Re. 46 für Witten. Bitten, Mittwotz, den 23 Mär Ceuerwehr ten. 22. März er., 3½ Uhr, bei Herrn Fr. ammlung. Ordnung: Rechnungsprüfer. des Vorstandes. Vorstandes und d. Vereinsjahres. der Statuten. er Vorstand. rein und sangverein. nd 8½ Uhr: probe. lbend 6 Uhr: iprobe. logr.=Verein. ten. icht genommene sus in der Stolaphie soll g, 24. März, 3½ Uhr, nehmen. Das gt 6 M., ausrmittel. Mellnahme an dem von dem Leiter Fr. Kohlhaas, rer der Stenotraße 34, entsegt eine Liste chnung im VerHerrn Borgiße, offen. r Vorstand. Teutler, eden Lorgmannt reichhaltiges u=Lager lagen und bittet# en Zuspruch Erscheinr täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Insertionen werden die 7 gespaltene Petitzeile mitt 10 Pf. krrechnet. 18 für Hagen. 1968 verbunden mit dem en! Neu! iiston, Instrument zur jeden InstruRinuten zu ert per Nachnahme k. 3.60. ann Geus, ston=Geschäft Scheuer Nr. 7. ise. ider, Ctr. 20 M ser, Ctr. 25 M. Nachnahme emr. Bülck, künster i. Holst. M. u. 3.50 M. Nahe Langendreer benuter günstigen Dönhoff. rei Crengeldanz. gesuche nd 10 Pfg.— eitung in den Exemplaren. en Haushalt wird päter ein properes Mädchen ausarbeit gesucht. sagt die Exped. iuslichen Arbeiten elisches mädchen esucht. Nur solche nissen wollen sich In der Exp. d. Z. a von Co. in Witten. Risel& Co. sagen. Verantwortlichkeit old in Witten. Der 22. März wird dem deutschen Volke stets ein Erinnerungstag bleiben an große Zeiten. Am 22. März feierte bekanntlich der alte Kaiser Wilhelm seinen Geburtstag. Jetzt sind nun schon eine Anzahl Jahre vergangen, seit der greise Gründer der deutschen Einheit den ewigen Schlaf schläft, aber sein Volk hat seiner, ganz abgesehen von den politischen Ereignissen, die mit seinem Namen verknüpft waren, auch in persönlicher Hinsicht nicht vergessen, und wenn es auch nicht mehr möglich ist, dem alten Kaiser zuzujubeln wie früher, wo er am historischen Eckfenster stand und die Glückwünsche seiner Unterthanen entgegennahm, so wandeln jetzt die Leidtragenden zu seiner stillen Gruft und legen dort den Lorbeerkranz am Marmorsarkophage nieder. Wohl, der Kaiser ist todt, aber er ist doch auch noch lebendig, er lebt noch unter seinem Volk, die Heldengestalt von mehr als 90 Jahren! Welche Erinnerungen knüpfen sich an diesen Mann! In den Zeiten der tiefsten politischen Erniedrigung Deutschlands aufgemachsen, sah er allmählich, wenn auch langsam und unter blutigen Kämpfen, unter Mühen und Thränen, das zerstückelte Vaterland neuem Leben, zu neuer Einheit erwachsen. Er selbst that dazu, was in seinen Kräften stand. Er und der alte Reichskanzler wurden die Gründer des deutschen Reiches, und als dann die lange Zeit des Friedens kam, da begann auch die innerliche Einigung der bisher zerfallenen Stämme, die nicht nur politisch, sondern auch wirthschaftlich nunmehr zusammengehalten wurden. Als der Patriarch der europäischen Monarchen stand Kaiser Wilhelm am Abende seines Lebens da, geliebt, verehrt von seinem Volke, ein Schiedsrichter, auf den die Staaten und die Könige hörten, ein Vater seines Landes. So ist das Bild, das in uns ersteht an diesem 22. März, und das bleiben wird in der Erinnerung, so lange das Deutsche Reich, die schöpfung Kaiser Wilhelms, in alter Kraft und Größe, ein Hort des Friedens, weiter besteht. Der Schöpfer dieser Einheit ist in seinem Werke lebendig für alle * Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Der Gesetzentwurf betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung ist bekanntlich dazu bestimmt, eine Gesellschaftsform einzuführen, für welche sich bei den verschiedensten Unternehmungen ein Bedürfnig herausgestellt hat. Weil diese Gesellschaftsform bisher fehlte, haben sehr viele Unternehmungen Formen annehmen müssen, welche ihrer Natur nicht angemessen sind. Vornehmlich haben sie die Form der Aktiengesellschaft gewählt. Es ist deshalb vorauszusehen, daß nach Einführung des neuen Gesetzes eine ganze Anzahl dieser Aktiengesellschaften das Bestreben haben werden, sich der neuen Gefellschaftsform zu bedienen. Um dieses Bestreben zu erleichtern, hat der erwähnte Gesetzentwurf verschiedene Bestimmungen vorgesehen. Trotzdem mußte er daran festhalten, daß im Falle der Umwandlung eine besondere Uebertragung des Vermögens der aufgelösten Gesellschaft an die neue Gesellschaft stattzufinden habe. Soweit es sich dabei um Mobiliarvermögen handelt, werden daraus keine Schwierigkeiten entstehen. Dagegen könnten sich bei der Uebertragung von Immobilien, welche zum Vermögen der aufgelösten Aktiengesellschaft gehören, die nach den Landesgesetzen entstehenden Stempelgebühren und ähnlichen Abgaben als eine sicht unbeträchtliche Erschwerung der Umwandlung #rweisen. Um dieser Erschwerung vorzubeugen, hatte die Reichstagskommission, welcher der Entwurf des Gesetzes über die Gesellschaften mit beschränkter Haftung zur Vorberathung überwiesen war, in rster Berathung eine Bestimmung aufgenommen, vonach die innerhalb dreier Jahre seit Erlaß des besetzes zum Zwecke der Umwandlung aufgesommenen Urkunden stempelfrei sein sollten. Diese Bestimmung hat die Kommission jedoch auf einen Einwand des Vertreters der verbündeten Regierungen allen lassen. Nach den Erklärungen dieses Komnissars hätte die Festsetzung der Stempelfreiheit inen solchen Eingriff in die Steuerhoheit der Bundesstaaten dargestellt, daß dadurch dem Zuandekommen des ganzen Gesetzes ernstliche Schwierigiten entstanden wären. Der mit dem Stempelleiheitsvorschlage verfolgte Zweck soll nunmehr in er Weise zu erreichen gesucht werden, daß man en Uebergang des Vermögens der aufgelösten ktiengesellschaft auf die neue Gesellschaft mit behränkter Haftung von Rechtswegen eintreten läßt, obei es allerdings nothwendig sein würde, dem gistergerichte bei Eintragung der neuen Gesellschaft das Handelsregister die Prüfung zu übertragen, den Voraussetzungen, welche der Entwurf für liquidationslose Umwandlung der Aktiengesellschaft General-Anzeiger für Witten und Amgegend. aufstellt, im einzelnen Falle genügt sei. Bei einer derartigen Regelung der Sache werden stempel= oder abgabepflichtige Rechtsgeschäfte hinsichtlich des Uebergangs von der alten auf die neue Gesellschaft überhaupt nicht vorkommen und speziell bei Immobilien wird es sich nur um eine Berichtigung des Hypothekenbuches auf einseitigen Antrag der neuen Gesellschaft durch Eintragung der letzteren als der nunmehrigen Eigenthümerin handeln. Durch diesen Weg wird allerdings, was die Kostenersparniß betrifft, nicht alles erreicht, was die Steupelfreiheitsbestimmung erreicht hätte. Der Gesellschaftsvertrag, welcher für die neue Gesellschaft errichtet werden muß, wird dann immer noch dem landesgesetzlichen Stempel unterliegen. Aber auch so ist schon viel zur Erleichterung der Umwandlung von Aktiengesellschaften in Gesellschaften mit beschränkter Haftung erreicht und da man das Bessere nicht haben kann, wird man sich schon mit dem Guten begnügen müssen. * Die Krisis ist, soweit bisher ersichtlich, auf das Kultusninisterium beschränkt. Selbst hier dürften die Verhandlungen, wenn auch ohne Aussicht auf positiven Erfolg, noch schwanken. Was über die Person des Nachfolgers an Gerüchten kursirt, ist daher mindestens verfrüht und beruht auf Kombination, nicht auf thatsächlicher Unterlage. Die Entschließung dürfte vielmehr erst in einigen Tagen zu gewärtigen sein. Was die Einwirkung des Verzichts auf das Volksschulgesetz auf die Dauer der Landtagssession anlangt. so kommt dabei in Betracht, daß die Session mit Rücksicht euf die voraussichtlich starke Belastung der nächsten Session mit gesetzgeberischen Aufgaben zur Erledigung des für sie bestimmten gesetzgeberischen Pensums ausgenutzt werden muß. Außer den dem Landtage bisher vorliegenden, zum Theil noch unerledigten Entwürfen, sind deren noch etwa sechs rückständig. Man nimmt daher in Regierungskreisen als bestimmt an, daß das Abgeordnetenhaus nach etwa dreiwöchiger Osterpause noch etwa sechs Wochen zur Erledigung seiner Aufgaben brauchen wird, und daß demzufolge der Landtag gegen Pfingsten wird geschlossen werden können. Die Bekanntgabe der Königlichen Entscheidungen über die schwebenden gesetzgeberischen sowohl, wie persönlichen Fragen sollen übrigens für heute zu erwarten sein. * Nach dem nunmehr auch dem Reichstage zugegangenen neuesten Berichte der ReichsschuldenKommission wurden am 30. Juni 1891 vom Reiche infolge des Krieges von 1870/71 nach den Gesetzen vom 27. Juni 1871, vom 4. April 1874 und vom 21. April 1866 noch an 3286 Offiziere, Militärärzte, Beamte usw. Pensionen im Jahresbetrage von 7 960 908 M gezahlt. Davon bezogen 44 Generale und Generallieutenants bezw. Admirale und Viceadmirale 432 852 M., 77 Generalmajors bezw. Contreadmirale 576 622 M., 168 Obersten bezw. Kapitäns zur See 950 475 M., 222 Oberstlieutenants 869 645 M, 522 Majors bezw. Krrvettenkapitäns mit Majocsrang 1 590 478 M., 700 Rittmeister und Hauptleute bezw. Kapitäulieutenants zur See 1 382 030 M., 445 Premierlieutenants bezw. Lieutenants zur See 542 654 Mark, 686 Sekondelieutenants bezw. Fähnrichs zur See 832 405 M., 74 General= und Oberstabsärzte 221 868 M., 128 Stabs=, Ober= und Assistenzärzte 195 588 M., 3 Deckoffiziere 3658 M. und 217 Beamte aller Grade 361 632 M. * Die Elite der ungarischen Gesellschaftskreise hat sich, wie aus Budapest geschrieben wird, einer von der Gemahlin des Ministerpräsidenten, Gräfin Julius Szaparry, ausgegangenen Anregung folgend, zu einer Wohlthätigkeits=Aktion zusammengethan, welche die Linderung des Nothstandes unter der slovakischen Bevölkernng in dem durch Mißernte heimgesuchten Arvaer Comitate bezweckt. Das hochherzige Vorgehen der Gräfin Szaparry hat in den Salons der ungarischen Aristrokratie ein Verständiß und ein Entgegenkommen gefunden, wie es seit der Katastrophe von Szegedin nicht der Fall gewesen, und damit nicht genug, pflanzt sich der von oben kommende Impuls in immer weitere Kreise von Stadt und Land fort, die Presse hat sich des Gegenstandes bemächtigt und sorgt dafür, daß die öffentliche Meinung über den Fortgang der eröffneten Hilfsaktion auf das prompteste und ausgiebigste unterrichtet wird. Eine glänzendere Widerlegung des der ungarischen Gesellschaft von unkundiger, wonicht böswilliger Seite hin und wieder gemachten Vorwurfs der Eugherzigkeit ist füglich nicht deukbar. Hier erscheint eine nothleidende Nationalität, die durchgehends nicht=magyarischer Zunge ist, auf dem Plan, und ganz Ungarn entbrennt in edlem Wetteifer, den fremdsprachigen Mitbürgern Trost und Hülfe in ihrem Elend darzubringen. Ob sich die Unkenntniß und Mißgunst des Auslandes, welche von„Vergewaltigung“ der Slovaken oder auch Rumänen phantasirt, durch das, was gegenwärtig vor sich geht, eines Besseren belehren lassen wird? Warten wir es ab. Jedenfalls kann und wird die angeblich„unterdrückte" slovakische Bevölkerung jetzt selbst beurtheilen, wer ihr in ihrer dermaligen harten Bedrängniß die hölfreiche Hand entgegenstreckt: ihre magyarischen„Unterdrücker" oder ihre panslavistischen „Erlöser“ in Moskau bez. in Paris. * Ein von der französischen Mittelmeer=Marine bis in die neueste Zeit ziemlich stiefmütterlich behandelter Punkt sind die Hyerischen Inseln bezw. die ihnen gegenüber belegenen Strecker. des Küstensaumes, welche zusammen die sogenannte Rhede von Hyéres, einem geräumigen und trefflichen Lagerplatz für ganze Flotten, bilden. In ihrer gegenwärtigen Verfassung würde die Rhede von Hyéres wegen der geringen Schwierigkeit, sich ihrer zu bemächtigen, für jeden maritimen Gegner der Republik ein verlockendes Angriffsobjekt darbieten, da es kaum eine bessere Operationsbasis für eine Blokade des stärksten französischen Mittelmeerhafens, Toulon, geben kann. Es scheint nun, daß die Vernachlössigung der genannten Positionen am längsten gedauert habe. Gelegentlich der letzten Anwesenheit Herrn de Freycinets in den Mittelmecrdepartements lenkte der Seepräfekt von Tonlon das Augenmerk des Kriegsministers auf den unbefriedigenden Vertheidigungszustand der Hyerischen Inseln nebst Dependenzen und bewirkte, daß der oberste Kriegsrath in Paris der Sache näher trat. Es wurde ein General mit der Besichtigung des Terrains betraut. Derselbe hat letzthin seinen Bericht erstattet, infolge dessen die Inseln schon in allernächster Zeit mit einer Abtheilung Festungsartillerie nebst Marinetruppen belegt und zur Erfüllung der straiegischen Aufgabe, die ihnen im Kriegsfalle obliegen würde, geschickt gemacht werden sollen. In Bulgarien ist die Bewegung zu Gunsten der Unabhängigkeitserklärung neuerdings wieder sehr lebhaft geworden. Es hängt dies mit dem Mißmuth zusammen, der darüber obwaltet, daß man den an der Ermordung Vulkovich's betheiligt gewesenen Schischmanow in Konstantinopel entkommen ließ. Man glaubt indeß, daß sich die Regierung von dieser Bewegung nicht werde fortreißen lassen, und sich nach wie vor in ihrer klugen und maßvollen Weise jedes Schrittes enthalten werde, der nicht nur zu Verlegenheiten führen, sondern Gefahren nach sich ziehen könnte. 199. Sitzung vom 21. März. Am Bundesrathstische: von Bötticher. Das Haus ist schwach besetzt. Auf der Tagesordnung steht zuerst die dritte Berathung des Gesetzentwurf betr. die Genossenschaften mit beschränkter Haftung. Abg. Dr. Brömel(freis.) beantragt, die Berathung des Gesetzentwurfs von der Tagesordnung abzusetzen. Gegen den Entwurf sprechen doch, wie sich bei näherer Prufung ergeben hat, erhebliche Bedenken, und zudem ist die Sache nicht so eilig, daß sie nicht bis zur nächsten Session verschoben werden könnte. In der nächsten Session werden wir gern bereit sein, an der Verbesserung des Entwurfes nach Kräften mitzuwirken. Abg. von Bar(freis.) schließt sich diesem Antrage an. Staatssekretär Dr. Bosse: Einige Bedenken, die gegen den Entwurf laut wurden, sind doch durch die sachgemäße Berathung in der Kommission beseitigt worden. Ich bitte doch, die Vorlage jetzt zu erledigen. Abg. Dr. Hammacher(natlib.) spricht gleichfalls für die Erledigung der Vorlage noch in dieser Session. Abg. Schenk(freis.) schließt sich dem an. In der Kommission sind auch die vom Abg. Brömel angefuhiten Bedenken zur=Sprache gekommen, aber doch nicht als maßgebend betrachtet. Abg. von Strombeck(Ctr.) theilt die Bedenken des Abg. Brömel, wenn er auch den Grundgedanken der ganzen Vorlage für heilsam hält. Geh.=Rath Hoffmann tritt den wider die Vorlage geäußerten Bedenken entgegen und bezeichnet dieselben als nicht erheblich. Das Gesetz wird angenommen. Es folgt die zweite Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften.(Referent: Abg. Hartmann.) § 1 der Vorlage sichert die Unterstützung der Familien der aus der Reserve. Land= oder Seewehr einberufenen Mannschaften im Falle der Bedürftigkeit. Nach den Kommissionsbeschlüssen soll die Unterstützung nicht von der Bedürftigkeit, sondern einsach vom Verlangen der betreffenden Familien abhängig sein. Ferner wird die Unterstätzung auf die Familien der aus der Ersatzreserve für die zweite oder dritte Uebung einberufenen Mannschaften ausgedehnt. Nach§ 2 soll die Unterstützung mindesten betragen für die Ehefrau in den Sommermonaten 20, in den Wintermonaten 30 Pfg. täglich, für jede der sonst unterstützungsberechtigten Personen 10 Pfg. täglich. Die Kommission setzte die tägliche Unterstützung fest für die Ehefrau auf 30 Prozent des ortsüblichen Tagelohns am Abonnementspreis(inel. der Gratisbeilage Mäckisches Heim“): 1,80 Mark vierteljahrlich, monatlich 60 Pfg. de: Bestellurz burch die Boten. Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2,29 Aufenthaltsort des Einberufenen, für jede der sonst unterstützungsberechtigten Personen auf 10 Prozent, mit der Maßgabe, daß der Gesammtbetrag der Unterstützung 60 Prozent des Betrages des ortsüblichen Tagelohnes nicht übersteigt. Nach§ 4 der Vorlage soll von den gezahlten Unterstützungen die Hälfte der Mindestbeträge, nach den Kommissionsanträgen der volle Betrag, aus Reichsmitteln erstattet werden. Als Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes schlägt die Kommission den 1. Juli 1892 vor. Staatssekretär von Bötticher: Die Vorschlägze, welche die Kommission zu dem Gesetzentwurf gemacht hat, nehmen leider gar keine Rücksicht auf die Lage der Reichsfinanzen. Nach der Regierungsvorlage würde der Reichskasse eine jährliche Ausgabe von 275000 Mark erwachsen, nach den Vorschlägen der Kommission aber werden daraus eineinhalb bis zwei Millionen pro Jahr werden. Bei der Uebertragung der Grundsätze der Kommissionsanträge auf den Kriegsfall würde sich die Belastung der Reichskasse aber auf Hunderte von Millionen erhöhen. Ich muß im Hinblick auf diese Schwierigkeiten bezweifeln, daß die verbündeten Regierungen die Kommissionsbeschlüsse annehmen werden.: Abg. Hahn(kons.) vertheidigt die von der Kommission beschlossene Streichung der Voraussetzung der Bedürftigkeit für das Anrecht auf Unterstützung. Die daraus erwachsende Mehrbelastung beträgt nach der Rechnung der Regierung nur 130000 M., welcher Betrag sich noch dadurch vermindern wird, daß ein Theil der Familien der Eingezogenen die Unterstützung nicht beanspruchen wird. Abg. Singer(Soz.) bedauert die Haltung der Regierung gegenuber den Kommissionsbeschlüssen. Die Kommission habe lediglich ihre Pflicht gethan, als sie einen Betrag auswarf, der die Familien der Eingezogenen doch einigermaßen vor Noth schützt. Was die Regierung bot, waren„Bettelpfennige".(Vizepräsident Graf Ballestrem rügt diesen Ausdruck.) Wenn man in Preußen 10 Millionen für einen Dombau aufwendet, wenn man zur Entschädigung für die bisher steuerfreien Reichsunmittelbaren, für Ablösung der Stolgebühren und Kolonialzwecke Geld hat, dann können doch hier keine finanziellen Bedenken angeführt werden. Wenn ein Krieg, wie der vorige, mit 5 Milliarden Kriegsentschädigung endet, dann kommt es auf ein paar Millionen auf die Familien der Soldaten auch nicht an. Staatssekretär von Bötticher: Die von den verbündeten Regierungen vorgeschlagenen Unterstützungssätze sind ja seiner Zeit vom Reichstage als genügend anerkannt. Seitdem hat sich doch nichts ereignet, was Beschlüsse, wie die von der Kommission gefaßten, erforderlich machte. Von einem Almosen, welches die Familien der Eingezogenen nach der Regierungsvorlage erhalten sollen, kann keine Rede sein. Es handelt sich nur um Kompetenzen, und eine Metnungsverschiedenheit besteht nur über das Maß derselben. Abg. Buhl(natlib.) befürwortet die Kommissionsbeschlüsse und wird auch vor der dadurch entstehenden Mehrbelastung der Reichskasse nicht zurückschrecken. Durch die Aufnahme der Voraussetzung der Bedürftigkeit in die Vorlage kann es allerdings leicht den Anschein gewinnen, als handle es sich um eine Art von Armenunterstützung. Ein solcher Schein muß jedenfalls vermieder werden. Abg. Orterer(Ctr.) befürwortet die Kommissionsvorlage, die erst beschlossen worden ist, nachdem eine eingehende Erörterung der finanziellen Bedenken stattgefunden hat. Die in der Regierungsvorlage enthaltenen Sätze sind thatsächlich zu gering, um die Familien der Eingczogenen vor Noth zu schützen. Abg. Gamp(freik.) hat schwere Bedenken gegen die zu§ 2 von der Kommission gefaßten Beschlüsse und giebt denselben gegenüber der Regierungsvorlage den Vorzug. Durch dies Gesetz wird allerdings das Maß der Unterstützung der Familien im Kriege präjudiziert. Welche Ausgaben würden denn schon durch eine Mobilmachung verursacht werden, die noch nicht einmal einen Krieg im Gefolge zu haben braucht? Abg. Hinze(freis.) vertritt die Kommissionsanträge. In heutiger Zeit kommen Mobilmachungen ohne Krieg überhaupt nicht vor, und im Kriege können solche Unterstützungen keine Rolle spielen. Wenn es am nöthigen Gelde fehlt, dann können wir ja nachträglich noch etwas vom Militäretat abstreichen. Abg. v. Meyer=Arnswalde(kons.) stimmt für die Regierungsvorlage. Das Wort„auf Verlangen“ sei ganz zwecklos und was die Unterstützungssätze anlange, so seien die der Vorlage doch nur Minimalsätze. Abg. Dr. Osann(natl.) beantragt einen neuen Paragraphen, wonach die nach Maßgabe dieses Gesetzes gewährten Unterstutzungen nicht verpfändet, noch an Dritte abgetreten werden können, auch keiner Art von Zwangsvollstreckung unterliegen. Die Vorlage wird unter Annahme des Antrages des Abg. Osann in der von der Kommissson vorgeschlagenen Fassung angenommen. Die von den Abgg. Möller, Rösicke und Genossen eingebrachte Novelle zum Unfallversicherungsgesetz, welches dem Bundesraty die Befugniß giebt, die Zahl der Stellvertreter der nichtständigen Mitglieder des Reichsversicherungsamtes aus dem Stande der Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf je sechs zu erhöhen, wird nach kurzen Debatte zur demnächstigen zweiten Berathung gestellt. werden noch einige Wahlprufungen ledigt. Nächste Sitzung: Dienstag Mittag 12 Uhr.(Wahlprüfungen und Petitionen.) Abgeordnetenhaus. 36. Sitzung vom 21. März. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Lesung der Ergänzungsvorlage betr. das Ruhegehalt und die Reliktenversorgung für evangelische Geistliche der älteren Provinzen. Von liberaler Seite wird, im Hinblick auf die Ministerkrisis, die Vertagung der Berathung beantragt, weit der Kultusminister im Hause nicht anwesend sei. Von Seiten der Redner der Konservativen= und Centrumspartet wird sofortige Erledigung. gewünscht. Auch Finanzminister Dr. Miquel bittet darum. Der Entwurf wird in erster Lesung angenommen, die zweite Berathung soll später erfolgen. folgt die erste Berathung der Vorlage, betr. die Aufhebung der Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg von Hannover. 4 8 Abg. Richter(freis.) hat Bedenten gegen die Form des Gesetzes und warnt auch zur Vorsicht, damit keine imliebsamen Ueberraschungen einträten. Finanzminister Dr. Miquel erwidert, daß zu irgend welchen Besorgnissen kein Grund vorhanden sei. Abg. Frhr. v. Heeremann(Crr.) ist mit der Vorlage einverstanden, wünscht auch keine vorherige Kommissionsbecathung.„„„ KK.—6.7 Abg. Kruse(natlib.) stimmt dem Entwurf evenfaus zu, hält aber eine Erörterung gewisser Rechtsfragen in der Kommission für nützlich... 6 Finanzminister Dr. Miquel meint, vas ser überflüs sig. Abg. Graf Limburg(kons.) sowie Abg. v. Tzschoppe (freitons.) wünschen ebenfalls Kommissionsberathung, wenn sie auch mit der Tendenz des Entwurfes selbst einverstanden sind.„„ s44 Finanzminister wiqnel will dem Wunsche nicht weiter widersprechen, wenn das Haus darauf Gewicht legt. Der Gesetzentwurf geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern. B4 ustlr: 11 Nü. □0. Nächste Sitzung: Dienstag 11 Uhr.(Denkschrift über den Dortmund= Ems=Kanal.) Deutsches Berlin, 21. März. Der Reichskanzler ist noch gestern Abend 6 Uhr von Hubertusstock nach Berlin wieder zurückgekehrt. Die telegraphische Berufung des Grafen Caprivi zum Kaiser war erfolgt, weil es den Vermittlungsversuchen des Prinzen Heinrich bis dahin nicht gelungen war, den Reichskanzler zur Zurückziehung seines Entlassungsgesuches zu bringen. Wie wir hören, hat Graf Caprivi erst gestern in Hubertusstock selbst definitiven Abstand von seiner Demission genommen. Dem Entlassungsgesuche des Kultusministers soll der Kaiser, und zwar gleichfalls gestern nach seiner Konferenz mit dem Reichskanzler, seine Genehmigung ertheilt haben. Ob Graf Zedlitz das Portefeuille des Innern übernehmen und wer an seine Stelle berufen werden wird, ist bisher noch nicht bestimmt. — Die deutsche Kaiserin ist an Montag nach Schwerin gereist, um ihrer Großtante, der Großherzogin Alexandrine, einen Besuch abzustatten. Am Abend erfolgte die Rückkehr nach Berlin. Es ist möglich, daß sich die Kaiserin noch in den nächsten Tagen nach Hubertusstock begiebt, um ihren Gemahl zu besuchen. — Der Großherzog von Baden ist in Folge von Erkältung erkrankt. — Fürst Bismarck wohnte der Kreistagssitzung in Ratzeburg bei und wurde dort sehr lebhaft begrüßt. Nach Erledigung der Arbeiten nahm der Fürst am darauf folgenden Diner theil. — Dem Bundesrath des deutschen Reiches ist der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Vergütung des Kakaozolles bei der Ausfuhr von Kakaowaaren zugegangen. — Wie verlautet, besteht unter den gegenwärtigen Verhältnissen die bestimmte Absicht, den Reichstag am 31. d. M. zu schließen. Unter diesen Umständen würde das Zuhältergesetz und das Checkgesetz nicht mehr zur ersten Lesung gelangen; nur das Weingesetz dürfte noch zur Berathung kommen. — Die„Köln. Zig." theilt den ihr zugegangenen Beschluß des Landgerichts mit, wonach die von der Staatsanwaltschaft gegen sie erhobene Anklage wegen Majestätsbeleidigung abgelehrt wird. Berlin, 21. März. Die„Berl. Pol. Nachr.“ schreiben: Aus verschiedenen an uns herangetretenen Anfragen ersehen wir, daß in den Handelskreisen noch Ungewißheit über den Zeitpunkt herrscht, an welchem die auf das Handelsgewerbe bezüglichen Sonntagsruhevorschriften in Kraft treten werden. Wir können dem gegenüber nur unsere frühere Mittheilung wiederholen, daß dieser Termin der 1. Juli 1892 sein wird. Eine von anderer Seite verbreitete Version, wonach die Inkraftsetzung schon für den 1. April d. J. vorgesehen sein sollte, ist, wie wir auf's bestimmteste versichern können, unzutreffend. — Es ist in Aussicht genommen, zum Zwecke Verbesserung des elsaß=lothringischen Kanalnetzes Rhein=Marne=Kanal von der französischen Grenze bis Straßburg, den Saarkanal einschließlich der kanalisirten Saar bis zur preußischen Grenze, den Rbein=Rhonekanal von Straßburg bis Mülhausen und den Kolmarer Kanal zu vertiefen und die auf den betreffenden Kanalstrecken vorhandenen Schleusen zu verlängern. Ein hierauf bezüglicher Gesetzentwurf soll bereits dem Bundesrathe zugegangen sein. der den 43 und Ring. Von A. K. Green. Kapitel 34. Imogen schlägt den Schleier zurück. War es das klare Frostwetter draußen, was allen Gesichtern im Gerichtssaal einen so heitern Ausdruck verlieh, oder war frohe Hoffnung in die Gemüther eingegezogen? Selbst der Gefangene schaute weniger düster und verächtlich drein, nun die Möglichkeit einer Freisprechung auf Grund von Orkutts Vertheidigung für ihn in Aussicht stand. Die beiden Geheimpolizisten saßen auf ihrem gewöhnlichen Platz. „Wo sind Sie nur seit gestern Abend gewesen, Hickory?“ fragte Byrd,„ich habe Sie nirgends auftreiben können: „Auf Posten,“ lautete die Antwort.„Ich sollte einen Vogel im Käfig bewachen, von dem man fürchtete, er werde wild werden, die Stäbe mit den Flügeln zerschlagen und auf und davon fliegen.“ „Was reden Sie für Thorheiten, ich verstehe Sie nicht.“ „Die ganze Nacht bin ich vor Fräulein Dares Fenster auf und ab gewandert; es war kein angenehmes Geschäft. Erst bei Tagesanbruch erlosch ihre Lampe.“ Byrd sah seinen Kollegen mit besorgten Blicken an. „Wissen Sie, was Ferris zu thun beabsichtigt?“ fragte er;„haben Sie eine Ahnung, warum das Fräulein den schwarzen Schleier trägt, der sie so dicht verhüllt?“ „Nein, aber ich bin begierig, was wir zu hören bekommen.“ Kopfschüttelnd sah Byrd nach Imogen hinüber. Was für ein neues Räthsel lag hier verborgen? Würde sich der undurchdringliche Schleier heben, um es der Welt zu offenbaren? Nach Eröffnung der Sitzung war die erste Frage des Richters, ob die Anklage eine Duplik in Bereitschaft habe. und willens sei, die Vertheidigung durch Gegenbeweise anzugreifen. Ferris stand schon gerüstet da. „Fräulein Dare, treterk Sie gefülligst vor,“ sagte er. Breslau, 20. März. Die„Schlesische Zeitung“ meldet aus Reichenbach am Eulengebirge das Niederbrennen der dortigen Rosenberger'schen Spinn=Fabrik, wodurch gegen sechsbunder! Arbeiter brodlos geworden seien. Kiel, 21. März. Das bei Fakkeberg auf Grund gerathene deutsche Panzerschiff„Baden", welches wieder flott geworden, ist nunmehr ohne erhebliche Beschädigung hier eingetroffen. Ueber den Unfall wird des Näheren berichtet: Das Schiff verließ am 17., um 9 Uhr, zugleich mit dem Panzerschiff„Bayern“ die Föhrde, um in See Schießübungen vorzunehmen. Panzerschiff„Bayern" kehrte, wie gewöhnlich, nachmittags auf die hiesige Rhede zurück, während„Baden" bei Dunkelwerden noch nicht angelangt war. Abends brachte der von Korsör kommende fahrplanmäßige deutsche Postdampfer die Meldung, daß das Kriegsschiff sich festgefahren habe und um Hilfeleistung ersuche. Sofort warf das Panzerschiff„Bayern" von seiner Boje los und dampfte, begleitet von dem Werftfahrzeug„Norder,“ in See, um dem Schwesterschiff die erbetene Hilfe zu bringen. Am Sonntag früh fuhr sodann auch der von Eckernförde heimgekehrte Aviso„Wacht“ in See. Die„Baden“ lag im Langelandsund vor dem Großen Belt, wo auf dem Meeresgrunde Steine von ganz beträchtlichen Dimensionen das Fahrwasser unsicher machen, und wo bei dem jetzt herrschenden niedrigen Wasserstande das Flottwerden erschwert war. Im Jahre 1870 gerieth in jenem Gewässer das heutige Flagoschiff des Uebungsgeschwaders, Panzerschiff„Friedrich Karl,“ auf Grund und wurde durch das Panzerschiff„Kronprinz“ flott gemacht und mit gebrochener Schraube nach stel geschlengt. Oesterreich-Ungarn. Wien, 19. März. Ein Festungsartillerist schoß sich in selbstmörderischer Absicht aus einem Werndl=Gewehr eine Kugel durch die Brust. Die Kugel durchbohrte den Kopf eines zweiten und den Arm eines dritten Soldaten. Der Selbstmörder und der am Konfe getroffene Soldat sind tod“, der dritte Soldat ist schwer verwundet. Pest, 19. März. Abgeordnetenhaus. Fortsetzung der Adreßdebatte. Ministerpräsident Graf Szaparry erklärte unter stürmischer Zustimmung des Hauses gegenüber dem ihm vom Abgeordneten Horvath(Nationalpartei) gemachten Vorwurf, daß er sich vor dem Willen des Kaisers beuge, es werde weder der Dialektik Horvatb's, noch seines Rathgehers gelingen, einen Gegensatz zwischen dem Willen des Königs von Ungarn und der ungarischen Nation herbeizuführen. Frankreich. Paris, 21. März. Deputirtenkammer. Die Budgetvorlage kam heute zur Vertheilung. Die Einnahmen sind mit 3348158622 Frcs., die Ausgaben mit 3347691 488 Fics. eingestellt. Der Ueberschußz beträgt 467134 Frcs. Paris, 21. März. Die hiesige Polizei hat bis jetzt im Ganzen 11 Individuen verhaftet, die für die Urheber der letzten Tynamitattentate gehalten werden. Genügende Auhaltspunkte gegen dieselben haben sich bis jetzt nicht festsellen lassen. Die Untersuchung nimmt ihren weiteren Verlauf. Lelgten. Brüssel, 20. März. Gestern Nachmittag fand im Schlosse Laeken eine Gasexplosion statt, wobei ein Arbeiter verletzt und einige Fensterscheiben zertrümmert wurden. Der Vorfall verhinderte nicht, daß der König und die Königin gestern Abend die Mitglieder des artistischen Klubs in den Räumen des Schlosses empfingen. — Dem„Patriote" zufolge wäre die Ursache der Katastrophe in Anderlues auf den Racheakt eines gegen die Direktion des Bergwerks erbitterten Arbeiters zurückzuführen(Es bleibt aber doch abzuwarten, ob sich diese sensationelle Meldung bestätigt.) Brüssel, 21. März. Anläßlich der Maifeier hat die Regierung beschlossen, zur Verstärkung der Garnison von Brussel die Altersklasse 1888 der Miliz und für die Garnisonen in der Provinz die Altersklassen 1888 und 1889 zum 28. April einzuberufen. Lüttich, 20. März. In der vergangenen Nacht entdeckte eine Polizei=Patrouille an dem Hause des Polizeichefs Mignon eine Flasche, welche eine Dynamitkarteuche zu enthalten schien. Der Zündec war in Brand gesteckt worden, aber in Folge des engen Halses der Flasche erloschen. Letztere wurde einem Artil'erieoffizier zur Feststellung ihres Inhalts übergeben.— Dem Vorsitzenden des letzten Schwurgerichtshofes, Renson, ist ein neuer Drohbrief zugegangen. London, 21. März. In Manchester, Wigan und West=Lancashire ist die Arbeit in fast allen Gruben heute Orkutt, der bis zu diesem Augenblick seine Sache schon für so gut, wie gewonnen gehalten hatte, sprang heftig erregt auf.„Ich erhebe Einspruch,“ rief er.„Die Zeugin hat bereits zu den ausführlichsten Aussagen vor dem Gerichtshof reichlich Gelegenheit gehabt. Der Ankläger hätte das Verhör nicht schließen sollen, bevor er sich überzeugt hatte, daß alle Beweise beigebracht waren.“ „Haben Sie etwas Thatsächliches anzuführen, was die Wiedereröffnung des Verhörs verlangt?“ wandte sich der Vorsitzende an Ferris. „Ja,“ erwiderte dieser;„nach Schluß der letzten Sitzung habe ich einen Umstand erfahren, den ich verpflichtet bin, zur Kenntniß der Geschworenen zu bringen. Niemand als die von mir aufgerufene Zeug'n vermag Aufschluß über diesen Punkt zu geben, deßhalb bitte ichsie nachträglich darüber vernehmen zu dürfen.“ „Ist diese neue Thatsache geeignet, die Stellung zu erschüttern, welche die Vertheidigung eingenommen hat?“ „Sie hat direkt Bezug auf die Frage, ob der Gefangene im stande gewesen ist, den Zug auf der Station beim Steinbruch zu erreichen, wenn er das Haus der Wittwe verließ, nachdem die Mordthat begangen war. Die Frage würde bejaht werden müssen, wenn das zu leistende Zeugnis auf Wahrheit beruht.“ Die räthselhafte Drohung, welche in diesen Worten lag, war ganz dazu angethan, Orkutt mit Unruhe und Besorgniß zu erfüllen. Barg sich vielleicht hinter Imogens dichtem Schleier eine Erklärung für die Bedeutung derselben? Des Vertheidigers Lippen bebten, als er sich jetzt mit spöttischem Lächeln zu Ferris wandte: „Sie wollen beweisen, daß der Angeklagte erst um zehn Minuten vor zwölf Uhr das Haus der Frau Klemmens verlassen und doch um 1 Uhr 20 Minuten an der Station beim Steinbruch anlangen konnte— wollen es durch diese Zeugen beweisen?“ „Ja, um festzustellen, daß die Behauptung der Vertheidigung unhaltbar ist,“ war des Bezirksanwalts ruhige Erwiderung. „Ich wäre doch begierig zu hören, was Fräulein Dare über diesen Punkt auszusagen hat, den eine Dame unmöglich beurtheilen kann,“ rief Orkutt, seine starke Erregung gewaltsam bezwingend, in ironischem Ton.„Meine wieder aufgenommen worden. Der Preis der Kohlen steht wieder auf dem früheren Nivear. Die Nachfrage ist gering.— Die Zahl der in Folge des Streiks im Durhamer Revier in Nordengland während der letzten zehn Tage ausgeblasenen Schmelzösen beträgt vierundzwanzig. Schweden-Norwegen. Stockholm, 21. März. Seitens des Generalstabes und des zur Ausarbeitung einer neuen Heerordnung eingesetzten Comitées war die Einführung einer Wehrsteuer fur die vom Militärdienst Befreiten vorgeschlagen worden. Die zur Begutachtung dieser Frage aufgeforderten maßgebenden Faktoren können indeß eine solche Steuer nicht befürworten, da man glaubt, daß die aus der Einführung der Wehrsteuer sich ergebende Einnahme von 1 Million Kr. zu geringe Vortheile bietet neben den Schwierigkeiten, die bei gerechter Vertheilung der Steuer entstehen. Christiania, 21. März. Der Gesundheitszustand der Könizin hat sich verschlimmert; während der letzten Tage hat sie das Bett nicht verlassen können. Die Abreise des Königs und des Krouprinzen nach Stockholm, die gestern erfolgen sollte, ist vorläufig verschoben. Italien. Rom, 20. März. In den ersten beiden Monoten des laufenden Jahres war die Einfuhr um 14 Millionen geringer; die Ausfuhr um fast 26 Millionen höher, als im gleichen Zeitraume des Vorjahres. In offenbarem Aufschwunge befinden sich Wein, Oel und Rohseide. Der Gesammtverkehr in den ersten beiden Monaten d. I. betrug 300 Millionen, gegen 288 Millionen im Vorjahre. Der Bericht zum Entwurfe über die Anwendung der Weinclausel gegen Oesterreich schließt mit dem Hinweis auf den Beschluß des Parlamentsausschusses, daß die Clausel nicht angerufen werden und auf den Beschluß der königlichen Kommission, daß deren Anwendung den Verhandlungen mit Spanien und denjenigen Spaniens mit Frankreich untergeordnet werden solle. Der Eindruck hier ist, daß die Regierung von der Clausel vorläufig keinen Gebrauch machen möchte. Fpanien. Madrid, 20. März. Dem Vernehmen nach, sollen hier vorläufige Besprechungen über den Abschluß eines neuen französisch=spanischen Handelsvertrages eingeleitet worden sein. Hervien. Belgrad, 20. März. In Kreisen, welche der Regentschaft nahe stehen, verlautet mit Bestimmtheit, die Regentschaft werde die Sanktionirung des Gesetzentwurfs betreffend die Deklaration Milan's von gewissen, bei der zweiten Lesung vorzunehmenden Aenderungen abhängig rachen. Afrika. Mozambique, 19. März.(Meldung der Reuterschen Bureaus.) Hier eingegangene Nachrichten aus Quilimane besagen, sechstausend Neger, welche sich an den Ufern des Quilimane=Flusses gesammelt hatten, bedrohten die Stadt mit einem Angriff. Sämmtliche Einwohner der letzteren seien durch die portugiesischen Behörden, welche jeden Augenblick des Angriffs gewärtig seien, mit Waffen versehen worden. Der Gouverneur Lopez Andrade, der sich zur Zeit in Quilimane befindet, leite die zur Vertheidigung der Stadt erforderlichen Maßnahmen. Auf Anordnung des Gouverneurs geht das Kanonenbot„Liberal“ morgen mit hundert portugiesischen Soldaten an Bord nach dem Quilimane ab. Westfalen und Rheinland. O Witten, 21. März.(Die gestrige Volksversammlung) im großen Borgmann'schen Saale war eine sehr besuchte, aber auch sehr erregte. Die tumultarische Unruhe wurde namentlich von den Sozialdemokraten, die aus der ganzen Umgegend herbeibeordert waren, und deren Zahl wohl über 200 beiragen mochte, in Scene gesetzt. Wohl nicht der Gegenstand, der Volksschulgesetzentwurf, welcher hier zur Besprechung auf der Tagesordnung stand, sondern nur der von ihnen gefürchtete Name Iskcaut hatte sie so zahlreich auf der Bildfläche erscheinen lassen. Schon gleich bei der Eröffnung durch den Ehrenvorsitzenden des evang. Arbeitervereins Herrn Superintendent König, welcher hervorhob, daß nachdem dieser Gegenstand zuerst von der freisinnigen Partei durch Herrn Professor Bona=Meyer erörtert worden sei, er nun auch einmal vom positiv christlichen Standpunkte aus betrachtet werden solle— entstand ein solcher Tumult, daß Redner nicht weiter konnte. Erst durch ein auf Se. Majestät ausgebrachtes Hoch wurde die Ruhe wieder bergestellt. Nachdem sodann Herr Bürgermeister Dr. Haarmann die Parteigenossen der Nationalliberalen und Herr Buschhaus=Hagen die der Freisinnigen zur Ruhe ermahnt hatten, konnte Herr Gymnasialdirektor Dr. Göbel=Soest zu seinem Vortrage zum Wort kommen. Nachdem der Volksschulgesetzentwurf nebst seinem Einbringer bereits gefallen ist, lohnt es sich kaum der Mühe, auf die Ausführungen des Redners, die sehr sachlich gehalten waren, und in denen er die Gesetzmäßigkeit des Entwurfs nachwies, indem er der Verfassung vollständig entspreche, die 1. für jedes Kind genügenden Unterricht, 2. die Konfessionalität gewahrt verlange, 3. die Anstellung der Lehrer ordne, 4. Gründung von Privatschulen zulasse und 5. den Lehrern eine auskömmliche Besoldung sichere, einzugehen. Wenn Redner mit der Vorlage auch im großen und ganzen einverstanden war, so hatte er doch manches auszusetzen, was dringend eine Abänderung erheische; so verlangte er z. B. Einschränkung des Einspruches des kirchlichen Vertreters bei der Ausstellung. des Befähigungszeugnisses für den Religionsunterricht. Die gegenwärtige Bewegung werde nicht eher ruhen, bis die Volksschulfrage geregelt sei. Redner giebt sich der Hoffnung hin, daß dies im Sinne der Zedlitz'schen Vorlage geschieht. Der zweite Redner, Herr Pastor Iskraut=Bielefeld, von den Sozialdemokraten mit Pfeifen und dem Rufe„Spenge" begrüßt, erklärt, daß er, auf konservotivem Standpunkt stehend, mit geringen Ausnahmen für den Entwurf sei. Nur nach allgemeinen Gesichtspunkten beleuchtete er in redegewandter, treffender Sprache den Entwurf in seiner politischen und dann in seiner religiösen Bedeutung. Derselbe würde eine so große politische Bewegung nicht hervorgerufen haben, wenn er nur in sachlicher und nicht in so parteipolitischer Weise behandelt worden wäre. Im zweiten Theile seiner Ausführungen trat Redner mit Entschiedenheit für die konfessionelle Schule ein. Wenn der Entwurf durch das Wort des Kaisers, der nicht wünsche, daß er einer so großen Minorität gegenüber zum Gesetze werde, auch auf dem Papiere gefallen, so blieben doch die Gedanken, die in demselben festgelegt seien, und so werde bald ein neuer Entwurf in demselben Geiste vorgelegt werden. Redner wurde während seiner fast 1 stündigen Rede häufig, namentlich von den Sozialdemokraten unterbrochen, wußte sie aber immer schlagfertig zum Schweigen zu bringen. Am Schlusse wurde demselben von allen Seiten sturmischer Beifall gezollt.— In der nun folgenden Diskussion entgegnete Herr Pott namens der nationalliberalen Partei, dabet zugebend, daß auch er, soweit dies anginge, für die konfessionelle Schule eintrete. Herr Superintendant König bemerkt hierzu, daß er sich im ganzen den Ausfübrungen des Vorredners anschließen könne, da seine Resolution, welcher er am Schlusse der Versammlung zur Annahme empfehlen wolle, dahinginge, daß 1. der christliche konfessionelle Charakter der Volksschule gewahrt bleibe; 2. keine Anstellung eines Lehrers vorgesehen werde, welchem die Qualifikation zur Ertheilung des Religions=Unterrichts nach übereinstimmendem Urtheile der Prüfungskommission mangele, 3. die Aussicht der kirchlich Beauftragten über den Religionsunterricht zu Gunsten des freudigen Zusammenwirkens des Lehrers mit dem Geistlichen gestaltet werde; 4. die Zulassung des Privatschulwesens nicht in einer Weise ausgedehnt werde, welche die einheitliche Erziehung der Jugend in christlichem, sittlichem und vaterläudischem Geiste zu beeinträchtigen geeignet erscheinen könnte. Nachdem dann noch Herr Buschhaus für die sinnigen in die Bresche getreten, verlangte auch ein treter der Sozialdemokratie das Wort. Dies wourde ihm jedoch verweigert, da er keine Erklärung abgeben wollte, ob er auf christlichem Standpunkte stehe. Daher kam es wohl, daß man Herrn Dr. König, der nun auftrat, nicht zu Worte kommen ließ. Die Versammlung mußte daher vom Vorsitzenden zeschlossen werden, und konnte so die obige Resolution nicht zur Abstimmung gebracht werden. O Witten, 21. März.(Neander=Rezitation.) Der auf gestern Abend angesetzte religiöse Vortrag des fürstlichen Hofrezitators W. Neander=Hannover, hatte trotz der gleichzeitigen Versammlung im Borgmann'schen Saal eine recht zahlreiche Zuhörerschaft in den Saal des evangelischen Vereinshauses herangezogen. Die Versammlung lauschte andächtig dem mit bedeutenden Stimmmitteln ausgerüsteten Rezitator, der„das Leben Jesu von Nazareth“ in Liedern deutscher Dichter, wie Gerok, Sturm, Spitta u. a. mit verbindendem Bibelworte seinen Zuhörern in zu Herzen gehender Weise vor ihrer Seele vorübergehen ließ. Der dem Künstler voraufgegangene Ruf hat sich voll und ganz bestätigt. Die eingelegten Harmonium=Vorträge boten nicht allein wohlthuende Abwechslung, sondern versetzten auch in die nöthige Stimmung. Herren, ich ziehe den Einspruch zurück; lassen Sie die Zeugin vernehmen.“ „Er nahm, scheinbar völlig unbekümmert, seinen Sitz wieder ein; aber seine Blicke, die ruhelos von Imogen zu seinem Klienten hinüberschweiften, führten eine beredte Sprache. „Betrachten Sie einmal den Gefangenen," flüsterte Byrd seinem Kollegen zu.„Die Selbstbeherrschung, die er besitzt, grenzt ans Fabelhafte; er scheint nicht halb so erschüttert, wie Orkutt.“ „Aber seine Augen— sehen Sie nur diese Blicke— man meint, sie könnten durch ihren schwarzen Schleier dringen.“ „Er will endlich seinen Einfluß auf sie geltend machen.“ „Ja, aber die Zeit dazu ist vorüber.“ Als Ferris jetzt seine Aufforderung wiederholte, erhob sich Imogen langsam, wie im Traum; mechantsch löste sie den Schleier, zog ihn herab und trat vor die Geschworener hin. Was lag denn in den nun enthüllten Zügen, daß sich plötzlich eine so lautlose Stille über die ganze Versammlung breitet=? Die Leichenblässe ihres Antlitzes wurde durch das eng anschließende, tiefschwarze Kleid, welches sie trug, noch schärfer hervorgehoben. Jede Spur fieberhafter Erregung war von ihr erwichen, unbeweglich stand sie da, mit gesenkten Lidern. Eben noch waren die Augen der Menge voll herzloser Neugier auf sie gerichtet gewesen; jetzt fühlte sich jeder bei ihrem Anblick von Mitleid und Furcht bewegt. „Fräulein Dare," begann der Bezirksanwalt, sobald er seine Gefühle genügend bemeistert hatte,„wollen Sie uns noch angeben, wo Sie sich um die Mittagsstunde des Tages aufhielten, an dem Frau Klemmens ermordet wurde?“ Noch ehe die Zeugin die Lippen öffnete, war Orkutt ungestüm aufgesprungen,— entschlossen, vor der unbekannten Gefahr, die fast drohend nahte, auch keinen Fußbreit zurückzuweichen.„Die Frage ist völlig unzulässig bei dem jetzigen Stand der Gerichtsverhandlung,“ rief er in höchster Aufwallung;„sie steht in keinerlei Beziehung zu derselben, jedes Kind muß das einsehen.— Ich bitte, den hohen Gerichtshof, mir hierin beizupflichten.“ Für Orkutt stand alles auf dem Spiel, Leben und Liebe, Imogens Herz und Hand. Dieser so heiß begehrte Lohn sollte ihm jetzt durch ein unbedachtes Wort vielleicht auf immer entrissen werden. Nicht minder erregt als sein Vertheidiger zeigte sich auch der Gefangene, der jetzt zum ersten Mal, seitdem er vor dem Gerichtshof erschienen war, seine Gefühle nicht zu beherrschen vermochte. „Meine Herren,“ redete der Bezirksanwalt die Geschworenen an,„ich setze meine Ehre zum Pfande, daß. die Zeugin Kenntniß von einer Thatsache besitzt, durch welche die ganze Vertheidigung zu nichte gemacht wird. Wenn meine Fragestellung dem Herrn Rechtsanwalt mißfällt, so bin ich gern bereit, mich deutlicher auszudrücken; wir kommen dann vielleicht noch schneller an's Ziel.“ Er wandte sich an die Zeugin:„Sagen Sie uns, haben Sie den Angeklagten am Morgen der Mordthat später gesehen als zehn Minuten vor zwölf Uhr? Ja oder nein?“— Es war heraus. Was Ferris beabsichtigte, konnte niemand mehr verborgen sein und ein Murmeln der Ueberraschung lief durch die Menge. Orkutt, der, trotz seiner unbestimmten Befürchtungen, auf solchen vernichtenden Angriff nicht vorbereit war, sah mit starrem Blick bald den Angeklagten, bald Imogen an. Waren die beiden wirklich thöricht und vermessen genug gewesen, ihn hinsichtlich eines so wesenllichen Punktes im Dunkel zu lassen? Der bleiche Schrecken, der aus den Zügen des Gefangenen sprach, zeigte dem Vertheidiger nur zu deutlich, daß von der Antwort der Zeugin alles zu fürchten sei. Eben wollte er noch einen letzten Versuch wagen, um die sehr dringende Gefahr noch abzuwenden, als Imogen mit klarer, fester und volltönender Stimme zu reden begann: „Meine Herren,“ sagte sie,„wenn Sie mir erlauben, meinen kurzen B=richt ungehindert zu erstatten, so wird es mir vielleicht auch gelingen, alle Theile zu befriedigen.“ Der Blick, den sie Orkutt zuwarf, schien diesen zu beruhigen. Hatte er sich vielleicht unnöthige Sorge gemacht? Er nahm seinen Platz wieder ein, und Imogen sprach weiter, jedes Wort scharf betonend: „Herr Ferris hat zwei Fragen an mich gestellt. Ich ziehe vor, die erste zu beantworten: wo ich mich zu der Witten, 22. März.(Sammelbüchsen gestohlen.) Am Sonntag wurden in drei hiesigen Wirthschaften die vom Sammelverein dort aufgestellten Sammelbüchse gestohlen. Man fand die entleerten Büchsen gestern Morgen in der Kasino= und Ardeystraße und am Berg.= Märk. Bahnhofe. Die Wirthe mögen auf der Hut sein, da der Dieb sein unsauberes Handwerk fortsetzen dürfte. 8 Witten, 22. Marz.(Verhaftet.) Am Sonntag wurden in der Versammlung Lei Borgmann zwei Hauptschreier, eineTischler aus Heven und ein wandernder Schneidex aus Mainz, verhaftet und abgeführt., Witten, 22. März.(Militärtsches.) Am 31. März treten diejenigen Landwehrleute, welche im Jahre 1892 ihr 39. Lebensjahr vollendet haben, zum Landsturm über, ohne daß es hierüber einer besonderen Bescheinigung in ihren Militärpässen bedarf. Ausgenommen davon sind indessen diejenigen Landwehrleute, welche wegen KontcollEntziehung in eine jüngere Jahresllasse zurückversetzt wurden. Bei diesen verlängert sich die Zugehörigkeit zur Landwehr um die Zeit der Zurücksetzung. Bei den demnächstigen Frühjahrsversammlungen wird die Jahresklasse 1879, Eintrittsjahr, sowie die Jahresklasse 1884 zur Landwehr zweiten, resp. ersten Aufgebots übergeführt. Witten, 22. Febr.(Die in der Versäumniß der Zeitungsbestellung) beim Wechsel des Quartals macht den Postanstalten durch Nachlieferung der Blätter, die ost nicht mehr vorhanden sind, außerordentlich viel Mühe, wie sie für den Leser, der on seine Zeitung gewöhnt ist, die peinlichsten Verlegenheiten nach sich zieht. Man hat kaum eine Ahnung davon, wie mühselig der Quartalwechsel für die Postbeamten ist, und welchen großen Dienst man denselben, wie auch den ZeitungsHerausgebern leistet, wenn bereits 8 Tage vor dem Vierteljahrswechsel die Bestellung erfolgt. Die Post und die Zeitungen erinnern meistens schon 14 Tage zuvor an die Erneuerung des Abonnements. Das Reichspostamt hat bestimmt: Bei verspätet erfolgender Bestellung auf Zeit: ungen ist, wenn von dem Bezieher die Nacklieferung der für die Bezugszeit bereits erschienenen Nummern einer Zeitung gewünscht wird, für des an die Zeitungs VerlagsPostanstalt wegen der Nachlieferung abzulassende besondere Bestellschreiben das Porto von 10 Pfg. zu errichten. Ebenso ist, wenn die Bezieher von Zeitungen die noch: malige Lieferung von ihnen fehlenden Nummern der Zeitungen verlangen, für das dieserhalb an die VerlagsPostanstalt zu richtende postamtliche Schreiben das Porto von 110 Pfg. zu erlegen. Unsere Post=Abonnenten wollen deßhalb ihr Abonnement baldigst erneuern. Dortmund, 21. März.(Glücklich abgefaßt.) Der Kommis Albert Adelmann, welcher am verflossenen Mittwoch=Abend einen von der hiesigen westsälischen Eisen= und Metallgesellschaft an die Eisenbahn BetriebsKasse in Altena gerichteten Geldbrief mit 9500 Mark Inhalt unterschlug und damit durchbrannte, ist, wie wir hören, am gestrigen Morgen in Bremen, von wo aus er sich nach Amerika einzuschiffen im Begriff stand, gefaßt und festgenommen worden. Er wird bereits in den nächsten Tagen hierher transportirt werden. Lüdenscheid, 19. März.(Mordversuch.) Der Todtengrüber des hiesigen katholischen Friedhofes unterhielt mit einem jungen Mädchen ein Liebesverhältniß, welches die Letztere zu lösen versuchte. Von Eifersucht geplagt schoß der Todtengräber gestern Nachmittag aus einem Revolver mehrere Kugeln auf das Mädchen ab, welche zum Glück fehl gingen. Der Attentäter, welcher sich krampfhaft wehrte, wurde von 4 Polizisten überwältigt und bald darauf in das hiesige. Gefängniß eingeliefert. Lüdenscheid, 19. März.(Brandstiftung.) Ein hiesiger nicht ganz zurechnungsfähiger Uhrmacher äußerte heute Nachmittag, er wolle einmal den Stadtberg(eine der Stadt gehörende größere Waldung) anstecken, um zu sehen, wie schnell es brenne und wie schnell die Feuerwehr bei der Hand sei. Das wahnwitzige Vorhaben wurde ausgeführt. Die Feuerwehr war allerdings schnell zur Hand, ebenso schnell aber auch die Polizei, welche den Brandstifter hinter Schloß und Riegel brachte. Ein größerer Schaden ist zum Glück durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr verhutet worden. Barmen, 21. März.(Elektrische Betriebsanluge.) Hier hat sich die Barmer Bergbahn=AktienGesellschaft mit einem Kapital von 900000 Mark gebildet zum Zweck des Baues einer elektrischen Zahnradbohn von Barmen nach dem Luftkurort am Töllethurm hinauf und weiter nach Ronsdorf. Aus der elektrischen Centralstation für die Bergbahn sollen zugleich elektrische Straßenbahnen in der Stadt Barmen betrieben werden. Elberfeld, 20. März.(Ueberfahren.) Am Freitag Abend wurde auf der unteren Königsstraße ein Arbetter der Pferdebahn von einem Bäckerwagen überfahren. Der Arbeiter, ein Schienenreiniger, ging auf der rechten Seite dem Geleise entlung, hinter ihm nahte ein Bäckerwagen heran; auf das Peitschenknallen des Leiters desselben wollte er nun lins ausweichen, während das Zeit aufhielt, als Frau Klemmens ermordet wurde? Sie hielt inne und rang nach Atem.„Ich will Ihnen die Wahrheit nicht länger verbergen: ich war bei Frau Klemmens selbst, in ihrem Hause.“ Wäre ein Blitzstrahl aus blauer Luft vor dem Bezirksanwalt niedergefahren, es hätte ihm nicht unerwarteter treffen können als dieses seltsame Bekenntniß, während er auf eine ganz andere Aussage gefaßt war. „In Frau Klemmens Haus?" wiederholte er unter dem aufgeregten Gemurmel vieler hundert Stimmen. „Habe ich recht gehört?“— Sie lächelte kühl und überlegen, sie wußte, Ferris war machtlos ihr gegenüber.„Ja,“ sagte sie fest,„ich versichere bei meinem Eide, daß ich mich an dem Tage und zu der Stunde als Frau Klemmens ermordet wurde, bei ihr im Hause, in ihrem Eßzimmer befand. Ich hatte mich heimlich dorthin begeben,“ fuhr sie, um jede Einrede abzuschneiden, mit fieberhafter Eile fort.„Als ich an jenem Morgen allein im Turmzimmer von Professor Darlings Villa saß, die unweit des Waldes am Ende der Sommerstraße liegt, war mir plötzlich der Gedanke gekommen, sofort Frau Klemmens aufzusuchen, um den versprochenen Versuch zu machen, sie zu Gunsten ihres— ihres— des Gefangenen umzustimmen. Ich schlich mich die Treppe hinab, erreichte den Wald, ohne bemeckt worden zu sein und konnte mich so dem Hause der Wittwe von der Rückseite nähern. Gegen Mittag langte ich dort an; ich fand Frau Klemmens allein im Hause— wenn noch jemand bei ihr gewesen war, so hatte er sich bereits entfernt— sie war gerade damit beschäftigt, ihre Uhr zu stellen————“ Warum hielt denn die Zeugin plötzjich inne? Ferris hatte keinen Laut von sich gegeben. die Ueberraschung fesselte ihm die Zunge. Orkutt saß da wie gelähmt, sein Denken, Fühlen, das Leben schien in ihm stillzustelen; er starrte Imogen versteinert an und las das Schreckliche, das da kommen sollte, in ihren verzerrten Meienen. Aber nicht auf ihn war ihr Blick gerichtet, sondern auf den Gefangenen, den plötzlich die bisher so streng bewahrte Fassung und Zurückhaltung verließ. Mansell war aufgesprungen, mit Gefährt sich nach rechts wandte. Zu seinem Unglück ber sann er sich aber im letzten Augenblick eines anderen, sprang nach rechts und kam nun leider unter den Wagen. Die Räder gingen dem Aermsten über den Kopf, und der Unglückliche wurde so schwer verletzt, daß er bis gestern Abend nicht vernehmungsfähig war. Der Arbeiter, ein verheiratheter Mann, wurde ins städtische Krankenhaus geschofft.„ g. 46 Mettmann, 20. Marz.(Ein gräßlicher Unalücksfal!) ereignete sich in einem Steinbruche bei Dornap. Ein Arbeiter hatte einen Sprengschuß gelegt, dessen Explosion sich etwas verzögerte. Als der Arbeiter nun nach der Ursache forschen wollte und näher an die Schußstelle heranging, explodirte die Ladung. Der Unvorsichtige wurde neit weggeschleudert und ihm ein Arm total vom Leibe gerissen, außerdem war das ganze Gesicht schrecklich entstellt. Kaum dem Krankenhause zugeführt, starb der Mann daselbst unter den fürchte rlichsten Schmerzen. Düsseldorf, 19. März.(Todesfall.) C. F. Deiker ist heute uach kurzem Kranksein an den Folgen eines Schlaganfalles gestorben. Der nunmehr Heimgegangene war geboren im Jahre 1836 zu Wetzlar, wo er den ersten Unterricht in der Kunst von seinem Vater und seinem noch unter uns schaffenden Bruder, Johann Teiker, erhielt. Nachdem er vorher die Akademie in Karlsrube besuchte, kam C. F. Deiker im Jahre 1864 nach Düsseldorf und entfaltete nunmehr diejenige künstlerische Thätigkeit, die seinen Namen so berühmt gemacht hat. Deiker war einer der berufensten Schilderer der Individualität der Thiere. Ob er nun einen Hirsch, einen staatlichen Eber, einen Fuchs oder einen Hund auf die Leinwand brachte, überall fand man die mit gleicher Genialität aufgefaßte und wiedergegebene Charakteristik des betreffenden Thieres. Deiker war ein meisterhafter Zeichner, ein Maler von hervorragendem Farbensinn, kurz, ein Künstler von Gottes Gnaden. Sein Hauptbild, Sauhatz, befindet sich im Besitze des Kölner Museums; vor kurzem hat die städtische Gallerie in Düsseldorf ein ebenfalls zu seinen besten Werken gehörendes Bild: Kämpfende Karrenhunde, angekauft. Deiker war ein großer Künstler und ein guter, gemüthvoller Mensch. Düsseldorf, 20. März.(Zur Sontagsruhe.) Auf eine von dem hiesigen Regierungspräsidenten angestellte Umfrage, inwieweit bei den Gas= und Wasserwerken Ausnahmen in Bezug auf die Sonntagsruhe zu gestatten seien, hat bezüglich der mit industriellen Werken verbundenen derartigen Anstalten der„Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen", in Ueberelnstimmung mit der „Nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisenund Stahlindustrieller“ und dem„Verein deutscher Eisenhütteuleute“, Nachstehendes geantwortet:„Der Betrieb der zu den industriellen Werken gehörigen Gas= und Wasserwerke kann Sonntags nicht unterbrochen werden, soweit dies die Arbeit betrifft: in den Retortenhäusern, dem Reinigungshause der Gasfabrik, den Gasvertheilungsanlagen, der Ammoniaksalzfabrik, den Wasserpumpwerken und den Wasservertheilungs Anlagen, auch das Anzünden und Auslöschen der Beleuchtungs=Anlagen außerhalb der Gebäude. Die zu den Werken gehörigen elektrischen Beleuchtungsanlagen können gleichfalls naturgemäß Sonntags keine Unterbrechung erleiden. Wie in den Sonnund Feiertagsnächten, selbst wenn nicht gearbeitet wird, die Beleuchtung behufs nächtlicher Bewachung und Beaufsichtigung nicht entbehrt werden kann, müssen auch die Pumpwerke für Wasserzirkulation in den Rohrleitungen, Speisung der Kessel, Vollhalten des Hochreservoirs für den Fall etwa ausbrechender Feuersbrünste im Betriebe bleiben und es muß gestattet werden, die Reparaturwerkstätten für unvorhergesehene Fölle, welche ganz geringe, aber auch umfangreichere Arbeiten erfordern können, an Sonn= und Feiertagen in Betrieb setzen zu dürfen. Düsseldorf, 20. März.(Bismarcks= Geburtstagsfeier.) Die hiesige Vereinigung der Mittelparteien wird Bismarcks=Geburtstag mit einem Festbankett in sämmtlichen Sälen der städtischen Tonhalle begehen. Duisburg, 20. März.(Der bei dem Unglück auf dem Schleppschraubendampfer„Heinrich“) schwer verletzte Heizer Bormann aus Rotterdam ist gestern Abend gegen 6 Uhr im hiesigen St. Villcenz= Krankenhause, wohin der schrecklich zugerichtete Mann geschafft wurde, seinen Brandwunden erlegen. Außer dem Tode dieses Verunglückten ist nun noch mitzutheilen, daß dieses bedauernswerthe Ereigniß im Ganzen sieben Opfer gefordert hat, denn auf dem Schiffe waren zur Zeit des Unglückes neun Personen anwesend, von denen nur der Steuermann Giese und der Schiffsjunge Heckmann(ein Verwandter des Kapttäns) unbeschädigt blieben. Die Liste der Verunglückten(Todten) stellt sich nun so: Maschinenbauer W. Schmitz aus Homberg, Wirth W. Buchloh aus Ruhrort, Kapstän Heckmann aus Homberg, Maschinisten Alefs und Weimann(beide ebenfalls aus Homerhobener Hand stand er da, ihr einen herrischen Befehl zuwinkend. Schon war er wieder auf seinen Platz zurückgesunken, das Auge des Richters hatte ihn getroffen. Aber das Zeichen war gegeben, man erwartete Imogen schwanken, ihren Muth gebrochen zu sehen. Sie aber ließ sich in ihrem Vorsatz nicht irren; mochte die plötzliche Gefühlsäußerung Mansells sie auch tief erschüttert haben, sie schwieg nicht, wie er verlangte. Mit seltsamem, der Erde entrücktem Ausdruck wandte sie sich von ihm ab und den Geschworenen zu. „Wie ich schon sagte,“ fuhr sie entschlossen fort, „Frau Klemmens war dabei, ihre Uhr aufzuziehen. Als sie mich bemerkte, trat sie auf mich zu und es entspann sich zwischen uns ein kurzes, aber zorniges Zwiegespräch. Sie war entrüstet darüber, daß ich sie aufgesucht hatte. Mein Interesse für ihren Neffen mißbilligte sie im höchsten Grade. Aufs äußerste gereizt und empört über ihre Worte, wollte ich mich entfernen— doch kehrte ich wieder zurück. Sie stand mit dem Gesicht nach der Uhr und schten meine Gegenwart nicht mehr zu beachten. Da kam es über mich— ich weiß nicht, war es Liebe oder Haß, was mich von Sinnen brachte— aber——“ Sie brauchte nicht weiter zu sprechen; ihre Haltung und Geberde war beredter als Worte. Ferris, Orkutt, sämmtliche Zuhörer, die gespannt an ihrem Munde gehangen hatten, wurden plötzlich inne, daß sie keine Anklage gegen den Gefangenen aussprach, sondern sich selbst anschuldigte. Bis zum Wahnsinn getrieben, vor die furchtbare Wahl gestellt, ihren Geliebten dem Untergang zu weihen, oder sich selbst zu opfern, hatte sie zu dem verzweifelten Mittel gegriffen, sich hier, vor Richter und Geschworenen als die Mörderin der Frau Klemmens zu bekennen.(Fortsetzung folgt.) Kleine Mittheilungen. Wie man in Serbien Durchgänger faßt. En Angestellter des Düsseldorfer Bankvereins hatte einen Check der Bank einkassiert und brannte mit den behobenen 9000 Mk. durch. Der junge Mann, ein gewisser Wilhelm Kreuzer, begab sich zuerst nach Berlin, wo er in Gesellschaft lustiger junger Damen einige hundert berg), Matrose Bernhard(?) aus Gindrich bei Wesel und Heizer Bormann(oder Borsmann) aus Holland. Der vorgenannte Matrose Bernhard war erst vor Kurzem auf das Schiff gekommen, sein Familienname konnte durch die jetzige Untersuchung noch nicht festgestellt werden. Aus den Ergebrissen der gestern auf dem„Heinrich“ stattgehabten Untersuchungen kann nach dem, was die „Rhein= und Ruhrztg. darüber vernommen hat, nun festgestellt werden, daß nicht eine Kesselexplosion die Ursache des Unglückes war, sondern daß von dem einen Schieberkasten der Deckel abgesprengt worden ist und so der Dampf in den Schiffraum strömte, welcher die Verunglückten tödtete. Von diesen lagen mehrere auf dem Gesicht, woraus geschlossen wird, daß sie auf diese Art sich noch vor der Verbrühung zu retten suchten. Von Augenzeugen ist über den Hergang des Unglücks nur sehr wenig zu erfahren gewesen. Der Steuermann und der Schiffsjunge konnte nur aussagen, daß sie einen Knall gehört und, als sie sich umsahen, gesehen haben, wie der Kapitän aus der Luke kam, um das über Deck befindliche Ventil zuzudrehen(den Dampf abzusperren). Auch der im Hospital gestorbene Heizer konnte beim Versuch seiner Vernehmung noch einige Antwort geben, aber nichts erklärer, als: auf einmal kam der Dampf.— Hiernach, sowie nach dem Befund und nach der Vorgeschichte, läßt sich nun folgende Erklärung bilden: Das Schraubenschleppboot„Heinrich“ ist in Holland(Rotterdam) gebaut; auch die Maschine ist holländischen Ursprungs. Im Betrieb stellten sich Störungen an der Maschine heraus und deshalb wurde die Reparatur durch Schmitz Söhne zu Homburg in Anspruch genommen. Der eigentliche Fehler, der in den Maschinentheilen zwischen Kessel und Schieberkasten störte, scheint nicht recht verbesserlich gewesen zu sein, denn es zeigte sich bei der Probefahrt, daß er noch nicht beseitigt war, der Daiapf kam nicht mit regelrechtem Druck, sondern oft mit Stoß in den Schieberkaster, und die Gewalt eines solchen Stoßes dürfte den Deckel abgesprengt haben, wodurch das Anglück in die Erscheinung trat. Sterkrade, 19. März.(Grobe Ausschreitungen) Von gestern Nachmittag bis zum Abend war es wieder einmal recht gemüthlich zwischen hier und Oberhausen. Gegen 7 Uhr wurde unsere Gendarmerie benachrichtigt, daß junge Leute das Haus des Forstarbeiters Wanders demolierten. Beim Eintreffen der Beamten fanden dieselben die innere Einrichtung vollständig zerstört; die Thäter waren jedoch verschwunden, wurden aber bald darauf in der zwischen hier und Oberhausen liegenden Wirthschaft K. angetroffen. Als zur Verhaftung geschritten werden sollte, lettteten die Radaubrüder den Gendarmen Leusenthin und Moudring energischen Widerstand, doch nur für kurze Zelt, dann ging es als„geschlossene Gesellschaft" nach Sterkrade. * Bottrop, 20. März.(Diebiches Schulmädchen.) Im Ladenlokale eines hiesigen Kaufmannes entwendete ein neunjähriges Mädchen einer fast ebenso alten Mitschülerin das auf der Theke niedergelegte Portemonnate. Angestellte Recherchen ließen das Geldtäschchen in dem gefrorenen Abtritt wiederfinden. Es fehlten nur wenige Pfennige, die das Kind vernascht hatte. Eine vorherige Untersuchung der Taschen hatte keinen Erfolg gehabt, da das schlaue Mädchen das Täschchen im Strumpf verborgen hatte. Koblenz, 20. März.(Der Rheinwasserstand) hatte heute Mittag die Höhe von 250 Meter erreicht, blieb unverändert bis Abends 6 Uhr und fing von da an langsam zu fallen. Durch das Anschwellen der Mosel ist dieselbe in ihrer ganzen Strombreite mit einer trüben Färbung versehen und hat eine starke Strömung, dieselbe fließt bei der Ausmündung in den still dahinfließenden grünen Rhein, wes sich namentlich im Sonnenschein durch die rothgrüne Fürbung sehr schön ausnimmt. Koblenz, 21. März.(Sensationelles Ereigniß.) Ein Offizier erstach diese Nacht auf der Rheinstraße den Kaufmann W., nachdem ein Wortwechsel voraufgegangen, der dadurch entstand, daß der Offizier angenominen hatte, eine Bemerkung Ws. habe sich auf ihn bezogen. W. floh nach erhaltener Verwundung in eine Wirthschaft, starb jedoch, trotz herbeigeeilter ärztlicher Hülfe nach wenigen Minuten. Der Offizier stellte sich der Behörde. Dudweiler, 20. März.(Tod in geschmolzenem Glas.) Auf der Marienthaler Glashütte bei Schnappach hat sich ein gräßlicher Unglücksfall zugetragen. Um eine schadhaft gewordene Glaswanne auszubessern, wurde das darin befindliche Glas in ein in dem Hofe gelegenes Bassin geleitet. Damit das Glas nicht zu kompakt wurde, war dieses Bessin mit Wasser argefüllt, das durch das glühende Glas auf Siedehitze gebracht wurde, wobei sich ein dichter Dampf entwickelte. In diesem Augenblicke wollte der 17jährige Arbeiter Mohr an dem Bassin vorübergehen, that aber einen Fehltritt und fiel in die lavaähnliche Masse. Der in der Nähe stehende Wächter hörte einen kurzen Hülfeschrei, konnte aber nichts sehen. Gegen Mark durchbrachte. Von hier fuhr er nach Wien, Triest, Venedig, Rom, Neapel, ging dann nochmals nach Wien und kam schließlich über Budapesth nach Belgrad, mit der Absicht, sich nach Konstantinopel zu begeben. Er war bisher den Händen der Behörden entkommen. Jetzt aber war sein Glücksstern im Erbleichen. Gemüthlich saß er in der Bahnhofs=Restauration beim Mittagsmahle, als sein Verhängniß in der Person des Belgrader Polizeichefs Milun Tatarowitsch erschien, welcher einen jungen Serben suchle, der seinen Eltern durchgegangen war. Wilhelm Kreuzer fiel dem gestrengen Poltzeichef auf.„Wer und was sind Sie, mein Herr? Haben Sie einen Paß.“—„Max Müller aus Cleve, Kaufmann, habe keinen Paß.“—„So? Mit ins Bureau!“— Im Bureau des Polizei Kommisiars entspann sich, wie uns geschrieben wird, folgender Dialog:„Sie haben ein Geheimniß, mein Herr! Gestehen Sie! Wer sind Sie?“ — Wilhelm Kreuzer(nach längerem Seelenkampfe): „Der. den Sie suchen!“— Milan(leise):„Den ich suche?— Ich suche einen Serben und keinen Deutschen.“ (Laut):„So also, Sie sind es! Ich dachte mir's gleich. Wie kann man so etwas anstellen, junger Mann! Bitte, erzählen Sie mir doch alles haarklein! Beichten Sie!" Wilhelm Kreuzer berichtet alles. Da man einen großen Theil des Geldes bei ihm noch vorfand, erleidet der Bank=Verein in Düsseldorf nur einen geringen Schaden. Die deutsche Gesandtschaft in Belgrad wurde sofort von dem Vorfall in Kenntniß gesetzt. Dieselbe hat beim Berliner Auswärtigen Amte erwirkt, daß Herrn Milan Tatarowitsch eine Prämie von 600 Mk. ausbezahlt werde,— weil es das erste Mal war, daß die serbische Polizei einen Durchbrenner erwischt hat, und Geschicklichkeit muß belohnt werden. * Zweifelhaftes Kompliment. Sarah Felix, die Schwester der berühmten Tragödin Rachel, war ebenso stark, als Rachel schlank und mager war. Sarah sollte in einem Theaterstück die Rolle einer Schäferin spielen; sie gefiel sich außerordentlich in dem zierlichen Kostüm und war eben mit ihrem Anzug fertig, als ihre Schwester zur Thür hereintrat.„Nun, wie gefalle ich Dir?“ fragte Sarah selbstzufrieden.—„Liebe Sarah,“ antwortete die Tragsdin lachend,„Du siehs aus wie eine Schäferin, die eben ihre ganze Herde zum Mittagessen verspeist hat.“ Aha!„Da Sie meine Tochter zu heirathen wünschen, Herr Lieutenant, bitte ich Sie, mir zu sagen, ob Sie denn auch eine Familie ernähren können?“—„Hm, das würde gan, auf Sie ankommen, Herr Kommerzienrath!“ Der kluge Haus. Hans:„Wir spielen heute Theater, Mama, den„Mohren von Venedig", dürfen wir?“— Mutter:„Gewiß Junge!“— Hans:„Nicht wahr, Mama, dann braucht mich auch das Mädchen nicht zu waschen!“ 9 Uhr Abends hatte sich der Dampf verzogen, und nun fand man den so schrecklichen Verunglückten. Der verkohlte Köcper steht aufrecht in der bereits fest gewordenen, aber noch nicht gänzlich erkalteten Glasmasse. Eist wenn diese völlig ausgekühlt ist, kann der Leichnam herausgemeißelt werden. Die Geschichte klingt in der Tyat gräßlich— vorausgesetzt, daß sie wirklich wahr ist. Nachrichten. Die Telegraphie begeht heute am 22. März, ein wichtiges Jubiläum, indem vor 100 Jahren an demselben Tage Claude Chappe in Paris dem gesetzgebenden Körper die Beschreibung seines optischen Apparates vorlegte. Dieser erste Telegraph bestand aus drei Armen, welche durch die Veränderung ihrer Stellung zu einander einander eine sehr große Zahl von Zeichen zu geben vermochten. Obwohl nun schon im folgenden Jahre die Linie von Paris nach Lyon mit 20 Stationen gebaut wurde, dauerte es doch sehr lange, bis in anderen Ländern die wichtige Erfindung sich einbürgerte. In Berlin benutzte man den optischen Telegraphen erst 1832 zu einer Verbindung für Staatsdepeschen nach dem Rhein, wobei die Richtung über Köln nach Koblenz gewählt wurde. Für die hier verfolgten Zwecke wurde der Watsonsche sechsarmige Telegraph mit Verbesserungen von Pistor angewendet, welcher auch die sämmtlichen Telegraphen für die ganze Strecke in der Maschinenfabrik von I. Freund anfertigte. Die Stationshäuser wurden durch Ingenieuroffiziere gebaut und mit den älteren Militärs vesetzt, welche sich noch im Laufe desselben Jahres auf der Strecke Berlin=Magdeburg einüben konnten. Angewandt wurde das verbesserte O'Etzelsche Signalsystem, dessen Zeichen vermittels scharfer Fernröhre aus den Ateliers von Pistor in Berlin und von Fraunhofer in München gelesen wurden. Im Herbste 1833 konnte schon nach dem Rhein telegraphiert werden. Die Station befand sich in Berlin auf der alten Sternwarte, in Potsdam auf dem Telegraphenberg, in Köln auf dem alten Kirchthurm von S. Pantaleon. Redeblüten aus Berliner Velksversammlungen der letzten Zeit hat die„Tägl. Rundschau" zusammengestellt.„Wir müssen die indirekte Steuer auf das Entschiedenste bekämpfen!“ rief ein Vortragender hitzig in die Versammlung hinein,„sie ist der Vamphyr, der sich von unserem Schweiß fett frißt und unseren Kindern das Brot vor der Nase wegstiehlt.“— Ein sozialistischer Redner sagte in seinem Vortrag:„Sie sehen also, daß die Bedurfnißlosigkeit ein Fluch ist. Der Italiener arbeitet nicht viel, weil er keine Bedürfnisse hat. Er legt sich unter einen Makkaronibaum und läßt sich die reife Frucht in den Mund fallen.“—„Die Religion“, sagte ein Vertheidiger des Volksschulgesetzes,„ist die eigentliche Grundlage unseres Wissens. Ohne sie wüßten wir nicht einmal, daß die Welt erschaffen worden ist.—„Wenn die Regierung uns nach und nach alle Freiheit entziehen will," sagt ein anderer Redner,„so kommt sie mir vor, wie jener Mann, der einen Hering allmählich vom Gebrauch des Wasserß entwöhnen wollte und der dann, als er in einen Fluß fiel, elend ertrank. weil er das Schwimmen verlernt hatte.“ Das hübsche Bild fand lebhaften Beifall.—„Meine Herren,“ sagte ein bejahrter Handwerker, „eine gelehrte Rede kann ich nicht halten, von Phrasen der Neuzeit, verstehe ich nichts, ich spreche sozusagen nach der alten Orhographie...“—„Nach diesem interessanten Vortrag,“ sagte der betreffende Vorsitzende,„schließe ich hiermit die Versammlung und bitte die Anwesenten, sich zum Dank dafür von den Sitzen zu erleben. Literatur. Wissenschaft und Unterhaltung. Unter diesem Titel erscheint im Verlage und unter der Redaktion von Karl Bugdorf in Leipzig ein neues, ganz eigenartiges litterarisches Unternehmen, welches seinen Leserkreis vornehmlich in der höher gebildeten deutschen Jugend sucht. So empfänglich das Herz des Jünglings für alles Gute und Schöne ist, so wenig wählerisch ist er oft in der Zusammenstellung seiner Lektüre. Hierin nun Abhülfe zu schaffen, ist der Zweck genannten Unternehmens. Dasselbe will den Schülern, mögen sie nun das Gymnasium, Realgymnasium oder eine höhere Bürgerschule besuchen, in den Mußestunden passenden Unterhaltungsstoff an die Hand geben, Ernstes und Heiteres vereinen und zugleich, soweit dies ohne Gefährdung der Jugend selbst geschehen kann, ihr einen Einblick in die die wart bewegenden Fragen— in die modernen Lebens verschaffen. Heinrich Bu##— tor, Eckstein, Ebers, Rohlfs, Hellwald u. v. a. sind als Mitarbeiter gewonnen, und schon der Klang dieser Namen verbürgt den Werth der neuen Jugendzeitschrift, die zugleich im besten Sinne des Wortes ein deutsches Haus= und Familienblatt zu werden bestimmt ist. Der viertellährliche Preis beträgt nur 1 M. 30 Pfg., und monatlich erscheinen 2 sehr gut ausgestattete, auch mit treflichen Illustrationen versedene Hefte. Telegraphische Depeschen. Berlin, 22. März. Die„Nationalzeitung" erfährt, der Justizminister habe Anweisung gegeben, daß in Zukunft Seitens der Staatsanwälte die Anklagen wegen Majestätsbeleidigung gegen die Presse nur noch nach Genehmigung des Ministers erhoben werden sollen. GegenInteressen des #ulthaupt, AmynMarkt- und Coursberichte. # Essen 21. März.(Börsenbericht.) Besuch: stark. Preisrichtung: flauer. Umsätze: schwach. Weizen inländ. 20.75 bis 21,75 M., Weizen fremder 20.75 bis 23.25 M., Roggen trländ. 19.75 bis 20,75 M., Roggen fremder 20.50 bis 24,75 M., Hafer inländischer 15,00 bis 16,00, Hofer fremder 16,00 bis 18,00 M., Futtergerste 14,00 bis 16,00 M., Mais 00,00 bis 00,00 M., Weizenvorschuß 29,00 bis 29.50 M., Roggenvorschuß 31.00 bis 32,00 M., Weizenkleie 10,50 bis 11,00 M., Rüböl(inkl. Faß) 00,00 bis 00.00 Mark. Alles per 100 Kilogr. frachtfrei Essen, exklusive Sack bei Abnahme von Doppelladungen. * Neuß, 21. März.(Fruchtmarkt.) Weizen, neuer 1. Qual. 22,.00, 2. 21,00 M., Landroggen neuer 1. Qual. 19.80, 2. 18.30 M., Buchweizen 90.00, Hofer—, neuer bis 13.80 M., Raps 1. Qual. 00,00, 2. 00,00 Mk., Aveel (Rübsen) 00,00 M., Kartoffeln 9,00 M., Rüböl 57.00 M. dito faßwreise 58,50 M., Gereinigtes Oel 60,00 M. für 100 Kilogr., Heu 42,00 M., Stroh 2400 M. für 500 Kilo. Preßkuchen 122,00 M. für 1000 Kllog. Kleie 6,00 M. für 50 Kilogr. Berlin, 21. März, 2½ Uhr Nachm.(Fruchtbörse.) Weizen April=Mai 191,50, Mai=Juni 193.50, Juni=Juli 195.25 Mark.— Roggen April=Mai 201,25. Mai=Juni 201 00. Juni=Juli 197.50 Mark.— Hafer April=Mai 149.25, Mai=Juni 150.25, Juni Juli 151,25 Mark.— Rüböl vorräthig mit Faß 53.00, ohne Faß 52.00, AprilMai 52,10, Septbr.=Oktbr. 52,50 Mark.— Spiritus 70er vorräthig 41,90, April=Mai 41,90, Juni Juli 42,40, Juli= Aug 43.10, August=Septbr. 43,10 Mark. 50er vorräthig 61,40 Mark.— Petroleum vorräthig 23.50 Mark.— Roggenmehl 0!1 März 27.40, April=Mai 27.40 Mark. Bremen, 21. März. Petroieum vortäthig matt, 6.20 Brief. Antwerpen, 21. März. Petroleum fest, vorr14½ März 14½, April 14, Sept.=Dez. 14½ Frcs. Glasgow, 21. März. Roheisen, Warrants 419 nom. Danksagung. Allen denen, die meinem verstorbenen Gatten, unserm guten Vater die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir hiermit unsern herzlichsten Dank. Die trauernden Hinter: bliebenen. Wwe. H. Siepermann und Kinder. Bekanntmachung. Der mittlere Theil der Kesselstraße hierselbst ist wegen Ausführung von Canalisirungs=Arbeiten vom 21. bis zum 24. d. M. für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Witten, den 18. März 1892 Die Polizeiverwaltung. Foerst. Gartenland. Im Auftrage des Gutsbesitzers Herrn H. Schulte=Wullen zu Wullen werde ich am Mittwoch, den 23. d. Mts., Nachmittags 3½ Uhr, bei dem Wirthe Herrn I. Fuchs von dem Grundstücke an der Krummestraße kleinere Parzellen zu Gartenland auf mehrere Jahre verpachten. Witten, 19. März 1892. Suomission. Der Abtrag, die Ausschachtung und Abfuhr von 3030 chm Mutter= u. Lehmboden bei der Baustelle des projektirten Hauptgebäudes des evang. Diakonissenhauses hierselbst soll im Wege der Submission vergeben werden. Schriftliche Angebote sind bis zum 1. April cr., Vormittags 11 Uhr, im Büreau des Unterzeichneten abzugeben, woselbst auch die Eröffnung der Offerten im Beisein der etwa erschienenen Submittenten erfolgt. Witten, den 16. März 1892. Däche, Architekt. 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Meldungen zur Theilnahme an dem Kursus werden von dem Leiter desselben, Herrn Fr. Kohlhaas, geprüftem Lehrer der Stenographie, Ruhrstraße 34, entgegengenommen. Außerdem liegt eine Liste zur gefl. Einzeichnung im Vereinslokale bei Herrn Borgmann, Ruhrstraße, offen. Der Vorstand. Abonnements=Einladung auf die Neue Deutsche Zeitung Neu! Neu! Neu! Singpiston, Neues Musik=Instrument zur Begleitung eines jeden Instrumentes, in 10 Minuten zu erlernen. Versandt per Nachnahme per Stück zu Mk. 3.60. Hermann Geus, Singpiston=Geschäft Wald, Rheinl., Scheuer Nr. 7. Algäner Tafel=Butter, hochfeinst, täglich frisch, Postkolli 9½ Pfund M. 11.—. Bei Wochenbezug billiger. Ia. Rahmkäse, vollfett. Kempten, Bayern. An Unbekannte geg. Nachnahme. Kasseler Hafer-Cacao empfohlen von allen Aerzten. Niederlage in Witten bei: Fritz Brodt. 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Für solitischen Tagesgest beweist damit selbs Wunsch hat, nochm ##treten, in der vir iber auch unendlie fringt. Beides ha vollsten Maße emp dauer seiner Amtsp Ruhm und Ehre ge eren Noth und lleußerungen bekann sicher anzunehmen is lücktritt aus seinem dem Regierungsantri em er als Staatsn geben heute die gesa in das gefunden h# Mann, der im Gebiretene Pfade verlie schlug, der das Gi sein Vaterland, doc nessen. Der alte? Niemandem angefock benso einfach, n Realpolitiker gewest Dinge genommen, und nicht, wie sie charfen Blick, welchdiele Aeußerlichkeiten Grund sah, den Ker eine Ueberlegenheit lomatie. Als Bism eit eine Politik triel igen Personen nu purde und an der Kavoleon verzweisel! er Diplomat war, ich hier um etwas sandelte. Fürst Bisn sarüber im Zweifel on 1866 ihm leicht Nach 1866 gab es Pas erst 1870/71 Deuschlands, das h rößerem oder gering lber dann wäre eine ermeidlich gewesen, er früher oder spi sesen wäre, hätte d ung nehmen können bismarck größter R krfolge blenden un ie nach 1870/71, 1 nd vermied den Z hlag zur Folge h Perk der Bismarcks )reibund, bildet sein ir das deutsche Vo iediiebenden Natior inerlei Meinungsve Angenheit, nach die harakters kann fü ennender Wunsch finden noch im he egierung zu führer ment des Fürsten nem Rücktritt für In, allein, da er ste shen zu rechnen, u sch ein Befreunden lange auf sich wi elfach noch der siederbegegnung zu sirsten Bismarck ke — —