden, für sich zu sorgen und alle Not auf die Arbeiter abzuwälzen, welche sich dieses nicht gefallen lassen werden, und dann ist der große Kladderadatsch da, und dann werden die Köpfe der obersten Leitung lose sitzen. Deutsches Berlin, 15. April. * Berliner Nachrichten. Die kaiserlichen Majestäten machten Samstag Vormittag eine Promenade im Tiergarten. Im Schlosse hörte der Kaiser hierauf Vorträge, empfing den General von Lewinski und nahm militärische Meldungen entgegen. Das Osterfest wurde am Kaiserhofe in der üblichen Weise begangen. Die Majestäten besuchten den Gottesdienst in der Schloßkapelle bezw. der Dom=Interimskirche. Bei schönem Wetter wurden Ausfahrten gemacht. Am ersten Osterfeiertage traf die Königin von Sachsen zum Besuch der Majestäten in Berlin ein und wurde von denselben am Bahnhofe empfangen.— Der Kaiser trifft am 19. April auf der Wartburg ein, von wo aus Jagdausflüge in das Wasunger Revier unternommen werden. Am 22. April wird sich der Kaiser von dort nach Schlitz und alsdann nach Darmstadt begeben.— Die Uebersiedelung des kaiserlichen Hoflagers von Berlin nach Potsdam wird wahrscheinlich erst zu Beginn des Monats Mai stattfinden.— Zum 80. Geburtstage haben dem Fürsten Bismarck gratuliert sämtliche deutschen Souveräne, sowie die Bürgermeister der drei Hansestädte— mit alleiniger Ausnahme des Fürsten von Reuß ä. L. Abg. Frhr. v. Stumm ist bekanntlich seit einiger Zeit erkrankt. In seinem Befinden ist bisher noch keine namhafte Besserung eingetreten. Sobald er reisefähig sein wird, soll eine mehrwöchige Kur in Karlsbad erfolgen.— Der Reichsanzeiger bringt eine Nachweisung der Einnahme an Wechselstempelsteuer im deutschen Reich für die Zeit vom 1. April 1894 bis zum Schluß des Monats März 1895. Danach wurden vereinnahmt 8144837 Mark gegen 8174919,75 Mark im selben Zeitraum des Vorjahres, mithin 30082,75 Mark weniger. — In Berlin hat zwischen dem Zeremonienmeister v. Kotze und dem Kammerherrn Frhrn. v. Reischach ein Pistolenduell stattgefunden, wobei Herr v. Kotze einen Schutz durch den Oberschenkel erhielt.— Reichskommissar Major v. Wißmann hat bekanntlich nach seiner Ankunft in Berlin sofort dem Reichskanzler und dem Direktor der Kolonialabteilung Besuche gemacht. Wenn hieran bereits in der Presse Bemerkungen über die Wiederbesetzung des ostafrikanischen Gouvernements und über den Ablauf des einjährigen Urlaubs des Majors v. Wißmann geknüpft werden, so ist das mindestens verfrüht. Mit diesen Dingen hat man sich nach der Krzztg. noch nicht beschäftigt, es wird bis zu ihrer Erledigung wohl noch einige Zeit vergehen. Wißmann, der sich jetzt der besten Gesundheit erfreut, hat sich noch einmal nach Lauterberg im Harz zurückbegeben.— Der Landeshauptmann von DeutschSüdwestafrika, Major Leutwein, wollte seinen letzten Berichten zufolge Ende März wieder in Windhoek eintreffen. In kurzer Zeit sieht man daher seinen Meldungen über seinen Zug nach dem Süden von Großnamaland entgegen.— Der Breslauer„General=Anzeiger“ hält seine Meldung über die Aeußerungen des Kardinals Kopp zu einem schlesischen Magnaten wegen der BismarckFeier vollständig aufrecht. — Zur Kanalfeier. Wie die„Post“ mitteilen kann, ist ein Programm für die Feier der Eröffnung des Nordostseekanals bis jetzt noch nicht festgestellt gewesen und konnte schon aus diesem Grunde die Genehmigung des Kaisers nicht erhalten haben. Es fand vielmehr am Sonnabend Nachmittag im kgl. Schloß in Berlin eine Besprechung darüber statt, an der der Reichskanzler, die Staatssekretäre der Reichsämter, die preußischen Minister und Vertreter der Kanalkommission teilnahmen. Erst in dieser Sitzung wurde ein detaillirtes Programm vorgelegt. Nachdem in einigen weiteren Sitzungen alle Einzelheiten festgestellt sind, durfte der Plan dem Kaiser zur definitiven Genehmigung vorgelegt werden. Uebrigens folgt der Monarch den Beratungen fortgesetzt mit größter Aufmerksamkeit, wie ja auch schon ein nicht unbedeutender Teil unter seinem eigenen Vorsitz stattgefunden hat. Den Ehrendienst in Kiel beim Kaiser und seinen fürstlichen Gästen wird die Leibkompagnie des 1. Garderiegiments z. F. in Potsdam zusammen mit der Matrosen=Artillerie thun. — An der internationalen Flottenrevue bei Kiel am 20. Juni werden sich 28 Schiffe der deutschen Marine mit 364 Offizieren und 9407 Mann beteiligen. Außerdem werden 13 andere seefahrende Nationen mit ungefähr 50 Kriegsschiffen, mit 12 Admiralen, 750 Offizieren und 16000 Mann vertreten sein. Von der deutschen Marine werden folgende Schiffe unter der Kriegsflagge liegen: Die Kaiseryachten Hohenzollern und Kaiseradier, Kurfürst Friedrich Wilhelm, Brandenburg, Weißenburg, Wörth, Jagd, Baden, Bayern, Sachsen, Würtemberg, Pfeil, Stosch, Stein, Gneisenau, Moltke, Frithjof, Hildebrand, Heimdall, Hagen, Kaiserin Augusta, Gasion, Mars, Carola, Blücher, Blitz, Grille, Pelikan. — Die Aufhebung des Verbotes der Niederlassung des Jesuitenordens in Deutschland ist nicht so sicher, als man wohl angesichts der Bemühungen des Zentrums, sich der Regierung dienstbar zu erweisen, annehmen möchte. Aus bestunterrichteten authentischen politischen Kreisen Berlins erfährt nämlich der Hamb Corr., daß die Unvereinbarkeit der Tendenzen des Jesuitenordens mit der deutschen Politik des Kaiserhauses nach wie vor als Axiom gelte. Der Spruch des Bundesrates bleibt daher abzuwarten. Eher sei man nach den Insormationen des Hamb. Corr. geneigt, ein Entgegenkommen gegen die sozialpolitischen Wünsche des Zentrums zu gewähren. — Zur Eisenacher Wahl liegt nunmehr eine bündige Erklärung der Nationalliberalen vor. In der am 19. d. M. stattfindenden Stichwahl zwischen Casselmann und Herrn Roesicke, so erklärt die Vertrauensmänner=Versammlung der Nationalliberalen Eisenachs bekennen wir nach reiflicher Ueberlegung, daß wir unseren Parteigenossen keinen der beiden Kandidaten zur Wahl empfehlen können, da wir nicht in der Lage sind, für Angehörige extremer Parteien einzutreten, denen die beiden Kandidaten angehören.“ Die Aussichten Roesickes werden durch diese beabsichtigte Wahlenthaltung der Nationalliberalen nicht verschlechtert, so daß man immer noch auf seine Wahl rechnen kann. Die Prüfungen für den einjährig=freiwilligen Dienst sind auch in diesem Jahre wiederum sehr ungünstig verlaufen. Fast überall ist die Hälfte und mehr der Geprüften durchgefallen. Dazu bemerkt die Köln. Z.: „Dieses schlechte Ergebnis spricht unzweideutig dafür, daß der größte Teil der Angemeldeten sich keiner genügenden Vorbereitung beflissen, sondern nur auf gut Glück die Prüfung mitgemacht hat. Geradezu staunen muß man, wenn man eine gänzliche Unkenntnis der vaterländischen Geschichte und Landeskunde bei solchen jungen Leuten wahrnimmt, die schon eine gewisse Stellung im Leben einnehmen. Eben so schlimm steht es mit der Abfassung eines stilgerechten Aufsatzes, obgleich die Themata keineswegs schwierig sind, von der folgerichtigen Durchführung eines Gedankens nicht zu reden. Unter diesen Umständen fragt es sich, ob sich das Aufbieten eines so großen AppaGefährliche Waffen. 7] Roman von Doris Freiin von Spättgen. „O, bitte gehorsamst! Gnädige Gräfin erwiesen mir durch das mir geschenkte Vertrauen eine große Ehre.“ „Also nochmals, wie gesagt: strengste Diskretion. Adieu, Herr Rechtsanwalt!“ „Selbstredend, gnädige Gräfin. Gehorsamster Diener! Aber der Wagen wird doch unten stehen!“ „O nein, ich gehe zu Fuß, da ich Kommissionen in der Stadt zu besorgen hatte und im„Weißen Schwan“ ausspannen ließ.“ Schon beim ersten Klange der Stimme hatte der Rittmeister sich rasch umgewandt, jetzt trat er aus der Tiefe des ziemlich geräumigen Gemaches hervor und sagte in einem harmlos klingen sollenden Tone lachend: „A la bonne heure, Schwägerin Hortense! Welch glücklicher Zufall, Sie hier zu treffen— Sie für die Menschheit Unsichtbare!“ Nach diesen Worten nickte er dem Rechtsanwalt vertraulich zu und reichte, wie man das unter Verwandten zu thun pflegt, der Dame seine Rechte hin. War es Zufall oder die Einwirkung der vom Fenster hereinströmenden grellen Strahlen der Mittagssonne, daß die edel geschnittenen schönen Züge der vielleicht fünfunddreißigjährigen Frau plötzlich in tieferen Tinten erglühten? Allein halb unwillig darüber, warf sie den stolz getragenen, von einem zierlichen Kapothütchen bedeckten Kopf noch mehr in den Nacken, zog den grauseidenen Staubmantel fester über die Brust zusammen und entgegnete, ohne von der ihr gereichten Hand Notiz zu nehmen, mit kühler Würde: „Guten Morgen Schwager Achenberg! Wieso unsichtbar! Ihr habt ja genau so weit zu mir nach Bruneck, wie ich zu Euch, zumal da ich zuletzt in Oberstein gewesen bin. Bisher hatte ich vergeblich auf des Vaters und Helios versprochenen Besuch gewartet. Es geht doch hoffentlich gut zu Hause?“ In vollendet weltmännischer Haltung, mit halb geneigtem Haupt, den Mund zu einem unbefangenen Lächeln verzogen, stand Achenberg der Dame gegenüber; ein aufmerksamerer Beobachter als diese würde indeß wahrgenommen haben, daß er dabei keinen Blick von Rechtsanwalt Bergmann verwandte und jede seiner Mienen förmlich zu studieren schien. „Gut, natürlich gut. O ja, Papa erfreut sich für seine 76 Jahre noch einer beneidenswerten Gesundheit: er läuft, ißt, trinkt und schläft, wie der best organisirte Normalmensch — und Helios—? Nun wir wollen demnächst einen Ball geben, um dem lieben Kind einmal einen Extra=Spaß zu bereiten. Zerstreuung ist die Hauptsache im Leben, sonst fängt man Grillen. Nicht wahr Bergmann?“ „So, nun das sind ja recht günstige Nachrichten aus Oberstein," versetzte die Gräfin, wobei ihr anziehendes Gesicht wieder einen völlig indifferenten Ausdruck annahm und die schönen, fast melancholisch blickenden Augen ein paar Sekunden forschend an des Schwagers Zügen haften blieben.„Doch ich will nicht länger stören, die Herren haben Geschäfte— und meine Zeit drängt ebenfalls. Bitte grüßen Sie die Ihrigen von mir, Achenberg.“ Sie neigte noch leicht das Haupt und entfernte sich. Beim Eintritt in des Rechtsanwalts Privatzimmer warf der Rittmeister Hut und Gerte auf den nächsten Tisch und sagte merkbar ungeduldig mit erregter Stimme: „Ich wußte nicht, daß Sie der Rechtsbeistand der Pröpstin von Bruneck sind, Bergmann, was hat das für eine Bewandtnis— he?“ „Privatsache! Schöne Stellung das— kluge Dame! Aber es giebt doch so manches, wofür der Gesichtskreis auch des intelligentesten Weibes begrenzt erscheint“, entgegnete der Rechtsanwalt ausweichend, während er scheinbar emsig auf seinem von Aktenstücken überdeckten Schreibtische herumkramte. „Aha— so. Natürlich: strenge Diskretion! Dies bedeutungsvolle Wort ist mir ja gleich beim Eintritt meiner Schwägerin ans Ohr geschlagen. Nun, wenn ich Ihnen einen Rat erteilen darf, bester Bergmann, dann lassen sie sich nicht mit den keifigen Frauenzimmern von Brunneck ein. Puh! Ich hasse alte Jungfern!" Wenn die übrigen Damen des adeligen Fräuleinstiftes der Frau Pröpstin gleichen, dann müßte es, für einen Junggesellen— wie ich es bin— gar nicht so übel sein, einmal einen Abstecher dorthin zu unternehmen“, gab Bergmann lachend zur Antwort. Dann schaute er über die Brille hinweg seinen Klienten mehrere Minuten durchdringend und forschend an und fragte im trockensten Geschäftstone: „Es ist doch nichts besonders Eiliges, was Sie heute zu mir führt, Herr Rittmeister? Sonst schreiben Sie mir in der Regel vorher ein paar Zeilen.“ „Doch! das heißt: ja— nein. Kurz, die Sache liegt mir sehr am Herzen und läßt mir die Sache jetzt in so trübem Lichte erscheinen, daß ich wirklich schon seit Wochen eine offene Aussprache mit Ihnen herbeiwünsche", entgegnete Achenberg, nachdem er sich, schwer und hastig atmend, in einen Sessel geworfen. „Na— na, so schlimm wird es wohl nicht gleich sein. Es sind eben böse Zeiten. Arbeit ist teuer und Geld ist rar.“ „Unsinn, Bergmann, davon ist nicht die Rede. Lohnund Arbeiterverhältnisse, die jetzt jeden Grundbesitzer quälen, sind bei mir völlig in den Hintergrund gedrängt durch andere, wichtigere Dinge, denen gegenüber alles, was ich seit 9 Jahren auf Oberstein geleistet und gewirkt, wie wurmstichiges Holz zusammenbricht. Es muß Rat geschafft werden— jetzt bald!“ Ohne daß der fast indifferent ruhige Ausdruck seines glattrasierten vollen Gesichtes sich veränderte, betrachte Bergmann den vor ihm sitzenden Mann. Er hatte sich jetzt ebenfalls am Schreibtisch niedergelassen und drehte halb gewohnheitsmäßig, halb tändelnd eine zugespitzte Bleifeder in den Händen. Beide Herren kannten sich seit langen Jahren; sie waren Schulkameraden gewesen, und als Bergmann, kurze Zeit nach Aschenbergs Verheiratung mit der Wittwe seines Vetters, sich als Rechtsanwalt in E... niederließ, schien es selbstverständlich, daß die alten Beziehung aufgefrischt wurden und der Rittmeister dem als tüchtigen Juristen bekannten Manne alle seine Geschäftsangelegenheiten übertrug. Da Bergmann gelegentlich auch schon einigemale in Oberstein gewesen, kannte er die dortigen Verhältnisse hinlänglich, um sogar in internen Familiensachen von Achenberg als Vertrauter angesehen zu werden. Allein der Rittmeister vermochte sich durchaus keines allzu willfährigen oder gar schmeichlerischen Entgegenkommens von seiten des Rechtsanwaltes zu rühmen. Dieser blieb sich stets gleich und ließ sich weder durch glatte Worte, noch durch Achenbergs bekannte Liebenswürdigkeit aus seiner Ruhe bringen. Er galt für einen eminent klaren und klugen Kopf, was er jedoch meist unter dem schlichten Gewande seiner graden etwas derben Natur zu verbergen bemüht war. Obwohl Berg= mann Formen und Rücksichten sehr wohl zu wahren verstand, widerstrebten ihm doch vom Grunde der Seele jedwede Speichelleckerei und kriechendes Wesen, so daß seine Klienten oft mehr Wahrheit zu hören bekamen, als ihnen lieb war. Indeß gerade dieses Schroffe, Naturwüchsige in seinem Charakter behagte Achenberg an seinem Rechtsbeistande, weil er darin den untrüglichen Beweis von Biedersinn und Aufrichtigkeit erblickte, was den sonst höchst mißtrauischen Mann steis mit Beruhigung erfüllte. Auf die heftigen Worte des Rittmeisters entgegnete er kein Wort, sondern ließ diesem erst genügend Zeit, seiner ersten Erregung Meister zu werden und ruhiger fortzufahren. „Wir haben die Sache ja eigentlich schon vor Jahr und Tag besprochen, Bergmann. Aber damals gingen wir nicht näher darauf ein, weil es noch gute Wege hatte. Hingegen jetzt überkommt mich oft ein Gefühl, als fange der Boden unter meinen Füßen plötzlich an zu wanken.“ „Ah, nun erst verstehe ich, Sie meinen die in Kürze bevorstehende Mündigkeitserklärung Ihrer Stieftochter und Mündels, Herr Rittmeister. Hm— ja, das ist in der That ein kritischer Fall für Sie“, versetzte Bergmann trocken. „Mündigkeitserklärung! Was fällt Ihnen ein? Sie darf nicht eintreten— nun und nimmer eintreten, so lange ich noch einen Finger zu rühren und ein Wort zu sprechen vermag! Das Mädchen ist überspannt, völlig verdreht, und solchen Leuten gegenüber kann von Ansprüchen und Rechten gar nicht die Rede sein!“ rief Achenberg, indem er dabei mit solcher Gewalt auf die Armlehne des Sessels schlug, daß dieser in allen Fugen krachte. Dann fuhr er zornsprühenden Auges fort: „Ich möchte wissen, was aus Oberstein werden sollte, wenn dieses Mädchen einmal freie Hand bekäme und darauf schalten und walten dürfte, wie es ihm beliebte. An den Bettelstab würde sie uns alle bringen.— Pah! Und meine armen Junges? Ins Tollhaus müßte sie gesteckt werden— müßte...“ „Aber mein bester Rittmeister, warum dieser Alteration? Lassen sie uns doch die Geschichte in Ruhe besprechen," ermahnte Bergmann, ohne daß der angenehme weiche Klang seines Organs die geringste Erregung verriet.„Ich kenne die Verhältnisse ja genugsam. Sagen Sie mir daher nur einmal frei heraus, was Sie eigentlich zu thun gedenken?" „Das ist sehr einfach! Ich wünsche meine Stieftochter wegen Unzurechnungsfähigkeit entmündigt zu sehen,“ gab Achenberg schnell zurück. „Und Beweise dafür? Es ist leichter, dergleichen gewagte Behauptungen aufzustellen, als sie zu begründen! sagte der Rechtsanwalt mit unerschütterlicher Ruhe. „Pah! Meinen Sie, daß ich das nicht könnte! Bitte, wollen Sie gefälligst einmal alle verdrehten Streiche und haarsträubenden Tollheiten, welche Helios, seit sie unter meiner vormundschaftlichen Gewalt steht, vollführt hat, addiren? Ich glaube, dies höchst einfache Rechenexempel würde genügen, um das Vormundschaftsgericht für meine Wünsche geneigt zu machen. Gar nicht einmal davon zu reden, daß Geistesstörungen in den meisten Fällen erblich sind.(Fortsetzung folgt.) rates, wie es bei diesen Prüfungen der Fall ist, lohnt. Wäre es nicht möglich, die jungen Leute etwa, wie es bei den sog. Extraner=Abiturienten geschieht, einer oder mehreren der höheren Lehranstalten zur Prüfung zu überweisen? Die Regierung könnte durch Bestimmen der schriftlichen Aufgaben und durch Einfordern der Prüfungsverhandlungen immerhin auch dann ihre Mitwirkung und ihren Einsluß ausüben.“ Oesterreich=Ungarn. Die Meldungen über außerordentliche Bewilligungen, die der Kriegsminister beanspruche, werden von informirter Seite in Abrede gestellt. Neue Gewehre wurden bisher nicht bestellt. Erst für die nächsten Jahre steht eine Neuanschaffung 100000 mannlicher Gewehre bevor, mit einem Erfordernis von 6 Millionen Gulden; für diese Anschaffung werden Versuche für die Herstellung eines leichteren Schaftes und eines stärkeren Verschlusses gemacht.— Es heißt allgemein, der frühere Ministerpräsident Weckerle werde die Leitung der in der Gründung begriffenen Agrarbank übernehmen.— Die Gemahlin des Erzherzogs Otto wurde von einem Prinzen entbunden. Italien. Die Besetzung der in der afrikanischen Kolonie belegenen Stadt Adoa wurde beschlossen, nachdem General Baratieri nachgewiesen hatte, daß keine neue Belastung des Staatsschatzes dadurch bewirkt werde. Die Kosten sollen durch Tribute aufgebracht werden. Die Mehrzahl der römischen Blätter billigt deshalb die Besetzung, zu der ausschließlich eingeborene Truppen verwendet werden sollen. Frankreich. Deputiertenkammer und Senat haben den diesjährigen Voranschlag des Budgets erledigt. Die letzten Kammersitzungen verliefen sehr erregt, in ihnen wurden fast alle vom Senat gestrichenen Voten der Kammer wiederhergestellt, namentlich die Gehaltserhöhungen für die Lehrer und die Bestimmungen betreffend der Besitzsteuer der geistlichen Genossenschaften. Vergebens suchte der Ministerpräsident Ribot die Kammer von diesen Voten abzuhalten, indem er darauf hinwies, daß das Budget nicht über hinreichende Mittel verfüge, um die votierten Kredite aufzubringen. Die Regierung wurde überall in die Minorität gesetzt, oft nur mit 3 oder vier Stimmen. Das Budget wurde darauf an den Senat zurückverwiesen, in dem es zu einem Ausgleich kam und verabschiedet wurde.— Mirman darf fortan nicht mehr in Uniform, wohl aber in Zivil, in der Kammer erscheinen. — Im Nigergebiet ist ein neuer Zwischenfall vorgekommen. Beamte der Niger=Company hielten eine Dampfschaluppe auf, die dem gestrandeten französischen Aviso Ardent Hilfe bringen sollte. Die Schaluppe gehörte einem deutschen Hause.— Die Franzosen haben auf Madagaskar bereits einen glänzenden Erfolg errungen, indem die französischen Kolonialtruppen die aufständischen Hovas an der Westküste der Insel bei Mowarano schlugen. Die Franzosen setzten nach diesem Erfolge ihren Vormarsch in das Innere ungehindert fort. Der Führer der französischen Truppen, General Duchessne, trifft dieser Tage auf Madagaskar ein, er hat sich schon vor dem Osterfeste dorthin eingeschifft. England. Drei Augenzeugen der armenischen Greuel in Sassun sind in London eingetroffen und wurden vom Ausschuß des englischen Armeniervereins empfangen, der ihre eidlichen Aussagen zu Protokoll nahm und beschloß, sie Lord Kimberley und den Botschaftern der Großmächte in London zu übermitteln. Serbien. Trotz des viel beobachteten Vertuschungssystems dringt doch einiges über die Schandthaten der Helfershelfer des berüchtigten Exkönigs Milan in die Oeffentlichkeit. So wird berichtet, daß es z. B. im Schabatzer Kreise, wie in vielen andern, zu blutigen Auftritten kam. Dort erschienen die Präfekten in den Wahlorten mit dem Untersuchungsrichter und während sie die Wahlmännerwahlen, welche gesetzwidrig garnicht angekündigt waren, vornahmen, ließ der Untersuchungsrichter die oppositionellen Wähler scharenweise vorführen und sie wegen Störung der öffentlichen Ruhe verhaften. An 2 Orten wurden auf diese Weise 70 Wähler verhaftet. Die liberale Partei beschloß infolge dieses Treibens Wahlenthaltung. Afrika. Abermals kommt aus Marokko die Kunde von der Ermoidung eines deutschen Kaufmanns namens Rockstroh, nachdem seit der Ermordung des deutschen Kaufmanns Neumann erst kurze Zeit verstrichen ist. Die Behörden in Tanger betreiben die Feststellung des Thatbestandes und die Ergreifung des Mörders mit fieberhafter Eile infolge des energischen Eingreifens des deutschen Vertreters daselbst. Der deutsche Vertreter dringt auch diesmal auf eine angemessene Entschädigung der Hinterbliebenen des ermordeten Deutschen. Die japanisch=chinesischen Friedensverhandlungen, die nun doch noch einen befriedigenden Verlauf genommen haben sollen, werden noch in dieser Woche bekannt gegeben werden. Augenblicklich verlautet über die Bedingungen noch nichts bestimmtes; jedoch heißt es, daß den Wünschen Chinas auf Herabminderung der drückendsten japanischen Forderungen einige Rechnung getragen worden sei. Andererseits verlautet jedoch, daß, wenn der Friedensschluß innerhalb des Waffenstillstandes nicht zu Stande kommen sollte, eine Ausdehnung des letzteren nicht stattfinde, Japan vielmehr unverzüglich mit der Besetzung Peckings beginnen würde. Das würde China umso empfindlicher berühren, als es von dem Recht seiner bewaffneten Macht neuerdings durch eine Pulverexplosion in den Wootong=Forts 50 Offiziere und Soldaten einbüßte. Der Schwiegersohn Li=Hung=Tschangs telegraphiert: Der Friede ist unterzeichnet. Die Bedingungen sind: Die Unabhängigkeit Koreas. Japan behält die eroberten Plätze und das Gebiet östlich vom Liauflusse. Die Insel Formosa wird dauernd an Japan abgetreten. Die Kriegsentschädigung beträgt einhundert Millionen Dollars. Außerdem schließt Japan mit China ein Schutz= und Trutzbündnis. Die Beratung zwischen Li=Hung=Tschang und den Bevollmächtigten der japanischen Regierung bezüglich des Abschlusses des Friedens fand am 15. d. Mis. in Shimonoseki statt und dauerte fünf Stunden. Die chinesischen Bevollmächtigten rüsten sich heute bereits zur Heimkehr. Die Polit. Korr. zu Wien meldet aus Petersburg, Rußland sei entschlossen, Japan an Erwerbungen auf dem Festlande zu verhindern und habe daher seine Truppen an der koreanischen Grenze und das ostasiatische durch das Mittelmeergeschwader verstärkt. Frankreich gehe mit Rußland, während England geneigt scheine, die japanischen Forderungen zu unterstützen, was internationale Verwicklungen ergeben könnte. Man hoffe jedoch, sie zu verhindern. Der Londoner japanische Gesandte erklärte einem Vertreter des Reuterschen Bureaus, er habe noch keine Nachricht vom Friedensschlusse erhalten. Das Telegramm der Times enthalte verschiedene Punkte nicht, die, wie er wisse, von Japan aufgestellt seien, z. B. weder die Meistbegünstigungsklausel noch andere Handelszugeständnisse. Die Kriegsentschädigung scheint ihm zu klein, dagegen schienen die Unabhängigkeit Koreas und die Abtretung von Formosa richtig. Auch das Bündnis mit China sei unwahrscheinlich. Artikel 2 und 3 seien schwer verständlich, da außer dem erwähnten Gebiet keine andern Plätze ausgenommen, Wei=Hai=Wei, erobert sei. Parteinachrichten. D. Liberale Blätter verbreiten die Nachricht, daß der neugewählte Reichstags=Abgeordnete für EschwegeSchmalkalden=Witzenhausen, Herr Pfarrer Iskraut, 148 Personen in seinem Wahlkreise verklagt habe, weil sie ein ihn beleidigendes Flugblatt während der Wahl unterzeichnet hätten; an diese Mitteilung knüpfen die Zeitungen mehr oder minder unzutreffende Bemerkungen. Unseres Wissens ist die Klage nicht erfolgt, um eine Bestrafung der 148 herbeizuführen, sondern um gerichtlich feststellen zu können, daß die Namen der Unterzeichner zum größten Teil ohne deren Wissen unter jenes nationalliberale Flugblatt gesetzt worden sind. Westfalen und Rheinland. Witten, 17. April. 8 Kameradschaftlicher Sängerbund. Die am Montag Abend im Borgmann'schen Saale von Mitgliedern des Kameradschaftlichen Sängerbundes veranstaltete Theateraufführung fand die lebhafteste Anerkennung der zahlreich erschienenen Gäste. Der Aufführung schloß sich ein Ball an, der in der schönsten Weise verlief. □ Abschiedsfeier. Aus Veranlassung der Abberufung des Herrn Vikars Bernhard Funke als Repetent an das Bischöflische Konvikt nach Paderborn veranstaltete der„Katholische Kirchenchor"=Witten am Ostermontag im großen Saale des Gesellenhauses ihrem scheidenden Vorsitzenden eine Abschiedsfeier. Zu derselben waren auch die Pfarreingesessenen geladen und in großer Anzahl erschienen, so daß der geräumige Festsaal die Teilnehmer kaum zu fassen vermochte. Den hergebrachten Toast auf die höchste geistliche Autorität brachte Herr Vikar Ostermann, während Herr Lehrer Plugge die eigentliche Festrede hielt, welche in ein Hoch auf den scheidenden Herrn, der sechs Jahre lang in der Gemeinde segensreich gewirkt und sich allseitiger Hochachtung erfreute, ausklang. Einen ergreifenden Eindruck, verlieh das darauf vorgetragene Lied:„Es ist bestimmt in Gottes Rat.“ Nachdem die letzten Akkorde verklungen, erhob sich Herr Dechant Poggel, um in gewohnter, redegewandter Weise die seelsorgerische Thätigkeit des Gefeierten hervorzuheben und dem Schmerze über das Scheiden Ausdruck zu geben. In dankbarer Anerkennung der aufopfernden Wirksamkeit des Herrn Vikar für den „Cäzilien=Chor" überreichte der Herr Dechant eine goldene Uhr mit der Widmung vom„Kirchenchor“ und eine Geldsumme bestimmt für das Paderborner Konvikt. Der scheidende Herr dankte in unvergleichlich schönen Worten und brachte einen Trinkspruch auf ewige, unzertrennliche Freundschaft. Während der Zwischenpausen fanden Vokalund Instrumentalvorträge statt. Nachdem die Feier sammelten sich um 8½ Uhr in: Saale der Witwe Leifrig. die Mitglieder des Bürgervereins mit Frauen zu einer Abschiedsfeier ihres scheidenden Ehrenpräses. Herr Lehrer Plugge leitete dieselbe durch einen Toast auf Kaiser, Vaterland und Papst ein. Der Präses, Herr Stichternath, hatte die Festrede übernommen. In kernigen Worten sprach er über die Bedeutung des Tages, streifte das Verdienst des Scheidenden um den Bürgerverein und endete mit einem Trinkspruch auf denselben. Im Namen des von ihm geleiteten Vereins ernannte er denselben unter Ueberreichung eines Ehrendiploms zum außerordentlichen Ehrenpräses, worauf dieser gerührt dankte, seinen Nachfolger, den neuerdings nach hier berufenen Herrn Kaplan Schulte einführte und mit einem Hoch auf den Bürgerverein schloß, dem er weiteres Blühen, Wachsen und Gedeihen von Herzen wünschte.— * Theater. Am Freitag beabsichtigt ein unter der Leitung des hier aufs Vorteilhaffeste bekannten Regisseurs Herrn Werner stehendes Ensemble Max Halbe's Liebesdrama„Jugend“ zur Aufführung zu bringen. * Zur Berufs= und Gewerbezählung. Nachdem der Bundesrat die näheren Anordnungen über die am 14. Juni d. J. vorzunehmende Berufs= und Gewerbezählung endgültig getroffen hat, wird die Herstellung der zu der Zählung notwendigen Formulare und Karten in Angriff genommen werden. Es sind das Formularherstellungen von beträchtlichem Umfange. Dabei handelt es sich nicht bloß um die Herstellung der Zählpapiere, sondern auch um Listen und Uebersichten, welche zur Bearbeitung des Urmaterials zur Anfertigung der Bezirks= und Staatsübersichten notwendig sind und schließlich um die Zusammenstellungsformulare für die Ergebnisse des Reichs. Die nächste Sorge wird natürlich der Anfertigung der ersten Kategorie von Drucksachen zugewendet werden müssen, von denen nicht weniger als 15 Millionen Haushaltungslisten, 6½ Millionen Fragebogen für die landwirtschaftlichen Betriebe, 2½ Millionen Gewerbekarten für die Gewerbebetriebe und 1 Million Kontrolbogen außer den für die Gemeinden und für die Verwaltungsbehörden der größeren und kleineren Bezirke bestimmten Bogen als notwendig erachtet sind. Da die ausgefertigten Zählkarten in verhältnismäßig kurzer Zeit eingehen, so muß auch bereits bald an die Anfertigung der zweiten Kategorie von Drucksachen gedacht werden. Nicht weniger als nahezu zwei Millionen Mark sind für die Herstellung der Formulare und deren Bearbeitung bis zu dem Stadium, in welchem sie an das Reich gehen, ausgeworfen. Die Bundesstaaten, welche die Erhebung und Bearbeitung des Urmaterials selbst übernehmen, erhalten 3,9 Pfennige auf den Kopf ihrer Bevölkerung hiervon vom Reiche erstattet. a Diakonissen=Anstalt. Die Diakonissen=Anstalt Kaiserswerth zählt gegenwärtig 932 Diakonissen und Probeschwestern, welche während des letzten Jahres im Mutterhause und auf 236 auswärtigen Arbeitsfeldern weit über 70000 Hilfsbedürftige aller Art ihre Dienste widmen durften. Ueber 120 Lehrschwestern widmen sich dem Unterricht und der Erziehung in 43 Kleinkinderschulen und 28 Erziehungshäusern, Elementar= und höhere Mädchenschulen. Im Krankenhause mit 200 Betten wurden 1320 Kranke ohne Unterschied des Geschlechts und der Konfession verpflegt. & Landwirtschaftlicher Provinzialverein. Die diesjährige Versammlung des Gesamtvorstandes des Landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Westfalen und Lippe findet am Donnerstag, den 2. Mai cr., im Gasthof„Zum Grafen von der Mark“ in Hamm statt. Auf der sehr reichlichen Tagesordnung stehen u. a. folgende Punkte: Schreiben des LandwirtschaftsMinisters betr. Regelung des Deckgeldes. Schreiben des Zentralvereins für den Regierungsbezirk Kassel betr. Wiedereinführung der Staffeltarife: Anträge betr. Anlage von Normal=Düngerstätten, betr. Verwendung der Rindviehprämien, betr. Wahlen zum Eisenbahnrat; betr. Ausführung der Beschlüsse bezw. der Pferdezucht usw., ferner Vorlage des Kassenberichts und des Etats.— Am Freitag, den 3. Mai ist in demselben Lokale eine Sitzung des Ausschusses des landwirtschaftlichen Provinzi alvereins, für welche u. a. folgendes zur Erledigung steht: Geschäftsbericht, Etat, Wahl von 6 Vertretern und 10 Stellvertretern für den Bezirkseisenbahnrat in Köln u. s. w. = Der Verband deutscher Brieftauben=Liebhaber=Vereine hat für das Abschießen und Fangen von Wanderfalken, Hühnerhabichten und Sperberweibchen unter den nachstehenden Bedingungen 1200 M. als Prämie ausgesetzt. Diese Prämien gelangen anfang Dezember 1895 nach dem Verhältnis der eingelieferten Fänge zur Verteilung. Zur Erhebung eines Anspruches an diesem Prämiengeld müssen die„beiden Fänge“ eines Raubvogels, nicht der Raubvogel, bis spätestens Ende November 1895 dem Verbands=Geschäftsführer J. Hoerter zu Hannover franko eingesandt werden. Es wird gebeten, die Fänge zu sammeln und zur Vermeidung unnötiger Porto=Auslagen zusammen einzusenden, da nur diese Berücksichtigung finden können. + Der Ausschuß des westfälischen FeuerwehrVerbandes versendet soeben ein Rundschreiben, daß der Verbandstag am 15. Juni in Siegen stattfinden wird. Die Wehren werden aufgefordert, sich frühzeitig um Fahrpreis=Ermäßigung zu bewerben und vorkommenden Falles mit Nachbahrwehren zusammen zu thun. Die Mitglieder, welche 25 Jahre im freiwilligen Feuerlöschdienst sind, sollen beizeiten namhaft gemacht werden, ebenso die Abgeordneten zum Verbandstage. Gerügt wird, daß die # P.C. Der erste Was ist der erste Schulgang? Die Vertreibung aus dem Paradiese der Kindheit und der Anfang eines Lebens, dessen Inhalt die Worte ausdrücken:„Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot essen!“ Bis zu diesem Tage ist das Kind des Kummers und der Sorge ledig gewesen. Seine Eltern waren die gütigen Götter, die für sein Wohlbefinden sorgten, seine Geschwister und Bekannten die Engel, die sich liebreich seiner Unterhaltung widmeten, sein Zeitvertreib war das Spiel, und in friedlicher Gemeinschaft mit seiner ganzen Umgebung lebte es einen stillen, glücklichen Traum, den die gewaltigen Wogen des Lebens, die da draußen tobten und brandeten, nicht zu stören vermochten. „Heute mußt Du in die Schule!“ Es ist ein Donnerwort, das in das Paradies der Kindheit hineintönt und mit bangen Ahnungen die junge Seele erfüllt. Dem Kinde, das mit dem ersten Schritte der Schule zustrebt, schließen sich für immer die Pforten des irdischen Edens. Kein Engel mit feurigem Schwerte hat es nötig, die Rückkehr zu verwehren. Die unaufhalisam rollende Zeit reißt den Menschen immer weiter hinaus in den mächtigen Strudel des Lebens, und nur der Erinnerung ist es zeitweise gestattet, in die verlorenen, glücklichen Gefilde zurückzuschleichen und den schönen Traum der Kindheit noch einmal zu träumen. Man sollte meinen, daß die Eltern in ihrer Liebe sich Mühe geben müßten, das Kind auf einen so entscheidenden Wendepunkt im Leben vorzubereiten, ihm den so schroffen Uebergang aus dem Traum in die Wirklichkeit zu erleichtern. Wie wenig Eltern denken daran, wie viele malen aber in ihrer Unvernunft die Schulzeit mit den schwärzesten Farben aus! Schwache und unverständige Eltern benutzen in ihrer Erziehungsweise den Lehrer sogar als Schreckgespenst. Sie ahnen nicht, wie schnell sich ein Schreckbild der Seele des Kindes bemächtigt, wie groß die Qualen sind, welche dem jungen Abeschützen durch vorheriges Furchtmachen auf seinem ersten Gange bereitet werden. Ein Beispiel aus dem Leben möge das Gesagte veranschaulichen. Auf der breiten Schwelle eines schmucken Bauernhauses sitzt an einem sonnigen Märztage ein frischer Bube und hantiert so eifrig mit dem Stifte auf einer Schiefertafel herum, daß bereits beide Seiten kreuz und quer durchstrichen sind. „Was machst Du da, Franz?“ redet ihn der Vater an, der eben aus dem Stalle mit zwei Pferden herauskommt, um diese anzuspannen. „Ich schreibe.“ „Kannst Du denn schreiben?“ Als Antwort weist der kleine Künstler mit Stolz seine Tafel. „Das ist ja ganz hübsch; aber in der Schule wirst Du's noch besser lernen.“ „Wenn wer' ich in die Schule geh'n?“ „Auf die nächste Woche; dann heißt's aber lernen!“ „Blos schreiben, Vater?“ „Nein, auch lesen und rechnen.“ „Muß man in der Schule lernen?“ „Freilich, sonst bekommt man Prügel.“ „Bekommt man immer in der Schule Prügel?“ „Nein, blos dann, wenn man nicht lernt.“ „Gelt, Vater, wenn ich wer' alles lernen, dann wird mich der Lehrer nicht hau'n?“ „Freilich nicht, den fleißigen Kindern ist der Lehrer sehr gut.“ Bei den letzten Worten schwingt sich der Vater auf den Wagen und fährt zum Thore hinaus. Der Junge aber starrt wie traumverloren ins Leere; in Wirklichkeit beschäftigen sich seine Gedanken lebhaft mit der zukünftigen Schulzeit. Plötzlich fährt er aus seinem Sinnen auf, bespuckt energisch die Tafel von beiden Seiten, wischt sie mit dem Aermel ab und fängt die Schreibübungen eifrig von vorn an. „Franz! Franz!“ schallt da eine Frauenstimme aus dem Innern des Hauses. Franz rührt sich nicht und kritzelt weiter. „Franz, wirst Du bald hereinkommen!“ schallt es zum zweitenmale. Der Knabe hört auch diesmal nicht darauf. Da taucht aus dem Dunkel des Flures die Bäuerin auf, entreißt mit Schimpfen und Schelten dem Kinde die Tafel und fährt es an. „Was hast Du hier zu kritzeln? Marsch in die Stube, Du wirst wiegen!" „Nein, ich geh' nicht“, sagt da trotzig der Knabe und läuft bis zum Hofthor. „Na, so eine nichtsnutzige Range! Gleich kommst Du herein, oder ich hol' die Ruthe.“ Auch diese Drohung bringt den Knaben nicht zum Gehorsam. Mit zuckenden Lippen steht er da, und sein ganzes Gesicht drückt das höchste Mißvergnügen aus. „wärte nur, nächste Woche gehst Du in die Schule. Dem Lehrer wer' ich's schon sagen, was Du für ein Bengel bist. Der wird Dir die Hosen schon ausklopfen!“ Daraufhin nähert sich Franz langsam der Mutter und sagt mit weinerlicher Stimme: „Ich wer' ja wiegen, aber zuerst will ich noch etwas schreiben!“ „Nein, Du gehst wiegen, oder ich sag's dem Lehrer!“ Wieder taucht vor der Seele des Kindes eine Schreckensszene auf. Er sieht einen finstern Mann mit einem fürchterlichen Stocke auf einen kleinen Knaben losprügeln. Derselbe schreit und windet sich vor Schmerzen— und dieser Knabe ist er selbst. Mit einem Satz ist Franz im Hausflur und bemerkt garnicht den Stoß, den ihm die erzurnte Mutter von hinten versetzt.— Ich war ungesehen Zeuge dieser Szene gewesen und konnte mir deshalb wohl das Verhalten des kleinen Franz am Aufnahmetage erklären. Mit scheuen Blicken betrat er hinter seiner Mutter den Raum, der ihm so oft als Folterkammer geschildert wurde. Mit ängstlichen Blicken starrte er mich, den geschilderten Kinderfeind, an und klammerte sich bei der Vorstellung zitternd an seine Mutter. Immer nur die Mutter anstarrend, ließ er sich von dieser rückwärts in die Bank schieben. Kaum machte diese aber Miene, ihn zu verlassen, da hielt er sich entsetzt an ihrem Kleide fest. Eine tödliche Angst sprach aus seinem ganzen Wesen und drückte sich in seinen Worten aus: „Mutter! Mutter! laß mich nicht hier! Laß mich nach Hause gehen! Ich wer' Dir ja immer folgen, aber laß mich nach Hause geh'n, ich bleib' nicht hier, ich fürcht' mich so sehr!“ Jetzt sollte eine Zuckerdüte eine Aufregung beseitigen, die vielleicht schon wochenlang genährt wurde. Ich schob die Mutter ärgerlich zur Seite und hieß sie gehen. Das Weinen des Kleinen nach ihrem Weggange war herzzerreißend; vergeblich waren meine liebreichen Worte, vergeblich die Beschwichtigungen der älteren Schwester, die sich in derselben Klasse befand. Noch lange Zeit erschütterte ein stoßweises Schluchzen den Körper des Knaben; dann ergab er sich mit stummer Resignation in sein Schicksal, mit umflorten Augen starrte er vor sich hin— der Traum seiner Kindheit war vorüber! Jahresberichte nicht eingesandt wurden; nur Camen, Bochum und Oelde haben es gethan. Ebenso fehlten oft die Brandberichte. Schließlich giebt das Rundschreiben Maßregeln über das Verhalten im Festzuge. * Langendreer, 16. April. Westfalenfahrt nach Friedrichsruh.— Schule. Von hier wurden in das Provinzialkomitee gewählt die Herrn F. W. Maiweg und Oberschulte=Beckmann.— Das Kuratorium der höheren Knabenschule hat die Herren Rektor Kemmer aus Radevormwald und Kandidat Brockmann=Herbede als Nachfolger der Herren Dr. Detzel und Kandidat Hyprat gewählt. * Dortmund, 15. April. Eine heute abgehaltene Versammlung der Maler= und Anstreicher=Gehülfen, welche sich mit der Lohnfrage beschäftigte, wurde polizeilich aufgelöst. Als der Vorsitzende wegen Aufforderung zum Ausstand verhaftet wurde, entstand großer Tumult, so daß noch eine weitere Verhaftung erfolgen mußte. Hagen, 16. April. Eine schreckliche Blutthat hat gestern im benachbarten Eilpe die Stille und Freude des Osterfestes gestört. Dort kehrten in später Nachmittagsstunde in der Wirtschaft von St. zwei Schwäger, der Fabrikarbeiter Feldhaus und sein jüngerer Schwager A. Röntgen ein. Beide hatten den Vormittag in verschiedenen Wirtshäusern verkehrt und viel getrunken. Anscheinend im besten Einvernehmen ließen beide sich in der genannten Wirtschaft auf der Kegelbahn nieder, bis sich nach kurzer Zeit der eine nach dem Abort begab, wo sich auch der Schwager bald zu ihm gesellte. Letzterer kehrte nach etwa zehn Minuten wieder zu seinem früheren Platze zurück und begab sich dann wieder zu seinem Schwager auf dem Abort. Bald merkten Vorübergehende Blut unter dessen Thüre hervorsickern. Man öffnete die von innen geschlossene Thür mit Gewalt. Feldhaus stürzte heraus und entwich nach seiner Wohnung. Röntgen lag mit durchschnittener Kehle, blutüberströmt in einer Ecke gekauert. Der schnell herbeigerufene Arzt Dr. Bosch konnte nur den inzwischen eingetretenen Tod feststellen. Der Thäter war unterdeß in seiner nicht allzuweit entfernten Wohnung, blutbefleckt angekommen, hatte sich hier, ohne Wissen seiner Frau eine alte Jagdflinte mit Schrot geladen und sich die Ladung an der Schläfe in den Kopf geschossen, sodaß auch er von der beklagenswerten Frau, die auf den Schuß in den Raum eilte, in dem die That vollführt wurde, als Leiche aufgefunden wurde. Ueber den Anlaß zu der unglückseligen That ist nichts bekannt, von ernsteren Zwistigkeiten zwischen den Schwägern weiß man nichts. Jedenfalls sind beide Opfer des Schnapsteufels geworden. Wie mitgeteilt wird, sei der Mörder und Selbstmörder, wenn nüchtern, ein braver und verträglicher Mensch gewesen, ebenso zanksüchtig und gewaltthätig aber in betrunkenem Zustande. Der Mord war mit einem Rasiermesser vollführt, welches der Thäter am morgen zu sich gesteckt hatte, um einen Bekannten in Selbecke zu rasieren. Er hinterläßt Frau und zwei Kinder und stand im Alter von einigen dreißig Jahren, während der Ermordete eben in das zwanzigste Lebensjahr eingetreten war. o Vorhalle, 15. April. Feuer. Heute morgen gegen 6 Uhr brach in dem Maschinenhause der Ringofenziegelei der Firma P. C. Schlieckmann auf bisher unerklärliche Weise Feuer aus, welches die ganze innere Einrichtung, namentlich die Transmission, binnen kurzer Zeit in Asche legte. Der alsbald herbeigeeilten freiw. Feuerwehr von hier gelang es unter Benutzung der vorhandenen Hydranten das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, sodaß die gleich darauf eingetroffenen freiw. Feuerwehren von Eckesey und Herdecke nicht mehr in Thätigkeit zu treten brauchten. Der Schaden ist enorm und muß von der Gothaer Feuer=Versicherungs=Gesellschaft gedeckt werden. Im dritten Stockwerk des Maschinenhauses schliefen zwei Ziegelarbeiter, von denen einer kurz vor Ausbruch des Brandes, ohne irgend etwas Verdächtiges wahrgenommen zu haben, ins Freie gegangen war. Der andere dagegen wurde von dem furchtbaren Rauch überrascht, bekleidete sich notdürftig und rettete sich, da ihm die hellen Flammen auf der Treppe schon entgegen schlugen, durch ein kleines Fenster, sich in einer in der Fensterbank befindlichen Fuge festhaltend. Höchst aufregende Minuten waren es sowohl für den hoch oben zwischen Himmel und Erde Hängenden, wie für die zahlreichen Zuschauer, bis endlich eine Leiter angestellt werden konnte, mittelst deren die Rettung gelang. Für die Arbeiter ist es höchst bedauerlich, da der Betrieb wegen der erforderlichen Reparaturarbeit etwa 5 bis 6 Wochen eingestellt werden muß. * Holthausen, 13. April. Ertrunken. In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag stürzte sich die Wwe. K. von hier, an der in letzter Zeit Symptome von Geistesstörung bemerkt wurden, in einen Brunnen und ertrank. * Schwelm, 11. April. Standesamtliches Kuriosum. Vor wenigen Monaten ging eine Notiz durch die Zeitungen, nach welcher Absicht eines heiratslustigen Paares in nicht weniger als elf Gemeinden publiziert werden mußte. Dieses Kuriosum wird überboten von einem anderen. Letzthin bemerkte man nämlich der Schwelm. Ztg. zufolge im bewußten Aushängekasten des hiesigen Rathauses ein Aufgebot welches an siebzehn Orten zur Veröffentlichung gelangen mußte. Aufklärend sei bemerkt, daß das Aufgebot überall da aushängen muß, wo die Brautleuzte in den letzten 6 Monaten vor Beantragung gewohnt haben. X Hohenlimburg, 13. April. Unfug. In der Charfreitagnacht wurde in unserem Städtchen grober Unfug verübt. U. A. wurden die brennenden Straßenlaternen ausgelöscht, ein Teil der Straßenmauer beim Wirt Herrn Hengstenberg, in der ersten Kampstraße, niedergerissen, die Fenster des Schaukastens des Photographen Karl Kniper eingeworfen und hie und da noch Unheil angerichtet. Schade ist es, daß die Burschen nicht in die Hände unserer Sicherheitsbeamten gefallen sind. Dieser Spaß in der Charwoche wäre ihnen sicher teuer zu stehen gekommen. 8 Letmathe, 16. April. Erhängt. Recht traurige Ostern hat die Familie des Lokomotivheizers Hogenmüller von hier verlebt. Die Ehefrau des letzteren hat nämlich am Samstag morgen ihrem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Während der Mann im Dienst war, fand eines von den 6 unmündigen Kindern die Mutter am Bettpfosten hängend. Was die unglückliche Frau in den Tod getrieben hat, ist noch nicht vollständig aufgeklärt, doch scheinen zerrüttete Vermögensverhältnisse die Ursache der traurigen That gewesen zu sein. Am Samstag Nachmittag nahm eine Gerichtskommission aus Iserlohn an Ort und Stelle den Thatbestand auf. Iserlohn, 13. April. Waldbrand. Gestern nachmittag bemerkte man in der Nähe von Marienbrunnen einen Waldbrand, der allem Anschein nach eine große Ausdehnung angenommen hat. Wie dem Iserl. Tagebl. mitgeteilt wird, waren es Holzbestände des Herrn Risse, die vom Feuer heimgesucht worden sind. * Münster i. W., 12. April. Dank den anerkennenswerten Bestrebungen des Komites zur Anbahnung besserer Zahlungssitten haben sich die Zahlungsverhältnisse in unserer Stadt allmählich zu bessern angefangen. Das Komite sucht zunächst unter den Handwerkern Einigkeit herbeizuführen, indem es bestimmt, ihren Kunden regelmäßige Vierteljahrsrechnungen zuzustellen. * Münster, 15. April. Am 8. Mai wird hier eine Vorstands= und Ausschußsitzung des Westfälischen Bauernvereins stattfinden, in welcher die Neuwahl eines ersten Vorsitzenden für den verstorbenen Dr. Freiherrn v. Schorlemer=Alst vorgenommen werden soll. Auf der Tagesordnung steht dem Westf. zufolge ferner:„Die Lage des Grundbesitzes in Westfalen und Beratung von Maßregeln zur Besserung derselben.“ Hierbei werden die Fracht=Larife für Getreide, Vieh und Holz, die Sperrung der Grenzen gegen Vieh, Einfuhr ausländischen Fleisches, ferner die Berstaatlichung der Getreide=Einfuhr u. a. jedenfalls zur Sprache kommen. Den einleitenden Vortrag hat Herr Oekonomierat Winkelmann übernommen. 8 1— m S * Minden, 16. April. Der Kessel der Leimfabrik Drake ist gestern Abend explodiert. Die Fabrik steht in ** Elberfeld, 13. April. Auffindung von Kindeseichen. Gestern Morgen gegen 9 Uhr wurde die Leiche eines neugeborenen Knaben, in einem Packet befindlich, in der Bergstraße gefunden. Das Köpfchen des Kindes war ganz mit Blut bedeckt.— Nachmittags um 5 Uhr wurde am Brettchen von Spaziergängern eine Zigarrenkiste gefunden welche ebenfalls eine Kindesleiche enthielt. Die Polizei nahm die beiden Kindesleichen in Beschlag. Von den unnatürlichen Müttern fehlt bisher jede Spur. * Elberfeld, 16. April. Sozialdemokratische Maifeier. Zur Begehung des sogenannten Weltfeiertages am 1. Mai(in diesem Jahre ein Mittwoch) gedenkt die Elberfelder Sozialdemokratie morgens um 11½ Uhr eine Versammlung auf der Wilhelmshöhe zu veranstalten; am Nachmittag soll mit Musikbegleitung zur Friedenshöhe gezogen werden und abends auf dem Johannisberg die Feier ihren Abschluß finden. Die Kommission macht es jedem„Genossen“,„dem es möglich ist, die Arbeit ruhen zu lassen“, zur Pflicht, sich an der gesamten Feier zu beteiligen, damit dieselbe werde, was sie sein soll:„eine Demonstration des klassenbewußten Proletariats für den Sozialismus". Bis jetzt hat's damit von Jahr zu Jahr windiger ausgesehen; ein paar„Blaumacher“ kamen zusammen, das war alles. Von einer allgemeinen Arbeitsruhe ist weder hier noch auswärts mehr die Rede. Essen, 10. April. Die Arbeiter=Pensionskasse der Krupp'schen Gußstahlfabrik ist gezwungen, wegen der außerordentlich gestiegenen Belastung der Kasse die Beiträge von 1,3 Prozent auf 4,5 Prozent des Arbeitsverdienstes vom 1. April ab zu erhöhen. * Cleve, 10. April. Auf dem hiesigen Markte ist in den letzten Tagen die Butter im Preise so erheblich heruntergegangen, wie seit Jahren nicht. Feine Tafelbutter wird zu 72 Pfg., geringere Qualitäten für 65 Pfg. das Pfund verkauft. Unter diesen Verhältnissen machen die Margarinefabriken ein schlechtes Geschäft. dem * Bochum, 15. April. Eine exemplarische Strafe verhängte die hiesige Strafkammer über einen jener faden Schwätzer, wie sie hier in öffentlichen Lokalen so oft das Publikum belästigen. Der Barbier P. aus Herne machte am zweiten Weihnachtstage in einem dortigen Lokale auf der Bühne„Witze", um dem Publikum zu zeigen, welch' geistreicher Mensch er sei. Der Staatsanwalt aber erblickte in dieser Art humoristischer Vorträge unzüchtige Handlungen und eine Verspottung kirchlicher Gebräuche, und die Strafkammer verurteilte P. zu 13 Monaten Gefängnis. 19. Westfälischer Provinziallehrertag. ∆ Hamm, 16. April. Auf dem vorjährigen westfälischen Lehrertag in Witten wurde beschlossen, den diesjährigen Lehrertag zu Ostern in unsern Mauern abzuhalten. Die zentrale Lage unseres Ortes im Mittelpunkte von Westfalen trug mit dazu bei, daß sich gestern Nachmittag, an welchem die Delegirtenversammlung der einzelnen Lokalvereine stattfand, schon eine stattliche Zahl von Lehrern aus allen Teilen unserer Provinz eingefunden hatte. Die Stadt hatte reichen Flaggenschmuck angelegt.„„ Um 4 Uhr nachmittags wurde die Vertreterversammlung im Saale der Gesellschaft„Harmonie" durch den Vorsitzenden Rektor Kuhlo=Bielefeld eröffnet. In derselben waren 56 Vereine durch 110 Delegierte vertreten. Aus den alten Kreisen waren dabei beteiligt die Vereine von Hagen, Haspe, Gevelsberg, Schwelm, Haßlinghausen, Langerfeld, Herdecke, Wetter und Wengern. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht. Die Zahl der dem Provinziallehrerverbande angehörigen Vereine beläuft sich auf 58 mit 1870 Mitgliedern. Das Vereinsleben hat sich gut entwickelt. Auch der deutsche Lehrerverein, dem sich kürzlich die Landesvereine von Baden und Braunschweig angeschlossen haben, entfaltet sich immer mehr und zählt über 60000 Mitglieder. Nachdem Redner die Regelung des Militärverhältnisses der Lehrer und das Lehrerbesoldungsgesetz besprochen, schloß er mit dem Wunsche, treu zur Fahne des Provinziallehrervereins zu halten. Herr Münker=Witten erstattete den Rechnungsbericht. Der Einnahme von 1476.63 M. steht eine Ausgabe von 851.27 M. gegenüber, so daß sich der Kassenbestand auf 625.36 M. beläuft. Die Ergänzungswahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl der ausscheidenden Herren MünkerWitten und Bülow=Bochum. In den Vorstand des preußischen Landeslehrervereins wurden Rektor Kuhlo=Bielefeld und Rektor van Eckeris=Dortmund gewählt. Als Vorstandsmitglieder des deutschen Lehrervereins wurden außer den beiden zuletzt genannten Herren Wahle=Meschede, MünkerWitten und Bliefterning=Minderbeide bestimmt. Für die heutige Hauptversammlung, zu welcher 4 Vorträge angemeldet waren, wurden ausgewählt: 1. Volksbildung und Lehrerstand. Referent Lehrer TurkHagen; 2. Die Pflege der Volksdichtung und ihre Bedeutung für die heutige Zeit. Referent Rektor Gräve=Hamm. Als nächstjähriger Festort wurde Gelsenkirchen=Schalke gewählt. Nachdem noch über einen Antrag des Kreisvereins Hattingen in betreffs einer zweckmäßigen Bearbeitung des Jahresberichts verhandelt worden, wurde die Versammlung geschlossen. Wir bemerken noch, daß die Festschrift das Bild des früheren Unterrichtsministers, jetzigen Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Falk und eine kurze Darstellung des Lebensganges der hochverehrten Lehrerfreundes enthält. Nach Schluß der Vertreter=Versammlung wurde die Generalversammlung der Wilhelm=Augusta=Stiftung zur Unterstützung hülfsbedürftiger Lehrer=Witwen Westfalens abgehalten. Abends 8 Uhr fand eine gesellige Vereinigung in der„Deutschen Reichshalle" statt. Industrie, Handel und Verkehr. Dortmund, 16. April. Zum heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 393 Stück Großvieh, 535 Schweine, 117 Kälber und— Schafe. Preise für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Ochsen—.— Mk., Stiere 48—56 Mk., Kühe 1. Qual. 60—63 Mk., 2. Qual. 56—59 M., 3. Qual. 50—55 Mk., Schweine 44—48 Mk., Kälber das Pfund Schlachtgewicht 1. Qual. 60—65 Pfg., 2. Qual. 55—60 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg. Unverkauft blieben 33 Stück Großvieh, 12 Schweine. Essen, 16. April.(Börsenbericht.) Besuch schwach. Tendenz: fest. Umsätze: bedeutend. Weizen inländ. 13,— bis 14,—, Weizen fremder 14,50 bis 15,75 M., Roggen inländ. 10,25 bis 11,— M., Roggen fremder 13,— bis 14,— M., Hafer inländischer—— bis —.— M., Hafer fremder 12,50 bis 13,75 M., Buchweizen 16,— bis 16,50 M., Futtergerste 10,50 bis 10,90 M., Mais 12,75 bis 313,50 M., Weizenvorschuß 19,75 bis 20,50 M., Roggenvorschuß 18,— bis 19,— M., Weizenkleie 7,75 bis 8,50 M., Rüböl incl. Faß—.— bis—.— M. Alles per 100 Kilogr. frachtparität Essen exclusive Sack bei Abnahme von Doppelladungen. Landwirtschaftliches. Vieheinfuhrverbot. Wie im Reichsanzeiger bekannt gemacht wird, ist der Einfuhr von Rindvieh aus Galizien, sowie die Einfuhr von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen ans dem Herzogtum Salzburg nach ElsaßLothringen verboten.— In Schweden ist, um die Einschleppung der Maul= und Klauenseuche aus Dänemark zu verhüten, die Einfuhr von Wolle, Haaren, Horn, Klauen, sowie unbearbeiteten Häuten und Fellen von Wiederkäuern und Schweinen mittels der Post nur gegen Ursprungszeugnisse gestattet, welche durch einen schwedischen Konsul oder eine öffentliche Behörde beglaubigt sein müssen. Litteratur. — Das 20. Jahrhundert. Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt. Im Aprilheft dieser empfehlenswerten Monatsschrift finden wir nachstehende hervorragende Beiträge: Reaktion. Von Heinrich Mann.— Das Innerste. Von Viktor v. Andrejanoff.— Ein deutsches Programm der Zukunft. Zwölf Sätze vom Mitteleuropäischen Bund. Von O. Schuchardt.— Das Regiment Bismarcks und der gegenwärtige Absolutismus im deutschen Reiche.— Kann der Papst die antisemitische Bewegung verurteilen?— Wagner in der Schule? Von Moritz Wirt.— Ameiikanische Mitteilungen. Von J. G. Hertwig. — Deutsche Aussprüche.— Bausteine: Die Pflege des Deutschtums auf dem Gymnasium.— Betrachtungen über Deutschtum. l.— Auf deutscher Hochwacht: Warum das Deutschtum zurückgeht.— Aus Neu=Braunfels in Texas. — Die plattdeutsche Bewegung in Nordamerika.— Die Vlamen.— Aus dem Elsaß.— Aus dem Geistesleben unserer Tage: Unsere Makkabäer UI.— Dreyfuß„der Deutsche".— Volksbüchereien.— Zwei Generationen.— Die Allg. Deutsche Universitätszeitung.— Ethische Kultur. Professor J. Kohler, das römisch=deutsche Recht.— Der Hausfriede.— Rabbi David.— Hauptmanns Weber.— Sozialreform und Deutschtum.— Shylock, der tragische Held.— Kleine Geister.— Vom Büchertische.— Zur seutschbewegung.— Probehefte dieser Zeitschrift sind durch jede Buchhandlung, sowie vom Verleger selbst, Hans Lüstenöder, Berlin W. 30, zu beziehen. Abonnementspreis ¼jährlich M. 3.—. Vermischte Nachrichten. Berlin, 14. April. Hochsensationelle Mitteilungen zur Angelegenheit v. Kotze macht das Kleine Journal, denen zufolge die ganze Affaire auf ein Komplott einiger Personen vom Hofe zurückzuführen wäre. Das Blatt nennt Hofbeamte mit Namen, die es als die Seele des„Komplotts“ gegen Herrn v. Kotze bezeichnet. Auch Angehörige der Hofgesellschaft werden mit Namen genannt, unter ihnen zwei Prinzen und ein Fürst, die in die Sache verwickelt seien. Bei einer Konferenz, die nach der Verhaftung des Herrn v. Kotze stattgefunden, habe einer der Teilnehmer geäußert:„Wenn Kotze freigesprochen wird, sind wir alle schrecklich blamiert!“ Das Kl. Journal will seine Angaben von der„denkbar zuverlässigsten Stelle" haben und sagt zum Schluß, aller Wahrscheinlichkeit nach werde Herr v. Kotze sich noch einen Reinigungsspruch des Ehrengerichts erwirken und dann diejenigen seiner Standesgenossen, welche eine so liebenswürdige Ansicht von seinem Charakter an den Tag gelegt haben, vor die Pistole fordern.— Genannt werden als die HauptRuhetag für derselbe alle gegner des Herrn v. Kotze der Hofmarschall v. Reischach, Zeremonienmeister v. Schrader, die Prinzen Albert von Sachsen=Altenburg und Aribert von Anhalt, der Fürst von Fastegners, sowie der Graf und die Gräfn Fritz —„mau. Ueber die Urheberschaft der Schmähbriefe verlautet nichts. Berlin, 12. April. Eine von etwa 1000 Kellnern und Köchen besuchte Versammlung, die diese Nacht im Feenpalast abgehalten wurde, nahm eine Erklärung an, die den Bundesrat ersucht, daß in dem zum Schutze der Arbeiter im Gastwirtsgewerbe zu erlassenden Gesetze ein Maximalarbeitstag von 15 Stunden mit dreistündiger Ruhepause festzulegen ist. Ein vollständiger die Woche soll vorzusehen sein, so zwar, daß vier Wochen auf einen Sonntag fällt. Hamburg, 13. April. Beim Spielen erhängte sich ein elfjähriger Knabe, namens Pinnau. Das Gerücht, daß der Knabe, der mit einem dreimal um den Hals geschlungenen Strick tot aufgefunden wurde, durch ein Verbrechen geendet habe, ist unbegründet.— Nach einem der hiesigen Polizeibehörde aus Gooslach(Mecklenburg) zugegangenen Telegramm ist dort ein 22jähriges Mädchen Anna Kahlstorff ermordet und beraubt worden. Der mutmaßliche Thäter, ein gewisser Rickermann, soll sich nach Hamburg begeben haben. Leipzig, 11. April. In der vergangenen Nacht starb hier im 98. Lebensjahre einer der letzten Veteranen aus den Freiheitskriegen, der vor kurzem noch gelegentlich erwähnte Privatmann Traugott Karl. Er war im 17. Lebensjahre in das 1. Brandenburgische JägerRegiment eingetreten und hatte den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht. Hd. Frankfurt a. M., 10. April. Der Verein der Frankfurter Droschkenbesitzer beschloß, mit dem Tage der Einführung der Taxameter=Droschken ermäßigte Taxen für Einzelfahrten eintreten zu lassen. Nach dem„Frkf. Gen.=Anz.“ haben diejenigen Lohnkutschereien, welche die Taxameter=Droschken einfuhren, ihren Kutschern 30% der Tageseinnahme angeboten die Kutscher verlangen jedoch 2.50 resp. 3 M. Tagelohn. Die Lohnkutscher lehnten die Forderungen ab, worauf gestern Arbeitseinstellung erfolgte. Metz, 12. April. Ein hiesiger Militär=Auditeur, der bei den Soldaten wegen seiner außerordentlichen Strenge den Spitznahmen der„Blutrichter“ hatte, ist seit Dienstag abend spurlos verschwunden. In der Stadt sind ganz unglaubliche Gerüchte über dieses Verschwinden im Umlauf. Der Bursche des Verschwundenen ist verhaftet und die Militärbehörde entfaltet eine fieberhafte Thätigkeit, um den Verschwundenen aufzufinden und Licht in die Angelegenheit zu bringen. Hd. Rom, 15. April. In der Nacht von Sonntag auf Montag haben in Venedig und Verona, sowie in anderen Orten Norditaliens Erderschütterungen von wellenförmiger Bewegung stattgefunden. Die Bevölkerung flüchtete erschreckt auf das Land und kehrte erst gegen Morgen in ihre Wohnungen zurück. Hd. Triest, 15. April. In der vergangenen Nacht 12 Uhr wurde hier ein heftiges acht Sekunden währendes Erdbeben verspürt. Des in den öffentlichen Lokalen zahlreich anwesenden Publikums bemächtigte sich ein panischer Schrecken.— Aus Graz und Agram eingelaufene Nachrichten melden, daß daselbst in der vergangenen Nacht ebenfalls heftige Erderschütterungen verspürt worden seien, IId. Wien, 15. April. Hier eingelaufene Privatmeldungen besagen, daß das in der letzten Nacht in einem großen Teile Oesterreichs verspürte Erdbeben an der Südbahnstrecke große Verheerungen angerichtet habe. In Laibach sollen Häuser eingestürzt und Menschenleben zu beklagen sein. Alle Telephon= und Telegraphenleitungen sind unterbrochen. Hd. Wien, 16. April. Zu dem Erdbeben wird noch weiter gemeldet, daß in Laibach 31 Stöße verspürt wurden. Zahlreiche Personen blieben tot oder wurden schwer verwundet. Die Kavalleriekaserne ist eingestürzt. Das Theater und die Marienkirche wurden stark beschädigt. In der Bahnhofstraße begegnet man großen Trümmerhaufen, zahlreiche Häuser sind dem Einsturze nahe, die Einwohner flüchteten ins Freie. Es herrscht eine ungeheure Unordnung. Die Thüren der Kirchen stehen schief und halten keinen weiteren Stoß mehr aus. In Fiume hat das Erdbeben großen Schaden angerichtet. Die Bewohner flüchteten auf die im Hafen vor Anker befindlichen Schiffe, sodaß letztere, namentlich die großen Dampfer der Gesellschaft„Adrian“ im Nu überfüllt waren. In Triest wurden nach den ersten Erschütterungen die Truppen alarmiert und marschbereit gehalten. Die Besatzung der Gefängnisse wurde bedeutend verstärkt, da sich der Gefangenen eine ungeheure Aufregung bemächtigte. Personen, welche von Triest nach Wien fuhren, erzählen, daß die Dorfbewohner überall im Freien lagerten, eine große Menge eingestürzter Häuser habe man bemerken könne. Hd. Budapest, 15. April. Die Ortschaft TeszaTarjan steht vollständig unter Wasser. Zahlreiche Häuser sind eingestürzt. Ob Menschenleben zu Grunde gegangen sind, ist noch nicht festgestellt. Auch andere nahegelegene Ortschaften befinden sich in Gefahr. Hd. Barcelona, 15. April. Während des gestrigen Stierkampfes hat sich ein erhebliches Unglück zujetragen. Ein Stier übersprang die Barriere und verwunDanlsagung. Schon seit vier Jahren litt ich an heftigen Magenbeschwerden, Uebelkeiten und Brechen. Bei aller ärztlichen Hilfe, die ich gebraucht hatte, nahmen die Schmerzen immer mehr und mehr zu, sodaß ich mich veranlaßt fühlte, mir anderweitig Reitung zu suchen und brachte endlich die Adresse des Herrn Dr. med. Volbeding, homöopath. Arzt in Düsseldorf, Königsallee 6, in Erfahrung. Ich habe mich nun sofort an denselben gewandt und bin durch dessen Hilfe und Behandlung in einigen Monaten völlig geheilt worden, weshalb ich hier mit dem Herrn Dr. Volbeding meinen herzlichen Dank für die Rettung von meiner Krankheit abstatte.(49a Gröningen bei Magdeburg. Frau Johanne 3 bis 4 Mann können Kost u. Logis erhalten bei W. Oftwinkel, Wannener=Kleff, Gemeinde Heven. 7d ünstliche Zähne setz schmerzlos ein, Zähne 4 plombirt, reinigt, Zahnd, schmerz jeder Art 5 W seitigt Ecke Post= und Bahnhofstr. . G 7 nach Goldgehalt gestempelt Gerh. Becker, Hauptstraße 14, Witten. Veranntmächung. Es wird hiermit bekannt gemacht, daß die technische Revision der Maaße, Gewichte und Meßwerkzeuge unter Zuziehung des städtischen Aichmeisters demnächst ausgeführt werden soll. Die Revision wird auch auf die im§ 68 Nr. 1 der Aichordnung vom 27. September 1884 bezeichneten festfundamentirten Brückenwaagen 2c. ausgedehnt werden. Der§ 68 Nr. 1 a. a. O. bestimmt, daß festfundamentirte Brückenwaagen, sowie alle Wagen, welche für eine größte zulässige Last von mehr als 2000 Kilogramm bestimmt sind, im öffentlichen Verkehr nur bis zum Ablaufe von 3 Jahren nach Schluß desjenigen Kalenderjahres angewendet werden dürfen, in welchem die Aichung oder eine Wiederholung der Aichung laut der aufgestempelten Angabe der Jahreszahl derselben erfolgt ist. Hiemnach müssen alle diejenigen Waagen 2c. der bezeichneten Art als unzulässig beanstandet werden, welche entweder gar keinen Aichstempel oder nicht den der Jahre 1892, 1893, 1894 oder 1895 tragen. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß die bei der Revision vorgefundenen vorschriftswidrigen Maaße, Waagen 2c. der Einziehung unterliegen, und daß außerdem Bestrafung der betreffenden Gewerbetreibenden eintreten muß. Es empfiehlt sich daher, Maaße, Waagen 2c., deren Richtigkeit zweifelhaft erscheint, schleunigst zur aichamtlichen Prüfung zu bringen. Witten, den 4. April 1895. Die Polizei Verwaltung: Dr. Haarmann. Veranntmachung. Die diesjährigen Frühjahrs=Kontrolversammlungen im Landwehrbezirk II Bochum, bei welchen zu erscheinen haben: 1. sämmtliche Mannschaften der Reserve aller Waffen, 2. sämmtliche Mannschaften der Landwehr 1. Aufgebots aller Waffen, mit Ausnahme der in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1883 Eingetretenen, 3. sämmtliche zur Disposition der Truppen bezw. Marinetheile beurlaubten Mannschaften(Dispositions=Urlauber), 4. sämmtliche zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften(Superrevidenden), 5. sämmtliche Mannschaften der Ersatz=Reserve der Jahrgänge 1882—94, 6. sämmtliche Mannschaften früherer Jahrgänge, über deren Militärverhältnisse durch Ueberführung zum Landsturm 2c. noch nicht endgültig entschieden ist, werden, wie nachstehend angegeben, abgehalten: Für die Mannschaften des Amtes Herbede im Saale des Wirths Halseband in Herbede. Am 26. April 1895, Vormuttags 8 Uhr, für sämmtliche Mannschaften der Provinzial=Infanterie, Garde und Specialwaffen der Jahresklassen 1894, 1893, 1892, 1891, 1890, 1889, 1888 und 1887 und sämmtliche Suverrevidenden. Am 26. April 1895, Vormittags 9½ Uhr, für sämmtliche Mannschaften der Provinzial=Infanterie, Garde und Specialwaffen der Jahresklassen 1886, 1885, 1884, 1883, 1882, ausschließlich der in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1883 Eingetretenen und sämmtliche Ersatz=Reservisten der Jahresklassen 1894, 1893, 1892, 1891, 1890, 1889, 1888, 1887, 1886, 1885, 1884, 1883 und 1882. Bochum, den 20. März 1895. Königliches Bezirks=Commando Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Herbede, 10. April 1895. Der Ehrenamtmann: Meesmann. für alle Schuten in Witten u. Umgegeud in soliden Einbänden, sowie sämmtliche empfehlen B. Koetzoid& Ce., Buch=, Papier= u. Schreibmaterialienhandlg., Witten. Neben der Breddeschule.— Aeltestes und erstes Installations=Geshäft für elektrische Haus=Telegraphen=, Telephon= und Belenchtungs=Anlager Bahnhofftr. 25. Th. Noack, Bahnhofstr. 25. Eigene Reparatur=Werkstatt für chtrurgische und elektrische Apparate Kostenanschläge gratis. Gute Referenzen. dete mit seinen Hörnern mehrere Personen. Durch einen wohlgezielten Schuß eines Gendarmen wurde der Stier getötet, aber auch ein Zuschauer tötlich verwundet. Es entstand eine unbeschreibliche Panik. Das Publikum drängte in wilder Hast nach den Ausgängen. Hd. London, 15. April. Der aus Rom zurückgekehrte Kardinal Vaughan soll der Ansicht sein, daß die Stunde der Wiedervereinigung der anglikanischen mit der katholischen Kirche noch nicht gekommen sei. Das Schreiben des Papstes sei daher verfrüht. Dem gegenüber wird gemeldet, daß ein Teil des katholischen Klerus entgegengesetzter Ansicht sei. Der anglikanische Erzbischof von Canterburg erklärte die Vereinigung der beiden Kirchen als eine Utopie, solange der Papst nicht 39 Artikel der anglikanischen Kirchencharte annehme. Königl. Standesamt Witten. Vom 8. bis 13. April 1895. Aufgebote: Prakt. Arzt Dr. med. Ernst Heinrich Julius Traugott Pilf, Crombach und Klara Luise Amalie Goedeke, Johannisstr. Kaufmann Paul Danz, Ostherbede und Bertha Ella Delling geb. Klotz, Kesselstraße. Maschinenbauer Karl Ernst Hofmann, Langenberg und Ida Türk, Steinstraße. Löffelschleifer Hermann Heinrich Burstätte, Volmarstein und Wilhelmine Marie Katharine Werremeier, Marktstraße. Dreher Joseph Franz Schlüter, Wilhelmstr. und Wilhelmine Hermine Schmalz, Anderbeck. Schlosser Johann Jakob Albert Hühnert und Lina Pauline Rau, beide Tieferweg. Fabrikarbeiter Heinrich Karl Römer, Johannisstraße und Dienstmagd Katharine Elisabeth Bach, Aue. Fabrikarbeiter Karl Becker und Elisabetha Weber, Lilienstraße. Heiraten: Fabrikarbeiter Johannes Kusnirek und Haushälterin Charlotte Auguste Cramme geb. Vetter, beide Rosenstraße. Geburten: Hans Walter Gustav Heinrich, S. von Kaufmann Julius Paul Ruhrmann Wiesenstraße. Louis August Walter, S. von Lehrer Wilhelm Roggenkämper, Schlachthofstraße. Friedrich Wilhelm Karl, S. von Maurermeister Friedrich Beerhenke, Tieferweg. Elisabeth Wilhelmine Auguste, T. von Kommis Friedrich Pleuger, Bahnhofstr. Paula Lina Reinhilde, T. von Konditor Wilhelm Hugo Steinkühler, Schwanenmarkt. Friedrich Wilhelm, S. von Sattler Albert Fischer, Crengeldanzstraße. Helene, T. von Feilenhauer Heinrich Hosse, Feldstraße. Luise Grethe, T. von Anstreicher Johann Adam Sippel, Bahnhofstr. Anna Margarete, T. von Maurer Heinrich Haas, Wannenstraße. Peter Joseph, S. von Handarbeiter Peter Jung, Crengeldanzstraße. Wilhelmine Adele, T. von Maschinist Julius Nordhoff, Johannisweg. Wilhelm Johann Walter, S. von Fabrikarbeiter Friedrich August Kaspar Bernard, Krummestraße. Friedrich Ernst Heinrich Ewald, S. von Fabrikarbeiter Ernst Heinrich Ewald Wolff, Breitestraße. Emma, T. von Fabrikarbeiter Friedrich Sprenger, Wullenstraße. Heinrich, S. von Fabrikarbeiter Julius Balke, Röhrchenstraße. Joseph Johann, S. von Fabrikarbeiter Joseph Pieper, Crengeldanzstraße. Anna Emilie, T. von Fabrikarbeiter Ludwig Möllenhoff, Pserdebachstr. Maria Theresia, T. von Bahnarbeiter Joseph Berendes, Tieferweg. Heinrich Gustav Otto, S. von Bergmann Wilhelm Hartmann Münch, Borbeck. Elise, T. von Bergtagelöhner Jakob Nelkowski, Königsholz. Ein uneheliches Mädchen, Bachstr. Ein uneheliches Mädchen, Johannisstr. Sterbefälle: Ehefrau Henriette Lohmann geb. Lißner, 80 J., Ruhrstr. Ehefrau Clementine Brand geb. Pfender, 85 J., Ruhrstr. Emilie Hedwig, T. v. Bergmann Friedrich Groll, 3 J., Johannisweg. Schuhmacher Wilhelm Schmidt, 38 J., Marien=Hospital. Ehefrau Anna Catharina Schramm geb. Güthoff, 28 J., Marien=Hospital. Witwe Henriette Kockskämper geb. Dicke, 68 J., Röhrchenstr. Schmied Christian Kegel, 54 J., Auestr. Friedrich Heinrich Adolf, S. v. Tagelöhner Eduard Rosendahl, 3 Mon., Ardeystr. Lina Luise Henriette Hedwig, T. v. Tagelöhner Eduard Rosendahl, 2 J., Ardeystr. Witwe Friedrike Henning geb. Schlömann, 74 J., Diakonissenhaus. Clara Elisabeth, T. v. Kesselschmied Jakob Große, 2 J., Wideystr. Totgeborenes Mädchen der Eheleute: Fabrikarbeiter Gustav Hohage, Ardeystr. Steinhauer Joseph Vonrüden, 46 J., Marien=Hospital. Witwe Luise Mägdefrau geb. Barfus, 88 J., Sandstr. Auguste Lisette Antonie, T. v. Dreher Robert Herchenroeder, 1 J., Königsstr. Fabrikarbeiter Wilhelm Vogel, 52 J., Marien= Hospital. Maurer Gerhard Brehler, 35 J., MarienHospital. Vister-Chevist ca. 140 cm breit à Mk. 2.95 per Mtr. „ modernste echt englische, sowie beste deutsche Herrenkleiderstoffe versenden in beliebiger Meterzahl 4 e franco ins Haus Versandtgeschäft Oettinger& Co., Frankfart a. M.## S= Muster umgehend franco.% Pfarrer, Lehrer, Beamte 2c. empf. den vorz. Holl. Tabak bei B. Becker in Seesen a. H. 10 Pfd. lose im Beutel nur acht Mk fco. Abonniren Sie auf das UntVentoch. Tamilien-Leitschritt. Jährlich 28 Hefte. 11. Jahrg. Jedes Heft 50 Pf. (Verlag des Universum, Alfr. Hauschild, Dresden). Hervorragendites Unterhaltungsblatt. Spannende Romane, Novellen und Humoresken erster Autoren, populär=wissenschaftliche Artikel, aktuelle Schilderungen u. A. Ludwig Ganghofer, Schloß Hubertus. Roman. Eufemia von Adlersfeld, geb. 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Die Prüfung der neu angemeldeten Schülerinnen findet Donnerstag, den 18. April, Morgens 9 Uhr statt. Anmeldungen neuer Schülerinnen, soweit dieselben noch nicht geschehen sind, nehme ich Mittwoch, den 17. April entgegen.. 8.2 Giui, Der Dirigent: Pastor Landarebe. Fobelern. Naturelltapeten von 10 Pf. an, Stofftapeten von 30 Pf. an, Goldtapeten von 20 Pf. an, in den schönsten und neuesten Mustern. Muster=Karten überallhin franco. Gebrüder Ziegler in Lüneburg. Lumpen, Knochen, altes Eisen und Metalle, sowie Felle jeder Art werden zu den höchsten Tagespreisen angekauft. Johann Schade, Dammstr. 11. Mein Lager ist mit sämmtKlichen Neuheiten für Frühjahr u. Sommer aufs Reichhaltigste ausgestattet und mache ich besonders ##aufmerrsam auf meine Sommerröcke in Lüster, Moirée, 9 Seide u. Shirting, 5 Wäsche für Damen, Herren u. s Kinder, Schürzen in allen Größen und Preisiagen, Sriben und Damen=Kragen in Spitzen und Leinen, 8 Handschuhe in Glacé, Seide u. Zwirn. 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Ich bitte die geehrte Kundschaft das meiner Mutter in so reichem Maße entgegengebrachte Wohlwollen auch mir zu bewahren, und soll es mein eiftigstes Bestreben sein, durch gute und prompte Bedienung das Vertrauen meiner werthen Abnehmer in jeder Weise zu würdigen. Hochachtend Breitestraße. Krantenrasse der vereinigt. Handwerker=Gesellen u.=Lehrlinge der Stadt Witten. Generalversammlung Kurchrasestsont am Sonntag, den 21. April, Nachm. 4 Uhr, im Lokale der Wwe. J. Leifrig, Hauptstraße 65. Tages=Ordnung: Bericht der Rechnungsrevisoren! und Ertheilung der Entlastung. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. X. Bottermann, Bahnhofstr. 56. Pflege der Haare: feine Rindermarkpomade, Chinapomade, Vaselinpomade, Lanolinpomade, Blumenpomade, bestes wohlriechendes Olivenöl, gewöhnl. Haaröl, Haarspiritus, Honigwasser, Franzbranntwein, Eau de Quinine, Klettenwurzelöl, Arnika=Haaröl empfiehlt die Adler=Drogerie Louis Dreyer. in Witten. Am 21. und 22. April, Nachmittags 4 Uhr beginnend wird im Borgmann'schen Saale zum Besten des Lehrerinnenheims in Wissen a.d. Sieg(Wilhelm=Augusta=Lehrerinnen Verein) ein Märchenfestspiel und veranstaltet. Die Leitung der Märchenaufführungen hat die Dichterin des Werkes, Fräulein Gertrud Lipschutz aus Bonn, die des musikalischen Theiles der Festlichkeit hat Herr Dr. Kreuzhage übernommen. Eintrittspreis: Tageskarten für Erwachsene 1 Mk., für Kinder 50 Pf., Dauerkarten(für beide Tage gültig) für Erwachsene 1.50 M., für Kinder 75 Pf. Wir laden die geehrten Familien von Witten und Umgegend zu recht zahlreichem Besuch ein. Der Ausschuß. Witten: Frau G. Brinkmann jun., Frau Pastor Cremer,e Frl. Elise Ebert, Frau Bergrat Erdmann, Frau Bürgermeister Dr. Haarmann, Frau Dr. Kreuzhage, Frau Fr. Lohmann, Frl. Marie Petermann, Frl. Clara Schluck, Frl. Clara Schmitz, Frau Stutz, Frl. Wilhelmine Utermann, Frl. Melanie Wittmann. Herren: Lehrer Bohnemann, A. Brinkmann, Oberlehrer Dr. Hof, Superintendent König, Dr. König, Rektor Rößler, Dr. Stutz, Rektor Dr. Zöllner. Annen: Frau Pastor Boos, Frl. Gandert, Frau Sanitätsjrath Dr. Reschop. Herren: Amtmann Frieg, Rektor Manitius. Bochum: Frau Rechtsanwalt Römer. Herren: Pastor Anspach, Knappschaftsdirektor Hoffmann, Sanitätsrath Dr. Nieden, Töchterschuldirektor Schütz, Landrath Spude. Bommern: Frau Bary, Herr Pastor Philipps. Barop: Herren L. Berger, Amtmann Mentler. Blankenstein: Frl. Elfr. Wünnenbeig, Herr Pastor Meyerpeter. Dortmund: Frl. Anna Adriani, Frau Geheimrath von Rynsch, Herren: Rektor von Eckris, Hauptlehrer Frey, Architekt Markmann, Oberbürgermeister Schmieding. Hagen; Herren: Direktor Dr. Holzmüller, Töchterschuldirektor Wenzel. Herdecke: Herr Rektor Fischer.„ a; Herbede: Frau F. Brinkmann, Frau Dr. Michels, Herr Pastor von Hoefen. Heven: Frau Dr. Straube, Herren: D. Bormann, A. Lohmann.„„ F. I. Thiphar: Gawant., m.estLangendreer: Frau F. Schulte=Steinberg, Herrens: Pastorst Grügelsiepe, Pastor Landgraebe, C. Meyweg, A. Müser. Laer=Uemmingen: Frl. Lina und Luise Overhof. Marten: Herr O. Haarmann. Stockum: Herr Landtagsabgeordneter Schulze=Vellinghausen.] Vollmarstein: Herren: Pastor Arndt, Rektor Meyer=Hermann. Wattenscheid: Herr Direktor Victor. Wengern: Frl. Pauline Gravemann, Herr Dr. Haumann. Wetter: Frau Bredt, Frau Vorsteher, Herren: Fabrikant Bredt, Pastor Göker, Vorsteher. Damen frisirt in und werden kleidsam außer dem Hause. Frau Maug, Wiesenstraße 2. Gesucht. Ein helles Parterrezimmer für Contorzwecke pr. 1. Mai. Schriftl. Offerten mit Preisangabe unter K. 3962 an die Ausgabe dieses Blattes. Eine Wohnung von 3 Zimmern, mögl. m. Stallung, wird von einer ruhigen Familie pr. Mai gesucht. Wo, zu erfr. in der Exped. dss. Blattes. Freitag, den 19. April 1895, Abends 8 Uhr: „Jugend“-Tournée. Artistischer Leiter: Oberregisseur Ernst Werner. Einmalige Aufführung von Jugend. Schauspiel in 3 Akten von Max in 3 Ab Halbe. 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Wiederbringer, auch der, welcher über den Verbleib desselben Ausk. geben kann, erhält Belohnung Hauptstraße Nr. 16. Ein kräftiger Schmiedelehrling gesucht. P. Kaasmann, Erengeldanzstraße 302. Ein Knabe sordentl. Eltern, der Lust hat, das Maler= und Anstreichergeschäft zu erlernen, findet Stelle bei R. G. Lüling, Breddestraße. Anstreicherlehrling von ordentlichen Eltern gesucht. Wilh. Hagedorn, Maler und Anstreicher, Witten, Wilhelmstraße 20. Erdarbeiter gesucht. Schachtmstr. Niebergall, Heven 145. Verlag von B. Koetzold& Co. in Witten. Druck von H. Risel& Co. in Hagen. Redigirt unter Verantwortlichkeit von B. Koetzold in Witten. No. 91. □ Erscheint u# Anzeigen werden d 10 Fernsgrech= Bernfungen zur Eink Das Ergebnis steuer und zur V pflichtigen von de steuerveranlagung sonderen Zuschri Zuschrift muß de den Einkommen steuersatz, welchen hoch sein Einkom Veranlagung ang schrift muß weite das Rechtsmittel Zuschrift angegel sich nur auf die steuer. Bei Emp Steuerpflichtige zi Empfanges, sodar Einkommen oder nommene Vermög Auf das Einkomr das Vermögen, n nichts anderes an weniger Steuern nicht so viel Steu er deshalb glaubt hoch für ihn, der rufung gegen die wäre unnütze Mü zur Begründung sachen vorzulegen nicht in der Lage ist es, seine Beru und die für die forderlichen Bewei noch oft von Steu sogenannter Verti sollen, daß der S. das in der Beruft wird die Berufun kommensteuergesetz Beweisführung du vor, auch ist nich Erfolg von der A ihre Wissenschaft leiten können, über Ist der Steuer Einkommensverhäl bestandes zu der 1 das ihm zugemute nicht hat, so lege rufung ein, wenn innerhalb der gesel 4 Wochen von dei Zuschrift erhalten der Einkommensteue die Zuschrift ihm zu pflichtiger die Zus Gefäl 81 Roman von D „Ich habe erst kü Namen— mit mel diesen Punkt gesproch samen...“ „So viel ich wei Besitzer von Oberstei der Rechtsanwalt den „Was denn son Lebens in gänzliche Gemütsverfassung ver seine Frau zu erkenn ihm fremden Gesich kleines Kind. Ob Nervenerschütterungen durch irgend welche bleibt sich schließlich denke ich!“ „Hm! Und das Testament datiert noc kraft!“ fragte der Re „Natürlich— dar besagt, daß Helios werden, wogegen ih Tage an nur eine lek Wahnsinn, nicht wa ein Narr— ein Gegenübers in ang „Wenn Sie, Herr höchste Gewicht lege welche Anwartschaft Plänen durchzudring mündigung meiner noch heute ein. Ich mein Ansehen im Kr mir in hiesiger G# sein dürfte.“ „Diesem Gesuche beigelegt werden, Hei einer der Herren Aer Frage konferirten, I auszustellen im Stan Bescheid. Achenberg stutzte, Heftigkeit herausspru Kukuks Nam