176. Ss## Fernsprech=Nr. 46 für Witten. Witten. Samstag, den 30. Juli Fermspreh=Nr. 18 für Hagen. 1892 raul. er Bier m Frauhaus sen tmunder üser) stich.— Auch r dem Hause. erein. u. 31. Juli, 5 Uhr, mlung leorg Beckmann. r Vorstand, hle: * ohle, it-Kohle juettes, liche Sorten ffeln. üller, raße 1 ofstraße 48. r ist zum 1. schöne nung zu vermiethen. ; i n W a n n e n. Sohllung n und Bodenen 1. November r zu vermiethen. e Exped. d. Bl. ber cr. oder 1. eine saftliche nung bsten 1 kleineres rten, doch auch Etage. C 4818 besorgt ungen ner) mit Waschid Trockenboden er zu vermiethen. tär Hassel. Wohrug in der Nähe der 1. Nov. zu verin der Exped. Keiernsches Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Insertionen werden die 7 gespaltene Petitzelle mit 10 Pf. berechnet. verbunden mit dem für Witten und Amgegeno. Abonnementspreis(inel. der Gratisbeilage Märkisches Heim“): 1,80 Mark vierteljährlich, monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2.20 Ml. S Wohnung! eventuell auch it Keller, MitTrockenspeichers e(Wasserleitung vermiethen bei mann, Crone. ein möbliertes iches imer zu vermiethen. hrstraße 14. gesuche 10 etaate e 10 Pfg.— reitung in den Exemplaren. el. Mädchen be Tage(Vorm.) sagt die Exped. leißiges mädchen d Hausarbeit, von baldigen Eintritt eienstr. 5 part., Hagen i. W. ag von & Co. in Witten Risel& Co. hagen. Verantwortlichkeit vozin Witten. # Die Gesinnungslosigkeit der „Kölnischen Zeitung.“ Die Art und Weise, wie die„Köln. Ztg.“ kürzlich eine bedeutende Schwenkung nach rechts unternahm und sich in die Reihen der Blätter stellte, welche in der erbärmlichsten Weise auf den Fürsten Bismarck schimpfen, ist bekannt. Wir haben seinerseit unsern Lesern von dieser außerordentlichen Drehbarkeit der Rheinischen Wetter= und Windfahne Kenntniß gegeben. Jetzt ist nun von derselben wieder eine Schwenkung nach der entgegengesetzten Seite hin unternommen worden— warum? Ja, wer das zu sagen vermöchte!— vielleicht weil das Blatt für sein Abfallen von der früheren Sache bei den neuen Bundesgenossen doch nicht das Entgegenkommen fand, als es hoffte? Und wie lange wird nun die jüngste Stellungnahme dauern? Fast in jeder wichtigen Frage überhaupt läßt die„Köln. Ztg.“ es seit Jahren an Konsequenz fehlen. Zur Erheiterung der Leser theilen wir aber heute die Auslassung des genannten Blattes mit, welche seine Abschwenkung ins Bismarcklager— es war der 26. Juli, also der gerade Tag!— einleitet, und welche von dem Maß der Verachtung, die nicht nur Fürst Bismarck seit längerer Zeit gegen die„Köln. Ztg.“ empfindet, schwerlich etwas wegzunehmen geeignet sein dürfte. Uns hat lange nichts eine solche lustige Stimmung bereitet, wie dieser Erguß eines Blattes, das zwei Jahre lang den besten Freund, den es je gehabt hat, der „polternden Reichsnörgelei“ anzuklagen für gut befand; das sogar für die„Uriasbriefe" des Grafen Caprivi gegen den Begründer des Deutschen Reiches kriechende Begeisterung auf Lager hatte und dem Fürsten Bismarck die Wallensteinrolle andichtete, den Abfall des deutschen Volkes von diesem modernen Wallenstein vorhersagend. Die„Köln. Ztg.“ also, die jetzt auch von der heutigen Regierung den Laufpaß bekommen hat, und die Kissinger Vorgänge nicht länger verschweigen kann, leitet ihre verspätete Besprechung derselben also ein: „Die Taktlosigkeiten, die Verdächtigungen und Insinuationen der sogenannten Bismarckblätter haben es nicht vermocht, das Gesammturtheil über die weltgeschichtliche Gestalt des Begründers des deutschen Reiches umzugestalten. Der Urwille über das Gebahren dieser ungeschickten Presse ist allgemein; die Verehrer des Fürsten bedauern, daß unterstützungsbedürftige Elemente sich an ihn herandrängen dürfen, welche den Unmuth des ersten deutschen Mannes am liebsten ausschroten möchten, wie ein Silberbergwerk. In ruhig urtheilenden Kreisen hat sich längst die Auffassung festgesetzt, daß die Gedanken und Empfindungen des ersten deut schen Reichskanzlers Perlen sind, die nicht jedem Reporter vorgeworfen werden sollten. Aber die deutsche Nation ist keineswegs zu jener philiströsen Denkweise herabgesunken, welche die Helden der Geschichte mit der Schneiderelle mißt und ihnen den ersten besten, glatten, blutlosen Dutzendmenschen vorzieht, wenn sich herausstellt, daß die thatenreifende Energie machtvoller Persönlichkeiten sich auch in Ecken und Schärfen und Knorren, in Ausbrüchen des Temperaments und der Leidenschaft, des Mißtrauens und des Hasses äußert. Es ist erfreulich, daß sich inmitten einer Zeit demokratischer Verflachung und Versimpelung diese Größe der Auffassung, dieser Sinn für historische Perspektive behauptet. Wir Deutsche haben ja ohnehin ein ungemeines Talent, uns die Freude an unsern herrlichsten Schicksalsgaben durch eine enge, schulmeisterliche Betrachtungsweise zu verderben, der nur das fleckenlose Ideal Genüge leisten kann. Und wir lassen uns in dieser Stimmung dadurch nicht beirren, daß geschmacklose Gesellen uns verpflichten möchten, gerade vor den menschlichen Schwächen anbetend niederzuknieen. Die unabhängiche öffentliche Meinung. ist einmüthig in dem Verlangen, daß den Bismarckblättern, welche die abgegraste Weide immer wieder absuchen, der Strick kürzer an den Pflock herangebunden werde, daß aber anderseits die maßgebenden Kreise sich zu Bismarck so stellen, wie es seinen unverwelklichen Verdiensten entspricht.“ Da hört denn doch manches auf! Also das Blatt, welches eben erst in feiger Renegatenmanier seine Ueberzeugung abgeschworen hat, dann, weil es dabei nicht auf seine Rechnung kam, wieder zu den verlassenen Altären zurückkehrte, dasselbe Blatt wirst der Bismarckpresse deren überzeugungstreue und männliche Haltung vor, ja, sucht dieselbe dieserwegen zu verdächtigen! Was die„Köln. Ztg.“ da schreibt, ist weder Fisch noch Fleisch— jourvalistische Gallerte, wie der Ausdruck lautet, den ein bekannter Reichstagsabgeordneter für derartiges Machwerk aufgebracht hat— ganz dazu geeignet, den wenigen Anhängern, deren sich das Blatt noch erfreut, den Appetit an seinen Leistungen noch vollends zu verderben. Die Gesinnungslosigkeit jenes Organs hat sich eben wieder einmal herrlich oseibert. Rundschau. Wenn der Finalabschluß der Reichshauptkasse mit einem Ueberschuß von mehr, als 3½ Millionen im Reiche und Mehrüberweisungen im Betrage von 52 Millionen Mark als ein günstiger auch insofern zu bezeichnen ist, als das Istergebniß sich nach beiden Richtungen erheblich besser gestaltet, wie der Schatzsekretär Freiherr von Maltzahn dies bei Vorlegung des laufenden Reichshaushaltsetats annahm, so liegt die Frage nahe, wie sich der Final= abschluß Preußens für das letzte Rechnungsjahr gestaltet hat. Die betreffenden Zahlen werden zwar für Preußen nicht veröffentlicht, allein man ist in der Lage, sich aus den von dem Finanzminister bei Vorlegung des Etats gegebenen Daten und den inzwischen anderweit bekannt gewordenen Zahlen über den Abschluß der Reichskasse, der Eisenbahnverwaltung und den Betrag der Ueberweisungen aus der lex Huene ein wenigstens annähernd richtiges Bild zu entwerfen. Finanzminister Dr. Miquel gab damals das Mehr von Ueberweisungen aus dem Reiche auf 23,7 Millionen Mark, die Mehrüberweisungen an die Kreise auf 10 Millionen Mark, den Minderüberschuß der Eisenbahnverwaltung auf 42 Millionen Mark, den voraussichtlichen Rechnungsfehlbetrag auf 24,3 Millionen Mark an. Die drei erstgedachten Beträge sind erheblich höher ausgefallen, als im Januar geschätzt wurde. Die Ueberweisungen vom Reich stellen sich auf rund 8,5 Millionen, die Ueberweisungen auf Grund der lex Huene auf rund 12 Millionen, der Minderüberschuß der Eisenbahnen auf rund 16 Millionen Mark höher. Von diesen drei Posten ist nur der erste für die Staatskasse ein Plusposten, die beiden letzten sind Minusposten. Der Abschluß der preußischen Staatskasse stellt sich also um(28—8,5) 19,5 Millionen Mark schlechter, das Rechnungsdefizit mithin um diesen Betrag höher, als bei Einbringung des Etats angenommen wurde. Bleiben daher die übrigen Ergebnisse der Jahresverwaltung so, wie sie damals angegeben sind, so wird mit einem Defizit von rund 44 Millionen Mark zu rechnen sein. Eine kleine Abweichung ist mit Rücksicht auf die erwähnte noch unbekannte Größe nicht ausgeschlossen, das Gesammtergebniß des Rechnungsjahres aber wird mit vorstehender Zahl im Wesentlichen richtig charakterisirt. * Der Streit in der Sozialdemokratie spitzt sich immer mehr zu. Im Leipziger„Wähler“ veröffentlicht Liebknecht eine neue Erklärung gegen v. Vollmar, in welcher er dem Letzteren einen Vertrauensmißbrauch vorwirft und eine Polemik in Aussicht stellt, außerdem eine Erklärung gegen die „Fränkische Tagespost“, bezw. gegen Grillenberger, worin Liebknecht sagt, er sei kein Liebhaber von Interviews und könne, was er sagen wolle, schon ohne Vermittelung sagen.— Gleichzeitig kündigt das Organ Vollmars, die„Münchener Post“ an, daß sowohl sie, wie v. Vollmar in den nächsten Tagen Stellung zu den Ausführungen Bebels und Liebkrechts in dem Berliner„Vorwärts" nehmen werden. Einstweilen wird der Liebknecht'sche Ausdruck„Regierungssozialismus" beanstandet. Sei der Vollmar'sche Schluß in seinem von Liebknecht beanstandeten Artikel Regierungssozialismus, so schreibt die„Münchener Post“, so wären wir im Stande, ganz waschechten Sozialisten Regierungssozialismus vorwerfen zu müssen. * Die deutsche Maschinenindustrie, welche sich mit Herstellang der dem landwirthschaftlichen Betriebe dienenden Motoren und sonstigen Maschinen befaßt, arbeitet gegenwärtig mit voller Kraft. Seit längerer Zeit hat die Versendung von landwirthschaftlichen Maschinen einen großen Umfang angenommen. Die in Oesterreich und Ungarn, insbesondere auch in Siebenbürgen 2c. eingetretene vorzügliche Ernte übt natürlich auf diese Versendung einen stimulirenden Einfluß. Ein großer Theil des Materials gelangt ab Hamburg zum Versand. der durch Koch gemachten Entdeckung, ist die positive Gewißheit für die Diagnose der Cholera asiatica gegeben durch den Nachweis des Kommabacillus in den Darmentleerungen der Kranken, im Darminhalt und in der Darmwandung der Leiche. Sorgfältige bakteriologische Untersuchungen haben bei einem Vergleich des Bazillus von 1892 mit den in den Laboratorien fortgezüchteten aus den Jahren 1883(Kalkutta) und 1884(Toulon) einzelne Differenzirungen ergeben. Der Mikrobe von 1892 ist kürzer, dicker und stärker. Er trübt die Fleischbrühe und bildet an deren Oberfläche erst nach zwei Tagen ein Häutchen, während der Kochsche fortgezüchtete Bacillus schon nach einem Tage das Häutchen bildet und die Brühe klar läßt. Er bringt die Milch zum Gerinnen, was der Kochsche Bacillus nicht thut. Doch ist eine derartige Abweichung nicht von Belang, und, wofür die strigentesten Beweise erbracht sind, nur durch die Fortzüchtung in den Laboratorien herbeigeführt worden. Wir müssen also mit dem Vorhandensein eines Her des der wirklichen echten asiatischen Cholera auch im Westen rechnen. Wie ernst unsere ärztlichen Fachkreise diese Sachlage auffassen, ergiebt sich aus dem Schlußresumé des angezogenen Artikels der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift", in welchem es heißt:„Seit dem April dieses Jahres herrscht die Cholera asiatica in der Umgebung von Paris. Ein Theil der Kranken wird in den Hospitälern von Paris behandelt. Die vorwiegend in den Sommermonaten auftretenden choleraähnlichen Zustände mit dem unglückseligen Namen„Cholera nostras“ dienten in früheren Epidemieen und leider auch diesmal als Deckmantel für die Vertuschung und Verheimlichung von nicht unbedeutenden Krankheitsherden der gefährlichen Seuche in der unmittelbarsten Umgebung von Paris, jenem Centrum, welches für die Propagation des Krankheitsstoffes die günsägsten Bedingungen auf dem ganzen Erdball bietet. Bei der heutigen Kenntniß des Contagiums der Seuche, andererseits der Kenntniß der biologischen Eigenschaften des Kommabacillus und seiner ektogenen Existenz, bei der Kenntniß der Bedingungen für die Aufnahme des Krankheitserregers erwuchs unter Berücksichtigung der heutigen Verkehrsverhältnisse die Aufgabe, jene durch die Neuerwerbungen bedingten Maßnahmen frühzeitiger zu treffen, als dies in der That geschah. Den französischen Aerzten erwächst kein Vorwurf; dieselben haben rechtzeitig den Thatbestand konstatirt. Die Folgen eines solchen Vorgehens der französischen Aufsichtsbehörden sind auch nicht ausgeblieben und mahnen uns, auf einen weiteren Vorstoß dieses bösartigen Feindes gefaßt zu sein, um so mehr, als er uns an der Ostgrenze nicht minder bedroht. Volle Kriegsbereitschaft ist geboten.“ Berlin, 29. Juli. Der Kaiser ist am Mittwoch 6Min. mittels Ertrazuges auf d. * In der soeben zur Ausgabe gelangten, vom Sanitätsrath Dr. S. Suttmann herausgegebenen „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ wird eine äußerst interessante und aktuellen Werth besitzende wissenschaftliche Studie über die Cholera in der Umgebung von Paris veröffentlicht, welche in der Konstatirung der Thatsache gipfelt, daß bereits seit April d. I. die Umgebung von Paris durch Fülle echter asiatischer Cholera heimgesucht ist. Dank Abend 9 Uhr 617m. milen Exträzuglr auf der Station Spandau von Wilhelmshafen kommend eingetroffen, woselbst außer dem Reichskanzler auch die Spitzen der Behörden zur Empfangsbegrüßung anwesend waren. Alsbald nach der Ankunft begab sich der Kaiser an Bord der Dacht„Alexandria“ und setzte seine Rückfahrt nach Potsdam bis zur Matrosenstation fort, woselbst er von der Kaiserin und der Herzogin Friedrich Ferdinand von Schleswig=Holstein empfangen wurde. Nach überaus herzlicher Begrüßung fuhren die kaiserlichen Herrschaften nach dem Marmorpalais. Dort wird der Monarch bis zu seiner Abreise nach England, welche am Freitag Abend oder Sonnabend Morgen erfolgen dürfte, residiren. Am Donnerstag Vormittag nahm er Vorträge entgegen, und arbeitete mit dem Chef des Militärkabinets und dem Chef des Zivilkabinets. Berlin, 29. Juli. Die Rede des Kaisers bei der Taufe des Panzerfahrzeuges U“ in Wilhelmshaven lautete wie folgt:„Als jüngstes Mitglied Meiner Marine stehst du, stolzer Bau, um hinabzugleiten und deine ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen. Mögen deine guten Eigenschaften dazu beitragen, die achtunggebietende Stellung Meiner Marine zu erweitern und zu vertreten, und du stets eine von Gehorsam, Disziplin und Berufstreue geleitete Besatzung führen. Es gilt jetzt, dir einen Namen zu geben, welcher der Urgeschichte unserer alten Vorfahren entnommen werden soll. Du sollst den Namen eines Gottes führen, dem die Hauptaufgabe oblag, die Waffe zu führen und die Thore des Götterreiches offen zu halten. Er trug ein Horn, welches die Götter zum Kampf rief, und wenn es ertönte, Verwirrung und Verderben in in die Reihen der Feinde brachte. Gleite hinab, stolzes Schiff, mögest auch du, wie jener Gott, ein treuer Hüter unserer Gestade sein, im Kampfe Schrecken und Verwirrung unter die Feinde bringen und unserer Nation und Flagge Ehre und Ruhm bringen. Dein Name sei „Heimdal!“ — Ueber die Vorgänge, die sick in Wien vor der Hochzeit des Grafen Herbert Bismarck abspielten und den Anlaß zu dem bekannten Schreiben des Reichskanzlers Grafen Caprivi an den deutschen Botschafter in Wien, Prinzen Reuß, u. s. w. boten, wird noch folgendes bekannt: Längere Zeit vor der Hochzeit, als es festgestellt war, daß sie in Wien gefeiert werden sollte, suchte man von Friedrichsruy aus dort alle Fragen der Konvenienz und der Etikette in der sorgsamsten Weise klarzustelle.. Da es bekannt war, daß die Gemahlin des deutschen Botschafters am Wiener Hofe, die Tochler des Großherzogs von Weimar, eine ebenso taktvolle Dame wie begeisterte Verehrerin der Bismarck'schen Familie ist, so schten diese als Vermittlerin in diesen Angelegenheiten ganz besonders geeignet. Man wendete sich daher von Friedrichsruh aus an dieselbe. und sie nahm auch den Auftrag an, zu dessen Erledigung sie sich an den für solche Fragen kompetenten ersten Hofbeamten, den Prinzen Hohenlohe in Wien, wendete, der mit dem Kaiser Franz Joseph Rücksprache nahm, und zwar wegen der Audienz des Fürsten Bismarck bei ihm. Die auf diesem Wege der Prinzessin Reuß gewordene Antwort lautete dahin, daß der Kaiser Franz Joseph es natürlich und selbstverständlich finde, daß Fürst Bismarck als alter und bewährter Freund seines Hauses und der österreichischen Politik ihm bei Gelegenheit des bevorstehenden Privatfestes in einer Audienz seine Aufwartung mache. In jener Zeit dachte niemand in Wien daran, daß der in Rede stehenden Privatfestlichkeit von Berlin aus ein anderer Charakter beigemessen werden könnte, als der eines freundschaftlichen Zusammentreffens alter Freunde von Nord und Süd. Der deutsche Botschafter in Wien, Prinz Reuß selbst, war damals bettlägerig und kümmerte sich naturgemäß um diese rein private Angelegenheit gar nicht. Trotzdem kam sie dem gesammten deutschen Botschaftspersonal zu Ohren und aus den Kreisen dieses Personals gelangte an den Grafen Caprivi ein Brief, der davon Mittheilung machte. Erst auf Grund dieses Briefes trat die Contrearbett von Berlin ein, die dazu führte, daß dem Fürsten Bismarck die nachgesuchte Audienz versagt wurde. Die gesellschaftliche Verletzung wurde von dem Altreichskanzler und namentlich von seinen ungarischen Freunden um so peinlicher empfunden, als Fürst Bismarck davon erst in zwölfter Stunde erfuhr, also zu einer Zeit, wo es ein Rückwärts für ihn nicht mehr gab. Durch Erkundigung an hiesiger Stelle hat die„Post“ über den bevorstehenden Besuch des Fürsten Bismarck in Berlin folgendes festgestellt: Furst Bismarck beabsichtigt, wie schon gemeldet, am Sonntag um 8 Uhr abends hier einzutreffen und Absteigequartier beim Grafen Henckel von Tonnersmarck zu nehmen, also im zweiten Stockwercke des fürstlich Blücherschen Palais am Pariser Platz. Es ist dieselbe Wohnung, die mehrere Jahre dem Präsidenten des Reichstages zur Verfügung gestellt war. Es liegt in der Absicht des Fürsten Bismarck, von hier aus nach Pommern zu reisen, um dort seinem eizigen Bruder, der jetzt im zweiundachtzigsten Lebensjahre steht, einen Besuch abzustatten.— Uebrigens scheint es noch nicht ganz sicher, ob dieser Plan, soweit er Berlin betrifft zur Ausführung kommt; die Frage war, ob dem Fürsten unmittelbar nach der kissinger Kur eine Nachteisenbahnfahrt gestattet sei, oder ob er unterwegs übernachten müsse. Dafür kam auch Schönhausen in Betracht; und nach einer Meldung vom gestrigen Abend schien sich der Fürst zwischen diesen beiden Arten bis dahin noch nicht endgültig entschieden zu haben. — Reichskanzler Graf Caprivi hat den Kaiser sofort nach seiner Rückkehr aus dem Nordlande Vortrag über die Berliner Weltausstellungsfrage gehalten. Wie verlautet, ist beschlossen, den Eingang aller Anfragen bezüglich des Projektes abzuwarten. Den definitiven Beschluß zu fassen, liegt auch dem Bundesrathe ob. Der Kaiser kann in dieser Sache zunächst nichts Anderes thun, als die preußische Regierung zu beauftragen, beim Bundesrathe den Antrag auf Genehmigung der Ausstellung zu stellen. Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht mehrere Berichte über die jüngsten Vorgänge im Kilimandscharogebiete, welche die bereits bekannten Meldungen bestätigen. In einem Berichte des Gouverneurs Frhrn. v. Soden heitzt es, die englischen Missionare seien stets bemüht gewesen, die Beschwerden der deutschen Beamten über die zu nehmende feindliche Haltung der Eingeborenen als unbegründet hinzustellen, und sie hätten versichert, daß ihr Schützling, der Sultan Meli von Moschi, unschuldig sei und deutschfreundliche Gesinnungen hege. Breslau, 28. Juli. Ein Privattelegramm der „Schles. Ztg. meldet, wie in ärztlichen Kreisen Warschaus verlaute, sei die asiatische Cholera auch in Warschau sporadisch aufgetreten. In den letzten Tagen seien 4 Todesfälle konstatirt Der Lütticher Dynamitprozeß. Das Urtheil des Lütticher Gerichtshofs hat die Haupträdelsführer der Schandthaten, welche im Frühling dieses Jahres Wochen und Monate hindurch den dortigen Industriebezirk in Angst und Schrecken erhielten, für eine geraume Anzahl von Jahren hinter Zuchthaus=, bezw. Gefängnißmauern für ihre Mitmenschen unschädlich gemacht. Manchem werden die von der belgischen Justiz verhängten Freiheitsstrafen zu mild, den meisten aber wohlverdient dünken— der Vorwurf, ihres Amtes nicht nach bestem Wissen und Gewissen gewaltet zu haben, dürfte höchstens aus dem Munde von Spießgesellen laut werden, welche in den feigen, aus dem Hinterhalt ins Werk gesetzten Anschlägen der Dynamttverschwörer nicht nur kein Verbrechen, sondern im Gegentheil nachahmenswürdige Heldenthaten erblicken. Solche Leute finden sich nicht nur in Belgien. So gut die Lehre, daß Eigenthum Diebstahl und daher jeder Besitzende eo ipso ein Feind und Uebervortheiler der darbenden Masse sei, auf dem Wege der internationalen Agitation weiter und wetter getragen wird, so gut werden auch ihre Schlußfolgerungen theoretisch, wenigstens. überall da gezogen, wo die Sozialdemokratie festen Fuß gefaßt hat. Wie weit man sich mit der That vorwagt, ist mehr Sache des Temperaments und der obwaltenden realen Verhältnisse. Wo eine starke Staatsgewalt die Zügel der Regierung und Verwaltung in Handen hat, werden sich die Volksaufwiegler in der Regel hüten, einen offenen Konflikt zu provoziren, wohingegen in Staaten mit sog. „freihettlichen Institutionen“ vielfach eine an Schlaffheit grenzende Nachsicht das Regiment führt, und der soziale Krieg schon arge Gestalt annehmen muß, ehe man sich zur Statuirung von Exempeln herbeiläßt. In Belgien kennt die Begehrlichkeit der sozialdemokratisch aufgehetzten Arbeiter bald keine Grenzen mehr. Sie streben nach dem allgemeinen gleichen und direkten Stimmrecht, nicht um davon einen maßvollen, auf das politische Gebiet beschränkten Gebrauch zu machen, sondern um mit Hülfe desselben die öffentliche Macht und damit die unbeschränkte Verfügung über alle öffentlichen Güter an sich zu reißen, von wo bis zur Enteignung des Privatbesitzes dann nur noch ein Schritt sein würde. Die Agitatoren spiegeln ihrem gläubig lauschenden Publikum vor, daß Belgien jetzt auf dem Wege zur sozialen Revolution die Führung habe,„bahnbrechend" vorgehen müsse. Kein Wunder, wenn einzelne besonders gewaltthätig und gemein angelegte Fanatiker alsbald zum Dynamit greifen, um durch Anwendung desselben Verwirrung und Entmuthigung in die Reihen der Vertheidiger des Bestehenden zu tragen. Die vom Lütticher Gerichtshofe verhängten schweren Freiheitsstrafen zeigen, daß man in Belgien sich des Ernstes der durch die anarchistische Wühlarbeit geschaffenen Lage immer klarer bewußt wird. Es war aber auch die höchste Zeit zu dieser Erkenntniß, denn in der Verfassungsrevisionsbewegung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und die soztalrevolutionären Hetzer erklären offen, daß noch weit mehr Dynamit in den Händen des„Volkes" sei. Das Urtheil des Lütticher Gerichtshofes ist deshalb als Warnung mindestens ebenso sehr am Platze, denn als Strafe. besetzt worden. Der Marsch wird fortgesetzt. Die Haltung der Bevölkerung auch jenseits Ikungu ist eine friedliche. Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. Juli. Graf von Gersdorff=Hermsdorff, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, welcher gestern in Iglau verhaftet wurde, ist hierher überführt worden. Wie die Blätter melden, erfolgte die Verhaftung auf eine Anzeige der Friedrichsdorfer Eisenbütten=Aktiengesellschaft, welche dem Grafen von Gersdorff 1500 nicht emittirte Aktien zur Lombardirung übergeben hatte, die derselbe jedoch nicht an die Gesellschaft zurückgestellt, sondern bei einem Bankhause als Depöt für Börsenspekulationen hinterlegt haben soll. Wien, 28. Juli. Behufs gemeinsamen Vorgehens der Civil= und Militärbehörden bei Maßnahmen gegen die Cholera haben das Ministerium des Innern und das Kriegsministerium die erforderlichen Weisungen erlassen. Insbesondere ist den Gemeindevorstehern eingeschärft worden, den ersten Cholerafall sofort der zuständigen Militärbehörde anzuzeigen. Frankreich. Fontainebleau, 28. Juli. Präsident Curnot empfing heute Nachmittag eine Delegation von 86 Mitgliedern des internationalen Binnenschifffahrts=Kongresses, welche mittels eines Sonderzuges hier eingetroffen war, und in welcher Vertreter Rußlands, Englands, Oesterreich= Ungarns, Deutschlands, Italiens, der Schweiz, der Vereinigten Staaten rc. vertreten waren. Jedes einzelne Mitglied wurde persönlich dem Präsidenten Carnot vorgestellt. Nach dem Empfange, wurde den Mitgliedern ein Frühstück angeboten, später wurde ein Spaziergang im Walde gemacht. Versailles, 26. Juli. Das Schwurgericht fällte heute das Urtheil in dem Prozesse gegen die 4 des Dynamitdiebstahls in Soisy= sous=Etiolles angeklagten Anarchisten. Faugoux wurde zu 20 Jahren Zwangsarbeit, Challeret zu 12 Jahren, Drouhet zu 6 Jahren Zuchthaus und Etévant zu 5 Jahren Gefängniß verurtheilt. Sagland. London, 28. Juli. Den„Times“ wird aus Tanger von gestern telegraphirt, nach Meldungen aus Fez vom 20. d. M. habe der Sultan von Marokko die Absicht kundgegeben, den Kaiser von Rußland um die Ernennung eines russischen Gesandten für Marokko zu ersuchen, um bei der Freundschaft zwischen Frankreich und Rußland von dem Einfluß der anderen europäischen Mächte unabhängig zu werden.(?) Ru##land. Petersburg, 28. Juli. Nach amtlicher Mittheilung sind bis zum 24. d. Mts. in zwei Dörfern des Gouvernements Poltawa und auf den Stationen der KurskCharkow=Asow=Eisenbahn insgesammt 30 Cholera=Todes= fälle vorgekommen. Die Cholera ist jetzt auch in einer ländlichen Gemeiude des Kreises Orenburg aufgetreten; bis jetzt sind daselbst 10 Personen an der Cholera gestorben. Petersburg, 28. Juli. An der Wolga sind oberhalb Nishny Nowgorod einige choleraähnliche Erkrankungen vorgekommen, welche jedoch als ausgesprochene Cholera nostras und nicht als asiatische Cholera festgestellt sind.(?) Dagegen sind in Charkow einige Fälle von asiatischer Cholera konstatirt worden. Petersburg, 28. Juli. Nach hier eingegangener Meldung sind auch in Perm mehrere Cholerafälle vorgekommen. Ufrika. Dar=es=Salam, 27. Juli. Nachrichten aus Tanoa zufolge, ist die Station Ikungu von den im Vormarsch gegen den Kilimandscharo begriffenen Abtheilungen der Kaiserlichen Schutztruppe ohne Zwischenfall erreicht und Der Bochumer Stempelprozeß vor der Strafkammer zu [Originalbericht unseres Korrespondenten.] [(Nachdruck verboten.) H. Fr. Essen, 28. Juli. Vierter Verhandlungstag. Der Präsident, Landgerichtsdirektor Thöne, eröffnet gegen 9 Uhr Vormittags die Sitzung. Vor dem Richtertische liegt heute noch ein abgefraistes Schienenstück, das an einem Ende angerostet ist, und ein an beiden Enden abgefraistes Schienenstück. Es wird zunächst der Vortier Hanke vernommen: Er sei Hauptportier auf dem Bochumer Verein, und zwar seit 1876: Präs.: Ist Ihnen bekannt, daß auf dem Werke eine elektrische Schelle vorhanden war, mittelst deren Sie die Leute auf dem Werke benachrichtigten, daß ein Revisor komme? Zeuge: Nein, das ist mir nicht bekannt. Präs.: Hat vielleicht eine ähnliche Einrichtung bestanden, wir wollen einmal von der elektrischen Schelle absehen? Zeuge: Soweit mir erinnerlich, hat eine solche Einrichtung nicht bestanden. Präs.: Nun sagen Sie wieder, soweit es Ihnen erinnerlich ist. Ich will Ihnen bemerken, daß ein Zeuge gestern hier gesagt hat: er habe mit Ihnen verabredet gehabt, sofort zu schellen, wenn ein Revisor aufs Werk kommt. Sie haben mithin, wenn Sie glauben, daß Sie sich durch Ihre Aussage der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung aussetzen, das Recht, Ihr Zeugniß zu verweigern. Wollen Sie nun Zeugniß ablegen? Zeuge: Ja. Präs.: Geben Sie die Möglichkeit zu, daß eine ähnliche Einrichtung einmal bestanden hat? Zeuge: Mir ist von einer solchen Einrichtung nichts bekannt. R.=A. Lenzmann: Was war das für ein Läutewerk, von dem gestern Herr Bering sprach? Bering: Dieses Läutewerk ging nach dem Schienenwalzwerk. R.=A. Lenzmann: Es muß doch also ein Läutewerk bestanden haben? Hanke: Ein Läutewerk, mittelst dessen eine Feuersgefahr avisiert wurde, hat allerdings bestanden. Bering: Vielleicht erinnert sich der Zeuge, daß, als ich eintrat, ein Läutewerk nach dem Schienenwalzwerk bestand, das allerdings das Erscheinen der Revisoren nach oben anzeigte. Ich habe sofort veranlaßt, daß dieses Läutewerk nur als Feuerläutewerk benutzt wird. Hanke: Dessen erinnere ich mich nicht. Portier Bödicke, der seit 1883 Portier auf dem Bochumer Verein ist, bestreitet ebenfalls, daß auf dem Bochumer Verein ein Läutewerk bestanden, um die Ankunft der Revisoren anzuzeigen. Es habe wohl ein solcher Apparat in der Portierstube existiert; die er habe aber nur mit dem Wasserwerk in Verbindung gestanden und sei niemals benutzt worden. Der Apparat sei, weil veraltet, schon längst beseitigt worden. Quantius, nochmals vernommen, bleibt bei seiner gestrigen Aussage. Quantius wird hierauf aufgefordert, auf einem Schienenstück einen Stempel aufzuschlagen und alsdann abzufeilen. Quantius bemerkt, indem er die Arbeit vornimmt, daß das Schienenstück außergewöhnlich hart sei. Quantius schlägt einen Stempel auf das Schienenstück und es gelingt ihm nach etwa neun Minuten, durch Hämmern und Feilen den Stempel zu entfernen; die Sachverständigen konstatiren, daß die Hammerschläge sichtbar seien. Der abgefeilte Theil soll mit Rostwasser bestri#en werden. Die Sachverständigen erklären, daß sich morgen zeigen müsse, ob das Abfeilen zu sehen sei.— Quantius wird alsdann vom Präsidenten aufgefordert, unter Aussicht des Sachverständigen, Regierungsbaumeisters Conrads, mit einem anderen Schienenstück eine ähnliche Probe zu machen. Es wird alsdann Bergmann Lausebach in den Saal gerufen. Präs.: Wissen Sie etwas davon, daß dem Quantius ein Mann 10000 Mark angeboten hat, wenn er nach Amerika gehen wolle? Zeuge: Ich saß einmal mit Quantius in der Gastwirthschaft von Jäger. Da kam ein Mann zu Quantius. Nachdem der Mann fort war, erzählte mir Quantius, daß ihm der Mann 10000 Mark angeboten habe, wenn er nach Amerika gehen wolle. Präs.: Haben Sie selbst gehört, daß dem Quantius 10000 Mark angeboten wurden? Zeuge: Nein. Präs.: Quantius hat Ihnen das erzählt? Zeuge: Ja. Präs.: Wie sah denn der Mann aus? Zeuge: Er war von schlanker Figur. Präs.: Hatte er einen Bart? Zeuge: Das weiß ich nicht; ich habe mir den Mann nicht so genau angesehen. Präs.: Haben Sie den Mann vorher oder nachher noch einmal gesehen? Zeuge: Nein. Präs.: Hat Ihnen Quantius vorher nichts von dem ihm gemachten Anerbieten gesagt? Zeuge: Nein. Präs.: Das stimmt abermit der Aussage Quantius nicht überein. Quantius hat bekundet: er habe Ihnen sofort gesagt: das ist der Mann, der mir in meiner Wohnung 10000 M. angeboten hat, wenn ich nach Amerika gehen wollte? Zeuge: Ich kann Einur so aussagen, wie ich es weiß. Kaufmann Eick beAuf der Jagd nach dem Glück. 20] Roman in drei Büchern von L. Gies. —(Nochdruck verbeten.) „Es ist ein harter Schlag für Dich, Wolf,“ sagte Gebhard, nach einer Weile, während der er den Bruder kummervoll betrachtete.„Aber, Du bist jung und thatkräftig; bisher hast Du Dein Glück auf der unsichern Grundlage einer Hoffnung aufgebaut; suche es Dir jetzt aus eigener Kraft zu gewinnen, und Du wirst finden, daß das bei Weitem mehr befriedigt, was wir uns selbst erringen, als das, wos uns das Schicksal mühelos in den Schooß wirft.“ Wolf nickte, ohne daß der Ausdruck seines Gesichts sich veränderte. „Zunächst habe ich wenigstens schon einen Plan gefaßt, der zu Deinem Rathe stimmen wird. Ich denke, meinen Abschied zu nehmen und will Landwirth werden.“ „Aber,“ fragte Gebhard, den überraschenden Entschluß des Brunders in peinlichem Sinnen erwägend,„was wird der Vater dazu sagen?“ „Was kann er dazu sagen?“ entgegnete Wolf, das zweite Wort scharf betonend.„Ist er etwa in der Lage, mir von seiner Hauptmannspension den Zuschuß zu geben, welchen ich nothwendig bedarf, um als Offizier nur einigermaßen anständig leben zu können? Ich habe ihn bisher gern von Onkel Emmo angenommen; von heute ab ändert sich die Sache. Er hat andere Verpfichtungen, und ich—“ er murmelte einige Worte zwischen den zusammengepreßten Zähnen, die Gebhard nicht verstand, aber der Ausdruck in den finstern Augen des Bruders war derart, daß jener davor erschrack. „Giebst Du nicht das Gewisse auf für das Ungewisse?“ sagte Gebhard nach einer Pause, um den Gedanken Wolfs eine andere Richtung zu geben.„Wirst Du Dich wohl fühlen in dem neuen Beruf. der Dir viele Entbehrungen auferlegt, während Dein jetziger Dir lieb geworden ist? Vielleicht brauchtest Du diesen Schritt nicht zu thun, wenn Du Dich daran gewöhntest, Dir kleine Entbehrungen aufzuerlagen— „Das will ich nicht,“ fiel ihm Wolf lebhaft ins Wort, „und— ich würde es auch nicht können, selbst wenn ich es wollte. Die Versuchung wäre stärker, als ich, davon gin ich ehrlich überzeugt. Uebrigens,“ fuhr er ruhiger fort,„habe ich immer Neigung zur Landwirthschaft und ein offenes Auge dafür gehabt, freilich in der Hoffnung, päter einmal selbst Grundbesitzer zu werden—— Ein ehemaliger Kamerad und guter Freund von mir ist durch Erbschaft in den Besitz eines großen Gutes in Ostpreußen gekommen, das er jetzt selbst bewirthschaftet. An ihn werde ich noch heute schreiben und ihn fragen, ob er mich als Lehrling annehmen will.“ „Uebereile nichts,“ bat Gebhard dringend.„Es ist ein wichtiger Schritt, den Du zu thun beabsichtigst; es sollte nicht in der ersten Erregung geschehen.“ „Ich bin ganz ruhig und habe meinen Entschluß reiflich erwogen,“ entgegnete Wolf mit einem bitteren Lächeln. „Seit jenem Fest beim Oberstlieutenant habe ich geahnt, daß es so kommen würde, und mein Plan war gefaßt, ehe noch die Bestätigung meiner Befürchtungen eintraf — Es wird sich schon später ein Posten als Administrator für mich finden. Um mich brauchst Du nichtbange zu sein.“ Gebhard legte dem Bruder beide Hände auf die Schultern und sah ihm liebevoll in die Augen: „Du wirst arbeiten, Wolf, das einzige Glück, welches ich im Leben zu finden vermag. Wenn Du diesem nachjagst, wird es sich von Dir fassen lassen und Dir seinen Segen nicht entziehen. Und ich hege die frohe Zuversicht daß Du ein tüchtiger Mann sein wirst, wo immer Dich das Schicksal auch hinstellt.“ VII. Von diesem Tage an, wo Hildens Verlobung in dem Städtchen bekannt wurde, erfuhr das junge Mädchen eine Beachtung, die ihr in dem Maße früher nicht im entferntesten zu theil geworden war. Leute, von deren Vorhandensein sie kaum etwas wußte, flüchtige Bekanntschaften vor dem Feste des Oberstlieutenants versicherten mit einer Wärme, die Hilden in nicht geringes Erstaunen versetzte, ihre Freude an dem Glück der jungen Braut; Aufmerksamkeiten wurden ihr von Menschen erwiesen, deren zurückhaltendes Benehmen ihren Stolz früher nicht wenig verletzt hatte: mit einem Wort, sie fand sich plötzlich zu einer Person von Bedeutung erhoben. Hilde spottete zwar darüber, daß man ihren Werth erst erkenne nachdem der Bräutigam ihr zur Folie diene, aber sie empfand diese bevorzugte Stellung doch durchaus nicht als kundet: Quantius habe zu ihm einmal gesagt: er sei bei Fusangel gewesen, um sich seine Unterstützung zu holen; er habe dem Fusangel nur Mittheilungen vom Bochumer Verein gemacht, um Geld zu erhalten; die Geschichte mit den 10000 M. sei selbstverständlich Schwindel. Dreher Schroop: Er sei früher auf dem Bochumer Verein beschäftigt gewesen, jetzt arbeite er in Spandau. Es sei mehrfach vorgekommen, daß bei Zerreißproben von Bandagen, andere vom Revisor nicht gestempelte Proben untergeschoben wurden. Bering bemerkt, daß auch Zerreißproben von dem Werk angefertigt werden, es sei möglich, daß dies solche Zerreißproben seien. Präs.: Haben Sie denn etwas Betrügerisches darin gefunden? Zeuge: Nein. Präs.: Der Revisor war dech bei der Zerreißprobe dabei, haben Sie denn gesehen, daß die von dem Revisor gestempelten Zerreißproben weggebracht wurden? Zeuge: Nein. Zeuge Vorarbeiter Hahn bestreitet, daß ähnliche Manipukationen, wie sie von Schrobp bekundet worden, vorgekommen seien. Inzwischen ist Regierungsbaumeister Conrad mit dem Schienenstück zurückgekehrt. Dieser bekundet: Quantius habe das gestempelte Schienenstück in einer hiesigen Schlosserei abgefeilt, die Abfeilung sei aber sofort für jedermann sichtbar. Die anderen Sachverständigen bestätigen dies. Der Präsident ordnet an, daß auch dies Schienenstück mit Rostwasser bestrichen werde. Reg.= Bauführer Block bemerkt: Jeder Revisor sei mißtrauisch und prüfe alles genau, infolgedessen sei es gar nicht möglich, daß ein Betrug, wie der von Quantius geschilderte, vorkommen könne. Die anderen Sachverständigen treten dieser Auffassung bei. Zeuge Betriebs=Inspektor Kurzenberger: Er habe vielfach für badische Bahnen auf dem Bochumer Verein abgenommen. Er habe einmal gesehen, wie der angeklagte Meister Herda, während er unter seiner Aufsicht Schienen stempelte, in die Tasche griff und einen Gegenstand herausnahm. Ihm sei es vorgekommen, als sei das ein Stempel gewesen. Er habe dem Herda in die Tasche fassen wollen, dieser habe ihm aber gesagt: Dazu habe er(Zeuge) kein Recht. Herda sei gleich darauf nach dem Abort gegangen, aber sehr bald wieder gekommen. Einige Zeit darauf habe Herda Schienen, die er(Zeuge) mit einem Kreidestrich bezeichnete, weil sie erst hergerichtet werden sollten, auch gestempelt. Er habe dies Herrn Bering angezeigt, und letzterer habe sofort die Entlassung Herdas verfügt. Herda sei alsdann zu ihm gekommen und habe ihn gebeten, ein gutes Wort für ihn bei Bering einzulegen, damit er wieder angenommen werde. Ich glaube, so fuhr Kurzenberger wörtlich fort, Herda sagte mir, er habe 19 Kinder.(Allgemeine Heiterkeit.) Ich habe mich infolgedessen bei Herrn Bering verwendet, daraufhin wurde Herda auch wieder angenommen. Zeuge giebt zu, daß die von ihm mit Kreide bezeichnete Schiene nach geschehener Herrichtung gestempelt und von ihm abgenommen werden sollte. Herda habe aber diese Schiene noch vor der Herrichtung gestempelt. Herda bemerkt: Er habe oftmals mehrere Schienen, die Herr Kurzenberger bereits gestempelt hatte, in die Adjustage geschafft, da er(Herda) gefunden, daß die Schienen fehlerhaft seien. Kurzenberger habe ihn gebeten, ihm bei der Auswahl behülflich zu sein, da er, Kurzenberger, wenig praktische Erfahrung habe. Betriebs=Inspektor Kurzenberger: Er habe eine solche Bemerkung dem Herda gegenüber niemals gethan. Auch hatte Herda kein Recht, von ihm(Kurzenberger) gestempelte schienen wieder in die Adjustage schaffen zu lassen. Herda durfte nur in meiner Anwesenheit stempeln, ich habe auch stets, wenn ich vom Werke fortging, den Stempel mitgenommen. In Zeitungen steht auch, daß Herda hier gesagt hat, ich hätte auf dem Bochumer Verein Stempel anfertigen lassen. Das ist unwahr. Herda erklärt, daß er das nicht gesagt habe. Protokollführer, Aktuar Rinteln, stellt fest, daß Herda doch eine solche Aeußerung gethan habe. Quantius wird nochmals in den Saal gerufen. Präs.: Nun, Quantius, der Kaufmann Eick hat heute bekundet: Sie hätten einmal zu ihm geäußert: alles, was Sie dem Fusangel erzählt haben, auch die Geschichte von den 10,000 M., sei Schwindel. Haben Sie eine solche Aeußerung zu Eick gethan? Quantius: Nein. Eick: Ich bleibe bei meiner Behauptung. Präs.: Nun, Quantius, Eick hat seine Aussage beschworen, Sie müssen Ihre Aussage nun ebenfalls beschwören, einer von beiden hat alsdann einen Meineid geleistet. Ich warne Sie, sich unglücklich zu machen. Sie kennen die Folgen, wenn Ihnen ein Meineid nachgewiesen wird? Quantius: Ich habe die Wahrheit gesagt. Quantius wird vereidigt. Hierauf wird der gestern vernommene Zeuge Remmert vereidigt. Zeuge Maurer Korte bekundet: Er sei von 1880 bis 1883 und von 1886 bis 1890 auf dem Bochumer Verein beschäftigt gewesen. Er habe zunächst in der ganz abseits gelegenen Flickschmiede gearbeitet; dort seien oftabseits gelegenen Flickschmiede gearbeitet; dort mals in Schienen Fußstucke eingeschweißt worden. Außerdem habe er gesehen, daß ausgesuchte Schwellen mit eine unangenehme Last. Es lag in ihrer Natur zu sehr das Bedürfniß, eine erste Rolle zu spielen, als daß sie ihren gegenwärtigen Zustand nicht bei weitem demjenigen vorgezogen haben sollte, in welchem sie während des letzten Jahres gelebt. Daß ihr Herz dabei gänzlich leer ausging, darüber täuschte sie sich geflissentlich hinweg, und es wurde ihr erleichtert durch die tägliche Unruhe, mit welcher sie der Major durch seine Aufmerksamkeiten umgab. Sein erstes Geschenk war ein Reitpferd: und so groß war die Freude Hildens an dem schönen Thier, daß ihr warmer Dankesblick Kronau ermuthigte, den schönen, lächelnden Mund zu küssen, eine Freiheit, die ihm Hilde bisher noch nicht gestattet hatte. An schönen Tagen hielt der eleganteste Landauer Neustadts vor dem Stift; um Frau von der Reck nach einem der vielen schönen Punkte in der Umgegend zu führen. Das Brautpaar begleitete gewöhnlich die alte Dame zu Pferde, während dieser die Fräulein von Sonneberg oder die Frau Oberstlieutenant im Wagen Gesellschaft leisteten. Zuweilen saß auch Annemarie in den weichen Kissen des Landauers und beobachtete mit besorgten Blicken und heimlicher Bewunderung Hilde, die mit dem Major so unbefangen heiter scherzte als fühle sie sich durchaus nicht als das beklagenswerthe Opfer, welche das junge Mädchen in ihr sah. Gewiß, sie mußte sich verstellen, davon war Annemarie felsenfest überzeugt. Hatte sie nicht einen Blick in das Innere der Freundin gethan an jenem Tage, an welchem sie schweren Herzens der jungen Braut ihre Wünsche zu einem Glück hatte aussprechen wollen, das ihr ein furchtbares Unglück dünkte? Annemarie, zu kindlich, um ein Gefühl zu heucheln, das sie nicht empfand, hatte sich wortlos in die Arme Hildens geworfen und war in leidenschaftliches Weinen ausgebrochen. Die Freundin umarmte und küßte sie zärtlich aber trotz ihres Schmerzes war es Annemarie nicht entgangen, daß jählings tödtliche Bläsie die Wangen der Braut bedeckte, obgleich sie ihren Mund zwang, heitere Worte zu reden. Aber auch Frau von der Reck vermochte ihre Thränen nicht zu gebieten, und so hatten denn die drei— der Major war gerade nicht anwesend; Annemarie segnete deßwegen ihr gutes Glück— zusammen gesessen, für einen unbefangenen Beobachter weit eher den einem blinden Stempel gestempelt wurden. Präs.: Für wen waren die Schwellen bestimmt? Zeuge: Für die Bergisch=Märkische Bahn. Präs.: Inwiefern war der Stempel blind? Zeuge: Der Stempel hatte keinerlei Ausdruck. Sachverständiger Reg.=Bauführer Block: Er müsse bemerken, daß der Stempel bei der Schwellenstempelung sich sehr schnell abnütze. R.=A. Kohn: Man sieht doch aber auf solchen Stempeln immer noch die Spuren der Prägung? Sachverst.: Allerdings. Korte bleibt bei seiner Bekundung. Ob diese Blindstempelung in betrügerischer Absicht geschehen, könne er nicht sagen. Zeuge bekundet, daß im Jahre 1889 der Angeklagte Meister Friedrich Rosendahl, nachdem sich der Revisor entfernt. ausgeworfene, mit einem Kreidestrich versehene Schienen gestempelt habe. Auch habe er gesehen, wie Herda mit einem falschen Stempel, den er in der Tasche trug, stempelte. Rosendal bemerkt, daß dies zur Herrichtung bestimmte Schienen gewesen seien, er habe jedoch nachträglich den Auftrag erhalten gehabt, die Schienen zu stempeln. Reg.=Bauf. Block: Der Revisor bezeichne bei der Abnahme bisweilen einige Schienen als herzurichtende, wenn er aber im Allgemeinen die Schienen für gut befinde, so komme es vor, daß der Abnahmebeamte schließlich sage: Sie können mir alle Schienen stempeln. Korte bekundet ferner, daß einmal eine große Anzahl Schienen nach Brasilien abgenommen waren; von drei Waggons Schienen sei jedoch der Stempel wieder entfernt worden. R.=A. Dr. Sello: Er werde den Beweis führen, daß die nach Brasilien bestimmten Schienen sehr lange liegen blieben, so daß bisweilen eine Anzahl inzwischen anderweitig verwendet wurden. Maurer Korte bekundet noch, daß es ihm vorgekommen sei, als wären den Revisoren auch Zerreißproben untergeschoben worden. Zeuge Arbeiter Dienstberg: Er sei in dem Jahre 1886 vier Monate lang auf dem Bochumer Verein beschäftigt gewesen und habe zunächst in der Flickschmiede in Thiemannshoff gearbeitet. Dort seien Schienen und eiserne Schwellen theils warm, theils kalt geflickt und sogar ostmals große Stücke eingesetzt worden. Der Revisor Neugebauer habe einmal acht Waggons eiserne Schwellen abgenommen. Sieben Waggons seien aber von Herda mit einem blinden Stempel gestempelt und dem Revisor mindestens 4 bis 5 Mal von neuem vorgelegt worden. Präs.: Wodurch wurden die sieben Waggons Schwellen ersetzt? Zeuge: Durch andere schlechte Schwellen, die in Thiemannshof geflickt wurden. Präs.: Hat denn der Abnahmebeamte dies nicht gemerkt? Zeuge: Das glaube ich nicht. Präs.: Bei der zweiten Revision hätte man doch die schlechten Schwellen herausfinden müssen? Zeuge: Das weiß ich nicht. Präs.: Ist denn der Abnahmebeamte nicht mehr aufs Werk gekommen, um zu sehen, ob die von ihm ausgesuchten Schwellen auch wirklich aufgeladen wurden? Zeuge: Da war ein Mann, Namens Jakob, als Aufpasser aufgestellt. Sobald der Revisor den Rücken gedreht hatte, mußten die Schwellen mit Blitzesschnelle ins Lager zurückbefördert werden. R.=A. Sello konstattrt, daß der Zeuge niemals vor seiner Thätigkeit auf dem Bochumer Verein in einer Eisenwerkstätte beschäftigt war. Reg.=Baurath Hellwig: Er müsse bemerken, d.ß diese Manipulationen ihm nicht glaubhaft erscheinen. Wenn eine solche Menge schadhafter geflickter Schienen geliefert worden wäre, dann hätte die Bergisch=Märkische=Bahn dies zweifellos bemerkt, und es wäre alsdann ein großer Skandal entstanden. Auch sei er der Meinung, daß wohl kaum eine so große Menge schadhafter Schwellen sofort vorräthig waren. R. A. Lenzmann: Ist es nicht möglich, daß sich ein großer Vorrath schadhafter Schwellen angehäuft hatte? Reg.=Baurath Hellwig: Das ist möglich aber höchst unwahrscheinlich. Präs.: Dienstberg, haben Sie in Thiemannshof Schwellen flicken sehen? Zeuge: Ja. Präs.: Wer hat denn die Flickerei vorgenommen? Zeuge: Herda. Herda: ## bemerke, Herr Präsident, daß ich niemals in Thiemannshof gewesen bin. Dienstberg: Es ist möglich, daß ich mich darin irre, es ist auch möglich, daß es Quantius gewesen ist.(Heiterkeit.) Präs.: Quantius, haben Sie auf Thiemannshof Schwellen geflickt? Quantius: Ja. Präs.: Ist das richtig, was Dienstberg sagt? Quantius: Ja. Arbeiter Breidenbach: Er sei noch heute auf dem Bochumer Verein: er habe wohl einmal von Schienen Stempel entfernt, von Vorgängen, wie sie der Zeuge Dienstberg geschildert, sei ihm nichts bekannt. Präs.: Haben Sie nie gesehen, daß Schwellen blind gestempelt, diese ins Lager zurückgeschafft und dafür schadhafte Schwellen aufgeladen wurden? Breidenbach: Das ist mir nicht bekannt. Präs.: Nun, Dienstberg, der Zeuge weiß nichts davon, Dienstberg: Dafür kann ich nicht.(Heiterkeit.) Zeuge Arbeiter Rehling, ist heute ebenfalls noch auf dem Bochumer Verein beschäftigt. Er hahe wohl Schienen flicken helsen, Schwalbenschwänze in die Füße der Schienen eingesetzt; “ nicht, wem die er wisse aber nicht, Wem die Schienen gegeben wurden. Eindruck Leidtragender hervorrufend, als solcher, die ein glückliches Ereigniß besprechen. Seit jenem Tag war Annemarie der erklärte Liebling der alten Dame, und auch Hilde, die reine Neigung in dem jungen Herzen voll verstehend, zog die kleine Freundin mehr und mehr in ihre Gesellschaft, soweit der Major ihr Zeit ließ, sich mit andern zu beschäftigen. Wohl erregte der ängstlich forschenbe Blick der großen, sanften Augen zuweilen in Hilde ein unbehagliches Empfinden, wie eine Mahnung an ihr besseres Selbst; aber sie betäubte jene Stimme, sie wollte glücklich sein— und sie war es wirklich, so weit das eben möglich sein konnte. Der Major war, im landläufigen Sinne des Worts, eine liebenswürdige Persönlichkeit. Ohne hervorragende geistige Gaben, hatte er sich auf seinen vielen Reisen eine Welt= und Menschenkenntniß angeeignet, die ein so junges Geschöpf wie Hilde für einige Zeit über den wahren Gehalt seines Wesens wohl zu täuschen vermochte. Zudem verstand er, hübsch zu erzählen— es bereitete ihm Vergnügen, sich selbst reden zu hören— und er machte von diesem Talent den weitgehendsten Gebrauch, als er bemerkte, daß Hilde mit Interesse an seinen Lippen hing und sich gern von ihm über Dinge belehren ließ, die ihr fremd waren; zeigte sie ihm doch sonst, sobald er sich in der Rolle des zärtlichen Bräutigams gefallen wollte, eine scheue und stolze Sprödigkeit, die sehr wenig nach seinem Geschmack war. Um so eifriger betrieb er daher die Vorbereitungen zur Vermählung. Frau von der Reck hatte schüchter eingewandt, man möge damit doch bis zum künftigen Frühjahr warten, und auch Hilde war der Meinung der Mutter gewesen. Aber den Widerstand der alten Dame hatte der Major leicht besiegt, und die Zustimmung seiner Braut gewann er sich dadurch, daß er ihrer Reiselust, die bis nach dem Orient strebte, keinerlei Schranken setzte, den Herbst aber für solch einen weiten Auflug als die passendste Jahreszeit bezeichnete. Sobald er sich von seiner schönen Braut loszureißen vermochte, reiste Emmo von Kronau nach seiner Besitzung, um alle Anordnungen zum Empfang der jungen Herrin zu treffen, denn ehe man sich auf die Reise begab, sollte Hilde ihre neue Heimath kennen lernen. Ein bewährter Architekt der Hauptstadt wurde mit der Einrichtung des Reg.=Baumeist Präs.: Wann habe genommen? Zeug Präs.: Sind währ keiten vorgekommen daß 100 Schienen Bei näherer Besicht einem falschen Sten fort Herrn Bering staunt und begab si mit mir. Herr Ge der Staatsanwaltsch ab, denn ich hatte dies lediglich deßhe worfenen Schienen will ich bemerken, waren, alle übrigen waren allerdings zi überzeugt, daß diese standen war. In de zu gebrauchen, sie gerade ziehen. Aus auf dem Transpos Wer hat Ihnen b Zeuge: Das wei Herda giebt zu, di Zeuge: Ich glaub Präs.: Sind dera kommen? Zeuge Matecial des Be Schmied Witt chumer Verein Se nicht gesehen, daß! schienen beigegeben von 1879 bis 1885 Er habe beobachtet, sedern etwa zwei eingeschmuggelt wi Sie schon bestra Körperverletzung. bestraft? Zeuge “ e i l s c h e n P e den poltzeu### mal wegen Diebstah und Körperverletzu Sie diese Strafe Wie können Sie de Körperverletzung be von der Bedeutung Der Zeuge wird al (19 Jahre alt): E dem Bochumer Vei 1889 habe er mel proben von Lokon Stahlstäbe als§ während die richtig Die Sachverstä örterung zu, daß d Stahl wohl ausge kundete im weitere die Zerreißprobe ar Stahl vorgenomme Nachdem Sie den sich alsdann in der Ich mußte mich so Block: Ich bem mindestens 5—6 A er nicht sehen konn auch wirklich einge verständigen treten giebt schließlich zu, gegen war. Auf der Zeuge im weit pelten Proben in vorgenommen wur wird alsdann geg (Freitag) vormitta Westfa 8 Witten, 2. Dr. König übe Abend war zahlr Beifall. 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Bei näherer Besichtigung sah ich, daß 100 Schienen mit einem falschen Stempel versehen waren. Ich machte sofort Herrn Bering davon Anzeige. Dieser war ganz erstaunt und begab sich sogleich zu Herrn Geh. Rath Baare mit mir. Herr Geh. Rath Baare wollte sofort die Sache der Staatsanwaltschaft anzeigen. Ich rieth jedoch davon ab, denn ich hatte die Ueberzeugung, daß die Arbeiter dies lediglich deßhalb gethan, weil sie durch die ausgeworfenen Schienen zu viel Arbeit hatten. Im übrigen will ich bemerken, daß von den 100 Schienen nur 3schlecht waren, alle übrigen waren gut. Die 97 guten Schienen waren allerdings zum Theil krumm, ich hatte mich aber überzeugt, daß dieser Schaden auf dem Transport entstanden war. In der Praxis sind auch krumme Schienen zu gebrauchen, sie lassen sich durch Schrauben sehr schnell gerade ziehen. Auch die 3 schadhaften Schienen können auf dem Transport schadhaft geworden sein. Präs.: Wer hat Ihnen bei der Stempelung immer geholfen? Zeuge: Das weiß ich nicht. Präs.: Der Angeklagte Herda giebt zu, diese Manipulation gemacht zu haben. Zeuge: Ich glaube, Herda hat mir oftmals geholfen. Präs.: Sind derartige Dinge außerdem einmal vorgekommen? Zeuge: Nein, ich bin sonst immer mit dem Matecial des Bochumer Vereins zufrieden gewesen. Schmied Wittler: Es seien allerdings auf dem Bochumer Verein Schienen geflickt worden, er habe aber nicht gesehen, daß diese Schienen den Revisoren als Vollschienen beigegeben wurden. Arbeiter Jülich: Er sei von 1879 bis 1885 auf dem Bochumer Verein gewesen. Er habe beobachtet, daß unter 1000 stählernen Wagensedern etwa zwei= bis dreihundert fehlerhafte Federn eingeschmuggelt wurden. Präsident: Zeuge, sind Sie schon bestraft? Zeuge: Ja, einmal wegen Körperverletzung. Präs.: Sind Sie sonst schon einmal bestraft? Zeuge: Nein. R.=A. Hünnebeck teilt nach den polizeilichen Personalnotizen mit, daß der Zeuge siebenmal wegen Diebstahls, Unterschlagung, Hausfriedensbruchs und Körperverletzung vorbestraft ist. Präs.: Haben Sie diese Strafen erlitten? Zeuge: Ja. Präf.: Wie können Sie denn sagen, Sie sind nur einmal wegen Körperverletzung bestraft worden? Was denken Sie denn von der Bedeutung des Eides? Der Angeklagte schweigt. Der Zeuge wird alsdann vereidet. Schlosser Oskar Hees (19 Jahre alt): Er sei vom Jahre 1887 bis 1891 auf dem Bochumer Verein als Lehrling gewesen. Im Jahre 1889 habe er mehrere Male gesehen, daß bei Zerreißproben von Lokomotivachsen und Bandagen vierkantige Stahlstäbe als Zerreißprobe untergeschoben wurden, während die richtige gestempelte Probe verschwunden war. Die Sachverständigen gaben nach längerer Erörterung zu, daß die Zerreißprobe mit dem vierkantigen Stahl wohl ausgeführt werden könne. Der Zeuge bekundete im weiteren auf Befragen, daß er gesehen, wie die Zerreißprobe an dem von ihm gebrachten vierkantigen Stahl vorgenommen worden sei. Reg. Bauführer Block: Nachdem Sie den Stahl gebracht, wie lunge haben Sie sich alsdann in der Probewerkstatt aufgehalten? Zeuge: Ich mußte mich sofort wieder entfernen. Reg. Bauführer Block: Ich bemerke, daß, wenn der Zeuge sich nicht mindestens 5—6 Minuten in der Werkstatt aufgehalten, er nicht sehen konnte, ob die von ihm gebrachte Probe auch wirklich eingespannt worden sei. Die anderen Sachverständigen treten diesem Gutachten bei. Der Zeuge giebt schließlich zu, daß er bei der Zerreißprobe nicht zugegen war. Auf Befragen des R.=A. Dr. Sello giebt der Zeuge im weiteren zu, daß auch die wirklich gestempelten Proben in die Werkstatt, in der die Zerreißproben vorgenommen wurden, gebracht worden seien. Die Sitzung wird alsdann gegen 3¾ Uhr nachmittag auf worgen (Freitag) vormittags 8¾ Uhr vertagt. Westfalen und Rheinland. 8 Witten, 29. Juli.(Der Vortrag des Herrn Dr. König über[Buschhoff— Liebmann) gestern Abend war zahlreich besucht. Redner fand allseitigen Beifall. Eine Sammlung für die Familie Hegemann in Xanten ergab annähernd 90 Mark. Ueber den Vortrag berichten wir noch ausführlicher. g66., 8 Witten, 29. Juli.(Ertrunken.) Gestern Mittag ertrank ein verheiratheter Arbeiter aus der Wannenstraße beim Baden in der Ruhr. Die Leiche wurde nach dem Todtenhause gebracht. * Witten, 29. Juli.(Telegraphenbeamte für Afrika.) Die deutsche Reichspostverwaltung hat an die Revisoren der Telegraph.nleitungen die Anfrage ergehen lassen, ob sie sich zum Baue von Telegraphenleitungen in West=Afrika(Kamerun und Togo) zur Verfügung Schlosses betraut, die zum Theil neu, zum Theil mit dem Vorhandenen in künstlerischer Weise hergestellt werden sollte. Nachdem die dringendsten Geschäfte erledigt waren, kehrte der Major nach Neustadt zurück, um nun in Gesellschaft Hildens und ihrer Mutter in der nächsten großen Stadt die Ausstattung für seine Braut zu bestellen, und zwar in kostbarster Ausführung, die Hildens volles Entzücken, bei der alten Dame dagegen unwilliges Kopfschütteln über so sträfliche Verschwendung erregte. Endlich nahte der Tag heran, welcher Hilde für immer mit dem Major vereinigen sollte: ein Tag, von ihr nicht mit dem freudigen Klopfen eines glücklichen Herzens, sondern mit dem Gefühl dumpfer Angst erwartet, wie ein unentrinnbares Schicksal. „Es ist der Gedanke an die Trennung vom Mütterchen; wenn ich erst all die Herrlichkeiten der schönen weiten Welt sehe, geht es vorüber," tröstete sie sich selbst' In den Stunden, die ihr frei blieben, las sie Bücher über Italien, und sie machte eifrige Studien in der fremden Sprache unter Anleitung des Majors, welcher ziemlich geläufig italienisch sprach.(Fortsetzung folgt.) Kleine Mittheilungen. „Haus von Schreckenstein“. Das„Wiener Extrablatt“ schreibt: IAls der Gerichtsdiener dieser Tage den Namens Hans von Schreckenstein auf dem Korridor ausrief, bemächtigte sich des Auditoriums in der Gerichtsstube einige Sensation. Das war ja ein Repräsentant des alten Rittergeschlechtes derer von Schreckenstein, von denen man jetzt noch in Balladen und Raubrittergeschichten liest. Was der Mann mit der breiten, mächtigen Stirn, der hochmüthigen, scharfgezeichneten Nase, dem hochblonden Haar— eine mittelalterisch romantische Gestalt beinahe — wohl angestellt hat? Die Neugierde wurde sofort befriedigt, denn die Strafverhandlung gegen Hans von Schreckenstein währte nicht länger denn eine Minute: Hans von Schreckenstein, der Abkömmling des Rittergeschlechts derer von Schreckenstein, wurde zu einer Geldstrafe von einem Gulden, zu Gunsten des Armenfonds von Ottakring verurtheilt, weil er als— Kutscher auf dem Wagen seines Herrn während der Fahrt geschlafen hatte. Das ist jetzt eine Uebertretung; ob es auch im Mittelalter eine war— wissen wir nicht! „Ich habe gehört, daß Sie gesetzlich von Ihrer Gattin geschieden wurden, darf ich gratuliren?“— „„O, schon zu spät, bin wieder verlobt stellen wollen. Deu betreffenden Beamten wird ihr jeweiliger Gehalt fortlaufend zugesichert, außerdem erhalten dieselben noch 1000 Mark Equipirungskosten, freie Hinund Rückfahrt und 25 Mark Tagesgelder. Die Anfraue ist zunächst nur an unverheirathete Beamte ergangen. Anscheinend beabsichtigt Deutschland im Vereine mit Enaland die Telegraphenanlagen in West=Afrika zu bewerkstelligen; es ist daher nicht ausgeschlossen, daß die sich dazu bereitstellenden Beamten auch auf britischem Gebiete Verwendung finden dürften. * Witten, 29. Juli,(Zur Warnung.) Eine Gastwirthsfrau W. in Berlin hatte im vorigen Monat aus dem Fenster ihrer im Erdgeschoß belegenen Wohnung einen Obstrest auf die Straße gewurfen. Ein auf dem Bürgersteig des Weges kommender Tischlergeselle H. war über den Obstrest ausgeglitten und hatte bei dem Fall einen Beinbruck erlitten so daß er Aufnahme im städtischen Krankenhaus am Friedrichshain finden mußte. Erst nach 3 Wochen konnze H. entlassen werden. Nachdem durch die Polizei der Sachverhalt, wie oben angegeben, festgestellt, wurde Frau W. als ermittelte Veranlasserin des Unglücksfalles zur Zahlung der verausgabten Kurkosten usw. seitens der Krankenkasse in Anspruch genommen und ist auch zivilgerichtlich zur Zahlung von 52 Mk. rechtskräftig verurtheilt worden; außerdem ist Frau W. durch schiedsmännischen Vergleich verpflichtet, an den verunglückten Tischler als Lohnentschädigung für 4 Wochen 96 Mk. zu zahlen. Nun ist aber noch obenein gegen die Frau W. die kriminalgerichtliche Untersuchung wegen fahrlässiger Körpecverletzung eingeleitet worden. Auch in unserer Stadt kommt es häufig vor, daß Obstreste ohne Weiteres auf das Trottoir geworfen werden. Möge der mitgetheilie Fall zur Warnung vor dieser Unsiitte dienen. Wetter, 27. Juli.(Unglücksfall.) Beim Bau der neuen Kesselschmiede der Märkischen MaschinenbauAnstalt hier fiel gestern Mittag ein Maurergeselle vom Gerüst und wurde von nachrollenden Ziegelsteinen am Kopf erheblich verletzt. Er dürfte für mehrere Wochen arbeitsunfähig sein. O Eckesei, 27. Juli.(Ueberfall.) Als am vergangenen Sonntag Abend gegen 10 Uhr ein Gesangverein von Herdecke, von einem Ausfluge nach Halden zurückkehrend, unseren Ort passirte, wurden eine Anzahl Mitglieder von drei jungen Burschen aus Vorhalle in der Nähe der Geitebrücke ohne jede Veranlassung überfallen und mit Messern, einer Kohlenschaufel 2c. übel zugerichtet, so daß mehrere nach ihrer Ankunft in Herdecke ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Der Polizeisergeant Rathke von hier hat die Thäter inzwischen ermittelt und zur Anzeige gebracht. Die ganz unerhörte Rohheit der Raufbolde verdient eine exemplarische BeDortmund, 28. Juli.(Brieftauben.) Die seit etwa 4 Wochen in Spandau internierten Tauben der hiesigen Briestauben=Vereine wurden daselbst am Dienstag früh gegen 5 Uhr aufgelassen. Die ersten 3 Tauben welche den heimathlichen Schlag erreichten, waren Eigenthum des Herrn Agenten Adolf Kaupe, welcher damit die drei ersten Preise, darunter die silberne Staatsmedaille, erzielte. Dortmund, 28. Jun.(Schwindler.) Bei einer am Westenhellweg wohnenden Familie miethete sich vor einigen Wochen ein angeblicher Ingenieur und ReserveOffizier, der auf der hiesigen Union beschäftigt sei. ein. Um nun etwaigen Auseinandersetzungen wegen der Miethsund Kostgeldzahlung am bevorstehenden 1. August zu entgehen, hat es der genannte Herr schon jetzt vorgezogen, spurlos zu verduften. Eine Nachfrage auf der Union hat ergeben, daß derselbe dort vollständig unbekannt ist. Linden, 27. Juli.(Messeraffairen.) Zwei hiesige Bürger wurden in der Nähe der Apotheke in Weitmar von mehreren Personen angefallen und schwer mißhandelt. Einer hat 11 Stiche in Kopf und Rücken erhalten, so daß er sofort ins Krankenhaus nach hier gebracht werden mußte. Die Thäter sind unerkannt entkommen.— Am Montag Abend wurde ein fremder Mann blutüberströmt ins Krankenhaus gebracht. Derselbe war mit einem Messer gar übel zugerichtet. Gelsenkirchen 27. Juli.(Straßen=Raub.) Einem angetrunkenen Bergmann aus Braubauerschaft wurde auf dem Heimwege von einer Festlichkeit von einem unbekannten, anständig gekleideten Mann die Taschenuhr geraubt.„„ Frohnhausen, 26. Juli.(2hierische Rohheit.) Zwei Arbeiter geriethen in Wortwechsel, welcher in Thätlichkeiten ausartete. Hierbei wurde einer der Beiden dermaßen in den Arm gebissen, daß ärztliche Hülfe herangezogen werden mußte. Der Gebissene befindet sich noch in ärztlicher Behandlung. Siegen, 27. Juli.(Leichenfund.) In der Nähe von Kreuzthal wurde von Kindern am verflossenen Sonntag die Leiche eines jungen Mannes gefunden, welche schon stark in Verwesung übergegangen war. Neben derselben fand man einen abgeschossenen Revolver. Die Leiche wurde ermittelt als die des Sohnes des Professors B. aus Dortmund, welcher im Monat März in Fellinghausen einige Tage im Gasthause gewohnt, aber seitdem spurlos verschwunden war. Bielefeld, 26. Juli.(Nachdem für die Reichstagsersatzwahl im Wahlkreis Herford=Halle) ein Zusammengehen der liberalen Elemente unmöglich gemacht worden ist, ist nun auch die nationalliberale Partei mit der Aufstellung eines eigenen Kandidaten vorgegangen. In einer zahlreich besuchten VertrauensmännerVersammlung wurde ein geeigneter Kandidat in der Person des Fabrikanten Heinr. Delius in Versmold gefunden und aufgestellt. Bei der Beliebtheit und Gediegenheit des Bewerhers darf man auf einen der Partei günstigen Ausgang des Wahlkampfes rechnen. Bottrop, 27. Juli.(Eine pflichtvergessene Mutter.) Unter Zurücklossung ihrer Kinder und nicht unerheblicher Schulden ist die Frau eines hiesigen Bergmanns mit einem ihrer Kostgänger durchgegangen. Wohin sich das Liebespäärchen gewandt hat, ist noch nicht bekannt. Barmen, 28. Juli.(Selbstmordversuch?) Ein seit einigen Tagen bei einem Glaswaarenhändler beschäftigter junger Mensch von 20 Jahren schoß sich gestern Nachmittag auf seinem Zimmer mit einem Revolver eine Kugel in den Kopf. Angeblich will er am Abend vorher auf Westkotten von jungen Leuten angegriffen sein und sich zum Zwecke der Vertheidigung den Revolver am anderer Morgen gekauft haben, der dann beim Probieren losgegangen sein soll; sob die Sache so wahrheitsgewäß ist, oder ob ein Selbstmordversuch vorliegt, wird die Untersuchung ergeben. Der herbeigeholte Arzt ordnete die sofortige Ueberführung des Verwundeten ins Krankenhaus an. Elberfeld, 28. Juli.(Das Ewig=Weibliche) war schuld daran, daß der bisher unbestrafte Maurer Heinrich B. von hier auf die Anklagebank kam. Er hatte mit der unverehelichten Lina T. eine Liebschaft und hatte sich auch von deren Mutter bereits das Jawort geholt. Da wurde seine Braut plötzlich anderen Sinns, brach das Verhältniß ab und wandte sich einem anderen zu. Er forderte Aufklärung, sie aber streckte ihm die Zunge heraus und hieß ihn gehen, denn sie könne noch einen „viel besseren Kerl“ kriegen. B. wurde von seinem Zorne übermannt, schwang seinen Spazierstock und brachte damit dem Mädchen eine Kopfverletzung bei. Er wurde dafür zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Solingen, 27. Juli.(Streik in Aussicht?) Wir theilten vor einiger Zeit mit, daß der hiesige Scheerenfabrikanten=Verein mit dem Scheerenschleifer=Verein Unterhandlungen wegen Ermäßigung der Schleifpreise gepflogen, weil die Fabrikanten mit den den FabrikantenVerein nicht angehörenden Fabrikanten nicht konkurriren könnten. Die Verhandlungen haben kein Resultat gehabt, da der Scheerenschleifer=Verein eine Ermäßigung der Schleifpreise nicht zugestanden hat. Die Fabrikanten haben deshalb das im vorigen Jahre mit den Schleifern gemeinschaftlich aufgestellte Preisverzeichniß gekündigt. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Der Fabrikanten=Verein hat auch bei den Vereinen der ScheerenFeiler und=Härter eine Ermäßigung der Preise beantragt. Ueber diesen Antrag werden die Feiler und Kirter am nächten Sonntag einen Zeßenuß,fassen. iin Streik ist also wieder möglich. Hoffentlich wird derselbe jedoch durch beiderseitiges Entgegenkommen verwichen. S 0 18 .* Aus dem Wupperthal, 27. Juli(Studentischen Besuch) erhält am Sonntag, den 7. August das zum Krystallisationspunkt des Touristenverkehrs im Bergischen Lande gewordene Schloß Burg a. d. W. Die alten Burschenschafter der technischen Hochschulen aus Rheinland und Westfalen(N. D. C.) haben, einer Einladung des Wupperthaler Aiten Herren Verbandes folgend, für genannten Tag einen Ausflug mit ihren Damen ins Bergische verabredet, der sie von Ronsdorf über Müngsten nach Burg und von da nach Thalsperre bei Remscheid führen wird. Der Frühschoppen wird in Müngsten, das Mittagessen in der Burger Schloßrestauration eingenommen. Die Betriebsverwaltung der Ronsdorf=Müngstener und der Wermelskirchen=Burger Schmalspurbahn har mit großer Liebenswürdigkeit die Einstellung reservirter Wagen zugesagt. An der Thalsperre werden von berufener Seite technische Aufklärungen über den Bau und den Betrieb dieser Anlagen gegeben und so mit dem Angenehmen das Nützliche verbunden werden. Die bereits eingelaufenen Anmeldungen lassen eine sehr rege Betheiligung, inbesondere auch der Damen, vorhersehen. Mülheim a. d. R., 27. Juli.(Verein zur Kanalisierung der Ruhr.) Im Kablenberg hierselbst fand heute Nachmittag eine Generalversammlung des Vereins zur Kanalisierung der Ruhr statt, der ca. 100 Personen anwehnten. Herr Bürgermelster v. Bock von hier eröffnete als Vorsitzender des Vereins die Versammlung. Da nunmehr eine besondere Kanalkommissien in Münster eingesetzt sei, die die Projekte der Verbindung des Rheins mit dem Dortmund=Ems=Kanal untersuchen solle, so habe der Vorstand es an der Zeit gehalten, jetzt wieder rührig zu sein. Es habe die angeführte Kommission das Projekt des Regierungsbaumeisters Prüßmann, der den Kanal durch das Industriegebiet führen und alle größeren Zechen berühren will, als das beste anerkannt, und, da nicht daran zu denken sei, daß man das Grevesche Projekt durchbringen könne, habe der Vorstand davou abgesehen und schlage der Versammlung vor, für dieses Projekt einzutreten. Daß es das Allerwichtigste sei, daß das Kohlengebiet berührt werde, unterliege keinem Zweifel; würde es nämlich nicht geschehen, dann würde uns die englische Kohle in unserm eigenen Lande mit Leichtigkeit Konkurrenz machen. Redner beleuchtet die verschiedenen Projekte und erwähnt, daß der Kostenpunkt dann keine Rolle spiele, wenn die Rentabilität vorhanden wäre; ein Kanal durch eine Gegend zu bauen, wo kein Verkehr, keine Industrie wären, sei fortgeworfenes Geld. Auch musse beachtet werden, daß ein solcher Kanal nur da in den Rhein münden könne, wo ausgebaute Häfen, wie in Duisburg und Ruhrort, vorhanden wären. Bei dem Projekte der Kanalisierung der Lippe sei wohl zu beachten, daß kein Verkehr an der Lippe sei, und daß Wesel keinen ausgebauten Hasen habe. Redner erläutert das Prüßmannsche Projekt ausführlich und findet auch Zustimmung in der Versammlung. Di. Reismann=Essen erklätt sich mit dem Vorschlage des Vorstandes einverstanden und befürwortet denselben, zumal das Greve'sche Projekt doch nicht durchgedrückt werden könne. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren v. Bock, Dr. Reismann, Direktor Zerwes, Pott 2c. betheiligten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Versammlung ist der Ansicht, daß die Fortsetzung des Dortmund=Emskanals nach dem Rhein nur durch das rheinisch=westfälische Industriegebiet südlich der Emscher hindurch geführt werden darf und in die Häfen zu Ruhrort und Duisburg einmünden muß, wobei eine Berücksichtigung des Ruhrstromes wünschanswerth erscheint, sei es durch etwaige Stichkanäle oder durch Ausbau etwaiger Zubringungskanäle zu den Schiffahrtskanälen. Auch ist Versammlung der Ansicht, daß über das betreffende Projekt baldigst Entscheidung getroffen wird.“. 8. gm..... Diese Resolution soll dem Herrn Winister und der Kanalkomiaission in Münster zugestellt werden. Duisburg, 27. Juli.(Einfaches Verfahren.) Drei angetrunkene Erdarbeiter vexirten sich am Sonntag am neuen Hasen gegenseitig, bis es schließlich so weit kam, daß zwei derselben den dritten in den Kanal warfen(!), woselbst dieser in Folge seiner Hülflosigkeit ertrank. Er kam nicht wieder zum Vorschein. Die Toaler wurden sofort verhaftet. Die Leiche wurde am Nachmittag aufgefischt und ins Leichenhaus gebracht. Düsseldorf, 26. Juli.(Eine eigenartige Todtenfeier) fand am Samstag Morgen im Marienhospitale statt. Dortselbst starb nämlich ein dreijähriges Kind der zur Zeit hier weilenden Beduinen=Karawane. Die Stammesangehörigen verrichteten an der Leiche des Kindes nach muhamedanischem Ritus ihre Todtengebete. Die Beerdigung fand heute Morgen 7 Uhr vom Marienhospital aus statt.„„„ K f Düsseldorf, 26. Juli.(Vorstor veim Kirschenessen.) Eine hiesige Geschäftsinhaberin hatte beim Kirschenessen auch einen Stein mit verschluckt, derselbe setzte sich fest unnd bewirkte eine Darmentzündung, der die Dame in kurzer Zeit erlegen ist. Daher Vorsicht beim Kirschenessen. Mörs, 26. Juli.(Eine Mordthat) wurde gestern in dem nahen Meerbeck an dem 28 Jahre alten Zechenarbeiter T. Hagemann begangen. In der„M. Z.“ finden wir Folgendes darüber: H., welcher Offizier des Hochstraßer Kriegervereins war, und mit diesem nachmittags sich an dem Stiftungsfest des Veteranen= und Kriegervereins hierselbst betheiligt hatte, bekam spät Abends in der Wirthschaft von Mechlen zu Hochstraß, dem Vereinslokal des Hochstraßer Kriegerverens, Streit mit drei nahe bei ihm wohnenden Personen, der jedoch im Lokale selbst nicht in Thätlichkeiten ausartete. Als H. bereits in seiner Wohnung war, kamen die drei Personen an derselben vorbei, nahmen dort den Streit wieder auf und lockten den H. aus dem Hause. Hier war es nun, wo der Bedauernswerthe den tödtlichen Stich erhielt. Er konnte sich noch bis ins Haus schleppen, wo er mit den Worten:„Der lange Göhn hat mich gestochen“ zusammenbrach. Auf Veranlassung des hinzugezogenen Arztes Dr. Noethen haben Polizei=Sergeant Behrens und Gendarm Propst sich noch in vergangener Nacht an Ort und Stelle begeben und die Verhaftung der Brüder Johann und Heinrich Göhn, sowie des Maurers Hendericks, genannt Kellerbach, sämtlich aus Meerbeck, vorgenommen, welche dann zum hiesigen Gefängnis transportiert wurden. Nach der heute morgen stattgehabten gerichtlichen Vernehmung ist Hendericks entlassen, während die Gebrüder Göhn ins Gefängnis zurücktransportiert wurden. Johann Göhn soll der eigentliche Thäter sein. Bereits heute Nachmittag fand die gerichtliche Aufnahme des Thatbestandes an Ort und Stelle sowie die Obduktion der Leiche statt und war zu diesem Zwecke auch ein Vertreter der Königlichen Staatsanwoltschaft, Herr Hintze aus Cleve, zur Stelle. — Sowohl der auf so klägliche Weise ums Leben gekommene H., als auch der muthmaßliche Mörder Göhn haben Frau und kleine Kinder. * Cleve, 28. Juli.(Die biesige Staatsanwaltschaft) wird gegen die Zeugen Junkermann Metzger Bruckmann und Fahrunternehmer Mallmann infolge ihrer Aussagen im Buschhoff'schen Prozesse einschreiten. Fertwähre.d laufen Anzeigen wegen Meineids ein.— Die Fragestellung im Prozeß Buschhoff hat bekanntlich eine ziemlich ausgedehnte Diskussion insbesondere in der Richtung bervorgerufen, weshalb den Geschworenen nicht eine auf Beihilfe lautende Ergänzungsfrage gestellt worden sei, zu der die seitens des Obmannes, Grafen von Los, an den Schwurgerichtspräsidenten gerichtete bezügliche Frage doch genügenden Anlaß gegeben habe. In Folge der entstandenen Erörterung veröffentlicht Graf von Los in der„Köln. Volksztg.“ folgende Erklärung:„Nach mehrtägiger Abwesenheit die Zeitungsberichte über meine in der Schlußverhandlung contra Buschhoff bezüglich der„Beihilfe gestellte Frage lesend, sebe ich mich veranlaßt, thatsächlich festzustellen: 1. Durch meine Anfrage bei dem Herrn Präsidenten wurde im Anschluß an dessen„Rechtsbelehrung" und mit Rücksicht auf § 305, Absatz 2 der Str.=Pr.=O. lediglich konstatirt, daß die Geschworenen in dem Rahmen der gegebenen Fragestellung über„Beihilfe" sich nicht zu äußern hatten. 2. Ein weiterer Schritt wäre der Antrag auf Abänderung oder Ergänzung der Frage gewesen(§ 291.) Derselbe hätte nach§ 306 noch während der Berathung von den Geschworenen gestellt werden können, ist aber — wie bekannt— nicht gestellt worden Eine sachliche Berichtigung der in der Presse über die Thätigkeit und die Ansichten der Geschworenen aufgestellten Behauptungen halte ich nach der gesetzlichen Stellung des Geschworenen nicht für angemessen. Wissen, 25. Juli 1892.“ Kauten, 27. Juli.(Frau Hegemann.) In Widerlegung einer Zeitungsnotiz, welche zur Zeit durch die meisten Blätter geht, wird mitgetheilt, daß Frau Hegemann, die Mutter des ermordeten Knaben, keineswegs an Geistesstörung erkrankt sei. Der Briefschreiber bemerkt: Weil die Familie Hegemann arm ist und reich an Kindern, so lasse ich meine Wäsche dort besorgen; soeben habe ich mich nun mit Frau Hegemann noch eine halbe Stunde lang unterhalten und nichts von Geistesstörung bemerkt. Auch den Verwandten und Nachbarn sind keine derartigen Anzeichen bekannt geworden. Der Fremdenbesuch ist hier noch immer sehr stark; die Leute kommen zum Theil aus weiter Ferne, um sich Buschhoffs Haus, die Scheune u. s. w. anzusehen. Auch werden fortwährend Zeichnungen und Aufnahmen von diesen Punkten gemacht, was alles immer noch eine gewisse Aufregung bervortuft. Münstermaiseld, 26. Juli.(Kleine ursachen— große Wirkungen.) Ein Fuhrmann wollte ein Fenster für einen Nachbar auf seinem Fuhrwerk aufladen. Dabei zersprang eine Scheibe, das Pferd scheute bei dem Klirren, sing an zu rasen und ging durch, während der Mann aufsteigen wollte. Derselbe kam dabei zu Fall. Ein Rad ging ihm über die Brust, so daß der Tod fast unmittelbar erfolgte. Frankfurt a. M., 26. Juli.(Der deut sch= amerikanische Männergesang verein„Arion") gab gestern Abend im Palmengarten ein populätes Konzert, welches enorme Menschenmassen herbeigelockt hatte. Das Konzert hatte außerordentlichen Erfolg. Nach Beendigung desselben um 10 Uhr wurde der„Sängervereinigung" zu Ehren ein Commers veranstaltet.— Wie die unterbrochene Begrüßungsfeier, so hat auch ein anderes Ereigniß die amerikanischen Gäste hier nicht angenehm berührt: Der im„Brüsseler Hof“ einquartirte Theil der Mitglieder des „Arion“ hatte bei der Ankunft im Hotel neben der deutschen Reichsfahne, welche das Hotel ausgehängt hatte, auch das von ihnen mitgeführte Sternenbanner ausgesteckt. Man denke sich das Erstaunen der Amerikaner, als am andern Morgen der Polizeicommissar des Reviers erschien und verlangte, daß die amerikanische Fahne entfernt werden müsse. Trotz aller Einwendungen blieb er bei seiner Forderung. Erst als der Vereinsdirigent sich zum Poltzeipräsidenten begab, wurde die Zurücknahme des commissarlichen Verbots telephonisch angeordnet. Frankfurt, 27. Juli.(Die Dienstmädchen und die Sonntagsruhe.) Hier haben die Dienstmädchen dieser Tage eine Versammlung abgehalten, in der die „Sonntagsruhe" Gegenstand der Verhandlung war. Die Mädchen wollen auch an der neuen Einrichtung Antheil haben. In der Versammlung, in der, wie es heißt, namentlich die vornehmen Stadtquartiere vertreten waren, wurde ordnungsmäßig debattirt. Die Mädchen wollen Sonntags, statt um 5 Uhr Morgens, um halb 7 Uhr aufstehen und Nachmittags von 3 bis 8 Uhr freie Zeit haben. Das will man auf gütlichem Wege zu erreichen suchen und nur im Nothfalle zum Aeußersten, zur Arbeitseinstellung greifen. Vermischte Nachrichten. * Ein berühmter Kurgast weilt zur Zeit laut der „Kur= und Fremdenliste von Wörthersee“ in der Sommerfrische Krumpendorf, nämlich„Se. Exc. Hamilkar Barkas, Gen.=Insp. d. Pun. Heeres mit 3 S. und 2. D. a. Carthago.“ Die bisherige Annahme, der Punische Feldbeer habe, nachdem er Spanien besiegt, i. J. 223 vor Christi Geburt das Zeitliche gesegnet, scheint demnach auf Irr hum zu beruhen. Unter den drei Söhnen— das bedeutet wohl„3 S.“— befindet sich vermuthlich auch Se. Exc. der Feldmarschall Hannibal, vorausgesetzt, daß derselbe nicht vorgezogen hat, ante portas zu bleiben. Unglücksfall. Luzern, 26. Juli. Gestern Abend neun Uhr zerschellte ein Boot, in welchem sich 5 Engländer befanden, an einem Pfeiler der Reußbrücke am Ausflusse des Sees. Zwei Personen klammerten sich am Gitterwerk des Pfeilers, zwei andere weiter unten am Stauwehr an und wurden gerettet. Eine Dame wurde vom Strome fortgerissen und ertrank. * Unfall. Madrid, 26. Juli. Wie aus Huelva gemeldet wird, scheiterte dort ein mit sechs deutschen Matrosen bemanntes Boot eines nach Hamburg gehörigen Dampfers. Vier Mann wurden durch Matrosen eines französischen Handelsschiffes gerettet, die beiden anderen ertranken. Markt- und Coursberichte. Witten, 29. Juli. Weizen 20.00 Mk., Roggen 19,00 Mrk., Cerste 14,00 Mrk., Hafer, 16,00 Mrk. Kartoffeln neue 8.00 Mk., per 100 Kilo. Butter 1.10 Mk. per ½ Kile. #X Dortmund, 28. Juli.(Börsenbericht.) Besuch: gut. Tendenz: still abwartend. Umsätze: mäßig. Das Wetter ist der Erndte günstig und ist die abwartende Stimmung darauf zurückzuführen. Weizen inländ. 19.25 bis 19.50 M., fremder 19.00 bis 21,50 M., Roggen inländ. 18.50 bis 18.75, M., fremder 20,50 bis 22,00 M., Hafer inländ. 15.25 bis 16,50 M., fremder 16,00 bis 17,00 M., Futtergerste 13.00 bis 13,50 M., Mais 00.00 bis 00.00 M., Weizenvorschuß(Inkl. Sack) 25.50 bis 27,50 M., Roggenvorschuß (inkl. Sack) 27,00 bis 28,50 M., Weizenkleie 9.00 bis 9.50 M., Rüböl(inkl. Faß)—.— bis—.— M. Alles per 100 Kilogr. frachtparität Dortmund, exkl. Sack bei Abnahme von Doppelladungen. B##rlin, 28. Juli, 2½ Uhr Nachm.(Fruchtbörse.) Weizen=Juli 171.50, Juli=Aug. 171,50, Sept.=Okt. 173.00, Oct.=Nov. 174,00 Mark. Gek. 17000 Centner Roggen Juli 174,50. Juli=Aug. 173.00, Sept.=Okt. 166.25, Okt.= Nov. 000,00 Mark. Gek. 5000 Ctr. Hafer Juli 150,00, Juli=Aug. 148.25, Sept.=Okt. 14800, Okt. Nov. 000,00 M. Gek. 3000 Ctr. Mais Juli 120,70, Sept.=Okt.; 121.00 Mark. Rüböl vorr. mit Faß 49.80, ohne Faß 49.00, Juli 00,00, Sept.=Okt. 49,50 Mark. Gek. 0000 Ctr. Spirttus 70er vorräthig 35,90, Juli=Aug 34,50, Aug.=Sept. 34.50, Sept.=Okt. 00,00, Nov. Dez. 00,00 Mark. 50er vorräthig 00,00 Mark. Gek. 00,000 Liter. Petroleum vorräthig 21.90 Mark. Roggenmehl 0/1 Juli 24.20, Juli=Aug. 23.50 Mark. Wetzenmehl O 24.50=23.00 Mk., 00 27.25=24,75 Mk. Bremen, 28. Juli. Petroteum sehr fest, vorr. 5.95 Br. Autwerpen, 28. Juli. Petroleum unv., vorräthig 13⅝. Juni 13 3/8. Juli 13 3/8. Sept.=Bez. 13¾ Frcs. Glasgow, 28. Juli. 10½ d. Rohelsen. Warrants 41. Kirchliche Nachrichten. Witten: Sonntag morgens 8½ Uhr: Pastor Leesemann. 10½ Uhr Sup. König. Nachmittaus 2 Uhr: Kindergottesdienst. Freitag Abend 8 Uhr: Vorbereitung der Helfer und Helferinnen. Annen. Samstag Nachmittng 5 Uhr: Beichte. Sonntag morgen 10 Uhr: Vikar Hesselmann. Nachm. 2 Uhr: Kindergottesdienst, Abendmahl. Mittwoch Nachm. 5½ Uhr: Bibelstunde in der neuen Schule.„6, J6. P.,ft., Bristisch 19 Langendreex. Sonntag morgen 8½ Uhr: Pastol Prielsch, 10 Uhr: Hilfspred. Dr. Morgenstern. Kollekte für den Bau eines evg. Vereinshauses in Langendreer. 2 Uhr: Kindergottesdienst. Mittwoch Nachmittag 3 Uhr: Bibelstunde am Crengeldanz. 8½ Uhr bei Past. Landgrebe. Freitag 3 Uhr: Vorber der Helferinnen bei Pastor Prietsch. Herbede. Sonntag 9 Uhr: Pastor van Hoefen. Der Kindergottesdienst am Nachmittage fällt aus. Altkatholische Gemeinde Witten. antag 7 Uhr: Gottesdienst in der Evangel. Ki Sachaigg rche Veranntmachung. Bei der heute vorgenommenen Verloosung der Wittener Anleihescheine sind folgende Nummern gezogen: Den Inhabern dieset Anleihescheine werden dieselben zum 1. Oktober 1892 mit der Aufforderung gekündigt, den Kapitalbetrag gegen Rückgabe der Scheine mit den dazu gehörigen Koupons und Talons von dem gedachten Kündigungstage ab bei den nachbezeichneten Stellen in Empfang zu nehmen. Diese Zahlstellen sind: 1. Die Stadthauptkasse hierselbst, 2.„ Bank für Handel u. Industrie zu Berlin und 3. das Bankhaus Hermann Schüler zu Bochum. Eine weitere Verzinsung der ausgeloosten Anleihescheine, als bis zum 1. Oktober d. I., findet nicht statt. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß der Anleiheschein Nr. 1990, ausgeloost im Jahre 1891 und der zum 1. Januar 1890(weil nicht auf 3½% abgestempelt) gekündigte Anleiheschein Nr. 2791 noch nicht zur Einlösung eingereicht sind. Witten, den 26. März 1892. Der Magistrat: Dr. Haarmann. Käse. Holst. Holländer, Ctr. 20 M. Holst. Edamer, Ctr. 25 M. ab hier gegen Nachnahme empfiehlt Fr. Bülck, Neumünster i. Holst. Postkolli 3 M. u. 3.50 M. Tapelen! 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Juli, im Vereinslokale bei Herrn Friedrich Borgmann, nach folgender Ordnung statt: Um 3 Uhr: Antreten der Mitglieder im Vereinslokale zum Abholen der Fahnen, sodann: durch die Stadt. Um 4 Uhr: Beginn des Schanturnens: bestehend in: a) Turnen der Jugendabtheilung, b)„„ Altersriege, c)„„ Männerabtheilung, d) 1. Aufmarsch und Hantelübungen, 2. Gerätheturnen, 3. Geordnetes Kürturnen am Barren u. Reck. Während des Schauturnens: Concert. Abends 8 Uhr: Grosser Festball. Eintrittspreise: zum Schauturnen und Concert 50 Pf., zum Ball 2 Mk., für das ganze Fest 2 Turner zahlen einen Festbeitrag von 50 Pf. Turnfreunde und deren Angehörige, sowie fremde Turner welche sich als Mitglieder eines der deutschen Turnerschaft angehörenden Vereins ausweisen, haben freien Zutritt. Der Die Wehrleute haben in Joppe und Mütze anzutreten. Der Hauptmann. Männer=Gesangverein Kaiserblume“. Tages=Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Lokalfrage. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Vor Kurzem erschien in 3. Auflage(Preis für Klavier 1 Mk. = 60 kr.): „Wiener Zugvögel“, Marsch v. Léhar. Dieser Marsch macht sowohl im In- wie im Auslande die grösste Furore und musste bei seinen ersten Aufführungen in Wien, Dresden, Berlin wiederholt gespielt werden. Preis für Orchester und Militärmusik 3 Mk.= 1 fl. 80 kr. Ferner erschien in 2. Auflage: „Herzensgrüsse“ Polka Fr. von F. Macku. Preis für Klavier Mk. 1.20= 72 kr., für Orchester Mk. 2.—= 1 fl. 20 kr. Seit langem ist keine Polka erschienen, die so wie diese Alles in sich vereinigt, um populär zu werden. Bei den bisherigen Aufführungen hat dieselbe geradezu Enthusiasmus erregt und musste wiederholt werden. Gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken zu beziehen durch die Röder’sche Musikalienhandlung in Dessau.— Kataloge über Musikalien gratis und vrnch.— Netz WRsirten äusserst conservierend, schön nussbraun viermal so billig mie Gelforbe Carbolineum„Reptun“ Schutz gegen Wurmstich, Fäulnis, Nässe, Hausschwamm. 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Erscheint jäglich mit Fe Insertionen werden di 10 Pf Ru * Da nach Lag Preußens nicht dara den Einnahmen des nungsdefizit v wird dazu die Auf: Betrage von einige wendig sein und die von über 1½ M Mit der Thatsache, seine nothwendigen, baren Ausgaben z solcher Höhe zu Hil Thatsache in scharft Jahr den Kreisen weniger, als 57 M kasse gezahlt werden, nirgends zur Balanz sind, in zahlreichen der Ueberweisungen abgesehen von einig Kreise in den neu vereinzelt und in gesetzlicher Verpflicht Das Jahr 1891 Bedenken, zu weld 1885 vom staatspunkte Anlaß ciebt, merken ist dabei, da als Provisoriui besondere sein Urh dern als ein Zw Vorbereitung von Grunddie Gemeinde die lex Huene reform aufge durchaus in der R Gesetzes verfolgt wi * Die Anzi einigten Staa für die deutsch dem Inkrafttreten und der wachsende Arbeiterschaft gegen besondere deutscher? Weise nachgelassen, nehmen, wenn das noch fortwirkt und Landeskinde, welches den Drang erwec welche früher wegg zahlreich genug hi Sinn auf das Aus durch den Gedanker solchen Vorhabens In der Regel gelan befindlichen Bekannt nach der alten Hei Wahrheit leidlich schämen, ihr Mißge große Glocke zu den letzten Jahren Amerikaner, welche Zeit und Geld dem abstatten, kommt der alledem und alledem lich kein so übles hier nur die glänzer blickt, welcher aber entspricht, will den könnte sie der Ums zum Stutzen bringe in der alten Heimat welche durchschnittli weise in glänzende änderlich kons wandern nach Thatsache wird vo gleichviel, ob die industriellen, landwil irgend welcher an Amerikas gemacht h unter ihnen, dem harte Schule durchz stehen, auf welche weder gefaßt, noch der von Deutsch=A tretene Standpunkt, zur Auswanderung cheil jedem, der hier hat, den Rath gel bleiben, und nichtd des Ozeans aufzusuc und dem dort Viele Möchte diese Stellur Motive gewiß über